9 Amtliches Kreisblatt für den Landkreis Ahaus= Zentral=Organ für das nordwestliche Münsterland verbunden mit Eper Volksblatt, Gronauer Volkszeitung, Nienborg=Heeker Zeitung, Stadtlohner Anzeiger, Vredener Volksblatt Wöchentliche Sonderbeilagen: „Erholungsstunden für das christliche Vola. „Westdeutichland in Wort und Btld" „Sport=Extra=Blatt“ Erscheint taanc.— Bezugsprets: Monatlich 2 Goldmark ohne Bestellung Schriftleitung und Geschäftsstelle in Ahaus. Telegr.=Adresse: Kreiszeitung Ahaus l. W.— Fernsprecher Nr. 50— Postschließfach 20 Postscheckkonto Hannover Nr. 22739 Bankkonten: Kxels= und Stadtsparkasse Ahaus und Gewerbebank Ahaus Anzelgenpreise: Das 30 mm brette mm 8 Goldpfenntg. Bei Wiederholungen Raba nach festem Tarif. Re"lamen: Das 80 mm brette mm 50 Goldpfennig Fur Erfüllung von Platzvorschriften wird keine Gewähr, sowie für Druckfehler tein Haftung übernommen. Etwaiger Rabatt gilt als Kassarabatt und kann verweiger werden, wenn Zahlung nicht binnen 8 Tagen nach Erhalt der Rechnung erfolgt Nummer 185 Ahaus, Mittwoch, den 9. Juli 1924 44. Jahrgang Um die Reform des ReichstagsDie Aenderungs= und Verbesserungsbedürftigkeit des augenblicklichen Systems der Reichstagswahlen wird von keiner Seite bestritten. Als besonderer Mangel mußte es empfunden werden, daß das frühere enge Verhältnis zwischen den Abgeordneten und ihren Wahlkreisen allzu sehr gelockert war. Der von den zuständigen Regierungsstellen ausgearbeitete Entwurf eines neuen Gesetzes zur Aenderung des Reichswahlgesetzes geht in seiner wesentlichen Tendenz auf eine Verkleinerung der Wahlkreise aus, die dahin führen soll, daß zwischen den Abgeordneten und den Wählern wieder ein engerer Kontakt hergestellt wird. In der Richtung dieses Zieles liegt es, daß die neueste Wahlrechtsnovelle anstelle der bisherigen 35 Wahlkreise künftig 156 setzen will. Gleichzeitig damit erfolgt die gesetzliche Fixierung einer festen Zahl von Abgeordnetensitze, nämlich 399. Zu diesem Vorgehen ist es notwendig, daß die Stimmenziffer, beraufgesetzt wird, auf die ein Mandat entfällt. Bisher waren 60 000 Stimmen, in Zukunft sind 75000 Stimmen zur Erringung eines Mandats erforderlich. Wird infolge schlechter Wahlbeteiligung die vorgesehene Zahl von 399 Kandidaten nicht erzielt, dann sollen nachher der Reihenfolge nach die größten Stimmreste mit Kandidaten bedacht werden. Würde sich bei starker Wahlbeteiligung eine über 399 hinausgehende Zahl von Abgeordnetensitzen ergeben, so werden die überschüssigen Zahlen abgestrichen, bis die feste Zahl erreicht ist. Diese zwangsweise Verkürzung oder Verlängerung stellt also eine Art Verfahren à la Prokrustes dar. Die Wahlkreise selbst sollen so, aebildet werden, daß sie etwa 380 000 Einwohner umfassen. Das ergibt also ungefähr 190 000 Wahlberechtigte. Diese Wahlkreisarithmetik wird in sehr seltenen Fällen zur Folge haben, daß eine einzelne Partei in einem einzigen Wahlkreis 75000 Stimmen aufbringt und ein Mandat erringt. Bei den meisten Parteien wird vielmehr erst die Zusammenfassung der Wahlkreise in einen Wahlkreisverband Bedeutung haben. Während die Wahlkreisverbände bisher etwa 2 bis 3 Wahlkreise umschlossen, werden sie in Zukunft ungefähr 10 Wahlkreise vereinigen. Innerhalb des Wahlkreisverbandes soll dann die Verteilung der Mandate auf die einzelnen Kreiswahlvorschläge in der Weise stattsinden, daß die Kreisvorschläge einer jeden Partei nach der Zahl der Stimmen berücksichtigt werden, die auf die einzelnen Kreisvorschläge abgegeben sind. Hat also beispielsweise in einem Wahlkreisverband eine Partei 230 006 Stimmen aufgebracht, so entfallen auf sie drei Mandate. Diese drei Sitze werden denjenigen Kandidaten der Partei zugesprochen, die der Reihenfolge nach in den Wahlkreisen dieses Wahlkreisverbandes die stärkste Stimmenzahl auf sich vereinigt haben. Die restlichen 5000 Stimmen gehen dann auf die Reichsliste über. Diese Methode wird naturgemäß dazu führen, daß die Kandidaten sich gezwungen sehen, ihren Wahlkreis mit verstärktem Eifer zu bearbeiten, um eine günstige Stelle in der Reihenfolge der Stimmenpahl zu erringen. Das neue Verfahren wird ferner zur Folge haben, daß bei der Reuwahl der Kandidaten auf stärkere Zugkraft und Bodenständigkeit gesehen werden wird. Denn es wird dann viel von der Persönlichkeit des einzelnen Kandidaten abhängen. Das System der Reichswahlliste bleibt bestehen; allerdings hängt über den Kandidaten der Reichswahlliste das Damollesschwert der Verkürzung der Restsitze, falls die Wahlbeteiligung in größerem Umfange vor sich gegangen st. = Die Neuordnung unseres Steuerwesens. Der erste Schritt zur Neuordnung unseres Steuerwesens ist von der Reichsregierung getan worden: Die Umsatzsteuer ist durch ein Beschluß des Kabinetts von 2½% auf 2% ermaßigt worden. Die gesetzgebenden Körperschaften werden die Vorlage beim Wiederzusammentritt des Reichstags bereits vorfinden. Mit dieser Maßnahme ist eine starke Bresche in das ganze gegenwärtige Steuersystem geschlagen worden. Nicht als ob die Herabsetzung der Umsatzsteuer um ein ½% den allgemeinen volkswirtschaftlichen Bedürfnissen genügte— denn eine Umsatzsteuer von 2% ist auch noch produktionshemmend und preisverteuernd genug! — wohl aber ist dieser Akt die Einleitung zu noch größeren Maßnahmen. Und diese werden, was insbesondere die Umsatzsteuer anlangt, einen weiteren Abbau dieser Steuer bis zur völligen Aufhebung zum Ziele haben müssen. Aber damit nicht genug: Die Erledigung des Sachverständigengutachtens bedeutet, was offenbar immer noch nicht in den weitesten Schichten des Volkes erkannt wird, eine neue vertragsmäßige Festlegung zwischen Deutschland und den alliierten Mächten, mit dem Ziele einer endgültigen Lasten= Festsetzung für Deutschland. Das bedingt, daß wir nun aber mit größter Beschleunigung daran gehen, die entsprechende Lasten= Verteilung vorzunehmen. Wir werden also unser gegenwärtiges ganz und gar unorganisch gegliedertes und einzig und allein nach den Bedürfnissen des von der Hand in den Mund=Lebens gestaltetes Steuersystem auf eine neue Grundlage bringen müssen. Das bedingt zunächst eine völlig geänderte organische Grundlage für Einkommensteuer und Vermögenssteuer. Diese beiden Steuerarten werden nicht nur in der Staffelung, sondern auch schon in der prinzipiellen Veranlagungs= und Erhebungsform gegenüber den gegenwärtigen Gepflogenheiten völlig neu zu gestalten sein. Das System der Vorauszahlungen, das in der Zeit der Inflation, also einer immer weiteren Verschlechterung des Geldstandes berechtigt war, ist heute nicht nur volkswirtschaftlich schädlich, sondern auch ohne Nutzen für den Staat selbst. Hier werden also tief eingreifende Maßnahmen zu erwarten sein. Die Reichsregierung ist gegenwärtig in Besprechungen darüber begriffen, diese völlige organische Umgestaltung unseres Steuerwesens politisch und parlamentarisch vorzubereiten. In Verbindung damit stehen dann natürlich auch die Erwägungen bezüglich Schaffung neuer Steuern, um die aus dem Sachverständigengulachten zu übernehmenden Lasten abzutragen. Daneben erstrecken sich aber die Besprechungen innerhalb der Regierung auch weiterhin darauf, die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und dem Ausland, nachdem mit Beginn des nächsten Jahres einige Fesn des Versailler Vertrages in Wegfall lemmen, neu zu regeln. Deutsches Dämmert es? Vor kurzem hat der Deutschvölkische Ausschuß, den die Deutschnationale Volkspartei innerhalb ihrer Reihen gebildet hat, um die Konkurrenz von der deutschvölkischen Seite zu mildern, in Berlin eine sogen. „Völkische Woche“ abgehalten. Statt alles anderen geben wir aus einer Zuschrift, die der Breslauer kathol. Theologe Professor Dr. Ziesche an die deutschnationale „Schlesisch Zeitung“ richtete, nachstehende Mitteilungen wieder, wobei wir darauf verweisen, daß gerade die Beteiligung Professor Zieschés bei den Deutschnationalen von diesen immer, namentlich bei der akademischen Jugend, auf das stärkste parteipolitisch ausgenutzt wurde. Ziesché sagt u. a.: „Propaganda und Bekämpfung von Konsessionen und Weltanschauungen gehört nicht in die eigentliche Politik der Parteipolitiker. Sonst zerbricht jede brauchbare, d. h. größere politische Form, und wir Deutsche zerbröckeln politisch bis ins Hoffnungslose... Auf der „Fölkischen Woche", die von der Deutschnationalen Volkspartei soeben in Berlin veranstaltet worden ist, ist gegen diese handgreifliche und grundlegende politische Regel auf das Gröbste verstoßen worden.... Der völkische Naturalismus wurde als der Luthergeist hingestellt, was gegen alle geschichtliche Wahrheit ist, die deutschen Katholiken wurden noch insbesondere beleidigt. An die Vorträge schlossen sich erregte Religionsgespräche. Die Fortsetzung dieser Linie wird rasch zur Vernichtung der Parten führen. Wer wird den Nutzen haben? Wer trägt die Verantwortung für diese„Parteiveranstaltung" und wie stellt sich der Parteivorstand dazu?" Auch wir sind gespannt auf die Antwort, wenn eine solche überhaupt beliebt wird. Der Aeltestenrat des Reichstages wurde auf den 10. Juli nachmittags einberufen. Gegenstand der Verhandlungen wird, wie aus parlamentarischen Kreisen mitgeteilt wird, die Beschwerde der kommunistischen Fraktion über die Haussuchung in den Räumlichkeiten der Fraktion im Reichstag sein. erste Sitzung des anhaltischen Landtages. X Dessau, 8. Juli. Der neugewählte anhaltische Landtag trat heute vormittag um 10 Uhr zur konstituierenden Sitzung zusammen. Die Regierungsbänke waren leer. Die bisherige Regierung ist noch nicht zurückgetreten, weil es bis zur Stunde noch nicht möglich gewesen ist, die neue Regierung zu bilden. Der deutschnationale Alterspräsident Jericke=Dessau eröffnete die Sitzung und begrüßte die Abgeordneten, wobei er betonte, daß sie alle von dem Wunsch durchdrungen seien, das anhaltische Volk über die schwierige Zeit hinwegzuhelfen. Darauf gab der Führer der Deutschnationalen Janetsch bekannt, daß sich die Deutschnationalen, die Freilandbündler und der Hausbesitzer zur Fraktion und wer zur Deutschnationalen Volkspartei zusammengeschlossen hätten.