Erscheint täglich. Bezugspreis monatlich durch Boten 2.10 Mk., durch die Post 2.20 Mk.(ohne Bestellgeld). Schriftleitung und Geschäftsstelle in Ahaus: van=Delden=Str. 8. Telegr.Adresse: Kreiszeitung Ahaus i. W. Fernruf Nr. 450. Postschließfach 65. Postscheck=Konto: Hannover 22 739. Amtliches Organ für den Kreis Ahaus. 54. Jahrgang. Geschäftsstelle in Gronau: Gebr. Lensing, Verlagsanstalt GmbH., Bahnhofstraße 2. Hernsprecher Nr. 260. Bankkonten: Kreis= und Stadtsparkasse Ahaus, Gewerbebank Ahaus und Städt. Sparkasse Gronau i. W. Anzeigenpreise: das 1spaltige Millimeter für die Zenozeitung 10 Pfg., für die Kreiszeitung für den Kreis Ahaus 3 Pfennig. Rabatt nach Tarif. Verlag: Gebr. Lensing, Verlagsanstalt G. m. b. H., Zweigniederlassung Ahaus. Nummer 18 Freitag, den 19. Januar 1934 Jahrgang 1934 Neue Ausfülle gegen Deutschland. Der französische Senat mit 257 gegen 3 Stimmen für Chautemps. der Abschluß der außenpolitischen Senatsdebatte. DNB Paris, 18. Januar. Der Senat setzte am Donnerstagnachmittag seine außenpolitische Aussprache fort. Als Erster sprach der radikalsozialistische Senator La Bronsse, der sich vor allem mit der angeblichen Aufrüstung Deutschlands befaßte, die er als Gefahr für Europa darstellte. Der radikalsozialistische Senator Lafent glaubte, Zweifel an der Aufrichtigkeit Deutschlands äußern zu müssen. Er erinnerte, wie dis ja bereits verschiedentlich geschehen ist, an die Erinnerungen Stresemanns und behauptete, Deutschland habe sich seither nicht geändert. Es genüge, Hitlers„Mein Kampf“ zu lesen, um sich über Deutschland im klaren zu sein. Er begrüßte schließlich die Rede Roosevelts, deren Bedeutung um so größer sei, als sie„auf den lärmenden Austritt" Deutschlands aus dem Völkerbund gefolgt sei. Senator Ergebnis der Deutschlands. was er eigentlich unter„internationaler Zusammenarbeit“ verstehe. Kontrolle, Sanktionen und Nichtangriffspakte, die nur Papierfetzen seien, wünsche Frankreich nicht. Er und seine Freunde forderten, daß man Frankreichs Militärmacht nicht antaste, solange keine besseren Garantien vorhanden seien. Frankreich brauche sich nicht von anderen ins Schlepptau nehmen zu lassen, sondern müsse eine entschlossene französische Politik betreiben. Nach einer Sitzungspause wurden zwei Entschließungen eingebracht, von denen die eine den Senator Lemery zum Urheber hat, während die zweite vom Vorsitzenden des Auswärtigen Ausschusses, Bérenger, und einigen seiner Freunde stammt. Nachdem Bérenger seine Entslchließung näher begründet hatte, ergriff Ministerpräsident Chautemps das Wort und erklärte, er bedauere, daß das französische Volk nicht mit größerer Aufmerksamkeit der außenpolitischen Aussprache im Senat gefolgt sei, weil es gegenwärtig durch bedauerliche Skandale zu sehr abgelenkt werde. Er wolle die Ergebnisse der französischen Politik rechtfertigen, die in der Erweiterung der Freundschaften Frankreichs bestünden. Man habe Dinge über die deutsche Innenpolitit vorgetragen; Frankreich aber habe zu große Achtung vor allen anderen Völkern, als daß es sich in die innerpolitischen Angelegenheiten seiner Nachbarn einmische. Es verstehe nichtsdestoweniger die Beunruhiauna, die diese Politik auslösen könne. Eine Lehre, die an sich eine solche Aufpeitschung der nationalen Leidenschaften bringe, laufe Gefahr, sich im Auslande auszuwirken. Der plötzliche Austritt Deutschlands aus dem Völkerbund sei ungerechtfertigt. Frankreich habe so viele Zugeständnisse gemacht, um seinen Friedenswillen zu bekunden. Frankreich habe außerdem niemals daran gedacht, einem so großen Lande mit so glorreicher Vergangenheit, das mit seinem großen Genie dem internationalen Leben viel Nutzen bringen könnte, im Rahmen der anderen Völker den Platz zu verwehren, der ihm zukomme. Da aber Deutschland plötzlich den Völkerbund verlassen habe und gerade in dem Augenblick, als ein Abrüstungsvorschlag eingebracht worden sei, mit dem sich fast sämtliche Staaten einverstanden erklärten, könne man nicht überrascht sein, daß diese Haltung in der ganzen Welt und besonders in Frankreich Beunruhigung ausgelöst habe. Die Politik, die die französische Regierung betreibe, sei eine Politik der Zusammenarbeit, dazu bestimmt, Frankreichs Freundschaften zu befestigen. Wenn man von Abrüstung spreche, handele es sich immer nur um das Studium für später zu treffende Maßnahmen. Es habe niemals in der Absicht Frankreichs gelegen, seine Macht gegenüber einem Lande, das aufrüste, zu schwächen. Er könne dem Senat außerdem versichern, daß die Freundschaften Frankreichs besser denn je seien. Eine Politik internationaler Verhandlungen schwäche das Vertrauen der Freunde zu Frankreich nicht. Es gebe große Länder, die ihre eigene Auffassung haben könnten. Aber die feste Uebereinstimmung der Meinungen der beiden großen europäichen Demokratien Frankreichs und Englands sei der Pfeiler des Weltfriedens. Es bestünden keine Gegensätze zwischen einer Politik der nationalen Verteidigung und der internationalen Zusammenarbeit. Chautemps ging dann kurz auf die Rede des amerikanischen Präsidenten Roosevelt ein und gab seiner Befriedigung darüber Ausdruck, daß ein großes Land wie Amerika die Notwendigkeit der Zusammenarbeit mit allen anderen Völkern eingehe. Hierin liege eine große Hoffnung für die Zukunft. Zur Beruhigung könne er im Namen Frankreichs antworten, daß Frankreich niemals einen Angriffskrieg führen werde und keinen Zentimeter fremden Landes fordere. Wenn alle Staaten die gleiche Verpflichtung übernähmen, wäre der Friede gesichert. Herriot habe in einer seiner Reden erklärt, daß Frankreich den ganzen Völkerbundspakt und nur den Völkerbundspakt wünsche. Die französische Regierung bleibe dieser Auffassung treu. Der Völkerbund sei sicher nicht vollkommen aber Frankreich könne nur solche Reformen annehmen, die die internationale Zusammenarbeit vertiefen, niemals aber eine Art Direktorium. Auf die deutsch=französischen Besprechungen anspielend, erklärte Chautemps, man„habe mit einiger Romantik“ von direkten Verhandlungen gesprochen und versucht, sie dem Grundgedanken des Völkerbundes gegenüberzustellen. Das treffe nicht zu, denn die Fragen, die mit Deutschland aufgeworfen worden seien, gingen sämtliche Länder an. Diese Verhandlungen könnten auch nicht fortgesetzt werden, wenn sie auf die Wiederaufrüstung hinausführen söllten, denn derartige Zugeständnisse würden notgedrungen zum bewaffneten Frieden führen und damit im Widerspruch zu den Grundsätzen des Völkerbundes stehen. Abschließend forderte Chautemps den Senat auf, sich geschlossen hinter die Regierung zu stellen, um ihr die moralische Kraft für die schwierigen Verhandlungen zu geben, in denen sie sich augenblicklich befinde. Der Senat folgte dieser Aufforderung, indem er der Regierung für ihre Außenpolitik mit 257 gegen 3 Stimmen das Vertrauen aussprach, und zwar durch Annahme einer von dem Vorsitzenden des Auswärtigen Ausschusses, Bérenger, eingebrachten Entschließung folgenden Wortlautes: Der Senat bleibt dem Völkerbundspakt und allen aus ihm hervorgegangenen Abkommen, insbesondere dem Locarnovertrag treu. Er erinnert an die heiligen Grundsätze dieser Pakte. Er vertraut der Regierung, daß sie das Friedenswerk im Rahmen des Völkerbundes fortsetzt, um ihre internationalen Freundschaften zu stärken und ihre nationale Verteidigung zu sichern sowie die Sicherheit Frankreichs zu festigen. Er geht ohne Zusatzantrag zur Tagesordnung über. Senator Lemery hatte nach den Ausführungen von Chautemps, die von rechts bis links mit großem Beifall aufgenommen wurden, seinen Entschließungsantrag zurückgezogen. 668 Millionen Ausfuhrüberschuß 1930. Im Dezember 48,4 Millionen. DNB Berlin, 18. Januar. Die Handelsbilanz schließt im Dezember mit einem Ausfuhrüberschuß von 49,4 Millionen RM gegen 42,9 Millionen RM im November ab. Die Einfuhr belief sich auf 374,4 Millionen RM; sie hat gegenüber dem Vormonat um 23 Millionen RM oder 6,6 Prozent zugenommen. Am stärksten gesteigert war die Einfuhr von Rohstoffen und halbfertigen Waren mit 208,1 Millionen RM gegen 195,1 Millionen RM im Vormonat. Die Einfuhr von fertigen Waren erhöhte sich von 53,5 auf 59,9 Millionen RM. Die Ausfuhr stieg von 394,3 Millionen RM auf 423,8 Millionen RM gleich 7,5 Prozent. Die Steigerung der Ausfuhr entfällt fast allein auf fertige Waren, deren Ausfuhr von 302,5 auf 331,4 Millionen RM stieg. Im Jahre 1933 hat die Ausfuhr von 5739,2 Millionen RM im Vorjahre auf 4871,4 Millionen RM abgenommen. Der Rückgang ist teils auf gesunkene Preise, teils auf niedrigere Mengenumsätze zurückzuführen. Die Einfuhr verminderte sich von 4666,5 Millionen RM im Vorjahre auf 4203,6 Millionen RM. Mengenmäßig hat die Einfuhr den Vorjahresstand nur wenig unterschritten. Der Ausfuhrüberschuß war mit 668 Millionen RM um mehr als ein Dutzend niedriger als im Vorjahr und um drei Viertel niedriger als im Jahre 1931. dem Jahre des größten Ausfuhrüberschusses. Die größte Katastrophe in der indischen Schützung der Zahl der Toten auf über 10000. DNB Kalkutta, 18. Januar. Das Erdbeben, das zu Beginn dieser Woche ganz Nordindien heimgesucht hat, ist eine der größten Katastrophen in der indischen Geschichte. Obwohl bis zum Augenblick noch Einzelheiten und genaue Angaben über die Opfer des Erdbebens noch nicht vorliegen, schätzt man bei den Behörden die Zahl der Toten auf etwa 10000. Nach Augenzeugenberichten aus dem Katastrophengebiet ist diese Zahl bestimmt nicht zu hoch begriffen. Auf Grund von vorliegenden Berichten aus dem Randgebiet des Himalaja. wo das Erdbeben den größten Schaden anrichtete und sämtliche Ortschaften in Schutt und Asche gelegt hat, geben die indischen Behörden eine Schätzung an, wonach allein in Bettiah sich die Zahl der Toten auf über 1000 beläuft. In der Stadt Darbhanga sollen zwei Krankenhäuser eingestürzt sein. Nur einer der Kranken soll mit dem Leben davongekommen sein, die anderen 400 Kranken sollen tot unter den Trümmern liegen. Der Palast des Maharadscha in Darbhangha und der Palast seines Bruders sollen ebenfalls eingestürzt sein. Ein Basar, in dem Hundert von Personen zur Vorbereitung eines mohammedanischen Festes versammelt waren, stürzte ein und begrub sämtliche Anwesende. Bis zum Augenblick liegen keine Nachrichten vor, daß auch Europäer unter den Opfern zu beklagen sind. In amtlichen indischen Kreisen ist man der Meinung, daß es noch Wochen dauern wird, ehe Einzelheiten aus den betroffenen Gebieten, besonders aus den weiter abgelegenen, vorliegen. Schiffsdrama vor der Insel Terschelling. DNB. Amsterdam, 18. Januar. Neun Leichen von der Mannschaft des gestern in der Nähe der Insel Terschelling auf ein Riff gelaufenen englischen Dampfers„Oakland“ sind geborgen worden. Zwei Leichen werden noch vermißt. Als das Schiff gestern abend gestrandet war, war ein holländisches Rettungsboot an die Unglücksstätte gefahren. Die elftopfige Besatzung weigerte sich jedoch, von Bord zu gehen. Im Laufe der Nacht war die Mannschaft aber gezwungen, in die Rettungsboote ihres Dampfers zu steigen. Die Rettungsboote kenterten jedoch. Heute mittag hat sich wiederum ein holländisches Rettungsboot nach dem gestrandeten Dampfer begeben. An Bord befand sich kein Ueberlebender mehr. Der transsibirische Expreß von Banditen überfallen. Vier Tote und 29 Verletzte. DNB. Charbin, 18. Januar. Banditen machten in Mandschukuo einen Ueberfall auf einen in westlicher Richtung fahrenden Expreßzug der transsibirischen Bahn. Der Zug wurde von ihnen zum Entgleisen gebracht und geriet in Brand. Vier Personen fanden den Tod in den Flammen, 29 erlitten Verletzungen. Unter den Verletzten befinden sich ein Deutscher, Herr Kraner aus Tientsin, der einen Beinbruch erlitt, sowie der Vertreter der Pariser Zeitung„Paris midi“. der ein Auge einbüßte. Die Wagen des Zuges wurden durch das Feuer vollständig zerstört, nur der Postwagen blieb unbeschädigt. Auf Veranlassung der mandschurischen Regierung soll heute der Bevollmächtigte des Auswärtigen Amtes in Charbin dem deutschen Konsul sein Bedauern aussprechen und gleichzeitig betonen, daß die mandschurische Regierung alle Maßnahmen treffen wird, um die Attentäter dieses bedauerlichen Zwischenfalls zur Verantwortung zu ziehen. Nach privaten Meldungen sollen bei dem Ueberfall neun Personen getotet worden sein. Lagerhaus in Hull eingestürzt. Viele Tote. DNB London, 18. Januar. Ein sechsstöckiges Laaerhaus in Hull stürzte am Donnerstag aus unbekannten Ursachen plötzlich zusammen. Die Trümmer begruben 30 Personen unter sich. Neun Arbeiter werden vermißt. Man glaubt, daß sie getötet worden sind. 12 Personen wurden teils schwer, teils leicht verletzt. Der viertgrößte Diamant der Welt verkauft. DNB. Johannisburg(Südafrika), 18. Januar. Der kürzlich bei Elandsfontain gefundene viertgrößte Diamant der Welt, der 726 Karat wiegt, ist an Ernest Oppenheimer für fast 70000 Pfund Sterling verkauft worden. Tagesrundschau. Der deutsche Nachdem jetzt der DeAußenhandel 1933. zemberausweis fu. den anse//0 dutschen Außenhandel vorliegt, läßt sich das Ergebnis des ganzen Jahres 1933 übexblicken. Schon seit Monaten war deutlich zu erkennen, daß der Ausfuhrüberschuß geringer sein würde als 1932. Von 10,4 Milliarden RM im Jahre 1932 ist das gesamte deutsche Außenhandelsvolumen(Einfuhr und Ausfuhr) auf rund 9 Milliarden RM im letzten Jahr zurückgegangen. Seit 1929 ist es um rund 18 Milliarden, also um zwei Drittel gesunken. Darin spiegelt sich die Unordnung an den Weltmärkten wider, die den gesamten Welthandel in gleicher Weise zerstört hat. Die deutsche Einfuhr hat sich 1933 auf 4,20(i. V. 4,66), also um 10 Prozent, die Ausfuhr auf 4,87(5,74) Milliarden (d. h. um 15 Prozent) verringert. Die Ausfuhr ist also stärker als die Einfuhr zurückgegangen. Die Gründe dafür sind oft genannt worden: erschwerter Wettbewerb auf dem Weltmarkt, Zollerhöhungen, Einfuhrkontingentierungen, Einfuhrverbote, devisentechnische Schwierigkeiten, Valutaabwertungen und Währungsschwankungen. Die Abnahme der Ausfuhr gegenüber dem Vorjahr war absolut und relativ bei der Fertigwarenausfuhr am größten. Sie verminderte sich von 4,489 auf 3,786 Mill. RM. Relativ erheblich hat auch die Ausfuhr von Lebensmitteln und Getränken abgenommen. Rohstoffe und halbfertige Waren sind um 128 auf 903 Millionen RM zurückgegangen. Das schärfere Sinken der Ausfuhr hatte den starken Rückgang des Ausfuhrüberschusses von 1080 auf 667 Millionen RM zur Folge. Wenn das Ausland sich diese Tatsache vor Augen hält, dann müßte es endlich einsehen, warum Deutschland den Transfer für den Zinsendienst hat herabsetzen müssen. Nur 56 Millionen Reichsmark betrug im Monatsdurchschnit des vergangenen Jahres der Außenhandelsüberschuß. Er hätte aber 74 Millionen betragen und die Bezahlung der ausgeführten Waren hätte rein in Depisen erfolgen müssen, wenn Deutschland seinen Verpflichtungen voll entsprechen sollte. Aber es waren im letzten Halbjahr nur 25 Millionen monatlich, die an Devisen hereinkamen. Alles übrige wurde durch Verrechnung von ausländischen Forderungen, durch Sperrmark und Auslandsbonds, beglichen. Dies muß man auch berücksichtigen, wenn man die Ausfuhrüberschüsse der letzten Jahre miteinander vergleicht. 1929 betrug dieser Ueberschuß 0,04 Milliarden, 1930: 1,64, 1931: 2,87, 1932: 1,08 und 1933: 0,67 Milliarden. Der Gesamtwarenverkehr ist von 1929 an ständig zurückgegangen, von 26,9 auf 9,0 Milliarden; der Rückgang der Einfuhr von 13,4 auf 4,2, der der Ausfuhr von 13,5 auf 4,8 Milliarden. Wenn also das Ausland von uns einen höheren sentransfer fordert, dann wird es selber durch verstärkte Abnahme deutscher Waren dafür sorgen müssen, daß er möglich wird. Scharfe Proteste gegen die Herabsetzung der Zinsenquote machen Deutschland nicht zahlungsfähiger. Den Aaronsstab, mit dem Wasser aus dem Felsen geschlagen werden kann, hat jedes Gläubigerland in der Hand. Deutschland aber kann von sich aus nicht mehr leisten, als es gegenwärtig tut. Die Verfassung Das Gesetz zur Ordder nationalen nuna der nationalen Auhait Arbeit, dessen Wortlaut Arbett. dem Vernehmen nach erst zu Beginn der nächsten Woche bekannt gegeben wird, ist aus den veröffentlichten Mitteilungen seines Inhalts ohne weiteres als etwas ganz Neues, als eine bewußte und grundsätzliche Abkehr vom bisherigen Arbeitsrecht und als ein großes, tiefgreifendes sozialpolitisches Verfassungswerk zu erkennen. An die Stelle der organisierten Gegensätze wirtschaftlicher und materieller Natur, an die Stelle des vielfach unerfreulichen Gegeneinanders von Arbeitgeber und Arbeitnehmer, das im Kampf, im immer wiederholten Ringen der beiderseitigen Organisationen um die Sicherung der Lebensbedingungen auf der einen und der Rentabilität der Betriebe auf der anderen Seite zu schwierigen und komplizierten Tarifverhandlungen, unbefriedigenden Schiedssprüchen, Streiks und Aussperrungen führte, an die Stelle dieser objektiv unerfreulichen Zustände tritt nunmehr der Gedanke der Solidarität des Betriebes, der gegenseitigen Treueverpflichtung von Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Dieses Neue hat Reichsarbeitsminister Seldte auf die kurze Formel gebracht:„Interessengegensätze gibt es nicht mehr." Damit hat er allerdings nicht eine Tatsache feststellen wollen, sondern die Aufgabe, die Führer und Gefolgschaft aus dem Gesetz erwächst, das am 1. Mai, dem Festtage der nationalen Arbeit, in Kraft gesetzt werden soll. Der Führer des Betriebes ist der Unternehmer, die Gefolgschaft sind die Arbeiter und Angestellten, die in Betrieben mit 20 und mehr Beschäftigten durch einen Vertrauensrat anstelle des bisherigen Betriebsrats vertreten werden. Aber dieser Vertrauensrat soll kein Instrument gegen den Führer sein, sonden er soll die Zusammenarbeit fördern, er soll den Führer beraten, allerdings soll er auch als Kontrollinstanz dienen, und in dieser Eigenschaft hat er, falls er sich mit dem Betriebsführer nicht zu einigen vermag, das Recht, den Treuhänder der Arbeit anzurufen, der auch dann entscheidet, wenn die Belegschaft die von dem Führer zusammen mit dem Betriebsobmann der NSBO aufgestellte Vorschlagsliste für den Vertrauensrat ablehnt. Der Treuhänder hat ebenfalls einzugreifen, wenn die im Prinzip den Betrieben überlassene Regelung der Löhne nicht gelingt. Die Tendenz des Gesetzes ist aber, daß der Gemeinschaftsgeist und die Verantwortungsfreudigkeit aller Betriebsangehörigen den in früheren Jahren so gut wie zur Regel gewordenen Eingriff des Staates vermeiden, daß die betriebliche Selbstverwaltung funktioniert und den Appell an die durch den Treuhänder vertretene Staatsführung überflüssig macht. Endlich stellt das Gesetz noch den juristisch völlig neuen Begriff der sozialen Ehre auf. Wie ernst die Bestimmungen über die soziale Ehrgerichtsbarkeit gemeint sind, läßt sich an dem Gewicht der Strafen erkennen, die man aufgestellt hat. Als eine Arbeitsverfassung verzichtet das Gesetz bewußt auf die Regelung von Einzelheiten. Die Führer der Betriebe und die Betriebsangehörigen selbst werden dieses Gesetz mit Blut und Leben erfüllen müssen. So sind in dem Gesetz die Strafarten und für Ordnungsstrafen in Geld auch eine Höchstgrenze festgesetzt, es sind aber keine juristisch scharf umrissenen Tatbestände aufgeführt, auf Grund deren die eine oder die andere Strafe verhängt werden müßte. Auch die Rechtsfolgen der etwaigen Aberkennung der Eigenschaft eines Betriebsführers sind nicht genau festgelegt. Erst die Praxis wird alles weitere ergeben, wobei nach der amtlichen Auffassung erwartet wird, daß die immer stärkere Durchdringung unseres ganzen Volkes mit dem nationalsozialistischen Gedankengut die Anwendung der Schärfe des Gesetzes überhaupt überflüssig machen werde. Aus diesem Grunde werden sich auch die Durchführungsbestimmungen zu dem Gesetz, die in den nächsten Tagen fertiggestellt sein dürften, auf das notwendigste beschränken. Das neue Gesetz verankert, wie von berufener Seite betont wird, nicht nur das Führerprinzip, sondern auch das andere wesentliche Prinzip des Nationalsozialismus: Gemeinnutz geht vor Eigennutz. Betriebsnutzen oder Kollektivnutzen sei noch nicht Gemeinnutz. Derjenige Betrieb werde am besten fahren und den größten Betriebsnutzen erzielen, der am besten im Sinne und im Interesse des Ganzen geführt werde. Nicht unerwähnt darf bleiben, daß das Gesetz mit den in der Enzyklika „Quadragesimo anno“ enthaltenen Grundsätzen in allerbestem Einklang steht. Man darf die Zuversicht hegen, daß es, mag im Anfang auch noch nicht überall alles so glatt gehen, wie es wünschenswert wäre, alle in einem Betrieb zur gemeinsamen Arbeit und Lebensunterhaltsgewinnung vereinigten Menschen dazu bringen wird, in freier und disziplinierter Zusammenarbeit ihre Verhältnisse selbst zu regeln, daß auf die Dauer, wenn der Geist des Gesetzes von den Beteiligten richtig erfaßt wird, beträchtliche Staatseingriffe immer seltener nötig werden dürften, daß weiter aus dieser Magna charta der Arbeit die Wirtschaft einen kräftigen Ansporn erfahren und die soziale Moral gesunden und vollkommen neugebildet werden wird.+ Die„Kölnische Zeitung" macht uns darauf aufmerksam, daß bei der Auflagenberechnung, die wir vor acht Tagen in der„Tagesrundschau“ veröffentlicht haben, die Errechnung von 24000 Stück den Umstand nicht berücksichtigt, daß ein wesentlicher Teil der„Kölnischen Zeitung“ in einem Verbreitungsgebiet von rund 100 Klm. um Köln mit dem„Stadt=Anzeiger“ zusammen vertrieben wird. Die Auflage der„Kölnischen Zeitung“ ist also großer als die 24 000 Stück, die ohne den„Stadt=Anzeiger“ vertrieben werden. „Stadt=Anzeiger“ und„Kölnische Zeitung" zusammen (Ausgabe A, B, und C) haben, wie wir mitgeteilt haben, eine Auflage von 104 000 Exemplaren. Wir geben hiervon, obzwar unsere Berechnung sich aus dem Impressum der„Kölnischen Zeitung“ ergab, gern Vermerk, da uns eine Unfreundlichkeit gegen den bekannten Kölner Verlag vollkommen ferngelegen hat. Das unruhige Oesterreich. Neue Massenverhaftungen und Geiselfestnahmen. DNB Linz, 18. Januar. Gegen das Landhaus in Linz, dem Sitz der oberösterreichischen Landesregierung, wo auch die Kanzleien des neuernannten Sicherheitsdirektors Freiherrn von Hammerstein untergebracht sind, wurde am Dienstag abend gegen acht Uhr von unbekannten Tätern ein Papierböller geworfen. Durch die Explosion wurde eine Reihe von Fensterscheiben zertrümmert. Die Staatspolizei nahm noch in den Nachtstunden einen umfangreichen Sicherheitsdienst auf. Auch die von der Regierung vor kurzem aufgebotenen Schutzkorps und Hilfspolizeiabteilungen wurden zur verschärften Bewachung der öffentlichen Gebäude herangezogen. Obgleich die in der Nacht von Polizei und Kriminalbeamten vorgenommenen zahlreichen Hausdurchsuchungen bei vermeindlichen Mitgliedern der aufgelösten NSDAP in allen Fällen ergebnislos verliefen, wurden in den frühen Morgenstunden des Mittwoch gegen 30 Verhaftungen vorgenommen, wobei festgestellt werden muß, daß die Verhafteten, mit dem Anschlag nicht nur in keinerlei Verbindung steyen, sondern daß ihnen auch nichteinmal eine Verbindung mit der NSDAP nachgewiesen werden konnte; sie stehen lediglich im Verdacht nationaler Gesinnung. In der gleichen Nacht sind auch in Ried und Enns Pavierbölleranschläge verübt worden, ohne daß es bisher gelang, die Täter zu ermitteln. In ganz Oberösterreich sind anscheinend über den Kopf des Sicherheitsdirektors hinweg durch unmittelbaren Auftrag der Wiener Zentralregierung zahlreiche Verhaftungen und Geiselfestnahmen erfolgt. In dem Linzer Vorort Klein=München ist es in den letzten Tagen zu Ansammlungen von Arbeitslosen gekommen, die durch Ueberfallkommandos der Polizei zerstreut wurden. In der Bevölkerung macht sich eine wachsende Unruhe und Gärung bemerkbar. Zusammenstöße zwischen Polizei und Studenten in Innsbruck. DNB Innsbruck, 18. Januar. Aus Anlaß des Reichsgründungstages waren im deutschen Konsulat, an dem auch die schwarz=weiß=rote und die Hakenkreuzfahne gehißt war, Empfangslisten ausgelegt, in die sich im Laufe des Vormittags zahlreiche Personen eintrugen. Gegen 12 Uhr zog die nationale Studentenschaft zum Südtiroler Platz, wo sich das Konsulat befindet, um sich ebenfalls in die Listen einzutragen. Vor der Einbiegung in den Südtiroler Platz wurde den Studenten jedoch von Polizeileuten der Weiterzug verwehrt. Unter Absingen des Liedes„Burschen heraus“ kehrten die Studenten um und riefen„Heil Hitler“ und„Oesterreich erwache“. Nun drang die Polizei mit blankem Säbel und Gummiknüppeln auf die tudenten ein. Die Zusammenstöße, die teilweise heftigen Charakter annahmen, setzten sich auch in anderen Straßen fort. Zahlreiche Angehörige der Studentenschaft wuroen verhaftet und ins Gefängnis eingeliefert. Suvich in Wien. DNB Wien, 18. Januar. Der italienische Unterstaatssekretär des Aeußern, Suvich, ist heute früh zu einem offiziellen Besuch bei der österreichischen Regierung in Wien eingetroffen. Auf dem Bahnhof hatten sich Bundeskanzler Dollfuß. die Mitglieder der Regierung und Vertreter der Militär= und Zivilbehörden zum Empfang eingefunden. Nach der Begrüßung und dem Abschreiten der Ehrenwache begab sich der Unterstaatssekretär Suvich in das Hotel„Imperial“. Von italienischer Seite wird erklärt, daß der Besuch des Staatssekretärs Suvich in erster Linie als eine Erwiderung auf die drei Besuche des Bundeskanzlers Dollfuß beim italienischen Regierungschef aufzufassen sei. Suvich hat in den Vormittagsstunden dem Bundesräsidenten Miklas und dem Bundeskanzler Dolluß den üblichen offiziellen Besuch abgestattet, der sodann vom Kabinettsdirektor des Bundespräsidenten und vom Bundeskanzler Dollfuß im Hotel„Imperial“ erwidert wurde. Bundespräsident Miklas gab zu Ehren des italienischen Gastes ein Frühstück. Die sachlichen Beratungen zwischen Suvich und Dollfuß, an denen von österreichtscher Seite der Leiter der politischen Abteilung des Außenministeriums, Gesandter Hornbostel, teilnimmt, begannen in den Nachmittagsstunden. Zu den Programmpunkten der Besprechung gehören, wie verlautet, wirtschaftspolitische Fragen. die Förderung der italiensichen Weinund Früchteausfuhr nach Oesterreich sowie die Ausfuhr österreichischer Agrar=, Holz= und Industrieprodukte nach Italien, die Errichtung einer Freihafenzone für Oesterreich in Triest und darüber hinaus die Regelung der wirtschaftspolitischen Fragen auf Grund des bekannten Memorandums vom 28. September vorigen Jahres. Die erste Besprechung zwischen Dollfuß und Suvich dauerte über eine Stunde, trug, wie amtlich erklärt wird, einen überaus herzlichen Charakter. Am Abend gab Bundeskanzler Dollfuß zu Ehren Suvichs ein Essen, an das sich ein offizieller Empfang anschloß. In den Morgenstunden gingen während des Eintreffens des italienischen Staatssekretärs in der Nähe des Südbahnhofs zwei Papierböller hoch, die weiter keinen Schaden anrichteten. Von einem in der Nähe des Südbahnhofs gelegenen Hoteldach wurden mit einem Wurfgeschoß Hakenkreuzfahnen in der Richtung des Südbahnhofs abgelassen. Bei den außerordentlich strengen Absperrungsmaßnahmen, die die Polizei auf der ganzen Linie der Abfahrt des Staatssekretärs vom Südbahnhof zu seinem Hotel vorgenommen hatte, wurde eine Reihe von Personen verhaftet. Die Polizei hat weiter ungewöhnlich strenge Sicherungsmaßnahmen getroffen, um alle Kundgebungen während der Anwesenheit des italienischen Staatssekretärs zu verhindern. Kundgebungen vor Zuvichs Hotel. DNB Wien, 18. Januar. In den Nachmittags= und Abendstunden des Donnerstag fanden hier erneut Kundgebungen statt. Eine zahlreiche Menschenmenge versammelte sich vor dem Hotel„Imperial". in dem der italienische Staatssekretär Suvich Wohnung genommen hat, sowie vor der Oper. Die Polizei aina vor und suchte die Menge in die Nebengassen abzudrängen. Unmittelbar vor dem Operngebäude explodierten einige Papierböller. In einzelnen Straßen der Innenstadt traten Lichtstörungen auf. Ferner fuhren Kraftwagen durch die Straßen, aus denen Papierböller geschleudert wurden. Die Polizei nahm zahlreiche Verhaftungen vor. Dollfuß über die außen- und innenpolitische Lage Oesterreichs. Eine Rede in der christlich-sozialen Vereinigung. DNB Wien, 18. Januar. Bundeskanzler Dollfuß gab am Donnerstagabend in einer Vollsitzung der christlich-sozialen Vereinigung im Parlament in Anwesenheit zahlreicher Kabinettsmitglieder eine grundsätzliche Erklärung über die außen- und innenpolitische Lage Oesterreichs ab. Dollfuß nahm eingangs auf den Besuch des italienischen Staatssekretärs Suvich Bezug und erklärte u. a., kein anderes Land sei Oesterreich bei seinen wirtschaftlichen Sorgen so sehr entgegengekommen wie Italien. Auch in politischer Hinsicht habe Italien bei jeder sich bietenden Gelegenheit an Oesterreichs Seite gestanden. Der Bundeskanzler gab seiner besonderen Freude darüber Ausdruck, daß in einer Zeit, wo, wie Dollfuß sagte, die Freiheit und Unabhängigkeit Oesterreichs bezweifelt und bekämpft werde, der Besuch des amtlichen Vertreters einer Großmacht erfolgt sei, der eine besondere Stärkung und betonte Anerkennung der Selbständigkeit und Freiheit Oesterreichs bedeute. Die gegenwärtige außenpolitische Lage Oesterreichs, so führte Dollfuß weiter aus, sei unverändert gut. Auf das Verhältnis Oesterreichs zum Deutschen Reich eingehend, erklärte Dollfuß dann u. a. wörtlich:„Unser größtes Nachbarland wird endlich begreifen müssen, daß es vielleicht ein international nicht ganz ungefährliches Spiel ist, wenn ein Land, dessen Bedeutung, auch wenn es territorial klein ist, allseits verstanden und erkannt wurde, von einer Großmacht, leider noch dazu einem Staat, den ein Brudervolk bewohnt, in seiner Freiheit und Unabhängigkeit weiterhin ständig bedroht wird.