Post 2.30 Mk.(ohne Schriftleitung und Geschäftsstelle in Ahaus: van=Delden=Straße 8. Telegr.Adresse: Kreiszeitung Ahaus i. W. Fernruf Nr. 450. Postschließfach 65. Postscheck=Konto: Hannover 22 789. Amtliches Organ für den Kreis Jchans. 64. Jahrgag. Geschäftsstelle in Gronan: Gebr. Leusing, Verlagsanstalt EmbH., Bahnhofstraße 2, Fernprecher Nr. 268. Bankkonten: Kreis= und Stadtsparkasse Ahaus, Gewerbebank Ahaus und Städt. Sparkasse Gronan i. W. Anzeigenpreise: das 1spaltige Millimeter für die Zenozeitung 10 Pfg., für die Kreiszeitung für den Kreis Ahaus 3 Pfennig. Rabatt nach Taris. Verlagt Gebr. Lensing, Verlagsanstalt G. m. b. H., Zweigniederlassung Ahaus. Nummer 55 Sonntag, den 25. Februar 1934 Jahrgang 1934 Danzig als Vorbild. Wie der ständische Aufbau aussehen wird. Vom ständischen Aufbau ist im Verlauf des letzten Jahres viel geredet worden— so viel, daß Dr. Max Frauendorfer, der Sachverständige für Ständefragen in der NSDAP, die weitere öffentliche Erörterung solcher Dinge unterband. In der Zwischenzeit hat man viel praktische Arbeit geleistet. Die Probleme des ständischen Aufbaues rückten aus dem Stadium nur theoretischer Erwägungen heraus. In den letzten Tagen ist in Danzig eine Entwicklung eingeleitet worden, die vorbildlich sein kann auch für den ständischen Aufbau im Deutschen Reiche. Auf dem Gebiete des Freistaats Danzig ließen sich die ständischen Grundsätze restlos verwirtlichen. Gerade die Danziger Vorgänge lassen es angezeigt erscheinen, über den ständischen Aufbau einige grundsätzliche Bemerkungen zu machen. Voraussetzung einer ständischen Gliederung des deutschen Volkes bleibt immer die geistige Umstellung der Menschen. Jeder einzelne muß sich die organisatorische Betrachtungsweise des Nationalsozialismus zu eigen machen. Das Volk ist nach dieser Auffassung nicht mehr eine Anhäufung von Einzelmenschen, sondern gewachsener Körper. Jedes Glied hat in diesem Körper eine besondere Funktion zu erfüllen. Alle Organisationsformen des neuen Staates und der Staat selbst dürfen nicht als Selbstzweck eingeschätzt werden. Sie haben nur eine Berechtigung als Mittel zum Zwea: zur Erhaltung und Höherentwicklung des Volkes. Der Staat ist die Organisation des Volkes. Wenn man nun nach dem Wesen und den Aufgaben des ständischen Aufbaus, der sich in der Deutschen Arbeitsfront verwirklicht, fragt, so muß man folgendes beachten. Der Zweck des ständischen Aufbaus besteht einmal in der gänzlichen Ueberwindung des Klassenkampfes und zum anderen in der Ermöglichung einer ungestörten Wirtschaftsführung durch die Politik. Politische Ueberlegung führt also zum Ständestaat hin. Nicht eine Neugliederung der Wirtschaft ist durch den ständischen Aufbau beabsichtigt, sondern eine neue Zusammenfassung des ganzen Volkes. Bei der praktischen Verwirklichung des ständischen Aufbaus muß man verschiedene Gesichtspunkte berücksichtigen. Vor allem gilt es, die Lebensformen des einzelnen Menschen zu beachten. Ob der einzelne Volksgenosse in der Landwirtschaft, im Handwerk oder in einem freien Beruf tätig ist, entscheidet über seinen Standort im Ständestaat. Ferner sollen bei der ständischen Gliederung nach Möglichkeit auch die Erwerbsformen nicht außer Acht gelassen werden. Der schafsende Mensch kann ja entweder als Unternehmer, als Angestellter oder als Arbeiter in den Wirtschaftsbrozeß eingegliedert sein. Und schließlich ist die wirtschaftliche Zusammengehörigkeit wichtig bei der Verwirklichung des ständischen Aufbaus. Es werden also sunächst im Zuge des ständischen Aufbaus große Virtschaftsgruppen geschaffen, die alle durch eine gemeinsame Aufgabe miteinander verbundenen Volksgenossen zusammenfassen. Wer sich beispielsweise in der Landwirtschaft betätigt, sei es als Landarbeiter oder als Bauer oder als Verkäufer landwirtschaftlicher Produkte, der gehört eben in den„Stand" Landwirtschaft. Auf dem Gebiete des Freistaats Danzig hat man den ständischen Aufbau in der Form verwirklicht, daß man fünf einzelne Ständekammern einrichtete: eine Kammer der Industrie, eine für handel und Verkehr, eine für Handwerk und eine für die freien Berufe. Diese„Ständelammern" sind wiederum in zahlreiche Fachgruppen untergealiedert. So gibt es in der Industriekammer z. B. Facharuppen für Nahtungs= und Genußmittel, für Brauereien, Werften, Netallindustrie usw. Jeder schaffende Mensch in danzig wird durch diese Ständekammern erfaßt. Es entspricht ganz der nationalsozialistischen Wirthaftsauffassung, daß in Danzig Arbeiter und Unternehmer an der Führung des ständischen Aufbaus geneinsam beteiligt sind. Grundsätzlich soll sets der fähigste Mann die Führung erhalten. Man kann sich also durchaus vorstellen, daß in Danzig ein Arbeiter die Führung der Ineustriekammer in die Hände nimmt. Als Führer icher Ständekammern kommen nur schaffende MenHen der Wirtschaft in Frage; Syndici haben im Händischen Aufbau nichts zu suchen. Die jetzt zum Abschluß gekommene Gliederung der sänziger Arbeitsfront entspricht durchaus allen natioalogialistischen Auffassungen vom ständischen Aufbau Nan hat dort gleichzeitig alle drei Merkmale der Birtschaftsführung berücksichtigt: die Lebensform le Erwerbsform und wirtschaftliche Zumukäriakeit. Vielleicht mag der eine dder andere einwenden, daß die Berufsgruppen in gesen ständischen Aufbau nur eine untergeordnete pielen. Ansatzpunkt für den ständischen Aufbau ja immer die Wirtschaftsgruppe. Der Nationalverkennt durchaus nicht den Wert der und kollegialen Zusammengehörigkeit. verträgt der ständische Aufbau nicht den über die vielen einzelnen Berufe. auf dem verhältnismäßig kleinen Gebiet des deestaats Danzig leicht durchgeführt werden konnte, Kolle bleibt ja imi sozialismus rusichen Gleichwohl Umweg Was a Freistaats Suvich in Wien. Verspütete Abreise aus Budapest. DNB Budapest, 24. Februar. Staatssekretär Suvich ist heute früh 8 Uhr mit dem Wiener Schnellzug avgereist. Auf dem Bahnhof waren zur Verabschiedung Handelsminister Fabinyi und Vertreter der italienischen Gesandtschaft erschienen. Suvich wollte ursprünglich gestern mit dem Nachtschnellzuge abreisen. Er verschob dann aber seine Abfahrt auf den heutigen Sonnabend. Als Grund wird das Bankett angeführt, das Außenminister Kanya ihm zu Ehren am Freitag abend gab. Nach einer Lesart, die hier verbreitet ist, ist jedoch Suvich erst heute morgen abgereist, um bei Tage in Wien einzutreffen, wo er angeblich seine Reise unterbrechen will, um mit führenden Persönlichkeiten zu sprechen. Ob das zutrifft, ist hier unkontrollierbar. Tatsache ist, daß, wie eben gemeldet, Suvich mit dem Zuge nach Wien abgereist ist. Magyarsag(rechtsradikale Opposition), das s. Z. die erste Meldung über eine angebliche Dreier=Begegnung Mussolini=Gömbös=Dollfuß brachte, weiß heute als einziges Blatt zu melden, daß Gömbös und Außenminister Kanya sich am 10. März nach Rom begeben werden. Die Informationen des Blattes darüber, ob auch Dollfuß nach Rom reist, sind weniger bestimmt. Besprechung mit Dollfuß. DNB Wien, 24. Februar. Der italienische Staatssekretär Suvich ist heute mittag kurz nach 12 Uhr mit seiner Begleitung aus Budapest hier eingetroffen. Er wurde auf dem Bahnhof von dem italienischen Gesandten Preziosi empfangen. Suvich beabsichtigt, seine Reise nach Rom in den Abendstunden fortzusetzen. Der Wiener Aufenthalt des Staatssekretärs ist bisher von der Polizei streng geheim gehalten worden. Die gesamte Presse meldete heute früh, daß der Staatssekretär sich direkt von Budapest nach Rom zurückbegebe. Suvich wird im Laufe des heutigen Tages eine eingehende Besprechung mit dem Bundeskanzler Dollfuß und den übrigen Mitgliedern der Regierung haben. Man nimmt allgemein an, daß bei den Budapester Besprechungen des Staatssekretärs in einigen politischen Punkten eine so weitgehende Annäherung erzielt worden ist, daß Staatssekretär Suvich die Unterrichtung des Bundeskanzlers Dollfuß über die Ergebnisse seiner Verhandlungen in Budapest für notwendig gehalten hat. In politischen Kreisen verstärkt sich heute allgemein der Eindruck, daß die italienische Regierung jetzt die Verhandlungen mit der österreichischen und der ungarischen Regierung mit ungewöhnlicher Beschleunigung weiterzuführen versucht, um so schnell wie möglich zur Durchführung der bei den Budapester Besprechungen vorgesehenen Abmachungen zu gelangen. Die italienische Gesandtschaft gibt auf Anfrage die Auskunft, daß Staatssekretär Suvich sich lediglich als Privatmann in Wien aufhalte und dem Wiener Aufenthalt keine politische Bedeutung beizumessen sei. Nüchterne ungarische Feststellungen. X Budapest, 24. Februar. Die ungarische Presse beschäftigt sich eingehend mit den Ergebnissen des Budapester Besuches von Suvich. In dem Leitartikel des national=liberalen„Pesti Hierlap“ wird ziemlich nüchtern festgestellt, daß die Aeußerungen Suvichs vor der Presse sowie die amtliche Verlautbarung einige positive Punkte enthielt, so die Voraussage, daß der Boden für endgültige Beschlüsse vorbereitet werden soll, und daß zwischen Rom und Budapest volle Einmütigkeit herrsche. Der„Pester Lloyd“ wendet sich zunächst gegen die übertriebenen Gerüchte in der Weltpresse, wonach der Besuch Suvichs in Budapest der Schaffung eines Staatenblockes oder einer Zollunion gegolten haben solle und schreibt dann weiter: Nach einer dritten Lesart soll der Zweck der ins Auge gefaßten wirtschaftlichen Zusammenarbeit zwischen Italien, Oesterreich und Ungarn vor allem darin bestehen, den Anschluß Oesterreichs an Deutschland zu verhindern. Von da braucht man nur noch einen Schritt, um eine feindliche Spitze gegen Deutschland zu vermuten. Das Blatt kennzeichnet diese Behauptung als „phantastische Unterstellung“ und beschäftigt sich dann mit den wirklichen Zielsetzungen des italienischungarischen Gedankenaustausches, durch den keine neuen Konflikte geschürt, sondern Gegensätze gemildert werden sollten. Der Regierungsfreundliche„Budapesti Hierlap“ stellt als Ergebnis der Besprechungen fest, daß es gelungen sei, gewisse wirtschaftliche Fragen zu klären. Der rechtsradikale„Magyarsag“, der seit einiger Zeit im legitimistischen Fahrwasser schwimmt, sagt, es sei von Anfang an geplant gewesen, in Budapest nur vorbereitende Verhandlungen zu pflegen. Es sei wahrscheinlich, daß bei der Begegnung des italienischen, österreichischen und ungarischen Regierungsschefs in Rom eine gewisse außenpolitische Zusammenarbeit vereinbart werden würde. Einzug König Leopolds III. in die belgische Hauptstadt. Unser Bild zeigt die Begrüßung des neuen belgischen Königs bei seinem Einzug in die Hauptstadt seines Landes. das läßt sich natürlich nicht so schnell auf das viel größere Gebiet des Deutschen Reiches übertragen. Immerhin bleibt die ständische Entwicklung Danzigs vorbildlich auch für die künftige Entwicklung Deutschlands. Der ständische Gedanke hat durch das Danziger Vorbild einen mächtigen Anstoß erhalten. Er tritt jetzt, nachdem er in Danzig seine Lebensfähigkeit unter Beweis gestellt hat, in das Stadium der Verwirklichung. Aenderungen im englischen Kabinett? DNB London, 24. Februar. Die in der Oeffentlichkeit angeschnittene Frage, ob innerhalb des englischen Kabinetts gewisse Umbesetzungen stattfinden sollen, wird am Sonnabend von der„Times" und von dem Rothermere Blatt„Daily Mail“ aufgeworfen. Einige Aenderungen hätten etwas für sich, da sie der nationalen Regierung neues Leben einflößen würden. „Times“ erklärt, eine Umgestaltung des nationalen Kabinetts werde als unvermeidlich angesehen, wenn auch nicht als unmittelbar bevorstehend. Verstürkung des österreichischen hilfskorps. DNB Wien, 23. Februar. Der Ministerrat hat beschlossen, den im Bundesvoranschlag für 1934 festgesetzten Stand von 18300 B=Mannschaften des Bundesheeres auf 20000 Mann zu erhöhen. Die B=Mannschaft ist das im Sommer 1933 geschaffene sogenannte Hilfskorps aus dem das gleichfalls im Sommer von 22 000 auf 30 000 Mann verstärkte Bundesheer ergänzt wird. Weiter wurde, um die ungestörte Fortdauer der Funktionen der Betriebsräte zu sichern, eine Verordnung genehmigt, die dem Ausscheiden der sozialdemokratischen Betriebsräte Rechnung trägt. Der Schwurtag. Wenn am 25. Februar in Deutschland Hunderttausende von politischen Leitern der NSDAP die Hand heben werden, um auf die 25 Programmpunkte der NSDAP und Adolf Hitler feierlich vereidigt zu werden, vollzieht sich ein historischer Akt von weittragender Bedeutung. Es ist nicht ein Treuegelöbnis wie viele andere, wie das beim Eintritt in die Partei, sondern es ist sozusagen der Markstein in der Geschichte des organisatorischen Aufbaues der Partei und des Staates ein Jahr nach der Machtergreifung. Staat und Parteiverschmelzensymbolisch auch nach außen durch diesen Eid, der der Schlußstein einer zielbewußt durchgeführten Erneuerung des Reiches ist. Mit einer bewundernswerten Sicherheit ist Hitler den Weg der Verschmelzung von Partei und Staat gegangen, niemals über Kleinigkeiten stolpernd, immer das große Ziel im Auge. So erfolgte zunächst die Beseitigung aller Parteien, die Eingliederung des Stahlhelms in die SA, so schuf die Wahl des 12. November die Grundlagen für die Einheit von Partei und Staat. Das Gesetz vom 1. Dezember 1933 war die erste gesetzmäßige Auswirkung dieses Vereinheitlichungsprozesses. Die Partei entsandte in der Person des Stellvertreters des Führers und des Stabschefs der SA zwei offizielle Repräsentanten in die Reichsregierung. Zu gleicher Zeit wurde die Partei Körperschaft öffentlichen Rechtes mit einer durch das Reichsgesetz verankerten Partei= und SA=Gerichtsbarkeit. Der Funktionär der Partei ist genau so zum Träger der Autorität des nationalsozialistischen Staates geworden wie der Staatsbeamte. Es liegt im Sinne dieser Entwicklung, wenn durch die feierliche Eidesleistung am 25. Februar diese Gleichsetzung von Beamten und politischen Leitern der Partei auch äußerlich vollzogen wird. Der Eid vom 25. Februar entspricht sozusagen dem Eide, mit dem der Beamte für den Dienst im Staate verpflichtet wird. Schritt für Schritt ist der innere Aufbau der Parteiorganisation durchgeführt worden. Die organisatorische Riesenleistung kommt vielleicht am sinnfälligsten zum Ausdruck in der gewaltigen Zahl derer, die am Sonntag, dem 25. Februar, den Treueeid für Hitler und die Partei und damit zugleich auch dem nationalsozialistischen Staat leisten werden. In Berlin allein sind es 60 bis 65000 politische Leiter, zu denen allerdings auch die Führer der HI, die Führerinnen des BDM und die Unterführer des Freiwilligen Arbeitsdienstes gehören. Wenn man überlegt, daß Groß=Berlin insgesamt etwa 160 000 Parteimitglieder hat, so erkennt man in der Tatsache, daß jedes dritte Altmitglied der Partei heute Leiter einer Gruppe ist, sei es in der NS=Volkswohlfahrt, sei es bei der NSBO, der NS=Hago usw., so beweist dies allein die ungeheure Arbeit, die auf den älteren Parteimitgliedern infolge des gewaltigen Anwachsens der Neugliederungen der Partei liegt. Dieser Prozeß der Durchgliederung des gesamten Volkes und seine Verschmelzung in irgendeiner Form mit der Partei findet nun in der Eidesleistung der Führer seinen sinnfälligen Ausdruck. Es ist vorgesehen, daß dieser feierliche Eid von den neu ernannten Leitern der PO am 25. Februar 1935 genau so geleistet wird wie von den Leitern in diesem Jahre. Der Reichspressechef Dr. Dietrich hat es jüngst richtig umrissen:„Der ewige Strom der Jugend wird als Staat die Revolution von innen heraus überwinden, indem er ihre Ursachen beseitigt und ihre Führung für alle Zeiten organisch und unlösbar mit dem Leben der Nation verbindet.“ Alljährlich werden die neuen Leiter in ihrem braunen Ehrenkleid öffentlich vor das Volck hintreten, um für den Führer, die Bewegung und den Staat vereidigt zu werden. Das braune Hemd, das der politische Leiter genau so als Zeichen des immerwährenden Kampfes gegen die Feinde der Bewegung trägt, ist für ihn ein Ehrnkleid wie die Uniform für den SA= und SS=Mann. Sie bleibt Eigentum der Partei, wenn der Leiter sich des Amtes unwürdig erweisen sollte. Eine strenge Hierarchie des Dienstes am Volke, des Gehorsams gegen den Führer und der Treue zu den Prinzipien den Bewegung ist aufgerichtet worden, und der 25. Februar ist sozusagen ihr feierlicher öffentlicher Geburtstag. Ein weises Wort gesprochen. Paris, 24. Februar. Der Außenpolitiker des„Journal“ bezeichnet die Erklärungen des Reichsbankpräsidenten Dr. Schacht über die Geldentwertung als einen vorzüglichen Beitrag zur Wiederherstellung des Vertrauens. Man könne behaupten, daß Dr. Schacht ein weises Wort gesprochen habe, das umso mehr zu begrüßen sei, als seine Erklärungen zu gegebener Zeit folgten. Der Reichsbankpräsident habe sich aber nicht nur auf die Erklärung beschränkt, daß die Reichsregierung gar nicht daran denke, die Mark zu entwerten, sondern er habe gleichzeitig den überzeugendsten Beweis für die Unzweckmäßigkeit eines solchen Behelfsmittels abgelegt. Glücklicherweise habe auch Frankreich bewiesen, daß es vernünftig und stark bleiben wolle, indem es dem Ministerpräsidenten die Vollmachten für die Einsparungen erteilt habe. Blick nach draußen. Notizen aus Auslandszeitungen. die Leibgarden der englischen Minister. „Sunday Dispatch“ berichtete dieser Tage, daß der nglische Premierminister MacDonald Drohbriefe erhalten hat. Das ist an sich nichts Neues, und es scheint auch, als ob Mr. MacDonald sich durch die Briefe nicht sonderlich hat aus der Ruhe brinjen lassen. Wie wir„Daily Mail“ entnehmen, ist dem pritischen Premier keine besondere Leibgarde attachiert vorden; MacDonald wird lediglich von den beiden Detektiven begleitet, die ihm„verfassungsmäßig“ zustehen und die ständig Dienst in Downing=Street Nr. 10 machen. Außerhalb des Hauses ließ MacDonald sich bisher immer nur von einem Detektiv bewachen, nur jetzt, nach den Drohbriefen, macht auch der zweite auf der Straße Dienst. Drohbriefe hat auch der Dominion=Minister Thomas erhalten, und es scheint, als ob man diese Drohbriefe ernster nimmt. Man kennt nämlich die Quelle, denn stets, wenn sich die englisch-irischen Beziehungen zuspitzen, hat der zuständige britische Minister unter den Drohungen irischer Unabhängiger zu leiden. Dem Dominion=Minister, der keinen Anspruch auf„verfassungsmäßige" Leibwächter machen kann, hat Scotland Yard zwei Beamte zur Verfügung gestellt. Hölzerne Soldaten retten eine Stadt. te „Daily Mail“ gibt aus New Delhi die unwahrscheinliche Meldung wieder, daß fünfhundert hölzerne Soldaten die Stadt Yarkand im chinesischen Turkestan vor einem Rebellenangriff gerettet hätten. Als der Anmarsch der Rebellen bekannt geworden sei, hätten alle Tischler der Stadt den Auftrag erhalten, hölzerne Figuren in Mannesgröße herzustellen. Diesen Figuren hätte man Uniformen angelegt und sie auf dem Wall der Stadt aufgestellt. Die Rebellen hätten sich täuschen lassen und wären angesichts der zahlreichen„Feinde“ kampflos abmarschiert. Im chinesischen Turkestan herrscht bereits seit sieben Jahren ein ständiger Bürgerkrieg. Früher lebte das Land unter der Herrschaft des Chinesen Yang Tseng=hsin in Ruhe und Ordnung, Yen wurde jedoch gelegentlich einer Palastrevolution von Beamten ermordet. Die neue Regierung konnte sich bisher gegen die eingeborenen Stämme nicht durchsetzen. Im chinesischen Turkestan leben etwa zehn Millionen Menschen verschiedener Rassen. Plädoyer für englische Rechtschreibungsreform. In den Vereinigten Staaten kann man eine starke Bewegung für eine Reform der englischen Orthographie konstatieren. Wie der„New York Herald“ berichtet, ist jetzt mit einem neuen Angriff gegen die alte Orthographie der Professor für englische Sprache an der WashingtonUniversität Dr. Dewitt Croissant in die Arena getreten. Dr. Croissant tadelte in einer an die Regierung gerichteten Adresse Wilhelm den Eroberer, weil dieser eine Menge von Franzosen nach England gebracht habe, die die alte angelsächsische Sprache verdorben hätten; der zweite Sündenbock ist nach Croissants Ansicht William Carton, der erste englische Drucker, der holländische Drucker nach England brachte, und diese Holländer hätten in die englische Orthographie die schlimmste Verwirrung gebracht. Sie hätten das o=u=g=h in„through“ und ähnlichen Worten, das h in„ghost“ usw. eingeführt. Croissant plädiert dafür, daß man in Zukunft gleich ausgesprochene Wörter auch gleich schreibt, was bisher keineswegs der Fall ist(s.„beauty“ und„duty“). Augenblicklich ähnele die britische Orthographie etwa dem System der chinesischen Ideogramme. Mama Roosevelt beschwert sich über ihren Sohn. Frau James Roosevelt hat Grund, sich über ihren berühmten Sohn Franklin zu beklagen. Mama Roosevelt weilt augenblicklich in New=York, um an der Hochzeitsfeier ihrer Nichte teilzunehmen. Sie wird den ganzen Tag und beinahe auch die ganze Nacht über von Reportern belagert, die von ihr alles mögliche über das privateste Leben ihres Sohnes Franklin zu erfahren wünschen. Mama Roosevelt scheint aber einigermaßen diskret zu sein, denn das einzige, was der Reporter des „Herald“ aus ihr herausbekam, war ein Stoßseufzer über die Schreibfaulheit ihres Sohnes. Jetzt, wo Franklin Präsident der Vereinigten Staaten sei, müsse sie ihn zwar bis zu einem gewissen Grade entschuldigen, aber ab und zu könnte er doch wenigstens eine Postkarte schreiben... Radikale Depressionen. Wenn in Frankreich jetzt allgemeine Wahlen wären, so würde von den Radikalen, die heute die stärkste Partei in der Kammer sind, vermutlich nicht allzuviel übrig bleiben. Die Neuwahl des Bürgermeisters von Bayonne gestaltet sich nämlich— wir folgen dem Bericht des„Matin“— zu einem Triumph für die Republikaner, die mit einer gewaltigen Stimmenmehrheit den Bürgermeisterposten erhielten. Bürgermeister von Bayonne war der durch den StaviskySkandal schwer kompromittierte Abgeordnete Garat, ein Mitglied der radikalen Partei. Unter Garat hatte sich Bayonne zu einer Zitadelle des Radikalismus entwickelt, und jetzt ist diese Zitadelle von den Republikanern völlig zusammengeschossen worden. Während des Bayoner Wahlkampfes, der übrigens sehr ruhig verlaufen war, da politische Versammlungen verboten waren, hatte man für die Radikalen das Wort„Garatisten“ geprägt, und es scheint, als wenn die Radikalen diesen wenig ehrenvollen Namen nicht sobald wieder verlieren werden. Bayonne ist zwar zu klein, um als Beispiel für die politische Volksmeinung zu gelten, aber als Symptom darf man die Stimmenverteilung bei der Wahl wohl gelten lassen: von 6000 Stimmen erhielten die Republikaner(rechtsstehend) 3000, die Radikalen(Mitte) 1500 und die Sozialisten 600; der Rest war zersplittert. Das Monte Carlo=Gold zieht wirklich. Die Hoffnungen, die Monte Carlo auf die Wiedereinführung von Goldmünzen in seinem Kasino gesetzt hat, scheinen sich wirklich zu erfüllen. Nicht nur daß das Kasino besser besucht ist— auch die nach dem Krieg etwas gemischt gewordene Gesellschaft an den Spieltischen des Kasinos zeigt ein ganz wesentlich besseres Niveau. Aus dem Monte Carlo=Bericht der Pariser Ausgabe der„Chicago Tribune“ entnehmen wir, daß an einem einzigen Tage drei Lords, vier englische Barone, sechs Ladies und etwa ein Dutzend der vornehmsten Mitglieder der englischen Gesellschaft an den Spieltischen des Riesenschmuggel aufgedeckt. Ein ganz großer Fang der Zollfahndungsstelle Borken. 