Amtliches Kreisblatt für den Landkreis Ahaus= Zentral=Organ für das mit Eper Volksblatt, Gronauer Volkszeitung, Nienborg=Heeker Zeitung, Schriftlei= und Geschätratenmr ohne Bestellung. Wöchentliche Sonderheilanon verbunden Erscheint täglich Bezugspreis Monatlich 2 Goldmart ohne Bestann Wöchentliche Sonderbeilagen Lel.=Adreue Kreiszeitung Uhaus. W Fernoreche rese— oe Erholungsstun en für das christliche Volk, westdeurschland in Dostichecrantenbrecher Nr 50- Postschlietzfach 20 Wort und Bild, Leserrichte, Welt und Wissen, Literatur und Banktontenn Stonte eante.| Kunst, Fra lenwen, Steuer und Recht, Sozialpolitik u. Stande|| Bankronten. Krels= und Stadtsparkasse Ahaus und Gewerbebank Ahaus fragen, Technik und Verkehr, Turnen, Sviel und Sport nordwestliche Münsterland Stadtlohner Anzeiter, Vredener Volksblate Anzeigenpreise. Das 30 mm breite mm 10 Goldpfennig. Bet Wiederholungen Kabatt nach festem Tarit. Reklamen: Das 80 mm breite mm 50 Goldpfennig Fur Erfullung von Platzvorschriften wird keine Gewähr, so.vie für Druckfehler wird Haftung übernommen. Etwalger Rabatt gilt als Kassarabatt und kann verweigert werden, wenn Zahlung nicht binnen 8 Tagen nach Erhalt der Rechnung erfolgt. Nummer 201 B Ahaus, Sonntag, den 25. Juli 1926. Krisis und Antikrisis. Von unserem Pariser Berichterstatter. X Paris, 22. Juli 1926. Anno 1913: der Rechtsrepublikaner Poincaré, Präsident der Republik, ist genötigt, den Linksrepublikaner Gaston Doumergue zur Ministerpräsidentschaft zu berufen.— Dreizehn Jahre später: der Linksrepublikaner Doumergue, Präsident der Republik, muß den Rechtsrepublikaner Norncaré mit der Bildung des Kabinetts betrauen. Muß ihn betrauen, weil die Straße nach Poincaré ruft, als nach dem Manne, dem man die Kraft zutraut, zu vollbringen, was ein Caillaux nicht vermochte und was man Leuten wie Herriot und de Monzie garnicht erst anzuvertrauen wagt. Zählt man das dreitägige Ministerium Herriots nicht mit und sieht man in Caillaux die Hauptgestalt des vorangegangenen Kabinetts Briand, so folgt Poincaré als Ministerpräsident wieder einmal auf Caillaux, wie er ihm im Januar 1912 gefolgt ist. Damals hatte Caillaux sich für den Marokko=Kongovertrag abgeschunden und unpopulär gemacht, Poincaré folgte ihm und genoß die Früchte der durch Caillaux, unbeliebte Arbeit hervorgerufenen nationalistischen Bewegung. Caillaur ist gewöhnlich der Mann, der im falschen Augenblick kommt, in dem Augenblick, da alles Talent, alle Energie noch nichts oder nichts mehr vermag. Poincaré aber hat ausgesprochen politisches Glück, das wir freilich nicht vom deutschen Standpunkt aus beurteilen dürfen. Man hat in der Tat die Empfindung, als sei jetzt der richtige Augenblick für die Stabilisierung endlich da, der Augenblick, wo der großen Menge nämlich klar wird, daß„Franc nicht mehr Franc“ ist. Bis vor wenigen Tagen lebten 99 Prozent der Franzosen noch in diesem Wahn, wiesen stolz die ausländischen Devisen zurück, auch wenn man sie ihnen wohlmeinend anbot. Noch vor 8 Tagen erklärte eine Pensionsinhaberin in Saint=Cloud einer mir bekannten Dame:„Der Pensionspreis bleibt so, auch wenn der Franc sinkt. Wenn Sie etwas zulegen wollen, ist es sehr nett von Ihnen, aber Sie sind nicht dazu verpflichtet." Man denke sich so etwas in Deutschland im Inslationsjahr 1923! Dieses Augenzudrücken vor der Entwertung hat jetzt mit einem Schlage aufgehört. Man begreift, daß man verarmt ist— wenn auch lange nicht in solchem Maße wie Deutschland— man wird jetzt einen neuen, der armen Wirklichkeit entsprechenden Wertmesser und die damit totwendig verbundene Deflationskrisis, die ja in Wahrheit eine Antikrisis ist, auf sich nehmen. In diesem Augenblick kommt Poincaré und er wird wahrscheinlich der Retter heißen. Er wird keine Wunder tun. Die Wunder geschehen ganz von selbst. Man muß nur gerade dabei sein, wenn sie geschehen. Ein solches Glück hat z. B. auch Foch gehabt— im Gegensatz zu Joffre, der zur falschen Zeit daran war. Man braucht sich nur vorzustellen, daß Foch am Anfang, Josfre am Ende des Krieges kommandiert hätte— und Foch würde heute die weitaus bescheidenere Rolle spielen. So wird aller Wahrscheinlichkeit nach Poincaré, dem Liebling Fortunas, ein Erfolg beschieden sein, der ihn über die Wahlen von 1924 trösten wird. Es wäre ein politischer Fehler, wollte man in Deutschland in Poincaré sofort nichts als den alten politischen Feind erblicken. Es ist sehr wahrscheinlich, daß an der Linie der Briandschen Außenvolitik nichts zu ändern beabsichtigt. Ich wäre nicht erstaunt, wenn er einige freundliche Worte für Deutschland fände. Jedenfalls wird es klug sein, mal erst zu hören, was er zu sagen hat. Eine große Gefahr liegt darin, daß die faschistischen Elemente, die jetzt nach Poincaré riefen, die Sache weiter treiben und zwar in der Richtung einer Präsidentschaftskrisis, die dann auch eine Staaatskrisis würde. Man darf nicht vergessen, in welcher Weise Millerand gezwungen wurde, nach dem Sturz Poincarès als Ministerpräsident das Elysén zu verlassen. Nicht unmöglich, daß Poincarés Anhänger jetzt Doumergue das gleiche Schicksal bereiten möchten. Die drei Tage der Herriotregierung haben die Pariser Straße wieder einmal in Aktion versetzt oder eigentlich: in Reaktion Die Szenen vor der Deputiertenkammer und um die Börse herum waren recht beun ruhigend und die Schreier waren fast ausschließlich Elemente antirepublikanischer Reaktion. Poincaré wird eine ganz außerordentliche Kraft entfalten müssen, um diese Elemente zu bändigen. Das ist der schwache Punkt seiner heutigen Stellung. Was hat das Schicksal diesem Manne noch vorbehalten? Wir erinnern uns der Stunde, als er nach seiner Wahl zum Präsidenten der Republik von Versailles durch die Avenue du Bois seinen Einzug in Paris hielt. Er sah ungemein blaß aus. Im Publikum herrschte keine große Begeisterung. Eine gute Frau neben mir sagte:„Der arme Mann sieht krank aus, er wird seine sieben Jahre nicht überleben.? Er hat die aufregendste Präsidentschaft überlebt, die je einem Staatsoberhaupt der dritten Republik beschieden war. Während alle anderen Präsidenten für weiteren Dienst erledigt waren, ist er wieder als Ministerpräsident aufgetreten. Nicht mit unbedinglem Geschick und Erfolg. Er wurde unpopulär und lehrte ins Privatleben zurück. Millerand fiel, verbohrt in Eigensinn, so daß seine Name kaum genannt wird. Voincaré schrieb seine Memoiren, glänzende Plaidoyers Gegen Bad Berka. Wir geben nachstehend zu der Frage des Reichsehrenmals einem genauen Kenner der Umgegend von Berka das Wort. Er schreibt uns: Bezüglich des Ehrenhaines fragten Sie mich, weshalb ich als spezieller Schwärmer von Weimar über das Berkaer Projekt so enttäuscht bin. Das ist ganz einfach. Als Kenner der Weimarer Umgebung und speziell der Gegend um Bad Berka hatte ich andere Vorschläge in bezug auf die projektierten Punkte erwartet. Der Drei=Teichsgrund zwischen Berka und Tannroda, etwas östlich gelegen, welcher als Platz für den Ehrenhain vorgeschlagen ist, besitzt im Hintergrund einen sehr schönen Tannen= und Kiefernbestand von mittlerem und jüngerem Alter. Die Richtung nach Saalborn hin hat häufig unter Windbruch zu leiden, da das Gelände von der westlichen Wetterseite wenig oder garnicht gedeckt ist. Das Gelände ist wohl etwas bergig, meist flach muldenartig und könnte ich persönlich eine besondere Naturschönheit dort nicht finden. Im Südwesten die Wetterseite vom vorgesehenen Hain, liegt die große Strohpapierfabrik der Firma Schott und Gen., Tannrode. Diese macht sich sehr häufig durch Sulfat= und schweflige Dämpfe nicht gerade angenehm bemerkbar. Im Westen die Kunstleder und Brandsohlenfabrik, das „Martinwerk“; im Nordwesten die Zementfabrik und Zementmühle Berka, welche bei ungünstiger Windrichtung sich gleichfalls unangenehm bemerkbar macht. Das ungünstigste bei dem ganzen Projekt ist meiner Ansicht nach die Anfahrt bew. der Anmarsch zum Hain. Die Bahnlinie müßte vollständig neu trassiert werden, damit die Bachsteinsche Nebenbahn in einen Vollbahnbetrieb umgewandelt werden kann, welches jedoch inverbunden sein wird. Einen einfachen Umbau verträgt infolge ihrer jetzigen Beschaffenheit mit sehr hohen Kosten weder der Unter= noch der Oberbau. Die jetzige Terasse läßt einen Vollbahnbetrieb insofern nicht zu, da zu große Höhenunterschiede vorhanden bezw. zu überwinden sind. Die Bahn ist eingleisig, die Wagen stammen noch aus Großvaters Zeiten und sind noch mit der alten Hebeleine=Bremse versehen und für den heutigen Verkehr eigentlich nicht mehr zulässig. Auch der Lokomotivpark der Bahn ist sehr veraltet und können Züge mit mehr denn 14 Achsen kaum befördert werden. Zu der 19 Kilometer langen Strecke wird 1¼ Stunde Fahrtzeit benötigt, der Bahnkörper liegt stellenweise auf den Straßen der Ortschaften, so daß auch hier Unfälle nicht selten sind. Ein Massentransport ist einfach ausgeschlossen. Die Benützung durch Kraftwagen oder per pedes apostolorum zwecks Erreichung des Ehrenhains würde sich zu einer Plage gestalten, denn die Bodenformation der ganzen Gegend nach jeder Richtung hin ist reiner Kalkstein und Kalkmergel. Der Autoverkehr ist dieserhalb eine direkte Plage für die Bewohner sowie für die fremden Wanderer geworden. Der Kalkstaub bedeckt mehr denn 100 Meter in paralleler Richtung der Straße die Bäume und das Strauchwerk. Falls der Hain dort zu liegen käme, müßten besondere Marschwege weit von der Landstraße als Schutzwege gebaut werden, welches aber infolge des Geländes mit sehr hohen Kosten verbunden sein wird. Zwischen Berka und Tannrode gegenüber dem DreiTeichsgrund liegt die große Landes=Lungenheilanstalt sowie viele Sanatorien und korporative Erholungsheime für Lungenkranke. Auch nicht sehr aufmunternd! Zusammenfassend kann gesagt werden, daß man in der Wahl des Ortes für das Reichsehrenmal keine glückliche Hand gehabt hat, da der Westen ganz andere weit schönere Natur=Denkmäler zu verzeichnen hat. Noch ist es aber nicht zu spät, verhängnisvolle Fehler zu vermeiden. Der Westausschuß zum Reichsehrenmal. Berlin, 23. Juli. Die im Westausschuß für Rhein, Saar und Pfalz zusammengeschlossenen landsmannschaftlichen Verbände des besetzen Gebietes tragen mit ihren Brüdern am Rhein den dringenden Wunsch vor, die aus dem Rheinland neuerdings gemachten Vorschläge vor endgültiger Entscheidung eingehend zu prüfen und zu würdigen. Auch wir wünschen, daß das Reichsehrenmal weithin sichtbar und so aller Welt kündend an der alten Völkerstraße des deutschen Schicksalstromes seine Stätte finde. Wie denn auch immer die Entscheidung falle, wir erachten es für eine selbstverständliche Pflicht des gesamten deutschen Volkes, über trennende lokale Wünsche hinweg, entsprechend dem Grundgedanken der Ehrung der Gefallenen, in geschlossener Einmütigkeit dieses Symbol der deutschen Volksgemeinschaft anzuerkennen. Die Frontkämpferverbände und Rhein. )( Düsseldorf, 23. Juli. Durch die Presse geht die Nachricht, die Frontkämpferverbände hätten eine Einladung der beiden Oberpräsidenten und der Landeshauptleute zu einer Besichtigung der für das Reichsehrenmal in Betracht kommenden Plätze abgelehnt. Die Nachricht ist erfunden. Bis jetzt haben die Vertreter der meisten Frontkämpferverbände die Einladung angenommen. Nur ein Verband hat eine grundsätzlich ablehnende Antwort gegeben. Verschiedene der Verbände haben mit der Annahme der Einladung schon ihr Eintreten für den Rhein und ihre Ablehnung von Berka zum Ausdruck gebracht. eines Advokaten, und bewahrte sich dadurch den Anschluß an Frankreichs geistiges Leben. Hätte er diesennicht, so wäre sein Wiederauftauchen heute nicht möglich. Er ist sicher nicht der Mann, den wir gern sehen, aber er ist der Mann, mit dem wir rechnen müssen. Das Ministerium der Gegensätze. Der Pariser Korrespondent des„Berliner Lokalanzeigers" greift ein paar Beispiele aus der Fülle der Aufgaben heraus, die nun auch Poincaré in Angriff nehmen muß, wenn die unmittelbar drohende Finanzkatastrophe vermieden werden soll: „Wird die Regierung das Abkommen mit Washington ratifizieren? Poincaré und seine Freunde sind dagegen. Briand und andere sind dafür. Wird man endlich den Besitz zu erhöhten Steuerleistungen heranziehen? Die Rechte ist dafür. Soll das Gold der Bank von Franireich angetastet werden? Soll man eine ausländische Anleihe aufnehmen? Soll zur Erzielung von Ersparnissen endlich eine Verminderung der Besatzungsarmee eintreten?