Die„Siegener Zeitung“ erscheint an allen Werktagen abends und kostet freibleibend monatlich durch Boten 1.80 M. ohne Zustellungsgebühren. durch die Post bezogen 2.- M. Einzelverkauf 10 Pfg. Geschäftsstellen: Obergraben 5. u. Neumarkt 11 am Bahnhof 6 Fernlpr. Sammel=Nr. 5251. Giro=Konto Stadtbank Siegen Nr. 75 Postscheckkonto Köln Nr. 25 553. Kreisblatt für den Stadt= und Landkreis Siegen Beilagen: Unterhaltungsblatt- Landwirtschaftliche Mitteilungen Wimanang s Der Jugend Druck und Verlag von W. Vorländer in Siegen. 1 mm einspaltig im Verbreitungsgebiet 10 Pfg. Familienanzeigen u. Stellengesuche 6 Pfg., auswärtige Anzeigen 15 Pfg., Reklamen 70 Pfg. Auslandsanzeigen Valutaaufschlag Finanzanzeigen 50% Aufschlag Rabatt nach Tarif Bei Auskunft Offertenannahme u. Weiterbeförderung entsprechende Zuschläge. Platz= und Erscheinungsvorschriften ohne Gewähr Anzeigen=Rechnungen sind innerhalb 8 Tagen zahlbar. Erfüllungsort und Gerichtsstand ist Siegen. Nummer 193 Siegen, Dienstag, den 19. August 1930 100. Jahrgang Tagesrundschau. Heute begann das Reichskabinett mit der Beratung des Finanzproblems, der Ersparnismaßnahmen, der Wahlreform und Arbeitslosenversicherung. * über den allgemeinen Lohnabbau in der Industrie beginnt man am 5. September zu verhandeln. 3 In Lübeck ist jetzt der 60. und 67. Säugling an der Calmettefütterung gestorben. 3 Beim Zusammenstoß zweier Züge bei Kreuzwald (Lothringen) sind vier Personen getötet worden. 3 Auf der Insel Fünen wurde ein Kraftwagen von einem Zug erfaßt; von den fünf Insassen sind drei tot. 3 Bei Grenoble stürzte ein mit 62 Personen besetzter Autobus in die Isere; bisher zählt man zwei Tote. 3 In Jacksonville(Florida) wurden durch Explosion auf einem Dampfer fünf Menschen getötet. 3 In Newhampshire schlug auf dem Fluß Connecticut eine Fähre um; ein junges Ehepaar, das mit seinem Kind im Auto sich übersetzen ließ, und ein Mann ertranken. Unter dem Anprall einer Flutwoge kenterten auf auf dem indischen Fluß Hooghly ein Schiff mit 54 Spinnereiarbeitern; 22 konnten gerettet werden. Trockenheit auch in Amerika. Von unserem Korrespondenten. New=Vork, im August. Präsident Hoover hat seinen Urlaub vorläufig aufgeschoben. Er hüllt sich in Schweigen, was er zu tun gedenkt, wann und ob er reisen wird. Vorläufig halten ihn wichtige Angelegenheiten noch in Washington zurück. Das Land ist in Not,— das Land, die Landwirtschaft. In Chicago sind die Preise für Weizen und Mais plötzlich in die Höhe geschnellt, aber an der New=Yorker Effektenbörse herrscht die allgemeine Flaute weiter vor. Das hat seinen Grund. Das Anziehen der Preise für Getreide ist nicht das Anzeichen dafür, daß die wirtschaftliche Depression ihr Ende erreicht hat, es hat seinen Grund in den zum Teil recht beunruhigend klingenden Nachrichten über die zu erwartende Mißernte im Lande als Folge der Trockenheit. Selbst wenn man diese Nachrichten mit der hierbei nötigen Vorsicht aufnimmt,— schon deshalb, weil nach Angabe der Regierung die Verhältnisse in den verschiedenen Teilen des Landes, ja, sogar in den einzelnen Kreisen innerhalb eines Staates und bis zu den dicht nebeneinander liegenden Farmen sehr verschieden sind,— und wenn schließlich auch jeden Tag eine Besserung der Witterungsverhältnisse eintreten kann, soviel ist sicher die Trockenheit dieses Jahres hat der Ernte in USA. und Kanada schon jetzt ganz erheblich geschadet, spricht man doch selbst in Regierungskreisen von einer teilweisen Katastrophe. Zieht man einen Querschnitt durch all' die Nachrichten, die aus den verschiedenen Landesteilen kommen, so ergibt sich, daß die seit etwa 7 Wochen und länger herrschende Trockenheit und Hitze, unter der besonders der Teil des Landes östlich der Rocky Mountains gelitten hat, höchst besorgniserregende Zustände geschaffen haben. Und dies nicht nur in bezug auf die Ernte, auch in anderer Weise wirken sich diese Zustände schädigend aus, doch davon später. Die Maisernte hat am meisten gelitten. Alle Nachrichten deuten darauf hin, daß der Mais in diesem Jahre sehr knapp sein wird. Man schätzt den sicheren Verlust bereits auf eine halbe Milliarde Bushels. In Ohio, Illinois Indiana und Jowa soll die Maisernte zum größten Teil vernichtet sein. Damit Hand in Hand geht ein Verbrennen der Weideflächen, so daß in einigen Gegenden das Vieh nicht mehr genügend genährt werden kann. Einige Landwirte beginnen in ihrer Not, den Mais schon jetzt zu schneiden und zu verfüttern, andere ihr Vieh abzuschlachten. Der Winterweizen ist gut hereingekommen, der Ertrag ist befriedigend, der Sommerweizen dagegen dürfte auch die Trockenheit noch zu spüren bekommen. Hierzu kommt, daß wie 3. B. in der Provinz Saskatschewan, Kanada, der Weizen vom Rost befallen ist, so daß angeblich Tausende von Acres die Ernte nicht lohnten. Auch hat der Schaden durch Insekten hier ein ziemliches Ausmaß angenommen; übrigens haben auch die Staaten Indiana und Texas sehr unter Heuschrecken gelitten, und was die Sonne verschont hat, haben die Insekten aufgefressen. Die Baumwollernte sieht ebenfalls nicht sehr hoffnungsvoll aus. Es werden für die geschädigten Baumwollfarmer bereits Kreditgewährungen vorbereitet, um ihnen die Finanzierung der Ernte im nächsten Jahr zu erleichtern bezw. zu ermöglichen. Mit der Fruchternte in Virginia und West=Virginia steht es nach zuverlässigen Angaben ebenfalls schlecht. Die Apfel fallen unreif von den Bäumen, und auch die anderen Früchte haben unter Wassermangel gelitten. Der Gesamtschaden in der Landwirtschaft wird, wenn nicht bald Regen fällt, auf 1 Milliarde Dollars geschätzt. Günstig für die Gesamtheit ist, daß als Folge des Ernteausfalls an Mais die Farn statt dessen Weizen verfüttern, und nach Schätzung der Regierung ist zu erwarten, daß auf diese Weise 50 1 100 Millionen Bushels Weizen vom Markt genomm Von der Ostgrenze. Die 65. Grenzverletzung. kg. Die deutsche Antwort an ist bereits im Reichskabinett fertiggestellt. zeitig mit Zaleskis Protest sind in Berlin Berichte eingelaufen von drei neuen Verletzungen deutschen Hoheitsgebiets durch polnische Militärflieger am Sonnabend und Sonntag. Wir sind damit glücklich zur 65. Grenzverletzung durch Polen innerhalb Jahresfrist angelangt. „Ein unhaltbares Unikum“. Eigene Meldung. kg. Berlin. 19. August. Die Sozialdemokratische Partei Polens hat gestern eine Sitzung abgehalten und einstimmig einen Beschluß gefaßt, der Deutschlands Anspruch auf Revision der Polengrenzen als Friedensgefährdung zurückweist. In Posen und Lodz kam es gestern nachmittag zu Kundgebungen vor den deutschen Konsulaten. Montag abend ist in Warschau ein starkes Polizeikommando zur Bewachung und zum Schutz der deutschen Gesandtschaft bereit gestellt worden. Die Zugänge zur Gesandtschaft sind abgesperrt, nachdem sich allerlei Gesindel anzusammeln begonnen hatte. Die polnische Presse fährt in ihrer Schimpfkanonade gegen Deutschland ungehindert fort. In Paris ist das Interesse an den Reden Treviranus' größer als in Deutschland. Auch in der gemäßigten Presse zeigt sich Nervosität. Nur wenige Zeitungen bleiben ruhig. Die Revision der Ostgrenzen beherrscht die Erörterungen in der französischen Presse. Petit Journal ist einsichtig. Es schreibt, die Zerschneidung deutschen Gebietes durch den polnischen Korridor sei ein auf die Dauer unhaltbares Unikum. Aber dieses Blatt steht allein. Der Gedanke einer Revision der deutschen Ostgrenze wird in Frankreich abgelehnt. Das Aufsehen, das die beiden Reden des Ministers Treviranus finden, erklärt sich daraus, daß in Frankreich jede Rede eines Ministers für eine Kundgebung der Regierung gilt, für die natürlich das Gesamtministerium die Verantwortung trägt. Im Echo de Paris, der Coty=Presse, in den Blättern des französischen Fascismus tobt bereits auf der ganzen Linie der Sturm gegen Briand und seine Politik der schwächlichen Konzessionen,„die allein Deutschland zu seinen neuen Forderungen ermutigt hätte“, und das Echo meldet, im Parlament werde die französische Rechte nichts unversucht lassen, um aus der Kampagne Kapital gegen den Außenminister Briand zu schlagen. Daß der Pariser Figaro gestern schrieb, solange die deutsch=polnischen Grenzdifferenzen beständen, gäbe es für Frankreich noch keine Locarnosicherung, sei nur der Vollständigkeit halber hier verzeichnet. Wesentlich sachlicher urteilt die große Londoner Presse. Die Daily News befassen sich gleichfalls mit den Trevira eden und gestehen zu, in Deutschlands Östgrenzen liege eine Gefährdung der deutschen Sicherheit.„Wenn der Völkerbund,“ so schließt der Artikel,„nicht die Revision dieser Grenzen erzwingen kann, dann ist er ein zweckloses und viel zu teures Instrument für die ihm angehörenden Völker.“ Im Manchester Guardian beschäftigt sich der politische Direktor der englischen Liga für den Völkerbund mit den deutschen Ostfragen und stellt fest, daß Deutschlands Östgrenze zweifellos eine Gefährdung des europäischen Friedens darstelle. Für den Frieden Europas werde es aber noch viel verhängnisvoller sein, wenn man zu diesem Zeitpunkt einen Versuch machen würde, die Grenzen zu ändern. Die Zeit sei noch nicht gekommen. 35 Die kommunistische Werbetätigkeit des Russensenders hat— endlich!— zu Vorstellungen des Reiches in Moskau geführt. Selbst in Berlin wird der Radioempfang durch die Russen empfindlich gestört. Daß auch in der Sowjetbotschaft selbst ein Sender für die Propaganda in Deutschland unterhalten wird, konnte anläßlich einer Peilung nach Schwarzhörern festgestellt werden. An einen Erfolg des Einspruchs in Moskau glaubt leider niemand. Eine polnische Kundgebung. Eigene Meldung. enb. Dirschau, 19. August. In den fünf Weichseldörfern die trotz des allgemeinen deutschen Abstimmungssiegs Polen zugeteilt wurden, fand die Zehnjahrfeier der übernahme dieser Orte statt, an der ern großer Teil der Starosten (Landräte) des angrenzenden polnischen Gebietes und Vertreter der Militär= und Zivilbehörden mit dem pommerellenschen Woiwoden Lamo teilnahmen. Nach der Ansprache des Woiwoden Lamo und des Bürgermeisters von Mewe hielt der Direktor des polnischen Westmarkenvereins eine Rede, die in einer vom Westmarkenverein eingebrachten Entschließung gipfelte, die sich in schärfster Form gegen Reichsminister Treviranus wendet. Darin wird von der„Möglichkeit eines deutschpolnischen Krieges" gesprochen und von der polnischen erung eine energische diplomatische Intervention verlangt. Zum Schluß wird die polnische Bevölkerung aufgerufen, alle Kräfte unter der Parole„die Front zum Meer und zu Pommereklen!“ zu mobilisieren. Warschau Gleichwerden, die sonst den Preisdruck vermehrt hätten. Daherdas Anziehen auch der Weizenpreise. Anderseits muß aber berücksichtigt werden, daß von all' diesen Preiserhöhungen nur noch diejenigen profitieren, deren Ernte nicht vernichtet worden ist. In dem sogenannten Corn Belt, der Maisgegend, sind die Verluste doch so erheblich, daß damit auch ein Verlust an Geschäft in anderen Zweigen Hand in Hand gehen dürfte. Aus den Nachrichten über den Wassermangel haben wir die nachstehenden ausgewählt, um dem Leser ein Bild zu geben, wie es in einigen Teilen des Landes aussieht. In einer Stadt in Indiana wird das Wasser etwa 50 Kilometer weit aus dem Ohio River geholt, im nördlichen Teil von West=Virginia wurde Wasser, für 5 Cents je Glas verkauft. In Gettysburg, Pennsylvania, wurde verboten, am Montag Wäsche zu waschen. Canton, Ohio, hat das Sprengen von Rasenflächen untersagt. Vom Süden, aus Albama, wird berichtet, daß in kleinen Flüssen die Fische auf dem Trocknen liegen. Nur die enfischer in Indiana haben leichte Arbeit; so seicht sei das Wasser seit einem halben Jahrhundert nicht gewesen. Durch all' diese Zustände wird die Arbeitslosigkeit in der Landwirtschaft vergrößert. Im Staate Ohio haben etwa 200 Farmer vom Kreischef Wegearbeiten verlangt, damit sie in der Lage wären, ihre Familien ernähren zu können. Der Gouverneur von Kentucky schätzt, daß in etwa 20 seiner Kreise in drei Monaten Tausende von Familien ohne Nahrung und gänzlich mittellos sein werden. Er hat sich um Hilfe nach Washington gewandt, um die Verteilung von Nahrungsmitteln durch Regierungsstellen vorzubereiten, da 70 Prozent der Ernte vernichtet seien. Und das ist der Grund, weshalb Hoover seinen Urlaub hinausschiebt. Hilfe tut Not, schnelle Hilfe. Kredite müssen gewährt werden, der Fonds des Farm Boards, soweit er noch nicht Verwendung gefunden hat, soll hierfür herangezogen werden. Hoover hat auch an die Eisenbahngesellschaften appelliert, die ihm weitgehende Unterstützung zugesagt haben. Diese soll unter anderem in niedrigeren Frachtsätzen für Futtermittel bestehen. Man spricht sogar von kostenloser Beförderung von Vieh aus Distrikten wo Futtermangel herrscht, in Gegenden, die weniger unter der Trockenheit gelitten haben. Dies ein Bild der Lage. Vielleicht haben sich die Verhältnisse gebessert, wenn diese Zeilen den Druck erreichen, vielleicht verschlechtert. Jedenfalls wird der Überschußwirtschaft hier von höherer Hand erheblich gesteuert. Wie wird sich das auf die Gesamtheit der Volkswirtschaft auswirken? Graf von Westarp. Aus dem Reichskabinett. Privattelegramm. S. Berlin, 19. August. Noch in dieser Woche fällt die endgültige Entscheidung der Reichsregierung über den Handelsvertrag mit Finnland. Spätestens Freitag soll der deutsche Unterhändler aus Helsingfors nach Berlin zurückkehren. Im Anschluß daran muß dann das Reich zu einer klaren Stellungnahme kommen. Die hier vorliegenden Kommentare der finnischen Zeitungen lassen auf ein großes Entgegenkommen Finnlands kaum rechnen. Im ersten Teil dieser Woche finden im Kabinett die Beratungen über den neuen Reichsetat, das Ersparnisprogramm und die Arbeitslosenversicherung statt. * Zu dem Versuch, mit Finnland in der Frage des Butter= und Käsezolls zu einer gütlichen Einigung zu kommen, erklärt die Deutsche Tageszeitung: „Daß dieser Versuch der letzte bleiben und diese Verhandlung schleunigst zu Ende geführt werden muß, versteht sich für uns von selber. Führt er nicht zum Ziele, dann muß schon in den nächsten Tagen das Reichskabinett endgultig die Kündigung beschließen. Das ist auch der Standpunkt, von dem der Reichsernährungsminister ausgeht, und an dem er bestimmt festhalten wird. Faule Kompromisse darf es in dieser landwirtschaftlichen Lebensfrage nicht geben und wird es auch nicht geben!“ Ursache und Wirkung. Privattelegramm. kg. Berlin, 19. August. Die Rot der Arbeitslosenversicherung, über die mehrfach gemeldet ist, ist zum erheblichen Teil auf die Massenkündigungen von Angestellten zurückzuführen, die die Industrie in steigendem Maße vornimmt. Seit 1. Juli sind im Reichsgebiet 38 500 Kündigungen von Angestellten ausgesprochen. Die Beseitigung des Fehlbetrages hängt von den Beschlüssen des kommenden Reichstags ab, der spätestens am 14. Oktober zusammentreten muß. Hebt er die Notverordnung der Reichsregierung auf, dann tritt die unbegrenzte Zuschußkraft des Reiches wieder in Kraft. Der Vorstand der Arbeitslosenversicherung ist zum 6. September einberufen. Was kostet uns der Korridor? Auf Grund besonderer Informationen sind wir in der Lage, nachstehendes, zum Teil unveröffentlichtes Material über die katastrophalen Folgen der Schaffung des polnischen Korridors für Deutschland zu bringen. Wir glauben, daß diese Ausführungen im Augenblick besondere Beachtung verdienen. Red. Bei jeder Betrachtung des Korridorproblems muß man davon ausgehen, was ursprünglich in den 14 Punkten Wilsons beabsichtigt worden war, und was nachher daraus geworden ist. Wilson widerstrebte der territorialen Lösung, d. h. er wollte nicht, daß deutsches Gebiet dem polnischen Staat einverleibt würde. Seine ursprünglichen Absichten drückt der 13. Punkt seiner Erklärung, die bekanntlich die Grundlage des Waffenstillstandes bildete, folgendermaßen aus:„Ein unabhängiger polnischer Staat soll errichtet werden, der die von seiner unbestreitbar polnischen Bevölkerung bewohnten Gebiete umfassen soll, dem ein freier Zugang zum Meere gewährleistet werden und dessen politische und ökonomische Unabhängigkeit sowie dessen territoriale Integrität durch internationalen Vertrag garantiert wird.“ Unter diesem freien Zugang zum Meer, den Polen erhalten sollte, war ursprünglich lediglich die Internationalisierung der Weichfel. etwa nach Art des bei der Elbe für die Tschechoslowakei gefundenen Modus, und die Einräumung eines Freihafengebiets in Danzig gemeint. Was dann in Paris gegen den Widerstand Wilsons, dem sich übrigens auch Lloyd George anschloß, daraus gemacht wurde, wissen wir. Mit Posen und Westpreußen kamen Gebiete an Polen, bei denen die Formulierung„von einer unbestreitbar polnischen Bevölkerung bewohnt“ zu einer Farce wurde. So entstand der Korridor, unter dem also dasjenige von Deutschland an Polen abgetretene Gebiet zu verstehen ist, das,— obwohl es nicht von einer unbestreitbar polnischen Bevölkerung bewohnt wurde,— doch Polen als Zugang zum Meere gegeben wurde. Diese Tatsachen muß man sich vergegenwärtigen, wenn man über die Korridorfrage spricht und die Verluste berechnet, die Deutschland aus der Abtretung dieses Gebietes erwachsen sind. Die Frage:„Was kostet Deutschland der polnische Korridor?“ läßt sich in ihrer Gesamtheit nicht beantworten oder gar ziffernmäßig bewerten. Wohl aber lassen sich für einzelne Wirtschaftsgebiete mehr oder weniger umfassende Angaben machen. Zu den unmittelbaren Schäden gehört in erster Linie der Verlust an Rohstoffgebiet. Wenn man sich nur vor Augen hält, daß das Korridorgebiet im Jahre 1913 2722304 Tonnen Körnerfrüchte und 57301 444 Tonnen Kartoffeln und Zuckerrüben erzeugte, deren Gegenwert für die erstgenannten Erzeugnisse 544 000 000 RM. (für die Tonne 200 RM.) und für die Hackfrüchte 171 000 000 RM. Ffür die Tonne 30 RM.) beträgt, so kann man sich einen ungefähren Begriff davon machen, um welche Summen es sich hier handelt. Einen ungefähren Begriff, wie gesagt; denn dazu kommen ja noch zahlreiche andere Werte, so der Umfang des Viehstandes und vieles mehr. Der Viehversand für das Korridorgebiet entsprach, bei einer Bewertungsgrundlage von 1 RM. für das Kilo, allein mindestens einer Milliarde Goldmark. Daraus kann man schließen, daß der durch die Abtretung erlittene Schaden auf land= und forstwirtschaftlichem Gebiete auf mehrere Milliarden Mark zu schätzen ist. In industrieller Beziehung sind die Schäden nicht so gewaltig. Das Korridorgebiet trägt ja, wie der ganze deutsche Osten, vorwiegend agrarischen Charakter. Immerhin war ein großer Teil des jetzt polnisch gewordenen Gebiets mit Überlandzentralen zur Elektrizitätsversorgung versehen. 1922 standen etwa 20 000 Pferdekräfte zur Verfügung. An erster Stelle der industriellen Bedeutung nach stand die Zuckerindustire. Daneben gab es Fabriken für landwirtschaftliche Maschinen, Sägemühlen, Brennereien und nicht als letztes die Schiffbauindustrie und die Reedereien in Danzig. Man braucht ja nur den Namen „Schichauwerft“ zu nennen. An gewerblichen Betrieben gibt es im Korridorgebiet 63000 Unternehmungen mit einer Beschäftigungszahl von 221000 Personen. Zu diesen materiellen Einbußen kommen die bevölkerungspolitischen Schäden. Ihre genaue Fixierung stößt auf gewisse Schwierigkeiten, da sich die Bewohner des Korridorlandes teils aus Deutschen, teils aus Polen, teils aus Kaschuben, einem sonst ausgestorbenen slavischen Volksstamm, zusammensetzen. Auf Grund bestimmter Berechnungen, die Abstimmungsergebnisse in dem dem Korridor benachbarten polnischen Kreise Stuhm als symptomatisch werten, beziffert sich der Verlust an deutsch gesinnter Bevölkerung bei einer Gesamtbevölkerung von 1730 000 Menschen folgendermaßen: Westpreußen, deutschsprechende Bevölkerung i abgetretenen Gebiet, einschl. Danzig.. Westpreußen. deutsche Staatsbürger polnisch Sprache. Netzegau, deutschsprechende Bevölkerung.. Netzegau, deutsche Staatsbürger poln. Sprac Soldauer Zipfel(Deutsche und Masuren).. 