Shauser Kreiszeitung Amtliches Kreisblatt für den Landkreis Ahaus= Zentral=Organ für das nordwestliche Münsterland Eper Volksblatt, Gronauer Volkszeitung, Nienborg=Heeker Zeitung, Stadtlohner Anzeiger, Vredener Volksblatt SOrletun Gecdarerele Aens ne r. Wochenliche Sonertestasen. Cel.=Adresse Kretszeitung Ahaus t. W.— Fernsprecher Nr 50— Postichl verbunden Erscheint täglich. e ir 50— Postschlefach 20 Postscheckkonto Hannover Nr. 22739 Bankkonten: Krets= und Stadtsparkasse Ahaus und Gewerbebank Ahaus Wochentliche Sonderbellagen: Erholungsstunden für das christliche Volk, Geist und Gestalt, Lesefrüchte, Welt und Wissen, Frauenwelt Steuer und Recht, Sozialpolitik u. Standesfragen, Technik und Verkehr, Turnen, Sptel und Sport. Nummer 220 Anzelgenpreise: Das 30 mm breite mm 10 Goldpfennig. Bei Wiederholungen Aabatt nach festem Tarif. Reklamen: Das 80 mm breite mm 50 Goldpfennig. Für Erfüllung von Platzvorschriften wird keine Gewähr, sowie für Druckfehler Haftung übernommen. Etwalger Rabatt gllt als Kassarabatt und kann verweigert werden, wenn Zahlung nicht binnen 8 Tagen nach Erhalt der Rechnung erfolgt. Ahaus, Freitag, den 13. August 1926. 46. Jahrgang Rheinlandsbesatzung und Eintritt in den Völkerbund. Von unserer Berliner Redaktion. X Berlin, 12. August.(Drahtb.) Die seit langer Zeit angekündigte Sitzung des Reichskabinetts fand Donnerstag statt. Diesen Beratungen kommt nicht so sehr wegen der innerpolitischen Fragen, wie Reichsehrenmal, Erwerbslosenfürsorge, Arbeitsbeschaffung usw. eine außerordentliche Bedeutung zu, sondern insbesondere wegen der außenpolitischen Probleme, die in der Hauptsache die Verminderung der Besatzungsarmee und den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund umfassen. Hinsichtlich der Besatzungsstörke im Rheinlande können unfehlbar sichere Zahlen nicht genannt werden. Als die deutsche Regierung Vorstellungen wegen Verminderung der französischen Truppen erhob, wurde ihr mit Beschwerden erwidert, durch die gekennzeichnet werden sollte, daß auch die Stellung der französischen Regierung der Oeffentlichkeit und namentlich der Stimmung in Militärkreisen gegenüber nicht sehr leicht ist. Niemals ist aber von der französischen Regierung bestritten worden, daß das Versprechen einer erheblichen Verminderung der Truppenzahl gegeben worden ist. Wenn im September nun tatsächlich einige Regimenter aus dem Rheinlande zurückgezogen werden, so bedeutet dies nicht, daß die Reichsregierung dann die Hände in den Schoß legen und der Weiterentwicklung der Dinge mit Ruhe zusehen wird. Im Gegenteil. Die Führer der Reichspolitik werden wie bisher mit Aufbietung aller Kräfte fortfahren, an der endgültigen Befreiung des Rheinlandes zu arbeiten; denn nur unter freien Parlamentariern vermag sich der viel genannte Geist von Locarno vollkommen zu „materialisieren". Der Pakt von Locarno erlangt bekanntlich formelle Gültigkeit erst mit dem Eintritt Deutschlands in den Völkerbund. Obwohl bereits Anfang September der Völkerbund in Genf zu seiner diesjährigen ordentlichen Tagung zusammentritt, kann vorläufig mit dem besten Willen nicht behauptet werden, daß alles im Reinen sei. Spanien soll wiederum seinen ständigen Ratssitz angemeldet haben. Vor allem aber scheint Polen der Störenfried zu sein, das, wie man sonderbarerweise vernimmt, in dem englischen Außenminister Chamberlain infolge der englischen Kampfstellung gegen Rußland einen mächtigen Helfer haben soll.(Vergl. den Artikel„Polen und Genf“.) Auf ernsthafte Meinungsverschiedenheiten deutet auch die erneut gemeldete Zusammenberufung der Studienkommission hin, deren Aufgabe man allenthalben als beendet ansah. Bekanntlich ist nach der ergebnislosen Tagung des Völkerbundes im März eine Studienkommission eingesetzt worden, die nach wochenlangen Verhandlungen sich darauf geeinigt hat, dem Völkerbund eine neue Organisation des Rates zu empfehlen. Es bestand der Eindruck, daß neue Schwierigkeiten für die Herbsttagung nicht zu befürchten seien. Umso überraschender wirkt es jetzt, daß kurz vor Beginn der Septembertagung die Studienkommission nochmals zusammentreten soll, um andere Vorschläge über die Zusammensetzung des Rates auszuarbeiten. Bis zur Stunde ist an Deutschland noch keine Einladung zur Beschickung der Studienkommiisson ergangen. Wird eine abermalige Beratung der Kommission jedoch in Paris, London und Rom als erferderlich erscheinen, so wird nach unseren Informationen wiederum Botschafter von Hoesch als Vertreter der deutschen Regierung daran teilnehmen. Weil jedoch eine Wiedereinberufung der Studienkommission und ein Wiederausleben des Streites um die Ratssitze den Eintritt Deutschlands während der Septembertagung und damit den ganzen Völkerbund auf das ernsteste gefährdet würde, darf man vielleicht hoffen, daß die Westmächte es sich überlegen werden, ob sie dieses heiße Eisen nochmals anfassen wollen. In Genf selbst wird die deutsche Delegation einen Streit um den Ratssitz nicht mehr mitmachen. Sollte in den nächsten Tagen bekannt werden, daß die Reichsregierung die für Genf bestimmte Delegation zusammenstellt, so darf aus diesem Schritt nicht geschlossen werden, daß Deutschland sich geradezu zum Völkerbund hindrängt. Notwendige Vorbereitungen dürfen nicht erst in letzter Stunde getroffen werden. Die deutsche Delegation wird jedoch diesesmal erst die Fahrt nach Genf antreten, wenn in Berlin die offizielle Mitteilung vorliegt, daß Deutschlands Wahl als ständiges Mitglied des Völkerbundsrates ohne jeden Zweifel gesichert ist. In diesem Punkt sind sich das Reichskabinett und sämtliche Parteien einig. Die Frage der ständigen Ratssitze. London, 12. Aug. Nach dem diplomatischen Berichterstatter der„Westminster Gazette" werde in amtlichen Kreisen es als vollkommen sicher angenommen, daß Deutschland im nächsten Monat dem Völkerbund beitreten werde, da ein brasilianischer Protest und eine spanische Oppositio auf der kommenden Tagung keine Schwierigkeiten bereiten könnten. Schweden werde dieselbe Rolle wie im März spielen. Der liberale schwedische Außenminister Die Verminderung der Besatzungstruppen. London, 12. Aug. Der diplomatische Berichterstatter der„Morning Post" schreibt, daß der Beschluß, die Rheinlandsbesatzung zu vermindern, große Bestürzung in französischen Militärkreisen im Rheinland hervorrufe. Die französischen Truppen würden in Goldmark bezahlt, so daß die Schwankungen der französischen Währung keinen Unterschied für sie ausmachen. Viele von ihnen sähen die Möglichkeit vor sich, in eine kleine Garnisonstadt nach Frankreich zurückkehren und von Franken leben zu müssen. Besprechungen in Paris und Brüssel. Paris, 12. Aug. Außenminister Briand hat kurz vor seiner Abreise dem hiesigen englischen und dem belgischen Botschafter eine Abschrift des letzten Memorandums übergeben lassen, das ihm Botschafter v. Hoesch in der Frage der Herabsetzung der Besatzungstruppen im Rheinland übergeben hatte. In Brüssel hat Justizminister Hymans, der während der Abwesenheit des Außenministers Vandervelde die Geschäfte des Auswärtigen Amts führt, sofort nach Erhalt dieser Abschrift eine Unterredung mit dem ersten Sekretär der deutschen Gesandtschaft gehabt. Von unterrichteter Seite wird mitgeteilt, daß es sich bei den gegenwärtigen Verhandlungen in erster Linie um die Konzentration der Besatzungstruppen in bestimmten Städten handelt. Briand soll sich dieser Forderung gegenüber nicht ablehnend verhalten. Die Fortsetzung der Verföhnungspolitik. X London, 12. Aug. Der amtliche englische Funkdienst gibt folgende bemerkenswerte Aeußerung zur Verminderung der Besatzungsstärke im Rheinland: Eine Verminderung der Besatzungstruppen im Rheinland wird im nächsten Monat durchgeführt werden, wobei mehrere tausend Mann französischer Truppen zuruckgezogen werden. Es darf bei dieser Gelegenheit in Erinnerung gebracht werden, daß diese Verminderung der Besatzungstruppen einen Teil der Versöhnungspoliti? darstellt, die seinerzeit in Locarno verkündet wurde. Damals wurde die Kölner Zone geräumt und das englische Hauptquartier nach Wiesbaden verlegt, unter gleichzeitiger Verminderung der englischen Streitkräfte von 15000 auf 9000. Die belgischen Streitkräfte wurden gleichzeitig in die zweite Zone geführt und auf etwa 7 bis 8000 Mann herabgesetzt. Eine gewisse Verminderung fand auch bei den französischen Truppen statt, die aber trotzdem ein großes Uebergewicht an Besatzungstruppen behielten. Es ist jedoch zum Ausdruck gebracht worden, daß Briand, sobald er die innerpolitischen Schwierigkeiten in einer zufriedenstellenden Weise überwunden haben wird, seine besondere Aufmerksamkeit wiederum diesen Besatzungsmaßnahmen zuwenden würde. Briand hat nach Bildung der neuen Regierung in einem Interview erklärt, daß er die Locarnopolitik energisch weiter betreiben werde, und eine Verminderung der französischen Besatzungstruppen im Rheinland wird daher in London als der Beginn der Erfüllung der seinerzeit gegebenen Versprechen angesehen. A London, 12. Aug.„Daily News“ zufolge würden die britischen Truppen durch den Beschluß einer Verminderung der Rheinlandsbesatzung nur wenig, wenn überhaupt, berührt werden. England habe dort augenblicklich nur 8—9000 Mann stehen, und man halte irgendwelche Verminderungen nicht für notwendig. Die Pläne zur Durchführung der Verminderung der Besatzung seien gut fortgeschritten. Verschiedene Einzelheiten müßten noch ausgearbeitet werden, bevor die tatsächliche Zurückziehung begonnen werden könne. Die ersten Gruppen würden wahrscheinlich während der letzten Augustwoche abbefördert, und die Herabsetzung würde im September beendet werden. Auf jeden Fall würde eine Verminderung vor werde die von Undén verfolgte Politik fortsetzen und darauf bestehen, daß Deutschland allein in den Völkerbund eintrete und daß die augenblickliche Zahl der ständigen Sitze nicht vermehrt werde Schweden ziehe den Grundsatz der Wahl in periodischem Wechsel vor, sodaß alle Mitglieder Gelegenheit hätten, im Rat vertreten zu sein. Man erwarte nicht, daß Schweden die neuen polnischen Forderungen unterstützen werde, da nach seiner Ansicht die Hauptaufgabe im September sein werde, das zu tun, was er im März unterlassen habe„nämlich die Aufnahme Deutschlands in den Völkerbund. Andere einflußreiche Mitglieder des Rates seien der Ansicht, daß nach der Septembertagung Schwedens Platz im Völkerbundsrat von Holland eingenommen werden würde. Paris. 12. Aug.„Petit Journal" gibt eine Meldung aus Madrid wieder, wonach man zu wissen glaubt, daß bei der spanischen Regierung Schritte unternommen worden seien, um sie zu veranlassen, keine unversöhnliche Haltung in der Frage der Umbildung des Völkerbundsrates einzunehmen, Wenn Sponien darauf verzichte, einen ständigen Sitz zu fordern, würde man ihm die Erneuerung des nichtder Septembersitzung des Völkerbundes erfolgen, in der die Aufnahme Deutschlands der wichtigste Punkt sei. Eine Neutererklärung. )( London, 12. August. Mit Bezug auf die Besprechungen, die kürzlich zwischen dem deutschen Botschafter in Paris und Briand über die Frage einer Herabsetzung der alliierten Streitkräfte im Rheinlande stattgefunden haben, erfährt Reuter, daß der deutschen Regierung z. Zt. der Konferenz von Locarno mündlich die Zusicherung gegeben worden sei, daß eine gewisse Herabsetzung der Streitkräfte im besetzten Rheinland von den Alliierten durchgeführt werden würde. Die bereits durchgeführten Maßnahmen hätten eine erhebliche Herabsetzung der Ordonnanzen für das Rheinland zur Folge gehabt, sodaß in dem normalen Leben der besetzten Zonen eine möglichst geringe Einmischung stattfinde. Auch die Rückkehr bestimmter deutscher Beamten sei zugestanden worden. Hinsichtlich der Herabsetzung der gegenwärtigen Truppenstärken kündigten Pariser Meldungen einen weiteren Schritt in der gleichen Richtung an. Es verlaute jedoch daß keine Wahrscheinlichkeit für eine Herabsetzung der Zahl der britischen Truppen in den besetzten Gebieten im gegenwärtigen Augenblick bestehe. Der Abbau der Ordonnanzen ist auch nach Ansicht der Rheinlandkommission noch nicht vollendet, vielmehr steht die Aufhebung einer großen Anzahl von Ordonnanzen noch bevor Ueber die Rückkehr bestimmter deutscher Beamter ist in Locarno nichts vereinbart worden, da diese Frage bereits in London 1924 geregelt wurde, bezw. in den zu ihrer Ausführung geführten Koblenzer Verhandlungen im darauf folgenden Oktober 1925. England hat in der Tat nur noch eine Division im Rheinland stehen, ein für England verhältnismäßig geringes Kontingent. Ob sich England noch an der Herabsetzung der Truppenstärke beteiligen wird, ist eine interne Frage der Besatzungsmächte untereinander. Worauf es Deutschland ankommt, ist die Verminderung der Besatzungsstärke insgesamt. Eine wesentliche Herabsetzung der Besatzungstruppen ist nicht etwa nur mündlich in Locarno zugesagt, sondern in der feierlichen Form einer Note aller in der Botschafterkonferenz vertretenen Regierungen an den deutschen Botschafter in Paris vom 14. November 1925 versprochen worden. Wie stork ist zur Zeit die Besatzung? (!) Berlin, 12. Aug. In der Berechnung der Besatzungsziffern im Rheinlande bestehen immer noch erhebliche Differenzen. Anfang dieses Jahres wurden von französischer Seite 75000 Mann angegeben, und zwar 60000 Franzosen, 8000 Engländer und 7000 Belgier. Heute nennen die Franzosen eine Zahl von 70 bis 71000, und zwar sollen in den letzten Monaten rund 4000 Mann Besatzungstruppen zurückgezogen worden sein. Nach deutschen Feststellungen trifft eine Verringerung in der Zeit vom 15. März bis 15. Juni um 4000 Mann zu. Die deutsche Berechnung ergibt jedoch eine Besatzungsstärke für Mitte Juni von 69350 Franzosen, 8000 Engländern und 7400 Belgiern. Die Franzosen rechnen offenbar die Besatzung des Brückenkopfes Kehl in Höhe von 2500 Mann deshalb nicht mit, weil diese Truppen zur elsässischen Armee gehören. Ferner zählen sie die Eisenbahner, das Bäckerei=, Sanitätspersonal usw. nicht mit. Dennoch bleibt eine unerklärliche Differenz bei der Berechnung. Von deutscher Seite rechnet man bestimmt noch im Laufe des Septembers mit einer fühlbaren Herabminderung der Truppenzahl. Bedingungen werden von Frankreich nicht gestellt. Im Gegenteil hat die französische Regierung ihr Versprechen auf fühlbare Herabsetzung der Besatzungstruppen bisher nicht widerrufen, wenngleich als Illustration der Schwierigkeiten für Frankreich Beschwerden über die deutsche Bevölkerung vorgebracht worden sind. Die belgische Presse zur Frage Eupen=Malmedy. Brüssel, 12. Aug. Fast die gesamte flämische Presse aller Parteischattierungen billigt heute den Plan einer Rückgabe Eupens und Malmedys an Deutschland, in erster Linie wegen der Lösung der Frage der deutschen Papiermarkbeträge, die im Kriege in Belgien verblieben waren. Von den wallonischen Blättern erheben nur„Nation Belge“ und„Etoil Belge“ lebhaften Einspruch. Die öfsentliche Meinung steht der Frage einer Rückgabe Eupens und Malmedys günstig gegenüber. ständigen Sitzes, den es innehabe, für mehrere Jahre zusichern. Niederlegung des Berliner Vertrages in Genf. + Genf, 12. August. Gestern wurde von der deutschen Regierung im Generalsekretariat des Völkerbundes außer anderen Verträgen der am 24. April 1926 abgeschlossene Vertrag zwischen dem Deutschen Reich und Rußland niedergelegt. Vertagung deutsch-volnischer Verhandlungen. V Berlin, 12. Aug. Die im Rahmen der Handelsvertragsverhandlungen geführten deutsch=polnischen Verhandlungen über die Rechte der phosischen und juristischen Personen, sind gemäß der zwischen beiden Bevollmächtigten vereinbarten Sommerpause am 12. August vertagt worden. Das bisherige Ergebnis ist dahin zusammenzufassen, daß der beiderseitige Standpunkt hinreichend genau formuliert ist, um beiden Regierungei eine eingehende Prüfung und Beurteilung der einschlägigen Fragen zu ermöglichen. Für die Wiederaufnahme der Verhandlungen ist der 28. September d. Is. festgesetzt worden.(Es handelt sich hierbei um das sogenannte Niederlassungsabkommen. Die Red.) Wahlrechtsreform. Sieben Monate sind jetzt verflossen, seitdem in einer Regierungserklärung die Reform des Reichstagswahlrechts als eine dringende Forderung der inneren Politik bezeichnet worden ist. Diese Reform gehörte mit zu den wichtigsten Punkten des Programms des Kabinetts Luthers. Als Dr. Marx nach Luthers Rücktritt für das, abgesehen von der Spitze, unverändert gebliebene jetzige Kabineit, dem Reichstag sein Programm entwickelte, fand zwar die Wahlrechtsfrage keine besondere Erwägung, aber es wurde betont, daß sich das Regierungsprogramm von dem, das Dr. Luther vorgetragen hatte, nicht unterscheide. Sonach gehört auch die Wahlrechtsreform zu den Aufgaben, deren Lösung dem Kabinett Marx obliegt. Man hört denn auch in der Tat, daß im Reichsministerium des Innern ein Gesetzentwurf ausgearbeitet worden ist, als dessen charakteristisches Merkmal allein die Verkleinerung der Wahlkreise angekündigt wird. Wenn nicht alles täuscht, scheint also dieser Entwurf im großen und ganzen die Grundzüge der Wahlrechtsnovelle wieder aufzunehmen, die unter dem ersten und zweiten Kabinett Marx im Jahre 1924 vom Reichsrat genehmigt und auch an den Reichstag gebracht worden ist, dort aber infolge der beiden Reichstagsauflösungen keine Erledigung mehr gefunden hat. Diese Novelle teilte die jetzigen großen Wahlkreise in mehrere kleinere auf. Daraus ergab sich ohne weiteres, daß die langen Listen für die Wahlkreise verschwinden mußten. Die Wahlvorschläge sollten nur noch zwei Namen aufweisen, jedoch konnten die gleichartigen Listen zweier oder mehrerer Wahlkreise miteinander verbunden werden. Wie bisher war auch die Verrechnung der Reststimmen auf eine Reichsliste vorgesehen. Der Fortschritt, den die Novelle gegenüber dem geltenden Wahlrecht brachte, war zwar nicht gewaltig zu nennen. Immerhin aber lag ihr die Absicht inne, den Abgeordneten wieder in ein näheres Verhältnis zu seinen Wählern zu bringen, und auch das Gute war anzuerkennen, daß die langen Listen verschwanden, über deren Wirkung der bekannte badische Demokrat Dr. Hellpach, der Präsidentschaftskandidat vom vergangenen Jahr, vor der vorletzten Reichstagswahl folgendes Urteil abgegeben hat:„Die geltende Form des Listensystems führt zur politischen Verdummung und Entsittlichung; sie begünstigt alle Versteinerten, Mittelmäßigen und Skrupellosen im widerwärtigen Anstehen um einen Listenplatz, sie zerrüttet das Verantwortungsgefühl der Abgeordneten vor den Wählern, sie setzt den Einfluß des Landes matt und züchtet einen Parlamentsklüngel mit der Versicherung auf Gegenseitigkeit— was alles uns nicht bloß die übelste, sondern dazu noch eine unerhört talentlose Spezies des westlichen Parlamentarismus zu bescheren droht. Es ist unerträglich, befürchten zu müussen, es solle noch einmal eine Wahl nach diesem elendesten aller Wahlsysteme vollzogen werden. Tritt morgen der neue Reichstag zusammen, so muß übermorgen Wahlreform die erste Losung seiner praktischen Arbeit sein. An diesem Punkte werden sich die Geister scheiden: Jene, die ans Vaterland, und die anderen, die an sich denken." Das klingt gewiß sehr hart, trifft aber den Kern der Sache, wenn auch mancher Abgeordnete dagegen aufbegehren mag. Natürlich liegt darin kein Urteil über jeden einzelnen. In diesem Zusammenhang darf, wie es hier schon früher wiederholt geschehen ist, auf den letzten Zentrumsparteitag in Kassel verwiesen werden, wo Reichskanzler Dr. Marx in seinem Referat über das Wesen und die Aufgaben der Zentrumspartei ausführte, es lasse sich nicht verkennen, daß das heutige Wahlsystem die den Anforderungen des politischen Lebens genügende Auswahl von Volksvertretern sehr erschwere. Er stellte nach der Sicherung des allgemeinen, gleichen, unmittelbaren und geheimen Wahlrechts drei Forderungen auf: Das Wahlrecht müsse die Möglichkeit geben, daß politisch klare und entschiedene Persönlichkeiten sich um die politische Vertretung der Wähler bemühen könnten, daß die Wähler sich frei entscheiden könnten, ihre Stimme einer politisch klar bezeichneten Persönlichkeit zu geben und daß der Gewählte im Bewußtsein der Verantwortung, die er gegenüber seinen Wählern trage, mit diesen enge Verbindung halten und ein gegenseitiges Vertrauensverhältnis schaffen könne. Marx betonte, daß das heutige Wahlsystem diesen drei Forderungen in keiner Weise entspreche; es sei Taisache, daß bei der Aufstellung der Listen nicht nur politische Ueberlegungen, sondern in zu starkem Maße Gruppeninteressen maßgebend seien. Dabei fänden auf den Listen Personen Platz, deren politisches Glaubensbekenntnis dunkel und deren politisches Wollen weniger von politischen als von wirtschaftlichen Ueberlegungen bestimmt werde. Die Listenwahl mache es dem Wähler unmöglich, bei der Stimmabgabe sich unmittelbar für eine ihm genehme Persönlichkeit zu entscheiden. Die Verantwortung des Abgeordneten sei in diesem Wahlsystem eine durchaus beschränkte. Es genüge wirklich nicht, ob der Abgeordnete seine Politik vor dem Bauernverein oder vor der Gewerkschaft vertreten könne; eine solche Verantwortung entspreche keineswegs der Zentrumsauffassung, nach der der Abgeordnete sich nicht von den Interessen eines Teiles allein leiten lassen, sondern die Bedürfnisse des ganzen Volkes berücksichtigen solle. Diese Ausführungen des Parteivorsitzenden fanden die volle Zustimmung des Parteitages, und in einer Entschließung wurde eine baldige und zeitgemäße Ausgestaltung des geltenden Wahlrechts als dringend geboten bezeichnet. Es wurde auch ein Ausschuß eingesetzt, der im Einvernehmen mit der Reichstagsfraktion die Vorarbeiten für eine Wahlrechtsreform im Sinne des Zentrums leisten solle.