Dhauser Kreiszeitung Amtliches Kreisblatt für den Landkreis Ahaus— Zentral=Organ für das verbunden mit Eper Volksblatt, Gronauer Volkszeitung, Nienborg=Heeker Zeitung, erscheint täglich.— Bezugspreis Monatlich 2 Goldmark ohne Bestellung Schriftleitung und Geschäftsstelle in Ahaus. Lel.=Adresse Kreiszeitung Ahaus i. W.— Fernsprecher Nr 50- Postschließfach 20 Postscheckkonto Hannovor Nr. 22739 Bankkonten: Kreis= und Stadtsparkasse Ahaus und Gewerbebank Ahaus Wöchentliche Sonderbeilagen: Erholungsstunden für das christliche Volk, Westdeutschland in Wort und Bild, Lesefrüchte, Welt und Wissen, Literatur und Kunst. Frauenwelt, Steuer und Recht, Sozialpolitik u. Standesfragen, Technik und Verkehr, Turnen, Spiel und Sport. nordwestliche Münsterland Stadtlohner Anzeiger, Vredener Volksblatt nzelgenpreise: Das 30 mm breite mm 10 Goldpfennig. Bet Wiederholungen Raba nach festem Tartf. Reklamen: Das 80 mm breite mm 50 Goldpfennig Fur Erfullung von Platzvorschriften wird keine Gewähr, sowie für Druckfehler wird Haftung übernommen. Etwaiger Rabatt gilt als Kassarabatt und kann verweigek.t werden, wenn Zahlung nicht binnen 8 Tagen nach Erhalt der Rechnung erfolgt. Nummer 35 46. 4 Zentrum und Duellfrage. (Von unserer Berliner Redaktion.) X Berlin, 4. Febr.(Eig. Drahtb.) Die Duellunsitte scheint ein unausrottbares Uebel im deutschen Volk zu sein, wenigstens in denjenigen Teilen des Volkes, die sich zu den oberen Zehntausend rechnen und besondere Moralgesetze für sich in Anspruch nehmen. Das Reichsstrafgesetzbuch sieht bekanntlich für Herausforderung zum Zweikampf und Annahme einer solchen Herausforderung nur die Mindeststrafe der Festungshaft vor; d. h. Kavaliere, welche die Waffe ergreifen mit der besten Absicht, den Gegner zu töten, verlieren weiter nichts, als auf einige Monate die Freiheit, während ein im Jähzorn verübter Totschlag mit einer viel schwereren Strafe geahndet wird. Seit längerer Zeit beschäftigt sich der Reichstag mit der Duellfrage. Bei Beratung des Gesetzentwurfes über Militärgerichte und militärgerichtliche Verfahren wurde das Problem erneut akut und zwang die Parteien zu einer klaren Stellungnahme. Man muß es dem Zentrum als großes Verdienst anrechnen, daß es sowohl im Rechtsausschuß wie auch im Plenum des Reichstages seinen in den Grundsätzen des Christentums verankerten Standpunkt mit aller Entschiedenheit vertrat. Bei den in den letzten Tagen gepflogenen Erörterungen konnte man wiederholt die Beobachtung machen, daß katholische Abgeordnete der Deutschnationalen und der Deutschen Volkspartei die Entschlußkraft zu einer unzweideutigen Haltung nicht aufbrachten. Mehrmals kam es vor, daß deutschnationale Parlamentarier gegen die vom Zentrum gestellten Anträge stimmten. Am Mittwoch konnte man sogar das unerquickliche Schauspiel erleben, daß in der Vollversammlung des Reichstages der deutschnationale Abgeordnete Wolff, ein katholischer Geistlicher, beim Hammelsprung gegen die vom Zentrum vertretene Auffassung votierte. Derartige Vorkommnisse sind auf die Dauer nicht tragbar. Das Zentrum zog daher die einzig mögliche Konsequenz und ließ am Donnerstag durch den Abgeordneten Schulte=Breslau folgenden Antrag einbringen: „Der Reichstag wolle beschließen, die Reichsregierung zu ersuchen, alsbald einen Gesetzentwurf vorzulegen, durch den für alle im öffentlichen Leben stehende Personen die Herausforderung zum Zweikampf und die Annahme einer solchen Herausforderung als Grund der Entlassung bezw. fristloser Lösung des bestehenden Vertragsverhältnisses bestimmt wird." Das Zentrum beantragte namentliche Abstimmung und zwar, um in erster Linie die Drückeberger festzustellen, dann aber auch zur Nachprüfung der Gesinnungstüchtigkeit derjenigen katholischen Abgeordneten, die mit Rücksicht auf ihre deutschnationale oder deutschvolksparteiliche Fraktion ihre christlichen Grundsätze glauben verleugnen zu dürfen. Der Antrag selbst wurde mit 216 gegen 125 bei vier Stimmenthaltungen angenommen. Fast 150 Abgeordnete fehlten bei dieser prinzipiellen Entscheidung. Man wird einmal bei ihnen ansragen müssen, ob sie mehr Interesse haben für die Duell=Frage oder für ein gutes Mittagbrot in den Restaurationsräumen. Sobald am Freitag die Liste über die namentliche Abstimmung vorliegt, wird man sich ein Bild davon machen können, wie sich die deutschnationalen und volksparteilichen katholischen Abgeordneten verhalten haben. Mit der Annahme des Zentrumsantrages rückt die Duell=Frage in den Vordergrund des allgemeinen Interesses. Eine gewisse Richtung im Reichsparlament wollte nur die Offiziere der Reichswehr unter ein Sonderrecht stellen, nunmehr sollen aber alle im öffentlichen Dienste stehenden Personen von der gesetzlichen Regelung ergriffen werden. Es steht zu erwarten, daß in dem vom Zentrum geforderten Gesetzentwurf nicht nur die tatsächlich vorkommenden Fälle des Zweikampfes eine verschärfte disziplinarische Strafe erfahren, sondern daß auch eine weitergehende Regelung Platz greift. Auch die Zentrumsfraktion selbst wird ein offenes Auge haben müssen für allerhand Dinge, die sich in der Oeffentlichkeit abspielen. Ist es z. B. angängig, daß nach einem Bericht der „Voss. Ztg." ein Ministerialrat angeblich im Namen des Zentrums beim Commers bestimmungsfechlender Studentenkorporationen eine mehr oder weniger fulminante Rede hielt?! Eine Mensur ist zwar kein Duell; nach den von der päpstlichen Kurie erlassenen Kundgebungen kann aber ein Unterschied zwischen den beiden Arten des Waffenkampfes nicht gemacht werden. Wir begrüßen es daher nicht nur, daß die Zentrumsfraktion des Reichstages den sehr dankenswerten Antrag eingebracht hat, sondern erwarten Die Steuerzahlung Hohenzolleen. De Bis 1922 keine Steuern. :: Berlin, 4. Februar. Im Rechtsausschuß des Reichstages wurde die Besprechung der Anträge zur Fürstenabfindung fortgesetzt. Vor Eintritt in die Tagesordnung erklärte ein Ministerialdirektor vom Reichsfinanzministerium zu einer früheren Anfrage des Abg. Rosenfeld, zu einem Vorwärtsartikel über die Steuerzahlung der Hohenzollern, daß die Hohenzollernsche Hofkammer bisher die Steuern bezahlt habe. Die Hofkammer habe die Auskunft erteilt, daß sie zum ersten Male 1922 eine Steueraufforderung erhalten habe. Für 1922 steht die Steuerzahlung wegen der Beschlagnahmeauseinandersetzung noch aus. Für 1922 werden voraussichtlich 30000 Goldmark nachzuzahlen sein. Für 1923 seien zu verschiedenen Terminen 26602 Billionen Papiermark, für 1924 670 116 Goldmark, für 1925 898 000 Goldmark an Reichssteuern gezahlt. Für 1920 und 1921 sei nach der zweiten Steuernotverordnung eine Veranlagung und Zahlung nicht erforderlich. Abg. Dr. Rosenfeld(Soz.) bemerkt dazu, daraus gehe hervor, daß bis 1922 keine Steuern gezahlt worden seien. Vorsitzender Abg. Dr. Kahl(D. Vp.) weist darauf hin, daß der demokratische Gesetzentwurf mit Rücksicht auf den Kompromißantrag zurückgezogen sei. Die Sozialdemokraten und das Kompromiß. In der Fortsetzung der Generaldebatte nimmt zunächst Abg. Dr. Rosenfeld(Soz.) das Wort. Die Fülle des dem Ausschuß vorgetragenen Materials habe gezeigt, daß einmal das Eigentum der Fürsten vielfach recht zweifelhaften Charakters sei und daß auch andere Ansprüche der Fürsten in rechtmerkwürdiger Weisebegründea würden. Ebenso wie im Falle Everling sei charakteristisch für die Vertreter der Fürsten die Tatsache, daß zur Zeit der ersten Verhandlungen des Rechtsausschusses der Herzog von Koburg den bekannten Antirepublikaner Kapitänleutnant Ehrhardt empfing und daß bald darauf derselbe Ehrhardt im Reichstagsgebäude mit deutschnationalen Abgeordneten verhandelte. Bei der Prüfung des Privateigentums der Fürsten müsse untersucht werden, ob fürstliches Eigentum in einer Weise erworben sei, die mit den heutigen Anschauungen und Moralnicht vereinbar ist. Der Redner geht dann auf das Hohenzollernsche Privateigentum ein und sucht nachzuweisen, daß auch die von den Hohenzollern als Privateigentum bezeichneten Herrschaften, zu dem nach dem preußischen Landrecht als Staatseigentum geltende Domänen gehörten, die eigenmachtig von den Hohenzollern durch Kabinettsordre oder Scheinkäufe zum Hauseigentum gemacht wurden. Auch die ohne jeden Druck und Zwang zustande gekommenen Abfindungsgesetze werden jetzt, wie in Schwarzburg=Sondershausen, Schwarzburg=Rudolstadt, Altenburg angefochten, teilweise mit Erfolg. Aufwertungsanspruche von 100—1400 Proz. werden gestellt und zum Teil bewilligt, während den armen Inflationsopfern das Letzte genommen worden ist. Selbst rechtsstehende Landesregierungen erklären, daß der jetzige Zustand unhaltbar ist und daß eine reichsrechtliche Regelung unbedingt erfolgen muß. Der Kompromißantrag hat uns sehr enttäuscht. Wir werden auch an diesem Gesetz mitarbeiten und es zu verbessern suchen. Eine befriedigende Lösung kann aber nur unser Antrag auf entschädigungslose Enteignung bringen. Die weitere Aussprache wird dann auf Dienstag nächster Woche vertagt. des Reichsrates dankte Staatssekretär Weismann für diese Worte des Ministers und erklärte, daß der Reichsrat seinerseits diesem Vertrauen entgegenbringe und ihm wünsche, daß seine Amtstätigkeit möglichst lange dauern möge. Angenommen wurde das Arbeitsgerichtsgesetz. Zur Regelung aller Streitigkeiten, die sich aus dem Lohn= und Angestelltenverhältnis zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern entwickeln, sollen danach künftig unter Beseitigung der bisher bestehenden Sondergerichte allgemein eingerichtet werden Arbeitsgerichte für den Bezirk je eines Landgerichtes. Ferner als zweite Instanz für die Länder je ein Landesarbeitsgericht und als oberste Instanz ein Reichsarbeitsgericht. Die Zuständigkeit der Arbeitsgerichte erstreckt sich auf alle Arbeitnehmer auch bei Einkommen über 5000 M und auch auf Streitigkeiten aus Tarifverträgen. Wenn der Streit von besonderer grundsätzlicher Bedeutung ist, soll eine Berufung künftig auch zulässig sein, wenn es sich um einen Wert von weniger als 300 A handelt. Jeder Mehraufwand, der den Ländern erwächst, soll vom Reich getragen werden. In der ersten Instanz sind Rechtsanwälte als Vertreter ausgeschlossen, dagegen wird beim Landesarbeitsgericht und beim Reichsarbeitsgericht der Rechtsanwaltszwang eingeführt. Bayern und Württemberg stimmten nach Ablehnung einiger bayrischer Abänderungsanträge gegen die Vorlage. Ferner genehmigte der Reichsrat entsprechend den Bestimmungen des Gesetzes über den vorläufigen Finanzausgleich die von der Regierung vorgelegten Verordnungen, die die Feststellungen einer Finanzstatistik der Länder und Gemeinden betreffen. Das Gesetz hat bekanntlich die Aufstellung dieser Statistik zur Vorbedingung für eine weitere gesetzliche Regelung gemacht, die vom 1. April 1927 eb dahin getroffen werden soll, daß dann Länder und Gemeinden ein Zuschlagsrecht zur Einkommen= und Körperschaftssteuer erhalten. Die Einigungsbestrebungen der Liberalen Vereinigung Die„Kölnische Zeitung" befaßt sich in einem längeren Artikel mit den hier bereits besprochenen Bestrebungen der Liberalen Vereinigung, die Deutsche Volkspartei und die Demokratische Partei zu einer liberalen Partei zusammenzuführen. Sie stellt dabei fest, daß die bei der gesellschaftlichen Veranstaltung gehaltenen Reden in der Presse der beteiligten Parteien nur ein ziemlich geringes und auf einen skeptischen Ton abgestimmtes Echo gefunden haben. Die gleiche Skepsis ist aber auch für den Artikel des Blattes selbst charakteristisch, der in folgenden Sätzen ausklingt: „Es wird kaum Optimisten geben, die für absehbare Zeit an eine Einigung des Liberalismus glauben. Immerhin bleibt sie ein Ziel, das ehrlicher und harter Arbeit wert ist. Es wäre schon ein Erfolg der Bemühungen der Liberalen Vereinigung, wenn im nächsten Zeit aus der Vereinigung der Laufe der nächsten Zeit aus der Vereinigung der im auch, daß es die Parteiangehörigen, welche Hans Dampf Liberalismus bestehenden persönlichen Verstimmungen in allen Makkau kaiu mallau unb sich dahat aumatsau atmas eine Arbeitsgemeinschaft der liberalen Gruppe entstünde, vielleicht etwas enger, als sie schon früher in allen Gassen sein wollen und sich dabei zuweilen etwas vergaloppieren, in die von den Parteigrundsätzen gezogenen Schranken zurückverweist. Der Reichsrat. X Berlin, 4. Februar. Die öffentliche Vollsitzung des Reichsrates vom Donnerstag wurde von dem neuen Minister des Innern Kulz geleitet, der in einer kurzen Ansprache ertlarte, daß sein Hauptbestreben ein verständnisund vertrauensvolles Zusammenarbeiten zwischen Reich und Ländern sein werde. Namens zwischen den bürgerlichen Mittelparteien bestand, und wenn aus dieser Arbeitsgemeinschaft sich nach und nach eine Fraktionsgemeinschaft entwickeln würde Bis dahin wird man sich aber über die endgültige Frontstellung des Liberalismus einigen müssen. Die Frontstellung wird ebenso für die Nachfahren Benniasens wie für die Erben Eugen Richters gegen den Sozialismus gerichtet sein müssen, während das sozialistische Gift, das Naumann seinerzeit in einen Teil des Liberalismus eingeträufelt hat, in einem rein sachlichen Parlamentkampf mit den Vertretern des Sozialismus wieder varalysiert werden muß. Der Sozialismus als Massenprinzip und Träger, des internationalen Klassenkampfs ist der Feind jedes Persönlich keits= und Au die Erkenntnis seiner Gefa promißarbeit in Tagesfragen manchmal vergessen wlee, Allgemeingut geworden ist, von allen Parteien, die auf dem Boden der individualistischen Weltanschauung stehen, bekämpft werden. Es wird die Lebensfrage für Konservatismus und Liberalismus sein, wer in diesem Kampf die Führung übernimmt und behält. Versagte in Deutschland infolge seiner Uneinigkeit der Liberalismus ebenso wie in England, so würde er ebenso wie dort zwischen Konservatismus und Sozialismus zerrieben werden." Diese Ausführungen eines maßgeblichen volksparteilichen Blattes lassen erkennen, daß noch viel Wasser den Rhein hinunterfließen wird, ehe die Demokraten und Volksparteiler unter einen Hut gebracht werden. Wenn auch heute die beiden Parteien zusammen in einer Regierung sitzen und nicht mehr die eine der Regierung, in der die andere sitzt, Opposition macht, so ist doch der Linksdrall bei den Demokraten viel zu stark, als daß diese Erben Eugen Richters sich dazu bereit finden würden, der Deutschen Volkspartei zuliebe eine programmatische Frontstellung gegen den Sozialismus einzunehmen. Das große Fragezeichen, das Ne „Köln. Ztg." hinter die Einigung der Liberalen setzt, dürfte nur zu berechtigt sein. organisierte deutschnationale Hetze Wir haben dieser Tage schon Gelegenheit nehmen müssen, die„Kreuzztg." für ihre niedrigen Angriffe gegen den Reichsjustizminister und Minister für die besetzten Gebiete Dr. Marx zur Ordnung zu Durch das Wolff'sche Telegraphenbüro sind die lächerlichen Ungereimtheiten und die würdelosen Unterstellungen der„Kreuzzeitung" bereits mit allem Nachdruck zurückgewiesen worden. Trotzdem läßt sich die „Kreuzzeitung" zu der Wiederholung der Angriffe herbei, die sie mit so oberflächlichem und gewissenlosem Material ausstattet, das an sich die Vorwürfe einer Zurückweisung gar nicht bedürfte. Wir haben auch nicht die Absicht, im jetzigen Augenblick auf das wirre Zeug, das da behauptet wird, und mit dem sich seit Jahr und Tag schon die deutschnationale Presse füttern läßt, einzugehen. Aber notwendig ist es, die organisierte deutschnationale Pressehetze wieder einmal an den Pranger zu stellen. Sie setzt jedesmal dann ein, wenn ein Zentrumsmann in eine führende Position kommt oder wenn er gar Minister wird. Wir haben das immer wieder erlebt, wir sehen es jetzt an dem ungeheuerlichen Kampf, der gegen den Reichsernährungsminister Haslinde durch die deutschnationale Presse geführt wird und gegen den selbst zur Sabotage der Beamtenschaft des Ministeriums aufgerufen wird. Und wir sehen es insbesondere in der Pressehetze gegenüber dem Reichskanzler a. D. Dr. Marx, der nun einmal den Deutschnationalen ein Dorn im Auge ist. Wir wiederholen unsere schon jüngst abgegebene Erklärung, daß wir mit allem Nachdruck gegen diese Treibereien und Hetzereien uns zur Wehr setzen. Wir lassen uns das ganz einfach nicht mehr gefallen. Die gegen Marx erhobenen Vorwürfe sind absolut nichtig. Sie haben im Präsidentschaftswahlkampf schon eine ausgiebige Rolle gespielt, aber bei allen verständigen Menschen haben sie nicht im geringsten verfangen können. Es wird der deutschnationalen Presse nicht gelingen, die rheinische Bevölkerung gegen Marx aufzubringen. Ganz im Gegenteil wird diese Bevölkerung, die in Marx den besten und geeignetesten Vertreter ihrer Interessen sieht, nur noch umso enger mit ihm sich verbunden fühlen. Wir stellen weiter fest, daß auf Verlangen von Marx selber bei den ersten Presseangriffen der„Kreuzzeitung“ eine eingehende Untersuchung im Vorstand der Reichstagsfraktion angestellt worden ist, bei der sich die völlige Haltlosigkeit der Behauptungen der„Kreuzzeitung“ ergab. Die Reichstagsfraktion hatte damals einmütig eine Kundgebung beschlossen, in welcher die gegen Marx erhobenen Presseangriffe auf das schärfste zurückgewiesen und Marr das volle und uneingeschränkte Vertrauen ausgesprochen wurde. Die deutschnationale Presse wird mit ihren Angriffen nur erreichen, daß Fraktion und Partei, wie die gesamte Wählerschaft des Zentrums, nur noch um so fester und geschlossener sich hinter Marx stellen. Der Mandatsverzicht des Fehrn. von Richthofen. Der Vorsitzende des Schlesischen Landbundes, Freiherr v. Richthofen ist, wie wir gemeldet haben, aus der Deutschnationalen Reichstagsfraktion ausgeschieden und hat darauf auch sein Mandat niedergelegt. Die deutschnationale Presse geht über diese sie doch nahe angehende Tatsache mit seltsamer Diskretion hinweg. Sie will offensichtlich so tun, als ob es sich hier um eine nebensächliche, persönliche Angelegenheit handele. Es ist aber bekannt, daß es durchaus ernste politische Gründe sind, die Frhrn. v. Richthofen zu seinem Schritt veranlaßt haben. Er hat bei der Abstimmung über das vom Kabinett Luther geforderte Vertrauensvotum im Reichstag gefehlt. Er hat ziemlich ostentativ gefehlt, Berlin vor der Abstimmung verlassen und so deutlich wie irgendmöglich zu verstehen gegeben, daß er mit der Haltung der deutschnationalen Fraktion und der Agitationspolitik nicht einverstanden sei. Dazu wird aus Kreisen des Schlesischen Landbundes erklärt, Richthofen stehe auf dem Standpunkt, daß die Wirtschaftsentwicklung in Deutschland notwendig auf das Ziel einer europäischen Zollunion oder doch zum mindesten auf den Ausgleich der bestehenden handelspolitischen Gegensätze hin gehen müsse. Diese Auffassung, die in Landbundkreisen von allen Einsichtigen geteilt wird, hat sich in der letzten Zeit praktisch dahin ausgewirkt, daß eine erhebliche Anzahl von Landbundmitgliedern, besonders des schlesischen Adels, aus der Deutschnationalen Partei ausgetreten ist. Es sollen, wie die„Breslauer Neuesten Nachrichten" zu berichten wissen, sogar sehr ernsthafte Erwägungen innerhalb des Schlesischen Landbundes schweben, bei nächster Gelegenheit unabhängig von der Deutschnationalen Partei eigene Listen für die Volksvertretung aufzustellen. Die Bedeutung des Landbundes für die Deutschnationalen in Schlesien geht schon daraus hervor, daß Richthofen Spitzenkandidat der Deutschnationalen in Niederschlesien war. Von den vier deutschnationalen Abgeordneten Niederschlesiens waren zwei, Richthofen und Huelfer, Kandidaten des Landbundes. Auch Huelfer hat bei der Abstimmung über das Kabinett im Reichstag gefehlt. Als Nachfolger Richthofens tritt der Staatsanwaltschaftsrat Dr. Walter Schaeffer=Schweidnitz in den Reichstag ein. Die Annahme des Sperrgesetzes zur Fürstenabfindung. Deutscher Reichstag. Berlin, 4. Febr. Vor Eintritt in die Tagesordnung verlangt Abg. Rädel(K.) die sofortige Beratung der Anträge auf Erhöhung der Erwerbslosenunterstützung und beantragt, der Regierung die Mißbilligung des Reichstages wegen ihrer Verschleppungstaktik auszusprechen. Abg. Hoch(Soz.) verweist auf eine Erklärung des Innenministers im Haushaltausschuß, daß die Regierungsvorlage schon morgen oder übermorgen dem Reichstage vorgelegt werden soll. Der sofortigen Beratung des kommunistischen Antrages wird widersprochen. Auf der Tagesordnung steht die zweite Lesung des vom Rechtsausschuß eingebrachten Sperrgesetzes, durch das alle Auseinandersetzungsprozesse mit den Fürstenhäusern bis zur reichsgesetzlichen Regelung der Abfindungsfrage ausgesetzt werden sollen. Nach dem Antrage des Ausschusses soll das Gesetz mit dem 30. Juni d. J. wieder außerkrafttreten. Der Ausschußberichterstatter Abg. Dr. Pfleger (Bayr. Vp.) stellt als Meinung des Ausschusses fest, daß das Gesetz auch die vor Schiedsgerichten schwebenden Streitigkeiten trifft und daß auch die Seitenlinien der Fürstenhäuser unter das Gesetz fallen. Das Sperrgesetz wird dann ohne Debatte in zweiter und dritter Beratung in der Ausschußfassung gegen die Stimmen der Deutschnationalen und Völkischen angenommen. Präsident Löbe stellt fest, daß die Annahme mit der zu Verfassungsänderungen erforderlichen Meyrheit erfolgt ist. Es folgt die zweite Beratung des Gesetzentwurfs über Militärgerichte und militärgerichtliches Verfahren. Der Ausschuß hat der Regierungsvorlage mit geringfügigen redaktionellen Aenderungen zugestimmt. Die Vorlage wird in zweiter und dritter Beratung gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und Kommunisten unverändert angenommen. Zu dem gestern angenommenen Militärstrafrecht wird in namentlicher Abstimmung mit 216 gegen 125 Stimmen bei 4 Enthaltungen eine Zentrumsentschließung angenommen, in der um einen Gesetzentwurf ersucht wird, wonach für alle im öffentlichen Dienst stehenden Personen die Herausforderung zum Zweikampf oder die Annahme der Herausforderuna als Grund der in un llen ic te 1a 11 3 eid n Entlassung oder fristlosen Lösung des Vertragsverhältnisses gelten soll. Ein von den Sozialdemokraten eingebrachter Gesetzentwurf im Sinne dieser Zentrumsentschließung wird ohne Debatte dem Rechtsausschuß überwiesen. Um ¾ 3 Uhr vertagt sich das Haus auf Freitag 2 Uhr. Tagesordnung: Verschiedene Anträge der Steuergesetze. Die Vertogung der Eingemeindungsfragen. Preußischer Landtag. + Berlin, 4. Febr. Die nochmalige Beschlußfassung über das Gesetz zur Aenderung des Gesetzes über die Bestellung von Mitgliedern des Reichsrats durch die Provinzialverwaltungen, die durch den Einspruch des preußischen Staatsrats notwendig gevorden war, setzte das Haus auf demokratischen Antrag von der Tagesordnung ab. Dann verlangte Abg. Pieck(Komm.) von der Regierung Auskunft über die Fememorde mit Rücksicht auf die angebliche Unterstützung der Urheber durch die Staatsauwaltschaft. Präsident Bartels erklärt, daß es geschäftsordnungsmäßig unmöglich sei, eine große Anfrage sofort auf die Tagesordnung zu setzen.