725 000 265 000 295 000 50 000 20 000 1355 000 Finanziell lassen sich diese Verluste an Menschen natürlich nicht ausdrücken. Immerhin muß man je Kopf des Verdrängten mindestens 500 Mark im Jahr rechnen, und da nach den Angaben von zuständiger Stelle die Gesamtabwanderung aus Polen mit rund 1 Million angegeben wird, so macht das im ganzen eine halbe Milliarde aus, die auf dem Volkseinkommen lastet. Daß dem Verlust an Rohstoff= und Produktionsgebiet durch die Schaffung des Korridors auch Verluste an Absatzgebiet gegenüberstehen, liegt auf der Hand. Allerdings lassen sich hierfür zahlenmäßige Unterlagen. nur schwer geben. Das gleiche trifft für die durch die Korridorschaffung hervorgerufenen Verkehrsschäden zu. die sich auch zahlenmäßig kaum feststellen lassen. Sie liegen vor allem darin, daß die natürlichen und für Deutschland so außerordentlich wichtigen Öst=West=Verbindungen zugunsten der Süd=Nord=Verbindungen unterbrochen worden sind. Das gilt sowohl für die Schiffahrtswege als auch für die Automobilstraßen, die eine sinngemäße Ausgestaltung des ostdeutschen Automobilstraßensystems unmöglich machen. Ganz besonders gilt es aber für den Eisenbahnverkehr. Der beste Beweis dafür ist der, daß im Sommer 1913 auf den vier wichtigsten Eisenbahnstrecken täglich 288 Schnellzüge, 61 Personenzüge und 70 Güterzüge verkehrten, dagegen im Sommer 1927 nur noch 8 Schnellzüge, 114 Personenzüge und 22 Güterzüge. Also ein Rückschritt, wie er gar nicht schlimmer gedacht werden kann. Außer diesen unmittelbaren Schäden gibt es noch eine ganze Reihe mittelbarer. Dazu gehört in erster Linie die bedrängte Lage der Provinz Ostpreuben, die zwar nicht ausschließlich auf die Schaffung des Korridors zurückzuführen ist, aber doch in einem gewissen ursächlichen Zusammenhang damit steht. Die schwierige Wirtschaftslage Ostpreußens, das im Durchschnitt 1—2% höhere Zinsen zahlen mus als das Ausland, hat in den Jahren 1919—1925 fast 150 000 Personen zur Abwanderung gezwungen, und auf der anderen Seite das Reich genötigt, großzügige und kostspielige Hilfsaktionen einzuleiten. Daß das Korridorgebiet selbst unter den jetzigen Verhältnissen am meisten zu leiden hat, kann nach dem Gesagten nicht zweifelhaft sein. Allein die Tatsache, daß man den größten Teil der Deutschen, die früher das Kulturelement darstellten, durch Enteignungen und Ausweisungen verdrängt hat, sagt ia genug und kann mit allem anderen nur dazu dienen, daß die Korridorfrage einer würdigen Lösung entgegengeführt wird, die im Interesse der Erhaltung des Friedens in Osteuropa und im europäischen Interesse überhaupt dringend zu wünschen ist. Luftamt— erst in zwei Jahren. Eigene Meldung. cnb. Berlin, 19. August. Das Reichsverkehrsministerium hat sich jetzt bereit erklärt, die Schaffung eines Luftamtes nach Möglichkeit zu beschleunigen. Ein solches Luftamt ist im neuen Luftgesetz bereits vorgesehen, das an die Stelle des im Jahre 1922 geschaffenen treten soll. Wie die Vossische Zeitung heute mitteilt, werden aber wenigstens noch 2 Jahre vergehen, bis dieses neue Luftgesetz in Kraft treten wird, weil bei der verhältnismäßig jungen Materie des Luftverkehrs noch mancherlei rechtliche Schwierigkeiten zu überwinden sind, und das neue Gesetz dem internationalen Luftrecht angepaßt werden muß. Streit um die Herberge. Eigene Meldung. T. Berlin, 19. August. So begrüßenswert an sich die Tatsache ist, daß auch auslandische junge Menschen durch Deutschland wandern und die Schönheiten der deutschen Landschaft kennenlernen, so darf doch die deutsche Jugend dabei nicht benachteiligt werden. So wird aus interessierten Kreisen berichtet, daß die Jugendherbergen, die schon meist überfüllt sind, in einzelnen westlichen Teilen des Reiches so stark durch ausländische Jugend belegt waren, daß deutsche jugendliche Wanderer, die abends um Unterkunft baten abgewiesen werden mußten. Allerdings hatten die ausländischen Gruppen das Quartier vorher bestellt. Es wäre aber doch wünschenswert, wenn die zuständigen Stellen hier für Abhilfe sorgen könnten. Denn schließlich ist das Ausland wohlhabender als wir, und die billigen Unterkunftsmöglichkeiten in deutschen Jugendherbergen müßten in erster Linie der deutschen Jugend vorbehalten bleiben. Als Ausweg wird von interessierter Seite vorgeschlagen, ähnliche Maßnahmen zu treffen, wie sie der Deutsche und Österreichische Alpenverein in den Hütten für Nichtmitglieder aufgestellt hat: erhöhte Gebühren für Ausländer, ferner können Ausländer wohl vorher Betten bestellen, bis zur Schließung der Herberge,— in den meisten Fällen abends 10 Uhr,— hat aber jeder deutsche Junge einen Anspruch auf ein Bett vor den Ausländern, so daß im Notfall der Ausländer an den später eintreffenden Deutschen seinen Platz abzugeben hätte. Letzten Endes werden es sich die jungen Ausländer eher leisten können als die deutsche Jugend, in einem Gasthof zu übernachten. Wahlaufruf der Konservativen Volkspartei Meldung der Telegraphen=Union. Berlin, 19. August. Die Konservative Volkspartei erläßt einen Wahlaufruf. Im einzelnen werden dann folgende Forderungen erhoben: Revision der Tributlasten, Wiedergutmachung der ungerechten Grenzziehung im Osten, Abstimmungsfreiheit für Eupen=Malmedy und Rückgabe des deutschen Saargebiets unter deutscher Reichshoheit, Abrüstung der Siegerstaaten zur Herstellung der Rüstungsgleichheit, Gleichberechtigung des Deutschen Reiches im Kreise der Völker, Befreiung von jedem moralischen Makel, Pflege der wirtschaftlichen und kulturellen Verbundenheit mit den deutschen Volksgruppen außerhalb der Reichsgrenze, Neuordnung der Aufgaben von Reich und Ländern zur Vermeidung von Doppelregiererei und Leerlauf bei gleichzeitiger Stärkung der Reichsgewalt in Achtung des geschichtlich und landschaftlich begründeten Eigenlebens der deutschen Stämme, Beschränkung des Staates auf seine eigentlichen Aufgaben als Träger der Staatshoheit und Hüter der Rechtshoheit, Ausbau der Selbstverwaltung der öffentlich=rechtlichen Körperschaften, wozu die Gemeinden finanzielle Verwaltungsfreiheit aus besonderen Einnahmequellen brauchen, um die Selbstverantwortung für die Haushaltsgebarung praktisch ausüben zu können, Herabsetzung der Gemeinderealsteuern und die Verkoppelung eister künftigen Erhöhung mit allgemeinen Gemeindeabgaben und eine Prüfung der Haushalte durch unabhängige Buchprüfer, gleichmäßige Verteilung der wachsenden Belastung auf Reich und Länder, Beseitigung des übermaßes der behördlichen Arbeit durch Verringerung der Aufgabenkreise und Vereinfachung der Verwaltung in Reich und Ländern, Sicherung der Sonderstellung der Staatsdiener, Schaffung eines neuen Wahlsystems, das das Band persönlichen Vertrauens und greifbarer Verantwortung zwischen Wählern und Gewählten herstellt, durch Einführung der Personenwahl an Stelle der Partei= und Programmwahl, Sorge für einen lebensfähigen inneren Markt, der den Millionen feiernder Hände nicht nur Unterstützung, sondern Brot geben soll, als vordringlichste Aufgaben der Handelsvertrags= und Wirtschaftspolitik des Reiches:: Vollendung der Agrar= und Osthilfe in einem langfristigen Aufbauprogramm, Schutz des selbständigen Gewerbes gegen Wettbewerb und sozialisierende Neiungen der öffentlichen Hand und des deutschen Sparkapitals gegen Willkürlichkeit und wechselnde Eindrücke der Finanzpolitik. Anerkennung und Forderung der berufsständischen Gliederungen aller Erwerbs= und Berufszweige als Vertreter ihrer Wirtschafts= und Standesinteressen, Wahrung des Erbgutes der sozialen Schutzgesetzgebung als sittliche Verpflichtung volklicher Schicksalsverbundenheit, ständische Selbsthilfe, die mit größerer Selbstverwaltung innerhalb der einzelnen Versicherungszweige die Sparsamkeit erzwingen muß, ohne welche die Zwangsbeiträge der Versicherungspflichtigen die Lebenshaltung ernstlich gefährden müssen, öffentliche Kulturpflege in Übereinstimmung mit den Grundsätzen der christlichen Heils= und Sittenlehre, Schutz der berechtigten Ansprüche der Kirchengemeinschaften in Achtung vor jeder ehrlichen religiösen Überzeugung, zur Förderung des friedlichen Zusammenlebens der Konfessionen im deutschen Volk. Der Aufruf schließt mit den Worten:„In dankbarer und ehrfürchtiger Erinnerung an unsere große Vergangenheit und treuer Verbundenheit mit den Frontkameraden, die starben, damit wir leben, fordern wir freudigen Willen und schrankenlose Hingabe für den Bau am entsühnten erneuerten Reich: auf neuen Wegen zu alten Zielen, im Staat für den Staat, für freies Volk am freien Rhein Konservative an die Front!“ Gouverneurdiktatur in Memel. Meldung der Telegraphen=Union. Memel, 19. August. Der memelländische Landtag wird am 26. August zusammentreten, um sich mit der durch die Übernahme der Geschäfte durch das litauische Landesdirektorium Reisgys entstandenen Lage zu beschäftigen. Es unterliegt keinem Zweifel, daß der Landtag dem Direktorium das Mißtrauen aussprechen wird, nicht nur weil die Mitglieder des neuen Direktoriums ihrer Vorbildung nach gar nicht in der Lage sind, die höchsten Verwaltungsposten des Gebietes zu bekleiden, sondern weil die Einsetzung einer litauischen Landesregierung durch den litauischen Gouverneur eine unerhörte Herausforderung der deutschen Mehrheit des memelländischen Landtags und eine grobe Mißachtung der memelländischen Autonomie darstellt. Die Stimmung im Memelgebiet über den neuesten Vorstoß des litauischen Gouverneurs gegen die Autonomie ist erregt. Allgemein wird darauf hingewiesen, daß die Einsetzung des Ministeriums Reisgys nach der vorläufigen Zurückstellung der Gesetze zur„Auslegung“ des Autonomiestaates ein Versuch mit anderen Mitteln ist, die Autonomie auszuschalten und die Diktatur des litauischen Gouverneurs an ihre Stelle zu setzen. Die Mitglieder der neuen Landesregierung dienen dem Gouverneur lediglich als Strohmänner, unter denen er seine Entdeutschungspläne um so ungestörter durchzuführen hofft. In Memel hält man jetzt das Eingreifen Deutschlands für unausbleiblich. Nicht zuletzt bedeutet die Aufrichtung der verkappten Gouverneurdiktatur eine Brüskierung des Berliner Auswärtigen Amtes, das anscheinend bisher immer noch gehofft hat, mit Litauen zu einer gütlichen Vereinbarung über die memelländisch=litauische Streitfrage zu gelangen. Kahl über die gescheiterte Sammlung. Von unserem Korrespondenten Berlin, 19. August. In einer längeren Zuschrift an die Nationalliberale Korrespondenz äußert sich der Senior der Deutschen Volkspartei. Geheimrat Kahl. über die inzwischen gescheiterte Sammlungsbewegung der Mitte. Das völlige Versagen und Versiegen aller Verhandlungen, so sagt er, habe ihn natürlich schmerzlich berührt. Enttäuscht habe es ihn kaum. Das Ergebnis einer Parteieinheit habe er nicht erwartet. Der Plan von Scholz sei großzügig vorbedacht gewesen und konnte immerhin zu einem der Augenblickslage entsprechenden guten Ergebnis führen. Die Tatsache aber, daß, und die Art, wie die Ausführung durch die überraschende Gründung der Staatspartei durchkreuzt und vereitelt wurde, könne er nur aufrichtig bedauern. An dem gemeinsamen großen Ziele der Gründung einer liberalen Partei. die er sich allerdings anders vorstelle, halte er heute und immer fest. Kahl betonte ausdrücklich, daß er gegen die Staatspartei als solche nicht einen Feldzug eröffnen wolle und auch volles Verständnis für das Wahlbündnis in Württemberg und Baden habe. Dagegen komme es ihm auf das klare Bekenntnis an, daß er nach Verlauf und Ergebnis der Verhandlungen auch seinerseits der von Scholz getroffenen letzten Entscheidung nur aus voller Überzeugung beitreten könne. Der Vorschlag Höpker=Aschoffs und Dietrichs, beide Parteien auf gleichberechtigter Grundlage unter seiner, Kahls, Führung zusammenzuschließen, sei gewiß für ihn sehr ehrenvoll, aber er hätte aus sachlichen Gründen die ihm zugedachten Aufgaben niemals zu lösen vermocht, denn es fehlte die Grundvoraussetzung eines wirklichen Zusammenschlusses und die vorangegangene programmatische Verständigung wenigstens über die Hauptlinien der erstrebten gemeinsamen Politik. Kahl verweist vor allem auf die Zwiespältigkeit im Verhältnis zur Sozialdemokratie. Er kenne kaum eine größere politische Torheit als den Satz, daß nur ohne oder gegen die Sozialdemokratie regiert werden könne. Es handle sich jetzt aber um die politischen Folgerungen aus einer bestimmten Zeitlage und einem ganz konkreten Tatbestand. Sollte die Sammlung des Bürgertums nach dieser Reichstagsauflösung überhaupt einen politischen Sinn haben, so war es nur der, in der gegenwärtigen schweren Notlage von Staat und Volk eine geschlossene Phalanx für das vorläufige und endgültige Rettungsprogramm des Reichspräsidenten und der Reichsregierung für absehbare Zeit sicherzustellen. Diesem ersten und dringendsten Bedürfnis gegenüber sei jede vorgreifliche und einseitige Koalitionsbindung veregt. Kriegsfanfaren. Meldung der Telegraphen=Union. Belgrad, 19. August. Die Novosti veröffentlicht einen Artikel aus Veldes, wo sich gegenwärtig der jugoslawische Hof, die Minister und das Diplomatische Korps aufhalten. Der Artikel beruft sich auch auf Informationen von unterrichteter Seite und kündigt gegen Ungarn und Bulgarien Waffengewalt an, falls die Habsburger Frage und die Frage des mazedonischen Komitees nicht in befriedigender Weise gelöst würden. Die Reise des Grafen Bethlen ins Ausland hat in Belgrad starke Nervosität erregt. Dies kommt am Montag in einem Artikel der Prawda zum Ausdruck, die die Reise des ungarischen Ministerpräsidenten in schärfster Weise kritisiert. Die Prawda behauptet, daß es sich bei der Reise um eine Verschwörung zur Erhebung der Habsburger auf den Thron handele, und erklärt, die Geheimdiplomatie Bethlens sei nicht ein ungarischer Skandal, sondern auch eine europäische Schande, wie sie sich schon lange nicht ereignet habe. Trotz aller Bemühungen der Kulturstaaten, den Frieden aufrecht zu erhalten, sei der ungarische Ministerpräsident nicht davor zurückgeschreckt, die europäische Moral mit seiner Geheimdiplomatie zu diskreditieren. Er sammle gefährlichen Sprengstoff, um damit den Weltfrieden in die Luft zu sprengen. Das Weltgewissen verlange, daß das Abenteuer des Grafen Bethlen als ein Anschlag auf den Weltfrieden gewertet werde. Nicht nur die Aktion Bethlens, sondern auch die Haltung Europas sei eine Schande, denn in Europa sei gegen Ungarn noch nicht ein einziger Protest laut geworden. Die Ohrfeige, die Bethlen einst im Völkerbund erhalten habe(?), sei eine Kleinigkeit gegen die Ohrfeige, die er jetzt der europäischen Moral versetze. Darüber sei es die erste Politik der Verteidiger des Friedens, daß sie sich zu einem Gegenangriff gegen die trügerische Wühlarbeit Bethlens zusammenfänden. Notstandsarbeiten in Italien. Meldung von Wolffs Telegr.=Bürd. Rom, 19. August. Das umfassende Programm für Notstandsarbeiten, das die italienische Regierung zur Behebung der Winterarbeitslosigkeit aufgestellt hat, ist nach einer Mitteilung des Organs der Fascistischen Partei bereits durch früher bereitgestellte Geldmittel finanziert. Mit den staatlichen Notstandsarbeiten, die Ende Oktober schon in vollem Gang sein sollen, finden über 200 000 Arbeiter in den Winkermonaten Beschäftigung und Verdienst. Daneben sind von den großen Städten in Vereinbarung mit der Regierung weitere Notstandsarbeiten geplant. Das italienische Arbeitslosenproblem, das nur als ein Ausschnitt aus der Weltwirtschaftslage betrachtet werden könne, sei mit diesen Maßnahmen nicht völlig gelöst; die fascistische Regierung habe damit aber zur Abwehr die notwendigen Vorbeugungsmaßnahmen ergriffen.— Man sieht, wenn gehandelt und nicht geschwatzt wird, läßt sich schon etwas schaffen. Dänemarts Außenhandelspolitik. Von unserem Korrespondenten. Kopenhagen, 19. August. Minister des Auswärtigen Munch sprach gestern in einer politischen Versammlung über die handelspolitischen Beziehungen Dänemarks zum Ausland. Er führte unter anderem aus: „Die durch den Börsenzusammenbruch in den Vereinigten Staaten geförderte allgemeine Wirtschaftskrise hat in den letzten Monaten in Europa große Beunruhigung geschaffen. Dänemark ist davon nicht berührt worden. Unsere Landwirtschaft ist die einzige, die nicht betroffen wurde. Unsere Exportindustrie hat vermocht, neue Methoden auszumetzen, und außerdem ist es ihr zustatten gekommen, daß einige neuerstandene Länder mit Vorliebe in den Ländern kaufen, die nicht so mächtig sind und deren Einfluß man nicht zu fürchten braucht. Aber wir können nicht damit rechnen, daß wir von den Folgen dieses Krisis auf die Dauer ganz verschont bleiben. Deutschland und England, die unsere wichtigsten Kunden sind, sind am schwersten in Mitleidenschaft gezogen. Ein Niedergang der Kaufkraft in diesen beiden Ländern muß auch uns schädigen. In diesen kritischen Zeiten sind die Staaten versucht, Maßnahmen zu ergreifen, von denen auch die Nachbarn betroffen werden. Die von Deutschland getroffenen Maßnahmen haben viele Schwierigkeiten bei uns hervorgerufen und große Bitterkeit verursacht. Was haben wir zu tun, um die Folgen dieses Zustandes zu begrenzen? Wit können neue Märkte erobern und die kleineren Märkte, die wir schon haben, erweitern. Das geschieht auch in nicht geringem Maße. So wichtig das auch ist, genügt dies aber noch nicht. Solange die Welt so aussieht wie heute, werden Deutschland und England unsere wichtigsten Märkte sein und bleiben. Wenn unser Wirtschaftleben gedeihen soll, müssen wir mit diesen beiden Ländern einen bedeutenden Handel unterhalten. Daher müssen wir gegenüber solchen Einflüssen, die in Deutschland durch Krisen und Unruhen verursacht wurden, alle Energie einsetzen, um auf dem Wege der Verhandlungen die hemmenden Maßnahmen sobald wie möglich zu beseitigen oder sie zu ändern. Wir müssen uns bestreben, nachzuweisen, daß solche Eingriffe unseren beiden Ländern zum Schaden gereichen müssen. Daher müssen wir die Bestrebungen des Völkerbundes unterstützen, durch internationale Vereinbarungen eine liberale und rationale europäische Handelspolitik zu fördern. Wir müssen eine internationale Klärung der Auslegung und der Tragweite der Regeln des Meistbegünstigungsrechts erstreben und Englands Bestrebungen unterstützen, bei den Festlandmächten eine derartige handelspolitische Haltung zu erreichen, daß dadurch eine sichere Grundlage für die Fortsetzung einer klaren Freihandelspolitik Englands geschaffen wird. Schließlich müssen wir versuchen, die anderen kleineren Staaten, Norwegen, Das Dorfgesangbuch meiner Mutter. Daheim habe ich ein altes Bauerngesangbuch liegen. Das ist noch von meiner Mutter her, als die noch Dienstmagd war. Ich habe jahrelang dieses Gesangbuch auf meinen Wanderungen mit mir herumgeschleppt. Es lag im Rucksack neben Brot und Kleiderbürste, neben Jacobsens„Mogens“, Patenthosenknöpfen. Hemden und zerwanderten Schuhen. Ich werde es nie und nimmermehr loslassen!— Der Gott, der in diesem Bauerngesangbuch wohnt, hat so viel holzschnitthaftes. Er steigt aus den großen, schwerfälligen Buchstaben wie der ewige Himmel heraus. Er hört, wie sich das junge Korn auf die gelben Ahren freut, er wiegt sich in grünen Baumwipfelträumen. Dieser Gott im Bauerngesangbuch ist kein Stadtgott, der in Kirchen wohnt. Der Gott aus dem Gesangbuch meiner Mutter wohnt im Gewitter, zerfließt im Regen, schwingt sich um die Mühlenflügel, steht hoch im Ährensonnenbrand, spiegelt sich im Wiesenbach, lächelt im Dorfabendfrieden. Dieser Gott ist die Saat und das Brot, das schwarze, gütige Brot.—— Wenn meine Stube verbrennt, was soll ich wohl retten, aus den Flammen holen?