50 Ztr. Tabak in 1½ Jahren eingeschmuggelt. — Borken, 24. Februar. Der unermüdlichen Tätigkeit der Beamten der Zollfahndungsstelle Borken gelang es, jetzt zwei Landwirtssöhne aus Gr.=Mast bei Vreden zu stellen, denen umfassender Tabakschmuggel nachgewiesen werden konnte. Insgesamt haben die beiden in der Zeit von Mitte 1932 bis Ende 1933 die ungeheure Menge von nahezu 50 Zentnern Tabat aus Holland unverzollt eingeführt. Nach umfassenden Ermittlungen griff die Zollfahndung jetzt zu. Bei einer Haussuchung wurde eine ganz genaue Buchführung aufgefunden, aus der bis ins Kleinste der Umfang der Schmuggelvergehen festgestellt werden konnte. Es wurde darin jede Einfuhr genau registriert mit den Namen der beteiligten Träger und Schlepper, deren Entgelt, den sonstigen Unkosten und dem erzielten Gewinn, den man auf den Pfennig genau ausgerechnet hatte. Bei dieser Gelegenheit konnten auch zahlreiche Aufgriffe von Kraftwagen im Hinterland von Coesfeld aufgeklärt werden, bei denen man nie die Herkunft des Tabaks hatte ermitteln können. Ein Täter ist sofort verhaftet worden. Es ist mit weiteren Ergebnissen bei dieser großen Schmuggelsache zu rechnen, doch sind die Untersuchungen noch im Gange. Es kann deswegen im Interesse der Ermittlungen noch nichts Näheres mitgeteilt werden. Das verabscheuungswürdige Treiben der beiden Landwirtssöhne, die sich hier als wirtschaftliche Landesverräter betätigt haben, wird in Kürze vor dem Richter in abschreckender Weise geahndet werden. Verhaftung des Leiters der staatlichen Kreiskasse in Coesfeld. )( Coesfeld, 24. Februar. Am Samstag morgen wurde der Leiter der staatlichen Kreiskasse für die Kreise Coesfeld, Borken, Bocholt, Ahaus und Lüdinghausen, Oberrentmeister Peplow in Coesfeld, verhaftet, nachdem eine Kassenrevision Veruntreuungen des Beamten und Unterschlagungen erwiesen hatten. Wer gehört zum Reichsnährstand? Die einzugliedernden Handels= und Gewerbetreibenden. Wir veröffentlichten bereits den wesentlichen Inhalt der wichtigen dritten Verordnung über den vorläufigen Aufbau des Reichsnährstandes. Nachstehend geben wir eine Liste der einzugliedernden Betriebe wieder: Die neue Verordnung ist von großer grundsätzlicher Bedeutung, weil sie die Zugehörigkeit der einzelnen hier in Frage stehenden Wirtschaftsgruppen eindeutig festlegt, so daß weiterer Zweifel über das Schicksal dieser oder jener Organisation damit ausgeschlossen wird. Da die Verordnung die Stellung der einzelnen Branchen fixiert, nicht aber auch schon die einzelnen Verbände als solche namentlich eingliedert, bleibt die technische Durchführung der grundsätzlichen Entscheidung noch zu erledigen. Die neue Verordnung unterscheidet zwei Gruppen von Wirtschaftszweigen, über die der§ 1 näheren Aufschluß gibt. Die Gruppe A umfaßt den Handel mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen und landwirtschaftlichen Fabrikaten im weitesten Sinne des Wortes, während die Gruppe B die industriellen und handwerklichen Betriebe umfaßt. Nach diesen beiden Gruppen wird das Gesamtgebiet von Handel, Industrie und Handwerk aufgegliedert. Der entscheidende Punkt ist, daß die unter A aufgeführten Handelszweige ausschließlich dem Reichsnährstande angehören. Sie können also nur eine Mitgliedschaft haben, während bei denen unter B genannten Gruppen des Handwerks und der Industrie eine Doppelmitgliedschaft möglich ist. Das heißt, diese Wirtschaftsgruppen gehören zum Reichsnährstande, soweit es sich um die Angelegenheiten der Marktregelung, der Preisbemessung, der Erzeugung handelt, während die Organisationen von Industrie und Handwerk für die anderen Aufgaben zuständig sind. Die hier getroffene Gliederung entspricht dem Ziel, das gesamte Gebiet der Agrarwirtschaft in den Fragen der Marktregelung einheitlich zu betreuen und zu führen, und diese Führung dem Reichsernährungsminister zu unterstellen. Ob die Doppelzugehörigkeit industrieller Organisationen zum Reichsnährstand und zum Reichsstand der Industrie organisatorische Konsequenzen im Sinne einer Neuordnung der Verbandsverhältnisse haben wird, dürfte sich wohl erst später zeigen. Ein Zwang dazu liegt an sich nicht vor. Wichtig ist, daß mit der Doppelzugehörigkeit einzelner Verbände eine Beitragserhöhung nicht verbunden sein soll und daß ausdrücklich festgelegt wird, daß Reichsnährstand und Wirtschaftsverbände diese Betriebe in einem entsprechend geminderten Maße heranziehen sollen. Die Besorgnis, daß die Eingliederung von Verbänden, die früher ausschließlich industriell organisiert waren, zu einer stärkeren Belastung mit Verbandskosten verbunden sein könnte, ist nunmehr gegenstandslos. Die Verbandsorganisationen haben vielmehr durch entsprechende Einschränkungen dafür zu sorgen, daß eine stärkere Belastung als sie vorher vorhanden war, nicht eintritt. Organisatorisch wichtig ist noch die Bestimmung, daß die Verbände des Handels, die unter die Gruppe A fallen, durch Anordnung des Reichsbauernführers in den Reichsnährstand eingegliedert oder auch aufgelöst werden können. Hier wird also gegebenenfalls in Einzelfällen eine Neuordnung der Verbandsverhältnisse Platz greifen. Im übrigen bestimmt die Verordnung folgendes: Landhandel und Be= und Verarbeitung landwirtschaftlicher Erzeugnisse im Sinne des§4 Nr. 4 der Ersten Verordnung über den vorläufigen Aufbau des Reichsnährstandes vom 8. Dezember 1933 liegt bei folgenden Betrieben vor: 1. Wirtschaft mit Ackerbauerzeugnissen. a) Handel und landwirtschaftlichen Erzeugnissen und landwirtschaftlichen Bedarfsstoffen, wie Düngemittel, Bindegarn u. dgl., Getreidehandel, Hülsenfruchthandel, Futtermittelhandel, Rauhfutter= und Fouragehandel Mehl und Mühlenfabrikaten. b) Mehlmühlen, Schälmühlen, Grießmühlen, Schrotmühlen, Futtermittelhersteller, Bäckereien, Brotfabriken, Kaffee=Ersatzwarenherstellung. 2. Viehwirtschaft. a) Gewerbliche Schweinemerbliche mästereien, gewerbliche Abmelkwirtschaften, Lohnbrütereien, Schlachtviehhandel, Kleinviehhandel, Nutzviehhandel, Zuchtviehhandel, Eierhandel, Einkauf von deutschen Rohhäuten und Fällen beim Erzeuger, Ankauf von deutscher Wolle beim Erzeuger, Fleichgroßhandel, Fleischwarenhandel usw. b) Fleischwarenindustrie(Fleischkonservenfabriken, Wurstfabriken), Großschlächtereien, Schlächtereien. 3. Brauwirtschaft. a) Hopfenhandel, Hefehandel. b) Brauereien, Malzfabriken, Hefefabriken. 4. Zuckerwirtschaft. a) Zuckerhandel, Süßwarenhandel. b) Zuckerfabriken(Rohzuckerfabriken, Zuckerraffinerien), Schokoladenfabriken, Zuckerwarenfabriken, Keksfabriken, Kunsthonigfabriken, Konditoreien. 5. Stärke= und Branntweinwirtschaft. a) Spirituosenhandel, Maisstärkehandel, Reisstärkehandel, Kartoffelflockenhandel, Kartoffelstärkehandel. b) Kartoffelbrennereien, Kornbrennereien, Obstbrennereien, Spirituosenfabriken, Maisstärkeherstellung, Kartoffelflockenherstellung, Kartoffelstärkeherstellung usw. 6. Fischwirtschaft. a) Fischhandel, Fischwarenhandel, Fischmehlhandel, Hochseefischerei. b) Fischverwertungsfabriken. 7. Fett= und Milchwirtschaft. a) Milchhandel, Molkereien, Käsereien, Butter= und Käsehandel, Milchdauerwarenhandel, Oelhandel, soweit das Erzeugnis dem Fettmonopol unterliegt; Oelfuttermittelhandel, Fett= und Fettwarenhandel, Tranhandel. b) MilchdauerKaseinherstellung, MilchOelfabriken, soweit das rzeugnis dem Fettmonopol unterliegt; Margarinefabriken. Fert= und Fertwarenhandel, Tri warenherstellung einschließlich zuckerfabriken, Oelmühlen und Erzeugnis dem Fettmonopol 8. Lebens= und Genußmittelwirtschaft. a) Obsthandel, Gemüsehandel, Ankauf von deutschem Rohtabak beim Erzeuger, Honiahandel, Weinhandel, Mineralwasserhandel. b) Nährmittelfabriken, Backhilfsmittelfabriken, Teigwarenfabriken, Suppenfabriken, Obstverwertungsindustrie, Gemüseverwertungsindustrie, Schaumweinfabriken, Wermuthersteller, herstellung. Mineralwasser9. Holzwirtschaft. a) Nutz= und Brennholzhandel. b) Säge= und Furnierwerke. 10. Der nicht in vorstehenden Fächern aufgeführte Lebensmittel=Einzelhandel. Als Handel gilt auch die Tätigkeit der in den vorbezeichneten Fächern arbeitenden Vermittler(Kommissionäre, Handelsvertreter, Agenten, Makler). Der Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft kann, wie gemeldet, im Einvernehmen mit dem Reichswirtschaftsminister Aenderungen und Ergänzungen der vorstehenden Liste vornehmen. Kasinos die Goldstücke klimpern ließen. Das Kasino gibt sich auch sonst große Mühe. Es hat das Theater von Monte Carlo veranlaßt, in die Parsifal=Aufführungen (die großen Ereignisse der Riviera=Frühsaison) eine einstündige Pause einzulegen, in der ausschließlich für die Opernbesucher im Kasino das Diner serviert wird. Außerordentliche Konferenz der österreichischen Bischöfe. Das nationalsozialistische Strafrecht. DNB München, 24. Februar. Der Strafrechtsausschuß der Akademie für Deutsches Recht trat in München zu einer zweitägigen Arbeitstagung zusammen, um die wichtigsten Fragen des allgemeinen Teiles des Strafgesetzbuches im nationalsozialistischen Sinne zu behandeln. Der Präsident der Akademie für Deutsches Recht, Reichsjustizkommissar Dr. Frank, betonte in seiner Ansprache u. a., es gehe nicht darum, ein Strafrecht zu schaffen, das den Namen eines bestimmten Trägers habe, sondern darum, daß ein nationalsozialistisches Strafrecht geschaffen werde. Alles, was wir leisten, so fuhr Dr. rank fort, leisten wir für unseren Führer Adolf Hitler in seinem Namen und dafür, daß er und seine Bewegung uns dieses Arbeiten ermöglicht haben. Der Redner erklärte weiter, nationalsozialistisches Strafrecht heiße Strafrecht, wie Adolf Hitleres für seinen Staat brauche. Denn dies sei der einzige Name und die einzige Persönlichkeit, die das Recht habe, in ihrem Namen und auf ihren Namen gestützt diese Arbeit zu machen. Der stellvertretende Vorsitzende des Ausschusses, Justizrat Luetgebrune, versicherte Dr. Frank, daß der Ausschuß diesen Richtlinien treue Gefolgschaft leisten werde. DNB Wien, 23. Februar. Im erzbischöflichen Palais fand am Freitag unter Vorsitz des Kardinal=Erzbischofs Innitzer eine außerordentliche Bischofskonferenz statt, an der sämtliche österreichischen Bischöfe, mit Ausnahme des schwererkrankten Fürstbischofs von Salzburg, Dr. Rieder, teilnahmen. Die Beratungen der Bischöfe sind als streng vertraulich erklärt worden. Im Rundfunk richtete Kardinal Dr. Innitzer am Freitag im Namen des gesamten österreichischen Episkopats eine Mahnung an das katholische Volk Oesterreichs zu Frieden und Versöhnlichkeit. Der Friede könne nur dann dauerhaft sein, wenn er sich auf das innigste mit der Gerechtigkeit verbinde. Das gelte besonders für die Regelung der wirtschaftlichen Verhältnisse. Schweizer Abwehr gegen eine Koppelung mit Oesterreich. Die Schweizerische DNB Genf, 24. Februar. he Depeschenagentur fühlt sich veranlaßt, sich mit einer Wiener Meldung der„United Preß“ auseinanderzusetzen, in der von der Möglichkeit eines Anschlusses Oesterreichs an die Schweiz die Rede war. Der Schweizerischen Depeschenagentur zufolge erklärt man in amtlichen schweizerischen Kreisen, daß eine derartige Kombination von niemand im Ernste erortert werden könnte. Aehnlich, nur noch schärfer, äußert sich die„Neue Züricher Zeitung“. Zwischenfülle in Spanien. DNB Madrid, 24. Februar. 5 In Saragossa und San Sebastian versuchten syndikalistische Gruppen mehrere bewaffnete Ueberfälle auf Lebensmittelgeschäfte und Geldtransporte, die aber sämtlich durch das rechtseitige Eingreifen der Polizei verhindert werden konnten. Dagegen gelang es Syndikalisten in Cadiz, in ein Lokal in dem die Traditionalisten eine politische Versammlung abhielten, Brandflaschen zu werfen, wodurch Feuer in dem Lokal entstand. In Almeria streiken die Studenten und in Ciudad Real die Grubenarbeiter. In Cadiz ereignete sich ein blutiger Zwischenfall auf einem dort vor Anker liegenden Kanonenboot. Ein Matrose schoß im Verlaufe eines Streites seinen Unteroffizier nieder, der schwer verwundet wurde. Dies ist innerhalb kurzer Zeit bereits der dritte Fall von militärischer Zuchtlosiakeit. In Madrid haben die Post= und Telegrafenbeamten dem Verkehrsminister aus Anlaß von Neueinstellungen Schwierigkeiten bereitet. Sie drohen offen mit dem Streik, falls der Minister sich nicht den Forderungen des Postsyndikats füge. Auto führt in marschierende SS=Kolonne. DNB Pirmasens, 23. Februar. In einer Straße im Innern der Stadt fuhr der Architekt Wolf mit seinem Kraftwagen am Donnerstag in eine marschierende SS-Kolonne hinein. Dabei wurde der SS=Truppenführer Schweitzer so schwer verletzt, daß er in der Nacht zum Freitag starb. Die SS=Abteilung marschierte, wie die polizeilichen Feststellungen ergaben, auf der rechten Straßenseite. Der Kraftwagen kam in rascher Fahrt der Abteilung entgegen, steuerte plötzlich scharf nach links uno riß den am linken Flügel der Abteilung marschierenden Truppführer Schweitzer etwa 15 Meter mir, wo er mit einem Schädelbruch und anderen schweren Verletzungen lieben blieb. Die Schuld liegt einwandfrei beim Autofahrer. Bankräuber töten drei Menschen. DNB Paris, 24. Februar. Der Uebel im Kanal. Der englische Kreuzer„Curacao" vor Dover durch Nebel aufgehalten.— Die Teilnehmer an der Brüsseler Trauerfeier ausgebootet. DNB. London, 24. Februar. Der englische Kreuzer„Curacao“, mit dem Admiral Sir Roger Keyes und Feldmarschall Lord Allenby nach ihrer Teilnahme an der Beisetzung König Alberts in Brüssel von Zeebrügge nach Dover zurückkehrten, geriet am Freitag abend in einen schweren Nebel und konnte den Hafeneingang von Dover nicht finaus und warf entfernt Anker. Feldmarschall sowie die ebenfalls mit dem Kreuzer zurückkehrenden Marine= und Fliegerabteilungen, die der Beisetzungsfeier beigewohnt hatten, mußten auf Zubringerbooten an Land gebracht werden und trafen mit sechsstündiger Verspätung in London ein. Ein Zusammenstoß zwischen zwei griechischen Schiffen ereignete sich in der Nacht zum Sonnabend bei dichtem Nebel auf der Themse. Beide Schiffe wurden beschädigt und mußten ihre Fahrt unterbrechen. Grenzkommission von Indionern überfallen. DNB London, 22. Februar. Wie die„Times“ aus Port of Spain(Trinidad) meldet, wurde die Kommission zur Regelung der Grenze zwischen Venezuela und Kolumbien des Nachts von Motilone=Indianern überfallen. Die Wilden, die mit Giftpfeilen schossen, töteten drei Beamte und verwundeten neun Arbeiter. Der kolumbianische Kommissar Don Juan Arbelatz berichtet, daß die Motilones gelobt hätten, sich dem Eindringen der Weißen auf ihr Gebiet bis zum Tode zu widersetzen. In den letzten Jahren hätten sie zahlreiche Angriffe auf Lager von Weißen unternommen, die gekommen waren, um die Bodenschatze des Landes zu untersuchen. Auf freundschaftliche Anerbieten der Weißen wollten sie sich nicht einlassen. Schweres Straßenbahnunglück in Spezia. DNB Mailand, 24. Febr. In Spezia stießen zwei Straßenbahnzüge mit 100 Fahrgästen infolge falscher Weichenstellung zusammen. Die Vorderplattformen der Triebwagen wurden völlig ineinandergeschoben. Fahrer des einen Wagens wurde schwerverletzt; der andere konnte sich durch Abspringen retten. 22 Personen erlitten mehr oder weniger schwere Verletzungen. Gesandter Hermann Rüfenacht f. DNB Berlin, 24. Febr. Dr. jur. Hermann Rüfenacht, der von 1922 bis 1932 schweizerischen Gesandter beim Deutschen Reich war, ist in Bern im Alter von 67 Jahren gestorben. Der Verstorbene war mehrere Jahre Vertreter der Schweiz auf den internaridnalen Arbeitskonferenzen und beim Verwaltungsrat des internationalen Arbeitsamtes. A 2. Sch Schu halt eine Baust. Abaue Siehen 1000 6 Jah leihun hingen von de so bet Zuschü 3. 34. Am Freitag avend versuchten zwei Eingeborene in Sidi=bel=Abbes in eine Bank einzudringen. Als sie dabei von einem Wärter überrascht wurden, gaben sie mehrere Revolverschüsse auf ihn ab und verletzten ihn tödlich Der Direktor der Bank eilte hinzu, wurde aber ebenfalls durch eine Kugel in den Kopf getötet. Den ersten Buchhalter. der die Verbrecher an der Flucht verhindern wollte, ereilte das gleiche Schicksal. Auf der Straße versuchte ein Vorübergehender, der durch die Schüsse aufmerksam geworden war, sich den Mördern entgegenzustellen. Er wurde durch mehrere Schüsse schwer verletzt. Die Täter konnten entkommen. ein Li Abend geschul sind zu Die Y Mittw in der und Zu ammli überha 3u In benen estrige ils die erschie af der Leer Ger W5W. In sammlu Die Stadt haus zu Volkes Wie Nünster nits sei Ostern verlänge bahnbere 3%. Otern) ahrka An Ta auen Deutschtu Milli fswerk die eifrig OA-So nssen he 109 Jahre 13 Hauptschriftleiter und verantwortlich für Politik: Di. Georg Heider Münster I. W.; Stellvertreter des Hauptschilitleiters u. verantwortlich für Münster u. das Münsterland: Fritz Rediger, Münster i. W.; für Westdeutschland: Friedrich Wilh. Schulze; für Feullleton: Peter Schlaun für Handel und Sport: Dr. Anton Henkel, sämtlich in Dortmund, Berliner Redaktion: Dr. Ernst Häfner, Berlin-Lichterfelde. Für den Zeno-Hnzeigenteil: Verlagsleiter Dr. Erich Altmeppen, Münster l. u. Druck: Zeno GmbH., Münster I. W. Durchschnitts-Auflage I. 1934: Zeno-Zeitung insgesamt 44 0senthaltend: Ahlener Volkszeitung. Nachrichtenblatt für die Kreise Beckum und Lüdinghausen, Ahlen: 3358;— Allgemeine Zeltung lar die Kreise Coesfeld und Hhaus(Billerbecker Zeitung, Gesche tung, Vredener Hnzelger, Stadtlohner Volksblatt), Coesteld: 6000j— tang, Vroucher imteiger, Stautionner Volksblatt). Cbeslel:e Borkener Zeitung, Borken: 3253;— Bürgerblatt für den Nlederrnem und Reeser Tageblatt, Emmerich: 2001:— Dülmener Zeitung, hin liches Kreisblatt für den Kreis Coesfold, Dülmen: 1898:— Haiterner Zeltung, Haltern: 1710:— Kreiszeitung für den Kreis Hhaus(dio nauer Volkszeitung, Eper Volksblatt), Ahaus: 3385;— Münsterländische Volkszeitung(Rheiner Volksblatt). Rheine: 4138;— Emsländisen. Tageszeltung(Lingener Tageszeitung, Papenburg- Aschende (eitung), Rheine: 1759;— Neuer Emsbote für Kreis Warendon. Telgte(Warendorter Kreisblatt), Warendorf: 2835:— olatt für den Kreis Stoinfurt.(Ochtruper Anzeiger, Wettrinver teiger, Metelener Zeitung, Neuenkirchener Zeitung), Ochtrup: Volksblatt für Bocholt und den Kreis Borken, Bocholt: 6467:— Vome blatt für Wesel und den Kreis Rees, Bocholt: 1044;— Volkszontars und Nachrichten für Emsdetten, Burgsteinfurt, Nordwalde, Borgort Greven, Emsdetten: 2416;— Volkszeitung für Dorsten und Herrnes keit, Dorsten; 2057.— nach Frel v. landeshe chütter reidiger chwermi vorden se Malterlie Friedrich decte gen t erzähl sche ü eutse Ahrur Arbil g In Gesch mate eaters tiem au Wert alte auen" n oltsbühr deutse Erttagst Laufe nisiusces d eifend uschauer Jeit e Lam . mit G verbejäfte echtiten. okal, lung r in nten ervor im der Zeit cher und von ohen den de der am Koihrer zum die chten cher rte am ppso er uneim N. r. ageank rter verlich. nfalls sten erhin= Auf h die rdern schüsse durch der mit eldtahme Zeereitag nnte finwarf Unker. nfalls iegeratten, erden Lon= griezum Beide Fahrt en. ar. melder lumnern hossen, eten missar gelobt Gebiet Jahren Beißen Aus dem Kreise Aus der Ahaus, den 15. Februar 1934. der Ortsgruppe Ahaus des Reichsluftschutzbundes Am Mittwoch abend fand im Schloßhotel Weber der Schulungsabend statt, auf dem vom Ortsgruppenleiter Schulz das Thema„Schutzraum und Aufenthaltsraum der Bevölkerung während eines Luftangriffes“ in klaren Ausführungen behandelt wurde. Redner ermahnte, die Beschaffung der Baustoffe schon rechtzeitig zu besorgen, der kluge Mann Aue vor; Mittel zur Herrichtung von Schutzräumen Siehen zur Verfügung und zwar werden einmal Reichszuschüsse in Höhe von 50 Prozent der Gesamtkosten bis zu 00 RM. gewährt und weiter noch gibt das Reich für Jahre 4 Prozent Zinsen zur Möglichkeit einer Beleihung. Es ist schon wiederholt durch die Presse hierauf hingewiesen worden, man ist aber anscheinend in Ahaus von der Wichtigkeit dieser Arbeiten noch nicht überzeugt, so betonte der Redner besonders; die Gelegenheit, diese Zuschüsse in Anspruch zu nehmen, besteht nur bis zum 31. 3 34. Für Neubauten werden natürlich keine Zuschüsse gewährt. Weiter teilte der Ortsgruppenleiter mit, daß ein Lehrtrupp aufgestellt sei, der allwöchentlich einen Abend in der Aula der Rektoratschule besonders geschult werde, auch sonstige Mitglieder und Interessenten sind zum Besuche dieser Lehrabende herzlich willkommen. Die Monatsversammlungen finden in Zukunft am 2. Nittwoch im Monat aber nicht mehr im Schloßhotel, sonn der Aula der Rektoratschule statt. Zum Schlusse wies der Ortsgruppenleiter noch auf den Bezug der Zeitschrift„Die Sirene“ hin, in der laujende Schulungsvorträge erscheinen und zur Belehrung und Aufklärung beitragen. Zu bemerken sei noch, daß der Besuch zu den Versammlungen sowie das Interesse am zivilen Luftschutz überhaupt in Ahaus noch sehr zu wünschen übrig läßt. Aneralscher n der Der er an= onen RüGenim war natiot des Helder vortlich r Westhlauß tmund; ür den er L. M. 054 Kreise ing tur er Zei006;— errhein Amtterner (Grodische dische idorler endorl TageAn727: Volkseltung phorst, rrllchZur bevorstehenden Beisetzung des verstorbenen Landrats i. R. Frhr. von Schorlemer=Alst. In unserem redaktionellen Nachrufe für den verstorbenen Landrat i. R. Frhr. von Schorlemer=Alst in der gestrigen Nr. d. Ztg. ist insofern ein Irrtum enthalten, s die Familiengruft, in der die sterbliche Hülle des eschiedenen Edelmannes beigesetzt wird, sich nicht uf dem Gute Alst, sondern auf dem Friedhofe in Leer bei Burgsteinfurt befindet. Lehrerschaft und Winterhilfswerk. Gemäß Vereinbarung der Reichsführung des Winterhilfswerkes mit dem NS.=Lehrerbund stellt auch die Lehmeschaft ihre gesamte Organisation in den Dienst des W5W. In der Zeit vom 25. 2. bis 3. 3. 34 ist eine Hausmmlung vorgesehen. Die Lehrpersonen werden in diesen Tagen in der Stadt Ahaus mit einer Sammelliste des WHW. von haus zu Haus gehen und Geldspenden in Empfang nehmen. Ahauser helft alle mit, das WHW. des deutschen Voltes zum guten Ende zu bringen!“ Auch zu Östern Festtagsrückfahrkarten. Wie uns die Pressestelle der Reichsbahndirektion Nünster mitteilt, wird die Deutsche Reichsbahn, wie benits seit zwei Jahren zu den großen Festen, auch zu dtern wieder Festtagsrückfahrkarten mit berlängerter Geltungsdauer für den gesamten Reichsuhnbereich angeben. Die Fahrpreisermäßigung beträgt %. Die Karten gelten vom 28. März(Mittwoch vor Dern) 0 Uhr bis 4. April(Mittwoch nach Östern) 24 — insgesamt 8 Tage. Auch die Arbeiterrückfahrkarten können während dieser Zeit wieder an In Tagen zur Hin= und Rückfahrt benutzt werden. Gutes Ergebnis der VDA.=Sammlung. Der letzte Freitag stand bekanntlich im Zeichen des nauen Wimpels, des Opfertages des Vereins für das Leutschtum im Auslande(VDA.), des Treuhändlers für Millionen Auslandsdeutsche, im Dienste des Winterusswerkes. Auch die heimische Bevölkerung hatte für de eifrigen jugendlichen Sammler und somit für die A=Sammlung eine offene Hand, wie aus den Ergebuen hervorgeht. Es wurden gesammelt in Ahaus NM. 109,66. das Spiel von den zehn Jungfrauen Die Erfurter St. Peters=Chronik berichtet, daß im uhre 1322, am Vorabend von Misericordias(2. Sonnuuch Ostern) in Eisenach am Fuße der Wartburg das hel von den zehn Jungfrauen“ vor dem thüringischen desherrn aufgeführt worden sei. Das Spiel habe so gutternd gewirkt, daß der Landgraf Friedrich der sediger, vom Eindruck zermalmt, beim Anhören von dermut erfaßt und bald darauf vom Schlage gerührt den set.