Maniices Kreisblatt für den Landkreis Ahaus= Zentral=Organ für das verbunden mit Eper Volksblatt, Gronauer Volkszeitung, Nienborg=Heeker Zeitung Lel=Adrese Krelszeitung Abaus l. W.— Hermprecher Nir 60— Dostichllestach 20 Bankkonten: Krels= und Stadtsparkasse Ahaus und Gewerbebank Ahaus Nummer 168 Wöchentliche Sonderbetlagen: Erholungsstunden für das christliche Volk, Westdeutschland in Wort und Bild, Lesefrüchte, Welt und Wissen, Literatur und Kunst, Frauenwelt, Steuer und Recht, Sozialpolitik u. Standesfragen, Technik und Verkehr, Turnen, Spiel und Sport.:: Ahaus, Dienstag, den 22. Juni 1926. nordwestliche Münsterland Stadtlohner Anzeitzer, Vredener Volksblati Anzelgenpreise: Das 30 mm breite mm 10 Goldpfennig. Bet Wiederholungen Rabat nach festem Tartf. Reklamen: Das 80 mm breite mm 50 Goldpfennig Fur Erfullung von Platzvorschriften wird keine Gewähr, sowvle für Druckfehler wird Haftung übernommen. Etwaiger Rabatt gilt als Kassarabatt und kann verweigert werden, wenn Zahlung nicht binnen 8 Tagen nach Erhalt der Rechnung erfolgt. 46. Die Lehren des 20. Juni. Recht und Moral und das Bewußtsein, daß die in dem sozialistisch=kommunistischen Enteignungsentwurf geforderte Konfiskation des Privateigentums der ehemaligen Fürsten der erste Schritt sein würde zum sozialistischen Staat, haben am Sonntag gesiegt. Die überwiegende Mehrheit der Stimmberechtigten hat sich der Stimmabgabe enthalten, rund 1,1 Millionen haben mit Rein oder absichtlich ungültig gestimmt, aber 14,44 Millionen haben die ihnen im Volksentscheid vorgelegte Frage bejaht. Es haben sich also noch nicht 40 Prozent der Wahlberechtigten an der Abstimmung beteiligt, und von der Gesamtzahl von etwa 39,4 Millionen haben nach amtlicher Berechnung 36,3 Prozent mit Ja gestimmt, nicht ganz 2 Millionen mehr, als die Zahl der Eintragungen für das Volksbegehren betrug. Bei der Reichstagswahl am 7. Dezember 1924 wurden auf die sozialdemokratischen, unabhängig=sozialistien und kommunistischen Listen 10,688 Millionen ötimmen abgegeben. Aus den Reihen der nichtsozialistischen Wählerschaft sind für das Begehren der Enteignungsparteien also jetzt rund 3,75 Millionen Stimmen gekommen. Diese Ziffer gibt zu denken. Nimmt man bei der skandalösen Unterstützung, die die Demokratische Partei und der größte Teil ihrer Presse den vereinigten Sozialisten gewährt hat, an, daß tatsächlich etwa 75 Prozent der demokratischen Wähler, rund 1,5 Millionen, für die Fürstenenteignung gestimmt haben, so bleiben immer noch 2,25 Millionen über, die auf die übrigen bürgerlichen Parteien entfallen. Man darf zwar nicht übersehen, daß die große Partei der Nichtwähler, die bei der Dezemberwahl von 1924 rund 8 Millionen Stimmen stark war, jetzt auch zu einem gewissen Prozentsatz mobil gemacht geworden ist. Um Maber einem unangebrachten Optimismus vorzubeugen, wird es gut sein, diesen Prozentsatz sonstiger Nichtwähler, der zahlenmäßig ebenso wenig erfaßt werden kann wie die Ja=Sager aus dem demokratischen und den anderen bürgerlichen Lagern, ganz außer Ansatz zu lassen. Also 2,25 Millionen Stimmen für die Enteignung werden sicher auf das Zentrum und die Parteien rechts von ihm entfallen. Eher mehr als weniger! 2,25 Millionen Stimmen von Wählern, deren Parteien samt und sonders die Parole auf Wahlenthaltung oder wenigstens auf Ablehnung des Enteignungsentwurfes ausgegeben haben! Die für uns naheliegende Frage ist: Wieviel Zentrumsstimmen sind darunter? Zunächst folgende Feststellung: Es gibt Wahlreise, wo die Enteignungsparteien nicht ihre Wahlziffer vom 7. Dezember 1924 erreicht haben. Beispielsweise Östpreußen, Pommern und Mecklenburg. Es mag sein, daß in diesen agrarischen Bezirken die Parole der Stimmenthaltung sich als ein Druck auf einen Teil der Wahlberechtigten ausgewirkt hat. Und ganz objektiv muß die Möglichkeit, daß eine solche mit wahrer Demokratie unvereinbare Einflußnahme auf den freien Willen des Wählers ausgeübt werden kann, als ein technischer Fehler des Gesetzes bezeichnet werden, das die Stimmordnung für den Volksentscheid enthält. Da wir aber sonst keine Wahlpflicht kennen, erscheint es fraglich, ob es möglich ist, sie für den Volksentscheid einzuführen. Auch liegt es nicht im Interesse unseres parlamentarischen Systems, daß der Volksentscheid eine beliebte und häufig in Anwendung kommende Einrichtung unseres politischen Lebens wird. Die Wahlpflicht würde aber nach dieser Richtung hin sehr fördernd wirken. Darüber kann kaum ein Zweifel bestehen. Daher wird man gut tun, sie nicht einzuführen. Daß die Ja=Stimmen aus bürgerlichen Kreisen nicht nur von Demokraten und Zentrumswählern stammen, bezeugt das Volksentscheidsergebnis von Pertin. In diesem Wahstrels eihelten am 1I. Dezember 1924 die Enteignungsparteien 585 595, die Demokraten 115127, das Zentrum 46589, die Rechtsparteien 358882 und andere Parteien 28081 Stimmen. Beim Volksentscheid wurden 942654 Ja=Stimmen abgegeben, darunter also 357059 bürgerliche Stimmen. Selbst den ganz ausgeschlossenen Fall angenommen, daß außer den Rechtsparteien alle Mitglieder der anderen Parteien restlos mit Ja gestimmt hätten, so würden doch für die Deutsche Volkspartei und die Deutschnationalen noch 167262 Stimmen ubria bleiben. Diese große Zahl beweist einwandfrei, daß die Blätter der Rechtsparteien nicht den geringsten Anlaß haben, über die Absplitterung starker Wählermassen vom Zentrum tiefgründige Betrachtungen mit einem Frohlocken im Hintergrund anzustellen. Sie haben allen Grund, zunächst vor ihrer eigenen Türe zu kehren. Denn im Wahlkreis Berlin allein werden in Wirklichkeit, nicht wie oben angenommen 167262 Rechtswähler, sondern mehr als 200000 ihren eigenen Weg, unbekümmert um jede Parteiparole, gegangen sein. Dagegen dürfte in der Zentrumswählerschaft außer der Parteiparole auch die oberhirtliche Erklärung der deutschen Bischöfe ihre Wirkung ausgeübt haben, wenn auch zweifellos nicht in dem Maße, daß man sagen könnte, tein tatholischer Zentrumswähler hat mit Ja gestimmt. Daß leider das Gegenteil der Fall ist, zeigten die westdeutschen Wahlkreise. Auch die katholische Wählerschaft Sayerns, Badens und Württembergs hat, um keine anderen Wahlkreise mehr heranzuziehen, zum Teil die Wahnung der Bischöfe in den Wind geschlagen. Nach dem Die Regierung für das Kompromiß. Berlin, 21. Juni. Nach dem vorläufigen amtlichen Gesamtergebnis stimmten 36,3 v. H. der Stimmberechtigten bei dem Volksentscheid mit Ja. Für die Annahme des dem Volksentscheid zugrunde liegenden Gesetzentwurfs über die vollständige Enteignung der ehemaligen regierenden Fürstenhäuser wäre es notwendig gewesen, daß über 50 v. H. der Stimmberechtigten sich dafür ausgesprochen hätten. Der Volksentscheid ist also negativ ausgefallen. Nach diesem Ergebnis wird nunmehr die Reichsregierung, wie bereits in den letzten Tagen der Reichskanzler, der Reichsminister des Aeußern und der Reichsminister des Innern wiederholt erklärt haben, sich mit allem Nachdruck dafür einsetzen, daß der von der Regierung in Zusammenarbeit mit dem Reichstag in den letzten Monaten ausgearbeitete Kompromißvorschlaa vom Reichstag zum Gesetz erhoben wird. Dieser Vergleichsvorschlag“ wie bekannt, die Einsetzung eines Sondergerichts vor, durch das unter weitgehender Berücksichtigung der finanziellen und wirtschaftlichen Lage der einzelnen deutschen Länder die Abfindungsfrage von Fall zu Fall geregelt werden soll. Zentrum und Fürstenvermögen. Von unserer Berliner Redaktion. V Berlin, 21. Juni.(Drahtber.) Die Zentrumsfraktion des Reichstages hat am Montag einstimmig eine Kundgebung beschlossen, aus welcher zu ersehen ist, daß das Zentrum in der Frage der vermögensrechtlichen Auseinandersetzung mit den Fürsten unverrückbar die gleiche Linie wie bisher einhält. Die Kundgebung hat folgenden Wortlaut: Durch den Volksentscheid ist die entschädigungslose Enteignung des gesamten Eigentums der ehemaligen Herrscherhäuser abgelehnt worden. Auch nach dem Volksentscheid hält die Zentrumsfraktion des Reichstages an der Ueberzeugung fest, daß die vermögensrechtliche Auseinandersetzung zwischen Fürstenhaus und Land die derzeit wichtigste politische Frage bleibt. Im Hinblick auf die notwendige Beruhigung des innerpolitischen Lebens und des gestörten Rechtsempfindens im Volke erträgt die gesetzgeberische Lösung der Auseinandersetzung keinen Aufschub mehr. Noch vor dem Zusammentritt des Reichstagsplenums hat die Zentrumsfraktion in einer besonderen Sitzung zu dieser Frage Stellung genommen Es wurde einstimmig beschlossen, den Vorstand der Fraktion zu beauftragen, mit allen parlamentarischen Mitteln auf die schleunigste Verabschiedung des vorliegenden" Regierungsentwurfes hinzuwirken. Dabei darf unter keinen Umständen die in der Sitzung vom 10. Mai 1926 durch den stellvertretenden Vorsitzenden der Fraktion namens und im Auftrage der Regierungsparteien abgegebene Erklärung abgeschwächt werden. Diese Erklärung legt folgendes fest: „Das Gesetz wird den Fürsten nur das Vermögen belassen, welches sie als unzweifelhaftes Privateigentum erworben haben. Den Folgen des verlorenen Krieges, der Verarmung des Volkes und der gesamten Vermögenslage der Fürsten wird ausreichend Rechnung getragen. Den Ländern soll zugeteilt werden, worauf sie aus Gründen der Kultur oder Volksgesundheit Anspruch haben. Den Fürsten wird keine bessere Aufwertung zuteil als anderen Staatsbürgern.“ Die Zentrumsfraktion steht zu dem gegebenen Wort. Der Vorstand wurde bevollmächtigt, zur Erreichung dieses Zieles erforderlichenfalls alle politischen Folgerungen zu ziehen. Die Norteien und das Kompromißgesetz. Berlin, 21. Juni.(Eig. Drahtb.) Der interfraktionelle Ausschuß des Reichstags trat am Montag nach Schluß der Plenarsitzung zu einer Aussprache über das Fürstenproblem zusammen. Abg. von Guérard teilte den Standpunkt der Zentrumsfraktion mit, der sich in aller Kürze dahin präzisieren läßt, daß mit größter Beschleunigung jetzt das Problem auf parlamentarischem Wege gelöst werden muß.“ Die Vertreter der Deutschen Volkspartei und der Demokraten pflichteten den Ausführungen des Zentrumsvertreters vollkommen bei. Da die Bayrische Volkspartei noch keine Fraktionssitzung abgehalten hatte, konnte ihr Wortführer keine definitive und bindende Haltung einnehmen. Hieraus entstand sofort das Gerücht, die Regierungsparteien seien unter sich nicht einig. Das ist jedoch nicht der Fall. Nach Schluß der Plenarsitzung beschäftigte sich die Fraktion der Bayrischen Volkspartei mit der Frage und kam zu der Entscheidung, sich auf den Boden der Zentrumskundgebung zu stellen. Auf Grund der einmütigen Stimmung innerhalb der Regierungsparteien, die alle Aenderungsantrage an dem Kompromiß ablehnen, nahm Reichskanzler Dr. Marx sofort die Verhandlungen mit den Deutschnationalen und den Sozialdemokraten auf, um die erforderliche Mehrheit für den Gesetzentwurf zu erzielen. Forderung der Demokraten. :: Berlin, 21. Juni. Die demokratische Reichstagsfraktion beschloß heute, auf die Reichsregierung dahin einzuwirken, daß das Gesetz über die Fürstenabfindung noch vor den Reichstagsferien zur Erledigung kommt. Der Vertreter der Fraktion im Rechtsausschuß wurde angewiesen, in der Dienstagssitzung des Rechtsausschusses die en bloc=Annahme des Gesetzes zu beantragen. Die Cozialdemokraten und der Regierungsentwurf. A Berlin, 21. Juni. Die sozialdemokratische Fraktion des Reichstages beschäftigte sich heute in ihrer Sitzung mit den bevorstehenden Ausschußverhandlungen über den Gesetzentwurf zur Fürstenabfindung. In der Sitzung kam zum Ausdruck, daß die Sozialdemokraten sich einer sachlichen Mitarbeit an dem Entwurf nicht entziehen und an einer schnellen und befriedigenden Lösung der Frage mitwirken würden, andererseits aber auf Verbesserungsanträge nicht verzichten könnten. Eine en blocAnnahme des Regierungsentwurfes komme für sie deshalb nicht in Frage. Beim Neichskanzler. () Berlin, 21. Juni. Um 7 Uhr abends empfing Reichskanzler Dr. Marx die Abgeordneten Grafen Westarp(Dntl.), Müller=Franken(Soz.) und Drewitz (W. Ver.) zu einer Aussprache über die Fürstenabfindung. Die Parteiführer behielten die Entscheidung ihren Fraktionen vor. zeigt sich eben die außerordentlich bedauerliche Erscheinung in der bürgerlichen Mitte und auch bei den Rechtsparteien, daß die Frage der Fürstenenteignung den Parteirahmen gesprengt hat. Keine Autorität hat das zu verhindern vermocht. Betrachten wir nun die sechs westdeutschen Täyttteise, in denen das Zentrum seine feste Grundlage hat: Köln=Aachen, Koblenz=Trier, DüsseldorfOst, Düsseldorf=West, Westfalen=Nord und WestfalenSüd. Es zeigt sich da allgemein, daß die Disziplin in den Reihen der Zentrumswähler nicht gewahrt worden ist. Allerdings sind Unterschiede da. Im Wahlkreis Köln=Aachen erhielten die Enteignungsparteien bei der Reichstagswahl vom 7. Dezember 1924 zusammen 219 664 Stimmen. 366 540 Eintragungen für das Volksbegehren fanden statt und 466 172 Ja=Stimmen wurden am Sonntag abgegeben. Also fast 237000 Stimmen entfallen auf die bürgerlichen Parteien, davon in der Stadt Köln, der katholischen Metropole, allein 100 000, während dort bei der letzten Reichstagswahl Sozialdemokraten, Unabhängige und Kommunisten nur 88553 Stimmen aufgebracht haben! Man wird wohl nicht zu hoch greifen, wenn man sagt, daß 150000 Zentrumswähler im Wahlkreis Köln=Aachen jetzt mit den Sozialdemokraten und Kommunisten gegangen sind. Etwas besser liegen die Dinge im Wahlkreis Koblenz=Trier: 134 994 Ja=Stimmen gegenüber 82 475 sozialdemokratischen Stimmen im Dezember 1924. Also über 52000 Stimmen aus bürgerlichen Reihen. Zieht man hiervon alle damals abgegebenen demokratischen Stimmen ab— 17-451— so bleiben immer noch 35 000 darunter 75 000 Zentrumsstimmen, wenn es nicht 100 000 oder noch mehr sind. So liegen die Dinge hier im Westen. Die Parteiautorität und die kirchliche Autorität haben nur auf einen Teil der katholischen Wähler Einfluß ausgeübt. Gewiß, es handelte sich um eine politische Frage ganz besonderer Art. Sie wurde in einer Zeit voll ichtimmster wirtschaftlicher und sozialer Nöte zur Entscheidung gestellt. In weiten Kreisen spielte auch eine starke Abneigung gegen die Hohenzollern mit, in anderen die durch den Krieg und die Inflation entstandenen Vermögensverluste. Aber all das darf unsere Partei nicht dazu führen, etwa zu sagen: es wird schon wieder werden. Nein, es muß etwas geschehen. Eine energische Führung tut not, aber auch eine geüindliche Ansiprache. Die„Kölnische Vorksztg.“ regt einen Parteitag an. Wir halten diese Anregung für sehr beachtenswert Eine Reichsausschußsitzung hinter verschlossenen Türen genügt nich!. Es muß frei und ossen gesprochen werden, und es geht nicht an, diese Aussprache auf die lange Bank zu schieben. Der Herbst oder Winte wird, wenn nicht alles trügt, Neuwahlen bringen. Vorber alle Schwierigkeiten zu regeln, liegt im Interesse der Partei. Es gib. ja auch sonst noch Dinge, über die dringend gesprochen werden muß. Vor allem aber gilt es, das Furstentompromiß schleunigst unter Dach und Fach zu bringen. Wir sind davon überzeugt, daß de Reichstagsfraktion des Zentrums dazu alle Hebel in Bewegung seten wird. Arbeitet sie in dieser Hinsicht mit Erfolg, so wird, davon sind wir überzeugt, alsbald das Vertrauen bei dem größten Teil der jetzt desertierten Zentrumswählerschaft zurückkehren. Eine Vertagung der Frage über den Sommer hinaus würde, darüber kann man nicht im Zweifel sein, geradezu katastrophal wirken. Jetzt ist die Frage aktuell. Jetzt will das Volk sehen, ob es zu seinen Abgeordneten, zum Parlament noch Vertrauen haben kann. Jetzt ist auch die Sozialdemokratie, wie ihre Presse deutlich zu erkennen gibt, bereit, das Kompromiß zustande zu bringen, und die Rechte wird es sich sehr wohl überlegen, ob sie in ihrer bisherigen intransigenten Haltung verharren soll. Das Ergebnis des Volksentscheids gibt auch ihr genug zum Nachdenken auf. Also ran ans Werk! Und dann Fühlungnahme der Abgeordneten mit der Wählerschaft! Dank dem gegenwärtigen, von der Mehrzahl der Parlamentarier geschätzten Wahlsystem bekommt das Volk seine Erwählten nur sonnenfinsternishaft selten zu sehen. Nur die wenigen, die Mitglieder der Provinzialparteitage sind, können etwas häufiger den Anblick dieser erhabenen Köpfe genießen. Aber diese Auserwählten genügen nicht, um die Partei in Blüte zu halten. Die Parteipresse allein kann's auch nicht schaffen. Das sieht man an den besprochenen sechs westdeutschen Wahlkreisen, wo die Zentrumsblätter ohne Ausnahme mit Eifer und Leidenschaft die Parteiparole volkstümlich zu machen versucht haben. Lernt daher auch ihr aus dem Volksentscheid, ihr Herren in Berlin! für das Zentrum, die Deutschnationalen und die Deutsche Volkspartei übrig. In Düsseldorf=Ost sind 584472 Ja=Stimmen abgegeben worden, rund 220 000 Stimmen mehr, als die Enteignungsparteien bei der letzten Reichstagswahl erhalten haben! Wenn man es nicht mit dem Vogel Strauß halten will, wird man offen sagen müssen, daß wenigstens 100 000 Zentrumswähler mit Ja gestimmt haben. 246900 Stimmen hat das Zentrum am 7. Dezember 1924 erhalten. Besser sieht's wieder im Wahlkreis DüsseldorfWest aus: 359 836 Ja=Stimmen, darunter nach dem Ergebnis der letzten Reichstagswahl 278439 Stimmen der Enteignungsparteien, also bleiben rund 80000 bürgerliche Stimmen übrig. Ein übleres Bild bietet Westfalen=Nord: Am 7. Dezember 1924 sind 306 460 sozialdemokratische und kommunistische Stimmen abgegeben worden, jetzt 447248 Ja=Stimmen, d. h. rund 90000 Stimmen mehr als Eintragungen beim Volksbegehren. 140 000 bürgerliche Stimmen haben die Enteignung gefordert. Nehmen wir an, daß sich darunter die gesamten demokratischen Stimmen befinden, so blieben immer noch rund 100000 für die Mitte und die Rechte in einem vorwiegend agrarischen Wahlkreis! Wird es zuviel sein, wenn wir davon 50000 für das Zentrum in Anspruch nehmen? Kaum. Und schließlich Westfalen=Süd: 472914 sozialistische und kommunistische Stimmen am 7. Dez. 1924, am 20. Juni 1926 aber 727472 Ja=Stimmen, reichlich 149000 mehr als Eintragungen in die Listen für das Volksbegehren. 254000 Stimmen von den bürgerlichen Parteien. Allermindestens befinden sich Das vorläufige Gesamtergebnis. :!: Berlin, 21. Juni. Bei einer Gesamtzahl der Wahlberechtigten von 39 687 849 wurden insgesamt 15 584821 Stimmen abgegeben, davon 559370 ungültig und 15 025 451 gültig. Mit Ja haben gestimmt 14440 779 und mit Nein 584 672. Nach den inzwischen eingegangenen amtlichen Richtigstellungen und Ergänzungen zu den in der Nacht auf Montag bekanntgegebenen Resultaten des Volksentscheids in den 35 deutschen Wahlkreisen ergeben sich gegenüber den im Montagsblatt veröffentlichten Zahlen eine Reihe von Aenderungen. Aus den Wahlkreisen, die nachfolgend nicht aufgeführt sind, wurden schon gestern die richtigen Ziffern der vorläufigen amtlichen Feststellungen mitgeteilt. Wahlkreis 1(Östpreußen. Bei 1301257 Stimmberechtigten stimmten 293 902 mit Ja, 8778 mit Nein, 5056 Stimmen waren ungültig. Von den Stimmberechtigten haben 20,28 Proz mit Ja gestimmt. Volksbegehren: 166078 Eintragungen= 12,6 Proz. der Stimmberechtigten. Wahlkreis 2(Berlin). 942 654 Ja, 31077 Nein, 45 187 ungültige Stimmen. Stimmberechtigte 1483 037. Volksbegehren: 864 362 Eintragungen= 58,9 Proz. der Stimmberechtigten. Wahlkreis 3(Potsdam 2). 531863 Ja, 19 536 Nein und 22833 ungültige Stimmen. Stimmberechtigt waren 1082 444. Mit Ja haben 45,5 Proz. der Stimmberechtiaten gestimmt. Volksbegehren: 514067 Eintragungen = 43,5 Proz. der Stimmberechtigten. 4. Wahlkreis(Potsdam 1). Ja-Stimmen 565 865, Nein=Stimmen 22013, ungültige Stimmen 25699. Wahlberechtigte 1202005. Volksbegehren: 479491 Eintragungen= 40,8 Proz. der Stimmberechtigten. 5. Wahlkreis(Frankfurt=Oder). Wahlberechtigte 1101 293. Ja=Stimmen 297 340, Nein=Stimmen 13 403, ungültig 12953, 28,6 Proz. der Stimmberechtigten. Volksbegehren: 244 600 Eintragungen= 23,5 Proz. der Stimmberechtigten. 6. Wahlkreis(Pommern). Es wurden abgegeben 259 454 mit Ja, 11 398 mit Nein, 5761 waren ungültig. Die Zahl der Stimmberechtigten belief sich auf 1142 650. Mit Ja stimmten 21,8 Proz. der Stimmberechtigten. Volksbegehren: 204 715 Eintragungen= 17,8 Proz. der Stimmberechtigten. 14. Wahlbezirk. Weser, Ems. Zahl der Stimmberechtigten 909 953. Ja=Stimmen 254 959, Nein=Stimmen 10 864, ungültige Stimmen 12 473. Volksbegehren: 201228 Eintragungen= 22,3 Proz. der Stimmberechtigten. 16. Wahlkreis(Südhannover=Braunschweig). Bei 1236 841 Stimmberechtigten haben 469 106 mit Ja, 23 466 mit Nein gestimmt. Außerdem wurden 27271 ungültige Stimmen abgegeben. Von den Stimmberechtigten haben 62 Proz. mit Ja gestimmt. Volksbegehren: 441 067 Eintragungen= 35,1 Proz. der Wahlberechtigten. 17. Wahlkreis(Westfalen=Nord). Wahlberechtigte 1353 756. Ja-Stimmen 447 248, Nein=Stimmen 17 627, ungültige 17525. 33 Proz. der Stimmberechtigten stimmten mit Ja. Volksbegehren: 358081 Eintragungen = 26,8 Proz. der Stimmberechtigten. 19. Wahlkreis(Hessen=Nassau). Stimmberechtigte 1581716, Ja=Stimmen 635 382, Nein=Stimmen 24 305, ungültig 23 207. 40,1 Proz. der Stimmberechtigten stimmten mit Ja. Volksbegehren: 538 098 Eintragungen = 34,2 Proz. der Stimmberechtigten. 21. Wahlkreis(Koblenz=Trier). Wahlberechtigte 757 833, Ja-Stimmen 134 994, Nein=Stimmen 7137, ungültig 2970. 18,8 der Stimmberechtigten stimmten mit Ja. Volksbegehren: 118723 Eintragungen= 15,8 Proz. der Stimmberechtigten. 24. Wahlkreis(Oberbayern=Schwaben) 320 163 Ja, 10 918 Nein, 4079 ungültige Stimmen. Wahlberechtigte 1548527. Volksbegehren: 209071 Eintragungen = 13,6 Proz. der Stimmberechtigten. 26. Wahlkreis(Franken). Wahlberechtigte 1551192, Ja=Stimmen 413 938, Nein=Stimmen 14 431, 26,7 Proz. der Stimmberechtigten haben mit Ja gestimmt. Volksbegehren 321760 Eintragungen= 20,6 Proz. der Stimmberechtigten. 