Amtliches Kreisblatt für den Landkreis Ahaus— Zentral=Organ für das nordwestliche Münsterland mit Eper Volksblatt, Gronauer Volkszeitung, Nienborg=Heeker Zeitung, Stadtlohner Anzeiger, Vredener Voltsblart erscheint täglich.— Bezugsprets. Monatlich 2 Goldmark ohne Bestellung Schriftleitung und Geschäftsstelle in Ahaus. fol.=Adresse Kreiszeitung Ahaus i. W.— Fernsprecher Nr 50- Postschließfach 20 Postscheckkonto Hannover Nr. 22739 Bankkonten: Kreis= und Stadtsparkasse Ahaus und Gewerbebank Ahaus Wöchentliche Sonderbeilagen: Erholungsstunden für das christliche Volk, Westdeutschland in Wort und Bild, Lesefrüchte, Welt und Wissen, Literatur und Kunst, Frauenwelt, Steuer und Recht, Soztalpolitik u. Standesfragen, Technik und Verkehr, Turnen, Sptel und Sport.:: nzelgenpretse: Das 30 mm breite mm 10 Goldpfennig. Bet Wiederholungen Raba nach festem Tartf. Reklamen: Das 80 mm breite mm 50 Goldpfennig Fur Erfullung von Platzvorschriften wird keine Gewähr, sowie für Druckfehler wird Haftung übernommen. Etwaiger Rabatt gllt als Kassarabatt und kann verweigett. werden, wenn Zahlung nicht binnen 8 Tagen nach Erhalt der Rechnung erfolgt. Nummer 56 Ahaus, Freitag, den 26. Februar 1926. 46. Die Aenderung des Wahlsystems. Die Provinzvertreter im Reichsrat. Während sich die Presse aller bürgerlichen Parteien seit langem und besonders intensiv in letzter Zeit, nachdem Reichskanzler Dr. Luther in der Regierungsertlärung vom 26. Januar ds. Is. die Inangriffnahme einer Verbesserung unserer Wahlgesetzgevung angekündigt hat, mit der Reform des Wahlrechts befaßt, ist es auffallend, daß bei unseren Parlamentariern diese Reform verhältnismäßig wenig Freunde zu haben scheint. Jedenfalls haben sie sich bisher mit Aeußerungen dazu zurückgehalten, wenn sie sich nicht, wie es die Zentrumsfraktion des Preußischen Landtages getan hat, gegen jede Aenderung des geltenden Systems ausgesprochen haben. Für die Reform haben sich vom Zentrum in der Presse bisher nur der Landtagsabgeordnete Dr. Grebe und der Reichstagsabgeordnete Adam Roeder eingesetzt. Auf dem Parteitag in Cassel hat sie Dr. Marx in seiner großen Rede gefordert. Ferner kann eine Aeußerung Dr. Wirths in seiner Dortmunder Rede auch nur dahin gedeutet werden, daß er die Abkehr von der Listenwahl für notwendig hält. Weiter ist uns bekannt, daß noch andere uns nahestehende Abgeordnete, u. a. auch Abg. v. Papen, derselben Meinung sind. Während aber die Mehrheit der Landtagsfraktion für die Beibehaltung des jetzigen Systems ist, hat die Reichstagsfraktion dazu noch keine Stellung genommen, und infolgedessen läßt sich nicht sagen, welche Ansicht dort überwiegt. Eine lehrreiche Umfrage nach der Stellungnahme im öffentlichen Leben bekannter Persönlichkeiten, meist Parlamentarier, zur Wahlrechtsreform hat jetzt der „Hannoversche Kurier" veranstaltet. Sie ist deshalb besonders lehrreich, weil sie an die Angehörigen der verschiedensten Parteien erging: an Mitglieder der Deutschnationalen Volkspartei, der Deutschen Volkspartei, der Demokraten und des Zentrums. Vom Zentrum hat Abg. Dr. Vorsch sich gegen die„grundlegende" Aenderung des Verhältniswahlrechts ausgesprochen, da sich nach den bisherigen Wahrnehmungen die Erfahrungen mit der Verhältniswahl immer noch besser als die früheren mit den Stichwahlen bewährt hätten. Es sei ihm bisher, so fügt Dr. Porsch hinzu, kein annehmbares Verfahren bekannt geworden, das ermögliche, Einzelwahlen unter Anwendung des Verhältniswahlsystems vorzunehmen. Hierzu sei bemerkt, daß auch wir eine Abkehr vom Verhältniswahlrecht nicht für nötig halten, zumal sie auch im Parlament als Verfassungsänderung nicht durchzusetzen sein würde. Daß aber tatsächlich die Verbindung des Einzelwahlkreises mit dem Proporz möglich ist, dafür haben wir eine Reihe von Vorschlägen bereits veröfsentlicht, über deren Wert oder Unwert freilich, namentlich vom Standpunkt der eigenen Partei aus, man verschiedener Meinung sein kann, und auch der Zentrumsabgeordnete Adam Roeder kündigt in der Umfrage des„Hannoverschen Kuriers" für die nächste Nummer seiner„Süddeutschen Conservativen Correspondenz" einen Reformvorschlag und ein genaues Schema über die durchzuführende Wahl an: Proporz mit Vertretung von 400 Einzelwahlkreisen und Reichslisten=Möglichkeit. Die von dem genanten Blatte aufgeworfenen Fragen hatten folgenden Wortlaut: Empfiehlt es sich, das Verhältniswanirecht beizubehalten oder nicht? Wie würde sich die Abschaffung der Verhältniswahl auf die Zusammensetzung der Parlamente auswirken? Würde sich nach Ihrer Ansicht eine wesentliche Verschiebung der Parteistärken ergeben und in welcher Richtung? 3. Wie denken Sie sich, unter Beibehaltung der Verhältniswahl bei Abschaffung der Listenwahl, die Verrechnung der Reststimmen? Der Inhalt der Antworten auf die erste und zweite Frage läßt sich nach dem„Hannoverschen Kurier" wie folgt zusammenfassen: „Mit einer einzigen Ausnahme lauten die Antworten auf die erste Frage, die allerdings in den meisten Fallen in einem inneren Zusammenhange mit der zweiten aufgeworfen wurde, dahin, daß das Verhältniswahlrecht beizubehalten wünschenswert sei. Die Gründe, die aus den Antworten hervorleuchten, sind gleichfalls durchweg fast dieselindem sie sich auf drei Punkte stützen: das Verhältniswahlrecht sei das gerechteste, weil es die Gesamtstimmung des Volkes am besten zum Ausdruck bringe. Eine Abänderung sei kaum möglich, weil es in der Verfassung festgelegt sei und zu seiner Abschaffung eine qualifizierte Mehrheit des Parlaments erforderlich Tare. Zum dritten aber heißt es, daß die Rückkehr zu dem alten System der Majoritätswahl die Vernichtung oder zum mindesten starke Verkleinerung und Zerkeibung der Mittelparteien zur Folge haben werde. Diese Auffassung wird durchweg von fast all den Persönlichkeiten geteilt, die die Umfrage beantwortet haben; das ist darum besonders lehrreich, weil die Teilnehmer der Umfrage nicht nur zu einer Parteilichtung gehören, sondern vielmehr den verschiedensten Parteilagern entstammen. Gleichfalls groß tritt in manchen Antworten die Sorge zutage, daß die Abschaffung der Verhältniswahl besonders den lintsstehenden Parteien, so vor allem den Sozaldemokraten, zugute käme. Nur in einer Antwort, und zwar in der des Gouverneurs Schnee, wird der Gesichtspunkt in die Debatte geworfen, daß SVerhältniswahlrecht nicht die Möglichkeit der Schaffung einer stabilen Regierung mit ausreichender Mehrheit biete, und daß so die Handlungssahigkeit eines Kabinetts in keiner Weise gesichert sei." Da die parteiofsiziöse Mitteilung über die Entschließung der preußischen Zentrumsfraktion die Meinung vertrat, daß die Gegner der Demokratie vor allen Dingen ein Interesse an der Wahlrechts(Von unserer Berliner Redaktion.) :: Berlin, 25. Febr.(Eig. Drahtb.) Ein bemerkenswerter Vorgang hat sich am Samstag, den 20. Febr., in der Vollsitzung des Reichsrates abgespielt, der es verdient, der Oeffentlichkeit bekannt zu werden. Bei der gesetzlichen Regelung der Fürsorge für Kurzarbeiter hatten die Ausschüsse des Reichsrates beschlossen, daß die Gemeinden ein Neuntel der Kosten aufbringen sollten, während die Vorlage der Reichsregierung den Kostenbeitrag der Gemeinden auf ein Sechstel festgesetzt wissen wollte. Diesem Antrag der Ausschüsse hatte sich auch bei der ersten Lesung das preußische Staatsministerium angeschlossen. Nach der Revision des Finanzprogramms des Reichsfinanzministers setzten sich auch einige Länderfinanzminister, insbesondere auch der preußische Finanzminister HoepkerAschoff, dafür ein, daß dem Wunsch des Reiches Rechnung getragen werde und die Gemeinden stärker hecangezogen würden, um sie„zu größerer Sparsamkeit" zu zwingen. So lautet jetzt immer das Stichwort, wenn man die Schuld für die großen Aufgaben in den oberen Regionen auf andere Schultern abwälzen will. Von der ersten zur zweiten Lesung im Reichsrat batte das preußische Staatsministerium— Innenminister Severing fehlte bei der Beschlußfassung, weil er dringend verhindert war— mit knapper Mehrheit beschlossen, gemäß dem Willen des preußischen Finanzministers sich mit dem Vorschlag der Reichsregierung einverstanden zu erklären, also den Gemeinden ein Sechstel der Kosten statt bisher ein Neuntel aufzubürden. Da in der Regel die Provinzvertreter im Reichsrat mit der preußischen Regierung stimmen, wäre dieser Vorschlag der knappen Mehrheit im preußischen Ministerium durchgedrungen, wenn nicht die Provinzvertreter im Reichsrat auf der Hut gewesen wären. Sie stimmten bis auf zwei Stimmen, die durch einen preußischen Ministerialdirektor in Vertretung abgegeben wurden, geschlossen gegen die Vorlage der Reichsregierung und erreichten dadurch, daß es bei der bisherigen Beteiligung der Gemeinden von einem Neuntel der Beiträge blieb. Wäre die Regierungsvorlage durchgedrungen, so würde das zweifelsohne den Bankerott vieler Gemeinden, namentlich im Industriebezirk, bedeutet haben. Die Abstimmung der Provinzvertreter im Reichsrat dürfte auch ohne allen Zweifel für die preußische Regierung eine gewisse Erleichterung herbeigeführt haben. Sie war, wie erwähnt, in erster Lesung anderer Ansicht und sie hat sich nur in zweiter Lesung durch eine Zufallsmehrheit anders entschieden. Die Provinzvertreter haben die Situation gerettet. Dieses Beispiel zeigt so recht, wie ungemein wertvoll es unter Umständen für die preußische Regierung ist, daß die Freiheit der Stimmabgabe der Provinzvertreter im Reichsrat erhalten bleibt, und wie deplaciert es erscheint, an dem reform hätten, ist es beachtenswert, daß sich von den an den„Kurier“ gegangenen Antworten die von deutschnationaler Seite stammenden durch besondere Skepsis und Gleichgültigkeit gegenüber dem Reformproblem auszeichnen. Der rechtsradikal=deutschnationale Abg. v. Lindeiner=Wildau hält„eine Reform des Wahlmodus für ein völlig unzulängliches Mittel zur Behebung der immer deutlicher zutage tretenden Unzulänglichkeiten des heutigen Regierungssystems", und der gleichgerichtete Abg. Laverrenz glaubt„kaum, daß viel dabei herauskommen wird", hält zwar eine Verminderung der Zahl der Reichstagsabgeordneten etwa um 100 und kleine Wahlkreise für wünschenswert, meint aber, wer wisse, was die„Wahlkreisgeometrie" für einen Zankapfel von jeher unter den Parteien dargestellt habe, werde einigermaßen im Zweifel sein, daß hierbei der Stein der Weisen gefunden werde. Der demokratische Reichstaasaba. Erkelenz spricht sich gegen jede Aenderung des Wahlrechts aus, während im volksparteilichen Lager, wie u. a. die Aeußerungen der Abgeordneten Dr. Most, Frhrn. v. Rheinbaben und Dr. Pinkerneil zeigen, der entgegengesetzte Standpunkt vertreten wird. Die Verechnung der Reststimmen, der die dritte Frage des„Kurier" galt, wird hauptsächlich so gedacht, daß, nachdem die Masse der Stimmen von den Wahlkandidaten in wesentlich verkleinerten Wahlkreisen erkämpft ist, dann die Zuweisung von Reststimmen nur an solche Parteien erfolgen dürfe, die bestimmte Stimmenmengen bereits für sich erobert haben. Auch die Beschränkung der Reichsliste wird in mehreren Antworten befürwortet. Alles in allem genommen, kommt dem Ergebnis dieser Umfrage zur Beurteilung der Stellungnahme der einzelnen Parteien natürlich keine allzu große Bedeutung zu. Es haben sich ja nur wenige Mitglieder der verschiedenen Fraktionen dazu geäußert, und dabei treten noch selbst unter Parteifreunden starke Verschiedenheiten zutage. Einen Ueberblick von einigermaßen Zuverlässigkeit wird man erst gewinnen, wenn der Regierungsentwurf dem Reichstag zugegangen ist. Mit Recht macht die„Sermania“ darauf aufmerksam, daß die Ankündigung der Aenderung der Wahlgesetzgebung so eindeutig war, daß die öffentliche Meinung die sofortige Vorlage seitens der Regierung jetzigen Zustand zu ungunsten der Provinzen herumdoktern zu wollen. Hände weg! *( Reichsrat erklärte sich in seiner öffentlichen Vollsitzung von Donnerstag abend, die unter dem Vorsitz des Ministers Dr. Külz abgehalten wurde, mit dem Beschluß des Reichstages für Vereinfachung der Lohnsteuer einverstanden, ebenso mit dem deutschfranzösischen Handelsprovisorium vom 12. Februar. Die Regierung hatte dem Reichsrat vorgeschlagen, die Verordnung über Beschäftigung von Arbeiterinnen und jugendlichen Arbeitern in Glashütten, Glasschleifereien und Glasbeizereien sowie Sandbläsereien auf 2 Jahre zu verlängern. Der Reichsrat erklärte sich nur mit der Verlängerung der Ausnahmebestimmung um 1 Jahr einverstanden. Nach der Auffassung des Reichsrates wird unter Anhörung der wirtschaftlichen Vertretungen, der Arbeitgeber und Arbeiter zu erwägen sein, ob nicht die Nachtarbeit junger Leute, statt sie allgemein zuzulassen, in jedem Einzelfall von einer Genehmigung der höheren Verwaltungsbehörde oder von einer Erlaubnis des Demobilmachungskommissars abhängig zu machen sein wird. Dem Reichsrat war ein Gesetzentwurf über Gewährung von Darlehen zur Hebung der landwirtschaftlichen Erzeugung von der Regierung vorgelegt worden. Die Vorlage bestimmt, daß aus den Mitteln der Reichsgetreidestelle 60 Millionen zur Hebung der landwirtschaftlichen Erzeugung als Darlehen verwendet werden sollen und zwar 35 Millionen auf die Dauer von 15 Jahren für landwirtschaftliche Bodenverbesserung, 15 Millionen für Siedlungen auf die Dauer von 15 Jahren und die restlichen 10 Millionen sollen bestimmt sein zur Durchführung sonstiger wirksamer Maßnahmen zur Hebung der landwirtschaftlichen Erzeugung. Zu diesen Zwecken sollen auch evtl. die 35 Millionen verwendet werden, die in dem Gesetzentwurf zur Sicherung der Getreidebewegung zur Verfügung gestellt waren, falls dieser Entwurf nicht Gesetz werden sollte oder sein Zweck entfällt. Jene Vorlage bezog sich nur auf das Jahr 1925/26. Angenommen wurde von den Ausschüssen ein Zusatzantrag Bayerns, wonach die Möglichkeit vorgesehen ist, einen Teil der betreffenden Mittel auch zu Darlehen zur Förderung des Absatzes landwirtschaftlicher Erzeugnisse zu verwenden. Die Vollversammlung nahm die Vorlage nach den Beschlüssen der Ausschüsse an. Angenommen wurde eine Novelle zu dem Gesetz über die Prüfung und Beglaubigung von Fieberthermometern. Schließlich erklärte sich der Reichsrat noch mit der Neufestsetzung der Stimmenzahl im Reichsrat einverstanden. Nach dem Ergebnis der letzten Volkszählung hat Bayern an Stelle seiner bisherigen 10 Stimmen im Reichsrat nunmehr 11 erhalten. Dadurch erhält auch Preußen automatisch nach der geltenden Verfassungsbestimmung gleichfalls eine Stimme mehr, also an Stelle seiner bisherigen 26 Stimmen 27. Die neue Stimmenverteilung im Reichsrat ist jetzt folgende: Preußen 27, Bayern 11, Sachsen 7, Württemberg 4, Baden 3, Thüringen, Hessen und Hamburg je 2 Stimmen, die übrigen Saaten je 1 Stimme, zusammen 68, bisher 66 Stimmen. erwartete. Diese Erwartung ist bis jetzt noch nicht erfüllt worden. Es besteht die Gefahr, so betont das Berliner Zentrumsorgan, daß mit dem Zaudern der Regierung die in der öffentlichen Meinung vorhandenen Willenskräfte wieder verflattern. Als Antwort auf diesen begründeten Appell wird von zuständiger Seite mitgeteilt, daß die Vorlage vom Reichsministerium des Innern soweit fertiggestellt sei, daß nur noch verschiedene untergeordnete Arbeiten erledigt werden müßten. Auch diese sollen so beschleunigt werden, daß, wenn irgend möglich, die Vorlage noch vor den Österferien dem Kabinett zugeleitet werden könne. Bestimmte Einzelheiten aus dem Referentenentwurf erfährt man noch nicht. Man wird sich also noch einige Wochen gedulden müssen, in der Hoffnung, daß der Entwurf an Qualität der Zeit entspricht, die auf seine Ausarbeitung verwandt wird. Daß die Zentrumspartei dieser Vorlage mit besonderem Interesse entgegensieht, ergibt sich ohne weiteres aus dem Beschluß des Parteitages in Kassel, der der Reichstagsfraktion auferlegt hat, sich ernsthaft mit dieser Frage zu befassen, und dem Parteivorsitzenden Dr. Marx einmütig zu seiner Forderung zugestimmt hat, daß das neue Wahlsystem die Möglichkeit gebe, daß erstens politisch klare und entschiedene Persönlichkeiten sich um die politische Vertretung der Wähler bemühen könnten, daß zweitens die Wähler sich frei entscheiden könnten, ihre Stimme einer politisch klar bezeichneten Persönlichkeit zu geben, und daß drittens der Gewählte im Bewußtsein der Verantwortung, die er gegenüber seinen Wählern trage, mit diesen enge Verbindung halten und ein gegenseitiges Vertrauensverhältnis schaffen könne. Das sind die Grundforderungen des Zentrums an ein gutes Wahlrecht. Sie werden den Maßstab abgeben für die Beurteilung des in Aussicht stehenden Regierungsentwurfs. Der Schutz der älteren Angestellten. = Berlin, 25. Febr. Der sozialpolitische Ausschuß des vorläufigen Reichswirtschaftsrates behandelt in seiner Sitzung am Donnerstag die Vorschläge des Arbeitsausschusses zu dem vom Reichsorbeitsminister zur Begutachtung vorgelegten, vom Gewerkschaftsbund der Angestellten, eingereichten Entwurf eines Gesetzes über die Unterbringung erwerhsloser Angestellter. Der sozialpolitische Ausschuß stimmte mit 27 gegen 1 Stimme den vom Arbeitsausschuß einstimmig vorgeschlagenen Leitsätzen zu, in denen es heißt: Arbeitgeber, die mehr als 5 Angestellte beschäftigen, sind verpflichtet, alle offenen Stellen, die für eine Besetzung mit versicherungspflichtigen Angestellten inbetracht kommen, bei öffentlichen oder sonstigen nicht gewerbsmäßigen Arbeitsnachweisen des Bezirkes anzumelden. Die Arbeitsnachweise sind verpflichtet, bei der Stellenvermittlung in erster Linie geeignete ältere Angestellte von 40 Jahren und darüber und Versorger von Familienangehörigen vorzuschlagen. Ein Arbeitgeber, der mehr als 5 Angestellte beschäftigt, darf einen älteren Angestellten, der mindestens fünf Jahre hindurch in seinem Betriebe gearbeitet hat, nur unter Einhaltung einer Kündigungsfrist von mindestens drei Monaten für den Schluß eines Kalendermonats kündigen. Arbeitgeber, die den Bestimmungen der Anmeldungspflicht zuwiderhandeln, werden in jedem Falle mit einer Geldstrafe bis zu 500 Vor der Genfer Tagung. Vön unserer Berliner Redaktion. X Berlin, 25. Febr.(Eig. Drahtb.) Die Tatsache, daß auch Reichskanzler Dr. Luther selbst sich zur außerordentlichen Völkerbundstagung nach Genf begeben wird, darf als der beste Beweis dafür gelten, daß die deutsche Reichsregierung die Lage, wie sie durch die Entwicklung des Kampfes um die Völkerbundsratssitze geschaffen ist, als außerst ernst ansieht. Aber selbst wenn der Völkerbundsrat dem deutschen Standpunkt gerecht würde und demgemäß nur den Antrag auf Bewilligung eines ständigen Ratssitzes an Deutschland stellt, und alle übrigen Fragen vertagt werden sollten, werden in Genf wahrscheinlich doch so wichtige inoffizielle Besprechungen zwischen den Vertretern der Ratsmächte und den Vertretern der deutschen Regierung stattfinden, daß möglicherweise ungemein einschneidende und rasche Entscheidungen getroffen werden müssen. So erklärt sich auch der Beschluß des deutschen Kabinetts, dem Wunsch des Reichskanzlers und des Reichsaußenministers, gemeinsam die Genfer Verhandlungen zu führen, Folge zu leisten. Wie sehr sich der Konflikt zugespitzt hat, geht auch aus der scharfen Kritik hervor, welche die englische Presse an dem Außenminister Chamberlain übt. In einigen Blättern wird sogar unverblümt die Forderung nach einem Rücktritt Chamberlains aufgestellt. Der diplomatische Korrespondent des„Daily Telegraph" bestätigt, daß das britische Kabinett noch zu keinem Beschluß über den Völkerbund kommen konnte, und daß Chamberlain sich bis zu seiner Abreise nach Genf freie Bahn erbat. Chamberlain möchte am liebsten in Genf ohne Kabinettsbeschluß oder Instruktionen eintreffen, damit er dort frei von neuem verhandeln könne. Andere Minister sind jedoch der Ansicht, daß die Folgen einer solchen Verhandlung so weittragend sein könnten, daß es besser ware, vor Chamberlains Abreise zu einem definitiven Beschluß zu kommen. Es wird sogar die Furcht ausgesprochen, daß, falls solche Staaten, wie Schweden, Hölland, Schweiz nicht die Zusicherung erhalten, daß sie von London unterstützt werden, sie vielleicht dem Verlangen der größeren Mächte nach einer sofortigen Rekonstruktion des Völkerbundsrates allein nicht würden widerstehen können. Nach alledem hat es also bis jetzt den Anschein, als ob Chamberlain tatsächlich ohne Instruktionen nach Genf gehen werde, und als ob dort ein neuer Kuhhandel über den Eintritt Deutschlands oder aber zweier anderer Staaten noch vor dem Eintritt Polens oder aber zweier anderer Staaten noch vor dem Eintritt Deutschlands angezettelt werden soll. Deutschland sieht jedenfalls nicht den geringsten Grund, seine Haltung zu ändern. Weder durch Drohungen noch durch Lockungen wird sich die deutsche Regierung von dem Standpunkt abbringen lassen, daß in Genf nur ein solcher Beschluß über die Verteilung der Ratssitze gefaßt werden darf, der den Vorbedingungen entspricht, unter welchen Deutschland seine Bereitwilligkeit zum Völkerbundsbeitritt erklärte. Wir können — so führt z. B. auch die„Deutsche Allg. Ztg." aus— unsere Verhandlungsgegner nicht eindringlich genug warnen, sich Illusionen hinzugeben, als ob Deutschland durch irgendwelche Machinationen veranlaßt werden könnte, in dieser Frage seinen bisherigen Standpunkt zu verleugnen. In der Märztagung kann nach der Sachlage nichts anderes als ein ständiger Ratssitz für Deutschland in Frage kommen. Was geschehen wird, wenn wir erst Mitglied des Rates sein werden, steht auf einem anderen Blatt. Selbstverständlich wird keinem Staat verwehrt werden können, sich später gleichfalls um einen Ratssitz zu bemühen. Das Ergebnis bleibt abzuwarten. Sollten aber die polnischen Intrigen im März nicht erledigt sein, dann ist mit der sicheren Abreise der deutschen Delegierten zu rechnen. * Dr. Stresemann über die politische Lage. London, 25. Febr. Die„Morningpost“ veröffentlicht heute einen Beitrag Dr. Stresemanns zu einer Aufsatzreihe, die ein zusammenhängendes Bild über die Beurteilung der politischen Lage durch die verantwortlichen Staatsmänner Europas geben soll. Die wichtigsten Stellen seiner Ausführungen lauten wie folgt: Durch die politischen und wirtschaftlichen Nachwirkungen des Versailler Vertrages sei in Deutschland ein Zustand politischer Degradierung und wirischaftlichen Ruins geschaffen worden, der in der Besetzung des Ruhrgebiets und in dem Zerfall der Währung seinen Höhepunkt gefunden habe. Auch vom Standpunil der internakionalen Wirkschaft aus gesehen, sei ein Land von ungeheurer Verbrauchskapazität in ein Vakuum verwandelt worden. Die Zerstörung der deutschen Kaufkraft habe die wirtschaftlichen Interessen aller anderen Nationen geschädigt. Allmählich und leider erst viel zu spät, habe man erkannt, daß alle Staaten an der Wiederherstellung der deutschen Wirtschaft und an der Stabilisierung der deutschen Finanzen das größte Interesse hätten. Der Dawesplan, die Amerikaanleihe und das Moratorium legten Zeugnis für die Anerkennung dieser Tatsache ab. Dr. Stresemann beschäftigt sich dann mit dem Locarnovertrage und führt aus, daß Locarno im politischen Sinne den Weidereintritt Deutschlands in das europäische Konzert und damit den Beginn europäischer Zusammenarbeit bedeute. Die Zukunft müsse zeigen, wie die in dem Pakt niedergelegten politischen Vereinbarungen in einzelnen Fällen praktisch angewendet werden müßten. Die Annahme der Locarnoverträge beweise Deutschlands festen Entschluß, aktiv an dem großen internationalen Problem unsexer Zeit mitzuarbeiten. Eine Kanzlerrede über die Ratssitze. X Berlin, 25. Februar. Nachdem Briand auf eine bestellte Interpellation hin im Senat über Frankreichs Politik in der Frage der Ratssitze gesprochen und Chamberlain sich in Birmingham, sowie auch im Unterhaus darüber geäußert hat, wird eine Stellungnahme des Reichskanzlers Dr. Luther notwendig. Es darf jetzt als sicher angenommen werden, daß der Reichskanzler am 2. März in Hamburg die Gelegenhheit ergreift und seinerseits für Deutschland in eindeutiger Weise zur Frage der Ratssitze Stellung nimmt. Die Zusammensetzung der deutschen Delegation. Berlin, 25. Februar. Wie die„S. Z.