Die„Siegener Zeitung“ erscheint an allen Werktagen abends und kostet freibleibend monatlich durch Boten 1.80 M. ohne Zustellungsgebühren. durch die Post bezogen 2.- M. Einzelverkauf 10 Pfg. Geschäftsstellen: Obergraben 5. a. Neumarkt 11 am Bahnhof Fernspr. Sammel=Nr. 5251. Giro=Konto Stadtbank Siegen Nr. 75 Vostscheckkonto Köln Nr. 25 553 Kreisblatt für den Stadt= und Landkreis Siegen Beilagen: Unterhaltungsblatt- Landwirtschaftliche Mitteilungen- Heimatland Der Jugend Druck und Verlag von W. Vorländer in Siegen. Anzeigen 1 mm einspaltig im Verbreitungsgebiet 10 Pfg. Familienanzeigen u. Stellengesuche 6 Pfg., auswärtige Anzeigen 15 Pfg., Reklamen 70 Pfg. Auslandsanzeigen Valutaaufschlag Finanzanzeigen 50% Aufschlag Rabatt nach Tarif Bei Auskunft Offertenannahme u. Weiterbeförderung entsprechende Zuschläge. Platz= und Erscheinungsvorschriften ohne Gewähr Anzeigen=Rechnungen sind innerhalb 8 Tagen zahlbar. Erfüllungsort und Gerichtsstand ist Siegen. Nummer 187 Siegen, Dienstag, den 12. August 1930 100. Jahrgang Um die bürgerliche Front. Vor neuen Verhandlungen. Tagesrundschau. Der Reichspräsident ist gestern abend nach Dietramszell in Bayern abgereist. 3 Der Verfassungstag ist im Reich im allgemeinen ruhig verlaufen; nur in einigen Fällen kam es zu leichten Zusammenstößen. Auf dem Dniepr bei Kiew ertranken während eines Sturms sechs Frauen und drei Kinder. 3 Bei einem Wirbelsturm, der die Stadt Tripolis und ihre Umgebung heimsuchte, sind 16 Menschen umgekommen. R In den französischen Alpen sind vier französische Bergsteiger von einer Lawine verschüttet und getötet worden. 3 Die Türkei hat die Absendung einer ultimativen Note an Persien wegen der Kurdenkämpfe beschlossen; sie verlangt Antwort in 48 Stunden. K Aus dem Dürregebiet in Amerika werden jetzt Hungersnot und Typhus gemeldet. Der Staat berechnet die Ernteverluste mit 48 Prozent. Amerikanische Katastrophe? Die Krise ist längst da. In den Vereinigten Staaten von Nordamerika herrscht seit zwei Monaten unerbittliche Tropenglut. Es ist keine Hitzewelle mehr, sondern ein Höllenzustand. In weiten Teilen des Riesengebietes, das siebzehnmal so groß ist wie Deutschland, fällt wochen= und wochenlang kein Regen. Die Felder sowohl in den Südstaaten als auch in den großen Kornkammern des mittleren Westens sind ausgedörrt. Die Mais= und Weizenernte gilt vielfach als verloren. Aus Futtermangel muß das Vieh geschlachtet werden. Die Folge: Milchmangel, Kindersterben. Die Brunnen und Wasserleitungen versiegen. Das ungereinigte Wasser aus Seen und Flüssen bringt den Typhus. An der Getreidebörse in Chikago steigen die Preise. Am Aktien= und Effektenmarkt in New=York geht das Geschäft zurück. Die Naturkatastrophe wird zur Wirtschaftskrise. Präsident Hoover hat versprochen zu helfen. Er will seine Ferien verschieben und ähnlich wie bei der Mississippi=Überschwemmung von 1927, — er war damals Handelsminister— sein Organisationstalent in den Dienst der Nothilfe stellen. Aber der Untergang einiger Städte und Dörfer durch einbrechende Wassermassen war doch ebenso wie die Wirbelstürme nur ein Teilunglück gegenüber der Katastrophe, die jetzt über Nordamerika gekommen zu sein scheint. Zur Katastrophe wird die sommerliche Dürre deshalb, weil die allgemeine Wirtschaftskrise in diesem scheinbar so gesegneten Lande ja schon längst vorhanden ist. Der Europäer, der Amerika aus Bildern und sensationellen Berichten oder vielleicht von einer vierwöchigen Vergnügungsreise her kennt, glaubt es nicht. Er sieht die Büro=Wolkenkratzer, in denen mit Ameisenfleiß gearbeitet wird, er sieht den reißenden Menschenstrom in den großen Städten, die vierlinige Schlange der Autos nach Geschäftsschluß. Dies und vieles andere wirkt wie eine protzige Reklame auf die„Prosperity“, die sich jedem Betrachter förmlich aufdrängt und auf äußerlichsten Effekt abgestellt ist, genau wie all' die vielen Nachrichten, amtlichen und halbamtlichen Auslassungen, die täglich an das Ohr Europas dringen. Und dieses Land der unbegrenzten Möglichkeiten soll sich schon auf dem absteigenden Ast seiner Entwicklung befinden? Nun, das wollen wir nicht gesagt haben. Aber die erste große Krise ist da. Man spricht nicht gern davon, es ist ein häßliches Wort. Man gebraucht lieber die Bezeichnung„Depression“. Das klingt unverfänglicher. Gerade der Europäer und besonders der Deutsche, der seine Nachkriegserfahrungen hat, wird jedoch bald sagen: es fängt ja drüben genau so an wie bei uns: Börsenkrise, Kreditkrise, Finanzkrise! Geld wird unanbringlich und billig, weil es an erstklassigen Geldnehmern fehlt, während die ganze Wirtschaft nach Krediten hungert. Die Bautätigkeit will nicht vorwärts. Die Stahlerzeugung geht zurück, prompt auch die Kraftwagenindustrie. Diese sucht jetzt den Bewohnern des Landes, in dem angeblich jeder Arbeiter sein eigenes Auto besitzt, einzureden, jede Familie brauche unbedingt zwei Wagen, das sei billiger. Niemand glaubt es mehr. Man ist mißtrauisch geworden. Das Einkommen geht zurück. Draußen auf den Flächen des landwirtschaftlichen Gebietes leidet der Farmer unter einer unverkäuflichen Überproduktion. Die Weizen= und die Baumwollpreise stürzen, Überproduktion auch bei den Rohstoffindustrien. Zusammenbruch des Kupfermarktes, die unverkäuflichen Vorräte häufen sich an. Gewaltige Geldmittel liegen in diesen Vorräten fest und werden zu Stützungszwecken verpulvert. Obwohl nun die Preise stürzen, rühren sich doch die Lohne nicht. Die Unternehmungen brechen daher offen oder versteckt zusammen, sie schränken ihre Betriebe rücksichtslos ein oder werden durch Aufsaugung stillgelegt. Und damit wächst und schwillt die Arbeitslosigkeit. Vor einem oder anderthalb Jahr gab es diese Frage in Amerita noch nicht. Sie verstieß gegen die Prosperity. Heute man wenigstens, daß Amerika in die Kette der Welt=Arbeitslosigkeit eingeflochten ist. Man erklärt das zunehmende Elend als eine Folge der mechantsterten Fabrikation. Aber man steckt immer noch den Kopf in den Sand und zählt das Heer der Erwerbslosen nicht. Vielleicht ist es in diesem Lande auch gar nicht zu zählen. Die Schätzungen, die man hört, bewegen sich zwischen 3 und 8 Millionen. Aber auch der amerikanische Mittelstand wird rebellisch und glaubt nicht mehr an sein Wohlbehagen. Man hat ausgerechnet, daß 87 v. H. aller Amerikaner arm sind, und daß sich 59 v. H. des Nationalvermögens im Besitz von einem Prozent der Bevölkerung befinden. Der kleine Kaufmann, der Angestellte, der Farmer und der Intellektuelle— alle sind sie auch schon in Amerika so gut wie besitzlos und leben von der Hand Verhandlungen, zu denen Reichsminister Treviranus die Deutsche Volkspartei und die Wirtschaftspartei eingeladen hat, sollen heute nachmittag stattfinden. Von volksparteilicher Seite wird hierzu erklärt, daß der Versuch, in diesen Besprechungen ein neues Parteigebilde zu grunden, aussichtslos sein musse. Nach allgemeiner Auffassung in volksparteilichen Kreisen kann es sich bei den neuen Besprechungen höchstens darum handeln, die bisherigen losen Vereinbarungen über einen Burgfrieden während des Wahlkampfes zu vertiefen Grundsätzlich wird darauf hingewiesen, daß alle Bemühungen auf stärkste Zusammenfassung der staatsbürgerlichen Kräfte nur dann von Erfolg begleitet sein können, wenn die Möglichkeit einer Einbeziehung der Deutschen Staatspartet auf gleichberechtigter Grundlage erhalten bleibt. Die Einladung von Treviranus ist übrigens an Scholz persönlich gerichtet, der also auch lediglich unter eigener persönlicher Verantwortung an diesen Verhandlungen teilnehmen wird. Ehe noch diese Verhandlungen geführt oder gar zum Abschluß gebracht worden sind, nimmt schon wieder die Nationalliberale(Deutsche Volkspartei=) Korrespondenz mit ihrem fortwährend durchgehenden Pferd das Hindernis, indem sie schreibt, daß„es jetzt nach dem Scheitern des Versuchs der Deutschen Volkspartei. eine bürgerliche Sammlung herbeizuführen, für die Deutsche Volkspartei gelte, unbeschadet etwaiger nach den Wahlen sich ergebenden Möglichkeiten den Wahlkampf allein zu führen“. Muß-Optimismus. Privattelegramm. kg. Berlin, 12. August. Der Kanzler hat gestern nach Rückkehr zu mehreren seiner politischen Freunde gesagt, er habe unverändert die festbegründete Hoffnung, daß die vom Kabinett festgelegten Richtlinien der Reichspolitik am 14. September siegen werden. Hierzu ist zu sagen: nach dem Scheitern der offiziellen Verhandlungen zwischen der Deutschen Volkspartei und der Staatspartei und den Verhandlungen, die Scholz mit den mehr rechtsstehenden Gruppen geführt hat, sind die Einigungsbestrebungen teils im Interesse der Staatspartei und mit der Richtung nach links, teils im Interesse der Regierung nicht zum Stillstand gekommen. Der Listenzusammenschluß zwischen der Deutschen Volkspartei und der Deutschen Staatspartei in Württemberg und Baden ist eine Etappe auf dem Wege sich bildender Zusammenschlüsse, die nicht im Sinne des Kabinetts Brüning, sondern der Großen Koalition liegen. Die Selbständigkeit der beiden Parteien soll durch dieses Abkommen nicht berührt werden, was mit Rücksicht auf das Scheitern der Berliner Verhandlungen vereinbart war. Dieses Abkommen ist bereits von der Deutschen Staatspartei in Württemberg gebilligt und wird wahrscheinlich heute auch von den übrigen Parteiorganisationen der Deutschen Volkspartei und der Deutschen Staatspartei in Württemberg und Baden die Zustimmung erhalten. Gleichzeitig werden Versuche gemacht, die hinter der Regierung stehenden Parteien wenigstens noch zu einer gemeinsamen Kundgebung für die Regierung und das Finanzprogramm zu veranlassen. Diese Versuche gehen von der Volkskonservativen Partei aus. Ob man mit diesem Versuch großen Erfolg haben wird, muß bezweifelt werden. Die Zentrumspresse hat gestern an die Adresse der Sozialdemokratie geschrieben, daß die Sozialdemokratie nicht auf den weiteren Bestand der Koalition in Preußen rechnen könne, wenn nicht die Sozialdemokratie sich im Reich zu einer Teilnahme an der Regierungsverantwortung bereitfinde. Das ist eine Aufforderung an die Sozialdemokratie, sich mit dem Zentrum über die Reform der Arbeitsin den Mund. Die Krise hat diese Erkenntnis geweckt. Die Krise wächst, und das keep smiling, das Lächeln der amerikanischen Selbstzufriedenheit, wandelt sich in den bitteren Ausdruck der ersten großen Enttäuschung. Georg Hochstetter. Wie der„Preisabbau“ aussieht. Eigene Meldung. kg. Berlin, 12. August. Wie die Morgenblätter melden, fällt die Entscheidung über die Erhöhung der Kohlenpreise im Reichskohlenrat erst Mitte September. Die Erhöhung werde um etwas über die übliche Winterpreis=Erhöhung hinausgehen. X Hierzu wird uns aus Berlin geschrieben: Preisabbau und Preiserhöhung gehen im Reiche lustig nebeneinander her. Kaum hat man von der Reichsaktion für Wohnungsverbilligung gehört, als eine neue Mietpreiserhöhung in der Reichshauptstadt droht. Berlin hat schätzungsweise am 31. Juli ein neues Defizit losenversicherung rechtzeitig zu verständigen. Der Vorwärts bringt das Echo bereits heute früh. Er mahnt den Parteivorstand, die Wahlparole zu überprüfen und zu erganzen. Bei den Deutschnationalen eröffnet Hugenberg den Wahlkampf heute im Sportpalast mit einer programmatischen Rede. Die Kommunisten kündigen Störungsversuche an. Auch Berlin schließt jetzt offizielle Wetten über den Ausgang der Reichstagswahl ab. In vielen Lokalen hängen Wettlisten zur Beteiligung aus; die Wirte nehmen Einzahlungen ebenso entgegen wie viele Zigarrengeschäfte. Die Beteiligung ist sehr rege. Lebhaftes Interesse begegnen die Wetten in den Arbeitervierteln des Wedding und Neuköllns, wo nicht immer nur auf kommunistischen Sieg gesetzt wird. Im allgemeinen werden hier 150 Kommunisten, 50 bis 60 Nationalsozialisten und 120 Sozialdemokraten als„sicherste Wettzahl“ angenommen. Im Laufe dieser Woche wollen sämtliche Parteien ihre Wahllisten dem Reichstagswahlleiter einreichen, obwohl der offizielle Termin erst am 28. August abläuft. Die gemeinsamen Wahllisten Staatspartei und Volkspartei in Württemberg unterliegen der Prüfung des Parteivorstandes der Deutschen Volkspartei, dessen Entscheidung Mitte der Woche zu erwarten ist. Die Möglichkeiten weiterer Parteizersplitterungen bestehen fort. Tips für die Reichstagsmandate. Privattelegramm. T. Berlin, 12. August. In den politischen Kreisen und zum Teil auch im Reich beginnen schon jetzt die Prophezeiungen für den Ausgang der Wahl und die Mandatsverteilung auf die einzelnen Parteien. Im allgemeinen glaubt man daß auch durch den Ausgang der Neuwahlen die Regierung Brüning keine Mehrheit erhalten wird, dagegen würde die Bildung einer Weimarer Koalition und natürlich der Großen Koalition möglich sein. Im einelnen nimmt man an, daß die Nationalozialisten, die bisher 12 Mandate innehatten, nach vorsichtigen Schätzungen auf 50 Sitze kommen werden, während den Kommunisten ein Rückgang der Stimmen vorausgesagt wird. Ebenso sollen die Aussichten für die Volkspartei, die ziemlich isoliert dasteht, ungünstig sein; es wird bei einem Bestand von 45 Stimmen im alten Reichstag mit einem Rückgang von 15 bis 20 Mandaten gerechnet, während die Demokraten, also die Staatspartei, es auf 35 Sitze gegenüber 25 der alten Demokratischen Partei bringen sollen. Die Sozialdemokratie wird wahrscheinlich auf ihrem jetzigen Stand stehen bleiben, eher eine leichte Steigerung auf 160 Stimmen erfahren, während die Aussichten des Zentrums gleich günstig wie bisher beurteilt werden. Die Tips für die zersplitterte Deutschnationale Volkspartei lauten recht ungünstig. Man billigt der Hugenberggruppe nur 25 Stimmen zu, 15 bis 20 Stimmen der Westarpgruppe und etwa 25 der Christlichnationalen Bauern= und Landvolkpartei, so daß ein Rückgang gegenüber der alten Deutschnationalen Partei von rund 10 Stimmen zu verzeichnen wäre. Weiter nimmt man an, daß die Reichspartei des deutschen Mittelstandes, also die Wirtschaftspartei, eine bei der geringen Zahl der Mandate recht fühlbare Einbuße von 3 Stimmen erleiden wird, so daß sie mit nur 20 Mitgliedern in den Reichstag zurückkehrt. Für die Bayerische Volkspartei werden keine besonderen Veränderungen vorausgesagt. Interessant ist die Tatsache, daß man im Gegensatz zu Berliner politischen Kreisen in den westlichen Teilen des Reiches andere Konstellationen voraussagt. So nimmt man z. B. an, daß die Sozialdemokratie an Mandaten erheblich verlieren wird, während die Aussichten der Kommunisten als wesentlich günstiger angesehen werden. Man wird eben abwarten müssen, was die Reichstagswahlen tatsächlich ergeben. von 35 bis 40 Millionen Mark. Zu seiner Deckung will die Stadt neue Mietzuschläge von etwa 5 Prozent beim Oberpräsidenten beantragen. Das wäre dann die dritte Mieterhöhung in Berlin innerhalb zwei Monaten. Wer dann noch an den Preisabbau glaubt— zahlt einen Taler. Ministerrat in Rambouillet. Von unserem Korrespondenten. TParis, 12. August. Heute findet im Jagdschloß Rambouillet, dem Sommeraufenthalt des Präsidenten der Republik, ein Ministerrat statt, der den Vormittag und Nachmittag in Anspruch nehmen dürfte,— steht doch nicht nur die Beratung des Budgetvoranschlages für 1931 und die Erörterung der Streiklage in Nordfrankreich auf der Tagesordnung, sondern, wie der Petit Parisien wissen will, auch der gegenwärtige Stand der außenpolitischen Probleme, über den Briand berichten wird. Krieg in Kleinasien. Von unserem ständigen Konstantinopeler Mitarbeiter. = Konstantinopel, Anfang August. Im Gebiet der Dreiländergrenze Kleinasiens wird seit etlichen Wochen mit unerhörter Grausamkeit Krieg geführt. Das unwegsame Hochgebirge des Ararat, das die Türken Agri Dagh nennen, ist der Schauplatz dieser Kämpfe, aber die eigentlichen Energiequellen, die Ausgangspunkte des neuesten Kurdenaufstandes, liegen Hunderte und Tausende Kilometer davon entfernt. Man wird sie zunächst in Persien suchen müssen, das seit zehn Jahren den türkischen Emigranten ein Asyl gewährt und von wo aus die Feinde des Kemalismus immer wieder ihre— freilich kraftlosen und so wenig Erfolg versprechenden— Aktionen gegen das heutige Regime in der Türkei vorbereiten. Und doch ist auch diese Kommandostelle nur eine Zwischenstation, die ihre Weisungen von einer anderen und viel größeren Macht empfängt. England ist wieder einmal der ewige Unruhestifter, und seinen Interessen soll letzten Endes dieser Versuch einer Revolution dienen. Denn viel mehr als ein Versuch ist es nicht, und es wird wohl auch bestimmt bei dem Versuch bleiben, genau so wie vor fünf Jahren, als der Aufstand der Kurden von Diarbekr in einem Meer von Blut erstickte. Aber es wäre verfehlt, diese Bewegung zu bagatellisieren und ihr dadurch die große politische Bedeutung abzusprechen. Man muß zum besseren Verständnis der Dinge festhalten, daß die kurdische Frage seit jeher zu den schwierigsten Problemen