— Das alte, graue, zersungene Dorfgesangbuch meiner Mutter. M. Jungnickel. Bunte Blätter. Kochsalz für Urkundentinte. Schon seit urdenklicher Zeit bemüht man sich, die Fälschung von Dokumenten dadurch zu erschweren, daß man die verwendete Tinte unauslöschlich macht. In neuerer Zeit leidet namentlich der moderne Scheckverkehr stark unter der Gefahr, bereits ausgestellte Schecks nachträglich durch Änderung der Zahlen zu fälschen. Zwar besteht bereits die Möglichkeit, jede Fälschung, Radierung, nachträgliche Änderung auf gerichtschemischem Wege festzustellen, sei es dadurch, daß ausgelöschte Schriftzüge mit chemischen Verfahren oder im ultravioletten Lichte wieder lesbar werden, und nachträgliche Änderungen in Geschäftsbüchern lassen sich dadurch nachweisen, daß bei längerem Lagern auch der vollkommen trockenen Schriftzüge sich deren Spiegelbilder auf der gegenüberliegenden Seite abdrücken, die allerdings mit bloßem Auge nicht sichtbar sind, sich aber durch Anwendung von gewissen Methoden sichtbar machen lassen. Nun giebt es leider keine Tinte, die sich weder durch Radieren noch durch Chemikalien entfernen läßt, dagegen kann man ihr durch Zusätze eine gewissermaßen ätzende Wirkung verleihen, so daß ihre Züge auch nach der Auslöschung noch nachweisbar bleiben und bei geeigneter Behandlung wieder sichtbar zu machen sind. Nicht selten stellt sich heraus, daß das Naheliegende lange Zeit übersehen oder nicht beachtet wurde. Auch in diesem Zusammenhang hat man wieder entdeckt, daß ein geringer Zusatz von Kochsalz zur Tinte bewirkt, daß geschriebene Schriftzüge nach Ausradieren oder Ausbleichen vom Gerichtschemiker wieder sichtbar gemacht werden können. Elektrolyse gewinnt ein neues Metall. Bei der ständigen Verbesserung aller Verfahren und Apparaturen ist nicht zu verwundern, wenn der Mensch immer mehr in Gebiete eindringt, die noch vor kurzem als jahrtausendalte Geheimnisse der Natur angesehen wurden. Die praktische Bedeutung derartiger Forschungsarbeiten liegt nicht in der Gegenwart, sondern in der Zukunft, denn erst wenn alle Eigenschaften heute neuentdeckter Elemente und Substanzen bekannt sind, wird man morgen daran denken können, diese Eigenschaften zum Besten der Allgemeinheit zu verwerten. Zu den wertvollsten Hilfsmitteln bei den Forschungsarbeiten gehört die Elektrolyse, die bekanntlich bei der Gewinnung besonders reiner Metalle eine große Rolle spielt. Sie hat es auch erst ermöglicht, daß man von einem neueren seltenen Metall, dem Indium sprechen kann. Die Elektrolyse trennt es von den Rückständen der Eisen=, Aluminium=, Titan- und Siliziumerze, in denen es in so winzigen Mengen angetroffen wird, daß man bisher noch nicht einmal ein ganzes Pfund Indium gewonnen hat. Das Metall ist sehr weich und sehr leicht in Drähten oder Fäden auszuziehen. Seine Schmelztemperatur liegt unter jener von Zinn, das bei 232° C flüssig wird. Dank der Elektrolyse ist es gelungen, Indium von 99,9% Reinheit zu erhalten, und in wissenschaftlichen Kreisen finden jetzt Untersuchungen statt, um Verwendungsmöglichkeiten für dieses Metall zu finden, in denen seine besonderen Eigenschaften voll zur Geltung kommen. E. K. Ein neues Längenmaß? Das Grundmaß unserer Maß= und Gewichtsrechnung, das Meter, ist eine ziemlich willkürliche Einheit, die vor mehr als 100 Jahren von der französischen Republik geschaffen wurde. Danach ist ein Meter der zehnmillionste Teil des Viertelumfangs derErde zwischen Aquator und Nordpol. Ein„Urmaß“ wird in Paris aufbewahrt und obgleich sich später herausgestellt hat, daß sich die Franzosen damals mit der Länge des Erdumfangs etwas geirrt hatten, blieb man bei dem ursprünglichen Urmaß. Die Physikalisch=Technische Reichsanstalt in Berlin hat sich nach dem Pariser Urmaß ein„Normalmaß“ hergestellt, das beim Bau von Meßeinrichtungen zugrunde gelegt wird. Nach dem Stande der Technik ist nun aber die bisherige Art des Feinmessens, besonders angesichts der Anforderungen, die die Normung an die Genauigkeit des Messens stellt, nicht mehr ausreichend, und ein neues, möglichst nicht willkürlich gewähltes Grundmaß wäre nötig. Es fragt sich: von welcher Länge geht man aus, um eine neue Einheit zu schaffen? Gibt es auf unserer Erde ein sich immer gleichbleibendes, natürliches Längenmaß? Tatsächlich gibt es ein solches Maß, nämlich die Wellenlänge bestimmter Lichtstrahlen. Diese Einheiten umfassen zwar nur Bruchteile von einem tausendstel Millimeter, und sie sind daher praktisch für die meisten Fälle als Maßeinheiten zu klein; aber deshalb kann man trotzdem von ihnen ausgehen und z. B. ein Meter in bestimmten, um eine Million herum liegenden Zahl von Wellenlängen gewisser Lichtstrahlen ausdrücken. Der Physiker Dr. Köster hat einen Apparat gebaut, das„Interferometer“, mit dem man Messungen bis zu einer Genauigkeit von über ein zehntausendstel Millimeter vornehmen und zugleich stets auf die Wellenlänge von Lichtstrahlen als Einheit zurückgehen kann, so daß das Urmaß entbehrlich ist Früher oder später wird dieses neue Meßverfahren z.weifellos allgemeine Geltung erhalten müssen Wieviele Vogelarten gibt es in Deutschland? Wenn man diese Frage an Vogelfreunde richtet, so wird man die verschiedensten Antworten erhalten. Der Laie wird in der Regel viel zu niedrig schätzen, weil er bloß die ihm bekannten Vögel als Grundlage seiner Berechnung nimmt. Dr. Kurt Floericke hat sich der verdienstvollen Arbeit unterzogen, die Zahl der Vogelarten von einer Reihe europäischer Länder zu berechnen, und er kommt dabei zu dem Ergebnis, daß Deutschland 478 Vogelarten aufweist, d. h. mehr als Spanien(407), England(399), die Schweiz(391), Rumänien(353) und Finnland(290). Dieser Reichtum betrifft allerdings nur die Zahl der Arten, nicht der einzelnen Vögel. Wenn wir allerdings die Arten der ganzen Welt zusammenzählen, so kommen wir auf mehr als 19000, und da sehen wir erst, wie gering die Zahl der deutschen Vogelarten ist, nämlich nur etwa der 40. Teil, obschon darin sogar die seltensten Irrgäste mit eingerechnet sind. Von den 11600 Singvogelarten kommen in Deutschland nur 207 vor, d. h. nur etwa der 58. Teil aller Arten. Auch die Hühnerartigen erreichen den Durchschnitt nicht, während die Raubvögel ihn übertreffen. Verhältnismäßig am besten sind bei uns die Sumpfvögel und Schwimmvögel vertreten, denn jene machen den 12., diese sogar den 8. Teil der Gesamtzahl aus. Dies weist einerseits auf den nordischen Charakter unserer Vogelwelt hin, erklärt sich anderseits aber auch aus den großen Verbreitungsgebieten und der geringen Variationsneigung gerade dieser Vogelarten. kos. Perlen in der Kokosnuß. Die Tatsache, daß in Kokosnüssen Perlen entstehen können, war schon im 18. Jahrhundert einigen Forschern bekannt; das Vorkommen solcher Perlen ist jedoch eine seltene Naturerscheinung. Im Jahre 1866 gelang es einem Gelehrten zum ersten Male, selbst eine Perle in einer Kokosnuß zu finden, was sehr wichtig war, da man bisher die Perlen immer nur von den Eingeborenen, denen sie als Talisman galten, hatte erhalten können. Wenn eine Kokosnuß normal keimt, so wächst der Keimling durch eines der drei in der Nußschale befindlichen Keimlöcher nach außen. Nun gibt es sogenannte blinde Kokosnüsse, die überhaupt kein einziges Keimloch besitzen, und in diesem sehr seltenen Falle kommt es dazu, daß als Folgeerscheinung der verhinderten Keimung die Saugorgane, die nun nicht weiterwachsen können sich durch die Einwirkung der Kokosmilch mit Kalksalzen inkrustieren, dadurch hart werden und sich allmählich zu Kokosperlen umformen. Die Kokosperle stellt demnach nichts anderes dar, als den an seinem Weiterwachsen gehemmten und versteinerten Überrest des Kokoskeimlings. Die Kokosperle ist, ähnlich wie die Austernperle, birnen= oder eiförmig oder auch kugelrund und besitzt eine glatte Oberfläche von milchweißer Farbe. Auch in ihrer chemischen Zusammensetzung besteht eine übereinstimmung mit der tierischen Perle, nur fehlt der Kokosperle der Perlmutterglanz, was sie natürlich viel unscheinbarer macht als die Austernperle. Ernst Haeckels Birnen. In Reclams„Universum“ wird folgende anmutige Geschichte aus dem Wohnhaus Ernst Haeckels in Jena erzählt: Das Wohnhaus des berühmten Naturforschers Ernst Haeckel in Jena, die Villa Medusa, wurde nach seinem Tode in das„Ernst Haeckel=Museum“ umgewandelt. Als junger Student und schwärmerischer Verehrer des großen Meisters war mein erster Gang zum Ernst Haeckel=Haus. Seit diesem Tage war es mir eine liebe Gewohnheit, wenigstens einmal in der Woche diese Räume, die von einer alten Wärterin instand gehalten wurden, aufzusuchen. Mit der Wärterin, die, wie ich später erfuhr, eine Haushälterin Haeckels war, stand ich bald auf bestem Fuße. Als ich eines Tages das Haus wieder verlassen will, drückt mir die alte Frau eine Tüte voll der saftigsten Birnen in die Hand mit den Worten; „Nun sind Sie schon so oft hier gewesen, jetzt sollen Sie auch einmal Haeckels Birnen kosten." Und durch ein Fenster zeigte sie mir einen großen Baum, dessen Blätter schon gelb wurden. Frau Fama sagt, daß jeder Student, der das Haus oftmals aufsuche, im Herbst einige Birnen erhielte; es sei ein Vermächtnis Ernst Haeckels. Nummer 193 2 Blat Siegener Dienstag, 19. August 1930 Die über die Ufer getretene Oste. Das Heu treibt auf dem Wasser, während das Vieh bereits mit den Wintervorräten gefüttert werden muß. Eine überschwemmte Laubenkolonie in der Umgebung Berlins. Rund um die Welt. Kognak als Pneumothorax. Ein Davoser Sanatorium nahm vor einiger Zeit eine junge Dame auf, die von ihrem Bräutigam als Universalerbin eines 80jährigen Sonderlings eingeführt wurde. Die Dame, die schwer krank war, sollte sich einer Kur unterziehen, und es wurde abgemacht, daß der Erbonkel die Behandlung bezahlen werde. Die Kranke genoß jedoch neben der heilkräftigen Kur in Davos auch in vollen Zügen alle Freuden dieser Erde, besuchte sämtliche gesellschaftlichen Veranstaltungen, kaufte teure Toiletten, schenkte ihrem Bräutigam, der nach wenigen Tagen Davos verlassen hatte, ein kostbares Zigarettenetui, stellte sich eine Privatpflegerin an,— alles auf Vorschüsse des Sanatoriums, die mit dem Erbonke. verrechnet wurden. Bei dieser Verrechnung jedoch verwandelten sich die Toiletten in„Einspritzungen“, und der ungewöhnlich hohe Kognak= und Malagavervrauch dem die Dame huldigte, in„Pneumothorax“. Der Erbonkel zahlte einige Monate lang regelmäßig, eines Tages jedoch erschienen ihm die„Kurkosten reichlich hoch, er zog Erkundigungen ein, und als sich dabei herausstellte, daß sämtliche Rechnungen hohe fingierte Beträge enthielten, klagte er gegen die Leitung des Sanatoriums wegen Täuschung. Dabei zeigte sich freilich, daß der„Erbonkel“ weder ein Sonderling, noch achtig Jahre noch ein Onkel, sondern ein junger wohlbegüterter Herr war, der seine schwerkranke Geliebte zur Heilung in ein Sanatorium geschickt hatte. Diese Täuschung nahm das Gericht aber weniger tragisch als die gefälschten Rechnungen. Es verurteilte das Sanatorium zur Rückerstattung der fingierten Beträge und fügte in der Urteilsbegründung hinzu, daß das Vorgehen des Sanatoriums um so verwerflicher gewesen sei, weil der Kranken, die bald nachher starb, anstatt der angeblichen ärztlichen Behandlung zum schweren Schaden für ihre Gesundheit übermäßige Mengen alkoholischer Getränke verabreicht worden waren, an denen das Sanatorium bedeutende Gewinne erzielt hatte. * Tagungen. Die 36. Generalversammlung des Deutschen Staatsbürgerinnen=Verbandes und kommunalpolitische Tagung findet in Frankfurt a. M. vom 11. bis 14. Oktober statt Es werden u. a. sprechen über„Praktische Arbeit der Stadtverordneten“, Wirtschaftsfragen: Stadtverordnete Maria Jecker Aachen. „Staatsbürgerin und Parteiwesen“: Dorothee von Velsen. „Die Lage der europäischen Minderheiten“: Frau Dr. H. Wingerath. Köln a. Rh.„Probleme der Generationen“ —„Die Jugend und ihre Welt“: Dr. Edith Jacobi=Oske, Brandenburg, Luise Riegger, Karlsruhe, Sophie Apolant, Frankfurt usw. § Berufsunfähig im Sinne der Angestelltenversicherung ist nach einer grundsatzlichen Entscheidung des Reichsversicherungsamts ein Versicherter, der zuckerkrank ist und zur Erhaltung seiner Arbeitsfähigkeit einer bestimmten Menge von Insulin bedarf, die er aus eigenen Mitteln nicht beschaffen kann und die er weder vom Versicherungsträger noch von anderer Seite erhält. Der Versicherte bezieht als Reisender ein festes Gehalt von 280 KN monatlich; er hat Frau und zwei Kinder zu unterhalten. Er ist zuckerkrank; außer den nicht unbeträchtlichen Mehrkosten der Diät erwachsen ihm durch die Anwendung von Insulin mit Nebenkosten nach seiner Angabe monatlich 75 KN Ausgaben. Der Vertrauensarzt der Reichsanstalt erklärte den Versicherten noch für 60= bis 70% arbeitsfähig, sofern er eine entsprechende Kostauswahl treffe und solange er Insulin anwenden könne. Ein Gutachten der Medizinischen Klinik erklärte ihn ohne Insulin für völlig arbeitsunfähig und dauernd 100% erwerbsvermindert, da dann Krankenhausbehandlung notwendig sei. Mit Diät und Insulin sei er voll arbeitsfähig. Ihm wurde das Ruhegeld zugesprochen. mff Eine große Berliner Zeitung berichtet über einen Wassereinbruch in eine Grube und behauptet:„Jetzt ist der Zufluß von normal 3 Kubikzentimeter pro Minute auf 7 Kubikzentimeter angestiegen. Das Wasser auf der dritten Sohle ist dadurch in fünf Stunden von 1½ Meter auf 1 Meter 70 angestiegen“. Die Grundfläche dieser Sohle betrug demnach wenig mehr als 10 mal 10 Zenrimeter. Es ist unverständlich a) wie die Leute überhaupt in einem so kleinen Bergwerk arbeiten konnten, b) warum man um ein so kleines Bergwerk so viel Aufhebens macht. c) warum man sich über einen Wasserzufluß aufregt, der offenbar nur dadurch verursacht ist, daß ein Grubenhund den Schnupfen bekommen hat, so daß ihm die Nase lief. Man kaufe ihm ein Taschentuch. tu. Eine unliebsame überraschung haben am Sonntagmorgen 250 Reisende auf dem Leipziger Haupibahnhof erfahren. Sie hatten bei einem Reisebüro ein Ferienbad nach dem Östseebad Wustrow abonniert und die Reisegelder bereits eingezahlt. Die Inhaber dieses Reisebüros, zwei Leute aus Bremen, hatten aber am Sonnabend der Kriminalpolizei gemeldet, daß ihnen die Kasse mit über 14000 Reichsmark gestohlen worden sei. Die Kriminalpolizei bezweifelte diese Angaben und nahm die Inhaber des Reisebüros zunächst fest. Sie sind noch in Haft, haben sich aber über den Verbleib der Reisekasse noch nicht geäußert. Auch das Personal des Reisebüros wurde vorübergehend festgenommen, ist aber am Sonntag wieder entlassen worden. Die Reise sollte vom 17. bis 22. August dauern und für jede Person 63 Mark kosten, die eingezahlt worden sind. kfp. Ein schönes Altersheim für Angehörige des Mittelstandes— Ehepaare und Einzelpersonen— bietet das Vicelin=Stift in Neumünster i. Holstein. Ein grotzer moderner Bau, fast ländlich gelegen, gewährt reichlich 50 Personen Unterkunft für den Preis von 100 bis 150 RM., je nach Einzel= oder Doppelzimmern. Große Glasveranden(eine derselben Rauchzimmer), Schreib=, Lese= und Unterhaltungsraum ein schöner Eßsaal mit Harmonium stehen den Bewohnern zur Verfügung. Das Haus, eine Schöpfung der Inneren Mission, steht unter Leitung einer Diakonisse. Ein gruseliges Abenteuer hatte der Kutscher eines Einspännerwagens. Er hatte eine zur Kur in Karlsbad weilende Frau zum Bahnhof zu fahren, die ihn während der Fahrt aufforderte, sie so schnell als möglich zum Bahnhof zu bringen. Der Mann trieb auf das wiederholte Ersuchen der Frau das Pferd zu immer größerer Eile an. Als er, vor dem Bahnhof angelangt, vom Bock stieg, um der Frau beim Aussteigen behilflich zu sein, sah er zu seinem Schrecken, daß im Fond des Wagens eine Tote lehnte. Die Frau war während der Fahrt vom Schlag gerührt worden. pz. Ein Bienenschwarm überfiel in Saalfeld vor den Toren der Stadt eine Gruppe Spaziergänger. Dabei erhielt eine Frau zahlreiche Stiche in den Kopf und in die Augen. Ein Auge gilt als verloren. u. In Zella=Mehlis wurden vor einigen Tagen drei Einbrecher festgenommen Die Untersuchung hat nun ergeben, daß die Verhafteten einer aut organisierten, bewaffneten und mit Kraftwagen, Motor= und Fahrrädern ausgerüsteten Einbrecherbande angehörten. Im Zusammenhang damit sind jetzt wieder 15 Personen verhaftet worden über 20 Einbrüche konnten den Verhafteten bereits nachgewiesen werden. p. 50 Jahre Kurgast! Eine Mannheimer Dame konnte zugleich mit ihrem 82. Geburtstage das 50. Jahr als Kurgast in Hornberg an der Schwarzwaldbahn feiern. Es ist eine Seltenheit, daß Kurgäste mit solcher Treue jahraus, jahrein am selben Ort und in diesem Falle sogar im selben Haus ihren Erholungsaufenthalt nehmen. os. Nach einem starken Regen findet man oft zahlreiche tote Regenwürmer auf dem Erdboden. Sind sie ertrunken? Schon Darwin hat das bezweifelt, denn dann waren sie doch wohl in ihren Röhren umgekommen. Er nahm vielmehr an, sie seien schon krank gewesen und an der Oberfläche der Erde verendet. Nun hat man inzwischen festgestellt, daß ein Regenwurm überhaupt nicht im Wasser ertrinkt. Die Todesursache ist vielmehr das Licht, das die Regenwürmer nicht ertragen können. Schon eine fünfstündige Belichtung kann ihnen den Tod bringen. Auch eine Wärme von etwas über 30 Grad Celsius ist unbedingt tödlich für sie. H Ein Trupp von 20 Störchen traf aus östlicher Richtung in Handorf bei Winsen L., ein. Sie bezogen am Abend in der Nähe der vier bewohnten Handorfer Storchnester Nachtquartier. Die Handorfer Störche verhielten sich am ersten Abend den Fremdlingen gegenüber recht freundlich; sie duldeten zum Teil das Ausruhen auf ihren Nesthäusern. Am zweiten Abend jedoch konnte man beobachten, daß das längere Verweilen der Fremden den Handorfer Störchen nicht behagte; es entspannen sich hin und wieder Kämpfe. Die Durchzugsgäste setzten dann ihre Reise nach dem Süden fort. Die Handorfer Langbeine sind noch nicht reisefertig. Ihre Abreise vollzieht sich gewöhnlich in der letzten Augustwoche.— Auch aus Schleswig=Holstein und Mecklenburg kommen Meldungen vom ungewöhnlich frühen Zug der Störche. tu. Ein schwerer Eisenbahnunfall ereignete sich auf dem Gelände der Kohlengrube Houve bei Kreuzwald in der Nähe von Metz, bei dem 40 Grubenarbeiter verletzt und mehrere Arbeiter getötet wurden. Ein aus drei Wagen bestehender Arbeiterzug, in dem sich 60 Grubenarbeiter befanden, fuhr von Grube I nach Grube II, wobei er in einer Kurve mit einem aus entgegengesetzter Richtung kommenden Kohlenzug zusammenstieß. Die drei Wagen des Arbeiterzuges sprangen aus den Schienen und wurden fast vollkommen zertrümmert. Nähere Einzelheiten fehlen noch. Zu dem Eisenbahnunfall erfahren wir noch folgendes: Der Arbeiterzug, in dem etwa 60 Arbeiter befördert werden sollten, wurde von der Lokomotive geschoben, so daß der erste Wagen bei dem Zusammenstoß in Berührung mit dem entgegenkommenden Güterzug kam. Der Anprall war so heftig, daß die drei Wagen zertrümmert wurden. Schuhe und andere Kleidungsstücke lagen rings umher. Die Holzsplitter der zerstörten Wagen waren den Unglücklichen zum Teil in den Körper eingedrungen, so daß die Rettungsarbeiten nur mit äußerster Vorsicht durchgeführt werden konnten. Bei den meisten Schwerverletzten, die in das Krankenhaus von Kreuzwald übergeführt wurden, haben die Die kleine Sva. Roman von C. Frase:=Sin son Deutsches Recht beim Verlag Georg Müller in München. 17)(Fortsetzung.) 13. Kapitel. Im ersten Augenblick ihrer Entdeckung schien Eva Flucht die einzige Möglichkeit. Aber allmählich kehrte ihr Mut zurück. Sie bedachte sich, ob sie nicht vielleicht selbst die Tür offen gelassen hatte. Das war doch schon mehrfach geschehen! So sprach sie sich selbst Mut zu und setzte ihren Weg durch den Korridor fort. Gerade vor ihrem Zimmer waren vier Stufen. Auf einer glitt sie aus und wäre fast gefallen. Der Lärm, den das verursachte, klang schrecklich und, alle weitere Vorsicht beiseite setzend, raffte sie sich auf, rannte in ihr Zimmer und verschloß und verriegelte die Tür. Der letzte Schock war zu viel für fie gewesen. Körper und Geist versagten endlich nach dieser tagelangen Anspannung den Dienst. Sie sehnte sich nach nichts als Ruhe und Wärme. Mechanisch warf sie Peters Toilettemantel ab und kroch, sich weiter auszukleiden, wie sie war ins Bett. Was für eine Wonne, die Wärmflasche an den Füßen zu spüren! Sie kuschelte sich zusammen und versank in einen Zustand wohligen Vergessens. Doch etwas in ihr drängte sich in ihr Bewußtsein. Zu müde, darüber nachzudenken, was es sein mochte, lag sie eine Weile zwischen Schlaf und Wachen. Eing halbe Stunde später wurde sie aus diesem Zustand, der eben in einen richtigen Schlaf übergehen wollte, jäh herausgerissen Ein knackender Laut hatte die gleiche Wirkung auf sie, als hätte man sie mit kaltem Wasser übergossen. Jemand war in ihrem Zimmer! Jemand, der sich vorsichtig bewegte und sein Atmen zu unterdrücken versuchte. Hier war er, vielleicht zwei Schritte von ihr. und doch konnten ihre weitaufgerissenen Augen nichts sehen. In diesem Augenblick flackerte das Feuer ein wenig auf und bei seinem Licht erblickte sie zu ihrem Entsetzen, wie sich die Tür des Wandschranks gegenüber dem Fußende ihres Bettes langsam öffnete. Zuerst glaubte sie an ein Spiel ihrer aufgeregten Phantasie, aber dann sah sie's ganz deutlich: die Tür bewegte sich wirklich! Ein Schatten von einer der Säulen des Himmelbettes fiel auf Evas Gesicht. Sie schloß die Augen und spähte angestrengt durch den Schlitz. Angst und Vorsicht machten sie bewegungslos. Fast wollüstig empfand sie die Spannung zu beobachten, wie die Tür sich weiter und weiter öffnete. Plötzlich flammte das Feuer hoch auf und fiel dann in sich zusammen. Nun war es beinahe völlig finster. Eva vermochte die Tür des Wandschrankes gerade noch zu erkennen. Sie stand jetzt weit offen und schob sich wie eine Wand zwischen Feuer und den Eindringling. Sie hörte ein Herumtasten an der Tür, die in den Korridor hinausführte, das Zurückschieben des Riegels, ein leises Öffnen und Schließen— dann nichts mehr. Einige Sekunden war sie unfähig, sich zu rühren. Alle ihre Kraft zusammennehmend, sprang sie endlich aus dem Bett, verriegelte die Tür wieder und drehte die volle Beleuchtung an. Plötzlich erinnerte sie sich an die Lederjacke. Warum hatte sie auch die Wandschranktür nicht verschlossen, als sie zu ihrem mitternächtigen Unternehmen auszog! Atemlos stürzte sie an den Wandschrank und griff nach dem Haken, an den sie die Lederjacke gehängt hatte. Sie war fort. In wilder Hast schob sie die Kleider durcheinander, doch die Jacke war nicht zu finden. Also war alles umsonst gewesen! Verzweifelt trat sie ins Zimmer dem Boden lag. Sie beugte sich herab und fühlte eine Welle von Freude über sich zusammenschlagen, als sie die Lederjacke erkannte. Ein Griff überzeugte sie, daß die Papiere noch darin waren. Ein Blick auf das Futter— nein, nichts war daran geschehen! Der Einbrecher hatte tatsächlich auf den pieren gestanden, die zu finden er jedenfalls gekommen war. Eva zog sich jetzt aus, ließ alle Lichter brennen und legte sich, die kostbare Lederjacke fest an sich preßt, wieder zu Bett. Schlafen kann ich doch nicht mehr, dachte sie, aber schon während sie das dachte, mußte ihr das Bewußtsein geschwunden sein. Sie fand sich erst wieder über eine weite Ebene wandernd, bis sie Creason schlafend in einem Zelt entdeckte. Ohne sich zu bedenken, machte sie sich daran, ihm einen ungeheuren Nagel mit einem Golfschläger durch den Kopf zu treiben, eine Maßregel, die ihr unter diesen Umständen das einzige Richtige zu sein schien. Merkwürdigerweise hatte er offenbar nicht das mindeste dagegen einzuwenden, denn er hielt ganz still, während sie für die Nagelspitze auf seiner Wange nach dem geeignetsten Platz suchte, und half ihr sogar mit der Hand dabei, daß der Nagel nicht ausrutschte, was sie nicht anders als vornehm von ihm finden konnte. Argerlich war nur, daß der Nagel nicht eindringen wollte und auf und ab tanzte, als ob Creasons Kopf aus Gummi wäre. So mußte sie immer stärker zuschlagen, was einen Höllenlärm verursachte, der sie endlich aufweckte. In derselben Sekunde erfaßte sie, daß Janet an die Tür klopfte. Eva sprang auf, drehte die Beleuchtung ab und schob die Riegel zurück. „Herein!