(Hat dieser Ausschuß schon einmal getagt? Man hat noch nichts davon gehört.) Der Standpunkt des Zentrums ist sonach ganz klar. Es will das Gute des jetzigen Wahlrechts beibehalten, verlangt aber, daß seine Fehler, die Marx klar dargelegt hat und auf die auch in der Zentrumspresse immer wieder hingewiesen worden ist, ausgemerzt werden. Daß die langen Listen vor allen Dingen beseitigt werden müssen, darauf hat in der letzten Sitzung des Reichsausschusses der Zentrumspartei auch noch der Abgeordnete Dr. Wirth besonderes Gewicht gelegt. Sonach müßte von vornherein die in Aussicht stehende Reformvorlage als ungenügend bezeichnet werden, wenn sie die langen Listen beibehalten würde. Werden nun aber nach der bisherigen Ankündigung die Wahlkreise erheblich verkleinert, so dürfte das auch eine Abkehr vom gegenwärtigen Listensystem zur Folge haben, wie das ja auch bei den beiden oben erwähnten Wahlrechtsnovellen der Fall war. Notwendig ist aber auch eine Reduzierung der Zahl der Abgeordneten. Hier kann man nur immer wieder darauf hinweisen, daß das größere Reichsgebiet bis 1918 mit 397 Abgeordneten auskam. Die rund hundert mehr, die wir heute haben, sind mehr als Luxus. Im ganzen leistet sich das deutsche Volk rund 2000 Abgeordnete. Sollen es weniger werden— und es könnten ihrer ohne Schaden für das Ganze ruhig erheblich weniger sein—, so muß der Abbau beim Reichstag beginnen. Die Landesparlamente werden dann schon nachfolgen. Die parlamentarischen Aussichten für die Wahlreform sind noch reichlich untlar. Am wenigsten reformfreundlich zeigen sich die Sozialdemokraten und die Kommunisten. Aber auch in allen anderen Fraktionen ist mit starken Widerständen zu rechnen. Schon aus diesem Grunde ist es ganz ausgeschlossen, daß sich Aenderungen vornehmen lassen werden, die eine Preisgabe der in der Reichsverfassung enthaltenen Wahlrechtsbestimmungen bedeuten würden. Die Verhältniswahl und das Wahlalter werden also durch die erwartete Reform nicht berührt werden können. Gegen die Verhältniswahl ist auch von unserem Standpunkt aus kaum etwas einzuwenden. Sie kann bleiben, nur das System in sich muß geändert werden. Etwas anderes ist es freilich mit dem Wahlalter. Daß man junge Leute, die noch nicht volljährig sind, für politisch reif erklärt hat, war ein schwerer Fehler. Aber daran läßt sich zunächst wenigstens nichts ändern, weil nicht daran zu denken ist, daß dafür die spezifizierte Mehrheit, die eine Verfassungsänderung bedingt, im Reichstag sich finden würde. Schon die Abschaffung der langen Listen wird starkem Widerspruch begegnen, und Dr. Wirth wird es erleben, daß gerade die Sozialdemokratie in diesem Punkte erheblich anderer Ansicht ist als er selbst. Das ließ ein jüngst im„Vorwärts“ erschiener Artikel des Parteiführers Müller=Franken deutlich erkennen. Jedenfalls werden nach Lage der Dinge nur Aenderungen am geltenden Wahlrecht nöglich sein, die mit einer einfachen Mehrheit zu erreichen sind. Sie dürfen, wie betont sei, unserer Ansicht nach auch nicht derart sein, daß das Wahlrecht der Frauen dadurch irgendwie verkümmert würde. Zu fordern aber ist, daß die Reichsregierung nun Ernst macht mit dieser Reform, daß also dem Reichstag. wenn er im November wieder zusammentritt, die Novelle vorliegt. Dann wird schon der Druck der öffentlichen Meinung dafür sorgen, daß sich nicht grauer Aktenstaub darauf sammelt und sie wieder einmal hinterher zu den unerledigten Vorlagen gezählt werden Msr. Die deutschen Böschöle an den Füldaer Sympathietelegramm der Konferenz. )( Fulda, 12. August. Die in Fulda tagende Konferenz der deutschen Bischöfe hat folgendes Telegramm an den Erzbischof Mora in Mexiko gesandt:„Die deutschen Bischöfe auf den Konferenzen in Fulda und Freising vereinigt gedenken teilnahmsvoll der gegenwärtigen Leiden ihrer hochwürdigen mexikaihren Diözesanen beten enszeit der in der ganzen Mit Leide Besserung auf dem Arbeitsmarkt. :: Berlin, 12. August.(Eig. Drahtb.) In der Donnerstagssitzung des Reichskabinetts berichtete Neichsarbeitsminister Dr. Brauns über das Notstandsprogramm. Bei dieser Gelegenheit wurde festgestellt, daß in der zweiten Julihälfte die Zahl der Arbeitslosen im Reich sich um 66000, also rund 4 vom Hundert, verringert habe. Dieser Rückgang ist ein erfreuliches Anzeichen der Besserung der Wirtschaftslage, was umso bedeutsamer ist, als die Wirkung des Notstandsprogramms erst später sich zeigen wird. Auch der Baumarkt läßt eine weitere Besserung der Arbeitslage erwarten. Notstandsarbeiten bei der Reichsbahn. Berlin, 12. Aug. Mit dem der Reichsbahn von der Reichsregierung zur Verfügung gestellten Kredit von 100 Millionen Mark wird ein Bau- und Beschaffungsprogramm von der Deutschen Reichsbahngesellschaft durchgeführt werden. Für die Erweiterung des Gleisumbauprogramms um 500 km sind 30 Millionen RMk. angesetzt worden, für Fortführung und Erweiterung des Programms der großen Bauten 15 Millionen RMk., für Beschaffung von Werksstoffen und Ersatzstücken zur Verbesserung des Fahrzeugparks 35 Millionen RMk., für die Elektrifizierung der Berliner Stadt= und Ringbahn 20 Millionen RMk. Dazu kommt der aus Reichsbahnmitteln zur Verfügung gestellte Betrag von 20 Millionen RMk. Die Ausgabe der Mittel erfolgt entsprechend dem Fortgang der Arbeiten. Stresemann drei Jahre Reichsminister. X Berlin, 12. Aug.(Eig. Drahtb.) Vor drei Jahren, d, h. am 13. August 1923, übernahm Dr. Stresemann als Kanzler die Führung der deutschen Regierungsgeschäfte Nach dem Versall der Großen Koalition Ende November 1923 trat er an die Spitze eines Minderheitskabinetts und ist als Außenminister seitdem den folgenden Kabinetten treu geblieben. Die„Nationalliberale Korrespondenz", der Pressedienst der Deutschen nischen Mitbrüder. sie inständig, daß Gott die Lei zivilisierten Welt verurteilten, jeder Gewissensfreiheit hohnsprechenden Kirchenverfolgung abkürzen und den ruhmvollen Bekennermut der Katholiken Mexikos mit dem Segen einer glücklichen, kirchlichen Zukunft belohnen wolle. Kardinal Bertram, Breslau. Kardinal von Faulhaber, München, Kardinal Schulte, Köln.“ Weitere Zusammenstöße in Mexiko. X London, 12. August. Aus der Stadt Mexiko wird vom 11. August gemeldet: Der Erzbischof Ruyzy Flores teilte heute bei seiner Ankunft aus dem Staate Michoacan mit, daß zwei römisch=katholische Priester und über 30 Bürger am 1. und 2. August hingerichtet worden seien, unter der wahnwitzigen Beschuldigung, Rädelsführer einer gegen die Regierung gerichteten Erhebung zu sein. Ein Zusammenstoß zwischen Soldaten und Bürgern in der Stadt Zahuayp habe stattgefunden, weil die Katholiken es abgelehnt hätten, die Kirchen dem städtischen Ausschuß zu übergeben. 50 Soldaten, die am 1. August in diesem Orte angelangt seien, seien von Leuten, die auf Kirchtürmen und Hausdächern Stellung genommen hatten, beschossen worden. 50 Personen hätten dabei ihr Leben verloren. Erst die Ankunft von Truppenverstärkungen habe dem Feuerkampf ein Ende gemacht. In Acamlaro seien zwei Regierungsingenieure, die versuchten, die örtlichen Beamten zu unterstützen, von der Menge getötet worden. In Irapuato hätten die Truppen vier Führer einer Volksmenge hingerichtet, die verschiedene Wohnsitze von Protestanten eingeäschert und eine Frau getötet haben, die angeblich die Katholiken verhöhnt habe. Newyork, 12. August. Wie„Associated Preß“ aus Mexiko meldet, hat der katholische Episkopat eine lange, an das amerikanische Volk gerichtete Erklärung veröffentlicht, in der verneint wird, daß irgendwelche Verantwortung für die Lage in Mexiko auf die katholischen Kreise fällt. Die Erklärung gibt dann Einzelheiten der durch die auf die Kirche bezüglichen Artikel der Verfassung geschaffenen Beschränkungen und sagt, daß diese Beschränkungen das Wirken der katholischen Kirche in Mexiko unmöglich mache. Das einzige was die katholische Kirche anstrebe, se eine Verbesserung der Verfassuna, die für eine religiöse Freiheit wie in den Vereinigten Staaten sichere. Wenn Präsident Calles darauf hinweise, daß die protestantischen Geistlichen ungestört ihre Amtsver richtungen weiter ausüben können, so sei das ein Beweis dafür, daß Präsident Calles die katholische Kirche zum Gegenstand einer drückenden Ausnahmebehandlung gemacht habe, oder daß die Protestanten eine Einmischung der weltlichen Behörden in rein religiösen Angelegenheiten zuließen, die die katholische Kirche nicht länger dulden könne. Der Umstand, daß Präsident Calles protestantischen Geistlichen ausländischer Staatsangehörigkeit ein weiteres Amtieren gestatte, sei eine schwere Verletzung derselben Verfassung, die Calles verteidige. :: New=York, 12. Aug. Associated Preß meldet aus Mexiko, das mexikanische Ministerium des In nern habe von den durch den Erzbischof Ruis y Flores erwähnten Erschießungen keine Kenntnis. Das erste Zugeständnis an die mexikanischen Katholiken. A Mexiko, 12. Aug.(Reuter.) Das erste Zuge ständnis an die mexikanischen Katholiken zeigt sich in einer Bekanntmachung des Bürgermeisters der Stadt Mexiko, in der es heißt, daß die mit der Ueberwachung der Kirchen betrauten Ausschüsse aus 5 Katholiken und 5 von den Gemeinde behörden zu ernennenden Personen bestehen können. Bis jetzt wurden sämtliche Mitglieder der Ausschüsse von den Gemeindebehörden ernannt. Was ein Geistlicher nicht darf. + Newyork. 12. Aug. Wie Associated Preß aus Mexiko meldet, erklärte der Minister des Innern, ein Interview, das Erzbischof Mora del Rio angeblich dem Vertreter eines amerikanischen Blattes gewährt habe, bedeute eine Verletzung der Verfassungsbestimmung, wonach es Geistlichen nicht erlaubt sei, an den mexikanischen Staatsgrundgesetzen Kri tik zu üben. Das Interview ist deshalb zwecks Einleitung einer Untersuchung dem Generalstaatsanwalt zugeleitet worden. Beschlagnahme einer Kapelle in Veracruz. Mexiko, 12. Aug.(Reuter.) Durch ein vom Präsidenten Calles und dem Minister des Innern unterzeichnetes Regierungsdekret wird die Kapelle des hl. Andreas in Veracruz beschlagnahmt, um dort Büros für die Gewerkschaft landwirtschaftlicher und industrieller Arbeiter einzurichten. Zur Begründung wird ausgeführt, daß die Gläubigen diese Kirche nicht benötigen, die Gewerkschaft aber, die für das Volk orbeite, neue Büroräume brauche. Volkspartei, widmet aus diesem Anlaß ihrem Parteiführer einen längeren Artikel, in dem sie bis auf die vier großen Abschnitte seiner bisherigen Tätigkeit als Reichskanzler und Außenminister eingeht: auf die Liquidierung des Ruhrkampfes, auf die Schaffung des Dawesabkommens, ferner auf den Abschluß des Locarnovertrages und schließlich auf seine gegenwärtigen Bemühungen, die mit dem Eintritt Deutschlands in den Völkerbund im Zusammenhang stehen. Um die deutsch=französische Verständigung. Von unserer Berliner Redaktion. :: Berlin, 12. August.(Drahtb.) Der französische Kriegsminister Painlevé hat sich in einer Unterredung mit dem Pariser Vertreter der Wiener Neuen Freien Presse“ über das Problem einer geistigen Zusammenarbeit zwischen Frankreich und Deutschland ausgesprochen. Wie es bei einem französischen Kriegsminister nicht weiter verwunderlich ist, finden sich in seinen Darlegungen beträchtliche Schiefheiten, die nicht unwidersprochen bleiben dürfen. Painlevé glaubt der Oeffentlichkeit einreden zu müssen, daß man auf den französischen Schulen und Hochschulen erheblich weniger chauvinistisch sei, als auf den deutschen. Das behauptet der Vertreter eines Volkes, dessen Wissenschaftler und Professoren einzig und allein es waren, die auf allen internationalen wissenschaftlichen Kongressen den Beschluß auf Ausschließung der deutschen Gelehrten durchsetzten, die in ihrem verblendeten Deutschenhaß sich zu Worten hinreißen ließen, die Männern der Wissenschaft nicht wohl anstehen. Painlevé scheint übrigens selbst die Unhaltbarkeit seiner Vorwürfe einzusehen, denn er erklärt, daß er in Anbetracht des Kriegsausganges den Patriotismus deutscher Professoren verstehen könne. Er hat nur vergessen, dabei hinzuzufügen, daß es weniger der verlorene Krieg sei, durch den sich Deutschland so schwer gedemütigt fühle, als vielmehr das schmachvolle Versailler Friedensdiktat. Hier liegen die Wurzeln der Hemmungen und Hindernisse, die einer deutsch=französischen Verständigung im Wege stehen. Mit Locarno sind endlich Grundlagen geschaffen, durch die in dieser verhängnisvollen Entwicklung ein gründlicher Wandel möglich ist. Mit Spannung und Erwartung sieht das deutsche Volk heute nach dem Westen, nach den besetzten Gebieten. Es lag daher nahe, daß auch der Vertreter der„Neuen Freien Presse" die Frage der Herabminderung der Besatzungsstärke dem französischen Kriegsminister unterbreitete. Painlevé erwiderte darauf:„Ich kann nicht mit voller Freiheit über diese Fragen reden, sonst würde ich klar antworten. Ich kannk aber sagen, daß wahrscheinlich Maßnahmen zur Verminderung der Rheinlandbesatzung unmittelbar bevorstehen.“ Den Vorzug der Klarheit hat diese Erklärung allerdings nicht. Man muß freilich dabei berücksichtigen, daß Painlevé in seiner Eigenschaft als Kriegsminister natürlich bestrebt ist, den Marschall Foch und die Herren Generäle am Rhein nicht vor den Kopf zu stoßen. Im übrigen bestimmt aber nicht der Kriegsminister, sondern der Außenminister den Kurs der Politik. Den Umstand, daß sich die Herren Militärs infolge ihrer Löhnung in Goldmark an den Ufern des Rheins sehr wohl fühlen, kann das deutsche Volk nicht als stichhaltigen Grund für die Aufrechterhaltung eines offenbaren Unrechts anerkennen. Deutsches Die Kabinettsitzung. + Berlin, 12. August. Wie wir erfahren, ist das Kabinett heute vormittag 11 Uhr zu einer Sitzung zusammengetreten, die nach einer Unterbrechung bis in die späten Abenstunden dauerte und dann auf Freitag vertagt wurde. Beschlüsse sind nicht gefaßt worden. Die Sitzung diente zur Orientierung der einzelnen Minister über die Angelegenheiten der anderen Ministerien. Reichsratsbeschlüsse. + Berlin, 12. August. Der Reichsrat nahm in seiner öffentlichen Vollsitzung von Donnerstag die Regierungsverordnung an, wonach das deutsch=franzö sische Handelsabkommen vorläufig in Kraft gesetzt wird. Auf Anregung des Vertreters der Hansastädte gab ein Regierungsvertreter die Erklärung ab, daß auch bezüglich der Einreisebewilligung in die französischen Kolonien und Mandatsgebiete in den weiteren Verhandlungen mit Frankreich über einen endgültigen Handelsvertrag die Rechte der deutschen Staatsangehörigen klargestellt werden sollten. Die Regierungsvorlage, wonach den Hypothekarschuldscheinen der Deutschen Rentenbankkreditanstalt im Betrage von 360 Millionen Mark, die Mündelsicherheit zuerkannt werden sollte, wurde in namentlicher Abstimmung mit 36 gegen 30 Stimmen wiederhergestellt. Die amtliche Großhandelsindexziffer vom 11. August. Berlin, 12. Aug. Die auf den Stichtag des 11. August berechnete Großhandelsindexziffer des statistischen Reichsamtes ist gegenüber dem 4. August um 0,3 vom Hundert auf 125,9 zurückgegangen. Von den Hauptgruppen hat die Indexziffer der Agrarerzeugnisse um 0,4 vom Hundert auf 127,3, die Indexziffer der Industriestoffe um 0,2 vom Hundert auf 123,2 nochgegeben. Einberufung des Parteivorstandes der Deutschen Volkspartei. Berlin, 12. August. Der Parteivorstand der Deutschen Volkspartei ist für den 31. August nach Berlin einberufen, um zu der gesamten politischen Lage Stellung zu nehmen. Reichstag und deutsch-französisches Handelsprovisorium. Berlin, 12. August. Wie der„Demokratische tungsdienst“ mitteilt, wird voraussichtlich Ende dieser Woche der Handelspolitische Ausschuß des Reichtstages zusammentreten, um auf Grund des Ermächtigungsgesetzes vom 10. Juli 1926 zu dem deutsch=französischen Handelsprovisorium Stellung zu nehmen. Das Handelsabkommen soll am 21. August in Kraft gesetzt werden. Das Reichsbanner Schwarz=Rot=Gold für den Ehrenhain bei Berka. X Magdeburg, 12. August. Der stellvertretende Bundesvorsitzende des Reichsbanners Schwarz=nor=Gold gewährte dem Vertreter der Telegraphen=Union eine Unterredung, während der die Stellungnahme des Reichsbanners Schwarz=Rot=Gold zum Reichsehrenmal erörtert wurde. Die Stellung des Reichsbanners, so erklärte der stellvertretende Vorsitzende, ist nach wie vor unverändert, ebenso wie die aller Frontsoldatenverbände und aller Kriegsbeschädigtenverbände, daß das Reichsehrenmal als Ehrenhain zu schaffen ist, und zwar bei Bad Berka. Jede andere Form und jeden anderen Ort müssen wir ablehnen. Eine andere Form als der Ehrenhain ist für uns untragbar, weil dies eines Teils nicht dem Empfinden der Masse entsprechen würde, dann aber auch, weil der Ehrenhain aufs billigste herzustellen ist, und in Anbetracht der allgemeinen wirtschaftlichen Notlage des deutschen Volkes und insbesondere mit Rücksicht auf die in Deutschland völlig unzureichende Versorgung der Kriegsbeschädigten und Kriegshinterbliebenen jede teuerere Form für unangemessen und unzulässig erachtet wird. Der Propagandachef Hitlers aus der Nationalsozialistischen Partei ausgetreten. X München, 12. Aug. Den Münchener„Neuesten Nachrichten" zufolge hat der bisherige Propagandachef Hitlers, Otto May, seinen Austritt aus der Nationalsozialistischen Partei erklärt. Keine Zollerhöhung an der Saargrenze. X Berlin, 12. August. Die„Deutsche Allgemeine Zeitung" meldet aus Saarbrücken: Nach einer Mitteilung der Saarbrücker Handelskammer ist die von der französischen Zolldirektion am Montag, 9. d. M., angekündigte und in einzelnen Fällen auch schon erhobene 30prozentige Zollerhöhung rückgängig gemacht worden, da die Erhöhung auf ein Mißverständnis zurückzuführen sei. Die Erhöhung wurde bereits am Dienstag, 10. d. M., widerrusen. Die zuviel erhobenen Beträge werden zurückgezahlt. Beschießung eines deutschen Fischdampfers. + Berlin, 12. August. Der Fischdampfer „Karoline Sprenger“ ist am 25. Mai d. Is. innerhalb der isländischen Dreimeilenzone von einem isländischen Kreuzer, obwohl der Fischdampfer kein Fanggeschirr ausgebracht hatte und keinerlei Anstalten zum Entweichen traf, ohne vorherige Warnung scharf beschossen worden, sodaß die Maschine durch die einschlagende Granate schwer beschädigt wurde. Der Dampfer wurde durch den Kreuzer aufgebracht und in Vestmannaoyja mit einer Strafe wegen angeblichen verbotenen Fischens belegt. Bemerkenswert ist, daß die Kosten einer provisorischen Reparatur des Schiffes von dem isländischen Kapitän bezahlt wurden, sowie, daß ein Offizier des Kreuzers auf dem Fischdampfer die Herausgabe der Granatensprengstücke zu erzwingen suchte. Wie die Blätter berichten, hat das Auswärtige Amt nach Prüfung und Feststellung des Sachverhaltes in Kopenhagen am Montag Vorstellungen erheben lassen. Die dänische Regierung sagte eine Antwort zu, die noch erwartet wird. Cook lenkt ein. Positiver Wunsch nach Friedensverhandlungen. :: London, 12. Aug. Der Generalsekretär der Bergarbeiter, Cook, veröffentlicht heute in dem Fachorgan der Bergarbeiter,„The Minork“ eine längere Erklärung, die ein bezeichnendes Licht auf die nachlassende Widerstandsfähigkeit der bisher noch geschlossenen Front der Bergarbeiter wirft. Darin heißt es: Wir haben für den nächsten Montag eine Delegiertenkonferenz einberufen, und wir werden die Konferenz auffordern, die Bedingungen, auf Grund der die Bergarbeiter eine Lösung des Konfliktes herbeiführen wollen, festzulegen. Es ist wahr, daß die Bergarbeiter gegen die Vorschläge der Bischöfe gestimmt haben, aber die Delegierten müssen am Montag die ganze Lage einer sorgfältigen Prüfung unterziehen. Noch sind die Bergarbeiter weit davon entfernt, geschlagen zu werden, aber der große Druck, der in einigen Grubenbezirken auf die Arbeiter ausgeübt wird, ist der Gewerkschaft bekannt. Weiter heißt es, es sei dringend notwendig, daß die Bergarbeiter sich ein Abkommen sicherten, das sie in die Lage versetzt, zur Arbeit zurückkehren zu können. Aber er, Cook, sei in der gleichen Weise entschlossen, den Achtstundentag zu einer toten Verordnung zu machen. Vor allem müsse eine umfassende Reorganisation des Bergbaues stattfinden, und er wisse, daß bei einer klaren Entscheidung der Delegiertenkonferenz alle diese Bedingungen für die Arbeiter zu erreichen seien. Die Erklärung schließt mit einem Appell an die Bergarbeiterewerkschaften, stark zu bleiben, um einen gerechten frieden zu erlangen. Unter keinen Umständen würden die Führer der Bergarbeiter ein Abkommen unterzeichnen, das örtliche Lohnabkommen vorsehe oder eine Verlängerung der Arbeitszeit oder eine Reduzierung des Lebensstandards mit sich bringe. Der jugoslawisch-bulgorische Konflikt Ueberreichung der Kollektivnote in Sofia. X Sofia, 12. August. Der jugoslawische und rumänische Gesandte, sowie der griechische Geschäftsträger übergaben gestern dem Minister des Aeußern die Kollektivnote ihrer Regierungen. Sie betont den Wunsch, gute Beziehungen zu Bulgarien aufrechtzuerhalten, lenkt aber in nachdrücklicher Form die Aufmerksamkeit der bulgarischen Regierung auf die Tätigkeit der in Bulgarien unter verschiedenen Namen bestehenden revolutionären Komitees hin, der ein Ende gemacht werden müsse. Zu diesem Zwecke soll