Dhauser Kreiszeitung Amtliches Kreisblatt für den Landkreis Ahaus= Zentral=Organ für das nordwestliche Münsterland Volkszeitung, Nienborg=Heeker Zeitung, Stadtlohner Anzeiter, Vredener Volksblatt Erscheint täglich.- Bezugspreis. Monatlich 2 Goldmark ohne Bestellung Schriftleitung und Geschäftsstelle in Ahaus. Tel.=Adresse Kretszeltung Ahaus l. W.— Fernsprecher Nr 50-- Postschlleßfach 20 Postscheckkonto Hannover Nr. 22739 Bankkonten: Krels= und Stadtsparkasse Ahaus und Gewerbebank Ahaus Wöchentliche Sonderbellagen: Erholungsstunden für das christliche Volk, Westdeutschland in wort und Bild, Lesefrüchte, Welt und Wissen, Literatur und Kunst, Frauenwelt, Steuer und Recht, Soztalpolittk u. Standesfragen, Techntk und Verkehr, Turnen, Splel und Sport.:: Anzelgenpreise: Das 30 mm breite mm 10 Goldpfenntg. Bel Wiederholungen Rabati nach festem Tarlf. Reklamen: Das 80 mm brelte rim 50 Goldpfennig Fur Erfullung von Platzvorschriften wird keine Gewähr, so.vie für Druckfehler wird Haftung übernommen. Etwaiger Rabatt gllt als Kassarabatt und kann verweigert werden, wenn Zahlung nicht binnen 8 Tagen nach Erhalt der Rechnung erfolgt. Nummer 154 Dienstag, den 8. Juni 1926. 46. Jahrgang Verschörfung im Kampf gegen die Fürstenenteignung. Von unserer Berliner Redaktion, A Berlin, 7. Juni.(Drahtb.) Je näher der Termin für den Volksentscheid, d. h. der 20. Juni, heranrückt, mit desto hitzigerer Kampfeswut führen die Links= und Rechtsparteien die Schlacht um die Mehrheit. Kein Mittel, das auch nur irgendwie zur Erreichung eines Vorteils geeignet erscheint, bleibt unbenutzt. Als neueste Sensation ist die Veröffentlichung eines Privatbriefes des Reichspräsidenten an Herrn von Löbell zu verzeichnen. Ueber diesen Fall ist folgendes zu sagen: Der„Vorwärts“ hat in seiner Sonntagsnummer die Behauptung aufgestellt, der frühere Staatsminister von Löbell habe den Reichspräsidenten aufgefordert, öffentlich gegen den Volksentscheidung Stellung zu nehmen. Hindenburg habe das in einem Antwortschreiben abgelehnt, zugleich aber privatim seine Meinung über den Volksentscheid darunter geschrieben und die Enteignungsaktion scharf verurteilt. Das sozialdemokratische Blatt behauptete, Staatsminister a. D. von Löbell beabsichtige, diesen Privatbrief als Flugblatt zu veröffentlichen. Wenn das geschehe, so meinte das sozialdemokratische Blatt, so sei es ein Vertrauensmißbrauch, da Hindenburg ausdrücklich seine Meinung als Privatmann geäußert habe. In den weitesten politischen Kreisen war man der Ansicht, daß nichts geschehen werde, bevor der Reichspräsident am Dienstag nach Berlin zurückgekehrt sei. Die Nachtausgabe des deutschnationalen„Tag“ jedoch veröffentlichte bereits am Montag abend den gesamten Wortlaut des Hindenburg=Briefes an Löbell wie folgt: Berlin, den 22. Mai 1926. Sehr geehrte Exzellenz! Von Ihrem Schreiben vom 19. Mai habe ich mit lebhaftem Interesse Kenntnis genommen. Ihre Anregung, zu dem Volksbegehren auf Enteignung der Fürstenvermögen in einer öffentlichen Kundgebung Stellung zu nehmen, vermag ich aber aus staatsrechtlichen wie aus der verfassungsmäßigen Stellung des Präsidenten des deutschen Reiches sich ergebenden Gründen nicht zu entsprechen. Auch von einem Erlaß an die Reichsregierung möchte ich absehen. Die Reichsregierung hat bereits in ihrer Kundgebung vom 24. April ds. Is. vor dem deutschen Volke klar und deutlich erklärt, daß die entschädigungslose Enteignung den Grundsätzen, die in einem Rechtsstaat die Grundlage für jeden Gesetzgebungsakt zu bilden haben, widerspricht. Sie hat von diesem Standpunkte des Rechts sowohl in der erwähnten Kundgebung als auch durch den Reichsminister des Innern in der Reichstagssitzung vom 28. April ausgesprochen, daß sie das Volksbegehren auf entschädigungslose Enteignung der Fürstenvermögen auf das entschiedenste ablehnt. Die unter dem Reichskanzler Dr. Marx am 17. Mai 1926 neugebildete Reichsregierung hat sich in ihrer Erklärung vom 19. Mai 1926 diesen Standpunkt ausdrücklich zu eigen gemacht. Ich kann daher annehmen, daß die Reichsregierung, ohne daß es eines besonderen Schrittes meinerseits bedarf, Ihre Auffassung über die rechtliche Tragweite und Gefahr des Volksbegehrens teilt. Was die von Ihnen berührte, im weiteren Verlauf der Dinge von mir persönlich zu treffende Entscheidung anlangt, so muß ich mir, wie es die Verfassung vorsieht, meine Entscheidung vorbehalten, bis das Ergebnis des Volksentscheides und das sich hierauf gründende Ausführungsgesetz vorliegt und die Frage der Vollziehung dieser Gesetze an mich herantritt. Ich will es aber doch nicht unterlassen, Ihnen meine persönliche Auffassung mitzuteilen, daß ich die von Ihnen geäußerten Besorgnisse in vollem Umfange teile und die großen Bedenken, die Sie auch schon von Anfang der Entwicklung dieser Dinge an auch der Reichsregierung gegenüber zum Ausdruck gebracht haben. Daß ich, der ich mein Leben im Dienste der Könige von Preußen und der deutschen Kaiser verbracht habe, dieses Volksbegehren zunächst als ein großes Unrecht, dann aber auch als traurigen Mangel an Traditionsgefühl und als groben Undank empfinde, brauche ich Ihnen nicht mehr auszuführen. Ich will mich aber bemühen, den Enteignungsantrag nicht als eine politische, sondern lediglich als eine moralische und rechtliche Angelegenheit zu betrachten. Ich sehe in ihm unter diesem Gesichtspunkte einen sehr bedenklichen Vorstoß gegen das Gefüge des Rechtssteates, dessen tiefstes Fundament die Achtung vor dem Gesetz und dem gesetzlich anerkannten Eigentum ist. Er verstößt gegen die Grundlagen der Moral und des Rechts. Würde dieses Volksbegehren Annahme finden, so würde einer der Erundnfeiler, auf dem der Rechtsstaat beruht, beseitigt und ein Weg eröffnet, der auf abschüssiger Bahn haltlos bergab führt, wenn es der Zufälligkeit einer vielleicht noch dazu leidenschaftlich erregten Volksabstimmung gestattet sein soll, verfassungsmäßig gewährleistetes Eigentum zu entziehen oder zu verneinen. Es könnte aus dem jetzt vorliegenden Fall die Methode entstehen, durch Aufreizung der Instinkte der Massen und Ausnützung der Not des Volkes mit solchen Volksabstimmungen auf dem Wege der Enteignung weiter zu gehen und damit dem deutschen Volk die Grundlagen seines kulturellen, wirtschaftlichen und staatlichen Lebens zu entziehen. Ich sehe hierin eine große Gefahr, die gerade in unserer Lage, in der die Zusammenfassung aller wirtschaftlichen und ideellen Kräfte für unsere Selbstbehauptung am notwendigsten ist, unsere staatlichen Grundlagen bedroht und in einem Zeitpunkt, wo wir eben die ersten Schritte auf dem Boden zu neuer wirtschaftlicher Geltung getan haben, unsere Stellung in der Welt schädigt. Ich bin überzeugt, daß trotz der starken vielfach wenig schönen Agitation für das Volksbegehren das ruhige Urteil und der gesunde Sinn unseres Volkes diese moralischen und rechtlichen Seiten dieser Frage nicht verkennen und die unabsehbare Gefahr, die allen Schichten des Die Landtagswahlen in Mecklenburg. Niederlage der Flügelparteien. !! Schwerin, 7. Juni. Nach den bis 12 Uhr mittags erfolgten Zählungen war folgendes vorläufiges Gesamtergebnis der Mecklenburgischen Landtagswahlen festgestellt: Deutschnationale 59 746(95 176) 12 Sitze, Sozialdemokraten 105 619(74924) 21 Sitze, Deutschvölkische 24527(63 511) 5 Sitze, Kommunisten 17 681(44 765) 3 Sitze, Deutsche Volkspartei 21973(23962) 4 Sitze, Demokraten 8102 11 738) 1 Sitz, Mieterpartei 7296 1 Sitz, Wirtschaftspartei des Mecklenburgischen Mittelstandes 15 902(5122) 3 Sitze, Nationalsozialisten 4343. 14 kleinere Stimmbezirke stehen noch aus, die das Resultat in einzelnen Ziffern und Sitzberechnungen noch korrigieren können. *** Der Ausgang der Wahlen bestätigt zunächst die bisher schon mehrfach beobachtete Erfahrung, daß sich im deutschen Volk eine immer stärkere Wahlmüdigkeit breitmacht. Aber von dieser Wahlflauheit waren nicht alle Parteien in gleichem Maße betroffen. Und das ist eben das Charakteristische an den diesmaligen Mecklenburger Wahlen, daß sie eine fast an Dezimierung grenzende Niederlage der extremen Flügelparteien ergaben. Die Deutschnationalen haben eine empfindliche Einbuße erlitten und keineswegs aus dem Fiasko der Völkischen irgend einen Gewinn ziehen können. Andererseits hat die Sozialdemokratie ihren Stimmenzuwachs zum größten Teil dem Debakle der Kommunisten zu verdanken. Was die Deutschvölkischen, die jetzt in Mecklenburg ihre letzte Hochburg verloren haben, betrifft, so haben sie sich ihren Zusammenbruch selbst zuzuschreiben. Das Wahlresultat bedeutet ein vernichtendes Strafgericht über eine skrupellose Politik, die sie getrieben hatten. Auch die rechtsgerichtete„Deutsche Allgemeine Zeitung“ gibt unverblümt ihr Urteil in diesem Sinne ab, indem sie schreibt: „Das ganze Wahlergebnis ist in erster Linie die Folge der verantwortungslosen völkischen Agitation. Sie haben nicht nur die alte Regierung gestürzt, ohne einen politischen Grund dafür zu haben, sondern sie haben, abgesehen davon, daß sie sich in ihrer eigenen Partei beinahe das politische Grab geschaufelt haben, durch ihr staatsfeindliches Verhalten die bürgerliche Mehrheit zerschlagen und in einem durch und durch agrarischen Lande den Sozialdemokraten die Möglichkeit in die Hände gespielt, im Verein mit der Wirtschaftspartei und den Demokraten eine überwiegend sozialistische Regierung zu bilden.“ Zu der schweren Niederlage der Kommunisten äußert sich das demokratische„Berl. Tageblatt“ wie folgt: „Auch das ist ein erfreuliches Zeichen für die politische Gesundung des deutschen Volkes, für welche die Mecklenburger Wahl ein Symptom ist. Es wäre bedauerlich, wenn die schweren Fehler eines einseitigen Rechtskurses dazu geführt hätten, daß das Pendel zu weit nach links ausschlüge und anstelle einer reinen Rechtsmehrheit eine sozialdemokratisch=kommunistische Mehrheit getreten wäre.“ So zeigt die Mecklenburger Wahl die eine erfreuliche Lehre: Radikalistische Hetzpolitik schlägt ihren eigenen Herrn. Auf die Dauer werden sich nur noch Parteien behaupten können, die eine wirkliche volksehrliche Politik betreiben und darauf verzichten, den Massen nur Sand in die Augen zu streuen und ihnen das Blaue vom Himmel herunter zu versprechen. Eines Tages muß das Bluffgebäude der nur mit trügerischen Versprechungen arbeitenden extremen Parteien doch in Schutt und Trümmer stürzen. Volkes hier droht, nicht übersehen wird. Ich hoffe daher zuversichtlich, daß unsere Mitbürger in der Entscheidung am 20. Juni diesen Erwägungen Rechnung tragen und den Schaden avwenden werden, der sonst dem ersten Grundgesetz jeden Staates, dem Recht und der Gerechtigkeit, erwachsen würden. Mit freundlichen Grüßen bin ich Ihr sehr ergebener gez. v. Hindenburg. Nun müssen wir also wieder einmal die Geschmacklosigkeit erleben, daß die Person des Reichspräsidenten in den Sumpf des Tageskampfes hineingezogen wird. Die Schuld an dieser bedauerlichen Tatsache trägt ohne allen Zweifel Herr von Löbell mit seinem Artikel im„Deutschenspiege!“. Erst durch seine Stilübung wurde der„Vorwärts“ veranlaßt, des Schreibens Hindenburgs Erwähnung zu tun. Allerdings bemerkt die„Nachtausgabe" zu der Veröffentlichung, Staatsminister von Löbell würde niemals den Brief des Reichspräsidenten veröffentlicht oder auch nur andeutungsweise in einem Artikel benutzt haben, wenn der Reichspräsident sich gegen die Veröffentlichung seines Artikels ausgesprochen haben würde. Es ist uns jedoch nicht bekannt, daß der Herr Reichspräsident seine Zustimmung zur Publizierung seines Privatbriefes ge geben hätte. Herr von Löbell und die um ihn stehenden Kreise haben durch ihr Vorgehen erreicht, daß am 20. Juni eine„zweite Hindenburgwahl" getätigt werden wird. Denn die Rechte wird sich die Parole des Herrn von Löbell ohne Zweifel zu eigen machen und den Kampf gegen die Fürstenenteignung im Zeichen Hindenburgs zu führen versuchen. Im übrigen ist sachlich selbstverständlich an der Stellungnahme Hindenburgs von unserer Seite aus nichts zu bekritteln. Ein wahrer Segen für das ganze Volk wäre es, wenn es dem Reichskabinett noch vor dem 20. Juni gelänge, im Parlament den Gesetzentwurf über die Absindung der früheren deutschen Fürstenhäuser zur Verabschiedung zu bringen. Eine brauchbare Handhabe hierfür bieten die Ausführungen, welche der Zentrumsabgeordnete Dr. Bockius auf der letzten Tagung des Augustinusvereins in Frankfurt am Main gemacht hat. Es könnte nämlich, ohne daß der Gesetzentwurf inhaltlich eine Aenderung erführe, durch eine Einleitung, in welcher auf die durch die Umwälzung vom November 1918 geschaffene Rechtsgrundlage Bezug genommen wird, dem Gesetzentwurf der Charakter des Enteignungsgesetzes genommen werden. Der neue Gesetzentwurf würde keinen verfassungsändernden Charakter haben und also mit einfacher Mehrheit angenommen werden können. Diese einfache Mehrheit zu sichern, könnte der Regierung in Verhandlungen mit den Parteien wahrscheinlich gelingen. Der Volksentscheid würde dadurch zwar nicht aufgehalten, aber der Kampf hätte viel an Schärfe verloren. X Berlin, 7. Juni. Der Reichstagsausschuß für soziale Angelegenheiten eröffnete heute die Beratungen über den Entwurf eines Arbeitsgerichtsgesetzes. Von Seiten der Reichsregierung wurde hierzu ausgeführt, daß der Entwurf von dem Grundsatz ausgehe, die Gerichtsbarkeit in Arbeitssachen möglichst vollkommen den Arbeitsgerichtsbehörden zu übertragen. Die Arbeitsgerichtsbarkeit umfaßt nach dem Entwurf nur die Rechtssprechung in bürgerlichen Arbeitsstreitigkeiten und eine Reihe von Aufgaben, die mit denen der ordentlichen freiwilligen Gerichtsbarkeit teilweise verwandt sind und deswegen als freiwillige Gerichtsbarkeit in Arbeitssachen bezeichnet werden können. Die Rechtsprechung in Arbeitsstrafsachen und in Verwaltungsstreitigteiten auf dem Gebiete des Arbeitsrechts soll von den arbeitsgerichtlichen Behörden nicht ausgeübt werden. Nach einer allgemeinen Aussprache über den Entwurf vertagte sich der Ausschuß auf Dienstag. Aus der Zentrumsfraktion. X Berlin, 7. Juni.(Eig. Drahtb.) Die Zentrumsfraktion des Reichstages trat nach Schluß der Plenarsitzung am Montag abend zu einer Aussprache über die laufenden Probleme zusammen. Insbesondere wurden Personalfragen erörtert. Die Besprechung wird am Dienstag fortgesetzt. An der Fraktionssitzung nahm auch Ministerpräsident a. D. Stegerwald teil, der sich von seinem Unfall in Trier wieder so weit erholt hat, daß er mit Hilfe eines Stockes gehen kann. des Nach dem Versailler Vertrag soll die Ordnung im Saargebiet durch eine örtliche Gendarmerie aufrecht erhalten werden. Es ist bekannt, daß die Regierungskommission unter dem Präsidenten Rault der Durchführung dieser Bestimmung erhebliche Schwierigkeiten bereitet hat. Sie hat sich außerordentlich lange Zeit genommen, die Gendarmerie zu bilden, weil sie es im Einvernehmen mit Paris vorzog, die nach dem Waffenstillstand in das Gebiet eingerückten französischen Truppen dort zu behalten, um durch sie die Bevölkerung unter Druck zu halten und die französische Annexion des Saarreviers vorzubereiten. Nach dem Londoner Abkommen, durch das die deutsch=französischen Beziehungen entspannt worden sind, und erst recht nach dem Vertrag von Locarno ließ sich jedoch die französische Besatzung in alter Stärke im Saargebiet nicht mehr aufrecht erhalten. Die Regierungskommission mußte, mochte sie wollen oder nicht, die Bildung der örtlichen Gendarmerie ernsthafter, als es bis dahin geschehen war, in Angriff nehmen. Zu Anfang dieses Jahres erstattete sie dem Völkerbundsrat endlich Bericht, daß die Gendarmerie organisiert sei, und im März beschloß der Rat, daß nunmehr die vertragswidrige Besetzung des Saargebiets ihr Ende finden solle. Zwei französische Bataillone sollten aber in der Nähe der Saargrenze, jedoch auf französischem Gebiet, garnisonieren, damit sie im Notfalle der Regierungskommission schnell zur Verfügung ständen. Jetzt ist nun der Völkerbundsrat zusammengetreten, um u. a. auch den Bericht über, die Lage im Saargebiet und über die Durchführung seines Beschlusses entgegenzunehmen. Die Regierungskommission hat diesen Bericht erstattet, aber er ist nicht einheitlich. Die Mehrheit der Kommiiiinn— das französische, belgische und tschechische Mitglied— fordert, daß zur Sicherung des Durchgangsverkehrs zwei französische Bataillone im Saargebiet verbleiben, die Minderheit, bestehend aus dem kanadischen Präsidenten Stephens, dem Nachfolger des Franzosen Rault, und dem saarländischen Mitglied Koßmann, ist dagegen der Meinung, daß der vertragswidrigen Besetzung, entsprechend dem letzten Beschluß des Völkerbundsrats, jetzt ein Ende gemacht werden muß. Aus dem politisch hochinteressanten Bericht der Regierungskommission vermag der Genfer Vertreter der „Kölnischen Zeitung“ folgende Angaben zu machen: Der Völkerbundrat hatte, als auf Grund des erfolgten Ausbau der Ortsgendarmerie jeder Vorwand zur weitern Besetzung wegfiel, die Zurückziehung der Truppen beschlossen, die allerdings in der Nähe der Grenze auf französischem Gebiet für außerordentliche Fälle der Regierungskommission zur Verfügung stehen sollten, und hatte gleichzeitig die Regierungskommission aufgefordert, ihm Vorschläge über den Schutz des Durchgangsverkehrs nach Rückzug der Truppen zu machen. Er regte dabei die Schaffung eines Eisenbahnausschusses an, der mit den notwendigen Mitteln versehen werden sollte. Nach Auffassung der Mehrheit der Regierungskommission müßte dieser Eisenbahnausschuß ein rein militärischer sein, das heißt ein französischer, und die Mittel, die ihm zur Verfügung stehen sollen, bestehen eben in den beiden französischen Bataillonen, die detart zu verteilen wären, daß eins in Saarbrücken, ein halbes in Saarlouis und ein andres halbes auf der Linie Sulzbach—Neunkirchen Homburg steht. Begründet wird dieser unerhörte Vorschlag damit, daß der Durchgangsverkehr im Fall eines Generalstreiks unbedingt geschützt werden müsse. Dieser Durchgangsverkehr besteht nach den Angaben des Berichts der Regierungskommission in erster Linie in Truppentransvorten aus den besetzten Gebieten nach Frankreich und umgekehrt. Diese Transporte gestalteten sich laut Bericht im Jahre 1925/26 folgendermaßen: 179 Züge mit Truppen und Heeresmaterial, 65 Verpflegungszüge, 1700 Einzelwaggons, 150 Postwagen und 2000 vorbehaltene Abteile, 130= bis 140 000 einzeln transportierte Militärpersonen, 15 000 Postpakete. Diese Zahlen gelten nur für die französischen Truppen, da seit der Räumung der ersten Zone, wie der Bericht hervorhebt, auch der Verkehr der englischen Truppen durch das Saargebiet geht. Außer diesen Truppentransporten führt der Bericht noch den Durchgangsreiseverkehr und in erster Linie die internationalen Züge als schutzbedürftig an. Die Mehrheit erklärt, daß nur auf Grund ihrer Vorschläge, das heißt des dauernden Verweilens von zwei französischen Bataillonen im Saargebiet, sie ihre Pflicht des Schutzes, der Ordnung und der Sicherheit erfüllen könne. Nichts beweist besser die Unhaltbarkeit der mühsamen und langatmigen Begründung, die die Mehrheit für ihre Forderung aufstellt als die Tatsache, daß von den fünf Mitgliedern der Regierungskommission nur der Franzose, der Belgier und der Tscheche für die Beibehaltung der beiden Bataillone eintreten. In dem Bericht sind in der Tat ausdrücklich gegenteilige Erklärungen der andern beiden Mitglieder der Regierungskommission, nämlich des Präsidenten selbst, des Kanadiers Stephens, und des saarländischen Mitglieds, angeführt, die aufs schärfste gegen die Auffassung ihrer Kollegen Stellung nahmen. Stephens ist der Ansicht, daß ein militärischer Eisenbahnausschuß allerdings zu bilden sei, daß er aber nur außerhalb des Saargebiets stationierte Truppen, und zwar auch nurimäußersten Notfall berufen dürfe, jedoch keiner Truppen im Lande selbst bedürfe. Stephens erklärt sich kategorisch gegen den weiteren Aufenthalt interalliierter oder anderer Truppen im Saargebiet, und zwar aus folgenden Gründen: 1. Dieser Aufenthalt ist unvereinbar mit dem Geist und mit dem Buchstaben des Versaillex Vertrags. 2. Die Regierungskommission hat sich selbst bereit erklärt, für den Schutz der Ordnung und der Person und Güter— einbegriffen Gruben und Eisenbahnen— ohne Hilfe von im Saargebiet liegenden Truppen zu sorgen unter der Voraussetzung, daß diese Truppen in der Nähe des Gebiets bleiben und im Notfall berufen werden können. Stephens erklärt daher die Forderung der Regierungskommissionsmehrheit, wonach mindestens zwei Bataillone dauernd im Saargebiet weilen müßten, um den Eisenbahnverkehr zu schützen, als vollständig dem Friedensvertrag und der Meinung der Regterungskommission selbst zuwiderlaufend, die sie vor dem Völkerbundsrat am 28. Januar 1926 ausgesprochen hatte und die der Rat am 18. März in Betracht zog. Die Folgen der jetzigen Forderung der Mehrheit gehen nach Ansicht Stephens' auf nichts andres hinaus als auf das Bestreben, dauernd im Saargebiet die beiden Bataillone zu behalten und sie später durch andere Truppen zu ersetzen, die gegenwärtig die Rolle von Garnisontruppen im Innern des Gebiets spielen. Nach dem Friedensvertrag könne aber keine Autorität an die Stelle der Negierungskommission im Innern des Landes treten. Stephens schlägt deshalb vor, daß ein Eisenbahnausschuß ernannt wird und der Rat ihm nur außerhalb des Landes stehende Truppen zur Verfügung ster. Der saarländische Vertreter der Regierungskommission protestiert ebenfalls gegen den Mehrheitsvorschlag. Er will zunächst nichts von einem militärischen Eisenbahnausschuß wissen, sondern wünscht, daß er sich aus Eisenbahnsachverständigen zusammensetze und nur, wenn die notwendigen militärischen Sachverstängen nicht im Lande aufzutreiben sind, interalliierte Sachverständige hinzugezogen würden, wie auch die interalliierten Armeen Verbindungsoffiziere stellen könnten. Der Ausschuß soll sich aber auf keinerlei Truppen, sondern vielleicht auf eine Organisation in der Art der deutschen Technischen Nothilfe stützen. Her Koßmann warnt dringend vor einem autonomen Militärausschuß, der der Regierungskommission schließlich die Macht aus der Hand nehmen würde. Er betont nachdrücklich, daß nach den jahrelangen Beratungen im Völkerbundsrat es als ausgeschlossen gelten müsse, das dr Rat seine Auffassung von der Notwendigkeit des Rückzugs der Truppen jetzt illusorisch mache, und er west darauf hin, daß die Saarbevölkerung die Gegenwart der französischen Truppen im Saargebiet als dauernde Einrichtung, wie der Mehrheitsantrag sie vorsieht, nicht verstehen würde, da sie schon den bisherigen Aufenthalt dieser Truppen im Lande für vertragswidrig hält. Zu diesem Mehrheits= und Minderheitsbericht wird nunmehr der Völkerbundsrat Stellung zu nehmen und eine Entscheidung zu fällen haben. Sollte ein Antrag, für den nur das französische, das belgische und das tschechische Mitglied der Regierungskommission eintreten, den der Präsident der Regierungskommission aber in Uebereinstimmung mit dem Wortführer der saarländischen Bevölkerung für vertragswidrig bezeichnet, durchdringen, so hätte man eine besonders deutliche Illustra„tion dafür, wie sich der Völkerbundsrat die Beziehungen zu Deutschland vorstellt. Aber selbst, wenn er den Antrag der Mehrheit ablehnen würde, beleuchtet doch schon die Tatsache, daß Frankreich mit aller Macht darauf hinwirkt, im Saargebiet weiter und dauernd unter fadenscheinigen Vorwänden seine Truppen zu behalten, die gesamte französische Einstellung zu dem Problem der Rückwirkungen. Man sucht in Genf den Eindruck zu erwecken, daß das dem Völkerbundsrat bis zur Abstimmung im Jahre 1935 anvertraute Gebiet für den Durchgansverkehr der alliierten Truppen von Frankreich nach dem besetzten Rheinland zur Verfügung stehen müssen und daß die Truppentransporte ohne die beiden Bataillone nicht gesichert seien. Dabei gibt es eine ganze Reihe von Eisenbahnstrecken, die das Saargebiet nicht dürchqueren. Man darf gespannt darauf sein, wie sich der Völkerbundsrat zu dieser Frage stellen wird, die neben der Frage der Ratssitze die wichtigste ist, die in seiner gegenwärtigen Tagung zur Entscheidung steht. Die Stellungnahme wird dem Rat durch eine Denkschrift erleichtert, die ihm im Namen der saarländischen Bevölkerung am gestrigen Montag eine in Genf eingetroffene Abordnung aus dem Saargebiet überreicht hat und in der gegen die fortdauernde Besetzung durch französische Truppen entschieden Einspruch erhoben wird. Es gebé, so wird darin betont, weder im Saarstatut des Versailler Vertrags noch im Völkerbundstatut eine Bestimmung, die Militärtruppen ein Durchmarschrecht durch das Saargebiet einräume. Die Denkschrift bestreitet ferner, daß zur Aufrechterhaltung ungestörter Verbindungen zwischen dem besetzten Rheinland und Frankreich die Saarbahnen notwendig seien und durch französisches Militär geschützt werden müßten, da die strategischen Verbindungen zwischen dem besetzten Gebiet u. Frankreich gesichert seien, ohne daß das Saargebiet berührt zu werden brauche. Es gebe in hinreichender ZahlEisenbahnlinien, die nicht durch das Saargebiet laufen, die aber eine schnelle u. ungestörte Verbindung zwischen Frankreich u. dem besetzten Gebiet gewährleisten. Die drei großen Eisenbahnlinien Koblenz— Trier— Diedenhofen—Metz, Mainz—Bingerbrück—Kaiserslautern—Straßburg und Mainz—Ludwigshafen—Straßburg, um die anderen zahlreichen strategischen Bahnen zu erwähnen, genügen vollauf, um eine Armee von mehreren hunderttausend Mann in schnellster Frist zu befördern und zu versorgen. Eine der Denkschrift beigefügte Karte erweist einwandfrei die Richtigkeit dieser Behauptungen, sodaß daraus auch die saarfremden Mitglieder des Völkerbundsrates erkennen können, wie fadenscheinig das Mäntelchen ist, das die Mehrheit der Regierungskommission über ihre wahren Absichten gedeckt hat. Die Tugung des Völkerbundsrates Eröffnungssitzung des Völkerbundsrates. :: Genf, 7. Juni. Der Völkerbundsrat hat heute vormittag um 11 Uhr seine 40. Tagung mit einer nichtöffentlichen Sitzung begonnen. X Genf, 7. Juni. In der nichtöffentlichen Sitzung des Völkerbundsrates wurde die Tagesordnung für die Sitzung genehmigt und einige administrative Fragen erledigt. Daran schloß sich ein Bericht des Grafen Ishii über die Verhandlungen der Völkerbundskommission für Hygiene an. In der folgenden ersten öffentlichen Sitzung der 40. Ratstagung des Völkerbundes teilte Chamberlain mit, daß die Verhandlungen mit der Türkei über die Grenzführung im Irakgebiet einen befriedigenden Verlauf genommen hätten. Die Grenzregulierung werde in einer Kommission vorgenommen werden die aus Vertretern Englands und der Türkei und einem Schweizer als Vorsitzenden bestehen werde. Er danke dem Rat für seine Mitarbeit an der Regelung der Mossulfrage. Der italienische Delegierte Scialoja drückte seine große Befriedigung über die endgültige Regulierung der Grenze im Irak aus. Hierauf wurde die Völkerbundstagung auf Mittwoch vertagt. Eine Demonstration Brafiliens. + Genf, 7. Juni. Bei der um 12 Uhr begonnenen öffentlichen Ratssitzung, in der über Erwarten GuaniUrugay und nicht der schwedische Vertreter präsidiert, der in Anwendung der alphabetischen Ordnung eigentlich die Ratstagung leiten müßte, blieb der Ratsstuhl für Brasilien unvesetzt. Nach zuverlässigen Informationen vom Staatssekretär beim Völkerbund gab Mello Franco Sir Eric Drumond auf Befragen die Auskunft, daß er unpäßlich sei und heute an den Arbeiten des Rates nicht teilnehmen könne. Der Umstand, daß sich Mello Franco, dessen Abwesenheit als Demonstration aufgefaßt wird, nicht durch ein Mitglied der ständigen Delegation Brasiliens beim Völkerbund vertreten läßt, wird trotzdem viel kommentiert. Gerüchtweise verlautet, daß Briand heute nachmittag mit Mello Franco eine Unterredung haben wird. Das Reichsknappschaftsgesetz. Deutscher Reichstaa. Präsident Loebe eröffnet die erste Sitzung nach den Pfingstferien mit einem Nachruf für den verstorbenen Generaldirektor der Deutschen Reichsbahngesellschaft Dr. Oeser und für den verstorbenen Sozialpolitiker Freiherrn v. Berlepsch. Die Abgeordneten ehren das Andenken der Verstorbenen durch Erheben von den Plätzen. Unter den Eingängen befindet sich auch ein Antrag des preußischen Justizministeriums auf Genehmigung zur Strafverfolgung des Reichstagsabgeordneten Kube(Vlk.) wegen Anstiftung zum Morde.