Amtliches Kreisblatt für den Landkreis Ahaus.— Zentral=Organ für das nordwestliche Münsterland, verbunden mit Eper Volksblatt, Gronauer Volkszeitung, Nienborg=Heeker Zeitung, Stadtlohner- Anzeiger, Vredener Volksbla Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn= und Felertage.—Bezugsprels: Wöchentlich 100 000 000 Mk. freibleibend, ohne Bestellgeld.— Schriftleitung und Geschäftsstelle in Ahaus.— Druck und Verlag von B. Maßmann in Ahaus. Verantwortlich für die Redaktion: J. V.: Aug. Schmitz in Wüllen. Telegrenn- Adrette Rteistrung Ians l. W. Fern sprecher: Nr. 50.— Postschließfach Nr. 20.— Postscheck= Konto: Hannover Nr. 22739.— Wöchentliche Gratisbeilage: Erholungsstunden für das christliche Volk. Anzelgenpreise: Das zomm breite mm 40M. Bel Wiederholung. Rabatt nach festem Ta Reklamen: Das 8omm br. mm 200 M1. Preise in Grundzahl. Schlüsselzahl: 2 Millioj Grundzahl X Schlüsselzahl= Tagespr. Für Erfüllung v. Platzvorschrift. wird keine währ, sowie für Druckfehler keine Haftung übernomm. Etwaig. Rabattgilt als Kaf rabatt u. k. verwelg. werd., w. Zahlung nicht binnen 8 Tg. nach Erhalt d. Rechnung exfo Nummer 2442 7 Dienstag, den 28. Oktober 1923 43. Jahrgang Der Separatisten=Putsch. die Entschlossenheit der britischen Behörden stärken, ihre eigene Autorität aufrecht zu erhalten, und diese Autorität nicht dadurch zu schwächen, daß man sic teilt, auf jeden Fall nicht, bis eine allgemeine Regelung erzielt sei. Das Neueste in Kürze. Nach den bisherigen Nachrichten ist der Ueberrumpelungserfolg der Separatisten in Aachen ziemlich isoliert geblieben; jedenfalls kann nicht davon die Rede sein, daß sie sich durchgesetzt hätte. Am Montag morgen um 7,30 Uhr sind bewaffnete Stoßtrupps der Sonderbündler bei den München=Gladbacher Zeitungen erschienen und haben das Erscheinen der Zeitungen verboten, ihnen aber anheimgestellt, am Dienstag wieder zu drucken, wenn sie sich der Vorzensur unterwerfen wollten. Die Sonderbündler waren mit Ausweisen vom rheinischen Unabhängigkeitsbund versehen. Alsbald wurde auch der Bahnhof besetzt. Am Bahnhof hielten die Sonderbündler ihre Stoßtrupps bereit. Sanitäter der Sonderbündler mit dem Roten Kreuz auf dem Sonderbündleravzeichen hielten sich am Bahnhof und in den angrenzenden Straßen auf. Die Separatisten haben Plakate folgenden Wortlautes angeschlagen: An das rheinische Volk! Die Stunde der Freiheit hat geschlagen. Berlin hat uns in Elend und Not gestürzt. Wir helfen uns selbst. Mit dem heutigen Tage proklamieren wir die freie, unabhängige Republik Rheinland. In Frieden und Freundschaft wollen wir mit unseren Nachbarn leben und tatkräftig mitarbeiten an dem Wiederaufbau Europas. Jeder an seinen Platz! Für Frieden, Arbeit und Brot wird unverzüglich gesorgt. Die vorläufige Regierung. J. A.: Dr. Guthardt. Aachen, 21. Oktober 1923. An den Plakaten sind Posten aufgestellt, um die Aufrufe zu schützen. Wie die T. U. erfährt, ist das Rathaus in M.=Gladbach von Schutzpolizei besetzt. Ueber Zusammenstöße mit den Separatisten ist nichts bekannt. Die Besatzungsbehörde erklärt, daß sie sich vorläufig neutral verhalten wolle. Die Aachener Polizeibehörden haben der belgischen Besatzung mitgeteilt, daß sie den durch die Separatisten geschaffenen Zustand nicht anerkennen könnten. Versuche der Separatisten, in Krefeld und Rheydt die Macht an sich zu reißen, sind mißlungen. Dort halten die Polizisten überall die öffentlichen Gebäude besetzt. Der Oberbürgermeister von Koblenz erklärte, er kenne nur eine deutsche Regierung und werde lediglich der Gewalt weichen. Ungefähr 100 Sonderbündler suchten in das Koblenzer Polizeipräsidium einzudringen. Als ihnen das nicht gelang, zogen sie vor das Rathaus, wo sich eine große Menge Neugieriger ansammelte. Die Polizei säuberte den Platz, außerdem griff französische Kavallerie ein, die die Menge verdrängte. Es gab drei Verwundete. Ein Sonderbündler wurde von der Menge verprügelt, weil er Schüsse auf einen Deutschen abgegeben hatte. Das Rathaus ist noch in den Händen der deutschen Behörden. Auch in Trker versuchten am Montag morgen kurz nach 11 Uhr die Sonderbündler die öffentlichen Gebäude zu besetzen. Die Gebäude waren aber fest verrammelt. Es war den Sonderbündlrn unmöglich, einzudringen. Gegenwärtig finden Verhandlungen statt. In die Stadt Mainz drangen die Separatisten Montag morgen um 4,30 Uhr ein. Sie wurden mit Schüssen empfangen. Die Sonderbündler zogen sich darauf zurück, um weitere Befehle avzuwarten, * Anverrichteler Sache abgezogen. X Stolberg, 22. Okt. Hier ist bisher alles ruhig wesen. Aus Jülich wird berichtet, daß dort der Versuch, die rheinische Republik auszurufen, an dem Widerstand der Behörden gescheitert ist und daß die Sonderbündler unverrichteter Sache abgezogen sind. Ein kleiner Erfolg. V Stolberg, 22. Okt. In Büdbach bei Stolberg hurden die Polizei und das Bürgermeisteramt durch die Sonderbündler in Verwaltung genommen. Ein Aufruf. Erkelenz, 22. Okt. Die Sonderbündler haben hier solgenden Aufruf verbreitet: An das rheinische Volk! Die Stunde der Freiheit hat geschlagen. Berlin hat uns in Elend und Not gestürzt. Wir helfen uns selbst. Am heutigen Tage proklamieren wir die freie, unabhängige Republik Rheinland. Die Vollzugsgewalt liegt in den Händen der vorläufigen Regierung. Die ganze Bürgerschaft wird hierdurch aufgefordert, Ruhe und Besonnenheit zu wahren. Sabotageakte gegen die neue Regierung werden auf das Schärfste bestraft. Der Aktionsausschuß für den Kreis Erkelenz: gez.: Künnecke. Sie requirieren. Düren, 22. Okt. Den Dürener Zeitungen wurde heute von sonderbündlerischer Seite folgender Aufruf zur Veröffentlichung zugestellt: Zur Reitung des Rheinlandes in letzter Stunde vor Lölliger Verelendung durch Preußens Schuld und vor linksradikaler Revolution haben die unabhängigen Rheinlande die Zivilgewalt übernehmen lassen. Die Autorität der Besetzungsmächte ist selbstverständlich auch fernerhin strengstens zu achten. Alle Staats= und Gemeindebehörden haben ihre Dienste in unveränderter Weise fortzusetzen, sofern nicht unsererseits andere Anweisungen ergehen. Gegen Zuwiderhandlungen wird mit unnachsichtiger Strenge eingeschritten. Die gesamte Einwohnerschaft hat ruhig ihrer Beschäftigung nachzugehen. Die Lebensmittelversorgung ist sichergestellt. Renuisitionen werden nur in allerdringendstem Umfange vorgenommen und müssen die Unterschrift des Ortskommissars oder seines, Stellvertreters haben. Auf Blünderer und Unruhestifter wird ohne weiteres geschossen. Zeitungen und Druckschriften dürfen nur mit unserer Genehmigung erscheinen. Versammtungen sind verboten. Die unabhängige rheinische Republik ist erklärt, die provisorische Regierung gebildet. Die Vollzugsgewalt liegt für das ganze Gebiet in den Händen der Exekutive, die Bezirks= und Ortskommissare als ihre Stellvertreter ernannt hat. Die Zeitungen haben sich vorläufig geweigert, einen Aufruf in ihren Blättern zu veröffentlichen und sich unter die sonderbündlerische Zensur zu stellen. Augenblicklich finden Verhandlungen über die Lage statt. Ein Mißerfolg. — Eschweiler, 22. Okt. Gestern nachmittag erschienen einige Abgesandte der sogenannten rheinischen Republik bei der hiesigen Stadtverwaltung und dem geschäftsfühtenden Beigeordneten der Stadt, um mit diesem über die Errichtung der rheinischen Republik zu verhandeln. Sowohl die Polizeiverwaltung als die Stadtverwaltung befinden sich noch fest in den Händen der bisherigen Verwaltung. An der Polizeiwache steht allerdings ein Sonderbündler Wache. Eine Falschmeldung. + Frankfurt=Main, 22. Okt. Wie auf eine Anfrage aus Großgerau mitgeteilt wird, ist entgegen anderslautenden französischen Meldungen dort alles ruhig. Rückzug aus Mainz. + Mainz, 22. Okt. Das Angriffsziel der Separatisten, die sich heute früh zwischen 5 und 6 Uhr auf dem Gartenfeldplatz angesammelt hatten, war das fünfte Polizeirevier. Es kam zu Schießereien, in deren Verlauf zwei Polizeibeamte verletzt wurden. Die Separatisten zogen sich bald zurück und verließen in Lastautos die Stadt. Regierungspräsident Grützner über den Putsch. + Berlin, 22. Okt. Wie dem jetzt in Barmen amtierenden Düsseldorfer Regierungspräsidenten Grützner mitgeteilt wird, ist mit einem Gelingen des Separatistenputsches in größerem Umfange nicht zu rechnen. In Düsseldorf selbst sind 2300 Separatisten außer Gesecht gesetzt worden. In den Stadtteilen Düsseldorfs ebenso wie in Rheydt herrscht Ruhe. In Krefeld verbreiten bewaffnete Sonderbündler Anschläge über die Vorgänge in Aachen. Das Rathaus von Düren ist besetzt. Ueber die Vorgänge in Bayern erklärte Regierungspräsident Grützner. daß seiner Ansicht nach das Vorgehen der bayerischen Regierung ein unabsehbares Verbrechen am deutschen Volke sei. ** Pariser Sensationsmeldungen. + Paris, 22. Okt. Der Sonderberichterstatter des „Zournal" in Aachen teilt mit, daß die provisorische Regierung dieser Stadt im Rathause 100 Revolver und 5000 Patronen beschlagnahmen ließ. Weiter glaubt der Korrespondent zu wissen, daß Koblenz, Mainz, Wiesbaden, Erkelenz, sowie die gesamte belgische Zone von den Republikanern(das heißt separistischen Hochverrätern) besetzt sind. Gestern abend ist ein Trupp von 1000 Mann in Lastautos nach Krefeld und Düsseldorf abgefahren in der Absicht, in diesen beiden Städten die Republik auszurufen. Sie waren von verschiedenen Wagen des Roten Kreuzes und Sanitätern begleitet. Im Laufe des heutigen Tages wird an die unteren Beamten der grünen Polizei der Besehl ergehen, in den Dienst der Republik zu treten. Was die höheren Beamten anlangt, so sind sich diese noch nicht schlüssig; doch sollen sie noch heute ihre Entscheidung mitteilen. Anderen Meldungen zufolge werden die Kommunisten in Aachen heute einen 24stündigen Generalstreik veranstalten. Der stellvertretende Bürgermeister der Stadt wurde von den Führern der republikanischen Regierung aufgefordert, unverzüglich geeignete Maßnahmen zu treffen zur Ausgabe rheinischen Papiergeldes. In Düsseldorf wurde eine Versammlung von Separatisten gestern abend von den Kommunisten gesprengt, die mit Handgranaten und Revolvern bewaffnet waren. Ueber den Ausgang des Kampfes liegen noch keine Nachrichten vor.