die bulgarische Regierung den Grenzschutzbehörden Weisungen erteilen, damit diese ihre Pflicht, nicht nur in dem Sinne, wie es die gutnachbarlichen Beziehungen verlangen, sondern auch den Grenzreglements entsprechend erfüllen. DDie bulgarische Regierung soll ferner strenge Maßnahmen treffen, um der Tätigkeit der revolutionären Organisationen ein Ende zu machen. Außenminister Buroff antwortete, daß er die Note zur Kenntnis nehme und ihren Text seiner Regierung mitteilen werde, die ihn prüfen und ihnen baldigst ihre Antwort erteilen würde. X Sofia, 12. Aug. Der erste Eindruck der gestern dem bulgarischen Außenminister überreichten Kollektivnote Griechenlands, Rumäniens und Jugolawiens ist im aulgemeinen nicht ungünstig. Besorgnis erregt die Forderung, daß der Tätigkeit der mazedonischen Organisationen ein Ende gesetzt werden müsse, sowie die Andeutung, daß die Note als letzte Tarnung aufzufassen sei. Die bulgarische Regierung hat inzwischen größere Truppenabteilungen an die Grenzen beordert. Die Posten haben den Befehl erhalten, auf den leisesten Versuch einer Grenzüberschreitung hin zu feuern. Der Ministerrat ist auf heute einberufen worden. verirrte Granate. — Aachen, 12. Aug. Am 10. Aug. nachmittags gegen 4,30 Uhr schlug eine Granate von einer Artilleriescharfschießübung bei Dahlem (Kreis Schleiden) bei 48,3 Klm. links der Strecke KölnTrier. etwa 30 Meter von der Straße entfernt im Wiesengelände ein. Etwa 100 Meter von dieser Stelle arbeitete eine Rotte. Die Granate überflog den Bahnkörper, drei Minuten nachdem der Pilgerzug 4618 die Stelle passiert hatte. Eine Explosion erfolgte nicht. Die Granate wurde am nächsten Tage nachmittags währen einer Zugpause durch französische Offiziere gesprengt. Die Behörden haben bei den zuständigen Besatzungsstellen sofort Schritte unternommen, um zu veranlassen, zur Verhütung derartiger Vorfälle sofort Vorsorge zu treffen. Schiffsunfall an der Rheinbrücke. Speyer, 12. Aug. Die Reichsbahndirektion Speyer teilt mit, daß ein mit Backsteinen beladenes Schiff an der Rheinbrücke bei Speyer aufgefahren ist. Das Schiff ist im Sinken begriffen, während die Brücke so schwer beschädigt wurde, daß sie bis auf 3 Tage unpassierbar ist. Der ganze Verkehr wird inzwischen über Mannheim umgeleitet. Die Personenzüge Speyer—Bußhof fallen bis auf weiteres aus. r 23 Volen und Genf. Von unserem ostoberschlesischen Korrespondenten. V Kattowitz, 12. Aug. Noch wird es einige Wochen dauern, bis die neue Tagung des Völkerbundes in Genf ihren Anfang nimmt. Schon heute aber beschäftigen sich die polnischen Blätter fast täglich in ihrer leidenschaftlichen Weise mit dieser neuen Tagung, mit der Aufnahme Deutschlands in den Völkerbund und mit der umstrittenen Frage des Ratssitzes für Polen. Die polnische Presse geht dabei ziemlich einmütig vor, stößt in dasselbe Horn, offenbar auf Bestellung, wie der neue Außenminister und verlangt einen ständigen Ratssitz für Polen. In diesen Artikeln geht man zumeist davon aus, daß der ständige Sitz für Polen auf den schärfsten Widerspruch Deutschlands stoßen werde wobei man annimmt, daß die Abwesenheit von Vertretern der spanischen und der brasilianischen Regierung Polens Lage nicht verbessern, sondern noch weiter verschlechtern wird. Dagegen rechnet die gleiche Presse für die September=Tagung des Völkerbundes mit einer wohlwollenden Haltung Englands, ohne zu begründen worauf sich diese Erwartung stützt. Vereinzelt wird auch der allgemeinen Ansicht Ausdruck gegeben, daß Polen eine Großmacht sei, während man vor einigen Monaten in erster Linie damit operierte, daß Polen der Wall sei, der den Westen gegen den Bolschewismus schützen müsse. Dagegen ist die Hoffnung auf Frankreichs Unterstützung in Genf keine übertrieben große. So wird im„Dziennik Poznanski" gesagt: „Auf die Unterstützung Frankreichs können wir noch rechnen, aber wir dürfen nicht vergessen, daß seit jener Zeit, wo die französische Delegation die Deutschen auf das schärfste bekämpfte, sich viel geändert hat, daß Stresemann den Weg zum Herzen Frankreichs sucht und daß die ausländische Presse immer deutlicher von einer deutsch=französischen Annäherung spricht.“ Der deutsche„Oberschlesische Kurier“ meint im Gegensatz zu den polnischen Blättern, daß Polen auch mit einem nicht ständigen Sitz zufrieden sein werde, wenn ihm die Wiederwahl schon jetzt zugesichert werde. Jedenfalls spielt die polnische Presse zunächst den starken Mann.„Kurj. Codz." behauptet kühn, daß Polen auf seine Forderung nicht verzichten werde und glaubt, daß die letzte Auslassung des Außenministers die Deutschen überzeugt hätte, daß Polen auf dem Boden des Völkerbundes mit aller Entschiedenheit zur Verteidigung seiner Rechte und Interessen auftreten werde. Der rechts gerichtete„Czas“ sagt:„Die Frage des Eintritts Deutschlands besitzt für uns eine außergewöhnliche Bedeutung, weil die privilegierte(?!) Aufnahme Deutschlands Polen auch zu außergewöhnlichen Anstrengungen zur Verteidigung seiner Interessen zwingt.“ Auch in anderen polnischen Zeitungen ist in diesem Zusammenhange von den Privilegien Deutschlands die Rede; worin diese bestehen sollen, wird jedoch nicht gesagt. Selbstverständlich spielt in den polnischen Artikeln wieder der deutsch-russische Vertraa eine Rolle. So heißt es in einem Artikel:„Was die politische Stellung Deutschlands anbelangt, so sind Tatsachen zutage getreten, die eine durchaus begreifliche Beunruhigung in Europa hervorrufen müssen. Die erste von diesen Tatsachen ist der deutsch=russische Vertrag, die zweite Tatsache sind die Rüstungen Deutschlands und seine Absichten gegenüber Polen." Von der bösen außenpolitischen Lage Polens spricht auch ein Krakauer Blatt, indem es zur Begründung eines ständigen Ratssitzes für Polen ausführt:„Wir müssen dort einen Sitz bekommen, nicht etwa zur Befriedigung unseres zwecklosen Ehrgeizes, sondern weil wir uns sonst in einer schlimmen Lage befinden würden, weit schlimmer als Deutschland und in einer gewissen Abhängigkeit von Deutschland. Das ist ausschließlich der Grund. der uns veranlaßt, die Zuerkennung des Sitzes in der Leitung des Völkerbundes als conditio sine qua non zu fordern. Die Westmächte werden zweifellos diese Motive unserer Taktik verstehen und entsprechend bewerten." Eine besondere Rolle spielt in der polnischen Pressekampagne auch eine angebliche Note Deutschlands an Frankreich, in der Rußland Klage führt über polnische Truppenansammlungen an der russischen und litauischen Grenze. Diese angebliche Klage Sowjet=Rußlands wird als„eine Provokation Polens" bezeichnet. Der„Kurj. Codz." vermutet hinter dieser Klage ein heimliches Ziel und schnell kommt er dann zu dem Schluß, daß das böse Deutschland dahinter steckt. Das Blatt sagt:„Das Ziel ist nicht schwer zu erraten, wenn man bedenkt, daß in kaum einem Monat der Völkerbund zusammenkommt, der u. a. die Frage der Zuerkennung eines ständigen Ratssitzes für Polen entscheiden soll. Deutschland will mit aller Macht die Verwirklichung dieses polnischen Rechtes verhindern, und da tritt plötzlich und unerwartet der ehrliche Bundesgenosse Deutschlands, die Sowjetregierung, in einer bisher nicht geübten Weise auf und bringt eine Klage gegen einen souveränen Staat, wie es Polen ist, vor dem Forum eines dritten souveränen Staates an." Endlich haben die Polen noch andere Wünsche gegenüber dem Völkerbund. Sie haben wieder einmal von Mussolini gelernt und verlangen allen Ernstes ebenfalls— Kolonien! Das Warschauer KorsantyBlatt findet die deutschen Wünsche nach Kolonien berechtigt, glaubt, daß die Gewährung von Kolonien an Deutschland zur Beruhigung Europas wesentlich beitragen würde, und daß den Vorteil hiervon in erster Linie die unmittelbaren Nachbarn Deutschlands hätten. Dann aber sagt das Korfanty=Organ wörtlich:„Wenn die Kolonialfrage im Völkerbund angeschnitten werden sollte, so wäre das unserer Auffassung nach der entsprechende Moment, zu betonen, daß auch Polen sich in der gleichen Lage befindet wie Deutschland." Selbst der sozialistische Abg. Daszynski schreibt im„Robotnik":„Die Erlangung von Kolonialgebiet in irgendwelcher Form ist für Polen eine Frage von hervorragender Bedeutung." Kurz und bündig: Polen, das nicht einmal sein eigenes europäisches Gebiet zu verwalten vermag, in dem die großen Betrugsprozesse kein Ende nehmen, das in absehbarer Zeit in sinanzieller Hinsicht den Schutz des Völkerbundes anrufen muß, dieses Polen will kolonisieren und seinen Menschenüberfluß nach Afrika schicken, nachdem man bei der Unterbringung von Menschen in Frankreich so schlechte Erfahrungen gemacht hat. Wenn sich die polnischen Wünsche in dieser Weise weiter entwickeln, dann wird die polnische Wunschliste bis zu der Septembertagung des Völkerbundes einen ansehnlichen Umfang annehmen. Deutschenverhaftungen in Polen. Danzig, 12. Aug. Die politische Polizei in Neustadt(Pommerellen) hat dieser Tage bei einer Reihe deutscher Bürger Haussuchungen vorgenommen und fünf Deutsche im Zusammenhang damit verhaftet. Das Vergehen dieser Inhaftierten besteht in der Vornahme einer von den deutschen Mitgliedern des Warschauer Parlaments veranlaßten Zählung der in Polen wohnenden Deutschen Diese durchaus nicht geheime Aufstellung eines Katasters auf der Basis der devtschen Nationalität hängt zusammen mit der Forderung de deutschen Minderheit nach Gewährung der Kultur=Autonomie worüber bereits seit längerer Zeit zwischen der Regierung und den deutschen Parlamenturiern Verhandlungen gepflogen werden, was selbstverständlich zur Voraussetzung hat, daß die deutschen Volksvertreter in Polen den Zentralstellen auf diese Materie bezugnehmendes statistisches Material vorlegen mussen. Die deutschen Kriegerfriedhöfe in Frankreich und Polen. Maßnahmen zur würdigen Ausgestaltung. X Berlin, 12. Aug. Ein Vertreter des Bundesvorstandes des Volksbundes hat in Paris mit dem Chef der französischen Kriegsgräberfürsorge über eine würdigere Ausgestaltung der deutschen Kriegerfriedhöfe in Frankreich verhandelt. Während die von deutschen Truppen im Kriege angelegten Friedhöfe in ihrem ursprünglichen Zustande erhalten sind und einstweilen keiner besonderen Fürsorge bedürfen, sind die neuen durch Umbettungen und Zusammenlegungen entstandenen Sammelfriedhöfe noch fast gänzlich kahl und schmucklos. Die französische Behörde hat auf Wunsch des Volksbundes darin eingewilligt, daß diese Anlagen unter Beachtung gewisser von ihr für die Pflege der Militärfriedhöfe gegebenen Vorschriften dem Empfinden unseres Volkes entsprechend ausgestaltet werden. Der Volksbund wird seine Ausbesserungsvorschläge durch besonders geeignete Künstler an Ort und Stelle ausarbeiten lassen und sie— nachdem sie die Billigung der zuständigen deutschen Behörde gefunden haben— der französischen Behörde zwecks Erteilung des Einverständnisses übermitteln lassen. Auf diese Weise ist eine Gewähr dafür vorhanden, daß alle durch den Volksbund ausgeführten Arbeiten und verausgabten Mittel ihren Zweck erreichen. Dem großen Umfang der ausführenden Arbeiten entsprechend wird der oberste Gesichtspunkt bei der Ausarbeitung der Ausgestaltungspläne sein:„Schlicht und bescheiden. aber würdig“. Nachdem die französischen Behörden bereits auf den meisten Friedhöfen Hecken angepflanzt und die Bepflanzung der Reihengrabstätten mit Efeu oder ähnlichen beständigen Pflanzen in Aussicht gestellt haben, werden die ergänzenden Arbeiten des Volksbundes, die sich insbesondere auf die Behandlung der Wege, auf das Pflanzen von Bäumen und die Instandsetzung der großen Sammelgräber erstrecken sollen, unseren Friedhöfen in Frankreich bald ein würdigeres Aussehen verleihen. Die gleiche Arbeit des Volksbundes in Po len hat bereits begonnen, ein Vorschlag für die künftige Ausgestaltung eines deutschen Kriegerfriedhofes in Polen, der im Augustheft der„Kriegergräberfürsorge“ abgebildet ist, läßt deutlich die Wege erkennen, die der Volksbund einzuschlagen beabsichtigt. Die Tragödie von Damaskus. Der Krieg Frankreichs gegen die drusischen Freiheitskämpfer ist noch immer im Gang. Noch immer wird mit allen Schilanen europäischer Kriegskunst der Vernichtungskampf gegen die die französische Mandatsherrschaft ablehnenden Bewohner Syriens fortgesetzt. Die Drusen, die mit Flinten um ihre Freiheit kämpfen, sind natürlich der Artillerie des französischen Militärs nicht gewachsen. Zuletzt hatten sie sich in der Oase Ghuta bei Damaskus konzentriert. Auf diese Oase haben dann die Franzosen ein Bombardement gerichtet, das nach den beiden Bombardements der Stadt Damaskus den Höhepunkt der Tragödie von Damastus bedeutete. Mitte Juli setzte die Artillerievorbereitung der Franzosen ein, am 19. Juli begannen die konzentrierten Angriffe. Die Oase ist 15 Meilen lang und 20 Meilen breit und von einer Ueppigkeit, daß Mohammed nach einer alten Legende sich geweigert haben soll, sie zu besuchen, da man nicht zweimal in das Paradies kommen könne. Die Oase liefert den größten Teil der frischen Nahrungsmittel für Damaskus. Die Bombardements waren so ungeheuer, daß an dem ersten Großkampftage mehr als 10000 Explosionen aller möglichen Geschützgattungen gehört worden sein sollen. Die Beschießung zerstörte mehrere tausend wertvolle Bäume. Die meisten Dörfer in der Oase (etwa dreißig) mit über 2000 Einwohnern sind, wie gemeldet wird, nach der Plünderung durch die tscherkessischen und armenischen Kolonialtruppen der Franzosen in Brand gesteckt worden. Es ist erstaunlich, welche Freiheiten man diesen Kolonialtruppen gestattete: z. B. das geplünderte Vieh auf dem öffentlichen Markt in Damaskus zu verkaufen Diese Tatsache zwingt zu dem Schluß, daß die formelle Erlaubnis zur Plünderung erteilt worden ist, und erklärt die besondere Heftigkeit der Angriffe. Auf beiden Seiten sind die Verluste beträchtlich gewesen. Die Freiheitskämpfer griffen an verschiedenen Punkten die Stadt Damaskus an; ihre Lage wurde eine Zeitlang sehr ernst, da Munitionsmangel eintrat. Ihr Führer Bakry und zwei andere Drusenoffiziere, die für die Munitionsversorgung verantwortlich waren, wurden nach dem Dschebel=Drus gerufen zur Verantwortung vor dem revolutionären Gerichtshof. Rechtzeitig traf noch Verstärkung von den Drusen ein unter Sultan Mathew Attrasch, wodurch die Situation sich besserte. Die Freiheitskämpfer sind jetzt von ihren Hilfsquellen abgeschnitten und stehen vor der Alternative, entweder Frieden zu machen oder sich in einen anderen Bezirk zu begeben. Neue Kämpfe in Syrien. + Paris, 12. Aug. Wie Havas aus Beirut berichtet, haben im Mokram=Gebiet franzosentreue Eingeborene mit Angehörigen der Partei des Sultans Atrasch einen heftigen Kampf ausgefochten, bei dem die letzteren etwa 100 Tote, zahlreiche Waffen, Munition, Pferde, Proviant, sonstiges Kriegsmaterial und eine Mappe mit Dokumenten, die für Sultan Atrasch bestimmt war, auf dem Kampfplatz zurückließen. Kontrolle der öffentlichen Veranstaltungen in Italien. :: Rom, 12. Aug. Nach einer Blättermeldung ist ein Dekret zur Disziplinierung öffentlicher Kundgebungen geplant. Nach der„Tribuna“ soll dieses Gesetz verhindern, daß unter sportlichen oder wissenschaftlichen Vorwänden Versammlungen abgehalten werden, die das Nationalgefühl verletzen könnten. Oeffentliche Versammlungen sportlicher oder wissenschaftlicher Art oder mit Wohltätigkeitscharakter können nur stattfinden, wenn bei nationaler Bedeutung der Ministerpräsident, bei nur örtlicher Bedeutung der Präfekt der betreffenden Provinz seine Einwilligung gegeben hat. Programm und Zeitpunkt der Versammlungen können geändert werden. Dazu schreibt„Tevere“, wenn dieses Gesetz schon vor einigen Monaten bestanden hätte, hätten sich die Vorkommnisse auf dem Philologenkongreß Das Geheimnis. Roman von S. A. Duse Einzig berechtigte Uebersetzung aus dem Schwedischen von E. v. Kraatz Copyright by Josef Singer. Verlag A.=G., Leipzig 24) Nachdruck verboten. In der offenen Entreetür fiel mir ein, daß ich ihren Revolver an mich genommen hatte. Ich gab ihn ihr zurück und sagte heftig: „Ich bin so froh, daß Sie mir nicht böse sind!“ „Weshalb sollte ich Ihnen böse sein?" „Weil ich Ihnen gesagt habe, was ich jetzt wiederhole:„Ich liebe Sie!“ „Jetzt muß ich mich beeilen!“ murmelte sie, als ob sie mich nicht gehört hätte. Im nächsten Augenblick war sie draußen und nickte mir zum Abschied zu. Bevor sie auf der Treppe verschwand, schenkte sie mir noch ein sonniges Lächeln und einen Blick, der mich beseligte. Dann machte ich die Türe zu, hängte die Sicherheitskette ein und ging auf den alten Wentele zu, der immer noch regungslos am Boden lag. Ob ich vielleicht doch allzuhart zugeschlagen hatte? Ich fühlte nach dem Herzen. Nein, es hatte keine Gefahr. Nun konnte Leo Carring meinetwegen kommen, wenn es ihm beliebte. Mich würde er als Sieger auf der Walstatt vorfinden, die Prinzessin befreit und den Drachen„für tot" am Boden. Freilich, das letztere sagte mir nicht sonderlich zu. Es wäre mir lieber gewesen, wenn Onkel Holger zu sich gekommen und bei Carrings Eintreffen dabei gewesen wäre. Ueberdies brannte ich darauf, die Wut des Alten zu sehen, wenn ich ihm von dem Mißerfolg seiner Erpressung und dem verbrannten Wechsel erzähle. Ich ging nach der Küche, um Wasser zu holen und ihn wieder möglichst schnell zu sich zu bringen. Jetzt fühlte ich mich glücklich und seelenruhig, dachte mit keinem Gedanken an eine lauernde Gefahr. Die maskierte Schattengestalt, die ich verscheucht hatte, war ins Meer der Vergessenheit gesunken. Es kam mir garnicht in den Sinn, daß irgend jemand sich hier versteckt halten könnte, um im geeigneten Moment einzugreifen Als ich mich von der Wasserleitung abwandte, glaubte ich ein leises, knarrendes Geräusch hinter meinem Rücken zu vernehmen. Sofort fuhr ich mit der Hand in die Tasche, worin die Pistolen steckten. Doch bevor ich mich umzudrehen vermochte, erhielt ich einen Schlag über den Kopf, sodaß ich Feuerwerk und Sterne sah. Von da ab besinne ich mich auf nichts mehr. Sechzehntes Kapitel. Als ich wieder zur Besinnung kam, wußte ich anfangs garnicht, was geschehen war. Mein Kopf schmerzte abscheulich, und ich fühlte etwas Feuchtes im Nacken und am Hals. Ich saß auf einem Stuhl, aber nicht so, wie man gewöhnlich auf Stühlen zu sitzen pflegt, sondern verkehrt herum und rücklings. Meine Arme waren mit einem derben Strick an der Stuhllehne festgebunden, während meine Beine bis zu den Knien hinauf an den hinteren Stuhlbeinen festgeschnürt waren. Außerdem hatte man mich mit einem ebensolchen Strick, der dreimal um meinen Oberkörper herumgeschlungen war, an die Lehne gefesselt. Und vor dem Munde hatte ich eine Art Knebel, der mich nötigte, durch die Nase zu atmen, und mich hinderte, einen Laut von mir zu geben. Ganz verwirrt sah ich mich um. In diesem Zimmer war ich noch nie gewesen. Es sah aus wie eine Bibliothek oder ein Museum. An einer Wand stand eine Reihe von Schränken mit Glastüren, hinter denen eine Menge von sonderbaren Instrumenten und Werkzeugen zu sehen waren, ein großes Brecheisen, eine Menge von verschiedenen Dietrichen, ein Paar Handschellen und einige Gegenstände, die an mittelalterliche Daumenschrauben erinnerten. Was bedeutete das denn? Befand ich mich in einem Kriminalmuseum? Auch ein paar russische Knuten fielen mir auf und eine große Streitaxt— oder war es gar ein Henkerbeil? Ich muß gestehen, daß mir beim Anblick all dieser Sachen ein bißchen unbehaglich zumute wurde— zumal ich an Händen und Füßen gefesselt und nicht imstande war, einen Laut hervorzubringen. Auch schmerzte mein Kopf derartig, daß ich dachte, er würde zerspringen. Und auf nichts konnte ich mich besinnen. Immer wieder fragte ich mich stumm und verzweifelt: Wie bin ich hierher gekommen? und: Wo befinde ich mich? Mühsam drehte ich den Kopf herum und betrachtete die Bücherborde, die am nächsten standen. Und da las ich: Heindl,„Daktyloskopie", Lewinn,„Gifte der Weltgeschichte", Weingart,„Kriminaltaktik", Irwing,„Letzte Studien über Kriminalogie", Eaton,„Berühmte Giftprozesse", Feuerbach,„Merkwürdige Verbrechen", Wulffen,„Psychologie des Verbrechers", Lidberg,„Erzählungen eines Detektivs" usw. Ich befand mich offenbar bei irgendeinem Kriminalisten. Aber bei welchem? Und darum hatte man mich so festgeschnürt, während ich bewußtlos war? Und schließlich— was hatte man mit mir vor? Diese Frage stellte ich mir, indem ich versuchte, mir das Geschehene ins Gedächtnis zurückzurusen. Um mich her herrschte Totenstille, und soweit ich zu sehen vermochte, schienen alle Türen dieses sonderbaren Zimmers geschlossen zu sein. Allmählich überkam mich ein ganz unheimliches Gefühl. War ich in Räuberhände geraten? Handelte es sich vielleicht um mein Leben? Da hörte ich etwas, wodurch meine Erinnerung im Nu geweckt wurde: ein zweifaches Schellen einer elektrischen Klingel— also Gurtis gewohntes Signal bei Onkel Holger. Mit einmal fiel mir alles ein, was sich ereignet hatte, mein Kampf mit Onkel Holger, Gurtis strahlendes Gesicht, als sie mit dem Wechsel nach oben ging, ja, und dann auch, wie sorglos und unvorsichtig ich in die Küche hinausging, um Wasser zu holen. Jetzt wurden im Flur Stimmen laut. Sie schienen aus weiter Ferne zu kommen, und sofort begriff ich, daß ich mich in Onkel Holgers geheimem Zimmer, also weit weg vom Flur, befinden müßte. Aber einige Füren standen wohl offen, sodaß die Stimmen bis zu mir drangen. Wenn ich mich sehr anstrengte, konnte ich alles verstehen, was gesagt wurde. „Ach— Sie sinds?