herungen ts zuversi Deutsche9 ndige im Golde vernachs tm 20 eicht erh rf zum u Versteifun eschäftsven erial zum zfristige ur langf ung. Ma is 4proz. Kurse Dauser Keiszeitung mtliches Kreisblatt für den Landkreis Akaus= Zentral=Organ für das nordwestliche Münsterland echen taauch. Belnaorch, oreren cn Volkszeitung, Nienborg=Heeker Zeitung, Stadtlohner Anzeiger, Vredener Volksblatt Schriftleitung und Geschäftatele e Oestellung. Wöchentliche Sonderbellagen: Anzeigenpreise: Das zo mm breite mm 10 Goldpfennig. Bel wiederholungen Rabatt Cel.=Adresse Krelszeitung Ahaus l. W.— Fernsprecher vür ec— Hoctechnesen. Erholungsstunden für das christliche Volk, westdeutschland in nach festem Tartf. Reklamen: Das 80 mm brelte mm 50 Goldpfennig Postscheckkonto Hannover vn.— Postschlleßfach 20 Wort und Bild, Lesefrächte, Welt und Wissen, Literatur und Fur Erfullung von Platzvorschriften wird keine Gewähr, sowle für Druckfehler wird Bankkonten: Krels= und Stadtsparkasse Ahaus und Gewerbehaur Nuensnt. Frauenwelt, Steuer und Recht, Soztalpolitik u. Standes Haftung ubernommen. Etwalger Rabatt gilt als Kassarabatt und kann verweigert ahaus und Gewerbebank Ahaus fragen, Technik und Verkehr, Turnen, Sptel und Sport. werden, wenn Zahlung nicht binnen 8 Tagen nach Erhalt der Rechnung Nummer 207 Ahaus, Samstag, den 31. Juli 1926. se haben Erhöhu mit 205 „von 2 129. Jul eteilt vom 1. Dortm ali Nachfr. 5600 210 675 10500 2075 1275 500 1400 180 2500 1000 2030 5100 1250 800 — Von jeher besteht zwischen Litauen und Polen ein sehr starker Gegensatz. Lange Jahrzehnte hindurch haben sich die beiden Völker schwer bekriegt und noch während des Weltkrieges konnten die deutschen Truppen den unauslöschlichen Haß zwischen den beiden Stämmen zur Genüge kennen lernen. Dadurch, daß Litauen und Polen selbständige Staaten geworden sind, ist der Haß noch mehr gestiegen. Die Eifersucht hat sich besønders auf den sogenannten baltischen Konferenzen gezeigt, wo gerade diese beiden Staaten sich immer am schroffsten gegenüber gestanden haben. Litauen ist mehr wie alle anderen Staaten den polnischen Großmachts gelüsten entgegengetreten. Zündstoff zwischen den beiden Staaten ist also von vornherein vorhanden. Nun kommen in den letzten Tagen aus Rußland immer mehr verschärfte Gerüchte über gegen Litauen gerichtete polnische Rüstungen. Die „Prawda“ weist auf Truppenanhäufungen und sonstige Vorbereitungen an der polnisch=litauischen Grenze hin und bringt fast jeden Tag einen Artikel über die Bemühungen Polens in Litauen festen Fuß zu fassen. Polen sei nun einmal mit den Grenzen, die ihm der Friedensvertrag von Versailles angewiesen habe, nicht zufrieden und werde nicht eher ruhen, als bis es alle Gebiete wieder vereinigt habe, die jemals zu Polen gehört hätten. Es heiße in Warschau, das polnische Grenzschutzkorps sei seiner schwierigen Aufgabe nicht mehr gewachsen und müsse durch Abgabe geschlossener Abteilungen anderer Brigaden verstärkt werden. Aber auch diese reichten nicht aus und so müsse die ohnehin schon sehr starke Besatzung des Militärbezirks Wilna noch durch mehrere Brigaden verstärkt werden. Auffallender Weise habe Pilsudski hierfür seine besten und zuverlässigsten Truppen ausgesucht, die bereits an die Grenze unterwegs wären. Daneben habe er durch den ihm besonders ergebenen General Minkiewiecz auf einer sechswöchentlichen Inspektionsreise die Grenze erkunden lassen und daraufhin 10 bis 12 Generalstabsoffiziere in die Gegend von Wilna geschickt, um den Bericht des Generals durch Einzelerkundungen zu ergänzen. Nun will man. in Moskau wissen, daß England einen starken Druck auf Polen ausübt, um Polen zu einem aktiven Vorgehen gegen Litauen zu veranlassen. Es wird dort kombiniert: Polen erhält die Unterstützung Englands bei einem Vorgehen gegen Litauen, während Deutschland in einem solchen Falle Danzig und auch Teile Oberschlesiens zurückerhalten soll als Belohnung dafür, daß es einem polnischen Vorstoß nicht in den Rücken fällt. Die Idee ist nicht einmal besonders neu. Schon früher ist immer wieder davon gesprochen worden, daß Polen eines Tages Litauen schlucken und damit Memel erhalten würde, wofür dann, da auf diese Weise Polen einen Zugang zur Ostsee erhalten würde, der polnische Korridor an Deutschland zurückfallen soll. Unterzeichnung a 12. Eisenkartell. August 150 1025 27 7000 6990 1000 7900 700 1100 30 5 29. 7. 83.50 148 270 140 140.50 Man braucht nicht zu betonen, daß das leere Kombinationen sind, denen die russische Presse freilich gern Raum gewährt, da ja in Rußland die ganze Politik immer wieder unter dem Gesichtswinkel des Gegensatzes zu England betrachtet wird. Von vornherein ist in Rußland nach der Durchführung des Pilsudskischen Staatsstreiches die Auffassung vertreten worden, daß England hinter dieser Aktion stehe und daß es England darum zu tun sei, Polen in einen antirussischen Block einzugliedern. Daran ist zweifellos so viel richtig, daß in der Tat eine Annäherung Polens an England sich unter der neuen Regierung vollzieht. Es ist ja auch bekannt, daß der polnische Außenminister Zaleski seine diplomatische Ausbildung in England genossen hat, was wohl nicht zuletzt Pilsudski veranlaßt hat, ihn mit der Leitung des Außenministeriums zu betrauen. Da überdies bei der außerordentlich ungünstigen finanziellen Lage Frankreichs Polen auf geldliche Unterstützungen von Paris nicht mehr, oder doch wenigstens nicht mehr in dem bisherigen Maße rechnen kann— wie denn überhaupt der Prestigeverlust des Franken sich in der französischen Außenpolitik stark bemerkbar macht—, so ist es durchaus begreiflich, wenn man in Warschau versucht, die Beziehungen zu London enger und besser zu gestalten. Offenbar sind die russischen Meldungen auch insofern nicht völlig aus der Luft gegriffen, als Pilsudski sehr bemüht ist, die Schlagfertigkeit des Heeres zu erhöhen. Es ist ganz selbstverständlich, daß ein polnischer Vorstoß gegen Litauen die gesamten Ostfragen wieder aufrollen müßte, daß ein derartiger Kampf keineswegs auf Polen und Litauen beschränkt bleiben würde, sondern daß in diesem Falle das Flammenmeer sich über das gesamte Baltikum und Rußland erstrecken würde, wobei zunächst die Frage offen gelassen werden kann, ob nicht ein solcher Kampf Folgen haben würde, die sich heute überhaupt noch nicht übersehen lassen. Deshalb ist es auch im höchsten Grad unwahrscheinDie aus Deutschland nach Paris gelangten Nachrichten über die Gründung eines Zentraleuropäischen Stahlund Eisenkartells werden in dortigen Kartellkreisen bestätigt. Das Publikum ist sich, wie der Pariser Korrespondent der„Germania“ mitteilt, vorläufig über Bedeutung, Ausmaß und innere Organisation dieses größten aller europäischen Trusts noch ziemlich im Unklaren. Nähere Angaben über Einzelheiten dürften auch vorläufig noch nicht gemacht werden, da die Frist für die Zustimmung der einzelnen Parteien bis Ende Juli läuft; man glaubt jedoch, daß der Unterzeichnung der Verträge am 12. August in Düsseldorf bezw. Luxemburg nichts mehr im Wege steht. Auf französischer Seite sind so gut wie sämtliche Produzenten von Eisen und Stahl dem Kartell angeschlossen, insbesondere das Comité des Forges sowie der lothringische Industriebezirk(de Wendel) als auch die Erzgruben und Hütten in der Normandie. Nachdem die letzten Widerstände, insbesondere von seiten Luxemburgs, beseitigt sind, wurden die Produktionsquoten der einzelnen Länder festgesetzt, nach der Durchschnittsproduktion der ersten Monate des Jahres 1925. Mit Rücksicht auf die damals nicht unerhebliche Produktion ist deser Stichtag nicht ungünstig für die deutschen Werke. Während es verhältnismäßig leicht war die Produktion der Rohprodukte zu kontingentieren, lag das Problem bedeutend schwieriger bei den Verhandlungen über die Regelung des Ervortes und über die Absatzgebiete. Hier mußte man sich beschränken auf die Einhaltung gewisser Richtlinien, die insbesondere den Zweck haben, gegenseitige Preisunterbietungen im Auslande seitens der dem Zentraleuropäischen Eifen= und Stahlkartell angeschlossenen Werke zu verhindern. Auch hier ist es zu bestimmten Abmachungen gekommen. Für die französischen Kolonien sind der französischen Produktion gewisse Sonderrechte zugestanden worden; andererseits wird die deutsche Gruppe bestimmte Mengen französischen Erzes jährlich abnehmen. Innerhalb der deutschen Gruppe ist man auch zu Vereinbarungen gekommen, daß Aufträge über gewisse Stahlwaren nur von bestimmten Werken ausgeführt werden. Hierdurch ist ein weiterer Schritt in der Richtung der Spezialisierung und Einführung rationeller Wirtschaftsmethoden gemacht. England wird vorläufig dem Kartell infolge der augenblicklich herrschenden industriellen Schwierigkeiten noch nicht beitreten; seine spätere Beteiligung ist jedoch bereits vorgesehen. Auch soll die englische Produktion in den englischen Kolonien, Kronländern und Dominions gewisse Zugeständnisse in der Gestalt erhalten, daß die an den Zentraleuropäischen Stahlund*Eisentrust angeschlossenen nichtenglischen Werke sich verpflichten, ihre Offertpreise in diesen Ländern einen bestimmten Prozentsatz über den rein englischen Offerten zu halten. Im Laufe der Tätigkeit des Eisen= und Stahltrustes dürften sich die Abmachungen über den Export weiter konkretisieren. Es ist anzunehmen, daß dieser Trust sehr bald auf dem Eisen= und Stahlweltmarkt eine ausschlaggebende Rolle spielen wird Unangebrachte englische Beforgnisse Von unserer Berliner Redaktion. (!) Berlin, 30. Juli.(Eig. Drahtb.) Die Aussichten auf eine mitteleuropäische Eisenverständigung stellen natürlicherweise einen Vorgang von einschneidender Bedeutung in wirtschaftlicher Beziehung dar. Aber darüber hinaus werden sich zweifellos auch gewisse Folgewirkungen auf politischem Gebiet zeigen. Man kann es auf den ersten Blick an und für sich verstehen, daß man in Großbritannien diesen. Bestrebungen mit einer starken Dosis Mißtrauen zusieht, weil man dort in dem Zustandekommen eines deutsch=französischen Eisen= und Stahlkartells nicht nur die Gefahr einer Benachteiligung der englischen Industrie wittert, sondern davon auch ein bedenkliches Fortschreiten der deutsch=französischen Annäherung auf dem Gebiete der Politik befürchtet. Jeder vernünftige Realpolitiker in Deutschland wird ohne Zweifel diese englischen Besorgnisse als völlig grundlos erklären müssen. Wir sehen nicht ein, wieso die Annahme berechtigt wäre, als ob die Stellung Englands bei einer fortschreitenden deutsch=französischen Verständigung bedroht werden könnte. In England muß man sich doch vor Augen halten, daß Deutschland und Frankreich wie zwei siamesische Zwillinge von Gott und der Natur in ein untrennbares enges Verhältnis zueinander gestellt sind. Zwischen ihnen ist nur Feindschaft denkbar oder aber Bund und Zusammenhalten. Es ist ein Ruhmestitel der englischen Außenpolitik, besonders des demnächst in Berlin scheidenden Botschafters Lord d'Abernon, daß sie in den ersten Nachkriegsjahren bei der, Beseitigung der zwischen Deutschland und Frankreich liegenden Konfliktsstoffe nicht ohne Erfolg mitgeholfen haben. Kein einsichtiger Politiker oder Wirtschaftler, jedenfalls kein maßgebender Mann in Deutschland denkt daran, in den sich anbahnenden besseren politischen und wirtschaftlichen Beziehungen zu Frankreich eine Spitze gegen England zu sehen. Wir sind überzeugt, daß in den Kreisen, auf die es ankommt, auch eine spätere Ausdehnung des Eisen= und Stahlkartells auf England durchaus nicht abgelehnt wird. Die Frage, wie Großbritannien politisch und wirtschaftlich zu den Kontinentalmächten steht, ist allerdings von dem weiteren Verhalten Englands selbst nicht ganz unabhängig. So manche Aeußerungen, die der englische Außenminister Chamberlain in letzter Zeit getan hat, so z. B. über die Militärkontrolle, über die Besatzungsstärke im Rheinland und so manche andere Dinge, die an dieser Stelle unberührt bleiben sollen, aber der Aufmerksamkeit wachsamer deutscher Beobachter nicht entgangen sind, scheinen uns in dieser Hinsicht wenig glucklich zu sein. Wenn die englische Außenpolitik jedoch in Zukunft den naturgegebenen und unabänderlichen Tatsachen Rechnung tragen und der weiteren Annäherung zwischen Deutschland und Frankreich keine Schwierigkeiten bereiten will, so ist kein Grund zu erkennen, warum nicht England, so weit es will und so weit seine Bindungen an das britische Weltreich es zulassen, der Dritte im Bunde sein soll. sind, ob man in Rußland Gespenster sieht, oder ob man etwa bestimmte Zwecke mit der Verbreitung solcher Nachrichten verfolgt. Die sowjetistische Staatspartei windet sich in schweren Kämpfen und Krämpfen. Noch nie waren die innerpolitischen und innerparteilichen Gegensätze so auf die Spitze getrieben. Die Herrschaft droht zu zerplatzen. Werden deshalb außerpolitische Gefahren an die Wände gemalt? Je grimmer die Gefahren erscheinen, die den Bestand des russischen Staates von außen bedrohen, um so wirksamer schallt der Ruf nach innerer Einigkeit. Man wird sich aber auch daran erinnern, daß Rußland seit längerer Zeit mit Litauen über einen Garantievertrag verhandelt, wobei man vor geraumer Zeit wissen wollte, daß der Abschluß dieses Vertrages unmittelbar bevorstehe. Man geht nun wohl kaum fehl in der Annahme, daß man in Moskau einen Druck auf Litauen auszuüben wünscht, um diesen Staat zum baldigen Vertragsschluß zu bewegen. Auch aus diesem Grunde kann man die polnische Gefahr für Litauen in recht düsteren Farben schildern, um Kowno gefügig zu machen. Ein solcher Vertragsabschluß mit Kowno würde nämlich einen nicht zu unterschätzenden Gewinn für die russische Diplomatie bedeuten, deren Bestreben dahin geht, nach dem berühmten Grundsatz„Teile und herrsche“, mit den baltischen Staaten einzeln zu verhandeln, während die baltischen Staaten wiederum bemüht sind, für die Garantiepaktverhandlungen mit Rußland eine Einlich, daß England seine Hand zu einem derartigen eitsfront zu bilden. Lettland, Estland und Finnnas eng= land haben sich ja bekanntlich auf gemeinsame Verhandlungen mit Rußland geeinigt, obwohl auch hier die Vorgehen bieten würde. Bei aller Schärfe des englisch=russischen Gegensatzes dürfte doch den gut rechnenden Engländern das Risiko eines solchen Unternehmens allzu groß sein. Es bliebe die Frage, zu erklären, ob diese in der russischen Presse immer wieder auftauchenden Meldungen über die polnischen Kriegsrüstungen wirklich nur ein Ausfluß der starken russischen Nervosität russische Regierung sich mit Eifer bemüht hat, diese Einheitsfront zu sprengen. Sie haben gerade erst jetzt in einer gemeinsamen Note sich zu mündlichen Verhandlungen über einen Schiedsgerichtsvertrag mit Rußland bereit erklärt, wobei ausdrücklich vorgeschlagen wurde, eine vorbereitende Kommission zu bilden, der außer dem russischen Vertreter Delegierte sämtlicher Staaten angehören sollen, die mit Rußland in der Paktfrage verhandeln. Diese Fassung würde immerhin die Möglichkeit einer Teilnahme Litauens an diesen Verhandlungen offén gelassen haben. Eine solche Wendung will man in Moskau unter allen Umständen verhindern und wünscht daher möglichst bald mit Kowno zum Vertragsabschluß zu gelangen. Das dürfte derfere Grund der Alarmnachrichten sein, wenn schließlich auch nicht geleugnet werden soll, daß Polen dafür sorgt, daß das Pulver trocken bleibt, in der bestimmten Erwartung, daß auch diese Methode in späterer Zeit sich einmal bezahlt macht. Polen betont seine Friedfertigkeit. :: Warschan, 30. Juli. In der heutigen Sitzung des Senats ergriff Ministerpräsident Bartel anläßlich der Debatte über die Regierungsvollmachten und die Verfassungsänderungen das Wort zu längeren Ausführungen, in denen er auseinandersetzte, daß die Absichten und Ziele der Regierung frei von jeder Autokratie seien. Während früher die Regierung in den Händen von Parteipolitikern gewesen sei, sei die jetzige Regierung frei von jeder Parteipolitik, nur im Sinne einer neuzeitlich aufgefaßten Demokratie bestrebt, den Staat in einem besseren Zustand zurückzulassen, als sie ihn vorgesunden habe. Aus diesem Grunde sei die Besetzung der wichtigsten Posten in Armee und Verwaltung von jeder Parteirücksicht frei. Der Minister wandte sich dann der Außenpolitik zu und betonte nochmals die vollste Friedfertigkeit des polnischen Staates Er bemerkte, daß niemand, der die Verhältnisse in Polen kenne, an die Gerüchte glauben könne, daß Polen irgendwelche Pläne habe, die den Frieden bedrohten. Im weiteren Verlauf seiner Rede kam Bartel auf die wirtschaftlichen Verhältnisse, zu sprechen und wies auf die allgemeine wirtschaftliche Krisis in den europäischen Ländern hin. Er betonte die Notwendigkeit einer europäischen ZusammenDr. Wirths Echo. Der Aufruf Dr. Wirths ist in eine politisch stille Zeit gefallen. Aber er kann sich nicht darüber beklagen, daß unter dieser Stille auch die von ihm eingeleitete politische Aktion zu leiden habe. Ganz im Gegenteil kommt die Nichtinanspruchnahme des innerpolitischen Lebens durch parlamentarische Redeschlachten und durch große politische Probleme einer ausgedehnten Erörterung seines Appells zugute, sodaß man noch Tag für Tag einige bemertenswerte Stimmen registrieren kann. Zunächst ist aus den letzten Tagen noch einiges nachzuholen. Der Abg. Joos nennt den Aufruf„notwendig und gut“; er betont aber, in der Zentrumspartei sei die Ueberzeugung allgemein, daß die große Koalition die zeitgegebene politische Kombination sei; mehr könne vom Zentrum nicht erwartet werden. Der sozialdemokratische Abg. Dr. Breitscheid schreibt dagegen in der„Frankfurter Zeitung“: Bei republikanisch=demokratischen Ministern komme praktisch nicht viel anderes heraus, als wenn die Deutschnationalen am Ruder wären, und diese Erkenntnis sei es, die auch in den Reihen der Sozialdemokratie Zweifel an der Zweckmäßigkeit einer engeren Gemeinschaft mit Zentrum und Demokraten entstehen lasse. Gegen die Weimarer Koalition würde trotz des Versagens„republikanischer“ Minister kein Sozialdemokrat Bedenken tragen; zur Mehrheitsbildung gehöre aber auch die Deutsche Volkspartei, und die wolle auch Wirth nicht als eine Stütze der Republik ansprechen. Für die Sozialdemokratie könne jedenfalls eine ausreichende Rechtfertigung der Teilnahme an der Großen Koalition nicht darin gefunden werden, daß auf diese Weise das Zustandekommen einer Regierung der Rechten verhindert würde. Sie wolle die Regierung der Rechten sicher nicht, aber sie sei nicht in der Lage, jeden Preis zu zahlen, um sie hintanzuhalten. Der Führer des badischen Zentrums, Prälat Schofer, der zu Dr. Wirth in besonders freundschaftlichem Verhältnis steht, hat sich im„Badischen Beovachrel— nicht in polemischer Einkleidung, sondern soweit wie möglich in der Form einer ergänzenden Interpretation— mit dem Aufruf für die Union der entschiedenen Republikaner befaßt. Er macht gegen Wirth vor allem den einen Gesichtspunkt geltend, daß es neben der Republik und der Reaktion noch etwas anderes, vielleicht sogar noch Wichtigeres, gebe, daß es neben der Linken und der Rechten auch noch ein Zentrum gebe. Für das Zentrum aber stehe über dem leidenschaftlich verfochtenen Idealismus des Triumvirats Wirth, Löbe und Haas das gewaltige religiöse und soziale Kulturideal, das nach der Feststellung Leos XIII. von der Staatsform als solcher nicht abhängig sei. Schofer ist an sich einverstanden damit, daß der von Wirth angekündigte Versuch gemacht werde, die Fehler zu korrigieren und die Schranken niederzureißen, die ein gemeinsames Handeln bis jetzt jahrelang verhindert haben. Aber er betont, das Zentrum habe bei sich keine Schranken niederzureißen. Ob es gelingen werde, einen politischen Fehler, der klar liege, wirklich zu korrigieren, sei zweifelhaft, weil die Entscheidung hierüber nicht bei dem Triumvirat, sondern bei anderen Faktoren liege. Ohne es mit direkten Worten auszusprechen, lehnt daher Prälat Schofer die Festlegung des Zentrums auf das Zusammengehen mit den Sozialdemokraten und Demokraten ab.„Das Zentrum wird“, so schreibt er,„die Sachlage so sehen und und nehmen müssen, wie sie die rauhe Wirklichkeit bietet, und sich danach richten." In der„Essener Volkszeitung“ nimmt der bekannte Jesuit Friedrich Muckermann in einer Besprechung der hier bereits früher berücksichtigten Ausführungen des rheinischen Sozialdemokraten Sollmann im„Vorwärts“ zu Wirth Stellung. Muckermann stellt den Gemeinschaftsgedanken der Zentrumspartei dem Klassenkampf der Sozialdemokratie gegenüber und bemerkt u. a.: „Zwischen diesen Auffassungen klafft eine solche Kluft, daß ein neben und außer ihr hergestelltes Minimalprogramm immer mehr einer politischen Parade als einer politischen Aktion gehören wird. Dr. Wirth sieht mit größter Klarheit die soziale Forderung der Gegenwart, nämlich die Radikalisierung der Massen, zu verhindern. Er glaubt das am besten tun zu können, indem er für den Zusammenschluß aller Republikaner eintritt. Zugrunde liegt hier die Ueberzeugung, daß von konservativer Seite aus Heilmittel für die soziale Not nicht gefunden werden können. Das ist aber ein großer Irrtum. Zugegeben ist, daß die sogenannte Rechte, wie sie sich heute darstellt, der sozialen Aufgabe nicht gewachsen ist. Wenn aber Dr. Wirth genötigt ist, nach Links hin die Sozialdemokratie, wie sie ist deutlich zu unterscheiden von dem Ideal dessen, was sie nach seiner Ueberzeugung sein soll, so wird man gerechterweise verlangen müssen, daß auch nach Rechts hin eine solche Unterscheidung gemacht werde. Die Träger des konservativen Gedankens von heute dürfen wir um des Himmels willen nicht verwechseln mit dem konarveit.„Weiter sprach der Ministerpräsident auch über das Verhältnis Polens zu Danzig und betonte daß die Tradition eines 500jährigen wirtschaftlichen Zusammenlebens voraussehen lasse, daß sich die Beziehungen auch jetzt günstig und zum gegenseitigen Vorteil gestalten würden. Man habe den Eindruck, daß in zig das Verständnis für die Unveränderlichkeit des gen Zustandes zunehme. Die polnische Regierung sei gewillt, an der jetzigen Sanieng mitzuarbeiten. Ferner wolle die polnische Regierung an dem Ausbau des Hafens mitarbeieen, indem sie den Export Polens nas Möglichkeit übes den Danziger Hafen leiten werde. Die Regierung zweifke nicht daran, daß es bei Danzig nicht an gutem Willen und Verständnis fehlen werde. Danjetzi ervativen Gedanken selbst. Es kann niemand, der unsere augenblickliche soziale Lage vorurteilslos betrachter, verdorgen bleiben, daß gewisse Volksentscheidsmethoden und dergleichen, die von seiten der Linken in Bewegung gesetzt werden, genau so ungeeignet sind, die Radikalisierung der Massen zu verhindern, als ein starrer Legitimismus und verkalkter Kastengeist von rechts. Ja, wir müssen sogar gestehen, daß der Klassengeist, zu dem sich die neuere Sozialdemokratie bekennt, das gerade Gegenteil von Verhinderung einer Radikalisierung ist. Man kann sich der Einsicht einfachhin nicht verschließen, daß es innerhalb des sozialistischen Gedankengefüges überhaupt nichts gibt, was von der Idee aus die soziale Frage in unserem Vaterlande irgendwie lösen könnte. Wohl aber gibt es dergleichen im konservativen Gedanken, der durchaus nicht im Widerspruch steht mit qualitativ gestuster Demokratie, dessen politischer Gegensatz auch ganz und gar nicht die Republik ist— sind doch auch sehr konservative Republiken möglich—, sondern einzig die Ideenwelt jener revolutionären Aufklärung, die von den atheistischen Enzyklopädisten in Frankreich stammt und bis auf den heutigen Tag die gesamte Demokratie verseucht hat... Indem Dr. Wirth die soziale Forderung mit der republikanischen in eine Linie setzt, schädigt er im Grunde die eine wie die andere; ist es doch sehr wohl möglich, daß Republikaner antisozial sind und echteste Vertreter des sozialen Gedankens keine Ueberzeugungsrepublikaner.