des Türkischen Reiches gehört. Dieses wilde Nomadenvolk, das sich auch heute noch viel von seiner ursprünglichen Art bewahrt hat, lebt in dem Grenzwinkel, wo die Türkei, Persien und Rußland zusammenstoßen, und es ist eigentlich mit der Verwaltung aller drei Länder gleich unzufrieden. Als noch das Sultanat bestand, hat Abdul Hamid etliche Stämme anzusiedeln versucht, und diese Bemühungen hatten so lange einen gewissen Erfolg, als die goldenen Pfunde und Medschidies des Padischah mithalfen und ein Dutzend einflußreicher Kurdenführer besondere Vertrauensposten am kaiserlichen Hof beziehen durften. Sehr sichere Kantonisten waren sie allerdings auch damals nicht gewesen. Die Idee eines selbständigen kurdischen Staates ist schon Jahrzehnte alt, und sie hat immer wieder Anhänger gefunden, wenn englische Emissäre freigebiger waren als die kaiserlich ottomanische Regierung. Aber damals gab es doch auch noch die staatlich=religiöse Einheit des Mohammedanismus, und die tiefe Gläubigkeit der Kurden sah darin eine letzte Hemmung. Das ist dann in dem Augenblick anders geworden, da Kemal Pascha durch die Abschaffung des Kalifates dem Islam sein Oberhaupt genommen hatte und der leidenschaftliche Haß zwischen den — in der Rasse völlig verschiedenen— Kurden und Türken auch noch in der Politik Angoras neue Nahrung fand. Die heutige Ordnung wird von den Kurden in erbitterter Feindschaft abgelehnt, und da die türkischen Emigranten in Persien ebenfalls nur in einem Sturz des gegenwärtigen Regimes die Voraussetzung für eine Rückkehr in ihre Heimat erblicken, ergaben sich genügend Interessengleichheiten für eine gemeinsame Aktion. Tatsache ist jedenfalls, daß die aufständischen Kurden von früheren türkischen Offizieren befehligt werden, und daß diese Zusammenhänge ganz offen zutage liegen. Aber ebenso unbestritten bleibt, daß der Kurdenaufstand in seinen letzten Phasen auf persischem Boden vorbereitet wurde. Hier ist einzufügen, daß seit etwa Jahresfrist zwischen Persien und der Türkei ein besonderer Freundschaftsvertrag besteht, durch den sich beide Teile verpflichtet haben, die Grenzüberschreitungen nomadisierender Kurdenstämme noch auf eigenem Gebiet und wenn notwendig auch mit Waffengewalt zu verhindern. Diese Verpflichtung hat die persische Regierung jetzt ganz bestimmt nicht erfüllt und die Frage wäre höchstens, ob sie sie nicht erfullen wollte oder ob ihr dazu die Kraft fehlte? Die sehr scharfe Note, die von Angora nach Teheran abging, hat diese Nichteinhaltung des Vertrags mit aller Klarheit nachgewiesen, aber sie hat überdies gezeigt, daß die Aufständischen alle ihre Zuschübe an Lebensmitteln aus Persien erhalten, und daß auch die Munition von dort aus nachgeliefert wird. Man hat dann in Teheran den Spieß umgedreht und gegen eine Grenzüberschreitung türkischer Truppen protestiert, für die sogar ein materieller Schadenersatz verlangt wird, aber diese Geste der Unschuld konnte niemanden überzeugen. Und sie hat vor allem auch die eine Wahrheit nicht aus der Welt geschafft, daß Persien hier nur das willige Werkzeug englischer Umtriebe geworden ist. An der Errichtung eines kurdischen Pufferstaates hätte heute vor allem England ein begreifliches Interesse. Die Idee nimmt in dem Programm seiner antisowjetrussischen Politik keinen geringen Platz ein, und ihre Verwirklichung könnte ja tatsächlich die Gefahr einer künftigen politischen Zusammenarbeit der Türkei und Rußlands,— ob diese Gefahr begründet ist oder nicht, spielt augenblicklich keine Rolle,— sehr wesentlich vermindern. So ist der Kampf hier auf der Brücke Europas und Asiens auch ein Teil jenes ungeheuren Ringens zwischen dem Britischen Reich und dem Bolschewismus, von dessen Entscheidung vielleicht einmal das Schicksal einer Welt abhängen wird. Aber England verfolgt auch noch andere Ziele. Es paßt in sein politisches Konzept, wenn die Türkei nicht zur Ruhe kommen kann und durch solche Zwischenfälle immer wieder in ihrer inneren Entwicklung gestört wird. Auch der ewige Kleinkrieg mit den Kurdenstämmen kostet schließlich Geld, sogar sehr viel Geld, und da zwischen England und der Türkei überdies noch ein paar unbeglichene Rechnungen über die Vorkriegsschulden jestehen, so glaubt man in London wohl auch, auf diese Weise die Regierung in Angora leichter zu einem Einlenken zwingen zu können. Die Kosten der militärischen Operationen seit dem großen Aufstand von Diarbekr vor fünf Jahren werden offiziell mit rund sechzig Millionen türkische Pfund angegeben, aber in diese Summe sind die sehr beträchtlichen Auslagen für die noch immer bestehende Sonderverwaltung der östlichen Provinzen noch gar nicht eingerechnet. Daß die englische Presse jetzt ein Eingreifen des Völkerbundes zugunsten der angeblich unterdrückten Kurden fordert, darf jedenfalls schon als ein schwerwiegendes Indizium für die Interessennahme Englands an diesen Ereignissen gelten. Daneben gibt es auch noch stärkerBeweise: vor allem die modernsten Hotchkiß=Maschinengewehre, die sich in dem Besitz der Aufständischen befinden, und die man doch nicht gut in irgendeinem Geschäft zu kaufen bekam. übrigens sind auch die Handfeuerwaffen und die anderen militärischen Ausrüstungen, über die die Kurden im reichsten Maße verfügen, ausschließlich englischer Herkunft, und man versucht in London auch gar nicht, diese Tatsache zu bestreiten. Der Kurdenaufstand begann diesmal mit dem Vorstoß etlicher Rebellentruppen aus persischem Gebiet unter der Führung des früheren kaiserlich ottomanischen Generalstabsmajors Mahmud Bey, und es glückte im Anfang auch, die Bevölkerung der Grenzdörfer mitzureißen. Denn wer sich den aufständischen Kurden nicht anschloß, wurde erschlagen, und man hat ganze Ortschaften erbarmungslos ausgerottet. In den ersten, mit maßloser Erbitterung geführten Kämpfen wurden die ziffernmäßig nicht sehr starken türkischen Gendarmerieabteilungen niedergemetzelt, und die Lage schien sogar mehr als einmal recht bedrohlich. Aber die Angora=Regierung entschloß sich dann zu einer energischen Abwehr. Drei Infanterie= und zwei KavallerieDivisionen mit den dazugehörigen Artillerieabteilungen und allen verfügbaren Flugzeuggeschwadern wurden unter dem Kommando Salih Paschas aufgeboten, und diesen Truppen gelang es in sehr verlustreichen Gefechten, die größte Masse der Aufständischen in das Tal von Zeylon zu drängen, wo sie durch die Bomben der Flugzeuge und das Feuer der Artillerie bis auf den letzten Mann vernichtet wurden. Man hat keine Gefangenen eingebracht, und die türkischen Heeresberichte sprachen von dreitausend Toten, die auf dem Schlachtfeld blieben. Nur etwa der vierte Teil der Rebellen konnte sich dem Einkreisungsmanöver entziehen und ist in die Abhänge des Ararat geflüchtet, wohin ihnen jetzt die türkischen Truppen folgen. Man wird um jeden Felsblock kämpfen müssen, denn die kurdischen Stellungen im Gebiet des Ararat gelten als fast uneinnehmbar. So wird vielleicht erst der einbrechende Winter diesem grausemsten aller Guerillakriege ein Ende machen. In Angora rechnet man jedenfalls mit einer längeren Dauer des Feldzuges. Der Plan der Errichtung eines selbständischen kurdischen Freistaates darf zwar schon als gescheitert betrachtet werden, aber man will diesmal ganze Arbeit verrichten. Es soll dafür gesorgt werden, daß sich die Aufstände der Kurden nicht jährlich wiederholen, auch dann nicht, wenn England es so haben will. Während die Regierung Brüning mit anerkennenswertem Eifer bemüht ist, die sog. Osthilfe als„Sofortprogramm für die Hauptkatastrophengebiete“ durchzuühren, geht die internationale Aussprache über den Vater alles Übels im deutschen Osten über den polnischen Korridor, weiter, und es sind wieder zwei sehr bemerkenswerte Betrachtungen aus dem westlichen Ausland zu verzeichnen. Der eine Rufer im Streite ist der bekannte französische Publizist Graf Wladimir d'Ormesson. Mitarbeiter des Pariser Matin, weiteren Kreisen in Deutschland bereits bekannt durch sein Buch„Vertrauen zu Deutschland?", worin er die Rückgabe der deutschen Kolonien vorschlug. Der andere neueste Korridorpolitiker ist der ebenfalls nicht unbekannte Schriftleiter des Genfer Journals, William Martin, der Ostpreußen besucht hat, um sich den Pommerellenkorridor und seine Wirkung auch einmal von Osten her anzuschauen. Beginnen wir mit der Schweizer Stimme. Martin hildert in seinem Journal de Genève die traurigen Zustände der preußischen„Inselprovinz“ richtig. Nur macht er in erster Linie dafür erstens die allgemeine Weltkrise der Landwirtschaft und zweitens den Verlust des russischen Hinterlandes verantwortlich. Der Korridor kommt erst in dritter Reihe. Der französische Schweizer mit dem gut deutschen Namen gibt zwar zu, daß der Korridor Ostpreußen vom westeuropäischen Markt abgeschnitten und damit wirtschaftlich großes Unglück angerichtet habe, aber den deutschen Klagen, die in dem Korridor ein politisches Gewaltinstrument sehen will er nicht zustimmen. Die Deutschen seien, so meint er. hier mehr„die Opfer ihrer eigenen Einbildung“. Ihr ewiges Herumzanken mit den polnischen Unverschämtheiten(betises) hätte wenig Sinn und wäre für die deutchen Volksgenossen in Östpreußen nur immer wieder der Anlaß zu einer Panikstimmung, die einen baldigen kriegerischen Einfall der Polen befürchtet. Und das sei eine janz unbegründete Angst. Nun, Herr Martin aus Genf jat sich zwar im deutschen Östen hinter dem Korridor gut umgesehen, aber nicht in der auf den Korridor bezüglichen polnischen Literatur. Wir empfehlen ihm zur Erganzung seiner Kenntnisse die Schrift des früheren polnischen Konsuls in Königsberg, Skrokowski:„Aus dem Lande des schwarzen Kreuzes“. Dieser gar nicht deutschDie Luftgefahr im Dienste der Wahlmache. Von unserem Korrespondenten. Dr. B. Berlin, 12. August. General a. D. von Deimling, der allmählich zu der Überzeugung gekommen ist, daß der Pazifismus der bessere Teil des Militarismus sei, veröffentlicht im Berl. Tageblatt einen Artikel über die militärischen Ergebnisse der Luftmanöver über Lyon und stellt darin in Übereinstimmung mit den Tatsachen fest, daß bei dem jetzigen Stand der Luftabwehr es keinen wirksamen Schutz großer Städte gegen einen Massenangriff von Flugzeugen gibt, und daß daher in den Generalstäben aller Länder die Überzeugung herrsche, daß der Gegenangriff das wirkungsvollste Verteidigungsmittel sei. Man sollte meinen, die logische Folgerung für uns Deutsche aus diesem Tatbestand läge auf der Hand, nämlich mit allen Mitteln eine deutsche Aufrüstung in Verbindung einer Abrüstung der anderen zu erstreben, zumal uns dieser Weg vom Völkerbund selbst gewiesen ist, wo von zuständiger Stelle die Warnung ausgesprochen worden ist, daß sich kein Land auf Grund internationaler Abmachungen in Sicherheit über die Gefahren des Luftkrieges wiegen dürfe. Kein Wort davon in dem Artikel, wohl aber noch der Hinweis, daß in einem Kriegsfalle die Bewohner der Großstädte evakuiert, also bei Kriegsbeginn zwangsweise auf das flache Land gebracht werden sollten. Wer Frankreich kennt, der weiß, daß es freiwillig nie auf die Vormachtstellung in Europa verzichten wird, die es durch den Krieg errungen hat. Daher haben auch die Ansprüche auf eine allgemeine Abrüstung nicht allzuviel Aussicht, wenn hier Zugeständnisse mit Rücksicht auf das Weltgewissen auch nicht ganz ausgeschlossen sind. Wohl aber lassen die Ausführungen Deimlings jeden Hinweis auf die Schutzmoglichkeiten vermissen, die wir gegen die Luftgefahr schon haben, und die sich noch erheblich vermehren lassen. Mit dem Wort, daß man wohl einzelne Menschen, aber nicht die Bevölkerung ganzer Städte mit Gasmasken ausrüsten könne, ist die Frage nicht abgetan. Hat man doch im Kriege nicht nur Millionen von Menschen, sondern auch die Tiere mit Gasmasken ausgerüstet. Zweifellos besteht din Möglichkeit einer allmählich im Laufe von Jahrzehnten durchzuführenden Auflockerung der großen Städte in Siedlungen, wie sie jetzt aus anderen Gründen bereits im Gange ist, und die keine Utopie darstellt. Denn die Schaffung der wehrhaften Städte im Mittelalter war für die an offene Siedlungen gewöhnten Deutschen jener Zeit eine viel schwerere Zumutung, als heute für uns die Zumutung, uns mit offenen Siedlungen zu befreunden. Solange es derartige Mittel gegen die Luftgefahr gibt, müssen sie auch angewandt werden. Und diese Mittel sind nicht aussichtslos. Daß es aber derartige Mittel gibt, ist gewissen politischen Kreisen sehr unangenehm, weil das ja dem allgemeinen Pazifismus entgegenwirken würde. Deshalb müssen sie totach en werden. Der einzige Weg, den Deimling zeigt, nämlich der Stimmzettel im Sinne des Pazifismus, um dadurch dem Pazifismus auch in anderen Ländern zum Durchbruch zu verhelfen, ist aber nur ein Wahlmanöver im Sinne der Linksparteien. Dafür ist die Sache doch zu ernst. Gewiß ist die Luftgefahr groß. Aber wenn andere Völker sie au sich nehmen, wird Deutschland darin auch nicht zurückzustehen brauchen. Westlicher Betrachter des Östproblems. Von unserem Korrespondenten. freundliche Pole verlangt eine„unaufhörliche Propaganda in Europa und Amerika“, die darüber Aufschluß geben soll, daß Ostpreußen nichts anderes sei als eine deutsche Kolonie, die sich in die ihr fremde slawisch-litauische Welt eingedrängt habe. Klipp und klar steht in diesem aufreizenden Buche geschrieben: „Kein Opfer ist zu groß, das man bringen müßte, um Ostpreußen auf diese oder jene Weise zu gewinnen, indem man es in den polnischen Machtbereich hineinzieht.“ Genügt das? Aber Herr Martin braucht seine Genfer Zeitung nur mit einigen Warschauer Blättern auszutauschen. Dann kann er solche polnische Kampf=Fanfaren täglich lesen. Nun zu dem Franzosen. Graf d’Ormesson ist im Grunde derselben Ansicht wie sein Schweizer Kollege von der Tagesfeder. Er veröffentlicht in der Revue de Paris einen Aufsatz, worin er den Gedanken einer Rückgabe des Korridors weit von sich weist. Polen könne den Zugang zum Meere nicht mehr missen. Aber der jetzige Zustand mit seinen beständigen Reibungen und Zwischenfällen sei unhaltbar. Die Verbindung durch den Korridor sei ungenügend und schlecht organisiert. Der französische Graf schlägt vor: man ziehe durch den polnischen Korridor einen Quer=Korridor, an dem Deutschland alle Souveränitätsrechte besitzt. Der deutsche Korridor dürfe allerdings nur die Breite eines Federstrichs haben. Wir möchten hier sofort fragen: „Warum wie ein Federstrich?“ Wenn Polen seinen breiten Korridor nur als wirtschaftlichen Zugang zum Meere erhalten hat, so hätte doch auch hier ein dünner Federstrich genügt? Man ziehe diesen Federstrich von Warschau nach Gdingen oder sonstwohin an die Ostseeküste, und alles wäre in Ordnung. Bolivien in Südamerika hat ja auch einen solchen schmalen Verkehrskorridor nach dem Pazifik und ist damit zufriedengestellt. Aber Polen will mit seinem Korridor etwas ganz anderes. Sonst hätte es nicht,— was Graf d'Ormesson, zu seiner Ehre sei es gesagt, scharf rügt,— den Weichselschiffahrtsweg verfallen lassen und die Brücke von Münsterwalde zerstört. Die polnische Presse schlägt auch bereits Lärm gegen die westlichen Kritiker, die sich mit der Revision des Korridorproblems beschäftigen. Und daraus werdeneben diese Kritiker ersehen, welch weiter Weg, voll von Kämpfen und Rückschlägen noch bis zur endgültigen Lösung sein wird. J. Schulz, Königsberg. Der polnisch-litauische Streitfall. Genf. 12. August. Der jahrelange polnisch=litauische Streit ist jetzt unerwartet in ein neues Stadium eingetreten. Die litauische Regerung hat soeben an den Generalsekretär des Völkerundes das Ersuchen gerichtet, auf die Tagesordnung der am 5. September beginnenden Sitzung des Völkerbundsrates die Frage des Bruches des am 8. November 1928 zwischen Polen und Litauen geschaffenen modus vivendi zu setzen. Das damals geschaffene vorläufige Abkommen litauische Regierung schlägt in ihrem Schreiben an den Generalsekretär des Völkerbundes vor, der Völkerbundsrat möge einen aus Vertretern neutraler Mächte zusammengesetzten Ausschuß bilden, der bis zur endgültigen Regelung des Streites die administrative Linie überwachen und nötigenfalls an Ort und Stelle Untersuchungen vornehmen und der erner den polnischen und litauischen Behörden seine Vermittlung anbieten soll, falls sich Zwischenfälle ereignen ollten. Der Generalsekretär des Völkerbundes hat das Ersuchen der litauischen Regierung auf die Tagesordnung der Ratstagung vom 5. September gesetzt und gleichzeitig das Schreiben der litauischen Regierung der polnischen Regierung zur Kenntnis= und Stellungnahme übersandt. Die Türkei und Persien. Privattelegramme. kg. Berlin. 