“ hört, wird die deutsche Delegation, die zu der außerordentlichen Völkerbundstagung nach Genf reist, außer aus Dr. Luther und Dr. Stresemann aus den Staatssekretären Dr. Kempner, Dr. Schubert, den Ministerialdirektoren Dr. Gauß und Dr. Kies und dem Gesandtschaftsrat Dr. Nedelhammer, sowie Sekretären und Dolmetschern bestehen. Insgesamt sollen etwa 25 Personen nach Genf reisen. Kein Austritt Polens aus dem Völkerbund. := Warschau, 25. Februar. Die Nachricht, Ministerpräsident Graf Skrzynski habe dem englischen Gesandten in Warschau erklärt, daß Polen, wenn es keinen ständigen Sitz im Völkerbundsrat erhalte, aus dem Völkerbund austreten und sich Rußland nähern müsse, wird amtlich dementiert. Der spanische Außenminister über den Anspruch Spaniens auf einen ständigen Völkerbundsratssitz. X Madrid, 24. Febr. Der Minister des Aeußeren erklärte Pressevertretern, Spanien nehme den Beitritt Deutschlands zum Völkerbund und die Zuerteilung eines ständigen Sitzes im Völkerbundsrat an dieses Land gunstig auf. Spanien sei entschlossen, zu verlangen, daß ihm in dem Augenblick, da die Zuammensetzung des ständigen Teiles des Völkerbundsrat gemäß Artikel 4 des Paktes geändert werden würde, sein seit seinem Eintritt in den Völkerbund geäußerter Wunsch erfüllt werde, wobei es der Zulassung irgend eines anderen Landes zum Rat kein Hindernis in den Weg legen werde. Das englische Kabinett zur Frage der Ratssitze. London, 25. Febr. Der diplomatische Korrespondent des„Daily Telegraph" erklärt, Chamberlain habe im gestrigen Kabinettsrat den Wunsch ausgesprochen, in Genf möglichst freie Hand zu haben, um durch Exneuerung der Vermittlungsbemühung besonders zwischen den Signatarmächten von Locarno die entstandenen Schwierigkeiten zu beseitigen. Dagegen seien die übrigen Minister der Ansicht gewesen, die bevorstehenden Verhandlungen in Genf seien so wichtig, daß eine Politik angenommen werden müsse, die von der vollen Verantwortung des Kabinetts getragen wird. In ministeriellen Kreisen sei man besorgt, Chamberlain werde, wenn sich die Vermittlungsversuche auf die Locarnomächte beschränke, in diesem engeren Kreise weniger Befürworter der britischen Auffassung finden, als in dem weiteren Kreise des Völkerbundsrats und der Völkerbundsversammlung. Zum Schluß sagt der Korrespondent, es sei nicht anzunehmen, daß Deutschland nach seiner Aufnahme behaupten werde, es dürfe keine Erweiterung des Rates erfolgen, aber Chamberlain dürfte sich irren, wenn er glauben sollte, Deutschland würde zustimmen, daß mit ihm zugleich andere Ratsmitglieder ernannt werden. „Daily Expreß" betont, daß die britische Oeffentlichkeit geschlossen gegen die polni schen Ansprüche ist und sieht in der Lage einen neuen Beweis der Wertlosigkeit des von dem Blatt von jeher bekämpften Locarnovertrages. Das Programm des HandelsMinisters. Preußischer Landtag. X Berlin, 25. Februar. Vor Eintritt in die Tagesordnung verlangt Abg. Bartels(Komm.), daß als erster Punkt auf te Tagesordnung ein kommunistischer Urantrag, der ch mit dem Volksbegehren zur Fürstenabfindung eschäftigte, gesetzt werde. In dem Antrag heißt es t. a.: Die Durchführung des Volksbegehrens ist durch nie viel zu spät erfolgten Anweisungen des preußischen Innenministeriums im Freistaat Preußen rschwert worden. Außerdem wird die Durchführung von den amtlichen Organen direkt gehindert nd sabotiert. Es wird daher beantragt, daß alle emeindevorsteher, Gutsvorstände, Landräte, Amtsperonen, die der Durchführung des Volksbegehrens und Volksentscheides Schwierigkeiten machen, sofort res Amtes zu entheben und unter Anklage des mtsverbrechens zu stellen sind. Da dem kommuristischen Antrage von einigen heutschnationalen Abgeordneten widerprochen wird, kann er nicht auf die heutige Tagesrdnung gesetzt werden.(Lärm bei den Kommunisten.) Abg. Schwenk(Komm.) begründet einen Antrag, er den Zweck verfolgt, weitere Betriebsstillegungen verhindern, um so die Erwerbslosigkeit zu mildern. luch dieser Wunsch scheitert an dem Widerspruch er Rechten.(Rufe bei den Kommunisten: Femeörder.) Dann setzt das Haus die zweite Beratung des Etats er Handel= und Gewerbeverwaltung fort. Als erster sedner nimmt hierbei Die Notwendigkeit körverlicher gtet X Berlin, 25. Febr.(Eig. Drahtb.) Der durch den Versailler Vertrag bedingte Wegfall der strammen Militärausbildung unserer männlichen Jugend fordert mit ernstem Nachdruck einen vollwertigen Ersatz, den zur Zeit nur die Verbände für Leibesübungen gewähren können. Obwohl es, da es sich ja um die Gesunderhaltung und körperliche Ertüchtigung des Volkes handelt, Aufgabe des Reichsparlaments hätte sein sollen, schon in der Verfassung von Weimar einem entsprechenden Paragraphen einen Platz zu verschaffen oder in der Zwischenzeit wenigstens ein Arbeitsdienstjahr einzuführen, kam es erst in den letzten Tagen zur Gründung eines„Interfraktionellen Ausschusses für körperliche Erziehung“. Wir haben seinerzeit darüber berichtet, daß für diesen Ausschuß der Reichstagspräsident Loebe selbst Vorbereitungen getroffen hatte, und daß ihm von der Zentrumsfraktion die Abgeordneten von Guérard und Hoffmann=Ludwigshafen angehören. Die im Ausschuß vertretenen Spitzenorganisationen haben nun zur Förderung ihrer dankenswerten Ziele den Wunsch, daß im Etat 1926 statt des geringen Betrages von 400000 Mark die Summe von 5 Millionen Mark eingesetzt werden müsse. Unmittelbar nach seiner Konstituierung ist der Ausschuß an die Arbeit gegangen, und den Fraktionsvertretern fällt jetzt die Aufgabe zu, bei ihren Kollegen das nötige Verständnis zu wecken und die erforderliche Unterstützung zu suchen. Allerorts wird zwar zur Einschränkung und Sparsamkeit gemahnt, und tatsächlich könnten auch manche Ausgaben unterbleiben; hier aber der preußische Handelsminister Dr. Schreiber das Wort. Er wies zunächst darauf hin, daß der Gesamtzuschuß der Handels= und Gewerbeverwaltung sich von 28,6 auf 35,8, also um 7,2 Millionen erhöht, die Zuschüsse für Berufsschulen sind um 3,3 Millionen erhöht worden. Auch der Zuschuß an den Fachschulen, die für die Ausbildung unseres technischen Nachwuchses bestimmt sind, um 725000 A erhöht worden. Für den Luftverkehr sieht der neue Haushalt eine Erhöhung um 2,5 Millionen vor. Der Luftverkehr sei erst im Ausbau begriffen und bedarf dringend der staatlichen Förderung. Neu hinzugekommen sind die Ausgaben für Schlichtungsausschüsse und arbeitsrechtliche Kammer, Endlich erfordert eine angemessene Unterhaltung der See= und Binnenhäfen infolge der Steigerung der Materialpreise und der Löhne etwa 1,2 Millionen mehr als im Vorjahre. Jedenfalls ist bei der Aufstellung des Haushaltes der Handelsverwaltung eine große Sparsamkeit geübt worden. Die deutsche Reichsbahngesellschaft könnte bei aller Berücksichtigung ihrer Reparationsverpflichtungen sicherlich entgegenkommender eingehen auf die Wünsche der jetzigen Wirtschaftsgebiete, die sich der besonderen Sorge der preußischen Verwaltung auch auf dem Wege des Verkehrswesens von jeher erfreuen konnten. Hier zeigt sich bei der Reichsbahngesellschaft eine gewisse Schwerfälligkeit, das Notwendige zu tun. Sie ist nicht nur eine Reparationsanstalt, sondern das wichtigste nationale Wirtschaftsinstrument Deutschlands. Dieser Gedanke ist mehr als bisher in den Vordergrund zu stellen. Wenn man insbesondere durch geeignete Sondertarise das Wirtschaftsleben anregen würde, statt es zu drosseln, so würde im Endeffekt die Leistungsfähigkeit der Reichsbahn und des Reiches auch zur Leistung der schweren Reparationsverpflichtungen beitrasen. Der Minister geht dann auf die in der Debatte ervorgetretenen Momente ein und erklärte u. a., daß von den 70 Industrie= und Handelskammern bereits 53 Einzelhandelsausschüsse haben. In der Elektrowirtschaft wolle der Staat keineswegs ein Elektrizitätsmonopol errichten oder die normale Entwicklung anderer großer Elektrizitätsunternehmungen hemmen. Es handelt sich bei den staatlichen Beteiligungen nur darum, die staatliche Elektrizitätswirtschaft rationeller zu gestalten, um eventl. später eine angemessene Rente daraus zu erhalten. Besonderen Wert lege er auf eine Verständigung mit den führenden Großunternehmungen. Gegen den Preisabbau habe er Bedenken. Mit behördlichem Zwang sei in dieser Richtung bisher nicht allzuviel erreicht worden. Er verspreche sich mehr von der zunehmenden Erkenntnis in Unternehmerkreisen, daß eine allgemeine Preissenkung in ihrem eigenen Interesse wichtiger sei als eine künstliche Hochhaltung der Preise. Begrüßenswert ist die Entschließung des deutschen Handwerks, von allen Preisvereinbarungen jetzt Abstand zu nehmen. Es dürfte sich empfehlen, wenn auch andere Wirtschaftsgruppen dasselbe täten. Das Washingtoner Abkommen wird ratifiziert werden, wenn auch die übrigen Staaten den gleichen Schritt unternehmen. Die Sonntagsruhe sei eine wertvolle soziale Errungenschaft. Bestrebungen auf Beseitigung derselben werde er nicht unterstützen. Die Bedenken gegen die Wirkungen der Steuerermaßigung des Reichsfinanzministers könne er nicht verstehen, da doch gerade aus Kreisen der Wirtschaft stürmisch eine Senkung der Steuern verlangt wurde. Es frage sich, ob es hinsichtlich der Finanzpolitik des früheren Reichsfinanzministers nicht besser gewesen wäre, wenn die Reichsfinanzen etwas weniger, die Wirtschaft aber etwas mehr Fett hätte ansetzen können. Eine Besserung der Wirtschaftslage Hebung der Kaufkraft eine Vermehrung des Aberreichen lassen. Die Kaufaber nicht gehoben werden der Löhne und Gehälter, denen dann eine Preissteigerung folgen würde, sondern nur durch eine allgemeine Senkung des Preisnioeaus, die den arbeitenden Massen durch Erhöhung ihres Reellohnes zugute kommi Zur Hebung der furchtbaren Arbeitslosigkeit, der sich die große Zahl der Kurzarbeiter zugesellt, habe die Regierung alles dazu getan, dem Baumarkt möglichst schnell reichliche Mittel zuzuführen. Gemeinsam mit der Reichsregierung werde die preußische Rezierung jedes geeignet Mittel ergreifen, um unserer deulschen Wirtschaft und damit den deutschen Arbeitern weitere Arbeitsgelegenheit zu verschaffen. Dann würde es hofsentlich bald besser werden.(Beifall.) der fortgesetzten Debatte nimmt dann Abg. Thiele(Soz.) das Wort. Abgelehnt müsse die einseitige Auffassung werden, daß das Dawesabkommen die Wirtschaft ruiniere. Man müsse auf die letzten Ursachen auch dieses Abkommens zurückgehen, die aber liegen in dem fürchterlichen Zusammenstoß der Völker, an dem die Deutschnationalen ein gerüttelt Maß Schuld trügen.(Sehr richtig links.) Abg. Dolezych,(Dntl.) erklärt, der Abgeordnete Thiele habe nicht gesagt, wie er sich die Umorganisation der Wirtschaft denkt. Der Redner schildert dann die Notlage des deutschen Handwerks. Abg. Teitscheid(Z.) fordert, daß endlich einmal ernst gemacht werde mit der Sparsamkeit. Aber gerade von den beiden Rechtsparteien seien Positionserhöhungen verlangt worden. Die öffentlichen Abgaben und die Gebühren müßten herabgesetzt werden, das würde Stärkung der inneren Kaufkraft bedeuten. Steuererleichterungen sind angekündigt! Reformen dürfen aber nicht auf Kosten der Länder und Gemeinden gehen. Wir verlangen Beseitigung der Wirtschaftsausschüsse bei den Behörden, die dem selbstständigen Kaufmann so große Konwerde sich nur durch die im Innern und und durch satzes nach dem Auslande kraft unseres Volkes kann durch Erhöhung der darf weder der Reichstag noch die Reichsregierung knauserig sein; denn es geht um die Gesundheit und körperliche Kräftigung der heranwachsenden Steuerzahler des Staates. Im einzelnen soll der Betrag von 5 Millionen Mark u. a. folgende Verwendung finden: Für das Turnden gleichen Betrag gebraucht. Die Hochschule des Deutschen Reiches zum Studium der Turn= und Sportlehrer dürfte doch wohl den gleichen Wert haben. Für die Bundesschule des Arbeitersportes in Leipzig sollen 300 000 Mark und für den Ausbau der Deutschen Turnerschaft 400000 Mark zur Verfügung gestellt werden. Allgemein wird für die Verbände der Verteilungsschlüssel des Reichsministeriums des Innern vom Jahre 1921 als Grundlage vorgeschlagen. Gewährt man nun für die Bundesschule in Leipzig und für den Ausbau der Deutschen Turnerschaft diese Zuschüsse, dann darf man auch wohl annehmen, daß für die Lehrstatte der Deutschen Jugendkraft in Münster, die unter größten Opfern und Schwierigkeiten errichtet wurde, auch ein Betrag ausgeworfen wird. Die dem interfraktionellen Ausschuß angehörenden Zentrumsabgeordneten werden ohne Zweifel mit einer diesbezüglichen Forderung auf erhebliche Schwierigkeiten stoßen. Man kann nicht an der Tatsache vorübergehen, daß die Deutsche Jugendkraft, der Reichsverband für Leibesübungen in katholischen Vereinen mit 676 000 Mitgliedern, an dritter Stelle unter allen Sportverbänden marschiert und weiter im Anwachsen begriffen ist. Was für den Einen recht ist, muß für die Andern auch billig sein. kutrenz machen. Die Sparkassen sollten mehr die kleinen Leute bei Krediten berücksichtigen, die ihnen ja das Geld bringen. Die durch Hochwasser Geschädigten müssen schnell und ausreichend unterstützt werden. Arbeiter und Arbeitnehmer müssen sich als Betriebsgemeinschaft fühlen. Abg. Heidenreich(D. Vpt.) erklärt, daß die Reichsbahnpolitik nicht befriedigen kann, solange als die Reichsbahn immer anderer Meinung ist als Reich und Staat. In der Preispolitik müssen wieder alte gute kaufmännische Grundsätze sich durchsetzen: Kleiner Nutzen bei größtmöglichstem Umsatz. Abg. Gold(D.) betont die notwendige Forderung der Qualitätsarbeit des Handwerks, das Deutschland auf dem Weltmarkt wieder hoch bringen könne, sei durch die Steuervolitik Schliebens im Reiche schwer behindert worden. Aba. Schön(W. Ver.) erklärt, seine Freunde erheben den schweren Vorwurf, daß gleich nach Beendigung des Krieges versäumt wurde, die natürliche Miete herzustellen. Wer solle nun auf Objekte, die keine Rentabilität haben, langfristige Kredite geben? Nach 5 Uhr vertagt das Haus die Weiterberatung auf Freitag 12 Uhr. Außerdem wird am Freitag die Zahl der Mitglieder des von Kommunisten und Sozialdemokraten beantragten Untersuchungsausschusses zur Untersuchung der Beschwerden von Bergarbeitern festgesetzt. Auf der Tagesordnung steht u. a. auch die zweite Beratung der Hauszinssteuer, Deutsches Reich. Vereinfachung der Mieterschutzgesetzgebung. : Berlin, 25. Febr. Der Landtagsausschuß für Wohnungs= und Siedlungswesen nahm heute einen Antrag an, die heute viel zu umfangreichen und verwickelten Bestimmungen des Mieterschutzgesetzes durch kurze, klare Bestimmungen unter Anlehnung an das Bürgerliche Gesetzbuch zu ersetzen. Ein deutschnationaler Antrag, dem Vermieter gegen böswillige Mieter und Nichtzahler das Recht der Klage auf fristlose Räumung und den Mietern das Kündigungsrecht wieder einzuräumen, wurde gegen die Stimmen der Linken und des Zentrums abgelehnt. Der kommunistische Reichstagsabgeordnete Arban verhaftet. X Hamburg, 25. Febr. Wie die Telegraphen=Union erfährt, ist der kommunistische Reichstags= und Bürgerschaftsabgeordnete Urban bei dem Versuch, unter Benutzung eines falschen Passes die Ostgrenze zu überschreiten, in Eydkuhnen verhaftet worden. Ein abgelehnter Amnestieantrag. — München 25. Februar. Im Staatshaushaltsausschuß des bayrischen Landtages wurde heute ein kommunistischer Antrag auf Amnestierung der noch im Zuchthaus Straubing befindlichen Räterepuolikaner vom Ausschuß abgelehnt und zwar gegen die Stimmen der Linken und des Abgeordneten Buttmann(Nationalsozialistische Gruppe). Locarnodebatte in der Pariser Kammer. A Paris, 25. Febr. Die Kammer hat in ihrer heutigen Nachmittagssitzung die Diskussion über den Gesetzentwurf begonnen, durch den der Präsident der Republik ermächtigt werden soll, die am 16. Oktober 1925 in Locarno abgeschlossenen Verträge zu ratifizieren. Der Berichterstatter des Ausschusses für auswärtige Angelegenheiten, der sozialistische Abgeordnete Paul Boncour, erklärte, daß er sich vor allen Dingen über den Gegenstand der Debatte aussprechen wolle, denn die Abkommen von Locarno seien nicht ohne weiteres jedermann verständlich und das Land, das man zu einer neuen Politik führen wolle, musse genau über das unterrichtet werden, zu dem es sich verpflichtet. Es müsse die Abkommen ihrem Inhalt und auch ihrer Geschichte nach kennen, denn ein diplomatischer Akt von so großer Bedeutung, wie der von Locarno, müsse aus der Gesamtheit der Tatsachen heraus beurteilt werden. Dem Vertrage von Locarno sei der Vertrag von Versailles vorangegangen. In diesem Vertrage findet man neben althergebrachten traditionellen Auffassungen von Siegen und ihren Folgen auch Auffassungen, daß ein Friede, der einen solchen Krieg wie den Weltkrieg beendigen solle, ein anderer Friede sein muß wie die vorigen abgeschlossenen Frieden. England. Der Ausschluß der Kommunisten aus der englischen Arbeiterpartei. X Glasgow, 25. Febr. Der Nationalrat der englischen Gewerkschaften hat mit einer Mehrheit von 3 zu 1 den Beschluß der Liverpooler Konferenz bestätigt, nach dem die Kommunisten aus der Arbeiterpartei ausgeschlossen werden sollen. Beinahe 80000 Personen haben an der Abstimmung teilgenommen. Rumänien. Gute Wahlerfolge der Deutschen in Rumänien. X Hermannsstadt, 24. Febr. Nach den vorläufigen Zusammenstellungen haben die Deutschen in Rumänien bei den Gemeindewahlen außerordentlich gut abgeschnitten. In Hermannsstadt erreichten sie die absolute Mehrheit. In allen übrigen Städten Siebenbürgens, wo sie mit der rumänischen Volkspartei zusammengingen, erlangten sie die Mehrait der Stimmen. In Banat, Temesvar und ugos, wo die Deutschen gleichfalls mit der rumänihen Volkspartei verbunden waren, gelang es ihnen, die Zweidrittelmehrheit zu erreichen. Auch in Czernowitz haben die Deutschen einen großen Erfolg errungen. Norwegen. Regierungskrise in Norwegen. !! Oslo, 24, Febr. In der Debatte über die Tyroyrede erklärte Ministerpräsident Mowinckel, das die Regierung weder die Abänderungsanträge der Rechten noch die der Bauernpartei annehmen könnte Falls diese Anträge einzeln oder zusammen mehr als die Hälfte der Stimmen auf sich vereinigen würden werde die Regierung zurücktreten. Die Antwort des Senators Borah auf das Innsbrucker Telegramm. X Milwaukee, 24. Febr. Senator Borah erklärt zu dem, ihm aus Innsbruck zugegangenen Telegramm in dem er im Namen Südtirols um Hilfe ersucht wird Hier ist wieder ein Zwischenfall der eine Folge der Geheimverträge ist, die Präsident Wilson pergeblich unwirksam zu machen suchte. Ich bin derselben Ansicht, wie Wilson, daß die Uebertragung von Südtirol an Italien ein großes Unrecht gegen das Tirolei Volk war, und wenn ich irgend dazu beitragen könnte, dieses Unrecht wieder gut zu machen, so würde ich Schritte unternehmen. Das amerikanische Steuerverminderungsgesetz angenommen. :: Washington, 25. Februar Der Senat nahm mit 61 gegen 10 Stimmen das Steuerverminderungsgesetz an, wodurch die Steuern des neuen Jahres um 378 Millionen Dollar herabgesetzt werden. Abdankung des Maharadschas von Indore. Seit längerer Zeit wird in der englischen Presse über den Fall des Maharadscha von Indore, eines der mächtigsten indischen Fürsten, berichtet, auf dessen Veranlassung die indische Tänzerin Mumtaz Bogum, seine frühere Geliebte, und ein Kaufmann in Bombay, bei dem sie Zuflucht gefunden hatte, bei einer Autofahrt durch gedungene Mörder überfallen worden sind. Der Kaufmann wurde getötet, die Tänzerin durch einen Säbelhieb im Gesicht schwer verletzt. Nur durch das Dazukommen englischer Offiziere wurde die Tänzerin gerettet. Die Mörder wurden teils zum Tode, teils zu lebenslänglichem Zuchthaus verurteilt, die Revision gegen das Urteil wurde durch ein Londoner Gericht verworfen. Die Strafverfolgung des Maharadscha stieß auf die Schwierigkeit, daß drei indische Fürsten dem Vizekönig Lord Reading eine Denkschrift überreichten, wonach unabhängige indische Fürsten nur wegen politischer Delikte, aber nicht wegen krimineller Vergehen, weil sie über dem Gesetz stünden, absetzbar seien. Der Vizekönig ordnete eine Untersuchung der Beziehungen des Maharadschas von Indore zu dem Mordanschlag auf die Tänzerin und ihre Begleiter an. Die indische Regierung erklärte halbamtlich, der Maharadscha von Indore könne sich auch durch freiwillige Abdankung nicht Straffreiheit sichern. Gleichwohl wird jetzt gemeldet, daß er sich bereit erklärt habe, auf zwei Jahre die Herrschaft über Indore an einen Regentschaftsrat abzutreten und sich nach Enaland an einen Ort zu begeben, der ihm von der englischen Regierung quasi als Festungshaft angewiesen wird, um daburch seine Unterwerfung unter die Oberhoheit Englands zu bekennen. Es scheint, als wenn diese zweijährige„Festungshaft" als ausreichende Sühne für die Anstiftung zum Morde gehalten wird, Vermischte Nachrichten. Oberstleutnant a. D. Ahlemann erneut von der Polizei geladen. Die Berliner Polizei hat den Oberstleutnant g. D. Ahlemann, der sich geweigert hatte, wegen der von Grütte=Lender gegen ihn erhobenen Beschuldigungen vor der Polizei zu erscheinen, erneut unter Androhung der Zwangsvorführung zum 26. Februar auf das Berliner Polizeipräsidium geladen. Diebstahl an der ehemaligen Großherzogin von Sachsen=Weimar. X Berlin, 25. Febr. Während eines landwirtschaftlichen Vortrags in der Philharmonie wurden der ehemaligen Großherzogin von Weimar die Handtasche gestohlen. Diese enthielt Briefsachen, 130 A bares Geld und kleine Gebrauchsgegenstände. Zugentgleisung. :: Augsburg, 25. Febr. Auf der Eisenbahnstrecke Augsburg=Ingolstadt entgleiste gestern der Abendversonenzug bei der Einfahrt in die Station Niederarnbach. Der Postwagen und mehrere Personenwagen sprangenaus dem Gleis. Eine Person wurde schwer, mehrere andere leicht verletzt. Pinot F. :: Paris, 24. Febr. Im Alter von 63 Jahren ist heute an den Folgen einer Operation der zweite Vorsitzende des Comité des Forges Robert Pinot gestorben. Schadenfeuer im Newyorker Hafeo. — Paris, 25. Februar. Nach einer Meldung der „Chicago Tribune“ aus Newyork sind gestern durch ein gewaltiges Feuer 2 Piers am Hundson River zerstört worden. Der Schaden beträgt etwa 5½ Millionen Dollar. Die Mannschaften im 1. Dortmunder Sechstagerennen. Nach erfolgtem Abschluß der Starterliste für das am 4. März in der Westfalenhalle beginnende erste Dortmunder Sechstagerennen bestanden für die Paarung der 26 zugelassenen