(?) Ich bedauere dies um so mehr, weil es sich hier um zwei Staaten handelt, die die engsten Blutbande und die ältesten historischen Gemeinsamkeiten miteinander verbinden. In meiner Silvesterrede habe ich klar zum Ausdruck gebracht, daß wir Oesterreicher uns dieser Verbindungen und Zusammenhänge bewußt sind.“ Auf die innerpolitische Lage eingehend, behauptete Dollfuß, die österreichische Regierung habe in den letzten Monaten die allergrößte Zurückhaltung und Geduld bewiesen. Um so stärker sei vor aller Welt das moralische Recht der Regierung, mit aller Rücksichtslosigkeit durchzugreifen. Der Bundeskanzler erhob in diesem Zusammenhang die schwersten Vorwürfe gegen die deutsche Regierung und die Bevölkerung im Reich, die er der unbefugten Einmischung in die innerpolitischen Verhältnisse Oesterreichs beschuldigte. Dollfuß verstieg sich dabei auch zu der Behauptung, die Antwort auf die Verständigungsbereitschaft der österreichischen Regierung sei eine neue Terrorwelle gewesen. Oesterreich werde mit aller Kraft und Rücksichtslosigkeit im eigenen Lande Ruhe und Ordnung herstellen. Polizei und Gendarmerie sowie das Hilfskorps seien völlig ausreichend, um, wie Dollfuß erklärte,„die Terroristen zu Paaren zu treiben“. Die Bundesregierung habe in einem Aufruf ihre Entschlossen heit bekundet, den Kampf unter allen Umständen um mit allen Mitteln durchzuhalten. Die vernünftigen aus dem nationalen Lager müßten doch einsehen, daß Weg, den sie bisher gegangen seien, nicht weiter gepe An die Adresse der Sozialdemokraten gewen det, betonte der Bundeskanzler, daß für die innennal tische Entwicklung Oesterreichs auch die Frage von R. deutung sei, wie sich die Kreise der Bevölkerung, die anklassenkämpferischen Gründen bisher noch abseits pon der Gefolgschaft der Regierung stünden, sich künftig z Regierung und zum Staate einstellen würden. Dollfuß kam dann noch auf die Vorkommniss. im Heimatschutz zu sprechen und hob hervor, daß diwirklichen Führer des Heimatschutzes unerschütterlich ihrem Programm ständen und an dem Kurs der" gierung treu Partei anl wertvollen Elementen, die bisher schon in schwerer Zeit hätten. die a Jel die Verantwortung getragen hätten, die Elemente der großen aktiven Erneuerungsbewegung geschaffen werden Die Frage der Niederlegung der Mandatstreifend, forderte der Bundeskanzler, daß die Abgeordneten auf ihrem Platze auszuharren hätten, solange er es für nötig finde. Stavisky=Debatte in der französischen Kammer. Beruhigendes Eingreifen des Ministerprüsidenten. mittag in der„Volonté“ und am Nachmittag im Fenanministerium gearbeitet habe. Der Finanzminister wies diesen Angriff Henriots zurück, indem er betonte, der ErDNB Paris, 18. Januar. Die Kammer hat am Donnerstagnachmittag die Beratung des Haushaltes für 1934, und zwar mit dem Haushalt des Justizministers begonnen. Außerdem hat der Justizminister die sofortige Aussprache über den von der Regierung vor einigen Tagen eingebrachten Gesetzesentwurf verlangt, der allen denjenigen, die sich Verfehlungen zum Schaden der Sparer haben zuschulden kommen lassen, den Handel mit Wertpapieren verbietet. Die Interpellation des rechtsgerichteten Abgeordneten Henriot über die gerichtliche Untersuchung des Falles Stavisky verursachte gleich zu Beginn einen wahren Sturm. Der Kammerpräsident hatte zeitweise Mühe, die Ruhe wiederherzustellen. Es zeigt sich, daß diese Angelegenheit auch parlamentarisch noch nicht begraben ist. ta ziehungen zur franz en 31 Henriot fuhr lichungen en Abordnung unterhalten habe sich nach den neuesten Veröffentin den Akten des Untersuchungsrichters 120 von Stavisky ausgefüllte Schecks befänden. Dabei habe aber schon Credit Lyonnais allein mitgeteilt, daß er 30 Schecks von Stavisky der Polizei übergeben habe, Wo seien die restlichen Schecks geblieben? In dem Geklapper der Pultdecken, den Zwischenrufen und dem Klatschen der Abgeordneten, mit dem sie ihre jeweils sprechenden Gesinnungsgenossen zu unterstützen versuchten, verhallte ab und zu sogar die Glocke des Präsidenten. Es gab eine erregte Auseinandersetzung zwischen den Interpellanten und dem Finanzminister. Es kam wieder zu stürmischen Zwischenrufen. Die Kommunisten schreien von ihren Bänken:„Hoch die Sowjets!, der Skandal ist schmutziger als Panama." Darauf verlaß Henriot einige Schriftstücke, die beweisen sollen, daß das Verfahren gegen Stavisky schon vor Monaten hätte angestrengt werden müssen, wenn sich nicht besondere Einflüsse geltend gemacht hätten. Schließlich fragte er den Finanzminister, ob es wahr sei, daß der Zwischenträger zwischen Stavisky und„Volonté“, von dem er eingangs gesprochen hat, im Finanzministe rium ein Büro besessen habe. Immer wieder griffen einzelne Abgeordnete von ihren Bänken in die Ausführungen Henriots ein. Sachliche Angriffe wechselten mit persönlichen Seiten. Der Finanzminister mußte sich auf die Beanwortung eines persönlichen Angriffes des Interpellanten beschränken. Von den Bänken der Rechten werden Zwischenrufe laut. In dem Hin und Her zwischen rechts und links war minutenlang kein Wort zu verstehen, sodaß der Kammerpräsident schließlich die Sitzung abbrach. Nach Wiederaufnahme der Aussprache erklärte der Abgeordnete Henriot, die Regierung habe versprochen, zu handeln; aber man vertusche den Fall Stavilky. Es dürfe nicht eine verschiedene Justiz geben, je nachdem ob man über eine amtliche Fürsprache verfüge oder nicht. Ein Schutz sei z. B. dem Abg. Bonnaure gewährt worden, der Stavisky dreimal nach Ungarn begleitet und ihn bei einem ungarischen Bankier eingeführt habe. Schließlich legte die Kammer wieder eine Pause ein Als die Sitzung wieder aufgenommen wurde, nah Ministerpräsident Chautemps das Wort. 9 ri Er beantragte, die Kammer möge Freitag vormittag erneut zwecks Beratung des Gesetzentwurfes zum Schutz des Sparkapitals zusammentreten. Sodann verwahrte er jegen verschiedene Angriffe Henriots, besonders gegen in 9 V 1 al 5 gi m Warum befinde sich Bonnaue noch auf freiem Fuß? Bei den Zuwendungen an die„Volonté“ habe man sich der Vermittlung eines Mannes bedient, der am Vordie Behauptung, daß die im Falle Stavisky Beschuldigten verschieden behandelt würden. Er appelliere an die Kammer, aus dem Falle Stovisky keine Kriegsmaschine gegen die Regierungz machen, da man damit nur das ganze Parlamen träfe. be D Chautemps Ausführungen wurden von den rungsparteien mit starkem Beifall aufgenommen. Die Sitzung wurde dann auf Freitag vertagt. ti ke t be se K R be Neuordnung der Verwaltung der preußischen Staatstheater. m B DNB Berlin, 18. Januar. Wie der APPD mitteilt, hat das preußische Staatsministerium in seiner Sitzung vom 18. ds. Mts. ein Gesetz über die Neuordnung der Verwaltung der Staatstheater beschlossen. Danach gehen von den Aufgaben und Zuständigkeiten des Ministeriums für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung die Verwaltung der staatlichen Theater in Berlin(einschließlich Kroll=Theater) und die ehemaligen staatlichen Theater in Kassel. Wiesbaden und Hannover auf den Ministerpräsidenten über. Die erforderlichen Ausführungsbestimmungen erläßt der Ministerpräsident im Einvernehmen mit dem Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung. Der Ministerpräsident hat der Pflege des Theaterwesens stets besonders lebhaftes Interesse entgegengebracht. Das soeben verabschiedete Gesetz über die Staatstheater läßt den Willen des Ministerpräsidenten erkennen, die Neugestaltung des Theaters im nationalsozialistischen Geiste an der Stelle mit Nachdruck durchzuführen, wo es in Fortsetzung alter preußischer Tradition vorbildliche Kunst zu pflegen gilt. lichen Grundsätze des Faschismus dar. Dann wandte sio Mussolini an die Abgeordneten mit den Worten „Vor allem möchte ich Ihnen in feierlichster Weise sagen, daß Sie in diesen fünf Jahren der faschistischen Revolution der Sache auf das beste gedient haben, für die wir alle bereit sind, immer, mit allen Waffen und überall zu kämpfen.“ Es folgte sodann die Abstimmung über das Korporationsgesetz, das einstimmig angenommen wurde. Mit einer begeisterten Kundgebung für Mussolini schloß die Sitzung. ( a de heute Ratssitzung über die Saarabstimmung. DNB Genf, 18. Januar. Aus unterrichteten Völkerbundskreisen verlautet, daß die Ratstagung über die Saarfragen unter Umständen schon am Freitagnachmittag stattfinden wird. Sie wird sehr wahrscheinlich öffentlich sein. Voraussichtlich wird man sich aber bei der Aussprache auf die Fragen beschränken, die unmittelbar mit dem eigentlichen Thema der Abstimmung zusammenhängen und wird eine allgemeine Aussprache, wie sie von gewisser Seite gewünscht wird, zu vermeiden suchen. Es besteht die Absicht, bei dieser Gelegenheit auch den Präsidenten der Regierungskommission, Knox, um seine Meinung zu befragen.(Die Presse im Saargebiet äußert sich einmütig voller Empörung über die Wiederwahl dieses Mannes, zu dem die Bevölkerung jedes Vertrauen verloren hat.) Annahme des italienischen Korporationsgesetzes. DNB Rom, 18. Januar. Am Donnerstagnachmittag fand die feierliche letzte Sitzung der 28. Legislaturperiode der italienischen Abgeordnetenkammer statt, die damit ihre fünfjährige Tätigkeit abschließt. Lange vor Beginn harrte auf den Plätzen vor dem Parlament eine dichte Menschenmenge auf das Erscheinen des Duce, der kurz vor 4 Uhr in Begleitung des Parteisekretärs eintraf. Der Sitzungssaal, die Diplomatenlogen und die Pressetribünen waren bis auf den letzten Platz gefüllt. Mussolini wurde bei seinem Eintreffen mit größtem Jubel begrüßt. Der frühere Justizminister Rocco legte als Berichterstatter zum Korporationsgesetz, das in der vergangenen Woche im Senat einstimmige Annahme gefunden hat, in knappen Ausführungen die wirtschaftFrouenmord nach aufgeklärt. Paris, 18. Januar. 1 Paris hat eine neue Sensation. Diesmal handelt es sich um die Aufklärung eines Frauenmordes nach zehn Jahren, die der Polizei gelungen ist, eines Verbrechens, das auch nach Oesterreich und Polen hinüberspielt und in dessen Mittelpunkt ein ehemaliger österreichischer Offizier steht. Am 11. Juli 1923 war am Badestrand von Treport, an der französischen Kanalküste, die Leiche einer Frau gefunden worden, die durch vier Revolverschüsse ermordet worden war. Weder der Name er Toten noch des Mär ders konnten während der jahrelangen Nachforschungen ermittelt werden. Nach 10 Jahren aber wurde die Polizei durch einen anonymen Brief auf die richtige Spur gebracht. Die Tote konnte mit Hilfe der Warschauer Polizei als die ehemalige russische Sängerin Helene Krupa identifiziert werden. Als ihr Mörder ist ihr eigener Schwager Josef Ziffer ermittelt worden. 9 Helene Krupa hatte sich im Jahre 1913 mit einem österreichischen Offizier jüdischer Abstammung namens Waldemar Ziffer in Lemberg vermählt. Nach Kriegsende hatte der Offizier seinen bunten Rock ausziehen müssen. Er eröffnete in Krakau eine Holzhandlung. Das Geschäft ging aber so schlecht, daß Ziffer, nachdem er sein Vermögen und das seiner Frau verbraucht hatte, Bankerott erklären mußte. Um sich zu sanieren, wollte er sich mit einer reichen Witwe namens Lola Herwitz verheiraten. Aber bei diesem Plan war ihm seine Frau, Helene Krupa, im Wege. Ein wahrer Familienrat der ganzen Sippe Ziffer wurde in Krakau einberufen. Dabei wurde beschlossen, daß der jüngste Bruder, Josef Ziffer, der in Paris als Pelzhändler lebte, seine Schwägerin aus der Welt schaffen sollte. Josef Ziffer verstand es, die Frau für sich zu gewinnen, sodaß sie mit ihm von Krakau nach Berlin floh. Dann bekam sie zwar Gewissensbisse aber der Liebhaber verstand es, sie zur Weiterreise nach Brüssel und Paris zu bewegen. Bei einem Sonntagsausflug nach Treport erhielt dann Helene Krupa die tödliche Kugel. Gleichzeitig reiste Josef Ziffer nach Biarritz weiter, um sich ein Alibi zu verschaffen. Einige Jahre später kam der Mörder wegen Diebstahls mit der Pariser Polizei in Konflikt und wurde aus Frankreich ausgewiesen, weil er damals noch nicht als Mörder bekannt war. Bisher sind Waldemar Ziffer und seine Schwester Lola Rosenberg wegen Mithilfe an dem Mord von der polnischen Polizei verhaftet worden. Gegen Josef Ziffer, von dem vorläufig noch jede Spur fehlt, wurde ein Haftbefehl erlassen. en Kreie „daß der gehe. gewep, nnenpolivon Aus dem Kreise Thaus aus von „die its nftig zu mnisse Duß die erlich zu der Reiale enen und erer iente der werden. AbgeordVU ter wies der Erm beklei pellanten tresa Beten habe. Zeröffent von Stasabe aber ß er 300 1habe. en. Die die Sow15 tücke, die sky schon wvenn sich Schließdaß der té". von Ahaus, den 19. Januar 1934. Von der Kleinkierzucht In der am Samstag, 13.1. bei Heisterborg stattgefundenen Versammlung der Kaninchenzüchter, Abt.„Alter Verein“ erstattete der Vereinsführer H. Fellrath den Jahresbericht. Aus demselben war folgendes zu entnehmen: Der Mitgliederbestand ist derselbe geblieben. Der Tierbestand betrug am 1. 1. 33= 81 Tiere, geborene Jungtiere 282, davon wurden tätowiert 209 Tiere(Rammler 106, Häsinnen 103). Tierbestand am 1. 1. 34 Rassetiere 127, Kreuzungstiere 24. Zum Ankauf von Zuchttieren wurden vom Verein 46,— Mk. zur Verfügung gestellt.— Auf der Ausstellung im Oktober waren 90 Tiere vertreten. Die Werbeschau in Epe wurde mit 27 Tieren beschickt, von denen 24 Tiere prämiiert wurden. Die Kreisgruppenschau in Gronau war von hier mit 33 Tieren beschickt, 25 Tiere erhielten Preise.— Zugleich wurde auch ein Bericht gegeben über die Gautagung in Dortmund. Um jedoch ein restloses Erfassen sämtl. geborener Jungtiere zu ermöglichen, ist jeder Züchter verpflichtet, monatl. auf einem vorgedruckten Formular die entsprechenden Fragen zu beantworten. An die Gründung einer Frauengruppe ist ebenfalls gedacht worden. Dieselbe hat hauptsächlich die Aufgabe, die zugerichteten Felle zu Pelzwerk zu verarbeiten. Dieses stellt keine Konkurrenz gegenüber dem Kürschnerberuf dar, sondern dem minderbemittelten Züchter soll hierdurch die Gelegenheit gegeben werden, für sich und Stadt Ahaus seine Familienangehörigen warmes Pelzwerk anzufertigen. Beratungsstellen für alle Kaninchenfragen, in denen eine präzise Fragenbeantwortung möglich ist, wurden eingerichtet bei den Zuchtkollegen H. Fellrath, Heeker Str., G. Fellrath, Neuer Weg, H. Kumbrink, Galenstraße. An die Bevölkerung erging die Aufforderung, von dieser Einrichtung lebhaft Gebrauch zu machen. Gegen 12 Uhr konnte die vor allem in Zuchtfragen sehr rege verlaufene Versammlung geschlossen werden. Das Heilige Jahr von Einsiedeln Mit dem Jahresbeginn ist Einsiedeln in das 1000. Jahr seines Bestehens eingetreten, hat doch nach historisch beglaubigten Nachrichten der selige Eberhard, ehemals Domprobst von Straßburg über der Zelle des heiligen Einsiedlers Meinrad, der im Jahre 861 durch Mörderhand gefallen ist, ein benediktinisches Mönchkloster gegründet, das bis auf den heutigen Tage; seinen Bestand gewahrt hat. Tausend Jahre sind immerhin ein seltenes Jubiläum und man begreift die Einsiedler, Kloster und Dorf, daß sie willens sind, dieses Jahr dankbar als heiliges Jahr zu feiern. Denn Gottes Heil und Segen hat offenbar über der Stiftung des seligen Eberhard gewaltet. Die Vorbereitungen zu den offiziellen Feierlichkeiten, die im Mai beginnen sollen, sind im vollen Gange. Unter anderem sind bereits weitgehende Tarifvergünstigungen der Schweizerischen Bauern zugesichert. iniste „Durchbruch zur nationalen Freiheit und sozialen Die Freudenkundgebung der Arbeiksfronk in Ahaus— Starke Bekeiligung— e Beantpellanten werden ause ein de nahn ittag erSchutze ahrte er rs gegen suldigten * ille Sto rung zu trlamen Regieindte sich Worten se sagen, n Revofür die nd überer das nommen Mussoju anuar. ndelt es ordes gen ist, d Polen maliTreport, er Frau rmordet 25 Mörolizei ge Spur rschauer. gerin 5 ihr Ziffer einem namens legsende müssen. das Geer sein e, Banreichen ber bei elene at der . Dabei Ziffer, wägerin es, die Krakau ensbisse, ise nach nntagspadie fer nach i Diebwurde ch nicht chwester von der Zifer, n HaftWenn auch die große Abendkundgebung der hiesigen Ortsgruppe der Deutschen Arbeitsfront wegen des regnerischen und stürmischen Wetters am Mittwoch avend nicht, wie geplant, unter freiem Himmel stattfinden konnte, so sicherte die dafür kurz vorher angesetzte Umwandlung in eine Saalveranstaltung doch noch im Rahmen des Erreichbaren den Erfolg des Abends. Denn die Tonhalle Burbaum füllten wohl 800 schaffende Volksgenossen aus allen Ständen von Ahaus, Wüllen. Wessum, Heek=Nienborg und Legden, als die Städt. Kapelle unter der Stabführung des Herrn Michel mit wuchtigen Marschrhythmen das Programm eröffnete, dessen Einleitung sich mit dem Einmarsch der SA.=, NSBO.= und NS.=Hago=Fahnen, denen bald die Orts= und Bezirksführer der veranstaltenden Organisationen folgten, fortsetzte. Mit einem Dank an Adolf Hitler für sein tatkräftiges Wirken für nationale Ehre und soziale Gerechtigkeit eröffnete der Ortsleiter der NSBO., Herr Molitor(Ahaus), die gewaltige Kundgebung und begrüßte besonders die Redner der Veranstaltung, Schulz(Gelsenkirchen) und Vermillion(Münster). Zu Ehren der Kämpfer, die mit ihrem Leben Wegbereiter des Dritten Reiches waren, erhob sich die Versammlung und gedachte bei den Weisen der Städt. Kapelle„Ich hatt' einen Kameraden“ des großen Heldentums der Gefallenen der Bewegung. Hieran knüpfte auch der erste Hauptredner Schulz (Gelsenkirchen) seine temperamentvollen Ausführungen an, indem er die Großtaten derjenigen würdigte, die den Vormarsch auf eine Weltanschauung angetreten und uns damit diesen Tag der Freude geschenkt hätten. Alsdann zeigte er in einem längeren politischen Rückblick die gewaltigen Schäden auf, die der Liberalismus in Verbindung mit einer rassefremden Gesellschaft und dem Freimaurertum sowohl in der Vor= als auch Nachkriegszeit dem deutschen Volke in Industrie, Handel, Handwerk, Landwirtschaft und Kultur zugefügt habe. Erst Hitler habe die Kraft des Volkes erkannt und wiedererweckt und es von falschen Führern, Vesrätern und Nutznießern befreit. An die Stelle bankerstter Weltanschauungen setzte er den Begriff des Nationalsozialismus, der Volksgemeinschaft, in der nicht das„Ich“, sondern nur das „Wir“, nicht Eigennutz, sondern nur Gemeinnutz gilt. Er hat die Ehre und den Adel der Arbeit wiederhergestellt und den Arbeitsplatz, den einer, sei er Direktor oder Arbeiter, Meister oder Geselle, gewissenhaft und pflichtgetreu ausfüllt, zu einem für alle völlig ebenbürtigen Ehrenplatz gemacht und dies durch das Gesetz zur Ordnung der nationalen Arbeit für immer verankert. Mit der Zuversicht, daß das Blut der Kämpfer tausendfältige Frucht bringen werde, schloß der Redner. Der zweite Redner, Herr Vermillion(Münster), leitete seine über 1½stündigen spannenden Ausführungen mit einer Erinnerung an die vor einem Jahre erfolgte Machtübernahme ein.„Warum“, fragte er,„hatten noch vor einem Jahre 20 Millionen Menschen den Glauben an Volk, Staat und Familien verloren?“ Um diese Frage zu beantworten und aus den Fehlern vergangener Tage zu lernen, müsse man erst diese Fehler aufdecken und untersuchen. In tiefgründigen, weitausholenden und kernigen Sätzen tat dies auch der Redner und ging in die deutsche Geschichte bis dahin zurück; als sich die viel zu rasche u. übertriebene Umwandlung vom Agrar- zum Industriestaat vollzog. Interessant war hierbei der Vergleich der wirtschaftlichen und sozialen Struktur des Münsterlandes mit der des Industriegebietes, die im allgemeinen bis vor kurzem noch galt. Hier eine gesunde bodenständige, sich langsam und organisch entwickelnde Klein= und Mittelindustrie, dort eine aus dem Boden gestampfte Mammutindustrie mit dem Prinzip: Geldverdienen um jeden Preis; hier durch Kleineigenheime heimatverwurzelte, arbeitsfreudige Menschen, dort„importierte“, als „Ware“ behandelte und in Mietskasernen und„Kolonien“ wohnende freudlose Menschen. Wenn überall solche Verhältnisse wie im Münsterland geherrscht hätten, dann wären keine 20 Millionen Volksgenossen Feinde des Staates geworden und dem internationalen Marxismus und dem verjudeten Kapitalismus in die Hände gespielt worden. Schon hier hat man es ebensowenig verstanden, den werktätigen Volksgenossen der Großindustrie für den Staat zu gewinnen, wie im Weltkriege, bei dessen Ausbruch sich die Arbeiterschaft mit Blut und Leben, ohne im Besitz irgendwelcher materellen Güter zu sein, sich restlos für das Vaterland zur Verfügung stellte. 1914 hätte das Geburtsjahr für die deutsche Volksgemeinschaft werden können. Doch diese nationale Tat des schaffenden Volkes wurde kaum anerkannt, es wurde im Laufe des Krieges genau so unsozial behandelt wie in der Vorkriegszeit und eine korrupte Kriegsernährungs= und finanzwirtschaft zerstörte in ihm bald wieder den Glauben an Volk und Staat. Auch der Bruder= und Klassenkampf im Gefolge des Novemberverbrechens 1918 und des Spartakusterrors habe alles andere als zur Bildung einer Volksgemeinschaft beigetragen und uns an den Abgrund gebracht. In die dunklen wirtschaftlichen, sozialen und politischen Schatten der Nachkriegszeit drang das Licht der großen Idee des nationalen Sozialismus, getragen und verkündet von dem einfachen Soldaten des Weltkrieges Adolf Hitler, der mit seinen heldenmütigen braunen Soldaten das Dritte Reich in beispielloser Aufopferungsfreudigkeit, Vaterlandsliebe und eisernem Zielbewußtsein schuf und der Erneuerer des Reiches und der Träger eines gesunderen, glücklicheren Deutschlands wurde. 2 leuchtende Beispiele deutscher Geschichte hielt der Redner den heimischen Volksgenossen vor Augen: Albert Schlageter und Horst Wessel. So müßten wir werden, zu Opfern dieser Größe müßten auch wir, wenn es verlangt würde, bereit sein. Jetzt leitete der Redner über zu dem großen neuesten Gesetzeswerk, dem Gesetz zur Ordnung der nationalen Arbeit. Diese Ausführungen, die in Ahaus den zweiten Teil der großen Rede von Pg. Vermillion bildeten, decken sich ganz mit der wenige Stunden vorher vom gleichen Referenten in Gronau gehaltenen Rede, die in dieser Zeitungsausgabe im Gronauer Kundgebungsbericht ausführlich enthalten ist. Aus Raumersparnisgründen können wir deshalb von der doppelten Wiedergabe Abstand nehmen. Am Schluß der häufig von starkem Beifall unterbrochenen Rede ließ Pg. Vermillion das schaffende deutsche Volk und seinen Führer hochleben, den Gott uns noch lange erhalten möchte. Es folgten das Deutschland= und Horst=Wessel=Lied sowie einige Schlußworte des Versammlungsleiters. Trotz der vorgerückten Stunde und des stürmischen Wetters entschloß man sich dennoch zum Fackelzug, an dem sich unter Vorantritt der Städt. Kapelle die SA., SAR., NSBO. und NS.=Hago mit ihren Fahnen beteiligten. Auf dem Schlageterplatz(ehem. Neumarkt) fand die Kundgebung nach dem Marsch durch die Hindenburgallee über den Horst=Wessel= und Marktplatz mit dem Zusammenwerfen der Fackeln und dem Horst=Wessel=Liede ihr Ende. Epe Rücksichtsloser holl. Aukofahrer Unfall auf der Gronauer Straße. Nachdem am Samstag abend auf der Gronauer Str. in der Nähe von Verst ein junger Mann verunglückte und dem Eper Krankenhaus zugeführt werden mußte, ereignete sich am Dienstag abend auf der Gronauer Straße unter anderen Umständen wieder ein Verkehrsunfall. Der Schreinermeister Herm. Tenhündfeld wurde vor dem Hause des Werkmeisters Brake von einem holländischen Kraftwagen angefahren und am Kopfe schwer verFahrer des Personenkraftwagens ist der holländische Staatsangehörige Gerhard van Holter in Doetenchem in Holland. Der neben dem Bürgersteig stehende Tenhündfeld unterhielt sich mit dem Werkmeister Brake. T. fiel mit dem Gesicht auf den Bürgersteig und erlitt erhebliche Verletzungen am Gesicht. Der herbeigerufene Arzt ordnete die Ueberführung des Verletzten ins hiesige Krankenhaus an. Der Kraftwagenführer fuhr, ohne sich um den Verletzten zu kümmern, in Richtung Gronau weiter. Der Holländer wurde an der Grenzstation in Glanerbrücke von dem Zollbeamten festgehalten und alsdann dem Gerichtsgefängnis Gronau vorgeführt. bleibt bis zur endgültigen Klärung in Haft, Er Stadtlohn A Großer Konzert=Abend zur Pflege der Hausmusik. Am Sonntag fand in der Turn= und Schützenhalle ein großer Konzertabend zur Pflege der Hausmusik und zum Besten des Winterhilfswerkes statt. Der großzügig aufgezogene Abend brachte einen vollen Erfolg. Die geräumige Turn= und Schützenhalle war fast ganz besetzt, als etwa gegen 8,30 Uhr der Konzertabend durch den Bürgermeister der Stadt Stadtlohn Pg. und Ortsgruppenleiter der NSDAP. Kl. Blanke eröffnet wurde. Er wies darauf hin, wie unumgänglich notwendig die Förderung der Kunst sei, und daß gerade im Dritten Reich zur Befestigung und Förderung der Kunst alles getan werde. Sodann wurde vom MGV.„Sängerlust“ der Reigen eröffnet. Unter Leitung des bewährten Chormeisters Hans van der Beck brachte er zum Vortrag„Was ist des deutschen Vaterland“ von Reichardt und„Deutscher Glaube“ von F. Nagler. Nicht endenwollender Beifall lohnte die Sänger. Die weitere Abwicklung des Programms ging ohne Störungen vonstatten. Die Vokal= und Instrumentalsolisten entledigten sich ihrer Aufgabe in exakter Weise, ebenso die Stadtlohner Sänger. Als vom Bürgermeister mitgeteilt wurde, daß der deutsche Dichter Richard Euringer einiges sagen würde, wollte der Begrüßungssturm kein Ende nehmen. Euringer, der den Stadtlohnern ja besonders bekannt ist und sich in Stadtlohn unvergeßlich gemacht hat, sprach dann aus eigener Dichtung„Reime aus der Zeit des Kampfes“, fortgesetzt bis heute. Die stolzen Worte„Ehe sie uns begraben— sollen die Kinder es deutscher haben“ weckten in allen das Echo, weiter zu arbeiten in der Pflicht und dem Bewußtsein eines großen Zieles. Sein Vortrag fand dankbare Aufnahme. Den Schluß machte der MGV.