* Erscheint täglich. Bezugspreis monatlich durch Boten 2.10 Mk., durch die Post 2,20 Mk.(ohne Bestellgeld). Schriftleitung und Geschäftsstelle in Ahaus: van=Delden=Straße 8. Telegr.Adresse: Kreiszeitung Ahaus i. W. Fernruf Nr. 450. Postschließfach 65. Postscheck=Konto: Hannover 22789. Amtliches Orgon für den Kreis Rhaus. 54. Geschäftsstelle in Gronau: Gebr. Lensing, Verlagsanstalt GmbH., Bahnhofstraße 2, Fernsprecher Nr. 260. Bankkonten: Kreis= und Stadtsparkasse Ahaus, Gewerbebank Ahaus und Städt. Sparkasse Gronau i. W. Anzeigenpreise: das 1spaltige Millimeter für die Zenozeitung 10 Pfg., für die Kreiszeitung für den Kreis Ahaus 3 Pfennig. Rabatt nach Tarif. Verlag: Gebr. Lensing, Verlagsanstalt G. m. b. H., Zweigniederlassung Ahaus. Nummer 184 Samstag, den 7. Juli 1934 Jahrgang 1934 Der Kommunistenaufstand in Amsterdam. Die Straßenkämpfe in der Nacht zum Freitag. X Amsterdam, 6. Juli. In den engen Straßen und Gassen des Stadtviertels Jordaan ist es(wie wir noch im größeren Teil unserer Freitagsausgabe gemeldet haben) gestern abend zu neuen schweren Zusammenstößen zwischen der von Kommunisten aufgehetzten Menge und der Polizei gekommen, wobei sich zunächst diese als unterlegen erwies, sodaß sie sich darauf beschränken mußte, das Stadtviertel im weiten Umkreise abzusperren. Erst in den frühen Morgenstunden des Freitag gelang es ihr, die Ruhe und Ordnung wiederherzustellen. Gegen 1 Uhr früh ging die Polizei zu einem konzentrischen Angriff auf die in völliges Dunkel gehüllten Straßen vor, die am Donnerstag abend dem Pöbel hatten überlassen werden müssen. Die Beamten wurden hierbei von einer mit Stahlhelmen und Karabinern ausgerüsteten Abteilung Militärpolizei unterstützt. Mit Scheinwerfern wurden die Häuser abgeleuchtet. Wenn nicht auf die ersten Aufforderungen hin alle Türen und Fenster geschlossen wurden, machte man unverzüglich von der Schußwaffe Gebrauch. Im großen und ganzen stieß die Polizei bei dieser Säuberungsaktion nur noch auf geringen Widerstand. Anfangs wurden hier und da noch einige Salven abgegeben, je näher jedoch der Morgen heranrückte, desto stärker bekamen die Behörden die Lage wieder in die Hand. Das Bild der von den nächtlichen Straßenkämpfen betroffenen Viertel läßt deutlich erkennen, wie sehr hier die Zerstörungswut des Pöbels getobt hat. Ueberall sieht man zerbrochene Schaufensterscheiben, aufgerissene Straßen, umgestürzte Fuhrwerke, zerbrochene Möbel, Kisten und sogar umgelegte Bäume. Wie sich inzwischen herausgestellt hat, blieben die nächtlichen Straßenkämpfe nicht nur auf das im Zentrum gelegene berüchtigte Viertel des Jordaan beschränkt, sondern es brachen gleichzeitig noch in drei anderen Stadtteilen Unruhen aus, und zwar in den Hafengegenden von Hattenburg und Wittenburg sowie in den auf der anderen Seite des Hafens liegenden Arbeitersiedlungen. Die Amsterdamer Polizei stand daher gestern abend vor einer außerordentlich schweren Aufgabe, zu deren Bewältigung mehrere Stadtteile von Polizeibeamten völlig entblößt werden mußten. Aus dieser gleichzeitigen Entfachung von Unruhen an verschiedenen Stellen der Stadt kann man schließen, daß es sich um eine planmäßig organisierte kommunistische Aktion handelte. Gemessen an dem Umfang der Kämpfe ist die Zahl der Verletzten auffällig niedrig. Bis jetzt wurden zwei Tote und mehrere Schwerverletzte und eine größere Anzahl Leichtverletzter gemeldet. Man rechnet damit, daß die Unruhen am Freitag von neuem einsetzen werden, da im Laufe des Tages die Arbeitslosenunterstützungen zum ersten Mal nach den neuen verringerAuf freien Fuß gesetzt. * DNB Berlin. 6. Juli. Im Zuge der Untersuchungen anläßlich der hochverräterischen Revolte wurden u. a. verhaftet: Fritz Günther von Tschirschky und Boegendorff, Friedrich Karl von Savigny, Margarethe von Stotzingen. Die Untersuchung ergab, daß zwischen ihnen und den Hochverrätern keine Beziehungen bestanden haben. Ihre Enthaftung wurde daher unverzüglich veranlaßt. Im Zuge der Untersuchungen wurde u. a. durch eine untere Stelle auch Obergruppenführer v. Killinger in Haft genommen. Auf Befehl des Führers wurde Killinger sofort wieder aus der Haftentlassen. Die Feststellungen ergaben, daß er in keinem Zusammenhang mit der hochverräterischen Revolte stand. ten Sätzen ausgezahlt werden. Der Bürgermeister von Amsterdam hat daher eine öffentliche Warnung an die Bevölkerung gerichtet, sich nicht aus Neugierde an Stellen zu begeben, wo in den letzten Tagen„dunkle Elemente auf unverantwortliche Weise Unruhen hervorgerufen haben“. Man befürchtet ferner, daß die kommunistischen Treibereien sich auch auf andere Städte fortpflanzen. Bereits gestern abend versuchten in Rotterdam aufrührerische Elemente Zwischenfälle hervorzurufen, die aber noch im Keim erstickt werden konnten. Neue Zusammenstöße. DNB Amsterdam, 6. Juli. Die kommunistischen Straßentumulte haben sich erwartungsgemäß am Freitag fortgesetzt. Während im Stadtviertel Jordaan an verschiedenen Stellen Arbeitertrupps mit der Ausbesserung der bei den Tumulten am Donnerstag abend aufgebrochenen Straßen und mit der Wiederherstellung anderer Schäden beschäftigt waren, wurde an anderen Stellen das Straßenpflaster aufgerissen. Verschiedentlich wurde erneut versucht, Barrikaden zu errichten. Gegen 11 Uhr kam es zu den ersten neuen Zusammenstößen. Auch in anderen Stadtteilen wurde es wieder unruhig. Die Behörden befürchten aber für den heutigen Abend neue ernste Straßenkämpfe. Im Holzhafen und im Gewerbehafen ist ein 24stündiger Proteststreik ausgerufen worden. Acht im Holzhafen liegende Dampfer können nicht entladen werden. Kommunistische Agitatoren haben versucht, auch in anderen Betrieben und unter den Belegschaften der städtischen Werke für einen Streik Stimmung zu machen. An verschiedenen Stellen der Stadt wurden Lebensmittelwagen angehalten und geplündert. Der Bürgermeister von Amsterdam hat Freitag vormittag telephonische Besprechungen mit der Regierung, insbesondere dem Justizminister und dem Minister für Landesverteidigung gehabt. Es wurde beschlossen, die städtische Polizei um 100 Mann berittene Militärpolizei und um 200 Gendarmen zu verstärken. Der Bürgermeister hat angekündigt, daß künftig jeglicher Widerstand gegen die Staatsgewalt rücksichtslos gebrochen werden wird. Die beiden kommunistischen Abgeordneten der Zweiten Kammer haben an den Minister für soziale Angelegenheiten das Ersuchen gerichtet, ihnen im Hinblick auf die Arbeitslosenunruhen in Amsterdam eine Unterredung zu gewähren. Dieses Ersuchen ist von dem Minister abgelehnt worden. Ferner hat das linksradikal eingestellte„Nationale Arbeitersyndikat“ an den Ministerpräsidenten ein Telegramm gesandt, in dem unter Verweisung auf die unhaltbaren Zustände in Amsterdam die Rückgängigmachung der Herabsetzung der Arbeitslosenunterstützungen gefordert wird. Panzerautos und Marineinfanterie bereitgestellt. DNB Amsterdam, 6. Juli. Die Unruhen in Amsterdam gingen am Freitag nachmittag weiter, obwohl die Polizei durch größere Trupps berittener Militärpolizei und Gendarmerie verstärkt worden ist. An verschiedenen Punkten der Stadt mußten Menschenansammlungen mit Waffengewalt zerstreut werden. Den Brennpunkt der Zusammenstöße bildete wieder der Jordaan, in dem Polizeistreifen wiederholt Barrikaden aus dem Wege räumen mußten. Am späten Nachmittag wurde hier eine größere Anzahl berittener Militärstreifen eingesetzt, die fortwährend Zusammenrottungen auseinander treiben mußten. Die Lage gilt als besorgniserregend. Für die Abendstunden werden weitere heftige Zusammenstöße befürchtet. Um auf alles vorbereitet zu sein, haben die Behörden mehrere Panzerautomobile anrücken lassen, die in der Nähe des Jordaan Aufstellung genommen haben. Eine Abteilung Marineinfanterie wird gleichfalls in Bereitschaft gehalten. Einer Erklärung des Amsterdamer Polizeipräsidenten ist zu entnehmen, daß die Polizei gestern abend nicht in genügender Stärke im Jordaan eingesetzt werden konnte, da gleichzeitig an 14 anderen Stellen der Stadt Tumulte ausbrachen, mit deren Bezwingung alle vorhandenen Reserven in Anspruch genommen waren. Die historischen Aufgaben der 8A. Rudolf Heß: Die Partei wird in Zukunft in der SA wieder das haben, was sie früher an ihr gehabt hat. Eine Unterredung mit dem Stellvertreter des Führers. Berlin, 6. Juli. Der Stellvertreter des Führers, Rudolf Heß, gab nach Abschluß der Reichs= und Gauleitertagung in Flensburg dem Chef vom Dienst der NSK Gelegenheit zu einer Unterredung, in der über die SA gesprochen wurde. Die Unterredung begann damit, daß der Stellvertreter des Führers an einen Artikel erinnert wurde, den er im Januar d. J. unter der Ueberschrift:„SA und Partei“ veröffentlicht hat. Darin sprach er davon, daß für die S A oder sonstige Teilorganisationen der Vartei„heute und für künftige Zeiten nicht die gerinste Notwendigkeit bestehe, ein eigenes Dasein zu führen. Es besteht keine Notwendigkeit — mehr noch, es wäre ein Schaden für die Gesamtheit, wenn sie ihren Eigennutz vor den Gemeinnutz der Partei stellten und die Billigung des Führers fänden sie niemals. Ebensowenig würden je die alten Kämpfer, gleichgültig in welcher Untergliederung sie sich befänden, Verständnis hierfür aufbringen. Denn sie kämpften gemeinsam einen unerhört harten Kampf.“ Rudolf Heß bemerkte zu dieser Erinnerung, daß in dem Artikel die ersten Sorgen niedergelegt seien, mit denen die Parteiführung den verhängnisvollen Weg, den die frühere Führung der SA gegangen ist und der schließlich zum Versuch der Revolte geführt habe, verfolgt hat. Jeder Nationalsozialist wisse, was die SA in der Zeit des Kampfes geleistet und welche Opfer sie auf sich genommen habe. Es müsse dabei nur daran erinnert werden, daß die Hauptzahl der Toten der Bewegung aus den Reihen der SA gefallen sei. Mit Nachdruck erklärte der Stellvertreter des Führers:„Die Partei hat ihre alte SA nicht vergessen. Sie weiß, daß der alte opferbereite kämpferische SA=Mann nichts mit den gewissenlosen Meuterern an der Spitze der SA zu tun hat. Ich werde als alter SA=Mann niemals zugeben, daß meine SA=Kameraden von einst beschimpft und herabgesetzt werden.“ Rudolf Heß teilte dabei mit, daß er an alle Organisationen der Bewegung den strengsten Befehl gegeben habe, in keiner Weise der SA entgelten zu lassen, was einige Unverantwortliche an der Spitze verbrachen. Eingehend befaßte er sich dann mit den Aufgaben, die der SA innerhalb der Partei gestellt sind. Er erinnerte daran, daß es der ursprüngliche Sinn der SA gewesen sei, die Bewegung zu untermauern, ihr Werkzeug und ihr Schutz gegen alle gegnerischen Bestrebungen zu sein. Wenn in der letzten Zeit diese Aufgaben durch die bisherige Führung gerade in ihr Gegenteil verkehrt worden seien, so sei heute die Zeit gekommen, in der dieses alte historische Verhältnis zwischen der SAund der übrigen Partei wiederhergestellt werde. Rudolf Heß erinnerte daran, daß es in der Zeit des Kampfes um die Macht keinen SA=Mann gegeben habe, der nicht die nationalsozialistische Idee in sich trug und jedem Volksgenossen gegenübertreten konnte. Jeder, der damals das Braunhemd trug, ganz gleich, welchem Glied der nationalsozialistischen Organisation er angehörte, war ein Glied der nationalsozialistischen Kampfgemeinschaft, die in sich die Aufgaben verschieden zerteilt, die aber den Weg und das Ziel gemeinsam hat. Die politische Führung der Partei hat die Richtlinien des Kampfes gegeben, sie hat die geistigen Waffen geschmiedet, mit denen die SA draußen Schritt für Schritt Deutschland eroberte. Beide gehörten zusammen, die Arbeit der einen wäre sinnlos gewesen ohne die Arbeit der anderen. Die politische Führung war die weltanschauliche Kraftquelle der ganzen Bewegung, die SA setzte diese innere Kraft in den Aktivismus nach außen um. Sie war der unüberwindliche Schutzwall der gesamten Bewegung. Die Erinnerung an dieses alte Verhältnis— so erklärte der Stellvertreter des Führers— gibt auch die Richtlinien für die kommenden Aufgaben der SA in der Partei. „Der SA=Mann von morgen wird der Aktivist der nationalsozialistischen Weltanschauung sein, wie es der alte SA=Mann seit je gewesen und bis heute geblieben ist. Er muß seinen weltanschaulichen Katechismus ebenso im Kopf haben, wie er zum aktiven kämpferischen Einsatz für die Partei bereit ist. Er soll in seinem ganzen Leben und Handeln den Rationalsozialisten dokumentieren. Er soll so Mitträger des nationalsozialistischen Gedankengutes gegenüber der kommenden Generation und zugleich ihr Vorbild sein.“ Der junge Staatsbürger, der durch die erste nationalsozialistische Erziehungsperiode, die Hitler=Jugend, hindurchgegangen ist, soll in der SA die letzte Härtung im Dienst an der Bewegung erfahren, soll in ihr den Schmelztiegel finden, der gerade in den Lebensjahren, in denen sich früher Gegensätze zwischen den Klassen bei den Menschen endgültig herausbildeten, sie durch das Band der nationalsozialistischen Kameradschaft und der Opferbereitschaft mit der Volksgemeinschaft verbindet. Dazu wird die einheitliche politische Schulungsarbeit der Partei in Zukunft auch bei der SA durchgeführt werden. Die Partei— so erklärte Rudolf Heß zum Schluß— wird in der SA in Zukunft wieder das haben, was sie früher in ihr gehabt hat, ein machtvolles Instrument des Schutzes und der Kraft und dazu eine unersetzliche Menschenschule ihres Führernachwuchses. (Siehe auch die an anderer Stelle veröffentlichten Aeußerungen des Chef des Stabes Lutze.) Deutsche Zeitungen in der Schweiz verboten. DNB Bern. 6. Juli. Der Bundesrat hat beschlossen, die Einfuhr und Verbreitung des„Angriff“, des„Völkischen Beobachters“ und der„Verliner Börsenzeitung“ in der Schweiz vorläufig für 14 Tage zu untersagen. Tagesrundschau. Deutschlandbericht Jules Sauerwein eines politischen ist ein weitgereister, be Globetrotters. stechender französischen Journalist. Dabei keineswegs ein Freund Deutschlands. Als er vor wenigen Jahren noch den„Matin“, eines der einflußreichsten Pariser Blätter, bediente, verspürte das deutsche Volk manchesmal die Feindschaft und Gehässigkeit dieses Mannes. Mit dem Alter sind anscheinend dem viel erfahrenen Sauerwein bessere Erkenntnisse gekommen. Heute reist dieser Journalist im Auftrage des weit verbreiteten„Paris Soir“ um die Welt. Nach wie vor werden seine Artikel vom Publikum gern gelesen und in den politischen Kanzleien Europas stark beachtet. Deshalb ist es wichtig, die Frage beantwortet zu bekommen: Wie denkt Jules Sauerwein heute über Deutschland und die Deutschen? Auf der Durchreise in der lettischen Hauptstadt Riga hat er sich über das„deutsche Problem" geäußert, mit dem die ganze Welt ringt. Der Zufall fügte es so, daß der Franzose gerade in den Tagen durch Deutschland reiste, in denen die Säuberung in der Führung der Sa durchgeführt werden mußte. Unumwunden gab Sauerwein in Riga zu, daß er schon unzählige Male in Deutschland gewesen sei; oft hätte es geheißen, daß in den Straßen größter Aufruhr mit Mord und Totschlag herrsche, er habe aber immer wieder und so auch diesesmal die deutsche Hauptstadt in der friedlichsten Stimmung vorgefunden. An solche Dinge in Deutschland glaube er einfach nicht. Die hurtigen Berichterstatter, die sonst immer das Gras wachsen hören, sollten sich diese objektiven Aeußerungen Sauerweins hinter die Ohren schreiben!— Es ist selbstverständlich, daß die„Rigaische Rundschau“ von dem französischen Journalisten auch etwas über die deutsch=französischen Beziehungen wissen wollte. Jules Sauerwein, genauer Kenner der diplomatischen Künste, wagte sich nicht allzu weit hervor. Trotzdem verdienen seine Bemerkungen über die jetzigen deutschfranzösischen Beziehungen Beachtung. Sie seien in Wirklichkeit, so meinte Sauerwein, bedeutend besser, als man allgemein annehme und wisse. Und das Verhältnis von Land zu Land sei herzlich. Den Franzosen würde stets der beste Empfang in Deutschland zuteil und umgekehrt. Gegenseitige Besuche mit größtem Erfolg gäbe es ständig. Das beweise vor allem schon der Wirtschaftsverkehr zwischen Frankreich und Deutschland, der sehr rege und aktiv sei. Also sprach Sauerwein. Verstehen wir auch unter Herzlichkeit des deutsch=französischen Verhältnisses etwas anderes, als dieses zur Zeit aussieht, so nehmen wir doch gern von den Aeußerungen dieses einflußreichen französischen Zeitungsmannes Vermerk. Dem politischen Globetrotter Sauerwein öffnen sich auch heute noch die Türen der Staatsmänner Europas. Er spricht mit den bedeutendsten Politikern der Welt. Seine Interviews mit den Regierungschefs, Ministern und Diplomaten der alten und der neuen Welt geben unzähligen Menschen politische Belehrung und— Hoffnung. Daß sich der ehemalige Deutschenfeind Sauerwein gewandelt hat und heute ein wenig objektiver über das deutsche Volk und das Deutsche Reich denkt, das muß man in der bunten Fülle der täglichen Ereignisse doch registrieren, zumal jetzt, wo im Anschluß an die Ereignisse des 30. Juni in sehr vielen Zeitungen des Auslandes ein Ton gegenüber der deutschen Regierung zum Ausdruck kommt, der nach anfänglicher, am letzten Montag noch feststellbarer Bereitschaft zu einer objektiven Würdigung der Gründe für die Härte der Säuberungsmaßnahmen in abfälliger Kritik selbst das überschreitet, was in den Tagen der Aufrichtung des nationalsozialistischen Regimes in Deutschland im Frühjahr 1933 geboter worden war. Die Transfer= Kurz nach Abschluß des ankommen. Transferabkommens aukommen.zwischen Deutschland und England in London hat der Führer der deutschen Delegation noch einmal darauf hingewiesen, daß durch diesen Abschluß der von Deutschland beschrittene Weg der Sonderabkommen die schwierigste Klippe überwunden habe. Man weiß, daß mit der Schweiz und mit Holland ähnliche Abkommen niemals so schwierig geworden wären wie mit der Weltmacht England. Bei Holland, der Schweiz und Schweden handelt es sich um rein wirtschaftliche Auseinandersetzungen, während bei den Vereinigten Staaten, England und Frankreich politische Fragen mit hineinspielen. Das hat auch die Verhandlungen derartig kompliziert. Praktisch sind sich beide Parteien in dem Abkommen weit entgegengekommen. Deutschland hat die Transferierung der Dawes= und Younganleihe in halbjährlichen Zahlungen zum 15. Oktober und 1. Dezember übernommen. Wir erhalten dadurch eine Atempause zur Ansammlung von Devisen, die noch dadurch vergrößert wird, daß die Amortisation ausgesetzt wird. Weit wichtiger beinahe als diese Vereinbarung sind die englischen Anerkennungen für die deutschen Grundsätze. England erklärt, daß nur durch einen gesteigerten Warenexport eine Trasferierung überhaupt denkbar erscheint. Es erklärt ferner, daß dieses Sonderabkommen keinerlei Vorrechte für andere Staaten schaffe. Die deutsche Auseinandersetzung mit den übrigen Gläubigern wird also durch das Abkommen mit England nicht berührt. Inzwischen ist auch das A kommen mit der Schweiz geschlossen worden. Hier sind wesentlich andere Wege beschritten worden. Man hat sich darauf geeinigt, ein Verrechnungssystem für den Handelsverkehr zwischen beiden Staaten auszubauen. Die schweizerischen Importeure deutscher Waren zahlen alle Summen bei der Schweizerischen Nationalbank ein, während umgekehrt die deutschen Importeure schweizerischer Waren die Zahlungen auf ein Sonderkonto der Reichsbank entrichten. Beachtung verdient dabei, daß die bis dahin einzig und allein maßgebende Konversionskasse in Berlin für diesen Verrechnungsverkehr ausgeschaltet wird. Aus dem Konto bei der Schweizerischen Nationalbank erhalten die schweizerischen Exporteure für ihre Lieferungen nach Deutschland ihre Bezahlung. Ferner wird aus diesem Konto der Gegenwert der für deutsche Touristen ausgestellten Reiseschecks und Kreditbriefe gedeckt. Was dann noch übrigbleibt, wird zunächst zur Deckung der Zinsen und der sonstigen periodischen deutschen Leistungen verwandt. Inwieweit die deutschen Zusatzexporte hier noch zu einer Teiltransferierung herangezogen werden, steht noch nicht ganz fest. Allerdings hat die Schweiz die Gewähr dafür übernommen, daß ein Ueberschuß zugunsten Deutschlands verbleibt, der zur freien Verfügung der Reichsbank steht. Damit der sich in der Schweiz ergebende Ueberschuß zugunsten Deutschlands die an ihn gestellten Aufgaben erfüllen kann, ist, wie auch in den Kommentaren der schweizerischen Presse hervorgehoben wird, eine Verstärkung der Aufnahme deutscher Waren in der Schweiz notwendig. Hört man doch auch noch von einer planmäßigen Verringerung der Schuldenlast Deutschlands an die Schweiz durch die Abzweigung eines besonderen Tilgungsfonds. Ueber die Frage der Zinsenherabsetzung auf 4 Prozent werden demnächst weitere Verhandlungen in Zürich aufgenommen werden. Die holländische Delegation verhandelt zur Zeit in Berlin. Man kann sich denken, daß es dabei zu ähnlichen Vereinbarungen wie mit der Schweiz kommen wird, denn Holland hat im letzten Handelsvertrag bereits eine sehr vernünftige Haltung eingenommen. Es wird außerdem zur Zeit über die Transferfrage noch mit Frankreich verhandelt. Bezüglich Amerikas erscheint die Lage durchaus ungeklärt. Die deutschschwedischen Beziehungen lassen eine Auseinandersetzung mit Schweden über die Kreuger=Anleihen nicht als besonders schwierig erscheinen. Entscheidend für die fernere Zukunft wird aber einzig und allein sein, ob England, die Vereinigten Staaten und Frankreich auch in der Praxis bereit sein werden, die deutschen Waren zollpolitisch in dem Maß zu begünstigen, wie es zur Aufrechterhaltung von Transferleistungen unbedingt notwendig erscheint. Hier wird es sicherlich noch innerhalb der Interessentengruppen dieser Staaten einen schweren Kampf geben. Es ist vielleicht nicht unangebracht, noch einmal darauf zu verweisen, daß man in London versucht hat, die Transferfrage mit der Währungsfrage zu verkoppeln. waren nicht unmaßgebliche Kräfte am Werk, Deutschland zur Abkehr vom Goldstandard und zur Angleichung an das amerikanisch-englische Währungssystem zu bringen. Niemand weiß, welche Vorteile man uns dafür in Aussicht stellte. Es steht jedenfalls jetzt fest, daß Reichsbankpräsident Dr. Schacht auf ein derartiges Ansinnen nicht eingegangen ist. Bei der jetzigen vollständigen Devisensperre im Verkehr mit dem Ausland bis auf kleinste Beträge, kann uns das Schicksal der Mark auf ausländischen Börsenplätzen relativ gleichgültig sein, weil es sich da nur um winzige Beträge handelt. Im Inland selbst ist die Regierung nach wie vor entschlossen, die Stabilität der Währung unter allen Umständen aufrecht zu erhalten. Die bevölkerungspolitische Steuerreform. der Reichsinnenminister dankt dem Reichsfinanzminister. DNB Berlin, 6. Juli. Reichsminister des Innern Dr. Frick hat an den Reichsfinanzminister Graf Schwerin von Krosigk folgendes Schreiben gerichtet: „Sehr verehrter Herr Reichsminister! Staatssekretär Pg. Reinhardt hat in München die in Ihrem Ministerium geplanten Steuerreformpläne bekanntgegeben. Dabei haben Sie den bevölkerungspolitischen Forderungen, die ich bei der ersten Sitzung des Sachverständigenbeirats für Bevölkerungs= und Rassenpolitik am 28. Juni 1933 gestellt habe, weitgehend Rechnung getragen, wofür ich Ihnen als der für die bevölkerungspolitischen Maßnahmen zuständige Minister meinen besten Dank auszusprechen nicht verfehlen möchte. Ich erinnere dabei außer der Förderung der Eheschließung, die von ihrem Ministerium schon im vergangenen Sommer in Angriff genommen war, an die Erhöhung der Kinderermäßigung bei der Neuregelung der Einkommensteuer, wie an die Freibeträge für Kinder bei der künftigen Vermögens= und Erbschaftssteuer=Gesetzgebung. Auch ist Staatssekretär Reinhardt bereitwilligst einer Anregung des Leiters meiner Abteilung„Volksgesundheit“ gefolgt, Familien mit Kindern von der Abgabe zur Arbeitslosenhilfe zu befreien, sodaß schon heute Familien mit ein und zwei Kindern bei einem monatlichen Einkommen bis 500 RM. und Familien mit drei und mehr Kindern auch bei einem höheren Einkommen von 500 bis 3000 RM. monatlich von dieser Abgabe freigestellt sind. Dieser Weg, zunächst Abgaben oder Versicherungsbeiträge bei denjenigen zu senken, die durch den Unterhalt und die Aufzucht von Kindern für das Weiterbestehen und die Zukunft unseres Volkes sorgen, scheint mir ganz besonders wertvoll und berechtigt zu sein, da er zunächst vielleicht die einzige Möglichkeit darstellt, die Familie und in Sonderheit die kinderreiche Familie, wirtschaftlich zu stützen. Aus diesem Grunde begrüße ich ganz besonders die von Pg. Reinhardt verkündete Absicht, ab Frühjahr 1935 die Beiträge für die Arbeitslosenversicherung zu ermaßigen und zunächst damit zu beginnen, daß die Arbeitnehmer mit einer größeren Kinderzahl, z. B. bei drei und mehr Kindern, vom Arbeitslosenversicherungsbeitrag ganz befreit werden sollen. Vor allen Dingen bin ich aber auch davon überzeugt, daß diese bevölkerungspolitische Steuerreform geeignet erscheint, die Kaufkraft der Familie allgemein zu erhohen, und so den inneren Wirtschaftsmarkt zu stärken. Es ist zweifellos richtig, daß gerade in kinderreichen Familien infolge der schlechten wirtschaftlichen Lage der breiten Masse ein großer Mangel an Bedarfsgegenständen aller Art eingetreten ist, dessen Deckung in den nächsten Jahren gefördert und erreicht werden muß. So dürfte sich die Senkung der Lohnsteuer und die Befreiung von der Arbeitslosenhilfe schon heute dahin auswirken, daß die Arbeitslosigkeit durch Belebung der betreffenden Wirtschaftszweige weiter zurückgeht. Ohne diese schon jetzt anerkennenswerte Hilfe zur Bestreitung der notwendigsten Lebensbedürfnisse einer kinderreichen Familie zu unterschätzen, darf ich jedoch in diesem Zusammenhang erneut darauf hinweisen, daß estrotzdem auch weiterhin unser Bestreben sein und bleiben muß. die Lebensbedürfnisse einer Familie mit ausreichender Kinderzahl durch Erhöhung des Nahrungspielraumes mehr und mehr sicherzustellen. Gerade bei der breiten Masse der Volksgenossen mit kleinem Lohn= und Arbeitseinkommen ist ein Ausgleich der Familienlasten die einzige Möglichkeit, um die Kinderaufzucht zu gewährleisten und die bestehende Not in diesen Familien zu mildern. Wenn der Ausgleich in Prozenten des Einkommens geschaffen wird, so ist damit auch eine gewisse Gewähr geboten, daß eine Besserstellung nur wertvollen Familien und Gliedern unseres Volkes zugute kommen wird. Dabei will ich keineswegs verkennen, daß nach wie vor die Eltern aus Liebe zu ihren Kindern Opfer und Entsagungen werden auf sich nehmen müssen, die den Kinderlosen und Kinderarmen erspart bleiben. Immerhin wird jede, auch schon geringe wirtschaftliche Entlastung der Familie dazu angetan sein, die seelische Einstellung unseres Volkes im Sinne der Erhaltung der Art und der Rasse zu wandeln. Nur so wird es uns gelingen, die deutsche Familie und unser Volk entsprechend dem Ziel der nationalsozialistischen Bewegung mit der Heimat und dem deutschen Staat unlösbar zu verbinden. Da wir diesem Ziel durch die beabsichtigte bevölkerungspolitische Steuerreform näherkommen, danke ich Ihnen für die entscheidende Unterstützung bei der Durchsetzung bevölkerungspolitischer Ziele und darf Sie gleichzeitig bitten, Pg. Reinhardt diesen Dank zu übermitteln.“ Barthou vor dem auswärtigen Kammerausschuß. Der Stellvertreter des Führers Rudolf Heß, Reichsminister Dr. Goebbels, der Führer der Deutschen Arbeitsfront, Dr. Ley. Reichsstatthalter Ritter von Epp, Oberpräsident und Gauleiter Lohse und andere Parteiführer besichtigten am Freitag vormittag, von Flensburg kommend, die Landgewinnungsarbeiten und Deichbauten an der Westküste Schleswig=Holsteins. Bericht über die außenpolitische Lage. (!) Paris, 6. Juli. Vor dem auswärtigen Ausschuß der Kammer erstattete heute Barthou einen ausführlichen Bericht über die allgemeine außenpolitische Lage. Er erklärte zunächst, daß er sich weigere, in eine Erörterung der gegen Frankreich gelegentlich der letzten deutschen Ereignisse geführten Kampagne einzutreten. Nichts von alledem, was über die ihm zugeschriebene persönliche Rolle behauptet werde, sei wahr. Er würde sich herabwürdigen, wollte er solche lächerlichen Angaben ernst nehmen. Der Außenminister umriß hierauf die Politik Frankreichs. Ihr liege der Wille zu Grunde, nach Möglichkeiten und Garantien für den Frieden zusuchen. Sie bleibe mit dem Völkerbund verwachsen als dem einzigen Hort des Rechts gegen die Gewalt. Diese Politik habe die Noten und Handlungen der französischen Regierung beeinflußt, und von ihr habe er sich bei seiner Reise nach Südosteuropa leiten lassen. Barthou schilderte schließlich die Umstände, unter denen der Völkerbund in seiner Sitzung vom 4. Juni einen einstimmigen Beschluß in der Saarfrage gefaßt habe. Das Abstimmungsergebnis sei seiner Ansicht nach eine Bestätigung der Garantien, die er am 25. Mai vor der Kammer als Bedingung für die Zustimmungen Frankreichs zur Anberaumung der Saarabstimmung gefordert habe. Der zweite Teil der Ausführungen Barthous galt der Abrüstungsfrage. Barthou ging von der Sitzung des Büros der Abrüstungskonfere z vom 28. Mai aus und versicherte, daß Frankreich der These der Rüstungsbeschränkungen und der Herabsetzung der Rüstungen Blutige Streikunruhen in San Prancisko. Mehrstündige Schlacht im Hafenviertel § San Francisko, 6. Juli. In San Francisko kam es gestern im Zusammenhang mit dem bald zwei Monate andauernden Hafenarbeiterstreik zu ernsthaften Zusammenstößen mit der Polizei, die schließlich von der Schußwaffe und Tränengasbomben Gebrauch machen mußte. Drei Arbeiter sind dabei ums Leben gekommen. 