“ Schließlich noch eine demokratische Stimme. Bekanntlich haben die„Frankfurter Zeitung" und das „Berliner Tageblatt“, die beiden großen Organe des linken Flügels der Demokratischen Partei, Dr. Wirth ziemlich restlos Beifall gespendet. Heute bringt nun Lujo Brentano, der greise Münchener Nationaloekonom, im„Berliner Tageblatt“ zum Ausdruck, was er in Wirths Aufruf vermißt. Es ist das: „ein Programm. in dessen gemeinsamer Durchführung die drei Parteien, deren Einigung Wirth wünscht, ihre einander freundliche Gesinnung betätigen könnten." Und was in diesem Programm nach Brentanos Meinung enthalten sein muß, darüber läßt er sich ziemlich deutlich aus: „Das Zentrum aller politischen Richtungen hält unerbittlich an der konfessionellen Schule fest und würde sich mit dem Teufel verbinden, wenn ihm dies die Aussicht eröffnete, dadurch die Kinder der ihm Angehörigen in den Himmel zu bringen. Der Liberalismus und die Sozialdemokratie sind ebensolche Tyrannen nach der entgegengesetzten Richtung. Solange es auf diesem Gebiete nicht zu einer Verständigung kommt, ist der Fortbestand der Republik bedroht.“ Da einem politisch so erfahrenen Manne wie Brentano natürlich nicht unbekannt sein kann, daß die Schulfrage für das Zentrum eine Frage von grundsätzlicher Bedeutung ist, bei der es kein Kompromisseln gibt, da er ferner der liberalen Demokratie nicht hinreichendes Wollen auf sozialem Gebiete vorwirft, ist der Kern seines Urteils über die Bedeutung des Aufrufs ohne weiteres aus dem Schluß zu entnehmen:„Was ich an dem Artikel des Altreichskanzlers Wirth vermisse, ist, daß er weder auf dem Gebiete der Schule noch dem der Sozialpolitik die Verständigung predigt." Jedes Mitglied der Zentrumspartei weiß, daß das, was Brentano vermißt, Wirth nicht geben konnte, wenigstens nicht, soweit die Schule in Frage kommt. Er hätte denn das Kulturprogramm des Zentrums aufgeben müssen. Die Gerüchte von einem Rücktritt Dr. Geßlers. :: Berlin, 30. Juli.(Eig. Drahtb.) In politischen Kreisen gehen wieder einmal Gerüchte von Rücktrittsabsichten Dr. Geßlers um. Es ist bekanntlich nicht neu, daß der Reichswehrminister schon wiederholt den Wunsch geäußert hat, von der Bürde des aufreibenden Amtes, das er nun schon über sechs Jahre verwaltet. entlastet zu werden. Bei jeder der letzten Regierungskrisen bedurfte es stärkster Einwirkungen, um ihn zum Bleiben zu bewegen. Dafür aber, daß diese Amtsmüdigkeit jetzt zu dem festen Entschluß geführt habe, im Herbst endgültig aus dem Kabinett auszuscheiden, liegen, wie das„Berliner Tagebl" hört, keinerlei Anzeichen vor. Dr. Geßler hatte zu Beginn dieses Sommers zur Wiederherstellung seiner angegriffenen Gesundheit einen mehrmonatigen Urlaub genommen. Nach der Rückkehr von diesem Urlaub habe er bereits wieder eine Dienstreise unternommen. Es sei deshalb, so erklärt das„Berliner Tageblatt“ weiter, vollständig überflüssig, Kombinationen über seinen mutmaßlichen Nachfolger anzustellen. Es bestehe nicht die geringste Veranlassung, dem Reichsinnenminister Dr. die Reigung zu unterstellen, sein Ressort zu wechseln und das Reichswehrministerium zu übernehmen. Auch die „Vossische Zeitung" glaubt nicht an einen Rücktritt Dr. Geßlers und weist darauf hin, daß sich bisher immer noch alle Ankündigungen und Meldungen dieser Art ars unrichtig herausgestellt haben. Anderer Meinung ist die„Deutsche Allgemeine Zeitung", welche annimmt, daß der Nachricht von einem bevorstehenden Rücktritt Dr. Geßlers eine starte Wahrscheinlichkeit innewohne. Im Reichswehrministerium und bei den übrigen amtlichen Berliner Stellen wird jedoch versichert, daß amtlich von Demissionsplänen des Reichswehrministers nichts bekannt ist Ermäßigte Mehlzölle ab 1. August. Berlin, 30. Juli. Nachdem am Donnerstag der Reichsrat die Vorlage der Reichsregierung auf ermäßigte Mehlzölle angenommen hatte, befaßte sich am Freitag der handelspolitische Ausschuß des Reichstages mit dieser Materie. Nach ausgedehnter Debatte stimmte der Ausschuß unter Ablehnung deutschnationaler Anträge, die mit Unterstützung der Deutschen Volkspartei höhere Zollsätze einführen wollten, der Regierungsvorlage endgültig zu, sodaß sie am 1. August in Krafttreten kann. Sie bringt für Mehl und Müllereierzeugnisse aus Hafer und Gerste einen Zollsatz von 14 Mark und für anderes Mehl und Müllereierzeugnisse einen solchen von 10 Mark pro Doppelzentner. Mit Annahme dieser Vorlage werden die vom Reichstag beschlossenen autonomen und erheblich höheren Mehlzollsätze einstweilen ausgesetzt, und zwar sollen diese ermäßigten Mehlzölle von der Reichsregierung nur im Einverständnis mit dem Reichsrat und dem zustandigen Reichstagsausschuß außer Kraft gesetzt werden können. Erwähnt sei noch, daß in der Sitzung des handelspolitischen Ausschusses auch Anträge der Kommunisten auf Zollfreiheit für sämtliche Mehle gegen die Antragsteller und einige Sozialdemokraten und Anträge der Sozialdemokraten auf Aufrechterhaltung des bisherigen Achtmarkzollsatzes für Mehl gegen die gleiche Minderheit abgelehnt wurden. Der Fall Gajda. X Prag, 30. Juli. Der„Narodny Listy" veröffentlicht Auszüge aus einer Schrift„Der Fall Gajde“, die gestern in der Druckerei des Blattes hergestellt wurde. Die Schrift entstammt der Feder eines Dr. Karlik, eines früheren Adjutanten Gajdas. Nach der Darstellung Gajdas sind die Beweggründe für den Fall Gajda in dessen Gegnerschaft gegen Benesch zu suchen. Gajda werde tatfächlich unerlaubter Beziehungen zu den Sowjets beschuldigt. Zeuge gegen ihn sei sein früherer Diener, ein russischer Kosak namens Solowjeff, den er aus Sibirien mitgebracht habe, und der russische Oberst Krakowetzkij, ein früherer Kriegsminister der Wladiwostoker Regierung und Freund Gajdas. Auf Grund des Ersuchens einiger französischer Politiker, darunter des früheren Kriegsministers Maginot, der von Gajda anläßlich seines Pariser Aufenthaltes im Jahre 1921 einen eingehenden Bericht über die Verhältnisse in Rußland verlangt habe, habe sich Gajda an Krakowetzkij gewandt, ohne zu wissen, daß sich letzterer inzwischen den Bolschewiken zugewandt habe. Der Beitritt Deutschlands zum Völkerbund. London, 29. Juli. In Beantwortung einer Anfrage im Unterhaus, ob Deutschland eine neue Ansicht über die gegenwärtige Zahl der ständigen Ratssitze als Bedingung seines Beitritts zum Völkerbund ausgedrückt habe, erklärte der Staatssekretär des Auswärtigen. Chamberlain, daß dieses nicht der Fall sei. Auf die Frage über die Haltung Polens und Chinas bezüglich ihrer Forderung auf einen nichtständigen Ratssitz erklärte Chamberlain, daß er es für unpassend halte, Mitteilungen über die Haltung fremder Regierungen zu machen, die noch beraten würde. Er fügte noch hinzu, daß die Haltung der englischen Regierung gegenüber den Vorschlägen, die ständigen Ratssitze zu erhöhen, sich seit den letzten Erklärungen im Unterhause nicht geändert habe. Er nehme an, daß die Studienkommission für die Zusammensetzung des Völkerbundsrats noch vor der nächsten Völkerbundsversammlung zusammentreten werde. Ein genauer Zeitpunkt sei noch nicht festgelegt. Antwort des Generalsekretärs des Völkerbundes an den Regenten von Abessinien. Genf, 29. Juli. Der Generalsekretär des Völkerbundes erklärte in seiner Antwort an den Regenten von Abessinien, er lege die in Genf eingelaufene Protestnote gegen das zwischen Großbritannien und Italien getroffene Abkommen bezüglich ihrer Interessen in Abessinien als Wunsch Abessiniens aus, es möchte diese Angelegenheit auf einer der nächsten Völkerbundsversammlungen zur Sprache kommen. Wenn die Angelegenheit auf der am 2. September d. Is. beginnenden Tagung behandelt werden solle, so müsse die abessinische Regierung diesen Wunsch telegraphisch präzisieren. Der abessinische Protest. Die abessinische Protestnote an den Völkerbund wegen des italienisch=englischen Vertrages wird in der italienischen Presse scharf kritisiert. Man hatte zunächst auf Grund der ersten Meldungen angenommen, daß Ras Tafari, der Regent von Abessinien, sich seines eigenen Urteils in dieser Note enthalten und den Völkerbund um sein Urteil gebeten habe. Das ist aber nicht der Fall, sondern Ras Tafari protestiert in der Note gegen den englisch-italienischen Vertrag. Daher müsse man, so sagen die faschistischen Blätter, den Ton der ersten Berichte, die in der italienischen Presse erschienen seien, berichtigen und sich mit dem Inhalt des Protestes auseinandersetzen. Die Angelegenheit wird für Italien wenigstens dadurch etwas gemildert, daß die Note bereits vom 19. Juni stammt und zeitlich daher dem Freundschaftsbrief vorausgehen muß, den Ras Tafari an Mussolini gerichtet hat. Die Tribuna“ weist darauf hin, daß der Regent, falls er Bedenken gehabt habe, diese ja gegenüber England und Italien direkt hätte zur Geltung bringen können, statt sich nach Genf zu wenden. Auffallend an der ganzen Angelegenheit ist, daß die Note einen ganzen Monat hat geheim bleiben können und daß sie dann bei ihrer Veröffentlichung anscheinend selbst die Nächstbeteiligten vollkommen überrascht hat. Die„Tribuna“ spricht übrigens auch den Verdacht aus, daß der Schritt Ras Tafaris ohne Zweifel von Frankreich angeregt worden sei, wo man einen ständigen Pressekrieg gegen das englisch=italienische Abkommen führe. Wesentlich ruhiger ist die englische Auffassung. Dort verlautet an maßgebender Stelle, daß die Regierung gegen eine gründliche Beratung der ganzen Angelegenheit durch den Völkerbund nichts einzuwenden habe. Man macht in London also zweifellos gute Miene zum bösen Spiel, indem man den Eindruck zu erwecken sucht, daß der englisch=italienische Vertrag durchaus einwandfrei sei und mit den Bestimmungen des Völkerbundes nicht im Widerspruch stehe. Die„Morning Post" sagt, in britischen Kreisen werde eher Befriedigung als Unzufriedenheit über den Schritt der abessinischen Regierung empfunden. Es seien Mißverständnisse entstanden und es könne nur eine gute Wirkung haben, wenn sie durch den Völkerbund erörtert würden. Die Angelegenheit wird am nächsten Montag von dem Abgeordneten Kenworthy im Unterhaus zur Sprache gebracht werden. Die englische Bergbaukrise. Erklärungen Cooks. London, 29 Juli. Nach Beendigung der Vormittagssitzung des Vollzugausschusses des Bergarbeiterverbandes erklärte der Sekretär Cook: Mit Ausnohme eines Bergwerkes in Warwickshire ruhe in allen Bezirken die Arbeit, abgesehen von den Arbeiten zur Instandhaltung der Gruben. Morgen werden auf der Delegiertenversammlung die einzelnen Delegierten über die Lage in ihren Bezirken berichten. Ueber die Vorschläge, die der Vollzugsausschuß morgen machen werde, sagte Cool, daß die äußerste Grenze dessen, bis zu der die Führer der Bergleute gehen wollten, die Annahme der gemeinsam mit den Vertretern der Kirchen ausgestellten Denkschrift sei unter klarer Auslegung der letzten Klausel dieser Denkschrift wegen einer schiedsrichterlichen Entscheidung über die künftigen Arbeitsbedingungen nach Ablauf von 4 Monaten, während deren die Arbeitsbedingungen aus der Zeit vor dem Ausstand gewährt werden müßten. Eine Verlängerung der Arbeitszeit komme nicht in Frage. In diesem Punkte werde es keine schiedsrichterliche Entscheidung geben.— Aus der Tatsache, daß Cook auf der Gewährung der früheren Arbeitsbedingungen für die Dauer von 4 Monaten bestehe und daß am Sonnabend 4 Vertreter des Bergarbeiterverbandes nach Amerika reisen werden, um dort Geldmittel zur Fortsetzung des Streikes aufzubringen, wird geschlossen, daß die Führer der Bergleute mit der Fortdauer des Streikes für mehrere Wochen rechnen. Eine Aussicht auf Arbeitsfrieden. London, 30. Juli. Die Konferenz der Bergarbeiterdelegierten beschloß, die von den kirchlichen Kreisen gemachten Vorschläge zur Herbeiführung des Friedens im Kohlenbergbau den Bezirken zur Abstimmung zu überweisen und ihre Annahme zu empfehlen. Der Notzustand verlängert. X London, 30. Juli. Der Staatssekretär des beantragte im Unterhaufe die Verlängerung des bei Ausbruch des Generalstreiks verhängten Notzustandes um einen Monat. Er bemerkte dazu: Die Polizei und ich halten eine solche Verlängerung für notwendig und wünschenswert, obwohl es, wie ich mit Genugtuung feststelle, seit dem Ende des Generalstreiks zu keiner ernstlichen Störung der Ordnung gekommen ist und es nicht im geringsten nötig war, Truppen einzusetzen. say Macdonald erklärte, die Verlängerung des Notzustandes sei eine Beleidigung für das ganze Land. Der Antrag wurde mit 230 gegen 84 Stimmen angenommen. Anruhen in Abertillery. :: London, 30. Juli. In Abertillery kam es gestern zu Unruhen. Als eine Menschenmenge beobachtete, daß Eisenbahnwaggons von Angestellten der Bergwerksverwaltung in Abertillery mit Kohlen beladen wurden, nahm sie eine drohende Haltung ein. Ein Zug mit Angestellten des Bergwerks wurde mit Steinen beworfen und ein Teil der Eisenbahn zerstört. Der Kulturkampf in Mexiko. Genau wie früher bei uns! — Mexiko, 29. Juli. Gegen die Leiter zweier Zeitungen ist Anklage erhoben worden, weil diese Artikel gegen die Antikirchengesetze veröffentlichten, in denen Aeußerungen über diese Gesetze untersucht werden. Alarmzustand. Neuyork, 30. Juli. Die mexikanische Regierung hat für die Truppen den Alarmzustand angeordnet. Sie will die Truppen in Baracken halten, bis die augenblickliche Spannung sich gelegt hat. Entwaffnung der Katholiken. :: Mexiko, 30. Juli. Der Generakstaatsanwalt ordnete an, daß die Katholiken in ganz Mexiko entwaffnet würden, weil sie nächtliche Versammlungen abhalten, die nach Auffassung der Behörden den Zweck verfolgen, den Kirchengesetzen Widerstand entgegenzusetzen. Die Ausweisung des Geschäftsträgers des päpstlichen Stubles. (!) Paris, 30. Juli. Wie Havas aus Mexiko meldet, hat die mexikanische Regierung beschlossen, dem Geschäftsträger des päpstlichen Stuhls in Mexiko, Gresei, mitzuteilen, daß er binnen 24 Stunden das Land zu verlassen hat. Deutsches Reich. Abberufung der Kommission Walch im Oktober? )( Berlin, 30. Juli. Wie in Kreisen der Kommission Walch erklärt wird, rechnet man dort mit der Abberufung der Kommission aus Berlin bestimmt bis spätestens Oktover. Ein Teil der Kontrolloffiziere soll bereits Anweisung erhalten haben, sich im Herbst auf eine anderweitige Verwendung vorzubereiten. Empfang beim Reichspräsidenten. X Berlin, 30. Juli. Der Reichspräsident empfing heute vormittag eine Abordnung der amerikanischen Fellowship=Gruppe, die unter Leitung des Herrn Sherwood Eddy derzeit eine Studienreise durch Europa unternimmt. Neuer Reichsgerichtsrat. // Berlin, 30. Juli. Anstelle des in den Ruhestand getretenen Reichsgerichtsrats Conrad ist der Ministerialrat im Preußischen Justizministerium Wilhelm Gadow, der 1914 Kammergerichtsrat war und 1922 Ministerialrat wurde(geb. 5. Januar 1875 in Trier), zum Reichsgerichtsrat ernannt worden. Sozialdemokratische Anfrage im bayrischen Landtag. = Berlin, 29. Juli. Dem„Vorwärts" zufolge hat die sozialdemokratische Fraktion des bayrischen Landtages eine Anfrage eingebracht, in der sie bezugnehmend auf die Veröffentlichungen des Reichstagsabgeordneten Levi über die Haltung des bayrischen Justizministers Dr. Gürtner von der bayrischen Re gierung Aufklärung überden tatsächlichen Sachverhalt verlangt. Kleine Auslandsnachrichten. Erledigung der Schulfragen in Oesterreich. Wien, 29. Juli. Unter dem Vorsitz des Unterrichtsministers Dr. Rintelen wurden heute die Verhandlungen zur Erbedigung der Schulfragen, die zu schweren Konstikten geführt hatten, beendet. Eine volle Einigung wurde in der Frage der Volksschulen und des Lehrplans erzielt. Für die Mittelschulen einigte man sich auf ein Provisorium, wodurch der fremd prachliche Unterricht festgelegt wird, während er in den Gymnasien unberührt bleibt. Dagegen konnte keine Einigung darüber erzielt werden, ob im Gesamtunterricht das Kirchenlied zu pflegen sei. Ein neuer Erfolg Poincarés. Paris, 30. Juli. Die Kammer beschäftigte sich heute nachmittag mit der Frage, ob das Recht, Abänderungsantrage zu stellen, während der Beratung der Finanzgesetze aufgehoben werden soll. Nach längerer Debatte wurde in namentlicher Abstimmung der Antrag, der das Antragsrecht für Abgeordnete aufhebt und nur dem Finanzausschuß das Recht zuerkennt, in öffentlicher Sitzung Veränderungen an den Regierungsgesetzentwürfen zu beantragen, mit 350gegen 201 Stimme angenommen. Die Kammer vertagte sich hierauf auf morgen vormittag, um die Beratung der Finanzgesetze vorzunehmen. Sitzung der Botschafterkonferenz. )( Paris, 30. Juli. Die Botschafterkonferenz hielt heute eine Sitzung ab, in der sie sich, wie der„Temps" berichtet, mit der Erledigung laufender Angelegenheiten und insbesondere mit der Prüfung verschiedener Fragen be schäftigte, die die Entwaffnung Deutschlands betreffen, und die den Gegenstand der kürzlich in Berlin übermirtelten Rote des Generals Walch bildeten. Unruhen in der Herzegowina. V Paris, 80. Juli. Wie„New=York Harald" aus Belgrad meldet, soll es in dem Dorse Liuheni der Herzegowina, wo die Bevöllerung die Garnison zu vertreiben sucht, zu Unruhen gekommen sein. Die Gendarmen waren nach dem Bericht zum Rückzug gezwungen worden. Sie hätten das Feuer eroffnet, wodurch 15 Dorfbewohner getötet und 40 verwundet worden seien. Auf Seiten der Gendarmen seien 50 Mann gefallen. Kandidatur Coolidges für 1928. New=York, 30. Paul Smiths meldet, Juli. Wie Associated hat der frühere nach einem Besuch beim Präsidenten Coolidge Coolidge beabsichtige bei den Pr wahlen 1928 erneut zu kandidieren. 958 Nuh und Berliner Notstandsmaßnahmen. Berlin, 29. Juli. Die Berliner Stadtverordneten versammlung erklärte sich in ihrer gestrigen Sitzung mit der Durchführung der in der Magistratsvorlage vorgesehenen Rotstandsmaßnahmen einverstanden. Es sind vorgesehen Straßenbauten in Höhe von zirka 13 Millionen, Entwässerungsarbeiten in Höhe von zirka 10 Millionen und verschiedene andere öffentliche Arbeiten in Höhe von zusammen ca. 6 Millionen Mark. Die Stadtterordneten nähmen weiter einen Zusatzantrag der deutschnatonalen Fraktion an, der eine 150=Millionen=Anleihe für Wohnungsbauten fordert. Die Beisetzung Mathilde Rathenaus. + Berlin, 30. Juli., Die Beisetzung der Mutter Walther Rathenaus wird, wie eine hiesige Korrespondenz erfährt, in aller Stille in der Familiengruft in Oberschöneweide erfolgen, in der ihr Gatte Emil Rathenau und die beiden Söhne Erich und Walther bereits ruhen. Der Zeitpunkt steht noch nicht fest, da die Tochter der Frau Rathenau, Frau Adrae, erst gestern abend auf die Nachricht vom Tode ihrer Mutter von ihrem Sommeraufenthalt nach Berlin geeilt ist. Ein Flugschüler tödlich verunglückt. Berlin, 29. Juli. In der Nähe von Gerbrunn (Unterfranken) verunglückte der Münchener Flugschüler Hans Englert. Bei der Ausführung einer Landung ging sein Flugzeug in Trümmer. Der junge Pilot erlitt so schwere Verletzungen, daß er kurz nach der Ueberführung in ein Krankenhaus verstarb. Deutsch=amerikanische Hochwasserspende. Berlin, 30. Juli. Die deutschen, österreichischen und deutsch=ungarischen Vereine in Chicago und Umgegend haben einen größeren Betrag zur Linderung der Not der Hochwassergeschädigten im Rheinlande gesammelt. Der Reichsgeschäftsstelle der Deutschen Nothilfe in Berlin sind 2579 Reichsmark aus dem Ertrage dieser Sammlung überwiesen worden. Dieser Betrag wurde an 64 besonders bedürftige Familien in Koblenz verteilt, Trauriges Ende einer goldenen Hochzeit. :: Linz, 30. Juli. In Dattenberg flog beim Abbrennen eines Feuerwerks eine Rakete quer über den Marktplatz, in ein Zimmer, in dem die Gäste zur Feier einer goldenen Hochzeit beieinander saßen und verletzte eine Enkelin der alten Leute tödlich. Einige andere Gäste wurden leicht verletzt. Der Feuerwehrsmann, der die Rakete abgeseuert hattee, konnte nur mit Mühe davon abgehalten werden, sich das Leben zu nehmen. Meuterei im Bromberger Gefängnis. Nach Blättermeldung aus Bromberg verübten im dortigen Gefängnis 300 Sträflinge eine Meuterei. Das Gesängnis wurde von den Meuterern teilweise zerstört. Der Polizei gelang es, der Aufrührer Herr zu werden. Schwerer Lohngeldraub. + Hindenburg, 30. Juli. Heute vormittag um 11 Uhr wurde der Schachtmeister Broll von der Abwehrgrube zwischen der Hauptbahnbrücke und der Sandbahn von 5 Banditen überfallen, wobei ihm 30000 Mark Lohngelder geraubt wurden. Die Täter entkamen unerkannt. Die Ermittelungen sind im Gange. Eisenbahnunglück in Frankreich. V Paris, 30. Juli. Heute vormittag um 6,30 Uhr ist ein von Mühlhausen kommender Zug in der Nähe des Bahnhofes Noisy le Sec, einige Kilometer vor Paris, infolge übermäßiger Geschwindigkeit einer Weiche entgleist. Von den mitfahrenden Post= und Eisenbahnbeamten wurden 4 getötet und 12 verletzt. Ueberschwemmungsschäden in Japan. :: Newyork, 30. Juli. Nach einer Meldung der Associated Preß aus Tokio sind bei der Ueberschwemmung in der Provinz Niagara, bei der nach Schätzung der Behörden über 300 Personen ums Leben gekommen sind, ungefähr 750 Häuser von den Fluten weggerissen worden.— Der durch die Ueberschwemmung angerichtete Schaden wird auf 10 Millionen Yen geschätzt. Die Katastrophe ist auf schwere Wolkenbrüche zurückzuführen, die am Donnerstag den Shinaco=Fluß aus den Ufern treten ließ, wodurch zahlreiche Häuser hinweg gespült und verschiedene Erdrutsche herbeigeführt wurden. Vom Haifisch verschlungen. Das Drama an der ligurischen Küste. Auf eine entsetzliche Weise ist, wie schon kurz berichtet wurde, ein junger Mann bei dem Badeort Varazzo, einem Lieblingsausflug der Genueser, ums Leben gekommen. Der Unglückliche ist höchstwahrscheinlich einem Haifisch zum Opfer gefallen, der die dortigen Gewässer unsicher machte. Ueber das tragische Ereignis des Badegastes bringen jetzt die Mailänder Blätter ausführliche Einzelheiten. Danach ist der Verunglückte der zwanzigjährige aus Mailand gebürtige Zahntechniker August Casellato, der bei seinem Onkel in Varazzo zu Besuch war. An dem verhängnisvollen Tag begab er sich mit seinem Freund, dem neunzehnjährigen Ludwig Baldi, ins Bad und die beiden jungen Leute verabredeten ein Wettschwimmen ins Meer hinaus. Baldi gewann dabei einen Vorsprung von zehn Metern. Das Ziel war eine Klippe, die einen menschenähnlichen Umriß hat und unter dem Namen„Punta dell Uomo“ bekannt ist. Die beiden Schwimmer hatten bereits einen Kilometer zurückgelegt und besanden sich in einem Abstand von zweihundert Metern vom Strande. Baldi schwamm ein Stück unter Wasser. Als er dann austauchte, hörte er hinter sich einen unterdrückten Schrei. Als er sich umdrehte, sah er, wie sein Freund im Wasser herumschlug und plötzlich unterging. Zu seinem größten Entsetzen bemerkte aber Baldi gleichzeitig an der Stelle, wo Casellato verschwunden war, den glatten, dunklen Schweif eines ungeheuren Fisches, der bald darauf verschwand, das Wasser heftig auspeitschend. Dieser Vorfall wurde auch von den Insassen einer Barke bemerkt, die sich wenige Meter von der Unglücksstelle befand und in der einige Badegäste saßen. Auf die Hilferufe Baldis näherten sie sich dem jungen Manne und zogen den sast Ohnmächtigen über Bord. Dann machte man sich auf die Suche nach dem armen Casellato. Als diese vergeblich war, suhr die Barke wieder nach Varazzo zurück, wo sich die Nachricht von dem Unglück mit Blitzesschnelle verbreitete. Es wurden sofort von den Behörden die eifrigsten Nachforschungen nach dem verunglückten jungen Manne unternommen, an denen sich zahlreiche Fahrzeuge aus Varázzo und dem benachbarten Celle beteiligten. Nach den Beschreibungen Baldis mußte man annehmen, daß es sich um einen großen Haifisch handelte. Die Jagd nach dem Untier wurde mit Eifer betrieben. Die Fischer erzählten auch von einem riesigen Haifisch, der eipige Jahre vorher in den dortigen Gewässern erschienen z#ar und eine Barbe angegriffen hatte. Nach einer mehrtägigen Jagd war es damals gelungen, durch Gewehrschüsse und mittels einer Harpune das Tier zu erlegen. Gegenüber einigen Mailänder Journalisten beschrieb Baldi das Tier, das beim Verschwinden Casellatos aufgetaucht war, sehr genau. Die Schwanzflosse war mindestens einen Meter lang, und er schätzte die Gesamtlänge des Fisches auf acht Meter. Vor Angst konnte sich Baldi bei dem Anblick einige Augenblicke gar nicht rühren, da er jetzt erwartete, ebenfalls von der Bestie angegriffen zu werden. Erst, als er auf ungefähr zweihundert Meter Entsernung die rettende Barke erblickte, faßte er Mut und strebte mit verzweifeltem Tempi auf das Fahrzeug zu. Interessant sind auch die Beobachtungen, die am Abeird des Unglückstages an der Küste zwischen Barazzo gemacht wurden. Man konnte nämlich auf dem Neere einen heftigen Kaupf zwischen einer Schar von Delphinen und mehreren Halfischen beobachten. Schließlich verschwanden dann die Raubfische und zerstreuten sich nach verschiedenen Richtungen. Die Bevölkerung der ligurischen Küste ist natürlich durch diesen Zwischenfall aufs äußerste beunruhigt. Es wurden alle Vorkehrungen getroffen, um auf diese für die Babegäste gefährlichen Tiere erfolgreich Jagd zu machen. Das ganze Haus Selber streichen können auch Sie! Richtiges Material und richtige Beratung erhalten Sie von mir. Fordern Sie kostenlos mein Merkblatt: „Praktische Winke zum Selbstanstreichen von Haus und Hof. Adler-Drogerie Engelbert Hoogen. Ahaus— Telefon 63 A1IXX LX IIIII III 18 1 AIIE L MIIIL Biner sagt es dem andern. da Milionen Menschen sterben ohne erst meine neueste Preisliste über Emaillierung. Vernickelung. Rahmen-Reparatur und Fahrräder eingeholt zu haben. B. 