“ Verschiedene Berichte aus Paris atmen denn auch bereits eine starke Skepsis. Man braucht ja auch nur einen Blick auf die Galerie der so verschiedenartigen Charaktere zu werfen: Tardieu, der Mann des Versailler Vertrages, und getreue Schüler Clemenceaus, des alten Tigers, Herriot, der Demokrat und Pazifist, Poincare, welcher Marokkaner und Senegalesen ins Ruhrgebiet schickte,um der deutschen Wirtschaft die letzten Blutstropfen auszusaugen. Briand, der nach Locarno ging. Man kann es niemandem verdenken, daß Zweifel an der Einigkeit auftauchen, und daß man noch nicht recht an das Ende aller Not glauben will. Denn wenn auch nur ein einziger unter den vielen heterogenen Elementen versagt, so ist die Krise unvermeidlich. Freilich, Zeit ist gewonnen, die Möglichkeit zum erfolgreichen Arbeiten ist gegeben. Die Entscheidung liegt nicht mehr bei 600 Leuten, die ständig vor ihren Wählern zittern, sondern bei einem Dutzend erprobter Kampfnaturen, die immerhin einiges auf sich nehmen können, wenn sie es wollen. Eine Mahnung an Poincaré. Paris, 24. Juli. Das Burgfriedenskabinett wird von der Morgenpresse zwar würdig und hoffnungsvoll, jedoch nicht mit dem Ueberschwang empfangen, den viele erwarteten. Im Gegenteil, einige Blätter drücken ihre Enttäuschung aus. Im„Sournal des Debats" wird die neue Regierung davor gewarnt, die Kontinuität der französischen Außenpolitik zu unterbrechen Die hauptsächlichste Garantie für Frankreichs Interessen muß, so sagt das Blatt, in der Kontinuität seiner auswärtigen Politik gesucht werden. Man darf nicht in einer anderen Form die Fehler begehen, deren sich die kartellistische Politik schuldig gemacht hat. Ob man es nun bedauert oder begrüßt, die Lage im Jahre 1926 ist nicht mehr die gleiche wie im Jahre 1924. Die Reparationsfrage ist durch die Tawespläne geregelt, in Locarno ist ein politisches Erveriment unternommen worden, über das sich endgültig zu äußern allerdings noch zu früh ist Andere Aenderungen sind hinzugekommen. Die Vernunft gebietet, sich nicht etwo durch Illusionen verleiten zu lassen, daß eine Schwenkung möglich ist./ Man muß die Dinge nehmen, wie sie sind und sich bemühen, sie in einem Frankreichs Interessen entsprechenden Sinne umzuformen Brüske Kehrtwendungen und ruckartige Bewegungen sind niemals ein Beweis der Stärke. Der Augenblick ist nicht günstig für ein Hasardspiel. Im Geiste eines gesunden Realismus wird hoffentlich die neue Regierung Frankreichs Außenpolitik orientieren. Vorstellung des neuen Kabinetts bei Doumergue. Paris, 23. Juli. Ministerpräsident Poincaré hat heute abend um 7 Uhr dem Präsidenten der Republik das neue Kabinett vorgestellt. Präsident Doumergue hat darauf das Ernennungsdekret unterzeichnet. Herriot erklärte Pressevertretern: Man braucht mich nicht zu beglückwünschen, ich bin nicht aus Ueberzeugung, sondern nur aus Pflichtgefühl hier. Ministerrat. Paris, 23. Juli. Heute nachmittag gegen 3 Uhr fand im Finanzministerium ein Ministerrat statt, in dessen Verlauf der Wortlaut der Regierungserklärung festgelegt wurde. Die Prüfung der Gesetzentwürfe, die die neue Regierung am Dienstag dem Parlament vorlegen wird, wurde begonnen. Die Sozialisten gegen das neue Kabinett. A Paris, 23. Juli. Die sozialistische Kammerfraktion hat heute folgende von Franklin Bouillon, Renaudel und Morel vorgelegte Entschließung angenommen: Angesichts der Bildung einer Regierung, die Männer mit den entgegengesetzten politischen Ansichten und den verschiedensten Finanzprogrammen vereinigt, bekundet die sozialistische Fraktion, die ihr eigenes Finanzsanierungs= und Währungsprogramm hat, ihre Entschlossenheit, die Regierung zu bekämpfen, deren Aktionsprogramm ihr als irreal und als Bedrohung der moralischen und materiellen Interessen der Arbeiterklasse erscheint. Die radikale Partei und der Eintritt Herriots in das Kabinett. — Paris, 23. Juli. Die radikalen Kammerfraktion hielt heute unter dem Vorsitz von Cazals eine Sitzung ab. Das von ihr ausgegebene Kommuniqué besagt, daß sie von dem bereits gemeldeten Schreiben Herriots, in dem er seinen Eintritt in dos Kabinett Poincaré begründet, lediglich Kenntnis genommen habe. Es verlautet jedoch, daß es wegen des Eintritts Herriots in das Kabinetts Poincaré zu lebhaften Auseinandersetzungen gekommen ist, und daß es besonders von Malvy gerügt wurde, daß Herriot ohne befondere offizielle Benachrichtigung der Partei und ohne ihren Entschluß abzuwarten, ein Portefeuille angenommen hat. Guillaumat Oberkommandierender der Rheinarmee. A Paris, 23. Juli. Wie Havas meldet, ist General Guillaumat, der im letzten Kabinett Briond das Kriegsministerium innehatte, wieder zum Oberkommandierenden der Rheinarmee ernannt worden. Fremdenfeindliche Kundgebungen in Paris. :: Paris, 24. Juli. Gestern abend ist es auf dem Boulevard an den Abfahrtsstellen der Autocars, die Nachtrundfahrten in Paris mit Auständern veranstalten, zu feindlichen Kundgebungen gekommen. Die Autocars wurden mit Rufen und Pfeifen empfangen. Der Ordnungsdienst mußte eingreifen, um die Menge zum Auseinandergehen zu veranlassen. Senator Reed über die amerikafeindlichen Kundgebungen. A Newyork, 24. Juli. Obgleich Depeschen aus Paris über zahlreiche Kundgebungen gegen Amerikaner berichteten, haben sich die hiesigen Blätter auf die Wiedergabe der Tatsachen beschränkt. Jetzt hat indes der„Washingtoner Post" zufolge Senator Reed erklärt, daß solche Ausschreitungen gegen Amerikaner ungerechtfertigt und ungerecht seien. Er werde einen Boykott Frankreichs durch Touristen vorschlagen, wenn diese amerikafeindlichen Kundgebungen andauern würden. Der Kleinkaliber=Unfag Eine große Anzahl von Mitgliedern der sogenannten Vaterländischen Verbände ist heute mit Kleinkaliberwaffen ausgerüstet. Kleinkaliberschießen ist ein beliebter Sport; nicht selten gibt's ein Unglück dabei. Nach unserer Meinung treiben die Kleinkalibrigen groben Unfug, dem baldigst von oben her gesteuert werden muß. Denn es ist doch ganz klar, daß, wenn die rechtsorientierten Verbände sich im Schießen üben, dann auch die linksorientierten Organisationen sich zu gleichem Tun entschließen werden. Und dann wird man sich nicht zu wundern brauchen, wenn eines Tages mit den Kleinkaliberwaffen nicht mehr auf Scheiben geschossen wird, sondern wenn der eine oder andere Hitzkopf sich für seine Waffe ein lebendes Ziel, den gehaßten politisc n Gegner aussucht. Denn es ist doch zu bedenken, daß in allen diesen Organisationen die politische Leidenschaftlichkeit sehr groß ist und daß man darin nicht viele pflegmatische Temperamente finden wird. Der„Demokratische Zeitungsdienst" weist nun mit Recht darauf hin, daß der Kleinkaliber=Unfug durch die Untätigkeit gewisser Landesregierungen eingerissen ist, und schreibt: „Es besteht kein Zweifel darüber, daß für die Ausrüstung von Kleinkaliberwaffen Waffenscheine notwendig waren, und daß bei Verbänden die Landesregierungen die Ausstellung hätten verweigern können. Die Folgen dieser Bewaffnung sind eine ganze Reihe von blutigen Zwischenfällen, die sich in der letzten Zeit bereits ereignet haben und die die Gefahr dieser Bewaffnung aufs allerdeutlichste zeigen. Das Ziel der größten Vaterländischen Verbände ist die Bewaffnung gegen die eigenen Volksgenossen, denn daß man mit Kleinkaliberwaffen keinen Krieg gegen die Entente führen kann, dürfte selbst den wildesten Nationalisten klar sein. Angesichts dieser Sachlage ist das Reichsbanner Schwarz=RotGold nicht länger gewillt, sich untätig zu verhalten, und die Leitung des Reichsbanners steht vor der Frage, in welchem Umfange sie zum Schutze der Republik und ihrer Mitglieder ebenfalls eine Bewaffnung mit Kleinkaliberwaffen beschließen und durchführen soll. Mitbestimmend für eine solche Stimmung im Reichsbanner ist eine nahezu direkt ergangene Aufforderung des deutschnationalen thüringischen Innenministers, der, um gegen die Bewaffnung der Vaterländischen Verbände nicht einschreiten zu müssen, dem Reichsbanner eine ähnliche Bewaffnung anheimgestellt hat. Es ist anzunehmen, daß bereits in kürzester Zeit eine Stellungnahme des Reichsbanners zu dieser Frage erfolgt. Sollte das Reichsbanner sich für eine Ausrüstung seiner Mitglieder mit Kleinkaliberwaffen entschließen, so wäre an sich dieser Standpunkt durchaus zu verstehen, denn ein solcher Beschluß wäre lediglich die Folge der vorangegangenen Bewaffnung der Vaterländischen Verbände. Staatspolitisch indessen würde zweifellos, wiederum hervorgerufen durch die Vaterländischen Verbände, eine Verschärfung der innerpolitischen Situation eintreten, die zu beklagen wäre. Es ist deshalb Pflicht der Reichsregierung und Landesregierungen, von sich aus nunmehr Maßnahmen zu ergreifen, die dem Kleinkaliberunsug der Vaterländischen Verbände ein schnelles Ende bereiten. Dies umsomehr, als bedauerlicher Weise die Militär=Kontrollkommission in Verkennung des Zweckes der Ausrüstung und des militärischen Wertes der Vaterländischen Verbände überhaupt, bereits vorstellig geworden ist." Die Reichsregierung hat dem Reichsrat inzwischen ein Gesetz über Herstellung, Gebrauch und Führung von Waffen zugehen lassen. Wie der„Demokratische Zeitungsdienst“ erfährt, besteht nach diesem Gesetz, das vor allem eine einheitliche Regelung dieser politisch wichtigen Frage für das ganze Reich bringen soll, auch die Möglichkeit, gegen den Kleinkaliberunfug einzuschreiten. Das Gesetz ist jedoch einstweilen noch nicht in Krast. Seine Durchberatung wird voraussichtlich längere Zeit in Anspruch nehmen. Fürs erste wird es also allein Sache der Landesregierungen sein, sich zu überlegen, wie sie der immer mehr einreißenden Kleinkaliber=Schießerei ein Ende bereiten. Durch Guatemala nach Mexiko. Von unserm Sonderberichterstatter Dr. Walter Hagemann. X Ayutla, im Juni. . Unter den acht Republiken Zentralamerikas nimmt natemala hinsichtlich seines Flächeninhalts und seiner Bevölkerungszahl die erste Stelle ein, und wenn es auch in seiner allgemeinen Entwicklung hinter Salvador und Costa Rica zurücksteht, so hat das Land doch für den deutschen Handel eine besondere Bedeutung dadurch, daß deutsche Firmen unbestritten an erster Stelle steyen und Hamburg der erste Abnehmer des wichtigsten Landesproduktes, des Kaffees ist. Puerto Barrios an der atlantischen Küste ist der Haupthafen der Republik für ankommende Güter und Passagiere und gleichzeitig der letzte Hafen, den die der Hapag auf ihrer Westindienfahrt tegelmäßig amnonatlich anlaufen. Hier brachte mich, von Costa Rica kommend, der Hapag=Dampfer„Rupia“ Land. Puerto Barrios mit seinen modernen Quaianlagen ist eine Schöpfung der United Fruit Co. der in Westindien allmächtigen nordamerikanischen Fruchtanbaugesellschaft. Fast der gesamte ungeheure Bedarf der Vereinigten Staaten an Südfrüchten, vor allem Bananen, wird von der Einfuhr dieser einen Gesellschaft befriedigt. Ihre mit den