(„Hört, hort!"„Schiebung!" bei den Kommunisten.) Abg. Janetsch beantragt hierauf die Vertagung auf eine Stunde zur Weiterführung der Verhandlungen und zwecks Bildung der Regierung. Die Vertagung wird gegen die Stimme des steckbrieflich verfolgten Kommunisten Becker, der sich zur Landtagseröffnung eingefunden hatte, beschlossen. England. Macdonald über die Ruhrbesetzung. + London, 8. Juli. Macdonald teilte im Unterhause auf eine Anfrage des Liberalen Spears mit, daß die Ruhrbesetzung wahrscheinlich auf der kommenden Londoner Konferenz erörtert werden würde. Vor ihrer Entscheidung könne er keine Erklärung abgeben. Spears fragte, ob der Premierminister es vollkommen klargestellt habe, daß dies in keiner Weise die Anerkennung der Legalität der Ruhrbesetzung bedeute. Macdonald erwiderte, es sei völlig zwecklos, dieselbe Frage zu stellen, da Erklärungen darüber bereits oft im Hause abgegeben worden seien.— Der Parlamnetsberichterstatter des„Daily Telegraph“ schreibt, das Unterhaus sei zweisellos enttäuscht gewesen, daß es von dem Premierminister keine klarere Darlegung erhielt. In gut unterrichteten Kreisen werde die Ansicht vertreten, daß Macdonalds Bemerkungen mehr für Frankreich bestimmt gewesen seien, als für das Unterhaus. Sowohl die Anhänger Herriots wie der britischen amtlichen Kreise wünschten die Konferenz zu retten. Der Premierminister hoffe durch seinen Besuch die Mißverständnisse bezüglich der Unterredung von Checquers und der darauf von dem britischen auswärtigen Amt ergangenen Einladung aufzuklären. Amerika. Der demokratische Konvent. Newyork, 7. Juli. Die Wochenendkonferenz des demokratischen Konvents, der alle Minderheitskandidaten sich bereit erklärten von ihrer nandidatur zurückzuziehen und in der die Delegationen sich damit auch inverstanden e lärten, wenn Smith und Mc Aooo sich ebenfalls zurückziehen würden, blieb ergebnislos, da die Partei Me Adoos halsstarrig blieb. In der Nachmittagssitzung stimmte der Konvent mit übergender Mehrheit dafür, daß nun alle Delegationen aufhören, weiter für ihre Sonderkandidaten zu stimmen, um die Möglichkeit zu schaffen, überhaupt einen Kandidaten und diesem Konvent aominieren zu können. Dies wird als ein sehr harter Schlag für Me Adoo angesehen und man erwartet, daß jetztin kürzester Zeit irgend jemand nominiert werden wird (Von unserem Berliner Vertreter.) Die Pariser Besprechungen zwischen Herriot und Macdonald können als Abschluß der diplomatischen Diskussionen der letzten Tage zwischen Paris und London und damit zu gleicher Zeit als Vorspiel zur Londoner Konserenz gewertet werden. Es ist anzunehmen, daß die beiden alliierten Premierminister über den Vorschlag des Londoner Auswärtigen Amtes für das Programm der Konferenz und über die inzwischen ausgearbeitete, aber nicht abgesandte französische Note zu einem Einvernehmen gelangen werden, und daß dann die Konferenz am 16. Juli beginnen wird. Zeitigt die Aussprache in Paris ein gunstiges Ergebnis, dann dürften sich auch die innerpolitischen Schwierigkeiten Herriots und Macdonalds mildern. Am gestrigen Dienstag, da Macdonald nach Paris eilte, wollte ursprünglich der nationale Block unter Führung Poincavés dem Kabinett Herriot den Prozeß machen. Die französische Senatsdebatte ist aber infolge der Reise Macdonalds auf Donnerstag verschoben und wird an diesem Tage wahrscheinlich etwas weniger effektvoll verlaufen, als es am Dienstag der Fall gewesen wäre. Nach allen Meldungen, die aus Paris kommen, ist die Mutmaßung begründet, daß Herriot der offenen und geheimen Strategie entgegentreten will, die jetzt in Paris gegen seine Außenpolitik entfaltet wird. Herriot will Frankreich davon überzeugen, daß der englische Premierminister nicht daran denkt, durch neue Vereinbarungen zwischen den Alliierten die Fundamente des Versailler Vertrages abzuschaffen. Er will zeigen, daß zwischen den französischen und englischen Interessen keine Antithese besteht, daß man vielmehr sehr leicht zu einer Synthese gelangen könne. Derjenige Teil der französischen Presse, der die Partei Herriots verficht, will beweisen, daß der Versailler Vertrag nicht umgestoßen werden soll; es sei alles das, was Frankreich und England allenfalls über die Eintreibung der Reparationsforderungen beschließen, als Ergänzung zum Teile 8 des Versailler Vertrages anzusehen. Die Presse Herriots weist auch darauf hin, daß es sich nicht darum handle, etwa neue Vereinbarungen in einem„Akkord“ mit Deutschland zu treffen, sondern ausschließlich um den Versuch, auf Grund des Sachverständigengutachtens ein Protokoll herzustellen, das die künftigen finanziellen Beziehungen zwischen Deutschland und den Alliierten regelt. In seiner mutigen Rede in Troyes hatte Herriot betont, er wolle der Opposition trotzen und durch dunkle Manöver sich auf seinem Weg nicht beirren lassen. Es ist aber nicht zu verkennen, daß Herriot einen außerordentlich harten Stand hat. Die Stärke des Druckes, den die Opposition auf die Entschließungen Herriots ausübt, dürfen, wie der Pariser Korrespondent der „Voss. Ztg." erfährt, nicht unterschätzt werden. Ihr Hauptangriffspunkt ist der englische Vorschlag auf Einsetzung einer besonderen Kommission, die nach dem Inkrafttreten des Dawesplanes zuständig sein soll für die Feststellung, ob Deutschland seinen Verpflichtungen nachgekommen sei oder nicht. Macdonald will hierfür eine besondere Organisation gebildet sehen, und begründet diese Forderung mit dem Argument, daß die Reparationskommission nur zuständig sei für Verfehlungen Deutschlands, soweit sie sich auf Verpflichtungen aus dem Versailler Vertrag beziehen. Diese Vollmacht der Reparationskommission soll auch unverührt bleiben. Für Verpflichtungen aus dem Dawesplan muß eine besondere Kommission geschaffen werden schon deshalb, weil an ihr die Adoo, der Schwiegersohn Wilsons. X Newyork, 8. Juli. Bei der 81. Abstimmung auf dem demokratischen Konvent ging die Stimmenzahlgestern für Me Adooauf 353zurück. Der Konvent vertagte sich auf heute. Man hofft heute zu einem Ergebnis zu kommen. orkonferenz. Vereinigten Staaten teilnehmen sollen, die den Versailler Vertrag nicht unterzeichnet und in der Reparationskommission keine offizielle Vertretung haben. Poincaré und seine Freunde wollen aber die Vollmachten der Reparationskommission auch auf die Verpflichtungen aus dem Dawesvlan ausgedehnt sehen, weil die Reparationskommission unter vorwiegendem französischen Einfluß steht. Jetz ist ein Kompromißvorichlag aufgetaucht, der dahin geht, daß die Mitglieder der Reparationskommission auch die neue Kommission sur die Veroflichtungen aus dem Dawesplan bilden sollen. In dieser zweiten Eigenschaft sollen sie nicht als Mitglieder der Reparationskommission fungieren, sondern als Ausschuß unabhängiger Sachverständiger unter dem Vorsitz eines amerikanischen Sachverständigen, der die amerikanischen Obligationsinhaber nach Maßgabe des Dawesplans vertritt. Diese unabhängige Kommission würde nur von Fall zu Fall darüber zu beschließen haben, ob Deutschland in Verzug geraten sei, und welche Maßnahmen in einem solchen Falle ergriffen werden sollen. Es wird sofort klar, daß es sich hier um einen Versuch der Verschleierung handelt, der, abgesehen von allem andern, an dem wichtigsten Punkt vorbeigeht, nämlich daran, daß in der Reparationskommission Frankreich zwei und die Vereinigten Staaten keine Stimme haben. Hiernach liegt es also immerhin im Bereiche der Möglichkeit, daß die nächste Zeit uns einige unliebsame Ueberraschungen beschert. Wir haben es ja schon des öfteren erlebt, daß Kompromisse der Alliierten auf dem Rücken Deutschlands zustande kamen. Nach einer amtlichen Reutermeldung soll Deutschland erst dann zur Konferenz eingeladen werden, wenn zwischen den Alliierten eine Einigung zustande gekommen ist. Diese Formel könnte allzu pessimistische Gemüter befürchten lassen, daß die Ergebnisse den Deutschen nur zur Unterschrift vorgelegt werden. Da aber nach der bisherigen Lesart von Chequers das Londoner Protokoll für beide Vertragsteile Verpflichtungen zur Durchführung des Sachverständigengutachtens darstellen soll, so könnte normalerweise ein einseitiges Diktat unmöglich in Frage kommen. Die deutsche Reichsregierung steht selbstverständlich auf dem Standpunkt, daß die Beschlüsse der Londoner Konferenz auf dem Wege von Vereinbarungen zwischen gleichberechtigten Verhandlungspartnern zu fassen sind. Es ist bis auf weiteres Das Neueste in Kürze. Der Entwurf einer Reichswahl=Gesetz=Novelle gehe hauptsächlich auf die Verkleinerung der Wahlkreise und die Herabsetzung der Zahl der Abgeordneten hinaus. Der Aeltestenrat des Reichstages wird am 10. Juli zusammentreten, um über die Beschwerde der Kommu nisten gegen die Haussuchung in ihrem Fraktionszimmer schlüssig zu werden. Der durch seine achtstündige Obstruktionsredeim Reichstag gegen den Zolltarif(1902) bekannt geworden Sozialdemokrat Otto Antrick ist gestorben. Im Graff=Prozeß wurden die beiden Angeklagten Kaws und Engeler zum Tode verurteilt, Schwirrat dagegen freigesprochen. Bei Bayreuth wurde ein Auto von einem Zuge überfahren; fünf Personen wurden dabei getötet. Der Staatssekretär für die englischen Kolonien vob den Bann gegen die deutschen Missionsgesellschaften auf. Der Sohn des Präsidenten Coolidge ist infolge Blutvergiftung gestorben. auch zu erwarten, daß die Premierminister der beiden demolratischen Länder England und Frankreich dieses demokratische Prinzip nicht durchbrechen werden. Macdogald hat in seiner Unterhausrede mit Nachdruck benut, daß jetzt die Zeit da sei, von Deutschland etwas mehr als eine legale Urkunde zu erlangen. Besondere