(Hört! Hört!) Der Antrag wird dem Geschäftsordnungsausschuß überwiesen. Dann wird die zweite Beratung der Novelle zum Reichsknappschaftsgesetz fortgesetzt. Abg. Jenschek(Soz.) tritt für die sozialdemokratischen Anträge ein, die eine Erhöhung der Versicherungsleistungen auf verschiedenen Gebieten fordern. Gegen die großen Beitragsrückstände der Arbeitgeber müsse mit größerer Energie vorgegangen werden. Die Vorlage befriedigt bei weitem nicht die berechtigten Wünsche der Arbeitnehmer im Bergbau Umsoweniger ernst zu nehmen seien die Kundgebungen der bergbaulichen Arbeitgeberverbände, die aus dem Gesetz eine große Belastung der Unternehmer herausrechnen wollen. Abg. Leopold(Dntl.) Dezeichnet die Vorlage als eine ungerechte Bevorzugung der Arbeiter im Bergbau gegenüber den Arbeitern in anderen schweren Berufen bezüglich der Altersrente. Aba. Winnefeldt(Dvpt.) hält es für einen der größten Vorzüge der Novelle, daß nunmehr die Familienhilfe gesetzlich festgelegt ist. In vielen einzelnen Bestimmungen müsse die Vorlage dieser besschoftssoegen in Fronkreich. Die Lebensmittelkarten in Aussicht. A Paris, 6. Juni. Der heute morgen unter dem Vorsitz des Präsidenten der Republik abgehaltene Ministerrat hat beschlossen, ein Programm für die Beschränkung der Einfuhr und der Einschränkung des Verbrauchs im allgemeinen für seine nächste Sitzung ausarbeiten zu lassen. Dieses Programm, mit dessen Ausarbeitung die Minister des Innern, der öffentlichen Arbeiten, der Landwirtschaft und des Handels betraut wurden, sollen unverzüglich durchgeführt werden. Finanzminister Péret protestierte in einer Unterredung mit Pressevertretern dagegen, daß man ihm die Absicht unterschoben habe, er wolle zum Goldbestand der Bank von Frankreich seine Zuflucht neymen, und bemerkte, er verstehe nicht, wie man derartige unheilstiftende Gerüchte in Umlauf setzen könne. „Matin“ schreibt: Die Einschränkungen, von denen im Ministerium gesprochen wurde, könnten sich auf Getreide und Mehl beziehen. Wenn die schlechte Witterung andaure, dann werde man zuerst daran denken, dem Brotmehl Ersatzstoffe zuzufügen. Auch an eine Einschränkung des Verbrauchs von Kohle, Zucker und anderen Artikeln des täglichen Gebrauchs müsse man denken. Nach dem„Journal“ hat Kriegsminister Painleve auf die Frage, ob man an die Einführung von Lebensmittelkarten denke, geantwortet, bisher sei davon noch nicht die Rede gewesen, aber, wenn potwendig, würde man sie einführen. Die Maßnahme der Beschränkung der Einfuhr nach Frankreich und einer Begrenzung des Verbrauches dürfte darauf zurückzuführen sein, daß das französische Finanzministerium den neuen Frankensturz damit begründen will, daß Industrie und Handel in der Befürchtung eines weiteren Steigens der fremden Devisen beträchtliche Vorräte eingekauft haben. Die Erklärung Pérets über den Goldbestand der Bank von Frankreich steht in vollständigem Widerspruch zu dem, was über die letzte Sitzung des Sachverständigenausschusses bekannt wurde. Wenn auch, wie der„Lemps“ mitteilt, keine offizielle Abstimmung erfolgte, so bleibt doch die Tatsache bestehen, daß sich die Mitglieder des SachverständigenAusschusses gegen 2 Stimmen, darunter die des Untergouverneurs der Bank von Frankreich, für eine Benutzung der Goldreserve ausgesprochen haben. Die Information, wonach der Sachverständigenausschuß keine formale Abstimmung vorgenommen hat, dient offenbar dazu, den ungünstigen Eindruck abzuschwächen, den eine solche Entscheidung auf den Devisenmarkt machen muß. In ihr liegt stillschweigend das Eingeständnis, daß die Sachverständigen den Rest, der aus der Morgananleihe zur Verfügung steht, nicht mehr für ausreichend halten, um ein weiteres Sinken des Franken zu verhindern. Briand hat dagegen am Schluß des Ministerrates den Journalisten mitgeteilt, die Morgananleihe sei bei weitem noch nicht erschöpft. Wenn der Ministerrat am Sonntag zusammengetreten sei, so sei keineswegs etwa der Grund die Tatsache, daß die Lage schlechter geworden sei. Die Lage für die französische Regierung wird dadurch umso ernster, daß sich die Bank von Frankreich erneut geweigert hat, ihre Goldreserve für die Stützungsaktion auf dem Devisenmarkt herzugeben. Der „Quotidien“ als der eifrigste Verteidiger einer Benutzung der Goldreserve erklärt, die Bank von Frankreich habe sich sogar geweigert, mit ihrer Goldreserve eine neue Anleihe zu garantieren. stie proklamiert werden. 4. Zur Aufrechterhaltung des Friedens an der Grenze wird eine neutrale Zone eingerichtet werden. 5. Die Türkei erhält 10 Prozent aus den Einnahmen der Petroleumfelder für eine Pexiode von 25 Jahren. Die Türkei hat das Recht, den Wert ihres Anteils zu kapitalisieren. An der Spitze der Kommission, die die Grenzlinie an Ort und Stelle festlegen soll, wird ein Schweizer stehen. Nach dem„Daily Telegraph“ erkennt die Türkei das Trak=Gebiet in dem Vertrage feierlich als einen selb, ständigen Staat an. Außerdem enthält der Vertrag eine Antipropagandaklausel und eine Art Meistbegünstigungsklausel für Handel und Transit. Naturgemäß wird die Nachricht von dem erfolgreichen Abschluß der Verhandlungen in ganz England mit großer Genugtuung begrüßt.„Daily Expreß" verlangt nun mehr eine sofortige Zurückziehung Großbritanniens aus MMesopotamien. Mesopotamien habe England seit Friedensschluß 150 Millionen Pfund gekostet, während die Gegenleistungen sehr gering gewesen seien. Die französische Presse. V Paris, 7. Juni. Die Unterzeichnung des englischtürkischen Mossul=Vertrages wird von den Blättern eingehend besprochen. Das„Zournal“ ist der Ansicht, England trage einen Erfolg davon, wie es ihn seit langen Jahren nicht zu verzeichnen gehabt habe. Das Abkommen sei auch für Frankreich außerordentlich gunstig, da es eine Entente zu dreien einleite.„Echo de Paris" meint, Mustapha Kemal habe sich wit überraschend wenig beanügt. Eine besondere Rolle habe dabei sicherlich die Haltung Italiens gespielt. Der französische Botschafter in Angora, Sarraut, hat sich gestern zur Berichterstattung nach Frankreich begeben. Deutsches Reich. Der Anschluß Schaumburg=Lippes an Preußen abgelehnt. = Bückeburg, 6. Juni. Bei dem Volksentscheid über den Anschluß Schaumburg=Lippes an Preußen wurden im ganzen abgegeben 8590 Stimmen mit Ja und 9947 Stimmen mit Nein. Es fehlen noch 16 Ortschaften, die aber das Ergebnis nicht wesentlich ändern können. Damit ist die Anschlußfrage an Preußen in ablehnendem Sinne vom Volke entschieden worden. Ausschußfassung freilich Bedenken erregen. Hier müßten Verbesserungen geschaffen werden. Die Weiterberatung wird um 6 Uhr auf Dienstag 2 Uhr vertagt. Auf der Tagesordnung stehen weiter der deutschschwedische Handelsvertrag und der Gesetzentwurf über die Auseinandersetzung mit den vormals regierenden Fürstenhäusern. Fustiz. Preußischer Landtag. ¶ Berlin, 7. Juni. Auf der Tagesordnung steht als einziger Punkt die zweite Beratung des Haushalts der Justizverwaltung, an dem der Hauptausschuß aus Ersparnisgründen rund 2 Millionen gestrichen hat. Er empfiehlt dem Hause die Annahme von 17 Anträgen, in denen u. a. verlangt wird: Beginn der Verzinsung der nach dem Aufwertungsgesetz auf Rückwirkung wieder eingetragener Hypotheken schon vom 1. April av, endliche Durchführung der Landtagsbeschlüsse zur Vermehrung der Anstellungs= und Beförderungsverhältnisse der Justiz= und Strafanstaltsbeamten, Anwendung der vom Reichstag beschlossenen Verbesserungen der Angestelltenverhältnisse und Aufstiegsmöglichkeiten der Reichsbeamten auch auf preußische Beamten, weiter wird eine Aenderung des Strafvollzuges nach besonders aufgestellten Richtlinien gefordert. Auf die Reichsregierung soll auf Vorlegung eines Gesetzentwurfes eingewirkt werden, der die Auslieferung gemäß der Reichsrecht poli lich gesichert werven. ein Antrag zur Annahme empfohlen, daß sämtliche Verfahren des Staatsgerichtshofes, in denen Landgerichtsdirektor Jürgens amtlich tätig gewesen oder als Zeuge bezw. als Sachverständiger vernommen worden ist, darauf nachgeprüft werden, ob den Angeklagten durch die Mitwirkung von Landgerichtsdirektor Jürgens ein Nachteil irgendwelcher Art entstanden ist und daß wo dies der Fall ist, das Wiederaufnahmeverfahren eingeleitet wird. Staatssekretär Fritze erklärte auf eine kommunistische große Anfrage im Fall Barmat, die Strafkammer hat am 4. Mai das Hauptverfahren vor dem Schöffengericht Berlin=Mitte eröffnet. Angeklagt sind 11 Personen und zwar wegen Betruges, Untreue, Bestechung und anderer Straftaten. Eine Verschleppung des Verfahrens liege nicht vor. Der sozialdemokratische im Ausschuß angenommene Antrag, der gewissermaßen auf eine qualitative Verstärkung der Ehre hinausläuft, begegnet sich mit dem Gedanken des Justizministeriums. Abg. Kuttner(Soz.) fordert von den Richtern, daß sie auch den politischen andersgesinnten Leuten Gerechtigkeit zuteil werden lassen sollen. Republikanische Männer seien unerhört verfolgt worden. Ich erinnere an die Fälle Luppe in Nürnberg und Loeb=Thüringen. (Ein Mann auf der Zuhörertribüne ruft:„An die Wand müßte die Bande gestellt werden?“ Er wird durch einen Diener von der Tribüne entfernt.) Nach den Erfahrungen in Bayern und Thüringen kann ich nur sagen, die Rechtspflege ist nur dort geschützt, wo wirklich der republikanische Gedanke sich durchgesetzt hat.(Zurufe rechts: Wo die Juden regieren!) Ihre Zurufe beweisen nur, daß Sie Gerechtigkeit und Freiheit nicht wollen.(Anhaltende Protestkundgebungen rechts und Rufe: Schöne Freiheit!) Abg. Seelmann(Dntl.) wendet sich gegen die Verallgemeinerungen des Vorredners, der lediglich ein paar Fälle auseinandergereiht habe. In dieser Art der Polemik könne er dem Herrn Vorredner nicht folgen. Vor allem sei die Ueberbelastung der Gerichte hervorzuheben, die eine schwere Gefahr für die Rechtspflege bedeutet. Nicht allein an Richtern fehle es, sondern auch an mittleren Beamten. Abg. Schmidt=Lichtenberg(Ztr.) erklärt, den Standpunkt des deutschnationalen Abgeordneten Seelmann, der von der Putschaktion sagte, sie hätte Rechtsverwirrung in die Geschichte getragen, könne er sich nicht zu eigen machen. Solange solche Aktionen geplant werden, musse vielmehr die Polizei und die Gerichtsbarkeit eingreifen. Aber durch die unzähligen Gesetze und Abänderungsgesetze, die die Parlamente verabschieden, wird Rechtsverwirrung in die Gerichtsstuben getragen. Auch muß der Richter noch eine Reihe alter Gesetze anwenden, obwohl sie nicht immer den modernen Rechtsverhältnissen huldigen, wie z. B. das allgemeine Landrecht und die Kabinettsordres, die bei den Fürstenabfindungsprozessen angewandt werden mußten. Vor allem wird es aber endlich Zeit, daß neue Maßnahmen gegen die ungeheure Ueberlastung der Justizverwaltung ergriffen werden. Die Aufstiegs= und Beförderungsaussichten sind im Justizressor schlechter als anderswo. Jeder wird zugeben müssen, daß innerhalb der Justizverwaltung eine ganze Reihe von offenbaren Fehlsprüchen vorgekommen ist. Aber man kann aus diesen von uns auf das Schärfste abgelehnten Fehlsprüchen nicht die Folgerung ziehen, daß der ganze Richterstand parteipolitisch eingestellt sei. Die Staatsform hat mit dem Ideal der Gerechtigkeit nichts zu tun. Die Unparteilichkeit der Richter muß als selbstverständlich geachtet werden. Redner betont, daß viele hunderte, vielleicht tausende von deutschen Richtern fest auf dem Boden der republikanischen Verfassung stehen. Staatssekretär Fritze erklärt, daß im Falle des Landgerichtsdirektors Jürgens das Justizministerium sich bereits im Sinne des Rechtsausschusses betätigt habe, der eine Nachprüfung der mit Jürgens zustandegekommenen Urteile und eine Prüfung der Tätigkeit des Jürgens während der Kriegszeit verlangt. So werde gegen jeden Justizbeamten vorgegangen, der seines Amtes nicht würdig waltet. Um ½6 Uhr vertagt das Haus die Weiterberatung auf Dienstag 12½ Uhr. Außerdem Abstimmung über die Haushinssteuer. Deutsches Kriegsschiff in Spanien. Das Offizierkorps der„Schleswig=Holstein" in Madrid. Madrid, 5. Juni. Der König hat heute zu Ehren des Kommandanten und des Offizierkorps des deutschen Linienschiffes„Schleswig=Holstein, das in Barcelona eingetroffen ist, ein Frühstück im königlichen Palast gegeben, an dem der deutsche Botschafter Graf Welczek mit seiner Gemahlin teilnahm. Der Botschafter wird heute abend zugleich mit den Offizieren der„Schleswig=Holstein" nach Barcelona abreisen, um die zur Zeit dort liegenden deutschen Kriegsschiffe zu besichtigen und der deutschen Kolonie in lona einen Besuch abzustatten. Telegrammwechsel zwischen dem König von Spanien und Reichspräsidenten von Hindenburg. () Berlin, 7 Juni. Anläßlich des Besuches deutscher Kriegsschiffe in Spanien hat zwischen dem spanischen König und dem Reichspräsidenten von Hindenburg ein in herzlichen Worten gehaltener Telegrammwechsel stattgefunden. Der König von Spanien gab in seinem Telegramm seinem Bedauern darüber Ausdruck, daß es ihm nicht vergönnt gewesen war, an Bord des Kreuzers„Schleswig Holstein" die deutsche Flagge zu begrüßen und die Schiffsmannschaften persönlich zu ihrem glänzenden von Manneszucht zeugendem Verhalten in den von ihnen besuchten verschiedenen Häfen zu beglückwünschen. Unruhen in Ostgalizien. + Danzig, 7. Juni. Nach hier vorliegenden Meldungen aus Östgalizien ist am Sonnabend nachmittag über die Stadt Tarnopol und die Provinz Tarnopol der Belagerungszustand und über Lemberg und Tarnow der Ausnahmezustand verhängt worden. Diese Maßnahme der polnischen Regierung richtet sich gegen die Freiheitsbewegung der ostgalizischen Ukrainer, die die Zugehörigkeit Östgaliziens zu Polen nicht anerkennen und die Autonomie Östgaliziens fordern. Am Sonnabend vormittag hatten die Ukrainer in Tarnopol eine große nationale Kundgebung veranstaltet, an der über 3000 Anhänger der Unabhängigkeitsbewegung teilnahmen und bei der von einigen Rednern die sofortige Einberufung einer Nationalversammlung für Ostgalizien verlangt wurde. Um die Demonstranten von den Straßen zu vertreiben, wurde von dem Gouverneur der Stadt Militär aufgeboten, das in Stärke Kompag i zu bli nien ganze Straßenzüge absperrte. Es von drei kam dabei zu blutigen Zusammenstößen zwischen dem Militär und den Ukrainern. Es wurden mehrere Personen getötet und über 50 Demonstranten verletzt. Im Laufe des Nachmittags wurden ferner von der Polizei 105 Studenten verhaftet. Weitere Demonstrationen der Ukrainer haben gestern auch in Tarnow, Jaroslaw und Lemberg stattgefunden. Die Universität und die Technische Hochschule in Lemberg und Tarnopol wurden auf Veranlassung der polnischen Behörden geschlosssen und sämtliche Zeitungen in Östgalizien unter schärfste Zensur gestellt. Aus mehreren Ortschaften Östgaliziens liegen auch Meldungen über Unruhen der Bauernschaft im Zusammenhang mit Verweigerung der Steuerzahlungen vor. Diese Bewegung wird auf den Einfluß der kommunistischen Propaganda zurückgeführt. In Lemberg und Tarnopol wurden gestern von der Pozei 78 Kommunisten verhaftet. Das Mossulobkommen. Freude in England. = London, 7. Juni. Die Veröfentlichung des gestern unterzeichneten Textes des Mossul=Abkommens wird heute erwartet. Die türkische Presse hebt, wie aus Konstantinopel gemeldet wird, aus den drei Teilen und 18 Artikeln des Abkommens hervor: 1. Die vom Völkerbund festgesetzte Brüsseler Linie wird von den Parteien als unverletzlich und unveränderlich betrachtet. 2. Die Grenzlinie wird von einer besonderen Kommission innerhalb 6 Monaten von der Unterzeichnung des Vertrages ab festgesetzt werden. 3. Nach Unterzeichnung wird in Mesapotamien eine allgemeine Amnevorläufige Ergebnis der Elternbeiratswahlen in Groß=Berlin. + Berlin, 6. Juni. Am Sonntag abend 10 Uhr waren für den Bezirk Groß=Berlin folgende Ergebnisse aus 329 Schulen zu verzeichnen: Christlich=unpolitische Liste 2822, sozialistische Liste„Schulaufbau“ 466, kommunistische Liste„Kind in Not!“ 133. Schätzungsweise lommen noch für die Vertreter der weltlichen Schule 350 Sitze hinzu, sodaß also den 2822 Sitzen der Christlich=unpolitischen insgesamt 949 Sitze der Weltlichen gegenüberstehen. Tagung der alten Sozialdemokratischen Partei Sachsens. • Dresden, 6. Juni. Heute mittag fand im Landtagsgebäude die erste Landes= und Gründungsversammlung der alten Sozialdemokratischen Partei Sachsens (der bisherigen 23 Rechtssozialisten) statt. Genosse Buck begrüßte die Delegierten und erstattete hierauf das Referat über die Ziele und Aufgaben der A. S. P. D. Er gab einen Rückblick über die politische und parlamentarische Entwicklung seit den Novembertagen 1918 und brachte auch die stets staatsbejahende Tätigkeit der alten Sozialdemokratischen Partei zum Ausdruck. Zu Vorsitzenden der A. S. P. D. wurden die Genossen Buck und Wirth gewählt. Costa in Lissabon. Lissabon, 7. Juni. General Gomez Costa ist an der Spitze seiner Truppen unter dem Beifall der Bevölkerung in Lissabon eingezogen. Zwischenfälle haben sich nicht ereignet.— Die als Minister für Landwirtschaft, für Finanzen und für den Handel iw Aussicht genommenen zivilen Perfönlichkeiten haben ihre Mitarbeit avgelehnt. An ihre Stelle treten nunmehr zwei Generäle und ein Oberst. Auflösung des portugiesischen Parlaments. A Paris, 6. Juni. Wie Havas aus Lissabon berichtet, hat die Regierung durch Dekret das Parlament und sämtliche Parlamentsausschüsse aufgelöst. Wupeifu gefangen? Paris, 7. Juni. Eine vom„Newyork Herald" veröffentlichte Depesche aus Peking besagt, daß nach einer unbestätigten Nachricht Wupeifu, als er sich auf dem Wege von Paoting nach Peking befand, um mit Tschangtsolin zu verhandeln, von untreu gewordenen Elementen seiner eigenen Armee gefangen genommen worden sei. Mord an 2 Kindern. C Breslau, 6. Juni. Gestern abend wurde auf der Uferzeile an der Mauer der Technischen Hochschule von einem Wächter ein gioßes Paket gefunden. Darin waren Körperteile von zwei Kindern im Alter von 11 und 8 Jahren, und zwar von einem Knaben und einem Mädchen. Die Eltern der Kinder wurden noch in der Nacht festgestellt. Für die Ermittlung des Täters ist beim Regierungspräsidenten eine namhafte Belohnung beantragt worden. Es handelt sich um den achtjährigen Knaben Otto Fehse und dessen elfjährige Schwester Erika. Die Mutter der Kinder, die Witwe ist, hatte sie am Sonnabend gegen 5 Uhr nachmittags mit dem Auftrag fortgeschickt, ein Paket auf das Postamt zu tragen. Als sie gegen 8 Uhr noch nicht zurück waren, hatte die Mutter bei der Kriminalpolizei Anzeige erstattet. Beim Anblick der aufgefundenen Leichenteile erkannte sie sofort ihre Kinder wieder. Nach dem Befund der Leichenteile sind beiden Kindern von dem Täter die Kehlen durchgeschnitten worden. Alle Anzeichen deuten auf einen Lustmord hin. Der Regierungspräsident von Breslau hat eine Belohnung von 2000 A für die Ermittlung des Täters ausgesetzt.