— Jahrhunderte war dieses bedeutende mitmnerliche Schauspiel verloren, bis der Ratsmann sert. Stephan es 1847 in Mühlhausen i. Thüringen seate und in mittelhochdeutscher Sprache mit Anden thüringischer Mundart veröffentlichte. Der Märetzahler Ludwig Bechstein hat es 1855 ins Neuhochce übertragen mit dem Bemerken:„Man kann nicht den ob unsere Zeit nicht noch einmal darauf verfällt, Leutsches Mysterium nach mittelalterlicher Weise zur ihrung zu bringen, und dann hätte man mindestens Mrbild“. Monu an fa D tan .Wenn auch seine Zeit den alten Stücken Interesse entgegenbrachte, so weiß doch das heubeschlecht das alte Volksgut gebührend zu würdigen. terteraatiische, sittenverderbende Geist des modernen ets stieß immer mehr ab. Man suchte wieder nach us dem tiefgläubigen deutschen Gemüt geschaffea Wie das„Jedermann=Spiel“, so kam auch thüringische Schauspiel von den„Zehn Jungder zu Ehren. Von Gümbel=Seiling für die e bearbeiter, fand es seinen Weg zurück auf ische Bühne. Unter der bewährten Leitung der esstunstlerin Hanna Huth aus Düsseldorf soll es ue kommenden Woche auch im hiesigen St. duceseun gespielt werden. Der tiefe Gehalt des dichterische Schönheit, der edle Ton und der eerAusdruck verfehlen ihre Wirkung auf den de Zait:„Wirket, so lange es Tag ist, es kommt dar da niemand mehr wirken kann“, und„Haltet mit ton ereit, damit wenn der Bräutigam kommt, Ansen sedm eingehen könnt zur Hochzeit." Mit diesen en Gedanken paßt das Stück zum Geist der FastenStodt Ahaus A Die Versammlung des 3. Ordens für Ahaus und Umgegend findet statt am Sonntag, den 25. Februar, nachmittags 4 Uhr im Canisiusstift zu Ahaus. Alle Mitglieder sind freundl, eingeladen, auch Nichtmitglieder willkommen. Aus der Stadt Gronau Winkerhilfe Gronau gibl Gutscheine aus Durch die nationalsozialistische Volkswohlfahrt (Winterhilfswerk) werden jetzt wiederum als Sonderaktion für die bedürftigsten Volksgenossen in unserer Stadt Gutscheine ausgegeben. Die Gutscheine lauten über Beträge von 2 und 5 RM.; sie stellen für Gronau einen Wert von 2700,— RM. dar. Die Gutscheine können nur beim Einkauf von Kleidungsstücken und Schuhwerk in Zahlung gegeben werden. Vom örtlichen Eierhandel. In der Donnerstag stattgefundenen Versammlung der Ortsbauernschaft Gronau, über die wir bereits gestern eingehend berichteten, erstattete vor Beginn Geschäftsführer ort er einen Bericht über die kürzlich in Ahaus erfolgte Gründung eine Eierverwertungsgenossenschaft für den Kreis Ahaus. Dabei legte der Berichterstatter die besonderen, sich für die Stadt Gronau ergebenden Verhältnisse dar. Für Gronau geschieht der Verkauf von Eiern demnächst nur durch die Eierverwertungsgenossenschaft. Es kommt aller Wahrscheinlichkeit nach ein Sammler und ein Verteiler in Frage. Die Bauern und Landwirte dürfen in Zukunft keine Eier mehr an die Geschäfte abgeben. Es kommen nur noch standardisierte Eier in den Handel. Bemerkenswert ist die Tatsache, daß sie nicht mehr nach der Stückzahl, sondern nach dem Gewicht bezahlt werden, um reelle Preise zu erhalten. Dem Vorstand in der Eierverwertungsgenossenschaft des Kreises Ahaus steht voran Bauer Winkelhaus=Elsing, Wüllen, dem Aufsichtsrat der Kreisbauernführer Wolfering, Vreden. Von hiesigen Bauern gehören dem Vorstande als Mitglied an Bauer Bügener=Alfert, Eve, und dem Aufsichtsrat Gerhard Rensing von hier. Der Geschäftsführer für den Kreis Ahaus wird demnächst noch ernannt werden. Die Eierverwertungsgenossenschaft hat den Zweck, Markeneier auf den Markt zu bringen. Eine Ausnahme besagt, daß nur noch an die Bäckereien und Krankenhäuser Eier geliefert werden können.— Weiterhin befaßte man sich mit dem Eierschmuggel. Kein Verbot der Dynamobeleuchtung für Fahrräder. Verschiedene Polizeiverwaltungen haben in letzter Zeit elektrische Fahrradlampen, die den Strom nur von einer Dynamomaschine erhalten, als unvorschriftsmäßig beanstandet, weil sie nur während der Fahrt leuchteten. Der Reichsverkehrsminister hat sich in einem Erlaß vom 10. Februar 1934 an die Länderregierungen gegen solche Maßnahmen gewandt und dabei u. a. ausgeführt, es sei auch bei der gegenwärtigen Umgestaltung des Straßenverkehrsrechts nicht damit zu rechnen, daß in Zukunft Fahrtadscheinwerfer mit Dynamobeleuchtung schlechthin unzulässig sein werden. Eine solche Maßnahme würde sich im Hinblick auf ihre wirtschaftliche Auswirkung nicht empfehlen, die gerade die weniger bemittelten Schichten treffen würde. Beihilfen für bedürftige Erskkommunikanken Die Reichsführung des Winterhilfswerks hat nach einer Mitteilung des Deutschen Karitasverband unter dem 7. Februar ein Rundschreiben herausgegeben, dem man u. a. folgendes entnimmt: „Für solche Erstkommunikanten und Konfirmanden, deren Angehörige nicht in der Lage sind, die übliche Ausstattung zu beschaffen, die also als hilfsbedürftig anzusprechen sind, können grundsätzlich Mittel des Winterhilfswerks nicht in Anspruch genommen bezw. zur Verfügung gestellt werden. Es liegt hier vielmehr eine besondere Aufgabe der katholischen und evangelischen Kirche bezw. der kommunalen Fürsorge vor, die auch in den vergangenen Jahren die Kleiderbeschaffung für Konfirmation bezw. Kommunion selbst durchgeführt habe. In Anbetracht dessen werden seitens der Reichsführung des Winterhilfswerks keine Bedenken erhoben, wenn den Kirchen die Möglichkeit gegeben wird, wie allfährlich, jedoch nicht in Form von öffentlichen Sammlungen, die notwendigen Mittel zur Anschaffung von Bekleidungsstücken zu beschaffen.“ Die freundlichen Holländer. Der Landwirt Heinrich Fra. hat in der Nähe von Gronau auf deutscher Seite ein kleines Anwesen, dessen Wohnhaus nur 30 m von der Grenze entfernt liegt und mit einem Gartenstück direkt bis zur Grenze vorstößt. Als eines Tages Zollbeamte beobachteten, wie zwei Personen eine schwere Kiste durch den Garten in das Haus schaffen wollten und nachher genauer zusahen, stellten sie eine frisch gefüllte Kiste mit Hühnereiern und etliche Behältnisse fest, in denen unzweifelhaft holländisches Mehl aufbewahrt worden war. Der Sohn des Hausherrn, Hermann Fra., erklärte sich bereit, für die Kiste mit Eiern einzustehen, während der Vater für die Mehlschiebung verantwortlich gemacht wurde. Vater und Sohn erhielten wegen Zoll= und Steuerhehlerei jeder eine Geldstrafe von 100 Mark(ersatzweise 10 Tage Gefängnis). Vreden Der Eiersammler aus Buer. Der arbeitslose Josef Pin. aus Buer hatte sich aufgemacht, um ausgerechnet an der holländischen Grenze, die er überhaupt nicht kannte,(?) billige Eier für seine schwerkranke Mutter aufzukaufen. Auf einer dreitägigen Wanderschaft hatte der Angeklagte in der Umgegend und Nachbarschaft(?) von Oeding billige Eier aufgekauft, insgesamt schon 10 kg. An Zoll und Steuern waren 28 A fällig geworden. Da sich der verdächtige Eiersammler nicht dem Strafbescheid von 28 A unterwerfen wollte, setzte das Schöffengericht die Strafe auf 30 A fest und gab noch 14 Tage Gefängnis dazu. Billige Fahrt nach Münster. Am heutigen Sonntag kann man eine billige Fahrt machen. Mit dem Zuge 5.08 Uhr kann man für 1.70 A die Hin= und Rückfahrt Vreden—Münster fahren. Der Zug wird abends um 21,05 Uhr wieder in Vreden sein. Vereinsanzeiger (Nur für Mitteilungen an die Mitglieder Preis pro Millimeter Höhe 5 Pfennig.) Arbeitsgemeinschaft kath. Vereine, Gronau. Am heutigen Sonntag nachmittag 5,30 Uhr findet die Abschiedsfeier für unsern hochw. Herrn Präses, Kaplan Denkhoff, statt. Alle Mitglieder werden erscheinen. Wüllen Die VDA.=Sammlung am letzten Freitag für das Winterhilfswerk hatte als Ergebnis die Summe von 20,10 RM. Wessum Heek Gründung der NS.=Frauenschaft und des B. d. M. Nach langen Bemühungen gelang auch hier endlich die Gründung obengenannter Organisationen. Am Dienstag abend fand im Jugendheim eine Versammlung der Frauen statt. Lehrerin Humberg begrüßte die Erschienenen und gab den Zweck der heutigen Zusammenkunft bekannt. Dann hielt Frl. Wiese=Ahaus einen sehr lehrreichen Vortrag über die großen Aufgaben der Frau im Dritten Reich. Es erfolgte dann die Gründung der NS.=Frauenschaft, Ortsgruppe Heek. Zur Führerin wurde Frl. Humberg bestimmt. Sie beauftragte Frl. Haring mit der Kassenführung. Die Besetzung der übrigen Posten soll bald erfolgen. Die Anwesenden wurden ermahnt, auch die noch fernstehenden Frauen zum Beitritt zu bewegen.(Anmeldungen können bei Frl. Humberg erfolgen.) Alsdann findet am 20. März eine Pflichtversammlung statt, die sich vorwiegend mit der Tätigkeit der Ortsgruppe befassen wird. Auch unsere Mädel gingen endlich daran, sich zu dem B. d. M. zusammenzuschließen. Im Jugendheim hatten sie sich zahlreich eingefunden, um sich von der Ringführerin Frl. ten Venne=Gronau über Zweck und Ziele der Organisation unterrichten zu lassen. Die Ausführungen der Rednerin fanden den Beifall der Versammelten, die dann auch geschlossen der Ortsgruppe Heek des B. d. M. beitraten. Zur Mädelgruppenführerin wurde Frl. Liesbeth Tenbrock bestimmt, die alsbald ihre Mitarbeiterinnen bestimmt. Auch nach der Versammlung erfolgten noch einige Anmeldungen, sodaß an die 20 Mädel eine gute Stammgruppe bildeten, die sich hoffentlich recht bald zu einer großen Ortsgruppe entwickelt. Weitere Anmeldungen zum B. d. M. nimmt Frl. Tenbrock entgegen. Ottenstein Missionssonntag. Der letzte Sonntag trug für die Ottensteiner Gemeinde das Gepräge eines Missionssonntags. Zwei Brasilien=Missionare aus dem Franziskanerkloster in Bardel haben es meisterhaft verstanden, Missionsgeist und Missionseifer unter dem Volke zu wecken. Außerordentlich anregend war der Lichtbildervortrag am Abend über das Thema:„Die deutschen Franziskaner in Nordbrasilien“. Da wurde in hübsch kolorierten Bildern das tropische Brasilien gezeigt, seine Volkstypen, seine Flora und Fauna, seine Urwälder, und dann das segensreiche Wirken der Franziskaner=Missionare, sowohl unter den christlichen Bewohnern, wie auch unter den heidnischen Indianern. Daß die Franziskaner in Nordbrasilien als Vorkämpfer des Deutschtums dem Heimatlande unschätzbare Dienste verliehen und als Vermittler von Sitte und Ordnung dem deutschen Namen einen so guten Klang in Brasilien gegeben haben, dürfte noch nicht allen bekannt gewesen sein. Der Vortrag war außerordentlich gut besucht, und den Teilpehmern werden die lehrreichen Ausführungen des Redners noch lange in Erinnerung bleiben. A Mitgliederversammlung des Sportvereins Union 20. Nach längerer Pause hielt der Sportverein vorgestern eine außerordentliche Mitgliederversammlung ab, zu der die Mitglieder fast vollzählig erschienen waren. Der Vereinsführer Scheffner eröffnete die Versammlung und gab zunächst einen kurzen Ueberblick über die abgeschlossene erste Fußball=Meisterschaftsserie. Danach steht Union an 4. Stelle der Tabelle und hat sich somit gut behauptet. Er gab der Hoffnung Ausdruck, daß die Spieler auch während der jetzt beginnenden zweiten Serie mit dem alten Kampfgeist die Farben des Vereins vertreten werden und noch einen besseren Tabellenstand erzielen werden. Als 2. Punkt der Tagesordnung wurde vom Kassenwart der Kassenbericht erstattet. Nachdem von den von dem Vereinsführer ernannten Kassenprüfern die Ordnungsmäßigkeit und Richtigkeit der Rechnung festgestellt war, dankte der Vereinsführer dem Kassenwart Waldmann für die vorzüglich geführten Kassenarbeiten. Die Versammlung erteilte darauf hin dem Kassenwart Entlastung. Im Anschluß hieran ersuchte der Vereinsführer die Versammelten, die Beiträge pünktlicher zu zahlen, da sonst der Verein nicht in der Lage sei, seinen Zahlungsverpflichtungen nachzukommen. Nach Vornahme der Mannschaftsaufstellungen für die jetzt beginnende Meisterschaftsserie nahm die Versammlung ihr Ende. A Die VDA.=Sammlung für das Winterhilfswerk am letzten Freitag hatte als Ergebnis den Betrag von RM. 16,29. Gottesdienst=Ordnungen. Sonntag, den 25. Februar 1934. Evangel. Kirche in Gronau: 8,30 Uhr Gottesdienst, Pastor Petry; 10 Uhr Gottesdienst, Pastor Thiemann; 11,30 Uhr Kindergottesdienst. Evangel. Kirche zu Epe: 8,30 Uhr Gottesdienst, Pastor Hoffmann. Spiel und Sport F. C. Vorwärts 23 Epe. Die 1. Mannschaft von Vorwärts Epe tritt heute einen schweren Gang zum V. f. L. Ahaus an, und dürfte dort auf einen Gegner treffen, der nicht geneigt ist, sich die Punkte aus dem Hause holen zu lassen. Ahaus hat eine achtunggebietende Tabellenposition inne. Vorwärts stellt eine junge flinke Mannschaft ins Feld, die wohl einen riesigen Eifer(der Tagesform entsprechend) besitzt, ob sie aber gegen die Routine des Platzherren erfolgreich wird bestehen können, möchten wir bezweifeln. Für Vorwärts wäre eine Erringung eines Punktes schon eine Großleistung, mußten sie doch im ersten Spiele auf eigenem Platze Ahaus beide Punkte, wenn auch nur knapp. mitgeben. Wir erwarten ein offenes Spiel und wünschen dem besseren den Sieg. Handball: B. V. Rheine 1.— Spogg. Concordia Gronau. Zum fälligen Meisterschaftsspiel fahren die Schwarz Grünen heute nach Rheine. Leider muß die 1. Mannschaft mit Ersatz antreten. Im 1. Spiel siegten die Vereinigten mit 10:4; ob es diesmal wieder so wird, ist eine Frage, die erst gelöst werden muß. Eine Niederlage könnte den Gronauern evtl. die Meisterschaft kosten. Darum heißt es am heutigen Sonntag für alle Spieler, ganz aus sich herauszugehen, und trotz geschwächter Mannschaft die Punkte mit nach Gronau zu bringen. Westfalia Rheine 1.— Spogg. Concordia 2. Die Aussichten der 2. Elf stehen sehr schlecht. Sie müssen mit 4 Ersatzleuten antreten; ob da wohl ein Sieg herausspringen wird, ist mehr als fraglich. Verantwortliche Schriftleitung für den lokalen Teil: Fritz Schlotjunker, Ahaus; für den lokalen Anzeigenteil: B. Schütte, Ahaus. KAMERADENGRAB AUF DER DEUTSCHEN KRIEGSGRÄBERSTÄTTE MONTDIDIER/ FRANKREICH AUSGESTALTET VOM VOLKSBUND DEUTSCHE KRIEGSGRÄBERFURSORGE EV Statt besonderer Anzeige. Es hat Gott dem Allmächtigen in seinem unerforschlichen Ratschluß gefallen, heute mittag meinen innigstgeliebten Mann, unsern guten Schwager, Onkel, Großonkel und Urgroßonkel, den Hochwohlgborenen Friedrich Freiherrn von Schorlemer-Alst Geheimkämmerer seiner Heiligkeit des Papstes, Ehrenbailli des souv. Maltheser-Ordens, Geh. Regierungsrat, Kgl. Kammerherr und Landrat a. D., Ritter hoher Orden, zu sich in die Ewigkeit zu nehmen. Er starb kurz vor Vollendung seines 80. Lebensjahres nach kurzer Krankheit, auf eigenen Wunsch frühzeitig versehen mit den hl. Sterbesakramenten der hl. römisch-katholischen Kirche, deren treuer, gehorsamer Sohn er immer war. Die Seele des lieben Verstorbenen wird dem Opfer der Priester und dem Gebete der Gläubigen empfohlen. In tiefer Trauer: Freitrau von Schorlemer-Alst geb. von Hartmann Sonderhaus b.Ahaus. den 23. Februar 1934. Das feierliche Seelenamt findet statt am Mittwoch, den 28. Februar vormittags 9 Uhr in der Pfarrkirche zu Ahaus. Anschließend die Ueberführung. Die Beerdigung findet statt in der Familiengruft in Leer am Donnerstag, den 1. März vorm. 8.30 Uhr im engsten Familienkreise, anschließend feierliches Seelenamt in der Pfarrkirche zu Leer. Am 23. Febr. verschied Herr Friedrich Freiherr v. Schorlemer-Alst Geh. Reg.-Rat u. Landrat i. R. In tiefer Trauer stehen wir an der Bahre dieses allzeit aufrechten Edelmannes, der allen, die ihn um Rat angingen, treu zur Seite stand, dessen Herz so hoch für die Natur, und darum auch in warmer Liebe für Wild, Wald und das gesamte Weidwerk geschlagen hat. Der Jagdschutzverein des Kreises Ahaus verliert seinen Gründer und langjährigen Vorsitzenden, der Bezirksverein des Allgemeinen Deutschen Jagdschutzvereins seinen ersten Vorsitzenden. Der Club Langhaar erleidet den größten und schwersten Verlust seit seiner Gründung. War es doch der Verstorbene, der 1893 den Club gründete und der seit dieser Zeit das Amt des Vorsitzenden und Führers bekleidete. Stets war Freiherr v. Schorlemer auf dem Posten, wenn es galt, die Belange der Kynologie im allgemeinen und des DeutschLanghaarhundes im besonderen zu vertreten. Uns allen aber war er ein treuer Freund und Kamerad; wir geloben sein Andenken stets in Ehren zu halten. Jagdschutzverein des Allgemeiner Deutscher JagdschutzKreises Ahaus verein, Bezirksverein Ahaus Vienenkötter, Vorsitzender Vienenkötter, stellv. Vorsitzender Club Langhaar Westfalen Freiherr v. Beverförde-Werries, stellv. Vorsitzender Nachruf. Nachrul. Am 23. Februar 1934 verstarb zu Ahaus, wenige Tage vor Vollendung seines 80. Lebensjahres Herr Landrat i. R., Geheimer Regierungsrat Gestern verschied nach kurzer Krankheit der Ehrenbürger der Stadt Gronau i. W. Herr Landrat i.R., Geh. Reg.-Rat Friedrich Frhr. von Schorlemer-Alst Ritter hoher Orden Ehrenbürger der Stadt Gronau zu Sonderhaus bei Ahaus. Der Verstorbene führte 25 Jahre hindurch, vom 25. Juli 1895 bis zur Erreichung der Altersgrenze am 25. Juli 1920, die Verwaltung des Kreises Ahaus. Dank einer glücklichen Mischung bester preußischer Beamtentradition und niederdeutschen Wesens in Lebensauffassung und Charakter wurde der Verstorbene der hohen Aufgabe seines Amtes, den Staat in seinem Verwaltungsbezirk und an der Landesgrenze an erster Stelle zu vertreten, vorbildlich gerecht. Die Nordbahnstrecke Burgsteinfurt-Ahaus-Borken der Westf. Landeseisenbahn, mehr als 180 km Kreis- und Gemeindestraßen sowie zahlreiche Landesverbesserungen entstanden auf Anregung und unter zielbewußter Förderung des Verstorbenen; der Kreis verdankt ihm damit unentbehrliche Grundlagen für sein wirtschaftliches Leben. Durch Abstammung und Besitz mit dem Kreise und seiner Bevölkerung eng verwachsen, wird der Verstorbene als Bild eines ritterlichen, kernigen und humorvollen Westfalen noch lange im Gedächtnis des Volkes leben. In Dankbarkeit und Trauer Ahaus, den 23. Februar 1934. Der Kreisausschuß des Landkreises Ahaus Sümmermann, Landrat, Vorsitzender Bauplatz von etwa 6—700 gm Größe in Gronau gesucht. Angeb. unter No. N. N. 315 an die Gronauer Nachrichten, Gronau i.W. Das miktelalterliche Mysterienspiel von den Tonhalle Gronau Heute Sonntag, den 25. Febr. abends 8 Uhr: Gastspiel der westd. Operettenbühne, Die große Welt=Schlager=Operette Lehn Jungfrauen Die Zirkusprinzessin in 3 Akten von Emanuel Kalmair Hauptschlager: Zwei Märchenaugen wie die Sterne so schön. Im 1. Akt„Hohe Schule" ausgeführt von 4 Damen. Hauptdarsteller: Mia Jansen, Elli v. Gahlen, Franz Esser, Fred Düster, Karl Wrotel, Kurt v. d. Gothen. Eintritt: 0.90 1.20 1.50 wird im St. Canisius=Lyzeum in Ahaus aufgeführt am Mittwoch, den 28. Februar 20 Uhr am Freitag, den 2. März 20 Uhr am Sonntag, den 4. März 16 Uhr Eintritt 50 Pfg. Reinertrag für die Winterhilfe. Kalkdüngung! Freiherr von Schorlemer-Alst im Alter von fast 80 Jahren. Dem Verstorbenen wurde am 5.April 1930 in Anerkennung seiner Verdienste um die Stadt. sowie um die im Jahre 1897 durchgeführte Stadterweiterung das Ehrenbürgerrecht verliehen. Auch noch im Ruhestand hat Freiherr von Schorlemer sein besonderes Interesse an der Fortentwicklung unserer Stadt bei vielen Gelegenheiten gezeigt. Er war ein eifriger Kommunalpolitiker und volksverbunden echt deutscher Mann und stand allgemein im großen Ansehen. Die Stadt Gronau wird das Andenken ihres Ehrenbürgers, dem sie so vieles verdankt, stets in hohen Ehren halten. Gronau. den 24.-Februar 1934. Der 1. Bürgermeister: Dr. Jansen Nachdem der Fluchtlinienplan der Gildehauser Straße von der Bentheimer Straße bis zur Vereinsstraße auf Grund des§ 7 des Fluchtliniengesetzes vom 2. Juli 1875 in der Fassung und Ergänzung des Wohnungsgesetzes vom 28. März 1918 vom 23. November 1933 4 Wochen zu jedermanns Einsicht offen gelegen hat und Widersprüche nicht erhoben worden sind, wird dieser Plan auf Grund des§ 8 des vorbezeichneten Gesetzes endgültig förmlich festgesetzt. Der Fluchtlinienplan liegt vom Montag, den 26. ds. Mts.1 Woche auf dem Rathause, Zimmer 13, zu jedermanns Einsicht offen, Gronau i. W., den 23. Februar 1934. Der Bürgermeister. Hier Nann oe! auc für die 30 M der Worten Pistole fallene, grif, u verle konnte Bücher für die Jugend — zu Geburts- und Namenstagen Bilderbücher, Malbüdier, Märchenbücher, Jugendschriften für Mädchen und Knaben. Am Köln ein Br. Die Bi iberlieg feuerw große 8 Die mnlaßt lel„ein der Hut Gebr. Lensing-Gronau nachm. 4.30 Uhr Die Reise ins Schlaraffenland Zur Winterdüngung empfehlen wir unseren te de en zu saffee rahmen in 5 Aufzügen Eintritt: 15 u. 25 Pfg. 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Den Geist der Hitlerjugend dürfen nicht konfessionelle Konflikte zersetzen.“ Willem Kes F. DNB München, 23. Februar. In der Nacht zum Donnerstag verstarb in der Universitätsklinik zu München Generalmusikdirektor Willem Kes im 79. Lebensjahre. Kes war der Gründer des Konzertgebouw=Orchesters in Amsterdam, der ersten Stätte klassischer, insbesondere deutscher Musik in Holland, an der später Mengelberg gewirkt hat. Im Jahre 1894 erhielt Kes auf Veranlassung von Paderewski einen Ruf an das Scottish Orchestra in Glasgow und einige Jahre später an das Kaiserliche Konservatorium in Moskau. 1905 kam Kes nach Koblenz, wo er 20 Jahre als Leiter des Musikinstituts tätig war. Kes war ein Schüler Joachims und ist auch als Komponist hervorgetreten, insbesondere mit der Chorbalade„Der Taucher“. Schlesien ehrt Hermann Stehr. DNB Breslau, 22. Februar. Die schlesische Hauptstadt im Verein mit dem Kampfbund für deutsche Kultur und der Provinzialverwaltung der Provinz Niederschlesien beging am Mittwoch abend im großen überfüllten Saal des Breslauer Konzerthauses in Anwesenheit des Dichters Hermann Stehr mit einer schlichten Feier den 70. Geburtstag des schlesischen Landsmannes, dem an diesem Tage auch die Ehrenurkunde der Breslauer Universität über die Verleihung der Würde eines Doktors der philosophischen Fakultät ehrenhalber übergeben wurde. Hermann Stehr dankte für mit einem dreifachen Siegheil alle Ehrungen und auf unseren Führer. Drei Schutzbündler zum Tode verurteilt. feindliche Kundgebungen statt. Zahlreiche Fensterscheiben polnischer Geschäfte und Privatwohnungen wurden zertrümmert. Die Redaktion der in Kowno erscheinenden polnischen Zeitung wurde z. T. zerstört. Die polnischen Blätter sind über diese neuerlichen Ausschreitungen außerordentlich empört. die englischen Kolumbusritter und die englischen Faschisten. Im Anschluß an eine von der englischen schließlich der katholischen) Ende voriger Woche veröffenlichte Meldung, daß die englischen Faschisten eine DNB Linz. 22. Februar. Das Linzer Standgericht hat Donnerstag abend drei Schutzbündler, die während des Aufstandes am 12. dieses Monats einen Oberleutnant des Bundesheeres und zwei Alpenjäger ermordeten, zum Tode durch den Strang verurteilt. Nach der inzwischen erfolgten Aufhebung des Standgerichtes ist das Urteil auf Grund der Regierungsverordnung erfolgt, nach der Mord, Brandstiftung und offene Gewalttätigkeit mit dem Tode bestraft werden können. Das Urteil ist bereits an einem der Schutzbündler vollzogen worden; die beiden anderen sind zu lebenslänglichem Kerker verurteilt. Neuer russisch-japanischer Zwischenfall Bucharin Chefredakteur der„Jsvesti DNB Reval. 22. Febr. tija", Polenski, ist Zu seinem Nachfolger Ter Chefredakteur der„Iswesti von seinem Posten zurückgetreten. wurde Nikolai Bucharin ernannt. Bucharin war früher Vorsitzender der kommunistischen Internationale und stand in den Jahren 1930/31 an der Spitze einer Oppositionsgruppe. Auf Veranlassung Stalins wurde er seinerzeit von sämtlichen Aemtern entbunden. Bucharin zeigte aber Reue, brach seine Beziehungen zur Opposition und verlangte sogar auf dem letzten Parteitag, daß gegen seine früheren oppositionellen Freunde seitens der Partei mit den schärfsten Mitteln vorgegangen werden müsse. DNB London. 