60 Personen wurden verletzt, zahlreiche wurden durch das Gas bewußtlos. Die Erbitterung der Streikenden nahm derartig zu, daß der Gouverneur den Einsatz der Nationalgarde verfügte. Den Unternehmern war es schon in der Vorwoche gelungen, eine größere Zahl Arbeitswilliger zu erhalten. Sie wurden aber nicht sofort eingestellt, weil angenommen wurde, daß eine Einigung mit der Streikleitung möglich werden würde. Darin hatte man sich aber getäuscht. Der Streik, der am 9. Mai ausgebrochen war, wurde mit größter Heftigkeit weitergeführt. Als nun gestern die Arbeitgeber ihre Ankündigung, den Betrieb mit Arbeitswilligen wieder aufzunehmen, wahr machten, kam es zu dem gefürchteten Zusammenstoß mit der Polizei, die zum Schutz der Arbeitswilligen aufgeboten worden war. Um 9 Uhr früh drang eine große Zahl Streikender überraschend in den Hafen ein. Vergeblich versuchte die Polizei, sie zurückzudrängen. Den ganzen Tag über wurde heftig gekämpft. Die Streikenden besetzten schließlich auch den ganzen Stadtteil um den Hafen, wo sie die Bevölkerung terrorisierten. Güterwagen wurden angezündet, Fenster eingeworfen und der Straßenbahnverkehr stillgelegt. Am Nachmittag entwickelte sich eine wahre Schlacht. Ein paar tausend Streikende kämpften mit Revolvern und Gewehren, Flaschen, Steinen und anderen Wurfgeschossen gegen die viel zu schwache Polizei. Außerdem bedienten sich die Meuterer Bomben, die mit einem Gas gefüllt waren, das schweren Brechreiz hervorrief. Gegen 5 Uhr entschloß sich Gouverneur Marriam, die Nationalgarde einzusetzen. Erst heute in den frühen Morgenstunden gelang es den 2000 Milizsoldaten der schweren Streikunruhen Herr zu werden. Im Laufe des heutigen Tages versehen im Hafengebiet von San Francisko etwa 1300 Nationalgardisten Streifendienst, da ein erneutes Blutvergießen befürchtet wurde. Die streikenden Hafenarbeiter weigern sich, dem Hafengebiet fernzubleiben. Der Streikausschuß ersuchte den Präsidenten Roosevelt telegraphisch um sein Eingreifen, wobei behauptet wurde, die Reeder versuchten die Gewerkschaften mit von der Regierung geliehenen Geldern zu unterdrücken. Der Präsident der Hafenarbeiter=Vereinigung, Josef Ryan, erklärte, daß ein Sympathiestreik der Arbeiter aller Häfen an der Atlantikkuste erwogen werde. Streikzwischenfülle auch in anderen Teilen von USA. § Newyork, 6. Juli. In den verschiedenen Teilen Amerikas brachen am Freitag erneut Streikunruhen aus. In der Nähe von Scranton(Pennsylvanien) griffen streikende Bergarbeiter Arbeitswillige, die mit Lastkraftwagen zur Arbeitsstelle gefahren wurden, an und verletzten zahlreiche von ihnen durch Steinwürfe. Die Polizei mußte schließlich mit Tränengas gegen die Streikenden vorgehen. In der Nähe von Bridgeton(New Jersey) ereignete sich ein Zusammenstoß zwischen streikenden Farmarbeitern und Arbeitswilligen. Auch hier mußte die Polizei eingreifen, wobei mehrere Personen verletzt wurden. In Lockland(Ohio) schlug eine etwa 1000 köpfige Menge sämtliche Fensterscheiben einer Textilfabrik, deren Angestellte streiken, ein. treu bleibe, die von einer wirklichen Sicherheit begleitet würden. Der französische Außenminister sprach hierauf über seine Reisen nach Rumänien und Südslavien. Es handele sich um eine Ergänzung der Besuche, die er zuvor Polen und der Tschechoslowakei abgestattet habe. Ueberall seien die Bündnisse und freundschaftlichen Beziehungen enger gestaltet worden. Sie dienten dem Frieden im Rahmen des Völkerbundes. Eine solche Politik sei weder exklusiv noch aggressiv. Sie verfolge nicht den Zweck, einen Mächteblock einem anderen Block gegenüber zu stellen, sondern arbeite für die europäische Zusammenarbeit. Die Formeln von den Möglichkeiten und Garantien für den Frieden, die überall gesucht und entwickelt werden müßten, wandte der Außenminister auch auf die Verhandlungen an, die mit Sowjetrußland und anderen interessierten Staaten geführt werden. Diese Verhandlungen, so erklärte er, seien noch nicht so weit gediehen, daß sie Angaben im einzelnen gestatteten. Nach einem Hinweis auf die Begegnung, die er in Wien mit Bundeskanzler Dollfuß hatte, ging Barthou zum Schluß auf seine bevorstehende Reise nach London ein. Er sei am 7. Juni von MacDonald eingeladen worden, nach London zu kommen, um dort das Einvernehmen zwischen beiden Regierungen, das sich in Genf gezeigt habe, zu festigen und auszubauen. Wenn man von diesen Besprechungen auch keine unmittelbaren Ergebnisse erwarten könne, würden sie doch bewirken, das gute Einvernehmen zu bekräftigen, das eine der wichtigsten Bedingungen für den Frieden sei. Kammer und Senat sind heute bis Oktober in die Ferien geschickt worden. Das„Journal“ glaubt auf Grund der Besprechungen, die Barthou am Donnerstag mit dem in Paris weilenden französischen Botschafter in Rom de Chambrun und dem italienischen Botschafter in Paris hatte, annehmen zu können, daß nunmehr eine Begegnung Barthou=Mussolini beschlossene Sache und der Besuch des französischen Außenministers grundsätzlich entschieden sei. Schaffung eines Ministeramts beim französischen Ministerpräsidium. DNB Paris, 6. Juli. Dem französischen Ministerpräsidium soll jetzt ein sogenanntes Ministeramt angegliedert werden. Gewöhnlich war die Ministerpräsidentschaft in Frankreich von einem Ressortminister(zumeist war der Außenminister, häufig auch der Innenminister zugleich Ministerpräsident) verwaltet worden, was die Schaffung eines besonderen Ministerpräsidentschaftsamtes erübrigte. Da Ministerpräsident Doumergue aber keinen Ressortministerposten bekleidet, also zur Ausübung seiner Regierungsführung auch nicht über einen Ministerapparat verfügt, soll jetzt ein Verwaltungssekretariat als ständiges Amt eingerichtet werden, das die Verbindung zwischen dem Ministerpräsidium und den Ressortministerien sowie eine Zentralisierung und Kontrolle der Regierungsarbeiten erleichtern soll. Der Ministerpräsidentschaft sollen auch der Oberste Rat der Landesverteidigung, der Oberste Wirtschaftsrat und das Statistische Amt, angegliedert werden. Frankreich will ein Generalkonsulat in Saarbrücken. (!) Paris, 6. Juli. Der Kammerausschuß für Auswärtige Angelegenheiten nahm am Freitag einen Bericht des Außenministers Barthou über die internationale Lage entgegen, an den sich eine lebhafte Aussprache anschloß. Auch die Saarfrage wurde bei der Aussprache angeschnitten. Der Abgeordnete Fribourg richtete an den Minister die Aufforderung, in Saarbrücken ein französisches Generalkonsulat zu schaffen. Barthou erwiderte, daß er mit diesem Vorschlag einverstanden sei. Der gleiche Abgeordnete verlangte vom Minister eine Erklärung darüber, daß die Festsetzung des Abstimmungszeitpunktes im Saargebiet auf den Januar 1935 dadurch bedingt bleibt, daß Deutschland die in Genf eingegangene Verpflichtung, die Freiheit und Sicherheit der Saarländer zu achten, einhält. Barthou versicherte, daß dies auch seine Auffassung sei. Die englischen Aufrüstungspläne. £ London, 6. Juli. Die gesamte englische Presse berichtet am Freitag über die englischen Aufrüstungspläne. Große Bedeutung wird der Erklärung des Lordsiegelbewahrers Eden beigemessen. Auch die Versicherung Baldwins im Unterhaus über die englische Aufrüstung wird hervorgehoben.„Daily Mail“ zufolge sieht das von Sachverständigen ausgearbeitete und genehmigte Programm den Bau von 600 Flugzeugen und die Ergänzung der englischen Kreuzerstärke auf den BeattyStandard vor, d. h., daß mindestens 20 neue Kreuzer während der nächsten zwei bis drei Jahre gebaut werden sollen. Ferner ist vorgesehen, das Armeearsenal Woolwich, das in der Nähe von London liegt, zu verlegen, und zwar in das Innere des Landes, da das Arsenal, das 20 000 Arbeiter beschäftigt, augenblicklich vom europäischen Festland aus durch Flugzeuge und sogar durch Geschütze erreicht werden kann. Siamesisches Königspaar in Potsdam. DNB Potsdam, 6. Juli. Das siamesische Königspaar besichtigte am Freitagnachmittag die Sehenswürdigkeiten Potsdams. Zunächst ging die Fahrt zur Arbeitsstätte des Freiwilligen Arbeitsdienstes an der Sarmunder Chaussee, wo praktische Arbeit beim Siedlungsbau gezeigt wurde. Legationssekretär von Mumm. gab in Verbindung mit der Arbeitsdienstleitung die nötigen Erklärungen. Anschließend wurde das Arbeitsdienstlager selbst besichtigt, wo die Mannschaften im Hofe angetreten waren. Danach bestiegen die Gäste die Kuppel des Astro=Physikalischen Observatoriums und besichtigten den großen Doppelreflektor. Durch die Straßen Potsdams ging dann die Fahrt nach Sanssouci. Nach einer Rundfahrt durch den Park besuchte das Königspaar das Schloß, wo es längere Zeit im Sterbezimmer und in der Bibliothek des großen Königs verweilte. Nach einem kleinen Imbiß kehrte das siamesische Königspaar in die Reichshauptstadt zurück. der Görreshaus=Prozeß vor dem Reichsgericht. DNB. Leipzig, 6. Juli. Das Reichsgericht hob in der Verhandlung im Görreshausprozeß das Urteil des Landgerichtes Köln gegen den Bankdirektor a. D. Dr. h. c. Anton Brüning, der zu 2½ Jahren Gefängnis und 600 Reichsmark Geldstrafe verurteilt worden war, auf und stellte das Verfahren ein. Die Revision des Generalkonsuls Heinrich Maus und des Konsuls Julius Stocky wurde als unbegründet verworfen. Das Urteil im Kabelwerk=Prozeß. Reichspostminister a. D. Stingl zu 500 Mark Geldstrafe verurteilt. DNB. Frankfurt(Oder), 6. Juli. Die Erste Große Strafkammer des Landgerichts Frankfurt(Oder) sprach nach mehrwöchiger Verhandlung gegen fünf ehemalige Mitglieder des Vorstandes und Aufsichtsrates der Deutschen Kabelwerke das Urteil. Es erhielten Siegfried und Bernhard Hirschmann je 6000 RM., Dr. Heinrich Bürger und Willy Pickart je 2000 RM. sowie Reichspostminister a. D. Dr. e. h. Karl Stingl 500 RM. Geldstrafe. Den Verurteilten wird als Mitglied des Vorstandes bezw. Aufsichtsrates vorgeworfen, wissentlich den Vermögensstand der Gesellschaft unwahr dargestellt oder verschleiert zu haben. Die Anklage stützt sich darauf, daß Entschädigungen für Sondexleistungen an Bernhard Hirschmann, die in die Zehntausende gingen und an Dr. Stingl, die im Jahre 8500 RM. betrugen, in der Bilanz falsch aufgeführt wären. Sie hätten unter Aufsichtsratsentschädigungen gebucht werden müssen und nicht über Gehalts= oder sonstige andere Konten. Herner Autobus in Sachsen verunglückt. 21 Verletzte. DNB Dresden, 6. Juli. Ein schwerer Unfall, bei dem zahlreiche Personen verletzt wurden, ereignete sich am Donnerstag gegen 18 Uhr bei Fischbach auf der Kreuzung der Staatsstraßen Dresden—Bautzen und Stolpen—Arnsdorf. Ein Personengroßtraftwagen mit Anhänger, der sich auf der Fahrt von Schlesien nach Westfalen befand. geriet beim Ueberholen eines Privatkraftwagens hinter der Kreuzung in den linken Straßengraben und stürzte um. Hierbei wurden, wie die Kriminalpolizei meldet, 21 Personen verletzt, wovon sechs dem Krankenhaus in Stolpen zugeführt werden mußten. Die übrigen Verletzten sowie die unverletzt gebliebenen Fahrtteilnehmer— etwa 80 an der Zahl— wurden mittels zweier Omnibusse nach Dresden gebracht, wo sie über Nacht Quartier fanden. Bei den Verunglückten handelt es sich zum Teil um Schlesier und um Westfalen. Der Omnibus gehört der Firma Bonacker in Herne, die regelmäßig Gesellschaftsfahrten von Aachen nach Waldenburg macht. Die Namen der ins Krankenhaus eingelieferten, in Westfalen wohnhaften Personen sind: Frau Charlotte Baier, Hamm, Julienweg 40, die Handverletzungen erlitt, der dreijährige Karl Heinz Baier mit Halsschnittwunden, A. Vöpel, Herne, Jahnskogelstraße 5, Fußverletzung und Frau Anna Kinzel, Altenessen, Bruchweiher 183, Kopfverletzung. Die Verletzungen sind bei allen Personen nicht lebensgefährlich. Nur mit Rücksicht auf die weite Reise sind die Verletzten im Krankenhaus verblieben. Nur die Verletzungen des kleinen Baier sind schwerer Natur. „Graf Zeppelin" in Friedrichshafen gelandet. DNB. Friedrichshafen, 6. Juli. Das Luftschiff„Sraf Zeppelin“ ist am Freitag abend von seiner dritten diesjährigen Südamerikafahrt, die bis Buenos Aires führte, nach Friedrichshafen zurückgekehrt und um 21 Uhr glatt gelandet. Die Führung hatte Dr. Eckener. An Bord befanden sich 23 Passagiere; befördert wurden 253 kg Post und 41 kg Fracht. Beilage Samstag, den 7. Juli 1934 Nr. 184 2 Aus Westdeutschland. Zu Tode geschleift. • Wanne=Eickel, 6. Juli. Am Freitagmorgen ereignete sich an der DorstenerEcke Recklinghauserstraße ein tödlicher Verkehrsunfall. Ein 21 jähriger Händler aus Herten=Disteln wollte mit seinem Motorrad, von der Recklinghauserstraße kommend, in die Dorstenerstraße einbiegen bezw. diese überqueren. Er geriet dabei zwischen den Motor= und Anhängewagen eines die Dorstenerstraße entlangfahrenden Lastkraftwagenzuges, wobei er ca. 6 Meter mitgeschleift wurde. Er erlitt einen Schädelbruch, der den Tod auf der Stelle herbeiführte. Die Schuldfrage muß durch die Untersuchung geklärt werden. Der gesperrte Telephonanschluß. Ein niederträchtiger Streich. Bielefeld, 6. Juli. Einen niederträchtigen Streich hat irgendwer einer Bielefelder Kohlenhandelsfirma gespielt. Das Telegraphenamt erhielt von dem unbekannten Täter fernmündliche Mitteilung, daß die Firma in Liquidation sei und Konkurs anmelden müsse. Aus diesem Grunde benötigte sie die Telephonanschlüsse nicht mehr. Unbegreiflicher Weise wurde auf diese telephonische Meldung hin die Sperrung der Telephonanschlüsse der betreffenden Firma veranlaßt. Die Firma hat mit Recht den Verdacht, daß dieser Streich gegen sie unternommen wurde, um sie zu schädigen. Eine Belohnung von 500 Mark soll die Aufklärung des rätselhaften Falles beschleunigen. Wertvolle Gräberfunde. Weeze(Kreis Geldern), 6. Juli. Eine interessante Entdeckung machte man hier beim Ausschachten eines Kellerraumes, in dem in annähernd 2 Meter Tiefe ein Grab mit einem menschlichen Skelett vorgefunden wurde. Die weiteren Ausgrabungen förderten zwei eiförmige Gefäße, ein eisernes Hiebschwert, eine Lanzenspitze, Bronzeschmuck und mehrere durchbrochene Gürtelschmuckplatten sowie vier kleine und eine größere Riemenzunge zutage. Außerdem fand man ein Knochenstück, an dem die Spuren einer Bearbeitung sichtbar waren. Zweifellos handelt es sich hier um das Grab eines fränkischen Kriegers, der im 6. Jahrhundert gelebt haben dürfte. Beim weiteren Ausschachten des Kellers wurden immer mehr Skelette zutage gefördert, so daß die Vermutung nahe liegt, daß es sich hier um ein ausgesprochenes Gräberfeld handelt, daß vor etwa 1300 Jahren dort angelegt wurde. Neuer Frauenweltrekord im Segelflug. Die deutsche Segelfliegerin Hanna Reitsch flog mit dem Segelflugzeug„Fafnir“ von Griesheim bei Darmstadt nach Reutlingen in Württemberg. Dabei legte sie 160 Kilometer zurück und erzielte so einen Segelflug=Weltrekord für Frauen. Das Jugendherbergswesen des Rheinlandes im vergangenen Jahr. DNB Düsseldorf, 6. Juli. Der Gau Rheinland im Reichsverband für Deutsche Jugendherbergen erstattet jetzt einen Bericht über das vergangene Geschäftsjahr. Sofort nach dem Aufbruch der Nation übernahm im April des vergangenen Jahres Gebietsführer Rodatz im Auftrage des Reichsjugendführers die Leitung des Reichsverbandes für deutsche Jugendherbergen. Im Gau Rheinland erfolgte die Uebernahme am 10. 4. durch Oberbannführer Conrad. Mit der im vergangenen Jahr erreichten Uebernachtunasziffer von weit über ½ Million bewiesen erneut die rheinischen Jugendherbergen ihre starke Anziehungskraft für die jugendlichen Wanderer aus allen deutschen Gauen. Insgesamt wurden in den rheinischen Jugendherbergen 582 905 Uebernachtungen im Gegensatz zu 560 479 im Vorjahre gezählt. Interessant ist, daß der Anteil der männlichen Besucher etwas höher war, daß dagegen der Anteil der weiblichen Wanderer einen kleinen Teil zurückgegangen ist, und daß das Wandern der Volksschulen, das in den Vorjahren ständig abnahm, wieder steigt. Die bestbesuchtesten Jugendherbergen waren: Köln, Koblenz, Trier. Godesberg, Langenberg, Bacharach, Gemünd, Linz, Altenahr, Hünxe. Die Zahl der Ortsgruppen beträgt augenblicklich über 130. Die meisten Mitglieder hatten die Ortsgruppen Elberfeld, Köln, Düsseldorf, Duisburg, Wupertal=Barmen, Krefeld und Bonn. Vielfach wurden während der Ferienzeit eine ganze Reihe von Jugendherbergen von der Hitler=Jugend mit dem Landaufenthalt für Ferienkinder belegt und im vergangenen Winter mit dem vom Oberpräsidium in Koblenz nach einer Verfügung des Kultusministers Rust veranstalteten nationalsozialistischen Lehrgang für höhere Schüler. Straßenraub von einer Frau organisiert. Düsseldorf, 6. Juli. Die Düsseldorfer Große Strafkammer beschäftigte sich mit einem Straßenraub, der von einer Frau organisiert wurde. Neben der 32jährigen Frau Christine Wiedemann waren der 24jährige Klemens Kemmann, der 26jährige Josef Zündorf und der Mann der Frau Wiedemann, letzterer wegen Beihilfe, angeklagt. Der Angeklagte Zündorf hatte durch eine Bekannte erfahren, daß die Verkäuferinnen eines Neußer Kolonialwarengeschäfts alltäglich die Einnahmen zum Zentralgeschäft in Düsseldorf=Oberkassel bringen mußten. Das erzählte Zündorf der Frau Wiedemann und dem Kemmann. Auch der Ehemann Wiedemann war bei den Unterhaltungen zugegen. Frau Wiedemann entwarf dann einen Plan, der am 1. Dezember 1932 ausgeführt wurde. Auf der Löricker Straße fuhr Kemmann an die beiden Verkäuferinnen heran, entriß der einen die Aktentasche mit 1500 Mark Inhalt, während er die andere mit der Waffe in Schach hielt, und machte sich dann eiligst aus dem Staube. Die Beraubte rief einen in demselben Augenblick herankommenden Lastwagen an, der die Verfolgung aufnahm. Kemmann warf die Aktentasche weg und entkam. Erst vor wenigen Monaten konnte die Bande ermittelt und festgenommen werden. Die drei Hauptbeschuldigten waren geständig. Sie wurden unter Berücksichtigung mildernder Umstände— sämtliche Angeklagte waren nicht bestraft— zu je zweieinhalb Jahren Gefängnis verurteiltWiedemann kam mit fünf Monaten davon. Beraubung eines Kassenboten. — Köln, 6. Juli. Ein außerordentlich verwegener Raubüberfall wurde Freitag vormittag gegen 11 Uhr auf offener Straße in Köln=Mülheim ausgeführt. Ein Kassenbote der Firma Littringhaus u. Co. hatte von der Sparkasse einen Betrag von 3000 Mark für Lohngelder abgeholt, als er an der Ecke Hacketauerund von=Barr=Straße überfallen und ihm die Aktentasche mit dem Gelde geraubt wurde. Die Räuber fuhren mit einem Personenkraftwagen vor. der direkt vor dem Kassenboten hielt, sprangen aus dem Wagen und zwangen den Angestellten mit vorgehaltener Pistole zur Herausgabe des Geldes. Die Täter sind in dem Kraftwagen unerkannt entkommen. Tobsüchtiger sticht seine Tante nieder. — Berncastel, 6. Juli. Ein aus Lieser stammender junger Mann, der im benachbarten Croey bei Verwandten zu Besuch weilte, erlitt in der vergangenen Nacht plötzlich einen Tobsuchtsanfall. In der Küche des Hauses schlug er das gesamte Mobiliar und Porzellan in Trümmer. Als auf den Lärm hin seine Tante, eine alte Dame, hinzukam, stach der Tobsüchtige mit einem spitzen Eisen auf sie ein und brachte ihr schwere Verletzungen bei. Nur mit Mühe gelang es den herbeieilenden Nachbarn, den Mann schließlich zu überwältigen. Die schwer verletzte Frau schwebt in Lebensgefahr. Zwei Moselfahrer tödlich verunglückt. Kirn an der Nahe, 6. Juli. Zwei Motorradfahrer namens Klein und Neumülller aus Kirn kehrten am Dienstag von einer Fahrt an die Mosel zurück. Bei dem Orte Kallenfells fuhren sie mit ihrem Motorrad in einer Kurve mit aller Wucht gegen einen Straßenbaum. Klein erlitt einen doppelten Schädelbruch und war auf der Stelle tot. Neumüller starb kurze Zeit später an den Folgen der schweren Verletzungen. Die Leichen wurden von den Insassen eines vorüberkommenden Kraftwagens aufgefunden und in die Leichenhalle des Krankenhauses eingeliefert. Der deutsche Gesandtschaftssekretär in Brüssel tödlich verunglückt. Aachen, 6. Juli. Auf der Landstraße zwischen Verviers und Dolhein prallte am Mittwoch der aus Richtung Verviers kommende Kraftwagen des Sekretärs der deutschen Gesandtschaft in Brüssel, Karl Werner, mit einem Benzintankwagen zusammen. Durch den Zusammenprall wurde der Personenwagen zur Seite geschleudert und stürzte. Die drei Insassen des Wagens, der Gesandschaftssekretär, seine Frau und seine Tochter wurden schwer verletzt. Man brachte sie in hoffnungslosem stande nach Verviers, wo der Sekretär am Nachmittag um 17 Uhr seinen schweren Verletzungen erlag. Man hofft, seine Frau und seine Tochter am Leben erhalten zu können, doch ist ihr Zustand ernst. Ob irgend ein Verschulden bei dem Unfall vorliegt, konnte noch nicht ferstgestellt werden, doch handelt es sich bei dem Unglücksplatz um eine Stelle der Straße, wo bereits im vorigen Jahre vier Menschen bei einem Kleinbahnunglück getötet wurden. Wegen Werbung für eine Saarkundgebung verurteilt. DNB Saarbrücken, 6. Juli. Das hiesige Schnellgericht verhandelte am Freitag gegen drei Reichsdeutsche, die am Donnerstagabend in Saarlouis Handzettel verteilt hatten, in denen zu der Grenzlandkundgebung, die am 8. Juli in Leitersweiler stattfindet, aufgefordert wurde. Jeder der Angeklagten erhielt eine Geldstrafe von 300 Franken. im Nichtbeitreibungsfalle sechs Tage Gefängnis. Bernkastel=Cues, 6. Juli. Aus der Mosel gelandet. Im benachbarten Andel bemerkten zwei aus Düsseldorf kommende Paddler in der Mosel eine im Wasser treibende Leiche. Sie schafften sie ans Land und benachrichtigten die zuständigen Stellen. Wie die Ermittlungen ergaben, handelt es sich um einen 40 jährigen Mann aus Lieser, der beim Baden von einem Herzschlag betroffen worden war. Verkehrserziehung auf„Sächsisch“ Die Insel, auf der Tod und Hoffnung wohnen. Eine kleine Insel zwischen den Städten Hongkong und Kanton in der Riesenprovinz Kwantung(3 970 000 gkm) beherbergt seit 27 Jahren die größte Aussätzigenstation Chinas. Der neue Apost. Delegat Msgr. Zanin stattete dort vor kurzem einen Besuch ab. Der belgische Missionar P. Conrardy hat das St. JosefsAsyl von Scheklung— so heißt die Station— gegründet. P. Conrardy war Landsmann und langjähriger Mitarbeiter des Aussätzigenmissionars P. Damian in Molokai auf den Hawaii=Inseln. Nach dem Tode des Freundes begab er sich im Alter von 67 Jahren ins Vikariat Kanton nach China. Seine Liebe galt immer noch den Unglücklichen, denen er bis dahin sein Leben geweiht Eine originelle„Drohung“ gegen Verkehrssünder befindet sich an der Carola=Brücke in Dresden. Der Text:„Rechts wird geloofn, ihr Ludersch! ist echt sächsisch und beweist den Humor am Elbestrand. Nach vielen Fehlschlägen gelang es ihm, die kleine Insel zu kaufen und darauf das St. Josefs=Asyl zu errichten. Arm wie der letzte seiner Aussätzigen, verbrachte der belgische Missionar die letzten sieben Jahre seines entsagungsreichen Lebens inmitten der Siedlung. Im Jahre 1913 bot die Provinzialregierung von Kwantung der katholischen Mission einen Zuschuß an. Dafür sollte das Asyl offizielles Regierungsinstitut werden. Der damalige Vikar von Kanton nahm den Vorschlag an. Unter P. Conrardys Leitung wuchs das Heim und hatte bei seinem Tode bereits 700 Insassen. Der Nachfolger, P. Deswazières, wurde in seiner Arbeit von dem chinesischen Priester Tschao und einigen Ordensschwestern unterstützt und konnte an den weiteren Ausbau der Einrichtung auf christlicher Grundlage denken. Die notwendige Trennung der Geschlechter ist in dem Asyl durchgeführt. In Gruppen von 40 bis 50 bevölkern die Kranken die verschiedenen Pavillons. Jede Abteilung hat eine eigene Küche und eigene Vorratsräume. Außer der täglichen Ration(einem Pfund Reis, etwas frischem und etwas konserviertem Fleisch) erhält jeder Kranke allmonatlich eine ganz kleine Summe für seine privaten Bedürfnisse: Tabak, Süßigkeiten usw. Nach ihrem Handwerk und ihrer Vorbildung überhaupt verfertigen die Patienten eine Reihe von Handarbeiten, für die sie Entschädigungen erhalten. Die Arbeitsunfähigen hören teils Grammophonmusik, teils widmen sie sich dem Fischfang. Es ist überhaupt das Bestreben der Leiter des Asyls, den Unglücklichen durch Beschäftigung, Gewährung von Zerstreuung ihr bitteres Los zu erleichtern. Die Mehrzahl der Kranken wird vom Gesundheitsamt der Provinzialregierung in Kwantung geschickt. Die Leute kommen zumeist in äußerst verwahrlostem Zustand an. Man berechnet, daß in der genannten Provinz von 36 Millionen Einwohnern 50000 aussätzig sind. Die Gesamtzahl derer, die in Scheklung von 1914 bis 1931 Aufnahme fanden, beläuft sich auf 4604. Der Unterhalt eines jeden Kranken kostet 6 chinesische Dollar pro Monat. Bei 700 Kranken gibt das eine Summe von 50 400 Dollar pro Jahr. Noch nicht die Hälfte davon deckt die chinesische Regierung durch Zuschüsse. Für mehr als die Hälfte der Summe muß die katholische Caritas aufkommen. Die meisten Almosen spenden für dieses Asyl die Katholiken Nordamerikas. Das große Leprosenheim Scheklung predigt dem heidnischen chinesischen Volke die Liebe und Güte der katholischen Religion. Besucher haben Scheklung die Insel des Todes und der Hoffnung genannt. Und wirklich: die Schatten des Schmerzes und des Todes lagern ständig auf ihr. Aber gleichzeitig ist die Insel der Leuchtturm christlicher Hoffnung. So vielen Unglücklichen ist hier Licht und Freude geworden. Diese große Caritasanstalt durch die Nöte der Wirtschaftskrise hindurchzuretten, betrachtet die katholische Chinamission als eine ihrer wichtigsten Aufgaben. Denn nichts gewinnt in China auch heute noch so sehr für das Christentum, als die christliche Caritas. Misere knockout! Roman von Court Goelits. 32) (Nachdruck verboten.) „Ja, das wußte ich.“ „O warte, Melly! Und zu dieser unsauberen Geschichte, Onkel Tom: es verhält sich tatsächlich so, es fehlt dem armen Burschen, dem Kassierer, wiederholt Geld, und tatsächlich muß jemand im Besitz eines Nachschlüssels sein.“ „War es der Schlüssel, den du in der Tasche hattest?“ „Ich glaube es beinah selbst— die Frage ist nur: wie kommt er in meine Jackentasche!“ Gegen alle Erwartung hob Wangenheim mit einem gelinden Lächeln die Hand. „Ich traf Harrwitz und mit ihm war dieser— eh—“ „Kriminalpolizist?" „Ja, derselbe. Man hat dir schon etwas wie eine Abzeichnung dieses fatalen Objekts ins Pult gelegt: „Auch das weißt du schon?" fragte Klingenberg verblüfft. Wangenheim nickte. Doch es schien ersichtlich sein Wunsch möglichst schnell über diese Angelegenheit hinwegzukommen. „Bist du allein, Onkel Tom?“ „Nein, Elfe ist mit mir.“ Klingenberg faßte sich an den Kopf—„Harrwitz trafst du, Melly ist mit dir, ja wo sind denn die beiden?.. „Unterhielten sich im Torweg. Bin selbst erstaunt Ob noch, weiß ich nicht“, lächelte der alte Herr,„aber wahrscheinlich.“ Klingenberg fing zu nicken an und sein Mund spitzte sich von andern Dingen reden“, „Wir wollen einmal wünschte Wangenheim. „Ja, aber— gehst du denn so leicht über diese unmogliche Situation hinweg, in der du mich sahest? „Ich hörte bereits mancherlei und glaube auch, daß inzwischen draußen mancherlei Raupp geht mit größern Beträgen sehr leichtsinnig „Ich erfuhr durch Harrwitz davon.“ um „Die Auskünfte, die über ihn vorliegen, lauten nach dem Beamten im großen und ganzen nicht günstig. Dieser Mann vermutete übrigens das Intermezzo mit dem Schlüssel stark voraus.“ Klingenberg starrte den Oheim an. „Na, wir werden ja gleich hören“, lenkte dieser ein. „Zu anderm: Seit wann bereitet es dir Vergnügen, in „Ketten zu liegen“— erinnerst du dich an den Ausdruck?“ „Ja! Und seit wann? Seit du mir die hübschen Vorhaltungen gemacht hast. Bestandest du nicht auf— wie soll ich sagen— gewissermaßen einer Lehrzeit? Verlangtest du nicht Beweise eines guten und empfänglichen Willens, bevor an meine„Einreihung in die annehmbaren Menschen“ gedacht werden konnte, entsinnst du dich, Onkel Tom? Nun, ich wäre bald gekommen und hätte dir Bericht und Unterlagen über alles dies Gewünschte vorgelegt.“ „Mit einer großartigen Geste?“ „Ah“— Klingenberg nickte aufs neue: Melly tauchte in seinem Geiste auf und er sagte grimmig:„sie soll warten! Sie hat mich sowieso im Stich gelassen..“ „Wie das?“ Klingenberg sah auf seine Hände. „In Beziehung auf eine Angestellte mit Namen Sörbrokh?“ „Du bist im Bilde“, sagte Wangenheims Neffe. „Ich kenne den Fall“— und Wangenheim lächelte so unergründlich, daß Klingenberg reichlich rot wurde, ernster fügte Wangenheim hinzu:„— und ich selbst habe ihretwegen an Raupp geschrieben, die Sache müßte längst in Ordnung sein.“ Klingenberg entschlüpften zwei Worte:„Oh, der—!“ Vielleicht hernach“, wehrte Wangenheim.„Meine Worte damals sind also nicht auf unfruchtbaren Boden gefallen?“ Ich arbeite hier seit nahezu einem Jahr, und ich glaube kaum, daß einer pünktlicher und gewissenhafter gewesen ist. Du darfst Erkundigungen einziehen, lieber Onkel. Raupp allerdings müßte ich als befangen ablehnen“, lächelte Klingenberg. „Alles schön. Und wie denkst du dir die Sache nun? — jetzt nach deiner großartigen Geste? Oder hast du dich auf diesem Kontorschemel so eingelebt, daß du bis an dein Lebensende—“ „Nein, das gerade nicht.“ „Aber?“ „Natürlich kann man nicht ohne Arbeit leben, ich hab's mittlerweile selber eingesehen. Ja, vielleicht kann man sich ohne Betätigung sattessen, wenn man's dazu hat— aber es macht sich doch auf die Dauer etwas in einem bemerkbar, ich wenigstens spürte es bald und werde es nicht mehr los. Ach doch, es war eine ganz schöne Zeit. Meine Freude waren die Abende, die Sonnabende, die Sonntage— du lachst doch nicht?—, sie schmeckten mir eben besser, weil ich tagsüber, die Woche über sozusagen hungerte... Und im übrigen, muß ich sagen, genügte mir vollauf das Bewußtsein...“ „Alles wohl und schön— und nun? Antworte mir klar und deutlich.“ „Ach so, entschuldige.“— Klingenberg schloß das Fenster wieder, ihn fröstelte allmählich.„Ja, ich will dir offen sagen, ich wäre bald mit meinen„Unterlagen“ zu dir gekommen und hätte dich um Rat gebeten, ja— und — was wäre deine Antwort gewesen?.“ Es klopfte an die Tür. XXXXII. Es waren Melly und Harrwitz. Klingenberg streckte beide Hände aus, die eine nach rechts, die andere nach links, die eine nahm Melly, die andere Harrwitz. „Das ist ja ein köstliches Theater hier“, fand Melly. „Du hast ja nett geschwiegen“, nickte Klingenberg sogleich mit einem Entschuldigung suchenden Blick auf Wangenheim, der ganz zufrieden dreinsah. „Ich fand es für besser, zu sprechen, Manfred.“ „Nun— ich auch. Frage Harrwitz, hier steht er ja.“ Pause. „Du“— weiß der Himmel, was ihm Melly entgegenschleudern wollte, sie brachte es nur zu dem flammendsten ihrer Blicke. „Hab dich nicht so“, meinte Klingenberg unberührt, „Harrwitz weiß nun doch einmal, daß du eine von den Frauen bist, die Nein sagen— müssen, wenn sie zehnmal Ja sagen wollen, ist's wahr oder nicht, Harrwitz, weißt du jetzt nicht ganz genau über Melly Bescheid?“ „Ich möchte Fräulein Sörbrokh sprechen“, suchte Melly in heller Verzweiflung einen Ausweg,„ich habe sie nirgend gesehen.“ Es pochte erneut Diesmal war's eine der Stenotypistinnen. „Das ist Fräulein Wildfeuer“, erklärte Klingenberg. Olga stand ziemlich steinern an der Tür, durch die sie hereingekommen war, sicher hatte sie andere Szenen erwartet. „Sie wünschen?“ fragte Wangenheim, der noch in Raupps Sessel lehnte. Olgas Augen flackerten von einem auf den andern. „Ich— habe— etwas zu—“ „— sagen, das scheint mir auch“, sagte der alte Herr mit dem silberweißen Schnurrbart, und alle lächelten. „Sie sind doch sonst nicht so hilflos“, ermunterte Klingenberg in so heiterer Tonart, daß Olga schier umfiel vor Staunen. Doch alle sahen sie an, und sie mußte sich fassen, ihre Stimme bebte vor Erregung:„Ich— habe gestern abend Herrn Raupp an Ihrem Spind gesehen Herr Klingenberg...“ Klingenbergs Augen strichen reihum.„An meinem Spind?— ja?...“ „Er machte sich daran zu schaffen.“— Olga rang sich durch:„Ja, ich war später wie gewöhnlich in der Garderobe, und er hat mich nicht gesehen...“ „Bitte sprechen Sie weiter“, nickte Wangenheim ermunternd. „Herr Raupp war in großer Hast und ging schnell wieder fort...“ „Ihr müßt wissen“, schaltete Klingenberg dazwischen. „mein Spind ist stets unverschlossen, man bewahrt ja dort keine Reichtümer.“ „Soll denn Raupp wirklich so dumm sein und angenommen haben—“ Harrwitz sagte dies und schüttelte den Kopf. „Sie meinen also, mein Fräulein", lautete Wangenheims Frage,„Herr Raupp könne Herrn Klingenberg etwas in den Taschen seiner dort hängenden Sachen gesteckt haben?“ „Ja." „Dann sagen Sie es ihm auch jetzt noch nicht, da Herr Raupp gewiß in seiner Nähe ist. Rufen Sie doch Herrn Raupp und diesen andern einmal herein, bitte.“ „Das wäre ja eine ganz unerhörte Niedertracht“, machte Melly ihrem Herzen Luft, und zufällig war es Harrwitz, der dabei im Bereich ihres Blickes stand. Eine Niedertracht, die Harrwitz sprachlos zu machen schien, aber er lächelte— (Fortsetzung folgt.) Aus Münster und dem Münsterland. w li u 1 n g s. 1 t ( 1 ergünstigungen für die Besucher der Nordseeinseln. Hierzu teilt uns die Pressestelle der Reichshndirektion Münster folgendes mit: Wie im vergangenen Jahre gibt der Tarifverband den Nordseebäderverkehr(ostfriesische Inseln)— Geiftsführung: Reichsbahndirektion Münster(Westf.)