“ rief sie, als sie wieder im Bett war. Sie trank ihren Tee und zog sich schnell an. Wenn sie mit King sprechen wollte, so war jetzt noch vor dem Frühstück die einzige Gelegenheit. Während des Ankleidens überdachte sie die Ereignisse der letzten Nacht. Sie schienen wie ein böser Traum, der jetzt noch auf ihr lastete. Der Eindringling mußte Creason gewesen sein, aber was hatte er zu dieser Nachtzeit bei ihr gewollt? Daß ihr Zimmer leer sein würde, hatte er ja nicht wissen können. Je länger sie darüber nachsann, desto seltsamer erschien alles. Die wahrscheinlichste Erklärung lag in seinem Argwohn, sie möchte bei Nacht die Flucht ergreifen. So war er wohl heruntergekommen, um ihr zu folgen, und erst, als er merkte, daß es zu spät war, auf den Gedanken gekommen, nach den Papieren in ihrem Zimmer zu suchen. Die Korridortür hatte er sicher offen gelassen, um zu hören, wenn sie zurückkehrte, und um sich durch Peters Ankleidezimmer davon zu machen. Dann war er durch ihr Ausgleiten auf den Stufen überrascht worden und hatte keine Zeit mehr gefunden, seinen ursprünglichen Plan auszuführen. Sie erinnerte sich an seine verhüllten Drohungen am Abend vorher und war neugierig, ob er wieder selbst auf das Gespräch zurückkommen würde. Als sie völlig angekleidet war, verließ sie ihr Zimmer und eilte die Treppe hinab. Auf das Geräusch ihrer Schritte brauchte sie jetzt nicht zu achten. Das Haus war zu dieser Stunde voll Lärm, der es übertäubte. Als sie an der Tür des Wohnzimmers vorüberkam, vernahm sie das taktmäßige Schlürfen und Quietschen des Staubsaugers, der eben über den Teppich geführt wurde. Warum kann man das nicht so machen, daß er Melodien dabei spielt? dachte sie. Merkwürdig, wie einem in aller Not und Angst die seltsamsten Gedanken durch den Kopf gingen! Ohne Hut lief sie auf den Fahrweg hinaus und dankte im stillen Gott, daß der Wea sich auf der Nordseite befand, wohin keine Fenster hinausgingen. Dann wandte sie sich nach links zur Garage. Der Wagen stand im Hof und King wusch ihn unter vergnügtem Pfeifen. Er hörte damit sofort auf, als er Eva gewahrte, und begrüßte sie respektvoll. „Guten Morgen, King“, sagte Eva.„Kommen Sie, bitte, hier herein.“ Und sie ging voran in die Garage. King war während des Krieges Peters Bursche gewesen, und hatte, als ihn dieser sechs Jahre später beschäftigungslos antraf, nur zu gern die angebotene Stellung als Chauffeur bei ihm angenommen. Er war gelernter Mechaniker und ein vortrefflicher Wagenführer. Was aber schwerer wog als beides: Peter und damit auch Eva im tiefsten Herzen ergeben. Nun folgte er Eva in die Garage mit dem Gefühl, daß irgend etwas nicht in Ordnung sein müsse. „Sie sind nun seit vielen Jahren bei uns,“ sagte Eva,„und mein Mann hat sich oft zu mir über Ihren Fleiß und Ihre Anhänglichkeit ausgesprochen.“ King machte ein etwas verlegenes Gesicht. „Ich war ja auch sein Bursche draußen, gnädige Frau“, sagte er,„und da war niemand in der Kompagnie, der nicht für den gnädigen Herrn durchs Feuer gegangen wäre. Einen feineren Soldaten und einen feineren Herrn könnten Sie nirgends finden— wenn ich das sagen darf“, fügte er hinzu, unsicher, ob er in seiner Begeisterung die ihm durch seine Stellung gebotenen Schranken nicht überschritten habe. Eva lächelte. „Ich freue mich, daß Sie das sagen, King, und ich bin froh, daß mein Mann einen so anhänglichen Menschen um sich hat. Seine Stellung bringt es, wie sie wissen, mit sich, daß ihm oft sehr wichtige Dokumente und Geheimnisse anvertraut werden.“ „Jawohl, gnädige Frau.“ „Nun ist etwas geschehen, King“— Evas Stimme begann vor Aufregung zu zittern,„ich kann's jetzt nicht erklären... weiß auch selber nichts Gewisses... die Sache ist die, daß ich heute mit dem Nachtexpreß nach London muß, ohne daß irgend jemand, am wenigsten Herr Creason, etwas davon erfährt... und dazu bitte ich Sie um Ihre Verschwiegenheit und Ihre Hilfe.“ „O gnädige Frau, dem gnädigen Herrn ist doch nichts zugestoßen?!“ „Nein, King, ich hoffe nicht, aber es kann für ihn Leben oder Tod bedeuten, ob ich heut unbemerkt wegkomme.“ Der Ernst in ihrer Stimme machte Eindruck auf King. Er nahm eine stramme Haltung an und sagte gemessen: „Sie können sich auf mich verlassen, gnädige Frau. Es gibt nichts, was ich nicht für den gnädigen Herrn... und für Sie tun würde.“ „Weil ich das weiß, rechne ich auch auf Ihren Beistand. Um was ich Sie bitte, ist folgendes: Fahren Sie heut vormittag nach Dollin Moor und nehmen Sie für mich einen Fahrschein nach London, dann ersuchen Sie den Stationsleiter nach Ballinlarig zu telegraphieren, damit der Nachtexpreß in Dollin Moor anhält, um mich aufzunehmen. stellen Sie durch ihn auch einen Platz im Schlafwagen... und zwar besser nicht auf meinen Namen. Für eine Frau Bailey, nicht wahr? Dann während die andern beim Essen oder sonst aus dem Wege sind, gehen Sie vom Küchengarten aus in den Anbau. Unter dem Tisch, mit einem Vorhang zugedeckt, werden Sie meine Sachen finden, die ich mit nach London nehme. Die müssen Sie im Wagen verstecken. Dann fahren Sie nachmittags fort und halten auf der Straße nach Dollin Moor bei dem Gehölz an dem Weg, der zum Fluß hinuntergeht. Um vier Uhr müssen Sie dort sein, aber nicht früher, da ich mit Herrn Creason dort vorbeikomme und er Sie nicht sehen darf. Der Zug kommt in Dollin Moor um vier Uhr fünfzehn an, und von dort können wir leicht in zehn Minuten am Bahnhof sein.“ (Fortsetzung folgt.) Arzte jede Hoffnung aufgegeben. Wer die Verantwortung an dem Unfall trägt, muß die Untersuchung ergeben. Die große Mehrzahl der Arbeiter ist Saarländer. S Die Kohlenstaubexplosion auf dem CalmetteSchacht der Grube Clarenthal hat ihr neuntes Todesopfer gefordert. Der Bergmann Kollmann ist den schweren Brandwunden erlegen. n. Ein ungewöhnlicher Autounfall hat sich auf der Straße Reichenhall—Berchtesgaden ereignet. Bei Bischofswiesen wird die Straße zurzeit mit einer Oberflächenteerung versehen. Ein mit vier Personen besetztes englisches Auto überfuhr nun infolge Versagens der Bremsen zuerst die Sperrschranke und rannte dann gegen den Teerkessel, der umkippte und seinen schwarzen, zähflüssigen Inhalt über das Auto und die Insassen ergoß. Der Kraftwagen bildete einen einzigen Teerklumpen; auch die Insassen waren über und über mit Teer bedeckt. Zum Glück war der Inhalt des Teerkessels nicht sehr heiß. f. Für Nichtschwimmer hat ein Wiener Schlosser eine aufpumpbare Schwimmhose hergestellt, die Nichtschwimmern gestattet, sich nach Belieben über Wasser zu halten. N. Eine interessante Ausgrabung hat der ungarische Universitätsprofessor Tibor von Gerevich in Angriff genommen. Es handelt sich darum, nach dem Vorbild Italiens, das die Staatsschiffe des Kaisers Caligula aus dem Nemi=See heben ließ, zwei nach der Besiegung des ungarischen Heeres durch die Türken bei Mohacs im Jahre 1526 in der Nähe von Gran versenkte Galeeren, die mit ungarischen Kunstschätzen beladen waren, aus dem Schlamme des Donaubettes zu heben. p. Eine Statistik über die Anzahl der berufstätigen Frauen ergibt, daß Frankreich den größten Prozentsatz aufzuweisen hat. Mehr als die Hälfte aller Frauen sind dort erwerbstätig. An zweiter Stelle folgt Finnland mit 48 Prozent, an dritter Stelle Deutschland mit 43 Prozent. In weitem Abstand die Schweiz mit 31 Prozent und Italien mit 29 Prozent. X Ein fürchterlicher Sturm wütet über Finnland. Bei Porkaral wurde ein Segelschiff gesichtet, das hilflos in der Brandung umhertrieb. Der Bugsierdampfer Olly ist zur Hilfeleistung abgegangen, konnte aber ge des hohen Seeganges noch nicht nahe genug an Die Unfälle in den Bergen. Von Dipl.=Ing. Luis Trenker. Mit Rücksicht auf die Opfer, die auch in diesem Sommer die Berge gefordert haben, dürften die nachfolgenden Ausführungen des hervorragenden Alpinisten Luis Trenker besonders interessieren. Red. das Wrack herankommen, um feststellen zu können, ob sich die Besatzung noch lebend an Bord befindet. T. In der Nähe des Städtchens Siversblet in Dänemark stürzte ein Sportflugzeug mit dem bekannten dänischen Flieger La Cour und einem Mechaniker an Bord infolge Loslösens des linken Flügels der Maschine aus 400 Metern plötzlich ab. Der Flieger war auf der Stelle tot, während der Mechaniker schwer verwundet wurde.— Am Montag stießen über San Antonio in Texas zwei Armeeflugzeuge beim Manöver in einer Höhe von 100 Metern zusammen, wobei sie abstürzten. Die Flieger wurden auf der Stelle getötet. ha. Eine Transitkarte für Durchwanderer sieht ein wischenstaatliches Abkommen vor. Es ist bisder von Belgien, Finnland, Frankreich, Großbritannien und Nordirland, Italien, den Niederlanden, Polen, Rumänien und der Saarregierung unterzeichnet worden. Jetzt hat auch Deutschland seinen Beitritt erklärt. Das Abkommen ist in Kraft getreten. Die Karten werden für Durchwanderer ausgestellt, die sich von Europa in ein überseeisches Land begeben. Die Regierungen, die davon Gebrauch machen, liefern sie den Schiffahrtsgesellschaften. Die Transitkarte wird von diesen den Auswanderern gebührenfrei ausgehändigt. Mit der Karte bedarf der Paß keines Sichtvermerks in Deutschland von einer deutschen Grenzübergangsstelle nach dem deutschen Einschiffungshafen. Zur Ausgabe ermächtigt sind zunächst die Hamburg=Amerika=Linie, der Norddeutsche Lloyd und die Hamburg=Südamerikanische Dampfschiffahrtsgesellschaft. ml. Eine bedeutende Einfindung haben zwei Chemiker, die im Laboratorium des polnischen Tabakmonopols in Warschau beschäftigt sind, gemacht. Wie sie behaupten, haben sie eine neue Art der Tabakbehandlung erprobt, die für die Tabakindustrie der ganzen Welt von ausschlaggebender Bedeutung sein soll. Durch ihr Verfahren wollen sie die gröberen Tabaksorten im Geschmack und im Aroma soweit veredeln, daß sie vom besten Tabak nicht mehr zu unterscheiden sind. Das wäre schon ein außerordentlicher Fortschritt. Aber die beiden Chemiker behaupten mehr; sie geben an, daß sie außerdem alle den Lungen und den Schleimhäuten schädlichen Bestandteile des gesondert haben. Griechische Sachverständige, Tabaks aus die den nach dem neuen Verfahren behandelten Tabak untersuchten, haben seine Güte bezeugt und die Erklärung abgegeben, daß sie keinen Unterschied zwischen den verbesserten groben und den besten natürlichen Qualitäten hätten feststellen können. hf. Eine amerikanische Schiffahrts=Gesellschaft hat dem Arzt Dr. Robins einen silbernen Becher überreicht als Belohnung für eine Operation, die der Arzt auf hoher See ausführte. Dr. Robins befand sich auf dem Dampfer „Noorderdyk“, als er gebeten wurde, einen an Blinddarmentzündung erkrankten Matrosen zu operieren. Obwohl Robins keine Instrumente hatte erklärte er sich bereit. Der Schiffskoch mußte ein Küchenmesser, der Zimmermann eine Zange zur Verfügung stellen. Vernäht wurde die Wunde mit Nähnadeln und Zwirn. Zur Desinfektion diente Schnaps. Der Matrose überstand die Operation gut. wi. In Lake Placid bei Plattsburg im Staate NewYork waren ein Mann und eine Frau, die ihr zweijähriges Kind bei sich hatten, in einem Wald mit Beerensuchen beschäftigt. Plötzlich tauchte ein großer Bär auf packte das Kind mit der Schnauze und lief davon. Die Eltern rannten dem Tier nach und veranlaßten es, nachdem sie es mehr als eine Meile verfolgt hatten, durch Steinwürfe und Schreien, das Baby fallen zu lassen. Das Kind hat zahlreiche Wunden am Nacken, im Gesicht und an den Armen, doch hoffen die Arzte, daß es mit dem Leben davonkommen wird. m. Eine Riesenschildkröte, wie sie in dieser Größe Nachdruck, auch auszugsweise, verboten. Die Freude an der Natur, die Sehnsucht nach ihr, und der in uns lebende Wunsch nach Kampf, Abenteuer und Erlebnis= können sich in den Bergen herrlich ausleben, und daher wird die Zahl der Menschen, die jährlich aus den großen Städten und Niederungen ins Gebirge strömen, immer größer. Vom beschaulichen Jochbummler bis zum verwegensten Kletterer, der mit schwersten Problemen auch schwerste Kämpfe sich vornimmt, finden wir alle Zwischenstufen im Bergfommer vertreten: den einschichtigen Alleingänger, die guten und schlechten Führertouristen, die Führerlosen mit und ohne Bergerfahrung, die Wilden und,— kalt rieselt es mir über den Buckel,— die Zünftler und ganz Gescheiten vom Berg=Bier=Tisch. Von den vielen Hunderttausenden, die ausziehen, kehren einige nicht zurück, und die Ursachen der Unfälle sind mannigfaltig und wissenswert. Ihre Zahl zu vermindern ist unser Wunsch. Wenn es wahr ist, daß Erfahrung in allen Lebenszweigen viel wert ist, dann mag dies für das Tun und Lassen des Bergsteigers besonders gelten. Eine Statistik der tödlich verlaufenen Unfälle in den drei Jahren 1926 bis 1928 zeigt die starke Zunahme von Bergunfällen, und es ist interessant, die hauptsächlichsten Ursachen in groben Umrissen zu skizzieren. Das Belegmaterial, das absolut keinen Anspruch auf Vollständigkeit hat, behandelt nur Fälle aus den Schweizer Bergen und den dazu benachbarten Grenzketten wie HauteSavoye und Mont=Blanc. Es entstammt zum Teil einer Besprechung der alpinen Unfälle in der Zeitschrift„Die Alpen“ von Walter Siegfried. Weil die vielen Abstürze und Unfälle, bei denen die Beteiligten mit geringeren Verletzungen oder nur mit dem Schrecken davonkommen, fast nie bekannt werden, sind sie auch nicht ziffernmäßig zu erfassen, es werden daher nur die tödlich verlaufenen Fälle vermerkt. Während im genannten Gebiet 1923 bis 1925 112 Unfälle mit 138 Toten gemeldet werden, zeigen die Ziffern 1926 bis 1928 eine Steigerung auf 150 Unfälle mit 185 Toten. Im Triennium 1923 bis 1925 entfielen 13,5 Prozent aller Unfälle mit 18 Toten auf den Winter. Dieses Verhältnis verschob sich im Triennium 1926 bis 1928 auf 19,5 Prozent mit 52 Toten zuungunsten des Winters. Ich beschränke mich auf die Aufzählung der wichtigsten Fehler und Unterlassungssünden subjektiver Natur, die bei sommerlichen Unfällen beobachtet werden. Wenn auch unter den Opfern manch erfahrener alter Kletterer zu finden ist, so steht die Gruppe der„Erstklassigen“ doch zum verschwindend kleinsten Teil in der traurigen Liste. Weit überwiegend ist logischerweise die Zahl jener Bergsteiger, die mangels Erfahrung die Gefahren des Hochgebirges kaum ahnen, geschweige kennen. Beim Blumensuchen, der bescheidensten„alpinen" Betätigung, gingen mehr Menschen zugrunde als unter den Alleingängern, die ja bekanntlich hundertprozentig als Bergsteiger gelten. Die Liste zählt 14 Prozent der Verunglückten, also 26 Menschen auf, die auf einfachen Spaziergängen ihren harmlosen Wunsch, ein Edelweiß oder eine andere Alpenblume zu besitzen, mit dem [Leben bezahlen mußten. Mit leichten, ungenagelten Schuhen, glatten Sohlen, ohne Sicherung durch ein Seil, darf der unerfahrene Spaziergänger auf keinen Fall vom Weg ab in steiles Felsterrain hinaus! Das ist meistens gefährlicher als die normale Route auf einem mittleren Berg. Nicht viel kleiner ist die Zahl der Abgestürzten auf einfachen Paßwanderungen(11 Tote). Das Abkürzen der Wege ist für ungeübte Bergsteiger oder Nichtalpinisten gefahrlich. Man will einige Serpentinen umgehen oder seitlich ein Stück Schlucht. Der unüberlegte Versuch geht aber nur zu oft tragisch aus. Alle derartigen Fälle tragen ihre Ursachen in subjektiven Fehlern wie Unerfahrenheit, Mangel jeglicher Orientierung, unmögliche Ausrüstung und körperliche Unsähigkeit. In beiden Gruppen überwiegen junge Leute um die zwanziger Jahre und weit darunter. Unter den eigentlichen Bergsteigern haben die Alleingehenden nicht nur mit subjektiven, sondern mehr noch mit objektiven Gefahren zu rechnen. über das Wesen und die Berechtigung des Alleingehens kann nicht diskutiert werden, das ist Sache des Einzelnen. Der Alleingänger weiß ja, daß für ihn alle Gefahren in viel höherem Maße bestehen als für den Bergsteiger mit Gefährten. Unter den Personen dieser Art waren 14 Opfer zu beklagen. Von den wenigsten aber ist auch hier wieder erwiesen, ob sie wirtlich gute Alvinisten waren. Jedenfalls ist hier der Schritt vom Schneid zum Leichtsinn am schnellsten getan. Weil an und für sich die Zahl der Alleingehenden sehr klein ist, scheint die Zahl der Toten im Verhältnis dazu außerordentlich hoch. Wer Verantwortung im Leben trägt oder sein Leben nicht gern aufs Spiel setzt, muß vor der Alleingeherei im Fels, aber ganz besonders im Eis. gewarnt werden. Das Alleingehen ist nur Sache der ganz Erstklassigen, und selbst diese meiden gewisse Berge und Gebiete. Wie oft wurde der Nachkommende schon durch das Seil des Vorausgehenden vor dem Sturz in die finstere Gruft einer Eisspalte bewahrt, und ganz genau so oft hat gewiß das Seil des Nachkommenden den Ersten vor dem Fall in die Tiefe gechützt. Auf dem Gletscher ist das Alleingehen Leichtsinn. Ein Einzelner kann das Matterhorn ersteigen, wenn er die körperlichen Fähigkeiten dazu hat, aber er wird auf eden Fall vermeiden, allein vom Theodulpaß auf die fälle, hwanz elwa ger. Weler und wiegt nicht weniger als 500 Kilo. Diese Schildkröte sah man ständig in Begleitung von mehreren sogenannten Pilotenfischen, die sich in ihrer Nähe hielten und ihr den Weg zu weisen schienen. Der Fischer erzählt, daß ldkröte außerdem von einigen kleinen Schildkröten begleitet wurde, die sich nicht von ihr trennten. Auch als das Riesentier gefangen und an Bord des Kahnes gebracht worden war, begleiteten die kleinen Schildkröten die Gefangene bis zur Küste. Besonders auffallend an dem Tier ist seine schiefergraue Farbe, die auf ein hohes Alter deuten läßt. Bekanntlich haben Schildkröten ein außerordentlich langes Leben, und so scheint es sich denn um eine Veteranin des Meeres zu handeln. Wie französische Blätter berichten, interessieren sich namhafte Gelehrte dieses Ner. Sie wollen den Weg nach dem Fischerdorf nicht scheuen, um dieses Riesentier zu besichtigen, das der Fischer in einem Stall untergebracht hat. Allerlei Humor. Junge Dame(ahnungslos):„Gestern auf der Ausstellung, Herr Schmierer, war Ihr Bild am besten zu sehen." Maler:„Wieso denn das?" Junge Dame: den anderen standen soviele Menschen!“ de denn für Kragen? Sieh die meine an, die sind modern!" Dreckige?“—„... und was das Herz anbetrifft, so machen Sie sich keine Sorge! Mit so einem Herzen können Sie siebzig Jahre alt werden.“ siebzig „Siebzig bin ich bereits."„Nun sagt?“—.Guten 2 was habe ich genen Tag, Herr Schuttermann, begrüßte Herr Leebich seinen Nachbarn.„Zwei Monate sind Sie also in der Heilanstalt für Stotterer gewesen. Hat's denn etwas geholfen!" Strahlend legt Schuttermann los: Fischers Fritze fischt frische Fische. Fischers Fritze fischt frische Fische:„Aber das ist ja fabelhaft!“ ruft Schuttermann begeistert,„so schnell kann ich das ja nicht einmal hersagen!"„Ge— ge— gewiß“ quält sich's aus Leebi Munde,„aber es pa— pa— pa— paßt ni immer!