„Sängerlust“ mit dem„Spielmann“ von Kraemer und„Kapitän und Leutnant“ von Heinrichs. Ein solch genußreicher Abend wurde der Stadtlohner Bevölkerung bisher ganz selten zuteil. Hoffentlich ermutigt dieser erste Abend, der sofort ein großes Ereignis wurde, zur öfteren Wiederholung. Große Bauernkundgebung in Stadllohn Eindrucksvolle Riesenversammlung des Ortsbauernstandes Stadtlohn. Eine von über 400 Bauern besuchte Versammlung des Ortsbauernstandes fand am Dienstagnachmittag in der Turn= und Schützenhalle statt. Nach Eröffnung derselben durch den Ortsbauernführer Rewers erhielt sofort der 1. Redner des Tages, Geschäftsführer Zimmermann vom Westf. Landesbauernstand das Wort, der in längeren Ausführungen über das neue Siedlungswesen sprach. Für diese Neusiedlungen kämen in erster Linie in Frage nachgeborene Bauernsöhne, Kleinbesitzer und Landarbeiter, dann auch landwirtschaftliche Beamte und Angestellte, sowie auch Arbeitslose aus allen Berufen, die natürlich die nötige fachliche Ausbildung nachweisen müßten. Gesiedelt würde hauptsächlich im Osten, Ostpreußen, Schlesien, Brandenburg und Mecklenburg. Ueber die Finanzierung der Siedlungen würden in kurzer Zeit neue Richtlinien herausgegeben werden. Bestehen bleibe die bisherige Verzinsung mit 4% und die Tilgung mit ½%. Wer zu siedeln beabsichtige, wende sich am besten unter Beifügung eines Lebenslaufes, eines polizeilichen Führungszeugnisses und von Zeugnisabschriften an die Reichsstelle für die Auswahl deutscher Bauernsiedler, Landesstelle Münster i. W., Brockhoffstraße 7, die auch sonst jede gewünschte Auskunft gern erteile. Anschließend konnte dann der Ortsbauernführer den inzwischen erschienenen Führer der NSDAP., Bürgermeister Blanke, begrüßen, der sofort das Wort ergriff. In seiner kernigen Art stellte derselbe fest, daß heute der Bauer im besten Sinne des Wortes„erwacht“ sei. Keiner vor unserem genialen Führer Adolf Hitler hätte es derart klar erkannt, daß der Bauer die Grundlage und Wurzel jeden Staatswesens sei. Der Redner erklärte u. a., daß die Bauern aus ihrer gehobenen Stellung im Staate heraus auch ihre besonderen Opferpflichten erkennen müßten. Weiter forderte der Redner auf, auch die im Sinne des neuerwachten Deutschland unbedingt nötigen Kulturbestrebungen zu unterstützen. So sei es beispielsweise nicht zu verstehen, daß zu der ganz hervorragenden Konzertveranstaltung am vergangenen Sonntag ein derart schlechter Besuch aus der Landbevölkerung zu verzeichnen gewesen sei. U. a. forderte der Redner auch zum Besuch der Deutschen Bühne bei ihren Gastspielen auf. Unter großem Beifall der Versammlung dankte der Ortsbauernführer dem Redner für seine temperamentvollen Ausführungen. Anschließend erteilte er dem neuen Geschäftsführer des Kreisbauernstandes Ahaus, Dr. Lohmann, das Wort zu seinem Vortrag über das Reichserbhofgesetz. In die Erbhofrolle werden die Höfe in Größe von 30 bis 500 Morgen aufgenommen, die im Alleinbesitze eines Bauern sind(also keine ge= und verpachteten Güter). Die Eintragungen erfolgen demnächst durch die Amtsgerichte ohne Antrag. Nur wer in der Rolle eingetragen ist, darf in Zukunft den Titel„Bauer“ führen. Betr. der Erbfolge bestehen 6 Anerbenordnungen und zwar: 1. Söhne des Erblassers und deren Sohnessöhne, 2. Vater des Erblassers, 3. Brüder des Erblassers und deren Söhne; 4. Töchter des Erblassers und deren Söhne, 5. Schwestern des Erblassers und deren Söhne, 6. alle Abkömmlinge, die in den vorigen Ordnungen nicht eingeordnet sind. Wo das Aeltestenrecht(wie hier im Münsterlande) besteht, bleibt dasselbe in Geltung. Miterbenrecht. Jeder Miterbe hat 1. bis zur Volljährigkeit(21 Jahre) volles Unterhaltungs= und Erziehungsrecht, 2. das Ausstattungs= und Aussteuerungsrecht, 3. Recht der Rückkehr auf den Hof, wenn ohne Schuld in Not geraten. Diese Bestimmungen gelten nur im Rahmen der Leistungsfähigkeit, worüber von Fall zu Fall entschieden werden muß. Eine Veräußerung und hypothekarische Belastung des Erbhofes ist in Zukunft ausgeschlossen. Zwangsvollstrekkungen sind nicht mehr zulässig, nur an Sachen, die nicht zumErbhofe gehören(Bargeld, Kapitalvermögen, Grundstücke, die nicht in die Erbhofrolle eingetragen sind). Alle Testamente und Uebertragsverträge, die bisher gemacht sind, sind gültig, wenn sie nicht im direkten Gegensatz zum neuen Rechte stehen, jedoch gibt es hier noch verschiedene Uebergangsbestimmungen. Die Anerbenbehörden sind: 1. Anerbengericht, 2. Erbhofgericht, 3. Reichserbhofgericht. Die klaren Ausführungen des Redners, die von den Anwesenden mit äußerst großem Interesse verfolgt wurden, beschloß derselbe mit der Aufforderung zur treuen Gefolgschaft zu unserem Führer Adolf Hitler. den Ein heiteres Jag Ein heiteres Jagdstückchen erzählt man sich seit einigen Tagen in Darfeld. Es war am Samstag, der letzte Tag, an dem es noch erlaubt war, den Hasen zu Leibe zu gehen, wurde tüchtig ausgenutzt. Von einer Jagdgesellschaft wurde auch ein junger Mann namens Paul eingeladen, der zwar noch ein Neuling war, aber großes Interesse für das Weidwerk zeigte. Ein Jagdgewehr beschaffte Paul sich leihweise und mit lautem Horrido gings ins Jagdrevier.. Paul bildete den Außenseiter der Schützenkette. St. Hubertus war dem Jagen hold und einige Häslein hatten bald ihr Leben gelassen; doch Paul hatte noch die erste Patrone im Lauf. Zwei Schüsse ließen ihn plötzlich aufschrecken und im gleichen Augenblick kam ein angeschossener Hase auf unsern bereitstehenden Schützen zu. Paul riß die Flinte hoch, benutzte einen Baum zur Hilfsstellung und sandte dem nicht mehr allzuschnell sich fortbewegenden Hasen einige Ladungen Schrot zu. Anscheinend verfehlten diese ihr Ziel und Paul sandte noch weitere 4 Schuß ab. Auch der sechste Schuß hatte dem Häslein keinen weiteren Schaden zugefügt. Die letzte Patrone war verschossen und das Opfer schien zu entkommen, zumal auch kein Hund zur Stelle war. In seiner Not begann Paul zu laufen, den Hasen mußte er einholen. Es schien wie ein Rennen auf Leben oder Tod. Paul rannte über den lehmigen Boden, ab und zu fiel er hin, aber der Abstand zwischen ihm und dem Opfer verringerte sich zusehends. Nur noch wenige Meter, nur noch ein Schritt, und schon war das Häslein erreicht. Paul benutzte das Schießeisen als Keule. Ein kräftiger Schlag; doch o weh, nicht der Hase, sondern die Donnerbüchse flog in Stücke, während Meister Lampe ungehindert weiterhumpelte. Aber so leicht gibt ein mutiger Jägersmann seine Sache nicht verloren und weiter ging die Jagd. Paul gelang es, den Hasen in einen Tümpel zu treiben; doch aber nicht nur der Hause, sondern auch Paul plumpste hinein. Während er mit Müh und Not sich aus dem nassen Element befreien konnte, war das Häslein bereits ertrunken; doch Paul war nicht weniger froh, ihn nunmehr ohne große Anstrengung herausfischen zu können.(Hoffentlich kommt dieser tapfere Hubertus„lehrling“ nicht noch zuguterletzt in Konflikt mit dem Fischereirecht od. mit einer polizeilichen Badeverordnung. D. Schriftltg..) Vereinsanzeiger (Nur für Mitteilungen an die Mitglieder Preis pro Millimeter Höhe 5 Pfennig.) Vereinsfest des Turn= und Sportvereins D. J. K. Wüllen. Sonntag, 21. Januar, morgens 7,45 Uhr Antreten am Vereinslokal zwecks Teilnahme am Gottesdienst mit gem. hl. Kommunion. Abends 7,30 Uhr Familienfeier bei Hoffzumahaus. Ortsbäuerinnenverband, Gronau. Der nächste Schlachtkursus findet am 26. Jan. bei Subgang statt. Anmeldungen bis zum 22. Jan. erbeten. Die Ortsführerin. Schützenverein Brook=Spechtholtshook Gronau. Am Sonntag, dem 21. Januar 34, 16,30 Uhr(4,30 Uhr nachm.) findet im Vereinslokal Engbrink=Barink unsere Jahreshauptversammlung statt, wozu sämtliche Mitglieder dringend eingeladen sind. Die Tagesordnung wird in der Versammlung bekanntgegeben. Der Vorstand. Schützenverein Schöttelkotterhook=Tiekerhook=Eßseite, Gronau. Samstag, den 20. Januar, abends 8,30 Uhr bei Kolk Generalversammlung. Sehr wichtige Tagesordnung.— ½ Stunde vorher Vorstands= und Offizierssitzung. Weitere lokale Nachrichten auf einer anderen Seite. DRUCKSACHEN für Handel und Gewerbe, für den amtlichen und privaten Gebrauch fertigt an unter Verwendung bester Papiere u. in geschmackvoller Ausführung GEBR. LENSING Verlagsanstalt G. m. b. H. Ahaus i. W.- Fernsprecher Nr. 450 Berechn. zu billigen Preisen. Verlangen Sie Vertreterbesuch. Gronauer Stadt=Rundschau Gronaus Arbeitsfronk marschierte Gewallige Kundgebung der Arbeitgeber und Arbeitnehmer.— Riesiger Fackelzug Zu einer Treue= und Dankkundgebung unter der Devise„Für Ehre, Arbeit und Frieden“ hatte die Deutsche Arbeitsfront Gronau Mittwoch abend das gesamte schaffende Gronau aufgerufen. Der Anlaß war die Verkündigung des Gesetzes zum Schutze der nationalen Arbeit. Dieses am 1. Mai in Kraft tretende Gesetz ist von grundlegender Bedeutung für das deutsche Volk und stellt eine vollkommene Abkehr von dem bisher Gewesenen dar.4 So wurde denn auch in unserer Spinnerstadt Gronau dieser Tag des Durchbruchs zur sozialen Ehre des deutschen Arbeitertums zu einer machtvollen Demonstration und zu einem sinnfällig in die Erscheinung tretenden Dokument der Einheitsfront von Arbeitnehmern und Arbeitgebern. Fabrikherr, Direktor, Angestellter und Arbeiter, Meister und Geselle, Chef und Mitarbeiter, alle traten sie an zum geschlossenen Aufmarsch. Man muß die Disziplin bewundern, mit der die Massen trotz des ununterbrochen niedergehenden, vom Sturme gepeitschten Regens unter den Klängen der Kapellen anmarschierten und das große Viereck des Horst=Wessel=Platzes in dichten Reihen standhaft umsäumten. Die Bedeutung der Stunde drückte sich im reich beflaggten Stadtbild durch frühzeitige Schließung der Betriebe und Ladengeschäfte, durch Glockengeläute, Sirenengeheul und Böllerschießen aus. Alles Zeichen der eindringlichen Ideen=Propaganda einer von Grund auf gewandelten Zeit. Die Kundgebung auf dem Horst=Wesselplatz wies insofern einen unglücklichen Begleitumstand auf, als die am Nachmittage eingebaute Lautsprecheranlage infolge der nassen Witterung am Abend nicht mehr funktionierte. So gingen die Ansprachen der beiden Redner für die Mehrheit der Massen verloren. Pg. Schulz, Recklinghausen sprach zunächst in kurzen Ausführungen und bezeichnete das System des Liberalismus, das mit seinen falschen Ideengängen sowohl die Industrie als auch Handel und Handwerk durchseucht habe, indem es eine Klasse von schaffenden Menschen vergewaltigte. 1933 sei nun das Jahr der Erfüllung; der Nationalsozialismus habe sich des Arbeiters angenommen und stelle ihn gleichberechtigt neben die anderen Stände. Arbeiter der Stirn und der Faust gehören zusammen, wehe denen, die den Geist des zum Schutze der nationalen Arbeit geschaffenen Gesetzes zu sabotieren versuchen. Der Tag, an dem dieses Gesetz Wirklichkeit wurde, wird einst als der Tag des Durchbruchs zur sozialen Ehre mit goldenen Lettern im Buch der Geschichte erscheinen. Die Hauptrede hielt Pg. Vermillion=Rheine. Dieser ging aus von dem ungeahnten, überwältigenden Bekenntnis des deutschen Volkes zu Adolf Hitler am Wahlsonntage des 12. November 33. Hitler hat sie alle für den Staat gewonnen, auch die 12 Millionen, die im Frühjahr des Vorjahres noch für den Marxismus und Kommunismus stimmten. Es darf nicht sein, so führte der Redner mit Nachdruck aus, daß diese einmal gewonnenen Menschen Staat und Nation je wieder verloren gehen. Die nationalsozialistische Revolution wurde in drei Phasen durchgeführt: 1. Erringung und Ausbau der politischen Macht; 2. Erringung der wirtschaftlichen Macht. Nach dem ungeahnten Vertrauensbekenntnis des 12. November sagten wir uns, daß wir nun zur dritten Phase der nationalen Revolution schreiten müßten: Revolutionierung des gesamten Gesellschaftslebens. Darum nieder mit den künstlich aufgebauten Mauern zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern, zwischen Bürgertum und Arbeitertum. Diese Mauern müssen wir so abtragen, daß sie niemals wieder aufgerichtet werden. Millionen von Deutschen im sogenannten Bürgertum wollten den Begriff des Arbeitertums nicht kennen; sie vergaßen aber dabei, daß der handarbeitende, kitteltragende Mensch erst das Leben der andern ermöglichte. Der Wert der Arbeit und des Arbeitsplatzes wird nach nationalsozialistischer Auffassung durch den Menschen selbst, gleich wo er steht, bestimmt. So soll der sittliche Wert der Arbeit wieder zur Geltung kommen. Nicht Maschine ist der Arbeiter, sondern wertvolles und gleichberechtigtes Glied der Gemeinschaft.— Die Menschen im Werksbetriebe gehören zusammen auf Gedeih und Verderb. So machen wir es dem Arbeitgeber zur sittlichen Pflicht, sich für das Wohlergehn seiner Untergebenen verantwortlich zu fühlen. In dieser Zweckrichtung läuft das neue Gesetz zum Schutze der nationalen Arbeit. Es ist erst ein Anfangswerk. Der Arbeitgeber ist durch keine staatliche Maßnahme in seiner persönlichen Initiative mehr eingeengt, dafür aber hat er ein Maß von sittlicher und sozialer Verantwortung für seine Betriebsgemeinschaft. Einem in dieser Beziehung pflichtvergessenen Arbeitgeber, Abteilungsleiter oder Prokuristen kann unter Umständen die Befugnis zur Betriebsführung aberkannt werden. Der Redner betonte nachdrücklichst, daß der Nationalsozialismus ein Wiederaufleben reaktionären Geistes zu verhüten wissen werde. Im übrigen gelte im neuen Staat nur das Prinzip der Leistung. Redner erwähnte die bisherige Einstellung der Intellektuellen und sagte: Wenn einer das Glück hatte, studieren zu können und dadurch sozial höher steht, so soll er nicht vergessen, daß ihm das Studium durch andere ermöglicht wurde. Ein gesellschaftliches Vorrecht des Akademikertums kennen wir nicht mehr. Große Aufgaben sind noch zu lösen. Wir können sie nur lösen, wenn dem Führer die Liebe eines 63 MillionenVolkes entgegenschlägt. Deshalb fragen wir nicht danach, was gestern war, sondern was morgen sein wird. Ein wahrer Staatsmann denkt nicht in kurzen Jahren und Jahrzehnten, sondern in Jahrhunderten. Deshalb soll das neue Gesetz zum Schutze der Arbeit den Grundstock bilden für eine glückliche Entwicklung der kommenden Jahrhunderte. Das Gesetz ist absichtlich locker gehalten, damit noch manche, sich durch die Praxis erweisende Bestimmungen eingebaut werden können. Schließlich aber ist entscheidend der Geist, der hinter diesem Gesetzeswerk steht. Pg. Vermillion schloß mit den Worten: Wir nationalsozialistischen Kämpfer können die Wunden vergessen, die man uns schlug; das sollen auch alle Volksgenossen tun und heute nur ein einziges Ziel kennen: Deutschland. Wenn wir so gemeinsam schreiten und unsere Pflicht erfüllen, dann kommt der Tag, da es für jeden eine Ehre ist, die schwielige Faust des deutschen Arbeiters zu drücken. Es lebe Adolf Hitler! Es lebe die nationalsozialistische Revolution! Es lebe unser gemeinsames deutsches Vaterland! Nachdem das Horst=Wessel=Lied verklungen war weihte der Redner noch eine Fahne der Betriebszelle Westfälischen Garnveredelung, Fabrikstraße. Die Kundgebung, zu der in Begleitung des Bürgermai sters Dr. Jansen auch Landrat Sümmermanerschienen war, fand dann ihre Fortsetzung in gewaltigen Fackelzuge. Ahaus einem 8 An die Spitze des Zuges stellten sich die über 20 Fahnen gruppen der verschiedenen Betriebszellen. Tausende vor Fackeln leuchteten auf und unter den Marschklängen nie ler Kapellen bewegte sich der schätzungsweise 2½ Tausend Teilnehmer zählende Zug wie eine einzige Feuer schlange über die Burgstraße, Bentheimer StraßFabrik=, Bahnhof=, Post=, Wilhelmstraße, Enscheder S und Adolf=Hitler=Straße zum Platz an der HermannGöring=Straße. Im Zuge waren vertreten sämtliche hiesigen Textilwerke, Handel, Gewerbe und Handwerk, munalbehörde. Post, Eisenbahn, Zoll und Gericht, Arbeit. geber und Arbeitnehmer. Den Ordnungsdienst in den von Menschen belebten Straßen versahen Polizei. Es Jü De ein hat zeit und Feuerwehr. Die Organisation der Veranstaltung lag in Händen der NSBO. unter Leitung des Pg. Hilgers Es war eine gewaltige Kundgebung, gepragt von Gedanken der Volks= und Schicksalsgemein, schaft aller schaffenden deutschen Menschen. Nun gilt es, das große Gesetzgebungswerk der Reichsregierung mit dem rechten Geiste zu erfüllen damit das Gesetzeswerk zum Besten des deutscher Volkes zu Fleisch und Blut wird. Wi Vo aus ru da V. )=(Nächtlicher Brand. In der Nacht zum Donnerstag schrillte gegen 2 Uhr die Sirene auf und die Brandglocke der kath. Kirche erklang. Die Feuerwehr wurde zu einem Brande gerufen, der im Wohnhause Herzogstr. 69 entstanden war. Der gesamte Dachstuhl brannte aus weiteren Schaden konnte die Wehr verhüten. Die Entstehungsursache des Feuers, das einige Familien los machte, ist nicht bekannt. sch gen hei me Re sche sche ster abe C! en Me lar der X Eine größere Propaganda für den Luftschutzgedanken findet Anfang Februar in Gronau statt. Die Aufklärungsmaßnahmen sollen durch Flugzeuge selbst augenfällig bekräftigt werden. au so Vo sich du da Verantwortlich für den gesamten lokalen Text= und» Anzeigenteil: Fritz Schlotjunker, Ahaus i. W Rotationsdruck u. Verlag: Gevr. Lensing, Verlagsanstalt G. m. b. H., Dortmund de ihr ist eit ein ein R Wissen Sie schon, dal wir die Preise für Schmalz und Nudeln bedeutend ermäßigt haben Schweineschmalz gar.rein Pfd. 88, 82 Pfg. Blasenschmaiz.... Pfd. 86 Pfg. Feinstes Schweineschmalz aus Grieben ausgelassen Pfd. 98 Pfg. Erdnußschmarz.... Pfd. 62 Pfg. Nudeln billiger.... Pfd. 35 Pfg. Feine deutsche Bückinge Pfd. 28 Pfg. Heringe..... 10 Stück 36 Pfg. alles mit 3 Proz. Rabatt! Otto Moß = Bahnhofstr. 4 Gronau Vereinsstr. Rollmöpse mit Gurkeneinlage St. 109 Die Karnevalsfeier des F. C. Gronau 09 e. V. findet am Sonnabend in der Tonhalle statt. Beginn 8.30 Uhr— Saalpost— Einführungen sind gestattet. N. B. Der Vereinsführer gibt bekannt, daß Kriegsbeschädigte zu allen Veranstaltungen des Vereins, auch sportlicher Art, Zutritt mit 50%iger Ermäßiung haben. Der rechnende Landwirt und Gartenbesitzer kauft nur die bekannten Erzeugnisse der Vereinigten Saatzuchten Ebstorf: Ebstorfer Industrie(tiefgelb und schmackhaft) Ebstorfer Goldfink(gar. krebsfest) Ebstorfer Julinieren(die krebsfeste Frühkartoffel) Original Lüneburger Kleyhafer (Kleykönig, Heidegold, Moorzauber) Alleinverkauf Josef Lefert=Ahaus Telefon 204 Wichtig für Vereine! nur 6.60 Bei Vereins- Veranstaltungen erhalten Sie diese Anzeige für Arbeiterverein „St. Paulus" Gronau Am Soonntag, dem 21. Jan. abends 7.30 Uhr im großen Saale der Concordia Lichtbildervortrag über die Wallfahrt zum hl. Rock in Trier, wozu besonders herzl. eingeladen wird. Eingang Moltkestr. Der Vorstand. Einige 1000 Pfd. gut gedüngtes Wiesenheu und Koggenstroh sowie eine fast neue Zentrifuge zu verkaufen. Zu erfragen Gronau, Ochtruperstr. 74 Lehrstellen gesucht! An unsre Mitarbeiter. Wer für die Presse schreibt, wendet sich an alle Volksgenossen, gebildete und ungebildete. Er hat die Pflicht, seine Beiträge in eine einfache und klare Sprachform zu kleiden, die frei ist von entbehrlichen Fremdwörtern. Auch das ist ein Weg zur Volksgemeinschaft! Wir bitten unsere Mitarbeiter, als Führer voranzugehen- der Leser wird's danken! !.. uno unsre Anzeigenkundschaft! Der Werberat der deutschen Wirtschaft hat bestimmt:„Die Werbung har in Gesinnung und Ausdruck deutsch zu sein." Mit Recht! Anzeigen, die dem nicht entsprechen, wirken nicht. Anwirksame Anzeigen sind weggeworfenes Geld. Wer Geld wegwirft, treibt Volksverrat! Wir bitten daher unsere Kunden, nursprachlich saubere und geschmackvolle Anzeigen aufzugebender Erfolg wird's lohnen! Verlag und Schriftleitung Das Städtische Waisenhaus, Köln hat Östern 1934 über 120 Knaben von guter Führung, die aus der Schule kommen und in Handwerkslehre untergebracht werden sollen. Meldungen der Lehrmeister unter Nachweis der Befähigung zur Ausbildung von Lehrlingen sind zu richten an Städi. Waisenhaus, Köln-Sülz, Sülzgürtel 47 Viele Anerkennungen bei Rheumatismus, Ischias und Gicht B. Kauling-Ahaus Heilkundiger Galenstr.14 in 8 Tagen beseitigt. Töchterchen von starker Bronchitis durch Husta-Glycin befreit. Seit Jahren litt ich an Husten und Atembeschwerden, mit 2 Fl. vom Leiden erlöst. Viele lobende Anerkennungen v. Krankenhaus-Aerzten und-Professo ren. Nehmen auch Sie nur Husta-Glycin. Fl. RM. 1.-, 1.65 3.25. Hustobons Dose RM. 0.75 Ahaus Drog. Willi Schöning: Epe Drog. Nacke; Gronau Drog. W. ten Dam am Rathaus und August-Hahn Str. Volkstum und Heimat (früher Bürgervereine und Heimatverein) Gronau i. W. Freitag, 19. Jan. 8,30 Uhr Tonhalle: Alexander Starke, Nürnberg: Platz dem Frohsinn! Nichtmitglieder 0.75 RM. Dieses Inserat kostet bei uns nur 1.50 Familienund VereinsDrucksachen liefert in geschmackvoller Ausführung Gebr. Lensing Verlagsanstalt G. m. b. H. Ahaus, Zweigstelle Gronau Unser Trost sind seit vielen Jahren die beliebten Kaiser's Brust-Caramellen, denn sie lösen den Schleim und halten die Schleimhäute Ihrer Atmungsorgalegesund. Ihr lästiger RaucherKatarrh flieht. Jeder Tag ist für Sie Gewinn! Jetzt Beutel 35 Pig. Dose 40 U. 75 Pig. Zu haben in Ahaus: Hirsch-ApothekeAd. Hopmann; Westfalia-Drogerie W.Hansen; Adler-Drogerie W. Schöning: H. Ludeling, H. Thyen. Asbed: JosefLeyers. Epe: Mediz.-Drog. Georg Nacke, Clem. Vocke. Legden: P. Melchers, Joh.Strobel. Wüllen: H. Orthaus. Gronau und Nordhorn: Drogerie H. Boldhaus und wo Plakate sichtbar. suche Deufschland re sät de mi be D si fi A w se w gi ni A d g V li ko 1, la er 3 E ti n le v. p d n i d d . Buche 2 Uotturbinen. Maschinen dürfen nicht brotlos machen. Es gab eine Zeit— sie liegt noch nicht lange hinter uns—, da galt die Mechanisierung der Arbeitsvorgänge als der Weisheit letzter Schluß und die Automatik der Maschine feierte wahre Triumphe. Heute wissen wir es besser; wir haben am eigenen Volkskörper erfahren müssen— und auch anderen Ländern ist die bittere Lehre nicht erspart geblieben—, daß jene Arbeitskräfte, die von der unrichtig eingesetzten Maschine freigesetzt werden, nicht mehr, wie man es hoffte und wie es in den Jahrzehnten zuvor geschah, an anderen Stellen der Wirtschaft Aufnahme finden konnten, sondern zu einem ungeheuren Heer der Arbeitslosen anwuchsen, die eine drohende Gefahr für das wirtschaftliche, politische und soziale Leben eines jeden Volkes bilden. Seitdem ist der Begriff der Mechanisierung und Automatisierung in Ungnade gefallen; mit gutem Recht und sichtlichem Erfolg hat eine autoritäre Staatsführung auf Gebieten, wo die menschliche Arbeitskraft ganz besonders stark durch die Maschine bedroht war, energisch Halt geboten. Man will natürlich nicht die Automatik als technischen Arbeitsgrundsatz an sich allgemein verwerfen. Es kommt vielmehr entscheidend auf die Form und Art ihres Einsatzes an, auf die Bedingungen, unter denen sie wirken soll, und auf das Ziel, das ihr gesetzt ist. Ein interessantes Beispiel für eine Automatik, die keine Arbeitskräfte freisetzt und doch große wirtschaftliche und technische Vorteile bietet, ist die vollautomatische Inbetriebsetzung von Dampfturbinen in Kraftwerken. Es handelt sich dabei vorderhand keineswegs um die eigentlichen Turbogeneratoren, die die elektrische Energie erzeugen, welche vom Werk nach außen abgegeben wird, sondern lediglich um die sogenannten Notturbinen. Mit der fortschreitenden Entwicklung der Technik ist es zwar gelungen, Anzahl und Umfang solcher Störungen in Kraftwerken, die zu einer völligen Unterbrechung der Stromversorgung führen, erheblich einzuschranten. Doch ist es heute noch nicht möglich, derartige Störungen mit voller Sicherheit und für alle Zeit restlos auszuschließen. Bleibt der Strom aus, so ist das für die Verbraucher zwar recht betrüblich, am meisten aber hat das Kraftwerk selbst darunter zu leiden. Denn die zahlreichen Hilfsmaschinen, die in ihm arbeiten, die Kühlwasserpumpen, die Kondensatpumpen, die Maschinen der Vorwärmeanlage, des Aschenkellers, der Werkstätten, der Kohlenförderung, des Schalthauses und vor allem die Hilfsmaschinen der Kessel, die ja gewöhnlich weiter arbeiten müssen, bleiben plötzlich stehen. Da dies aber unter keinen Umständen zulässig ist, ist man genötigt, eine sogenannte Notturbine aufzustellen, die im Störungsfall einspringt und den gesamten Eigenstrombedarf übernimmt. Bisher hat man diese Notturbine von Hand in Betrieb gesetzt, was nach einer vorangegangenen Störung immerhin einige Minuten dauert. Diese Zeitspanne aber ist, wie die Erfahrungen der letzten Jahre in einer ganzen Anzahl von Kraftwerken gezeigt haben, zu lang. In ihr kann das Ausbleiben der Spannung, das zum Stillstand aller Hilfsmaschinen führt, längst zu recht unangenehmen Schäden geführt haben. Man wurde sich immer mehr darüber klar, daß eine Notturbine nur dann ihren Zweck ganz erfüllt, wenn sie in kürzester Zeit einspringt und den Eigenbedarf des Werkes übernimmt. An diesem Punkte versagt der Mensch; er ist einfach außerstande, die verschiedenen Schaltvorgänge, die beim Ausbleiben der Spannung auf den Sammelschienen zur Inbetriebsetzung der Notturbine erforderlich sind, in einer so kurzen Zeit nacheinander durchzuführen, wie es von der Praxis gefordert wird. Hier nimmt die Technik ihre Zuflucht zur Automatik. Die Allgemeine Elektrizitäts=Gesellschaft hat in dem von ihr erbauten Mitteldeutschen Kraftwerk bei Magdeburg, dem modernsten deutschen Großkraftwerk, zum ersten Male das Problem gelöst, die Inbetriebsetzung der Notturbine völlig zu automatisieren. Es ist erstaunlich, was diese Automatik leistet. Allerdings würde es zu weit führen, ihre sinnreiche Arbeitsweise hier im einzelnen zu beschreiben. Nur soviel sei erwähnt, daß die Schaltvorgänge sich keineswegs starr nacheinander abwickeln. So wird beispielsweise der Anlauf der Notturbine durch das Fortbleiben der Spannung auf den 10 000=Volt=Sammelschienen ausgelöst. Aber nicht in jedem Fall! Es könnte ja sein, daß die Spannung infolge einer momentanen Störung nur einen kurzen Moment lang wegbleibt und sogleich wiederkehrt. Damit in einem solchen Fall die Notturbine nicht unnütz anläuft, besitzt die Automatik ein gewisses Denkvermögen: sie paßt auf, ob das Ausbleiben der Spannung nur momentan ist oder von längerer Dauer zu werden verspricht. Fünf Sekunden lang beobachtet sie; erst wenn bis dahin die Spannung noch nicht wiedergekehrt ist, gibt sie den Befehl:„Los!“. Und nun rollen 30 Schaltvorgänge nacheinander ab: der Dampf strömt zur Turbine, die Hilfsölpumpe und nach ihr die Hauptölpumpe setzt sich in Tätigkeit, der Generator wird erregt, die Schalter werden entsprechend umgelegt und wenn alles einwandfrei vorbereitet ist, schaltet sich schließlich der Notmaschinensatz auf das Eigenbedarfsnetz. Nur 18 Sekunden verfließen vom Wegbleiben der Spannung bis zur Uebernahme der Deckung des Eigenbedarfs durch die Noteinrichtung! So sehen wir, wie die Vollautomatik die Betriebssicherheit eines Kraftwerkes bedeutend zu erhöhen vermag, ohne daß die erzielte Zeitersparnis von wenigen, aber entscheidenden Minuten durch wesentlich höhere Anlagekosten erkauft werden müßte, aber auch ohne daß durch die Automatik auch nur ein einziger Arbeiter brotlos würde. Im Gegenteil: der Bau derartiger genau arbeitender vollautomatischer Vorrichtungen verlangt hochwertige Werkstattarbeit und trägt daher nicht unwesentlich zur Entlastung des Arbeitsmarktes bei. Selbstverständlich bleibt die Anwendung solcher Einrichtungen nicht auf den Betrieb von Notturbinen beschränkt, sondern läßt sich— und es dürfte nur eine Frage der Zeit sein, daß auch davon praktisch Gebrauch gemacht wird— ebenso erfolgreich auf die größte Hauptmaschine wie für die kleine Hilfsturbine anwenden. Dr. Gerhard Hempel. Kleine Chronk. Der Hohenstoffeln verschwindet. In der Südwestecke des Deutschen Reiches, im sagenumwobenen Hegau, wird gegenwärtig eine grausame Umänderung des Landschaftsbildes vorgenommen. Die Berge des Hegau— Hohentwiel, Hohenkrähen und Hohenstoffeln— grüßten weithin über die fruchtbare Ebene, die sich bis zum Bodensee erstreckte. Jetzt fällt einer dieser Berge, der Hohenstoffeln, den Bedürfnissen der Technik zum Opfer. Schon vor längerer Zeit bohrten mächtige Steinbrüche den Hohenstoffeln an. Vor einigen Tagen hat man nun Pulverschächte angelegt, die dem charakteristischen Berggipfel endgültig den Garaus machen werden. Nun kann der Lieblingswunsch des Dichters Ludwig Finckh nicht mehr verwirklicht werden, den Hohenstoffeln zum Mahnmal für Schlageter und für Horst Wessel zu weihen. Vor 12 Jahren weilte Schlageter auf dem Hohenstoffeln und sein Blick schweifte weit über das Bodenseeland. Jetzt haben die letzten Gäste den Berggipfel bestiegen. Der Komponist des„Elterngrab“. In dem Riesengebirgsorte Kiesewald starb hochbetagt der Sänger und Baudenwirt Karl Ottemar. Mit dem Verstorbenen hat es seine eigene Bewandtnis. Mit den„Leipziger Sängern“ zog er in jungen Jahren um die ganze Welt. Der Zar von Rußland ernannte ihn sogar zum kaiserlich-russischen Hofsänger. Unsterblichen Ruhm erwarb sich Ottemar aber, als er um die Jahrhundertwende das Lied„Das Elternarb“ komponierte. Dieser sentimentale Schlager mit dem Kehrreim. „Der schönste Platz, den ich auf Erden hab, das ist die Rasenbank am Elterngrab“ wurde damals überall ge gen. Auch heute noch kann man die Drehorgeln diesen Schlager oft spielen hören. Später gab Ottemar seine Tätigkeit bei den Leipziger Sängern auf und wandte sich in Schlesien dem Gastwirtsgewerbe zu. Als Kiesewalber Baudenwirt versammelte er noch alljährlich eine groß Gemeinde um sich, die ihm ihre Anerkennung nicht ve sagte. Freitag, den 19. Januar 1934 Nr. 18 n war zelle de aße. rgermei. mann. tzung in Belage Fahnennde von gen vieTausend FeuerStraße, der Str. ermanniche hiek, Kom. Arbeitin den sei, 66 Hilher. igt vom meinMenverk der erfüllen, deutschen onners Brandurde zu gstr. 69 te aus; die Entobdacht. Die selbst t= und i. W. Dortmund n Bischof Dr. Berning über Religion und Vaterland. Auf einer Tagung des Bonifatiusvereins in Jülich hielt Staatsrat Bischof Dr. Berning von Osnabrück eine richtunggebende Ansprache. Nachdem er einleitend auf das Fest der hl. Familie Bezug genommen hatte, fuhr er nach dem Bericht der„Osnabrücker Volkszeitung“ fort: Familiengeist soll auch herrschen im ganzen Volke. Wir gehören alle zur großen Gemeinschaft des deutschen Volkes und Vaterlandes. Wie in der Kirche haben wir auch im Staate das Führerprinzip, das wir mit ganzem Herzen bejahen. Wir stehen hinter der Regierung und fühlen uns verantwortlich für das Aufblühen unseres ganzen deutschen Nolkes. Wir Katholiken haben ein starkes Gemeinschaftsgefühl, wir fühlen uns zur deutschen Volksgemeinschaft gehörend. Deshalb ist es aber auch unsere heilige Pflicht, an dem Aufbau und Ausbau der Volksgemeinschaft immer mehr mitzuwirken. Wir bauen das neue Reich mit festem Glauben an die Zukunft unseres deutschen Volkes, mit einem starken Gefühl für Volksgemeinschaft. Oft wird versucht, einen Gegensatz zwischen Christentum und Germanentum zu konstruieren. Tatsache ist aber, daß das Germanentum erst durch das Christentum zu seiner Einigung und Vollendung getommen