22. Febr. Die Sowjetbehörden in Wladiwostok haben die japanischen Gebote bei den Fischversteigerungen für ungültig erklärt, weil die hinterlegten Gelder den alten Rubelkurs zur Grundlage hatten. Ein Wortführer des japanischen Außenministers erklärte am Mittwoch, dieses Vorgehen sei ein Vertragsbruch. Japan erhebe nicht nur Einspruch, sondern verlange auch Abhilfe. Der Wortführer klagte auch darüber, daß die maßgebenden Stellen in Moskau japanischen Diplomaten gegenüber nicht die genügende Höflichkeit zeigten. Am 18. und 19. Februar hätten der Botschafter Ota und der Botschafter Sako gewünscht, Litwinow und den Leiter der fernöstlichen Abteilung Yusekevitsch zu sprechen. Es sei ihnen aber bedeutet worden, daß die Genannten zu beschäftigt seien, um sie zu empfangen. näherung an den Kardinal=Erzbischof von Toneg die Kolumbusritter zwecks einer gemeinsamen An versucht hätten, erklärt soeben der Generalsekretär hatten. ertiart Kolumbusritter, daß dieser Orden ein unpoliti Verband sei, der sich für die Privatpolitil seiner Mitglieder nicht interessieg ohne Bebegrugen, so heißt es in dieser offiziellen Erklärung,„wollen w weder mit dem englischen Faschistenbund noch mit irg einer anderen politischen Organisation etwas zu haben.“ „Obwohl wir alle praktizierenden Katholiken rücksichtigung ihrer politischen Ueberzeugungen so heißt es in dieser offiziellen Erklärung,„ Die Winterhilfe=Plakette für erfra Riesenfeuer in den Wäldern am Lago Maggiore. DNB Mailand, 23. Febr. Polenfeindliche schreitungen in Kowno. DNB Warschau, 22 Febr aus Kowno gemeldet wird, fanden, wie schon dieser Tage, so auch in der Nacht zum Mittwoch und während des ganzen darauf folgenden Tages erneut polenEin äußerst heftiger Waldbrand wütet seit Donnerstag morgen in den Bergen am mittleren Lago Maggiore nordwestlich von Pallanza. Bei starkem Wind breitet sich das Feuer trotz aller Abwehrmaßnahmen weiter aus. Große Waldgebiete und mehrere Viehhütten sind bereits vernichtet. Der Feuerschein ist von allen Punkten des Lago Maggiore aus zu sehen. Aus der ganzen Umgebung sind zahlreiche Feuerwehren, die durch starke Abteilungen Miliz und Alpini=Soldaten unterstützt werden, zur Hilfeleistung herangezogen worden. r, ges Nur Nachte dirte ot ein nle b 8. 80. opfe Die Leitung des Deutschen Winterhilfsweri gibt für den Monat März eine in Schwarz Weiß=Rot gehaltene Plakette heraus, die einem alten Vorbild einen Ritter Georg zeis der einen Drachen besiegt. tzer. aber nic Sepp End Diese unt tauriae ne. beilage Sonntag, den 25. Februar 1934 Nr. 55 er Aus Westdeutschland. von der § 7 des gänzung ber 1933 ersprüche § 8 des Mts. 1 t offen. c. jen enbüidchen nau lie gr Il. en ler rel I. u Aufgeklärte Güterzugberaubungen. X Essen, 23. Februar. In den Monaten November, Dezember und Januar ,. phtn nlbeamten ist es jetzt gelungen, fünf Einbrecher zu tassen. Die 17 bis 22 Jahre alten Täter waren stets nit einem Fuhrwerk an die Waggons herangefahren, hatten dann die Plomben entfernt und die Waren herauspholt. Durch ihr dreistes Vorgehen erweckten sie den Eindruck, daß sie die Besitzer der im Waggon lagernden Waren seien. Außer den fünf Einbrechern wurden noch neun Hehler festgenommen. Mißlungener Raubübeefall. Mülheim(Ruhr), 23. Februar. Hier wurde ein Arbeiter von einem unbekannten Nann angesprochen und gebeten, mit ihm in eine in der je liegende Wirtschaft zu gehen, wozu sich der Arbeiauch bereit erklärte. Der Arbeiter, der als Kassierer ür die NSBO tätig ist, führte eine Aktentasche mit Mark einkassierten Geldern bei sich. Auf dem Wege der Wirtschaft zog der Unbekannte plötzlich mit den Worten:„Geld heraus oder ich schieße!“ eine Histole und richtete sie gegen den Arbeiter. Der Uebersallene, der nun mit der linken Hand nach der Waffe giff, wurde durch einen Schuß in die linke Hand verletzt. Der Täter ergriff hierauf die Flucht und onnte unerkannt entkommen. Brand im Gebäude der Kölner Bürgergesellschaft. DNB Köln, 24. Februar. Am Sonnabend vormittag entstand im Gebäude der Kölner Bürgergesellschaft am Appellhof=Platz in Brand, der erheblichen Schaden anrichtete. Die Bühne des großen Festsaales und der darberliegende Dachstuhl sind ausgebrannt. Die zeuerwehr mußte z. T. mit Rauchmasken vorgehen. Der noße Festsaal wird vollständig renoviert werden müssen. Kaffeeschmuggel. X Aachen, 23. Februar. Die kommende Kaffeesteuer in Holland vermlaßt die Schmuggler, sich rechtzeitig mit diesem Arti„einzudecken“. Die Zollaufsichtsbehörde ist aber auf r Hut und widmet daher gerade in diesen Tagen den hmugglern größte Aufmerksamkeit. Am Donnerstag Eite der Streifendienst des Zollamts Aachen bei Würlen zwei Schmuggler, die einen Zentner gebrannten saffee mit sich führten. Zollbeamte aus Walserquartier whmen einigen Berufsschmugglern 160 Pfund gebrannin und 26 Pfund rohen Kaffee ab. Die Zollaufsichtsselle Preußenweg stellte zwei Schmuggler, die 68 Pfund kaffee hatten, und die Zollaufsichtsstelle Aachen=Süd behlagnahmte auf der Roermonder Straße 60 Pfund kaffee sowie zwei Fahrräder. Wegen Pressevergehens verurteilt. DNB Saarbrücken, 23. Febr. Der Kranführer Karl Simon, der für die„Arbiterzeitung“ verantwortlich zeichnet, wurde gestern vegen übler Nachrede zu zwei Monaten befängnis verurteilt. In der„Arbeiterzeitung“ var der Landesratsabgeordnete Baltes beschuldigt worden, er sei wegen Unterschlagung von Gesellschaftsgeldern acht Monaten Gefängnis bestraft worden, es sei eine Lerschwörung gegen den Präsidenten der Regierungslomnmission im Gange, in deren Mittelpunkt Baltes stehe w. Alle diese Behauptungen waren völlig aus der Luft gegriffen. Simon behauptete zwar, sein Name sei gegen seinen Willen in das Impressum geummen. Das Gericht kam trotzdem zur Verurteilung, weil Simon bereits mehrfach wegen Pressevergehens vorbestraft ist. Reelle Bezugsquelle: Neue Gänsefedern v. o. Gans gerupft, m. Daunen, dopp. gerein., Pfd. 1.50, allerbeste Qual. 2.50, kleine Federn m. Daunen 3.50, Halbdaun. 5.— u. 5.50, gerein. geriss. Federn m. Daunen 3.25 u. 4.25. hochpr. 5.25 allerf. 6.25, la Volldaunen 7.— staubfr. Ware Garant. Vers. geg. Nachn. ab 5 Pfd. portofr. Pa. Inlette m. Garant. billigst. Nichtgefallendes nehme a. meine Kosten zurück Zür Kanteuffel, Gänsean gog. Saison auch Mastgänse=Versand. Willy mästeret, Neutrebbin 300(Oderbr.) Aeltest. und Bettfedernversandgeschäft des Oderbruchs, gegr. 18. Kultusminister Rust weiht DNB. Hannover, 24. Februar. ntra, des Gaues Südhannover=Btaunschma Fest vor dem Neue leiter=Stellvertreter Schmalz abanstali ngen de. kommenden Tage hinwies. Anusene fanteite den preußischen Kultusminister ets Gauleile. fur Süd=Hannover=Braunschweig ge des erweiterten Heimes der Gauleitung di nunmeyr den Namen Karl=DincklageHau tragt. Minister Rust würdigte in seiner Weihee.. Vortampfe. des Nationalsozialismus in Nieen, Karl Dincklage, als einen Mann, der nichts wollte als ein treuer Soldat sein. in Kassel. DNB. Kassel, 23. Februar. In einem Vorratsgebäude der Segeltuchweberei Baumann und Leder entstand Freitag abend aus bisher unbekannter Ursache Feuer, das infolge der in dem Gebäude lagernden leicht brennbaren Vorräte sich sehr schnell ausbreitete. Trotz aller Anstrengungen der Feuerwehr, den Brand einzudämmen, wurde das Vorratsgebäude vollkommen eingeäschert. Der Betrieb der Firma, die zurzeit stark beschäftigt ist, geht ohne Störung weiter. Sicherheitsverwahrung. Frankfurt, 24. Februar. Unter dem Namen Kolonne Krams wurde vor über zwei Jahren eine der gefährlichsten Einbrecher= und Diebesbanden mitsamt ihren Hehlern und sonstigem Anhang dingfest gemacht; es handelte sich um ein Dutzend Angeklagte, unter denen sich der damals schon schwer bestrafte 32jährige Heinrich Meurer besonders hervortat. Trotzdem konnte ihm in dem damaligen Verfahren nicht viel nachgewiesen werden, so daß er mit 2¾ Jahren Zuchthaus davonkam, die jetzt abgelaufen sind. Das Kleine Schöffengericht ordnete auf Antrag des Staatsanwalts die Sicherungsverwahrung gegen ihn an. Einer der Hauptführer jener berüchtigten Kolonne, der Fuhrmann Rahner und Krams selbst, sind schon vor einiger Zeit nacheinander ausgebrochen; Krams konnte nach turzer Zeit wieder in das Zuchthaus zurückgebracht werden, während Rahner spurlos verschwunden ist. Ein gefährlicher Hauswandkletterer und Gewohnheitsdieb, der 26jährige Anton Mook, dessen zweieinhalbjährige Gefängnisstrafe verbüßt ist, wurde ebenfalls in Sicherungsverwahrung genommen, doch soll statt nach drei Jahren eine Nachprüfung bereits nach einem Jahr erfolgen. Dagegen lehnte die Große Strafkammer den Antrag auf Sicherungsverwahrung gegen einen Arbeiter ab, der sich besonders mit Fahrraddiebstählen beschäftigte. Er hat übrigens noch zwei Jahre Gefängnis zu verbüßen, und das Gericht nahm an, daß diese Zeit vielleicht genügen würde, um ihn zu bessern. Professor Grimm als Verteidiger im Meurer=Prozeß. )(Essen, 23. Februar. Im Prozeß gegen den früheren Essener Beigeordneten Dr. Meurer sprach heute der bekannte Verteidiger Prof. Dr. Grimm. Er führte u. a. aus: Dem Angeklagten müsse objektiv nachgewiesen werden, daß er das Vermögen der Gesellschaften geschädigt hat, subjektiv, daß er vorsätzlich so handeln wollte. Esgelte sich freizumachen von der Auffassung, daß hier ein typischer Korruptionsprozeß verhandelt werde, und daß Dr. Meurer ein korrumpierter Beamter sei, der in seine Taschen gearbeitet habe. Der Staatsanwalt habe mit dem Worte angefangen: Die Kleinen hängt man, die Großen läßt man laufen. Die Verteidiger erwarten vom Gericht als selbstverständlich, daß es nicht dem Umstand Rechnung trägt, daß der Angeklagte der sog. besseren Gesellschaft angehört. Aber nachdem jenes Wort gefallen ist, müssen sie auch sagen: Aber die Zugehörigkeit zur Intelligenz darf nicht ein privilegium odiosum werden. Das Richtige ist schon, was die preußischen Könige gesagt haben: Suum euique. Es muß auch untersucht werden, ob der Angeklagte der Untreue fähig ist. Er stimme dem Staatsanwalt zu, daß man das Formelle nicht überschätzen solle. Er gehe noch weiter und sage, daß einer schuldig sein kann, wo im Formellen alles in Ordnung ist, und daß einer nicht schuldig zu sein braucht, wenn gewisse Dinge nicht in Ordnung sind. Das Strafrecht des Deutschen Reiches werde beherrscht von dem Grundsatz: der Schein trügt. Im Strafrecht kommt es allein auf das materielle Recht an. Man solle lieber zehn ehrlich machen als einen zum Schelm! Man darf dem Volksgenossen, der bisher ehrbar gelebt hat und dem der Vorwurf der Unehre gemacht wird, nicht mit Argwohn gegenübertreten, sondern der Volksgenosse hat das Vertrauen verdient, das er nach seiner bisherigen Stellung in der Volksgemeinschaft in Anspruch nehmen kann. Ueber dem Leben Dr. Meurers haben groß die Worte gestanden: Pflichttreue und Arbeit. Der Staatsanwalt hat das Ergebnis der HauptverhandTrauerfeier für Unter großer Beteiligung der Bevölkerung und fast des gesamten SA= und SS=Führerkorps in Berlin fand am Freitag in Anwesenheit des Stabschefs Röhm die Ehrentrauerfeier für den verstorbenen SSGruppenführer Siegfried Seidel=Dittmarsch statt. Unser Bild zeigt die Ehrenwache am Sarge des SSGruppenführers in der Lutherkirche in Berlin. und esse(ein veröffenteine Andon und a Aktion retär der tischet politi ohne egrüßen, ollen wit it irgend Zwischen Tal und Firn Roman einer Jägerliebe. Von M. Marnek. zu zu irz. tun V swerks hwarzenach zeigh verboten.) ale und mehr als je der Wunsch: wenn man doch das noch heringen könnte, wer eigentlich Schuld trug an dem n eigentliches Gefühl erdl ganz unschuldig Gefühl sollte man halt auch die Kordl hinüberleiten können. Schon allein des nol wegen hätte Sepp alles daran setzen mögen, Licht dunkle Sache zu bringen; dieses bedrückte Gemüt on seiner Last befreien können, das wäre ihm eine eensfreude gewesen. Aber was konnte er tun? Was erfragen war, hatte er erfragt, und was zu sehen gesehen. Nun konnte er nichts mehr versuchen. ut einen Gedanken, der in ihm aufgestiegen, er se nem alten Freunde, dem biederen Hirschengegenüber, zum Ausdruck. Es wurde ihm gar einmal leicht, es zu tun, und sie saßen eine gute deisammen, ehe Sepp von ungefähr anhub: Aewilbe ri che dab der Leitinger Kilian seiner Zeit der Hirschenwirt erwiderte mit einem fast verAuichen Lachen:„Der? dem trau ich nicht so viel neid zu. Dem wars um nichts zu tun als ums . Prosii— das war dem sein Schlagwort. hen fur ihn herausgeschaut hat, da war er zu hätt aber beim Wildern auch." et mehr, als beim Ankaufen von billigem Wildvon Mundhalten gegen Entgelt— verstehst? Und ne Lebensgefahr, also bequemer." een donderselbigen Art ist er, der Herr Brauereicie gewildert? Könnt ja sein— ich glaubs are nickte stumm. Er war froh, das zu hören. Es am Ende der, gewesen, wenn der Schwager der Moidl Anseg, Gedanken durfte er also verabschieden, allein tariereracht, daß Leitinger irgendwie in die Geschichte des Anderl und des Ferdl mit vereit gewesen, blieb in ihm zurück. zur Kordl, seinem m verließ, und igt, gewesen, blieb in ihm zurück. Verspreien Sepp noch hinauf zur sdrechen getreu, ehe sie die Oed=Al jetzt begrüßte sie ihn jedesmal mit herzlicher Freude. Freilich war sie immer noch traurig und gedrückt, allein sie versicherte ihm, daß sein Kommen ihr ein Trost sei. Es war der einzige, mit dem sie über ihre Kümmernisse reden und das Vergangene besprechen konnte. Bei dieser Gelegenheit ließ Sepp die Frage einfließen, ob Ferdl oft in der„Fleißigen Ameise“ verkehrt habe. „Nein,“ verteidigte sie ihn,„da ist er nicht oft hin, weil ich ihn gebeten hab, er sollt wegbleiben, wegen der Gesellschaft. Da sind die Hauptlumpen alleweil gesteckt— der Jochbrunner und sein Knecht, der Nazi.“ „Der Jochbrunner? Der nachher fort ist, z'wegen einem Dirndl, gelt?“ Ein schwaches Rot überflog ihr Gesicht. „Weißt das auch schon? Was doch die Leut noch jetzt alleweil darüber zu reden haben!“ Ihr Gesichtsausdruck zeigte so deutlich, wie unangenehm sie berührt war, daß er verwundert fragte: Bist leicht gar du das Dirndl, das er mögen hätt?“ „Sie zuckte die Achseln:„Geschrieben hat er mirs. Gemerkt hab ichs nie nicht. Schöntun hätt er mir halt mögen; das hat er andern auch getan. Mein Hof hat ihm leicht in die Augen gestochen; aber daß es mit der Lieb so weit her war. kann ich mir nicht denken, denn sell weiß ich gewiß, daß er mit einem andern Dirndl auch angebandelt hat. Leicht hat ihn die abfahren kassen, und er hats nicht sagen wollen. Ich war ganz verhofft, wie mir der Leitinger den Brief von ihm ge„De Leitinger hat dir den Brief gebracht?" fuhr Sepp auf. das liegt schon drei Tag bei mir men, daß ich es ehnder bracht hätt,“ hat er gesagt und ist wieder draußen gewesen, eh daß ich gescheit verstanden hab, was er will.“ Sepp schüttelte gedankenvoll den Kopf. So stand Leitinger doch in einem Zusammenhange mit dieser dunklen Sache! Kordl fragte ihn dann auch einiges über sein Leben— es war das erstemal seit langem, daß sie Interesse an der Außenwelt von Moidl und von den und er erzählte ihr chwierigkeiten, die sich seiner Verbindung mit ihr entgegenstellten. Kordl hörte mit größter Teilnahme zu. Sie hätte dem jungen Jäger so von Herzen ein großes Glück vergönnt und wünschte und betete, daß er es erringen möge. Sie forderte ihn auf, sie doch auch im Lettnerhofe zu besuchen, den sie an einen Vetter verpachtet hatte. Nur ein Stüblein für den Winter hatte sie sie sich darin ausbedungen und das Recht, die Alm zu bewirtschaften, so lange sie Lust habe. Sepp fand jedoch nicht so bald Zeit, der Einladung zu folgen, denn der Lettnerhof lag weitab vom Orte. Doch traf er die Kordl vorher noch an anderer Stelle. Zu Allerheiligen ging er mit Herrn von Rosenau am Nachmittage gegen den Wald zu; ihr Weg führte sie durch den Friedhof; er war heute sehr belebt. Alle Gräber prangten in einfachem, oft etwas farbenfreudigem Schmucke, und an jedem Hügel standen oder knieten Leute. Langsam gingen die beiden zwischen den Reihen durch. Sepp dachte an seine Heimat, an Mutter und Schwester, die heute die gleiche Liebespflicht erfüllten— an Moidl, mit der er im vergangenen Jahre am Grabe ihrer Eltern zusammengetroffen, und die ihn dafür dankbar angesehen und ein:„Vergelts Gott, Sepp!“ geflüstert hatte. Da erhob sich, während er so zurückdachte, von einem der Gräber eine Gestalt und trat auf ihn zu. Es war Kordl. Auf ihren Wangen glänzten Tränen, dennoch sah sie nicht so unglücklich aus, wie bei der ersten Begegnung. Sie gab ihm die Hand. Er blieb stehen und fragte, wie es ihr gehe. „Es ist das erstemal seit vielen Jahren, daß ich wieder an sein Grab komm,“ erklärte sie ihm und wies auf den Hügel, dessen Stein den Namen„Ferdinand Bühler vom Zirbenhof“ trug.„O, und wie mir das wohltut! So viel leichter ist mirs, seit ich wieder da knien und beten kann!“ Herr von Rosenau ging taktvoll ein paar Schritte weiter. Er hatte die letzten Worte gehört, und sein Blick glitt über die vielen Gräber und über die, die sie besuchten.„Ein Tag im Jahre steht den Toten frei,“, zog es ihm durch den Sinn. Das Bild rührte ihn. Vor seinem geistigen Auge standen im Gegensatze dazu jene mächtigen Rotunden, die sich jetzt immer zahlreicher erheben— von modernem Heidentum begünstigt — und die der Verbrennung des Verstorbenen gewidmet sind. Und er verglich jene trostlosen Stätten mit dem friedlichen Erdenfleckchen, was geweiht war, mit den Segnungen der Kirche. Liebende Hände hatten es geschmückt, liebende Herzen schlugen hier wärmer in treuem Erinnern, tränenerfüllte Augen wandten sich gläubig hinauf zum Kreuze, das über jedem Hügel hing als ein Unterpfand künftigen Wiedersehens. lung nicht richtig gewürdigt. Liegt eine fortgesetzte Handlung vor, ein Entschluß seit 1925? Ich habe den Eindruck, er hat sich nicht nur nicht bereichert, sondern er ist im Endergebnis bei seinen Liquidationen schlecht gefahren. Er hat viele Reisen nicht liquidiert, die er hätte liquidieren können. Aber es ist nicht bewiesen, daß er bewußt eine einzige Liquidation aufgestellt hat, die materiell nicht in Ordnung ging. Daß er fingierte Reisen aufgestellt hat, daß er dieselbe Reise doppelt liquidiert hat, diesbezüglich ist dem Angeklagten nichts nachgewiesen. Bezüglich der Behauptung, daß er Fahrtkosten in Rechnung gestellt habe, die schon von der Lurag bezahlt worden sein sollen, haben wir nur Dinge gehört, die es durchaus glaubhaft erscheinen lassen, daß hier Irrtümer vorliegen, daß hinter dem Namen Meurer andere Personen standen. Der letzte Vorwurf erschien am unerklärlichsten und ist am besten aufgeklärt worden, daß er erster Klasse liquidiert und zweiter Klasse gefahren sei. Wenn man einen Einblick in das Reisen zur Nacht hat, erkennt man die Lösung sofort. Die Hauptangeklagepunkte sind zusammengestürzt. Auch die übrigen Anklagepunkte halten nicht stand. Unwillkürlich fragt man sich: Sind wir in irgendeinem Administrativverfahren oder handelt es sich um ein Strafverfahren? Ist das der Eindruck eines Mannes, der betrügen und schädigen will? Manfragt: Wo ist das Geld geblieben? Er hat kein üppiges Privatleben geführt, er hat es nicht erspart, er lebte auf den Reisen nicht üppig. Wenn einer auftragsgemäß für einen andern etwas tut, hat er einen Anspruch auf Vergütung. Wenn der Geschäftsherr mit allem einverstanden ist, wo soll die strafrechtliche Untreue liegen? Das Urteil des Gerichtes ergeht darüber, ob Meurer unanständig gehandelt hat. Man hat hier vom Ruhrkampf gesprochen. Meurer war der letzte, der flüchtete, am 6. Oktober 1923 war er schon wieder hier, wanrend doch erst im Dezember die ersten Verhandlungen in Paris geflogen wurden, wo die Sache der Unsicheren einigermaßen geregelt wurde. In dieser außergewöhnlichen Zeit entwickelt sich alles, was gekommen ist. Auch die Aera Bracht, zu der Meurer gehört, fiel in diese außergewöhnliche Zeit. Wir verstehen diese Aera nur, wenn wir das Jahr 1923 verstehen. Großzügige Aufgaben unter ganz außergewöhnlichen Umständen, das ist das Zeichen der Aera Bracht. Man hat hier grundsätzlich von der Pflicht des Beamten gesprochen, ich schätze die altpreußische Sparsamkeit und Peinlichkeit nicht gering, aber in außergewöhnlicher Zeit wird der Staat nicht von denen gerettet, die sagen „Ruhe ist die erste Bürgerpflicht“. Es wird immer Männer geben, die außergewöhnlich handeln, die nicht nur verantwortungsbewußt, sondern auch verantwortungsfreudig sind. Verantwortungsfreudigkeit ist die Eigenschaft des Führers, ein solcher Führer war Oberbürgermeister Bracht. Man wird dem Angeklagten am besten gerecht, wenn man sagt, er war der Gehilfe eines Führers. Meurer hat damals gesagt„Ich bin ein armer Mann“, er kann auch heute von sich sagen gegenüber allen Vorwürfen:„Ich bin ein armer Mann geblieben.“ Es gibt für Großzügigkeit zwei Verfahren, das eine ist die Korruption, das andere ist die Gefahr der Unordnuna. In die zweite Gefahr geriet Meurer. Das ist der Kernpunkt dieses Prozesses. Die Anklage ist auf den falschen Weg geraten. Sie hat geglaubt, es handele sich um einen Korruptionsprozeß, es handelt sich aber um einen Prozeß der Unordnung. Meurer ist kein korrupter Beamter. Wenner es wäre, ich(Grimm) stände nicht hier. Ich bin aufs tiefste erschüttert worden, als der Staatsanwalt sagte, Oberbürgermeister Bracht gehöre mit auf die Anklagebank. Ich halte es für meine Pflicht als Jurist und Essener Bürger, vor das Andenken des Toten zu treten, und wage zu sagen, eine spätere Zeit wird die Größe der Aera Bracht zu würdigen wissen. Wenn Bracht heute noch lebte, der Prozeß wäre nicht möglich gewesen. Er stände heute hier und hätte gesagt:„Ich übernehme die Verantwortung, weil das, was geschah, zu außergewöhnlichen Zeiten geschah, weil ich, Bracht, davon überzeugt bin, daß dieser Mann des strafrechtlichen Deliktes der Untreue nicht schuldig ist.“ „Und dieses Trostes berauben sich die Menschen!“ dachte Herr von Rosenau. Er wandte sich wieder zurück, wo Kordl sich gerade von Sepp verabschiedete. „Und grüß deinen Schatz von mir,“ trug sie ihm auf, „wenn du leicht einmal dazu kommst!“ „Das wird noch eine gute Zeit anstehn," gab er zurück. „Möchtest du ein paar Tage Urlaub, Sepp? fragte Herr von Rosenau, als sie ihren Marsch fortsetzten. Dem Sepp wurde es heiß und kalt. Eine Blutwelle in seine Wangen. Am liebsten hätte er gerufen: sa, ja. Lassen Sie mich zur Moidl!“ Allein er bezwang sich und blieb fest: „Nein, Herr. Ich sag„Vergelts Gott!“ für die Gutheit, aber— es kann nicht sein. Ich darf die Moidl noch nicht sehen— ich tät mich schämen vor ihrem Bruder. Ein Jahr muß vergangen sein, ehvor ich wiederkomme." Allein Sepp sah Moidl bälder, als er ahnte. 10. Frühling im Winter. Moidl hatte es mit dem„Alleintragen“ ernst genommen. Wochen und Monate hindurch hatte sie das kleine Häuschen am Waldrande, zu dem es sie doch mächtig hinzog, gemieden, und nur zuweilen am Sonntag nach der Kirche erkundigte sie sich bei der Viktori nach dem Ergehen der Mutter. Dann hing dann ihr Blick mit so deutlicher, banger Frage an den Lippen der Freundin, daß diese gerne von selber die beruhigende emerkung hinzufügte:„Und dem Sepp gehts gut.