“ Bétempshütte zu gehen. Jene Unfälle, deren Ursachen in Selbstüberschätzung und mangelndem bergsteigerischem Können liegen, nehmen den breitesten Raum in diesen düsteren Begebenheiten ein. Die Unkenntnis der Gefahren, verbunden mit dem begreiflichen Wagemut, bildet die Ursache vieler großer Katastrophen, Nicht die Berge, sondern die Menschen selbst tragen an dieser Art von Unfällen die Schuld. So gingen am 14. August 1928 vier französische Bergsteiger bei unsicherem Wetter auf die Petit Dru. Von den Vieren war nur einer als halbwegs erfahren anzusprechen. Zirka 800 Meter unter dem Gipfel stürzt der Führende des zweiten Seils mit dem Ruf:„Ich lasse los“ in die Tiefe. Zwei holten Hilfe, einer blieb beim Schwerverletzten. In der Charpouahütte sind drei junge Schweizer und zwei Italiener. Sie brechen ofort zur Hilfeleistung auf, weil Führer aus Chamonix rühestens am Abend eintreffen können. Es gelingt ihnen nicht, den Verletzten zu bergen, das Wetter wird ganz chlecht und so lassen sie Decken und einen Teil der Unterkleider oben. Im Abstieg müssen sie biwakieren. Der Sturm ist derart, daß der junge Schweizer Joseph Paillard eine Hilfsbereitschaft mit dem Leben bezahlt. Die anderen Mitglieder der Rettungsexpedition werden gerettet. Der ver.letzte Franzose starb am 16. August, sein Begleiter konnte enst am 17. August geborgen werden, wobei noch der glänzende Führer Armand Charlet durch Sturz in den vereisten Wänden schwere Verletzungen erlitt. Ein Siebzehnjäriger stürzt am Matterhorn ab, ein anderer deutscher Tourist geht mit seinen Kameraden im wilden Cornera=Tal zugrunde. Ein Ehepaar aus Deutschland kommt zu Pfingsten 1927 am Säntis tragisch um. Trotz Abratens versuchte es den Aufstieg, gänzlich ungenügend ausgerüstet. Zwei deutsche Studenten trennten sich von ihrem Professor und ihren Kameraden. Sie wollten auf den Titlis, ohne Seil, ohne Pickel. Einer stürzt bald und ist tot. Vier Franzosen wollten am 23. Juli 1928 führerlos die Nordwand des Zermatter Breithorns ersteigen. Zwei sehr erfahrene Alpinisten sind dabei und zwei, die sich wohl schnell in die Reihe der „guten Bergsteiger“ vorschieben wollten. Fünf Stunden lang sieht man die vier an fast derselben Stelle, knapp unter dem Gipfel, vergeblich an der Überwindung des sehr schweren Girngrates arveiten. Nebel verdeckt schließlich sie und ihren grauenvollen Absturz. Einige Führer am Gornergrat sehen dann, als der Nebel fort ist, die vier leblosen Körper 600 Meter tiefer auf dem Gletscher liegen. Das Wagnis dieser äußerst schweren Tour mit einem Viererseil in der obigen Zusammenstellung zu versuchen, hatte sich furchtbar gerächt. Zwei deutsche Herren, die vorgaben,„geübte Bergsteiger“ zu sein, stürzten an der Keschnadel im Abstieg zu Tode, weil sie, wahrscheinlich des Abseilens unkundig, eine Abseilstelle abklettern wollten. Mit Führer wären die beiden bestimmt heil heimgekommen. Viele Touren werden auf solche Weise gemacht und oft haben die Teilnehmer nur mehr Glück als Verstand gehabt, wenn sie gesund zurückkamen. Diese Aufzählung ließe sich noch lange fortsetzen. Aber ich will nur noch kurz die objektiven Gefahren erwähnen, die sehr viele Unfälle verschulden und denen naturgemäß auch die erfahrensten, tüchtigsten und vorsichtigsten Alpinisten unter Umständen zum Opfer fallen. Das Ausbrechen von Griffen, Tritten, ganzen Bergblöcken sowie Steinschlag forderte in der angegebenen Zeit und in dem bezeichneten Gebiet zehn Todesopfer. Zu diesen Gefahren gesellen sich noch jene des plötzlichen Wetterumschlags, des Gewitters, das mit Kälte, Regen und Unsichtigkeit auch starke Vereisung und Neuschnee mit sich bringt und den Bergsteigern stark zusetzt. Wetterstürze sind besonders auf großen isolierten Bergen von äußerster Heftigkeit und Gefahr. Die kleine SolvayHütte konnte keinen besseren Platz in der Welt finden als unter der Schulter des Matterhorns. Zu diesen Gefahren gehören weiterhin ganz besonders auch die Spalten. Vorsicht ist trotz oder gerade wegen des Seiles hier geboten. Das Hängen am Seil schnürt die Luft ab, und die Kälte und Angst tragen auch nicht gerade zur Erhöhung der Lebenskraft bei. Das manchmal gänzlich ungeschickte Verhalten der Kameraden verzögert die Rettung um viele Stunden, wo es auf Minuten ankommt. Einer der tollsten Fälle dieser Art ist vor gar nicht langer Zeit in der Monte=Rosa=Gruppe passiert. Der letzte Mann einer Seilschaft brach in eine Spalte ein. Die beiden Vorausgehenden schlugen einen Pickel in den Schnee, wanden das Seil des Dritten herum und liefen ins Tal, wo sie mitteilten, daß ihr Kamerad oben in einer Spalte hänge, ihn heraufzuziehen, sei ihnen unmöglich gewesen. Ungefähr acht Stunden nach dem Unfall trafen Zermatter Führer bei der Spalte ein. Zu ihrer Verwunderung hing der arme Teufel kaum drei Meter tie unter der Schneedecke. Im Nu hatten sie ihn heraufgezogen. Er war ohne jede Verwundung, aber erstickt und erfroren. In dieser flüchtigen Aufzählung fehlen alle Unfälle in den östlichen Alpen, in den Dolomiten, in den Zillertalern, im Brennergebiet, im Karwendel und Zugspitze usw. Es gibt und gilt nur eine Mahnung zu beherzigen: wer jung ist und unerfahren, verdiene sich seine Sporen langsam, in steter Vorsicht, mache die ersten Touren mit einem Führer oder sehr erfahrenen Kameraden. Jahr um Jahr bilde er seine Technik auf Fels und Firn weiter aus, übe den Blick, lerne Wege und Routen beurteilen! Unüberlegte Abweichungen führen oft genug zu den schlimmsten Situakionen. Daher mahne sich auch der geübteste Bergsteiger immer wieder zur Vorsicht! Warum sind Unfälle mit Bergführern soviel seltener? Weil den Führern die Erfahrung in den Knochen sitzt von jung auf, und weil sie die Berge nicht nur lieben und fürchten, sondern auch— hassen gelernt haben. Erster Preußischer Feuerwehrtag in Münster. wI. Münster, 19. August. Am Samstagvormittag begann in der Stadthalle der 40. Westfälische Feuerwehrverbandstag, der durch Branddirektor und Magistratsbaurat Verfürth mit einer kurzen Begrüßungsansprache eröffnet wurde. Namens der Stadt und der Ehrengäste dankte Bürgermeister Schlanstein und hieß die Feuerwehrleute in Münsters Mauern herzlich willkommen. Die Grüße der Reichsorganisation überbrachte Gewerbebaurat Eckart, während Generaldirektor Wessel die Feuerwehrleute namens des Landeshauptmanns begrüßte. Im Anschluß nahm Branddirektor Brüggemann=Paderborn die Ehrung verdienter westfälischer Feuerwehrleute vor. Schluß wurde der Geschäftsbericht erstattet sammlung genehmigte. Am Nachmittag den die um ertlag fand dann die Hauptversammlung des ersten Preußischen Feuerwehrtages statt. Oberpräsident Gronowski überbrachte im Namen sämtlicher Behörden der Tagung die besten Wünsche. Darauf gab Branddirektor Verfürth einen Bericht über die Tätigkeit des Preußischen Landesfeuerwehrverbandes. An den Reichspräsidenten von Hindenburg, Reichskanzler Brüning und Innenminister Waentig wurden Begrüßungstelegramme abgesandt. Oberbrandinspektor Stapusch=Berlin erstattete den Rechnungsbericht. Die Jahresrechnung wurde von der Versammlung genehmigt. Im Anschluß teilte der Vertreter des Thüringischen Feuerwehrverbandes mit, daß der Verband Thüringen Branddirektor Verfürth=Münster und Justizrat Odenkirchen, Vertreter des Rheinischen Verbandes, in Anerkennung ihrer Verdienste das Thüringische Verdienstkreuz für Feuerlöschwesen verliehen habe. Branddirektor Viersbach=Dortmund hielt anschließend einen Vortrag. In einem Schlußwort dankte der 2. Vorsitzende des Preußischen Landesfeuerwehrverbandes, Oberbranddirektor Stapusch=Berlin der Stadt Münster für ihre Gastfreundschaft und schloß mit einem Hoch auf das preußische und deutsche Feuerlöschwesen die Tagung. Abends fanden öffentliche Veranstaltungen im Rathaus, im Stadtweinhaus, im Friedenssaal und auf dem Prinzipalmarkt, dessen Bogengänge beleuchtet wurden, mit strahlungen der Lamertikirche und des Rathauses statt. Aus Anlaß der Verbandstagung wurde am Freitagnachmittag eine große überaus reich beschickte Feuerwehrausstellung in der Halle Münsterland der Öffentlichkeit übergeben, die alles umfaßt, was für Feuerwehrleute und Interessenten des Brandbekämpfungswesens von Bedeutung ist, angefangen von der Armatur bis zum neuzeitlichen Automobilgroßlöschzug. wI. Oberhausen, 19. August. Ein eigenartiger Unfall ereignete sich in der Göbenstraße. Ein Kraftwagenführer war mit dem Aufpumpen eines Reifens beschäftigt, als der Reifen plötzlich von der Felge absprang und dem Kraftwagenführer mit derartiger Wucht an den Kon flog, daß er schwer verletzt zusammenbrach und ins katho lische Krankenhaus eingeliefert werden mußte. fpd. Schönhausen, 19. August. Der regnerische Sommer 1930 ist der Gurkenzucht überaus förderlich gewes Segen ist so unendlich groß, daß die Erzeuger die Ware nicht loswerden. Die Händler haben kein Interesse mehr an der ihnen angebotenen überfülle und lehnen den weiteren Ankauf ab. Da haben jetzt die Erzeuger zu einem besonderen Mittel gegriffen. Sie fahren mit mehreren hoch mit Gurken gefüllten Lastkraftwagen weit in das Land hinaus. Auf dem ersten Wagen sitzt ein Trom peterquartett, das beim Einzug in die Dörfer, die weniger mit Gurken gesegnet sind, die schönsten Weisen bläst und dadurch die Knte Im Handumdre Gurkenbauern Art der Propaganda nicht insofern Schule, als nun fortan auch die Kartoffel=, Rüben=, Obst=, Bohnen=, Kohl= und anderen Früchtehändler auf die gleiche Weise arbeiten und sich auch eigene Kapellen zulegen. Die Folgen wären nicht auszudenken. fpd. Frankfurt a. M., 19. August. Auf der Deutschen Reichseisenbahn gibt hin und wieder ein 24jähriger Mann aus Stuttgart eine besondere Gastrolle als ausgefeimter Güterdieb. Man weiß, wer er ist, kann ihn aber niemals fassen. In den letzten Wochen hat sich der Schwabe drei schöne Streiche geleistet. Er ließ sich in einer Kiste mit einem Güterzuge von Köln nach Bonn befördern. Unterwegs öffnete der Mann seine Kiste und beraubte dann verschiedene Güterwagen. Den Inhalt nahmen seine rshelfer unterwegs an den Bahndämmen in Empang. Den gleichen Trick hat der Bursche vor einer Woche auch auf einem nach Chemnitz fahrenden Güterzug mit gutem Erfolge verübt. Schließlich hat er in einem nach Frankfurt fahrenden Eilgüterzug während der Fahrt eine elbst aufgegebene Kiste, in der er zunächst auch saß, geöffnet und mit Sand und Steinen gefüllt. Dann hat er eine mit wertvollem Inhalt nach Aschaffenburg bestimmte Kiste für Frankfurt umsigniert. Hier wurde die„ordnungsmäßig“ behandelte Kiste von seinen Spießgesellen abgeholt und in Sicherheit gebracht. Nach Aschaffenburg aber ging die vorher von ihm mit Steinen gefüllte Kiste. Kleine Provinznachrichten. Drei Frankfurter Sportsleute haben mit dem Faltboot eine Reise vonnturta. M. nach Barcelona unternommen und glücklich zu Ende gefuhrt. X Zwischen Nauheim und Hennethal wurde nachmittags ein Revolverschuß auf ein Auto abgegeben. Obwohl der Fahrer sofort hielt und die Gegend absuchte, konnte der Täter nicht gefaßt werden. X In Oberlahnstein starb im 82. Lebensjahre der Bildhauer Caspar Weis. ein Altmeister der christlichen Kunst. Seine Arbeiten sind in Kirchen und Domen der ganzen Welt zu finden. Er war Ritter des päpstlichen Ordens„Pro ecclesia et pontifice“. X Bei Reparaturarbeiten an der Landungsbrücke Duisburg=Ruhrort fiel ein Arbeiter in den Rhein und ertrank. X Auf der Landstraße von Breyell nach Kaldenkirchen fuhr ein Motorrad gegen einen Baum. Der Fahrer und seine auf dem Soziussitz mitfahrende Braut wurden getötet. X Die Gute Hoffnungsbütte hat für den 13. September die Kündigung von 100 Arbeitern beim Regierungspräsidenten in Düsseldorf angemeldet. X Bei einem Einbruch in ein Kölner Goldwarengeschäft erbeuteten Diebe für 10000 Mark Uhren und Schmucksachen. X In Bitburg sprang eine Lokomotive eines Steinbruchbetriebes aus den Schienen und begrub den Steinbruchbesitzer Schmitt unter sich, der durch Verbrühungen und Quetschungen getötet wurde. X Das Kleine Schöffengericht in Koblenz verurteilte die Redakteure Schmitt und Graf Reischach von der nationalozialistischen Zeitung Koblenzer Nationalblatt wegen übler Nachrede zu je 500 Mark Strafe oder für 10 Mark einen Tag Gefängnis. In der Zeitung war dem Koblenzer Jolizeipräsidenten die Schuld an dem Brückeneinsturz am age der Befreiungsfeier zugeschoben worden, weil er angeblich eine Aufforderung des Wasserbauamts, die Brücke zu sperren, unberücksichtigt gelassen habe. den Gerichtssälen. Arbeitsgericht Siegen(Handwerkskammer). Sitzung vom 18. August. Der verschwundene Schlüssel zum Betriebsraum. Der durch seinen Vormund vertretene minderjährige utoschlosserlehrling Sch. war bei der Firma M.& Co., in Siegen beschäftigt. Am 6. Mai wurde derselbe fristlos entlassen. Die Arbeitgeberin begründet diese Entlassung mit einer ihr zur Kenntnis gelangten früheren Unredlichkeit des Lehrlings. Ferner beschuldigt sie diesen, den Schlüssel zu den Betriebsräumen verloren oder entwendet zu haben. Der Vormund des Klägers hielt die fristlose Entlassung des Klägers für ungesetzlich mit der Behauptung, sein Mündel habe den Schlüssel nicht entwendet. Deshalb klagte er auf Wiedereinstellung oder auf Zahlung einer Entschädigung in Höhe von 140 Mark. Das Gericht kam zu einer Abweisung der Klage mit der Begründung, daß ein erst später zur Kenntnis der Firma gelangter Diebstahl eines Angestellten zur fristlosen Entlassung berechtige. Die unfreiwillig unterbrochene Lehrzeit. Die allgemeine wirtschaftliche Not wirkt sich auch bedenklich in kleineren Handwerkerbetrieben aus, weil sie oftmals nicht mehr in der Lage sind, die nötigen Löhne zu zahlen. Der Anstreicherlehrling Sch. aus Siegen klagte durch seinen Vater gegen den Meister S. auf Entschädigung für 4½ Monate Verdienstausfall in Höhe von 450 RM. Der Vater gab seinen Jungen vor Jahresfrist in die Lehre bei dem Beklagten, konnte aber trotz wiederholten Bittens einen schriftlichen Lehrvertrag nicht erhalten. Auch blieb der Meister einige Male mit der Lohnzahlung im Rückstand. Das veranlaßte den Vater des Lehrlings, den Jungen einige Tage von der Arbeitsstelle fernzuhalten. Der Innungsausschuß hat sich bereits mit der Sache befaßt und den Beklagten bestimmt, an den Kläger eine Entschädigung von 200 RM. zu zahlen. Das Gericht brachte mit Rücksicht auf die große Notlage des Beklagten einen Vergleich zustande, wonach derselbe an den Kläger einen Betrag von 75 RM. zu zahlen hat. Facharbeiter oder angelernter Arbeiter. über diese grundsätzliche Frage hatte das Arbeitsgericht in der Klagesache des Nieters Sch. aus Wilgersdorf gegen die Firma K.=F. in Dreistiefenbach zu entscheiden. Der Kläger verlangt noch Nachzahlung von 9,80 RM. Arbeitsverdienst. Seit 14 Monaten war er bei der Beklagten als Preßluftnieter beschäftigt. Bei einem Abbau von Arbeitern wurde auch der Kläger am 30. Juli entlassen. Während der Kläger mit noch anderen Arbeitern bis Ende Mai im Akkord arbeitete, wurde dieser Akkordlohn zu Anfang Juni in Schichtlohn umgewandelt. Bei diesem Schichtlohn stand sich der Kläger schlechter als vorher. Das veranlaßte ihn, Ansprüche als Facharbeiter zu stellen. Er glaubte deshalb als Facharbeiter zu gelten, weil er längere Zeit hindurch als Nieter gearbeitet habe und weil er nach seiner Einlassung früher Schlosser gewesen sei. Auf Befragen konnte der Kläger ein Lehrzeugnis aber nicht vorweisen. In den tariflichen Bestimmungen heißt es über Facharbeiter:„Facharbeiter ist derjenige, der eine dreijährige Lehrzeit durchgemacht und in seinem Beruf tätig gewesen ist." Der Kläger mußte mit seiner Klage abgewiesen werden, da das Gericht sich nicht von der Qualifikation als Facharbeiter überzeugen konnte. „Ich habe kein Geld zum Kleben der Invalidenmarken.“ Einen Einblick in die Not mancher Handwerkerkreise erhält man leicht bei den Verhandlungen vor dem Arbeitsrichter. Der Schreinergehilfe H. aus Obersetzen forderte D ie beporitehende Reichstagswahl erfordert eine umfaisende Orientierung auf dem Sebiete der Politik. Diele kann nur eine unpartelische und von keiner Partei beeinflußte Zeitung gewährleilten. Eine solche iit die leit über 100 Jahren beitehende Siegener Zeitung Bestellungen nehmen alle Poltanstalten und Zeitungsboten entgegen. seit langem von seinem Meister die ordnungsgemäß geklebte Quittungskarte und einen Betrag von 59 RM. als Restlohn. Der Kläger konnte von Weihnachten 1929 bis Östern und von Pfingsten bis Juli wegen Arbeitsmangels bei dem Beklagten nicht beschäftigt werden. Des öfteren will der Kläger um seine Papiere gebeten haben, damit er wenigstens in den Genuß einer Arbeitslosenunterstützung kommen konnte. Der Beklagte war nicht in der Lage, die geforderte Quittungskarte auszuhändigen, weil er längere Zeit nicht geklebt hatte. Dem Kläger sagte er: „Ich habe kein Geld, um Invalidenmarken zu kaufen“. Das Gericht konnte nicht anders, als den Beklagten zur Herausgabe der vorschriftsmäßig geklebten Karte sowie zur Zahlung des nicht bestrittenen Restlohnes in Höhe von 59 RM. zu verurteilen. Schadenersatzforderung vor dem Arbeitsrichter. Der Installateur Sch. aus Berleburg klagte gegen seinen früheren Gesellen B. auf Erstattung von Lohn bezw. Reparaturkosten in Höhe von 48 RM. nebst 7% Zinsen. Ein Landwirt brachte in die Werkstatt des Kläger eine Dynamo zur Reparatur. Der Meister fragte den Gesellen B., ob er in der Lage sei, die Reparatur ordnungsgemäß vorzunehmen? Der Geselle bejahte das. Als der Auftraggeber nach erfolgter Reparatur die Dynamo ausprobiert, läuft dieselbe nicht, wie es sein sollte. In einer anderen Werkstatt wurde die Maschine nochmals durchrepariert und diese Arbeit erneut mit 25 RM. berechnet. Der Auftraggeber weigerte sich, an den Kläger die Reparaturkosten zu zahlen. Deshalb will sich dieser an dem früheren Gesellen schadlos halten und von ihm den zuviel gezahlten Lohn zurückfordern. Der Vorsitzende belehrte den Kläger, worauf die Parteien, ohne Anträge zu stellen, sich entfernten. Die Sache ruht einstweilen. Aus Stadt und Land Stadt Siegen Vor 100 Jahren. Am 1. August 1830 wurde zwischen Siegen und Wipperfürth eine Schnellpost eröffnet. Sie ging von Siegen Montags und Freitags abends um 8 Uhr ab und traf Dienstags bezw. Samstags morgens um 6 Uhr früh ein, wo sie um 7 Uhr an die nach Elberfeld gehende Schnellpost Anschluß hatte. Der Kgl. Post=Inspektor Schüller in Arnsberg, der die betreffende Bekanntmachung im Siegerländer Intelligenzblatt unterzeichnet, wähnt darin: Es wird bei selbiger vorläufig eine bequeme, in Federn hängende viersitzige Chaise angewendet, künftig wird ein auf Druckfedern stehender Wagen eingeführt. Das Personen=Geld ist auf 10 Sgr. pro Meile festgesetzt, wofür jede Person 20 Pfd. Gepäcke in einen Mantelsack verpackt, frei mitnehmen kann. Es werden bei dieser Post Beichaisen gestellt, so daß jeder Reisende des Mitnehmens gewiß seyn kann. Durch diese neue Einrichtung erhält der Ort Siegen, so wie der ganze Cours bis Wipperfürth wöchentlich noch zweimal Correspondenz=Verbindung nach allen Richtungen der Monarchie. Vom Postwagen über die Eisenbahn und die elektrischen Bahnen bis zum Flugzeug und Luftschiff— welch eine Entwicklung in 100 Jahren! X Siegen, 19. Aug. Heute begeht der Lokomotivführer a. D. Heinrich Nies, Hermelsbacher Weg 14 wohnhaft, den 80. Geburtstag. Der alte Herr ist noch sehr rüstig und wohlauf. Auch die Siegener Zeitung bringt ihrem langjährigen Leser die besten Glückwünsche dar. * Siegen, 19 Aug. Der Rektor Ludwig Sanner verlegt morgen seinen Wohnsitz von Siegen nach Nassau a. d. Lahn. Der Wegzug dieses ausgezeichneten Mannes geschieht auf Wunsch seiner Gattin, die in Nassau geboren ist. Rektor Sanner hat jahrzehnte lang an der Hainer Schule segensreich gewirkt und sich wegen seiner Volkstümlichkeit die Wertschätzung der Eltern und Kinder erworben. Sein Fortzug wird allseitig bedauert. Insbesondere trifft dies auf den M.=G.=V.