(Die aus Paris kommenden tendenziösen Meldungen sind mit äußerster Vorsicht aufzunehmen. Es läßt sich immerhin die Parteinahme für die separatistischen Hochverräter erkennen.) Ein belgischer Ministerrat. + Paris, 21. Okt. Ueber den Handstreich der Separatisten in Aachen lagen bis in den späten Nachmittagsstunden, außer der ersten Meldung, keine direkten Berichte vor. Nach Meldungen, die offenbar am Quai d'Orsay eingegangen sind, steht an der Spitze ein Kaufmann Decker aus Aachen. Er habe erst der Gruppe Dorten und dann der Gruppe Smeets angehört. Von der ersteren habe er sich getrennt, von der anderen sei er ausgeschlossen worden. Man wisse nicht, ob er mit Matthes zusammenarbeite. Nach einer Meldung aus Brüssel fand dort heute vormittag ein eiliger Ministerrat statt, an dem von den 11 Ministern aber nur 7 teilnahmen. Deckers Verhandlungen mit den Belgiern. Paris, 22. Okt. Ueber die Vorgeschichte des Putsches erklärte der Führer der Separatistenbewegung französischen Pressevertretern, daß er am Samstag abend den Adjutanten des Generals benachrichtigt habe, daß die Separatisten zur direkten Aktion zu schreiten gedächten. Er habe dem General die Neutr,alität der Separatisten versichert und habe auch am Samstag und Sonntag Zusammenkünfte mit einem Delegierten der Interalliierten Rheinlandkommission gehabt, Decker erklärte, die Separatisten wollten ein freies und unabhängiges Rheinland schaffen. Als Hauptstadt ist Koblenz in Aussicht genommen. Die Haltung der Engländer. X London, 22. Okt. Der diplomatische Berichterstatter des„Daily Telegraph“ schreibt: Die britischen Behörden wollten weder politische noch administrative Unruhen innerhalb der Besatzungszone. Sollten die rheinischen Truppen auf einem Eindringen in die britische Zone bestehen, so würden sich der General Godley und die britische Regierung veranlaßt sehen, eine sehr wichtige Entscheidung zu treffen. Alle politischen und sozialen Unruhen, die im besetzten Gebiet außerhalb der britischen Zone ausbrechen, könnten nur „Sie besorgen es selbst!" Dieser Tage hatte der Pariser„Temps" im Hinblick auf die innere deutsche Zerrissenheit, wie sie sich durch die Vorgänge in Bayern einerseits und in Sachsen andererseits widerspiegelte, frohlockend geäußert: Frankreich hätte es gar nicht notwendig, die deutsche Einheit zu zerschlagen. Das besorgten die Deutschen selbst! Dieses Ausspruchs erinnert man sich in diesen Tagen, da die schwersten Gefahren für die Reichseinheit in die Erscheinung treten, mit tiefster Ergriffenheit. Die Entwickelung, in die wir uns jetzt mitten hineingestellt ehen, vollendet unseren Niedergang. Wenn sich die deutschen Stämme nicht mehr verstehen, dann ist das Ende da. Umso furchtbarer ist die Wunde, die jetzt aufgerissen wurde, weil die Bodrängung des Reiches zu gleicher Stunde von außen her zermürbend wirkt. Just in diesem Augenblick sind die Versuche, mit Frankreich über die Beordnung der Dinge im Ruhrgebiet und am Rhein zu einer Verständigung zu kommen, gescheitert. Und das trifft zusammen mit dem ernsthaftesten Bestreben der Reichsregierung, eine Gesundung der Wirtschaft und der Staatsfinanzen, wie aber auch des Geldes herbeizuführen. Alle Maßnahmen, die zur Erreichung dieses Zieles eingeleitet wurden, sind aber sosort in ihr Gegenteil verkehrt worden durch den neuen riesigen Einbruch, den die Markwährung jetzt wieder erfahren hat. Die jüngsten politischen Vorgänge tragen zu einer Vermehrung der Unsicherheit und damit zu einer Verschärfung des Zusammenbruchs unserer Währung noch weiter bei. Die Reichsregierung hat sich veranlaßt gesehen, den alliierten Mächten diesen verhängnisvollen Zustand der deutschen Finanz= und Wirtschaftslage darzustellen und damit einen weiteren Schritt zu tun, um die Regelung der Reparationsfrage wieder in Fluß zu bringen. Die Zermürbungstaktik der Gegner ist nahe daran, zum Erfolg zu führen. Wenn nun auch noch von innen heraus die Zermürbung der deutschen Stämme erfolgen würde, dann wäre das Deutschlands Ende. Soll wirklich das Wort des „Temps" zur Wahrheit werden, daß die Deutschen den Zerfall und den Untergang des Reiches und seiner Einheit selber besorgen? Zeigner, ein Urbild des Novembersozialisten. Den jetzt viel genannten sächsischen Ministerpräsidenten Dr. Zeigner zeichnet die mehrheitssozialistische Rundschau„Der Firn“(Heft 1/2 Jahrg. 5) kurz wie folgt: Die Berliner befürchteten, daß ihr Bezirkstag ohne Krach verlaufen könne. Um dies zu verhüten, schrieben sie nach Dresden und luden Herrn Ministerpräsidenten Zeigner zu einem Referat ein. Trotzdem ihn ein Berliner Funktionär hatte wissen lassen, es würde wesentlich zum Gedeihen der Partei beitragen, wenn er im schönen Dresden bliebe und an dem gesegneten Sonntag etwa der Sixtinischen Madonna einen Besuch abstatte. leistete Zeigner dem Rufe der Berliner Folge. Das Wesentlichste in seiner Rede war das Eingeständnis, daß er erst seit drei Jahren im politischen Leben stehe und daß er auch noch nicht länger Sozialist sei. Die Rolle eines Arbeiterführers saßt er so auf, daß der Führer die Meinungen und Neigungen der Massen erkunde und daß er ihnen dann ungesäumt Rechnung trage. Das ging dem radikalen Flügel des Berliner Bezirkstages ein! Herr Zeigner, dieser neue Führertypus, ist brauf und dran, im Phrasenkriege oberster Feldherr zu werden. Daß er erst im Jahre 1920 Parteimitglied geworden ist, sich also nach dem November noch zwei Jahre Zeit gelassen hat, ehe er an die Haltbarkeit der„Revolutions=Errungenschafien" zu glauben anfing, wird ihm in dem Ansehen der begeisterten Masse wenig Abbruch tun. Seine tiefe Ergebenheitsbezeugung, seine Ansicht, daß nicht die Masse dem Führer, sondern der Führer der Masse folaen müsse, hat ihm alle radikal schlagenden Herzen erobert. Das ist einmal ein Führer, der was auf dem Kasten hat, wie man im Norden und Östen Berlins so schön sagt. In der alten sächsischen Königshymne wird der Wunsch ausgesprochen: den König„fliehe der Schmeichler Heer“. Ob, der Dichter den kommenden sächsischen Ministerpräsidenten, der in der angegebenen Art der Masse schmeichelt, vorausgeahnt hat? Uebrigens eröffnete Herr Zeigner dem Bezirkstag, er habe von Herrn Breitscheid„manches über die moralische Korruption in Berliner Parteitreisen mitgeteilt“ bekommen. Herr Breitscheid bestreitet dies, und der Parteivorstand hat nun Herrn Zeigner aufgefordert, ihm das Material über diese moralische Korruption zur Verfügung zu stellen. Dazu erfahren wir allerdings aus bester Quelle, daß man sich auf weitere Folgen der Angelegenheit nicht gefaßt zu machen braucht. Man wird nie wieder etwas von der Sache hören. * Preußische Reichswehr in Leipzig. Leipzig, 22. Okt. In den heutigen, Vormittagsstunden sind größere Abteilungen preußischer Reichswehr. und zwar Artillerie und Infanterie. in Leiweig eingetroffen. Die Truppen werden zum Teil in Leipzig verbleiben zum Teil nach Chemnitz und Plauen weiter marschieren Deutsches Reich. Der neue Reichslandwirtschaftsminister. X Berlin, 22. Okt. Ber Reichstagsabgeordnete Graf Kanitz wird zum Reichsnister für Ernährung und Landwirtschaft ernannt werden. Graf Kanitz ist aus der Deutschnationalen Volkspartei ausgetreten. Weittragende Erfolge scheinen die Separatisten n zu verzeichnen zu haben; in Düsseldorf wurden 2 Sonderbündler außer Gefecht gesetzt; in Düren besetz sie das Rathaus. Die Engländer sprechen sich sch gegen sie aus. Preußische Reichswehr, Infanterie und Artillerie, in Leipzig eingerückt. Die„Rote Fahne“ wurde erneut verboten, weil entgegen ihrer Zusicherung wieder den politischen Ge ralstreik proklamierie. Abg. Graf Kanitz, der Sohn des früheren konser tiven Abg. Kanitz, wird Reichslandwirtschaftsministe Die österteichischen Nationalrats=Wahlen brachten1 Großdeutschen eine Niederlgge. Dollar=39 900 000 000—40 1000000 Preger bei Stresemann. — Berlin, 22. Okt. Heute Mittag empfing Rei kanzler Stresemann den bayerischen Gesan ten v. Preger. Dieser gab Dr. Stresemann geg über die Erklärung ab, daß Bayern nicht die A sicht habe, zu separieren und auch nicht beab tige, die Truppen auf Bayern zu vereidigen. Eine Reichsratssitzung. + Berlin, 22. Okt. Auf Anregung Württembe findet Mittwoch nachmittag eine Sitzung der stimmf denden Mitglieder des Reichsrates statt, in der innen= und außenpolitische Lage besprochen wird. Ausschluß der Oeffentlichleit ist, wie wir hören, in A sicht genommen. Erneutes Verbot der„Roten Fahne". + Berlin, 22. Okt. Die„Rote Fahne“ ist erneut 1 Reichswehrminister verboten worden, weil sie in gestrigen Ausgabe trotz der erst vor einigen Tagen gebenen Zusicherung wieder zur Bewaffnung t Arbeiter auffordert und den politischen Ger ralstreik proklamiert hat. Eine Staatenkonserenz. V Darmstadt, 22, Okt. Die hefsische Regierung auf Grund der letzten Berichte über die innerpoliti Lage sofort mit Württemberg und Baden Fi lung genommen. Heute findet in Stuttgart eine sprechung statt. Die hessische Regierung hält geschlo an der Einheit des Reiches fest und wird ganze Kraft hierfür einsetzen. Die Verpflichtung der bayerischen Truppen. München, 22. Okt. Die Verpflichtung dder bay schen Reichswehrtruppen in sämtlichen bayerischen Sta orten ist in der Weise vor sich gegangen, daß den Rei wehrtruppen der Wortlaut des Aufrufes der bayerise Staatsregierung bekannt gegeben wurde. Die Verpf tungsformel lautet folgendermaßen: Auf Grund des mir vorgelegten Aufrufes der bar schen Staatsregierung bekenne ich, daß ich von bayerischen Staatsregierung als der Treuhänderin deutschen Volkes bis zur Wiederherstellung des Ein ständnisses zwischen Reich und Bayern in Pflicht gen men bin und erneuere meine Verpflichtung zum Ge sam gegenüber meinen Vorgesetzten. Mittels Flugzeugs! München, 22. Okt. Die Verbreitung des Ar rufes der Reichsregierung und des Bef les des Generals v. Seeckt, die in Bayern scheinend verboten ist, ist mit Hilfe von Flugzen vorgenommen worden. Festnahme von Kommunisten. X München, 21. Okt. Der Polizei gelang es, gest abend eine kommunistische Versammlu ausfindig zu machen und die Versammelten, unter mehrere Führer der kommunistischen Bet gung. im ganzen 32 Personen, festzunehm Es wurde viel belastendes Material beschlagnahmt, u wurde bei einem der Verhafteten Pikrinsäure funden. Die Verhafteten wurden dem Gericht ül geben, das über die Haftfrage entscheiden soll. Italien. Italien und der belgische Reparationsplan. — Rom, 21. Okt. Das Ministerium des Aeußern am 18. Okt. dem belgischen Botschafter eine Verbe note in der Reparationsfrage zugestellt, dieser Verbalnote noch ein Memorandum zugefügt. Note antwortet auf eine Mitteilung der belgischen gierung vom 6. Oktober, in welcher diese mit Rück auf die Aufgabe des passiven Widerstant es als glücklich bezeichnet, schnell ein gemeinsan Abkommen unter den Aliierten über das parationsproblem zustande zu bringen und vorschlägt, von ihm bereits über die Zahlungsfähigkeit und Zahlungsmethode Deutschlands angestellten Studien vorherigen Prüfung der Reparationskommission überweisen. Die italienische Regierung gibt der be schen Regierung ihre Zustimmung zu dem Vorsch Ter einzige Weg, aus der schwierigen internatir len Lage herauszukommen, sei, zu versuchen, ein Abk men über einen allgemeinen Plan zur Lös zustande zu bringen. Die italienische Regierung h bereits ihre prinzipielle Ansicht über die belgischen E dien in der Note niedergelegt, die sie am 2. August die englische Regierung gerichtet habe. Da aber die lienische Regierung aufgefordert werdé, noch eine Ben lung zu machen, benutzt sie diese Gelegenheit, um in! Mentorandum einige Seiten ihrer Haltung in der parationsfrage zu beleuchten, indem sie besonders Wichtigkeit grundsätzlich betont, daß die ehemalt Feindstaaten hinsichtlich der prozentualen? triliaung an den Reparationen, wie sie den ein nen Nationen zugesprochen würden, gemeinsam h bar sind. In letzter Stunde. ne Verhandlungen in Düsseldorf. Das kommende Kartellgesetz. Berlin, 22. Okt,(Eig. Meld.) Heute verlt der Bergbauliche Verein mit den Vertretern Zer arbeiter=Gewerkschaften in Düsseldorf in einstimmung mit der Reichsregierung, um in Stunde ein Uebereinkommen mit akreich und Belgien zu erzielen mit Zweck, das Wirtschaftsleben im raebiet wieder in Gang zu bringen. Es lt sich zunächst nur um die Bergwerksbetriebe. uft auch diese Beratung resultatlos, dann ist s westliche Industriegebiet das Schlimmste eturchten. Einzelheiten entziehen sich vorder öffentlichen Bekanntgabe.i + Der Beamtenabbau. 