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Is., 12 Uhr vormittags verschlossen mit Aufschrift versehen, an den Unterzeichneten einzureichen. Oeffnung der Angebote erfolgt alsdann in Gegenwart der erschienenen Anstreichermeister. Gronau i. Westf., den 29. Juli 1926. Der Magistrat. Für Kolonialwaren- oder Delikatessengeschält geeignete kompl. Laden-Einrichtung gebraucht, aber sehr gut erhalten als 2 Theken mit Marmorplatten Regale, Schränke, Thekenglasaufsätze ist im Ganzen oder geteilt billig zu verkaufen. Standort Gronau. Joh. Brüningmeyer, Gronau i. W., Tel. 245. Gronau. Am Donnerstag abend zwischen 6—7 Uhr auf dem Wege Buterländerschulweg—Königtraße—Karlstr.—Brook= und kl. Brookstr. Portemonnaie mit Inhalt verloren. Der ehrl. Finder wird gebeten, es gegen Belohnung abzugeben in der Gesch. d. Ztg. in Gronau, Bahnhofstraße 31. bieten wir vorteilhaft an: Motorräder Ardie, N.S.U., Triumpf. Fahrräder Mifa, Gritzner, Presto, Dürkopp. Ferner empfehle zu herabgetzten Preisen Kinder- Sport- und Klapp-Wagen I. O. G. T. Int. Orden d. 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Alle Gaben vermittelt der Franziskus=Xaverius=Missionsverein in Aachen Postscheckkonto Köln 47 860. Kein Geld in gewöhnliche Briefe legen, es geht sehr oft verloren. Verding. Für den Erweiterungsbau des sollen folgende Arbeiten einschl. Materiallieferung vergeben werden: Los I Zimmerarbeiten, Los II Dachdeckerarbeiten, Los III Klempnerarbeiten, Zeichnungen, allgemeine und besondere Bedingungen liegen im Baubüro des Neubaues an den Werktagen zur Einsichtnahme auf. Angebotformulare können gegen Erstattung der Schreibgebühren im Betrage von 2,00 Mk. zu Los II und 1,00 Mk. zu jedem der beiden anderen Lose vom bauleitenden Architekten, Dombaumeister Sunder=Plaßmann in Münster, Kaiser=Wilhelm=Ring 9, bezogen werden. Die Angebote sind bis zum 11. August d. Is. einschl. an den unterzeichneten Pfarrer, Proben der Dachziegel an Herrn Bauführer chatten, Neubau Krankenhaus, einzureichen. Etwa gewünschte nähere Auskunft erteilt auf schriftliche Anfrage der vorgenannte bauleitende Architekt. Gronau, den 30. Juli 1920. Der Kirchenvorstand: Carlé, Pfarrer. Heinr. Timmermann, Ahaus i.W. Markt 225. Billigste Bezugsquelle für Hüte-Mützen-Schirme Eigene Anfertigung von Uniform=. Schüler Vereinsmützen Jacht= Klub= Sportmützen Sämtliche Schirmrep sowie Neuüberziehen werden prompt und billig ausgeführt. Fahrräder und deren Ersatz und Zubehörteile kaufen Sie doch am vorteilhaftesten bei Hermann Texior, Gronau Burgstr. 2. Telefon 95. Filiale Ochtruperstr.50 Anfon Degeling Motor- Fahrrau- und Rähmaschinenhandlung Busführung und Verkaut von Elektroertikein Reparaturwerkstati Heek, Kreis Ahaus gegen Blitzschlag zu ganz mäßigen Preisen. Nähere unentgeltliche Auskunft erteilt: am Markt Uhren-, Gold- und Luxuswaren Gronau i. Westf. Fernruf 347. Walhalla-Theater Wir beginnen heute mit der Aufführung eines der sehenswertesten Werke moderner Filmkunft Der neue Kolossalfilm nach dem Roman von Bulver Die letzten Tage von Pomvesi Die fabelhafte internationale Besetzung erregt Aufsehen. Als deutsche Darsteller wirken in führenden Rollen Maria Corda und Bernhard Götzke. Die meisterhafte Regie! Die stark dramatische Handlung! Die Wucht der Darstellung! Der ungeahnte Prachtaufwand! Die enormen Bauten! Die packenden Sensationen! stempeln diesen Film zu einem Meisterwerk! Die Szenen in der Arena betäuben und zeigen Bilder von hinreißender Wucht. Die Zirkusszenen sind von einer In ensität der Bilderführung, von einem Vibrator, das im Zuschauer zitternde Erregung auslöst! Der Ausbruch des Vesuvs dessen Darstellung an technischer Vollendung aller bisher dagewesenen übertrifft. Im Beiprogramm bringen wir den Berliner Milieufilm: Die Dame aus Berlin mit Werner Krav Lia Eiberschütz, Wilhelm Dieterle und Eugen Rex. Altung! Achtung! Wir bitten unsere verehrten Besucher, den heute angekündigten Film Die letzten Tage von Pompeji nicht mit jenem älteren minderwertigen Film gleichen Namens zu verwechseln! tel Brinkmann Gronau Samstag ab 7 Uhr Sonntag ab 5 Uhr Erstklassige neue Kräffe Klavier Violine Cello Sonntag von 11—1 Uhr Frühschoppen-Konzert Oronat NamenstagsGeburtstagsVerlobungsHochzeitsGeschenke Wirbelsturm am Rhein. . Staatssekretär a. D. Dr. Lewald hält die Weiherede. Staub dieses Proletarierführers ihre Feldzeichen in Ehrfurcht. Ein großer Verlust hat die bewaffnete Macht betroffen, darum schließt die Reihen enger zusammen, Genossen!" Die amtliche Mitteilung der Räteregierung sagt u. a.:„Er brannte auf seinem verantwortungsvollen Posten vom Feuer der Tatkraft. So verbrannte er auf diesem Posten." Soldat, Held, Ritter— so klingt es in hundert Abwandlungen durch diese von Trauer um den dahingeschiedenen Kameraden und Freund erfüllten Nachrufe. Selten zeigt sich der russische Kommunismus so klar und scharf, wie bei dieser Gelegenheit, als Schwertbrüderorden. Das Tscheka=Museum. In einem entlegenen Winkel der berühmten Moskauer Straße Ljublianka befindet sich das Museum der berüchtigten russischen Tscheka, der Staatspolizei. Ein ehemaliges Mitglied dieses Korps, ein gewisser Piro, beschreibt, wie wir dem„Neuen Wiener Journal“ entnehmen, in einer Broschüre, was in diesem Museum alles zu sehen ist. Im ersten Saale sind eine Menge Marterinstrumente untergebracht, die den Zweck hatten, standhaften Häftlingen Aussagen zu erpressen. Man findet dort Knuten aller Art, aber auch Lederhandschuhe, die mit starken Stacheln versehen sind. In einer Vitrine sind ein paar Handschuhe von weißlicher Farbe zu sehen, sie sind aus Menschenhaut auf grausame Weise gewonnen, indem einem unglücklichen Gefangenen ganz einfach die Haut bei lebendigem Leibe abgezogen wurde. Offiziell heißt es zwar, daß die Anhänger des konterrevolutionären Generals Denikin einen Bolschewiken so grausam zugerichtet und die Haut nach Moskau geschickt hätten, mit einem Begleitbrief, der das gleiche Schielsal allen roten Kommissären androhte; in Wirklichkeit soll aber dieses schauerliche Museumsstück aus der Sammlung des Tschekakommandanten von Charkow stammen, der durch seinen Sadismus allgemein bekannt ist. Diese traurige Sammlung enthält auch zahlreiche Erinnerungsstücke an die Ermordung der Zarenfamilie, wie die Wäschesammlung der Kaiserin Alexandria, den Rock Nikolaus II., an dem deutlich die Einschußöffnungen und die Blutflecken bemerkbar sind, ferner die Uniform, die der weißgardistische Admiral Koltschak an dem Tage trug, als er von den Bolschewiken erschossen wurde. Ein Gegenstück zu diesen Andenken an die Opfer der Volschewiken bildet das in einem kostbaren Gefäß in Spiritus aufbewahrte Herz Uriciys, des Präsidenten der Petersburger Tscheka. der von einem Studenten ermordet worden ist. Der neue Zwingherr des Rheinlandes. Durch einen nur wenige Minuten dauernden Wirbelsturm im Rheinhafen Karlsruhe wurde ein elektrischen Kran 150 Meter weit auf das Bürogebäude der Firmen Gebr. Röchling und auf einen Schleppkahn mit Holzladung fortgeschleudert. Das Schiff sank sofort. 2 Kranführer wurden schwer verletzt.— Der Kran über dem gesunkenen Schiff. „Heeresbofehl Nr. 389.“ Russische Nachrufe auf Dserschinski. Mag man in dem jüngst verstorbenen Befehlshaber der russischen Tscheka, Dserschinski, einen Helden oder ein Scheusal sehen, man muß doch anerkennen, daß die Kommunisten ihre Leute zu ehren verstehen. Die beiden Nummern der Moskauer„Prawda“ vom vorigen Mittwoch und Donnerstag, so schreibt die„K. Z.“, liegen uns vor. Darin gibt die Zeitung von Dserschinskis Tod Kenntnis. Beide Nummern bringen in der Mitte der ersten Seite im Trauerrand Dserschinskis Bild. Das eine stammt wohl aus früherer Zeit, denn es zeigt noch eine gewisse Fülle des Gesichts. Seitdem sind Dserschinskis Züge viel schmaler geworden. Das zweite zeigt ihn so, wie man ihn aus den letzten Jahren kannte: ein schmaler, feiner Kopf, eingefallene Wangen, eine gar nicht russische, sondern echt polnisch geformte Nase, hohe Stirn, kräftigen Schnurr= und Knebelbart. Die Augen, ziemlich weit von den Lidern bedeckt, haben einen schläfrigen und ausgesprochen mißtrauischen Ausdruck. Diese beiden Bilder in den Zeitungen sind umrahmt von den Nachrufen, und zwar reichen sie von der ersten bis zur letzten Seite des großen Formats. Dserschinski ist tot, die ganze übrige Politik und Welt ist daneben für die Zeitung nicht mehr vorhanden. Alle bekannten und einflußreichen Bolschewiken rufen dem toten Freund und Mitkämpfer ihr Lebewohl zu. Salin beginnt, dann Rykow, der Vorsitzende des Rats der Volkskommissare, dann der Chef der Tscheka, Unschlicht, der„Kultusminister“ Lunatscharski und noch viele andere. Bemerkenswert ist, daß der jetzt geächtete Sinowjew zwar auch mit einem kleinen Nachruf erscheint, aber an einem wohl absichtlich so gewählten Platz, ganz hinten. Die Trauer der maßgebenden Bolschewiken ist aufrichtig. Der Tod reißt eine unersetzliche Lücke nach der anderen in die Phalanx dieser alten Revolutionäre, die von Jugend auf mit gleicher Leidenschaft und gleichem Opferwillen für das gemeinsame Ziel gekämpft haben, bis ihnen das Schitksal die Erfüllung ihrer Wünsche gewährte, bis sie selbst als Herrscher in den Kreml einzogen und das Riesenreich zu ihren Füßen lag.„Diese Männer haben zeit ihres Lebens nichts anderes gekannt, als Kampf und Gefahr, Untergang oder Sieg. Und diese Waffenbrüderschaft klirrt durch alle Nachruse. Sie sind kriegerisch bis zum äußersten. Der Heeresbefehl Nr. 389 an die Rote Armee und Flotte, von Woroschilow unterzeichnet, trauert um den „unerschrockenen und männlichen Kämpfer, den ersten Krieger der Roten Armee, den ehrenwerten und adligen Ritter der Roten Fahne. Die Armee neigt vor dem General Guillaumat, Mitglied des Obersten Kriegsrates, wurde zum Kommandanten der französischen Besatzungsärmee am Rhein ernannt. ter dem Protektorat des Reichspräsidenten von Hindenburg.— Moment um den Preis der Räderlei=Sieger Gießener=Rudergesellschaft 1877 E. V. Weihe der Deutschen Hochschul=Bootshäuser in Pichelswerder bei Berlin. ts viermotorige Bleriotflugzeug, mit dem der französische Flugzeugführer Robert Bajac einen neuen Weltond im Dauerflug mit Höchstleistung aufgestellt hat. Die Maschine flog 2 Stunden 32 Minuten mit einer Nutzlast von 2000 kg. 31. Große Ruder=Regatta auf der Lahn zu Bad Ems am 25. Juli 1926 Vom Seeflugwettbewerb Warnemünde. Heinkens 1 Flugtzeug an Land. Wendung im Magdeburger Fustizkonflikt. Kölling lehnt die Berliner Beamten ab. (!) Magdeburg, 30. Juli. Der Sonderberichterstatter des„Lokal=Anzeiger“ meldet: Die Ereignisse in Magdeburg haben eine neue Wendung genommen. Der Untersuchungsrichter, Landgerichtsrat Kölling, hat an den Polizeipräsidenten von Magdeburg ein Schreiben gerichtet, in dem er zunächst seine schon Regierungsdirektor Weiß gegenüber geltend gemachten Vorwürfe gegen Kriminalkommissar Busdorf erneuert und betont, daß Regierungsdirektor Weiß, der selbst die Berechtigung des Antrages Knölling, Busdorf zurückzuziehen, nicht zu verkennen schien, ihm erklärt habe, er könne nicht ohne Zustimmung des Oberpräsidenten Hörsing handeln. Kriminalkommissar Busdorf sei ohne seinen Auftrag mit Untersuchungen in der Mordsache Helling betraut worden und habe entgegen seinem Wissen und Willen Amtshandlungen in Magdeburg und Umgebung vorgenommen. Kriminalrat Galzow aus Berlin habe gleichfalls ohne seine Erlaubnis gemeinsam mit Busdorf den Untersuchungsgefangenen Schröder verhört. In seinem Schreiben bedauert Kölling weiter, daß eine ganze Fülle von Mitteilungen über den Fortgang der Ermittlungen in die Presse gelangt sei, die der Untersuchung in ernstem Maße abträglich gewesen sei. Kölling spricht die Vermutung aus, daß diese Pressemitteilungen nur durch die Berliner Kriminalkommissare in die Oeffentlichkeit gelangt sein könnten. Der Kriminalkommissar ten Holt, der am 26. Juli auf Weisung von Berlin zurückgezogen worden sei, sei der einzige gewesen, der allein von Anfang an die Entwicklung der Untersuchung miterlebt habe und sei für ihn, Kölling, garnicht gleichwertig ersetzbar gewesen. ten Holt habe sich durchaus bewährt und völlig sachlich und einwandfrei gearbeitet Das Disziplinarverfahren gegen ihn sei unbegreiflich. Gegen Busdorf sei trotz eines Verdachts der Begünstigung der Täter kein Disziplinarverfahren eröffnet worden.„Mir sind", so schreibt Kölling weiter,„so viele Schwierigkeiten in den Weg gelegt worden, besonders als ich nach der Abberufung ten Holts die Zusammenarbeit mit Busdorf erneut ablehnte, daß ich darin nur das Bestreben erblicken kann, dem Fortgang der Untersuchung in der von mir eingeschlagenen Richtung entgegenzuwirken. Bei jedem Beamten, auf dessen Entsendung diejenige Stelle Einfluß genommen hat, von der jene Maßnahmen ausgehen, muß ich daher ernstlich damit rechnen, daß die Zusammenarbeit mit ihm den Untersuchungszweck, die Ermittlung der Wahrheit, gefährdet. Durch Zulassung solcher Beamten würde ich aufs schwerste gegen meine Pflicht verstoßen und mich schwer strafbar machen. Ich lehne daher die von Berlin gesandten Kriminalkommissare ab." Kölling schließt sein Schreiben an das Polizeipräsidium mit der Aufforderung, das Disziplinarverfahren gegen ten Holt sofort einzustellen und ihn für die Vermittlung wieder zur Verfügung zu stellen. Eingreifen des Preußischen Ministers des Innern. = Berlin, 30. Juli. Der Amtliche Preußische Pressedienst teilt mit: Der Magdeburger Untersuchungsrichter, Landgerichtsrat Kölling, hat an den Polizeipräsidenten in Magdeburg am 30. Juli d. Is. ein Schreiben gerichtet, das in einem Teil der Berliner Presse bereits veröffentlicht worden ist, bevor es dem Magdeburger Polizeipräsidenten zugegangen war. Der Inhalt des Briefes und seine Fassung, soweit sie verständlich sind, haben den Preußischen Minister des Innern veranlaßt, den Magdeburger Polizeipräsidenten anzuweisen, das Schreiben unbeantwortet zu lassen. Es bleibt bei den von dem Preußischen Minister des Innern getroffenen Anordnungen. Die nach Magdeburg entsandten Berliner Kriminalbeamten verbleiben dort zur Verfügung der Justizbehörden. Der Magdeburger Kriminalkommissar Paulat ist aus dienstlichen Gründen an eine andere Polizeiverwaltung abgeordnet. Im übrigen wird der Preußische Minister des Innern wegen der in dem Schreiben enthaltenen schweren, völlig unbegründeten Vorwürfe gegen Beamte seines Ressorts das Weitere an zuständiger Stelle veranlassen. Schaffung eines kriminalamtes. Berlin, 30. Juli. Wie der„Demokratische Zeitungsdienst" miteilt, ist der Reichsminister des Innern mit Arbeiten beschäftigt, die die Schaffung eines Reichskriminalpolizeiamtes zum Ziele haben. Ueber die etatrechtliche Seite der Angelegenheit haben bereits Verhandlungen mit dem Reichsfinanzminister stattgefunden. Das Reichskriminalpolizeigesetz ist so aufgebaut, daß es die Kompetenz und die Polizeihoheit der Länder nach Möglichkeit schont, aber da, wo es sich um zentrale Interessen des ganzen Reiches handelt, dem Reich die Möglichkeit einer zentralen Beobachtung und Berichterstattung gibt. Das zu errichtende Reichskriminalpolizeiamt soll seinen Sitz in Berlin erhalten und dem Reichsminister des Innern unterstellt sein. Es soll Richtlinien für die eigentliche Geschäftsführung der Landeskriminalpolizeibehörden und für entsprechende Ausbildung der Beamten aufstellen und alle für die planmäßige Zusammenarbeit der Landeskriminalpolizeibehörden nötigen Maßnahmen treffen, insbesondere einen allen Ländern gemeinsamen Nachrichten= und Erkennungsdienst unterhalten. Die Vollzugsbeamten des Reichskriminalpolizeiamtes und der Landeskriminalpolizeibehörden können innerhalb ihrer Zuständigkeit im ganzen Reichsgebiet polizeiliche Amtshandlungen vornehmen. Das Kanalbauprogramm. Im Rahmen des geplanten Arbeitsbeschaffungsprogramms sind in Westdeutschland folgende Kanalbauten vorgesehen: 1. Fortführung des Mittellandcanals. 2. Bau des Lippekanals HammLippstadt. 3. Fortführung des Küstenkanals bis zur Ems im kleinen Prosil. Als„weiterhin in Aussicht genommen" werden bezeichnet: 4. der HansaKanal, 5. die Kanalisierung der unteren Weser, 6. der Ausbau des Dortmund-EmsKanals. Hieraus darf man wohl schließen, daß die Bauten 1 bis 3., deren Projekte baureif vorliegen, baldigst in Angriff genommen bezw. beschleunigt fortgeführt werden, während die Ausführung der Bauten 4. bis 6. einem späteren Zeitpunkt vorbehalten bleiben soll. Zu diesem Bauprogramm nimmt der SchiffahrtsVerein für die westdeutschen Kanäle und die Weser E. V. in einer der zuständigen Regierungsstelle zugeleiteten Eingabe wie folgt Stellung: „Die zur Vollendung der Hauptlinie des Mittellandkanals vorgesehene Zeitspanne beträgt 11 Jahre. Wenn es nicht schon im Arbeitsbeschaffungsprogramm vorgesehen sein sollte, bitten wir, das Bautempo zu beschleunigen. Eine Abkürzung der Bauzeit auf etwa die Hälfte erscheint durchaus möglich. Sodann würden a. E. die im Etat vorgesehenen, sich aber noch über einen langen Zeitraum erstreckenden Verstärkungsarbeiten an den Dämmen des Ems=Weser=Kanals in das Arbeitsbeschaffungsprogramm zweckmäßig aufzunehmen sein; denn zur Belebung des Verkehrs nach Hannover gehört unbedingt, daß der Wasserspiegel weiter angespannt wird, sodaß die Schiffe mit einer Tauchtiefe von mindestens 2 Meter verkehren können. Dieses für die Förderung des Verkehrs auf dem Ems=Weser=Kanal so bedeutsame Ziel könnte im Rahmen des Arbeitsbeschaffungsprogramms in kurzer Zeit erreicht werden. Gegen die Aufnahme des Baues des Kanals von Hamm nach Livpstadt in das Arbeitsbeschaffungsprogramm glauben wir uns auf das Dringendste wenden zu müssen. Das Projekt verdankt seine Entstehung einer Zeit, in der man von einer Ausdehnung des Kohlenbergbaues und damit verbundener Industrialisietung in Richtung des geplanten Kanals eine entsprechende Verkehrsbelebung erwarten durfte. Dazu kam der Wunsch, durch den Kanal gleichzeitig eine den kulmrellen Belangen dienende Regelung der Vorflutverhältnisse zu erhalten. Diese Hoffnungen dürfen heute wohl als restlos erledigt angesehen werden. Die einzige Zeche liegt seit Jahren still; an Ausdehnung des Bergbaues in dieser Gegend ist nicht zu denken. Die industriellen Werke des Gebietes sind inzwischen ebenfalls der Stillegung anheimgefallen und werden wohl kaum je wieder in Betrieb gesetzt werden. Man wird demnach ein Verkehrsbedürfnis nach einer Großschiffahrtsstraße beim besten Willen nicht anerkennen können. So sehr wir als Wirtschaftsvertretung der gesamten Groß= und Kleinschiffahrt des westdeutschen Kanal= und Wesergebietes jeden Ausbau des Kanalnetzes an sich begrüßen, müssen wir doch aus den vorgetragenen Gründen dringend bitten, diesen von vornherein zur Unfruchtbarkeit verurteilten Kanal nicht zu bauen, der mit seinen Instandhaltungskosten und Amortisationsraten den übrigen Verkehr nur belasten und verteuern wird, sowie einer großzügigen Kanalbaupolitik nur neue Geaner zu schaffen geeignet ist. Auch der westfälische Landbund lehnt den„völlig unrentablen" Kanalbau ab und knüpft daran die Bitte, die bereits gekauften wertvollen Ländereien der Landwirtschaft wieder zur Verfügung zu stellen. Da die Förderung der Landeskultur sowie die Verwaltung des Wasserschatzes der Lippe einen kostspieligen Kanalbau nicht erfordern, dies vielmehr durch die durch das preußische Lippegesetz bereits vorgesehene und evtl. weiter auszudehnende Regulierung der Lippe nach wasserbautechnischer Erfahrung besser und billiger erreicht werden kann, bitten wir von dem Bon eines Kanals von Hamm nach Livvstadt mit einem u. E. volkswirtschaftlich nicht zu rechtfertigenden Aufwand von 24 Millionen Mark Abstand zu nehmen, zumal aus den Staatsverträgen sich eine Verpflichtung des Reiches zur Durchführung geplanter Kanalbauten nur bei Fortbestehen des Verkehrsbedürfnisses herleitet. Evtl. bitten wir die Stellungnahme des zuständigen Ausschusses des Reichswirtschaftsrats als eines fachverständigen Gremiums herbeizuführen, jedenfalls ist a E der Weser=Ems=Beirat wegen dieses Baues vorher zu bören Zur Aufnahme in das Arbeitsbeschaffungsprogramm besonders geeignete und Arbeiten dringlichster Natur sind der Ausbau des Dortmund=Ems=Kanals, sowie auch wohl die Kanalisierung der unteren Weser. In mehrfachen Eingaben an das Reichsverkehrsministerium und an das Preußische Ministerium für Handel und Gewerbe haben wir dargelegt und werden in einer besonderen Denkschrift noch weiter ausführen, daß von dem Ausbau des Dortmund-Ems-Kanals das Schicksal des westfälischen Industriegebietes schlechthin avhängt. Durch die Verbilligung der Rheinfrachten infolge Vergrößerung der Schiffsgefäße auf dem Rhein bis zu 4200 Tonnen ist die Konkurrenzfähigkeit der westfälischen Hüttenindustrie, die seit nahezu 30 Jahren auf den gleichen, infolge des Kanalprofils nicht entwicklungsfähigen Schiffstyp von höchstens 750 Tonnen Tragfähigkeit angewiesen ist, gegenüber den am Rhein gelegenen Hüttenwerken derartig eingeschränkt, daß ihr Fortbestehen infrage gestellt ist, wenn nicht baldigst der Dortmund=Ems=Kanal zu einem großschiffigen Wasserweg ausgebaut wird.