ist. Das Christentum macht die Menschen nicht schwach und weichlich. Es verlangt eine starke Kraft in der Uebung der Tugenden durch Ueberwindung des eigenen Ichs. Wenn wir auch heute nicht mehr wie einst geeint sind im Glauben, so können wir es doch in einem sein: In der Liebe des Volkes zueinander. Und gerade in diesen Tagen bietet sich Gelegenheit, diese Forderung zu pflegen und zu üben: durch die Förderung des Winterhilfswerkes, damit kein Volksgenosse hungere oder friere. Auch die Kirche hat große Sorgen um ihre Kinder in der Diaspora, weil sie stets der Gefahr ausgesetzt sind, ihres Glaubens verlustig zu gehen. Diese Sorge der Kirche ist auch Eure Sorge. Der Hochwürdigste Herr ging dann eingehend auf die gegenwärtige Lage in der Diaspora ein. Die religiöse Lage der Gegenwart stelle sich dar als ein immer mehr offenbar werdender Hunger nach Religion; daher sei es notwendig, einerseits in unserem katholischen Volke die ganz klaren katholischen Grundsätze zu vertiefen, wie anderseits das katholische Volk aus der Dankbarkeit seines religiösen Besitzes bereit sein müsse, für die Diaspora, die Neuland aufblühenden Glaubenslebens sei, zu opfern. Wer für die Religion sorgt, schloß der Bischof, sorgt für das wahre Fundament des Vaterlandes. der Reichsfinanzminister zur Vorausbelastung durch Arbeitsbeschaffung. VDZ Berlin, 17. Januar. Reichsfinanzminister Graf Schwerin von Krosigk nimmt im„Deutschen Volkswirt“ Stellung zu der finanziellen Vorausbelastung durch die Arbeitsbeschaffung. Er weist darauf hin, daß wir aus den Arbeitsbeschaffungsmitteln noch eine Reserve haben, die bis weit in das Jahr 1934 hineinreichen werde. Vor allem könnten wir mit den weitreichenden mittelbaren Auswirkungen des Arbeitsbeschaffungsprogramms rechnen. Die zusätzliche Arbeitsbeschaffung werde nämlich den Anstoß für die notwendige Belebung der Wirtschaft geben. Aus diesem Gesichtspunkt lasse sich die finanzielle Vorausbelgstung künfti*ger Jahre in jeder Hinsicht vertreten. Die Vorausbelastung des Reichsetats betrage rund vier Milliarden Mark, die sich auf fünf Jahre verteilen. Dazu komme der Fehlbetrag der vergangenen Jahre mit rund 1,9 Milliarden, zu dem noch ein gewisser Fehlbetrag im laufenden Etatsjahre kommen werde. Der letztere sei zu erwarten aus den im Laufe des Winters auszuzahlenden Zuschüssen für Hausreparaturen und andere bisher im Etat nicht vorgesehene Ausgaben. Ob der Gesamtfehlbetrag in den kommenden fünf Jahren aus laufenden Einnahmen abgedeckt werden könne oder ob ein Teil in eine lanafristige Anleihe umgewandelt werde, hänge von der Entwicklung der Wirtschaft und Pflege des Kapitalmarktes ab. Die Abdeckung der Vorausbelastung sei durchaus möglich, wenn die Besserung fortschreite. Im neuen Jahr werde die zusätzliche Arbeitsbeschaffung sich im wesentlichen auf die Fortführung des großen Werkes der Reichsautobahnen beschränken können. Hauptaufgabe der Finanzpolitik sei die weitere Lösung der Wirtschaft aus der Krisenerstarrung. Die Emigranten und die Gerüchtemacher. Erklärungen des Leiters der Geheimen Staatspolizei DNB Berlin, 18. Januar. Der Inspekteur der Geheimen Staatspolizei, Ministerialrat Diels, gab einem Vertreter des„Angriff“ bemerkenswerte Erklärungen über die Bedeutung des neuen Emigrantenerlasses des preußischen Ministerpräsidenten ab. Der Erlaß bezwecke, die durch die kürzlich erfolgte Aufhebung des Sichtvermerks entstandene Gefahr einer völlig ungeregelten Emigrantenrückwanderung abzuwenden und das Eindringen unlauterer und staatsfeindlicher Elemente sowie einen etwaigen Pendelverkehr im Dienste der Hetzpropaganda im Auslande zu verhindern. Denjenigen Persönlichkeiten jedoch, die lediglich aus Ueberängstlichkeit unbegründet die Flucht ergriffen und sich im Auslande ohne staats= und volksfeindliche Betätigung aufgehalten hätten, wolle der Erlaß die Möglichkeit einer Rückkehr in das Vaterland eröffnen, jedoch bestände für sie die Verpflichtung, einen unzweifelhaften Beweis dafür zu erbringen, daß sie der Hetztätigkeit der übrigen Emigranten tatkräftig und als gute Deutsche entgegengetreten seien. Die Befürchtung, daß die Emigranten jetzt etwa in Scharen zurückkehren würden, sei vollig unbegründet. Denjenigen, denen es mit einer Heimkehr ernst sei, würde der Beweis eines tatkräftigen Eintretens für die Interessen ihres Heimatlandes nicht leicht gemacht. Die Geheime Staatspolizei sei über jeden einzelnen der Emigranten, der sich auch nur das geringste habe zuschulden kommen lassen, auf das genaueste informiert. Ministerialrat Diels erklärte weiter, das besondere Interesse seines Amtes sei vor allem auch darauf gerichtet, mit allen Mitteln gegen die Gerüchtemacherei und Denunziation, der sich versteckte Wühler gegen nationalsozialistische Programmpunkte und Einrichtungen in der letzten Zeit befleißigten, vorzugehen. Besonders der stillen Sabotage auf wirtschaftlichem Gebiete bleibe man ständig auf der Spur. Genauestens beachtet werde auch die lärmende Gestikulation, die sich manche Pfarrer der evangelischen wie der katholischen Kirche angelegen sein ließen. Zum Schluß erklärte der Leiter der Geheimen Staatspolizei, daß alle staatlichen Maßnahmen die Erziehung des Volkes im Sinne des Nationalsozialismus und besonders die Selbsterziehung der Nationalsozialisten keineswegs überflüssig machen könnten. Holländische Vorschläge zur Reform des Völkerbundes. DNB Genf, 18. Januar. Das Völkerbundssekretariat gab Mittwoch abend holländische Vorschläge für eine Reform des Völkerbundes bekannt. Die holländische Regierung geht zunächst auf die zahlreichen Kritiken, die zu den Reformvorschlägen geführt hätten, ein. Es wäre nach ihrer Meinung falsch, solche Vorschläge zuruazuweisen, wenn sie wirklich eine wesentliche Verbesserung herbeiführen könnten. Andererseits dürfe eine Revision dieser Organisation der internationalen Gemeinschaft auch nicht leicht genommen werden. Die holländische Regierung ist durchaus nicht der Meinung, daß es dem Takt oder den Interessen der Mitglieder widersprechen wurde, wenn eine bestimmte Zahl von Mächten, die besondere Interessen haben(wie z. B. beim Abrüstungsproblem) zuerst in Verhandlung unter sich Schwere Lawinenunglücksfülle im Allgän. Vier Skiläufer verschüttet. DNB München, 17. Januar. Wie die Deutsche Bergwacht mitteilt, sind im Allgäu am Mittwochvormittag am Daumen zwei Lawinen niedergegangen. Die beiden Lawinen überraschten zwei Skipartien. Insgesamt vier Personen, deren Namen noch nicht festgestellt werden konnten, wurden verschüttet. Die in vollem Gange befindlichen Rettungsarbeiten sind bis Mittwoch abend 18 Uhr ohne Erfolg geblieben. Die Ursache des Unglücks dürfte darauf zuruazuführen sein, daß am Mittwochvormittag plötzlich ein Witterungsumschlag mit Tauwetter eingesetzt hat. Furchtbarer Schneesturm verhindert die Rettung. DNB München, 18. Januar. Zu den folgenschweren Lawinenunfällen, die sich am Mittwoch im Daumengebiet ereignet haben, erfahren wir noch folgende Einzelheiten: Als sich am Mittwoch vormittag gegen 11 Uhr ein Trupp von sechs Mann der Konstanzer Reichswehrjäger oberhalb des Giebelhauses bei der Gündler=Hütte befand, wurden sie von einer plötzlich einfallenden Staublawine erfaßt. Alle sechs Mann wurden vom Schnee verschüttet. Als erstem gelang es dem Truppführer Unteroffizier Uhlmsen sich aus den Schneemassen zu befreien. Bald hatten sich auch drei weitere Kameraden, teils durch eigene Kraft, teils durch gegenseitige Hilfe, aus dem Schnee befreit. Während diese drei sofort die Suche nach den beiden noch im Schnee vergrabenen Kameraden aufnahmen, fuhr Unteroffizier Uhlmsen in Eile nach Hinterstein ab, um dort Hilfe zu holen. Schon kurz vor 14 Uhr traf aus Hinterstein eine Rettungsexpedition von 15 bis 20 Mann am Unfallort ein, die mit unerhörter Anstrengung bis spät in die Nacht hinein unaufhörlich nach den Verschütteten suchten. Gegen 24 Uhr mußte die Sucharbeit eingestellt werden, da ein gewaltiger Schneesturm und die eigene Lebensgefahr die Rettungsarbeiten unmöglich machten. Während Unteroffizier Uhlmsen Hilfe anforderte, wurde ein Trupp württembergischer Wintersportler, die sich unter der Führung des Bergführers Adolf Beßler aus Hinterstein auf der bekannten Daumenabfahrt am Koblat im NebelhornGebiet befanden, ebenfalls von einer Staublawine überrascht. Den unermüdlichen Anstrengungen der Verschütteten gelang es, sich aus den Schneemassen zu befreien, aber noch ehe die Geretteten sich von ihrem Schrecken erholt hatten, sauste wenig Sekunden später eine zweite große Lawine herab, die den Führer sowie einen Skitouristen verschüttete. Der von dem Unglück verschont gebliebene dritte Teilnehmer fuhr sofort zum Giebelhaus, um dort Meldung zu machen. Als man auf dem Nebelhorn von den beiden Unglücksfällen erfuhr, organisierte der Hüttenwirt sofort eine Rettungsexpedition, die kurz darauf aufbrach. Unter unerhörten Schwierigkeiten arbeitete sich die Expedition bis an den Engratsgründer See vor, mußte aber infolge des furchtbaren Schneesturms, der bis tief in die Nacht hinein mit unverminderter Heftigkeit anhielt, zurückkehren. Vollständig im Dunkeln traf diese Expedition gegen 23 Uhr auf eine zweite Hilfsexpedition von Oberstdorf, die sich in das Daumengebiet vorgearbeitet hatte. Auch diese Expedition mußte gegen Mitternacht wegen des tobenden Unwetters die Rückkehr auf das Nebelhornhaus antreten. Am Donnerstag früh haben sich Rettungsexpeditionen aus Hinterstein und Oberstdorf in der Stärke von etwa 50 Mann erneut an den Unfallort begeben. Von den Verschütteten konnten bis Donnerstag mittag 12 Uhr zwei Personen tot geborgen werden. Es handelt sich um den Bergführer und Skilehrer Adolf Besler aus Winterstein und um den Touristen Karl Felix aus Karlsruhe. Die zwei noch verschütteten Reichswehrleute, Oberschütze Johann Ackermann und Oberschütze Alexander Wutschke, beide aus Konstanz, befinden sich noch unter den Schneemassen. Von Oberstdorf begaben sich am Donnerstag früh 70 Gebirgsjäger in Lastwagen nach Hinterstein und von dort zur Unglücksstelle, wo sie am Nachmittag die Rettungsmannschaften ablösten. Die Bergung der verunglückten beiden Konstanzer Jäger war aber noch nicht möglich. eintreten. Die holländische Denkschrift wendet sich dann u. a. sehr scharf gegen die Absicht, Grundsatz der Gleichberechtigung: der die Grundlage des Völkerbundspaktes sei, zu durchbrechen. Aber auch hier gibt die Regierung zu, daß es Mächte gibt, die eine besondere Verantwortung für die großen Fragen der Welt haben. Im Anschluß hieran wird die Verringerung der Zahl der Ratsmitglieder zur Erwägung gestellt, soweit hierbei nicht an dem Grundsatz der Gleichberechtigung aller Staaten gerührt werde. Im Hinblick auf die an der Einstimmigkeitsklausel des Völkerbundes geübte Kritik ist die niederländische Regierung der Meinung, daß die Praxis gezeigt habe, daß hier nicht die Ursache für Mißerfolge im nen des Völkerbundes zu suchen sei. Die Ursachen seien vielmehr in den Meinungsverschiedenheiten unter den großen Mächten zu suchen. Die Denkschrift wendet sich darauf der Verbindung des Völkerbundspaktes mit den Friedensverträgen zu. Auch hier wendet sie sich, wenn auch vorsichtig, gegen eine Abänderung des bisherigen. Gleichzeitig sei zu erwägen, daß die verschiedensten Artikel der Verträge den Völkerbund beauftragen, bei der Durchführung der Verträge mitzuarbeiten. Das sei zum Beispiel der Fall für Danzig, das Saargebiet, Minderheitenschutz und für die Mandate. Es sei auch sehr zweifelhaft, ob die Beseitigung dieser Tätigkeit des Völkerbundes einen Vorteil für die internationale Gemeinschaft darstellen würde. Dann betont die holländische Regierung, daß sie keine Notwendigkeit anerkennen könne, den Pakt abzuändern, der, wie sie meint, alle Möglichkeiten bietet, um die Ziele des Völkerbundes zu erreichen, vorausgesetzt, daß ein Geist der Verständigung die Mitglieder beseele. Die holländische Regierung macht sich mit dieser Denkschrift zum Vorkämpfer des bekannten Standpunktes der meisten kleinen Mächte und vertritt trotz kleiner Zugeständnisse zugleich doch eine starre Völkerbundsgeologie. Wie man in Völkerbundskreisen hört, werden noch weitere Denkschriften kleinerer Mächte, u. a. Oesterreichs, der Schweiz und Irlands, in der Frage der Völkerbundsreform erwartet. Nach der Katastrophe von Lagny. 2 Milliarden Franken für Verbesserung der französischen Eisenbahnanlagen. Paris, 18. Januar. Der Minister für öffentliche Arbeiten, Raganan, erstattete am Mittwoch vor dem Kammerausschuß für öffentliche Arbeiten Bericht über die Maßnahmen, die er nach dem schweren Eisenbahnunglück von Lagny im Interesse einer größeren Sicherheit auf den französischen Eisenbahnen zu ergreifen gedenkt. Das Programm des Ministers sieht Ausgaben von rund zwei Milliarden Franken vor, die auf sieben oder acht Jahre verteilt werden sollen. 256 Millionen sollen davon bereits für das laufende Jahr zur Verfügung gestellt werden, um das Signalsystem zu verbessern, Stahlwagen anzuschaffen und viergleisige Strecken zu bauen. Amerika baut den größten Stratosphärenballon. DNB Washington, 17. Januar. Die Heeres=Luftfahrt und die Geographische Gesellschaft der Vereinigten Staaten veröffentlichen heute den Plan zum Baueines neuen Stratosphärenballons, der größer als alle bisherigen sein soll und der alle Rekorde brechen soll. Der Riesenballon soll in eine Höhe von 24 000 Meter steigen und von dort zu Versuchszwecken, Luftproben mit nach unten bringen. Führer des Ballons soll Major William Kepner, ein bekannter Ballonsachverständiger sein, während Kapitän Stevens die Aufgabe des Beobachters übernehmen wird. Wetterbericht. Vorhersage für Freitag: Bei südwestlichen Winden wolkig bis bedeckt mit strichweisen Niederschlägen, sehr mild.— Wahrscheinliche Weiterentwicklung: Einsetzende Wetterberuhigung mit langsamem Temperaturrückgang. Apoth. u. Drog.-.30,..60, 1.20 Augenblicklich nach Paris. 21) Roman von Edmund Finke. (Nachdruck verboten.) Copyright 1933 by Knorr u. Hirth G. m. b. H., München. sagenausame Die nd Ebene, ter dieTechnik tächtige Tagen sarakten werLudwig stoffeln essel zu Hohendenseefel behbetagt Mit 5. Mit ten um ihn sorblichen Jahrkompohrreim: ist die gesundiesen ir seine idte sich walder große cht ver1 „Es läßt sich ohne weiteres annehmen, daß Sie ihn in eine Falle gelockt haben. Clifford hat inzwischen bei Masters Robert Brindley und Glaspell beobachtet, damit sie Ihnen nicht in die Quere kommen konnten. Sie haben über Ihre letzte Unterredung mit Mr. Chapman keine befriedigenden Aufschlüsse erteilt. Denken Sie an Ihr Verhalten, als ich gelegentlich meines Besuches im Chapmanschen Haus Miß Gladys verhörte. Sie sind mir offensichtlich ausgewichen. Sie waren ferner mit Chifford allein, als der Mordüberfall auf ihn unternommen wurde. Die Geschichte von dem Lastwagen klingt ein wenig romantisch. Und schließlich waren Sie wiederum einer der wenigen Besucher, die hier im Bankgebäude anwesend waren, als Cole ermordet wurde. Uebrigens—“ Paine erhob seine Stimme und sagte noch lauter, als er die bisherigen Anschuldigungen ausgesprochen hatte—„übrigens riecht es hier gar nicht nach Toluol, sondern nach Chlor. Und das mußten Sie als Kriegsflieger, der mit der Chemie der Sprengkörper auf vertrautem Fuße steht, genau wissen. Es ist demnach zu vermuten, daß Sie mich irreführen und irgendwelche bisher unbekannten Tatsachen zu verdunkeln suchen. Ich nehme Sie in Haft, Captain, und werde Sie selbst nach Scotland Yard bringen. Ich mache Sie pflichtgemäß aufmerksam, daß von nun an jede Ihrer Aeußerungen vor Gericht gegen Sie verwendet werden kann.“ Captain Fitzroy hörte sich den Sermon Paines widerspruchslos an. Er blinzelte ein paarmal, als ob ihn das allzugrelle Licht störe, erhob sich aber schweigend und folgte Paine über die prächtige Marmortreppe auf die Straße, wo der Dienstwagen Paines wartete. 9. Kapitel. Ein Tanztee bei Masters. Masters ist ursprünglich als Cocktail=Klub gegründet worden. Aber Tee und Tanz haben sich mit der Zeit auch dort durchgesetzt, und was als smartes Klublokal begann, ist von geschäftstüchtigen Vergnügungssachverständigen bald zu einem fashionablen Tanzteelokal ausgebaut worden, wo neben scharfen Cocktails auch grüner, brauner oder schwarzer Tee nebst blonden, braunen oder schwarzen Tanzdamen verabreicht werden. Alkohol, Teint und jene insulare Erotik, die nach ungeschriebenen Gesetzen gehandhabt wird, so daß sie der Festländer erst nach langer Uebung versteht, sind hier zu einem Drink gemixt, an dem der Uneingeweihte sich überraschend leicht den Magen auf Jahre hinaus verderben kann, wenn er nicht die nötige Vorsicht über die dargebotenen Genüsse stellt. Paine beabsichtigte zu tanzen. Auch diese Tätigkeit gehört mitunter zu den Pflichten eines„technischen Dezernenten“ von Scotland Yard, und es muß bereitwilligst festgestellt werden, daß nichts im Aussehen des eleganten, jungen Mannes an sein Amt erinnerte. Er wählte sachverständig einen guten Tisch, ein leichtes Getränk und einige noch leichtere Tänzerinnen, wobei das Beiwort durchaus nicht auf moralische Qualitäten, sondern nur aufs Gewicht bezogen werden will. Erst nachdem er einigermaßen warm geworden war, begann er behutsam nachzuforschen, ob der Name Helen Browne, ein Name, der von Haus aus jedem Kriminalisten durchaus unsympathisch ist, da er in tausendfacher Auflage mit und ohne„e“ vorkommt, ob dieser Name, so unscheinbar er auch ist, vom Gedächtnis des Personals irgend einmal registriert worden war. Paine bezog die Fragen nach Helen Browne andeutungsweise auf eine diskrete und höchst tragische Liebesgeschichte, wodurch der Sinn für Romantik im Masterschen Personale vorsichtig geweckt wurde. Paine stellte sehr bald fest, daß seine romantische Anekdote auf einen der jüngeren Kellner der Bill gerufen wurde, nachhaltigeren Eindruck gemacht hatte als auf seine abgebrühteren Kollegen. „Hören Sie mal, Bill, wenn Sie diese Helen Browne, in die sich mein schwerkranker Freund so rettungslos verliebt hat, daß er sogar vergaß, sie um ihre Adresse zu fragen,— wenn Sie mir das Mädel ausfindig machen, soll's mir auf ein Pfund nicht ankommen. Und wenn Ihre Auskunft zum Ziele führt, können Sie von seiten meines Freundes bestimmt auf mehr rechnen. Ich möchte zuerst einmal sehen, ob mein Freund nicht im Begriff steht... Sie verstehen? Es gibt eine Menge Fallstricke im Leben. Kurz, wenn Sie was erfahren und die Dame ist tatsächlich heute hier anwesend, machen Sie mich diskret auf sie aufmerksam! Verstanden?“ „Ja, Sir. Ich werde mein möglichstes tun. Nach ungefähr einer Viertelstunde gab Bill Paine ein unauffälliges Zeichen, hinaus ins Vestibül zu kommen. „Die Dame sitzt knapp hinter Ihnen, Sir. Plantinblond mit smaragdgrünem Tanzkleid. Sie heißt natürlich nicht Helen Browne, sondern Winnie Enderby. Aber Mrs. Parker von der Garderobe gab mal einen Brief unter Helen Browne an sie weiter. Diese Tanzmädels legen sich, müssen Sie wissen. Sir, Dutzende von Namen zu. Ganz nach Belieben.'s ist sozusagen eine Schutzmaßnahme.. „Ich weiß. Die Damen wünschen zwischen hier und draußen einen Strich zu ziehen, sonst würden sie mit den täglichen Belästigungen überhaupt nicht fertig. Ausgezeichnet, Bill, Sie haben mir einen großen Dienst erwiesen. Nur vergessen Sie nicht, daß darüber nicht weiter geredet werden soll.“ Paine ließ eine Pfundnote in die Hand des Kellners gleiten und begab sich zufrieden auf seinen Platz im Lokal zurück. Er hatte einiges erfahren und gesehen. Was er aber nicht sah, war, daß auf den höchlichst befriedigten Bill ein Herr„von der ganz vornehmen Sorte“, wie Bill das nannte, zutrat und sagte: „Bist'n ganz geschäftstüchtiger Junge, Bill. Was wollte er denn? Winnie, nicht wahr? Da hast'ne Fünfpfundnote und drück dich! Sag dem Manager, daß du Fieber hast oder sonst was Plausibles, und verschwinde. Junge, denn die Luft ist dick! Tja, du kannst dem Manager sagen, du hättest Ersatz für dich beschafft. Telephoniert. Aus! Und jetzt reich mir gefälligst deine schwarze Binde. Hier hast du dafür eine schöne, weiße. Mehr brauchst du nicht zum Kavalier: sechs Pfund und eine weiße Binde zum Frack. Verstanden?“ Die Stimme klang jovial und doch drohend. Es war in dieser Stimme das verfluchte und erbarmungslose Drohen, das Tiere, Diener und Frauen sofort bis in den Grund der widerstandslosen Seele einschüchtert, weil sie dahinter instinktiv den Tod vermuten. Bill sah fassungslos und entsetzt zu dem Manne auf, dessen Slang in krassem Widerspruch zu seinem Aeußern stand. Er erinnerte sich später— an einem ganz andern Orte— daß das Gesicht des Unheimlichen einige Merkmale aufgewiesen hatte, die— nachträglich— auf einige künstliche Korrekturen schließen ließen. Dem Manne schien das fassungslose Entsetzen Bills nicht zu gefallen.„Raus!“ Er nahm ihm die schwarze Binde aus den zitternden Fingern. Sie standen hinter einer Säule, ziemlich gedeckt vor den Blicken der ankommenden und fortgehenden Gäste, die hier nur bei schlechtem Wetter stehenblieben, um ihren Wagen vorfahren zu lassen.„Raus! Und wenn du dir einfallen läßt, zu telephonieren oder sonst irgendeinen Unfug anzustellen, Bill, wird dich morgen die Strompolizei aus der Themse fischen.“ Nun, das war für Bill gerade genug, und er drückte sich, nachdem er schweigend Hut und Mantel aus der Kellnergarderobe geholt hatte, am Portier vorbei auf die Straße. Der Portier sah ihm kopfschüttelnd nach, fand aber keine Ursache, etwas zu unternehmen, da Bills Gesicht grau war wie Stein, und zu vermuten stand, daß er sich krank gemeldet habe. Der Eindringling nahm in der Garderobe ganz ungeniert die schwarze Binde um, meldete sich beim Manager und informierte ihn kurz, daß er ein Kollege von Bill sei. Der habe ihn telephonisch zur Vertretung herangerufen, da ihm so schlecht geworden sei, daß er sich fürchtete, das Innere des Lokals überhaupt noch einmal zu betreten.„Dürfte es mit dem Magen haben, ne kleine Störung, Sir. Wird morgen sicher wieder am Platze sein.“ Der Manager schüttelte zwar über diese Eigenmächtigkeit ebenso unzufrieden den Kopf wie der Türsteher, sagte aber dann doch kurz:„Ich hoffe, Sie haben bereits in vornehmen Lokalen gearbeitet. Rasch, lassen Sie die Gäste nicht warten!“ denn die Hauptsache war im Grunde genommen, daß der Betrieb keine Unterbrechung erführ. Die ganze Verwandlung hinter der Kulisse hatte nicht mehr Zeit als höchstens zehn Minuten in Anspruch genommen. Womit aber der unheimliche Ersatzmann nicht gerechnet hatte, war, daß außer Winnie noch jemand sehr ernst und aufmerksam diesen Personalwechsel beobachtete, ein Mann, der nicht nur einen kleinen Hund ins Lokal mitgebracht hatte, sondern auch ein wenig angesäuselt zu sein schien. Da der Mann aber eine ganze Loge im Hintergrund in Beschlag genommen hatte und teuren französischen Champagner trank— irgend ein verrückter Ausländer wahrscheinlich— machte niemand des Hundes wegen Schwierigkeiten, der sich übrigens lautlos und still verhielt. Auch Paine war der Wechsel in der Bedienung nicht entgangen, doch war er darauf eigentlich erst durch Helen Browne, recte Winnie Enderby aufmerksam geworden, die er unauffällig beobachtete und die er plötzlich sehr blaß werden sah. Ihr Gesicht suchte wohl den Ausdruck leichter Langeweile festzuhalten, das gelang ihr aber nicht ganz, denn Paine und auch jener Mann im Hintergrunde vermochte hinter dieser angestrengt festgehaltenen Maske den Ausdruck starken Mißbehagens, vielleicht sogar von Furcht und Entsetzen festzustellen. Paine, der inzwischen über seinen Fehlschluß hinsichtlich der Namensänderungen von Verbrechern und Verbrecherinnen nachgedacht hatte, hielt die Zeit dafür gekommen, endlich die Bekanntschaft der jungen Dame zu machen, derentwegen er hierher gekommen war. Die Dame hatte übrigens einen Fehler begangen, indem sie die falschen Namen ziemlich gleichlautend wählte, wodurch die Identität der anrufenden Person bewiesen wurde. Die Kapelle spielte einen jener melancholischen Blues, die so leicht die Welt vergessen lassen, daß es den Tanzpaaren möglich wird, rascher mit einander vertraut zu werden, als dies gemeinhin üblich ist. Die junge Dame tanzte ausgezeichnet, schmiegsam, mit jenem Schuß sex appeal, der die Männer vor allem darum anzieht, weil er nicht aufdringlicher ist als der bekannte Tropfen Angustora, der den meisten Cocktails erst ihren bezaubernden Wohlgeschmack verleiht.(Forts. folgt.) Aus Westdeutschland. Pioniertagung in Witten. = Witten, 17. Januar. Der Verband der Pioniere und Verkehrstruppen für Rheinland und Westfalen(Mudra=Verband) wird unter dem Ehrenvorsitz des Generals Haenichen, des Führers des Waffenrings der Pioniere, in der Zeit vom 14. bis 16. Juli d. J. in Witten seinen 40. Abgeordnetentag abhalten. Zu gleicher Zeit wird die Feier des 40jährigen Vereinsjubiläums der Wittener Pioniere stattfinden. Tausende von auswärtigen Gästen werden zu dieser Tagung nach Witten kommen. Höhere Lehranstalt für Landwirte ihre a. Soest, 18. JanuarEs ist Tatsache geworden, daß die Höhere Lehranstalt für praktische Landwirte zum 1. April ihre Pforten schließen wird. Damit verschwindet eine Bildungsstätte für Landwirte, welche die Notwendigkeit erkannten, sich über das Maß praktischen Wissens hinaus weiter zu bilden, welches für die Landwirtschaftsschulen begrenzt ist. In den elf Jahren ihres Bestehens wurde die Anstalt von nahezu 500 jungen Landwirten besucht; Opfer des Berufs. kr. Medebach, 18. Januar. Am Dienstag nachmittag ereignete sich in den Waldungen der Försterei Titelberg ein gräßlicher Unglücksfall, der ein blühendes Menschenleben erforderte. Eine Kolonne war mit dem Sammeln von Tannenzapfen beschäftigt. Dieses geschieht derart, daß die Sammler die Zapfen oben von dem Tannenzweig abpflücken und sich in luftiger Höhe von der einen zur anderen Tanne schwingen. Hierbei stürzte der 30jährige Zapfenpflücker Josef Albert aus Eichenbühl aus einer Höhe von 15 Metern ab und blieb mit Schädelbruch und sonstigen schweren Verletzungen tot liegen. Der Tod war durch die schweren Verletzungen im Augenblick eingetreten. westdeutschen Skimeisterschaften verschoben. DNB Wuppertal, 18. Januar. Die Pressestelle der Reichsbahndirektion Wuppertal teilt mit: Infolge Wettersturzes ist die Austragung der westdeutschen Skimeisterschaften in Winterberg verschoben worden. Damit entfällt auch die Ausgabe von Sonntagsrückfahrkarten mit vereinbarter Geltungsdauer nach Winterberg. Speckschwarten als Eine originelle Gerichtsverhandlung. )( Wuppertal, 15. Januar. Viel Humor brachte ein der Hehlerei angeklagter Metzgermeister in eine Gerichtsverhandlung vor dem hiesigen Schöffengericht, als er in höchster Bedrängnis bei dem Versuch, seine Unschuld nachzuweisen, zwei Speckstücke, eine ganz dicke und eine sehr dünne Speckschwarte, auf den Richtertisch legte. Er wollte mit diesen Beweisstücken darlegen, welch minderwertige Ware er von drei des Diebstahls angeklagten Metzgerburschen gekauft habe. Diese Berufung auf die Minderwertigkeit des Specks hatte er nämlich zu seiner Verteidigung dringend nötig, da er ihn für den sehr geringen Preis von 40 Mark in größern Mengen übernommen hatte und deshalb der Hehlerei angeklagt war. Das Gericht ließ sich aber weder von der dicken noch von der dünnen Speckschwarte überzeugen, zumal die drei jungen Specklieferanten überzeugend beschworen, daß sie nur beste Sorten aus dem Kühlraum eines Metzgermeisters im Wuppertaler Schlacht= und Viehhof gestohlen hätten. Mit diesem so billig erstandenen und zentnerweise während der Mittagspause weggeschafften Speck hatten die drei diebischen Gesellen auch noch einen andern Metzgermeister beliefert, der ebenfalls zentnerweise den schönen Speck— genau so unbedenklich, wie er beteuerte— gekauft hatte. Eine besondere Note erhielt der Speckdiebstahl dadurch, daß einer der drei Gesellen im Dienst des bestohlenen Metzgermeisters stand und immer die Tür zum Kühlraum hatte offenstehen lassen, damit die beiden andern ihre Meister billig beliefern konnten. Der Meister, der am meisten Speck umgesetzt hatte, bekam dafür trotz der versuchten Gegenbeweise ein Vierteljahr Gefängnis, während der andere Meister und die drei Gesellen mit je sechs Wochen Gefängnis davonkamen. Auto stürzt 12 Meter hohe Böschung hinab. • Gummersbach, 17. Januar. Wie in der Eifel so wurde auch in dem oberbergischen Kreis durch Glatteisbildungen auf den Straßen der Verkehr stark behindert. Es ereigneten sich mehrere Unfälle von Straßenfahrzeugen, die glücklicherweise zum größten Teil ohne ernstere Folgen verliefen. Von einem schweren Unfall wurde dagegen ein Bäckermeister aus Müllenbach bei Gummersbach betroffen. Sein Kraftwagen kam auf einsamen Gebirgsstraße in einer Kurve ins einer Schleudern und stürzte schließlich eine etwa 12 Meter hohe Böschung hinuntel. Der Wagen wurde vollkommen zertrümmert. Der Fahrer wurde bei dem Sturz aus dem Wagen geschleudert und trug Kopfverletzungen und einen Knöchelbruch davon. Durch seine andauernden Hilferufe wurden erst nach einiger Zeit Bewohner einer in der Nähe der Unglücksstätte liegenden Ortschaft auf den Verunglückten aufmerksam und sorgten dann sofort für die Ueberführung ins Krankenhaus. — Köln, 17. Januar. Den Beamten des Kriminalkommissariats zur Bekämpfung des Schmuggels und des ungesetzlichen Rauschgifthandels gelang es, drei dem Arbeiterstand angehörige Männer aus Köln festzunehmen, die sich hier in den letzten Wochen mit dem Absatz von Rauschgiften wie Morphium, Eukodal, Pantopon und sonstigen Arzneimitteln befaßten. Die Festgenommenen wollen die Arzneimittel von einer unbekannten Person bereits drei Wochen vor Weihnachten erhalten und sich seit dieser Zeit um den Absatz bemüht haben. Die Medikamente waren in verschiedenen Wohnungen versteckt. Die Polizei hat eingehende Ermittlungen eingeleitet und ersucht die Bevölkerung um Mithilfe, zumal die Verhafteten angeblich bei vielen Personen ohne Erfolg die Rauschgifte abzusetzen versuchten. Eine Verfügung gegen den Deutschen Gruß im Saargebiet. DNB Neunkirchen, 17. Januar. Im Neunkirchener Realgymnasium wurde eine Verfügung des saarländischen Unterrichtsministers Zoritsch verlesen, die folgenden Wortlaut hat:„Der seit mehreren Monaten in Ihrer Anstalt durch Vereinbarung des Lehrerkollegiums eingeführte sogenannte Deutsche Gruß zwischen den Lehrern unter sich sowie zwischen den Lehrern und Schülern ist unstatthaft. Wir machen es Ihnen zur Pflicht, dafür zu sorgen, daß dieser Gruß künftig in Ihrer Anstalt nicht mehr getätigt wird." Deutschlands zweitgrößter Staujee. • Aachen, 18. Januar. Im März 1934 wird mit dem Bau der Rurtalsperre bei Schwammenauel begonnen werden. Die Rurtalsperre, die die Wasserversorgung des Dürener Industriebezirks sicherstellen soll, war bereits vor Jahren geplant worden. Durch das großzügige Arbeitsprogramm der Reichsregierung sind nun die notwendigen Mittel— 13,2 Millionen an Baukosten— bereitgestellt worden. Der projektierte Staudamm wird 350 Meter lang und 74 Meter hoch sein. Bei den Bauarbeiten finden 2000 Arbeiter aus den westdeutschen Grenzkreisen für vier Jahre lohnende Beschäftigung. Das Becken soll ein Fassungsvermögen von 100 Millionen Kubikmeter erreichen. Später soll die Fassungskraft sogar auf 200 Millionen erhöht werden. Damit wäre die Rurtalsperre mit dem zweitgrößten Stausee Deutschlands verbunden. Einige Ortschaften und Höfe müssen in den Fluten des neuen Stausees versinken. arbeitet weiter. *) Osnabrück, 18. Januar. Als am 12. Oktober des vorigen Jahres eine furchtbare Explosion das Laboratorium und die Werkstatt des Raketenforschers Reinhold Tilling auf dem Gute Arenshorst bei Osnabrück in die Luft sprengte und den Forscher mit seiner Gehilfin und einem Mitarbeiter tötete, stiegen bange Zweifel auf, ob es möglich sei, das Werk Tillings fortzuführen. Wir erfahren aus zuverlässiger Quelle, daß jetzt der Bruder des Toten mit den Ver ersten praktischen Sersuchen wieder beginnt. * DNB St. Wendel, 17. Jan. Bedauerlicher Unglücksfall einer Krankenschwester. Die 34jährige Schwester Jakobine vom Hospital in St. Wendel war am Dienstag damit beschäftigt, Bohnerwachs auf dem Herd zu erweichen. Die flüssige Masse entzündete sich plötzlich und die Flammen ergriffen die Kleider der Frau. Einem Patienten gelang es, die Flammen zu jedoch hat die Verunglückte so schwere Vererlitten, daß sie in Lebensgefahr ersticken, letzungen schwebt. gegen Schulte-Scheer=Dieper. Dortmund, 19. Januar. Nach Vernehmung von einigen unwesentlichen Zeugen, Hausbewohnern aus demselben Hause wie Schulte, die über sein Treiben am 8. und 9. Februar nichts aussagen konnten, wurde als Zeugin Frau Auguste Scheer aufgerufen, die Ehefrau des Angeklagten Scheer. Die Zeugin hat sich im Jahre 1926 mit dem Angeklagten Scheer verheiratet, ist aber von ihm geschieden, seitdem er unter Mordverdacht steht. Vorsitzender: Hat Ihr Mann Ihnen nicht einmal einen kleinen Koffer mitgebracht? Frau Scheer: Ja, es war dieser Koffer.