“ rief Gurti in bestürztem Ton. „Ich wollte ihren Onkel sprechen.“ „Onkel Holger ist krank", erwiderte eine Männerstimme, die also wohl Tyko oder Gilbert gehören mußte. „Er ist hier im Flur vor irgend jemand überfallen worden, denn als ich herkam, lag er besinnungslos am Boden. Ich brachte ihn zu Bett, und jetzt liegt er bewußtlos da und phantasiert von Wechseln und gefälschien Unterschriften. Er muß eine tüchtige Gehirnerschütterung davongetragen haben. Ich habe nach einem Arzt telephoniert." „O mein Gott, was soll ich denn nur machen?" klagte Gurti.„Ich bekam ja nicht den richtigen Wechsel, sondern nur eine Abschrift. Papa ist ganz außer sich. Er wird sich das Leben nehmen. Großer Gott, er wird sich das Leben nehmen!" „Wenn ich Ihnen doch helfen könnte!" erwiderte er. „Aber ich ahne ja nicht, um was es sich handelt.“ „Papa hat bei Direktor Wentele einen Wechsel verpfändet, und ich kam mit 30000 Kronen her, um ihn einzulösen.“ „Ach so, dann begreife ich, daß Onkel Holger hier mitten zwischen Tausendkronenscheinen lag. Ein Dieb wird es also nicht gewesen sein, der ihn so mißhandelt hat. Wissen Sie, was hier vorgefallen ist?" „Nein, nein!" beteuerte sie.„Aber wie soll ich zu Papas richtigem Wechsel kommen?" „Ich werde mein möglichstes tun, um Ihnen behilflich zu sein. Gehen sie einstweilen nach oben und versuchen Sie, ihn zu beruhigen. Sagen Sie ihm, Onkel Holger läge betäubt da. Ich werde die ganze Wohnung auf den Kopf stellen, um das Papier womöglich zu finden. Sobald ich es habe, komme ich zu Ihnen hinauf." „Danke! Danke! Aber klingeln Sie zweimal, damit ich weiß, daß Sie es sind. Sonst mache ich nicht auf." „Aber wie sieht der Wechsel denn aus?“ fragte er. „Ist Ihr Vater Akzeptant?" Ja. „Und Datum, Betragsumme und weitere Namen?“ „Ich habe die Abschrift bei mir", sagte sie.„Da steht alles drauf.“ „Darf ich sie solange behalten?" „O, gewiß! Aber ehe ich den richtigen Wechsel in Händen habe, kann ich mein Geld wohl zurückbekommen?" „Natürlich, mein gnädiges Fräulein! Ich habe die Scheine drinnen im Zimmer. Einen Augenblick, bitte!“ Ich hörte seine Schritte, als er wegging und zurückkehrte. „Hier haben Sie die 30000 Kronen, gnädiges Fräulein. Aengstigen Sie sich also nicht, sondern beruhigen und trösten Sie Ihren Herrn Vater. Sagen Sie ihm, daß Holger Wentele vielleicht nicht mit dem Leben davonkommen wird, und daß ich die Sache in die Hand genommen habe. Ich gebe Ihnen mein Ehrenwort, daß er sein Akzept zurückerhalten wird.“ in Mailand vermeiden lassen.(Die Versammlungsfreiheit ist in Italien an sich schon durch den Terror der Faschisten eingeschränkt. Jetzt wird sie durch Regierungsdekret abgeschafft. Die Red.) Die Blätter teilen mit, daß heute das Gesetz für das Einheitsbrot unterzeichnet wird. Ueber die Ausmahlung des Getreides wird eine provinzielle L bensmittelkommission eine Kontrolle ausüben. Von Nah und Forn. Drei Arbeiter in Bergwerken verunglückt. Buer, 12. August. Auf der Schachtanlage„Graf Bismarck“ kamen zwei jugendliche Arbeiter beim Ankoppeln von Waggons zwischen zwei Waggons und wurden zu Tode gedrückt. Auf einer anderen Schachtanlage fiel ein Hauer am gleichen Tage beim Transportieren von Eisen in einen Schacht. Er konnte nur als Leiche geborgen werden. Ein Flözbrand auf Schachtanlage Westerholt. * Essen, 12. August. Gestern morgen entstand in dem abgebauten Flötz 8der Schachtanlage Westerholt aus bisher unbelannter Ursache ein Flözbrand, der sosort bemerkt wurde und eingedämmt werden konnte. Ein Teil der Morgenschicht mußte wegen Gefährdung durch Rauchschwaden ausfahren. Gegenüber anderslautenden Meldungen weist die Verwaltung der Zeche ausdrücklich darauf hin, daß der Betrieb in keiner Weise eine Unterbrechung erleidet und Personen nicht zu Schaden gekommen sind. Eine kommunistische Kundgebung verboten. Berlin, 12. August. Wie die Zeitungen erfahren, ist die von der„Roten Fahne“ für morgen abend auf dem Brunnenplatz einberufene Protestkundgebung gegen den Polizeiterror verboten worden. Ein schweres Autounglück. X Hannover, 12. August. Heute nachmittag wurde an einem Bahnübergang bei Kaltenweide ein Geschäftsauto einer Hannoverschen Firma von einem Eisenbahnzuge überrannt. Ein Insasse des Autos war sofort tot. Der Chauffeur wurde so schwer verletzt, daß er bald darauf verstarb. Wetterbericht. Essen, 12. August. Ueber fast ganz Mittel= und Nordeuropa liegt ein ausgedehntes Tiefdruckgebiet, das in dem genannten Gebiet überall starke Bewölkung und Regenfälle hervorruft. In Deutschland ist es heute morge nmeist wolkig, strichweise auch regnerisch bei Temperaturen zwischen 13 und 17 Grad. Vorhersage bis Samstag: Weiterhin veränderlich mit noch vereinzelten Regenschauern und kühlen westlichen bis nordwestlichen Winden, Gewitter nicht ausgeschlossen. der weltbetannte Fußdoliot, macht Sie heute erneut auf die Wichtigkeit der Fußpflege und den Nutzen der Kukirol=Fußpflege=Erzeugnisse aufmerksam. Hüihneraugen Hornhaut. Schwielen und Warzen beseitigtdas vielmillionenfach bewährte Kulirol=Hühneraugen=Pflaster. Packung 75 Pfg. Bei Fußschmerzen Brennen, Wundlauten, überanstrengung und rascher Ermudung der Füße leistet ein Kukirol= Fußbad wundervolle Dienste. Es erfrischi und stärkt Jhre Füße sodaß Sie stundenlang gehen und tanzen können, ohne zu ermüden. Bäder 50 Pfg., 5 Bäder 1 Mari. Die KulirolErzeugnisse sind überall erhältlich. Verlangen Sie aber ausdrücklich Kukirol! 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Während ich dieses Gespräch mit anhörte, machte ich verzweifelte Versuche, mich zu befreien. Aber es gelang mir nicht. Ich, war zu sorgfältig umschnürt. Vetter Gilbert hatte seine Sache gut gemacht. Ich hörte die Entreetür zuschlagen, und dann näherten sich Gilberts schwere Tritte. In der Tür blieb er stehen und betrachtete mich mit höhnischem Lächeln. „Ah, du bist also aufgewacht, lieber Vetter?" fragte er.„Was hast du denn eigentlich mit Onkel Holger vorgehabt? Er ist noch immer nicht zu sich gekommen." Ich schwieg natürlich, da der Knebel mir das Sprechen unmöglich machte. „Wir sehen uns jetzt zum zweitenmal," fuhr er fort „Diesmal wirst du aber nicht versuchen, mich wie heute Mittag in die Flucht zu jagen. Nun sitzt du ganz artig und denkst darüber nach, was für ein Schicksal dir bevorsteht. Und das kann ich dir versichern, lieber Atgot, nicht um die Welt möchte ich jetzt in deiner Haut stecken. Wenn du hier mit dem Leben davonkommst,— mir wirst du's nicht zu verdanken haben!“ Er trat an mich heran und befreite mich von dem Knebel. „Wenn du etwas zu sagen hast, so sag es jetzt," mahnte er spöttisch.„Vielleicht habe ich nachher keine Lust mehr, dich anzuhören.“ Ich atmete ein paarmal ganz tief, bevor ich antwortete. Daß mir der Mund nicht mehr verstopft war, empfand ich immerhin als Erleichterung. „Wie bist du in die Wohnung hereingekommen? fragte ich.„Und mit welchem Recht mischt du dich hier herein?" „Das geht dich nichts an," entgegnete er schroff. „O doch! Es geht mich sogar sehr nah an. Du warst es doch der mir den Schlag über den Kopf versetzte?" „Ich war so frei," lachte er. „Und du hast mich hier auch so festgebunden?" „Deine Fragen sind rührend naiv! In der ganzen Wohnung befindet sich außer Onkel Holger, dir und meiner Wenigkeit kein Mensch.“ „Weißt du das mit Bestimmtheit?" fragte ich. „Ganz gewiß," erwiderte er nachlässig. Ich habe die ganze Wohnung durchsucht." „Und was hast du nun vor? Was bedeutet dieser gemeine Uebersall, Und weshalb hast du mich gefesselt?" (Fortsetzung folgt.) Der Empfang Gertrud Ederles in Stuitgart. X Stuttgart, 12. August. Heute nachmittag 5 Uhr ist die deutsch=amerikanische Rekord=Kanalschwimmerin, Gertrud Ederle, deren Vater aus Bissingen bei Kirchheim stammt, und deren Großmutter noch dort lebt, zu einem Besuch ihrer schwäbischen Heimat in Stuttgart eingetroffen. Der Empfang auf dem Bahnhof gestaltete sich zu einer großartigen Kundgebung Außer zahlreichen Vertretern der Schwimmund Sportvereine hatte sich eine große Menschenmenge in der reich beflaggten Bahnhofshalle eingefunden. Begeisterte Schwimmer trugen ihre große Kollegin auf den Schultern vom Bahnsteig. Rechtsrat Dr. Waldmüller überreichte ihr im Namen der Stadt Stuttgart einen Blumenstrauß. Danach begrüßte sie der amerikanische Konsul in Stuttgart, Kehl, sowie Vertreter des Newyorker=Cannstädter Volksschwimmvereins, des Süddeutschen Rundfunks, sowie der Lebensrettungsgesellschaft. Schließlich brachte die ganze Versammlung ein dreifaches„Gut Naß“ auf die Kanalschwimmerin aus. Der Weg vom Wartesaal über die Treppe auf den Bahnhofsvorplatz war ein wahrer Triumphzug; kaum konnte die Schwimmerin einen Weg für sich und ihre Begleitung finden. Der Verkehr war nahezu stillgeleat. Unter endlosem Beifallsjubel fuhr schließlich der Wagen nach Bissingen ab. Man hatte gehofft, das Gertrud Ederle am 22. August bei einem großen Werbeschwimmen in Stuttgart mitmachen würde. Das ist jedoch nicht möglich, da die Schwimmerin sich verpflichtet hat, nicht in Deutschland zu starten. In Bissingen, das ebenfalls in reichem Flaggenschmuck darliegt, wird die Schwimmerin mit einem Fackelzug empfangen werden. In ähnlicher Weise soll sie bei der Durchfahrt in Kirchheim begrüßt werden. Die 77jährige, noch sehr rüstige Großmutter, Frau Ederle, die in Bissingen das Gasthaus „Zum Lamm“ führt, hat 17 noch lebende Kinder, von denen fünf nach Amerika ausgewandert sind und 48 Enkel. Vermischte Nachrichten. Ein Flözbrand auf Schachtanlage Westerholt. + Essen, 12. August. Gestern morgen entstand in dem abgebauten Flötz 8der Schachtanlage Westerholt aus bisher unbekannter Ursache ein Flözbrand, der sofort bemerkt wurde und eingedämmt werden konnte. Ein Teil der Morgenschicht mußte wegen Gefährdung durch Rauchschwaden ausfahren. Gegenüber anderslautenden Meldungen weist die Verwaltung der Zeche ausdrücklich darauf hin, daß der Betrieb in keiner Weise eine Unterbrechung erleidet und Personen nicht zu Schaden gekommen sind. Bergmannslos. )(Essen, 12. August. Auf dem Schacht„Graf Moltke III/IV“ verunglückte ein Bergmann, der unter zusammenbrechenden Gesteinsmassen begraben wurde. Der Verunglückte war verheiratet und Vater von sieben Kindern.— Ferner ereignete sich auf den ehemaligen staatlichen Möllerschächten in Gladbeck ein Unfall, durch den die dort arbeitenden Bergleute Brüder Cahlfeld unter zusammenbrechenden Gesteinsmassen bearaben wurden. Der 24jährige ledige Hauer Heinrich Cahlfeld war sofort tot, während sein Bruder, der 31 Jahre alte Johann Cahlfeld schwer verletzt wurde. Aufdeckung einer Falschmünzerwerkstatt. X Metzingen, 12. Aug. Hier wurde eine Falschmünzerwerkstatt entdeckt, in der falsche Fünfzigpfennigstücke angefertigt wurden. Die Falschmünzer, eine dreiköpfige Familie, wurde verhaftet. Opser der Berge. Innsbruck, 12. Aug. Nach einer Blättermeldung ist die Münchener Touristin Paula Burger auf der Kanissluh bei Vorarlberg tödlich abgestürzt. Bisher 14 Tote bei der Explosionskatastrophe in Angarn. :: Budapest, 12. Aug. Durch die Explosion in Csepel sollen drei Pulvermagazine zerstört sein. Die Zahl der Toten und Verwundeten ist noch nicht festzustellen. Auch das Spital der Gemeinde ist in Mitleidenschaft gezogen und wird geräumt. Da weitere Explosionen zu befürchten sind, wurde die Insel militärisch avgesperrt. Wie berichtet wird, sollen bei der Explosion mehrere Straßenzüge gänzlich eingestürzt sein. Mit Rücksicht auf die große Anzahl der Toten und Verwundeten ist die Büdapester Rettungsgesellschaft ersucht worden, alle verfügbaren Rettungsmittel nach der Unglücksstelle zu senden. Ueber den Ausgangspunkt der Explosion ließ sich bisher nur feststellen, daß bei einer Maschine in der Patronenwerkstätte, die erste Explosion erfolgte. Budapest, 12. August. Bei der Explosionskatastrophe der Munitionsfabrik in Csepel, der einzigen Ungarn nach dem Friedensvertrag von Trianon gelassenen Geschockwerkstätte, sind, soweit bisher feststeht, 14 Tote und 28 Verletzte zu melden. Beide Ziffern dürften jedoch noch eine Erhöhung erfahren. Explosion in einer ungarischen Munitionsfabrik. A Budapest, 12. Aug. In der Munitionsfabrik Manfred Weiß auf der Insel Czepel erfolgte heute abend Uhr eine mächtige Explosion, die einen großen Das Schloß entAntiquitäten, die Teil der Gebäude in Brand setzte und zum Teil zertrümmerte. Die Flammen sind in einem Umkreise von 60 Km. sichtbar. Die staatliche Radiostation ist leicht beschädigt. Es sollen mehrere Personen getötet sein. Brand eines englischen Landsitzes. V London, 12. Aug. Der alte Landsitz des Lord Blyth in Stansted, Essex, ist durch ein Feuer fast vollständig zerstört worden. Der 58 jährige Lord, der gelähmt ist, mußte von seinem Neffen an einem Tau aus dem Fenster hinuntergelassen werden. Kurz bevor er den Boden erreichte, rutschte er von dem Seil ab und verletzte sich leicht am Fuße. hielt zahlreiche wertvolle Bilder und für verloren gelten. Gemäldediebstahl. X Madrid, 12. Aug.. Aus der Wohnung des Sohnes des früheren Ministers Urzaik sind drei wertvolle Gemälde gestohlen worden, und zwar ein Velasques, Christus darstellend, ein Tizian, einen Mönch darstellend, und ein van Dyck, eine blonde Frau von großer Schönheit darstellend, Der Gesamtwert der gestohlenen Bilder beträgt 2 Millionen Pesetas. Entsprungene Zirkuselefanten. A Newyork, 12. August. In Britisch=Columbien sind drei Zirkuselesanten in den Urwald entsprungen, wo sie von Reitern angegriffen wurden Zur Verfolgung wurde ein Flugzeug ausgeschickt Ein schweres Autounglück. X Hannover, 12. August. Heute nachmittag wurde an einem Bahnübergang bei Kaltenweide ein Geschäftsauto einer Hannoverschen Firma von einem Eisenbahnzuge überrannt. Ein Insasse des Autos war sofort tot. Der Chauffeur wurde so schwer verletzt, daß er bald darauf verstarb. * Gasthof Zur Krone Inh. Johann Büscher ff. Biere, prima Weine, Logis, gute bürgerliche Küche, gute Betten Fernspr. 17E PE I. W. Fernspr. 17 Hotel„Zum Engel“ Gronau Sonnfags: Sahne-Eis. Eis-Kaffee. Restaurant Burghof, Gronau Sonntags ab 5 Uhr Unterhaltungsmusik. Zum„Deutschen Hause“ Gronau Inhaber R. Lilienfeld Sonntag ab 4 Uhr Künstler-Konzert „Westfälischer Wilhelm Henze Gronau Mühlenmathe 37 Ausschank la. Dortmunder Aktien-Bier Guter bürgerlicher Mittagtisch. Der Film der tausend Wunder: Dieb von Bagdad Freitag, Samstag, Sonntag im Wahalla-Theafer, Gronau Park-Café Laurenz, Gronau i.W. Sonnabends- Sonntags Unterhaltungskonzert Als Konzert-Einlage gastiert am 14. u. 15. August Karl Heinz Luxem, lyi. Tenor, Essen Hofel Gronau Zur Ansertigung geschmackvoller Reklame-Drucksachen für Industrie. Handel. Gewerbe. Privat u. Vereine in Ein= und Mehrfarbendruck halten wir uns bestens empfohlen. Gebr. Lensing. Ahaus Buch= und Kunstdruckerei Telefon 50. Vereinshaus„Concordia“ Gronau Kasfellan B. Haarhuis. 1. Parkett-Kegelbahn am Platze. Concordia-Lichtspiele Ahaus IEIIIINININNI Samstag u. Sonntag Erich Kaiser-Titz Ritta Clermonf Kurf Vespermann Nachruf. Am 10. 8. 26 starb zu Stadtlohn der wohlachtbare Herr Innungsmeister vom alten Schrot und Korn hielt er treu zur Fahne. Für Schein und Nichtssein hatte er stets treffende Worte. Wir werden den beliebten und lieben Kollegen nicht vergessen. Die Barbier-, Frifeur- und H. GIROLAMI Gronau i. Wesff. Fernsprech-Anschluß 344 Buterländerschulweg 38. Ausführung sämtl. Terrazzound Steinholzarbeiten zu äußerst konkurrierenden Preisen. Der Oberhof. Die Geschichte eines westfälischen Bauernhofes von Karl Immermann Gebr. Lensing, Gronau. Die gemeinschaftlichen Jagdbezirke in der Gemeinde Nienborg sollen am 23. August ds. Is. öffentlich meistbietend gemäß den aufgestellten Bedingungen verpachtet werden. Die Gemeinde Nienborg besteht aus 3 Parzirken, welche je ca. 625 ha groß sind. Die Verpachtung erfolgt auf 6 Jahre und findet im Amtsbüro zu Nienborg um 3 Uhr nachmittags statt. Nienborg, den 7. August 1926. Der Taabbaritebare D.a für In- und Ausland Wanderbücher für die nähere und weitere Heimat Karfen für Reise, Rad- und Auto-Verkehr und Wandern Gebr. Lensing Dorfmundu. Gronau Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig mnmnnnnmm Soeben erscheint in siebenter, neubearbeiteter Auflage: 12 Halblederbände Über 160000 Artikel auf 20 000 Spalten Text, rund 5000 Abbildungen und Karten Im Text, fast 800 z. T farbige Bildertafeln und Karten, über 200 Textbeilagen Band 1 u. II kostet je 30 Mark, Band III 33 Mark Sie beziehen das Werk durch jede gute Buchhandlung und erhalten dort auch kostenfrei ausführliche Ankündigungen Jede angesehene Firma muß Wert auf gut ausgestattete Drucksachen legen. Nicht die billigsten Drucksachen sind die besten. Wir leisten Qualitätsarbeit und verwenden nur gute Papiere. Verlangen Sie Muster und Vertreterbesuch. Buch- und Kunstdruckerei Gebr. Censing Abaus i. W. Bekanntmachung. Im Wege der Zwangsvollstreckung sollen zu Gronau am Samstag, den 14. August 1926, nachm. 3 Uhr folgende Gegenstände,s: Oelgemälde öffentlich meistbietend gegen Barzahlung versteigert werden. Zusammenkunft der Kaufliebhaber nachm. 3 Uhr in der Wirtschaft Lilienfeld. Gronau. 12. 8. 26. Winkelmann, Obergerichtsvollzieher. Metallbetten Stahlmatratzen, Kinderbetten günst. an Private. Katalog 2477 frei. Eisenmöbelfabrik Suhl(Thür.) gesucht für den Verkauf von Oele, Fetten u. Seifenart. im hiesigen Bezirk. Hohe Provision zugesichert. unt. O. F. S. 62 an die Ahauser Kreiszeitung, Ahaus. Möglichst sofort gesucht tüchtiger Gehilfen Solche, die mit Damen=Haarschneiden bekannt sind, bevorzugt. Angebote an Vlaskamp, Oldenzaal(Holl.), Marktstr. Suche zu sofort zuverlässigen welcher mit Pferden umgehen kann. Fritz Bußmann, Fuhrunternehmer Samstag, den 14, und Sonntag, den 15. August. Maud Rokfellers Welfe 6 Akte nach dem gleichnamigen Roman von Gilbert Hictown. In den Hauptrollen: Erich Kaiser Titz— Curt Vespermann Rita Clermont. Die goldene Lilly Das Schicksal einer Frau, die nicht um sich selbst, sondern um ihres Ruhmes willen geliebt wird. 6 spannende Akte mit Mae Murray. Außerdem der bunte Teil. ahaus Westdeutscher Spielverband Ahaus Sonntag den 15. August ds. Js. Großes Pokaltournier im Stadtpark veranstaltet von der Ahauser Spielvereinigung 08. Teilnehm. Vereine; Coesfeld, Rhede. Neuenkirchen. Ahaus Während der Spiele: Konzert d. Städt. Kapelle Ahaus uovienversit gegen Blitzschlag zu ganz mäßigen Preisen. Nähere unentgeltliche Auskunft erteilt: cholbrosk am Markt Brot IIIUIIU Lebensmiffel aller Arf kaufen Sie vorteilhaft bei H. Korthuis, Gronau Tel. 206. 269. Wie wir Ihre Rückgratverkrümmung ohne Berufsstörung uessern und ev. heilen, zeigt unser Buch mit 50 Abbildungen. Zu beziehen gegen Nachnahme von Mk 1.— von Franz Menzel. Hamover, LaHaferverkauf Am Samstag, den 14. ds. Mts., nachm. 6 Uhr, werde ich im Auftrage des Herrn Bäckermeisters Johannes Harpering, hier, 6 Scheffel Gesäe vorzüglichen Haierfrucht auf seinen Grundstücken beim hiesigen Wasserturm meistbietend gegen Zahlungsfrist verkaufen. Ahaus, 12. Aug. 26. 14 beeid. Aukt. FESTPROGRAMM Schützengesellschaft Schöttelkotterhook-TiekerhoorEßseite-Gronau i. W. Unser diesjähriges Schützenfest findet am Samstag, den 14., und Sonntag. den 15. August, in unserm Schützenzelte statt. Samstag, abends 7 Uhr, Antreten am Vereinslokal G. Kolk. Marsch zum Schützenzelt, daselbst Paroleausgabe, danach gemütliches Beisammensein. Sonntag, mittags 1 Uhr, Antreten am Vereinslokal, Verteilung der Schießnummern, Abholen der Fahne vom Vorsitzenden. Danach Marsch zur Vogelstange, anschließens Logelschießen. Während des Schießens Konzert. Nach gefallenem Königsschuß Huldigung des Königs und Empfang der Königin. Danach Krönung unter der Vogelstange. Von 6 Uhr an großer Königsball. Der Vorstand. Freunde und Gönner des Vereins können durch Mitglieder eingeführt werden.— Zum Feste habe ich Zelt und Restauration übernommen und für gute Getränke und Speisen bestens Sorge getragen. Der Festwirt: Verst. Schützengesellschaft Schöttelkotter-TiekerhookEßseite, Gronau i. W. Samstag, den 14. August, abends 7 Uhr, Sonntag, den 15. August, mittags 1 Uhr steht das Bataillon mit Waffen marschbereit am Vereinslokal. Der Major. Nr. 220 II. Blatt. Freitag, 13. August 1926 1 9* . Aus dem Kreise Ahaus. Verfassungsfeier in Ahaus. Ahaus, 13. August. Verfassungsfeiern sind keine rauschenden Festlichkeiten, bei denen möglichst viel äußerer Glanz entfaltet wird. Dafür sind die Zeiten zu ernst und die wirtschaftlichen Nöte zu groß. Solche mehr äußerliche Veranstaltungen würden auch vielleicht manchen verletzen, der sich mit den heutigen Verhältnissen nur schwer auszusöhnen vermag. Verfassungsfeiern sind Feiern ernsten Charakters, die nationaler und staatsbürgerlicher Selbstbesinnung dienen sollen. Früher gab es ähnliche Veranstaltungen in Deutschland nicht, sondern die nationalen Feiertage brachten in erster Linie äußeres Gepränge und Paraden. Daran mag es liegen, daß die Teilnahme der Bevölkerung an den Verfassungsfeiern, wenn auch in diesem Jahre aus manchen Städten schon eine Besserung gemeldet wird, im allgemeinen doch noch nicht derartig ist, wie es der Bedeutung des Tages entsprechen würde. In Ahaus fand die Verfassungsfeier abends 8½ Uhr im Jugendheim statt. Nach einem Musikstück der städtischen Kapelle hielt ein Herr von der Reichszentrale für Heimatdienst die Festrede. Er ging auf die Entstehung und den Inhalt der Reichsverfassung ein und würdigte ihre Bedeutung für die Erhaltung unserer nationalen Einheit und unsere innere Gesundung. Weiter wies er auf die Grenz= und Auslandsdeutschen hin, denen in ihrem schweren Kampfe ein Gruß aus der Heimat eine Ermutigung bedeute. Der Redner schloß mit dem Worte von Fichte: „Du sollst an Deutschlands Zukunft glauben. An deines Volkes Auserstehn, Laß diesen Glauben dir nicht rauben Trotz allem, allem, was geschehn. Und handeln sollst du so, als hinge Von dir und deinem Tun allein Das Schicksal ab der deutschen Dinge, Und die Verantwortung wär' dein.