(Großer Lärm bei den Kommunisten). Abg. Pieck(Komm.) wandelt nunmehr die große Anfrage in einen Urantrag um. Da aber Abg. LangeWindhof(Dnatl.) der sofortigen Beratung dieses Anrages widerspricht, kann ihm nicht stattgegeben verden.(Erneuter großer Lärm bei den Kommunisten). Das Haus setzt dann die Beratung der Städteordnung fort. Abg. Geßler(Dem.) verweist darauf, daß der Noment, eine neue Städteordnung einzubringen, jetzt sehr ungunstig sei. In weiten Kreisen der Bevöllerung beständen über die Notwendigkeit einer Neuordnung der Gemeindestatuten Meinungsverschiedenheiten Seine Fraktion werde sich die Stellung zu der Vorlage noch vorbehalten. Abg. Müller=Franken(Wirtschaftl. Ver.) erklärt, bezüglich des Wahlkörpers sei seiner Partei das Zweikammersystem lieber. Die Weiterberatung wird dann durch Abstimmungen unterbrochen. In namentlicher Abstimmung wird mit 186 gegen 137 bei drei Enthaltungen beschlossen, die Strafverfolgung des Aba. Kellermann(Komm.) wegen Gotteslästerung zu erteilen.(Lebhafte Kundgebungen links und Rufe nach rechts: Pfaffengesindel! Fememörder! usw.) Gegen die Genehmigung der Strafverfolgung stimmten Kommunisten, Sozialdemokraten und Demokraten. Der Strafverfolgung des Ab bei dem imperialistischen und dieser Nation freilich nicht Wenn sich jemand vor einer unangenehmen Sache drücken will, so entwickelt er meistens ein fabelhaftes Taauf Aenderung lent, um die wahren Gründe seines schlechten Wollens zu verschleiern. Das gilt nicht zuletzt auch von dem Problem der Abrüstung. Während man Deutschland einfach gezwungen hat, sich völlig wehrlos zu machen, sträuben sich andere Mächte mit Händen und Füßen dagegen, jene Bestimmung des Versailler Vertrages einzuhalten, wonach auch die übrigen Staaten dem Beispiel Deutschlands zu folgen hätten. Der größte Widerstand gegen die Selbstentwaffnung geht von Frankreich aus, was militaristischen Charakter weiter verwunderlich ist. Selbstverständlich aber ist Frankreich um Vorwände nicht verlegen, um seine Abneigung gegen die eigene Abrüstung zu bemänteln. Dieses Versteckspiel wird allerdings schon allmählich in der ganzen Welt durchschaut. Namentlich auch in Amerika scheint man sich nicht mehr bluffen zu lassen, sondern einzusehen, daß an der Verschleppung der Genfer Abrüstungskonferenz Frankreich die Hauptverantwortung trägt. Natürlich suchen sich die Franzosen von diesem nur zu begründeten Verdacht rein zu waschen und greifen dabei zu dem lächerlichsten Vorwand. So behauptete z. B. der „Matin" u. a., die Abrüstungskonferenz sei so lang verfrüht, bis nicht Deutschland um seine Aufnahme in den Völkerbund nachgesucht habe. wegen Beleidigung der Ki Lademann(Kom.) irche wird gegen die Linke zugestimmt. Aba. Danicke(Völk.), der hierauf in der fortgesetzten Debatte über die Städteordnung zum Wort kommt, wird durch die anhaltende Erregung der Linken über den Ausgang der Abstimmungen fortgesetzt unterbrochen. Der Redner betont daß seine Partei für die Magistratsverfassung eintrete. Abg. Brecour(Soz.) meint, aus der Debatte habe sich ergeben, daß kaum eine Partei mit der Vorlage zur Städteordnung ganz einverstanden sei. Den schlimmsten Eingriff in die Selbstverwaltung erblickt der Redner in den Bestimmungen der Vorlage für die wirtschaftliche Betätigung der Gemeinden. Damit schließt die allgemeine Aussprache. Die Abstimmungen über die angefochtenen Paragraphen sollen Montag oder Dienstag erfolgen. In der Einzelberatung begründen die Abg. Maretzki(Dntl.) und von Eynern(D. Vpt.) Aenderungsanträge zum§ 4 der Vorlage, der die Eingemeindungsfragen betrifft und für Grenzänderungen ein Gesetz, für Verschwinden oder Neuentstehen einer Gemeinde einen Beschluß des Staatsministeriums und für alle übrigen Eingemeindungsvorgänge einen Beschluß der Beschlußbehörde verlangt. Ministerialdirektor Mulert lehnt für die Regierung die Aenderungsanträge ab, erklärt sich aber für einen Aenderungsantrag der Sozialdemokraten, den Abg. Haas begründet, und der nicht jede kleine Grenzänderung durch Gesetz festlegen will. Die Entscheidung über diesen Paragraphen fällt erst am Montag oder Dienstag. In der weiteren Aussprache fordert Abg. v. Eynern(D. Vpt.), daß bei Eingemeindungen ein Beschwerderecht wegen Nichterfüllung des Beschlusses gegeben werde. Abg. Leie(Soz.) verlangt, daß das Recht der Benennung von Straßen und Plätzen durch Gemeindebeschluß ausgeübt werden kann und daß diese Bestimmung auch für die Stadt Berlin gelten soll, damit nicht mehr das Staatsministerium in dieser Frage mitzusprechen habe. Hiergegen erheben die Abg. v. Eynern(D. Vpt.) und Dr. Maretzki(Dntl.) Einspruch. Letzterer will insbesondere nicht die Einbeziehung von Berlin und verlangt, daß dem Staat auf jeden Fall eine Mitwirlung gesichert werde. Beim Paragraphen 17 vertagt der Landtag die weitere Einzelberatung auf Freitag 12 Uhr. Außerdem kleine Vorlagen und Anträge. Schluß nach 5 Uhr. Dr. Brauns über die sozialpolitische Gesetzgebung. Berlin, 4. Febr. Im Haushaltsausschuß des Reichstages wurde ein Zentrumsantrag angenommen, wonach die Regierung zur Verbilligung der Verwaltung an Beamten und Beamtenanwärtern bis zu zwei Prozent einstellen und im Ueberschreitungsfall dem Ausschuß Mitteilung machen soll. Ein Regierungsvertreter gab eine Erklärung ab, daß die Regierung vor Masseneinstellungen den Haushaltsausschuß befragen werde. Annahme fand noch ein von sozialdemokratischer und deutschnationaler Seite eingebrachter Antrag, wonach die zweiten freigewordenen und besetzbaren Stellen der Besoldungsgrupven 1—12 mit geeigneten, insbesondere vorgemerkten Wartestandsbeamten zu besetzen sind. Der Aufstieg eines Beamten in eine andere Besoldungsgruppe sowie die Neueinstellung eines planmäßigen Beamten soll nicht zulässig sein, solange ein Beamter derselben Laufbahn vorhanden ist, der für seine Person die Bezüge der Gruppe, in die der Aufstieg oder die Neueinstellung erfolgen soll, oder der die Bezüge einer noch höheren Gruppe erhält, obwohl seine Planstelle in einer niedrigeren Gruppe aufgebracht ist. Reichsarbeitsminister Dr. Brauns gab einen kurzen Ueberblick über die Arbeiten des Amtes auf dem Gebiete der sozialpolitischen Gesetzgebung im Jahre 1925. Dieses Jahr habe die Wiederherstellung der Rentenversicherung für invalide Angestellte und Unfallverletzte gebracht. Eine ausführliche Denkschrift auf Grund des Rechnungsergebnisses des Jahres 1924 gebe über die Kosten der Sozialversicherung im Vergleich mit der Vorkriegszeit Auskunft. Das Arbeitsgerichtsgesetz stehe unmittelbar vor dem Abschluß im Reichsrat. Sehr schwierig und umfangreich seien die Arbeiten für das neue Arbeiterschutzgesetz und das dies erganzende Bergarbeitergesetz gewesen. Der wichtigste Teil des Arbeiterschutzgesetzes sei die Regelung der Arbeitszeit, die den Erfordernissen des Washingtoner Abkommens angepaßt sei. Die schwerste Aufgabe für das Ministerium sei zur Zeit die Arbeitslosenfürsorae. Der Minister gab einen Ueberblick über die letzte Neuregelung der Erwerbslosenfürkarae. Die Beihilfen aus Reichs= und Landesmitteln Rotstandsarbeiten seien beträchtlich erhöht Demgegenüber braucht nur daran erinnert zu werden daß der Völkerbundsrat schon in der nächsten Woche zusammentreten will, wenn das Aufnahmegesuch Deutschlands bereits nächster Tage abgeht. Aus der Schnellig keit, mit der hier gehandelt werden kann, läßt sich ersehen, daß bei gutem Willen aller Mächte, insbesondere Frankreichs, die Abrüstungskonferenz unmittelbar nach Absendung des deutschen Aufnahmegesuches zusammentreten könnte. Aber man braucht kein Prophet zu sein, um schon heute voraussagen zu können, daß die Franzosen auch dann noch die allgemeine und besonders die eigene Abrüstung mit allen Mitteln und auch mit den schäbigsten Ausreden zu sabotieren suchen werden, wenn Deutschland längst Mitglied des Völkerbundes ist. Wo ein schlechter Wille ist da gibt es auch immer einen faulen Vorwand. Es fragt sich nur, wie lange sich die Welt die französische Unfriedenspolitik noch gefallen läßt. * Der Eintritt Deutschlands in den Völkerbund. * Berlin, 4. Febr. Das Kabinett wird sich mit dem Eintritt Deutschlands in den Völkerbund erst dann be schäftigen, wenn die Ministerpräsidenten der Länder diese Frage auf ihrer Konferenz am Sonnabend erörtert haben. Ein genauer Zeitpunkt für diese Kabinettssitzung steht noch nicht fest. und die Bedingungen für Darlehen wesentlich erleichtert worden. Der neue Entwurf einer Arbeitslosenversicherung sei dem Reichswirtschaftsrat und dem Reichsrat vorgelegt worden. Die Novelle zur Kriegsbeschädigten= und Kriegsbinterbliebenenfürsorge vom Juli 1925 habe eine einmalige Mehrausgabe von 50 Millionen Mark und laufende Mehraufwendungen von 150 Millionen Mark für die Kriegsbeschädigten gebracht. Zum Schluß seiner Darlegungen sprach der Minister die Bitte aus, man möge das unwahre Schlagwort vom Abbau der Sozialpolitik durch die Reichsregierung oder das Reichsarbeitsministerium endgültig aufgeben, da die Tatsachen das Gegenteil bewiesen. Die Schuld daran treffe nicht die Sozialpolitik. Wirtschaftskrisen könne man nur auf wirtschaftlichem Wege überwinden. rasther Parlamentsarbeit. (Von unserer Berliner Redaktion.) + Berlin, 4. Febr. Die Reichstagsabgeordneten haben es mitunter nicht leicht. Zur Zeit müssen sie z. B. im Schweiße ihres Angesichts darüber beraten, ob es zweckmäßig ist, die Plenarsitzungen am Samstag und Montag ausfallen zu lassen und noch längere Pausen einzuschieben. Der Aeltestenrat des Reichstages beschäftigt sich am Freitag eingehend mit dieser schwierigen Frage. Unseres Erachtens sollte weniger der nebensächliche Gesichtspunkt der Ruhetage als vielmehr das schwerwiegende Problem der raschen und gründlichen Erledigung des Arbeitspensums erörtert werden. Immer wieder wird geredet und geschrieben vom Sparen im Reichshaushalt. Wie soll aber ein Sparsystem Platz greifen, wenn kein Mensch weiß, wie der Etat überhaupt aussieht! Die einzelnen Ministerien ersticken fast unter der Last der eingegangenen Anträge und Interpellationen, welche erledigt werden sollen. Es wäre daher einfach an der Zeit, im Reichstag, sowohl in den Ausschüssen wie in der Vollversammlung, etwas mehr Selbstbeherrschung zu üben und überflüssige Reden zu vermeiden, damit bis Juni der ganze vorliegende Stoff durchberaten ist. Die Ministerien können dann die Sommermonate zur Verwirklichung aller Anregungen benutzen. Läuft jedoch die Parlamentsmühle so leer wie bisher weiter, dann wird nicht nur das Volk allmählich eine solche Komödie satt, sondern wird es auch eines Tages erleben, daß der Geschäftsgang der Ministerien lahmgelegt wird. Auf allen Seiten werden warnende Stimmen laut. Hoffentlich sind die Ohren der Abgeordneten für diese Klänge nicht taub. Die Beschränkungen der Luftfahrt. ( London, 4. Februar. Der diplomatische Berichterstatter des„Daily Telegraph" berichtet von einem wesentlichen Fortschritt in den Erörterungen, die in den letzten Monaten zwischen den alliierten und den deutschen Sachverständigen über die Milderung der augenblicklichen Beschränkungen der deutschen Luftfahrt stattgefunden haben. Deutschland habe seine Bereitschaft zum Ausdruck gebracht, dem Reichstag eine neue Luftfahrtgesetzgebung zu unterbreiten, die die drei Punkte einschließlich bezüglich deren die Alliierten entschlossen seien, ihre bestehende Verbote aufrecht zu erhalten, nämlich Verbot aller Flugzeuge über eine gewisse Pferdestärke hinaus, Verbot von Kampfeindeckern und Verbot der Fliegerausbildung von Mitgliedern der Reichswehr. Wie wir von unterrichteter Seite hierzu erfahren, gibt diese Meldung kein zutreffendes Bild von dem gegenwärtigen Stand der Verhandlungen über die nach gegenseitiger Vereinbarung erst nach dem Abschluß berichtet werden soll. Der Auswärtige Ausschuß über die Luftfahrtbestimmungen. X Berlin, 4. Febr. Im Auswärtigen Ausschuß des Reichstages wurde die Frage des Luftverkehrs behandelt. Nach längerer Aussprache wurde folgende Entschließung mit allen gegen eine Stimme angenommen: Der Auswärtige Ausschuß hat die Mitteilungen des Reichsverkehrsministers zur Kenntnis genommen und sprach den Wunsch aus, daß bei den Pariser Verhandlungen die über die Bestimmungen des Versailler Vertrages hinausgeyenden Beschränkungen der deutschen Luftfahrt beseitigt werden. Die Gunst der geographischen Lage ebenso wie die für uns sprechenden Bestimmungen des Völkerrechts gehen uns die Möglichkeit, sowohl für die wirtschaftliche als auch für die staatliche und wissenschaftliche Luftfahrt völlige Freiheit zu erlangen. Der Auswärtige Ausschuß ersucht die Regierung, die Verhandlungen in diesem Sinne zu führen. Es folgte eine umfangreiche Diskussion über das Minderheitenrecht und die damit zusammenhängenden Schiedsgerichtsverträge, wobei es jedoch zu Beschlüssen des Ausschusses nicht kam. Der Tarifkonflikt bei der Reichsbohn. + Berlin, 4. Febr. Heute vormittag fanden in der Hauptverhandlung der Deutschen Reichsbahngesellschaft erneute Verhandlungen statt, in denen die Reichsbahn ohne Anerkennung des Schiedsspruches die Ortslohnzuschläge in denjenigen Orten erhöhen will, wo die Bezüge der Eisenbahnarbeiter unter denen der vergleichbaren Industriegruppen liegen. Da die Tariforganisationen der Eisenbahner auf dem Standpunkt stehen, daß der Schiedsspruch die Grundlage für die Verhandlungen bieten müßte, wird die Hauptverwaltung der Reichsbahn gegebenenfalls von sich aus freiwillig die Ortslohnzuschläge in einigen Orten heraufsetzen. Von der deutschen Reichsbahngesellschaft erfahren wir: Der Schiedsspruch vom 29. Dezember 1925 enthielt neben der Auflage der allgemeinen Lohnerhöhung für die deutsche Reichsbahngesellschaft die Verpflichtung, Lohnunterschiede wesentlicher Art gegen die Privatindustrie zugunsten der Reichsbahnarbeiter örtlich auszugleichen. Zu diesem Ausgleich hat sich die deutsche Reichsbahngesellschaft von jeher bereit erklärt. Sie hat auch an dieser Bereitwilligkeit festgehalten, obwohl sie den Schiedsspruch als ganzes nicht durchführen konnte und zur Anrufung des Reichsbahngerichts gezwungen war. In der Besprechung, die über den örtlichen Ausgleich mit den Tarifgewerkschaften stattfand, verlangten diese, daß der Nachprüfung der Ortslohnzulagen die im Schiedsspruch festgelegten Tariflöhne zugrundegelegt werden sollten. Die deutsche Reichsbahngesellschaft konnte dagegen vor Anstrengung des schwebenden Rechtsstreites folgerichtig als Verhandlungsgrundlage nur die jetzt geltenden Löhne anerkennen. Sie mutet aber dabei den Gewerkschaften keineswegs einen Verzicht auf ihren Rechtsstandpunkt zu. Obwohl somit rechtlich einwandfreie Grundlagen für die Vereinbarung der Ortslohnzulagen mit den Tarifgewerkschaften gegeben waren, haben diese an ihrer Auffassung festgehalten. Um unter dieser mehr oder weniger noch rein theoretischen Meinungsverschiedenheit die Arbeiter, denen örtliche Lohnerhöhungen zuteil werden sollen, nicht leiden zu lassen, wird die deutsche Reichsbahngesellschaft nunmehr von sich aus die Nachprüfung vornehmen und die danach notwendigen Maßnahmen schleunigst anordnen. Deutsches Reich. Seipel in Berlin. A Berlin, 3. Febr. Der ehemalige Bundeskanzler Dr. Seipel traf Mittwoch abend in Berlin ein. Den offiziellen Grund seiner Reise bildet ein Vortrag, den er auf Einladung des Hilfswerks für die katholischen Studenten über die kulturellen Ausgaben der Kirche halten soll. Dieser Vortrag findet Donnerstag abend statt. Daran wird sich ein Bierabend anschließen, den Reichsjustizminister Marx, der Führer der Zentrumspartei, zu Ehren Seipels im Reichsjustizministerium veranstaltet. Dr. Seipel wird in Berlin vom Reichspräsidenten von Hindenburg, vom Reichskanzler und vom Reichsaußenminister empfangen werden. Donnerstag gibt der österreichische Gesandte, Dr. Frank, Freitag Reichsaußenminister Dr. Stresemann zu Ehren Dr. Seipels ein Frühstück. Ungarn. Angriffe der ungarischen Opposition in der Fälschungsangelegenheit. A Budapest, 3. Febr. In der Nationalversammlung erklärte Abg. Peyer(Soz.), die Regierung dürfe nicht einer Angelegenheit spieden Untersuchungskommissar in ei len, über deren Vorbereitun hatte. Die Opposition könne es nicht wortlos hinnehmen, daß die Anklageschrift vom Gesichtspunkt der politischen Beziehungen der Affäre einen der Wahrheit nicht entsprechenden Tatbestand der Oeffentlichkeit unterbreitet.(Großer Lärm.) Die Anklageschrift behauptet: Der Brief des Ministerpräsidenten an Baron Perenyi enthalte folgenden Passus: „Die Regierung wird alle solche Manipulationen auf das Schärfste verfolgen." Das ist unwahr. Die Anklageschrift behauptet, Baron Perenyi hätte dem Ministerpräsidenten eine beruhigende Antwort gegeben, auch das entspricht nicht der Wahrheit.(Großer Lärm.) Unwahr ist auch die Behauptung der Anklageschrift, daß es keine Beweise gibt, welche die Behauptungen der Beschuldigten umstoßen würden, als ob sie von einem nicht näher zu bezeichnenden patriotischen Zweck geleitet worden seien. Die Regierung, deren Oberbeamte stark kompromittiert sind, mögen ihren Platz verlassen. Belgien. Vertrauensvotum für das belgische Kabinett. + Brüssel, 4. Febr. Die Kammer hat heute die Aussprache über die Interpellation zum Rücktritt des Ministers für nationale Verteidigung zum Abschluß gebracht und mit 105 gegen 50 Stimmen bei zwei Enthaltungen eine Tagesordnung angenommen, die der Regierung das Vertrauen der Kammer ausspricht. Frankreich. Die deutsche Presse in Paris. Paris, 4. Febr. Zur Frage der Zulassung deutscher Journalisten zur Pressetribüne der Kammer, die noch immer nicht genügend geregelt ist, ersuchte vor einigen Wochen der deutsche Botschafter in einem Schreiben an Briand, Schritte zu tun, damit die deutschen Zeitungsvertreter im selben Ausmaß Plätze zugewiesen erhalten, wie die englischen und amerikanischen Kollegen. Gegenwärtig haben bloß sechs deutsche Journalisten Sitzplätze. In dem Antwortschreiben wird in sehr höflichen Worten das Bedauern darüber ausgesprochen, daß Briand in dieser Sache nichts tun könne. Newyork, 4. Durchführung der Gebiet der Vereinig perenz=Gesellschaft Italien. Eine Krise im Faszismus. London, 4. Febr. Wie der„Star“ berichtet, ist zwischen Mussolini und seinem Hauptmitarbeiter Farinacci ein scharfer Gegensatz entstanden der die gesamte faszistische Partei in Italien zu sprengen droht. Farinacci ist der Generalsekretär der Partei und Führer der extremen Richtung. Aus privater Quellaus Italien wird berichtet, daß seine Entlassung vom Posten des Generalsekretärs demnächst bevor stehe und daß dieser Schritt auf eine Ausmerzung der radikalen Faszisten hinausliefe. Amerika. Für Milderung der amerikanischen Antialkoholgesetzgebung. Febr. Nach einer Beobachtung der Antialkoholgesetzgebung im ganzen ten Staaten teilte nunmehr die Temder Episkopal=Kirche, die für die Annahme der Antialkoholgesetzgebung gewirkt hatte, mit, sie würde jetzt für eine Milderung dieser Gesetzgebung eintreten und den Verkauf leichter Weine und Biere befürworten. Der Vorsitzende dieser Gesellschaft, die Geistliche und Laien der protestantischen Episkopalkirche umfaßt, erklärte: Der Werbefeldzug zu Gunsten einer Milderung der strengen Antialkoholbestimmungen würde erfolgen, um die jungen Leute der Nation vor dem heimlichen Alkoholgenuß zu bewahren Der Staatsstreichversuch in Portugal. FLissabon, 4. Febr. Zwei Führer der Aufstandsbewegung befinden sich als Gefangene an Bord eines Kriegsschiffes. In ganz Portugal herrscht vollkommene Ruhe. Der versuchte Staatsstreich wird in allen Kreisen mißbilligt. Der militärische Leiter der Verschwörung erklärt, die Bewegung habe nur die Bildung einer nationalen Regierung zur Revision der Verfassung beabsichtigt.— Nach der„Chicago Tribune“ wurde der schnell niedergeschlagene Aufstandversuch in Portugal von dem Oberst Esteves und einer Gruppe Radikaler ausgeführt. In Lissabon herrschte bereits am Mittwoch wieder Ruhe. Während des Aufstandes wurden 20 Personen durch Schüsse verletzt und mehrere Häuser durch Granaten der Aufständigen beschädigt. Außer Esteves und den übrigen festgenommenen Führern des Aufstandes sind 120 Gefangene gemacht worden. * Die portugiesische Gesandtschaft in Berlin teilt folgendes offiziöse Telegramm aus Lissabon mit: Einige bekannte politische Agitatoren, die von einem Milizoffizier begleitet waren, benutzten die Abwesenheit des Kommandanten sowie der Offiziere einer Truppenabteilung in Vendas Novas, das etwa 80 Kilometer östlich von Lissabon liegt, um in die dortige Artilleriekaserne einzudringen. Sie verwundeten den diensttuenden Offizier, ließen sich dann von zwei unvollständigen Batterien und 150 Soldaten begleiten, um egenüber von Lissabon am anderen Ufer es Tejo Stellung zu neymen. Nachdem die Aufständischen einige Granaten abgefeuert hatten, wurden sie schnell von Truppen überwunden, welche auf dem Südufer des Tejo ausgeschifft waren. Die Ordnung in Lissabon und in dem übrigen Teil des Landes ist vollständig wieder hergestellt. Eine schreckliche Bluttat. Kettwig, 4. Februar. Im benachbarten Hasselbeck wurde heute morgen auf dem Gute Kleinvogelbusch die Frau des Landwirts ellwitt von dem 20jährigen Knecht Alfred Tiefenthal in dem Augenblick, als sie eine Kuh melken wollte, mit einem Misthaken auf den Kopf geschlagen, sodaß sie bewußtlos zusammenbrach. Der Bursche hat dann ein vier Jahre altes Töchterchen der Frau, dessen Mann in Essen geschäftlich zu tun hatte, ermordet. Man fand das Kind in einem Wasserbassin im Keller tot vor. Der 13 Jahre alte Sohn wurde durch Schläge auf den Kopf schwer verletzt. Der Mörder, der seit einem Jahr auf dem Gut beschäftigt ist, flüchtete nach der Tat, deren Beweggrund noch rätselhaft ist. Die Frau wurde mit lebensgefährlichen Verletzungen ins Krankenhaus geschafft. Der Täter hat sich heute abend der Polizei freiwillig gestellt. Er gibt die Tat in allen Einzelheiten zu, ist aber nicht in der Lage, einen Grund für dieselbe anzugeben. Es hat nur ein kleiner Wort wechsel zwischen ihm und der Frau darüber stattgefunden, daß er unnötig elektrisches Licht verbraucht hatte. Darüber ist er in Zorn geraten und er chlug auf die Frau ein, die sich zum Melken niedergesetzt hatte. Er zeigte bei seiner Vernehmung große Reue, u. es wurde ihm erst da klar, was er angerichtet hatte. Es wird ihm im allgemeinen ein gutes Zeugnis ausgestellt Neues aus aller Welt. Todesurteil für einen Kindesmörder. )!