12. August. Die türkisch=persischen Beziehungen stehen scheinbar vor dem Abbruch. Der persische Gesandte hier erklärte, daß die persische Regierung nicht nachgeben könne. Die persische Regierung als Mitglied des Völkerbundes wolle den Konflikt aber dem Völkerbund unterbreiten. London, 12. August. Die türkische Regierung hielt am Montag in Angora einen Ministerrat ab, um sich mit der persischen Antwort auf die letzte türkische Note wegen der Kurdenüberälle an der persisch-türkischen Grenze zu befassen. Der Ministerrat beschloß, eine neue Auforderung an die persische Regierung zu richten, geeignete Maßnahmen zur Verhinderung weiterer Grenzüberschreitungen durch die Kurden zu treffen. Die neue türkische Note wird in außerordentlich deutlichen Worten abgefaßt sein und innerhalb 48 Stunden eine Antwort von Persien verlangen. Sie läuft praktisch auf ein Ultimatum hinaus. In politischen Kreisen Angoras verlautet noch nichts Näheres, ob und welche Maßnahmen der Ministerrat für den Fall beschlossen hat, daß Persien au chdieser Forderung nicht nachkommen ollte. X Corriere della Sera meldet aus Angora, die Gesamtzahl der türkischen Zeitungen fordern den Einmarsch in Verlien, um der Kurdenaufstände im Grenzgebiet Herr zu werden. In der ganzen Türkei sind die Einberufungen in vollem Gange. An den Ernst der Lage beginnt man allgemein zu glauben. Neues Wiener Journal meldet die Abreise mehrerer in österreichischen Bäden anwesender türkischer Generalstabsoffiziere nach Angora. Das Blatt erfährt aus Konstantinopel, daß dort ungeheure Kriegsbegeisterung herrsche. Mit dem Absingen patriotischer Lieder rückte die Reserve in die Kasernen ein. Man wird diesen und ähnlichen, oft nur von am Kriege interessierter Seite verbreiteten Nachrichten sehr ruhig gegenüber stehen. Es wird nirgends so heiß gegessen, wie gekocht worden ist,— a uch in der Türkei nicht. Die englischen Flottenmanöver. Eigene Meldung. S. London. 12. August. Die Morningpost schreibt, daß die englischen Flottenmanöver in diesem Jahre geteilt werden. Der Großteil der Flotte manöveriere in der Nordsee, die Manöverparole sei: Abweisung eines Angriffs auf den Kanal. Die zweiten Flottenmanöver fänden im Mittelmeer statt, wo man als Parole einen Koalitionskrieg bezw. dessen Abwehr von den englischen Besitzungen angebe. Peschawar abgeschnitten. Meldung der Telegraphen=Union. tu. London, 12. August. Von Lahore aus sind am Montag zwei weitere Abteilungen britischer Infanterie nach Veschawar entsandt worden. Die Bahnverbindung zwischen Peschawar und allen Stationen im Südosten der Grenzprovinz ist unterbrochen. Da auch sämtliche telegraphischen und telefonischen Verbindungen mit dem Pundschabgebiet abgeschnitten sind, sind die Regierungsbehörden in Peschawar auf die Nachrichten angewiesen, die ihnen durch die drahtlose Station der Luftstreitkräfte zugehen. Heute soll ein Versuch gemacht werden, einen Zug nach Peschawar abzulassen. Von Rawalpi aus sind am Montag vier Leiterwagen mit Reisenden nach Peschawar entsandt worden. Auf einer Eisenbahnstation in der Nähe von Peschawar haben die vorruckenden Afrid mehrere Schlafwagen in Brand gesetzt. Nach einem Bericht der Times sollen die Afridis bei der Bevölkerung nur geringe Unterstützung finden. Sie würden zwar kostenlos verpflegt, würden jedoch in ihrem Kampf gegen die britischen Behörden nicht gefördert. Die Afridis halten an ihrer bisherigen Behauptung fest, daß sich ihr Kampf nur gegen die britischen Behörden und die im Regierungsdienst stehenden Personen, nicht aber gegen die übrige Bevölkerung richte. Kurze politische Nachrichten. Gestern hat im Reichstag in Gegenwart des Reichspräsidenten, der Reichs= und Preußenregierung und vieler Gäste die Verfassungsfeier stattgefunden.S Wie vom Wehrkreiskommando V mitgeteilt wird, findet die Beisetzung des Generals der Infanterie Walter Re inhardt Dienstag nachmittag in Stuttgart auf dem Prag=Friedhof statt.S Der Verfassungstag ist im allgemeinen ruhig verlaufen. Nur an einigen Stellen in Berlin kam es zu leichten Zusammenstößen mit Nationalsozialisten.S Die Berliner sozialistische Ar beiterjugend veranstaltete auf dem Gendarmenmarkt eine große Kundgebung. Reichstagspräsident Löbe hielt die Festrede. Er setzte sich ein für die Befriedung der Menschheit und die Verhinderung von neuen Blutopfern.S Das Berliner Reichsbanner Schwarz=RotGold veranstaltete unter riesiger Beteiligung der Menge einen Fackelzug. Auf dem Platz der Republik suchten Nationalsozialisten, die sich zur Täuschung der Menge mit schwarz=rot=goldenen Fahnen versehen hatten, die Feier zu stören. Die Polizei verhaftete 15 Nationalsozialisten. König Faisal vom Irak sucht bekanntlich deutsche Kredite. Man nennt 200 Millionen Mark, die der König in Deutschland in Form von Krediten aufnehmen will. Ein Ergebnis der Verhandlungen lag bis zur Stunde noch nicht vor. Der Präsident der Landwirtschaftskammer für die Provinz Brandenburg und für Berlin, von Oppen=Dannenwalde, ist aus der Deutschnationalen Volkspartei ausgetreten. Die Vertrauensmännerversammlung der Konservativen Völkspartei im Wahlkreis 12(Thüringen) hat beschlossen, den General von Lettow=Vorbeck als Spitzenkandidat für die Reichstagswahl aufzustellen. Gestern hat eine Zechenbesitzerkonferenz beim Bergbauverein in Essen stattgefunden, die sich mit der Frage der Kündigung des am 30. September ablaufenden Lohntarifes befaßte. Eine endgültige Entscheidung ist noch nicht gefällt worden. Indessen kann schon jetzt mit größter Wahrscheinlichkeit angenommen werden, daß die Kündigung am 18. ds. Mts. sechswöchige Frist) von Arbeitgeberseite ausgesprochen wird. Auf der Legionärstagung in Radom hielt Pilsudski eine sensationelle kurze Ansprache. Er sagte: Wir kämpfen für das Land, das uns gehört, das wir aber noch nicht in Besitz haben. Nur ein großes Polen, wie es vor zwei Jahrhunderten bestand, hat die Fähigkeit zu leben. Nach Pariser Meldungen soll in Moskau eine Verschwörung gegen Stalin aufgedeckt worden sein, an der der gesamte Kommandostab eines Artillerieregiments beteiligt war.S Die Bevölkerung von Castanheira (Portugal) griff im Verlaufe einer Kundgebung gegen die Steuerbelastung des Hausbesitzes einen Trupp republikanischer Garde an. Diese machte von der Schußwaffe Gebrauch. Zwei Personen wurden getötet und mehrere andere verletzt. Botschafter von Hoesch hatte gestern eine Unterredung mit dem französischen Außenminister Briand, die die Erörterung von verschiedenen mit der Septembertagung des Völkerbundes im Zusammenhang stehenden Fragen zum Gegenstand hatte. Aus Anlaß des Verfassungstages hatte Botschafter von Hoesch die in Paris lebenden Deutschen zu einer Abendfeier in den Wagramsaal eingeladen. Etwa 1000 Deutsche waren der Einladung gefolgt. In Nordfrankreich ist gestern eine weitere teilweise Wiederaufnahme der Arbeit erfolgt. In der Nähe von Peschawar in Indien haben sich neue blutige Kämpfe abgespielt. Es wird ein konzentrisches Vorgehen der aufständischen Afridis gegen die Stadt befürchtet. In den Bezirken um Sukkur ist die Spannung zwischen Hindus und Mohammedanern außerordentlich bedrohlich geworden, so daß sich die britische Regierung genötigt sah, nach verschiedenen Orten Truppenabteilungen zu werfen. Aus Stadt und Land Das„sterbende Reichsbanner“ des Siegerlandes, so überschreibt das hiesige Zentrumsblatt einen Artikel, der unsere Betrachtungen, die wir über den„Krach im Reichsbanner“ anstellten, bestätigt. Das Sieg=Rheinische Volksblatt schreibt: „Wir wir bereits meldeten, hat der Führer des Reichsbanners„Schwarz=rot=gold“ wegen der gehässigen Angriffe der Sozialdemokratischen Partei auf das Siegener Zentrum und wegen der systematischen Beleidigung der gegenwärtigen Reichsregierung, besonders des Zentrumskanzlers Dr. Brüning, den Vorsitz niedergelegt und mit ihm haben eine ganze Anzahl auf Anständigkeit im politischen Leben Wert legende Republikaner dem Siegener Reichsbanner den Rücken gekehrt. Der Kreisparteivorstand der Zentrumspartei hat auf die Einladung des sozialdemokratischen Kreisleiters des Reichsbanners, an der diesjährigen Verfassungsfeier teilzunehmen, ebenfalls aus den obengenannten Gründen, Herrn Fries eine glatte Absage erteilt und so zog gestern das„ozialdemokratische Reichsbanner“ allein aus, um den Jahrestag der Verfassung zu begehen. Uns würde dieses wenig interessiert haben, wenn nicht Herr Fries wiederum in seiner Ansprache beleidigende Äußerungen über die Regierung Brüning gemacht hätte. Eine sachliche Auseinandersetzung ist nun einmal mit derartigen Leuten unmöglich. Die einzig richtige Antwort stellt das nachstehende Schreiben des Siegener Zentrumsführers Schopp dar: Siegen, 10. Aug. 1930. An den stellv. Kreisleiter des Reichsbanners „Schwarz=Rot=Gold“, Kreisvereinigung Siegen, Herrn Landtagsabgeordneten Fritz Fries, Siegen, Donnerscheidstraße 19. In Nr. 184 der„Siegener Volkszeitung" vom 9. d. Mts. befindet sich eine Einladung, in welcher zur Teilnahme an einer Kundgebung des Reichsbanners „Schwarz=Rot=Gold“ Kreisvereinigung Siegen anläßlich der Verfassungsfeier vorgenannter Vereinigung aufgerufen wird. In diesem Aufruf heißt es u. a.c..„und so wollen die ehrlichen Republikaner des Zentrums auch in diesem Jahre in Reih und Glied zur VerfassungsfeierDemonstration marschieren und auf dem Marktplatz gegen die Diktatur und Willkür des Reichskanzlers Brüning und seiner Helfershelfer Stellung nehmen.“ Der Unterzeichnete erblickt als ehrlicher Republikaner in dem Vorgehen des Reichskanzlers Brüning keine Diktaturgelüste und keine Willkürherrschaft desselben, sondern das ehrliche Bestreben, der Demokratie, welche durch das Verhalten der republikanisch sein wollenden sozialdemokratischen Reichstagsfraktion vor der Reichstagsauflösung einen schweren Stoß erlitten hat, wieder zum Ansehen zu verhelfen. Bei der eigentümlichen Einstellung der Kreisvereinigung Siegen anläßlich der Ver(?)„SchwarzRot=Gold“, die aus dem vorerwähnten Aufruf hervorgeht, ist es mir naturgemäß unmöglich, dem Reichsbanner auch fernerhin meine Hülfe zu leihen. Ich trete deshalb hiermit als Vorstandsmitglied des Reichsbanners„Schwarz=Rot=Gold“, Ortsgruppe Siegen, zurück und erkläre zu gleicher Zeit meinen Austritt aus dem Reichsbanner„Schwarz=Rot=Gold“. Albert Schopp, Vorsitzender der Stadtsiegener Zentrumspartei. So ist nunmehr endgültig der Trennungsstrich zwischen den beiden republikanischen Parteien gezogen. Dem Beispiel des Zentrumsführers folgen wohl die anderen Zentrumsanhänger und fortan wird das Reichsbanner in Siegen einzig und allein eine Nobelgarde der S. P. D. darstellen, da die wenigen Demokraten gar nicht mehr mitzählen und dann der Name dieser Organisation richtig lauten muß:„Sozialdemokratisches Reichsbanner“ oder „Das sterbende Reichsbanner des Siegerlandes".— Soweit das Sieg=Rheinische Volksblatt. Wir haben schon wiederholt darauf hingewiesen, daß ein Krach zwischen Zentrum und dem Reichsbanner unabwendbar sei, denn man konnte es mit dem Krückstock fühlen, daß das Reichsbanner immer mehr zur Schutztruppe der Sozialdemokratie wurde. t Siegen * Siegen, 12. August. Zur Notverordnung des Reichspräsidenten, soweit diese die Versorgung der Kriegsbeschädigten und Kriegerhinterbliebenen betrifft, hat der Reichsarbeitsminister nunmehr Durchführungsbestimmungen erlassen. über deren Inhalt teilt der Verband der Kriegsbeschädigten und Kriegerhinterbliebenen des Deutschen Reichskriegerbundes „Kyffhäuser“ folgendes mit: Die Versorgungsämter sollen alle Anträge auf Versorgung, die nach Ablauf der Frist eingehen, daraufhin prüfen, ob eine Berücksichtigung im Härtewege geboten ist. Dies sei in der Regel anzunehmen, wenn durch eine auf Dienstbeschädigung beruhende Gesundheitsstörung, insbesondere infolge von Kriegsverwundung, die Erwerbsfähigkeit um mindestens 50 v. H. gemindert ist und ein Bedürfnis vorliegt. Auch Heilbehandlung kann gewährt werden. Rentenerhöhungsanträge, bei denen die in der Notverordnung neu eingeführte Ausschlußfrist versäumt ist, sollen gleichfalls sachlich geprüft werden und können, wenn sie zweifelsfrei berechtigt sind, unter Ausschaltung des Rechtsanspruchs berücksichtigt werden. Die bisher bestehende Möglichkeit, Versorgung wegen eines im zeitlichen(nicht ursächlichen) Zusammenhange mit dem Kriegsdienst stehenden Leidens zu gewähren, ist bedauerlicherweise beseitigt worden. ** Siegen, 12. August. Eine schwere Pilzvergiftung hat sich hier ereignet, die zwei in einem Hause der Marienborner Straße wohnende Familien heimgesucht hat. Die selbstgesuchten Pilze wurden am Sonntagabend verzehrt, während der Nacht stellten sich bei allen, die sie genossen hatten, starke Vergiftungserscheinungen ein, so daß ein Arzt gerufen werden mußte, der die sofortige Überführung der beiden Familien in das Krankenhaus anordnete. Man hofft aber die Vergifteten dem Leben zu erhalten. Pilze, die man nicht genau kennt, soll man unter allen Umständen nicht sammeln. * Siegen, 12. August. Der Lindenbergsportplatz wird künftig eine regere Tätigkeit auf dem Gebiete des Turnens und Sports aufweisen. Die Vereine„Turnverein Eintracht(D. T.),„B. C. Eintracht“(DFB.) und „Deutsche Jugendkraft=Siegen“ haben den Sportplatz von dem Besitzer desselben— Sportverein Lindenberg— zwecks Ausübung von Leibesübungen gepachtet. Durch gemeinsame Arbeit sind diese Vereine bestrebt, die Platzanlagen in jeder Hinsicht auszubauen und den Besuchern den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu machen. Alljährlich ist die Abhaltung eines größeren Werbe=Turn= und Sportfestes der beteiligten vier Vereine vorgesehen, um auf diese Weise ebenfalls Gelder für den Ausbau zu erhalten. In Anbetracht der unglücklichen wirtschaftlichen Verhältnisse ist von der Veranstaltung in diesem Jahr Abstand genommen worden. Lediglich an einem WerbeSpieltag für Sonntag, den 17. August 1930 wurde festgehalten. Es sind vorgesehen ein Fußball= und drei Handball=Spiele. Zwei DT.=Mannschaften aus dem Mittelrheinkreis werden sich an den Spielen beteiligen. Eingeleitet wird die Veranstaltung durch Einzel- und Staffelläufe. Die Kämpfe sind insofern interessant, als drei Großverbände für Leibesübungen ihre Mannschaften im Wettkampf gegenüberstellen. Näheres folgt unter Sportnachrichten wie auch im Inseratenteil. Der Kartoffelkrebs ist eine anzeigepflichtige Pflanzenseuche und schädigt unsere Land= und Volkswirtschaft sehr! Nummer 187 2. Blatt Dienstag, 12. August 1930 Siegener Zeitung Großstadthäuser. Geduckt und grau: so stehen sie beisammen und schließen dunkle Rätsel in sich ein. Nur manchmal glüht ein Fenster auf in Flammen und lächelt matt und blind im Sonnenschein. Seltsame Dinge treiben drin ihr Wesen des Nachts, bevor der Morgen graut und Schatten wachen auf, die längst gewesen, und stumme Seufzer werden manchmal laut. Sie sind so schwer von all den Menschenseelen, voll von Vergangenem— und möchten schrei'n. Tausend Geschicke, die sie scheu verhehlen, gespenstern hinter Tor und Stein. Manchmal hört man ein Kind, das weint, ein Mädchen trällert eine Melodie... Im Sommer, wenn die Sonne über sie scheint, werden sie wieder jung— dann blüh'n auch sie und werden leicht und hell in all dem Leuchten. Die Mauern stehen ganz im Glanz versunken. Die Stuben schimmern aus den Fenstern, wie aus feuchten Augen, die sich an Licht und Sonne sattgetrunken. E. A. Holm. und um die Welt. Luten höllt'ne In Klitschenhagen is Kinnergesellschaft. Den Gaudsbesitter sin lütt Jung, Waldemar, hett Geburtsdag, un all' dei lütten Jungens ut de ganze Dörp sünd inladen. Dor sitten sei nu, all' heiten Alltauhop sauber antrocken, dei Hoor mit Kamm un Water schön schier anlegt, dei Näsen all' sauber putzt, so seeten s' üm'nen langen Disch. Un Fru Gaudsbesitter güng mit ehr öllst Dochter üm den Disch rüm, makt dei„Hannüürs“ un schenkt flietig Schokolor in. Kauken stunn hümpelwies in grote Schötteln up'n Disch, jedereen künn so väl äten, as hei wull. Dat was pläsierlich antauseihn, wurans dei enzelten Jungs sick binähmen deden. Dei mihrsten wiren man still un schüchtern, weck äwerst harn furts dat grode Wurr. Weck von dei Stillen wiren uck bescheiden un leeten Aeten und Drinken sacht angahn, weck von ehr äwerst stoppten stillschwiegens rin wat man iichtens rill wull. Tau disse gehürte uck Luten Wendt, hei seet achter'n groten Blaumenstruz un makt dat Muul blots up, wenn hei Kauken un Schokolor änvernähmen ded. Mit de Tied würden uck dei Stillen driester, un ball was en tämlichen Jungslarm in'n Gang. Blots Luten höl sick nich mit Dröhnsnack up. Mit ees äwerst stünn hei up. „Ah. sieh da!“ reep Fru Gaudsbesitter,„seid mal ruhig, Kinder! Ludwig Wendt will eine Rede halten!“ Dat was mit ees so still as in'ne Kirch, un all keeken s' verwunnert orre nieglich up den kühnen Luten. Wur blaß hei vör Uprägung utseeg!— Un denn ded Luten dat Muul up un säd: „Ick segg uns' Fru minen besten Dank! Ick möt nah Huus,— ick möt mi bräken!