— laubskarten nach den Inseln Baltrum, Borm(Nordseebad), Juist, Langeoog, Nordery, Nordseebad Wangerooge und Spieroog aus, die vor den nur für den Reichsbahnbiniverkehr gültigen Urlaubskarten den Vorzug haben, 3 der Besucher der Inseln sich erst am Rückreisege zu entschließen braucht, welchen Rückg er neymen will. So hat ein Reisender, der er Bremen—Carolinensiel mit dem Reichsbahndampfer ch Wangerooge gefahren ist, die Wahl, auf der Rückse entweder den gleichen Weg zu nehmen oder von angerooge nach Wilhelmshaven oder Bremerhaven mit n Schiff zu fahren und von diesen Städten aus heimahren. Oder der Reisende fährt über Norddeich nach rderney; er kann denselben Weg für die Rückfahrt betzen oder aber über Helgoland nach Wilhelmshaven er Bremerhaven mit dem Schiff fahren und von da aus Heimreise fortsetzen. Will der Reisende außerdem f dem Festlande noch einen Umweg achen, so ist auch dies möglich, wenn der Umweg ht länger als ein Drittel des kürzeren Heimweges ist. A Münster, 6. Juli. Am Montag Große Prozession. r Erinnerung an den großen Brand von 1383 nach t im Jahre vorher erlebten großen Pest, durch die ünster zum großen Teile vernichtet wurde, geht seit 5½ hrhunderten die Große Prozession durch die Straßen r Altstadt, nachdem Fürstbischof Christoph Bernhard von ilen(1650—1678) sie in eine Sakramentsprozession umwandelt und ihr dadurch den bisherigen Chgrakter als ißprozession genommen hat. Seit vielen Jahrzehnten ist zweite Montag im Juli stets der Großen Prozession rbehalten, und so wird sie sich auch dieses Mal durch Straßen der altehrwürdigen Bischofsstadt am nächsten ontag bewegen. Morgens um 7 Uhr ist, während der te Teil der Prozession sich bereits durch die festlich gemückten Straßen der Stadt bewegt, im Hohen Dome 1 feierliches Hochamt. Um 8 Uhr verläßt dann das inktissimum in Begleitung des Bischofs, des Domkapis und des übrigen Klerus den Dom. Es wird damit rechnet, daß die Prozession erst gegen 11½ Uhr wieder den Dom einzieht. + Münster, 6. Juli. Großer Erfolg eines münsterien Künstlers. Auf der Düsseldorfer Gemeinschaftsausllung wurde das Doppelbildnis„Meine Frau und ich“ s münsterischen Malers Karl Busch vom Reichsmiter für Volksbildung, Rust, zum Preis von 700 Rm. gekauft. Ferner wurde auf der Ausstellung in Duisrg zur Erlangung der besten Eltern= und Familiendnisse das Gemälde„Münsterländische Bauernfamilie“ n dem gleichen Maler mit einem Preis ausgezeichnet. A Münster, 6. Juli. Neuernennung der Mitglieder neraldirektion der Landschaft. Auf Vorschlag des asschusses der Landschaft der Provinz Westfalen sind zu itgliedern der Generaldirektion neu ernannt worden: r bisherige Generallandschaftsdirektor Dr. jur. et il. Wilhelm Kellermann(Münster), der bisherige ndschaftsdirektor und Landschaftssyndikus, Amtsgerichtst Leonhard Hobbeling(Münster), beide auf benszeit, und der Landwirt Walter Große Leege aus Brüggen bei Unna), zum Generallandschaftsrat renamtlich auf die Dauer von sechs Jahren. A Münster, 6. Juli. Die Saarkinder für den Gau estfalen=Nord eingetroffen. Der Bahnhofsvorplatz stand ute abend schwarz voll Menschen, die der Ankunft der tarkinder harrten, die von Münster aus auf den ganzen zu verteilt werden sollen. In der Seitenhalle des aihnhofsgebäudes, wo die NS. Jugendformationen mit ren Wimpeln aufgestellt worden waren, begrüßte Bannhrer Bühner die Kinder in herzlichen Worten. Naens der NS. Volkswohlfahrt hieß Gauabteilungsleiter einzelmann als Vertreter der NSV. Westfalenord willkommen und wünschte ihnen erholungsreiche rien. Mit Kraftwagen der Polizeischule fuhren dann e Saarkinder, auf dem Bahnhofsvorplatz von winkenden d rufenden Menschen herzlich begrüßt, zum Antoniusft, von wo aus sie über den ganzen Gau Westfalenord verteilt werden. "Münster, 6. Juli. Die B deanstalt am Aasee erfnet. Schon lange machte das wilde Baden am schönen asee die Errichtung einer Badeanstalt dringend erforrlich, die bereits im Vorjahre in Aussicht gestellte Badeistalt ist in diesem Jahre errichtet und am heutigen age eröffnet worden. Durch das neue Verfahren, die ellen lediglich zum Umkleiden benutzen zu lassen und die gegebenen Kleider gesondert aufzubewahren, ist Platz ilde Baden und mehr noch das in ungedecktem Gelände für 400 Badende geschaffen worden. Fürderhin wird das auffällige An= und Auskleiden verboten sein. Die Eintrittspreise der neuen Anstalt sind derart gering, daß es jedem möglich sein sollte, die Einrichtung zu benutzen und auf das wilde Baden zu verzichten. ( Münster, 5. Juli. Wilderer wandern ins Gefängnis. Kriminalsekretär Trost stieß beim Suchen nach einem Einbrecher, der die Molkereien im Münsterlang heimgesucht hatte, auf einen gewissen W., der lange Zeit in Buldern und Hiddingsel in Kreisen von Wilderern verkehrt hatte. Dieser W. gestand ein, daß er zusammen mit N. und B. aus Buldern ein erlegtes Reh fortschaffte. Das Schöffengericht in Münster sah in B. den Schützen, der zur Schonzeit eine Ricke erlegte, und in W. seinen Gehilfen. Es verurteilte darum beide, und zwar einen jeden zu drei Monaten Gefängnis. Der Dritte im Bunde, N., kam mit einer Geldstrafe von 30 Mark davon. A Coesfeld, 6. Juli. Künstlerische Ausgestaltung der Ludgerirast. Unweit des Benediktinerklosters Gerleve, an der uralten Landstraße nach Billerbeck, bezeichnete von alters her ein schlichtes Holzkruzifix die Stelle, an der im Jahre 809 der hl. Ludgerus nach einer Predigt in Coesfeld, seiner letzten, noch einmal auf den Höhen der Baumberge=Ausläufer ausgeruht hat.„Ludgerirast“ nennt der Volksmund diese Stelle ehrwürdigen Gedenkens. Jetzt ist hier von dem als Bildhauer bekannten Benediktinerbruder Dominikus ein würdiges Erinnerungsmal errichtet worden, das seiner Vollendung entgegengeht. Ein in moderner Klinkertechnik errichtetes Kreuz mit ausdrucksvollem Kruzifixus überragt die neue Denkmalsgruppe. Zu Füßen des Kreuzes soll der heilige Ludger als Sterbender verewigt werden. So wird diese altehrwürdige Stätte der Nachvelt in würdiger Weise überliefert. A Haltern, 6. Juli. Personenauto rennt eine Tankstelle um. Ein mit Reichswehrsoldaten besetzter Personenkraftwagen konnte anscheinend unweit des Rekumer Tores die Kurve nicht glatt bekommen und rannte gegen die Tankanlage, deren Säule mitsamt der Betoneinfassung vollständig niedergerissen wurde. Von den Autoinsassen wurden anscheinend nur einige leichter verletzt. Die besten Rundfunksprecher stellen sich vor. Ausscheidungswettbewerb des Deutschlandsenders in Frankfurt a. O. Der große Wettbewerb des Preisausschreibens der Reichssendeleitung und des Reichsverbandes Deutscher Rundfunkteilnehmer e. V.,„Wir suchen die besten Rundfunksprecher!“, hat mit Recht im ganzen Reiche eine gewaltige Anteilnahme und größtes Interesse der Bevölkerung erweckt. Dieses Interesse findet seine Ursache nicht allein in der Tatsache, daß heute schon Millionen deutscher VolksRichtlinien für den Saisonschlußverkauf für den Gezirk der Industrie- und Handelskammer Münster. Der Beginn tag, den 30. Juli, August, festgesetzt. Im Bezirk der Industrie= und Handelskammer Münster gelten für den Saisonschlußverkauf im Sommer 1934 folgende Richtlinien: des Saisonschlußverkaufs ist auf Mondas Ende auf Samstag, den 11. Für folgende Warengruppen ist ein solcher Verkauf zulässig: 1) Textilwaren und Konfektion, 2) Damenhüte und Putzwaren, 3) Textile, Teppiche. Gardinen und Vorhangstoffe. 4) Schirme und Stöcke, 5) Schuhwaren, 6) Lederwaren einschl. Reisekoffer, 7) Glas=, Porzelan= und Majolikawaren. Ausgenommen von dem Saisonschlußverkauf sind jedoch ausdrücklich u. a. folgende Waren: glatte, weiße leinene Wäschestoffe, glatte, weiße halbleinene Wäschestoffe, glatte, weiße baumwollene Wäschestoffe, glatte, ungemusterte, ungarnierte Bettwäsche, Inletts, Bettfedern, Kapok und sonstiges Bettenfüllmaterial, Matratzen, Bettstellen. Berufskleidung, Herren= und Knabenhüte und=mützen, Fahnen und Fahnenstoffe. Von der Regierung in Münster sind hinsichtlich der Ankündigung nachstehende Beschränkungen angeordnet: 1. Auf den Saisonschlußverkauf bezugnehmende Ankündigungen und Mitteilungen jeglicher Art dürfen nicht früher als 24 Stunden vor dem Beginn der Verkäufe erfolgen. Die vorzeitig erfolgenden Ankündigungen und Mitteilungen müssen deutlich und umißverständlich den Tag des Beginns der Veranstaltung angeben. Unstatthaft sind jedoch solche vorzeitigen Ankündigungen und Mitteilungen, die durch Schaustellung von Waren in Schaufenstern, Schaukästen und dergleichen erfolgen. 2. Es ist nicht statthaft, im Zusammenhang mit dem Saisonschlußverkauf in öffentlichen Bekanntmachungen oder Mitteilungen, die für einen größeren Personenkreis bestimmt sind, Waren zum Verkauf anzubieten, die nach ihrem Verwendungszweck und dem Zeitpunkt ihrer Anschaffung oder Herstellung durch den Verkäufer für den Vertrieb oder Verbrauch in dem künftigen Verbrauchsabschnitt(Saison) bestimmt sind. Das Angebot von Waren aus früheren Verbrauchsabschnitten ist zulässig. 3. Die Schreibweise des Wortes„Saisonschlußverkauf“ ist in folgenden Formen als zulässig anzusehen: 1. Saisonschlußverkauf(ohne jede Trennung), 2. Saisonschluß=Verkauf(einmalige Trennung nach „Saisonschluß“), 3. Saison=Schluß=Verkauf(Trennung in drei Wortbestandteile). Unerheblich ist hierbei, ob die genannten Schreibweisen Trennungsstriche aufweisen oder nicht. Bei allen drei Formen der Schreibweise dürfen aber n keinem Falle die Wortbestandteile„Schluß“ oder„Schlußverkauf“ irdie 74. Versteigerung der Westfälischen Herdbuchgesellschaft. A Hamm, 6. Juli. Die Westfälische Herdbuchgesellschaft für die Zucht s schwarzweißen Tieflandrindes veranstaltete heute hier den städtischen Zuchtviehhallen ihre 74. Versteigerung on Zuchtvieh, zu der von 53 Besitzern 69 Tiere angeeldet waren: 29 ältere und 22 jüngere Bullen, sowie Rinder und Kühe, die sämtliche dem Tuberkulose=Tilingsverfahren angeschlossen sind. Die der Versteigerung praufgehende Prämiierung r Tiere hatte folgendes Ergebnis: Aeltere Bullen: 1a=Preis„Großfürst“, Bes, Florenz önjes in Oldendorf bei Borgholzhausen; 1b.„Hugo“, es. Freiherr von der Borch. Holzhausen bei Höxter; 1.„Groll“, Bes. Wilhelm Temme in Oldendorf bei sorgholzhausen; 2b.„Ganges“, Bes. Frhr. v. d. Borch, olzhausen; 2c.„Bornester“, Bes. Th. Wißling, Altahlen i Ahlen; 3a.„Gutram“, Bes. Heinrich Spreckelmeyer in oltfeld bei Halle; 3b.„Gläubiger“, Bes Bernhard Breh in Ahlen; 3c.„Hallo“, Bes. Freiherr von Kanne, reitenhaupt bei Höxter. Jüngere Bullen: 1a=Preis Soldat“, Bes. Dr. Dietch Hahne in Schwefe; 1b.„Bernd“. Bes. Johannes roßelümern in Röckinghausen bei Wiedenbrück; 1c. erzog“, Bes. Frhr. v. d. Borch in Holzhausen; 2a. reigraf“. Bes. Karl Blume in Heppen bei Soest; 2b. olist“, Bés. Dr. Hahne in Schwefe; 2c„Blücher“, Bes. riedrich Jacobi in Cörbecke bei Warburg; 2d.„Kronrinz“, Bes. Heinrich Heitmeyer in Tengern bei Lübbecke; a.„Benno“, Bes. Karl Schulze Roetering in Ahlen; b.„Sakra“, Bes. Dietrich Schulze Schwefe in Schwefe; x.„Georg“. Bes. Gutsverwaltung Merlsheim bei höxter. Rinder und Kühe wurden diesmal nicht praiiert. Wie die gestern in Münster abgehaltene Versteigerung son rotbuntem Zuchtvieh stand auch diese unter dem nieerdrückenden Einflusse der furchtbaren Dürre. Die Züchter haben nicht den Mut, neue Tiere zu erwerben, da sie nicht wissen, ob sie ausreichende Futtermittel zum Durchhalten der Tiere ernten werden. Daher zeigte die Versteigerung denn auch nur schwachen Besuch und geringe Kauflust. Infolgedessen waren auch die Durchschnittspreise unbefriedigend, während die Spitzenpreise gerade noch der vorzüglichen Qualität der Spitzentiere gerecht wurden. Den höchsten Preis von 2000 Reichsmark erbrachte der Jährlingsbulle„Soldat“ aus der Zucht von Dr. Dietrich Hahne in Schwefe, ein„Sokrates“=Sohn, wie sich denn auch die„Sokrates“=Söhne im allgemeinen gut präsentierten.„Soldat“ war übrigens der Siegerbulle dieser Schau. Der zweithöchste Preis von 1850 Rm. wurde für den„Grobian“=Sohn„Großfürst“ gezahlt, wobei erwähnt zu werden verdient, daß die „Grobian“=Söhne wieder durch Masse und Knochenstärke auffielen. War„Großfürst“ ein 16 Monate altes Tier aus der Zucht von Florenz Tönjes in Oldendorf bei Borgholzhausen, so war der Bulle„Hallo“, ein„Hasdrubal=2“=Sohn aus der Zucht des Freiherrn von Kanne auf Breitenhaupt bei Höxter, für den der dritthöchste Preis von 1500 Rm. gezahlt wurde, nur elf Tage jünger. Die„Grobian“=Söhne präsentierten sich besser. Der Siegerbulle„Soldat“ wurde von der Provinzial=Gutsverwaltung Eickelborn(Kr. Soest) erworben, den Bullen „Großfürst“ ersteigerte die Bullenhaltungsgenossenschaft Friedewalde im Kreise Minden, und der Bulle„Hallo“ ging in den Besitz der Bullenhaltungsgenossenschaft Ahlhausen bei Bad Driburg über. Insgesamt wurden 28 ältere Bullen zum Gesamtpreise von 15 610 Rm. umgesetzt, was einem Durchschnittspreise von 558 Rm. entspricht. Für die 18 jüngeren Bullen wurde ein Gesamtpreis von 15 510 Rm. erzielt, so daß sich hierfür ein Durchschnittspreis von 584 Reichsmark ergibt. Der Gesamtdurchschnittspreis für alle 46 verkauften Bullen stellt sich auf 568 Rm. bei einer Gesamteinnahme für Bullen von 26 120 Rm. Von den Rindern und Kühen wurden 15 Tiere für einen Gesamtpreis von 4530 Rm. umgesetzt, was einem Durchschnittspreise von 302 Rm. gleichkommt. Den höchsten Preis erzielte die 3½jährige Kuh„Ella“ aus der Zucht von Heinrich Consbruch in Brockhagen bei Halle. gendwie(z. B. durch größeren Druck, durch andere Farbe oder durch die Anordnung als solche) vor den übrigen Wortbestandteilen hervorgehoben werden. Dagegen können die Wortbestandteile„Saisonschluß“ gegenüber dem Wortbestandteil„Verkauf“ bei allen drei Formen der Schreibweise stärker herausgestellt werden, wenn dies vollig gleichmäßig für die Bestandteile„Saison“ und„Schluß“ erfolgt. Im übrigen ist von den Firmen noch folgendes zu beachten: Vor Ladenschluß am Samstag, den 28. Juli dürfen in und an Schaufenstern keinerlei sichtbare Ansündigungen des Saisonschlußverkaufes erscheinen. Auch ist es nicht statthaft, Preisherabsetzungen durch Gegenüberstellung der früheren und der während des Saisonschlußverkaufs gültigen Preise anzukündigen oder Waren unter der Bezeichnung„Regulär“ oder einer ähnlichen, gleichbedeutenden Bezeichnung anzubieten. Ehenso ist marktschreierische Reklame nicht mehr zulässig. Auch sollen Sonderveranstaltungen jeder Art in der Zeit vom 2. Juli bis Samstag, den 28. Juli, und vom 13. August bis 8. September nicht abgehalten werden. Als Restetage sind nur die letzten drei Tage des Saisonschlußverkaufs erlaubt. Die Firmen sollen weiter auf Rabattankündigung und=gewährung verzichten. Unberührt bleiben davon die ortsüblichen Rabatte bis zu 3 Prozent auf Waren, die nicht diesem Schlußverkauf unterliegen, ferner die sogenannten Schneider= und Mengenrabatte. Das Verteilen von Handzetteln auf öffentlichen Straßen und Plätzen ist nicht zulässig. genossen begeisterte Rundfunkhörer sind, sondern es beweist, daß immer weitere Volkskreise die ungeheuere Bedeutung des Rundfunks als Mittler zwischen Führung und Nation erkennen, als einen wichtigen Faktor des praktischen Gemeinschaftslebens und zugleich als Künder aller Lebensäußerungen des Volkes. Die Erfindung und Ausgestaltung des Rundfunks ist für das Geschehen auf nahezu allen Gebieten des öffentlichen Lebens von einer Bedeutung, die garnicht hoch genug einzuschätzen ist. Hat der Rundfunk doch eine völlig neue Entwicklung der seelischen und geistigen Beeinflußung der Gesamtheit des Volkes eingeleitet und ist so zu einem maßgeblichen Instrument der weltanschaulichen Schulungs= und Erziehungsarbeit im nationalsozialistischen Staat geworden. So gilt also die Durchführung des großangelegten Preisausschreibens der Reichssendeleitung in erster Linie auch dem Zweck, im Volke das Verständnis und das Interesse für die Bedeutung und die Aufgaben zu erwecken und zu vertiefen. Nachdem in fast allen Kreisen der einzelnen Gaue Veranstaltungen stattgefunden hatten, in denen das Publikum aus den an den Kreiswettbewerben teilnehmenden Sprechern die besten erwählte, wurde diesen Preisträgern von den Intendanten Gelegenheit zu einem Kurzhörbericht von 3 Minuten Dauer gegeben. In dieser Prüfung wurden nun die 10 besten Rundfunksprecher herausgestellt. Sie werden nun in dem Ausscheidungswettbewerb, der entscheidend ist, um den Sieg zu streiten. Somit ist also der Höhepunkt des großen Rundfunksprecher=Wettbewerbs in unmittelbare Nähe gerückt. Am Samstag, dem 7. Juli wird der Deutschlandsender in einer großangelegten Veranstaltung im Konzerthaus„Bellevue“ in Frankfurt an der Oder den Hörern im ganzen Reich die Rundfunksprecher, die aus dem Ausscheidungswettbewerb als Sieger hervorgehen und den Nachweis für den deutschen Rundfunk bedeuten, vorstellen. Die getroffenen Vorbereitungen lassen schon heute erwarten, daß diese Veranstaltung nicht nur für die Teilnehmer in Frankfurt, sondern auch für alle Volksgenossen, die diesen Abend aus der Ferne miterleben werden, zu einem Ereignis ganz besonderer Art werden wird. Turnen, Spiel und Sport. Die Säuberungsaktion beginnt! Wie wir hören, beginnt jetzt im Kreise Münster nach abgeschlossener Meisterschaftsspielzeit die vom Kreisführer schon seit längerer Zeit angekündigte Säuberungsaktion. Auf Grund der in der letzten Spielzeit vorgekommenen Platzverweise und sonstigen Vergehen wird der Kreisführer Boymann nunmehr selbst die Aktion leiten. In diesen Tagen werden die betreffenden Vereinsführer nähere Mitteilungen erhalten. Einige Spieler werden direkt Mitteilungen bekommen. Es gilt, alle Spieler, die sich in der vergangenen Zeit nicht als Sportkameraden aufgeführt haben, auf die Pflicht einer würdigen Repräsentation des Deutschen Fußballbundes und der Deutschen Sportbehörde hinzuweisen und sie zu ermahnen, in der kommenden Serie restlos ihre Pflicht zu tun. Wie wir schon mitteilen konnten, sind für die neue Spielzeit für Spieler und sonstige Sportfunktionäre schwere Strafen in jedem Falle angedroht, wo die Pflicht verletzt wird. Disziplin und Kameradschaft sollen wieder — wie das früher auch im Sportleben der Fall war— zur Grundlage der großen sportlichen Arbeit an Volk und Vaterland gemacht werden. Im Falle Sportverein Warendorf ist nunmehr auch das Urteil gefällt worden. Der betr. Jugendbegleiter hat einen strengen Verweis erhalten, der Spielführer der 1. Jugend von Warendorf ist seines Amtes enthoben worden, und auch der Verein hat eine Geldstrafe wegen Mitwirkung eines Seniorspielers in der Jugendmannschaft erhalten. Die Tellspiele in Tecklenburg. Bereits in den ersten vierzehn Tagen nach der festlichen Eröffnung der Freilichtbühne auf der altersgrauen Schloßruine sind aus dem Münster=, Ems= und Bielefelder Land weit über 15 000 Menschen zum Besuch der Tellspiele erschienen. Ein durchschlagender Erfolg, der die aufgewandten Mühen der langwöchigen Vorbereitungen reichlich lohnt, und der die Kraft, Begeisterung und innere Anteilnahme der wackeren Spitzengemeinschaft steigert. Es ist nicht nur das Wort von der schönsten Freilichtbühne Westdeutschlands, die Tecklenburg diesen guten Besuch bringt, es ist in erster und entscheidender Hinsicht das Tellspiel. Tecklenburg hat bei seinen Freunden noch aus dem Jahre 1924 einen guten Klang, man kennt die Freude und völlige Hingabe der Bergstädter an ihr Spiel und man weiß, daß gerade hier, wie kaum anderswo, die Spitzengemeinschaft aus Boden, Heimat und Volkstum hervorging und immer wieder dorthin zurückkehrt, man fühlt die ehrliche und reine Absicht, einer hohen und edlen Sache zu dienen. So ist in Tecklenburg in gegebenem Rahmen unter kundiger Leitung ein großes Werk erwachsen das noch zu Tausenden die Besucher erfreuen, erheben und entzünden wird. Schon die Erstaufführung des Spieles hinterließ— wie wir seinerzeit berichteten— bei allen Zuschauern einen nachhaltigen Eindruck. Jedermann stand im Banne des fesselnd gestalteten und mit hinreißender Begeisterung gespielten„Wilhelm Tell“. Die Spielgemeinschaft der Tecklenburger Bürgerschaft stand mit starker innerer Anteilnahme und tiefem Verständnis zu ihrem Spiel. Bauer neben Bürgersmann, Beamter neben Kaufmann, jung und alt, sie alle vereinten sich zu einer Gemeinschaft, die die schöpferische Leistung ihrer Führer trug. Das ist auch wohl der schönste Gewinn dieser Freilichtspiele, dies Sichfinden in einer Gemeinschaft, um hohe Leistungen möglich zu machen. Zwar wird es dem Spielleiter Hans Wilhelm Kleffner nicht immer leicht gewesen sein, die ungeschulte Menge auf ungewohnten Wegen zu führen, aber der Wille zur Leistung, zur großen und überzeugenden Leistung, ebnete die Schwierigkeiten, ermöglichte zielbewußtes Arbeiten. Und als Lohn und Anerkennung können die Tecklenburger den starken Besuch ihrer Spiele und die aufrichtige und innerliche Begeisterung der Besucher ansehen. Vor 10 Jahren spielte man an gleicher Stätte den „Tell“. Aber eine Kluft liegt zwischen der Aufführung von 1924 und heute. Damals mußte man es als mutige Tat bezeichnen, altes Volksgut zu pflegen. Und unter diesem Gesichtspunkte wurden die Spiele ersonnen und auch durchgeführt. Ohne Zweifel übertrugen sich diese Gedanken auch auf die Aufführung selbst. Man nahm die zahlreich sich bietenden Gelegenheiten freudig wahr, altes heimatliches Volksgut, Tänze, Spiele und Lieder, in die Aufführung einzubeziehen. Nur zu verständliches Beginnen. Aber heute steht man dem Spiel von einer anderen Front gegenüber. Heute geht es nicht darum, altes Volksgut zu pflegen. Das wurde Selbstverständlichkeit. Heute bewegen den deutschen Menschen andere Gedanken, andere Spannungen und Probleme. Und aus diesen heraus wurde das Spiel gestaltet. So kam man zu einer politischen Auffassung des„Wilhelm Tell“ und zu einer politischen Gestaltung des Tellspieles. Der Freiheitskampf des Schweizer Volkes wird dem Kampf der deutschen Menschen an der Saar gegenübergestellt. So wird das Stück beziehungsreich mitten in die Gegenwart hineingestellt. So bleibt es nicht nur Handlung, Spiel und Gestaltung, so wird es zum laut tönenden Bekennta von den Spielern intoniert und von den Zuschauern auf gegrifen. Wenn auf Rütli die von Uri, Schwyz und Unterwalden die Hände zum heiligen Schwur zusammenlegen, erheben sich die langen Reihen der Zuschauer, und mit erhobener Hand schwören sie den Schwur:„Wir wollen sein ein einig Volk von Brüdern!“ So gesehen und gestaltet muß das Spiel den Zuschauer fesseln. Hinzu kommt dann noch die für ein Photo. Kipkr, Lengerich i. W Ausschnitt aus der Apfelschußszene. Laienspiel außergewöhnlich gute spielerische Leistung. Zwar leitet das Spiel ein Berufsschauspieler und stehen in den Hauptrollen Berufsschauspieler, doch wären sie ohne die willige Gemeinschaft der Tecklenburger Bürger vereinsamt. Darin aber lag das Gute der Aufführung, daß die Fachspieler die Laien unmerklich aber doch sicher führen und das aus ihrer gemeinsamen Arbeit das große Werk gelingt. Die Berufsspieler stehen inmitten einer aus unbekümmerten und unbeschwerten Herzen schaffenden Gemeinschaft, sie sind ein Teil in ihr geworden. Deshalb soll das Lob für die spielerische Leistung nur der namenlosen Gemeinschaft gespendet sein. Und ihr wird es in diesem Sommer noch tausendfach gespendet werden, denn die Tecklenburger Bühne darf nicht nur die beste Bühne ihr eigen nennen, sondern kann auch mit ihrem Spiel getrost jeden Wettbewerb aufnehmen. » * 3 3 . 2 Beilage Nr. 184 Samstag, den 7. Juli 1934 Was wird aus der Erklärungen des Chefs des Stabes. DNB Berlin, 6. Juli. Der Chef des Stabes der SA, Viktor Lutze. wurde von einem Vertreter des„Angriff“ über die Zukunft der SA befragt: „Mein Chef des Stabes, wußten Sie ebenso wie der Führer, Hermann Göring, Dr. Goebbels und einige andere aus der Umgebung des Kanzlers schon vor Wochen von der bevorstehenden Rebellion der ehemaligen SA=Führer?“ „Ich erfuhr von dem verräterischen Treiben Röhms und seiner Umgebung erst, als sich die Lage wirklich zugespitzt hatte. Ich wurde dann als einer der ältesten SA=Führer Deutschlands, der übrigens auch schon seit langem Front gemacht hatte gegen die Linie der obersten SA=Führung, vom Führer hinzugezogen, um bei der Niederschlagung der Rebellen mitzuwirken. Zu dem Kreis der Vertrauten und Freunde Röhms gehörte ich nie.“ „Kam die eyrenvolle Berufung zum Chef des Stabes der SA für Sie überraschend?“ „Ja, das war schon eine Ueberraschung für mich. Ich hatte niemals daran gedacht, daß ich einmal Chef des Stabes werden würde, vor allem deswegen nicht, weil ich auch nicht den Ehrgeiz hatte, es zu werden.“ „Glauben Sie, daß die Verräter mit ihren verbrecherischen Plänen bei der SA irgendwie Aussicht auf Erfolg gehabt hätten, wenn der Führer dem Spuk nicht im letzten Augenblick ein jähes Ende gemacht hätte?“ Der Chef des Stabes erklärt mit aller Entschiedenheit, daß kein SA=Mann zu dem Verräter Röhm gestanden hätte. Bei dem ganzen Spuk handelte es sich lediglich um eine reine Führerrevolte. Und auch von den Führern war es nur ein ganz kleiner Kreis, der die Rebellion mitmachen wollte. „Es ist also tatsächlich so, daß der einfache und unbekannte SA=Mann und seine Führer nichts von dem seit Wochen vorbereiteten verräterischen Unternehmen der Obersten Führerclique wußten und daß sie infolgedessen keineswegs belastet sind?“ „Nein, die SA braucht sich wirklich nicht zu schämen, weil ein kleiner Kreis ihrer bisherigen Führer zu Verrätern wurde. Sie sollte von denen nur mißbraucht werden, steht aber heute makellos da. Mit Stolz kann ich sagen, daß die gesamte SA sauber ist und demnächst wieder mit erhobenem Haupt das Braunhemd tragen kann. Der Führer steht selbstverständlich treu zu ihr und liebt sie. Wäre sein Verhältnis zu ihr auch nur ein bißchen getrübt, er hätte sie ja auflösen können. Oder er hätte nicht die alte Garde damit beauftragt, dort, wo noch etwas faul sein sollte, für gründliche Säuberung zu sorgen.“ Auf die Frage, ob von der ehemaligen Obersten SAFührung nicht absichtlich politisch unzuverlässige Elemente von den Kommunisten, Sozialdemokraten, Deutschnationalen und aus dem Stenneslager in die SA aufgenommen worden sind, erklärt der Chef des Stabes, daß er dies nicht unbedingt bejahen möchte. Er sei allerdings der Meinung, daß einige der nun gerichteten früheren SAFührer die Aufnahme, solcher Elemente gewünscht hätten, um dadurch Unzufriedene in der SA zu sammeln. „Wie wird sich nun in Zukunft das Verhältnis zwischen der SA und den Schutzstaffeln gestalten?“ „Es soll wie bisher zwischen diesen beiden Formationen ein rein kameradschaftliches Verhältnis herrschen. Beide werden auch zukünftig getrennt ihren Aufgaben nachgehen und sie getrennt zu lösen haben.“ Ueber die Neuorganisation der SA kann der neue Chef des Stabes heute noch keine näheren Angaben machen. Er gibt allerdings mit aller Bestimmtheit seiner Ueberzeugung Ausdruck, daß eine Neuorganisation durchgeführt werden muß und durchgeführt werden wird, weil sie eben unbedingt notwendig ist. Ob in diesem Zuge eine zahlenmäßige Verringerung der Sturmabteilungen erfolgen wird, ist nicht ganz ausgeschlossen. wenn man sich vergegenwärtigt, daß der Chef des Stabes, Lutze, aus den braunen Formationen ein unbedingt sauberes und— was in diesem Zusammenhang von besonderer Bedeutung ist— ein politisch zuverlässiges Instrument der Bewegung zu machen entschlossen ist. „Wird dann zukünftig jeder SA=Mann Mitglied der NSDAP sein müssen?“ „Ich bin der Meinung, daß es auf die Dauer unumgänglich sein wird, daß der SA=Mann, in erster Linie aber der SA=Führer, Parteigenosse ist. Schließlich muß er, wenn er Garant einer Weltanschauung sein will, dieser nationalsozialistischen Bewegung mit Haut und Haar verschrieben sein.“ Der von dem früheren Stabschef verliehene Ehrendolch darf nach Entfernung des Namens des Verräters wieder getragen werden; genau so wie alle SA=Männer ihren Dienstdolch tragen dürfen. Die Entscheidung darüber, ob die alten Kämpfer für ihre Verdienste einen Ersatz für den Ehrendolch erhalten, der dann von Adolf Hitler selbst und nicht wieder vom Chef des Stabes verliehen wird, liegt beim Führer selbst. Telegrammwechsel zwischen Dr. Goebbels und DNB Berlin, 6. Juli. Zwischen Reichsminister Dr. Goebbels und dem neuen Chef des Stabes der SA. Viktor Lutze. die beide schon in den ersten Anfängen der Bewegung im Ruhrgebiet zusammen gegen den roten Terror gekämpft haben, fand folgender Telegrammwechse! statt: NUINUUNUn Der Präsident des Reichsgerichts, Dr. Erwin Bumke beaeht heute seinen 60. Geburtstag. „Ich freue mich, Dich als neuen Chef des Stabes der SA begrüßen und beglückwünschen zu können. Ich sehe Deine erste Aufgabe darin, dafür Sorge zu tragen, daß nicht offene oder getarnte Gegner die Möglichkeit haben, ihre Abneigung gegen den Nationalsozialismus an unserer im Kern und in der Masse braven und tapferen SA auszulassen. Denn die SAinihrer Gesamtheit, vor allem die alte Garde, mit der wir beide schon vor zehn Jahren im Ruhrgebiet Schulter an Schulter kämpften, hat mit dem Treuebruch der beseitigten Hochverräter nichts zu tun. Sie ist anständig und intakt geblieben und wird unter Dir als Chef des Stabes mit alter Bravour und Hingabe die Aufgaben meistern, die der Führer Dir, wie so oft in der Vergangenheit, so auch in der Zukunft stellen wird. Dazu wünsche ich Dir und allen SA=Kameraden Glück und vollen Erfolg. In alter Kameradschaft Heil Hitler Dein Josef Goebbels.“ „Ich danke Dir herzlich für Deine Glückwünsche. Immer war der SA=Mann treu und ist auch heute noch der alte, nachdem die Verräter gerichtet sind. So wie wir beide in den ersten Anfängen der Partei zusammenstanden, so werden wir auch in Zukunft Die Schiffsleitung schuldlos. DNB Bremerhaven, 6. Juli. Das Seeamt Bremerhaven verhandelte am Donnerstagnachmittag unter Vorsitz des Richters Grüder über den Unfall des Lloyddampfers„Dresden“, der bekanntlich am 20. Juni abends auf einer „Kraft durch Freude“=Fahrt fünf Seemeilen nördlich von Utsire(Norwegen) auf Grund gelaufen war und später sank. Zunächst wurde der Führer des Schiffes, Kapitän Petermöller. vernommen. Die„Dresden“ befand sich, so führte er u. a. aus, mit 975„Kraft durch Freude“Fahrern an der norwegischen Küste. Die Sichtverhältnisse waren sehr schlecht, sodaß den Passagieren bislang wenig geboten werden konnte. Die Schiffsleitung entschloß sich deshalb, nach dem Hardanger Fjord zu dampfen. Der Lotseertlärte auf Anfrage, mit dem Gewässer vertraut zu sein. Kapitän Petermöller selbst, der 48 Stunden auf der Brücke im Dienst gewesen war, übergab das Kommando seinem Ersten Offizier von der Osten und dem wachhabenden norwegischen Lotsen. Der Lotse hatte keinerlei Anweisung vom Kapitän. Er sollte lediglich das Schiff nach Kopervik bringen. Von den norwegischen Lotsen hat der Kapitän den Eindruck gehabt, daß sie ruhig und zuverlässig waren. Auf die Frage des Reichskommissars Konteradmiral a. D. Hermann. wen der Kapitän in diesem Fall für die verantwortliche Persönlichkeit halte, erwiderte Kapitän Petermöller, daß in diesem Falle der Lotse neben der Schiffsleitung für seine Kursänderungen verantwortlich zu machen sei. Außerdem habe er, Kapitän Petermöller, Anweisung gegeben, fortgesetzt den Standort des Schiffes zu kontrollieren. Anschließend fand die Vernehmung des Ersten Offiziers von der Osten statt. Das Revier war ihm bekannt. Um 19,10 Uhr sei auf Anordnung des Lotsen eine Kursänderung erfolgt. Er habe kontrolliert und gesehen, daß der neue Kurs auf Skudesnaes führte. Er habe bei dieser Kursänderung keine Bedenken gehabt. Vom Vorsitzenden gefragt, auf was er nach seiner Ansicht diesen Unfall zurückführe, erklärte von der Osten, daß hier nur ein verborgener Felsen oder eine vertriebene Boje in Frage kommen könne. Nach kurzer Vernehmung des Dritten Offiziers fand die Verlesung der Lotsenberichte statt. Aus ihnen geht yervor, daß es allgemein üblich sei, daß die Lotsen das Kommando führen. Die Karten seien von beiden Lotsen wenig oder garnicht angesehen worden, da sie mit dem Revier genügend vertraut waren. Aus den Lotsenberichten geht weiter hervor, daß die fragliche Unfallstelle seit 1864 nicht mehr namgemessen worden ist und daß sich an dieser Stelle bereits vor Jahren ein Schiff die Schraube abgeschlagen habe. Im zweiten Teil der Seeamtsverhandlung wurden die Maßnahmen während des Unfalls behandelt. Kapitän Petermöller ließ bei der Grundberührung sofort die Maschinen stoppen, trotzdem sei das Schiff über Grund gegangen. Er versuchte schnellstens unter Land zu kommen, um Schutz zu finden. Das Schiff bekam bis zu 10 Grad Schlagseite. Von der Brücke aus wurden sofort die Schotten geschlossen und die Passagiere auf Steuerbordseite verteilt. Auf Notsignale traf als erster der norwegische Dampfer „Kong Haakon“ an der Unfallstelle ein, der nach Meinung Petermöllers eine ganz besondere seemännische Leistung vollbracht hat, indem er sich trotz der Schlagseite des Schiffes längsseits gelegt und 535 Passagiere von Bord zu Bord übernahm. Seine Besatzung sei gut eingespielt gewesen und habe sich während der immer zusammenstehen zum Wohle der Bewegung und all ihrer Gliederungen. Ein Block des Willens! Eine Geschlossenheit des Zieles! In treuer Verbundenheit Heil Hitler! Dein Viktor Lutze.