“ Anhalt und der Mittellandkanal. X Dessau, 30. Juli. Der Haushaltsausschuß des anhaltischen Landtages beschäftigte sich heute mit der beabsichtigten Durchführung des Mittellandkanals, insbesondere mit der Führung eines Stichkanals nach Staßfurt und Leopoldshall Nach halbstündiger Debatte stimmte der Ausschuß dem Entwurf eines Staatsvertrages mit dem Reiche wegen der Fertigstellung des Kanals zu und ermächtigte das Staatsministerium zu Abschluß des Vertrages. Die Flucht des Juwelenräubers. Die Flucht des Binzener Juwelenräubers, des Seemanns Frank aus Stettin, hat auf der ganzen Insel Rügen die größte Aufregung hervorgerufen. In sämtlichen Badeorten spricht man von nichts weiter als von dieser Affäre. Die Polizeibehörden Rügens sind in höchster Alarmbereitschaft. Sämtliche verfügbaren Polizeimannschaften durchstreifen die Insel und halten alle Uebergangsstellen besetzt. Landjäger in Zivil überwachen die Straßen. Mit Polizeihunden durchstreift man die Wälder. Trotz alledem ist es nicht gelungen, den im Graditzer Forst verschwundenen Verbrecher wieder zu fassen. Die Polizei ist sich darüber klar, daß Frank die Flucht von langer Hand vorbereitet hat und auch die Fallgrube, in die der Stettiner Kommissar Schepp gestürzt ist, durch seine Komplizen anlegen ließ, um die Polizei in eine Falle zu locken. Sicher ist das Handtuch, das die Polizeibeamten in der Schonung entdeckten, und das das Monogramm der Braut des Frank trug, ein Zeichen für den Verbrecher gewesen, daß an dieser Stelle die Fallgrube angelegt worden ist. Frank hatte geschworen, die Stelle anzugeben, an der er die Juwelen des Schriftstellers Erdmann vergraben hatte. Er hatte seine Erklärungen mit solcher Bestimmtheit abgegeben, daß die ihn begleitenden Kommissare ihm glaubten, obwohl er sie schon zweimal hinters Licht geführt hatte. Frank wurde vor dem Ausmarsch mit gutem Essen und acht Glas Bier bewirtet. Er markierte infolgedessen den Angeheiterten aber er war vollständig nüchtern, was aus dem Geingen seiner Flucht hervorgeht. Natürlich ist die Auffindung der gestohlenen Schmucksachen jetzt anscheinend wieder in weite Ferne gerückt. Es ist höchst unwahrscheinlich, daß die Juwelen im Granitzer Forst verDas Publikum sieht mit Staunen, daß in Magdeburg graben liegen, wie der Verbrecher es angegeben hat. und in Binz die Verbrecher sozusagen selbst die Untersuchung leiten und dabei mit einer fast unbegrenzten Naivität ihrer Häscher rechnen können. * Frank in Berlin? X Binz, 30. Juli. Der flüchtige Fassadenkletterer Frank, der am Dienstag bekanntlich den begleitenden Kriminalbeamten im Granitzer Forst entkommen ist. wurde am gleichen Nachmittag von Badegästen in dem kleinen Küstenort Baabe südlich von Sellin gesehen. Allem Anschein nach hat also Frank die Insel Rügen bereits verlassen. Man nimmt an, daß er mit einem Boot nach Greifswald hinübergerudert ist, um sich von dort aus nach Berlin zu wenden. Eine Verhaftung. :: Berlin, 30. Juli. Der„Voss. Ztg." zufolge ist es der Berliner Kriminalpolizei gelungen, den Unbekannten, der am Abend des Minzer Juwelenraubs die Familie Erdmann verfolgt hat, in Berlin festzuneymen. Es handelt sich um einen Mann namens Heydock. Der Verhaftete leugnet, zur Zeit des Dieh, stahls in Binz gewesen zu sein. Er wurde jedoch s der Gesuchte wieder erkannt. Neuer Juwelenraub. + Binz, 29. Juli. Hier ist abermals ein Juwelendiebstahl verübt worden. Ein unbekannter Mann drang am hellichten Tage in ein Zimmer des Gasthofes „Deutsche Flagge", das von dem Hamburger Kaufmann Kleuz und seiner Frau seit etwa 1 Woche bewohnt wird, öffnete den Koffer und raubte ein Perlenkollier im Werte von mehreren Tausend Mark. Außerdem erbeutete der Dieb eine Summe baren Geldes. Wegen Fememordes verhaftet. Frankfurt a. M., 29. Juli. Die Frankfurter Polizei verhaftete den deutschvölkischen Chauffeur Schwing, der in Bad Nauheim einen Oberleutnant a. D. Wagner ermordet hat und möglicherweise auch an der Ermordung eines Marineoffiziers Tackenberg beteiligt war. Die „Frkf. Vst." gibt dazu folgende Einzelheiten: Oberleutnant Wagner wurde im Frühjahr 1922 in Bad Nauheim nach einem Festgelage auf einem nächtlichen Spaziergang von einem Deutschvölkischen überfallen und in einen Teich geworfen. Auf seine Hilferufe konnte er jedoch gerettet werden. Der Polizei und Staatsanwaltschaft verweigerte er jede Auskunft über den an ihm versuchten Mord. Nach seiner Entlassung aus dem Krankenhause verschwand er spurlos. Er hatte von seinen deutsch=völkischen Freunden Geld verlangt und als er nichts erhielt, mit Enthüllungen gedroht. Darauf wurde er von Schwing vermutlich unter Mitwirkung anderer Deutschvölkischer ermordet. Ein weiterer bis jetzt unaufgeklärter Fall ereignete sich im Sommer 1925. An dem Bahnkörper zwischen Butzbach und Bad Nauheim wurde ein in Bad Nauheim wohnender ehemaliger Marineoffizier namens Tackenbera tot aufgefunden. Da er seine Wertsachen noch bei sich hatte, konnte Raubmord nicht angenommen werden. Auch ein Selbstmord erschien ausgeschlossen. Man glaubte zunächst, daß Tackenberg aus dem Zuge gefallen sei. Er war Mitglied der Brigade Ehrhardt und hatte zu rechts-radikalen Kreisen intime Beziehungen. Es ist nicht ausgeschlossen, daß auch Tackenberg in die geheimen Pläne der Femeorganisationen eingeweiht war und daß man befürchtete, er könne Enthüllungen machen. Deshalb liegt die Vermutung nahe, daß es sich auch in diesem rätselhaften Falle um einen Fememord handelt, an dem Schwing beteiligt war. Das Geständnis Schwings. + Frankfurt=Main, 30. Juli. Der unter dem Verdacht des Fememordes von der Frankfurter Polizei verhaftete Chauffeur Schwing, soll der„B. Z. am Mit“ tag" zufolge, ein Geständnis abgelegt haben. Roman von S. A. Duse Einzig berechtigte Uebersetzung aus dem Schwedischen von E v. Kraatz Copyright by Josef Singer. Verlag A.=G., Leipzig 10) Nachdruck verboten. „O, wenn man es wagt, Wände und Schränke zu zuchbrechen, Steine im Werte von 300 000 Kronen und bensoviel in bar zu stehlen und überdies Leute zu rstechen, so wird man nicht um Erlaubnis fragen, wenn s sich darum handelt, einige auf Sie abgesehene Drohriefe zu schreiben!“ „Können Sie wirklich beweisen, daß man meine Maschine benutzt hat?“ Aber leicht! Jede Schreibmaschine hat— ebenso vie die Menschen— irgendeine charakteristische Eigenseit, die Spuren auf dem Papier hinterläßt. Ich habe einen von den Drohbriefen behalten, den anderen hat der Kriminalkommissar mitgenommen. Ich nahm mir iun die Freiheit, mir von meinem Assistenten Roland Aldrücke von sämtlichen Buchstaben Ihrer Remington nachen zu lassen, und der Vergleich lieferte überraschende Ergebnisse. „Was Sie sagen!" a, z. B. beim kleinene Das liegt ein wenig schräg. ind beim kleinen ö ist nur das linke Tüttelchen zu sehen. Das S schlägt unten bedeutend schärfer an als oben, ind von solchen Besonderheiten könnte ich noch mehr mnführen, begnüge mich aber mit diesen. Sie können ja elbst vergleichen. Da die besagten Eigentümlichkeiten ich nun in allen vier Briefen wiederfinden, liegt es auf der Hand, daß sie sämtlich in Ihrem Zimmer auf Ihrer Maschine geschrieben sind. Was für Schlüsse ziehen Sie daraus?" „ch— ich ziehe gar keine Schlüsse", stammelte der alte Mann „Natürlich liegt die Annahme nahe, daß Sie die Briefe selbst geschrieben haben, und daß dieser ganze Diebstahl eine von Ihnen in Szene gesetzte Komödie ist." „Das kann nicht Ihr Ernst sein? Was würde ich adurch gewinnen?“ „Sie werden doch vermutlich gegen Einbruch verchert sein?" „Ja, fürein paar Hunderttausende. Aber die gestohen Juwelensammlung z B., die ich hier nur vorbergehend verwahrte, ist überhaupt nicht versichert." „Nun fällt der Verdacht gegen Sie also weg." „Verdacht! Was meinen Sie damit? Daß ich mich elbst bestohlen hätte?" „Ja. Der Verdacht liegt natürlich sehr nahe.“ „Wie können Sie sich unterstehen, solche Anspielunen zu machen? Ich bin ein unbescholtener Mann und in niemals mit dem Gericht in Konflikt gekommen.“ „Das ist kein Grund zu prahlen. Man mißtraut Ihnen längst, und für eine Einmischung des Gerichts ist es noch nicht zu spät." Wentele wurde aschgrau im Gesicht. Er war aufgestanden und ging mit geballten Fäusten auf den Detektiv zu, „Herr!“ brauste er auf.„Wie können Sie sich unterstehen—" „Setzen Sie sich!" sagte Carring kalt.„Mit solchen Faxen können Sie mir nicht imponieren. Ich habe schon lange ein Auge auf Sie, und wenn Sie mich nicht gebeten hätten, heute herzukommen, so würde ich mich doch im Auftrage des Juweliers Teffert eingefunden haben.“ Wentele sank wieder in seinen Sessel zurück und erzwang ein überlegenes Lächeln. „Ach so, es handelt sich wohl um das kleine Kollier, das ich meiner Nichte gestern abend abkaufte?“ fragte er. „Das stimmt“, lautete die Antwort.„Sie müssen es dem Juwelier Teffert ohne weiteres zurückgeben, und zwar noch heute.“ „Nie im Leben mach' ich den Kauf rückgängig.“ „Das meine ich auch gar nicht. Frau Titter muß die von Ihnen bezahlten 10 000 Kronen natürlich behalten Aber Sie werden das Kollier ohne jedwede Entschädigung an den Juwelier zurückgeben.“ Da verzog sich Wenteles Mund zu einem breiten Lächeln. Aber Leo Carring blieb ganz ernst.„Ich habe dem Juwelier Teffert, den ich sehr gut kenne, versprochen, ihm das Kollier noch heute zurückzuschaffen", sagte er.„Und wenn ich demnächst fortgehe, werde ich es in der Tasche haben.“ „Dann werden Sie es wohl ebenso machen müssen wie die„unsichtbare Hand“, und es stehlen. Freiwillig gebe ich es nicht heraus.“ „O, doch! Sie werden mich sogar bitten, es mitzunehmen." „Ich verstehe wirklich nicht, was Sie meinen Bilden Sie sich etwa tatsächlich ein, daß Sie mich zwingen können, einen in aller Form Rechtens gekauften Gegenstand zurückzugeben?" „Statt in aller Form Rechtens sollten Sie lieber Betrug sagen. Dies Wort läßt sich auf mehr als eins von Ihren Geschäften anwenden, aber in diesem Fall ist es ein Betrug, der strafbar ist. Sie wußten, daß der Schmuck echt war— sie. die ihn verkaufte, hielt ihn für Simili. Sie errieten, daß eine Verwechselung im Teffertschen Geschäft vorlag— oder hatten es zufällig erfahren. Letzteres ist das Wahrscheinlichere. Sie befanden sich um 5 Uhr nachmittags im Laden und können gehört haben, daß von der Verwechslung gesprochen wurde Da meldeten Sie sich bei Ihrer Nichte zu Tisch an, weil Sie hofften, ihr den Schmuck billig abzuschwindeln. Die Sache ist ganz klar“ „Auch meinerseits", erklärte Wentele.„Ich habe den Kaufkontrakt in Händen und zum Ueberfluß auch ein Gutheißen von Adas Gatten, so daß die Sache vollkommen in Ordnung ist." Der Privatdetektiv holte ruhia seine Uhr hervor und legte sie vor sich auf den Tisch.„Binnen fünf Minuten werden Sie mir den Schmuck ausgeliefert haben. Sehen Sie selbst nach der Uhr und hören Sie an, was ich Ihnen zu sagen habe.“ Wentele zog mechanisch die Uhr aus der Tasche, und Carring begann: „Es gibt einen Mann, den ich vorläufig Herrn X. nennen werde. Er fing mit nichts an und besitzt gegenwärtig etliche Millionen. Er hütete sich grundsätzlich, mit dem Gesetz in Konflikt zu kommen— hatte also dieselbe Richtschnur wie Sie, Herr Wentele. Aber innerhalb der Grenzmarken des Gesetzes glaubte er freie Hand zu haben, und sein Leitstern war ein gesunder, natürlicher Egoismus. Er brüstete sich damit, weder engherzig noch kleinlich zu sein, und erfüllt von dem Aberglauben, nach juristischen und allgemeinen menschlichen Begriffen ein redlicher Mann zu sein, schritt er ruhig und sicher durchs Leben. Auf diese Weise wurde Herr X.— unerklärlicherweise— geschäftsführender Direktor einer großen Industriegesellschaft. Dies Amt bekleidete er fünf Jahre hindurch und sammelte in diesen Jahren ein kleines Vermögen von fünf Millionen zusammen. Die Industriegesellschaft dahingegen machte bei der Sache Konkurs. Herr X. hatte die Gesellschaft sozusagen ganz in der Hand. Er war nämlich nicht nur geschäftsführender Direktor, sondern auch Mittelsperson zwischen Käufern und Verkäufern Alle großen Einkäufe und Verkäufe— ganz besonders von Rohwaren — gingen durch seine Hände. Und vom Gewinnst bezog er angemessene, aber in seinen Augen lächerlich geringe Tantiemen. Da kam Herr X. auf den Gedanken, eine Agentur ins Leben zu rufen, die den offiziellen Namen „Norvikens Handelsagentur" führte. Diese Agentur bestand in Wirklichkeit lediglich aus ihm selbst und einem Telephon. Und das Telephon war im Zimmer des Geschäftsführers der Industriegesellschaft in einem Dokumentenschrank versteckt. Wenn Herr X Besuch hatte oder abwesend war, war jener Schrank, der dicht neben seinem Schreibtisch stand, immer sorgfältig verschlossen, und der darin verborgene Telephonapparat abgekoppelt. Erhielt der Herr Direktor nun durch seinen offiziellen Direktionsapparat ein Angebot— sagen wir z. B. von Schmieröl, das in jenen Krisenjahren so rar war, und dessen die Industriegesellschaft so sehr bedurfte—, erwiderte er, daß sein Bedarf zurzeit gedeckt sei, daß aber Norvikens Handelsagentur— deren Telephonnummer er gefällig angab— sicherlich den ganzen Posten ankaufen und binnen drei Tagen bezahlen werde Nach einer Weile schellte es dann an dem geheimen Telephon im Dokumentenschrank. Dasselbe Angebot erfolgte und wurde nach einigen scheinbaren Einwendungen angenommen. Fünf Minuten später hatte Norvikens Handelsagentur die Ware mit 20 Prozent persönlichem Verdienst an Herrn X. also an den geschäftsführenden Direktor der Industriegesellschaft, weiter verkauft.“ Der Privatdetektiv schwieg, um zu sehen, welchen Eindruck seine Wort auf Holger Wentele gemacht hatt n. Aber dieser schien weder zu hören noch zu sehen. Er lehnte ganz zusammengesunken in seinem Sessel und schien zu schlafen. „Haben Sie meine kleine Erzählung begriffen, Herr Direktor?" fragte Harring nach einer kurzen Pause.„Ich dachte, sie würde Sie interessieren." Da schien Holger Wentele plötzlich aufzuwachen. „Das nenne ich Geschätfsmethoden!“ rief er mit funkelnden Augen.„Echt moderne, vorurteilslose Geschäftsmethoden! Einfach großartig!" „Daß er seine Methode nicht geschickter anzuwenden verstand, als daß ich jetzt Beweise für seine Manipulationen beibringen kann, finde ich nicht sehr großartig", versetzte Carring spöttisch.„Ich kann ihn jeden Augenblick verhaften lassen.“ Holger Wentele hatte sich erhoben und stand zu seiner ganzen Höhe aufgerichtet vor dem Detektiv, indem er ihn mit den Augen durchbohrte. „Weshalb erzählen Sie mir diese Geschichte gerade jetzt?" fragte er. „Weil ich weiß, daß kein Mensch jenen Herrn X so gut kennt wie Sie es tun. Sie können ihm sagen, daß ihm das Gesängnis winkt— es sei denn, daß er freiwillig wieder gutmacht, was er verbrochen hat.“ „Gutmachen? Wie sollte er das können?" „Er hat vielleicht nicht bedacht, wie viele Menschen er durch jene Betrügereien in der Industriegesellschaft an den Bettelstab gebracht hat Aber ich habe ein Verzeichnis der meisten von ihnen. Beim Konkurs waren die Altien so gut wie wertlos. Ein Teil der Aktionäre— wie z. B. jener gewissenlose Direktr X— mag für die Folgen stehen, aber es gibt auch redliche Menschen, die ruiniert werden. Dazu gehört u. a. der Schwiegervater Ihrer Nichte, der alte Herr Titter, der alles verlor, was er besaß, und sich aus Verzweiflung das Leben nahm. Das ist nur ein Bruchteil alles Elends, das Herr X. angerichtet hat, und das er baldigst sühnen wird." „Sühnen? Was verstehen Sie darunter?" murmelte Wentele.„Ich verstehe nicht." „Ich will es Ihnen sagen. Wenn dieser schurkische Herr X dem Gefängnis entgehen will, gibt es für ihn nur eine einzige Möglichkeit! Er muß seinen redlichen Opfern zurückzahlen, was sie durch ihn verloren haben. Sie, der Sie noch mit der jungen Frau Titter verwandt sind. werden natürlich dafür sein, daß Herr X vor allem die 300 000 Kronen zurückbezahlt, die der alte Titter durch die Industriegesellschaft verlor— und zwar zur Hälfte an Frau Titter und die andere Hälfte an deren Schwägerin Eva. Das halten Sie doch gewiß für gerecht?" „Und wenn ich es nicht tue?" „Dann wende ich mich unverzüglich an die Polizel und lege alle meine Beweise vor für die Betrügereien, die Herr X in seiner Eigenschaft als geschäftsführender Direktor der Industriegesellschaft begangen hat." „Und wenn— wenn ich Ihre Ansicht teile?“ „Dann werde ich Herrn X. dazu bewegen, alle Personen zu entschädigen, die auf dieser Liste stehen. Wie Sie sehen, stehen Herr Titter und seine Schwester obenan. Und der nächste ist Ihr eigener Bruder, Frau Titters Vater. Als treuer Bruder müssen Sie natürlich dafür eintreten, daß er erhält, was ihm zukommt. igen mit eitenden zweimal or dem Bier eiterten, em Gedie Aufcheinend unwahrst vergdeburg ben hat. Untergrenzten kletterer eitenden men ist, in dem Sellin ie Insel daß er gerudert den. Nr. 207 II. Blatt Samstag, 31. Juli 1926 ze ist es Unbeaubs die festzunamens es Dieh, och uwelenn drang lasthofes ufmann nt wird, ollier Mark. Geldes. Juli. auheim et hat eines r. 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Die günstige Entwickelung, die die Ahaus-Enscheder Eisenbahn im Betriebsjahre 1924 genommen hatte, hat sich im Jahre 1925 fortgesetzt. Wiederum hat ein Teil der für die holländische Provinz Twenthe bestimmten Kohlentransporte seinen Weg über diese Bahn genommen. Dieser Zustand hat während des ganzen Jahres angedauert, sodaß die Einnahmen dauernd gesteigert werden konnten. Auch 1926 hielten die Transporte dauernd an, wenngleich der Verkehr auch infolge der allgemein schlechten Wirtschaftslage etwes nachgelassen hat. Die Gesellschaft hat den Tod zweier Mitglieder des Aufsichtsrates zu beklagen, des Herrn Amtmann Fischer und des Fabrikanten B. Olbenkott. Herr Ludwig van Heek aus Lonneker schied aus dem Aufsichtsrate aus und wurde auf der letzten Generalversammlung wiedergewählt. Für den verstorbenen Rechtsanwalt Vagedes wurde Dr. W. van Dekden zum Vorstandsmitgliede der Bahn bestimmt. Diese Wahl ist in Uebereinstimmung mit den bestehenden Verträgen vom Deutschen Reichsverkehrsminister bestätigt worden. Die Bilanz sowie Gewinn= und Verlustrechnung wurde vom Aufsichtsrat geprüft und für richtig befunden. Der Gewinn für 1925 beträgt RM. 170 253,31. Abzüglich Vortraa aus 1924RM. 2131,10 bleiben RM. 168 122,21. Hiervon 5 Proz. für den Reservesond RM. 8 406,11 verbleiben RM. 159 716,10. Hierzu Vortrag aus 1924, sodaß RM. 161 847,20 zur Verfügung der Generalversammlung standen. Gemäß Vorschlag wurde beschlossen, auf die Aktien A und B 4 Proz. Dividende zu verteilen. Aus dem Rest gelangen zur Rückzahlung an die Provinz Overyssel 15 Proz. von RM. 101 847,20, gleich 15 277,08 Mark. Aus dem Saldo wurden weitere je 2 Proz. auf die Aktien A und B verteilt und der Rest auf neue Rechnung vorgetragen. Aus der Uebersicht der Bruttoeinnahmen geht hervor, daß bei der Bahnlinie die Gütertransporte den weitaus größten Teil der Einnahmen bilden. Die aus den Gütertransporten erzielten Summen stehen zu denen aus dem Personenverkehr vereinnahmten im Verhältnis von etwa 12:1(170 601.43 Gulden und 14 364.23 Gulden). So kann die Ahaus=Enscheder Eisenbahngesellschaft auf ein fehr erfolgreiches Betriebsjahr zurückblicken und mit dem Reingewinn von 170 253 Mark zufrieden sein. Auch der augenklickliche Stand des Personen= und Güterverkehrs läßt erwarten, daß die günstige Entwicklung der letzten Betriebsjahre weiter anhalten wird. )!( Das städtische Freibad hat durch die Arbeiten in den letzten Wochen ein wesentlich besseres Aussehen bekommen. Nachdem vom Katasteramt die nötigen Vermessungsarbeiten gemacht worden sind, konnten die Ufer abgestochen und reguliert werden. Durch Anfschütten von hellem Sand konnte die bisherige Trübung des Wassers bei größerem Badebetrieb vermieden werden. Quer durch das Wasser gelegte und aneinandergelettete Balken zeigen den Richtschwimmern die Grenze der Gefahrzone an. An dem Schwimmunterricht beteiligen sich zahlreiche Damen und Herren. Mit der Eröffnung des Licht=, Luft= und Sonnenbades kann. da die Arbeiten vor ihrem Abschluß stehen, in kurzer Zeit gerechnet werden. Die große Wasserfläche hat in den letzten Tagen einige Möwen angezogen, die aber bei dem Massenbetrieb hier wohl keinen dauernden Aufenshalt nehmen werden. Die Gewerbeschau Dülmen wird amstag, den 7 August, vorm. 11 Uhr im Ausstellungsgebäude(städt. Gymnasium) unter Mitwirkung der städtischen Musikkapelle durch den Protektor Herrn Landrat vom Hove im Beisein der Vertreter der weltlichen und geistlichen Behörden, sowie der Vertreter der verschidenen Wirtschaftsgruppen eröffnet. Anschließend daran findet ein Rundgang durch die Ausstellung stett, dem ein Festessen im Bürgerhause folgt. :: Legden, 30. Juli. Vorsicht bei Gesichtspickeln. Die Tochter eines hiesigen Landwirts hatte an der Lippe ein kleines Geschwürchen. Sie kratzte dasselbe mit den Fingern ab. Nach kurzer Zeit erfolgte eine starke Anschwellung, die die Ueberführung in das Krankenhaus nötig machte. Es war eine heftige Blutvergiftung eingetreten, der das bedauernswerte jenge Mädchen nach mehrtägigem schmerzhaften Krankenlager erlag. + Legden, 31. Juli. Der altbekannte Fliegenmarkt soll am Dienstag, den 3. August zum ersten Male seit ca. 20 Jahren wieder an der alten Stelle stattfinden. In der Geschichte Legdens hat dieser Markt immer schon eine große Rolle gespielt, beläuft sich sein Alter doch auf 900 Jahre. In alten Zeiten hielten die Grafen von Bentheim in Legden am Fliegenmarktstage Gerichtstag ab. Am Legdener Kirchturm wurde dann zum Zeichen, daß in Legden Gerichts= und Markttag sei, eine Fahne gehißt. Diese Fahne ist bis zum Jahre 1884 bei Schmeddes auf der Stiege in Verwahrung gewesen und in dem Jahre beim großen„Stiegerbrand“ verbrannt. Beschickt war der Markt hauptsächlich mit Rindvieh und Pferden. Verschiedene Anwohner des Fliegenmarktweges hatten an diesem Tage Schankkonzession. Im Jahre 1907 wurde der Markt in's Innere des Ortes verlegt. In einer der ersten Sitzungen dieses Jahres beschloß nun die Gemeindevertretung, den Markt wieder an der althistorischen Stätte abzuhalten. Dieser Schritt der Gemeindevertretung ist im wirtschaftlichen sowie im Interasse der Heimatpflege nur zu begrüßen. Hoffentlich tun Käufer, Verkäufer und Besucher das Nötige, um den Markt wieder zum alten Ansehen zu bringen. * Legden, 30. Juli. Obst= und Gemüseverwertung im Haushalt. Ueber dieses zeitgemäße Thema sprach am Donnerstag in einer Versammlung im Jugendheim Obstbauinspektor Mey aus Burgsteinfurt. Gerade in der heute für Erzeuger und Verbraucher wirtschaftlich schweren Zeit soll Obst und Gemüse in einfachster Weise haltbar gemacht und verwertet werden. So wird dem Obstund Gemüsemangel in der Winterzeit und dem Verderb des frischen Obstes und der Gemüse bei reicher Ernte vorgebeugt. Für die Haltbarmachung sollen aber keine gesundheitlichen Stoffe verwendet werden. Salizyl gefährdet die Gesundheit und erzeugt den eigentümlichen Karbolgeruch, den man oft in der Küche findet, ohne zu wissen, woher er stammt. Auch beeinflußt Salizyl der Geschmack der Produkte. Auch Weinsteinsäure ist nicht zu empfehlen, sie erfordert einen starken Zuckerzusatz und wirkt gesundheitsschädlich. Dagegen sieben der Verwendung des benzoesauren Natrons keine Bedenken entgegen. Geschmack und Aussehen der Produkte werden nicht beeinflußt. Redner sprach dann eingehend über die Behandlung der Einmachgefäße und zeigte, wie auch ohne WeckApparate eine gute Frischhaltung erziekt werden kann. Bei Verwendung von Früchten zu Säften und Gelee soll man auf gute Ausreifung Gewicht legen, Nährwert, Bekömmlichkeit und Wohlgeschmack werden dadurch ver mehrt. Zum Schluß wurde noch die Weinbereitung besprochen, die man erst vornehmen soll, wenn man Früchtim Ueberfluß hat. Richtige Lagerung und ausreichende Gärung sind Vorbedingungen für die Erzielung eines angenehmen Hausweines. Nachdem noch; zweckmäßige Flugblätter und Reklamepapiere der Firma Weck verteilt waren, wurde die Versammlung, die wegen des sehr interessanten Vortrages eine bessere Besucherzahl hätte aufweisen müssen, geschlossen. — Breden, 31. Juli. Wiedersehensfeier in Vreden. Vor fünf Jahren wurde auf Veranlassung der Akademia Breden das erste Heimatfest der Progymnasiasten und Rektoratschüler gefeiert. Die Wiedersehensfreude war groß, alte Erinnerungen wurden aufgefrischt. Es waren Tage der Erhebung im Gedanken daran, daß hier in Vreden der Grund gelegt wurde zu innexem und äußerem Werden. Alle waren in dem Gedanken einig, ein so schönes und gemütliches Fest in unserer alten Pennälerstadt zu wiederholen und zwar alle 5 Jahre. 