(Dabei zeigte die Zeugin auf einen kleinen blauen Lederkoffer, der seit dem ersten Verhandlungstage auf dem Zeugentisch steht.) Mein Mann war nachts fort gewesen, als er mir am nächsten Morgen diesen Koffer mitbrachte. In dem Koffer befanden sich, eine Apfelsine, ein Apfel und Butter. Ich war damals des Glaubens, mein Mann betätige sich als reisender Versicherungsagent. In der Nacht habe man eine Panne gehabt. Vorsitzender: Eigentlich war es doch sonderbar und ungewöhnlich. Hat Ihr Mann Ihnen einmal nicht eine Nickeluhr, einen Fingerhut und eine Brennschere gegeben? Frau Scheer: Ja, das stimmt, er sagte mir, er habe die Sachen gefunden. Vorsitzender: Diese Sachen stammten von der ermordeten Emma Schneider. Wie sich das Netz um die Mörder zusammenzog. Der Hauptzeuge des Verhandlungstages war Kriminalkommissar Rehfeld, der überaus interessante Ausführungen über die Arbeit der Mordkommission im Zusammenwirken mit der Presse und dem Publikum machte, sodaß nach verhältnismäßig kurzer Zeit die drei Angeklagten bereits hinter Schloß und Riegel saßen. Der Zeuge übernahm im Dezember 1932 die Leitung der Mordkommission. Bei der Uebernahme seines Amtes lief im Geschäftsgang bei der Kriminalpolizei die Vermißtensache Emma Schneider aus Herford. Man hatte bereits festgestellt, daß die Vermißte aus ihrer Wohnung Herford abgefahren und auch an ihrem Bestimmungsort Dortmund angekommen sein mußte. Die Schneider hatte ein Gepäckstück aufgegeben und dieses Gepäckstück war unter Vorzeigen des Aufbewahrungsscheins abgeholt worden. Die Emma Schneider war am 28. November in Dortmund angekommen, am nächsten Tage war das Gepäckstück abgeholt worden. Der Verdacht, daß hier ein Verbrechen verübt worden sei, tauchte auf. Zuerst stellte man ergebnislose Nachforschungen an. das unter eigenartigen Umständen erfolgte lgte schwinden des Holzhändlers Narowski großes sehen machte. VerAufMan hatte festgestellt, daß bei dem Entführungsakt ein Kraftwagen mit den Anfangsnummern I X 39... eine Rolle gespielt hatte, der Wagen war bei seiner Fahrt verschiedentlich beobachtet worden, eine Person hatte aus dem öffentlichen Fernsprecher am HorstWessel=Platz in Dortmund bei der Firma Narowski und Grosch in Witten=Annen angerufen und den ermordeten Narowski zu sprechen versucht. Jetzt wurde es der Kriminalpolizei zur Gewißheit, daß man den Täter in Dortmund suchen mußte. Ganz besonders günstig für die Fahndung war der Umstand, daß man in Holzwickede die Autonummer vollständig erkannt hatte. Es ergab sich, daß die fragliche IX 39236 hieß und daß der unter dieser Nummer eingetragene Wagen dem Angeklagten Pieper gehörte. Der Wagen wurde sofort sicher gestellt und untersucht. Man fand in dem Inneren Zigarren= und Zigarettenüberreste, auch Lehmspuren, aber keine Blutspuren. Der Polizei war bekannt, daß Pieper schon verschiedentlich nUr mdde mik geidete Se Mudinerht britie: u den war. Pieper selbst war vorläufig nicht aufzufinden. Die Presse wird benachrichtigt. Man entschloß sich, die Dortmunder Presse zu einer Besprechung im Polizeipräsidium einzuladen. Der Presse wurde das bisherige Ergebnis der gesamten Nachforschungen mitgeteilt und am nächsten Tage wurde das Publikum durch die Zeitungen eingehend über den Fall informiert. Ein Bild Piepers erschien in der Zeitung und zwei Tage später wurde Pieper in Selm=Beifang, wo er sich aufhielt, festgenommen. In seiner Begleitung befand sich noch ein anderer Mann, dessen Personalien ergaben, daß es sich um Scheer handelte. Dre ger K Jahres dem n gen Ba herrlic Wand len Fe „A freund ich br zu seh 1,D Weg Liebli vor al wiede ter Se sitätl einen Atischen X Kücht erster beweg er all kann J. auch! sprüch verge fende weite Man hatte auch eine ganze Anzahl anderer Personen e als verdächtig festgenommen, deren Alibi genau geprüsteiner verdächtigen Umständen angehalten worwurde. Ein sicherer Anhaltspunkt für ihre Täterschaft bei der Ermordung Narowski war aber nicht vorhanden, Unter den Festgenommenen befand sich aber einer, der angab, er vermute, für die Ermordung Narowskis komme ein gewisser August Schulte in Betracht und mit ihm zusammen noch ein anderer„August“, der früher einmal mit Schulte in einen Lohngeldraub verwickelt gewesen war. Beide Männer habe man häufig mit Pieper zusammen gesehen. Zum zweiten Male wurde die Presse zusammengerufen mit dem Resultat, daß kurz darauf auch Schulte in Gronau verhaftet werden konnte. Scheer war zuerst von Kommissar Fehl vernommen worden, leugnet aber unentwegt. Jetzt nahm ihn Kommissar Rehfeld vor; er machte Scheer auf Widersprüche in seiner Aussage aufmerksam, er hielt ihm vor, er müsse doch die Unwahrheit gesagt haben Scheer wurde langsam schwankend, brach schließlich zusammen und erklärte: „Nun ja, jetzt bricht doch alles zusammen, ich will die Wahrheit sagen.“ Turnen- Spiel— Sport. Dortmunder Sechstagerennen Bei Beginn des sechsten Tagesabschnittes gab der Berliner Funda auf ärztlichen Rat hin das Rennen auf. Die Fahrer bummelten bis zur Nachtwertung um 2 Uhr in gemächlichem Tempo um die Bahn. Die Spurts waren bis zum siebenten hart umstritten. Dann rissen die Franzosen Broccardo—Guimbretiere plötzlich aus und entfesselten eine längere Jagd. Das Feld war aber auf der Hut und nahm sofort die Verfolgung auf. Die Franzosen stoppten schließlich, als sie die Aussichtslosigkeit ihres Vorhabens einsahen, ab. Die Vorstöße hielten weiter an, aber zu einem Rundengewinn reichte es für keine Mannschaft. Die Spurtsieger der Nachtwertung waren Kilian, Lohmann, Kilian, Schön, Martin, Schön, Martin, Schön, Bogaart und Broccardo. Gegen 6 Uhr Donnerstaafruh waren 160 km zurückgelegt und der Stand des Rennens folgender: 1. Kilian—Pützfeld 28 Pkt., 2. Vopel—Korsmeier 26 Pkt., 3. Schön—Ippen 24 Pkt., 4. Lohmann—Dinale 18 Pkt., Dann wurde festgestellt, daß irgend ein Mann sich regelmäßig Frauen von auswärts nach Dortmund 5. van Buggenhout—Martin 16 Pkt., 6. Zims—Küster oder seiner Umgebung bestellte, entweder um sie zu 13 Rrt. 7 berauben oder andere Verbrechen an ihnen zu begehen. Die Kriminalpolizei kam zu der Ueberzeugung, daß zwischen der Vermißtensache Schneider und den mysteriösen Bestellungen an andere Frauen ein Zusammenhang bestehen müsse. Endlich fand man einen Fingerzeig für die Person, von der die nach Dortmund bestellten Frauen in Empfang genommen wurden. Eine Frau aus Essen namens Steiger war ebenfalls von dem Unbekannten nach Lünen bestellt worden. Diese Frau wurde ermittelt und gab eine Beschreibung des Verdächtigen, die ganz genau auf den Angeklagten Scheer paßte. Das war ein gewisser Fortschritt bei den weiteren Ermittlungen, die aber nicht mehr recht vorwärts kamen, bis plötzlich im Februar Großer Schlag gegen eine Kamener Einbrecherbande. zehn Festnahmen. Kamen, 18. Januar. Die in letzter Zeit im Kamener Stadtgebiet und in der Umgebung ausgeführten Einbruchsdiebstähle gaben der Kamener Polizei und den Beamten der Landjägerei der Umgebung Veranlassung zu einer großen Aktion, die am Vormittag des gestrigen Donnerstag zur Ausführung kam. Die Beamten schritten bei Tatverdächtigen zu Haussuchungen, die schon gleich zu Anfang des Unternehmens von Erfolg gekrönt waren. Man fand bald die am Mittwoch im Kamener Schlachthof gestohlenen Schweine, die ein Gewicht von 450 Pfund hatten, zum größten Teil wieder. Die Beamten schritten daraufhin zur Festnahme der Täter Jahrmärker, Otto Schwarz, Prinz und Flacke, sämtlich aus Kamen. Das Diebesgut wurde in deren Wohnungen in der Wimme, der Horst Wessel=Straße und der Kampstraße gefunden. Jahrmärker ist schon erheblich wegen Straßenraubes und verschiedener schwerer Einbrüche vorbestraft. Bei weiteren Durchsuchungen in den genannten Wohnungen wurde ein vielseitiges Material gefunden, das dazu ausreichen wird, noch verschiedene Einbruchsdiebstähle zu klären, insbesondere auch die drei Einbrüche in der Kamener Schuhfabrik von der Heide, die beiden großen Einbrüche in Oberaden bei den Bauern Hülsmann und Kötter und Einbrüche in Methler. Im Verfolg dieses Belastungsmaterials wurden weiter im Laufe des Donnerstag festgenommen der Arbeiter Hartlage und Sohn aus Kamen, der Arbeiter Schlicht aus Kamen, der Landwirtschaftsgehilfe Voß aus Overberge, der Arbeiter Klein aus Kamen und Frau Flacke aus Kamen. Bemerkenswert ist, daß in einem Anwesen der Einbrecher in einer Dunggrube etwa einen halben Meter tief unter dem Dung eine große Menge Beine, Federn und Eingeweide von geschlachteten Hühnern gefunden wurde. Auch Hartlage ist ein schon schwer vorbestrafter Zuchthäusler und Einbrecher. Es ist anzunehmen, daß durch diesen Griff der Polizei und Landjäger noch eine Reihe weiterer schwerer Einbrüche ihre Aufklärung finden werden. Broccardo—Guimbretiere 9 Pkt., 8. Ignat— Bogaart 5 Pkt., 9. Rieger—Schenk 1 Pkt., 10. Kroll— Nickel 0 Pkt. Der letzte Nachmittag. Dortmund, 18. Januar. Kaum waren um 12 Uhr die Fahrer wieder aufgestiegen, trat eine große Unruhe ein, als Kroll—Nickel losstürmten und die Entscheidung erzwingen wollten. Es wurde 1½ Stunden gejagt mit dem Ergebnis, daß sich an dem Stande des Rennens nichts änderte. Dann war es ruhig. Nach der 3 Uhr=Wertung entfesselte Schön eine neue Jagd, die nicht groß, aber sehr hart war. Der 1000 Mark=Preis für den Sieg in dem letzten Tagesabschnitt erzeugte eine lebhafte Aktivität der Fahrer, die sich anscheinend in der Schlußstunde einen Kampf bis aufs Messer liefern wollen. Einstweilen erwiesen sich Schön— Ippen, Lohmann—Dinale und die Franzosen als die stärksten Mannschaften, die sich vor den Dortmundern allein an die Spitze des Feldes setzten. Die Spurts der 4,30 Uhr=Wertung entwickelten sich zu einem Positionskampf der hinten liegenden Paare. Der Stand des 6. Tagesabschnittes um 5 Uhr: 1. Schön— Ippen 41 Pkt., 2. Lohmann—Dinale 32 Pkt., 3. Broccardo—Guimbretiere 11 Pkt.; eine Runde zurück: 4. Kilian—Pützfeld 47 Pkt., 5. Vopel—Korsmeier 32 Pkt., 6. v. Buggenhout—Martin 29 Pkt., 7. Zims— Küster 20 Pkt., 8. Rieger—Schenk 19 Pkt., 9. Ignat— Bogaart 15 Pkt., 10 Kroll—Nickel 4 Pkt. Ergebnis des 6. Tages. 1. Schön— Ippen(518 km) 2. Broccarda—Guimbretiere 4 Runden zurück: 3. Lohmann—Dinale 5 Runden zurück: 4. Kilian—Pützfeld 5. Vopel—Korsmeier 6. van Buggenhout—Martin 65 P. 37 P. 36 P. 96 P. 82 P. 53 P. 7. Zims—Küster 8. Ignat—Bogaart 37 P. 19 P. 209 282 P. 173 P. Sieger: Broccardo-Guimbretiere. Gesamtergebnis: 1. Broccardo—Guimbretiere(3315,8 km) 7 Runden zurück: 2. Schön—Ippen 9 Runden zurück: 3. Lohmann—Dinale 15 Runden zurück: 4. Kilian—Pützfeld 16 Runden zurück: 5. Vopel—Korsmeier 17 Runden zurück: 6. Zims—Küster 23 Runden zurück: 7. van Buggenhout—Martin 29 Runden zurück: 8. Ignat—Bogaart 262 P. 334 P. 253 P. 151 P. 139 P. Das Institut für Leibesübungen und die SA.=Hochschulämter. Berlin, 17. Januar. Ergänzend zum Erlaß des Preußischen Ministers für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung über die Regelung des Verhältnisses zwischen den Instituten für Leibesübungen und den SA=Hochschulämtern teilt das Amt für Leibesübungen der Deutschen Studentenschaft mit, daß auch das Verhältnis der studentischen Aemter für Leibesübungen zum Institut für Leibesübungen und SA=Hochschulamt endgültig geregelt ist, und zwar auf folgender Grundlage: Der örtliche AfL=Leiter wird gleichzeitig als Sportreferent im SA=Hochschulamt vom örtlichen Führer des SA=Hochschulamtes bestätigt und meldet sich zu diesem Zweck bei ihm. Ferner wird die Zusammenarbeit mit dem IfL dadurch gewährleistet, daß der AfL=Leiter als Referent für die studentischen Leibesübungen(Aufgabe des AfL) in das IfL eingebaut wird. Die Verhandlungen mit dem Reichs=SA=Hochschulamt und dem Preußischen Ministerium für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung sind in der eben dargestellten Form zum Abschluß gelangt; entsprechende Anweisungen dieser vorgesetzten Dienststellen erfolgen noch. Die Zuständigkei. des AfL=Leiters zur DSt ändert sich dadurch nicht. Damit ist der Ring geschlossen zwischen Studentenschaft, SA=Hochschulamt und Institut für Leibesübungen zur einheitlichen und wirksamen Zusammenarbeit für die ng des deutschen Studenten. Herz Ernst kennt wahr was ersteh daß a M gelan Schlo Grün Safte Flure 9 Hn deren der freit in alten Bild regen stelle D schon stellu A wien Kun Bild ein belei gegen seine ses i Schu tens auf merk läut 2 war, nun Best links fürst lich mer be. Mit eine er 1 wer bei bot war Frei „ ein Lud Ihn den dan Kür Mei gan in das körperliche Ertüchtigung in Kürze Aus Barcelona wird gemeldet, daß ein für den 1. April geplanter Kampf Max Schmelinas mit dem spanischen Exeuropameister Paolino unterzeichnet worden ist, der im Stadion von Barcelona stattfinden soll. Mickey Walker wird demnächst nach längerer wieder im Ring erscheinen. Am 29. Januar boxt der Amerikaner in West Palm Beach(Florida) gegen Bod Godwin, der erst vor wenigen Tagen Weltmeister Maxie Rosenbloom eine Punktniederlage beibringen konnte. Der bekannte Läufer von der Frankfurter Eintracht,s Hugo Mantel, wird demnächst aus beruflichen Grün Le den Frankfurt verlassen; sein Domizil ist Italien. nie mo Aus Zeit und Leben. Schwind auf der Wartburg. Einem zeitgenössischen Bericht nacherzählt. Von Otto Urban. Zum 130. Geburtstag von Mo ritz von Schwind am 21. Januar. : 9 aufzut einer Der samten wurde der den enin purde aufng beien erDrei Freunde, ein Bildhauer, ein Dichter und ein junger Kunstfreund, stiegen an einem Sommermorgen des Jahres 1855 von Eisenach zur Wartburg hinauf. Nachdem man die Stadt hinter sich gelassen, ging es an einigen Häusern und Gärten vorbei, bergan. Bald war die erste Höhe erreicht, von der sich eine herrliche Fernsicht ins thüringische Land bot. Die drei Wanderer erblickten den Inselberg und den langen kaylen Felsenrücken des sagenumklungenen Hörselberges. „Wir wollen uns eilen“, ließ sich der junge Kunstfreund vernehmen.„Meister Schwind erwartet uns, und ich brenne vor Begierde, ihn von Angesicht zu Angesicht zu sehen.“ „Die Wartburg“, begann der Dichter, indem sie ihren Weg fortsetzten,„ist mir ein Wallfahrtsort zu meiner Lieblingsheiligen, der Romantik. Heute aber zieht mich vor allem auch das Verlangen hinauf, Meister Schwind wiederzusehen, der dieser Heiligen liebster und bevorzugter Schützling ist. Seit München, wo ich 1830 die Universität bezog, bin ich mit ihm bekannt. Ihr werdet in ihm einen echt deutschen, kernhaften Charakter mit romani als ersonen geprüft erschaft handen. einer, jewisser ammen draub man weiten m Ree in ommen i Komiderr hielt haben. lich zuch wil P. ere. P. 2P. 3 P. 2 1 P. 3 P. 1 P. 9 P. und tuar. ers für egelung esübunfür Leiaß auch esübunochschulGrundSportrer des diesem eit mit iter als Aufgabe handid dem ist und rm zum 1 dieser ndigkeit identenibungen für die erster Grundzug entgegentritt. Im Gespräch ist er heiter, beweglich und im höchsten Grunde liebenswürdig. Wo er allerdings auf oberflächliche Urteile über Kunst trifft, kann er sich zu rücksichtsloser Derbheit hinreißen lassen.“ „Man erzählt“, warf der Bildhauer ein,„in München auch heute noch zahlreiche Anekdoten und originelle Aussprüche von ihm.“ „Sie werden zum größten Teil wahr sein, denn es vergeht kaum ein Tag, an dem er nicht irgendeine treffende und verblüffende Bemerkung prägt, die wert ist, weitererzählt zu werden. Sein Humor kommt auch in seiner Kunst immer wieder zum Vorschein. Bei aller das Herz erwärmenden Heiterkeit ist er aber nicht minder des Ernstes und des Ausdrucks der Leidenschaften fähig. Ihr kennt einen guten Teil seiner Bilder und wißt, daß ich wahr spreche. Und heute werden wir zum erstenmal sehen, was er zur Ausschmückung der in ihrer Urgestalt wiedererstehenden Landgrafenveste besonnen hat. Ich gestehe, daß auch ich voller Erwartung bin.“ Man war am Fuße des eigentlichen Wartberges angelangt und strebte nun den letzten steilen Hang zum Schloß empor. Tief unten in den waldigen Tälern und Gründen glänzten die Waldbäche wie Silberschlangen. Saftgrüne Wiesenmatten und reichgesegnete Felder und Fluren lagen ausgebreitet. Der Kommandant der Burg, vom Kastellan herbeigefen, kam und führte die Gäste die Freitreppe zum Malast hinauf. Sie durchschritten die kleine Säulenhalle, deren Bogen und byzantinische Doppelsäulen soeben von der barbarischen Vermauerung des 17. Jahrhunderts befreit worden waren, und traten durch die Rundbogentür in das ehemalige Empfangs= und Gerichtszimmer der alten Landgrafen ein. Hier malte Schwind seinen großen Bilderfries, der Szenen aus dem Leben der Wartburgregenten, wie sie Geschichte und Sage überliefert, darstellen sollte. Der Meister hatte, wie er es alle Tage zu tun pflegte, schon in der Frühe seine Arbeit aufgenommen. Die Darstellung des Sängerkrieges ging der Vollendung entgegen. Als er die Eintretenden bemerkte, trat er mit einem wienerischen„Grüß Enk Gott“ auf sie zu. Der junge 1 Kunstfreund, der sich in seiner Schwärmerei ein anderes Bild von dem Meister eingeprägt haben mochte, schien ein wenig verwirrt, als er der zu behaglicher Wohlbeleibtheit hinneigenden, kräftig gedrungenen Gestalt gegenüberstand. Aber der schöne, ausdrucksvolle Kopf zog seinen Blick sofort wieder an. Die Freunde begannen, die einzelnen Bilder des Frieses in Augenschein zu nehmen. In die Sagenwelt, wie Schwind sie malte, mehr und mehr eingesponnen, machten sie sich gegenseitig auf die Schönheiten der Bilder und auf einzelne charakteristische Gestalten und Szenen aufmerksam, wobei der Kommandant sie mit historischen Erläuterungen begleitete. Als vor einem der Bilder des Rühmens kein Ende war, unterbrach Schwind mit den Worten„Sind Sie nun endlich fertig mit dem Geplausch über das Bild? Das Beste am ganzen Bild, das schöne Blümchen da unten links in der Ecke, haben Sie übersehen. Das hat mein fürstlicher Gehilfe, die Herzogin von Orleans, als sie kürzlich hier oben war, gemalt. Ihr Malerzeichen steht dabei.“ Als der junge Kunstfreund genauer hinblickte, bemerkte er, daß neben der kleinen Blume ein„H“ geschrieben stand. Die Zeit war wie im Fluge vergangen, und es war Mittag geworden. Der Kommandant lud die Gäste zu einem Imbiß ein. Schwind wollte sich verabschieden, da er noch am Sängerkrieg, dessen Untergrund trocken zu werden drohe, zu schaffen habe. Dem Drängen der bei meinem lieben Mutterle ist es knapp gegangen. Sie bot aber alles auf, um mich ausbilden zu lassen. Schon war ich auf der Universität inskribiert, da haben gute Freunde meiner Mutter die Meinung beigebracht, daß „ein Maler in mir stecken tät. So hat sie mich dann zu Ludwig Schnorr von Carolsfeld in die Lehre gegeben. Ihn werde ich bis ans Grab verehren, weil er zu allem den Grund gelegt hat, was etwa aus mir geworden ist.“ „Die deutsche Kunst“, warf der Bildhauer ein,„verdankt Schnorr von Carolsfeld viel. Er hat die jungen Künstler von der alle Originalität zersetzenden Nachahmungssucht der Antike geheilt und sie auf die fromme Inniakeit und polkstümliche „Wo soll ich den Anfang machen?“ fragte Schwind lachend.„Vom Hörensagen weiß ich, daß ich am 21. Januar 1804 in Wien geboren wurde, und zwar als Dreizehnter. Darum häng ich noch mit Leib und Seel an der Metropole am Donaustrand, und wenn ich heftig und wild werde, da kann ich auch heutigen Tages den Wiener nicht verleugnen. Mein guter Vater starb früh, und Weib heimführte. „Und nun sitze ich schon über Jahr und Tag hier, auf dieser merkwürdigsten Burg Deutschlands, um den Auftrag des Großherzogs in allen Stücken auszuführen, glaube aber, daß er seinen Schritt bitter bereuen wird. Denn alles, was ich gemalt habe, will mir gar nicht gefallen, und wenn ich dem hohen Herrn einen Rat geben dürfte, so tut er am besten, so bald ich fort bin, einen Tünchermeister kommen zu lassen, der alles wieder zuschmiert.“ „Du bist wohl nicht recht gescheit,“ fiel ihm der Dichter ins Wort.„Liest du denn keine Zeitungen? Alle rühmen dich, deine unerschöpfliche Phantasie, deine Empfindungsstärke, deinen Humor und deinen Farbenzauber im Fresko. Die ganze deutsche Kunstwelt erwartet ungeduldig den Tag, an dem dein Werk hier vollendet sein wird. Große Jagd beim polnischen Staatspräsidenten. Zu einer Jagd in den Staatsforsten bei Warschau hat der polnische Staatspräsident Moscicki das Diplomatische Korps und hohe polnische Staatsbeamte eingeladen. Unter den Jagdgästen befand sich auch der Vizepräsident des Danziger Senats.— Unser Bild zeigt die Jagdgesellschaft vor der„Strecke“. In der Mitte(mit Barett) Staatspräsident Moscicki, rechts neben ihm der Danziger Vizepräsident Greiser, links zwischen zwei polnischen Offizieren Ministerpräsident Jedrzewicz. Der Kalendermann. Von Joseph August Lux. für den mit dem tet worsoll. r Pause doxt der fen Bob Itmeister ibringen intracht, n Grünen. Annigkeit und volkstümliche Wärme der altdeutschen Meister hingelenkt. Eine Verwebung der Kunst mit dem ganzen Sein des deutschen Volkes schwebte ihm vor, und in dieser Richtung hast du, Schwind, sein Streben auf das glücklichste und erfolgreichste fortgesetzt.“ „Das Lob auf Schnorr von Carolsfeld kann ich nur bestätigen", fuhr Schwind fort,„viel verdanke ich auch meinen ersten poetischen Jugendgenossen Lenau und Bauernfeld, ebenfalls Auersperg und Grillparzer, am meisten aber den Minnesängern. Die habe ich redlich studiert und durch sie mich in die romantische Zeit hineingelebt. Da ist mir so nach und nach der mittelalterliche Geist aufgegangen und hat mich angeweht, bald wild und Baurig, bald sanft und mild wie minnigliches FlötenStön. Ehe ich dieses Erlebnis aber auf die Leinwand Dringen konnte, hat es einen riesenhaften Kampf gekostet. Endlich habe ich sie aber gepackt, die Gestalten, die ich vor mir sah, habe sie zuerst scharf gezeichnet und dann in Farben hell ausgemalt, uno zwar so, daß im Leben und Ringen der Einzelnen der Charakter der ganzen Zeit sich spiegelt. So entstanden— ich war damals neunzehn Jahre alt— meine ersten Bilder, Lust und Leid eines Sängers im Mittelalter darstellend.