27. Wahlkreis(Pfalz). Stimmberechtigt 665365. Mit Ja stimmten 168.104, mit Nein 6412. Die Jastimmen betrugen 27,9 Proz. Volksbegehren: 159081 Eintragungen= 28,2 Proz. der Stimmberechtigten. 34. Wahlkreis(Hamburg). Auf rund 855000 Stimmberechtigte wurden 449 168 Ja=Stimmen, 18090 Nein=Stimmen und 22461 ungültige Stimmen abgegeben. Mit Ja stimmten 52,5 Proz. Volksbegehren: 395 836 Eintragungen= 47,4 Proz. der Stimmberechtigten. 35. Wahlkreis(Mecklenburg). 453 103 Stimmberechtigte. Davon 159 059 mit Ja, 5 459 mit Nein und 8235 ungültige Stimmen. Volksbegehren: 161160 Eintragungen= 28,1 Proz. der Stimmberechtigten. Die Presse über das Ergebnis des Volksentscheids. Es hat keinen Zweck, die Augen vor der bedauerlichen Tatsache zu verschließen, daß auch zahlreiche Anhänger der Zentrumspartei am Sonntag sich in das sozialdemokratisch-kommunistische Netz verstricken ließen. Die„Germania“ äußert sich hierüber in ihrer MontagAbendausgabe wie folgt: „Es läßt sich nicht abstreiten, daß den Sozialdemokraten und Kommunisten ein bedenklicher Einbruch in die nichtsozialistischen Wählerkreise gelungen ist. Wir können uns nicht der Selbsttäuschung hingeben, zu glauben, daß die Zentrumswählerschaft an diesem Zuwachs unbeteiligt sei. Die Zahlen lehren vielmehr, daß ein nicht kleiner Teil der Zentrumswähler sowohl beim Volksbegehren wie bei der Abstimmung der Parteiparole nicht gefolgt ist. Dieser Mangel an Parteidisziplin ist gerade in diesem Fall besonders bedauerlich. Der Teil unserer Wähler, der mit Ja stimmte, hat sich nicht nur in Widerspruch mit der Parteiparole gesetzt, sondern auch den Gehorsam und die Ehrfurcht vor der kirchlichen Autorität vermissen lassen. Den Gründen dieser beklagenswerten Erscheinung muß die Partei mit aller Ruhe, aber auch mit aller Gründlichkeit nachgehen. Die Aufgabe der Zentrumspartei wird es sein, den irregeleiteten Teil ihrer Anhänger wieder auf die richtige Bahn zu leiten. Das wird gar nicht so schwer fallen, wie es auf den ersten Blick scheint. Man muß mit diesen Leuten in ihrer Sprache reden.“ Schleunigst muß nun durch eine reichsgesetzliche Regelung der Fürstenfrage dieses leidige Problem aus der Welt geschafft werden. Auch rechtsgerichtete Organe verschließen sich dieser Erkenntnis nicht. So zieht z. B. die„Deutsche Allgemeine Zeitung“ folgende Lehre aus dem Ergebnis vom 20. Juni: „Die Begleitumstände dieses ersten Volksentscheides in der Republik sind alles andere als erfreulich gewesen. Es wird ernster politischer Arbeit bedürfen, um die verheerenden Folgen der Massenagitation wieder gut zu machen. Jetzt hat der Reichstag das Wort. Die Regierung hat wiederholt angekündigt, und diese Ankündigung entspricht zweifellos dem Volksempfinden, daß nach dem Scheitern des Enteignungsbegehrens eine reichsgesetzliche Regelung folgen werde. Es wird ohne Opfer auf beiden Seiten dabei nicht abgehen. Aber dieser Zündstoff muß aus demöffentlichen Leben beseitigt werden. An die Verantwortungsfreudigkeit der Partei richtet sich der dringende Appell.“ Im gleichen Sinne schreibt auch die volksparteiliche „Tägliche Rundschau“: „Die Frage, die zu dem jetzt glücklich gescheiterten Volksentscheid Veranlassung gegeben und damit eine tief beklagenswerte Verschärfung des inneren Haders und eine skandalöse Vergeudung von Volkskraft und dem Volk gehörigen Geldern herbeigeführt hat, muß schleunigst zu einer endgültigen Lösung gebracht werden. Auch wer es vorgezogen hätte, die Sache auf dem reinen Rechtswege zu entscheiden, muß jetzt einsehen, daß der Weg der Kompromisse, wie ihn die Reichsregierung in ihrem Entwurf vorgesehen hat, beschritten werden muß.“ Selbst diejenigen demokratischen Blätter, die vorher unverhohlen für das kommunistisch=sozialistische Enteignungsbegehren geschwärmt hatten, sehen jetzt in der Arbeit des Reichstages das einzige erfolgversprechende Mittel zur Regelung der Fürstenfrage. So heißt es beispielsweise im„Delliner Tageblatt“: „Die Abstimmung hat infolge der falschen Bahn, auf welche mit diesem Volksentscheid die Fürstenfrage gedrängt war, zu keinem Ergebnis geführt. Aber sie hat den Weg frei gemacht für eine gerechte und die Lebensinteressen des deutschen Volkes und der Republik wahrende Regelung. Durch Gesetz unter Ausschluß des Rechtsweges muß jedes Land festsetzen, was es der ehemaligen Dynastie als Abfindung gewähren will. Der Kampf um eine solche Lösung muß jetzt beginnen." Der„Vorwärts“ meint, daß die bevorstehende Entscheidung des Reichstages unter Massendruck gestellt sei. Durch den Volksentscheid sei zugleich eine erhebliche Stärkung der Stellung der Sozialdemokratischen Partei erreicht worden. Der„Vorwärts“ weiß eben aus jeder sozialdemokratischen Niederlage einen sozialdemokratischen Sieg zu machen. Kommunistische Trostworte. Die kommunistische Presse nimmt den Mund immer gehörig voll. Das ist man gewohnt. Und so kann es denn auch nicht Wunder nehmen, daß die Blätter dieser Geistesrichtung nach dem mißlungenen Volksentscheid, dessen nicht erreichtes positives Ergebnis die erste Etappe zum kommunistischen Staat nach sowjetrussischem Muster sein sollte, alle Register ziehen, um die Arbeiterschaft darüber hinwegzutäuschen, daß einige Millionen Mark, die den Erwerbslosen immerhin einige Hülfe gewährt hätten, für einen politischen Zweck vollkommen unnütz aus der Parteikasse verpulvert worden sind. Der Eindruck soll hervorgerufen werden, daß doch etwas erreicht worden sei, und darum schreibt das Essener und Dortmunder Kommunistenblatt vierspaltig:„Arbeiter, jetzt nutzt eure Macht!" Wie das gemeint ist, wird einspaltig wie folgt auseinandergesetzt: „Erkennt jeder aufgeklärte Mensch in dieser immerhin historischen Stunde, was der Stimmzettel in der Republik in der Hand des kleinen Mannes bedeutet und nicht bedeutet, solange die besitzende Klasse und die Monarchisten alle Machtmittel und die sogenannte öffentliche Meinung in der Hand haben!? Ueberlegt es besonders ihr SPD.=Arbeiter! Und kommt zu dem Schluß, vom ersten bis zum letzten„Ja“=Sager am gestrigen Tag: jetzt gilt es mit anderen Mitteln weiter zu kämpfen, einheitlich und geschlossen. Oder war es nicht ernst mit„Keinen Pfennig den Fürsten!? Wenn jeder der 15 Millionen ein Kämpfer wird, wenn die Einheit vom 20. Juni eine revolutionäre Einheit wird, dann werden wir unser Ziel erzwingen! Nicht allein jenes eigentlich schon 1918 fällige Ziel der Fürstenenteignung! Alle Ziele der sozialistisch denkenden Menschheit. Und heute: Brot und Arbeit, Achtstundentag und politische Freiheit, Tod dem Kapitalismus und seinem Heros Hindenburg. Hinweg auch mit jenen Gelegenheitsdemokraten Marx und Külz! Keine große Koalition, eine Arbeiter= und Bauernregierung! Sie nur enteignet die Fürsten, sie nur gibt Brot und Arbeit, und Gesundheit, jede andere Regierung ist den 15 tionen feindlich! Die Abstimmung bedeutet, daß 15 Millionen nicht nur die entschädigungslose Enteignung der Fürsten a. D. fordern, sondern gleichzeitig, daß sofort diejenigen verschwinden, die offen zu den Raubfürsten übergingen, an der Spitze Hindenburg, Marx und Külz!“ Wenn das nicht zieht... Leider weiß der deutsche Arbeiter, abgesehen von jenen Blinden, die gedankenlos dem lauten Geschrei der Thälmann und Genossen folgen, daß es mit Brot und Arbeit, Glück und Gesundheit unter der sogenannten Arbeiter= und Bauernregierung des Musterstaates Sowjetrußland reichlich kärglich bestellt ist. Mit dem Köder einer Arbeiter= und Bauernregierung werden die Moskowiter daher schwerlich noch Fische fangen können. Das haben sie noch eben in Mecklenburg erlebt, X Berlin, 21. Juni. Im Rahmen der geschäftlichen Mitteilungen gibt der Präsident davon Kenntnis, daß der preußische Innenminister Abg. Severing(Soz.) eine Verlängerung seines Krankheitsurlaubs für weitere sechs Wochen nachgesucht hat. Auf der Tagesordnung steht zunächst die erste Beratung des deutsch=schwedischen Handelsvertrages. Ohne Widerspruch wird die Verweisung des Vertrages an den auswärtigen und den handelspolitischen Ausschuß beschlossen. Der Vertrag wird von der Tagesordnung abgesetzt. Der deutsch=dänische Vertrag wird gleichfalls von der Tagesordnung abgesetzt. Der Zusatzantrag zum deutsch=österreichischen Wirtschaftsabkommen wird dem auswärtigen und dem handelspolitischen Ausschuß, die Vergleichsordnung dem Rechtsausschuß überwiesen. Die Novelle über die Gesellschaften m. b. H. wird ohne Aussprache in erster und zweiter Beratung angenommen. Abg. Frau Schröder(Soz.) erstattet dann den Bericht des sozialpolitischen Ausschusses über das Washingtoner Uebereinkommen über die Beschäftigung der Frauen vor und nach der Niederkunft. Der Ausschuß ersucht die Reichsregierung, das Washingtoner Uebereinkommen, das den Schwangerenschutz gegenüber der bisherigen deutschen Gesetzgebung wesentlich erweitert, zu ratifizieren. Reichsarbeitsminister Dr. Brauns erklärt, die Regierung habe keine grundsätzlichen Bedenken gegen die Ratifizierung. Sie halte es aber für den besseren Weg, erst die deutsche Gesetzgebung dem Washingtoner Uebereinkommen anzupassen und dann zu ratifizieren. Der deutsche Wöchnerinnenschutz sei in manchen Punkten noch heute vorbildlich für die meisten Staaten. Abg. Gerig(Ztr.) beantragt, mit Rücksicht auf die Erklärung des Ministers die Zurückweisung der Angelegenheit an den sozialpolitischen Ausschuß. Abg. Rädel(K.) bezeichnet diesen Antrag als eine Schiebung und wird deswegen vom Präsidenten gerügt. Schrober(Soz.) ist mit der Zurüc weisung einverstanden unter der Bedingung, daß de Ausschuß neue Arbeit leiste. Die Zurückweisung an den Ausschuß wird beschlosser Es folgt die dritte Beratung der Novelle zur Reichsknappschaftsgesetz in Verbindung m der zweiten Beratung eines von den Regierungs parteien eingebrachten Gesetzentwurfes, der die Kinde renten bei der Angestelltenversicherung und der Reiche versicherungsordnung den neuen Bestimmungen de Reichsknappschaftsgesetzes anpassen will. Um 4¾ Uhr wird die Weiterberatung auf Diensta 2 Uhr vertagt. Auf der Tagesordnung steht weiter de Gesetzentwurf, wonach Aufwertungsfragen nicht zun Volksentscheid gebracht werden dürfen. Abrüstungskonferenz und Luftfahetabkommen. Beratung im Auswärtigen Ausschuß des Reichstages. A Berlin, 21. Juni. Der Auswärtige Ausschuß des Reichstages beschäftigte sich heute vormittag zunächst mit der Entwaffnungsfrage, die er schon vor der Plenarpause in Angriff genommen hatte, und mit der Abrüstungskonferens. Der Vertreter der deutschen Reichsregierung bei der Abrüstungskonferenz, Abg. Graf Bernstorff(Dem.), erstattete über die Verhandlungen Bericht. Von der Reichsregierung waren der Außenminister Dr. Stresemann mit dem Staatssekretär von Schubert und Reichsverkehrsminister Dr. Krohne anwesend. Dem Referat des Grafen Bernstorff folgte eine längere Aussprache. Im Anschluß daran nahm der Ausschuß mit großer Mehrheit folgende Entschließungan: „Unbeschadet der Stellung der verschiedenen Fraktionsvertreter zu den Fragen im Einzelnen nimmt der Auswärtige Ausschuß davon Kenntnis, daß bei den Verhandlungen der vorbereitenden Kommission für die Abrüstungskonferenz irgendwelche Bindungen für Deutschland nicht erfolgt sind und er hat mit dieser Maßgabe gegen eine Fortsetzung der Beteiligung Deutschlands an den weiteren Beratungen zur Förderung des Abrüstungproblems keine Bedenten.“ Es folgte die Beratung über den Gesetzentwurf der Durchführung der Artikel 177, 178 und 198 des Vertrages von Versailles und der Pariser Vereinbarungen über Luftfahrt. Nach ausführlicher Aussprache empfahl der Auswärtige Ausschuß bei Stimmenthaltung der Kommunisten mit allen übrigen Stimmen dem Plenum des Reichstages die Annahme des Gesetzentwurfes. Deutsches Reich. Das preußische Redeverbot für Hitler. := Berlin, 21. Juni. Unter Hinweis auf eine Erklärung des oldenburgischen Ministeriums des Innern, daß es künftig gegen das Auftreten Hitlers in öffentlichen Versammlungen nichts einzuwenden habe, wurde das Staatsministerium von einem nationalsozialistischen Landtagsabgeordneten gefragt, ob man nunmehr Hitler auch in preußischen öffentlichen Versammlungen auftreten zu lassen gedenke. Wie der Amtliche Preußische Prefsedienst mitteilt, wird die Anfrage vom preußischen Minister des Innern verneint. Aus der Zentrumspartei. A Berlin, 21. Juni.(Eig. Drahtb.) Der Reichsparteiausschuß der Zentrumspartei hält am Sonntag, 4. Juli, im Preußischen Landtag eine Sitzung ab, in welcher die Aufgaben der Partei besprochen werden sollen. Als Referenten sind vorgesehen die Abgeordneten Dr. Stegerwald, Herold und Dr. Wirth. Rücktritt Staatssekretärs Hagedorn. X Berlin, 21. Juni. Der Reichspräsident hat den Staatssekretär im Reichsministerium für Ernährung und Landwirtschaft Dr. Hagedorn in Genehmigung seines Abschiedsgesuches in den einstweiligen Ruhestand versetzt und ihm gleichzeitig in einem herzlich gehaltenen Schreiben Dank und Anerkennung für die dem Reiche geleisteten wertvollen Dienste ausgesprochen. Schreiben des Sparerbundes an den Reichspräsidenten. Berlin, 21. Juni. Der Sparerbund in Freiburg i. Br. hat an den Reichspräsidenten von Hindenburg ein Schreiben gerichtet. Das Schreiben verweist auf den dem geplanten Aufwertungsvolksbegehren zugrunde liegenden Gesetzentwurf und gibt der Erwartung Ausdruck, daß der Reichspräsident dem vom Reichskanzler a. D. Luther noch vorbereiteten Sperrgesetz zur Verhinderung des Aufwertungsvolksbegehrens entgegenwirken möge. Kleine Auslandsnachrichten. Ein Zwischenfall bei der Tagung der internationalen Arbeitskonferenz. :: Paris, 21. Juni. Der„Daily Mail"(Paris. Ausg.) wird aus Genf gemeldet, daß sich während der Tagung der internationalen Arbeitskonferenz ein weiterer Zwischenfall ereignet habe. Während einer Rede Rossinis habe ein anderer Delegierter, der sich im Saal befand, beleidigende Aeußerungen über das gegenwärtige Regime in Italien getan. Ein italienisches Delegationsmitglied der Konferenz erhob Protest und es kam zu einer heftigen Szene. Der Attentatsplan auf Kemal Pascha. Angora, 20. Juni. Die Verhaftungen wegen des Attentätsplanes auf Kemal Pascha belaufen sich bis jetzt auf über 50. Unter den Verhafteten befinden sich 20 Abgeordnete. Wien statt Genf? Die italienische Presse droht mit der Verlegung des Völkerbundes nach Wien! Anläßlich des Erinnerungstages der Ermordung Matterottis durch die Faszisten hatten die Genfer nichtfaszinistisch gesinnten Italiener eine Gedenkfeier veranstaltet, zu der sich auch die faszistisch gesinnten Mitglieder der italienischen Kommissionen beim Völkerbunde eingefunden hatten. Es kam zu lärmenden Zwischenfällen, worauf schließlich die Störenfriede den kürzeren zogen und von der Polizei aus dem Saale herausbefördert wurden. Sie müssen sich jetzt nun dafür verantworten. Darob große Entrüstung in der faszistischen Presse Italiens, die es nicht verstehen kann, daß in einem Lande mit freiheitlichen Einrichtungen auch die Gegenpartei zu Worte kommen darf, ohne mißzyandelt zu werden und nun nach Repressalien gegenüber dem kleinen Lande schreit, das einmal ihrem Duco eben diese Freiheit gestattete, als er—— noch Sozialist und Anarchist war. Den Vogel schießt das Regierungsblatt„Popolo dItalia“ ab, indem es mit unverhüllten Worten droht, daß Italien die Verlegung des Sitzes des Völkerbundsrates nach— Wien beantragen werde, wenn die Faszinisten nicht dieselbe„Freiheit“ in der Schweiz wie in Italien hätten, d. h. die Freiheit, wie sie die Faszisten verstehen. Besonders bezeichnend ist die plötzlich erwachte Vorliebe für Wien, der ehemals feindlichen Hauptstadt, wo angeblich— nach den Worten Mussolinis— die herrlichen kaiserlichen Paläste voll Spinnengewebe sind. Die Nebenabsicht ist ohne Zweifel dabei, zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen und eine wirksame Kontrolle der Anschlußbewegung an Ort und Stelle auszuüben, um sie zu verhindern. König George an König Alfons. Madrid, 21. Juni. König George soll an König Alfons ein Telegramm gerichtet haben, in dem der Hoffnung Ausdruck gegeben wird, Spanien möge die kundgetanene Absicht, aus dem Völkerbunde auszutreten, nicht wahrmachen. Brionds Bemühungen um die Kabinettsbildung. Poincaré tut mit. Paris, 21. Juni. Briand hat heute vormittag, nachdem er mit Poincaré verhandelt hatte, eine Anzahl Mitglieder des zurückgetretenen Ministeriums, u. a. Raoul Péret, empfangen. Um 12 Uhr erklärte Briand Vertretern der Presse, Poincaré habe die Absicht, an dem von Briand zu bildenden Kabinett mitzuarbeiten. Er(Briand) wolle ein Kabinett der republikanischen Konzentration bilden, dem Persönlichkeiten angehören sollen, die dem Lande zeigen würden, daß die politischen Fragen in den Hintergrund treten. Augenblicklich beherrsche die Finanzlage alles. Sie bestimme vollständig die Orientierung eines Kabinetts, und er würde von dieser Auffassung nicht abgehen. Ueber die Personen, auf deren Unterstützung er rechne, könne er noch keine Auskunft geben. Das Wesentliche sei, sich über die Dinge selbst zu verständigen.— Poincaré hat heute vormittag, nachdem er mit Briand verhandelt hatte, mit Raoul Péret und mit dem Vorsitzenden des Sachverständigenausschusses, Sergent, verhandelt. Mohammeds VI. Schicksal nach seinem Tode. Nachdem der letzte türkische Sultan Muhammed VI. in seinem Leben keine Ruhe gefunden, findet er diese auch in seinem Tode nicht. Zwar hatten dem letzten Sultan auch in San Remo Wein, Weib und Gesang und sogar ein Palast— bezw. Villa=Revolution nicht gefehlt, obwohl dem Beherrscher der Gläubigen eigentlich der Alkohol verboten war,— wohl aber das Geld, da der türkische Staat nicht so großmütig war, sondern von jedem Bürger verlangte, daß er sich selber durch ehrliche Arbeit durchs Leben helse. Muhammed VI. behielt jedoch Harem und Gefolge bei— und pumpte. Als sich nach seinem Tode der sultanische Kronschas als nicht mehr existierend erwies und die einzige Kostbarkeit, die übrig geblieben war, sein— Sarg war, da verlangten die Gläubiger von San Remo kurzerhand die gerichtliche Beschlagnahme des kostbaren Sarges! Die übrigen Angehörigen des arbeitslosen Herrscherhauses der Osmanli, die ein Drohnendasein in Nizza führen, wollten auch nicht zahlen und die Leiche mußte begraben werden. So wurde der Sarg mitsamt der Leiche dann kurzerhand vom Roten Kreuz und zwei Karabinieri zur Bahn geschafft und im Geheimen und in aller Stille weggeschafft. Was nun aus den Rechnungen der Gläubigen und aus den Haremsdamen wird, entzieht sich vorläufig deren Kenntnis. Von Nah und Fern. Anglücklicher Ausgang einer Schwarzfahrt. := Krefeld, 21. Juni. Sonnabend nachmittag unternahm der Sohn eines hiesigen Fahrradhändlers mit drei Freunden im Auto seiner Eltern eine Fahrt. Hierbei fuhr das Auto auf der Straße nach St. Thoenis gegen einen Baum, überschlug sich und begrub die 4 Insassen unter sich. Während der Führer mit dem Schrecken davon kam, wurden die drei Mitfahrenden schwer verletzt. Professor Sternfeld †. + Berlin, 21. Juni. Der Berliner Universitätsprofessor Dr. Richard Sternfeld, der sich durch seine musikgeschichtlichen Forschungen einen Namen gemacht hat, ist heute mittag im 78. Lebensjahre gestorben. Der Kreuzer„Hamburg" in Honolulu. + Berlin, 21. Juni. Kreuzer„Hamburg“ ist am 15 Juni planmäßig in Honolulu angekommen. Nach einem Aufenthalt von drei Wochen wird er seine Reise nach Yokohama fortsetzen. Ein Ständchen des„Schwedischen Sängerverbandes“ für den Reichspräsidenten. :: Berlin, 19. Juni. Der z. Zt. auf einer Vortragsreise durch Deutschland befindliche„Schwedische Sängerverband“ brachte heute morgen im Garten des Reichspräsidentenhauses unter Leitung seines Dirigenten und in Gegenwart des schwedischen Gesandten dem Reichspräsidenten ein Ständchen dar, wobei die deutsche Nationalhymne und ein schwedisches Nationallied zum Vortrag gebracht wurden. Der Reichspräsident sprach den Sängern mit herzlichen Worten seinen Dank für die ihm erwiesene Aufmerksamkeit aus. 80 Personen an Fleischvergiftung erkrankt. X Berlin, 21. Juni. Im Laufe des gestrigen und des heutigen Tages sind in Kalkberge=Rüdersberg 80 Personen an schwerer Fleischvergiftung erkrankt, die sie sich beim Genuß beim Schabefleisch zugezogen haben. Das Fleisch stammt aus einer Schlächterei in Kalkberge, die es in Berlin gekauft hatte. Die Schlächterei ist vorläufig von der Polizei geschlossen worden. 