— Dem Polizeibericht zufolge wurden in der Nacht zum Montag im Scheitniger Park die fehlenden Leichenteile des ermordeten Knaben in Sackleinen verschnürt aufgefunden. Ein schweres Bergwerksunglück. :: Halle, 7. Juni. Ueber Halle ging heute früh ein furchtbarer Wolkenbruch nieder, der in der ganzen Gegend große Zerstörungen angerichtet hat. Heute vormittag ereignete sich in Bruckdorf auf der Braunkohlengrube„Alwine“ infolge der anhaltenden Regengüsse ein schweres Unglück. Infolge eines Dammbruches wurden alle Strecken und Zugänge überschwemmt. Sämtliche Bagger wurden vernichtet. Die Zahl der Todesopfer konnte noch nicht festgestellt werden, da eine Kontrolle erst beim Schichtwechsel heute abend um 6 Uhr vorgenommen werden kann. Der Schaden beträgt nach vorläufiger Schätzung ungefähr eine Million Mark. Das Bergwerk muß mindestens ein halbes Jahr stillgelegt werden. Falls die Regengüsse noch weiter anhalten, ist mit weiteren Verheerungen zu rechnen. Enthullungen Verriots. Zur Vorgeschichte von Locarno. Die ersten Instruktionen Frankreichs an seinen Londoner Votschafter. Paris, 5. Juni. Der ehemalige Präsident der Republik Millerand hat während der Debatte über die Ratifizierung der Locarnoverträge in seiner Rede die Tätigkeit des ehemaligen Ministerpräsidenten Herriot, dem der deutsche Vorschlag eines Sicherheitspaktes unterbreitet wurde, falsch dargegestellt, sodaß sich der Quai d'Orsay heute entschlossen hat, die Weisungen zu veröffentlichen, die Herriot in seiner Eigenschaft als Minister des Auswärtigen am 16. März 1925 dem französischen Botschafter in London übermittelt hat. Nach Bezugnahme auf drei weitere Telegramme, die sich auf den deutschen Vorschlag bezogen, und deren Inhalt nicht bekannt gegeben wird, sagt Herriot: „Ich habe Botschafter von Hoesch sofort mitgeteilt, daß die Vorschläge, die er mir übermittelte, von der französischen Regierung mit Interesse und in der Absicht geprüft worden seien, nichts zu vernachlässigen, was dem Frieden Europas und der Welt dienen könnte. Es sei hinzugefügt worden, daß eine derartige Prüfung nur in Gemeinschaft mit den Alliterten Frankreichs und im Rahmen des Vertrages von Versailles erfolgen könnte. Herriot bezieht sich alsdann auf eine Unterredung mit Chamberlain, in deren Verlauf die Notwendigkeit anerkannt wurde, die Bemerkungen genauer zu bestimmen, zu denen der deutsche Schritt französischerseits Anlaß gebe. Welches auch immer die Absichten seien, die die deutsche Regierung inspiriert hätten, so wäre es doch möglich, daß Berlin im Auge habe, die Befreiung der besetzten Rheinlande zu fördern. Außerdem könne die Reichsregierung auch innerpolitische Absichten verfolgen, welche darin beständen, die Koalition zu festigen, aus der das Kabinett Luther hervorgegangen sei. Man könne die deutschen Vorschläge nicht ohne weiteres bei Seite schieben, ohne in den alliierten Ländern Argwohn zu erregen und ohne die Aktion derer zu erleichtern, welche die französische Regierung zu verleumden suchten. Auch im Hinblick auf die französisch-britischen Beziehungen sei es wesentlich, daß die französische Regierung nicht des schlechten Willens bei der Prüfung des deutschen Angebots bezichtigt werde. Die Schwierigkeiten, die die Verhandlungen auf der Grundlage der Vorschläge des deutschen Botschafters böten, seien offenbar: denn das deutsche Angebot sei sounbestimmt und enthalte soviel dunkle Punkte, daß man ohne ernste Ungelegenheiten nicht in eine Verhandlung eintreten könnte, ehe man die Berliner Regierung nicht dazu gebracht habe, ihre Ansichten über gewisse wesentliche Punkte klarer darzulegen. Herriot nennt diese Punkte und sagt u. a.: Es sei die Ansicht der französischen Regierung, daß die Alliierten einen Fehler begehen würden, wenn sie nicht den Abschluß eines Sicherheitspaktes von dem vorherigen Eintritt Deutschlands in den Völkerbund abhängig machten. Die Anwesenheit deutscher Vertreter im Völkerbund bedeute eine Zusatzgarantie, die nicht zu unterschätzen sei, da Deutschland die gleichen Verpflichtungen auferlegt werden würden wie den anderen Vertragschließenden. Herriot wirft hierauf die Belgien betreffende Frage auf. Der belgische Außenminister habe seine Ueberraschung zum Ausdruck gebracht über die Tatsache, daß Belgien mit Stillschweigen übergangen worden sei. Nach franz. Ansicht sei ein Abkommen über die Westgrenzen Deutschlands gar nicht möglich, wenn Belgien ihm nicht beitrete. Außerdem wäre es notwendig, daß Holland in irgendeiner Form an dem Vertrag beteiligt werde. Wenn der Garantiepakt sich nicht auf das niederländische Gebiet beziehen würde, wenn insbesondere Deutschland sich gegen eine derartige Erweiterung aussprechen würde, könnte man annehmen, daß die Besetzung von Holländisch=Limburg seitens Deutschlands möglich bleibe. Eine derartige Besetzung würde die ganze Verteidigung Belgiens und Frankreichs gefährden. Wenn also die holländische Grenze in dem Vertrage nicht erwähnt werden könnte, wäre es unerläßlich, die Mittel zu suchen, um eine solche Lücke auszufüllen. Herriot weist alsdann auf Art. 92 und 432 hin, sowie auf Art. 428 und die folgenden, die sich auf die Besetzung der Rheinlande beziehen. Er drückt auch seine Verwunderung aus, daß Art. 44 nicht erwähnt ist, der sich mit den Verletzungen der entmilitarisierten Zone beschäftigt. Es verstehe sich von selbst, so fährt er fort, daß der Abschluß eines Abkommens in gar keiner Weise irgendeine Aufgabe der Rechte mit sich bringen würde, die Frankreich hinsichtlich der Besetzung deutschen Gebietes aus dem Friedensvertrage herleite. Herriot fordert den französischen Botschafter auf, in diesem Punkte besonders fest zu bleiben, weil die Hauptsache der deutschen Regierung sein könne, eine baldige Befreiung des gesamten besetzten Rheinlandes zu erreichen. Es sei also unerläßlich deutlich zum Ausdruck zu bringen, daß das Vorhandensein eines Sicherheitspaktes nicht etwa von Deutschland künftig herangezogen werden könne, um eine vorzeitige Räumung des besetzten Rheinlandes zu fordern, die der Friedensvertrag nach Art. 431 von einer ganz bestimmten Bedingung abhängig mache, von deren Erfüllung man im Augenblick noch weit entfernt sei. Deutschland erklärte sich bereit, den territorialen status quo im Westen zu garantieren, aber hinsichtlich seiner anderen Grenzen im Osten habe es ein SchiedsgeUnter der Mittelmeersonne. Roman von Anny v. Panhuys. Copyright by Verlag Köhler, Berlin=Zehlendorf. „Nun wirst du einmal, sobald ich etwas geworden bin und dich ernähren kann, meine Frau, Hedi.“ Seine Stimme bebte ein ganz klein wenig, er war sich der Heiligkeit dieser Stunde voll bewußt.Er wußte es nun auch bestimmt das Gedicht, das er vor ein paar Tagen gemacht, war doch für Hedi bestimmt gewesen. Wie hatte er sich vorhin auch nur einen Augenblick einbilden können, es passe besser auf Vicenta. Vicenta war kein so harmloses, durch und durch gutes Menschenkind wie Hedi, seine Hedi, die er liebte. „Vorläufig darf aber niemand von unserer Liebe wissen, Hedi,“ ermahnte er,„erst müssen wir älter sein und ich selbständig mein Brot verdienen." Hedi strahlte.„Natürlich, Schorschel! und nun suche die anderen.“ Er rannte davon und fand als nächste Vicenta. Sie stand hinter einem Baum, unsern dem Platz, wo er Hedi geküßt. Er sann erschreckt, ob sie das wohl gesehen haben mochte. Aber sie machte ein so gleichgültiges Gesicht, daß er daran zweifelte. Vicenta aber hatte es gesehen, doch schien es ihr nebensächlich, sie hatte an Wichtigeres zu denken. Nun fand Georg auch die anderen, und singend zogen sie dann alle weiter, am bergigen Waldesrand entlang. Am Abend, als sich die beiden Mädchen in ihrem Zimmer zur Ruhe begeben und Hedi sich noch an dem Glück des nun vergangenen Tages freute, stieß Vicenta eine kleine hübsche Vase von der Kommode, sodaß sie zerbrach. Einen Augenblick stand sie erschreckt. Denn die kleine Vase war eine Erinnerung der Frau Weinmeister an ihren späteren Gatten. Dann aber schob Vicenta die Scherben mit dem Fuße fort. „Kirmesplunder!" stieß sie verächtlich hervor. „Pfui, Vicenta!" Hedi las sorgfältig die Scherben zusammen, paßte sie gegeneinander, überlegte, ob man die Vase wohl noch kitten konnte. richtsavtommen im Auge. Gerade durch die Unterscheidung, die es so zwischen den verschiedenen territorialen Bestimmungen mache, beunruhige es Frankreichs Allierte im Östen Europas. Schließlich weist Herriot noch auf Art. 80, also auf den Anschluß Oesterreichs an Deutschland hin, der, wenn er verwirklicht würde, es Deutschland ermöglichen werde, in direkte Verbindung mit Ungarn zu treten. Dadurch würde eins der wesentlichsten Ergebnisse des Sieges zunichte. Zum Schluß erklärt Herriot, es sei von Bedeutung, daß die Verhandlungen mit Deutschland, wenn sie eingeleitet werden sollten, nicht von den Alliierten getrennt geführt würden. s sei wohl am praktischsten, wenn ein gemeinsemer Fragebogen abgefaßt werde, jedenfalls wäre eine Verständigung unter den Alliierten, ehe man mit Deutschland verhandle, unerläßlich. Geheime gegenüber Amerika? (:) London, 7. Juni. Die Blätter veröffentlichen Auszüge aus dem Hearstblatt„New York American“ über angebliche geheime Kriegspläne Japans gegenüber den Vereinigten Staaten. Danach sei eine militärische Eroberung der Philippinen das nächste und wichtigste Ziel der japanischen Expansionsbestrebungen. Der japanische Generalstab habe angeblich ein Vorbereitungsprogramm für einen Krieg aufgestellt. Das Blatt will photographische Kopien dieses japanischen Geheimberichtes besitzen und veröffentlicht eine Uebersetzung des angeblichen Berichtes. Ueber dessen Inhalt wird weiter gemeldet: Unter den Plänen, die das Programm des japanischen Kriegsamtes bilden, befindet sich die Ausbeutung der großen natürlichen Hilfsquellen Koreas und der Mandschurei, der Bau eines umfassenden Eisenbahnnetzes durch die Mandschurei und Korea und der Bau von Häfen, die mit dieser Bahn verbunden werden. Vorbereitungen für eine starke Verteidigung der Meerengen von Korea und des japanischen Heeres zur Gewährleistung der Sicherheit des Transportes von Kriegsmaterial nach Japan in Kriegszeiten sowie die Unterzeichnung eines Freundschaftspaktes Japans gegenüber China. Der Lessing=Konflikt. Der Auszug aus Hannover. :: Hannover, 7. Juni. Hannover ist augenblicklich ohne Studenten. Entsprechend dem Beschluß vom Sonnabend, nach dem eine Delegation der Studentenschaft sich heute nach Braunschweig begeben sollte, um dort wegen der Uebersiedlung der Studenten nach Braunschweig zu verhandeln, hat sich dem Studentenausschuß fast die ganze Studentenschaft angeschlossen. Die Vorbereitungen zu der Fahrt waren in aller Stille getroffen und auch von einem Aufmarsch war abgesehen worden. Die Studenten begaben sich durch die Seiteneingänge bei der hinteren Bahnhofsseite und durch die Wartesäle zum Bahnsteig, auf dem der Sonderzug bereit stand. Auf ein Trompetensignal wurde das Burschenlied angestimmt, worauf sich der Zug in Bewegung setzte. Die mit den Verhandlungen in Braunschweig betraute Delegation bestand aus 24 Studenten. Die Solidarität der Braunschweiger. Braunschweig, 7. Juni. Die braunschweigische Studentenschaft hat, wie die„Braunschweigische Landeszeitung" berichtet, an die Studentenschaft der Technischen Hochschule Hannover folgendes Telegramm gerichtet: „Die Braunschweigische Studentenschaft stellt sich geschlossen hinter die Studentenschaft Hannover und sagt ihre Unterstützung in ihrem ampfe gegen Unrecht und Willkür gegen einzelne Kommilitonen zu." Die Delegation der 24 Hannoverschen Studenten wird heute mit dem Vorstand der Braunschweigischen Studentenschaft verhandeln. Der Delegation werden sich etwa 1000 Studierende in einem Sonderzug anschließen, der gegen 1 Uhr auf dem Braunschweiger Hauptbahnhof eintreffen und von der Braunschweiger Studentenschaft geschlossen empfangen wird. Es handelt sich also um einen demonstrativen„Auszug“ aus Hannover. Die Trouerfeier für Rudolf Oeser. V Berlin, 7. Juni. Heute vormittag fand in den Räumen der Reichsbahngesellschaft für den verstorbenen ersten Generaldirektor der Reichsbahn Dr. Rudolf Oeser eine Trauerfeier statt. Das Treppenhaus und der Repräsentationssaal, in den der Sarg, der unter Blumen ganz verschwand, aufgebahrt war, zeigte ernsten Trauerschmuck. Zahllose Kränze und Blumenspenden waren eingelaufen. Unter den Anwesenden sah man u. a. den Reichskanzler, Reichsaußenminister Dr. Stresemann, den Präsidenten des Reichstages, Loebe, und Reichspankpräsidenten Dr. Schacht. Pfarrer Grau hielt die Gedenkrede. Reichskanzler Dr. Marx hielt folgende Ansprache: Schmerzlich bewegt stehen wir am Sarge des ersten Generaldirektors der Deutschen Reichsbahn. Mit der Familie, der ich namens des Herrn Reichspräsidenten und namens der gesamten Reichsregierung das herzlichste Beileid zu dem schweren Verlust ausspreche, trauern um Rudolf Oeser die Beamten= Angestellten und Arbeiter der Deutschen Reichsbahn, deren Haupt der Verstorbene in den letzten zwei Jahren seines Lebens gewesen ist. Ein Leben reich an Arbeit, aber auch reich an Erfolgen. Land und Reich hat der Verstorbene an führender Stelle in hervorragender Weise gedient. Als es galt, unter dem Drucke der außenpolitischen Verhältnisse die Reichsbahn einzugliedern in das System der Reparationsleistungen, da ist es Oesers bleibendes Verdienst gewesen, diese Eingliederung in eine Form gebracht zu haben, die dem Reich das uneingeschränkte Eigentum an dem großen nationalen Vermögen, das die Reichsbahn darstellt, erhalten hat. Es wird immer die vornehmste Aufgabe der Zukunft sein, dieses Werk zum Wohle des deutschen Volkes fortzuführen und zwar immer in dem gleichen Bestreben, die Reichsbahn in erster Linie den Interessen Deutschlands und der deutschen Wirtschaft nutzbar zu erhalten. Ferner sprachen der Präsident des Verwaltungsrates Dr. C. F. v. Siemens, der neue Generaldirektor der Reichsbahn, Dorpmüller und Geheimer Oberbaurat Rehbock von der Technischen Hochschule Karlsruhe. * 3 Dr. Krohne über Rudolf Oeser. !! Berlin, 7. Juni. Anläßlich der Beisetzung des verstorbenen Generaldirektors der Reichsbahngesellschaft, Rudolf Oeser, richtete Reichsminister Dr. Krohne ein Schreiben an die Reichsbahngesellschaft, in welchem er mit warmherzigen Worten die zahllosen Verdienste des Verblichenen eingehend schildert.„Ein kluger Kopf“, so heißt es am Schlusse des Schreibens,„ein feinfühliger Staatsmann, ein gründlicher Kenner der Wirtschaft, weitschauenden Blickes, kurz eine Persönlichkeit, die unter denen, welche sich um den Wiederaufbau Deutschlands verdient gemacht haben, immer in erster Linie mitgenannt werden wird. Hochwafferkatastrophen Hochwasser in der sächsischen Schweiz. :( Dresden, 7. Juni. Die andauernden beträchtlichen Niederschläge der letzten Tage haben die Elbe und ihre Nebenflüsse stark anschwellen lassen. Das Hochwasser richtete im Gebiete der sächsisch=bömischen Schweiz bereits am Sonntag großen Schaden an. Besonders der Grenzort Schmilka und das Gebiet des großen und kleinen Winterberg wurde durch Wolkenbrüche schwer heimgesucht. Sonnabend abend trafen Reichswehrabteilungen und Feuerwehr zur Hilfeleistung ein. In Dresden stand die Elbe Sonntag abend etwa 1 Meter über 0. Für Montag abend ist ein Hochwasserstand von 2 Meter über 0 zu erwarten. Auch die Weisseritz und Gottleuba führen Hochwasser. in Oberschwaben. () Stuttgart, 5. Juni. Die Ueberschwemmungen und Hochwasserschäden haben in Oberschwaben vielfach den Charakter einer Hochwasserkatastrophe angenommen. In Aulendorf ist der Bahnhof von Wasser umgeben. Der Gesamtschaden ist sehr groß. Die Bahnlinie Hailtingen—Buchau ist gestört und an mehreren Stellen beschädigt. Die Donau ist bei Riedlingen, die Riß bei Bieberach über die Ufer getreten. Um den Wassermassen einen Ablauf zu ermöglichen, mußten Brücken gewaltsam beseitigt und Vfeiler gesprengt werden. In Sulmingen wurden vier Männer bei Aufräumungsarbeiten an einer Brücke vom Wasser mit fortgerissen. Einer ertrank. Der Bodensee ist innerhalb kurzer Zeit um 8 Zentimeter gestiegen bis zu einem Pegelstand von 4.40 m, Das Hochwasser in Bayern. (!) München, 7. Juni. Der Scheitel der Hochwasserwelle der oberen Donau ist gestern vormittag bei einem Pegelstand von 240 Ztm. in Willingen angekommen. Damit ist der Scheitel des Hochwassers vom Juli und August 1924 um 14 Ztm. überschritten Da die beiderseitigen Donauzuflüsse unterhalb der Lechmündung der Donau keine besonders großen Wassermengen zuführen, wird sich die Donauwelle flußabwärts wesentlich verflachen. Heute früh wurden auf dem Oberlauf der Isar und auf dem Tegernseergebiet wieder kräftige Niederschläge gemeldet. Eine rumänische Sintflut. = Bukarest, 6. Juni. Die neuen Meldungen aus der Provinz lassen erkennen, daß die Hochwasserschäden ganz unverechenbar sind. Im Bezirk Putna ist der Fluß Milcov infolge des andauernden Regenwetters aus den Ufern getreten und hat die Städte Odobesti, Patosti und Campineaca vollständig überschwemmt. Die Bevölkerung hat eine unbeschreibliche Panik ergriffen. Es spielten sich erschutternde Szenen ab. Die Behörden waren gezwungen, die gesamte Bevölkerung dieser Städte in Notbaracken unterzubringen. Zahlreiche Tote treiben stromabwärts. Das Wasser steigt weiter. Sämtliche Betonbrücken sind vom Hochwasser überschwemmt und abgerissen worden. — Bukarest, 6. Juni. Auch aus Bessarabien wird ein katastrophales Hochwasser gemeldet. Bisher Vicenta lachte.„Närrchen du! Wenn Mutter die Vase später mal vermißt, dann wissen wir beide einfach nichts davon. Sie wird ja den Schaden nicht gleich bemerken!" Hedi war empört. „Man muß immer die Wahrheit sagen, man darf nicht lügen und keine Geheimnisse vor seiner Mutter haben." „So?" machte Vicenta gedehnt.„Nun ich will dir Tugendbold nicht widersprechen, bin aber immerhin neugierig auf das Gesicht, das die Mutter machen wird, wenn du ihr erzählst, daß dich Georg Freimut heute mittag geküßt hat." Aus Hedis Händen glitten ein paar Scherben, sie klirrten hart auf den Boden. In brennender Scham sah Hedi Vicenta fassungslos an. Vicenta lachte.„Bist wohl mit einem Mal nicht mehr so wahrheitsliebend, he?" Hedi bückte sich nach den Scherben. „Georg hat mich zwar gebeten, unser kleines Geheimnis noch zu bewahren, bis wir erwachsen sind und er durch seinen Beruf Geld verdient, aber ich will es doch lieber der Mutter sagen. Sie kann mir nicht böse sein, weil ich Georg lieb habe, wir kennen uns doch schon so lange. Vater und Mutter haben sich schon als Kinder gekannt.“ Vicenta zog die Oberlippe hoch. „Weißt du, was du bist, Hedi? Ein schneeweißes Schaf." Dann legte sie sich zu Bett und schlief bald darauf ein, während Hedi, die Scherben auf ihrem Schoß, in dem Korbstuhl am Fenster saß und zum Himmel emporblickte, an dem unzählige Sterne funkelten und glitzerEin Sehnen, dem sie keine Worte hätte geben können, üllte ihre junge Brust. Sie dachte an den toten Voter, den sie kaum gekannt, hte an Georg Freimut und an das Bibelwort, das Prediger heute seiner Konfirmationsrede zugrunde egt: Sei getreu bis in den Tod, dann will ich dir Krone des Lebens geben! Ja, sie wollte getreu sein bis in den Tod in all d jedem, gelobte sie sich, in dem Kreis, in den sie der de Gott auf Erden gestellt. Dann suchte auch sie das Lager auf... Fern in einer großen Stadt am Mittelländischen er aber saß zur gleichen Zeit eine alte Dame im Gartenzimmer ihrer dunklen Villa und starrte mit brennenden Augen hinab in den nachtdunklen Garten, aus dem sich undeutlich und schwerfällig die breiten Umrisse hoher Palmen schälten. Ihre Gedanken gingen weit in die Vergangenheit zurück. Noch einmal beschwor sie den Tag herauf, da ihre einzige Tochter gegen ihren mütterlichen Willen der Tanzkunst entsagte und Fernando Correros Frau wurde. Die beiden hatten ihrem Willen getrotzt, der keine Auflehnung gelten ließ, und waren ihrer Liebe gefolgt. Da hatte sie ihr Herz dem Kinde verschlossen, die Künstlerin in ihr verzieh der Tochter die Flucht von der Bühne nicht. Und wenn auch die Mutterliebe zuweilen aufschrie und revoltierte, sie hatte es nicht über sich gebracht, ihrem Kinde zu vergeben. Und nun war es plötzlich, als schmelze die Eisrinde, die ihr Herz eingepreßt. Ein alter Freund, den sie längst tot gewähnt, hatte ihr geschrieben, sie solle sich ihrer Enkelin annehmen, die ihre und Florecitas Schönheit und Tanztalent geerbt hätte. Das Mädchen sei zwar in guten Händen, doch seiner Veranlagung würde keinerlei Rechnung getragen. Es sehne sich nach seiner Großmutter, von der es erst durch ihn erfahren. Die alte Dame überlegte lange. Doch eines Tages mußte dann Concha, die Zofe, die sie einst auf ihren Reisen begleitet, ihre Koffer packen. Die Zofe blickte ihre Herrin erstaunt an. Reisen wollte die Sennora, die in den letzten Jahren gar nicht aus Barcelona hinausgekommen war? „Wir reisen nach Deutschland und holen meine Enkelin, Florecitas Tochter. Ihre Eltern sind beide tot, es ist meine Pflicht, mich des Kindes anzunehmen," erklärte Carmen Pardilla. Concha staunte noch mehr. Wie hatte Carmen Pardilla getobt und geschworen, sich nie im Leben um etwas kümmern, was mit ihrer Tochter und dem Komponisten, den sie geheiratet, zusammenhing. Sie nickte eifrig. „Wie schön, Sennora, dann bekommen wir also eine Sennorita hierher. Mit ihr wird wieder Leben ins Haus kommen." Die alte Dame lächelte. „Carlos soll die Pässe und Reisekarten besorgen. Wenn alles in Ordnung ist, fahren wir ab. Ich nehme auch Carlos mit. Die Portera und ihr Mann, dazu sind 43 Todesopfer gezählt worden. Die Stadt Kischinew steht völlig unter Wasser. 22 Häuser und eine Kirche sind eingestürzt. Eine Spiritusfabrik ist durch einen Blitzschlag völlig zerstört worden. Der Bahnhof, das Wasserwerk und das Lichtwerk sind überschwemmt. 800 Wagen Holz der Heeresverwaltung, die auf einer Station in der Nähe Kischinews lagerten, sind fortgeschwemmt worden. Weite Ackerflächen stehen unter Wasser. Fast die gesamte Ernte ist vernichtet. Der Präfekt der Ortschaft Orohoi, der von einem Major begleitet im Auto zur Besichtigung der Hochwasserschäden unterwegs war, ist von den Fluten überraschworden und ertrunken. Von Nah und Fern. Schwerer Betriebsunfall in Charlottenburg. () Berlin, 5. Juni. In der Kesselschmiede der BerlinAnhaltischen Maschinenbau=A.=G., in Charlottenburg, ereignete sich heute vormittag ein schwerer Betriebsunfall. Das Seil eines Kranes riß und die emporgezogene Last Eisen stürzte hinab. Von den an dem Kran beschäftigten Arbeitern wurde ein Schmied getötet, ein Arbeiter schwer und einer leicht veerletzt. Automobilunfall Dr. Eckeners. + Berlin, 6. Juni. Gestern abend hat Dr. Eckener einen Automobilunfall erlitten. Kurz hinter Beelitz geriet das Automobil auf der aufgeweichten Straße ins Schleudern und prallte gegen einen Chausseebaum. Dr. Eckener wurde bewußtlos, ohne jedoch erhebliche Verletzungen davonzutragen. Sein Begleiter blieb unverletzt, während der Führer des Wagens erheblich verletzt wurde und in einem Sanatorium Aufnahme fand. Familientragödie. Lei pzig, 7. Juni. Sonntag morgen wurde in der Pariserstraße in Leipzig=Gohlis die ganze Familie des Kaufmanns Heine, bestehend aus dem 46 Jahre alten Mann, der 40 Jahre alten Frau und den beiden, 5 und 7 Jahre alten Kindern, in der Küche in Betten liegend durch Gas vergiftet aufgefunden. Schlechte wirtschaftliche Lage und Krankheit scheinen die Familie in den Tod getrieben zu haben. Dr. Asmus Landgerichtsdirektor in Chemnitz. * Dresden, 5. Juni. Die Staatskanzlei teilt amtlich mit: Der Oberstaatsanwalt Dr. Asmus in Freiberg(der bekanntlich jüngst in einem gegen ihn anhängig gemachten Strafverfahren freigesprochen worden ist) ist mit Wirkung vom 16. Juni ab zum Landgerichtsdirektor beim Landgericht in Chemnitz ernannt worden. Schweres Aufounglück. (( Falkenau(Sachsen), 7. Juni. Gestern morgen unternahmen 6 Turner in einem Auto einen Ausflug. In einer Kurve fuhr dieses über einen Steinhaufen. Der Führer verlor die Gewalt über den Wagen. Dieser geriet an einen Prellstein und überschlug sich, wobei die Insassen hinausgeschleudert wurden. Einer von ihnen kam unter das Auto und wurde so schwer verletzt, daß er bald darauf starb. Der Führer des Wagens erlitt einen Armbruch. Die übrigen Insassen wurden leichter verletzt. Todessprung aus dem Eisenbahnzuge. :: Mannheim, 6. Juni. Gestern nachmittag sprang eine Frau zwischen Bobenheim und Franckental aus einem in voller Fahrt befindlichen beschleunigten Personenzuge. Sie war sofort tot. Nach Angabe von Mitreisenden hat die Frau einen geistesgestörten Eindruck gemacht. Von einem einstürzenden Giebel getötet. (!) Stuttgart, 6. Juni. In Oberstetten wurden beim Einsturz eines steinernen Scheunengiebels die mit Ausbesserungsarbeiten beschäftigten Personen verschüttet. Vier von ihnen, darunter der Besitzer der Scheune wurden getötet, ein fünfter wurde lebensgefährlich verletzt. Schweres Autounglück. )( München, 6. Juni. Heute vormittag 10 Uhr ereignete sich auf der Ingolstädter Straße in der Nähe von Schleichheim ein schweres Autounglück. Der Wagen eines Münchener Direktors geriet ins Schleudern und stürzte um. Der Direktor, der seinen Wagen selbst lenkte, war sofort tot. Seine beiden 15 und 17 Jahre alten Töchter, sowie ein mitfahrender Betriebsleiter wurden schwerverletzt, während der gleichfalls mitfahrende Sohn des Direktors unverletzt blieb. Automobilunglück. )( Bern, 6. Juni. Gestern abend fuhr ein mit 4 Personen besetzter Kraftwagen bei Maui gegen eine Telegraphenstange. Zwei der Insassen wurden dabei getötet, zwei andere verletzt. Schweres Autounglück. :: Schwarzburg(Thür.), 7. Juni. Gestern spät abends fuhr ein Berliner Auto in einer scharfen Kurve an der Straße Schwarzburg=Rottenbach oberhalb des Dorfes Allendorf infolge Versagens der Bremse in voller Fahrt gegen einen Telegraphenmast. Der Autobesitzer, der selbst steuerte, kam mit leichten Verletzungen davon. Die übrigen drei Insassen wurden schwer verletzt. die Köchin, genügen zur Bewachung des Hauses während unserer Abwesenheit.“ Carmen Pardilla vergaß in der Hast, mit der sie ihre Reisevorbereitungen betrieb, völlig, dem Grafen Matausch zu antworten, und während er vergebens auf eine Nachricht von ihr wartete, fuhr Carmen Pardilla mit Zofe und Diener bereits gen Deutschland. ** 4 Mehr als eine Woche verging, bis Hedi der Mutter ihr kleines Geheimnis erzählte. Es hatte niemals so recht gepaßt vorher. Sie waren beide allein im Hause, und abendliches Dämmern schlich schon ins Zimmer. Hedi atmete auf, nachdem sie alles gesagt und schlang die Arme um den Hals der Mutter.„Tat ich etwas Unrechtes, Mütterchen?" Die blonde Frau hatte bestürzt das Geständnis ihres Kindes angehört, und es zuckte in ihr auf, daß ihr eigenes Erleben dem der Tochter fast auf ein Haar glich. Ihr Mann war ein paar Jahre älter als sie gewesen, und als Nachbarskinder hatten sie zusammen gespielt. Als er dann später einmal vom Usinger Lehrerseminar in den Österferien nach Hause kam und ihre Konfirmation mitfeierte, hatte er ihre jungen Lippen geküßt und ihr versprochen, sie solle seine Frau verden. Sie aber hatte ihrer Mutter nichts davon verraten, hatte geschwiegen und gewartet. Ein Kind war sie damals gewesen, ein Kind war heute Hedi. Was wußte sie damals, was Hedi heute von der tieferen Bedeutung des heimlichen Kusses und des Versprechens wußte. Sie drückte ihr Mädelchen fest an sich. Es ist recht von dir, Hedi, daß du deine Mutter eingeweiht hast, nun versprich mir aber noch, daß du auch weiterhin so offen zu mir sein willst. Bleibt Georg dir gut und du ihm, dann werdet ihr später einmal Mann und Frau. Will es das Schicksal anders, oder ihr erkennt später, daß ihr euch eigentlich nur freundschaftlich gern habt, dann vergeßt ihr den einen Kuß und zürnt einander nicht.“ Das Kind begriff sie ja gar nicht. Dummes, schwülstiges Zeug war es gewesen. Sie löste Hedis Arme von ihrem Halse und erhob sich von dem kleinen, harten Sofa, darauf sie beide gesessen. (Fortsetzung folgt.) Kreisporteitag der Zentrumspartei. Ahaus. 