“ Schwind fuhr fort zu erzählen. Er sprach von München, von seinem Aufenthalt in Italien, von seinem lustigen Leben mit Bauernfeld später in Wien, das in „Ritter Kurts Abenteuer“ einfloß, und endlich von den * goldenen Tagen in Karlsruhe, wo er sein innig geliebtes Freunde und des Kommandanten gab er jedoch nach und folgte ihnen zu Tisch. Während des Mahles trug jeder das seine zur allgemeinen Erheiterung bei, am meisten Schwind, dessen Humor unerschöpflich sprudelte. „Heute morgen im Heraufsteigen", unterbrach der Wichter endlich Scherz und Lachen,„habe ich unsern Freunden andeutungsweise von dir erzählt. Nun aber mochten wir von dir selbst näheren Aufschluß über dein Lehen haben." Unbeschreibliches Vergnügen, das alljährlich der neu erscheinende Kalender bereitet! Jugenderinnerungen werden wach, wenn er ins Haus fliegt. In der Kindheit steht der Kalendermann groß und ehrfurchterregend vor unseren Augen, ein Jahresagent, nicht geringer als der heilige Nikolaus und der Genius der Weihnacht. Fast wie der liebe Gott selber! Schien es doch, als hätte der Kalendermann so recht eigenhändig die Welt gebaut und für ein kommendes Jahr eingeteilt und behaglich gemacht, daß sichs gut darin hausen läßt. Er führt die schöne Apostelzahl der Monate herein, die wunderlich angetan sind, Sternbilder aus Aureole um das Haupt, die Symbole des Tierkreises an der Brust, die Mondphasen bunt eingestickt an den herrlichen Gewändern; einige sehr lustig und freundlich anzuschauen, andere würdig und hoheitsvoll und wieder andere ernst und nachdenklich. Hundertjährige Weisheit strömt aus ihrem Munde, wie das Wetter früher war und wie es künftig sein wird; die Vorgänge im Himmel und die Einflüsse der Gestirne auf das Vieh und das Wachstum; die Namen aller Heiligen, die hohen Festtage, die lieblich duften wie Gänseschmaus; und alle Wochen mit ihren besonderen Bewandtnissen, religiösen und weltlichen. Das ist schön, man kann von den Ereignissen nicht mehr überrumpelt werden, man weiß alles voraus und das ist so wohltuend. Das kommende Jahr mit seinem Leben hat sich eben nach der Vorschrift zu richten; man kann ihm jetzt auf die Finger sehen. Und was die zwölf Monatsapostel nicht wußten, das weiß schließlich der Kalendermann, der die Vergangenheit und die Zukunft kennt wie seine eigene Rocktasche. Man braucht nur ein wenig herumzublättern, man findet alles schwarz auf weiß. Das große Erdbeben, das Eisenbahnunglück, die letzten großen Erfindungen, die Namen und Bildnisse der jüngsten Berühmtheiten, kurz die ganze Weltgeschichte vom vorigen Jahr und wohl ein wenig auch die des künftigen mit allen Hoffnungen und Prophezeiungen. Aber wie oft erwies sich schließlich der weise Kalendermann nur als ein jämmerlicher Stümper, der dem Herrgott ins Handwerk pfuschen wollte und nur ein Flickwerk dürftiger Daten zusammenstoppelte, eine Sammlung bunter Hadern und dies die Gotteswelt im Jahre des Heils nannte. Trotzdem ist es stets wie ein Seelenfest, wenn ein neuer Kalender ins Haus kommt. Immer wieder blättert man neugierig darin, allen erlittenen Enttäuschungen zu Trotz, hoffend, darin eine Weltharmonie zu finden, in der die Seele wieder zu thronen vermag in Uebereinstimmung mit dem Plane Gottes und darum so recht in Uebereinstimmung mit sich. Es muß also etwas an dem Kalender sein, das irgendwie einer tiefen Sehnsucht des Herzens entspricht, wenn sie sich auch nie vollkommen verwirklichen konnte. Aus diesem geheimen Bedürfnis des Menschen erklärt sich die Fülle von Kalendern und Almanachen, die alljährlich auf den Markt geworfen wird. In einem Jahr werden jetzt mehr Kalender herausgegeben, als früher in einem Jahrhundert. Auch das ist ein Zeichen unbefriedigter Sehnsucht, wie es zugleich auch ein Zeichen der ungeheuren Differenzierung des modernen Lebens ist. Fast alle Berufe haben ihre Spezialkalender und ihre Reihe ist unübersehbar. In der Hauptsache aber sondern sich zwei Typen heraus, der eigentliche Volkskalender, den wir schon in unserer Jugend liebten, weil er nicht nur ein allwissender belehrender Mann war, sondern auch ein schnurriger Geschichtenerzähler, der sich auf den Ton verstand, ein echter und rechter Volksmann, dessen Herz klopfte in seinen Worten und dem darum die einfachen Seelen zuflogen. Sein vornehmer Bruder, der nur im Salon verkehrt und mit gebildeten Leuten umgeht, nennt sich Almanach. Er blickt wie sein Bruder aus dem Bauernhaus ebenfalls auf eine lange Ahnenreihe zurück, die schon zu Goethes Zeiten wie ein adeliges Geschlecht kostbar angetan war, in Seide, Saffianleder oder Pergament gebunden und mit blitzendem Goldschnitt versehen, der funkelte wie der vergüldete Degen eines Horkavaliers. Der alte Almanach hat höfische Manieren und ist ästhetischer Natur. Das zeigen uns die feinen Stahlstiche, in denen Schönheit und selbst das Wildverwegene und Tragische romantisch idealisiert erscheint. Wie durch ein Fernrohr sieht man aus dem engen Alltag hinaus, durch ein Dichterfernrohr. Darum ist der Almanach die Freude der Kenner und Feinschmecker. Eine moderne Abart davon bedeutet der literarische Verlegeralmanach von heute, der allerdings hauptsächlich Propaganda für die eigenen Verlagsautoren ist. Eine Fruchtschale erlesener Primeurs zu Jahresbeginn, während der Literaturmarkt erst im nächsten Frühjahr davon was zu bieten hat. Zunächst also nur etwas zum Naschen, ein kleiner Gaumenreiz für die Freunde, eine große Verheißung, auch wenn sie, wie sie oft im Leben, eine Niete ergibt. Soviel es aber der Kalender gibt, der praktischen, sachlichen, volkstümlichen, künstlerischen, literarischen ästhetischen oder auch nur der ganz gewöhnlichen Gratulantenkalender, wo ist der rechte Kalendermann, der die ersehnte Himmelsspeise des Herzens bringt wie einst in der seligen ersten Jugendzeit, der Kalendermann des Glücks, den alle heimlich mit jedem neuen Jahr erwarten und von dem alle alsbald enttäuscht zu sagen pflegen, daß er doch nicht der rechte war?! Es müßte der Herrgott selber sein, der den ungeschriebenen Kalender in unsere Brust gelegt hat, davon wir nur die leeren Blätter vor uns sehen. Ausfüllen müssen wir sie selbst, also muß jeder sein eigener Kalendermacher sein. Wir müssen sie so ausfüllen, daß wir nicht nachher Enttäuschungen an uns erleben. Leichter gesagt, als getan! Es können nicht lauter Festtage sein, es gibt auch Bußtage! Und Trübsal gehört nun einmal zum Leben. Aber das bedenke der rechte Kalendermacher, daß die Seele in den Mittelpunkt gehört, damit sich das Chaos löse und nicht Meinung herrsche, sondern die Liebe Gottes, und aus den Trümmern dieser Welt wieder ein Ganzes werde, eine wohlgeformte, schöne Weltkugel, auf der zu thronen wie in der Kindheit ein himmlisches Vergnügen ist. Ob hoch oder niedrig, ob arm oder reich, ist gleichgültig; wer seinen Lebenskalender so lebt, daß er in Gottesfurcht und nach bestem Gewissen immer nur so und nicht anders könnte, hat das Rechte gefunden in Uebereinstimmung mit dem geheimen Kalendermann des Glückes, So sei jedem gewünscht, daß er in diesem Sinne sein eigener Kalendermacher sei. Jahr um Jahr! Von Werner Siemes. Man könnte meinen, es habe keinen Sinn, dieses Schaufenster. Denn die Leute gehen an ihm vorbei, ich tann es vom Fenster meiner Wohnung aus beobachten, sie sehen kaum hin. Obwohl es in einer der größten und angesehensten Geschäftsstraßen unserer Stadt liegt, obwohl es ein sehr großes, ein sehr respektables Schaufenster ist und obwohl das, was darin ausgestellt ist, von jedem Menschen einmal gebraucht wird, im Gegensatz zu den Nachbargeschäften, in denen Damenkonfektion, Herrengarderobe, elektrische Apparate, Automobile, Werkzeugmaschinen und Gottweißwasalles ausgestellt sind. Für alles interessieren sich die Leute, auf alles erstrecken sich ihre Wünsche und Begierden, an jedem anderen Schaufenster sieht man sie stehen, mit sachverständigen oder sehnsüchtigen Blicken, mit manchmal vielen Reden und Gesten der Frauen, wenn ihre Männer bei ihnen sind. die es dann meist sehr eilig zu haben scheinen. Nur vor dem großen, tiefen Schaufenster mir gerade gegenüber sieht man selten einen stehen; trostlos und verlassen liegt es da, unbeachtet und verschmäht. Weil Schaufenster und Ladengeschäft nicht getrennt sind, weil der Blick. also weit hineingeht in die Tiefe der Verkaufshalle und die Ware selbst, einfarbig und dunkel, ganz flach an der ebenen Erde steht, wirkt es zwischen den farbenfrohen, strahlenden Nachbarfenstern wie ein großes, gähnendes Loch. Und diese Wirkung, in der Tat, trifft den Sinn der Sache nicht schlecht, denn in dem Schaufenster stehen Särge, aber es verleitet die Leute noch weniger dazu, stehen zu bleiben und einmal hineinzuschauen. So ist der Zweck dieses Schaufensters, vom Besitzer oder Pächter aus gesehen, wohl nur der, die Vorübergehenden, wenn auch nur flüchtig, darauf aufmerksam zu machen, daß seine Ausstellungsware im Bedarfsfalle zur Verfügung steht. Der, wie ich meine, beträchtlichste Sinn eines Schaufensters aber, Reklame, Werbung, Lockung zu sein, ist völlig ausgeschaltet. Ich habe oft lange von meinem Fenster aus gesehen, es ist so. Natürlich gehen hin und wieder Leute in das Geschäft, aber sie bleiben nicht vorher auf der Straße stehen und gucken sich die Ausstellung an. Wenn es aber einmal geschieht, daß einer längere Zeit vor dem Fenster stehen bleibt und sich mit Aufmerksamkeit und Interesse die Särge ansieht, wie ich es in der vergangenen Woche an einem alten Mann beobachtet, dann hat man ein seltsames, ein wenig schauriges Gefühl dabei. Und nirgendwo ist auch, im allgemeinen, die Auswahl schneller getroffen als hier. Denn man kauft nicht für sich selber ein, und derjenige, für den man kauft, wird gegen die Wahl unter keinen Umständen Einwendungen machen. Umtausche kommen fast nie vor. So ist also, kaufmännisch betrachtet, der Zweck dieses Schaufensters ein höchst bescheidener, aber der Kaufmann muß am Ende selber wissen, ob es die teuere Miete und die Mühe lohnt. Denn es ist unwahrscheinlich, daß er dabei auch an einen anderen Zweck gedacht haben mag. Und dennoch: Wie bedeutungsvoll wäre dieses Schaufenster, wenn es auch nur einen einzigen Menschen einmal in seinem Innern angerührt, wenn es nur einen einzigen einmal festgehalten hätte vor dem ersten entscheidenden Schritt nach unten! Wie bedeutungsvoll ware es, wenn es durch seine stumme Offenbarung der unvermeidlichsten und ausweglosesten Realität einmal einen einzigen aus dem Taumel zur Besinnung gerufen hätte. Denn es geht hier viel vorüber, auf dieser eleganten, modernen, breiten Straße der Großstadt. Viel Menschliches geht hier vorüber, allzuviel——. —— Ich gucke aus meinem Fenster auf die andere Seite. Rot und grün, blau und gelb, weiß und grau, flutet der Strom der Menschen durch die sommerliche Stadt, und an den Wänden seines Bettes, vor den buntleuchtenden, strahlenden Schaufenstern bleibt Tropfen um Tropfen hängen, bis der Strom sie wieder mitreißt. Nur an dem großen dunklen Loch mitten dazwischen geht er ohne alle Rückstände vorbei. Berliner Grief. Von Peter Pelikan. Man muß immer wieder einmal in das alte Berlin wandern, wo an der Stelle, die früher einen der interessantesten Häuserblocks umschloß, sich heute ein weites Trümmerfeld ausstreckt. Dem Neubau der Reichsbank müssen alle diese historischen Gebäude zum Opfer fallen, unter denen viele auf das Engste mit der Geschichte Berlins verknüpft sind. So wird auch demnächst die Spitzhacke an das sogenannte Weydinger=Haus gelegt werden, ein Patrizierhaus aus dem 18. Jahrhundert. Hinter einer unscheinbaren Fassade birgt es eine reiche Innenausstattung, die zum Teil auf Schinkel zurückgeführt wird. Man hatte zunächst daran gedacht, den Kern des Hauses, ein entzückendes Treppenhaus mit einem schön geschwungenen Bronzegeländer und den Spiegelsaal mit reich vergoldeten Türen und einem großen Deckengemälde, als historischen Raum in den Neubau der Reichsbank einzufügen. Das hat sich aber als unmöglich herausgestellt. So hat man jetzt den Plan gefaßt, das Haus aufzuteilen. Der Preußische Finanzminister will den Spiegelsaal in einen bereits vorhandenen Raum seines Dienstgebäudes einbauen lassen, und ohne Zweifel wird dadurch die historische Ausstattung dieses schönen Saales am besten vor Verfall bewahrt werden. Das Treppenhaus aber soll durch die Stadt Berlin einem anderen altberliner Gebäude, dem Ermelerhaus, eingefügt werden, das bereits jetzt als ein Zentrum altberliner Kultur dem Publikum zugänglich ist. Es ist begrüßenswert, daß die wenigen noch vorhandenen Erinnerungsstücke an den Entwicklungsgang des Berliner Bürgertums so geschützt und der Besichtigung freigegeben werden, im Gegensatz zu früher, wo solche Dinge nach einem notwendigen Abbruch irgendwo in Lagerräumen verstaubten. * Es ist nicht von der Hand zu weisen, daß ein rechter Großstädter wohl einen ziemlich heftigen Schreck bekommen würde, wenn er auf seinem eiligen Marsch durch die Straßen plötzlich neben sich das zärtliche Gurren eines Taubenpaares hören würde. Und doch kann er dieses Wunder in Groß=Berlin erleben, wenn er eine der Hauptstraßen am Treptower Park entlang wandert. Dort brüten dicht neben dem Bürgersteig auf hohen Bäumen die Ringeltauben. Dieser Berliner Stadtteil, der über einem Sumpfgebiet entstanden ist, ist überhaupt eine wahre Zufluchtsstätte für alle möglichen Vögelarten geworden. Allerdings hat die verständige Bezirksverwaltung dafür gesorgt, daß auf den Inseln, zwischen den kleinen Sümpfen und Gehölzen der Parkanlagen die Tiere ungestört nisten und brüten können. So findet man hier, mitten in der Großstadt und nicht etwa durch Zäune eingeengt, noch Wildenten und Fasanen. Auch Nachtigallen bevölkern die Anlagen, in denen überall, wo es irgend möglich ist, die jeder Vogelart entsprechenden Nistgelegenheiten geschaffen werden. Es wäre zu wünschen, daß solche von großem Naturverständnis zeugenden Maßnahmen überall dort getroffen werden, wo größere Grünflächen die Eintönigkeit der Straßenzüge unterbrechen. In Treptow jedenfalls haben sie den schönen Erfolg gehabt, daß die Zahl der dort heimischen Vögel sich erheblich vermehrt hat, und daß die Bewohner dieses Stadtteils mit größter Freude das Leben ihrer gefiederten Mitbürger beobachten. * Die medizinischen Hausmittel unserer Voreltern sind leicht herzuzählen: das beliebte Rizinus kannte man schon damals, wurde einer ohnmächtig, dann ließ ihn der Bader zur Ader, und hatte einer etwa Zahnschmerzen, dann holte man in der Apotheke einige Blutegel, mit denen der geplagte Zeitgenosse eine Weile umherwandern mußte. Wer aber glaubt, daß diese Zeiten doch schon sehr lange vergangen sind, der sei darauf hingewiesen, daß bis zum Jahre 1900 die Apotheken noch verpflichtet waren, Blutegel in ihren Beständen zu führen. Allerdings hat in unserem Jahrhundert wohl kaum noch ein Kranker davon Gebrauch gemacht. Wandert man aber durch die älteren Teile Berlins, so stößt man in einer der kleinen Gassen um den Molkenmarkt plötzlich auf ein seltsames Schild über einem kleinen Laden, der als Blutegelhandlung gekennzeichnet ist Hier gibt es artigen Tierchen, auf noch die bekannten äl hörten zu diesem Geschäft eigene Teiche, in denen die Egel gezüchtet wurden. Heute kommen sie zumeist aus Ungarn, wo sie bereits zwei Jahre lang gepflegt wurden. Im ersten Jahr erhielten sie reichlich zu essen, aber im zweiten Jahr mußten sie fasten. Ausgehungert wie die Wölfe im Winter werden sie dann in die Welt hinausgeschickt, und gierig stürzen sie sich auf das Blut ihrer Opfer. Nun sollte man eigentlich glauben, daß die Zahl derer, die sich noch Egel setzen lassen, verschwindend klein sein muß. Aber es sind immer noch mehr. als man zunächst annimmt, und so lebt der Inhaber dieser einzigen Berliner Blutegelhandlung auch heute noch buchstäblich von dem Blut seiner Kundschaft. Handel und Wirtschaft. Berliner Börse. X Berlin, 18. Januar. Die Tendenz war gut behauptet und der Auftragseingang vereinzelt etwas lebhafter als in den letzten Tagen. Besonders am Rentenmarkt scheint neuer Anlagebedarf vorhanden zu sein, jedenfalls lag in Reichsbahnvorzugsaktien, die 111 bis 111,25 nach 1107 eröffneten, lebhafte Nachfrage vor. Auch die Neubesitzanleihe des Reiches erholte sich um 20 Pfg., während Altbesitz 0,5 Proz. niedriger eröffneten, diesen Verlust aber bald wieder ausglichen. Die Kündigung des deutsch=französischen Handelsvertrages blieb auf die Tendenz ohne nennenswerten Einfluß, während andererseits die gebesserten Außenhandelsziffern mit Befriedigung vermerkt wurden. Am Montanaktienmarkt gingen die Veränderungen nach beiden Seiten nicht über 0,5 Prozent hinaus. Kaliwerte waren, soweit sie zur Notiz kamen, 1—2 Proz. schwächer. Chemische Werte bröckelten bis 0,25 Proz. ab, nur Rütgers minus 7 Proz., dagegen Goldschmidt plus 1½ Proz. Farben 124,75 nach 125. Auch am Elektroaktienmarkt war die Tendenz unregelmäßig; Elektrisch Licht u. Kraft gewannen 1 Proz., Chade verloren 1,25 Proz. AEG waren auf einen größeren französischen Auftrag behauptet. Maschinenwerte bröckelten trotz des befriedigenden Lageberichtes der Maschinenbauanstalten bis 0,75 Proz. ab. Schubert u. Salzer verloren 1 Proz. Auch Autowerte und Gasaktien waren angeboten, während Bier= und Spritwerte überwiegend höher eröffnen konnten. Dortmunder Union gewannen 1,5 Proz. Bauwerte waren weiter angeboten, Berger und Holzmann verloren 1,25 Proz. Verkehrswerte waren kaum verändert. Am Bankaktienmarkt waren Reichsbank 1 Proz. höher. Im Verlauf war die Tendenz, ausgehend von Reichsbahnvorzugsaktien und Altbesitz auch für Aktien überwiejend freundlicher.— Tagesgeld erforderte unverändert 4 bis 4½ Prozent. Am Valutamarkt schwächte sich das Pfund auf amerikanische Geldabzüge auf 13,11 ab. Der Dollar war unverändert 2,61. Der Wechsel des Bauern verschwindet. X Berlin, 18. Januar. Das gefährliche Instrument im Geldverkehr des deutschen Bauernstandes ist bis jetzt wohl der Wechsel gewesen. Der Genossenschaftsbank zu Halle=Saale, der provinzialsächsischen Ausgleichsstelle für den Geldverkehr der ländlichen Genossenschaften, ist es nunmehr gelungen, ihr Eigenkapital und die Einlagen der angeschlossenen Spar= und Darlehenskassen durch unaufhörliche Werbung so zu erhöhen, daß sie von der Deutschen Zentralgenossenschaftskasse finanziell vollständig unabhängig geworden ist. Wie das VDZ=Büro meldet, hat die Genossenschaftsbank bekanntgegeben, daß sie gegenüber den ländlichen Spar= und Darlehenskassen für die Zukunft auf die Hereinnahme von Wechseln verzichtet. Ausbau der deutschen Neutralfett=Herstellung. Das Verfahren zur Herstellung deutschen neutralen chweinefetts hat in Verfolg der Erhöhung der Beimischungsquote für die Margarineindustrie auf 10 Proz. einen weiteren Ausbau erfahren. Zurzeit sind 18 Fabriken zur Anwendung des Verfahrens zugelassen, von denen jedoch nur acht Betriebe arbeiten. Von den übrigen 10 Vetrieben dürften vermutlich einige die Absicht, zu dem neuen Fabrikationszweig überzugehen, wieder aufgeben, da die Kapitalanforderungen besonders in der ersten Zeit recht erheblich sind. In Berlin sind Neubauten für die Fettextraktion von den Vereinigten Oelfabriken Thörl und von der Firma Emil Herrmann GmbH. errichtet worden. Die Maschinen werden durchweg von der deutschen Industrie bezogen, die über eine Anzahl von Spezialpatenten verfügt und übrigens solche Maschinen auch in größerem Umfange nach den Vereinigten Staaten liefert. Für den Eintritt der warmen Witterung werden schon jetzt die nötigen Vorbereitungen getroffen; die Fabriken werden in nächster Zeit umfangreiche Kühlanlagen errichten. Der Absatz an die Margarineindustrie erfolgt im freien Wettbewerb; die Kontrolle über die Einhaltung der Beimischungsquote wird an Hand von Reinheitsattesten durchgeführt, die jeder Lieferung beigefügt werden. Die Preisbildung der Naturalfettfabriken im Einkauf wird zurzeit wesentlich von der Tendenz bestimmt, auf den Schweinemarkt im Sinne des Fettplanes der Regierung Einfluß zu nehmen. Die für Fettschweine gezahlten Preise sollen nicht nur den Markt für Fettschweine entlasten, sondern auch einen Anreiz geben, die in letzter Zeit zu stark angewachsene Aufzucht von FerEine Verfügung über Lohnregelung Bei Ersatz von Frauen= durch Männerarbeit. Der Treuhänder für Westfalen, Dr. Klein, hat verfügt, daß der zwischen dem Verband münsterländischer Textilindustrieller und dem Deutschen Textilarbeiterverband, Bezirksgruppe Münster, abgeschlossene Manteltarif im§ 4 folgenden Zusatz erhält, der sofort in Kraft tritt:„Treten in Abteilungen, die bisher nur mit weiblichen Arbeitern besetzt waren, infolge der Notmaßnahmen zur Behebung der Arbeitslosigkeit an Stelle von ausgeschiedenen weiblichen Arbeitskräften Männer ein, so gilt als Berechnungsgrundlage der Frauen=Akkordrichtsatz. Die Männer erhalten zu ihrem Verdienst einen prozentualen Zuschlag, der sich ergibt aus der Differenz des tatsächlich erzielten Durchschnittsverdienstes der ganzen Abteilung zum Männer=Akkordrichtsatz.“ Dieser Verfügung des Treuhänders für Westfalen kommt für den Ersatz von Frauenarbeit durch Männerarbeit besondere Bedeutung zu. Unter Berücksichtigung der gegenwärtigen Verhältnisse und Notwendigkeiten schafft sie die lohn= und tarifpolitischen Grundlagen für eine Maßnahme, die für die Entlastung des Arbeitsmarktes und die künftige soziale Entwicklung von größter Wichtigkeit ist. Die Aufgliederung der Vereinigten Stahlwerke. In der Gruppe der Vereinigten Stahlwerke sind nunmehr noch folgende verarbeitenden Betriebe juristisch verselbständigt worden. Für den Betrieb der zum Bochumer Verein gehörenden Schraubenfabrik Steele ist die Kleineisen= und Schraubenfabrik Steele GmbH. mit dem Sitz in Essen=Steele gegründet worden. Von dem Stammkapital von 150 000 übernehmen die Vereinigten Stahlwerke durch Einbringung von Vorräten 140 000 A und der Bochumer Verein für Gußstahlfabrikation AG. gegen bar 10 000 M. Geschäftsführer sind Kaufmann August Krüger(Dortmund) und Ingenieur Werner Rehling(Steele). Ferner ist der Betrieb der bisherigen Beschlagfabrik der Dortmunder Union in die Beschlagteilefabrik Rote Erde GmbH., Dortmund, umgegründet worden. Das Stammkapital beträgt 100 000 A von dem die Vereinigten Stahlwerke gegen Vorräte 90 000 M und Dortmund=Hörder Hüttenverein 10 000 A gegen bar übernahmen. Geschäftsführer ist Ingenieur Otto Körper, Stellvertreter Kaufmann Edmund Schmude(beide Dortmund). Türkei Selbstversorger in Wollwaren. Obwohl die Türkei immer nennenswerte Mengen Rohwolle ausgeführt hat, sah sie sich bis vor einiger Zeit aus Mangel an einer ausreichenden eigenen wollverarbeitenden Industrie dazu genotigt, Wollwaren in ziemlich erheblichem Umfange einzuführen. Der türkische Gesamtverbrauch an solchen Waren beträgt etwa 2309t im Jahresdurchschnitt. Hiervon wurden noch 1927 über 1800t eingeführt, im gleichen Jahre wurden 576t im Lande selbst erzeugt. Durch die Initiative der türkischen Regierung ist es inzwischen gelungen, die Eigenerzeugung erheblich zu steigern. Sie belief sich im Jahre 1932 bereits auf annähernd 1700t, so daß nur noch ungefähr 500t eingeführt zu werden brauchen. Im Jahre 1933 stieg die türkische Inlandserzeugung auf 2000t und die Einfuhr ging auf etwas über 200t zurück. Da jetzt eine neue Spinnerei und Weberei ihren Betrieb aufgenommen hat, nimmt man an, daß im neuen Jahre bereits der gesamte Bedarf der Türkei an Wollwaren aus eigener Produktion wird gedeckt werden können, so daß eine Einfuhr wohl kaum noch stattfinden dürfte. Mürkte. Dortmunder Pferdemarkt. X Dortmund, 18. Jan. Auftrieb: 466 Pferde und 11 Wagen aller Art. Der Handel war mittel. Es kosteten: a) Kaltblüter: beste Arbeitspferde und Stuten 700—850 K. 2. Arbeitspferde 550—700 N. 3. Arbeitspferde 300 bis 450 K. zweijährige Pferde 400—550 M: b) Warmblüter: beste Arbeitspferde und Stuten 700 850 M. 2. Arbeitspferde 550—700 W. 3. Arbeitspferde 300—450 M; c) Kreuzungen: beste Arbeitspferde und Stuten 600—700 K. 2. Arbeitspferde 450—600 M. 3. Arbeitspferde 300 bis 450 M. Einzelne ausgesuchte Tiere wurden über Notiz bezahlt. Der nächste Markt findet am 1. Februar statt. Osnabrücker X Osnabrück, 18. Jan. Auftrieb: Großvieh 80, Bullen 24, Kühe 56, Kälber 91, Schweine 330. Marktverlauf: Großvieh und Kälber schlecht; Schweine langsam. Es kosteten: Bullen: a)—, b) 24—26, c) 21—23; Kühe: a) —, b) 23—25, c) 20—22, d) 16—19; Färsen: 21—31; Kälber: a) 40—42, b) 35—39, c) 28—34, d) 19—27; Schweine: a) 46—47, b) 45—46, c) 42—44; Sauen: 40 bis 46. Nächster Markt am 25. Januar. Amtliche Devisenkurse. Berlin, den 18. Januar 1934 Amtl. Produktennotierungen in Berlin am 18. Januar 1934. keln und Jungsauen zugunsten der Mästung von Dreizentnerschweinen einzuschränken. Polens Bemühungen um Steigerung der Schweineausfuhr. Die polnische Schweineausfuhr ist in den ersten elf Monaten 1933, verglichen mit dem gleichen Zeitraum 1932, von 178 000 auf 95 000 Stück zurückgegangen. Ueber die Aussichten im neuen Jahr läßt sich noch nichts genaues sagen, da Polen zur Zeit lediglich ein Schweinekontingent für Oesterreich erhalten hat, das sich auf 2160 Schweine wöchentlich bis zum 15. April 1934 beläuft. Von diesem Zeitpunkt ab soll sich das Kontingent auf 3700 Schweine vergrößern. Dies würde also für die ersten 11 Monate 1934 bereits 151 240 Schweine ergeben. Obgleich die Verhandlungen mit den anderen Staaten noch im Gange sind, läßt sich jetzt schon sagen, daß die Ziffern von 1932 wohl sicher wieder erreicht werden dürften. Nach Frankreich und dem Saargebiet werden polnische Schweine bisher noch auf Grund des nicht ausgenutzten vorjährigen Kontingents geliefert; das französische Kontingent für 1934 steht, ebenso wie das tschechoslowakische, noch nicht fest. In Italien sollen sich neuerdings Aussichten auf ein größeres Schweinekontingent für Polen eröffnet haben. Die polnische Wirtschaftspresse klagt darüber, daß die Schweineausfuhr Polens in West= und Südeuropa überall heftig mit der dänischen Konkurrenz zu kämpfen hat, die auch einen Polen in Aussicht gestellt gewesenen Auftrag von 8000 Stück Schweine für die Sowjetunion kürzlich an sich gebracht habe. Mehl Weizenmehl Auszugsm. (0.405 A.) Vorzugsm. (0.425 A.) Weizen-Kl. Roggen-KI. Raps Leinsaat Vikt.-Erbs. Kl. SpeiseErbsen Futtererbs. Peluschken Ackerbohn Wicken Lupinen blaue gelbe in RM für 100 kg brutto frei Berlin heute 31,70.32.70 30.70-31,70 Vortag 31.70.32.70 30.70-31.70 Mebl Bäckermehl (0.79 A.) Roggenmehl (0.82 A.) in RM für 100 kg brutto frei Berlin heute 25.70.26.70 Vorta 25.70 8.5 9-9.1 Speisekartoffeln, weine..... Speisekartoffeln, rote..... Odenwälder, blaue..... Industriekartoffeln. Andere, gelbfleischig außer Nieren 1.35—1.45 1.50-1.60 1.75—1.90 Weizenausfuhrscheine Weizenausfuhrscheine Weiehanstunrsdieine Roggenausfuhrscheine Roggenausfuhrscheine Roggenausfuhrscheine Januar 148 Brief Februar 142½ Brief März 149½ Brief Januar 126¼ Brief Februar 126¾ Brief März 127¾ Briet Hamburger Schlachtviehmarkk. Hamburg, 18. Jan. Auftrieb: Ochsen 471. nen 415, Bullen 186, Kühe 478, Fresser 71, Weiden schafe 400, Stallmastschafe 750. Es=kosteten: Ochsen: bis 33, b) 27—30, c) 24—26, d) 15—22; Färsen; g 9 bis 35, b) 28—34, c) 24—27, d) 15—23; Bullen: g bis 29, b) 23—26, c) 19—22, d) 13—18; Kühe: a) 23 b) 20—22, c) 15—19, d) 9—14, Bahnversand 180; mastschafe: a) 39—41, b) 37—39, c) 31—35, d) 26—28 20—24. Marktverlauf: Rinderlangsam, Schafe mittel Dortmunder Getreidemarkt. Dortmund, 18. Jan. Westf. Weizen 75=76 ka bis 195, westf. Roggen 71=72 kg 167,5—169, westf. Hoi 156—157, südd. Hafer 165—167,5, ostfr. Hafer 170, Mi. ter=Gerste 178—180, Russen=Gerste 186—188, Plata-M. 200, Cinquantino=Mais 210, Weizenmehl: Auszugsmf 0,405, 32,5—32,75, Bäckermehl Asche 0,79 27,5—27,75. 9. genmehl: westd., Asche 0,82 24,25—24,75, ostd., Asche 23,25—23,5, Weizenkleie(feine) 11,5—12,(grobe) 12— Roggenkleie 10,25—10,75, Trockenschnitzel 10,25— Steffen=Zuckerschnitzel 12—12,25. Tendenz: ruhig. delsklassen ohne Angebot. Die Festpreise verstehen frei Verladestelle des Erzeugers. Die übrigen Preise Großhandelspreise und verstehen sich bei Getreide Tonne, sonst per 100kg, waggonfrei Dortmund, in gen von 15000 kg; Mehl zu Mühlen=Konventions dingungen. Metalle. Berlin, 18. Jan. Elektrolytkupfer(Wirebars) 4 A für 100 kg netto cif Hamburg, Bremen oder Rotte dam. Aluminium 98=99 kg Bl. 160, Aluminium o. Dr. 164, Reinnickel 98=99 kg 360, Antimonbis 41, Silber in Barren 900t 33,60—41, Bremen: Baumwolle loco Januar März Mai Juli Oktober Dezember Liverpool: Baumwolle loco Januar Februar März April Mai Juni Juli August Tendens: fest uminium i. Wa timon-Regulus 41,50. 12.1 12.2 12.4 12.3 12.7 . 5.7 5.70 5.7 5.7 5.7 5.8 5.8 5.9 5.8 Tagesimport Tageslocoverkäufe Exportverkäufe Aegypt. Upper F. G. fair loco Liverpool: Östindische Baumwolle 18. 1. 1100 17. 1. (Good Staple, Loco Surtee F. G. „ Broach F G. „ M. G Punjab/American F. G. " Centr Provinces Oomra Nr. 1 „ Bengal F. G. „ Bengal Superfine „ Sind F. G. „ Sind Superfine 18. 1. 5.24 4.56 4.82 4.96 4.02 4.22 4.02 4.22 17. 1. 5.24 4.50 4.82 4. 4.2 4.02 4.2 Liverpool: Notierungen für Sakellaridis u. Upper F. G. 18. 1. 17. 1. Tendenz: stetig New Orleans: Baumwolle 18. 1. —la M loco anuar ära Mai 11.12 11.06—08 11.12 11.29-30 New York: Baumwolle 21.90-22.90 21.90.22.90 18. 1. loco 11.50 Januar 11.12 Februar 11.14 März 11.16 April 11.22 Mai 11.29—30 Juni 11.35 Geschätzte Totalzufuhren— Baumwollzufuhr in Atlantischen Häfen— Baumwollzufuhr in Golf-Häfen 10000 Zufuhren in Pacific-Häfen 21000 Export nach England 12000 Export nach dem übrigen Kontinent 5000 Export nach Japan und China 12000 Fracht n. Liverpooi f. stark gepr. Ballen— . a Fracht für Standard Export n. Kanada u Mexiko 6000 1 Hauptschriftleiter und verantworllich für Politik: Dr.Georg Münster i. W.; Stellvertreter des Hauptschriltleiters u. verantworllich für Münster u. das Münsterland: Fritz Rediger, Münster i. W.; für Westdeutschland: Friedrich Wilh. Schulze; für Feuilleton: Peter Schlaub für Handel und Sport: Dr. Anton Henkel. sämtlich in Dortmund Berliner Redaktion: Dr. Ernst Häfner, Berlin-Lichterfelde. Für den Zeno-Hnzeigenteil: Verlagsleiter Dr. Erich Altmeppen, Münster l.. Druck: Zeno GmbH., Münster i. W. Durchschnitts-Huflage XII. 33: Zeno-Zellung Insgesamt 44048 enthaltend: Ahlener Volkszeitung, Nachrichtenblatt für die Kreis Beckum und Lüdinghausen, Hhlen: 3296;— Allgemeine Zeitung lu die Kreise Coesfeld und Hhaus(Billerbecker Zeitung, Gescherer ler tung, Vredener Hnzeiger, Stadtlohner Volksblatt). Coesfeld: 6069;Borkener Zeitung, Borken: 3166;— Bürgerblatt für den Niederrhell und Reeser Tageblatt, Emmerich: 1965;— Dülmener Zeitung, Amt liches Kreisblatt für den Kreis Coesfeld, Dülmen: 1925;— Halterne Zeitung, Haltern: 1665;— Kreiszeitung für den Kreis Hhaus(Gronauer Volkszeitung, Eper Volksblatt), Hhaus: 3421;— Münsterländische Volkszellung(Rheiner Volksblatt). Rheine: 4150;— Emsländische Tageszeitung(Lingener Tageszeitung, Papenburg- Hschendorter Zeitung), Rheine: 1725;— Neuer Emsbote für Kreis Warendor und Amt Telgte(Warendorfer Kreisblatt), Warendorf: 2875;— Tageblatt für den Kreis Steinfurt(Ochtruper Anzeiger, Wettringer hnzeiger, Metelener Zeitung, Neuenkirchener Zeitung), Ochtrup: 1612;— Volksblatt für Bocholt und den Kreis Borken, Bocholt: 6372;— Volks blatt für Wesel und den Kreis Rees, Bocholt: 1128;— Volkszeitung und Nachrichten für Emsdetten, Burgsteinfurt, Nordwalde, Borghorst, Greven, Emsdetten: 2540;— Volkszeitung für Dorsten und Herrliche keit, Dorsten; 2079.