“ Das Wort ließ Moidl wohl erleichtert aufatmen, doch in ihren Augen blieb noch eine andere Frage zurück und auf diese blieb ihr die Viktori, wenn auch selber schweren Herzens, die Antwort schuldig. Moidl war zu 1z, um zu fragen:„Läßt er mich denn nicht grüßen?“ Sie wußte, die Freundin würde ihr kein Wort, das an sie gerichtet war, unterschlagen, und— sie kannte den Sepp. Der starre Stolz des Mannes, der sein Wort halten und sich nichts vergeben wollte, ließ keine Annäherung zu. Er schrieb ihr nicht, er sandte keinen Gruß, kein Zeichen treuen Gedenkens, und dennoch verlangte er, daß sie ohne das alles festhielt im Glauben an ihn und seine Liebe. Da ward die Last für das Mädchen allgemach immer schwerer. Anfangs hatte sie noch gehofft. Mit der Elastizität ihrer Jugend und ihres Willens schloß sie schwarze Gedanken aus. Ja, was hoffte sie nicht alles? Daß der Sepp es nicht aushielt in der Fremde— daß der Michel ein Einsehen habe— daß der liebe Himmelsvater ein Wunder wirken werde. Auch daß sie selber stärker sei, als sie wirklich war, hatte sie gemeint und ward sich beschämt der eigenen Schwäche bewußt. (Fortsetzung folgt.) Westfalens„Alte Garde" in Münster. 1 + Münster, 24. Februar. Nach dem feierlichen Empfang im Festsaal des Schlosses, über den wir bereits ausführlich berichteten, ging es im Fackelzuge — die münsterische SA. stellte die Fackelträger— unter den Klängen der Musik durch die reichbeflaggten Straßen zum münsterischen Rathaus, wo der Empfang der alten Kämpfer durch die Stadt Münster stattfand. Stadtrat Aschhoff begrüßte die alten Kameraden namens des erkrankten Oberbürgermeisters und der Stadt Münster mit herzlichen Worten und hieß sie in der westfälischen Hauptstadt freundlich willkommen. Vom Balkon des Stadtweinhauses richtete dann der Reichsstatthalter und Gauleiter Dr. Meyer an die alten Kameraden eine Ansprache, in der er auf die alte Geschichte des münsterischen Rathauses, in welchem die Gesandten aller Länder sich 1648 zusammenfanden, hinwies und dann betonte, daß dieses an geschichtlichen Ereignissen so reiche Rathaus heute einen besonderen Tag erlebe. Heute zögen in dieses Rathaus 300 Nationalsozialisten ein, die Pioniere des Nationalsozialismus im Gau Westfalen=Nord. Diese Kämpfer hätten nicht nur ein Stück deutscher Geschichte erlebt, sondern deutsche Geschichte gemacht. In temperamentvoller Art schilderte Gauleiter und Reichsstatthalter Dr. Meyer den Kampf der Bewegung im Gau Westfalen=Nord und wies dann insbesondere auf den Wahlkampf in Lippe hin, jenen entscheidenden Sieg der nationalsozialistischen Bewegung, der den Weg zur Uebernahme der Macht durch Adolf Hitler freigab. Mancher Kamerad sei unter ihnen, der sich in schweren Saalschlachten und Straßenkämpfen ausgezeichnet habe und sich um das Banner Adolf Hitlers scharte. Die Alte Garde, das wisse er ganz genau, werde sich getreu bleiben und wenn es darauf ankomme, heute am Tage wieder den Kampf aufnehmen. Wir wissen, so erklärte zum Schluß seiner Ausführungen der Gauleiter, daß auch heute noch schwere Kämpfe und harte Zeiten vor uns stehen, aber wir sind Adolf Hitlers alte Garde und zum Einsatz für die Idee des Führers jederzeit bereit. Wir waren die ersten Revolutionäre, wir werden es auch bleiben. Wir haben gekämpft für Freiheit, Arbeit und Mnterhtl/suerR Winterhilfswerk e Winterhilfswerk es Winterhilfswer kes Winter keg Winte tsche atschel blkes Wi "Volkes eutschen Volkes deutschen Volke sdeutschen Volk s deutschen Vol es deutschen Vo des deutschen Ve edes deutscher. des deutschen c das deute:ne r des acutec ca2ra 40. d2u: auer. d. Cea ni1) hilfsuerk de rhilfeuerk a ratlotrk. *1.3 Brot und werden nicht aufhören, weiter dafür zu kämpfen. Unsere Parole bleibt die gleiche: unserm Führer, der deutschen Revolution und dem Deutschen Volke ein Sieg Heil:— In das Sieg Heil stimmten die alten Kameraden und die vieltausendköpfige Menschenmenge, die sich auf dem Prinzipalmarkt eingefunden hatte, begeistert ein, worauf dann das HorstWessel=Lied gesungen wurde. Damit war der Begrüßungsakt durch die Stadt Münster beendet und die alten Kameraden waren für den Abend Gäste der Provinzialhauptstadt Münster. Auf dem Kameradschaftsabend, der im alten Rathaussaal stattfand, wurde dann den alten Kämpfern Westfalens, den Söhnen der Roten Erde und aus dem Lipper Lande die Ehrenurkunde, wie sie für sie vorgesehen ist, überreicht. Sitzung des Verbandes der Innungskrankenkassen. Im Gebäude der Handwerkskammer zu Münster fand eine stark besuchte Versammlung der Innungskrankenkassen des Bezirks Münster statt. Kammersyndikus Dr. Kahmann eröffnete die Besprechung und begrüßte besonders den Verbandsprüfer des Reichsverbandes deutscher Innungskrankenkassen, Herrn Schatz, der zur Zeit die Revisionen im Verbandsbezirk vornimmt. Syndikus Dr. Kahmann ging kurz auf die neueste Entwicklung in der Organisationsfrage des Handwerks ein, soweit sie auch für die Innungskrankenkassen von Interesse ist. Von seiten der Dentisten seien Bestrebungen im Gange, eigene Abrechnungsstellen zu gründen und durch diese Stellen alle Zahlungen zu leiten. Die wirtschaftliche Entwicklung auf diesem Gebiete müsse abgewartet werden.— Von dem Amtsleiter der kassenärztlichen Vereinigung in Berlin sei bezüglich der Krankenhauseinweisungen eine Anweisung an die Aerzteschaft ergangen, die auch für das ganze Reich Bedeutung habe. Hier sei ausdrücklich betont, daß mit Ausnahme von dringenden Fällen die vorherige Genehmigung der Kasse erforderlich wäre.— Auf dem Gebiete des Genesungsheimwesens werde eine Planwirtschaft angestrebt, um eine planmäßige Belegung der einzelnen Häuser zu erreichen. Verschiedentlich sei der Verband von den Ortskrankenkassen gebeten worden, sich auch für eine Belegung ihrer Häuser einzusetzen.— In dem Rahmen der Arbeitsgemeinschaft von Reichsversicherungsträgern hatten sich die Innungskrankenkassen an den Beratungen wegen der Festsetzung der Krankenhauspflegesätze beteiligt. Zum Teil seien auch gute Erfolge zu verzeichnen, während die Verhandlungen im Bielefelder Bezirke sich wieder zerschlagen haben.— Durch die Arbeitsgemeinschaft seien auch Verhandlungen wegen eines Wöchnerinnenabkommens mit den Krankenhäusern wegen der Bezahlung der Hebammen geführt worden. Leider sei ein Ergebnis nicht zustande gekommen.— Die Landesversicherungsanstalt habe erneut angeregt, eine Behandlungsgemeinschaft zur Seuchenbekämpfung zu schaffen. Die Lösung dieser Frage sei jedoch aus dem Grunde schwierig, weil grundsätzlich nicht bestimmte Behandlungsarten aus dem Arztpauschal herausgenommen werden können. Ueber die Bestellung sogenannter Magistralformeln seien Verhandlungen zwischen den Krankenkassenverbänden gepflogen worden. Deren Ergebnis sei den Kassen durch Rundschreiben bekanntgegeben worden.— Der Anregung eines einheitlichen Rezeptformulars könne aus dem Grunde nicht ohne weiteres zugestimmt werden, weil für die verschiedenen Kassen eine äußerliche Unterscheidung der Rezepte zweckmäßig sei und auch die Druckaufträge nach Möglichkeit örtlich verteilt werden müssen.— Wegen verschiedener Fragen hatte der Bezirksverband die Stellungnahme des Reichsverbandes eingeholt, so bezüglich des Besoldungsabkommens, bezüglich der Anlegung eines Reservefonds bei einer Volksbank usw. Die Entschädigung für die Beisitzer der Schiedsämter werde in Zukunft wahrscheinlich von den Verbänden getragen werden müssen. Hierdurch werden wieder neue Ausgaben entstehen, mit denen man sich nicht ohne weiteres einverstanden erklären könne. In der allgemeinen Aussprache wurde die Frage der Auswirkung der Beitragsberechnung nach den neuen Vorschriften besprochen. Allgemein wurde über das Anwachsen der Ausgaben für Zahnbehandlung geklagt, das auf verschiedene Ursachen zurückgeführt werden kann. Im Anschlusse hieran berichtete Dipl.=Volkswirt Bispinck über einige Fragen des Zahnarztrechtes, insbesondere hinsichtlich der Zulassung einiger Zahnbehandler, sowie über die Neubesetzung der Prüfungsämter. Es wurde allgemein bedauert, daß bei der Organisation der Krankenkassenbeamten allgemein Angehörige von Ortskrankenkassen für die Neubesetzung des Prüfungsamtes in Vorschlag gebracht worden seien. Im Anschlusse daran erläuterte Herr Schatz in längeren Ausführungen die Aufstellung des Rechnungsabschlusses. Er diktierte zunächst eine Vermögensnachweisung und einen darauf aufgebauten Rechnungsabschluß. Von den Teilnehmern wurde dann an der Tafel eingehend nachgerechnet, wo die Fehler des Abschlusses liegen und wie sie ermittelt und abgestellt werden können. Der Besprechung wurde ein tatsächliches Beispiel aus der reichen Prüfungserfahrung des Herrn Schatz zugrunde gelegt. In eingehender Aussprache wurden dann die einzelnen Fragen besprochen und geklärt. Syndikus Dr. Kahmann teilte zum Schlusse mit, daß Herr Schatz seine Prüfungstätigkeit in dem Bezirke fortsetze und in den nächsten Tagen und Wochen bei den Kassen zur Vornahme der gesetzlichen Revision vorsprechen werde. Dann schloß Dr. Kahmann die Sitzung mit einem nochmaligen Dank an Herrn Schatz und einem dreifachen„Sieg Heil!“ auf den Reichspräsidenten und den Volkskanzler. * Pflege alter Handwerksüberlieferungen. Der Aufruf des Reichsstandes des deutschen Handwerks bezüglich der Pflege der Handwerksgeschichte hat in weiten Kreisen des Handwerke, insbesondere auch: Kammerbezirk Münster, lebhaften Widerhall gefunde Ueberall sind Bestrebungen im Gange, eine systematisä Sammlung alter Handwerksbräuche und=überliefern gen einzuleiten. Um eine Zersplitterung dieser Bestrebungen zu meiden, ist bei der Handwerkskammer eine besond Stelle für die Pflege der Heimatgeschichte und asteHandwerkskultur errichtet worden. Die Kammer hat sie die Aufgabe gesetzt, in Verbindung mit den Organise tionen des Bezirks eine Sammlung alter Dofn, mente durchzuführen. Es darf nicht mehr vorkommen daß dieses wertvolle Material mit dem Wechsel der Füb. rung in den einzelnen Organisationen verloren geht das in den vergangenen Jahren zum Teil der Fall ge wesen ist. Es ist daher eine der wichtigsten Pflichten deOrganisationsführer, gerade diese Unterlagen besonders sorgfältig zu pflegen und ihrem Nachfolger zu übergehen Die Handwerkskammer ist gern bereit, das Handwerk des Bezirks in dieser Arbeit zur systematischen Pflege alter Handwerksüberlieferung und Handwerkskultur in jeder Weise zu unterstützen. Wichtig ist es auch, ein Verzeichnie des vorhandenen geschichtlichen Materials aufzustellen und dauernd auf dem Laufenden zu halten. Eine Abschrif des Verzeichnisses ist baldmöglich der Handwerkskammer einzureichen, damit eine gemeinsame Auswertung vorgenommen werden kann. Die Handwerkskammer hat sich in dieser Angelegenheit bereits mit allen maßgebenden Stellen in der Provinzialhauptstadt, dem Landesmuseum usw., in Verhindung gesetzt. Gerade in Münster als der Hauptstadt der Provinz Westfalen, laufen sehr viele Fäden alter Handwerksüberlieferungen Westfalens zusammen. Das umfangreiche Material bedarf lediglich einer zusammenfassenden Sichtung, Sammlung und Auswertung. Die Handwerkskammer wird auch ihre„Mitteilungen“ in den Dienf dieser kulturellen Bestrebungen stellen. Wer darf sammeln? Wie wird gesammelt! deutschen v. Ir. duuud Winter Die interneklonate Solldarität deo Proletariats haden wir gerbrochen, Gafür wollen wie aufbauen die lebendige nationale Solidarität des Deutschen Volkes. Wenn wir den Gedanken der nationalen Solidarität richtig auffassen, dann kann er nur ein Gebanke des Opferns sein. Je größer die Bereitwilligkeit ist, ein solches Opfer auf sich nehmen, um so schneller wird man die Not der anderen Seite dadurch mindern können. Haussammelliste " Spende vom Eintopfgericht. O Ogras. In der letzten Zeit mehren sich die Fälle, daß die verschiedensten Organisationen und Vereine vielfach mu lien sammeln, ohne daß diese Spenden dem WHW. zugeführt selbstgefertigten Sammellisten Geld oder Natura werden. Grundsätzlich muß gesagt werden, daß es nur dem Winterhilfswerk vorbehalten bleibt, Spenden in Form von Geld oder Naturalien zu sammeln, und daß jede andere Sammeltätigkeit irgendwelcher Organisationen oder Verbände untersagt ist. Das Winterhilfswerk sammelt nur mit den beiden oben abgebildeten Sammellisten, von denen rechts die allgemeine Geldsammelliste, links die Eintopfsammelliste darstellt. Aeußerlich sind beide Listen durch den stark ins Auge fallenden WHW.=Adler erkennbar. Alle Listen tragen den Kreisoder Ortsgruppenstempel der NSV. Andere Listen als die oben abgebildeten befinden sich unrechtmäßig im Umlauf. Jede andere Sammelliste ist bei der Vorzeigung festzuhalten und der Sammler umgehend der Polizei zu übergeben. Heime mensc giosen der Werte We fürcht vertie Witl Stud chen) Edwin lich 11 vond nicht freiun große lebe a te DEUTSCHLANDS SCHÖNSTES HAUS FUR Wohnungseinrichtungen Dekorationen- Teppiche Einzelmöbel Kunstgewerbe WI rd in einigen Tagen eröffnet. Schumacher& Co., Warten Sie mit Ihren Einkäufen. Dortmund, Reinoldihaus 10e Bedarfsdeckungsscheine für Ehestandsdarlehen werden angenommen. 1026 Kath. kind erliebes Mädchen für Haus und kleine Gartenarbeit bei vollem Fam.=Anschl ges. Küche kann erlernt werden. Alter 16 J. Frau van Nahmen. Molkerei, Lingen=Ems, Kaiserstraße. Arzthaushalt. Peinlich sauberes Mädchen, das keine Arbeit scheut, gut kochen, waschen u. bügeln kann, für alle Hausarbeiten gesucht. Angeb. m. ZeugnAbschr., Gehaltsang. u. mogl. Bild an Frau O. 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Bauernsohn 23 J., fleißig u. in allemzuverläss.. sucht Stelle als Verwalter oder Stuͤtze Landw. Winterschule mit Präm. abso v. Bereits auf mittl.u.gr. Gut tät Angeb. unt. D 304 an d. Anz=Verw d Zeno, Münster Umwerben Sie auch die Säumigen! Es gibt Menschen, können sich erst in ter Minute entschlieben. Lassen Sie diese Käuler iger( Opfer Todes, aussie nimmi nbrür Vaterl E einem haltun Seite erschü eele. Gener nichte An vir m ulswe ch ihy efste iberw ungen tusan ab vo Wand Nu unmit sterbli die deut fallen nicht außer acht! Stopp Sie Ihre Worbung nio vorzeitig ab. Umwer Sie auch die Säumige durch die Hnzeige in deJohan Zeno-Zeitungel Hnsen lerle Zeno, Münster 1, Mes luch in funden matische zu versondere alter hat sich ganisa. Dokuommen er Füh. eht, wie fall geten der sonders ergeben. erk des se alter jeder zeichnis len und lbschrisft kammer ig vorgelegener ProVerbinadt der Handas ummenfasHandi Diens t! Beilage Sonntag, den 25. Februar 1934 Nr. 55 Das Vermächtnis der Toten des Weltkrieges. Ein Ehrenmal des deutschen Volkes. ch mit geführt Spene rganiildeten erlich Kreisnelliste 15 4 lischer er. sucht der 15.4. erändern. ote unter Bredener Breden. lanow. vertraut, 1. Märd er anderStellung ist 3 9. 1. Stelle. KKI0 Dülmenet Dülmen hon, t in letchlieben. Käuler Stoppen a nch metben äumigen Enden und Vollenden, sonst Sache des reien und alternden Lebens, ist im Weltkrieg las Schicksal einer ganzen jungen Generation eworden: früher Tod und junge Vollendung! Und alle Jahre, wenn der Tag des großen Totengedenkens anhebt und unsere besten Gedanken hinüberschweifen zu den stummen Gräbern, zu den endlosen Reihen stiller, chlichter Grabkreuze in Flandern und Polen, im Osten und Westen, dann wird jedesmal etwas aufgewühlt in unserem Herzen, was wie verschüttet lag auf seinem Grunde. Und unerbittlich, fragend, bohrend, beschwörend sent vor uns auf das heilige Vermächtnis unserer toten Brüder des Weltkrieges und ergreift immer neu die Seelen mit ganzer Gewalt. * Man hat wohl öfter die Auffassung verreten, die Generation des Weltkrieges habe dem Erleben des Krieges kein„Denkmal des Geistes“ errichtet und man weist vergleichsweise hin auf die zahlreichen Dichtungen des leutschen Freiheitskampfes vor 120 Jahren. Und doch steht dieses Denkmal des Geistes! Wir erkennen es nur nicht. Es steht sichtbar, geifbar, ehrfurchtgebietend und hundertmal ndringlicher als alle heroische Gebärde steiverner Malzeichen vor uns in den Zeugnissen, glusprüchen und Dokumenten, in den schlichenFeldbrieten aus der Hand der Toten, die ihren Gruß und ihre Gedanken in die Heimat sandten, Briefe, die in ihren hohen menschlichen, dichterischen, ethischen und religiösen Gehalten ein Denkmal von erschütternder Wirkungskraft, von wahrhaft zeitlosem Werte darstellen. Wer dieses Denkmal versunken und ehrfürchtig betrachtet, wer in stillen Stunden sich vertieft etwa in die Sammlung von Philipp Witkop„Kriegsbriefe gefallener Studenten“(Verlag Georg Müller, Münden) oder in das Toten-Gedächtnisbuch von Ewin Redslob„Vermächtnis"(Wilhelm Limpert, Dresden), der wird unwillkürlich in seinen Tiefen berührt und ergriffen von diesen Büchern des Lebens. die nicht Tod und Trauer, sondern Leben, Befreiung und Erhebung der Seele künden. Das große Wort Hölderlins:„Wir sterben um zu leben", hier ist es Gestalt und Wirklichkeit geworden. Wir spüren hier ganz unmittelbar jene würdige Todesbereitschaft, in der etwas aufklingt von dem größten Jubelruf, in den je ein Großer dieser Erde ausgebrochen:„Tod, wo ist dein Stachel? Hölle, wo ist dein Sieg? Was in diesen Briefen zittert, diese schlichte lindesliebe und Kindesanhänglichkeit, dieser schütternde Abschied von den Eltern, dieser beist selbstverständlicher Pflichterfüllung und stillen Opfermutes, dieses Zusammendenken und Einstehen für den anderen, diese heilige, keusche Flamme einer zarten Liebe zu Volk und Land, die nichts gemein hat mit dem lauten Pathos und Gedröhn vaterländischer Thrase, diese Einsatzbereitschaft, die voll heiger Gewißheit ihr Leben dem Vaterland zum Opfer bringt, diese stille Vorahnung des lodes, ja, diese Gewißheit, die den Tod voraussieht und die ihn frei in ihren Willen aufnmmt, diese Abkehr von Gestern und diese ubrünstige Sehnsucht nach einem idealen aterland, nicht zuletzt dieses Verwurzeltsein am Ewigen, dieses Vertrauen, dieses Ja zu enem heiligen Gotteswillen: all diese Grundnaltungen und Seelenwerte, die fast auf jeder delte dieser Briefsammlungen aufleuchten, hüttern und bewegen im Tiefsten die deele. Und wir ahnen, was mit dieser jungen veneration— menschlich gesprochen— vernichtet wurde. Am stärksten aber ergreift uns heute, da ur mitten in der großen Zeiten- und Schickuswende der Völker stehen, der prophesche Blick jener Kriegsgeneration. Jene Ihvollendeten fanden Worte der letzten und eisten Prophetie. Unter dem Druck eines erwältigenden Geschehens keimten ihre ingen Herzen auf und wandten sich ab vom sammenbruch einer alten Welt, kehrten sich „vom Gestern und wiesen den Weg der Wandlung. Nur einige Ausschnitte und Briefe mögen umittelbar, beispielhaft zeugen von der unblichen Größe und Schlichtheit dieses in e Zukunft weisenden„Ehrenmals des tutschen Volkes“, das von seinen geallenen Söhnen selber errichtet ist. ir Tus Gei ) Je jonannes Nogielsky, Technische HochA de Charlottenburg, geboren 4. März 1892 „presiau, gefallen im Luftkampf . Januar 1917 in der Champagne, Liebe Mutter! Wenn Du diese Zeilen liest, bin ich nicht mehr unter den Lebenden:„Sei getreu bis in den Tod, so will ich dir die rone des Lebens geben.“ Weint nicht um mich, denn ich bin im Reiche des Lichtes, und warum da trauern. Es kam der Krieg und ich zog mit vielen anderen Kameraden auch hinaus und war getreu bis in den Tod. Da ich diese Zeilen schreibe, weiß ich noch nicht, wo mein Grab sein wird; kümmert Euch nicht um meine sterblichen Reste. Mögen sie in Schutt und Trümmern vermodern und wieder zu Staub werden, die Seele lebt und ist göttlich. Mögt Ihr noch lange leben auf der schönen Welt! Grüßt alle, die ich lieb gehabt und die mir nahestanden. Feinde habe ich nicht gehabt, wie ich hoffe. Und nun seid nicht traurig, denn in einer kleinen Weile werden wir uns wiedersehen. Ich grüße Euch und bin bei Euch im Geiste. * Ulrich Sarnow, stud. jur., Freiburg i. B., geboren 26. Februar 1894 in Erkner, gefallen am 31. Juli 1917 bei Zonnebeke. Sehr verehrter Herr Pfarrer! Ziemlich scharfer Dienst läßt mich erst heute dazu kommen, Ihnen für Ihre freundlichen Zeilen und Uebersendung des Gemeindeblattes zu danken. Es tut ungemein wohl, ein Blatt zu lesen, das uns gewissermaßen im lieben Bekanntenkreise vor das Wort Gottes treten läßt. Es gibt einen innigen geistigen Zusammenhalt mit der Heimat, der stillen Sehnsucht eines jeden Soldaten. Gerade geistige Nahrung ist das Hauptbedürfnis hier im Felde, zümal auf so schwierigem Posten, wie ich ihn habe. Ich bin hier im Felde im feindlichen Feuer meinem Gott viel näher gekommen. Ich bitte ihn täglich, mich auf dem richtigen Wege zu erhalten. Nun habe ich noch eine Bitte an Sie. Ich möchte Sie bitten, für den Fall, daß mir etwas zustieße, meiner Mutter, die meinen Tod wohl schwer ertragen würde, meine letzten Grüße zu bringen. Sagen Sie ihr, ich sei mit festem Vertrauen auf Gott und der fröhlichen Hoffnung auf die Ewigkeit für mein heiliges, liebes Vaterland in den Tod gegangen. Und Deutscher Kriegerfriedhof bei Chappy an der Maas MEINE TOTEN Am Hange schlich ich, krank und matt, Da habt ihr mir das welke Blatt Mit Warnungsflüstern zugetragen, Gelächelt aus der Welle Kreis, Habt aus des Angers starrem Eis Die Blumenaugen aufgeschlagen. Was meine Adern muß durchziehn, Sah ichs nicht flammen und verglühn, An eurem Schreine nicht erkalten? Vom Auge hauchtet ihr den Schein, Ihr meine Richter, die allein In treuer Hand die Waage halten. am Wer eine ernste Fahrt beginnt, Die Mut bedarf und frischen Wind, Er schaut verlangend in die Weite Nach eines treuen Auges Brand, Nach einem warmen Druck der Hand, Nach einem Wort, das ihn geleite. Ein ernstes Wagen heb ich an, So tret ich denn zu euch hinan, Ihr meine stillen strengen Toten! Ich bin erwacht an eurer Gruft, Aus Wasser, Feuer, Erde, Luft Hat eure Stimme mir geboten. Wenn die Natur in Hader lag Kalt ist der Druck von eurer Hand. Und durch die Wolkenwirbel brach Erloschen eures Blickes Brand, Ein Funke jener tausend Sonnen.— Und eurer Laut der Oede Odem; Sprecht aus der Elemente Streit Doch keine andre Rechte drückt Ihr nicht von einer Ewigkeit So traut, so hat kein Aug geblickt, Und unerschöpften Lichtes Bronnen? So spricht kein Wort, wie Grabesbrodem! Ich fasse eures Kreuzes Stab Und beuge meine Stirn hinab Zu eurem Gräserhauch, dem stillen: Zumeist geliebt, zuerst gegrüßt, Laßt, lauter wie der Aether fjießt, Mir Wahrheit in die Seele quillen! Annette von Droste-Hülshoff. geben Sie ihr bitte folgende Verse eines Kameraden von mir: „Ich habe bis zuletzt an sie gedacht, und ihrer greisen Hände Segen hat tröstend über meinem Haupt gelegen, und hat mir alles, alles leicht gemacht.“ Vielleicht wird sie’s dann leichter tragen. * Hans Mierisch, stud. phil., Leipzig, geboren 20. Januar 1897, gefallen am 9. Mai 1917 im Feldlazarett zu Staden(Flandern). Dezember 1916. In unserem Unterstand war fröhlich-lautes Treiben. Und einmal, da ist es auch ganz still und weh geworden. Da erzählte mir einer, der erst am lautesten schrie und krawallte.— die anderen Kameraden sind vor nach dem Kampfgraben gegangen— von seinem Leben und Kämpfen und Treiben im Kriege. Sein Vater starb— während er draußen kämpfte — er und noch drei Brüder. Die Mutter sucht er heute auf dem Friedhof: sie schmückt das Grab des Vaters. Seine arme Mutter, die ihn zu Weihnacht nicht mit irdischem Gut beschenken kann, und die er gerade deshalb so heiß und innig liebt. Mutter: das Wort hat er erst im Kriege verstehen gelernt. Während einer Schlacht, als neben ihm irgendeiner— ein Kriegsfreiwilliger war’s,— fällt, der ihm eben erst zugeflüstert:„Nur eines wünsche ich mir jetzt: noch einmal meine Mutter sehen.