Anwendung von Zwang sei nicht mehr am Platz, sondern es solle mit einer deutchen Delegation regelrecht unterhandelt werden. Die Ankunft in Paris. X Paris, 8. Juli. Macdonald traf nachmittags in Begleitung des„Staatssekretärs im Außenministerium, Sir Eyre Crewe, in Paris ein. Er wurde am Bahnhof von Herriot empfangen. Beim Verlassen des Bahnhofs wurde der Premierminister von einer vielhundertköpfigen Menschenmenge mit dem Rufe:„Es lebe der Friede" empfangen. Diese Kundgebung machte sichtlichen Eindruck. Beide Ministerpräsidenten begaben sich nach dem Quai d'Orsay. Zu Ehren Macdonalds wird Herriot morgen ein Frühstück geben, woran auch die Mitglieder der Senats= und Kammerkommission für Auswärtiges teilnehmen. Dritter Verbandstag der katholischen Jugend- und Jungmänner=Vereine Deutschlands. Fulda, 28. Juni 1924. n zweiten Versammlungstage wohnte nachmittags der Hochwürdigste Herr Bischof von Fulda Dr. Joseph Schmitt den Beratungen bei. Zur nationalen Erziehung und zu den nationalen Verbänden nahm der Verbandstag in folgender Entschließung Stellung: 1. Das Bildungsziel unseres Verbandes und unserer Vereine ist der ganze Mensch, darum hat von jeher die Pflege der vaterländischen Gesinnung in unserer Bildungsarbeit weitgehende Berücksichtigung gefunden. Die unvergänglichen Lebenskräfte des Christentums und der zukunftsfrohe Geist der Jugend müssen ein neues Deutschland schaffen. Unsere Verbandsbrüder sollen vor allem: Das deutsche Volkstum, wie es sich in Sprache und Dichtung, Lied und Bild, Sitte und Gebrauch ausdrückt, in sich lebendig machen; am nationalen Schicksal der deutschen Stämme und des Reiches denkend und fühlend Anteil nehmen; sich in Betätigung zur verantwortungsbewußten Mitarbeit am deutschen Volksstaat rüsten; die Idee der christlichen Völkergemeinschaft erfassen und die Herstellung eines wahren, gerechten Weltfriedens zu einer deutschen Aufgabe erheben. 2. Unsere katholischen Jungmannen bedürfen zur nationalen Erweckung keiner neuen Organisation, wie sie die sogenannten vaterländischen Verbände darstellen. 1) Die völkischen, nationalsozialistischen und ähnliche Organisationen erweisen sich unter dem Deckmantel des Kampfes gegen den„Ultramontanismus" als grundsätzliche Gegner der katholischen Kirche. Weite Kreise unter ihnen erstreben die Wiedererweckung des heidnischgermanischen Kultus. 2) Andere vaterländische Verbände enthalten zwar in ihren Satzungen und offiziellen Kundgebungen meist keine kirchenfeindlichen Ziele, sind jedoch ihren offensichtlichen Wirkungen nach Schrittmacher der unchristlichen deutschvölkischen Bewegung. Sie führen zu Begriffsverwirrungen in der Wertung des Religiösen und Nationalen und entfremden durch ihre religiösen Unterströmungen interkonfessioneller Art die katholische Jugend dem katholischen Gemeinde= und Vereinsleben. 3) Alle derartigen Verbände und Organisationen widersprechen der klaren Forderung des Christentums, Frieden und Versöhnung zu pflegen. Sie sind auch eine offenkundige Gefahr für den gesunden Wiederaufstieg unseres Vaterlandes. Der Verbandstaa lehnt deswegen die gekennzeichneten Organisationen mit aller Entschiedenheit ab 3. Der Verbandstag empfiehlt allen Vereinen und Bezirken, den 10. Jahrestag des Kriegsbeginnes durch eine würdige Gedenkfeier für die Gefallenen und durch eine Kundgebung für den christlichen Völkerfrieden zu begehen. Auch sollte im Laufe dieses Jahres zur Erinnerung an die große Zeit christlich-deutscher Kultur das 900jährige Gedächtnis des Todestages des heiligen Kaiser Heinrich 2. entsprechend gefeiert werden. Jungmann, Beruf, Arbeit! so lautet das Thema, über das Reichstagsabgeordneter Joos in seinem Vortrag sich verbreitete. Der Abgeordnete entbot zunächst dem Verbandstag im Namen des Reichskanzlers Dr. Marx, des warmen und verständnisvollen Freundes der kath. Jugend und all ihrer Bestrebungen, herzliche Grüße.„Sage mir, wie du zu deiner Arbeit und deinem Beruf stehst, und ich will dir sagen, wer du bist", diese These stellte der Redner seinen Ausführungen voran. Die Arbeit und die berufliche Tätigkeit ist eine Quelle reichster Anregung und stärkster Kraftentfaltung. Der gewerblich industriellen ter- und Angestelltenschaft ist der beglückende Arbeits= und Berufsgedanke in starkem Maße verloren gegangen und negative Einflüsse bewirken, daß er der arbeitenden Jugend, vornehmlich der Schicht der„Ungelernten" und„Angelernten", nur spärlich zuwächst, die Ursachen des schwindenden Bewußtseins liegen wechselseitig in den Zuständen und den Menschen: Kriegsund Nachkriegserscheinungen in Lohn- und Geschäftsgebarung, Spekulation und Inflation, haben sich hier geltend gemacht. Der gewerblich instudriellen und geschäftlichen Arbeit fehlt die Einordnung in das Ideal des Gottesreiches auf Erden, die lebensvolle Verbindung mit dem christlichen Glauben und damit die höhere Weihe. Alle Mittel, die neuzeitliche Arbeit und Berufstätigkeit vor dem Versinken in die nur materielle Einschätzung zu bewahren, müssen ausgeschöpft werden. Lernen wir den verachten, der nicht arbeitet. Eine segensreiche Mission wartet der katholischen Jugend= und Jungmännervereine. Wenn es ihnen gelingt, weitere Kreise von Jungmannen aus der Arbeiter= und Angestelltenschaft mit Vertrauen zu ihrer Führung zu erfüllen, werden wir bei Grundlegung der katholischen Persönlichkeit stärk: als bisher Arbeit und Beruf zum Ausgangspunkt nehmen müssen. Der Verbandstag brachte in einer Entschließung sein Einverständnis und seine Freude über die Mitarbeit und Mitgliedschaft des Jungmännerverbandes im Ausschuß aller deutschen Jugendverbände in Berlin und in der Katholischen Jugend der Welt, Juventus catholica in Rom, zum Ausdruck. Generalseretär Mosmann=Düsseldorf legte in einem gründlichen Referat die Aufgaben der Wohlfahrtspflege im Verbande dar und zwar auf dem Gebiete der Berufs=, der Gesundheits=, der Ortsfremden= und der wirtschaftlichen Fürsorge, sowie in der Mitwirkung bei der Ausführung einschlägiger Gesetzesbestimmungen. Die Schulentlassenen müssen eine gute Berufsberatung bekommen. Wo die behördliche Berufsberatung gegen die Bestrebungen des Verbandes arbeitet, sind eigene Berufsberatungsstellen einzurichten. Als außerordentlich wichtig be zeichnete der Generalsekretär die Fürsorge für die erwerbslose Jugend. Es muß dafür gesorgt werden, daß diese Jugend irgendwie beschäftigt wird. Auch ist zu überlegen, ob nicht in absehbarer Zeit Wohnungsheime für Ortsfremde eingerichtet werden können. Wenigstens in den Städten wäre von seiten des Verbandes ein Filmüberwachungsausschuß einzusetzen. Die Verbandspatenschaften, die Fürsorge für arme Diasporavereine, wie sie bereits Krefeld, Neuß und München übernommen haben, wurden warm befürwortet. Der Verband, welcher im nächsten Jahre einen Jungmännerpilgerzug nach Rom veranstaltet, sandte dem Heiligen Vater ein Huldigungstlegramm. Es fiel ein Reif. Originalroman von Henriette Brey. Copyright by Bergland— Verlag, Elberfeld. 31—(Nachdr. verb.) Fein, was? Ja, ich sing' noch ganz gut; bloß der Atem langt nicht mehr." „Nun, und was dachte denn Marieke?" fragte Lorenz lächelnd. „Hah, die war ganz weg! Is mir um den Hals gefallen und hat gesagt, so wat Rührendes hätt' se noch nich gehört, hat se gesagt— un sie hätt' da so Freud an, man könnt' so wunderschön dabei weinen! Und der Verheyns Franz könnt dat feuerrote Halstüchlein, dat er ihr versprochen hätt', nur behalten; sie hätt' bloß mich allein immer lieb gehabt... Und hat mir einen Kuß gegeben, un ich ihr auch— nä, nich bloß einen! Und Sonntags darauf sind wir zum Pastor gegangen!.. Kuck, Lenz, darum mag ich die Musike so gern leiden." Die beiden schwiegen und schauten in den blauseligen Abend. Silbern leuchteten die Birkenstämme vom nahen Wäldchen durch das perlengraue Geschleier über den Wiesen. Eine Kuh muhte behaglich von der Weide her. Die Frösche quakten, verschlafen zirpte ein Vöglein im Nest; lautlos huschten Fledermäuse umher. Und Rosen dufteten stark und süß. Lorenz schlenderte durch den träumenden Abend heim. „Eine sauhere Dern war dat Marieke, wenn auch nicht so hübsch wie die Lena!" hatte der Alte gesagt. Er seufzte und ließ die Stirn sinken. Sie war gut zu ihm, gut wie keiner. Ihre grauen Augen blickten rein und klar. Ihre Wangen waren zartrot wie wilde Rosen. Blondes Haar hatte sie von der Farbe reifer Weizenähren. Lena! Lena! Da warf er plötzlich den Kopf in den Nacken und lachte hart auf.„Narr!" höhnte er sich selbst.„Wenn sie wüßte!... Für einen Entwurzelten blühen keine Rosen.“ Die neuesten Autounfälle. Todesfahrt des Fürsten Salm=Reifferscheidt. Düren, 7. Juli. Ueber den Hergang des Unglucks, dem Fürst zu Salm=Reifferscheidt zum Opfer fiel, erfahren wir das Folgende: Der Fürst, begleitet von seinem Chauffeur, seiner Hausdame und seinen beiden Töchtern, befand sich am Sonntag nachmittag auf der Fahrt zwischen Morken und Harff. Am Uebergang der Straße über die Bahnstrecke Neuß=Düren wurde das von dem Fürsten selbst gesteuerte Automobil von dem 3,45 Uhr durchfahrenden Zug Neuß— Düren erfaßt. Die Schranke scheint nicht geschlossen gewesen zu sein. Der Wagen mit seinen Insassen wurde bis ungefähr 150—200 Meter von die Station Harff mitgerissen. Fürst Salm=Reifferscheidt blieb an den Eisenteilen des Automobils hängen und wurde mit dem Kopfe über den Steinschotter des Bahndammes geschleift. Als man ihn nach dem Halten des Zuges freimachen konnte, war er seinen schrecklichen Verletzungen bereits erlegen. Von den beiden Töchtern erlitt die ältere eine leichtere Beckenverletzung, während die andere unverletzt davonkam. Der Chauffeur, der neben dem Fürsten auf dem Führersitz saß, wurde so schwer verletzt, daß er auf der Eisenbahnfahrt nach Düren verstarb. Bei der Hausdame, Gräfin v. Becken, wurde ein Schädelbruch festgestellt. Sie liegt in bedenklichem Zustand im Dürener Krankenhaus. Die Leiche des Fürsten sowie seine beiden Töchter befinden sich in Harff. Auf der Zuverlässigkeitsfahrt. X Hamburg, 7. Juli. Bei der Zuverlässigkeitsfahrt, die der Lübecker Motorrad=Club am Sonntag von Lübeck über Segeberg=Neumünster=Kiel veranstaltete, ereigneten sich mehrere schwere Unfälle. Der Motorradhändler Steinbach aus Lübeck fuhr bei einer scharfen Kurve bei Vegesack gegen einen Pfahl und war sofort tot; zwischen Gravemünde und Lübeck erlitt ein Motorrad einen Gabelbruch, während der Führer leicht verletzt wurde, erlitt der Mitfahrer, der Sohn eines Bankdirektors aus Schwarten, sehr schwere Verletzungen, in Neumünster fuhr eine Maschine, deren Führer die Gewalt über das Rad verloren hatte, in eine Menschenmenge und verletzte sechs Personen, davon vier so schwer, daß sie ins Krankenhaus gebracht werden mußten. 