„Mozart“ zu, dessen Chorleiter L. Sanner 20 Jahre war und der ihn in Anerkennung seiner großen Verdienste zu seinem Ehrendirigenten ernannte. Möge den Eheleuten Sanner in ihrer neuen Heimat ein sonniger Lebensabend beschieden sein. ** Siegen, 19. August. An verschiedenen Stellen der Stadt ist die Reichspost jetzt daran, öffentliche Fernsprechzellen aufzubauen, so am Markt und an der Siegbrücke. Die Zellen werden automatische Apparate enthalten, die man nach Einwurf eines bestimmten Geldbetrages benutzen kann. Wir glauben, daß sich die Einrichtung bewähren wird. b. Siegen, 19. August. Wenn man auf der überführung in Richtung Tiergartenstraße einem Fußgänger ausweichen wollte, so konnte man von einem kleinen Problem sprechen, kam der eine Passant gar von der Bahn und war mit Koffern beladen, so war es nur möglich, daß der eine die„Versenkung“ des Fahrdammes aufsuchte, um dann wieder mit einer kleinen Kraftaufwendung den Bürgersteig zu erklettern. Nur ungern und gezwungen benutzte aber auch der Kraftfahrer diese Auffahrt zur überführung. Er mußte Rad= oder Achsenbrüche seines Wagens oder, wenn es gut ging, eine kleine Darmverschlingung befürchten. Jetzt soll dem übelstand abgeholfen werden. Der Bürgersteig ist schon beträchtlich erbreitert worden, zwar auf Kosten des anderen Bürgersteigs, der aber für den Fußgängerverkehr fast gar nicht in Frage kam. Der Fahrweg wird jetzt eine Asphaltdecke bekommen. Alle Vertiefungen werden also verschwinden, und eine glatte, für den Motorwagen= und Fußgängerverkehr brauchbare Straße wird dann als Fortsetzung der bereits fertiggestellten Tiergartenstraße entstehen. Landkreis Siegen X Weidenau, 19. Aug. In der vergangenen Nacht suchten Einbrecher mehrere Häuser der Schulstraße heim. Besonders hatten sie sich den Besitz des erblindeten Korbwarenhändlers Schlemper zur Beraubung ausersehen. Über eine Leiter gelangten sie von außen an das Fenster der Vorratskammer, dessen Vergitterung sie durchschnitten. Sie stahlen dort Lebensmittel. Ein vergittertes Kellerfenster öffneten sie auf die gleiche Weise, um in den Keller einzusteigen und den schon arg geschädigten Wohnungsinhaber auch noch um seine Vorräte an eingemachten Früchten und Gemüsen zu bringen. Diebstahl ist Verbrechen und verdient Strafe, aber wenn den in dieser Notzeit selbst schwer Ringenden ihr Letztes genommen wird, dann sollte die Strafe verdoppelt und verdreifacht werden. Die Einbrecher statteten dann noch mehreren Nachbarhäusern Besuche ab und erbeuteten auch dort Lebensmittel. Die Polizei hat die Ermittlungen nach den Tätern aufgenommen. * Hof Schreiberg b. Hilchenbach, 19. Aug. Vor 150 Jahren ereignete sich hier ein Unfall, über den die Dillenburgischen Intelligenz=Nachrichten wie folgt berichten: Den 30. Juli (1780) ist Johann Jacob Menn von Hoof Schreiberg von einem ohneweit hiesigen Flecken(Hilchenbach) befindlichen Kirschenbaum so gefallen, daß er den 31. des Morgens früh gestorben ist. Kreis Altenkirchen * Brachbach, 19. Aug. Unsere Gemeinde hatte am vergangenen Sonntag einen feierlichen Tag. Der hochw. Herr Pater Franz Utsch, der auf der Südseeinseln als katholischer Missionar wirkt, ist in seinen Heimatsort Brachbach für einen kurzen Erholungsurlaub zurückgekehrt. Das Wiedersehen war ein Freudentag für die ganze Gemeinde. Schon am Freitagabend, als der hochw. Herr mit seinem Bruder und Neffen, die ebenfalls Jünger des Herrn sind, am Bahnhof Brachbach eintraf, erwartete ihn eine große Volksmenge und begleitete ihn bis zur Wohnung. Der Sonntag wurde eingeleitet mit einem feierlichen Levitenamt in der Pfarrkirche zu Brachbach. Die Kirche war überfüllt, so daß die Gläubigen kaum des Geseierten Aufstellung nahm. Die Vereine begrüßten iyn mit passenden Liedern und Rektor Kappes durch eine warmherzige Ansprache. Der hochw. Pater, der den Darbietungen aufmerksam gelauscht hatte, war gerührt und dankte mit ergriffenem Herzen für den herzlichen Willkommgruß. Darauf folgte der Abmarsch ins Lokal Euteneuer, wo man noch einige schöne Stunden im Beisein der Geistlichkeit verbrachte. Pater Utsch kennt sechs Sprachen, die er in seinem großen Wirkungskreis bei den Schwarzen im fernen Erdteil gebrauchen muß. über seine Missionstätigkeit will er nach Möglichkeit Vorträge halten während seines Urlaubes in der Heimat. l. Wissen, 19. Aug. Bettler durchziehen in großer Zahl unseren Ort. An einem Tage hat man in einem Haushalt schon über 15 derartige Leute gezählt. Häufig sieht man die Bettler vollständig betrunken abziehen. Sie sind zu einer wahren Plage geworden. Die Bevölkerung würde gut tun, den Bettlern anstatt Geld Bettelschecks auszuhändigen. Dadurch wird dem Übelstande Abhilfe geschaffen. Dillkreis Vor 150 Jahren war man wohl noch der Ansicht, daß der Maulwurf ein durchaus schädliches Tier sei. Man suchte ihn deshalb auszurotten, wie aus folgender Anzeige der Dillenburgischen Intelligenz=Nachrichten vom 26. August 1780 hervorgeht: Anerbothene Arbeit. Christoph Reno und dessen Schwester Anne Marie aus dem Cölln. Amte Medenbach, besitzen eine besondere Fertigkeit die Maulwürfe wegzufangen, so daß in ganz kurzer Zeit eine ganze Gegend gereinigt ist. Sie befinden sich dermalen hier in Dillenburg. werden aber künftige Woche abgehen, um einige Dorfgemarkung in der Nachbarschaft von diesem Ungeziefer zu reinigen. Im Gasthauß zum Hirsch sind sie zu erfragen. )( Dillenburg, 19. Aug. Unter dem Drucke wirtschaftlicher Depression hat nunmehr am Samstag auch das hiesige Walz= und Puddelwerk seine Pforten geschlossen. Wie verlautet, soll Absatzmangel die Ursache der Schließung des Werkes sein. Leider steigt dadurch die Zahl der Erwerbslosen um ein beträchtliches wieder an. X Frohnhausen, 19. Aug. Zu dem von uns am Donnerstag gemeldeten Motorradunfall auf der Landstraße von Dillenburg nach hier, wo ein Radfahrer und der Motorradfahrer verletzt, der Mitfahrer auf dem Motorrad getötet wurde, teilt man uns mit, daß der Motorradfahrer nicht betrunken war, sondern infolge des Sturzes besinnungslos geworden ist. Im. Maumke bei Meggen, 19. August. Die Schlote rauchen, neues Leben ist wieder eingezogen! Nach einer 14tägigen Ruhepause hat die„Christinenhütte"(Wolf Netter u. Jacobi) den Betrieb heute aufgenommen. ist zwar nicht in vollem Umfange geschehen, aber wir wollen hoffen, daß die Aussichten sich bessern und die Arbeitslosigkeit bedeutend gemindert wird. ss. Aus dem Kreise Olpe, 19. Aug. Die Volksschulen des Kreises Olpe sind zugeteilt dem Schulaufsichtsbezirke Olpe(Schulrat Braun=Olpe) und dem Schulaufsichtsbezirke Weidenau(Schulrat Hoberg=Siegen). ke geh Kreise Olpe nur das Amt Kirchhundem. Nach der Gesamt=Statistik zählt der Kreis Olpe 9627 Schulkinder (gegen das Vorjahr ein Plus von 441). Davon sind 7247 katholisch, 469 evangelisch, 2 jüdisch und 3 religionslos. Sie werden unterrichtet in 245 Klassen von 167 Lehrern und 82 Lehrerinnen einschl. 2 techn. Lehrerinnen. Es sind vorhanden 189 Unterrichtsräume, es fehlen 56 Klassenzimmer. In den letzten 10 Jahren sind hinzugekommen 68 Räume. Insgesamt sind 85 Schulen im Kreise Olpe; davon sind 25 einklassig, 27 zweiklassig, 19 dreiklassig, 5 vierklassig, 1 fünfklassig, 2 sechsklassig, 3 siebenklassig und 1 achtklassig. hl alle Neubane bezugsfertig. Geplant sind Schulneubauten in Langenei, Hofolpe, Heinsberg und Rahrbach bei Welschenennest, Erweiterungsbauten in Iseringhausen, Lichtringhausen bei Attendorn, Maumke bei Förde und Theten bei Elspe. Unbesetzt sind zurzeit 2 Hauptlehererstellen(Langenei und Drolshagen), ebenfalls noch nicht endgültig besetzt mehrere Lehrer= und Lehrerinnenstellen. Nach den Berichten der Schulärzte ist der Gesundheitszustand der Schulkinder als günstig, im Vergleich zu den Vorjahren als gut zu bezeichnen. Vereine und Versammlungen. * Betzdorf, 19. Aug. Gestern abend hielt die Ortsgruppe vom Reichsbund der Kinderreichen eine Mitgliederversammlun gab, die schlecht besucht war, welches der Vorsitzende, Rektor Filszeck bei seiner Begrüßungsansprache tief bedauerte, umsomehr als es sich um den Kauf der Besatzungsmöbel handele. Nunmehr gibt die Ortsgruppe nochmals bekannt, daß sie für Samstag, den 23. August auf ein Schreiben des 1. Vorsitzenden zum Möbelkauf nach Frankfurt am Main eingeladen ist. Preise konnten noch nicht genannt werden, dagegen kosten Wolldecken 1 bis 5 Mark und Bettlaken und Tischtücher etwa 2 Mark. Wissen und Herdorf, die schon gekauft haben, sprechen sich lobend über die Beschaffenheit von Wäsche und Möbeln aus. Wer also kaufen will, hole sich bei Rektor Filszek eine Bescheinigung. Über die Wissener Kreistagung am Sonntag, machte der 1. Vorsitzende u. a. sehr bemerkenswerte Ausführungen. Die Tagung, die von 30 Vertreter der verschiedenen Ortsgruppen im Kreise besucht war, dauerte von 10 Uhr vormittgas bis 13 Uhr mittags. Die nächste Kreissitzung soll im Monat Oktober in Oberlahr bei Horhausen auf dem Westerwald stattfinden. Kassierer Hansen, Wissen, klagte über den verspäteten Eingang der monatlichen Zahlungen. Das Einsammeln der Beträge soll, auch in der hiesigen Ortsgruppe, von jetzt ab jeden Monat stattfinden. Es wurde daher ein warmer Appell an die Mitglieder gerichtet, so viel Gemeinsinn aufzubringen, daß durch pünktliche Zahlung die Zustellung des Bundesblattes monatlich gewährleistet würde. Der Kreisverband hatte an sämtliche Bürgermeister und Ämter ein Rundschreiben gefandt, mit der Bitte, bei der Geburt des 6. Kindes einen Zuschuß an die Familie zu bewilligen, wie es der Kreis Altenkirchen schon längere Jahre pflegt. Dem Kreisverband haben hierauf viele Bürgermeisterämter ihre Bereitwilligkeit zugesagt. Unter den wenigen Amter, die sich in Stillschweigen hüllten, gehörte bedauerlicherweise auch das Amt Betzdorf. Es ist öffentlich betont worden, daß sich viele größere Gemeinden und Städte in der Rheinprovinz bereit erklärt haben, beim 6. Kind eine Beihilfe von 50, 75, ja sogar 100 Mark zu gewähren. Erholungsbedürftigen Müttern stehen in der Rheinprovinz 30 Erholungsheime offen, wo sie nach all den Sorgen und Mühen die wohlverdiente Ausspannung genießen können. Die Kosten tragen je zur Hälfte der Kreis und die Provinz. Bedürftigen Müttern wird auch noch das Fahrgeld erstattet Er ärztliche Bescheinigungen beigebracht Mütter, die Erholung suchen wollen, müssen sich bei dem Ortsgruppenvorsitzenden melden, wo sie über das Nähere unterrichtet werden. m. Herdorf, 19. August. Anläßlich der 25jährigen subelfeier des Zentralverbandes christl. auarbeiter, Ortsgruppe Herdort, verKurse der Berliner Börse. Radioübermittlung.— Ohne Gewähr. Deutsche Anleihen Ablösung R. 1. 2 u. 8 Ablösung Neubes. 8% Dt. Wertb. 1928 6% Reichsanl. 1927 10% Pr. C-Bodenkr. Gold 10% Rh.-W. Bdkr. Gold 2 8% do. Ser. 4 Kurse in Go Schiffahrtsaktien Hamb. Amer.-Paket. do. Südamerika Hansa Dampf Nordd. Lloyd Bankaktien Barmer Bank-Verein Darmstädter Bank Deutsche Bank u. Discontogesellschaft Dresdner Bank Reichsbank Industrieaktieo Accumulator Alexanderwerk A. E. G. Baroper Walz. Basalt A. E. J. P. Bemberg Berger Tiefbau Bergmann Berl. Karlsruher Ind. Buderussche Eisenw. Charl. Wasser Daimler Motoren Dess. Gas(Dt.Conti-Gas) Deuteehe Erdol Dt. Eisenhandel Dortmund Union Dynamit Nobel Elektr. Lieferungs-Ges. Essen Steink. Farbenindustrie A.-G. Felten-Guilleaume Friedrichshütte Gelsenkirchener Bergw. Ges. f. elektr. Unt.-A.-G. Th. Goldsebmidt Hackethal Draht Hammersen Harpener Bergb.-G. Hoesch Eisen- u. Stahlw. Hoffmann Stärke Hohenlohe-Werke Holzmann Kali Aschersleben Klöckner-Werke Köln-Nenessen Kölsch-Fölzer-Werke Kronprins Metalle Lahmeyer Laurahütte Lindes Eis. Lüdensch. Metall Mannesmann Röhr. Mansfeld Nordd. Eis. Nordd. Wolle Ob. Eisenb.-Bd. A.-G. Orenstein& Koppel Peipers& Cie. Phönix Bergb. u. Hütten Reiehelbräu Rheinische Stahlwerke Rhein.-Weetf. Elektr. Rhein.-Westfäl. Spreng Rütgerswerke Sachsenwerk Sachtleben Schlegelbräu Schub.-Salzer Schuckert El. Schultheiß Siegen-Solinger Gußst. Siemens-Halske Thomee Fr. Walzwerk Verein. el. Busch-Jaeger Ver. Dt. Glanzstoff Vereinigte Stahlwerke V.Stahlw. v.Zyp.u. Wiss. Vogel Telegraph Westeregeln Westf. Drahtind.Hamm Westf. Kupfer Otavi Minen Frankfurter Kurse: Löhnberger Mühle Siegener Verzinkerei 15. Aug. 92.00 63.50 49 62 58.00 88.50 76.12 230.00 84.50 169.50 55.50 49.00 87.00 151.75 160.00 164.00 148.00 250.00 10.50 186.25 66.50 119.00 76.50 150.25 67.00 191.00 83.50 30.00 38.09 23.00 42.00 18. Aug65.25 49.00 58.00 88.50 76.50 228.00 86.00 170.25 50.62 87.00 153.50 160.00 170.00 149.50 251.00 10.75 190.00 66.50 117.75 77.12 150.75 68.00 194.00 83.50 32.00 38.12 23.00 42.00 Buenos-Alres Japan London New-York Rio de Janeiro Amsterdam Brüssel Ant. Budapest Danzig Helsingfors Italien Jugo-Slavien Kopenhagen Lissabon u.Oporto Oslo Paris Prag Schweis Sofia Spanien Stockholm Wien Devisen: Peso Yen Pfd. St. Dollar Milr. fl. Belga Pengö Guiden Fm. Lire Din. Kr. Eskudo Kr. Frca. Kr. Fr. Leva Pea. Kr. Schill. (in R.-Mark) 15. Aug. 18. Aug. Schluß- und Nachbörse, Die Börse schloß zu den höchsten Tageskursen. Elektrowerte lagen lebhaft und fest. Für die heutige Aufwärtsbewegung wurde unter anderem die Bezeichnung„Wahl-Hausse” geprägt, wobei der Wahlaufruf des Reichsverbandes der Deutschen InMetallbörse Berlin, 18. Aug. Elektro-Kupfer 105.25 Hütten-Alumininm 190.00 Reinnickel 350.00 Antimon 51.00—53.00 Feinsilber je kg 48.00—50.00 dustrie mitgesprochen haben mag. Nachbörslich hörte man Hapag und Lloyd je 93, Danat 181, A. E. G. 137, Farben 151¾, Schultheiß 254, Siemens 192¾, Rütgers 152, Gelsenkirchen 105, Reichsbank 246, Berger 279, Schlesische Gas 130,5, Neubesitz 73, Altbesitz 60,10. anstaltete das Kartell der christlichen Gewerkschaften von Herdorf und Umgegend am Sonntag eine große Kundgebung im großen Knappensaale. Unter Vorantritt der Kapelle des Musikvereins und des Tambourkorps des Kath. Jünglingsverein bewegte sich am Nachmittag ein großer Festzug zum Knappensaal. Nachdem die Kapelle des Musikvereins zwei Musikstücke und der Bergmann Leo Irlich einen sinnreichen Prolog vorgetragen hatte, hielt der Vorsitzende des Ortskartells, Gewerkschaftssekretär Mockenhaupt. die Begrüßungsrede. Im Namen des Gewerkvereins christlicher Bergarbeiter überbrachten Gewerkschaftssekretär Bonacker und Kollege Andre namens des Christlichen Metallarbeiterverbandes herzliche Glückwünsche. Letzter gedachte in besonders ehrender Weise des Jubilars Josef Bender. Nachdem die Gesangsabteilung des Kath. Jünglings= und Knappenvereins ein Lied vorgetragen hatte, hielt Landesgeschäftsführer des Gesamtverbandes der christlichen Gewerkschaften, Kollege Körner aus Köln, die Festrede. Hierauf ergriff Kaplan Schumann das Wort und hob hervor, daß die Gewerkschaften einen heißen, bitteren Kampf nach christlichen Grundsätzen zu führen hätten. Der Bezirksleiter des festgebenden Vereins, Sekretär Jung, gedachte gleichfalls des Jubilars Bender, der im Bezirk Altenkirchen den Zentralverband im Jahre 1905 gegründet habe, und überreichte ihm im Namen der Zentrale eine Ehrenurkunde nebst einer Silbernadel. Der Geehrte dankte dem Hauptvorstand für die Ehrung und erinnerte daran, daß vor 25 Jahren der Bauarbeiterverband mit einem kleinen Häuflein Mitglieder angefangen hätte. Der Präfekt des Kath. Jünglingsvereins, Knappschaftsbeamter Franz Löcherbach, ließ an die Jugend einen Mahnruf ergehen, sich doch den christlichen Gewerkschaften anzuschließen. Gewerkschaftssekretär Mockenhaupt dankte allen, die zum Gelingen der Feier beigetragen hatten, und brachte ein Hoch auf die christlichen Gewerkschaften aus. So verlief die denkwürdige Feier, die durch Liedervorträge der Gesangsabteilung des Kath. Jünglingsvereins, durch einen Sprechchor, ferner durch musikalische Darbietungen der Kapelle des Musikvereins verschönt wurden, in wahrhaft erhebender Weise. Schlafzimmer=Geschichten. Von Dr. med. Curt Kayser. Das Schlafzimmer ist das Heiligtum unserer Wohnung. Was zwischen seinen vier Wänden vorgeht, geht niemanden etwas an. Einzig dem Arzt gebührt das Vorrecht, in seine Geheimnisse eindringen zu dürfen. Und das von Rechts wegen! Ist es doch derjenige Raum unserer Wohnung, in dem wir uns täglich viel länger aufhalten, als in den anderen Räumen. Darum muß für eine gesundheitsgemäße Beschaffenheit des Schlafzimmers für gesunde wie für kranke Tage besonders Sorge getragen werden, und hierzu bedürfen wir des ärztlichen Rates. Zunächst soll man zum Schlafzimmer möglichst den größten und ruhigsten Naum der Wohnung wählen und darauf bedacht sein, in einem Schlafzimmer nicht viele Menschen unterzubringen. Man richte gegebenenfalls für die Familienmitglieder mehrere Schlafzimmer ein und scheue nicht davor zurück, auch die „gute Stube“ zu opsern für eine zeitweilige Benutzung als Schlafraum. Es braucht wohl hier nicht betont zu werden, daß jeder Mensch sein eigenes Bett haben muß. Leider ist in Deutschland diese Grundforderung aller Hygiene durchaus noch nicht allenthalben erfüllt. Die Bettstelle soll gerade, glatte Linien zeigen, die sich leicht von Staub reinigen lassen. Besonders zweckmäßig ist eine Bettstelle aus Metall, weil sie neben bequemer Reinigungsmöglichkeit das Einnisten von Ungeziefer unmöglich macht. Die Matratze sei mehrteilig, leicht herausnehmbar und hart. Letzteres ist besonders für den Säugling und das Kleinkind von Bedeutung, weil durch die harte Matratze die Wirbelsäule eine feste Unterlage bekommt und so der Möglichkeit einer Wirbelsäulenverkrümmung vorgebeugt wird. Eine Unsitte ist es, das Bett mit einem großen Bau von Federbetten aufzufüllen, wie das leider auf dem Lande noch häufig üblich ist. Solche überfüllung mit Betten verhindert genügenden Luftzutritt, begünstigt die Schweißbildung und schafft künstlich eine Erkältungsgefahr. Für den gesunden, jugendlichen Menschen ist es hygienisch richtig, sich möglichst nur mit einer wollenen Decke oder Steppdecke, und im Winter allenfalls noch außerdem mit einem Plumeau zuzudecken. Auch soll man ein flaches hartes Kopfkissen benutzen. Aus gesundheitlichen Gründen sorge man dafür, daß zum Füllen von Betten und Kissen nur gereinigte Bettfedern oder entkeimte Watte benutzt wird. Reinliche, möglichst oft gewechselte Bettwäsche ist ein hygienisch ebenso dringendes Erfordernis, wie das tägliche Auslüften des Bettinhalts. Dabei machen unsere Hausfrauen häufig den Fehler, daß sie das Bettzeug hoch aufeinander geschichtet ins Fenster legen. Die Betten müssen vielmehr beim Auslüften frei liegen oder stehen, um so von allen Seiten Luft und Sonne Zutritt zu gewähren. Für das Auslüften der Betten genügt im allgemeinen ein Zeitraum von etwa einer Stunde. Allzuviel Klopfen der Betten ist unzweckmäßig, da Bettfedern wie Roßhaar dabei nur zerklopft werden und Staub in sich aufnehmen. Empfehlenswert ist dagegen ein häufigeres feuchtes Abbürsten sowie das Auflockern der Matratze und Polster, wenn man nicht mit dem hygienisch einwandfreien Staubsauger die Reinigung vorzunehmen in der Lage ist. Überhaupt verdient die tägliche Reinigung des Schlafzimmers besonders hygienische Sorgfalt. Der Staub des Fußbodens darf nur feucht, am besten mit feuchten Tuche, aufgenommen werden. Teppiche und Bettvorleger sind als Staubfänger im Schlafzimmer zu verwerfen. Als Fußbodenbelag wähle man möglichst Linoleum, das leicht zu reinigen ist und bakterientötend wirkt. Handel und Industrie. Siegen-Solinger Gußstahl-Aktienverein. Wie die Vossische Zeitung hört, hat der Aktienverein sich wieder von der Lippischen Fahrradindustrie zurückgezogen. Der Grund hierfür soll darin liegen, daß das Bankhaus Gebrüder Stern, Dortmund, den Siegen-Solinger Gußstahlverein über die Verhältnisse bei der Lifa eingehend unterrichtet habe. Die beiden Vertreter von Siegen-Solingen haben ihre Ämter im Aufsichtsrat der Lifa niedergelegt. Reise und Verkehr. Bad Salzuflen. Das wegen seiner kohlensäurereichen Thermal= und Solquellen berühmte Bad beherbergte in dieser Saison bereits mehr als 20000 Kurgäste; es ist daher auch in diesem Sommer das meistbesuchte Bad des Weserberglandes und steht an 5. Stelle unter den deutschen Bädern überhaupt. Unter der stattlichen Zahl der Kurgäste befindet sich ein großer Teil von solchen, die mit seltener Treue seit Jahren Bad Salzuflen für ihren jährlichen Erholungsurlaub wählen und zu einer Auffrischungskur benutzen. Sie verbinden so das Angenehme mit dem Nützlichen, denn Bad Salzuflen erweckt vorwiegend einen heiteren Eindruck; man sieht wenig Menschen, deren Leiden oder körperliche Hinfälligkeit äußerlich gekennzeichnet wären. Die merkwürdig entspannende und beruhigende Atmosphäre des Ortes selbst, in dem sich die Weitläufigkeit der modernen Terrassen, Säle und Wandelhallen, die auch an unfreundlichen und kühlen Tagen viel gungsfreiheit bieten, verbindet sich mit einer ländlichen Frische und Unberührtheit der schönen gebung. Gold fische gratis! Liebe Kinder!— jawohl, morgen ist wieder Kindertag, selbstverstanane—— Ihr könnt morgen die Goldfische aus dem Springbrunnen fischen! Wenn Eure Mutter für 3.- Mk. gekauft hat, bekommt Ihr einen Goldfisch! Der Kassenzettel gilt als Auswels Übrigens—— habt Ihr Euch alle an unserer Preisfrage betelligt? Bis morgen um 10 Uhr könnt Ihr noch schätzen, wieviel Fische Im Brunnen sind. Nach 10 Uhr nehmen wir kelne Lösung mehr an! Ach sol— Ihr kleinen Leckermäulchen— jetzt wollt Ihr wissen, was es im Erfrischungsraum gibi: 1 Tasse Milch und einen großen Sahneballen... für nur 15.8 Die Onkels, welche immer die schöne Musik machen, wollen morgen mal alles splelen, was Ihr wollt. Ihr brauchl nur dem Servierfräulein Eure Wünsche vorzutragen. (Wenn das gewünschle Stück vorgelragen worden ist, müßl Ihr aber feste klatschen, das haben die Onkels gera) ETA Ehescheidungsfragen. Ein Streifzug durch die jüngste Rechtsprechung des Reichsgerichts. Die Ehescheidungsgründe des Bürgerlichen Gesetzbuches zerfallen in„assolute“ oder„unbedingte“ und in„relative“ oder„bedingte“ Scheidungsgründe. Erstere begründen die Scheidung unter allen Umständen, es bedarf vor allem keiner Feststellung, daß durch die Verfehlung die Ehe zerrüttet ist und daß dem unschuldigen Teil die Fortsetzung der Ehe nicht zugemutet werden kann. Hierher gehören aber nur: Ehebruch, Doppelehe und widernatürliche Unzucht (§ 1565 BGB.), ferner Lebensnachstellung(§ 1566— nicht auch bloße Mißhandlung, bei der die Tötungsabsicht fehlt) und bösliche Verlassung(§ 1567). Relative Scheidungsgründe dagegen sind solche, die eine Scheidung nur dann begründen, wenn festgestellt wird, die Verfehlung habe die Ehe so tief zerrüttet, daß dem unschuldigen Teile die Fortsetzung der Ehe nicht zugemutet werden kann(§ 1568). Das Gesetz zählt die Verfehlungen, die als relative Scheidungsgründe in Betracht kommen, nicht im einzelnen auf, wie dies bei den„absoluten“ Gründen der Fall ist, sondern stellt nur den allgemeinen— in § 1568 verankerten— Grundsatz auf: Ein Ehegatte kann auf Scheidung klagen, wenn der andere durch schwere Verletzung der durch die Ehe begründeten Pflichten oder durch ehrloses oder unsittliches Verhalten eine so tiefe Zerrüttung des ehelichen Lebens verschuldet hat, daß dem Ehegatten die Fortsetzung der Ehe nicht mehr zugemutet werden kann. Hierher gehören eine Unzahl von Tatbeständen, so z. B. Mißhandlung, Beleidigung, Verweigerung der ehelichen Beiwohnung, Vernachlässigung des Haushalts und dergleichen mehr. Während bei den absoluten und relativen Ehescheidungsgründen Verschulden vorliegen muß. kann in einem Falle die Ehe ohne Vorliegen eines solchen geschieden werden, nämlich wegen Geisteskrankheit(§ 1569).