Teilnehmer die verschiedensten Möglichkeiten. Die Rennleitung hat sich schließlich dahin entschieden, das Rennen unter der Parole„Deutschland gegen Ausland" vor sich gehen zu lassen. Es wurden daher fünf ausländische, sieben deutsche und nur eine gemischte Mannschaft gebildet. Die Starterliste zeigt folgendes Bild: Louet— Cugnot, Frankreich Tonani— Oliveri, Italien Persyn— Verschelden, Belgien De Graeve— Buysse, Belgien Van Nek— Thollenbeek, Holland— Belgien Jensen— Steingaß, Dänemark— Deutschland. Lorenz— Saldow, Deutschland Krupkat— Bauer, Deutschland Lewanow— Möller, Deutschland Knappe— Rieger, Deutschland Schamberg— Mühlhoff, Deutschland Remold— Thiel, Deutschland Hürtgen— Dederichs, Deutschland Auch bei den deutschen Fahrern erscheinen die alterfahrenen Sechstagemänner und der Nachwuchs getrennt. Zur ersteren Kategorie gehören Lorenz—Saldow, Krupkat—Bauer und Lewanow, dessen Partner Möller auch schon sein zweites Sechstagerennen fährt. Die Breslauer Mannschaft Knappe—Rieger bestreitet bereits ihr drittes Rennen, während neben Steingaß auch Schamberg—Mühlhoff, Remold—Thiel, Dederichs und sein erst jetzt zum Berufsfahrertum übergetretener Partner Hürtgen Sechstageneulinge sind. Dadurch kommt eine weitere, große Spannung in das Rennen, denn es wird sicherlich von allgemeinem Interesse sein, wie die junge Garde abschneidet und ob es dem jüngsten Nachwuchs gelingt, in die Fußstapfen der so rasch berühmt gewordenen Knappe—Rieger und Möller zu treten. Der Finanzetat. für den Berlin, 25. Febr. aushaltungsausschuß des Reichstages wurde rage einer Ausfallsgapantie des Reiches Export nach Rußland Bcade. Abg. Dr. Cremer(D. Vp.) berichtete über die bisberigen Beratungen im Unterausschuß. Die Höhe Ausfallsgarantie des Reiches soll 35 Prozent betagen. Eine etwaige Ländergarantie soll weitere 25 Krozent übernehmen, sodaß das Eigenrisiko der Lieferfirmen dann noch 40 Prozent ausmachen würde. Abg. Dr. Quaatz(Dntl.) äußerte gegen Art und Aufbau des ganzen Unternehmens starke Bedenken. In der Abstimmung beschloß der Ausschuß mit roßer Mehrheit, der Reichsregierung die Ermächtigung zu erteilen, nach Maßgabe bestimmter, festgelegter Voraussetzungen eine Garantie über Lieferungsgeschäfte nach Rußland bis zum Höchstbetrage von 105 Millionen mark zu übernehmen, jedoch derart, daß die Vorhaftung der Industrie auf 20 Prozent beschränkt bleibt, während für die weiteren Ausfälle die Garantie von Reich und Ländern in Höhe von 75 Prozent des Ausfalls zintritt, woran Reich und Länder im Verhältnis von 7:5 beteiligt sind. Hierauf trat der Ausschuß in die Besprechung des Finanzetats ein. Abg. Ersing(Z.) führte aus: Komme die Wirtschaft in vollen Gang, dann würden natürlich auch die Steuererträgnisse besser werden und eine Finanzierung des Etats 1927 durch aus im Bereich der Möglichkeit sein. Die Absichten der Reichsregierung, der Reichsbahngesellschaft ein Darlehen von 100 Millionen Reichsmark a gewähren, um durch von der Reichsbahn zu erteilende Aufträge die Arbeitslosigkeit zu drosseln sowie die Uebernahme einer Bürgschaft für den Export nach Rußland, seien zu begrüßen. Dagegen bedaure er sehr, daß die Reichsregierung in der Wohnungsfrage endgültige Vorschläge noch nicht gemacht habe. Seine Freunde würden den Vorschlägen des Reichsfinanzministeriums kaum zustimmen, wenn die Regierung nicht vorher ausreichende Mittel zur Ingangsetzung des Baumarktes aufzubringen in der Lage sei. Reichsfinanzminister Dr. Reinhold versicherte, daß sich die Reichsregierung bereits eingehend mit einem Bauprogramm für den Sommer beschäftigt habe. Es seien zunächst Erhebungen darüber angestellt worden, wieviel gelernte Bauarbeiter überhaupt für das neue Bauprogramm zur Verfügung ständen. Es sei der Regierung schon aus dem Grunde wichtig, das Bauprogramm in großem Umfange durchzuführen, weil ja bekanntlich das Baugewerbe ein sogenanntes Schlüsselgewerbe sei, das wieder zahlreichen anderen Gewerben Brot und Arbeit gebe. Von der Hauszinssteuer werden 15 bis 20 Prozent diesem Bauprogramm zufließen. Wenn die Hauszinssteuer einen Ertrag von insgesamt 5 Millarden Mark gäbe, so würden also für das Bauprogramm 750 bis 1000 Millionen Mark verfügbar sein. Wenn man diese Summe beispielsweise als Verbilligungshypotheken für die Bauten verwende, so könne auf dem Baumarkte viel erzielt werden. Abg. Dr. Cremer(D. Vp.) erkläpte die grundsätzliche Zustimmung seiner Partei zu dem von der Reichsregierung verfolgten Ziele einer Ankurbelung der Wirtschaft durch Erbeichterungen der Steuerlast. Die Deutsche Volkspartei halte ein größeres Ausmaß der Eisenbahnaufträge an die Industrie für erforderlich. Das vom Zentrum betonte Bauprogramm werde man im wesentlichen nur aus der Hauszinssteuer finanzieren können. Die Aufnahme einer Auslandsanleihe für diesen Zweck habe starke Bedenken gegen sich. Abg. Merck(Bayr. Vp.) vermochte den vom Reichssinanzminister und Reichskanzler vertretenen Optimismus nicht zu teilen. Man habe das Bestreben, der Wirtschaft um jeden Preis entgegenzukommen, und sei es auch um den Preis der Finanzierung des Etats. Die dreimalige Senkung der Umsatzsteuer um je 1½ Prozent sei so gut wie wirkungslos geblieben. ie wichtigste Frage sei die des Finanzausgleichs. Die Stellung seiner Partei zu dieser und jeder Reichsregierung werde von einer befriedigenden Lösung dieser Froge abhängig sein. Seine Partei müsse unbedingt verlangen, daß grundsätzlich die Länder und Gemeinden auf eigene Füße gestellt würden und ihnen diejenigen Steuereinnahmen gesichert bleiben, die zu ihrer weiteren Existenz unentbehrlich sind. Abg. Dr. Fischer=Köln(V.) betonte, daß es sich für seine Freunde nicht um eine Steuermilderungsaktion handle, sondern um einheitliches Wirtschaftsprogramm, bei dem seine Partei der Gesamtregierung auf allen Gebieten, die der Hebung der gegenwärtigen Wirtschaftskrisis dienlich sein können, rückhaltlos folgen werde. Damit war die Generaldebatte über den Etat des Reichsfinanzministertums geschlossen, und der Ausschuß vertagte sich auf Freitag. Preußischer Staatstat. A Berlin, 25. Febr. Der Preußische Staatsrat erledigte heute eine Reihe von Vorlagen. Gegen den Entwurf eines Gesetzes über die Führung der 27. preußischen Stimme im Reichsrat durch die Regierung werden Einwendungen nicht erhoben. Auch gegen eine Anordnung des Reichsarbeitsministers über Kurzarbeiterfürsorge werden Einwendungen nicht erhoben. Gegen den Gesetzentwurf über Einhringung staatlichen Bergwerksbesitzes indie preußische Bergwerks= und Hütten=A. G. werden Einwendungen nicht erhoben. Den vom Landtag beschlossenen Gesetzen über die Aufbesserung des Diensteinkommens der evangelischen und katholischen Pfarrer, durch welche die Vorschüsse aus der Staatskasse angesichts der Notlage der beiden Kirchen, bis zum 31. März 1927 verlängert werden sollen, beantragt der Ausschuß, auf Grund der Verfassung feine Zustimmung zu versagen, da der Landtag Ausgaben außerhalb des Haushalts beschlossen habe ohne die erforderliche Deckung dafür zu schaffen. Wie Dr. Jarres als Berichterstatter noch ausführte, sei der Beschluß des Landtages an sich sachlich durchaus berechtigt. Der Landtag habe sich auch für baldige gesetzliche Regelung der Frage ausgesprochen. Der Finanzminister habe heute im Ausschuß erklärt, kurzfristige Darlehen zur Verfügung zu stellen und ferner gegebenenfalls zur Beschaffung der erforderlichen Mittel für weitere Zuschüsse für die Pfarrerbesoldung zu sorgen. Der Ausschuß empfehle darüber hinaus, die Staatsregierung aufzufordern, alsbald einen Gesetzentwurf vorzulegen, der den diesbezüglichen Wünschen des Landtages gerecht wird. Nach kurzer Aussprache wurde der Ausschußantrag angenommen. Damit war die Tagesordnung erledigt. Die nächste Sitzung findet voraussichtlich am 13. April statt. Die Fürstenobsindung zem Bechtsausschuß des Reichstages. X Berlin, 25. Februar. Der Rechtsausschuß des Reichstages setzte heute vormittag die Beratungen zur Fürstenabfindung fort. Reichskommissar Oberst Kuonzer teilte über die Stellungnahme der Landesregierungen folgendes mit: Vier Regierungen erklären, daß sie keine sgesetzliche Regelung wünschen, zwei, daß sie zwar die reichsgesetzliche Regelung, nicht aber die Rückwirkung auf ihr Land wünschen, fünf Regierungen wünschen ohne Einschränkung eine reichsgesetzliche Regelung, und vier Regierungen haben sich auf die Frage der Reichsregierung noch nicht geäußert Die Reichsregierung habe nun telegraphisch bei allen Landesregierungen angefragt, ob die Auseinandersetzung als endgültig erledigt angesehen werden, ob, wie sie erledigt sei, die Möglichkeit einer Wiederaufnahme der Auseinandersetzung auf Grund des Reichsgesetzes gewünscht werde. Ferner, ob, wo nur über einige Vermögensstücke endgültig entschieden sei, das Land die Rückwirkung auch auf diese Fälle wünsche. Angenommen wurde dann ein demokratischer Antrag, wonach ein durch Urteil, Schiedsspruch, Vertrag oder Vergleich bereits endgültig erledigter Fall binnen sechs Monaten nach Inkrafttreten des Gesetzes vor das Reichssondergericht gebracht werden kann. Ebenfalls angenommen wurde eine Bestammung, nach welcher die Fälle, die nur Teilentscheidungen darstellen, nicht als endgültig erledigt angesehen werden können. Der Ausschuß vertagte sich dann auf Freitag. Schluß der ersten Lesung. Die Politik des Jungdeutschen Ordens. Der Jungdeutsche Orden entwickelt sich in letzter Zeit unter seinem„Hochmeister" Mahraun in einer Richtung, die ihn immer weiter von den rechtsradikalen Verbänden entfernt und zu einer Anerkennung der realen Politik führt, die die Parteien der Mitte seit Jahr und Tag konsequent verfolgen. So hat Mahraun, dessen Hochverratsangelegenheit sich bekanntlich als eine sehr harmlose Sache herausgestellt hat, dieser Tage in den überfüllten Stadtparksälen in Kassel eine Rede gehalten, die folgende bemerkenswerten Sätze enthält: „Segen Frankreich haben wir seit 1918 auch ohne Waffen sehr große Siege errungen. hat eingesehen, daß der Rhein nicht Deutschlands Grenze, sondern Deutschlands Strom sein muß, denn unsere Brüder am Rhein haben ihnen bewiesen, wie deutsch das Land ist. Mit Elsaß=Lothringen haben die Franzosen heute die Schwierigkeiten, die man uns früher angedichtet hat. Unsere Parole muß daher lauten „Schluß im Westen, Tore auf. im Osten!" Denn das deutsche Volk kann nicht leben, so lange der Weichsel=Korridor deutsche Gebietsteile trennt. Wir brauchen für unser 68=Millionen=Volk Ausdehnungs möglichkeit. Unsere Gedanken müssen dem Aufdau unsexes Vaterlandes gewidmet sein, Gedanken der Rache müssen zurückgestellt werden.„Rache ist füß, aber nichts, Leben und Zukunft in alles!" Ein Klarsehen für die jetzigen Verhältnisse ist notwendig und keine Gefühlsduselei und Hurra=Schreierei. Kann man auch nicht jedes Wort unterschreiben, was dieser von seinen Ordensbrüdern als großer politischer Kopf verehrte und sich selbst auch so einschätzende „Hochmeister" sagt, so macht es doch Vergnügen, ihn und seine Bewegung sich von nationalistischer Gefühlspolitik stark abwenden zu sehen. Die Frage der Ratssitze im Oberhaus. X London, 24. Februar. In der heutigen Nachmittagssitzung des Oberhauses brachte Lord Parmoor folgende Entschließung ein: Es ist anläßlich des Antrages Deutschlands auf Zulassung zum Völkerbund und zu einem ständigen Sitz im Völkerbundsrat, in Uebereinstimmung mit dem Locarnovertrag nicht wünschenswert, die Frage der allgemeinen Umbildung des Völkerbundsrates aufzuwerfen oder die Zahl der Ratssitze weiter zu vermehren. Parmoor erklärte jeden Gedanken dieser Art als verhängnisvoll für den internationalen Geist allgemeiner Freundschaft. Er würde weniger an die Möglichkeit eines Ergebnisses dieser Art gedacht haben, wenn nicht Chamberlain in seiner gestrigen Rede im Birmingham erklärt hätte, daß er nicht sei, soweit England in Betracht komme, sicherzustellen, daß bei der nächsten Sitzung des Rates die einzige Frage nur die des Eintritts Deutschlands selbst sein würde. Ferner erklärt Parmoor, daß die Frage der Umbildung des Rates zur Zeit, da er selbst im Rate war, nicht in Erscheinung getreten sei. Auf Chamberlains Bemerkung eingehend, wonach diese Frage zur Zeit der Locarnokonferenz bekannt gewesen sei, sagte Parmoor, wenn dies so gewesen sei, so hätte man erwartet, irgend etwas darüber veröffentlicht zu hören. Dies sei jedoch nicht erfolgt. Die einzige Frage dieser Art habe den Eintritt Deutschlands betroffen. Es sei von Wichtigkeit, daß in biesem Sinne auch weiter gehandelt werde. Die Haltung Frankreichs in dieser Frage bedrohe den freundschaftlichen Geist von Loearno. Eine solche Frage dürfte erst in einer öffentlichen Versammlung des Völkerbundes aufgeworfen werden. Parmoor fragte, ob Großbritannien für die in Locarno behandelte einzige Frage eintreten werde, nämlich den Eintritt Deutschlands, oder auch noch für eine Neuerwägung der Verfassung des Völkerbundes. Auch Lord Phillimore wandte sich gegen jede Vermehrung der Ratsmitglieder mit Ausnahme Deutschlands. Beauchamp hält es für äußerst unklug, weiter in die Regierung zu dringen, mehr zu erklären, als diese es wünsche. In Erwiderung auf die Resolution Lord Parmoors führte Lord Cecil aus: Ich kann nicht anerkennen, daß die Zulassung Deutschlands erst Veranlassung zu dem Wunsche einer Erweiterung jebe. Ich bin überrascht, daß Lord Parmoor sagte, daß diese Frage seinerzeit nicht bestanden habe. Die Frage ist vertagt worden in dem Empfinden, daß der Eintritt Deutschlands der geeignete Zeitpunkt sei, um sich mit dieser Frage zu beschäftigen. Er hoffe, daß den Vertretern der Regierung freie Hand gelassen werde für die Verhandlungen in Genf und gleichzeitig, daß das Haus diese Resolution, die die Regierung binde, nicht annehmen werde. Die Wahl dieses oder jenes Staates zu Ratsmitgliedern, mit dem Zwecke, gegen Deutschland ein Gegengewicht zu schaffen, würde ein Unglück bedeuten, darüber herrsche in England keine Meinungsverschiedenheit. Keine Handlung der Regierung sei von Mißtrauen gegen Deutschland oder irgend einem anderen Staate gegenüber diktiert. Nach der Rede Lord Cecils zog Lord Parmoor seine Resolution dadurch zurück, daß er das Haus verließ. Das Wirtschaftsprogramm der Freien Gewerkschaften. Berlin, 23. Febr. Die Freien Gewerkschaften(Allgemeiner Deutscher Gewerkschaftsbund, Allgemeiner Freier Angestelltenbund, Allgemeiner Deutscher Beamtenbund) legen ihre Ansichten über die„Gegenwartsfragen deutscher Wirtschaftspolitik" der Oeffentlichkeit nunmehr in einer Denkschrift dar. Der Sinn der Denkschrift soll, wie der Vorsitzende des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes, Graßmann. in einer Besprechung mit Vertretern der Presse betonte, sein, daß sie Fragengebiete abgrenzt, über die eine Verständigung mit dem Reichsverband der deutschen Industrie unmöglich sei. Die deutsche Sozialversicherung sei auf 2,7 Milliarden gestiegen und bedeute eine schwere Belastung des Wirtschaftslebens. Man wolle, daß Arbeitgeber und Arbeiter gemeinsam zur Linderung der Erwerbslosigkeit beitrügen. Während die Denkschrift des Reichsverdandes der deutschen Industrie das jährliche Volkseinkommen mi 43—48 Milliarden angibt, kommt die Denkschrift deFreien Gewerkschaften auf 52--60 Milliarden. Aus dem Unterschied in der Schätzung des Volkseinkommens er gebe sich ein Unterschied in der Errechnung de Steuerlasten, die die Industrie mit 25—30 Proz. die Gewerkschaften mit nur 17—22 Proz. des Volksein kommens bezifferten. Auf dem Gebiete der öffentliche Finanzwirtschaft wird die Stellung des Staates nich nur als Hüter der Reichsordnung, sondern darüber hin aus als Träger sozialer Funktionen betont. Dementsprechend werden die bekannten Forderunge erhoben, wie ausreichende Versorgung der Beamten, an emessene Versorgung der Kriegsopfer, Offenlegung de Steuerlisten, Abbau der Umsatzsteuer, Reform des Ein kommensteuertarises, Verwendung der Hauszinssteuc für den Wohnungsbau, Steuerfreiheit der öffentliche Betriebe, Ersparnisse am Beamtenapparat der Heeres und Marineverwaltung, Befreiung der Länder von de Fürstenabfindungen. Ein niedrigerer Zinsfu sei erwünscht, dürfe jedoch nicht künstlich herbeige führt werben, da er zu unvegründeter Bevorzugung einzelner Kreditnehmer führe. Die Reichsban müsse eine planmäßige Kreditverteilung nach volkswirt schaftlichen Gesichtspunkten anstreben. Handelspolitisch wird der Abbau der Zölle auf Rohstoffe und unentbehrliche Lebensmittel, sowie de Ein= und Ausfuhrverbote gefordert. Bei Handelsver tragsverhandlungen sei zu beachten, daß jede Zoll ermäßigung im eigensten Interesse der deutschen Wirt schaft liege. Ein interessanter Roligionsstreit im freien Gewerkschaftslager. Es ist bekannt, daß die freien Gewerkschaften de christlichen Weltanschauung ablehnend gegenüber stehen. Diese Tatsache tritt ganz besonders bei hohe; kirchlichen Festtagen in die Erscheinung. Dann wir offen und frei für die sozialistische und gegen di christliche Weltanschauung Stellung genommen. Inter essant ist ein Streit um die Bibel, der sich zwischen de freien Gewerkschaften und den Kommunisten in de letzten Zeit entwickelt hat. Die„Bergarbeiter zeitung“ vom 20. Februar enthält nachfolgende Notiz „Der Verlagsgesellschaft des ADGB. war vor ge raumer Zeit von dem auch in Arbeiterkreisen bekann ten und angesehenen Verlag Reclam in Leipzig ein vier seitiger Prospekt zum Versand angeboten worden, in der außer einer Gesamtausgabe von„Tausendundeine Nacht und einer Reihe von Meisterwerken der Weltliteratu auch„Das in der Sprache der Gegenwart übersetzt Neue Testament"— alles Bücher, die im Verlag vo Reclam erschienen sind— empfohlen wurde. Die Ver lagsgesellschaft hat mit Rücksicht auf die ersterwähnte häufig verlangten Bücher geglaubt, den Prospekt ihre Sendungen beilegen zu können, obwohl auf der letzte Seite auch das„Neue Testament“ angezeigt wurde. Der Verein proletarischer Freidenker protestiert gegen diesen Vertrieb eines„Pamphlets" durch den Vez lag des ADGB., und als der Bundesvorstand den Ver sand des Prospektes und den Vertrieb wicht inhibiert in mehreren Artikeln schwer vom Leder gezogen. Ver kauft waren von dem Buch durch den Verlag des ADGE ganze 8 Stück, meist an Redaktionen. Wir finden das Verhalten des Bundesvorstandes ganz korrekt. Ein gebildeter Mensch sollte, erst recht, wenn der Freidenker ist, die Bibel kennen und warum soll er sie denn bei Bürgerliche kaufen? Die Berliner„Nore Fahne“ machte es dann abe noch viel netter. Sie log in einem Artikel:„Der ADGE als Bibelfabrikant":„In dem offiziellen Buchverlag des ADGB. ist. der zweite Teil der Bibel, das Neue Testament, bearbeitet und erklärt von dem„religiösen Sozialisten" Kurt Stage, in einer Massenauflage gedruckt und verbreitet worden". An dieser Behauptung ist kein wahres Wort. Das Buch ist, wie bereits gesagt, in dem Verlag von Reclam erschienen. Die Sowjetregierung hat dagegen, wie die„Gewerkschaftszeitung“ mitteilt, den Druck großer Posten von Bibeln in den Regierungsdruckereien von Moskau und Leningrad zugelassen!" - Dieser Religionsstreit im sozialistischen Gewerkschafts lager ist nicht nur interessant, sondern auch lehrreich Besonders auffallend ist die Stellungnahme der Freidenker und der Kommunisten in diesem Streit. Hoffentlich wird die christliche Arbeiterschaft die richtige Nutzanwendung aus dem Vorgang ziehen. 2 Eine günstige Einkaufsmöglichkeit bietet die neue Doppelpackung von„Schaumpon mit dem schwarzen Kopf“ Sie enthält 2 Beutel, für zweimalige Kopswäsche ausreichend, und kostet 35 Pig.— Die bekannte Einzelpackung ist auch weiterhin für 20 Pfg. erhältlich. Achten Sie aber in jedem Fall genau auf die Schutzmarke„Schwarzer Kopf“. Der gelbe Marquis. Roman von Knub Gatzwiller. Aus dem Dänischen übersetzt von E. von Kraatz. 4)(Nachdruck verboten). In Kabine 28 herrschte ebenfalls Ruhe. Hög hatte lange wach gelegen. Er hatte, sest mit Decken und Kissen verstaut, eine Stunde lang gelesen. Svend und Sjöström hatten die Gesichter gegen die Wand gekehrt und schliefen längst. Hög legte sein Buch weg und schickte sich an, ihrem Beispiel zu folgen, tletterte aber vorher noch einmal nach einem musternden Blick auf die Gefährten aus dem Bett, um ein Kissen hinter Svends Rücken zu stopfen. Er lag noch nicht fest genug, um ruhig schlafen zu können. Svends Hand mit Doktor Yuchitus schwerem Schlangenring lag, von dem unruhigen Licht des kleinen Prismenkronleuchters beschienen, oben auf der Decke. Es war wirklich ein ungemein schönes und kostbares Stück Goldschmiedekunst, und beim Lampenschein sah man jetzt, daß es eigentlich zwei zusammengeflochtene Ringe waren— zwei schuppige Schlangenleiber, die fest umeinandergeschlungen in einem Schlangenkopf endeten. Vorsichtig drehte Hög an dem Ring, um den Kopf besser zu sehen, aus welchem ihm ein kleines Diamantauge engegenfunkelte. Aber er ließ ihn gleich wieder los Svend begann nämlich, unruhig zu werden. Er machte einige schwache Bewegungen, als ob er sich erheben wollte, und murmelte dabei einige für Hög unverständliche Worte. Es klang, als ob er fortwährend einen stets wiedertehrenden Satz wiederholte— aber in einer Sprache, die Hög nicht verstand. Er konnte nur hören, daß es keine lebende europäische Sprache war— und anscheinend auch weder Griechisch noch Latein. Als Svend endlich verstummte, schlüpfte er leise in sein Bett zurück, schaltete das Licht aus und legte sich hin. Etwas später in der Nacht erwachte Hög. Er mochte nicht Licht machen, um seine Reisegefährten nicht zu wecken, und lag daher nur ganz still, indem er dem gedampften, taktfesten Stampfen der Maschine lauschte. Er bemühte sich, wieder einzuschlummern, aber ohne Erfolg. Er konnte nicht mehr schlafen— nun, gut, dann wollte die Leselampe wieder einschalten und den Schirm so brehen, daß der Schein nicht in die anderen Kojen fiel. Vorsichtig tastete seine Hand an der Kabinenwand enttung, bis er endlich den Kontakt fühlte und Licht machte. Dann nahm er das Buch von dem kleinen Nachttischchen und wollte sich eben behaglich zum Lesen zurechtleben— als er das Buch mit einemmal wieder fallen tieß und einen leisen Laut der Verwunderung ausstieß Svends Koje war leer! Einen Augenblick starrte er in die leere Koje hinein, bis er plötzlich verständnisvoll lächelte. Ja, natürlich! Svend mußte ihn geweckt haben, als er aufstand. Der Ring des Japaners hatte wohl nicht die erforderliche beruhigende Wirkung ausgeübt, und wahrscheinlich hatte sein bisher so selbstsicherer Reisekamerad die Residenz nach der weiter längs im Gange befindlichen Toilette verlegen müssen— um Neptun sein Opfer darzubringen. Hög schmiegte sich behaglich in die Kissen. Es geschah ihm schon recht— nachdem er scheinbar doch töricht genug gewesen war, an die naive Geschichte von Yuchitus Ring zu glauben. Er lag eine Weile und horchte, ob er den anderen nicht leise zurückkehren hören würde, und bereitete sich schon drauf vor, das Licht abzustellen, ehe er hereinkam, und zu tun, als ob er schliefe. Ee wollte nämlich warten, bis am nächsten Morgen alle zum Frühstück beisammensaßen, um Svend und Doktor Yuchitu dann gehörig zu necken. Sein Blick fiel zufällig auf seine an einem Schlingerhaken hängende Taschenuhr. Es war halb drei. Als es dreiviertel drei wurde und Svend noch immer nicht kam, wuchs seine Schadenfreude, bis er leise vor Lachen gluckste. Doch als es ein viertel auf vier wurde und immer noch keiner kam, begann er sich doch zu beunruhigen. Bald darauf sprang er aus dem Bett. Nun war er wirklich besorgt. Svend konnte ja ernstlich krank sein, und er mußte sofort hin, um ihm beizustehen. Er schlüpfte in seine Pantoffel, zog rasch ein Paar Hosen über und schlich auf den Gang hinaus. An seinem Ende lag Toilette und Badezimmer. Er suchte überall, öffnete jede Tür— aber Svend war nicht da. Das war ihm ein Rätsel. Auf Deck konnte er nicht sein, da sein Anzug am Haken in der Kabine hing. Das hatte Hög gesehen, bevor er seine Untersuchungsexpedition antrat. Svend konnte also nichts weiter als seinen Nachtanzug anhaben. Hög kratzte sich bedenklich am Nacken— dies war etwas, was er nicht begriff. Langsam trat er auf den Gang hinaus, schloß leise die Tür— und mußte sich im nächsten Augenblick Gewalt antun, um nicht in einen lauten Schrei auszubrechen. Weiter unten im Gang trat Svend soeben aus einer Tür heraus, und diese Tür führte zur Kabine des Japaners. So lautlos wie möglich schlich er ihm nach. Svend ging rasch zu, ohne sich umzusehen, und es fiel Hög auf, wie sicher er den schlingernden Gang entlang schritt, ohne sich ein einziges Mal an dem an beiden Wänden hinlaufenden Geländer festzuhalten. Als Hög in der Mitte des Ganges war, wandte Svend sich rasch ihrer eigenen Kabinentür zu und trat hinein, indem er sie hinter sich zumachte. Einen Augenblick blieb Hög zweifelnd stehen. Dann schlich er nochmals zurück, um sich davon zu überzeugen, daß es tatsächlich Doktor Yuchitus Tür war, aus der er Svend hatte herauskommen sehen. Ja, es war kein Zweifel möglich— aber was zum Henker hatte er da zu suchen? Wollte er vielleicht die Tropfen des Japaners borgen? Das kam ihm doch reichlich unwahrscheinlich vor, und Hög lächelte bei dem Gedanken, wie verlegen Svend geworden wäre, wenn er in seinem Nachtanzug auf dem Gang eine Dame getroffen hätte. Nun öffnete Hög die Kabinentür und erwartete, Svend dort stehend und vielleicht etwas betreten über sein Erscheinen vorzufinden. Er trat rasch hinein und hatte schon eine Frage auf der Zunge— als er Svend fest und ruhig schlafend in seiner Koje liegen sah. Dem Norweger stand der Verstand still. Wie konnte Svend, der eben noch vor seinen Augen hell wach durch den Gang spaziert war, in tiefem Schlaf daliegen, als ob er seine Koje gar nicht verlassen hätte? War er selbst denn wirklich wach? Träumte er nur— oder stellte Svend sich nur schlafend, um ihn hinters Licht zu führen? Hög trat an sein Lager heran und rief ihn beise an. Er legte die Hand auf sein Herz und lauschte seinen Atemzügen. Beide funktionierten ruhig und regelmäßig Schließlich legte er behutsam zwei Finger an sein Augenlid und öffnete es ganz sachte. Die Pupille war völlig normal, wie bei jedem Schlafenden.