3 Reichsfinanzministerium hat, wie man uns aus mitteilt, nunmehr die Verordnung über den Berbbau fertiggestellt. Inzwischen haben auch die schungen mit den zuständigen Beamtenorganin stattgefunden. Die Verordnung sieht eine nierung von Reichsbeamten mit dem Ablauf des ats vor, in dem sie das 65. Lebensjahr et haben. In solchem Fall mussen die Beamnsioniert werden. Daneben tritt eine Kannrift. Danach können Reichsbeamte, die das ebensjahr vollendet haben, in den Ruhestand werden. Weiter sieht die Verordnung die Verin den einstweiligen Ruhestand für lebensh und nicht lebenslänglich angestellte Reichsbeamte Ferner können außerplanmäßig, und im Vorbeisdienst befindliche Beamten ohne Gewährung von jeld entlassen werden. Ohne Abfindung sodann Beamte, die auf Probe, auf Kündigung, ienstvertrag usw. angestellt wurden, entlassen l. Von der Unterstellung der Beamten unter die mung, daß sie jederzeit auf Wartegeld gesetzt 1 können, verspricht man sich eine besondere Eing auf die Arbeitsleistung. Sehr wichtig Bestimmung, wonach im Gegensatz zum heutigen eine Versetzung in ein anderes Amt dern oder gleichartigen Laufbahn auch dann n kann, wenn dieses Amt einen geringeren oder ein geringeres planmäßiges Einkomhat. In solchen Fällen bleibt aber den Beamten Sherige Amtsbezeichnung. Weiter sieht die verordnung vor, daß Neuanstellungen von en oder Anwärtern, wie überhaupt alle Beamtenhmen, die neue Ausgaben mit sich bringen, nicht erfolgen dürfen. Zahlenmäßig drücken sich die pläne der Reichsregierung in der Verringerung eamtenkörpers um ¼ des jetzigen Bestandes aus. stens 25% der ab 1. Oktober 1923 im Dienst been planmäßigen oder außerplanmäßigen Reichsn haben auszuscheiden, und zwar 5% der Gehl vor dem 1. Februar 1924, 5% vor dem 1. März ind 5% vor dem 1. April 1924. Bei allen diesen ihmen bezw. des Abbaues der Beamtenschaft, wie uch der Vorkehrungen zur Erhöhung der Leistunr Beamten hat man sich im wesentlichen auf die ungen gestützt, die in allen diesen Dingen in reich gemacht worden waren. Der Beamtenabbau wendig, nachdem mit Schaffung der Rentenmark tenpresse eingestellt wird, und das Reich also nicht in der Lage ist sich auf diese Weise die Mittel zu ffen. Der verbleibende Teil der Beamtenschaft daher emer höheren Arbeitszeit als der jen unterworsen, und zwar beabsichtigt die regierung, die Arbeitszeit bei allen Reichsbehörden stauf neun Stunden täglich zu erhöhen. Daneben 1 noch besondere Ersparungsmaßnahmen vorgeen, von denen die jetzt verfügte, teilweise recht dliche Kürzung der Gehälter der Auslandsbeame um 10—15% herabgesetzt wurden, nur den Anarstellt. Man ersieht also daraus, daß die Reichsung sehr erhebliche Eingriffe beabsichtigt, die in aftlichen und sozialen Folgerungen heute noch cht übersehen werden können. Es wird sich jetzt rausstellen, welche Opfer ein Volk, das unter den eines verlorenen Krieges zu seufzen hat, für den raufbau auf sich nehmen muß. n Bericht über den Aachener Putsch. n einem Aachener wird der„K. V.“ mitgeteil ause der letzten drei bis vier Wochen hatten d rbündler in der Stadt Aachen und in dem Land durch gesteigerte Aaitation Veranlassun widersprechendsten Gerüchten gegeben. Im Lau amstag gelangten Informationen an die am Stellen der Stadt, daß bewaffnete Stoß ps von Sonderbündlern von allen Seiten zu ngezogen würden und in der Nacht zum Sonn och die Ausrufung der Sonderbündler=Republ arten sei. die gesamte Polizei, in der Annahme, daß bi rbündler zunächst zum Polizeipräsidiun n würden, dort zusammengezogen war, mußten rigen amtlichen Gebäude für die Nacht ohn bleiben. Es wurde aber polizeilicherseits zuge aß man im Notfalle Hilfe entsenden werde. Di verlief ruhig; die Straßen waren ziemlich belebt r Morgenfrühe, gegen 5,30 Uhr, erschienen paratisten vor dem Rathaus, wo sie unter Be ig des Hausmeisters mit Erschießen Ein erlangten. Ein Hilfeersuchen um polizeilichen wurde vom Polizeipräsidium, wie eine uns vor vertrauenswürdiger Seite zugegangene Versio mit der Erklärung beantwortet, man habe be nit den Separatisten verhandelt, auf 9 Uh teue Verhandlungen in Anwesenheit des Be rates beabsichtigt. Ein polizeiliches Eingreisse daher vorerst nicht in Frage. Der Hausmeiste daher der Gewalt weichen. Die Sonder r drangen in das Rathaus ein und hißten so die grün=weiß-rote Fahne uns weiter mitgeteilt wird, wurde die Poli niwasfnet. Ueber die näheren Umständ n wir dchs Zuverlässigeß in Erfahrun n. Es heißt lediglich, daß die Sonderbündler be erhandlungen mit der Polizei dieser mit der is auf ihre zahlenmäßige Stärke und Bewaf erklärt hätten, jeder Widerstand sei zwecklos zer auf dem Rathaus wurde die grün=weiß-ro auch gehißt auf der Reichsbank, der Pof tegierungsgebäube und dem Lant amt. Zur Beeinflussung der Stimmung der B ing wurde von den Separatisten das Gerücht ve die Republik sei auch in Koblenz, Trier ur dorf ausgerufen, was nach den an anderer Stel nilichten Meldungen nicht bestätigt wird den Straßenecken wurden Maueranschläge ang unterzeichnet von Leo Deckers und einem völlig unbekannten Dr. Guthardt. Einer d ige beginnt mit dem Satz: Die rheinische Rep t da Es werden der Bevölkerung darin u. ind andere Lebensmittel in Aussicht gestellt. T atisten traten an eine Großbäckerei mit de en heran, unverzüglich mit dem Backen größer engen zu beginnen. Als diese auf ihren geri Mehrvorrat hinwies, wurde ihr erklärt, Frage brauche man sich nicht zu besorgen, es sei größere Mehhengen in Aachen vorhanden, we sendungen seien von Antwerpen im Anrollen. Das Ermächtigungsgesetz, das der Reichstag am 15. Oktober dem Kabinett Stresemann gegeben hat, ist in der Hauptsache aus dem Gedanken entstanden, daß wir so wie bisher nicht weiterwirtschaften können und eine starke Hand alle Hemmungen beseitigen muß, die einer größeren Produktion im Wege stehen. Eine Reihe bedeutsamer sozialwirtschaftlicher Fragen ist dabei zu lösen. Dazu gehört in erster Linie die Frage der Mehrarbeit die durch das Arbeitszeitgesetz in dieser Woche geregelt werden wird. Die Regierung glaubt dieses Arbeitszeitgesetz nicht in vernünftiger Form durchbringen zu können, falls sie nicht auch auf dem Gebiet der Preise ebenfalls eingreift. Man könnte vielleicht daran denken, nunmehr mit irgendwelchen neuen Bestimmungen über Preisfestsetzung usw. herauszukommen, wie wir das von der ganzen Nachkriegszeit her gewöhnt sind. Man hat inzwischen aber einsehen gelernt, daß man auf diesem Wege nicht weiterkommt(dies gilt insbesondere in Zeiten starker Geldentwertung), es liegt darum nahe, auf die Kartelle, die im wesentlichen Maße Preisfestsetzer sind, zurückzugreifen. Man kommt damit auch einom Wunsche nach, der in weiten Kreisen unseres Volkes sehr populär ist. Der Gedanke ist nicht neu. Schon seit den 90ger Jahren tritt er immer und immer wieder auf. Das deutsche Volk ist bisher noch nicht dazu übergegangen, ein Kartellgesetz zu schaffen, sondern hat sich bisher auf eine im Jahre 1905 stattgefundene Kartellenquete beschränkt, weil es sich der Schwierigkeiten einer solchen Gesetzgebung voll bewußt war. Andere Staaten (Nord=Amerika, Oesterreich usw.) haben praktische Versuche unternommen, die allerdings im Großen und Ganzen mit einem völligen Mißerfolg geendet haben. Wenn somit auch diese Erfahrungen im Auslande nicht zur Nachahmung aneifern, so glaubte man doch zurzeit, durch Kartellgesetzgebung die heutige Preisfestsetzung reformieren zu können. Von den vielen Vorschlägen, die gemacht worden sind, seien einige kurz umrissen. Der radikalste Vorschlag geht dahin, sämtliche Kartelle zu zerschlagen, er geht im wesentlichen von den Sozialdemokraten aus. In der Form etwas anders, in der Auswirkung aber dasselbe, ist der Vorschlag, den Kartellmitgliedern freizustellen, aus ihren Kartellen auszutreten, ohne damit irgend eine Strafe zu verwirken. In allen Kartellen sind nämlich mehr oder weniger Mitglieder, die gern austreten möchten, und falls einige austreten, ist natürlich ein Kartell zusammengebrochen. Die Neigung zum Austreten ist meistens größer, je größer ein Werk ist. So kommt es auch, daß Stinnes für die Zerschlagung der Kartelle eintritt. Der Erund dafür liegt zumeist darin, daß das Kartell zu einer Zeit geschlossen wurde, wo die Produktionsquote festgesetzt wurde, als die heute Großen noch nicht so groß waren. Diese möchten jetzt gerne die Auflösung der Kartelle um sie später mit einer größeren Quote wieder zu errichten. Bei der Verfolgung der Kartellpolitik in den letzten 40 Jahren kann man dieses Spiel immer und immer wieder verfolgen. Nun ist es aber nie richtig gewesen, das Kind gleich mit dem Bade auszuschütten. Die Kartelle haben auch immer positiven wirtschaftlichen Wert gehabt, und so würden bei einer völligen Zerschlagung der Kartelle die kleineren und mittleren Betriebe ihres Haltes beraubt und die größeren durch ihre gewonnene Selbstständigkeit noch mächtiger werden. Und es ist auch fraglich, ob mit der Wiederherstellung der freien Konkurrenz vieles gewonnen wäre. Eine weitere Folge wäre doch auch die daß die Trustbewegung einen noch stärkeren Charakter annähme— und es würde damit die Unübersichtlichkeit des Wirtschaftsiebens; die man gerade durch die Kartellgesetzgebung beseitigen will, noch größer werden. Diese Gefahr mit einer Trustgesetzgebung zu bannen, ist wohl ausgeschlossen, denn dafür gibt es der Verbindungsmöglichkeiten zu viele, als daß ein Gesetz alle diese Dinge regeln könnte. Dafür liefert Amerika den besten Beweis, Die christlichen Gewerkschaften machen andere Vorschläge. Ueber dieselben heißt es in einem uns übersandten Artikel des Ministerpräsidenten a. D. Adam Stegerwald: Die bisherige Methode der Preisbildung nimmt auf die tatsächlichen Produktionskosten keine Rücksicht mehr, infolgedessen ist der Absatz überall ins Stocken gekommen und Arbeitslosigkeit in größtem Umfange hervorgerufen worden. Vor allen Dingen ist der freie Wettbewerb, sonst der Regulator für die Produktionsverteilung und Verbilligung der Waren vollkommen ausgeschaltet worden; dieser unheilvolle Zustand wurde gefördert und dadurch auf lange Dauer erst möglich gemacht durch die