5 besonders schwer erkrankte Personen mußten ins Krankenhaus transportiert werden, da bei ihnen Lebensgefahr besteht. Das Hochwasser der Oder steigt weiter. + Ratibor, 21. Juni. Das Hochwasser der Oder bei Ratibor hat neuerlich an Ausdehnung zugenommen. Eine am Sonntag nachmittag einsetzende Flutwelle steigerte den bisherigen Höchststand um 1 Meter, sodaß die Oder eine Höhe von 7 Meter erreicht hat. Blutiger Zwischenfall. Eisenach, 21. Juni. In der Nacht zum Montag gegen 1 Uhr entstand in der Laufergasse, wo die Wahlergebnisse durch Lautsprecher bekannt gegeben wurden und sich eine Menschenmenge angesammelt hatte, eine Schlägerei, bei der zwei Stahlhelmleute verletzt wurden. Der Polizei gelang es nicht, Verhaftungen vorzunehmen. Ein schwerer Autounfall. ° Görlitz, 21. Juni. Das Automobil des Basaltwerkbesitzers Kraze aus Görlitz fuhr heute auf dem Wege nach Frankfurt a. d. Oder auf einen Sandhaufen und dann gegen einen Baum. Die drei Insassen wurden herausgeschleudert. Frau Kraze erlitt schwere Kopfverletzungen und verstarb alsbald. Herr Kraze wurde leichter verletzt. Der Chauffeur blieb unverletzt. Die Schuldfrage ist noch nicht geklärt. Die Unterschleife beim Bahnbau Neu=Bentschen. Frankfurt a. O., 21. Juni. In dem Verfahren, das wegen der Unregelmäßigkeiten beim Neubau des Bahnhofs Neu=Bentschen und beim Umbau des Bahnhofes Frankfurt a. O. bei der Staatsanwaltschaft Frankfurt schwebt, ist neuerdings ein Bürobeamter des Frankfurter Betriebsamtes verhaftet worden. Die Untersuchungen haben ergeben, daß allein beim Umbau des Bahnhofes Neu=Bentschen die von den Bauunternehmern im Verein mit den schuldigen Beamten hinterzogene Summe die Höhe von über 4 Millionen erreicht. Mit den übrigen Abschnitten des gesamten Bahnbaues beziffert sich die Summe auf mindestens 15 bis 16 Millionen. Die Untersuchung darüber ist noch nicht abgeschlossen. Vergiftungserscheinungen bei der Reichswehr. A München, 21. Juni. Bei den mit-Vergistungserscheinungen in das Standortlazarett München aufgenommenen 43 Unteroffiziere und Mannschaften der Fahrabteilung 7 und der Mienenwerferkompagnie des 19. Infanterieregimentes hat die bakteriologische Untersuchung in 3 Fällen Paratyphus ergeben. Außerdem bereits mitgeteilten einem Todesopfer sind keine weiteren Todesfälle eingetreten. Lediglich ein Kranker liegt noch im Fieber. Alle übrigen sind fieberfrei und können voraussichtlich in einer Woche nach Abschluß der bakteriologischen Untersuchung als dienstfähig zur Truppe entlassen werden. Die Ansteckungsquelle hat sich nicht ermitteln lassen. Die Untersuchung ist noch imgange Ein schweres Handgemenge. + Mülhausen, 21. Juni. Zu schweren Zusammenstößen kam es gestern nachmittag zwischen Stahlhelmleuten, Mitgliedern des Reichsbanners Schwarz=RotGold und des Roten Frontkämpferbundes. In der große Menschenmengen sich angesammelt hatten, entwickelte sich ein Handgemenge Die Schupo griff ein und machte dem Kampfe ein Ende. 8 Mitglieder des Reichsbanners und eine ganze Anzahl Stahlhelmleute wurden durch Hiebund Stichwunden z. T. schwer verletzt. Die Polizei verhaftete die Hauptbeteiligten und räumte das Volkshaus, in das sich die Beteiligten zurückgezogen hatten. Das Hochwasser der Donau. (!) Budapest, 21. Juni. Das Hochwasser am Budapester Pegel der Donau zeigte heute einen Stand von 583 cm. Der untere Donaukai ist überflutet. Schaden wurde nicht angerichtet. Der örtliche Schiffsverkehr ist eingestellt. Die Donau hat bei Komorn bereits ihren Höchststand mit 620 cm. erreicht. In Budapest wird der Höchstbestand für morgen Abend mit gleichfalls 620 em erwartet. Vom eucharistischen Kongreß. X Newyork, 21. Juni. Die Einwanderungsbehörden haben 64 von den 77 jugoslavischen Delegierten, die zur Teilnahme am eucharistischen Kongreß auf der„Berengaria“ hier eingetroffen waren, die Erlaubnis zur Weiterreise versaat, weil sie, wie offiziell erklärt wird, nicht davon überzeugt sind, daß diese Leute tatsächlich nur nach den Vereinigten Staaten gekommen sind, um an dem eucharistischen Kongreß in Chicago teilzunehmen. Ein guter Kuhmagen. Der„Dillzeitung" zufolge fand in Nenderoth (Kreis Dillenburg) ein Metzger beim Schlachten einer Kuh im Magen des Tieres folgende Gegenstände: 49 Drahtnägel, 4 Sicherheitsnadeln, 1 C raube, 1 Kragenknopf, 1 Koppelschloß, 12 Gegenstände aus Eisen, 1 Büronadel, 4 10=Pfennigstücke aus Eisen, 5 5=Pfennigstücke aus Eisen, 1 Reißbrettstift, 2 Schlüssel, 11 Steine, Knochen und Zähne, 2 Gardinenringe, im ganzen 112 einzelne unverdauliche Gegenstände. Der allislamische Kongreß in Mekka. Vonunserem türkischen Korrespondenten :: Konstantinopel, 14. Juli. Es war vorauszusehen, daß der im vorigen Monat in Kairo zusammengerufene Kalifatskongreß resultatlos verlaufen werde. Schon durch die Wahl des Kongreßortes war es weiten islamischen Kreisen unmöglich gemacht, teilzunehmen aus der berechtigten Erwägung heraus, daß sich in Aegypten der englische Einflußz zu sehr geltend machen werde. Dazu kommt noch vor allem die Schwierigkeit der vielzerklüfteten islamischen Reformbewegung und die Unklarheit des Amtsbegriffes eines zu erwählenden neuen Kalifen. Bis jetzt ist der Kalif niemals nur geistiges Oberhaupt gewesen, sondern immer der Träger zum mindesten des Anspruches auf die weltliche Oberherrschaft aller islamischen Länder. Dieser Panislamismus im alten Sinne ist heute nicht mehr. Gerade die wenigen noch freien issamischen Völker haben bewußt mit ihrer religionsstaatlichen Vergangenheit gebrochen und den neuen Volksstaat einzig auf dem nationalen Gedanken aufgebaut. So besonders die Türkei, die vor über zwei Jahren durch Parlamentsbeschluß die Abschaffung des Kalifats der Osmanen beschlossen hat und sich damit scheinbar eines großen Prestigevorteils im gesamten Oriente entäußerte. Auch in den übrigen islamischen Staaten gewinnt die nationale Freiheitsbewegung immer mehr Grund, und es sind gerade die besseren Elemente, die an der Spitze dieser Bewegung stehen und sich zu dieser an sich reaktionär zu nennenden Kalifatsbewegung durchaus ablehnend verhalten. An der Kalifatskonferenz hatten vorwiegend englisch orientierte Kreise der islamischen Geistlichkeit, die den veralteten überlebten Religionsstaat herbeisehnen, größeres Interesse, und es ist daher nicht zu verwundern, daß die türkischen und russischen Mohamedaner, die mit einer Zahl von etwa 40 Millionen wohl das fortschrittlichste Element des Islam darstellen, auf dem Kongreß in Kairo nicht vertreten waren. Ein großer einheitlicher Gedanke, der den gesamten Islam umfaßt, ist schon seit langem nicht mehr vorhanden. Der hierauf begründete Mißerfolg des letzten„heiligen Krieges“ ist noch in schmerzlicher Erinnerung, und es zeugte von großer Unkenntnis, so ganz unberechtigte Hoffnungen auf die Schlagkraft eines so morschen Zusammenhanges des islamischen Orients zu setzen. Auch bei der Gelegenheit der Kalisatskonferenz in Kairo trat diese lang bestehende tiefe Spaltung des Islam offen zu Tage, und man kann heute mit voller Berechtigung von dem Kreise der türkischen Nordmohamedaner im Gegensatz zu den mehr reaktionären arabischen Südmohamedanern sprechen. Dieser Gegensatz dürfte sich vor allem auch auf dem allislamischen Kongreß geltend machen, der von dem heutigen Herrscher im Hedschas, dem Wahabitensultan Abd ul Asis Ibn Saud, in Mekka zusammengerufen und vor einigen Tagen feierlich eröffnet worden ist. In kluger Voraussicht hat Ibn Saud für diesen Kongreß die Frage eines Kalifats ganz beiseite gelassen und als klar umrissenes Programm lediglich die Sicherung der Pilgerfahrt und die Regelung der künftigen Verwaltung der den Mohamedanern heiligen Stätten aufgestellt und damit das Interesse des gesamten Islam wachgerufen. Sicherlich spielen auch praktische Gesichtspunkte ein gewichtiges Wort mit, denn für den jeweiligen Beherrscher der heiligen Stätten hat die Pilgerfahrt immer eine sehr beträchtliche Einnahmequelle dargestellt, und es ist daher nicht zu verwundern, daß der Wahabitensultan die seit Jahrhunderten währende erbitterte Gegnerschaft seiner Religionssekte gegen die Pilgerfahrten aufgibt, gerade jetzt, da Mekka und Medina fest in seiner Hand sind. Es ist ein schlauer Zug dieses klugen Mannes, den Kongreß jetzt einzuberusen, um den Islam davon zu überzeugen, daß die gläubigen Moslims ungestört nach Mekka pilgern können, und daß er die Verwaltung der heiligen Stätten als eine gemeinsame Sache des Allislam hinstellt, hat ihm die Sympathien der gesamten islam. Welt gesichert. Für das, was nicht auf dem Programm steht, für die Lösung der Kalisatsfrage, dürfte hier wichtige Vorarbeit geleistet werden. Beschützer der heiligen Stätten sein, gehört zu den wichtigsten Aufgaben eines Kalifen, und Ibn Saud ist heute unbeschränkter Herrscher über Mekka und Medina! Seit einigen Monaten setzt ein auffälliges Werben Ibn Sauds um die Gunst der Türkei ein, das um so auffälliger ist, da die heutigen Regierungsmänner in der Türkei von den Arabern gerne als gottlose Verräter am Islam hingestellt werden, die mit der Herrschaft des Scheich=ül=Islamat gebrochen, die Religionsschulen aufgehoben, das Religionsgesetz abgeschafft, die Klöster mitsamt den frommen Stiftungen eingezogen und Trennung von Kirche und Staat proklamiert haben. Aber die Türkei genießt als stärkste Macht im islamischen Oriente doch ein großes Ansehen. Ibn Saud hat die Türkei wissen lassen, daß er großen Wert darauf legt, daß die Türkei zu seinem Kongresse nach Mekka Delegierte entsendet. Es wurde in Angora bereits als eine sehr liebenswürdige Geste des Wahabitensultans aufgefaßt, daß er als Emir von Mekka den Scherif Ali Haidar Pascha ernannt hat. Haidar Pascha war früher türkischer Minister und wurde während des Weltkrieges von der Hohen Pforte bereits zum Emir des damals türkischen Mekka bestimmt, konnte aber infolge des Aufstandes Husséins, der jetzt als vertriebener erster König des Hedschas von Englands Gnaden in Cypern lebt, sein Amt nicht antreten. Inzwischen hat die Türkei als diplomatischen Vertreter den früheren Kommandanten von Mekka Suleiman Schewket Bey ernannt. Als Unter der Mittelmeersonne. Roman von Anny v. Panhuys. Copyright by Verlag Köhler, Berlin=Zehlendorf. 18) Ein leises und doch scharfes Knacken verriet das Auslösen einer Feder. Vicentas schlanke Rechte schob die Rückseite des Spinetts leicht und schnell wie eine Schiebetür beiseite, und der Mann sah in einen nicht allzu großen Raum, darin ein paar Kassetten, ein paar Etuis und eine längliche Ledermappe Unterschlupf gefunden. „Dies Versteck kennk außer der abuela und mir nur noch Concha, die langjährige treue Zofe der abuela, und der Notar, mit dem die abuela auch schon seit zwanzig Jahren befreundet ist. Hier werde ich auch die Perlen unterbringen. Du bist nun wohl überzeugt, Manuel, daß man auch geschickte Verstecke für seine Wertsachen ausfindig machen kann, wenn man nachdenkt.“ Er lächelte.„Ich nehme alle ketzerischen Worte und Gedanken gegen die Frauen zurück," sagte er in komischer Zerknirschung und setzte hinzu:„Darf ich den Smaragdschmuck, wenn auch flüchtig, einmal sehen?" Vicenta nickte.„Natürlich. Aber ich will doch lieber erst die Türen verschließen, der Diener könnte kommen oder die Köchin. Sie sind treu und erprobt, aber sie könnten schwatzen, Diebe lüstern machen." Sie eilte mit ihrem leichten, fast schwebenden Gang zur Außentür, schob den Riegel vor, ebenso vor die andere, in einem Nebenraum führende Tür. Sie kehrte sofort zurück, entnahm dem Spinett ein viereckiges Lederetui, öffnete es durch einen seitlichen Druck Der Mann blickte fast erschreckt auf das unvergleichlich schöne und reiche Geschmeide, das sich ihm zeigte. Eine Künstlerhand hatte das geheimnisvolle grune Leuchten großer Smaragden umrahmt und durchsponnen mit Bogen und Ranken von Brillanten, die ein blauweißes Feuer aussprühten. Das Halsband war wie ein runder Blumenzweig geformt mit Blättern und Blüten, das Armband ebenfalls und die Ohrgehänge waren aus se zwei großen nebeneinanderstehenden Brillanten gebildet, zwischen denen an kurzer Platinkette ein breiter, köstlich geschliffener Smaragdtropfen pendelte. Den Schmuck vervollständigte eine Spange für Haar oder Gürtel und ein länglicher Ring. Berater ist ihm Machmud Nadim Bey beigegeben, der vor dem Kriege Wali im Yemen war und erst vor kurzem von Arabien zurückgekehrt ist. Er sprach sich Pressevertretern äußerst günstig über die Türkenfreundlichkeit Ibn Sauds aus, der betonte, daß er während des Weltkrieges nie gegen die Türkei gekämpft habe und ein großer Verehrer des Befreiers der Türkei Gasi Kemal Paschas sei. Die Türkei hat der Einladung zum Kongreß gern Folge geleistet und ist durch den Abgeordneten Edib Serwet Bay vertreten. Zusammen mit ihm haben die 13 Abgesandten der russischen Mshamedaner die Reise angetreten. Sie hatten ursprünglich die Einladung zum Kalifatskongreß in Kairo angenommen, aber nach Fühlungnahme mit Angora von einer Weiterreise abgesehen und weilten daher mehrere Wochen in Konstantinopel. Es ist überhaupt ein enger kultureller Zusammenschluß zwischen den Türken und den russischen Mohamedanern zu verzeichnen, die ja zumeist der Familie der Türkvölker angehören und durch Religion, Sitte und Sprache eng verbunden sind. Dieses Zusammengehörigkeitsgefühl wurde durch einen gemeinsamen Kongreß aller Türkvölker im April dieses Jahres in Baku gefestigt, und es wurde dort u. a. der Beschluß gefaßt, künftig die arabische Schreibweise der türkischen Sprache durch das lateinische Alphabet zu ersetzen. Es ist daher sicher anzunehmen, daß Russen und Türken in Mekka geschlossen als Vertreter der fortschrittlichen Ideen des Nordislams auftreten werden und vor allem bei etwaigen Vorschlägen zu der dringend notwendigen Reform der islamischen Religionsform ein gewichtiges Wort mitsprechen und so allerdings reichlich Konfliktsstoff herbeibringen werden. Es wäre sicher falsch, aus dem großen Entgegenkommen Ibn Sauds und dem Eingehen der Türkei darauf irgendwelche Schlußfolgerungen in Hinsicht eines neuerwachenden Panislamismus ziehen zu wollen. Es gibt, was die auch heute im Oriente noch immer ausschlaggebende Religionsseite anlangt, zuviel trennende Momente und die heutige Türkei hat durchaus kein Interesse daran, ihre Untertanen in großen Mengen zu den heiligen Stätten des Islams pilgern zu lassen, in denen sie ja doch nur den Herd der Infektion mit gefährlichem religiösen Fanatismus erblickt. Als politischer Freund jedoch ist der Wahabitensultan Ibn Saud für die Türkei von großem Wert. Er ist heute der anerkannte Herr von Arabien und im gesamten islamischen Orient einer der wenigen unabhängigen Herrscher von realem politischen Wert. Verbandstag des Verbandes Deutscher Berufsfeuerwehrmänner. Der Verband Deutscher Berufsfeuerwehrmänner hat seinen 11. Verbandstag vom 8. bis 11. Juni in Bremen abgehalten. Nach dem Geschäftsbericht sind in Deutschland rund 11000 Berufstätige vorhanden, von denen rund 78 Prozent bei den Kommunen, rund 22 Prozent in Industriebetrieben beschäftigt sind. Von den Verufstätigen hat der Verband bei den kommunalen Berufsfeuerwehren 77 Proz., von den Berufsangehörigen der Indrstrie 54 Prozent erfaßt. Von jenen Arbeitsgebieten, die nicht in besonderen Referaten behandelt wurden, bezeichnete der Verbandsvorsitzende als besonders wichtig die Neugestaltung des Beamtenrechts, wobei er die Aufnahme der Schutzbestimmungen des Arbeitsrechts in das Beamtenrecht als wichtigste Forderung betonte. Die Annahme von Versorgungsanwärtern im Feuerwehrdienst drohe eine Verschlechterung der Rechtsverhältnisse der Feuerwehrleute zu bringen, wogegen ganz entschieden angekämpft werden müsse, Die Flaggenfrage sei für die Verbandsmitglieder dadurch erledigt, daß sie in der Reichsverfassung geregelt sei und sie als treue Republikaner zur Reichsverfassung stünden. Das Verbandsvermögen beträgt nach dem Bericht des Kassierers 55 396,47 Mark. Ueber Wachdienstzeit referierte der 2. Verbandsvorsitzende Müller, Berlin. Er stellte fest, daß es der Tätigkeit des Verbandes gelungen sei, die vom Personalausschuß des Deutschen Städtetages mit zäher Energie betriebene Verlängerung der Wachdienstzeit dank der sozialen Einstellung des Vorstandes des Deutschen Städtetages abzuwehren. Nur diejenigen Großstädte, von denen das Treiben für die unsozialen Beschlüsse des Personalausschusses ausging, hätten auch eine Verlängerung der Wachdienstzeit vorgenommen. Eine der wichtigsten Aufgaben des Verbandes sei, auch für die Berufskollegen dieser Städte die 24stündige Wachdienstzeit wieder zu erreichen. Wenn der Feuerwehrdienst nicht zu einer schweren gesundheitlichen Schädigung für die Feuerwehrbeamtne führen solle, müsse gelten, daß eine Dienstschicht höchstens 24 Stunden dauern dürfe, der Bereitschaftsdienst mindestens mit 50 Prozent als Arbeitszeit gewertet und die Freischichten dieser Wertung entsprechend festgesetzt werden. Zur Besoldung erstattete Kollege Krause, Berlin, den Bericht. Er stellte fest, daß die Besoldung der Feuerwehrleute zwar noch nicht der Abgeltung der Anforderungen genüge, die an die Feuerwehrbeamten gestellt würden, daß aber immerhin in den letzten 2 Jahren beachtenswerte Verbesserungen eingetreten seien. Nach Beseitigung des Besoldungssperrgesetzes gelte erst recht, für die Anpassung der Besoldung an die Anforderungen des Berufes zu wirken. Die Besoldungsgruppe V müsse als Eingangsstellung für die Feuerwehrleute gelten. Auch in der Schutzkleidung müßten noch Verbesserungen geschaffen werden. Ueber„Die Gefahren des Feuerwehrberufes" hielt Professor Dr. Chajes, Berlin, einen Vortrag, aus dem sich ergibt, daß der Feuerwehrberuf mit zu den gefähr„Ist das nicht märchenschön?" fragte Vicenta und weidete ihre Augen an der Pracht, die einst ein freigebiger Fürst aus dem Wunderland Indien der schönen andalusischen Tänzerin Carmen Pardilla zu Füßen gelegt. Schon schloß Vicenta das mit dünnem schwarzen Samt ausgefütterte Etui wieder, legte es in das Versteck zurück. Im nächsten Augenblick wandelte sich die Schiebetür wieder in die Rückwand des Spinetts, und kein Uneingeweihter wäre wohl auf die Idee gekommen, daß dies harmlose Spinett so reiche Schätze barg. Vicenta schob die Riegel der Türen zurück. „Ich hoffe, Liebster, die Abuela ist in ein paar Tagen soweit, daß ich ihr von unserer Liebe erzählen kann, ohne fürchten zu müssen, die freudige Ueberraschung könnte ihr schaden." Er legte den Arm um ihre Schultern. „Ich habe dich unsagbar lieb." Vicenta warf den Kopf zurück wie in heimlichem Jauchzen. „Ich habe dich auch unsagbar lieb!" Sie blickte ihn an.„Aber ein bißchen warten müssen wir wohl doch noch mit dem Heiraten. Ich habe letzthin ein paar Verträge unterschrieben, die ich noch abtanzen muß. Zwei Monate werde ich hier im Eldorado auftreten, danach ein paar Wochen in Sevilla und Madrid." Sie schmiegte sich an ihn.„Ich weiß nicht, ob du mich verstehen kannst, wenn ich dir sage, ich sehne mich wieder danach zu tanzen, die Pause dauert mir schon zu lange, viel zu lange. Es ist so ein eigenes, beglückendes Gefühl, auf der Bühne zu tanzen. Die Musik, die Kostüme, der Beifall des Publikums fehlen mir jetzt. Ein Weilchen muß ich das alles noch genießen, ehe wir heiraten.“ Vicenta lächelte.„Du wirst mich bestimmt nicht in ein enges kleines Philisterglück einpressen wollen, Manuel. Ich tanze mich vorher noch gründlich aus und dann bleiben wir für immer zusammen, für immer." Sie küßte ihn.„Wir gehören zusammen, sind vom Schicksal für einander bestimmt, verbunden im Leben und Sterben.“ Vicenta löste sich aus den Armen des Geliebten. „Weshalb zucktest du eben zusammen, Manuel?" Sein Gesich dünkte ihr fahl und erregt. „Ich zuckte nicht zusammen, das bildest du dir nur ein, mein Lieb." lichsten Berufen gehört. Vorbeugungsmaßnahmen für die Minderung dieser Gefahren seien sehr schwer zu treffen, weil die Feuerwehr ja erst dann tätig werde, wenn die Not am größten sei und weil dabei die Tätigkeit der Feuerwehr nicht aussetzen könne, bis die notwendigen Schutzmaßnahmen getroffen seien. Darum müsse gelten, daß der Dienst der Feuerwehr bei der Schaffung von Fürsorgeeinrichtungen besondere Wertung erfahre. Die Ausdehnung der Unfallfürsorge auf den Feuerwehrbetrieb, die Einbeziehung der Berufskrankheiten der Feuerwehrleute in die Unfallfürsorge seien dringendes Erfordernis. Bei Wertung der Gefahren des Feuerwehrberufes müsse besondere Beachtung finden die strenge gesundheitliche Auswahl der Bewerber. Wenn trotz dieser strengen Auswahl die gesundheitlichen Schäden im Feuerwehrdienst größer seien als bei jedem anderen Beruf, so verdiene diese Erscheinung weitestgehende Beachtung. Die vom Verbandsvorstand vorgelegte Entschließung und ein Antrag aus der Mitte der Tagung, die Ausführungen Professor Dr. Chajes als Sonderdruck herauszubringen, fanden einstimmige Billigung. „Feuerversicherung und Feuerschutz" wurden von Herrn Branddirektor Wagner, Berlin, behandelt. Einen wichtigen Teil der Beratung stellt die Organisationsfrage dar. Entsprechend den Beschlüssen des Leipziger und Breslauer Gewerkschaftskongresses hat die Verbandsleitung versucht, zur Schaffung einer Reichsgewerkschaft Deutscher Kommunalbeamten als Einheitsorganisation zu kommen. Sie hat jedoch feststellen müssen, daß dafür die Zeit noch nicht gekommen sei. Die Beschlußfassung ging deshalb dahin, daß die Schaffung dieser Einheitsorganisation auch in Zukunft angestrebt werden müsse, daß jedoch nach den Beschlüssen des Breslauer Gewerkschaftskongresses die Schaffung der Einheitsorganisation nur durch die freiwillige Verschmelzung der beteiligten Verbände erfolgen könne. Die Verbandszeitung wird von jetzt ab wöchentlich erscheinen. Ein Verbandstaschenbuch soll auch für das Jahr 1927 herausgebracht werden. Daneben soll der Vorstand seine Aufmerksamkeit der Schaffung von Druckschriften auf feuertechnischem Gebiete widmen. Der Verbandsbeitrag wurde auf monatlich 2.— Mark festgesetzt und als nächster Tagungsort Dortmund bestimmt. Wacker München— München 1860 0:6. V München, 21. Juni.(Eig. Drahtb.) Zum ersten Male nach der West= u. Mitteldeutschland=Reise spielte die Wackerelf heute wieder auf heimischem Boden. Sie mußte von ihrem Lokalrivalen München 1860 eine vernichtende 0:6=Niederlage einstecken. Allerdings muß vorausgeschickt werden, daß die ohne Neubauer spielende Mannschaft zu hoch unterlag. Gleich zu Beginn entwickelte sich ein scharfer Kampf. Die 1860er konnten schon bald durch einen schönen Schuß des Mittelstürmers und durch einen Elfmeter zwei Tore erzielen. Kurz darauf mußte Altpater auf Geheiß des Schiedsrichters den Platz verlassen. 