( Aachen, 4. Febr. Wegen Kindesmordes hatte sich vor dem Schwurgericht der Elektrotechniker Joses Jansen aus Rath bei Erkelenz zu verantworten. Er war angeklagt, am 17. November vorigen Jahres seinen außerehelichen dreieinhalb Monate alten Sohn vorsätzlich und mit Ueberlegung getötet zu haben. Das Kind war in einem Aachener Säuglingsheim untergebracht. Dort holte es Jansen an dem betreffenden Tage ab, angeblich, um es zu Verwandten in Dortmund zu bringen. Er hat aber nach seinem eigenen Geständnis an dem gleichen Tage das Kind in der Nähe des Haupthnhofes in Aachen erwürgt, die kleine Leiche in einem Paket mitgenommen und bei Erkelenz in den Weiher geworfen. Aus den Zeugenvernehmungen ging hervor, daß er mit der Absicht nach Aachen gefahren sei, das Kind zu ermorden. Das Gericht verurteilte ihn, dem Antrag des Staatsanwaltes gemäß, zum Tode. Erdbeben. + Plauen(Vogtland), 4. Febr. Vom hiesigen Seismographen wurden gestern vormittag mehrere leichte Erderschütterungen verzeichnet. Die erste wurde 8,15 Uhr aufgezeichnet, sie dauerte 3 Minuten, eine weitere von 2 Minuten Dauer folgte 9,14 Uhr, die dritte um 10,53 Uhr war von kürzerer Dauer. Der Ausschlag war gering, nur etwa ein Millimeter. Der Ausgangspunkt der Erschütterung scheint in geringer Entfernung zu liegen. Dampferunglück bei Vlissingen. — Amsterdam, 3. Febr. Nach Meldungen aus Vlisingen wurde der Dampfer Winbrel auf der Schelde vor Vlissingen von einem britischen Dampfer angefahren. Die Winbrel sank in kurzer Zeit. Die Besatzung und der belgische Lotse wurden gerettet. Ford lernt sowjetrussische Arbeiter an. + London, 4. Febr. Aus Moskau wird gemeldet, daß die Sowjetregierung 100 Arbeiter zur Ausbildung als Techniker nach Amerika schickt, da die Fordwerke sich bereit erklärt haben, die Ausbildung unentgeltlich zu übernehmen. Schneestürme in den Vereinigten Staaten. + Newyork, 4. Febr. In Newyork und dem übrigen Osten der Vereinigten Staaten wüten Schnee türme. An der Küste von Newjersey sanken zwei 0a.f.nnn 4 10 Zun Freisbrach des Freiherrn von Senden. Schwere Beschuldigungen. Zu den im Fememordprozeß Freigesprochenen gehört bekanntlich der Oberleutnant Frhr. v. Senden. Da die Verhandlung unter Ausschluß der Oeffentlichkeit stattgefunden hat, ist es schwer zu sagen, warum er, der in den vorangegangenen Presseveröffentlichungen schwer belastet wurde, freigesprochen worden ist. Und auch jetzt nach dem Prozeß werden in der Oeffentlichkeit neue Anklagen gegen ihn erhoben, die den Freispruch eigenartig beleuchten. Ein Mitarbeiter der„B. Z.“ hat die Frau des zu Tode verurteilten Polizeiwachtmeisters Stein aufgesucht, die dadurch aufgefallen war, daß sie am Schluß des Fememordprozesses im Gerichtssaal erschien, ihre Vernehmung verlangte und ihrem Mann zuredete, doch alles auszusagen, was er wisse. Von dieser Frau veröffentlicht die„B. Z.“ jetzt folgende aufsehenerregende Mitteilungen: „Mein Mann ist ein leichtbeeinflußter Charakter, der als alter Soldat nur gewohnt war, auf die Befehle seiner Vorgesetzten zu hören. In der Zeit vom 1. April bis zum 1. Oktober war er im Lager Elsgrund bei Döberitz in der Abteilung des Freiherrn von Senden stationiert. Ich habe meinen Mann dort des öfteren besucht und mich von jeher über das dunkele Treiben gewundert. Ich kenne meinen Mann seit drei Jahren, aber er hat niemals ein Wort über das Verbrechen an Panier gesprochen. Erst als er verhaftet wurde, habe ich von der grauenhaften Tat erfahren. Jammernd hat mir mein Mann gestanden:„Was hätte ich tun sollen? Wenn sch ihn nicht ermordet hätte, wäre ich selbst an der Reihe gewesen.“ Auch nach seiner Verhaftung hatte mein Mann, der niemals an ein Todesurteil glauben mochte, geäußert, er fürchte sich, aus dem Gefängnis herauszukommen, weil seine Komplizen genau wüßten, daß er bei seiner Verhaftung alles erzählt und unter anderem auch den Fememord Wills berichtet hatte. Als ich von den furchtbaren Geschehnissen gehört hatte, habe ich nichts unterlassen, um meinen Mann zu retten. Ich habe an den Reichspräsidenten v. Hindenburg geschrieben, von dem ich aber eine ablehnende Antwort erhielt, ebenso an das Justizministerium. Immer verzweifelter wurde ich. Eines Tages erschien in meiner Wohnung der Vorsteher der Schreibstube des Regiments von Senden, Goebel, der mit meinem Mann bekannt war, und den ich bewirtete. Ererzählte mir, daß, wenn er sprechen wolle, alles an den Tag käme. Dieselben Aeußerungen hat Goebel auch zu Frau Schütz, der Schwester des zum Tode verurteilten Oberfeldwebels Schirrmann gemacht. Goebel war in letzter Zeit immer mehr heruntergekommen und war schließlich Reisender des freigesprochenen Feldwebels Mäder geworden, der eine Bijouteriefabrik unterhielt. Mäder bewohnte eine kleine Stube, in der sich ein Feldbett befand. Nach Aufrollung des Fememordes Panier durch die Polizei ist Freiherr von Senden, der sich damals verlobt hatte, Tag für Tag in der Behausung Mäders erschienen, um mit ihm über die Lage zu beraten". Je näher der Tag der Verhandlung heranrückte um so unruhiger wurde ich, zumal es für mich seit der Aussage Goebels feststand, daß der wahre Täter Freiherr v. Senden sei. Am Tage der Verhandlung erschien ich morgens beim Staatsanwalt, der mich fraare— das kann ich beschwören mit allen Eiden—„warum ich Freiherrn v. Senden eigentlich belasten wolle“.„Ein Vorteil für Ihren Mann kommt dabei nicht heraus. Was wollen Sie überhaupt aussagen?" Ich sagte, daß ich gegen Freiherrn v. Senden und Mäder aussagen wolle. Ich erzählte ihm in kurzen Worten mündlich, was ich vor Gericht vertreten wolle. Der Staatsanwalt gab zur Antwort, ich solle das schriftlich aufsetzen. Ich erwiderte ihm, daß ich infolge der Aufregung nicht mehr in der Lage sei, die Feder zu führen. Jetzt verwies mich der Staatsanwalt an den Rechtsanwalt Redkowski. Auch dieser Rechtsanwalt warnte mich dringend vor irgendwelchen Schritten, bis ich ihm sagte, dann wolle ich die Sache meines Mannes selbst vertreten. Auch Rechtsanwalt Redkowski stellte sich auf den Standpunkt, daß es nicht gut, sogar unzweckmäßig sei, den Freiherrn von senden zu belasten. Diese Mitteilungen enthalten die schwerste Anklage gegen das Gericht und die Staatsanwaltschaft. Entsprechen sie der Wahrheit, so liegt die Frage nahe, welches Interesse bestand, den Frhrn. von Senden nicht belasten zu lassen und warum das Gericht und die Staatsanwaltschaft den Angaben der Frau Stein nicht nachgegangen sind. X Berlin, 4. Jan. Der Verteidiger des im Fememordprozeß zum Tode verurteilten Feldwebels Stein, Rechtsanwalt Rettkowski, veröffentlicht in der„B. Z.“ unter Hinweis auf die obigen Auslassungen der Ehefrau Stein eine längere Erklarung, in der es u. a. heißt: Frau Stein habe ihn ersucht, zu beantragen, daß sie unter allen Umständen als Zeugin vernommen werden sollte. Er habe pflichtgemäß sofort mit seinem Klienten Stein Rücksprache genommen. Dieser habe ihm jedoch erklärt, daß er unter keinen Umständen die Vernehmung seiner Frau wünsche. Trotzdem habe er, um seiner Pflicht als Verteidiger zu genügen, den offiziellen Antrag einer Zeugenvernehmung der Frau Stein gestellt. Sie sei dann auch als Zeugin vernommen worden. Ueber ihre Aussage zu sprechen, verbiete die allen Beteiligten auferlegte Schweigepflicht. Rechtsanwalt Rettkowski stellt dann ein Mißverständnis richtig, indem er betont, er habe sowohl zu seinem Klienten als auch der Ehefrau Stein gesagt, daß es ihm ganz gleichgültig sei, wer belastet würde, daß er nur das Interesse seines Klienten vertrete und sich mit allen Mitteln ohne Rücksicht auf die Person des anderen Angeklagten für ihn einsetzen würde. Feldwebel Stein habe ihm übrigens bis zum Schluß sein felsenfestes Vertrauen ausgedrückt. * Die Fölle Wilms, Sand und Legener. Ueber die Vorgeschichte des Fememordes an dem Schützen Pannier erhält das„Berl. Tageblatt" noch folgende Mitteilungen, die wir dringend der behördlichen Nachprüfung empfehlen: Der Schütze Pannier, der der Kompagnie Benn, der ersten Kompagnie des schwarzen ReichswehrBataillons Senden angehörte, war in Verdacht gekommen, ein Verräter zu sein und in seiner Kompagnie gestohlen zu haben. Auf der Schreibstube des Bataillons hat zwei Tage vor der Tal Oberstleutnant v. Senden den Kompagnieführer des Pannier, Leutnant Benn, zu sich befohlen und ihm den Auftrag erteilt, handfeste Leute zu bestellen, die den Pannier unschädlich machen sollten. Darauf hat Benn den Feldwebel Stein und die Schützen Aschenpamp und Schirrmann auf die Bataillonsschreibstube befohlen. Während der Unterredung, die hier gepflogen wurde, war der Bataillonsfeldwebei Stetzelberg anwesend. Senden befahl für den Abend dieses Tages eine Nachtubung, während der Schirrmann, Aschenkamp und Stein verschwanden. Schirrmann begab sich nach Döberitz, wo er den Schützen Pannier aus der Arrestzelle abholte. Aschenkamp und Stein hielten sich verborgen, um am nächsten Morgen nach dem Wäldchen zu gehen, wo sie die Tat ausführten. Zwei Tage später wurde Oberleutnant v. Senden von einem seiner Untergebenen auf der Schreibstube gefragt, wo Pannier sei. Der Untergebene hatte die Rapporte zu führen und mußte jeden Zugang und Abgang vom Bataillon dem Wehrkreiskommando III melden. Senden gab zur Antwort:„Ach was, der ist weg. Schreiben Sie einfach, daß er nach Spandau versetzt worden ist." Damit war die Angelegenheit erledigt. Hieraus geht hervor, daß nicht nur Stetzelberg, sondern auch der freigesprochene Oberleutnant Senden von der Tatgenaue Kenntnis gehabt. Der freigesprochene Oberleutnant v. Senden ist ferner an dem Fememord an dem Oberfeldwebel Wilms wesentlich beteiligt. Wilms kam aus Spandau, wo er in der dortigen Zitadelle die Bekleidungskammer verwaltete. Er wurde Feldwebel bei der dritten Kompagnie des Bataillons v. Senden. Wilms wußte, daß das Bataillon v. Senden der Schwarzen Reichswehr angehörte, was v. Senden seinen Unteroffizieren und Mannschaften stets verheimlichte. Er hielt sie in dem Glauben, daß sie reguläre Reichswehr seien. Wilms versuchte, eine Sicherung unter den Unteroffizieren zu schaffen, indem er eine ständige Vereinigung gründete. Er berief deshalb eine Versammlung aller Unteroffiziere in das Kasino, an der auch alle teilnahmen, bis auf den Feldwebel Lichka(der im Schweriner Fememordprozeß zum Tode verurteilt worden ist). Dieser erklärte, daß er die Teilnahme an der Versammlung nicht mit seinem Gewissen vereinbaren könne. Zur schönen Königin. Roman von Käte Lindner. Copyright by Alfred Bechthold, Braunschweig. 11(Nachdruck verboten.) Von drüben flüsterte es. Alle Tränen waren aufgelöst in leisem Jubel: „Der Meine, der Rechte, ist mir schon begegnet Inge. Aber das Leben ist unbarmherzig, und er hat mich noch nicht gefragt:„Willst du dein Herz mir schenken?" Und darum weiß ich noch nicht, ob er mich lieb hat, wie ich ihn.—— Das würde mir Kräfte geben zum Kampf, wenn ich das genau wüßte. Er ist arm und stolz, das ist wohl der Grund, daß er mich noch nicht gefragt hat. Denn er findet mich nicht häßlich wie Mama, und meine Fähigkeiten interessieren ihn. Vor Papas Geld hat er nicht den geringsten Respekt. Und deshalb wohl imponiert er mir so sehr, ganz anders, als der mit dem Glatzkopf und dem altadeligen Namen.“ „Wie sieht er aus?“ erkundigte sich Inge interessiert. „Er ist nicht schön, Gott sei Dank nicht, wir passen sehr gut zusammen. Vielmehr ist er von einer interessanten Häßlichkeit, aber die Frauen sehen ihm oft nach. Er hat solch eine stolze Sicherheit, geht so unbekümmert und zielbewußt durchs Leben, als wüßt' er genau: Aus mir wird noch einmal was. Nur abwarten, meine lieben Leute, abwarten. Er ist ein Künstler, Inge, ein Maler... Gott, wenn ich freilich an Mama denke, an ihre Art alles abzutun, was ihr nicht paßt, und an seinen Stolz, dann freilich vergeht mir alles Hoffen...“" „O, das ist furchtbar interessant," kam es von dem anderen Bett herüber.„Ein Maler.— Ein...“ Und dann schon schlaftrunken:„Wundervoll ist doch das Leben, Liane. So voller Geheimnisse, voller Wunder .. Glückszuversicht muß man im Herzen tragen, dann kommt es wohl auch zu uns, das Glück..." Der Mond lächelte. Er fiel voll auf ein schlafendes Mädchengesicht, auf halbgeöffnete, rote Lippen, die eben so zuversichtlich das alte Menschheitsmärlein vom Glück erzählt hatten... Und der Mond lächelte. ** Ein Segelboot glitt träge über hüpfende, schaumgetrönte Wellen. Und die Wellen nahmen es auf ihre Arme und wiegten und schaukelten das Boot. Der Wind tam und blies mit vollen Backen in das Segel hinein, sodaß es flatternd um sich schlug. Und ein lachender Sommerhimmel küßte weit draußen die kleinen, hüpfenden Wellen, ehe sie weiterrollten. Grace Hiorns saß neben dem Bootsmann, und gab kurze, sachverständige Anweisungen. Ein weißer Sweater umschloß knapp ihre elastische Gestalt und verlieh ihr vollends durch die weiße Mütze, die sie trug, ein sportsmäßiges Aussehen. In der Mitte und auf der anderen Seite saßen Liane und Ingeborg. Sie trugen bunte, seidene Jacken über ihren weißen Sommerkleidern und gaben ein farbensrohes Bild. Soeben dirigierte Grace das Boot nach einer anderen Richtung, und kommandierte, daß der alte Bootsmann unwillig den Kopf schüttelte: „Eck segge mann bloß, dets geit nech. Dets dommer Snack...“ Aber Graces scharfe Augen starrten vlötzlich auf einen hellen Punkt, den sie auf der Mol= nach Kampen zu entdeckt hatte. „Wir halten nach der Mole zu," sagte sie, und ließ das Segel herunterfallen. Ganz entgeistert sah der Alte auf die weißen, kräftigen Hände.„Dats den Teibel," sagte er und spuckte den Priem im weiten Bogen über das Wasser. Aber er wagte keine Gegenrede mehr und griff nach dem Ruder. Der weiße Punkt auf der Mole wurde größer. Grace legte die Hände an den Mund und ein langgezogener Ruf schallte über das Wasser. Wie ein Echo kam's zurück. Und der Doktor Rudolf Linnemann, der auf der Mole saß und seine Beine über den Rand schlenkerte, sprang plötzlich auf und winkte mit beiden Händen. „Good morning, Mister Linnemann“, rief Grace zu. „Wollen Sie mit sein von unserer Partie? Wo ist Ihr Freund, der Doktor?" „Er gräbt vermutlich wieder irgendwo hier in der Nähe. Natürlich kommen wir mit. Guten Morgen, meine Damen. Sie sehen aus wie der leibhafte Frühling... Wo haben Sie Oelmäntel? Es wird Sturzwellen geben auf die dünnen Sommerkleider.“ „Ist alles verstaut im Boot, Doktorchen", lachte Liane. Sie sah heute jung und fröhilch aus, und der frische Seewind hatte ihre Wangen gerötet. Well, holen Sie den Freund und Ihre Oelröcke, wir werden Sie also nehmen mit." Grace Hiorns ließ ihre Augen suchend umherschweifen. Da kam Dr. von Swieten vom Strand herüber auf die Mole zu, Graces Augen blitzten triumpbierend:„Da ist Mister von Swieten schon“, Am nachsten Tage, dei der Paroleausgave, defayl v. Senden Wilms zu sich und fragte ihn nach der Versammlung im Kasino. Wilms erklärte:„Wir wollen eine Vereinigung gründen von Vertrauensleuten der Döberitzer Truppen. Zu deren Obmann bin ich gestern abend gewählt worden." Senden erwiderte: „Wir sind Truppen von 1914 und nicht Truppen von heute. So etwa verbitte ich mir ein für allemal. So etwas darf nicht stattfinden." Wilms nahm militärische Haltung an und ging ab. Als er die Bataillonsschreibstube verlassen hatte, gab Senden einen zweiten Parolebefehl heraus, der Wilms von seinem Amte als Kompagniefeldwebel enthob. Außerdem sagte er zu Stetzelberg:„Den Wilms müssen wir raus haben. Stetzelberg, was machen wir da.“ Der nächste Tag war ein Sonntag. Oberfeldwebel Wilms war am Nachmittag im Döberitzer Kasino. Um 7 Uhr abends erschien der stellvertretende Bataillonskommandeur des Bataillons v. Senden auf der Bataillonsschreibstube und erklärte, er brauche sofort zwei Mann, um Wilms zuverhaften. Daraufhin wurden zwei Mann von der Wache kommandiert, die feldmarschmäßig mit aufgepflanztem Bajonett antraten. Mit ihnen marschierte Schöller in das Kasino ab. Inzwischen zogen der zum Tode verurteilte Feldwebel Stein und Oberfeldwebel Weiser sowie Unteroffizier Rotenbusch von der 4. Kompagnie Senden in der Schreibstube Zivilkleider an. Sie gingen der Wache nach und verprügelten auf dem Wege vom Kasino zum Lager den inzwischen verhafteten Wilms auf das furchtbarste. Der halb Ohnmäch'tige wurde dann auf die Wachtstube gebracht und dort von zwei Mann mit aufgepflanzten Bajonetten bewacht. Oberleutnant v. Senden, der den Sonntag in Potsdam verbracht hatte, kam in der Nacht zurück und vernahm Wilms sofort wegen der angeblichen Diebstähle! Da keine Arreststube vorhanden war, wurde er in die Kompagnieschreibstube der dritten Kompagnie eingesperrt, die vergitterte Fenster hatte. Der Feldwebel dieser Kompagnie, Lichka, erklärte, daß Wilms bei ihm sicher sei und so leicht nicht wieder rauskomme. Am Montag früh um 9 Uhr erschien Senden auf der Bataillonsschreibstube. Eine Ordonnanz der dritten Kompagnie meldete ihm, daß Wilms sich krank gemeldet habe. Da kein Arzt im Lager anwesend war, befahl Senden den Sanitätsfeldwebel Schmidt zu sich und sagte zu ihm:„Wilms hat sich krank gemeldet. Was kann man da machen? Medikamente haben wir nicht. Können wir ihm nicht etwas eingeben, daß er gleich genug hat?" Da Schmidt keine Medikamente bekommen konnte, telephonierte Senden gegen Mittag das Wehrkreiskommando 3 an und bat um einen Offiz'ier. der Wilms abhole. Am Abend dieses Tages kam der Oberleutnant Stantien nach Döberitz, um Wilms abzu holen. Er ließ sich von dem Bataillonsfeldwebel Stetzelberd einen Revolver geben und marschierte dann mit Wilms ab. Danach hat man von Wilms nichts mehr gekört, bis man seine Leiche aus der Havel fischte. In die Rapporte wurde eingetragen, daß er in Spandau auf Festung gekommen sei. Aus weiteren Mitteilungen über den Fememord an dem Oberleutnant Sand u. dem Wachtmeister Legener in Döberitz geht zum mindesten die Beteiligung des im Mordprozeß Pannier mit Bewährungsfrist verurteilten und sofort aus der Haft entlassenen Stetzelbergs hervor. Stetzelberg wußte, das Sand verschwunden war und hat einen entsprechenden Vermerk in die Rangliste des Bataillons eintragen lassen. Als das Lager Elsgrund bei Döberitz aufgelöst wurde, und das Bataillon Senden nach Potsdam, Ratenow, Frankfurt a. d. O., Züllichau und Schwerin verteilt wurde, hat Stetzelberg die Hinterlassenschaften des Legener, die auf der Wäschekammer standen, an sich genommen. Einen Teil der Sachen hat er in seiner Wohnung verbrannt. Den Manteldesermordeten Legener hat Frau Stetzelberg färben lassen. * Goebel wegen Erpressung festgenommen. + Berlin, 4. Febr. Der durch die Fememordangelegenheit bekannt gewordene ehemalige Angehörige der „Schwarzen Reichswehr", Goebel, der im Besitz schwer belastenden Materials gegen den freiesprochenen Oberleutnant v. Senden sein soll, ist eute der Nachtausgabe des„Tag" zufolge wegen Erpressungsversuches festgenommen worden. Er hatte dem Verteidiger Sendens belastendes Material gegen Senden für 200 Mark verkaufen wollen. Angerstein als Vorbild. Die Cochemer X Cochem, 3. Febr. Ueber den Ueberfall im Cochemer Schloß, von dem wir in unserer gestrigen Nummer berichteten, erfahren wir noch folgende Einzelheiten: Der Ermordete heißt Hanns(nicht Hansen). Als Mörder kommt der in Cochem wohnende Gärtnergeselle Heuer in Frage. Er hat seine Tat im Laufe der Vernehmungen in der Nacht eingestanden. Den Grund seiner Handlungsweise will er nicht kennen. Es kommen hierfür aber nur zwei Beweggründe in Frage, Dr. Linnemann eilte davon.„In fünf Minuten, meine Damen, bin ich wieder hier.“ Lächelnd hörte Dr. van Swieten die lebhaften Auseinandersetzungen Grace Hiorns.„Wenn Rudolf die nötige Ausrüstung für uns schon holt— ich bin kein Spielverderber und von Herzen gern mit von der Partie.“ Er war den Damen behilflich, die Oelmäntel anzulegen. Und Miß Grace dachte wieder einmal, wie schon so oft: Wie sicher beherrscht er die Form, trotzdem er nicht die Kavalier=Allüren zur Schau trägt, die sonst in unseren Kreisen üblich sind... Famos müßte er sich ausnehmen an ihrer Seite beim Korso im Hydepark oder im Jagdkostüm, wenn im Herbst die Fuchsjagden begannen auf Whitechapelhall. Sie würde dann Primose reiten, oder den Little=Duke und er den Favorite, und Papa würde gewiß nichts auszusetzen haben an dem Mann ihres Herzens. Ein Gelehrter, dessen Namen schon großen Ruf hatte, trotz seiner verhältnismäßig jungen Jahre. Kein Citymann oder einer, der einem verarmten Geschlecht mit ihrem Geld zu neuem Glanz verhelfen mußte. Grace lächelte ganz leise vor sich hin. Sie teilte nicht die Vorliebe vieler ihrer Landsmänninnen für wohlklingende Titel und verrostete Ahnenschilder. Soeben kam Dr. Linnemann mit den Mänteln für die Herren. Er schwang sich mit einem kühnen Sprung ins Boot. „All right." Miß Grace schlug Bootsmann Steffens auf die Schulter.„Der Wind hat sich gedreht. Wir werden haben flotte Fahrt.“ Dr. van Swieten hatte Ingeborg gegenüber Platz genommen. Voll legte der Wind sich jetzt in das Segel hinaus. „Wir wollen singen", rief Rudolf Linnemann übermütig.