sinnlose Politik der Kartelle und Preiskonventionen, die die sonst geübte Art des Warenverkehrs: Viel Umsatz und wenig Verdienst genau in das Gegenteil— viel Verdienst und wenig Umian— umgewandelt und damit tatsächlich die breiten Teile des Volkes der weiteren Verelendung geradezu in die Arme getrieben hat. Um nun mit dieser industriellen Wucherpolitik zu brechen, hat sich der Deutsche Gewerkschaftsbund veranlaßt gesehen, dem Reichskanzler Forderungen zu unterbreiten, die darauf hinausgehen, die Macht der Kartelle und Konventionen unter die schärfste Kontrolle zu stellen. Die wesentlichsten Forderungen sind folgender Art: Risikozuschläge bei Goldmarkfakturierung sind zu verbieten. So ist z. B. eine Bestimmung, wie die in den Richtlinien des Reichsverbandes der deutschen Industrie über die Goldmarkfakturierung, wonach zulässig ist, daß bei Zahlung in Papiermark die Gutschrift zum Dollarkurs zwei Tage nach Zahlungseingang erfolgt, untragbar. Konventionsbestimmungen, wonach Verbände nur an bestimmte Gruppen Vorzugspreise einräumen, von anderen Gruppen Ueberpreise verlangen können, sind zu verbieten: ebenso Abreden, die eine Einschränkung der Produktion zwecks künstlicher Hochhaltung der Preise bezwecken. Alle Kartelle, Truste und Preiskonventionen haben fortlaufend dem Reichswirtschaftsministerium Abschrift ihrer Satzungen und Beschlüsse zu unterbreiten. Das Reichswirtschaftsministerium selbst hat fortlaufend die im Ausland üblichen Preise für möglichst zahlreiche Warenarten festzustellen und sie der Oeffentlichkeit bekannt zu geben. Und schließlich— was von besonderer Wichtigkeit ist— muß die Handelspolitik durch Zulassung ausländischer Wettbewerbe in den Dienst einer gesunden Beeinflussung der Inlandpreise gestellt werden Diese Forderungen sehen absichtlich von einem radikalen Verbot der Kartelle, Syndikate und Preiskonventionen ab; dadurch würde nämlich die ganze Struktur der wirtschaftlichen Organisationen vollständig zerschlagen und so nur in die Hände der mächtigsten und gerissensten Wirtschaftskonzerne gespielt, die die schwächeren Industrien vollständig an die Wand drücken, dadurch so Warenmarkt und Preisgestaltung vollkommen allein in ihre Gewalt bekommen würden und damit die Preise willkürlich diktierten mit denkbar größtem Profit für sich selbst, zum Schaden des kaufenden Volkes. Vielmehr wollen die Forderungen in vollständiger Anerkennung volkswirtschaftlicher Notwendigkeit vom Zusammenschluß einzelner Wirtschaftsgruppen den unbedingt notwendigen Regulator des Warenverkehrs und Warenverbrauchs, den freien Wettbewerb wieder in den Gang des Wirtschafslebens einschalten, was seit längerer Zeit fast auf allen Gebieten unmöglich gemacht ist durch die Entwicklung der Kartelle zu monopolischen Ausbeutungsorganisationen. Was wir in Deutschland seit längerer Zeit haben, ist eine Art privater Zwangswirtschaf., aufgerichtet durch die Konventionen, Kartelle, Syndikate und Konzerne mit dem Effekt, daß sie ihnen den größten Profit bringt, den die Gesamtheit bezahlen muß: mit weiterer Verelendung. mit Hunger und Arbeitslosigkeit. Anstelle dieser privaten Zwangswirtschaft muß eine freie, soziale Wirtschaft wieder eingeführt werden— durch den Staat. Es wird wohl schwer sein, auf Grund der Vorschläge der christlichen Gewerkschaften ein solches Kartellgesetz zu schaffen, das den Kartellen das Leben läßt. Ein dritter Vorschlag kommt aus Kreisen des Reichswirtschaftsministeriums. Er geht dahin, ein Kartellgericht zu schaffen, dem sämtliche Klagen über Kartelle und Kartellstreitigkeiten unterbreitet werden sollen. Man hofft, auf diese Art und Weise einmal vorbeugend zu wirken, zum anderen alle auftauchenden Fragen recht bald zu beheben. Ob das der Fall sein wird, ist naturgemäß schwierig zu sagen, immerhin könnte es versucht werden. Dieser Vorschlag hat jedenfalls das für sich, daß er nichts zerschlüge, ohne etwas Besseres zur Hand zu haben. Es ist interessant, daß diejenigen Sozialisten, die planwirtschaftlichen Ideen huldigen, diesen Vorschlag unterstützen. Auch die Industrie würde sich mit diesem Vorschlag abfinden. Einzelne Teile würden ihn sogar begrüßen; denn innerhalb der Industrie selbst gibt es viele Kartellgegner. Welcher Vorschlag bezw. welche Kombination aus diesen Vorschlägen letzten Endes genommen wird, steht noch dahin. Es ist damit zu rechnen, daß mit der Veröffentlichung des Arbeitszeitgesetzes auch die Verordnung über die Kartellregelung erlassen werden wird. Wir möchten der Meinung sein, daß die Regierung auf der einen Seite durch ihre Verordnung dafür Sorge trägt, daß die Auswüchse, die sich im Kartellwesen gezeigt haben, nach Möglichkeit vollständig vermieden werden, und auf der anderen Seite keine Organisation zerschlagen wird, die trotz mancher Schwächen Gutes gewirkt haben Die belgische Besatzung hat sich, soweit bisher bekannt, passiv verhalten. Es sei noch erwähnt, daß die Sonderbündler das gesamte Personal der freiwilligen Sanitätskolonne und sämtliche Krankenwagen der Stadt in Beschlag genommen haben. Die österreichischen NationalratsWahlen. Am Sonntag ist in Oesterreich der Nationalrat gewählt, der unserem Reichstag entspricht; die Stimmabgabe gilt auch für eine Reihe von Landtagen, darunter für den Wiener Gemeinderat, der gleichzeitig Landtag ist, seit Wien als besonderes Bundesland neben Riederösterreich, Oberösterreich, Steiermark usw. steht. Diese Wahl, die dritte seit dem Zusammenbruch der Habsburgermonarchie und der Bildung der deutschen Republik Oesterreich, hat die Entwicklung Oesterreichs zum Zweiparteiensystem, die schon bei den letzten Wahlen vom Oktober 1920 ersichtlich war, noch schärfer fortgesetzt. Die Zahl der Abgeordneten(Nationalräte) war von 183 auf 165 herabgesetzt worden; das wird man dem Vergleich der neuen Mandatszahlen der einzelnen Parteien mit ihren früheren in Rechnung stellen Die Wahl vollzog sich nach dem Listen= und Verhältnissystent; auch hier waren gegenüber der letzten Wahl einige Aenderungen getrofesn die vor allem die Stimmenzählung betrafen; und diese Veränderungen waren den großen Parteien zum Vorteile; die Zahl der in andidet brauchte, schwankte in den einzelnen Wahlkreisen von 14 000 bis 17000 en 33 Abgeordneten des bisberigen Nationalis ware. 34 Christlichsoziale, 69 Sozialdemokraten. zu denen auch die 7 Abgeordneten der deutschen Bauernpartei zählten; ein Mandat besaß die bürgerlich-de orratische Arbeitspartei in der Person des eeesenmmsters der Habsburger Monarchie Der österreichische Wahlkampf ist von den beiden großen Parteien aus wohlgefüllten Parteikassen in geradezu amerikanischem Stil bestritten worden: wie aber in der österreichischen Politik der tatsächliche Einfluß der großen Wiener Blätter gerung ist, so gilt auch am Wahltag durchaus nicht das lauteste Wort. Man hatte ein Uebereinkommen der Parteien zustande gebracht, das sehr geeignet war, die Lust zu entgisten; jede Partei verpflichtete sich, die Wahlversamlungen der anderen unbehelligt zu lassen, und unter gegenseitiger Kontrolle war jede Agitation mit dem Privatleben eines Kandidaten verboten. Man sagte sich auch dort politisch die saftigsten Grobheiten; man hat aber immerhin schon erkannt, daß Politik eine praktische Sache ist, die mit persönlichen Feindschaften nicht überladen werden darf, und daß auch der politische Gegner zuerst Mensch und Mitbürger, und dann erst Gegner ist. ** Wien, 21. Okt. Die heutigen Wahlen zum Nationalrat sind nach den vorläufigen Meldungen ruhig verlaufen. Die Wahlbeteiligung betrug bis 90 Prozent. Nach den bisher vorliegenden Resultaten erleiden die Großdeutschen eine starke Einbuße an Sitzen, die etwa zu gleichen, Teilen den Christlichsozialen und den Sozialdemokraten zugute kommen. Wie aus Linz berichtet wird, ist der dritte Präsident des Nationalrates Dr. Dinghofer(Großdeutscher) nach den vorläufigen Ergebnissen unterlegen. Wie die Kirchenschätze in Rußland geraubt wurden. Die bolschewistischen Behörden legen auf alle Kirchenschätze und alle Kostbarkeiten, die während vieler Jahrhunderte in den berühmten russischen Klöstern angesammelt worden sind, Beschlag. Ursprünglich hieß es, daß diese Schätze zur Unterstützung der Hungerleidenden herangezogen würden, aber obwohl nach den offiziellen Erklärungen keine Hungersnot in Rußland mehr ist, fahren die Sowjetbehörden sort, die verborgenen Kirchenschätze aufzuspüren und zu konfiszieren. Eine solche Beschlagnahme schildert die bekannte Moskauer Sowjetzeitung„Iswestija“. Die Kostbarkeiten waren in tiefen unterirdischen Gängen versteckt, die unter dem Kloster angelegt worden waren. Diese Gänge sind so schmal, daß ein Mann sich nur mit Mühe hinduchzwängen kann. Die Mönche behaupten, daß die Gänge für Heizzwecke dienen, doch ich glaube es nicht, schreibt der Berichterstatter. Wie dem auch sei, die Mönche haben von dieser Anlage einen guten Gebrauch gemacht. An verschiedenen Stellen waren im Boden der Gänge lange Risse gemacht, durch die man zu Gruben gelangte, in denen die Schätze aufgehäuft waren. Die Mönche glaubten, daß niemand auf die Idee kommen werde, dort nach Schätzen zu suchen und bis zu einem gewissen Grad behielten sie recht. Ich versuchte, mich durch die Gänge durchzuzwängen, an einer Stelle war der Durchgang so eng, daß stecken blieb und weder nach vorne noch nach rückwärts konnte. Nach vielen Anstrengungen erst glückte es mir mich aus dieser ungemütlichen Position zu befreien Meine Kameraden haben bei dem Suchen nach den verborgenen Kostbarkeiten viele Schwierigkeiten überwinden müssen. Sie mußten durch die engen Risse in die Gruben kriechen, was nicht bloß beschwerlich, sondern auch lebensgefährlich war. Ihre Kleider hingen danach in Fetzen herunter, ihre Ellbogen und Knie waren mit Blut bedeckt und ihr ganzer Körper steckte in einer dicken Schicht von Lehm und Staub. An verschiedenen Stellen waren Teile der Gänge vermauert. Dahinter befanden sich Schätze. Wir waren daher gezwungen, alle Mauern mit Hämmern abzuklopfen, um nach dem Ton bestimmen zu können, ob es sich um eine echte Mauer oder nur um einen abgeschlossenen Gang handle, Wie die russischen Blätter bereits mitgeteilt haben fügt der Berichterstatter hinzu, wurde unsere Arbeit belohnt. Wir fanden 5 Pud(etwa 81 kg) Gold und 25 Pud(etwa 409 kg) Silber. Aber was die Zeitungen nicht wußten, ist, daß außer Gold und Silber auch große Mengen kostbarer Edelsteine entdeckt wurden. An mehreren Orten waren Säckchen mit Diamanten, Perlen Rubinen, Smaragden usw. vergraben. Um uns irrezuführen, hatten die Mönche die Edelsteine aus den Kronen der Heiligenbilder und aus den Rahmen der Gemälde herausgebrochen und sie in unterirdischen Gängen verborgen, während die Heiligenbilder falsche Steine erhielten. Außer dem oben Erwähnten fanden wir noch viel Gold= und Silbermünzen, Eimer mit Zarenrubeln und große Mengen Wertpapiere. Vermischte Nachrichten. Frankfurt a. M., 21. Okt. Das fast unmittelbar vor den Toren der Stadt liegende Klubhaus des Sportklub 80 wurde Samstag abend 10,30 Uhr von 150 militärisch disziplinierten Kommunisten überfallen. Elf. im Hause anwesende Gäste, sieben Herren und vier Damen, wurden unter Androhung sofortiger Erschießung körperlich nach Waffen untersucht. Dann ervrachen die Kommunisten sämtliche Schränke und Behälter des Hauses, und durchsuchten diese ebenfalls nach Waffen, aber ohne jeden Erfolg. Eine telephonische Verbindung mit der Stadt bezw. mit der Polizei war während des Ueberfalls nicht möglich, da die Kommunisten vorher die Fernsprechleitung durchschnitten hatten. Die Ueberfallenen dursten vor einer Viertelstunde nach Abzug der Bande das Haus nicht verlassen und standen während dieser Zeit unter Bewachung mehrerer schußbereiter Kommunisten, die den Abzug der Bande deckten. Bis jetzt war es noch nicht möglich, auch nur einen der Beteiligten auffindbar zu machen. Darmstadt, 21. Okt. Bei Unruhen, die Samstag nachmittag in der hiesigen Stadt vorkamen, mußte die Polizei mit blanker Waffe gegen die Menge vorgehen. + London, 22. Okt. Lloyds meldet aus Konstantinopel: Der italienische Dampfer„Agatocle" lief im Golf von Ismid auf eine Mine und sank. Acht Personen sind umgekommen. * Sprengstoff=Fund bei einem sozialdemokratischen Blatte in Halberstadt. X Halberstadt, 20. Okt. Auf eine Benachrichtigung, daß in dem Druckereigebäude des sozialdemokratischen„Tageblattes" Waffen verborgen gehalten werden sollten, fand eine Durchsuchung der Räumlichkeiten durch die Reichswehr unter Zuhilfenahme von Polizeibeamten statt. Man fand laut„Magd. Ztg.