5 Personen getötet. + Bayreuth, 8. Juli. Gestern wurde auf der Station Röhrensee bei Bayreuth ein vom Schützenfest in Saas kommendes, mit 6 Personen besetztes Automobil vom Turnauer Zug überfahren. Fünf Personen wurden getötet. Der Chauffeur und eine Frau wurden verwundet. Das Anto wurde etwa 70 Meter weit geschleift und völlig zertrümmert. Der Prozeß Schneider. Köln, 8. Juli. Der gestrigen Nachmittagssitzung des Prozesses gegen Ministerialrat Schneider wohnte als Vertreter der preußischen Staatsregierung Ministerialrat Brand vom preußischen Innenministerium bei. Es wurden die Hauptbelastungszeugen der Anklage vernommen, die sich dahin äußerten, von einem gewissen Hochberg 250 000 französische Regiefranken, die sich nachträglich als falsch herausstellten, erhalten und den Versuch gemacht zu haben, sie gegen deutsches Geld umzuwandeln. Schon beim ersten Versuch wurde der Zeuge Max Paines(Köln) auf dem Bahnhof in Essen verhaftet und als Folge der Verhaftung die gesamte Summe in Essen und Köln beschlagnahmt. Ein Beamter der Regie, der Sachverständiger für Regiefranken ist, bestätigte die Unechtheit des beschlagnahmten Geldes, das sich, wie er sagte, in so wesentlichen Merkmalen von dem echten unterschied, daß kein Kenner des echten Geldes es überhaupt annehmen würde. Um 9 Uhr nachmittags wurde die Sitzung auf Dienstag vormittag vertagt.— Heute vormittag wurden zunächst die letzten Zeugen in der Angelegenheit der Regiefrankenfälschung vernommen. Darauf ging man zum zweiten Punkt der Anklage über und trat in die Vernehmung des Studenten Franz Thedieck=Köln, des Fähnrichs zur See, ein. Dieser gab an, daß ein gewisser Sochbera im April an ihn herantrat wegen Verteilung von Flugschriften im besetzten Gebiet. Uebrigens macht er seine Aussagen unter Vorbehalt, da er sich wegen der Fülle der politischen Ereignisse 1923 der Einzelheiten nur ungenau erinnern könne und erklärte, er habe Schneider nur dreimal flüchtigbesucht, um ihm Informationen über die separatistischen Putschabsichten zu übermitteln, die nach seiner Ansicht für Schneider als Vertreter der preußischen Regierung in Köln von Interesse sein mußten. Da es damals in Köln fast unmöglich war, Bargeld auf den Banken zu erhalten, fragte er bei einem solchen Besuch Schneider, wo er vielleicht für einen Reichsbankscheck Bargeld, das er dringend gebrauche, bekommen könne. Schneider verwies ihn damals an Zacker, der durch Bankverbindungen vielleicht dazu im tande sein werde. Er bestreitet, Schneider von dem Zweck des Geldes in Kenntnis gesetzt zu haben. Um 1 Uhr wird der Prozeß auf 2½ Uhr vertagt. Todesurteile im Graff=Prozeß. + Stettin. 8. Juli. Heute morgen kurz nach 9½ Uhr verkündete der Vorsitzende das Urteil. Es lautet gegen Kaws und Engeler wegen Mordes auf Todesstrafe. Schwirrat wird freigesprochen. Die Kosten werden, soweit Freispruch erfolgte, der Staatskasse auferlegt, im übrigen den Angeklagten. Das Gericht beschloß ferner einstimmig, die Angeklagten der Regierung zur Begnadigung zu empfehlen, da die Tat unter besonderen Verhältnissen und aus den Gefühlen der nationalen Einstellung erfolgte. Revision im X Leipzig, 8. Juli. Unter großem Andrang des Publikums begannen heute vormittag 9,30 Uhr vor dem 4. Strafsenat des Reichsgerichts unter dem Vorsitz des Senatspräsidenten Stöckel die Revisionsverhandlungen im Prozeß gegen den ehemaligen sächsischen Ministerpräsidenten Dr. Zeigner. Es waren besondere Vorsichtsmaßregeln getroffen. Der Zutritt zum Reichsgericht ist nur gegen Karten gestattet. Gegen das Landgerichtsurteil, das Dr. Zeigner zu 3 Jahren und Möbius zu 2 Jahren Gefängnis verurteilte, war sowohl von Zeigner und Möbius als auch vom Oberstaatsanwalt, von letzterem soweit es sich um die Freisprechung Dr. Zeigners und Möbius handelte, Revisiion eingelegt. Die Revisionsbegründungen der Verurteilten stützen sich auf prozessuale und materielle Rechte, die des Oberstaatsanwalts auf Verletzung der Formeln des materiellen Rechts. Die Verurteilten sind nicht anwesend, sondern durch ihre damaligen Verteidiger vertreten. Der Vertreter der Reichsanwaltschaft beantragte die Verwerfung der Revision der Angeklagten. Auf die Revision der Staatsanwaltschaft sei das Urteil nachzuprüfen, soweit es in den Fällen Friedrichsen und Schmerler auf Freispruch lautet, an das Gericht in erster Instanz zurückzuweisen. Im übrigen sei auch die Revision der Staatsanwaltschaft zu verwerfen. tion, daß bet dem heutigen Stand des Motorenbaue ein Flug quer durch den Kontinent mit Wasserflug zeugen unternommen werden konnte. X Neuordnung des Devisenwesens. Mit der gegenwärtig im Vordergrunde der Arbeiten des Reichsfinanz= und Reichswirtschafts=Ministeriums stehenden Frage der vollständigen organischen Neugestaltung unseres Steuerwesens nimmt auch die Frage der Neuordnung des Devisenwesens einen gewichtigen Platz ein. Man hofft nach Ausführung des Sachverständigen=Gutachen nicht nur die Steuer-, sondern auch die finanzwirtschaftlichen Verhältnisse derart regeln zu können, daß auch hinsichtlich des gegenwärtigen Devisenystems eine grundsätzliche Umorganisation Platz greifen kann. Sie würde zunächst zum Ziele haben die einheitliche Zusammenfassung aller noch bestehenden Devisenverordnungen, in denen sich selbst die Fachkreise nicht mehr auskennen. Daneben steht aber als letztes Ziel die völlige Freigabe des Devisenverkehrs. Nachdem die Reichsbank schon seit einiger Zeit dazu hat übergehen können, den Devisenmarkt ohne Repartierungen, also ohne zwangsweise Zuteilungen auszugleichen, wird eine Freigabe des Devisenverkehrs die notwendige Folge der Ordnung unserer wirtschaftlichen Beziehungen nach außen sein müssen. Die Aufwertungsfrage kommt, wie die Ereignisse an der Börse zeigen, nicht zur Ruhe. In der Tat wird eine grundsätzliche Aussprache im Reichstage über diese Fragen nicht vermieden werden können. Zu diesem Zweck wird der vom Reichstag eingesetzte sogenannte Aufwertungs=Ausschuß sich alsbald nach dem Wiederzusammentritt des Reichstages zusammenfinden, und es sollen in erster Linie diejenigen Probleme besprochen werden, die sich aus der Tatsache ergeben haben, daß schon vor Erlaß der dritten Steuernotverordnung Provinzen, Kommunalverbände und Städte ihre Anleihen gekündigt haben. Es wird in parlamentarischen Kreisen der Plan erwogen, noch vor Inkrafttreten der Steuernotverordnung gekündigte Vermögensansprüche mit rückwirkender Kraft zu versehen, sodaß also auch die gekündigten Werte einer Aufwertung unterworfen werden müßten. Aufhebung des Bannes gegen deutsche Missionare. X Berlin, 8. Juli. Dem„Lokalanzeiger" zufolge hob der Staatssekretär für die englischen Kolonien auf Vorschlag des britischen Missionsausschusses den Bann gegen die deutschen Missionsgesellschaften in den dem Kolonialamt unterstehenden britischen Kolonien und Gebieten auf. Auch für Indien wird die Wiederzulassung der deutschen Missionare wohl bald erfolgen. Bertram über Verbrechen gegen das keimende Leben. + Breslau, 8. Juli. Der Fürstbischof von Breslau, Kardinal Bertram, hat als Vorsitzender der Fuldaer Bischofskonferenz eine eindringliche Eingabe an die Reichsregierung gerichtet, welche zu der Zunahme der Verbrechen gegen das keimende Leben, die aus den verschiedensten Teilen Deutschlands seit Jahren gemeldet werden, Stellung nimmt. Die Eingabe unterstreicht die unabänderliche Forderung der christlichen Moral, die jede direkte Tötung verbietet. In ruhigem Gleichmaß gingen die Tage ihren Gang, nachdem die arbeitgefüllte heiße, schöne Erntezeit vorüber war. Sie wurden zu Wochen, zu Monden und rannen so still und selbstverständlich dahin, als könne nie eine Aenderung ihren stillen Gleichklang zerreißen. Lorenz Graf fing an, die feindliche Welt da draußen zu vergessen. War das alles wirklich gewesen, was ihn so zerbrochen hatte? War's nicht ein wüster Traum gewesen, was er erlebt und erlitten hatte?— Oder war etwa dieser stillgenügsame Friede ein Traum, aus dem er plötzlich erwachen würde, um sich frierend und hungernd und verfolgt auf der Landstraße zu finden? Er strich zuweilen über seine Stirn und kniff sich in den Arm, um aufzuwachen. Träumte er bloß, er sei ein entlassener Zuchthäusler, ein Brandstifter, ein Dieb— einer, dem die braven, ehrsamen Leute ängstlich auswichen? Gab es wirklich irgendwo in der Welt ein klaffendes, mit Disteln und giftigem. Unkraut überwuchertes Muttergrab?