“ Eine Ergänzung und Vertiefung fand die Festrede durch die Ausführungen von Herrn Landrat Sümmermann, der die Gründe für die mangelnde Teilnahme an den Verfassungsfeiern untersuchte und den Reichsprasidenten Hindenburg als unser Vorbild für unsere Einstellung zum neuen Staate hinstellte. Seine Worte klangen in ein Hoch auf unser Vaterland aus, in das alle Anwesenden begeistert einstimmten. Stehend sangen dann die Teilnehmer 2 Strophen des Deutschlandliedes. Die Ansprachen wurden umrahmt durch Musikstücke der Stadtkapelle, die unter Leitung des Herrn Köbrich wieder ganz Vorzügliches leistete. Alles in allem nahm so die Verfassungsfeier einen durchaus würdigen- und eindrucksvollen Verlauf. — Schonzeit für Flugwild, Unter Bezugnahme auf §§ 39 und 40 der Jagdordnung vom 15. Juli 1907 (Ges.=Samml. S. 207) für Flugwild für das Jahr 1926 für den Regierungsbezirk Münster folgendes bestimmt: 1. Der Schluß der Schonzeit für Rebhühner, Wachteln und schottischen Moorhühnern wird auf Dienstag, den 31. Aug. 1926, festgesetzt, sodaß der 1. September 1926 für diese Wildarten der erste Jagdtag ist. 2. Der Schluß der Schonzeit für Birk=, Hasel= und Fasanenhähne wird auf Mittwoch, 29. Sept. 1926, festgesetzt, sodaß Donnerstag, 30. Sept. 1926, für diese Wildarten der erste Jagdtag ist. 3. Die Schonzeit für Drosseln(Krammetsvögel) wird auf Mittwoch, 29. Sept. 1926, festgesetzt, sodaß Donnerstag, 30. Sept. 1926, für diese Wildarten der erste Jagdtag ist. — Der Kameradschaftstag der Angehörigen des ehemaligen Res.=Inf.=Regts. Nr. 67 findet am 4. und 5. September in Essen statt. Hierzu sind alle ehemaligen Res. 67er herzlichst eingeladen. Es wird eine kleine, aber schöne Wiedersehensfeier werden. Anmeldungen erbeten bis 25. August an A. Möller, Essen, Klosterstr. 12, der das Programm zusendet. Die Ortsgruppe Essen der Vereinigung sorgt für Unterkunft. :: Ernennungen im Bereich des Provinzialschulkollegiums. Der Studienassessor Bruno Rodde ist rückwirkend vom 1. April 1926 ab zum Studienrat an der Oberrealschule in Gronau ernannt worden; die Studienassessorin Charlotte Hertzberg ist mit Wirkung vom 1. Juli 1926 ab zur Studienrätin an dem städtischen Lyzeum in Buer ernannt worden. )( Fahrraddiebstahl. Auf dem letzten Montagsmarkt wurde dem Sohn des Gutsbesitzers S. ein noch sehr gut erhaltenes Fahrrad, das er für kurze Zeit ohne Verschluß vor einem Geschäft aufgestellt hatte, entwendet. Bei dem großen Marktverkehr konnte der Dieb unerkannt entkommen. () Versagen des elektrischen Stromes. Am Mittwoch abend wurde die Stadt durch plötzliches Versagen des elektrischen Stromes für eine halbe Stunde in tiefstes Dunkel gehüllt, da auch draußen größte Finsternis, mit Ausnahme der Straßengasbeleuchtung, herrschte. Die Ursache ist auf einen Schaden bei dem Hochspannungsnetz zurückzuführen. X Legden, 12. Aug. Unglücksfall. Der Maurermeister Sp. von hier, der an einem Neubau der Fa. Hüsker& Co. in Gescher beschäftigt ist, stürzte am Mittwoch von einem ca. 10 Meter hohen Gerüst. Der Verunglückte wurde sofort in das Gescher'sche Krankenhaus überführt. Wie wir hören, soll Sp. keine schwere Verletzungen davon abbekommen haben. + Legden, 12. Aug. Vom Spiel= und Sportverein 1911. D. J. K. Am Mittwoch abend fand im Jugendheim eine Spieler=Versammlung statt. Es wurde beschlossen, der Einladung zum Dülmer Sportsest am nächsten Sonntag Folge zu leisten, Außer an den Staffeln werden die Legdener sich an den verschiedenen Einzelkämpfen beteiligen. Die Abfahrt ist am Sonntag vormittag mit dem Zuge um 6,48 Uhr. Sammeln der Mitglieder um 6,15 Uhr bei Lanfer. Fahrpreis ist für die Hin= und Rückfahrt 1.— A. Das Geld für die Fahrt ist bis Samstag abend beim Schriftführer W. Terhörst abzugeben. X Epe, 12. Aug. Die enttäuschten Kinderreichen. Der Reichsbund der Kinderreichen hatte für Sonntag, den 8. Aug., morgens nach dem Hochamt im Saale des Hotels Nacke eine Versammlung anberaumt. Eine ganze Anzahl Interessenten war erschienen. Leider mußten sie unverrichteter Sache wieder abziehen, da— weder die Einberufer der Versammlung noch der Referent erschienen waren. Die Veranstaltungen der schau Dülmen 1926. Es ist ein erfreuliches Zeichen des kulturellen Hochstandes, daß Massenbesuche der Gewerbeschau am Sonntag, da Tausende sich durch die weiten Räume der Ausstellung drängten und schoben, auch am Montag ein so reger Besuch sich zeigte, daß seine Zahl in die Tausende ging. Allerdings war zu bemerken, daß das Interesse durchgehends anderen Beweggründen entsprang, wie das der Besucher am Sonntag: Statt des Haschens nach dem Gesamteindruck mehr das Studium einzelner Gruppen. Den Grund dafür wird man zu suchen haben in den verschiedensten Veranstaltungen einzelner Berufsgruppen, die, am Sonntag beginnend mit einer Tagung des K. K. V., einer mustergültigen Feuerlöschprobe und einer Kaninchenausstellung der Kreise Coesfeld und Lüdinghausen, am Montag ihre Fortsetzung fanden in einer Bezirkstagung der Friseure und verwandter Berufe und einer großen Kundgebung des Rheinisch=Westfälischen Einzelhandelsverbandes. Die Bezirkstagung der Friseure begann nachmittags 2 Uhr unter der Leitung des Bezirksvorsitzenden Lattekamp(Münster). Nach Entgegennahme des Berichtes über den letzten Bezirkstag in Münster wandte man sich der Frage der Arbeitszeit zu, die man auch für die selbständigen Meister begrenzt wissen wollte, am liebsten allerdings durch bindende Abmachungen unter den Berufsmitgliedern unter Ausschaltung polizeilicher Regelung. Nach Erledigung mehr interner Organisationsfragen folgten die Teilnehmer einer Einladung des Ausstellungsleiters, Syndikus Dr. Bergmeyer, zur Besichtigung der Gewerbeschau, wobei erklärlicherweise die Sondergruppe der Friseure besondere Beachtung und, was mit Freuden festgestellt werden darf, einhellige Bewunderung fand. Im großen Saale des Bürgerhauses folgte nachmittags 4 Uhr die außerordentlich stark besuchte große Kundgebung des Rheinisch=Westfälischen Einzelhandelsverbandes, die der Vorsitzende des Dülmener Ortsvereins, Brabender, leitete. Es hatte ursprünglich die Absicht bestanden, dieser Veranstaltung durch eine große Rede des verdienstvollen Reichstagsabgeordneten Engberding(Münster) über die wirtschaftliche Lage besondere Bedeutung nach der Regierungsseite hin zu geben. Leider mußte der Versammlungsleiter mitteilen, daß der Abgeordnete Engberding so schwer erkrankt sei, daß er nicht kommen könne, vielleicht sogar genötigt sei, sein Reichstagsmandat und sonstige Ehrenämter niederzulegen, eine Mitteilung, die von der Versammlung mit aufrichtigem Bedauern entgegengenommen wurde. Bei Ausfall dieses Referats trat der an zweiter Stelle vorgesehene Vortrag des bekannten Mittelstandsführers Dr. Müser(Köln) über die Frage „Was hat der Einzelhandel zur Abwehr der ihm drohenden Gefahren zu tun?" umsomehr in den Vordergrund des Interesses und gestaltete sich angesichts der tiefschürfenden Darlegungen und der glänzenden Vortragsweise des Redners, der in mehr als 1½ Stunden alle brennenden Fragen des Einzelhandels einer klaren, objektiven Behandlung unterzog, zu dem, was dieser Einzelhandelstag sein sollte: einer großen Kundgebung. Dr. Müser ging aus von der grundstürzenden Aenderung der wirtschaftlichen Verhältnisse nach dem Kriege, die nach Stabilisierung der Währung, Sinken der Kaufkraft und Arbeitslosigkeit im Gefolge hatte, durch die natürlich der Einzelhandel aufs engste berührt wurde. Zwangswirtschaft, Kreditnot und zu harte Bedingungen für bereitgestellte Staatkredite haben dem Wiederaufstieg hemmend entgegen gestanden. Trotzdem müsse festgestellt werden, daß zwar die Grundlage für den Wiederaufbau der Wirtschaft besser geworden, für den Einzelhändler aber die Lage im Einzelnen so schlecht sei, daß man das Gefühl habe, so wie es jetzt sei, könne es nicht weiter gehen, und es sei unerläßlich, nach Mitteln zu suchen, um diesen wichtigen Zweig des Wirtschaftslebens wieder hoch zu bringen. Der Vortragende gliederte seine Darlegungen in drei Gruppen. Die erste von ihnen kennzeichnete er als das Verhältnis des Einzelhändlers zu Staat und Gemeinde. Hierbei wandte er sich begreiflicherweise zuerst den Steuern zu. Daß an Reich, Staat und Gemeinde Steuern gezahlt werden müssen, sei selbstverständlich, aber man müsse verlangen, daß die Lasten gerecht verteilt werden ohne Bevorzugung eines einzelnen Standes. Vor allem sei das der Fall bei der unterschiedlichen Festsetzung gegenüber denen, die keine Bücher führen, und denen, die durch die Buchführung in der Lage seien, eine geordnete Bilanz mit Gewinn= oder Verlustnachweis vorzulegen. Er wandte sich weiter mit Recht gegen die Nichtanerkennung und Beanstandung der vorgelegten Bilanzen, verlangte, daß die Miete für die Geschäftswelt in Abzug gebracht werden könne, um das Geschäft überhaupt rentabel zu machen, verurteilte die Hauszinssteuer, deren Ertrag bei weitem nicht für die Zwecke verwendet werde, für die er bestimmt sei, und bei der Gewerbesteuer bezeichnete er es als untragbar, daß sie gleichzeitig für 1925 und 1926 festgesetzt werde. Dann trat er dem wieder stärker werdenden Bestreben nach Kommunalisierung und Sozialisierung entgegen, vor allem aber der sogen.„kalten Sozialisierung“ durch Verkauf von Apparaten(für Gas usw.) durch die Gemeinden und das sichtbare Bestreben der Gemeinwesen, durch Erwerb möglichst vieler Anteile überragenden Einfluß auf größere Unternehmungen zu erhalten. Bei der Behandlung des Verhältnisses des Einzelhandels zur Wirtschaft mißbilligte er hart das vielfach hervortretende Bestreben von Beamten, gemeinsam Bestellungen beim Großhandel zu machen, und verlangte von dem Vermittler solcher Bestellungen, daß er die gleichen Lasten zu tragen habe, wie der Einzelhandel, auch daß diese Tätigkeit nicht während der Bürostunden ausgeübt werden dürfe. Ebenso unterstrich er die alte Forderung des Einzelhandels hinsichtlich der Besteuerung der Konsumvereine, auch der Werkskonsumvereine. Wenn auch Freund der unbedingten Sonntagsruhe, sei er doch bei ländlichen Verhältnissen unbedingt für Freigabe einiger Stunden des Sonntags, um der Bevölkerung die Möglichkeit zu geben, ihre Einkäufe im Orte machen zu können. Darin sah er mit Recht eines der wichtigsten Kampfmittel gegen den überhandnehmenden Hausierhandel, der ebenso zu bekämpfen sei, wie die Wanderläger, die eine unlautere Konkurrenz des reellen, ortsansässigen Einzelhandels seien. Bezüglich des Verhältnisses des Einzelhändlers zu seinen Lieferanten verlangte er die Wiederherstellung des vorkriegszeitlichen Zustandes, ebenso hinsichtlich dessen zwischen Einzelhändler und Kunden. Der Einzelhändler müsse bei seinem Kunden auch wieder der Vertrauensmann sein, auf den sie sich bei der Vermittlung der Waren verlassen können. An dritter Stelle behandelte er dann das Verhältnis der Einzelhändler unter sich, verurteilte schwindelhafte und marktschreierische Reklame, das Ueberhandnehmen der Sonderverkäufe, deren Rabattgebahren das Publikum hinsichtlich der Reellität des Kaufmanns ein ganz falsches Bild erhalten müßten. Als Abwehrmittel gegen die dem Einzelhandel drohenden Gefahren, verlangte er zunächst vom Staate ausreichende Schutzmittel an der richtigen Stelle. Daneben aber auch Selbsthülfe, vor allem durch Anpassung der gegenwärtigen Verhältnisse an frühere Zeiten in Bezug auf Einkauf, Lagerhaltung, Verkauf und Inanspruchnahme von Krediten, Tüchtigkeit in der Kalkulation und Verzicht auf unfaire Reklame. Die Käuferschaft müsse im Einzelhandel wieder ihren Vertrauensmann sehen. Wichtig sei auch die Rationalisierung, namentlich bezüglich der sich geradezu überstürzenden Mode. Alles das aber lasse sich nur erreichen, wenn durch die Gesamtorganisation der nötige Nachdruck gegeben werde. Darum sei die möglichst straffe Gliederung der Organisation eine unerklärliche Notwendigkeit. Gründliche Ausbildung und Fernhaltung dem Stande abträglicher Elemente müssen damit Hand in Hand gehen. Nur so könne der Einzelhandel wieder zu Achtung und Ansehen kommen, und wenn sich damit ein vertrauensvolles Solidaritätsgefühl aller zu allen geselle, sei der Weg für eine bessere, schönere Zeit gewiesen.(Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Syndikus D. Bergmeyer versicherte, ähnlich, wie der Deutsch=Handelstag am letzten Donnerstag in Düsseldorf, solle auch vom Rheinisch=Westfälischen Einzelhandelsverbande an die zuständigen Stellen ein energischer Protest gegen die Hauszinssteuer gerichtet werden. Dann lud er die Teilnehmer zur Besichtigung der Gewerbeschau ein, der sich ein gemütliches Beisammensein im Festzelte anschloß. Gronau. + Gronau, 13. Aug. Verschiedenes. Ein Unglücksfall ereignete sich gestern mittag auf einer Baustelle an der Rüenbergerstraße. Der Kaminbauer Kempker stürzte aus beträchtlicher Höhe ab. Außer anderen Verletzungen trug er einen Beinbruch davon. Sanitäter brachten den Verunglückten ins kath. Krankenhaus.— Eingebrochen wurde nachts bei einem Anwohner der Tannenstraße. Die Täter, von denen bis jetzt jede Spur sehlt, stahlen aus einem Schranke 680 A.— Ein widerliches Straßenbild bot sich gestern nachmittag den Passanten der Burgstraße. Der Dämon Allohol hatte einen zu tief ins Glas geguckten älteren Mann derart in seiner Herrschaft, daß dieser ein Aergernis für die Oeffentlichkeit war. Schließlich nahm sich die Polizei des Mannes, den man schon vorher verschiedene Male aus dem Straßengraben gezogen hatte und der nach seinen Angaben aus Graes stammte, an. = Gronau, 13. August. Sitzung der Stadtverordneten. Heute nachmittag 6 Uhr versammeln sich die Stadtväter zu einer Sitzung im Rathause. Auf der Tagesordnung stehen folgende Punkte: 1. Geschäftliche Mitteilungen. 2. Anschluß des Bahnhofs Gronau an die Drehstromleitung. 3. Auswechselung der Holzmasten der elektrischen Leitung an der Enschederstraße. 4. Anliegerbeiträge Läden Zollstraße. 5. Hochwasserschäden. 6. Unterbringung des Sanitäts=Krankenwagens 7. Reparatur des Holzschuppens neben der Turnhalle, 8. Einbürgerung des staatenlosen Arb. Peter Alt. 9. Antrag betr. Einsetzung einer sechsgliedrigen Finanz= und Verfassungskommission. V Gronau, 13. Aug. Jenseits der Grenze. Das Dorf Borculo beging am Dienstag, den 10. August, den Tag, an dem vor Jahresfrist der Ort durch eine gewaltige Unwetterkatastrophe vernichtet wurde. Aus Anlaß des Jahrestages fand die seierliche Uebergabe der eigens gestifteten Cyclon=Medaillen an die Bürger des Dorfes statt, die sich bei der furchtbaren Heimsuchung im vorigen Jahre um den Schutz der Mitmenschen und deren Eigentum besonders verdient machten. Dem Danke an den Bürgermeister, der sich als der Mann am rechten Platze um den Wiederaufbau des zerstörten Ortes erfolgreich bemühte, wurde durch die Gemeindevertretung in ehrender Weise beredten Ausdruck verliehen. Am Abend des Gedenktages, um 7 Minuten vor 7 Uhr, in dem Moment, da vor Jahresfrist der Cyklon seinen unheilvollen Anfang nahm, begann eine Gemeindeveranstaltung, die u. a. mit Darbietungen einer bekannten Sängerin ausgefüllt wurden und die in der Auswahl der Lieder die Stimmung von Anfang bis zum Ende des verheerenden Naturdramas sinnvoll wiedergab. Es wurde auch eine lokale Ausstellung von Bildern des Wirbelsturmes und seinen Folgen eröffnet. Abends sand ein Dank= und Bittgottesdienst statt.— Ein 6 jähriger Junge schlägt seinen Vetter tot. Aus dem holl. Orte Groesbeck wird berichtet, daß dort 2 aus der Schule kommende Jungen in Streit gerieten. Während des Kampfes zog der jüngste Teilnehmer, der 6 jährige W. seinen Holzschuh vom Fuß und versetzte damit seinem 7½ jähr. Vetter einen heftigen Schlag auf den Kopf. Der Knabe fiel zu Boden und blieb leblos liegen. (:) Gronau, 13. August. Der Auto= und Fuhrwerksverkehr in den schmalen Straßen kann gar leicht zu einer Gefahr für andere Passanten, wie für die Gefährte selbst werden. Dies ist besonders in der verkehrsreichen engen Neustraße der Fall. Schon mancher Fußgänger hat sich dort bei plötzlicher Durchfahrt eines Autos ängstlich an die Wand gedrückt, um nicht von dem Gefährt erfaßt zu werden. Solche verkehrshemmenden und das Leben der Mitmenschen in Gefahr bringenden Fälle sind fast Stüber, Schutzpolizei Ratibor, zur Schutzpolizei Münster; Pol.=Hauptmann Grützmann, Pol.=Verwaltung Recklinghausen, zur Schutzpolizei Münster; Pol.=Hauptmann Keuper, Pol.=Verwaltung Recklinghausen, zur Schutzpolizei Münster; Pol.=Oberleutnant Schmick, Pol. Verwaltung Bochum=Gelsenkirchen, zur Schutzpolizez Münster zur Verwendung im luftpolizeilichen Ueber wachungsdienst; Pol.=Oberleutnant Weiß, Schußpolizes Duisburg=Hamborn, zur Schutzpolizei Münster; Pol.Leutnant Herder, Schutzpolizei Harburg, zur Schutzpolizei Münster; Pol.=Leutnant Schildt, Polizeischule Münster, zur Schutzpolizei Münster. — Münster, 12. Aug. Wegen Betruges im Spritgeschäft verurteilt. Der Inhaber der Firma Wördehoff, Kaufmann Heinrich D., der wegen fahrlässiger Tötung durch Methylalkohol zu acht Monaten Gefängnis verurteilt wurde, offerierte durch die Vermittlungsfirma H. in Bremen Kornbranntwein. H. bekam drei Bestellungen für D. herein. Statt der bestellten 300 Liter Kornsprit sandte D. ein größeres Faß, das er mit Feinsprit deklarierte. Der Besteller lehnte die Abnahmß ab, und als die Vermittlerfirma H. einen Teilverkaudes Feinsprits vorschlug, kam D. selbst nach Bremen. Der Firma B., die ausdrücklich Kornsprit bestellte, wurde Mitteilung über die Ankunft der Ware gemacht. Als D. selbst am 13. Juli in Bremen eintraf, teilte die Vermittlungsfirma ihm mit, daß er die Fraktura in Kornsprit umändern müsse. D. tat das nicht, sondern ließ sich die Fraktura aushändigen und ging zum Lagerplatz, um dort dem Chauffeur des B. das Faß Sprit auszuhändigen. Der Lagerplatz war bereits geschlossen und D. fuhr mit dem leeren Wagen zu B. Nun probten beide und D. verkaufte nach den Proben den Sprit als Kornsprit. Das Schöffengericht in Münster machte in diesem Sinne die Feststellung und hielt den Angeklagten, da er den gleichen Sprit, den er später an B. verkaufte, dem ersten Besteller als Kornsprit anbot und das Geschäft durch den Tod des Abnehmers nicht zustande kam, des versuchten Betruges und im Falle des Verkaufs des Sprits als Kornsprit an B. des Betruges schuldig. Der Angeklagte, versicherte, das Gemisch von Monopol= und Obstsprit als Feinsprit offeriert und verkauft zu haben. Der Preisunterschied zwischen Korn=, Monovol= und Obstsprit ist erheblich Das Gericht nahm an, daß sich der Angeklagte bereichern wollte und verurteilte ihn wegen versuchten Betruges und vollendeten Betruges zu einer Gesamtstrafe von vier Monaten Gefängnis. (:) Buer, 12. August. Raubüberfall. Gestern nach wurde ein hiesiger Maschinenmeister in einem Wäld chen in der Nähe von Buer überfallen, zu Boden ge schlagen und seiner Uhr mit Kette beraubt. Als Täte wurde ein gewisser S. von hier ermittelt. Die ge stohlenen Sachen konnten dem Geschädigten wieder aus gehändigt werden.— Mit dem Bau des neues Hauptpostamtes wird, wie wir erfahren, bereits in der nächsten Woche begonnen werden. Das 4stöckig Gebäude erhält seinen Platz an der Freiheit auf den Eckgundstück zwischen der Königswiese und der Mühlen straße und bekommt eine Frontbreite nach beiden Sei ten von insgesamt 73 Metern. Die Hauptfrontlänge beträgt 55,60 Meter. Der Neubau wird ganz aus Bock horner Klinkern ausgeführt. Zwei imposante Ecktürm werden den Bau flankieren. Spiel und Sport. Westdeutscher Spielverband. Spiel= und Sportverein Epe 1912. Die Sperrzeit für das Fußballspiel ist zu Ende. Der Spiel= und Sportverein tritt nun am Sonntag wieder zum ersten Mal an die Oeffentlichkeit. Die erste Elf fährt am Sonntag nach Burgsteinfurt, um an dem Pokalturnier des Sportclubs„Union" teilzunehmen. Die Aufstellung der Mannschaft ist folgende: Verteidigung: Riering, Haupt I, Klein; Läuferreihe: Haupt II, Albers, Hörmann; Stürmerreihe: Wagner, Enseling, Meyer, Vorhuis, Theissing. Abfahrt der Mannschaft erfolgt um 10 Uhr vormittags per Auto vom Vereinslokal Büscher aus. Hoffentlich wird die Mannschaft mal wieder zeigen, daß sie von ihrer früheren Spielstärke noch nichts eingebüßt hat. Es werden ihr spielstarke Vereine entgegentreten, wie:„Preußen", Borghorst,„Spielverein“, Emsdetten und Ballspielverein Grewen. Am 22. und 29. August ist die erste Elf ebenfalls für Pokalspiele verpflichtét.— Am Freitag abend 8,30 Uhr Spielerversammlung im Vereinslokale Joh. Büscher. Vorher 8 Uhr Vorstandssitzung.