modernsten landwirtschaftlichen und hygienischen Einrichtungen versehenen Pflanzungen ziehen sich als dichter Kranz um die gesamte westindische Küste. Allein von Puerto Barrios führt die Unidet Fruit jährlich 6—8 Millionen Bündel Bananen nach den Staaten aus. Hört man, daß die Gesellschaft in den Häfen Santa Maria, Puerto Limon, Honduras, Bocas del Toro noch weit stärker ist, so kann man sich einen Begriff von ihrer Bedeutung für Zentralamerika machen. Die Fahrt zur Hauptstadt des Landes führt aus dem tropischen Meeresniveau in eine gemäßigte Zone von mehr als 2000 Meter Meereshöhe. Zunächst durchquert die Bahn den ungeheuren Bananengarten der United Fruit, dann beginnen tropische Urwälder, von indianischen Siedlungen unterbrochen und langsam ins Hochland ansteigend. Allmählich wird die Landschaft öde, Gestrüpp tritt an Stelle der Urwaldriesen, und bald bedecken nur noch stattliche Yukabäume und fremdartige Orgelkakteen die steilen Abhänge. Tief im Tal sucht sich ein fast im Sande erstickender Bergbach mühsam seinen Weg. In fünffacher Kehrschleife überwindet die Bahn den Steilhang und herrliche Blicke öffnen sich rückwärts in das von Höhenzügen malerisch durchschnittete Bergland. Bei Sonnenuntergang ist die Hauptstadt erreicht; sie liegt in einem weiten, fruchtbaren Hochtal, das von Bergzügen schützend umschlossen ist. Guatemala, einst Hauptstadt des spanischen Mittelamerikas und eine seiner ältesten Städte, ist 1917 durch ein Erdbeben fast völlig zerstört worden; nur die Grundmauern der großen Bauten, wie der Kirchen und der wenigen betonierten Geschäftshäuser, haben jenem Naturereignis standgehalten. Der Wiederaufbau ist bis heute nicht restlos durchgeführt und noch überraschen an den Hauptstraßen große Trümmerhaufen. Umso vorzüglicher wirkt das Vollendete. Die Straßen sind breit und gepflastert, die Häuser, die aus Sicherheitsgründen einstöckig gebaut werden, sind vielfach im schönen, altspanischen Stile gehalten und geben der Stadt den Eindruck ruhiger Vornehmheit. Ihre zahlreichen Schulen und Klöster sind nach altmaurischer Art mit einer hohen, quadratischen Mauer umgeben und öffnen sich nach einem von Säulen umgebenen Innenhof. Zahlreiche deutsche Firmennamen überraschen in den belebten Verkehrsstraßen, in denen die Automobile sich so dicht wie in irgend einer Hauptstadt Europas drängen. Selbst die Zitadelle hat unter dem Erdbeben gelitten, und ihre Aufbauten sind frisch gemauert und verankert worden. Auf einem Steinhügel, dem Calvarienberge, der die 2 Stadt weit überragt, liegt die alte Kirche„Santa Maria de la Mercid“ der Wallfahrtsort Guatemalas. Die Wände des kleinen Heiligtums sind bedeckt mit unzähligen Weihegaben, die dankbare Pilger der Erhöherin ihres Flehens gestiftet haben. Auf dem Vorplatze stehen in provisorischen Holzrahmen die alten Glocken, die bei dem Erdbeben aus ihrer luftigen Höhe herabfielen und nun auf die Vollendung des neuen Glockenturmes warten. Melodisch klingt abends ihr vielstimmiges Läuten über die Stadt; zwei von ihnen stammen noch aus spanischer Zeit, sie haben im Laufe der Jahrhunderte ihren reinen Klang nicht verloren. Das elegante Guatemala trifft man zum Konzert auf der Plaza: unermüdlich umkreisen die jungen Dandies und schwarzäugigen Guatemaltekinen den weiten, palmenumsäumten Platz. Unter den Hunderten von Menschen, die die Plaza füllen, sieht man kaum einen einzigen Weißen, so wenig hat erst das europäische Blut von diesem Hochlande Besitz ergriffen, auf dem einst eine alte und hohe Indianerkultur geblüht hat. Eine breite Allee, ein Meisterstück der Gartenkunst, führt aus der Stadt hinaus in den Nationalpark des Landes. Antike Götter und moderne Freiheitshelden schmücken die Avenida und Bambuschgebüsch ist zu malerischen Gruppen geordnet Eine alte spanische Wasserleitung führt weit in das Hochland hinaus, über dessen offener Fläche majestätisch das vulkanische Dreigestirn des Landes aufragt. Aus diesen Bergen wurde das Trinkwasser der Stadt herabgeführt, als das Generalkapitanat von Guatemala noch die Hauptstadt Zentralamerikas war. Die Freiheitskriege haben 1810 das Land in acht selbständige Republien aufgelöst, aber Guatemala besitzt noch immer eine, moralische Vormachtstellung und hat den Hauptanteil an dem Zustandekommen der zentralamerikanischen Arbeitsgemeinschaft Bis zu dem Unternehmen der United Fruit war Guatemala fast ausschließlich ein Kaffee=Ausfuhrland, und sein Gedeihen ist aufs das engste mit der Preisgestaltung dieses Produktes verknüpft. Die Kaffeeplantagen, die zu einem großen Teile in deutschen Händen sind, liegen in der Meereshöhe von 500 bis 1300 Meter westlich und nordwestlich der Hauptstadt und werden von der Nordbahn des Londes berührt. Unweit Cuante Pec wird von der A. E. G. im Auftrage der Regierung eine Zweigbahn ins Bergland gebaut. ein Unternehmen, zu dem viele deutsche Techniker verpflichtet sind. Drei Stunden nördlich erreicht die Bahn bei Ayutla die mexikanische Grenze. Die Aeußerung Chamberlains. Neue Beruhigungsartikel. X London, 24. Juli. Die„Times“ widmen heute der Abrüstungsfrage an leitender Stelle einen beruhigenden Artikel. Das Blatt gibt zu, daß die Antwort Chamberlains im Unterhause ziemlich unbedacht gewesen sei. Die Antwort habe sowohl in Berlin wie in Paris Ueberraschung und Unwillen hervorgerufen. Indessen habe sie sich nur auf untergeordnete Punkte, die mit Flugzeugfragen, mit der Stärke der Polizei, mit der Definierung von Kriegsmaterial und mit den halbmlitärischen Organisationen im Zusammenhang standen, bezogen. In diesen 4 Punkten sei die Lage nicht gänzlich befriedigend. Früher seit entschieden worden, daß General v. Seeckt dem Reichswehrminister von Geßler untergeordnet werden solle. Formal sei diese Aenderung durchgeführt worden, aber infolge der starken Individualität des Generals und der kordialen Beziehungen, die zwischen ihm und dem Minister beständen, habe die interalliierte Kontrollkommission impter noch einge Zweifel an der Wirksamkeit der Aenderung. Ihre Zweifel seien ceinlich dei als einer Gelegenheit zum Ausdruck gebracht worden.. Die Frage der deutschen Abrüstung solle jetzt als eine technisch-militärische Angelegenheit betrachtet werden, die ruhig und unauffüllig erledigt werden könne. Allgemein hoffe man, daß Deutschland vor Ablauf der nächsten zwei Monate Mitglied des Völkerbundes sei und daß dann die Militärkontrolle in die Maschinerie des Völkerbundes eingegliedert werde Die Berliner Chauvinisten hinderten ungestörtes Arbeiten nur durch übertriebene Schwierigkeiten. Der falsche Enthusiasmus der vaterländischen Vereinigungen in Deutschland erschwere es dem Völkerbunde, die Aufgaben der militärischen Ueberwachung zu übernehmen. Aber mit einigem guten Willen könne das Problem der deutschen Abrüstung in nicht allzuferner Zeit von den unerledigten Problemen Europas als erledigt gestrichen werden. S London, 24. Juli. Bezugnehmend auf Chamberlains Antwort über die deutsche Abrüstung bezeichnet der diplomatische Korrespondent des„Daily Telegraph“ es als fraglich, ob nicht die Angelegenheit der Position des Generals v. Seeckt einen so wesentlichen politischen Charakter habe, daß sie über die Kompetenzen des General Walch hinausgehe. Was die„relative Unzufriedenheit" Thamberlains mit dem Stand der deutschen Abrüstung betreffe, so beziehe sie sich nicht auf General v. Seeckt. Der Korrespondent sagt, London habe bestimmt kein Interesse für persönliche Angelegenheiten. Für die Auswahl von Persönlichkeiten könne man keine Vorschriften machen. Das sei ein Gebot der Vernunft und das entspreche auch der britischen Auffassung. Die Krise im englischen Bergbau. Ein Appell an das christliche Gewissen. X London, 23. Juli. Hervorragende Vertreter der verschiedenen kirchlichen Glaubensgemeinschaften haben der Presse ein Schreiben zugehen lassen, in dem sie ihre bekannten Vorschläge zur Wiederherstellung des Friedens in der Kohlenindustrie wiederholen. Wie erinnerlich, hat Baldwin diese Vorschläge seiner Zeit verworfen, weil sie die Gewährung einer weiteren staatlichen Unterstützung an die Kohlenindustrie zur Voraussetzung hatten. Das jetzt veröffentlichte Schreiben appelliert an das christliche Gewissen der Bevölkerung und fordert sie auf, sich eingehend mit den Vorschlägen zu beschäftigen, die vorsehen, daß die Arbeit zu den alten Bedingungen wieder aufgenommen wird, daß die entstehenden finanziellen Ausfälle durch eine Regierungsbeihilfe gedeckt werden und daß die streitenden Parteien im Falle der Nichteinigung sich einem verbindlichen Schiedsspruch zu unterwerfen haben. Neue Arbeitsbedingungen. X London, 24. Juli. Dem politischen Korrespondenten der„Daily Mail“ zufolge haben die Bergwerksbesitzer in Nothinghamshire und Derbyshire neue Arbeitsbedingungen vorbereitet, unter denen sie nächste Woche ihre Gruben wieder öffnen wollen. In den neuen Bedingungen werden die Löhne für eine siebenstündige, siebeneinhalbstündige und achtstundige Arbeitszeit nebeneinanderaestellt. Die Löhne für den siebenstündigen Arbeitstag sind nur wenig, wenn überhaupt niedriger, als die vor dem Streik gezahlten Löhne. Da in Nothinghamshire 20 Millionen Tonnen Kohle jährlich gefördert werde, erwartet man, daß viele Tausende von Bergarbeitern in diesen Bezirken die Arbeit wieder aufnehmen, die den Hauptanteil an der Versorgung des Inlandes haben. „Daily Telegraph“ zufolge sind bis jetzt in Warwickshire insgesamt 8000 Mann zur Arbeit zurucgekehrt. Die Führer des Bergarbeiterverbandes sind gestern von der Pariser Konferenz zurückgekommen, haben es aber abgelehnt, irgend welche Mitteilungen an die Presse zu geben. *** Der Arbeitsplan des englischen Parlamentes. X London, 24. Juli.„DailyTelegraph“ zufolge wird das Parlament nach seiner Vertagung Anfang August am 30. August wieder zusammenberufen werden= um die Notstandsvollmacht der Regierung zu erneuern. Das Unterhaus würde dann voraussichtlich drei Tage zusammen bleiben. Friedensstimmen aus Frankreich. Man schreibt uns: Eine tiefe Sehnsucht nach Frieden geht über die Erde, die sich sowohl durch das Verlangen nach der Aussöhnung der Völker wie durch maßlose Rüstungen zur Vermeidung von Kriegen äußert. Daß die Friedensverträge der letzten Jahre den Frieden nicht gebracht haben, ist wohl aller Welt offenbar. Da jene sogenannten Friedensschlüsse auf alles andere eher als auf Gerechtigkeit und Sittlichkeit gegründet waren, haben sie nicht nur über die Besiegten, sondern auch über die Sieger Unheil über Unheil gebracht. Und die Erkenntnis, daß sie nie die Grundlage zu einem dauernden und glücklichen Frieden bilden können, ist bereits so allgemein, daß die Völker selbst nach Mitteln und Wegen suchen, sich kennen zu lernen, sich besser zu verstehen, ihre besonderen Eigenschaften zu achten und die Freiheit der einzelnen Völker anzuerkennen, um dadurch auf dem einzig möglichen Wege zu Verständigung und Versöhnung zu gelangen. Nun ist es klar, daß die erste Bedingung für den Frieden in Europa die Beseitigung der Jahrhunderte alten Erbfeindschaft zwischen Frankreich und Deutschland ist, die den beiden Ländern schon so viele unheilvolle Wunden geschlagen hat. Und für die Zukunft Europas wird dieses deutsch=französische Verhältnis immer den Ausschlag geben. Aber der große Krieg war trotz seiner furchtbaren Folgen für die Sieger und die Besiegten nicht lehrreich genug, um diese beiden, von Natur aus doch aufeinander angewiesenen Völker von der Notwendigkeit ihrer Friedfertigkeit für den Bestand des Weltfriedens zu überzeugen. Erst die folgenden Jahre mit ihren Nöten und Leiden waren imstande, aus dem Wirrwarr des Hasses und der