— Nun war er überzeugt. Svend schlief wirklich, gesund und sanft. Aber diese Sache ging ihm über den Verstand! Grübelnd kletterte er in seine Koje zurück. Er versuchte zu lesen, vermochte aber nichts zu fassen. Seine Gedanken kreisten um Svend und seinen nächtlichen Ausslug. War er Nachtwandler— und was hatte er in der Kabine des Japaners gewollt? Es währte lange, bis Hög wieder einschlief, und der kurze Schlaf, der ihn gegen Morgen befiel, war im Gegensatz zu Svends tiefem, ruhigem Schlummer unruhig und voll wirrer Träume.., Es wurde Morgen. Högs Uhr stand auf halb acht, als er aufwachte. Er reckte sich ein wenig und sann dabei nochmals über die Ereignisse der verflossenen Nacht nach. Sjöström und Svend schliefen noch beide. Draußen auf dem Gang war die Dienerschaft offenbar mit Reinemachen beschäftigt. Es eilte also noch nicht mit dem Aufstehen. Der Wind hatte sich über Nacht gelegt, aber das Meer war noch in Aufruhr, und der Dampfer stampfte schwer in den hohen Wogen und holte so stark über, daß die See das fest zugeschraubte Bullauge der Kabine eine volle Minute lang blendete. Im nächsten Augenblick wälzte er sich auf die andere Seite hinüber und ließ die Sonne auf den weißlackierten Wänden spielen Hög liebte das Reisen, und ganz besonders das Seefahren. Unter gewöhnlichen Umständen würde er in glänzender Laune erwacht sein— und zwar gerade in dieser Umgebung, aber heute vermochten weder Wellen= noch Sonnenspiel ihn in die richtige Stimmung zu versetzen. „Guten Morgen, Hög! Nein, wie hab' ich schön geschlafen!“ Es war Svend, der erwachte und Hög gemütlich zuwinkte.„Und dabei redetet ihr gestern abend von Seekrankheit! Was ist das für eine Krankheit? Ich kenne sie nicht— habe in dieser Riesenwiege prachtvoll geschlafen. Jetzt bemerkte er, daß Hög am Morgenmißmut litt, und hörte ihn nur ein kurzes, dumpfes Guten Morgen brummen. „Ja, hav' ich's nicht gleich gesagt?" lachte er und schwang sich zur Koje hinaus.„Du hättest ein paar von Yuchitus Tropfen nehmen müssen— du bist ja seekrank gewesen, Mensch!“ „Meinst du—?“ „Und nun brauchst du eine kleine Auffrischung,„fuhr Svend lachend fort und spritzte Hög ein wenig Wasser aus dem Waschbecken ins Gesicht.„Sieh mich an! Ich hab' mich großartig gehalten— und nur dadurch, daß ich den Ring geliehen bekam.“ Jetzt wurde es Hög denn doch zu toll. Er saß aufrecht ett und starrte ihn mit großen, kugelrunden Augen an. „Aber diese Nacht— diese Nacht ging es dir gehörig schlecht,„fauchte er förmlich." Besinnst du dich nicht darauf?" Svend stak mit dem ganzen Kopf in der Waschschale. „Schlecht— mir? Absolut nicht! Ich habe überhaupt noch nie so schön geschlafen wie in dieser Nacht." „Aber warum—“ Högs Augen hingen unverwandt an ihm—“ warum standst du dann diese Nacht auf? Und was wolltest du in Doktor Yuchitus Kabine?“ Nun begann Svend ärgerlich zu werden. „Was zum Kuckuck ist das denn für Unsinn?" versetzte er und schüttelte das Wasser ab.„Ich bin ja überhaupt nicht aus meiner Koje rausgewesen, seit ich mich gestern abend ins Bett legte!“ Da fragte Hög nicht weiter. Es war ja klar, daß sein Reisegefährte nicht ahnte, was er in der Nacht vorgenommen hatte. In diesem Augenblick erwachte Sjöström. Svend setzte ihm die Sache auseinander, und nun fielen die beiden über den verstummten Hög her und neckten ihn gehörig. (Fortsetzung folgt. o ler1 1 Concordia-Lichtspisle Ahaus. Samstag, den 27. und Sonntag, den 28. Febr. „NINON“ Die Fürstin von Jazzmanien. Fahrten und Abenteuer eines Fürstenkindes 8 Akten 8 In der Hauptrolle die exentrische MAE MURRAY Siegende Kraft Film=Roman nach Motiven von Balzac. 8 Akten 8 Eine interessante Begebenheit von Gold und Liebe, Geiz und Habgier, Sünde und.... Sühne. In den Hauptrollen: Rudolf Valentino— Alice Terry— Ralph Lewis Lloyd Mill hat kein Glück Eine Gr.oteske in 2 Akten mit Lloyd Hamilton Kriogerveroin Ahaus-Ammeln Die Gefallenendenkfeier findet am Sonntag 11.30 Uhr vorm. am Kriegerdenkmal statt. Der Kriegerverein tritt 11,15 Uhr am Neumarkt an. Vollzähliges Erscheinen ist Ehrenpflicht. Anzug: Mütze, Orden u. Ehrenzeichen Der Vorstand. Sonntag, den 7. März in der Tonhalle Burbaum Aufführung des plattdeutschen Singspiels Graufe Schlemm y unter Mitwirkung der „Polyhymnia" Ahaus Treue um Treue! Volksfrauerfag in Gronau. Sonntag, den 28. Februar 1926, vormittags 11½ Uhr: Gedenkfeier Karten im Vorverkauf: Sperrsitz 1.50 M. und Saalplatz 1 M. im Friseurgesch. Jungeblodt Anfang pünktl. 8 Uhr ist woor absolist aur anin Sehnolg. Zuche ein durchaus erfahrenes, selbständiges 1 e n Küchenmüdchen Zeugnisse aus herrschaftl. Häusern erforderl. Schriftl. Angebote an Frau Dr. Wolff, Dortmund, Silberstr. 19. Sehseuchenpolizeiliche Anordnung. a un ur riilli Zum Schutze gegen die Maul= und Klauenseuche infolge Ausbruchs dieser Seuche unter dem Viehbestande a) des Arbeiters Franz Wildenhues in Ahaus, 6) des Landwirts Bernhard Doods in Südlohn— Eschlohn 4 und des Landwirts Heinrich Schulze=Johann und des Ackerers Heinrich Tembrockhaus zu Wiegbold Schöppingen, des LandwirtsAnton Berning zu Kirchspiel Schöppingen, Bauerschaft Ebbinghoff, ferner der Landwirte Anton Lüttinghaus, Anton Webermann und Heinrich Hackenfort zu Kirchspiel Schöppingen, Bauerschaft Tinge, sowie des Landwirts Bernhard Sickmann zu Kirchspiel Schöppingen, Bauerschaft Ramsberg und der Witwe Ackerers Haverkock zu Kirchspiel Schöppingen, Bauerschaft Haverbeck wird hiermit auf Grund der§§ 18 ff. des Viehseuchengesetzes vom 26. 6. 1909, R. G. Bl. S. 518, folgendes bestimmt: Als Sperrbezirke gelten zu a: die Bahnhofstraße, Feldstraße und Uldmenstraße einschließlich der rechten Häus seite sa der Ulmenstraße in Ahaus; zu b: der Gemeindeteil Südlohn zwischen der Westfälischen Landeseisenbahn, der Chaussee nach Ramsdorf und der Gemeindegrenze Weseke; und zu c: die Gemeinden Wiegbold Schöppingen und Eggerode sowie Kirchspiel Schöppingen, ausgenommen der Teil dieser Gemeinde, der von an Metelen aus rechts der die Kreischaussee nach Ier en ort T 94 Heek kreuzenden Chaussee Metelen=Asbeck beer legen ist. Für diese Sperrbezirke werden die Bestimmungen meiner viehseuchenpolizeilichen Anordnung vom 10. 1. 1926, veröffentlicht in der Ahauser Kreiszeitung Nr. 13. Allgemeinen Zeitung in Coesfeld Nr. 13, und in den Gronauer Nachrichten Nr. 10, mit sofortiger Wirkung in Kraft gesetzt. Ein Beobachtungsgebiet wird nicht gebildet. Ahaus, den 23. Februar 1926. Der Landrat. fe Freundl. möbl. Zimmer (neue Möbel) mit schöner Aussicht z. 1. März zu vermieten. Zu erfr. in der Geschst. d. Ztg. in Ahaus. zu Ehren des Toten des Weltkrieges 1914/18 am neuen Kriegerdenkmal, bestehend aus: Musikvorträgen, Gesang des Massenchores, Ansprache: Herr Rektor Heer. Kranzniederlegung. Zur Teilnahme an dieser Trauerkundgebung werden alle Staatsbehörden, unpolitischen Vereine und die gesamte Bürgerschaft der Stadt Gronau herzlichst eingeladen. Vereine, welche Kränze niederlegen wollen, werden gebeten, dies vorher den Veranstaltern mitzuteilen. Die Veranstalter: Kriegerverein Gronau. Ortsgruppe des Reichsverbandes der Kriegshinterbliebenen. Marineverein Gronau. Ortsgruppe des Reichsverbandes der Kriegsbeschädigten. Volksbund„Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V.“ Ortsgruppe Gronau i. Westf. Aus Anlaß dieser Feier wird gebeten, halbmast zu flaggen. Die Büchsensammlung des Volksbundes„Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V. ist restlos für die Schmükkung der Kriegsgräber im Auslande bestimmt. vieten m: Toilettenseife 15, 20, 25, 30, 35 u. 40 Lavendelseife Frischgewicht 180 Gr. 4 Karton: 2 St. Seife 12 Parfüm 1,80, 2.20, 2.50 Schmierseife Wid. 30 Salinen=Salz Pfd. 7 Soda Pfd. 6 Prima Speck Pfd. 1.155 Prima Plock= u. Mett wurst Kleinfleisch 7 Pfd. 3.50 Heines Würstchen 5 Paar 1.50 36 Paar 10.08 Puddingpulver lose Pfd. 40 „ Oetkers 45 Gr. „ Ruf 80 Gr. 1 Edamer u. Goudakäse, holl. 85 Chesterkäse 1.80 Echter Allgäuer und Harzerläse. Holzschuhe mit und ohne Ledn bedeut. im Preise ermäßig Holzpantinen Echtes Paderborner Brot nach wie vor nur 85 „Eintracht" Gronau, Drucksachen Scotf's Emulsion Stillende Mütter haben häufig nach einiger Zeit ein Gefühl von Schwäche u. Erschöpfung. Hier wird oft Scotf's Emulsion am Platze sein, weil sie in vielen Fällen den Verlust gewisser Stoffe, besonders der Phosphate, ersetzen kann. Dabei ist sie leicht verdeulich und gut zu nehmen. Scotf's Emulsion ist unentbehrlich als Kräftigungsmittel bei Skrofulose englischer Krankheit, Blutarmut und Lungenleiden. Man hüte sich vor Nachahmungen, da diese oft enstelle des Originalpröparates empfohlen werden. Scotf's Emulsion ist in allen Apotheken und Drogerien zu haben. DEPOTS: Adler-Drogerie E. Hoogen, Ahaus Drogerie Westfalia, Ahaus Gronau. Volkstrauertag Alle Schweine besonders auch kränkliche und solche mit steifen Beinen, entwickeln sich überraschend schnell, wenn Sie durch jedes Futter 1 Eßlöffel voll echtes Raßsol für den Einkauf von Fahrrädern und sämtlichen Fahrradbeleuchtungsartikeln. Batterien für Taschenlampen stets vorrätig. Friedr. Matschiske mengen. Verlangen Sie nur echtes Rassol in Originalflaschen in Apotheten od. Drogerien. Weisen Sie Nachahmungen energisch zurück. Fahrradhandlung und Reparatur Gronau i. Westf. Poststraße 9. ersind zu haben in der Buchhandlung Gebr. Densing, BetonSchornsteinaufsätze Bekanntmachung. ch nei Im Wege der Zwangsvollstreckung sollen zu Gronau am Samstag, den 27. Februar, nachmittags 3 Uhr, folgende Gegenstände, als: 20 Stück Gewindeschneidekasten öffentlich meistbietend gegen Barzahlung versteigert werden. Zusammenkunft der Kaufliebhaber nachmittags 3 Uhr in der Wirtschaft Lilienfeld. Gronau, den 25. Februar 1926. Winkelmann, Obergerichtsvollzieher. ziehen unter Garantie, wo andere Systeme versagen. Haltbarkeit unbegrenzt. Th. Lefering, Baustoffe Ahaus. Fernruf 37. Karl May Erzählungen erhalten Sie gebunden und vroschiert in der Buchhandlung Gebr. Lensing, Gronau. Zuverlässiger nicht unter 18 Jahren gesucht. Herm. Rothers=Vennebur, Gronau, Tiekerhook. Zu Ehren unserer toten Kameraden des Weltkrieges versammeln sich die Kameraden des Kriegervereins am Sonntag, den 28. Februar 1926 zum gemeinsamen Kirchgang auf dem Schloßplatz: 9½ Uhr die kath. Kameraden, 9¾ Uhr die evangl. Kameraden. 11¼ Uhr gemeinsames Antreten auf dem alten Marktplatz; Marsch zur gemeins. Gedenkfeier am neuen Kriegerdenkmal. 1¾ Uhr nachm.: Antreten am Vereinslokal. 2 Uhr: Marsch zum neuen kathol. Friedhof. 2½ Uhr: Feierliche Uebergabe des Ehrenfriedhofes an die kath. Gemeinde. 3½ Uhr: Feierliche Uebergabe des Ehrenfriedhofes an die evangel. Gemeinde. Es ist Ehrenpflicht aller Kameraden, vollzählig zu erscheinen und an allen Veranstaltungen teilzunehmen.— Dunkler Anzug, Orden und Ehrenzeichen erbeten. Der Vorstand. wie Formulare, Tabellen, Werke, Broschüren, Preisliiten, Adreßkarten. Rechnungen, Zirkulare, Mitteilungen, Briefbogen, Kuverts, Visiten- und Glückwunschkarten, Verlobungs-, Vermählungs. Geburtsanzeigen Trauerbriefe, Totenzettel, Trauerkarten u. I. w. iefern prompt undzu zeitentsprechenden Preisen Jebr. Lenling, Buchdruckere and latzes Ange piel erart lach Parte höhere nund verdar lerkan mh anze Jeschä der mm Wegen Erkrankung des jetzigen suche ich sofort ein tüchtiges, älteres Hotel „Westfälischer Gronau i. W., Mühlenmathe 37. Suche zum 1. April ein braves kath. Mädthen id Hausfür Küche arbeit. Frau Rud. Rensinghoff Stadtlohn. Am Dienstag, den 2. März, nachmittags Uhr, werde ich im Hotel Degener zu Vreden, das dem Kaufmann Carl Becker zu Vreden gehörige in Garel belegene Grundstück— Weide— Flur 17 Parzelle 370/49 der Steuergemeinde Ammeloe, groß 1 ha 3 ar 83 qm, öffentlich meistbietend zum Verkaufe aussetzen. Carl Terhalle, beeid. Auktionator, Vreden. Hoin Huston mah Das alte Hausmittel. Am Samstag, den 27. Februar, vorm. 9½ Uhr, werde ich in Vreden im Saale der Wwe. Amerongen, folgende Sachen öffentlich meistbietend gegen Barzahlung versteigern: 2 Damenräder, 1 Herrenrad. Verkauf findet bestimmt statt. Möller, Ober=Gerichtsvollzieher, Vreden Zu haben in Ahaus: Drog. Engels, Engelb. Hoogen. In Gronau: Engel Apotheke. Herm. Boldhaus, Wilh. ten Dam und anderen Drogerien un Apotheken. sere bendgen'sch stenC angepe die S die F Viede Monte Im 2 die vo usehr indi derar dieser ur 31 sicht er N nzub sächtli vall 1 eien wurde herme sich de 8 auf de ingere deutse es Ki mVe twa inig, nen 1 Ur Auf v Kursu Närz Anmel nomm Restaurant Terfort besd t. silie Jeden Sonntag KONZERT Besetzung: Klavier u. Geige „Westfälischer Hof“ Wilhelm Henze Gronau Mühlenmathe 37 Ausschank la. Dortmunder Aktien-Bier Guter bürgerlicher Mittagtisch. . 1 duk Hotel Gronau W zige Nachf Probe die 2 das( übung trächt nigste sonst Vorbe Di schied Vere eines halter vereit durch für al Umsta erfreu Lust Ur Von nur Leere Musi wäre zugeg 45 18. 2.50 7 .6 1.15 Mett.50 1 1.50 0.08 1 fr. 56. II. Blatt Freitag, 20. 926 Lede mäßig ruere s. ndzu iden ing. Aus dem Kreise Ahaus. Ahaus, 26. Febr. Keine Erhöhung der Miete für März. Wie der mtliche Preußische Pressedienst mitteilt, tritt in der rechnung der gesetzlichen Miete für März 1926 gegener dem Vormonat keine Aenderuna ein. Es eibt bei den Februarsätzen in Höhe von 84 bezw. 80 rozent. X Gefallenengedenkfeier. Am Volkstrauertag, Sonng. 28. d. Mts., veranstaltet der Kriegerverein Ahaus 30 Uhr vormittags auf dem Marktplatz eine Gefalleengedenkfeier am Kriegerdenkmal. Die übrigen Vereine Stadt, welche an der Feier teilnehmen wollen, werin gebeten, sich rechtzeitig einzufinden. Im übrigen che heutige Bekanntmachung. * Personalien. An Stelle des als Regierungs= und euerrats an die Regierung in Cassel versetzten Kataerdirektors Dirks ist der Katasterdirektor Hrch. öhr vom 1. März d. Is. ab mit der anteiligen Veraltung des Katasteramtes Ahaus beauftragt. „Graute Schlemm“. Die Vorbereitungen für die ziederaufführung des bekannten Singspiels am 7. därz sind soweit gediehen, daß der Erfolg auch diesmal jieder gewährleistet ist. Zweifellos wird der Besuch uch von auswärts sehr stark sein, sodaß es sich empehlt, frühzeitig Karten zu besorgen. Die Preise sind erhältnismäßig niedrig gehalten, und somit kann die ufführung auch wegen des großen Saales den weisten Kreisen zugänglich gemacht werden.(Siehe suserat!) Wirtschaftlicher Bildungskursus des Verbandes reinder Kaufleute Deutschlands. Vom 22. bis 27. März Is. veranstaltet der Verband reisender Kaufleute eutschlands in der Handelshochschule zu Leipzig wierum wie im Vorjahre einen Wirtschaftlichen Bilngskursus zur allgemeinen und beruflichen Weiterbilng der reisenden Kaufleute. Die Idee, dem reisenden ufmann, dem infolge seiner Berufseigenart alle Weibildungsmöglichkeiten bedeutend erschwert sind, auf ese Weise die Wege zu allgemeiner und beruflicher ortbildung zu ebnen, hat sich als überaus fruchtbar und agfähig erwiesen. Prospekte sind erhältlich beim Vermd reisender Kaufleute Deutschlands, Leipzig, Dittriching 15. )( * Vreden, 26. Febr. Neuanlage eines Fußballlatzes. Der alte Fußballplatz am Turnplatz hat schon nge nicht mehr den Ansprüchen, die man an einen pielplatz stellen muß, genügt. Das Gelände ist dort erart abschüssig— das Gefälle beträgt nahezu 3 Meter lach der Berktel hin—, sodaß stets eine der spielenden Parteien in dem Nachteil war von der andern, die den höheren Stand hatte, übervorteilt zu werden. Es ist nun den Bemühungen der Deutschen Jugendkraft zu verdanken, daß man jetzt begonnen hat, auf dem Twickelerkamp ein neues Spielfeld anzulegen. Die Vorarbeimn haben bereits in diesen Tagen begonnen. Eine anze Reihe von Arbeitslosen haben somit eine gute beschäftigung gefunden. Es ist zu hoffen, daß wir bald den Besitz eines schönen Platzes gelangen. Für die mmende Fußballsaison eine gewaltige Errungenschaft. — Vreden, 26. Febr. Eine Trauerkundgebung für nsere Gefallenen veranstaltet am nächsten Sonntage, bends um 6 Uhr der Kriegerverein im Amerongen'schen Saale. Die Feier wird einen schlichten, ernsten Charakter tragen und, der Stimmung des Tages mngepaßt, von kurzer Dauer sein. Wie wir hören, haben die Stadtkapelle und der Kirchenchor sich bereiterklärt, die Feier durch einige Vorträge zu verschönern. X Vreden, 26. Febr. Unfug in der Promenade. Vieder hatte man es in der Nacht vom Sonntag auf Nontag auf die Anwohner des Butenwalls abgesehen. Im Montag morgen konnten diese ihre Gartenpforten, die von jungen Leuten, denen ein Tropfen Alkohol allusehr in den Kopf gestiegen zu sein scheint, ausgehakt ind in fremde Gärten verschleppt waren, wiedersuchen. derartiger Unfug wird im allgemeinen recht häufig in dieser Gegend verübt. Die Gelegenheit ist dort auch ur zu günstig, da die Beleuchtung hier noch immer sicht genügend ist. Es wäre doch sehr am Platze, in er Nähe der Wohnhäuser eine weitstrahlende Lampe nzubringen. Auch möge das Auge des Gesetzes seine sächtlichen Schritte ab und zu auch durch den Butenvall lenken. Dann werten dort die nächtlichen Spukeseien bald verschwunden sein. — Ottenstein, 24. Febr. Heute nachmittag um 4 Uhr wurde der siebente Sohn des Herrn Schreinermeisters vermann Herbers geboren. Frau und Kind erfreuen sich der besten Gesundheit. Epe, 26. Febr. Kath. Gesellenverein. Wie schon auf der Versammlung am Sonntag, 21. Febr. d. Is., mngeregt wurde, soll im Gesellenverein ein Kursus im deutschen abgehalten werden. Zwecks Besprechung diees Kurses hatten sich die Teilnehmer Dienstag abend m Vereinslokal eingefunden. Der Kursus erstreckt sich twa auf eine Zeit von 8—10 Wochen. Man wurde sich sinig, daß als Unterrichtslokal das Vereinslokal genomnen werden soll. Die Unterrichtsstunden sind am Dienslag und Donnerstag der Woche, abends von 8—10 Uhr. Auf vielseitigen Wunsch können auch Lehrlinge an dem Kursus teilnehmen. Derselbe beginnt am Dienstag, 2. Närz d. Is., abends 8 Uhr, im Vereinslokal Bakenecker. Anmeldungen werden dortselbst am Abend entgegengenommen. Tabletten in allen Apofhelen u. Drogerien Mk. 1.— bei Husten, Heiserkeit, Katarrh Gronau. Gronau, 26. Febr. Ein warmer Sommer 1926. Kaum ist es draußen etwas milder geworden, da wittern wir bereits den nahenden Frühling und lassen unsere Gedanken weiter hinausschweifen zum Sommer. Der Winter ist allzu lang und begreiflich daher die Sehnsucht nach der schönen Frühlingszeit und einem schönen Sommer. Wie viele ertappen sich in diesen Tagen bereits bei ihren Reiseideen für den kommenden Sommer; den einen zieht es an die See, der andere möchte die Berge sehen Er schwelgt schon in seinen Plänen. Doch hinter allem Plänemachen steht die bange Frage: Wie wird das Wetter in diesem Sommer werden? Es ist vielleicht vermessen, schon jetzt im Februar diese Frage aufzuwerfen. Wer wollte sagen, ob ihm der Wetterprophet die Wahrheit verkündet. Aber unsere Wissenschaftler, die sich tagein tagaus mit der Wetterkunde beschäftigen, haben auch schon ihre Betrachtungen über das Wetter im kommenden Sommer angestellt. Gewiß verlangen sie nicht, daß ihre Voraussichten unbedingt zukreffend sind, aber unsere Wissenschaft ist doch schon so weit, daß sie mit einiger Gewißheit solche Wettervoraussagungen machen kann. Die Aussichten für die Wettergestaltung in diesem Jahre sind günstig. Freilich soll man sich durch die plötzlich eingetretene milde Witterung nicht täuschen lassen und bereits glauben, der Frühling nehme seinen Einzug. Noch ist der Winter nicht endgültig abgetan, und wie das milde Wetter, so kann noch eines Tages plötzlich das Frostwetter zurückkehren. Ja, man darf sogar mit einer neuen Frostperiode rechnen, die allerdings nicht die hohen Kältegrade, die wir kürzlich hatten, bringen wird. Der Frost wird vielmehr vornehmlich des Nachts stärker auftreten. Dann aber soll, wenn auch etwas verspätet, in diesem Jahre ein warmer Frühling folgen, der dann sehr bald von einem milden, warmen Sommer abgelöst wird. Der Sommer soll nur im mäßigen Umfange Niederschläge bringen. Unsere Wetterkundigen schließen das aus der starken Sonnenfleckentätigkeit, die in letzter Zeit beobachtet wurde, und die stets ein Anzeichen dafür ist, daß die Sommermonate uns warmes und sonniges Wetter bringen. Hoffen wir, daß die Wettervoraussagen eintreffen, und lassen wir uns nicht stören in unseren Plänen für den Sommer 1926. + Gronau, 26. Febr. Müllabfuhr. Die Polizeiverwaltung bittet uns, hinzuweisen auf den Mißstand, daß Einwohner ihre gefüllten Müllbehälter schon tags vor dem Abfuhrtage an die Straßen stellen, oder auch die geleerten Behälter bis zum andern Tage stehen lassen. Aus Ordnungs= wie hygienischen Gründen wolle man dieses nachlässige, übrigens auch gesetzwidrige Tun unterlassen. X Gronau. 