1860 wurde dann überlegen und erhöhte den Vorsprung bis zur Pause auf 3:0. Trotz der Schwächung der Wackerelf war das Spiel nach der Halbzeit ausgeglichen. Durch ausgezeichnetes Stürmerspiel kamen die 1860 er noch zu drei Toren, während der Wackersturm bei der ausgezeichneten gegnerischen Deckung auf unüberwindlichen Widerstand stieß. Das Treffen litt etwas unter der ungenügenden Leitung. Arminia Hannover— F. T. C. Budapest 7:0. annover, 21. Juni. Die verstärkte Arminenmannschaft enttäuschte äußerst angenehm, vermochten sie doch über die Ungarn einen glänzenden Sieg zu erringen. Die Gäste haben die Niederlage in dieser Höhe allerdings nicht verdient. Ihr Tormann war sehr unsicher und hätte wohl das eine oder andere Tor des Gegners verhindern können. Außerdem war ihr Sturm vom Pech verfolgt. Die besten Leute des Siegers waren die beiden Außenläufer, der rechte Verteidiger und der Torwart. Bei den Ungarn gefielen Mittelläufer und Linksaußen. Radrennen. Internationale Rennen in Elberfeld, 20. Juni.(Eig. Drahtber.) Bei herrlichem Wetter waren etwa 10000 Menschen Zeuge der internationalen Motorradrennen auf der Radrennbahn im Elberfelder Stadion. Der gebotene Sport war ausgezeichnet und wurde hatrt durchgeführt. Das Hauptinteresse konzentrierte sich natürlich auf das Rennen Kampf der Nationen, an dem neben Deutschland, vertreten durch seinen Meister Soenius=Köln, Frankreich, Belgien, Holland und die Schweiz teilnahmen. Soenius=Köln gelang es durch seine glänzende Fahrweise knapp vor dem Weltmeister Herkuleyns=Holland auf Indien den Sieg an sich zu reißen. Die Ergebnisse waren: Eröffnungsrennen über 15 km für Maschinen bis 175 cem 1. Thevis=Berlin auf Windhoff 9,48 Min.; 2. Lünenschloß Elberfeld auf Blackburn 245 m zurück; 3. Beckers=Aachen auf D. K. W. 250 m zurück. Um den Preis des Motor=Radsport=Vereins Elberfeld: Rennen über 25 km für Maschinen bis zu 250 cem 1. Sönius=Godorf auf Sönius Spezial 14,26 Min.; 2. A. Schumacher=Aachen auf Imperia 250 m zur.; 3. Kellermann=Elberfeld auf Rush 1550 m zurück. Kaum hatte sich der Marques entfernt, als Carlos mit einer sogenannten Visitenkarte im sogenannten „Bunten Salon“ erschien. Vicenta las sehr erstaunt und gab den Auftrag, die Besucher hierher zu bitten. Georg Freimut und seine junge Frau Hedi traten gleich darauf ins Zimmer. Hedi, die schon seit einigen Jahren verheiratet war, hatte eine etwas vollere Figur als früher, ihr blondes Haar lag noch immer glattgescheitelt über der Stirn. „Ja, wo kommt ihr denn so plötzlich her?" Vicenta küßte Hedi auf beide Wangen, drückte Georgs Hand. Georg lachte.„Gelt, daß wir beide dich eines Tages hier in Spanien überfallen würden, hättest du nicht für möglich gehalten? Aber die Sache ist im Grunde sehr einfach. Ich bin jetzt Ingenieur einer Frankfurter Automobilfabrik, und man hat dort meine Erfindung, eine Verbesserung des Kompressor=Motors, eingeführt. Die Verbesserung hat sich vorzüglich bewährt, ich habe schon auf ein paar deutschen Bahnen gute Rennerfolge damit erzielt. Nun wünschte meine Firma, daß unser Wagen auch hier, wo wir eine Autovertretung sitzen haben, auf der Sitgesbahn startet, und ich meldete mich dazu. Unser Söhnchen, das voriges Jahr geboren wurde, ist bei Hedis Mutter in guter Hut, und so nahm ich Hedi kurz entschlossen mit. Sie soll auch mal etwas von der weiten Welt sehen. Meine Hedi ist nämlich ein bischen spießig, und sowas schleift sich am besten ab, wenn man auf Reisen geht. Wir wohnen in einem Hotel an der Plaza de Catalunna und wollten nicht versäumen, dich zu besuchen. Deine Wohnung erfuhr ich durch das Adreßbuch.“ Er machte eine kleine Verbeugung.„Nun weißt du alles, schöne La Vicenta. Uebrigens fürchteten wir, dich nicht daheim zu finden, glaubten, daß du irgendwo in einem anderen Lande Gold und Beifall sammeltest. Ich habe mich schon seit längerer Zeit mit der spanischen Sprache beschäftigt, ringe mich ganz gut durch, aber Hedi ist aufgeschmissen. Ihretwegen bin ich froh, daß wir dich antreffen, hast vielleicht ab und zu ein wenig Zeit für sie übrig, denn ich kann nicht immer bei ihr sein, weil ich trainieren muß." Vicenta bat Platz zu nehmen, setzte sich dann auch. „Aber natürlich nehme ich mich Hedis an, sie muß doch etwas von meiner Heimat sehen. Leider ist meine Großmutter zur Zeit leidend und muß ruhen, doch ist sie sicher in ein paar Tagen sicher wieder rüstiger. Ich bitte euch jedenfalls, gleich zu Tisch zu bleiben, dabei unterhalten wir uns über alles weiter. Jetzt entschuldigt Großer Sommerpreis, 2 Läufe über te 220 km für Maschinen 500 cem 1. Sönius=Godorf auf Sunbeam 22,36 Min. 2. Schirmer=Berlin auf Windhoff 830 m zurück; 3. Frenzen=Köln auf Imperia 2190 m zurück. Preis der Motorradgemeinschaft, Rennen über 30 km für Maschinen bis zu 350 cem 1. Thevis=Berlin auf The Jap 16 Min.; 2. Tennigkeit=Berlin auf The Jap 545 m zurück; 3. ErlenbruchElberfeld auf Imperia 550 m zurück. Kampf der Nationen, Maschinen jeder Stärke, 4 Läuse über je 5 km Gesamt=Ergebnis: 1. Sönius=Deutschland 6“ Punkte auf Indian; 2. Herculeyns=Holland 6 Punkte auf Indian, 100 m zurück; 3. Bussard=Schweiz 12 Punkte auf Moto=Sakosche; 4. Bandeloque=Frankreich 17 Punkte auf Bandel=Special: 5. Borvin=Belgien 19 Punkte auf Neu=Imperial. Die Zeiten unserer Sprinter. Es ist noch garnicht so lange her, daß es in Deutschland eine ganze Reihe von Kurzstreckenläufern gab, die 100 m in 10,6 und 10,7 Sek. überwältigten. In letzter Zeit ist das wieder etwas anders geworden und die erzielten Zeiten liegen mehr nach 11 Sekunden hin als nach 10,5. Haben sich unsere Sprinterkönige etwa verschlechtert oder worauf ist es zurückzuführen, daß die Zeiten weniger gut geworden sind? Es ist das Verdienst des deutschen Altmeisters Rau, der auf einen bedenklichen Mangel des Startkommandos hinwies und uns dadurch vor recht unliebsamen Ueberraschungen in Kämpfen mit dem Auslande bewahrt hat. Rau bemängelte die zu schnelle Folge der einzelnen Kommandos, die den Läufern gestattete, in den Startschuß gewissermaßen hineinzufallen; es ist natürlich, daß ein so günstiger Start natürlich Bruchteile von Sekunden ausmachte. Auf Raus Anraten werden die Startkommandos jetzt in Deutschland nach internationalem Brauch gegeben, d. h. zwischen den Einzelkommandos folgen Pausen. Dadurch ist natürlich der Start weit schwieriger geworden und so erklären sich auch die schlechteren Zeiten. Immerhin ist es besser, sich mit richtigem Start und 11 Sekunden zu begnügen, als mit unregelmäßigem Start 10,5 zu erzielen und dann bei Kämpfen im Auslande abzufallen. Termine für die Hauptrennen in Deutschland. 23. Juni: Preis von Oberhausen, 6000 N. 1600 m, Mülheim=Duisburg. 23. Juni: Nickel=Rennen, 11000 N. 1800 m, Hamburghokn. 23. Juni: Großer Hamburger Ausgleich, 17000 N. 3200 m, Hamburg=Horn. 25. Juni: Espoir=Ausgleich, 15 000 N. 1400 m, HamburgHorn. 26. Juni: Lipsia=I.=R., 5000 N. 4600 m, Leipzig. 27. Jun: Deutsches Derby, 100 000 N. 2400 m, HamburgHorn. 27. Juni: Horner Ausgleich, 11 000 M, 2100 m, Hamburg=Horn. 27. Juni: Rheingold=Pokal, 12 000.A, 1400 m, Düsseldorf. 27. Juni: Nibelungen=Preis, 6000 N. 2000 m, Düsseldorf. 30. Juni: Rheinsagen=Preis I.=R., 6000 N. 4000 m. Düsseldorf. 30. Juni: Lohengrin=Rennen, 6000 N, 1600 m, Düsseldorf. 4. Juli: Lehndorff=Rennen, 13 000 M, 2200 m, Hoppegarten. 4. Juli: Sierstorpff=Rennen, 13 000 N. 1000 m, Hoppegarten. 4. Juli: Preis von Westfalen, 16 000 N. 1800 m, Dortmund. 5. Juli: Preis vom Union-Gestüt, 10 400 N. 2400 m, Hoppegarten. 7. Juli: Großer Preis von Dortmund, 7500 N, 3800 m, Dortmund. 10. Juli: Preis von Cöpenick, 7800 N. 2200 m, Hoppegarten. 11. Juli: Großer Preis von Berlin, 70 000 N. 2400 m, Grunewald. 11. Juli: Bayerisches Zuchtrennen, 7000 A. 2400 m, München. 11. Juli: 500ter Rennen, 6000 N. 1650 m, Krefeld. 11. Juli: Samt= und Seide=Preis, 7000 N. 2000 m, Krefeld. 14. Juli: Rhein=Jagdrennen, 6000 N. 4000 m, Krefeld. 14. Juli: Kartellrennen der Dreijährigen, 21000 N, 2400 m, Krefeld. 13. Juli: Sporn=Rennen, 10 400 N. 1000 m, Hoppegarten. 15. Juli: Großer Prüfungs=Preis, Jagdrennen, 15 000 N. 3800 m, Grunewald. 16. Juli: Harzburger Pokal, 5000 N. 2400 m, Harzburg. 18. Juli: Hannibal=Rennen, 10 400 N. 2800 m, Hoppegarten. 18. Juli: Harzburger Jagdrennen, 5000 N. 4000 m, Harzburg. 18. Juli: Fabian=Preis, 9000 N. 1600 m, Köln a. Rh. Saphir=Rennen, 7500 N. 2000 m, Köln a. Rh. Basedow=Rennen, 10 400 N. 2400 m, Hoppegarten. 24. Juli: Festa=Rennen, 7800 N. 1200 m, Grunewald. ihr mich, bitte, einige Minuten, ich möchte die Großmutter von eurem Besuch unterrichten.“ Die beiden blieben allein. Hedi schaute sich im Zimmer um. „Vornehm sieht es hier im Hause aus, Georg, und Vicenta erscheint mir fremder noch als damals in Frankfurt. Vielleicht hätten wir sie garnicht aufsuchen sollen, sie schrieb uns ja niemals, nicht einmal die kürzeste Postkarte." „Ach, Hedilein, sei nicht kleinlich. Vicenta hängt weder an Mutter, noch an dir, das wissen wir längst. Jetzt handelt es sich ja nur darum, daß dir die Zeit nicht so lang wird, wenn ich mich nicht um dich kümmern kann. Darfst eben in diesem Fall nicht sentimental denken, sondern egoistisch." Man saß dann zusammen im Speisezimmer, trank Kaffee in dem Gartenzimmer. Die beiden waren entzückt von der Aussicht und bewunderten Vicentas Bild. Vicenta, nach dem Maler gefragt, erklärte, wer es gemalt, fügte mit einem kleinen hochmütigen Heben der Oberlippe hinzu:„Ich bin mit dem Marques del Villamare heimlich verlobt, er wohnt im Hause neben uns, er und ich warten nur ab, bis die Abuela sich völlig erholt hat, um uns auch öffentlich zu verloben.“ Hedi reichte ihr impulsiv die Hand, Vicenta war doch die ständige Gefährtin ihrer Kindertage gewesen, sie wünschte ihr innig und herzlichst Glück. Nachmittags verabschiedeten sich dann die Besucher, nachdem ausgemacht worden war, Georg sollte Hedi am nächsten Morgen nach Gracia bringen, sich dann seinen Pflichten widmen und sie gegen Abend wieder abholen.“ Vicenta erzählte Carmen Pardilla ausführlich von dem Besuch, und dann trat ihr doch das Herz auf die Zunge, sie beichtete auch von ihrer Liebe zu dem Marques del Villamare. Carmen Pardilla nahm die Neuigkeit sehr ruhig auf. „Ach Kind, den Abschluß sah ich längst voraus, erhoffte und ersehnte ihn. Ich möchte dich so gern, wenn ich einmal sterben muß, in guter sicherer Hut zurücklassen, und in enge bescheidene Verhältnisse gehört deine Schönheit nicht. Der Marques ist ein Weltmann, vornehm vom Scheitel bis zur Sohle, ist sehr reich. Du wirst ein Leben im großen Stile führen, wie es zu deinem Aeußeren, deinem Charakter paßt. Ich denke in wenigen Tagen wieder endgültig aufstehen zu dürfen, dann mag der Marques zu mir kommen, mir sagen, daß er mein Liebstes beschützen will, wenn ich nicht mehr bin." (Fortsetzung folgt) Gronan. A Gronau, 22. Juni. Die Kinderreichen von Gronau wünschen seit langem Anschluß an den Reichsbund der Kinderreichen Deutschlands. Am Donnerstag, den 1. Juli ds. Is. findet deshalb eine öffentliche Versammlung statt, in welcher ein Vertreter der Bundesleitung einen Vortrag über die den Kinderreichen durch die Verfassung garantierten Rechte halten und Aufklärung darüber geben wird, wie die Organisation den Kinderreichen zu ihrem Rechte verhelfen will. Bei Gelegenheit der großen Kundgebung in Essen am 27. September v. Is. stellte der Oberpräsident von Westfalen fest, daß der Bund der Kinderreichen in den beiden letzten Jahren ganz bedeutende Fortschritte gemacht habe und wahrscheinlich eine Reihe seiner Forderungen in Bälde verwirklicht sehen werde. Der Bund hat es sich bekanntlich zum Ziele gesetzt, den großen Familien Steuerfreiheit, eigne Heimstätten und staatliche Kinderzulagen in allen Ständen zu verschaffen. Notleidende Kinderreiche sollen betreut und vor dem Untergange bewahrt werden. Der Bund ist in Bezug auf Religion und Parteipolitik vollkommen neutral und zählt Personen aus allen Ständen zu seinen Mitgliedern. Es empfiehlt sich für alle Kinderreichen, die Versammlung zu besuchen. Aber auch alle, denen das Volkswohl am Herzen liegt, sind herzlichst willkommen. Insbesondere sind die Vertreter der Behörden eingeladen. )!( Gronau, 22. Juni. Die Provinzialstraße GronauGlanerbrücke wird jetzt mit einer teerhaltigen Masse überzogen werden„ähnlich wie dies auf der Kreisstraße nach Epe vor kurzem geschehen ist. In seiner Wirkung wird das Verfahren als Schutzdecke für das Pflaster angesehen, dann wirkt es aber auch staubmildernd, was gerade auf der Straße nach Glanerbrücke bei dem regen Auto= und Wagenverkehr als Erleichterung für den Fußgänger und Radfahrer empfunden werden wird. Mit den Arbeiten wurde gestern an Glanerbrücke begonnen. :!: Gronau, 21. Juni. Die Beamtengenossenschaft „Selbsthilfe" hielt am Samstag, 19. Juni, abends, im Saale des Hoteliers Casprowiak ihre diesjährige Generalversammlung ab. Man genehmigte die Bilanz und erteilte dem Vorstande Entlastung. Die Verschmelzung der Beamtengenossenschaft mit der Konsumgenossenschaft„Eintracht“ wurde einstimmig gutgeheißen. Der von der„Gepag“ entsandte Vertreter, Herr Lauterbach, hielt einen kurzen Vortrag über die Zweckmäßigkeit und Notwendigkeit der Verschmelzung der beiden Genossenschaften. Diese Verschmelzung hätte schon früher im genossenschaftlichen Interesse gelegen. Des weiteren verbreitete sich der Redner über aktuelle Fragen in der Genossenschaftsbewegung und erläuterte sie durch eine Reihe von Beispielen. Gronau, 22. Juni. Weitere Verschlechterung der Geschäftslage in der hiesigen Textilindustrie. Laut Anschlag wird die Firma Gerrit van Delden u. Co. ab 8. Juli ihren Betrieb um einen weiteren Tag in der Woche einschränken, sodaß ab genannten Datums nur noch 3 Tage wöchentlich gearbeitet wird. X Gronau, 22. Juni. Ein Prachtexemplar in Gestalt eines 5jährigen Ochsen kaufte gestern der Metzger Poppert von der Kruppschen Gutsverwaltung bei Gildehaus. 17 Zentner wog das respektabele Rassetier, das den Weg zur Schlachtbank antrat. + Gronau, 22. Juni. Radfahrerklub„All Heil." In der am Freitag im Vereinslokal Drexelius stattgefundenen außerordentlichen Versammlung stand als Hauptpunkt auf der Tagesordnung die Neuwahl des Vorstandes. Diese hatte folgendes Ergebnis: Ferd. Fischer, 1. Vors., B. Immink, 2. Vors., C. Kuhlmann, 1. Schriftführer, Riewe, 2. Schriftführer, Jörgens, 1. Kassierer, Steffens, 2. Kassierer, Jos. Wienker, Wanderfahrwart, C. Kuhlmann, Saalfahrwart. Des weiteren wurden die Veranstaltungen der nächsten Monate besprochen. + Gronau, 22. Juni. Von der Grenze. Die Zahl der in Holland angetroffenen Deutschen, die nicht im Besitze der vorschriftsmäßigen Papiere sind oder auch jeglicher Barmittel entbehren nimmt in letzter Zeit wieder zu. So wurden in der vergangenen Woche 15 Deutsche von Enschede aus über die Grenze nach hier abgeschoben.— Auf der Straße Gronau—Enschede ereignete sich am Samstag kurz vor Enschede ein tödlicher Unglücksfall. Ein 12jähriges Mädchen hatte sich hinter ein Fuhrwerk gehängt, ließ sich los und wollte quer über die Straße laufen. Im selben Augenblick kam aus entgegengesetzten Richtung ein Auto, von dem das Kind erfaßt wurde. Es konnte nur als Leiche darunter hervorgezogen werden. — Gronau, 22. Juni. Fahnenweihfest. Nun hat auch die im vorigen Jahre neu erstandene Schützengesellschaft Schöttelkotter=Tiekerhook=Eßseite ihre neue Fahne erhalten. Wie die Chronik ausweist, ist dieser Schützenverein eigentlich nicht als neu anzusehen. Er entfaltete schon reges Leben vor mehr als 50 Jahren und gehört demnach zu den ältesten Schützenvereinen Gronaus. Die Zeitumstände haben den Verein wohl seit jenen Jahren in seiner Vereinstätigkeit ruhen lassen. Seit Jahresfrist ist er nun zu neuem Leben erwacht und will das Gefühl der Zusammengehörigkeit und Kameradschaft der Einwohner des Ortstetlis Schöttelkotter=TiekerhookEßseite neu beleben und fester schlingen. Das äußere Symbol dessen soll sein die neue schöne Fahne, ein Fabrikat einer Bonner Firma, deren Weihe am Sonntag stattfand. Um 2½ Uhr nachmittags nahmen der festgebende Verein sowie die der Einladung gefolgten Brudervereine auf dem Schulplatze der Eilermarkschule Aufstellung. Herr Bürgermeister Hagedorn nahm den Weiheakt vor. In seinen Ausführungen ging er auf die Geschichte der Schützengilden ein, erwähnte auch die Vergangenheit des Schützenvereins Schöttelkotter=Tiekerhook und hob die Bedeutung der Schützenvereine für die heutige Zeit hervor, die besonders auf Pflege der Treue und Einigkeit, der Geselligkeit und des Gemeinschaftssinns hinziele. In diesem Sinne weihe er die Fahne, die ein Symbol der angedeuteten Ideale sein und die Schützen stets an die Pflichten gegenüber dem Verein und den Mitmenschen erinnern solle. Der Bürgermeister beschloß seine Ausführungen mit einem Hoch auf das deutsche Vaterland. Das von der Grevener Musikkapelle intonierte Deutschlandlied schloß sich dem Weiheakt an. Der Vorsitzende des Vereins, Herr Burof, dankte darauf dem Herrn Bürgermeister und versprach, die Schützenfahne allzeit in Ehren zu halten. Es beglückwünschten dann noch dem Verein Herr L. Husel namens des Allgemeinen Schützenvereins; Herr Linesch vom Schützenverein Buterland=Beckerhook und Herr Chr. Drost für die Schützengesellschaft Brook=Spechtholdshook die einzelnen Vereine stifteten je einen Fahnennagel. Durch Damen des Lokalvereins, die einen gereimten Glückwunsch vortrugen, wurde der Fahne eine prachtvolle Schleife angeheftet. Dem Vorbeimarsch der Schützenbrüder an der neuen Fahne folgte der Festzug durch den mit Guirlanden und Fahnen geschmückten Bezirk. Der Zug endete im„Schützenhof“, wo das gut verlaufene Fest abends mit einem Ball abschloß. Westfalen und NachbarWattenscheid, 21. Juni. Tödl. Unfall. Ein 63jähriger Autobremser aus Bochum sprang auf der Chausseestraße von seinem Anhänger ab, blieb aber mit dem Absatz am Trittbrett hängen und stürzte zu Boden. Mit einem Handgelenkbruch und schweren inneren Verletzungen wurde er nach Bochum ins Krankenhaus gebracht, wo er inzwischen gestorben ist. Duisburg, 21. Juni. Vom Auto überfahren und schwer verletzt. Beim Ueberqueren der Straße wurde am Samstag nachmittag gegen 3 Uhr auf der Mülheimer Straße der 9 Jahre alte Sohn der Eheleute Michels von einem Personenauto überfahren. Mit einem Schädelbruch und Oberschenkelbruch wurde der Junge von dem Autoführer zum Vinzenzhospital gebracht. Den Autoführer soll keine Schuld treffen. = Duisburg, 21. Juni. Weiteres Steigen des Rheins. Der Wasserstand des Rheins in Duisburg ist von Sonntag=Morgen 8 Uhr bis Montag=Morgen 8 Uhr um 42 em auf 3,97 m gestiegen. Der Pegel der Ruhr in Ruhrort erfuhr in der geichen Zeit eine Steigerung auf 4,18 Meter. Da die Hochwasserbewegung anhält, ist für morgen mit dem Einfahren der Sperrschleuse zu rechnen. Ruhrort, 21. Juni. Der Kampf um den Volksentscheid auf der Straße. Auf der Ruhrorter Straße wurde am Samstag abend ein Flugblattverteiler einer Rechtsorganisation von einer größeren Anzahl der Gegenrichtung überfallen und blutig geschlagen. Auch ein völlig unbeteiligter Passant wurde schwer mißhandelt. Einige der Täter konnten ermittelt und zur Anzeige gebracht werden.— Weiter kam es am gleichen Abend am Bahnhof zu einem Zusammenstoß zwischen politischen Parteigegnern. Es wurden hierbei einige Schreckschüsse abgegeben. Die Polizei trieb die Menge auseinander. Düsseldorf, 21. Juni. Festnahme. Beamten der Düsseldorfer Kriminalpolizei ist es gelungen, einen von vielen Strafverfolgungsbehörden gesuchten Betrüger festzunehmen, der, insbesondere im Ruhrgebiet polnischsprechende Leute aufgesucht hat, sich ihnen gegenüber als polnischer Gendarm ausgab und bei ihnen Geld und sonstige Gegenstände erschwindelte, mit dem Bemerken, er wolle dieses in Polen wohnenden Verwandten mitnehmen. Auf diese Weise hat der Mann seit etwa 1½ Jahren sich über 1000 Mark erschwindelt. Es handelt sich um den wohnungslosen Arbeiter Anton Jagoczinski, der in Haft genommen wurde. Köln, 21. Juni. Waffensuche bei Stollberg. Am Samstag abend lief bei der hiesigen Kriminalpolizei eine namenlose Anzeige ein, wonach die Fa. Gebr. Stollwerck in zwei Eisenbahnwaggons Waffen erhalten haben sollte, die in den Fabrikräumen und Lägern der Firma verborgen wurden. Von der Kriminalpolizei, die daraufhin noch in der Nacht der Fa. Gebr. Stollwerk einen Besuch abstattete, wurde jedoch festgestellt, daß keinerlei Waffen in die Fabrikräume eingeschmuggelt worden sind. Es wird angenommen, daß die Anzeige von linksradikaler Seite ausgeht, um eine Durchsuchung der Fabrik= und Geschäftsräume von Stollwerk zu provozieren. + Saarbrücken, 21. Juni. Zwei Todesopfer des Grubenunglücks auf der Zeche Püttlingen. Das Grubenunglück auf dem Mathildenschacht bei Püttlingen hat zwei Todesopfer gefordert. Von den 6 Verletzten schwebt einer in Lebensgefahr. Rotationsdruck und Verlag von Gebr. Lensing in Dortmund.— Verantwortlich für die Schriftleitung Fritz Schlotjunker. II STATT KARTEN Heinrich Leefken Angela Leefken geb. Nacke Ferdinand Lüke Katharina Lüke geb. Leefken Vermählte Epe, den 22. Juni 1926 m Wie wir Ihre Rückgratverkrümmung ohne Berufsstörung uessern und ev. len, zeigt unser Buch mit 50 Abbildungen. Zu beziehen gegen Nachnahme von Mk. 1.— von Franz Menzel, Hannover, Lavesstraße 23. 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A Huch, Romantik, I/II M Riemann, Von Goethe zum Expressionismus. M Schroeder, Reden und Aufsätze der indischen Literatur und Kultur.. Länder= und Völkerkunde: 4.50 4.— 4.— 8.— 9.— N 6.20 Länder= u. Völkerkunde. Rupprecht, Reiseerinnerungen aus Indien.. N 9.80 „„ Reiseerinnerungen aus dem Südosten Europas und dem Orient.... N 14.— „„ Reiseerinnerungen aus Ostasien.. N 14.— Jacques, Südsee....... N 2.— Reiner, 18 Jahre Farmer in Afrika..: N 3.— Sapper, Die Tropen K 3.— Nordenskiöld, Indianer und Weiße.... N 3.50 Lito, Die Wüste„ N 2.50 Neckschies Safari— Zauber. 2. N 3.— Lehner, Die Eroberung der Alpen..... N 18.— Buschan, Das deutsche Volt....... N 13.— Mawson, Leben und Tod am Südpol, I/II.. N 18— Whymper, Berg= und Gletcherfahrten.... N 8.— Hedin, Zu Land nach Indien, I/II.... N 8.— Westermann's Weltatlas 15.— Pfeiffer, Die Welt des fernen Östens.... M Hagenbeck, Kreuz u. quer durch die indische Welt M Hedin, Jerusalem Hagenbeck, Ceylon. 