Feindschaft einen Ausweg zu finden. Daß die unternommenen Versuche, beide Völker zu versöhnen, zur gegenseitigen Duldung und Achtung zu bewegen, bereits schöne Erfolge gezeitigt haben, kann niemand bestreiten. Einen Teil dieser Verdienste darf man sicher den Zeitungen zuschreiben, die sich bemühen, nicht mehr der Erweckung politischer Leidenschaften, sondern der Wahrheit und dem Frieden zu dienen. Zu ihnen gehört heute die französische Zeitung„La Croi „La Croix“ hat in der letzten Zeit Arbeiten und Briefe über Deutschland von Pierre Delattre gebracht— der übrigens über die deutschen Verhältnisse ganz ausgezeichnet unterrichtet ist—, die durch ihre sachliche Unbefangenheit und Klarheit, durch ihre vornehme Ruhe und ihr reifes Urteil überaus angenehm berührten. In den Ausgaben vom 30. Juni und vom 2. Juli hat Pirre Delattre einen Brief über den Streit um die deutsche Flagge und in der Nummer vom 7. Juli einen Artikel über den ersten deutschen Volksentscheid veröffentlicht, die so wahrheitsgetren und gründlich, so leidenschaftslos und gerecht geschrieben sind, daß sie einem deutschen Verfasser in einer deutschen Zeitung Ehre antun könnten. Weder Voreingenommenheit noch Abneigung haben dem Schreiber die Feder geführt, sondern nur das Streben nach Sachlichkeit, nach Klarheit und Folgegerichtigkeit und die Liebe zur Wahrheit haben ihn geleitet. Ueberdies spricht aus Delattres Arbeiten ein feiner Geist, ein Kenner des Lebens und der Menschen und eine Weltanschauung von gediegenem Gehalt. Gewiß war früher Züben und drüben manches anders. Nur zu häufig wurde nicht die Wahrheit gesucht, und nur zu 2 wurde nicht das Recht verteidigt. Und auch jetzt ist noch lange nicht alles so, wie es zu einer friedlichen Verständigung notwendig wäre. Umsomehr ist es zu begrüßen, wenn sich französische Schriftsteller wie Delattre für die Verbreitung der Wahrheit und für die Annäherung beider Völker einsetzen, wenn sich französische Stimmen wie die seine immer lauter für Recht und Gerechtigkeit erheben und nach den Gedanken Benedikts 15. und Pius 11. den Frieden zwischen Frankreich und Deutschland und damit den Frieden Europas zu erringen suchen. Solch Unterfangen kann nur zum Segen gereichen. Die Spionageaffäre in Polen. Warschau, 23. Juli. Die in der gemeldeten Spionageangelegenheit vorgenommenen Verhaftungen erreichten beinahe die Zahl 200. Sehr viel belastendes Material, wie falsche Amtsstempel, falsche Pässe, Kopien von wichtigen militärischen Plänen und Abschriften von wichtigen militärischen Geheimdokumenten, sowie große Mengen von Waffen und Explosivstoffen, ist den Behörden in die Hände gefallen. Die Behauptung, daß die Spionageorganisationen, die hauptsächlich in Galizien, Schlesien und Kongreßpolen ihren Sitz haben, für Deutschland gearbeitet hätten, ist unwahr. Es stellte sich heraus, daß die Beteiligten vorwiegend im Dienste Sowjetrußlands gestanden haben. Sie haben im übrigen auch ihre Auftraggeber betrogen. indem sie zahlreiche Rechnungen über Aufwendungen bei Reisen usw., die in Wirklichkeit nicht stattgefunden hatten, zur Erstattung ihrer angeblichen Unkosten einreichten. *** Abberufung von Militärattachés. X Warschau, 24. Juli. Die polnische Regierung hat gestern die Militärattachés in Berlin, Moskau, Rom, London und Tokio abberufen. Deutsches Reich. Strafantrag Hindenburgs gegen die„Rote Fahne“. ::Berlin, 24. Juli. Der Reichspräsident hat gegen die„Rote Fahe“ und gegen den„Knüppel“ Strafantrag wegen Beleidigung gestellt. Kein Rücktritt des Botschafters Dr. Solf. X Berlin, 23. Aug.(Eig. Drahtb.) In einigen Blättern taucht wieder die Nachricht auf, der deutsche Botschafter in Japan, Dr. Solf, werde in Rücksicht auf sein Alter von seinem Posten zurücktreten. Eine ähnliche Nachricht erschien vor einigen Monaten in der Presse und wurde damals dementiert. Wie von zuständiger Stelle erklärt wird, ist die Nachricht auch diesmal genau so unzutreffend wie damals. Der Botschafter Dr. Solf, der im 64. Lebensjahre steht, ist noch im vollen Besitz seiner Geisteskraft und denkt nicht im geringsten daran, seinen Posten schon jetzt zu verlassen. Der Rückgang der landwirtschaftlichen Eenteertraͤgnisse. X Berlin, 24. Juli. Im Enqueteausschuß für die Landwirtschaft berichtet Dr. Fritz Bande=Berlin (Forschungsstelle für Wirtschaftspolitik) über die Hauptzweige der landwirtschaftlichen Erzeugung, über die Verbreitung der landwirtschaftlichen Produktivität. Der Referent führte aus: Die landwirtschaftlichen Verhältnisse sind in den verschiedenen Gebieten des Reiches ganz verschieden Die landwirtschaftlichen Möglichkeiten lassen sich noch wesentlich steigern, wenn die Vorbedingungen dazu erkannt und dargestellt werden könnten. Die landwirtschaftliche Statistik ist in der Nachkriegszeit nicht zulässig gewesen und der Enqueteausschuß muß die Fehler nachprüfen. Ernteflächen und Ernteerträge sollen nach manchen Meinungen niedriger angegeben sein in der Statistik, als sie tatsächlich seien. In der Kriegszeit sind in der Statistik des Reiches zwei Millionen Hektar Ackerfläche einfach verloren gegangen und es fehlen noch immer 100000 Hektar. Es wuß von det Statistik verlangt werden, daß sie diese Lücke ausfüllt, es kann ihr kein Fußbreit Boden geschenkt werden. Alle Kenner und Kritiker der Agrarstatistik sollten sich zusammensetzen zu einer Aussprache, um die Fehlergrößen in der Statistik festzustellen. Die Frage, wie es in den einzelnen Gebieten Deutschlands mit der Entwicklung der Erträge aussieht, erläutert der Referent an einem Beispiel, dem der Kartoffelerträge. Im ganzen preußischen Staat wurden 1925 153 Doppelzentner Kartoffeln geerntet, 1913 168 dz., das ist ein Rückgang von zehn Proz. der namentlich bei den Großbetrieben bemerkbar ist, während Kleinbetriebe auch Steigerungen aufweisen. Der Referent geht nach Mitteilung verschiedener Ernteergebnisse zur Untersuchung der Verbreitung der verschiedenen technischen Verfahrensweisen und verschiedenen Aufwandsarten über. Der Kraftmittelverbrauch die Verwendung planmäßig gezüchteten Saatgutes, der Kampf gegen die Pflanzenschädlinge, das Drillmaschinenverfahren(namentlich auf bäuerlichen Gütern) ließen sich noch wesentlich steigern. Der Kunstdüngerverbrauch ist nach der Statistik der Kalisyndikate in allen Gebieten genau festzustellen. Der Verbrauch von Reinkali pro Hektar verteilt sich ganz verschieden. Zum Teil werden bis zu 40 Kilogramm pro Hektar verwandt, der Reichsdurchschnitt beträgt 15 Kilo. Von 1913 bis 1921 ist eine Zunahme des Verbrauchs zu verzeichnen, namentlich in den Gebieten der Kleinbetriebe, während die Gebiete der Großbetriebe im Verbrauch von Kali stabil geblieben sind. Die stärkste Zunahme weisen Württemberg und Bayern auf. Der Stickstoffverbrauch ist ganz gewaltig gestiegen. Professor Lang=Königsberg geht in einem Korreferat über die Verbreitung der landwirtschaftlichen Betriebsformen davon aus, daß die Kenntnis auf diesemGebiete noch sehr gering ist, und daß es nur wenige wissenschaftliche Arbeiten darüber gebe. Die Kenntnis der Hauptproduktionsrichtungen ist nicht nur von theoretischen, sondern auch von praktischem Wert. Reichstagsabg. v. Dewitz weist darauf hin, daß bei dem landwirtschaftlichen Betrieb auch psychologische und klimatische Momente mitwirken, die jeder wissenschaftlichen Erfassung trotzen. Das gelte für den von Dr. Baade gemachten Unterschied zwischen Groß= und Kleinbetrieben und für die Betrachtung der Kunstdüngerverwendung. Es folgte eine nichtöffentliche Aussprache. Kleine Auslandsnachrichten. Weitere Besserung des französischen Franken. Berlin, 24. Juli. Die Befferung des französischen Franken hält weiter an. In London zahlte man um 11,30 Uhr für ein Pfund Sterling 199 Franken gegen 205½ Franken an der gestrigen Londoner Nachbörse. Der belgische Franken schließt sich dieser Bewegung an und notierte in London um 11,30 Uhr 196 gegen 201 an der gestrigen Nachbörse. Der Empfang des Kreuzers„Hamburg“ in Yokohama. X London, 24. Juli.„Daily Telegraph" meldet aus Tokio: Der deutsche Kreuzer„Hamburg“ als erstes vormals feindliches Schiff, das seit dem Kriege in Yokohama vor Anker gegangen ist, wurde mit bemerkenswerten Freundschaftskundgebungen empfangen. Für Sonntag sind verschiedene Veranstaltungen geplant, darunter ein Empfang durch die Admiralität, eine Audienz beim Regenten, Festefsen und Besuche von nahen Sommerfrischen. Die„Hamburg“ wird am 30. Juli wieder in See gehen. Verschärfung des Kulturkampfes in Mexiko. Mexiko, 24. Juli.(Reuter.) Nach einer Meldung aus der Stadt Mexiko hat der Präsident Calles den Reliaionsunterricht verboten. Der Erzbischof von Meriko und sein Bischof wurden verhaftet, da sie auf die mexikanischen Katholiken eingewirkt hätten, einen wirtschaftlichen Druck auszuüben, um die Regierung zu veranlassen, die neuen am 1. Aug. in Kraft tretenden Kirchengesetze abzuändern. Es sollen Truppen zur Durchführung der Gesetze verwendet werden. geschichte. Eschweiler, 23. Juli. Der„Bote an der Inde" schreibt: „Gerüchte, die wie ein Märchen klingen, sind in Eschweiler und Umgegend verbreitet. Sie sind entstanden im Anschluß an die Verhaftung des Direktionssekretärs Frings der Firma William Prym E m. b. H., Messing= und Panzerwarenfabrik in Stolberg, des Försters Schweikert und des Verwaltungsangestellten der Laufenburg, Brückmann. Es wird erzählt, daß von der Firma Prym ein Goldschatz, der anfänglich in der Fabrik versteckt war, aber infolge eines Kanalbruches zutage gefördert worden sein soll, im freien Waldgelände in der Umgegend vergraben worden sei. Beim Vergraben dieser Summe sei mit der größten Heimlichkeit vorgegangen worden. Es sei aber nicht ausgeschlossen, daß auch Angestellte davon Kenntnis genommen haben, denn nach einiger Zeit wurde festgestellt, daß von dem Schatz ein größerer Betrag fehlte. Die Summe belaufe sich angeblich auf 160—170 000 Mark. Der Verdacht hat sich nun auf den Angestellten der Firma, den Direktionssekretär Frings gelenkt. Die Verhaftung von Frings, Schweikert und Brückmann— auch ein Bruder Schweikerts in Köln soll verhaftet worden sein— hat in Eschweiler und Umgebung große Aufregung hervorgerufen, zumal es sich um Personen handelt, die als ehrenwerte Bürger bekannt sind, und die seit langem Vertrauensstellen der genannten Firma innehaben. Der Direktionssekretär hat bereits seit 17 Jahren in Diensten der Firma Prym gestanden. Weiter wird berichtet, die Firma Prym habe gegen, die in ihrem Dienst stehenden drei Verhafteten die fristlose Entlassung ausgesprochen. Ebenso soll ein weiterer Angestellter, von dem man annimmt, daß er mit einem der Inhaftierten in guten Beziehungen steht, bereits seine Entlassung erhalten haben. Um wenigstens noch einen Teil des abhanden gekommenen Goldschatzes zurückzuerhalten, hat die Firma einstweilen die Sachwerte) der Verhafteten mit Beschlag belegen lassen. Schon vor Monaten hat die Firma Prym versucht, auf die Spur der Täter zu kommen, die den in ve löteten Zinkkästen vergrabenen Schatz hoben haben sollen. Längere Zeit hindurch haben autüchtige Detektive der Firma versucht, Licht in die dunkl Sache zu bringen. Es scheint, daß auf die Tätigkein dieser Detektive hin Verdacht gegen mehrere Persone geschöpft wurde, der denn auch kürzlich durch den Haftbefehl des Untersuchungsrichters des Landgerichts Aachen zu der Festnahme der Genannten ge führt hat. Im Anschluß an den vergrabenen Goldschatz spricht man von angeblichen Erpressungsversuchen, von Abfindungssummen, von Weiterzahlungen des Gehalts, von einer Steuergeschichte, die wieder gut gemacht sein soll und dergl. mehr.