26. Febr. Lohnsteuerüberweisungslisten. Die Frist, innerhalb der die vereinfachten Lohnsteuerüberweisungslisten, Steuerkarten und Einlagebogen für 1925 abzuliefern sind, ist, wie bereits vor einiger Zeit bekannt gemacht worden ist, bis zum 1. März 1926 einschließlich verlängert worden. Das Reichsfinanzministerium weist auf Grund zahlreicher Anträge auf weitere Fristverlängerung darauf hin, daß solchen Anträgen unter keinen Umständen entsprochen werden kann. + Gronau, 26. Febr. Falsche Reichsbanknoten zu 20 RM. Von den im Umlauf befindlichen Reichsbanknoten über 20 RM. mit dem Datum des 11. Oktober 1924 ist eine neue Fälschung festgestellt worden, die zum Unterschied von der Anfang September d. J. bekannt gegebenen, an nachstehenden Merkmalen unschwer zu erkennen ist: Papier aus zwei zusammengefügten Blättchen, einem kräftigeren, leicht gelb getönten und hauchartigen, bräunlich gefärbten Deckblatt bestehend; Pflanzenfasern duerch falsche, zwischen den Blättchen gelagerte, dünne Fasern ersetzt; Vorderseite gröberes verwischtes Gesamtbild. Vor Annahme dieser falschen Banknoten Brtb genarnt. Aus dem Münsterlande. X Münster, 24. Febr. Lehrer a. D. Gaecks gestorben. Heute wurde hier der im 76. Lebensjahre zu Tecklenburg verstorbene Lehrer a. D. Wilhelm Gaecks zu Grabe getragen. Der Verstorbene, der den größten Teil seiner langen Dienstzeit der Jugenderziehung in Crudenburg bei Wesel widmete, wo er auch wegen der Durchforschung des Niederrheins, dessen Geschichte, Naturdenkmäler, Pflanzen= und Tierwelt geschätzt wurde, siedelte nach seiner Zurruhesetzung nach Münster über. Hier verwaltete er viele Jahre die Geschäfte des Vogelschutzvereins und wandte sein besonderes Interesse dem Vogelschutzpark in der Gelmer Heide zu. Später nahm er dann seinen Wohnsitz in Tecklenburg, wo er sich in der Nähe des Bismarck=Turmes niederließ und dort sozusagen ein eigenes Häuschen selbst errichtete. Nunmehr hat er in Münster seine letzte Ruhestätte an der Seite seiner ihm im Tode vorausgegangenen Gattin gefunden. Er ruhe in Frieden! X Münster, 25. Febr. Eine Jagdversammlung, an der Jäger, Jagdanpächter, Eigenjagdbesitzer und Jagdaufsichtsbeamte aus fast sämtlichen Gemeinden des Kreises Münster teilnahmen, tagte im Hotel Continental, um die Frage zu besprechen, auf welche Weise die Jagden wieder zu heben und auf ihren vorkriegszeitlichen Stand zu bringen seien. Der Vorsitzende Direktor Brüning, sowie Landrat Graf von Westphalen und AmtmannBartosch wiesen auf die wirtschaftliche Bedeutung der Jagden hin und betonten, daß sie die Bestrebungen der Jäger auf jede Weise unterstützen würden. Es ist eine bekannte Tatsache, daß die Jagden infolge des Krieges und der Nachkriegszeit sehr gelitten haben. Wenn es mit der Jagd weiter so bergab geht, so kommt in einigen Jahren kein Wild mehr auf den Markt, die Jagden, die heute den Gemeinden ein erkleckliches Sümmchen einbringen, will kein Jäger mehr pachten, und unsere Nachkommen werden Rehe und Hasen, Fasanen und Feldhühner nur mehr aus der Schulstube und dem Museum kennen und sie als vorsintflutliche Tiere betrachten. Wie viele Einwohner mag es schon jetzt in Münster geben, die noch nie ein Reh im Freien gesehen haben. Da ist es Sache der Jäger, Heimatpflege zu treiben. Aus diesem Grunde wurden am Versammlungsabend für den Kreis Münster 6 Hegeringe, je mit ca. 40 000 Morgen gegründet und zugleich die vorläufigen, vorbereitenden Vorsitzenden gewählt. Diese werden gebeten, in den ersten Wochen sämtliche Jäger des betr. Hegeringes auf den Plan zu rufen und mit ihnen bindende Satzungen aufzustellen, nach denen besondere Wildarten ganz zu schonen, zur Blutauffrischung Wild auszusetzen, gegen Wilderer und Asjäger aber mit allen erlaubten Mitteln vorzugehen sei. Zu wünschen wäre, daß nicht nur sämtliche Jäger des Kreises Münster diesen Hegeringen beiträten, sondern daß das Vorgehen der Jäger im Kreise Münster auch in den benachbarten Kreisen Nachahmungen fände, so daß das ganze Münsterland einen großen Hegebezirk bildete zum Ruhme des westfälischen Weidwerks. V Münster, 25. Febr. Gotteslästerer vor Gericht. Der Dachdecker B und seine Ehefrau waren am 1. Nov., nachm. 4 Uhr, vom Friedhof kommen, an der Ueberwasserstraße vorbeigekommen, wo gerade Schlußandacht der Mission war. Der Ehemann B. ging mit seiner brennenden Zigarette in die Kirche, seine Frau folgte ihm. Die Kirchenbesucher glaubten, es mit Betrunkenen zu tun zu haben. Erst nach energischer Aufforderung durch einen Herrn ließ sich B. nach einigem Reden dazu bringen, die Kirche zu verlassen. Seine Frau führte sich schon beim Betreten der Kirche genau wir ihr Mann flegelhaft auf. Sie tauchte ihre Hand ins Weihwasser und besprengte damit ihren Ehemann in ganz auffälliger Weise. Auch sonst störte sie die Gläubigen durch Armschwenken und begleitete die Orgel durch Taktschlagen. Als beide aus der Kirche gewiesen wurden, zeigte sich die Ehefrau B.. vor die Stirn, als wenn sie die Gläubigen als Idioten bezeichnen wollte. Als die Kirche zu Ende war, fand man die beiden Leute noch draußen stehen. Hier kam es zu erregten Auseinandersetzungen. Ein Schupobeamte machte endlich der unerfreulichen Szene ein Ende. Vor dem Münsterischen Schöffengericht, wo sich die beiden Eheleute zu verantworten hatten, waren die Angeklagten beide sehr kleinlaut. Der Ehemann will nicht gewußt haben, daß seine Zigarette noch brannte, dagegen verlegte sich Frau B. aufs Leugnen. Sie behauptete, christkatholisch zu sein und jeden Sonntag zur Kirche zu gehen. An diesem Tage sei sie nicht betrunken gewesen. Das Gericht kam zu einer Freisprechung des Ehemanns, weil es schon einmal vorkommen könne, daß eine Zigarette brenne, wenn man auch glaube, sie sei schon aus. Die Ehefrau B. wurde jedoch zu 2 Monaten Gefängnis verurteilt. Die Strafe wurde in 200 Mark Geldstrafe umgewandelt, weil die Angeklagte nicht vorbestraft ist. Bezüglich der Freissprechung des Ehemannes will der Staatsanwalt Berufung einlegen. X Münster, 25. Febr. Verurteilung eines Fahrraddiebes. Der Kraftfahrer K. und der Schuhmacher U., die an der Umgehungsbahn gearbeitet hatten, waren arbeitslos geworden und versuchten nun ihr Leben durch Diebstähle zu fristen. In der Nacht des 27. Okt. v. Is. schlugen sie eine Fensterscheibe eines Hauses am Duisburger Weg ein, um so in das Haus einzudringen. Da sie nichts fanden, was des Mitnehmens wert schien, gingen sie ein Haus weiter. Hier fiel ihnen ein Fahrrad in die Hände, das sie mitnahmen und für 20 A später verkauften. Bei dem Verkauf wurden sie als Diebe entlarvt. Auf das Konto der Beiden sind noch weitere Fahrraddiebstähle zu setzen. K. war erst im Juli vor. Jahres aus dem Zuchthaus entlassen, wo er eine zweijährige Strafe wegen Diebstahls abgesessen hatte. Im Oktober hatte er bereits diesen neuen Diebstahl begangen Trotzdem verurteilte ihn das Gericht unter Berücksichtigung seines Geständnisses nur zu 1 Jahr 3 Monaten Gefängnis und 3 Jahren Ehrverlust und U. zu 1 Jahr Gefängnis. :: Münster, 24. Febr. Ein roher Bursche. Auf der Aegidistraße warf ein 16jähriger Bursche einer vor ihm gehenden älteren Dame ein brennendes Streichholz in den Nacken. Ein Schutzpolizeibeamter beobachtete den Vorfall und konnte den Burschen, der schleunigst das Weite suchte, einholen und seine Personalien feststellen. )( Münster, 24. Febr. Schwer verletzt wurde ein Arbeiter auf der Brinkstraße durch seinen Arbeitskollegen, der ohne weiteres in die Wohnung eingedrungen war und den Wohnungsinhaber blutig schlug. Blutüberströmt kam der Verletzte zur Bahnhofswache, wo ihm ein Notverband angelegt werden mußte. A Münster, 26. Febr. Schnelle Strafe. Der Kaufm. Jos. R. von hier setzte sich in angetrunkenem Zustand auf ein fremdes Motorrad, das vor einer Wirtschaft auf dem Prinzipalmarkt stand und fuhr davon. Schon nach kurzer Zeit fuhr er mit einem jungen Mann zusammen und stürzte zu Boden. Bei dem Sturz verletzte er sich nicht unerheblich. Das Motorrad konnte dem Eigentümer zurückgegeben werden. :: Borken, 23. Febr. Ein aufregender Vorfall spielte sich am Freitag abend kurz nach 7 Uhr auf dem hiesigen Bahnhof ab. Der Bahnarbeiter F. Dahhaus aus Gemen wollte das Bahngeleise überschreiten, als im selbigen Moment sich eine Rangierlokomotive näherte. D. kam zu Fall und vor die Lokomotive zu liegen. Nur der Geistesgegenwart des Lokomotivführers, der den Vorfall beobachtet haben muß und die Maschine sofort zum Stehen bringen konnte, ist es zu danken, daß D. nicht überfahren wurde. Außer einer kleineren Kopfverletzung und zerschundenen Kleidern kam D. mit dem Schrecken davon. — Warendorf, 24. Febr. Der gegründete Kreisjagdschutzverein hielt seine Hauptversammlung, die Amtsgerichtsrat Barischer eröffnete und leitete. Aus dem Jahres= und Geschäftsbericht war eine neue Tätigkeit des Vereins im vergangenen Jahre ersichtlich. Es hat eine ganze Reihe Vorstands= und Ausschußsitzungen stattgefunden. Der Kreisschutzverein zählt augenblicklich 187 Mitglieder, davon zahlen 159 den festgesetzten Jahresbeitrag, während 13 Mitglieder als hauptamtlich angestellte Jagdschutzbeamte einen ermäßigten Beitrag zahlen. Weitere 14 Mitglieder sind Suabdorsteher und 1 Ehrenmitglied, die Letzteren sind beitragsfrei. Eingehend besprochen wurde die Kreisjagdsteuer. Seinerzeit war vom Kreistage eine Steuer von 25 Prozent für einheimische und 50 Prozent für auswärtige Pächter festgesetzt worden. Der K. J. V. in vorstellig geworden, die Kreisjagdsteuer zu ermäßigen, doch sind diese bisher ohne Erfolg geblieben. Allerdings steht jetzt eine Ermäßigung auf 15 und 30 Prozent in Aussicht. Da aber die Kreisjagdsteuer eine Sonderbesteuerung der Landwirtschaft bedeutet, ist auch dieser Satz noch zu hoch. Für die Anzeigen von wildernden Hunden sind im vergangenen Jahre 285 Mark und fur die Anzeige von Wilddieben 120 Mark aus der Vereinskasse gezahlt worden. Bei der Bekämpfung des Wildererunwesens hat sich besonders der Oberlandjäger Jeksch, Warendorf, vorbildlich betätigt. Die Frage der Haftpflichtversicherung hat der Vorstand für die eder geklärt. Im Gebiete des Kreisjagdschutzvereins sind 33 Fasanen, 97 Hasen und 26 Paar Hühner ausgesetzt worden. Im kommenden Sommer soll eine Jagdausstellung ver staltet werden. Gemein, 24. Febr. Vermißt. Seit dem 18. Febr abends gegen 9 Uhr wird die Dienstmagd Katbarina Schmeing von hier vermißt. Am 16. Febr. kenie sie in das elterliche Haus, aus einer Stellung in Epe kom mend, zurück, begab sich unter irgend einem Vorwand am Abend des 18. Febr. in den Hof und ist seitden spurlos verschwunden. Es liegt die Vermutung nahe, daß das Mädchen infolge der Dunkelheit oder eines Fehltrittes in den unmittelbar hinter dem Hause herfließenden Aafluß gefallen ist. Die Nachforschungen nach ten Kr ia Et zirkskartells der christl. Gewerksch furt war äußerst zablreich besucht Hauptsache mit den akuten wirtschaftlichen Frage besprach in lebhafter Debatte die Arbeitslosensrag Kurzarbeiterunterstützung und die in ihren Ausw gen unsoziale Hauszinssteuer. Es wurde zum Schli gende Entschließung angenommen:„Das Bezirks der christlichen Gewerkschaften des Kreises Steinfur 7000 christl. Gewerkschaftler angehoren, hält es für Pflicht, hinzuweisen auf die wachsende Erregung, bitterung innerhalb ihrer Organi#tanen. verursach durch die übermäßige steuerliche Belastung. Mehr und mehr gewinnt in der Arbeiterschaft die Erkenntnis Raum, daß die unteren Volkskreite ensei träger der Nation gewertet werden. Indessen weie Kreise des Besitzes mit großem Aufwand und nicht ohne Erfolg bemüht sind, möglichst jedwede Belastung aozuwehren, drückt diese den kleinen Mann schwer zu Boden und das in besonderem Maße, wenn er sich im Besitz eines Eigenheims befindet. Da ist es besonders die Hauszinssteuer, die in ihrer unsozialen Genaltung fur die kleinen Hausbesitzer ungemein sich auswirkt. Heute ist die Lohnhöhe in manchem Beruse doch so, daß kaum die notwendigsten Lebensbedürfnisse daraus bestritten werden können. Von diesen unzureichenden Löhnen zu der sonst schon hohen Belastung durch die Staats= und Gemeindegrundsteuern, Versicherung usw. allein an Hauszinssteuer je Monat 5—8 A zu entrichten, ist auf die Dauer untragbar. Wir richten daher an unter politischen Vertreter im Reichs= und Landtage die dringende Bitte, bei der demnächstigen Neuregelung der Hauszinssteuer dahin zu wirken, daß auch die berechtigte Eigenheimbesitzer nicht geschädig regelung möchten wir uns folgende Eigenheim mit einem Steuerwer Prozent der Miete als Steuer, bis 7 als Steuer und bei einem Steuerwe 30 Proz. als Steuer. Liegt das jäl unter 2900 K. so wird die nach Steuer nur zur Hälfte erhoben. sind zur Hauszinssteuer heranzuzie unbedingt der volle Ertrag aus d Bauzwecken verwandt werden. nteressen der kleinen rden Für eine NouVorschläge enauben: von 5000 zu 16 500 A zu 20 Proz. t bis 10 000 4 zu jährliche Einkommen igen Sätzen festgelegte Sämtliche Wohnräume muß ferner ter Wetterbericht auf eine Woche im voraus. 28. Februar: Wolken, milde, vielson wene Zeichwe Niederschlag. 1. März: Wolken, teils Sonne, tags milde 2. März: Wenig verändert. 3. März: Wolken, Niederschläge, milde 4. März: Kaum verändert. 5. März: Wolken, teils Sonne, 6. März: Veränderlich, teils Sonne, angenen * Essen, 25. Febr. Das Tiefdruckgebiet bei Island sich weiter vertieft und über die Norosee und Großb tannien ausgebreitet, während sich das von Frankre über Mitteleuropa nach Schweden reichende Hochden gebiet verstärkt hat. In Deutschland herrschie heute fr bei schwachen veränderlichen Wingen ziemlich trüb und nebliges Wetter mit vereinzelten seichten Reuenfe len. Die Morgentemperaturen lagen östlich der On und in Süddeutschland zwischen 0 und 3 Gran zwischen 6 und 8 Grad. Vorhersage bis Samstag: w. kig und teilweise neblig, jedoch zunge ohne erheblie Regenfälle und fortgesetzt mild bei mäßigen südwe lichen Winden. Rotationsdruck und Verlag von Dortmund.— Verantwortlich Fritz Schloti t d dem Leben und Treiben in einem Musikverein. Arnold van Nek. + Ahaus, 26. Febr. II. Wer nun glauht, daß der Probeabend die einzige Anforderung an die Mitglieder sei, möge durch Nachfolgendes eines anderen belehrt werden. Der Probeabend ist lediglich dazu bestimmt, das Gesamtspiel, die Auffassung und Wiedergabe, festzulegen. Die für das Gelingen einer Probe täglich notwendigen Einzelübungen überwiegen das Opfer eines Probenabends beträchtlich. Jedes Mitglied ist gezwungen, täglich wenigstens 1 Stunde sich der Musik zu widmen, weil ihm sonst Ausdauer, Fertigkeit und Vortrag fehlen würden, Vorbedingungen, die für ein einwandfreies Konzert unerläßlich sind. Diese Notwendigkeit zeigt den grundsätzlichen Unterschied zwischen einem Musikverein und einem sonstigen Verein. Während ich bei jedem Verein durch Zahlung eines Beitrages meine Mitgliedschaft erwerben und erhalten kann, fordert meine Mitgliedschaft im Musikberein dauernde Last und Mühe. Täglich werde ich durch den Verein einer gewissen Zeit beraubt, die auch sur andere Zwecke Verwendung finden könnte. Nur der umstand, daß die Musik etwas besonderes enthält, etwas erfreuendes, etwas hehres und schönes, kann Mut und Lust zur Ausdauer und Weiterbildung bringen. Und wie wird diese tägliche Mühe belohnt? von Belohnung kann gar keine Rede sein oder vielleicht ur insofern, daß bei Konzerten pp. eine gähnende Leere im Saale herrscht. Würde das Interesse zur Musik bei den Mitgliedern nicht bestimmend sein, so ware Ahaus schon längst ohne Musikkapelle. Es sei hier zugegeben, daß nicht jeder Einwohner Musikkenner sein kann, aber ein Entgegenkommen für die so häufig geforderte unentgeltliche Stellung der Musik könnte doch erwartet werden. Solche Tatsachen stimmen die Mitglieder mißmutig. Wenn auch das eigene Interesse ausschlaggebend ist, so dürfte die Anteilnahme der Bürgerschaft über das bisherige Maß hinaus doch fördernd wirken. Gewünscht wird also nur eine allgemeine Anerkennung, die sich in regem Konzertbesuch auswirkt. Allzu oft begegnet man auch der Ansicht, daß die Ausübung der Musik eine Einkommensquelle darstelle. Diese Ansicht ist grundfalsch. Es gibt keine größere Gefahr für einen Musikverein, als die Einstellung auf Gewinn. Nicht nur, weil die Pflege der Kunst dadurch auf das tiefste Niveau heruntergedrückt wird, auch das gesellige, zusammenschließende Gefühl geht verloren, und unmittelbar folgend auch der Verein. Der Umstand, daß für die hiesigen Vereine die Musik gestellt wird, kann nicht anders gedeutet werden, denn es wäre Unsinn, den Vereinen die hohen Kosten für auswärtige Musik aufzubürden. Daß den Vereinen die Musik gestellt wird, ist an sich schon ein Entgegenkommen, da die hierfür gezahlte Entschädigung durch allerlei Verhandlungskünste der Vereine stark gedrückt wird. Besonders bleibt auch zu berücksichtigen, daß das Stellen von Musik für jeden x=beliebigen Verein das Kunstinteresse schädigt. Die überwiegende Zahl der Vereine wünscht für wenig Geld und mit geringen Kräften gute Musik. Was gespielt wird, ist ganz einerlei. am liebsten hört man Sachen, bei den mitgesungen und gepfiffen werden kann. Ein wirklicher Musiker findet an solcher Musik keine Freude, er ärgert sich daran, daß die Probeabende auch dafür herhalten müssen. Und dann kommt einer, der Mutters Kochtopf 4 Wochen verlassen und sich in einer Großstadt aufgehalten hat. Der wünscht nur das Allerneueste. Und auch für solchen Geschmack, für den Bolschewismus in der Musik, muß geübt werden. Hier herrscht absolut kein Kunstinteresse mehr vor und niemand kann verlangen, daß der Musiker aus Liebe zu einem Verein unentgeltlich seine Kraft opfert und sein Empfinden selbst beleidigt. Hier hört das Musizieren aus Liebe zur Kunst auf. Wer solche Musik verlangt, müßte eigentlich doppelte und dreifache Entschädigung zahlen. Es ist nun verfehlt, anzunehmen, daß jeder Musiker ein Künstler wäre. Bei den vorherrschenden Verhältnissen ist man auch mit weniger geschulten Kräften bereit, eine Kapelle zu erhalten und zu erganzen. In unserer Stadt kann man eigentlich nicht klagen. Zur Zeit wenigstens darf man mehr als befriedigt sein. Aber wie wird es vielleicht in 10 Jahren sein, wenn die führenden Stimmen anfangen, zu altern? Hier werden Industrie, Behörden usw. noch einmal eingreisen müssen, wenn nicht alle Arbeit und Mühe vergebens sein soll. Ersatz muß kommen! Während des Krieges sind zahlreiche Mitglieder bei den Ersatzkapellen eingestellt worden und haben dort eine gründliche Ausbildung erhalten. Aber woher mit der Zeit solche Kräfte nehmen? Mit der Ausbildung von Dilettanten hat es immer Schwierigkeiten, namentlich bei den führenden Stimmen. Wenn ich heute schon darauf hinweise, so geschieht es in der Absicht, interessierte Kreise aufmerksam zu machen und um zu gegebener Zeit auf kräftige Mithilfe rechnen zu können. Wie gesagt: Jeder Musiker ist kein Künstler. Er braucht es auch nicht zu sein. Sonst wären ja auch die Proben überflüssig, und damit dürften nicht alle einverstanden sein. Aber wie schwer ist es, ein Mitglied zu überzeugen, daß ihm die Musik nicht liegt, mag folgendes Vorkommnis beweisen: Für die Prozession nach Kevelaer muß eine Kapelle zusammengestellt werden 12 Freiwillige melden sich. Unter diesen auch einer, der mit der Luft nicht zu bleiben wußte und sich dieses Uebelstandes dann auf dem Instrument entledigte. Er machte sich gründlich Luft. Mit vollen Backen und voller Kraft blies er sein Althorn. Den übrigen Mitgliedern wurde die Sache zu toll. Auf der Fahrt erhielt das Instrument eine kleine Ergänzung Das Hauptrohr wurde mit einem Propfen ausgefüllt Nun war einstweilen Schluß. Aberder wußte sich zu helfen. In Kevelger war ein Instru mentenmacher, der die Verstopfung bald enteckte. Beim nächsten Auftreten heulte das Althorn wiesschen. Eine Möglichkeit, etwas Aehnliches durch führen, war vorerst nicht gegeben. Doch auf dem Heimwege sollte es nochmals glücken. in Ventil wurde dem Instrument aus dem Leibe genommen. Er entdeckte denn auch die Sache und kam zu der Ueberzeugung, daß seine Pensionierung nun doch wohl erfolgen müsse nächsten Probeabend teilte er dem Verein seinen Austritt durch folgenden, an seinem Instrument befestigten Entschluß mit: Horn und Noten liegen hie Zum letzten Mal berührt v Laß blasen, wer gut blasen kann. Ich rühr das Ding nicht wieder an. Der Humor war dem biederen Bläser doch geblieben Soweit für heute! Möge jeder Musikliebhabe, dem Musikverein durch Bekundung lebhaften Inerenes sein Wohlwollen beweisen. Viel wird ano durche verlangt. Für den Verein wird es zweifellos ein An sporn sein zu munterem Weiterbau. Ein jeder du der Lage sein, die für jedes Konzert aufgewendete Mühermessen. Sollten die Leistungen unter Berücksichti gung aller Umstände nicht einer besseren Beachtung wert sein? Manche größere Stadt wür Kapelle in ihren Mauern beherbergen zu können. So möge auch an dieser Stelle der Wunsch nicht un bleiben, dem Musikverein in seiner harten Arbeit die notwendige Unterstützung zu gewanen Dann wird bisheriger Weise, aber mit dovpeltem Eifer das v. gonnene Werk fortgesetzt zu eigener Jerube und zur Ermunterung und Erbauung derjenigen, die de der Musik eine besondere Befriedigung find 20 zu teffen forderten utsche Kommunalanleihe in lmerika abgeschlossen. theverhandlungen zwischen dem deutschen und Giroverband und dem Newyorker darris Forbes u. Co. sind am Sonnabend ellen Abschluß gelangt und zwar zunächst te Rate in Höhe von 15 Millionen Dollar innten Bedingungen. Die Anleihe wird y in den nächsten Tagen in Newyork auf n. Die Anleihe wird am 23. Februar aufm. Die öffentliche Zeichnung erfolgt in ingfund=Bonds, tilgbar bis zum Jahre eits vor einer Woche haben wir den grundschluß dieser Anleiheverhandlungen mit allen gemeldet und seine allgemeine wie besonung eingehend erörtert.