2. M Faber, Rund um die Erde....... M Wißmann, Durchquerung Afrikas„M Katze, Australische Skizzen....M Ule, Quer durch Süd=Amerira..1 M Loti, Aus Persiens WunderweitM Küchler, Die Faerärer.M Loti, Im Lande der Pharaonen. 2*M „„ Galiläa„ z»„„» M Jorajalen Ossendowski, In den Dschungeln der Wälder und Menschen........ M Beugt=Berg, Mit den Zugvögeln nach Afrika. M Tafel, Meine Tibetreise..»« M Kunstgeschichte W. Hausenstein, Barbaren und Klassiker. Ein Buch von der Bildnerei exotischer Völker. Mit 177 Tafeln A. Hausladen, Köstlichkeiten aus dem Münchener Residenzmuseum. Mit 59 Tafeln.. M Velhagen und Klasings Künstlermonographien: Siemering N 2.— Verrochio M 2.— Geselschap. N 2.70 W. Holman, Huni N 2.— Gysis 2.— Glaser, Lucas Cranach, Halbfranz. Lübke— Pernice, Die Kunst des Altertums. M „— Haack, Die Kunst des 19. Jahrhund., I M Jessen, Ornament— Stich.. Scherer, Technik u. Geschichte d. Intarsia... M v. Manteuffel, Der deutsche Kupferstich...M Nasse, Deutsche Maler der Frühromantik... M Christoffel, Deutsche Kunst 1650—1800, 84 Bildtafeln Creußener, Töpferkunst...A Stöhr, Deutsche Fayencen u. Deutsches Steingut A Ebe, Der deutsche Cicerone........ M Boegner, Rothenburg. Mit 150 Abbildungen M W. v. Seydlitz, Der japanische Farbenholzschnitt M Welcker, Bayrische Rokokoplastik, Halbfranz.. M Daumier und das Theater M H. Curjel, Hans Baldung Grien. Neuß, Die Katalanische Bibelillustration um die Wende des ersten Jahrhunderts und die Altspanische Buchmaletei.. M Ruth Schaumann, Werkblätter. M Zoff, Rubens M 5.— 4.— 8.— 3.50 3.50 4.50 3.70 8.— 4.— 2.90 2. 2.— 2.50 3.— 5.— 4.50 mehr geringer als die regulären Zahn, Schwind„ N 3.50 Bernhart, Holbein K 3.50 Mayer, Anthonis van Dyak N 3.50 Huysmans, Matthias Grünewalo N 3.50 Hans Thoma Skizzenbuch a: N 4.— Pudor, Laokoon N 1.80 A. Dürer, Deutsche Landschaften..... N—.50 Simmel, Rembrandt N 2.75 Aug. L. Mayer, Matthias Grünewald.... N 2.50 Amberger, Zeitgenossen Chodowiecki's. Buchkunst des 18. Jahrhunderts...... N 1.50 Dr. Bauer, Landsknechtkunst....... N 1.50 Philipp Oto Runge N—.40 Friesenheimat. Federzeichnungen von HoferLüdenscheid. Gedichte von RuselerOldenburg N 1.50 Kreitmaier, Beuroner Kunst....: N 2.— F. Knapp, Leonardo da Vinci N 2.50 Steinitzer, Einführung in die ital. Kunst... N 3.— Frantz, Geschichte des Kupferstichs..... N 2.50 Christ, Ludwigsburger Porzellanfiguren. 162 Abbildungen N 10.— 14.— Loewenstein, Japan. Handzeichnungen.... N 4.50 Dr. E. Franz, Geschichte der christl. Malerei, 3 Bände N 14.— Osborn, Geschichte der Kunst...... A 3.50 F. Burger, Weltanschauungsprobleme und Lebenssysteme in der Kunst der Vergangenheit N 2.80 W. Doenges, Meißner Porzellan, reich illustriert N 5.— Haman, Der Impressionismus in Leben und Kunst 3.— Woermann, Die Kunst zur Zeit der Hochrenaissance N 2.80 Lukomsky, St. Petersburg N 2.80 J. Maier=Graefe, Vincent van Gogh, mit 50 Abbildungen. K 2.— Baur, Schweizerische Graphik seit Hodlel... N 1.50 Hunold, Alt=Hollands große Meister, Leinen. N 3.— Busch, Das Deutschtum in der Kunst.... N 1.— Kesser, Zeichnungen Ferd. Hodlers..... N 1.50 Utzinger, Indianer=Kunst........ N 2.50 Much, Niederdeutsches gotisches Kunsthandwerk N 4.— Klassiker der Kunst: Rembrandts Gemälde, Ganzleinen mit 643 Abbildungen N 12.— „„„ Dürer, Ganzleinen mit 473 Abbildungen N 9.— F. Gonords Silhouetten aus dem Jahre 1781. M 6.— Speltz, Der Ornamentstil, Ganzleinen... N 5.— 4.50 Hans Thoma's Graphische Kunst, Halbleder, mit 3.— 112 Abbildungen...... N 8.— 3.50 Max Stevogt, graphische Kunst, mit 114 Abbildg. N 6.— Ladenpreise. 7.— 8.— 6.50 5.— 1.30 2.80 2.75 2.75 2.50 7.50 1.80 11.— 10.— 7.50 3.— 13.— Lehmann, Das Bildnis bei den Altdeutschen Meistern bis auf Dürer..... Schmitz, Bild=Teppiche. Geschichte der GobelinWirkerei, reich illustr.... Hausbuch deutscher Kunst, ca. 360 Abbildungen Voll, Die Altniederländische Malerei von Jan van Eyck bis Memling. Mit 63 Bildtafeln, Halbfranz Voll, dito dito Halbleinen van Scheltema, Die altnordische Kunst.... Tietze, Albrecht Altdorfer, Halbfranz. Mit 127 Abbildungen Brieger, Das Genrebild. Mit 195 Bildern.. Wedderkopp, Deutsche Graphik des Westens. Reich illustriert Baldaß, Der Künstlerkreis Kaiser Maximilians. Mit 100 Tafeln nach Werken der Meister A. Dürer, Cranach, Altdorfer, Burykmair, Peter Vischer u. a. ant. Adolf Philippi, Die Kunst der Renaissance in Italien, 2 Bde., Halbleinen.. With, Buddhistische Plastik in Japan.... Handbuch der Kunstwissenschaften: Brinckmann, Barock und RokokoM Schubring, Italien. Plastic des QuattroccutoM Burger=Schmitz=Beth, Die deutsche Malerei der Renaissancc, III A Wackernagel, Baukunst des 17. und 18. Jahrhunderts in den germänischen Ländern M Burger=Schmitz=Beth, Die deutsche Malerei der Renaissance I Fischer, Malerei der Renaissance in Mittel= und Unteritalien, I Burger, Einführung in die moderne Kunst.. M Brinckmann, Stadtbaukunst Escher, Malerei der Renaissance in Mittel= und Unteritalien N 3.— N 6.— N 6.5 N 9.— N 8.— N 8.— N 8.— N 8.— N 6.— N 2.8 N 14.— N 7.5 5.— 10.— 7.50 6.— 7.— 6.— 6.— 6.— 12.— Kulturen der Erde: With, Java N 4.— Fuhrmann, Reich der Inka... N 4.— Knapp, Italienische Plastik vom 15. bis 18. Jahrhundert N 15.— Groeße, Führer für Sammler von Porzellan, Fayencen usw. N 10.— Vollard, Cezanne. N 6.— Raphael, Von Von Monet zu Picasso. N 4. Schlosser, Mittelalter N 5.50 Romane für Reise und Haus. Jugendschriften für jedes Alter Besondere Gelegenheit für Bibliotheks-Ergänzungen.— Lenfeng, Doetand und Gronan Nr. 168 Aus dem Kreise Ahaus. Kreistierschau in Schöppingen. Ueber das Wetter an Festtagen zu schreiben, lohnt sich nicht mehr. Es ist in diesem Jahre nämlich immer dasselbe oder vielmehr gar keins. Darüber zu schreiben, kostet Papier und Druck und schließlich gehen auch den Berichterstattern die Ausdrücke für diese zweite Sintflut aus. Wir müssen uns aus diesen Gründen darauf beschränken, nur von angenehmen Unterbrechungen der Wolkenbruchserien an Festtagen zu berichten. So verständlich, es ist, wenn aus Anlaß des 25jähr. Jubelfestes des landw. Ortsvereins Schöppingen der Kreisverein die diesjährige Kreistierschau nach dem Sitze des Geburtstagskindes verlegt hatte— vielleicht war auch der sicherlich sehr hohe Stand der Pferde= und Viehzucht in Schöppingen maßgebend— so müssen doch selbst die Leiter zugeben, daß trotz großer Beteiligung fast sämtlicher Landwirte der Umgegend die Beschickung aus dem weiteren Kreise unter der dezentralen Lage litt, so daß von einer eigentlichen Kreistierschau kaum die Rede sein kann und der Wettbewerb nur wenig über den lokalen Rahmen hinausragte. *** Noch nie hatte die Vechte an ihren Ufern ein derart buntes Getriebe gesehen mit dem frohen Wiehern der prächtigen Pferde, dem lauten Blöken von rot= und schwarzbunten Rindvieh, dem Grunzen der Schweine und Meckern der Ziegen. Zwischen den Ständen schritten Züchter, mit Kennermiene ihr Haupt wiegend, die Reihen ab, von Neugierigen umlagert, die baß erstaunt waren über die riesigen Körpermaße der Zuchthengste und Stiere, den edlen Linien der Zuchtstuten und Fohlen. Die Sauberkeit und Wohlgenährtheit der Kühe und Rinder fiel auch dem Nichtfachmann auf. Dann kam der Hauptzweck des Ganzen: die Prämiierung! Mit kühlem Blick und objektivem Urteil, kaum sprechend, wurde Tier gegen Tier geprüft, abgewogen und das Beste für gut befunden. Um Mittag war die Arbeit zu Ende. Es folgte der Vorbeimarsch der preisgekrönten Tiere und man mußte bei der Musterung der besten Erzeugnisse heimischer Zucht anerkennen, daß gegen früheren Zeiten hier Gewaltiges durch die Sortenwahl in qualitativer Hinsicht geleistet ist und man hoffen darf, daß bei weiterer Entwicklung in unserem Zuchtwesen die münsterländischen Landwirte sich mit den Züchtern aus Ländern von hohem Klang werden messen können. Die Preise, die das Amt Schöppingen durch wertvolle Geschenke bereichert hatte, wurden wie folgt verteilt: A. Pferde(Warmblut). Für 2jährige Hengste. 1.(Anerkennung) Franz Althoff=Schöppingen. Für 4jährige und ältere Stuten mit Fohlen. 1. Oldenkott=Ahaus; 2. Franz Althoff=Schöppingen; 3. Moddemann=Schöppingen; 4. Schulze Ueding=Schöppingen. Für 3jährige und ältere gedeckte Stuten. 1. H. Lindhaus=Schöppingen; 2. Schulze Beikel=Legden; 4. Hakenfort=Schöppingen; 5. Bernh. Holste=Schöppingen; 6. Elpert=Legden. In Klasse 3a erhielt Sch. Fasthoff=Asbeck den 1. Preis. Für 2jährige Stuten. 1. Schulze Göcking=Legden; 2. Sch. Oeing=Schöppingen. Für 1jährige Stuten und Hengste. 1. Schulze Fasthoff=Asbeck; 2. Schulze Ueding=Schöppingen; 3. Freiherr von Oer=Egelborg bei Legden; 4. Fr. Uphues=Schöppingen; 6. Schulze Ueding=Schöppingen; 8. Herm. Oldenkott=Ahaus; 9. Holste=Schöppingen. Für Jährlingsstuten. 1. Schwieters=Ammeln. Kaltblut. Für 3jährige und ältere Hengste. 1. Pferdezuchtverin Legden; 2. Gerh. Doedt=Wehr bei Legden. Für 3jährige und ältere Stuten mit Fohlen. 1. Schulte Hubbert=Schöppingen; 2. Jos. Puppendahllegden; 3. Heinr. Hessel=Legden; 4. Specking=Stromerg=Asbeck; 5. Jos. Puppendahl=Legden. Für 3jährige und ältere gedeckte Stuten= 1.(Ehren. reis) H. Hessel=Legden; 2. Specking=Stromberg=Asbeck; H. Hessel=Legden; 4. Schulte=Hubbert=Schöppingen; Schlüter=Wolping=Schöppingen; 6. Specking=Stromerg=Asbeck. Anerkennung erhielten: Blömer=AlthoffImmeln, Schlüter=Wolping=Schöppingen und Jos. unke=Schöppingen. Für 2jährige Stuten. 1. Jos. Puppendahl=Legden; Berghaus=Hemnig=Almsick; 3. Jos. Puppendahl=Legen; 4. Wwe. Hermeling=Schöppingen. Für 1jährige Stuten und Hengste. 1. Heinr. Hesselegden; 2. Derselbe; 3. Herm. Alfing=Schöppingen. B. Rindvieh(rotbunt). Für Bullen über 24 Monate. 1. Zuchtgenossenschaft sbeck; 2a. Schulze Beikel=Legden; 2b. Zuchtgenossenhaft Tinge bei Schöppingen; 2c. Herm. Gövert=SchöpFür Bullen unter 2 Jahre alt. 1.(Ehrenpreis) uchtgenossenschaft Almsick; 2. Berghaus=Heming=Almk; 3. B. Oettingmann=Schöppingen; 4. Zuchtgenossenjaft Heven bei Schöppingen. Für Kühe über 5 Jahre alt. 1.(Ehrenpreis) Bernh. lfering=Schöppingen; 2a Heinr. Hessel=Legden; 2b Bergaus=Heming=Almsick; 44 Schulze Höping=Schöppingen; Bernh. Oettigmann=Schöppingen; 6. Ant. Sieverdingchöppingen; 7. Bergnaus=Hewing=Almsick. Anerkeningen erhielten: Heinr. Feger=Schöppingen, Bernh. ettigmann=Schöppingen(drei Mal). Für Kühe bis 5 Jahre alt: 1. Berghaus=Heming=Alm1; 2. Bernh. Oettigmann=Schöppingen; 3. Friedrich anhoff=Schöppingen; 4. Bernh. Oettigmann=Schöppinn; 5. Ant. Sieverding=Schöppingen; 6. Heinr. Fegerchöppingen. Anerkennungen erhielten: Bernh. ann=Schöppingen, Ant. Wenning=Asbeck, Heinr. Hesselegden, Bernh. Elfering=Schöppingen und Alf. Woestann=Schöppingen. Für Rinder über 2 Jahre alt. 1. Berghaus=Heminglmsick; 2. Bernh. Elfering=Schöppingen; 3. Heinr. Hesl=Legden; 4. Mensing=Effsing=Almsick; 5. Schulze Beil=Legden; 6. Heinr. Hessel=Legden. Für Rinder bis 2 Jahre alt. 1. Große Liesner=Alm2a Mensing=Effsing=Almsick; 2b Große Liesner=Almk; 3. Alf. Woestmann=Schöppingen. Anerkennungen hielten: Bernh. Oettigmann=Schöppingen, Mensingffung=Almsick, Alfert=Deitert=Schöppingen(zwei Mal), eistr. Volmer=Schöppingen. Rindvieh(schwarzweiß). Für Bullen über 2 Jahre alt. 1.(Ehrenpreis) Bernh. Messing=Schöppingen. Für Bullen bis 2 Jahre alt. 1.(Ehrenpreis) E. Hardenberg=Schöppingen; 2. Schulze Höping=Schöppingen; 3. Wwe. Hermeling=Schöppingen; 4. B. FeldhausSchöppingen; 5. Moddemann=Schöppingen. Für Kühe über 5 Jahre alt. 1.(Ehrenpreis) Heinr. Moddemann=Schöppingen; 2. Ww. Hermeling=Schöppingen; 3. Ludw. Wernsmann=Schöppingen; 4. Aug. Herdering=Legden; 5. Hub. Königkamp=Epe; 6. Heinr. Moddemann-Schöppingen. Für Kühe unter 5 Jahre alt. 1.(Ehrenpreis) Hub. Königkamp=Epe; 2. Ant. Greßhoff=Schöppingen; 3. Wwe. Hermeling=Schöppingen; 4. Ant. Greßhoff=Schöppingen; 5. B. Feldhaus=Schöpingen; 6. H. Moddemann=Metelen. Rinder bis zu 3 Jahren. 1. Ludw. WernsmannSchöppingen; 2. Jos. Essing=Schöppingen. Für Rinder bis 2 Jahre alt. 1. Schulze UedingSchöppingen. Familienpreise für Rindvieh. Kuh mit 2 Nachkommen. 1. Wwe. Hermelina=Schöppingen; 2. Heinr. Moddemann=Schöppingen. II. Blatt C. Schweine. dee Ever übe 1 Jahr. 1.(Ehrenpreis) Th. DüvingHakenfort=Schöppingen; 3. Heinr. VolmerSchöppingen. Für Sauen mit Ferkeln oder gedeckt. 1.(Ehrenpreis) Freiherr von Oer=Egelborg bei Legden; 2. B. Oettigmann=Schöppingen; 3. H. Hakenfort=Schöppingen. Für Eber und Sauen unter 1 Jahr. 1. Große Liesner=Almsick; 2. Heinr. Busemann; 3. Freiherr von OerEgelborg bei Legden; 4. Bernh. Deitert=Schöppingen. D. Ziegen. Für Böcke. 1.(Ehrenpreis) H. Terinde. Für Ziegen über 1 Jahr alt. 1. H. Terinde; 2. Amtmann Topp; 3. Franz Dirksen. Für Ziegen unter 1 Jahr aul. 1.(Ehrenpreis) Franz *** Den Höhepunkt erreichte das Fest in dem gemeinschaftlichen Festschmaus, gewürzt mit mehreren Ansprachen und der Tafelmusik der Ahauser Stadtkapelle. Der Vorsitzende des landw. Ortsvereins Schöppingen übernahm die Festrede, begrüßte die Vertreter der Behörden und der Landwirtschaftskammer Münster und die vielen anderen Gäste, gedachte der Gründer der jetzt in so hoher Blüte stehenden Organisation und schloß seine Rede mit einem Hoch auf den Jubelverein. Nach ihm kam der Führer des Kreisverbandes, Freiherr v. Oer, auf die Bedeutung der Lokalvereine zu sprechen. Er betrachtete diese als die Keimzellen der Gesamtorganisation, die das große Ganze nährten und belebten. Gerade Schöppingen mit seiner Ackerbau treibenden Bevölkerung und hochstehenden Viehzucht sei ein geschaffener Platz für die Abhaltung einer Tierschau. Herr Landrat Sümmermann setzte die Rednerserie fort, betrachtete die Landwirtschaft als die Grundlage wirtschaftlichen Lebens, und betonte, daß in unserem Bauernstande sich reines, urwüchsiges Deutschtum und wahre Heimatliebe am besten erhalten hätten. Nach dem Deutschlandliede gedachte Freiherr v. Schorlemer=Alst in bekannter launiger Weise der Damen. *** Die Reitervereine Ahaus, Legden und Schöppingen hatten Pferdeliebhabern und Sportlern durch ihre angekündigten Vorführungen einen Extragenuß verschafft. Es ist sehr zu begrüßen, daß dieser uralte Sport in den letzten Jahren durch die jungen Leute eine Neubelebung erfahren hat. Mit dem Schulreiten setzte das Programm ein. Der Reiterverein Ahaus ritt nach dem Rhythmus der Musik eine Quadrille, die den lebhaftesten Beifall aller Zuschauer fand. Laie und Fachmann konnten sich beim Anblick der wunderbar harmonisch und erakt durchgeführten Bewegungen ein Bild davon machen, welche Mühe und Arbeit zur Erreichung einer derart hohen Reitkunst erforderlich ist, und auch das Paarspringen desselben Vereins bewies, daß Herr Baggeroer an den vielen Uebungsabenden im Ahauser Stadtpark mit seinen jungen Reitern und Pferden nicht erfolglos gearbeitet hat. Nach der Standartenweihe des Schöppinger Reitervereins fanden die Darbietungen durch eine tadellose Parade vor dem Preisrichterkollegium ihren Abschluß. Kreiskriegerverbandsfest und Denkmalsenthüllung in Schöppingen. Am vergangenen Sonntag fand in Schöppingen das große Kreiskriegerverbandsfest und die Enthüllung des neu errichteten Kriegerdenkmals statt. Wohl selten hat Schöppingen ein ähnliches buntfarbiges und reges Leben und Treiben gesehen. Ehrenbogen, Guirlanden und flatternde Fähnlein gaben der Stadt ein schmuckes Gepräge, selbst die Sonne zeigte sich wieder einmal nach langer Zeit. Und die ehrwürdigen grauen Mauern werden wohl verwundert dreingeschaut haben, als die blaubemützte stattliche Schar unter den schneidigen Klängen von 6 Musikkapellen sich zum Festzug formierte, der durch seine Größe und Disziplin gewaltig wirkte. Nach dem Umzug fand die feierliche Enthüllung des Denkmals statt, bei der die Ahauser Stadtkapelle das ergreifende Lied spielte:„Wie sie so sanft ruhn". Der Vorsitzende des Kreiskriegerverbandes, Regierungsrat Piekenbrock, richtete einige inhaltsschwere und beachtenswerte Worte an die ehemaligen Kameraden und beleuchtete hauptsächlich den Zweck der Kriegervereine, die im echt deutschen Geiste als arbeitsfreudige Männer unter dem erprobten entsagungsvollen Opfermut an dem Wiederaufbau des Vaterlandes mitwirken wollen.(Den Wortlaut der Rede veröffentlichen wir in der nächsten Nummer.) Auch Landrat Sümmermann ergriff das Wort und führte etwa folgendes aus: „Den 114 im Dienste des Vaterlandes gefallenen Männern Ihrer Gemeinde haben Sie in Gestalt einer Kreuzigungsgruppe ein tiefbedeutsames Ehrenmal gesetzt. Kreuz und Schwert sind durch innige Beziehungen miteinander verflochten. Mit dem Begriffe des Kreuzes verbindet die Menschheit seit zwei Jahrtausenden den Begriff des höchsten Heroismus und des aufopferungsvollsten Altruismus, dessen das Herz fähig ist. Mehr als am Kreuz geduldet worden ist, mehr als für das Kreuz ertragen worden ist gegenüber roher Gewalt, die sich nur zu oft des Schwertes bediente, ist nicht auszudenken in der Summe aller Menschenschiksale. Das Kreuz wiederum spornte die Christenheit an zu einem aktiven Heldentume des Schwertes, das unter dem Namen der Kreuzzüge in der Menschheitsgeschichte fortleben wird. So steht auch die heutige Gedenkfeier unter dem Zeichen des Kreuzes und richtet an uns die Mahnung, den Geist dieser Stunde nicht durch einen oberflächlichen Hurrapatriotismus entwürdigen zu lassen. Es fordert uns auf, in christlichem Sinne diese Stunde einer echten Vaterlandsliebe zu weihen. Einer Vaterlandsliebe, die nicht mit dem Schwert spielt, die aber eingedenk des Schillerwortes„Jedem Wesen ward ein Notgewehr in der Verzweiflungsangst“ die Waffe als ein sittliches Anrecht jeder Männerfaust anspricht; jener Vaterlandsliebe, die im Tode für das Vaterland noch immer das schönste Dekorum des freien Mannes erblickt hat. Diese Stunde muß aber auch der Selbsterkenntnis gewidmet sein. Ein Volk uneins und in sich selbst zersplittert, ist nicht würdig, die Waffe zu führen. Die Waffe in der Hand würde es Gefahr laufen, in unseligem Bruderkampf sich selbst zu zerfleischen und seinen Boden in eine rauchende Trümmerstätte zu verwandeln. Nur ein in der Liebe zum Vaterland einiges Volk ist der Waffe würdig. Dürfen wir Deutsche der Jetztzeit behaupten, daß diese Vorbedingungen für die Wehrhaftmachung des Volkes vorhanden sind, einer Wehrhaftmachung, die auch namhafte Führer unseres Staates als erstrebenswertes Ideal hingestellt haben? Man kann diese Frage sehr verschieden beantworten. Aber der Blick auf eines der ältesten republikanischen Staatswesen des modernen Europa, ein Blick auf das schweizer Volk, zeigt, daß Gegensätze da sind, um überwunden zu werden. Alle die Gegensätze, die unser Volk entzweien, sind auch dort vorhanden. Der Unterschied von reich und arm, des politischen und religiösen Bekenntnisses, ja noch weitere Unterschiede, wie wir sie nicht kennen, drei verschiedene Sprachen und drei verschiedene Nationalitäten, und doch ein einiges Volk, das in den vergangenen Jahrhunderten sich mit der Waffe in der Hand seine Selbständigkeit erkämpft und erhalten hat und das noch heute seine Söhne zu regelmäßigen Waffenübungen an den Hängen seiner Berge verpflichtet. Diese Einigkeit stehe in dieser Stunde als erstrebenswertes Ziel vor unserem geistigen Auge. Und noch ein Gedanke in unserer, an nationalen Idealen so armen Zeit, wert heute ausgesprochen zu werden. Ein Gedanke, der gerade von den republikanischen Führern und der großen Masse des Volkes mit so lebendiger Begeisterung aufgeariffen worden ist: Der Gedanke an die im Oesterreichischen Freistaat vereinten Brüder deutscher Zunge. Möge der Tag nicht mehr sern sein, an dem ein Großdeutschland alle Söhne der deutschen Mutter in einem freien Volksstaat als ein einiges Volk von Brüdern umfaßt. Gedenken wir in diesem Sinne unseres Vaterlandes, indem wir unsere Häupter entblößen und einstimmen in den Ruf:„Unser geliebtes Vaterland, es lebe hoch!