“ Frontkämpferbekenntnis zu Adolf Ndz Berlin, 6. Juli. Die Landesführer des NS Deutschen Frontkämpferbundes(Stahlhelm) traten, wie das Ndz meldet, in Berlin unter Leitung des Bundesführers Reichsarbeitsminister Seldte zu einer dienstlichen Besprechung zusammen. Der Bundesführer gab dabei u. a. bekannt, daß er in einer längeren Besprechung mit dem neuen Chef des Stabes Lutze die Gewißheit gewonnen habe, daß künftig der kameradschaftlichen Zusammenarbeit des Bundes mit der SA keine Schwierigkeiten gemacht, sondern daß diese Zusammenarbeit gefördert werden wurde. Die Tagung der Landesführer endete mit einem spontanen Bekenntnis der Treue und bedingungslosen Gefolgschaft für den Führer Adolf Hitler. Rettungsaktion ruhig und besonnen benommen. Der später eingetroffene Dampfer„Kronprinzessin Martha“ übernahm dann den restlichen Teil der Passagiere. Die Rettungsboote des Dampfers„Dresden“ richteten einen Pendelverkehr zwischen Schiff und Land ein, sodaß bis 20,46 Uhr sämtliche Passagiere gerettet waren. Freundlichst benahm sich das Kommando des an der Unfallstelle eingetroffenen französischen Kreuzers, das die Schiffbrüchigen mit Lebensmitteln und Rauchwaren ausrüstete. Sehr lobend sprach Kapitän Petermöller von der norwegischen Bevölkerung, die sich restlos für die Geretteten einsetzte. In dem Spruch des Seeamtes über den Unfall „Dresden“ heißt es u. a.: Der unter Lotsen=Beratung aus dem Stavanger=Fjord kommende Fahrgastdampfer „Dresden“ ist am 20. Juni 1934 um 19,18 Uhr bei Einlaufen in den Carmsund bei Arsgrunden über Felsen und Untiefen gelaufen und hat sich dabei den Boden derart aufgerissen, daß er auf der Insel Carmoe aufgesetzt werden mußte. Die Grundberührung ist in erster Linie auf das von der norwegischen Behörde inzwischen festgestellte Vertreiben der Arsgrundenboje nach Süd zurückzuführen, ferner darauf, daß der Lotse offenbar die südliche Stromversetzung des Schiffes nicht genügend berücksichtigt hat und schließlich darauf, daß der wachthabende Offizier in berechtigtem Vertrauen auf. den bewährten Lotsen die vorher anerkennenswert häufig vorgenommenen Kreuzpeilungen zu Bestimmungen des jeweiligen Schiffsortes bei und nach der Lotsenkursänderung nicht nochmals genommen hat. Die Schiffsleitung trifft im übrigen kein Verschulden. Ihre Navigierung läßt die gebotene Sorgfalt nicht vermissen. Die Maßnahmen nach dem Unfall waren richtig, die Rettungsmaßnahmen sachgemäß, das Verlassen des Schiffes berechtigt. Schiffsleitung und Besatzung ohne Ausnahme haben dabei dank ihrer Schulung eine mustergültige Pflichterfüllung gezeigt, sodaß sich die Rettung der 975 Fahrgäste der NS=Gemeinschaft„Kraft durch Freude“ in völliger Ordnung vollziehen konnte. Das Rettungswerk der norwegischen Dampfer„Kong Haakon“ und„Kronprinzessin Martha“ sowie die Hilfsbereitschaft der Stavanger Dampfschiffahrtsgesellschaft sind dankbar anzuerkennen, ebenso die Fürsdrge des französischen Avilos„Ardent“ für die Besatzung. Die Aufnahme und Unterbringung der Schiffbrüchigen durch die norwegische Bevölkerung ist in vorbildlicher, menschenfreundlicher Weise geschehen, sodaß die Beteiligten nicht nur der Dankbarkeit der Geretteten, sondern aller deutschen Volksgenossen gewiß sein dürfen. Ausreichende Frühkartoffelversorgung. Nachdem die Frühkartoffelanlieferungen aus den Hauptgebieten infolge von Regenfällen und der Heuernte in den letzten Tagen nachgelassen hatten, ist jetzt, wie wir einer Essener Meldung entnehmen, wieder mit verstärkten Zufuhren zu rechnen. Wie der Zeitungsdienst des Reichsnährstands mitteilt, sind aus den Hauptgebieten folgende Mengen verladen worden: In Calbe am 3. Juli 8700 Zentner, am 4. Juli 12 800 Zentner, am 5. Juli 19 000 Zentner. Im Rheinland ist die Verladung von 23 700 Zentnern am 4. Juli auf etwa 26 000 bis 27000 Zentner angestiegen. In Hamburg haben die Anlieferungen von 3500 Zentner am 4. Juli auf etwa 8000 bis 9000 Zentner am 5. Juli zugenommen. In Hannover sind für den dortigen Markt angeliefert worden: am 3. Juli 1500 Zentner und am 5. Juli 2300 Zentner. Der diplomatische Mitarbeiter des„Daily Herald“ meldet: Es stehe nunmehr endgültig fest, daß das Büro der Abrüstungskonferenz erst im Laufe des Herbst wieder zusammentreten werde. Der„Tug der deutschen Rose" genehmigt. Für die am 14. und 15. Juli stattfindende Aktion „Tag der deutschen Rose“. die von der Obersten Leitung der PO, Amt für Volkswohlfahrt, in Verbindung mit dem Reichsnährstand und der Deutschen Gesellschaft für Gartenkultur als Ausnahmesammlung des Deutschen Frauenwerkes für das Hilfswerk„Mutter und Kind“ durchgeführt wird, ist nunmehr die Genehmigung des Stellvertreters des Führers, Reichsminister Heß, und des Reichsfinanzministeriums erteilt worden. Die Uebergabe der kette des deutschen Handwerks". Berlin, 6. Juli. Reichspräsident von Hindenburg hat, wie bereits gemeldet, einem Wunsche des deutschen Handwerks entsprechend, eine„Führer=Amtskette des deutschen Handwerks“ gestiftet, die von dem Goldschmiedemeister Professor Karl Berthold in Köln geschaffen worden ist und heute im Reichspräsidentenhause den Vertretern des deutschen Handwerks übergeben wurde. Im Auftrage des zur Zeit von Berlin abwefenden Herrn Reichspräsidenten empfing Staatssekretär Dr. Meißner die Vertreter des Reichsstandes des deutschen Handwerks, zu denen er in seiner Ansprache sagte, der Reichspräsident habe sich entschlossen, eine Ehrenkette zu stiften, die vom Führer des deutschen Handwerks altem Brauche gemäß bei nationalen und dienstlichen Anlässen angelegt werden solle. Der Reichspräsident habe weiter den Reichshandwerksführer ermächtigt, an verdiente Handwerksführer als besondere Auszeichnung Amtsketten zu verleihen, die der von deutscher Künstlerhand geschaffenen Führer=Amtskette nachzubilden seien. Diese Ehrenkette solle ein Ausdruck der hohen Achtung sein, die der Reichspräsident, als Ehrenmeister dem deutschen Handwerk seit vielen Jahren eng verbunden, dem Reichsstand des deutschen Handwerks und allen seinen Gliedern stets entgegenbringe; sie solle aber gleichzeitig ein Sinnbild der hohen Bedeutung sein, die das Handwerk für die gesamte deutsche Wirtschaft habe, die Zuversicht kundtun, daß deutsches Handwerk wieder zu seinen alten Ehren kommt. Reichshandwerksführer Schmitt sprach in herzlichen Worten seinen und des deutschen Handwerks Dank an den Reichspräsidenten für diese Ehrung aus. Die Ehrung, die er dem deutschen Handwerk erweise, sei eine geschichtliche Handlung; diese Ehrenkette mit den Handwerkssymbolen werde noch nach Jahrhunderten von der Verbundenheit des deutschen Handwerks mit dem Generalfeldmarschall und Reichspräsidenten von Hindenburg Kunde geben. Die vom Reichspräsidenten gestiftete Führer=Amtskette ist ein Meisterwerk des deutschen Goldschmiedehandwerks. Sie enthält in etwas veränderter Form das Symbol des deutschen Handwerks: Hammer, Eichenblatt und Eichel. Das Symbol zeigt einen Hammer, dessen Stiel von einem Eichenblatt und bedeutet(wie das Hufeisen) eine Leere, die erst gefüllt werden soll, das Ungestaltete, das durch den Hammer zum Kreis(also zum ganzen Stück) vollendet wird, oder den Lehrling, das unbeschriebene Blatt, dem erst der Meister(der Hammer) Wissen und Können gibt. Die Kreuzung von Eichel und Stiel gibt einen Sechs=Stern, der als Hagal=Rune ein altes kosmisches Symbol bildet. Die Urkunde, mit der der Reichspräsident dem Reichshandwerksführer die Führeramtskette verlieh, besagt u. a., daß die Kette in das Eigentum der jeweiligen öffentlich=rechtlichen Spitzenkörperschaft des deutschen Handwerks übergeht. Die Kette ist von ihren Trägern bei allen nationalen und dienstlichen Anlässen anzulegen Dank des Reichshandwerksführers an den Reichspräsidenten. Der Reichshandwerksführer sandte nach der Ueberreichung der Führeramtskette an den Reichsprasidenten nach Neudeck folgendes Telegramm: „Hochzuverehrender Herr Reichspräsident! Aus Anlaß der heutigen Ueberreichung der von Ihnen geschaffenen und verliehenen Führeramtskette des deutschen Handwerks an den Reichshandwerksführer durch Ihren Staatssekretär, Herrn Dr. Meißner, spreche ich Ihnen als dem Ehrenmeister des deutschen Handwerks im Namen des gesamten deutschen Handwerks meinen tiefempfundenen Dank und meine untertänigste Ehrerbietung aus. Das deutsche Handwerk, durch Jahrtausende mit der Geschichte des deutschen Volkes verbunden, wird es sich zur besonderen Aufgabe machen, nur solche Handwerksführer herauszustellen, die würdig sind, die von Ihnen verliehene Führeramtskette zu tragen. Die deutschen Handwerksmeister werden mit Stolz auch in den kommenden Jahrhunderten durch die Führeramtskette daran erinnert werden, daß der Generalfeldmarschall des Weltkrieges und Reichspräsident von Hindenburg als Ehrenmeister des deutschen Handwerks dem deutschen Handwerk in seinen schwersten Zeiten der vergangenen Jahre ein unermüdlicher Schirmherr und Beschützer gewesen ist. In Ergebenheit und Ehrerbietung W. G. Schmidt, Klempnermeister, Reichshandwerksführer.“ Ferienfreuden im Klubhaus auf Schienen. Der scharfe Wettbewerb der amerikanischen Eisenbahngesellschaften— sie sind bekanntlich nicht staatlich, sondern privat— hat ein neues Zugmittel gezeitigt: das Ferienheim auf Schienen. Die Eisenbahnwagen sind mit allen Annehmlichkeiten eines Hotels ausgestattet und bieten während der Fahrt alle Vergnügungen, Musik, Tanz, Gesellschaftsspiele und was ein Amerikaner sonst noch zum Zeitvertreib braucht. Der Unfall der„Dresden" vor dem Seeamt. Si re Das Tagewerk in Castel Gandolfo. Von unserem römischen Mitarbeiter. A Rom, Anfang Juli. Noch immer hat Papst Pius XI. den endgültigen Tag seiner Uebersiedlung in die Sommerresidenz Castel Gandolfo nicht festgesetzt. Es ist kein Geheimnis, daß er den Vatikan und seine gewohnte Tätigkeit nur höchst ungern verläßt. Wenn die Erneuerungsarbeiten, die in seiner Amtswohnung vorgenommen werden sollen, nicht unaufschiebbar wären, so wäre es ganz ungewiß, ob er sich überhaupt bewegen ließe, die Sommermonate nicht wie bisher in Rom zu verbringen. Für den Aufenthalt in Castel Gandolfo hat er sich schließlich nur deshalb gewinnen lassen, weil diese Sommerresidenz von Rom aus leicht zu erreichen ist und den dauernden Kontakt mit den Amtsgeschäften nicht zu unterbrechen braucht. Eine Autofahrt nach Castel Gandolfo beansprucht nicht mehr Zeit, als Leo XIII. brauchte, wenn er zu seinem Sommerhaus in den vatikanischen Gärten einen Fußweg von etwa zwanzig Minuten zurückzulegen hatte. Außerdem genügt ein telephonischer Anruf, um ohne Zeitverlust alle Dienststellen zu erreichen. Man kann sich leicht vorstellen, daß der Papst seinen Aufenthalt in Castel Gandolfo unter solchen Umständen nicht als Sommerfrische im gewohnten Sinne betrachten will. Ein Luftwechsel wird es sein, der seiner Gesundheit gut tut, ohne seine Aktivität zu beschränken, eine vorübergehende Verlegung der Residenz,— weiter nichts. Als neulich einer seiner Aerzte die Tageseinteilung in Castel Gandolfo vom gesundheitlichen Standpunkt aus mit ihm besprechen wollte, schnitt der Papst ihm lächelnd das Wort ab mit der Frage:„Was meinen Sie, welchen Mantel ich in Castel Gandolfo anziehen muß? Sie kennen doch die Temperatur besser als ich.“ Er wollte damit sagen, daß er in Castel Gandolfo höchstens einen anderen Mantel tragen, aber sonst seine Arbeitseinteilung und seine Lebensgewohnheiten nicht ändern will. Tatsächlich wird das Tagewerk des Papstes in Castel Gandolfo nur in Kleinigkeiten von dem gewohnten Lauf der Dinge im Vatikan abweichen. Der Papst wird, um die frische Morgenluft zu genießen, eine halbe Stunde früher aufstehen und die Messe statt um sieben schon um halb sieben Uhr lesen. Dafür wird die Nachmittagsruhe um eine halbe Stunde verlängert. Jeden Morgen gegen 9 Uhr wird Kardinalstaatssekretär Pacelli im Auto herauskommen, um wie üblich mit dem Papste über die wichtigsten Ereignisse und Vorfälle zu konferieren. Etwa eine Stunde später werden abwechselnd die Chefs der beiden wichtigsten Sektionen des Staatssekretariats, Mons. Pizzardo und Mons. Ottaviani, die zu den engsten Mitarbeitern des Papstes zählen, zum Vortrag erscheinen, und ebenso werden regelmäßig an den gewohnten Tagen die Leiter und Mitarbeiter der kirchlichen Zentralbehörden und Aemter ihren Empfang haben. Auch die gewohnte Reihe der privaten und öffentlichen Audienzen wird in Castel Gandolfo nicht unterbrochen. Mit Rücksicht darauf, daß die Besucher rechtzeitig zur Stadt zurückkommen können, werden die Vormittags=Empfänge, für die im Vatikan die Zeit von 10,30 bis 13 Uhr vorgesehen ist, um eine Stunde vorverlegt. Aber man weiß, daß Pius XI. diese Zeit fast immer überschreitet, und das wird wohl auch in Castel Gandolfo nicht anders sein. Am frühen Nachmittag wird der Papst statt in den vatikanischen Gärten im Garten der Villa Barberina spazieren gehen oder eine Autofahrt durch den weit ausgedehnten Park machen. Den späten Nachmittag füllen die öfsentlichen Audienzen aus. Die Bewohner der Castelli Romani, der kleinen Städte und Dörfer des Albanergebirges, haben bereits Pilgerzüge vorbereitet, und dabei werden wohl auch die Römer nicht fehlen, die in dieser Gegend den Sommer verbringen. Zur ersten größeren öffentlichen Audienz sind die Bewohner von Castel Gandolfo angemeldet. Nach dem Abendessen pflegt der Papst bis in die tiefe Nacht hinein zu studieren. Dieser Gewohnheit, die ihn, wie er oft versichert hat, nicht ermüdet, sondern erfrischt, wird er auch in Castel Gandolfo treu bleiben. Mit dem Papst wird auch sein Oberhofmeister Mons. Caccia=Dominioni mit einem Teil seiner Beamten, für die in dem Sommerpalast der erste Stock reserviert ist, nach Castel Gandolfo übersiedeln. Die Gemächer des Papstes sind im zweiten Stock. Im Erdgeschoß werden eine Abteilung Schweizergarde unter der Leitung ihres Vizekommandanten und zwanzig Mann der päpstlichen Gendarmerie unter dem Kommando eines Leutnants untergebracht. Von der Nobelgarde werden nur vier Gardisten dauernd in Castel Gandolfo sein, vier weitere werden für den Tagesdienst jeden Morgen von Rom kommen und abends dorthin zurückkehren. Ehrengerichte zur Wahrung der Jügerehre. Alle Jagdscheininhaber in der deutschen Jägerschaft. Das Reichsjaadgesetz, das soeben verkündet worden ist, tritt am 1. April 1935 in Kraft. Zu diesem Zeitpunkt werden alle die Jagd betreffenden Landesgesetze aufgehoben. Nur für einige Bestimmungen des Reichsjagdgesetzes ist die sofortige Inkraftsetzung angeordnet worden. Hierzu gehören die sachlichen Jagdverbote und die Bestimmungen über den Aufbau der Jagdverwaltung. Zu den sachlichen Jagdverboten gehören u. a. das Verwenden künstlicher Lichtquellen beim Fang oder Erlegen von Wild, Belohnungen für den Abschuß oder Fang von Raubvögeln, Aufstellung von Schlingen oder Tellereisen, Verwendung von Fanggeräten oder Selbstschüssen und auch die Ausübung der Jagd von Luftfahrzeugen aus. Die Bestimmungen über den Aufbau der Jagdverwaltung sehen die Einteilung des Reichsgebietes in Jagdgaue und Jagdkreise vor. Die Inheber des Jahresjagdscheines werden im Reichsbund„Deutsche Jägerschaft" zusammengeschlossen. Die Deutsche Jägerschaft ist Körperschaft des öffentlichen Rechts und hat die Aufgabe, ihre Mitglieder zu weidgerechten Jägern zu erziehen und dafür zu sorgen, daß der von den Vätern übernommene Wildstand in seinen Arten unvermindert auch künftigen Geschlechtern erhalten bleibt. Zur Wahrung der Jägerehre werden am Sitz der Gaujägermeister Jägereyrengerichte geschaffen. Diese Ehrengerichte treten aber mit dem ganzen Gesetz erst am 1. April nächsten Jahres in Kraft. Der Reichskanzler empfing am Freitag im Beisein des Oberregierungsrates Dr. Meerwald einen der Begründer der Carl Schurz=Memoria Foundation und Oberlaender Trust, Henry Janssen, zu einer kurzen Unterredung. Nach der Unterreduna überreichte der Reichskanzler Henry Janssen ein Werk über die Geschichte des deutschen Handwerks. Der Reichskanzler empfing ferner den deutschen Botschafter in Ankara, Dr. v. Rosenberg, zum Vortrag und den Präsidenten des Reichswirtschaftsgerichtes, Dr. Willecke, zur Meldung. Vorschaͤtzung der deutschen Getreideernte zu Anfang Juli 1934. Auf Grund der von den amtlichen Saatenstandsberichterstattern zu Anfang Juli angegebenen Schätzungen über die Getreideernte errechnen sich bei den Hauptgetreidearten folgende Durchschnittserträge je Hektar: Winterroggen 16,3 dz(gegen 16,5 dz im Mittel 1924 bis 33), Sommerrogen 12,2(12,1) dz, Winterweizen 18,2(20,5) dz, Sommerweizen 16,8(20,3) dz, Spelz 12,1(12,0) dz, Wintergerste 21,1(23,6) dz, Sommergerste 17,1(18,6) dz, Unter Zugrundelegung der Ende Mai festgestellten Anbauflächen wäre nach den zu Anfang Juli abgegebenen Schätzungen der amtlichen Berichterstatter eine Gesamternte an Roggen von etwa 7,27 Millionen Tonnen(gegen 7,52 Millionen Tonnen im Mittel 1924=33), Weizen und Spelz von 4,10(3,88) Millionen Tonnen, Wintergerste von 641 000(442 000) Tonnen, Sommergerste von 2,27 (2,49) Millionen Tonnen, Hafer von rd. 5,0(6,38) Mill. Tonnen zu erwarten. Zwar bleibt die Getreideernte des Jahres 1934 gegenüber der ungewöhnlichen Rekordernte des Vorjahres nicht unerheblich zurück. Im Vergleich zum langjährigen Mittel(1924=33)) ergibt sich für Brotgetreide(d. h. für Roggen, Weizen, Spelz) eine Mittelernte, nämlich insgesamt 11,37 Mill. Tonnen gegen 11,40 Mill. Tonnen im Mittel der letzten zehn Jahre. Auch bei Gerste kann im ganzen mit einer Mittelernte gerechnet werden(2,91 Mill. Tonnen gegen 2,93 Millionen Tonnen). Verhältnismäßig ungünstig sind die Aussichten für die Haferernte; der nach derzeitigem Stand zu erwartende Ertrag bleibt gegenüber dem langjährigen Mittel um rund 22 v. H. zurück. Für die Beurteilung dieser Ergebnisse ist zu berücksichtigen, daß es sich hierbei um eine erste Vorschätzung handelt, bei der das Getreide(zu Anfang Juli) fast durchweg noch auf dem Halme stand. Einlagerungspflicht der Mühlen. Auf Grund einer Ermächtigung des Reichsministers für Ernährung und Landwirtschaft wird für die Einlagerungspflicht der Mühlen folgendes angeordnet: Es ist statthaft, daß die Mitglieder der Wirtschaftlichen Vereinigung an Stelle der Pflichtenlagerungsmenge an Roggen, die sie gemäß der Verordnung vom 5. 11. 1933 nach Maßgabe ihres Grundkontingents einlagern müßten, die gleiche Menge Inlandsweizen einlagern oder an Stelle einer Einlagerung an die Wirtschaftliche Vereinigung den Betrag von 3 M je To. und Monat (0,10 M je To. und Tag) zahlen. Diese Erleichterung wird nur solchen Mühlen gestattet, die der Wirtschaftlichen Vereinigung den Nachweis erbringen, daß die Anschaffung der für sie erforderlichen Roggenmenge eine unbillige Härte bedeutet. Die Erleichterung muß in jedem Falle von der Wirtschaftlichen Vereinigung ausdrücklich genehmigt werden. Die Genehmigung wird nur widerruflich erteilt. Im Falle des Widerrufs tritt die ursprüngliche Einlagerungspflicht von Roggen wieder in Kraft. Diese Regelung gilt nur für das Getreidewirtschaftsjahr 1933=34. Nach Ablauf des Getreidewirtschaftsjahres wird eine Neuregelung, insbesondere eine neue Festsetzung de Geldbetrages getroffen. Sobald die Genehmigung zur Ersatzeinlagerung oder zur Zahlung des Ablösungsbetrages erteilt ist, muß das Mitglied die entsprechende Menge Inlandsweizen einlagern oder den Geldbetrag an die Wirtschaftliche Vereinigung abführen. Wird gegen diese Verpflichtung verstoßen, so gilt die Einlagerungspflicht gemäß der Verordnung als verletzt, eine Ordnungsstrafe kann verhängt werden. Die Diehmürkte Ende Juni. Geringe Fleischnachfrage wegen der In Anbetracht des Monatsendes, das immer ein stärkeres Nachlassen der Kaufkraft der Bevölkerung und damit auch eine Einschränkung des Fleischabsatzes mit sich zu bringen pflegt, sowie in Anbetracht der für den Fleischverbrauch ungünstigen heißen Witterung war es nach dem Bericht der Marktberichtstelle beim Reichsnährstand, Reichshauptabteilung II, auf den Schlachtviehmärkten in der letzten Woche nur in den seltensten Fällen möglich, Preisgewinne durchzusetzen. Selbst die mit Ausnahme bei Schweinen mehr oder weniger stark verringerten Zufuhren konnten für die mangelnde Fleischnachfrage, nicht immer einen Ausgleich bieten. Im ganzen jedoch verliefen die Märkte verhältnismäßig günstig. An den Rindermärkten hatte das Angebot am stärksten abgenommen. Die eindringlichen Mahnungen, die Märkte nicht mit unausgemästetem Vieh zu überlasten, sowie die Regenfälle der letzten Zeit haben die Landwirtschaft zu einer vorsichtigeren Beschickung veranlaßt. Mit insgesamt etwa 26 000 Rindern war der Auftrieb um über 5000 Stück oder 16,2 Prozent geringer als in der Vorwoche. Deshalb konnten für gute Qualitäten die Preise gut behauptet und mehrfach um 1—2 A verbessert werden. Geringere Ware war jedoch nach wie vor vernachlässigt und konnte nicht ohne Verluste abgesetzt werden. Der erste diesjährige Fettviehmarkt in Husum der stark, aber mit guter Qualität beschickt war, erzielte um etwa 3 M höhere Preise als auf dem entsprechenden Markt des Vorjahres. Auf den Kälbermärkten. an denen etwa 27 100 Tiere oder 5 Proz. weniger als in der Vorwoche angeboten wurden, hat sich in den letzten acht Tagen überwiegend etwas mehr Festigkeit gezeigt, wenn sich auch die auf mehreren Plätzen zu verzeichnenden Gewinne nur in engem Rahmen hielten. Nur im Rheinland mußten abermals merkliche Verluste hingenommen werden, und auch in Berlin ließen sich am Freitag Einbußen nicht völlig vermeiden. Es scheint, als ob sich an den Kälbermärkten die jahreszeitlich bedingte Abwärtsentwicklung allmählich dem Ende zuneigt. Dagegen ist in die Hammelmärkte kein festerer Ton gekommen. Die aus den Ueberständen der Vorwoche vorhandenen Restvorräte an Fleisch wirkten sich von vornherein auf die Märkte ungünstig aus. Die sächsischen Plätze hatten durchweg Einbußen von 1—2 A zu verzeichnen, und trotzdem blieb wiederum großer Restbestand. Mit einer nennenswerten Besserung dürfte zur Zeit wegen der anhaltend schlechten Qualität und der verhältnismäßig hohen Zutriebe kaum zu rechnen sein. An den Schweinemärkten hat sich die feste Tendenz überwiegend weiter behaupten können, wenn auch im zweiten Teil der Woche wegen etwas zu starken Angebots und infolge der Hitze schwächerer Fleischnachfrage verschiedentlich kleinere Verluste nicht zu umgehen waren. Das Gesamtangebot am Schweinemarkt stellte sich auf insgesamt etwa 122 700 Stück. Die Zufuhren waren damit um etwa 5700 Stück oder 5 Prozent höher als in der Vorwoche und um etwa 24500 Stück oder 25 Prozent höher als in der entsprechenden Woche des Vorjahres. Im ganzen lagen die Preise an den Märkten etwas über denen der Vorwoche. Bei den Neutrallardschweinen, und zwar besonders in Hamburg, ist ein ständiges Ansteigen des Auftriebes festzustellen. Die auf einigen Märkten begonnene Herausnahme auch der a2=Schweine, und zwar zum Preise von 45 A je Zentner, scheint sich auf die Preisgestaltung günstig auszuwirken. Die Nachtfliegerei. Bedeutsame Erklärung des Unterstaatssekretärs Sassoon im Unterhaus. £ London, 5. Juli. Die Frage des Nachtflugverkehrs und seiner zivilen und militärischen Bedeutung war am Mittwoch Gegenstand einer Aussprache im englischen Unterhaus. Der konservative Abgeordnete Simmonds erklärte, daß in Deutschland wöchentlich 98 Nachtflüge durchgeführt würden, während es in England keinen einzigen gebe. Die Einrichtung britischer Nachtfluglinien sei aus vier Gründen notwendig. Erstens sei es handelspolitisch unerträglich, daß England auf eine deutsche Gesellschaft für die Beförderung von Post von und nach Europa angewiesen sei. Ein zweiter Grund sei die Beschleunigung des Luftverkehrs innerhalb des britischen Reiches. Drittens seien militärische Gründe vorhanden. Der Nachtflieger verfüge über eine flugtechnische und navigatorische Erfahrung, die den militärischen Fliegern in Friedenszeiten beinahe versagt sei. Man gebe Deutschland einen außerordentlichen Vorteil im Vergleich mit den Grund wären England habe den Deutschen, den Amerikanern und anderen Ländern überlassen. Der Unterstaatssekretär im Luftfahrtministerium Sassoon erklärte, daß die von Simmonds aufgestellten Voraussetzungen für die Einrichtung britischer Nachtfluglinien unzutreffend seien. Die Nachtfliegerei sei eine der hauptsächlichen Aufgaben der englischen Luftstreitkräfte und werde in viel größerem Maße durchgeführt, als man glaube. 70 englische Flugzeuggeschwader seien im Nachtfliegen ausgebildet. Die Behauptung, daß die Erfahrung der zivilen Nachtflugpiloten beträchtlichen Wert im Kriege haben würde, sei vollständig unrichtig. Denn die Zahl der betreffenden Flieger sei verschwindend gering. Entgegen den Erklärungen von Simmonds bestehe in England nicht die geringste Nachfrage nach Nachtpostflügen, und der englische Luftpostverkehr sei ganz unzulänglich, um einen Nachtflugdienst einträglich zu gestalten. Nicht nur, so fuhr der Redner fort, sei es unrichtig, zu behaupten, daß Deutschland ein Monopol der Nachtflugerfahrung besitze, sondern vielmehr müsse billigerweise gesagt werden, daß die Nachtflugerfahrung Deutschlands in keiner Weise mit der Englands verglichen werden tonne. Die Angelegenheit wurde dann im Unterhaus nicht weiter erörtert. Traurige Bevölkerungsbewegung der Stadt Prag. Tschechische Zeitungen veröffentlichen eine und Sterbestatistik der tschechoslowakischen Prag. Danach wurden dortselbst im Jahre Kinder geboren, darunter 277 Totgeburten. der Todesfälle betrug im selben Jahr 9569. also fünfzehn Geburten mehr als fälle sind, will wenig besagen, wenn man X Prag. 6. Juli. GeburtenHauptstadt 1933 9584 Die Zahl Daß es Todesweiß, daß bereits imersten Lebensjahre von den Neugeborenen 947 wieder starben. Totgeburten und Sterbefälle des ersten Lebensjahres zeigen also, daß es in Prag im letzten Jahre keinen natürlichen Bevölkerungszuwachs, sondern praktisch eine natürliche Bevölkerungsabnahme gegeben hat. Wenn tatsächlich die absolute Bevölkerungsziffer um einige Tausend gestiegen ist, so ist dies nur auf die Zuwanderung vom Lande zurückzuführen. Immer neue Rechtsbrüche im Memelgebiet. DNB Memel, 6. Juli. Das neue Memeldirektorium hat alle Beamten entlassen, die in die Mitgliederliste der verbotenen Parteien eingetragen waren. Das Landesdirektorium Schreiber hatte bekanntlich eine solche Forderung des Gouverneurs auf Entlassung dieser Beamten, ohne vorher eine Stellungnahme des Disziplinargerichtes abzuEin Bild nach amerikanischem s. Dieses Photo wurde in allen amerikanischen Zeitungen veröffentlicht. Es zeigt die Banditin Bonnie Parker mit Zigarre und Revolver. Sie war 19 Jahre alt, als sie dieser Tage mit ihrem 23jährigen Komplicen wegen zahlloser Morde und Raubüberfälle bei der Verhaftung erschossen wurde. warten, abgelehnt. Inzwischen sind noch der Geschäftsführer des Memelländischen Landtages, Böttcher, und der Vorsitzende des Landgerichtes in Heydekrug, Schurze, mit der Begründung entlassen worden, daß sie der litauischen Sprache nicht mächtig seien. Außerdem wurde eine weitere Anzahl von Amtsvorstehern vom Dienste suspendiert. Die Zahl der bisher entlassenen Beamten und Amtsvorsteher wird noch nicht bekanntgegeben. Man schätzt jedoch die Zahl der Entlassenen auf über 150. Riesenwaldbrand im Ostzipfel der Provinz Sachsen. DNB Elsterwerda, 6. Juli. Seit einigen Tagen wütet im Östzipfel der Provinz Sachsen zwischen den Orten Plessa und Gorden im Kreise Liebenwerda ein Waldbrand. von dem nach und nach 1000 Morgen alter und junger Kiefernbestände und Moorwiesen erfaßt worden sind. Die Flammen finden im Moorboden immer wieder neue Nahrung. Unterirdisch schwelt das Feuer weiter und bringt die Bäume, wenn die Wurzeln vernichtet sind, zum Sturz. Etwa 30= bis 40000 Festmeter Holz müssen geschlagen werden, darunter über 100jährige Bäume. Im Brandgebiet, das von einem ausgedehnten Grabennetz durchzogen wird, arbeiten etwa 1000 Mann an der Bekämpfung des Brandes. Zwei Arbeitsdienstlager sind eingesetzt. Feldküchen sorgen für die Verpflegung. Von der Technischen Nothilfe Finsterwalde wurden Telephonleitungen gelegt. Ferner ist ein umfangreicher Sanitätsdienst eingerichtet worden, da die Helfer nicht selten von Rauchvergiftung befallen werden. Die Umgrenzung des brennenden Waldstückes erstreckt sich auf eine Länge von 8 bis 10 Klm. Durchgehende Pferde rasen gegen Eisenbahnzug. Fünf Kinder getötet. DNB Salerno. 6. Juli. An einem Bahnübergang der Strecke Salerno—Battipaglia raste ein durchgehendes Pferdegespann gegen einen Zug. Fünf Kinder, die in der Kutsche saßen, wurden auf der Stelle getötet. Wetterbericht. Wettervorhersage für Samstag: Schwache Winde nördlicher Richtungen, meist heiter, stärkerer Temperaturanstieg, vereinzelte Gewitter nicht ausgeschlossen.— Wahrscheinliche Weiterentwicklung: Noch meist schwach windig und heiter, sehr warm. Der Fall„Pierre". Rückkehr von der (!) Paris, im Juli. Dieser Tage ging durch die Pariser Blätter die kurze Mitteilung, daß der frühere französische Fähnrich zur See Ullmo, der wegen Verrats militärischer Geheimnisse auf die Teufelsinsel verbannt war, vom Präsidenten der Republik kürzlich begnadigt, sich gegenwärtig auf der Rückreise in die Heimat befindet. Der Prozeß gegen den früheren Offizier, der seinerzeit, ähnlich wie bei Dreyfus, mit der Degradierung und der Verbannung endete, bildete die große Sensation Frankreichs in den Jahren 1907 und 1908, darin ebenfalls dem ersten Dreyfus=Prozeß gleichend. Im Spätsommer 19907 erhielt der damalige Marineminister ein mit dem Vornamen„Pierre“ gezeichnetes anonymes Schreiben, in dem mitgeteilt wurde, daß sich der Absender im Besitze des Gemeincodes der französischen Kriegsmarine befinde, den er einer auswärtigen Macht sogleich anbieten werde, wenn Frankreich ihm die— photographierten— Geheimdokumente nicht gegen einen Betrag von 150000 Francs abkaufe. Die Aufregung im Marineministerium war begreiflicherweise groß. Unbedingt mußte man des Spions oder Verräters habhaft werden. Man beschloß, zunächst in Unterhandlungen mit ihm zu treten, und zwar entsprechend einem Vorschlage des Briefschreibers, die Unterhaltung in Gestalt von Zeitungsinseraten in bestimmten Blättern zu führen. Das Kriegsministerium sollte seine Mitteilungen unter dem Stichwort„Paul“ erscheinen lassen. Ergebnislos ging das Frage= und Antwortspiel zwischen„Pierre“ und„Paul“ hin und her, bis ersterer schließlich ernst zu machen und mit dem Abbruch der Verhandlungen drohte. Da einigte man sich auf einen Preis von 105000 Francs. Die entscheidende Begegnung sollte in der Nähe von Toulon stattfinden. Der zuständige Vertreter des Marineministeriums, dessen Rolle inzwischen natürlich ein erfahrener Kriminalist übernommen hatte, sollte dort einen postlagernden Brief vorfinden, dessen Chiffre ihn nach seiner Ankunft in einem bestimmten Hotel telephonisch werde bekanntgegeben werden. In diesem Briefe würde der eigentliche Begegnungsort auf das genaueste bezeichnet sein, auch würde er alle Vorsichtsmaßnahmen anführen, die der geheimnisvolle Verräter zu seinem Schutz gegen eine Ueberrumpelung für nötig hielt. Danach sollte der angebliche Vertreter des Ministers an einem bestimmten Punkte einer Landstraße in der Umgebung von Toulon auf ein gewisses Kennwort hin den Betrag von 105 000 Francs in drei gebündelten Päckchen von 1000=Francs=Noten übergeben, während er selbst mit der anderen Hand die entwendeten Dokumente überreichen würde. Also geschah es. Am 11. Oktober 1907, 11 Uhr vormittags trifft der Polizist am verabredeten Punkte ein. Es ist geglückt, einige weitere Kriminalisten in der Nähe zu verbergen. Da tritt ein Mann auf ihn zu und spricht das verabredete Kennwort:„Ich bin allein und ohne Waffen!"„Paul“ tut so, als wolle er„Pierre“ die Geldscheine übergeben; wird aber in diesem Augenblicke von jenem überfallen. Es kommt zu einem scharfen Ringkampf, der mit der Niederlage„Pierres“ endet. Man erkennt in ihm einen blutjungen Fähnrich zur See, der sich aus Liebe zu seiner Mätresse, einer damals in Paris bekannten schönen Tänzerin, wirtschaftlich ruiniert hatte. Sein„Coup“ sollte dazu dienen, ihn zu„sanieren“. Ein verpfuschtes Leben, eine verpfuschte Karriere waren und sind das Ende. 3 5 N 3 oi 2 S 2 6 9 — 2 S — e 2 — — 5 .. atkt aasa e t. o 2 ttkts- ss tt. kkktst2 ktEos2. SR o4 s kt E . s. S tE S, ka so o sa2o 22. 2.20 kt st e.s k. 22 sa 9E. 2 oa e 4 s. ss k22 2 seeen k s k. . 23800222 A9E o 2 22. EEt E a t8 2 e sk. — 9 8 : 2 2es t t antoa pa: ks tS kEn sks a. e ttoss2a.8E ktkkk 2o n :: 6 9 1 O 1 O 60 C o 7 O 2 I 0 59 D E 2 6 D :0 C O O N 2 D 9 t O 0 o 6 60 O :0 O tn 6 D D 2 0 O 2 O O D 2 O E 6 O D D 9 D O — 0 D — 0 2 O D O D 0 2 2E 68 — . a2 2.20 3 2 22. Ses2 ktttwseaoron aersestos kso sEREIe ss5 E 2 aer .2a 3222 t o. mess 9 85 8 S1 2 2 9 28 38 .2 2 8 20 — . t :e . 555 roa tt ss 5 2 = 2 8 e e s2a eS: s. .. t 8 2 — 8 2 t2 = — SeTeneveres 55820.2e 0 s tt2 se.. oo 62 e e E : 2 8 ,A 20 2 9 s2 k23 S 22 a 4 sk k0 kk2 8 8 tttät k5or2e:.s os :2. 2E SE0SE0EE t 22 -.. 2 52s2. 2o 2 Ss 2 00 saugess. 2. ss. o tk2 k se Et os.8.. kk28: 5 . 2 0 8 — kks2 So8 2 2 222252: st 2 o2275 290A : t — 2 . kE 2 . o a. o ä 2 — 4 as ns 2eae sstktkkv. s 222 s 56e 8s Eaa 0 2 tt. 8 sse 38 e 2. e 2. 22 k 6 kk m o Ta e asa 29 ttor s e 20 2osa . e , . S skt Le. t2 ske -88o esonssons. knsssa 2 o e . — kPos 8 r22s .— 2 äs. . tt S5 A e sn25 tks5 po . e 95 : S e 20 aM o ke seson 0 s 8 es 20 2 8 S.. 2.— = 2 20 — 20 00 6e 2= 3 kS5 s—. a8 3 sk a S t. s 28.5 kko52. — 8 5. — s —2 S2 es S E0 ee 2t 222: oo 28 a ä 0 ä 2 p 2585 S 2 keoo 252 25 k2e D* 5 2 2e 2 2 2: 8A 2 ssttta tkt Ress ska 258 3.9 2 . -E.2 e E5. 222 0 Da 929: 0 2 33 22 2 8+ — S 2omasa. 2 m.9.2 p 2 es 2 . 30 . 2. E st0se 0 tk9: 3 : 2 Ve S e8o: 28, a a 8 8 30 — 2 . tko0. sn atstks2 2 52 2 8 22 — — :— La: 28.. 2 2 220 . 2 20 A S 8 5.2 Gar 922 22 e5 2a — kkk. käs a90 2 ä kttSo t skstueo Fs . 2:— — 23 : 5 2253 2 s E: . 5 ttt skks2 90950 sk. 9 . 2 tk st: k2a 2 0 9023 2. 2 885. Pas ae oo: 0222 a SE2PEsss orssferst 220" 25 —: — 5 202 2 2 E: ex. 89 : E Nose. — 22 S e:e 8 kkktDeos s O s 2.2 . E E 2 8 28 9 SSA o t. k98 2 E .2 20 a . 2 22 . Ta 2: 0 5. 2 o82. 