“ Von Nah und Fern. Eine neue Verhaftung in Magdeburg. + Magdeburg, 24. Juli. Gestern abend verhaftete Kriminal=Kommissar ten Holt einen früheren Chauffeur des Rudolf Haas und stellte ihn noch in der Nacht dem Schröder gegenüber. Schröder erklärte, daß dieser Chauffeur und kein anderer die Leiche in sein Haus gebracht habe. Der Chauffeur konnte sofort ein vollständig schlüssiges Alibi nachweisen und mußte heute früh aus der Haft entlassen werden. Französische Werber in Pommern. Aus Bärwalde in Pommern berichtet das„Berl. Tageblatt“ das Auftauchen eines Werbers für die französische Fremdenlegion. Der Werber hatte 5 junge Leute, die er mit Alkohol traktierte, durch Versprechungen mitgelockt. Vier von ihnen gelang es zu entkommen. Von einem nimmt man an, daß er der Fremdenlegion in die Hände gefallen ist. Eine kommunistische Zeitung verboten. A Dresden, 24. Juli. Auf Grund von§ 21 des Gesetzes zum Schutze der Republik ist die kommunistische Zeitung„Arbeiterstimme, Bezirk Westsachsen“ für die Dauer von zwei Wochen und zwar vom 24. Juli bis einschl. 6. August 1926 verboten worden. Eine Schule wegen Typhus geschlossen. + Oppeln, 24. Juli. In der Gemeinde Schwarzwaldau im niederschlesischen Kohlenrevier mußte eine Schule wegen einer Reihe von Typhuserkrankungen geschlossen werden. Bisher ist ein Todesfall zu verzeichnen. Di eErmittelungen über die Ursachen der Epidemie sind noch im Gange. Schweres Bootsunglück. X Hadersleben, 24. Juli. Gestern ereignete sich in der Nähe von Hadersleben ein Bootsunglück, dem wahrscheinlich 3 junge Leute zum Opfer fielen. Auf einer Ruderfahrt nach Flensburg=Sonderburg kenterte ein Boot mit 5 Insasfen. Zwei Ruderern gelang es, an Land zu schwimmen. Man nimmt an, daß die dreianderen ertrunken sind. Anschuldig im Zuchthaus gestorben. Amberg, 24. Juli. Das Schwurgericht hatte im Jahre 1915 den Tagelöhner Michael Wagner wegen Todschlages zu 12 Jahren Zuchthaus verurteilt. Wagner starb nach Abbüßung von 3 Jahren und beteuerte noch kurz vor seinem Tode seine Unschuld. Wie in den letzten Monaten ermittelt wurde, hatten tatsächlich die Arbeiter Jakob und Nikolaus Triller und der Bürgermeister Deß von Holzheim bei Neumarkt in der Oberpfalz bei einer Prügelei den Todschlag verübt. Die Täter, die den unschuldigen Wagner ohne Gewissensbisse im Zuchtbause hatten sterben lassen, wurden zu Gefängnisstrafen von 1—4 Jahren verurteilt. Der Tod in den Bergen. München, 24. Juli. Beim Abstieg von Habicht bei Fulpmes sind der Leipziger Kaufmann Hoye und seine Tochter tödlich verunglückt. Eine mit einem Bergsteiger bergansteigende Touristengesellschaft wurde von den Stürzenden beinahe mitgerissen und nur durch den Führer am Seil gehalten. Fliegerunglück. Die Hitze in Amerika. )( New York, 24. Juli. Die Hitze der letzten Tage und die in deren Folge auftretenden Gewitterstürms haben mehrere Hundert Opfer gefordert. So meldet Boston 60 Todesfälle, Newark 27, Newyork 50, die entweder durch Hitzschlag oder durch Ertrinken eingetreten sind. Die SStadt Newark verbraucht täglich über 65 Millionen Gallonen Wasser(ca. 292 Millionen Liter), das sind rund 130 Gallonen pro Kopf(ca. 5,85 Liter). Jede den Kne der Li gen fäll im Win Fenster dringen wird vo unter de ährigen chter Nadem n wur getroffer dicht an halb in es sich von obe Freuden wennd Astwinke hann be ren, bre gelfamil Ein Beziehu Linde k. baum Gedrung ungewol wunder bar Mö Drosseln zu Frei Maulbe und schi Baum, wenn ei wild sch nicht we zweiI rPla ig ih st in b, dam sessen a ten in! tigen G noch tuc seine gr brunnen kleinen, Blättlei Ich glat geworde Plätsche Was fa ward a Soch runt tummeli den, im ruhen. fen, sir Teiches. die schönen un zum Ge zu gehe genstun paar M mehr o Star, 1 der zier behagen gen dat Ich Herlasse he ich von den ten ein Auge n terra stehen: Hab Garten den Ge die kur merfrer in vers beete ki Vergeh Floxin schon L bis in Blüten A Olmütz, 23. Juli. Heute früh zwischen 6 und 7 Uhr stürzte der Gefreite Wenzel Makula von der Fliegerschule in Proßnitz mit seinem Flugzeug beim Nehmen einer Kurve aus einer Höhe von etwe 400 Metern über dem Proßnitzer Flugplatz ab und fand den Tod. Die Maschine wurde zertrümmert. Die Rhythr so reist bekümn mel ist flatterr Meerer quell vogelle desS Progro gendw diesem äußere Kern, hinaus Freie, Grund er ung Sehnsi Shg schen d Mein Garten und ich. Von A. Schulz=Blensdorf. Jeden Morgen im Sommer sitze ich mit meinen beiden Knaben um 7 Uhr zum Frühstück im Garten unter der Linde. Nur wenn Wolken drohen oder der Regen fällt, werden wir ins Haus verbannt, wo der Tisch im Wintergarten gedeckt ist, damit durch die geöffneten Fenster der frische Erd= und Grasgeruch zu uns hereindringen kann. Doch dies ist nur ein Gartenersatz und wird von uns längst nicht so geschätzt wie das Plätzchen unter der Linde. Alt ist sie noch nicht, doch im zwölföhrigen Wachstum hat sie sich geradezu zu einem chtexemplar herausgebildet mit kräftigem, kerzenadem Stamm, und stattliche stolzgereckte Aeste bilden ein wundervoll dichtes Blätterdach. Sie hat es besser getroffen als die ihr benachbarte Kiefer, die der Gärtner dicht an den gemauerten Tischrand pflanzte und die deshalb in ihrer Entwicklung sehr gehemmt ist. Sie muß es sich deshalb gefallen lassen, daß die Linde sie darum von oben herunter behandelt. Trotzdem hat auch sie ihre Freuden, denn sie steckt alljährlich ihre Kerzen auf, und wenn der Frühsommer da ist, nistet geborgen in den Astwinkeln Familie Grünling, deren zahlreiche Kleinen hann bald die Gegend beleben. Da sie von den schweren, breiten Kieferzweigen sehr beschützt ist, hat die Vogelfamilie gleich Dauerwohnung genommen. Ein anderer Nachbar der Linde könnte ihr in mancher Beziehung ein Schönheitskonkurrent werden. Doch die Linde kann unbesorgt sein, denn der Maulbeerhaum wird nie ihren stattlich=schlanken Wuchs erreichen. Gedrungen an Gestalt, hat er sich in diesem, ihm sicher ungewohnten Klima sehr bemüht, durch edle Bildung der wundervoll tief=dunkelgrün belaubten Krone das erreichbar Mögliche zu gestalten. Das wissen besonders die Drosseln zu schätzen, und sie machen sich mir sicher nicht zu Freunden, wenn sie mir im Juli alle die schönen Maulbeeren abreißen oder fortnaschen. Aber es haust und schmaust sich gut in dem gastlichen, südländischen Baum, der nur dann anmutig seine Zweige schüttelt, wenn eine Schar zankender Spatzen sich kreischend und wild schonungslos ins Geäste wirft. Als etwas Wachendes und Behütendes aber stehen nicht weit von der Linde, dicht an Nachbars Zaun, zwei hohe Weiden. Sie sind dankbar, daß ihnen ihr Platz am Teich zugewiesen wurde, darum lassen sie etig ihre hängenden Zweige wie sanfte grüne Schleier sst in Dacheshöhe wehen. Und die Winde fangen sie b, damit mein Schützling, der kleine„Gingo biloba“, essen alter Verwandter Erinnerungsstätten großer Zeiten in Weimar beschattet, auch hier sich zu einem kräftigen Glied seiner Familie entwickeln kann. Er muß noch tüchtig wachsen, bis er es soweit gebracht hat wie seine großen Beschützer auf der andern Seite des Springbrunnenbassins. Die spiegeln sich schon lange in dem kleinen, klaren Gewässer und beginnen nun schon, ihre Blättlein hinunterzuwerfen. Dann wird's bald Herbst. Ich glaube, die Linde wäre gar nicht so ein Prachtbaum geworden, wenn ihr Wachstum nicht ständig das sanfte Plätschern des nahen Springbrunnens begleitet hätte. Was fast jede Dorflinde hat, das Brunnenrauschen, das ward auch meiner Linde Lebensmelodie. Sacht, oft nur in wenigen Tropfen, rieselt der runnen, und die Schar der Fische freut sich dessen tummelt sich lustig im Becken, um dann, müde geworden, im Schatten der großen Seerosenblätter auszuruhen. Die Goldorfen, die kleinen Schleien und Karpfen, sind nicht die einzigen Bewohner des kleinen Teiches. Alte und getreue Nachbarn sind drei Frösche, die schön artig den Sommer über am flachen Ufer wohnen und nur, wenn's Herbst wird, eine kleine Exkursion zum Gemüsebeet machen, um auf den Schneckenschmaus zu gehen. Sehr unruhig ist ihre Wohnung in den Morgenstunden. Da beobachte ich mit Entzücken, wie alle paar Minuten ein neuer Badegast eintrifft und mit mehr oder weniger Getöse sein Morgenbad nimmt. Der Star, die Drossel, das Rotschwänzchen, der Fink, und der zierliche Grünling, sie alle plätschern mit Wohlbehagen im Teich, schütteln sich, plustern sich auf und fliegen davon, in den Maulbeerbaum zum Frühstück. Ich hab's nicht eilig morgens, das Lindenplätzchen zu herlassen, es läßt sich zu schön dort Umschau halten. Da sehe ich zuerst, wenn die Morellen sich röten und ob von den Tausenden von Apfel= und Birnenblüten einige wenige zur Frucht ansetzen. Da entdeckt mein Auge mit Bedauern, daß in diesem Jahre die Rosentrasse nicht in so überwältigender Pracht im Juli stehen wird, weil der Mehltau sie befallen hat. Habe ich meine Jungens nach dem Frühstück bis an's Gartentor gebracht, dann kommt der Rundgang durch den Garten. Dann werde ich oft nachdenklich, weil ich die kurzen Frühlings=, die schnell verrauschenden Sommerfreuden nicht bannen kann. Die dichtbepflanzten, oft in verschwenderischer Farbenpracht stehenden Blumenbeete künden mir sicher, daß die Zeit des Welkens und Vergehens immer schneller naht. Brennt heute noch der Flox im leuchtenden satten Rosa, so knospen darunter schon Levkoyen und Astern. Dann ist es nicht mehr weit, bis in tausendfältigem Farbenspiel die Dahlien ihre Blüten den Faltern zum Ruheplatz bieten und die Hecke Nochmals die Nun war ich also da und habe das große umfassende Werk moderner Geisteskraft und Schaffensfreudigkeit, modernen Gesundungswillens an zwei Tagen auf mich wirken lassen, die großangelegte, vielseitige Ausstellung in Düsseldorf für Gesundheitspflege, soziale Fürsorge und Leibesübungen, die unter dem Namen„Gesolei“ das Gesprächsthema des Sommers ist. Es war mir sehr interessant, bei meiner Heimkehr in der„Frauenwelt“ den Aufsatz„Die Frau und die Gesolei“ vorzufinden; denn einmal ersah ich daraus, daß es mir wirklich geglückt war, das für uns Frauen Wichtigste und Lehrreichste aus der Ueberfülle des Gebotenen sicher herauszufinden, zum andermal fand ich eine überraschende Uebereinstimmung in der Beurteilung des Gebotenen zwischen mir und der Verfasserin jenes orientierenden Aufsatzes. Auch ich stand staunend vor allem, was in der Gesolei hochfliegender Geist und zäher Arbeitswille an veranschaulichendem Material zusammengetragen hat und gewann den Eindruck, daß viele Besuche dazu erforderlich wären, wollte man alles erfassen, was in der Gesolei geboten wird. Ich habe im Vasenol=Kinderheim an lebenden Modellen Säuglingspflege gesehen, in der Halle „Die Frau“ interessante Aufschlüsse über Frauenberufsarbeit bekommen, im Persilhause die Wunder der Technik und Chemie bestaunt, die der moderne Mensch in seinen Dienst zwingt, um— Seifenpulver herzustellen. Voll Ehrfurcht stand ich vor dem Wunder des werdenden Lebens in der Abteilung, die insbesondere der Frau als Mutter gewidmet ist und erschüttert und durchgraut vor den zerrüttenden Wirkungen der Rausch= und Rauchgifte, der unhygienischen Lebensweise, der Lustseuchen und unzweckmäßiger oder unzureichender Ernährung, des Kinderelends durch Elternsünden, der Frauen= und Familienschicksale aus Mangel an Selbstbeherrschung. Mir machte in der„Siedelung“ mit ihren Musterhäusern und einrichtungen der Wunsch das Herz weit, daß bald, recht bald die ungeheure Spannung, die da noch zwischen dem Wohnungselend der heutigen Wirklichkeit und diesen Idealbildern klafft, sich ausgleichen möge. Ich ließ im Ehrenhof die ruhigen Linien einer hochentwickelten Raumkunst auf mich wirken und empfand es als ganz besondere Freude, im