8. Juni. Am vergangenen Sonntag fand im Jugendheim zu Ahaus ein Kreisparteitag der Zentrumspartei statt. Trotz des schlechten Wetters hatten sich die Parteifreunde aus allen Teilen des Kreises recht zahlreich eingefunden, so daß der Jugendheimssaal fast vollständig besetzt war. Im Mittelpunkte der Tagung stand der Vortrag des Generalsekretärs Brand über die Fürstenauseinandersetzung. Aus den eingehenden Darlegungen des Redners seien an dieser Stelle einige leitende Gedanken mitgeteilt. Die Sozialdemokraten, die heute die entschädigungslose Enteignung der Fürsten verlangen, scheinen ganz vergessen zu haben, daß noch vor wenigen Jahren die Sozialdemokraten Südekum und Lüdemann als Finanzminister den Fürsten mehr geben wollten, als heute verlangt wird. Sie übertreiben auch in ihren Angaben über die Höhe des Fürstenvermögens, bei dessen restloser Aufteilung unter das Volk sicher für den Einzelnen nichts Nennenswertes herauskäme. Bei der Eintragung für das Volksbegehren haben sich zweifellos viele von Verärgerung und Unzufriedenheit leiten lassen, ohne damit, wie nachgewiesen werden kann, für eine entschädigungslose Enteignung stimmen zu wollen. Vom Gefühlsstandpunkt läßt sich aber die schwierige Angelegenheit nicht erledigen. Das Zentrum tritt, auf die Gefahr hin, unpopulär zu werden, für die Beachtung gewisser zeitloser Rechtsgrundsätze entschieden ein. Zu diesen gehört auch, daß man Privateigentum nicht einfach wegnehmen darf, auch nicht, wenn es sich um Fürstengut handelt. Der Redner wies ferner auf die politischen Folgen einer etwaigen Annahme des Volksentscheids hin. Hindenburg würde ein solches Gesetz sicher nicht unterzeichnen, sondern lieber abdanken; aber einen Hindenburg haben wir nur einmal. Der eine erfolgreiche Volksentscheid würde auch weitere Volksentscheide nach sich ziehen, bei denen es vielleicht um das Vermögen des Mittelstandes, das Vermögen der Kirche oder die Rechte der Beamten ginge. Aus all diesen Erwägungen heraus ist die entschädigungslose Enteignung der Fürsten abzulehnen. In hiesiger Gegend wird viel über die Ansprüche ehemals reichsunmittelbarer Fürsten gesprochen. Gen.=Sekr. Brand bezeichnete diese Ansprüche als durchaus unberechtigt und nannte das Vorgehen des einen oder anderen Standesherren unverständlich. In der Aussprache machte der Ehrenvorsitzende, Dechant Storp, Mitteilung von der Kundgebung der Bischöse, die warnend und mahnend mit aller Offenheit erklären, daß die Vergewaltigung der Rechte der Fürstenhäuser ebenso wie die Vergewaltigung der Rechte anderer unvereinbar ist mit den Grundsätzen des lichen Sittengesetzes. Der Bischof von Münster sagt in dem Begleitschreiben zu dieser Kundgebung:„Es darf die Erwartung ausgesprochen werden, daß nach Erledigung des Volksentscheids die gesetzgebenden Faktoren bei erneuter Prüfung der Angelegenheit zu einer Entschließung gelangen, die ebenso mit den sittlichen Forderungen der Gerechtigkeit wie mit der Notlage des Volkes und den Anforderungen des Volkswohls vereinbar ist! Der Vorsitzende gab dann als Parole für die Zentrumswähler das Fernbleiben von der Abstimmung am 20. Juni aus. Auch an dieser Stelle werden die Zentrumswähler zur Stimmenthaltung beim Volksentscheid aufgefordert. Der weitere Verlauf der Tagung brachte noch ein Reserat des Dezernenten Horrichs über Kommunalpolitik. Der Referent behandelte den heutigen Stand der Gemeindesinanzen und brachte manche interessante Einzelheit, auf die leider an dieser Stelle nicht näher eingegangen werden kann. Er verbreitete sich dann über die Kommunalpolitische Vereinigung, als deren Ziele er die Stärkung der Selbstverwaltung und die Schulung der Mitglieder der kommunalen Körperschaften bezeichnete. Die anwesenden Kommunalvertreter schlossen sich zu einer Kreisvereinigung zusammen und wählten aus ihrer Mitte einen vorläufigen Vorstand, der das Weitere in die Wege leiten soll. X Preiskegeln. Das vom Denkmalsausschuß am Samstag und Sonntag veranstaltete Preissegeln zu Gunsten der Kriegerehrung Ahaus und Ammeln in der Wirtschaft Terfort hatte, wie bei den günstigen Bedingungen auch zu erwarten war, einen sehr guten Besuch aufzuweisen. Bei ungefähr 1000 Serien ergab sich ein Bruttogewinn von 297 A. Den 1 Preis und damit eine wertvolle Standuhr holte sich Herr Betriebsleiter Joh. Hartz, der 2. fiel Herrn Timmer aus Asbeck zu, während der 3. Herrn Rehues hierselbst übergeben wurde. In den nächsten Wochen werden noch zwei Kegelwettbewerbe mit ebenfalls sehr wertvollen Preisen und außerdem ein Schießen im Stadtparke stattfinden.— als Buße für ein Vergehen wurde dem Ausschuß 50 M überwiesen. Alstätte, 6. Juni. Erstkommunion Am heutigen Tage gingen in unserer Pfarrkirche 56 Kinder(Knaben und Mädchen) zum ersten Male zum Tische des Herrn. Es war eine wirklich erhebende Feier für die Kinder selbst als auch für deren Angehörige und die ganze Gemeinde. Der ursprünglich vorgesehene Tag Christi Himmelfahrt konnte wegen der seinerzeit grassierenden Grippe=Epidemie nicht eingehalten werden. Einem Erstkommunikanten wurde im Anschluß an die kirchliche Feier die bl. Kommunion wegen Krankheit im elterlichen Hause gereicht. Schöppingen, 8. Juni. Der hiesige Reitervereln nahm am Sonntag an dem auf der Rennbahn in Burgsteinfurt stattgefundenen Dressurreiten teil. Hierbei erhielten folgende Reiter des Vereins Auszeichnungen: Die goldene Schleife Werner Webermann aus Tinge, die silberne Schleife August Gövert, Ramsberg, die weiße Schleife Josef Berning Ramsberg, die blaue Schleife Alfons Walbersmann Ramsberg und die grüne Schleife Hermann Herdering aus Metelen. + Legden, 8. Juni. Sportfest. Am Sonntag seierte der Spiel= und Sportverein sein 15. Stiftungsfest. Leider war das Fest wieder vom schlechtesten Wetter begleitet. Die Jugendmannschaften von Lüdinghausen und„Vorwärts“=Epe waren schon rechtzeitig eingetrofsen, da dieselben noch ein Spiel der Zwischenrunde austragen mußten. Die Lüdinghausener waren den Epern weit überlegen und konnten einen 8:0(5:0) Sieg für sich buchen. Der Nachmittag brachte zuerst die altbekannte 7 mal 200 m=Staffel quer durch Legden um den silbernen Staffelstab des landw. Ortsvereins Legden. Die Dülmener errangen hier den Sieg. Sofort nach dieser Staffel wurde die 4 mal 100 m=Staffel der Altersklasse gelaufen, die von 5 Mannschaften bestritten wurde. Auch hier errangen die Dülmener wieder den 1. Preis. Dann begann das Spiel der Altersklasse D. J. K. Dülmen gegen Vorwärts Epe. Nach einem ziemlich scharfen Kampfe konnten die Dülmener mit 4:1(2:0) das Feld behaupten. Während des Spieles wurde die 4 mal 100 m=Staffel der Jugendklasse ausgetragen, welche von den Coesfeldern gewonnen wurde In der Pause zwischen dem Alters= und Jugendspiel wurde die 4 mal 80 m=Staffel ausgelaufen, die auch von den Dülmenern gewonnen wurde. Dann fand das Endtreffen der Jugendmannschaften statt; hier standen sich D. J. K. Coesfeld und D. J. K. Lüdinghausen gegenüber; trotzdem die Lüdinghausener schon ein Spiel ausgetragen hatten, konnten sie das Spiel fast ganz behaupten und gewannen mit 4:0(3:0). Unter den geladenen Gästen bemerkte man den Ehrenamtmann Freiherrn von Oer, die Bezirksleitung des Bezirks Coesseld, den Vorsitzenden des landw. Ortsvereins Legden und Vertreter der heimatlichen Presse. In folgendem geben wir die Siegerliste wieder Fußballspiele. a. Altersklasse. 1. Preis: Wanderpokal der Allgemeinen Zeitung, Coesfeld: D.J.K. Dülmen. 2. Preis: Pokal des Vereins des Vereins Vorwärts, Epe. b. Jugendklasse. 1. Preis: Lorbeerkranz m. Schleife: D.J.K. Lüdinghausen. 2. Preis: Plakette des Verbandes: D.J.K. Coesfeld. Staffeln. a. Altersklasse. 7 mal 200 m.(Quer durch Leyden). 1. Preis: Wanderpreis des landw. Ortsverein Leyden, silb. Staffelstab: D.J.K. Dülmen, Zeit: 3,9einzehntel Min. 2. Preis: D.J.K. Coesfeld 5 Meter zurück.— 4 mal 100 m Staffel. 1. Preis: Wanderpreis des Vereins Läuferfigur: D.J.K. Dülmen, Zeit 50einzehntel Sekunden. 2. Preis: D.J.K. Coesfeld 50 vierzehntel Sekunden. Jugendklasse. 4mal 100 m. Staffel. 1. Preis: Wanderpreis(große silberne Plakette) der Ahauser KreisZeitung Ahaus: D. J.K. Coesfeld 54,1 Sekunden. 2. Preis: Plakette des Verbandes: Spiel und Sport Leyden 3 m. zurück.— 4mal 80 m. Stafsel: 1. Preis: D.I.K. Dülmen 40,1 Sek. 2. Preis: D.J.K. Coesfeld 42,1 Sek. Gronan. :?: Gronau, 8. Juni. Die Naturschutzausstellung in der Oberrealschule verlängert. Noch bis Sonntag, 13. Juni einschl., ist die bisher viel Beachtung gefundene Naturschutzausstellung in der Oberrealschule Wochentags von 3—7 und Sonntag von 10—1 und 3—7 Uhr geöffnet. Zu der Ausstellung wird uns noch geschrieben: Sie umfaßt nicht nur einheimische, sondern auch fremde Tiere, weil der Vergleich lehrreich und wertvoll ist. Sie zeigt die Mannigfaltigkeit in der Natur und die des Kampfes ums Dasein. In der Natur gibt es an sich weder nützlich noch schädlich. Jedes Geschöpf, Tier wie Pflanze, ist gleichwertig. Wie steht der Mensch zum Tier, zur Pflanze, wie zu ihren Lebensgemeinschaften, wie sind seine Eingriffe in die Natur beschaffen, wie entstehen Plagen durch Tiere, weshalb muß die Natur geschützt werden? Das sind Fragen, deren Erörterungen einzelnen Betrachtungen vorbehalten bleiben. Die Besucher der Ausstellung mögen durch die Anschauung von Naturgegenstand und Bild Anregungen empfangen. Sie erwecke und stärke die Achtung und Ehrfurcht vor der Natur und ihren Geschöpfen auf heimatlichem Boden und besonders die Freude an der Natur, z. B. der Vogelwelt. Die Jugend bleibe des Wortes eingedenk: Sei stets freundlich gegen Tier und Pflanze. Nun tritt ein, du Naturfreund, mit dem von Star und Fasan gebotenen Willkommengruß und schaue an die Wunder der Natur. + Gronau, 8. Juni. Ein lustiger Abend im beiterverein. Es war gewiß ein guter Gedanke, mit einigen lustigen Stücken das Zusammenspiel der mit neuen Kräften arbeitenden Theaterabteilung des Arbeitervereins am Sonntag abend praktisch zu erproben. Auch war dem Publikum, das sich zahlreicher als erwartet, eingefunden hatte, ein solch froher Abend in dieser an Ernst und Sorge reichen Zeit gern zu gönnen. Diese Gedanken lagen auch den einleitenden Worten des Herrn Präses zugrunde.—„Nante als Kindermaid“ war wohl noch etwas zaghaft, doch die sich immer ablösenden urkomischen Szenen ließen das Lachen nicht verstummen. In Nr. 2,„Doktors Stellvertreter“, wurde wohl der Gipfel der Komik geboten. Was sich so ein, Doktor"— der im Spiel sehr gut gefiel— doch nicht alles muß gefallen lassen. Und nun der„Unglückswurm“. Man sah es ihm schon sofort am Gesicht an, daß er einen besonders„schwarzen“ Tag hatte; das war allerdings nicht zu verwundern, wenn man statt Seife Schuhkreme erwischt. Und was alles dabei in die Brüche ging. Fast schade um das schöne Porzellan. Von den Gesangseinlagen kam leider nicht alles zur Geltung, aber dafür sorgte die Musikkapelle durch ihre exakten Vorträge für angenehme Unterhaltung in den Paufen. Alles in allem kann der Verein mit der neu zusammengestellten Theaterabteilung wohl zufrieden sein. Und mit dem Abend ebenso, da dieser die Vereinsmitglieder mit ihren Angehörigen mal wieder zusammenführte. X Gronau, 8. Juni. Von der Grenze. Der Arbeiter I. F. aus Glauerbrücke war in Gronau in Streit geraten. Einen seiner Gegner stach er mit einem Messer in den Arm, einen anderen stieß er in einen Graben. Das Gericht in Almelo verurteilte ihn zu einem Monat Gefängnis. Der Gerichtshof in Arnheim erhöhte die Strafe auf 3 Monate. := Gronau, 8. Juni. Der Ausflug des Cäcilienvereins wurde trotz des düster weinenden Himmels am Sonntag morgen im Glauben an die Einsicht des Wettergottes frohgemut unternommen. In gemütlicher Wagenfahrt unter schützendem Dach fuhr man zunächst bis Heek. Die Sänger, die in den beiden Wagen keinen Platz gefunden, ließen sich während der Ausflugstour per Auto befördern, das der Vereinsvorsitzende Herr H. Schlamann gütigst zur Verfügung gestellt hatte. In Heek wurde zunächst im Gasthof Schulte ausgespannt. In der altehrwürdigen, von uralten Linden umsäumten Heeker Pfarrkirche brachte der gemischte Chor im Hochamt die Preismesse„Salve Regina“ von I. G. E. Stehle mit Orchesterbegleitung zum Vortrag. Neben der Dirigierung des Chores führte Herr Fr. Oebbecke die Orgelbegleitung aus. Die neue klangvolle Orgel beherrschte er meisterhaft. Nach dem Hochamt wurden auf dem alten Kirchplatz einige frohe Lieder zu Gehör gebracht, die die zahlreich lauschende Menge dankbar und beifällig aufnahm. Im Schulte'schen Gasthof war unterdessen den Sängern ein würziges einladendes Mittagsmahl bereitet, das allen, nicht zuletzt den glückstrahlenden Jungen, gut gemundet und ebenso gut bekommen sein dürfte. Klärte sich der Himmel am Nachmittage auch merklich auf, so wurde doch die anfangs geplante Weiterfahrt nach Düstermühle der durch den Regen verursachten schlechten Wegeverhältnisse dorthin wegen aufgegeben. Man entschied sich, die Rückfahrt über Metelen— Ochtrup vorzunehmen. Bei der gemütlichen Wagenfahrt, begünstigt durch den sich immer mehr aufheiternden Himmel kamen Gesang, Frohsinn und Scherz nicht zu kurz. Dafür sorgten schon die bekannten„Marken“. In Metelen und Ochtrup wurde kurze Rast gemacht. Der stimmungsvolle Ausflug erreichte mit der gegen 9 Uhr erfolgten Ankunft in Gronau sein befriedigendes Ende. Mögen die Sänger und besonders auch die Sängerknaben, die verflossene Sonntagsausfahrt als kleines Entgelt für die Mühen und Opfer betrachten, die sie im Dienste des Kirchengesangs und der„Cäcilia“ gern bringen. () Gronau, 8. Juni. Ihren 80. Geburtstag feiert am heutigen Tage in voller körperlicher und geistiger Frische Frau Geheimrat Gerrit van Delden. Aus diesem freudigen Anlaß sprechen wir der Frau Geheimrat unsere herzlichsten Glückwünsche aus und hoffen, daß ihr noch ein froher und gesegneter Lebensabend beschieden sein möge! Gronau, 8. Juni. Einbruchsdiebstahl. Während die Bewohner eines Hauses an der Bentheimerstraße am Samstag=Spätabend noch zu einer Familienfeier versammelt saßen, stiegen Diebe durch ein Fenster in das Nebenzimmer und hießen einen Posten dort lagernder Lebensmittel und eine silberne Armbanduhr mitgehen. Die Hausbewohner merkten von dem Vorfall nichts, sodaß die dreisten Täter unerkannt mit ihrer Beute entkommen konnten. + Gronau, 8. Juni. 3 Herren=Fahrräder stehen z. Zt. auf dem hiesigen Polizeibüro als herrenlos da und warten auf den Eigentümer. 2 davon wurden neuerdings im Stadtpark und an der Enscheder Straße gefunden. Daß es Menschen gibt, die ihr Fahrrad verlieren, ist doch höchst originell. Aber es gibt Momente im schwachen Menschendasein, wo der Mensch weder Herr über sich selbst noch über sein Fahrrad sein kann Und man darf glauben, daß ein solcher Fall, der oft vorkommen soll, auch auf die vorgenannten verlorenen Fahrräder zutrifft. - Stort. F. C. Gronau 09 e. V. Von den beiden angesetzten Spielen der Liga=Reserve sowie der dritten Mannschaft wurde leider überhaupt kein Spiel ausgetragen. Emsdetten zog es vor, ohne Absage nach Ahaus zu fahren, um an dem dort stattfindenden Pokalspiel teilzunehmen und Neuenkirchen beglückte uns dann noch am Samstagabend mit einer telegrafischen Absage der 2. Mannschaft. Die 1. Jugend mußte sich in Rheine vor Ballspielvereins Jugend unverdient mit 1:0 beugen. Die 3. Jugend wurde überraschend hoch mit 5:0 von den Rheiner Borussen abgefertigt. Trotzdem die kleinen Gronauer den Rheinern spielerisch ebenbürtig waren, konnten sie sich gegen die körperlich stärkeren nicht durchsetzen. Wir machen bei dieser Gelegenheit nochmals auf das heute abend stattfindende Trainingsspiel der ersten Mannschaft und Reserve aufmerksam. Erscheinen eines jeden Spielers ist Pflicht. Der Schwimmverein Gronau besiegte am Samstag abend im Wasserballspiel den Schwimmklub Oldenzaal (Holl) im Oldenzaaler Badehause mit 2:1. Aus dem Münsterlande. :: Dülmen, 7. Juni. Langjährige treue Dienste in der Forstverwaltung des Herzogs von Croy fanden dieser Tage eine schöne Anerkennung und Auszeichnung. Im Auftrage der Landwirtschaftskammer Münster überreichte Oberförster Frhr. v. d. Kettenburg silberne und bronzene Medaillen nebst Besitz=Urkunden für solche Forstbeamte und Waldwärter, die sich 25 Jahre und länger in Amt und Dienst befunden hatten. Es sind dies: Revierförster Esser, Schweckhausen; Revierförster Joppe, Weddern; Förster Lücke, Wildpark; Förster Krumtünger, Oelde; Förster Schlüter, Lavesum; Förster Fischer, Wildpark; Forstaufseher Pieper, Letterkluse; Forstaufseher Hesse, Buchholz; Waldwärter Hagedorn, Lavesum, Granat; Waldwärter Wilmering, Lavesum; Waldwärter Beerhorst, Börnste; Waldwärter Berendes, Ikenhausen; Waldwärter Holtmann, Liesborn; Waldwärter Krumme, Liesborn. Nachdem der Vertreter der Landwirtschaftskammer den z. T. anwesenden Jubilaren die Ehrenzeichen an die Brust geheftet und ehrende Worte des Lobes an sie gerichtet hatte, dankte Forstmeister Hey im Namen des Herzogs. Er ermahnte zugleich die Ausgezeichneten, auch fürderhin ihre Pflicht treulich zu erfüllen, wie dies in der grünen Farbe Brauch und Sitte sei. X Büer, 7. Juni. Tödlicher Unfall. Ein mit vier Personen besetztes Auto fuhr heute nacht gegen einen Baum. Der Wagen wurde vollständig zertrümmert. Von den Insassen war der Kaufmann Kerkhoff aus Hagen sofort tot. Der Wagenführer erlitt eine schwere Gehirnerschütterung und einen doppelten Armbruch. Die beiden anderen Fahrtteilnehmer kamen mit dem Schrecken davon. Westfalen und Nachbarprovinzen. :: Meißen b. Minden, 7. Juni. Schlagwetterexplosion. Gestern abend gegen 8 Uhr ereignete sich auf dem hiesigen Kohlenbergwerk eine Schlagwetterexplosion. Außer einem Bergarbeiter, dem die Bedienung der Pumpe am Wetterschacht oblag, und der inzwischen als Leiche geborgen wurde, befand sich niemand in der Grube. = Lüdenscheid, 7. Juni. Tödlicher Unfall. In einem Werk in Altroggenrahmede wollte der Elektromonteur Hoyer an einem Laufkran arbeiten, machte hierbei einen Fehltritt und stürzte aus fünf Meter Höhe ab. Er erlitt tödliche Verletzungen und ist kurz nach seiner Einlieferung in das hiesige Krankenhaus gestorben. + Hagen, 7. Juni. Das 26. Westfälische Bundesschießen wurde am Donnerstag auf dem modern eingerichteten Schießstand des Schützenvereins HagenOberstadt von dem Bundesvorsitzenden, Baurat LöfkenMünster, durch einen Böllerschuß eröffnet. Am Sonntag vormittag fand eine außerordentlich stark besuchte Delegiertentagung statt, in der die endgültige Regelung des korporativen Zusammenschlusses des rund 14000 Mitglieder umfassenden Westfälischen Schützenbundes vorerst noch zurückgestellt und zunächst die Notwendigkeit eines verstärkten Zusammenschlusses innerhalb der Gaue betont wurde. Um die innere Organisation auszubauen, wurde beschlossen, daß die Gauvorsitzenden ohne weiteres dem Vorstande angehören sollen. Gelsenkirchen, 7. Juni. Ein harter Rücken. Am Samstag abend fuhr auf der Bahnhofstraße ein Radfahrer einer Frau in den Rücken. Der Mann prallte mit seinem Stahlroß zurück und machte mit dem Pflaster Bekanntschaft. Die Frau rieb sich ihren Rücken und schaute den Radfahrer erstaunt an. Das Vorderrad war total verbogen! — Köln, 7. Juni. Die Reorganisation des Bühnenvolksbundes. Gestern war in Köln ein Versammlung des Bundesauschusses des Bühnenvolksbundes, die sich mit der durch den Austritt der Herren Dr. Grosch und Emil Ritter entstandenen Krise beschäftigte. Die Verhandlungen dauerten von morgens 10 bis abends gegen 9 Uhr. Es wurde eine Entschließung angenommen, in der es heißt:„Ohne auf die verschiedenen Unrichtigkeiten näher einzugehen, die in der letzten Zeit in der Presse unter der Ueberschrift„Krise im Bühnenvolksbund" aufgestellt worden sind, hat der Bundesausschuß einstimmig beschlossen, die bestehenden Unzulänglichkeiten der Organisationssatzung zu beseitigen. Er hat zur Vorbereitung der Satzungsänderungen einen Ausschuß eingesetzt. Die Geschäfte des Bundes werden bis zu einer endgültigen Neuordnung, die spätestens bei der für den Herbst vorgesehenen Mitgliederversammlung in Mainz erfolgt, unter der Verantwortung der bisherigen Bundesleitung durch die Herren Gerst, Krauß und Fecht gemeinsam gefuhri Rotationsdruck und Verlag von Gebr. Lensing in Dortmund.— Verantwortlich für die Schriftleitung Fritz Schlotjunker. ( Statt besonderer Anzeige. Bernhard Markslag Maria Marksiag geb. Engels Vermählte Hengelo-Epe, den 8. Juni 1926 Nachruf. Am Sonntag morgen ½4 Uhr verschied nach kurzer Krankheit unser Vorstandsmitglied Kameradin Ihr Sterben ist für unsere Organisation ein herber Verlust. Denn in sebstloser Weise war sie immer bemüht, an der Verbesserung der Interessen der Kriegsopfer mitzuarbeiten. Ehre ihrem Andenken. Reichsverband deufscher Kriegsbeschädigier u. Kriegshinferbliebener Orisgruppe Gronau. NB. Die Beerdigung findet am Mittwoch nachmittag 3 Uhr vom evangelischen Krankenhaus aus statt. Vereinigung zur Pflege des Laienspiels Münster i. I0. Spielzeit Juni-Juli Erster Spieltag am 9. Juni Jedermann mmünferi.w. Tribüne mit 1000 Sitzplähen 900 Mitwirhende Spieltage jeden Sonntag und Mittwoch, nachm. 6 Uhr, Ende vor 8½ Uhr. Am 13., 27. Juni u. 11. Juli Anfang 4% Ende 7 Uhr Preije: 3.- 2.- 1.- Mh., Vereine Ermäßigung. Ruskunft: Verkehrsverein, Münster, Prinzipalm. 8, Fernruf 2226 aller Art verschwindet bei der Wösche spur los und ohne Peiben, wenn Sie Dr. Mompson. Seifenpalver verwenden.& ist billig und schont die Stoffe Neue Bufferpreise Hochfeine Weide=Tafelbutter lose und gepfund. K 1.45 p. Pfd. Naturreine Landbutter lose u. gepfund. N 1.20 p. Pfd. Versand in jeder Menge von 6 Pfd. aufwärts. Paul Raasch. Tilsit. Aeltestes und größtes Fachgeschäft der Memelniederung gegr. 1892. Eingehende Berücks. bes. Wünsche. Bekanntmachung. Auslegung der Stimmkarteien zum Volksentscheid betr. Es wird hiermit bekannt gegeben, daß die Stimmlisten zum Volksentscheid abweichend von der in der Bekanntmachung vom 2. Juni cr. festgesetzten Zeit vom Dienstag, dem 8. 6. cr. ab an Werktagen von vormittags 9—1 Uhr und nachmittags mit Ausnahme von Mittwoch und Samstag von 3—7 Uhr ausliegen. Gronau i. Westf., den 7. Juni 1926. Der Magistrat. Verdingung. Die Bauarbeiten für die Erweiterung der 8 Stallanbauten der 2 Vierfamilienhäuser an der Eßseite sollen in einem Lose öffentlich vergeben werden. Die Angebotsformulare nebst Bedingungen liegen auf dem Stadtbauamte zur Einsicht offen und sind dort erhältlich. Angebote sind bis Dienstag, den 15. Juni d. J., nachmittags 3 Uhr, verschlossen, mit Aufschrift versehen, an den Unterzeichneten einzureichen. Gronau i. Westf., den 5. Juni 1926. Der Magistrat. NaturschutzAusstellung in der Oberrealschule Gronau noch bis Sonntag den 13. ds. Mts., einschl. geöffnet. yentags 3—7 Uhr, = Sonntags 10—1 und 3—7 Uhr. Molore 6 PS. und 1 PS. mit Zähler u. Abl. zu verkaufen. Daselbst auch 1 Stein-Hühle (1 Meter Durchmesser) abzugeben. A. Berning, bei Schöppingen. Kann noch liefern 20-30000 Pfd. pr. Wiesenheu und Kleehen Centner Mk. 5.50 frei Haus. Runkel- und Steckrübenpflanzen hat abzugeben Gerh. Schücking, Epe, Klosterstr. 81. Metallbetten Stahlmatratzen, Kinderbetter gönst. an Private. Katalo 2477 frei (Thür.) Die Frau m ihrer Berufsarbeit auf der Gesolei. ) Von Frau Thea Mangold. Da die Berufsarbeit der Frau in weitestem Maße in die Gesundheitspflege und soziale Fürsorge eingreift, so ist ihr auf der Gesolei eine umfangreiche Sondergruppe gewidmet. In einer geschmackvoll eingerichteten Koje werden uns im Bild alle die Frauen in die Erinnerung zurückgerufen, die sich durch besondere Leistungen auf den Gebieten der Gesundheitspflege und soziale Fürsorge, sowie für die haus= und wirtschaftliche Ausbildung der Mädchen verdient gemacht haben. Eine wie bedeutende Rolle heute ddie berufstätige Frau in unserem Wirtschaftsleben spielt, Ceiat die Statistik. Danach besaßen wir 1921 rund 11,6 Millionen berufstätiger Frauen in Deutschland(1907 waren es 9,5 Millionen). Hiervon entfielen fast die Hälfte 5,2 gegen 1907 4,6 Millionen auf die landwirtschaftliche Berufsarbeit, während in der Industrie nur 25(1907 2,1 Millionen) beschäftigt waren. Als dritte große Gruppe ist der Handel und Verkehr mit 1,1 bezw. 9.9 Mill. zu nennen. Die übrigen Berufe der Frau folgen „in weitem Abstande, nämlich„Oeffentlicher Dienst" und Freie Berufe" zusammen mit 340 000 gegen 280 000 1907 und Dienst im Haushalt mit 382 000 gegen 249 000 1907. Ohne nähere Angaben waren 1921 über 2,1 Millionen beschäftigt, während es 1907 nur 321000 waren. Ohne Zweifel sind davon die meisten den oben genannten Berufen noch hinzuzuzählen. Interessante Tabellen über die Nahrungsaufnahme in den einzelnen Frauenberufen ergänzen die statistischen Angaben. In den folgenden Kojen bekommen wir nun ein Bild, wie sich die Tätigkeit der Frau in den einzelnen Berufen abspielt und wie segensreich ihr Wirken für unsere Volksgesundheit und Volkswirtschaft ist. Berufe, die tief im Wesen der Frau begründet sind, ist die Krankenchwester und die Hebamme. Aber nicht minder bichtig ist die Aerztin, die noch vor garnicht langer Zeit den Frauen verschlossen war. In sehr vielen Fällen wird sich die Frau lieber der Behandlung einer Aerztin anvertrauen und diese wird auch viel besser in der Lage sein, die Beschwerden ihrer Patientin nachzuempfinden. In vielen Bildern wird uns der schwere Beruf der Krankenschwester und der Hebamme vorgeführt, die Tag und Nacht keine Ruhe kennen, um im Dienste der Volksgesundheit und der Gesundheit des einzelnen ihre Pflicht zu tun. Als technische Assistentin hat die Frau besonders in der Medizin und in der Chemie Eingang gefunden. Weniger dem Heilen der Krankheiten, sondern der gesundheitlichen Volkserziehung und sozialen Fürsorge sind die Berufe der Lehrerin für Turnen, Sport und Gymnastik sowie der Kindergärtnerin gewidmet. Die Bilder geben uns einen anschaulichen Beweis dafür, wie viel durch einen gesunden Turn= und Sportunterricht auch bei den Mädchen erreicht werden kann. Der Kindergärtnerin liegt die hohe Aufgabe ob, die ihr anvertrauten Kinder „Zu gesunden und zu tüchtigen Menschen heranzuziehen. Auch die Gärtnerin ist ein schöner Beruf für die Frau, der durchaus zu ihrem Wesen paßt. Sehr interessant ist die an Hand von Bildern und Tabellen gezeigte Tatsache, daß es den der Fürsorgeerziehung dienenden Anstalten gelingt, die in ihnen befindlichen Jugendlichen durch gärtnerische Arbeit wesentlich zu beeinflussen und zu brauchbaren Menschen heranzuziehen. Eine äußerst interessante Ergänzung dieser Abteilung dürfte das eingerichtete Musterzimmer der berufstätigen Frau sein. Es ist darauf Bedacht genommen, das nur aus einem Raum bestehende Heim nicht nur wohnlich, sondern auch hygienisch und praktisch einzurichten, sodaß die Besitzerin ohne allzu große Anstrengung in der Lage ist, ihr Zimmer selbst instand zu halten. Wir sehen ein sogenanntes Chaiselongue=Bett (Hersteller Mülvoß Berlin SW), sowie einen praktischen Koch= und Geschirrschrank und einen Kleiderschrank, dem gleichzeitig der Waschtisch eingebaut ist und einen Schreibtisch mit eingebautem Bücherregal.