— Es war ihm oft wie in einem Märchen, und er meinte behutsam auftreten zu müssen, um nicht vorzeitig den Zauber zu verscheuchen. Denn es war ja so schön, zu träumen— so schön... Wenn er abends nach der Arbeit auf der Bank vor dem Hause saß und die Flöte spielte— und Lena eifrig strickend neben ihm saß, dann war er glücklich. Dann hätte er die Zeit festhalten mögen, daß sie nicht so schnell enteilte. Denn manchmal beschlich ihn plötzlich Angst wie vor einem drohenden Unheil, das immer über seinem Haupte hing. O, immer hier bleiben dürfen!... Der Bauer war zufrieden mit ihm. So einen Knecht hatte er noch nicht gehabt! Einer, der immer zuhause blieb, kein Wirtshaus besuchte, wenig Lohn verlangte, und sich in der Arbeit nicht genug tun konnte! Und wie er sich sonst noch überall nützlich machte! Da war keine loshängende Latte, keine Lücke im Zaun: der Lorenz schlug sie an und besserte ihn aus. Er handhabte in seinen Freistunden Hobel und Säge zugunsten seines Herrn, wo nur irgendwie etwas schadhaft war— sei es an den Fenstern und Fußböden, seien es zweckmäßigere Berlin=Angora. + Berlin, 8. Juli. Das am vorigen Sonnabend zum einmaligen Postflug von Berlin nach Konstantinopel und Angora gestartete Junkers Flugzeug D. 403 ist mit einer Zwischenlandung in Budapest nach 15 stündigem Fluge Sonntag früh in Konstantinopel glatt gelandet und trat am gleichen Tage den Weiterflug nach Angora an. Die Strecke Berlin=Angora dürfte somit in 27 Stunden zurückgelegt sein. Die Besatzung des Flugzeuges besteht aus dem Flugzeugführer Zimmermann, der bereits 1922 den großen Alpenflug von Dessau nach Neapel durchführte und Monteur Wendt. Es bedeutet eine SensaKaufen für die Kühe oder irgend was an den Ackergeräten. Dem Bauern zimmerte er einen breiten Schemel, den man beliebig verkürzen oder verlängern und auch schräg stellen konnte, damit das kranke Bein eine bessere Lage hätte. Die schwächliche, ewig hüstelnde Bäuerin bekam einen bequemen Armstuhl für ihr Nachmittagsnickerchen und eine Fußbank. Für Lena machte Lorenz in der Küche Tassen= und Tellerbretter und ein breiteres Gestell für die Milchdeppen. Um die mächtige Linde im Hof zog sich bald eine Rundbank; und die Laube am Gartenende bekam ebenfalls Tisch und Bank. Geschirr und Riemenzeug der Pferde war in Ordnung, die Egge bekam die fehlenden Zähne, der Pflug einen neuen Sterz. Der Bauer schmunzelte. Da hatte er mal einen guten Fang getan! Was verschlug es da, daß der Knecht schweigsam war und nichts von ihm wußte? Und daß er ihn nicht angemeldet hatte... Ach was, es würde so bald keiner danach fragen. Das Dorf war weit; wer kümmerte sich darum, was sie auf dem entlegenen Schlaghöltershof für ein Knechtlein hatten! Und ins Dorf hinein kam der Lorenz nicht. Er ging sogar in einem anderen Dorf zur Kirche— wenn er überhaupt hineinging. Man wußte das ja nicht! In den ersten Wochen wenigstens war er des Sonntags nicht vom Hof gegangen. Erst als Lena ihn einmal erstaunt danach fragte, mit leisem Mahnen, wurde er verlegen und ging von da an am Sonntagmorgen fort. Hm, die Lena!... Das wollte dem Bauern freilich weniger gefallen, daß das Mädel so oft auf der Bank neben der Haustür bei dem Knecht saß und seinem unnützen Geduddel auf dem Flötending lauschte. „Narrheiten! Dummes Zeug!" brummte der Bauer. Na, sie war ja sonst eine kluge Deern, die wußte, daß sie die Erbin des Hofes war. Die würde sich nicht fortwerfen! Und so ein Hergelaufener— nein, da war keine Gefahr! Aber aufpassen wollte er doch. Gut, daß der verflixte Fuß endlich anfing zu heilen, er konnte schon ein bißchen damit auftreten. So beruhigte sich der Bauer und paffte dicke Wolken von sich. Dann nahm er sein landwirtschaftliches Reues aus aller Welt. Eine„Bubenkopf"=Phantasie. Berlin, 8. Juli. Ein angeblicher Ueberfall beschäftigt seit einigen Tagen die Kriminalpolizei. Eine junge Kontoristin Charlotte F. aus Rosenthal zeigte in der vergangenen Woche an, daß sie auf einem Abendspaziergange in Wilhelmsruh von einem unbekannten Mann überfallen worden sei. Der Uebeltäter habe ohne Zweifel die Absicht gehabt, sie zu vergewaltigen, und sie auch bereits zu Boden gerissen. Ihr Hund, den sie auf dem Spaziergang mitgenommen, habe sie gerettet, indem er den Angreifer in die Flucht schlug. Dieser sei in den Wald hinein entkommen. Mit einem sichelartigen Werkzeug, mit dem er um sich geschlagen, habe er ihren Zopf avgeschnitten und diesen mitgenommen Die Ermittelungen der Kriminalpolizei erregten Zweifel an der Richtigkeit der Darstellung, und das Mädchen gestand jetzt, den ganzen Ueberfall erdichtet zu haben, weil die Eltern nicht zugeben wollten, daß es einen Bubenkopf trage. Es schnitt sich den Zopf selbst ab, um auf diese Weise durch den vorgetäuschten Ueberfall doch zum Ziele zu gelangen. Otto Antrick F. X Berlin, 8. Juli. Der bekannte Sozialdemokrat Otto Antrick ist gestorben. Er war 1858 geboren. Bekannt ist seine in der Dezembernacht 1902 gehaltene achtstündige Rede gegen den Zolltarif. Verhafteter Mörder. + Berlin, 8. Juli. Heute mittag wurde der Mörder des Gutsförsters Grünhoff in Schenkendorf in der Person des 18jährigen Lehrlings Otto Sasse aus Neukölln verhaftet. Er kehrte gestern von einer mehrtägigen Wanderfahrt zurück. Die Nachbarsleute machten auf Grund der Veröffentlichungen die Polizei aufmerksam. Ein Geständnis legte der Täter noch nicht ab. Kommunale„Arbeit“ der Kommunisten. * Halle, 8. Juli. Laut„B. L." hat das preußische Staatsministerium die Stadtverordnetenversammlung in Könnern aufgelöst, nachdem die bürgerlichen Stadtverordneten wegen gesetzwidriger Handlungen des kommunistischen Stadtverordnetenvorstehers ihre Mandate niedergelegt hatten. Die Stadt Eisenach wird gepfändet. Eisenach, 8. Juli. Leichtfertige Wechselgeschäfte, die ein Stadtverordneter in Eisenach für die Stadt gemacht hatte, haben die Stadt in Geldschwierigkeiten gebracht. Dieser Tage wurde die Stadtgemeinde rechtskräftig zur Zahlung von 20000 Goldmark an eine auswärtige Firma verurteilt. Infolge der Geldknappheit konnte die Summe nicht ausgezahlt werden. So kam der Gerichtsvollzieher und pfändete die städtische Dampfwalze. Toller in Freiheit. = München, 8. Juli. Der wegen Beteiligung an der Räterepublik seinerzeit verurteilte Schriftsteller Ernst Toller wird am 16. Juli nach Verbüßung der Strafe aus der Hast entlassen. Der Sohn des Präsidenten Coolidgesgestorben. X Newyork, 8. Juli. Der Sohn des Präsidenten Coolidge, der sich wegen einer Blutvergiftung vor einigen Tagen einer Operation unterziehen mußte, ist in der letzten Nacht gestorben. Wochenblatt zur Hand, um nach den Korn= und Viehpreisen zu sehen.— Draußen trat die Bäuerin zu den beiden heraus. „Lena, ich geh schon zu Bett; es sitzt mir vanabend so auf der Brust. Kuck nachher noch mal, wat die Rotbunte macht; hat vandag nicht fressen wollen.“ „Ist recht, Mutter. Leg dich nur und schlaf dich gut aus. Willst noch was? Vielleicht eine Tasse heißen Tee? Oder Milch?" „Och nee. Oder— ja, kannst mir etwa in eine Stund heißen Fliedertee bringen. Is gut zum Schwitzen. Nu gut Nacht.— Fein spielen kannste, Lorenz," fügte sie freundlich hinzu,„hört sich so sachte an! da kann man so schön den Rosenkranz bei beten, dat stört gar nicht." Sie nickte dem Knecht, den sie gut leiden mochte und dem sie manchen guten Bissen zusteckte, freundlich zu. Ein kleines Weilchen horchte sie noch auf die sanften Flötenklänge, dann ging sie mit schlurfendem Schritt ins Haus. Gleich darauf hörte man die Tür zur Aufkammer gehen. Die beiden blieben allein zurück. Lorenz legte seine Flöte aus der Hand.„Kannst ja nicht mehr sehen zum Stricken, Lena," meinte er und lauschte dem feinen Nadelgeklapper. Des Mädchens Gesicht tauchte weiß aus dem Dämmer.„O, zum Stricken braucht man nicht zu sehen, das geht wie von selbst; ich tu sogar oft dabei lesen." Aber sie ließ jetzt doch die fleißigen Hände sinken und schaute träumend zum Westen, wo noch ein letzter Purpurstreifen von dem roten Teppich zu sehen war, über den die Sonnenkönigin in das weitgeöffnete Abendtor geschritten war. Nun wurde der rote Streifen langsam von grausilbernem Violeit durchtränkt, dann deckte der blaue Abendmantel alles zu. „So müßt' es immer bleiben," murmelte der Knecht vor sich hin. „Was meinst du, Lorenz? Hier auf der Bank sitzen bleiben?" versuchte Lena zu scherzen; aber ihr Herz schlug beklommen. „Nein— ich meine, so still und friedsam. Und... daß ich nicht wieder fortmüßt';'s ist hart auf der Landstraße."(Fortsetzung folgt.) Kotorenbaue t Wasserflug der Arbeiten Ministeriums n Neugestale Frage der einen geführung des Steuer=, sontnisse derart genwärtigen sation Platz le haben die ehenden Dechkreise nicht tes Ziel die verkehrs. eit dazu hat kepartierunszugleichen, notwendige Jeziehungen reignisse an t wird eine über diese Zu diesem sogenannte Wiederzun. und es besprochen haben, daß nung ProAnleihen en Kreisen er Steuere mit rückdie gekünn werden Uebernalpolizei. hal zeigte m Abendbekannten iter habe waltigen, und, den e gerettet, Dieser sei helartigen er ihren nommen i Zweifel dchen geu haben, nen Bufselbst n Ueberdemokrat geboren. gehaltene Mörder in der e aus r mehrmachten aufmerkt ab. l. teußische nverdem die idridtverederfte, die gemacht ebracht. tig zur värtige nte die erichtse. an der Ernst Strafe den. denten g vor ist in Vieh18. abend Roth gut Tee? tund Nu 2 sie in so und 5ins amst ja und ämdas und Buriber dtor sam der Ahaus, 9. Juli. = Raubmord. Einen grausigen Fund machte in der Nacht zum Dienstag der Kaufmann Engelbert Hoogen von hier auf der Chaussee zwischen Stadtlohn und Wüllen. In unmittelbarer Nähe des Rewer'schen Gehöftes hinter der Ottensteiner Chaussee fand er gegen ½2 Uhr einen jungen Mann mitten auf der Straße liegen. Bei näherem Zusehen stellte er fest, daß es der Junglehrer Felix Stapper aus Stadtlohn, der kurz vorher überfallen und erschossen worden war. Derselbe war am Montag nach Ahaus gewesen und hatte hier für seinen Vater, einem Bierverleger, die fälligen Rechnungen einkassiert. Er muß wohl in den Wirtschaften beobachtet worden sein, als er größere Geldbeträge zu sich nahm. Als er dann gegen 11 Uhr mit seinem Fahrrad den Heimweg antrat, wurde er an oben besagter Stelle überfallen und erschossen. Die Leiche weißt einen Halsschuß rechts unterhalb der Kehle auf. Beim Sturz vom Rade wurde die Hose am linken Knie aufgerissen. Ebenfalls ist die Haut am Knie und auf der linken Backe abgeschürft Da das Geld und die Wertsachen fehlen, ist