Ehrensaale rheinischer Aerzte und Naturforscher die große heilige Hildegard von Bingen die Reihe dieser Wohltäter der Menschheit eröffnen zu sehen. Wir lernen dort die Mystikerin in ihren naturwissenschaftlichen Werken gleichsam als erste deutsche Aerztin kennen. Der Rhein in seiner majestätischen Breite und Ruhe gibt dem Ganzen einen würdigen Rahmen; man nimmt einen Eindruck mit aus der Gesolei, den der nächste Alltag nicht sofort verwischt. Und die Besucher? Ein buntes, vielgestaltiges Bild modernen Lebens, moderner Gegensätze! Um nur einmal von den Frauen zu reden: Da schreitet das jugendbewegte deutsche Mädchen auf Sandalen, im „Heilig=Insel=Kleide“ fest und zielsicher durch Höfe und Hallen, die Tasche mit dem Reiseproviant über der Schulter und sieht und lernt und verarbeitet. Da trippelt hypermoderne Jugend, und was sich noch wie Jugend vorkommt, in auserlesener Eleganz einh und wünscht weniger zu sehen, als gesehen zu werden. Da hört man den zielsicheren Schritt der berufstätigen Frau, die gewöhnt ist selbst zu handeln und sich selbst ein Urteil zu bilden neben dem zaghaften des Großmütterleins aus der Eifel und vom Niederrhein, das zu Besuch kam und auch der Gesolei gewesen sein muß, aber verwirrt und verlegen vor soviel Körperlichkeit und Enthüllungen steht und zaghaft wird bei soviel Eleganz und weltüberlegener Sicherheit! Viel behäbiges Bürtertum, viel Proletariat und leider auch viel geschminkte Halbwelt. Dazwischen ein Heer von Frauen, denen die Gesolei für einige Monate Arbeit und damit Brot bietet, vielleicht nicht nur ihnen, sondern einer Familie, die durch Arbeitslosigkeit in drückende Armut geraten ist. Da sind die Säuglingspflegerinnen im Kinderheim, die Kindergärtnerinnen in der Kindererholungsstätte, Frauen und Mädchen, die in den verschiedensten Ausstellungshallen die Apparate und Geräte vorführen, Reklame machen für Lebensmittel, Wasch=, Putz= und Schönheitsmittel, Verkäuferinnen von allerlei kleinen Erfrischungen, von Ausstellungslosen, echte„Dirndln“ in Oberbayern und echte Bardamen in Sektzelten.... Viel Frauenarbeit wird in der Gesolei gebraucht, viel Frauenkraft wird aufgewendet. Und wie geht es einem nun, der den„Blick um die Dinge herum“ hat, d. h. dem, der von jedem Dinge gleichzeitig beide Seiten sieht? Der wird sich etwa folgendes sagen: Eine Ausstellung für Gesundheitspflege, die in erster Linie vorbeugend wirken will, muß selbstverständlich die zerrüttenden Wirkungen des Alkohols, des Nikotins, der Schlemmerei, der Infektions= und Geschlechtskrankheiten vorzeigen. Das tut die Gesolei anschaulich, vielseitig und mit erschütternder Deutlichkeit. Was darin aufgeboten ist an statistischem Material, an graphischen Darstellungen und zeichnerischem Anschauungsmaterial geht über jede Vorstellung. Niemand kann wohl anders als ergriffen aus diesen Hallen davongehen. Die gleiche Ausstellung sorgt aber für Erholung und Vergessen der ergreifenden Tatsachen und Bilder: eine Vergnügungsstätte reiht sich an die andere Seltsame Welt, die nötig hat, die Menschen durch allerhand Genüsse herbeizulocken, damit sie sich die Schädigungen dieses Genusses einpräge!— Eine Ausstellung für Leibesübungen muß selbstverständlich alles zusammentragen, was an Wegen zu„Kraft und Schönheit“ auf den Gebieten des Turnens, des Sports, der Rhytmik und des Tanzes, mit einem Worte der„Körperkultur“ geleistet worden ist. Junge Menschen stehen leuchtenden Auges vor der übergroßen Fülle all dieser Bilder, und wenn sie gar ein Abzeichen irgend eines Sportvereins tragen, zuckt ein freudiger Stolz durch ihre schlanken, trainierten Glieder, daß auch sie zu denen gehören, die in der Welt der Leibesübungen, der Rekorde und Weltmeisterschaften zu Hause sind. Und dann werden die Hallen geschlossen. Die Menge setzt sich auf der Rheinpromenade in Bewegung, dem Vergnügungsparke zu. Licht= und Beleuchtungseffekte entzünden ein irres Flirren in jungen Augen, eine wilde Jazzbandmusik jagt Widerstandslosigkeit in die vorher so straff und stahlhart scheinenden Glieder, Rausch= und Rauchgifte lähmen die seelischen Hemmungsenergien, und es wird dem aufmerksamen Beobachter schmerzlich offenbar, daß körverliche raft und Seelenstärke nicht immer vereint sind, daß starke Muskeln und trainierte Glieder durchaus nicht immer seelisch-sichern und gefestigten Menschen eigen sind. Wieder und wieder ging mir unserer heimgegangenen Führerin Mahnung durch Sinn und Seele: „, verkauf' deine Seele nicht Um eine Nacht voll Rosen und Lieder!“ Eine Ausstellung für soziale Fürsorge muß bekannt machen mit allen Einrichtungen, die eine Welt, in der das soziale Gewissen erwacht ist, getroffen hat für kranke, schwache, krüppelhafte Kinder, für Idioten und Psychopathen, für Blinde und Taubstumme, für Lungenkranke und Trinker, für Gefangene und entlassene Sträflinge, für alle Entgleisten und Enterbten der menschlichen Gesellschaft. Die Gesolei tut das im denkbar größten Umfange. Man freut sich all des guten Willens und all der aufgebotenen Körper= und Seelenkräfte, die freigemacht werden müssen, um dieser Fürsorgemaßnahmen und -anstalten willen. Und doch— es drängt sich auch hier der Gedanke auf, daß vieles nicht nötig wäre, könnte der Menschheit seelische Gesundung gebracht werden. Zwischen meinem ersten und meinem zweiten Besuche in der Gesolei stand eine Sonntagsmesse. Und durch diese hl. Feier ging das Apostelwort:„Wenn ihr nach dem Fleische lebt, werdet ihr sterben: wenn ihr aber durch den Geist die Werke des Fleisches ertötet, werdet ihr leben!“ Nur da, wo hinter den Belehrungen, Aufschlüssen und Anregungen der Gesolei der ernste Wille steht, dieses Apostelwort Tat werden zu lassen, wird sie einer Aufwärtsbewegung dienen. Ad. Br. der lila Herbstastern ein letztes Eldorado für die Bienen wird. Ja, für das Entschwinden der Zeit gibt mir auch der gertenschlanke Walnußbaum den Beweis. Ist's denn schon so lange her, daß in schwerer Kriegsnot die liebste Hand mir einige selten große Walnüsse aus dem Feld sandte mit der Bitte, sie als Gedächtnisbaum für unsere Kinder zu pflanzen? Er wuchs und gedieh prächtig, und ich kann mich heute schon unter sein Blätterdach stellen. Mit besonderer Liebe betrachte und betreue ich ihn. Heute fülle ich noch die Vasen mit Sommerblumen und freue mich noch an Blüten und Früchten, die der Hochsommer mir bietet. Der Nutzgarten, ich gestehe es, offen, ist nun nicht mehr der von mir bevorzugte. Ich bin nicht böse, daß die Gemüsebeete nicht mehr das hergeben, wie in früheren Jahren. Obstbäume und Ziersträucher überschatten das Stück Nutzland, und wo die Sonnenstrahlen keinen Zugang mehr haben, gedeiht nichts mehr. Ich setze mich mit einer Arbeit unter die Linde und meine Gedanken wandern zurück zu der Zeit, wo ich frühmorgens schon bei den Gemüsebeeten und auf dem Kartoffelacker stand, voll banger Sorge, wenn der dringend notwendige Regen ausblieb oder voll Angst, daß gar zu viel Nässe eine erträgliche Ernte in Frage stellte. Nicht nur um meine Familie ging's! Ich versorgte mit den Erträgnissen meines Gartens noch manche hungernde Familie, und was Not des Einzelnen wurde, ward die des ganzen Landes. An mir durfte es nicht liegen! Ich war mit meiner Arbeitskraft bereit, morgens, wenn der Tag graute, und abends, wenn längst die Sonne zur Ruhe gegangen. Und Gott sei Dank! Der Segen ruhte in den bitter schweren Kriegsjahren auf meiner Gartenarbeit. Uns und manchen durch uns gab der Garten genug, reichlich für Sommer und Winter, und niemals wieder habe ich solche Mengen von Früchten und Gemüsen ernten dürfen. Das vergesse ich aber nie, wie der Garten mit seiner Arbeit, mit seiner Freude, die er gab in den Zeiten der Not, mich seelisch stark gemacht hat. Wo hätte ich lieber den Kindern die Feldbriefe des Vaters vorgelesen als unter der Linde? Wo lösten sie lieber ihren Jubel über ein Feldpostpaketchen aus als im Garten? Ja, Linde, du schautest mitfühlend auf mich und mein Weh herab, als endlich nach langer, banger Wartezeit ein Feldpostbrief kam und ich unter Tränen und mit stockender Stimme den Kindern vorlesen mußte, daß der Vater nun an der Front und vorm Feinde stehe. Das, mein Garten, vergesse ich dir nie und nie, daß du mir der beste Freund geworden bist! Wäre im engen Hause nicht mein Herz vor Sorge und Angst zersprungen? Du zeigtest mir Arbeit, Pflichten und Freuden! Und war es zu Zeiten der Not oft zuviel, daß die Kräfte zu versagen drohten, so ist nun endlich die Zeit des Ausruhens gekommen. In dankbarem Erinnern genieße ich jetzt die Freuden, die du, mein Garten, in deinem Schmuck mir bietest. Ich bewahre das Schöne und Gute, das du mich durch dich und in dir genießen ließest, tief in meinem Herzen. Deine Gaben des Sommers wie des Herbstes empfange ich mit gleich glücklichem und zuversichtlichem Herzen; ich danke dir für deine bunt aufleuchtenden Dahlien, ich harre in beglückender Vorfreude deiner Krokusse und Narzissen. Rundschau. Das Spielzeug=Museum in Moskau. In Moskau ist vor kurzem ein einzigartiges Museum errichtet worden. Es ist dies das„Museum der Kinderspielzeuge". In Rußland war das Spielzeug von jeher ein künstlerisches Produkt der Bauernarbeit. Die russischen Bauernspielzeuge sind durchweg originelle Kunstwerke, was übrigens durch die Tatsache bestätigt wird, daß diese Art russischer Heimkunst auch im Ausland, besonders in der Spielzeugindustrie großen Anklang findet. Im Moskauer Museum sind ungefähr zehntausend verschiedene Gegenstände ausgestellt. Man kann dort die Spielzeuge der aristokratischen Kinder aus den vierziger Jahren des vorigen Jahrhunderts bewundern. Es sind ganze Puppenzimmer mit feinen Möbeln und kostbaren Einrichtungen, in denen reizende Puppen in schönen Krinoline=Kleidern auf kostbaren Sesseln ruhen. Daneben kann man aber auch einfache Bauernspielzeuge, Puppen aus Stroh, Lappen und Wolle, sehen. Ein Gang durch das Museum vermittelt eine Vorstellung von der Entwicklung der russischen bäuerlichen Heimkunst und ist eine aufschlußreiche Schau der Entwicklung russischer Kultur. Das Wiederaufleben der Krinoline? Pariser Modeberichte teilen mit, daß eine Reihe führender Modehäuser eine neue Attacke zur Wiedereinführung der Krinoline unternehmen. Die Modelle nehmen diesmal allerdings Rücksicht auf die Vorliebe der Frauenwelt für den kurzen Rock und reichen nur etwa eine Handbreit über das Knie. Zum Teil sind die Röcke aus schmalen Streifen zusammengenäht, die unten in einzelne Zipfel auslaufen. Die Mode macht immer tollere Sprünge. Das Kleinste. Du liebes kleines Mädel du— machst mir das Leben leicht. Zeigt nur ein Wölkchen sich, im Nu hast du es fortgescheucht. Frühmorgens, wenn der junge Tag mich ruft zu strenger Pflicht, es öfter wohl wie Finkenschlag von deinem Bettchen bricht. Dann plapperst du so lieb und traut und schaffst mir frischen Mut durch das, was du im Traum geschaut, du herzig junges Blut. Befreit die Mittagsstunde mich vom Tosen der Fabrik, dann freue ich mich königlich, begegnet mir dein Blick. Doch abends wird dein Mündchen gar zu einem Wunderquell; dann strahlt dein kleines Augenpaar so glückverheißend hell. Was auch des Tages schwere Last mir gab an Harm und Leid, vor solchem Lichte schnell verblaßt— o lieblich=schöne Zeit! Christoph Wieprecht. und Jugendwandern. Sonne leuchte mir ins Herz hinein, Wind verweh mir Sorgen und Beschwerden! Tiefre Wonne weiß ich nicht auf Erden, Als im Weiten unterwegs zu sein. Nach der Ebne nehm' ich meinen Lauf, Sonne soll mich sengen, Meer mich kühlen; Unsrer Erde Leben mitzufühlen Tu ich alle Sinne festlich auf. Und so soll mir jeder neue Tag Neue Freunde, neue Brüder weisen. Bis ich leidlos alle Kräfte preisen, Aller Sterne Gast und Freund sein mag. Dieses kleine Reiseliedchen von Hermann Hesse ist Rhythmus des Wanderns.