— Besuchen Sie die große Fa. Fischer& Lo., Münster i. ID. Hdler-Sonderschau bis 21. Januar Holz=Verkauf. Aus dem Noruperholz kommen am Montag den 22. Januar 1934, zum öffentlich meistbietenden Verkauf: 282 356 Eichen=Stämme= 97.26 fm (Bau=, Gruben= und Pfablholz) 425 Fichten=Stämme= 41,30 im (leichtes Bauholg) 712 Fichten=Stangen 1.—4. Kl. Gerüststangen, Leiterbäume, Baumpfähle usw 3980 Fichten=Stangen 5. u. 6. Kl. (Baumpfähle und Bohnenstangen) 78 rm Buchen=Scheit 53 Lose offenes Reisig. Zusammenkunft vormittags 9 Uhr in Hammikoltsdusch bei Schnippel im Roruperholz. von Croysche Forstverwaltung, Dülmen i. Westf. Inserieren Sie im allgemeinen Anzeigenteil der deno-Zeitungen Verbreitungsgebiet Westfalen und angrenzende Gebiete der Erfolg ist Ihnen sicher. Sie! Weil Sie schnell denken und handeln wollen, müssen Ihre Hugen ohne Anstrengung arbelten können. Sobald Ihre Hugen Sie plagen, besu chen Sie bitte die Optische Anstalt Overhage, Münster i. W., Prinzipalmarkt 3. Hier erhalten Sie pasende(B21 Augongläs er. Auto! Suche gebrauchten guterhaltenen ViersitzerKleinwagen steuerfrei, gering. Benzinverbr. Angebote unt. A 717 an d. Anz=Verw. der Zeno, Münster. Automobile mehrere gut erhaltene, in der Preislage von RM. 200—400 sofort wegen Platzmangel abzugeben. Evil Teilzahlung.(225 Fischer& Co., Münster i. W. Vertrag der Germania Bausparkasse. Köln, über 5000 Mk. wenen Geld= verlegenheit billig zu verkauf. Anfragen unt. Z 11 an die Allgemeine Zeitung. Coesfeld. Schrittl. Helmarbelt Verlag Vitalis, Münchon 13. Ein tüchtiges, n allen Hausar= beiten erfahrenes Mädchen nicht unter 20 J., zum 15. Febr. gesucht. 274 Frau A. Meyer Millingen, Kr. Rees. Suche für sofort ein fleißiges, sauberes kath. 1280 Mädchen am liebsten vom Lande, für Haus, Garten= und Feldarbeit. Guter Lohn und gute Behandlung. Ww. Assenkamp. Dülmen. Mitwick 27. Tüchtigem kath. Gesellen wird von moderner Ban= uno Möbelschreinerei in Bocholt 1277 Arbeitsstelle geboten. Kost u. Logis beim Meister. Ang. mit Altersangabe unt 1626 an das Bocholter Volkblatt, Bocholt. erbet. Suche zum 1.2. einfaches 278 Mädchen am liebsten vom Lande. das Hausund Gartenarbeit verrichtet. Ww. A. Deppenbrock. Münster, Salzstraße 8. Für Oldenzaal (Holl.). Suche 1. meinen Haushalt ein gut. kathol. 272 Mädchen im Alter von 18 bis 22 Jahren. mit Familienanschl. Off. unt O 15 an das Tageblatt in Ochtrup erbeten. Neueste Modelle. Auf größ. Hof wird für sof. oder zum 1. März kath. Landwirtssohn er mit sämtlichen landw. Arb. und Maschinen vertraut ist, gesucht. Daselbst wird auch ein 276 Mädchen gesucht. Beide mit Fam.=Anschl. Off. unt. I T 30 and Ahlener Volkszeitg., Ahlen i. W., erbeten. Modistin im Alter v. 20 b 23 J., die selbst. arbeiten und gut mit d. Kundschaft umgehen kann. 3 15. 2. 1934 gesucht. Angebote mit Lichtbild und Gehaltsanspr. bei freier Station unt MO7 an Anz.= Verw. der Zeno. Münster. Eine kleine Anzeige in der Zenoheitung findet im Münsterland grope Beachtung und bringt beste Erfolge! Zeno=Zeitung die große Zeitung im Münsterland, ist der wertvolle Verkaufshelfer! Zuverl. kath. Mädchen nicht unter 20 J.. n Küche u. Haushalt bewandert, gesucht. 275 Frau J. Schwenken. Borken i. W. Wilbeckstr. 22 Zum 1. Febr. knecht und Melker gesucht. 273 H. SchulteKellinghaus. Altendorf, Post Polsum. Tel. Dorsten 2275. Aus Münster und dem Münsterland. Das Schwurgericht tagt im Januar Der Ochtruper Mord wird noch nicht verhandelt. + Münster, 18. Januar. Am kommenden Montag beginnt die erste Schwurgerichtsperiode des Jahres 1934, die, wie sämtliche Tagungen des Schwurgerichts des Jahres 1934, unter der Leitung des Landgerichtsdirektors Niermann stehen wird. Vor dem ersten Schwurgericht wird sich am Montag K. aus Burgsteinfurt=Hollich wegen Brandstiftung und in einer weiteren Strafsache wegen Versicherungsbetruges zu verantworten haben. Für Dienstag ist keine Sitzung angesetzt. Erst am Mittwoch folgt die zweite Strafsache gegen M. und Mitangeklagte aus Bocholt. Die Anklage ist wegen Meineides erhoben. Die für die Januarperiode schon in Betracht gezogene Ochtruper Mordsache wird nicht veryandelt, da die innezuhaltenden Fristen berücksichtigt werden mußten. Schmiedeler, der im hiesigen Gefängnis auf die Aburteilung seiner Tat wartet, ist, wie wir erfahren. leicht erkrankt. Staatsanwalt Dr. Budde, der in der Ochtruper Morduntersuchung erfolgreich die Ermittlungen an Ort und Stelle geleitet hat, ist zum Staatsanwaltschaftsrat in Bochum ernannt worden. Zwei wichtige Tagungen der Hitler=Jugend in Münster. emd= Münster, 18. Januar. Am Sonntag, den 21. Januar, finden in Münster wei Tagungen der Hitler=Jugend statt. Um 10 Uhr beginnt in der Aula der städtischen Handelshochschule, Hansaplatz, die Tagung der Pressereferenten und=Referentinnen des Gebiets und Obergaues Westfalen. Ungefähr 300 bis 350 Teilnehmer werden vom Gebietsführer Loewer, der Obergauführerin Zokolewski und den einzelnen Referenten der Presseabteilung des Gebietes Westfalen die Arbeitsrichtlinien für die Pressearbeit der Hitler=Jugend im Jahre 1934 erhalten. 10,30 Uhr eröffnen die Sozialreferenten ihre Tagung im großen Sitzungssaal des Landeshauses. Neben den Sozialreferenten der Hitler=Jugend und des BDM. im Gebiet Westfalen sind sämtliche Vertreter des Staates, der Behörden, der Partei, der Reichswehr und Schupo eingeladen. Der Gebietsführer Loewer, der diese Tagung als Landesjugendpfleger einberief, wird über die soziale Arbeit in der Hitler=Jugend sprechen. Nachmittags finden Sondertagungen für HJ.=Aerzte,=Juristen und=Berufsberater statt.— Abends kommen die Teilnehmer beider Tagungen zu einem Kameradschaftsabend zusammen. Kundgebung der Arbeitsgemeinschaft Katholischer Deutscher. Die„Arbeitsgemeinschaft Katholischer Deutscher“ veranstaltet am Donnerstag, den 25. Januar, um 20,30 Uhr, im Schützenhof zu Münster eine öffentliche Kundgebung. Die Eröffnung erfolgt durch Herrn Regierungspräsidenten Zur Bonsen, Köln, Mitglied der Reichsleitung der AKD. Das Hauptreferat, „Das katholische Deutschland und die nationalsozialistische Seelenhaltung", hält Prof. D. theol. h. c., Dr. phil. Baumstark, Münster, Beauftragter der AKD. für den Gau Westfalen=Nord. Dieser ersten in Münster stattfindenden Veranstaltung der AKD. ist besondere Bedeutung beizumessen. Prof. Baumstark wird in seinem Vortrage Fragen über Kirche, Staat und NSDAP. behandeln, die zur Zeit im Mittelpunkt des Interesses stehen. Förderung des Baumarktes schafft Arbeit. * Münster, 18. Januar. Nach langen und eifrigen Verhandlungen mit Berliner Stellen, die jedoch noch nicht alle zum Abschluß gelangt sind, teilte der Oberbürgermeister der Stadt Münster in der letzten Dezernentenbesprechung Einzelheiten seines nunmehr wieder erweiterten Arbeitsbeschaffungsprogrammes mit. Dieses Programm richtet sich in erster Linie auf eine starke Förderung des Baumarktes in Münster, wobei vor allen Dingen eine fühlbare Belebung der Privatbautätigkeit erstrebt wird. Eine Besprechung der einschlägigen Stellen der Stadtverwaltung mit den einheimischen Bauunternehmern wird Aufklärung schaffen über die Möglichkeiten, die die sogenannten Reichsbürgschaften eröffnen. Dem Oberbürgermeister ist es gelungen, an mehreren Stellen Mittel sicherzustellen, damit die Bautätigkeit sofort nach Bekanntgabe der Einzelbedingungen von Berlin aus beginnen kann. Die Stadt behält sich in diesen Fragen über jedes Einzelprojekt ein gewisses Aufsichtsrecht vor, um unberechtigte Mietsteigerungen zu verhindern. Besondere Erwähnung verdient eine Maßnahme der Stadtverwaltung, die sicherlich die Zustimmung aller finden wird. Die Stadt Münster verausgabt jetzt noch monatlich rund 8000 Rm. für Obdachlose. Es wird ihr daran liegen, durch Schaffung von Wohnraum einerseits und durch Wiedereingliederung der erwerbslosen Obdachlosen in den Arbeitsprozeß andererseits diese Ausgaben herabzudrücken. Ausgesprochen arbeitsscheue Elemente werden künftig in Barackenwohnungen untergebracht werden. Die Zuweisung einer Barackenwohnung an einen Arbeitsscheuen ist als Strafoder Zwangsmaßnahme gedacht und auch als solche von der Bürgerschaft anzusehen. Die Stadtverwaltung erhofft von dieser Maßnahme eine starke erzieherische Wirkung. Wegen schwerer Amtsunterschlagung und Betrug verurteilt. Wettringen, 18. Januar. Der Hilfsbauarbeiter Paul B. war arbeitslos. Um ihn aus seiner mißlichen Lage zu befreien, übertrug ihm die Gemeinde das Amt eines Vollziehungsbeamten. Als solcher hatte er im Jahre einen Verdienst von 500 Rm. Dazu kamen in den Wintermonaten Gelder, die er für die Trichinenschau erhielt, insgesamt ebenfalls rund 500 Rm., so daß immerhin 1000 Rm. pro Jahr heraussprangen. Im Mai des vorigen Jahres und den folgenden Monaten fiel es den Dorfbewohnern auf, daß B. über seine Verhältnisse hinaus lebte. Er schaffte sich eine„schwere Kluft“ an und wurde fleißiger Wirtshausbesucher. Das ging gut bis zum September und dann kam das dicke Ende nach. Er hatte in diesen fünf Monaten Gelder in Höhe von 1383 Rm., die er als Vollziehungsbeamter eingeholt hatte, nicht abgeführt, sondern für sich behalten. In dulci jubilo hatte er sie verknallt, weil er auch mal in den Wirtschaften den feinen Herrn machen wollte. Als ihm selbst schließlich bange wurde wegen seines Tuns, holte er sich in zwei Fällen Geld von dem Sparguthaben seiner Braut, allerdings ohne deren Wissen, um damit das entstandene Loch in der Gemeindekasse zu füllen. Dem Sparkassenverwalter der Nebenstelle Wettringen täuschte er vor, er handele durchaus im Einverständnis mit seiner Braut, da das Geld zur Beschaffung von Aussteuergegenständen verwandt werden solle. Außerdem hatte er gesprächsweise dem Verwalter gegenüber öfter geäußert, seine Braut und er hätten ihre Ersparnisse zusammengelegt. Der Staatsanwalt betonte in seinen Ausführungen, daß es sich in beiden Fällen um einen schweren Vertrauensbruch handele, der entsprechend schwer gesühnt werden müsse. Um so mehr, als der Angeklagte sich keineswegs in einer Notlage befunden habe. Als mildernde Umstände billigte er dem Angeklagten zu die Absicht, das Geld später zurückzuzahlen und auch die Tatsache, daß der Angeklagte bisher nicht einschlägig vorbestraft sei. Auch das Gericht vertrat diesen Standpunkt und verurteilte den Angeklagten zu einer Gefängnisstrafe von 1 Jahr und 1 Monat. Der Angeklagte nahm das Urteil an. 58jähriger auf der Anklagebank. Berenbrock, 18. Jan. Der 58jährige Kötter und Lohndrescher Bernhard Sch. aus Berenbrock hatte sich vor dem Schöffengericht in Münster zu verantworten wegen Rückfalldiebstahls in zwei Fällen, begangen im März und August vergangenen Jahres. Als der Angeklagte im März am Wahltage in Lüdinghausen weilte, hatte er sein Fahrrad untergestellt, um Geschäfte zu erledigen. Das Fahrrad war eine alte und gebrechliche Karre. Als Sch. später nach Hause fahren wollte, merkte er, daß seine Karre derart schlecht war, daß er wohl kaum noch mit ihr weiter kommen konnte. Er ging zu einem Bekannten und bat diesen, ihm sein Fahrrad zu borgen. Der Bekannte wies ihn aber ab mit dem Bemerken, er brauche sein Fahrrad selber. Aber es ständen doch genug da und da herum. Er solle sich nur eins nehmen und damit abfahren. Was der Angeklagte auch prompt besorgte, ohne es später zurückzugeben.— In einem anderen Falle hatte er einen Damenfahrradrahmen, der allerdings nicht mehr viel wert war, heimlich von dem Boden Reichsgründungsfeier der Aniversität. + Münster, 18. Januar. Die 63. Wiederkehr des Gründungstages des Deutschen Reiches wurde, wie alljährlich, von der Westfälischen Wilhelms=Universität festlich begangen. Auch der Brauch früherer Jahre, vor dem eigentlichen Festakt in der Stadthalle in der Universität der Toten des Weltkrieges zu gedenken, wurde wieder aufgenommen. Die Fahnenabordnungen der Studentenverbindungen und der SA=Stürme nahmen vor den Gedenktafeln Aufstellung. Der Führer der Studentenschaft, cand. germ. Kurt Böhlke, legte nach kurzen Worten des Gedenkens an die gefallenen Kommilitonen einen Kranz nieder. Namens der Professoren und Beamten der Universität legte der Rektor, Universitätsprofessor Dr. Naendrup. und namens der Staatsregierung der Kurator, Vizepräsident Weber, einen Kranz vor den Gedenktafeln nieder. Dem festlichen Aufmarsch der Fahnenabordnungen zur Stadthalle schauten zu beiden Seiten der Straßen dichtgedrängt die Menschen zu. Nach der„Euryanthe“Ouvertüre, die unter Leitung des städtischen Musikdirektors Ludwig Jochum vom städtischen Orchester gespielt wurde, machte Universitätsprofessor Dr. Droste eingehende Ausführungen über das Thema„Die Umwandlungen des deutschen Strafrechtes“. Anschließend nahm der Führer der münsterschen Studentenschaft, Böhlke, das Wort zu einer kurzen Ansprache an die Versammelten, in der er betonte, daß die Studentenschaft nicht um seiner Tradition zu genügen oder um einer Feierstunde einen würdigen Rahmen zu geben der Einladung zu dieser Veranstaltung gefolgt sei, sondern um rückschauend Hochpunkte deutscher Geschichte hinzustellen. Der Reichsgründungskommers, wie er in den vergangenen Jahren stets stattgefunden habe, sei abgesetzt worden, weil der nationalsozialistische Student der Auffassung sei, daß für solche Festtage andere Formen gefunden werden müßten. Anschließend gab der Rektor der Westfälischen Wilhelms=Mniversität die Namen der Preisträger für die von den einzelnen Fakultäten gestellten Preisaufgaben bekannt. Der Preisträger der SchwaneLandesverkehrsverband Westfalen. Das Jahresprogramm 1934. Fremdenverkehrswerbung, eine Angelegenheit größter nationalpolitischer Bedeutung. stiftung der Kath.=Theologischen Fakultät, die die Preisarbeit über das Thema„Sinn und Bedeutung des Pfingstereignisses“(Apg. 2, 1—12) stellte, ist Nikolaus Adler aus Viernheim(Hessen).— Mit der von der Kath.=Theologischen Fakultät gestellten Preisaufgabe„Die Lehre von den Merkmalen der Kirche in der Kontrovers=Literatur des 16. Jahrhunderts, unter besonderer Berücksichtigung Robert Bellarmins“ wurde ausgezeichnet stud. theol. Christian Zimmermann, Collegium Borromäum, ebenfalls stud. theol. Josef Willen aus Löningen in Oldenburg.— Mit dem halben Preis der von der Evang.=Theologischen Fakultät gestellten Preisaufgabe„Das Problem des christlichen Staates in der evangelischen Theologie des 19. Jahrhunderts, mit besonderer Berücksichtigung von Stahl, Vilmar und Richard Rothe“ wurde stud. theol. ev. Karl Heinemann aus Hoffnungsthal, Kreis Mülheim=Ruhr, ausgezeichnet.— Von den drei von der Philosophischen und Naturwissenschaftlichen Fakultät gestellten Preisaufgaben wurde nur bearbeitet„Die Stellung der Appalachenzone in der Entwicklung und heutigen Gestaltung des Verkehrs in Nordamerika“. Mit dem vollen Preis wurde ausgezeichnet stud. phil. Alexandra Alberti aus Nieheim, Kreis Höxter. Die Preisaufgaben der Rechts= u. Staatswissenschaftlichen und der Medizinischen Fakultät hatten keine Bearbeitung gefunden. Mit dem Gesang des Deutschland= und Horst=WesselLiedes wurde die Feier geschlossen. Die Reichsgründungsfeier der Garnison. + Münster, 18. Januar. Zum ersten Male wurde in diesem Jahre der Tag der Reichsgründung von der münsterischen Garnison festlich in der Oeffentlichkeit gefeiert. Frühmorgens wurde die Bürgerschaft durch die Musik und Spielmannszüge der Reichswehr, die durch die verschiedenen Viertel der Stadt zogen, geweckt. Um 10 Uhr fanden in der Petrikirche der katholische und in der Apostelkirche der evangelische Gottesdienst statt. Zu den Gottesdiensten hatte man die alten ruhmreichen Fahnen früherer Regimenter aus dem Museum geholt und sie mit einer Ehrenkompagnie zu den beiden Kirchen gebracht, von wo sie nach den Gottesdiensten wieder feierlichst eingeholt und ins Museum zurückgebracht wurden. Trotz des unabläßlich strömenden Regens standen an den Straßen und vor dem Museum Hunderte von Menschen, mit erhobenem Arm die alten ruhmreichen Feldzeichen grüßend. eines Landwirtes geholt, bei dem sein Sohn beschäftigt war. Vorher hatte er schon mit dem betreffenden Bauern verhandelt, aber erfolglos. Denn der Landwirt wollte für den Rahmen— so hatte er mehr aus Scherz gesagt— 20 Mark haben. Da hatte Sch. sich gedacht, „hol ihn dir nur so. Es wird kaum auffallen. Außerdem bekommst du ja auch noch rund 15 Mk. als Lohn von dem Manne. Den Rahmen kann er dann evtl. davon abziehen.“— Unter Zubilligung mildernder Umstände in weitgehendem Maße, namentlich mit Rücksicht auf das Alter des Angeklagten und den geringen Wert des zweiten gestohlenen Objektes verurteilte das Gericht den Angeklagten zu einer Gefängnisstrafe von zehn Monaten. Der Angeklagte nahm das Urteil an. Grabhügel und Heiligtümer nördlich der emd= Münster, 18. Januar. In einer in Bielefeld stattgefundenen Tagung der Arbeitsgemeinschaft für Vorgeschichte in Minden=Ravensberg und Lippe berichtete Dr. Stieren vom Landesmuseum in Münster über germanische Grabhügel und Heiligtümer nördlich der Lippe. Auf einer flachen Düne bei Sölten sei eine Fläche von etwa 5000 gm abgedeckt und dabei ein großes, systematisch angelegtes Gräberfeld offengelgt worden, auf dem bisher 130 Bestattungen gezählt werden konnten. Dr. Stieren berichtete dann noch über Wallburgen und Eisenschmelzen keltisch=germanischer Zeit in Südwestfalen und zum Schluß wies noch Lehrer Dieckmann=Oerlinghausen auf eine grabartige Vertiefung in der Nähe von Oerlinghausen hin, in der sich (vermutlich karolingische) Scherben befanden und zeigte im Lichtbild den unweit von Schloß Sternberg gefundenen Feldbackofen. * emd= Münster, 18. Jan. Eisbericht der Wasserbaudirektion Münster. Die Schiffahrt auf den westdeutschen Kanälen ist in vollem Umfange wieder aufgenommen. Auf dem Dortmund—Ems=Kanal ist auf einer Strecke von 2 Kilometern oberhalb Schleuse Varloh die Fahrgeschwindigkeit wegen Treibeisansammlung noch etwas beschränkt. Münster, 18. Jan. Die Senkung des Strompreises, die in der letzten Stadtverordnetensitzung des münsterischen Kollegiums vom Oberbürgermeister verkündet wurde, wirkt sich auf den städtischen Etat nicht unwesentlich aus. Wie die Pressestelle der Stadt mitteilt, kommen bei der Senkung des Strompreises um fünf Pfennige rund 131 500 Rm. in Nachlaß. Man kann aber wohl der Hoffnung Ausdruck geben, daß durch die nicht unbedeutende Herabsetzung des Strompreises der Verbrauch gesteigert wird, so daß der Ausfall an Einnahmen wieder wettgemacht wird. + Münster, 18. Jan. Schmuckdiebstahl. Vor einiger Zeit wurden einem Anwohner der Albert=Leo=SchlageterStraße aus der unverschlossenen Wohnung folgende Schmuckgegenstände gestohlen: 1 kleine weißwachsfarbige Perlenkette; 1 goldenes Armband, halb gegliedert, oben als Verzierung 1 Saphir und 2 Perlen, außerdem befinden sich an jeder Seite 3 kleine weiße Perlen: 1 goldene Blusennadel mit 1 größeren und 2 kleineren Perlen. + Münster, 18. Jan. Endlich gefaßt. Im Dezember des vergangenen Jahres wurde durch die Kriminalpolizei in der Presse eine Warnung vor einem Gelegenheitsdieb veranlaßt, der unter der Maske eines Hausierers, Bettlers und Korbflechters arbeitete. Der Dieb hat aber trotzdem seine verwerfliche Tätigkeit fortgesetzt und eine ganze Reihe weiterer gleichartiger Diebstähle kamen bei der Polizei zur Anzeige. Am 10. Januar wurde von der Kriminalpolizei der 28jährige Arbeiter Bernhard Wagener aus Münster festgenommen, da seine Pesonenbeschreibung mit der von einigen Zeugen abgegebenen übereinzustimmen schien. Er bestritt, mußte sich aber nach einer weiteren eingehenden Aufklärungsarbeit der Kripo zu einem Geständnis bequemen. Insgesamt konnten bisher über 20 gleichartige Diebstähle geklärt werden. Wagener ist bereits mehrmals einschlägig vorbestraft, er wurde dem hiesigen Amtsgericht zugeführt und in Untersuchungshaft genommen. + Ahlen, 19. Januar. Der 100 entgegen. Die älteste Einwohnerin unserer Stadt, Frau Witwe Wilhelm Tovar, beging gestern ihren 97. Geburtstag. Am 18. Januar 1837 auf Telegayshof im Schlick geboren, erlebte die Jubilarin in ihrem fast 100jährigen Leben die Entwicklung der Stadt Ahlen von der einstmals ruhigen Ackerbürgerstadt mit seinen 2—3 000 Einwohnern bis zur bedeutenden Industriestadt im Kreise Beckum. Trotz des hohen Alters ist Frau Tovar geistig sehr rüstig und von einer bewundernswerten Frische, ihr körperliches Befinden allerdings läßt augenblicklich zu wünschen übrig. Wir können unserem Geburtstagsglückwunsche nur hinzufügen, daß die Jubilarin ihr 100. Lebensjahr noch erleben und vollenden möge. + Ahlen, 18. Jan. Die glatten Holzschuhe waren schuld. Infolge der glatten Holzschuhe kam im benachbarten Stromberg die Ehefrau des Landwirtes Niekemper böse zu Fall. Auf der zum Boden führenden Leiter rutschte sie aus und stürzte mehrere Meter tief hinab, wo sie mit sehr schweren Verletzungen liegen blieb. Die Verletzungen waren derart, daß eine Ueberführung der Gestürzten ins Krankenhaus erforderlich war Der Landesverkehrsverband Westfalen beginnt— nach der Durchführung der Organisation— jetzt mit seiner praktischen Tätigkeit. Auf dem außerordentlichen Verbandstag, den er in Dortmund abhielt, waren auch Vertreter aus dem Osnabrücker und dem Lipper Land, die dem westfälischen Verbandsgebiet angeschlossen worden sind, anwesend. Bürgermeister Schüler=Dortmund hob in seiner Begrüßungsansprache hervor, daß die Fremdenverkehrswerbung für den Nationalsozialismus eine Angelegenheit größter nationalpolitischer Bedeutung ist. Es sei das Bestreben des neuen Staates, das neue Deutschland dem Ausländer als einen Staat der Gastfreundschaft zu zeigen. Wenn es auch heiße:„Lernt die Heimat zunächst kennen und lieben, bevor ihr weitergelegenen Zielen zustrebt,“ so sollen dem Fremdenverkehr doch keine Fesseln angelegt werden. In seinem Jahresbericht erinnerte Bürgermeister Schüler u. a. an die 5 Werbefahrten, die durch Westfalen veranstaltet wurden, an die beiden Werbefilme und an die gute Zusammenarbeit mit der Presse. Ein neues Werbemittel stelle der Schmalfilm dar. Der Landesverband habe bereits mit der Herstellung von Schmalfilmen begonnen. Ein hervorragendes Werbemittel sei auch die Zeitschrift„Westfalen im Bild“. Mitgliederbewegung: Am 1. 4. 1932: 269, am 1. 1. 1934: 278. Dem Gesamtverband gehören an: Bürgermeister Schüler(Vorsitzender), Vizepräsident des Reichseinheitsverbandes des deutschen Gaststättengewerbes Nephuth=Dortmund(Schatzmeister), Direktor Dr. SchmidtDortmund(Schriftführer), als Beisitzer u. a.: Landesrat Kühl=Münster, Intendant Dr. Glasmeier=Münster, Dr. Homann=Münster. Als Mitglieder des Gebietsausschusses Münsterland: Landrat Dr. RiethRecklinghausen, c. Landrat Gerdes=Warendorf, Stadtrat Aschhoff=Münster, Geschäftsführer Stoppenbrink=Münster. Als Mitglieder des Gebietsausschusses Teutoburgerwald: Bürgermeister Keller=Detmold, Verkehrsdirektor Steinbach=Bielefeld, Dr. Kolkmeyer=Osnabrück, Direktor Tilmann=Paderborn, Dr. Schmidt=Lemgo. Gleichweitig wurden auch die Verkehrsauschüsse der vier Gebietsteile und ihre Vorsitzenden berufen: 1. Für das Sauerland: Geschäftsführer Dr. Rauchenberger=Arnsberg; 2. für das Industriegebiet: Geschäftsführer Dr. Weber=Bochum; 3. für das Münsterland: Geschäftsführer Stoppenbrink=Münster; 4. für den Teutoburgerwald: Verkehrsdirektor Steinbach=Bielefeld. Verkehrsdirektor Dr. Schmidt=Dortmund sprach über das Jahresprogramm 1934. Das wichtigste Ereignis im Jahre 1934, dessen Auswirkungen sich auf das ganze Deutsche Reich erstrecken, ist das zu Beginn des Frühjahrs stattfindende„Fest der Reise“, das vom Bunde Deutscher Verkehrsverbände und Bäder e. V. in Berlin als große Werbeveranstaltung zur Anspornung des deutschen Reiseverkehrs veranstaltet wird. An dieser Werbeveranstaltung wird sich auch der Landesverkehrsverband Westfalen mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln beteiligen. Bedeutsame Werbemaßnahmen sind für das Jahr 1934 für die westfälischen und lippischen Gebietsteile vorgesehen. Für das Münsterland ist nach mehrjähriger Unterbrechung wieder ein Gaststättenführer in Vorbereitung. Weiter soll für das Münsterland ein besonderer Autoführer geschaffen werden, um den weiten Kreisen des kraftfahrenden Publikums dieses romantische Land der Wasserburgen neu zu erschließen. Besonders intensiv soll auch die Werbung in Holland betrieben werden, um die infolge der Greuelhetze im vergangenen Jahre zurückgebliebenen Gäste wiederzugewinnen und auch neue Besucher für Westfalen zu werben. Zu diesem Zweck wird ein Sonderprospekt in holländischer Sprache in einer Auflage von 100 000 Stück herausgebracht werden. Der 1932 geschaffene Westfalenfilm wird neuerdings vertont. Erfreulicherweise stellt sich die deutsche Tagespresse sehr stark in den Dienst der Fremdenverkehrswerbung. Selbstverständlich wird sich der Verband auch im neuen Jahre des Inseratenteiles der Zeitungen bedienen. Nach wie vor steht fest, daß das Inserat in der Tagespresse das wirkungsvollste und verbreitetste Ausdrucksmittel der modernen Werbung ist. Dankes=Kundgebung der Zehntausend. und Gauleiter Dr. Meyer über die neue Arbeitsgesetzgebung. + Münster, 18. Januar. Wie überall am Mittwoch abend im ganzen Gau Westfalen=Nord fand auch in Münster eine eindrucksvolle Kundgebung der werktätigen Bevölkerung auf dem Domklatz statt. Trotzdem der Regen seit den frühen Nachmittagsstunden unaufhaltsam und unvermindert fiel, fanden sich am Abend auf dem Hindenburgplatz Tausende ein, die den festlichen Lichterzug durch die geschmückten und menschenumsäumten Straßen führen wollten. Auf dem Domplatz vollzog sich der Aufmarsch reibungslos und als der stellvertretende Kreisleiter der NSBO., Pg. Galler. dem Reichsstatthalter und Gauleiter das Wort erteilte, umstanden über zehntausend Menschen die hohe Rednertribüne. Reichsstatthalter und Gauleiter Dr. Meyer wiesf zu der neuen Arbeitsgesetzgebung in einleitenden Worten darauf hin, daß in den vergangenen Jahren Millionen deutscher Arbeiter die Internationale gesungen hätten, ohne daß aber die viel gepriesene Freiheit durch die Internationale erlebt worden wäre. Gesetze habe man für den Arbeiter geschaffen, aber der Arbeiter habe nichts davon gehabt. 7 Millionen Arbeitslose, das sei die Antwort auf den Kündigungsschutz des deutschen Arbeiters gewesen. Die Internationale habe dem deutschen Arbeiter kein Recht gebracht, Menschenrechte lagen in Ketten, der deutsche Arbeiter war versklavt, als die Wende kam. Diese Wende war deutscher Sozialismus. Er habe Millionen deutscher Menschen wieder Arbeit und Brot gebracht, Schranken zwischen Stände, Klassen und Konfessionen seien niedergerissen worden. Nun solle Ordnung geschaffen werden in den Betrieben. Das Gesetz zur Ordnung der nationalen Arbeit werde die Hände der im Betriebe schaffenden deutschen Arbeitsmenschen ineinanderlegen. In dem Betriebe dürfe sich in Zukunft nicht mehr Eigennutz austoben. Hier seien Betriebsführer und Gefolgschaft schicksalhaft miteinander verbunden. Aus dieser gemeinsamen Arbeit werde Segen für das deutsche Vaterland erwachsen. Heute wollen wir, so rief der Redner zum Schluß aus, des vornehmsten Arbeiters der Stirn und der Faust, des Volkskanzlers gedenken, der uns dieses Gesetz zu Anfang des Jahres auf den Tisch als eine Tat wahren deutschen Sozialismus gelegt hat, aus dem Segen für den schaffenden Deutschen erwachsen soll. In das Sieg Heil stimmten die Zehntausend begeistert ein und sangen darauf das Horst=Wessel=Lier. Anschließend sprach der Gauamtsleiter der NS. Hago, Franke, der betonte, daß Adolf Hitler, der dem deutschen Volke die nationale Befreiung gebracht, dem deutschen Volke auch die soziale Befreiung bringen werde. Er werde dafür sorgen, daß der deutsche Arbeiter Anteil habe an der deutschen Wirtschaft. Das Gesetz zur Ordnung der nationalen Arbeit werde eine Zeitenwende bringen. Der Nationalsozialismus stelle in diesem Gesetze an Stelle des Massenwahns das Führerprinzip, an Stelle der sozialdemokratischen Gleichmacherei das Leistungsprinzip. Das neue Gesetz bringe dem deutschen Menschen eine grundlegende Aenderung in der Verantwortung. Die Wirtschaft sei dafür da, allen deutschen Menschen das zu geben, was sie zum Leben notwendig hätten. Es könne nicht angehen, daß in Deutschland der Arbeiter, Beamte und Angestellte ausgebeutet würden. Es werde dafür gesorgt, daß ihnen das Recht wird, das ihnen das Gesetz gebe. Staaf Geschichte eines Schmarotzers. Anneke, das Mutterschwein. Der Wurf war aufgezogen, sechs samtne Ferkel. Nun sollte Anneke, das Mutterschwein, geschlachtet werden. Der Patron hatte entschieden. Aber was kümmerten Staaf Eyb, den kugelbauchigen Verwalter, des Herrn Befehle. Er watschelte zu Pietje Booms, der sein Saufkollege von der Schützenbruderschaft war, und verschacherte die Sau. Es wurde eine prächtige Zucht, ein gutes Aufgeld für den Makler saß dran. Nun wartete Staaf auf den Käufer. Schwer lehnte er auf den Verschlag und verzog das ferkelrote Gesicht zu fettem Schmunzeln. Franz, der pfiffige Gehilfe, goß dampfende Suppe in den Trog, und gierig machte Anneke sich über die letzte Mahlzeit her. Nebenan schabberten die Jungen, quiekten und patschten mit den Pfoten in ihrem Fraß. Staaf schlug ihnen mit der brennenden Tonpfeife auf den Borstenspeck, denn wo er nicht mitfraß, war er auf Gleichheit bedacht. Als Franz zurückkam, ließ er die Tür auf. Eyb grub die fettpolstrigen Hände tief in die braunen Pluderhosen und knurrte ihn an. Trotz seiner Fülle fror er immer und ging nie ohne die Bibermütze. „Hast du Pietje Booms gesehen, verdammter Schlingel?