“ (Aus dem Hamburget Fremdenblatt.) *Persönliches. Richard Greß, Kompositionslehrer an der Westfälischen Schule für Musik zu Münster, hat soeben eine Symphonie in B=Dur für großes Orchester vollendet, deren Uraufführung diesen Winter in Münster durch Dr. Richard v. Alpenburg erfolgen wird. * Tagungen. Der Verein Deutscher Ingenieure wird die Hauptversammlung in Wien, die am 14. September stattfinden sollte, in Anbetracht der Auflösung des Deutschen Reichstages und der für diesen Tag anberaumten Neuwahlen erst am 21. September abhalten. Zugleich wird eine vom Österreichischen Verein Deutscher Ingenieure geschaffene Ausstellung„Österreichische Technik in Dokumenten der Zeit“ eröffnet. Die Verfassungsfeier in Berlin. Die Feier im Reichstag; am Rednerpult Wirth. Zur Aufführung des Festspiels„Die Befreiung des Rheins“ im Berliner Stadion.(Eine Szene aus dem Spiel.) wb. In voller Fahrt zusammengestoßen sind auf der Straße von Lünen nach Hamm nachts in einer Kurve zwei Motorräder. Die Fahrer des einen Rades wurden auf der Stelle getotet, während die beiden anderen, zwei Brüder, schwer verletzt dem Krankenhaus zugeführt wurden. Auf dem Transport dorthin ist einer der Brüder gestorben. Kurz nach dem Zusammenstoß fuhr in der Dunkelheit ein drittes Motorrad, das ebenfalls mit zwei Personen besetzt war, auf die beiden verunglückten Motorräder auf. Die Fahrer wurden auf die Straße geschleudert und ebenfalls schwer verletzt. Die Schuld an dem schweren Unfall soll nach den bisherigen Ermittlungen das Motorrad die beiden Getöteten tragen, das ohne Licht in die Kurve hineingefahren war. — An Kinderlähmung erkrankt ist in dem bei Biesenthal liegenden Wandlitz ein neunjähriges Kind. Die Krankheit herrschte bisher im Elsaß. Ob und auf welche Weise sie eingeschleppt worden ist, konnte noch nicht festgestellt werden.— Kinderlähmung ist eine ansteckende, meist Kinder befallende Krankheit, die mit Fieber, auch Husten, beginnt und infolge von Rückenmarkzerstörungen(daher spinale K.) in Lähmungen übergeht, die in 80 Prozent die Beine befallen. Mitunter trifft die Herstörung das Gehirn(zerebrale K.), wobei Lähmung der Augen=, Gesichts= und Sprechmuskeln beobachtet wird. Die Sterblichkeit beträgt etwa 20 Prozent, der Erreger der Krankheit und sein Verbreitungsweg sind noch unbekannt. * Von der Bausparkasse„Das Heim“ e.G.m.b.H., Krefeld, wird uns zu dem Artikel über„Zusammenbrüche von Bausparkassen“ geschrieben: Richtig ist, daß in der jüngsten Zeit in der Öffentlichkeit das Gerücht über den Zusammenbruch verschiedener Bausparkassen verbreitet worden ist. Dieses ist aber eine Entstellung der Tatsachen. Soweit hierbei Namen von angeblichen Bausparkassen genannt worden sind, handelt es sich hier nicht um solche, sondern, wie auch aus der Firmenbezeichnung hervorgeht, um Baugenossenschaften oder Bauvereine, also Gesellschaften, die keine Bausparkassen, sondern Bauunternehmungen darstellten. Diese haben mit dem Bausparkassenwesen nichts zu tun. X Auf eigenartige Weise verhaftet wurde in Altenburg ein Dieb, der vor einiger Zeit einige raffinierte Einbrüche in Halle ausgeführt hatte. Er stieg in einem Hotel ab. Als er sich ins Fremdenbuch eintragen sollte, zögerte er einen Augenblick, sah in seinem Notizbuch nach und trug dann einen Namen ein. Gleichzeitig sagte er: „Wenn etwas für Simon ankommt, das ist für mich!“ Der Wirt, dem der Vorfall merkwürdig erschien, zumal im Fremdenbuch ein anderer Name eingetragen war, benachrichtigte die Polizei, die Simon festnahm. Der Dieb hat die Einbrüche gestanden. Die gestohlenen Gegenstände konnten zum Teil wieder herbeigeschafft werden. wb. In der Hochosenanlage der Burbacher Hütte in Saarbrücken explodierte gestern vormittag eine Luftleitung, wobei ein Arbeiter schwer verletzt wurde; er ist inzwischen seinen Verletzungen erlegen. Die an der Leitung angeschlossene Maschine wurde zertrümmert, so daß der Betrieb vorübergehend eingestellt werden mußte. wb. Das Luftschiff Graf Zeppelin ist gestern abend 7,15 Uhr in Friedrichshafen glatt gelandet. □ Am Genuß grüner Pflaumen gestorben ist ein Querfurter Junge. Er hatte aus dem Garten seiner Eltern grüne Pflaumen gepflückt und gegessen, worauf er dann noch Wasser trank. Eine schwere Magen= und Darmstörung machte seine Überführung ins Krankenhaus notwendig, wo er jetzt an den Folgen des Obstgenusses gestorben ist. X Ein seltener Fall von Pilzvergiftung hat sich im bayerischen Glonn ereignet. Ein Einwohner hatte 11 Stück des sehr giftigen Knollenblätterpilzes genossen, den er mit dem Wald=Champignon verwechselt hatte. Er kam ins Gasthaus und äußerte, er habe vermutlich„falsche Schwammerln“ erwischt und glaube, sie mit einem Quantum Bier unschädlich machen zu können. Da aber anwesenden Gästen seine unsicheren Bewegungen auffielen, wurden seine Frau und der Arzt verständigt, der sofort eine Magenausspülung vornahm. Es ist wohl der verhältnismäßig groten Zahl dieser giftigen Pilze zuzuschreiben, daß sie nicht wie sonst ihre verderbliche Wirkung erst im Darm, sondern bereits im Magen fühlbar machten, und daß der Betreffende gerettet Die kleine Sva. Roman von C. Fraie:=Sin.son Deutsches Recht beim Verlag Georg Müller in München. 11)(Fortsetzung.) Ein halbe Minute lang waren ihre Füße vor Angst wie an den Boden gefesselt, und die Versäumnis dieser halben Minute machte ein Entkommen unmöglich. Er durfte nicht entdecken, daß sie vor ihm floh. Fand er sie aber in dieser Kleidung hier, so war sie verloren. Er mußte ja dann auf den Verdacht kommen, daß sie die Papiere besaß und konnte sie ihr einfach wegnehmen. Niemand hätte ihre Hilferufe vernommen, denn die Dienerschaft schlief weit entfernt im Nebenflügel. Ihre Hand suchte das Treppengeländer, um sich aufrecht zu halten. Dabei griff sie in etwas Weiches, Wolliges. In diesem Augenblick hielt Creason an, um ein Zündholz anzustreichen, und in dem unsichern Licht, das bis zu ihr drang, erblickte Eva eine Wolldecke, die offenbar von einem der Dienstmädchen hier vergessen worden war. In der nächsten Sekunde hatte sie die Decke herabgerissen und sich vom Kopf bis zum Fuß hineingehüllt. Sie stand nun auf der untersten Stufe des weiter hinauf führenden Treppenstücks. Unmöglich schien es nicht, daß Creason sie nicht entdeckte. Vorausgesetzt, daß er nicht wieder ein Streichholz anzündete. Dann mochte es sein, daß er links an ihr vorüberging und, ohne sie zu bemerken, ins Speisezimmer trat. Als er aber den Treppenabsatz erreicht hatte, wurde die Spannung zu unerträglich für Eva. Sie wankte, suchte an der Wand nach irgendeinem Halt und verwickelte sich dabei mit dem Fuß in die Decke. Wild griff sie mit der Hand umher, faßte den Schalter der elektrischen Beleuchtung, gewann Halt, aber drehte dabei das Licht an. Mit einem Schrei fuhr Creason zurück. Auf seinem Gesicht malte sich das äußerste Erstaunen. So standen sie sich einen Atemzug lang schweigend gegenüber und blinzelten sich an, von der plötzlichen Lichtflut geblendet. Eva war die erste, die ihre Besinnung wiederfand. Sie hatte vor Creason den Vorteil voraus, daß sie von seiner Anwesenheit wußte, während er völlig überrascht worden war. Da sie fürchtete, daß ihre seltsame Kleidung unter der Decke zum Vorschein käme, zog sie sie dichter um sich, setzte sich auf die Treppenstufen und rief: „Sie, Herr Creason! Was für eine Erlösung! Ich dachte, es wäre ein Einbrecher.“ Creason konnte sich augenscheinlich keinen Reim auf die Sache machen. Er wußte nicht, daß das Licht nur durch ein Versehen angedreht worden war, und dieser Umstand rettete vielleicht Eva. „Ich teile Ihre Gefühle, gnädige Frau“, sagte er.„Ich gestehe, daß Sie mich erschreckt haben und daß ich erleichtert bin, nur Sie vor mir zu sehen. Aber sagen Sie mir. bitte: bringen Sie gewöhnlich die Nacht auf der Treppe zu?“ Die Frage und der Ton in dem sie gestellt wurde, waren unverschämt. Dazu kam noch, daß er Eva mit einer unverhüllten Bewunderung betrachtete, die sie verletzte. *„Ich hörte ein Geräusch,“ antwortete sie kühl „und kam herab, um zu sehen, was es gäbe. Sie sind wohl aus dem gleichen Grund da?“ Leichter konnte sie ihm die Erklärung nicht gut machen. Sie fragte sich, ob sie nicht schon zu deutlich geworden war. Aber er nahm bereitwillig das Stichwort auf. „So ist es“, sagte er.„Auch ich glaubte etwa vor einer halben Stunde ein Geräusch zu hören und kam herunter, um nachzusehen.“ „Dann kann ich also, Gott sei Dank, wieder zu Bett gehen. Mich friert.“ „In dieser Hinsicht bin ich im Vorteil“, versetzte Creason.„Sie sehen, ich habe mich gleich angezogen, weil ich mich so besser allen Ereignissen gewachsen glaubte. Während Sie, gnädige Frau, nur eine Decke umnahmen. Wirklich eine merkwürdige Kleidung, die ihnen aber so gut steht, daß Sie zweifellos mit dem Einbrecher fertig geworden wären.“ Die gezwungene Galanterie in seinen Worten war Eva widerwärtig. Dieser Mensch verstand es doch immer, seinen Mangel an wirklicher Bildung zu unterstreichen. Vielleicht lag das nur an der Wahl seiner Ausdrücke. Sie fühlte seine Blicke auf sich ruhen und fragte sich, ob er wohl, als sie das Licht andrehte, etwas von ihrer Kleidung bemerkt haben könne. Mittlerweile war es ihr gelungen, die Armel des Sweaters über ihre Ellenbogen zurückzuschieben. Mit den nackten Armen hielt sie die Decke fest über dem Hals zusammen. „Ich konnte mein Morgenkleid nicht gleich finden“, sagte sie ein wenig zaghaft. Sie fühlte, daß eine Wolldecke wohl das letzte war, dessen man sich bei einer solchen Unternehmung bediente. Dann fuhr sie fort in der Hoffnung, ihm den Eindruck zu machen, daß sie eben erst auf dem Schauplatz erschienen sei:„Nun, da Sie da sind, brauche ich mich ja unten nicht weiter umzusehen.“ „O, Sie waren noch gar nicht unten?“, fragte er und sah sie durchdringend an. „Aber nein“, log sie.„Ich wollte gerade hinunter, als ich Sie die Treppe heraufkommen hörte.“ „Wirklich!“ war alles, was er antwortete. Eva fühlte, daß er ihr nicht glaubte. Und plötzlich war sie am Ende ihrer Kräfte und wußte, daß sie dieses Verhör nicht mehr länger aushalten könnte. „Dann will also wieder zu Bett gehen“, sagte sie.„Wenn ein Einbrecher da ist, werden Sie sicher mit ihm fertig werden.“ Sie sprang auf die Füße, drehte das Licht ab und lief die Treppe hinauf. „Was soll denn das heißen, daß Sie's plötzlich dunkel machen?!“ rief er ihr nach. Bei dem Zustand ihrer Nerven war es ihr gleich, ob er auch den Zweck erraten haben mochte. Es wäre ihr unmöglich gewesen, unter seinen Blicken in der Decke die Treppe heraufzusteigen. Aber sie zwang sich doch zu einer Antwort. „Entschuldigen Sie vielmals“, rief sie zurück. „Im Speisezimmer finden Sie den Schalter gleich links neben der Tür.“ Dann wartete sie nicht mehr, rannte die Treppe herauf und durch den Korridor in ihr Schlafzimmer. Hier war's ihr, als wäre sie im Himmel. Aber nun setzte auch die Reaktion ein. Ihr Mut verließ sie, und sie fiel in einen Stuhl, zitternd vor Kälte und Angst. Das Feuer im Kamin brannte noch, und sie raffte sich auf, um Holz und Kohlen nachzulegen. Bis sie ihre feuchten Kleider ausgezogen und sich in einen wärmenden Morgenrock gehüllt hatte, stand es in voller Glut. Sie zog sich einen Lehnstuhl vor den Kamin und genoß die ausstrahlende Als sie endlich durch und durch warm geworden war, vertauschte sie den Lehnstuhl mit dem Bett. Die kostbaren Papiere unter ihrem Kopfkissen, verfiel sie sofort in den Schlaf äußerster Erschöpfung. 9. Kapitel. Der Eintritt Janets mit dem Morgentee weckte Eva auf. Sie fühlte sich erfrischt und merkwürdig wenig ermüdet durch die Anstrengungen der vergangenen Nacht. Sobald Janet sie verlassen hatte, stand sie auf und holte ihre kurze Lederjacke und ihren Arbeitskorb. Mit beiden kehrte sie ins Bett zurück. Dann trennte sie sorgfältig das Wollfutter der Jacke auf, schob die Papiere hinein und nähte es wieder zu, so daß auch nicht das Geringste zu bemerken war. Der übliche Versteckplatz, dachte sie während der Arbeit. Seit das Futter erfunden worden war, hatte man es für solche Zwecke benutzt. Jedenfalls deshalb, weil es dort am sichersten war, wenn man etwas an sich verbergen wollte. Nachdem's Jahrhunderte so gemacht worden war, warum sollte sie etwas Neues ausfindig zu machen versuchen? Diese Jacke trug sie in Schottland beständig außer dem Haus und auch oft genug im Haus. Sie erinnerte sich mit Befriedigung, daß sie sie auch bei der Ankunft Creasons angehabt hatte. Es konnte ihm also durchaus nicht auffallen, wenn sie sie auch jetzt den ganzen Tag trug. Die Steifheit des Leders verbarg aufs beste die Steifheit und das Knistern der Papiere. Nachdem das zu ihrer Zufriedenheit erledigt war, legte sie sich im Bett zurück, um zu überlegen. Sie rief sich die Ereignisse der vergangenen Nacht wieder ins Gedächtnis zurück und fragte sich, ob Creason wohl einen Verdacht haben mochte und ob er das Zusammentreffen auf der Treppe überhaupt erwähnen würde. Aber die Sache mit den Papieren beschäftigte sie doch noch mehr. Wie war es nur geschehen, daß Peter die beiden Umschläge verwechselt hatte? Sie erinnerte sich an seine übereilte Abreise und mußte sich sagen, wenn sie alle Einzelheiten genau überdachte, daß sie, zum Teil wenigstens, die Schuld an dem Irrtum trug. Sie hatte die Zeitungen auf den Umschlag mit den Wahllisten gelegt. Dann, während sie seine Aktenmappe holte, mußte er den Umschlag, der die Akten enthielt, noch auf die Zeitungen drauf gelegt haben. Nachher hatte sie die beiden illustrierten Blätter wieder herausgezogen und die vermeintlichen Wahllisten auf das Sofa geworfen. Peter hatte den Umschlag vermißt, da er aber einen genau gleichen unter den Zeitungen entdeckte, diesen eingesteckt, ohne sich Zeit zu nehmen, den Inhalt zu untersuchen. Ja, sie sah ganz klar, wie die Verwechslung zustande gekommen war. Ihre Schuld war es, wenn auch Peter nochmals hätte nachprüfen müssen. Peter! Was war ihm zugestoßen? Wo befand er sich? Wieder diese quälenden Gedanken. Unter welchen Umständen hatte er die beiden Warnungsbriefe geschrieben? Sie fühlte sich ganz krank vor Sorge, und am liebsten hätte sie den ersten Zug nach London genommen, um herauszufinden, was sich mit ihm ereignet hatte. Aber im nächsten Augenblick war sie sich wieder bewußt, daß ihre vordringlichste Sorge den Akten gelten mußte. Peter hatte sein Vertrauen auf sie gesetzt, und sein Wunsch war, daß sie vor allem in Sicherheit gebracht würden. Irgendwie empfand sie als gewiß, daß er selbst nicht zu Schaden gekommen war, und das tröstete sie. Alles, was da vor sich ging, vermochte sie nicht zu durchschauen, aber sie versuchte, die Tatsachen, die sie kannte, ein wenig zu entwirren. Peter hatte die Papiere irrtümlich hier zurückgelassen und mußte sie bei der Sitzung am Sonnabend vorlegen. Das war einmal sicher. Und fast ebenso sicher war, daß Creason gekommen war, um sich der Papiere zu bemächtigen. Aber gewiß nicht, um sie dann Peter auszuhändigen. (Fortsetzung folgt.) wurde, bei dem sich auch jetzt noch Nachwehen der Vergiftung in Bewegungsstörungen zeigen. Eine kleinere Menge hätte wahrscheinlich zum Tode geführt. □ Die badische Naturschutzverordnung hat in den drei Jahren ihres Bestehens in vorbildlicher Weise zahlreiche heimische Pflanzen und Tiere unter Schutz gestellt. Auf Antrag der Landesnaturschutzstelle in Karlsruhe ist diese Liste jetzt dahin erweitert worden, daß von jetzt ab auch der Fischotter unter Naturschutz gestellt und seine Verfolgung strafbar ist. Der Fischotter war schon beinahe ausgerottet worden. Jeder Naturfreund wird es begrüßen, daß dieses interessante Säugetier der heimischen Gewässer trotz des Schadens, den es Fischjägern verursacht, vor gänzlicher Vernichtung bewahrt bleiben soll. Ferner ist auch der grune Wasserfrosch unter Schutz gestellt worden. Alle übrigen Lurche, also Feuersalamander, Molche, Unken, Kröten und Frösche, waren bereits geschützt. Das aus Frankreich übernommene widerliche Froschschenkelessen, das zu vielen Grausamkeiten gegen die Frösche geführt hat, ist damit in Baden nicht mehr möglich. — Die Kanarienvögel des Herrn Preller beschäftigen die Polizei in München. Dieser Herr Preller war zunächst ein ganz honetter Mann, vierzig Jahre lang ernährte er sich redlich. Dann aber begann er mit Betrügereien. Er führte, getreu seinem Namen, die Mitmenschen dadurch hinters Licht, daß er ihnen Kanarienweibchen, die bekanntlich nicht die Gabe des Gesanges besitzen, als preisgekrönte Harzer Edelroller verkauft, oder indem er junge Hundebastarde als Abkömmlinge preisgekrönter Jagd= und Polizeihunde an den Mann bringt. Um seine Ware loszuschlagen, wendet er auch schauspielerische Künste an, indem er als reicher Hotelier aus Südamerika und Kanarienzüchter oder als schmucker Förster und Hundeverkäufer auftritt. Man ist dem heute 64jährigen Herrn Preller freilich immer auf seine Schliche gekommen, und so hat er denn wiederholt in Deutschland für kürzere oder längere Zeit mit dem Gefängnis Bekanntschaft gemacht. Auch jetzt ist er