„Alle Sinne festlich auftun“, so reist Jugend, so wandert Jugend, die rein ist und unbekümmert, suchend nach irgendwelchem Ziele. Der Himmel ist ihr die Laute des Herzens, die grune Welt das flatternde Band, bestickt mit der Schönheit von Bergen, Meeren und Strömen mit lachenden Ufern, und Liederquell ist ihr fröhlicher Sinn. Aus dem wilden Wandervogelleben der Nachkriegsjahre hat sich die heutige Form des Jugendwanderns herauskristallisiert und ist zum Programm des Tages geworden. Wer sich heute dem Jugendwandern verschließt, hat nicht bis zur tiefsten Wurzel diesem Trieb des Wanderns nachgespürt, sieht nur die außere Form, aber nicht den wahren, kräftespendenden Kern, diesen Drang aus der Unkultur und Ueberkultur hinaus, um wieder die Heimat des Menschen zu erobern. Wandern ist nicht nur ungehemmter Drang ins Freie, ist nicht allein Ungebundenseinwollen, es ist der Grundakkord aller Menschen, der beim jugendlichen, weil en des Blutes, den Herzschlag der Erde zu spüren im des eigenen Herzens. „Hörst Nikodeme, du den Schöpfer Geist, der mächtig weht und seine Welt erneut?“ Diese Frage C. F. Meyers steht als Symbol wohl über dem Jugendwandern von heute, Jugendwandern, das immer eine Lenzfahrt des Lebens ist. Wo diese Frage nicht mehr Wiederhall findet, ist es vielleicht schon zu deinem Selbstzweck herabgesunken. Und es ist immer das Elternhaus, das den Hintergrund des Wanderns bildet. Von ihm ausstrahlend ist das Erlebnis tiefer, je stärker die Verbundenheit ist. Zumal das Interesse der Mutter muß wach bleiben, muß sich wie ein lieber Gedanke um den ganzen Wanderweg der Kinder ranken. Jetzt, wo die großen Ferien beginnen, will die Schar ausflattern. Wochenlang vorher gibt es Pläne, studiert der Junge die Wanderkarte, näht das Mädel sein Wanderkleid. Aus dem gemeinsamen Beraten wächst dann die beiderseitige Freude an der Wanderfahrt. Nur, wenn die Kinder daheim ein Echo finden, wird ihnen das Wandern zum wirklichen Erlebnis, darüber man sich austauschen muß, und das dann im Austausch zum großen Erlebnis der Familie wird. In der Anteilnahme des Elternhauses weitet sich der Blick für die Gemeinschaft, die lebendige Anschaunnnskraßt kie im(Fr. zählen liegt, tritt auch andere mit Miterlebens ein. Und oft, über das Mitteilen hinweg, oder gerade durch dasselbe, entdeckt die Jugend sich erst selbst. Wechselnde Umgebung schärft den Blick und macht fester im Urteil. Und immer wieder ist es da an erster Stelle. die Mutter, die unmerklich den Puls des wanderlustigen Herzens lenkt. Die auch in praktischer Sorge die Jugend wohlausgerüstet in anständiger Kleidung und Benehmen wandern läßt. Früher nähte wohl noch die bescheidene, gute Mutter den letzten ersparten Taler als heimlichen Talisman in den Rocksaum des wandernden Sohnes. Wenn sie jetzt den Kindern mitgeben kann als Frucht echter Erziehung das Gefühl für Anstand, Recht und Wahrhaftigkeit, so haben sie glückliche Fahrt Und kehren heim, wie die Bienen beladen, reich an Schönheiten und Erlebnissen, die unvergängliches Gut werden. Und über dieser Heimkehr steht dann das Goethesche Türmerlied: „Ihr glücklichen Augen Was je ihr gesehn, Es sei, was es wolle, Es war doch so schön!“ T. P. Sprüche über die Frau. Moritz Jékai, der ungarische Romandichter, tat einst den Ausspruch:„Es gibt zweierlei Frauen: solche, die ein Herz haben, die lieben einen, und solche, die kein Herz haben, die lieben hundert.“ Von Jean Paul stammen die schönen Worte:„Die Frau ist gewöhnlich der letzte Freund, der dem Manne im Unglücke bleibt.“ Schiller, derjenige deutsche Dichter, der die edelste Anschauung von der Hoheit und Reinheit der Frau hatte, gab uns den Spruch:„Woran erkenn' ich den besten Staat? Woran du die beste Frau erkennst— daran, mein Freund, daß man von beiden nicht spricht.“ Dieser Spruch ist in Prosa:„Die Frauen und Länder sind die glücklichsten, von denen man nicht spricht", geflügeltes Wort geworden. Kindermund. In der Bibelstunde hatte ein Mädchen von der Sintflut zu erzählen. Sie fuhr fort.„Noe war unter den bösen Menschen der bravste.“ Ein Katechet in Wien, der von den drei Söhnen des Noë, Sem, Cham und Jafet gesprochen hatte, machte die Bemerkung, daß von diesen drei Söhnen die Semiten, Chamiten und Jafetiten stammten. Da meldete sich ein Schüler und stellte die sonderbare Frage:„Herr Katechet, von wem stammen aber die Antisemiten?“ Ein Pfarrer erzählte von den hl. drei Königen und erklärte die Bedeutung der Geschenke. Dabei sagte er auch, daß die Myrrhe ein bitteres Kraut sei. Aler dann fragte:„Was schenkten die hl. drei Könige den Jesukind?" antwortete eine Schülerin: Die hl, drei Kö nige schenkten dem Jesukind Gold, Weihrauch und Sauerkraut!" ist eine Epistel?" fragte die Lehrerin. Ein Mädchen gab zur Antwort:„Das ist die Frau von Apostel!“ In einer Mädchenschule fragte der Religionslehrer „Was sind Mumien?" Ein Mädchen antwortete:„Mumien sind eingemachte Menschen.“ Wir wollen lustig sein. Wir wollen singen. Wir wollen springen, Wir wollen lachen Und tanzen. Wir wollen lustig sein, Lustig wie die Vögelein, Tralala, tralala, Sind wir denn alle da? Da kommt die Nachtigall sogar Und auch der Star. Da kommt der Papagei Und singt noch ein Lied dabei. Tralalala, tralalala! Sind wir denn alle da? Es ist ein Jammer doch. Sind sie denn jetzt alle da? Da kommt der Fink und die Drossel noch, Tralala, tralala, Jetzt sind sie alle da! Elisabeth Potthoff. Aus dem Kreise Ahaus. Wer wirklich vorteiihaft Juwelen. Goldwaren, Silberwaren, Uhren, Besiecke, Echt Silber, 800 gest.(Fabrikai Wellner Silberplattiert und Alpaka) Messingwaren Nickelwaren. Kristalle u. Kunstporzellane, Luxusmöbel, Teetische, Rauchtische, Klubund Spieltische kaufen will, fährt nach Gronau. Mariin Rosskamp. Führendes Luxuswarengeschäft Im Münsterlande. Fernrui 347 Ahaus, 25. Juli. X Unser Honig— das beste Herzstärkungsmittel. Die hohe Bedeutung unseres echten deutschen Bienenhonigs und seiner Sonderstellung anderer Zuckerarten gegenüber wird noch immer viel zu wenig gewürdigt. Honig setzt sich erfahrungsgemäß in besonders hohem Maße in Glyogen(Leberstärke) um, das als Vorratsstoff in den Muskeln sowie auch des Herzens und in der Leber unseres Körpers Kraftquelle ist.„Honig ist die Hauptquelle der Kraft und des Rhythmus' des Herzens“, sagt Prof. Dr. Adamkiewicz, und„Honig ist ein Herznahrungsmittel allerersten Ranges“ urteilt Badearzt Dr. med. Lorand=Karlsbad. Dr. med. Zaiß in Heiligkreuzsteinach bei Heidelberg beschreibt einen besonders interessanten Fall aus der letzten Vergangenheit: Einer 70jährigen Frau mit Gliederschwellungen wegen eines unausgeglichenen Herzfehlers wurde zur Steigerung der Herzkraft zunächst das bekannte Präparat Diaitalis verordnet. Dieses beste und wirksamste Herzmittel wurde in verschiedenen Formen gereicht, ohne daß der Körperzustand sich änderte. Der Kranken war Honig zur Stärkung und besseren Ernährung der Herzmuskeln empfohlen worden; sie fand daran Geschmack und verlegte sich nunmehr auf ein regelmäßiges Honigessen. Tatsächlich hob sich daraushin das allgemeine körperliche Befinden, die Schwellungen gingen zurück, und die Digitalispräparate blieben unbenützt im Kasten stehen. Digitalis stärkt den Herzmuskel, so daß er die Stauung im Blute besser überwinden kann, stockende Harnausscheidungen werden behoben und Wasseransammlungen verschwinden. Honig hat durch die Stärkung der Herzmuskeln das gleiche bewirkt! Kein Wunder, daß die so schnell gesundende Frau eine begeisterte Honigesserin geworden ist. Daß dem Körper überdies die Zufuhr des reinen Kohlehydrats Honig entschieden bekömmlicher ist, als jene des der Giftpflanze Fingerhut(Digitalis purpurea L) entstammenden Alkaloids Diaitalin, dies nur nebenbei. )( Kindertransport nach Marienruhe bei Hammelburg. Die Kreisfürsorgestelle teilt mit, daß zufolge höherer Anordnung die Kinder bereits am Sonntag, den 25. Juli, nachmittags in Münster eintreffen müssen, um den Anschluß an den Gesamttransport zu erreichen. Die Kinder werden daher am Sonntag, den 25. Juli, nachmittags um 6,15 Uhr ab Bahnhof Ahaus über Burgsteinfurt nach Münster geführt. Die Eltern der Kinder aus Ahaus, Stadtlohn und Vreden werden gebeten, ihre Kinder bis spätestens 6 Uhr nachmittags zum Bahnhof Ahaus zu bringen. Die basherigen Anordnungen über die Absahrtszeit werden hierdurch hinfällig. Eine Einzelbenachrichtigung war nicht mehr möglich. )!( Die Freilichtbühne im Sommer 1926. Obwohl die jerrschenden Witterungsverhältnisse, Regen ohne Ende vom Anfang Mai bis Anfang Juni, dann eine mehr als insichere Wetterlage, Gewitter, Regenschauer und Wolenbrüche in bunter Folge, der Freilichtbühne im allgeneinen nicht günstig gewesen sind und fast ein vollständiges Fiasko befürchten lassen mußten, hat der bisherige Verlauf der Spielzeit doch gezeigt, daß sich die Freilichtpielbewegung, soweit sie auf ernsthafte Arbeit beruht, bereits viele Freunde und Gönner erworben hat, welche ich auch durch die fast sichere Aussicht auf ein unfreivilliges Freibad von dem Besuch der Aufführungen nicht abschrecken lassen. Erfreulicherweise sind die Spieltage der Bentheimer Freilichtspiele nur im Anfang der Spielzeit zum Teil vollständig verregnet, während päterhin der Wettergott ein Einsehen hatte und die Spiele abgesehen von einigen Regenschauern im allgeneinen ohne Störung zu Ende geführt werden konnten. Es hat sich auch in Bentheim gezeigt, daß die Bentheimer Spielgemeinde dank ihres ernsthaften Strebens, auf getigneter Naturbühne Mustergültiges zu bieten, sich eines reuen Stammes von Besuchern erfreuen darf. Ja es kann und darf mit Genugtuung festgestellt werden, daß sich der Besuch von Spieltag zu Spieltag in aufsteigender Linie bewegt; was wohl darauf hindeutet, daß die Besucher selbst für den Besuch der Spiele werben. Mußte doch in letzter Zeit für eine große Zahl Schulen, welche infolge ungünstiger Zugverbindungen die programmäßig festgelegten Spiele nicht besuchen konnten, ein Sonderspieltag mit früherem Spielbeginn eingelegt werden. Hunderte von Schulen und Vereinen und Zehntausende Einzelbesucher haben trotz der ungünstigen Witterung die Wilhelm Tell=Aufführung besucht. Aus Emden, Leer, Aurich, Norden und dem ganzen übrigen Östfriesland, aus Meppen, Lingen, Lathen, Werlte, Sögel und dem ganzen Emslande aus Münster und Coesfeld, aus Gronau, aus Ahaus, Emsdetten und Neuenkirchen sowie aus dem ganzen nördlichen Westfalen, aus Rheine, Luake Fürstennau, Quakenbrück, aus Kaatsburg, Lahne und Bohmte sowie aus der ganzen Grafschaft, aus Deventer, aus Zwelle, aus Almelo, Hengelo, Donekamp, Enschede, Coeverden und dem ganzen östlichen Holland ist man in Scharen zum Teil nach Bentheim gezogen. Allen denen, die Bentheim und seine Spiele in diesem Sommer noch nicht besucht haben, kann nur warm empfohlen werden, die wenigen noch ausstehenden Spieltage zu einem Sonntagsausflug nach Bentheim zu benutzen, eine freundliche, bleibende Erinnerung wird jeder mit nach Hause nehmen. * Lehrgang für Lehrer ländlicher Fortbildungsschulen des Reg.