“ Nach dem feierlichen Alt der Einweihung versammelte man sich im Festlokale, in dem die Resultate des Konkurrenzschießens bekanntgegeben wurden. Dabei konnte der Kriegerverein Ahaus überlegen mit 64,37 Ringen im Durchschnitt die beste Leistung für sich buchen. Es folgten Schöppingen mit 61,21, Stadtlohn mit 59,60, Eggerode mit 56,2 und Gronau mit 56,18 Ringen. Die besten Schützen des Tages waren Bauhaus=Ahaus und Hartz=Ahaus mit je 71 Ringen. Bei der Hauptfeier wurde Herr Sauermost von Ahaus in Anerkennung seiner langjährigen Verdienste um den Ahauser Verein das Ehrenkreuz 1. Klasse für Verdienste um das Kriegervereinswesen überreicht. Damit endete der für alle teilnehmenden Vereine so bedeutungsvolle Tag. Führerkursus des Feuerwehrverbandes Kreis Ahaus. Gronau, 21. Juni. Der Kreis=Feuerwehrverband veranstaltet künftig alljährlich in einem Orte des Kreises einen FeuerwehrFührer=Kursus, der die Aufgabe hat, die Führer der einzelnen Wehren durch sachkundige Vorträge und Vorführungen mit den Fortschritten auf dem Gebiete der Feuerbekämpfung bekannt zu machen, ihnen durch berufene Persönlichkeiten neue Impulse und Anregungen zu vermitteln, dadurch die Kleinarbeit in den einzelnen Wehren zu stärken und so diese selbst auszubauen und jederzeit schlagfertig zu erhalten. Von der Gronauer zweitägigen Feuerwehrtagung läßt sich sagen, daß sie gut vorbereitet war, einen guten exakten Verlauf nahm und ihrem Resultat eine erfolgreiche und nachhaltige Wirkung bei den Teilnehmern ausgelöst haben dürfte. Der Gronauer Wehr war die Hauptarbeit gestellt; ihr fielen besondere Aufgaben zu. Mußte sie doch durch groß angelegte Uebungen und Vorführungen den auswärtigen Wehren die Bekämpfung des Feuers demonstrieren. Die gezeigten Uebungen verrieten, daß unsere hiesige Wehr fleißig geübt, daß aber auch ein echter Feuerwehrgeist die Wehrleute vom ersten bis zum letzten Mann beseelt, ein Geist, der getreu dem Wahlspruch„Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr“, dahin strebt, in Gronau eine Feuerwehr zu schaffen, die auch im Ernstfalle auf dem=Posten ist. Die ihr zur Feuerwehrtagung gestellte Aufgabe hat die Wehr, die erst vor drei Jahren neu erstand, glänzend gelöst. Es wurde der Beweis erbracht, daß sie ein festgefügtes Instrument in der Hand ihrer Führer, insbesondere ihres zielbewußten Leiters, des Kreisbrandmeisters Hövener ist. Wir wünschen der Wehr, die systematisch an ihrem Ausbau weiter arbeitet, und die erfreulicherweise auch seitens der Stadtverwaltung und städtischen Kollegien tatkräftige Unterstützung fand und hoffentlich künftig noch findet im Interesse der Stadt und der Allgemeinheit ein weiteres Wachsen und Gedeihen. Dazu ist vor allem zu erwarten, daß viele Bürger, die noch abseits stehen sich auf ihre Bürgerpflicht besinnen und der Wehr als altive Mitglieder beitreten. Solches sollte man namentlich jetzt nach der Feuerwehrtagung erhoffen dürfen. Auf die Tagung im Einzelnen einzugehen, verbietet uns der Raum, dazu ist auch der Stoff zu unfangreich. Zum äußeren Verlauf sei bemerkt, daß der Führerkursus am Samstag vormittag 9,30 Uhr am Steigerturm durch den Kreisbrandmeister Herrn Betriebsleiter Hövener mit einer Ansprache eröffnet wurde. Seine Begrüßung galt dem Vertreter der Stadt, Magistratsmitglied H. Sütfeld, Polizeioberinspektor Nickel, sowie den erschienenen Vertretern der Wehren des Kreises Ahaus. Herr Hövener erwähnte dann des weiteren, daß die alte Gronauer Feuerwehr ein Opfer des Krieges und seiner Folgen geworden sei und die neue Wehr erst seit drei Jahren bestehe, sie habe von Grund auf neu aufgebaut werden müssen. Zum Schluß erläuterte Redner Zweck und Ziele der Tagung. An Hand von praktischen Beispielen verbreitete sich dann Herr Brandmeister Gellings von der Berufsfeuerwehr Münster über die Kleinarbeit in den Wehren, wie Verwendung der Steigerleine, über Rettungsübungen, Rauchschutzapparate und Schlauchbehandlung und Reparaturen etc. Seinen Ausführungen wurde volle Aufmerksamkeit gezollt. Anschließend trat die Gronauer Wehr in Tätigkeit. Sie entledigte sich den verschiedensten Uebungen, wie Steigerübungen mit Hakenleitern, Uebungen mit der mechanischen Leiter, dem Rettungsschlauch, mit der Handdruckspritze und dem Schlauchwagen mit vollendeter Exaktheit. Das bewies auch der ehrliche Beifall, den die auswärtigen Wehrleute den Schulübungen zollten. Sie anerkannten die intensive erfolgreiche Arbeit der Gronauer Wehr. Zu Mittag versammelten sich die Feuerwehrmänner zu einem gemeinsamen Mittagessen im Hotel zur Post. Der Nachmittag sah die Wehren um 2,30 Uhr zunächst auf dem Schloßplatz, wo die hiesige Wehr mit einigen Uebungen am alten Schloß aufwartete, die durch ihre vorbildliche Ausführung den Beifall der zahlreich sich eingefundenen Zuschauerschaft fanden. Plötzlich ertönte die Brandsirene am Städt. Elektrizitätswerk. Im Eilmarsch rückte die Wehr mit der hiesigen Sanitätskolonne zum Brandherde, dem Gronauer Warenhaus, Mühlenmathe ab. Die Idee, die dieser Uebung zugrunde lag, wurde bereits im Vorbericht in der Freitagsnummer erwähnt. Die Werksfeuerwehr der Fa. M. van Delden u. Co. war inzwischen um Unterstützung bfei der Bekämpfung des angenommenen Großfeuers angegangen worden. Im Nu erschien auch diese an der Brandstelle. Nun sah man, wie zwei Wehren bei der Bekämpfung eines Großfeuers eingesetzt wurden. Löschen des Feuers, Schutz der umliegenden sich in Gefahr befindenden Gebäude, Rettung der Insassen des Brandhauses usw. wurde demonstriert. Ein interessantes und lehrreiches Schauspiel! Dazu griff dann noch die Freiwillige Sanitätskolonne ein, die die„Verwundeten“ abtransportierte und Notverbände anlegte. Die beiden Feuerwehren wie auch die Sanitätskolonne hinterließen mit ihren sich glänzend entledigten Aufgaben den besten Eindruck und haben gewiß den auswärtigen Gästen manch wertvolle Anregung vermitteln können. Zum Schluß sprach Herr Sanitätsrat Dr. Schroeter noch über„Erste Hilfe bei Unglücksfällen“. Unter Vorantritt der Musikkapelle setzte sich dann der Feuerwehrzug in Bewegung zum Vereinslokal, wo einige gemütliche Stunden des Tages Arbeit ablösten. Auf der Tagesordnung des Sonntags standen Vorträge über Brandtaktik, Verhalten der Wehr vor, während und nach dem Brande, Feuermeldeeinrichtung, Feuersicherheitsdienst in Theatern, Cirkus, Kinos und Versammlungen, Rechte und Pflichten der freiwilligen Feuerwehren, Gefahren des elektrischen Stromes für den Feuerwehrmann. Mit diesem theoretischen Teil der Tagung war der in allen Teilen gut verlaufene Führerkursus beendet. Ahaus, 22. Juni. A Wehr(bei Legden), 22. Juni. Die Schützengesellschaft Wehr feierte am Montag ihr diesjähriges Schützenfest. Nach hartem Ringen gelang Herrn Bernhard Meß der Königsschuß. Fräulein Sundermann gnt. Hörst wurde Königin. Das Fest, das auf dem Hofe des Herrn Leuermann gefeiert wurde, nahm den besten Verlauf. X Sonderzug zur Gesolei. Am Sonntag, 27. Juni, verkehrt ein Sonderzug von Rheine nach Düsseldorf zur Gesolei. Für die Strecke Gronau=Goesfeld wird der Anschluß mit planmäßigen Personenzügen, Ahaus ab 6,33 vorm. erreicht. Ankunft in Düsseldorf 9,05 vorm. Rückfahrt Düsseldorf b 9.05 nachm., Ahaus an 11,23 * Vienstag, 22. Juni 1926 nachm. Mit dem Fahrkartenverkauf wird heute begonnen. Da eine starke Beteiligung zu erwarten ist, wird rechtzeitige Lösung der Fahrkarten empfohlen. Schlu ßdes Fahrkartenverkaufs spätestens am 26. d. M., 12 Uhr mittags. Es ist anzuerkennen, daß die Eisenbahnverwaltung wiederum eine günstige und billige Fahrgelegenheit schafft und dazu noch zur Gesolei, die doch gewiß jeder gern sehen möchte. Wenn auch die Aufenthaltszeit in Düsseldorf nicht gerade sehr lang ist, so kann man in einem Tage doch schon einen Ueberblick der Ausstellung gewinnen. Eine Fahrt dorthin wird sich sicher lohnen, darum versäume niemand die äußerst günstige Gelegenheit. * Erfolgreicher Fahrer. Der bekannte Straßenrennfahrer Bienhüls von hier errang am vegangenen Sonntag auf der Radrennbahn in Münster unter starker Konkurrenz den 5. Preis. Die Leistung ist umso höher zu bewerten, da der junge Fahrer noch nicht genügend für ein Hallenrennen trainiert ist. X Der erste Heuschnitt ist in vollem Gange. Ein wundervoller Duft legt sich einige Tage, in denen das geschnittene Heu zum Trocknen ausgebreitet liegt, über alle Wiesen und Wege und erfreut die Nerven des Spaziergängers, soweit dieser nicht gerade zu den— leider ziemlich zahlreichen— Sterblichen gehört, denen die Natur die Veranlassung zum Heuschnupfen mit auf den Weg gegeben hat. Im letzteren Falle treten allerdings mehr oder weniger ernsthafte Katarrhe der Atmungswege ein. Sie sind auf eine Reizung der Schleimhäute durch den trockenen Blütenstaub der im Heu enthaltenen Blumen zurückzuführen und halten mit zäher Hartnäckigkeit an, solange die Luft vom Heuduft erfüllt bleibt. A Legden, 22. Juni. Versammlung des landwirtschaftlichen Ortsvereins. Am Sonntag nach dem Hochamt hielt der landwirtschaftliche Ortsverein bei Röhring eine Versammlung ab. Der Vorsitzende, Herr Baron von Oer jn., eröffnete die Versammlung und begrüßte unter den Anwesenden besonders Herrn Direktor Hochenbeek von der landwirtschaftlichen Winterschule in Ahaus und Herrn Dipl.=Landwirt Peters von der Beratungsstelle Ahaus. Sodann erteilte er dem Geschäftsführer des Vereins, Herrn Paul Melchers, zu einem kurzen Kassen= und Geschäftsbericht das Wort. Dann sprach Herr Direktor Hochenbeek über„Schweinemast und Aufzucht.“ Darauf sprach Herr Dipl.=Landwirt Peters über verschiedene Steuerfragen. Die Vorträge fanden allgemeine Beachtung. Legden, 22. Juni. Sport. Am Sonntag waren die Jugendmannschaften der D. J. K. Ahaus in Legden, um gegen die Legdener Jugendmannschaften zu spielen. Zuerst fand das Trefsen der 1. Mannschaften statt. Die Gegner waren sich ebenbürtig und nur durch ein Selbsttor eines Ahauser Verteidigers konnten die Legdener gewinnen. Endresultat 4:3(1:2) für Legden. Dann spielten die 2. Mannschaften, die kleinen Legdener spielten zum ersten Male gegen einen fremden Gegner. Auch sie waren mit 3:2(0:0) Toren erfolgreich. )(Epe, 22. Juni. Bestandene Prüfung. Herr Gerhard Burieke bestand vor der Handwerkskammer zu Münster seine Prüfung als Schreinermeister. Aus dem Münsterlande. X Münster, 21. Juni. Keine endgültige Aufhebung der Kraftpost Münster—Lünen. Wegen Sperrung der Straße von Südkirchen bis Cappenberg verkehrt die Kraftpost Münster=Lünen von Montag, den 21. Juni, ab vorübergehend nur noch auf der Strecke Münster— Südkirchen und zurück im bisherigen Plan. Es handelt sich nach dieser offiziellen Mitteilung der Reichspost nur um eine vorübergehende Unterbrechung der Autobusverbindung Münster—Lünen wegen straßenbaulicher Schwierigkeiten. Von der Einrichtung eines Pendelverkehrs Münster—Ottmarsbocholt wegen Mangels an Fahrgästen ist also nicht die Rede. V Münster, 21. Juni. Generalversammlungen der ländlichen Genossenschaften. Am Mittwoch, 3. Juni, hält die Ländliche Zentralkasse im Zoologischen Garten ihre diesjährige Generalversammlung ab. Am darauf folgenden Tage warten die ländlichen Genossenschaften der Provinz Westfalen mit der gleichen Versammlung auf. Die Tagesordnung weist neben den üblichen programmatischen Punkten einen Vortrag von Direktor Feldmann(Köln) über zeitgenössische Fragen auf. + Münster, 21. Juni. Von der Universität. Zum Rektor der Universität für das neue Studienjahr wurde, wie wir bereits mitteilten, der katholische Theologe und Lehrer des Kirchenrechts Prof. Dr Karl Lux gewählt. Als Dekane wurden bestimmt: von derEvangelisch=Theologischen Fakultät Geh. Konsistorialrat Prof. D. Dr. Grützmacher, von der Katholisch=Theologischen Fakultät Prof Dr. Rücker, von der Rechts= und Staatswissenschaftlichen Fakultät Prof. Dr. Naendrup, von der Medizinischen Fakultät Prof. Dr. Groß und von der Philosophischen und Naturwissenschaftlichen Fakultät Prof. Dr. v. Salis. Rheine, 17. Juni. Ein feuchtes Liebesidyll. Am Dienstag abend nach 10 Uhr hörte man in Gellendor; lange anhaltende Hilferufe von der Ems her. Anfangs glaubte man an einen Scherz, weil die Rufe in gleichmäßigen Abständen erfolgten, und an anderen Stellen wiederholt wurden. Als die Schreie jedoch immer dringender wurden, schickten sich mehrere junge Leute an, die Ems abzusuchen. Und richtig sah man unterhalb der alten Ems ein gekentertes Boot stromabwärts treiben, an dem ein erschöpftes Liebespaar hing. Ein beherzter junger Mann sprang in voller Kleidung ins Wasser und brachte zunächst ds Mädchen, das schon am Versinken war, ans rettende Ufer. Das Paar hatte ¾ Stunden an dem Boot gehangen. Obschon beide Schwimmer waren, hatte keiner gewagt, das Boot zu verlassen. + Hamm, 21. Juni. Gründung eines Landesverbandes Westfalen der deutschen Altphilologen. In der Aula des Staatl. Gymnasiums versammelten sich Vertreter der altsprachlichen Fächer sämtlicher Arten höherer Lehranstalten unserer Provinz, an denen diese Fächer gelehrt werden, auf Einladung der Ortsgruppe Münster des Deutschen Altphilologenverbandes zur Gründung eines Landesverbandes Westfalen dieser Vereinigung, die sich die Förderung des altsprachlichen Unterrichts und die Verteidigung und Vertiefung des humanistischen Bildungsideals zur Aufgabe gemacht hat. Nach Begrüßungsworten des Vorsitzenden der Münsterischen Ortsgruppe, Geh. Studienrats Dr. Werra, berichtete Studienrat Dr. Leonard(Münster), den die Versammlung durch Zuruf zu ihrem Leiter wählte, über die Gründung des Verbandes auf der Berliner Gymnasialtagung am 6. April 1925, dem sich in der kurzen Zeit seines Bestehens in den preußischen Provinzen, den Ländern und Oesterreich über 4000 Altsprachler an den Universitäten und höheren Lehranstalten angeschlossen haben, und schilderte die in den Ortsgruppen und vom Gesamtverbande in Vertretung der Interessen des altsprachlichen Unterrichts geleistete Arbeit. Dann wurde die Gründung des Landesverbandes Westfalen, der schon jetzt 300 Mitglieder zählt, und die Bildung von Ortsgruppen beschlossen und in die Beratung der Satzungen eingetreten. Zum Vorstand wählte die Versammlung durch Zuruf den Vorstand der Münsterischen Ortsgruppe, Geh. Studienrat Dr. Werra, 1. Vorsitzender, Studienrat Dr. Leonard(am Paulinum), Schriftführer, Studienrat Krämer(am Schillergymnasium),. Schatzmeister. Nach Erörterungen über den Arbeitsunterricht, die Aufstellung eines Ideallehrplanes, die heutige Vorbildung der Sextaner, schloß der Leiter die Versammlung mit Worten herzlichen Dankes an die Kollegen, die ihr Interesse für die Bildung und Erziehung unserer Jugend zum Teil von weither geführt hatte. 9 1 5 se 7 3 9 21 T e se 8 d e e 3 *) 9 1 2 d 1 t 1 5 t I ( ( Zum Verbandstag des D. H. V. in München vom 20. bis 22. Funi. Von Dr. Christian vom Stein. Es ist gebräuchlich, mit dem Ausdruck„Asoziale“ jene bedauernswerten Menschen zu bezeichnen, die infolge irgend eines Gebrechens der menschlichen Gesellschaft dauernd oder langzeitig eine Last bedeuten, ohne daß dieses den Betreffenden selbst zum Bewußtsein kommt. Könnte man nicht geneigt sein, dieses Wort: Asoziale zu versachtichen, um damit eine zutreffende und haßlose Bezeichnung zu besitzen für jene Mentalität, die vom pulsierenden Sozialempfinden unberührt ist, in ihrer Wirkung aber furchtbarer und umfangreicher sich zeigt als diejenigen Menschen, die asozial sind? Was mich dazu veranlaßt, dieser Geistesverfassung und=richtung eine solch schonende Bezeichnung zu geben, ist die Meinung, daß in ihr auch Teilbestände des Asozialen enthalten sind: jenes Unbewußtsein nämlich, das Wirkungen und Rücksichten nicht kennt. Denn wenn ich das Gegenteil annehmen sollte, so könnte mein Urteil nicht hart genug sein gegenüber so manchen Symptomen dieser Geistesverfassung. Eine klare Vergegenwärtigung der Tatsache vermag das leicht verständlich zu machen. Das Gesamtvolk ist die soziale Gemeinschaft. Das ist keine These, sondern Tatsache. Die von den einzelnen Gliedern dieser sozialen Gemeinschaft ausgeübte Tätigkeit, sei sie nun geistiger oder körperlicher Art, erhält ihren Wert oder Unwert dadurch, ob sie dem Gesamtwohl dient oder dem Einzelwohl in einer das Gesamtwohl schädigenden Weise. Es ist nun schlechterdings unmöglich, die Arbeit der Einzelnen so im Allgemeinen als wertlos oder zwecklos zu bezeichnen. Wie oft kann Untätigkeit erstehen durch Hemmnisse, die abzustellen dei Betroffene nicht in der Lage ist? Die Arbeitslosigkeit unserer Zeit zeigt das. Die sich so sehr oft zeigende Niedergeschlagenheit der Arbeitslosen, deren materielle Lebenshaltung durch die Erwerbslosenfürsorge in etwa ermöglicht wird, hat ihre Ursache in der mehr oder weniger zum Bewußtsein gekommenen Erkenntnis, daß, trotzdem zwangsläufig die Untätigkeit entstand, ihr produktiver Wert für die Gemeinschaft geschwunden oder— bei teilweiser Inanspruchnahme— geschwächt ist. Hier offenbart sich, wenn auch in materieller Richtung weniger, in ideeller Beziehung und vom Standpunkt der sozialen Gemeinschaft aus gesehen aber sehr erfreulicherweise der Arbeitsgeist, den wir als das vorherrschende Moment nur wünschen können für die Arbeit Aller! Es wäre völlig abwegig, wollte Irgendwer die Meinung züchten helfen, daß unverschuldet eingetretene Untätigkeit eine Schande ist! Wer von Abarten— die es hier und überall gibt! — auf Alle schließt, trägt mit Schuld daran, daß die ohnehin schon bittere Lage solcher zwangsläufig Untätiger durch neue seelische Niedergeschlagenheit weiterhin verschlimmert wird. Das Wohl des Einzelnen ist lediglich dem Gesamtwohl Fundament. Darum ist es recht und absolut zu billigen, daß der Einzelne sein Wohl zu heben trachtet. Doch muß das in einer Weise geschehen, die eine Schädigung der Mitmenschen nicht gleichkommt. Wie oft aber geschieht das? In Gedanken— die der Handlung vorauf zu gehen pflegen— öfter als in der Tat! Meistens bedauern und beschimpfen wir das letztere aus einer Gesinnung heraus, die, sollte sie Wirklichkeit werden, zur verurteilten Tat führen muß. Dann ist die Einstellung gegen die die Gemeinschaft schädigenden Handlungen neu geboren aus dem Gefühl, daß dem einen gelang, was uns mißlang. Es müßte uns aber nur dagegen einstellen, wenn die Schädigung des Gesamtwohles durch Einzelmitglieder der sozialen Gemeinschaft erfolgte— dann wäre die Gesinnung vorhanden, die wir gebrauchten. Hier eine gründliche Gewissensforschung anzustellen, würde, so sie verbunden wird mit dem ernstlichen„Vorsatz der Besserung“, ganz ohne Zweifel zur notwendigen Gesinnungsänderung führen. Aus dieser Gesinnung heraus erhält die selbstverständlich gebieterisch notwendige Bekämpfung gesamtwohlschädigender Menschen und Dinge doch wertvollere und Abhülfe schaffende Kräfte! Wir hören so oft das schöne Wort vom Primat des Menschen in der Wirtschaft und im öffentlichen Leben. Mehr als bisher sollte man daran arbeiten, daß die umschriebene Gesinnung Menschheitseigentum würde— dann wäre dem Menschen die Primatstellung von selber gegeben, da sie ihm ja auch seiner ganzen Bestimmung nach zusteht! Diese Gedanken zeigen, wie unentbehrlich die christliche Ethik und Moral ist für das Gemeinschaftsleben der menschlichen Gesellschaft. Gegner und Bekämpfer des Christentums können nie die Menschen sein, denen es wirklich ernst ist um das Wohl der Gemeinschaft. Der soziale Bischof von Ketteler hat das Anti sogar wiederholt als Erkennungsmerkmal der Feinde des Gemeinschaftswohles bezeichnet. Die Pflege des Christentums ist ein Dienst auch an der materiellen Wohlfahrt. Wie oft findet man in Kreisen der Hand= oder körperlich Arbeitenden eine geringschätzige Beurteilung der geistigen Arbeit, sei sie nun geleistet im stillen Gelehrtenzimmer, auf den Kathedern der Hoch= und Volksschulen, auf den Podien der Musikhallen, den„öffentlichen Brettern“, vor Leinwand oder in Poetenstuben, in Redaktionen oder auf Kanzeln. Ich will durchaus nicht in Abrede stellen, daß auch umgekehrt eine geringschätzige Beurteilung der Handarbeit durch Geistesarbeiter erfolgt. Es liegen da offenbar Wechselwirkungen vor, die gerechter Weise nicht geleugnet werden können. Ihr Vorhandensein aber ist in jedem Fall ein arges Hemmnis dafür, daß die Arbeit Aller Allen dient! Wie oft ist lächerlicher Dünkel, selbstische Eigenart aber auch ungenügende Kenntnis der Einen von den Anderen (sachlich und persönlich mein' ich das!) der Grund dafür. Wenn Gemeinschaft Verbundenheit der Einzelnen zum Werben für gemeinschaftliches Wohl die Tatsache ist, nicht These, ja, warum ist denn die gegenseitige Isolierung nicht Utopie? Warum gibt es nicht eine Gemeinschaft, deren äußere Form der Gesinnung entspricht, die alle vorgeben, als sei sie ihnen inne?——— Das ist ein Ausschnitt aus der Menge dessen, von dem ich meine, es mit dem schonenden Schutznamen Asoziales bezeichnen zu müssen. Prüfe jeder Leser doch einmal, wie weit seine„Mentalität" der„asozialen“ identisch ist. Denn bei uns müssen wir beginnen, die Mängel zu beheben, damit der Gemeinschaftssinn lebendig wird, der vorhanden sein muß, kraft unserer natürlichen und übernatürlichen Bestimmung! neutral? Der„Deutsche", die Zeitung des Deutschen Gewerkschaftsbundes, schreibt unter dem 10. Juni 1926 folgendes: In letzter Zeit behaupten die freien Gewerkschaften immer wieder, sie seien religiös völlig neutral und könnten katholische, evangelische, jüdische und andersgläubige Arbeitnehmer daher ohne Bedenken Mitglied werden, weil sie nach dem Grundsatz handelten, Religion ist Privatsache. Daß diese in der Agitation gebräuchlichen Behauptungen mit der Praxis der freien Gewerkschaften nicht übereinstimmen, ist wiederholt festgestellt worden, und wollen wir auch heute den Nachweis erbringen, daß die Zeitungen der freien Gewerkschaften der christlichen Religion nicht neutral, sondern feindlich Der Deutschnationale Handlungsgehilfen=Verband entstand in den 90er Jahren, als die Entwicklung zum Großbetrieb der Mehrzahl der Handlungsgehilfen die Möglichkeit selbständige Kaufleute zu werden, abschnitt. Während die bis dahin bestehenden Verbände auf dem Grundsatz der Parität aufgebaut waren, war der D. H. V. der erste Verband, der sich der sozialen Forderungen der Kaufmannsgehilfenschaft annahm. Die Situation war auch von der sozialistischen Bewegung erkannt worden und es ist daher das Verdienst des D.H.V., daß er durch das Eintreten für die notwendigen sozialen Fortschritte die Kaufmannsgehilfenschaft in ihren wesentlichen Teilen vor dem Abgleiten in die Negation des Vulgärmarxismus bewahrt hat. Der Verband entstand aus kleinen Anfängen ursprünglich als eine lokale Abspaltung aus dem inzwischen aufgelösten„Verein für Handlungskommis von 1858.“ Die gründende Versammlung fand am 2. September 1893 mit etwa 30 Mitgliedern in Hamburg statt. Zum Verbandsvorsitzenden wurde der heute noch lebende Johannes Irwahn gewählt. Ideen der damaligen deutsch=sozialen Bewegung, Ideen christlich-sozialen Ursprunges und des durch Bismarcks Führung in allen Schichten stark aufstrebenden nationalen Gedankens standen an der Wiege der jungen Bewegung. Ueberraschend schnell breitete sie sich aus. Bereits im Jahre 1895 bestanden 7 Ortsgruppen mit 570 Mitgliedern. Um die Jahrhundertwende zählte man 423 Gliederungen im Reich mit etwa 32000 Mitgliedern. Mit gesundem Instinkt hatte die Bewegung den Gedanken der Schicksalsgemeinschaft der Standesgenossen in den Vordergrund gestellt und organisierte aus diesem Grunde nur männliche Kaufmannsgehilfen. Die praktische Arbeit des Verbandes auf den einzelnen sozialpolitischen Gebieten verschaffte ihm in steigendem Maße das Vertrauen der Standesgenossen. Die Bewegung griff auf das deutschösterreichische Gebiet über und bald schritt man auch zur Gründung von Ortsgruppen im Auslande, London, Paris, Lissabon, Brüssel waren die ersten. Auf den Kampf um den Feierabend(Sonntagsruhe), erst 9=, dann 8=, dann 7=Uhr=Ladenschluß, gegen die Konkurrenzklausel, um die Kaufmannsgerichte, Handelsinspektaoren und um das Lehrlingswesen, folgte der Kampf um den Sommerurlaub, die Gründung von Jugendgruppen, die Angestelltenversicherung, die eigene berufsständische Krankenkasse, die Gründung der Gemeinnützigen Aktiengesellschaft für Angestellten=Heimstätten und die Deutschnationale Lebensversicherungsgesellschaft Der Ausgang der Wahlen der Kaufmannsgerichtsbeisitzer in den Jahren 1907=08, der dem D.H.V. 959 Beisitzer brachte, lieferte den Beweis für die führende Stellung, die sich der Verband schon damals unter allen kaufmännischen Organisationen errungen hatte. Er war oder doch völlig ablehnend gegenüberstehen und vor Lästerungen nicht zurückschrecken. Der„Deutsche Eisenbahner“, Organ des freien Einheitsverbandes, in Nr. 51 vom 21. 