“ zwar keine Waffen, aver einige Rollen Sprengstoff in gebrauchsfähigem Zustande. Die Angelegenheit ist der Staatsanwaltschaft übergeben worden. Der Sprengstoffund erregt um so größeres Aufsehen, da als Verleger des sozialdemokratischen Blattes der hiesige Erste Bürgermeister zeichnet, der in seiner Eigenschaft als Stadtoberhaupt Chef der Polizei ist. Schwankende V Berlin, 22. Okt. Oesterr. Creditbank. 2,6 Bochumer Gußstahl, 189 Buderus Eisen. 60 Deutsch=Luxemb. 156 Gelsenk. Berg. 150 Harpener Berg. 220 Hresch 200 Kattowitzer Bergb. 90 Laurahütte. 65.5 Mannesmann, 87 Oberschlef Eisenb. 52 Oberschlef. Eisenind. 50 Phönix. 104,9 Rhein Braunkohl. Rhein, Stahlw. Niebeck. Mont. Rombacher H. Deutsch. Kali Kali Aschersleben. Westerreg. Alk. A. G f. Anilin, Anglo Guano. Bad. Anilin. Chem Griesheim, Dynamit Nobel. Elberf. Farben. Th. Goldschmidt. Höchster Farben Köln Rottweiler. Oberschl. Koks. Rhein. Sprengst. Bergmann, Elektr. Licht u. Kr. Felten& Guill. Ges. f. elektr. Un. Sachsenwerk. Schuckert. Siemens Halske. Görlitz Waggon Gothaer Waggon. Hann. Waggon Rathgeb. Waggon. Adler Werk. Augsba. Nürnb. M. Berl. Anhalt, Masch. Berl. Karlsr. Werke. Gebr. Böhler. Daimler Motoren. Deutsche Masch Hartmann Maschin. Sumboldt Maschin. Orenstein& Koppel Hackethal. Hirsch Kupfer. Rhein Metall. Hugo Schneider. Vogel Telegr Stettiner Bulkan. Hammersen. Nordd. Wolle. ellstoff Waldhof eutsch Atlant. Tel. ahlberg List. eonhardt Tietz. leu=Guinea 95 135 95 110 110 105 60 62 35 32 50 141 19 54 39 37 23 72 18 31 25 85 22 5 107 115 14 20 43 13 120 16 8.5 85 32 7,1 33 30 2 6 Go 16 65 21 55 17.5 24 60 750 190 350 1000 100 290 500 210 110 160 50 100 160 220 50 65 40 15 420 43 39 100 35 16 100 13 13 180 210 30 10 31 135 10 700 290 600 900 250 170 375 300 460 250 210 350 160 160 225 105 155 125 90 165 150 135 100 255 120 60 100 60 255 495 42 25 90 100 45 2 90 14 45 25 174 25 990 40 60 80 2 47 150 S2a 13 805 210 700 940 550 300 425 270 300 600 500 660 450 250 170 210 120 195 150 75 190 160 140 90 400 110 75 94 80 20 375 415 43 35 150 160 50 19 110 19.5 400 120 60 2 28 37 0 70 115 17 180 Aus dem Kreise Ahaus. Ahaus, 23. Okt. Die Schupo macht sich weiter unmöglich. Erst vor kurzem mußten wir an dieser Stelle über nächtliche Vorkommnisse eines völlig betrunkenen Schupobeamten berechtigte Klage führen. Damals meinte die Schupo zwar, diesem unzuverlässigen Beamten sei schweres Unrecht zugefügt worden und es wurde sogar versucht, die grobe Verfehlung als eine kleine Harmlosigkeit hinzustellen. Jetzt geht abermals ein Entrüstungssturm durch die Bevölkerung unserer Stadt, weil angetrunkene Schupobeamte am Freitag abend in eine Wirtschaft kamen, und nachdem sie Feierabend geboten, die versammelten Vorstandsmitglieder des Kriegervereins in einem Tone anfuhren, den wir hier im kultivierten Westen nicht gewohnt sind. Die Beamten wurden sogar gegen die Gäste handgreiflich. Nach dieser strategisch wichtigen Räumung verlegten die Beamten, die selber kaum noch stehen konnten, ihr Tätigkeitsfeld auf die Straßen der Stadt. Wehe dem armen Straßenpassanten, der ihnen in die Hände siel. Mit vorgehaltener Pistole wurden ruhig des Weges gehende Leute angehalten, verhaftet, gestoßen und dann zur Wache gebracht. Unter den 4 perhafteten Personen befanden sich zwei einarmige Kriegsbeschädigte, Den Leuten wurden die Kleider teilweise vom Leibe gerissen. Einem Verhafteten fehlten nachher mehrere Milliarden Mark. Bis gegen 4 Uhr hielt das Treiben der Schupo in den Straßen der Stadt an. Natürlich läßt sich die friedliche Bürgerschaft, sdenn um solche Leute handelte es sich an dem Abend, eine solche Behandlung von den aus Gnade aufgenommenen Schupobeamten nicht gefallen und, wie wir hören, liegen bei den zuständigen Stellen bereits eine Anzahl Beschwerden vor. Denn sdas ist sicher, die Bürgerschaft ist die jetzige Schupo richtig leid und schon lange wird der Tag herbeigesehnt, an dem die Beamten abberufen werden. Denn es ist für den Quartiergeber kein Vergnügen, wenn der„Herr Schupo“ fast jeden Abend völlig betrunken nach Hause kommt, und wie es auch schon vorgekommen ist, dann seinen Hausherrn auf die Straße setzt. Durch solche Vorkommnisse kann die Schupo sich die Sympathien der Ahauser Bürgerschaft nicht erwerben. Da waren die früheren Beamten doch ganz anders. Diese würden, falls sie wieder nach hier kämen, überall mit offenen Armen aufgenommen.— Wie aus Borghorst gemeldet wird, sind sdort in letzter Zeit auch Dinge vorgekommen, die der dortigen Schupe nicht zur Ehre gereichen. Pferdezuchtverein. War schon die Zeit der Gründung des neuen Kreispfendezuchtvereins äußerst traurig und schwierig, so sind augenblicklich die Verhältnisse, unter denen das von den Arbeitsausschüssen aufgestellte Programm durchgeführt werden soll, nach bedeutend schwieriger. Nichtsdestoweniger sucht der Verein sein auf weite Sicht aufgestelltes Programm in die Tat umzusetzen. Kommenden Sonntag findet dieserhalb in Schöppingen, 3 Uhr nachmittags(Hotel Sendhoff), eine gemeinsame Besprechung und Erörterung aller diesbezüglichen Fragen statt. Alle Freunde und Gönner der Pferdezucht, besonders aus den umliegenden Orten, werden gebeten, durch zahlreiches Erscheinen ddie positive Arbeit des Vereins zu unterstützen. Es handelt sich namlich in erster Linie um Neubeschaffung guter Vatertiere und Stellungnehme zum Gestut, um auch hier in dieser Beziehung zu größerem Einfluß zu gelangen. Gronau. Gronau, 22. Okt. Die Zentrumspartei Gronau wird, wie wir erfahren, in der kommenden Woche eine große Versammlung abhalten, für die die Herren Reichstagsabgeordneter Univers.=Prof. Dr. Schreiber aus Münster, und Herr Generalsekretär Brand aus Münster als Redner zugesagt haben. Gronau, 22. Okt. Der kath. Arbeiterverein St. Paulus hielt am letzten Sonntag eine zahlreich besuchte Versammlung ab. Der kleine Saal in der Konkordia konnte die Besucher kaum fassen. Aus der reichhaltigen Tagesordnung heben wir nachstehendes hervor: Auf Anregung des Herrn Pfarrers meldeten sich Mitglieder zum Instandsetzen der Wege auf dem neuen Friedhof. Antreten Samstag dieser Woche vor= und nachmittags an der Arbeitsstelle. Weitere Arbeitskräfte sind begehrt.— Der Vereinspräses hielt einen mit großem Beifall aufgenommenen belehrenden Vortrag über die 4 Temperamente.— Das Beitraaswesen wurde mit Wirkung vom 1. November ab in folgender Weise geregelt: Jedes Mitglied zahlt einen Monatsbeitrag an die Vereinskasse von 5 Goldpfennig. Die Beiträge werden nicht mehr von Vertrauensleuten bei den Mitgliedern eingesammelt, sondern jedes Mitglied hat seinen Beitrag an einem beliebigen Sonntag einmal im Monat im Vereinslokal an den Kassierer nach dem Hochamt zu entrichten. Die Umrechnung in Papiermark erfolgt auf Grund der amtlichen Notierung des Guldens an der Berliner Börse am voraufgegangenen Freitag. Bei der anhaltenden Entwertung der Mark hat also derjenige den Vorteil, der schnell bezahlt. Durch dieses Verfahren hofft man nicht nur, eine gewisse Wertbeständigkeit in der Beitragszahlung zu erzielen, sondern auch die schöne alte Sitte, die früher im St. Josephsverein, dem Vorläufer des Arbeitervereins, herrschte und bei den Mitgliedern soviel Anklang fand: die häufigen zwanglosen Zusammenkünfte, zum Besten des Vereins wieder aufleben zu lassen.— Die bestellten Kartoffeln sind noch nicht angekommen. Wie der Präses mitteilte, ist mit einer Nachzahlung zu rechnen. Der von den Mitgliedern aufgebrachte Betrag reichte zur Anzahlung nicht aus. Der Fehlbetrag, ½ Billion, ist von einem Gronauer Bürger, unverzinslich und rückzahlbar im Nennbetrage zur Verfügung gestellt worden. Die Versammlung nahm mit großem Dank an den edlen Arbeiterfreund von dieser Mitteilung Kenntnis.— Die Regelung einiger Punkte, die die Sterbekasse betreffen, soll in der nächsten Versammlung stattfinden, ebenso die Vorstandswahl.— Die Tagesordnung zur nächsten Versammlung wird rechtzeitig in dieser Zeituno veröffentlicht werden. Gronau, 22. Okt, Glück beim Unglück hatte ein Mädchen von 13 Jahren, das von einem Personenkraftwagen an der Ecke Burg= und Lindenstraße angefahren wurde. Während das Mädchen mit einigen ungefährlichen Hautverletzungen davonkam, wurde das von ihm benutzte Fahrrad vollständig zertrümmert. X Gronau, 23. Okt. Ueberfallen wurde am Freitag abend auf der Enschederstraße ein Eisenbahner. Der Eisenbahner setzte sich aber ordentlich zur Wehr, sodaß die Räuber schließlich fliehen mußten. Westfalen und Nachbarprovinzen. V Dortmund=Dorstfeld, 22. Okt. Der Ortskommandont von Dorstfeld hat wiederholt festgestellt, daß die Bewohner von Dorstfeld heimlich in die der französischen Regie unterstellte Zeche„Dorstfeld 2/3“ eingedrungen sind, um Koks zu stehlen. Er hat sich deshalb veranlaßt gesehen, am letzten Freitag alle die Personen, die den zur Regelung des Verkehrs mit Brennmaterial exlassenen Vorschriften zuwider handelten, festnehmen zu lassen. In einem Anschreiben an die deutsche Polizeibehörde weist der Ortskommandant darauf hin, daß der Koks nicht von den Soldaten der Garnison verwandt, sondern auf militärischen Fahrzeugen nach dem Dorstfelder Altersheim gebracht wird. Wesel, 21. Okt. Von einem Polizeiposten wurden zwei Mädchen auf dem Bahnhof in Wesel gestellt, die je einen schweren Koffer trugen. Bei der Revision stellte sich heraus, daß es sich um neue Hunderttausendmarkscheine handelt, die von der Reichsdruckerei verpackt, aber noch nicht in Verkehr gegeben waren. Nach den Feststellungen ist das Geld von den Mädchen in Berlin geholt worden und sollte in Emmerich von einem Ausländer in Empfang genommen werden, der es nach Holland verschieben wollte. Vor 8 Tagen ist ein Betrag von 2000 000000 Mark sichergestellt worden. Es steht somit fest, daß es sich um einen gewerbsmäßigen Schmuggel mit deutschen Reichsbank noten handelt. Ein Ausländer, in die Sache ebenfalls verwickelt, wurde festgenommen. X Düsseldorf, 21. Okt. Der für den Stadtkreis Düsseldorf auf Verlangen der Besatzungstruppen gebildete Wirtschaftsausschuß, dem 12 deutsche und fünf französische Vertreter angehören, trat gestern zu seiner ersten Sitzung zusammen. Der Wirtschaftsrat hat nur beratende Befugnisse. Seine Anregungen sind an den kommandierenden General weiterzuleiten. Es wur den fünf Ausschüsse gebildet: 1. für Geld= und Kredit fragen, 2. für Verkehrsfragen, 3. für Arbeitsfragen, 4. für Fragen des Lebensbedarses, 5. für Fragen der Koh len= und Rohstoffversorgung. Der letzte Ausschuß wird bereits morgen zusammentreten, Maria=Laach. 