(Werkstätten Bernhard Stadtler in Paderborn.) Wenn man dielleicht auch im einzelnen über die Ausbildung der Möbel verschiedener Ansicht sein kann, so ist doch hervorzuyeben, daß hier mit Erfolg versucht worden ist, der berufstätigen Frau ein Zimmer einzurichten, das je nach Bedarf Wohn=, Schlafzimmer oder Küche sei kann. Eine größere Anzahl Gruppen gibt ein umfassendes Bild über die weiblichen Berufsschulen. In einem kleinen Musterschulsaal für den Handarbeitsunterricht finden wir die (Nachdr. verb.) Spezialschulbank(A. Lickroth u. Cie., Frankenthal=Pfalz), die sich außerordentlich gut den verschiedenen Bedürfnissen und hygienischen Forderungen beim Unterricht anpaßt. Mit heruntergeklappter Tischplatte ist sie als gewöhnliche Schulbank verwendbar, mit halb aufgeplappter Tischplatte dient sie einmal als Lesepult und für die Vornahme von Strick= und Häkelarbeiten mit heruntergelassener Nähkissenplatte für Näh= und Handarbeiten jeder Art. Außerdem kann die Platte zum Zuschneiden horizontal gestellt werden. Zur bequemen Reinigung sind die Bänke umlegbar. Die Räume einer Mädchenberufsschule mit Küche und Haushaltpflegeraum werden in natürlicher Größe mit voller Einrichtung gezeigt. Besondere Aufmerksamkeit findet auch das Modell der Frauenschule in Buer. Ueber die Wichtigkeit dieser Haushalts= und Frauenschule für die Erziehung unserer Mädchen zur Hausfrau braucht wohl kein Wort verloren zu werden. Der Fröbelverband gibt eine umfassende Darstellung seiner vielseitigen Ausvildung. Die aus ihm hervorgehende Jugendleiterin hat im praltischen indererziehung. Landwirtschaftliche Frauen= und Gärtnerinnenschulen beschließen die Abteilung Schulwesen. Die Tätigkeit der Frau in der Familie wird mit einer historischen Bildersammlung eingeleitet. Mit Recht ist besonderer Wert darauf gelegt, zweckmäßig eingerichtete Wohnräume auch bei engen Raumverhältnissen und größerer Familie zu zeigen. So sehen wir eine kleine Dreizimmer=Wohnung für eine Familie von sechs Personen, bestehend aus Wohnküche und zwei Schlafzimmern. Die Betten in dem einen Zimmer sind als sogenannte Schrankbetten ausgebildet und können tagsüber hochgeklappt werden und im Schrank verschwinden. Wen auch natürlich diese Art des Bettes nicht als ideal anzusprechen ist, so hat sie doch bei beschränkten Raumverhältnissen den großen Vorteil, daß das Zimmer tagsüber zum Aufenthalt viel besser benutzt werden kann. Bei Sorgsamkeit und gutem Willen dürfte sich die notwendige Lüftung der Betten am Morgen ebenso gut vornehmen lassen, sodaß hygienische Bedenken unserer Meinung nach nicht vorhanden sind. In der geräumigen, hellen Wohnküche ist alles wunderhübsch und dennoch praktisch eingerichtet. Die Nähmaschine hat ihren richtigen Platz am Fenster. Neben ihr ist ein Wasch= und Baderaum. In der Waschküche finden wir eine Waschmaschine mit Wassermotor, die der Hausfrau die unbedingt notwendige Erleichterung bei der Wäsche bringt. Abgesehen von der elektrischen Waschmaschine, die aber wegen ihrer Einrichtungs= und Betriebskosten in den meisten Fällen noch nicht verwendbar ist, halten wir die Waschmaschine mit Wassermotor für sehr gut. Sie wird unserer Meinung nach viel zu wenig verwendet. Gleich am Eingang zur„Sondergruppe der Frau“ legen uns zwei Stände in anschaulicher Dringlichkeit dar, wie man ein Zimmer einrichten und nicht einrichten soll. Auf der einen Seite sehn wir die auch heute noch oft gefundene gute Stube, zu der meistens das beste Zimmer der Wohnung genommen und mit unzähligen unnötigen Ausstellsachen etc. vollgestopft, aber selten benutzt wurde. Das Gegenteil ist die vernünftig und gesund eingerichtete Wohnung, bei der jedes Möbelstück entsprechend seiner Bestimmung einfach und schön ausgebildet ist. Die Frage der Wohnungseinrichtung wird wirkungsvoll durch die gleich neben der Sondergruppe der Frau befindlichen 5 Musterhäuser ergänzt, die jeweils eingerichtete Wohnungen für alle Schichten der Bevölkerung zeigen. Für die Hygiene der Wohnung ist es wichtig, daß man auch die Wände gut reinigen kann. In den Teko und Salubra Tapeten besitzen wir ein Material, das den hygienischen und künstlerischen Anforderungen aufs Beste genügt. Sie sind vollkommen lichtecht und können jederzeit mit Seifenwasser abgewaschen werden. Ihre Farbenwirkung ist ganz eigenartig und wundervoll. Wie der Kunstmaler mit seinem Pinsel die verschiedenartigsten Farbenharmonien auf der Leinwand festhält, so können mit den„Teko- und Salubratapeten“ die mannigfaltigsten Stimmungen in die Räume gebracht werden. Eine gute Ergänzung des bisherigen sind eine Reihe von Ständen, auf denen praktische Geräte für den Haushalt vorgeführt werden. So sehen wir hier und in der Halle der Technik mehrere Staubsauger in Tätigkeit, auf dessen hygienischen und praktischen Vorteilen garnicht genug hingewiesen werden kann. Bisher wurde der größte Teil des seinen Staubes garnicht entfernt, sondern nur aufgewirbelt. Durch den Staubsauger wird aller Staub abgezogen, in einem an oder im Apparat angebrachten Behälter gesammelt und damit wirklich entfernt. Dabei geht diese Art der Staubbeseitigung wesentlich schneller als die Handarbeit vor sich. Von den verschiedenen Typen halten wir den Elektrolux für den Bedürfnissen des Haushaltes am besten geeignet Da er umhägbar ist, kann man mit ihm ebensogut Möbel und Wände wie Fußböden reinigen. Der Anschluß der elektrischen Staubfauger erfolgt an jede Lichtleitung. Das Kochen, besonders auf Gas, wird auch von den meisten Hausfrauen noch viel zu unwirtschaftlich vorgenommen. Man kann mit einer Flamme und mit einer Dampfhaube sofort mehrere Töpfe übereinander gleichzeitig kochen lassen. Es wird dabei nicht nur Gas erspart, sondern die Speisen werden auch schmackhafter. Wir fanden die„Deha=Töpse" und die„Recofix=Dampfhaube. Verfasserin kocht seit längerer Zeit schon auf den Deha=Töpfen und hat damit die besten Erfahrungen gemacht. Eine Ergänzung dazu ist„Deha Back= und Bratform“, mit der man ohne einen besonderen Backofen Kuchen und Braten herstellen kann. Durch eine sinnreiche Konstrnktien ist Sber= und Unterhitze völlig gleich. Die„Dralma Teigrührmaschine“ dürfte wesentlich die Arbeit des Teigbereitens erleichtern. Eine ganz neuartige Aufhängung der Wäsche finden wir in den„Patent=Kugellatten“. Die Wäsche braucht nicht mehr angeklammert zu werden, sondern wird durch in den Latten liegende Glaskugeln festgehalten. Man kann damit auf einem Trockenraum bedeutend mehr Wäsche als bisher aufhängen. Auch ein neuer„Gentlemann“ Hosenspanner und ein Reinigungsmittel„Verapol“, sowohl für die Hände als auch für Kleider dürfte beachtenswert sein. Imn Frauenabteil. „Vierte".—„Na, dann Frauenabteil.“—„Was? lanaweilig drin!" Sie „Nichtraucher". Der Zug Die Droste und die Frauenfrage. Von Julia Virginia Laengsdorff. In den vierziger Jahren des letzten Jahrhunderts, als das Lebenslicht des weltwunden westfälischen Freifräuleins allgemach verglomm, waren zag die ersten Regungen der Frauenbewegung aufgezuckt. Mutig hatte Luise Otto=Peters in Robert Blums„Vaterlandsblättern" die Gleichberechtigung der Frau in Staatsund Berufsleben gefordert; heute sind die Ziele derartiger„Emanzipations"=Bestrebungen längst anerkanntes, festes Besitztum unserer Frauen, und niemand regt sich mehr darüber auf. Wie anders war das vor hundert Jahren, zumal in feudalen Kreisen!— Zwiespalt zwischen Wunsch und Wirklichkeit, zwischen innerer Bestimmung und Umwelt zieht sich denn auch wie ein roter Faden durchs ganze Leben und Lebenswerk der Droste, die allzeit in Familienliebe saß bis zum Hals wie in einem lauen Bade.„Weh mir, ich bin zu früh, zu früh re geboren", schreit sie auf, und vollends im herrlichen Turmlied: Wär' ich ein Jäger auf freier Flur, Ein Stück nur von einem Soldaten, Wär' ich ein Mann doch mindestens nur, So würde der Himmel mir raten; Nun muß ich sitzen so fein und klar, Gleich einem artigen Kinde, Und darf nur heimlich lösen mein Haar Und lassen es flattern im Winde! Wie weit hat die Frau das Recht, sich selbst zu leben und wie weit gehört sie ihrer Familie, Mann und Kindern? Schon in ihrem Erstlingsdrama„Bertha" beschäftigt sich die Dichterin mit dieser Frage. Durch den Mund ihrer Heldin bekennt die sechzehnjährige Annette in wenigen guten, vielen ungelenken Jamben Schillerscher oder GoethischerPatenschaft ihr Sehnen nach eigener Lebensgestaltung, ihr„Hinausweh", und ihr Unvermogen, häusliche Fesseln zu sprengen. Ergreifende Stellen von Selbsterlebtem stehn in dem sonst recht belanglosen Dramenfragment. Wenn zum Beispiel das simple Cordchen den kühnen Adlerflug der Schwester hemmen will: Zu männlich ist dein Geist, strebt viel zu hoch Hinauf, wo dir kein Weiberauge folgt; Wenn Weiber wollen sich mit Männern messen, So sind sie Zwitter und nicht Weiber mehr... Anm. der Red. Wir bringen diesen fein empfundenen Artikel aus dem neuen Juniheft der aktuellen Zeitschrift: Neue Frauenkleidung und Frauenkultur, Terlag G. Braun, G. m. b. H., Karlsruhe Persönlichkeit und künstlerische Durchbildung, das sind die beiden Forderungen, die sie an ein bewußtes Frauenleben stellt, wenn so die brave Seele spricht, glaubt man nicht Schwester Jennys mahnende Stimme zu vernehmen, die bei Annette in Momenten der Schwäche ein williges Ohr fand? Und wenn die Reichsgräfin die Tochter anfleht, in die Luft hinauszueilen, durch Wies und Tal zu hüpfen, statt so allein in der Kammer sich nur von den Bildern wilder Phantasie umschweben zu lassen, so sind das Worte, wie sie Freifrau Droste=Hülshoff ihrer langaufgeschossenen, blutarmen Nette häufig genug gesagt haben mag— mit Recht gesagt haben mag... Die gottbegnadete Poetin freilich, die sah die praktische, tatkräftige Frau nie in ihr, nur das Sorgenkind: Zeit ihres Lebens hat unsre größte Dichterin unter der Zuchtrute mütterlicher Autorität gestanden. Nur einmal entwand sie sich ihr, nicht bloß auf dem Papier, auch in Wirklichkeit, damals in der Hochzeit ihres Lebens, in den Jahren ihrer köstlich-schmerzlichen Spätliebe zu Levin Schücking. Da wird sie, die Herzenseinfältige, zur Diplomatin, schreibt, daß ihr geliebter Junge als Bibleothekar zu Schwager Laßberg und somit zu ihr auf die Meersburg kommt, beteuert dann der fernen Mutter, sie sei völlig ahnungslos gewesen;— und noch ein weniges später— man denke— geht sie hinter deren Rücken gar einen Briefwechsel auf Du und Du mit ihm ein. Gedichte entstehen wie„Spätes Erwachen“ oder jenes andere an Male Hassenpflug, die Freundin, die im Leben unter ähnlichen Verhältnissen seufzte und — symbolisches Schicksalswalten— im Tod an ihrer Seite ruht, von der gleichen Meersburger Erde bedeckt. Wir leiden nach dem alten Rechte, Daß, wer sich selber macht zum Knechte, Nicht ist der goldnen Freiheit wert. Am„Geistlichen Jahr“ wird zu Zeiten solcher Stimmung nicht gearbeitet. Die beabsichtigte Durchfeilung unterbleibt. Noch schöner, wenn man die Vertraute vom Feuergeist Levin geworden, wird man doch nicht mehr Schlütern etwas vorsingen dem Professorchen, dem Seelenfreund und Lückenbüßer einsamer Jahre der immer „älter, kälter und immer kränklicher“ wird, und vergnügt ist in seinem Gott, das heißt in seinem Bewußtsein, „Welt und Glauben“ geschrieben zu haben: Ein braver Bürger bist du, hoch zu ehren, Ein wahrer Heros auf der Mittelbahn, Doch, oh mein Flammenwirbel, mein Vulkan..! O nie zu hintergehende Natur! Selbst ein geniales Frauenzimmer— und grade das ganz geniale— bedarf der männlichen Ergänzung, um befruchtet zu werden, um sich voll zu entfalten. Wunderlichen Spätlingstrieb hieß man jene rührende, keusche Herzensneigung des alten Edelfräuleins, die ihr eine neue Jugend und eine eruptive Schaffenskraft schenkte. Aber nicht bloß die eine gibt es, die aufbegehrende Annette, die Turmamazone der Meersburg, die sich am liebsten den Sturm im flatternden Blondhaar wühlen das sie Laolden wie ein Strahl umwallte“. Grundnicht, daß ein paar Frauen seine Partei ergreifen und auf den Schaffner schimpfen, der dem„armen Mann seinen Platz nicht gönnt".„Der" spielt sich bloß auf, will nur zeigen, was er kann! Mein Mann wäre nicht rausgegangen!“— Aus einer Ecke kommt ein erklärendes Wort über den Zweck eines Frauenabteils und über seinen Wert für alleinreisende Frauen und Kinder. Verständnislose Blicke treffen die Sprecherin, dann tritt Stille ein.— Eine Station weiter: Wieder steigt ein Mann ein, diesmal mit seiner Frau. Er liest beim Einsteigen die Aufschrift: Frauen“ und will in ein anderes Abteil einsteigen. Helle Empörung bei der Frau:„Was, ich soll hier allein fahren? Du bleibst drin".—„Ja, aber wenn der Schaffner mich sieht, dann muß ich Strafe zahlen.“ —„Ach was, der kann dir garnichts wollen, du bist auch Beamter.“ Dieser Logik kann der Mann nicht widerstehen, er bleibt, sieht sich aber noch zögernd un.— bis seine Frau die Frage stellt:„.. oder hat hier jemand was dagegen, wenn mein Mann hier bleibt? Zwingend gehen ihre Augen dabei im Kreise herum. Wehe der, die„etwas dagegen hat.“ Es ertönt dann auch ein zustimmendes Gemurmel.„Na also“. Der„Beamte“ ist von der Richtigkeit seines Bleibens überzeugt. Diesmal sieht der Schaffner nichts, auch nicht, als beim nächsten Halten des Zuges wieder zwei junge Männer, angeheitert sogar, herein kommen und drinbleiben,„weil ja schon einer drin ist.“ Ein schwacher Protest wird mit Gelächter und sehr derben Witzen abgetan.— Hilfe beim Schaffner ist nicht mehr zu haben, der Zug nähert sich der Industrie und da sieht er lieber nichts mehr... Wann wird die Frau lernen, für das Wohl ihrer Mitschwestern einzutreten und nicht nur immer nach eigenen Wünschen zu urteilen und zu handeln?...sch. Vom Stillesein. „Platz nehmen!—“ Das Abfahrtzeichen wird gegeben.„Halt, halt, noch einen Augenblick!" Zwei junge Frauen stürzen atemlos auf den Bahnsteig.„Welche Klasse?“ fragt der Beamte. schnell hier hinein, das ist Frauenabteil? Da ist's zu stürzen weiter zum nächsten fährt ab An der Türe des verschmähten Abteils steht eine Frau in mittleren Jahren, müde und abgehetzt hält sie sich kaum aufrecht, aber alle Plätze sind besetzt. Am Fenster sitzt ein kleines Mädchen neben seiner Mutter. Das Kind will aufstehen, um besser hinaussehen zu können, aber die Mutter zieht es wieder auf die Bank zurück:„Setz dich doch, du hast ja deinen Platz auch bezahlt." Ein Blick schweift vielleicht zu der müden Frau an der Türe— doch das Kind wird auf der Bank festgehalten, und niemand wagt, für die Fremde einzutreten Nächste Station. Man steigt um. Neue Fahrgäste steigen ein, zuletzt eine alte Frau im Sonntagsstaat. Sie fährt wohl zum Besuch in die Stadt. Ein Junge steht auf und bietet ihr seinen Platz an:„Nee, bleib sitzen, ich werd dir doch den Platz nicht wegnehmen!“ Und als der Kleine noch zögernd neben ihr steht:„Das kann ich nicht annehmen, ich kann ebensogut stehen." Das Kind setzt sich wieder und zieht die Lehre aus dieser Erfahrung. Nächste Station. Ein Mann will einsteigen, natürlich mit einer brennenden Zigarre:„Hier ist Frauenabteil“, ruft der vorübereilende Schaffner.„Das ist nicht schlimm“, ist die tiefsinnige Antwort. und der Mann — steigt ein.„Sie dürfen hier nicht bleiben“, wagt eine junge Mutter zu sagen, deren Kindchen nach langem Mühen einschlief, weil ein starker Husten es sehr auält, —„der Schaffner wird Sie hinausweisen."—„Was, mich rausweisen? Hat er ja kein Recht zu, wollen wir doch mal sehen. Gehn Sie doch raus, wenn's Ihnen nicht paßt. Ich steh hier lange gut. Und übrigens, warum gibt's denn keine„Männerabteile“. Nicht wahr. Fräulein, ich störe Sie garnicht?" Damit wendet er sich an das ihm zunächst sitzende junge Mädchen. Ein halb verlegenes, halb albernes Kichern ist die Antwort. Die junge Frau sucht das vom lauten Reden erwachte Kind zu beruhigen— es hilft ihr niemand.— Kurz ehe der Zug abfährt, holt der Schaffner den Mann heraus. Er wehrt sich noch lange, es hilft ihm nichts— auch Dichterin letzten Endes eine verlarvte, lediglich durch Zeit und Umwelt gehemmte Vorläuferin der heutigen Garconne gewesen wäre. Es ist doch immerhin ein Unterschied, ob man sein langes Mädchenhaar im Winde flattern läßt, oder ob man sich's abschneidet. Eine Annette mit Pagenkopf wäre schlechterdings nicht zu denken. Womit gar nichts gegen diese Errungenschaft unserer heutigen Mädchen, Mütter und Großmütter gesagt sein soll; bloß Annette, die bei männlichster Kraft weiblichste Dichterin— Annette ist eine nicht damit zu verknüpfende Vorstellung. Welche ungehobenen Schätze an Weiblichkeit in ihrer Seele vergraben lagen, davon kündet leider kein oder nahezu kein Sang ihrer eignen Liebe. Wie schreibt sie doch an den Freund, das tief versenkte Blut in ihrem Herzen", in jenem ersten ellenlangen Brief nach seinem Weggang von der Meersburg?...„Mich dünkt, könnte ich Dich alle Tage nur zwei Minuten sehn,— o Gott, nur einen Augenblick!— dann würde ich jetzt singen, daß die Lachse aus dem Bodensee sprängen, und die Möven sich mir auf die Schultern setzten!" Ach, ungesungen blieben solche Hohenlieder— bloß die Aeolsharfe ihrer liebezitternden Seele durchseufzten und durchjauchzten sie dort auf ihrer hochragenden Dagobertsburg am Bodensee. Dort, wo der gelehrte Schwager ganze Ladungen von Minneliedern— muffige alte Manuskripte— aufstapelte, ohne zu ahnen, welcher Dichtergenius in Fleisch und Blut neben ihm saß. Aber wäre jener Liebe volle Erfüllung beschieden gewesen— sie hätte uns Lieder geschenkt, in denen die Sinnenglut der spät erwachten Frau sich mit den schon mütterlichen Zärtlichkeiten der angehenden Matrone zu hinreißenden Akkorden verschmolzen hätte. Desto zahlreicher sind die Dichtungen, in denen die große Herzenskünderin Weibeslust und=leid Anderer schildert. Man denke nur an„Junge Liebe",„Die junge Mutter“ und an das Juwel:„Die beschränkte Frau“. Auch in ihren, gottlob, erhalten gebliebenen vielen Briefschaften— Annette lebte in schreibseliger Biedermeierzeit!— stößt man immer wieder auf Stellen, wo sich eine Welt von fraulichem Empfinden offenbart. An eine Verwandte schreibt sie:„Im März kömmt meine Schwägerin wieder in Wochen— mit dem elften Kinde—, sieben noch im Leben und dieses das achte. Wenn sie nur brav werden, dann ist's schon recht so, und ich freue mich auf den kleinen Weltbürger Findest Du es nicht auch unrecht, wenn manche den Kindern so entgegenjammern, als wenn sie ihnen die Unsterblichkeit nicht gönnten?"... Ein paar Jahre später berichtet sie der selben Herzens=Pauline von der inzwischen noch voller gewordenen brüderlichen Kinderstube, von dem jüngsterschienenen Mädelchen, ihrem Patchen, daran sie mehr Freude habe, als sich für eine gesetzte Person schicke, und fährt strahlend fort:„aber ich kann mir nicht helfen, ich habe ein ungeheueres Pläsier an dem kleinen Dinge, und ich Von Antonie Rhau. Das Stillesein ist eine eigene Kunst und wer sie meistert, meistert das Leben. Sehr, sehr wenig Menschen verstehen das Stillesein. Da wird den ganzen Tag über so viel geschwätzt, Unwichtiges und Nichtiges, so daß das Hauptsächlichste dabei vergessen wird, nämlich, wie es innen bei uns selbst aussieht. Wer viel schwatzt, denkt wenig, und auf das Denken kommt es an. Die Gedanken, die wir aussprechen, werden vergessen und sind abgetan, behalten wir sie aber für uns, so müssen wir uns damit beschäftigen. Viel sprechen verflacht und denken vertieft. Man kann sich im Stillesein üben, am besten dann, wenn es um unwichtige tägliche Ereignisse geht. Man muß sich nur immer sagen:„Es ist ganz gleichgültig, ob du deine Meinung dazu sagst oder nicht. Es geht doch alles wie es muß und soll.“ Wie beruhigend ist es, wenn bei erregten Auseinandersetzungen nur einer ist, der stille sein kann, zur rechten Zeit, versteht sich. Wie eine ruhige Insel in der Meeresbrandung. Es ist nicht für viele Ohren, was man stille denkt, ird die Frucht doch neu geboren, e man tief ins Erdreich senkt. Umgang mit Frauen. Wer nie mit Frauen besserer Art umgegangen ist, der entbehrt nicht nur viel reinen Genusses, er wird auch im gesellschaftlichen Leben nicht weit kommen. * Nichts ist so geschickt, der Bildung des Jünglings die Vollendung zu geben, als der Umgang mit tugendhaften und gesitteten Frauen. Den Mann, der verächtlich vom ganzen weiblichen Geschlecht denkt und redet, mag ich nicht zum Freunde haben. Adolf Knigge.(1752—1796) Literatur. Erste Lebenswende. Leitfaden der katholischen Lebenswende für die Abschlußklasse der höheren Mädchenschulen, für Berufsschulen, Frauenschulen, Kurse und zum Selbstunterricht. Von Dr. Martin Kreuser. 8°(108) M.=Gladbach 1926, Voltsvereins=Verlag G. m. b. H. In Halbleinen gebunden 1,90 M. Mit der Umstellung der Schulpläne und des Religionsunterrichts wurde ein geeigneter Leitfaden notwendig für die„erste Lebenswende“ der Schülerin. Ein solcher wird hiermit vorgelegt. Aus dem bereits abgeschlossenen Lehrstoff hebt er geeignete Partien heraus und gruppiert sie neu, womit er Wiederholung, Erweiterung und praktischer Auswertung eine Handhabe bietet, wozu besonders die jeweils angegliederte„Werkstatt“ dienen soll. Somit können die wichtigsten zur„ersten Lebenswende“ notwendigen, orientierenden Fragen erörtert werden. weil ich in mordsschlechtem Wetter hingefahren war, es zu sehen." Levin wirft sie vor, er sei nicht kinderlieb: „und doch liegt ein so unendlicher Schatz von Liebe in Kinderseelen“. Man sieht, immer ist es die Freude, der Respekt vor dem Leben, die dieser Kinderlosen die Feder führen. Ja, das alte Edelfräulein, das Blumen so gern hatte, sorglich Kanarienvogel und Wachtelhund betreute - die Dichterin des wunderholden Marienliedes: Durch die Gassen geht Maria, in dem Arm den Sohn den lieben...“ wäre, jung und ungebrochen, eine gute Mutter geworden. Noch manche Aeußerungen, aus denen hervorgeht, wie fraulich sie dachte, wie im Grund ablehnend sich ihr feines Empfinden gegen die oft übers Ziel schießenden Anfänge der Frauenbewegung verhielt, finden sich in ihrer Hinterlassenschaft. In ihrem Lustspiel:„Perdu oder Dichter, Verleger und Blaustrümpfe“, nimmt sie diese„überbildeten“ Damen mit ihren„Frauenzimmergedichten", die lieber bei ihrem Strickstrumpf bleiben sollten, sogar ganz gehörig aufs Korn. Aber auch keine Brücke führt von ihm, der Einsamen und ach, so prächtigen Familientante, zu wirklich bedeutenden Zeitgenossinnen wie Mme. de Stael, einer Bettina oder der genialen George Sand. In ihrem Appell„An die Schriftstellerinnen in Deutschland und Frankreich“ warnt sie: Ich will den Griffel eurer Hand nicht rauben: Singt, aber zitternd, wie vor'm Weih die Tauben. Ja, treibt der Geist euch, laßt Standarten ragen! Ihr wart die Zeugen wild bewegter Zeiten, Was ihr erlebt, das läßt sich nicht erschlagen, Feldbind' und Helmzier mag ein Weib bereiten; Doch seht euch vor, wie hoch die Schwingen tragen, Stellt nicht das Ziel in ungemeßne Weiten. Der kecke Falk ist überall zu finden, Doch einsam steigt der Aar aus Alpengründen. Ist dies Gedicht nicht die vollkommene Lösung des Problems: Wie stand die Droste zur Frauenfrage?— Alle Rechte gesteht sie der Frau zu, so sie sich der ewigen Wahrheit bewußt bleibt, in die die letzte Stanze ausklingt:„Mehr ist ein Segen als zehntausend Kronen!“.. „Was meinem Kreise mich enttrieb, Der Kammer friedlichem Gelasse?