wieder in München verhaftet worden. kp. Am Eingangstor der Pfarrkirche in Karlovac ließ der Pfarrer eine Kundmachung anschlagen, in der den Frauen und Mädchen zur Kenntnis gebracht wird, daß sie nicht zur Beiche zugelassen werden, wenn sie in ausgeschnittenen Kleidern erscheinen. In der Kundmachung werden den Frauen und Mädchen für den Kirchenbesuch genaue Kleider=Vorschriften gegeben. ml. Die Rettung Ertrinkender ist nachts besonders schwer. Auch die Rettungsringe zeigen sich in ihrer bisherigen Form nicht allen Anforderungen gewachsen. Denn der Ertrinkende kann sehr oft den Ring nicht sehen, und umgekehrt ist es der Mannschaft der Rettungsboote nicht möglich, den mit einem Ring auf dem Meer treibenden Menschen in der Dunkelheit zu erkennen. Man hat daher einen Rettungsring geschaffen, der durch eine eingebaute Leuchtvorrichtung sichtbar bleibt. In den Ring ist eine Aluminiumhülse eingelassen, die am oberen Ende eine Glaslinse trägt. Unter der Linse ist eine elektrische Birne angebracht. Die Kontakte der luftund wasserdicht abgeschlossenen Batterie, durch die die Birne betrieben wird, laufen in eine Kammer, die mit Siebverschluß versehen ist. Kommt der Ring nun mit dem Wasser in Berührung, so dringt das Wasser durch diesen Siebverschluß in die Kammer ein. Im Innern der Kammer befindet sich auf dem Sieb ein trockener Schwamm. Dieser saugt das einströmende Wasser auf, dehnt sich dabei aus und bringt dadurch die dicht über ihm liegenden, sehr leichten Kontakte zur Berührung: der Stromkreis ist geschlossen, die Birne leuchtet auf. = Ein seltsames Bild zeigte am zweiten Tage des Erdbebens in Oberitalien der aus dem Attersee kommende Agerfluß. Zugleich mit dem Sinken des Wasserspiegels verkehrte sich die Richtung des Flußlaufes in das Gegenteil. Der Vorgang erweckte den Anschein, als würde durch eine unsichtbare, ungeheuer starke Macht das Wasser aus dem See gesaugt und auf dieselbe Weise die Wassermassen der Ager in den See zurückgezogen. Boote, die zuerst flußaufwärts fuhren, wurden von der Strömung wieder in den See zurückgetrieben, in den nun die Ager zu münden schien. Auch ein Transportkahn wurde auf diese Art aus seiner ursprünglichen Fahrtrichtung flußabwärts gebracht. Der Vorgang dauerte etwa eine halbe Stunde, doch hatte selbst am nächsten Tage der Wasserspiegel seinen ursprünglichen Stand noch nicht wieder erreicht. Als Ursache der rätselhaften Natuerscheinung bezeichneten Fachleute das Phänomen der sogenannten„stehenden Wellen“, wie sie auch am Neusiedler See nicht unbekannt sind. Sie werden durch bedeutende Schwankungen im Luftdruck innerhalb kurzer Zeit oder heftige Bodenwinde, die den Seespiegel durchdrücken, hervorgerufen. Andere Naturwissenschaftler wieder bringen die Erscheinungen mit kosmischen Einflüssen und dem großen Erdbeben in Italien in Verbindung. Der Bevölkerung an den Ufern des Attersees bei Kammer und Seewalchen, wo das Naturphänomen am besten zu beobachten war, hat sich darob begreifliche Erregung bemächtigt. Q Der Gesang der Nachtigall im Rundfunk— das ist die neueste Geschmacklosigkeit, die diesmal aus dem sonst so vernünftigen Schweden gemeldet wird. Wie schreibt Schmock? „Diese Glanznummer wurde im Stadtpark zu Malmö in Schweden ausgeführt. Man hatte Vorkehrungen getroffen, daß die kleine Sängerin während ihres Vortrages nicht gestört oder fortgescheucht wurde. Sie befand sich auch in ausgezeichneter Laune und erfüllte ihr Fünfminutenprogramm mit tadelloser Präzision. Die Rundfunkhörer waren entzückt, zumal viele nie früher die Nachtigall hatten schlagen hören, da diese Königin unter den Singvögeln in Schweden sehr selten vorkommt.“ Wir meinen, daß es geradezu eine Gemeinheit ist, die Stimme der Nachtigall, dieses zartesten, keuschesten Sängers, durch das Blech des Lautsprechers in irgend ein möbliertes Zimmer hinausquärren zu lassen. Es gibt Dinge und Angelegenheiten, an die sich der Rundfunk lieber nicht heranmachen sollte. Er kann nicht alles. — Der Weltflieger von Warthausen ist bei einem Automobilzusammenstoß in New=York verletzt worden. Der Wagen, in dem von Warthausen saß, stieß mit einem Milchwagen zusammen. Warthausen mußte bewußtlos ins Hospital übergeführt werden. Die anderen Autoinsassen haben gleichfalls Verletzungen davongetragen. 'Uhren im Straßenpflaster kann man jetzt in NewYork bewundern, die dort von der Stadtverwaltung eingebaut worden sind. Denn man will herausgefunden haben, daß die öffentlichen Uhren in vielen Fällen die Ursache von Kraftwagenunfällen gewesen sind, insofern, als der Straßengänger zu ihnen hinauffieht und so herankommende Wagen nicht bemerkt. Die Uhren sind mit einem dicken Schutzglas überdeckt und zum Schutz vor unbedachten Tritten mit Stahlreifen eingefaßt. Es hat sich noch nicht herausgestellt, daß diese Pflasteruhren die Zahl der Verkehrsopfer herabgemindert haben. Aber man stellt doch gerne fest, welche Anstrengungen eine rührige Stadtverwaltung macht, ihre Steuerzahler nach Möglichkeit am Leben zu erhalten.— Im übrigen ist auch die amerikanische Uhr im Straßenpflaster für Deutschland nichts Neues. So hatte bereits vor 20 Jahren z. B. das Café de Paris in Dresden, Pragerstraße, eine Uhr in den Fußboden des Lokaleinganges eingebaut, die allgemein Aufsehen erregte, später aber aus Zweckmäßigkeitsgründen wieder entfernt wurde, weil sie den Durchgangsverkehr zu sehr behinderte. kos. Woher kommt der Name Amerika? Als Kolumbus Amerika entdeckte, glaubte er, an der Westküste Indiens gelandet zu sein. Diese Ansicht hat sich noch bis heute erhalten in dem Namen„Westindische Inseln“. Später entdeckte man, daß man einen ganz neuen Erdteil entdeckt hatte, der den Namen Amerika erhielt. Dieser Name wurde bisher zurückgeführt auf Amerigo Vespucci, der Reiseberichte über die Neue Welt schrieb. Dr. SotoHall, ein Gelehrter in Guatemala, bringt jetzt eine neue, sehr interessante Erklärung. Er weist nach, daß in Guatemala eine Stadt von den Ureinwohnern, den Mazas, schon lange, ehe die Europäer da waren, Amerricopan genannt wurde. Pan bedeutet in der Mazasprache Hauptstadt. Americopan würde also heißen: Hauptstadt von Amerika. Damit wäre der Name Amerika also schon vor den Europäern nachgewiesen. ml. Ein amerikanischer Shakespeare=Trust. Der verstorbene Präsident der New=Yorker„Standard Oil Company“, Henry Folger. hat in seinem Testament einen Betrag von 10 Millionen Dollars für die Gründung eines Trusts zur Förderung der Shakespearestudien in den Vereinigten Staaten bestimmt. Außerdem hat der Erblasser die Summe von 2 Millionen Dollars zum Bau eines monumentalen Marmorpalastes in Washington ausgeworfen, in dem seine unschätzbaren Sammlungen shakespearischer Werke Aufnahme finden sollen. Diese Sammlung besteht aus über 20 000 Bänden und stellt nach dem Urteil von Sachverständigen die wertvollste Sammlung von Shakespeare=Literatur dar, die nur von der des Britischen Museums in London übertroffen wird. Folger war der Ansicht, daß nur eine ausgedehnte Organisation, die mit reichen Mitteln arbeitet, im Stande wäre, den fortschreitenden Niedergang der Shakespearekultur der Vereinigten Staaten aufzuhalten. □ Wie weit sehen die Insekten? Die Fähigkeit, die Umwelt auf weite Strecken zu übersehen, ist bei den Insekten verhältnismäßig beschränkt, trotz der bei vielen Insekten sehr gut ausgebildeten Augen. Untersuch ngen haben zu der Annahme geführt, daß ein Insekt nicht weiter als einhalb bis zwei Meter sieht, so daß also im besten Falle nicht mehr als ein Umkreis von vier Meter Durchmesser überblickt werden kann. Diese Tatsache ist den Insebten bei ihrem Kampf ums Dasein natürlich sehr schädlich. o. Die Laichstellen der europäischen Flußaale liegen, wie wenig bekannt ist, östlich der Westindischen Inseln. Zur Vornahme des Laichgeschäftes durchqueren die Fische in 7 bis 8 Monaten den Atlantischen Ozean von Osten nach Westen. Nach dem Laichen gehen die alten Tiere ein. Die junge Brut wird von dem Golfstrom an die europäische Küste getragen. Dies erfordert einige Jahre Zeit. Aale, die z. B. im Herbst 1929 die deutschen Flüsse verlassen haben, kommen im Jahre 1930 auf ihren Laichplätzen an, und die junge Brut ist im Jahre 1933 wieder in deutschen Gewässern. Separatisten im gelobten Lande. wl. Trier, 12. August. Nachdem vor einigen Tagen der berühmte Trierer Separatistenführer Marzen bei Nacht und Nebel die Stadt verlassen hat und nach Frankreich übergesiedelt ist, kommen jetzt aus Metz Meldungen, nach denen ein großer Teil der bei den damaligen Unruhen geflüchteten Trierer Separatisten sich in Metz aufhält. Von französischer Seite ist ein umfassender Hilfsdienst für diese Leute organisiert worden. Sammlungen werden veranstaltet, man beschafft den Separatisten Arbeitsmöglichkeiten und sorgt im übrigen durch anderweitige Maßnahmen für die meist mittellosen Landesverräter, von denen ein Teil auch aus der Pfalz stammt. In einem Metzer Blatt bietet sogar ein Rechtsanwalt unter Hinweis auf seine Tätigkeit im Interesse Frankreichs im Jahre 1923 um Überweisung von Aufträgen. Anscheinend unterstützt der französische Staat die Separatistenhilfe, da die Arbeitsämter gegen die Beschäftigung dieser Leute nichts einwenden, während es in jedem anderen Falle für Deutsche überaus schwierig ist, vom französischen Arbeitsministerium die Erlaubnis zur Beschäftigung in Frankreich zu erhalten. Gegen die großzügig organisierte Separatistenhilfe machen sich übrigens Widerstände in der lothringischen Bevölkerung bemerkbar. Vielfach ist noch der Fehlschlag in Erinnerung bei der Übernahme der Separatistenmassen im Jahre 1924. die nach und nach wieder nach Deutschland zurückkehrten; sie waren von ihrem Aufenthalt in Frankreich ebenso wenig erbaut wie die Franzosen damals von ihnen. * Unnau(Westerw.), 11. August. 252 Kuraäste beherbergt unser Luftkurort zurzeit. Diese Zahl bedeutet für die Verhältnisse unseres Ortes eine Rekordziffer. Unter den Fremden, die Unna zum Ort ihrer diesjährigen Sommerfrische gewählt, befinden sich auch vier Ausländer. Die sprunghafte Entwicklung Unnaus als Luftkurort und Sommerfrische hat dazu geführt, daß die Einwohner durch Einrichten von Privatpensionen sich in zunehmendem Maße auf den Fremdenverkehr einstellen und sich dadurch eine die Wirtschaftsnot mildernde Erwerbsquelle erschließen. Ein Unternehmer aus Barmen hat den Erwerb eines Hauses zu dem Zweck getätigt, weitere Fremdenpensionen einzurichten, und beabsichtigt in den kommenden Jahren einen entsprechenden Ausbau dieses Hauses. Auch die Gastwirte haben ihre Lokalitäten neuzeitlich eingerichtet, um den Anforderungen der Kurgäste in jeder Hinsicht gerecht zu werden und ihnen alle Bequemlichkeiten zu bieten, während der Verkehrsverein gemeinsam mit der Ortsbehörde fortgesetzt bemüht ist, durch Ausbau der Naturanlagen usw. den Sommergästen den Aufenthalt möglichst angenehm zu gestalten. Die Schaffung eines Schwimmbades im kommenden Jahre eröffnet unserm aufstrebenden Luftkurort weitere Aussichten fortschreitender Entwicklung. (Westerw. Ztg.) wI. Datteln, 12. August. Hier verlangte in einem Zigarrengeschäft ein junger Mann ein Päckchen Tabak. Als die 16jährige Verkäuferin, die allein in dem Geschäft anwesend war, sich bückte, um den Tabak hervorzuholen, wurde sie von dem jungen Mann überfallen und blutig geschlagen. Der Überfall geschah so plötzlich, daß das Mädchen keine Zeit fand, um Hilfe zu rufen. Der Bursche war gerade im Begriffe, sein Opfer in ein anliegendes Zimmer zu schleppen, als andere Leute den Laden betraten. Zur Rede gestellt, erklärte er, er habe das Mädchen in seinem Blute liegend vorgefunden. Die benachrichtigte Kriminalpolizei nahm den Täter fest. Das Mädchen, das neben anderen Verletzungen starke Würgmale zeigte, wurde sofort einem Krankenhaus zugeführt. Obwohl 20 Mark in der Ladenkasse fehlten, nimmt die Kriminalpolizei nicht an, daß es sich um einen Raubüberfall handelt. Der Täter— der 25jährige Wilhelm Loch — hatte sich bereits früher einmal wegen einer ähnlichen Tat zu verantworten. Er leugnete anfangs die Tat, brach aber später zusammen und legte ein Geständnis ab. Wie er zu dem Überfall gekommen ist, will er nicht wissen. wl. Opladen, 12. August. Hier wurde in das Gefängnis ein in Hagen geborener Hochstapler namens Robert Stahl eingeliefert. Er wurde in Burg an der Wupper verhaftet, wo er verschiedene Geschäftsleute geprellt und sich auch bei einigen Behörden Mittel verschafft hatte. Unter anderm ist Stahl in Remscheid unter dem klingenden Titel eines Barons von Waldegge aufgetreten. Er soll sich insgesamt 100 000 Mark erschwindelt haben. Da Stahl auch von der Potsdamer Kriminalpolizei steckbrieflich verfolgt wird, scheint er noch mehr auf dem Kerbholz zu haben, als bisher festgestellt werden konnte. mtb. Remscheid, 12. August. Ein seltsamer Vorgang war Anlaß zum Einschreiten der Polizei. Kam da eines schönen Tages eine Schirmflickergesellschaft, acht Mann hoch, aus Köln angezogen. Im Freien läßt es sich schlecht arbeiten, meinten sie, umsomehr, als im Bergischen seit langen Wochen alle Schleusen des Himmels geöffnet sind. Also etablierten sie sich in einer Scheune in der Stadt und richteten sich eine Schirmflickerwerkstatt ein, ohne daß der abseits wohnende Besitzer etwas merkte. Schließlich kam es doch dem Besitzer zu Ohren, daß er gegen seinen Willen seine Scheune vermietet habe. Er wollte die seltsame G.m.b.H. aus seinem Hause entfernen. Das ging nicht, denn die Kölner Schirmflicker ließen es darauf ankommen, nämlich auf einen Herauswurf und Festnahme durch die Polizei. * Vom Rhein, 12. August. Die Aussichten auf einen überreichen Herbst waren in den Weinbergen am Fuße des Westerwaldes(von Leutersdorf bis Königswinter) vollauf vorhanden. Die schon seit Wochen dauernden Regenfälle haben indessen die Hoffnungen der Winzer stark niedergedrückt. Schädlinge aller Art, insbesondere die gefährliche Peronospora, haben sich eingestellt und treiben ihr gefährliches Handwerk. Alle Hände voll zu tun hat der Winzer daher mit seiner Spritzarbeit und kann doch der Schädlinge kaum Herr werden. Es ist jammerschade um die herrlichen und überreichen Ansätze, die einen Weinsegen gebracht hätten wie selten ein Jahr. wl. Mörs, 12. August. In der Ortschaft Vierbaum kam das einjährige Kind eines Landwirts auf tragische Weise ums Leben. Das Kind saß auf einer Bank in der Küche und wurde von der Mutter, die in der Scheune etwas zu besorgen hatte, für kurze Zeit allein gelassen. Während dieser Zeit fiel das Kind von der Bank in einen dort stehenden mit Wasser gefüllten Eimer. Als die Mutter wiederkam, war das Kind bereits tot. wl. Mayen, 12. August. Hier überfielen zwei Burschen aus einem Nachbarort einen Chinesen, der seit einiger Zeit hier mit Seidenwaren hausierte. Die Burschen hatten den Chinesen, der auf dem Wege zum Bahnhof Kottenheim war, beobachtet und vermuteten bei dem überfallenen reiche Beute. Sie gingen gegen den schwächlichen Menschen mit brutaler Gewalt vor. Der eine schlug mit einem schweren Bruchstein auf ihn ein, während der andere ihm sämtliche Wertsachen entriß. Inzwischen war der Vorfall beobachtet worden. Die Polizei wurde benachrichtigt und es gelang ihr, einen der Täter sofort festzunehmen, während der andere zunächst entkam. Doch konnte auch er später in seinem Heimatort festgenommen werden. Die Burschen, die erst 18 Jahre alt sind, wurden dem Mayener Gefängnis zugeführt. wl. Dortmund, 12. August. Eine gemeine Tat wurde hier an einem Blinden verübt. Vor der Herberge zur Heimat wurde ein Blinder von zwei Personen angesprochen, die sich als Kriminalbeamte ausgaben und angaben, ihn auf Waffen durchsuchen zu müssen. In einer Toreinfahrt wurden dem Blinden Jacke und Weste ausgezogen und an ihm eine Leibesvisitation ausgeführt. Dabei entwendeten ihm die beiden falschen Kriminalbeamten das letzte Bargeld in Höhe von 0,75 RM. Anscheinend haben die Burschen, die man bisher leider noch nicht fassen konnte und wohl auch kaum fassen wird, bei dem Blinden größere Geldbeträge vermutet. Aber sie ließen sich auch nicht abhalten, dem armen Manne die letzten Pfennige zu nehmen. Udet fliegt„Kapriolen“. Kapriolen nennt Ernst Udet seine neuen tollkühnen Luftdarbietungen, die man Doppeldeckers eine lange Stange, mit der er, wie das Bild zeigt, in dieser Tage sehen konnte. Er befestigt an die untere Tragfläche seines schnellenk Fluge ein großes Stoffstück von der Erde aufhebt. Eröffnung der Reformations=Gedächtnisausstellung im Museum des Siegerlandes. Das bevorstehende Jubiläum der Einführung der Resormation in den ehemals nassauischen Landen hat der Kreissynode Siegen in Verbindung mit dem Dekanat Dillenburg Veranlassung gegeben, in verschiedenen Räumen des Museums im Oberen Schloß eine Ausstellung von Gemälden, Druckwerken, Urkunden und Kunstgegenständen zu veranstalten, die auf die Einführung der