“ „Er wird den Handel leid geworden sein.“ Franz sagte es, um Staaf zu ärgern. In Wahrheit schlenderte Pietje die Gracht entlang und war nicht mehr weit von des Patrons Haus. Staaf wartete, daß Franz verschwinde. Und Franz war geschäftig, um zu bleiben. Er wischte die Fenster und fegte den Stall.(Wobei er Staaf den Besen in die Rippen stieß!) Schließlich stulpte er den Eimer um und platschte ihm einen Rest heißer Brühe über den Fuß. Hitze biß durch die Wollsocke und Staaf brüllte auf. Eben brannte er Franz eine Ohrfeige, da trat Pietje in den Stall. Er war lang und dürr und bückte sich tief. Noch einmal knuffte Franz den Kommis.„Marsch, troll dich!“ der lief grollend hinaus. Er war Mitwisser und beanspruchte als Preis für seine Verschwiegenheit, daß der Verwalter seine Spässe hinnahm. Gesetzt, er hätte dem Patron hinterbracht, daß die beiden ihn nun wieder betrogen, die Summe niedrig und das Aufgeld hoch ansetzten... Aber der alte Israel, hitzig wie er war, schrie jeden an, der ein Wort sagte gegen Staaf. Sie alle galten ihm für neidisch, mißgönnten ihm die Blüte des Geschäfts und dem Verwalter seine Stellung. Vielleicht, an des Herrn Stelle, hätte ja auch Franz Staafs Kodderaugen, seinen fuchsigen, ungekämmten Schopf und das beschlabberte Wams übersehen, denn er verstand den Handel, war höflich gegen die Kunden und multiplizierte dreistellige Zahlen im Kopf. Oft fuhr er auf Karel van der Hallens Schleppkahn, der Gloria in Excelsis mit nach Amsterdam. Und wenn er Aufträge hereinbrachte, fragte der Patron nicht, wie lange er ausblieb. Er allein konnte deutsche und englische Briefe lesen und schreiben, er allein dolmetschen, wenn die Geschäftsfreunde nach Haarlem kamen, und bald verhandelte er selbständig. Sein Schreibpult rückte er vor des Patrons Tür. Nun sah er, wer ein= und ausging. Und wenn Franz, der Erzschelm, ihn zu ärgern die Kunden hintenherum zum buckligen Israel führte, schob Staaf sich ungerufen durch die Tür, holte sie heraus und erklärte: Wir machen das. Und die Kaufherren lobten den klugen Verwalter und erstaunten, daß er noch nicht fünfundzwanzig alt sei. Wenn der Patron durchs Lager ging, hängte Staaf sich an ihn. Wie eine dickbäuchige, nagelneue Jolle, ein zerzaustes Wrack, nahm er ihn ins Schlepptau und zeigte ihm nur, was wichtig war, um ihn vom Eifer seines Verwalters zu überzeugen. Wenn der Patron sprach, mußte er hoch hinaufschauen und hatte bald den Krampf im Genick. Staaf aber, wenn er etwas sagte, ließ sich herab und tuschelte, damit die Verlader glaubten, sie beide hätten tiefe Geheimnisse. Und willig nickte der Patron. Er fühlte sich beklemmt, wie wenn seine selige Alte neben ihm stand. Sie war noch wuchtiger, und ihr hatte er auch nie widersprochen. Sonntag jährte sich ihr Tod. Da pflegte er sich zu Hause einzuschließen und zu trauern. „Im fetten Kaas". Aber Staaf hatte von Mieke, seiner zierlichen Frau, die wie eine Nelke neben einer Wassermelone ungesehen und überschattet neben ihm blühte, ein Töchterchen geschenkt bekommen. Und alle hatte der Vater eingeladen, die Sebastiansbrüder, die Maler, seine allabendlichen Zechkumpane, die Verlader und die Schiffer, die für Israel Tulpen nach Amsterdam fuhren und Salzheringe zurückbrachten. Es sollte ein Festschmaus werden von Speck und Spargel. Staaf prahlte, was er alles auftischte. Karel van der Hallen, dessen braunes Gesicht runzelig war wie geknitterter Pergament, hatte sich sogar beim besten Bader in Amsterdam den Backenbart schneiden lassen und war zwei Tage vorher mit seiner„Gloria“ zurück. Für den Wirt vom„fetten Kaas“ brachte er einen Korb voll saftiger Würste mit. Staaf kneipte jeden Abend bei Moulaert. Nächtelang ging er nicht nach Hause, sondern quartierte sich in FranVon Karl Jacobs. sens schmaler Stube ein, und draußen vor der Schleuse, in Miekens Bett der Platz blieb leer. Er war zu faul hinauszulaufen.„Im fetten Kaas“ klagte er, um Mitleid zu erregen und von den Zechkumpanen traktiert zu werden, daß der Patron ihn schlecht entlohne. Franz, der Mieke schwärmerisch verehrte und oft die einsamen Abende bei ihr verplauderte, sann auf Vergeltung. Und Mieke lachte, wenn er davon sprach. Sie wußte, daß Staaf trotz allem ahnungslos und leicht zu überlisten war, eine seltsame Mischung von Berechnung und tölpischer Einfalt. Als der Patron zum Festschmauß kam, steckten die in Maulaerts Kneipe die Köpfe zusammen und zischelten: „Der Beutelschneider! Der Geizkragen!“ Dann aber fuhr der Wirt die Schüsseln auf, und zum Nachdenken blieb keine Zeit. Sie schmausten Würste, Spargel und Kartoffelbrei und schlürften braunes Bier dazu. Der Schweiß tropfte in die Löffel, und Staaf, der zu Häupten saß, tat es allen voran. Als sie nicht mehr essen konnten, tranken sie Branntwein und qualmten schwarzen Knaster. Selten war bei Moulaert eine Tafelrunde reichlicher bewirtet worden. Die Gäste griffen zu und freuten sich, daß die Herrlichkeit nichts kostete. Staaf wünschten sie noch viele Kinder. Aber Franz, der am untern Ende des Tisches saß, kläffte herauf:„Er geht ja nie nach Hause.“ Die Luft in der niederen Stube war dicht wie Seide. Auch Pietje Booms war da. Der Patron fragte:„Wer ist der Lange?“ Potz Dreck, ein Freund war der Lange. Von den Sebastiansbrüdern. Als Pietje betrunken wurde, prostete er Israel zu:„Auf Anneke und ihren nächsten Wurf.“ Was wußte der Lange von Anneke?„Ich habe Marten bestellt. Morgen wird geschlachtet.“ Staaf preßte die Lippen zusammen. Franz kicherte unter den Tisch. „Tut er das? Schlachtet er sie? Mörder, Prost!“ Pietje schlug mit den Händen auf die Schenkel und prustete vor Lachen. Israel sah fragend um sich. Er sah nicht ein, warum sein Nachbar diese Freude hatte. Franz fragte, wo Marten sei. Staaf hatte ihn doch eingeladen.„Er liebt mich nicht mehr, seit wir uns auf Lichtmeß rauften,“ tröstete ihn Staaf. Der Patron lobte Marten, daß er tüchtig und eifrig sei und das verlumpte Geschäft seines Vaters hochgebracht hätte. Es dauerte nicht lange, so fing Pietje wieder an. Nun führte Staaf ihn abseits und sperrte ihn in Moulaerts Kammer. Noch einen andern nahm Staaf an diesem Abend beiseite, Adrian Israel. Er zog ihn heimlich hinaus auf die Straße. Die andern ließen sich in ihrer Lustbarkeit nicht stören. Sie kniffen Griet, der Biermagd, in die drallen Arme und quittierten jeden derben Spaß mit einem ungehobelten Gelächter. Draußen kratzte Staaf sich den fuchsigen Schädel und begann zögernd:„Patron, lange ward Ihr nicht mehr draußen an der Schleuse. Ihr solltet kommen, Euch mein Kind ansehen.“ „Wenn die Mutter aufgestanden ist,“ sagte Israel und zwinkerte.„Schlägt's dem Vater nach?“ Staaf lachte, daß ihm der Bauch wackelte, daß die kleine Glocke überdröhnt wurde, die von der Janskirche zur Abendandacht herüberläutete. Dann, wie aufgedreht und abgelaufen, verstummte er und überlegte.„Wollt ihr Pate werden, Patron?“ „Aber nein. Israele könnte ihr sie nicht nennen. Und wie du sagst, ist dein Kind getauft.“ Hm, er verstand's nicht. Staaf zog an seiner gelben Tonpfeife, daß der Sud brodelte.„Ihr könntet, wißt ihr— Großeltern hat es keine. Ich bin Waise und Miekes Eltern haben ihr aufgesagt, als sie mich heiratete— und da könntet ihr euch als Großvater einführen. Irgendwie, mit Geschenk oder Vermächtnis.“ Aber Israel hatte gar nicht bis zu Ende zugehört. Vom Kanal wehte ein Wind herüber. Er bohrte die stöckigen Hände in die weiten Aermel seines Wamses und trippelte zurück in Moulaerts stickige Kneipe.„Wir werden nachher sehen.“ Plötzlich fragte Franz nach der Wöchnerin.„Potz Dreck, gut geht es ihr. Morgen steht sie auf.“ Aber immer wieder fragte einer nach der Wöchnerin. Und Franz zwinkerte heimlich und stieß sie an. Da wurde Staaf verdrießlich. Er schlug mit der Hand auf den Tisch und brüllte:„Moulaert, sollen wir hungern?“ Staaf hat sich gedrückt.. Und wieder fuhr der fette Wirt auf, Schüsseln voll Muscheln, zugedeckt mit Lorbeerblättern und schwimmend in grauer, beißender Brühe. Mitten im Schmauß tat sich die Tür auf und hereintrat, einen Säugling auf dem Arm, Mieke, Staafs angetraute Frau. Franz sprang auf und bot ihr seinen Stuhl. Die andern kannten sie nicht, denn Staaf ging nie mit ihr aus. Sie kauten weiter. Staaf lief hin und wollte sie beiseite führen, wie Pietje und Israel hintenrum abschieben. Aber Franz ließ sie wissen, die Frau da sei Mieke. Da schoben sie einen Stuhl in die Reihe, holten noch einen Napf und stießen Staaf auf seinen Sitz zurück. Franz aber war stolz, daß er ihr Kleines halten durfte. Bald ging das Kind reihum. Sie schnitten Gesichter wie Fastnachtsgecken, die klobigen Schiffer taten zärtlich, und die Maler kraulten und drückten, bis es schrie. Franz behauptete, daß es dem Vater gar nicht gleiche.„Aber der Größe nach.“ Ja, groß war es freilich, prächtig groß. „Groß für ein Dreiwöchiges?“, bezweifelte Mieke. „Dreiwöchiges?“ fragten sie im Chor und schauten auf Staaf. Ja, drei Wochen war es alt. Der Vater bestätigte, als sei es nicht merkwürdig. Da packte Karel, der vor Begierde zu erzählen platzte, mit Behagen aus. Damals, als er mit der Gloria nach Zandem fuhr, nahm er Staaf mit, der in Amsterdam Geschäfte hatte. Kaum sind sie aus der Schleuse und fangen den Wind im vollen Segel, da rennt ein Junge hinter ihnen drein: Gleich soll Staaf zurück. Mieke hat ein Kind geboren. Und glaubt ihr, daß er froh war? Und glaubt ihr, daß er umkehrt? Ueber Bord stoßen wollte ich ihn, wie er den Zettel schreibt und sich bedankt. Und in zwei Wochen wäre er zurück. Die Gäste staunen Staaf an. Der guckt wehmütig in den Krug:„Ich konnte Mieke nicht leiden sehen.“ „Und uns sagst du, sie liege noch zu Bett. Warum hast du sie nicht gleich mitgebracht?“ Da bekannte Mieke, daß sie gar nicht wußte von dem Schmauß. Weil Staaf nicht auf die Schleuse kam, war sie zu Israels Haus an der Spaarne gegangen. Und da hatte sie erfahren, wo ihr Mann stecke. Nun war sie da, mußte mitessen, und wurde viel bewundert wegen des prallen Kindes. Staaf zog ein Mopsgesicht. So oft sie Mieke lobten, stöhnte er. Das machte ihnen Spaß und sie fanden mit Rühmen kein Ende. Staaf zuckte es in den Gliedern. Einen Augenblick kam er sich vor wie ein Tropf. Aber schnell gewann er sein Selbstgefühl zurück. Er rannte zu Moulaert:„Was sie gefressen haben, soll jeder selbst bezahlen.“ Er zog den Beutel und beglich seine Zeche. Dann drückte er die Bibermütze fest. Potz Dreck, er käme wieder. Aber als er ausblieb, vermißte ihn niemand. Sie wurden wieder laut und lustig. Mieke tauchte ihren Kummer in einen kleinen Schwips und übergab Madame Moulaert ihr Kind. Spät nach Mitternacht brachen sie auf. Es war sternklarer Himmel. Aus dem öligen Wasser der Kanäle schwelten leise Dünste, schwelen auf und trübten das Spiegelbild der hochgiebligen Häuser, die aus dämmerigen Augen schielten. Mieke hüpfte singend auf die Straße. Aber die andern kamen nicht nach. Moulaert hatte sie angehalten und Bezahlung verlangt. Sie stutzten. Waren sie nicht eingeladen worden? Wenn das Kind auch schon drei Wochen alt war. Sie krakelten und schalten Moulaert einen Gauner, der seine Ware zweimal bezahlt haben wollte. Als der erste Stuhl entzweiging, nahm Israel den Wirt beiseite und bezahlte die Zeche.„Mein Patengeschenk“, brummte er und schnürte den Beutel fest zu. Nun kam kein Kreuzer mehr heraus. Draußen schimpften sie auf Staaf. Der Patron verabschiedete sich, aber die Festgesellschaft ging noch nicht nach Hause. Singend zogen sie durch die schweigenden Gassen, bis sie auf Staaf trafen. Mit Pietje, den er aus seiner Klausur befreit hatte, saß er laut disputierend auf dem Rinnstein. Sie hatten unterdeß in einer andern Kneipe gefeiert. Zunächst mußte Pietje traktieren, denn dadurch erst wurde der Sauhandel verbindlich. Allmählich gesellte sich ein Kreis von hungrigen und durstigen Freunden zu ihnen, die alle vom Schmaus„Im fetten Kaas“ gehört hatten und die Gelegenheit wahrnahmen, sich nachträglich einzuladen. Auch der Schlächter Marten war da. Daß er im Arbeitskittel und mit Blut an den Armen lief, fiel Staaf schon nicht mehr auf. te ... und fliegt dafür ins Wasser. Als Pietjes Säckel leer war, brach Staaf das Aufgeld an. Und schließlich war noch ein gut Teil des Geldes verjubelt, daß er für Anneke eingehandelt hatte und dem Patron am nächsten Tage abliefern mußte. Trotzdem waren beide lustig und gingen mit, als sei nichts geschehen. Auf dem Heimweg kommen sie an die Spaarne, wo die Schleppkähne verankert liegen. Karel lädt ein, in der Kajüte einen Schnaps zu trinken. Im Gänsemarsch torkeln sie über den Laufsteg, der sich wie eine Gerte biegt. Nur Staaf zögert und will Mieke zurückhalten. Sie aber hebt die Röcke und tänzelt lachend, auf Fransens ritterliche Hand gestützt, hinüber. Staaf steht noch am Ufer. Die Geladenen, die sich an Bord der Gloria aufgepflanzt haben, wollen seinen Ehrgeiz stacheln. Hallo, ob er sich fürchte, Eyb! Er schwimme oben, Eyb! Er purzle nicht! Aber Staaf ist gar nicht ehrgeizig. Er steckt die Hände in die Pluderhosen und schmunzelt sie an. Da, plötzlich packten ihn zwei Fäuste. Und um nicht geradeaus in den Kanal zu plumpsen, tritt er auf den Steg. Und dort steht Franz. Ob nun dieser Galgenstrick oder ein wirklich tückisches Geschick ihn verschoben, weiß man nicht. Mit lautem Platsch flog Staaf ins Wasser, aufwühlend Kadaver, stickigen Schlamm und Schaum, wie die Strömung ihn anstaut zwischen Uferwand und Schiff. Erst als ihm das fettige Wasser in die Nase drang, zog er die Hände aus der Tasche. Nun würden sie den Enterhaken herunterlassen. Aber den hatte Franz versteckt. Mieke heulte, denn ihr Staaf wurde breit wie eine Rogge. Die Pluderhosen standen steif von Wasser. Gleich sackte er ab. Da endlich rührte er sich, und sieh da, er schwamm wie ein Seehund. Langsam schaufelte er sich um das Schiff herum und landete am andern flachen Ufer. Triefend stieg er heraus und streifte mit der Hand über die Hosen. Kübelweise quoll die Flut heraus.... Böser Ahnung voll trat Franz am andern Morzen im Kontor an. Karel war mit der Gloria schon abgesegelt. Alles mußte er allein ausbaden. Staaf kam spät Er klagte über Kopfweh. Sonst sagte er nichts. Als aber Pietje mit einem Karren in den Hof fuhr, die Sau abzuholen und sie entdeckten, daß sie bereits gezweiteilt und verwurstet an der Leiter hing, tobte Staaf und heulte, wie immer, wenn ihm ein Handel fehlging, von dem er sich persönlichen Profit erhoffte. Franz zu schlagen, wagte er jedoch nicht mehr. Als Pietje das Geld zurückverlangte, das sie am Abend gemeinsam durchgebracht hatten, warf er ihn die Stiegen hinunter. Dann gab er Franz gute Worte, ihm zum Frühstück zwei Krüge Bier zu holen. Als es ihm auf den Kopf zog, wetterte er über den potzdreckigen Unfall, der ihm seine Bibermütze gekostet hatte. Sprungbereit spähte Franz über sein Pult. Aber Staaf hielt nicht nach. Es wäre ebenso mühsam gewesen, wie wenn er von einer liebgewordenen Gewohnheit hätte ablassen sollen. Am Mittag watschelte er zum Kürschner und kam schmunzelnd mit einer braunen, gefütterten Lederkappe zurück. Und als Mieke ihm ein Söhnchen schenkte, ließ es sich machen, daß er gerade in Delft war. Buntes Allerlei. Schnellere Justiz wirkt abschreckend. Im vergangenen Jahr ist endlich ein alter Wunsch der Berliner Justizkreise in Erfüllung gegangen: die Reichshauptstadt, in der ein nicht unbeträchtlicher Teil der deutschen Rechtspflege seine Erledigung findet, hat endlich ein einheitliches Landgericht erhalten. Dessen Präsident hat sich kürzlich darüber geäußert, in welcher Weise sich diese Maßnahme schon jetzt als zweckmäßig herausgestellt hat. Der Hauptzweck der Zusammenlegung verschiedener Gerichte war, den Rechtsanwälten den unnötigen Verkehr zwischen den oft weit auseinanderliegenden Gerichtsgebäuden zu ersparen, wodurch ihnen bisher in vielen Fällen auch noch die Wahrnehmung ihrer Anwaltspflichten einfach unmöglich gemacht worden war. Ebenso günstig wirkt sich die Vereinheitlichung in der Strafgerichtsbarkeit aus, wo nunmehr jedes einzelne Gebiet von einer besonderen Strafkammer behandelt wird, die immer wieder für die gleichartigen Fälle zuständig ist. Dadurch wird neben der Einheitlichkeit der Rechtsprechung natürlich auch eine überragende Sachkenntnis der erkennenden Richter erzielt. Noch viel größer aber ist die Vereinfachung und die Beschleunigung des gesamten Gerichtsbetriebes. Die Verwaltung kann sehr viel straffer durchgeführt werden, die Verfahren werden schneller durchgeführt, sodaß schon dadurch, besonders in der Strafjustiz, eine in hohem Masse abschreckende Wirkung gefördert wird. Dazu kommt, daß neuerdings auch in kurzen Abständen Zusammenkünfte zwischen Richtern, Kriminalisten und Staatsanwälten stattfinden, bei denen alle die Fragen erörtert werden, die über ein Sondergebiet hinaus das Interesse aller an der Rechtspflege beteiligten Kreise erwecken. * Im Zick=Zack um den Erdball. Der kürzlich in Betrieb genommene deutsche Weltsender. der mit Hilfe eines Richtstrahlers einen großen Teil der gesamten Welt mit seinen Sendungen erfassen kann, hat erneut das Interesse der Oeffentlichkeit der Arbeit mit kurzen Wellen zugewendet. Dieses Gebiet ist mit Vorliebe bisher wegen seiner vielfachen Möglichkeiten von den Radio=Bastlern mit Beschlag belegt worden, die zum Teil Resultate von erstaunlicher Genauigkeit zutage fördern konnten. Die Sendekraft der kurzen Wellen reicht so ungeheuer weit, daß es kaum eine Entfernung gibt, die nicht damit überbrückt werden könnte. Die Kurzwelle verfolgt dabei einen Zick=ZackKurs rund um den Erdball, der durch den Anprall der Wellen an die sogenannte Heaviside=Schicht hervorgerufen wird, die sich in einer Höhe von etwa 100 Kilometern über dem Erdball ausbreitet. Von dort werden die Wellen auf die Erde zurückgeworfen, erhalten hier durch den Anprall einen neuen Auftrieb, gehen wieder bis zu dieser Schicht empor und so wiederholt sich das Spiel bis das Ziel erreicht ist. Der Nachteil dieses Wellenganges ist, daß in der Nähe des Sendungsortes und in gewissen toten Zonen ein Empfang nicht möglich ist. Die volle Sendekraft erreicht nur einen Empfänger, der in einer bestimmten Richtung, gewissermaßen in der Schlußrichtung der kurzen Welle, aufgestellt ist. Soziale Frauenberufe. Die Schulentlassuna rückt langsam näher. Mit ihm bekommt die Frage: was sollen unsere Töchter werden, verstärktes Interesse. Viele Berufe sind heute aussichtsloser denn je, darum wollen wir auf die hervorragend geeigneten sozialen Berufe hinweisen und ein paar Erläuterungen dazu geben. Die Wohlfahrtspfleaerin oder Sozialbeamtin muß einerseits in die Wohnungen gehen und nach den Verhältnissen der Bedrängten Umschau halten, sie muß Sprechstunden abhalten und Vorschläge zu einer tatkräftigen Hilfe vorbringen können. Büroarbeit und Hausdienst wechseln miteinander ab. Dieser Beruf stellt ziemlich große Anforderungen und große Opfer an eine Frau, er bedingt daher persönlichen Verzicht auf manche Annehmlichkeit und eine geistige und seelische Reife, die sich mit einem starken, guten Herzen verbinden muß. Die staatliche Anerkennung als Wohlfahrtspflegerin bekommt man erst zwischen dem 23. und 25. Lebensjahr. Daher dürfte der Besuch einer Wohlfahrtsschule vor dem 20. Lebensjahr nicht zu empfehlen sein. Der Dienst ist anstrengend und verlangt eine feste, widerstandsfähige Gesundheit. Man unterscheidet drei Hauptgebiete, für die die Ausbildungswege wesentlich verschieden sind. Die allgemeine und wirtschaftliche Wohlfahrtspflege, die JugendWohlfahrtspflege und die Gesundheitsfürsorge. Alle drei Gebiete der Wohlfahrt verlangen eine Vorbildung. Die Gesundheitsfürsorge verlangt den Nachweis einjähriger Ausbildung an einer staatlich anerkannten Säuglings= und Krankenpflegeanstalt. Die Wirtschafts= und Berufsfürsorge verlangt das Abschlußzeugnis einer wissenschaftlichen Frauenschule auf dem Lande oder einer Landpflegeschule, einer staatlich anerkannten Gewerbe= und Haushaltungsschule unter Voraussetzung einer einjährigen Berufstätigkeit in der Wohlfahrtspflege oder die Abschlußprüfung einer anerkannten Handelsschule oder auch eine vierjährige, von Erfolg ausgezeichnete Berufstätigkeit. Die Jugendwohlfahrtspflege verlangt eine staatliche Prüfung als Hortnerin, Jugendleiterin oder Kindergärtnerin. Soweit die Vorbildung. Für die fachliche Ausbildung benötigt man dann noch eine zweijährige erfolgreiche Teilnahme an einem Zusammenhängenden Lehrgang an einer staatlich anerkannten Wohlfahrtsschule. Alle Schülerinnen werden gleichmäßig unterrichtet, allerdings unter Berücksichtigung des erwählten Hauptfaches. Nach Abschluß des Lehrganges hat man an einer staatlichen Schule eine Prüfung abzulegen und bekommt beim Bestehen das Abschlußzeugnis. Darauf folgt ein Probejahr praktischer Arbeit und nach dessen Beendigung wird die staatliche Anerkennung erteilt. Bayern verlangt hierfür das 23. und Preußen das 24. Lebensjahr. Anerkannt waren bisher über dreißig Frauenschulen. Sehr günstig wirkt es sich aus, daß die verschiedenen Länder das Abkommen getroffen haben, die staatlich anerkannten Wohlfahrtspflegerinnen gegenseitig anzuerkennen. Für alle drei Sondergebiete der Wohlfahrtspflegerin wird eine abgeschlossene Mittelschulbildung verlangt. Nur besonders begabte Volksschülerinnen können durch Ablegen einer schulwissenschaftlichen Prüfung zur Ausbildung zugelassen werden. Lebensweg durch eine Zeitenwende. Zur Vollendung ihres 60. Lebensjahres wurde Dr. Gertrud Bäumer von einer Reihe ihr besonders verbundener Frauen und Männer eine Sammlung von Aufsätzen überreicht„Vom Gestern zum Morgen“ (Verlag Hans Bott, Berlin). Diese Aufsätze decken die religiösen, sozialen, politischen und kulturellen Bewegungen der Jahrhundertwende auf und geben dem Leben der Führerin der Frauenbewegung von dem großen Hintergrund der Zeit her eine innere Deutung. Gleichzeitig zeigen sie, wie Gertrud Bäumer mit ihrem tiefen Geist und ihrem feinen Menschentum an dem= Werden und Wesen ihrer Tage mitgestaltet hat. Bald nachdem ihr dies Werk geschenkt war, legte sie gleichsam als Antwort und Dank eine Gabe aus dem Schatze ihrer eigenen Lebenserfahrungen vor uns hin,„Lebensweg durch eine Zeitenwende“(Verlag Rainer Wunderlich, Tübingen 1933, geh. 4.30 N. Leinwand 6.80 M). Mit Spannung greift man nach diesem Buch, weil man es von einer Persönlichkeit geschrieben weiß, deren Wirken in eine Epoche vielgestaltigen Geschehens fiel, an dessen Formung sie in bedeutungsvoller Weise mitbeteiligt war. Gertrud Bäumer macht— wie sie ausdrücklich sagt— keinen Anspruch darauf, eine Geschichte der Frauenbewegung zu schreiben. Aber sie will ein Bild persönlichen, von der Bewegung ergriffenen Frauentums zeichnen, ein Bild des eigentümlichen Lebensdranges, von dem alles Geschehen bestimmt wurde. Ihr ist die Frauenbewegung das„neue Leben unter den Frauen, das ein unbekannter Gott aus dem Stein des harten Zeitalters schlug, das Erwachen künstlerischer und geistiger Gestaltungskräfte oder auch nur der Wille, den alten Lebenskreis bewußter, kraftvoller und mutiger zu füllen.“ Sie weiß von dem vielfältigen Geschehen der Zeit so Abstand zu halten, daß sie es in ganz objektiver Weise hinzustellen befähigt wird. Sie vermeidet es geschickt, selbst in den Vordergrund zu treten, und doch ist alles, was sie sagt, von einer starken Lebenskraft hervorgetrieben und von der Bewegung des Herzens erfüllt. Man ist hingerissen sowohl von der vollendeten Objektivität ihrer sachlichen Berichterstattung wie von der lebendigen Farbigkeit, mit der sie in geistvoller Weise ihren Lebensweg vor uns auftut. Eindrucksvoll sind die Schilderungen ihrer Kindheit und Jugend: das Leben in dem Pommerschen Pfarrhause, der frühe Tod des Vaters, die Begegnung mit Meer, Wald und Garten, das erste Gotterlebnis, die Uebersiedlung in das Haus der Großmutter, das Leben in Giebichenstein in vornehmer Zurückgezogenheit und Einfachheit, die Schulerlebnisse des heranwachsenden Mädchens, sein Studium in Magdeburg und Halle, der Antritt der ersten Stelle als Lehrerin, die 19 Jahre alt in einem Art des Industriegebietes die Kinder von Handwerkern, Arbeitern und Bauern unterrichtete, die Begegnung mit der Berufsbewegung, vor allem das ihr ganzes Leben bestimmende Zusammentreffen mit Helene Lange. Mit ihr arbeitet sie zunächst im Allgemeinen Deutschen Lehrerinnenverein, dann als ihre unmittelbare Hilfe, nebenbei sich der Vorbereitung für den Oberlehrerinnenberuf widmend und sich auf die Doktorprüfung vorbereitend. Studium und Arbeiten in der Frauenbewegung wurden, wenn auch schwer, nebeneinander voll bewältigt. Nicht gewählt wurde diese Arbeit, sondern aus dem tiefen Glück der neuen Lebensgemeinschaft mit der großen Führerin mit ganzer Seele und allen Kräften aufgenommen, das Schönste erlebend, da„wo man so verehrend liebt, gebraucht zu werden mit allem, was man schenken kann“. Das vollständige Hereinwachsen in die Frauenbewegung, deren Führerin sie als Vorsitzende des Bundes Deutscher Frauenvereine 1910 wurde, die Durchführung des Frauenkongresses im Jahre 1912, die Mitarbeit in der Schriftleitung der Naumann'schen Zeitschrift„Hilfe“, die Arbeit in Nationalen Frauendienst während der Kriegsjahre, die Uebernahme des Frauenreferates in Altona(1916), die Leitung der Sozialen Frauenschule in Hamburg(1917), die Mitarbeit in der Nationalversammlung in Weimar und später im Reichstag, die Uebernahme der Bearbeitung der Fragen der Jugendwohlfahrt und=pflege im Reichsministerium des Innern(1920) bedeuten Etappen auf ihrem reichen Lebensweg. Wer das Buch liest, wer das, was sie mitgestaltend und führend in ihre Zeit hineingab, auf sich wirken läßt, wird zutiefst davon überzeugt werden, daß die Frauenbewegung die Kräfte der Frau für den Dienst am Volke zu formen gesucht hat. Klotzengöttin. Jetzt, wo alle Zeitungen voll sind von Berichten über das schottische Seeungeheuer in Loch=Neß, muß auch an die Höhlengeheimnisse am Oberrhein erinnert werden. In der höhlenreichen Landschaft des Isteiner Klotzes am Oberrhein führt seit undenklichen Zeiten eine schlangenähnliche Tierart, die sagenhafte Klotzengöttin, ein merkwürdiges Dasein. Manche Naturwissenschaftler haben angenommen, daß diese„Seeschlange“ dem in den Alpen vorkommenden Tazenwurm gleicht. Besonders am Klotzenstein, in den mit Wasser gefüllten Hohlräumen unter der geschleiften Festung Istein sollen solche Wasserungeheuer vorkommen. Bisher sind die Kalkhöhlen dieses Gebiets wissenschaftlich noch nicht durchsucht worden. Vor drei Jahren aber passierte einem jungen Mann in einer dieser Höhlen etwas sehr Merkwürdiges. Er nahm nämlich ein im Wasser schwimmendes, größeres Reptil oder Amphibium wahr. Der Anblick dieser„Seeschlange“ erschreckte den jungen Mann so, daß er totenbleich aus der Höhle flüchtete. Seitdem spricht die Bevölkerung erst recht von den Höhlengeheimnissen am Oberrhein. Kräftige Fleischbrühe muß kalt angesetzt werden, damit durch langsames Erhitzen das Fleisch ganz ausgelaugt wird und alle Eiweißstoffe in die Brühe übergehen. Klare Fleischbrühe muß offen gekocht werden. Saftiges Kochfleisch muß kochend angesetzt werden. Durch die plötzliche Einwirkung der Hitze wird das Eiweiß an der Außenfläche zum Gerinnen gebracht und der Fleischsaft bleibt im Fleisch erhalten. Soll beides vereinigt werden,k räftige Suppe und saftiges Fleisch, so setzt man Wasser, Suppengrün und Knochen kalx an und fügt das Fleisch beim Kochen dazu. Gebrauchtes Backfett läßt sich durch Auskochen mit Wasser reinigen und wieder verwendungsfähig machen. Auf 1 kg kaltes Fett gibt man dreiviertel Liter kaltes Wasser und läßt es damit langsam eine Stunde nicht zu scharf kochen. Man gießt es durch ein Sieb und läßt es erstarren. Dann wird das Fett abgelöst, sauber abgeschabt und nochmals unter Beifügen von drei getrockneten Erbsen erhitzt. Die Hülsenfrüchte ziehen die Feuchtigkeit aus dem Fett. Pudding kochen erfordert öfters Nachgießen von verdampftem Kochwasser. Das Wasser muß stets kochend sein, da der Pudding sonst aus dem Kochen herauskommt. Die Form muß bis dreifingerbreite unterhalb des Verschlusses im Wasserbade stehen.