12. 1924, unter der Ueberschrift: Die frohe Botschaft!„Damals wurde zu Bethlehem ein Rebell geboren... Und als sie dann die frohe Botschaft aus dem Munde des Erwachsenen (Rebellen. Die Schriftleitung.) hörten, wie er unerschrokken den Reichtum verwarf, den Armen das Himmelreich auf Erden verhieß, die Gleichheit aller Menschen und den ewigen Frieden forderte, da war sein Urteil gesprochen... Man schlug, höhnte und marterte ihn und nagelte den Verkünder der Botschaft ans Kreuz von Golgatha. So starb er den Rebellentod. Und die seiner Lehre nacheiferten, wurden gleich ihm verfolgt, zu Tausenden gemartert und getötet. Bis schlaue Priester die Lehre von der frohen Botschaft von der Erde ins Jenseits verlegten... Da schmunzelten die Mächtigen dieser Welt und erhoben die frohe Botschaft zur Staatsreligion. Seit jener Zeit sind beinahe zweitausend Jahre vergangen. Krieg und Massenmord, Knechtschaft und Herrentum sind geblieben. Und die dies Unrecht hochhalten, nennen sich Christen und feiern alljährlich Christi frohe Botschaft: Friede auf Erden... Die Urlehre Christi ist wieder auferstanden, die Urlehre, wie sie war, und wie sie sein soll. Und die für sie eintreten, nennt man Umstürzler und Rebellen.. Und trotz allem reden diese Leute ständig von Verschmelzung der Verbände, Einheitsorganisationen. Vor allem ist dieses bei freigewerkschaftlichen Eisenbahnern der Fall. Sie selbst aber machen eine Einigung glatt unmöglich. Zum Beispiel sei noch eine Neutralitätsblüte hier angeführt: „Die Schiffahrt“, Organ des Verkehrsbundes, schreibt in Nr. 11 vom 22. Mai 1926 unter der Ueberschrift: Pfingsten ist's: „Einst hatte das Christentum, das in diesem Jahre am 23. Mai seine Gründungsfeier begeht, dasselbe Ziel aufgerichtet(wie freie Gewerkschaften und sozialdemokratische Partei. D. R.). Aber je stärker die Bewegung wurde, desto stärker wurden auch die Kräfte, die es einen andren Weg zu gehen zwangen. Das Ziel wurde ins Jenseits verlegt. Am 23. Mai 1863, dem Geburtsjahr der deutschen freien Arbeiterbewegung, wurde das Ziel wieder heruntergeholt auf die Erde. Wir wollen auf Erden glücklich sein, denn„der Himmel verschmäht es, noch einmal zu geben, die Gaben,„die ihr verschmäht habt im Leben."„Wir haben kein anderes Ziel als die Stifter des Christentums, aber wir wollen im Diesseits verwirklichen, was uns die Führer des heutigen Christentums als Belohnung für die Erduldung unchristlicher Niedertracht im Jenseits versprechen.“ Und an anderer Stelle heißt es: „Die freie Gewerkschaftsbewegung und die sozialistische Bewegung gleichen zwei unterirdisch verbundenen Strömen, die in ihrem Streben zu einem Ziel helfen und fördern.“ Eheberatung. Von Stadtarzt Dr. Alfred Korach=Berlin. Die Not weiter Bevölkerungsschichten, nicht nur der proletarischen allein, ist auf sexualhygienischem Gebiete außerordentlich groß. Falsche Vorstellungen von sexuellen Dingen sind stark verbreitet. Vielfach triumphiert die Unkenntnis. Die erheblichen Mißstände, die eine vernünftige Fortpflanzungshygiene beeinträchtigen, insbesondere auch die ungeheure Zahl der Abtreibungen, wird man nur dann herabmindern können, wenn man in umfassender Weise geeignete Aufklärung treibt. Mit einer vernünftigen sexualhygienischen Belehrung der älteren Schulkinder, die im übrigen sehr schwierig sich zu gestalten pflegt, ist es nicht allein getan. Wir brauchen vor allem Beratungsstellen, in denen diejenigen Menschen betreut werden, welche willens sind, eine Ehe einzugehen. Es kann gar kein Zweifel darüber bestehen, daß sehr viele Ehezwistigkeiten und zahlreiche Fälle von Kinderlosigkeit zu vermeiden gewesen wären, wenn die betreffenden Ehepartner sich rechtzeitig auf gesundheitlichem inzwischen auf über 120 000 Mitglieder in 1297 Ortsgruppen mit 8 berufsamtlich geleiteten Geschäftsstellen angewachsen. Die Arbeit an der Ausbildung der Standesgenossen und für den gesellschaftlichen Aufstieg setzte frühzeitig ein. Fortbildungskurse, Turn= und Sportabteilungen, berufsständische Ferienkurse, Studien= und Ferienfahrten bezeichnen den Weg. Das nach dem Kriege gegründete berufsständische Seminar in Spandau=Johannesstift, die Jugendburg Lobeda in Thüringen, das 38000 Stichworte umfassende fünfbändige Handelslexikon, von dem bisher zwei Bände erschienen sind, sowie das nach den modernsten Erfahrungen soeben fertiggestellte vierstöckige Druckereigebäude von 100 Meter Frontlänge in Hamburg=Wandsbeck, sind äußerlich sichtbare Zeichen der hier geleisteten vorbildlichen Arbeit. Der Krieg mit seinen zahlreichen Opfern bedeute für die Bewegung des D.H.V. einen schweren Niedergang. Die Totenliste der im Weltkriege gefallenen Mitglieder weist rund 26000 Namen auf. Fast überall war die Organisation so gut wie zerstört, an vielen Orten jede Verbindung abgerissen. Die revolutionäre Welle zwang die treuen Anhänger des Verbandes, sich unter schwersten Kämpfen zu behaupten. Aber es gelang, in verhältnismäßig kurzer Zeit wieder zum Sammeln zu blasen. Bereits im Spätherbst 1919 bracht der erste Verbandstag nach dem Kriege am Fuße des Völkerschlachtdenkmals in Leipzig den Beweis dafür, daß die Bewegung wieder im Vormarsch war. Heute, da auch die Hochflut der Inflationsverhältnisse überwunden ist, beweisen die stattlichen Bände der Jahresberichte für 1924=25 mit ihrem umfangreichen sozial= und wirtschaftspolitischen und statistischen Material, sowie die Tatsache, daß der Verband mit 271852 Mitgliedern in 1570 Ortsgruppen und 158 berufsamtlich geleiteten Geschäftsstellen weitaus die stärkste Organisation der männlichen Kaufmannsgehilfen der Welt darstellt, daß die Verbindung des nationalen und sozialen Gedankens sich durchgesetzt hat. Der Kaufmannsgehilfe hat unter der Führung des D.H.V. nicht nur seine standespolitischen, sondern auch seine nationalpolitischen Aufgaben begriffen. Mit fünf Reichstagsabgeordneten und zahlreichen Landes= und Kommunal=Parlamentariern am öffentlichen Leben beteiligt, in der kaufmännischen Fachwissenschaft beachtliche Geltung genießend, steht der D.H.V. im siegreichen Zweifrontenkampf gegen den Vulgärmarxismus und gegen internationale Utopien auf der einen, gegen soziale Verständnislosigkeit eines vielfach noch rückständigen Unternehmertums auf der anderen Seite. Der Verband ist im Begriff, auf dem zurzeit in München stattfindenden Verbandstag durch die Einführung einer auf Selbsthilfe aufgebauten Altersversicherung einen wichtigen Baustein in sein soziales Gebäude einzufügen. und erbgesundheitlichem Gebiete sachverständigen Rat geholt hätten. Es muß unbedingt dahin kommen, daß es allgemein üblich, gewissermaßen selbstverständlich wird, zwischen Braut und Bräutigam zumindest spätestens gelegentlich des Aufgebots Heiratszeugnisse auszutauschen. Solange eine solche gesetzliche Bestimmung noch nicht eingeführt ist, gilt es, alle vernünftigen Menschen dazu zu bewegen, freiwillig den ärztlichen Eheberater aufzusuchen. Eine öffentliche Eheberatungsstelle, die eine Stadt ins Leben ruft, hat vor einer privatärztlichen Eheberatung einen großen Vorzug, der für die Aufklärung und Erfassung der Bevölkerung von entscheidender Bedeutung ist: eine städtische Eheberatungsstelle kann öffentlich auf ihre Existenz aufmerksam machen und die Bevölkerung wissen lassen, daß Rat und Auskunft erteilt werden. In der ersten Berliner Eheberatungsstelle, die in Berlin kürzlich eröffnet worden ist, werden nicht nur Ehebewerber, sondern auch Verheiratete bezüglich ihrer erbgesundheitlichen Eignung als Ehepartner beraten werden. Alle, die dem ärztlichen Eheberater ernstgemeinte Fragen vorlegen, wird bei Schwierigkeiten sexueller Natur und in Fragen der Fortpflanzung Rat erteilt werden. Von besonderer Wichtigkeit dürften die Heiratszeugnisse sein, die die Eheberatungsstelle ausgeben wird. Diese Zeugnisse werden folgenden Wortlaut haben: „Die Untersuchung hat nichts ergeben, was vom ärztlichen Standpunkte aus zu Einwendungen gegen eine Eheschließung Veranlassung geben könnte.“ Hat der leitende Arzt der Eheberatungsstelle gegen eine Eheschließung ernste Bedenken, so werden von ihm Bescheinigungen ausgestellt werden mit folgendem Text: „Es bestehen schwerwiegende ärztliche Bedenken“ oder „Es wird ein Aufschub dringend angeraten.“ Das große Interesse, das der Errichtung der ersten kommunalen Eheberatungsstelle Berlins entgegengebracht wird, läßt die Hoffnung auf die Nachahmung der Einrichtung in anderen Großstädten als berechtigt erscheinen. Eine solche Entwicklung wäre sehr zu begrüßen, stellt doch— gerade in der Jetztzeit— die Beratung auf fortpflanzungshygienischem Gebiete ein wichtiges Glied in der Kette der gesundheitfürsorgerischen Betreuung der Bevölkerung dar. Das Deutsche Kriegerkurhaus Davos=Dorf. Das deutsche Kriegerkurhaus Davos=Dorf verschickt soeben einen Jahresbericht für 1925. Auch in diesem Jahre diente es seiner Bestimmung gemäß in erster Linie der Aufnahme bedürftiger Kriegsbeschädigter. Aber es bewies seine Aufgabe als gemeinnützige Einrichtung auch dadurch, daß es andere unbemittelte Deutsche, und zwar Männer und Frauen des Mittelstandes, aufnahm. Im Jahre 1925 weilten mit 76 300 Verpflegungstagen durchschnittlich täglich 209 Patienten im Deutschen Kriegerkurhaus. Der Krankenbestand vom 31. Dezember 1925 war 208 Patienten, davon 162 Erwachsene und 46 Kinder. Die Kurdauer für den Erwachsenen betrug durchschnittlich 5 Monate, gegenüber 4 Monaten im Jahre 1924. Die Kuren waren also im letzten Jahre weniger knapp bemessen als früher, angesichts des schweren Krankenmaterials sicherlich eine erfreuliche Tatsache. Die Kurdauer bei den Kindern betrug normalerweise 3 Monate, wurde aber, wenn die Fälle es erforderten, verlängert. Die durchschnittliche Gewichtszunahme betrug bei den Mädchen 2,94 Kg., bei den Knaben 2,9 Kg. Mit gutem Erfolg konnten entlassen werden 137 Kinder — 82,5 Proz: Für 8 Kinder wurde weitere Kur in Deutschland zur Festigung des hier Erreichten beantragt. So gute Ergebnisse in der Besserung und Heilung der Tuberkulose in Deutschland selbst erzielt werden können, wenn der Kranke zur rechten Zeit erkannt und erfaßt wird: Der tiefere Sinn bei der Heilbehandlung im Hochgebirgsklima von Davos ist, bei der Bekämpfung der Tuberkulose zu einer Planwirtschaft zu kommen, die nur auf einer strengeren Sichtung der Fälle und ihre Behandlungs= und Heilungsmöglichkeiten beruhen kann, Der Verein„Landaufenthalt für Stadtkinder“ schickte im letzten Jahre 155 Kinder nach Davos, besonders aber hat den Gedanken der Planwirtschaft in der Bekämpfung der Kindertuberkulose das Sächsische Arbeits= und Wohlfahrtsministerium durch die Errichtung einer eigenen deutschen Heilstätte in Agra bei Lugano betont. Dem Verwaltungsrat des Kriegerkurhauses Davos gehören u. a. Ministerialrat Dr. Karstedt(Reichsarbeitsministerium), Geh. Regierungsrat Dr. Pokrantz(Preuß, Wohlfahrtsministerium), Landesdirektor von Winterfeldt, Geh. Prof. Dr. Sauerbruch=München an. Dem Verwaltungsrat gelang es, das Kriegerkurhaus auch 1925 finanziell gut durchzusteuern. Mittel sind hauptsächlich notwendig, um ganze oder halbe Freistellen geben zu können. Beiträge werden erbeten auf das Konto: Deutsches Kriegerkurhaus bei der Deutschen Länderbank Berlin W., Unter den Linden 77(Postscheck Berlin 15 556) oder unmittelbar an das Haus. Das Mitglied des Verwaltungsrats, Ministerialrat Dr. Karstedt, Berlin NW. 40, Scharnhorsterstr. 35 ist gern bereit, Auskünfte zu erteilen. 50jähriges Bestehen des Reichsgesundheitsamts. Das Reichsgesundheitsamt blickt in diesem Monat auf eine 50jährige Tätigkeit zurück. Das Jubiläum, das auch insofern bedeutungsvoll ist, als am gleichen Tage Präsident Bumm nach 20 jähriger erfolgreicher Tätigkeit aus dem Amte scheidet, wird mit einer besonderen Feier verbunden werden. Die Feier wird am 30. Juni, mittags 1 Uhr, im Plenarsitzungssaal des vorläufigen Reichswirtschaftsrats stattfinden. Dem Festakt voraus geht im Reichsgesundheitsamt eine besondere Sitzung des Reichsgesundheitsrats, deren Tagesordnung eine Festrede des Geheimrats Prof. Dr. Rubner über die Mitarbeit von Reichsgesundheitsamt und Reichsgesundheitsrat an der Wohlfahrt des deutschen Volkes in den letzten 50 Jahren bildet. Die Mitglieder des Reichsgesundheitsamts werden zu dem Tage eine besondere Veröffentlichung über die Arbeit der„inzelnen Abteilungen des Reichsgesundheitsamts herausgeben Im Rundsunk wird Prof. Dr. Möllers einen Vortrag über das 50jährige Reichsgesundheitsamt halten. Ein Esser im Zoo wird den Jubiläumstag beschließen. Reichswohnungsfürsorge für Kriegsbeschädigte. Der Reichsarbeitsminister hat jetzt die Richtlinien iber die Verwendung der Mittel des Reichswohnungsfürsorgefonds für Kriegsbeschädigte und Witwen der m Kriege Gefallenen in Preußen ergehen lassen. Die Mittel sind von der Deutschen Wohnstättenbank A.=G. Berlin zu verwenden. Sie sind in erster Linie für Erstellung von Wohnungen für Schwerstkriegsbeschädigte, insbesondere Blinde und Lungentuberulöse, bestimmt, sodann für sonstige versorgungsberechtigte Kriegsbeschädigte und Witwen der im Kriege Geallenen, falls es auf Grund der Arbeitsfürsorge oder vegen besonderer Familienverhältnisse(zahlreicher Kinder) nötig erscheint. Die Darlehnsanträge sind an den zuständigen Landesfürsorgeverband oder an die Bejörde zu richten, der die Aufgaben des Landesfürsorgeverbandes übertragen sind. Die Darlehen sind zu sichern ind zwar im Range vor den Hauszinssteuerhypotheken, gegebenenfalls im gleichen Range mit den aus Hauszinssteuermitteln gewährten Zusatzhypotheken. Ueber Einsprüche gegen Bescheide beschließt als letzte Instanz der Landesdirektor unter Zuziehung zweier Vertreter der Kriegsbeschädigten und Kriegshinterbliebenen und der gleichen Anzahl Mitglieder des Provinzialausschus es endgültig. Eine sozial bedeutsame Zuwendung hat, wie die Wohlfahrts=Korrespondenz erfährt, die Landesversicherungsanstalt der Hansestädte dem Wohlfahrtsamt der freien und Hansestadt Lübeck aus Anlaß der 700 feier der Reichsfreiheit Lübecks gemacht: sie hat eine Summe von 10000 A zur Verfügung gestellt, um den Müttern kinderreicher Familien eine ausgiebige Erholung zu ermöglichen und ihnen dadurch Erhaltung und Stärkung ihrer Gesundheit zu sicher. Dieser Gedanke ist von hoher sozialer Bedeutung. Kann doch gerade der kinderreichen Familie kein besserer Dienst erwiesen werden, als wenn man der Hausfrau und Mutter einen Ausgleich gegenüber den Anforderungen ihres nervenzerrüttenden Dienstes gewährt und rechtzeitig für eine Erholung außerhalb des Haushaltes sorgt. Für die Kinder solcher Familien, ebenso wie für die Mütter selbst, bedeutet dies die wertvollste Form der vorbeugenden Fürsorge. Das Wohlfahrtsamt der Stadt Lübeck hofft, auf der Grundlage der Zuwendung der Landesversicherungsanstalt im Laufe der Zeit weitere Zuwendungen zu erhalten, um die Erholungsfürsorge für Mütter kinderreicher Familien möglichst zu einer Dauereinrichtung machen zu können. Fliegende Ferienheime für Kinder. Alljährlich zeigt sich, daß viele Eltern ihren Kindern keinen zweckmäßigen Ferienaufenthalt verschaffen können weil die vorhandenen Kinderheime gerade für Juli schon Wochen vorher belegt oder zu teuer sind. Die Arbeitsgemeinschaft für hannoversche Jugendpflege richtet deshall für die Zeit der Sommerferien fliegende Ferienheime ein und zwar sollen in diesem Jahre zunächst zwei Heime Warzen(Kr. Alfeld) und Brüggen(Kr. Gronau) mit se 50 Kindern belegt werden. Die Unterbringung der Kinder erfolgt in großen luftigen Sälen auf Militärfeldbetten mit Strohsäcken bezw. Matratzen. Für die zeiten und den sonstigen Aufenthalt stehen besondere Räume, Gärten, Veranda usw. zur Verfügung. Die samtkosten für einen Aufenthalt von 4 Wochen stellen sich einschließlich Fahrgeld, ärztlicher Untersuchung Versicherung gegen Unfall und sonstiger Nebenkosten auf 10 Mark, für einen Aufenthalt von 6 Wochen auf 95 Mart. Die Einrichtung derartiger Kinderheime, die natürlich von erprobten Personen geführt und beaufsichtigt werden, sollte sich auch die Jugendpflege anderer Provinzen angelegen sein lassen. Körpermessungen und Wandern. An alle Schulverwaltungen, Jugendämter usw. richtet der Verband für Deutsche Jugendherbergen die ihn im Bemühen um wissenschaftlich festgestellte Unter lagen über die gesundheitliche Wirkung des Wanderns zu unterstützen. Die wenigen bis jetzt vorliegenden Messungen lieferten ein überraschend günstiges Ergeb nis. Lägen erst einwandfreie Messungen in großer Zahr vor, so würden Staat und Gemeinden, Schulen und Ertern sich noch in ganz anderer Weise für den Ausba des Jugendwanderns erwärmen lassen. Um den zu ständigen Stellen die tabellarische Aufnahme der Körper messungen zu erleichtern, hat der Verband für Jugendherbergen unter Mitwirkung der Deutschen schule für Leibesübungen einen Fragebogen herstellen lassen, den er für die Körpermessungen einzufordel bittet. Wirfschaffs Folgen des Frankensturzes. Der Ausverkauf in Paris vollzieht sich nicht wie seinerzeit in Deutschland in der Weise, daß man die Waren weit unter Weltmarktpreis an den ausländischen Käufer verschenkt. Die ungeheure Fremdenmenge, die mit dem festen Vorsatz nach Paris kommt, billig zu leben, billig zu kaufen und sich billig zu amüsieren, ist, wie G. Kauder in der„B. Z." schreibt, zunächst enttäuscht und verwirrt, bis sie die besonderen Bedingungen dieses„Marktes" zu verstehen beginnt. Die Waren in Paris haben keinen festen Wert, sie sind sehr viel teurer, zwei= und dreimal so teuer, für den Ausländern als in jenen abseits gelegenen Geschäften, an denen der Fremdenstrom nicht vorüberfließt. Man kann jedes Paar Schuhe und Handschuhe in Paris, bei ganz gleicher Qualität und Verarbeitung, in fünf verschiedenen Preislagen finden. Man kann z. B. das gleiche Paar Damenschuhe in beinahe benachbarten Schaufenstern für 125 Franken und für 360 Franken sehen. Dem Ausländer will niemand etwas schenken, man haßt ihn und seine Valuta. So haben z. B. alle Hotels(mit Ausnahme ganz weniger Stammhäuser des französischen Provinzpublikums) volle Goldpreise, sie sind so teuer wie deutsche Hotels, die Luxushotels sogar noch viel teurer. Der Preiswirrwarr schädigt aber das reguläre Geschäft. Selbst der einheimische Käufer, der diese verschiedenartigen„Auszeichnungen" zu Gesicht bekommt, wird stutzig, zweifelt an der Reellität der billigeren Ware(tatsächlich geht auch schon die Qualität der französischen Waren allmählich zurück), und da er ohnedies zu größter Sparsamkeit gezwungen ist, kauft der Mitelstandsfranzose fast überhaupt nichts mehr: was man ihm schon äußerlich ansieht. Der Fremde sucht zunächst den Stundenvorsprung zwischen Devisennotierung und Preisumzeichnung in den Geschäften, er übt den altbewährten Trick des günstigen Geldwechselns. Das kann er um so leichter, als Pfunde und Dollars sehr ehrlich und fast stündlich zu neuem Kurs gewechselt werden. Pfunde und Dollars werden in Paris von 9 Uhr morgens bis 4 Uhr nachmittags stündlich neunotiert, und besonders in den zahlreichen amerikanischen und englischen Banken, vor allem in der American Expreß Co., bekommt man stets den vollen letzten Kurs minus... einen Franken Courtage(!).