“ Das fragt ihr mich; als sei, ein Dieb, Ich eingebrochen am Parnasse. Langt aber ein Weib nach der spitzigen Krone des Lorbeers, so soll sie wenigstens dazu berechtigt sein: Adler sein und nicht Falke— solch eine, die von sich selbst sagen kann, wie es Annette Droste mit Fug und Recht konnte: So hört denn, hört, weil ihr gefragt: Bei der Geburt bin ich geladen, Mein Recht, so weit der Himmel tagt, Und meine Macht von Gottes Gnaden. V Der Endkampf um das Reichsknappschaftsgesetz. Abgeordneter Imbusch über die politischen Auswirkungen der Knappschaftsnovelle. Auf einer in Essen abgehaltenen Konferenz des Gewerkvereins christlicher Bergarbeiter machte der Abgeordnete Imbusch bemerkenswerte Ausführungen, welche scharf und klar die politischen Auswirkungen der Reichsknappschaftsnovelle im Reichstage darlegten. Er führte aus: „Der Kampf um das Reichsknappschaftsgesetz wird immer schärfer. Er geht ja auch seinem Ende entgegen. Vielen paßt der Entwurf des Gesetzes in der Fassung der Ausschußbeschlüsse nicht. Er erfüllt nicht alle Wünsche. Manchem geht er auch viel zu weit. Deshalb sind auch für das Plenum sowohl von rechts, wie von links, viele Anträge gestellt. Das ist nicht unbedenklich. Im Reichstag gibt es keine feste Regierungsmehrheit. Mehr noch wie sonst kommt es deshalb bei stark umstrittenen Fragen auf kluges Maßhalten an. Mit Fordern allein ist keinem gedient. Es kommt darauf an, etwas Vernünftiges durchzusetzen. Die Fragen der Taktik und Agitation dürfen keine Rolle spielen. Man darf nicht aus taktischen Erwägungen oder mit Rücksicht auf die Agitation wichtige Fortschritte in Gefahr bringen oder verhindern. Unerträglich wäre es, wenn z. B. die Familienfürsorge Agitationsmanövern zum Opfer fiele. Wir werden uns deshalb bei der weiteren Behandlung der Frage von rein sachlichen Erwägungen leiten lassen müssen. Ohne jede Rücksicht auf die Agitation wird das getan werden müssen, was dem Interesse der Bergleute entspricht. Mit besonderem Eifer wird jetzt beim Endkampf die durch das Knappschaftsgesetz herbeigeführte Belastung als unerträglich bezeichnet. Die Berechnungen über die finanzielle Auswirkung des Gesetzes gehen ja reichlich weit auseinander. Der Vorsitzende des Zechenverbandes Generaldirektor Wiskott sprach nach der ersten Lesung von einer Mehrbelastung von 80 bis 100 Millionen Mark. Einige Knappschaftsmathematiker rechneten nach der zweiten Lesung eine Mehrbelastung von 66 Millionen Mark heraus. Die Unternehmer der Fachgruppe Bergbau errechneten 40 Millionen Mark Mehrbelastung. Das Arbeitsministerium nimmt in der Krankenkasse eine Mehrausgabe von 18 Millionen Mark an. Es zählt diese Ausgaben aber nicht als Mehrbelastung, weil sie ja in der Hauptsache den Knappschaftsmitgliedern nur das wiedergeben, was ihnen vor einigen Jahren genommen wurde. In der Pensionskasse errechnete das Reichsarbeitsministerium eine Mehrbelastung von 4 Millionen Mark. Da aber das Gesetz weniger an Rücklagen verlangt, wie das bisherige Gesetz und dadurch 12 Millionen Mark pro Jahr eingespart werden, so schließt die Berechnung mit einer Ersparnis von 8 Millionen Mark ab. Hierbei ist nicht berücksichtigt, daß durch die Einführung von Lohnklassen ebenfalls eine wesentliche Ersparnis eintritt, die bei voller Auswirkung etwa 25 Millionen Mark beträgt. Eine vom Gewerkverein christlicher Bergarbeiter herausgegebene Berechnung kommt unter Berücksichtigung der Ersparnis durch die Einführung der Lohnklasse zu einer Minderbelastung von 20 bis 22 Millionen Mark. Wir sehen also, daß die Ansichten über die Belastung sehr weit auseinandergehen. Die Praxis wird aber zeigen, daß alle Berechnungen ungünstig sind. Es ist mit einer günstigeren Entwicklung sicher zu rechnen, weil als Grundlage aller Berechnungen die Ergebnisse der schlimmsten Krisenjahren verwandt wurden. Diese Ergebnisse aber sind sicher ungünstiger, wie sie eine normale Entwickelung bringen wird. Die Frage der Belastung des Bergbaues durch das neue Gesetz braucht wirklich keinem besondere Bedenken, zu verursachen. Bedeutungsvoller als wie diefinanziellen Auswirkungen des Gesetzes werden seine politischen Auswirkungen sein. Es ist kaum anzunehmen, daß das Gesetz im Reichstage von allen Parteien von rechts bis links angenommen wird. Bis heute haben sich am schärfsten die Sozialdemokraten und Kommunisten dagegen erklärt, und auch von den Rechtsparteien sind scharfe Verurteilungen gekommen. Man weiß nur nicht, ob die Herren Prof. Moldenhauer und Direktor Leopold im eigenen Namen nur für sich oder für ihre Fraktion sprechen. Das Gesetz wird von vielen tausenden von Arbeiterwählern als Prüfstein für die Parteien angesehen. Stimmen die Rechtsparteien gegen das Gesetz, oder bringen sich auch nur durch Enthaltung die Bestimmungen, die den Bergleuten besonders am Herzen liegen, zu Fall, so ist mit einem starken Abfall der Bergleute und anderer Arbeiter von diesen Parteien zu rechnen. Nicht anders wird es der Sozialdemokratie ergehen, wenn sie mit Rücksicht auf die Agitation der Sache nicht so dient, wie es sein muß. Es sind auch noch andere politische Folgen möglich. Wird das Gesetz mit den Stimmen der Mitte und der Linken gegen die Rechte angenommen, so würden die Gegensätze zwischen Mitte und Rechts zweifellos außerordentlich verschärft werden. Es ist dann sehr unwahrscheinlich, daß in absehbarer Zeit eine Erweiterung der Regierung nach rechts möglich ist. Würde umgekehrt das Gesetz mit der Rechten gegen die Linke einschließlich der Sozialdemokratie verabschiedet werden müssen, so würden die Gegensätze zwischen der Mitte und der Rechten zweifellos eine Milderung, die nach Links aber eine wesentliche Verschärfung erfahren. In diesem Falle würden auch die Gegensätze zwischen der sozialdemokratischen und der christlich=nationalen Arbeiterbewegung wieder an Schärfe zunehmen. Die voraussichtlichen politischen Folgen des Gesetzes sind für die Volksgesamtheit zweifellos viel bedeutungsvoller, wie die wirtschaftlichen. Auch für unsere Bewegung hängt vom Ausgang außerordentlich viel ab. Wir müssen deshalb unsere ganzen Vertrauensleute und Mitglieder auch auf diese Seite der Frage hinweisen, damit wir allem Kommenden gegenüber gewappnet sind.“ Ein verspäteter Aprilscherz! „Die Welt wird schöner mit jedem Tag——— man weiß nicht, was noch werden mag—— zur die Schönheiten der Natur mag das richtig sein, nicht aber für die Welt, wie sie sich uns in ihrem Treiben täglich bietet, sagt der Pessimist. Aber gemach, mein Lieber, es wird bald besser werden. Die Lösung ist bereits gefunden——— es werden nur noch die Menschen gesucht, die sie in die Tat umsetzen. „Das kleine Journal", ein Berliner Wochenblättchen, 1 verkündet die freudige Mär:„Die Gründung einer neuen Partei, der Beamtenpartei, !ist beschlossen."„Die Führer sind da! Der Weg wird Euch gewiesen——— Gehen allerdings müßt Ihr ihn.“ Ja, ja, je oller je dol1 ler; diese vielsagende Berliner Redensart trifft auch auf„Das kleine Journal“ zu, das nun schon im 48. Jahrgang erscheint. Für eine Zeitung immerhin ein 1 beachtliches Alter. Aber Alter schützt bekanntlich vor Torheit nicht. Oder ist es etwas anderes, wenn zum Zwecke der Abonnentengewinnung, die durch einen rigorosen Abbau hervorgerufene Mißstimmung in der Beamtenschaft vertieft wird und Forderungen aufgestellt werden, die bei unseren heutigen Verhältnissen wie eine Fata Morgana anmuten?„Sofortige Wiederherstellung des siebenstündigen Arbeitstages für geistige Arbeiter(Beamten usw.), Erstrebung des Zieles auch für die andere Arbeitnehmerschaft.“ Sofortiae AnstelCheistliche Kultor und gewerkschaftliche Tätigkeit. Bildung und Wissen sind zwei sich keineswegs deckende Begriffe. Es gibt Menschen, die um Vieles und und von allen Dingen wissen und in oberflächlicher Geschwätzigkeit sogar über geistreichelnden Witz verfügen, ohne Träger kulturgestaltender Bildung zu sein. Selbst zu einem umfassenden Wissen reichen allein die wachen Verstandeskräfte aus. Oft genügt sogar ein gutes Gedächtnis. Die wahre Bildung aber erfaßt den ganzen Menschen, formt Charakter und Wille zu einem geschlossenen Weltbilde und orientiert sich in allen Aeußerungen und Handlungen an einem erstrebenswerten Ideal. Auf dem Wege zur Zielerreichung hat Wissen und Können die sekundäre Bedeutung eines Mittels zum Zweck. Bildung als geistige Menschwerdung kann nur im einzelnen sich vollziehen. Sie vermag durch Erziehung, Einfluß und Umgebung Anregung und Förderung zu empfangen. Entfaltung und letzte Gestaltung jedoch ist ausschließlich Sache der Einzelpersönlichkeit. Auch kann ein egoistisch oder altruistisch verengtes Ziel nicht als Bildungsgrundlage angesehen werden. Dasselbe muß über augenblickliche Nützlichkeitserwägungen, über Raum und Zeit weit hinausragen. Und je umfassender und allgemeingültiger es ist, desto stärker wird es die Menschenseele in allem Denken und Tun grundsätzlich verankern. Darum ist es naturbedingte Folgerichtigkeit, daß das höchste und letzte Bildungsideal in der Ewigkeit begründet liegt. Darum auch vermag das innerlich erlebte Christentum die besten und wertvollsten Kräfte zu lösen und zu erhalten, weil es im Jenseits wurzelt, weil ihm Gott in seiner Wahrhaftigkeit, Weisheit, Güte, Gerechtigkeit und Allwissenheit das Urbild aller Dinge ist. Sich selbst Gott ebenbildlich zu machen und die Umwelt in seinem Sinne/ zu gestalten, in dieser Richtung alle geistigen und körperlichen Anlagen durch Triebe und Kräfte zu entfalten, heißt, wie Dr. Röhr in seinem trefflichen Vortrage:„Wege und Ziele des gewerkschaftlichen Bildungswesens“ auf dem Dortmunder Kongreß der christlichen Gewerkschaften ausführte, sich bilden. Da der Mensch aus Leib und Geist besteht, so ist infolge dieser dualistischen Untrennbarkeit das Wohlergehen des einen wechselseitige Bedingtheit der Entfaltung des anderen. Schon der Volksmund sagt: Ein gesunder Geist wohnt nur in einem gesunden Körper. Die Bildungsermöglichung ist daher an notwendige materielle Voraussetzungen geknüpft. Nicht als ob alle berechtigten Wünsche auf ein menschenwürdiges Leben restlos erfüllt sein müßten. Wo aber der Glaube an ihre baldige Befriedigung fehlt, verkümmert das christliche Kulturideal, wenn es nicht völlig erstickt im materialistischen Klassenkampf der Entrechteten. Darum ist die gewerkschaftliche Betätigung so überaus wichtig, ja notwendig zur Erhaltung und Befestigung der christlichen Kultur, allerdings nur dann, wenn sie in ihrem ganzen Wirken und Wollen zu dieser hinstrebt. So aufgefaßt sind die christlichen Gewerkschaften verpflichtender Dienst nicht nur am zunächst betreuten christlichen Arbeitnehmer, sondern an der gesamten christlichen Gemeinschaft. macht die von ihr erfaßten und beeinflußten Menschen selbstbewußt, gibt ihnen Halt und Vertrauen, reißt sie aus ihrer Isolierung und Dumpfheit, macht sie wach, setzt ihnen große Ziele und gibt ihnen so ein Stück Menschenwürde. Die volle Bildung kann nur dann im einzelnen Menschen werden, wenn er nicht von materiellen Sorgen niedergedrückt wird und über hinreichende Muße verfügt, das Bildungsideal in sich lebendig zu machen und wahre Bildungsarbeit an sich selbst zu leisten. Das materielle Los der Arbeiterschaft zu erleichtern, ihre Kaufkraft zu erhöhen und ihr Zeit zu verschaffen, während der sie über sich selbst bestimmen kann, war, ist und wird sein die Hauptaufgabe der Gewerkschaften. Es ist nur zu wünschen, daß sich die Erkenntnis dieser ersten Aufgabe der Gewerkschaften für Millionen von Volksgenossen und damit für die Kultur allseitig Bahn bricht.“ Mit dieser Hauptaufgabe aber ist die Tätigkeit der Gewerkschaften nicht erschöpft. Denn:„Nicht vom Brote allein lebt der Mensch, sondern von jedem Worte, das aus dem Munde Gottes kommt.“ An dem letzten Ziel orientiert sich der geistige Lebenswille, der sich für jedes Volk und jeden Stand in besonderen ihnen eigentümlichen Formen ausprägt. Ueber die Anerkennung des Christentums und seiner Einrichtungen führt der Weg zur Pflege des Volkstums als Ausdruck gottgewollter nationaler Verbundenheit und zu einer beruflich bedingten Sonderbildung. Indem die Gewerkschaften die Standwertung der Arbeiterschaft anstreben, müssen sie dem Arbeiter eine besondere Standesbildung vermitteln. Sie tun das durch berufliche Weiterbildung in Kursen und Fachzeitschriften, durch die immer wieder betonte Herausstellung der Bedeutung einer gründlichen Berufsausbildung, durch die Forderung nach einem zweckdienlichen Berufsausbildungsrecht und durch Erweiterung des wirtschaftlichen Gesichtskreises durch Begreifenlernen der wirtschaftlichen Zusammenhänge. Hierbei unterscheiden sich die christlichen Gewerkschaften von kapitalistischer und sozialistischer Einstellung dadurch, daß sie die Gefahr materialistischer Vereinseitigung bannen, indem sie alles Streben im Ewigen verankern, von Gott herleiten und zu ihm hinführen. Sie binden die Freiheit an das Absolute, betonen bei entschiedener Wahrung der eigenen Belange die Gemeinsamkeit der Interessen und suchen so eine Brücke zu schlagen zwischen der ungebundenen Willkür wirtschaftlicher Machtausschließlichkeit, die das kapitalistische Zeitalter kennzeichnet, und ihrer ebenfalls aus einer rein materialistischen Betrachtungsweise geborenen Reaktion, die in der verderblichen Unentwegtheit des Klassenkampfes sich äußert. Nüchterne Wirklichkeitsüberlegung weiß, daß ein großes Ziel nur in langen Etappen erreichbar ist. Ein Ideal wird infolge der menschlichen Unvollkommenheit immer Ideal bleiben. Aber das Hinstreben zu ihm ist nicht schon deswegen Ideologie, weil es nie ganz zu verwirklichen ist. Die wird es erst, wenn es in schwärmerischer Weltfremdheit den Boden des flutenden Lebens verliert. Die gesunde Verbindung realer Erkenntnis mit idealem Streben schafft Persönlichkeiten, die eine neue Mit Recht sagt Dr. Röhr in seinem oben erwähnten alem Streben schäfft Personlichte Vortrag:„Die Arbeit der christlichen Gewerkschaften bessere Welt zu gestalten vermögen. wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse in Deutschland ringen werden. Die„Führer“ des„Schutzbundes der Beamten“ vom kleinen Journal werden nach den bisher verzapften Weisheiten ganz bestimmt dazu nichts beitragen. lung der Zeithilfen, die länger als zwei Jahre in einem der oben genannten Betriebe(d. s. Reichs=, Staats=, Kommunal- und Privatbetriebe) tätig waren, auf Lebenszeit, mit Pension."„Bei Eingehen eines Privatbetriebes haben Reich, Staat oder Kommune für vorzugsweise Unterbringung oben angeführter Kategorien zu sorgen."„Die Beamtenpartei setzt sich voll und ganz für restlose Aufwertung des Vermögens der durch Krieg und Inflation geschädigten Reichs= und Auslandsdeutschen ein."„In Vorbereitung ist ein Arbeiterpensionsgesetz nach dem Leitsatz: Jeder Beamte ist ein Arbeiter — jeder Arbeiter ist ein Beamter des Staates!“ Und wie denkt man sich die Verwirklichung? Sehr einfach! Die Beamten aller Kategorien„stellen allein ein volles Drittel der eingetragenen deutschen Wählerschaft“ dar und nimmt man noch die Stimmen der freien Berufe dazu, so sind die Beamten imstande,„eine tragfähige, beständige Regierung zu schaffen.“ Es wird dann also das, was man sich wünscht,„beschlossen" und alles ist gut. Kein Wort davon, daß erst in wirtschaftlicher Beziehung die Voraussetzungen dafür geschaffen werden müssen, daß das deutsche 62=Millionen=Volk bei einer 7stündigen Arbeitszeit sich soviel schafft, daß es menschenwürdig leben kann. Alle, die sich ernsthaft mit Wirtschaftsfragen beschäftigen und immer mehr zu der Ueberzeugung kommen, daß bei den heutigen Produktions= und Absatzverhältnissen mit einer großen Zahl ständiger Arbeitsloser gerechnet werden muß, werden danach trachten, Mittel und Wege zu finden, diese Tatsache aus der Welt zu schaffen. Durch eine schematische Verkürzung der Arbeitszeit ohne gleichzeitige Neuorganisation unseres ganzen Produktionsapparates wird dieses Ziel nicht erreicht. Mit einer bloßen gesetzlichen Festlegung der 7stündigen Arbeitszeit ist es also nicht getan. Ebensowenig mit einer bloßen Zusicherung lebenslänglicher Anstellung und Pension sowie der vorzugsweisen Unterbringung von durch Stillegungen arbeitslos gewordenen Privatangestellten. Es besteht kein Streit unter den vorhandenen Arbeiter=, Angestelltenund Beamtenorganisationen über die Notwendigkeit, allen Arbeitnehmern eine größere wirtschaftliche Sicherheit gegenüber dem wechselvollen Auf und Ab einer nach kapitalistischen Grundsätzen betriebenen Wirtschaft zu geben. Dazu bedarf es nicht erst der Gründung einer Beamtenpartei. Wichtiger ist es, die Voraussetzungen für die Verwirklichung solcher sozialpolitischer Ziele zu schaffen.— Die dazu notwendigen Maßnahmen würden ohne Zweifel schneller und wirksamer ergriffen werden können, wenn eine Einigung des deutschen Volkes zu erreichen wäre. Auch dieses hohe Ziel wird durch das Bestehen einer besonderen Beamtenpartei ganz bestimmt nicht erreicht werden, im Gegenteil, die Gott sei Dank sich verringernde Kluft zwischen Beamten und den übrigen Arbeitnehmern würde nur wieder aufs neue vertieft werden. Wohl brauchen wir eine tüchtige Beamtenschaft, deren wirtschaftlichen Belange im Rahmen der Volkswirtschaft bestmöglichst geregelt werden sollen und müssen, aber wir brauchen zur Lösung der schwierigen Gegenwarts= und Zukunftsaufgaben bestimmt keinen Beamtenstaat im Staate. Das hat mit Beamtenfeindlichkeit nichts zu un, sondern entspricht nur den harten Notwendigkeiten, deren Beachtung nicht zuletzt auch im Interesse der Beamten liegt. Auch dagegen möchten wir uns wenden, als wenn seitens der übrigen Arbeitnehmerschaft eine Neidhammel=Politik gegenüber der Beamtenschaft als der Weisheit letzter Schluß angesehen würde. Die Privatarbeitnehmerschaft will die soziale Stellung der Beamtenschaft nicht verschlechtern, sie verlangt aber, daß die Beamtenschaft sich als ein auf Gedeih und Verderb mit dem Volksganzen verbundenes Glied betrachtet. Wir wissen, daß bei dem größten und besten Teil der Beamtenschaft diese Auffassung besteht und wir wissen auch, daß letzten Endes Arbeiter, Angestellte und Beamte gemeinsam um eine Besserung der Die sozialistische Tagespresse bringt in letzter Zeit Veröffentlichungen, die sich mit den Verhältnissen im Zentralverband der Landarbeiter beschäftigen. Zweck dieser Veröffentlichungen soll angeblich sein, die mangelnde Unabhängigkeit des genannten Verbandes darzutun. Anscheinend wird das Material der sozialdemokratischen Presse vom sozialistischen Landarbeiterverband, der auf ungewöhnlichen Wegen in den Besitz desselben gelangt sein dürfte, zugeleitet. Man kann von der sozialistischen Presse allerdings kein Verständnis dafür erwarten, daß die Verhältnisse in der christlich=nationalen Arbeiterbewegung nicht mit dem Maßstab, den diese Presse in bezug auf die sozialistische Bewegung anzulegen gewohnt ist, gemessen werden können. So hat z. B. die christliche Gewerkschaftsbewegung infolge ihrer weltanschaulichen Einstellung von jeher enge Verbindung mit den konfessionellen Standesvereinen und Bildungseinrichtungen gepflogen. Die Veröffentlichungen der sozialistischen Tagespresse betreffen teilweise Fälle, die entweder einerseits auf Verbindungen des Zentralverbandes der Landarbeiter mit dem Kirchlich=sozialen Bund oder der Evangelischsozialen Schule beruhen oder andererseits Unterstützungen für wirtschaftliche Einrichtungen, bzw. Genossenschaftseinrichtungen des Zentralverbandes der Landarbeiter betreffen. Der Gesamtverband der christlichen Gewerkschaften hat von jeher keinen Zweifel darüber gelassen, daß er jede Verbindung, die in irgend einer Weise die Unabhängigkeit und Selbständigkeit der Gewerkschaften beeinträchtigen könnte, ablehnt. Von den ihm angeschlossenen Verbänden verlangt er eine Haltung, die mit dieser seiner Einstellung übereinstimmt. Ob die Vorgänge im Zentralverband der Landarbeiter, die aus zurückliegender Zeit stammen, in allen Fällen in Uebereinstimmung mit den vom Gesamtverband vertretbaren Grundsätzen zu bringen sind, sei dahingestellt. Der Gesamtverband der christlichen Gewerkschaften hat aber anläßlich des Falles Behrens=Meyer, und zwar in Verbindung mit der Leitung des Zentralverbandes der Landarbeitrr, sein Möglichstes getan, um für die Zukunft eine allseitig vertretbare gewerkschaftliche Praxis des Zentralverbandes der Landarbeiter zu sichern. Die angebliche Sorge der sozialistischen Presse um die diesbezügliche Haltung des Gesamtverbandes dürfte daher an anderen Objekten zweckdienlicher angewandt sein. = Gemeinden und Wohnungserstellung, Die Gemeinden haben das größte Interesse an der Versorgung ihrer Angehörigen mit ausreichendem Wohnraum. Sollten es wenigstens haben. Aber trotz der vorbildlichen Tätigkeit mancher Gemeinden auf diesem Gebiete, erweisen sich die meisten Gemeinden als Hemmklotz einer gesunden Bautätigkeit. Entweder überlassen sie den Ankauf der Grundstücke völlig den Bodenspekulanten, oder aber glauben, dieselben im möglichst gewinnbringenden Verkauf ihrer Liegenschaften noch übertrumpfen zu müssen. Zudem verlangen sie Anliegerbeiträge, die oftmals den aufzuwendenden Summen für den Häuserbau gleichkommen. Beträge von 200 bis 300 Mark pro laufenden Meter Straßenfront sind keine Seltenheit. Dazu kommt noch, daß vielfach der gesamte Betraa für Straßenbau= und Kanalisationskosten vor Erteilung der baupolizeilichen Genehmigung in bar hinterlegt werden muß. Gegen diese Erschwerungen haben sich in neuerer Zeit eine Reihe von übergeordneten Instanzen gewandt. So heißt es in einem Erlasse des Reichsarbeitsministers vom 26. März 1926 u. a.: „Steht für Klein= und Mittelwohnungen Bau= und Gartenland in passender Lage zu angemessenem Preise nicht zur Verfügung, so sollen Gemeinden aus gemeindeeigenem Besitz Bauland in passender Lage zu möglichst niedrigem Preise zur Verfügung stellen.“ „Die Gemeinden sollen als Anliegerbeiträge höchstens die tatsächlichen Selbstkosten oder allgemeine Zuschläge für Verwaltungskosten erheben und, falls es zur Finanzierung notwendig ist, die Beiträge stunden, ermäßigen oder ganz erlassen."„Soweit Unternehmungen für die Versorgung mit Gas, Wasser, elektrischem Strom usw. von der Gemeinde oder von Gesellschaften, deren Anteile sich überwiegend in Gemeindebesitz befinden, betrieben werden, sind möglichst keine Anschlußkosten, keinesfalls aber solche über den Selbstkostenpreis hinaus zu erheben." Weiter sagt eine Verordnung der Reichsregierung vom 1. April 1926: „Um die Baukosten niedriger zu halten, sollen die Gemeinden Baugelände möglichst aus eigenem Besitz zur Verfügung stellen; bei der Berechnung des Bodenpreises, der Anliegerbeiträge, Anschlußgebühren, Straßenbau=, Planungs= und Verwaltungskosten dürfen sie sich nicht von Gewinnabsichten leiten lassen. Auch sollen sie durch Bewilligung von Teilzahlungen, Stundung oder Erlaß dieser Kosten dem Bauherrn weitestgehend entgegenkommen.“ Es wird gut sein, daß die am gemeinnützigen Wohnungsbau interessierten Organisationen immer wieder auf diese Erlasse hinweisen, damit sie nicht der Vergessenheit anheimfallen. *** Wieviel Wohnungen fehlen in Es hat erstaunlich lange gedauert, bis die Regierung die Baukredite für das laufende Jahr bewilligte. Noch erstaunlicher aber ist es, daß sie ganz und gar darauf vergessen hat, die bewilligten Kredite nun auch dem Baumarkt zuzuführen. Abgesehen von der Notwendigkeit der Entlastung der Erwerbslosenfürsorge bietet die Wohnungsnot doch wahrhaftig Anlaß genug, daß der schwerfällige Behördenapparat etwas lebendiger und anpassungsfreudiger wird. Fehlten doch, wie durch Erhebungen kürzlich festgestellt wurde, in einer Reihe preußischer Großstädte auf je 1000 Einwohner 19 Wohnungen, in Hamburg 30, in Thüringen 13, in Bayern, Sachsen und Baden 10 bis 11. Das ergibt einen Fehlbetrag von 600000 Wohnungen für das Reich, der jährlich um weitere 150 000 Wohnungen vergrößert wird. Der Zugang an Wohnungen betrug demgegenüber 1924 106502 und 1925, nach Schätzungen vom Oberregierungsrat Dr. Ebel im„Reichsarbeitsblatt“, 130 000 Wohnungen. In diesem Jahre wird die Zahl der neugebauten Wohnungen noch wesentlich geringer sein, nicht zuletzt infolge der unverständlichen Kreditverschleppung der Regierung. Die neue Mietserhöhung dürfte die Lage insofern verschlimmern, als zwar eine Reihe von größeren Wohnungen leer bleiben, weil sie nicht mehr bezahlt werden können, dafür aber die Nachfrage nach kleineren Wohnungen eine entsprechend größere wird. *** Zur Erwerbslosenfürsorge. Zahlreiche Stimmen aus Arbeitgeberkreisen haben sich zu dem Vorschlag der Gewerkschaften auf Schaffung von nach Lohnklassen gestaffelten Unterstützungssätzen geäußert. Zumeist sind sie sehr vorsichtig, vermeiden es, sich offen dagegen auszusprechen, versuchen aber den Anschein zu erwecken, als ob die Vorschläge der Gewerkschaften eine sehr erhebliche weitere Mehrbelastung bedeuten, die nicht getragen werden kann. Bei ruhiger Betrachtung der Sachlage wird man aber zugeben müssen, daß nach der bisherigen Entwicklung kein anderer Ausweg bleibt, als die Unterstützungshöchstsätze dem Lohn anzupassen. Gerade die Arbeitgeber haben bisher jede Verbesserung der Erwerbslosenfürsorge mit der Behauptung bekämpft, daß in vielen Fällen durch die Unterstützung der Lohn nahezu erreicht oder überschritten würde. Trotz der Erkenntnis, daß die Unterstützung für viele qualifizierte und höher gelohnte Arbeiter gänzlich unzureichend sei, konnte mit Rücksicht auf die niedriger Gelohnten keine weitere Erhöhung erreicht werden. Die Feststellung der Unterstützung nach dem Familienstand hat außerdem zu einer bedauerlichen Niedrighaltung der Sätze für die Ledigen geführt. Nun haben die Gewerkschaften sich gegen die Verallgemeinerung von Einzelfällen, in denen eine Ueberschneidung der Löhne vorkommen mag, gewendet, sich aber gleichwohl bereit erklärt, an der Beseitigung etwa bestehender Mißstände mitzuwirken. Den einzig möglichen Weg sehen sie in der Beseitigung der Staffelung nach Wirtschaftsgebieten und Ortsklassen und Einführung der Staffelung nach Lohnklassen. Bisher schwanken die Unterstützungssätze ohne Rücksicht auf die Lohnhöhe zwischen 5,46 bis 11,46 Mark für die Woche. Mit welcher Berechtigung will man noch weiterhin vertreten, daß ein Erwerbsloser in Schlesien oder Ostpreußen bei dem gleichen Verdienst nur 5,46 bekommt, während ein Erwerbsloser im Westen 8,70 erhält. Für andere Gruppen beträgt die wöchentliche Unterstützung im Osten 6,66 Mark, im Westen 11,46 Mark, immer ohne Rücksicht auf die Lohnhöhe des einzelnen, nur aus der Annahme heraus, daß im Osten allgemein niedrigere Löhne gezahlt werden als im Westen. Die Einteilung nach Wirtschaftsgebieten und Ortsklassen kann nicht aufrechterhalten werden, sie kann nur abgelöst werden durch Unterstützungssätze, die in Beziehung zum Lohn stehen. Die Folge der Neuregelung wird natürlich sein, daß Unterstützungsempfänger, die sehr niedrige Löhne beziehen, in Zukunft eine geringere Unterstützung bekommen, während sie bisher genau soviel bekamen wie die höher Gelohnten. Es kommt deshalb darauf an, hier den rechten Ausgleich zu finden, die untersten Lohnklassen nicht gar zu weit sinken zu lassen, aber doch dafür zu sorgen, daß mit den Familienzuschlägen die Löhne nicht erreicht oder überschritten werden. Daß die Löhne in vielen Gebieten und Berufen so außerordentlich schlecht sind, daß eine Ueberschneidung durch die Unterstützungssätze sehr leicht möglich ist, bleibt ein Kapitel für sich. Das ist jedoch eine Frage, die durch die Erwerbslosenfürsorge nicht gelöst werden kann. , viel und Neinen in Hamm. Zweiter Tag. Hamm, 6. Juni. Schlechtes Wetter, daher schlechter Besuch, aber verhältnismäßig gute Leistungen, das Charakteristikum des Sonntagsrennens in Hamm. Das beste Rennen war das Märkische Halbblut=Jagdrennen, das Oberleutnant Holste auf Föhn 2 erwartungsgemäß einheimste. Ozacziti auf Parma stürzte, erlitt aber keinen nennenswerten Schaden. Die Ergebnisse: Landwirtschaftliches Paarspringen: 1.