22. Okt. Die Abteikirche Maria Laach, die bisher Staatseigentum war, ist der Beuroner Benediktiner=Kongregation als Eigentum zurückgegeben worden. Das Kloster Maria=Laach wurde 1093 vom Psalzgrafen Heinrich 2. gegründet, der dahin Benediktiner der Cluniacenser Reform aus Flandern (Affighem) berief. 1127 wurde das anfängliche Priorat zur Abtei erhoben. 1802 wurde sie nach vielhundertjährigem segensreichen Wirken aufgehoben und Kloster und Kirche gingen später als Staatsdomäne auf die preußische Regierung über. Das Kloster selbst kam dann 1820 mit den umliegenden Feldern in den Besitz eines Privaten, welcher 1863 die ganze Besitzung an den Grafen Schaesberg abließ, worauf die Gesellschaft Jesu daselbst ein Colleg gründete. Am 1. Januar 1873 mußten die Jesuiten Maria=Laach verlassen, das erst wieder 1892 von Benediktinern(Beuroner Kongregation) bezogen wurde. Nach dem Kroseschen Kirchlichen Handbuch zählt die Abtei 46 Patres, 10 Kleriker, 4 Chornovizen, 86 Brüder und 5 Brudernovizen. Soziales. Die Lage der Krankenkassen. * Hamm, 22. Okt. In einer Sitzung, die hier stattfand, beschäftigte sich der Vorstand des westfälischen Krankenkassenverbandes eingehend mit der durch das Ermächtigungsgesetz geschaffenen neuen Lage. Abgeordneter Ziegler, der an der Beratung regen Anteil nahm, wurde beauftragt, die Interessen der Krankenkassen des westfälischen Bezirks, insbesondere des besetz ten Gebiets bei den Verhandlungen mit der Reichsreaierung zu vertreten. Auch aus Versichertenkreisen wurde der Wunsch laut, die Krankenkassenvericherung unter allen Umständen aufrecht zu erhalten. Wenn auch an einen weiteren Ausbau der sozialen Versicherung zur Zeit nicht gedacht werden könne, so müsse doch im Interesse der Volksgesundheit die Krankenkassenversicherung bestehen bleiben. Mit einer teilweisen Beteiligung an den Kosten für Arzt und Arznei sind die Versicherten unter gewisser Voraussetzung einverstanden. Wertvolle Anregungen wurden dem Vertreter des Verbandes mit auf den Weg gegeben. Wie wir hören, beginnen die Beratngen im sozialpolitischen Ausschuß bereits am Dienstag. Warum muß man Unter dieser Ueberschrift bringt die„Frankf. Zig.“ folgende sachdienliche Aufklärung der Leserschaft: Niemals ist die Zeitung für den Einzelnen so wichtig gewesen wie jetzt. Das Lesen einer Zeitung bedeutet: Verbundensein mit Deutschlands Schicksal, Deutschlands Zukunft. Wer sich als Glied des Staates fühlt, und, eingeordnet in die große Maschinerie, spürt, wie er höchst persönlich an der Erhaltung des Ganzen beteiligt ist, der wird wissen, warum er die Augen offen halten muß. Er wird hören müssen, was in Politik und Wirtschaft vor sich geht. Wer keine Zeitung liest, schaltet sich aus der Allgemeinheit aus und löst die Verknüpfung mit den Zeitfragen, die jeden angehen, ob er will oder nicht. Die Not der Stunde bringt es sogar mit sich, daß jeder, der die Zeitung nicht täglich und regelmäßig liest, wirtschaftliche Scädigungen erleidet. Denn: Die Zeitung ist als Verkündigungsorgan aller behördlichen Anordnungen, aller Preisbewegungen und Entwicklungsmöglichkeiten verwachsen mit dem Organismus von Stadt und Staat. Darüber hinaus gibt die Zeitung ein mit allen Hilfsmitteln modernster Technik hergestelltes, ständig wechselndes Bild der Vorgänge im eigenen Lande und in der Welt. Kritische Beiträge fachlich geschulter Männer tragen zum Verständnis der jeweiligen Situation bei. Stunde um Stunde sausen auf Telephon= und Telegraphenleitungen radiotelegraphisch und durch Flugpost aus allen Ländern die Nachrichten heran und klären die politische und wirtschaftliche Lage. Ein so großzügig hergestellter täglicher Film der Welt kostet sehr viel Geld. Jeder weiß heute, daß Papier, Farbe und Mate rialien wie Metalle und vieles andere, die täglich in großen Mengen gebraucht werden, weit über dem Weltmarktpreise stehen. Um sich zu erhalten und der Allgemeinheit und dem Einzelnen weiter dienen zu können, ist die Zeitung verpflichtet, die Preise zu nehmen, die ihr die Forrsetzung ihrer großen und schwierigen Aufgaben gestatten! * In der Invaliden= und Hinterbliebenenversicherung ist vom Reicharbeitsminister unter dem 17. Oktober 1923 folgendes verordnet: Vom 22. Oktober 1923 ab gelten für einen Jahres Wochenbeitrag arbeitsverdienst Milliarden A Millionen A bis zu 600„ 190 „„ 840„ 250 „„ 1200„ 360 „„ 1800„ 520 „„ 2400„ 740 „„ 3000„ 940 über 3000„ 1160 werden durch die bisherigen Marken entrichtet, ihr aufgedruckter Geldwert wird vom 22. Oktober 1923 ab verhundertfacht; Marken in den bisherigen Werten werden von diesem Tage ab von der Post nicht mehr verkauft. Marken für die Zeit vor dem 1. Oktober werden auf Antrag von der Landesversicherungsanstalt zu dem aufgedruckten Wert abge geben, aber nur in den Lohnklassen 36—44. Der Antrag ist schriftlich bis Ende Oktober bei der Landesversicherungsanstalt einzureichen und muß die Zahl und Lohnklasse der erforderlichen Marken und die Zeit, für welche sie zu entrichten sind, angeben. Mit dem Antrag ist der Geldwert der Marken gebührenfrei zu übersenden, die Marken werden auf Kosten des Antragstellers mit Entwertungsvermerk geliefert. Anträge, die diesen Erfordernissen nicht entsprechen, sind wirkungslos. Bereits gestellte Anträge, welche diesen Erfordernissen nicht genügen, würden bis 31. Oktober zu erganzen sein. Den gestellten Anträgen konnte bisher aus Mangel an Marken nicht entsprochen werden. slawien: Llubijaerwerke, Bosnien. Rumänien: „Astra“ Waggon. Holländisch=Indien: Waggonfabrik. Chemische Werke. Deutschland: Griesheim Elektron, D. Wildermannwerke, G. m. b. H., Westf. An halter Sprengstoff A.=G., Berlin, Anilin=Konzern, Ko bolyt G. m. b. H. Holz= und Zellstoffe. Deutschland: Kö nigsberger Zellstoffabris A.=G., Nordd. Zellulosefabriken, Buch= und Zellstoffgewerbe H. Stinnes G. Rumänien: Forestia A.=G., Tesita, Holzges. Schiffahrt. Deutschland: A.=G. Stinnes für Seeschiffahrt und Ueberseehandel, Hamburg, Rhein schiffahrt. Hamburger Verkehrs=A.=G., Ostafrika=Linie, Woermann=Linie, Deutsche Werft A.=G. Türkei: Chirehet" Dampfschiffahrtsges. Holland: Große Werstanlagen. Banken. Deutschland: Diskonto=Ges., Barmer Bankverein, Metallbank, Berliner Handelsges. Ungarn: Britisch=Ung. Bank. Italien: Banka Com. italiana, Credito italiano. Zeitungen und Verlag. Dentschland: Telegraphen=Union, Deutsche Allg. Ztg., Ind, und Handels=Zeitung, Münchner Neueste Nachrichten, Frankfurter Nachrichten, Reimar Hobbingscher Verlag, Norddeutsche Buchdruck= und Verlags=A.=G., Annoncen=Vertriebsgesellschaft. Oesterreich: Deutschösterr. Tagesztg. Handels= und Verkaufsorganisationen. Deutschland: Viktoria Holzhandelsges., Oberlausitz. Oesterreich: Dordd. Handels A.=G., H. Stinnes u Co., Wien, H. Stinnes G. m. b. H., Salzburg. Ungarn: Britisch=Ungarische Transportgesellschaft. Jugoslawien: Transjugo. Rumänien: H. Stinnes G. m. b. H. Bukarest. Türkei: Verl. H. Stinnes der AngloUng. Bank in Smyrna, Verl. H. Stinnes der AnaloUng.Bank in Konstantinopel. Holländisch=Indien: Rhein=Elbe Union Bandoeng. Kleinere Interessen. Hotelgewerbe: Esplanade= Berlin, Hamburgerhof, Hamborg. Porzellan und Glas: Porzellanfabrik Neuhaus Thüringen, Vereinigte Lausitzer Glasfabrik A.=G. Großstadtkinder. Stinnes." Lohnkl. 44 „ 45 „ 46 „ 47 „ 48 „ 49 „ 50 Die Beiträge dieser Lohnklassen Das„Neue Reich", die bekannte Wiener katholischkonservative Wochenschrift für Kultur, Politik und Volkswirtschaft, veröffentlicht nachstehende Zusammenstellung der Stinnesschen Unternehmungen, die allerdings auf Vollständigkeit keinen Anspruch erhebt, aber ein ungefähres Bild von der ungeheuren Ausdehnung des Stinnesschen Kaiserreiches“ bietet: Montanprodukte. Dentschland: DeutschLuxemburger Bergwerks= und Hütten=A.=G., Gelsenkirchener Bergwerks A.=G., Bochumer Verein für Bergbau und Gußstahl, Mühlheimer Bergwerksverein, Roddergrube A.=G. Brühl, A.=G. Rhein.=Westf. Kupferwerke, Gebr. Böhler, Berlin, Ob.=Schles. Eisenindustrie Caro u. Hegenscheidt. Oesterreich: Alpine Montan, Egydier Eisen= und Stahlindustrie, Felten u. Guilleaume, „Ferro" Vereinigte Eisen= und Erzhandels A.=G. Jugoslawien: Jugoslawisches Montansyndikat. Türke:: Türkischer Kohlenbergbau. Italien: Aluminiumfabrik, Neapel. Schweiz: A.=G. Promontana. Holländisch=Indien: Stahl= und Eisenfabriken. Erdöle und Gase. Deutschland:„Olea“ Frankfurt, Riebecksche Montan= und Oelindustrie, Mineralöl=Handels= und Beteiligungs=G. m. b. H. Hamburg, A.=G. für Petroleumindustrie Berlin, Kontinentale Gasgesellschaft Dessau. Argentinien:- Konzession für Petroleum. Elektrizität. Deutschland: Siemens, Halske, Schuckert u. Co., Nürnberg, Kontinentale Elektrizitätsgesellschaft, Nürnberg, Siemens Hamburg, Bergmanns Elektr.=Werk, Rhein.=Westf. Elektr.=Werk, Rhein. Elektr. A.=G. Mannheim, Elektrobau G. m. b. H., Osram G. m. b. H., Wolframgesellschaft, Union A.