„Es singt sich so schön bei all' dem Wiegen und Wogen. Und er stimmte mit seinem weichen Tenor das Lied von der Lindenwirtin an. Die jungen Mädchen und Dr. van Swieten fielen ein. Weithin trug der Wind die singenden Stimmen. Die Engländerin war verstimmt. Wenn die Deutschen ins Singen kamen, so dauerte das gewöhnlich lange und ein Lied folgte dem anderen Und sie hatte sich sehr viel Amüsement versprochen von der Morgenfahrt „Singen Sie uns das Lied von den blühenden Rosen, Doktorchen", bat Liane,„mein Lieblingslied, sie wissen“. Und der übermütige Dr. Rudolf Linnemann bekam auf einmal träumerische Augen und hub an zu singen: und zwar wollte er entweder Rache üben, oder das Ehepaar Hanns beseitigen, um dann Nachfolger im Betrieb zu werden. Diese Annahmen ergeben sich aus den Umständen. Heuer hatte mit der Tochter des Ermordeten ein Liebesverhältnis, das aber von Hanns nicht geduldet wurde. Aus diesem Grund war ein gespanntes Verhältnis und eine Abneigung des verschmähten Bräutigams Heuer gegen den Ermordeten entstanden. Zur Durchführung seiner Pläne mußte er den Vater auf irgend eine Art verschwinden lassen. Da war der Fall Angerstein das beste Lehrbeispiel. Nebenbei bemerkt stand Heuer im Dienst des Ermordeten. Zur Ausführung der Pläne bot der vorgestrige Abend die beste Gelegenheit. Der Ermordete war zeitig zu Bett gegangen, die beiden Töchter waren in dem in der Stadt gelegenen Geschäft des Ermordeten tätig, der 15jährige Sohn war in der Fortbildungsschule. Also waren im Haus nur noch der schlafend= Hanns und seine Frau und in einem anderen Gebäude ein Lehrling. Durch die Tätigkeit Heuers im Betriebe des Ermordeten war er im Hause anwesend. Er holte sich einen dort aufbewahrten Faßhammer und schlich sich in das Schlafzimmer des dort schlafenden Opfers. Mit einem mächtigen Schlag auf den Kovf war der Mann„erledigt" und kam die herbeigeeilte Frau an die Reihe. Schläge auf den Kopf warfen auch sie nieder. Der Mörder hielt sie für tot, was glücklicherweise nicht der Fall war. Um nun einen Ueberfall vorzutäuschen, rief der Mörder um Hilfe, worauf der Lehrling in die Wohnung gelaufen kam. Auch dieser sollte beseitigt werden, um als Zeuge mundtot gemacht zu werden. Der Mörder versetzte ihm einen Schlag, der aber in dem mittlerweile dunkelgemachten Zimmer den Burschen nur streifte. Der Lehrling lief in die Gärtnerei, um sich eine Eisenstange als Waffe zu holen. Der Mörder Heuer lief ihm nach und gab dem Lehrling den Rat, mit ihm zu flüchten, da sie beide auch sonst noch hingemordet würden. Heuer hatte sich selbst einige kleinere Verletzungen beigebracht. Beide liefen nun in die Stadt und alarmierten die Leute der ersten Häuser. Der Mörder Heuer brachte nun seinen Schwindel von maskierten Raubmördern vor, und wies auf seine Verletzungen hin, die er im Laufe des Kampfes davongetragen habe. Er ließ sich mit einer Tragbahre ins Klosterkrankenhaus bringen, wohin auch die schwerverletzte Ehefrau gebracht wurde. Die Polizei und der Arzt schöpften aus den ganzen Umständen und Verletzungen Verdacht und gaben diesem auch in den folgenden Verhören in nicht mißzuverstehender Weise Ausdruck. Nach nicht einer vollen Stunde führte das Verhör zu dem Geständnis des Mörders. Bei der gestern abgehaltenen Ortsbesichtigung durch die Mordkommission zeigte der Mörder keine besondere Reue, sondern kam aufrechten Schrittes daher und bewahrte dieselbe Haltung währnd des dreistündigen Verhörs. Gerichtszeitung. Zuchthaus wegen Verschleppung in die Fremdenlegion. Frankfurt a. M., 3. Febr. Der vom Reichsgericht im Oktober wegen Landesverrat zu 12 Jahren Zuchthaus verurteilte Privatdetektiv. Paul Moysiczik aus Breslau stand gestern wegen Verschleppung von jungen Deutschen in die Fremdenlegion auch vor dem hiesigen Gericht Moysiczik, der als Reichswehrsoldat militärische Geheimnisse an Frankreich verraten hatte, erhielt einschließlich der vom Reichsgericht erkannten Strafe eine Gesamtzuchthausstrafe von 12½ Jahren und 5600 Mark Geldstrafe sowie die üblichen Nebenstrafen, Wetterbericht. auf eine Woche im voraus. 7. Febr.: Wolken, Niederschläge, naßkalt, nachts kalt, Wind. 8. Febr.: wenig verändert. 9. Febr.: Wolken, veränderlich, tags milde. 10. Febr.: Wolken, teils Sonne, tags gelinde. 11. Febr.: Wolken, Sonne, Wind, milde, nachts vielfach kalt. 12. Febr.: Wolken, teils Sonne, Wind, strichweise Niederschlag, Gelinde. 13. Febr.: Wolken, Niederschläge, Wind milde. * Ist der Motor das Herz des Wagens, so ist der Dunlop-Reiten die Seele. * Die Weltmarke bürgt für Qualität! Wie in verklungenen Hochsommerzeiten sag mir, o sag mir: rauschen die Wälder immer so stolz noch auf sonniger Höh? Sag mir, o sag mir: und lichtüberflutet wiegt sich noch immer in lautiosem Frieden tiefgrün von Ufer zu Ufer der See? Sag mir, o sag mir: und still über allem, an dämmerndem Himmel in goldheller Pracht wandert noch immer einsamen Pfades der Mond durch die zitternde Sehnsucht der Nacht? Sag: und das Lied von blühenden Rosen, von Jugend und Liebe, wie es einst klang, klingt es noch immer so laut und so jauchzend so selig und siegend, die Gärten entlang?“ Selbst Bootsmann Steffen nickte beifällig mit dem Kpfe, als das Lied zu Ende war.„Das war fein", murmelte er Lianes Augen glänzten, und Ingeborg klatschte fröhlich in die Hände:„Schön war das Lied." „Sentiments", sagte Grace und eine feine Falte saß ihr zwischen den Brauen.„Singen auch Sie, Dr. van Swieten? Deutsche Gentlemen trinken Bier und singen Lieder“. Ihre Augen blitzten, zu ihm hinüber.„Ich begnüge mich mit Zuhören", sagte er gemütlich.„Sie erlauben, meine Damen." Er zog die Pfeife aus der Tasche. „Wenn Rudolf sentimental wird, ertrage ich das leichter." Eine Sturzwelle ergoß sich über das Boot und machte dem Singen ein Ende. Es gab ein lustiges Lachen und Aufkreischen. Rudolf Linnemann schüttelte sich wie ein begossener Pudel. Nur Grace blieb ernst. (Fortsetzung folgt.) ms usch k. K Kunst und Wissen. Neuaufgefundene Kompositionen von Franz Schubert. Von der großen Zahl der Werke, die Franz Schuvert geschaffen hat, sind beinahe alle festgestellt und verö fentlicht worden. Schubertmanuskripte kommen nur höchst selten auf den Autographenmarkt und werden dann zu höchsten Preisen an Liebhaber versteigert. Aber auch in solchen Fällen handelt es sich meist um bereits publizierte Werke. Erich Deutsch, der als einer der gründlichsten Schubertkenner gilt, sind nun vor kurzem neuerlich mehrere interessante Funde geglückt, die die Aufmerksamkeit der gesamten Musikwelt erwecken werden. Der wertvollste Fund ist ein bisher vollkommen unbekanntes Lied, das zu den bedeutendsten lyrischen Schöpfungen Schuberts gehört. Es ist die Vertonung eines Gedichtes des Grafen Stolberg. Ferner hat der Forscher einen reizenden Ländler aufgefunden. Diese drei Stücke gelangten nebst einem bisher verschollenen Walzer in einem Schubertheft der„Modernen Welt“ zum ersten Mal zur Veröffentlichung. *( Chaplin verzehrt seinen berühmten Stiefel. Eine der eindrucksvollsten Szenen in dem neuen Chaplinsilm„Goldrausch“, der als der beste Film bezeichnet wird, der seit langer Zeit in Deutschland gezeigt wurde, ist diejenige, in welcher der halbverhungerte Chaplin einen seiner berühmten Stiefel kocht und mit seinem Kameroden den„köstlichen" Bissen teilt. Der Film zeigt in seinen ersten Teilen den Uebergang der Goldsucher über den Chilkoot=Paß, bei dem die waghalsigen Pioniere, wie historisch feststeht, die größten Entbehrungen erlitten.“ Viele verhungerten und manche konnten sich nur dadurch vor dem sicheren Tode retten, daß sie tatsächlich ihre Stiefel verzehrten. Diese Ereignisse verwertet Chaplin in seinem Film. Als einsame Goldsucher werden sie zu zwei Kollegen in den wüsten Gegenden Alaskas vom Schneesturm in ihrer Hütte festgehalten, wo sie dem Verhungern nahe sind. Schließlich kommt Chaplin auf eine rettende Idee: Er zieht einen seiner berühmten Stiesel aus, zündet ein Feuer an, und fängt an, dieses Requisit in siedendem Wasser zu kochen. Schließlich setzen sich beide an den Tisch und Chaplin serviert diesen seinen gesottenen Stiefel mit einer Grandezza, als gelte es ein Festmahl im Hotel Adlon zu Berlin. Eine sehr wirksame Szene dieses meisterhaften Filmwerkes. Was macht den großen Sänger? Eine schöne Stimme, wie die Carusos oder anderer großer Sänger und Primadonnen, ist ein Gnadengeschenk der Natur, das dem Besitzer große Reichtümer, der Menschheit unvergleichlichen Genuß beschert. Wenn man die einzelnen Teile des menschlichen Stimmorgans untersucht, so findet man, daß außerordentlich kleine Verschiedenheiten des Baus bereits einen großen Einfluß auf die Stimme haben und daß Wohllaut, Umfang und Tragfähigkeit des Organs von feinsten Nuancen abhängen. So wird z. B. die Höhe der Stimmlage durch Abweichungen in der Länge der Stimmbänder hervorgerufen. Je kürzer die Stimmbänder sind, desto höher ist die Stimmlage. Deshalb haben Frauen, bei denen die durchschnittliche Länge der Stimmbänder 11.5 Millimeter ist, höhere Stimmen als Männer, bei denen die durchschnittliche Länge 15.5 Millimeter beträgt. Der Umfang der Stimme wird hauptsächlich durch den Grad bestimmt, bis zu dem die Spannung der Stimmbänder verändert werden kann. Wenn eine Note gesungen wird, dann werden die Ränder der Stimmbänder parallel zu einander und die Spannung wird verstärkt. Je höher der Ton ist, desto größer ist die Spannung. Der Umfang der Stimme ist selten— berühmte Sänger ausgenommen— mehr als 2 bis 2½ Oktaven, und bei den verschiedenen Stimmarten liegt der Umfang in verschiedenen Teilen der Tonleiter. Zu diesen Nuancen in der Bildung der Stimmbänder, die die Schönheit der Stimme bedingen, tritt dann noch der Bau des Kehlkopfes, der der Nase und der Gesichtszüge überhaupt, deren Größe und Gestalt den Reichtum der Obertöne bestimmen, da sie als Resonanzboden dienen. Wenn man bedenkt, wie sehr die Bildung der Züge der Erblichkeit unterworfen ist so kann man sich leicht vorstellen, welche Bedeutung die Erblichkeit auch bei der Stimme besitzt, und wird begreifen, daß die Nachkommen von großen Sängern und Sängerinnen häufig ebenfalls durch diese Gabe ausgezeichnet sind. Napoleons Doppelgänger. Die Figur des Doppelgängers ist nicht nur ein beliebtes Requisit unserer Dramatiker und Novellisten, sie ist auch im Leben, ja sogar in der Weltgeschichte Objekt und Subjekt der seltsamsten Vorkommnisse und der gewichtigsten und ernstesten Staatsaktionen. Insbesonders dann, wenn es sich um die Doppelgänger gekrönter Häupter, und deren gibt es nicht wenig, handelt. Dumas hat einen solchen Doppelgängerkonflikt Ludwigs XIV. in einem seiner Romane, in dem„Mann mit der eisernen Maske“ unsterblich gemacht. Aber auch andere Herrscher hatten ihre Doppelgänger, wie Viktor Emanuel, dessen Ebenbild ein Schuhmacher war, wie Alfons XII., dessen Doppelgänger ein Filmschauspieler war(auch Exkaiser Karl hatte einen Doppelgänger in Amerika, wie sich erst kürzlich bei einer Filmaufnahme herausstellte.) Wilhelms I. Doppelgänger war deutscher Generalkonsul in Triest und auch Nikolaus II. Raymond Poincare usw...... alle spazierten in Gestalt eines zweiten äußerlich täuschend ähnlichen Individiums in der Welt herum. Auch Napoleon hatte so einen Doppelgänger, einen kleinen schlichten Sergeanten eines französischen Kavallerieregiments, einen gewissen Francois Eugene Robeand aus der Gegend von Verdun. Dieser schlichte Bauernsohn, dessen einzige welthistorische Bedeutung in seiner Aehnlichkeit mit dem Kaiser bestand, wurde in Napoleons persönliche Dienste genommen und auf die verschiedenartigste Weise, vor allen als Modell für Gemälde und Statuen des Kaisers, aber gelegentlich auch, wie erzählt wird, als Staffage zur Täuschung des Publikums, wenn der Kaiser sich irgendwo zeigen sollte, wo er nicht wollte, verwendet. Nach dem Abstieg des Sternes Napoleons ist dieser kleine Sergeant unter seinen Regimentskameraden ob seiner Aehnlichkeit mit Bonaparte nur„le petit corporal“ genannt, in seine Heimat zurückgekehrt und war dann verschollen.... Und da knüpft die Legende an, indem sie behauptet, das es Napoleon nach der Schlacht bei Waterloo gelungen sei, mit seinem Doppelgänger das„Milieu zu tauschen", so daß dieser nach St. Helena ging, während Napoleon selbst verschwand. Wohin wußte man nicht ... bis die Legende wieder in Verona den Faden weiterspann und dort einen 1816 aufgetauchten Optiker entdeckte, der dem Kaiser der Franzosen sehr ähnlich sah. Dieser Optiker lebte bis zum Jahre 1823 in Verona, hatte eine sehr zahlreiche ausländische, insbesondern französische aristokratische„Kundschaft" und war ein sehr reicher Mann. Im Frühjahre 1823 war er dann wieder verschwunden.. In Wien geht dann der Faden mit dem 5. Juli 1823 weiter. An diesem Tage bezw. in der Nacht auf diesen Tag hat nämlich ein Unbekannter die Mauer von Schönbrunn überklettert und wollte ins Schloß gelangen. Der Wachposten rief ihn an und da er nicht hielt, schoß er ihn an= so daß er tötlich verletzt liegen blieb. Da soll er die Worte geröchelt haben:„Mein Sohn... mein Sohn, Herzog von Reichstadt....“ Papiere fand man nicht, doch die Aehnlichkeit mit dem großen Korsen war vorhanden... Alles in allem sicherlich eine der bestgesponnenen und lückenlosesten(man beachte die glatte chronologische Aneianderreihung der Ereignisse) Legenden der Geschichte des letzten Jahrhunderts. Eine Legende, die selbst dann, wenn sie wie wahrscheinlich eine Legende bleibt, ihres besonderen kulturhistorischen Reizes nicht entbehrt. Im übrigen ist bloß die Gestalt des Doppelgängers als solchen historisch beglaubigt. Und dann aber auch die Tatsache, daß nach den Privataufzeichnungen des Verwalters von Schönbrunn im Jahre 1823 vom Wachposten eine Person angeschossen wurde, deren Charakter in mysteriöses Dunkel gehüllt war, für deren Leichnam aber die französische Botschaft in Wien merkwürdig reges Interesse zeigte... Rotationsdruck und Verlag von Gebr. Lensing in Dortmund.— Verantwortlich für die Schriftleitung Fritz Schlotjunker. ( Statt besonderer Anzeige! Die glückliche Geburt einer gesunden Tochter zeigen hocherfreut an Denfist A. Hakenforf u. Frau Lucie geb. Vagedes Stadtlohn tei Nachruf. Am Mittwoch, den 3. Febr. ist unser Mitarbeiter nach längerer Krankheit durch den Tod aus unserer Mitte geschieden Derselbe war uns seines liebevollen, aufrichtigen Wesens wegen ein geachteter Mitarbeiter. Wir werden sein Andenken in Ehren halten! Die Meister, die Arbeiter und Arbeiterinnen der Abfeilung D der Firma Gerrit van Delden& Co. Gronau Jinderzeitung Der hleine Coco oder Lachzei 4 Jfd. nur 50 Pfg. grons Voller Buttergenuss, aber nuc halber Butterpreis! Frische Margarine Doppelkopf Bauernstolz Pfd. 52 9 Pfd. 56 Pfd. 62 4 Echtes Paderborner Brof 90 Pfg. Hering i. Gelee 1 Liter=Dose 1.10 Oelsardinen. Dosen 55, 85 J Makrelen i. Tomaten ovale Dose 1.25 Stangenlimburgerkäse. 20% Pfund 65 echte Harzerkäse.. 6 Stück 20 9 grüne Kräuterkäse. 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Der Wichtigkeit halber bitten wir alle Mitglieder pünktlich zu erscheinen. Der Vorstand. Jos. Dörken, Wüllen. und mehr verdienen Damen und Herren ohne Fachkenntnisse. Bequeme Beschäftigung im Hause Ausführliche Auskunft gegen Rückporto durch Hermann Doijer. M. 73 Lindau/Bodensee. Ig. große Bohnen 2 Pfd.=Dose 82 9 Gemüse=Erbsen" 2 Pfd.=Dose 70% Junge Erbsen. 2 Pfd.=Dose 859 Apfelmus, tafelfertig 2 Pfd.Dose 653 Pflaumen m. Stein 2 Pfd.Dose 75 Gronau, Bahnhofstr. Epe, Gronauerstr. Heinr.Hill Concordia Lichispiele Ahaus Samstag, den 6. und Sonntag, den 7. Februar Der Graf von Charolais Das große Drama aus der Renaissance. Frei nach dem Trauerspiel v. Rich. Beer=Hofmann, In der Hauptrolle: Eva May. Der Rul der Borge Ein Drama aus dem Schweizer Hochgebirge in 5 Akten. von guter Führung sind Östern 1926 unter Gewährung eines angemessenen Kleidergeldes in Handwerkslehre unterzubringen. Meldungen mit Nachweis der Befähigung zur Ausbildung von Lehrlingen zu richten an das Städtische Waisenhaus in Köln, Sülzgürtel 47, Post Sülz. Samstag, den 6. Februar, nachm. 5—7 Uhr: Wohnungs- und Bauberatung in der Concordia, Gronau, verbunden mit Brieftaubenschau des Verbandes der Geflüchter=Vereine des Kreises Ahaus am 6. und 7. Februar 1926 im Schützenhof(Th. Kemper) Gronau i. W. Geöffnet an beiden Tagen von morgens 9 Uhr bis abends 7 Uhr. Seltene Tiere. Eintritt 50 J Kinder 20 Z. Zu zahlreichem Besuch ladet ein: Verein für Geflügelzucht und Tierschutz Gronau Der Vorstand. Die 4 oberen Jahrgänge sämtlicher Volksschulen haben am Sonnabend, den 6. Febr., von vorm. 11 Uhr bis nachm. 2 Uhr unter Führung der Klassenlehrer(innen) freien Eintritt. vernchtet werdlusten Doppelstark geruchin AlgechaIgin F. C. Phoenix 1924 Gronau Heute abend 8 Uhr findet im Vereinslokal (Jägerhaus) unsere Monatsver sammlung statt. Pünktliches u. vollzähliges Erscheinen d. Mitglieder wird erwartet. Der Vorstand. Restaurant Terfort Jeden Sonntag KONZERT Besetzung: Klavier u. Geige „Westfälischer Hof“ Wilhelm Henze Gronau Mühlenmathe 37 Ausschank la. Dortmunder Aktien-Bier Guter bürgerlicher Mittagtisch. Konditorei u. Café B. Gombault Angenehmer Aufenthalt Prima Torten- Gebäck Guten Kaffee u. Chokolade AufmerksameBedienung Restaurant Burghol, Gronau Sonntags ab 5 Uhr Unterhaltungsmusik. Zum„DeutschenHause“ Gronau Inhaber R. Lilienfeld Sonntag ab 4 Uhr Künstler-Konzert Reservierf Park-Café Laurenz. Gronau i.W's Jeden Sonnabend- Sonnfag Unierhalfungs-Konzerf z. Zt. Leitung: Herr Kapellmeister PonewahsDortmund. Hotel Gronau Zur Anfertigung geschmackvoller Reklame-Drucksachen für Industrie. Handel, Gewerbe, Privat u. Vereine in Ein= und Mehrfarbendruck halten wir uns bestens empfohlen. Gebr. Lensing. Ahaus Buch= und Kunstdruckerei Telefon 50. Vereinshaus„Concordia“ Gronau Kasfellan Bernh. Haarhuis I. Parkettkegelbahn am Platze ia-Lichtspiele, Ahaus Samstag und Sonntag Eva May Nr. 35. II. Blatt Freitag, 5. Februar 1926 d Aus dem Kreise Ahaus. Die Orgelfrage. Th. Hoeks. Ahaus, 5. Februar. Die Anschaffung einer neuen Orgel für die katholische Pfarrkirche hierselbst ist eine im Prinzip beschlossene Sache; es handelt sich jetzt darum, die dafür ersorderrichen erheblichen Geldmittel aufzubringen. Unsere jetzige Orgel, die nie ein Kunstwerk gewesen ist, genügt nicht mehr den bescheidensten Ansprüchen, das empfindet man so recht, wenn man eine gute, modern eingerichtete Orgel gehört hat. Die alte Orgel ist ein kleines Werk, zählt 19 klingende Register und zwei Koppeln und hat einen unedlen, unausgeglichenen Ton. Besonders die Zungenstimmen, Trompete und Posaune, rasseln und lärmen in einer Weise, die eines Gotteshauses unwürdig ist. Dazu kommt dann noch der Umstand, daß die innere Mechanit total ausgeleiert und verbraucht, sowie Gebläse, Kanäle und Windladen vom Holzwurm zerfressen sind, sodaß fortwährend Störungen eintreten. Man muß schon weit gehen, wenn man in einer Stadt des Münsterlandes eine solche Orgel finden will. Fast alle Stadtkirchen, ja selbst sehr viele Dorfkirchen haben heute schöne, moderne Orgelwerke, die unter Ausnutzung der gewaltigen Fortschritte, die der Orgelbau in den letzten Jahrzehnten gemacht hat, in technischer wie künstlerischer Hinsicht wahre Kunstwerke geworden sind. Die früheren rgeln mit ihrem komplizierten und gegen jeden Witterungswechsel empfindlichen Mechanismus, nach dem gänzlich veralteten Schleifladensystem erbaut, haben den pneumatischen Orgeln Platz gemacht, bei denen die zusammengepreßte Luft nicht allein das Anblasen der Pfeifen, sondern auch beim Niederdrücken der Tasten das Oeffnen der Ventile bewirkt unter Fortfall der umständlichen Mechanik. Der wichtigste Fortschritt des Orgelbauers liegt jedoch auf künstlerischem Gebiete. Die modernen Orgeln stellen ein vollständiges Orchester dar mit all seinen charakteristischen Stimmen: Geigen, Cello, Kontrabaß, Flöten, Klarinetten und Oboe, Trompeten und Posaunen erklingen da in einer geradezu verblüffenden Natürlichkeit. Dabei ist es durch Benutzung des Rollschwellers und der Jalousieschweller möglich, den Ton vom zartesten, kaum vernehmbaren Piano allmählich bis zum brausenden Fortissimo zu steigern und in derselben Weise wieder abnehmen zu lassen. Man baut kleine Orgelwerke von 20 bis 25 Registern, die für Dorfkirchen und größere Kapellen genügen, mittlere von 30 bis 40 Registern und große Werbe mit 50 Registern und mehr. Für unsere Kirche kommt eine Orgel mittleren Umfanges in Frage mit ca. 35 klingenden Registern und 15 bis 20 Koppeln und Spielhülfen. Ein solches Werk würde rund 25000 Mark kosten, aber auch in jeder Beziehung ein Kunstwerk darstellen, woran sich nicht nur die jetzige Generation, sondern auch noch deren Kinder und Kindeskinder würden erfreuen und erbauen können. Darum wäre es auch nicht unbillig, wenn die Aufbringung der Kosten eines solchen Werkes nicht allein der Gegenwart, sondern auch zum Teil den Nachkommen überlassen würde. Dies würde dadurch erreicht, daß von der Kirchengemeinde ein Darlehn in Höhe eines Teiles der Anschaffungskosten aufgenommen würde, von dem jährlich ein angemessener Zins= und Tilgungsbetrag zu zahlen wäre bis zur völligen Abtragung des Darlehns. Der andere Teil müßte durch freiwillige Beiträge und Zuschläge zu den Kirchensteuern gedeckt werden. Man sollte doch annehmen, daß der großen, 5000 Seelen zählenden Kirchengemeinde Ahaus möglich sein müßte, was anderen, oft viel kleineren Kirchengemeinden gelungen ist. Vom Vorgänger soll man lernen. Wie haben diese Gemeinden es nun angefangen, die Kosten zu beschaffen? In einigen Orten haben die Volksschulen, die höheren Schulen und die katholischen Vereine es übernommen, in Jahresfrist die Kosten für je ein Register(das sind stark 700 Mark) aufzubringen. Bei einer Schülerzahl von 900 würden die Volksschulen in 40 Schulwochen die Kosten für ein Register aufbringen, wenn jedes Schulkind wöchentlich 2 Pfg. beisteuert. Freilich ist hier die regelmäßige Mitwirkung der Lehrpersonen vorausgesetzt, die jedoch in Anbetracht des schönen Zweckes wohl zu erwarten ist. Wenn die höheren Schulen zusammen auch ein Register übernehmen wollten und ebenso jeder von unsern 14 katholischen Vereinen, so wäre fast die Hälfte der Orgel gesichert. Eine Erhöhung der Kirchensteuer um 3 bis 5 Prozent würde zur Deckung eines weiteren erheblichen Teiles der Kosten beitragen. Endlich ist jedem Gemeindemitglied am ersten Sonntag jeden Monats Gelegenheit gegeben, durch eine kleine Gabe zur baldigen Beschaffung der neuen Orgel mitzuhelfen. In jeder der vier Messen wird am nächsten Sonntag durch Mitglieder des Kirchenvorstandes die zweite Sammlung für die neue Orgel abgehalten. Die verehrlichen Damen, die für gewöhnlich kein Geld bei sich tragen, nehmen es sicher nicht übel, wenn sie daran erinnert werden, am Sonntag morgen etwas Kleingeld in ihr Täschchen zu legen. Wenn jeder Kirchenbesucher wenigstens 10 Pfg.— die es sich leisten können, auch eine oder mehrere Mark— in das Körbchen legen, so wird der Ertrag dieser zweiten Sammlung den der ersten um ein mehrfaches übersteigen. Zum Schlusse sei noch auf eine andere Quelle hingewiesen, die anderwärts reichlich floß. Es gibt hier, wie überall, noch immer einzelne Leute, die, ohne besondere Schädigung ihres Vermögens einen größeren Betrag für einen solchen schönen Zweck opfern können; es kommt nur auf den guten Willen an. Schon vor dem Kriege war von einem Mitbürger ein Orgelfonds in Höhe von 20000 Mark gestiftet, der leider, wie so manches andere, der Entwertung verfallen ist und gerade noch zur Beschaffung eines Motors zum Antrieb des Gebläses gereicht hat. In anderen Gemeinden hat man sich dann auch an die nach Amerika ausgewanderten früheren Gemeindemitgliedern gewandt, die in vielen Fällen mehrere hundert Dollars stifteten oder größere Beträge zu niedrigem Zinsfuß hergeliehen haben. Besonders bei den heutigen hohen Zinssätzen ist die Beschaffung des Geldes von privater Seite zu niedrigem Zinsfuße zu empfehlen, sei es nun vom Ausland oder von einheimischen Geldgebern. Wenn so jeder an seinem Platze nach besten Kräften mithilft, so ist zu erwarten, daß in Jahresfrist die neue Orgel verklingt zur Ehre Gottes und zur Erbauung der Gemeinde. stizinspektor ernannt.