“ Da ist es ganz still und weh bei uns geworden. Und der Erzähler hat aufgehört. Mit der Hand gewinkt. Nicht daran denken... Reinhard Johannes Sorge, geboren 29. Januar 1892 zu Berlin-Rixdorf, gefallen am 20. Juli 1916 bei Ablaincourt. An die Gattin! 13. Juni 1915. Alles Schwere wird uns nur inniger zusammenschließen: diese Trennung, die Not des Krieges und einst das große Opfer. Gepriesen sei doch Gott für alles Schwere, weil es das Morsche, Nichtige aus dem Herzen nimmt, damit die lebendige Einheit im Herrn erstehe, die auch nicht ein totes Wort mehr kennt. 7. Dezember 1915. Was ist mir die Welt, wenn sie mich nicht zu Gott führt? Gorch Fock, geboren 22. August 1880 auf Finkenwärder, geblieben in der Seeschlacht am Skagerak 31. Mai 1916. 16. November 1915. Wir müssen leben, damit unsere Toten leben. Wer seine Ewigkeit verliert, verliert damit seine Toten! Und was ein Mensch ohne Ewigkeit ist, das habe ich hier im Felde jeden Tag spüren können. Das will ich kniend aussprechen: der Lebenden sind wir ungewiß, aber nicht der teuren Toten, die unwandelbar bei uns bleiben, und in diesem Heilsgedanken steckt etwas, das uns tiefste Freudigkeit gibt, das uns aller Tränen und aller Klage entrückt und uns unser Leben leben und lieben lehrt. Mir ist das ein Hauptstück meines Bibelglaubens geworden. Legt einen Kranz auf Eures Toten Heldenhügel, aber schmückt mit den schönsten Rosen die Stirn des Lebendigen in Eurem Herzen! Franz Marc, geboren 8. Februar 1880 zu München, gefallen 4. März 1916 vor Verdun. Geschrieben 1915 im Felde. Traditionen sind eine schöne Sache; aber nur das Traditionenschaffen, nicht von Traditionen leben. Der schaffende Mensch ehrt die Vergangenheit dadurch, daß er sie ruhen läßt und nicht von ihr lebt. Die Tragik unserer Väter ist es ja, daß sie wie Alchimisten Gold machen wollten aus ehrwürdigem Staub. Sie verloren ihr„Vermögen" dabei. Sie durchwühlten so viele Kulturen, daß ihnen das naive Vermögen, eine eigene Kultur zu gestalten, verloren ging. * Im großen Kriege stand in irgendeiner Stunde und Sekunde jedes Herz einmal, ein kleines einzigesmal ganz still, um dann mit leisem neuen Pochen wieder langsam aufzuhämmern der Zukunft entgegen. Das war die heimliche Todesstunde der alten Zeit. Niemand, niemand kann von uns an über die Blutlache des Krieges hinweg nach rückwärts und aus dem Rückwärts leben. en gt er des nrn. yr ten a 1 der ber be r a er ai or nb VIII. Da wunden die gresen graugritlichen Angen des kommissars sogar für einen Augenblick gütig.„Recht o!“ sagte er warm. Auf die Dame aber ging er nicht #veiter ein, sondern tat als ob die überhaupt nicht für hn existierte.„Wenn Sie unterwegs noch so etwas sehen ollten, dann sagen Sie mir dies bei Ihrer Ausreise, licht wahr?“ ermahnte mich noch Mr. N. beim Auseinindergehen. Das versprach ich selbstverständlich hoch und euer und ging. Doch vor der Tür rief mich Mr. N. vieder zurück:„Warten Sie, ich will Ihnen noch ein paar Zeilen an das„Bureau de recrutement“ in Besancon nitgeben, dort können Sie am ehesten die gewünschte Auskunft erhalten!“ Endlich konnte ich in den Mittagsstunden meine Reise lach Besancon mit einer Empfehlung des Grenzkomnissars in der Hand fortsetzen. In Besancon herrschte nilitärischer Hochbetrieb. Der Bahnhof wimmelte von 1 Truppen aller Waffengattungen. Die weiten Geleisd lächen des Rangierbahnhofes waren von Transportzügen vollgepfropft.„Etappennot!“ dachte ich sofort.„Hier d zilt's!“ hin Langsam schlenderte ich durch die Gassen des alten winkeligen Nestes, Sitz des„General=Commandant de la v region du Doubs!“ Staunende Blicke hefteten sich in allen Gassen an mich, den Fremden. Noch nie war ich so das Ziel gaffender Mitmenschen, wie in diesem typischen Kleinstädtchen. Fast sicher rechnete ich damit jeden Augenblick festgehalten und nach dem Woher? oder Wohin? gefragt zu werden. Aber es ging gut. Bald schon hatte ich mich bis zum„Bureau de recrutement“ durchgefragt. Ein altgedienter Adjutant— etwa Feldwebelleutnant nach unseren militärischen Begriffen— gab mir nach langem Hin und Her, auf die Karte von Mr. N. in Marteau hin endlich Antwort. Nachdem er wieder eine Weile in allen möglichen Listen herumgeblättert hatte, gab er mir die niederschmetternde Auskunft, daß in seinem Büro mein angeblicher Bruder keinen Werbevertrag vorgelegt habe. Auf meine Frage, ob dies vielleicht in Langres geschehen sein könne, da mein Bruder dies als Ziel seiner Reise angegeben habe, zuckte der Mann seine Achseln und meinte:„Möglich ist das schon. In Langres befindet sich ebenfalls ein Bureau de recrutement.“ Aber was in Langres passiert, geht uns hier nichts an!“ „Dann muß ich wohl schon selber nach Langres reisen!“ sagte ich. „Mit den Papieren, die Sie bei sich führen, kommen Sie aber nicht bis Langres!“, belehrte mich der Feldwebelleutnant. „Aber ich habe doch meinen Reisepaß mit Visum des Konsulates!“ „Nutzt Ihnen alles nichts. Nach Langres fährt man nur mit. einem Passierschein des hiesigen Generalkommandos und der wird Ihnen als Ausländer sicher verweigert werden!“ beschied mich der freundliche Herr weiter. „Aber um Gotteswillen, ich muß doch meinen Eltern eine sichere Nachricht mitbringen!“ sagte ich.„Können denn Sie mir nicht zu einem solchen Scheine verhelfen?“, bat ich und spielte nachlässig mit meiner Brieftasche, dabei deren wohlgespickten Inhalt sehen lassend. Das zog. Und wirklich es gelang. Mein erster Blick hatte mich mal wieder nicht getäuscht. Ich hatte tatsächlich das korsische Herz meines neuen Bekannten mit meinen Geldscheinen gerührt und ihn selber gewonnen. Großmut ist zwar sonst eine untergeordnete, schwache Seite im Harfenkonzert des französischen Herzens, aber hier bei dem Landsmann Bonapartes, wurde sie plötzlich, nach entsprechender Bezahlung, zur Dominante, die das ganze Konzert beherrschte. Mehr zu sagen wäre vom Uebel. Zwar dauerten die Verhandlungen auf dem Paßbüro des Generalkommandos noch bis elf Uhr des anderen Tages, aber da war der Friede glatt unter Dach und Fach gebracht und ich im Besitze einer Fahrterlaubnis nach Langres, gültig für fünf Tage.„Stopf mir'ne Laus ins Lager!“ dachte ich bei mir selber, als ich mich am Bahnhofe von meinem gefälligen Korsen verabschiedete. Abends zuvor hatte ich ihn nämlich noch viel, viel näher kennen gelernt, denn es war mir vergönnt, fast die ganze Nacht mit dem alten Knaben in einer verschwiegenen Weinkneipe zu durchzechen. Als dritten im Bunde hatte mein Freund aus Korsika noch einen dicken Etappenonkel mitgebracht, was ich zuerst als Finte anzweifelte, sich aber nachher als richtige Nassauerei herausschälte. Mit dem festen Versprechen, weiteres von mir hören zu lassen, auch wieder in Besancon Station zu machen, zog ich dankbar von dannen. Dankbar! Denn noch nie hatte ich so gute Ernte gehalten bisher. Was ich alles erfahren hatte in der durchzechten Nacht, das ging auf keine Affenhaut, trotzdem wir alle drei und jeder für sich einen mächtigen Gorilla mit nach Hause bändigen mußten... Spät nachts landete ich in Langres. Unterwegs hatte ich ein erschütterndes Erlebnis. Ab Besancon fuhren mit mir, in demselben Abteil, ein Zivilist, der sich als vollkommen harmlos erwies, trotzdem ich ihn anfangs als„Gesicht“ beargwohnt hatte, ferner zwei chasseurs d'alpins— Alpenjäger— sowie ein Sanitätssergeant. Nach etwa einstündiger Fahrzeit, die hauptsächlich durch oftmaliges längeres Halten des Zuges auf offener Strecke verursacht worden war, liefen wir in den Bahnhof eines kleinen Landstädtchens ein. Dort standen, auf einem Nebengleise abgestellt, ein paar Güterwagen mit deutschen Gefangenen. Die gefangenen Menschen trachteten durch den kargen Spalt nach einem bißchen Luft und Licht, und versuchten, wohl auch nach Anhaltspunkten für ihren Aufenthalt auszuspähen. Ein kleines hilfloses Trüpplein deutscher Menschen war's, das von ein paar französischen Territorialsoldaten— also Landsturmmännern— bewacht wurde. Und wieder sah ich, wie einst in Marseille, die Hysterie, den Haß und die sinnlose Wut der grande nation plastisch sich verkörpern, angesichts dieses Häufleins gefangener deutscher Soldaten. Schildern läßt sich das einfach nicht, einigermaßen begreifen wohl, wenn man, wie ich später in Paris, die Mache miterlebte, mit der Frankreich die Kriegsbegeisterung wachzuhalten sich anschickte. Wie ein elektrischer Funke sprang es schon bei der Einfahrt unseren Zug entlang— das Wort„des boches“! Deutsche! Das riß alle zu einem Taumel auf, der sich in infernalisch schreiendem Hasse entlud. Zuletzt tanzte die Gesellschaft in wildem Brockenhexentrubel wie besessen um die Eisenbahnwaggons herum. „A l’eau!“ Ins Wasser!„Coupez la geule!“ Schneidet ihnen die Hälse ab, und andere schöne Menschenfreundlichkeiten waren an der Tagesordnung. Gottlob, nie habe ich solches auf deutscher Seite gesehen. Wir fuhren weiter.... Da sagten es die Alpenjäger rund und frei heraus. „Blödsinn, die Schweine auch noch zu füttern. Hals ab, und damit basta! Bei uns Alpenjägern gibts keine Gefangenen!“ Und der französische Sanitäter mit der roten Kreuzbinde um den Arm, meinte trocken:„Alle muß man umbringen, die ganze dreckige Rasse mit Mann, Weib und Kind, dann haben wir für immer Ruhe!“ Et l’Allemagne n’e xistera plus!!“„Vorsicht! Der Boche hat seine Spione überall!“, war plötzlich unser Zivilist im Coupé dazwischen und schielte nach mir hin. Sofort hielt ich es für nötig, allen aufkeimenden Bedenken bei meinen Reisegenossen hinsichtlich meiner Persönlichkeit von vornherein ein Paroli zu bieten und zeigte dem Sanitäter meine Ausweispapiere nebst Geleitschein, samt den empfehlenden Zeilen meines Besanconer Feldwebelleutnants an eine militärische Persönlichkeit des„Bureau de la place“ in Langres. Das befriedigte. Man ließ mich unbehelligt. Ich konnte ruhig weiter der Unterhaltung meiner Mitreisenden folgen. Auch hatte ich durch dies Intermezzo die Gewißheit gewonnen, daß unser Zivilist kein Beamter des Geheimdienstes sein konnte, denn ein solcher hätte anders gehandelt. So durfte auch ich es wagen, mich mit Frage und Antwort am Redeflusse zu beteiligen. Als ich mich am Ziel der Fahrt auf dem Bahnhofe von Langres, von meinen Reisegenossen verabschiedete, konnte ich hochbefriedigt nach einem Nachtquartier Umschau halten. Die Fahrt hatte sich gelohnt. Was ich unterwegs erfahren hatte, wog, zu Hause bei meiner Dienststelle angebracht, manche der meinen Kameraden angetanen Beschimpfungen wieder auf. In einem kleinen, aber gut geführten Gasthofe hatte ich alsbald ein verhältnismäßig anständiges Zimmerchen gefunden. Allerdings waren die Logispreise ziemlich hoch, auch die Rechnungen fürs Essen gesalzen, doch der Wein war gut und billig. Nachdem ich mir noch etwas Kaltes für den Magen bestellt und auch für einen guten Trank gesorgt hatte, verschloß ich mich in mein Zimmer, verhängte das Schlüsselloch und begann die bisherigen Beobachtungen in Stichwortkürze meinem französischen Schmöker einzunadeln. Das Folgende steht noch heute davon deutlich vor meinem Erinnern: Von meinem Bekannten in Besancon hatte ich erfahren, daß Frankreich schon einen Jahrgang vor uns bei seinen Einziehungen angelangt war. Seine Verluste waren entsetzlich. Sie rührten aus den verzweifelten Anstrengungen her, den verhaßten Boches aus Frankreich hinauszuwerfen, was man in greller und bunter Propaganda dem Volke versprochen hatte. An Kriegsmaterial schien allerdings kein Mangel zu sein, dank der glänzenden englischen Unterstützung, und den Einkäufen in Amerika. Ueberall wurde eine Umformung der Stäbe vorgenommen. Einzelne kampferprobte Truppenteile wurden aus der Front herausgezogen, aufgefüllt, neu eingedrillt und zu besonderen Stoßdivisionen zusammengestellt. Dabei tat Frankreich etwas, was in Deutschland ebenso hätte gemacht werden können. Es beförderte kurzerhand Unteroffiziere, die sich in der Front tapfer ausgezeichnet, ihr Führertum also bewiesen hatten, zu Offizieren, ohne ängstlich auf Nebendinge, wie Herkommen, Vorbildung usw. zu schauen, die in unserer Heimat leider allzu oft als ausschlaggebend bewertet wurden. Alles dies deutete darauf hin, daß Frankreich zu einem neuen gewaltigen Schlage ausholte. Viel wurde auf den englischen Bundesgenossen gescholten, der noch immer mit der Heranziehung aller Kräfte in allgemeiner Dienstpflicht zögerte. Tolle Gerüchte über die Kriegsmüdigkeit der Deutschen schwirrten durchs Land, wurden wohl von Einzelnen hie und da belächelt, die Mehrzahl aber glaubte fest und steif an alles, was die Pariser Propagandisten, geschickt der Volkspsyche angepaßt, ausheckten und verbreiteten. Auch darin konnte Frankreich unser Vorbild sein, denn Krieg ist Krieg; und auch die Propaganda hilft mit zum Endsiege. Große Truppenverschiebungen waren im Gange. Aus den Rekrutendepots rollten unaufhörlich die Transporte nach der Frontmitte hin. Die Alpenjäger wurden ebenfalls aus südlichen Frontabschnitten abgelöst und weiter nach Norden hin umgesetzt. In den Lägern nach der Champagne zu ballten sich die Massen zusammen... Endlich war ich mit meinen unsichtbaren Aufzeichnungen fertig und konnte mich nach abgewickeltem Tagewerke zur Ruhe begeben. Den Rest der Nacht durchschlief ich fest und traumlos, bis tief in den hellsten Morgen hinein. Verhaftet und...? Sonntag war's in der Welt, als ich gegen 9 Uhr erwachte. Von Sabbatruhe konnte man allerdings in Langres nicht viel verspüren. Ein unaufhörliches Kommen und Gehen beherrschte draußen die Straße, lange Wagenzüge rollten an meinem Gasthof vorbei, Fahrzeuge aller Art stauten sich an den Ecken. Ein tolles Schreien, Rufen und Tosen hallte zu mir herauf. Lange stand ich sinnend an meinem Zimmerfenster hinter den Vorhängen und sah voll Interesse auf das Treiben da unten herab. Feldblau war die Farbe des Tages; Feldblau beherrschte Langres. Beim Frühstück unten erkundigte ich mich nach dem„Bureau de recrutement“ und der Platzkommandantur. Bereitwilligst gab der Kellner, ein alter Südfranzose, mir Auskunft.„Beide Büros sind auch heute geöffnet,“ beschied mich noch das weißhaarige Männlein, „denn Sonntag, mon dieu, das gibts hier in Langres nicht mehr. C’est la guerre!“ So begab ich mich denn zunächst zum Bezirkskommando— dem Bureau de recrutement— und verlangte Mr. Y. zu sprechen, an den ich von meinem Besanconer Freunde mit„Empfehlung“ verwiesen war. Gar nicht liebenswürdig wurde ich von diesem Erdenbewohner empfangen, trotz aller meiner Komplimente und trotz der vielen schönen Grüße, die ich ihm bestellte. Kaum dankte er mir für die letzteren. Ein rechter Schnauzbart war der Mann, wortkarg dazu und mit einem angeborenen Mißtrauen behaftet. Grob war er wie ein Fleischerklotz; dabei funkelten ihm zwei bissige Lichter aus dem Gesicht heraus, die wirklich nichts Gutes ahnen ließen. Ihm fehlte vollständig die gemütliche, runde Fülle meines Korsen in Besancon, der Mann hier war kein Korse, war lang, hager, dürr und eckig. Wortlos hörte er meiner wohlgesetzten Rede zu, die ich ihm in aller Besorgnis um das Schicksal meines Bruders vorsetzte. Nur hier und da zischte er ein paar Worte fragend dazwischen. Am Ende meiner Rede sagte der Mann mit aller Bestimmtheit, die jeden Widerspruch abmurksen sollte: „Wenn Ihr Bruder, dem Drange für Frankreichs Rechte zu kämpfen folgte, und sich als Freiwilliger zu unseren Fahnen meldete, dann wird er dies auch sicher seinen alten Eltern in Holland mitgeteilt haben!“—„Vielleicht ist die Nachricht verloren gegangen!“ meinte ich bescheiden.„Hm! So... So... Also, das halten Sie für möglich!" Durchdringend sahen mich die Funkenäuglein des Mannes bei diesem mir etwas höhnisch vorgeworfenen Satzbrocken an. Bedächtig strich er eine Weile seinen graumelierten Knebelbart zurecht und dachte nach. „Na, dann warten Sie mal hier!“ sprach er endlich wieder und blickte mich wirklich nett und freundlich dabei an. Höflichst führte er mich in einen weißgetünchten kahlen Raum, der sonst wohl den Rekruten als Wartesaal diente. Beim Anbieten einer Sitzgelegenheit belehrte er mich noch eingehender:„Sehen Sie,“ sprach er im Fortgehen,„so einfach ist die Geschichte nicht. Sie müssen schon etwas Geduld haben, mein Herr, denn ich muß erst einmal gründlich das„Bordereau“ der Freiwilligen nachblättern, ehe ich Ihnen eine definitive Antwort geben kann.“ „Und wie lange kann das dauern, Monsieur?!“ „Mindestens eine Viertelstunde!“ „Besten Dank im voraus für Ihre Mühe. Ich warte!“ Und ich wartete und wartete. Mein Bordeaumann ließ sich nicht mehr blicken. Etwa dreiviertel Stunde konnte verstrichen sein, da platzte die Geschichte. Zwei Männer traten ein. Ich wußte sofort Bescheid, als ich ihrer ansichtig wurde.„Also daher die plötzliche Katzenfreundlichkeit des Knebelbartes,“ dachte ich bei mir selber. „Sind Sie der Fremde, der seinen Bruder sucht?“ frug mich der eine der Männer barschen Tones und trat auf mich zu. „Parfaitement, Monsieur, ich suche meinen Bruder!“ beteuerte ich ruhig. „Dann kommen Sie mit uns, wir werden Ihnen den Gesuchten zeigen!“ „Wirklich, Monsieur, ist er hier in Langres!“ frug ich erfreut. Die beiden Herren warfen sich einen vielsagenden Blick zu und lachten.„In der Tat, Monsieur,“ antwortete mir wieder der eine.„Sie haben wirklich Glück, uns getroffen zu haben. Denn nun brauchen Sie wenigstens nicht mehr bis zum jüngsten Tage suchend herumzuirren wie der juif errant— der ewige Jude— dafür werden wir schon sorgen!“ Da begann auch ich meinerseits zu lächeln. Jedoch die Herren verstanden absolut keinen Spaß, sondern luden mich noch energischer zum Mitkommen ein, als zuvor. So mußte ich denn meinen neuen Bekannten folgen. Draußen aber an der Gitterpforte der Ummauerung des schönen Hauses nahm mich eine eigens bestellte Ehrenwache in Empfang, die mir aber keinerlei Honneurs als einem Frankreich wohlwollenden Neutralen zu machen gewillt war. Eine zweite Ueberraschung folgte. Denn der eine der dort auf mich wartenden Gendarmen schloß mir plötzlich, ganz gegen meinen Willen, die beiden Hände durch ein paar solide Handschellen feste aneinander, daß ich fast aufschrie vor Schmerz. Urheberrecht durch: Pressebüro Durchbruch, Bonn. Alsdann zog man mich zu einem Karren hin, auf welchen ich halb gehoben, halb geschleudert hinaufflog Und los ging die Fahrt durch Langres hindurch. Keines weiteren Wortes wurde ich gewürdigt. Endlich hielt der Schinderkarren vor einem grauöden Hause, draußen vor den Toren der Stadt. Wir stiegen aus und traten dem netten Baue näher. Eine Schildinschrift besagte, daß wir dem französischen Militärgefängnisse einen Besuch abstatten wollten. Ein Gendarm zog an der Klingel, an welcher auf Messing„Prison militaire“ zu lesen war. war im Bilde! Das geschah am Sonntag, dem 29. August 1915, vormittags 11,30 zu Langres. „Ausziehen! Allez, un peu plus vite(los, schneller)!“ Das war die Begrüßung, die mir entgegensprang. Ich wollte etwas erwidern, wollte den Oppositionellen herausstellen. Aber o weh! Ein paar Kerle packten mich unversehens, rüttelten mich wie der Kater seinen Fang und drückten mich an die Wand, daß mir Hören und Sehen verging. „Los, zieh dich aus, du schmutziger Boche! Wird's bald, du„Dreckvieh!“ schrie mich der Häuptling der Horde an. Da revoltierte in mir mein gutes, neutrales, holländisches Gewissen, und ich schrie ebenfalls los. Was ich eigentlich für Wörter herausbrüllte, weiß ich heute nicht mehr genau, aber das eine bleibt für ewig unvergeßlich an mir haften, daß ich nach meiner Schimpfkanonade furchtbare Hiebe bezog und mir die Kleider buchstäblich vom Leibe heruntergerissen wurden. Splitternackt stand ich zuletzt vor den weißen Negern, die mich wie ein paar tolle Bulldoggen anfletschten: „Maul auf!— Rumpf herunter, Kirmesbacken auseinander!“ Vergebens! Sie fanden natürlich nicht das Geringste. „Du bist nicht der erste, der hier an die Wand gestellt wurde, du Schwein!“, sagte wieder der Häuptling zu mir, sprach ein paar Worte zu den anderen halblauten Tones, worauf mir eine Art Lazarettkittel, ein Monstrum von Hose, nebst zwei zweifelhaften Wolldecken verabfolgt wurden. Damit flog ich mit Glanz in eine Zelle hinein. Ich saß also treu und trocken im Kittchen. Mein neuer Salon, der sich in ein mystisches Halbdunkel verhüllte, war total verdreckt. Jedenfalls war der Raum, in welchem auf meinem großelterlichen Gutshofe „Max“, der Zuchteber, seine Träume ausgrunste, bedeutend besser im Schuß. Eine Art Pritsche, ein halbverfaulter Strohsack darauf und ein Schemel, das war das Möblement des netten Zimmers. Ein Weilchen stand ich ratlos mitten drin in dieser Herrlichkeit und versuchte meine Gedanken fadenweise wieder aneinander zu bringen. Doch plötzlich wurde mir die Sache zu dumm. In höchster Not packte ich meinen Schemel und feuerte ein paarmal damit gegen die Zellentüre, daß es krachend draußen widerhallte. Husten! Niemand kam, nichts regte sich im Bau. Kein Mensch ließ sich blicken. Da wickelte ich mich, so gut es ging, in die Decken ein, ließ mich auf dem Strohlager niederfallen und versuchte zu schlafen. Aber, du lieber, gütiger Himmel, grundgütiges Geschick! Die allerschwersten Verlustziffern der französischen Armee hätte man vollständig wieder ausmerzen können mit dem Heerhaufen von allerhand Krabbelvieh, was da plötzlich aus seinen Schlupfwinkeln heraus zum Angriff auf mein rotes, neutrales Blut überging. Es war der reinste Völkerrechtsbruch en miniature! Bis gegen Abend lag ich von aller Menschheit verlassen und ausgestoßen auf meiner Pritsche. Da endlich tat sich die Luke auf und in meine Zelle herein trat ein Gendarmerieoffizier, der mir ankündigte, daß ich unter dem Verdachte der Spionage vorläufig festgenommen sei und in der Frühe des kommenden Tages zu der Anschuldigung gehört werden würde. Ich bekam auch meine Sachen zurück, wenigstens erhielt ich meine Wäsche und meinen Anzug wieder, auch wurde ich nach einer etwas anständigeren Zelle verlegt. Auf alle Fälle stand ein Bett darin, zu welchem ich sogar saubere Bettwäsche erhielt. Abendessen und eine Flasche Rotwein durfte ich mir für mein gutes Geld aus der Stadt kommen lassen. Nach dem Essen legte ich mich sofort nieder, um in aller Ruhe meine Gedanken für die kommenden Verhöre zurüsten zu können. Daß ich in dieser Nacht nicht schlafen konnte, wird man verstehen. Auch wird man es begreiflich finden, daß mir die Nachtzeit blitzschnell verging. Rasch folgte die Stunden aufeinander, rastlos arbeitete mein Gehirn, in dessen wirres Durcheinander ich nur mit größter Anstrengung Ordnung und Folge hineinzubringen vermochte. Im ersten Morgengrauen schon erhob ich mich von meinem Lager und schritt erst ein dutzendmal meine Zellenlänge ab. Acht Schritte vermochte ich zu tun, eisenbeschlagenen Tore, bis zum vergitterten Fenster meines Käfigs. Her und hin, hin und her schritt ih weiter, wie lange, weiß ich nicht, bis endlich meine Zellentüre aufgerissen wurde. Zuerst wurde mir der Res meiner Sachen, zusammen mit meinem leichten Reisemantel zugeworfen. Dann erhielt ich ein großes. rundes Weißbrot, wie sie zur Ration des französischen Poilus gehören, nebst einem Becher schwarzen, aber wirklich echten Kaffees. Den Mokka schlürfte ich mit dem größten Wohbehagen, der bekam mir wie ein willkommenes Krafiigungsmittel. Das Weißbrot rührte ich nicht an, denn zum Essen verspürte ich nicht die geringste Lust. Mein ganzes Sinnen und Denken stand nach dem ersten Verhör. Lange jedoch brauchte ich diesen Morgen nicht mehr zu warten, denn alsbald nahmen mich Suretébeamte in ihre Mitte, luden mich wieder zu eine Karrenpartie ein und landeten mich zuletzt in den Bur der Sureté, die in der Sous=Prefecture untergebrah waren.