28 ts. stkt tstttt. ske Posa 2e2. tkkt26 en 8 2 2a 3a t 28 20 2. 252. 0. kko . 0 k tt8. 2 .2 : . e . Sosjoeo 00 — =. e — — 2 20: 82 22 k. 2 Po2 A2R2: 20so. S eas 8 3 E 20. . e eo ts22se e-o ss 82. tsss55 2e — co er S. 0 1 5 o —3 —— e 2 82 3 2 2 SSEE: 2 2 . = 8 2 k— mso 2o 2 — 28 stt. k kkkttatstt. s=: —— — co 2 == — =— .& e E: =& —— — — tkS. 2— -2 — = .8 8 e * 38 — —. 2.& 2 — 2 — . s — o2: 2 ä . o — 2 S 7e 28 a. . — * —: — 2 30 2: —:2 2 2 8 —. — 2 e — —22 8 33 e 8 2 2 22 E: — 9 — 2. — 2 : e —. ee e — * S. S2: 2 . . *o 2. 9 e e 2 S: a er 3 S: 8 6 — 2 2: . a a o2 9 c Eo — a — 22: : — . —: 8 2 8 2: 0 — — — e— — aaer tt. .B. os k s sstt er 2. . tn S 2 — V0 2c: 2. . t. ttt ttsk kt. E: o — ee Ts8 222 oda to20124+ 22o t. 2:e. ke n o 2 k t 2.e48 .84 a2 oo ket e-: 223 . —. k. t08 . sta a. t t. 2:s. 2.e 2 8 e a 3 52..-202e . kt ro.nas 5..... . e . t— og 22e2 o8 e.6: oä s ttt2o s. 2 tt. t To2s.. W 25. 2 .o 82. . st. s. s kt. 6 e s. aeSe 2 sst. tkss. . 2. . 2 tktae-. 22 u a .—. 2 39" 2: ( O . o 20s:.822 st . V8 sS:. ? — — — 3 2 E.2 2 . staa t T t. t. A t. 2 2s . 2uo o "" es s tto:.2 2 — 2a 22 — — a o 6 E-. oe co t t.2 o 2 : a 8 n: — S 2: — 2:- 2 2: e . ee — o Ete a et 2 u 42 ks äse t ttt tk tt32 tttts2 — S: 2: ms. O kts t 2 a—a tk . 220 2..t k. t8 ase sast S. s. . . . 2 2 Sedee t2.2.o2e S sk o e . 2es rose 2 . a 7 22 29 tskkt. srt S:202.. st Ege:oae 22 o e — S er . 22. So 30 — . t3. :: .2. . e . E. a 2 s m k . 27 . 5 t. 2.nS. 905 . s 2.0 5e-, Sc.. S. k7 220 2o Bans Sges.r . . 20— se 2 . . 2. 2 * a e " --2:. as ms: ae s tE —: 2 59es. s a o: k: 99 8 05 6 200— e22 2: — fs e ese 2 . .— s t 3 2 — sk. S: e . 8 22. tt. sk. kkt — 8 2. 888fa ags 329 . o x. a s 2 2 20 2 * . 2 .. — 2 6 7 20 e 2. 9 . — . :. o k ta. 2 . 30-2 . . . E: & 98. . s. 2. . 28 B 8 4 22äs 358. k. at: t ttk. . 2 o s3 2422e:. 2 . 8 n 2 8 2 — E. 2. t. m. 8 2: — s22 25. t72 7.. : S2 12 25: 3 8 . 9 2 22 ta. : o5 o:?tt —. . 2 e6 — tt23 t. 1. 3Ee0 . s gm8 t. tTa e 56 9 5 — .. . ktt. t. . 22: . ses e st 20 9 tttkt tt. as Em o GSS. fEmE. tttas:"-:S kt . t e6e 2 5 . . " 2 2 ke8:snvasan 2 2 329.20 t t aa S S.“i 30 2 s oee: 2.2 3 — go 2 . 9 3 . 4 3 Fosss.st en0 ttpttttkk aro 8o 6 250 raf tkks2? S. o a tSANES e sSot tsa s ve o ttto 2 9. 2 222 8 . 2e tktk:s kkk2 t 1 0 . a Se o . 20 t . aat: 22922. 2 . tt822 t2-5. . 2 2.0 = 29 . ass2 2 28. tskn EEMMAan kk . :. spos a k32 28 . ts kk2ao — 22 8. 20 ot de tkoroe skkt. k2 a.; s s: kSame es . .. eo 2 2 . kksEAa e 29e tk. k. o 2 2 a 0 E5a. —8 — o. o 522229ITO 20s kk 5:8:. . 5 . *. e ot ee tss 2" 22aooes s22o: tks Tos es a so.. . 2 2 om s 22 S 8 8 n . s. e s to-0 .2 a n : 2 k. ktaaa 2. kn: os ttA2 :s2. k09 ttskt2 ttosesä sS S . AAS ae . k o sek2 t o i s 2 2eos A tee nesa 9.s s. tkskkEua tks kes*2. tktka2 sttse kt osmE 3 . nn k2 — 30. sks k. . ka 5ss. s sp t2 222. S,2s s. os ot p p ses s kaas 28. * Jes2o S 2 3 t. -a o .6 sktk222 EEN stkt. Söegt e S . 590a ssno soe ttaä . t t2o os tk5o2 2 t oo: e& k t. 22e.s 2EE skaSn eo n oo" 2 w . 2 S25 ts 9.8. 2e e.oo 5 . . s t0 kaseet o t rsoess U e P35S.4. sk. e 2 2e 5 E s, 2 5 . s— k tttss. . e t J22-25 S m. E k9. s — . 5 8 . tt 22.8 —2 e 2 2o 22o e 2p.2 8 . 2 20. ko 2 o ktk. E 2oe: 22 .2. 2 kst 3.202.25 520 2 2. t 2,. — e SE 2 2 9: :0: k23 2ss o o eo k. . t. s. 229a To2:o k2a2. 2 tktkn 22 . 2= kos tkt2225270 2. 2: 5s 2 do 82. s m 9 87 a: E 2 e S. 226 . . 2 kt a s 2 tktkktksetse es a ates e. 2 — F22 2. 2S 8 2 E. a 9 92 S 2o2 0 Sa2S2: s 20 t—. k 2. deo 252: 3sss: ps s 8:8 —: , 8 =2 t o kk. sekE 92 8 k9 =E, 0 os 2 s . o 2 Je o 2 So-4 s 226 0 9:80 . ta tao 30a2 sk. 0 22 s9 2 —e: s2 t8. . 8st E255 — 2 esee ktksk kksk.s u" a5. . 5ös t 82o e . Exe9 2g30: sk 96. 85 . .2. a 20 2 : 2. 3 59.. 8 30:. o .: 2 82 59. 2 A. 9 820 2 26 e 2 . s. 0 5e5. 5 on k10 vc : 23069 250 kt. 00 t25 56 2t E2t 20-. 20 2 Sas 24 S2. 90 8. S. 622 8. :k 2 52 . . k85 20 20 E E 42 302 50 200 mkdedo 3150 A 2 . 8SE o. 2 2 stk. 2 8 & E e0: k tk 7o tt. 0 t t t 0 2 2oa 6: k . 28 93 90 a. 8. . p. e e Sas 2 2: o5 8 2.2 p0 e. ktettES:eto s S — 5 22 . k65 tk pe ttt ttkk22s.50. sas tt2 2ea E E 0 o tt8 8 : 2 5 2. E: 2e. E 29 k220 s3ose.2 skk 08 k-— st. sst tkt a . k9eer. SA2T ta. a 2. 26 oS: ss s re2es kskkte S*. . stt2 ot . kta t Eo:: o . 2—2u".""— ttte.a . t . s2 29 2-2o S. 2 . 90 a —.... s22 a tS:TE: 2 3o — 522 — . tAa . 2 . 2 tkt* aea : t sa 10 . st sas ". — s. Seneen ae s. k t . ra:a2 : 8ST4. e 2O ss? eso k . t. eseroses e Fo22 — . . T tt t. t2 —. S22. e 3aam tt tktt. s:s 60 8 2e a. . . e 2 22:e :: tk t. . . tst. sttk tsSe a . tt. 2 tt0 . o25 et . 8 29 ke ss s. stksest 2 oswems e3 t— et—.* S. 2e-8 .. 0 s t st. s . s. s . ae 3 . sk-22.6—: a 22.25 stt ttst22 . 8 tk . 0 ät . skt. 2gosgar t*.a . 5. o. 2 : ze r . 6.5 og 2 2 e mao äs: W tkk tt tvt. t. . oa 523as . a ves. m2 s2. e Sontg. 252-: s 83 s2 S20 22 2 S. o 2 0 22.2 . . 5-—. 9. 2: tt . t s t. ktSä5 2 —E: . 2e 2u 6 k k r tts 2: sk s t oa 2 8 E:9 Te—T2a s egor T.E2-9 . vk2 2 . .. ses sto52:i 2 2e. ao tet k2oo 72 t E:: S t2 9u S6 . i 2.. —. 2 e 8 2 30 2. 202 kpk. tt222.o ..32 o ks-a . o tk tt22. 22 * 2 & stk n — t te2asf. ee . s2—2 5 . pos 0 Siesge kie e . . om. tk 9os ", t k . k SE2s. o . . s oa -A0 s222ss : oer.Er 0 odlo: o E o— s. 6 t. : m32 . tk 22e2: 0 s. . Sa.w 1 2 k. t. ko. t52 . Segsgn . 2222 S3 2 t . . 8n . . fer. 2 kkaap o 22 . 2 ea . t-—2.e. —. k Ta-o . Tä. . . 2 2 2 . . r.a sk ms. kke . — schan?. kt kt kE 1 28. 2se S eat:e 22. sou 6 1 a t : tA:ss a etses k = s2 o 2 o . .— sk 228. 8 o.E s k. 0 2o a2ao . . 222 a2e 6 e2 . o -2:e 2ek2 8 22e 28 . t ka .. so 0 t. am. . t. 2252 ne . 2 — 8. —e 2 2 2 r k2: 28 . s 2 2 0. o e co coe t tk: . 9e ss s. pm stkt—r* & 8. gt. + 82 . et et et et 2 8 2 . SE EHt" an . . 0 —. 2o2.apa . tste 0s: 2 8 k . agse . 2-205 s 50 S:-.0: 6. 2 82: s. 23 s t . . . mo28 —202 2 a . ae t. :a tga 2e. 2ure . . o 250 2 .-E: Sa32. . E 22.3. :. . et : et e . a oo9: . . e . E: 02 . k8 2.0. 28: sspa skt st2so e... st . sgäo ***.** 9E t. ttt—aaa SO — Ei. E = —0 E . 2 4 Schicksal einer Uhr Von G. Harro Schaeff-Scheefen In meiner Waldklause steht eine Uhr. Sie nimmt sich sonderbar aus in der Armseligkeit meiner Behausung. Es ist nämlich eine schneeweiße Alabasteruhr im Empirestil Wundervoll geschnittene Rosen und Verzierungen schmücken das große Gehäuse, aus dem das goldene Zifferblatt leuchtet. Der Stundenschlag ist nicht wie der anderer Uhren. Nein. Jede Stunde wird mit feinem hohen Klingen ausgesungen, und der letzte Ton schwingt noch lange nach im Raum, um dann harmonisch und mählich zu versinken wie die Zeit selbst, Diese Uhr ist in meiner Klause am Rande eines großen, dunklen Waldes. In der Einsamkeit der hohen Berge. Wenn nachts ihre Weiße gespenstig durch die Dunkelheit zu meinem harten Lager leuchtet, wird mir offenbar, daß dieses Meisterwerk eines Pariser Uhrmachers ein Schicksal hat. Ein Schicksal, das einhundertunddreißig Jahre alt ist und noch nicht zu Ende kam. Als sie entstand, hatte ein fremdes Volk sich auf seine Kraft besonnen und eine morsche Vergangenheit zertrümmert. Aber nicht Freiheit und Brüderlichkeit siegten, wie verkündet, sondern der kleine Korse stand auf und setzte sich die Kaiserkrone auf seinen runden Schädel. Da zitterte Europa. Denn es war einer gekommen, der den Willen zur Tat hatte und am Anfang eines neuen Jahrhunderts stand. Dieser Fremdling glaubte, die Welt erobern zu können und verlief sich in der Weite des Ostens, in den Schneefeldern Rußlands. In dieser Zeit wurde in einem Schlosse zu Thüringen Hochzeit gefeiert. Die Uhr kam aus Paris als kostbares Geschenk in das Schloß und läutete das Glück zweier junger Menschen ein. Aber das Glück währte nicht lange. Das Vaterland forderte den jungen Mann. Er kam nicht wieder. Am Abend des achtzehnten Oktober hörte er noch die Siegesglocken von Leipzig läuten. Dann lag er tot unter vielen Tausenden. Die Uhr sah viele Tränen einer jungen Frau und das Wachsen eines kleinen Kindes. Dann senkte sich der Mantel der Zeit über das Schicksal der Familie. Im Krieg, aus dessen Ende ein neues deutsches Kaiserreich erblühte, gab wieder einer sein Leben aus dem Hause, in dem die Uhr schlug. Noch einmal trieb der Baum der Familie ein Reis, das über die anderen hinauswuchs und vom Schicksal bestimmt schien, den Glanz des uralten Geschlechtes zu erneuern. In der Hölle von Verdun brach der junge Leutnant im Eisensturm zusammen. Das neunhundert Jahre alte Geschlecht erlosch. Zur selben Stunde aber— in der neunten Morgenstunde des 21. März 1918— blieb das Werk der weißen, stolzen Uhr stehen, nachdem es über hundert Jahre lang gegangen war. Tag für Tag. Nacht um Nacht. Sie zeigte keine Zeit mehr an, seit auf ihrem Gesichte die Todesstunde des jungen Herrn erstarrt war. Sie wurde nicht mehr nachgesehen und verstaubte. Ich erhielt sie von einem Freunde, der wußte, daß ich diese alten Uhren liebte, weil ich in ihnen die Weisheit des Lebens erkenne und ihr Schicksal erforsche. Schon als ich diese Uhr sah, wußte ich, daß das eine Stolze war aus altem Geschlecht. Behutsam untersuchte ich sie. Nur ein Rädchen war aus dem Lager gesprungen in der Heimat, als der letzte Sproß auf dem Schlachtfeld sein Leben ließ. Nur ein Rädlein. Aber die Uhr blieb um die neunte Stunde stehen. Zur gleichen Zeit, als im Westen der junge Offizier in eine feindliche Granate hineinlief. Natürlich Zufall. Aber das Geschlecht erlosch. Ein fustiges Terzett Vierzehn Jahre lang war die Uhr stumm. Kein heller Glockenschlag klang mehr in die Stille. Sie schlug nicht mehr die Stunde des Glücks und nicht mehr die des Leides. Die singende Uhr war tot. Das Rädlein sprang ein in das Lager. Neues Oel gab ich dazu. Und an einem einsamen Abend hub in meiner Stube am Rande des großen, dunklen Bergwaldes ein Klingen an, daß ich in der Seele erschauerte. Ein altes Schicksal stand vor mir auf, wandelte sich in dieser Stunde der Dämmerung zu einem neuen. Seit diesem Abend geht die Uhr wieder. Ununterbrochen. Tag und Nacht. Unermüdlich läutet sie die Stunde. Es sind andere Stunden als vor hundert Jahren. Die Stunden einer neuen Zeit sind gewichtiger, denn sie tragen den Glauben in sich. Den Glauben an die Tat und an das Vollbringen. Zu dem alten Schicksal der singenden Uhr gesellt sich nun das neue. Aber das ist nicht mehr das einer Familie, nicht einmal meines. Auch nicht das deine. Sondern einfach das des deutschen Volkes. Zwei gute Kameraden Von Robert Steinitz Walter Manz und Werner Becker hatten sich enger angefreundet. Seit der Enttäuschung an einem Mädchen war Walter, dem Aelteren, diese Kameradschaft besonders wert geworden. Da gab es keine kostspieligen Ansprüche, deren Ablehnung Schmollen und Verdrießlichkeit nach sich zog; jeder konnte sich nach seinen Mitteln strecken und in solcher schlichten Paarung etwas erübrigen. Sonntags wanderten sie gern zusammen durch seendurchflochtene Wälder und neideten auf stillem grünen Pfad wenig die Motorbräute, die auf staubiger Straße nach ferneren Zielen dahinbrausten.„Denn“, sagte Walter,„das mögen wir immer noch haben, wenn wir uns erst eine tüchtige Anzahlung leisten können und die Raten dann nicht mehr drücken. Nur Fräulein Hottenroth wollte das seinerzeit nicht einsehen.“ Schließlich war es denn auch soweit, und als die Beiden nach ihrer Fahrlehre auf dem blitzenden Rade ganz andere Strecken zurücklegen konnten denn zuvor mit bloßer Muskelkraft, freuten sie sich schon Montags auf die nächste größere Entdeckerreise. Zunächst wurden zwar vor allem mit Stolz die geleisteten Kilometer gezählt, dann aber richtete es Walter, der Hauptplaner, so ein, daß dem Galopp, meist Sonnabends angetreten, zu doppelter Befriedigung eine beschauliche, naturschöne Wanderung irgendwie sich anschloß. Und da Werner nach wie vor der Führung des Aelteren sich anvertraute und sich auch in der Ablösung nach seinen Wünschen richtete, gab es nie Streit, und weil man stets vorsichtig blieb, ebensowenig andere Karambolagen. Der Sommerurlaub fiel für Walter zuerst. Er hätte eine größere Strecke in ein Gebirge leicht zurücklegen können, aber den Partner gewöhnt, reizte ihn dies nicht übermäßig, und so beschloß er, seine Ferien in einem nicht allzu entfernten Standquartier zu verbringen. Hier waren beide Freunde einmal eingekehrt und hatten nicht nur den Umkreis dieses„Waldschlößchens“, drei Seen zwischen Laubhügeln und Bachschluchten besonders reizvoll, sondern auch die Bewirtung aufmerksam und sehr preiswert gefunden, während Veranden und Gartenplatz fast vollbesetzt waren. Als Walter wiederkehrte, bemerkte der Jüngere nicht nur sein erfrischtes Aussehen, sondern in den Augen auch einen auffallenden Glanz.„Na“, half er etwas nach,„ich glaube, du wolltest mir nicht alles auf einmal erzählen. So strahlt man nicht bloß von frischer Milch und täglichem Schwimmbad und dem Ausschlafen. Du dürftest mehr erlebt haben.“ Der Ertappte wurde rot wie sein Pullover. Er schämte sich gegen den guten Kameraden hinter dem Berge gehalten zu haben, was freilich sein Häklein hatte. Nun gab es kein Ausweichen mehr. Ja, auch Gesellschaft hatte wohl angeschlagen, ein nettes Mädchen von einem nicht großen, aber sauberen Anwesen des Walddorfes, daß er am ersten Tage, auf einem Spaziergang, ein wenig verirrt, die frühesten Beeren aufspürend, kennen gelernt hatte. „Anders ist sie, weißt du, als manche unserer anspruchsvollen Stadtfräulein; sie freute sich schon herzlich, wenn ich abends mit ihr ein Stündchen auf dem Rad fuhr. Auch die Mutter kennt mich natürlich; sie ist von solcher guten Herzensart, fast wie meine Mutter sie hatte, als sie noch lebte... Nun mußte ich freilich versprechen, Sonntags einmal wieder zu kommen. Es ist dir doch recht, Werner“. Ein wenig neugierig stimmte der Freund gern zu. Er fand dann auch bei eigener Beobachtung, daß Walters bereits geprüfte Augen nicht durch die Sommerglut verblendet worden waren; denn diese Ilsemarie mit dem echten vollen Blondhaar und stattlichem Wuchs war wirklich ein bescheidenes und dabei nicht ungewandtes Fräulein. Aber daß mit der Zeit der Freund alles weitere Planen verlernte und für den Unbeteiligten dies das einzige Sonntagsziel gleichfalls bleiben sollte, wurde unbequem. Zwar erwies sich die Mutter gegen den jüngeren Stadtherrn garnicht unfreundlich, doch die Ueberzähligkeit schien immer deutlicher. Als Werner von seiner Urlaubsreise zu den Eltern zurückgekehrt war, sagte er das geradezu. So leid es ihm täte, wenn die treue Kameradschaft enden müßte— sie sei doch ein Jungmännerbund gewesen, und wenn gar zum Herbst das Fräulein bei entfernten Verwandten in der Stadt Haustochter werde, möchte wohl noch weniger davon übrig bleiben. Alledem konnte Walter sich schwer verschließen. „Aber das Rad“, warf er dazwischen. Da wurden beide sehr nachdenklich. „Nun, deshalb sind wir ja noch keine siamesischen Zwillinge, Walter“, meinte zuletzt der andere. „Hm, entzweischneiden können wir es auch nicht— das Rad.“ „Zumal da doch Fräulein Ilsemarie jetzt darauf gehört.“ „Und du?“ „Ich trete es samt den letzten Raten für sie ab.“ „Du bist doch der Miteigentümer, hast Anspruch auf das Eingezahlte. Und vereinsamt wüßte ich dich nicht gern. Schade, daß Ilsemarie kein Schwesterchen hat.“ „Ueber das Materielle verständigen wir uns bestimmt. Im übrigen wechsle ich meinen Sport— so habe ich viele Kameraden. Wir sehen uns sicher dann und wann— aber sonst gehören meine Jahre überhaupt noch zu keinem Mädchen, sondern in einen größeren Bund, nicht bloß für den freien Tag— nein— überhaupt mit Zielen.“ „Vielleicht ziehst du mich gar einmal nach, wenn Ilsemarie einverstanden ist.“ Werner schmunzelte; er fühlte sich selbständiger, und Verlust und Gewinn würden sich für ihn mindestens ausgleichen. Dann aber streckte er freundschaftlich die Hand aus, als könne in der Tat der andere auch aus beständiger Zweisamkeit sie noch brauchen. Die Axt im Haus... Von Erna Klostermann „Aber liebes Kind, weshalb willst du denn keinen andwerker nehmen?“ „Nenn' mich nicht immer liebes Kind, du vergißt inz, daß wir zehn Jahre verheiratet sind!“ O nein, das hatte Herr Held nun gerade nicht verssen, wenn er auch sonst nicht alles haargenau behielt. ehn Jahre lang auf sein Taschengeld angewiesen sein, as die Bezahlung von Vereinsbeiträgen, Zigarren und nigen Schoppen Bier anbelangt... In zehn Jahren ermal seine Familie um eine Kopfzahl vergrößert zu hen! Wie könnte man dabei überhaupt vergessen, daß an verheiratet ist! „Einen Handwerker nehmen! Großartig! Du bist wie boren zum Rechenkünstler. Die Axt im Haus erspart n Zimmermann. Handwerker nehmen! Für 2,30 M katerial, und dann einen Anstreicher kommen lassen und he Löhne bezahlen!“ Herr Held sah bei aller Anstrengung nicht ein, wesülb gerade er diese sprichwörtliche Axt darstellen sollte. r hatte doch mit diesem Werte vernichtenden Instruent nicht die geringste Identität aufzuweisen. Im Genteil: Wer schaffte überhaupt die Werte ins Haus? r. Und es schadete gar nichts, wenn man seiner holden attin, die vielleicht nicht hundertprozentig derselben keinung war, das mal wieder ins Gedächtnis rief. Aber 1 lief der Tapfere falsch an. Wo hätte jemals eine rau nicht um den Sieg des letztes Wortes gekämpft! „Ach ja, wenn man so leicht zu Verdiensten kommt wie it Linienziehen und Zahlenaddieren! Und sich dann zu ause am fertig gedeckten Tisch ausruhen kann! Aber eine Arbeit wird ja nicht anerkannt. Die Rackerei von üh bis spät, das Kochen, Flicken, Waschen für dich und e Kinder! Wenn du den Fußboden in der Küche nicht reichen kannst, werde ich das wohl tun müssen, obschon 1s keine Frauenarbeit ist.“ Das war ein Appell an seine Männlichkeit Nicht reichen können? Daß sie ihm überhaupt die Fähigkeit inien zu ziehen und Zahlen zu addieren, nicht absprach! in Mann kann alles, das heißt, er gibt sich wenigstens n Anschein, besonders wenn man ihn der Unfähigkeit ihen will. „Ich werde die Küche streichen!“ Held machte in diesem Moment seinem Namen alle hre. Wenn Ida, seine Traute, meinte, er würde sich ibei benehmen wie ein Palmström oder Adamson, die les um sich herum bepinselten und sich den Ausgang us dem terpentinduftenden Gemach versperrten, dann rte sie sich. Erst die Ecken bemalen, in denen Möbel ehen, dann die Mitte, bei der Balkontür angesangen nd sich selbst zum Korridor herausstreichen, so wurde das macht. Aber wie oft streichen und womit? Nun, das ürde Ida beim Einkauf erfragen müssen. „Na ja, dann ist's ja gut. Hier ist das Material Da hatte doch der sanfte Engel in Walkürengestalt in eiser Vorausahnung des Endes des sorkehrungen bereits getroffen, um den Zimmermann Held starrte auf eine braune Tüte mit mehligem Inalt, eine Flasche mit trüber Flüssigkeit, eine Blechbüchse nd einen Zettel mit der Aufschrift: gekochtes Leinöl 0.30 M. Farbe 0.20 M. Büchse Lackfarbe 1.80“ Sa. 2,30 M. „Also du streichst zuerst mit Leinöl vor, hat der Drogist gesagt, aber nur die abgetretenen Stellen, sagte er. Dann streichst du mit Farbe, die du mit dem Rest Leinöl anmengen mußt, sagte er, auch nur die abgetretenen Stellen. Und dann lackierst du die ganze Fläche, hat er gesagt.“ „Sagt er, sagt er, hat er gesagt! Das ist ja sehr freundlich von dem jungen Mann, daß er über meine Freizeit verfügt und dir einen Dienstplan für mich vorschreibt. Vielleicht war er auch so gütig, dir die Stunden anzugeben, wann ich mit der Arbeit beginnen muß und wann ich aufhören darf!“ Der kühne Aufschwung zu Helds Heldentum gebar eine erbärmliche Schwäche, und die hieß Zorn. Wenn sich ein Gegner die Schwäche seines Widerparts zunutze macht, hat er meist gewonnenes Spiel. Die Walküre legte für einen Moment das stolze Haupt in den Specknacken, die dunkelbewimperten Lider halb über die Kulleraugen und die schwungvollen Lippen über die bildschönen Porzellanplastiken und sah spöttisch und mit majestätischer Ruhe auf den Zornigen hernieder. Wie gesagt, für einen Moment. Und dann kam's: „Erstens: der junge Mann ist ca. 65 Jahre alt. Zweitens: soll ich ihm vielleicht erzählen, was für ein Held du bist und daß du nicht einmal einen Küchenfußboden streichen könntest, so daß deine ohnehin schon geplagte Frau diese Männerarbeit verrichten müßte? Wo heute doch jedes Kind mit Farbe und Pinsel umgehen kann.“ Ida hatte recht: Den Drogisten ging sein Heldentum gar nichts an. Sie hatte nochmals recht: Sie durfte ihm auch kein Bild von einem Traumhelden, einem Nichtkönner, entwerfen. Und trotzdem handelte Ida inkonsequent, weil sie kategorisch über Helds Freizeit verfügte und von einem wildfremden Menschen darüber bestimmen ließ und Held dadurch gewiß das Ansehen eines Helden mit drei häßlichen Vorsilben verlieh, mit drei Vorsilben, die man der Fußbekleidungsbranche entlehnte. Opposition war jetzt weniger denn je geraten.„Das Unvermeidliche mit Würde tragen“, sprach Held sich Mut zu und eröffnete dann: „Heute abend wird geölt, morgen gestrichen, übermorgen lackiert. Ab 9 Uhr hat keiner mehr etwas in der Küche zu suchen.“ Ida war plötzlich sprachlos. Diesen selten auftretenden Zustand mußte man registrieren. Held sah wirklich würdevoll aus und benahm sich auch würdevoll. An drei Abenden warf er sich in seine niedrigstrangigste Hosengarnitur, sparte das Anziehen eines Ueberrocks und band sich eine gestreifte Hausfrauensiamosenschürze vor. Für den ersten und zweiten Abend wäre dieser Aufputz nicht nötig gewesen, aber dann kam die Hauptsache, das Lackieren, das mindestens achtmal so lange dauerte wie die Vorarbeiten. Ida hatte sich strümpfestopfenderweise ins Wohnzimmer zurückgezogen. Die Zweieinhalb=, Vier= und Sechsjährigen waren zu Bett. Der Achtjährige untersuchte abwechselnd Vaters Schreib= und Mutters Stopfutensilien, bis er mit Stahlfedern, Woll= und Seidengarn, groß= und kleinöhrigen Nadeln, Papierschnitzeln und Konfetti aus dem Locher auf dem Teppich ein solches Tohuwabohu angerichtet hatte, daß er auch in die Heia dirigiert wurde. Ida erschien es in der Küche so merkwürdig still, kein Hilferuf war bis jetzt ertönt. Da schob sie ihre Walkürengestalt in den Türrahmen. Held erhob sich soeben von den Knieen. Er hatte den zweiten Küchenschrank unterpinselt. „Aber Egon, weshalb sagst du denn keinen Ton! Das wird doch nicht ordentlich. Wir wollten doch die Schränke von der Wand rücken. Glaubst du, ich hätte das ganze Geschirr umsonst auf den Tisch gepackt! Wenn man auch nicht alles haarklein zurechtkaut, muß man sich nachher ärgern!“ „Stör' mich nicht!“ brummte Held.„Das Abrücken war nicht nötig. Siehst ja, daß es so ging.“ Die Walkürengestalt rollte ab. Held plagte sich weiter. Wie die Fußleisten hinter den an der Wand stehenden Möbeln aussahen, war egal. Aber jetzt, gerade unter dem Spülstein.„Quitsch“ sagte es. Der dicke Pinsel rutschte aus, gab einen Spritzer die Wand hoch und zeichnete die weiße Fußleiste braun. Held nahm das erstbeste Küchentuch und verteilte die braune Farbe auf dem Weiß und dem Oelsockel in der Meinung, sie ganz beseitigt zu haben. Das Quitsch wiederholte sich periodisch alle paar Minuten. Helds unheldenhafter Stoßzischer kehrte genau so regelmäßig wieder und auch das Abwischen, auf deutsch Terteilen der verspritzten Farbe. Erst ganz zum Schluß. als das letzte halbe Meter Fußleiste um Schonung bat, gelang dem Gebeugten eine quirlende Bewegung des Pinsels, die Wand und Leisten unbemalt ließ. Aber diese Zufallsentdeckung gab Held nicht den Mut, den Beginn der Arbeit nochmal herbeizuwünschen. Nach eineinhalb Stunden war das Schlimmste geschafft. Sofa, Tiefbauherd und Gaskocher hatten den Geplagten genug malträtiert. Eine Revolte in dem gedrückten Magen veranlaßten ihn, schnell einen stillen Ort aufzusuchen. Und jetzt kam die Zimmermitte. Held war nicht umsonst Buchhalter. Er rechnete aus, daß er mit dem Lackrest die Mitte mindestens zweimal streichen konnte. Und weshalb sollte er das nicht tun! Nichts verkommen lassen! Morgen war die Farbe trocken. Es stand doch ausdrücklich auf der Blechbüchse:„Trocknet in einer Nacht!“ Also. Jedes Brett bearbeitete er doppelt, die vielbetretenen Stellen dreifach. Die Lackfarbe reichte gerade aus. Held strahlte. Um halb zwölf trat er ins Wohnzimmer: „Ida, es ist geschafft!“ Ida schrak zusammen, hob den Kopf von der Sessellehne, an der sie eingedämmert war und sagte mit einem Seufzer, als wenn sie die Anstreicherarbeit gemacht hätte: „Gott sei Dank! Dann können wir zu Bett gehen!“ Am andern Morgen. Held erwacht etwas verspätet, massiert sich den Rücken, sticht die Wasserblasen in der rechten Hand auf und besieht sein Werk. Die Küche glänzt. Held tippt mit drei Fingerspitzen auf den Boden und— bleibt kleben. „Ida“, ruft er.„Ja, stand nicht ausdrücklich auf der Büchse, daß der Lack in einer Nacht trocknet? Die Küche klebt!“ „Die Küche klebt“, echot Ida.„Ich muß hinein. Ich muß doch die Butterbrote machen.“ „Ich muß rein“, jammert die Sechsjährige.„Mein Tornister hängt hinterm Küchenschrank!“ „Ich muß auch rein“, tutet der Achtjährige in dasselbe Horn,„meine geputzten Schuhe stehen auf dem Balkon!“ „Ihr bleibt mir alle heraus!“ raffte sich Held auf. Ida ist wieder mal sprachlos. Der Imperativ war doch sonst ihre Domäne. „Ich werde vorsichtig alles holen, was ihr braucht!“ erkühnt sich Held. „Brot. Butter und Aufschnitt!“ „Den Tornister!“ „Die Schuhe und den Fußball!“ „Die elektrische Kochplatte und den weißen Topf!“ „Ruhe!“ donnert Held. Er macht einen Schritt, der Pantoffel bleibt kleben. Er zieht ihn los und hinterläßt einen Fußtritt im Lack. Er macht einen zweiten Schritt, einen größeren und— gleitet aus. Hält sich an dem mit Geschirr bepackten Tisch fest, zieht eine Teekanne und eine Suppenterrine mit sich. Ein nachpoltender Einsatz bedeckt den graumelierten Kopf mit Salz, Pfeffer sucht sich die Augen aus, Senf war gerade nicht vorhanden. Während der Hosenboden sich mit der Lackfarbe fest verbindet und die Scherben den am Boden Liegenden umkränzen, fuchteln die oberen Extremitäten umher, greifen haltsuchend in ein stacheliges Etwas und schleudern es sogleich gegen eine Fensterscheibe, die höhnisch klirrend zerbricht. Man kann nicht verlangen, daß der Betroffene und die Umstehenden soviel Mißgeschick schweigend über sich ergehen lassen. Das Stimmengewirr und das Klirren lockt den Zweieinhalbjährigen von dem eigens für ihn errichteten Thron, von dem herab er gerade über seinen Teddybären und den Clown zu regieren geruhte. Eilends kommt er mit baumelndem Buxenkläppchen an die Küchentür, durchdringt den Wall der ihm die Aussicht nehmenden Mutter und Geschwister und— klacks, da sitzt er. Aus lauter Solidarität mit dem Vater wird er sich nicht gesetzt haben, denn schon brüllt er los, beguckt seine Hände und konstatiert, daß auch andere zurzeit unbekleidete Körperstellen mit derselben braunen Masse beschmiert sind. „Nich voll demacht, Mama, ich nich voll demacht!“ Der Achtjährige grinst und kriegt eins hinter die Löffel, daß er heult. Die Sechsjährige weint, ohne einen Klaps gekriegt zu haben, weil der Tornister noch festsitzt. Die Ida=Walküre zetert, Held donnerwettert über schlechte Farben und über eine gewisse zimmermannsparende Axt. Sämtliche Helden sind in Kampfstimmung. * Das Familienhaupt stellt den Saldo fest. Eine zerbrochene Suppenterrine, eine zersplitterte Teekanne, verstreute Gewürze, eine zerstörte Kaktee—„Opuntia, rot gestachelt“ steht auf dem Holzbrettchen— eine kaputte Fensterscheibe, Rückenschmerzen, in der rechten Hand Blasen, in der linken nicht zu packende rote Stacheln, ein fehlender Hosenboden, des Kleinsten Schmerzen beim Abscheuern mit Seife und Bürste, ein wahrscheinlich indanthren gefärbtes Küchentuch und einer ganzen Familie Unruhe und Aufregung. Nachdem Ida mit Soda und brauner Seife den Lack und den festgeklebten Hosenboden von den Fußbodenbrettern gelöst, wurde er von einem Fachmann ordentlich gestrichen. Und siehe, plötzlich sahen sich zwei egal aussehende Lackbüchsen im Mülleimer wieder. „Wie haben Sie das gemacht?" fragten Held und Ida zu gleicher Zeit, als der Boden tatsächlich am andern Morgen trocken war. „Ich hab' die Mitte nur einmal überpinselt“, sagte der Mann. * Bei Helds gilt das Sprichwort seitdem doch als unzeitgemäß. Prinzeß. Von Phyllin Denham. „Was in aller Welt hast du dort, Ethel?“, fragte Jack, als er den Gartenweg heraufkam. Ethel stand im Hauseingang und hielt einen Hund im Arm; es war einer von diesen kleinen Bullis, die eigentlich überhaupt kein Anrecht darauf haben, Hund genannt zu werden. „Dies,“ sagte Ethel,„ist Prinzeß.“ Der Hund schien nur auf ein bestimmtes Stichwort gewartet zu haben, sprang aus Ethels Armen und machte einen keifenden Angriff auf Jacks Beinkleider. „Mach daß du wegkommst!“, rief Jack.„Wenn du dir nur einen wirklichen, richtigen Hund angeschafft hättest, Ethel; einen Wolfshund oder meinetwegen auch einen Terrier; aber diese winselnde, üble Kreatur.. „Das ist keine üble Kreatur, sondern ein herziges, kleines Hündchen“, gab Eathel zur Antwort.„Uebrigens gehört er nicht mir, sondern der Gattin des Lehrers, Frau Wilkins. Ich gebe nur ein paar Tage auf ihn acht, wanrend sie fort ist.“ „Oh, Frau Wilkins!“. brummte Jack, der keine besondere Vorliebe für diese Dame hatte.„Jetzt laß dich aber erst einmal richtig anschauen, Ethel, Liebste. Wenn ich den ganzen Tag von dir fort im Büro bin, so scheinst du mir jedesmal beim Nachhausekommen noch viel reizender zu sein, als beim Fortgehen.. „Dummer Bub“. lachte Ethel errötend,„komm herein und iß dein Abendbrot. Ich habe meins schon gegessen; du weißt ja, daß ich die Stickerei an der Tischdecke fertigstellen will.“ Jackmurrte. Dies war nun schon der dritte Abend, den Ethel mit der Arbeit an dieser langweiligen Tischdecke verbrachte.„Muß das heute wirklich schon wieder sein?, fragte er.„Schau, ich hab' dich den ganzen Tag nicht gesehen. Wie wäre es da mit einem Spaziergang? Das Wetter ist wundervoll.“ „Es geht wirklich nicht,“ erwiderte Ethel.„Ich versprach Frau Wilkins, daß ich die Decke für den Wohltätigkeitsbasar am Freitag fertig haben würde, und wanrend des Tages habe ich so viel im Haus zu tun, daß ich nur abends zu solchen Handarbeiten Zeit finde. Aber ich will mit meiner Arbeit neben dir sitzen, wenn es dir recht ist.“ „Das ist aber durchaus nicht dasselbe,“ beklagte sich Jack.„Dann hörst du mir nicht zu, sondern zählst die ganze Zeit über Stiche.“ „Du scheinst schlecht gelaunt zu sein.“ „Garnicht; aber ich denke doch, du solltest dich mehr für deinen Mann, als für Schoßhündchen und Tischdecken interessieren.“ „Mit dir läßt sich heute einfach nicht sprechen, Jack; du brummst über alles. Wenn du wirklich einen Spaziergang machen willst, warum nimmst du dann nicht Prinzetz mit dir?“ „Dummer Köter“ rief Jack ärgerlich aus. „Und jetzt brauchst du noch derartige Worte in meiner Gegenwart,“ sagte Ethel weinerlich.„Wenn ich gewußt hätte, daß das Leben in der Ehe so ist, dann hätte ich niemals...“ Jack stand vom Tisch auf, um auf sie zuzugehen. Aber das Unglück verfolgte ihn heute nun einmal. Unabsichtlich stieß er mit dem Fuß gegen den Hund und ein schreckenerregendes Geheul folgte. „Und jetzt mißhandelst du das kleine Tierchen auch noch so grausam,“ rief Ethel aus.„Arme Prinzeß, hat er dir wehgetan?“ Jack zuckte hilflos mit den Schultern; Frauen waren nanchmal wirklich zu unvernünftig. Natürlich hatte er doch das gräßliche Tier nicht stoßen wollen. Na, den Spaziergang würde er natürlich jetzt allein machen müssen. Als er zurückkam, schien Ethel schon zu schlafen. Auch der Morgen klärte die Lage keineswegs: das Frühstück wurde in Stillschweigen gegessen und Ethel verabschiedete ich kühl im Wohnzimmer, statt ihn gewohnterweise bis zur Gartentür zu begleiten. Dabei hätte Jack sie am liebten in seine Arme genommen und geküßt; aber tapfer viderstand er seinem Verlangen. Gab man als Mann einmal nach, wenn der Fehler doch so offensichtlich auf Seiten der Frau lag, dann war es mit der Würde und mit dem Ansehen für immer vorbei. Nein, er mußte fest und unnachgiebig bleiben, bis Ethel ihren Fehler einehen würde. Aber das Gefühl, zum ersten Mal in Unfrieden von seiner angebeteten kleinen Frau fortgegangen zu sein, wurmte ihn doch während der ganzen Fahrt von dem kleinen Vorort, in dem ihr Heim war, bis er die Stadt erreichte. Brocks, Jacks Teilhaber, hatte an diesem Tag verschiedentlich Ursache, sich über die Zerstreutheit seines Partners zu wundern. Schließlich beim gemeinsamen Mittagessen, platzte er heraus:„Was ist los mit Ihnen, Jack? Eigentlich kann ich mir's ja denken; natürlich haben Sie sich mit Ihrer Frau gezankt! Ich kenne das.“ „Garnichts wissen Sie,“ brummte Jack,„ich...