— Am vorigen Sonntag war der Verein in Nordhorn i. H. und nahm an den leichtathletischen Wettkämpfen teil. In der Jugendklasse brachte Alois Enseling den 2. und 3. Preis heim. Heini Helfer konnte im Weitsprung den 2. Preis erringen. Den jugendlichen Siegern ein kräftiges„Ball Heil,. Aus dem Turnverein„Westfalia", Epe. Am Sonntag nahm der Turnverein„Westfalia“ an dem Stiftungsfest der Stadtlohner Turner teil. Die erste Riege fuhr mittags per Auto nach Stadtlohn. Nach dem Festzuge, woran die Vereine von Borken, Gescher, Velen, Vreden, Ahaus und Epe teilnahmen, fanden die Sondervorführungen der auswärtigen Vereine statt. Der Turnverein„Westfalia“ zeigte hier wieder großartige Leistungen. Am Abend kehrte die frohe Turnerschar wieder nach Epe zurück.„Gut Heil“. täglich, namentlich aber in den belebten Mittags= und Abendstunden, zu beobachten. Immer wieder muß daher den Kraftwagenführern zur Pflicht gemacht werden, diese kurze Strecke im Mittelpunkte der Stadt recht langsam zu fahren. Dann aber wäre es im allgemeinen Interesse nicht nur wünschenswert, sondern auch notwendig, die als Verkehrsentlastung dienende Parkstraße in einen fahrbaren Zustand zu versetzen. Jedoch ist auch hier der wunde Punkt die Geldfrage, die so manches wünschenswerte Projekt zum einstweiligen Scheitern verurteilt. :: Gronau, 13. August. Der Fluch des Bubikopfes. Ist da seit längerer Zeit ein Mädchen bei einer braven Familie in Stellung, so berichtet man uns aus Leserkreisen. Ihm liegt nun auch das Amt des Kuhmelkens ob. Vor einigen Wochen erhält das Mädchen Urlaub zu seinen Eltern. Es kommt endlich zurück und setzt seine Umgebung mit einem modernen Bubikopf in Staunen. Am folgenden Morgen geyt es seelenvergnügt an seine alte Arbeit. Aber o weh! Wie es zur Weide kommt, zeigen die Tiere nichts von ihrer alten Anhänglichkeit, die zu andern Zeiten so an den Kühen gelobt wird. fur Jungfrauen vom 27. Sept. bis 1. Okt. morgens, Sie nahmen vielmehr Reißaus, und es bedurfte großer für Jungfrauen von 18 bis 25 Jahren vom 7. Okt. bis Anstrengung, die Tiere wieder einzufangen. Unser Fräulein ward aber noch nicht vom„Bubikopf“ kuriert, trägt ihn stattdessen heute mit besonderer Freude. In dem neuen, schön gelegenen, überaus praktisch eingerichteten(64 Einzelzimmer) Exerzitienhaus Gertrudenstift bei Rheine in Westfalen finden in nächster Zeit folgende Exerzitienkurse statt: für Priester vom 29. Aug. bis 4. Sept.(5 Tage), vom 6. Sept. bis 10. Sept.(3 Tage), vom 13. Sept. bis 17. Sept.(3 Tage), X Gronau, 13. August. Vom Krankenhausneuban. Die Arbeiten am St. Antoniushsopital schreiten rüstig voran. Das neue Hauptgebäude steht schon über die 1. Etage hinaus. Schon jetzt zeigt sich, daß es ein respektabler Bau werden wird, der nach Fertigstellung in jeder Hinsicht den modernen Anforderungen entspricht. Von früh bis spät klingt auf dem Bauplatze das herbe Lied der Arbeit, um Stätten zu schaffen für die leidende Mitwelt.— Am Mittwoch abend wurden die Zimmer=, Dachdecker= und Klempnerarbeiten für den Erweiterungsbau vergeben. Und zwar wurde der Zuschlag an die Niedrigstfordernden wie folgt erteilt: Zimmerarbeiten: B. W. Lammers u. Sohn, Enschederstraße; Dackdeckerarbeiten: Karl Huke, Losserstraße; Klempnerarbeiten: H. Sütfeld. — Gronau, 13. August. Von der Oberrealschule. Studienassessor Bruno Rodde wurde rückwirkend vom 1. April 1926 ab zum Studienrat an der hiesigen städt. Oberrealschule ernannt. Aus dem Münsterlande. + Münster, 12. August. Personalveränderungen beim Kommando der Schutzpolizei Münster. Es sind befördert: Pol.=Hauptmann Schumann zum Pol.Major; Pol.=Oberleutnant Stephan zum Pol.=Hauptmann. Es sind versetzt: Pol.=Hauptmann Dr. Royer Schutzpolizei Münster, zur Pol.=Verwaltung Köln zur Verwendung als Leiter des nachr.=techn. Sonderdienstes; Polz.=Hauptmann Menny, Pol.=Verwaltung Berlin, zur Schutzpolizei Münster zur Verwendung als Provinzialfunkleiter für die Provinz Westfalen; Pol.=Hauptmann 11. Oktober morgens, für Jungfrauen, die Jungfrauen bleiben wollen, vom 14. Okt. bis 18. Okt. morgens, für Frauen vom 23. Aug. bis 27. Aug. morgens, vom 8. Nov. bis 12. November morgens, für Jünglinge vom 13. Nov. bis 16. Nov. abends, für Männer vom 30. Okt. bis 2. Nov. abends, Die Exerzitien beginnen am Abend des 1. Tages gegen 7 Uhr. Anmeldungen richte man rechtzeitig an: Die Exerzitienleitung des Gertrudenstifts zu Bentlage bei Rheine in Westfalen. Rotationsdruck und Verlag von Gebr. Lensing Dortmund.— Verantwortlich für die Schriftleitung: J. V. Bernh. Schütte. Schuhwarenhaus A. Preiferowicz Gronau-Westfalen. Ochtruperstraße 15 mmmummmmmmm Ständig großes Lager von einfachster bis zur elegantesten Ausführung la. Qualitäten zu mäßigen Preisen 200 Fahre Lichtbildkunft. Die Lichtbildkunst(Photographie), deren Hauptbe deutung auf wissenschaftlichem Gebiete zu suchen ist, und der Anatomie, Physiologie und Astronomie ihre wesentlichsten Fortschritte verdanken, ist ein klassisches Beispiel für das allmähliche Werden einer hochwichtigen Erfindung. Oft bleiben kulturumwälzende Erfindungen und hervorragende Schöpfungen des bahnbrechenden Geistes jahrhundertelang in der Gestalt, die ihnen der erste Erfinder gab. Die Druckerpresse von Gutenberg, die Dampfmaschine von Watt und die Lokomotive von Stephenson sind altbekannte Beispiele dafür. Aber in Technik und Wissenschaft ist sehr oft auch der große Fortschritt nicht dem einzelnen zu verdanken. Man denke nur an den Ausbau der Feuerwaffen oder des Fernrohres. Bei der Lichtbildkunst hat ernste Wissenschaft, plonmäßige Forschung, Probieren und— der Zufall die Erfindung gefördert. Vor zweihundert Jahren untersuchte I. H. Schulze, ein Arzt in Halle, den Einfluß eines Silbernitratzusatzes zu der Salpetersäure, die er bei der Herstellung von Leuchtsteinen verwandte. Zufällig goß er die etwas Silber enthaltene Säure am hell erleuchteten Fenster auf Kreide und bemerkte dabei auf der dem Lichte zugewandten Seite eine Schwärzung, die auf der anderen Seite nicht auftrat. Schulze wies nach, daß das Licht die Schwärzung hervorgerufen habe. Dreißig Jahre später, 1757, veröffentlichte der Physiker Beccarius eingehende Untersuchungen über die Wirkung des Lichtes auf Chlorsilber, und 1671 beschrieb de la Roche in phantastischer Weise die Möglichkeit, nach den Verfahren von Schulze und Beccarius Lichtbilder herzustellen. Die ersten Schwärzungen, bewußt hervorgerufen, nahm im Jahre 1764 ein Apotheker in Osnabrück vor; er schwarzte Silber=Quecksilbersalze durch Sonnenlicht. Im Jahre 1782 entdeckte Hagemann die Lichtempfindlichkeit der Harze und die Blaufärbung des Guajakgummis suchte er durch Lichteinfluß zu erklären. Auf dieser Entdeckung baute später Niepce sein aufsehenerregendes Asphalt=Lichtbildverfahren auf. Unterdessen hatte Prof. Bergmann, Upsala, die Lichtempfindlichkeit der Oxalsauren Salze entdeckt.(1776) Vaselli trat 1792 mit Untersuchungen über das Chlorsilber an die Oeffentlichkeit, und wies als erster nach„naß nicht nur das Sonnenlicht, sondern auch künstliche Lichtquellen chemische Wirkung hervorbringen können. Zehn Jahre später(1802) stellte Wedgewood auf mit einer Silbernitratlösung getränktem Leder oder Papier Bilder her, die sich durch Wasser nicht entfernen ließen; diese Bilder mußten aber, da sie nicht fixiert waren, im Dunklen aufbewahrt werden. Davy setzte die Versuche Wedgewoods fort, doch auch ihm gelang das Fixieren der Bilder nicht. Die wichtige Aufgabe, das Bild der camera obscura festzuhalten, blieb bis zur Zeit Niepce und Daguerra ungelöst. Joseph Nicephore Niepce(1765—1833) widmete sich anfangs der von Sennefelder erfundene Lithographie und verwandte Asphalt als lichtempfindliche Masse. 1824 gelang es ihm, die Umrisse einer Ansicht in der camera obscura abzubilden. Er kam in Verbindung mit dem Maler Daguerre(1789—1851), der 1822 die Diorama=Camera erfunden hatte. Zu dieser Zeit war zur Herstellung von Ansichten mittels der Camera tagelange Belichtung der Niepceschen Bilder nötig. Dauerhafte Bilder mittels Quecksilber zu erhalten, gelang Daguerre im Jahre 1837. Daguerre verdankte diese Erfahrung einem Zufall. Er legte eines Tages eine Anzahl kurz belichteter Platten in einen Schrank. Als er einige Wochen später eine Platte herausnahm, fand er zu seinem Erstaunen ein Bild darauf. Zur Feststellung der Ursache nahm Daguerre von den Chemikalien, die im Schranke standen, eine nach der anderen heraus, erhielt aber nach wie vor von belichteten Platten Bilder. Als er schließlich eine Schale mit Quecksilber, die er bisher im Schranke nicht beachtet hatte, herausnahm, blieb die Wirkung aus. Daguerre schloß richtig, daß die Quecksilberdämpfe auf der belichteten Platte Bilder hervorriefen. Daguerre erkannte sofort die Wichtigkeit seiner Erfindung und sicherte sich das Recht, das neue Verfahren mit seinem Namen zu belegen. Auf Empfehlung des berühmten Physikers Arago wurde die„Daguerrotypie“ 1839 der französischen Akademie vorgelegt und die französische Regierung kaufte Daguerre sein Geheimnis für eine lebenslängliche Jahrespension von 6000 Francs ab. Das Wichtigste des Daguerre'schen Verfahrens ist, daß er Jodsilberplatten mit Quecksilberdämpfen behandelte, wodurch das kaum sichtbare Bild, kräftig hervortrat. Es ist aber nicht gelungen, sich des Papiers statt der versilberten Kupferplatten als Unterlage für das Lichtbild zu bedienen. Interessant ist es zu hören, daß der große Physiker Arago in seinem Berichte an die französische Akademie ausführt, daß die„Daguerrotypie“ in erster Linie für die Archäologie von Wert sein werde, die zur Abzeichnung der Millionen Hieroglyphen in Aegypten sonst eine Schar von Zeichnern auf Jahre hinaus brauchen würden. Die Vervielfältigungen von Bildern mittels der Lichtbildkunst wurde 1839 von Talbot erfunden, unabhängig von Daguerres Prinzip, aber auch durch einen Zusall. Um einige Lichtbildblätter auf ihre Empfindlichkeit zu prüfen, ließ Talbot sie nur kurze Zeit in der Camera und legte eins, das kaum eine Bildspur aufwies beiseite. Nach einiger Zeit sah er ein vollständiges Negativbild auf diesem Papien Wie war es entstanden? Das mit Silbernitrat bestrichene Papier war mit Jodkalium und mit Gallesilbernitrat, der wässerigen Lösung von Silbernitrat mit Gallussäure, behandelt. Die Entwicklung des Jodsilberbildes mit Zusatz von Gallussäure hatte gegenüber dem Verfahren mittels Quecksilber den Vorteil, daß von dem erhaltenen Negativbild nur Positivabzüge in beliebiger Zahl auf Chlorsilberpapier hergestellt werden konnten. Besser als Papier erwies sich Glas als Schichtträger, jedoch waren die Platten zuerst naß, da die von einem Neffen Niepces 1847 benutzten Platten unmittelbar vor der Aufnahme präpariert wurden. 1868 gelang dem Engländer Harrison die Herstellung der ersten Bromsilbergelatineemulsion und seinem Mitarbeiter Maddor 1871 die ersten gut gelungenen Bromsilbergelatinenegative. 1888 wurde durch den Amerikaner Eastmann der Film anstelle der Glasplatte auf den Markt gebracht. Auf dem Filmband und der besonders in Jena verbesserten photographischen Optik beruht das Wesen des modernsten Kindes der Lichtbildkunst, der Kinematographie 1901 erfand Gurtner, Schweiz, die Photographie in natürlichen Farben, die durch das Autochromverfahren der Brüder umiere und das photochemische Verfahren nach System Miethe ausgebaut wurde. Vervielfältigung für Bild= und Buchdruck von Zeichnungen geschieht in mannigfacher Weise durch die photographische Reproduktion(Autotypographie, Photozinkographie, Photolithographie usw.) Die Entwicklung der Lichtbildkunst war anfänglich bedächtig, langsam. In neuerer und neuester Zeit hat sich die Kinematographie auf all ihren Gebieten lawinenartig entwickelt, daß ihrem Segeslauf kaum eine andere Entwicklung zeitgemäßer Technik zur Seite gestellt werden kann. Farblichtmusik. Die Parallelität zwischen Tonskalen und Farbenskalen ist allgemein bekannt. Man spricht ebensogut von farbigen Tönen wie von klingenden Farben. Was uns als Naturwissenschaft, als mathematisches Problem erscheint, ist in Wirklichkeit eines der unbeschreiblichen Weltwunder, die sich durch keine Analyse ihres Geheimnisses berauben lassen. Wir kennen im Grunde nur die Wirkung, die sie auf unsere Sinne ausüben. Von hier bis zur Wirkung auf das Seelenleben ist ein kleiner Schritt. Die sinnvolle Aufeinanderfolge von Tönen ergibt Musik, eine von einer Anschauung oder Idee getragene harmonische Farbenzusammenstellung Malerei. Alle Künste— als Gestaltungen einer Einheit, eines Mikrokosmos— entspringen einem Urgefühl, sodaß die Menschheit schon mehr als einmal den Versuch machte, zwei oder gar mehrere an sich selbständige Kunstarten zu einem Werk zu vermählen; erinnert sei nur an die Oper, die Musik und Drama zu einer künstlerischen Einheit zu verschmelzen, versucht. Alexander Laszlo in München ist nun auf den Gedanken gekommen, Musik und Farbe als einen einzigen Erlebniskomplex auf die Sinne wirken zu lassen. Er bedient sich dabei der Serjabin'schen Methode. Während er am Flügel spielt, begleitet ihn:n verborgener Zweiter am sogenannten Farblichtklavier. Der Künstler trat in weiteren Betrachtungskreis verschiedentlich auf der Düsseldorfer„Gesolei". Je nach der Beschaffenheit eines Akkordes oder eines ganzen Satzes wird die Farblichtluppel der lichttechnischen Ausstellung auf der Düsseldorser„Gesolei" in warme oder kühle, gielle oder gedämpfte Farbigkeit getaucht. Die Beschaffenheit der Kuppel ermöglicht es, das Gefühl einer unendlichen Tiefe des Raumes aufkommen zu lassen Abgesehen davon, daß die Auswahl der einzelnen Farben und ihre Aufeinanderfolge rein subjektiv festgelegt ist, daß also der anders Empfindende bestimmte Töne von vornherein eindeutig sarbig anzusehen hat, scheint hier die Aufgabe der Musik als absoluter Kunst mißverstanden zu sein. Das Verständnis für Musik wird nicht gefördert, wenn es sich der Mensch noch gefallen lassen muß, von einem Farbentaumel in den anderen gerissen zu werden, der in seinem jähen Wechsel von Nachtdunkel in grelles Licht eher schmerzlich als erlösend empfunden wird. Nicht ohne tieferen Grund schließt ein Mensch, der Musik zuinnerst auf sich wirden lassen will, die Augen; nicht umsonst auch wird bei Darbietungen hochstehender Musikwerke der Saal abgedunkelt. Nur in eine gesammelte und bei sich selbst eingebehrte Seele wird der wahre Geist der Musik einkehren als mystische Resonanz des Gemütes auf die vom Ohre empfangenen Klangwellen. Mit aufgerissenen Augen eine Lichtwelle nach der anderen auf sich hereinstürzen sehen, zersplittert dagegen die seelischen Energien. Gewiß, man ist zuweilen erschrocken, irgendwie kalt oder heiß durchschauert. Aber diese mit sehr sinnfälligen Mitteln bewußt herbeizitierte Ekstase, dieses prickelnd Aufregende, Nervenpeitschende, das den reinen Wein der Musik zu Selt macht, ist von dem ernsthaften Kunstfreund abzulehnen, wobei wir gerne gestehen, daß die Farblichtmusik als Experiment dem Forscher vielleicht wertvolle Ergebnisse zu vermitteln vermag. Eine zweite Methode, deren eigentlicher Schöpfer Alexander Laszloist, besteht darin, an die Wand hinter dem Flügel abstrakte Gebilde zu projizieren, die sich rhythmisch nach dem Takt der Musik bewegen, im Wechsel der Farben ineinanderfließen und auf diese Weise dem Publikum eine ins Linear=Farbige übersetzte Musik bieten, die je nach der Intensität der Zeichnung und Tönung neben der Musik primär oder sekundär wirkt. Diese rieselnde Bewegung an der Wand rührt nach kurzer Dauer die Seele an und bringt sie selber in sanfte Erregung, ähnlich wie es empfindungsstarke Seelen an der See empfinden. Es bleibt schließlich nur die Bewegung, das unaufhörliche Auf und Ab, darüberhin die Töne gleich Schaumperlen tänzeln. Hier kann Einheitserlebnis von ungeheuerem Ausmaß erstehen. Vielleicht ist das ein Weg zu einer neuen Kunstform, deren erstmalige Vorführung im letzten Jahre beim Kieler Tonkünstlerfest wie auch jetzt auf der Düsseldorfer„Gesolei" allerdings noch die Schlacken des Experiments trägt. O. G. der Stunde erreichten. Immerhin ist man heute imstande, mehrere 1000 Km. zurückzulegen. In der„Germania“ ist kürzlich ein Vergleich früherer und heutiger Reisegeschwindigkeiten gezogen. Danach ist das Reisen heutzutage nicht nur schneller, sondern auch wesentlich billiger und bequemer geworden. Vor hundert Jahren sind Passagiere in 12 Stunden mit dem Postwagen rund 45 bis 50 Km. gefahren. Die Reise von Berlin nach Paris war damals ein bedeutenderes Unternehmen als heute die Ueberfahrt nach Amerika. Friedrich der Große enzielte bei seinen Reisen, die er zur Besichtigung der durch den Krieg geschädigten Provinzen machte, oft eine Reisegeschwindigleit von 50 Kilometer pro Tag, da er auf seine persönliche Bequemlichkeit wenig Rücksicht nahm. Die französischen Könige, insbesondere Ludwig 14. reisten bequemer und legten durchschnittlich 30 Km. pro Tag zurück. Das waren Reisegeschwindigkeiten, solange es noch keine Eisenbahn gab. Die Eisenbahn schuf ganz neue Möglichkeiten, wenn auch die ersten Lokomotiven verhältnismäßig langsam fuhren. Als im Jahre 1850 das Eisenbahnnetz schon einen recht beträchtlichen Umfang angenommen hatte, hatten die Eisenbahnen noch eine durchschnittliche Geschwindigkeit von 30 Km. am Tage, also kaum den dritten Teil der Geschwindigkeit, die unsere schnellsten Züge heute erreichen. Dafür waren damals die Kosten erheblich höher, dann derselbe Weg, der früher 75 Mark kostete, erfordert jetzt eine Eisenbahnkarte 3. Klasse in Höhe von 25 Mark. Die Kosten sind aber nicht nur für die Personenbeförderung, sondern auch für die Gepäckbeförderung wesentlich billiger geworden. Vor dem Kriege war bekanntlich bei der Lösung einer Fahrkarte 3. Klasse das Gepäck im Gewicht von 25 Kg. vollständig frei. Das ist heute leider nicht mehr der Fall. Unsere Großeltern mußten dagegen für eine Gepäckbeförderung von Berlin nach München auf dem Postwagen 100 Mark bezahlen. Schon eine Beförderung Berlin—Dresden kostete mit der Post 40 Mark. Endlich sind auch die Verhältnisse auf dem Wasser viel angenehmer geworden. Auch da ist sowohl Geschwindigkeit wie Bequemlichseit gestiegen. Früher war man mit dem Segelschiff auf günstigen Wind angewiesen. Dabei legten die großen Segler in 12 Stunden höchstens 200 Km. zurück, eine Geschwindigkeit, die heute auch von Dampfern mit veralteter Maschinenanlage übertroffen wird. Technische Rundschau. Künstliches Tageslicht. Es ist bekannt, daß unsere künstlichen Lichtarten, ob es nun Petroleum=, elektrisches oder Gaslicht ist, nicht Die schnellsten deutschen bahnzuͤge. Das Reisen heute und in alter Zeit. Der neue Fahrplan bringt wieder D=Züge mit erheblichen Reisegeschwindigkeiten, die zwischen 80 und 84 Kilometern in der Stunde im Durchschnitt liegen. Der D=Zug Berlin— Hamburg hat bereits wieder eine Durchschnittsgeschwindigkeit von rund 83,5 Kilometern, gleicherweise wie der D=Zug Berlin—München und der D=Zug Leipzig—Berlin, die nur wenige Kilometer weniger Geschwindigkeit in der Stunde aufzuweisen haben. Damit haben wir fast wieder die Reisegeschwindigseit der Vorkriegszeit erreicht; damit wurde die Entfernung Berlin—Hamburg, die rund 287 Kilometer beträgt in weniger als drei Stunden durchfahren. Durch den Krieg und die Abnutzung des Eisenbahnmaterials sind die Geschwindigkeiten der deutschen Eisenbahnzüge etwas gesünken. Vor dem Kriege wurden bereits Probelokomotiven erbaut, die eine Geschwindigkeit von 155 Km. in denselben Lichtcharakter wie das Tageslicht besitzen. Beim Einkaufen von Gegenständen, bei denen die Farbe eine Rolle spielt, macht sich das oft unliebsam bemerkbar. Es gibt Lichtarten, die selbst so grobe Unterschiede wie Grün und Blau verschwimmen lassen. Wie amerilanische Zeitungen melden, ist es dem ameribanischen Physiker Dr. H. E. Iwes gelungen, ein einwandfreies Licht herzustellen, das dem Tageslicht vollständig gleich sein soll, sodaß sich keine Unterschiede zwischen natürlicher und künstlicher Beleuchtung mehr ergeben. Er hat dieses Ergebnis dadurch erzielt, daß er das Licht einer gewöhnlichen Gasglühlichtlampe durch zwei Lichtfilter gehen ließ, welche die Nebenstrahlen, die das künstliche Licht enthält und die den Unterschied bewirken, absorbieren. Der eine Filter besteht aus einem grünlich gefärbten Glas, der andere aus roter Gelatine. Abgesehen von Bequemlichkeiten beim Einkauf, wäre das künstliche Tageslicht auch für viele Industriezweige, die nur bei Tageslicht arbeiten können und im Winter daher auf eine sehr kurze Arbeitszeit angewiesen sind, von großer Bedeutung. Der größte Dampfer der Welt. Der Präsident der Internationalen Mercantile Marine Company, Franklin, erklärte bei seiner Rückkehr von London in Newyork, daß er einen Plan für die weitere Entwicklung der White Star Line mitgebracht hätte, darunter den Bau von fünf neuen Dampfern. Davon soll einer 62000 Tonnen groß sein; er werde das größte Schiff der Welt sein.