Reformation im Siegerlande und seiner Nachbarschaft Bezug haben. Ein unbestrittenes Verdienst um die feinsinnige Zusammenstellung dieser Ausstellung hat unser Museumsdirektor Dr. Kruse. der durch besondere Reisen, die ihn nach den Niederlanden und in deutsche Gemäldesammlungen und Archive führten, diejenigen Gegenstände in mühevoller Arbeit und langwierigen Verhandlungen hierherbringen konnte, die für das Gebiet unserer engeren Heimat für eine solche Veranstaltung von Interesse sind. Wir wollen heute, ohne uns schon in Einzelheiten zu verlieren, nur sagen, daß ihm dies auf Grund seiner geschichtlichen Kenntnis der damaligen Vorgänge, in der unsere Heimat eine geradezu weltbedeutende Rolle spielte, in hervorragendem Maße gelungen ist. Gestern vormittag 11 Uhr fand die Eröffnungsfeier der Ausstellung statt, zu der die Geistlichen der Synode Siegen und des Dekanats Dillenburg sowie die städtischen und Kreisbehörden der genannten Bezirke geladen waren. Die Feier, die in der Schloßhalle stattfand, die sonst der kirchlichen Kunst dient, wurde mit dem Ave verum von Mozart stimmungsvoll eingeleitet. Dann hielt Superintendent Hubbert aus Eiserfeld folgende Ansprache: Meine sehr verehrten Damen und Herren! Es ist mir eine besondere Freude und Ehre, Sie in diesen denkwürdigen Räumen zur Eröffnung unserer Reformationsgedenkausstellung im Namen der Kreissynode Siegen und des Dekanats Dillenburg begrüßen und willkommen heißen zu dürfen. Diese Gedenkausstellung soll die Feier der 400jährigen Wiederkehr der Einführung der Reformation in den ehemals nassau-oranischen Landen und die damit verbundene Feier der 350jährigen Wiederkehr der Einführung des spezifisch reformierten Bekenntnisses in diesen Landen auf würdige Weise vorbereiten und vertiefen. Meine verehrten Damen und Herren! Das evangelische Deutschland hat in den letzten beiden Jahrzehnten viele und mannigfaltige Reformationsjubiläen begangen. Ich denke an den Thesenanschlag, mit dem der große Mönch von Wittenberg das erste Signal zu jener gewaltigen Bewegung der Geister gab, aus der dann unsere evangelische Kirche geboren wurde. Ich dente an den Reichstag zu Worms, auf dem Martin Luther durch sein heroisches Auftreten das religiöse, in Gott und Gottes Wort gebundene Gewissen von aller menschlichen Bevormundung befreite und auf eigene Füße stellte. Ich denke an den Reichstag zu Augsburg, auf welchem die neue evangelische Kirche in der confessio Augustana Kaiser Karl V. ihre, aus den verschütteten Schächten der Schrift hervorgeholte Lehre in amtlicher Fassung feierlich überreichte. Diese und andere Jubiläen, die hinter uns liegen, hatten den Zweck, unsere bedrückte, lendenlahme Zeit aus ihrer religiösen Lethargie herauszureißen und mit Geist und Leben, Glauben und Hoffnung zu stärken. Die Reformationsgedächtnisfeier, die wir heute einleiten, hat den gleichen Zweck; aber sie hat lokalen Charakter und beschränkt sich auf die Synode Siegen und das Dekanat Dillenburg. Aber was auf diesem kleinen Gebiet im Reformationszeitalter und hernach geschehen ist, ist so groß, daß, wollten wir es in diesem Jahre sang= und klanglos vorübergehen lassen, wir uns einer groben Unterlassungssünde schuldig machten: wir verpaßten eine Gottesgelegenheit und ließen einen Gottesgruß unerwidert. Um das zu beweisen, sei nur an das Fürstengeschlecht der Nassau=Oranier erinnert, das eines der glänzendsten Geschlechter Deutschlands ist und eine weltgeschichtliche Bedeutung hat. Genannt seien hier nur Wilhelm der Reiche, der eigentliche Reformator unserer Heimat, Wilhelm der Schweiger mit seinem Wahlspruch:„saevis tranquillus in undis“, Johann VI., der uns den Heidelberger Katechismus gebracht, Johann Moritz, der Gustav Adolf des Siegerlandes, und Wilhelm III., der große König von England. Ohne diese großen Oranier hätte nach menschlichem Ermessen der Dreißigjährige Krieg ein für die Evangelischen katastrophales Ende genommen. Neben den großen Oraniern nenne ich die Universität Herborn, die, eingerichtet nach dem Muster der Genfer Akademie, in ihren Glanzperioden der Mittelpunkt reformierter Theologie war und den Protestantismus nicht nur Deutschlands, sondern der ganzen Welt wesentlich beeinflußt hat. Es lehrten an ihr Professoren wie Olevian, Piskator, Altstedt und Althusius. Es saßen zu deren Füßen Jünglinge aus vieler Herren Länder, aus Böhmen und Schlesien, Ungarn und Polen, aus Schottland und Frankreich, aus der Schweiz und den Niederlanden. Auch die einst so berühmte Foederaltheologie des Coccejus hat in Herborn ihre Ursprungsstätte. Es ist keine Übertreibung, sondern einfache, geschichtliche Wahrheit, die besonders durch neuere Forschungen ans Licht gebracht ist, daß es eine Zeit gab, wo die Fäden des Weltgeschehens in unserer Heimat zusammenliefen. Meine verehrten Damen und Herren! Das alles wollen wir feiern, gebührend feiern, feiern in der Zeit vom 30. Oktober bis zum 2. November, und zwar in Siegen, Herborn und Dillenburg. Täten wir es nicht, so würde das Gericht des Wortes uns trefen:„Wenn diese schweigen, so werden die Steine schreien, auch die Steine dieses Schlosses, darin wir uns befinden.“ Berufene Vertreter der Wissenschaft haben es auf sich genommen, die ruhmvolle Reformationsgeschichte unserer Heimat in Vorträgen und in einer besonderen Festschrift darzustellen und für die Gegenwart fruchtbar zu machen. Die Reformationsgedenkausstellung aber, die wir jetzt besichtigen wollen, wird uns die ruhmvolle Reformationsgeschichte unserer Heimat in einem Anschauungsunterricht vor die Augen führen. Wenn wir die Bilder und Bücher, die Urkunden, Dokumente und Verträge, wenn wir die mannigfaltigen Kunstgegenstände und Erinnerungszeichen sinnend betrachten, wird ihre stumme und doch so beredte Sprache unsere Seele mit den heiligen Schauern der Ehrfurcht und Andacht erfüllen, aber uns auch die ernste Mahnung unausweichlich ins Gewissen schieben:„Was du ererbt hast von deinen Vätern, erwirb es, um es zu besitzen.“ Dem Herrn Oberbürgermeister aber dieser ehrenreichen Stadt und dem Herrn Direktor unseres bedeutsamen Heimatmuseums sei aufrichtiger Dank gesagt, daß sie der Synode Siegen und dem Dekanat Dillenburg einen solchen Anschauungsunterricht ermöglicht haben: der eine durch seine Opferwilligkeit, der andere durch seine feine, kunstsinnige Arbeit.“ Nach einem weiteren Musikvortrag„Die Himmel rühmen“ von Beethoven nahm Museumsdirektor Dr. Kruse das Wort und machte, nachdem er die Erschienenen namens der Museumsverwaltung begrüßt hatte, folgende Ausführungen:„Sie haben soeben gehört, wie wir im alten nassauischen Lande Dillenburg=Siegen ein Recht dazu haben, in besonderer Weise die Einführung der Reformation zu feiern, ist doch unser Land für die Reformationsund Kirchengeschichte und die ganze Entwicklung des Protestantismus im westlichen Deutschland von größter Bedeutung geworden. Hier sollen wir Männern wie Luther und Calvin mit ihren Freunden, Schülern und Mitarbeitern in den auf uns gekommenen Bildern in die Augen schauen dürfen und ihre Schriften uns mit ihrem Schaffen und Wirken bekannt machen. Die Religionsgeschichte unserer Heimat ist für die niederländische Freiheits= und Religionsgeschichte von größter Bedeutung gewesen, da Wilhelm der Reiche und Juliane von Stollberg es waren, die dieses Haus begründet haben, ein sittlich hochstehendes deutsches Fürstenpaar. Sie sehen im Saale die großen Söhne dieser Eltern, die ihr Leben in den schweren Religionskämpfen der Niederlande gelassen haben. Sie sehen weiter die Gestalten der Nachbarfürsten, die denNassauern Gefolgschaft leisteten. Wir denken dabei auch vor allem an den Fürst Johann Moritz, den Gustav Adolf des Siegerlandes, wie er vorhin bezeichnet wurde. Neben den Bildern sehen wir die Zeugnisse der Gelehrten aus Herborn in einem kleinen Bruchteil von vielen Tausenden von Drucken, die aus der Corvinischen Druckerei in Siegen und Herborn hervorgegangen sind, weiter Schriften von Piscator, ferner schweift unser Blick wieder zu den Niederlanden herüber zur Dordrechter Synode, wo ein Mann wie unser Siegerländer Gelehrter Biesterfeld führender Kämpfer war. Ferner sind Bücher ausgestellt, die uns die eigenartige religiöse Anschauung unseres Landes vor Augen führen. Auch was in künstlerischer Beziehung zur Reformation steht, soll in der Ausstellung gezeigt werden, wie z. B. Bilder von Lukas Cranach und ein großer Teil Originale von Alfred Dürer. Sie werden ein Porträt finden von Wilhelm von Oranien aus der Kasseler Galerie, das Kenner als das bedeutendste Porträt des 16. Jahrhunderts bezeichnen, ein berühmtes Porträt Calvins und manches Meisterwerk der niederländischen Schule. Dank des Entgegenkommens vieler Museen und Sammlungen, bei denen wir keine Fehlbitte getan haben, ist es gelungen, diese Kunstwerke hier zu zeigen. Unser ganz besonderer Dank richtet sich aber an Ihre Majestät die Königin der Niederlande, die aus ihrem eigenen Besitz das Porträt von Johann Moritz hergab, Dank auch Ihrer Durchlaucht der Fürstin Madeleine von Wittgenstein=Berleburg, die aus ihren Sammlungen die besten Bilder geliehen hat. An Sie richte ich nun die Bitte: Helfen Sie, daß das Werk, daß wir mit vieler Mühe zustande gebracht haben, einen tiefen Wiederhall bei unserer Bevölkerung findet, daß recht viele Bewohner des Siegerlandes und des Dillkreises hier heraufsteigen in die alten Säle der Burg, dann bringen Sie uns einen Schritt weiter in dem Streben, daß dereinst die Zeit wieder kommen werde, wo in deutschen Ratsstuben und Parlamenten um geistige Dinge ebenso gekämpft werde, wie zur Zeit Luthers. Dazu möchte dieses Werk zu seinem Teile helfen!“ Hierauf wurde unter Führung von Museumsdirektor Dr. Kruse und Professor Schlosser von Herborn ein Rundgang durch die Ausstellung angetreten, die durch ihre Reichhaltigkeit und die Kostbarkeit und Seltenheit der gezeigten Gegenstände geradezu überraschte. Es sind Stücke darunter, welche unsere Bevölkerung so leicht nicht wieder zu sehen bekommt, deshalb gilt es, jetzt die Gelegenheit zu nützen. Auf Einzelheiten kommen wir in der nächsten Zeit noch zurück. Einem Wunsche möchten wir aber heute noch Ausdruck geben, nämlich dem, daß den Besuchern auch künftig ein Führer zur Verfügung steht, der die nötigen Erklärungen gibt, denn dadurch ist es nur möglich, daß die Ausstellung ihre rechte Würdigung und das nötige Verständnis findet. wI. Gladbach=Rheydt, 12. August. In Gladbach konnte sc Rumäne hatte bei mehreren Kleiderfabriken wegen eines größeren Auftrags zur Lieferung nach Übersee verhandelt Wegen einer angeblichen Bestellung von 60 000 Hosen verhandelte er mit dem Teilhaber einer Kleiderfabrik, den er zu einer weiteren Besprechung abends ins Hotel bat. Dort war er in Gesellschaft einer sehr hübschen Dame, einer Tschechin, die bald zu einem kleinen Spielchen animierte. Der um seinen Auftrag besorgte Kaufmann lud das Paar zu sich in die Wohnung ein und hatte dort im Glücksspiel (17 und 4) bald 1200 Mark verloren. Er zahlte dem Paar aber nur 100 Mark aus, da er mehr nicht in der Wohnung habe. Am nächsten Tag kamen ihm Bedenken und er machte die Kriminalpolizei aufmerksam, die sofort zugriff. Eine Rundfrage der Polizei ergab dann, daß ihr ein schon vielfach gesuchtes internationales Falschspielerpaar in die Finger gefallen ist. wl. Effern, 12. August. Ein Bettler, der sich an einem 4jährigen Kinde vergangen hatte, wurde von einem Landjäger festgenommen und vorläufig in das Effener Spritzenhaus eingesperrt. Als man ihn zur Vernehmung abholen wollte, hatte sich der Mann erhängt. wl. Saarbrücken, 12. August. Vorgestern nachmittag ereignete sich bei Türkismühle ein schwerer Automobilunfall. Ein vollbesetzter Sechssitzerwagen fuhr mit höchster Geschwindigkeit gegen einen Baum. Der Zusammenprall war so stark, daß der Wagen vollständig zertrümmert wurde. Zwei Insassen waren sofort tot, drei wurden schwer verletzt, während der Chauffeur und sein Beifahrer mit dem Schrecken davonkamen. Die Ursache des Unglücks ist nach den Aussagen des Chauffeurs auf das Platzen eines Vorderreifens zurückzuführen. wtb. Frankfurt a. M., 12. August. In einem Gehölz bei Königstein im Taunus wurden gestern nachmittag gegen 18 Uhr drei Menschen an Bäumen hängend vorgefunden. Sie waren nach ärztlicher Feststellung bereits fünf bis sechs Stunden tot. Es handelt sich um einen etwa 40—45jährigen Mann und zwei Frauen, von denen die eine etwa 35 Jahre und die andere 22 Jahre alt ist. Über die Persönlichkeiten der Toten konnte Näheres noch nicht in Erfahrung gebracht werden, da sie keine Ausweispapiere bei sich hatten. Sie waren gut gekleidet und in ihrem Besitz fand man noch etwa 130 Mark. fpd. Hausen i. Ts., 12. August. Beim Hlen der Presse einer zurzeit hier aufgestellten Dreschmaschine geriet der 21jährige Gustav Hoffmann aus dem benachbarten Eschbach mit einem Bein in das Getriebe. Das Bein wurde vollkommen zerschnitten. Hofmann besaß noch die Geistesgegenwart, die Hebel der Maschine abzustellen. Er kam in hoffnungslosem Zustand in das Homburger Krankenhaus. fpd. Königstein i. T., 12. August. Bei der Frankfurter Kriminalpolizei meldete sich am Sonntag der Gemeinderechner eines benachbarten Ortes und gab zu Protokoll, daß seine von ihm verwaltete Kasse einen Fehlbetrag von etlichen Tausend Mark aufwiese. Wie der Fehlbetrag entstanden sei, könne er sich selber nicht erklären. Auf Rückfrage bei der zuständigen Bürgermeisterei wurde hier mitgeteilt, daß man erst eine Nachprüfung der Kasse und der Bücher vornehmen müsse. Der Rechner wurde in Schutzhaft genommen und nach seinem Heimatsort geholt, um hier Rechenschaft abzulegen. Wiesbaden, 12. August. Der aus Anlaß der Rheinlandbefreiung vom 1. bis 4. August hier abgehaltene Bundes= und Kameradschaftstag der Reichsvereinigung ehemaliger Kriegsgefangener war von mehreren tausend Teilnehmern besucht. Auch die abgetretenen Gebiete hatten eine größere Anzahl von Delegierten entsandt. Zahlreiche Behörden und Verbände, insbesondere die Kriegsteilnehmer= und Kriegsbeschädigten Verbände waren vertreten. Aus dem gesamten Verlauf der zahlreichen Besprechungen und sonstigen Veranstaltungen ergab sich das erfreuliche Bild, daß die Reichsvereinigung, die durch die gemeinsam ertragenen Leiden zu einer festen Front zusammengeschweißt ist, nicht nur die Anerkennung ihrer rechtlichen Ansprüche durch Regierung und Parlamente erstrebt, sondern auch die Überbrückung der politischen Gegensätze innerhalb des gesamten Volkes. An das deutsche Volk und die Parteien wurde eine Kundgebung erlassen, in der die am Rhein zu ernster Gedenkeier versammelten ehemaligen Kriegsgefangenen fordern, der Wahlkampf in einer Form geführt wird, die die tiefen Risse in unserem Volk nicht weiter vertieft. Das deutsche Volk müsse lernen, auch dem politischen Gegner mit Achtung und Anstand zu begegnen, wie die Kriegsgefangenen es hinter dem Stacheldraht gelernt haben. Bei allen Reden dürfe man nicht vergessen, daß das Ausland gespannt dem Wahlkampf zuhöre. Darum müsse jede Partei im Wahlkampf vor allem die Ursache der deutschen Not betonen, und das sei der Versailler Vertrag. Nie aber werde Deutschland frei von Tribut und politischer Einschränkung werden, wenn es nicht sein ganzes öffentliches, wirtschaftliches und persönliches Leben auf neuen Grundlagen aufbaue. Bei den Beratungen über die Organisationsfragen nahm die Bundestagung mit Entrüstung Kenntnis von einem Schreiben des Reichsfinanzministers vom 23. Juli, mit dem er jedes Entgegenkommen gegenüber den seit 10 Jahren von den ehemaligen Kriegsgefangenen verfochtenen Ansprüchen ablehnt. Am Samstag fand unter großer Beteiligung der Bevölkerung von Wiesbaden=Biebrich ein Festabend statt. Um die Mitternachtsstunde leitete die Feier über zu einer großen Befreiungskundgebung am festlich beleuchteten Rheinufer. Vertreter ls besetzten Rheinlandes und Ruhrgebietes, des Oberschlesien, am des ehemals besetzSaargebietes und von Eupen=Malmedy, aus Ostpreußen und der Nordmark, Danzig, Böhmen und Österreich bekundeten angesichts des freien Rheinstroms ihre unverbrüchliche Treue zur Heimat unseres Volkes. Zu einer Feier von tiefer, nachhaltiger Wirkung gestaltete sich die Ehrung der in der Kriegsgefangenschaft gestorbenen Kameraden. Die tiefempfundene Gedächtnisrede, die in einem festen Treugelöbnis für das Gedenken an die nicht mehr Heimgekehrten ausklang, hielt Pater Prof. Dr. Paffrath(M.Gladbach). Dr. Givens(Berlin) gab einen überblick über die Frontkämpferbewegung in den ehemals feindlichen Staaten und ihre zwischenstaatlichen Beziehungen. Das Erlebnis dieser Feierstunde erfuhr eine Steigerung durch den begeisternden, tiefschürfenden Vortrag von Prof. Dr. Grimm(Essen) über das Thema: Der Rhein, Deutschlands Strom, nicht Deutschlands Grenze. Beifällig begrüßt wurden auch die zum erstenmal erschienenen Vertreter der französischen und der englischen Kriegsgefangenen. Beide bekundeten den Willen ihrer Verbände Kleine Provinznachrichten. Der Betrieb der Baroper Phöbuswerke in Aplerbeck wurde durch Feuer zerstört. 