—„Newyork Times“ das Zustandekommen der Anleihe, es sei daß die Vergebung weiterer KreDeutschland zum größten Teil auf ähnindlage vorgenommen werde. Das neue erde von den amerikanischen Bankiers ebenvie von der deutschen Regierung. Es sei Abkommen über Kredite für Deutschland tit der Gewähr, daß die deutscherseits geträge bleibend angeleat und weitend gesichert sind. Die Reichsregierung habe rseuis den Vorteil, eine genaue Uebersicht über die munalen Anleihen zu behalten. Die Beratungsfur Auslandskredite beim Finanzministerium habe Harris Forbes u. Co. und den Gemeinden ein Jahr sast ununterbrochen verhandelt. Die Einlösung der Dollarschatzanweisungen. im 15. April d. Is. werden die Schatzanweisungen Deutschen Reiches von 1923(Dollarschatzanweisunfällig. Die Rückzahlung erfolgt von diesem Tage uit dem auf den Stücken angegebenen Rückzahlungsage ohne Abzug in Scheck auf Newyork, auf Wunsch in Reichsmark zum amtlichen Berliner Mittelkurse telegraphische Auszahlung Newyork. Da die Reichsdie Rückzahlung der Dollarschatzanweisungen überfindet die Einlösung nicht, wie im Text Stücke vorgesehen, bei der Staatsschuldentilgungssondern bei der Reichsauptbank Berlin(Zeichgsabteilung, Breite Straße 8/9) statt. Alle mit eneinrichtung versehenen Reichsbankanstalten vereln die gebührenfreie Einziehung. Die Stücke könschon vom 15. März ab bei der Zeichnungsabteilung Reichsbank in Berlin und den Reichsbankanstalten einem nach Abschnitten und Nummern geordneten ynis eingereicht werden. Vordrucke für diese chnisse werden bei den Reichsbankanstalten rechtg zur Verfügung gestellt werden. Um eine glatte vicklung zu ermöglichen, ist eine möglichst frühe Einreichung dringend anzuraten. Die Aushändigung der Schecks ober die Auszahlung in Reichsmark erfolgt auch für die vor dem 15. April eingereichten Stücke erst Ein neuer Schlag gegen die englische Vormachtstellung am Kautschukmarkt. Dem vor einigen Tagen zustande gekommenen holländischen Syndikat, das als Vorläufer eines Einkaufs= und Verkaufskartells der Gummiplantagen in Riederländisch=Idien gedacht ist, gehören außer den bePflanzungsgesellschaften Deli=Maatschappij, kaatschappif. Deli-Batavia Maatschappij noch die Schiffahrtsgesellschaften Nederland, der Roto. die Königliche Paketfahrtsgesellschaft meyrere Handelsfirmen an. Das Syndikat hat sich Aufgabe gestellt, die für die Gründung einer großen Organnsation erforderlichen beträchtlichen Mittel herzugeben, um die Kontrolle über den in iederländisch=Indien von den Eingeborenen gewonnsnen aan.. Auk in die Hand zu bekommen. Bisher wurde der sogenannte„native rubber“ von in Singapore ansässigen chinesischen Firmen aufgekauft, nach Singapore verschifft, dort aufbereitet und dann vorwiegend von englischen Exporthäusern im Restriktionsgebiet dem Weltmarkt zugeführt. Die in BSildung begriffene Gesellschaft beabsichtigt, den chinesischen Zwischenhandel auszuschalten, den Eingeborenengummi direkt von den Erzeugern zu erwerben, in eigenen Anlagen zu einem Standardprodukt zu verarveiten und auf holländischen Schiffen nach europäischen Häfen zu verfrachten. Das Projekt, das nach Rückkehr der nach Niederländisch=Indien entsandten Studienkommission verwirklicht werden soll, richtet sich cht nur gegen den chinesischen Zwischenhandel, sonrn bedeutet auch einen neuen Schle non der kass 12 Abl Die wietschaftliche Gosundung Esthlands unter Berücksichtigung des Jahres 1925. dern lag gegen Zum Jahrestage(24. 2.) der achtjährigen Selbst ständigkeit der Republik Eesti, dürften nachste hende Ausführungen von Paul Herzberg, Konsul der Republik Eesti für Rheinland und Westfalen, zu Köln, über die wirtschaftliche Gesundung Eestis das allgemeine Interesse finden. Während die großen europäischen Staaten nur ganz allmählich sich von den Folgen des Weltkrieges erholen, größtenteils noch mit Inflation ihrer Währung zu kämpfen haben und fast ausnahmslos eine passive Handelsbilanz aufweisen, ist es dem kleinen Lande Estland erstaunlich schnell gelungen, seine Angelegenheiten in Ordnung zu bringen und zu erreichen, daß im abgelaufenen Jahre erstmalig der Wert der Ausfuhr den der Einfuhr übertraf, somit die Handelsbilanz aktiv wurde. Der innere Ausbau der Republik Eesti wurde dadurch erschwert, daß die Regierung zunächst selbst nicht wußte, auf welche Kräfte des Landes,— nachdem fremde Unterstützung, wie oben ausgeführt, nicht in Frage kam,— sie sich in der Hauptsache stützen sollte, und sie versuchte es zunächst mit der Großindustrie, die noch aus der russischen Zeit vorhanden war und an die man große Hoffnungen knüpfte. Infolge des fast ganz verschwundenen Hinterlandes konnte aber die Metallgroßindustrie ihre Produkte nicht mehr entsprechend absetzen, und es zeigte sich bald,— da auch die anderen Industrieen sich erst auf den Wegfall des russischen Marktes, auf den kleinen Inlandsbedarf und allmählich auf die Eroberung von neuen Exportgebieten einstellen mußten,— daß,— ähnlich wie in dem klimatisch und auch hinsichtlich der Bevölkerungszahl gut zu vergleichenden Dänemark,— die Entwickelung des Landes auf der Ausdehnung und Förderung der Landwirtschaft beruhe. Die Sorge der Regierung für die Landwirtschaft hat sich außerordentlich bewährt. Der Viehstand hat sich gehoben und die Produkte desselben, wie beispielsweise der Versand von Bacon(Schinkenspeck) und Butter hat sich geradezu riesig gesteigert. Während beispielsweise im Exportschlachthaus Estonia im Jahre 1924 4298 Schweine geschlachtet wurden, waren es 1925 bereits 11000 und man nimmt an, daß in diesem Jahre, nachdem im Januar bereits über 2000 geschlachtet wurden, die Zahl von über 20 000 erreicht wird. Die Verwertung der Milchprodukte zeigt ein womöglich noch imposanteres Bild, denn, während im Jahre 1922 für 212 Millionen Emk. Butter erportiert wurden, erreichte diese Ziffer im Jahre 1925 die Summe von 2120 Millionen Emk., d. h. sie hat sich verzehnfacht. Das ganze Land ist allmählich mit einem gut funktionierenden Netz von Meiereigenossenschaften überzogen worden, sodaß die landwirtschaftlichen Betriebe, selbst die kleinsten, ihre täglichen Milchprodukte sofort unterbringen können und, da auf dem Gebiete des Buttererportes der Entwickelung keine Schranken gesetzt sind, so können die Landwirte mit einem stetigen Absatz ihrer Produkte rechnen und in günstigen Zeitläufen, wie sie in den letzten Jahren vorlagen, ihren Viebbestand. ihre Futter= und sonstigen landwirtschaftlichen Anbauflächen vergrößern. Es ist auch dafür gesorgt, daß Tiere durch die estl. Akt.=Ges.„Külmetus"(Kühlhaus) eingefroren, besonders nach Schweden und Norwegen, exportiert werden. Diese Akt.=Ges. hat sich auch zur Aufgabe gesetzt, russische Schweine, von denen wöchentlich über 600 Stück eintreffen— welche Ziffer erheblich gesteigert werden wird—, entweder einzufrieren oder zu Schinken zu verarbeiten und in dieser Form der Ausfuhr zuzuführen. die britische Vormachtstellung am Kautschukmarkt. Die Eingeborenenproduktion im holländischen Kolonialgebiet belief sich im verflossenen Jahr schätzungsweise auf 130 000 To. feuchten Gummi, die rund 78 000 To. handelsübliche Ware ergaben, während die Erzeugung der im europäischen Besitz befindlichen Plantagen auf 112 000 To. veranschlagt wird. Hochofenschlocke im modernen Wegebau. In letzter Zeit hört und liest man sehr viel vom modernen Straßenbau. Die überaus gesteigerte BeDie Industrie hatte bei dem zunächst restlosen Wegfall ihres Hauptabsatzgebietes mit außerordentlichen Schwierigkeiten zu kämpfen. So ist beispielsweise damit zu rechnen, daß die einstmals berühmte„russischbaltische Werft“ liquidiert werden muß, da für ein derartiges riesiges Unternehmen, in dem über 8000 Arbeiter beschäftigt waren, und das hauptsächlich für die russische Marine arbeitete, eine Daseinsberechtigung nicht mehr besteht. Dagegen hat sich aber die Zementindustrie befriedigend entwickelt, Holz= und Holzprodukte sind ein lohnender Exportartikel. Die im Lande in großen Mengen hergestellten Zeitungs= und Druckpapiere finden im In= und Ausland guten Absatz. Ferner war die Flachsausfuhr, wenn sie auch die Ziffer des Jahres 1924 nicht erreichte, befriedigend. Einer der aussichtsreichsten Artikel der estländischen Wirtschaft ist der Brennschiefer, der hauptsächlich in staatlichen Fabriken zu Oel verarbeitet wird und ist dieses Produkt so hochwertig, daß von englischer Seite beabsichtigt ist, eine große Oelfabrik in Estland zu errichten, die mit einem Grundkapital von 1 Mill. Pfund Sterling zu arbeiten beginnen wird, wobei die tägliche Produktionsleistung mit 10000 Pud Brennschiefer vorgesehen ist. Wie am Eingang schon erwähnt, war die Handelsbilanz des letzten Jahres aktiv. Das Landesbudget ist schon seit Jahren nicht nur im Gleichgewicht, sondern wies auch in manchen Finanzabschnitten erhebliche Ueberschüsse auf, sodaß seit 1921 die Notendruckmaschine nicht mehr in Tätigkeit gesetzt wurde. Mit einer großen Reihe von Staaten wurden Handelsverträge abgeschlossen, oder wenigstens vorläufige Wirtschaftsabkommen getroffen, darunter das mit Deutschland vom Jahre Der Dollarkurs ist stabilisiert auf 375 Emk. und hat seit November 1924 dieses Niveau nicht mehr verlassen, sodaß die Währung als absolut befestigt anzusehen ist. Der Zustrom von Auslandsdevisen, besonders aus dem Flachs= und Holzexportgeschäft, hat angehalten und verfügt die Staatskasse z. Z. über einen Fond von 1200 Millionen Emk. und Devisen, gegenüber einem Gesamtumlauf von 3240 Millionen Emk. in Noren und Münzen. Es ist somit der Geldumlauf mit 37 Proz. in Gold und Devisen gedeckt. Die Aktivität der Handelsbilanz ist keineswegs durch Realisationen von Kapitalien oder Werten herbeigeführt worden, wie man anzunehmen geneigt ist, sondern ausschließlich durch das Ansteigen der Produktivität des Landes im Allgemeinen. Daß besonders die Landwirtschaft sich in bester Entwickelung befindet, sieh: man aus folgenden Ziffern: Die Ernte der Leinsaat betrug für 1921— 6700 Tons 1925— 15 000 Tons An Butter wurde exportiert: 1921— 122 mtr. Tons 1925— 7184 mtr. Tons Eier 1921— 2 Millionen Stück 1925— 13 Millionen Stück Diese Angaben mogen hier genügen, um die interessante Entwickelung, die hauptsächlich in den letzten 5 Jahren herbeigeführt wurde, zu illustrieren. Unter Berücksichtigung des hier mitgeteilten muß man erkennen, daß das junge Staatswesen sich überraschend schnell und aus eigener Kraft konsolidiert hat, sodaß man bei der zielbewußten Arbeit der Regierung und der Bevölkerung auf eine gesunde Weiterentwickelung mit Sicherheit rechnen kann. nutzung der Straßen einerseits und die geldliche Not andererseits zwingt alle in Frage kommenden Stellen, die nach örtlichen Verhältnissen billigsten und besten Straßenbaustoffe heranzuziehen. So gibt es im Industriebezirk und in den angrenzenden Gebieten einen noch viel zu wenig beachteten Wegebaustoff, die Hochofenschlacke. Man baut in Deutschland in der Regel die Straße so, daß auf einen Unterbau aus Packlage die Decke aus Kleinschlag aufgebracht wird. Eine Betonunterlage in richtiger Stärke wäre allerdings besser, scheidet aber wegen des Preises aus In anderen Ländern erhalten die Straßen oft einen sehr starken Betonunterbau mit Drahtnetzeinlage. DieVerlangt unsere Zeitung auf den Bahnhösen und in den Zeitungsverkaufsstellen! ser Straßenunterbau bildet die Grundlage des eigen lichen Straßenkörpers und verleiht ihm eine hervorra gende Festigkeit und Widerstandsfähigkeit. Nun besitzt die Hochofenschlacke im Gegensatz zu Naturgesteinen auf Grund der chemischen Zusammensetzung die Eigenschaft, daß eine aus Hochofenschlacke hergestellte Packlage im Laufe der Zeit eine einzige feste Deck bildet, die der Straße eine große Widerstandsfähigkei verleiht. Sie wird also eine billige und dauerhafte Grundstütze des Straßenkörpers, mit allen Vorteilen des Naturgesteins bei großer Billigkeit. Eine weitgehende Verwendung der Hochofenschlacke liegt daher im ureigensten Vorteile aller Verbraucher. Manche große Halde, die heute das Naturbild verunziert und große Bodenflächen der Benutzung entzieht, könnte damit einer in volkswirtschaftlichem Interesse liegenden Verwertung zugeführt werden. Die Zukunft des deutschen Kartoffelbaues. Im Rahmen der landwirtschaftlichen Woche fand der 10. Deutsche Kartoffeltag in Berlin statt, der sich in der Hauptsache mit der Frage der Rentabilität des Kartoffelbaus zu befassen hatte. Der erste Referent, Dr. Kuhn=Stettin, führte aus, daß von den mindestens 42 Millionen Tonnen bei der letzten Ernte gewonnenen Kartoffeln etwa 12 Millionen für Speisezwecke. 7—8 Millionen zur Saat, unter 3 Millionen zur industriellen Verarbeitung und 20 Millionen für Futterzwecke verwendet werden dürften. Die Anbauund Erntekosten pro Hektar berechnen sich auf etwa 150 bis 190 M. Selbst bei einem Ernteertrag von 100 Zentner je Hektar kann also bei einem Erzeugerpreis von etwa 1,30—1,50 AA je Zentner von einer Rentgbilität der Speisekartoffelerzeugung nicht die Rede sein Aehnlich schwierig liegen die Verhältnisse bei der industriellen Verarbeitung, einerlei, ob es sich um SpritStärke= oder Flockenproduktion handelt. Die beste Rentabilität dürfte für die Zukunft die Futterkartosfel bieten. Voraussetzung hierfür ist allerdings, daß die Einfuhr kohlehydratehaltiger Futterstoffe vollkommen unterbleibt und daß der Verbrauch an solchen Futtermitteln lediglich aus den Kartoffeln inländischer Erzeugung bestritten wird. Domänenpächter Ehlermann=Luhne ergänzte diese Ausführungen und wies darauf hin, daß die Erzeuger von Sveisekartoffeln viel mehr Rücksicht als bisher auf die Wünsche ihrer städtischen Abnehmer nehmen müßten. Minderwertige Kartoffeln sind unter den heutigen Umständen zu Speiszwecken nicht mehr abzusetzen. Literatur. Die Abschreibungen des buchführenden Kaufmanns nach dem neuen Einkommen= und Körperschaftsteuergesetz. Von Steueramtmann Hanns Eckstein, Leiter der Buchprüfungsstelle der Münchner Finanzämter, Verlag Dr. Franz A. Pfeiffer. München 1926. Preis 2,70 A.— In dem Werke, das in leicht verständlichem flüssigem Stile geschrieben ist, werden die für jedes Unternehmen so wichtigen Abschreibungen vom kaufmännischen und steuerlichen Standpunkt aus eingehend betrachtet. Es werden alle Abschreibungsarten genau geschildert. Außerdem wird zu den verschiedenen Abschreibungsmethoden vom steuerwirtschaftlichen Standpunkt aus Stellung genommen. Schließlich werden auch die Fragen der Geltendmachung von steuerlich nicht anerkannten Abschreibungen in den darauffolgenden Jahren an Hand zahlreicher Steuerbilanzen und die Buchführungsfragen in überaus leicht verständlicher Weise behandelt. Der Kaufmann ersieht daher aus dem Werke, was er hinsichtlich der Abschreibungen bei Aufstellung seiner Bilanz und insbesondere bei gabe seiner Steuer=Erklärung beachten muß. Da der als Bilanz= und Steuerspezialist angesehene Verfasser in dem Werke auch seine reichen Erfahrungen insbesondere als Leiter einer Buchprüfungsstelle ausgiebig niedergelegt hat, wird es für den Kaufmann von ganz besonderem Vorteil sein, wenn er sich mit diesem Werte befaßt. Für die in der Zeit vom 8. bis 25. März 1926 abzugebende Einkommen= und Körperschaftsteuer=Erklärung ist das Buch besonders wertvoll. Für den Steuerbeamten und Steuerberater ist das Werk ein ausgezeichnetes Hilfsmittel zur richtigen Beurteilung der Abschreibungen nicht nur in steuerlicher, sondern auch in wirtschaftlicher Hinsicht. Großfürstenlaunen im alten Rußland. n den umsangreichen Archiven des russischen Kaiserdie von der Sowjetregierung veröffentlicht en sind, sindet man diese wichtige, bisher unbekannte täge zur russischen Geschichte; und so manche Perckeit, die in den patrionischen Lesebüchern in wahrer te erstrahlt, erweist sich nach der ernüchternden Lekwal arnicht geehlern, wie zur lann u 1 gute ne un 4. Soldaten en, schickte Arrest on bestieg Archi 1t in robern u ahrheit1 hatte e Eigensche träglichen innig un Paraden zu sag rderhe. ie Offizie war aber das en Offizieren Tasche. Obr chen omaterials als einfacher, h mit den Vorzügen und 1 Sterblichen eigen sind. Licht erscheint z. B. auch der Großfürst r nach dem Tod seines Bruders, des er im Jahre 1825 auf die Krone Rußnet, worauf ein jüngerer Bruder als NikoKatharina die Große hatte en hervorgeht, zum„Kaiser von Zuversicht, Rußland werde d das Testament Peters des rachen. Konstantin war ein weiches Herz. sten standen auf der anderen aunen gegenüber. Er war sehr ausgelassen. Er liebte konnte aber den Krieg nicht n, daß der Krieg die Haltung er war sehr streng zu seinen te wegen jeder Kleinigkeit in n auch wieder sehr freigebig und Soldaten sehr viel Geld ohl er im Grunde ein guter haßte mon ihn allgemein. Achtzehn Jahre chte er, sich von seiner Frau, einer Prinzessin en=Koburg, scheiden zu lassen. Als er endlich erreicht hatte und eine junge Polin aus dem del heimführte, erschien ein Manifest des lander, wonach die Kinder aus einer morgades Zaren des Anspruchs auf die Krone zehen sollten. Als der Großfürst Konstantin nisest zu Gesicht bekam, begab er sich sofort chau, wo er als Statthalter residierte, nach 1 Das Archiv enthält eine genaue Wiederjesprächs mit dem Zaren Alexander. ürftest Du ohne meine Erlaubnis hierherfragte der Zar seinen Bruder.„Ich kam, Genugtuung zu erhalten. gen, daß Deine Maßnahmen mich mbst Du, mir liegt etwas an dem er und Großvater wurden ermordet. nen und in Ruhe sterben. Ich bin sagen, daß ich mit diesem Schreiben erzichte.“ Trotz der Einwendungen des b der Großfürst unerbittlich, ließ sein Manifest, auf seine Thoonrechte verzichtete, sofort ratisir Thronverzie Knstantins wurde später von dischen Veraornten agitatorisch benutzt) und mn kumman zurück.„Jetzt bin ich glückem für die Beleidi will Dir aber garnicht berühren. Thron? Unser Vat Ich will aber ruhig gekommen, um Dir auf den Thron v Zaren blieb der( licher als mein Bruder!“ sagte er nach seiner Rückkehr zu seiner Frau. Eines Tages lud der Großfürst den damals be rühmten französischen Schauspieler Froget zu sich. Er wollte seinem Gast einen Streich spielen und befahl seinem Adjutanten, mit dem Künstler einen Wortwechsel anzufangen. Während der Auseinandersetzung sagte der Großfürst dem Franzosen einige wenig liebenswürdige Worte. Froget erwiderte ebenso. Konstantin sprang wütend auf und befahl dem Adjutanten:„Wirf den unverschämten Kerl sofort zum Fenster hiwaus!“ Das Fenster wurde sogleich geöffnet, die Offiziere packten den zitternden Schauspieler unter den Armen und schleuderten ihn aus dem zweiten Stockwerk des Palastes in den Hof hinab.. Froget siel aber auf einen Hügel aus weichen Daunen, die für diesen Fall, der sich in dem „gastlichen" Haus des Großfürsten öfters ereignete, bereit lagen. Die Heiterkeit des Großfürsten beim Anblick dieser Szene kannte keine Grenzen, und er warf dem vor Schrecken halb ohnmächtigen Franzosen als Schmerzensgeld einen Beutel mit zehntaufend Rubeln hinab. Der Kampf um die Gutenbergbibel. Der Rekordpreis von 106 000 Dollar für die berühmte aus dem Kloster Melk stammende Gutenberg=Bibel, der auf der Versteigerung der Anderson=Galeries in Newyork gezahlt wurde, ist bereits gemeldet worden. Es ist die größte Summe, die jemals bisher für ein Buch gezahlt wurde. Bisher hatte den Rekord ein Exemplar von Shakespeares„Venus und Adonis" mit 300 000 Mark gehalten. Der höchste Preis, der vorher für die 42 zeilige Gutenberg=Bibel gezahlt wurde, belief sich auf 240 000 Mark und wurde von Carl Pforzheimer für das sog.„Marzarin=Exemplar“ angelegt. Die Versteigerung des kostbaren Werdes, der man mit größter Spannung entgegensah, vollzog sich ebenso rasch wie dramatisch. Die Auktion begann um ½11 Uhr, als ein Vorhang fortgezogen wurde, der eine kleine Bühne enthüllte, auf der die beiden kostbaren Bände aufgestellt waren. Die anwesenden Sammler und Bücherfreunde, die sich auf 2000 beliefen, klatschten Beifall, als der Versteigerer um ein Gebot bat.„50 000 Dollar“ rief eine hohe Frauenstimme. Es war die von Miß Belle da Costa Greena, der Biliothekarin der Pierpont=Morgan=Sammlung. „55 000“ fiel ein Newyorker Antiquar Wells ein, noch bevor die Dame ausgesprochen hatte. Nun stieg das Gebot mit Sprüngen von 500 und 100 Dollar rasch auf 83 000 Dollar. Bei dieser Zahl verstummte Wells, und es trat eine kleine Pause ein. Dann bot Evarts Benjamin, der eine Sammlergruppe vertrat, die die Bibel der Kathedrale von St. Johannes stiften wollten. 83.500 Dollar, und nun begann der„Endspurt“ zwischen Benjamin und dem bekannten Antiquar Dr. Rosenbach aus Philadelphia. Ein Gerzirmel des Erstaunens lief durch die Reihen, als 1000°0 Dollar überschritten wurden. Laute Rufe ertönten, als Benjamin„105 000“ rief und Rosenbach„106 000“ sagte. Dann trat gespannte Stille ein. Der Versteigerer blickte zu Benjamin herüber, aber der schüttelte nur ein wenig mit dem Kopf. Da fuhr der Hammer nieder und das Werk wurde Rosenbach zugeschlagen. Der ganze Vorgang spielte sich innerhalb von 5 Minuten ab. Rosenbach beabsichtigt die Bibel nicht zu verkaufen, sondern seiner eigenen Büchersamm kennt lung einzuverleiben. Im ganzen man jetzt 45 Exemplare dieses ersten größeren Druckwerkes, von denen 20 unvollständig sind. Nur 4 Exemplare und außerdem 2 einzelne Bände sind in den Händen von Prvatleuten. 