=G., Lahmayer u. Co., Rheinische Elektrowerke, Elektro Treuhand. Schweiz: Schweizer Ges. für elektr. Industrie Basel. Argentinien: Deutsch=Ueberseeische Elektrizitätsgesellschaft. Oesterreich: Siemens=Schuckert. Maschinenindustrie. Deurschland: Protos=Werke, Loebwerke, Imperatormotorenwerke, Berlin. Ungarn: Dr. Liptak. Bau= und Eisenind. JugoVon Maria Kahle=Olsberg. Von einer Vortragsreise in Bayern schich uns unsere gefeierte westfälische Dichterin folgendes Sonett: Seht, wie sie matt sind, diese armen Kleinen! Wie welker Knospen blassendes Geblüt Schleicht es durch ihre Adern, krank und müd; Die Großstadt engt sie ein, ein Wall von Steinen. Sie wissen nicht, wie bunt der Sommer glüht Und wie in Blumenpracht die Wiesen scheinen; Am kleinen Bett der Mutter stilles Weinen Warf Alltagssorgen früh in ihr Gemüt. Die Ihr von Deutschlands großer Denkt Ihr daran, dies werdende Die bleiche Saat aus Sumpf und Schmutz zu retten Nutzlos ist sonst der Kampf, den Ihr vollbringt, Denn müde Seelen tragen ewig Ketten, Der Sonnenlose bleibt ein stumpfer Knecht! Zukunft singt, Geschlecht, 6 Neues aus aller Welt. Die Lebensmittelunruhen in Berlin. * Berlin, 22. Okt., Die Lebensmittelunruhen in Berlin setzten sich am Sonnabend abend und am Sonntag vormittag fort. Besonders die Bäckereien waren von Menschenmassen belagert. Die Polizei mußte in zahlreichen Fällen feststellen, daß tatsächlich keine Backware mehr in den Läden vorhanden waren. In einzelnen Bäckereien und Lebensmittelgeschäften kam es zu Plünderungen. Ansammlungen in Hamburg. X Hamburg, 22. Okt. Infolge der heute eingetretenen weiteren Preissteigerungen, insbesondere der Brotpreise, geriet vor allem die minderbemittelte Bevölkerung in harte Bedrängnis, die in den Vorund Nachmittagsstunden zu Ansammlungen führte, die von der Polizei leicht zerstreut wurden. In einem Felle erhielt ein Mann, der einem Beamten mit einem volver entgegentrat, einen Beinschuß. Zu neuen Ansammlungen kam es in den Abendstunden in verschiedenen Straßen, wobei auch zwei Bäckerläden geplündert wurden. Drei Plünderer wurden verhaftet. Schweres Automobilunglück. + Sitten, 21. Okt. Am Sonnabend abend stürzte ein Automobi l mit etwa 30 Insassen in eine Schlucht und riß etwa 20 von ihnen mit hinab. Sie wurden zum Teil schwer verletzt geborgen, 8 der am schwersten Verletzten wurden nach Sitten gebracht. Die Verlobung des italienischen Kronprinzen. Die Verlobung des italienischen Kronprinzen Umberto mit der Prinzessin Maria von Belgien wird am 4. November, dem Jahrestage des italienischen Sieges von Vittorio Veneto, offiziell verkündet werden. Wohnungsnot in Rom. Laut Statistik gibt es in Rom 20000 Bürger ohne Wohnung. Die italienische Regierung hat Millionen von Lire gespendet, um in der Nähe Roms zahlreiche Bauken aufzuführen. Es sind zunächst zwei Städte entstanden, Giardino und Sant Onofrio. Doch die Mieten in jenen Häusern sind so hoch, daß sie fast alle leer stehen. Man hat infolgedessen die neuen Städte„Totenstädte“ genannt. Und so bleiben die Wohnungslosen Roms auch weiter ohne Wohnung. Joseph Haydn. Roman von Franz von Seeburg. )——(Nachdruck verboten.) Der Meister lieh seine Kompositionen nach allen Ecken d Enden. Ueberall wurden sie kopiert, das Original er mit Dank und Bewunderung zurückgegeben. Haydns elodien sind bald in jedem guten Orchester die hervorgenden Perlen und Lieblinge, er erntet Lob von allen eiten— die Musikalienhändler reiben sich verlegen und stürzt die Stirne über ein Genie, das mit beiden inden seine besten Blumen verschenkt und nicht einen ugenblick daran denkt, sie zu verkaufen; sie machen m Anerbieten, glatt und vorsichtig, aber Haydn lacht id sagt, er habe vorderhand nichts zu verkaufen, da er les bereits verschenkt habe. So wächst des Meisters uf und Ruhm, aber nicht sein Geld. Sein ganzer Reichm besteht in dem aus der Schatulle des Fürsten begenen Gehalte, der für ihn selbst ebenso ausreichend wesen wäre, als er für seine verschwenderische Gattin ts viel zu klein war. So mild Haydn war, und so sehr Wohlwollen den rundzug seines ganzen Wesens machte, so konnte er, sich doch zuweilen nicht versagen, übermütigen Mensen eine empfindliche Lektion zu geben. Einst wurde in Preßburg der Landtag abgehalten. ie Kaiserin Maria Theresia war zugegen, die Magten entfalteten ihre ganze blendende Pracht, und Fürst sterhazy hatte seine Kapelle dorthin befohlen, um der aiserin, welche eine große Freundin der Musik war, nen hoh eser Gel age brins Esterhazys Absicht bekannt geworden war, me b vier Liebhaber von boher Geburt bei dem Fürsten it dem Ersuchen, unter Beihilfe von zwei Musikern der aiserin eine Symphonie vortragen zu dürfen. Fürst sterhazy war von der gestellten Bitte durchaus nicht tzückt, konnte aber dieselbe nicht abschlagen, ohne gegen e hochgeborenen Herren unartig zu sein. Haydn und omasini waren bestimmt, hierbei mitzuwirken. Das Konzert sfand in Gegenwart der Kaiserin und des Adels statt. Den ersten Teil desselben bildeten die auserlesensten Kompositionen Haydns, welche von der Kapelle mit einer vollendeten Meisterschaft vorgetragen wurden. Die Ehrfurcht vor der anwesenden Kaiserin verbot jede laute Beifallsbezeigung, dagegen überschüttete Maria Theresia in der Zwischenpause den glücklichen Haydn mit dem reichsten und wärmsten Lobe. Am Schlusse bemerkte die Kaiserin:„Haben wir uns nicht schon einmal gesehen?“ Haydn verneigte sich tief. „Ja, Majestät! Es war damals, als das Lustschloß Schönbrunn noch im Baue begriffen war.“ „Ich erinnere mich nicht!“ unterbrach die Kaiserin nachdenklich. „Ich war damals noch ein frischer ungezogener Junge", fuhr Haydn lächelnd fort,„und Kapellknabe bei Reutter. Es war Sonntag, und wir durften nach Belieben spazieren gehen. Die Neugierde trieb mich, den neuen Schloßbau zu besichtigen, und ich ging nach Schönbrunn. Anfangs begnügte ich mich damit, die gewaltigen Mauermassen anzustaunen, dann aber kam mir die Lust, an den Gerüststiegen hinaufzuklettern. Ich tat es. Und je höher ich stieg, um so tollkühner wurde ich. Ich ruhte nicht, bis ich nicht ganz oben auf dem Gerüste stand. Einen Augenblick erfaßte mich Schwindel, bald jedoch kletterte ich wieder wie ein Eichkätzchen auf Mauern, Stangen und Brettern umher. Endlich dachte ich an den Rückweg. Ich lief die schwankenden Stiegen hinab, daß die Bretter sich unter meinem stampfenden Schritte bogen: schon wollte ich vom Gerüste auf den Boden hinabspringen, da sah ich Sie, Majestät, mit einigen Damen und Herren am Ausgange der Treppe stehen.“ Der Kaiserin Auge leuchtete auf; sie erinnerte sich jenes Vorkommnisses. Ich zögerte einen-Augenblick, dann schlich ich mich sehr bescheiden die Stiege hinab. Kaum hatte ich meinen Fuß auf festen Boden gesetzt, als mich schon ein Bedienter packte und festhielt. Majestät sahen mich so ernst und strenge an, daß ich den Blick bestürzt zu Boden senkte. Ichmußte sagen, wer ich sei— in meinem ganzen Leben hat mir die Stimme nicht so gezittert, wie damals— und hierauf wurde ich nach einer ernsten Strafrede wegen meiner Tollkühnheit von Majestät entlassen. Am andern Tage aber ließ nur Reutter einen Schilling herunterhauen, wie er sagte, auf Allerhöchsten Gnädigsten Befehl.“ „Ganz richtig“, bestätigte die Kaiserin lächelnd.„Ich freue mich dessen, denn diese Schläge haben den Josef Haydn vor ferneren Tollkühnheiten bewahrt und uns einen großen Meister erhalten. Aber sagen Sie mir, was werden wir nun zu hören bekommen?“ Haydn wollte antworten; allein einer der vier hochsadeligen Dilettanten schnitt ihm das Wort ab und sprach: „Vier Grafen sind glücklich, Eurer Majestät eine Symphonie vortragen zu bürfen.“ „Ist sie von Joseph Haydn?" fragte Maria Theresia, „Nein, Majestät!" und des Sprechers Blick streifte geringschätzend den deutschen Meister;„aber Haydn und Tomasini werden mitwirken. Wir pflegen nur italienische Musik und wissen sie würdig vorzutragen.“ „Und mißachten Sie die deutsche?" „Ja, Majestät, denn ein Deutscher versteht nicht, Musik zu schreiben.“ Der Kaiserin Antlitz verfinsterte sich. Sie entließ den prahlerischen Adeligen und wandte sich an den zu ihrer Linken sitzenden Fürsten. „So denken wir beide nicht, lieber Esterhazy“, sprach sie mit fester Stimme.„Wir freuen uns jedes Talentes, das aus unserer Mitte hervorgegangen ist. Uebrigens", setzte sie in einem Anfluge von Laune bei,„ich möchte wissen, was aus den stolzen Dilettanten würde, wenn sie auf einmal von den mitwirkenden Künstlern im Stiche gelassen würden.“ Haydn hatte diese Worte noch gehört, und sie hatten in seiner Seele gezündet. Mit gleichgültiger Miene ging er auf Tomasini zu, flüsterte einige Sätze und trat dann an sein Notenpult, um seine Geige zu stimmen. Die Symphonie begann, Haydn und Tomasini spielten die erste Violine; alles ging flott und glatt: die beiden Meister bielten mit festem Striche ddie Dilettanten im Takte." Da, mitten im Spiele sprang die Quint auf Haydns Geige; einer der aboligen Musici bemerkte dies und reichte Haydn sein eigenss Instrument: dieser aber hält, ols blute er ans der Nase, das Taschentuch vor das Gesicht und eilte aus dem Saale Tomasini spielt mit den Dilettanten weiter; bie Passagen sind leicht, sie erfordern keine besondere künst lerische Fertigkeit. Aber nun wird es schwarz und wir auf den Notenblättern: die Zweiunddreißigstel und die Dreimalgestrichenen stehen drohend vor den Augen der Spielenden; diese richten ängstliche Blicke auf Tomasini welcher ruhig die schwierige Stelle beginnt. Noch geh alles gut; da springt auch auf seiner Violine eine Saite er zuckt die Achseln, legt das Instrument weg und geht ab. Noch hat er die Türe des Saales nicht hinter sich ge schlossen, da geht die Symphonie bereits auf Stelzen wankt, taumelt, stolpert und stürzt nach wenigen Takter elend zusammen. Das Violoncell schnarrt noch einige Töne der Verzweiflung— es stirbt zuletzt—, dann is alles totenstill! Die vier Dilettanten wischen sich tiefgebeugt den kalter Schweiß von der Stirne, die Zuhörer sind in peinliche Stimmung, alle Blicke richten sich nach der Kaiserin, Aber diese lacht vergnügt und klatscht mit ihrer kleinen Händen. „Seien Sie getrost, meine Herren“, spricht sie,„de deutsche Meister Joseph Haydn wird Ihre Scharte in nächsten Stücke wieder auswetzen. Achtzehntes Kapitel Die Abschiedssymphonie. Haydns Haus in Eisenstadt war ein stilles, liebe Plätzchen, abseits von dem Marktlärme der kleinen Stad gelegen, die Mauern und Fenster der Südseite vor üppig rankenden Weinreben überwuchert, freien Ausblic nach den hügeligen Gefilden und dem Leithagebirg bictend, rings von feinkehligen Vögeln umsungen, derer Liedern der Meister am frühesten Morgen stundenlanmit Seligkeit lauschte, und denen er dann in warmen Danke reichliches Semmelfutter auf das Fenstergesims streute; lauschig in seinen Räumen und Winkeln, vor tiefstillem Frieden durchweht, war es das liehe klein Paradies, in welchem Haydn die seligsten und frucht barsten Tagen durchlebte. Ihm war Einsamkeit zur ver trautesten Freundin geworden, sie störte ihn nicht wie die Menschen, sie täuschte und verwundete ihn nicht, (Fortsetzung folgt.) Statt Karten! Ihre Vermählung zeigen ganz ergebenst an Gerhard Bügener Toni Bügener geb. Welmes Epe. den 23. Oktober 1923. Regierungsbaumeister Werner Langweg Charlotte Langweg geb. Fürstenau Vermählte Hamborn Ahaus den 23. Oktober 1923. Nachruf. Am 21. Oktober 1923 entschlief sanft und gottergeben nach längerem, mit musterhafter Geduld ertragenem Leiden, im 45. Lebensjahre, der Seit 1906 an der kath. Volksschule zu Epe tätig, war er uns ein lieber Kollege und treuer Freund, dem stets das Wohl der ihm anvertrauten Kinder am Herzen lag. Dem kath. Lehrerverein Gronau-Epe. dessen Mitbegründer er war, war er ein eifriges Mitglied. Möge