1926 soll uns dieses Wiedersehensfest bringen. Die vorbereitenden Arbeiten sind schon in vollem Gange, sodaß alle Vorbedingungen zu einem schönen Wiedersehen gegeben sind. Am 22.—24. August sollen die früheren Lehrer und Schüler des Progymnasiums und der Rektoratschule nebst deren Angehörigen in der lieben, trauten Berkelstadt herzlich willkommen geheißen werden. Das Programm ist so reichhaltig, daß es wohl den Wünschen aller entsprechen wird. Es wurde auch der Damen, die beim vorigen Heimatfeste nicht ganz auf ihre Kosten kamen, durch einen Familienabend besonders gedacht (vielleicht auch in Gedanken daran, um ihnen Gelegenheit zu geben uns bei den Vorbereitungen zu unterstützen). Auch die mit dem Wiedersehensfeste verbundene Ausstellung Vredener Kunst= und Heimatschätze wird großartig werden. Also Hand ans Werk zum nächsten Heimatfest! Möge jeder helfen, daß dieses Fest noch schöner werde, als das vor 5 Jahren. Dafür haben wir die Beihilfe der Alten Herren nötig, sei es, daß sie uns Adressen früherer Mitschüler angeben, sei es, daß sie uns„milde Gaben" zukommen lassen, oder sei es, daß sie früh genug(wenigstens 8 Tage vor dem Fest, also spätestens bis zum 15. Aug.), uns wissen lassen, ob sie kommen wollen. Außerdem liegt es im eigenen Interesse der Teilnehmer, mitzuteilen, ob sie am gemeinschaftlichen Mittagessen teilnehmen(der Preis hierfür wird zirca 2,50—3 Mk. betragen), und ob ihnen ein Nachtquartier besorgt werden søll. Adressen, Anmeldungen, Anfragen usw. sind zu richten an Otto Gerriven, Vreden(Bez. Münster), Postsach 18. Die Festordnung wird sich folgendermaßen gestalten: Sonntag, den 22. August: Abends 9 Uhr Begrüßungsfeier(Hotel Degener); Montag, den 23. August: Feierliches Levitenhochamt mit Festpredigt um 9,30 Uhr; Frühschoppen 11,30 Uhr(Hotel Gewers vorm. Wiagers); Festessen 1,30 Uhr(Hotel Degener) Photographische Aufnahme; Besichtigung der Ausstellung 4,30 Uhr; Festkommers 8,30 Uhr(Hotel Degener). Dienstag, den 24. August: 10 Uhr Requiem, Frühschoppen 11,30 Uhr(Wirtschaft Mümken); Familienabend 8,30(Hotel Degener). X Breden, 31. Juli. Da in den letzten Tagen hier viele unvollständige Anträge auf Ermäßigung oder Befreiung von Hauszinssteuer auf Grund des am 1. 7. 26 in Kraft getretenen Gesetzes eingegangen sind, so wird zur Vermeidung von Verzögerungen und Rückfragen folgendes bekanntgegeben: 1) Es handelt sich bei den Ermäßigungen usw. nicht mehr um die Belastung des Hauses am 1. 7. 1914 sondern um die Belastung am 31. 12. 1918. Handelt es sich um Sicherungshypotheken bei der Belastung fo ist die Art der Hypothek(ob 1184, 1187, 1190 des B. G. B.) anzugeben, was beim Grundbuchamt zu erfahren ist. 2) Werden Anträge auf Befreiung oder Ermäßigung wegen der geringen Wohnfläche des Gebäudes(unter 90 gm) gestellt, so haben die Antragsteller nach den Bestimmungen neben dem Nachweise der Belastung eine Bescheinigung der zuständigen Baupolizeibehörde über die Größe der Wohnfläche beizufügen. Zur Wohnfläche gehören: Wohn=, Schlofräume, Küchen, Läden, Handwerkerstuben und dergl. Außerdem haben sich die Antragsteller nach den Bestimmungen schriftlich zu verpflichten, von einer späteren eiwaigen Vermietung des Gebäudes der einzelne Gebäudeteile dem Katasteramt unverzüglich Mitteilung zu machen, da diese steuerliche Vergünstigung nur für Einfamilienhäuser, die ausschließlich vom Eigentümer und seine Famisie bewohnt werden, Geltung hat. Zweckmäßig enthält die Bescheinigung der Baupolizeibehörde also auch den Satz, daß es sich um Einfamilienhäuser, die ausschließlich vom Eigentümer bewohnt werden, handelt. Bei diesen Einfamilienhäusern unter 90 em kommt es auf die Belastung am 1. 7. 1918 an. Gronau. = Gronau, 31. Juli. Ausstellung„Mutter und Eind“. In der Zeit vom 12. bis 19. August findet in der hiesigen Turnhalle die Wanderausstellung„Mutter und Kind“ statt. Die Ausstellungen haben in den verschiedensten Städten Deutschlands allseitig Anklang gefunden. Die Stadt Gronau hat es sich nicht nehmen lassen und die Kosten nicht gescheut, die Ausstellung auch hier stattfinden zu lassen. Den heutigen Zeitverhältnissen Rechnung tragend, wird nur ein ganz geringes Eintrittsgeld erhoben, sodaß es jedem ermöglicht wird, die Veranstaltung zu besuchen. Nähere Einzelheiten werden noch mitgeteilt werden. X Gronau, 31. Juli. Der kath. Arbeiterverein vereinigt am morgigen Sonntage seine Mitglieder nebst Angehörigen zu einem Sommerfeste im Saale und in den Anlagen des„Schützenhofes“(Ww. Kemper). Bei den Vorbereitungen haben Vorstand und Vertrauensleute keine Mühe gescheut, das Fest in jeder Weise gemütlich und unterhaltend zu gestalten. Das Festprogramm besteht in Konzert der Vereinskapelle, Kinderbeluftigung, Preisschießen und Theater. Für das Preisschießen sind manch schöne und wertvolle Preise beschafft worden, die eine Teilnahme am Schießen auf dem vorzüglich gebauten Kemperschen Schießstand schon als lohnend erscheinen lassen. Der geschlossene Abmarsch mit Musik zum Festlokal erfolgt um 3 Uhr nachm. von der Konkordig aus. Es wird gebeten, sich an die vorgeschiebene Festordnung zu halten. Alle Mitglieder sind zur Teilnahme herzlichst einatladen. Es muß ein großes Vereinssest werden. Wir wünschen ihm einen schönen Verlauf. □ Gronau, 31. Juli. 25 jähriges Gendarmerie=Jubiläum. Am morgigen 1. August kann Herr Oberlaudjöger Carl August Bendeck auf 25 Dienstjahre als Cendarm(wpäter Ober=Landjäger) zurückblicken. Nach Ablauf seiner 12 jährigen Mikitärdienstzeit trat Herr Bendeck am 1. August 1901 zur 7. Gendarmerie über. Seit 1907 ist er in Gronau stationiert; vordem in Ahaus. Wir gratulieren! X Gronau, 31. Juli. Eingebrochen wurde in der Nacht zum Freitag in das Gemüsegeschäft von Kempermann an der Bæhnhofstraße. Die oder der Täter entnahmen der Ladenkasse das darin besindliche Wechselgeld im Betrage von ea. 30 Mark und eigneten sich zudem einen Posten Schokolade und etliche Würste an. Der Inhaber fand am Morgen die Ladentür geöffnet. Von den Tätern fehlt jede Spur. Im Hinblick auf die in letzter Zeit zugenommenen Einbrüche und Diebstähle darf man wiederum im Interesse der Allgemeinheit die Forderung auf Anschaffung eines quakitativ beschaffenen Polizeihundes erheben. + Gronau, 31. Juli. Schützenfest im ButerlandBeckerhook. Der Reigen der Schützenseste geht weiter. Als vierter feiert in diesen Tagen der Schützenverein Buterland=Beckerhook sein Fest. In althergebrachter Weise wird es begangen, eingeleitet durch einen Kommers am heutigen Abend. Am Sonntag nachmirtag 2,30 Uhr treten die Schützen auf dem Schulhof an. Der Nachmittag und Abend, der Kinderbelustigung, Konzert und Ball vorfieht, gehört noch dem alten Königspaare. Die Schützen treten am Montag morgen 8,30 Uhr beim Lokale Niewmeyer zum Königsschießen an. Möge das Fest, vom Wetter begünstigt, einen schönen gemütlichen Verlauf nehmen. V Gronau, 31. Juli. Ausflug. Unter Führung des Hochw. Herrn Pater Zimmermann unternahmen der Knabenchor und die Meßdiener vom deutschen Kloster Glanerbrücke per Omnibus einen Ausflug zum idyllisch gelegenen Flecken Lütte. Die Fahrt ging zunächst über Enschede nach Oldenzaal, wo die altehrwürdige, historisch berühmte, domähnliche Kirche von St. Plechelmus besichtigt und bewundert wurde. Ein Lied erscholl zur Ehre des Allerhöchsten! Dann Weiterfahrt nach Lütte. Mit seinen bebuschten Hügeln und zierlichen Villen ein beliebtes Ausflugsziel in ÖstTwente. Hier wurde Rast gemacht. Man stärkte sich und verlebte etliche schöne Stunden. Auch das prächtige Kirchlein wurde besucht, das sehr zur Andacht stimmte. Die Rückfahrt erfolgte über Losser—Glane. Befriedigt. kehrten alle heim. :: Gronau, 30. Juli. Vortrag über Obst= und Gemüseverwertung. Unter Bezugnahme auf die Bekanntmachung im Anzeigenteil der heutigen Nr. unserer Ztg. weisen wir auf den Montag, den 2. August, nachmittags 4 Uhr, im Hotel zur Post stattfindenden Vortrag über Obst= und Gemüseverwertung hin. Die Teilnahme ist kostenfrei; fie liegt im Interesse aller Hausfrauen und jeder Familie, gleich, ob fie über einen eigenen Obst= und Gemüsegarten verfügt oder nicht. Auch die Mädchen der oberen Schulklassen können daran teilnehmen. Herr Kreisobstbauinspektor Mey wird auch Unterweisung geben über Einwinterung von Obst und Gemüse, bessere Verwertung der Frischobsternte und auch naheliegende Fragen aus der Pflege der Obst= und Gemüsegarten behandeln. Alle Hausfrauen und Mädchen werden darum in ihrem eigenen Interesse gebeten, recht zahlreich zu erscheinen. :=: Gronau, 31. Juli. Ununterbrochener Fernsprechdienst beim hiesigen Postamt. Wie uns das Postamt mitteilt, wird vom 1. August ab ununterbrochener Fernsprechdienst(Tag und Nacht) abgehalten. Von diesem Zeitpunkt ab können auch nachts(d. h. von 9 Uhr abends bis 7 Uhr morgens) Telegramme durch Fernsprecher aufgeliefert werden. (!) Gronau, 31. Juli. Die städt. Badeanstalt ist vom 1. bis einschl. 8. August wegen Kesselrevision und Reparaturen geschlossen. ck Gronau, 30. Juli. Unregelmäßigkeiten bei der Stationskasse. Der Aushilfsweichensteller Johann E. aus Gronau wurde im Jahre 1921 zum Dienst bei der Stationskasse herangezogen. Er trat im März 1916 in den Eisenbahndienst als Rottenarbeiter ein und rückte in verhältnismäßig kurzer Zeit in höhere Dienststellen auf. Erst wurde er zur Aushilfe zur Bahnmeisterei beordert und später mit den Obliegenheiten eines Beamten betraut. Gehälter, Löhne, Pensionen zahlte er aus und nahm Pacht und Anerkennungsgebühren ein. Das Mehr der Ausgabe forderte er von der Hauptkasse an. Bei einer Revision der Kasse nach den Inflationsjahren am 25. April 1924 schloß die Kassenrechnung mit einem Ueberschuß von rund 3000 Mark ab. Im Juli 1925 wurde ein Fehlbetrag von fast 10 000 Mark in der Kasse festgestellt. Da die Buchungen stimmten, kam der Verdacht der Unterschlagung durch den Schalterbeamten auf. In der Verhandlung vor dem Schöffengericht bestritt E., Geldbeträge unterschlagen zu haben. Eine Reihe von Unterschriftsfälschungen gab der Angeklagte zu. Nach der Vernehmung einer Anzahl von Zeugen, die Schwierigkeiten oder Nachteile bei der Stationskasse hatten, beantragte der Staatsanwalt Vertagung und weitere Untersuchung der Entstehung von über 9000 Mark Fehlbetrag. Wegen Urkundenfälschung in drei Fällen und wegen Urkundenfälschung aus Gewinnsucht in zwei Fällen hielt er eine Gefängnisstrafe von elf Monaten angemessen. Das Schöffengericht glaubte, daß trotz des sehr erheblichen Verdachtes gegen den Angeklagten eine neue Verhandlung und weitere Sachvverständige im Falle des Fehlbetrages keine Aufklärung bringen können. Es sprach den Angeklagten deshalb frei. Wegen der drei zugegebenen Urkundenfälschungen und der weiteren zwei nachgewiesenen Fälschungen bestrafte das Gericht den Angeklagten mit einer Woche Gefängnis für jeden Fall. Die Strafe wurde auf eine Gesamtstrafe von einem Monat zusammengezogen und umgewandelt in eine Geldstrafe von 150 Mark. Ans dem Münsterlande. Münster, 30. Juli. Wagenbauertagung. Am 31. Juli u. 1. August hält der Westdeutsche Stellmacher=, Wagenund Karosseriebauer=Verband, der die einschlägigen Gewerbe Westfalens, Rheinlands, Lippe und Waldecks um faßt, seine 10. Tagung in Münster ab. Die Vorbereitung des Festes liegt in den Händen der Stellmacher=Zwangsinnung des Stadt= und Landkreises Münster, welche letztere dem Innungs=Ausschuß des Landkreises Münster angeschlossen ist. Am Samstag vormittag 9 Uhr beginnt im Schloßgartenrestaurant die Hauptsitzung. Anschließend Festessen im Zoologischen Garten und Konzert. Der Sonntag ist der Unterhaltung gewidmet. Münster, 29. Juli. Ein hartgesottener Fahrradmarder. Der Maurer Hans Steenberg aus Herne wurde vor kurzem in Werne verhaftet, als er versuchte, ein in Münster gestohlenes Fahrrad an den Mann zu bringen. Die weiteren Ermittelungen haben nunmehr ergeben, daß man es mit einem gewerbsmäßigen Fahrradmarder zu tun hat, der von vornherein zugab, mehrere Fahrraddiebstähle ausgeführt zu haben. Aber nur die Diebstähle die ihm einwandfrei nachgewiesen werden, will er zugeben. Bislang konnte das bei vier Diebstählen in Münster geschehen, von denen er auch zwei bereits eingestand. Vor garnicht langer Zeit wurde er erst nach Verbüßung einer achtjährigen Strafe aus dem Zuchthaus entlassen. Im Interesse der etwaigen weiteren Aufklärung von Diebstählen in Westfalen und Nachbargebieten ist es wünschenswert, daß alle Personen, die den nachstehend beschriebenen Mann vielleicht bei der Ausübung einer strafbaren Handkung gesehen haben, ihre Bekundungen der Kriminalpolizei in Münster machen. Besonders Fahrradhändler, die vielleicht Räder von dem Beschriebenen gekauft haben, müssen dies sofort melden, da sie sonst später leicht in den dringenden Verdacht der Hehlerei kommen können. Der Festgenommene ist 30 Jahre alt, 1,60 Mtr. groß, hat schlanke Figur, dunkelblondes Haar, gestutzten Schnurrbart und ovales gesundes Gesicht. :: Münster, 30. Juli. Priester= und Diakonsweihe. Am Sonntag empfangen in der hiesigen Domkirche durch Bischof Dr. Poggenburg folgende Diakone die Priesterweihe: Heinrich Börsting aus Horstmar und Heinrich Tomberge aus Buer; außerdem die Diatonatsweihe die Subdiakone: Heinrich Arenhövel aus Rees, Albert Banizza aus Dülmen, Florenz Beckmann aus Damme, Eduard Besselmann aus Goch, Leo Bitter aus Ramsloh, Joseph Borgard aus Nordkirchen, Theodor Borgwerth aus Darfeld, Peter Bornefeld aus Wadersloh, Ludwig Cohors=Fresenborg aus Münster, Peter Dirking aus Recklinghausen, Wilhelm Einig aus Münster, Johannes Evers aus Ruhrort, Hermann Feldmann aus Herzfeld, Ernst Höh aus St. Tönis, Benno Hülsmann aus Damme, Heinrich Huyeng aus Emmerich, Joseph Jansen aus Duisburg, Anton Kochs aus Wesel, Peter Lingnau aus Duisburg, August Rehe aus Molbergen, Franz Niehaus aus Cloppenburg, Johannes Pottbeckers aus Schaephuysen, Heinrich Prost aus Dorsten, Karl Schmitt aus Münster, Wilhelm Schneider aus Herten, Eugen Schwalwenberg aus Recklinghausen, Heinrich Schwering aus Vreden, Heinrich Selhorst aus Geldern, Hermann Sonntag aus Borken, Wilhelm Uelentrup aus Münster, Johannes Utzel aus Wesel, Martin Venbrocks aus Cleve, Joseph Wenning aus Rheine. :: Rheine, 30. Juli. Textilarbeitertag. Vor kurzem war in der Bezirkskonferenz des Christlichen Textilarbeiterverbandes die Anregung gegeben worden, zu den wichtigsten Interessenfragen der Textilarbeiter in einer außerordentlichen, großen Kundgebung bald Stellung zu nehmen. Die Verbandsleitung hat nunmehr den Beschluß gefaßt, einen Textilarbeitertag am 19. September in Rheine avzuhalten. Auf dieser Tagung wird von ersten Führern der christlichen Gewerkschaften zu den brennenden Fragen der Textilarbeiterschaft Stellung genommen. Ueber die Einlegung günstiger Sonderzüge ist bereits mit der Reichsbahndirektion verhandelt worden. Aus einem bestimmten Grunde kann die Kundgebung nicht in Münster, dem für den Bezirk zentralst gelegenen Ort, stattfinden. Es ist bestimmt zu erwarten, daß die Textilarbeiterschaft sehen wird, und es steht zu hoffen, daß über den Kreis der Textilarbeiterschaft hinaus auch die übrigen Volkskreise und besonders die Behörden der Veranstaltung reges Interesse entgegen bringen werden. :: Herten, 30. Juli. Wilde Verbrecherjagd. In der Karlstraße kam es, wie so oft, zwischen den Gebrüdern H. zu Streitigkeiten, in deren Verlauf der mehrfach vorbestrafte und übelbeleumdete Rudolf H. mehrere Revolverschüsse auf seinen Bruder abgab, die aber ihr Ziel verfehlten. Da der jugendliche Held auch noch andere Personen mit dem Revolver bedrohte, wurde die Polizei benachrichtigt, die den H. auch festnahm. Es gelang ihm aber unterwegs, zu entkommen. Hierauf setzte eine wilde Jagd über Zäune und Gärten ein. In einem Garten konnte er schließlich dingfest gemacht werden. In„geschlossener Gesellschaft“ mußte er dem Gefängnis zugeführt werden. Der Revolver wurde auf einem Hofe gefunden und beschlagnahmt. F. C. Gronau 09 e. V. Für die erste sowie Reserve=Mannschaft des F. C. ist für den kommenden Dienstagabend 7 Uhr ein Trainingsspiel angesetzt und haben nachstehend aufgeführte Spieler zu erscheinen: Broer, Radink, Klöpper 2, Haupt ter Balk, Laurenz H, Schomann, Steens, Gaßner, Wernink 1, ter Steege, Eßmann, Kleine=Ruse, Hüging, A. Wernink, Veltrup, Wiedenhaus, Dingel, Poppert 2, Nibbrig, Klöpper 1, Lammers, Weiß, Aalken.— Schiedsrichter Herr Kleine=Ruse.— Sodann machen wir noch darauf aufmerksam, daß ab kommenden Donnerstag die Spielerabende regelmäßig wieder einsetzen. Sp. Verein Concordia=Gronau. Die 2. Mannschaft spielt um 1,30 Uhr im Stadtpart gegen die 1. Mannschaft Mettingen in folgender Aufstellung: Funke, Bentink, Agten, Keiner, Wiggers Putsch, Bennicke, Harpenschläger, Diebmat, Grote Funke 1. 1. Jugend gegen F. C. Phoenix 3 Uhr im Stadt park in der Aufstellung: Böing, Achteresch 1, Droste Werges 1, Funke 3, Rolfing, Jessing 2, Kemper, Belitz 2 Assing, Kersting. 2. Jugend gegen F. C. Phoenix um 12,30 Uhr in Stadtpark: Berentzen, Hewing, Gatz, Otten, Dropmann Werges 2, v. d. Most, Feldhues, Borchert, Müllerei Schmitz. 3. Jugend gegen Sp. Cl. Union auf Unionsplat um 11,30 Uhr: Borkenhagen, Gerhards, Werges 3 Kasproviak, Kottig, Vinahl 2, Achteresch 3, Bentink 2 Belitz 2, Deskate, Vinahl 1. Gottesdienst=Ordnung. Sonntag, den 1. August 1920. Ahaus. Gemeinsch. hl. Kommunion des Männerapostolates, des Gesellenvereins und der Knabenmittelklasse. 6,30, 8 und 9 Uhr: Stille hl. Messen. 10 Uhr: Hochamt mit Predigt. Nachm. 2,30 Uhr: Rosenkranzbruderschaftsandacht mit Predigt. Vreden. Der Portiunkula=Ablaß kann am Sonntag von 12 Uhr an und Montag gewonnen werden. Gemeinschaftliche hl. Kommunion der Männer. 6,30, 7,30 und 8,30 Uhr: Stille hl. Messen. 10 Uhr: Hochamt mit Predigt. Nachm. 2,30 Uhr: Andacht. 6 Uhr: Andacht mit Jubiläumsprozession.— Ein Pater ist zur Aushülfe im Beichtstuhl. Gronau. Gemeinschaftliche hl. Kommunion der Stadtschule. 6,30 und 7,30 Uhr: Hl. Messen. 8,45 Uhr: Hl Messe und Predigt. 10 Uhr: Hochamt mit Predigt. Nachm. 3 Uhr: Betstunde. Redemptoristenkloster Glauerbrücke. Fest des hl. Alfonsus. 5,30 und 6 Uhr: Stille hl. Messen. 7 Uhr: Feierliches Hochamt. 5 Uhr: Rosenkranz, Festpredigt und Segen.— Montag, 2. August, 7 Uhr: Segensmesse zu Ehren des hl. Alfonsus.— Freitag, 6. August, HerzJesu=Freitag. 7 Uhr: Segensmesse. Franziskanerkloster in Bardel bei Gronan. 6,30 Uhr: Frühmesse. 9,30 Uhr: Hochamt mit Predigt. Nachm. 6,30 Uhr: Andacht. Kinoschau. „Die letzten Tage von Pompeji“ im Walhallatheater in Gronau. Ein Film mit Katastrophen und elementaren Ereignissen. Man kann sich kaum einen Film denken, der im Aufbau so spannend, in der Verlebendigung der Antike so wirksam, in der Konzentrierung der Ereignisse so überzeugend ist.„Die letzten Tage von Pompeji" ist der beste historische Film, der seit Jahren über die Leinwand ging. Der Erfolg beim Publikum bewies, daß alles Gerede, die Zuschauer wünschten den historischen Film nicht, ein Irrtum ist. Sie wünschen stets eine Handlung, die Interesse erweckt, und dieses finden alle Zuschauer in den letzten Tagen von Pompeji. Der Film ist hervorragend gut besetzt. Er gelangt ob heute im Walhalla=Theater, Gronau, Burgstraße, zur Vorführung. (Siehe Anzeige!) Rotationsdruck und Verlag von Gebr. Lensing in Dortmund.— Verantwortlich für die Schriftleitung Fritz Schlotjunker. Schuhwarenhaus A. Preilerowicz Gronau-Westfalen. Ochtruperstraße 15 inununnumminnmmmmmmimmnnmimnn Ständig großes Lager von einfachster bis zur elegantesten Ausführung Ia. Qualitäten zu mäßigen Preisen ffalen und provinzen. Elberfeld, 30. Juli. In der Badeanstalt schwer verletzt. In der hiesigen Städtischen Badeanstalt waren vier städtische Arbeiter mit dem Abwaschen der Wände und Decken im irisch=römischen Bad beschäftigt, als plötzlich auf dem Gerüst eine Leiter auseinanderbrach, wobei zwei Arbeiter, die gerade auf dem Gerüst arbeiteten, zur Erde stürzten und schwere innere und äußere Verletzungen davontrugen. Buer, 30. Juli. Die tapfere Henne. Ein Förster aus B. im Veste Recklinghausen berichtet: Vor einigen Tagen wurde ich Zeuge eines recht interessanten Naturschauspiels, das sich ganz in der Nähe des W... Waldes abspielte. Ich sah, wie plötzlich aus großer Höhe ein Habicht in einen am Waldrand gelegenen Hof niederstieß, um dort aus einer Kükenherde ein Küken zu packen und es mit in die Luft zu nehmen. Der Habicht hatte jedoch die Rechnung ohne die Henne gemacht. Diese flog dem Habicht auf das Kreuz und bearbeitete von dort ous den Kopf des Räubers derart, daß er bald beide Augen eingebüßt hatte. Alle Versuche des Habichts, sich aus den Krallen der wütenden Henne zu befreien, blieben erfolglos. Ich brachte schließlich die Tiere auseinander und setzte den Habicht gefangen. Am nächsten Morgen jedoch starb dieser an den erlittenen Verletzungen. Der Fall, daß sich eine Henne so erfolgreich gegen einen Raubvogel behauptet, dürfte jedenfalls sehr selten sein. Buer, 30. Juli. Ein geistesgegenwärtiger Beamter. Ein aufregender Vorfall ereignete sich am Mittwoch abend. Für den von Westerholt her fälligen Zug wurde am Bahnhof Buer=Nord die Schranke geschlossen. Ein Lastauto, von Dorsten kommend, kann nicht schnell geung halten, durchbricht auf der einen Seite die Schranke und bleibt mitten auf dem Geleise stehen. Der Beamte im Stellwerk erkennt sofort die Gefahr und bringt durch Umstellen des Signals, das schon„freie Fahrt“ zeigte, auf„Halt“ den in voller Fahrt befindlichen Zug kurz vor dem Bahnübergang zum Stehen. Ohne diese Geistesgegenwart wäre ein großes Unglück unvermeidlich gewesen. — Buer, 30. Juli. Wer zuerst kommt.... Auf dem hiesigen Märkte kaufte am Donnerstag morgen eine Frau von einem Händler 10 Zentner Kartoffeln mit der Abmachung, daß ihr die Kartoffeln in den Keller geliefert werden müßten. Kurz darauf meldete sich ein Händler mit den Kartoffeln in der Wohnung der Frau, lieferte die Säcke ab und erhielt sein Geld. Später brachte der richtige Händler, bei dem die Frau die Kartoffeln morgens gekauft hatte, die 10 Zentner an das Haus der Käuferin. Diese war nicht wenig erstaunt, daß man ihr zweimal 10 Zentner Kartoffeln liefern wollte. Sie verweigerte die Annahme. Später klärte sich nun die Sache dahin auf, daß ein anderer Händler, der den Kauf der Kartoffeln auf dem Markt mitongehört hatte, sich alsbald mit seinem Fuhrwerk auf den Weg machte und die Kartoffeln ablud. — Gladbeck, 30. Juli. Mit dem Messer ins Auge gestochen. In der Nähe der Braucker Grenze gerieten verschiedene Leute, die von einer Hochzeitsfeier kamen, in Streit. Mit allen möglichen Gegenständen ging man sich zu Leibe. Unter anderem wurde einem der Streithähne mit einem Messer das linke Auge ausgestochen. Horst, 30. Juli. Wieder ein Kindesmord. Vor einigen Tagen ist in der Markenstraße in Horst im Abort eines Hauses die Leiche eines Kindes