— Herr Pförtner von hier wurde am 1. Februar als Katasterdiätar angestellt. * Jesuitenpater Clemens Loennartz+. In Koblenz ist im Alter von 46 Jahren der bekannte Jesuitenpater Loennartz gestorben. Pater Loennartz war einer der hervorragendsten Redner und Prediger Deutschlands. Als Exerzitienmeister hat er vielen tausenden deutschen Katholiken, Priestern und Laien, in feuriger Beredsamkeit und Eindringlichkeit das Wort Gottes verkündet. Auch unser jetziger heiliger Vater hat einige Male Exerzitien bei Pater Loennartz gemacht. Im Kriege übte er seine überaus segensreiche Tätigkeit an vielen Punkten der Öst= und Westfront aus. Den Dortmunder Katholiken ist Pater Loennartz unvergeßlich durch seine gewaltige Schlußrede beim 1. märkischen Katholikentag in Dortmund. Die vielen tausenden Zuhörer, die damals den großen Saal des Fredenbaum füllten, zog er in den Bann seiner unvergleichlichen Beredsamkeit. In seinem Schlußwort feierte der damalige Bischof von Paderborn, jetzige Kardinal Schulte, Pater Loenartz unter der begeisterten Zustimmung der Versammlung als den „Redner von Gottes Gnaden“. Den Keim zu dem schleichenden Halsleiden, dem er jetzt erlegen ist, trug Pater Loennartz schon damals in sich. In großen Versammlungen ist er nicht wieder aufgetreten, sondern auf den Rat der Aerzte mußte er seine Tätigkeit auf Exerzitien im kleinen Kreise beschränken. Die Katholiken Deutschlands betrauern in Pater Loennartz einen Apostel, der mit hervorragenden Gaben des Geistes und des Charakters von Gott gesegnet, viel zu früh für den deutschen Katholizmus hingeschieden ist. R. i. p. + Ungünstige Mitteilungen über Schüler. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst einem Erlaß des Unterrichtsministers entnimmt, muß unbedingt vermieden werden, daß schriftliche Mitteilungen ungunstigen Inhalts über die Kinder den Eltern oder Erziehungsberechtigten durch Schüler zugesandt oder daß diese mit der mündlichen Ausrichtung derartiger Bestellungen beauftragt werden. 712 000 Doppelzentner, im ahre 1925= 1 429 000 Dop= Gemenwirthe, 5. Fber. Einbruchsdiebstahl. Bei dem . Die Ein= Landwirt St. wurde am Sonntag morgen ein EinbruchsDer Dieb gelangte nach HerausGronau. Große Geflügelausstellung. Gronau, 4. Febr. Zu der am 6. und 7. Februar im Saale des Schützenhofes stattfindenden Kreisverbandsgeflügelschau sind 450 Tiere angemeldet. Die Durchführung der Ausstellung liegt in den Händen des Vereins für Geflügelzucht und Tierschutz Gronau. Preisrichter sind die Herren HepkeGütersloh, Linkamp=Hamm und Hövener=Gronau. Von dem Kreisausschuß der Stadt Gronau und dem landschaftlichen Ortsverein sind Beihilfen eingegangen; auch haben Vereine, Firmen und Private Ehrenpreise gestiftet. Die Ausstellung wird Samstag, 6. Febr., morgens 10 Uhr, von dem Protektor der Ausstellung, Herrn 1. Bürgermeister Hagedorn, eröffnet werden. Die vier oberen Jahrgänge sämtlicher Volksschulen Gronaus haben am Sonnabend von 11—2 Uhr unter Führung ihrer Klassenlehrer freien Zutritt. Die Ausstellung, welche die verschiedensten Rassen Hühner in hervorragender Qualität und eine große Abteilung Reisebrieftauben zeigen wird. bringt diesmal auch einige Seltenheiten, welche die Besucher ganz besonders interessieren werden. Ein Eper Züchter stellt ein Tier aus, von dem die Gelehrten und die Fachleute nicht mit wissenschaftlicher Bestimmtheit festgestellt haben, ob es ein Hahn oder eine Henne ist. Im vorigen Jahre stand es unter den rebhuhnfarbigen Italienerhähnen, wurde als solcher auch vom Preisrichter anerkannt und bekam die Zensur gut. Die rebhuhnfarbigen Italiener gehören zu den bekanntesten Farbenschlägen. Jøder kennt den farbenprächtigen Hahn: riefschwarze Brust, goldiger Halsbehang, in dem jede Feder einen schwarzen Schäftstrich aufweist, kirschroter Rücken, der Sattelbehang ähnlich wie der Kragenmantel, nur etwas dunkler, die Flügel am Ende kastanienbraun, in der Mitte mit zwei grünglänzenden Binden. Und nun schaue sich der Besucher diesen Hahn heute an; daß nicht etwa ein plumper Scherz mit dem Besucher getrieben wird, kann auch der Laie erkennen. So stark entwickelt ist nämlich keine Italienerhenne, auch künden der starke Stehlamm und die großen Kehllappen den Hahn noch an. Aber das Gefieder ist genau das einer Henne, lachsfarbige Brust, im übrigen braun mit schwarzer Strichelung und dem Goldflitter als Säumung der einzelnen Feder. Zum ersten Male für Gronau und den ganzen Kreis wird auch ein Kapaun gezeigt. Wer von den Lesern dieser Zeitung glaubt, schon einen Kapaun gegessen zu haben? Einen etwas angemästeten Hahn sicherlich schon viele und alle haben sich gewundert, daß der Pseudokapaun so zäh und trocken war. Leider führt Deutschland nach der letzten Statistik jährlich für 21 Millionen Mark Kapaunen ein, in der Hauptsache aus Belgien und Frankreich. Diese seltenen Vögel wandern auf die Tische der Reichen, und doch könnte jeder, der Geflügel halten kann, sich für einige Sonntage im Jahre einen solchen Festbraten leisten, wenn er nur das Kapaunisieren verstände. Das moderne Kapaunisieren ist ein leicht erlernbarer chirurgischer Eingriff. Einige Züchter im Kreise haben im vergangenen Jahre das Kapaunisieren nach der theoretischen Angabe eines Lehrbuches versucht und es ist ihnen gut geglückt. Einer der Herren hat sich bereit erklärt, in der kommenden Zuchtperiode bei den einzelnen Vereinen des Kreises das Kapaunisieren praktisch vorzuführen. Wie wird die Hausfrau schmunzeln, wenn sie zu Weihnachten einen 8—9pfündigen Kapaun in den Bratherd schiebt. Davor läßt jeder Feinschmecker die vielgepriesene Gans stehen. Am Schlusse der Anmeldung meldete ein Gronauer Züchter unter anderem auch einen lebenden Fuchs an. Der Ausstellungsleiter war für einen Augenblick paff, dann erklärte er kurz entschlossen, gut, an dem größten Feinde des Geflügelhofes werden die Kinder auch ihre Freude haben. Nachdem wir in die vielen Vorarbeiten des ausstellenden Vereins, der sich die größte Mühe gibt, daß die Ausstellung in jeder Hinsicht befriedigt, Einblick genommen haben, glauben wir, den Besuch der Ausstellung nur empfehlen zu können. Trotz der hohen Unkosten ist der Eintrittspreis unter Würdigung der Beihilfen so niedrig wie möglich gehalten. Erwachsene zahlen 50, Kinder 20 Pfg. + Vortragsreihe über Aufwertungsfragen. Am Samstag, den 6. Fehruar wird die von der Westf. Verwaltungsakademie in Münster i. W. veranstaltete Vortragsreihe über Aufwertungsfragen mit einem Vortrage des Herrn Gerichtsassessor Dr. Westermann, Münster, über: Aufwertung, Ablösung öffentlicher Anleihen (staats= und finanzwirtschaftliche Fragen zur Anleiheablosung.§ 16 der 3. Steuernotverordnung. Lösung des Problems. Aufbau und Grundzüge des Ablösungsverfahren) zu Ende geführt. Es sind damit in vier Vorträgen die Grundfragen, wie sie durch die neue Aufwertungsgesetzgebung sich darboten, behandelt. Für den Vortrag am Samstag, der im Hörsaal 1 des Instituts 2eschufts= und Sozialwissenschaften zu Münster t. W., Johannisstr. 9, stattfindet und um 5¼ Uhr nachmittags beginnt, sind Teilnehmerkarten und Prospekte der Hauptgeschäftsstelle der Westfälischen Verwaltungsakademie zu Münster, Johannisstraße 9 erhält— Motor= und Radfahrsport. Der Gau 54 des D. R. wählte aus dem Kreise Ahaus in der Hauptversammlung am 1. Februar in Münster Herrn E. Hoogen, Ahaus zum Gaufahrwart für Kraftfahrwesen sowie weiener, Gronau, zum Fahrwart für HerbergsErnennungen. Der am hiesigen Amtsgericht tatiae Justizobersekretär Lövmeier wurde zum Ju:: Gronau, 4. Febr. Ueberschwemmung in der Neujahrsnacht. Inzwischen hat eine Besichtigung des damals überschwemmten Gebietes durch Vertreter des Kulturamtes stattgefunden. Die Besichtigung ergab, daß ein Verschulden irgend einer Stelle als vorliegend nicht festgestellt wurde, vielmehr ist die Ueberschwemmung auf die in den damaligen Tagen herniederströmenden Regenmassen zurückzuführen. Es bleibt also nur die Frage zu erörtern: Was ist zu unternehmen, um die angrenzenden Grundstücke vor einer Wiederholung einer derartigen Hochwasserkatastrophe zu schützen bezw. deren Wirkung abzuschwächen? Und da gibt es zwei Wege: 1. Eindichtung der Umflut von der Parkstraßenbrücke bis zu den Fabrikgebäuden der Firma M. van Delden,; 2. ist zu prüfen, ob die Dinkel nicht mehr Wasser aufnehmen kann. Beide Fragen wird das Kulturamt in einem Gutachten erörtern und einen Kostenanschlag hierüber ausarbeiten. Außer diesen Hauptmomenten erörterten die Vertreter des Kulturamtes noch einige nebensächliche Aenderungen. Die Kostenfrage dürfte bei dem Projekt immerhin eine erhebliche Rolle spielen. Magistrat und Stadtverordnetenversammlung werden sich demnächst mit dem Projekt zu befassen haben. Wir wollen hoffen, daß eine befriedigende Lösung der Angelegenheit herbeigeführt wird. Gronau, 5. Febr. Die Gemüseeinfuhr nach Deutschland aus den Niederlanden betrug, wie die Deutsche Bauern=Korresvondenz mitteilt, im Jahre 1913= Jahre 1925— pelzentner, hat sich also mehr als verdoppelt. Die Einfuhr aus Italien, von wo mehr Südfrüchte, wie Tafeltrauben, Pfirsiche, Apfelsinen, Zitronen usw. bezogen werden, hat sich von 1164000 Doppelzentner im Jahre 1913 auf 2094000 Doppelzentner im Jahre 1925, also auch um fast das Doppelte, gesteigert. Frankreich überschwemmt infolge seines Frankensturzes zu Schleuderpreisen den deutschen Markt. Die Einfuhr betrug 400 000 Doppelzentner im Jahre 1925 gegen 172000 Doppelzentner im Jahre 1913.— Das sind böse Tatsachen für die deutsche Landwirtschaft. X Gronau, 5. Febr.„Die Schöpfung" schrieb Joseph Haydn im hohen Alter. Das Werk entstand in den Jahren 1795 bis 1798 und kostete dem Vater Haydn viele Anstrengung.„Erst als ich zur Hälfte meiner Komposition vorgerückt war“,— so erzählt er selbst—„merkte ich, daß sie geraten war". Die Schöpfung kam zuerst im Schwarzenberg=Palais zu Wien am 29. und 30. April 1798 privatim zu Gehör. Sie wurde dann bei den ersten öffentlichen Aufführungen(19. Januar und 19. März 1798) mit besonderen Ehren aus der Taufe gehoben. Sie blieb dem Komponisten bis an sein Lebensende eine ununterbrochene spendende Quelle von äußeren Auszeichnungen, brachte ihm Lobgedichte, Diplome ausländischer Gesellschaften und Ehrenernennungen verschiedener Art. Die Schöpfung bildete das musikalische Ereignis in dem nächsten Jahrzehnt und darüber hinaus. Man verlangt sie überall und immer wieder zu hören. — Am heutigen Freitag avend. 8¼ Uhr beginnend, wird nun auch uns in Gronau der Genuß dieses wunderbaren Werkes geboten werden. In Zuschriften von auswärtigen Vereinen, die geschlossen das Konzert besuchen wollen, spricht man unserem Musikverein lebhaft Dank aus für die Veranstaltung eines solchen Musikfestes. Es seien nun noch die Besucher gebeten, zur heutigen Hauptaufführung pünktlich zu erscheinen, damit Störungen durch Türschlagen usw. vermieden werden. Gronau, 5. Febr. Zentrumsversammlung. Am Sonntag, den 7. Februar, vormittags 11½ Uhr, findet im großen Saale der Konkordia eine Zentrumsversammlung statt, zu der alle Mitglieder und Freunde der Partei eingeladen sind. Der neue Kreisparteiversitzende Herr Dr. Goormann wird das politische Referat halten. Gronau, 4. Febr. Durch wilde Grabungen nicht fachkundiger Personen und durch den Verderb und die Verzettelung wertvoller Gegenstände entstehen der Wissenschaft die größten Nachteile. Es wird deshalb darauf hingewiesen, daß nach dem Ausgrabungsgesetz vom 16. März 1914 eine Grabung nach beweglichen oder unbeweglichen Gegenständen, die in einem Grundstück(auch in Gebäuden und Mauern) verborgen liegen oder vor der Entdeckung verborgen lagen und wenn diese Gegenstände für die Kulturgeschichte einschließlich der Vorgeschichte der Menschen und für die Urgeschichte der Tier= oder Pflanzenwelt von Bedeutung sind, nur mit Genehmigung des Regierungspräsidenten unternommen werden darf. Als Beispiele solcher zu schützenden Gegenstände seien benannt: Gebrauchsgegenstände, Gefäße, Waffen, Schmuckstücke, Münzen, Siedlungsreste, Grabanlagen, menschliche Skelette, versteinerte oder sonstige Reste oder Abdrücke vorgeschichtlicher Tiere und Pflanzen, auch äußerlich unscheinbare Spuren oder Bruchstücke solcher Gegenstände kommen in Betracht. Gelegenheitspfunde, wie sie z. B. öfter bei Erdarbeiten, Gewässerregulierungen, landwirtschaftlichen Arbeiten, Berg= und Brucharbeiten oder Gebäudebrüchen gemacht werden, müssen der Ortspolizeibehörde angezeigt werden, falls sie von erheblicher Bedeutung sind. Anzeigepflichtig sind der Entdecker, der Eigentümer des Grundstücks, sowie der Leiter der Arbeiten, bei denen der Gegenstand entdeckt ist. Der Staat, die Provinz, der Kreis und die Gemeinden, in deren Boden Altertümer entdeckt sind, können deren Ablieferung verlangen, wenn tatsächlich die Gefahr besteht, daß die gefundenen Gegenstände verschlechtert werden, oder daß sie der Denkmalspflege im Inlande oder der Wissenschaft verloren gehen. Zur Durchführung des Ausgrabungsgesetzes können von den dazu bestimmten Stellen Vertrauensmänner und Pfleger bestellt werden. Für den Bezirk der Stadt Gronau hat der Oberpräsident der Provinz Westfalen den Herrn Professor Quartz zum Heimatpfleger ernannt. X Aus dem Münsterlande. Münster, 4. Febr. Eigenartiger Vorfall. Am Samstag bestieg ein junges Mädchen von den Kriegerheimstätten den abends 9,30 Uhr nach Coesfeld fahrenden Zug. Sie war allein im Abteil, in das im letzten Augenblick ein junger Mann stieg, der ihr schon vorher im Wartesaal und auf dem Bahnsteig aufgefallen war und der sie immer auffallend scharf beobachtet hatte. Sofort nach seinem Einsteigen schloß er die Fenster und zündete sich eine Zigarette an. Das junge Mädchen will auch noch gesehen haben, wie er mit einer kleinen Spritze hantierte. Jedenfalls merkte es, wie ihr beklommen wurde und ihr die Sinne schwanden. Sie sprang auf, um das Fenster zu öffnen, erreichte dieses aber nicht mehr. Im letztenAugenblick zog sie die Notbremse. Als der Zug am Königsweg hielt und die Bahnbeamten herbeieilten, fanden sie das junge Mädchen bewußtlos, der Begleiter hatte das Weite gesucht. Wir erhalten durch Zufall Kenntnis von diesem Vorgang. Münster, 4. Februar. 200 Jahre Verlag Aschendorff. Die Aschendorfssche Verlagsbuchhandlung in Münster i. W., in deren Verlag seit 1852 der„Münsterische Anzeiger“ erscheint, beging am 1. Februar den 200jährigen Gedenktag ihres Bestehens. In dem Gedenbartikel des Geheimrats Dr. S. P. Widmann im„Münst. Anzeiger“ wird u. a. die Urkunde des Fürstbischofs Clemens August mitgeteilt, in der dieser das am 1. Febr. 1726 datierte landesherrliche Privileg zur alleinigen Herausgabe des„Großen Baumgarten" und der „Handpostille von Goffine" auf 10 Jahre erneuert; diese Erlaubnis war also am 1. Februar 1726 erteilt worden. Wenn der Verlag aus kleinen Anfängen sich zu dem Umfange und der Bedeutung entwickelt hat, die ihn heute ausgezeichnet, so verdankt er das der rastlosen und umsichtigen Tätigkeit jener Männer, die ihn in den beiden Jahrhunderten geleitet haben. Dem Verlage, dessen Verlagskatalog eine große Reihe bedeutsamer Werke der theologischen, pädagogischen, allgemein wissenschaftlichen und schöngeistigen Literatur aufweist und der als Schulbücherverlag einen besonders großen geachteten Ruf genießt, gingen aus Anlaß des bedeutsamen Tages Glückwünsche von nah und fern zu. Münster, 4. Febr. Aufsehen erregende Verhaftungen. diebstahl ausgeführt. Der B nahme einer Fensterscheibe in das Schlafzimmer des Dienstmädchens und entwendete eine Geldbörse mit ca. 200 M Inhalt, ein wertvolles Umhängekreuz und eine Brosche. Der telephonisch herbeigerufene Oberlandjäger Öster aus Borken begab sich mit seinem Schäferhund zum Tatort und stellte im Verein mit dem Polizeibeamten Läufer aus Gemen fest, daß nur der ungefähr 16 Jahre alte Haussohn als Täter in Frage kommen konnte, der am gleichen Tage im Waffengeschäft T. in Borken mehrere Gewehre und Munition gekauft hatte. Infolge der erdrückenden Beweise bequemte sich der Ueberführte zu einem vollen Geständnis. In früher Morgenstunde, als sämtliche Hausangehörige zur Frühmesse gegangen waren, hatte dieser den Diebstahl ausgeführt. Für einen Teil des Geldes hatte er sich verschiedene Gegenstände gekauft. Das restliche Geld, sowie die Wertgegenstände wurden im nahen Wald, an verschiedenen Stellen vergraben, wiedergefunden. Der jugendliche Täter wurde festgenommen. Darup, 4. Febr. Ein selten schweres Schwein hat der Gutsbesitzer Ant. Frieling gnt. Glönig geschlachtet. Es hatte ein Gewicht von 900 Pfund erreicht. Es war 1¾ Jahre alt. + Coesfeld, 4. Febr. Seminarabschluß. Östern dieses Jahres schließt das Seminar Coesfeld, das 1908 gegründet wurde, seine Pforten. Zum Abschluß sollen noch einmal alle ehemaligen Schüler zusammengerusen werden zu einer Wiedersehensfeier am 8. April(Donnerstag nach Östern). Zu diesem Tage soll eine eigene Schrift herausgebracht werden, um allen als Andenken an den Ort ihres Studiums zu dienen. Anmeldungen an Lehrer Heitermann, Coesfeld. in in ick d Westfalen und Nachbarprovinzen. Hamm, 2. Febr. In der letzten Nacht versuchten Diebe in die Keßlersche Besitzug in Marwicke einzudringen. Der Eigentümer erwachte aber durch das Geräusch, das die Diebe beim Durchsägen eines Gitters verursachten. Ein abgegebener Schreckschuß vermochte die Einbrecher nicht zu verscheuchen. Ein zweiter Schuß traf einen von ihnen tödlich. Seine Leiche wurde am nächsten Morgen in der Nähe des Hauses gefunden. Bielefeld, 4. Febr. Der erste weibliche Richter in Bielefeld. Fräulein Assessor Dr. Nahrwold, Tochter des Amtsjustizrats Nahrwold in Minden, ist nach Bielefeld versetzt worden und hat eine Zivilprozeßabteilung übernommen. X Bielefeld, 4. Februar. Warnung. Hier taucht ein angeblicher Werber der Bonner Buchgemeinde auf unter verschiedenen Namen. Er gab vor, daß er auch zur Revision der Boromäusbibliothek bevollmächtigt sei. Nachfrage in Vonn ergab, daß der angebliche Revisor ihnen gänzlich unbekannt sei. Größte Vorsicht sei geboten. Man hüte sich vor diesem Schwindler, der hier sowohl als auch in Herford und Minden schon mehrere Opfer gefunden hat. Gladbeck, 4. Februar. Ein arger Schwindel. Zu einem Kirchhellener Beamten kamen zwei Leute, von denen sich der eine als Generalagent einer Hallenser Lebensversicherungsgesellschaft vorstellte, bei der der Beamte vor der Inflationszeit eingekauft war, ohne daß er nachher noch das geringste von der Gesellschaft gehört hätte. Die Besucher teilten ihm mit, daß die Gesellschaft gewillt sei, seine Police mit 33½ Prozent aufzuwerten, doch müsse er eine einmalige Prämie in Höhe von 400 Mark zahlen. Dies lehnte der Beamte als im Augenblick unmöglich ab, ebenso eine Anzahlung von 100 Mark, erklärt sich aber bereit, um seine„Rechte" zu wahren, 20 Mark zahlen zu wollen, worüber der„Generalagent“, der eine Bochumer Adresse als die seinige angab, Quittung leistete. Er betonte noch, daß eine Reihe von Beamten in Gladbeck ebenfalls die Prämie gezahlt hätten. Dann verabschiedeten sich die beiden. Der Beamte erkundigte sich bei einer der namentlich genannten Gladbecker Persönlichkeiten und erfuhr hier den Schwindel. Auch die Bochumer Adresse des Generalagenten erwies sich als nicht existierend. Es steht zu vermuten, daß die beiden Schwindler auch anderswo den gleichen Trick versuchen werden. = Bochum, 4. Febr. Tödlicher Unfall. Ein folgenschweres Unglück ereignete sich am Dienstag abend auf der Königsallee. Die 19jährige Hausstütze E. Geibel fuhr auf dem Rade an der linken Seite der Straße. So geriet sie vor ein Lastauto des Konsumvereins „Wohlfahrt“, das aus entgegengesetzter Richtung kam. Der Chausfeur bremste, konnte aber nicht verhindern, daß das Vorderrad des Lastkraftwagens dem armen Mädchen über die Brust ging. Schwerverletzt wurde es zum Bergmannsheil gebracht. Hier verschied es noch am selben Abend. * Wanne, 4. Febr. Von einem Zuge angefahren und verletzt wurde der Eisenbahnarbeiter F. Kujawa aus Röhlinghausen. K., der auf der Güterabfertigung in Gelsenkirchen beschäftigt ist, ging auf dem Heimwege den Bahndamm der Strecke Zeche„Alma“— Hafen— Grimberg entlang. Auf diesem Wege wurde er von einem Güterzugwagen, dessen Trittbrett wahrscheinlich sein Bündel streifte, umgerissen, und es wurde ihm der linke Unterarm und einige Finger der rechten Hand überfahren, außerdem erlitt er an der Schulter und am Kopfe schwere Hautabschürfungen. Eine Stunde später sand man den Verletzten, der schnellstens in das katholische Marienhospital nach Gelsenkirchen überführt wurde. :: Gelsenkirchen, 4. Febr. Unfall einer Blinden. Die 28jährige blinde Marta N. aus der Weißenburgerstraße geriet am 2. Februar, abends gegen 7,30 Uhr, beim Ueberschreiten der Bismarckstraße in der Nähe des Sterns unter einen Personenkraftwagen und erlitt Verletzungen im Gesicht. Der Kraftwagen hielt so schnell, daß nur die Vorderräder über die Unglückliche hinweggingen. Mit demselben Kraftwagen wurde die Verletzte ins Krankenhaus gebracht. Ob ein Verschulden des Kraftwagenführers vorliegt, wird die eingeleitete Untersuchung ergeben. Duisburg, 4. Febr. Oberbürgermeister Dr. Jarres wiedergewählt. Die Stadtverordnetenversammlung, die unter Vorsitz von Bürgermeister Dr. Maiweg stattfand, wählte den bisherigen Oberbürgermeister Dr. Jarres auf 12 Jahre wieder. Es wurden 53 Stimmen abgegeben, von denen 41 auf Dr. Jarres lauteten, während 12, die von den Kommunisten herrührten, ungültig waren. Der Oberbürgermeister nahm die Wahl mit einer kurzen Dankesansprache an. * Losheim, 4. Febr. Ein scheußlicher Mord aufgeklärt. Der Polizei ist es gelungen, den am 27. Januar an dem fünfjährigen Knaben Josef Hoffmann li bruc Nachdem vor einigen Monaten ein münsterischer Arzt verübten Mord aufzuklären. Unter dem dringenden und vor einigen Tagen zwei hiesige Aerzte wegen Ver= Verdacht, die scheußliche Tat ausgeführt zu haben, wurde brechens gegen§ 218 des R. St. G. B. verhaftet der 21jährige Sohn eines hier wohnenden Schuhmachers worden waren, ist jetzt ein vierter Arzt wegen des dringenden Verdachtes dieses Verbrechens festgenommen worden. Anholt, 4. Febr. Hohes Alter. Am gestrigen Tage konnte der Forstaufseher Heinrich Peters, Regnit, der seit ungefähr 50 Jahren im Dienste des Fürstlichen Hauses zu Salm=Salm steht, in körperlicher und geistiger Rüstigkeit seinen 82. Geburtstag feiern. Unsern herzlichen Glückwunsch! Rhede, 4. Febr. Wieder Hochwassergefahr. Infolge der starken Regenfälle stieg das Wasser des Rheder Baches in der Nacht auf Mittwoch so stark, daß die Ufer stellenweise überflutet wurden. Auch in verschiedenen Häusern an der Deichstraße drang das Wasser ein, das in den anliegenden Gärten wieder viel Schaden anrichtete. In den Nachmittagsstunden ging der Wasserstand langsam wieder zurück. X Asbeck, 5. Febr. Festgenommen wurde hier ein Knecht, der bei seinem Arbeitgeber des öfteren den Geldschrank erbrochechn und sich auf unerlauhte Meise Geld verschafft hatte. festgenommen. Als man das Kind vermißte, suchte