(Natürlich kaufen die Banken den Dollar und das Pfund auch so noch„billig“ ein.) Die deutsche Mark, die nur einmal täglich notiert wird, kann man nicht so günstig wechseln, man verliert dabei, je nachdem, bis zu drei Prozent. Auf Gold umgerechnet erscheint diese stündliche Jagd nach dem Kursgewinn lächerlich, sie bringt dem Amerikaner, der dreimal täglich mal 4, mal 6, mal 10 Dollar wechselt, doch nur ein paar Nickel oder Dimes Profit, und lohnt nicht das dreimalige Anstehen an den Wechselschaltern. Aber wenn er dann vom Schalter sogleich in die Geschäfte geht, so gelingt es ihm, eine Ware billiger zu bekommen, als sie ihm der französische Verkäufer abzulassen beabsichtigte. Zur Ehre unserer jetzt zahlreichen Landsleute in Paris muß gesagt werden, daß die Deutschen an dieser Profitrauferei sich fast garnicht beteiligen. Sie können dieses Spiel nicht mitspielen, es macht sie zu nervös. Alte Erinnerungen, alte Angst= und Panikzustände werden in uns wieder wach, der Kopf saust einem— um Gotteswillen nur nicht wieder in diesen Mahlstrom hineingeraten, auch nicht, diesmal, von der„andern“ Seite Die„besten Nerven“ für diesen Ringkampf haben übrigens nicht die Amerikanerinnen, sondern die benachbarten Engländerinnen, die„ihr" Paris nun schon sehr gut kennen. Sie wissen, daß ein Aufenthalt in Paris den Einkauf verteuert. Sie kommen aber nur noch zum Einkauf:im Flugzeug. Vormittags landen stündlich Maschinen aus London, fast nur mit Frauen besetzt. Um fünf Uhr nachmittags fliegen sie wieder nach London zurück. Die fünf, sechs Stunden dazwischen genügen völlig, um seine Adressen aufzusuchen, Bestellungen zu machen, Fertiges mitzunehmen, und bei einer Tasse Tee und einem Sandwich im Hotel Ritz neue„Informationen“ zu sammeln. Informationen? Die Engländerinnen und Amerikanerinnen, die sich nun schon seit zwei Jahren„ganz" in Paris anziehen, gehen nicht mehr in die großen Ateliers, zu den großen Firmen. Denn in der Rue de la Paix einkaufen, heißt ja gar nicht mehr, in Paris einkaufen. Auf den Firmenschildern dieses brandenden Chemin des Dames überwiegen die englischen Namen heute schon weitaus. Aber auch hinter den noch vorhandenen, berühmten,„historischen“ Namen der Pariser Mode steht heure.... angloamerikanisches Kapital. Das ist ein anderer Aspekt des großen Ausverkaufes. Da die englischen und amerikanischen Firmen ihre Kundschaft mehr und mehr nach Paris ziehen sahen, sind sie ihnen dahin gefolgt. Das große Modegeschäft, noch immer ein großes Kreditgeschäft, war bald kapitalbedürftig— die Rue de la Paix gehört heute praktisch dem Dollar und dem Pfund. Es ist ein gutes Geschäft, für„Modelle" volle Goldpreise zu bekommen, aber ihre Anfertigung in Franken zu bezahlen. Aber in der Rue de la Paix kaufen nur noch die naiven Neulinge aus St. Paul und Kansas City, die noch die gesellschaftliche Reklamenachricht in ihrem heimatlichen Lokalblatt brauchen, Miß Iris Miller habe sich einige„gorgeous gowns" von Worth und ein „geschichtliche" Diadem von Cartier mitgebracht. Die „erfahrenen" Damen gehen dagegen in die Rue de la Paix nur noch, um sich zu„orientieren". Sie haben jede die streng geheimgehaltene Adresse einer„Kopistin“. In dem großen Atelier hängt überall ein Schild „copier c’est voler“, und eine ebenso höfliche wie strenge Kontrolle verhindert jedes heimliche Abzeichnen oder auch nur„Auswendiglernen“ der Modelle. Aber so arbeiten die Modelldiebe ja längst nicht mehr. Die„eingeweihten" Ausländerinnen haben sich an die kleinen, geschickten, aber aus Geldmangel nicht mehr konkurrenzsähigen Schneiderinnen und Modistinnen herangemacht und haben sie mit ein paar Pfunden oder Dollars torrumpiert, zu einem ganz abscheulichen Gewerbe verführt. Die Kunst der„Kopistin" besteht darin, sich eine„Verbindung" mit einem Ladendiener, einer kleinen Hilfsarbeiterin der großen Häuser zu schaffen. Die bringen dann abends, in der Dunkelheit, ein vorher bezeichnetes Modell zur Kopistin, die es nachts nachmißt, abzeichnet, studiert, worauf es morgens vor Geschäftsbeginn wieder abgeholt und heimlich wieder zurückgeschmuggelt wird. Der Endeffekt ist, daß sehr zahlungsfähige Damen eine„Originalkopie“ für 1000 oder 1500 oder höchstens 2000 Frs. erhalten, was sich noch „lohnt“, zumal es ja andere Leute sind, die für 40 oder 50 Frs. Botenlohn das Gefängnis riskieren. Auf diesem sehr breitgewordenen Wege tatsächlich muß heute auch die kleinste Schneiderin englisch sprechende Arbeitsmädchen suchen vollendet sich dann der Moden=Ausverkauf an das Ausland. Durch die anglo=amerikanische Kundschaft sind auch die kleinen Schneiderinnen für die Mittelstandspariserin etwas zu teuer geworden, sie wird als Käuferin ganz ausgeschaltet. und der absatzbedürftige Markt sieht nun die Ausländerin als alleinige Herrscherin. Das Schlachtfeld des letzten Verzweiflungskampfes sind dann die großen, häufigen Saison=Ausverkäufe, wo sich Ausländerin und Pariserin mit Zähnen und Klauen um die Beute schlagen. Man sage nicht, daß hier ein enges Spezialgebiet zu breit und zu wichtig genommen sei. Noch immer müßte der Charakter=Roman von Paris„Au bonheur des dames“ betitelt sein, noch immer ist Paris die Stadt der Frauen, und der Ausverkauf der weiblichen Geschäftsbranchen(zu denen neuerdings auch das Auto gehört, in Paris lenken mehr Damen ihr eigenes Kleinauto als in jeder anderen Stadt der Welt) ist tatsächlich der Ausverkauf von Paris an das Ausland. Wie sehr das Pariser Geschäft ein Damengeschäft ist, kann man auch hieraus ersehen, daß in diesen für die arbeitenden Klassen bitteren und verzweifelten Zeiten nur ein einziger Streik versucht werden konnte und schon durch den Versuch siegreich war: der angedrohte Streik der.... Damenfriseure. Da mußten die Arbeitgeber sogleich nachgeben. Der Friseur ist heute der König aller Männer. Das Rendezvous mit dem Friseur ist das einzige Rendezvous, zu dem die Frauen nicht zu spät kommen. Und der König der Friseure, Antoine, fliegt jetzt zweimal wöchentlich nach London, um Bubiköpfe für die Hof=Season zu schneiden. England mußte damals gerade seinen schweren Generalstreik durchkämpfen. Frankreich sah nur einen Streikversuch— den der Damenfriseure. Auch das ist ein Beitrag zur Topographie der Inflationszustände.— Denn, um es auch ernst zu formulieren, all das, was einst nur eine Seite, nur eine Pointe von Paris war, der„Gaite“ von Paris, das ist heute der einzige Inbegriff der Stadt für die trübe Fremdenflut, die sie überschwemmt. Geschichte, Kultur, Schönheit, politisches und finanzielles Weltzentrum, um all das kümmert sich heute niemand mehr. Es ist, in seiner Frankennot, nur noch ein alberner Rummelpsatz der Welt, das arme Paris. Rundschau. Tagung der rheinisch=westfälischen Ziegelindustrie. Die diesjährige Hauptversammlung des Verbandes rheinisch=westfälischer Ziegeleien und verwandter Betriebe e. V., die mit über 400 angeschlossenen Mitgliedswerken der größte Fachverband der deutschen Ziegelindustrie ist, findet voraussichtlich im August d. J. in Dortmund statt. Märkte. Dortmunder Schlachtviehmarkt. A Dortmund, 21. Juni. Auftrieb: 546 Stück Großvieh, 617 Kälber, 44 Schafe, 2236 Schweine. Bezahlt wurden für 100 Pfund Lebendgewicht: Ochsen: a) 62—63, b) 59—61, c) 50—58, d) 40—49. Bullen: a) 56—59, b) 48—55, c) 40—47. Färsen und Kühe: a) 62—63, b) 59—61, c) 50—58, d) 37—49, e) 20—36. Kälber: b) 65—70, c) 58—64, d) 50—57, e) 40—49. Weidemastschafe: a) 50—55, b) 35—49. Schweine: a) 80, b) 78—79, c) 77—78, d) 76—77, e) 73—75. Marktverlauf: In Großvieh mittel, sonst sehr langsam. In den Preisen sind enthalten die Unkosten an Fracht, Viehhofgebühren, Umsatzsteuer, Händlergewinn. Essen, 21. Juni. Aufgetrieben waren: 334 Stück Großvieh, hiervon 19 Ochsen, 101 Bullen, 183 Färsen und Kühe, 31 Stck. Jungvieh, 987 Kälber= 90 Schafe, 3076 Schweine. Es kosteten im Großhandel 100 Pfd. Lebendgewicht für Ochsen: a)—, b) 57—61, c) 52—55; Bullen: a)—, b) 47—50, c) 40—45; Färsen und Kühe: a) 58—62, b) 54—57, c) 47—52, d) 40—45, e) 28—35; Jungvieh: a) 36—42; Kälber: a) 75—90, b) 58—68, c) 50—56, d) 40—48; Weidemastschafe: a) 48—54, b) 30—40; Schweine: a) 76—77, b) 79, c) 77—78, d) 73—76, e) 68 bis 72, f) 65—70. Tendenz: Langsam. Altenessener Schweinemarkt. = Altenessen, 19. Juni. Zum Altenessener Schweinemarkt wurden aufgetrieben: 3134 Ferkel. Es kosteten im Großhandel Ferkel im Alter von 6—8 Wochen 30 bis 36 A. von 8—12 Wochen 36—48 M. von 12—15 Wochen 48—58 A. Faselschweine über 15 Wochen 58 bis 80 M. Tendenz: Das Geschäft verlief langsam. Die Preise blieben im allgemeinen unverändert, lediglich Faselschweine ermäßigten sich im Höchstpreis um 3 A Kölner Viehmarkt. * Köln, 21. Juni. Zum Schlachtviehmarkt waren aufgetrieben: 1332 Stück Großvieh, darunter 496 Ochsen, 75 Bullen, 761 Färsen und Kühe, 1717 Kälber, 49 Schafe 348 Schweine. Es kosteten im Großhandel 100 Pfd. Lebendgewicht für Ochsen: a) 58—62, b) 55—60, c) 47—52, d) 38—44, e) 30—35; Bullen: a) 51—54, b) 45—50, c) 40—44; Färsen und Kühe: a) 53—56, b) 52 bis 55, c) 45—50, d) 35—42, e) 28—32, f) 15—24; Kälber: a) 70—90, b) 58—62, c) 50—56, d) 40—47; Schweine a) 79—81, b) 77—81, c) 75—78, d) 68—72, e)—, f) 62 bis 68. Tendenz: Ausgesuchte Tiere wurden über Notiz bezahlt. Im übrigen sehr langsam und ruhig. Essener Getreidebörse. A Essen, 21. Juni.(Eig. Drahtb.) Es wurden notiert: Ausl. Weizen 31,50—33,50. Ausl. Roggen 23,25—24,50. Ausl. Hafer 20—23. Ausl. Gerste 19—20. Runder Mais 19—20. Weizenmehl 40. WeizenBäckermehl 41,25—42,25. 70proz. Roggenmehl 31—32. Weizenkleie 9,50—12,50. Weizenbollmehl 11,50—13,50. Steffen=Zuckerschnitzel 14—15. Tendenz: Nahe Ware bei steigenden Preisen nach wie vor stark gefragt. Duisburger Getreidebörse. A Duisburg, 21. Juni.(Eig. Drahtb.) An der Duisburger Getreidebörse wurden notiert: Ausl. Weizen 30,50—33,50. Ausl. Roggen 23—23,50. Ausl. Hafer 19,75—23,50. Ausl. Gerste 19,25—20,50. La Plata-Mais 17,50. Cinquantino=Mais 19,25. WeizenBäckermehl 41—41,50. Roggenmehl 30,75—31,25. Wei zenbollmehl 11—13,50. Weizenkleie 9,25—13. Roggen kleie 10,75. Steffen=Zuckerschnitzel 14,25. Tendenz: Fü inl. Weizen und Roggen sind keine Preise festzustellen. Berliner Produktenmarkt. :: Berlin, 21. Juni. Die etwas schwächeren Meldungen von den Auslandsmärkten und die Ermäßigung der Ciforderungen um 10 bis 12 Cents machten hier wenig Eindruck. Für vordere Ware blieb die Nachfrage bestehen, im Lieferungsmarkt blieb das Geschäft aber ziemlich gering, was zum Teil auf die immer noch bestehende Unsicherheit bezüglich der Zölle zurückzuführen ist. Roggen in prompter Ware war vereinzelt angeboten, das herauskommende Material fand aber schlank Aufnahme. Infolge der weiter wenig günstigen Nachrichten über den Felderstand, denen aber andererseits auch beruhigende Meldungen gegenüberstehen und wegen der ungeklärten Zollfrage, hielten die Anbieter von Herbstware mit Angebot zurück, sodaß auch die Herbstsichten im Lieferungsmarkt eine weitere Befestigung erfuhren. Für Mehl blieb die Grundstimmung fest, es war aber doch deutlich eine gewisse Zurückhaltung festzustellen, nachdem am Sonnabend noch lebhafte Geschäfte stattgefunden hatte. Hafer hatte in mittleren Qualitäten unveränderte Marktlage, feine Sorten waren eher fester gehalten. Auch für Futtergerste blieb die Tendenz weiter fest. Amil. Produktennoberungen in Berlin am 21. Juni 1926. (Für Getreide je 1090 kg, für die übrigen Artikel je 100 kg.) ur Bremen: Baumwolle. Liverpool wichtigsten herauszugreifen, in denen große Umsätze stattfanden. Auch Schiffahrtswerte stiegen um 1 bis 4 Prozent weiter. Die Nachricht von der endgültigen Verschiebung der Freigabeverhandlungen wegen der Vertagung des Kongresses bis zum Herbst machte keinen Eindruck, weil die Börse bereits darauf eingestellt war. Auch Bankaktien setzten ihre Aufwärtsbewegung bei 1 bis 2prozentigen Kurzbewegungen fort. Bot so der Terminmarkt bei steigenden Kursen ein Bild angeregtester Geschäftstätigkeit, so blieb das große Gebiet der zu Einheitskursen gehandelten Industriepapiere doch nicht mehr wie bisher vernachlässigt, weil das Publikum allmählich sich hierfür wieder zu interessieren beginnt. Am Rentenmarkt ist das Interesse für Bagdad Obligationen, namentlich der Serie 1 und im Zusammenhang damit auch für andere türkische Werte neu zu beobachten. Heimische wertbeständige Anleihen veränderten ihren Kursstand nur unbedeutend. Von landwirtschaftlichen Goldpfandbriefen verloren Östpreußen 1,10 Prozent von ihrer letzten Kurssteigerung. Vorkriegshypothekenbankpfandbriefe vermochten ihren Kursstand neuerdings um 25 bis 40 Pfennig aufzubessern. Trotz gelegentlicher Schwankungen blieb die Grundstimmung auf den Terminmärkten auch im Verlaufe ausgesprochen fest. Von Devisen waren Paris und auch Brüssel international etwas erholt, sodaß die Notierung für die Devise Paris 24 und für Brüssel 10 Pfennig höher notierte, Madrid aber büßte 20 Pfennig ein. Amtlicher Kurs. Berlin, den 21. Juni 1926. Essener Börse Essen, den 21. Juni 1926. im heutigen Verkeht ermittelte Kurse, mitgeteilt vom Bankhaus ohnesorge, Pasel Wolfi& Co. Dortmund. Kohle Nachfr. Angeb. bezahlt Baumwolle. 1oco Baumwollumsatz Import Export New-York: Baumwolle. oco Juli August September Okiober Zufuhren. 21. 6. Nach dem Atlantic... 60000 Nachdem Inland 00000 Nach Großbritannien 00000 Nach dem Kontinent. 60000 Tendenz: 21. 6. 18. 6. 4000 1900 3000 18. 6. 16.45—45 16.40—4 16.51—51 16.63-65 Zufuhren. 18. 6. Nach dem Atlantic.. 6000 Nach dem(nland..... 0000 Nach Großoritannien 0000 Nach dem Kontinen 60000 Tendenz; Berliner Börse. )( Berlin, 21. Juni. Wegen des Volksentscheids war die Börse darauf eingestellt gewesen, daß der Entscheid in dem tatsächlich eingetretenen Sinne sallen werde. Immerhin war die Aufwärtsbewegung in der Vorwoche durch allerlei Sorgen im Zusammenhang mit dem Volksentscheid gehemmt worden. Da diese Beeinträchtigung nunmehr weggefallen ist und das Publikum sich heute am Terminmarkt stärker beteiligte, und vor allem das Ausland mit Erwerbungen in den bekannten deutschen Standardpapieren in großem Umfange fortfuhr, gewann die Haussebewegung an Ausdehnung und bei aufgeregtem und zeitweise sehr lebhaftem Geschäft erfolgten beträchtliche und zeitweise sprunghafte Kurssteigerungen. Der unverändert leichte Geldstand trug dazu das Seinige bei. Die sensationelle stürmische Aufwärtsbewegung der Farbenindustrieaktien, die im ganzen heute in raschen Sprüngen 17 Prozent anzogen, stand im Mittelpunkt des Interesses und war vornehmlich auf starke ausländische Käufe zurückzuführen. In strammer Aufwärtsbewegung befanden sich auch alle Montan=, Elektrizitäts=, Chemische=, Waggon= und Maschinenaktien, denen sich wie bisher, vernachlässigte Kaliaktien anschlossen. Die Kurssteigerungen hielten sich im Rahmen von 2 bis 6 Prozent und neben diesen waren es vor allem wieder auch Stein= und Braunkohlenwerte, sowie später Papiere der Sprengstoffgruppe(Köln=Rottweiler, Dynamit Nobel), ferner Siemens und Halske, Erdöl, um nur die 9.0 Admiral Alte Haase Beharrlichkeit Caroline Carolus Magnus Constantin Deutschland Diergardt Ewald Glückb. Fried. Glückauf Segen Gottessegen Graf Bismarck Graf Schwerin Heinrich Hermann I-III Joh. Deimelsb. König Ludwig Langenbrahm Richard I Schürb& Char Trappe Trier I-III Viktoria b. K. Westfalen Wilh. Mevissen Adler-Actien Blankenbe-Act. Carl-Fried.-Act. Dahlbusch Lothring-Act. Montania Niederrh.Berzb Präsident Wstf.Bgb.-Act. Braunkohle und Verschiedene 960 5300 35000 70 2290 38500 1490 600 35000 4100 3100 29500 14400 28 26 42 5600 00000 50 2350 13000 1500 700 37000 4050 3200 31000 15250 6500 2500 30 101 59 49 950 375 3950 78 103 Bellerhammer 1100 Bruckd. Nietleb. 3800 Glimmerode 00 Gute Hoffnung Leonhardt Lucherberg Michel Oskarssegen Ostheim Vesta Zukunft Actien Bernhardsüu Christine Elsa-Cemt. Mansfeld. Act Erze Apfelbaumer Bliesenbach Flick Henriette Wolfram Kali-Aktien Adler. Stamm Deutsch. Kali Friedrichshall-N Hallesche Kali Hannov. Kali Heldburg. Vorz Kali-Industrie Krügershall Niedersachsen Ronnenberg Salzdetfurth Sigmundshall Steinförde Teutonie Wittekind Bank* Landw 1350 4200 550 6300 200 3650 — Kali Nachfr. Angeb. Alexandershall Alicenhall Asse Beienrode Bergmannsseg. Bernsdorf Braunschw.-Lbe Burbach Burggraf Carlsfund Carlshall Desdemona Einigkeit Eliers Erichssegen Felsenfest Friedrichsroda Fürstenhall Gebra Glückauf b. S. Großh. W. Ernst Günthershall Habighorst Hansa Silberbg. Heiligenmühle Hedwigsburg Heilgenroda Heimholdshaus. Heldrungen 1 Heldrungen II Herfa Heringen Hermann II Hildasglück Hindenburg Hohenfels Hope Hüpstedt Hugo Ilsenburg Immenrode Irmgard Johanneshall Kaiseroda Königshall Mariaglück Marie Marie Louise Max Meimerhausen Neurode Neusollstedt Neustaßfurt Oberhof Ransbach Rastenberg Reichskrone Reichsland Reinhardsbrunn Richard Rössing-Barnter Rothenfelde Sachs.-Weimar Salzmünde Schwarzburz Siegfried! Siegfr.-Giesen Thüringen Volkenroda Walbeck Walter Wilhelmshall Wilhelmshall O. Winterhall Wintzingerode 6800 225 3160 890 9900 500 1490 2500 1550 1350 180 2400 1150 1950 2400 6100 1.00 2300 230 5600 700 600 1200 00 7300 6800 1500 1190 7900 70 1050 350 925 11200 7260 40 — 270 900 1075 5300 900 800 520 550 3600 280 875 7300 700 2650 425 775 49000 7000 935 10300 1525 2600 625 1600 3000 2550 2000 6350 950 700 2450 250 5700 750 600 7500 7300 1000 1240 8300 100 1000 11 00 7500 1800 60 230 1150 5220 1560 925 925 1 00 3700 320 1000 30 800 2850 875 Nächste Börse in Düsseldorf am 22. Juni 1926 Verantwortlich für Handel und Wirtschaftspolitik: Dr jur. A. Henkel. Berliner Börse. Berlin, den 21. Juni 1926. Die Kurse lauten auf Prozente des Nennwertes in Reichsmark Goldmaik. Dollarschatzanw 2% D. Reichsanl Benz Kabelw. Rheydt Schantung Ham.-Am Pakett. Hansa Dampfsch ordd Llova Barm Bankverein Commu Priv B Darmst u. Nat. B Dentsche Bank Kommandit resdener Bank 18. 6 153 143 164. 9 41 183 121. 133 73.5 63.625 123 Anglo-Cont. Guanc Annener Gußstahl Augsb. Nürnb. M. Balcke Maschinen Bamag Baroper Walzw Bemberz J. P. Berzmann Elektr Berl. Karlsr Ind. Berl. Maschinenb Bochumer Qußstal Braunk. u. Brikett Buderus Eisen Busch Lüdensch. Chem. Ind. Gelsk Daiml. Motoren D. Lux Bergbau D.Eisenb.-Sienw Deutsche Erdöl D. Kaliwerke D. Maschinen 21. 6. 79.75 42. 54.75 109.75 141.50 125.625 132.25 220 9 135 131.50 24 115 159 37.0 80.50 27.125 60.25 77 81.875 60.25 16 66.50 Laurahütte Lindes Eismasch. Lindenbers Stahl Linke-Hofm.-W Lorenz C. Lothringer Berzb Lüdenscheid. Met. Luther Maschinen Mannesmaann Masch. u. Kranbat Maschisenf. Baum Mix& Genest Mülh.Berzw.-V Nat. Automobile Oberschl.Eis.-Bed Oberschl. Eis.-Ind Oberschl. Koks Oekinz Stahl Orenstein& Koppel Phönix Bergbau Pöge Herm Reisholz Papier Rhein Braunkohl. uchf. Aachen Ver. Dto Nickelw Ver Glanzst. Fbr Ver. St.v.d.Zvpen Voxel Teleer Dr Wanderwerke Warstein Gruben Wegelind Hübner Wessel Porzellan Westererlen Alk. Westf.Eis. u. Draht Westf Kupferw. Wickinz Zement Wittener Guß Zellstoff Waldhof 21. 6. 71.75 142. 265. 83. 149.7 :41. 73. 6.50 100.50 42.50 58. 119. 48. 144.75 18. 6. 67. 132.25 260. 79.5 140. 141. 70. 26.6 143.75 40.5 57. 117.25 46. 139.875 Ein weiblicher Baseball=Champion. . Die 17 jährige„Peggy" O'Nei, die bekannteste und beliebteste amerikanische Baseballspielerin, ist gegen ein Honorar von 8750 Dollar für 75 Spiele in Europa gewonnen worden.„Peggy“ spielt innerhalb einer männlichen Truppe, die ebenfalls, aber zu niedrigen Honorarsätzen, nach Europa verpflichtet worden ist. Vermischte Nachrichten. Erdrutsche. X Konstanz, 21. Juni. Auf der Westseite eines Tales im Amt Stockach sind am Sonntag als Folge der großen Niederschläge der letzten Wochen umfangreiche Erdmassen ins Rutschen gekommen, die sich langsam zu Tal verschieben. Zwei Gebäude im Dorse Zizenhausen, die rechtzeitig geräumt werden konnten, wurden verschüttet. Schweres Eisenbahnunglück in Frankreich. + Paris, 20. Juni. Heute nachmittag 3 Uhr entgleiste der Schnellzug Paris—Bordeaux bei Voubray in der Nähe von Tours. Zwei Personenwagen stürzten den mehrere Meter hohen Bahndamm herunter. Ein weiterer Personenwagen und ein Packwagen wurden, ineinander geschoben.„Fünf Personen wurden getötet, mehrere verletzt, darunter 7 schwer. Das Eisenbahnunglück in Wouvray. X Paris, 21. Juni. Wie die Morgenblätter berichten, stellt sich die Zahl der bei der Entgleisung des Schnellzuges Paris—Wouvray ums Leben gekommene Personen auf 6. Die Zahl der Verletzten beträgt 30, davon 8 schwerer verletzt. Lokomotive und Tender entgleisten, und da der Zug mit 80 km Geschwindigkeit fuhr, fuhren die ersten drei Wagen auf die Maschine auf bezw. ineinander. Zugzusammenstoß. + Kopenhagen, 21. Juni. Gestern mittag stieß auf der Strecke Hilleröd—Frederiksvärk ein Personenzug mit einem Motorzug zusammen. Ein Wagen wurde vollkommen zertrümmert. 12 Personen wurden verletzt, davon 2 schwer. Sängerfest in Philadelphia. Philadelphia, 21. Juni. Heute wurde hier das Fest des nordöstlichen Sängerbundes mit einem Festkonzert bei einem Riesenbesuch eröffnet. Bundespräsident Henninger erklärte in seiner Eröffnungsrede u. a.: Acht Jahre nach Beendigung des unglücklichen Krieges, welcher auch den Ideen des Bundes so schwer geschadet hat, feiern wir wieder das Sängerfest und endlich scheint das alte Band, das stets die alte Heimat mit dem Adoptivland verknüpfte, sich wieder neu um die alte und neue Heimat zu schlingen. Wetterbericht Thiel, Dortmuno, :: Essen, 21. Juni. Da der Luftdruck über Westund Mitteleuropa ziemlich stark angestiegen ist, hat das Tiefdruckgebiet nördlich der britischen Inseln seinen Weg nach Osten eingeschlagen, der nördlicher als gewöhnlich verläuft. Sein Einfluß auf die Witterung unseres Gebiets dürfte daher diesmal nur in einer verstärkten Bewölkung und höchstens ganz leichtem Regen bestehen. In Deutschland herrschte heute morgen bei 14 bis 19 Grad Wärme vorwiegend bedecktes Wetter. siegt bei dem 10=km=Rennen um den„Salem=Gold=Preis“ (10:34,1). Vorhersage bis Mittwoch: Wechselnde Bewölkung, zunächst aber vorwiegend trübe, später zeitweise aufheiternd, verhältnismäßig warm, leichte Staubregenfälle nicht zusgeschlossen. In Beckum fand am Sonnabend und Sonntag(19. und 20. Juni) unter gewaltiger Beteiligung der Westfälische Gautag der Deutschen Turnerschaft statt. Es wurden Schwimmvorführungen und Turnen der verschiedensten Spezien geboten. Der grüne Festplatz bot mit seiner malerischen Umgebung ein fesselndes Bild. Wir bringen zwei interessante Augenblicksbilder aus den Sprungvorführungen des Meisterschaftsspringers Krollner vom S. V. Neptun Dortmund, und zwar gestreckter Salto rücklings, aus Stand rücklings und AuerbachSalto. Krollner hat verschiedene Kreismeisterschaften(Köln 1924/25) und die 7. Deutsche Meisterschaft im Turmspringen(Frankfurt a. M.). BILDER VOM TAGE Die beiden amerikanischen Schwimmer Lauffer und Webbs, die in Berlin eingetroffen sind. Lauffer war bereits am Sonntag bei dem Jubiläumsschwimmfest Poseidon Berlin über 1000 m in 15:17 Min., und über 200 m in 2:8,25 Min. siegreich. Unser Bild zeigt den herzlichen Empfang der beiden Schwimmer Lauffer und Webbs im Treptower Schwimmbad durch den Schwimmklub Poseidon. Vanderstuyft, der das goldene Rad von Dortmund gewinnt, mit dem Franzosen Miquel. 22. Juni Diener, Deutscher Schwergewichtsmeister, Die amerikanischen Schwimmer Lauffer und Webbs in Berlin. Diener schlägt Samson=Körner hoch nach Punkten,