aufgefunden worden. Die Polizei hat die Untersuchung der Angelegenheit eingeleitet. Der Fall konnte bis jetzt noch nicht aufgeklärt werden. X Essen, 30. Juli. Zentralverwaltung elektrischer Bahnen in Essen. Wie ein Essener Blatt meldet, wird das Rheinisch=Westfälische Elektrizitätswerk am 1. Okt. seine Straßenbahnverwaltung, die sich jetzt in Düsseldorf befindet, nach Essen verlegen. Es handelt sich um eine verhältnismäßig große Verwaltung mit einer stattlichen von Beamten. Ihr Leiter ist Oberbürgermeister as d. Plaßmann. Ebenso wird die Direktion der Süddeutschen Eisenbahngesellschaft(Essener Straßenbahnen), der Bochum=Gelsenkirchener Straßenbahn und der Studiengesellschaft zum Bau der Schnellbahn im gleichen Gebäude ihren Sitz erhalten. Die Leitung dieser vier Bahngesellschaften wird durch Personalunion zusammengesaßt werden.. Direktor Kern, der bisherige Direktor der Schnellbahn, der vor kurzem noch in den Vorstand der Essener Straßenbahnen und der BochumGelsenkirchener Straßenbahnen berufen wurde, wird sich mit Oberbürgermeister a. D. Plaßmann die Direktionsgeschäfte teilen. Direktor Hübrich von den Essener Straßenbahnen, der schwer erkrankt ist, ist auf längere Zeit beurlaubt. Werden, 30. Juli. Was bei einem Rettungswerk passieren kann. Ein aufregender Vorfall ereignete sich auf dem hiesigen Bahnhof. Ein junger Mann sprang vor einen aus Essen einlaufenden Personenzug. Mehreren beherzten Personen gelang es, den Lebensmüden von den Schienen zu reißen. Warum ein hinzukommender Bahnbeamter die wagemutigen Retter wegen Betretens des Bahnkörpers zur Anzeige bringen wollte, ist nicht recht zu verstehen. Ruhrort, 30.. Juli. Ein Störenfried. Einen recht unangenehmen Zwischenfall erlebte eine Gesellschaft, die nach einer Rheindampferfahrt unterhalb der Schifferbörse ankam. Dort schlich sich ein Fremder auf den Dampfer und belästigte die Gäste, so daß er schließlich mit Gewalt entfernt werden mußte. Dabei stürzten zwei Teilnehmer an der Fahrt über Bord und wären zweifellos ertrunken, wenn nicht die Kaufleute Rademacher und Frohmann sie mit eigener Lebensgefahr gerettet hätten. Der Täter wurde festgenommen und der Polizei übergeben. Hamborn, 30. Juli. Fang eines Riesenfisches im Rhein. Die Rheinfischerei Husen bei Rees meldete am Montag ihrem Besitzer Thomas, Hamborn, telephonisch den Fang eines Riesenfisches. Mittels Autos wurde bald die Fischerei erreicht und festgestellt, daß es sich um einen Stör handelt, der in Südrußland beheimatet ist. Niederrheinische Fischer und Schiffer hatten seit Wochen bemerkt, daß ein fremder kräftiger Kerl sich in den Rheinfluten herumtreibe. Mit großer Mühe und Anstrengung gelang es, den Russen, der stellenweise das Netz zerrissen hatte, mit starken Seilen an Land zu bringen. Der Einwanderer hatte die stattliche Länge von 3,26 Meter; Gewicht 156 Kilogramm; Bauchumfang 142 Zentimeter. Der Rücken dieses Schwimmers ist mit Knochenschildern bedeckt, der Kopf gepanzert. Die Schwanzflosse ist sehr kräftig und wohl einen Meter breit. Interessant ist es, zu sehen, wie andere Rheinfische, Hechte, Salme in Scharen herbeieilen, ihren russischen Kollegen, der durch Größe und Gestalt imponiert, zu bewundern; eine folgenschwere Neugierde, die im todbringenden Netz ihr Ende findet. Der Stör kommt als Schaustück zur Gesolei, wird nach seinem Ableben kunstgerecht präpariert und nach Hamvorn gebracht. :: Düsseldorf, 30. Juli. Deutscher Hausbesitzertag in Düsseldorf. Die Hausbesitzer werden auf der von ihrer Spitzenorganisation, dem 2300 Ortsorganisationen umfassenden Zenträlverband deutscher Haus= u. Grundbesitzervereine e. V., in Düsseldorf vom 5. bis 8. Aug. 1926 stattfindenden Tagung zu der Wohnungsfrage Stellung nehmen. Als einer der Hauptreferenten ist das Mitglied des Reichsgerichts, Reichsgerichtsrat Linz=Leipzig, gewonnen worden, der über die Frage der Wohnungszwangswirtschaft, sprechen wird. Weitere Berichte erstatten; der= Verbandsdirektor Dr. Kaab über Reichstag und Mieterschutz, der Münchener Stadtrat Humar über„Hausbesitz als Grundlage von Birtschaft und Kultur“, sowie Rechtsanwalt Dr. Kohlnann=Dresden über„Die Gefahren der Bodeneformbewegung für den städtischen Haus= und Grundesitz." Spiel und Der Sport om Der kommende Sonntag bringt auf sportlichem Gebiet wieder etwas mehr Leben als die letzten Wochen. In fast jeder Sportart gibt es am Sonntag ein größeres Ereignis.— Im sällt auf den nächsten Sonntag der Wiederbeginn der Saison und es gibt da gleich wieder eine Reihe interessanter Spiele. Während in Westdeutschland von größeren Spielabschlüssen bisher nichts bekannt ist, treffen sich in Hamburg Nord= und Süddeutschland und zwar der Hamburger S. V. und der 1. F. C. Nürnberg, in Mitteldeutschland der frühere und der jetzige Meister Mitteldeutschlands Guts=Muts Dresden und der Dresdner S. V. Viktoria 89 Berlin tritt in der Reichshauptstadt einer Berufsspieler=Elf des D. F. C. Prag gegenüber.— Als internationale Veranstaltung ist das Spiel des Arbeiter=, Turn= und Sportbundes Stuttgart gegen eine Moskauer Mannschaft zu erwähnen. Das Wichtigste im Fußballprogramm des Sonntags ist jedoch das Endspiel um don süddeutschen das im Frankfurter Stadion zwischen der Sp. Vg. Fürth und dem V.“ B. Stuttgart ausgetragen wird. Die Sp. Vg. Fürth wird wahrscheinlich einen ihrer besten Leute— Seiderer im Sturm— vermissen, sie hat aber troydem nach allgemeiner Ansicht die größeren Chancen.— In der stehen im Mittelpunkt des Interesses die 10. Nationalen Wettkämpfe der Sp. Vg. Borussia 04 Fulda, an denen eine Reihe Leichtathleten füddeutscher und Casseler Vereine, deren Namen in der Leichtathletik guten Klang haben, teilnehmen wird. Daneben wäre das Nationale des S. V. 05 Trier zu nennen, bei dem in der Mehrzahl die Leichtathleten aus dem Rhein=Main=Saargebiet vertreten sind. Weiter sind nationale Wettkämpfe ausgeschrieben von der Sp. Va. Oberhausen=Styrum und Dürren 03.— Für die Schwimmer steht am Samstag und Sonntag die Austragung der deutschen im Schwinnnen bevor. Die Kämpfe werden im Pheinstadion in Düßseldorf ausgetragen.— Rudersport sind für Sonntag zwei nennenswerte Veranstaltungen vorgesehen: die 6. Limburger und die 11. Würzburger Regatta. Beide Regatten sind außerordentlich gut besetzt. An der Limburger Regatta werden west= und süddeutsche Vereine und außerdem der Dresdner R. C. teilnehmen, während zu der Würzburger Stadt=Regatta außer einer Meldung aus Halle hauptsächlich süddeutsche Vereine erscheinen werden. Innerhalb der in Bad Tölz zum Austrag kommenden Isar=Regatta sollen die deutschen Meisterschaften im Einer= und Zweifaltboot entschieden werden.— Die D. T. begeht seit Jahren am kommenden Sonntag zum ersten Male wieder das sogenannte„Feldbergfest" auf dem Feldberg im Taunus. Die Veranstaltung, der durch Freilichtspiele etc. ein weihevoller Rahmen gegeben werden soll, wird eine mächtige Kundgebung für die D. T. werden. Weiter steht das bekannte Harkortbergfest auf dem Programm.— Der Boxsport bringt uns Westdeutschen einen Boxkampftag, der am Sonntag in der Essener Ausstellungshalle zur Abwicklung gebracht wird. Daß sich die Veranstaltung wohl sehen lassen kann, dafür sprechen die Namen der deutschen Meister Dübbers und Domgörgen. Domgörgen trifft auf den Essener Mertens. Der Essener wird fraglos einen guten Gegner abgeben, doch glauben wir nicht, daß er sich gegen den Kölner behaupten kann. Dübbers trifft auf den Essener Böhnke. Der letztere wird ebenfalls seinen Mann stellen. Auch hier sollte man mit einem Siege Dübbers rechnen. Die Rahmenkämpfe versprechen gleichfalls guten Sport. Im Radsport gibt es immer eine ganze Reihe Straßen und Bahnrennen. An Straßenrennen möchten wir erwähnen die Fernfahrt Magdeburg— Quedlinburg Magdeburg, den großen Opelpreis von Süddeutschland, Start und Ziel Schweinfurth, und den Großen Eifelpreis, der von Bonn ausgefahren wird und sein Ziel gleichfalls in Bonn hat. Für die Amateure wird am Sonntag im Deutschen Stadion zu Berlin=Grunewald die Preußenmeisterschaft des B. D. R. ausgetragen.— Das wichtigste Ereignis im Radsport ist fraglos der Schluß der Radweltmeister schaften mit der Entscheidung der Steherweltmeisterschaft in Turin. An dem natürlich international besetzten Rennen nehmen die deutschen Dauerfahrer Sawall und Saldow teil. Im Reiche finden Steherrennen in Magdeburg statt, bei denen der Schweizer Wegmann, der Belgier Lejour und die deutschen Fahrer Bauer=Charlottenburg. Drohte=Magdeburg und Thomas=Breslau starten werden; ferner in Plauen mit folgender Besetzung: van Ruyssevelt=Belgien, Kuschkow=Berlin, Lewanow=Berlin und Nofatti. Auf der Elberfelder Bahn treffen sich die Franzosen Parisot und Brunier, der Kölner Krewer, Wittig=Berlin und der junge Hannoveraner Erich Möller. Die Direktion der Krefelder Radrennbahn hat für Sonntag ein internationales Berufsfliegerrennen angesetzt und es ist ihr gelungen, für diese Veranstaltung den französischen Fahrer Cugnot zu gewinnen. Das Hauptereignis im Motorsport ist der Kilometer= und Berarekord 1926 des A. D. A. C. Es ist dies ein Rennen für Renn= und Sportwagen und Motorräder. Unter den überaus zahlreich eingegangenen Meldungen sind fast alle für ein solches Rennen in Frage kommenden Größen vertreten. Wegen der großen Zahl wirklich guter Fahrer ist es absolut unmöglich, eine Vermutung über den Ausgang des Rennens aufzustellen.— Die Gruppe West des Gaues 5 vom A. D. A. C. veranstaltet am kommenden Sonntag die Ruhr=Lippe=Zuverlässigkeitsfahrt, die als 12 Stundenprüfung für Motorräder ausgeschrieben ist. Die Rundstrecke geht von Dortmund— Hagen — Unna— Werl— Hamm— Werne— Lünen— Dortmund. Es werden bestimmte Durchschnittsge schwindigkeiten vorgeschrieben, die den Fahrern vor dem Start bekanntgegeben werden. Es ist mit einer Teilnehmerzahl von etwa 50 zu rechnen. Als Letztes erwähnen wir noch eine Veranstaltung, bei der verschiedene Sportarten zur Sprache kommen: Die deutschen Hochschulmeisterschaften 1926, die in Jena stattfinden. Es werden Kämpfe in der Leichtathletik, im Turnen und Schwimmen ausgetragen. Die Veranstaltung wird eine Reihe guter Sportler am Start sehen wie König=Breslau, Esser=Stuttgart, Malitz=Berlin usw., und mit Recht erwartet man gespannt die Resultate dieser Kämpfe. ( Düsseldorf, 31. Juli. 89. Versammlung der Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Aerzte. Näher und näher rückt der Termin der diesjährigen 89. Versammlung der Gesellschaft Deutscher Naturforseher und Aerzte, die in der dritten Semptemberwoche in Düsseldorf stattfinden wird. Bereits nach vielen Tausenden zählen die Anmeldungen, die aus allen Gauen des deutschen Sprachgebietes in Düsseldorf einlaufen. Ueber alles Erwarten zahlreich sind auch die Aemeldungen für Vorträge, die bei den Einführenden der einzelnen Sektionen eingelaufen sind. Die meisten dieser Vorträge sind wissenschaftlicher Art und haben besonderen Wert für den Um aber auch einem größeren Kreise der völlerung Gelegenheit zu geben, Bertreter deutscher Wissenschaft, die anläßlich der Naturforscherversammlung nach Düsseldorf kømmen, über Tagesfragen sprechen zu hören, hat sich die Stadt Düsseldorf in Verbindung mit den akademischen Kursen entschlossen, sechs öffentliche Abendvortrage zu veranstalten. Mörs, 30. Juli. Auf dem Motorrade tödlich verunglückt. Gestern abend gegen 11,30 Uhr fuhr der Bahnhofswirt Ortmann, auf einem Motorrade sitzend, auf der Repelener Straße gegen ein ihm entgegenkommendes Gemüsefuhrwerk. Ortmann hat sich derart schwere Verletzungen zugezogen, daß er kurze Zeit darauf gestorben ist. Die Untersuchung der Schuldfrage ist eingeleitet. Möglicherweise hat der Umstand, daß O. nur auf einem Auge sieht, zu dem bedauerlichen Vorfall beigetragen. + Koblenz, 30. Juli. Das neue Wappen der Rheinprovinz. Der 71. Rheinische Provinzial=Landtag hat im März 1926 ein neues Provinzial=Wappen festgelegt, das jetzt vom Preußischen Staatsministerium genehmigt worden ist. Die den geänderten Staatsverhältnissen angepaßte Form des Wappens läßt wesentliche Vereinsachung gegenüber dem alten Provinzialwappen erkennen. Das neue Wappen zeigt(in der Sprache der Heraldik) unter silbernem Schildhaupt, worin ein schwarzer schräg rechts auffliegender über sich sehender Adler mit goldenen Waffen und geschlossenem Schnabel eingefügt ist,(stilisierte Form des preußischen Adlers) in grün einen silbernen schrägrechten Wellenbalken(Kennzeichen des Rheinlandes: Der silberne Strom im grünen Feld). Durch die Einfügung des preußischen Adlers in das Wappen wird angedeutet, daß die Provinz zur Staatshoheit des Landes Preußen gehört. Bei dem Entwurf des neuen Wappens war der Provinzialverband beraten von dem Maler und Heraldiker Wolfgang Pagenstecher=Düsseldorf, dem auch die Ausführung übertragen wurde. X Koblenz, 30. Juli. Eine Zentralfahndungsstelle am Rhein. Durch Vereinbarungen zwischen den beteiligten Ländern Preußen, Baden und Hessen ist beim preußischen Oberpräsidenten in Koblenz eine sogenannte „Zentralfahndungsstelle für den Rhein“ errichtet worden, bei der eine Fahndungskartothek und eine Strafliste des Schiffs= und Hafenpersonals für den gesamten deutschen Rhein von der niederländischen Grenze an, sowie für den Main und die anderen Rebenflüsse des Rheins, soweit deren Stromgebiet auf deutschem Boden liegt, geführt werden. Linz a. Rh., 30. Juli. Tragischer Ausgang einer goldenen Hochzeitsfeier. Im benachbarten Dattenberg nahm eine goldene Hochzeitsfeier einen tragischen Ausgang. Beim Abbrennen von Feuerwerk flog eine Rakete quer über den Marktplatz in das Fenster des Festhauses und tötete das Enkelkind der alten Leute. Zwei andere Personen wurden durch Brandwunden leicht verletzt. Der Feuerwehrmann, der die Rakete abbrannte, sowie seine daneben stehende Frau erlitten einen Nervenzusammenbruch. Der Mann konnte nur mit Mühe davon abgehalten werden, sich das Leben zu nehmen. Mainz, 30. Juli. Ein neues französisches Urteil gegen einen Deutschen. Das französische Kriegsgericht verurteilte den ehemaligen Kölner Polizeibeamten Metzger wegen Beihilfe zur Aufrechterhaktung der Tätigkeit verbotener Verbände im besetzten Gebiet zu sechs Monaten Gesängnis. X Andernach, 30. Juli, Eine Entschließung zur Reichsehrenmalfrage. Der Hammersteinausschuß für Errichtung eines Ehrenmals auf der Insel Hammerstein faßte folgende Entschließung:„Der Hammerstein=Ausschuß zur Errichtung des Reichsehrenmals auf der Insel Hammerstein begrüßt es lebhaft, daß sich die Frontkämpferverbände einhellig für eine Toteninsel im Rhein aus gesprochen haben und erwartet, daß die Reichsregie rung einen durch diese Erklärung unterstrichenen Wunsch der Rheinländer erfüllt. Der Ausschuß schlägt, um die Frage des Ehrenmals in würdigster Weise zu lösen, folgenden Weg vor: Sobald die Reichsregierung, wie die Rheinlande erwarten, die Errichtung des Ehrenmals auf einer Insel im Rhein grundsätzlich beschlossen hat, treten alle Kreife, die bisher an der Entscheidung mitgewirkt haben, zurück und geben der deutschen Künstlerschaft das Wort. Sie vor allem mag entscheiden, welcher Platz am Rhein am geeignetsten für das Ehrenmal ist. Verurteilung wegen Beschimpfung der Republik. X Berlin, 30. Juli. Das Schöffengericht Mitte verurteilte heute den 19 Jahre alten Klempner Löwe und den 21jährigen kaufmännischen Angestellten Wunderlich wegen Beschimpfung der Republik zu je einem Monat Gefängnis, außerdem Wunderlich wegen Verstoßens gegen die Polizeiverørdnung vom Februar 1926 zu weiteren 10 Mark Geldstrafe. Die beiden Angeklagten hatten im März d. J. in einem Zuge der nationalsozialistischen Arbeiterpartei durch die Stadt ein Lied gesungen, das mit dem Kehrreim schloß: Wir pfeifen auf die Judenrepublik. Ferner hatte Wunderlich einen Totschläger mit sich geführt. Das. Gericht bewilligte ihnen für die Freiheitsstrafe eine dreijährige Bewährungsfrist. beiden Frankfurter wieder frei. Berlin, 30. Juli. Die Inhaber der Schuhfabrik Kowes& Schütz in Frankfurt am Main, Max Kowes und Eduard Schütz, die vor einigen Tagen von der Frankfurter Kriminalpolizei unter dem Verdacht der Brandstistung verhaftet wurden, sind gestern wieder in Freiheit gesetzt worden, da sich ihre Unschuld herausgestellt hat. am Baikalsee. :: Berlin, 30. Juli. Die zwei Großverkehrsflugzeuge der Deutschen Lufthansa, die am 24. Juli, Mitternacht, auf dem Tempelhofer Flugfelde gestartet waren, sind auf ihrem Fluge über KönigsbergMoskau nach Ueberquerung des Urals nach in Berlin eingetroffenen Meldungen heute nachmittag 4,30 Uhr in Irkutst am Baikalsee gelandet. Die Gesamtzeit des als Zuverlässigkeitsflug geplant gewesenen Fluges, der Erfahrungen für einen dereinstigen transsibirischen Luftverkehr ergeben sollte, beträgt 5½ Tage, trotz eines eintägigen Aufenthalts im Ural, der zu Studienzwecken benutzt wurde. Die zurückgelegte Strecke beträgt 6700 Kilometer. Mit der Ankunft am Baikalsee ist das vorläufige Ziel der Expedition erreicht. Tödliche Pilzvergiftung auf Rügen. X Stettin, 30. Juli. Ein in Baabe auf Rügen mit 2 Knaben wohnender Kurgast hatte Pilze gesammelt, die er selbst zum Abendgericht bereitete. In der Nacht stellten sich Bergiftungserscheinungen ein und der herbeigerufene Arzt veranlaßte die sofortige Beberführung der Vergisteten nach dem Kreiskrankenhaus. Einer der Knaben ist inzwischen gestorben, während der Vater selbst noch in Lebensgefahr schwebt. rentamps. (.— Kiel, 30. Juli. Ein furchtbarer Vorgang spielte sich im Bärenzwinger des in Kiel gastierenden Zirkus Krone ab. Dort sind in zwei durch ein Gitter getrennten Käfigen eine Anzahl älterer Bären und ein im Frühjahr nach Deutschland gebrachter junger Eisbär untergebracht. Der junge, starke Bär, ein ungemein wildes und bissiges Tier, raste fortgesetzt unter furchtbarem Brüllen an dem Gitter entlang, wurde durch die Annäherung der älteren Bären an das Gitter in fürchterliche Wut versetzt und suchte durch mächtige Schläge mit den Pranken das Gitterhindernis zu zertrümmern, um sich auf die Nachbarbären zu stürzen Das tobende Tier war nicht zu beruhigen und so versuchte man eine eiserne Wand zwischen beide Käfige zu schieben. In dem Moment steckte der junge Eisbär seine Zunge durch das Gitter weit in den Nebenkäfig hinein als ein großer Bär heranstürzte, sie erfaßte und im Kampf seinem Gegner aus dem Rachen vollständig herausriß. Ein gewaltiger Blutstrom schoß in den Käfig, die verstümmelte Bestie stieß einen Schrei aus, daß alles erzitterte, und fiel zurück. Das Personal des Zirkus schaffte sofort einen gefüllten Wasserbehälter herbei dem Eis zugesetzt wurde, in dem der schwerverletzte Petz seinen Rachen kühlte; die Blutungen hörten auch langsam auf. An der verlorenen Zunge scheint dem Bären nicht viel zu liegen, er hat sich von seinem ersten Schrecken erholt, brüllt in ohnmächtiger Wut nach dem Nachbarkäfig, ist verhältnismäßig guter Dinge, und so hofft man, das wertvolle Tier zu retten. Mord und Selbstmord. Bitterfeld, 29. Juli. In Cossa erschoß der 68jähr. Gutsbesitzer Hartung die 52 jährige Hofbesitzerin Minna Hennig und tötete sich dann selbst. Grund zur Tat soll sein, daß die Hennig die Heiratsanträge des Hartung ablehnte. Sommerwinter in den Bergen. :: München, 29. Juli. Die für diese Jahreszeit ungewöhnliche Kälte hat im Gebirge zu ausgiebigen Neuschnee geführt. Die Schneegrenze ist im allgemeinen bis auf 1400 m heruntergegangen, auf den Bergen von Oberstdorf liegt sie sogar bei 900 m, bei Immenstadt um 1100 m. Auch die tieferen Lagen des Karwendel= und Wettersteingebirges zeigen das im Juli ungewöhnliche Bild einer Winterlandschaft. So ist der Kreuzeck mit Schnee bedeckt, ebenso die Wallgauer Berge. Die unverheirateten Thronfolger. Ein englisches Blatt weist auf die eigenartige Tatsache hin, daß alle europäischen Thronfolger noch unverheiratet sind. In der Tat ist es auffällig, daß weder der 32 jährige Prinz von Wales, noch der 25 jährige belgische Kronprinz, noch Kronprinz Olaf von Norwegen, der 23 Jahre alt ist, bisher Heiratsgelüste verspüren. Den 22 jährigen Kronprinzen Umberto von Italien bringt man allerdings mit mancherlei Heiratsplänen in Verbindung. Die beiden jüngsten Thronfolger, Alfonso von Spanien und Juliane von Holland, haben ja noch ein paar Jahre Zeit. Die Flugexpedition der deutschen Lufthansa nach Sibirien. Maskau, 29. Juli. Die Expedition der deutschen Lufthansa nach Sibirien legte nach einer Ruhepause in Nowosibirsk die Flugstrecke Nowosibirsk—Krasnojarsk in 6 Stunden zurück. Heute morgen ist die Expedition bei günstiger Witterung nach Irkutsk abgeflogen. 3. westf. Lourdesfahrt am 4. September d. Is. Die 2. westsälische Lourdesgesellschaftsfahrt ist am 29. Juli von Münster resp. Köln, mit 40 Teilnehmern der besten Gesellschaftskreise, abgefahren und wird nach dem vorherigen Besuch des Seebades Biarritz am 3. August in Lourdes eintreffen. Da am 10. Juli schon sunden, hat sich die Reiseleitung entschlossen, eine 3. Lourdes=Gemeinschaftsfahrt, und zwar am 4. September(auch nur mit beschränkter Teilnehmerzahl) zu veranstalten. Das Programm dieser neuntägigen Reise wird genau wie das der ersten und sPeit von den Beranstattern Neiseduld C, Bendel, Munster, und Hagemann u. Co., Aachen einfordern, woraus alles nähere ersichtlich ist. Man zögere auch nicht mit den Anmeldugen, da wegen der Hochsaison alle Dispositionen rechtzeitig getroffen werden müssen. Der erste kath. Feldgeistliche chinesischer Truppen. Auf ein Gesuch des kath. Generals in Hunan hat der apostolische Delegat in Peking den bisher in den Missionen tätigen eingeborenen Priester Liao seinen Truppen zum Armeekaplan gegeben, damit er, wie der General ausdrücklich wünschte, die katholische Religion unter den Soldaten verbreite. wolkenlos. hellet o helbneceot,& wolkig obedeck, e Regen.* Schnee. 90 Dunst, E flebel. sl Gewittar, AGrunnein, A flagel. 6 Stilig.