(Fortsetzung folgt.) der Ja Sehen Ihnen De Rul in eine Hoteld keit un Rosa-A tels an wolle tete de doch in absteigt „M. reichen „Ab en— müssen. „Al Das 3 Fra würde ulasse „Da urchsch Ein Jahrt Der Und sie „De Führer nichts o sragt d ein Aes Kein „Na „Die „Sel „Ein (Gespie 1. d 2 Dam n der en u c. sier mite aatsj köfnu eig 19. Sf3, (5. uf den (besse 15. und We 4. Schwa eines Stellund 5. nz er Das stimmt! Hein Mann hat mir gestern erzählt, haus ein wahres Hundeleben!" berichtet er führe zu die gute Freundin. Allerdings!" meinte die Gattin.„Er kommt mit utzigen Füßen nach Hause, macht sich's am Ofen ben und lauert aufs Essen!“ auf log. ines der vor dem wir aban Jch gust r)!" ellen mich Fang und bald, an. llänßich ewig mpfeider ttermich ausngste. stellt mir, ones, von folgt nein. Halbr der shofe edeubvert das dieser weise mir einen ellenKein ut es lager ieber, sischen önnen as da ngriff r der verndlich at ein unter en sei ischulmeine eund etwas ein he erte ich lassen. aller re zuhlafen greifrging. beitete ir mit ringen Ein Schauspieler, der wenig Erfolg hatte, sagte einst um Direktor Beckmann:„Wenn ich wieder auf die Welt lmme, werde ich kein Schauspieler“. Beckmann erwiderte ganz gelassen:„Nun, dann sind Sie ja jetzt schon wiedergeümmen" Auf der Straße steht ein älterer Herr und raucht volter Wohlbehagen eine dicke Havanna. Ein junger Herr tritt hinzu. Ist wohl eine teure Zigarre, die Sie da rauchen?“ Dreißig Pfennige kostet das Stück.“ O. viel Geld, und wieviel rauchen Sie am Tage?“ Ungefähr zehn, es können aber auch mehr sein." Das wären am Tag mindestens drei Mark. O, sehr die Geld! Und wie lange rauchen Sie schon, wenn ich ragen darf?" Warten Sie mal: von zwanzig bis fünfundsechzig Jahren; sind also 45 Jahre.“ Der junge Mann rechnet. Endlich bricht er das Schweion.„Wissen Sie schon, mein Herr, daß Sie im Laufe der Jahre eine Riesensumme an Geld ausgegeben haben? Sehen Sie das stattliche Haus da drüben? Das könnte Inen gehören, wenn Sie nicht geraucht hätten.“ Das gehört mir ja,“ lacht der alte Herr wohlwollend. Anekdoten. Erzählt von Hans Bethge. Der Gutsherr Bismarck. Bismarck liebte es, die folgende Geschichte zu erzählen: „Auf unserem Gut Varzin erkrankte eines Tages meine Frau an einer Erkältung mit Fieber, und da der Hausarzt verreist war, ließen wir einen jungen Mediziner aus der Nachbarschaft kommen. Er blieb zum Essen, sprach während der Tafel dem Wein gut zu, wurde recht aufgeräumt und erzählte, daß er vor einigen Tagen nachts zu einer blutigen Rauferei geholt worden sei, bei der einer einen Bauern derart zugerichtet hätte, daß sein Gehirn durch eine klaffende Wunde zutage getreten sei. Er, der Arzt, habe die Wunde mit nicht weniger als 24 Nadeln sorgsam zugenäht, und der Bauer habe sich dank der geglückten Operation schon nach drei Tagen so gut erholt, daß er wieder zu der gewohnten Arbeit habe aufs Feld gehen können“ Wenn Bismarck so weit erzählt hatte, pflegte er zu fragen: „She ich fortfahre, möchte ich fragen, ob sich vielleicht ein Stadtrat unter den anwesenden Herrschaften befindet. Ich könnte dann die Geschichte nämlich nicht gut zu Ende erzahlen.“ Wenn alle verneint hatten, fuhr er fort: „Der Bericht des jungen Arztes war sehr merkwürdig, aber ich tat so, als ob ich nicht den allermindesten Zweifel in seine Wahrheit setzte.„Toll“, sagte ich einfach,„aber in Berlin ist einem Ihrer Kollegen neulich ein operativer Eingriff gelungen, der mir noch viel erstaunlicher zu sein scheint. Kommt da eines Tages ein Mann zu einem bekannten Chirurgen und erzählt ihm, daß er andauernd an den schrecklichsten Kopfschmerzen leide.„Das ist eine Sache des Gehirns“, sagte der Arzt mit ernster Miene, „wir müssen nachsehen.“ Er nahm dem Patienten die Schädeldecke ab, hob das Gehirn heraus, setzte die Locke wieder auf und sagte zu seinem Schützling:„Ich werde Ihr Gehirn in Ordnung bringen, kommen Sie bitte in zwei Tagen wieder, dann setze ich es Ihnen wieder ein, und sie werden nie wieder über Kopfschmerzen zu klagen haben.“ Der Patient dankte und verließ seinen Wohltäter ganz erleichtert in einer wunderbar heiteren und gehobenen Stimmung. Als er sich nach zwei Tagen nicht wieder einfand, schickte der Chirurg zu ihm mit der Bitte, er möchte doch kommen, es sei höchste Zeit, daß ihm das Gehirn wieder eingesetzt werde.... Der Patient ließ ihm antworten, er danke vielmals, doch habe er sein Gehirn jetzt nicht mehr nötig, denn er sei unterdessen Stadtrat geworden... Der junge Arzt an unserer Tafel lachte zwar über die Geschichte, doch war ihm deutlich anzumerken, daß er sich nach einer baldigen Beendigung des Essens sehnte, um sich in seinen Nachbarort zurückziehen zu können. Der angenehme Geschäftstreund Von Ernst Klotz Rudolph G. Spreckels, ein Newyorker Millionär, stieg i einem vornehmen Hotel in Los Angeles ab. Als der hoteldirektor seine Unterschrift sah, zerfloß er in Höflichseit und sagte:„O, Herr Spreckels, Sie werden gewiß die Rosa=Appartements beziehen wollen, nicht wahr?“ Sprekels antwortete kühl, daß ihm diese zu teuer seien; er nolle etwas billigeres.„Aber Herr Spreckels,“ antwortete der Direktor dienstbeflissen,„Ihr Herr Sohn wohnt immer in den Rosa=Appartements, wenn er bei uns ebsteigt.“ „Mein Sohn,“ antwortete der Millionär,„hat einen richen Vater. Ich bin leider nicht in dieser günstigen „Aber Minna, Sie haben diese kostbare Vase zerschlagen,— da werde ich Ihnen drei Mark vom Lohn abziehen müssen." „Als Sie die Vase geschenkt bekamen, haben Sie gesagt: das Zeug ist keine fünfzig Pfennig wert!“ * Frau Huber ist mit ihrem Mann beim Arzt:„Ich würde Ihnen raten, Ihren Mann einmal durchleuchten lassen." „Das ist nicht nötig, Herr Doktor, den hab' ich längst Aurchschaut." * Eine junge Dame fährt mit ihrem Auto in voller Jahrt gegen ein anderes. Der Schupo verhört die auf den Trümmern Sitzende. Und sie erklärt: „Der Wagen gehört nicht mir, ich habe auch gar keinen Führerschein, also geht mich eigentlich die ganze Sache nichts an.“ In der Mädchenschule onstagt der Lehrer:„Gerda, können Sie mir sagen, was emn Aesthet ist?“ Keine Antwort. „Na— was ist denn Aesthetik?“ „Die Lehre vom Schönen!“ „Sehen Sie... und was ist dann ein Aesthet?“ „Ein schöner Lehrer!“ „Frau!“, sagte der Fabrikant Sticker,„wir kriegen Besuch!“ „Ach du lieber Schreck, wen denn?“ „Herrn Neumann aus Leipzig. Du weißt, alter Geschäftsfreund von mir. Ich habe zweimal während der Messe bei ihm gewohnt. Ich kann garnicht anders. Wir können ihn hier nicht ins Hotel ziehen lassen!“ „Das hat mir noch gefehlt! Erstens fängt übermorgen das große Reinemachen an, außerdem bin ich sowieso mit den Nerven ganz runter, und da bringst du mir noch Logierbesuch ins Haus! Was ist das denn wenigstens für ein Mensch?" „Neumann ist durchaus ein angenehmer, umgänglicher Herr, einer, der kein Wässerlein trübt. Außerdem aber vor allem einer der wenigen Leute, mit denen man heute noch Geschäfte macht und machen kann ohne Kopf und Kragen zu riskieren.“ „Ich muß sagen, so ein wildfremder Mensch in der Wohnung! Für meine Nerven ist das jetzt jedenfalls einfach Gift!“ „Beruhige dich, Frau! Neumann wirst du überhaupt nicht merken. Der sagt kaum etwas, wenn er gefragt wird. Also warte nur ab, es wird alles nur halb so schlimm werden.“ Richtig, Herr Neumann kam, Frau Sticker sah ihn, und Herr Neumann siegte! „Du hast recht!“, sagte sie noch am ersten Abend zu ihrem Gatten,„er ist wirklich ein bescheidener, stiller Mensch, stellt keine Ansprüche und nimmt mit allem vorlieb." „Siehst du, hab ich dir ja gleich gesagt! Aber nun höre mal, was werden wir ihm denn nun in den drei Tagen bieten?“ „Ja, das weiß ich auch nicht, Männe!“ „Das Theater spielt jetzt nicht, das Museum ist nur am Sonntag auf, aus dem Kino wird er sich auch nicht viel machen, das hat er in Leipzig ebenso— was fangen wir bloß mit ihm an— weißt du, ich werde ihn immer ein bißchen mit spazieren nehmen und ihm eben unsere Sehenswürdigkeiten mal erklären.“ So kam es, daß der Fabrikant Sticker am nächsten Morgen seinen verstaubten Führer durch das Städtchen zu studieren anfing und sich plötzlich in die lokale Geichte vertiefte. Das kleine Bändchen verließ ihn auch nicht, wenn er mit Herrn Neumann während der nächsten Tage durch die nüchternen Straßen wanderte oder die Umgebung besuchte. Ab und zu zog er es verstohlen aus der Rocktasche, um sich über Daten und Namen nochmals zu vergewissern. So wie er mit seinem getreuen Begleiter wieder vor einem Amtsgebäude oder einer Kirche stand, machte er ihn gewissenhaft mit dem Jahre der Grundsteinlegung, dem Namen des Baumeisters und allen Besonderheiten des Baustils bekannt. Keine Stätte, die mit irgendeiner geschichtlichen Erinnerung verbunden war, verließ er ohne des Ereignisses zu gedenken, und alle seit grauer Vorzeit mit der Gegend verwobenen Sagen erzählte er mit der Geduld einer gütigen Mutter. Manchmal, wenn er mitten im Erzählen war, warf er plötzlich einen scheuen Blick auf das geduldige Massiv des Herrn Neumann, denn er war sich wohl bewußt, daß er sich im Grunde trotz des kleinen Führers eigentlich auf rechtem Glatteis bewegte, und er bangte vor nichts mehr als vor einer Zwischenfrage, die sofort seine tatsächliche Unkenntnis aller historischen Ereignisse und Zusammenhänge hätte entlarven müssen. Erschrocken bemerkte er auch einmal beim Durchblättern des kleinen Büchleins, daß er eben ein kleines Rokoko=Jagdschlößchen als den Wachtturm bezeichnet hatte, der unverändert erhalten geblieben sei, wie er zur Zeit der Hussitenkriege stand. Aber er war umsonst erschrocken, unermüdlich trabte der Leipziger neben ihm her, stets das gleiche gutmütige Lächeln auf seinem breiten, rundlichen Gesichtchen. Er stimmte Herrn Sticker zu, wenn der vorschlug:„Ist es Ihnen recht, Herr Neumann, so gehen wir jetzt mal da rüber und sehen uns die Hauptpost an!“ Er hörte mit ewig zufriedener Miene den ausführlichen Erläuterungen zu und war ebenso willig, wenn ihm vorgeschlagen wurde, wieder heimzuwandern, und genau so behäbig, behaglich, schweigsam saß er wieder mit am gastlichen Tisch der Familie Sticker. Spät am Abend des dritten Tages brachte ihn das Ehepaar zu Bahn. Schon strahlte das glänzende Gesicht des scheidenden Geschäftsfreundes aus dem offenen Fenster des Eisenbahnabteils, da wies Herr Sticker gewohnheitsgemäß noch in diesem letzten Augenblick auf einen nüchternen Ziegelbau ganz in der Nähe des Bahnhofes und erläuterte:„Sehen Sie, Herr Neumann, das war früher die Kaserne, in der das Infanterie=Bataillon lag, das wir vor dem Kriege hatten!“ Zum ersten Mal ging Herr Neumann auf so einen freundlichen Hinweis ein. „Ich weiß“, sagte er,„ich habe ja hier mein Einjährigenjahr abgedient!“ Herr Sticker blieb völlig stumm, aber seine Frau löste ihn sofort ab.„Herr Neumann, Sie waren schon einmal in unserer Stadt? Und da haben Sie uns kein Wort davon gesagt, wo Ihnen doch mein Mann immer alles bis ins kleinste erklärt hat?“ „Nun ich wollte eben nicht unhöflich sein!“ sagte strahlend der angenehme Geschäftsfreund, indeß sein unentwegtes Vollmondgesichtchen schon begann mit dem anfahrenden Zuge dem stummen Ehepaare zu entschwinden. Er ist noch öfter bei uns gewesen, aber erstaunliche Geschichten aus seiner Praxis hat er nicht wieder erzählt. * Die Abfuhr für den Marquis. Leo XIII. war, bevor er Papst wurde, als Nuntius in Brüssel tätig. Als er eines Abends zur königlichen Tafel zugezogen war, saß neben ihm ein leichtfertiger Marquis, der es für gut befand, sich einen Scherz mit dem hohen Geistlichen zu gestatten. Er zeigte dem Vertreter des Zölibats eine Tabaksdose, auf der eine frivole Frauengestalt in höchst anstößiger Weise dargestellt war. „Wie gefällt sie Ihnen, Eminenz?“ fragte er mit zynischem Lächeln. „Eine schöne Dame“, entgegnete der Nuntius, indem er die Dose betrachtete,„vermutlich die Frau Marquise?“ kan hat nicht wieder gesehen, daß der Marquis dem Nuntiu seine Tabaksdose vorgewiesen hat. Der Einkauf. Der Koch eines großen Restaurants ging auf den Markt, um Wildpret einzukaufen. Es war aber schon etwas spät, und manche Sorten, z. B. Rehe, waren fast ausverkauft. Er kaufte von Rehen, wäs noch da war, dazu Hirsche und Birkhühner. Der Preis für einen Hirsch war 30 Mark, für ein Reh 9 Mark, für ein Birkhuhn 1,50 Mark. Der ganze Einkauf kostete genau 300 Mark. Wieviel Stück hat er von jeder Art gekauft, wenn er von Birkhühnern doppelt so viel hatte, wie von Hirschen und Rehen zusammengenommen. nns, Tenbam. 19 Ufer, 21 Aul, 23 Rahel, 25 Steig, 26 Ena, 27 Terz, 28 Elen;— b) 1 Aare, 2 Stiel, 3 Tee, 5 Medoc, 6 Aga, 7 Reni, 9 Lemberg, 11 Genf, 14° Mara, 16 Euler, 17 Huene, 18 Mast, 20 Plan, 22 Ute, 24 Hel. SCHACH-ZEITUNG Problem=Schach. Problem Nr. 8 von Dr. Fabel und F. Palatz. (Die Schwalbe 33) Schwarz: Kal, Ta7,(2) abcdefgh n. abcdefg Weiß: Kc2, Ta4, Lb3, Ba2 c5(5) Matt in 4 Zügen. Massiver Angriff. Partie Nr. 11— Indisch. Kaf. Partie Nr. 11— Inoisch. bespielt bei den Ausscheidungskämpfen des Berliner Schachverbandes im Bezirk Norden.) p. Kunert Schwarz: Eyber. 1. d2—94 Sg8—f6 2. Sg1—f3 b7—b6 eiit leitet Schwarz die damenindische Verteidigung ren Hauptidee ist, den Punkt e4 unter Druck zu den Vorstoß e2—e4 vorläufig zu verhindern. 3. C2c4 8—67 Sbi—c3 auch sehr stark g2—g3! in Betracht. In dem aingeleiteten Kampf„Läufer gegen Läufer" ist der aaunser infolge seiner geschützten Stellung seinem kaponisten auf b7 überlegen.(H. Geist in der„BayrFostnsrs, 1923). Die eigentliche Stammpartie dieser braa Aljechin-Bogoljubow(Fünferkampf zu Tri), nahm nach den Eröffnungszügen 1. d4, Sf6, 0 5. c4, b6 4. g31 Lb7 folgenden Verlauf: 5. Lg2, scheitert an 6. Se5! mit dauerndem Angriff Hauern d5) 6. dc5:! Lc5: 7. 0—0 0—0, 8. Sc3, So.. Sa6 9. Lg5 Le7) 9. Sfd4, Ld4: 10. Dd4:, e5. 15 de4: 12. Tfdi! Dcs 13. Lg5, Sfd5 14. Scd5: und M. Sb4 15. Le4! f5 17. Lf5: Tf5: 18. Tdsseißz gewann schnell. res erd konnte sich hier sofort den nur zweitbesten Zug gners zunutze machen und durch Sf6—e4 die enlung etwas vereinfachen. 286 e unnatürlich wirkende Zug stellt sich durch die Erwiderung des Weißen als vollständig gslos heraus. Um weiter e4 zu verhindern, wäre die logische Fortsetzung Lb4 gewesen. In Betracht kommt auch, wie Meister Helling im„Denken und Raten“ angibt, c7—c5, um auf e4 mit Sc6 fortzusetzen. 6. a2—03 b.... d7—d6 7. e2—e4 2f8—e7 8. Lf1—d3 e6—e5 Damit provoziert Schwarz die Verrammelung der Mitte durch d4—d5, um seinem Springer durch das bekannte Manöver Sc6—b8—d7 neue Zukunftsperspektiven zu eröffnen und später durch f7—f5 zum Gegenspiel zu kommen. 9. d4—d5 Sc6—b8 10. 0—0 Sb8—d7 11. Lc1—e3 Sf6—g4 gegen die exponierten Springer zurück. 12. Le3—d2Sd7—c5 13. Ld3—e2 0—0 Besser war hier wohl a7—a5, um b4 und damit schnelle Lahmlegung des Damenflügels zu verhindern. 14. Sf3—e1 Lb7—c8 15. b2—b4! Sc5—a6 Nunmehr ist der schwarze Damenflügel vollständig lahmgelegt und Weiß kann sich seinen Plänen auf dem Damenflügel widmen. 16. f2—f4 Etwas übereilt gespielt! Besser war erst h3 und dann f4, um dem Schwarzen nicht das Feld e5 zu überlassen. 16. e5—f4: 17. Lc1—f4: Le7—f6! 18. Se1—d3 Tf8—e8 19. Tat—e1 Weiß bietet damit ein Bauernopfer an, das Schwarz kaum annehmen durfte. Angebracht war an dieser Stelle Se5! 19. Lf6—03: 20. Dc2—c3: Te8—e4. 21. Le2—g4: Te4—e1: 22. Tf1—e1: Lc8—g4: Weiß ist aus diesem Generalabtausch mit einem starken Uebergewicht am Königsflügel hervorgegangen, das den geopferten Bauern mehr als aufwiegt. Gegen den folgenden Schlußangriff ist Schwarz wehrlos. 23. Te1—e3! Lg4—f5 24. Te3—93 7—f6 25. 2f4—h6 2f5g6 26. Sd3—f4!! Das Figurenopfer ist durchschlaggebend! Nebenbei droht Lg7: mit folgendem Se6+. 26. 97—06. Besseres ist hier für Schwarz kaum zu finden. 27. Sf4—g6: h7—g6: 28. Tg3—g6: Kg8—f7 Auf Kh7 würde Dd3 folgen. 29. Tg6—h6: 30. Dc3—h3 31. Dh3—h5 und Schwarz gab auf, da Damenverlust auf keine Weise zu vermeiden ist. (Erläuterungen unter Verw. der Anm. Meister Hellings im„Denken und Raten“). Kf7—g7 Dd8—g8 Partie Nr. 12.— Holländisch. (Gespielt vergangenen Sonntag beim Mannschaftskampf Dortmund—Bielefeld am 4. Brett.) Weiß: Wefelmeyer, Bielefeld Schwarz: Rupschus, Dortm. 1. c2—c4 f7—f5 2. b2—b3 Damit überläßt Weiß seinem Gegner das Zentrum, eine im Sinne der Initiative des Anziehenden zum mindestens zweifelhafte Partieanlage. 2 3. Lc1—b2 Sb8—c6 4. e2—e3 Sg8—f6 5. Sq1—f3 d7—d6 Die Einschließung des schwarzen Königsläufers ist hier wohl erzwungen, da auf 5.... e4 Weiß vorteilhaft Sd4! spielen könnte. 6. Lf1—e2 Lf8—e7 7. 0—00—0 8. d2—d4 e5—e4 9. Sf3—d2 Kg8—h8 Als Vorbereitungszug zu dem Vorstoß d6—d5 gedacht! Der König geht damit der eventuellen Fesselung Le4 aus dem Wege. 10 Sb1—c3 Hier hätte Weiß die gegnerischen Absichten durch d4—85 unterbinden müssen. Darauf plante Rupschus Se5. Falls dann Le5t, so de5: Dc2 usw., und Weiß muß immer darauf bedacht sein, den Vorstoß f5—f4 zu verhindern. 10. d6—d5! Nunmehr bekommt Schwarz allmählich Oberwasser. Sf6—d5: Dd8—d5: Dd5—d6 Dd6—h6 Le7—d6! Lc8—d7 11. c4—d5: 12 Sc3—d5: 13. Le2—c4 14. f2—f3 15. Dd1—e2 16 f3—f4 So gut wie erzwungen! 16. 17. Kgl—h1. Weiß räumt seinem Turm das Feld gl, um durch a4 seinerseits zu ernsten Aktionen überzugehen. Rupschus kommt seinem Gegner aber durch einen Geniestreich auf dem Damenflügel zuvor. Notwendig war 17. a3. Jedoch war das Folgende schwer vorauszusehen. 17.. Sc6—b4! 18. Tf1—f2 Sofortiges a3 würde nach Sc2 Ta2(Tcl verliert den Bauern a3) b5! zur Textfortsetzung führen. 18..... b7—b5 19. a2—a3 Notwendig! Sb4—c2 20. Lc4—d5 Ta8—c8 Sofort c6 scheitert an Lc6:! Lc6: Tact! 21. Tal—a2? Darauf geht die Partie rettungslos verloren. Das kleinere Uebel war Tel; darauf gewinnt Schwarz aber wieder den Bauern a3. 21. 7—c6 22. Ld5—e4: f5—e4: 23. Sd2—e4: Sc2—e3: Mit diesem überraschenden Zug hatte Weiß wahrscheinlich nicht gerechnet. Er glaubte wohl, seine Figur zurückzugewinnen und dann auf Grund seines Mehrbauern besser zu stehen. 24. Se4—d6: Der Springer auf e3 darf, wie leicht ersichtlich, wegen Lf4: nicht geschlagen werden. 24. Se3—g4! Darauf kann Weiß aufgeben, denn er verliert einen ganzen Turm. 25. g2—g3 Sg4—f2:+ 26. De2—f2: Dh6—d6: und Weiß gab nach einigen belanglosen Zügen auf. Schachnachrichten. Westfälische Mannschaftsmeisterschaft. Dortmund schlägt Bielefeld 6:4. In der 2. Runde traf Dortmund auf die spielstarken Bielefelder, die von Meister Seitz geführt wurden. Es gelang der Dortmunder Mannschaft, aus dieser Kraftprobe mit einem sicheren 6:4=Sieg hervorzugehen. Gödde unterlief in einer Caro=Kann=Partie gegen Seitz ein Eröffnungsschnitzer, den er nicht wieder aufholen konnte, da Meister Seitz sehr stark fortsetzte. Bauer ging gegen Peppmöller in einer französischen Partie aus der Eröffnung mit einem Plusbauern hervor. Im Mittelspiel hatte er dann einen gefährlichen Angriff auszuhalten. Er verteidigte sich aber umsichtig und konnte sein Uebergewicht behaupten. Auf den scheinbaren Gewinnzug Bauers konnte Peppmöller aber überraschenderweise trotz Turmminus durch Dauerschach Remis erzwingen Weil gewann schon vor der Zeitkontrolle gegen Hilmer, der durch grobes Versehen die Dame verlor, aber bereits schlechter stand. Rupschus spielte gegen Wefelmeyer eine hübsche Partie mit scharf pointierten Bauern= und Figurenopfern. Der Gewinnweg war zwingend. Bundfuß stand gegen v. Baudissin in einer schottischen Partie während der ganzen Partie überlegen. Trotz der vereinfachten Stellung war das Endspiel noch zu gewinnen. Bundfuß hatte sich aber auf eine Sache versteift und übersah dabei den ganz naheliegenden Gewinnzug. Auf diesen Lapsus mußte er sich mit Remis begnügen. Schardinel erlaubte sich gegen Brinkhoff ein etwas zweifelhaftes Gambit und stand auch schon bald sehr schlecht. Der Bielefelder setzte aber auch nicht am besten fort, und allmählich konnte Schardinel seine Stellung wieder einigermaßen konsolidieren. Im weiteren Verlauf der Partie verlor er aber einen wichtigen Bauern und gab, als der Endsieg der Dortmunder Mannschaft bereits feststand, das aussichtslose Rennen auf. Sundarp erreichte gegen Gottschalk in einem Damenbauernspiel eine aussichtsreiche Stellung und konnte seinen Stellungsvorteil auch bald in Materialgewinn umwandeln, was zum Gewinn der Partie genügte. Westphalen verteidigte sich gegen Thumser nimzoindisch“, erlangte aber schon bald die Initiative. Ein vorübergehendes Qualitätsopfer sicherte ihm dann entscheidenden Bauerngewinn. In dem Läuferendspiel hatte er 2 Mehrbauern. Ein grober Fehler Thumser's beschleunigte aber das Ende. Schröer spielte ganz gegen seine sonstige Gewohnheit als Anziehender sehr zahm, sodaß der Bielefelder Schrickler den Angriff an sich reißen konnte. In der entscheidenden Stellung übersah Schrickler aber den Gewinn und mußte im Bauerndendspiel mit Remis zufrieden sein. Am letzten Brett endlich erlangte Kleber als Nachziehender gegen Krette schon bald das bessere Spiel. Er ließ aber im Mittelspiel zu große Vereinfachung zu und konnte das Turmendspiel mit einem Mehrbauern nur remisieren. Wettkampf Kieninger— Engels. Gegenwärtig findet ein Match der beiden bekannten Meister um die Vorkämpferschaft Westdeutchlands statt. Gespielt werden 10 Partien. Blumen und Lokomotiven Von Gunnar Thorstensson Pihl Es ist schwer zu behaupten, daß eine Blume schöner sei als eine Lokomotive— weil die Schönheit der Lokomotive und die der Blume nichts miteinander zu tun haben. Soweit ich es beurteilen kann, haben sie nur ein Gemeinsames— daß sie riechen! Geruch erweckt die tasie. Konturenlose Umrisse einer Frau, Stimmungen, die oft keinerlei Bedeutung haben und fast ohne Ausnahme unpraktisch sind, tauchen auf, wenn man den Duft einer Blume empfindet. Der Geruch der Lokomotive erweckt die Vorstellung von Freiheit. Behaupten Sie bitte nicht, eine Lokomotive röche schlecht! Der dicke Geruch von warmem Oel und Rauch, der eine D=Zuglokomotive umschwebt, erinnert an den Geruch wilder, starker Tiere. Ich habe in einer kleinen Stadt gelebt, wo alle Menschen einander grüßen, und bin von dort auf das Land gegangen, um die Weite der Natur um mich zu haben. Und dort kam— weit her— der Dunst der Lokomotive über die Ebene, ein schwacher Geruch von Steinkohlenrauch, und das Geräusch des gewaltigen Atems der Maschine. Meine Nasenflügel bebten wie bei einem Hund. Mit erneuter Kraft wurde die Opposition in mir wach, und die Sehnsucht nach Freiheit... glauben Sie, es hilft in so einer Stunde, wenn man eine Blume an die Nase führt, deren Duft nichts anderes als 1 c e dicht werden lassen und sie nicht mit Rolläden aussperren. Die Dämmerung macht nachdenklich. Sie verbirgt alles, was man nicht sehen soll. Erst ist sie blau, dann grau, dann schwarz, ganz schwarz und weich. Nur die Lichterreihen weit fort schmücken die Nacht. Ich ließ die Gedanken an den Park sein. Ich acceptierte den Bahnhof. Der ist niemals dunkel. Bis zu mir herein fließt der Widerschein von Hunderten von Lampen, gelb, rot, grün, kleine schimmernde Punkte rühren sich an den Schienen und zeigen den Weg, mächtige Glasgloben werfen starkes weißes Licht über eine weite Fläche ganz rechts, wo die Züge einige Sekunden halten, um gleich wieder weiterzurollen. Links nimmt das Lichterspiel ab, da verschwinden die Züge im Dunkel. Aber man sieht noch lange ihre rubinroten Signale. Die Frau hatte recht. Man hörte die Eisenbahn nicht. Man hört das Rasseln der Straße, besonders stören die Lastwagen, aber die Laute der Eisenbahn verschwinden. Ich mußte lauschen, um sie zu vernehmen, und das tue ich oft. Denn dieses niemals verströmende Leben, dieser Strom von Bewegungen muß ja brausen. Nichts liegt mehr zwischen mir und der Eisenbahn, als das Fensterglas und der Abstand. Im Sommer nicht einmal das Fensterglas. Ein Kranz kleiner ängstlich niedriger Bäume wächst tatsächlich an der Eisenbahn entlang, aber sie stören nicht. Sie sind nur Kulissen. Und das Sausen ihrer Blätter hört man nicht. An ihnen vorbei strömt der Wille durch Eisenschienen. Vorne, hinei 1 e in e 5t a a Ri 11 se da lö hr on 5ti de an Be au en er he e1 Der Eiger, von der Scheidegg aus gesehen. Zum ersten Male wurde vor kurzem der Eiger über den Ostgrat erstiegen, und zwar von dem 60jährigen Bergführer Fritz Amater und dem Jungführer Fritz Kaufmann-Almer, die den Aufstieg von derMittelegi-Hütte in Angriff nahmen. telnd auf die Aussicht. Der Blick war frei. Erst kam ein Markt, der tief unter dem Balkon lag. Dann ein großes, glitzerndes Feld, übersät mit Eisenbahnschienen. Darüber hasteten ständig elektrische Züge mit einem gedämpft singenden Ton, und dann und wann kamen schwarze Lokomotiven, die in den Sonnenschein lustige, kleine, weiße Wolken hinaufwarfen. „Aber der Lärm?