der zunge Mann einem Raubmord zum Opfer gefallen. Obwohl die Polizei sofort Ermittelungen nach den Tätern an stellte, hat man von diesen doch noch keine Spur. Hoffentlich gelingt es aber bald, die Raubmörder zu fassen. — Der Innungs=Ausschuß Ahaus schreibt uns: Durch eine neue Verordnung ist die Hauszinssteuer geändert worden. Besonders zu beachten sind die durch diese Ver ordnung zugelassenen Erleichterungen. Die neue Verord nung bestimmt: Beträgt die Friedensmiete(der Friedensmieert) des Grundstückes weniger als 6 v. H. des der Veranlagung zur vorläufigen Steuer vom Grund vermögen zu Grunde liegenden Steuerwerts, so ist die Seelig usw. 24—34,50, Ersatzmischung 20 Proz. Kaffee 65, Kalaopulver, Konsumware 100, Tee in Kisten 360 bis 410, Inlandszucker 34, do. Raffinade 36, Marmelade 1 50, do Viersrucht 40, Siedesalz in Säcken 4,50, Steinsalz 3, Schmalz Purelard 65,50, Margarine, handelsüblich 54, do. Spezialmarke, beste Qualität 75, Corned Beef per Kiste 28,50, ges. Speck 60, Holländer, vollfett 90—120, norw. Heringe 23, Zündhölzer 100 Pak. 19,50. )( X Breden, 9. Juli. Versetzt. An Stelle der ausgeschiedenen Lehrerin Frl. Hartmann ist die Lehrerin Frl. Kocks, früher in Graes, zum 1. Juli nach hier versetzt. Gronau. Hauszinssteuer auf Antrag daß sie von 4 v. H. der in der Weise herabzusetzen H. der Friedensmiete(des Friedens mietwertes) berechnet wird. Beispiel: Für ein Wohnhaus, das mit 20000 Mark Grundsteuerwert zu Buche steht und 1914 einen Mietsertrag von 1000 Mark hatte, besteht die Möglichkeit der Hauszinssteuer=Ermäßigung denn der Mietsertrag von 1000 Mark bleibt hinter der 6prozentigen Verzinsung(1200 Mark) zurück. Die Hauszinssteuer beträgt bis zum 1. Juli 400 Prozent der staatlichen Grundsteuer, also für je 1000 Mark 80 Pfg., das sind 20 mal 80 Pfg.= 16 Mark monatlich oder 192 Mark jährlich. Der neue Hauszinssteuersatz berechnet sich aber wie folgt: 1000 Mark Mietsertrag, davon 4 Prozent sind 40 Mark Grundbetrag. 400 Prozent Hauszinssteuer macht jährlich 160 Mark. Es träte also eine Ermäßigung von 32 Mark ein. Ab 1. Juli bezw. 1. Oktober wird bei der Erhöhung der Hauszinssteuer auch der Unterschied zwischen beiden Berechnungen sich wesentlich vergrößern. In ländlicher Gegend mit niedrigen Friedensmieten wird von diesen Erleichterungsbestimmungen häufiger Gebrauch gemacht werden können. Anträge dieser Art sind mit den nötigen Unterlagen an das Katasteramt einzureichen. Es wird von diesen Erleichterungen nur die Hauszinssteuer, nicht aber die sonst ihrer Berechnung zu Grunde liegende staatliche(preußische) Steuer vom Grundvermögen betroffen. Die schon in der alten Verordnung vorgesehene Erleichterungen für Häuser, die nur mit 20 Prozent ihres Wertes oder weniger am 1. Juli 1914 mit Hypotheken belastet waren, bleibt bestehen. Auch in diesen Fällen kann gegebenen Falles von den Erleichterungen Gebrauch gemacht werden und 1. die Ermäßigung der Steuer und 2. ein 25prozentiger Erlaß der ermäßigten Steuer beantragt werden. Ab 1. Juli beträgt die Hauszinssteuer 500 Prozent der staatlichen Grundsteuer und ab 1. Oktober 600 Prozent. Es würde sich unser obiges Beispiel folgendermaßen berechnen: 1. Ohne Ermäßigung 40 Mark mal 5— 200 Mark, ermäßigt 32 Mark mal 5= 160 Mark. 2. Ohne Ermäßigung 40 Mark mal 6= 240 Mark, ermäßigt 32 Mark mal 6— 192 Mark. Ab ersten Oktober werden auch die landwirtschaftlichen Gebäude mit 600 Prozent der Gebäudesteuer zur Haus zinssteuer herangezogen. Den Gemeinden ist ein Zuschlagsrecht zur Hauszinssteuer eingeräumt bis zur Höhe von 100 Prozent von der staatlichen Grundsteuer. Dieser Gemeindezuschlag fällt fort bei Gebäuden, bei denen die 25prozentige Ermäßigung eingetreten ist, also bei denjenigen Gebäuden, die am 1. Juli 1914 mit 20 Prozent oder weniger ihres Steuerwertes hypothekarisch belastet waren. X Sparkasse. Zur Notiz Gronau, 7. Juli(Gronauer Volksbank) schreibt man uns Folgendes: Von Banken und Kassen, die zum Sparen mahnten, die gern jeden entbehrlichen Groschen annahmen und ihn auch vedeutend höher verzinsten als früher, las man in Ihrer Zeitung schon des öfteren. Auch stand darin zu lesen, daß man sparen solle zum Nutzen der Spar= und Darlehns kassen und zum Wohle des Vaterlandes. Gewiß ein löb liches Tun! Die Banken und Kassen, die mit dem Gelde der kleinen und großen Sparer arbeiten, sollen selbstverständlich ihren Profit dabei machen, und durch vermehrte Spareinlagen soll auch das Wirtschaftsleben und mit ihm der Staat wieder aufblühen. Doch nicht so, daß unter Umständen der Sparer selbst leer ausgeht.— Auch las man von der bestimmten Rückzahlung der neuen Spareinlagen in Gold, selbst im Falle einer neuen Inflation. Dieses alles, auch die Versprechungen, waren bisher nicht imstande, ein gewisses Mißtrauen gegen Banken und Kassen zu beseitigen. Ja, das Mißtrauen ist so groß, wie ehedem das Zutrauen war. Das Zutrauen war groß. Als Kind schon hörte man vom Vater, daß die Kassen sicher seien, denn für die Städtische hafte die Stadt und für die Kreissparkasse träte der Kreis mit seinem ganzen Vermögen ein im Falle eines Schicksalsschlages. Nun hat man erleben müssen, daß es auch anders kommen konnte. Man sollte sich damit abfinden, keinen Heller wieder zu bekommen von den Ersparnissen eines halben, ja eines ganzen Lebens. Und das soll den Sparer nicht mißtrauisch machen? Es wundert einen nicht, wenn alte und neue Sparer sich erst besinnen, was sie mit ihrem Gelde, und sei es noch so wenig, tun. Wenn sich das Kind einmal schwer verbrannt hat, dann wird es vorsichtig. Durch Schaden wird man klug.— Weit davon entfernt, den Banken und Kassen die Schuld zu geben, muß doch etwas geschehen, um das Mißtrauen zu beseitigen, damit das alte Zutrauen wiederkehre. Das kann aber nur durch Aufwertung geschehen. Da ist, m. W. die Gronauer Volksbank im Kreise Ahaus die erste Annahmestelle für Spargelder, die wenigstens ein menschliches Rühren mit den verarmten Sparern verrät und mit dem Resultat an die Oeffentlichkeit tritt:„Die Spareinlagen und die alten Anteile der Mitglieder nach Maßgabe des jährlichen Reingewinnes aus den künftigen Geschäftsergebnissen bis zu 15 Prozent aufzuwerten." Da sieht man doch den guten Willen, etwas von dem anvertrauten Gelde zurückzuzahlen. Von den Banken und Kassen im besetzten Gebiete wurden schon im April d. Is. derartige Maßnahmen getroffen. Hoffen wir, daß das Beispiel der Gronauer Volksbank auch die übrigen Banken und Kassen im Kreise Ahaus veranlasse, die Einlagen aufzuwerten. An mehrere. Die Gemeindevorsteher werden von der Gemeindevertretung gewählt. echt tzen erz noX Westfälische Großhandelspreise. Die Preise(je 50 kg in Originalpackung ab Lager des Großhändlers in Münster) verstehen sich in Rentenmark. Gerstengraupen 16,50, Haferflocken 15,25, Kochstärke 27. Roggenmehl 01 12,50, Hartgrieß 23, 70 proz. Weizenmehl 14,50, do. Auszugsmehl 15,25, Viktoriaerbsen 16, grüne Erbsen 15, weiße Bohnen 19, große Linsen 35, Rüböl 43, Salatöl 59, deutscher Perlsago 27, Makaroni lose 38, Schnittnudeln 20, Burmahreis 01 ungl. 16,50, Siam=PatnaReis 25, grober Bruchreis 13,50, amerik. Ringäpfel 78, Pflaumen, Sackware 28, Korinthen in Kisten 62, Rosinen Eleme 56, Sultanarosinen 68—70, Santos=Kaffee, prima roh 190, do. superior roh 180, feinblauer Kaffee 230—250, Makzkaffee, Kathr. usw. 24—34,50, Kornkaffee, — Gronau, 9. Juli. Jungfrauen=Kongregation. Mit großer Genugtuung kann die hiesige Jungfrauen=Kongregation auf den glänzenden Verlauf der Jubelfeier anläßlich ihres 25jährigen Bestehens zurückschauen. Allabendlich in der voraufgehenden Woche hatten sich zu den vorbereitenden religiösen Vorträgen die Mitglieder der Kongregation vollzählig eingefunden.„Christliche Jungfrau!" hieß es,„erfaß aufs neue dein Jugend= und Lebensziel, steuere vorsichtig dein Lebensschifflein an den Klippen der Jugendgefahren vorbei, dein eucharistischer Heiland hilft, der Schutz deiner himmlischen Mutter ist dir gewiß." Der eigentliche Jubeltag wurde durch die Generalkommunion der Mitglieder eingeleitet. Eindrucksvoll verlief am Nachmittag die Bundeserneuerung, die vor dem blumen= und kerzengeschmückten Marienbilde auf dem Chore, umrahmt von einem Kranze weißgekleideter, lichtertragender Jungfrauen stattfand. Im geschlossenen Zuge, in dem die 25jährige, mit einem Silberkranze geschmückte Fahne mitgeführt wurde, gings darauf zum Festsaal der Concordia, der seinem Namen durch die sinnvolle Ausschmückung alle Ehre bereitete. Der Anblick des lebenden Bildes„Madonna im Rosenhag"(nach Lochner) brachte in die Festversammlung eine weihevolle Stimmung, die sich immer mehr steigerte durch den Vortrag des mehrstimmigen„Sagt an, wer ist doch diese", des eigens für diesen Tag von der Vereinsdichterin Fräulein Lehrerin Sibbing verfaßten Gedichtes„Dienerin Mariens", durch die eindrucksvollen Worte des Herrn Pfarrers Carle„das Glück einer glaubensfreudigen und sittenreinen Jungfrau“ und fand machtvollen Ausdruck in dem„Großer Gott dich loben wir“, begleiteg von der über 20 Mann starken St. Paulus=Kapelle. Der gemütliche Abschluß der Feier wurde bei einer Tasse Kaffee in heiteren humoristischen Darbietungen gefunden. Die JungfrauenKongregation hat den Beweis geliefert, daß hingebende Opferwilligkeit, verständnisvolles Miteinanderarbeiten von Vorstands= und Vertrauenspersonen und Mitgliedern herrliche Erfolge zeitigen. Gronau, 9. Juli. Reichsjugendwett kämpfe. Die am letzten Sonntag vom Stadtverband für Leibesübungen veranstaltet. Reichsjugendwettkämpfe wiesen eine überaus zahlreiche Beteiligung auf. Schon in den frühen Morgenstunden herrschte im Stadtpark reges Leben. Um 7 Uhr nahmen die Wettkämpfe ihren Anfang, die im allgemeinen sehr gute Ergebnisse zeitigten. Einer großen Anzahl der Teilnehmer konnten Preise zuerkannt werden. Nachmittags wurden verschiedene Ballspiele ausgeführt. In den Pausen