6 Bibeln aus der Werkstatt Gutenbergs besitzt nunmehr Amerika. Die Melker Sammlungen sind übrigens durch den Verkauf der Bibel nicht ärmer geworden. Zu den Schätzen der 70000 Bände umfassenden Bibliothek gehören vor allem die berühmten Handschriften, deren älteste aus dem Jahre 735, also aus vorkarolingischer Zeit, stammt und von dem Heiligen Beda im Kloster Saint=Germain=d'Aurerre verfaßt wurde, ferner ein andschriftliches Psalterium aus dem 12. Jahrhundert, ie handschriftlichen Gebetbücher Kaiser Albrechts II. und der Königin Beatrice von Ungarn. Allerlei. Wie die Käfer fliegen. Man nimmt allgemein an, daß die Käfer beim Fliegen nur die Hinterflügel benutzen, während ihnen die Vorderflügel als Schutzwerkzeuge und Gleichgewichtsorgane dienen. Diese Annahme ist jedoch, wie namhafte Natur forscher nachweisen, irrig. vielmehr in! Flügel. Die während sie geringer ausschlagen, da sie nicht von oben bis unten, sondern nur von oben bis etwa zur Horizontalen ausschlagen. Von dieser Tatsache kann man sich leicht überzeugen, wenn man einen Maikäfer gegen das Fenster fliegen läßt. Man erkennt dann durch die durchscheinenden Flügeldecken den Umfang des Flügelschlages. Wenn der Käfer in der Ecke zwischen Fensterscheibe und Rahmen zum Flug ansetzt, so kann man die Bewegung der Flügeldecken genau beobachten, da die Tiere nicht abzufliegen vermögen, sondern sich auf der gleichen Stelle bewegen. Dieselbe Beobachtung kann man auch machen, wenn man das Tierchen an seinem Hinterleibende frei in der Luft hält. Wuschiwuschi der neue Bubikopf. In Paris wird eine neue Haarmode verbreitet, die eine Steigerung des Bubikopfes in grotesker Form darstellt. Merkwürdigerweise hat die neue Mode insofern mit der neuen Musik viel Aehnlichkeit, als auch sie etwas Negerhaftes hat. Die neue Bubikopfmode heißt„Wuschiwuschi" oder auf gut deutsch ungefähr„Struwwelpeterkopf". Man kann sie vielleicht mit der Frisur der Papuanen vergleichen, denn sie besteht aus ziemlich langen Vorderhaaren und recht vielen gekräuselten Seitenlocken. Dadurch bekommt der Kopf eine große Kugelform, die besonders bei dunkelhaarigen Frauen der Kopfform mancher Negerstämme ähnelt. Auch die Behandlung des Hinterkopfes ist durch die neue Bubikopffrisur geändert, denn das Ausrasieren des Halses, das nicht immer ethischen Reiz hat, fällt dadurch völlig weg Der Hinterkopf wird nicht mehr kurz geschoren, sondern in ein Gekräusel von Lockenhaaren verwandelt, die durch einen Kamm zusammengehalten werden. Dabei wird darauf Wert gelegt, daß eine Anzahl der längeren Kräusellocken über den Kamm fallen und den Hals ziemlich stark bedecken. Wenn nun die Frau dazu lange Öhrringe und viele Ketten um den Hals trägt, die augenblicklich Mede sind, ohn jedoch von den Gesetzen der Schönheit stark beeinflußt zu sein, dann sieht man deutlich, daß tatsächlich unsere Mode auf die Mode primitiver Vöse zurückgeht. Wenn diese Meldung kein verfrühter Aprisscherz ist, dann ist sie auf jeden Fall sehr gehässig unseren Damen gegenüber, die einen Bubikopf tragen. Aber man kanns nicht wissen, ob die Annäherung an die Neger, Wuschiwuschi genannt, nicht auch noch Mode wird! Ritter Blaubarts Ehrenrettung. Wieder einmal wird mit einer historischen Legende aufgeräumt, die phantasiebegabte Schriftsteller gruseligen Dichtungen angeregt hat. Die Mär melds von dem Marschall Gilles de Rais, er habe zweihundFrauen und Kinder hingemordet. In Wirklichkeit war dieser Mann, wenn man dem Prosessor Gabory, der das Archiv des Departements Loire=Inférieure verwaltet, glauben darf, eine ganz harmlose Persönlichkeit. Nach den Feststellungen des Gelehrten ist die Ueberlieferung der Marschall habe seine sieben Ehefrauen ums Leben gebracht, allein schon deswegen unhaltbar, weil er in Wirklichkeit nur mit einer einzigen Frau verheiratet gewesen ist, die ihn außerdem noch überlebt hat, und sich überhaupt einer so unverwüstlichen Lebenskraft erfreute, daß sie nach seinem Tode noch mehrmals Andere Gelehrte, die die umfangreichen Prozeßakten studiert haben, bereiten ebenfalls die vollständige Rehabilitation des Ritters Blaubart vor, und sie beabsichtigen zu diesem Zweck eine Revision des Prozesses herbeizuführen. Eine Fünfminuten=Ehe. iniger Zeit sich mit einem jungen Engländer. Vor der Hochzeit erklärte nun der Bräutigam, er werde das amerikanische Bürgerrecht erwerben. Die Braut hatte dies nämlich zur unerläßlichen Bedingung gemacht. Nach der Trauung in der vornehmsten Kirche der Stadt fragte die Braut ihren Mann, als sie Arm im Arm zur Kirchentur gingen, ob es nicht schön sei, Amerikaner zu sein. Zu ihrer Verblüffung antwortete er, daß er keine Naturalisierungspapiere habe und auch gar nicht daran dente, das Bürgerrecht zu erwerben. Auf der Stelle verließ ihn die junge Frau; sie sprang in ein Auto und verschwand vor den Blicken des erschrockenen Mannes und der Gäste. Jetzt ist sie geschieden, weil ihr Mann nicht Amerikaner werden wollte. ent rra is in Volksriauertag 1926. Von Friedrich Muckermann S. I. Wird deutsches Volk diesen Tag ernst nehmen? Bei Gott, es darf keine bloße Zeremonie bleiben. Das heilige erhabene Gefühl der Trauer liegt tief unter der Schicht, in der Leichtsinn wohnt, oberflächliche Freude, toller Fasching. Stoßen wir durch in jene Tiefe, aus der die Träne quillt, die erlösende. Ich sehe, wie man hier und dort an diesem Tage ein paar frühe Veilchen sammelt und sie zum Strauße fügt um das Bild des Gefallenen. Ist es der Vater, ist es der Gatte, ist es der Bräutigam, ist es die Krankenschwester? Wir haben nur ihr Bild. Ihr irdischer Rest aber liegt da draußen, in Frankreich, in Rußland, in den Karpathen, in Rumänien, an den Hängen der Alpen, an den Wassern des Po, am Kaukasus, in den Steppen Afrikas, in den Abgründen des Ozeans. Ein Kranz von Gräbern, rings um deutsches Land gelegt, das ist heute für uns Deutschland. Viel Haß gebar der Krieg, wie er selber aus Haß geboren ist. Sie aber, unsere Toten, haben keinen Teil an diesem Haß. Ihr Werk hatte die Augen der Liebe. Sie wußten es nicht anders, als daß es zu streiten galt für Weib und Kind, für Haus und Hof, für Heimat und Vaterland:„Deutschland muß leben, auch wenn wir sterben müssen." Sie kämpften aus Liebe und ihr Andenken versöhnt. Friedlich liegen sie nebeneinander, die sich einst bekämpften, und rinnen unsere Tränen auf deutsche Heldengräber, sie benetzen auch den Boden auf des einstigen Feindes Grab. Ihrer Liebe antwortet heute unsere Trauer. Trauer ist ein Kind der Liebe. Es ist nicht das lachende, sondern das weinende. Es ist nicht der Erbe äußerlichen Tandes, sondern innerer Größe. In der Trauer umfassen wir noch einmal die Gestalt unserer Besten, die hinauszogen, einer für alle. Wir können nicht mehr auferstehen, es sei denn in der Kraft des moralischen Opfers jedes Einzelnen für die Allgemeinheit. Liebe eint. Und auch diese Trauer eint, weil sie aus der Liebe kommt. Müssen sie nicht zu Boden sinken, all die kleinen Streitigkeiten, der Parteizank, die Hetze des einen Volksgenossen wider den andern im Gefühl der tragischen Größe dieses Augenblicks? An Gräbern reicht man sich die Hand. Gemeinsam beugt man sich vor einer Majestät, die über alles Menschliche aufragt. O Crux Ave! In Dir ist die Liebe, in Dir ist Opfersinn, in Dir ist Hingabe. O Crux Ave, spes unica! Freiherr v. Richthofen und die Deutschnationalen. Der Austritt des deutschnationalen Reichstagsabgeordneten Freiherrn v. Richthofen ist in der deutschnationalen Presse nur ganz kurz angezeigt worden; über die Gründe erfuhr man nichts. Freiherr v. Richthofen ist der Führer des Schlesischen Landbundes; er war im August 1924 mit anderen Vertretern seines Verbandes, die dem Reichstag angehören, dadurch aufgefallen, daß er für die Annahme des Dawespaktes stimmte. Ueber die Gründe, die ihn jetzt zum Ausscheiden aus der Fraktion veranlaßt haben, äußert er sich nun selbst in der„Schlesischen Zeitung". Er führt vier Gründe an: Arbeitsüberlastung, den Austritt der deutschnationalen Minister aus der Reichsregierung im Oktober v. J., der nach seiner Meinung falsch war, weiter das Mißtrauensvotum der deutschnationalen Reichstagsfraktion im Dezember v. J. und endlich das uneingeschränkte Mißtranensvotum der Fraktion gegen das zweite Kabinett Luther, das, wie Herr v. Richthofen meint, die meisten Brücken zur Regierung und zu den anderen bürgerlichen Parteien abgebrochen habe. In der Erläuterung, die er diesen vier Punkten anfügt, bezeichnet er die deutschnationale Opposition als ziel- und zwecklos, mindestens als unpraktisch und den realpolitischen Erfordernissen widersprechend. Darüber hinaus widerspräche sie aber auch der Treue, die die Deutschnationalen dem gegenwärtigen Reichspräsidenten schuldeten, nachdem sie ihn berufen hätten. Pflicht des verantwortlichen Politikers sei, stets so zu handeln, wie es ihm sein Gewissen vorschreibe, auch wenn er fürchte, dadurch in Konflikt mit Massenstimmungen zu kommen. Der Schlesische Landbund hat gleichzeitig in einer Resolution die Angriffe, die von der„Deutschen Zeitung" und ihrem rechtsradikalen Kreise gegen Herrn v. Richthofen gerichtet worden waren, entrüstet zurückgewiesen und seinem Vorsitzenden erneut das Vertrauen ausgesprochen. Alles in allem ist also der Mandatsverzicht des Herrn v. Richthofen eine scharfe Absage an den nationalistischen Kurs der deutschnationalen Reichstagsfraktion. Die soziale Gliederung der Studierenden in Preußen. Das Preußische Statistische Landesamt hat für das Sommerhalbjahr 1925 im Auftrage des preußischen Ministeriums für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung eine Statistik der preußischen Landesuniversitäten und Hochschulen mit Einschluß der Medizinischen Akademie zu Düsseldorf und der Akademie zu Braunsberg veröffentlicht, die es gestattet, die soziale Gliederung der Studierenden in Preußen genauer zu übersehen. Die Gesamtzahl der Studierenden in Preußen belief sich im Sommerhalbjahr 1925 auf 27747 männliche und 3639 weibliche. Davon waren nach der Staatsangehörigkeit: Preußen 22777 männliche und 3040 weibliche, sonstige Deutsche 3128 männliche und 328 weibliche, Reichsausländer 1842 männliche und 271 weibliche. Die soziale Gliederung dieser Gesamtzahl nach dem Beruf und der Berufsstellung des Vaters war nun die folgende: Den größten Anteil der Studierenden stellten die Kreise der Handels= und Gewerbetreibenden einschließlich des Bergbaus, des Bank=, Verkehrs= und Versicherungswesens, nämlich 7409 männliche und 923 weibliche. Fast so stark ist die in der Reihe zunächst folgende höhern Beamten stehen die untern Beamten des Reichs, der Länder, der Gemeinden und sonstiger öffentlichrechtlicher Verbände einschließlich der Lehrer ohne akademische Bildung entsenden 7317 Söhne und 901 Töchter zum akademischen Studium. Etwa halb so viel Studierende, nämlich 3706 männliche und 717 weibliche, stammen aus der Schicht der höhern Beamten des Reichs, der Länder, der Gemeinden und sonstiger öffentlichrechtlicher Verbände, einschließlich der Universitätsprofessoren, höhern Lehrer und Geistlichen. In weitem Abstand von den Klassen der mittlern und hohern Beamten stehen die untern eBamten des Reichs, der Länder, Gemeinden und sonstiger öffentlich-rechtlicher Verbände, die nur 358 männliche und 18 weibliche Studierende liefern. Ungefähr wiederum die Hälfte der Studierenden aus der mittlern Beamtenschaft finden wir als aus verschiedenen Berufsklassen herstammend. Zunächst sei die oberste Gruppe der Handels= und Gewerbetreibenden erwähnt. In ihr haben wir eine Untergruppe: selbständige Handwerksmeister; aus dieser studierten 1808 männliche und 132 weibliche. Einer zweiten Untergruppe, der der Besitzer und Direktoren von Fabriken entstammten 1148 männliche und 174 weibliche Studierende. Die Privatangestellten liefern etwa im gleichen Maße Studierende, und zwar die Privatangestellten in leitender Stellung 1012 männliche und 157 weibliche, die sonstigen Privatangestellten 1848 männliche und 166 weibliche. Ebenfalls in ähnlichem Umfang beteiligen sich die Kinder der Angehörigen freier Berufe mit akademischer Bildung(Anwälte, Aerzte, Apotheker. Auf der Unser Bild gibt einen Blick vom Sollinggebirge ins Wesertal bei Höxter und Corvey. Im Hintergrund links der Brunsberg, rechts die Rabenklippe, die das Reichs=Ehrenmal tragen soll. Wir Toten, wir Toten sind größere Heere, Als ihr auf der Erde, als ihr auf dem Meere. Vollmondglanz erfüllt das Wesertal. Klar gezeichnet in die stille, helle Luft, liegt der steinerne Wald der Rabenklippe. Der Mond scheint ihr voll in das uralte Steingesicht. Wesenlos wird die Gegenwart und zu Minuten das Jahrhundert. Wie zerdehnt durch die Zeitenlupe erscheint die Wirklichkeit, das Strömen des Flusses und das Gleiten des Jahrhunderts, alles Weltgeschehen zusammengerückt im reißenden Schwung der Jahre. Die Luft, der Wald erwacht, der Geistertanz auf Elfenwiesen. Römische Kohorten marschieren hinter goldgleißenden Legionsadlern. Geschniegelte Legionsoffiziere winken vom tänzelnden Roß den goldhaarigen Frauen. Cheruskerische Häuptlinge, grimmige Römerhasser, sehens mit geballter Faust. Angstvoll gellt der Tubaton, schaurig dumpf ertönt das Germanen=Urhorn Kennt ihr das Land zwischen Teutoburger Wald und Weser, seine versonnenen Täler und einsamen Hochflächen, seine uralten Volksheiligtümer, seine Vergangenheit und Größe? Cheruskerland! Das klingt rauh und mannhaft, wie eiserne Rüstung und klirrendes Waffengerät. Hier wachsen Männer. Eine langsame, etwas bequeme Rasse, aber wenn schon, denn schon! Und wenn du einmal zu fliegen anfängst, deutsche Seele, dann fliegest du stolz! Die Götter erbleichen, wenn du nahst, Du hast auf deinen Wegen, Gar manches Sternlein ausgeputzt Mit deinen Flügelschlägen! Früher schon hast du einmal geflogen, und das Fliegen hat dich dein Hermann gelehrt! Das erste deutsche Bündnis, die erste deutsche Einheit, er hat sie geschmisdet. Weithin dehnen sich nun, über Berg und Tal verstreut, die friedlichen Siedelungen der Sachsen, das Wotansheiligtum, der uralte Born des Bothe, beute Bosseborn genannt, die Höfe der Edelinge Meinhand, Bovo, Amelung, Lintmar, Meinbrecht, die alle noch beute den alten stolzen Namen ihrer Gründer tragen. Uralte Eibenbäume grünen noch unter dem Steilsturz der Rabenklippe. Der Förster hat sie sicherlich nicht gepflanzt. Die straffsehnigen blonden Knaben des alten Edeling Botho schnitzten Pfeil und Bogen sich aus ihren Schößlingen. Dann tobt die Sachsenschlacht unter der grauen Kalksteinklippe. Der fränkische Welteroberer treibt die flachsköpfigen Heidenkinder durch den von Sachsenblut sich rötenden Weserstrom. Und nun kommt der Sieg des Friedens, der Menschlichkeit: Corvey! Translatio Sancti Viti! Weither strömt das tieferregte Volk zusammen. Eine Stadt von Zelten entsteht in weitem Umkreis um Corvey. Volksmengen lagern an den Toren des Klosters. Tag und Nacht durchklingen ihre Gesänge das Wesertal. Dann wird es wieder still. Aber leuchtend strahlt Corveys Glanz durch die Jahrhunderte. Die steinerne Weserbrücke bei Höxter, belebt sich mit den Warenzügen der Hanse, den Söldnerhaufen des hussitischen, schmalkaldischen, dreißigjährigen Krieges, und durch den Solling hallt Fanfarenruf der herzoglichen Jagdherren von Schloß Fürstenberg. Hin und wieder dehnt und reckt sich noch im Schlaf der Weserstrom, tief träumend von den stolzen Zeiten, als er die Römerherrschaft hinwegschwemmte. Auch in uns hat sich etwas aufgestaut. Wir wollen wieder ein einiges Volk sein, wir wollen unsere toten Helden hier begraben, aber auch den wahnwitzigen, volkszerfleischenden Bruderhaß. Was wir vom neuen Jahr erflehen, sind nicht für unser Ehrenmal des armen Reiches Millionen. Es ragt der Denkmalsberg, der heillige Hochwald wartet schon. Ein gewaltiges Steinkreuz, emporwachsend aus der alten Bosseborner Hochwarte, soll über dem Wald, über allem Weserland schweben. Ist es unerschwinglich? Was wir vom Jahr erflehen, das ist der große Künstler. Große Gedanken soll er haben und ein heißes Herz, in dem der tiefe Schmerz des Vaterlandes brennt. Hingestreckt, von Waldgeheimnis umflüstert, schafft er die Steingestalt des deutschen Jünglings, rein, tapfer, gläubig, wie er sich erhob für das umgarnte Vaterland. Deutschland, hier liegt, was du besessen und verloren hast, dein Glaube, Glück und deine stolze Freude. Es war zu viel, zu schwer. O deutscher Mann, hier darfst du ohne Scham eine schwere, schwere Träne weinen. Prunk, Prahlen, Glanz, ein fadenscheiniges Gewand, es sinkt wie Plunder an dir hier nieder, und du begreifst das ernste, schwere, ewige Gesetz: Durch Leid allein führt unser Weg zur Läuterung und Größe. O deutsches Volk, verstehe deine Stunde: Nur über den Berg der Trauer führt dein Weg empor. Ihr toten Brüder: Ich fasse eures Kreuzes Stab Und beuge meine Stirn hinab Zu eurem Gräberhauch, dem stillen: Zumeist geliebt, zuerst gegrüßt, aßt lauter, wie der Aether fließt, Mir Wahrheit in die Seele quillen! Dr. Adolf Reuter. Schriftsteller, Privatgelehrte usw.) am Studium, nämlich 1741 männliche und 348 weibliche. Dagegen stellen die Angehörigen freier Berufe ohne akademische Bildung nur 351 männliche und 38 weibliche Studierende. Umgekehrt ist das Verhältnis bei einem andern Beruf, den man sinngemäß auch in eine höhere und niedere Klasse trennen kann, bei den Landwirten. Die Kleinlandwirte(Bauern, Kossäten, Pächter landwirtschaftlicher Kleinbetriebe) entsenden 1507 männliche und 79 weibliche Studierende auf die Hochschulen, die Großlandwirte(Rittergutsbesitzer, Domänenpächter, Pächter landwirtschaftlicher oder forstwirtschaftlicher Großbetriebe) sind nur mit 724 männlichen und 40 weiblichen Studierenden vertreten. In der absteigenden Reihe der Väter folgen dann die Arbeiter einschließlich der Gelegenheitsarbeiter mit 414 männlichen und 11 weiblichen Studierenden. Etwa ebenso viele Studierende stammen von Offizieren und höhern Militärbeamten, nämlich 387 männliche und 65 weibliche; von sonstigen Militärpersonen kommen noch 40 männliche und 7 weibliche Studierende hinzu. Sonstigen Berufsklassen gehören ihrer Herkunft noch an 69 männliche und 7 weibliche Studierende. Die Väter von 459 männlichen und 63 weiblichen Studierenden sind ohne Beruf; von den Vätern von 405 männlichen und 99 weiblichen Studierenden ist der Beruf unbekannt. Reichsverband deutscher Gartenbaubetriebe, Gruppe Westfalen=West. — Dortmund, 26. Febr. Am gestrigen Nachmittag fanden sich die Mitglieder der Gruppe Mn Restaurant zur Linderung der Not der Betrag von 300 Mark bewilligt. Alsdann folgte der Vortrag des Gärtnereibesitzers Welling, Recklinghausen über„Die Einfuhr ausländischer Schnittblumen“. Er führte u. a. aus: Die Einfuhr landwirtschaftlicher Artikel ist eine Prinzipienfrage im Deutschen Reich geworden. Es handelt sich immer um Sein oder Nichtsein eines ganzen Berufsstandes. Die Deutschen haben nun einmal Vorliebe für alles Ausländische; dem Fremden wird Platz gemacht, auch wenn alles andere dadurch zurückweichen muß. Der deutsche Gartenbau war früher in einem Zustand, der eine Einfuhr von Blumen don auswärts berechtigte. Früher war alles da, jeder legte Wert darauf, möglichst alles zu haben, aber wollte man wirklich etwas Gutes haben, war trotz der großen Auswahl nichts vorhanden. Die Gärtnerei glich einem botanischen Garten. Heute liegen die Dinge wesentlich anders. Der deutsche Gärtner bat es im Laufe der Zeit verstanden, in unermüdlicher Arbeit die Schnittblumenzucht durch geeignete ihm liegende Zuchtarten auf eine solche Höhe zu bringen, die ausländischen Blumen gewiß nichts nachgibt. Der Redner streifte alsdann die Grundlage der Handelsverträge, die den deutschen Blumenhandel so sehr beeinträchtigen, und wies sodann auf die hohe Bedeutung der Zentralgenossenschaft hin, die nach dem Vorbilde namentlich Hollands die Organisation des Blumenhandels in die Hand genommen hat, allerdings noch nicht mit den Erfolgen, die das Ausland aufweist. Es ist nicht zu verstehen, daß andauernd nur ausländische namentlich italienische Blumen verlangt werden. Man sehe sich einmal die großen Kriegsgräber in den Ländern unserer früheren Feinde an. Holzkreuz steht an Holzkreuz. Aber öde sehen die Friedhöfe aus, wie eine Wüste. An unsere gefallenen Toten denkt niemand. Aber Geschäfte machen mit ihren Blumen, mit unseren Händlern, das wollen sie. Kann das ein deutscher ändler mit seiner Ehre vereinbaren? Darum Herz und Hand zum Kampf gegen die Einfuhr ausländischer Blumen. Es gilt die Selbsthilfe. Die letzten Handelsverträge haben es gezeigt, daß es immer nur auf Kosten der deutschen Blumenhändler geht. Am Skluß der Versammlung wurde folgende Entschließung gefaßt: „Nachdem wir durch persönliche und durch Zeitungsmitteilungen über die, von der italienischen Regierung an unsern deutschen Brüdern in Tirol ausgeübte schmachvolle und niederträchtige Behandlung Kenntnis erhalten haben, werden wir, solange wir nicht die Ueberzeugung gewinnen, daß sämtliche Verfügungen, die den Zweck verfolgen, das Deutschtum in Tirol auszurotten, aufgehoben sind, keine italienischen Produkte kaufen und vertreiben. Wir bitten unsere Kundschaft, von dem Ankauf walienischer Blumen und Früchte abzusehen.“ Wie werde ich Flugzeugführer? Es verlohnt sich heute aus zweierlei Gründen, den Ausbildungsgang des Flugzeugführers einmal ausführlicher zu beschreiben; erstens, um der vor der Berufswahl stehenden Jugend die Vorzüge und Nachteile dieses Berufes klarzumachen, vor allem aber, um dem reisenden Publikum einen Begriff von der oft mißdeuteten Stellung des Verkehrsfliegers zu geben. Der Zeitpunkt ist zwar für die Angabe der Prüfungsbestimmungen augenblicklich unvorteilhaft gewählt, da eine Reformation derselben bevorsteht, doch wird es den Leser immerhin interessieren, nach welchen Richtlinien man die Piloten bisher heranbildete. Voraussetzung für die Aufnahme in den Fliegerschulen, die in fast allen größeren Städten vertreten sind, ist zunächst absolut einwandfreie Gesundheit, dringend erwünscht sportliche Durchbildung des Körpers, da die physische Beanspruchung der psychischen fast gleichkommt. Deshalb wird auch besonderer Wert auf die Erwerbung des deutschen Sportabzeichens gelegt. Man kann die Ausbildung zum Verkehrspiloten in zwei Etpapen einteilen, die mit der Erwerbung des AScheines(Sportflieger=Zulassung) bezw. des B=Scheines (Verkehrsflieger=Zulassung) abgeschlossen werden. Vorbedingung für das Sportflieger=Examen ist die Erlangung des sogenannten Zwischenscheines, wercher auf Grund von 30 einwandsreien Alleinstügen, 3 Ziellandungen in einem Felde von 250X50 Meter und einem Geschicklichkeitsfluge ausgestellt wird. Die A=Prüfung selbst verlangt einen Hohenflug, bei welchem sich der Schüler mindestens eine Stunde in einer Höhe von über 2000 Metern aufhalten muß, außerdem noch einen Ueberlandflug von 30 Kilometern Lange, der mit 2 vorgeschriebener Zwischenlandungen innerhalb 8 Stunden durchzuführen ist.— Wer diese Prüfung mit Erfolg ablegt, hat die Befugnis zur Benutzung von Sportmaschin i darf sich aber nicht als Führer einer solchen Maschine betätigen, die zur gewerbsmäßigen Personenbeförderung(Rund= oder Verkehrsflüge) verwendet wird. Für ehemalige Kriegsflieger(Inhaber des Fliegerabzeichens) ist das Umschulen verhältnismäßig einfach. Nach 3 einwandfreien Ziellandungen und 2 Nachflügen gilt, die A-Prüfung als bestanden. Die Ausbildung der Jungschüler erfordert bis zur A=Prüfung durchschnittlich ein halbes Jahr und einen Kostenaufwand von ca. 5000 A Hat sich die Eignung des Schülers für den erwählten Beruf erwiesen, so beginnt für ihn das zweite Ausbildungsstadium bei der Deutschen Verkehrsfliegerschule: Als Vorbedingung für die Aufnahme gelten hier neben der durch nochmalige, peinlichste Untersuchung konstatierte körperliche Leistungssähigkeit eine bestimmte Altersgrenze (für Jungschüler das 25. Lebensjahr, für Kriegsflieger das 30. Jahr), ferner ein gewisser Bildungsgrad(Obersekundareife oder eine entsprechende Fachschutoildung). Die Weiterbildung auf Verkehrsflugzeugen soll den Schülern in erster Linie Gelegenheit geben, Erfahrungen zu sammeln, und nimmt deshalb eine wesentlich größere Zeitspanne in Anspruch, ungefähr 1½ Jahre. Die Kost n, we sich auf etwa 10 000 A belaufen, sind deshalb beträchtlich, weil alle Schulflüg in Rechnung gesteltt werden. Jeder Schulflug mit dem Lehrer kostet 15 A, Alleinflüge auf alten Maschinen 1,50 A je Minute, auf neuen Maschinen 2 M je Minute. Da Jungschüler bis zur B=Prüfung nicht weniger als 20000 Kilometer am Steuer zurücklegen müssen, erklärt sich die Höhe des obengenannten Betrages Selbstverständlich ist der Flugschüler nicht gezwungen, diese Summe sofort zu zahlen: er unterschreibt vielmehr nach Beendigung der Ausbildung einen Schuldschein und verpflichtet sich zur Zahlung in.aten nach bestem Können. Für Kriegsflieger ohne Abzeichen beträgt die verlangte Kilometerzahl 15 000 Klometer, für Inhaber des Fliegerabzeichens sogar nur 5000 Kilometer. Nach Zursicklegung der vorgeschriebenen Kilomete at sich der Verkehrsfliegerschüler der B=Prüfung zu unterwerfen, welche 3 Ziellandungen aus 500 Meter Höhe mit abgestelltem Motor in ein Feld von 250X50 Meter und außerdem 2 Nachtlandungen zur Bedingung macht. Der Inhaber des B=Scheines hat zwar nun die Berechtigung, Verkehrsmaschinen zu fliegen, erwirbt sich demit aber noch keinen Ar pruch auf sofortige Anstellung. Er ist darauf angewiesen, sich eine Anstellung als Flugzeugführer bei den Luftverkehrsgesellschaften, als Einflieger bei den Flugzeuawerken, evtl. auch als Fluglehreru suchen. Unter den gegenwärtigen Verhältnissen fällt es tüchtigen Piloten nicht schwer, einen einträglichen Posten zu finden, da der sich stetig ausdehnende Luftverkehr in der Lage ist, den Nachwuchs aufzunehmen.