„Granate“ und„Schwalbe“ unter H. Osthoff und Jos. Östermann, Bes. Ww. Osthoff und Fr. Wormstall; 2.„Helgo“ und „Fee" unter P. Herringen und Köhling, Bes. Louis Ettey; 3.„Regina“ und„Helman“ unter H. u. A. Geisthövel, Bes. Geisthövel=Pellenpohr. Eröffnungs=Halbblutflachrennen(1800 m): 1.„Ortwin"(Otto Stange), Bes. Stall E. Burge; 2.„CharlyChaplin"(Kleinker), Bes. H. Hülsmann; 3.„Thronstütze"(H. Schulz), Bes. F. Schütz. Zeit 2:16, 3 Lg., 5 Lg. Tot.: Sieg 10, Platz 11, 12, 17. Ferner„Närrin“ und sechs andere. Bronzenes Pferd(1800 m): 1.„Hera"(B. Nolle jr.), Bes. B. Nolle sen.; 2.„Schwalbe“(Östermann), Bes. Fr. Wormstall; 3.„Morgenkind“(Zessin), Bes. Suermann. Zeit 2:25, 20 Lg., Weile, 1 Lg. Ferner„Honoria" und „Fee" Nicht öffentlich. Trabreiten(2000 m): 1.„Verine"(2000)(Ernst Voß) Bes. Paul Rotmann; 2.„Liesi",(2000), Reiter u. Bes. Strathaus; 3.„Bartmarie"(2000)(Giese) Bes. A. Rascha. Zeit 5:13, 10 Sg., 10 Sg., Tot. Sieg 10, Platz 11, 12. Ferner„Burgunda“ und„Hektor“. Märk. Halbblut=Jagdrennen(3000 m): 1.„Föhn 2“ Oberl. Holste; 2.„Na=Nü“(H. Schüer) Bes. Mühlenkordt; 3.„Arxe"(H. Schütz), Bes. F. Schütz. Zeit 4:00, 23 Lg. Tot. Sieg 12, Platz 10, 10. Ferner„Anita“, „Charly=Chaplin“ und„Parma“(gest.) Große Leege= Erinnerungsrennen(2000 m): 1. „Bummler“(Joh. Everding), Bes. Schulze Everding, 2.„Verine"(Ernst Voß), Bes. Paul Rotmann; 3.„Reißaus"(Aug. Everding), Bes. Schulze Everding.„Hera“ und„Maiblume 2“ wegen Bahnschneidens als 1. und 2. disqualifiziert. Nicht öffentlich. Jagd mit Auslauf. 1.„Constezza"(Reiter und Bes. H. I. Brinkhaus); 2.„Bianka"(Joh. Everding), Bes. Schulze Everding; 3.„Emmy“(G. Maffeg), Bes. Karl Hemsoth. 2,1 Lg. Tot. Sieg 15, Pl. 10, 10, 10. Das internationale Sportfest G. C. Charlottenburg. Charlottenburg, 6. Juni.(Eig. Drahtb.) Der S. C. Charlottenburg weihte am heutigen Sonntag seine neue ideale Kampfstätte durch ein großzügig angelegtes Meeting ein. Leider erschienen ein Teil der gemeldeten Ausländer nicht am Start; vor allen Dingen die französische Mannschaft erschien nur unvollständig. Dennoch war der gebotene Sport hervorragend. Insbesondere die Dänen zeigten manch gute Leistung. Die neue S. C. C. Anlage, die eine der besten in Deutschland zu werden verspricht, war noch nicht hart genug, sodaß die erzielten Zeiten etwas darunter litten. Nach einem feierlichen Einmarsch übergab der Charlottenburger Bürgermeister Dr. Aust den Platz seiner Bestimmung. Die Wettkämpfe selbst hielten die Zuschauer dauernd in Spannung. In den 100 m wurde man leider enttäuscht, da Körnig nach gewonnenem Vor= und Zwischenlauf infolge einer Sehnenzerrung am Endlauf nicht teilnehmen konnte. In Abwesenheit Körnigs gelang es dem Franzosen Theard, den Leipziger Wege knapp mit Brustbreite zu schlagen. Eine gute Leistung, die unter den gegebenen Verhältnissen geradezu fabelhaft ist, vollbrachte der deutsche Waldlaufmeister Rätze=Luckenwalde, der in 15:38,3 Min. den Franzosen Marshall über 5000 schlagen konnte Berlin machte im 400 m=Lauf mit seinen Gegnern nicht viel Federlesens und verwies Storz=Halle und FaistKarlsruhe auf die Plätze. Im 200 m=Lauf kam der franz. Meister Moulon über den 3. Platz nicht hinaus, da Büchner und Wege an erster und zweiter Stelle rangierten. Recht überlegen zeigte sich der hühnenhafte Franzose Paoli im Kugelstoßen; er konnte mit über 1 m vor seinen deutschen Kollegen siegen; auch der Speerwurf brachte einen ausländischen Sieg; GyrlingDänemark konnte hier Hofmeister=Hannover, der es nur auf 64.63 brachte, mit fast 2 m schlagen. Im Stabhochsprung und im 1500 m=Lauf siegten die dänischen Farben benfalls und zwar in der ersten Konkurrenz Petersen mit 3,60, in letzterer Larsen=Dänemark in 4:08.7 in Abwesenheit ernsthafter deutscher Konkurrenz. Aus dem Duell: Troßbach=Lundgreen wurde nicht viel. Troßbach ging bereits von Anfang an in Führung und siegte ziemlich leicht in der für ihn mittelmäßigen Zeit von 16 Sekunden. Eine Glanzleistung vollbrachte der Berliner Beetz, der mit 1.87 eine im Hochsprung in Deutschland lange nicht mehr erreichte Höhe bewältigte. Die Ergebnisse sind folgende: Stabhochsprung: 1. Petersen=Dänemark 3.60 m; 2. Lepke=Siemens=Berlin 3.50 m; 3. Lehninger, S. C. Charlottenburg 3.40 m. 800 m=Lauf: 1. Böcher, Teutonia Berlin 1:58.8 Min. 2. Schoemann=Breslau; 3. Cornelius, D. S. C. Berlin. Diskuswurf: 1. Hofmeister, Hannover 96 42.015 m; 2. Hähnchen, Pol. Berlin 39.19 m; 3. Jansen=Dänemark 38.85 m. Hochsprung: 1. Beetz, Deutscher S. C. Berlin 1.85 m; 2. Skorzinski, Pol. Berlin 1.83 m; 3. Fritzmann, S. C. Charlottenburg 1.79 m. 110 m=Hürdenlauf: 1. Troßbach, D. S. C. Berlin 16 Sek.; 2. Lundgreen=Dänemark. 1500 m=Lauf: 1. Larsen= Dänemark 4:08.7 Min.; 2. Friebe=Graz 4:12.6 Min.; 3. Otto=Leipzig 4:15 Min. 400 m=Lauf: 1. Schmidt, Teutonia Berlin 50 Sek.; 2. Storz=Halle; 3. Faist=Karlsruhe. Speerwurf: 1. Gyrling=Dänemark40 m; 2. Hofmeister=Hannover 54.63 m; 3. Meimer, Pol. Berlin 52.77 m. 100 m=Lauf: 1. Theard=Frankreich 11 Sek.; 2. WegeLeipzig, Brustbr. zur.; 3. Schlößke, S. C. Charlottenburg weit. Brustbr. zur. 200 m=Lauf: 1. Büchner=Magdeburg 22,2 Min.; 2. Wege=Leipzig; 3. Mourlon=Frankreich. Kugelstoßen: 1. Paoli=Frankreich 13.55 m; 2. Hähnchen, Pol. Berlin 12.33 m; 3. Ploch, V. f. B. Breslau 12.30 m. 5000 m=Lauf: 1. Rätze, V. f. B. Luckenwalde 15:38.3 Min.; 2. Marshall=Frankreich 15:55.3 Min.; 3. BoltzeStettin; 4. Mirdel, S. C. Charlottenburg. Weitsprung: 1. Holz=Brandenburg Berlin 6.93 m; 2 Lepke=Siemens=Berlin 6.89 m; 4 mal 100 m=Staffel: 1. Berliner S. C. 43.4 Sek.; 2. Deutscher S. C. Berlin; 3. S. C. Charlottenburg. 4 mal 400 m=Staffel: 1. Teutonia Berlin 3:32.4 Min.; 2. Deutscher S. C. Berlin; 3. Berliner S. C. Westfälische Bezirksmeisterschaften. :: Herten, 6. Juni. Die westfälischen Bezirksmeisterschaften fielen förmlich ins Wasser. Zuschauer waren kaum zugegen, die Beschaffenheit des Platzes schlecht und die Leistungen minimal. Nach 2=stündiger Dauer war der Regen derart stark, daß man kurz entschlossen die Veranstaltung abbrach. Bis dahin waren folgende Meisterschaften unter Dach und Fach gebracht: 100 m: 1. Ahrens=Hammer Sp. Vg., 11,4 2. SteidelMünster 08 3m zur., 3. Plesser, H. S. Vg. 800 m: 1. Mosecker=Münster 2:10,8, 2. Frank=H. S. Vg. 2:11,8, 3. Walther=B. V. Marl 10 m zur. 5000 m. 1. Husen=Viktoria Recklinghausen 16:31,3, 2. Schilling=Union Herford 30 m zur., 3. Rehbrock=V. f. B., Waltrop. Kugelstoßen. 1. Deppenbrock=Preußen Münster 10,50, 2. Hostadt=H. S. Vg. 9,95 m., 3. Ammermann=Unna 08 8,96 m. Hochsprung. 1. Gerbrecht— Pol. Hamm 1,60 m, 2. Diederichs=Perußen Münster 1,55 m, 3. Glasel=PolizeiHamm 1,50 m. Dr. Peltzer stellt in Budapest einen Weltrekord über 500 m und eine neue Höchstleistung über 400 m Hürden auf. Budapest, 6. Juni. Dr. Peltzer. der am heutigen Sonntag in Budapest an den Start ging, stellte über 500 Meter mit 1:03,6 Min. einen neuen Weltrekord auf. Barsi=Budapest endete auf dem zweiten Platz in 1:04,6 Min.— Im 400 m=Hürdenlauf erzielte der Deutsche mit 55,6 Sekunden eine neue deutsche Höchstleistung. Die Ereignisso im Radsport. Rad=Länderkampf Dentschland— Holland. Endergebnis 164:81 Punkte für Deutschland. Köln, 6. Juni.(Eig. Drahtb.) Im Kölner Stadion kam heute ein Wettkampf von roßer internationaler Bedeutung, die Begegnung der Zundesmannschaften von Deutschland und Holland zum Austrag. Trotz des schlechten Wetters hatten sich etwa 6—7000 Zuschauer eingefunden, die auch insofern angenehm entäuscht wurden, als die vier ersten Rennen ohne Witterungsstörung glatt zu Ende geführt wurden, und sie vorzüglichen Sport sahen. Nach der Niederlage der deutschen Mannschaft im Jahre 1924, und nach dem überlegenen Sieg im Jahre 1925 wuchs die diesjährige 3. Begegnung zu einem außerordentlich scharfen Kampf aus. Nach den vier Wettkämpfen führen die Holländer noch mit 71:69 Punkten. Im Fliegerhauptfahren konnte sich auf Seiten Hollands nur der Fahrer Leene durchsetzen, der hervorragende Leistungen zeigte, und nur knapp hinter Oszmella auf dem 2. Platz landete. Eecht angenehm enttäuschte ferner der Erfurter Einsiedel, der es fertig brachte, in den Zwischenläufen so gute Leute wie Hijzelendoorn und Mazairac zu schlagen. Im Endlauf der beiden Zwischenlaufsieger konnte Oszmella Leene mit ¼ Länge besiegen, während Steffes Einsiedel nur mit Handbreite auf den 4. Platz verwies.— Ein großer Reinfall für die deutschen Farben war das Verfolgungsrennen, das die 1. holländische Mannschaft mit 4:63 Min., 3350 m nahezu gewann. Die zweite Mannschaft kam, die sie mit 5:02 Min. 40 m Vorsprung erzielte, ebenfalls in die Entscheidung, sodaß sämtliche Punkte an die Holländer fielen und ein Entscheidungslauf nicht notwendig wurde. Nach diesen Ergebnissen führte Holland bereits mit 47:41 Punkten. Auch die weiteren Konkurrenzen waren hart umstritten. Die Ergebnisse bis zum 50 Klm. Rennen, dessen Austragung infolge Regens unwahrscheinlich ist: Fliegerhauptfahren: 1. Oszmella letzten 200 m in 13 Sek., 2. Leene=Holland ¾ Länge zur., 3. SteffesDeutschl., 4. Einsiedel=Deutschl. Verfolgungsrennen: 1. Holland, 1. Mannsch. (Maas van der Wulp, Van Oers, Braspenning) 4:36 nach 3350 m, 2. Holland 2. Mannsch. 5:02 Min. 1000 m=Fahren nach Zeit: 1. Van Oers=Holland 1: 14,2 Min. 12 Punkte, 2. Einsiedel=Deutschl. und Brilmann-Holland je 1:15 je 6 P., 4. Oszmella=Deutschl. 1:15,1 Min. Zweisitzer=Hauptfahren: 1. Engels=SteffesDeutschl. letzt. 200 m in 11,4 Sek., 2. Leene=Van DijkAuch Schmidt=Teutonia Holland, 3. Brilmann=Hoevens=Holland, 4. RoßbachBlank=Deutschl. + Köln, 6. Juni.(Eig. Drahtber.) Das 50 kmMannschaftsfahren brachte die endgültige Entscheidung des Länderkampfes. Gleich zu Beginn begannen die Holländer mit wilden Jagden, die das Feld um ra. 300 m auseinanderzogen. Die erste Wertung wurde nur von den Deutschen gewonnen. Das Rennen wurde hierauf wegen Regens 2 Stunden unterbrochen. Dann kam es bei Beleuchtung wieder zum Austrag, es mußte allerdings durch gegen Schluß einsetzenden Regen um 4000 m abgekürzt werden. Die Holländer taten sich durch häufige Ueberrundungsversuche hervor, konnten aber in den Wertungsversuchen keine Plätze belegen. Die Ergebnisse sind folgende: 50 km Mannschaftsfahren: 1. Oszmella=Schorm 20 Punkte, 2. Rausch=Frankenstein 19 P., 3. Jocksch=Einsidel 16 P., 4. Engel=Steffes 13 P., 5. Leeme=van Dyck 10 P., 6. Plank=Rütt 7 P. Es wurden gefahren 46 km in 1:1:59% Stunde. Radrennen in Aachen. Aachen, 6. Juni. Auf der Radrennbahn in Aachen wurden heute Rennen über 75 Klm. hinter Schrittmachern ausgetragen. Die Aennen wurden in 3 Läufen zu je 25 Klm. gefahren. Nachstehend die Ergebnisse: 1. Lauf: 1. Müller=Köln, 23,06; 2. SchottAachen 22 Mtr zurück; 3. Steingaß=Köln. 2. Lauf: 1. Schott=Aachen 23,05; 2., Steingaß 15 Mtr. zurück; 3. Kinzen=Aachen. 3. Lauf: 1. Schott=Aachen 22,15½(neuer Bahnrekord); 2. Steingaß 450 Mtr. zurück; 3. Kinzen 1960 Meter zurück. Sawall gewinnt das„Goldene Rad“ von Berlin. Berlin, 6. Juni. Bei prächtigem Wetter wurde vor gutbesetztem Hause das Goldene Rad von Berlin ausgetragen. Linart belegte nur den 4. Platz. Die Ergebnisse: 1. Sawall, 100 Klm. in 1:23,6; 2. Möller, dichtauf; 3. Wittig, 1050 Mtr. zurück; 4. Linart; 5. Brumer. Hauptfahren: 1. Corry, 2. Kolles, 3. Meier, 4. Rudel. Vanderstuyft siegt in Breslau. Breslau, 5. Juni 1926. Auf der alten Rennbahn in Grüneiche gingen heute gut besetzte internationale Fliegerrennen vor sich. Das Rennen um den„Großen Fliegerpreis von Schlesien" gestaltete sich zu einem harten Kampfe zwischen LeeneHolland und Rieger=Breslau. Der Holländer konnte den Breslauer kurz vorm Ziel abfangen und ihn mit einer Viertellänge schlagen. Im Einstunden=Mannschaftsfahren siegte bei schwacher Beteiligung das Paar WailliezLorenz mit 40 Klm. und 9 Punkten. Das Hauptereignis bildeten die Rennen„Um den Oderpreis". Im Kleinen Oderpreis über 30 Klm. kam es zu einem Duell Vanderstuyft— Rosellen, das Ersterer knapp mit 40 m at und zwar in Ahoer 1 der Beste und siegte mit 65 900 Klm., dicht gefolgt wiederum von Rosellen, der 65,690 Klm. erreichte. Die einzelnen Ergebnisse sind: Rennen um den„Großen Fliegerpreis von Schlesien“: 1. Leene=Holland, 2. Rieger=Breslau ¼ Länge zurück. Einstunden=Mannschaftsfahren: 1. Wailliez=Lorenz 40 Klm. und 9 Punkte. Rennen um den„Kleinen Oderpreis" über 30 Klm.: 1. Vanderstuyft 26:08,4; 2. Rosellen 40 m zurück, 3. Miquall 260 m zur., 4. Feja 280 m zur., 5. Thomas 380 m zur., 6. Van Ruysseveldt 1400 m zur. Rennen um den„Großen Oderrpeis“ über 1 Stunde: 1. Vanderstuyft 65,900 Klm., 2. Rosellen 65,690 Klm., 3. Van Ruysseveldt 65,510 Klm., 4. Miquel 65,300 Klm., 5. Thomas 64,900 Klm., Feja 63,750 Klm. französischen Flieger= und Stehermeisterschaften Paris, 6. Mai.(Eig. Drahtb.) Heute kamen in Paris bei guten Austragungsbedingungen die französischen Flieger= und Stehermeisterschaften, die sich eines guten Besuches erfreuten, zum Austrag. Die von 10 Teilnehmern bestrittene 100 kmStehermeisterschaft sah vom Start an den vorjährigen Meister Sérès in Führung. Sérès passierte die 10 kmMarke als erster vor Paillard in 8 Min. und führte auch bei 20 km, die er in der guten Zeit von 15:29.2 zurücklegte, ebenfalls vor Paillard noch. Später ließ der Altmeister nach. Die Ergebnisse der Stehermeisterschaft waren: 1. Ganay=Marseille 1:17:10.4 Min.; 2. Juby 4 Runden zur.; 3. Sérès 4 Runden zur. Die Fliegermeisterschaft brachte einen sicheren Sieg von Schilles, der vor Faucheux und Devoissoux den Titel an sich riß. Amateur=Straßenrennen Hamburg— Schwerin— Hamburg. Hamburg, 6. Juni.(Eig. Drahtber.) Die Strecke führte über 165 km von Hamburg über Ludwigslust nach Schwerin und zurück. Das Wetter war verhältnismäßig gut, auch die Straßen waren in einer guten Verfassung, so daß die Vorbedingungen für ein gutes Rennen gegeben waren. Die Ergebnisse: Altersklasse: 1. Löhrmann R. V. Weser Bremen 8,18 Stunden, 2. Robert Rickert, Bergedorf, 8,45,3 Std., 3. W. Landmat Hamburger Radtouristen 8,47 Std., 4. Meding, Hamburger Radtouristen, 8,47 Std. 5. Dickel, Bergedorf, 9,49 Std. Juniorenklasse: 1. Erich Giese, R. C. Germania Berlin, 9,06,10. 2. Otto Papenfuß dicht auf. 3. Schliep, Radsport Berlin, 1 Radlänge zurück, Meyer dicht auf. 5. Milb, R. C. Hamburg, 9,08,31. Großer Straßenpreis der Lausitz(D. R. A.) Berlin, 6. Juni.(Eig. Drahtber.) Die hervorragend organisierte Veranstaltung ging bei einem herrlichen Wetter vor sich u. brachte guten Sport. Die Fahrer hatten einen 147 km langen Weg zurückzulegen und erreichten in guter Verfassung das Ziel. Die Ergebnisse: 1. R. Wolke 4,36,25, 2. Bruno Wolke zwei Längen zurück, 3. Butz, 4. Büttner, sämtlich Berlin. Rund um München. München, 6. Juni. Hier fanden heute Straßenrennen über 185 Klm. statt. Erster wurde Kometer=München in 6:25,27, Zweiter Hauck=St. Gallen in 6:31,17. Dritter Jakob=München. Rund um Frankfurt— 240 Klm. Frankfurt, 6. Juni. Den„Großen Opelpreis“, der auf der Strecke „Rund um Frankfurt“ ausgetragen wurde, wurde im Endspurt enschieden. Berufsfahrer: 1. Suter(Schweiz) 8,25. 2. Belloni(Italien), 3. van Hevel, 4. Fischer. Amateure: 1. Lerch=Baden 8:25,25. Radfernfahrt Paris— Paris, 6. Juni.(Eig. Drahtb.) Die große Radfernfahrt Paris=Brüssel konnte der bekannte Verschueren mit sicherem Vorsprung gewinnen. Ergebnisse der Ruderregatta in Trier: Trier, 6. Juni.(Eig. Drahtber.) Die Trierer Ruderregatta war von den westdeutschen Rudervereinen sehr gut besucht. Leider war das Wetter an beiden Tagen nicht das beste, immerhin war der Besuch relativ gut. Den Löwenanteil an den Erfolgen sicherten sich die Kölner und Mainzer Vereine. Im 1. Vierer o. St. konnte der Mainzer R.=V. Köln 91 sicher schlagen. Der. Jungmann=Achter brachte ein scharfes Rennen zwischen der R. G. Trier und der Ruderriege Essen, den die Einheimischen im Endspurt sicher mit ½ Bootslänge gewinnen konnten. Im Jungmann=Vierer landete Germania Köln, im JungmannEiner Frankfurt=Oberrad einen überlegenen Sieg. Das schönste Rennen des ersten Tages war der Reichsachter, der an den Mainzer R. V. mit zweizehntel Sekunden Vorsprung fiel.— Am 2. Tag war der gebotene Sport noch interessanter. Rhenania Koblenz konnte den Junioren=Achter mit ½ Bootslänge vor der R. G. Trier und Germania Köln an sich bringen, während Köln 91 nach anfänglich scharfem Kampf überlegen den 1. Vierer in Sicherheit brachte. Den preußischen Staatspreis gewann die Ruderriege Essen mit sicherem Vorsprung vor der Binger R. G. nach anfänglich äußerst scharfem Kampf gegen Bingen und Trier. Auch den 1. Achter brachte der Mainzer R. V. in der guten Zeit von 5:49,8 Min. nach hartem Endkampf gegen Köln 91, die wiederum nur einige Zehntelsekunden zurück waren, an sich. 1. Tag: 2. Achter: 1. Kölner R. V. 77 6:07 Min., 2. Germania Köln 6:11,4 Min., 3. R. Ges. Trier. 2. Einer: L. Offenbacher Undine(Reineka) 7:04,4 Min., 2. Koblenz 21(Kröll), 3. Köln 77(Quebe) bei 2000 m abjestoppt. 1. Vierer ohne St.: 1. Mainzer R. V. 6:15 Min., 2. Köln 91 6:21 Min., 3. Undine Offenbach bei 1000 m abgestoppt. Jungmannen=Achter: 1. R. Ges. Trier 6:06,6 Min., 2. Ruderriege Essen 6:08,2 Min., 3. Rhenania Koblenz 6:14,6 Min. Jungmannen=Vierer: 1. Binger R. Ges. 6:44,6 Min., 2. Treveris Trier 6:49,4 Min., 3. Undine Saarbrücken 6:59,2 Min., 4. R. Ges. Traben=Trabach. Doppelzweier ohne St.: ausgefallen da nur eine Meldung(Oberrad). 1. Junior=Vierer: 1. Rhenus Bonn 6:47,2 Min., 2. R. V. Zell 6:59 Min. Zweier ohne St.: 1. Mainzer R. V. 7:27,4 Min., 2. Ruderriege Essen 7:40,2. 2. Jungmannen=Vierer: 1. Germania Köln 6:54,8 M., 2. Rhenania Koblenz 7:05,2 Min., 3. Ruderriege Essen 7:10 Min. Jungmannen=Einer: 1. Frankfurt=Oberrad(Buhl) 7:22 Min., 2. Undine Offenbach(Reineka) 7:27,4 Min., 3. Bayer Leverkusen 7:35,4 Min. Vierer für B.=Vereine: 1. Saar Saarbrücken 3:46,8 Min., 2. Treveris Trier 3:50,2 Min., 3. R. C. Trier 3:55,8 Min. Reichsachter: 1. Mainzer R. V. 6:05,2 Min., 2. Köln 91 6:05,4 Min., 3. Undine Offenbach 6:08, 4. Köln 77. 2. Tag: Junior=Achter: 1. Rhenania Koblenz 6:07,2 Min., R. Ges. Trier 6:08,8 Min., 3. Germania Köln 6:13 Min. 2. Doppelzweier: 1. Undine Offenbach 6:40,8 Min., 2. Terveris Trier 6:43,6 Min., 3. Bayer Leverkusen 6:57,6 Min. 1. Vierer: 1. Köln 91 6:24,4 Min., 2. Undine Offenbach 6:30,2 Min., 3. Mainzer R. V. 6:30,8 Min. 1. Vierer ohne St.: 1. Germania Köln 6:30,8 Min., 2. Köln 77 6:33,2 Min., 3. Undine Offenbach 6:36,2 Min. Vierer für B.=Klasse: 1. Koblenzer R. Ges. 6:42,6 M. Mosel=Pokal=Einer: 1. Frankfurt=Oberrad(Buhl) 7:44,8 Alleingang. Hochschul=Vierer: 1. Rhenus Bonn 6:43,8 Min., 2. Gießener R. Ges. 6:50,6 Min. 2. Vierer: 1. Germania Köln 6:37 Min., 2. Rhenania Koblenz 6:37,8 Min. 1. Jungmannen=Vierer(Preuß. Staatspreis): 1. Ruderriege Essen 6:40,3 Min., 2. Binger R. Ges. 6:42 M., 3. R. Ges. Trier 6:54 Min., 4. Rhenania Koblenz. Junior=Einer: 1. Frankfurt=Oberrad(Buhl) 7:07,8 Min., 2. Undine Offenbach 7:11,6 Min., 3. Bayer Leverkusen. 1. Achter: 1. Mainzer R. V. 5:49,8 Min., 2. Köln 91 5:50,2 Min., 3. Undine Offenbach 6:13 Min. Ermunterungsvierer: 1. R. C. Traben=Trabach. Die Grünauer Ruderregatta. — Berlin=Grünau, 6. Juni.(Eig. Drahtber.) DiVeranstaltung war von herrlichem Wetter begünstigt. Die nach Tausenden zählenden Zuschauer verfolgten die einzelnen Rennen mit lebhaftem Interesse. Die genauen Ergebnisse sind folgende: Doppelzweier: 1 Wiking=Berlin 8,02 Min., 2. Hellas=Berlin 8,10,6 Min. Jungmannen=Vierer: 1. R. R. Siemens=Berlin 7,56,2. Jungmannen=Achter: 1. Brandenburgia=Oberschöneweide 6,54 Min. 1. Vierer: 1. Köpenicker R. C. 1880 7,37,4 Min., 2. Germania=Berlin. Jungmannen=Einer: 1. Bornemann=Sport Borussia Berlin 22,4 Min. Zweier ohne Steuermann: 1. Brandenburgia 8,25,2 Min., 2. Viktoria-Berlin. Leichter Vierer: 1. R. G. 1884 Berlin 7,53 Min., 2. Berl. R. V. 1872. 2. Vierer: 1. Spindlersfelder R. V. 1878 7,44 Min., 2. Akad. R. C. Achter: 1. R. R. des Akad. Turn=Vereins Berlin 7,02. 2. Jungmannen=Vierer: 1. Sturmvogel=Berlin 7,32 Min., 2. Wiking=Berlin. 2. Achter: 1. Wiking=Berlin 7,03 Min., 2. Akad. R. C. Berlin. Deutsche Turnerschaft. Am die Hand= und Fußball=Meisterschaft der D. T. 1926. Ulm, 6. Juni.(Eig. Drahtber.) Bei verhältnismäßig gutem Wetter brachte heute die D. T. in Ulm vor etwa 4000 Zuschauern die Entscheidungsspiele im Hand= und Fußball zum Austrag. Im Damenhandball schlug die Hamburger Turnerschaft Barmbeck=Uhlenhorst die Eintracht Frankfurt mit 3:1(1:1). Bei den Männern fertigte der Polizei S. V. Rastatt den T. und S. V. Spandau 1860 mit 3:1(3:0) ab.— Im Fußball hatte sich der Hamburg=Rothenburgsorter T. V. dem M. T. V. Fürth knapp mit 3:2(2:1) zu beugen. Fußball. Fußball im Ausland. Internationale Repräsentativspiele: In Budapest: Ungarn— Tschecho Slowakei 2:1. In Warschau: Amateur=Länderspiel Polen— Tschecho Slowakei 1:2. In Prag: Städtespiel: Prag— Budapest 6:2. In St. Gallen: Auswahlspiel: Ostschweiz— Tirol 7:0. Allerlei. Korrespondenz mit sich selbst. Es erscheint im ersten Augenblick närrisch, wenn man hört, daß es Leute geben soll, die an sich selber Briefe schreiben. Aber so seltsam es klingen mag, die Tatsache besteht. War da zum Beispiel ein berühmter Dramatiker, der sehr viel reiste. Gerade in den intimsten Augenblicken, wo man es am wenigsten vermuten konnte, ramen ihm natürlich die besten Gedanken. Ein Notizbuch war nicht immer zur Hand. Also schrieb er seine Geistesblitze auf irgendein Blättchen Papier nieder. Aber so gut, wie man sein Notizbuch vergißt, verliert man etwas, was auf lose Zettelchen notiert ist. Als unser vergeßlicher Dramatiker von seiner Reise zurückkam, erinnerte er sich zwar, sehr viele gute Gedanken gehabt zu haben, aber er hatte das meiste trotz des Aufschreibens verloren. So besann er sich denn eines besseren. Er schrieb weiterhin seine flüchtigen Einfälle auf freie Zettel, wenn er wieder auf Reisen ging, aber er steckte diese„fliegenden Blätter“ sofort in Kuverts, die er auf Vorrat an sich selbst adressiert und frankiert hatte. Und siehe da, als er das nächste Mal von der Reise zurückkam, fand er auf dem Schreibtisch seine genialen Gedanken alle hübsch eingefangen und ordentlich aufgestapelt vor sich liegen.