— Sehr zu beachten sind schließlich die Vorschriften über den Verlust des Scheidungsanspruches, insbesondere durch Verzeihung(§ 1570) und durch Zeitablauf (§ 1571). Der Scheidungsanspruch erlischt, wenn nicht 6 Monate nach Kenntnis des Scheidungsgrundes die Klage erhoben wird. Die Verzeihung ist nicht etwa ein„Rechtsgeschäft“, sondern kann in jeder Handlung erblickt werden, aus der zu schließen ist, daß, der klageberechtigte Ehegatte die Ehe überhaupt nicht oder nicht mehr für zerrüttet hält.(Typisches Beispiel dafür: Fortsetzung der ehelichen Beiwohnung in und trotz Kenntnis des Ehescheidungsgrundes.) Zur Frage der Verzeihung hat das Reichsgericht in einem neuen Urteil(VIII. Senat, Aktenzeichen VIII 49/30 vom 7. April 1930) wiederum grundsätzlich Stellung genommen, in dem es im wesentlichen ausführt, die Verzeihung sei die Äußerung des inneren Voraanaes des Ehegatten, daß er die Ehe nicht mehr als durch das Verhalten des anderen Ehegatten zerrüttet empfindet. Demnach ist die Verzeihung(wie schon oben als herrschende Rechtsmeinung gekennzeichnet) überhaupt kein Rechtsgeschäft, insbesondere nicht etwa eine empfangsbedürftige Willenserklärung, wie man sie z. B.— man verzeihe den Vergleich— in einer Kündigung zu erblicken hat. Maßgeblich für das Vorliegen des„Verzeihens“, wodurch der Scheidungsanspruch untergeht, ist vielmehr ausschließlich die versöhnliche Gesinnung des verletzten Ehegatten und seine Bereitwilligkeit, die Ehe fortzusetzen. Es kommt also nicht auf seine wörtlichen Erklärungen, auch nicht etwa darauf an, wie der andere Ehegatte diese aufgefaßt hat.(Dieser Schluß ergibt sich daraus, daß die Verzeihung kein Rechtsgeschäft, insbesonders keine Willenserklärung ist.) Der Verzeihungswille braucht dem anderen Gatten gegenüber gar nicht einmal geaußert zu werden. Einzig und allein ausschlaggebend ist vielmehr der aus dem Verhalten des verletzten Ehegatten objektiv zu entnehmende Wille, die Verfehlung des anderen nicht weiter gelten zu lassen. Die große Bedeutung dieser Entscheidung liegt auf der Hand. Ein umfassendes Rechtsprechungsgebiet findet man in der oben erläuterten Vorschrift des§ 1568(Verschuldete Zerrüttung des ehelichen Verhältnisses). Hierzu seien zwei neue, für die Praxis bedeutsame Urteile des Reichsgericht skizziert. In dem Urteil vom 14. April 1930, VIII 101/30 wird ausgeführt: Eine schwere Eheverfehlung im Sinne des§ 1568, die also einen Scheidungsanspruch gibt, kann vorliegen, wenn ein Ehegatte— obschon er weiß, daß der andere Gatte den Verdacht des Ehebruchs oder ehewidriger Beziehungen zu einer bestimmten Person hegt— den Verkehr mit dieser Person fortsetzt. Dabei komme es nicht darauf an, ob solche ehewidrige Beziehungen in der Tat festzustellen sind! Es verstößt nach Ansicht des Reichsgerichts schon schwer gegen die aus dem Wesen der Ehe sich ableitenden Pflichten, wenn ein Ehegatte im anderen begründete Zweifel an seiner ehelichen Treue hervorruft. Also— Vorsicht— Strohwitwer und Strohwitwen! Scherz beiseite—, das Urteil ist insoweit verblüffend, als es den Begriff schwerer Eheverfehlung sehr weitgehend auslegt. Dem in ihm verankerten Grundsatz kommt aber eine im Interesse der Volksmoral wünschenswerte Bedeutung zu, ohne Rücksicht darauf, ob man das Wesen der Ehe unter religiösem Gesichtswinkel betrachtet oder nicht. Mit der Zuneigung zu alkoholischen Getränken beschäftigt sich ein anderes neues Urteil (VIII 73/20 vom 28. April 1930). Daß die Scheidung— gestützt auf§ 1568— bei krankhafter chronischer Trunksucht mit den entsprechenden geistigen Veränderungen gerechtfertigt ist, wurde bereits in früheren Entscheidungen des Reichsgerichts festgestellt. Aber nicht nur in solchen Fällen, sondern auch dann besteht der Scheidungsanspruch, wenn der andere Ehegatte (der Scheidungsgegner) eine zwar vielleicht nicht unverbesserlichen und unheilbaren, aber doch beharrlichen Vorliebe für geistige Getränke in einem Maße verfallen ist, das nach den Erfahrungen des Lebens für den anderen Ehegatten einen mit den sittlichen Anforderungen der Ehe nicht zu vereinbarenden Zustand begründet und als ehrlos und unsittlich bezeichnet werden kann, mag der beklagte Scheidungsgegner es bisher— trotz seiner„alkoholischen Neigung“ auch fertig gebracht haben, sich in seinem Berufe einwandfrei zu halten.(Abdruck der Urteile:„Das Recht“, 1930, Nr. 1513—1515.) Aus diesem Urteilstenor darf man anderseits nicht schließen, daß etwa der „tägliche Stammtisch“ schon ein schwieriges Verhalten nach§ 1568 BGB. begründet. Man wird überhaupt vorsichtig sein müssen, die Scheidungsklage auf beharrliche Vorliebe für geistige Getränke zu stützen. Denn sobald begründet diese keinen Zustand, der als ehrlos und unsittlich bezeichnet werden kann. Hinsichtlich des Erlöschens des Scheidungsanspruches sei bemerkt, daß die Frist, innerhalb der die Klage erhoben werden muß, nicht läuft(d. h. gehemmt ist), solange die häusliche Gemeinschaft der Ehegatten aufgehoben ist. Der unschuldige Ehegatte, der sich von dem schuldigen trennt, soll eben nicht gezwungen werden, alsbald(d. h. binnen 6 Monaten nach Kenntnis des Scheidungsgrundes) zur Klageerhebung zu schreiten, was oft an der Kostenfrage scheitern kann. Der schuldige Ehegatte kann nicht etwa die Frist dadurch wieder in Laufbringen, indem er den zur Klage berechtigten Ehegatten auffordest. die häusliche Gemeinschaft wiederherzustellen. Dr. von Hoffer. Wetterbeobachtungen. Barometerstand. (234 Meter über Seehöhe) am 19. August 1930. Bei der rumänischen Station Seceleanu auf Zwei Schnellzüge stoßen zusammen. der Strecke Bukarest—Konstanza stießen, Eilzüge zusammen. wie gemeldet, infolge falscher Weichenstellung zwei Blüten der Technit Umschaltbare Glühlampen. Es werden jetzt Glühlampen hergestellt, die mit zwei Leuchtstärken glühen. Die Lampen leuchten z. B. mit 25 Kerzen und mit 5 Kerzen Leuchtkraft. Sie haben in dem Einschraubkopf eine kleine Umschaltvorrichtung, die sich durch einen Schnurzug betätigen läßt. Die Verringerung der Leuchtkraft auf 5 Kerzen wird besonders in Krankenzimmern wohltuend empfunden. * Ein und eine halbe Million Schreibmaschinen sind zurzeit in Deutschland im Betrieb. * Die längste Straße der Welt ist die Western Avenue in Chicago. Sie ist 30 Kilometer lang, also nur um 7 Kilometer kürzer als die Distanz zwischen Leipzig und Halle. Da sie von einem Ende der Stadt zum anderen führt können wir uns gleich einen Begriff von der Ausdehnung Chicagos machen. Das größte Segelflugzeug der Welt baut die Luftfahrvereinigung Meiningen nach den Entwürfen von Ingenieur Benz, Meiningen. Es besteht aus 15000 Einzelteilen, hat eine Spannweite von 22 m und eine Länge von 8 m. Das Leergewicht beträgt 165 kg. Vorwärts rudern kann man mit einem neuen Schiebe=Ruderapparat, der auf der„Ama“ 1930 in Potsdam vorgeführt wurde. Infolge der Hebelwirkung ist es möglich, mit dem Gesicht zur Fahrtrichtung zu rudern und dadurch den Steuermann zu sparen. * 5450 000 Mark Honorar erhielten im Jahre 1929 die nicht dauernd, sondern nur vorübergehend beim Rundfunk engagierten Mitwirkenden. Verantwortlich für die Politik und das Feuilleton Walter Weilshaeuser in Siegen, für den übrigen Teil H. Vlitsch in Siegen. Berliner Redaktion: Berlin NW 21, Handelstraße 21(am Tiergarten), Fernrufe Hansa 4354 und 4334. Barometerstand des vorhergehenden Tages: Sonnenaufgang 5.18 Uhr, Sonnenuntergang 19.44 Uhr. Mondaufgang 23.20 Uhr. Monduntergang 16.15 Uhr. Die Tiefdruckgebiete, die sich gestern noch über England und Finnland befanden, füllen sich auf. Luftdruckanstieg, dessen Ursache sich in hohen Schichten der Atmosphäre befindet, läßt auch weiterhin die Ausläufer der Tiefdruckstörungen bei uns nicht zur vollen Wirksamkeit gelangen und bedingt eine stetige Besserung des Wetters. Zunächst sind allerdings vorübergehende Störungen noch nicht ausgeschlossen. Das Wetter von gestern: Nach einem schönen, sonnigen Tag fing es abends wieder an zu tropfen, was die Hoffnung auf andauerndes schönes Wetter um ein bedenkliches herunterschraubte. Der höchste Thermometerstand während des gestrigen Tages betrug+ 21 Grad, der niedrigste während der vergangenen Nacht+ 16 Grad Celsius. Wetteraussichten für Mittwoch: Weitere Besserung. Bären E Schaes A Graupein Nebel E Gewitter QMindsille.Q3 Eichter Os nassiger 30snowestOstormische cordwest die diene lliegen mit gem Vinge. Dle dergen Stationen 3tenengen Zah les geden die Temperatur an Ole Linien verbinden Orte mit gielchem amderechneten Luftdrach Schuh-Reparatur-Werk»anlas Siegen. Kölner Tor 14. Nähe Siegbrücke. Prima Kernleder— Beste Verarbeitung Herren-Sohlen 3.30, Damen-Sohlen 2.50, Absätze v. 1.20 an. Absätze v. 0.80 an. öffentliche Aufforderung zur Abgabe einer Erklärung über die Aufsichtsratstantiemen. Auf Grund des§ 8 Abs. 2 der Verordnung vom 26. Juli 1930(Reichsgesetzbl. I S. 311) sind Mitglieder des Aufsichtsrats(Verwaltungsrats) von Aktiengesellschaften, Kommanditgesellschaften auf Aktien. Gesellschaften mit beschränkker Haftung, Genossenschaften und von sonstigen Kapitalgesellschaften und Personenvereinigungen des privaten und öffentlichen Rechts verpflichtet, die Aufsichtsratstantiemen, die sie im Kalenderjahr 1929 oder in einem Wirtschaftsjahr 1928/29 erhalten haben, dem Finanzamt anzumelden; anzugeben sind alle Vergütungen(Tantiemen) oder unter sonstiger Benennung gewährte Bezüge, geldwerte Vorteile und Entschädigungen, und zwar die Bruttobezüge; Werbungskosten oder andere Ausgaben dürfen also nicht abgezogen werden. Die Anmeldungen sind in der Zeit vom 25. Aug. bis 5. September 1930 bei dem für die Veranlagung der Einkommensteuer zuständigen Finanzamt ohne besonderes Formular abzugeben. Wer die Frist zur Abgabe der Erklärung versäumt, kann mit Geldstrafe zur Abgabe der Erklärung angehalten werden; auch kann ihm ein Zuschlag bis zu 10 v. H der Reichshilfe auferlegt werden.(§143 Münster, den 14. August 1930. Der Präsident des Landesfinanzamts Dr. Ronge. Pflanzen-Rohsäfte sind von erstaunl. Wirksamkeit: Knoblauch geg hoh. Blutdruck und Arterienverkalkung. Spinatsaft u. Möhrensaft hervorrag. fur Kinder. Verlang. Sie Broschüre. Alleinvertretung: Reformhaus Sandstraße 5. Inh.. A. Durst Gerade das Gegenteil ist der Siesagen: Es fallt mir zwar schwer, ohne Brille zu lesen Ich sage: Achtung! Achtung! Hausfrauen! Zwangsversteigerung. Am Mittwoch, dem 20. 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Gerade das Gegenteil: Durch Tragen einer Brille, die Ihren Augen richtig angepaßt ist, verschaffen Sie sich wesentliche Erleichterung. Können Sie diese Schrift noch ohne Anstrengung lesen? Wenn nicht, dann lassen Sie Ihr Auge frühzeitig prüfen, damit das wertvolle Organ keinen Schaden erleidet! Gustav Inh. Paul Fuchs Staatl. geprüfter Optiker Marburger Str. 15. Lieferant sämtlicher Krankenkassen. Bedienung durch mich persönlich oder durch meinen Diplom=Optiker. Jede ärztl. Verordnung findet sorgfältigste Erledigung. Von einem Feinblechwalzwerk im westfälischen Industriegebiet wird ein Obermeister gesucht, der mit der Herstellung sämtlicher Blechsorten im Warm= und Kaltwalzbetrieb vertraut ist. 796 Schriftliche Bewerbungen mit Lebenslauf, Zeugnisabschriften und Angabe der Gehaltsforderung sowie des frühesten Eintrittstermines unter H 139 an die Geschäftsstelle der Siegener Ztg. Die letzten frischen, zarten Einmachbohnen Woll=, Speck= u. Stangen=Wachsbohnen verkaufe ich morgen spottbillig; ebenfalls billige(149 Einmachgurken in den Filialen Hermelsbacher Weg Eiserner Straße, Pfarrstraßze und auf dem Wochenmarkt. Frau Adolf Strohm, Daubhausen. ReichwaldsEcke Beim Kreise Siegen soll die Stelle des(§143 2. Hausmeisters mit einem verheirateten Kraftwagenführer, der den Dienstkraftwagen zu führen und in Ordnung zu halten, die Reinigung eines Teiles des Kreishauses und die Bedienung der Zentralheizung zu versehen und Botengänge zu verrichten hat, besetzt werden. Bewerbungen mit Lebenslauf und Zeugnisabschriften sind bis zum 25. August einzureichen. Der Landrat. Fahrscheine Fluyscheine Platz-und Bettkarten zu Originalpreisen besorgt Auskunftstelle Vorländer am Bahnhol Deffentliche Mahnung zur Zahlung folgender Rückstände: 1. Grundvermögens- und Hauszinssteuer für den Monat August 1930. 2. Vorauszahlung auf die Gewerbesteuer vom Ertrage und Kapital für das II. Viertel 1930 (Juli—September 1930). 3. Schulgeld für Gymnasium und Oberlyzeum bis einschl. August 1930. 4. Schulgeld für Höhere Handelsschule, Städtische Handelsschule, Höhere Fachschule für Frauenberufe und Haushaltungsschule bis einschl. August 1930. 5. Hundesteuer für das II. Viertel 1930(Juli—September). Die mit der Entrichtung der vorgenannten Abgaben im Rückstand gebliebenen Zahlungspflichtigen werden hiermit aufgefordert, die Zahlung der Rückstände zur Vermeidung der zwangsweisen Beitreibung nunmehr umgehend zu leisten. Wir weisen nochmal auf die Bekanntmachung des Magistrats vom 14. 6. 1930 hin, wonach mit Wirkung vom 1. Juni 1930 an ein staatl. Zuschlag in Höhe von 100 v. H. der veranlagten Grundvermögenssteuer erhoben wird.(§131 Eine Behändigung von Mahnzetteln findet nicht statt. Siegen, den 19. August 1930. Die Stadthauptkasse Siegen als Vollstreckungsbehörde. Elektro- u. zahlbar in Giusherde bequemen Raten J. G. Reichwald Siegen. Markt 51/53. Fernsprech-Sammelnummer 5326 und 3702. 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Grey, der bei Eintritt Englands in den Weltkrieg Außenminister war, hat in seiner Rede ausgeführt, die Wirtschaftskatastrophe Europas gehe auf die Folgen des Krieges zurück, den alle Mächte verloren hätten. Vertrauen und Wiederaufbau komme aber nur, wenn man heute nach 16 Jahren ruhiger die Schuld am Krieg von neuem überprüfe. Türken und Perser. Von un eren Korrespondenten. Berlin, 19. August. Das Berliner Tageblatt meldet aus Konstantinopel, die optimistische Erklärung der türkischen Regierung laute, daß die diplomatische Vorarbeit für eine türkischpersische Zusammenarbeit in der Kurdenfrage fortschreite(?). Man bestreitet auch, daß türkische Operationen auf persischem Gebiet stattfinden. In ähnlich beruhigendem Sinne äußerte sich gestern der türkische Botschafter in Berlin. Im Gegensatz zu diesen beruhigenden Meldungen steht ein Telegramm der Londoner Times von ihrem Sonderkorrespondenten in Teheran. Es lautet:„Die Kurden leisten den Türken verzweifelten Widerstand. Immer neue Stämme treten ihnen bei. In Täbris ist alles im Aufstand.“ kg. London, 19. August. Wie Daily Herald meldet, hat England die Beilegung des türkisch=persischen Konfliktes übernommen. Beim Außenminister finden seit Donnerstag die entscheidenden Beratungen statt. Nach dem Eintreffen des persischen Gesandten in Berlin, Exzellenz Farzine, in London weilen jetzt sechs persische Gesandten Europas in London. S. Mailand, 19. August. Corriere della Sera meldet aus Teheran, bei Kotan haben die Türken auf persischem Gebiet eine Niederlage erlitten. Die Kurden haben ein türkisches Regiment durch überfall aus den Bergen aufgerieben. Die Türken sind mit Zurücklassung von Hunderten von Toten und Verwundeten auf türkisches Hoheitsgebiet von Wan geflohen. Der Brief Gandhis. Meldung von Wolffs Telegr.=Büro. London, 19. August. Nach Abschluß der Friedensbesprechungen im Gefängnis von Poona hat Gandhi am letzten Freitag einen Brief an den Vizekönig von Indien gerichtet. Der diplomatische Korrespondent des Daily Telegraph will wissen, daß der Brief folgenden Inhalt hat. Gandhi erklärt, er sehe ein, daß der Vizekönig und die britische sozialistische Regierung angesichts der starken konservativen und liberalen Opposition vielleicht nicht imstande sein werden, Indien gegenüber die Gewähr dafür zu übernehmen, daß das Ergebnis der Konferenz am runden Tisch wirkliche Unabhängigkeit, d. h. der Status eines Dominions, sein wird. Er verlange aber, daß der Vizekönig und die britische Regierung sich verpflichten, diese Politik am Konferenztisch offiziell zu der ihrigen zu machen. Wenn eine solche Verpflichtung übernommen und durch Gewährung einer Amnestie für alle politischen Gefangenen bekräftigt werden würde, dann würden die indischen Nationalistenführer bereit sein, die jetzt im Gange befindliche Bewegung einzustellen. In einem Leitartikel nennt Daily Telegraph diese Mitteilung ein Ultimatum und sagt, sie bedeute nur eine Wiederholung der„unsinnigen Forderungen,“ die schon vor Monaten gestellt wurden. Das Programm Gandhis sei lediglich insofern geändert worden, als er jetzt nicht mehr dem britischen Parlament, sondern der britischen Regierung ihre Politik vorschreibe. Der von gemäßigten indischen Politikern unternommene Friedensschritt sei also vergeblich gewesen, und die indische Regierung habe lediglich weiterhin ihre Pflicht zu tun. Kurze politische Nachrichten. Die Butterzollverhandlungen zwischen Finnland und Deutschland sind gestern in Helsingfors wieder aufgenommen worden. Der Reichszuschuß für die Kosten des Völkerbundes ist im laufenden Etatsjahr um ½ Million Mark gestiegen. Die Gesamtsumme für den Völkerbund, die auf Deutschland entfällt, beträgt jetzt 2,7 Millionen Mark. Von den Medizinischen Fakultäten sind Gutachten über die Frage der Einführung eines Numerus clausus beim zahnärztlichen Stuium eingefordert worden. Der Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung bat auf Grund der eingegangenen Äußerungen von der Einführung des Numerus clausus zunächst noch abzusehen. Die Landtagsanfrage des Abg. Levy(Natsoz.) wegen eines nicht pflichtgemäßen Verhaltens des Regierungspräsidenten Piesten bei dem Brückenunfall in Koblenz hat insofern schon eine teilweise Beantwortung gefunden, als in einem Prozeß festgestellt wurde, daß zum mindesten Telephongespräche wegen Hochziehens der Brücke auf Veranlassung Piestens oder von ihm selbst nicht geführt sein sollen. Man wird die Antwort der Regierung abwarten müssen.S Die neuen Annäherungsbesprechungn, die am Sonntag in Berlin stattfanden, haben, wie vorauszusehen war, einen Erfolg nicht gebracht. Die Wirtschaftspartei lehnt gemeinsame Aufrufe und Listenverbindungen ab, weil sie ausschließlich eine berufsständische Vereinigung sei. S Auf Grund von Verhandlungen ihrer Führer mit dem Reichsinnenministerium wurde der Konservativen Volkspartei für die Reichstagswahlen die Liste 16 zugeteilt. Der Aktionsausschuß der Staatspartei für Potsdam I einigte sich dahin, daß Potsdam I der Volksnationalen Reichsvereinigung(Mahraun=Gruppe) zugesprochen werden soll, weil die Wahlkreise Berlin, Potsdam II und Frankfurt an der Oder schon demokratische Spitzenkandidaten haben. Georg Bernhard, der von den Demokraten als Spitzenkandidat vorgeschlagen worden war, ist also endgültig abgesetzt. Die in Schleswig=Holstein geführten Verhandlungen zwischen der Deutschen Volkspartei und der Deutschen Staatspartei über die Bildung einer gemeinsamen Front der bürgerlichen Parteien Schleswig=Holsteins sind abgebrochen worden, ohne zu einem Ergebnis geführt zu haben.S Die Reichsliste des Zentrums wird geführt durch Brüning und Kaas. Dann folgen an sicheren Stellen als Vertreter der Industrie Geheimer Finanzrat a. D. BürgerKöln und Florian Klöckner, als Vertreter der Frauen Dr. Peerenboom=Düsseldorf und August Winkler=Köln, der Vorsitzende des Reichsjugendausschusses der Deutschen Zentrumspartei. Die Spitzenkandidaten der Deutschnationalen Volkspartei des Landesverbandes Arnsberg für den Wahlkreis Westfalen=Süd Nr. 18 sind: Hugenberg als Führer der Partei(auch aufgestellt in seinem alten Wahlkreis Westfalen=Nord, wo er das Mandat annehmen wird), Superintendent Koch, Regierungsrat Kruft=Hattingen, Gutsbesitzer F. Kühl=Vellinghausen, Frau H. Hoffmann=Bochum, E. Stadtler, Schriftsteller, Berlin, Arbeiter Bald, Weidenau, Malermeister Schaaf=Gevelsberg. Die Kandidaten der S. D. D. für Westfalen=Süd sind: Husemann=Bochum, Alwin BrandesBerlin, Vorsitzender des Deutschen Metallarbeiterverbandes, Frau Schulz=Herne, Redakteur Fritz Henßler und der Metallarbeiter Walter Ottinghaus=Hagen. Der Vorsitzende der Königsberger demokratischen Partei, Bialluch, ist zur Sozialdemokratie übergetreten.S Gegen das Urteil des Schöffengerichts Jtzehoe vom 11. August haben Staatsanwalt und Angeklagter Berufung eingelegt.S Nach dem Ausweis der Reichsbank vom 15. August hat sich in der zweiten Augustwoche die gesamte Kapitalanlage der Bank in Wechsel und Schecks, Lombards und Effekten um 148,8 Millionen auf 1596,4 Millionen Reichsmark verringert.S In den Berliner Fabriken werden gelernte Facharbeiter für Sowjetrußland angeworben. Ein erster Trupp von 56 Arbeitern aus der Metallindustrie und der Elektro=Industrie soll am 28. August aus Berlin abfahren. Die Kündigung des Lohnabkommens im Ruhrbergbau zum 30. September ist entsprechend dem kürzlichen Beschluß des Zechenverbandes am Montag den Gewerkschaften zugegangen. Die ersten Verhandlungen über den neuen Abschluß eines Lohntarifvertrages zwischen den Tarifkontrahenten sind auf Montag, den 25. August, 14½ Uhr