“ „Hören Sie auf den Rat eines erfahrenen Ehemannes, der fünfzehn Jahre glücklich verheiratet ist,“ unterbrach Brooks gewichtig.„Meine Frau und ich zanken nie mehr. Und warum? Weil wir uns verstehen; weil ich gleich von Beginn an mein Recht behauptet habe! Im Anfang unserer Ehe gab es allerdings einmal, aber auch nur eben einmal, einen Streit. Ueber das Essen, glaube ich. Jedenfalls war meine Frau eigensinnig, und ich selbst viel zu fest und würdebewußt, um nachzugeben.“ „Genau so geht es mir eigentlich auch,“ murmelte Jack. „Na also,“ fuhr Brooks behäbig fort.„Als ich damals am nächsten Morgen ins Bürg ging, war ich fest entschlossen, nicht früher zurückzukehren, bis meine Frau Vom Autoschlosser zum Opernsaͤnger Ein großer Sprung aus der Werkstatt auf die Opernbühne gelang dem 22 Jahre alten Autoschlosser Hans Blessin aus Freienwalde an der Oder. Seine gesanglichen Fähigkeiten wurden vor 1½ Jahren entdeckt. Nach gründlicher Ausbildung ist er nun an die Oper nach Bonn verpflichtet worden. zur Vernuft gekommen wäre. So schickte ich ihr ein Telegramm— wir wohnten auch außerhalb— mit der Nachricht, daß ich bei Bekannten in der Stadt bleiben würde, bis sie sich die Sache genügend überlegt hätte. Das wirkte! Sie telegraphierte sofort zurück und bat mich, nach Haus zu kommen. Seither haben wir nie mehr gestritten; wir verstehen uns jetzt!“ Jack zog an seiner Pfeife.„Sie glauben sicher, daß es hilft?“. fragte er schließlich. „Unter allen Umständen,“ sagte Brooks.„Telegraphieren Sie sofort, daß Sie in der Stadt bleiben und Sie werden sich wundern, wie rasch eine Antwort kommen wird. Lehren Sie mich die Frauen kennen!“ „Gut“, entschloß sich Jack;„ich werde es versuchen!“ Aber von dem Augenblick an, als er das Telegramm aufgegeben hate, steigerte sich Jacks Unruhe nur noch. Jetzt wußte er, daß er seine Ethel, seine geliebte kleine Frau, nicht in solchen Schrecken hätte versetzen dürfen. Es war brutal, eine verächtliche Komödie, eines Mannes unwürdig. Er malte sich aus, wie sie das Telegramm empfangen würde, in Tränen aufgelöst über seine Herzlosigkeit. Schließlich schien ihm der Zustand unerträglich. Er schaute auf seine Uhr; in zehn Minuten würde ein Zug zu seinem Wohnort gehen; er mußte ihn erreichen. Er mußte sofort gehen und Ethels Verzeihung e rflehen. Sollte sie sich doch zehn Hunde halten und so viel Tischdecken sticken, wie sie Lust hatte! Was für eine Rolle spielte das alles, wenn es sie nur glücklich machte. Jack lief fast den ganzen Weg von der Station nach seinem Hause im Sturmschritt. Seine Gedanken waren im Aufruhr; würde sie ihm wirklich noch verzeihen nach dieser unerhörten Brutalität? Schließlich war er an der Tür und sah Ethel im Vorzimmer. Sie schaute unglücklich genug aus; kein Wunder nach einem solchen Schrecken! „Ethel“, brachte er hervor und nahm sie fest in seine Arme.„Vergib mir. Laß uns nie mehr streiten, Liebste.“ „Es war mein Fehler ja auch,“ schluchzte Ethel.„Ich dachte, ich dürfe mir nichts vergeben und wollte darum nicht einlenken. Aber, oh Jack, ich würde lieber.. Er küßte sie.„Kleine Ethel,“ murmelte er,„ich würde ja alles tun, um dich nur glücklich zu machen. Wenn du ein Dutzend Tischdecken machen willst.. „Nein, Jack,“ widersprach Ethel.„Ich will nicht noch eine einzige Minute von meiner, von unserer Zeit für den Basar opfern, sondern lieber ein paar Sachen kaufen.“ „Und wenn du den Hund behalten willst...“ „Nein,“ sagte Ethel fest.„Wir werden ihn sogleich zurückschicken; Frau Wilkins' Dienstmädchen soll sich um ihn kümmern. Willst du in den Garten gehen und ihn holen? Er bellt schon den ganzen Nachmittag herum, aber mir ist zu elend zumute gewesen, um mich nach ihm umzuschauen.“ Als Jack um das Haus herumging, klang ihm ein gellendes, schrilles Gebell entgegen. Außerhalb des kleinen Gartenhäuschens stand Prinzeß mit wütendem Gekläff vor der geschlossenen Tür und von drinnen erklang ein klagendes Schluchzen. Mit ein paar Schritten war Jack vor der Tür, ergriff den widerstrebenden Bulli und schaute hinein. Von drinnen erschien, verweint und geängstigt, die Gestalt eines kleinen Mädels. „Bitte“, sagte sie unter Weinen,„ich brachte ein Telegramm von meinem Papa... er ist der Postmeister.. wenn ich brav bin, darf ich manchmal ein Telegramm ausbringen... Aber Ihr garstiger Hund jagte hinter mir her und wollte mich beißen und... und da...“ In einem Moment hatte Jack das unbestellte Telegramm ergriffen und der Kleinen einen Schilling in die Hand gedrückt. Prinzeß hatte ihn gerettet. „Hast du ihn endlich gefunden?“, fragte Ethel, jetzt schon wieder mit ihrem gewohnten Lächeln. „Ja,“ sagte Jack und küßte sie;„und wir werden ihn behalten, solange es nötig ist. Es ist nämlich wirklich ein außerordentlich kluges Tier. Es ist der gescheiteste Hund, den ich je gesehen habe!“ (Berechtigte Uebersetzung aus dem Amerikanischen.) 6000 bis 8000 Pferde werden hier alljährlich verkauft. Seit Jahrhunderten findet in Wehlau in Ostpreußen einer der größten Pferdemärkte statt, bei den 6000 bis 8000 Pferde verhandelt werden. Kathi und die Von K. L. Nordhausen. „Die ganze Geldbörse— ist die Möglichkeit?“ F5o.— „Für ein Glas Bier grad und eine Zigarre?“ „Und zwei trockne Brötchen— ich sagt' es schon!“ „Und über drei Schilling noch in der Geldbörse herinnen?— Seltsam. Höchst seltsam!“ Der Lehrer, der Amtsschreiber, Wirt und Wirtin vom„Rößle“ waren sich einig: das war ein besonderes Begräbnis. Man konnte sich nicht erinnern, daß derlei im Rößle schon einmal passiert sei. Die Wirtin war dafür, daß man die Polizei verständige. Aber die Kathi schrie schreckhaft auf: „Nicht Polizei. Ich hab' Angst! Ich hab' so viel Angst!“ Das verwirrte die Angelegenheit am meisten. Die Kathi, die vollkommen unbescholtene Bedienerin, hatte Angst wegen dieser Sache? Aber warum denn? Das war doch kein Anlaß, um Angst zu haben! So lag der Fall: Ein Herr war im Gasthaus zum „Rößle“ erschienen. Ein sehr anständiger Herr. Er hätte eigentlich mehr in den vornehmen„Großgasthof Müller“ gepaßt. Aber er war nun einmal da und setzte sich an einen Tisch in der dunkelsten Ecke. Die Kathi war allein zum Bedienen da. Es war allweil noch früh; erst kaum 5 Uhr, wo Gäste selten einkehrten. „Bitt' um ein Bier,“ sprach der Fremde. Er trank das Bier, verzehrte ein Brötchen aus dem Korb und forderte dann noch eine Zigarre. „Was macht die Zeche, bitt' schön?“ „90 Groschen,“ rechnete die Kathi auf dem Zettel aus und gab dem Gast den Zettel. Da griff der Fremde in die Tasche, nahm die Geldbörse und legte sie der Kathi in die Hand. „Es stimmt so,“ sprach er und schritt schnell davon. So erzählte die Kathi. Gesehen hatte den Fremden niemand. Nach der Beschreibung der Kathi soll er finster oder arg verzweifelt ausgesehen haben. Er sei auch davongegangen und habe die Kathi nicht angeschaut und nicht auf den Gruß gedankt. „Das ist halt ein Spintisierer gewesen, mein' ich", bemerkte der Rößlewirt. „Oder ärger. Er ist nicht recht im Kopf gewesen. Womöglich aus einer Anstalt entwischt. Das kennt man; ich hab' es oft gelesen. Man sollte es an die Zeitung geben——“ „Ja, die Zeitung,“ echote die Kathi mit hochrotem Gesicht zu den Ausführungen des Lehrers. Der Amtsschreiber machte eine wegwerfende Bewegung. „Wer weiß, ob der Mann so harmlos gewesen ist. Ich denk' mir, er könnte auch ein krimineller Mensch gewesen sein. Er hat womöglich die Geldbörse gestohlen, hat das Geld herausgenommen und nur die drei Schilling herinnen gelassen—— Die Börse wollte er los sein, damit sie ihn nicht verraten kann. Die Zeitung täte es sicher interessieren——“ „Ja, die Zeitung,“ echote die Kathi„Und wie wär' dann nachher das: Wenn das Geld falsches Geld ist? Wer kennt sich aus in dem Geld? Ich mein', wie es echt oder unecht ausschaut?“ Auch diese Ansicht der Wirtin hatte etwas für sich. Der Fall lag so einfach nicht. Man konnte ihn nach allen Seiten wenden. „Die Zeitung,“ meinte mit hochrotem Gesicht, wie verschämt, die Kathi. „Und die Polizei,“ trumpfte die Wirtin auf. „Nicht die Polizei— da hab' ich schrecklich viel Angst,“ flehte die Kathi. Die kleine Gruppe in der Schankstube des„Rößle“ lächelte ob solch unangebrachter Furcht. Der Amtsschreiber versuchte es, der Kathi die Furcht auszureden. Aber die Kathi weigerte sich, auszusagen, wenn die Polizei kommen sollte.„Sie werden gezwungen, Kathi,“ hob der Lehrer hervor. Worauf die Kathi trotzig entgegnete: „Ich beiß mir die Zunge ab!“ „Geschwätz——“ „Ich tu's!" So unterließ man zunächst, die Polizei zu benachrichtigen und sprach eingehend weiter über den sonderbaren Fall. „Ein Spintisierer“, erklärte der Rößlewirt nachdrücklich, und der Lehrer meinte:„Ein entsprungener Irrer“; dagegen hielt der Amtsschreiber fest an seiner Meinung: „Ein krimineller Mensch,“ während mißtrauisch die Wirtin rief:„Ein Zechpreller mit einem falschen Geld“. „Und ich sag', es muß in die Zeitung— und daß ich es gewesen bin, die die meiste Angst hat ausstehen müssen“, schloß die Kathi das geschwinde Hin= und Herreden. Ueber diesen Eifer und Ehrgeiz lächelten sie alle versteckt. Aber das verhinderte nicht, daß er Bericht über den absonderlichen Vorfall, dessen Heldin die Kathi aus dem„Rößle“ war, aus der Feder des Lehrers im Wochenblatt und aus der Feder des Amtsschreibers im nächsten Stadtblatt erschien. Als es erschienen war, da schrieb die Kathi an ihren Schatz in der Stadt einen ungelenken, überraschend ausführlichen Brief, der etwa so schloß: „—— und mein' ich halt, daß ich viel mehr wert bin als die Lies, dieweil ich in der Zeitung herinnen hab' gestanden und bin eine berühmte Persönlichkeit, von der man berichten muß und kannst Du stolz sein auf so eine Frau, die in der Zeitung herinnen ist gestanden. Bewahr' die Zeitung gut auf, wie ichs auch werde und soll später ersichtlich sein, daß ich einmal in einem Zeitungsartikel bin behandelt worden bei einem Ereignen!“ Der Josef nahm die Kathi auf Grund dieser vollkommenen Beweisführung ihrer Bedeutung und führte sie zum Altar. Sie sind gut miteinander ausgekommen, und erst nach Jahren hat die Kathi ihm gestanden, daß es mit der Geldbörse nichts als ein schlauer Schwindel von ihr gewesen sei. Der Fremde habe die Geldbörse einfach liegen lassen und sei nicht wiedergekommen, um sie abzufordern. Aber sie hat die Sache so. ausgedacht, daß der Lehrer darüber in Zeitung schreiben würde, worauf sie dem Josef sehr viel mehr begehrenswert sein würde, da alle Leute in der Stadt die Kathi aus dem Bericht über den kuriosen Gast in der Zeitung kennen würden—— Hätte der Josef das Maul gehalten, und hätte er nicht im Wirtshaus beim Bier prahlend davon erzählt, wie schlau die Seinige sei, dann wäre die Sache wohl nie ans Licht gekommen. Aber nun nennen alle Leute die Kathi, die einmal in die Zeitung hat hinein wollen — die„verdruckte Kathi“—— entstand der Bodenweiler Der vielgehörte„Badenweiler Marsch“, den man als den Lieblingsmarsch des Reichskanzlers Hitler bezeichnet, verdankt seinen Namen nicht etwa dem bekannten Kurort in Baden, sondern einer kleinen Stadt namens Badonviller. die schon 1914 französisch war und westlich des Kammes der Vogesen, etwa 10 Kilometer vorwärts der alten deutsch=französischen Grenze in Richtung Luneville(bei Baccrant) liegt. Dort erfolgte 1914 die Feuertaufe des Kgl. Bayerische InfanterieLeibregiments, über die in einer Neuerscheinung von Dr. Walter Frank:„Franz Ritter von Epp, Der Weg eines deutschen Soldaten“(Hanseatische Verlagsanstalt, Hamburg) folgendes berichtet wird: Am frühen Morgen des 12. August 1914 liegt das 2. Bataillon des Leibregiments als Vorpostenbataillon an den bewaldeten Höhen nördlich der Stadt Badonviller. Die sechste, die Vorpostenkompagnie, empfängt feindliches Feuer. Da läßt sie ihr Hauptmann, Graf Robert Bothmer, zum Sturm vorgehen... Dieser Angriff auf einen überlegenen Feind war nicht im Plan. Er war auch rein taktisch gesehen nicht erwünscht. Die höheren Verbände waren auf ihn nicht vorbereitet, man hatte nicht einmal Artillerie zur Hand. Aber die 6. Kompagnie stürmte... Der Kommandeur des 2. Bataillons, Major Epp, stand vor der Frage, ob er die Kompagnie allein lassen oder auf eigene Verantwortung unterstützen solle. Er meldete nach rückwärts, zum Regimentskommandeur, den Sachverhalt und setzte hinzu:„Ich greife an“. Aus diesem Befehl entstand die erste glänzende Waffentat des Leibregiments im Großen Krieg. Ueber den Friedhof von Badonviller, mitten hinein in dem vom Feind besetzten Ort, geht das 2. Bataillon vor. An der Spitze der 5. Kompagnie, vor der Fahnensektion, Major Epp. Ein rasendes Gewehrfeuer schlägt in den Straßen der Stadt den Bayern entgegen. Vom Kirchturm herab hämmert ein Maschinengewehr. Aber die Bayern stürmen. So wie ein Lied nachher von ihnen sang:„So spürt der Feind am ersten Tag der Leiber schweren Kolbenschlag.“ In Häusern, Höfen und Gärten liegen sie mit den Franzosen im würgenden Kampf. Zu Haufen liegen die Toten übereinander. Dann zieht sich das Gefecht aus dem Oert hinaus, auf die Höhen südlich Badonviller. Gegen mittag ist es durch das Eingreifen der beiden anderen Bataillone des Regiments und durch Artillerieeinsatz entschieden.“ Als am Abend dieses Tages wieder Ruhe eintrat, schrieb der Musikmeister des Leibregiments Georg Fürst auf einem Blatte den„Badenweiler Marsch“ nieder, Auf diese Weise erzählt der Badenweiler Marsch noch heute von der Feuertaufe des Bayerischen Infanterie=Leibregiments im großen Kriege. Mit8o Kamelenzur Königin von Saba. Eben kommt Graf Prorok aus Ophir zurück. Im Gebiet des Beni Shegul fand er die Minen, in denen einst König Salomo in seinen kassenknappsten Tagen das Gold holen ließ, mit dem sich die Pharaonen reich machten. Bei seiner Heimkehr erzählte man ihm, daß inzwischen ein Flieger in der Arabischen Wüste das alte, goldene, große Saba gesichtet habe. Mit neun großen Türmen, noch heute eine prachtvolle Stadt. Freilich nur aus der Höhe gesichtet. Nicht festgestellt habe er, ob die Wände hier wirklich mit Gold überzogen und die Säulen mit echtem Gold überhaucht gewesen seien. Aber Saba sei es gewesen, das echte Saba. Jetzt hält es Prorok keinen Tag mehr in Europa aus. Die Kabel sind nach Amerika hinübergelaufen und nach Hodeida in Arabien. Das Flugzeug ist gechartert. Ibn Saud, der jetzt den Hedschas kontrolliert, ist angerufen. In ein paar Tagen soll eine Unterredung mit Ibn Saud stattfinden. Oh, man zieht heute nicht einfach in die Wüste hinein. Vertraglich und notariell muß man sich mit den Wüstenfürsten genau über die Verteilung und den Besitz dessen festlegen, was man findet. Eine amerikanische Studiengesellschaft, der ein paar alles zahlende Millionäre von unerschütterlicher Festigkeit angehören, haben alle Kosten zugesagt. So offeriert denn Prorok eine Expedition von 60 Kamelen. Denn die besten Autos würden hier auf der 400 Meilen=Reise auf nie gefahrenen Straßen schwerlich viel nützen. Beste Archäologen, beste Filme, eine Handvoll weiterer Fachleute— und 30 Prozent aller Funde für Ibn Saud. Prorok rechnet, daß er mit Ibn Saud recht bald einig ist. Für den kommenden Winter steht alles bereit, um die Residenz der Königin von Saba zu erobern— lange verloren, vergessen, im Sande versunken, fär eine Legende, für ein Märchen gehalten. Wie einst die hohen Besuche, so wird man auch jetzt auf leise schreitenden Kamelen würdevoll in Saba einreiten. Das Rattern der Motoren wird diesen Frieden der Einsamkeit und der Vergessenheit dann schon früh genug zerreißen— wenn Saba erst einmal erobert ist. Eine Liszt=Anekdote. Die Kritik. Liszt leitete einmal eine Probe zu seiner„Heiligen Elisabeth“. Der Kapelle unterliefen hierbei viele Fehler, die allmählich Liszt in eine gelinde Verzweiflung brachten. Als alle Ermahnungen nichts nützten, geriet er in eine richtiggehende Wut. Er warf den Taktstock hin und schrie die Musiker an: „Nicht zum Aushalten ist das! Das ist ja die reinste Jahrmarktsmusik!“ Worauf einer der Gescholtenen die unerwartete Bemerkung fallen ließ:„Na von uns ist sie nicht!“ Aus Zeit und Leben. Turnen-Spiel-Sport. 28. Tour de France. Lapebie wieder Etappensieger. Belfort, 6. Juli. Fred Perry Wimbledonsieger. Jack Crawford verlor den Titel. London, 6. Juli. Die Zwischenrunde um den Kampfspiel=Pokal. Die Zwischenrunde um den Kampfspiel=Pokal bringt vier Spiele. Die Vorschluß= und die Schlußrunde werden im Rahmen der Deutschen Kampfspiele in der letzten Juliwoche in Nürnberg zur Durchführung gebracht. Der Westen hat bis auf Westfalen, das am vergangenen Sonntag in Saarbrücken durch den Gau Südwest ausgeschaltet wurde, mit den beiden Gauen Niederrhein und Mittelrhein noch zwei starke Eisen im Feuer. Der Gau Niederrhein, der in der Vorrunde Ostpreußen hinter sich ließ, hat diesmal in Elberfeld eine weitaus schwierigere Aufgabe zu lösen, denn Baden zählt mit zu den aussichtsreichsten Anwärtern auf den von Bayern im vorigen Jahr erstmalig gewonnenen Kampfspiel=Pokal. Immerhin hat Niederrhein den nicht zu unterschätzenden Vorteil, in der Zwischenrunde in heimischer Umgebung spielen zu dürfen, so daß auch diesmal mit einem guten Abschneiden des Gaues 10 zu rechnen ist. Mittelrheins Chancen sind nach dem Ueberraschungssieg über Brandenburg erheblich im Kurs gestiegen, wenn auch die Mittelrheinischen den schweren Gang nach Hamburg zum Gau Nordmark antreten müssen. Der Titelverteidiger Bayern ist mit ziemlicher Sicherheit in Augsburg über Nordhessen in Front zu erwarten, wahrend die vierte Begegnung zwischen Südwest und Sachsen in Frankfurt/M. als offen zu bezeichnen ist. Die Paarungen lauten: Niederrhein— Baden in Elberfeld. Nordmark— Mittelrhein in Hamburg. Bayern— Nordhessen in Augsburg. Südwest— Sachsen in Frankfurt/ M. Rheinisches Landesturnfest 1934 in Nachen. Friedrich=Aachen Zwölfkampf=Sieger. :: Aachen, 6. Juli. Der zweite Tag des Rheinischen Landesturnfestes 1934 in Aachen stand im Zeichen der Mehrkämpfe. Bei sommerlichem Wetter wurden die einzelnen Wettbewerbe schnell und flott abgewickelt. Bei dem Zwölfkampf fehlten Sandrock=Immigrath und Frey=Kreuznach. Sieger des Zwölfkampfes wurde H. Friedrich von der Turngemeinde Aachen mit 223 Punkten. Nigge=Remscheid belegte den zweiten Platz. Der Gau Niederrhein schnitt im allgemeinen am besten ab. 6. hengsteysee-Regatta. :: Herdecke, 6. Juli. Wir veröffentlichten bereits vor einigen Tagen das Meldeergebnis zur Hengsteysee=Regatta, an der 26 Vereine mit 93 Booten und 487 Ruderern teilnehmen. Es treten hier Mannschaften in den Wettbewerb, die bisher im Westen fehlten. So erscheinen aus Berlin Spindlersfelder RV. Sturmvogel und RV. Friesen. Aus Hannover meldete Akadem. Angaria. Weiterhin ist der Ruderklub Saarbrucken zu Gast. Von den Vereinen des Rheinisch=Westfälischen Regattaverbandes ist alles zur Stelle, was Namen hat. Die voraufgegangenen Regatten lassen jetzt schon einen Ueberblick über die voraussichtlichen Sieger zu. In den ersten Seniorenrennen ist die westdeutsche Klasse nicht vertreten. Essener Turn= und Fechtklub. der Hauptsieger der Hügelregatta, gab hierzu keine Meldungen ab. So liegt der Ausgang allein zwischen den Vereinen aus anderen Verbandsgebieten. Lediglich im Ersten Achter, dem Ausscheidungsrennen um die deutsche Meisterschaft, geht der Kölner Ruderverein 1877 an den Start. In der zweiten Senioren= und Juniorenklasse gehen Etuf und Wassersportverein nicht ohne Aussichten an den Start. Den Leichten Vierer dürften die Akademischen aus Münster für sich entscheiden. Die Jungmannklasse sieht eine Reihe aussichtsreicher Bewerber. Köln 77, Wassersportverein Mülheim und Ruderklub Hamm sollen zuerst genannt sein. Im Ersten Einer wird Schmidt vom Etuf sein Pech vom letzten Sonntag wieder gutmachen. Das Doppelzweierpaar aus Witten muß sich gegen Angaria Hannover behaupten können. Buhtz siegt weiter in Henley. London, 6. Juli. Die Begegnung von Dr. Buhtz mit dem Tschechen Zavrel im Einer war unbedingt einer der Höhepunkte des ereignisreichen Tages. Nach dem ersten Viertel der Strecke zog unser Mann in raumgreifender prächtiger Wasserarbeit mit 26er Schlägen durch und passierte Fawley in 3:56. Zavrel war in seiner Arbeit Schlagkürzer und verbrauchte mehr Kraft als der Deutsche, der trotz der Schnelligkeit des Rennens sehr frisch erschien. Frühzeitig begann Zavrel schon einen Spurt einzulegen und, obwohl er sich mehrmals versteuerte, konnte er in 28erSchlägen auf 1¾ Längen aufschließen. Auf den letzten 500 m verdoppelte der Tschechische Meister seine Anstrengungen und verringerte nun den Abstand bis ins Ziel auf nur eine Länge, ohne dabei aber dem taktisch ruhig rudernden Deutschen gefährlich zu werden. Die Berliner Braun=Möller hatten im Zweier ohne Steuermann gegen die Amsterdamer Dekker=Jens zu rudern und gewannen leicht in 8:35. Eine recht schwierige Strecke hatten die 54 noch im Rennen befindlichen Tour de France=Fahrer auf der 4. Etappe von Metz nach Belfort über 220 km zu bewältigen. Die deutschen Fahrer hatten wieder einmal Pech. Die beiden Deutschen, Gebr. Wolke, lagen lange Zeit an der Spitze des Feldes und im deutschen Lager glaubte man schon an einen deutschen Etappensieg. Da machte eine geschlossene Bahnschranke den beiden Ausreißern ein energisches Halt. Eine größere Gruppe kam dadurch auf und nun ging der Franzose Le Greves und der Belgier Verwaecke auf und davon. Die Freude dauerte auch nicht lange, denn kurz vor Belfort schlossen die Verfolger auf. Das Ziel erreichten geschlossen acht Fahrer. Im Endspurt fuhr der Franzose Lapebie mit einer Gesamtfahrzeit von 7:16,27 seinen zweiten Etappensieg hintereinander heraus. Als Zweiter plazierte sich der beste Einzelfahrer Morelli=Italien. Dann folgte EzquerraSpanien. In der Spitzengruppe befand sich auch A. Magne, der dadurch weiter die Führung in der Gesamtwertung behielt. Westfülisch=Lippisches Landesturnfest Klinger siegt im Zwölfkampf, Grüdelbach im Zehnkampf. 24 Jahre hoffte England jedes Jahr vergeblich, daß ein Engländer wieder einmal die„Champioship“ im Tennis gewänne. Heute endlich, nach einem Vierteljahrhundert, ist der Wunsch der Bewohner des Inselreiches in Erfüllung gegangen. An einem der heißesten Tage dieses an sich schon warmen Sommers, als allein schon das Sitzen auf den ausverkauften Tribünen des CentreCourts eine Qual war, holte Fred Perry den stolzen Titel vom Verteidiger, dem Australier Jack Crawford, zurück. Er siegte überlegen mit 6:3, 6:0, 7:5. Volkstümlicher Fünfkampf Oerstufe: 1. Erich Jahn Siegen 96 P., 2. Bangert Halver 95 P., 3. Flug Auf den Hütten Weidenau 92 P., 4. Vhöne TG Herne 92 P. Neunkampf der Turner über 40 Jahren: 1 Hartmann TB. Bottrop 168 P., 2. Poos TG. Herford 160 P., 3. Katz TV. Eichen 157 P. Oberstufe: 1. Bögge TV. 1862 Soest 131 P., 2. Obergefreiter Grell=Minden 124 P., 3. MühlenhoffSchötmar 120 P., 4. Vogelsang Hörder Verein Hörde 116 P., 5. Cibulski-Gladbeck 114 P. 110 Zwölfkampf der Turner über 32 Jahre: 1. Glombick Münster 62 204 P., 2. Cramer Vörde 203,5 P 3. Mertens TuS. Bochum=Hamme 203 P. Dreikampf der Turner Jahrgang 01/95: 1. Rosser Polizei Recklinghausen 52 P., 2. Rittinghaus TV Sundwig 49 P., 3. Riechmann TuS. Hartum 48 P. Minden, 6. Juli. Vom frühen Morgen bis zum späten Abend dehnten sich die Kämpfe der Turner aus. Dank der glänzenden Organisation klappte alles vorzüglich, und das Westfälische Landesturnfest wurde mit seinem 1. Hauptfesttage ein Musterbeispiel glänzenden turnerischen Willens und damit turnerischer Einsatzbereitschaft. Der Zwölfkampf. Die Zahl der Teilnehmer am Zwölfkampf der Oberstufe, war verhältnismäßig gut ausgefallen, stellten sich doch 12 Riegen mit je 16 und 17 Turnern den Kampfrichtern. Das Hauptaugenmerk richtete sich auf die Spitzenkönner Klinger=Dortmund und Stracke=Eichen, sowie Rammelmann=Werl und Gebrüder Kargol=Bochum. Der Dortmunder Klinger war allen seinen Konkurrenten klar überlegen und beendete den schweren Kampf mit 224 Punkten und einem Vorsprung von 15 Punkten als Sieger vor dem jungen Rammelmann mit 209 Pkt. und dem alten westfälischen Turnerkämpen Alfred Stracke, der es auf 207 Pkt. brachte. Der Abend des Hauptfesttages vereinte dann noch einmal alle Teilnehmer und Teilnehmerinnen und die Gäste auf der Festwiese. Sondervorführungen der Tänzerinnen standen auf dem gramm, die von den Erschienenen herzlich mit Beifall bedacht wurden. Die Buben und Mädel legten Zeugnis davon ab, daß sowohl in der Halle als auch auf den Plätzen eifrig trainiert worden ist. Der Oberturnwart der DT, Karl Steding überbrachte die Grüße des Reichssportführers, der leider wegen dringender Geschäfte abgehalten wurde, nach Minden zu kommen. Steding fand anerkennende Worte für die Arbeit, die in Minden geleistet wurde und mit Freude übermittelte er die Grüße der Teilnehmer am Rheinischen Landesturnfest, von dem er gerade komme. Die Ergebnisse: Männer: TuS. Hamm 55 P. und Borsdorf TG. Lage 55 P., 2. Pfeiffer TV. Ueckendorf 51 P., 3. Waldschmidt Eintracht Dortmund 48 P. und Dunker Allgem. Städt. TV. Iserlohn 48 P. Sechskampf der Jugend: 1. Freitag Jahn Siegen 124 P., 2. Jablowoski Münster 62 116 P., 3. Schütz Grüne Linde Lütgendortmund 112 P. Florett: 1. Schöne TV. Gütersloh acht Siege, 2 Reichel Eintracht Dortmund sieben Siege, 3. Höhle Bochum 1848 sechs Siege. Frauen: Siebenkampf Oberstufe: 1. Borgolte TG Bochum=Ehrenfeld 132 P., 2, Bittner Schalke 77—130 P 3. Gers TG. Bochum=Ehrenfeld 129 W.. 4. Frau Loos=Streuber Jahn Minden und Hilde Plaumann Eintracht Dortmund je 126 P., 5. Berta Stoyke TG. Dortmund 123 P. Sport in Kürze Zwölfkampf Oberstufe: 1. Klinger Eintracht Dortmund 224 P., 2. Rammelmann Werl 209 P., 3. Alfred Stracke TV. Eichen 207 P., 4. Rinkel Elsetal Bremke 205 P., 5. Lorsbach TV. Eichen 201 P. Zeynkampf Oberstufe: 1. Alfred Grüdelbach Klafeld 190 P., 2. Trostheim TG. Dortmund 188 P., 3. Schmidt. Bad Driburg 178 P., 4. Raufft Schalke 77—169 P., 5. Martini Die besten deutschen Vertreter sind Athanasius, Blinzen, TG. Dortmund 165 P., Geist Herford 165 P., Schäfer Geis= Agalire, Ehrenpreis und Travertin. Im Großen Preis von Baden=Baden, dem Hauptereignis der Internationalen Badener Rennwoche sind fünf ausländische Pferde startberechtigt. Es handelt sich um die drei Franzosen Negundo, Denper und Ammoniß sowie die Italiener Sans Souci und Gadio. Westfälische Leichtathletikmeisterschaften. Wer führt nach Nürnberg? Der Zehnkampf. Beste westfälische Kunstturner sangen hier das hohe Lied der Turnkunst. Trostheim, der zuerst mit seinen Uebungen fertig war, brachte es auf 188 Punkte, aber Grüdelbach, der zur allgemeinen Ueberraschung seine Kürfreiübung mit der vollen Punktzahl 20 turnte, überflügelte ihn um zwei Punkte und blieb mit 190 Pkt. Sieger vor Trostheim, der sich den Sieg durch eine nicht einwandfreie Barrenübung und einen schlecht ausgeführten Abgang in der Pflichtschwungübung am Reck verscherzt hatte. Mit großem Abstand folgte Schmidt=Driburg mit 178 Pkt. an dritter Stelle. Im volkstümlichen Sechskampf der Oberstufe entpuppte sich der Soester Bögge als ein talentierter Mehrkämpfer. Er sprang 6,45 m weit, durchlief die 100 m in 11,3 Sekunden, die 1500 m in 4:35 Minuten, sprang 1,65 m hoch, warf die Keule 56,56 m und stieß die Kugel 11,70 m weit. Er wurde mit 131 Punkten erster Sieger vor dem Obergefreiten Grell=Minden(124 Pkt.) und Mühlenhoff TG. Schötmar(120 Pkt.). Volkstümlicher Fünfkampf. Hart umstritten war auch der volkstümliche Fünfkampf. Die Konkurrenten waren sich fast gleichwertig. Mit nur einem Punkt Vorsprung konnte Erich FeischeJahn Siegen den Lorbeer an sich reißen. Siebenkampf der Mädel. Westfalens beste Turnertöchter stellten sich in der Sonderklasse zum gemischten Siebenkampf. Den Vogel schoß Irmgard Borgolte von der TG. BochumEhrenfeld ab, die mit 132 Pkt. sich als erste Siegerin in die Siegerliste eintragen konnte. Ihr folgten Friedel Bittner=Schalke 77 mit 130 Pkt. und Frau Grete Gers Bochum=Ehrenfeld mit 129 Pkt. Im Florett waren 35 Wettkämpfer angetreten, die den ganzen Tag über auf der Wettkampfstätte im Hauptfestzelt sich durchweg spannende Gefechte lieferten. Hier setzte sich zur allgemeinen Ueberraschung der Gütersloher Schöne durch, der Reichel=Eintracht Dortmund auf den zweiten Platz verwies. : Dortmund, 6. Juli. Westfalens Leichtathleten versammeln sich am Sonnabend und Sonntag in Bochum, um erstmalig ihre westfälischen Gaumeisterschaften auszutragen. Diese Wettkämpfe haben insofern ihre besondere Bedeutung, als sich die Titelträger der Gaumeisterschaften die Teilnahmeberechtigung an den Nürnberger Kampfspielen erwerben. Die Meldeliste ist schon aus diesem Grunde sehr reichhaltig. Das Landesturnfest in Minden wird allerdings den einen oder anderen Turner von der Teilnahme in Bochum abhalten. Die Ermittlung der Besten nimmt zwei Tage in Anspruch. Am Samstag fallen acht Entscheidungen, und zwar im Weitsprung, Hammerwerfen, Hochsprung, Dreisprung, 200 m=Lauf, 1500 m=Lauf, 10 000 m=Lauf und 4mal 400 m=Staffel. Am Sonntagvormittag beginnen die Wettkämpfe mit dem zweiten Teil des Zehnkampfes, dann folgen die Vorkämpfe für die restlichen dreizehn Wettbewerbe und am Nachmittag, nach dem Einmarsch der Aktiven, fallen die Entscheidungen. Westfalens Jugend der DSB. und des DFB., über 5000 aus den Kreisen Dortmund. Gelsenkirchen und Bochum, werden sich an dem feierlichen Einmarsch beteiligen. Wer wird Meister? Ueber 100 m und 200 m ist natürlich Borchmeyer hoher Favorit. Sein Klubkamerad Vent, Kranz=Bielefeld, der Germane Stühl, Haertel=Hagen und HeßbrüggeMünster kommen für die Plätze in Frage. Im 400 m=Lauf hat Goldhausen=Recklinghausen die besten Aussichten, zumal Rohleder=Münster an seine vorjährige Form bisher noch nicht hat anknüpfen können. Rose=Hamm und Tingelhoff sind weiter zu beachten. Die Meisterschaft über 800 m müßte endlich an den Hörder Glagowski fallen, doch hat sich inzwischen wieder scharfe Gegnerschaft aufgetan. StembergVfL. Union und die neue Dortmunder Hoffnung KrögerVfL., aber auch Honke=Hagen oder Destadt=Iserlohn könnten dem Hörder den Weg zur Meisterschaft abermals verlegen. Auf die 1500 m=Strecke dürfte wieder der Hammer Göttmann Beschlag legen, zumal der Peltzer=Bezwinger Orth stark nachgelassen hat. Im 5000 m=Lauf ist eine Voraussage schlecht möglich. Ob Starke=VfL. Dortmund wieder soweit ist, um Remy=Münster, die Dortmunder Iworudsken und Schulte oder den Bochumer Legge zu schlagen, ist fraglich.— Möglich ist aber auch, daß Starke nur die 10 000 m läuft. Hier hätte er es besonders mit HannemannHindenburg Minden zu tun. Im 110- und 400 m=Hurdenlauf haben die Hörder Löber bezw. Ebert die meisten Aussichten auf rfolg. In den Staffeln wird es zu schönen Kämpfen kommen. Tus Bochum ist Favorit über 4mal 100 m, während über 4mal 400 m das Ende zwischen dem O. S. V. Hörde und der Hammer Sp. Vg. liegen sollte. Die 4mal 1500 mStaffel ist dem VfL. Union Dortmund, falls er startet, kaum zu nehmen. Die Wurf= und Sprung=Wettbewerbe. Im Kugelstoßen hat wohl niemand die Weiten eines Werring=Gronau aufzuweisen. Im Diskuswerfen gilt der alte Hoffmeister immer noch als erster Anwärter. Stechemesser, Werring und GrimmPaderborn sind ihm allerdings schärfste Widersacher. Im Speerwerfen wird sich Vögelin=Münster mit Hertel=Dortmund und Stechemesser auseinandersetzen müssen. Im Stabhochsprung steht in Dwicza=Bochum der Sieger fest. Kehrstephan=Dortmund wird dann zu nennen sein. Im Hochsprung steht Stechemesser erneut vor Siegesaussichten. Vielleicht nimmt ihm diesmal der aufstrebende Plieth=Bochum den Titel ab. Im Weitsprung steht Pietrus=Recklinghausen als erster Anwärter auf der Liste. Der Dreisprung ist dagegen wieder dem Nachwuchs vorbehalten. Den alles krönenden Zehnkampf wird sich diesmal wieder Stechemesser sichern. Nacke=Erich(Detmold) und Geis=Bielefeld sind nächst ihm zu nennen. Der Dortmunder Besuch lohnt sich, wenn Sie hierbei unser Haus besichtigen Größte Auswahl— niedrigste Preise Dortmund, Reinoldihaus Möbelhaus Schumacher& Co., Deutschlands schönstes Haus für Wohnungseinrichtungen, Teppiche, Dekorationen, Kunstgewerbe. — Annahme von Bedarfsdeckungsscheinen für Ehestandsdarlehen.—(3735 RENNEN I L LU DORTHUND Sonntag, den 8. Juli 1934, 3 Uhr Kartellrennen der Dreijährigen, Ehrenpreis u. 6000. Mittwoch, den 11. Jull 1934, 3 Uhr in Anwesenheit des Herrn Vizekanzlers Franz von Papen Stahl und Kohle Agl. I. Ehrenpreis und 6000 Hopfen und Malz, Jagdr. Agl. I, Ehrenpreis u. 6000 2 Amateurrelten Niedrige Eintrittspreise: Bel Lösen einer Eintrittskarte(außer Logen) sind eine Dame oder Kind frei.