konzertierte die Musikkapelle des evang. Männer= und Jünglingsvereins. Den Abschluß der Veranstaltungen bildeten Freiübungen, worauf dann die Siegerverkündigung stattfand. Herr Bürgermeister Hagedorn richtete dann noch einige ermunternde Worte an die jugendlichen Sportler und wies besonders darauf hin, daß die Ertüchtigung unserer Jugend nur durch die Ausübung eines gesunden Sports erreicht werden könnte. Obwohl im Laufe des Nachmittags einige Regenschauer niedergingen, konnte die Veranstaltung doch im großen und ganzen programmäßig zu Ende geführt werden. Ueber die Preisverteilung olgt weiterer Bericht V Epe, 9. Juli. Unfall. Frau Ww. E. von hier wurde in Münster von einem Radfahrer angefahren, kam zu Fall und liegt nun wegen eines Oberschenkelknochenbruches in einer dortigen Klinik. Es ist zu verwundern, daß hier in Epe nicht solche Sachen passieren, zumal viele Radfahrer die Angewohnheit haben, den Bürgerteig als Fahrbahn zu benutzen. Besonders in den Morgenstunden ist es fast lebensgefährlich, die Trottoire der Gronauerstraße zu benutzen, da ein Radfahrer hinter dem anderen über das Trottoir saust(nicht fährt). Es wäre dringend erwünscht, wenn das Auge des Gesetzes dort Abhülfe schaffen würde. V Epe, 9. Juli. Diebstahl. In der Nacht von Sonntag auf Montag wurde das Schaufenster des chuhhauses H. Rose in der Merschstraße durch Zertrümmerung der Scheibe ausgeräumt. Die Diebe ließen sechs Paar Schuhe mitgehen, müssen aber viel Zeit zum Aussuchen gehabt haben, da man einzelne Schuhe stehen ließ. Der Inhaber hat von der Zertrümmerung der Scheibe nichts gehört, erst in der Morgenfrühe vorübergehende Passanten weckten denselben und machten auf den Diebstahl aufmerksam. Von den Dieben fehlt jede Spur. X Epe, 9. Juli. Versetzung der Plakatäule an der Gronauer= und Bernhardstraßen=Ecke. Weil die Säule an dieser Stelle sehr m Wege stand, besonders für den Anwohner, wird dieelbe weggenommen und am Eingangstor der Fabrik der Firma Gebr. Laurenz an der Gronauer=Chaussee wieder aufgebaut V Epe, 9. Juli. Ausflug. Die Schüler der gewerblichen Fortbildungsschule machen am Mittwoch einen Ausflug nach den Dörenther Klippen und dem Hockenden Weib im Teutoburgerwalde. Weiheakt sein Ende. Im Anschluß daran marschierten die Vereine am Kriegerdenkmal vorbei. Bochum, 8. Juli. Der wegen zahlloser Schwindeleien und ärgerlicher Streiche berüchtigte Freiherr von Berswordt=Wallrabe, Sohn des Königlich preußischen Kammerherrn von Berswordt=Wallrabe auf Haus Weitmar bei Bochum, wurde der Provinzial=Arbeitsanstalt Benninghausen überwiesen. Hiermit ist hoffentlich für längere Zeit ein gemeingefährliches Subjekt, das durch zahllose Betrügereien und Hochstapeleien viele Leute geschädigt, sowie durch seine ärgerlichen Rücksichtslosigkeiten, unter anderm die Abholzung der bewaldeten Anhöhen an der Ruhr bei Blankenstein, größte Erbitterung erregte, unschädlich gemacht worden. Berswordt von Wallrabe jun. wurde vor einiger Zeit als gemeingesährlicher Geisteskranker der Irrenanstalt Aplerbeck überwiesen. Es glückte ihm jedoch, eines Tages zu entkommen und ins Ausland, und zwar nach Italien, zu entfliehen Nachdem er hier neue Schwindeleien versucht hatte und ihm der Boden zu heiß wurde, kehrte er nach Deutschland zurück und hielt sich eine Zeitlang in der Gegend von Osnabrück auf, wo er mehrere Großgrundbesitzer ordentlich leimte. Schließlich erreichte ihn sein Schicksal. Er wurde verhaftet und, wie oben gemeldet, der Arbeitsanstalt Benninghausen zugeführt. In der letzten Zeit machte von Berswordt=Wallrabe Kompagniegeschäfte mit einem jungen Spekulanten, einem 21jährigen Bankkommis, namens K. aus Bochum, der es in kaum einem halben Jahre in der Inflations zeit verstanden hatte, durch„glückliche Börsendispositionen“ ein außerordentlich großes Vermögen zu erwerben und sich in noch viel kürzerer Zeit die Allüren eines „großen Mannes“ anzueignen. Diese typische Blüte der Nachkriegszeit fuhr im schönsten Gespann Bochums durch die Straßen und ergab sich als mehrfacher Rennpferdbesitzer dem Sport als Lebensaufgabe. Mit Berswordt=Wallrabe unternahm K. größere Geschäfte, die angeblich dem gerissenen Baron mehr Nutzen brachten als dem unerfahrenen Bankjüngling, der heute den größten Teil seines Vermögens abbuchen und sich selbst zu den Abgebauten der Inflationszeit zählen kann. Gelsenkirchen=Rotthausen, 8. Juli. Der Klempnermeister Wegerhoff aus Rotthausen geriet in der vorvergangenen Nacht als er aus einem Straßenbahnwagen steigen wollte, unter den Anhänger, wurde von diesem überfahren und sofort getötet. Paderborn, 7. Juli. Oberstudiendirektor Dr. Heibges=Hamm ist vom Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung die Leitung des Gymnasiums Theodorianum zum 1. September dieses Jahres übertragen worden.— Dr. Heibges ist als tüchtiger Schulmann bekannt. In weiteren Kreisen der Bevölkerung ist er wegen seiner erfolgreichen Betätigung als Vorsitzender des Beamtenausschusses der Westf. Zentrumspartei und nicht zuletzt als gewandter Schriftsteller in sozialpolitischen und außenpolitischen Fragen in bester Erinnerung. Lage(Lippe), 3. Juli. Gestern nachmittag sollten in der Wirtschaft Diederich in Ehrentrupp von Technikumschülern(!) des Technikums Lemgo und Lage Mensuren geschlagen werden(!). Bei dem ersten Gang hat der Technikumschüler Hubert Hoeveler aus Büderich von seinem Gegner, einem Lemgoer Technikum=Schüler, mit dem scharfen Schläger einen schweren Stich durch die Bandage in den Leib erhalten. Der anwesende Arzt, Dr. Schulz, ordnete sofort die Uebexführung in das hiesige Krankenhaus an, was dann auch mittelst Krankenwagens, geschah. Die Verletzung war aber derartig schwer gewesen, daß der Verletzte bald darauf infolge innerer Verblutung aus dem Leben geschieden ist. Als die Polizei von dem Vorfall Kenntnis erhielt, wurden sofort alle zu ergreifenden Maßnahmen getroffen, um den Fall zu klären. Der Täter wurde noch in derselben Nacht in Lemgo im Bett verhaftet und nach Lage überführt. Das Landespräsidium schreibt: Aus Anlaß des tief bedauerlichen Vorfalls, der sich in den letzten Tagen in einer Wirtschaft bei Lage abgespielt und den Tod eines jungen Menschen zur Folge hatte, hat das Landespräsidium die Behörden angewiesen, mit allem Nachdruck dem hier zutage getretenen Unfug entgegenzutreten und sämtlichen Wirten des Landes anzudrohen, daß, wenn sie die Veranstaltung derartiger Zweikämpfe bei sich ferner ermöglichen gegebenenfalls rücksichtslos die Konzession entzogen werden wird. Es unterliegt noch der besonderen Feststellung, wie es möglich gewesen ist, daß dieser Unfug sich im Laufe der Zeit hat ausbreiten können.— Hoffentlich führt dieser krasse Fall dahin, daß endlich mal im Reichstag erörtert wird, warum die unseligen Paragraphen 201 bis 210 heute noch im Strafgesetzbuche stehen, um zu erreichen, daß vornehme Mörder anders behandelt werden als Mörder aus dem Volke. Wer im Zweikampf jemanden absichtlich tötet, wird mit Festungshaft bestraft, sonst Gewerbeertrag bei Gewerbebetrieben, die nicht in der Form der juristischen betrieben werden, bei Gesellschaften mit beschränkter Haftung und bei KommanditGesellschaften auf Aktien als Entgelt für die persönliche Arbeit und Dienste der Geschäftsinhaber(Gesellschafter) insgesamt 3 des dem niedrigsten Hundertsatz der Reichseinkommensteuer unterliegenden Einkommens abgezogen werden. In der Ergänzungsverordnung vom 16. Februar d. Irs. ist bestimmt, daß in den Fällen, in denen die ersterwähnte Verordnung auf diesen Betrag Bezug genommen hat, an dessen Stelle der Betrag von 2400 Goldmark tritt. Von der Gewerbesteuer bleibt also hiernach ein jährlicher Betrag von Mk. 900.— frei. Nach der angeführten Ergänzungsverordnung beträgt der für die Vorauszahlungen auf die Gewerbestener nach dem Ertrage maßgebende Steuergrundbetrag 10 v. H. des Betrages, der nach der zweiten Steuernotverordnung der Reichsregierung und ihren Ergänzungsusw. Bestimmungen für das Einkommen aus gewerbesteuerpflichtigen Betrieben als Vorauszahlung auf die Reichseinkommen= oder Körperschaftssteuer zu zahlen ist. Da für die Vorauszahlungen für die Reichseinkommensteuer eine entsprechende Freigrenze nicht gegeben ist, so müssen auch dann, wenn das Einkommen aus dem Gewerbebetriebe in diesem Jahre voraussichtlich 900 Mk. nicht übersteigt, die vollen Vorauszahlungen auf die Reichseinkommensteuer geleistet werden. Diese Vorauszahlungen für ein mutmaßliches Jahreseinkommen von 900 Mk. betragen, da das Reich nicht volle 10 v. H. erhebt, sondern die Abzüge für die Familienangehörigen berücksichtigt hat und das Einkommen somit etwa 8 v. H. besteuert, rund 72.— Mk., vierteljährlich also Mk. 18.—. Da die Bestimmungen über die Vorauszahlung auf die Gewerbesteuer nach dem Ertrage die zugestandene Freigrenze nicht berücksichtigen, so müssen auch die in Frage kommenden Gewerbebetriebe Vorauszahlungen auf die Gewerbesteuer nach dem Ertrage leisten. Diese wäre unbillig und unzweckmäßig, da solchen Betrieben nach der endgültigen Veranlagung die vorausgezahlten Beträge wieder zurückerstattet werden müßten. Aus diesem Grunde wird empfohlen, daß die Gemeinden Unternehmen, die an Vorauszahlungen auf die Einkommensteuer aus dem Gewerbebetriebe nicht mehr als 18.— Mk. vieteljährlich zu zahlen haben, die Vorauszahlung auf die Gewerbesteuer nach dem Ertrage zinsloß stunden. Altenessener Schweinemarkt. X Essen, 8. Juli. Gesamtauftrieb: 1914. Es wurden gezahlt im Engroshandel für Ferkel von 6 bis 8 Wochen 5 bis 9 Goldmark, für 8 bis 12 Wochen 9 bis 17 Mark, für Ferkel von 12 bis 15 Wochen 17 bis 26 Mark. Für Faselschweine über 15 Wochen wurden 26 bis 50 Mark verlangt. Marktverlauf: Sehr langsam. Berliner Produktenmarkt. X Berlin, 8. Juli. Besondere Anregung lag für den Produktenmarkt nicht vor. Für Roggen bestand einige Nachfrage, die wohl mit dem Bedarf Mitteldeutschlands in Zusammenhang steht. Die Forderungen des Inlandes waren wenig nachgiebig. Für Weizen hat sich die Situation wenig geändert. Mehr Interesse tat sich für spätere Lieferungen, besonders in Roggen, kund, von dem auch in Kahnladungen manches aus neuer Ernte gelangte. Hafer still und behauptet und Gerste infolge der mehranziehenden Auslandsofferten und Mehl allgemein ruhig. Für Futterartikel zeigte sich besonders für spätere Lieferung mehr Nachfrage. Amtliche Produktennotierung. else lu Goldmark) Berlin. 