40 Arbeiter sind dadurch erwerbslos geworden. X Von dem in Frankfurt am Main ausgestellten Welfenschatz wurden bereits sechs bedeutende Stücke an das Museum in Cleveland(U.S.A.) verkauft. X Durch die Zersplitterung der bürgerlichen Seite im Witzheldener Gemeindeparlament wurde ein kommunistischer Arbeiter zum Bürgermeister gewählt. X Die weinbautreibenden Gemeinden des Lahntales haben eine Absatzgenossenschaft für Lahnwein gegründet. X Das erweiterte Schöffengericht in Koblenz verurteilte vier Schwarzbrenner zu Gefängnis von vier bis sechs Monaten und Geldstrafen bis zu 42 000 Mark, in einem Falle zu 160 Tagen Gefängnis oder 16 000 M. Strafe. X In einem Aachener Gasthof wurde eine Rauschgifthändlerbande bei Geschäftsabschlüssen überrascht und festgenommen. X In Schillingen im Trierer Land wurde der älteste Einwohner des Bezirks, der Landwirt Marx, gestern am Verfassungstage 100 Jahre alt. X Im Düsseldorfer Stadtteil Stockum brannten nachts zwei Getreideschober mit der Ernte von ungefähr dreißig Morgen Land nieder. X In Wiederschein bei Solingen wurden durch ein Feuer die Scheune und der Stall eines Anwesens vernichtet. Größere Erntevorräte und 180 Hühner sind mitverbrannt. X In der Paulskirche, der Stätte der Nationalversammlung von 1848. fand gestern nachmittag die traditionelle Verfassungsfeier der Stadt ankfurt a. M. statt. Die Festrede hielt der bisherige Nageabgeordnete Dr. Kalle=Biebrich. X In Hessen trat gestern der Verfassungstag zum ersten Male als Feiertag in Erscheinung. In einer großen Feier in Darmstadt hielt der Minister für Arbeit und Wirtschaft, Kovell, die Festrede. X Bei der Verfassungsfeier in Gießen sprach der hessische Innenminister Leuschner, bei der Feier in Mainz der bisherige Reichstagsabgeordnete Dr. Bockius. Stadt und Land Stadt Siegen Verfassungsfeier in Siegen. Gestern abend veranstalteten Stadt und Kreis Siegen in der schönen Aula des Oberlyzeums die amtliche Feier anläßlich der 11. Wiederkehr des Jahrestages der Verfassung des Deutschen Reiches. Die Beteiligung der Bürgerschaft an dieser schlichten, eindrucksvollen Gedenkstunde ließ zu wünschen übrig, denn in dem großen Saale war noch manche Bankreihe freigeblieben. Frau Ilse Schleifenbaum=Schulz eröffnete die Feier mit dem Vortrag des Andante in Es-Dur von Quast. Der Quartettverein„Slul auf" sang„Sturmbeschwörung“ von Dürner und„Wo gen Himmel Eichen ragen“ von Heinrichs. Dann entwickelte Oberstudienrat a. D. Dr. Koch in einem breit angelegten Festvortrag tiefgründige Gedanken über die Pflichten, die dem Staatsbürger aus der Verfassung entstehen. Aus seinen inhaltreichen Ausführungen sollen hier nur die Hauptgedanken kurz aneinandergereiht werden: Wir feiern heute das 11jährige Bestehen der deutschen Reichsverfassung vom 11. August 1919. Damals angenommen mit einer gewaltigen Mehrheit von 262 gegen nur 75 Stimmen der äußersten Linken und Rechten, gab sie die wichtigste Voraussetzung für die Neugestaltung Deutschlands auf Grund der nationalen und demokratischen Staatsordnung der Republik. Aber doch nur die Voraussetzung, wie Hugo Preuß schon damals richtig bemerkte. Wenn wir uns jetzt umschauen, nachdem die neue Verfassung 11 Jahre in Wirksamkeit gewesen ist, so könnte uns bange werden unseres Volkes. von mehr als scheinbar hoffnungslosen Zersplitterung im Inneren. Wir wollen handeln nach Fichte's Wort: Es ist mannhafte Kühnheit, das Übel fest ins Auge zu fassen, es zu nötigen, Stand zu halten, es ruhig kalt und frei zu durchdringen und es aufzulösen in seine Bestandteile. Handeln wir nach diesen Worten, soweit unsere Einsicht reicht. Zunächst lehne ich es ab, unsere wirtschaftliche Not der Republik einfach in die Schuhe zu schieben; in anderen Ländern sieht es auch schlimm genug aus. Durch eigene Fehler haben wir aber das übel noch verschlimmert. Wir sind nicht so sparsam gewesen, wie wir hätten sein müssen. Es war sehr töricht von uns, den Beamtenapparat in dem Maße anschwellen zu lassen, wie es geschehen ist. Das gleiche gilt von unserer unseligen Parteizersplitterung, das mögen sich besonders die bürgerlichen Parteien gesagt sein lassen. Sie müssen im Parlament ein Gewicht in die Wagschale werfen können, wie es der Zahl ihrer Anhänger und den von ihnen vertretenen Werten entspricht, nur so ist ein gerechter Ausgleich zwischen ihren Interessen und denen der Linken möglich, ein Ausgleich, der dem Wohl des Gesamtvolkes dient. Auch sie wird die Not hellhörig machen. Aber bessern können wir nur in der uns jetzt gegebenen Staatsform. Das Schicksal hat sie uns zuerteilt, mit ihr und in ihr müssen wir arbeiten, alles andere ist Träumerei, Phantastik. Es wäre besser für uns gewesen, wenn wir in den freien Staat hätten langsam hineinwachsen können. Es ist uns nicht so aut geworden, wie anderen Völkern, die in organischer, ruhiger Entwicklung, in immer größerer Sicherheit des Erkennens, sich zu dem Zustande formen konnten, der ihnen gemäß war. Wir haben unsere Republik einrichten müssen in einem entsetzlichen Notstande, auf einem Trümmerhaufen, von Gefahren umringt, vom übelwollen übermächtiger Feinde gehemmt. Vergessen wir nicht— wir tun es leider so gern— wie es damals aussah. Wir standen gegenüber der Diktatur des Proletariats. Es gibt Republiken, die sich mit der politischen Freiheit und Gleichheit ihrer Bürger begnügen, aber nicht bedenken, daß wirtschaftliche übermacht die Massen in jämmerliche Abhängigkeit zwingen kann, viel schlimmer als in dieser oder jener Monarchie, eine Abhängigkeit, die Freiheit und Gleichheit der Bürger zum Spott macht. Uns Deutschen ist es eigen, das Wesen eines Dinges zu verlangen, nicht mit seinem Schein zufrieden zu sein. Wir wollen eine wahre Republik, die nur wirkliche Kinder hat, keine Stiefkinder, nur eine solche kann uns helfen, nach ihr müssen wir streben Tag und Nacht, sie ist die Aufgabe, die uns von der Vorsehung gestellt wurde. Doch ach, wie weit sind wir noch von diesem hohen Ziele entfernt. Man könnte wirklich gegenwärtig den Eindruck bekommen, wir seien nur ein Interessentenhaufen. Nicht, daß Parteien sind, ist das Schlimmste. Parteien gibt es und wird es stets geben als Ausdruck verschiedener Interessen, entgegengesetzter Weltanschauung. Und Parteien müssen sich bekämpfen, damit aus ihrem Widerstreit das für die ganze Nation Ersprießliche hervorgehe. Parteien sind aber nicht Selbstzweck, wie es bei uns leider manchmal den Anschein hat, sondern dienen nur einem höheren Ziel, dem Wohl des Ganzen. In einem parlamentarisch regierten Lande muß die Opposition stets gewärtig sein, an die Stelle der bisherigen Regierung zu treten und das zu bessern, was jene nach ihrer Ansicht falsch gemacht hat. Solche Aussicht übt einen ungeheuer erziehlichen Einfluß aus auf die Opposition, sie muß sachlicher werden, darf sich nicht ungehemmt ausleben, muß die Wirkung ihrer Ausführungen auf das Ganze in Rechnung stellen. So bleiben die Oppositionsparteien immer Staatsparteien und ihre Führer entwickeln sich zu Staatsmännern, die Verantwortung zu tragen imstande und gewillt sind. Solche Entwicklung hat uns leider gefehlt. Ein anderer Grund für das Elend unserer Parteizersplitterung kommt hinzu. Der Deutsche besitzt offenbar eine gewaltige Arbeitsenergie, vom Arbeiter und Bauern bis hinauf zum großen Industriekapitän. Diese Tatkraft stellt er aber in erster Linie in den Dienst seines persönlichen Nutzens. Ein dritter Grund unserer Zersplitterung ist die Feindschaft vieler Volksgenossen gegen die heutige Staatsform. Politik ist in erster Linie Sache des Verstandes und des Willens. Jener sagt: das Kaiserreich hat unser Unglück nicht verhüten können, die Republik war die notwendige Folge dieser Tatsache, der Wille erklärt: ich muß versuchen, zusammen mit meinen Volksgenossen Deutschland auch in dieser Form wieder aufzurichten, und auch das Herz mag noch zu seinem Recht kommen, wenn es hinzusetzt: Ist auch dein Kaiser nicht mehr da, so doch dein Volk. Die Zahl derer, die so denken, ist mit jedem Jahre größer geworden. Zu den Republikanern des Verstandes rechne ich auch unseren verehrten Reichspräsidenten, der sich trotz aller Hemmungen, die ihm Herkunft, Leben und Stand auferlegten, entschlossen in den Dienst des neuen Staates stellte, weil er nur in ihm und mit ihm seinem Volke dienen konnte. Wer es aut mit seinem Volke meint, wird sich bemühen, die tiefen Spalten zu schließen, die es zerklüften. Die religiöse und die soziale Spaltung sind schon schlimm genug, die Kluft zwien Monarchisten und Republikanern muß und wird sich hoffentlich in nicht zu langer Zeit schließen, mit ihr auch die Gräben, die der Sondergeist der einzelnen Stämme noch hier und da aufwirft. Am richtigsten ist es, wir fangen mit der Besserung bei uns selbst an, und zwar zunächst mit der Erkenntnis des Bibelworts: Wir sind allzumal Sünder. Jeder ist überzeugt, daß der andere viel zu viel verdiene, er selbst aber viel zu wenig, und unter der Rettung des Staates versteht er den eigenen Nutzen. Hier muß die Besserung einsetzen. Ihr, die Ihr noch ein gutes, ja vielleicht ein großes Einkommen habt, auch Ihr, Ihr Beamten, die Ihr wenigstens die Sicherheit des Daseins besitzt, geht mit gutem Beispiel voran, laßt Euch nicht zwingen, laßt Euch nicht beschämen von anderen Völkern, wie z. B. den Engländern, an Opfermut für das Gemeinwohl. Wenn zur er lichten Und ändern wir uns selbst, so ändern sich auch die Parteien. Neben wirtschaftlichen Gründen hat im früheren Deutschland ein engstirniger Kastengeist jene Spaltung und Zerklüftung hervorgerufen, der uns so sehr geschadet hat. Ist es damit in der Republik besser geworden? Ich fürchte, nur wenig, jedenfalls noch lange nicht genug. auch der Gesamtheit gegenüber müssen wir unsere Pflic erfüllen. Hast du das Wahlrecht, so mache es selbst zur Wahlpflicht. Das ist das Gefährliche an der Demokratie, das sie alle Stimmen gleichsetzt, aber auch das Große, daß sie zwingt, an die Erziehung der Masse, an die Besserung ihrer Lage die höchste, die letzte Kraft zu setzen, handelt es sich doch um die weitaus größte Mehrzahl des Volkes. Nur dann, wenn wir alle unsere Schuldigkeit tun, kann das große und furchtbare, aber auch herrliche Wagnis einer wahren Demokratie gelingen. Wir müssen alle zusammen siegen oder untergehen. Jeder Streit muß da aufhören, wo es um das gemeinsame Gut aller geht, um den Staat und seine Notwendigkeiten. Die Rheinländer haben den Franzosen gezeigt, daß die Zeit vorbei ist, wo man Völker auseinanderriß und verschacherte, wie irgend eine leblose Sache. Klar und eindeutig haben sie es Frankreich und der ganzen Welt vor Augen gestellt: Wir sind Deutsche und wollen Deutsche bleiben; so treu verbunden haben alle, Arbeiter und Bauern, Fabrikanten, Kaufleute und Beamte in diesem Kampfe gestanden, daß sogar Frankreich das Aussichtslose seiner Bemühungen einsah und verhandlungswillig wurde. Dann erst ist unsere Freude über die Befreiung des Rheinlands die rechte, wenn sie uns zu dem Entschlusse führt, seinem Beispiel nachzufolgen, in der Einigkeit die beste, die einzige Hilfe zu sehen in unserer Bedrängnis, uns aufzuschwingen zu dem Gelöbnis„Wir wollen sein ein einig Volk von Brüdern, in keiner Not uns trennen und Gefahr, wir wollen frei sein wie die Väter waren“. Diesem heiligen Gelöbnis wollen wir in dieser ernsten Stunde Ausdruck geben in dem Ruf: Deutschland, unser aller gemeinsame Mutter, unser geliebtes Vaterland, und die Form, die es sich in freiem Entschlusse gegeben hat, die Deutsche Republik, sie leben hoch! Nachdem die Versammelten gemeinsam eine Strophe des Deutschlandliedes gesungen hatten, spielte Frau Schleifenbaum=Schulz mit großer Künstlerschaft und stark empfunden den ersten Satz der herrlichen D-Moll=Sonate von Beethoven. Der Quartettverein sang„Lebenslied“ von Kaun und„Von Freiheit und Vaterland“ von Goepfart, in denen er sich zu besonders feinen Leistungen aufschwang. Damit hatte die Feier ihr Ende gefunden, die ihres Sinnes würdig und eindrucksvoll verlaufen war. Landkreis Siegen * Weidenau, 12. August. In der Sitzung der Amtsvertretung des Amtes Weidenau am vergangenen Freitag im Kottmannschen Saale gedachte der Vorsitzende, Bürgermeister Hirschfeld, zunächst der Rheinlandräumung und gab dem Wunsche Ausdruck, daß ihr auch bald die Saarlandräumung folgen möge. Sodann machte er Mitteilung u. a. von dem Eingange der Genehmigung zur Änderung der Sparkassensatzung hinsichtlich Erhöhung der Zahl der Sparkassenvorstandsmitglieder, von dem befriedigenden Ergebnis einer außerordentlichen Prüfung der Amtskasse Weidenau, von der Bewilligung eines Kreisbetriebskostenzuschusses für das hiesige Amtskrankenhaus. Die Amtskassenrechnung für das Rechnungsjahr 1928, welche in Einnahme mit 1033016,77 RM., in Ausgabe mit 1039 948,13 RM. und mit einem Vorschuß von 6931,36 RM. sowie mit einem Einnahmereste von 8509,53 RM. abschließt, wurde ohne Debatte abgenommen, ebenfalls die Rechnung der Amtswohlfahrtskasse für 1928, welche in Einnahme mit 363 628,77 RM., in Ausgabe mit 358 131,76 RM. und mit einem Bestande von 5497,31 RM. abschließt. Nach Genehmigung des Rechnungsabschlusses des Krankenhauses für das Geschäftsjahr 1929 wurde der Amtshaushaltsplan für das Rechnungsjahr 1930, welcher in Einnahme und Ausgabe mit 593 000 RM. belanciert, nach längerer Aussprache angenommen, ebenso der Amtswohlfahrtsetat in Höhe von 238000 RM., der Haushaltsplan über die Wohnungsbauförderung mit 563 300 RM. und der Haushaltsplan des Amtskrankenhauses mit 258000 RM. Weiter wurden nach eingehender Beratung die Restkosten für den Krankenhauserweiterungsbau bewilligt und die Aufnahme einer Sammelanleihe für Krankenhaus=, Gemeinde=, Schul= und Wohnungsbauzwecke in Höhe von rund 400 000 RM. beschlossen. Mit der Verlängerung des Rückzahlungstermins für den bei der Landesbank der Provinz Westfalen für die Wohnungsbauförderung aufgenommenen Zwischenkredit von 130 000 RM. erklärte man sich einverstanden. Dem Landwirtschaftlichen Lokalverein für das Amt Weidenau bewilligte man für Ehrenpreise einen Betrag von 150 RM. unter der Bedingung, daß die Preise in mehrere Teile geteilt und in bar ausgezahlt werden. Nach Erledigung einiger Beamtenangelegenheiten, wobei die endgültige Anstellung der Polizeibeamten Brinkmann und Weigt als Polizeiwachtmeister beschlossen wurde, wurde die Versammlung geschlossen. O Klafeld=Geisweid, 12. August. Eine Anzahl der durch Neubeschaffung überflüssig gewordenen Wagen der elektrischen Kreisbahn Siegen wird hier verschrotet. Demnach hat man die alten Wagen doch nicht mehr so leicht absetzen können, wie man anfänglich gehofft hatte. Klafeld=Geisweid, 12. August. Einem Anwohner der Bergstraße wurde eine Radioanlage durch Blitzschlag zerstört. Birlenbach, 12. August. Das hier im Bau befindliche Sammelbecken zur Ergänzung der bis jetzt wenig ergiebigen Gemeindewasserleitung geht seiner Vollendung entgegen. Es wird schätzungsweise 200—250 chm Wasser fassen können und bei genügender Quellenzufuhr kann es den Bedürfnissen der Gemeinde entsprechen. * Kreuztal, 12. August. Eine neue Omnibuslinie, die bereits die Genehmigung des Regierungspräsidenten gefunden hat, ist vom Unternehmer Alb. Schmidt ins Leben gerufen worden. Die Linie führt von Kreuztal nachLaaspheüberErndtebrückund wird von Montag, dem 18. 8. gefahren. Durch diese Neueinrichtung wird der Verkehr vom Wittgensteinschen nach dem Siegerland in starkem Maße erschloffen. § Niederschelden, 12. August. Während der Regen an den Feldfrüchten im allgemeinen weniger Schaden angerichtet hat, scheint das nasse Wetter hierorts allmählich doch verhängnisvoll zu werden. Mehr als in den vergangenen Jahren sieht man die Kornritter in langen Reihen aufgestellt. Einige Wochen sind nun schon verflossen, daß das Korn geschnitten wurde und auf die Dreschmaschine wartet. In Anbetracht dessen, daß nun alles auf die Dreschmaschine angewiesen ist, kann man eigentlich nicht recht verstehen, daß hier nicht an die Aufstellung einer solchen Maschine gedacht wird. Die Maschinen sind doch leihweise zu bekommen und dürfte sich eine mietweise Aufstellung doch sicherlich lohnen. Niederschelden, wie auch Niederschelderhütte sind somit auf die Nachbargemeinden angewiesen, so daß die dort aufgestellten Maschinen jedes Jahr mehr als überlastet sind. Wäre eine Dreschmaschine hier am Platze, brauchte niemand wochenlang um sein Korn zu bangen, wie es in den letzten Jahren stets der Fall war. b. Freudenberg. 