man den in der Nähe des Kirchhofs liegenden Wald Bandelsheck ab, weil der Knabe zuletzt gegen 1 Uhr in dieser Gegend gesehen worden war. Erst am späten Abend wurde die Leiche gefunden. Der Hals war bis auf die Wirbelsäule durchschnitten und die Schädeldecke über der Stirn gelöst. Als Mordwerkzeug benutzte der Mordbube anscheinend ein scharfrandiges Stück Blech, das man blutbefleckt in der Nähe der Leiche fand. In der Nähe der Leiche wurde ein Taschenuhr gefunden, die der Mörder dem Knaben wahrscheinlich zum Spielen gegeben hatte, um ihn leichter in den Wald zu locken. Ein Uhrmacher aus Losheim, der die Uhr schon einmal zum Instandsetzen hatte, konnte aus seinem Buch feststellen, daß sie dem Sohn des Schuhmachers gehörte. Dieser erkannte sie auch als Eigentum an, will sie aber vor längerer Zeit schon verloren haben. Sodann haben sich auch Zeugen gemeldet, die ihn in Gesellschaft des Kindes gesehen haben. Das Kind saß auf einem Handwägelchen, das er hinter sich herzog. Als er später mit dem Wagen zurückbehrte, war das Kind nicht mehr bei ihm. seschnitten haben und natürlich auch den ihrer Maria, Nacht am Schneebilde die Ehrenwacht. Währenddessen Lamilla und Sybilla. tanzen und wirbeln die Schneeslocken um das Bis Manchen Abend bin ich mit meinem spanischen herum und decken barmherzig das frierende Kind zu Freunde, einem ehemaligen salmantiner Studenten, noch Und wenn dann am Abend von den umliegenden Ge. sinaufgezogen, wo die Kathedralen die herrliche Kirche schäftshäusern die Lichtreklame aufleuchtet, wenn„Beran Esteban, die Universität, die berühmte Casa de las linske Tidende" ihre neuesten Neuigkeiten vom Dach sonchas und eine Menge alter Paläste uns die ganze her als Vorschuß auf die Morgennummer in die länBröße Altspaniens vor Augen führten. Die scheidende mende Nacht verkündet und wenn die Bogenlampen sonne läßt die machtvolle Stadt auf dem Berge aufleuch= mit ihrem grellen Licht in den Winterhimmel hinäuSalamanea und seine Aoiversität Es hat seine Reize, im Winter ins Ausland zu fahren, wenn wenig Fremde im Lande sind und die Menschen ihr ureigenstes Leben führen. Vielleicht ist das Bild, das man da von einer Nation gewinnt, wahrer und tiefer als das des Sommers, wo man als Ausländer von gewissen Kreisen, die verdienen wollen und sich darum uns anpassen, eingesponnen wird. Auf dem Rathausplatz in Kopenhagen flattern die Tauben, ganz wie am Dom zu Köln oder an St. Markus zu Venedig. Es scheint Spiel und es ist Ernst! Ernst, weil weißer, kalter Schnee die nördliche Erde deckt. Ein Junge füttert die Tauben mit seinem Butterbrot. Dankbär und leicht flattern die Tiere heran. Ein Arbeitsmann unterbricht seinen schweren Gang und schaut zu. Ein Trupp Kinder macht einen weiten Bogen, um die Tierlein nicht aufzuscheuchen. Autos jagen die Kreuz und Quer, Omnibusse rattern schwerfällig und würdevoll vorbei, die Elektrische geht ihren eisernen Weg und Radfahrer huschen über den gefrorenen Schnee. Die Großstadt schaut dich aus tausend Augen an und doch siehst du am Taubenfüttern, daß unter ihr das Menschengemüt noch lebt. Ach, daß doch die Großstadt die Seele nicht totschlagen möchte! Da schlägt die Rathausuhr! Eine nordische Melodie! Sie klingt mir seit meinem ersten Aufenthalt in Dänemarks Hauptstadt noch im Ohr. Du wirst sie nie vergessen, wenn du sie einmal gehört hast! Es ist eine alte, ernste Weise. Man hat sie komponiert und in den Rahmen von Harmonien gespannt. Wenn es vielleicht gelänge, das Brausen des Winterwindes oder das Säuseln der Sommerlüfte, und die Melodien pulsierenden Lebens zu Tage und zur Nacht, und das Glühen der Sonne und das Glitzern der Sterne und ein Rufen von alten Türmen, und ein Ahnen von nahen Meeren mit hineinzuweben in die so entstehende Symphonie: Das möchte ein schönes Lied werden. Aber so, wie sie war, sagte mir die Komposition nichts. Die Not geht um, auch in Dänemark! Es muß während des Weltkrieges eine Zeit gegeben haben, wo man hier rasend Geld verdiente. Handel und Industrie stellten sich um in den Dienst der kriegführenden Länder. Vielleicht ohne Partei zu nehmen. Man dehnte aus und schnitt ab, so wie es der Augenblick heischte. Nun war der Krieg aus. Da pendelte der Schlag der Zeitenuhr nach der anderen Seite. Bankkrache und Kronensturz! Heute steht die Krone über Pari aber auch die Preise aller Artikel. Unregelmäßigkeiten im Essen und Trinken schaden nicht nur dem Individuum, sondern auch der Nation, namentlich dann, wenn eine Nation auf Export und Import und durchgehenden Handel so eingestellt ist, wie Dänemark. Die vielen stilliegenden Schiffe im Kopenhagener Hafen reden davon, wenn auch die Menschen schweigen. Die Not geht um auch in Dänemark! Die Zeitungen reden von Arbeitslosigkeit. Im ganzen Lande seien es etwa 100000 bei 3½ Millionen Einwohnern. Ein Arbeiter verdient etwa 55—70 A pro Woche. Sei es in Zeiten der Teuerung schon sehr schwer mit diesem Gelde auszukommen, so werde die Not unerträglich, wenn bei Arbeitslosigkeit eine Unterstützung von 18 A pro Woche, 1 A täglich für die Frau und 0,45 M für jedes Kind unter 15 Jahren einkommen. Mein Gewährsmann glaubte, daß Ende Januar der Höhepunkt erreicht sei und daß bis 1928 in der ganzen Welt ein Mangel an Arbeitskräften entstehen würde. Es sei eine der nächsten Aufgaben der Sozialpolitik, eine weitschauende Arbeitslosenversicherung einzuführen. Die Not geht auch um in Dänemark! Darum haben junge Künstler während einer Nacht vor dem Rathause zu Kopenhagen aus Schnee eine Schneemutter mit einem frierenden, nackten Kinde gebaut. Die Mutter sitzt da und deckt mit Händen und Körper soviel sie kann, ihr armes Kind. Vor dem Bilde im Schnee steckte eine Sammelbüchse und immerfort rollen die 5 und 10 und 25 Brestücke in den Kasten. Zwei winzige Flaggen mit weißem Kreuz auf rotem Grunde bitten das patriotische Herz der Passanten um Hilfe für notleidende Allerlei. Amerika baut ein zweites Venedig. Die Hotelvereinigung von Florida, der sast alle führenden amerikanischen Hotels angehören, hat beschlossen, in dem amerikanischen Badeorte Miami ein Kanalsystem anzulegen, das nach dem Muster von Venedig von Palästen und kunsthistorischen Bauten eingerahmt sein soll. Die Kanäle sind schon eröffnet worden, während man die Hotelbauten im nächsten Jahre folgen lass Um den Amerikanern das neue e zianische Gondelführer engagiert, die in New=York stions contemporalnes). Die spanische Universität hat ganz den französischen Typ übernommen. Der Centralismuß in Frankreich seit Napoleon räumte mit den großen Traditionen der französischen Universität auf. Sie wurde eine Staatseinrichtung, die lediglich der wissenschaftlichen und technischen Vorbereitung auf den Beruf zu dienen hatte. Wie diese verlor auch die spanische Universität, da sie die französische copierte, den Charakter der universitas literarum. Jüngst hat man in Salamanca in den Wandelgängen der Universität die Statuen der hl. Barbara, des hl. Augustinus, des hl. Gregorius und der Unbefleckten Empsängnis wieder aufgestellt, aber wo sind die Lehrstühle der Theologie, die einst Männer geziert haben wie Fray Luis de Leon, Guepara, Vitoria Soto, Cano und viele andere? Ich sage nicht, daß in Spanien, welches der Kirche seit den Tagen der Toledaner Konzilien so viele große Theologen geschenkt hat, das Studium der Theologie gelitten habe, aber die älteste der Fakultäten muß dorthin zurückgerufen werden, von wo der Unglaube sie vertrieben hat. Gerade in diesen Tagen hat die große Vereinigung der katholischen Studenten in Spanien einen Aufruf erlassen, Alcala de Henares wieder aufzubauen, die Universität von Madrid, wo sie in ganz unwürdigen Räumen ein Aschenbrödeldasein fristet, zurückzuverlegen in die Stadt des Cervantes und des großen spanischen Kardinals Cisneros. In ihrem Programm wird die Forderung aufgestellt, der Theologie wieder den Platz einzuräumen, den sie in der Geschichte der Universitäten zu beanspruchen hat. „Omnium scientiarum princeps Salmantica docet— Salamanca lehrt als Führerin aller Wissenschaft". Dieses stolze Wort las ich in den Annalen der Universität aus dem Jahre 1590. Ich weilte oft in dem großen Hörsaal, der jetzt noch heißt„Catedra de Fray Luis de Leon", der getreu sein mittelalterliches Gepräge bewahrt hat, den Lehrstuhl des Meisters, die Galerien der Doktoren und die alten braunen Eichenbänke der Studenten, wo viele Generationen junger Musensöhne ihren Namen einre folgen lassen will. e. Venedig näher zu bringen, hat die Hotelvereinigung ein Dutzend echte venezianische Gondelführer engagiert, die in New-York eingetroffen sind, wo ihnen zunächst die Einwanderungsbehörde das Betreten des Landes verweigerte. Die Hotelvereinigung hat nun für jeden Gondelier 800 Dollar Pfand hinterlegt für den Fall, daß die Gondeliere nich rechtzeitig nach Italien zurückkehren. 100 000 Dollar für einen Finger. Ein früherer Konzertpianist und Klavierbegleiter von Opernstars, Alexander Stock in Newyork, hat eine Droschkenautogesellschaft, die Yellow Cäb Corporation in Newyork, auf Schadenersatz in Höhe von 100000 Dollar verklagt. Er begründet seine Klage damit, daß er durch die Fahrlässigkeit eines Droschkenchauffeurs dieser Gesellschaft seinen Finger und damit sein einziges Mittel, seinen Lebensunterhalt zu verdienen, eingebüßt hätte. Der Künstler wollte vor einiger Zeit eine Fahrt mit einem Wagen der beklagten Gesellschaft machen. Als er in den Wagen hineinsteigen wollte, schlug der Fahrer in fahrlässiger Weise die Wagentür zu früh zu, wodurch der Finger des Fahrgastes festgeklemmt und böse zerquetscht wurde. Es trat eine Bluvergiftung ein, die eine Amputation des Fingers notwendig machte. groß gebaut, sie liegen in den Särgen, auf ihren Gräbern hüpfet ihr wie ein Geschlecht von Zwergen.“ Salamanca ist der schlagendste Beweis, daß die Verbindung zwischen Religion und Wissenschaft, zwischen der Kathedrale und der Kathedra für beide von lebenspendender und befruchtender Wirkung war. Neben den beiden gewaltigen Kathedralen, der romanischen des 13. und der spätgotischen des 16. Jahrhunderts, erhebt sich auf dem Gipfel der Stadt die herrliche alma mater literarum, im gleichen, wundervollen goldbraunen Sandstein leuchtend, gleichsam eine eigene Stadt auf dem Berge, die, wie mein spanischer Begleiter so treffend. sagte, schon aus weiter Ferne allen zuruft:„Aqui estoy yo!— Da bin ich!“ Eine lange Reihe unsterblicher Namen verknüpfen sich mit der Geschichte dieser Universität, ich nenne nur Fray Luis de Leon. Maldonado und Cienfuegos. Wenn Salamanca einst jene Bedeutung hatte, wenn die Geschichte seiner Universität ein Großteil des spanischen Geisteslebens in vier Jahrhunderten war, fragt man sich, warum dieser traurige Verfall? Ich stellte mir schon einmal die Frage in den Trümmern der anderen berühmten spanischen Universität in Alcala de Henares, dem Geburtsort des Cervantes, der Universitätsstadt Calderon's, die der Kardinal Jimenez ins Leben gerufen und die mit Salamanca einst um die Palme der Wissenschaft rang. Gewiß haben eine ganze Reihe von Ursachen den Verfall herbeigeführt: der spanische Erbfolgekrieg, die napoleonischen Kriege, in denen Salamanca geplündert und zum Teil zerstört wurde, die Bürgerkriege des vorigen Jahrhunderts, der verheerende Einfluß der französischen Encyklopädisten, die Zentralisierung allen politischen und intellektuellen Lebens in Madrib. Die Hauptursache aber war der Geist des Liberalismus und der Aufklärung, der intoleranter war als die spanische Inquisition. Er hat die Universität zerrissen, er hat die Schuld, daß die älteste Fakultät, die der Theologie, ausgezogen ist aus Spaniens Universitäten und sich zurückgezogen hat in Dutzende kleiner Provinzseminare und Ordensschulen. Chor um Schmidthonn. Zu Wilhelm Schmidtbonns 30. Geburtstage am 6. Febr. 1926. Herausgegeben von Herbert Saeckel. Deutsche Verlagsanstalt, Stuttgart. Achtzehn Freunde Schmidtbonns berichten in diesem Schriftchen, wie sie dem Dichter persönlich nahe kamen und wie sie durch die Verbindung mit ihm beglückt und bereichert wurden. Man liest mit Interesse die diesbezüglichen Bekenntnisse von Stefan Zweig, Wilhelm Schäfer, Herbert Eulenberg. Else Lasker=Schüler und der anderen. Mitmenschen, und zahlreiche Zuschauer halten Tag und bestätigt der neue Polizeipräsident von Newyork selbst, denn er stellte fest, daß im abgelaufenen Jahre von den 14000 Newyorker Polizisten 6000 vor dem Richter wegen Trunkenheit in Ausübung des Dienstes gestanden waren. Wer von den Polizisten sich fortan den Luxus eines Alkoholtrunkes vergönnt, wird unbarmherzig aus dem Polizeikorps entlassen werden. blind endeten, schloß man, daß sich ein Grab in der Nähe befinden müsse, und sand auch sehr bald den zu ihm führenden Schacht, in den man sich— ein Zeichen der hohen Bedeutung des Grabes— erst hundert Fuß tief hinabarbeiten mußte, ehe man auf die Grabkammer stieß. Die Kammer selbst wurde bisher nur durch eine kleine Oeffnung mit Hilfe eines Spiegelsystems oberflächlich untersucht. Man weiß, daß in ihr ein Sarkophag aus Alabaster unter einem großen goldenen Baldachin steht. Der Boden ist mit vielfältigen Geräten, Möbeln und Kunstgegenständen bedeckt. Man hat jedoch vorläufig die Kammer wieder vermauert, um die Rückkehr Dr. Reisners aus Boston abzuwarten. kämpfende Drachen und Phönixe. Die vier Eckselder zeigen je ein Drachenpaar, flankiert von buntfarbigen nixen. Die Füllung des Innenfeldes besteht aus zenen. Reiter und Fußgänger, mit allen möglichen Waffen versehen, verfolgen Löwen, Panther, Wildschweine, Hirsche und Bären. Im ganzen sind 173 Jagdtiere und 58 Pferde dargestellt. Die Perspektive ist vollkommen aufgehoben und die einzelnen Figuren sind nach Art der altorientalischen Kunst hintereinander angeordnet. Auch die Farbengebung ist ganz frei. Man sich graue, rosa und sogar blaue Pferde, was zwar jedem Naturalismus widerspricht, die künstlerische Wirkung jedoch gewaltig steigert. Die Bordüre ist dreiteilig und zeigt ebenfalls buntfarbige Gruppen mit Blatt- und Rankenwerk. Dieser kostbarste Teppich der Welt ist in einer Hofmanufaktur der Safiwiden wahrscheinlich zur Zeit des Schah Tahamps um 1550 hergestellt worden. Im Jahre 1698 erhielt ihn der Tradition zufolge Kaiser Leopold vom Zaren Peter dem Großen zum Geschenk. Rücksicht auf den großen Wert, den derartige Prunteppiche repräsentieren, wurden sie stets mit besonderet Sorgfalt behandelt. Aus zeitgenössischen Chroniken erfährt man, daß ein solcher Teppich in einem persischen Gemach gewöhnlich die Mitte ausfüllte. Er durfte nur vom Schah selbst betreten werden und auch ihm wurden, ehe sein Fuß das Kunstwerk berührte, die Schuhe ausgezogen. Bei einem Empfang saß er auf Polstern inmitten des Teppichs. Rinas um ihn befanden sich die Großen seines Reiches. Erst wenn der Schah den Tenpch verlassen hatte, zogen ihm die Höflinge die Schuhe wieder an. Dieser besonderen Schonung ist es zu verdanken, das der Schönbrunner Jagdterpich ebenso wie die anderen versischen Prunkteppiche trotz ihres Alters so aut erhalten sind. Interessant ist, daß der Jandtevpich auch in Schonbrunn benutzt wurde, und zwar jährlich am Fronleichnamstage. Er lag dann vor dem Altar und wurde nur vom Priester betreten. Stundenlang könnte man die Pracht dieses herrlichsten aller Gewehe bewundern Der„Schönbrunner Jagdtenpich“ wird von Kennern auf einen Wert von über 20 Millionen Goldfranken geschätzt. Vor der Küste Newyorks ist vor kurzer Zeit ein Alkoholschmuggler mit einer reichen Ladung Alkohol an Bord nach einer lange währenden Verfolgung von der Küstenwache festgenommen worden. Das Schiff mit Namen„Rescue", ein schnell fahrendes, mit Petroleumheizung versehenes Schleppboot, machte in den frühen Morgenstunden den Versuch, an einem Küstenpatrouillenfahrzeug vorbeizuschleichen, wurde aber gestellt. Darauf führzeug dorberzuschleichen, würde aber gestent. Daran ergriff die„Rescue“ die Flucht, verfolgt von dem Patroillenschiff. Dabei entwickelte sich ein Feuerkampf, bis das Küstenwachtschiff die Verfolgung einstellen mußte. Nun griff ein Polizeiboot helfend ein und nahm den Schmuggler unter Feuer, der allmählich so in die Enge getrieben wurde, daß seine Bemannung schließlich Anstalten traf, um die Klappen zu öffnen, um das Schiff zum Sinken zu bringen. Die Verfolger zwangen aber den Schmuggler, Kurs auf die Küste zu nehmen und holten ihn dort ein. Von der Bemannung vermochten zwanzig Mann zu entwischen, so daß nur vier Mann verhaftet wurden. Bei der Untersuchung stellte sich heraus, daß an Bord 30000 Kisten Champagner und andere geistige Getränke waren. Einen zweiten Erfolg hatte die geheime Alkoholpolizei dieser Tage in Chicago. Seit Wochen logierten Agenten der Geheimpolizei im Hotel Morrison in Chicago, einem der größten Hotels der Welt, als gewöhnliche Gäste, Eines Tages gelang es ihnen, von zwei Hotelbediensteten Alkohol zu bekommen. Es droht nun nicht bloß eine Verfolgung der beiden Bediensteten, sondern auch gegen den Besitzer und die Direktion des Hotels, dessen Bau allein zehn Millionen Dollar gekostet hat. Es wird sogar von der Schließung des Hotels gesprochen. Der Besitzer, Harry C. Moir, erklärt, daß sein Unternehmen das Opfer von agents provocateurs geworden sei. Ob die Alkoholpolizei mit einwandfreien Mittel arbeitet oder nicht, bleibe dahingestellt, aber unbestritten ist, daß in den Reihen der Polizei zahlreiche Alkobolsünder sind. Das Wenn jetzt abermals aus dem scheinbar unerschöpflichen Aegypten die Kunde von der Entdeckung eines Königsgrabes kommt und behauptet wird, daß dieses „Haus der Ewigkeit"— wie es die Aegypter nannten— beispiellose Schätze berge u. ungeahnte Kunde von einer Zeit geben werde, die fast 6000 Jahre zurückliegt, so darf man diesmal mit einiger Sicherheit annehmen, daß es sich um eine ernsthaftere Angelegenheit handelt, als die zum Rummel ausgeartete Entdeckung und Auswertung des Tutanchamon=Grabes. Es steht bereits jetzt fest, daß — selbst wenn sich dieses Grab, das die Forscher vorläufig mit dem Signum„7000 X“ bezeichnen, nicht als das des Königs Snefru bestätigen sollte— es sich doch um das bisher ungeplünderte Grab eines der mächtigsten Pharaonen handelt. Die Entdeckung ist das Werk des Führers der Harward=Boston=Expedition, Dr. Reisners, der schon seit nahezu 20 Jahren im Gebiete der Pyramiden von Gizeh arbeitet. Allerdings hatte er das Pech, gerade als Rekonvaleszent in Boston zu weilen, als die nach seinen Anweisungen arbeitenden Assistenten Rowe und Greenlees auf dem Trümmerfelde östlich der großen Pyramide im Kalkfels auf eine Gipsschicht trafen, die nicht natürlichen Ursprungs sein konnte. Sie brachen die Givsschicht heraus und kanden eine Trepve, die jedoch blind im Fels verlief. Da man weiß, daß solche Treppen ehemals zu den tief in den Fels hineingebauten Königsgräbern zu führen pflegten, daß diese Treppen auch noch beibehalten wurden, als die Graber später am Fußnunkt senkrechter Schächte eingebaut wurden und in diesem Falle — vielleicht auch zur Irreführung von Grabräubern— Im Pariser Museum für dekorative Kunst ist gegenwärtig ein alter orientalischer Tierteppich ausgestellt, der aus dem Besitz des früheren österreichischen Hofärars stammt und im Jahre 1925 mit Bewilligung der Reparationskommission an eine englische Firma verkauft wurde. Daß die englische Firma nun diesen Teppich unter der Bezeichnung„Der Schönbrunner Jagdteppich" ausstellt, ist ein unlauterer Reklametrick, denn der echte„Schönbrunner Jagdteppich", dieser kostbarste und wertvollste Teppich aller Sammlungen der Welt, liegt wohlgeborgen und verwahrt nach wie vor im Wiener Kunstgewerbemuseum. Der Berichterstatter des„Wr. J.