8. Juli 1942(Wollf) Hamburger Warenbörse. V Hamburg, 8. Juli.(Drahtb.) Produktenbörse. Amtlich: Weizen 142—148, Roggen 130—136, Münster, 6. Juli. Der Zirkusdirektor und Eigentümer des Zirkus Corty Althoff, Pierre Altoff, ist im Alter von 56 Jahren in Bad Wildunen nach langem, schwerem Leiden gestorben. Herr Althoff, der die große Zeit der Zirkuskunst mit geschafen hat, blieb auch unter den veränderten Zeiten seinen Idealen treu und pflegte in seinem berühmten Zirkus vor allem die ernsthafte, gediegene Pferdedressur, wenn er sich auch dem Geschmack der Zeit anpassen und Varieteenummern in seinen Spielplan aufnehmen mußte. V Lüdinghausen, 8. Juli. Am Sonntag nachmittag and hier in Verbindung mit dem Kriegerverbandssest, das nach mehrjähriger Unterbrechung wieder gefeiert wurde, die Weihe einer Kriegergedenktafel statt, die an dem im Jahre 1907 erbauten Denkmal angebracht ist. Die Feier selbst nahm durch Choralvorträge der Reichswehrkapelle und durch Darbietungen der Vereinigten Männerchöre einen erhebenden Verlauf. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand die Gedächtnisanprache des Vorsitzenden des Kriegervereins und Kreiskriegerververbandes Lüdinghausen, Studienrat Hömberg, der die Mahnung aussprach, das deutsche Reich, für das unsere Helden ihr Leben und ihre Gesundheit hingaben, ohne Parteihaß und ohne Klassenunterschiede wieder aufzubauen in zuchtvoller, harter und selbstbeherrschter Friedensarbeit. Die Voraussetzungen dafür aber sind, daß wir mit dem Gottvertrauen eine neue Treue, Gewissenhaftigkeit und Sittenstrenge verbinden. Nur dann werden wir zum Segen unseres Vaterlandes arbeiten können. In diesem Sinne weihen wir die Gedenktafel und geloben den Toten, daß wir uns ihrer würdig erweisen wollen. Unter den Klängen des gemeinsam gesungenen iedes„Ich hatt' einen Kameraden", in die sich das Geläute der Kirchenglocken und das Krachen von Böllerschüssen mischte, legten die Abordnungen der einzelnen Vereine ihre Kränze am Denkmal nieder. Dann übernahm der Bürgermeister der Stadt Lüdinghausen, Efna die Ehrentafel in die Obhut der Stadtgemeinde. Auf/ seine Aufforderung stimmte die Versammlung in ein dreifaches Hoch auf das deutsche Vaterland ein. Mit dem gemeinschaftlich gesungenen Deutschlandliede fand der ist ihm das Zuchthaus oder die Todesstrafe sicher. Die mergerste 152—157, ausländische Sommergerste 165 Gründe, welche es früher unmöglich machten, in dieser 189 Safer 139149 Mais 143—146. Die Preise Hinsicht Aenderung herbeizuführen, bestehen heute nicht mehr. Der Reichstag trägt die volle Verantwortung für den Fortbestand solcher Gesetze, die ein Hohn sind nicht nur auf das Christentum, sondern auch auf die gesunde Vernunft. Solingen, 5. Juli. Die weltliche Schule im Solinger Industriebezirk erleidet eine Niederlage nach der andern. Nachdem in verschiedenen Gemeinden bereits bei den Elternbeiratswahlen die weltlichen Listen schwere Niederlagen erlitten hatten, ist jetzt auch in der Stadt Solingen selbst die Unmöglich leit in Erscheinung getreten, eine weltliche Schule einzurichten. Es haben sich nur drei Lehrer zum Unterricht an einer solchen Schule bereit erklärt. Da aber eine dreiklassige Schule nicht eingerichtet werden kann, unterbleibt bis zum nächsten Schuljahr die Einrichtung eines weltlichen Systems in Solingen. Duisburg, 8. Juli. In der Nacht zum gestrigen Montag kam es in dem Hause Hubertusstr. 20 im Stadtteil Laar zwischen mehreren Personen zu Tätlichkeiten. Dabei wurde der Arbeiter C. von einem der Beteiligten aus dem Fenster des zweiten Stockwerkes in den Hof hinabgesturzt, wo C. bewußtlos liegen blieb. Er wurde in das Krankenhaus gebracht, wo er bald, ohne das Bewußtsein wiedererlangt zu haben, verstarb. Der Täter wurde festgenommen.— Im Hause Theodorstraße 9 in Beeck wurde gestern das Ehepaar Grabowski, beides alte Leute, tot aufgefunden. Hausbewohner hatten starken Gasgeruch bemerkt und benachrichtigten die Polizei, die nach gewaltsamem Oeffnen der Tür die beiden Leute als Leichen auffand. — Düsseldorf, 8. Juli. Die Eingabe der Stadt Düsseldorf an den Kommandierenden General, die Einquartierungslasten und die Wohnungsnot zu mildern, ist erfolglos geblieben. Die Besatzungsbehörde erklärte, auf die bis jetzt beschlagnahmten Räume nicht verzichten zu können. —Diez, 8. Juli. Im Kalkwerk von Schneider und Schiffer wurden beim Einsturz einer Mauer 4 Arbeiter verschüttet, von denen einer getötet, die anderen drei schwer verletzt wurden X Kreuznach, 8. Juli. Im benachbarten Drommersheim erschlug ein 21jähriger Arbeiter bei einer Rauferei einen 14jährigen Jungen mit einem schweren Stein. Der Täter wurde festgenommen. Handel und Industrie. Rundschau. Die vorläufige Regelung der Gewerbesieuer. X Aus einer gemeinsamen Verfügung des preußischen Ministers des Innern, des Finansministers und des Ministers für Handel und Gewerbe teilt der liche Preußische Prefsedienst“ folgendes mit: Nach der Verordnung über vorläufige Regelung der Gewerbesteuer vom 23. Nov. d. Irs. können von dem Souibis 182, Hafer 132—142, Mais 143—146. Die Preise für vorstehendes Getreide beziehen sich auf 1000 Kg. Deutsches Reichsfuttermehl 24% Parität ab Quai Waggon Hamburg 5,25, desgl: August=September 5,85—5,90, ausländische Weizenkleie 4,80, Leimkuchen 9,60—65, Kokuskuchen 8,65—8,70, Manila=Kokuskuchen 7,50, desgl. August=September 7,90—7,85, Deutsche Palmkuchen 5,70 bis 5,75, desgl. August=Dezember 6,65, nominal. Erdnußkuchen 50% 9,25—9,35, Erdnußmehl 50% 9,85—10, Sesam 9,75—9,85, Rapskuchen 5, desgl. August=Dezember 5,55. Harburger Palmkernschrott 5,25—5,35, desgl. August=Oktober 5,75, Soya=Schrott 8,25, Baumwollsaatmehl 28—32% 7,25—7,35, Sonnenblumenkuchen 30% 5,50, Preise für Reichsfuttermehl bis Sonnenblumenkuchen verstehen sich pro Zentner. Weizenmehl Auszug hiesiger Mühlen 31,75, desgl. Bäckermehl 26,25, desgl. inländisches Auszugmehl 25, desgl. 70% 21,50, amerikanisches 61/—8. Roggenmehl 70% hiesiger Mühlen 23¼—24¾, desgl. grob 19¼, desgl. 70% hiesiger Mühlen 20,50, desgl. grob 17,50. Mehlpreise verstehen sich per 100 Kg. Alle Preise in Rentenmark. Tendenz: Der Markt verkehrte heute in stetiger Haltung. Auslandsgerste blieb, da kürzlich eingetroffene knapp angeboten wurde, hoch im Preise. Mais fest, aber unverändert. Oelkuchen bei geringem Umsatz fest. Biehmarkt. Schweinemarkt: Beste Fettschweine und mittelschwere Ware bis 55, gute, leichte Mittelware 54—55, geringe Ware 48—52, Sauen 45—52. Auftrieb: 3941 Stück. Tendenz: Ziemlich ruhig. Kälbermarkt: Feinste Mastkälber 60—65, mittlere Mastkälber 50—58, geringgenährte Kälber 35—47. geringste Kälber 25—35. Auftrieb: 1383 Stück. Tendenz: Ziemlich gut. Metalle. Freiverkehr: Silber prompt 88½—89, Zink prompt desgl. per 1 Monat 520—540, Gold 27½—28, Platin 13%—14½. Amtlich: Silber prompt 88½—89, Zink prompt und per 1 Monat 525—540, Hüttenweichblei ab Lager und ab Hütte 540—570, Blei doppelt raffiniert 510—530, Blankazinn desgl. per vier Wochen, Zinn prompt und per 1 Monat 400—420. Ausländische Getreide: Weizen: Tendenz sest. Manitoba 1 13,55, desgl 2 13,35, desgl. 3 13,05, Rosafe 79 Kg. 12,85, Barusse Gerste: Tendenz fest. Donaurussen 10,70, Laplata 10,70—10,65. Roggen: Tendenz behauptet, Westernry 1 9,45, desgl. 2 9,40, Südrussen 10,05. Mais: Tendenz behauptet. Laptata 8,65, Donan (gallsor) Bessarabien 8,90: Hafer: Tendenz ruhig. Preise unverändert. Hirse: Tendenz etwas fester. Dongurussen 8,50. Chemikalien: Preise unverändert. Tendenz Mineralöle und Mineralsette: Preise undert. Tendenz ruhig. Jele und Fette: Leinöl prompt 50 holländische il. desgl. Juli—August 49,50. Alles übrige unverändert Tendenz ruhig. Damen-Konfektion! Wegen weit vorgerückter Saison verkaufen wir ab Donnerstag, den 10. Juli zu ganz bedeutend herabgesetzten Preisen. Frotté-Aleider in hübschen Farben 5.00 8.50 11.00 bs 28.00 Mk. Mouseline-Aleider in schönen Mustern 5.90 8.90 10.50 u.s.w, Voile-Aleider aparte Facons 2.90 4.90 7.50 U. S. W. Kinder-Aleider in Voile, Mouseline, Kattun und Frotte in allen Größen von 1.5 Mk. an Voile-Wasch- u. Mouseline-Blusen (Hemdblusen und Jumper-Facon) von Z.bU Mk. an Koltüme beste Verarbeitung in Donegal, Cheviot Gabardine, Rips u. Tuch 22.00 24.50 30.00 39.00 U.S.W. 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Die Bäche und Abzugsgräben in der Gemeinde Ahaus sind von den dazu Verpflichteten bis zum 25. Juli 1924 auf Donnerstag, den 10. Juli cr., nachmittags 5 Uhr im Rathaussitzungssaale. Tagesordnung: 1. Geschäftliche Mitteilungen. 2. Einführung der Magistratsmitglieder. 3. Etatsberatung. 4. Antrag der Kommunistischen Partei um Aufhebung der für die Stadt Gronau bestehenden Magistratsverfassung. 5.„ betr. den Beginn der jeweiligen Stadtverordneten=Sitzungen. 6.„ um Aufbesserung der Straßen bezw. Wege in den Arbeiter=Kolonien. 7. Erweiterung des Sparkassenvorstandes und Wahl der Mitglieder desselben. 3. Wahl von 2 Stadtverordneten in den Fürsergeausschuß. 9. Vergnügungssteuer betr. 10. Einbürgerung des staatlosen Daniel Friedrich. 11. Einbürgerung des ukrainischen Staatsangehöri gen Johann Bortnyk. 12. Einbürgerung der polnischen Staatsangehörtgen Maria Anna Parpart. an Flechten, Hautausschlag, Hautjucken, Pitkeln, Finnen, Schorf, Krätze usw., dann gebrauchen Sie Dr. Terraheis Heilseife. 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