angesetzt.S Der Kündigung der Ruhrtarife soll bis Mitte September die Kündigung der Tarife in den übrigen deutschen Kohlengebieten folgen. Ausgerechnet vor den Wahlen beginnen wir mit dem Lohnabbau, während der Preisabbau immer noch in den Wolken schwebt.S Das Institut für Konjunkturförderung behandelt den Stand der Wirtschaft im rheinisch=westfälischen Industriegebiet Mitte August 1930. Danach ist die Abwärtsbewegung der rheinisch=westfälischen Produktionswirtschaft noch nicht zum Stillstand gekommen. Der weitere Rückgang der Erzeugung erstreckt sich in erster Linie auf die Produktionsmittelindustrie. Die Zahl der Arbeitslosen sei am 15. August gegenüber dem Vorjahre mehr als verdoppelt. Der Schiedsspruch über den Manteltarif für die oberschlesischen Eisenhütten ist für verbindlich erklärt worden.S Die Bank von Danzig hat mit Wirkung ab 19. August ihren Diskontsatz von 4½ auf 4 Prozent und ihren Lombardsatz von 5½ auf 5 Prozent herabgesetzt. Die Neue Züricher Zeitung meldet aus Rumänien, Mussolini hat gestern in Ostia einer Fahnenweihe für die fascistische Jugend beigewohnt. Der Ministerpräsident sagte, er sehe immer dichtere Wolken über dem Frieden Europas. Ein neuer Entscheidungskampf rücke näher und nur das Volk werde sich behaupten, das bis zum letzten Mann gerüstet sei. Nach Meldungen aus Madrid hat der spanische Finanzminister Arguilles wegen des dauernden Fallens der Währung sein Rücktrittsgesuch eingereicht, nachdem er den vom Ministerpräsidenten zusammenberufenen Kabinettsrat die bedrohliche Finanzlage dargelegt hatte.S Im Zusammenhang mit der kommenden Genfer Völkerbundstagung spielt sich schon jetzt hinter den Kulissen ein heftiger Kampf um die drei freiwerdenden Sitze von Kanada, Finnland und Kuba ab. Vor allem die Nachfolgerschaft Kanadas ist sehr umstritten. Die Hoffnungen der französischen Textilindustriellen, daß der Montag eine Massenrückkehr der Streikenden in die Betriebe bringen würde, haben sich nicht erfüllt. S Wie der Matin berichtet, ist nach Nachrichten aus Teheran ein Aufruhr in Schiras ausgebrochen. Mehrere Offiziere und 120 Mann Regierungstruppen sollen getötet worden sein. S Der Herald meldet aus Delhi: Das vom Vizekönig über Peschawar verhängte Kriegsrecht ist auf die ganze Nordwestprovinz ausgedehnt. In Simla haben die Afridis 16 englische Beamte getötet. Letzte Nachrichten und Telegramme. Wahlreform und Finanzetat vor dem kabinett. enb. Berlin, 19. August. Das Reichskabinett ist heute vormittag um 11 Uhr zu der angekündigten Sitzung zusammengetreten, um den Entwurf des Reichsinnenministers zur Wahlreform zu beraten. An den amtlichen Stellen wird über die Einzelheiten Stillschweigen bewahrt; man darf annehmen, daß die Mitteilungen, die bisher in der Presse erschienen sind, den Entwurf ungefähr richtig wiedergeben. Das Kabinett wird sich heute auch mit dem Finanzprogramm beschäftigen. Allerdings wird man heute wohl nur so weit kommen, daß Reichsfinanzminister Dietrich in großen Zügen seine Pläne entwickelt, so daß also die Ausgestaltung des Programms in den Einzelheiten späteren Sitzungen des Kabinetts vorbehalten bleibt. In politischen Kreisen rechnet man damit, daß die Beratungen des Kabinetts den ganzen Tag in Anspruch nehmen werden. Ein Kalenderreformvorschlag. t. Berlin. 19. August. Bekanntlich ist auf das Er suchen der Völkerbunds=Kommission für die Kalenderreform hin bei dem Institut für Konjunktursorschung ein Studienkomitee gebildet worden, das Deutschlands Vorschläge zur Kalenderreform ausarbeiten wird. Diesem Komitee gehört neben zahlreichen anderen Organisationen auch der Allgemeine deutsche Lehrerverein an, der sich jetzt auf einer Berliner Tagung mit diesem Thema befaßte. Dabei wurde ein Reformplan erörtert, der vor allem mit Rücksicht auf die Bedürfnisse der Schulen begrüßenswert sei. Danach soll jeder Monat 26 Werktage erhalten, was gleichlangen Quartalen von 13 Wochen oder 3 Monaten von je 31, 30 und 30 Tagen entsprechen würde. Der 365. Tag soll wochentags- und namenlos in die Mitte des Jahres gelegt werden, der Schalttag alle vier Jahre ans Ende des Jahres. Östern soll am Sonntag, 8. April, gefeiert werden. Industriesterben. kg. Berlin, 19. August. Eine Millionen=Insolvenz in der Klavier=Industrie meldet die Vossische Zeitung. Die Deutschen Piano=Werke=Aktien=Gesellschaft in Braunschweig sind zusammengebrochen, als Opfer der Wirtschaftskrisis. Die Zahlungen sind eingestellt. Die Gesellschaft, die aus der Zusammenfassung von sechs deutschen Pianofortefabriken entstanden war, hat den größten Teil des Aktienkapitals von 3,5 Millionen Mark verloren. Enteignungen in Böhmen. kg. Prag, 19. August. Die Enteignungskommission in der Tschecho=Slowakai hat ihre Tätigkeit aufgenommen. Es wurde eine Einigung mit der Herrschaftsverwaltung des Fürsten Lichtenstein und des deutschen Ritterordens erzielt. Der abgetretene Grundbesitz entspricht einem Wert von 1½ Milliarden Tschechen=Kronen. In nationaler Hinsicht bedeutet diese Enteignung einen schweren Schlag für die deutsche Minderheit der Tschecho=Slowakai, denn die Enteignungen haben nach einem Geständnis des Bodenamtes in erster Linie den Zweck, einen Keil in das rein deutsche Sprachgebiet hineinzutreiben. Ein Kreuz des Friedens. t. Berlin, 19. August. Auf neutralem Boden, an der Grenze zwischen Deutschland und Frankreich, soll ein Bau errichtet werden als Symbol für den Willen zur Überwindung der Jahrhunderte alten Geschichte europäischer Bruderkriege— das ist das Projekt des bekannten Professors Zout=Greyer, der jetzt damit an die Öffentlichkeit tritt. Der Schweizer Professor wendet sich in einem Aufruf an alle Europäer, die ein Symbol unserer geistigen Kraft inmitten des überhandnehmenden Materialismus errichten wollen, an alle Kriegsteilnehmer, die ihren gefallenen Kameraden ein Denkmal setzten wollen, an alle Mütter, die ihre heranwachsenden Kinder vor den Schrecken neuer Kriege bewahren wollen. Mit den modernsten Errungenschaften der Technik soll ein gigantisches Kreuz des dens errichtet werden, als Zeichen dafür, daß die Technik nicht nur Werkzeug der Vernichtung ist, sondern auch des Aufbaus. Das Gebäude soll sich in einer Höhe von etwa 175 Metern erheben, und zwar baut sich über einer vierseitigen, auf 20 Meter ansteigenden Treppe das Kreuz als Turmhaus auf. Der Querarm soll etwa 90 Meter lang werden und so gebaut werden, daß das Hochhaus von zwei Seiten ein Kreuz darstellt. Im Querarm wird ein amphitheatralischer Konzertsaal Platz finden, der 2000 bis 3000 Personen Raum bietet, in einer Höhe von rund 110 Metern über dem Erdboden. Unter der Treppe wird sich die Grabstätte der Millionen Gefallenen und der im Tode vereinten Jugend der Welt befinden. Im Erdgeschoß wird eine große Festhalle für Kundgebungen für den Frieden ausgebaut werden, und in den einzelnen Stockwerken sollen Räume für Theater, Kinos, Ausstellungen, Bibliotheken usw. im Dienste des Friedens reitgestellt werden. Das monumentale Gebäude soll auch eine Funkstation für den Frieden und eine moderne Glockenanlage erhalten. Professor Zout=Greyer denkt sich das Weltfriedenskreuz inmitten eines Friedensparkes, mit Blutbuchen, Pappeln, Linden und Trauerweiden. Der Schweizer Künstler betont in seinem Aufruf ausdrücklich, daß ihn nur der Gedanke, dem Frieden zu dienen, bei diesem Projekt geleitet hat. Englische Luftverkehrspläne. wib. London, 19. August. Die Blätter veröffentlichen ein vom Luftfahrtministerium herausgegebenes Blaubuch, in dem es heißt, sobald durch die Versuchsflüge der beiden britischen Luftschiffe R 100 und R 101 genügende Erfahrungen gesammelt seien, bestehe die Absicht, einen regelmäßigen Luftschiffverkehr von Cardington nach Montreal und New-York einzurichten. Indien. tu London, 10. Aug Wie aus Bombay gemeldet wird, ist es zwischen dem indischen Boykott=Ausschuß und dem Provinzial=Kongreß=Ausschuß auf der einen Seite und der Spinnereibesitzervereinigung auf der anderen Seite zu einer Vereinbarung gekommen, wonach der Boykott gegen die von Europäern geleiteten Spinnereien in Bombay aufgehoben wird. Die Einzelheiten dieses Abkommens sind noch nicht veröffentlicht worden, doch verlautet, daß die Spinnereibesitzer unter anderem die Verpflichtung eingegangen sind, keine britischen Waren oder Material für die Herstellung ihrer eigenen Fabrikate einzuführen. In den beiden letzten Tagen sind in Bombay drei weitere in englisch=indischem Besitz befindliche Baumwollspinnereien geschlossen worden. Von dem Boykott=Ausschuß wird eine lebhafte Propaganda entfaltet, um die Arbeiter sämtlicher noch arbeitenden Baumwollspinnereien zum Verlassen der Betriebe zu bewegen. Die Arbeitslosigkeit in Amerika. tu. New=York, 19. August. Gestern morgen stürmten 3000 durch andauernde Arbeitslosigkeit allmählich in Verzweiflung geratene Menschen den neueröffneten städtischen Arbeitsnachweis. Herbeigerufene Polizeimannschaften stellten die Ordnung wieder her. Mehrere Arbeiter wurden leicht verletzt. 3 Hitler in Köln. enb. Köln, 19. August. Gestern abend sprach der nationalsozialistische Führer Hitler in der Rheinlandhalle in Köln=Ehrenfeld.. Er sagte unter anderem, in erster Linie hänge Deutschlands Zukunft von einer Reform des Volksgeistes und der Wiederherstellung der Volkskraft ab. Bei Abmarsch der HitlerLeute kam es auf der Straße zu tumultartigen Szenen. Auf die Heilrufe der Nationalsozialisten antworteten Hunderte von Anhängern der Linken mit drohenden Fäusten und Schmährufen. Die Polizei drängte die Menge in die Nebenstraßen ab. Selbstmord auf der Arbeitsstelle. wid. Saalfeld, 19. Aug. In der mechanischen Werkstätte der Maxhütte haben gestern die beiden Arbeiter Wenzel und Louis Kandel Selbstmord durch Erschießen begangen. Kandel hatte schon seit Monaten selbstmörderische Absichten geäußert, ohne von seinen Arbeitskollegen ernst genommen zu werden, während bei Wenzel, der kurz vor seiner Verheiratung stand, der Grund vollkommen im Dunkel liegt. Er hatte auch erst in den letzten Stunden wirre Reden geführt. Beide wurden mit einem Schuß in der rechten Schläfe aufgefunden. Ungetreuer Gemeindevorsteher. enb. Berlin, 19. August. Der Gemeindevorsteher Gudanski aus Schenkenberg bei Großkreutz, der am Samstag nach Unterschlagung von 11 400 Mark amtlicher Gelder geflohen war, ist heute früh hier verhaftet worden. Von der unterschlagenen Summe wurde bei ihm nichts mehr vorgefunden. Vom Alkohol zugrunde gerichtet. cnb. Berlin, 19. August. Gegen den Berliner Rechtsanwalt Dr. J. Schatz aus der Neuen Friedrichstraße schwebt ein Verfahren wegen Kreditbetruges. Der Beschuldigte wurde gestern auf Anordnung der Staatsanwaltschaft von der Kriminalpolizei in Haft genommen. Dr. Schatz war vorher als Regierungsrat bei einer Finanzbehörde in Schlesien tätig. Er ist anscheinend ein Opfer des Alkohols. Die Anklage wirft ihm Zechprellerei, Scheckbetrug und Unterschlagung von Geldern seiner Mandanten vor. Es handelt sich aber durchweg nur um Beträge unter 100 Mark, die der Anwalt für sich verwendet hat, um seiner Trinkleidenschaft frönen zu können. Auch ungedeckte Schecks hat er zum größten Teil bei Kneipen in Zahlung gegeben. Von der Standesorganisation war gegen den Anwalt aus diesem Grunde eine Reihe von Beschwerden eingegangen. Schatz betrieb in der letzten Zeit gar keine Praxis mehr und wechselte ständig seinen Aufenthaltsort. Verfahren gegen einen nationalsozialistischen Bürgermeister. tu. Berlin, 19. August. Der Bürgermeister von Bassum bei Bremen, Ehrich, ist seines Amtes enthoben worden. Außerdem hat der Regierungspräsident von Hannover gegen Ehrich ein Disziplinverfahren mit dem Ziele der Dienstentlassung eingeleitet. Bürgermeister Ehrich hatte in einem Artikel in der„Bassumer Zeitung“, gestützt auf Artikel 130 der Reichsverfassung, gegen das Verbot des preußischen Staatsministerium wegen der Zugehörigkeit von Beamten zur Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei und Kommunistischen Partei Verwahrung eingelegt. Schiffsunfall. tu. Berlin. 19. August. Ein Schiff, das 54 Spinnereiarbeiter von einem Ufer des Booghly zum anderen beförderte, schlug, wie aus Kalkutta gemeldet wird, unter dem Anprall einer Flutwoge um. 22 Arbeiter konnten gerettet werden, die übrigen werden vermißt. Fliegerlos. tu. Berlin, 19. August. Bei der bei Westerwik geborgenen Leiche in Fliegertracht handelt es sich um den Führer des am 7. August verunglückten deutschen Postflugzeuges„D 1826“, Kapitän Langanke. Graf Zeppelin über der Schweiz. tu. Friedrichshafen, 19. August. Das Luftschiff„Graf Zeppelin“, das heute zwei Schweizer Fahrten durchführt, ist kurz nach 8 Uhr von seiner ersten Fahrt zurückgekehrt. Um 8 Uhr 40 erfolgte die Landung. Auf dem Werftgelände wurde der Wechsel der Fluggäste vorgenommen. 26 Fluggäste, darunter der amerikanische Gesandte in Bern, bestiegen das Schiff zur zweiten größeren Schweizer Fahrt. Die Führung hat wieder Kapitän Lehmann. Um 9 Uhr erfolgte der Aufstieg. Das Luftschiff wird gegen 16 Uhr nach Friedrichshafen zurückkehren. Der Tod in den Bergen. wib. Innsbruck. 19. August. In dem Zillertaler Alpen werden drei Touristen vermißt. Sie sind mit einem Bergführer vor einigen Tagen von der Berliner Hütte abmarschiert, trafen jedoch auf der Greizenhütte nicht ein. Eine Rettungsexpedition mußte wegen 1½ Meter Neuschnee und schwerer Lawinengefahr umkehren. Es wird angenommen, daß alle vier erfroren sind. wtb. Wenzig, 19. August. Die 48 jährige Witwe Selly Kuehne aus Berlin=Steglitz ist im Gamperdonatal tödlich abgestürzt. tu. Innsbruck, 19. August. Nach einer Mitteilung der Innsbrucker Polizeidirektion sind weitere deutsche Bergsteiger in den letzten Tagen, in denen das Unwetter in den Bergen herrschte, als vermißt gemeldet worden, so die 22jährige Studentin der Medizin Gerda Ihrke aus Berlin=Schöneberg, die im Oetztal vermißt wird. Drei weitere Bergsteiger aus Berlin namens Peschke, Franke und Denk haben seit dem 11. August keine Nachricht mehr gegeben, so daß sie als vermißt gelten. Die Nachforschungen wurden aufgenommen. Die Suche nach den in den Zillertaler Alpen vermißten vier Bergsteigern konnte bisher noch nicht wieder aufgenommen werden, da in dem in Betracht kommenden Gebiet immer noch 1,50 bis 3 Meter Neuschnee liegt. Man hofft jedoch, daß eine von Mayrhofen erneut abgegangene Expedition heute ihre Nachforschungen wieder aufnehmen kann. Für die Auffindung der Vermißten ist eine Belohnung von 500 Schilling festgesetzt worden. Mit seinen Angehörigen in den Tod gegangen. wib. Paris, 19. August. Ein in einem Pariser Villenvorort ansässiger Großunternehmer hat gestern früh seine Frau und zwei seiner Kinder im Schlafe erschossen und dann Selbstmord verübt. In seinem hinterlassenen Schreiben bedauert er, daßer nicht auch seine beiden anderen zur Zeit in den Ferien weilenden Kinde habe aus der Welt schaffen können. Die Tat dürfte auf wirtschaftliche Schwierigkeiten zurückzuführen sein. Verkehrsunfälle. wtb. Paris, 19. August. Wie das Echo de Parise aus Grénobel berichtet, stürzte gestern ein aus Alcerville kommender Autobus, in dem sich 62 Versonen befanden, beim überholen eines anderen Autobusses in die Isére. Bisher zählt man zwei Tote und 10 Schwerverletzte. Die Zahl der bei Autounfällen gestern Verunglückten wird vom Journal mit 19 Toten und 74 Verletzten angegeben. wib. Kopenhagen, 19. August. Ein Automobil mit fünf Insassen stieß in der Nähe von Middelfart auf der Insel Fünen bei einem Übergang mit einem Zug zusammen. Das Auto wurde von der Lokomotive 40 Meter weit mitgeschleppt und zertrümmert. Drei Personen, der Hofbesitzer Mads Jensen, sein erwachsener Sohn und seine Schwägerin wurden sofort getotet, Frau Jensen und ein siebenjähriges Kind lebensgefährlich verletzt. Der Eisenbahnunfall in Kreuzwald. wib. Paris, 19. August. Bei dem Zusammenstoß im Bahnhof Kreuzwald in Lothringen, bei dem, wie bereits an anderer Stelle dieses Blattes gemeldet, vier Personen getötet wurden, wurden nach den letzten Feststellungen insgesamt 35 Personen verletzt, davon 15 schwer. Sechs Verwundeten mußten die Beine abgenommen werden. Der aus Saarlonis kommende Zug, auf den ein Kohlenzug im Bahnhof Kreuzwald auffuhr, war mit Bergarbeitern besetzt. Die Lokomotipführer der Züge konnten den Zusammenstoß nicht voraussehen, da ihre Maschinen am Ende der Züge schoben. Die Strecke war vom Weichensteller für den Zug aus Saarlonis freigegeben worden. Überschwemmungen im Amur=Gebiet. tu. Kowno. 19. August. Wie aus Moskau gemeldet wird, richtete ein Orkan an der russischen Küste des Stillen Ozeans große Verheerungen an. An einigen Stellen ist der Amur infolge schwerer Regengüsse aus den Ufern getreten und hat die umliegenden Dörfer überschwemmt. Etwa 700 Stück Vieh kamen in dem Dorfe Marinskoje um. 13 Bauern, die das Vieh retten wollten, werden vermißt. Die Verbindung zwischen dem Dorfe und der Außenwelt ist unterbrochen. Im Tankraum eines Dampfers vergiftet. wtb. San Pedro(Kalifornien), 19. August. Zwei Maler, die in einem Raum des hier im Hafen liegenden britischen Tankdampfers Taskalusa arbeiteten, wurden durch ausstömende Gase erstickt. Drei weitere Maler schweben in Lebensgefahr, während 10 andere leichtere Schäden davontrugen. Verantwortlich für die Politik und das Feuilleton Walter Wetlshaenser in Siegen, für den übrigen Teil H. Plitsch in Siegen. Terl ner Redaktion: Berlin NW 21, Häno=lt.aße 21(am Tiergarten), Fernrufe Hansa 4354 und 4334. Achtet auf den Kartoffelkrebs Reformations-Ausstellung im Museum des Siegerlandes, Siegen, Oberes Schloß täglich geöffnet von 9—18 Uhr Eintrittspreise 50 Pfennig— Kinder 25 Pfennig— Vereine Preisermäßsigung. Statt besonderer Anzeige. Nach einem arbeitsreichen Leben entschlief heute morgen 5½ Uhr plötzlich und unerwartet infolge Herzschlages, im festen Glauben an ihren Erlöser, unsere liebe, unvergeßliche Mutter, Schwiegermutter und Großmutter Witwe Johs. Krümer im 71. Lebensjahre. Katharina geb. Lütz Psalm 23. In tiefem Schmerz: Familie Robert Achenbach Familie Ernst Weisgerber Familie Ernst Bottenberg. Büschergrund und Plittershagen bei Freudenberg, Kreis Siegen, den 18. August 1930. Die Beerdigung findet am Donnerstag, dem 21. August, nachmittags 2½ Uhr statt.(7128 Todesanzeige. Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, infolge Unglücksfalles unser liebes Söhnchen, Brüderchen und Enkel(1120 Friedel im zarten Alter von 1¾ Jahr wieder zu sich in den Himmel zu nehmen. Wenn kleine Himmelserben in ihrer Unschuld sterben, so büßt man sie nicht ein: sie werden nur dort oben, vom Vater aufgehoben, damit sie unverloren sein, n tiefem Schmerz: Wilh. Röcher Marta Röcher geb. Schwarz Wilh. Röcher sen. Witwe Wilh. Schwarz Familie Karl Röcher. Alchen, den 18. August 1930. Die Beerdigung findet am Donnerstag, dem 21. August, nachm. 2½ Uhr statt. Freis-Abschlay Neue Kartoffeln gelbn.... 10 Pid. 52 Schöne Iomalen 3„ 42 Süße Weintraune 48 Frische Pilaumen 2„ 48 Feinste Vollfett-Bückinge... 38 Rheinilches Kaufhaus J. Seifner Todesanzeige. Der Herr ist mein Hirte. Psalm 23. Gestern nachmittag 2¼ Uhr nahm der Herr nach kurzer, schwerer Krankheit meinen innigstgeliebten Mann, unseren treusorgenden Vater, Bruder, Schwager und Onkel Hermunn Pluntke im Alter von 52 Jahren heim. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Frau Marta Pluntke geb. Stötzel(7113 und Angehörige. Eiserfeld, Düsseldorf, Küpper und Niederschelden, den 19. August 1930. Die Beerdigung findet am Donnerstag, dem 21. August, nachmittags 3 Uhr, vom Trauerhause Bahnhofstraße 30 aus statt. Am Mittwoch, dem 20. August Lusammenkunt bei Böcking, Friedrichstraße.[125 Der Vorstand. Weidenan. Am Samstag, dem 23. August, abends 8 Uhr, im Lokale Bredenbeck, Siegstraße auberordentliche Nachruf. Am 18. ds. Mts. verstarb mein langjähriger Stanzer Herm. Plunthe aus Eiserfeld. Nach 20jähriger Tätigkeit als fleißiger Arbeiter sichere ich ihm ein stilles Angedenken.(F167 Eiserfeld, 19. Aug. 1930. Arnold Vetter. Seilfahrtsformulare zu haben Alle Mitglieder sind herzlich eingeladen.(796 Der Vorstand. Neue Sänger werden gerne ausgenommen. Schüler nnmnmm mit nicht befriedigenden Leistungen in der Klasse find. gründliche Nachhilfe und Beauf sichtigung d. Schularbeiten. Rreutzer Koblenzerstr. 9/II Autoverkäufe erfolgreich durch eine Anzeige in der Siegener Zeitung. 10—30 Prozent Rabatt auf KerbschnittHolzrand und Tarso-Artikel Max Siebel Marburger Str. 28. 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Siegen 303 Befördert durch G. ... habe in Industriellen-Versammlung folgendes erklärt: „Die Wirtschafts- und Industriekreise hätten alle Berechtigung, nicht ohne weiteres alle Parteien mit Geldmitteln zu unterstützen, sondern sie haben die Verpflichtung, den Parteien vorher ihr Wirtschaftsprogramm bekannt zu geben, damit die Parteien zunächst einmal hierzu Stellung nehmen!" Gestrige Behauptung Dr. Kuermann- Staatspartei glatte böswillige Erfindung und Wahlmache:(§146 Werde in Siegen am 28. Aug öffentlich sprechen. Siegfried von Kardorff