“ beschreibt dieses Prachtstück mit folgenden Worten: „Ein Diener rollt den Vorhang zurück und in seiner ganzen Pracht bietet sich nun das einzigartige Stück dem Beschauer dar. Der Jagdteppich ist zum Unterschied von den anderen Objekten, die alle aus Wolle verfertigt sind, vollständig aus reiner Seide gewebt und seine Dekoration schillert in Hunderten von Farben, die ununterbrochen wechseln, je nach dem Auffallen der Lichtstrahlen und der Stellung des Besuchers. Das innere Feld enthält einen Mittelstern und vier Eckfelder. Im Stern selbst sieht man, von Blumen, und Blattgeranke belebt, in Silber und Gold broschiert, renddessen das Bild Kind zu enden Genn„Ber= om Dache i die lärgenlampen el hinäu. trumpfen n Fernen ttern und Oelmagnaten emporgearbeitet. Er entstammte wie sein Vorgänger Alfred Bedford, mit dem ihn enge Freundschaft verband, den unteren sozialen Schichten. Es gehört zu den Grundsätzen der Standard Oil Co., daß sie sich aus den Reihen der eigenen Angestellten das Kader für die Leitung ihres gewaltigen Organismus heranbildet; tüchtige junge Leute sollen in ihr Gelegenheit erhalten, etwas zu lernen, damit sie später befähigt sind, an leitenden Stellen zu wirken. Auf diese Weise ist auch Jones die Möglichkeit geboten worden, immer weiter emporzukommen. Rockefeller selber hat ja seine Laufbahn als kleiner Buchhalter begonnen, und sein Vorbild hat Nachahmung gefunden. Als die alte Standard Oil=Gesellschaft im Jahre 1911 in eine Anzahl selbständiger Unternehmen aufgelöst werden mußte, eröfsnete sich etlichen tüchtigen und noch im jugendlichen Alter stehenden Angestellten die Aussicht, in leitende Stellungen zu gelangen. Damals wurde Kingsbury, einst Heizer bei einem Pumpwerk und Arbeiter=Student, mit kaum 43 Jahren Präsident der Standard Oil of California; Robert Stewart, Mitglied des Rechtsbüros des Unternehmens, erhielt die Leitung der Standard Oil of Indiana; Teagle, ursprünglich in der Raffinerie=Abteilung tätig, der es mit 30 Jahren bereits zum Mitglied des Direktoriums der alten Standard Oil gebracht, wurde, erst 39 Jahre alt, Präsident der Standard Oil of Newyork als Nachfolger von Bedford, der seinerzeit seine Laufbahn ebenfalls als kleiner Angestellter begonnen hatte. Wie schon angedeutet, ist Jones ins praktische Leben unter noch viel bescheideneren Umständen eingetreten. Als Sohn eines armen Zimmermanns zu Carthago im Staate Newyork mußte er in der Schule sich bemühen, etwas aus den Büchern seiner Kameraden zu lernen, denn seine Eltern waren zu arm, um ihm eigene Bücher kaufen zu können, und er mußte darum auch früh seinen Lebensunterhalt selbst zu verdienen suchen. Seine erste Arbeitsstelle fand er in einer Lehnstuhlfabrik, und später war er mit 87½ Cents Tagelohn bei 12 Stunden Arbeitszeit in einer Weberei beschäftigt. Hierauf wurde er der jüngste Angestellte einer Versicherungsgesellschaft mit einem Wochenlohn von 3 Dollar. Als sein Prinzipal ihm nach einem halben Jahr„aus Anerkennung für seinen Fleiß" den Lohn für ein Jahr auf 4½ Dollar pro Woche festsetzen wollte, da fand Jones das offenbar übertrieben, und er gab die Stelle auf. Mit ersparten 40 Dollar in der Tasche und ein bißchen Kenntnis in Stenographie und Maschinenschreiben besuchte er die Handelsschule in Oswego. Weil aber seine Augen zunächst das ständige Angestrengtsein nicht vertrugen, ging er zu einem anderen Beruf über und wurde Schreibmaschinenverkäufer. Das erwies sich jedoch bald als ein Mißgriff, denn die von ihm verkaufte Maschine taugte nichts, und darum konnte er natürlich auch keine Geschäfte machen. So gab er denn bald auch diesen Posten auf. und als die National Transit Co., eine Schwestergesellschaft der Standard Oil, sich bei der Handelsschule in Oswego wegen eines Stenographen erkundigte, bewarb er sich um die Stelle, die er auch erhielt Jones war damals 18 Jahre alt, und sein Gehalt betrug 50 Dollar im Monat, wurde jedoch nach Ablauf der Probezeit auf 60 Dollar erhöht. Nunmehr konnte sich Jones durch musterhaften Fleiß und eiserne Energie vorwärtsbringen. Er ließ die Abendstunden nicht unausgenützt vergehen, sondern suchte sich juristische Kenntnisse anzueignen, bei welchem Streben ihm der spätere Rechtsbeistand der Standard Oil Elliot an die Hand ging. Im Jahre 1897 war Jones Buchhalter=Korrespondent, zwei Jahre später Sekretär Daniel O'Days, eines der höheren Beamten der Standard Oil. Seine Beschäftigung bestand damals im Zeichnen von Plänen und Karten für alle Bohrleitungen im ganzen Lande. Später konnte er sich besondere Erfahrungen in der Abteilung Erdgase zu eigen machen. Als die Regierung der Vereinigten Staaten die Auflösung des Trusts verlangte, vermochte Jones bei der Ausarbeitung der Verteidigung für die Gesellschaft ihr sehr gute und stark bemerkte Dienste zu leisten dank seinem ausgezeichneten Gedächtnis, seinen Kenntnissen aller Einzelheiten, seiner juristischen Tüchtigkeit und weil er stenographieren konnte. Von jener Stunde an begann das schnelle Tempo in seiner Karriere. Am 18. April 1917 wurde er Direktor und am 2. August 1919 Schatzmeister des Unternehmens: ein weiteres Jahr später, nämlich am 27. Dezember 1920, rückte er zum Vizepräsidenten vor. Seitdem lag das finanzielle Schicksal der Gesellschaft in seinen Händen. Mehr als einmal bereits war es in Jones Laufbahn geschehen, daß er in vorher von Bedford verwaltete Funktionen gelangte, aber daß er schließlich Vorsitzender des Verwaltungsrates der Standard Oil Co. mit einem Jahreseinkommen von 125 000 Dollar werden sollte, das allerdings hatte sich der junge Angestellte nie träumen lassen. Es gibt wohl keinen Leiter einer großen Unternehmung vom Umfang der Standard Oil Co., der auf eine derart erfolgreiche, durch ununterbrochenes Emporkommen gekennzeichnete Laufbahn zurückschauen kann. Beigeordneter Fritzen(Bad Godesberg) schreibt in den Kommunalpolitischen Blättern: In den folgenden Ausführungen soll im Wesentlichen von der bisherigen Tätigkeit der Studiengesellschaft für Automobilstraßenbau die Rede sein. Sie hat sich seit ihrem kurzen Bestehen mit großem Erfolg auf dem Gebiet der Erforschung neuzeitlicher Straßenbefestigung betätigt, sodaß ein Bericht über deren Tätigkeit den derzeitigen Stand des Automobilstraßenbaus und neuzeitlicher Straßenbefestigung wiedergibt. Vorweg sei bemerkt, daß die Gründung der Studiengesellschaft für Automobilstraßenbau(„Stufa“) am 21. Okt. 1924 in Berlin erfolgte und zwar unter äußerst zahlreicher Beteiligung der in Betracht kommenden Ministerien, großer Verbände und Spitzenorganisationen, Hochschulen, Materialprüfungsanstalten, Vertretern von Städten, Provinzen, Kreisen und Gemeinden. Professor Dr. Ing. Brix erläuterte die Notwendigkeit der Gründung einer Studiengesellschaft, indem er kurz auf die Ergebnisse der letzten internationalen Straßenbau=Kongresse hinwies, auf denen schon die Frage der Staubbekämpfung sowie der Behandlung der Straßen in Anpassung an den Motor= und Automobilverkehr, behandelt worden sei. Da insbesondere seit dem Jahre 1921 auch in Deutschland der Automobilverkehr gewaltig zugenommen habe, wäre es tatsächlich erforderlich, diesem Gebiete ganz besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Nach diesen Ausführungen hielt Professor Otzen einen Vortrag über die wichtigsten Aufgaben der Studiengesellschaft. Den gesamten Aufgabenkreis faßte der Vortragende zusammen in die Worte: „Unterstützung der sachlich geprüften Forderung technischen Ausgaben nach Umbau und Gliederung der technischen Aufgaben nach Umbau und Neubau, mit der Unterteilung nach den Hauptbaustoffgruppen: Steine, Teer, Asphalt, Beton, Sonderbauarten. Reihenfolge der Arbeit: Bericht, wissenschaftlicher Probekörper, Probestrecke, praktischer Straßenbau.“ Einen interessanten Lichtbildervortrag hielt dann Oberingenieur Sartleben von der Firma Krupp, der' einmal Aufklärung über das Ausmaß und Anwachsen des Automobilverkehrs seit 1914 gab, sowie Forderungen im einzelnen im Interesse des Verkehrs aufstellte. Er unterschied 3 Straßenarten: 1. Durchgangsstraßen für den Kraftwagenverkehr in den Städten oder um sie herum(Umgehungsstraßen). 2. Hauptverkehrsstraßen für alle Arten von Fahrzeugen in den Städten. 3. Lokalstraßen in den Städten(Kleinere Wohnund Geschäftsstraßen). Für diese Straßenarten handelt es sich nicht bloß um den entsprechenden Ausbau, sondern auch um Festsetzung der geeigneten Geschwindigkeit. Daß zur Regelung des Automobilverkehrs ganz selbstverständlicherweise auch alle Fragen der Befestigung und des Verschleißes der Straßen befestigung gehören, wie auch der Bereifung der Automobilfahrzeuge, sei es Vollgummi, seien es Luftgummireifen, sei nur nebenher erwähnt. Hieraus ergibt sich aber auch der gewaltige Umfang des Aufgabenkreises der„Stufa", und deshalb ist auch der Vorstand in seiner ersten Sitzung bereits dazu übergegangen, den Aufgabenkreis an die verschiedensten Ausschüsse zu verteilen. Als bemerkenswertes Ergeignis bleibt noch mitzuteilen, daß in Braunschweig und zwar in Verbindung mit der„Stufa“ eine Automobil=Versuchsbahn gebaut wurde, auf der eine ganze Anzahl von Straßenbefestigungen ausgeführt sind, die nun seit einigen Monaten mit vier verschieden schnell fahrenden Kraftfahrzeugen bis zur Vernichtung befahren werden. Man will auf diese Weise feststellen, welcher Straßenbelag sich je nach der Art der Benutzung durch Leicht= oder Schwerkraftwagen, am besten bewährt. Ueber den Stand der neuzeitlichen Straßenbefestigung ist folgendes zu berichten: Wenn ich mich im vergangenen Jahre in einem Referate von Fachleuten noch als Anhänger des Kleinpflasters bezeichnet habe, so glaube ich nach Ablauf des letzten Jahres, heute schon auf mancher mit Kleinpflaster befestigten Straßenstrecke den Beweis sehen zu können, daß das Kleinpflaster in der Beschaffenheit wie es vielfach angebracht wird, dem modernen Kraftwagenverkehr nicht genügend standhält. Ich habe auch im vergangenen Jahre darauf hingewiesen, daß ich eine kurze Versuchsstrecke in Teermakadam auf der Provinzialstraße Köln=Mainz habe ausführen lassen, und ich kann heute bestätigen, daß diese Strecke sich bisher ohne jede Ausbesserung einwandfrei bewährt hat. Erfreulicherweise sind ja auch die Provinzialverwaltungen dazu übergegangen, vielfach anstelle von Nachdr. verboten. nahen Senders handelt, aus dem Grunde besonders zu empfehlen, weil man hierzu keine Röhren und keine Elemente benötigt, also keine Betriebskosten hat, welche bei den Röhrenapparaten unter Umständen recht bedeutend sein können, aber bei Fernempfang, besonders bei Verwendung von Lautsprechern, nicht zu umgehen sind. Ohne Zweifel dürfte es sogar vorteilhaft sein, sich zwei Apparate anzuschaffen, nämlich einen Röhrenapparat für Fernempfang und einen Detektor für Nahempfang. Natürlich ist dazu Voraussetzung, daß ein oder mehrere Sender so nahe sind, daß sie gut in einfachen Kristalldetektor gehört werden können. Die DetektorApparate sind sehr billig und geben innerhalb der ihnen gezogenen Grenzen einen sehr guten und einfachen Empfang. Wir besitzen heute vorzügliche Dedektorapparate der verschiedensten Systeme. Von neueren Ausführungen weisen wir auf den Detektor„Max“ von Ing. M. Hansen in Elberfeld hin, welcher durch seine sorgfältige Durchkonstruktion und präzisen Zusammenbau nach dem Low=Loß=Prinzip unter Verwendung besten Materials sich durch eine große Lautstärke, Tonreinheit und Reichweite auszeichnet. Daß die Technik der Röhrenempfangsapparate in der letzten Zeit ganz außerordentliche Fortschritte gemacht, sehen wir auch in Köln. In großer Zahl sind Ein= und Zweiröhrenapparate zu sehen, welche bei verhältnismäßig sehr billigem Preis eine sehr große Reichweite und einen vorzüglichen Empfang besitzen. Oben auf der Galerie hatten die funktechnischen Vereine Kölns eine Bastelstube eingerichtet, in welcher nicht nur selbst gefertigte Apparate ausgestellt waren, sondern wo auch praktisch gebastelt wurde. Für den Besucher war es sehr interessant zu sehen, wie schnell ein Radioapparat unter Umständen zusammengebaut ist. An Lautsprechern kannten wir bis jetzt solche mit und ohne Trichter. Die Wiedergabe der Töne ist in den mit Trichtern nicht so gut, wie in den ohne Trichter, wenn auch nicht verkannt werden soll, daß die Tonwiedergabe der Trichterlautsprecher sehr verbessert worden ist. Bisher kannte man außer den Hochantennen die verschiedenen Arten von Zimmerantennen. In Köln war nur die Perfex=Antenne zu sehen, welche sowohl als hoch, wie auch als Zimmerantenne Verwendung finden kann und von wesentlich vollkommener Wirkung als die bisherigen Antennen zu sein scheint. Die eigentliche Antenne stellt sich als ein kreisrunder Rahmen mit senkrechten Drähten dar. Bekanntlich absorbiert ein senkrechter Draht mehr elektromagnetische Kraft als ein wagerechter. Ein wesentlicher Vorteil der Antenne ist, daß sie weniger durch Witterungsverhältnisse beeinflußt wird und schwächere Effekte potentiell verstärkt. Ein Ersatz für Akkumulatoren und Trockenbatterien ist ein Thermoformer von Kramolin und Co. G. m. b. H. in Berlin=Pankow. Er ist ein Netzanschlußgerät zur Erzeugung des für die Röhrenheizung erforDie Kölner Funkausstellung ist ohne Zweifel eine vollwertige Schau der Radiotechnik, welche eine Menge von beachtenswerten Neuheiten zeigt. Der Funkfreund im Rheinland und Westfalen hatte wohl noch nie Gelegenheit, eine so vollständige Uebersicht über die Empfangsapparate nebst allem Zubehör sehen zu können. Auf der Sonderausstellung der Reichspost finden wir eine äußerst interessante und umfangreiche, historische Zusammenstellung der Sender, beginnend von dem Tonfunkensender mit Schirmantenne und dem zugehörigen Detektorempfänger bis zu den Anfängen des Röhrensenders, eine Uebersicht über Röhrensender, welche heute noch in Benutzung sind. Besonders zu erwähnen ist der Sender für kurze Wellen. Auch die neueste Errungenschaft, die drahtlose Zugtelephonie, fehlt nicht. Im letzten Teil der Ausstellung der Reichspost werden moderne Rundfunk-Empfänger in betriebsfähigen Modellen mit Einzeichnung der Schaltung gezeigt. Neben zwei, drei und vier Röhren=Apparaten finden wir den Neutrodyne=Empfänger mit fünf und den Ultradyne=Empfänger mit 8 Röhren. Die Ausstellung des Physikalischen Institutes der Universität Köln führt dem Besucher die Vorgänge aus Radiophysik vor, welche die Grundlagen für die heute so hochentwickelte Radiotechnik sind. Wir nennen als Beispiel die Hochfrequenzheizung, zur Entgasung von Röhren, die verschiedenen Wellenmesser, die Dämpfungsmesser zur Ermittelung der Spulenverlusten und eine Interferrenzbrücke für Präzisionsmessung. Eine reiche Sammlung zeigt uns wohl alle heute zur Anwendung kommenden Elektroröhren. Der Werdegang einer Telefunkenröhre wird in Bildern dargestellt Der Besucher ist durch schallundurchlässige Glaswände von dem Besprechungsraum der Westdeutschen Funkbühne getrennt und kann verfolgen, wie eine Rundfunkdarbietung aufgenommen wird. In dem Aufnahmeraum befindet sich ein Reißmikrophon, ein Siemens=Bändchen Mikrophon und ein Kondensatormikrophon Die Uebertragung erfolgt einmal nach dem Sender Elberfeld und kann von dort drahtlos in den Apparaten wieder gehört werden, oder auch nach dem im Ehrenhof aufgestellten Siemens=Lautsprechern. Den Hauptteil der Ausstellung bilden die in sehr großer Zahl aufgestellten Rundsunkempfänger, welche in wohl fast allen wichtigen Konstruktionen und Systemen zu sehen sind. Grundsätzlich teilen sich die Empfänger in zwei Gruppen: solche welche fertig aus der Fabrik bezogen sind und solche, zu denen nur die Einzelteile fertig bezogen, der Zusammenbau des Apparates von dem Funkfreund aber selbst vorgenommen wird Letztere sind nicht nur wesentlich billiger, sondern haben auch noch den Vorteil, daß bei ihnen der Besitzer ganz genau über ihren Aufbau unterrichtet ist und in den meisten Fällen Veränderungen und Erweiterungen in der Schaltung etc. vornehmen kann. Aus diesem Grunde können wir jedem, welcher die Kenntnisse, Zeit und Neigung dazu hat, raten, sich seinen Radioappärat nach einem der Radiobaukästen selbst zu bauen. Er wird dann ohne Zweifel viel mehr Freude daran haben. Auch der Gebrauch der Detektor-Apparate onne Röhren ist, wenn es sich um Empfang des für ähnren Mitte von den Sammeligen muß Idee der bild aus tran, wei Rot oder sche Nots bernt, uns st manches nbehrlich Steckrüben Herd, so icht gleich das nur ängen an chgelegenDeutschen ntbehrlich uns auch und Sitfrommer den! Da ne TagesHamburg offnungsin Hand alle füheschlossen, malsystem von Pasein soll. rend man issen will. zu brinchte veneYork einnderungsrte. Die 300 Dollar liere nicht leiter von hat eine rporation 100000 amit, daß hauffeurs sein einnen, einZeit eine esellschaft n wollte, Wagentür es festgeine Blutgers notAusmaß hätte ich mir die Bearbeitung der Straßen, angepaßt an den Autoverkehr, nicht vorgestellt. Zur Durchführung des durchgehenden Autoverkehrs werden außerhalb Londons sogenannte Umgehungsstraßen angelegt, die vollständig um die Ortschaften gelegt werden und in Breiten von 24 bis 36 Meter angelegt werden. Zwar wird auch hier nur ein Fahrweg von 9—15 Meter angelegt, aber die Möglichkeit der Erbreiterung ist vorgesehen. Die Straßen werden möglichst gradlinig, ohne größere Steigerungen angelegt und müssen als vorbildliche Autostraßen angesehen werden. Vor kurzem gab sich die große„Standard Oil Co.“ einen neuen Leiter in der Person von George H. Jones. Eine echt amerikanische Laufbahn hat damit ihren Höhepunkt erreicht, denn Jones hat, wie die„Baseler Nachrichten“ plaudern, sich vom Fabrikburschen bis zum m Schriftnd wie sie rt wurden. ttnisse von erg. Else Die Meldung weckt die Erinnerung an den Erfinder des elektrischen Stuhles, den die Erfindertragik selbst in seinem Werkzeug sterben ließ! Der Mann hieß Charles Justice(Gerechtigkeit!) und hatte zwei Talente: eines zum Stehlen und das andere im Experimentieren. Dreimal saß Justice im Columbus=Gefängnis, und als er„seinen letzten Strang absaß“, erfand und erbaute er den elektrischen Stuhl. Gouverneur Harmon begnadigte ihn darauf, und das wurde das Verhängnis von Justice. Er konnte das Stehlen nicht lassen, und bei einer solchen Gelegenheit schoß er, den Raub zu decken, einen Menschen nieder. Im Juli 1911 wurde er des Mordes „im ersten Grade“ überführt, und 27. Oktober 1911 starb der Mann, der zu allem Ueberfluß„Gerechtigkeit“ hieß, in dem Todesstuhle, den er selbst erfunden hatte... * Neuverwertung von Zeitungspapier. Die deutsche Reichspost beförderte 1924 täglich rund 6 Millionen Zeitungen und Zeitschriften, denen man ein Gewicht von rund 200 Tonnen zuschreiben kann. Diese Masse wird gelesen und fällt dann als wertlos fast vollständig der Vernichtung anheim. Zu ihrer Herstellung sind aber jährlich ungefähr 150000 Tonnen Holz nötig, abgesehen vom Kohleverbrauch. Dies ist ungefähr der Jahresertrag von 500 Quadratkilometer Wald. Für jeden erwachsenen Deutschen werden also jährlich drei Bäume gefällt, um daraus Zeitungspapier zu machen! Bekanntlich kann man das alte Zeitungspapier nicht wieder verwerten, weil die Rußdruckerschwärze sich nicht entfernen läßt. Dadurch gehen ungeheure Werte verloren. Neuere Versuche sollen mit Braunstein statt Ruß glänzende Ergebnisse gezeitigt haben. Setzt sich der neue Druck durch, so gehen die jährlich zwei Milliarden Exemplare von Zeitungen künftig nicht mehr für die Wiederverarbeitung auf Papier verloren, oder anders ausgedrückt: Zeitungsmakulatur wird gehen. Dann kam der Herr Jönköping aus Schweden, er fabrizierte dieselben Hölzer in seinem Lande und nun wurden plötzlich die„schwedischen" Zündhölzer auch in Deutschland schnell beliebt! Sie waren ja jetzt etwas Fremdes, Ausländisches! Uebrigens waren auch die allerersten Schwefel=Phosphor=Hölzchen deutsche Erfindung. Sie entstanden gleich, nachdem der Chemiker Brand in Hamburg 1669 den Phosphor entdeckt hatte. Technische Rundschau. Ein Großsender in Wien. Am 30. Jan. ist der neue Wiener Rundfunkgroßsender dem Betrieb übergeben worden. Mit einer Spitzenleistung von 20 Kilowatt beherrscht er bei der zentralen Lage Wiens fast ganz Europa. Wiener Musik kann nun in Hamburg wie in Konstantinopel, in Karlsruhe wie in Königsberg und auch in England gehört werden. Der neue Großsender hat selbst über den Ozean nach Amerika bereits Wiener Walzer hinübergefunkt. An der Südwestperipherie Wiens, am„Rosenhügel", ist die von der Telefunkengesellschaft in Berlin gebaute Senderanlage unmittelbar auf den Gewölben und Pfeilern der dort befindlichen Wiener Wasserreservoire errichtet worden. Die„Ravag"(Oesterreichische Radio=VerkehrsA.=G.) erfüllt mit der Errichtung ihres Rundfunkgroßsenders, der neben denen von Königswusterhausen und Daventry einer der größten Europas ist, eine deutsche Kulturmission. Der Präsident der Ravag, der steierische Landeshauptmann Dr. Rintelen, wies in seiner offiziellen Ansprache auf die Verdienste Deutschlands um das Radiowesen hin. Die deutschen Leistungen seien auch für Wien vorbildlich. Bundespräsident Dr. Hainisch würdigte die Bedeutung des Radios für die Landbewohnerschaft und rühmte Wien als eine Großmacht im Reiche der Kunst. osteuropaischen Staaten, d. y. sußland, Polen, Fiunland, Lettland, Danzig, Litauen und Estland Farben für 35,8 Millionen R.=Mk. Rußland allein nahm deutsche Farben für 25,9 Mill. R.=Mk. auf. Nach den Berechnungen des Königsberger„Ost=Europa=Marktes“ erfuhr die Ausfuhr nach Gesamt=Osteuropa gegen die ersten 9 Monate 1924 eine Zunahme von rund 99 Prozent, die nach Rußland eine Steigerung von mehr als 165 Prozent. Der Anteil der osteuropäischen Staaten an der deutschen Farbenausfuhr stieg daher von 14,5 auf 17,2 Prozent. Rußland ist mit 25,9 Mill. R.=Mk. der erste Abnehmer deutscher Farben. Es nahm mehr als das Doppelte des Wertes der deutschen Farbenausfuhr nach den Vereinigten Staaten und fast das Dreifache des Ausfuhrwertes nach England auf. Es ist zu erwarten, daß die Bedeutung Rußlands als Abnehmer deutscher Waren in nächster Zeit noch bedeutend wachsen wird. selder zeigen us Jagdmöglichen r. Wild173 Jagde ist voll sind nach angeordNan sicht ar jedem rkung jeeilig und latt= und iner HofZeit des m Jahre eopold I. k. Prunkesonderer niken erpersischen urfte nur wurden, uhe auslstern insich die Tennich e wieder nken. daß anderen erhalten n SchönFronleichurde nur herrlichnbrunner von über Der erste Rotor=Eissegler. Der Schlitten bei einer Fahrt auf dem Androscoggin See. Erfindertragödie. Der Henker von Sing Sing ist amtsmüde. Und dabei hat der„Staatshinrichter“ Mr. John Hulbert des Zuchthauses des Staates Newyork eben noch 6 Todesanwärter„an der Hand“, die in dieser Woche im elektrischen Stuhl sterben sollen. Hulbert ist Elektrizitätsfachmann und bekam für jede Hinrichtung 150 Dollar; letztes Jahr kam er auf 2000 Dollars. Seit 1914 hat er nicht weniger als 140 Menschen, über die der Stab gebrochen worden war, ins Jenseits befördert. Jetzt grauts dem Henker von Sing Sing und er hat, wie wir in der„R. W. Z." lesen, sein Amt in die Hände des Sachverwalters von Sing Sing zurückgegeben. Dieser Mr. Lewis Lawes ist Gegner der Todesstrafe und muß nach dem Gesetz, wenn er keinen Ersatz findet, den Hinrichtungen selbst beiwohnen. Warden Lawes sucht jetzt unter den Insassen von Sing Sing einen Henkersnachfolger; sonst hat er unter einer umfangreichen Liste von Applikanten außerhalb Sing Sings zu mählen Der amerikanische Telephonrekord. Die Vereinigten Staaten besitzen gegenwärtig die weitaus meisten Telephonanschlüsse. Es gibt dort deren 16 Millionen, also 131 auf je 1000 Einwohner, während der Mittelwert in Europa nur 12 Telephone auf 1000 Einwohner beträgt. Die telephonreichste Stadt der Welt ist Ailantic City in New Jersey mit 336 Anschlüssen auf 1000 Einwohner; dann folgt San Francisko mit 259, Chicago mit 238, Boston mit 222. In dieser Telephonstatistik Nordamerikas steht Newyork erst an 43. Stelle, und doch hat es immer noch mehr Anschlüsse als Paris, London, Rom, Brüssel, Liverpool, Antwerpen und Schanghai zusammen. Der Erfinder der schwedischen Zündhölzer. Es war ein Deutscher, der die„schwedischen" Zündhölzer erfand. Hochstätter hieß der Mann, wohnhaft in Langen bei Frankfurt a. M. Aber wie der Prophet noch nie etwas in seinem Vaterland gegolten hat, so erging es auch ihm: seine Hölzer fanden eine nur laue Aufnahme, und die Fabrik in Schuttenhofen mußte einIn dem amerikanischen Staate Maine hat ein Ingenieur Carlisle A. Lincoln einen Segelschlitten mit einem Rotor konstruiert. Diese neuartige Eissegelyacht soll bedeutende Geschwindigkeiten bei den ersten Probefahrten erreicht haben. r 01 me and m. mm. mst 4 Wirfschaffs 6666666GG 1 8 Der Ausweis der Reichsbank vom 30. Januar zeigt, daß die Zunahme der Kapitalanlage der Bank in der letzten Januarwoche geringer gewesen ist als in den sämtlichen letzten Monatswochen des Vorjahres. Die Anlage in Wechseln, Lombards und Effekten stieg in der Zeit vom 24.