— Die Piloten der großen Luftverkehrsgesellschaftenbeziehen zwar kein übermäßiges Grundgehalt, vermögen aber, ihr Einkommen bei regelmäßigem Einsatz auf Strecke durch Anspruch auf Kilometer= und Tagegelder, Bruchprämien usw. zu vervielfachen. So mag das durchschnittliche Monatsgehalt im letzten Jahre während der Verkehrszeit etwa 1000 A betragen haben(viele haben also noch mehr verdient!). Allerdings darf man nicht übersehen, daß die Höhe der Prämien von den Leistungen der Piloten und der Länge der zurückgelegten Entfernungen abhäntzig ist; hinsichtlich der Bruchprämie spielen auch Glück und Zufall eine gewisse Rolle. Immerhin übertrifft das Jahreseinkommen des Verkehrspiloten das der meisten anderen Berufe ganz beträchtlich. Aber nicht allein diese materiellen Vorteile üben eine große Anziehungskraft aus. Der Beruf des Fliegers hat auch in ideeller Hinsicht für die begeisterungsfähigen Herzen der Jugend einen begeisterungsfähigen Reiz, gilt doch der Pilot auch heute noch als ein Held, der stets unverzagt den Kampf mit den Elementen aufnimmt der oft genug genug gezwungen ist, seine körperlichen und geistigen Kräfte auf das Aeußerste anzuspannen, manchmal sogar das Leben zu riskieren. Wenn auch die Gefahren des Fliegers inzwischen durch den Fortschritt der Technik abgeschwächt sind, so daß von einer ständigen Lebensgefahr nicht mehr die Rede sein kann, da die Konstruktionen der Maschinen und die Beschaffenheit der Motore im allgemeinen einen fast hundertprozentigen Grad der Zuverlässigkeit gewährleisten, so erfordert doch kaum ein zweiter Beruf einen so uneingeschränkten Einsatz der ganzen Persönlichkeit. Und deshalb ist der Nimbus, welcher den Flieger zu umgeben pflegt, auch nicht ungerechtfertigt. Ueber die Aussichten des Pilotenberufs hört man häufig widersprechende Urteile. Manche behaupten, bei der zunehmenden Ausdehnung des Weltluftverkehrs, welcher naturgemäß einen sehr zahlreichen Nachwuchs (und damit eine weniger sorgfältige Auslese) erfordere, müsse sowohl das Ansehen als auch das Einkommen der Piloten sinken; viele glauben, später würden die„Luftkutscher"— wie einst ein Spötter die Verkehrsflieger sehr mit Unrecht bezeichnete— mit Kraftwagen= und Lokomtivführern auf eine Stufe gestellt werden. Diese Voraussagen sind ohne Zweifel unzutreffend. Die Entwicklung des Luftverkehrs erfordert die Einstellung immer größerer Maschinen. Damit werden gleichzeitig die Anforderungen an den Führer in Rücksicht auf die Verantwortung für Menschenleben und Sachwerte wachsen. Schon jetzt müssen die Verkehrsflieger an Funkkursen, die Führer von Wassermaschinen auch an nautischen Lehrkursen teilnehmen. Flüge über Kontinent und Ozean werden auch fremdsprachliche Kenntnisse verlangen— kurz, man erkennt, daß die wachsenden An forderungen immer durch ein entsprechendes Gegengewicht an Einkommen und Ansehen aufgewogen werden müssen. Deshalb kann man den jungen Leuten, die sich dem Berufe des Verkehrspiloten zuwenden wollen, mit ruhigem Gewissen zuraten. Allerdings— viele sind be rufen, wenige aber auserwählt! Erwachsene! Beachtet die Verkehrsvorschriften und vermindert dadurch die Zahl der Opfer und die Kosten ihrer Unterhaltung ick in Wartet ab1 Geht nicht vor dem Wagen über den Fahrdamm dus dem Echro-Continentat) Handel» Wirfschaff: Börse Ein= und Ausfuhr im Fanuar. Die reine Wareneinfuhr im Januar zeigt gegenüber dem Vormonat eine Verminderung um 50 Millionen RM.; zurückgegangen sind: die Lebensmitteleinfuhr um 19, die Rohstoffeinfuhr um 27 und die Fertigwareneinfuhr um 3 Millionen RM. Bei der Ausfuhr sind nur unwesentliche Veränderungen festzustellen. Die Ausfuhr an Fertigwaren liegt im Januar um ein geringes(3 Millionen RM) über der Ausfuhr im Dezember. Im einzelnen ist folgendes zu berichten: Die Einfuhr an Lebensmitteln und Getränken zeigt im Januar gegenüber dem Vormonat einen leichten Rückgang(um 19,3 Millionen RM.). Zurückgegangen ist die Einfuhr an Reis, Obst, Weizen, Butter, Eiern und Südfrüchten. Gestiegen ist dagegen die Einfuhr an Kaffee(um 23,9 Millionen RM., was sich hauptsächlich durch die Terminabrechnungen mit den Zollämtern im Niederlageverkehr erklärt) und Schmalz. Die Einfuhr an Rohstoffen und halbfertigen Waren weist im Janwar gegenüber dem Vormonat eine Abnahme um 27 Millionen RM. auf. Die Fertigwareneinfuhr ist im Januar gegenüber dem Vormonat um 3,3 Millionen RM. zurückgegangen. Die Einfuhr an Garnen zeigt eine allgemeine(Abschwächung. Die Ausfuhr an Lebensmitteln und Getränken ist nahezu unverändert geblieben. Es betrug die Ausfuhr(hauptsächlich gegen Einfuhrschein) im Januar an Roggen 587 789 Dz., an Weizen 1094934 Dz. Die Ausfuhr an Rohstoffen und halbfertigen Waren weist gegenüber dem Vormonat eine Abschwächung um 3 Millionen RM. auf. Die Fertigwarenausfuhr zeigt gegenüber dem Vormonat eine Zunahme um 2,9 Millionen RM. Gegenüber dem Vormonat weisen Steigerungen auf: Textilfertigwaren um 7,9 Mill. RM., Walzwerkserzeugnisse und Eisenwaren um 1,9, Maschinen um 9,7 Milienen RM. Abschwächungen zeigen dagegen; Schuhzöerk, Sattler= und Lederwaren und Wasserfahrzeuge um 6,9 Millionen RM.). Die Einfuhr an Gold und Silber weist im Januar gegenüber dem Vormonat eine Zunahme um 19 Millionen RM., die Ausfuhr eine Zunahme um 2,4 Millionen RM. auf. Wolle und Wollwaren. Der Verkehr auf dem englischen Wollmarkt leidet unter dem Zwiespalt der Ansichten bezüglich der ferneren Preisgestaltung. Das Ergebnis der jüngsten Reihe der Londoner Kolonialwollversteigerungen bestärkte die Käufer in der Ansicht, daß sie es noch immer sind, die die Preise bestimmen, und daß, wenn die Wollzüchter ihrer Sache so gewiß wären, sie bei jener Gelegenheit weniger Nachgiebigkeit gezeigt hätten. Angesichts dessen, sowie der statistischen Lage und der keineswegs besonders großen Regsamkeit in der Webwarenindustrie erscheint es daher verblüffend, daß neuerdings aus Australien und Neuseeland reges Geschäft auf den dortigen Wollversteigerungen, sowie über ausnehmend feste Preise berichtet werden konnte. Der Londoner Markt ist nicht nur bereits reichlich mit Rohwolle versorgt, sondern fast jedes Schiff, das aus Australien eintrifft, bringt auch noch immer weitere größere oder kleinere Posten von dort direkt erstandener Ware. Die spekulative Neigung, deren Abwesenheit hier fortwährend beklagt wird, macht sich also in den Produktionsländern unter englischen und anderen Käufern geltend, was wesentlich dazu beiträgt, hier einen bis zu einem gewissen Grad unsicheren Ton zu schaffen. Die erneute Festigkeit der Merinowolle in Australien veranlaßte in Bradford eine Befestigung der Preise für Merinotops, ja einige Fabrikanten haben ihre Forderungen sogar erhöht, aber Spinner wie Weber äußern die Ansicht, daß die Nachfrage französischer und anderer Käufer für Merino in Australien nicht von Dauer sein wird, und daher auch nicht die englischen Toppreise beeinflussen sollte. Die Lage des englischen Garnmarktes ist keine günstige, und die Folge bildet zusehends dringender werdendes Angebot von Botany= und Kreuzzuchtgarnen zu Preisen, die in vielen Fällen keinen Nutzen lassen können. Es kommt das zum großen Teil daher, daß die deutsche Garnnachfrage auf ein Minimum zurückgegangen ist. Die einheimischen Gewebefabrikanten aber beschränken ihre Einkäufe wie gewöhnlich im fallenden Markt auf das äußerste und gehören fast durchgängig zu denen, die bald niedrigere Wollpreise und eine allgemeine Fabrikationsverbilligung erwarten. Ein Teil derselben scheint indes ganz leidlich beschäftigt zu sein. Aus dem fernen Osten sowie aus den Kolonien sollen befriedigende Aufträge einlaufen, aber auf vielen der übrigen Märkte, heißt es, mache Italien wie Deutschland den englischen Erzeugnissen geradezu vernichtende Konkurrenz. Die Top=Preise sind in Bradford etwa die folgenden: 64er 47—48 d., 56er 32 d., 50er 25½ d. und 40er 20½ d. Rundschau. Die amtliche Großhandelsindexziffer. )( Berlin, 25. Febr. Die auf den Stichtag des 24. Februar berechnete Großhandelsindexziffer des statistischen Reichsamts ist gegenüber dem Stande vom 17. Februar(118,2) um 0,5 Proz. auf 117,6 zurückgegangen. Gesunken sind die Preise für Gerste, Hafer, Zucker, Schweinefleisch, Speck, einige Textilrohstoffe, Baumwollhalbwaren und Zink, höher lagen die Preise für Weizen, Butter, Schmalz, Blei, Kupfer und Zinn. Von den Hauptgruppen haben die Agrarerzeugnisse von 112,3 auf 111,5 oder um 0,7 Proz., die Industriestoffe von 129,4 auf 129,0 oder um 0,3 Prozent nachgegeben. Die Senkung der Zinsen. Zwischen den Vertretern der Reichsregierung, der Reichsbank und der Privatbanken haben dieser Tage Besprechungen stattgefunden, die sich mit der Frage der Senkung der Zinsen, insbesondere der Bankzinsen und der Bankprovisionen beschäftigten. Inzwischen sind ja die Debetzinsen bereits auf 1 Prozent über Reichsbanksatz herabgesetzt worden. Wegen der weiteren Senkung der Zinsen und insbesondere der Herabsetzung der Sätze und Provisionen ist eine Regelung getroffen, die in Aussicht stellt, daß den regierungsseitig geäußer ten Wünschen alsbald entsprochen wird. Ist das der Fall, dann wird auch der Lombardsatz auf 1 Prozent über Reichsbankdiskont herabgesetzt. Keine Subventionen für den Ruhrbergbau. () Essen, 25. Febr. Wie die„Deutsche Bergwerksztg.“ berichtet, entspricht die Meldung, wonach der Ruhrbergbau im Interesse der Stärkung seiner Wettbewerbsfähigkeit gegenüber der englischen Kohle vom deutschen Reich Subventionen erbeten habe, nicht den Tatsachen. Der Bergbau lehnt vielmehr Subventionen nach englischem Muster strikte ab. In Frage komme nur die Gewährung eines ausreichenden Kredits, wobei aber nicht einmal an die Einräumung einer besonderen Bevorzugung hinsichtlich der Verzinsung gedacht ist. Ueber die Angelegenheit schweben im Augenblick zwischen dem Reich und den beteiligten Stellen des Ruhrbergbaues Verhandlungen. Dortmunder Getreidebörse. Dortmund, 25. Februar. Inl. Weizen 27, inl. Roggen 16,80—17,20, westfäl. Hafer 18, pommerscher Hafer 20,50—21, inl. Gerste 19,50 bis 20,50, ausl. Weizen 29—33, ausl. Roggen 20,75—23, ausl. Hafer 19—22, ausl. Gerste 16,50—17,50, Platamais 18,25—19,25, Cinquentinomais 22,50—23, Bäckermehl 36,50—37,50, Roggenmehl 28, Weizenkleie 10,50 bis 13,50. Tendenz: Der Markt verkehrte in abwartender Haltung. Die Preise sind Großhandelsverkaufspreise und verstehen sich für 100 Kg. waggonfrei Dortmund in Ladungen von 10 bis 15 Tonnen.— Rhein.=westf. geb. Roggen= und Weizenstroh 1,90—2,40 ab Verladestation; Wiesenheu wurde nicht notiert, Kleeheu, gut, gesund, trocken 5,50—6,00 ab westf. Station; rhein. oder Eifeler Luzerneheu, gut, gesund, trocken 5,70—6,20 franko hiesiger Station. Die Preise verstehen sich per Zentner. Amtl. Produktennotierungen in Berfin am 25. Februar 1926 (Für Getreide je 1090 kg, für die übrigen Artikel je 100 kg.) Chikago, 24. Febr. Weizen per Mai 167½, per Juli 145, per Sept. 138. Tendenz schwach. Mais per Mai 79½, per Juli 82¾, per Sept. 8378. Tendenz stetig. Hafer per Mai 415, per Juli 21¼, per Sept. 4278, Tendenz willig. Roggen per Mai 937, per Juli 95, per Sept. 94¼, Tendenz schwach. X Chikago, 25. Febr. Weizen per Mai 1657, per Juli 143%, per Sept. 1365, Tendenz: schwach. Mais per Mai 795, per Juli 82¾, per Sept. 84¼, Tendenz stetig, Hafer per Mai 415, per Juli 42¼, per Sept. 42¾, Tendenz: willig, Roggen per Mai 92¼, per Juli 93¼, per Sept. 92¼, Tendenz: schwach. Baumwolle. Bremen, 24. Febr. März 19,65 B., 19,45 G., Mai 19,73 B., 19,66 G., Juli 19,61 B., 19,54 G., Sept. 19,36 B., 19,26 G., Okt. 19,20 B., 19,11 G., Dez. 18,86 B., 18,83 G., Jan. 18,79 B., 18,72 G. + Bremen, 25. Febr. Baumwolle, per März 19,36, per Mai 19,48, 19,36, per Juli 19,31, 19,25, 19,29, per Sept. 19,15, 19,06, per Okt. 18,99, 18,96, 18,98, per Dez. 18,70, 18,61, per Jan. 18,67, 18,57. — Liverpool, 24. Febr. Loco Baumwollumsatz 7000 Ballen. Import 34 600 Ballen. Export 2000 Ballen. loco 10,43. März 9,96, April 9,87, Mai 9,88, Juni 9,83, Juli 9,79, August 9,68, Sept. 9,56, Oktober 9,49, Nov. 9,41, Dez. 9,41, Januar 9,41. Liverpool, 25. Febr. Loco Baumwollumsatz 7000 Ballen, Import 17600 Ballen, Export 5000 Ballen. Loco 10,38, Februar 9,83, März 9,81, April 9,73, Mai 9,73, Juni 9,68, Juli 9,64, August 9,52, September 9,42, Okt. 9,35, Nov. 9,27, Dezember 9,27, Jan. 9,27. Newyork, 24. Febr. März 19,83—1985, April 19,54—19,54, Mai 19,25—19,28, Juni 18,40—18,40, Aug. 18,31—18,31, Sept. 18,10—18,10, Okt. 17,99—18,00, Dez. 17,63—17,63, Jan. 17,58—17,58. Tendenz: k. st. Loco 20,35. Zufuhren nach dem Atlantic 19000, nach dem Inland 12000, nach Großbritannien 1000. Paris 3,65. Berlin 23,80. X Newyork, 25. Febr. Tendenz stetig. Loco 20,10, per März 19,57—19,58, per April 19,28—19,28, per 18,99—19,01, per Juni 18,44—18,46, per August 18,05— 18,05, per Sept. 17,96—17,96, per Okt. 17,85—17,86, per Dez. 17,48—17,49, per Jan. 17,48—17,49. Zufuhren nach dem Atlantic 19000, nach dem Inland 11000, nach Großbritannien 1000, nach dem Kontinente 7000. Paris 3,63, Berlin 23,80. Berliner Metallbörse. X Berlin, 25. Febr. Notierung der Vereinigung für die Deutsche Elektolytkupfer=Notiz: Elektrolytkupfer (wirebars), prompt cif Hamburg, Bremen oder Rotterdam(135,75) 135,50, Originalhüttenrohzink, Preis i. fr. Verk.(72,00—73,00) 72,00—73,00, Remelted=Plattenzink von handelsüblicher Beschaffenheit(66,00—67,00) 66,00—67,00, Originalhüttenaluminium 98/99 Prozent in Blöcken, Walz= od. Drahtbarren(235—240) 235—240, Hüttenzinn, mindestens 99 Proz.(240—250) 240—250, Reinnickel 98/99 Proz.(340—350) 340—350, AntimonRegulus(180—185) 180—185, Silber=Barren(ca. 900 fein)(91,50—92,50) 91,50—92,50. Kupfer: Febr. 119 G., 121 B., März 119 G., 120,25 B., April 120 G., 120,25 B., Mai 120,50 G., 120,75 B., Juni 121 G., 121,25 B., Juli 121,25 G., 122 B., August 121,75 G., 122,25 B., September 122,25 G., 123 B., Oktober 123 G., 123,50 B. Tendenz: schwach.— Blei: Febr. 68 bez., 67,50 G., 68,25 B., März 67,25 G., 67,50 B., April 67,50 bez., 67,25 G., 67,50 B., Mai 67,25 G., 67,75 B., Juni 67,50 G., 67,75 B., September 67,75 bez. Tendenz: ruhig. Berliner Börse. X Berlin, 25. Februar. Die Berliner Börse befindet sich gegenwärtig nach dem günstigen Verlauf des Januar=Geschäftes und der ersten Februarwoche in einer neuen Stagnationsperiode. Das Publikum verhält sich ebenso wie das Ausland außerordentlich reserviert. Insbesondere fehlt die Newyorker Spekulation dem hiesigen Markt, da sie mit den Kursbewegungen in ihrem eigenen Hause genügend zu tun hat. Die Newyorker Börse verzeichnet zur Zeit eine unsichere, teilweise schwächere Tendenz, die die dortige Spekulation sogar vielfach zu ZwangsDortmunder Anion=Brauerei. In der gestrigen Aufsichtsratssitzung der Dortmunder Union=Brauerei Aktien=Gesellschaft zu Dortmund wurde beschlossen, in der auf den 25. März 1926 anberaumten ordentlichen Generalversammlung für das abgelaufene Geschäftsjahr 1925 die Verteilung einer Dividende von 10 Prozent in Vorschlag zu bringen. Kalker Brauerei A.=G. vorm. Joseph Bardenheuer in Köln-Kalk. Die Generalversammlung setzte die Dividende auf 8 Prozent fest. National=Jürgens=Brauerei A.=G. in Braunschweig. Wie verlautet, wird der Generalversammlung die Verteilung einer Dividende von 7 Proz. auf das Kapital von 1,5 Mill. A wie im Vorjahr vorgeschlagen. Hofbrauhaus Hanau vorm. Nicolay A.=G. in Hanau. Die Generalversammlung der zum Arnhold=Konzern gehörenden Gesellschaft genehmigte 9 Proz. Dividende. Die Generalversammlung der zum gleichen Konzern gehörenden Bayrischen Aktienbierbrauerei Aschaffenburg genehmigte 12 Proz. Dividende und wählte neu in den Aufsichtsrat den Generalbevollmächtigten des Bankhauses S. Bleichröder in Berlin, Rechtsanwalt Hans Schlipphacke. Bergbrauerei Riesa A.=G. n Riesa a. E. Die Verwaltung beruft ihre Generalversammlung auf den 26. März ein. Wie verlautet, ist mit der Verteilung einer Dividende in Höhe von 10 Prozent zu rechnen. Zuckerraffinerie Schwengers Söhne in Uerdingen a. Rh. Ueber die Sanierung der Gesellschaft finden, wie die„Frkf. Ztg." erfährt, in diesen Tagen in Berlin Verhandlungen mit Bank= und Fachkreisen statt. Ein Rohzuckerkonzern soll sich interessieren. Kommerzienrat Bayerthal führt die Verhandlungen. Die Schwierigkeiten im Walter Kellner=Konzern. Zu dem Konkurs der Vereinigten Textilfabriken Mann u: Reinhardt A.=G. in Barmen hören wir, daß das Aktienkapital, das auf 660 000 A umgestellt, als völlig verloren angesehen werden muß und daß darüber hinaus noch weitere ansehnliche Verluste entstehen werden, so daß auch die Gläubiger mit einem stärkeren Verzicht auf ihre Forderungen werden rechnen müssen.— Auch bei den Lippischen Werken A.=G. in Detmold, die in Liquidation gehen, wird von dem auf 1 Mill. M umgestellten Aktienkapital nichts zu retten sein. Die Beziehungen dieser Gesellschaft zu dem Kellner=Konzern haben übrigens seit Monaten ganz aufgehört. Eine im Dezember beabsichtigte Kapitals=Erhöhung erwies sich als nicht durchführbar. Auch die weiteren Verhandlungen mit den Geldgebern verliefen negativ. Daraufhin hat der Aufsichtsrat beschlossen, der Hauptversammlung die Auflösung der Gesellschaft zu empfehlen, auch schon im Hinblick auf den Umstand, daß die Aufträge und damit die Beschäftigung fortgesetzt zurückgehen und daß in absehbarer Zeit eine Aenderung hierin nicht zu erwarten steht. Auch hier wird beabsichtigt, die ganze Fabrik oder Teile davon zu verkaufen. Kreuznacher Soolbäder A.=G. Bad Kreuznach. In einer am 10. März stattfindenden Generalversammlung wird über Schließung des Bades(Kurhaus, Palasthotel. Quellenhof, Badehaus, Kuranlagen, Kurtheater) Beschluß gefaßt werden. Vergleichsvorschlag der Bankfirma Karl Kiefer u. Co. in Hanau. Den Gläubigern der Firma ist folgender Vergleichsvorschlag unterbreitet worden: Die nicht bevorrechtigten Gläubiger erhalten auf ihre Forderungen unter Verzicht auf Zinsen 50 Proz., die in Raten, die letzte am 1. Februar 1927, gezahlt werden. Wenn der gesamte Grundbesitz in Hanau, der sehr wertvoll, zurzeit aber unverkäuflich ist, bis zum 1. Juli 1929 für mehr als insgesamt 180 000 A netto verkauft werden sollte, soll der Mehrerlös unter die Gläubiger verteilt werden, jedoch soll kein Gläubiger auf mehr als 10 Proz. seiner Forderung aus diesem Mehrerlös Anspruch haben. Zur Sicherung für die Ansprüche der Gläubiger soll auf dem Grundbesitz eine Grundschuld von 90 000 MN auf den Namen zweier Treuhänder eingetragen werden. Sollte der Vergleich nicht zustande kommen, so ist die Eröffnung des Konkursverfahrens unvermeidlich. Maschinenbau A.=G. G. D. Bracker Söhne in Hanau. Die unter Geschäftsaufsicht stehende Gesellschaft schlägt ihren Gläubigern 70 Proz. vor, und zwar 20 Proz. in bar, 50 Proz. in Obligationen, die nach und nach zurückgezahlt werden sollen. Mälzereiindustrie A.=G., Erfurt, Die Generalversammlung genehmigte den Abschluß aus dem Reingewinn von 191150 A sollen 12 Prozent Dividende verteilt werden. Dem Geschäftsbericht entnehmen wir, daß das Geschäftsjahr den äußersten Erwartungen entsprochen habe. Die dem Kreise der Gesellschaft nahestehenden Mälzereien waren im Berichtsjahr voll beschäftigt. Die mit diesen Mälzereien getätigten Geschäfte wurden glatt abgewickelt. Das begonnene neue Geschäftsjahr entwickelte sich in Anlehnung an die Mälzereien ebenfalls befriedigend. Audiwerke in Nachdem der Zwangsvergleich gerichtlich bestätigt worden ist, scheint der Fortbestand der Gesellschaft gesichert zu sein. Generaldirektor Baus hat sein Vorstandsamt niedergelegt. Mit der Führung desselben ist der Ingenieur Fritz Fikentscher(Zwickau) betraut worden. Am das internationale Schienensyndikat. Die Vollversammlung sämtlicher Schienenfabrikanten bezw. schienenerzeugender Länder wird, laut„Frkf. Ztg.", am 10. März in Paris stattfinden. Es soll dort über die Quoten und andere Fragen weiter verhandelt werden. Die Aussichten für eine Einigung sollen sich in der letzten Zeit gebessert haben. verkäufen nötigt. Infolgedessen darf das Ausbleiben der amerikanischen Käufe solange als gewiß angenommen werden, bis nicht die Situation der Newyorker Effektenbörse selbst eine Klärung erfahren hat. Troz der in Berlin sehr leichten Verfassung des Geldmarktes ist die hiesige Spekulation nicht in der Lage, eine Haussebewegung einige Zeit aus sich heraus durchzuhalten, denn bei der Geldflüssigkeit handelt es sich hauptsächlich um Tagesgeld, das zu Engagements für längere Zeit nicht geeignet ist. Außerdem finden aber auch hier stärkere freiwillige und unfreiwillige Glattstellungen statt. Erst gestern wurde eine seit 1760 bestehende angesehene Berliner Bankfirma nebst einer kleineren Maklerfirma von der Insolvenzkommission als Aufgabe gestrichen. Diese Gesamtsituation führte heute vormittag zu einer außerordentlichen Geschäftsstille, die ihrerseits wieder drückend auf die Stimmung wirkte. Von den Zwangsabgaben wurde anscheinend von allem der Montanaktienmarkt betroffen, dessen Kurse gegenüber der Vorbörse sehr matt lagen. der Lustlosigkeit war anfangs kein einziges Markt gebiet ausgenommen. Am Devisenmarkt trat eine sensationsartige Befestigung des Stockholmer Wechselkurses ein, der gegen London auf 18,12½ anzog. Gegenüber den stärkeren Befestigung der anderen nordischen Plätze war Stock holm in letzter Zeit sehr zurückgeblieben, was durch die heutige Bewegung korrigiert wurde. Amtlicher Kurs. Berlin, den 25. Februar 1926. Brief 25./2. 1.715 20.434 4.20 0.619 168.36 19.09 10.593 16.89 7.40 109.15 30.18 15.11 12.450 80.92 3.055 59.77 112.71 5.893 59.10 X( Essener Börse. Essen, den 25. Februar 1926 im heutigen Verkehr ermittelte Kurse, mitgeteilt vom Bankhaus Ohnesorge, Pasel Wolif& Co. Dortmund. in Billionen Mark bezw. Billionen Prozent, bei Aktien ohne Börsennotiz in Milliarden Prozent. Kohle Bellerhammer Bruckd. Nietleb. Glimmerode Gute Hoffnung Leonhardt Lucherbers Michel Oskarssegon Ostheim Vesta Zukunft Actien Bernhardshall Chrisune Elsa-Cemt. Mansfeld. Act Verschiedene 1000 750 2050 4800 2800 106 73.5 1150 4500 900 5200 500 5100 209 3200 110 75 Erze — Apfelbaumer 300 Bliesenbach— Flick— Henriette— Wolfram— Kall-Aktien 39 Adler, Stamm Deutsch. Kali Friedrichshall-N Hallesche Kali Hannov. Kali Heldburg. Vorz. Kali-Industrie Krügershall Niedersachsen Ronnenberg Salzdetfurth Sigmundshall Steinförde Teutonia Wittekind Bank* Landw 91 99 39 59 87. 82 27 42 1145 41 62 63 40 60 0. 64. Kali Nachfr. Alexandershall Alicenhall Asse Beienrode Bergmannssex. Bernsdorf Braunschw.-Lbe Burbach Burggraf Carlsfund Carlshall Desdemona Einigkeit Eliers Erichssegen Felsenfest Friedrichsroda Fürstenhall Gebra Glückauf b. S. Großh. W. Ernst Günthershall Habighorst Hansa Silberbg. Heiligenmühle Hiedwigsburg Heilgenroda Heimholdshaus. Heldrungen I Heldrungen II Herfa Heringen Hermann II Hildasglück Hindenburg Hohenfels Hope Hüpstedt Hugo Ilsenburg Immenrode Irmgard Johanneshall Kaiseroda Königshall Mariaglück Marie Marie Loulse Max Meimerhausen Neurode Neusollstedt Neustaßfurt Oberhof Ransbach Rastenberz Reichskrone Reichsland Reinhardsbrunn Richard Rössing-Barnten Rothenfelde Sachs.-Weimar Salzmünde Schwarzburz Siegfried I Siegfr.-Giesen Thüringen Volkenroda Walbeck Walter Wilhelmshall Wilhelmshall O. Winterhall Wintzingerode Nächste Börse in Düsseldorf am 26. Februar Verantwortlich für Handel und Wirtschaftspolitit. Dr jur. A. Henkel. Berliner Börse. Berlin, den 25. Februar 1926. Die Kurse lauten auf Prozente des Nennwertes in Reichsmark. *= Goldmark. Anzlo-Cont. Guano Annener Gußstahl Augsb. Nürnb. M. Bad Anilin u.Soda Palcke Maschinen Bamas Baroper Walzw Bemberz J. P. Berzmann Elektr Berl Karlsr Ind. Berl Maschinenb Bochumer Gußstal Braunk u. Brikett Buderus Eisen Busch Lüdensch Chem Griesheim Chem Ind Gelsk Daiml Motoren D. Lux Bergban D.Eisenb.-Signw Deutsche Erdöl D. Kaliwerke D. Maschiese