=Bez. Münster. Die Fortbildungsschulbewegung auf dem Lande schreitet im Regierungsbezirk Münster mit wachsendem Interesse voran. So findet zur Zeit in Münster ein sechstägiger methodischer Ausbildungslehrgang statt, der von 112 Volksschullehrern besucht wird. Namens des Regierungspräsidenten eröffnete Regierungsrat von Rarpard am Montag den Lehrgang. Er bewillkommnete die Teilnehmer und wies auf die große Bedeutung der ländlichen Fortbildungsschulen für das Staats= und Wirtschaftsleben hin und wünschte dem Lehrgange einen glücklichen Erfolg. Diesen Wünschen schlossen sich in kurzen Ausführungen die Vertreter der Regierung, Abteilung für Kirchen= und Schulwesen, Kreisschulrat Dr. Öhlendorf an. Alsdann übergab Regierungsrat von Rapvard die weitere Leitung des Lehrganges dem Rektor Oberg=Münster. Dieser faßte in einem werbenden Vortrag die Ziele und Zwecke der ländlichen Fortbildungsschulen in den drei Forderungen zusammen: 1. Erzielung von Qualitätsarbeit durch Heranbildung von Qualitätsarneitern, 2. Erweckung des staatsbürgerlichen Verantwortlichkeitsgefühls durch Hebung der staatsbürgerlichen Bildung unserer ländlichen Jugend, 3. Erziehung der ländlichen Ingend dur“ Ausbildung des Gemütslebens zum Dienste für die Allgemeinbeit unter Zurückstellung egoistischer Motive. Nach dem Vortrag des Rektors Oberg begann der Lehrkursus unter Mitwirkung des Hauptlehrers Eversmann in Legden und des Lehrers Fickener in Kattenvenne. Gronau. Gronau, 25. Juli. Polizeiliches. Festgenommen wurde in Glanerbrücke der R. aus Ochtrup, der verdächtigt wird, an dem Einbruchsdiebstahl bei dem Wirt Droste=Terhoor beteiligt gewesen zu sein. R. hat sich außerdem noch wegen verschiedener anderer, hier und in Holland begangener Delikte zu verantworten.— Die Polizei beschlagnahmte drei vermutlich aus Diebstählen herrührende Fahrräder.— Am Freitag abend wurde vor dem Geschäftshause ten Brink, Lindenstr, ein Damen=Fahrrad gestohlen. X Gronau, 24. Juli. Vandalismus. Verflossene Nacht haben wiederum einige Rowdies ihr Unwesen im Stadtpark und an anderen Stellen der Stadt getrieben. Schilder und Betonpfeiler wurden umgeworfen und zertrümmert, Gartentore wurden ausgehangen u. dergl. mehr. Schon seit langem klagen die Bewohner der Eperstraße darüber, daß die Gartentore ausgehangen und sonstige Dummheiten getrieben werden. Auch der Stadtpark ist gewöhnlich in Mitleidenschaft gezogen. Anscheinend handelt es sich stets um dieselben Uebeltäter. Es wäre zu wünschen, daß sie recht bald der verdienten Bestrafung zugeführt würden. Außerdem sollte man die Namen der Betreffenden öffentlich bekannt geben. Ans dem Münsterlande. A Münster, 24. Juli. Der Arbeitsmarkt in Westfalen und Lippe. Vom 1.—15. Juli 1926 ist die Gesamtzahl der Erwerbslosenunterstützungsempfänger in Westfalen und Lippe um rund 4219 auf 177 308 gesunken, das ist ein Rückgang von 2,3 Prozent. Von den am 15. Juli 177308 Unterstützten waren 55 Proz. länger als 3 Monate und 30 Proz. länger als 6 Monate in der Erwerbslosenfürsorge, während von den am 15. Juni Unterstützten 53 Proz. über 3 Monate und 23 Proz. über 6 Monate hinaus Unterstützung bezogen. Diese Zahlen lassen erkennen, daß Erwerbslose mit längerer Unterstützungsdauer schwer wieder unterkommen. Von der Lage des Arbeitsmarktes darf man nicht ohne weiteres auf die allgemeine Wirtschaftslage schließen. Die Verbesserungen in der Technik und der Betriebsorganisation haben ergeben, daß trotz Steigerung der Produktion im einzelnen noch Arbeitskräfte frei werden. Nimmt also die Arbeitslosigkeit nicht oder nur in geringem Umfange ab, so ist damit nicht gesagt, daß keine Besserung der allgemeinen Wirtschaftslage zu verzeichnen. Im Ruhrkohlenbergbau war z. B. die arbeitstägliche Förderung im Monat Juni mit rd. 374 009 To. um rd. 43 000 To. höher als im Juni 1925(331 855) und nur noch um rund 10 000 To. geringer als im Monat Juni 1913(383 455 To). Neue Arbeitskräfte wurden jedoch nur in ganz geringem Umfange eingestellt. Es bleibt allerdings abzuwarten, wieweit es sich nur um Augenblicksvorteile handelt, die aus dem englischen Bergarbeiterstreik herrühren. Auch in der eisenschaffenden Industrie werden die Aussichten neuerdings günstiger beurteilt, was in etwa auf die Bestrebungen der Regierung zurückzuführen ist, der Industrie durch Auftragserteilung über die Depression hinwegzuhelfen (Arbeitsbeschaffungsprogramm). Der Beginn des Kanalbaues Hamm—Lippstadt und die Fortsetzung des Eisenbahnbaues Dortmund—Münster, die nach dem Beschluß der Reichsregierung unverzüglich begonnen werden sollen, scheint unmittelbar bevorzustehen. Außerdem soll der Landarbeiterwohnungsbau verstärkt werden. Die finanziellen Aufwendungen des Reiches für diese Arbeiten werden durch Ersparnisse in der Erwerbslosenfürsorge teilweise ausgeglichen. Im Januar ds. Is. wurden in Westfalen rd. 10,1 Millionen für die Erwerbslosenfürsorge aufgewandt. Mit der zunehmenden Arbeitslosigkeit stieg dieser Aufwand im Februar auf 10,4 Millionen, im März auf 11,8 Millionen und erreichte im April trotz leichten Rückganges der Erwerbslosenzahlen infolge Erhöhung der Unterstützungssätze seinen Höchststand mit rund 13 Millionen, um im Mai wieder auf rd. 11,6 Millionen zurückzugehen. Münster, 23. Juli. Westfälische Verwaltungsakademie. Im Rückblick auf das soeben beendete Sommersemester 1926 zeigt die Westf. Verwaltungsakademie eine kraftvolle Entfaltung und erfreuliche weitere Entwicklung in der Linie einer systematischen Durchführung ihrer Aufgaben. Für die Abteilung Münster i. W. geht mit dem S.=S 1926 das dritte Semester des systematischen Sechssemesterlehrganges zu Ende; die Abteilung „Industriebezirk“ in Bochum beschließt ihr zweites Se mester des gleichen Lehrganges sowie des kommunal?rrAN u2 a Botilidin wissenschaftlichen Speziallehrganges. Die Beteiligung war wiederum an beiden Abteilung ungen recht zufriedenstellend. Das S.=S. 1926 brachte dann für die Westf. Verwaltungsakademie eine zweite Zweigstelle und zwar in Osnabrück mit gleichfalls systematischem Sechssemesterlehrgang. In Osnabrück nahmen 354 Hörer an den Vorlesungen teil. Im Wintersemester 1926/27, welches die an den einzelnen Akademieabteilungen begonnenen Lehrgänge methodisch weiterführen wird, wird an der Zweigstelle Bochum ein sozialwissenschaftlicher Sechssemesterlehrgang, der in systematischer Folge die Ausbildung und die Fortbildung von Sozialbeamten beiderlei Geschlechts sich zum Ziele setzt, und ein philosophisch=pädagogischer Sechssemesterlehrgang eröffnet werden. Einzelheiten sind aus dem Vorlesungsverzeichnis der Westfälischen Verwaltungsakademie, welches bei der Hauptgeschäftsstelle zu Münster i. W., Johannisstr. 9 u. bei den Geschäftsstellen der Abteilung Industriebezirk:n Bochum(Malteserstraße 14b, Eingang C) und der Abteilung Osnabrück(Regierungspräsidium) sowie in den Buchhandlungen erhältlich sind, ersichtlich. Außerdem wird die Westfälische Verwaltungsakademie im W. S. 1926/27 mehrere Fachkurse veranstalten, so eine Vortragsreihe für Sozialbeamte, einen zweiten Lehrgang für Gefängniskunde und Strafvollzug, einen Vortragszyklus für Postbeamte und einen Kursus für Buchprüfer. Ueber Einzelheiten dieser Fachkurse gibt die Hauptgeschäftsstelle der Westf. Verwaltungsakademie zu Münster i. W., Johannisstr. 9, Auskunft. Gedruckte Prospekte der einzelnen Fachkurse werden noch versandt. X Lembeck, 23. Juli. Traurige Folgen einer Prügelei unter Schuljungens. Vor einigen Wochen kam es zwischen den Schülern Gebr. B. und dem Schüler Heinr. Thierhoff zu Streitigkeiten, die sich auf dem Heimwege fortsetzten. Die beiden B. verprügelten den Th. und brauchten dazu nicht nur Lattenstücke, sondern auch Holzschuhe und was sie erreichen konnten. Sie hatten den Jungen am Erdboden liegen, haben ihn noch weiter geschlagen und mit Füßen getreten, sodaß er wahr scheinlich schwere innere Verletzungen davon getragen hat. Der Mißhandelte mußte sich zuhause ins Bett legen. Er hatte eine große Zahl großer und kleinerer Wunden. Er konnte nicht mehr aufstehen und ist gestern gestorben. Die Leiche ist beschlagnahmt und soll obduziert werden. It die Frau zu höleren Stellungen geeignet? Ein lebhafter Kampf hat sich seit einigen Jahren die Leitung der für das weibliche Geschlecht bestimmten Anstalten entponnen. Die Frauen, insbesondere die Frauenberufsverbände, fordern, daß Berufs= und wirtschaftliche Vorbereitungsschulen, die ausschließlich von Mädchen besucht werden, der Leitung von Frauen zu unterstellen sind. Dasselbe wird für die Lyzeen verlangt, sowie für die nncenvolksschulen. Diese Forderung begegnet manchem Widerstand, der sich darauf stützt, daß die Frau zu leitender Tätigkeit ungeeignet sei. Die Befürworter der weiblichen Leitung weisen darauf hin, daß in Wirklichkeit sich Frauen in derartige: Stellungen bereits bewährt haben und sie führen als Beispiel die zahlreichen privaten Mädchenschulen und neuerdings auch Handels=, Gewerbe= und Berufsschulen an, deren Leituna in Händen von Frauen liegt. Es ist noch gar nicht so lange her, daß auch in gewerblichen und kaufmännischen Berufen der Frau die Fähigkeit abgesprochen wurde, einen höheren Posten zu bekleiden, obwohl bereits nach der Berufszählung von 1907 4 v. H. des gesamten Aufsichtsver onals im Gewerbe(Industrie und Handwerk) aus Frauen bestanden“ Man denke allein an die Direktricen in der Wäsche= und Kostümkonfektion, die Muster entwerfen, die Arbeit richtig verteilen und die gelieferte Arbeit nach einer eingehenden Prüfung abnehmen, mitunter auch den Einkauf mit besorgen müssen. Unter den Mitgliedern des Verbandes der weiblichen Handels= und Büroangestellten, der mehr als 70000 Mitglieder in etwa 1000 Orten Deutschlands zählt, befinden sich eine ganze Reihe Geschäftsführerinnen, Bevollmächtigte u. del. Derselbe Verband veröffentlicht von Zeit zu Zeit die Zahl der im Reichsanzeiger bekannt gegebenen Ernennungen zu Prokuristinnen, Geschäftsführerinnen, Liquidatorinnen, wobei, soweit dies aus dem Namen oder aus anderen Umständen ersichtlich ist, Familienangehörige, denen dieser Charakter zuteil wurde unberücksichtigt geblieben sind. In dem Jahre vom 1. April 1925 bis 31. März 1926 sind danach zu Proluristinnen ernannt worden 732 weibliche Personen, zu Geschäftsführerinnen 357, zu Liquidatorinnen 103. An sich mag die Zahl nicht so bedeutend sein im Verhältnis zu den männlichen Personen, aber sie ist bedeutsam genug angesichts des Vorurteils, das noch vielfach der Frauenarbeit gegenüber vorhanden ist, und angesichts der Tatsache, daß der überwiegende Teil der Frauen vor dem 30. Lebensjahre aus dem Erwerbsberus ausscheidet. Schließlich ist auch die Zahl von 732 Prokuristinnen absolut recht beachtlich. Dazu darf noch weiter gesagt werden, daß der Begriff der höheren Stellung sich durchaus nicht im Prokuristentum erschöpft, sondern daß Abteilungsleiterinnen mit oft sehr weitgehenden Vollmachten, unter Umständen auch Privatsekretärinnen dazu zu rechnen sind, an deren Kenntnisse und Arbeitskraft häufig sehr hohe Ansprüche gestellt werden. Daß es auch selbständige, sogar öffentliche beeidigte Bücherrevisorinnen gibt, wissen wahrscheinlich sehr wenige Leute. Es ist daher ein Irrtum, zu glauben, daß die Frau durchweg nur in untergeordneter Stellung tätig ist. G1 Die erste Frau in der Vatikanischen Bibliothek. Zum ersten Male in der Geschichte des Papsttums ist der Fall zu verzeichnen, daß einer Frau die Ehre wurde in die Beamtenschaft des Vatikans aufgenommen zu werden. Die Dame, der diese Auszeichnung zuteil wurde, ist Frau Crostarossa Ocipioni, die soeben als Bibliotheksassistentin der Vatikanischen Bibliothek ernannt worden ist. Papst Pius XI. ist nicht nur ein ausgezeichneter Bücherkenner, sondern auch ein begeisterter Bibliophile, was dieser Auszeichnung noch besonderen Wert verleiht. Frau Crostarossa Ocipioni entstammt einer angesehenen römischen Familie und gilt auf dem Gebiete der Paläographie als Autorität; sie hat selbst schon mehrere fachwissenschaftliche Schriften Rotationsdruck und Verlag von Gebr. 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