(Die„Majestic", das bisher größte Schiff, ist 56 000 Tonnen groß.) Die ersten Luftballons. In dem Rudolf Kaemmerer=Verlag, Berlin, ist ein Werk von Egon Erwin Kisch„Klassischer Journalismus" erschienen, in dem zum ersten Male publizistische Arbeiten aller Zeiten der Vergessenheit entrissen und aus den verschiedensten Spezialgebieten vereinigt sind zu einem Bande, der sich als eine wahre Blütenlese der Stilkunst darstellt. Wir entnehmen diesem Werke folgenden Bericht aus dem Jahre 1783. Hof und Stadt, jung und alt, alles ist seit vier Wochen mit nichts als den ärostatischen Bällen von der Erfindung der beiden Brüder Montgolfier zu Annonay beschäftigt. Die erste Idee dazu gab ihnen der Wunsch ein, für die Belagerung Gibraltars etwas Zweckdienlicheres zu erfinden, als die schwimmenden Batterien. Die Muße, so ihnen ihre ansehnliche Papiermanufaktur übrig ließ und welche sie größtenteils dem Studium der Physik widmeten, gestattete ihnen, einMenge anfänglich vergeblicher Versuche zu machen, allein ohne sich deswegen abschrecken zu lassen. Endlich gelang es ihnen, ihren ärostatischen Ball zustande zu bringen; ein Versuch Boyles über die Schwere der Luft brachte sie auf den ersten Gedanken. Ein Stück Taffet, welches die Herren Montgolfier bloß in der Absicht hatten kommen lassen, um Kleider damit zu füttern, schien ihnen zu physikalischen Versuchen tauglicher. Mit Hilfe einiger Nähte nimmt der Taffet leicht die Gestalt einer Kugel oder Sphäre an; sie finden Mittel, 40 Kubikfuß Luft hineinzubringen; der Ball entschlüpft ihren Händen und steigt bis an die Decke des Zimmers. Archimedes' Entzücken, als er die Auflösung seines berühmten Problems gefunden hatte, war schwerlich lebhafter als unserer beiden Physiker in diesem Augenblick; geschwind erhaschen sie die Maschine wieder und tragen sie in den Garten, wo sie über 30 Fuß hoch steigt. Nachdem neue Versuche den Erfolg noch mehr gesichert, verfertigten sie eine neue und weit größere Maschine, die sich am 5. Juni vor den Augen der versammelten Stände erhob— einige behaupten 500, andere 1000 Klafter hoch. Manche Leute, die eine Ehre darin suchen, mitten unter dem öffentlichen Enthusiasmus kalt zu bleiben, haben häufig die Frage aufgeworfen:„Aber welchen Nutzen werden diese Versuche abwerfen? Wozu die ganze Entdeckung, von der man soviel Aufhebens macht?" Der ehrwürdige Franklin antwortete ihnen in seiner gewöhnlichen Herzenseinfalt:„Ei, wozu das neugeborene Kind? In der Tat, dieses Kind kann in der Wiege sterben, vielleicht nur ein Gimpel werden; allein wer weiß, ob es auch einst nicht der Ruhm seines Vaterlandes, die Leuchte seines Zeitalters, ein Wohltäter der Menschheit sein wird!“ Das„Fliegende" Fahrrad. Das Flugzeug des kleinen Mannes. In einer Fabrik in Dijon hat ein junger französischer Mechaniker Leblanc eine Erfindung gemacht, die für die„Entwicklung der Luftfahrt von Bedeutung sein kann. Man vermißt im allgemeinen noch das billige Flugzeug des kleinen Mannes, wie man es bereits in den Automobilen, Fahrrädern und anderen Beförderungsmitteln besitzt. Alle Flugzeuge sind noch so teuer und kompliziert, daß nur eine Gesellschaft oder ein vermögender Mann sich ein solches leisten kann. Die Vorbedingung für eine weite Verbreitung des Flugzeuges besteht aber darin, ein Flugzeug zu erbauen, das mit einfachen Mitteln und geringen Kosten hergestellt und bedient werden kann. Der junge französische Mechaniker hat nun eine Kombination zwischen Fahrrad und Flugzeug hergestellt, die darin besteht, daß ein gewöhnliches Fahrrad in kurzer Zeit in einen kleinen Eindecker verwandelt werden kann, der mit Hilfe der Pedale bedient wird und ungefähr 45 m hoch fliegt. Auf dem Flugfeld von Dijon wurden mit dem Versuchsapparat bereits die ersten Flüge unternommen, die tatsächlich geglückt sind, denn es gelang dem Mechaniker, das Flugzfeld mehrere Male zu umkreisen und ohne Unfall zu landen. Das„fliegende Fahrrad“ hat noch den Vorzug, daß ein kleiner Motor eingebaut werden kann, mit dessen Hilfe die Propeller getrieben werden, so daß Menschenkräfte unterstützt werden. Natürlich ist dieses Flugzeug nicht geeignet, große Flüge über den Erdteil zu unternehmen, obwohl der Erfinder sich bereit erklärt hat, mit diesem Flugzeug einen Europaflug zu machen, um darzutun, daß dieser kleine Typ durchaus lebensfähig und imstande ist, einen billigen Ersatz für die großen und schweren Flugzeuge zu bieten. Im allgemeinen wird es aber hauptsächlich dazu dienen, den Verkehr innerhalb einer Stadt oder zwischen einer Stadt und den Vororten zu erleichtern und zu beschleunigen. Für einen billigen und schnellen Nahverkehr dürfte dieses Flugzeug sicherlich ein Bedürfnis sein. Der Erfinder beabsichtigt, seine Erfindung im nächsten Monat auf den Markt zu bringen. Er ist der Ansicht, daß die fabrikmäßige Herstellung des„fliegenden Fahrrades" in großen Mengen es einem jeden ermöglichen wird, das neue Verkehrsmittel zu benutzen. Ein neues Transozeon=Flugzeug. In 36 Stunden von Hamburg nach Newyork. Für den Luftverkehr über den Ozean müssen neue Wege gefunden werden, um dem Flugzeug außer den erforderlichen Betriebsstoffen, der Ausrüstung und Besatzung eine nennenswerte Nutzlast mitgeben zu können; denn nur auf wirtschaftlicher Basis wird sich dieser Uebersee=Flugverkehr wirklich entfalten können. Auf Grund eingehender Untersuchungen hat Dr. Rumpler ein neues Flugzeug konstruiert, über das im letzten Heft von Reclams„Universum“ an der Hand von Bildern und Zeichnungen berichtet wird. Am meisten Aussicht für den Verkehr über den Ozean hat danach das Flugzeug, aber die Herstellung größerer Maschinen, die allein hierfür in Frage kommen, begegnet dadurch erheblichen Schwierigkeiten, daß mit zunehmender Vergrößerung infolge der auf die Flügel wirkenden Biegungskräfte sich die Gewichtsverhältnisse so ungünstig verschieben, daß der Anteil der Nutzlast am Gesamtgewicht immer kleiner wird.„Dr. Rumpler will nun diese gefährliche Steigerung der Biegungskräfte vermeiden, indem die gesamten Lasten nicht mehr wie bisher zentral zusammengefaßt angeordnet, sondern dezentralisiert und über die ganze Tragfläche verteilt werden. Jeder Teil der Lasten ruht unmittelbar auf dem zugeordneten nächstliegenden Tragflächenstück. So konnte der Anteil der Nutzlast fast konstant gehalten und die Erhöhung der Dimensionen des Flugzeuges außerordentlich weit getrieben werden. Bei diesem„Flugzeug mit unbegrenzten Spannweiten" sind im ganzen 10 Motore vorgesehen, die je 1000 PS. an Leistung besitzen und über das ganze Flugzeug verteilt sind. Statt des bisher angewendeten einen oder de. zwei Schwimmer sieht man unter der Tragfläche sechs nebeneinander. Auch eine beträchtliche Steigerung der Betriebssicherheit wird auf diese Weise erzielt. Passagiere und Motore sind im Innern der Tragfläche untergebracht, während Rümpfe nicht vorhanden sind. Im Vorderteil der Tragfläche befinden sich die Aufenthaltsräume für die Personen. Sie sind mit Sesseln ausgestattet, die leicht in Liegebetten verwandelt werden können; sogar Speisesaal und Rauchzimmer sind vorgesehen. Die Piloten sind in einem Vorbau untergebracht und haben unbeschränkten Ausblick nach allen Richtungen. Als Motore werden wassergekühlte Sternmotore benutzt, die aus vier Reihen von je sieben Zylindern bestehen. Mit einem solchen Flugzeug wird man in 36 Stunden von Hamburg nach Newyork, in 3½ Tagen von Europa nach Südamerika fliegen können. Es hat eine Spannweite von 94 m, ein Gesamtgewicht von 115 000 kg, dabei eine Nutzlast von etwa 20000 kg, die 130 Passagieren, 25 Mann Besatzung und etwa 6000 kg Gepäck entspricht. Die mittlere Geschwindigkeit beträgt etwa 275 km, die größte Flugstrecke ohne Gegenwind etwa 4400 km. Der Erfinder des Steinbaukastens. Steinbaukasten und Menschenflug. Otto Lilienthal war nicht nur der erste Menschenflieger, als der er mit Recht unsterblichen Ruhm erlangte, sondern auch, was ziemlich unbekannt sein dürfte, der Erfinder des sogenannten„Richterschen Steinbaukastens“. des beliebtesten Spielzeuges der Kinder der Generation vom Ausgang des 19. Jahrhunderts. Jedes Kind kennt noch heute diese berühmten Baukästen, mit deren Hilfe es möglich ist, die verschiedenartigsten Bauten zu errichten. Lilienthal hatte schon in früher Jugend den Grundstein zu der Erfindung gelegt, an der sein Bruder Gustav wacker mitgearbeitet hat. Als endlich der Gedanke der mannigfaltigsten Kombinationen in Stein feste Gestalt angenommen hatte, hat er die Erfindung verkauft, um die Mittel für die Herstellung eines Flugzeuges zu gewinnen. Er hatte aus diesem Verkauf nur einen Gewinn von 1000 Mark; der Verkaufspreis betrug 6000 Mork, von denen aber 5000 Mark die eigenen Unkosten darstellten. Die Nutznießer der Erfindung waren die glücklichen Käufer. Aber Lilienthal kümmerte sich darum nicht. Ihm war hauptsächlich darum zu tun, Mittel in die Hand zu bekommen, da sein Sinn auf andere Ziele gerichtet war, als darauf, sich durch Ausbeutung eines klugen Gedankens mühelos eine Lebensrente zu sichern. Aber aus dieser eigenartigen Erfindung eines Steinbaukastens geht hervor, wie beweglich und auf technische Dinge gerichtet schon in frühen Jahren der Geist des Lilienthal war Zugleich hatte die Erfindung des Steinbaukastens auch für den Menschenflug eine nicht zu unterschätzende Bedeutung, denn die Erfindung wurde durch den Gewinn beim Verlauf gewissermaßen die wirtschaftliche Grundlage für die bedeutsamen Arbeiten Lilienthals auf dem Gebiete des Flugwesens, denn gewaltige Pläne, die den Weg der Menschheit bestimmen, sind ja nicht von der Höhe der Summe abhängig, die den Erfindern zur Verfügung steht. Das haben noch alle weltbewegenden Erfindungen bewiesen. Man denke nur an den ersten Fernsprecher von Reis oder an die ersten drahtlosen Versuche von Hertz, ganz zu schweigen von der Erfindung des Elektro=Mechanismus, ohne den die heutige Welt und ihr Getriebe überhaupt nicht mehr denkbar ist. Literatur. Der reichste Mann der Welt. Aus dem Lebensroman des Oelkönigs John Davison Rockefeller. Klein=Oktav. Brosch. 3.50 M. Geb. 4,50 M. Verlag für Kulturpolitik, Berlin. Wie man aus nichts Milliarden macht, das ist der Romaninhalt des Lebens Rockefellers. Der kleine Lehrling steigt von Stufe zu Stufe. Sein kleines Geschäft wächst; mit fünfzig Jahren etwa setzt er sich zur Ruhe und organisiert in demselben Maßstabe seine Wohltätigkeit, wie er Petroleum organisiert hat. Seine Lebensentwicklung ist zugleich die Entwicklung der modernen Organisation des Großbetriebes und des Entstehens des Trusts. Jeden tätigen Menschen interessiert dieses Leben mindestens ebenso, wie die Biographie berühmter Leute aus den Gebieten der Kunst, der Wissenschaft und des Militärs. Wie man reich wird liest man— und zugleich, wie Rockefeller selbst glücklich alt wird, indem er lebt, als ob er nicht reich wäre. 4 5 4 Wirfschaff: Börse Reichsbankausweis. Nach dem Ausweis der Reichsbank vom 7. August hat in der ersten Augustwoche die gesamte Kapitalanlage der Bank in Wechseln, Schecks, Lombards und Effekten um 144,4 Millionen A auf 1224,2 Millionen A abgenommen. Von dieser Abnahme entfallen 71,8 Millionen A auf den Rückgang der Wechselbestände und 72,6 Mill. A auf die Verminderung der Lombardbestände. Eine Veränderung der Anlage in Effekten, die sich auf 89,5 Mill. A ueläuft, ist nicht eingetreten. Der Umlauf an Reichsbanknoten und Rentenbankscheinen hat sich um insgesamt 198,4 Mill. A auf 4271,5 Mill. A wrringert. Der Umlauf an Reichsbanknoten ist um 134,8 Mill. A auf 2971,7 Mill. A zurückgegangen der Umlauf an Rentenbankscheinen hat sich um 63,6 Mill. A auf 1299,8 Mill. A ermäßigt. Die Bestände der Reichsbank an solchen Scheinen haben sich dementsprechend auf 291,0 Mill. A erhöht. Die täglich fälligen Verbindlichkeiten wuchsen um 62,4 Mill. A auf 600,5 Mill. A an. Die Bestände an Gold und deckungsfähigen Devisen gingen um 7,9 Mill. A auf 1979,4 Mill. A zurück. Die Abnahme entfällt lediglich auf den Bestand an deckungsfayigen Devisen, der sich um 7,9 Mill. A auf 486,9 Mill. A ermäßigte, während der Goldbestand eine Zunahme um 27000 A erfuhr. Die Deckung der Noten durch Gold allein erhöhtsich von 48 Proz. am Ende der Vorwoche auf 50,2 Proz., die Deckung durch Gold und deckungsfähige Devisen von 64 Proz. auf 66,6 Proz. Der westeuropäische Stahltrust. :: Paris, 12. Aug. Nach„Excelsior“ enthält das Abkommen zwischen der deutschen, französischen, belgischen und luxemburgischen Eisenindustrie, das voraussichtlich in Paris unterzeichnet werden wird: 1. ein Abkommen zur Systematisierung der europäischen Eisenproduktion, a) zu ihrer Aufrechterhaltung auf dem jetzigen Stande, b) zu ihrer späteren Entwicklung, die in nur einmal vereinbartem und dem Bedürfnis des internationalen Marktes entsprechendem Maße erfolgen soll.(Hierdurch sollen Störungen und vor ollem Arbeitslosigkeit in der europäischen eisenerzeugenden Industrie vermieden werden.) 2 ein Abkommen über die Ausfuhr der Erzeugnisse der Eisenproduktion Französisch= Lothringens und des Saargebietes nach Deutschland. 3. ein Abkommen über die Verteilung der Weltmärkte für gewisse Produkte der Eisenindustrie, insbesondere für Schienen. eingestellt werden. Außerdem wurden% der entlassenen Arbeiter wieder eingestellt. Es handelt sich, wie verlautet, z. T. um Auslandsaufträge. Märkte. Rundschau. Das Ausland für die Beteiligung an der Deutschen Automobil=Ausstellung. Wie wir erfahren, schreiten die Vorarbeiten für die kommende große„Deutsche Automobil=Ausstellung Berlin 1926“(29. Oktober bis 7. November) rüstig vorwärts. So sollen bereits Mitte dieses Monats die Stände unter den Ausstellern verlost werden. Für die Ausstellung, die in diesem Jahre, wie schon früher berichtet, ganz besonders interessant und anziehend sein wird, macht sich nicht nur im Inland, sondern auch im Ausland reges Interesse bemerkbar. Anfragen von Besuchern liegen nicht nur aus sämtlichen europäischen Staaten, sondern sogar auch aus Uebersee vor. So ist damit zu rechnen, daß die Ausstellung nicht nur von Interessenten aus Amerika(U. S. A. und den südamerikanischen Staaten) besucht werden wird, sondern es werden auch zahlreiche Besucher aus Indien, China, Japan und aus dem asiatischen Rußland eintreffen. Befriedigende Entwicklung des Rußlandgeschäfts. Nach der endgültigen Regelung der Finanzierungsfrage für die unter die Kreditbürgschaft des Reichs und der Länder fallenden deutschen Lieferungsgeschäfte nach Rußland sind nunmehr eine Anzahl neuer Geschäftsabschlüsse zustande gekommen, so daß die kürzlich genannte Zahl von 40 Mill. A„endgültiger“ Abschlüsse bereits ziemlich erheblich überschritten werden konnte. In der nächsten Zeit dürften weitere umfangreiche Geschäfte zum Abschluß kommen. Die bisherigen Lieferungsverträge betreffen in der Hauptsache Maschinen, besonders Werkzeugmaschinen, daneben Fahrzeuge und, besonders in der letzten Zeit, elektrotechnische Artikel. Relativ am stärksten sind bei den Abschlüssen rheinische und sächsische, danach auch badische Firmen beteiligt, ferner die Industrien Berlins und des Ruhrgebiets. Jedoch sind auch alle anderen Teile Deutschlands und selbst saarländische Firmen vertreten. Der englische Außenhandel im London, 11. Aug. Der Wert der Einfuhr belief sich im Juli auf 100 290 595 Pfund Sterling, d. h. gegenüber 1925 hat sich die Einfuhr um 1545 744 Pfund gesteigert. Ausgeführt wurden Waren im Werte von 57263 506 Pfund, d. h. um 7562 563. Pfund weniger als im Juli vorigen Jahres. Rekord=Weizenernte in Amerika. :: London, 12. Aug. Die landwirtschaftliche Abteilung der amerikanischen Regierung erwartet in diesem Jahre eine Rekord=Weizenernte von rund 829 Millionen Bushels gegenüber 669 Millionen Bushels im letzten Jahre und im Durchschnitt der letzten fünf Jahre von 802 Millionen Bushels. Gesellschaften. Heinrich August Schulte A.=G., Dortmund. Die Gesellschaft, die als Eisenhandelsgesellschaft der Deutsch=Luxemburgischen Bergwerks= u. Hütten=Aktiengesellschaft zum Konzern der Vereinigten Stahlwerke gehört, hat in Köln eine Zweigniederlassung errichtet. Westdeutsche Draht= und Kabelwerke A.=G., Duisburg. Für das abgelaufene Geschäftsjahr kommt eine Dividende nicht zur Verteilung. Die Beschäftigung war im vergangenen Jahre wenig zufriedenstellend. Allerdings hat sich in der letzten Zeit eine merkliche Besserung gezeigt, die auch die Einstellung neuer Arbeitskräfte zur Folge hat. Niederrheinische A.=G. für Lederfabrikation vorm. C. Pier in Wickrath. Die seit längerer Zeit wegen Absatzmangels eingeführte Kurzarbeit konnte infolge neuer Aufträge wieder Dortmunder Getreidebörse. X Dortmund, 12. Aug. Inl. Weizen, neue Ernte, 27 bis 27,50, inl. Roggen, neue Ernte, 20—20,50, westfäl. Hafer und pommerscher Weißhafer wurden nicht notiert, inl. Gerste 18,50, ausl. Weizen 32—34, ausl. Roggen 24,50—25,50, ausl. Hafer 20,50—23, ausl. Gerste 19—20, Plata=Mais 18,50—19, Cinquontino=Mais 21,50—22, Bäckermehl 42—43, Weizenmehl 39, Roggenmehl 33—34, Weizenkleie 9—12 A. Tendenz: ruhig Landware war wegen feuchter Beschaffenheit ohne Nachfrage. Die Preise sind Großhandelsverkaufspreise und verstehen sich für 100 Kilo waggonfrei Dortmund in Ladungen von 10 bis 15 Tonnen. Gebündeltes Roggenstroh neue Ernte 1,80 bis 2.20 A ab Verladestation. Die Preise verstehen sich per Zentner. Berliner Produktenmarkt. mil. Produktennotierungen in Fer'in am 12. August 1926. (Für Getreide je 1000 kg, für die übrigen Artikel je 100 kg.) Heutige Borige Seutige Vorige No erungen Rotierungen Mühlen dringend als Käufer am Markt sind. Das Preisniveau für effektive Ware erfuhr keine Veränderung. Weizen= und Roggenmehl sind bei unveränderten Preisen in sehr stillem Geschäft. Hafer und Gerste hatten unveränderte Marktlage. + Berlin, 12. Aug. Der scharfe Preisrückgang an den Auslandsmärkten blieb hier ziemlich ohne Eindruck, do der Export aus Deutschland durch die bestehende Divergenz zwischen Zoll= und Ausfuhrprämie gedrosselt ist. Ein Import kommt auch kaum in Frage, da noch Bestände von vor der Zollerhöhung vorgenommenen Import vorhanden sind und die Anregung zum Exportgeschäft fehlt. Im Weizenherbstgeschäft ermäßigte sich das Preisniveau um eine halbe Mark, im Roggenlieferungsmarkt war die Tendenz nicht einheitlich. Weizen und Roggen in prompter Ware ist hier sehr knapp angeboten, während die Bremen: Baumwolle oco.. Oktober Dezember anuar März Ma Juh Tendenz: Liverpeol: Baumwolle. oco Oktober November Dezember Januar Februar März 1oco Baumwollumsatz Import Expori New-York. Weizen roter Winter hart. Winter loco Mais oco Chcago 11. 8. 12. 8. Weizen September 1365- 135¼ Dezember 1411/— 1 14 ½ Tendenz flau stetig Hafer September Dezember endenz 29.00 20.00 Mehl. spring clear in dollar per barrel 11. 4% willig 24 14¼ behauptet Mals September Dezember Tendenz Roagen September Dezember Tendenz New-York: Baumwolle. 16.02 11. 8. 1.75-8.25 11. 8. 91½ ½ 89/89½ willig 1003 105¾ willig 11. 8. 18.31-32 15.3334 16.5 18.6/—63 bezan t 17.14 46 17.40 17 40 12. 8 8.81 8.74 8.67 8.t6 9.64 8.65 12. 8. 1.75 8.25 1b. 8. 84¼- 5 83-83¼ fest 60°, 164¼ stetix 12. 8. 