—30. Januar um 120,8 Millionen R.Mk. auf 1708,9 Millionen R.Mk. an. Die Wechselanlage erhöhte sich um 113,8 Millionen R.Mk. auf 1,464,4 Millionen R.Mk. Diese Vermehrung ist zum Teil dadurch verursacht, daß 65,3 Millionen R.Mk., die rediskontiert waren, in das Portefeuille der Bank zurückgeflogen sind. Die Summe der rediskontierten Wechsel verringerte sich entsprechend auf 520,5 Millionen RMk Die Lombardanlage nahm um 6,2 Millionen R.Mk. auf 10,9 Millionen R.Mk., der Effektenbestand um 0,8 Millionen R.Mk. auf 233,6 Millionen R. Mk. zu. An Reichsbankkonten und Rentenbankscheinen sind in der letzten Januarwoche 519,2 Millionen R.Mk. mehr in den Verkehr geflossen. Der Banknotenumlauf erhöhte sich um 307,8 Millionen R.Mk. auf 2648,8 Millionen R Mk., der Umlauf an Rentenbankscheinen um 211,4 Millionen R.Mk. auf 1450 Millionen R.Mk. Die Bestände der Reichsbank an Rentenbankscheinen verringerten sich um 215.9 Millionen R.Mk. auf 139,1 Millionen R Mk. 4,5 Millionen R.Mk. an solchen Scheinen wurden vernichtet. Der gesamte Zahlungsmittelumlauf stellt sich unter Einrechnung von rund 185 Millionen R.Mk. Privatbanknoten und ca 582 Millionen R.Mk. Scheidemünzen auf 4866 Millionen R.Mk. gegen 5209 Millionen R.Mk am 31. Dezember. Die fremden Gelder nahmen um 343,5 Millionen R.Mk. auf 578,7 Millionen R.Mk. ab. Die Bestände an Gold und deckungsfähigen Devisen wiesen eine Vermehrung um 44,5 Millionen R.Mk. auf 1673,3 Millionen R.Mk. auf, die deckungsfähigen Devisen allein nahmen um 39.3 Millionen R.Mk. auf 418,3 Millionen R.Mk. zu. Die umlaufenden Noten waren durch Gold alleni mit 47,4 Prozent gegen 53,4 Prozent am 23. Januar und 40.8 Prozent am Ende des Vormonats gedeckt. Die Deckung durch Gold und deckungsfähige Devisen betrug 63.2 Prozent gegen 69.6 Prozent am Ende der Vorwoche und 54,4 Prozent Ende Dezember. Der Reichswirtschaftsrat zur Beseitigung der Geschäftsaufsicht. Der wirtschaftspolitische Ausschuß des vorläufigen Reichswirtschaftsrates erstattete ein Gutachten zum Entwurf eines Gesetzes zur Förderung des Preisabbaus Artikel 1(Vergleich zur Abwendung des Konkurses). Hiernach ist die Beseitigung der Geschäftsaufsicht als selbständige Einrichtung, und ihre Beibehaltung als Nebenwirkung des Vergleichsverfahrens zu billigen. Die Regelung des außergerichtlichen Zwangsvergleiches zur Abwendung des Konkurses(Präventivakkord) entspricht einem dringenden wirtschaftlichen Bedürfnis. Ein solches Gesetz steht aber mit dem Gesetz über den Preisabbau in keinem inneren Zusammenhange. Es ist aus diesem zu lösen. Das Gesetz über den Vergleich ist frei von jeder Bevormundung der Gläubiger zu gestalten. Der Schwerpunkt ist in deren Selbstverwaltung zu legen. Das Verfahren muß als wirklicher Zwangsvergleich außerhalb des Konkurses ausgebildet werden. Es muß sich an die in der Praxis ausgebildete Behandlung außergerichtlicher Vergleiche anschließen. Damit der vorliegende Entwurf diesen Erfordernissen gerecht werde, bedarf er einer sachgemäßen Umarbeitung nach den oben angegebenen Gesichtspunkten. Voraussetzung des außergerichtlichen Zwangsvergleiches soll nicht nur Zahlungsunfähigkeit oder Ueberschuldung, sondern auch eine eingetretene oder vorausgesehene Zahlungsstockung sein. Es ist nicht erforderlich, daß sie bereits nach außen hervorgetreten ist. Im einzelnen werden dann eingehende Vorschläge für das Verfahren gemacht. Gebilligt werden ausdrücklich die Vorschriften des Entwurfes über die Wirkung des Zwangsvergleiches und die Wiederaufhebung und über die gerichtliche Prüfung der Frage, ob beim Scheitern des Zwangsvergleiches das Konkursverfahren zu eröffnen ist. Vor allem soll auch bei Berechnung des Streitgegenstandes, der Gerichtskosten und der Anwaltsgebühren möglichst auf Verbilligung des Vergleichsverfahrens hingewirkt werden. Rundschau. Die amtliche Großhandelsindexziffer für den 3. 2. und für den Durchschnitt Januar 1926. + Berlin, 4. Febr. Die auf den Stichtag des 3. 2. derechnete Großhandelsindexziffer ist gegenüber dem Stande vom 27. 1.(119,7) um 0,4 Proz. auf 119,2 zurückgegangen. Von den Hauptgruppen haben die Agrarerzeugnisse von 114,1 auf 113,5 oder um 0,5 Proz., die Industriestoffe von 130,1 auf 129,9 oder um 2 Proz. nachgegeben. Für den Durchschnitt Januar ergibt sich ein Rückgang der Großhandelsindexziffer von 121,5 im Durchschnitt Dezember 1925 auf 120,0 oder um 1,2 Proz. Die Frage der Exportkreditversicherung. (:) Berlin, 3. Febr. Am 3. Februar hat im Reichswirtschaftsministerium eine Besprechung über die Frage der Exportkreditversicherung stattgefunden, an der sowohl die Spitzenverbände von Industrie und Handel, wie auch die Kreditversicherungs= und Rückversicherungsgesellschaften teilnahmen. Uebereinstimmung bestand darin, daß Wege zur Förderung des Eportes gefunden werden müßten. Dabei wurde neben den vom Reichswirtschaftsministerium ausgearbeiteten Plänen noch ein zweiter Vorschlag, der aus Kreisen des Hamburger Exportes stammt, zur Diskussion gestellt. Die Durchführbarkeit des letzteren Vorschlages, sowie die Möglichkeit der Vereinigung der beiden Vorschläge wird geprüft und binnen kürzester Frist ein Beschluß gefaßt werden. Die Waldeck=Pyrmonter Anleihen zu Markanleihen des Reichs erklärt. :: Berlin, 3. Febr. Durch Bekanntmachung des Reichsministers der Finanzen vom 25. Januar wurden die 3½ prozentige Waldeck=Pyrmonter Staatsanleihe von 1883/1899 und die 3½ prozentige Waldeck=Pyrmon ter Dominalanleihe von 1884 zu Markanleihen des Reiches erklärt. Das Umtauschverfahren für die Reichsanleihen erstreckt sich daher auch auf diese Anleihen. Die Besitzer solcher Anleihen werden hierauf mit dem Hinweis aufmerksam gemacht, daß sie die Stücke der vorbezeichneten Anleihen unter Umständen auch zur Auffüllung vorhandener Spitzenbeträge von sonstigen Markanleihen des Reichs auf volle 500 Mark nutzbringend verwenden können. Bemerkt wird, daß die 3½ prozena Berliner Börse. Berlin, den 4. Februar 1926. Die Kurse lauten auf Prozente des Nennwertes in Reichsmark. *= Goldmark. Dollarschatzan» 2% D Reichsanl Benz Kabelw Rnevdt Schantung Ham Am Paletf. Hansa Dampfsch Nordd LlovBarm Bankverein Comm. u. Priv B Darmst u.Nat B Deutsche Bank Pisk Kommandit resdener Bank tige Waldeck=Pyrmonter Dominialanleihe von 1905 bereits durch Bekanntmachung des Reichsministers der Finanzen vom 8. September 1925 zu einer Markanleihe des Reichs erklärt wurde. Die Frist für die Anmeldung der Marktanleihen des Reichs zum Umtausch in die Ablösungsschuld endigt mit dem 28. Februar. Zunahme der Industrie im Münsterland. Münster, 2. Febr Die Einwohnerzahl des Regierungsbezirks Münster ist nach den vorläufigen Ergebnissen der letzten Volkszählung von 989 119 im Jahre 1910 auf 1275 630 im Jahre 1925 oder um 29 v. H. gestiegen. Die Bevölkerungszunahme ist die größte von allen preußischen Regierungsbezirken. In Osnabrück beträgt sie 14,65, in Köln 14,19 v. H. Diese ungewöhnliche Zunahme hat ihren Grund in dem Fortschreiten des Bergbaues nach Norden und in der Ausdebnung der Industrie, wobei neben der Schwerindustrie vor allem die Textil= und Zementindustrie in Betracht kommt. Die Zahl der Steinkohlenzechen im Regierungsbezirk stieg in der Zeit von 1910 bis 1924 von 22 auf 49, die Förderung von 17,4 auf 24,3 Millionen Tonnen. Da es sich fast ausschließlich um neue, große Zechen handelt, so belief sich die durchschnittliche Förderung je Zeche im Jahre 1924 im Bezirk Münster auf 4,95 Millionen Tonnen, während die Durchschnittsförderung im ganzen rheinisch=westfälischen Kohlenbergbau— einschließlich Münster— nur 0,349 Millionen je Zeche betrug. Die Belegschaftsstärke der Zechen des rheinisch=westfälischen Kohlenbergbaus. Die Gesamtzahl der gewerblichen Anlagen des Bezirks Münster, ohne Kohlenbergbau, stieg von 4642 Anlagen mit 62 460 Arbeitern im Jahre 1910 auf 6209 Anlagen mit 77088 Arbeitern oder um 34 und 23 v. Gefellschaften. Starke Betriebseinschränkung der Zeche Waltrop. + Waltrop, 4. Febr. Nach einer Mitteilung der Verwaltung der Staatlichen Zeche Waltrop an die Betriebsvertretung sieht sich die Westfälische Bergwerks=A.=G. in Recklinghausen, die frühere preußische Berginspektion, genötigt, in nächster Zeit die Hälfte der Belegschaft der Zeche Waltrop zur Entlassung zu bringen. Die Zuschüsse, die die Zeche erfordert, sind derartig hoch, daß die Verwaltung nicht mehr in der Lage ist den vollen Betrieb aufrecht zu erhalten. Die Belegschaft zählt zur Zeit 1500 Mann. Phönix, A.=G. für Bergbau und Hüttenbetrieb in Düsseldorf. Nach Mitteilung der Werkleitung des Hörder Vereins ist die Wiederinbetriebnahme der am 27. bezw. 28. Januar stillgelegten Abteilungen(Thomaswerk, Blockwalzwerk und Martinwerk) am Donnerstag vormittag erfolgt. Wann die Wiederaufnahme der Arbeiten im Feinwalzwerk stattfinden kann, ist noch nicht abzusehen. Vorläufig besteht keine Aussicht für die Wiederinbetriebnahme des durch Arbeitsverweigerung der Belegschaft zur Stillegung gekommenen und zurzeit unter Auftragsmangel leidenden Stahlwalzwerkes. Stahlwerk Becker A.=G. )( Krefeld, 3. Febr. Wie die Stahlwerke Becker A.G. in Wilich mitteilen, treffen die in den letzten Tagen in einigen Zeitungen veröffentlichten Nachrichten über Betriebseinschränkungen nicht zu. Irgendwelche Stilllegungen find bisher nicht erfolgt. Im Gegenteil ist seit Anfang September das Hochofenwerk wieder in Betrieb. Die infolge der schlechten Konjunktur schon seit langer Zeit notwendigen Streckungen in verschiedenen Abteilungen haben keine Verschärfung erfahren. Es ist auch kein weiterer Rückgang in Aufträgen zu verzeichnen. Das Werk kanr in letzter Zeit eher eine leichte Besserung feststellen. Nennenswerte Schäden durch Hochwasser liegen auf der Reinoldihütte nicht vor, da sämtliche Anlagen hochwasserfrei errichtet sind. Durch eine Unterbrechung in der Erzzufuhr sei lediglich eine Dämpfung für etwa 8 Tage erforderlich. Die Belegschaftsziffer beträgt heute 1600 Mann und hat niemals 4000 Mann betragen. Sie wird auch bei voller Beschäftigung 2200 Mann nicht übersteigen. Weitere Betriebseinstellungen. Dem„Vorwärts" zufolge hat die Stahlwerk Becker A.=G. in Willich weitere Betriebseinschränkungen vorgenommen. Die frühere Belegschaft von 4000 Mann ist auf etwa 1000 herabgemindert worden. Märkte. Dortmunder Getreidebörse. Dortmund, 4. Febr. Inl. Weizen 26,75, inl. Roggen 18, westf. Hafer 19,5 bis 19,75, pomm. Hafer 21—21,5, inl. Gerste 20, ausl. Weizen 32,5—34, ausl. Roggen Platamais 19—19,5, Cinquantinomais 23—23,5, Bäckermehl 40,5, Weizenmehl 36—36,5, Roggenmehl 28,5—29, Weizenkleie 11,5—14. Tendenz: Landweizen etwas gefragt, Roggen= und Futterartikel vernachlässigt. Die Preise sind Großhandelsverkaufspreise und verstehen sich für 100 Kg. waggonfrei Dortmund in Ladungen von 10 bis 15 Tonnen.— Rhein.=westf. gebündeltes Roggenund Weizenstroh 1,70—2,20 ab Verladestation, Wiesenheu wurde nicht notiert. Kleehen, gut, gesund, trocken 5,50—6,00 ab westf. Station, rhein, oder Eifeler Luzerneheu, gut, gesund, trocken 5,90—6,40 franko hiesiger Station. Die Preise verstehen sich per Zentner. Berliner Produktenmarkt. Berlin, 4. Febr. Das Inland war heute mit Offerten für Brotgetreide etwas reichlicher am Markte. Und dieser Umstand sowie die leicht ermäßigten Liverpooler Eröffnungsnotierungen hatten eine Abschwächung der Tendenz zur Folge. Effektive Ware in Weizen wurde etwa eine, Roggen etwa 2 Mk. niedriger gehandelt, doch hielten sich die Umsätze in engsten Grenzen. Die Offerten für Plata= und Manitoba=Weizen waren weiter erhöht, was wohl damit in Zusammenhang zu bringen ist, daß sowohl England als auch der Kontinent regeres Interesse für die Provinzen bekundeten. Im Lieferungsgeschäft war Weizen leicht nachgiebig, Roggen dagegen stärker gedrückt. Mehl hatte gestern in den Nachmittagsstunden bei höheren Preisen noch ziemlich gutes Geschäft gehabt, während heute nur wenig gehandelt wurde. Hafer und Gerste waren heute stärker angeboten. In Hafer kamen bei wesentlich niedrigen Preisen geringfügige Umsätze zustande, während Gerste vernachlässigt wurde. 5 Amtl. Produktennotierungen in Berfin am 4. Februar 1925 (Für Getreide je 1000 kg, für die übrigen Artikel je 100 kg.) Vorige Heutige Notierungen Vorige Heutige Notierungen Weizen, märk. Roggen, märk. Sommergerste Hafer, märk. pommerscher Mais LaPlata ab Hamburg Weizenmehl Roggenmehl Weizenkleie Roggenkleie + Chikago, 3. Febr. Weizen per Sept. 146%, per Mai 177½, per Juli 155½. Tendenz: fest. Mais per Sept. 88½, per Mai 84¼, per Juli 86¾. Tendenz: fest. Hafer per Sept. 44%, per Mai 44½, per Juli 4578. Tendenz: fest. Roggen per Sept. 107, per Mai 109. per Juli 1093. Tendenz: fest. X Chikago, 4. Febr. Weizen per Mai 1755, per Juli 153¾, per Sept. 145½, Tendenz: schwach. Mais per Mai 833, per Juli 86, per Sept. 87%, Tendenz: schwach. Hafer per Sept. 44½, per Mai 43¾, per Juli 44¾, Tendenz: stetig. Roggen per Juli 108¼ per Mai 107½, per Sept. 106½. Tendenz: schwach. Baumwolle. + Bremen, 3. Febr. Baumwolle. Brief. Geld. bez. per Jan. 20,30, 20,20, per März 20,30, 20,21, 20,26, per Mai 20,08, 20,00, per Juli 19,75, 19,65, per Sept. 19,43, 19,33, per Okt. 19,20, 19,33, per Nov. 19,03, 18,93. X Bremen, 4. Febr. Baumwolle, Brief, Geld, bez. per Jan. 20,32, 20,22, per März 20,25, 20,22, per Mai 20,07, 20,02, per Juli 19,74, 19,63, per Sept. 19,44, 19,36, per Okt. 19,18, 19,12, per Nov. 19,02, 18,93. = Liverpool, 3. Febr. Loco Baumwollumsatz 8000 Ballen, Import 9 600 Ballen, loco 10,61, Dez. 9,52, Jan. 9,51, Febr 10,19, März 10,21, April 10,14, Mai 10,14, Juni 10,05, Juli 9,99, August 9,86, Sept. 9,71, Okt. 9,64, Nov. 9,55. X Liverpool, 4. Febr. Loco Baumwollumsatz 7000 Ballen. Import 4700 Ballen. Loco 11,60, Dezember 9.55, Januar 9,54, Febr. 11,24, März 10,26, April 10,19, Mai 10,18, Juni 10,09, Juli 10,03, August 9,91, September 9,84, Oktober 9,67, November 9,58. + Newyork, 3. Febr. Tendenz stetig. Loco 20,70. per Dez. 17,86—86, per Jan 17,75—75, per März 20,16 bis 18, per April 19,87—87, per Mai 18,57—59, per Juli 18,89—90, per August 18,49—49, per Sept. 18,34—34, per Okt. 18,19—20. Zufuhren nach dem Atlantic 220000 Ballen, nach Großbritannien 23 000 Ballen, nach dem Kontinente 2000 Ballen. Paris 3,75½. Berlin 23,80. = Newyork, 4. Febr. Tendenz gut behauptet. Loco 21, per Dez. 17,75—17,96, per Jan. 17,86—17,90, per März 20,45—20,45, per April 20,17—20,17, per Mai 19,89—19,89, per Juli 19,18—19,18, per Aug. 18,90 bis 18,90, per Sept. 18,43—18,43, per Okt. 18,29—18,31. Zufuhren nach dem Atlantic 18000, nach Großbritannien 15 000, Paris 3,75, Berlin 23,80. Vom Hamburger Markt für überseeische Gerbstoffe. Der Monat Januar, der in den vorvergangenen Jahren eigentlich meistens das beste Geschäft mit sich brachte, ist in diesem Jahre infolge der traurigen wirtschaftlichen Verhältnisse recht schlecht gewesen. Hinzu kommt die außerordentlich kritische Lage, in der sich zur Zeit der Gerbstoffmarkt befindet, im Hinblick auf die starke Zunahme der Einfuhr ausländischer Gerbstoffextrakte. Einige Nachfrage war zu verzeichnen für Quebracho=Extrakt, doch konnten für schwimmende Partien die geforderten Abladungspreise bei weitem nicht erreicht werden. Wie es allgemein heißt, befinden sich bei den Ledersabriken noch größere Vorräte, die für die nächsten 2—3 Monate vollkommen ausreichen. Aus allen diesen Gründen ist mit einem Aufschwung im Gerbstoffhandel vorerst nicht zu rechnen. Es wurden notiert per Tonne von 1016 Ko. in engl. Pfunden: Mimosarinde 9,10,— entkernte Myrabolanen Nr. 1 neue Ernte 11,15,— entkernte Myrabolanen Nr. 2 neue Ernte 10,5,—, Harte Mangroven 7,15,—, Faserige Mangroverinde 7,10,—. Per Tonne von 1000 Kilo: Quebracho=Extrakt 15,5,—, Quebrachoholz 4.—, Divi Maracaibo 14 holl. Gulden per 100 Kilo. Hopfen. Nürnberg, 4. Febr. Der Marktverkehr blieb bisher gegen die Vorwoche unverändert. Zufuhren wie Umsätze bewegten sich in äußerst engen Grenzen. Es finden sich zwar dauernd Käufer am Markt ein, doch wurden Abschlüsse nur vereinzelt und dann nur in geringem Umfange getätigt. Die wenigen Käufe betrafen Markthopfen, die je nach Farbe und Beschaffenheit 440—530 Mark erzielten, ferner gute Württemberger zu 550 Mark und gernige Hallertauer zu 440—485 Mark. Stimmung unverändert sehr ruhig. Berliner Börse. )( Berlin, 4. Febr. Der Börsenbeginn brachte nicht die lebhaften Kurssteigerungen, die man nach dem festen Vormittagsverkehr erwartet hatte. Durch ungünstige Berichte der preußischen Handelskammern über den Monat Januar und das weitere Anwachsen der Konkursziffern wurde eine gewisse Unsicherheit in das Geschäft getragen, die erst wich, als unter Anregung einiger Spezialbewegungen und der starken Verflüssigung des offenen Geldmarktes der Aktienmarkt wieder Käuferschichten anzog. Während der ersten Stunde entwickelte sich daher ein günstiges Bild. Bevorzugt wurden Petroleum= und Erdölwerte, da man einen baldigen Abschluß der Verhandlungen der deutschen Petroleumgruppe mit der Anglo=Persian=Oel=Company erwartet, ferner Elektrowerte und Kohlenaktien. Im Zusammenhang mit der Befestigung von Rheinstahl konnten auch heute die Aktien der Farben I. G. um einige Prozent anziehen. Spekulative Verkäufe fanden in verschiedenen Werten des Marktes der Maschinenfabrikation statt, die teilweise um drei bis vier Prozent befestigt eröffneten. Auch Schiffahrtswerte begannen wiederum sehr freundlich. Unter Auswirkung dieser Spezialbewegungen zeigte schließlich die gesamte Börse eine feste Verfassung, zumal die Nachricht anregte, daß dem Reichstag ein Gesetzentwurf zur steuerlichen Erleichterung wirtschaftlich notwendiger Betriebszusammenschlüsse zugegangen sei, wodurch die Rationalisierungsbestrebungen der deutschen Industrie endlich auch staatlicherseits unterstützt würden. Am Geldmarkt war der Bedarf so gering, daß die Geldgeber mit ihren Zinssätzen weiter heruntergingen. Tagesgeld wurde mit 6 bis 7½ Prozent und darunter reichlich offeriert. Monatsgeld nominell acht bis neun Prozent. Im Zusammenhang mit der ausgiebigen Versorgung des Marktes mit kurzfristigen Geldern ist der Umsatz in Privatdiskonten infolge Materialmangels trotz der niedrigen Notierung sehr gering. Sehr still verlief das Geschäft am Devisenmarkt, wo Mailand eher etwas schwächer lag und sonst kaum Veränderungen eintraten. Im weiteren Verlauf der Börse trat der Pfandbriefmarkt in den Mittelpunkt des Interesses. Die Käufe erstreckten sich hier auf sämtliche Werte, und zwar sowohl Hypothekenband= Goldpfandbriefe, landwirtschaftliche Goldpfandbriefe und Vorkriegs=Pfandbriefe. Trotz verschiedentlich 2½prozentiger Kurssteigerung mußten die Zuteilungen bs auf zehn Prozent herunter beschränkt werden. An den Aktienmärkten wurde das Geschäft sehr still und lustlos. Die Kurse blieben aber behauptet. Stärker befestigt waren Farben=Industrie=Aktien infolge der bevorstehenden Einführung an der Newyorker und Züricher Börse, und heimische Bankaktien in Erwartung günstiger Abschlüsse. Auch ausländische Banken zogen an. Amtlicher Kurs. Berlin, den 4. Februar 1926 Buenos=Aires 1 Pf. London 1 Pfd. St. New-York 1 Doll. Rio de Janeiro 1 Amsterd.=Rott. 100 Fl Brüssel.=Antw. 100 Helsingfors 100 finn. A Italien 100 Lire Jugoslavien 100 Kopenhagen Oslo Paris Prag Schweiz Sofia Spanien Stopholm Budapest 100 Kr 100 Kr 100 Fr 100 Kr 100 Fr 100 Leva 100 Pf 100 Kr 100 000 Kr Wien Dt.=Oesterr. abgest. 100 Schilling 1.731 20.404 1.195 0.618 163.26 19.075 10.547 18.89 1.393 103.59 85.24 15.745 12.419 80.81 2.957 9.35 112.3 5.876 59.06 1.735 20.4•6 4.205 0.620 168.63 19.115 10.67 16.23 7.403 103.85 85.46 15.785 12.4.9 81.04 2.96 9.49 112.59 5.896 59.20 1.730 20.402 4.195 0.616 168.63 19.07 10.548 16.84 7.41 103.64 85.31 15.7 12.415 80.85 2.685 59.23 112.29 5.873 1.734 20.454 4.20 0.618 168.68 19.1 10.183 16.88 7.43 103.90 85.54 15.81 12.455 81.06 2.89 59.37 112.57 5.893 59.22 Essener Börse Essen, den 4. Februar 1926 im heutigen Verkehr ermittelte Aurse mitgeteilt vom Bankhaus Ohnesorge. Pasel Wolii& Co. Dortmund. in Bijlionen Mark pezw. Billionen Prozen:, bei Aktien ohne Börsennotiz in Milliarden Prozent. Konle Nachfr. Angeb. Admiral 700 900 Alte Haase Beharrlichkeit Caroline 1000 1100 Carolus Magnus 4000 47 0 Constantin— 310.0 Deutschland Diergardt 2550 2650 Ewald 33600 35500 Glückh Fried. 700 Glückauf Segen Gottessegen 600 700 Graf Bismarck 3000 3200 Graf Schwerin 570 5450 Heinrich 2750 2850 Hermann 1-III 1100 1400 Joh. Deimelsb. 1400 Ludwig 26000 28000 Langenbrahm 13000 14500 Richard I Schürb.& Charl. 400 Trappe Trier I-III Viktoria b. K. Westfalen Wilh. Mevissen Adler-Actien 29.5 31.5 Blankenbe-Act. Carl-Fried.-Act. Dahlbusch 96 93 Lothring-Act. Montania Niederrh.Bergb Präsident Wstf.Bgb.-Act. Braunkohle und Verschiedene Bellerhammer 1000 1100 Bruckd. Nietleb. 4630 Glimmerode 800 00 Gute Hoffnung— 2400 Leonhardt Lucherberg 3 0 450 Michel 4950 5300 Oskarssegen Ostheim Vesta 3000 3300 Zukunft Actien 1— 123 Bernhardshall Christine Eisa-Cemt 69 71 Mansfeld. Act Erze Aptelbaumer Bliesenbach Flick Henriette Wolfram Kali-Aktien Adler. Stamm Deutsch. Kali Friedrichshall-N Hallesche Kali Hannov. Kali Heldburg. Vorz Kali-Industrie Krügershall Niedersachsen Ronnenberg Salzdetfurth Sigmundshall Steinförde Teutonia Wittekind 9Bank* Landw 48 96 100.5 66.b 65 68 30 Kali Nachfr. Angeb. Alexandershall Alicenhall Asse Beienrode Bergmannsseg. Bernsdorf Braunschw.-Lbe Burbach Burggraf Carlsfund Carlshall Desdemona Einigkeit Ellers Erichssegen Felsenfest Friedrichsroda Fürstenhall Gebra Glückauf b. S Großh. W. Ernst Günthershall Habighorst Hansa Silberbg. Heiligenmühle Hedwigsburg Heilgenroda Heimholdshaus. HeldrungenI Heldrungen II Hería Heringen Hermann II Hildasglück Hindenburg Hohenfels Hope Hüpstedt Hugo Ilsenburg Immenrode Irmgard Johanneshall Kaiseroda Königshall Mariaglück Marie Marie Louise Max Meimerhausen Neurode Neusollstedt Neustaßfurt Oberhof Ransbach Rastenberg Reichskrone Reichsland Reinhardsbrunn Richard Rössing-Barnter Rothenfelde Sachs.-Weimar Salzmünde Schwarzburg Siegfried Siegfr.-Giesen Thüringen Volkenroda Walbeck Walter Wilhelmshall Wilhelmshall O. Winterhall Wintzingerode 800 180 21:0 680 6800 1275 2225 12 0 200 1400 1875 1100 2100 2000 5350 1200 8.0 950 2300 193 4800 600 700 1000 30 650 5400 4600 1.00 1000 5350 750 9000 400 1750 20 700 860 750 750 3100 290 650 2220 300 37 23.0 3.500 69.0 700 2200 123 7500 700 1576 2350 700 9.0 2250 1.00 2150 5560 23 650 2400 210 5000 630 300 700 900 090 1600 1100 950 400 890 9400 900 1830 800 1000 6000 825 700 825 760 . 3250 330 750 6000 625 2375 360 425 2500 22 Nächste Börse in Düsseldorf am 4. Februar. Verantwortlich für Handel und Wirtschaftspolitik: Dr jur A Henkel. Anglo-Cont. Guano Annener Gußstahl Augsb Nürnb. M. Bad Anilin u. Soda Palcke Maschinen Bamag Baropei Walzw Bemherg 1 P Bergmann Elektr Berl Karlsr Ind. Berl Maschinenb Bochumer Gußstal Braunk u Brikett Buderus Eisen Busch Lüdensch Chem Griesheim Chem Ind Gelsk Daiml Motoren DLux Bergban D.Eisenb.-Signw Deutsche Erdöl D. Kahwerke D. Maschinen 71. 63 86.25 Laurahütte Lindes Eismasch. Lindenberg Stahl Linke-Hofm W Lorenz C Lethringer Bergb Lüdenscheid. Met. Luther Maschinen Mannesmann Masch. u. Kranbat Maschinenf Baum Mix& Genest Mülh.Bergw.-V Vat Automobile Oberschl Eis Bed Oberschl Eis-Ind Oberschl Koks Oeking Stahl Orenstein& Koppel Thönix Bergbau Pöge Herm eisholz Panter Rhein Braunba# 84.7 350 22.75 82. 49. ucht. Aachen Ver. 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