Gott ihm ein gütiger Vergelter sein. Wir aber wollen seiner im Gebete gedenken. Das Lebhrksllegium der kath. Volksschule Epe. estfalenkost. Praktisches Kochbuch für jeden Westfalen in Stadt und Land. Vorrätig in der Buchhandlung Gebr. Lensing, Dortmund, Westenhellweg 86. Handelsteil. Reichsbahn und Volksernährung. In der Oeffentlichkeit wird die Teuerung von Obst d Gemüse sowie Lebensmitteln überhaupt häufig der he der Eisenbahntarife zugeschrieben. Dies ist durch3 irrig, denn in ihrer Tarifpolitik hat die Reichsbahn ade auf diese lebenswichtigen Güter besondere Rückt genommen. So wurde Obst und Gemüse im Jahre 3 in immer niedrigere Tarifklassen versetzt. Obst, her in der höchsten Wagenladungsklasse A. wird jetzt den Sätzen der Klasse D, alle übrigen Feld= und rtenfrüchte nach der niedrigsten Klasse F befördert. rtoffeln werden sogar nur zu ein Fünftel der Sätze ser Klasse gefahren, wodurch natürlich nur ein ganz inger Teil der Selbstkosten der Eisenbahn gedeckt od. Für Obststückgutsendungen ist seit dem 16. Okto eine neuerliche Ermäßigung von 33½ Prozent ge hrt worden. Gegenüber der Vorkriegszeit ist das ldniveau der Frachten für Gemüse stark gefallen, für st um die Hälfte und mehr, für Kartoffeln sogar bis etwa 15 Prozent. Ebenfalls im Interesse der Volksährung wird der Reichsverkehrsminister vorübersend einen Ausnahmetarif für Düngemittel einführen. rch den Frachtnachlaß, der bei Stickstoff 30 Proz,, bei li und Thomasschlacke 20 Proz., für Kalk und Mergel Proz. beträgt, soll einerseits künftig eine Steigerung Ernteertrages ermöglicht, andererseits heute ein Anz für die Landwirtschaft geschaffen werden, Düngetel gegen ihre Erzeugnisse auszutauschen und damit Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln zu ichtern. Märkte. Schlachtviehmarkt Dortmund am 22. Okt. Aufgeben waren: 231 Stück Großvieh, 147 Kälber, 125 afe, 298 Schweine. Es kosteten(100 Pfd.): Ochsen: 100 Milliarden A. 2a 95—100, 3a 85—95. 4a 65—85. llen: 2a 70—80, Za 50—70. Färsen und Kühe: 100, 2a 100, 3a 90—100, 4a 70—90, 5a 30—70. Kälr: 2a 605—120, 3a 95—105, 4a 80—95, 5a 55—80. idemastschafe: 1a 100, 2a 60—90. Schweine: 200, 2a 190—200, 3a 150—190, 4a 150—190, 5a 150 190. Marktverlauf flott.— In den Preisen sind salten die Unkosten an Fracht, Viehhofgebühren, satzsteuer, Händlergewinn. Weidefettviehmarkt in Husum am 18. Ott. Die Zue betrug 2516 Rinder und 578 Schafe und Lämmer. Handel war lebhaft. Es bedangen Ochsen la 300 350 Mill., 2a 250—300 Mill., Za 200—250 Mill. ien la 300—350 Mill., 2a 250—300 Mill., 3a 200 bis Mill.; Kühe la 300—330 Mill., 2a 240—280 Mill., 200—240 Mill., 4a 170—200 Mill.; beste fette Schafe Lämmer 300—350 Mill., mittlere Ware 200—300 l. das Pfund Lebendgewicht. Ausgesuchte Tiere den über Notiz bezahlt. Die Ausfuhr nach Mitteltschland betrug in voriger Woche etwa 1850 Rinder 600 Schafe und Lämmer. Viehmarkt in Leer(Östfriesland) am 17. Okt. Der bt= und Nutzviehmarkt war mit ca. 800—1000 Stück h beschickt. Infolge der Geldentwertung gingen die ise schnell in die Höhe. 1. Sorte Kühe und Rinder —500 Milld., 2. Sorte 300—400 Milld., 3. Sorte —300 Milld., 2. Sorte Zuchtbullen 400—500 Milld., Sorte 200—400 Milld., 1: Sorte Kuh= und Bullkälber —200 Milld., 2. Sorte 50—100 Milld., 1. Sorte lachtvieh pro Zentner 20—30 Milld., 2. Sorte 15—20 ld., 3. Sorte 10—15 Milld. Vereinzelt über Notiz. fer 7—15 Milld., Ferkel 2—3Milld., Schafe 10—20 liarden. Berliner Produktenmarkt am 22. Okt. Infolge der rüttung der Währung und infolge der innen- und enpolitischen Verschlechterung der Lage erfolgten le am Produktenmarkt Angebote in Papierwährung vereinzelt. Zumeist handelt es sich dabei um ynstehende Ware, die schnell verkauft werden zte. Die hierbei erzielten Preise waren entsprechend seit Sonnabend eingetretenen Dollarsteigerung hergesetzt. Die in Dollar geforderten Preise, die sich auf sehr kleines Angebot bezogen, lauteten fest, c doch noch verhältnismäßig wenig höher. Das Geft war sowohl in Getreide wie auch in Mehl sehr 1. da die großen zum Erwerb erforderlichen Geldtel die Unternehmungslust hinderten. Amtliche Produktennotierungen. Holländischer Getreidebericht vom 18. Okt.(Groninger Börsenpreise für 100 Pfd. in Gulden.) Roter Weizen 4,00—5,00, Weißer Weizen 4,00—5,05, inl. holl. Roggen 3,25—4,37, Wintergerste 3,50—4,56, Sommergerste 3,75 bis 4,55. Weißer Hafer 3,75—4,42, Schwarzer Hafer 25—4,37, Kap. Erbsen 7,50—13,50, Grüne Erbsen 7,00—10,75, Pohlsamen 7—10, Kümmelsamen 30—60 Senssamen 6,50—14,00. Berliner Metallbörse am 22. Okt. Preise für 100 ig in Mark. Raffinadekupfer 12—1250, Originalhüttenweichblei 54—56, Originalhüttenrohzink, Preis im freien Verkehr 67—69, Remelted=Plattenzink von handelsüblicher Beschaffenheit 50—52, Originalhüttenaluminium in Blöcken, Walz= odr Drahtbarren 235—236, Banka=Zinn, Straits=Zinn, Australzinn, in Verkäuferswahl 41,6—42, Hüttenzinn 40—40,5, Reinnickel 23,5—23,6, AntimonRegulus 5,4—5,6, Silber=Barren 860—880. Essener Börse. Essen, 22. Okt. Aeußerst fest, vor allem Kohlen= und unnotierte Werte. Die Essener Börse verkehrte wieder in überaus fester Haltung. Sehr fest lagen vor allem Kohlenkuxe und Kohlenaktien. So gewannen Alte Haase 12½, Glückaufsegen 22, Moers 40 bezw. 35 Billionen. Im Verkehr waren außerdem Gottessegen, Richard und Wilhelmine Mevissen. Im übrigen waren nicht nur auf dem Kohlen=, sondern auch auf dem gesamten anderen Markt die Umsätze nicht so groß wie an den letzten Börsentagen. Diese Tatsache dürfte wohl darauf zurückzuführen sein, daß die Kaufkraft infolge der enormen Kurssteigerungen etwas nachläßt, andererseits darauf, daß jeder mit Verkäufen zuruckhalt. Die feste Tendenz zeigte sich bis zum Schluß auf allen Märkten. Lediglich Kaliwerte machten die Aufwärtsbewegung wenigstens nicht in dem Maße mit, wie Kohlenkuxe und=Aktien. Im großen und ganzen waren die Steigerungen durchaus nicht analog den katastrophalen Steigerungen am Devilenmarkt. Devisenmarkt. Dollar= 39900000000—40 100 000 000. X Berlin, 22. Okt. Der Zusammenbruch der Papiermark schreitet in erschreckendem Tempo fort. Den äußeren Anstoß für die bei Wochenbeginn einsetzende enorme Devisenhausse bildete die Verschärfung des Konfliktes zwischen der bayrischen und der Reichsregierung und der Putsch in Aachen. Durch die Generalstreikpropaganda der Kommunisten ist außerdem eine schwüle Katastrophenstimmung in der Reichshauptstadt entstanden, die naturgemäß auch den Börsenverkehr nachhaltig beeinflußte. Die Reichsbank steht der sprunghaften Steigerung der Devisenkurse machtlos gegenüber. Im Verlaufe der Börse trat allerdings eine leichte Senkung der Kurse ein, da die Nachrichten aus dem Westen erkennen lassen, daß die Ausrufung der rheinischen Republik sich als ein Akt von eng begrenzter Bedeutung erweist. Dollarschatzanweisungen, die bereits auf 45 Milliarden gestiegen waren, wurden gegen 1 Uhr mit 38 gehandelt. Amtlich notierte Kabel New York 40 Milliarden, London 180 Milliarden. Zugeteilt wurden für Newyork 50%. Amtlicher Kurs. Berlin, 22. Oktober 1923. In Millionen Mark) Berlin, Heu, gutes, „handelsübl. a.W. Kleeheu 900—1200 700—900 uhfutter.(Nichtamtl)(Alles pro 50 kg ab Station) en- u. Roggenstroh htgepr. 1500—1600 rstr., drahtgepr. 1400-1500 indfadengepr. 800—950 enlangstr., geb 1000—1500 Emdener Getreide= und Euttermittelbericht vom 18. Die Preise sind die Erzeuger=Notierungen der letzTage und verstehen sich allesamt bahnverladen(FuhrVerladearbeitslöhne sind eingeschlossen) in Mill. A. er inl. 6000—6500, Weizen inl. 7800—8250, Roggen 6250—6750, Sommengerste 8000—8500, Wintergerste —8750, Speiseerbsen inl. grun 1300—1350, Speiseen inl. grau 1000—1150, La Pintamais fr. Hamb. K 8000, MixedMais fr. Hamb. K. 500—8000, Ge epreßballenstroh 450. Mangelndes Angebot in Köln. * Köln, 22. Okt. In Anbetracht der großen Nachfrage nach ausländischen Zahlungsmitteln, dem ein entsprechendes Angebot nicht gegenüberstand, konnte eine Zuteilung nicht erfolgen. Die Devisen blieben zu dem amtlichen Berliner Geldkurs gefragt. Berliner Börse. + Berlin, 22. Okt. Die Effektenbörse stand bei Beginn des Geschäftes im Zeichen ernster Sorge wegen drohender innerer Unruhen. Gerüchte, wonach mit einer soforti gen Schließung ber Börse zu rechnen sei, erwiesen sich jedoch als unbegründet.(Leider!) Immit der Möglichkeit, daß der Bör senverkehr in den nächsten Tagen Unterbrechun gen erfahren könnte.(Hoffentlich recht bald!) Infolgedessen zeigte sich so gut wie gar keine Unternehmungs ust. Die Umsätze in Effekten waren unbedeutend. Der richtige Weg so zu verwenden, wie es den größten Nutzen bringt! Richle Dich nach folgender Vorschrift, sie ist einlach und bringt Gewinn: I. Löse Persil in kaltem Wasser auf, nicht in warmem; dadurch sicherst Du Dir die größte Ergiebigkeit. Ein Paket schon ergibt 2½—3 Eimer schönster Lauge. 2. Lege die Wäsche in die bereitete kalte Lauge und bringe sie unter gelegentlichem Umrühren langsam zum Kochen. Eine Viertelstunde Rochenlassen genügt. 3 Spüle gut, zuerst in warmem, danach in kaltem Wasser, bis dieses ganz klar bleibt. Das ist alles! Der Erlolg zeigt sich in duftig frischer Wäsche von blendender Reinheit. Du brauchst bei dieser Behandlung keinerlei Zusätze von Seife und Seifenpulver, brauchst nicht zweimal zu kochen und Deine Wäsche nicht auf dem Waschbrett zu reiben. So sparst Du Kohle, Zeit und Geld und schonst die Wäsche! Ein wirtschaftlicheres Waschen gibt es nicht! Mach die Probe! Du allein hast den Nutzen davon! Eine erhebliche Erleichterung bei jedem Waschen bringt das vorherige Einweichen in Henko. Henkel's Wasch- und Bleich-Soda; es wirkt schmutzlösend und verkürzt die naclilolgende Behandlung. Der gute Onkel bringt SCnokolade. Wadder gegen Katarrhe U. S.W. Jch war am ganzen Leibem be. haftet, welche er belesen 9. Übel beseitigt. Diese Seife ist Hunderte wert. Serg. M. Zuckoch-Creme(nicht Apotben ken. 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Oltober cr., nachmittag5 Uhr, im Rathaussitzungssaale. Tagesordnung: 1. Weitere Kredithilfe des Reiches für die Gemeinden. 2. Fluchtlinienplan Zollstraße. 3. Gewerbe=, Betriebs= und Grundsteuer für Oktober betr. 4. Reparatur der Heizung Wilhelmschule. 5. Einbürgerung Richard Rennwanz. 6. Einbürgerung Maximilian Pomeranz 7. Kleidergeld der Polizeibeamten. 8. Fehlgeld der Stadtkasse. 9. Fahrrabentschädigung und Reparaturkosten der Stadiboten, söwie Fahrradentschädigung der Polizeibeamten pp. 10. Verschiedenes. Gronau i. Westf., den 21. Oktober 1923. Der Stadtverordnetenvorsteher: Heisterborg, Rechtsanwalt. Bekanntmachung. Auf die am Schwarzen Breit und an den Plakatsäulen angbrachte Bekanntmachung hetr. Bildung einer Zwaugsminung mit dem Sitze in Abaus für das Maurer=, Zimmerer= unn Dachbeckee Hemdwerk für den Kreis Ahaus wird hierdurch aufmerksam gemacht. Gronau i. Westf., den 19. Oktober 1923. Der Magistrat: Drewer. 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