“, sagte ich. Denn der Lärm ist unser Leben, das Leben der Großstadtmenschen, ist die Bürde, die wir um unserer sündigen Unruhe willen tragen. Niemals wird unser Kopf von dem Lärm verschont, und wenn wir in die Berge oder an den Strand des Meeres fliehen, macht uns die große Stille nervös. Dabei erzeugen wir selber den Lärm, den wir verwünschen! Aber die Frau sagte:„Nein, nein, der ist nicht schlimm. In einer Woche hat man sich daran gewöhnt und merkt ihn nicht mehr.“ Das stimmte. Und ich dachte: Gewiß wäre es besser gewesen, an einem Park mit grünen Bäumen zu wohnen und die Stimmen von spielenden Kindern zu hören. Aber ob meine Gedanken richtig waren, weiß ich nicht, denn auch an einem Park habe ich schon einmal gewohnt. Es war schön dort, eine Pappelallee stand hoch und gerade im Hintergrund und abends zeichneten sie sich wie eine südliche Landschaft vom blaßgelben Himmel ab. Man behauptete, diese Aussicht sei beneidenswert. Man wußte nicht, daß sie zu Träumereien verleitete, zu angenehmen und planlosen Betrachtungen, die sich in Nichts auflösten und wie eine romantische Musik zerflossen. Erst hatte ich keine Rolläden, denn wer konnte mich schon sehen. Der Park— die Pappeln. Aber dann kaufte ich welche und zog sie vor der Landschaft herunter, und da wurde es besser. Aber es war gegen mein Prinzip.(Man soll keine Prinzipien haben.) Wenn man nämlich so wohnt, daß man sich nicht vor den Menschen zu verstecken braucht, dann soll man die Dämmerung vor den Fensterscheiben Blockflötenspieler weit fort— der Bahnhof schläft nie und ruht nie. verlockt nicht zu unnötigen Betrachtungen. Er verdet mit der ganzen Welt und gehorcht nur einem rt: Du mußt. Ich gebe zu, daß mich die elektrischen Züge weniger interessieren. Sie sind schnell und sehr behende, und man kommt rasch mit ihnen in die Stadt. Aber sie sind unselbständig. Wenn man hinten in einem Haus auf einen Knopf drückt, rollen sie hilflos noch einige Meter und bleiben dann stehen. Wenn der Strom ausgeschaltet ist, sind sie nicht mehr zu bewegen. Aber zu bestimmten Zeiten am Tage kommen die Schnellzüge. Der Bahnhof ist so groß, daß sie ein paar Minuten halten. Sie sind lange nicht so schnell, wie die elektrischen Züge. Von rechts, wo abends die großen Lichter scheinen, schiebt sich die Lokomotive in das Bild. Langsam macht sie einige Stöße vorwärts, wie um zu erproben, ob es geht, füllt die Lungen, pustet einen Strahl Rauch aus und setzt sich in Bewegung. Sie weiß, was sie kann, schüttelt ihre Wagen und zieht sie mit sich. Der schwarze Körper glänzt, ist voll Feuer und Kraft. Die Kolben heben und senken sich, die Räder rollen: Die Lokomotive ist fertig zum Sprung. Aber es dauert, bis sie ihre ganze Kraft entwickelt. Würdig, schwer und stolz geht es über die Schienen, sie bekümmert sich nicht um die elektrischen Würmer, die immer nur im selben Gleis rund herum fahren. Sie murrt, atmet freiex, zieht an und verschwindet nach links, die Wagen schweben vorbei in langem, harmonischem Rhythmus. Doch ich vergesse darüber die Lokomotive nicht. Ich weiß, daß hinter dem Bahnhof, wo die Stadt aufhört und die Häuser niedriger werden, ein wildes Warnungssignal ertönt. Ihre ganze brutale Kraft läßt dann die Maschine los und stürzt vorwärts. Sie zittert vor Freude, die Luft saust. Felder und Berge und Höfe starren erschreckt auf das schwarze Untier, die Vögel fliehen, die Schienen donnern schon kilometerweit vorher eine heftige Melodie: die Lokomotive kommt— die Lokomotive kommi.... Das sehe ich zwar nicht aus meinem Fenster, aber ich weiß, daß es so ist. Ich fühle es, die Schienen vereinen uns. Ich träume nicht von den Silhouetten der Pappeln gegen den gelben Himmel, aber fühle, wie die Opposition gegen alle Grenzen in mir erwacht und wächst. Ich erlebe, wie die Welt sich vor einer Lokomotive auftut, unbezwinglich wirft sie sich vorwärts, geradeaus, dem ewigen Leben entgegen, niemand kann sie durch einen Druck auf einen Knopf aufhalten. Sie hat ihren eigenen Willen. Und hat ein Ziel hinten und am Horizont. Und das ist unbeschreiblich schön. Ich weiß auch, daß in den Wagen Menschen sitzen und mit tränenerfüllten Augen schöne Blumen betrachten und durch ihren Duft noch trauriger werden.... (Uebersetzung aus dem Schwedischen.) Hungernacht in Liverpool Von Knud Andersen Es war ein harter Winter für die Seeleute in Liverpool. Viele lungerten wie ich, hungrig und ohne einen Penny, in den Straßen herum. Kein anderes Nachtlogis gab es als die Eisenbahnwagen unten an den Docks oder einen geschützten Winkel hinter der Kathedrale. Man muß schon todmüde sein, um an solchen Orten schlafen zu können, wenn das Wetter rauh und kalt ist. Darum machte ich jeden Abend dreimal die Runde durch die Great George Street, St. James Street, Park Lane, Paradise=, Hannover= und Bold Street, bevor ich in einem Winkel an der geschützten Seite der Kirche zusammenkroch. An dem Abend war es neblig und kalt. Ohne irgend einen anderen Gedanken als den, dreimal die Runde zu machen, schleppte ich mich durch die Straßen. Als ich zum letztenmal durch die Great George Street kam und, um das Tempo einzuhalten, stumpfsinnig vor mich hinzählte, wurde ich auf einen Mann aufmerksam, der einige Schritte vor mir her ging.„Vielleicht auch so ein armer Geselle“, ging es mir durch den Kopf. Als er in die Pitt Street einbog, folgte ich ihm. Nun ist die Pitt Street, was die Beleuchtung betrifft, immer ein Stiefkind gewesen. Aber schon nach einigen Schritten war ich fest davon überzeugt, daß der Mann vor mir der alte Schiffer Clausen von dem Schoner Anna sein müsse. Zwar schien es mir, als ob dieser Mann größer und breiter sei. Aber doch machte er auf mich denselben Eindruck unerschütterlicher Ruhe und Ueberlegenheit, den ich von dem Schiffer Clausen empfangen hatte, als ich als Schiffsjunge mit ihm segelte. Darum war ich sicher, daß ich den Schiffer Clausen wiedergefunden hatte. Ich ging schneller. Als ich an seiner Seite war, legte er, ohne mich anzusehen, die schwere Hand auf meine Schulter und sagte:„Schwere Zeiten, mein Junge!“ Ich fühlte eine Welle neuen Mutes in mir aufsteigen. Ohne zu antworten, folgte ich ihm. „Willst du wieder mit zur See fahren?“ fragte er plötzlich mit seiner mir wohlbekannten Stimme, ohne sich jedoch nach mir umzudrehen. „Ja, das möchte ich schon, antwortete ich so ruhig, wie ich konnte. Dabei klopfte mein Herz wild vor Freude, daß die böse Zeit vorbei war.„Vielleicht werde ich in der ersten Zeit nicht viel wert sein“, fügte ich nach einer kurzen Pause hinzu,„aber wenn ich mich erst ein wenig erholt habe, werde ich an Bord meinen Mann stehen.“ Wir gingen schweigend nebeneinander her. Ich begann darüber nachzudenken, wie es kam, daß Clausen auch jetzt wieder dieses ungewöhnliche Format hatte, in dem er immer vor mir gestanden war, als ich schmächtiger Bursche damals zu ihm als dem Inbegriff des Mannes aufsah. Ich versuchte seinem Blick zu begegnen, aber er sah hartnäckig geradeaus. Als wir an einer Gassenlaterne vorbeikamen, bemerkte ich in seinen Augen einen seltsamen Glanz. Es schien, als ob seine Seele, von allem Zwang befreit, durch seinen Blick durchdrang. Unbegrenzte Ferne, zugleich Stärke und Milde lag in diesem Blick. Schiffer Clausen machte vor einem Hause Halt, stieg die wenigen Stufen hinauf, öffnete die Tür und ging geradewegs auf den Schranktisch zu. Ich selbst kam nicht mehr bis dahin. Ich sank auf einen Stuhl nieder, der in der Nähe der Türe stand, und erschöpft vor Hunger und vor Glück, daß alle Not ein Ende hatte, begann ich zu schluchzen... Die Mamsell war ein wahrer Engel, obgleich sie hinter dem Schanktisch in Bull Heads Wirtschaft stand. Sie hatte wundervolles schwarzes Haar. Sanfter hätte keine Fee die Hand auf meinen Kopf legen können, als sie es tat. Nichts, gar nichts konnte ich in ihren Augen wert sein— und doch hielt sie mir das Glas, während ich trank. In diesem Augenblick wurde mir klar, daß Schiffer Clausen auch an Land ein einflußreicher Mann sein mußte. Als ich das Glas geleert hatte, sprang ich auf, setzte den Stuhl an seinen Platz und wollte Clausen die Hand drücken, um ihm zu danken. Das Mädchen blieb mit dem leeren Glase stehen. Sie hatte einen Blick, klar wie das Meer bei einem Korallenriff und wachsamer als der eines Vogels. Ich blickte mich um:„Wo ist der Mann, mit dem ich hereinkam und der dieses Glas für mich bestellte?“ „Bist du noch immer nicht bei Verstand?“ lachte sie, „du kamst allein hereingetorkelt. Ich glaubte, du seist krank, und gab dir einen Whisky auf meine Rechnung. Ich lasse mich hängen, wenn du nicht der einzige bist, der in der letzten Viertelstunde gekommen ist. Es sind verteufelt schlechte Zeiten.“ Ich sah sie von der Seite an.„Der Mann hieß Clausen“, sagte ich,„ist Kapitän auf dem Schoner„Anna“ und kommt hier sicher oft.“ Sie schüttelte den Kopf.„Komm her, wenn du mir nicht glauben willst.“ Sie schob mich ins Hinterzimmer, wo in dickem Tabaksrausch sechs, sieben Männer um den Tisch saßen. Schiffer Clausen war nicht darunter. Moderne Technik Speicherkraftanlage eines Elektrizitätswerkes, Der Schiffsoffizier blickte mich an, als ob er in meiner Seele lesen wolle. Offenbar stand nicht viel darin geschrieben, denn er wandte sich bald wieder den anderen zu, nahm die Zigarre aus dem Mund und sah sie wortlos an. „Kapitän Clausen“, sagte er nach einer langen Pause und richtete den Blick wieder auf mich,„von dem haben wir gerade vorhin noch gesprochen. Er geriet bei einem Sturm im Golf von Biscaya vor mehr als drei Jahren über Bord, und im Jahr darauf erlitt sein Schoner „Anna“ bei Labrador Schiffbruch.... Aber du kannst bei bei mir Heuer bekommen, wenn du willst...“ Am nächsten Tag musterte ich bei Kapitän Winter auf der Schonerbrigg„Concordia“ an. Das Gespenst Von Kate Lenzen An Winterabenden, wenn der Sturm im Kamin heulte und die Bratäpfel in der Ofenröhre knisterten und knasterten, wenn die Küche im Halbdunkel einer Petroleumlampe von grotesken Schatten erfüllt war, rückten die Jungen und die Alten näher um das Herdfeuer. Sie lauschten den Spuk= und Gespenstergeschichten des alten Hieronymus, der sie so zu erzählen wußte, daß den Jungen kalte Schauer den Nacken hinabrieselten und den Alten auch noch das Gruseln ankommen konnte. Einer aber, der strenge Bauer Berg, saß unbewegt in seiner Herdecke. Die Jungen ärgerten sich darob und beschlossen, ihn auf die Probe zu stellen. Es waren ihrer drei, die an einem stockfinsteren Abend auf den Bauern warteten. Es dauerte nur kurze als seine klappernden Holzschuhe über den Hof kamen.— Die Jungen nahmen ihre Bettücher fester in ihre Hände, streckten die Arme seitwärts aus, sodaß sich eine breite, weiße Wand bildete, und glitten lautlos über den Hof. Das Holzschuhgeklapper stoppte für einige Sekunden ab. Die weiße Wand kam näher und wich zurück... kam näher und wich zurück. Der Bauer zögerte für ein paar Herzschläge. Dann ging er ruhigen Schrittes weiter.— Die weiße Wand stand jetzt unbeweglich.— Berg kam näher, wich nicht rechts und nicht links aus. In einer Entfernung von einem Meter blieb er stehen. Seine Stimme war tief und streng, als er sagte:„Bist du von Gott, so begehre! Bist du vom Teufel, so weiche!“ Da begann die weiße Wand zu wanken. Sie weichte und stürzte! Die Jungen stoben davon, und sie vermochten nicht mehr zu lachen. Es lief ihnen ein Schauer über den Rücken und sie, die einen Menschen narren wollten, wurden bei der feierlichen, gläubigen Beschwörung des Mannes von ihrem eigenen Spiel genarrt, sodaß sie rannSchuhplattler Einer der Männer erhob sich und sah mich prüfend an. Es war ein untersetzter Mann, die Zigarre im Mundwinkel, mit lebhaften Bewegungen, Schiffsoffizier bis in die Fingerspitzen. „Was ist los?“ fragte er und trat auf mich zu. „Ich suche Kapitän Clausen“, entgegnete ich enttäuscht, „er hat mich für den Schoner„Anna“ angeheuert. Noch vor zwei Minuten war er hier.“ ten und sich fürchteten. Die Bettücher flatterten hinterdrein wie lustige Fahnen. Der Bauer aber setzte seinen Rundgang fort. Ernst, schweigsam und streng. Die Jungen erzählten noch lange und mit einer scheuen Ehrfurcht, wenn sie am Herdfeuer saßen vom alten Beis als dem Mann, der weder Geister noch Gespenstet für tete. Aus Zeit und Leben. Schloßansicht vom Westen mit Drususfelsen Jun= den gt in d belbend Zeit, n.— ände, reite, Hof. n ab. kam Dann Wand nicht von r tief jehre! eichte mochüber ollten, g rannBlick auf Stadt und Schloß Bentheim holland will, weiß, daß Bentheim eine bedeutungsvolle dutsche Grenzstation ist, in der man sich den Annehmlichkeiten der Paß= und Gepäckkontrolle zu unterwerfen hat. Der Wanderer unserer Heimat wird sicherlich, wenn er es noch nicht getan haben sollte, in seinen ZukunftsReiseplänen den Namen Bentheim mit seinem gewaltigmassiven Schloß, den Steinhügeln, dem Schwefelbad und dem fürstlichen Wald verzeichnet haben. Jeder hat sicherlich schon gehört vom„lieben Herrgott von Bentheim“, dessen Kruzifix im alten Schloßhof als besondere Sehenswürdigkeit aufgestellt ist. Gründe genug, um diesen Fleksten Erde einmal in näheren Augenschein zu nehmen. Ob man nun von Gronau mit der idyllischen Bentseimer Eisenbahn, von Ochtrup mit dem Rade oder dem , oder von Rheine mit dem D=Zug kommt, immer kt zuerst auf den Besucher das imposante Schloß, als mächtige Trutzburg die Stadt und die ganze Umsebung beherrscht. Dieses Schloß ist eines der bedeutendten norddeutschen Bauwerke, aufgeführt auf vulkanischen len, die an sich schon in mächtigen Massiven aus der ebene hervorragen. Schon um die Mitte des elften Jahrhunderts erscheint in den alten Urkunden der Name„Binohem", dessen Bedeutung man mit„Binsenheim“ gleichgestellt hat, weil die Burg sich über den vorgelagerten nunsterländischen, damals noch sumpfigen, mit Binsen bewachsenen Niederungen erhebt. zweite das Tecklenburger, das dritte Feld das Wappen der Grafschaft Lingen, das vierte das Steinfurter Wappen und das letzte das Wappen von Limburg. Im Mittelschild sehen wir dazu noch die Wappen von Wewelinghofen, von Rheda, von Hoya, von Köln und anderen Herrschaften. Welch reiche Geschichte sich in diesen Wappen offenbart, wird klar, wenn man bedenkt, daß fast ein Jahrtausend erforderlich war, um diese Form des Wappens zu begründen. In nahen verwandtschaftlichen Beziehungen miteinander standen insbesondere die Häuser von Bentheim, Steinfurt und Tecklenburg. 1209 finden wir eine eheliche Verbindung mit dem Steinfurter Pulverturm im Schloßhof heim, Plechhelm, dem heute noch die große Pfarrkirche in Oldenzaal geweiht ist, genannt. Auch der erste Bischof von Münster, St. Ludgerus, der aus Utrecht kam, hat segensreich in Bentheim gewirkt. Niemand besucht das Bad Bentheim heute noch eifriger als der niederländische Nachbar. Bentheim zählt rund 3200 Einwohner, ist Sitz des Landratsamtes des Kreises Grafschaft Bentheim, des Finanzamtes, des Amtsgerichtes, des Katasteramtes, des Zollamtes, einer Reihe fürstlicher Behörden und der Direktion der Bentheimer Eisenbahn. Industrie ist kaum vorhanden, die Bewohner leben hauptsächlich von Landwirtschaft. Von ganz besonderer Bedeutung für Bentheim ist das Bad Bentheim mit seinen ausgedehnten Waldungen, die fast 5000 Morgen bedecken. Schon um 1600 hört man von der Heilkraft des schwefelhaltigen Wassers, aber erst 1700 ließ man die Quelle einfassen, um das Wasser der menschlichen Gesundheit dienstbar zu machen. Im Walde wurden Alleen angelegt, Pyramiden errichtet und andere Verschönerungen für die Kurgäste angebracht. Trotz dieser weitsichtigen Bemühungen geriet das Bad aber wieder mehr und mehr in Vergessenheit, bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts der berühmte Königliche Staatsrat und Leibarzt Professor Dr. Hufeland das Zeugnis ausstellte, daß der Schwefelquell bei Bentheim von„vorzüglicher Kraft und Güte“ sei und verdiene, „umsomehr da in der ganzen umliegenden Gegend und in ganz Holland nichts Aehnliches vorhanden sei“, erschlossen zu werden. Fürst Alexis ließ es sich angelegen sein, die Badeanlagen zu erneuern und auszubauen. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts gehört Bad Bentheim zu einem der besuchtesten Bäder; besonders aus den benachbarten Niederlanden kommen Hunderte von Gästen. Noch etwas anderes hat dazu beigetragen, Bentheim bekannt zu machen: Die Vaterländischen Freilichtspiele. Schöner als hier kann man sich eigentlich eine Naturbühne nicht denken. Eingerahmt von gewaltigen Felsblöcken, sanfter aufsteigenden Zügen, heimischen Fichten und Birken, dazwischen ein kleiner See, rückwärts bizarre Schluchten, offenbart sich hier eine Stätte, so urs den Bentheimer Bergen Der„Herrgott von Bentheim“ Geschlecht, 1271 mit dem Tecklenburger. Um die Mitte des 16. Jahrhunderts sehen wir die Häuser Bentheim, Steinfurt und Tecklenburg aufs Neue vereinigt, sodaß (unter Eberwin) die drei Grafschaften mit der Herrlichkeit Rheda in einer Hand vereinigt waren. Graf Arnold führte im Anfang des 17. Jahrhunderts das reformierte Bekenntnis ein, das sich in weiten Teilen der Herrschaft bis auf den heutigen Teil erhalten hat, wie wir es ja auch schon bei Burgsteinfurt und Tecklenburg sahen, wo der gleiche Graf Arnold uns wiederholt entgegentrat. 1752 sah sich Graf Friedrich gezwungen, um seine gewaltigen Schulden loszuwerden, die Grafschaft an den Kurfürsten von Hannover und König von England auf 30 deutsch, daß„Wilhelm Tell“ oder„Die Hermannsschlacht“ keine bessere Stelle zur fesselnden Wiedergabe finden konnten. Aber auch sonst gibt es manche Sehenswürdigkeiten in Bentheim. Da ist das uralte Steinkreuz aus dem 11. Jahrhundert, eines der ältesten Steindenkmäler Deutschlands, im Volksmunde„Der Herrgott von Bentheim“ genannt. In früheren Jahrhunderten stand es südlich von Bentheim an einem alten Heerwege, wo es in dem an Kämpfen so reichen Mittelalter umgestürzt wurde und Jahrhunderte hindurch verschollen blieb. Vor 100 Jahren fand man es wieder auf. Vergessen und unbeachtet blieb es dann im„Heidentempel“ des alten Schlosses liegen. Erst 1868 wurde es auf dem Schloßhof unter Ehren aufgestellt. Im Schloßhofe fallen der alte viereckige Pulverturm und die Katharinenkirche mit ihrem Glockenturm auf; man sieht die Folterkammer, den Rittersaal, die Gerichtslinden und vieles andere, was die Bewunderung der Zuschauer erweckt. Die katholische Niederdeutsche Bauernküche im Heimatmuseum Kirche stammt aus dem 17. Jahrhundert, die altreformierte und die lutherische Kirche sind neueren Datums. Das Heimatmuseum weist eine beachtliche niedersächsische Bauernküche auf, die große Aehnlichkeit mit der Küche im Enscheder Reichsmuseum hat. Eine ganz bemerkenswerte Leistung ist das Ehrenmal für die im Weltkriege Gefallenen, dessen Formengebung uns an die gewaltigen Opfer erinnert, die der deutsche Soldat im Weltkriege zum Schutze seines Vaterlandes gebracht hat. In der Stadt— Bentheim ist erst 1865 Stadt geworden— finden wir noch einige alte Häuser aus der Mitte des 17. Jahrhunderts, die aber unter dem gewaltigen Eindruck, den das majestätische Schloß auf uns gemacht hat, nicht mehr so recht zur Geltung kommen. Bentheim zu besuchen ist nicht nur ein Genuß für den Freund alter Kunstbauten und ehrwürdiger Naturschönheiten, sondern vor allem für den, der geschichtlichen Eindrücken eine offene Seele entgegenbringt. Wie mit unüberwindlicher Gewalt fühlt man sich in vergangene Jahrhunderte zurückgezogen. Dr. Woller. Bad Bentheim sim Wege nach Holland Stadt und Bad Bentheim. Shon bei der Schilderung der Städte Burgsteinfurt Tecklenburg wurde unsere Aufmerksamkeit auf Bentbim gelenkt, dessen Grafen wiederholt durch Ehen und brträge in enge Beziehungen zu den Geschlechtern der hrren von Steinfurt und Tecklenburg traten. Zeitweise n es sogar zu Personalunionen und gemeinsamer HerrLent und manche gräfliche Namen, die wir schon kennen Anten, treten uns auch in Bentheim entgegen. Bentvim gehört untrennbar zur Ergänzung des Bildes, das vit bisher zeichnen konnten. Per kennt nicht den Namen Bentheim? Der Reisende, d von Berlin aus über Osnabrück und Rheine nach Im Anfange des 12. Jahrhunderts bereits ist die Rede von der Eroberung und Zerstörung Bentheims und auch in den späteren Jahrhunderten wird Bentheim von Kriegen und dynastischen Streitigkeiten hart mitgenommen. Vor allem mußten Teile der Burg, die Ursprung und Bollwerk der Stadt war, immer wieder leiden und von neuem aufgebaut werden, sodaß das Gesamtbild der heutigen Burg deutlich die einzelnen Jahrhunderte wiederspiegelt. Hier ist besonders aufschlußreich das fürstliche Wappen, das der Besucher über dem ersten Tor findet. Es ist ein Wappen, das aus fünf Feldern besteht. Das obere Feld enthält das Bentheimer Wappen, das Jahre zu verpfänden. Ab 1815 war die Grafschaft ein Teil des Königreiches Hannover, bis es 1866 nach dem deutschen Kriege endgültig an Preußen fiel. Die Burg Bentheim ist zweifellos eine der schönsten auch im Auslande sehr bekannten Burgen. Ihre Wucht und ihre Schönheit haben vor allem die Augen bedeutender Künstler angezogen. Im Reichsmuseum zu Amsterdam, in der Pinakothek in London, in der Dresdener Gemäldegalerie und anderswo befinden sich Darstellungen der Bentheimer Burg, von denen das Londoner Gemälde von Ruisdael, der das Schloß nicht weniger als 17 mal gemalt hat, das bekannteste ist(1653). Bemerkenswert sind die zwischen Bentheim und den benachbarten Niederlanden bestehenden kulturellen Beziehungen. Als einer der ersten Missionare wird in Benten iten er cht n n e11 Ils on ge3,5 des nes 325 8 die üa der 5Eien ng tliird ie sch de 1e Ju i ei e e 3 in an Ien er te Stoffe für Fäntel, Completsu. Hostüme grüßen als erste Frühlingsboten aus unserem Fenster. 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