(3686 Sol- und Thermalbad KÖNIGSBORN Eisenbahnstationen Unna und Unna-Königsborn Badezeit vom 1. Mai bis 15 Okt. Beste Heilerfolge bei Gicht, Rheumatismus, Ischias, Skrofeln, Drüsen. Rachitis. Erkrankungen der Atmungsorgane, Herz-, Nerven- u. Frauenkrankheiton Nouzeitl. Sole-Inhalat. Mäß. Preise. für Unterkunft und Bäder. Pauschalkuren. Badeschrift u. Huskunft unentgeltl. durch d. Badeverwalt. in Unna-Könlgsborn Kriecherschnecken Kaufe ohne Unterbrechung bis Ende Oktoker große und mittlere chnecken. Bezahle die allerhöchsten Preise und immer mehr als jede Konkurrenz, mag sie heißen wie sie ill.(3239 Jul. Morin, Postf. 34, Kehl(Baden). Besseres Sehen: durch die Brille von optikerOverhage Münster i. W., Prinzipalmarkt 3. Liebl. Weine 10 Fl. sort., ein schließl. Glas und Kiste. Mk. 7.90. A. Schmurr. Karlsruhe a. Rh.68 INSCHREIBMASCHINE ERZEUGNISSE DER WANDERER-WERKE A.-G. SCHONAU-CHEMNITZ Alleinvertrieb: Fritz Tigges, Münster i.W. Alter Fischmarkt 11/12. Ruf 264 37. Man erreicht leicht auffallende Minderung von Fettablagerung bei täglichem Gebrauch von Emami Entfettungsmassagemittel. Burow=Apotheke. Königsberg Pr, Berliner Str. 26/28. Fl. Mk. 3.-, Eintags= küken und ältere, bis 4 Wochen weiß.am. Leghorn schwer. Schlages. Garantie leb. Ankunft. Reelle Belieferg. L. Lilienbecker, Ochtrup. 13733 SonderAngebot! 2/16 PS. Standard=Lim., neuw., steuerfr.. 4/23 Hanomag=Lim., steuerfrei. 1.2 1 OpelLim., 1.2 1 Opelabr. 4sitz. AdlerTrumpf=Lim.. 7/32 MercedesLim.. letz. Mod., 10/50 WandererLim., 13/40 FordLim. und Cabr., 1.8 1 Opel=Lfwg., 2 t Ford=Lfwa., 4X2 m. günstig zu verkaufen.(Ratenzablg.)(3737 Auto-Börse, Dortmund. Friedrichstr. 35 3—4, eptl. 5= Zimm. m. Zubehör, Bad u. etw. Garten v. sich. Mietez. ges. Off. u. Z 137 an die Volkszeitung. Dorsten.(3731 RutoAnhänger einachsig. 12—15 3tr. Tragfähigk., fast neu, mit Beleuchtung u. Reserverad, für Personen= od. Lieferwagen. preiswert zu verkaufen. Autoreparatur Aschwer. Münster i. W., Albert=LeoSchlageter=Str 93 Telephon 21464. aus den verschiedensten Berufen finden Sie durch eine kleine Anzeige in den Zeno=Zeitungen. Schon für wenig Geld können Sie eine Stellengesuch od.-angebotAnzeige erhalten. Angebote Suche zu sofort oder später ein tüchtiges(3696 Mädchen Frau Beßmann Bäckeres und Kolonialwaren. Rheine i. W., Ludgeristraße 43. Telephon 107. Kath. 13732 Mädchen von 18—23 J. für sämtl. Hausarbeit zu sofort gesucht. Fam.=Anschluß. Lohn nach Uebereink. Mädchen, die schon in Stellung war., werd. bevorz. Heinr. Stapper, Gastwirtschaft, Emsdetten, Rheiner Straße. Suche zum 15. 7. oder 1. 8. tüchtig., brav. kath.(3734 Mädchen für alle Hausarb. u. zum Bedienen der Gäste. Fam.Anschl.. Lohn nach Uebereink. Off. unter N 300 an d. Gronauer Volkszeitung. Gronau. Knecht nicht unter 18 J., mögl. v. Lande, a Milchfahren u. für landw. Arbeiten sucht(3736 B. Rademacher, Lippramsdorf b. Haltern i. W. Suche z. 15. Juli einen tücht.[3738 Ackerknecht der gut mit Pferden umgehen kann. Kötterssohn bevorzugt. Schulze zur Hörst, Milte, Kr. Warendorf. Fernr. Milte 59. Eine KleinAnzeige in den ZenoZeitungen hat großen Erfolg! Tüchtiges, zuverlässiges (3718 Mädchen für Küche und Hausarbeit gesucht, Wilh. Hoegen, Gut Budbergerhof bei Emmerich. Telephon 2110 Handel und Berliner Börse. Berlin, 6. Juli. Die freundliche Tendenz, die am Vortag durch die deutsch=britische Einigung in der TransferFrage ausgelöst wurde, hielt sich auch heute, zumal sie durch verschiedene Mitteilungen eine neue Stütze erhielt. Mit Befriedigung wird insbesondere das jetzt veröffentlichte Gesetz über wirtschaftliche Maßnahmen erörtert, das dem Reichswirtschaftsminister besondere Vollmachten zur Förderung der deutschen Wirtschaft sowie zur Verhütung und Beseitigung wirtschaftlicher Schädigungen gibt. Auch das Zustandekommen einer Grundlage für eine Einigung im deutschschweizerischen Zahlungsverkehr fand Beachtung. Aus der Wirtschaft wurde eine Besserung des Zementabsatzes und eine günstige Entwicklung der rheinisch=westfälischen Eisenindustrie gemeldet. Das Kursniveau zeigte infolgedessen eine weitere Steigerung, und nur einige wenige Aktienwerte erlitten auf Zufallsangebote Abschwächungen. Das Geschäft blieb an sich weiter ziemlich eng begrenzt, da sowohl Publikum als auch Kulisse im Hinblick auf die bevorstehende zweitägige Börsenunterbrechung nur verhältnismäßig geringe Neuanschaffungen vornahm. Neue Einheitsbewertung am 1. Januar 1935 Das neue Vermögenssteuergesetz sieht die nächste Einheitsbewertung nach dem Stande vom 1. Januar 1935 vor. Eine Hinausschiebung der Einheitsbewertung, von der in letzter Zeit in der Oeffentlichkeit wiederholt gesprochen wurde, wird also nicht erfolgen. Die mit dem Stichtag des 1. Januar 1935 festgestellten Einheitswerte werden mit Wirkung ab 1. Januar 1936 die BesteuerungsWirtschaft. grundlage bilden. Im Februar 1935 wird zusammen mit der Einkommensteuererklärung eine Vermögenssteuererklärung abzugeben sein. Im Laufe des Jahres 1935 wird dann in aller Ruhe die Einheitsbewertung erfolgen. Häuteverkauf nur auf Versteigerungen. Der Verband Süddeutscher Häuteverwertung=Vereinigungen hat sämtliche ihm angehörige Versteigerungszentralen verpflichtet, kein Gefälle freihändig avzugeben. Dieses muß auf den Versteigerungen des Verbandes zum Ausgebot gelangen. Damit ist es jedem Einlieferer des Verbandes verboten, seine Häute und Felle an eine andre Stelle als an seine zuständige Häuteverwertung zu liefern. Die Häuteverwertung darf kein Gefälle außerhalb der Versteigerung abgeben oder vertaufen, da unter den heutigen Verhältnissen jedem Käufer die Möglichkeit gegeben sein muß, sich am Versteigerungstag um das ganze Gefälle zu bewerben. Insbesondere muß die Sicherheit bestehen, daß vorher keinerlei Sonderzuweisungen erfolgen. Vor dem Versuch, Lederfabriken oder Händler, Häuteverwertungen und Einlieferer dazu zu bewegen, Häute und Felle zu höhern als den angeordneten Höchstpreisen zu verkaufen, wird gewarnt. Strafbar ist nach der Höchstpreisverordnung derjenige, der zu hohe Preise nimmt. Einlieferer oder Häuteverwertungen, die gegen diese Bestimmungen verstoßen, müssen von den Versteigerungen ausgeschlossen werden. * Weiter hohe Auftragsbestände bei der Auto=Union. Trotz eines gewissen saisonmäßigen Nachlassens der Nachfrage ist bei der Auto=Union, wie die„KraftverkehrsWirtschaft“ meldet, nach wie vor ein sehr beträchtlicher Bestand an unerledigten Aufträgen vorhanden, er erreicht allein beim DKW=Fabrikat etwa 6000 Fahrzeuge. Erfreuliche Beobachtungen waren besonders in der jüngsten Zeit im Ausfuhrgeschäft möglich; besonders bei den Marken Horch und Wanderer sind gute Fortschritte bei der Ausfuhr erzielt worden. Berliner Getreidegroßmarkt vom 6. Juli 1934. Weizen Gewicht kg pro hl Märk. Weizen Durchschnittsqual. Futterweizen märkischer Sommerweizen märkischer 76/77 80/81 für 1000 kg in Reichsmark„frei Berlin“ u.„ab Station“ Roggen Gewicht kg pro hl für 1000 kg in Reichsmark„frei Berlin“ u.„ab Station“ Märk. Roggen Durchschnittsqual. 72/73 Frei Berlin heute Vortag Ourchschnittsqual. gesetzl. Erzeugerpr. Preisgebiet R II Preisgebiet R III Preisgebiet RIV Ab Station gesetzl. Mühleneinkaufspreis Preisgebiet R II Preisgebiet R III Preisgebiet R IV heute 164 167 169 Vortag 164 167 169 Amtliche Devisenkurse. Berlin, den 6. Juli 1934. für 1000 kg in Reichsmark„frei Berlin“ und„ab märk. Station Preise in RM. Oelsaaten per 1000 kg. die Notierungen von Viktoriaerbs en bis einschl. Kartoffelflocken freie Ware werden per 50 kg gehandelt. Raps..... Leinsaat.... Viktoriaerbsen. Kleine Speiseerbsen Futtererbsen... Peluschken... Ackerbohnen.... Wicken Lupinen, blaue... Lupinen, gelbe... Seradella, alte... Seradella, neue... Weizen-Exportscheine. per Juli. 183 Geld Weizen-Exportscheine. per Aug. 184 Geld Weizen-Exportscheine. per Sept.— Roggen-Exportscheine.. per Juli. 125 Geld Roggen-Exportscheine per Aug. 125¾ Geld Roggen-Exportscheine per Sept.— Berliner Kartoffel- und Rauhfutterpreise. Preise bleiben ab 5. 7. bis auf weiteres für geschlossene Anbaugebiete Fuhrmark Größe I 6.30, Größe II 3.25, für nicht geschlossene Anbaugebiete Fuhrmark Größe I 5.94, Gr. II 2.89. Berlin inneres Gebiet. Für geschlossene Anbaugebięte Gr. I 6.50, Gr. II 3.50, für nichtgeschlossene Anbaugebiete Gr. I 6.14, Gr. II 3.14, Alles Reichsmark. Beide Größen müssen einwandfrei sein. Preisdifferenz entsteht nur durch diegrößten Unterschiede. Märkte. Metalle. Berlin, 6. Juli. Elektrolytkupfer(Wirebars) 44,50 A für 100 kg netto cif Hamburg, Bremen oder Rotterdam. Aluminium 98=99 kg Bl. 160, Aluminium i. Walz. o. Dr. 164, Reinnickel 98=99 kg 270, Antimon=Regulus 44 bis 47, Silber in Barren 900t 39,50—42,50. Hamburger Schweinemarkt. Hamburg, 6. Juli. Auftrieb: 6952 Schweine. Es kosteten: al) 50, a2) 45, b) 41—43, c) 40—42, d) 37—39, e) 34—36, f) 25—32, g1) 40—42, g2) 32—38. Marktverlauf: gut. Bremen: Baumwolle loco Juli Oktober Dezember Jannar Mära Mai Tendenz: stetig Liverpool: Baumwolle 5. 7. 6.40 6.40 6.40 6.39 6.38 6.35 6.35 6.36 6.36 T'endens: ruhig. stetig 6. 7. 2780 Tagesimport Liverpool: Östindische Baumwolle 5. 7. 2400 Liverpool: Notierungen für Sakellaridis u. Upper F. G. F. Juli Oktober November Dezember Januar Märs Mai Loco Tendenz: kaum stetig New Orleans: Baumwolle Upper F.G.F. 6.87 6.88 6.91 6.96 6.96 7.01 7.06 7.03 5. 7. 12.45 12.55 12.64 New York: Baumwolle Loco Juli August September Oktober November Dezember 5. 7. 12.48 12.37 12.66- 67 Geschätzte Totalzufuhren— Baumwollzufuhr in Atlantischen Häfen 1000 Baumwollzufuhr in Golf-Häfen. 11000 Zufuhren in Pacific-Häfen— Export nach England.... 1000 Export nach dem übrigen Kontinent. 4000 Export nach Japan und China... 3000 Fracht n. Liverpool f. starkgepr. Ballen— Fracht für Standard...— Export nach Kanada und Mexiko..— Programm des Reichssenders Köln B. n Sonntag 6,15: Hamburger Hafenkonzert an Bord des Dampfers „Newyork“ der Hamburg=Amerika=Linie. I. Die Glocken vom Großen Michel, dem Wahrzeichen der deutschen Seefahrer. 2. Choral: In allen meinen Taten. II. Unter dem Grillenbanner, Marsch— Lindemann. 2, Vorspiel zur Operette „Die schöne Galathee"— Suppé. 3. Ständchen — Heykens. 4. G'schichten aus dem Wiener Wald— Strauß. 5. Das Lieben bringt groß' Freud', Marsch— Gnauck. 6. Zwei Rosenlieder Nr. 3 und 4— Eulenburg. 7. Dort unten im Süden— Myddleton. 8. Für lustige Leut'— Komzak. 9, König=Karl=Marsch— Unrath. 10. Gri=Gri=Walzer— Lincke. 8,00: Zeit, Wetter, Nachrichten, 8,10: Der Kampf des Bauern gegen den Kornkäfer, 8,45: Blasmusik, ausgeführt vom Trompeterkorps der Reiterstandarte 71 Köln, Leitung: MZ=Führer Meier. 9,30: Funk ins Blaue! 10,30: Orgel=Improvisationen des Organisten Josef Bachem. 11,00: Aus Aachen und Minden: Landesfeste der DT. Die Festzüge. 11,40: Deutsche Erzähler der Gegenwart. Fr. Schnack: Die Botschaft der Blüte. 12,00: Musik am Mittag. Das Kleine Orchester, Leit.: L. Eysoldt. 1. Westfalengrüße, Marsch— Schürmann. 2. Vorspiel zur Oper„Die diebische Elster"— Rossini. 3, a) Fallende Blätter— Carena; b) Nach dem Ständchen— Cortopassi, 4. Ungarische Rhapsodie Nr. 2— Liszt. 5, Konzertstück über das Lied„La Paloma“— Yradier=Weninger. 6. Melodien a. d. Operette„Der Tenor der Herzogin“— Künneke, 12,55: Glückwünsche. 13,00: Achim Holtz: Ein Wort an alle. 13,10: Das Westdeutsche Kammerorchester, Leit.: O. I. Kühn. 1. Vorspiel zur Oper„Mignon"— Thomas. 2. An der schönen grünen Narenta, Walzer— Komzak. 3. Neapolitanische Folge— Micheli. 4. Narcissus=Zwischenspiel— Nevin. 5. Der Geist des Woiwoden, Csardas— Großmann. 6. Melodien a. d. Oper„Rigoletto“— Verdi. 7. Waldteufel=Reigen— WaldtenfelWeninger. 8. Plaudereien— Gillet. 9. Mit Eichenlaub und Schwertern, Marsch— Blon, 15,00: Eltern und Kinder. Aus der Kindheit großer Deutscher, H. Stehr. Zusammenstellung: Klär Hoffmann. 15,20: Jungmädel singen und spielen: Wandervogel will ich sein, 2 Walzer mit der Ziehharmonika, 2 Lieder zur Laute u. a. 15,40: Ehrung treuer Landarbeiter. Besuch bei dem Landesbauernführer Albert Kost, 16,00: Nachmittagskonzert. Die fröhlichen Fünf. 1. Walzer a. d. Operette„Der Opernball“— Heuberger. 2. Das Promenadenmädel— Rhode, 3. Gavotte— Gillet. 4. Ständchen— Henning, 5. Melodien a. d. Oper„Martha“— Flotow. 6. Murmelndes Lüftchen— Jensen. 7. Schönau, mein Paradies, Lied— Kutschera. 8, Konzertstück„Aus der Jugendzeit“— Friedemann, 16,45: Eine spannende Geschichte. Heinz Steguweit: Zweimal Paganini. 17,00: Alte und neue Meister der Operette,(Schallpl.) 1. Vorspiel zur Operette„Der Opernball“— Heuberger. 2. Melodien a. d. Operette„Der Vogelhändler“— Zeller. 3. Zwischenaktmusik a d. Operette„1001 Nacht“— Strauß. 4. Melodien a. d. Operette„Der goldene Pierrot“— Götze. 5. Melodien a, d. Operette„Der Tenor der Herzogin“— Künneke. 6. Melodien a. d Operette„Wenn die kleinen Veilchen blühen“— Stolz 17,45: Aus Aachen und Minden: Landesfest der DT. Festlicher Ausklang. 18,30: Kammermusik. Das Kölner Kammerorchester, Leitung: Herm. Abendroth. 1. Concerto grosso in D=dur— Händel. 2. Concerto grosso in a-moll— Vivaldi. 3, Concerto grosso in d=moll— Händel. 4. Serenade Nr. 6(Serenata notturna)— Mozart.(Schallplatten.) 19,00:„Mit brüderlicher Stimme“. Ein Gespräch über Heinrich Lersch's neues Gedichtwerk von Walter Bauer. Sprecher: Rudolf Rieth und Paul Henn. 19,30: Mit dem Kurzwellensender auf der HengsteySee=Regatta. 20,00: Sportvorbericht, 20,15: Bunt ist die Welt der Oper(3). Das Große Orchester, Leit.: L. Eysoldt; der Kammerchor, Leit.: Jos. Breuer; Solisten: Kläre Hansen(Sopran), Matti Berben(Baß), Fr. Eug. Engels(Tenor). 1. Vorspiel zur Oper„Euryanthe“— Weber, 2. Arie des Adolar aus„Euryanthe“— Weber. 3. Tanz und Chor aus„Die lustigen Weiber von Windsor“— Nicolai, 4, Arie der Anna aus „Die lustigen Weiber von Windsor": Wohl denn, gefaßt ist der Entschluß— Nicolai. 5. Vorspiel zur Oper„Die Zauberflöte“— Mozart. 6. Arie des Sarastro a. d. Oper„Die Zauberflöte": In diesen heil'gen Hallen— Mozart. 7. Balletmusik a. d. Oper„Undine“— Lortzing, 8. Arie des Rudolf aus Bohème“: Wie eiskalt ist dies Händchen— Puccini. 9. Hymne an den Mond a. d. Oper„Turandot"— Puccini. 10. Vorspiel zur Oper„Tiefland“— d'Albert. 11, Lied der Myrtocle a. d. Oper„Die toten Augen“: Psyche wandelt durch Säulenhallen— d'Albert, 12, Marsch und Chor a. d. Oper„Carmen“— Bizet. 13. Vorspiel zur Oper„Die sizilianische Vesper“— Verdi. 14. Arie a. d. Oper„Don Carlos“: Sie hat mich nie geliebt— Verdi, 15. Triumphchor a. d. Oper„Aida“— Verdi, 22,00: Zeit, Wetter, Nachrichten, 22,30: Von Breslau: Tanzmusik der Funktanzkapelle, Leitung: Fred Ilgner. 9. Juli Montag 6,00: Morgenruf. Anschl.: Frühkonzert(Schallpl.). 6,30: Hans Jacob Reinarz: Leibesübungen, 6,50: Zeit, Wetter, Nachrichten, 7,00: Wiederholung des Morgenrufs. Anschl.: Uebertragung aus Dortmund: Blasmusik, Ausgeführt vom Musikzug der SS=Standarte 30 Dortmund, Leitung: MZ=Führer Ronnenbach. 8,00: Zeit, Wetter, Wasserstandsmeldungen. 8,05: Hilde Bremus: Frauenturnen. 8,20: Cläre Meichsner: Was kochen wir diese Woche? 10,00: Zeit, Nachrichten, Wasserstandsmeldungen, 10,10: Unser tägliches Brot. Bäuerliches Brauchtum vom Sensendengeln bis zum Backen des Brotes Manuskript: Franz Peter Kürten, für Schüler vom 10. Lebensjahre an. 10,50: Wir und die Welt, 11,30: Funkwerbung der Reichspostreklame(ohne Verantwortung des Intendanten). 12,00: Musik am Mittag. Von Hamburg: Schloßkonzert aus Hannover, 1. Melodien a. d. Oper„Manon Lescaut"— Puccini. 2. Indianischer Kriegstanz— Lumbye, 3. Nordische Hochzeit— Brase 4. Fahrt ins Blaue, Walzer— EngelhardtWinnig. 5. Ueber allem Zauber Liebe, Ballettmusik— Larsen 12,45: Mittagsmeldungen I, Glückwünsche, 13,00: Uebertragung aus dem Ibach=Saal, Düsseldorf: Das Düsseldorfer Konzert=Orchester, Leit.: Kapellmeister Maria Artz, 1, Marinarella=Ouverture— Fucik. 2. Schneewittchens Hochzeitsträume— Plessow. 3. Abendsterne, Walzer— Lanner. 4. Melodien a. d. Oper„Der Stier von Oliveda“— d'Albert, 5. Waldesflüstern— Czibulka. 6, Spanische Rhapsodie— Richard. 7. Schön Japan, Mazurka— Ganne. 13,45: Mittagsmeldungen II. 8. Vorspiel zur Oper„Die verkaufte Braut“— Smetana. 9. Türkische Scharwache— Micheli. 10. Mein schönes Neapel, Walzer— Öhlsen 11. Melodien a. d. Operette„Polenblut“— Nedbal, 12. Ein Abend in Aranjuez— Schmeling. 13. Vorspiel„Der Bauer ein Schelm“— Dvorak. 14. Marsch a. d. Oper„Die Königin von Saba“ — Gounod. 14,45: Schlachtviehmarktberichte, Wirtschaftsmeldung. I. 15,15: Strommeister Albert Preuß: Wassersport und Schiffahrt. 15,30: Wirtschaftsmeldungen II. 15,50: Stimme der Zeit, 16,00: Nachmittagskonzert. Die fröhlichen Fünf; der Kammerchor des Reichssenders Köln, Leit.: J. Breuer; Marga Bäuml(Gitarre). 1. Stunden des Lebens, Walzer— Zeh. 2. Annettchen tanzt — Steinke, 3. Lustige Lieder a.„Tandaradai“. 4. Notenregen, Melodienfolge— Urbach. 5. Steirische Humoreske— Spary. 6. Lieder a. d. „Zupfgeigenhans'l“. 7, Verbotener Walzer— Henning. 8. Spanischer Marsch— Bochmann 17,00: Westfälische Köpfe, Geschichtsbilder westfälischer Menschen. Franz Josef Pootmann: Graf Wilh. zur Lippe, der Retter Portugals. 17,20: Die Auslese. Johannes Brahms. Werk 73. Sinfonie Nr. 2 in D=dur. 18,00: Jugend treibt Sport, Leit.: H. J. Reinarz. 18,20: Französische Unterhaltung. 18,40: Vom Tage. 18,50: Wirtschaftsmeldungen III, Sportvorbericht, 19,00: Westdeutsche Wochenschau, 19,30: Franz Völker singt! 1. Aus der Oper„Tosca“: a) Wie sich die Bilder gleichen, b) Und es blitzen die Sterne— Puccini, 2. Aus der Oper„Der Bajazzo": a) Scherzet immer, b) Jetzt spielen — Leoncavallo, 3, a) Aus der Oper„Undine“: Vater, Mutter, Schwestern, Brüder— Lortzing; b) aus der Oper„Har und Zimmermann": Lebe wohl, mein flandrisch Mädchen— Lortzing. 4. Aus der Operette„Eine Nacht in Venedig": a) Komm in die Gondel, b) Sei mir gegrüßt— Strauß. 5. Traumwalzer a. d. Operette„Der Feldprediger"— Millöcker. 20,00: Erste Abendmeldungen, 20,10: Vom Deutschlandsender: Reichssendung. Stunde der Nation,„Der Künstler spricht“. R. Wagner in eigenem Wort und Ton. 1, Tristan=Vorspiel. 2. Meistersinger=Vorspiel. 3. Karfreitagszauber. Mitwirkende: Das Orchester des Deutschlandsenders, Verfasser, Sprecher und Dirigent: Prof. L. Reichwein. 21,15: Des Knaden Wunderhorn. Die schönsten deutschen Volkslieder, Leitung: I. Breuer und P. H. Gehly. 22,20: Stippvisite. 22,30: Tanzmusik mit Knallbonbons, geliefert vom Westdeutschen Kammerorchester, Leitung: Josef Breuer und Curt Baumgarten, 10. Jun Dienstag 6,00: Morgenruf. Anschl.: Frühkonzert(Schallpl.), 6,30: Hans Jacob Reinarz: Leibesübungen. 6,50: Zeit, Wetter, Nachrichten, 7,00: Wiederholung des Morgenrufs Anschl.: Morgenkonzert(Schallpl.). 8,00: Zeit, Wetter, Wasserstandsmeldungen. 8,05: Hilde Bremus: Frauenturnen, 10,00: Zeit, Nachrichten, Wasserstandsmeldungen. 10,10: Käthe Martin: Kinderturnen mit Musik für Schüler vom 7, bis 10, Lebensjahre. 10,30: Wir und die Welt, 11,30: Funkwerbung der Reichspostreklame. 11,45: Luhns Werbefunk: Luhns lustiges Allerlei(ohne Verantwortung des Intendanten). 12,00: Musik am Mittag. Das Große Orchester, Leit.: O. I. Kühn. 1. Vorspiel zum Märchen„Aladin“— Reinecke. 2. Die Fürstensteiner, Walzer — Bilse. 3, Vom Niederrhein: a) Prozession, b) Bauerntanz— Westhoff. 4. Der Tag von Potsdam, Tongemälde— Schmalstich, 12,45: Mittagsmeldungen I, Glückwünsche. 5. Vorspiel zur Operette„Tantalusqualen“— Suppé. 6. Tanzfolge— Adams. 7, Traumbild — Strauß. 8, Karnevalsliebe, Walzer— Vieth. 13,45: Mittagsmeldungen II. 14,00:„Leichte Kost". 1. Durch Nacht zum Licht, Marsch— Laukien. 2. Mondnacht auf der Alster, Walzer— Fetras. 3. Murmelndes Lüftchen, Lied— Jensen, 4. Der erste Ball, Zwischenspiel— Heykens. 5. Blauer Pavillon, Serenade — Armandola. 6. Geburtstagsständchen, Gavotte— Alex. 7. Klingender Traum, WalzerZwischenspiel— Percy. 8, Volksliedchen und Märchen— Komzak. 9. Pan und Waldschratt, Charakterstück— Rathke. 10. Launisches Glück, Lied— Strauß. 11. Kirchweih in Tirol— Krome. 12. Auf und davon, Galopp— Faust. 15,15: Hans Plankermann: Östpreußen ruft die Jugend des Westens.— Gespräch. 15,30: Wirtschaftsmeldungen I. 15,45: Erika Dyckerhoff: Kalender für Hausgarten und Blumenpflege, 16,00: Von Stuttgart: Nachmittagskonzert des Rundfunkorchesters, Leit.: O. Seyfert. 1. Chopiniana — Glasunow. 2. Ballettmusik— Bayer. 3. Vorspiel z. Operette„Frühlingsluft“— Strauß. 4. Lustiges Wien, Walzer— Meisel. 17,00: Zeitwende. Kämpferische Dichtung der Gegenwart. Herbert Böhme; Gedichte. 17,15: Vesperkonzert. Mitwirkende: M. Fleck(Tenor), Josef Schwan(Klavier), 1. Ballade As=dur für Klavier— Chopin. 2. Drei Lieder: a) Der Wegweiser, b) Die Post, c) Frühlingstraum. 3. Polonäse E=dur für Klavier— Liszt. 17,45: Von westfälischen Volksfesten. Berichte mit Schallaufnahmen des Reichssenders Köln. Manuskript: W. Schreiber, Sprecher: W. Wahl, 18,00: Die Befestigungen rheinischer Städte. HI berichtet aus dem rheinischen Heimatmuseum, 18,20: Arbeitsbeschaffungsfront. Dr. Kutzner: Neuzeitlicher Wohnungsbau und moderne Hauswirtschaft unter dem Einfluß der Elektrizität, 18,40: Vom Tage. 18,50: Wirtschaftsmeldungen II, Sportvorbericht. 19,00: Frisch gespielt und froh gesungen, H. Remagen (Bariton), die sechs frohen Sänger, Marga Bäuml(Gitarre), Rolf Hartmann(Klavier), W. Jansen(Akkoroeon); Mandolinen-Konzert=Gesellschaft„Harmonie", Leitung: Musikdirektor H. Schneider. 20,00: Erste Abendmeldungen. 20,15: Von Breslau: Reichssendung. Stunde der Nation. Aus der St. Katharinenkirche, Breslau: Deutsches Orgelkonzert. Mitwirkende: Johannes Piersig(Orgel), das Funkorchester, Leit.: Ernst Prade. Passacaglia und Fuge c=moll— Bach. Concerto g=moll— Händel, 20,45: Die wundersame Liebesgeschichte von der schönen Magelone. Erzählt von Ludwig Tieck, mit den Romanzen von Johannes Brahms, für den Rundfunk eingerichtet von Paul Heinrich Gehly Sprecher: Rudolf Rieth, Gesang: Kläre Hansen und Ludwig Matern; am Flügel: Egb. Grape. Leitung: Paul Heinrich Gehly. 22,00: Zeit, Wetter, Nachrichten. 22,20: Dr. van Nüß: 10 Minuten Schach. 22,30: Funkstille. "à 2 Aus den 7. Juli 1934. Eine neue Stadtrandsiedlung im Enkstehen Der Spaziergänger, der in diesen Tagen den herrlichen Spaziergang von der Gronauer Provinzialstraße nach Haus Horst benutzt, sieht auf dem Gelände vor dem Bahnübergang zur linken Seite viele fleißige Hände bei der Arbeit. Es handelt sich um die Ausschachtungsarbeiten für den Bau einer zweiten Stadtranosiedluna in Ahaus, die ebenso wie die erste am Kiwittsfeld aus 5 Häusern mit 10 Wohnungen und Kleinstallungen bestehen wird. Eine Anzahl geeigneter Bewerber ist bereits vor längerer Zeit von der Stadtverwaltung Ahaus ausgesucht worden, die bei den Bauarbeiten selbst mittätig sind. Trägerin des Unternehmens ist die„Westfälische Heimstätte“ Münster, während die Stadt das Gelände zur Verfügung gestellt hat. Da das ganze Grundstück etwa 5 Morgen groß ist, kann jeder Siedler— falls er die Bedingungen erfüllt— nach Verlauf von mehreren Jahren ein schmuckes, praktisch eingerichtetes Haus mit etwa ½ Morgen Nutzland sein eigen nennen. Man rechnet mit der endgültigen Fertigstellung zu November dieses Jahres. Den Bau von derartigen Kleinsiedlungen kann man als eine soziale Tat bezeichnen. Wichtig für Pferdebesitzer von Wüllen, Ahaus, Ammeln und Ahle! Am Montag, den 9. 7. 34, von 8—12 Uhr findet das Pferdebrennen mit amtl. Brennstempel an der Wirtschaft Max Temme in Wüllen für folgende Bezirke statt: Wüllen, Ortwick, Quantwick, Barle und Sabstätte. Am 10. 7. 34(gleiche Zeit) für Ahaus und Ammeln beim Schmiedemeister Richter in Ahaus. Am 11. 7. 34(gleiche Zeit) beim Versendescheinerteiler Hörst in Ahle für die Ortschaft Ahle. Es wird darauf hingewiesen, daß sämtl. Pferde und Fohlen gebrannt werden müssen(auch Saugfohlen). Von diesem Termin ab ist der alte Brand unter der Mähne ungültig. Ahauser Schüler besuchten die Freilichtspiele in Bentheim. Die Oberklasse der evgl. Volksschule Ahaus unternahm am Mittwoch einen Ausflug in die Grafschaft Bentheim. Das Hauptziel war Bentheim, wo die Schüler mit ihren Lehrern einer Aufführung von Hebbels„Nibelungen“ auf der prächtigen Bentheimer Freilichtbühne beiwohnten. Alle Besucher waren von dem Spiel und dem Bühnengeschehen begeistert, ebenso von den Naturschönheiten des Bentheimer Ländchens. Schulpersonalien aus dem Kreise Ahaus. Der Schulamtsbewerber Jos Beyer in Wessum und die Schulamtsbewerberin Elis. Törk in Vreden haben vor dem zuständigen Prüfungsausschuß die Prüfung für die endgültige Anstellung als Lehrer(Lehrerin) bestanden. — Der Lehrer Julius Hartmann in Ottenstein ist auf seinen Antrag zum 1. Oktober ds. Is in den Ruhestand versetzt worden. Silberhochzeit. Das Fest der silbernen Hochzeit feiern heute die Eheleute Bernhard van Wüllen und Frau, Elisabeth geb. Winkelhaus, Kusenhook. Unsern Glückwunsch. Besondere Vergünstigungen für die Besucher der Nordseeinseln durch die Urlaubskarte mit wahlweiser Gültigkeit. Hierzu teilt uns die Pressestelle der Reichsbahndirektion Münster folgendes mit: Wie im vergangenen Jahre gibt der Tarifverband für den Nordseebäderverkehr(ostfriesische Insein.— Geschäftsführung: Reichsbahndirektion Münster(Westf.)— Urlaubskarten nach den Inseln Baltrum, Borkum(Nordseebad), Juist, Langeoog, Norderney, Nordseebad Wangerooge und Spiekeroog aus, die vor den nur für den Reichsbahnbinnenverkehr gültigen Urlaubskarten den Voreg haben, daß der Besucher der Inseln sich erst am Reckreisetag zu entschließen braucht, welchen Rückweg er nehmen will. So hat ein Reisender, der über Bremen=Carolinenspiel mit dem Reichsbahndampfer nach Wangerooge gefahren ist, die Wahl, auf der Rückreise entweder den gleichen Weg zu nehmen oder von Wangerooge nach Wilhelmshaven oder Bremerhaven mit dem Schiff zu fahren und von diesen Städten aus heimzufahren. Oder der Reisende fährt über Norddeich nach Norderney; er kann denselben Weg für die Rückfahrt benutzen oder aber über Helgoland nach Wilhelmshaven oder Bremerhaven mit dem Schiff fahren und von da aus die Heimreise fortsetzen. Will der Reisende außerdem auf dem Festlande noch einen Umweg machen, so ist auch dies möglich, wenn der Umweg nicht länger als ½ des kürzeren Heimweges ist. Zum Problem des Großgrundbesitzes Wer als aufmerksamer Beobachter durch Süddeutschland und Westdeutschland fährt, sieht überall zahlreiche wohlhabende Dörfer und kleinere Städte, die sich harmonisch in die Landschaft eingliedern und, durch ihr Aussehen auf eine lange Tradition hinweisend, voll gewerblichen Lebens stecken. Wenn man die Elbe überschreitet; ändert sich das Bild. In weiten Teilen des Ostens sieht man nur große Flächen mit geringem Baumwuchs, die Aecker von riesigem Ausmaß darstellen und nur wenige Dörfer und kleine Städte aufweisen, denen offensichtlich das gewerbliche Leben fehlt. Wie ist dieser Unterschied zu erklären, Die Erfahrung zeigt, daß für den städtischen Mittelpunkt eines Gebietes die Möglichkeit, gewerbliche Aufträge des Hinterlandes zu bekommen umso größer ist, je mehr Familien in den Dörfern des Landes leben, und daß dieses gewerbliche Leben umso stärker pulsiert, je stetiger die agrarische und vor allem bäuerliche Struktur des Hinterlandes ist. Das erklärt die Verhältnisse in Süd= und Westdeutschland. Auch für Ostdeutschland trafen früher dieselben Voraussetzungen zu. Aber seine Struktur wurde im Laufe der Zeit geändert— nicht durch Pestilenz und Kriege, Wirtschaftsnöte und Aufstände, sondern durch das geltende Recht, das im Osten eine grundsätzliche Wandlung erfuhr. Auch die in Ostelbien wohnenden Bauern waren von Ursprung an, soweit sie aus germanischen Gebieten eingewandert waren, frei. Die geschichtlichen Ueberlieferungen sind in dieser ehung durchaus eindeutig. Die größeren Güter inmitten der ostelbischen bäuerlichen Freisiedlungen sind entweder durch die dem Siedlungsunternehmer gewährte Entschädigung oder aus einem natürlichen militärischen oder sonstigen verwaltungsmäßigen Grundsatz auf der Grundlage adeliger Rittergutsbesitzer entstanden. Das Verhältnis der größeren Besitzungen zu den bäuerlichen Höfen war ursprünglich gut und demgemäß auch das Wirtschaftsleben trotz aller Schwierigkeiten gesund. In diese Entwicklung griff, von England ausgehend, die rechtliche Auffassung ein, daß der Besitzer eines größeren Gutes den freien Bauern in Hörigkeit bringen und sich Haus und Hof des Bauern aneignen könne. Dieser Gedanke des Bauernlegens faßte insbesondere in Mecklenburg und Schwedisch=Pommern Fuß, während dort, wo die preußischen Könige regierten, bis auf die Zeit des Kanzlers Hardenberg das Schlimmste verhütet werden konnte. Wo das Recht dem Bauernlegen vorläufig noch entgegenstand, fand man doch Mittel und Wege um Bauernland aufzusaugen und diesem Vorgehen ein rechtsgültiges Mäntelchen umzuhängen. Die Akten und Kirchenbuchnotizen des ausgehenden 18. Jahrhunderts zeigen sogar, daß man sich vielfach nicht einmal die Mühe gab, irgendeinen Grund anzugeben, warum der Bauernhof vom zuständigen Gutsherrn einfach eingezogen wurde. So ist der grundsätzliche Unterschied zwischen dem Landschaftsbild Ostelbiens und demjenigen Süd= und Westdeutschlands auf diejenigen Großgrundbesitzer zurückzuführen, die sich auf Kosten der Bauern bereicherten. Im 19. Jahrhundert wurde dieses Bauernlegen durch das Eindringen des Liberalismus nur noch gefördert. Friedrich Wilhelm I., Friedrich der Große und vor allem der Freiherr vom Stein haben ja dann die Bauernbefreiung durchzuführen versucht; sie sind aber einem starken grundsätzlichen Widerstande des Adels begegnet und haben es doch nicht verhindern können, daß ein großer Teil des Großgrundbesitzes sich nunmehr mit wirtschaftlichen Mitteln aneignete, was ihm auf rechtlichem Wege nicht mehr möglich war. Um auch im Osten wieder gesunde Verhältnisse zu schaffen, wird auch aus Östelbien wieder ein Bauernland gemacht werden müssen. Denn auch vom Standpunkt nüchterner Wirtschaftsrentabilität ist die Zeit des ostelbischen Großgrundbesitzes vorbei. Die Regierung würde also leichtfertig handeln, wollte sie, diese unrentablen Betriebe noch subventionieren. Gewiß kann sich der Großgrundbesitzer auf der Grundlage des Gedankens von Blut und Boden als Geschlecht noch auf der Scholle halten; aber er muß eingedenk sein, daß es am ostelbischen Bauern ein Unrecht wieder gut zu machen gilt. Epe Auszeichnung. Bäckermeister B. Bakenecker wurde aus Anlaß seiner Ernennung zum Ehrenobermeister der Bäcker und Konditoren=Zwangsinnung Gronau=Epe und in Anerkennung seiner langjährigen Tätigkeit als Vorsitzender des Gewerbevereins Epe und stellv. Obermeister sowie seines treuen und uneigennützigen Wirkens zum Wohle des Handwerks von der Handwerkskammer zu Münster und der Zwangsinnung für das Bäcker= und Konditoren=Handwerk Gronau=Epe eine Ehren=Urkunde verliehen. ):(Silberhochzeit. Die Eheleute Gerhard Strefel and Frau, Maria geb. Weßling feiern heute das Fest der Silberhochzeit. Dem langjährigen Abonnenten unserer Zeitung und seiner Frau die herzlichsten Glückwünsche! A Ihren 80. Geburtstag feierte am Donnerstag im Kreise ihrer Kinder und Enkel Frau Wwe. Werkmeister Theodor Noll, Vennstraße. Nachträglich überbringt die Heimatzeitung der alten Dame die herzlichen Glückwünsche mit dem Wunsch, daß sie noch viele Jahre im Kreise ihrer Lieben verweilen möge. Breden Sonderzug zur Stadtlohner Kirmes. Anläßlich der Stadtlohner Kirmes fährt am Sonntag(8. 7) ein Sonderzug von Vreden nach Stadtlohn. Abfahrt Vreden 15,15 Uhr; Abfahrt Wenningfeld 15,25 Uhr; Abfahrt Wessendorf 15,30 Uhr; Ankunft Stadtlohn 15,35 Uhr. ):( Badegelegenheit. Wo sollen wir schwimmen lernen? So fragte recht oft die Jugend anläßlich der Schwimmwoche. Die Dinkel ist nicht ganz ungefährlich wegen der Kolke und Kuhlen. Auch kann man es den Besitzern der am Wasser liegenden Wiesen nicht verdenken, wenn sie es nicht dulden wollen, daß sproßende Gras von den Badelustigen zertreten zu sehen. Und auch sonst bringt das wilde Baden oft unangenehme Begleiterscheinungen. Und doch entsteht bei der Jugend an Sommertagen der unwiderstehliche Drang zum Wasser. Sie will den gesundheitsfördernden Wassersport nicht entbehren. Einsichtige Gemeinden schreiten deshalb zu Einrichtungen von Badeanstalten, wo ein vernünftiger und ordentlicher Badebetrieb unter Aufsicht stattfinden kann. Auch in Legden ist in früheren Jahren wiederholt diese wichtige Frage angeregt worden, jedoch ohne zu einem Ergebnis zu kommen. Unser Mühlenbach mit seinem klaren Wasser könnte bestimmt für eine ausreichende Badegelegenheit in Anspruch genommen werden. Darum ans Werk für eine wichtige Aufgabe im Dienste der Volksgemeinschaft und Volksgesundung! Sommer= und Herbstferien an den Volksschulen. Wie in früheren Jahren sind im Amtsbezirk Legden die Sommer= und Herbstferien in diesem Jahre auch wieder ungeteilt. Im Einvernehmen mit dem Herrn Schulrat und in Anlehnung an die Ferienordnung für das Schuljahr 1934/35 sind die Ferien wie folgt festgesetzt: Letzter Schultag: Donnerstag, den 26. Juli, erster Schultag: Dienstag, den 4. September 1934. A Vom Standesamt. Im Monat Juni wurden beim hiesigen Standesamte 3 Eheschließungen, 5 Geburten und 2 Sterbefälle beurkundet. Gottesdienst=Ordnungen. Sonntag, 8. Juli 1934. Ahaus: Gem. hl. Kommunion der Knabenmittelklassen. Hl. Messen 6,30 Uhr, 7,30 Uhr, 8,30 Uhr(m. Pr.) und 9,39 Uhr(m. Pr). 