— Man muß sich zu helfen wissen. *** „Musikfreunde“. Es ist heutzutage Sitte geworden, in Bier= und besonders in Kaffeehäusern die Gäste durch die Vorträge eines guten Orchesters zu fesseln. Was sich in unserer Zeit jeder leistet, war einst das Vorrecht der Reichen und Großen. Aber sie haben nicht immer den besten Gebrauch davon gemacht. So war z. B. Karl X. von Frankreich weniger musikalisch. Eines Sonntags ließ der Chef des Orchesters die königliche Kapelle eines Abends eine der schönsten Symphonien Beethovens spielen. Nach dem ersten Teile gähnten bereits die sämtlichen hohen und höchsten Anwesenden. Der zweite Teil belebte sie wieder ein wenig; bei dem Adagio aber schlummerten mehrere Herren und Damen friedlich ein. Der König— sprach mit einem seiner Begleiter von der Jagd, und die Damen unterhielten sich über den letzten Ball. Der Chef des Orchesters bemerkte dies und nahm den letzten Teil so ungeheuer schnell, daß die Musiker der Bewegung nicht folgen konnten und um mehrere Takte auseinander waren, sodaß eine wahre Katzenmusik entstand. Von den hohen Anwesenden bemerkte es niemand. Im nächsten Karneval erhielt der Direktor den Befehl, in St Cloud durch Musik den Hof zu erheitern. Er gab seinen Leuten Kinderinstrumente: 20 kleine Geigen, 6 Pfeifen, 10 blecherne Trompetchen, 8 Brummeisen, 4 Schnurren, einige kleine Halbmonde, 2 Trommeln und so weiter. Nach drei Proben waren die Musiker hinreichend eingeübt. Der Hof wunderte sich sehr, als man die Musiker mit solchen Instrumenten anrücken sah. Das Orchester begann die Ouvertüre, und es läßt sich unmöglich eine Beschreibung von den Tönen geben, die diese 45 kreischenden, piependen, quiekenden Instrumente in dem Saale verbreiteten. Ein allgemeines Gelächter brach los, das nicht wieder enden wollte.— Man war lange nicht mehr so heiter gewesen in St. Cloud. Nur ein Mann, der in der Ecke des Saales stand, verzog fortwährend schmerzlich das Gesicht, trippelte hin und her, schien die größte Pein zu empfinden, sagte aber kein Wort. Es war Cherubini, der Direktor des Konservatoriums. Er litt Höllenqualen. Alle anderen Anwesenden dagegen, selbst die königlichen Majestäten und Hoheiten, lachten, daß sie sich die Seiten halten mußten. und als das Stück zu Ende war, wurde das Orchester mit Beifall überschüttet— von den großen Kindern. Verlangt unsere Zeitung auf den Bahnhöfen und in den Zeitungsverkaufsstellen! Darlehnsaufwertung im Getreidegeschäft. Vom Reichsbund des deutschen Handels mit landvirtschaftlichen Erzeugnissen wird uns geschrieben: Wie sich aus mehreren an uns gerichteten Anfragen aus Mitgliederkreisen ergeben hat, besteht Unklarheit über die Frage, ob ein Darlehen auch dann aufzuwerten ist, wenn der Schuldner neben seinem Getreidegeschäft noch ein Bankgeschäft betreibt. Es bedarf kaum des Hinweises, daß diese Frage namentlich für den Provinzgetreidehandel von besonderer Bedeutung ist, da ja der Provinzhändler in weitem Umfange gleichzeitig der Bankier, der mit ihm in Geschäftsverbindung stehende Landwirt, ist. Für die Entscheidung dieser Rechtsfrage ist der§ 66 des Aufwertungsgesetzes maßgebend. Danach werden grundsätzlich Ansprüche aus Darlehen nicht aufgewertet, wenn sie sich gegen ein Unternehmen richten, dessen Geschäftsbetrieb der Anschaffung und Darleihung von Geld dient. Diese Fassung des§ 66 bedeutet für den Getreidehandel in der Tat eine Verbesserung gegenüber dem ursprünglichen Entwurf, der eine Auswertungsbefreiung nur für reine Bankgeschäfte vorsah. Jedoch könnte es auch nach der jetzt gültigen Fassung noch zweiselhaft erscheinen, ob diese Befreiung auch für gemischte Waren= und Bankgeschäfte schlechthin oder nur dann eintreten sollte, wenn der Nachweis erbracht werden konnte, daß das Darlehnsgeld tatsächlich im Bankbetriebe Verwendung gefunden hat. letzteren Falle wären wegen der Schwierigkeit der Beweisführung die Vergünstigungen des§ 66 für die Getreidegeschäfte kaum praktisch geworden. Ueber die hier zur Diskussion stehende Streitfrage liegt bereits ein Urteil des Oberlandesgerichts Dresden vom 16. November 1925 vor, mitgeteilt in der Rechtsprechung in Aufwertungssachen, 1. Jahrgang, Nr. 10 Seite 165 ff. Es handelt sich dabei um das Aufwertungsbegehren gegenüber einer landwirtschaftlichen Genossenschaft, deren Geschäftsbetrieb unter anderem auch der Anschaffung und Darleihung von Geld dient. Das in erster Instanz erkennende Landgericht hatte dem Aufwertungsbegehren prinzipiell stattgegeben; auf die Berufung der Beklagten hin hat jedoch das Oberlandesgericht die Klage abgewiesen. In den Entscheidungsgründen heißt es U. a.: „Jedes Unternehmen, das sich, sei es auch nur neven anderen Aufgaben, mit der Anschaffung und Darleihung von Geldern befaßt, fällt mithin unter die Vorschrift des§ 66. Sie findet deshalb auch auf die landwirtschaftlichen Genossenschaften Anwendung, die neben dem Einkauf von landwirtschaftlichen Bedarfsartikeln auch die Aufgaben haben, Gelder verzinslich bei sich anzulegen und Kredite zu gewähren.“ Wenn nun auch dieses Urteil des Oberlandesgerichts Dresden für die anderen Gerichte an sich nicht verbindlich ist und eine Entscheidung des Reichsgerichts hierzu noch nicht vorliegt, so ist doch nicht anzunehmen, daß die in künftigen Fällen zur Entscheidung angegangenen Gerichte einen anderen Standpunkt einnehmen, wenn sich die schuldnerischen Getreide= und Bankgeschäfte auf dieses Urteil berufen und gleichzeitig darauf hinweisen, daß die Verhältnisse bei den Provinzgetreidegeschäften sich in den hierfür maßgeblichen Beziehungen durch nichts von denen der landwirtschaftlichen Genossenschaften unterscheiden. Somit bestehen u. E. nach dem gegenwärtigen Stande der Rechtsprechung für gemischte Getreide= und Bankgeschäfte keine Rechtsverpflichtungen zur Aufwertung der ihnen gewährten Darlehen, wobei es prinzipiell gleichgültig ist, ob das Darlehen vom Schuldner im eigenen Interesse nachgemacht worden war(vgl. Müggel, Kommentar zum Aufwertungsgesetz, 1. Beilage, S. 417/18). Tariswünsche der Nordwestlichen Gruppe. Nach einem Bericht Dr. Schlenters über die Notstandsmaßnahmen für das Siegerland billigte der Vorstand der Nordwestlichen Gruppe des Vereins Deutscher Eisen= und Stahlindustrieller in seiner letzten Sitzung einmütig folgende Entschließung: „Der Vorstand der Nordwestlichen Gruppe des Vereins Deutscher Eisen= und Stahlindustrieller bedauert, daß dem anerkanntermaßen schutzbedürftigsten Erzbaugebiet an der Sieg, Lahn und Dill noch immer nicht die mit besonderer Dringlichkeit beantragten Notstandsmaßnahmen, die lediglich ein Ausgleich von weggefallenen Vorkriegsvergünstigungen sein sollen, durch Reich oder Staat gewährt worden sind. Nur durch rasches und entschlossenes Handeln wird die sonst drohende Stilllegung dieses deutschen Erzbergbaues und damit die Arbeitslosigkeit der alteingesessenen, seit Generationen in diesem Gebiet tätigen Arbeiterschaft vermieden werden können. Die Hebung der Absatzfähigkeit der Erze des Siegerlandes usw. stellt im Hinblick auf die dadurch eintretende Einfuhrverminderung fremdländischer Ersatzerze aber auch ein nicht unbeachtliches volkswirtschaftliches Erfordernis dar. Es wird der Erwartung Ausdruck gegeben, daß— nachdem von den weitaus meisten Stellen das grundsätzliche Einverständnis mit der geplanten Notstandsaktion erklärt worden ist— diese nunmehr endlich mit tunlichster Beschleunigung verwirklicht wird.“ Ueber die Gütertariswünsche der Eisen= und Stahlindustrie, die von der deutschen Reichsbahngesellschaft trotz der gewiß gespannten Finanzlage erfüllt werden müßten, berichtete Dr. Ahrens. Die baldige Erstellung eines Ausnahmetarises für Minette nach rheinischwestfälischen Hüttenstationen wurde unter Hinweis darauf befürwortet, daß dieser Erzverkehr immer mehr von dem früheren ausschließlichen Bahnwege auf den Wasserweg abgewandert sei; hier werde er sogar zu etwa 80 Prozent mit Schiffen französischer Flagge nach niederrheinischen Umschlagplätzen befördert. Im Januar 1925 seien z. B. noch 79 000 t Minette auf dem direkten Bahnwege und nur 3000 t auf dem Wasserwege nach Rheinland und Westfalen befördert worden, im Februar 1926 dagegen nur noch 9000 t. auf dem Bahnwege und 103000 t auf dem Wasserweg. Den Minetteverkehr müßte die Reichsbahn schon im eigenen Interesse durch baldige Erstellung eines Ausnahmetarifs zurückzugewinnen versuchen. Die Versammlung stimmte der Anregung zu, der Reichsbahn einen entsprechenden Antrag durch die Geschäftsführung zu unterbreiten. In einem Bericht über die Handhabung des Schrotausfuhrverbots legte Syndikus Heinson die Gründe dar, die zu einer Aufrechterhaltung des Schrotausfuhrverbots zwingen. In anbetracht der in den letzten Monaten für die Ausfuhr freigegebenen Mengen müsse für die deutsche Stahlerzeugung eine erhebliche Einschränkung in der Bewilligung von Schrotausfuhr eintreten. Schließlich wurde beschlossen, die statistischen Arbeiten der Gruppe auf eine breitere Grundlage zu stellen und mit der Abteilung West des Instituts für Konjunkturforschung Fühlung zu nehmen. Vorgänge in der deutschen Großschiffahrt. Wir haben bereits über die Verhandlungen berichtet, die zwischen Hapag und Lloyd mit dem Ziel geführt werden, die innere Konkurrenz zwischen den beiden Großreedereien nach Möglichkeit auszuschalten und ein engeres Hand=in=Handarbeiten auf dem Grundsatz der vollen Gleichberechtigung in die Wege zu leiten. e wir hören, werden diese naturgemäß nicht einfachen Verhandlungen fortlaufend weiter geführt, die bisherigen Ergebnisse berechtigen aber zu der Hoffnung, daß eine solche Vereinbarung in absehbarer Zeit zustande kommt. Ist so auf der einen Seite zwischen den beiden bedeutendsten deutschen Großreedereien schon jetzt ein in Vorkriegszeiten nicht immer vorhanden gewesenes harmonisches Zusammenarbeiten festzustellen, so scheinen sich anderseits zwischen der Hapag und den DeutschAustral= und Kosmos=Linien, die bisher mehrere Betriebsgemeinschaften laufen hatten, ernste Differenzen ergeben zu haben. Nach unseren Informationen behauptet die Hapag, daß die Deutsch=Ausstralund Kosmos=Linien im Zusammenhang mit dem Erwerb der Stinnes=Linie einen Vertrag verletzt hätten, wonach sie in der Westküstenfahrt nach Sudamerika der Hapag keine Konkurrenz machen dürften. Es haben in dieser Angelegenheit in der letzten Zeit auch fortlaufend Besprechungen zwischen den beiden Gesellschaften stattgefunden, doch sind diese ohne Ergebnis geblieben. Der Streitfall dürfte daher demnächst ein Schiedsgericht beschäftigen. Es wäre bedauerlich, wenn ein endgültiger Bruch zwischen den beiden Großreedereien zustande käme, denn der Leidtragende wäre die deutsche Schiffahrt und die deutsche Volkswirtschaft. In der Zeit nach dem Kriege war bisher mit wenigen Ausnahmen(Stinnes!) immer ein völlig geschlossenes Auftreten der deutschen Reedereien zu verzeichnen, und nicht zuletzt dadurch ist auch der Wiederaufbau der deutschen Handelsschiffahrt rasch vonstatten gegangen. Rundschau. Der Reichsbankdiskont herabgesetzt. :: Berlin, 7. Juni. Die Reichsbank hat den Bankdiskont von 7 auf 6½ Prozent und den Lombardzinsfuß von 8 auf 7½ Prozent herabgesetzt. Dr. Schacht über die Diskontherabsetzung der Reichsbank. A Berlin, 7. Juni. In der heutigen Zentralausschußsitzung der Reichsbank verglich der Reichsbankpräsident Dr. Schacht vor Begründung der Herabsetzung des Reichsbankdiskonts von 7 auf 6½ Prozent und des Lombardzinsfußes von 8 auf 7½ Prozent die Lage der Reichsbank von Ende März, dem Zeitpunkt der letzten Diskontherabsetzung, mit derjenigen vom Ende Mai. Er stellte dabei fest, daß sich die Inanspruchnahme der Reichsbank in der Zwischenzeit nicht unwesentlich vermindert habe. Die Bestände der Bank an Wechseln, Schecks und Lombardforderungen betrugen Ende März einschließlich der rediskontierten Summen 1707 Millionen gegenüber Ende Mai 1369 Millionen, also 338 Millionen weniger. Diese Senkung ist überwiegend auf die Inlandskreditgewährung der Bank zurückzuführen. Die Zinssätze für tägliches Geld und Monatsgeld, für Privatdiskonten und bankgirierte Warenwechsel seien gleichfalls zurückgegangen. Wenn auch die Momente, die zur Flüssigkeit des offenen Geldmarktes beitrugen, zum Teil vorübergehender Natur seien, so konnte sich doch die Reichsbank der Zinsbildung am freien Markt nicht entziehen. Man müsse überdies wünschen, der Wirtschaft alle Vorteile einer Ermäßigung ihrer Diskontraten zukommen zu lassen. Allerdings lasse die stabile Geldmarkt= und Wirtschaftslage ein vorsichtiges Vorgehen angezeigt erscheinen. Man gehe deshalb nur mit ½ Prozent herunter und mache eine weitere Senkung von der Entwickelung der nächsten Wochen abhängig. Märkte. Dortmunder Schlachtviehmarkt. X Dortmund, 7. Juni. Zum heutigen Schlachtviehmarkt waren aufgetrieben: 571 Stück Großvieh, 561 Kälber, 36 Schafe, 2083 Schweine. Bezahlt für 100 Pfund Lebendgewicht N. Ochsen: a) 61—64, b) 57—60, c) 49 bis 56, d) 40—48; Bullen: a) 59—62, b) 50—58, c) 40 bis 49; Färsen und Kühe: a) 61—64, b) 57—60, c) 49 bis 56, d) 36—48, e) 20—35; Kälber: a)—, b) 78—80, c) 70—77, d) 56—69, e) 40—55; Weidemastschafe: a) 50—55, b) 35—49; Schweine: a) 80—81, b) 78—80, c) 77—78, d) 76—77, e) 74—75. Marktverlauf: Kälber langsam, sonst mittel. In den Preisen sind enthalten die Unkosten an Fracht, Viehhofgebühren, Umsatzsteuer, Händlergewinn. Viehmarkt. :: Essen, 7. Juni. Aufgetrieben waren: 284 Stück Großvieh, hiervon 21 Ochsen, 67 Bullen, 155 Färsen und Kühe, 41 Jungvieh, 811 Kälber, 60 Schafe, 3266 Schweine. Es kosteten im Großhandel 100 Pfd. Lebendgewicht für Ochsen: a) 58—65, b) 58—65; Bullen: a) 55— 58, b) 52—54, c) 45—48; Färsen und Kühe: a) 59—63, b) 56—58, c) 48—52, d) 40—45, e) 30—35. Jungvieh: a) 40—45; Kälber: a) 85—100, b) 65—72, c) 54—62. d) 45-150; Weidemastschafe: a) 50—55, b) 30—40; Schweine: a) 81—82, b) 80—81, c) 77—79, d) 74—76, e) 70—73, f. 68—75. Tendenz: mittelmäßig. Im allgemeinen zogen die Preise heute etwas an. Kölner Viehmarkt. :: Köln, 7. Juni. Zum Schlachtviehmarkt waren aufgetrieben: 1110 Stück Großvieh, darunter 411 Ochsen, darunter 56 Bullen, 643 Färsen und Kühe, 1658 Kälber, 19 Schafe, 3652 Schweine. Es kosteten im Großhandel 100 Pfd. Lebendgewicht für Ochsen: a) 58—62, b) 55—60, c) 46—52, d) 30—37, Bullen: a) 50—54, b) 45—48; Färsen und Kühe: a) 55—58, b) 53—57, c) 45—50, d) 36—42, e) 20—30; Kälber: a) 75—95, b) 63—95, c) 55—62, d) 48 —54; Schweine: a) 77—82, b) 82—86, c) 80—84, d) 74— 78; f) 67—74. Tendenz. Beste Tiere über Notiz. Rinder ruhig geräumt, Kälber und Schafe langsam, Schweine anfangs lebhaft, später ruhig geräumt. Essener Getreidebörse. X Essen, 7. Juni.(Eig. Drahtber.) Es wurden notiert: Inl. Weizen 31—32, inl. Roggen 21—21,50, ausl. Weizen 31—33.50, ausl. Roggen 22,75—24, ausl. Hafer 20—23, ausl. Gerste 18,75—20, runder Mais 19,50 —20,50, Weizenmehl 339, Weizen=Bäckermehl 41—41,75, 25proz. Roggenmehl 30—31, Weizenkleie 9,25—12, Weizenbollmehl 11,50—13, Steffen=Zuckerschnitzel 13,50—14,50 Reichsmark für 100 Kg. franko Essen. Tendenz: Fest bei reger Kauslust. Duisburger Getreidebörse. X Duisburg, 7. Juni. An der Duisburger Getreidebörse wurden notiert: Inl. Weizen 30,50—31,50, inl. Roggen 21—21,50, ausl. Weizen 30,50—33,50, ausl. Roggen 22,50—24, ausl. Hafer 19,50—23, ausl. Gerste 18,50—20, La Plata Mais 17,50, Cinquantino=Mais 19, Weizenbäckermehl 40,75—41,25, Roggenmehl 30—31, Weizenbollmehl 11—13,50, Weizenkleie 9,75—13,50, Roggenkleis 10,75, Steffenzuckerschnitzel 13,75 Reichsmark für 100 Kg. franko Duisburg. Tendenz: Fester bei besserer Nachfrage. Berliner Produktenmarkt. Berlin, 7. Juni. Dem Einfluß der anfangs festen Meldungen vom Cifmarkte vermochte sich der hiesige Markt nicht zu entziehen. Die Forderungen für Auslandsweizen waren um 15 bis 20 Cents erhöht. Infolge der Zollerhöhung machte sich für einige Positionen steigendes Interesse geltend. Am Lieferungsmarkte waren die Preise für Weizen um 2 bezw. 1½ A erhöht. Roggen in effektiver Ware ist auf Grund des besseren Mehlabsatzes besonders von den Provinzmühlen stärker gefragt und 1½—2 A fester gehalten. Im Roggenlieferungsgeschäft blieb die Umsatztätigkeit in engen Grenzen. Juli war in der Anfangsnotiz um 2, September um 1 A befestigter. Im Mehlgeschäft ist eine Bewegung zu verzeichnen. Die Forderungen für Roggen= und Weizenmehl waren um 25—50 Pfennig pro Sack erhöht und wurden zum Teil auch bewilligt. Gerste blieb wenig beachtet. Für Hafer ist kein sehr großes Angebot vorhanden. Es waren um etwa 1 A höhere Preise zu erzielen. Die Käufer verhielten sich aber im allgemeinen ziemlich reserviert. Amil. Produktennotierungen in Berfin am 7. Juni 1920. (Für Getreide je 1000 kg, für die übrigen Artikel je 100 kg.) Bromen: Baumwolle. Juli September Oktober November Dezember Januar März Mai Elverpool: Baumwolle. loco Juni Jun August September Oktober November 1oco Baumwollumsatz Import Export New-York: Baumwolle. loco. Juli August September Oktober Zufuhren: 4. 6. Nach dem Atlantic... 00000 Nachdem Inland 00000 Nach Großbritannien 00000 Nach dem Kontinent... 60000 Tendenz: 4. 6. 9.27 9.21 9.23 9.25 9.25 9.24 9.25 7. 6. 2060 3300 2000 4. 6. 4000 12600 1000 3. 6. 17.59—61 17.65—65 17.75—75 00.00-00 Zufuhren: 3. 6. Nach dem Atlanuc... 7000 Nach dem Inland..... 0000 Nach Gro Boritannien 0000 Nach dem Kontinent 00000 Tendenz. Verliner Börse. Berlin, 7. Juni. Am heutigen Vormittag herrschte in Börsenkreisen eine ziemlich gedrückte Stimmuna. Man rechnet allgemein mit einer Fortsetzung des am Sonnabend eingeleiteten allgemeinen Kursrückganges. Auf die allgemein überraschende Diskontherabsetzung der Reichsbank um ½ Prozent konnte der Verkehr in ruhiger Stimmung und befestigten Kursen beginnen. Gelsenkirchener stellten sich sogar um 2½ Prozent, Farbenindustrie um 1¾ Prozent höher. Die Kursgestaltung war aber ungleichmäßig, da vereinzeltem Angebot noch nicht genügend Kaufangebot gegenüberstand. Das Geschäft war nicht besonders umfangreich. Im Verlaufe zeigte sich die Kaufkraft nicht groß genug, um der wieder stärker werdenden Realisationsneigung ein Gegengewicht zu bieten, so daß die Kurse wieder stark litten und gegen die SonnabendSchlußnotierungen empfindliche Einbuße, vielfach um 2—3 Prozent, zu verzeichnen hatten. Die Spekulation ist offenbar bestrebt, ihre Hausseengagements zu lösen. Große Widerstandsfähigkeit bekundeten Schiffahrtsaktien. Bankaktien verloren nur Bruchteile eines Prozentes. Deutsche Fonds gaben nach anfänglich guter Haltung gleichfalls etwas nach. Der Geldmarkt blieb flüssig Tagesgeld 4½ bis 6 Prozent, Monatsgeld 5½ bis 6 Prozent. Kurs. Berlin, den 7. Juni 1926. Buenos=Aires 1 London 1 Pfd. St. New=York 1 Doll. Rio de Janeiro 1 Amsterd.=Rott. 100 Fl Brüssel=Antw. 100 Fr Helsingfors 100 finn. A Italien 100 Lire Jugoslavien 100 Kopenhagen Oslo Paris Prag Schweiz Sofia Spanien Storholm Budapest 100 Kr 100 Kr 100 Fr 100 Kr 100 Fr 100 Leva 100 Pf 100 Kr 100 000 Kr Wien Dt.=Oesterr. abgest. 100 Schilling Geld 7./6. 1.691 20.412 4.195 0.644 168.74 12.90 10.55 15.63 7.407 110.96 92.73 12.89 12.42 81.195 3.05 63.62 112.26 b.865 59.30 Brief 7./6. 1.695 20.462 4.205 0.646 168.96 12.94 10.59 15.87 7.427 111.24 92.97 12.97 12.46 81.395 3.06 63.63 112.24 5.995 59.44 Geld 5./6. 1.689 20.409 4.195 0.643 166.59 13.05 10.55 15.92 7.402 110.96 92.43 12.91 12.42 81.21 3.05 63.34 112.24 5.86 59.30 Brief 5./6. 1.693 20.461 4.205 0.645 169.01 13.10 10.59 15.96 7.422 111.24 92.67 12.95 12.45 81.41 3.06 63.50 112.32 5.88 59.44 Der Saatenstand in Preußen im Monat Juni. = Berlin, 7. Juni. Ueber den Saatenstand in Preußen Anfangs Juni führt die statistische Korrespondenz u. a. aus: Im großen und ganzen hat der Mai die Wünsche der Landwirte erfüllt. Die Niederschläge waren in den meisten Landesteilen ausreichend und leidlich gut verteilt. In einzelnen Gegenden von Östpreußen sogar zu stark. Ungenügende Feuchtigkeit hatten große Teile von Pommern und Sachsen, sowie ganz Brandenburg. Im allgemeinen hat sich das Bild des Saatenstandes gegen den Vormonat kaum geändert. Der Winterroggen hat abermals um 0,1 Punkt nachgelassen, sodaß er etwas schwächer als mittel(3,1) steht. Ebenso hat sich Raps und Rübsen, Klee, Luzerne und Wiesen um 0.1 Punkt verschlechtert. Die Aussichten für Wintermenggetreide und besonders für Weizen(2,7) sind besser geworden, während der Roggen sehr erheblich nämlich um 0,7 Punkte schlechter steht. Das Sommergetreide mit Ausnahme von Roggen und die Hülsenfrüchte zeigen durchweg einen besseren oder doch wenigstens den gleichen Stand wie im Vorjahr. Die Hackfrüchte haben durchweg um 0,1 bis 0,2 Punkte nachgelassen. Bei Winterweizen zeigt Schleswig die beste Note mit 2,4, Königsberg und Gumbinnen den Tiefstand mit 3,8. Der beste Stand des Winterroggens mit 2,6 wird diesmalig in Oppeln, Schleswig und Hildesheim erreicht. Die Entwicklung der Feldfrüchte ist allgemein durch die Kälte zurückgeblieben, besonders scheint die Sommerung darunter gelitten zu haben. Die Hackfrüchte ind bis auf geringe Reste jetzt überall bestellt, gehen ader nur in den mittleren Provinzen gut auf. Essener Börse Essen, den 7. Juni 1926. im heutigen Verkeht ermittelte Kurse, mitgeteilt vom Bankhaus Uhnssorge, Passl Woill& Co. Dortmund. n Billionen Mark bezw. Billionen Prozent. bei Aktien ohne Börsennotiz in Milliarden Prozent. Konle Nachfr. Angeb. Admiral Alte Haase Beharrlichkeit Caroline Carolus Magnus Constantin Deutschland Diergardt Ewald Glückb. Fried. Glückauf Segen Gottessegen Graf Bismarck Graf Schwerin Heinrich Hermann I-III Joh. Deimelsb. König Ludwig Langenbrahm RichardI Schürb.& Char Trappe Trier I-III Viktoria b. K. Westfalen Wilh. Mevissen Adler-Actien Blankenbe-Act. Carl-Fried.-Act. Dahlbusch Lothring-Act. Montania Niederrh.Berzb Präsident Wstf.Bgb.-Act. Braunkohle und Verschiedene 900 4900 20 230 35500 1400 29000 13300 5600 2600 26 25 56 40. 1000 5050 35600 30 240 1600 31000 4800 3250 28560 14230 15 2700 2675 28.5 58. 42 Kali-Aktien Adler. Stamm Deutsch. Kali Friedrichshall-N Hallesche Kali Hannov. Kal Heldburz. Vorz. Kali-Industrie Krügershall Niedersachsen Ronnenberg Salzdetfurth Sigmundshall Steinförde Teutonia Wittekind Bank* Landw Kali Nachfr. Angeb. Alexandershall Alicenhall Asse Beienrode Bergmannssez. Bernsdorf Braunschw.-Lbz Burbach Burggraf Carlsfund Carlshall Desdemona Einigkeit Eliers Erichssegen Felsenfest Friedrichsroda Fürstenhall Gebra Glückauf b. S. Großh. W. Ernst Günthershall Habighorst Hansa Silberbg. Heiligenmühle Hedwigsburz Heilgenroda Heimholdshaus. HeldrungenI Heldrungen II Herfa Heringen Hermann II Hildasglück Hindenburg Hohenfels Hope Hüpstedt Hugo Ilsenburg Immenrode Irmgard Johanneshall Kaiseroda Königshall Mariaglück Marie Marie Louise Max Meimerhausen Neurode Neusollstedt Neustaßfurt Oberhof Ransbach Rastenberz Reichskrone Reichsland Reinhardsbrunn Richard Rössing-Barnten Rothenfelde Sachs.-Weimar Salzmünde Schwarzburg Siegfried 1 Siegfr.-Giesen Thüringen Volkenroda Walbeck Walter Wilhelmshall WilhelmshallO Winterhall Wintzingerode 6100 220 3100 289 00 1300 2200 500 1350 2200 190 1100 1100 4000 2200 5500 1350 2050 170 230 4925 550 925 1125 300 7400 1340 1125 70 950 325 875 9850 7400 30 210 825 1000 13.0 ato 7.0 500 2 1350 500 4200 425 3300 215 750 1250 7300 740 2250 400 450 2450 46500 5 6300 3300 940 8390 2350 1400 700 3100 2650 1150 2050 2350 5900 950 760 2250 210 865 1140 70 76 6209 1550 7300 100 360 350 10130 7600 50 240 865 1560 950 950 1550 3400 325 1350 7600 780 2375 430 475 2550 850 50000 Nächste Börse in Düsseldorf am 8. Juni 1926. Verantwortlich für Handel und Wirtschaftspolitik: Dr jur. A. Henkel. Berliner Börse. Berlin, den 7. Juni 1926. Die Kurse lauten auf Prozente = Gol des Nennwertes in Reichsmark. emark. Dollarschatzanw 2% D. Reichsanl. Benz Kabelw. Rheydt Schantung Ham.-Am Paketf. Hansa Dampfsch. Nordd. Llovd Barm. Bankverein Comm. u.Priv B. Darmst. u. Nat.-B Dentsche Bank Disk. Kommandit Dresdener Bank Anzlo-Cont. Guano Annener Gußstahl Augsb. Nürnb. M. Balcke Maschinen Bamag Baroper Walzw Bemberz J. P. Bergmann Elektr. Berl. Karlsr Ind. Berl. Masckinenb Bochumer Gußstal Braunk. u. Brikett Buderus Eisen Busch Lüdensch. Chem. Ind. Gelsk Daiml. Motoren D. Lux Bergbau D.Eisenb.-Siznw. Deutsche Erdöl D. Kaliwerke D. Maschinen D. Schachtban Deutsche Wolle Dürkoppwerke Dynamit-A. Nobel Elektr. L. u. K Eschweil. Berzw. Essener Steinkoh!. Farbenindustrie Friedrichsh. Kall Felt& Quilleanze Gelsenk. Berzw. Gelsenk. Gußstahl Germania-Portl. Ges. f. elektr. Unt Glockenstahlwerk Goldschmidt Görlitz. Wazzon Goth. Wazgon Hackethal Drabt Hammersen Hannov. Maschin. Hannov. Wagzon Laurahütte Lindes Eismasch. Lindenbers Stahl Linke-Hofm.-W Lorenz C. Lethringer Berzb Lüdenscheid. Met. Luther Maschinen Mannesmann Masch. u. Kranbat Maschisenf. Baum Mix& Genest Mülb.Berzw.-V. Nat. Automobile Oberschl.Eis.-Bed Oberschl. Eis.-Ind Oberschl. Koks Oeking Stahl Orenstein& Koppel Phönix Berzbau Pöze Herm Reisholz Papier Braunkohl 7. 6. 38.75 135.25 6.50 101.25 2 46.5 86. 103.75 39.5 101 102. 67.50 55. 56. 75.15 42. 71. 80.875 64.375 151. 148.75 4. 6. 39. 136.25 55.75 102. 46.75 88. 103. 18. 39.75 98. 101. 69. 53. 4.50 75. 41.75 71.2 85.25 64.50 153 150.75 Rh. Metallw. V.-A Rh.-Nass. Berzw. Rhein. Stahlwerk Roddergruben Rombacher Hütte Rütgerswerke Sachsenwerk SarottiSchokolade Schl.Bergb. u.Zink Schloßfabr.Schult= Schneider Hugo Schött Herm Schuckert& Co SiemensElek.Btr. Siemens& Halske Staßt. Chom. Fbr. Stett. Vulkan Stinnes Rh. Mont. Stöhr Kammgarn StöwerNähmasch. Telephon Ber Thale Eisenhütte Thörl's Ver. Gels. Tuchf. Aachen Ver. Dtc. Nickelw Ver. Glanzst. Fbr Ver. St. v.d.Zypen Voxel Telezr Dr Wanderwerke Warstein Gruben Wexelind Hübner Wessel Porzellan Westererlen Alk. Westereglen Vor. Westf.Eis. u. Draht Westf Kupferw. Wicking Zement Wittener Guß Zellstoff-Waldhof 7. 6. 74.50 133. 272.25 113.50 77.50 128.5 130 61. 71 134.5 41. 68 108.125 137. 4. 6. 63.75 131. 269. 117. 79. 126. 133 114.75 29 134.25 44. 57. 106. 48.23 140.50