16.131 16 13-20 6.41—3 16.50-53 Berliner Vörse. :: Berlin, 12. August. Infolge günstiger Berichte vom Montanmarkt und von der Eisen= und Baumwollindustrie sowie auf VerDie ungünstige Lage, in der sich auch der Einzelhandel befindet, hat dessen Spitzenvertretung, die Hauptgemeinschaft des Deutschen Einzelhandels veranlaßt, in voriger Woche in Düsseldorf eine Kundgebung zu veranstalten. Der Verlauf der Tagung gibt Anlaß, noch einige grundsätzliche Betrachtungen anzustellen. Zahlen, die aus dem Durchschnitt von acht Handelskammern errechnet worden sind, lassen erkennen, daß der Durchschnitt der Einzelhandelsgeschäfte in Deutschland, das Jahr 1914 mit 100 angenommen, in 1925 145 betrug; allein die Zahl der Lebensmittelgeschäfte hat sich von 100 auf 140, der Textilgeschäfte allerdings nur von 100 auf 128 erhöht. Diese Zunahme bleibt aber erheblich hinter der des Großhandels zurück, der eine viel stärkere Umsetzung ausweist; doch im gleichen Bezirk waren die Großhandelsgeschäfte von 100 in 1914 auf nicht weniger als 230 in 1925 angewachsen. Diesen Zahlen seien einige Zahlen über den Umsatz gegenübergestellt, die aus einer kürzlich angestellten statistischen Erhebung des Reichsbundes des Textileinzelhandels bekannt geworden sind. Absolute Zahlen sind allerdings nicht gegeben, sondern gleichfalls nur Prozentzahlen, auch hat sich nur eine verhältnismäßig kleine Zahl von Betrieben geäußert, denn die Zahlen der Umsätze stützen sich auf die Angaben von 227, die der Unkosten auf die Meldungen von 182 Geschäften verschiedenen Umfangs. Schlüsse zieht der Reichsbund infolgedessen mit Recht nur mit besonderer Vorsicht. Die Umsatzsteigerung ist am stärksten in Betrieben mit 20 bis 80 Angestellten: der Umsatz stellte sich hier, das Jahr 1913 mit 100 genommen, in 1925 auf 231,6 Prozent, bei Betrieben von 0 bis 5 Angestellten nur auf 155.7 Prozent. bei solchen über 400 Angestellten auf 157,9 Prozent. Also auch die ganz kleinen und die ganz großen Betriebe haben eine Umsatzsteigerung zu verzeichnen, die noch über die allgemeine Indersteigerung hinausgeht(den ermittelten Zahlen lag das Verhältnis Mark gleich Mark zugrunde). Bemerkenswert ist, daß in den ersten drei Monaten des laufenden Jahres die Umsätze wesentlich kleiner waren als in dem gleichen Zeitraum des voraufgegangenen Jahres, namentlich im Februar, wo sie in den großen Betrieben rund 84 Proz des Umsatzes vom Februar 1925 betragen hatten, während im März durchweg eine Steigerung eingetreten ist. doch hielten sich auch in diesem Monat die Umsätze bis 6.5 Prozent unter denen vom März 1925 Das Verhältnis der Unkosten zum Umsatz ist am günstigsten bei den kleinen Betrieben von 0 bis 5 Angestellten. es betrug in 1913 14 Proz., in 1925 17.2 Proz. des Umsatzes, am ungünstigsten in den ganz großen Betrieben, für die sich die entsprechenden Zahlen auf 24,7 bezw. 28,6 Proz. stellen. Die verschiedenen Referate, die in Düsseldorf erstattet wurden, hatten den Zweck, dem Einzelhandel zu zeigen, was zur Förderung dieses Erwerbszweiges zu tun sei Der Hauptgrund der schlechten Lage des Einzelhandels ist neben der nicht wegzuleugnenden Uebersetzung in der mangelnden Kaufkraft der Bevölkerung zu sehen. Solange 1¾ Millionen Erwerbslose, eine Zahl, die sich durch die zugehörigen Familienmitglieder noch wesentlich erhöht, in ihrer Kaufkraft geschwächt sind, solange ist eine durchgreifende Gesundung dieses Erwerbszweiges nicht zu erwarten. Aber auch allgemein muß die Kaufkraft erhöht werden, und in dieser Beziehung ist viel von Rationalisierung die Rede gewesen Tatsächlich läßt sich auf diesem Wege manches erreichen So wurde ein Beispiel angeführt, daß beabsichtigt sei, an Stelle der Hunderte von Formen der Stehkragen nur sechs Normaltypen zu schaffen. Das kann allerdings nicht wörtlich genommen werden, denn die Mode läßt sich auf keinen Fall normalisieren; das kann immer nur für einzelne Artikel der Fall sein. In der Kleineisenindustrie allerdings ist die Normalisierung schon vielfach durchgeführt worden, aber auch hier lassen sich sicher ioch Fortschritte erzielen. Soweit wie möglich soll allerdings auch in anderen Zweigen Normalisierung durchgeführt werden; sie trägt auf jeden Fall dazu bei, daß die Lagerbestände niedriger gehalten werden können, und daß eine schnellere Ergänzung von auf die Neige gehenden Artikeln zu ermöglichen ist. Weiter muß auf eine Senkung der Unkosten hingearbeitet werden. Im Vordergrund hat aber jedenfalls das Bestreben auf billigen Einkauf zu stehen. Hierin und nicht so sehr in den billigen Verkaufspreisen. Denn die Verkaufsspesen der Genossenschaiften sind meistens ebensohoch wie die des Einzelhändlers dessen Verdienst namentlich bei kleineren Geschäften häufig nicht größer ist als das Einkommen des Leiters einer genossenschaftlichen Verkaufsstelle. Eine geschlossene Gruppe von Einkäufern kann den Fabrikanten ganz anders gegenübertreten als der einzelne und mehr für sich herausholen. Vorbedingung allerdings ist, daß auch in steuerlicher Beziehung keine Bevorzugung der Genossenschaften stattfindet. Ein Seitenstück zu den Konsumgenossenschaften bilden die Produktionsverbände, die direkt mit der Kundschaft in Verkehr treten wollen. Abe: auch dies hat seine Schattenseiten. Die Produktionsgrundlage für einen Betrieb ist jedenfalls eine ganz andere, wenn eine große Reihe von Aufträgen des Handels eingeht, als wenn er seinen Betrieb auf die unregelmäßig einlaufenden Privataufträge des Publikums aufbauen will. Jedenfalls erfordert der Ausbau eines Produktionsverbandes Unkosten, die sonst der Eleinhandel trägt, sodaß es fraglich erscheint, ob auf die Dauer der Verbraucher davon Vorteil hat. Auch der gemeindliche Verkauf, der dem Kleinbandel häufig großen Wettbewerb macht, wird von ihm als lästig empfunden und sogar als unmoralisch angesehen, weil auf der einen Seite vom Einzelhandel die Steuern eingefordert werden und auf der andern Seite vom Steuererbeber Jonkurrenz gemacht wird. Auswüchse im Einzelhandel, wie das Ausverkaufswesen, das Zugabewesen usw. werden sich niemals ganz aus der Welt schaffen lassen; vielfach ist es Sache der Lieferanten und Fabrikanten, darauf zu achten, daß ihre Waren nicht sofort wieder verschleudert werden, was diese veranlassen sollte, sich ihre Bezieher doch noch etwas genauer anzusehen, als es jetzt mitunter der Fall ist. Ein weiterer Weg, auf den der Einzelhandel geholfen werden könnte, wäre in einer Besserung der Möglichkeit zu sehen Kredite zu erhalten. Früher stand auch der Kleinhandel vielfach mit den Großbanken bezw. mit deren Filialen in Beziehungen, die zum großen Teil in der Inflationszeit erloschen. Jetzt ist es selbst gut fundierten Einzelhändlern fast unmöglich, auch auf Grund eines ausreichenden Warenlagers Kredite zu bekommen. Die Banken mögen in Erwägung ziehen, ob sich nicht auch auf diesem Wege eine auch für sie schließlich nur gewinnbringende Betätigung ermöglichen läßt. Eine Verstärkung der in Warenlagern liegenden Sicherheit könnte vielleicht in Verbindung mit dem Registerpfandrecht erreicht werden. Ein Weg der Selbsthilfe ist u. a. hier in Hamburg durch Gründung einer genossenschaftlichen Bank eingeschlagen worden. Wenn so viele Faktoren von außen auf die Besserung der Lage des Einzelhandels einwirken können, so ist es in der Hauptsache doch immer Selbsthilfe, wobei nicht in letzter Linie der„Dienst am Kunden“ steht, denn der Einzelhändler wird schließlich den größten Erfolg haben, der durch individuelle Behandlung jedes einzelnen Kunden diesen an sich zu fesseln versteht. Dazu gehört allerdings auch eine entsprechende Ausbildung des Personals lautbarungen über den baldigen Abschluß der Zusammenfassungsbestrebungen in der deutschen Elektrizitätsindustrie setzte sich unter Einfluß des flüssigeren Geldstandes die feste Haltung an der Börse fort. Die Erhöhungen betrugen durchschnittlich 1 und 2 und vereinzelt auch 3 Prozent für die marktgängigsten Aktienwerte. Infolge Realisierungen traten verschiedentlich leichte Senkungen ein. Die feste Grundstimmung erfuhr jedoch keine Beeinträchtigung. Bei Kaliaktien betrugen die Erhöhungen 2—6 Prozent unter dem Einfluß der bedingten 12prozentigen Preiserhöhung für Kali ab 1. 9. Beträchtlicher bei teilweisen Erhöhungen bis zu 5 Prozent waren die Umsätze zeitweise in Montan=, chemischen, Elektro= und Farbenaktien. Hammersen 7 Proz. höher. Von Metall= und Maschinenfabrikaktien wurden einzelne Nebenwerte mehr vorgezogen. Dresdener BankAktien auf die Kapitalserhöhung befestigt. Schiffahrtsaktien hatten bei wenig veränderten Kursen geringes Geschäft. Am Rentenmarkt lagen türkische Werte etwas schwächer. In wertbeständigen Anleihen und Vorkriegspfandbriefen waren die Veränderungen bei kleinen Umsätzen wenig bedeutend. Tagesgeld niedriger, 41/—6 Prozent. Während Montan= und einige chemische Aktien weiter leichte Abbröckelungen zeigten, erhöhten Kaliaktien und besonders Banken ihren Kursstand weiter. Darmstädter Bank heute 10 Prozent Gewinn. Der Schluß gestaltete sich fest. Amtlicher Kurs. Berlin, den 12. August 1926. Zuenos=Aires 1 Pf. London 1 Pfd. St. New=Yort 1 Doll Rio de Janetro 1 Amsterd.=Rott 100 Fl Brüssel=Antw 100 Fr Helsingfors 100 kinn Italien 100 Lirc Jugoslavien 100 Kopenhagen Oslo Paris Prag Schweiz Sofia Spanien Stor bolm Budapest 100 Ar 100 Kr 100 Fr 100 Kr 100 Fr 10° Leva 16. Pf 100 Kr 100 000 Kr Wien Dt.=Oesterr. abgest. 100 Schilling 9.34 59.48 1.63 20.39 9.87 9.335 9.475 Konle Braunkohle und Verschiedene Kall Alexandershall Alicenhall Asse Beienrode Bergmannsses einsdort Braunschw.-Lbe Burbach Burggraf Carlstund Carlshall Desdemona Einigkeit Eliers Erichssegen elsenfest Friedrichsroda Fürstenhall Gebra Glückaut b. S Großh W Ernst Günthershall Habighorst Hansa Silberbe Heiligenmühle hedwigsburs Heilxenroda Hleimholdshaus Heldrungen Heldrungen 11 Herta Heringen Hermann II Hildasglück Hindenburg Hohenfels Hope Hüpstedt Hugo Isenburg mmenrode Irmgard lohanneshall Kaiseroda Königshall Mariazlück Marie Marie Louise Max Meimerhausen Neurode Neusollstedt Neustaßfurt Oberhof Pansbach Rastenberg Reichskrone Reichsland Reinhardsbrunn Richard Pössing Barnter Rothenfelde Sachs. Weimar Salzmünde Schwarzburz Siextried Siegfr. Giesen Thüringen Volkenroca Walbeck Walter Wilhelmshall Wilhelmshaii O Winterhall Wintzingerode Nächste Börse in Düsseldorf am 13. Aug. 1925 Verantwortlich für Handel und Wirtschaftspolitik Dr. jur. A. Henkel Berliner Börse. Berlin. den 12 August 1926 Die Kurse lauten auf Prozente des Nennwertes in Reichsmark *= Goldmark. Dollarschatzanw. 2% D. Reichsanl. Benz Kabelw Rheydt Schantung Hamb Am Paketf Hansa Dampfsch. Nordd Lloyd Barm Bankverein Comm.u Priv. B Darmst u.Nat, B Deutsche Bank Disk Kommandit. Dresdener Bank 11. 8 160. 71.2 150.5 Anglo-Cont. Guand Annener Gußstahl Augsb Nürnb. M Ralcke Maschinen Bamag Baroper Walzw Bembers J P Bergmann Elekti Berl Karlsr Ind Berl Maschinenh Bochumer Gußstal Braunk u Brikett Zuderus Eisen Busch Lüdensch Chem Ind Gelsk Daiml Motoren DLux Bergban D.Eisenb. Signw Deutsche Erdöl D Kaliwerke D. Maschinen 12. 8. 98 2 37.75 98.85 48.5 168 139 7 112.5 100. 12.5 137. 9. 50. DSchachtban Deutsche Wolle Dürkoppwerke Dynamit A Nobel Elektr L a K Eschweil Berge Essener Steinkoh. Farbenindustrie Friedricksh Kall Felt& Guilleau.ae Gelsenk Berzw Gelsenk Gußstahl Germania Portl Ces t elektr Unt Glockenstahlwerk Goldschmidt Görlitz Waggor Goth Waxgon Hackethal Draht Hammersen Hannov Maschin Hannov Waxzon Harb. Wien Gummi 11. 8 Harnener Bergban Hartmann Masch C Heckmann Held& Franke Hirsch Kupfer Hösch Stahlw Hohenlohe Werke Hotelbetrieb tumboldt Masch Hutschenreuther Ilse Bergh Kaliw Aschersleh Karstadt Kattowitz Bergb Klöckner Werke Köln Neuess Brw Köln Rottweller Köln. Cas u. Elek Körting Gehr Kronprinz Met Lahmever& Co 88 131.5 11 8 153 47.75 8. 57.5 118. 136.5 19.7 16.25 62.120 48 139 139 118.2 17.75 e2. 140 25 143.75 3.37 91 159.25 Laurahütte Lindes Eismasch Linke Hofm. W Lorenz C Lethringer Berxh Lüdenscheid Met Luther Maschinen Mannesiann Maschinent Baum Masch a Kranbat Mix& Genest Mülh.Berzw V Nat Automobile Oberschl Eis Bed Oberschl Eis Ind Oberschl Koks Oekinz Stahl Orenstein& Koppel Phönix Bergbau Pöge Herm Reisholz Panter Rhein Braunkohl 57. 136 25.50 109 12.25 90 73.75 64. 0 112.75 59. 107 128 7 73 176 Rh Metallw V A Rh Nass Berzw Rhein Stahlwerk oddergruben Rombacher Hütte Rützerewerke Sachsenwerk SarottiSchokolade Schl.Bersb u.Zink Schloßiabr. Schult= Schneder Hugo Schött Herm Schuckeri& Co SiemensElek.Btr Siemens& Halske Staßf Chem Fbr Stett Vulkan Stöhr Kamm,rarn StöwerNäl.masch elenhon Ber Thale Eisenhütte Thörl's Ver Gels Essener Börce Essen, den 12 August 1926 m heutigen Verkeni ermittelte Kurse mitgeteilt voin Bankhaus onnesorgs. Pasa Woll& 63. 9 BILDER VOM TAGE 13. Aug. Helgoland 100 Jahre Geebab. Das eigentliche Bad auf der Düne, im Hintergrund die Insel. Legenden aus der Pflanzenwelt. Von Hans Winter. Sage und Legende haben sich aller drei Naturreiche bemächtigt. Wohl am meisten wurde aber die Pflanzenwelt mit Poesie umsponnen. Bei einem Spaziergange durch Flur und Wald begegnen wir vom gewaltigen Baumriesen bis zum unscheinbarsten Pflänzchen hinab selten einem Geschöpfe, an welches sich nicht irgend eine Sage, Legende, oder doch wenigstens ein Stückchen Aberglauben knüpfen würde. Schon zu Beginn unseres Spazierganges ins Freie, am Wege, der erst zu den Wiesen hinausführt, begegnen wir bereits der Wegwarte oder Zichorie. Ihre himmelblauen Blüten sitzen nicht wie bei den anderen Blumen am Ende des Stengels, sondern wachsen inmitten von diesen heraus. Der Volksmund vergangener Tage hat der Wegwarte allerlei Wunderkräfte angedichtet. Ihre Wurzel an einem Aposteltage ausgegraben, verleiht ihrem Besitzer Anmut und Liebe. Außerdem ist derjenige, der sie in der Tasche trägt, gegen Verwundungen aller Art gefeit. Auch zum Symbol treuer Liebe haben unsere Vorfahren diese einfache Blume erwählt. Sie soll vorher eine Jungfrau gewesen sein, die von ihrem Geliebten verlassen wurde. Nun steht sie am Wege, um die Rückkehr des Treulosen zu erspähen. Setzen wir unseren Gang fort, so treffen wir gewiß bald auf ein Kleefeld. Ernst Krause, ein unter dem Namen Carus Sterne bekannter Naturforscher und Schriftsteller, bezeichnet den Klee geradezu als Symbol christlich=deutschen Wesens. Während die alten Griechen und Römer seiner kaum Erwägung tun, werden die deutschen Minnesänger nicht müde, sein Loblied zu singen. Patrick, der Ueberbringer des Christentums an die heidnischen Iren, soll ein Kleeblatt gepflückt haben, um mit den drei Blättern, welche von einem gemeinsamen Stile ausgehen, das Dogma von der Dreieinigkeit zu erläutern. Irland führt heute noch ein Kbeeblatt im Wappen, und am St. Patrickstage schmücken sich seine Bewohner noch immer gerne mit einem Sträußchen aus Klee. Das Christentum selbst ahmte seine Form nicht nur in den Fensterbögen, sondern sogar in den Grundrissen mancher Kirchen nach. Den vierblätterigen Klee hat die Volkspoesie zum Träger geheimnisvoller Zauberkräfte gemacht. Er soll im allgemeinen Glück bringen und die Gabe verleihen, den Trug der Zauberer und Hexen zu erkennen. Die Deutschen Siebenbürgens, die sogenannten Siebenbürger Sachsen, erzählen sich, daß einmal zwei Waldfeen die nach ihrer Meinung in den ausdedehnten Urwäldern hausen, gefangen und zur Stadt geschleppt wurden, wo man ihnen ihre geheimen Künste zu entlocken hoffte. Der einen gelang es jedoch, sich loszureißen, und vom Waldesrande, wohin sie blitzschnell geflohen war, rief sie ihrer Gefährtin zu:„Alles kannst du sagen, nur wozu der vierblättrige Klee ist, sage nicht." Eine recht unfreundliche Vorstellung von der Entstehung des vierblättrigen Kleeblattes besitzen die Franzosen. Bei ihnen wächst ein solches nur an Orten, wo einmal ein Galgen stand und Blut von dem Gehängten auf den Boden geflossen ist. Von der Wiese, die wir nun betreten, lachen uns Mannstren, Maßlieb, Bibernelle, Baldrian und noch hundert andere Blüten entgegen, an welche sich allerlei Geschichten oder sonstige Besonderheiten knüpsen. Die bläuliche Mannstreu, eine häufige Distelart, besitzt die Eigenschaft, erst spät zu verwelken, welcher Umstand ihr wahrscheinlich zum Namen verholfen hat. Sie soll aber auch Männer, welche sie tragen, unwiderstehlich machen, und Plinius erzählt, daß die Sappho nur deshalb Phaon so überaus geliebt habe, weil dieser eine Mannstreu bei sich getragen habe. Plutarch berichtet, daß eine Schafherde, deren Leithammel man eine solche Distel in das Maul steckte, so lange unbeweglich auf dem Platze stehen bleibt, bis die Blume wieder entfernt wird. Eine lustige Märe, in welcher die Mannstreu eine Rolle spielt, wird uns von Hieronymus Bock(geb. 1498), einem der ersten deutschen Botaniker, überliefert. Ein keckes Schneiderlein wollte einmal in den Krieg ziehen. Mit einer mächtigen Hellebarde bewehrt, trottete es in der Nacht die einsame Landstraße entlang. Da fegte ein Windstoß eine am Boden liegende trockene Distel dieser Art rauschend gegen den Schneider, der, einen grimmen Feind vermutend, so heftig erschrak, daß er seinen Spieß fallen ließ und querfeldein davonlief. Das Maßliebchen oder Orakelblume wird noch gegenwärtig als Rupfblume, die auf gestellte Fragen Antwort geben soll, viel benützt. Zu ihrer Beliebtheit mag Gretchen in der Gartenszene im Faust beigetragen haben. Schon zur Zeit der Ritter galt sie als Blume der Unentschlossenheit, weshalb Damen, welche ihrem Anbeter nicht alle Hoffnung auf Gewährung ihrer Gunst rauben wollten, Maßliebkränze trugen, um ihnen damit zu sagen, daß der gemachte Antrag zwar nicht angenommen, aber doch in Erwägung gezogen wird. Ludwig der Heilige hat die Margaretenblume, wie sie auch genannt wird, in sein Wappen aufgenommen. Der Bibernelle oder Pimpernelle wurden das menschliche Leben verlängernde Eigenschaften zugeschrieben.„Esset die Bibernelle, so sterbt ihr nicht so schnelle“, sollen die Spatzen zu Pestzeiten von den Dächern gerufen haben. Aehnliche Wirkungen schrieb man auch Hoffmann von Fallersleben, der auf Helgoland das Deutschland=Lied dichtete, im Festzuge. Die Versassungsfeier der Reichsregierung im Reichstag. Hindenburg schreitet die Front der Ehrenkompagnie vor dem Reichstag ab. dem Baldrian zu, der außerdem als ein die Sehkraft ungemein schärfendes Mittel galt. Einer Sage nach soll ein Goldschmied in Würzburg durch täglichen Baldriangebrauch seine Augen dermaßen gestärkt haben, daß er auf die Hälfte einer entzweigebrochenen Nähnadel das Bild eines Löwen eingravieren konnte. Verlassen wir jetzt die Wiese und wenden wir uns dem Waldesrande zu. Dichtes Gebüsch nimmt uns auf. Hollunder, wilde Rosen und Brombeeren. Der genügsame Hollunder fehlt übrigens fast in keinem Hof oder Garten. Er gilt heute noch bei der abergläubischen Landbevölkerung als Geister= oder Zauberbaum. Unsere Vorfahren betrachteten ihn mit ängstlicher Scheu. Die Bewahrung des Hauses vor Blitzschlag, die Verscheuchung von Krankheiten von Menschen und Vieh lag in seiner Macht. Starb jemand, so wurde mit einem Aus dem Festzug bei der Hundertjahrfeier: Die ersten Badegäste vor hundert Jahren lei Krankhetten vom Menschen abzuziehen. Man ließ Erwachsene und Kinder durch aus seinen Ranken gebildete Schlingen hindurch und wieder zurückkriechen. Auf diese Weise hoffte man die Krankheit, bösartigen Ausschlag,(Kropf, Bruch usw.) abzustreifen. Damit hängt wohl der weitere noch heute bestehende Aberglaube zusammen, daß man nach dem Bartholomäustage keine Brombeeren mehr essen solle, weil sie um diese Zeit in die Macht des Bösen gekommen sein. Wahrscheinlich fürchtete man, eine auf den Strauch übertragene Krankheit zu erwerben. Haifischjagd. Wie man den gefährlichen Raubfisch erlegt. Nur selten verirrt sich ein Haifisch in die Nordsee; im Mittelmeer und im Großen Ozean dagegen sind diese gefährlichen Raubfische häufiger anzutreffen. In den tropischen Gewässern kommen sie sogar in großen Mengen vor. Ganz besonders zahlreich sind sie in den Küstengewässern Australiens, wo die verschiedensten Arten vertreten sind. Die größten Exemplare werden mehr als 6 Meter lang, während gewisse Zwerghaie, die besonders in der Nähe von Sidney vorkommen, kaum vierzig Zentimeter erreichen. In der Nähe von Sidney ist die Haifischjagd zu einem wahren Sport geworden und wird von der australischen Jugend mit glühendem Eifer betrieben. Noch vor einigen Jahren konnte die Bevölkerung Sidneys ohne jede Gefahr einige Badeplätze benutzen, die durch vorgelagerte Riffe vor den Menschenhaien geschützt waren. Seit zwei Jahren aber haben die Haie einen Weg durch das Labyrinth der Klippen gefunden und manchen Schwimmer in unmittelbarer Nähe des Ufers verschlungen. Die entsetzte Menge der Zuschauer konnte den Opfern nicht zu Hilfe eilen. Auch ein Meisterschwimmer wurde von einem Hai so furchtbar zugerichtet, daß er am folgenden Tage seinen Verletzungen erlag. Daraufhin ließ man von den benachbarten Gesellschaftsinseln eingeborene Fachleute für Haifischjagd kommen, die so geschult sind, daß sie unter Wasser mit der Faust und dem Messer dem riesenhaften Tier zu Leibe gehen. Die Sportsleute von Sidney setzen sich freilich derartigen Gefahren nicht aus. Sie steigen in Motorboote und kreuzen dann so lange, bis sie die schwarze Rückenflosse des Ungeheuers auftauchen sehen. Teilweise werden die Haie mit Hilfe von großen Fleischködern gefangen, die an Drahtseilen oder langen Eisenketten befestigt sind, teilweise aber werden sie auch mit einer Art von Lanze gestochen. Eine besondere Art der Haifischjagd besteht darin, zunächst mit Harpunen nach den Tieren zu schießen und dann das Boot an der Harpunenleine so lange von den verwundeten Raubfischen ziehen zu lassen, bis deren Kraft erlahmt und man sie an der straffgespannten Leine bequem heranziehen kann. Dann wird ihnen durch die Lanze der Todesstoß versetzt. Selbst diese Form der Jagd ist nicht völlig ungefährlich. Fällt im Eifer des Gefechts einer der Sportsleute über Bord, so ist er ziemlich sicher verloren. Er hat nicht nur das fürchterliche Gebiß des Haies zu fürchten, der Riesenfisch kann mit einem einfachen Schlag seiner Schwanzflosse einen Menschen sofort töten. Kunft und Wissen. Von der Universität Münster. Der Ordinarius der Anatomie, Dr. Friedrich Heiderich in Bonn, hat den Ruf an die Universität Münster als Nachfolger des Geh. Medizinalrats Ballowitz angenommen. Der deutsche Flotten=Film. Für den Film„Die versunkene Flotte“, der unter sachverständiger Leitung im Rahmen einer interessanten Spielhandlung die Schicksale eines deutschen Unterseebootes im Weltkrieg, die Stagerrakschlacht und die Vorgänge bei Scapa Flow, darstellen wird, ist jetzt die Besetzung festgestellt. In den weiblichen Hauptrollen wirken mit Gräfin Agnes Esterhazy, Hanni Reinwald, Lotte Lorring; für die tragenden Männerrollen sind Heinrich George, Eugen Burg, Bernhard Goetzke, Henry Stuart, Hans Albers, Nils Asther, Werner Pittschau und Ötzkollen gewonnen. Hollunderstabe Maß zum Sarge genommen, und aus solchem Holze geschnitzte Kreuzchen wurden zu dem Toten gelegt. Kein Wunder, daß man sich in England scheute, einen Hollunderstrauch, auch wenn er im Wege stand, auszurotten. In der wilden Rose, der Stammutter der Blumenkönigin, erblickten die Rosenkreuzer, Freimaurer und andere geheimen Gesellschaften ihr Symbol, welches sie in Wappen und Siegel aufnahmen. Schon im Altertume war die Rose dem Gotte der Verschwiegenheit geweiht. In alten Beichtstühlen, Raststuben und dergl. finden wir noch hier und da eine Rose auf die Decke gemalt, zur Mahnung, daß jedes unter ihr gesprochene Wort verschwiegen bleiben muß. Mit der Brombeere wollen wir unsere Ausführungen, die noch lange fortgesetzt werden könnten, schließen. Dieser Strauch ist nach der Volksmeinung befähigt, allerEine öffentliche Aussprache. Die Kukirol=Fabrik in Groß=Salze, großzügig wie immer, macht zurzeit in der Fachpresse eine neue, auch in Amerika noch nicht dagewesene Propaganda für ihre Artikel. Sie veranstaltet eine„öffentliche Aussprache", d. h. sie fordert die Drogisten und die Apotheker auf, alles vorzubringen, was sie etwa an den Kukirol=Fabrikaten, an der Art des Vertriebes, an der Reklame und an der sonstigen Geschäftsführung auszusetzen finden, und verpflichtet sich, diese Zuschriften in der Fachpresse auf ihre Kosten zu veröffentlichen. Die Reklame=Idee ist ohne Zweifel glänzend und eines Reklamegenies würdig. Allerdings gehört dazu Mut und ein gutes Gewissen.