10,30 Uhr Hochamt mit P.edigt. Nachmittags 2,30 Uhr Andacht. Ahle: Gem. hl. Kommunion der Jünglinge. 7 Uhr hl. Messe; 10 Uhr Hochamt und Predigt. Nachmittags 2,30 Uhr Andacht. Epe: Gem. hl. Kommunion der Jünglinge 6,30 Uhr, der Kinder 8,30 Uhr. Hl. Messen 6,30 Uhr, 7,30 Uhr (m. Pr.) und 8,30 Uhr(m. Pr.); 10 Uhr Hochamt mit Predigt. Nachmittags 1,30 Uhr Predigt für Jünglinge. 2,30 Uhr Christenlehre. Kath. Kirche in Gronau: 7,30 Uhr gem. hl. Kommunion der Jünglinge und Gesellen und der Kinder der Eilermarkschule. Hl. Messen 6,30 Uhr, 7,30 Uhr(m. Pr.) und 8,30 Uhr(Schulmesse und Christenlehre); Gesamtverband der Deutschen Arbeitsopfer, Zahlstelle Ahaus. Sonntag, den 8. Juli, 3½ Uhr Versammlung im Jugendheim. Deutsche Kolpingsfamilie, Gronau. Für die Fahrt nach Köln am 15. 7. muß der Fahrpreis bis spätestens morgen Sonntag, vormittag ab 10,30 Uhr bis 12 Uhr in der Concordia entrichtet werden. 9,30 Uhr Hochamt und Predigt; 11 Uhr letzte hl. Messe mit Predigt. Abends 6 Uhr Andacht. Heek: Gem. hl. Kommunion der Jünglinge, 6,30 Uhr hl. Messe; 8 Uhr hl. Messe und Predigt; 10 Uhr Hochamt und Predigt. Nachmittags 2,30 Uhr Christenlehre und Andacht.— Montag 6 Uhr Gemeinschaftsmesse für die Jünglinge. Redemptoristenkloster Glauerbrücke: 6 Uhr hl. Messe mit Predigt; 7,30 Uhr deutsche Singmesse mit Predigt. Nachmittags 4,30 Uhr Bruderschaftsandacht zur Mutter von der immerw. Hilfe, Predigt und Segen.— Montag: 7 Uhr hl. Messe zu Ehren des hl. Geraro für die ihm empfohlenen Anliegen. Nienborg: Gem. hl. Kommunion der Jungfrauen, die nach Telgte wallfahrten. 5 Uhr hl. Messe; 7 Uhr hl. Messe und gem. hl. Kommunion der Jünglinge; 10 Uhr Hochamt und Predigt. Nachmittags 2,30 Uhr Andacht. Ottenstein: Gem. hl. Kommunion der Sodalen. 7 Uhr Frühmesse; 4. Aloysianischer Sonntag der Schulkinder; 9,30 Uhr Hochamt mit Predigt, nach demselben kurze Andacht. Die Nachmittagsandacht fällt aus. 1,30 Uhr Abfahrt der Männer und Frauen nach Eggerode. 7 Uhr Rückfahrt. Legden: Gem. hl. Kommunion der Jünglinge. 7 Uhr hl. Messe; 8 Uhr Schulmesse; 10 Uhr Hochamt und Predigt. Nachmittags 2,30 Uhr Rosenkranzandacht. Vreden: Gem. hl. Kommunion der Jünglinge in der Messe um 7,30 Uhr. Hl. Messen 6,30 Uhr, 7,30 Uhr und 8,30 Uhr; 10 Uhr Hochamt und Predigt. Nachmittags 2,30 Uhr Christenlehre und Andacht. Abends 6 Uhr Abendandacht. Kollekte für das neue Schwesternhaus. Stiftskirche: 8 Uhr und 9 Uhr hl. Messen. Evangl. Kirche in Gronau: 8 Uhr Gottesdienst, Pastor Thiemann; 10 Uhr Gottesdienst, Pastor Hoffmann; 11,30 Uhr Kindergottesdienst. Evangl. Kirche in Epe: 10,20 Uhr Gottesdienst, Pastor Thiemann; anschließend Kindergottesdienst. Mit Gronauer Berufsschülern zum Sauerland Stadtlohn Große Volkskirmes am Sonntag u. Montag 8. und 9. Juli Ein langgehegter Wunsch ist endlich in Erfüllung gegangen. Die Quartalskirmes ist abgeschafft und zum ersten Male feiert man in Stadtlohn eine Volkskirmes In wochenlanger Arbeit ist bei der Badeanstalt ein Gelände geschaffen worden, das die vielen Kirmesgeschäfte aufnehmen kann. Das Motto der beiden Kirmestage lautet:„Besucht die alte Töpferstadt Stadtlohn!“ Auf dem Ausstellungsgebäude hat das hiesige Töpfergewerbe einen Stand errichtet, wo man echte Stadtlohner Erzeugnisse käuflich erwerben kann, zugleich werden auch die vielen auswärtigen Besucher Gelegenheit haben, die Arbeit auf der Drehscheibe zu besichtigen. Am Montag, den 9. Juli findet außerdem eine Kreistierschau in Stadtlohn statt, deren Eröffnung um 13 Uhr erfolgt. Bestandene Prüfungen. Der Sparkassengehilfe Heinrich Götte von der hiesigen Sparkasse bestand in Rheine seine 1. Sparkassenprüfung.— Frl. Elli Pott von hier bestand an der Universität in Köln ihr Examen als Mittelschuloberlehrerin. „Parole Sauerland!“ Dieses herrliche Fleckchen Welt hatten die eyrbaren, werdenden Friseure und Bekleidungsgewerbler, zugleich Bißbegierige Schüler der Gewerblichen Berufsschule Gronau. als Ziel ihres diesjährigen Ausflugs erkoren. Wochenlang war gespart worden für diesen Zweck und das war löblich. Der Klassenlehrer, Herr Gewerbeoberlehrer Bergee, entwarf die Fahrroute und so konnte es unter seiner Leitung losgehen. Und da es sich auch der verehrte Innungsobermeister, Herr Ed. Hesse, nicht nehmen ließ, seine Jungens auf dieser Fahrt zu begleiten, waren alle in bester Hut. Mit dem Degeling'schen Autobus, der sich als zuverlässiges Transportmittel erwies, wurde Sonntag mittag 1 Uhr von Gronau aus die Fahrt angetreten. Ueber Münster und Hamm gings sogleich dem SonntagabendZiel, dem Möhnesee entgegen. Das alte Städtchen Werl mit seiner ehrwürdigen Wallfahrtskirche aus dem 12. Jahrhundert war bald passiert. Schon kam das„ehrenreiche" Soest in Sicht, diese wunderschöne deutsche Stadt der alten Hanse, mit den sehenswerten Fachwerkbauten, den vertrauten idyllischen Stadtbildern und großartigen Kirchen. Hier, in der ältesten westfälischen Stadt mußten wir halten, um zu spüren den Hauch einer großen Vergangenheit, den das traditionsreiche, am alten Römerweg gelegene Städtchen hundertfältig ausströmt. Zwar flüchtig, aber doch mit sichtlichem Interesse wurden das altehrwürdige wuchtige Patroklimünster und die berühmte Wiesenkirche, ein hervorragendes Bauwerk der Gotik, besucht.— In Soest tagte gerade der Reichskampfring der Deutsch=Oesterreicher und so hallten die alten Straßen und Gäßchen wieder von den Marschliedern der österreichischen SA., die im Verein mit den deutschen SA.=Kameraden für das gemeinsame Deutschtum demonstrierte. Gern hätten wir noch ein Stündchen in dieser historischen Stadtperle verweilt, aber die Jugendherberge am Möhnesee mußte rechtzeitig erreicht werden. Wir ließen die fruchtbare Soester Börde, die Kornkammer Westfalens, bald hinter uns und „landeten“ gegen 21 Uhr an der Körbecker, Brücke, die sich mit ihren 18 weiten Bogen über den Möhnesee spannt. Am gegenüber liegenden Südufer des großen Binnengewässers, am Abhang der bebuschten Hügel ist ideal die Jugendherberge gebettet. Die nach der Autobusfahrt nach Bewegung verlangenden jungen Beine faßten Schritt und ein geschlossener Trupp Gronauer und Eper Handwerkerjungen marschierte, ein Lied auf den Lippen, durch den verdämmernden Sonntagabend der Herberge zu. Nachdem hier jedem seine Ruhstatt in der fast überfüllten, übrigens prächtig eingerichteten Jugendbleibe angewiesen war, gesellten wir Gronauer uns zu der Menge jugendlicher Schlafgenossen, die da draußen auf der großen Veranda am Lautsprecher der aktuellen Rede des Ministers Goebbels lauschten. Als am andern Morgen die Sonne ihre ersten Strahlen verheißend über die spiegelglatte Fläche des Sees sandte, gings mit Heissa aus den Decken. Frisch, forsch und neu gestärkt begannen wir den Tag— und die Sonne versprach das Beste! Bevor wir vom Möhnesee schieden, nahmen wir die große Staumauer in Augenschein. Zur Schönheit der Landschaft kommt hier die Schönheit der Bautechnik. Von der 640 m langen imposanten Mauerkrone erfreut sich das Auge an einem herrlichen Panorama. Was Wunder, wenn hier der Kamerakasten seinen Dienst tun mußte.— Dann gings weiter am Rande des Arnsberger Waldes entlang auf Neheim zu. Die Reize und Schönheiten des Hönnetales durfte man sich nicht entgehen lassen. Ist es doch im mittleren Teile zwischen Klusenstein und Sanssouci das eigenartigste Tal des Sauerlandes, dabei malerisch und romantisch. Dort, wo sich die hohen steilen Felsen zu einer engen Schlucht zusammendrängen, in der die Hönne unter schattigen Bäumen murmelnd dahin rauscht und auf der Zinne eines der höchsten Felsen ein vom Sturm umwettertes Schlößchen, der Klusenstein, hängt, wurde willkommene Rast gemacht. Das var eine Welt für uns Jungen! Geklettert wurde und gesprungen, gelacht und gesungen. Wer durch dieses einzigschöne Fleckchen Erde wandert, erlebt auch am Werktag einen Feiertag. Auf der Weiterfahrt besichtigte man noch einen der zweifellos interessantesten Felsen=Flecken des Sauerlandes: das Felsenmeer bei Sundwig. Dieses geologisch höchst aufschlußreiche Gebiet zeigt eine Menge schroffer Felsen in den verschiedensten Figuren in einer von hohen Buchen beschatteten Vertiefung, Seinen Namen führt es von dem wie Meerswogen übereinander getürmten Felsen. Das Felsenmeer war„wie geschaffen“ zum Klettern, was auch unter Führung des Felsenmeer„Lotsen“ ausgiebig besorgt wurde.— In Iserlohn, wo in eisenreicher Waldhöhe zähes Westfalentum zu Hause ist, wurde das prima schmeckende Mittagsmahl eingenommen. Der Nachmittag war für den Besuch der Dechenhöhle vorgesehen. Der Sauerlandbesucher verpaßt etwas, der die Dechenhöhle, eine der schönsten Tropfsteinhöhlen Deutschlands, unbeachtet ließe. Sie erschien auch uns wirklich sehenswert mit ihren 15 märchenhaft anmutenden Abteilungen, Hallen und Schluchten. Nächstes Ziel war dann Hagen, das über das Städtchen Lethmate, welches über 1000 Jahre alt sein soll, erreicht wurde. Von der bergumwaldeten, einzigen sauerländischen Großstadt Hagen führte die Fahrt über das wohlbekannte Hohensyburg nach Dortmund. Die in einer der schönsten Landschaftsstriche unserer Heimatprovinz bis dahin erhaltenen Eindrücke des Tages empfingen in dem Getriebe der Großstadt Dortmund eine in der Art fast gegenteilige Auffüllung, aber man nahm auch diese Großstadtbilder zum Schluß noch wahr, da auch sie nicht ohne Reiz sind. Und so bestiegen wir, satt vom Schauen und ein wenig müde vom Erleben, wieder unsern treuen Autobus, der alle wohlbehalten zur Stätte des Werktagswirkens zurückbrachte. Wenn der wohlgelungene, erinnerungsreiche Ausflug von den jungen Handwerkern und Berufsschülern als Festtag in jenem Sinne aufgefaßt wurde, wie der Dichter Fr. Rückert es ausdrückt: Der Festtag soll dich stärken Zu deines Werktags Werken, Daß du an dein Geschäfte Mitbringest frische Kräfte! dann ist er von Wert für alle Teilnehmer gewesen, die froh und treu ihre Berufspflicht erfüllen, bis im nächsten Jahre eine neue Wanderfahrt ins herrliche deutsche Land lockt.b. lauptschriftleiter und verantwortlich für Politik: Dr. Georg Heider, Münster i. W., Stellvertreter des Hauptschriftleiters und verantwertlich für Münster und das Münsterland: Fritz Rediger, Münster i. W.; für Wostdeutschland: i. V.: Karl Bode; für Feuilleton: Peter Schlauß; für Handel und Sport: Dr. Anton Henkel, sämtlich in Dortmund; Berliner Redaktion: Dr. Ernst Häiner, Berlin-Lichterlelde; für den Zeno-Hnzeigenteils Verlagsleiter Dr. Erich Altmeppen, Münster i. Druck: Zeno G. m. b. H., Münster 1, W. Durchschnittsaullage: VI. 1934: Zeno-Zellung Insgesami 41732 enthaltend: Hhlener Volkszeitung, Nachrichtenblatt für die Kreise Bockum und Lüdinghausen, Hhlen, 2984— Allgemeine Zeitung für die Kreise Coesfeld und Hhaus(Billerbecker Zeitung, Gescherer Zeitung, Vredener Anzeiger, Stadtlohner Volksblatt), Coesfeld, 5412;— Borkener Zeitung, Borken, 3189:— Bürgerblatt für den Niederrhein und Reeser Tageblatt, Emmerich, 1871:— Dülmener Zeilung, Amtliches Kreisblatt für den Kreis Coesteld, Dülmen, 1857;— Halterner Zeitung, Haltern, 1704:— Kreiszeitung für den Kreis Hhaus(Gronauer Volkszeitung, Eper Volksblatt), Hhaus, 3150:— Münsterländische Volkszeitung(Rheiner Volksblatt), Rheine, 4064;— Emsländische Tageszeitung(Lingener Tageszeitung, Papenburg-Aschondorfer Zeitung), Rheine, 1510;— Neuer Emsbote für Kreis Warendort und Amt Telgte(Warendorter Kreisblatt), Warendorf, 2591;— Tageblatt für den Kreis Steinfurt(Ochtruper Anzeiger, Wettringer Anzeiger. Meteleper Zeltung, Neuenkirchener Zeitung), Öchtrup. 1665;— Volksblatt für Bocholt und den Kreis Borken, Bocholt. 6287:— Volksblatt für Wesel und den Kreis Rees, Bocholt, 997;— Volkszeitung und Nachrichten für Emsdetten, Burgsteinturt, Nordwalde. Borghorst, Greven, Emsdetten, 378•— Volkszeitung für Dorsten und Herrlichkeit. Dorsten. 2073. Verantwortliche Schriftleitung für den lokalen Ieil: Fritz Schlotjunker, Ahaus, für den lokalen Anzeigenteil: B. Schütte, Ahaus. Weitere lokale Nachrichten auf einer anderen Seite. Gronauer tadt=Rundschau 1 u 1 1 Gronau, den 7. Juli 1934. Rechenschaft ablegen! In irgend einer stillen Stunde fühlen wir uns dazu gedrängt, uns Rechenschaft zu geben. Aus einem ganz unscheinbaren Anlaß kann der Anstoß dazu kommen, und wir folgen dem ersten Gedanken, der auftaucht, reihen einen an den andern, ein Bild nach dem andern taucht vor uns aus der Vergangenheit auf. Plötzlich stehen wir vor den Fragen: Was hast du gewonnen? War dein Wegrichtig? Waren deine Handlungen zweckmäßig? Hast du aus deinem Leben das gemacht, was zu machen möglich gewesen wäre? Bestimmt hat man auch das gefunden, was Freude war und als Glück betrachtet werden konnte. Aber das alles war beeinflußt von Zugeständnissen hier und Verzicht dort. Das Höchstmaß dessen, was erstrebt wurde und zu erreichen möglich gewesen wäre, war es nicht. Gewiß, auch in anderer Form wäre vielleicht, ja sogar sicher ein Rest geblieben, man hätte immer noch etwas gefunden, das zu weiterem, höherem Verlangen Anlaß gegeben hätte. Aber darauf kommt es nicht so sehr an, sondern darauf, daß auf die Rechenschaftsfrage mit einem klaren, inem rückhaltlosen Ja geantwortet werden kann. Das aber wird wohl in den seltensten Fällen möglich sein. Und führt ein Weg steil zum Gipfel und unaufhaltsam, vom Gipfel aus wird man neue Ziele entdecken, die Verlangen wecken. Und schließlich führt der Gedanke in die Enge der Bescheidung. Aber er hält sich nicht lange bei uns, denn stärker als blasse Ueberlegung ist der drängende Lebenswille, der den Erfolg zu sich zwingen will. Erfola aber beruht auf Ueberwindung, und überwinden kann man nur durch Kampf. So schließt sich die Kette doch wieder dort, wo wir begonnen haben, beim Ringen mit des Lebens Widerständen. Der in Gronau geplante Thingplatz wird, wie festgestellt werden kann, nicht auf dem anfangs vorgesehenen Gelände des Gutes„Eichenhof“ an der Enscheder Straße gebaut werden. Bei einer dieser Tage stattgefundenen Besichtigung einer Kommission, bestehend aus dem Referenten des Gaupropagandaleiters, Vertreter der Landesstelle des Propagandaministeriums und des Freiw. Arbeitsdienstes, sowie des für die Plätze zuständigen Architekten war man der Meinung, daß sich das „Eichenhof“=Gelände weniger für die Anlage eines Thingplatzes eignet. Man ist auf der Suche nach einem anderen zweckmäßigeren Gelände. Wie wir hören, schweben mit mehreren Grundstückseigentümern dieserhalb Verhandlungen. Die Berufung der Gemeinderäte(Ratsherren) erfolgt nach dem Gemeindeverfassungsgesetz durch die Aufsichtsbehörde auf Vorschlag des Gauleiters. Wie verlautet, wird die Berufung infolge des geplanten Reichsgemeindeverfassungsgesetzes noch einige Zeit dauern. Die Stadtverwaltung wird daber vorläufig nichts unternehmen. Das Radfahren im Hindenburgpark ist verboten! Seit einiger Zeit werden im Hindenburgpark auf ast allen Wegen Radfahrer beobachtet. Den Besuchern des städtischen Freibades sind einige bestimmte Wege reigegeben, die sie mit Fahrrädern passieren dürfen. Das Befahren der übrigen Wege ist verboten. Die Poizei= und Aufsichtsbeamten sind angewiesen, gegen Zuviderhandlung aufs strengste einzuschreiten. Der Hindenburgpark ist für die Erholung suchenden Spaziergänger und nicht für Radfahrer bestimmt. 3 Die„Husel“-Ecke im Stadtzentrum verschwindet Ein großes, lange Jahre als starkes Verkehrshinderais empfundenes Gebäude wird bald verschwinden. Wie vir nämlich erfahren, wurde am Donnerstag bend zwischen der Stadt Gronau und dem Fabrikann Willem Jordaan ein Vertrag getätigt, wonach lie Stadt von Herrn Jordaan ein 200 gm großes Grundück erworben hat. Nach dem Vertrage verpflichtet sich Fordaan, das auf dem betreffenden Grundstück stehende haus, in dem sich die Zigarrenbörse von Leo Husel bel indet, abzubrechen und zwar muß das Haus bis zum 1. Oktober ds. Is. abgebrochen sein. Auf dem restlichen, herrn Jordaan noch verbleibenden Platze wird, wie wir sören, ein provisorischer Laden, ein sogenannter Veraufspavillon errichtet, der wahrscheinlich auch von Herrn husel bezogen wird. Bei einem im Laufe der Jahre nöglich werdenden weiteren Erwerb der Restparzelle cheidet dieses provisorische Gebäude bei der Festsetzung iner Entschädigung aus. Durch den vollzogenen Kaufsertrag wird jedenfalls ein Haus freigelegt, daß lange zm buchstäblichen Sinne ein„Stein des Anstoßes“ geween ist. Neuer Sparkassendirektor in Gronan Wie uns in einer gestern stattgefundenen Pressebeprechung mitgeteilt wurde, hat der Regierungspräsident en vom Sparkassenvorstand unter 68 Bewerbern ausgeJählten und vom Bürgermeister ernannten neuen ersten eiter der Städtischen Sparkasse, Va. Walter Schlöer aus Meinerzhagen(Sauerland), bestätigt. Herr schlöter war bislang als zweiter Beamter an der Städt. parkasse in Meinerzhagen tätig. Er wurde 1899 in schlöten(Kreis Altena) geboren, ist evangelischer Konssion und verheiratet. 1920 bestand er die erste, 1923 ie zweite Sparkassenverwaltungsprüfung. Im Nebenerufe war er einige Jahre tätig an der südwestfälischen erwaltungsbeamtenschule in Hagen, wo er über moerne Sparkassentechnik unterrichtete. Herr Schlöter wird ine Stelle bereits am kommenden Montag antreten.— Is zweiter Beamter an der Städt. Sparkasse ist seit etchen Wochen, wie bekannt, Pg. Gerh. ter Balk tätig. Zur Offenlegung der Beilchenstraße zwischen Ochtruper Str. und Friedrichstraße). In der Anelegenheit der wiederholt besprochenen Frage der Offengung der Veilchenstraße sind die notwendigen Vertessungen bis auf ein Grundstück, wo der Eigenimer eine Vermessung nicht zuließ, bereits vorgenomien worden. Für die Offenlegung sind 2093 gm Grund nd Boden erforderlich. Da eine Bezahlung des Grund nd Bodens unter den heutigen Verhältnissen nicht mögch ist, kommt eine Offenlegung nur in Frage, wenn die rundstücke unter Verrechnung die späteren Straßenautosten zunächst kosten os zur Verfügung gestellt erden. A Vorstädtische Kleinsiedlung. Aus dem von der Stadt erworbenen Tieke'schen Weidegelände an der Gildehauser Straße wurde der Westfälischen Heimstätte für den Bau von 28 vorstädtischen Kleinsiedlerstellen das notwendige Gelände zum Selbstkostenpreise überlassen. Sobald die Finanzierung dieses Siedlungsprojektes geregelt ist, wird mit dem Bau begonnen. Raubmord an einer Greisin. Zum Schützenfeste in Gronau: Flaggen heraus! Weitere Straßenbauarbeiten Falls aus den für die bisherigen Straßenausbauarbeiten genehmigten Darlehen noch genügend Restmittel übrig bleiben, und man hofft, daß das der Fall sein wird, ist beabsichtigt auch die Wasserstraße instand setzen zu lassen. Die Straße, die als Weg zum kathol. Krankenhaus und zur Wilhelmschule von einiger Verkehrsbedeutung ist, soll einen neuen Kanal erhalten und neu gepflastert werden.— Nach Beendigung der Arbeiten zur Erweiterung der Wassergewinnungsanlage ist vorgesehen, den Eschweg auf die im Fluchtlinienplan festgelegte Breite zu bringen und den Weg zu befestigen. — Während der Ausbau der Steinstraße, die eine schwere tragfähige Decke erhält, dem Ende entgegengeht, wurde die Gelegenheit wahlgenommen, die vor einigen Jahren leicht chaussierte Poststiege jetzt noch mal mit einem dünnen Teerteppich zu überziehen, wodurch die Straßendecke widerstandsfähiger und auch staubfreier wurde. Die Mittel zu dieser Ueberholung waren noch vorhanden in einem Restbestande für den Ausbau der Poststiege.— Zwecks Instandsetzung der Zollstraße steht die Stadtverwaltung noch in Verhandlungen mit der Reichsbahn. Es besteht jetzt Aussicht, daß wenigstens der östliche Teil der Zollstraße zwischen Bahnhofstr. und Wilhelmstraße ausgebaut wird und zwar mit Mitteln der Reichsnann— Sodann beschloß die Stadtverwaltung, die Gildehauser Str. im Abschnitt Bahnübergang bis Schüttmann und die Hermann=Göring=Straße(früher Parkstr.) mit Lindenbäumen zu bepflanzen. Eine Maßnahme, die sehr zu begrüßen ist. Die Gemeinderatswahlen in Enschede-Lonneker Am letzten Mittwoch fanden nach wochenlangem lebhaftem Wahlkampf die Wahlen zum Gemeinderat der durch Landesgesetz jüngst zusammengelegten holl. Grenzgemeinden Enschede und Lonneker statt. Mit Spannung sah man dem Ergebnis entgegen. Wenn man das Resultat betrachtet, fällt es auf, daß der neue Rat etwas stärker nach links orientiert ist. Dabei ist der Begriff links nicht so sehr im alten Sinne aufzufassen. Gemeint ist, daß jene Parteien, die in Holland nicht zum Regierungsblock gehören— Sozialdemokratie, Kommunisten, Christlich=Demokraten, Kath. Demokraten, Revolutionäre Sozialisten und Unabhängige Sozialisten— eine knappe Mehrheit, allerdings nur um einen Sitz, errangen. Von 37 Ratssitzen erzielten diese Parteien 19 Sitze. Im alten Rat von Enschede nahmen die Parteien, die hinter der Landesregierung stehen, 18 Mondate ein. Auf jeden Fall: Enschede und Lonneker gehören nunmehr, nachdem die wirtschaftliche Verbundenheit schon seit Jahrzehnten vorhanden war, auch politisch zusammen. Der neue Gemeinderat kann jetzt zeigen, was er aus diesem bedeutenden Stadtflecken hart an der deutschen Grenze, der insgesamt 90000 Einwohner umfaßt, machen kann. Einige Ergebnisse der Wahlen: Sozialdemokraten 11 Sitze,(im alten Rat Enschedes 10 Sitze), Römischkath. Staatspartei 7(6), Freisinnige Demokraten 2(2), Kommunisten 3(2), Freiheitsbund 3(4), Neutrale Wahlvereinigung Alt=Lonneker 1(0), Antirevolutionäre 3(3), Kath. Dem. Partei 1(0), Christlich=Historische 2(3), Christlich=Demokraten 2(0). Die sogenannte „omusementspartei“ vereinigte auf sich auch noch 429(!) Stimmen, einen Sitz aber errang sie nicht; wir sollten auch nicht wissen, was der„Amusements“=Mandatinhaber damit im Gemeinderat bei diesen auch in Holland ernsten Zeiten anfangen wollte. Zusatz zur Zollgrenzordnung Mit Wirkung vom 11. Juni 1934 ab sind die Bestimmungen der Zollgrenzordnung für die Provinz Westfalen durch folgenden Zusatz erweitert worden: Grenzbewohner, die wegen Pferdeschmuggels bestraft sind oder die im dringenden Verdacht des Pferdeschmuggels stehen, können hinsichtlich ihrer Pferdehaltung einem Buchführungszwange unterworfen werden. Er umfaßt alle Pferde des Besitzers einschließlich derjenigen, die nach der Anlage A zu§ 2 Abs. 2 Nr. 6 ZGrO. mit einem amtlichen Brandzeichen versehen sind oder für die eine Pferdekarte ausgestellt ist. Die Anordnung der Buchkontrolle steht bei den wegen Pferdeschmuggels bestraften Person dem zuständigen Bezirkszollkommissar (G), im übrigen dem zuständigen Hauptzollamt zu. Sie ist den Betroffenen schriftlich bekanntzugeben. Die hiernach der Buchkontrolle unterworfenen Pferdehalter sind verpflichtet, über Zu= und Abgang der Pferde Anschreibebücher nach Anweisung der Zollbehörde zu führen und den Zollbeamten das Betreten der Stallungen und Weiden, sowie die Prüfung des Pferdebestandes und der Anschreibebücher zu gestatten. Die Kolpingsfamilie Das Generalpräsidium bleibt für alle Zeiten in Köln. Wie der Reichspräses der deutschen Kolpingsfamilie im Kolpingsblatt(Nr. 13) mitteilt, hat der Generalrat der Gesellenvereine den Antrag des Zentralverbandes der Vereinigten Staaten, das Generalpräsidium von Köln nach Rohn zu verlegen, abgelehnt und bestimmt, daß für alle Zeiten Köln der Sitz des Generalpräsidiums bleiben soll. Der Generalrat ging dabei von der Ueberzeugung aus, daß der Nachfolger des Gesellenvaters nur in Köln, wo Kolping wirkte und sich sein Grab befindet, Würde und Kraft für sein Amt finden kann. Dieser Beschluß ist auch im deutschen Interesse zu begrüßen; bildet doch das Kolpingswerk, das weit über Deutschlands Grenzen in die Welt hinausgewachsen ist, einen nicht unwichtigen Tragpfeiler kulturell-sozialer deutscher Weltgeltung. Wo immer kath. Gesellen Kolpings weilen, gedenken sie auch seines Vaterlandes und der deutschen Stadt am Rhein. Wo immer das schwarzorangene Kolpingsbanner weht, erzählt es von dem deutschen Priester Adolf Kolping, den seine katholische Liebe trieb, das in Deutschland entstandene Werk weit über Deutschlands Grenzen zu tragen. So ist es deutscher Geist, der mitwirkt in dem Schrifttum der Kolpingsfamilie jenseits der Reichsgrenzen in der Kolpingspost der Schweiz, im Kolpingsblatt Oesterreichs, im Kolpingsblatt Hollands, im Treu=Kolping Böhmens, im Kolping=Treu Luxemburgs, im Neuen Adel Ungarns und im Kolpingsbanner Amerikas. DNB Berlin, 6. Juli. In Päwesin im Westhavelland ist man einem scheußlichen Verbrechen auf die Spur gekommen. Die 81 Jahre alte Witwe Johanna Fährmann aus Berlin wurde in ihrer Sommerwohnung erschossen aufaefunden Die Witwe kam seit 23 Jahren jeden Sommer nach Päwesin und bezog in der stillgelegten Ziegelei am Beetzsee Wohnung. Man fand im Schlafzimmer die alte Frau vor dem Bett liegend tot auf. Die Hände waren mit einer Schnur gefesselt. Die rechte Schläfe wies eine Einschußoffnung auf. Man fand auch den Tesching, mit dem der Mord ausgeführt worden war. Die Geldtasche mit etwa 100 Mark Inhalt war geraubt. Berliner Kriminalbeamte nahmen die Ermittlungen nach dem Täter sofort auf. DNB Kaiserslautern, 6. Juli. Am Mittwoch abend 18 Uhr ereignete sich hier in einem Schrebergarten eine schwere Bluttat. Der 27 Jahre alte Karl Steinbrecher gab nach einem kurzen Wortwechsel auf seinen Schwager Karl Petri einen Schuß ab, der den sofortigen Tod zur Folge hatte. Die beiden Ehepaare Petri und Steinbrecher lebten zusammen in einer Wohnung. Seit einiger Zeit waren die beiden Schwäger wiederholt wegen der Wohnung in Streit geraten, so daß das Verhältnis immer unerträglicher wurde. Mittwoch abend begab sich Steinbrecher mit einem Browning bewaffnet in den Schrebergarten des Petri, um, wie er angab, von diesem den Schlüssel zur Wohnung zu verlangen. Dabei kam es zu einem kurzen Wortwechsel, wobei Petri eine Gießkanne zum Schlage erhob. Steinbrecher zog sofort seinen Revolver und gab aus nächster Nähe auf seinen Schwager einen Schuß ab, der ins Herz traf. Petri brach tot zusammen. Aus den Nachbargärten herbeieilende Leute nahmen den Täter, der keinen Widerstand leistete, fest. Der Mörder zeigte keine Spur von Reue. Gerissener Betrüger in Köln gefaßt. (( Köln, 6. Juli. Donnerstag konnte von Beamten des Fahndungskommissariats ein schon lange gesuchter Verbrecher ermittelt und festgenommen werden. Skrupellos war der Bursche vorgegangen, um seine Diebstähle und Betrügereien ausführen zu können. Selbst seine Braut schonte er nicht. in deren Wohnung ein Makler sein Büro unterhielt. Gelegentlich eines Besuches bei der Braut erbrach er in einem günstigen Augenblick den Schreibtisch des Maklers und entwendete daraus Scheckhefte und lose Schecks. Er füllte mehrere Schecks aus, fälschte sie mit der Unterschrift des Kontoinhabers und erhob beim Postscheckamt Beträge bis zu 50 Mark. Auch eine Kontoristin, mit der er ein weiteres Verhältnis unterhielt, brachte er in schweren Verdacht. Als er das Mädchen in der Abwesenheit des Arbeitgebers auf dem Büro besuchte, entwendete er heimlich aus dem auf dem Schreibtisch liegenden Scheckheft einige Formulare. Auch diese Schecks füllte er aus und unterschrieb sie mit dem Namen der Firma. Vorsichtigerweise legte er die Schecks nicht der Bank zur Einlösung vor, sondern gab sie anderweitig in Zahlung. Im Klingelpütz sieht der gerissene Betrüger nunmehr seiner gerechten Strafe entgegen. Aufsehen erregende Aussagen im Stavisky-Ausschuß. DNB Paris, 6. Juli. Im parlamentarischen Untersuchungsausschuß für den Stavisky=Skandal gab am Donnerstag ein Polizeiinspektor, der an der Verfolgung des Betrügers teilgenommen hatte, eine Aufsehen erregende Erklärung ab. Der Polizeiinspektor, der als erster in das Zimmer eingedrungen war, in dem man Stavisky mit der tödlichen Schußwunde auffand, will ihn, an die Zentralheizung gelehnt, sitzend vorgefunden haben. Stavisky habe in der rechten Schläfe eine Schußwunde gehabt, den Revolver aber in der linken Hand gehalten. Auf verschiedene Fragen der Ausschußmitglieder bestätigte der Polizeiinspektor immer wieder seine Aussagen und fügte hinzu, daß man seiner Ansicht nach Stavisky lebendig hätte verhaften können, wenn ein anderer Polizeikommissar die ursprünglich aufgestellten Pläne nicht durchkreuzt hätte. Das in Deutschland mit einem beispiellosen Erfolg verlegte Buch des Reichspressechefs der NSDAP, Dr. Dietrich,„Mit Hitler in die Macht“ ist nunmehr auch in englischer und italienischer Uebersetzung erschienen. Zur Eimmachzer4 Zwangsversteigerung. empfehle ich die gute Züchner-Dose. ferner Einkoch- und Zubindegläser in allen Größen besonders preiswert. Einkochapparate emailliert und verzinkt Original Stadtlohner Steintöpfe in allen Größen Albert Kemper- Ahaus i. W. Kompagnie=Befehl Die Kompagnie steht am Samstag, 7. Juli 18,30 Uhr ohne Waffen auf dem Schloßplatz, am Sonntaa. 8. Juli 14,45 Uhr mit Waffen auf der Hermann=Göring=Straße(Steigerturm). am Montag, 9. Juli 9,30 Uhr mit Waffen a. d. Schloßplatz. Ich erwarte von jedem Schützen, daß er zu den Festzügen pünktlich erscheint. Zuspätkommen wird mit Arrest bestraft. Der Oberst der 1. Komp. der Allgem. Bürgerschützen-Gilde Gronau i. W. N. B. Karten für die Kinderbelustigung werden auf dem Kommersabend am 7. Juli ausgegeben. Wagen- u. Pferdeverkauf Im freiwilligen Auftrag des Besitzers werde ich am Dienstag, den 10. Juli 1934 abends 6 Uhr auf dem Mühlenhofe der Firma Fischer, Mühlenmathe, in Gronau 2 Pferde, 3 Rollwagen(leichte und schwere), Geschirr, 1 Jagdwagen und 1 Schlitten öffentlich meistbietend gegen bar versteigern. Herm. ten Dam, Gronau beeidigter Auktionator, Tel. 452 Am Montag, den 9. Juli 1934 werl ich um 14 Uhr in der Wirtschaft Flu in Epe Gasherd, 1 Tisch, 1 Bufett, 1 Theke, 2 große Regale u. a. m. öffentlich meistbietend gegen Barzahlung versteigern. Schnauß, Obergerichtsvollzieher. Aerztedienst Ahaus Den Sonntagsdienst am 8 Juli versieht Dr. Helming. Aerztedienst Gronau Sonntag, den 8. Juli(nur im dringenden Fall): Dr. Bauer Dr. Wesseling Apothekendienst in Gronau Den Nacht= u. Sonntagsdienst der kommenden Woche versieht ab Samstag abend 7 Uhr die Engelapotheke, AdolfHitler=Straße. Legt Werl auf qute Drucksachen. laßt keine schlechten Vervielfältigungen machen! Hausverkauf. Eine fast im Mittelpunkt der Stadt Ahaus an einer Hauptverkehrsstraße belegene geräumige Hausbesitzung ist sofort unterhändig durch mich unter sehr günstigen Zahlungsbedingungen zu kaufen. Die Besitzung eignet sich für jeden Geschäftszweck, insbesondere für eine Bäckerei. Die Uebergabe kann baldigst erfolgen. Jos. Voß jr. Auktionator i. Ahaus Domhofstr. 12 Ich hin vor allem Haarpfleger Sie erhalten nicht irgend eine mechanische Arbeits leistung. Sie erhalten fachmännische,objektive Beratung. Und das ist mehr wert. Kommen Sie bald Ahaus, Markt 8 ZirkulinKnoblauchPerlen konzentrierter Form jeruch= u. geschmackos, vorbeugend gegen Arterienverkalkung, Alters= u. Stoffwechselbeschwerden. Packung für 1 ganzen Monat nur 1.— h Hansen aus Für sofort tüchtiges zuverl., kinderliebes Mädchen gesucht. Frau Dr. C. Schubert Gronau i. W., Moltkestr. 51 eIotoI0 In Gronau 2-3 Limmerwohnung gesucht. Angebote mit Preis unter Nr. 160 an d. Gesch. in Gronau, Bahnhofstraße 2. Wer leiht einem ehrlichen Geschäftsmann 400.— RM. gegen hohe Zinsen und monatl. Rückzahlung. Offerten erbeten unt. NN 600 an d. Gronauer Volksztg., Gronau Wegen Verheiratung d. jetzigen suche ich zum 1. od. 15. August ein kath. Mädchen welches schon länger in der Landwirtschaft tätig war am liebsten von 18-20 Jahren. Lohn nach Uebereinkunft. Hermann Nacke, Ahaus Feldmark 6(Coesfelder Straße) Viehkontrollbücher Stück 50 Pfg. Lensing Drucksachen aller Art wie Briefbogen Rechnungen Quittungen Postkarten Umschläge Flugzettel Preislisten Plakate usw. usw. liefert preiswert u. in erstklassiger Ausführung die Buchdruckerei Gebr. Lensing Ahaus-Gronav Trauerdrucksachen innerhalb 1 Stunde.