—0 sehr leicht, Oleicht. schwach."Omässiq. frisch u Stark. MO steif. Osfürmisch unO voller Sturm. Die Pfeile fliegen mit dem Winde. Die eingezeichneten Linien(lsoboran) vertinden die Orte mit gleichem luftotuck. Die neden den Orten Mchanden Zahlen geben die Lufttamperatur on Essen, 30. Juli. Das unser Wetter beeinflussende Tiefdruckgebiet zieht nunmehr über Polen av, so daß die Regenfälle nachlassen werden. Da sich der hohe Luftdruck im Westen Europas wiederum verstärkt hat, so dürfte mit einem baldigen Aufheitern zu rechnen sein. Bei Temperaturen zwischen 11 und 16 Grad herrschte heute morgen in Deutschland stellenweise regnerisches, onst aber bewölktes Wetter. Vorhersage bis Sonntag: Glassen der Regenfälle, zeitweilig Aufklären bei vorisig noch kühlen nordwestlichen Winden. Hausfrauen=Ferien. Von Cäcilie Allmendinger. Bei den berufstätigen Frauen findet man es ganz in der Ordnung, daß sie jedes Jahr ihren Urlaub haben, und ebenso selbstverständlich ist es, daß sie vom ersten bis zum letzten Tag dieses Urlaubs auf Reisen gehen oder zum mindesten aufs Land. Und das kann man ihnen nicht verargen, die tagaus, tagein in ihren Büros, Kanzleien oder Geschäftslokalen auf dem Posten sein müssen und mit ihrer Arbeit auch ihre Nervenkraft verausgaben. Da tut es bitter not, daß ein anderes Klima, andere Umgebung und das süße Nichtstun den Körper wieder frisch und kräftig und arbeitstüchtig machen. Wie ist's aver bei den Hausfrauen? Haben sie auch alljährlich ihre zwei oder drei Wochen, wo sie sich um gar nichts zu kümmern brauchen, nicht für den Mann und die Kinder sorgen müssen, sondern nur an den gedeckten Tisch sitzen dürfen in einer behaglichen Sommerfrische und sonst absolut keine Pflichten haben? O, den allerwenigsten wird dieses Glück zuteil. Dafür sind sie eben verheiratet. Und doch hätten es gerade die Selbstlosesten dovon, die alle Arbeit einer Familie allein auf sich nehmen, am meisten verdient. Aber lieber verzichten sie auf alles, als daß sie den Ihrigen Extrakosten aufladen möchten. Und so kommen sie oft viele, viele Jahre lang nicht mehr aus ihrer Haushaltungs=Tretmühle heraus. Eine solche Frau hätte gewiß die größte Freude, wenn ihr der Hausherr vorschlagen würde: So, morgen machen wir mal einen Hausfrauen=Ferientag! Mutter soll einmal nicht kochen, abspülen und putzen müssen. Wir packen fur uns alle möglichst viel Kaltvesper zusammen, fahren mit der Bahn in aller Frühe ein paar Stationen weit von zu Hause weg und begeben uns in aller Gemütsruhe langsam und behaglich in einen schattigen Wald oder auf eine blühende Bergwiese. Da lagert man sich im Freien. Die Kinder können sich in einiger Entfernung auf ihre Weise vergnügen, vielleicht auch mit dem Vater eine kleine Wanderung machen. Aber die ruhebedürftige Mutter legt sich indessen ins duftende Gras, schaut in den blauen Himmel hinein oder macht ein erquickendes Schläschen. Wie wundervoll können dabei ihre abgerackerten Nerven ausruhen! Zu Mittag geht man gemeinsam in ein nahes Gasthaus und ißt zum mitgebrachten kalten Imbiß einen kräftigen Teller warme Suppe. Das sind keine großen Ausgaben. Den ganzen Nachmittag kann die Frau dann wieder im Freien ruhen, auch mit dem Gatten dabei ein gemütliches Schwätzchen halten, zu dem es sonst im Alltagsgetriebe so selten kommt. Und schon abends auf der Heimfahrt wird sie merken, wie angenehm Nerven und Gemüt erfrischt und neugestärkt sind. Solch einen Hausfrauen=Ferientag sollte man sich im Sommer alle paar Wochen einmal leisten, selbstverständlich an einem Werktag. Die Arbeit, die inzwischen zu Hause liegen bleibt, kann man dann nachher mit doppelt gestärkter Kraft leicht wieder hereinbringen. Ist der Mann beruflich zum Mitgehen verhindert, dann zieht man eben allein mit den Kindern los; der Herr Gemahl muß sich für diesen Tag mit dem Wirtshaustisch begnügen. Noch ein anderer Vorschlag für Hausfrauen, die nicht über große Mittel verfügen, wäre der Erwähnung wert: die Tausch=Ferien. Jede kennt doch wohl irgendwo auf dem Lande eine Bäuerin, die, wenn sie das ganze Jahr über geschafft und gewerkelt hat, in der ruhigeren Zeit gerne auf ein paar Tage in die Stadt käme. Nehmt solch eine Bäuerin auf ein paar Tage zu euch, sie wird euch dafür sicher im Sommer gerne kostenlos einen kleinen Erholungsaufenthalt bei guter und gesunder Kost gewähren. Mit derartigen Hausfrauen=Ferien können sich viele unserer geplagten Mitschwestern zum mindesten so lange behelfen, bis wieder bessere Zeiten kommen. Denn die Erhaltung und Stärkung der Gesundheit ist doch bedeutend wichtiger als beispielsweise die Befriedigung kostspieliger Reisegelüste mit ihrer aufregenden Jagd nach Sehenswürdigkeiten, oder gar der Aufenthalt in einem Modebad, den man sich, nur um vor andern großtun zu können, am Haushaltungsgeld und somit am Wohlbesinden der eigenen Angehörigen absparen müßte. (Aus der Zeitschrift„Sonntag ist's“.) Lesende Von Elisabeth von Tiedemann. Charlolte von Schiller. Der Rhein rauscht, und es rauschen die Linden auf dem alten Bonner Friedhof. Er liegt, eine Oase des Friedens, inmitten der Stadt. Vergangenheit und Ueber das Buch sitzen sie gebeugt und die nächstliegende Welt scheint ihnen zu versinken. Sie leben nicht mehr in der banalen Wirklichleit um sie herum. Ihr Geist ist entrückt. Wie oft stehen die Eltern ratlos vor dieser Leidenschaft, die ihre größer werdenden Kinder in Bann schlägt. Nur zu leicht sind sie geneigt, diese ihnen unverständliche Neigung als unnütz anzusehen. Denn mit elterlicher Sorge denken sie an die nur flüchtig erledigten Schulaufgaben und die daraus sich ergebenden Folgen. Wo indessen die Eltern diese kindliche Neigung zum Verschlingen von Lesestoff gar zu streng bekämpfen, werden die Kinder sehr leicht heimlich ihr Lesebedürfnis befriedigen und dann in großer Gefahr sein, durch ungeeignete Schriften ernsthaften Schaden zu nehmen. Eltern, die ihre Erziehungsaufgabe tiefer erfassen werden in dem kindlichen Hunger nach Lesestoff den Wissensdurst, den Hunger nach Welt= und Lebenskenntnis des heranwachsenden jungen Menschen erkennen und sie werden einsehen, daß dieses Bedürfnis nach geistiger Anregung keine Verirrung des Kindes ist, sondern vielmehr eine Regung des besseren Teiles seiner Natur, nämlich zu geistiger Auseinandersetzung mit der dem Kinde so rätselhaften Umwelt. Der Schulunterricht läßt diesem Streben immer noch weiten Raum. Entscheibend ist aber, wie dieser kindliche Wissensdurst befriedigt wird. Sehr zahlreich sind die Eltern, welche meinen, daß die ihnen hier erwachsende Aufgabe dann schon durchaus befriedigend gelöst ist, wenn sie aus dem Lesestoff der Kinder solche Schriften aussondern, die dem Kinde mittelbar oder unmittelbar sittliche Gefahren bringen könnten. Solche Vorsicht ist selbstverständlich eine elterliche Pflicht. Indessen ist damit nur ein kleiner Teil und nicht die eigentliche Aufgabe erfüllt. Kinder haben noch keinen festen Standpunkt, der es ihnen ermöglicht, in geistiger Beziehung sich dem Inhalt eines Buches gegenüber indifferent oder neutral zu verhalten. Jedes Buch macht mehr oder weniger Eindruck auf sie. Kinder wollen garnicht unberührt bleiben von dem, was sie lesen. Und sie lesen auch nicht wie manche Erwachfene zum bloßen Zeitvertreib. Lesen ist für sie Leben. Das Lebensbild, das sie aus dem Buche gewinnen, mag es auch noch so lückenhaft sein, wird in ihrem jugendlichen Gemüt eine Resonanz erklingen lassen, es werben Affekte des Willens ausgelöst. Ist nun der Lesestoff banal und belanglos, so findet das Kind gar keinen Anhaltspunkt für sein geistiges Streben, es macht ernüchtert und enttäuscht das Buch zu. Das Kind soll in dem Buche die geistige Nahrung finden, die es in seiner Lektüre zu finden hofft. Dadurch sind den Eltern wichtige Anhaltspunkte für die Auswahl gegeben. Das kindliche Verlangen geht vornehmlich in zwei Richtungen. Einmal will es eine Bereicherung seiner Lebenserfahrung, seiner Kenntnis der Umwelt, der realen Wirklichkeit, mit der es sich auseinandersetzen und abfinden muß. Es will das Tatsächliche im Leben kennen lernen, um daraus Anhaltspunkte für sein Verhalten zu schöpfen. Es ist die Auseinandersetzung mit der Wirklichkeit, die Einordnung in gegebene Verhältnisse, womit Gegenwart begegnen sich an den efeuumrankten Gräbern, und der Hauch Vergessenheit umspinnt sie mit seltsamen Träumen. Grabsteine, verwittert in der Zeit, aber, die unter ihnen ruhen, sind noch lebendig in der Erinnerung. Da liegt Ernst Moritz Arndt, da liegt Niebuhr, und dicht an der Kirchhofsmauer schläft auch Charlotte von Schiller mit ihrem Sohne Ernst. Die treue Gattin und Gefährtin unseres unsterblichen Dichters, die am 9. Juki vor hundert Jahren ihre müden altersbeinden Augen zum ewigen Schlummer schloß. Wer, der in Bonn weilt, geht wohl hin zu ihrem Grabe! Es fällt kaum auf, so schlicht ist es. Der Grabstein trägt als Inschrift die Worte Schillers aus seinem Gedicht„Der Genius": „Muß ich ihn wandeln den nächtlichen Weg? Mir graut, ich bekenn' es! Wandeln will ich ihn gern, führt er zu Wahrheit und Recht.“ ... ly. der Mensch das ganze Leben ringt, in ihrer primitiven Form. Aus diesen, natürlich nur unbewußt empfundenen Erwägungen, interessieren die jugendlichen Gemüter besonders Schilderungen aus dem Bereich der Technik, Beschreibungen ferner Weltteile, Reisebilder, Schilderungen aus dem Tierleben. Unter den Neuerscheinungen auf dem Gebiet der Jugendschriften entsprechen diesem Grundgedanken vornehmlich zwei Reiserzählungen von Ferdinand Emmerich(Herder, Freiburg):„Unter den Indianern in Mato Grosso" und„Hüter der Wildnis". Beide lose zusammenhängenden Erzählungen schildern in einer dem kindlichen Fassungsvermögen angepaßten anschaulichen Form die Erlebnisse eines Forschungsreisenden in dem geheimnisvollen Dunkel des tropischen Urwaldes von Südamerika, seine Begegnung mit den Indianerstämmen, die weit ab von aller Zivilisation ein gefahrvolles Leben unter wilden Tieren führen. Gegenüber den alten Indianergeschichten unserer Jugendzeit verdient hervorgehoben zu werden, daß die Darstellung in keiner Weise sensationell und blutrünstig aufgemacht ist. Das ist ein Vorzug, aber es ist zugleich auch ein Mangel. Denn es wird damit auf die Schilderung heldenhafter Taten und heldenmütiger Erduldung von körperlichen Leiden verzichtet. Das muß als Mangel bezeichnet werden im Hinblick auf das andere Bedürfnis lesender Kinder, welches in einem instinktmäßigen Verlangen nach Vorbildern und Idealen für seine Betätigung besteht. Das Kind braucht zu seiner geistigen Entwicklung das Heldenideal. Sei es auch eine Phantasiegestalt, sie nutzt dem Kinde und gewinnt Einfluß auf seine Entfaltung, wenn dieses Bild in dem Willen des Kindes ein Streben nach diesem Ideal erweckt. Wohl dem Kinde, dem in der Welt des Wirklichen, in Vater und Mutter ein hohes Ideal sich bietet. Immer aber wird es wertvoll im tiefsten Sinne des Wortes für ein kindliches Gemüt sein, wenn ihm auch in der Welt seiner Bücher Idealgestalten als Vorbilder vor das innere Auge treten. Je mannigfaltiger, umso besser. Neben der fesselnden Darstellung eines Heiligenlebens, einer Heldengestalt aus dem Sagenschatze darf auch die Phantasiegestalt eines Romanhelden stehen. Unter den neueren Jugendschriften der Schweizer Literatur findet sich hier aus der Feder F. H. Achermanns eine Erzählung aus der Steinzeit:„Die Jäger vom Thursee."(Otto Walter, Constanz.) Diese Erzählung ist ein Versuch, den Kulturzustand, Leben und Menschen der Vorzeit unserer Jugend anschaulich zu machen. In diesem Rahmen spielt sich das ganz phantastische Lebensschicksal des Steinzeithelden ab Für die Bewertung dieses Buches als Jugendlektüre kommt es nicht in Betracht, daß den fesselnd und lebenswarm dargestellten Jagdszenen und Kulturbildern geistige Anachronismen unterlausen, und daß der kritisch lesende Erwachsene humanitäre Gedankengänge erkennt, die aber dem jugendlichen Leser das Bild des Helden nicht verwischen werden. Beide Arten von Büchern sind geeignet, unseren Kindern Kenntnisse zu vermitteln und ihrem geistigen Streben eine Richtung zu geben, die aufwärts führt. Stilblüten aus der Dieses Kapitel ist eigentlich unerschöpflich, gerade so wie früher dos von der Kasernenhofblüte. Letzteres ist heute leider ausgestorben, während das erstere unsern Witzblättern und=bolden immer noch Stoff liefert. Die Proben in den„Lustigen Blättern“ aller Art sind aber zum größten Teil erdacht, so daß man ihre Unechtheit gleich, wie der Bauer sagt,„mit den Holschen fühlen kann". Die wirklichen Stilblüten aus dem Leben der Schule sind zahlreich und meist außerordentlich„witzig“. Da war z. B. ein Kerlchen, das am Ende des ersten Schuljahres immer noch den Lehrer duzte. Es wurde dafür von den„Kollegen" oft ausgelacht, aber ohne Erfolg. Zuletzt bekam er vom Lehrer die Hausarbeit, eine Seite in seiner Kladde alle Zeilen auszufüllen mit der weisheitvollen Wahrheit:„Ich muß zum Lehrer Sie sagen." Abends ertappte der Vater seinen munteren Sprößling über dieser Stilübung.„Wat.“ sogte der biedere Alte,„Jung, wat seggst du denn to 1 Lährer?"„Ick segg du to em“, antwortete er. „Na," versetzte der Vater,„denn so schriw von mi ut noch twee Siden dorto!“ Am nächsten Morgen zeigte das Bürschchen seinem Lehrer die Arbeit. Dieser wunderte sich über den Fleiß und sagte anerkennend:„Oh, du hast ja drei Seiten geschrieben, und so schön!"„Ja," entgegnete der Knirps,„das hättest du woll nich gedacht!" Ein anderer Knabe, der im Rechnen ziemlich schwach und dazu noch sehr gemütlich war, ließ sich immer von seiner Mutter helfen. Manchmal schrieb sie sogar für ihn, um ihm das Schönschreiben beizubringen. Eines Tages hatte sie ihm sämtliche Aufgaben ausgearbeitet und ihm befohlen, es abzuschreiben. Da sie aber nachmittags auf Besuch mußte, hatte sie es vergessen, und ihr Filius hatte sich die mühsame Arbeit gespart. Bei Durchsicht der Arbeit merkte der Lehrer natürlich sofort, daß er das nicht geschrieben hatte, und fragte ihn streng: „Wer hat das geschrieben?" Weinerlich antwortete er: „Meine Frau!“ Ein Mädchen erzählte die Geschichte von den Arbeitern- im Weinberg:„Jeder Arbeiter bekam einen Dollar"(statt Denar). Ein anderes schrieb in ihrem Aufsatz die profunde Weisheit kaltblütig nieder:„Die Gegend ist sehr fruchtbar; denn es wohnen dort so viele Menschen.“ Einmal hatte ich einen Dreikäsehoch in der Klasse, der von allen Kindern nur Hauptmann genannt wurde, weil er bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit erzählte, er wolle Hauptmann werden. Er besuchte jeden Tag einen Veteran von 1870/71 in seiner Schusterwerkstatt und nannte ihn Onkel. Dessen Kriegserlebnisse berichtete er immer, infolge seiner großen Phantasie in Ichform, als ob er alles selbst erlebt hätte, und gebrauchte dabei die Redewendungen seines„Onkels". Die anderen Kinder hörten belustigt zu, aber schließlich„log“ er ihnen denn doch zu gewaltig, und ein Kleiner rief:„Hauptmann, du lügst."„Ha,“ rief er zornig,„ich wollte nur, du hättest im Donner der Grütze neben mir stürmen müssen." Ich glaubte, er hätte das Wort Geschütze nicht verstanden, aber als ich es ihm erklären wollte, sagte er:„Das heißt Geschütze, aber ich versprach mir bloß.“ Eines Tages kam der alte, weißhaarige Pastor des Kirchdorfes, der die Ortsschulinspektion hatte, in die Schule. In der Unterklasse fragte er einen Zwerg:„Was hättest du getan, wenn du Adam gewesen wärest, und Eva dir den Apfel gegeben hätte?"„Ich hätte ihr an die Hand gehauen, daß der Apfel durch das ganze Paradies gekollert wäre.“ In der Mittelklasse hatte die Lehrerin den Kindern eingeprägt, bei allen Antworten die Anrede„Herr Pastor“ hinzuzufügen. Unglücklicherweise fragte der Geistliche: „Wie heißt das siebente Gebot?“ und bekam prompt die Antwort:„Du sollst nicht stehlen, Herr Pastor!"„Nein.“ sagte lächelnd der freundliche Herr,„das tu ich auch nicht, mein Kind“, hörte aber bald auf zu fragen; denn er kam aus dem Lachen und die Lehrerin aus der Verlegenheit nicht heraus. Einmal kam ich am ersten Tage nach den Ferien eine halbe Stunde zu spät, weil ich am vorigen Abend vergessen hatte, den Wecker aufzuziehen. In der Hausarbeit des folgenden Tages, dessen Ueberschrift„Meine Weihnachtsferien“ hieß, lautete der Schluß bei fast allen:„Am ersten Schultage nach den Weihnachtsferien kam unser Lehrer eine halbe Stunde zu spät. Das war fein; denn wir konnten solange spielen", oder ähnlich. Beim Verlesen dieser Sätze entstand jedesmal ein fröhliches Gelächter, in das ich natürlich herzlich mit einstimmte; denn es ist ja bekannt, daß die Gören sich über nichts mehr freuen als dann, wenn dem„unfehlbaren" Lehrer auch mal etwas Menschliches passiert, sei es, daß er sich stößt oder stolpert oder sich im Eifer verspricht. Das ist nicht etwa Roheit oder Frechheit, sondern ganz natürlich, eine Art harmloser Schadenfreude, die ja die größte aller Freuden sein soll, wie der Volksmund behauptet. Mutterglück. Um einen Trunk bat mich zur Nacht mein Kind, Mein wilder Kamerad in Spiel und Scherzen. Sein Stimmchen bettelte so warm und lind— Und reiche Liebe strömte mir vom Herzen. Und schaute groß und still mich an beim Trinken Und gab verschwieg'nen Dank, indem es nahm, Und schien in meinen Anblick zu versinken, Als tränk' es mit, was mir vom Herzen kam. Otto Ernst. Kindergottesdienst. Es läuten zur Kirche die Glocken, die Eltern, die gingen schon aus, drei Kindlein in goldenen Locken, die sitzen noch unter dem Haus. Die muntern, unmäßigen Gäste sind noch für die Kirche zu klein, doch wollen am heiligsten Feste sie fromm wie die Alten schon sein. Hat jedes ein Buch sich genommen und hält es verkehrt auf dem Schoß, draus singen die Schelme, die frommen mit schallender Stimme drauf los. Weiß selber noch keins, was es singet, singt jedes in anderem Ton; singt immer, ihr Kindlein, es dringet auch so zu dem himmlischen Thron. Dort steh'n eure Engel, die reinen, und singen dem Vater der Welt, der stets aus dem Munde der Kleinen am liebsten sein Lob sich bestellt. Karl Gerock. Vergnügungen. Aus Else Hasse:„Im Himmel der Freude“. Nach Vergnügungen jagt nur ein Mensch, der keine Freude hat, und erjagt sie dennoch nicht. Zu vielk Vergnügungen töten die Freude, denn sie ermüden die Sinne und erschlaffen die Seele; und Freude lebt ja nur, wenn der Sinn frisch und aufnahmefähig und die Seele tatenastig und gebeselig ist. Aus Nehmen und Geben wird Freude, aus Empfangen und Tun wird Heiterkeit. Ein Rhythmus, sinnlich aufgenommen, der die Füßläßt, ist nur vergnüglich; wenn die Seele aber mittut und ein Reigen übermütiger Regungen in ihr mitschwingt, des ist erheiternd. So auch, wo sich Klänge in das Ohr einsingen: wenn die Seele ihren Sehnsuchtsdrang dazu gibt und den Strom der Töne mit ihrer Liebe schwellt, da ist befellgendes Leben in Harmonien. Und dort ist Freude an einem Bilde, wo das Auge von ihm angesprochen wird und die Seele sich sinnig mit ihm unterhält. Geselligkeit wird zur Freude nur durch geheime, holde Zwiegespräche der Seele mit den Nachbarseelen. Wenn die Lippen sich angesichts von munteren Genossen plaudernd regen, da freut man sich vermöge des milden inwendigen Lächelns Und spricht ein Redner, ein Dichter zu uns und wird aus bloßem Hören ein Aufhorchen und begeistertes Verstehen, so wirbelt Freude in der Seele hoch auf! Und wer sie hat, jagt dem Vergnügen nicht mehr nach. Das„Wann" ist nicht so wichtig als das„Wo?“ wenn du nach Freuden suchst, die etwas wert sein soll. Echte Freude kann zu allen Zeiten, aber nicht an allen Orten sein. Noch in trüben Stunden vermagst du Seligkeiten vorzuahnen, aber keinessalls in vollgestopften Warenhäusern, in einer„Lästerallee", auf glattem Parkett, an Stätten oberflächlichen Vergnügens und geiler Lustbarkeit. Nach dem Freudenort bestimmt sich der Wert der Freude. Ein schätzbares und seltenes, ein teures Gut ist jene Freude, die du daheim zu sinden weißt, ein viel geringeres die Freude draußen, unter Fremden und Gesellschaftsmenschen. Willst du unter ihnen glänzen und nicht zu Hause durch Geduld, Milde, Treue, so suchst du nach dem Gold der Freude am falschen Ort. Sprache der Blumen. Von B. Langen. Die kleinen Blümlein, die so anmutig=schweigend stehn und so wunderbar beredte Augen zu uns aufschlagen, sie, die Kinder einer Welt, die aus der Schwere und Mißfarbigkeit des Stoffes hinausstrebt in lauter Duft und Farbe, sollten sie uns nicht mehr zu sagen haben als der Oberflächliche denkt, sollten sie uns nicht gern Antwort geben wollen auf so manche Frage, die uns bewegt?- so hat das Volksgemüt gefühlt und hat die Blumen zu den Trägern seiner sinnigsten und innigsten Empfindungen gemacht. Wenn Ihr nicht wie die Kinder werdet... Ja, laßt uns Kinder werden und wie die Kinder die Blumensprache verstehen und die Blumenorakel befragen, und dabei mit dem Ernst des Erwachsenen das Sinnvolle dahinter suchen und an dem Schatz alter Ueberlieferungen und sinniger Spiele unsere Erwachsenenweisheit bereichern! „Liebt er mich, liebt er mich nicht?" so fragt das junge Volk und eilt zu den Blumen, um von ihrem feinen Duft und ihrer immer schweigenden Weisheit das Geheimnis der Liebe zu erfahren. Und die Margaretenblume antwortet mit ihren weißen Blütenblättern. Sie gibt sie hin, als wäre die Antwort auf eine Herzensfrage ihr Leben wert. Seht, sie ist ja selber ein in Duft und Farbe gekleidetes Stück Liebe! Sollte sie nicht gern für eine Liebesfrage sterben wollen? „Gibt es ein Glück?" so fragen die Menschen so gerne. Das Glück ist gerade so selten, lächelt Mutter Natur zur Antwort, wie ich eine Ausnahme von meinen strengen Gesetzen mache und einem tleinen Pflänzchen einmal vier Blätter statt der gewöhnlichen drei gewähre. Und es will gerade so wenig gesucht werden wie dieses Vierkleeblättchen, das sich nur dem zeigt, der es nicht sucht. Wer nach ihm fragt und hastet, der findet es nicht; wer aber treu und redlich seinen Weg geht, der findet es und— weiß vielleicht nicht einmal darum. Er trägt es an seinem Schuh und merkt nicht, wie jeder seiner Schritte gesegnet ist. Findet er es aber, so soll er es nicht für sich behalten, wenn ihm sein Glück lieb ist. Dann nähe er es still und ohne Wort in das Kleid eines, der ihm wert ist, und er wird sich und dem andern das Glück bringen. Denn welches Glück geht wohl über das des Glücklich=machens? „Wie lange ist mir noch beschieden? Wann endet meines Lebens Lauf?" so fragt der Mensch in seinen stillen Stunden. Und der weiße Federkopf der Butterblume antwortet darauf. Wie dein Atem darüber hinweggeht und die Federchen von dannen treibt, weht so nicht auch der Wind des Schicksals über deine Lebenszeit hin? Und was dann übrig bleibt und zitternd auf dem Blumenstengel steht, ist das nicht ein treues Bild der Jahre, die dir noch bleiben? Stehen sie nicht genau so schwankend und ungewiß und drohen, dem nächsten Sturm zum Opfer zu fallen? Wohl kannst du von der Blume deine Lebenszeit erfahren,— namlich, daß sie kurz und ungewiß ist und wie ein Traum vor dem Morgenwind verfliegt. Und abseits steht ein bescheidenes Blümlein auf dem Gartenbeet. Es neigt sein Köpschen, als hätte es nie in seinem Leben aufwärts zu schaun gewagt; als hätte es nur ewig vor sich hinzusinnen.„Pensée", die Nachdenkliche, nennt es eine fremde Sprache. Und wir nennen es— eigentümlicherweise!—„Stiefmütterchen", und legen einen seltsam bedauernden, liebevollen Klang in das Wort. Und sehen im Geiste, wie eine stille Frau bescheiden und demütig, nur um zu dienen, in ein Haus eintritt, wo sie eine Fremde ist und bleiben wird Und sehen, wie sie, der Blume gleich, ihr Wesen aushaucht im Dienen und Gewähren. Und wir fühlen, wie tief das Verständnis ist, das aus diesem Blumennamen spricht. Vergißmeinnicht! Ja, wenn ich auch so klein, so dürftig wäre, wie ein kleiner blauer Blumenstern und so versteckt im Grafe leuchtete, so dürftest du mich dennoch nicht vergessen! Das kleinste Blümlein heißt Vergißmeinnicht! Und wenn du mir wahrhaft treu bist, so wird dies kleinste Blümlein, das ich dir anempfehle, sorgsamer von dir gepflegt werden als alle Rosen, die dich mit ihrem Duft bezaubern wollen. Denn nichts, nichts hat dies Blümlein, um sich aus eigener Kraft vor dir zu behaupten. Du, du selber mußt alles tun, um die Treue zu ihm zu bewahren. Bedenk es noch einmal: Das unscheinbarste Blümlein heißt Vergißmeinnicht! Gegen die Vermännlichung. Ein Mann, der sich über die Vermännlichung so viele Frauen und Mädchen der heutigen Zeit geärgert ha schrieb in seinem Zorn folgende spöttischen Zeilen nieder: Zwei österreichische Damen haben den Junggesellen ein Kochbuch beschert. Mit den hundert Rezepten dieses Buches werden die Interessenten natürlich noch nicht zu erstklassigen Köche werden, aber ihr Abhängigkeitsverhältnis vom Restar rant können sie dadurch doch brechen. Ob das Buch frelich den Beifall der hohen Obrigkeiten finden wird, lä: sich nicht so ohne weiteres bejahen, wenan beden daß die Unzufriedenheit mit der Restaurantkost so ma chen hartgesottenen Junggesellen ehefreudiger gemacht he. Andererseits freilich dürfte in Anbetracht der mode nen Jugendideale das neue Kochbuch für Junggesell insosern eine schon längst gefühlte Lücke ausfüllen, als eine gute Vorbereitung des angehenden Ehemannes möglicht, da die Frage, ob„Sie“ kochen kann, nunmer: als weniger wichtig in den Hintergrund treten könn. wenn„Er“ mit seinen Junggesellenkünsten in die Bref: springen kann. Wieviele Unannehmlichkeiten einer ji gen Ehe können damit nicht aus der Welt geschafft u den? Wie liebenswürdig wird es nicht einmal klinge. wenn die junge Ehegattin im Kreise ihrer Freundin zwischen zwei Zigarettenzügen lässig die Bemerkungh wirft:„Und dann müßtet ihr einmal Willis deli Wiener Schnitzel kosten.“ In Zukunft werden die jungen Paare und solche, es erst noch werden wollen, auf ihren Sommerausslüc in der Art sorgen, daß„Er“ die Erzeugnisse seiner Ko. künste beisteuert, während sie die Kognak= und Zigarettemarken besorgt. Aber die Verfasserinnen dürfen bei diesem Werke nicht stehen bleiben. Was dringend fehlt, ist jetzt das„Ko buch des Vaters“, der gewiß gerne zu diesem Hilfsmitt greifen wird, wenn er der verbrannten Suppen und des verprutzelten Beefsteaks überdrüssig ist. Dagegen würde sich irgend ein„Kochbuch für jun Frauen" nicht empfehlen. Derartige altfränkische wohnheiten dürfen nicht weiter Nahrung erhalten, so dern müssen an ihrer eigenen Unvollkommenheit eingel. Je mehr sich die Frau in den Angelegenheiten der N ner vervollkommnen kann, desto größer wird danna das Recht und die Pflicht des Mannes, darauf zu achten, daß das Feuer des heimischen Herdes nicht ausgeht. Die Preisbewegung der Weltgrundstoffe. Die Rückbildung der Weltmarktpreise, die in einzelnen Grundstoffen wie Baumwolle, Zucker und Kohle bereits im Jahre 1924 in Fluß gekommen ist, hat seit Anfang dieses Jahres auf eine Reihe weiterer Rohstoffe übergegriffen, da der von dem überhöhten Preisniveau ausgehende Produktionsanreiz das Mißverhältnis zwischen Erzeugung und Verbrauch allmählich beseitigt und in verschiedenen Warengattungen die Vorratsbildung begünstigt hat. Die Preiskurve läuft naturgemäß nicht gradlinig abwärts; sie zeigt eine wellenförmige Bewegung, in der sich die von markttechnischen Momenten abhängigen Schwankungen ausprägen. Am niedrigsten notierten die Weltmarktpreise im Mai und Juni. Im Laufe des letzten Monats haben die Preise infolge der fast in allen Ländern in Erscheinung getretenen starken Geldflüssigkeit im Zusammenhang mit der Erntebewegung wieder angezogen, ohne daß indessen diese Steigerung über 5 bis 10 Prozent hinausgeht. Am Getreidemarkt zeigten die amerikanischen Notierungen im zweiten Quartal unter dem Druck des argentinischen Weizenangebots und in Erwartung einer günstigen Welternte eine rückläufige Tendenz. Nur für Roggen machte sich eine etwas festere Stimmung geltend, sodaß sich der Preisunterschied gegenüber Weizen beträchtlich verminderte. Hafer ist zum ersten Male unter den Durchschnittspreis von 1913 gefallen. Kolonialwaren und Fette zeigen eine uneinheitliche Preisentwickelung. Während Zucker und Copra etwas billiger geworden sind, konnten Reis und Speck leicht anziehen. Die Preissteigerung am Kaffeemarkt ist auf die erfolgreiche Durchführung der vierten brasilianischen Kaffeevalorisation zurückzuführen, der es die Kaffeepflanzer zu verdanken haben, daß der im vergangenen Jahr eingetretene Preisrückgang nicht nur zum Stillstand gebracht, sondern durch eine neue Aufwärtsbewegung abgelöst wurde. Mit Ausnahme des Edelmetalls Platin haben Kaffee, Tee und Reis, deren Preisniveau durchschnittlich 120 Prozent über dem Vorkriegsstand liegt, die bedeutendsten Steigerungen erfahren. Zucker und Copra dagegen sind, da der Konsum die Produktion nicht vollkommen aufzunehmen vermochte, gegenwärtig in Newyork 25 Proz bezw. 5 Proz. billiger als 1913. Am Tertilmarkt zeigen nach einer längeren Periode merklicher Verflauung Baumwolle und Hanf wieder eine steigende Tendenz, während Jute in Erwartung einer Rekordernte im Preise auffallend stark nachgegeben hat. Am Wollmarkt haben sich die Preise durchweg behauptet, bessere Qualitäten sogar etwas verteuert. Im Durchschnitt liegen die Preise für Tertilrohstoffe augenblicklich 10—90 Prozent über dem Vorkriegsstand. Am Metallmarkt sind die Preise seit dem Herbst vergangenen Jahres dauernd zurückgegangen bis im Mai und Juni die rückläufige Bewegung zum Stillstand kam und einer neuen, sich in engen Grenzen haltenden Aufwärtsbewegung wich. Kupfer und Zink hatten im Mai, Blei und Zinn Anfang Juni den niedrigsten Preis erreicht. Von den Metallen ist gegenwärtig Kupfer noch etwas billiger als 1913, während der Bleipreis sich verdoppelt hat. Die Petroleumpreise sind infolge der ständig wachsenden Nachfrage nach flüssigen Brennstoffen weiter gestiegen, trotzdem die Produktion sich gewaltig erhöht hat. Petroleum ist der einzige Rohstoff, dessen Preiskurve sich im Gegensatz zu der anderer Produkte seit zweieinhalb Jahren ohne merklichen Rückschlag langsam nach oben bewegt und ein Niveau erreicht hat, das rund 70 Proz. über den Vorkriegspreisen liegt. Zur Lage in der Textilindustrie äußert sich Generaldirektor Georg Stöhr von der Kammgarnspinnerei Stöhr u. Co., Akt.=Ges., u. a. wie folgt: Die Lage der Textilindustrie ist heute je nach den verschiedenen Artikeln, wie Wolle. Baumwolle, Kunstseide und Jute, sehr unterschiedlich. In der mir nahestehenden Kammgarnindustrie hat Europa im Jahre 1925 eine Katastrophe durchgemacht, wie sie in der Geschichte der Wolle kaum vorgekommen ist. Eine Baisse von 40 bis 50 Prozent hat der Industrie schweren Schaden zugefügt. Dabei kamen infolge der allgemeinen Wirtschaftskrise in Deutschland außerordentlich viel Zahlungseinstellungen und Konkurse, so daß die Zurückhaltung aller wollkonsumierenden Kreise bis in dieses Jahr binein außerordentlich groß war. Auch heute noch wer30. 7. 7.75 30.. 7. 76 87½ k. stetig Bromen: Baumwolle. 107 111½ willig Juli September Oktober November Dezember Januar März Mai. Liverpool: Baumwolle. loco Baumwollumsatz Import Export New-York: 29. 7. 10.13 30. 7. 16.02 1oce Juli August September Oktober den Abschlüsse nur mit größter Vorsicht getätigt. Es scheint aber, daß die Läger überall stark reduziert sind und daß sich im Geschäft ein gesunder Bedarf geltend macht, sodaß, nachdem nunmehr seit Anfang des Jahres die Wollpreise stabil geblieben sind und besonders für Merinowollen eine Tendenz nach oben aufweisen, dem Artikel Wolle wieder mehr Vertrauen entgegengebracht wird, sodaß die Kammgarnspinnereien und Webereien voraussichtlich für den Rest dieses Jahres auf ein normales Geschäft werden rechnen können. Allerdings sind die Preise außerordentlich gedrückt und von Verdiensten kann kaum gesprochen werden, im Gegenteil werden heute angesichts des außerordentlich billigen Angebots vom Auslande vielfach Verlustgeschäfte abgeschlossen, um wenigstens die Svindeln und Webstühle nicht stehen zu lassen Auch ein Auslandsgeschäft wird heute durch die Angebote der niedervalutarischen Länder, besonders von Frankreich, Belgien und Italien fast unmöglich gemacht. Infolge der Inflation arbeitet man in Belgien und Frankreich heute mit etwa ¼ nder ½ der Löhne, die in Deutschland, auf Gold gerechnet. Geltung haben. Dabei sind bekanntlich die steuerlichen Abgaben und sozialen Lasten ganz unverhältnismäßig niedriger, als in Deutschland. Weniger günstig als die Kammgarnindustrie liegt heute die Baumwollindustri. Nachdem diese im vorigen Jahre eine alänzende Geschäftsperiode erlebt hat, ist die Baisse in diesem Jahre eingetreten und hat zu merklichen Absatzstockungn geführt. Auch in dem Artikel Kunstseide hat zum ersten Male nach einer langen Blüteperiode eine gewisse Absatzschwierigkeit eingesetzt, verbunden mit einer rückläufigen Konjunktur. Es sind auch Kunstseidefabriken stillgelegt worden, was ein sicheres Zeichen dafür ist, daß der Kunstseidenkonsum trotz der außerordentlichen Begünstigung des Fabrikates durch die Mode nicht mit der starken sich immer vermehrenden Produktion Schritt gehalten hat. Im ganzen genommen, hat sich die deutsche Textilindustrie, nachdem sie während der Kriegs= und Nachkriegsjahre sehr stark auf die Ersatz= und SurrogatWirtschaft eingerichtet war, dank der außerordentlichen Energie, mit der überall gearbeitet wird, ihre Beweglichkeit wiedergefunden, und hat sich wieder auf Qualitätsware und die Erfordernisse der Mode vorzüglich eingestellt. Ford in Südslawien. Aus Belgrad wird gemeldet, daß der amerikanische Automobilindustrielle Henri Ford beim Finanzministerium die Erlaubnis nachgesucht hat, eine Automobilfabrik in Südslawien zu errichten. Gleichzeitig soll Ford der Belgrader Regierung ein zur Verbesserung der Landstraßen bestimmtes Darlehen angeboten haben. Zurückhaltung der Reichsbank gegen Frankendevisen. Bereits vor einiger Zeit hat die Reichsbank gegenüber dem Ankauf von solchen Devisen, mit denen ein starkes Valutarisiko verbunden ist, eine Zurückhaltung dahin eintreten lassen, daß sie solche Devisen nur noch zum Pflichtinkasso unter Gewährung eines Vorschusses annimmt. Der Vorschuß beläuft sich bis zu 75 Proz. unter Anrechnung von 6 Proz. Zinsen. Das Risiko der Valutaschwankungen bis zum Tage der Fälligkeit der Devisen hat aber voll der Verkäufer der Devisen zu tragen. Es handelt sich hierbei z. B. auch um schweizerische Ziehungen auf Rumänien und um amerikanische auf die Türkei und Polen. In den Kreis der Devisen, denen gegenüber die Reichsbank jene Vorsicht walten läßt, sind nunmehr, wie wir hören, auch Frankenund Lire=Devisen einbezogen worden. Von tiefinfolge ihres stark schwankenden Charakters die Franken und Lire in letzter Zeit im reellen Geschäftsverkehr schon sehr erheblich gegen die stabilen Valuten zurückgetreten sind. Rundschau. Zinsermäßigung im Wollhandel. Der Zentralausschuß der Wollhandelsvereinigung für Leipzig hat mit Wirkung ab 7. Juli 1926 die Vorund Verzugszinsen um je ½ Prozent auf den Satz von 6 Prozent jährlich für Vorzinsen(Höchstsatz) und 8½ Prozent jährlich für Verzugszinsen ermäßigt. Gefellschaften. Vereinigte Glanzstoffe, A.=G. Elberfeld. Die Gesellschaft hat unter der Firma„Zelta“, A.=G. mit dem Sitz in Elberfeld und einem Kapital von 750 000 A eine neue Tochtergesellsachtf gegründet, die sich mit der Ausbeutung eines neuen durch Patente vielfach geschützten Verfahrens auf dem Gebiete der Viscose=Kunstseide befassen soll. In den Aufsichtsrat und Vorstand der neuen Gesellschaft sind die maßgebenden Herren aus der Verwaltung und dem Aufsichtsrat der Vereinigten Glanzstoffe A.=G. gewählt worden. A. E. G. Schnellbahn, A.=G., Berlin in Liquidation. Die Generalversammlung genehmigte den Bericht des Liquidators für das abgelaufene Geschäftsjahr 1925. Das Ergebnis des Verkaufs von Grundstücken ist zur Zahlung von Hypothekenzinsen verwendet worden. Die Unkosten haben sich im abgelaufenen Geschäftsjahr auf 16 300 A gestellt. Märkte. Dortmunder Getreidebörse. Dortmund, 29. Juli. Inl. Weizen 33, inl. Roggen 23,50, westfälischer und pommerscher Weißhafer nicht notiert, inl. Gerste 18,50, ausl. Weizen 31,50—34,00, ausl. Roggen 25—26, ausl. Hafer 20,25—24,00, ausl. Gerste 19.50—20,00, Platamais 18,50 bis 19,00, Cinquintiomais 22—22,50, Bäckermehl 42,50—43,50, Weizenmehl nicht notiert, Roggenmehl 34—34,50, Weizenkleie 9,50—12,00. Der Markt liegt außerordentlich ruhig Die Preise sind Großhandelsverkaufspreise und verstehen sich für 100 Kilogramm waggonfrei Dortmund in Ladungen von 10 bis 15 Tonnen. Rauhfutterpreise wurden nicht notiert. Kölner Produktenbörse. :: Köln, 30. Juli. Weizen ausl. 31—33.50, Roggen ausl. 24.50—25, Hafer hies. 21.50—22, Hafer ausl. 20—22.75, Futtergerste ausl. 19—19.25, Wintergerste inl. 17.25—17.95, Mais grober 18.25—18.50, Mais kleiner 21.25—21.50, Raps prima trocken 25.50—36.50, Roggenmehr 70proz. inl. 30.50—32.50, Weizenmehl 70proz, inl. 41—42, Weizenkleie Brutto mit Sack 9.50—12.75, Rübkuchen lose 13.50—14, Palmkuchen lose 13.75—14.75, Leinkuchen lose 20.75—21.25, Soyaschrot brutto mit Sack 20.25—20.75, Trockenschnitzel lose 10.50—11, Zuckerschnitzel lose 12.25—14.25, Wiesenheu inl. lose 5.50—7, Kleeheu inl. 7—18, Rohmelasse 5. Stimmungsbericht: An der Kölner Getreidebörse war das Geschäft ziemlich lebhaft bei fester Haltung. Berliner Produktenmarkt. X Berlin, 30. Juli. Infolge der festeren amerikanischen und Liverpooler Marktberichte verkehrte auch der hiesige Weizenmarkt trotz ziemlich schwacher Konsumnachfrage in fester Haltung. Auch für Auslandsgetreide zeigte sich bei höheren Preisen größeres Interesse. Die einschneidender praktischer Bedeutung für das Geschäft Herbstlieferungen und effektive Ware stellten sich 2 M ist diese Maßnahme aber nicht, deshalb nämlich, weil höher. Der Julitermin, für den nur noch geringes Zur Ablösung der Gemeindeanleihen. 18.76 18.74 18.54 28. 7. 9.31 9.3 9.37 9.37 9.41 9.38 9.40 30. 7. 17.65-69 1.72—2 17.93-93 18.07-07 Wie bereits mitgeteilt, wird in einem Runderlaß des preußischen Ministers des Innern an die Ober= und Regierungspräsidenten, die Landräte, die Gemeinden und Gemeindeverbände auf die 4. Verordnung zur Durchführung der Ablösung der Markanleihen der Gemeinden, Gemeindeverbände und sonstigen öffentlichrechtlichen Körperschaften vom 10. Juli dieses Jahres besonders hingewiesen. Der wesentliche Inhalt der Verordnung ist der, daß der Altbesitz an Kommunalanleihen in der Zeit vom 2. August bis 1. November d. J. zum Umtausch anzumelden ist. Im übrigen entspricht das Ablösungsverfahren dem Verfahren bei den Reichsanleihen, nur, daß hier die Aufgaben der Reichsbank vom deutschen Sparkassen= und Giroverband und den Girozentralen übernommen werden. In den allgemeinen Ausführungen des Erlasses wird, wie erinnerlich, der Erwartung Ausdruck gegeben, daß die Gemeinden im Rahmen des ihnen Möglichen über das gesetzlich vorgeschriebene Maß hinaus ihren Gläubigern Entgegenkommen beweisen. Aus den einzelnen Ausführungen des Erlasses teilt der Amtliche Preußische Pressedienst folgendes mit: Kleingläubiger, sowohl Alt= wie Neubeitzer, von Markanleihen von Gemeinden und Geindeverbänden mit einem Goldwert von weniger als Reichsmark können nach dem Anleiheablösungsgesetz undsätzlich keinerlei Ansprüche auf Grund ihrer Anleihestücke erheben. Aus Billigkeitsgründen wird den Gemeinden(Gemeindeverbänden) jedoch empfohlen, den bedürftigen, im Inlande wohnenden Altbesitzer mit deutscher Reichsangehörigkeit unter diesen Kleingläubigern in Anlehnung an das Vorgehen des Reiches eine Barabfindung in Höhe von 15 Prozent des Goldwertes ihrer Anleihen bei einem Jahreseinkommen der Gläubiger von nicht mehr als 800 Reichsmark und in Höhe von 8 Prozent bei einem Einkommen von nicht mehr als 2500 Reichsmark zu gewähren. Inflationsanleihen: Da die nach dem 30. Juni 1920 begründeten Anleihen nach dem Anleiheablösungsgesetz fast stets als Neubesitz anzusehen sind, obwohl wenigstens bei den ersten Erwerbern dieser Anleihen ein spekulativer Erwerb regelmäßig nicht vorliegt, da ferner für diese Inflationsanleiben bei der Berechnung des Goldwertes Härten nicht stets vermieden werden können, wird sich bei der Behandlung dieser Anleihen eine freiwillige Mehrleistung der Gemeinden empfehlen. Der preußische Staat wird die ganz oder teilweise in der Zeit zwischen dem 1. Juli 1920 und dem 30. Juni 1922 aufgenommenen Markanleihen mit 5 Proz., diejenigen Anleihen, die ausschließlich nach dem 30. Juni 1922 aufgenommen worden sind, mit 12½ Proz. ihres Goldwertes ablösen. Der Minister empfiehlt den Gemeinden(Gemeindeverbänden), falls es mit ihrer Finanzlage vereinbar ist, dem Beispiel des preußischen Staates insoweit zu folgen und für diese Anleihen auf Grund des Paragraphen 32 der 4. Verordnung zur Durchführung der Ablösung der Markanleihen der Gemeinden usw. eine entsprechende Barabfindung anzubieten. Falls eine sofortige Barablösung bei einzelnen Gemeinden nicht möglich sein sollte, wird empfohlen, diese Anleihen jedenfalls so zu tilgen, daß die bezeichneten Ablösungssätze(5 Proz. und 12 Proz. des Goldwertes) im Ergebnis erreicht werden. Interesse vorhanden ist, notierte 4 A niedriger. Roggen in alter und neuer Ware, besonders zur prompten Lieferung, ist nur sehr spärlich angeboten und fand zu 3 A höheren Preisen schlank Aufnahme. Weizenmehl hatte bei unveränderten Preisen wenig Geschäft. Roggenmehl war um 25 Pfg. pro Sack im Preise erhöht und mehr beachtet. In Hafer war das Angebot heute weiter knapp, gegenüber den hohen Forderungen der Abgeber hielten sich die Käufer aber zurück. Gerste ruhig, nur gute Qualitäten begehrt. Amil. Protaktennstierungen in Beriin am 30. Juli 1925. (Für Getreide je 1000 kg, für die übrigen Artikel je 100 kg.) Heutige Vorige No erungen Heutige Vorige Notierungen 358-360 28.00-32.00 21.00-25.00 27.00-28.t0 00.00-00.00 4 50-10 70 19.10.28 40 10.88-64.10 22.80-23.20 Dortmunder Eisen= und Metallbörse. Dortmund, 30. Juli. Auf dem Neueisenmarkt war das Geschäft lebhafter. Die Lage auf dem Schrottmarkt war unverändert. Der nächste Trefftag findet am Freitag, den 13. August, nachm. 3,30 Uhr, im Lindenhofe zu Dortmund statt. Berliner Börfe. X Berlin, 30. Juli. lagen heute nur in mäßigem Umfange vordas Angebot war nur gering. Die Spekulation beschäftigte sich hauptsächlich mit Glattstellungen, die Kursbewegung war infolgedessen ungleichmäßig Die Veränderungen hielten sich in den hauptsächlichsten Spekulationswerten, namentlich am Montanmarkte, in ziemlich engen Grenzen und überschritten nur vereinzelt 1 Prozent. Recht fest waren Kaliwerte auf angeblich gebesserte Aussichten für die Preiserhöhung, Salzdetfurth 6½ Prozent höher. Von chemischen Werten stiegen Rütgerswerke auf 110. Von Elektrizitätswerten waren Akkumulatoren um 2 Proz. erhöht., Von Maschinenfabriken erfuhren einige Werte bemerkenswerte Besserungen, Poege um 2¾ Proz. Von Zellstoffwerten waren Zellstoff Waldhof mehr beachtet und gewannen 2½ Prozent. Am Bankaktienmarkt erfuhren Mitteldeutsche Kreditbankaktien eine Besserung vor mehr als 3 Proz. Schiffahrtsaktien stiegen nach anfänglicher Unsicherheit plötzlich, angeblich auf Hambur ger und Bremer Käufe, um 2—3 Proz. Diese Bewegung gab der Gesamthaltung eine entschiedene Festigkeit. Deutsche Fonds bei ruhigem Geschäft nur wenig verändert. Landschaftliche Goldpfandbriefe hatten ruhiges Geschäft. Vorkriegspfandbriefe wurden kaum um gesetzt. Pommersche Pfandbriefe gaben um 70 Pfg. nach Die Geldsätze hielten sich ungefähr auf gestrigem Stand Geld bis morgen 5—6 Prozent, über Ultimo 5½— Prozent und Monatsgeld 5½—6½ Prozent. Die Börse schloß recht fest, namentlich für Elektri zitätswerte, Schiffahrts= und Bankaktien. Der Privat diskont ist Sammelanleihe: Eine wesentliche Verbesserung der Lage der Anleihegläubiger läßt sich ferner dadurch herbeiführen, daß die Gemeinden(Gemeindeverbände) sich an der vom deutschen Sparkassen= und Giroverbande herausgegebenen Sammelablösungsanleihe beteiligen. Während die eigenen Ablösungsanleihen und Auslösungsscheine der Gemeinden während ihres verhältnismäßig geringen Nennbetrages nur in den seltensten Fällen börsenfähig sein werden, wird sich die Sammelablösungsanleihe des deutschen SparkassenGiroverbandes als ein zum Börsenhandel geeignetes und daher voraussichtlich für den Gläubiger weitaus vorteilhafteres Papier erweisen. Für die Gemeinden selbst bringt die Beteiligung an dieser Sammelanleihe den erheblichen Vorteil einer einfacheren Verwaltungsarbeit mit sich, da sie es anstatt vieler einzelner Gläubiger nur mit einem Gläubiger, dem Deutschen Sparkassen= und Giroverbande, zu tun haben werden. Zum Schluß weist der Minister darauf hin, daß nach der ersten Verordnung zur Durchführung der Aufwertung von Sparkassenguthaben vom 24. Oktober v. I. auch die Guthaben bei den Sparkassen mit mindestens dem Hundertsatz aufgewertet werden müssen, der sich aus dem Anleiheablösungssatz des Gewährverbandes ergibt, und daß ferner zur Sicherstellung des allssatzes auch bei älfte des Betrahinausgehende Auf wertung der Sparkassenguthaben erforderlich ist, von den zu einer günstigeren Aufwertung befähigten Spar-..... ist. lassen an einen Sparkassenausgleichsstock abzuführen Das Meistbegünstigungsrecht der Sparkassengläub hat seine Grundlage in den reichsgesetzlichen Vorschriften des Aufwertungsgesetzes und trägt der sozialpolitischen Notwendigkeit Rechnung, die Sparer als die kleinsten Gläubiger der Gemeinden durchweg nicht schlechter als deren Anleihegläubiger zu stellen. geblieben 4¾ bezw. 4½ Proz Berlin, den 30. Juli 1926. Literatur. Der wirtschaftliche Betrieb von Diplom=Handelslehre Georg Mldebrath, beratender Betriebs= und Volks wirt. Gloeckners Handels=Bücherei, Band 123. Leipzi 1926. 117 Seiten. Preis im Steifdeckel 2.— A. Ein sehr zeitgemäßes Thema behandelt der neuest Band aus Gloeckners Handels=Bücherei. Der Volkswir (Mitarbeiter im Ausschuß für wirtschaftliche Verwal tung beim Reichskuratorium für Wirtschaftlichkeit).— Diplom=Handelslehrer Mildebrath bietet darin ein Einführung in die Grundlagen wirtschaftlicher Betriebs föhrung, der sich im Zeitalter schärfster Rationalisierung der Wirtschaft niemand verschließen kann. Um im ein zelnen— der Wettbewerbsfähigkeit wegen— größt Wirtschaftlichkeit zu erzielen und andererseits die der Wirtschaft aus der Durchführung des Dawesabkommen erwachsenden Lasten aufzubringen, genügen die über kommenen Methoden der Betriebsführung nicht mehr Mildebrath weist durch Beispiele aus der Praxis de Weg zu erhöhter Wirtschaftlichkeit. Er hält dabei da Interesse des Lesers durch seine ausgezeichnete Dar stellungsweise wach und versteht es, durch eingestreut Aufgaben und Fragen zu eigenem Nachdenken und zu Verarbeitung des Gebotenen anzuregen. Besonders den jungen Kaufmann, der sich allgemein unterrichten wichtige Teilgebiete der industrieellen Betriebswirts 59. 5 5a 8. 22 788E 2.2 650 2 Verantwortlich für Handel und Wirtschaftspolitik Dr. jur. A. Henkel. 30.7. 65.75 Berliner Börse. Berlin, den 30. Juli 1926. Die Kurse lauten auf Prozente des Nennwertes in Reichsmark. *= Goldmark. Anglo-Cont. Quanc Annener Gußstahl Augsb. Nürnb. M. Balcke Maschinen Bamag Baroper Walzw Bemberz J. P. Bersmann Elektr Berl Karlst Ind Berl Maschinenb Bochumer Gußstal Braunk a Brikett Buderus Elsen Busch Lüdensch Chem Ind Gelsk Daiml. Motoren D. Lux Bergban D.Eisenb.-Sienw Deutsche Erdöl D. Kaliwerke D. Maschinen Schachtban Dentsche Wolle Dürkopowerke Dynamit-A Nobel Elektr L a. K Eschweil. Bergw. Essener Steinkoh! Farsenindustrie Friedricheh Kall Felt& Guilleanae Gelsenk Bergw Gelsenk Gußstaht Germania-Portl Ges. 1 elektr Unt Glockenstablwerk Goléschmidt Görlitz Waxzon Goth Warzon Hackethal Draht Hammersen Hannev Maschin Hannov Warzon Harb. WienOummi 9.5 91.5 30.125 Gu.79 75.75 91.7 73. 16.125 66.345 Harbenes Berzbau Hartmann Masch C. Heckmann Hleld& Franke irsch Kupfer Hösch Stahlw Hohenlohe-Werke Hotelbetrieb lumboldt Masch Hetschenrenther Ilse Bergb Kaliw Aschersleb Karstadt Kattowitz Bergb Klöckner-Werke Köin-Neuese (in-Rottweiler Köln. Gas u. Elek Körting Gebr rennrinz Met Lahmeyer& Co 29. 151.125 44.25 81.25 113 134.375 15 69.50 .50 U 134 375 18.62 130 83 187 112.50 15.6 5 17.7 15 Laurahütte Lindes Eismasck Linke-Hofm.-W Lorene C Lethringer Bergh Lädenscheid. Met. Luther Maschinen Mannesmann Maschlenf Banm Masch n Kranbas Miz Genest Mälh. Berew.-V Nat Automobile Oberschl Els.-Bed Oberschl Eis.-Ind Oberschl Koks Oekinz Staht Orensteiné Koppel Phönis Bergbau Pöge Herm Reishola Panier Phein Braunkohl 55.50 117.75 64.72 187.60 180 30. 7. 8.87 112 79.87 108.675 55 2.875 Rh Metallw V.-A Rh.-Nass Berrv. Rhein. Stahlwerk Roddergruten Rombacher Hötte Rütgerswerke Sachsenwerk Sarottischokolade Schl. Bergb a. 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