12. August. Anläßlich des Verfassungstages fanden in Freudenberg für die Schulen des Amtes Reichsjugendwettkämpfe statt, an denen sich die Schulen Oberheuslingen, Büschergrund, Lindenberg und die beiden Schulen Freudenbergs beteiligten. In einem Vierkampf der Knaben und einem Dreikampf der Mädchen wurden eine Plakette sowie eine Anzahl Urkunden ausgekämpft. Da das Wetter unsicher war, wurde der Kampf zum Teil in der JahnLagemannhalle durchgeführt. Nach dem Turnen der allgemeinen Freiübungen konnte der Leiter der Wettkämpfe, Mittelschullehrer Vollmer, Freudenberg, die Preisverteilung vornehmen. Erster Sieger im Vierkampf der ersten Gruppe der Knaben war Hermann Wüst der Schule Freudenberg mit 102 Punkten. Es folgen die ersten Sieger der übrigen Gruppen: Zweite Gruppe Knaben: Wolfram Lohmann, Freudenberg, 83 Punkte. Erste Gruppe Mädchen: Ruth Siebel=Späth, Freudenberg, und Hanna Becker, Büschen mit 53 Punkten. Zweite Gruppe Mädchen: L. Weier, Büschen, mit 53 Punkten Zu der Siegerverkündung waren Bürgermeister Plaas und die Lehrer der beteiligten Schulen erschienen. s. Struthütten, 12. August. Die Vereinigung der Turn= und Sportvereine des Amtes Burbach hielt am Sonntag hier ihr 1. Amtsspielfest ab. Nach voraufgegangener Kampfrichtersitzung um 7 Uhr war Morgenandacht auf dem Schulhof, von Pfarrer HackemannHerdorf gehalten. Anschließend begannen die Wettkämpfe. 300 Wettkämpfer und-kämpferinnen nahmen teil. Dann wurde auf dem Sportplatz ein Fußballwettspiel zwischen der 2. Mannschaft der Spielvereinigung StruthüttenAltenseelbach und der 1. Mannschaft des Sportvereins Burbach ausgetragen, wobei Struthütten mit 3:2 Sieger wurde. Während der Mittagspause wurde den Mitwirkenden eine guthergerichtete Erbsensuppe aus der Gulaschkanone verabreicht. Nach einem Handballspiel des Turnvereins Altenseelbach gegen den Turnverein Salchendorf, welches Altenseelbach mit 2:1 gewann, und einem Fußballspiel der 1. Mannschaft der Spielvereinigung Struthütten=Altenseelbach gegen die gleiche Mannschaft des Sportvereins Wahlbach, wobei Struthütten mit 5:1 als Sieger hervorging, erfolgte vom Sportplatz aus zum Turnplatz unter Marschmusik des Neunkirchener Musikvereins der Anmarsch zu den allgemeinen Freiübungen, die wohl den Glanzpunkt des Festes bildeten. Der Vorsitzende der Vereinigung wies in einer längeren Ansprache auf die Zwecke und die Ziele des Turnens und des Sportes hin. Weiter gedachte Redner des Verfassungstages sowie der Rheinlandräumung. Es folgten Vereinswetturnen, =Kämpfe, Sondervorführungen usw.; die Turnerinnen der Tv. Neunkirchen und Altenseelbach führten Volkstänze auf. Amtmann Liebau nahm nach Bekanntgabe der Namen der Sieger und Siegerinnen nochmals das Wort zum Dank. Es soll an dieser Stelle nicht unterlassen werden, den beiden Hauptarbeitspersonen, die sich für das Gelingen der idealen Sache eingesetzt haben, dem Oberturnwart der Vereinigung, Ewald Stein=Struthütten, und dem 1. Vorsitzenden, Amtmann Liebau=Burbach, Dank zu sagen. Kreis Altenkirchen s Herdorf, 12. August. In der vergangenen Nacht wurde in der Fahrkartenausgabe der Station ein Einbruch verübt. Der Dieb war durch ein Wartesaalfenster in das Innere des Hauses gelangt und hatte dort die Scheibe am Schalter zertrümmert. Er nahm die Kassette vom Schalter mit, in der sich ungefähr 15 Mark befanden. Der Diebstahl wurde ausgeführt, während sich der Stationsvorsteher beim Rangieren eines Zuges auf dem Bahnhofsgelände befand. m. Herdorf, 12. August. Am Samstagnachmittag ereignete sich im nahen Struthütten ein Motorradunfall. Die 17jährige Tochter des Invaliden Stinner von hier befand sich mit ihrem Fahrrade auf dem Wege nach letzungen am Kopf. Der Motorradfahrer kam mit einigen Hautabschürfungen davon. m. Herdorf, 12. August. Sonntag nachmittag fand die feierliche Einweihung des neuerrichteten Schießstandes des Kleinkaliber=Schützenvereins statt. Bei dem Vergleichsschießen zeichneten sich als beste Schützen die Mitglieder Josef Bender, Martin Nassauer und Otto Weiher aus. Wissen, 12. Aug. Am Sonntag, um die Mittagszeit, war wieder in der Sieg ein großes Fischsterben festzustellen. Eine Unmenge toter Fische hatte sich an den Siegufern angesammelt. Die Ursache dieses Vorfalles konnte noch nicht geklärt werden. Bisher waren diese Vorkommnisse durch Ablassen der Säure des hiesigen Walzwerkes herbeigeführt worden. Man hat aber hier Abhilfe geschaffen, indem die Säure jetzt geklärt wird. Dadurch hatte sich der Fischbestand wieder stark vermehrt. Nach dem neuen Vorfall ist ihm wieder großer Schaden zugefügt worden. )(Dillenburg, 12. August. Zu einer gemeinsamen Verfassungsfeier hatten sich am Montag mittag ½12 Uhr die Vertreter der Behörden in der Aula des Gymnasiums versammelt. Die ernste Stunde fand ihre besondere Weihe durch die hervorragende Ausschmückung der Aula. Die Orgel zierten die Bilder des ehemaligen und jetzigen Reichspräsidenten im frischen Grün. Nach herzlichen Begrüßungsworten seitens des Landrats, der insbesondere auf die endgültige Befreiung der Rheinlande hinwies, und einem Musikvortrag durch ein Quartett der Stadtkapelle nahm der Stadtverordnetenvorsteher Dr. Dönges das Wort zu der Festrede. Redner ging in seiner tiefschürfenden Rede auf die Geschichte der Verfassungen des Deutschen Reiches, insbesondere der engeren Heimat ein und versuchte auf diese Art und Weise Verständnis für den Zusammenhang der Dinge zu erreichen. Die gehaltvollen Worte des Redners gipfelten in dem Wunsche, daß drei Dinge unumgänglich notwendig seien, nämlich die Loslösung Liebe Kinder! Wie?— Ihr wißt schon was wir Euch sagen wollen, daß Miltwoch Kindertag Ist? RichtigII Richtig II— Und well Ihr so gut geraten habt, gibts's morgen zum Kindertag 1 Stück Pflaumenkuchen mit Sahne, dazu eine Tasse Kakao für nur 20 Pfq. Hurra— das wird aber schmecken, was? Jetzt während der Weißen Wochen können wir Euch sogar ganz interessante Dinge zeigen!— Jasa—— z. B. die Kakadus Im Lichthof! Der eine schlägt Rad, denkt mal an! Das ist sicher ein Düsseldorfer Radschläger!— Ein anderer hört auf den Zuruf: Jakob! — Und dann die vielen Fische Im Springprunnen. Wieviel Fische mögen es wohl sein? Wer die Anzehl richtig schätzt oder ihr am nächsten kommt, erhält ein Geschenk! Aber nur Ihr Kinder dürft Euch daran betelligen! Die Lösungen könnt Ihr bis zum nächsten Mittwoch, morgens 9 Uhr, an allen Kassen abgeben. Und nun— auf Wiedersehen bis morgen bel AN MAR vom Versailler Vertrag, die Schaffung von Arbeitsgelegenheit und die Hochhaltung der derzeitigen Gesellschaftsordnung.— Mit einem dreifachen„Hoch“ auf die deutsche Republik schloß Dr. Dönges seine Festrede. Die Versammlung stimmte daraufhin die erste Strophe des Deutschlandliedes an.— Nach einem weiteren Musikvortrag durch die Stadtkapelle fand die denkwürdige Stunde, die dem Verfassungstage die richtige Weihe gegegeben hatte, ihren Abschluß. ( Dillenburg, 12. Aug. In der Generalversammlung des Bauvereins wurde der Bau von 4 Erwerbswohnhäusern beschlossen. Unter Punkt Verschiedenes wurden einige kleinere Angelegenheiten erledigt. )( Dillenburg, 12. August. Anläßlich des hier stattfindenden Kyffhäuserjugendlagers auf dem Feldbacher Hof veranstaltete man am Samstag und Sonntag hierselbst eine Reihe von Festlichkeiten. Samstag abend traten die Jungmannen in Gemeinschaft mit den hiesigen Militärvereinen in der Wilhelmstraße zu einem Zuge an, der sich zum Kurhause bewegte, wo ein Kommers stattfand. In den Gartenanlagen gab es zuerst die Aufführung einiger Laienspiele, insbesondere gefiel hierbei die Darbietung„Wilhelm Tell“. Eine große Anzahl Einwohner verfolgte die Aufführungen mit sichtlichem Interesse. Dann spielten die vereinigten Kapellen, Dillenburger Stadtkapelle und die Kapelle der Kyffhäuserjugend, den Zapfenstreich. Im Saale selbst entwickelte sich darauf ein buntes Leben und Treiben, nachdem die Jungmannen mit klingendem Spiel wieder in ihr Lager abgerückt waren. Der Vorsitzende des Dillkriegerbundes, Hauptmann JungEibelshausen, hieß die Erschienenen herzlich willkommen. Bürgermeister Kupfrian überbrachte die Grüße der Stadtverwaltung. General von Enkevort. der zweite Vorsitzende des Preuß. Kriegerverbandes, gab seiner Freude über die herrliche Zusammenkunft hierselbst Ausdruck. Zwischendurch konzertierte die Stadtkapelle in ihrer bekannt schneidigen Weise. Es herrschte eine echt kameradschaftliche Stimmung. Sonntag morgen trafen aus allen Teile des Kreises die Kriegervereine ein. Auf dem Feldbacher Hof fand dann um 11 Uhr ein Felgdottesdienst statt, bei dem Pfarrer Veidt aus Frankfurt a. M., der bekannte Redner, in herzerhebenden Worten zu der großen Versammlung sprach. Gemeinsame Gesänge umrahmten die feierliche Stunde. Nach Abschluß des Gottesdienstes überreichte General von Enkevort der Dillenburger Jugendgruppe die neue Fahne. Jugendführer Berns gelobte, sie in Ehren hochzuhalten. Auf dem Feldbacher Hof wurden dann die neu angekommenen Jugendlichen in ihre Quartiere untergebracht. Der geräumige Hof ist voll belegt mit Kyffhäuserjungens. Ab 1 Uhr lonzertierte die Dillenburger Stadtkapelle auf dem Gelände der Ausstellung. Nach 3 Uhr zogen die vielen Kyffhäuserjungens und die hiesigen Militärvereine in Gemeinschaft mit den erschienenen Kriegervereinen vor dem General im Paradeschritt vorüber. Der Zug bewegte sich zum Gelände an der ehem. Seminarturnhalle, wo bis gegen Abend die Kapelle konzertierte. Der Besuch war sehr gut und die Stimmung ausgezeichnet. Erst in den späten Abendstunden herrschte wieder Ruhe in der Stadt. Zu neuer Arbeit im Dienste am Volke trat die neue Gruppe am Montag auf dem Feldbacher Hof an. Es ist die letzte Woche.— Ein besonderes Ereignis war der Besuch des„Graf Zeppelin“, der um 2 Uhr eine Schleife in langsamer Fahrt über der Stadt ausführte und in südwestlicher Richtung, bejubelt von der ganzen Bevölkerung, wieder verschwand. Vereine und Versammlungen. * Herzhausen, 12. August. Trotz des Flugtages in Weidenau und der Überfliegung des Siegerlandes durch das Zeppelinluftschiff war das von der Ortsgruppe Herzhausen des Christlichen Metallarveiterverbandes schon längst festgelegte Walofest außerordentlich gut besucht und nahm einen schönen Verlauf. Flotte Marschweisen des aus Mitgliedern der Ortsgruppe bestehenden Tambourkorps lockten die Freunde der Christlichen Gewerkschaften und deren Angehörige sehr bald zu dem idyllisch gelegenen Festplatze, wo fleißige Hände bereits den Kaffee bereitet hatten. Recht bald entwickelten sich dann auch eine echt gemütliche Feier. Gut gespielte Weisen des Tambourkorps, Vorträge des tüchtigen Gesangvereins und der„Hauskapelle“ brachten die richtige Feststimmung auf. Auch der von dem Vereinswirt Lengerling gut ausgestattete Marketenderwagen wurde freudig begrüßt und stark in Anspruch genommen. Einige rührige Kollegen der Ortsgruppe hatten ein umfangreiches Programm zur Belustigung und Unterhaltung der zahlreich vertretenen Jugend aufgestellt. Tauziehen, Wettlaufen und Wurstschnappen usw. wurden eifrig gepflegt und die Sieger durch entsprechende Preise belohnt. Kurz nach dem Kaffeetrinken hielt der Vorsitzende der Verwaltungsstelle Siegen, Provinziallandtagsabgeordneter Haas. eine markige Ansprache, in der er auf die Bedeutung der gewerkschaftlichen Organisationen hinwies und namentlich die zahlreich vertretenen Frauen auf diese aufmerksam machte. Allen Teilnehmern wird jedenfalls dieses gest, as sich würdig den anderen anreiht, unvergessen Klafeld=Geisweid, 12. August. Der Männergesangverein„Sinigreit“ konnte am Sonntag in den Gartenanlagen von Fr. Reuter, Dillnhütten, den Tag festlich begehen, an dem vor 20 Jahren der Verein gegrundet wurde. An dem Fest, das den Zeitverhältnissen entsprechend in bescheidenen Grenzen gehalten war, nahmen auch die beiden Männergesangvereine„Liederkranz“ und„Frohsinn“ sowie der Männergesangverein Dillnhütten und der Männergesangrerein„Hoffnung“, Siegen, teil. Wenn auch infolge des Flugtages der Besuch des Festes etwas zu leiden hatte, so konnte doch durch die zufällig günstige Witterung ein Programm, in dem Musikstücke, Ansprachen und Lieder miteinander abwechselten, geeie das jeden Besucher des Festes O Klafeld=Geisweid, 12. August. Die Ortsgruppe des Bundes der Kinderreichen hielt am Sonntagnachmittag im Gasthof Scheib eine Versammlung ab die sich eines außerordentlich regen Besuches zu erfreuen hatte. Durch das Mitglied Joppen wurde eingehend erstittet über den in Ludwigshafen getätigten Möbelaufkauf, den vier Vertreter der Gemeinde und zwei Vereinsmitglieder getätigt haben. Da noch nicht alle Käufe erledigt sind, erfolgt nochmalige Reise, um allen Interessenten gerecht zu werden. Unter„Verschiedenes“ wurde beschlossen, an die Gemeinde heranzutreten zwecks Belieferung der kinderreichen Familien mit Brand und Kartoffeln für den Winter. O Fellinghausen, 12. August. Die hiesige GemeinJa feierte am Sonntagnachmittag ihr Jahresfest. Zu ihm hatten sich auch die Chöre der Brudergemeinschaften Östhelden und Littfeld eingefunden. Gemeinsamer Gesang und Gebet leiteten den Nachmittag ein. Im Begrüßungswort, das Bruder Gustav Münker bot kam die Freude und der Dank darüber zum Ausdruck. daß die Gemeinschaft zum ersten Male ihr Jahresfest im eigenen Heim feiern konnte. Nastor Buscher, der als Festredner diente, wußte in Anlehnung an die Geschichte Gideons die Not jener Zeit vor die Seele zu malen und in Vergleich zu stellen mit der Not unseres Volkes, die täglich steigt und ein immer lauteres Sehnen nach einem Retter kund werden läßt. Missional Blecher hielt die Schlußansprache. Der Posaunenchor aus Bockenbach hatte es übernommen, die gemeinsamen Gesänge zu begleiten während die Gesangchöre durch Liedervorträge die Feier verschönten. m. Herdorf, 12. August. Am Samstagabend fand in der Gastwirtschaft Latsch eine Versammlung des Ortskartells der christlichen Gewerkschaften statt. Bezirksleiter Bonacker hielt einen Vortrag. Auf der vorige Woche in Aachen abgehaltenen Generalversammlung des Gewerkvereins habe der alte, in manchem Streite erprobte Kämpfer, Bezirksleiter Effert, im Hinblick auf sein Alter und seine ruinierte Gesundheit gebeten, von seiner Wiederwahl zum Hauptvorstand Abstand zu nehmen. Auf Vorschlag des Siegerländer Bezirks sei darauf der Kollege Leicher einstimmig gewählt worden. Redner ging dann über zu seinem eigentlichen Referate. Ausgehend von den Beschlüssen des 12. Kongresses der christlichen Gewerkschaften in Frankfurt wäre man jetzt überall bestrebt, den Zusammenschluß aller christlichen Berufsverbände herbeizuführen. Man bilde heute nicht nur Ortskartelle, sondern auch Bezirkskartelle un darüber hinaus Reichskartellausschüsse. Heute gelte es zu kämpfen, und zwar geschlossen für die Arbeiterbelange, und vor allem auch für die Arbeiter, welche nicht so glücklich sind wie die Bergarbeiter, ein Reichsknappschaftsgesetz zu haben, das Recht zu erwirken, früher als wie mit 65 Jahren versorgt zu werden. Selbsthilfe sei das Gebot der Stunde, denn die trostlose Lage auf wirtschafts= und sozialpolitischem Gebiete nach christlichen Grundsätzen zu ändern, sei Hauptziel der christlichen Gewerkschaften, und so seien es gerade Reichskanzler Brüning und Arbeitsminister Stegerwald, beide aus den christlichen Gewerkschaften hervorgegangen, welche Hand an den kranken Staatskörper gelegt hätten. Auch ging der Redner näher auf die jetzigen Verhältnisse ein und stellte fest, daß hierzu außer der Rationalisierung auch die letzte Beamtenbesoldungsreform beigetragen habe. Leider würden die Mahnrufe zur Organisation nicht immer gehört, aber das nicht allein, man könne beobachten, wie gerade die Unorganisierten im gegebenen Moment den anderen Arbeitern in den Rücken fielen. Anschließend gab der Referent noch einen kurzen überblick über die sozialen Einrichtungen der Gesamtorganisation wie Bank, Sparkasse usw., und konnte unter anderm auch den Mitgliedern des Gewerkvereins mitteilen, daß laut Beschluß der Generalversammlung in Aachen am 31. 12. 1930 jedemp Mitgliede ein Sparbuch ausgestellt wird mit dem Werte von 10 Prozent der seit dem Jahre 1924 gezahlten Beiträge. Vom 1. 1. 1931 wird sich dieser Satz auf 15 Prozent erhöhen. Große Freude herrschte ob dieses Beschlusses und reicher Beifall wurde dem Redner zuteil für seine Ausführungen. Sekretär Mockenhaupt berichtete auch noch über den Stand der Subventionsverhandlungen. Auch erläuterte er noch die Reform der Krankenversicherung, die ja nun durch die neue Notverordnung in Kraft getreten ist. l. Katzwinkel, 12. August. Unter großer Anteilnahme der Bevölkerung konnte am Samstag und Sonntag der Turnverein Jung=Deutschland die feierliche Weihe der neuen Fahne vornehmen und gleichzeitig das 10. Stiftungsfest festlich begehen. Der ganze Ort hatte aus diesem Anlaß Festschmuck angelegt. Eingeleitet wurde die Feier am Samstagabend mit einem großen Kommers, der von der Bergkapelle und dem Trommlerkorps des Turnvereins Wallmenroth verschönt wurde. Der Hauptfesttag wurde mit einem gemeinsamen Kirchgang eingeleitet, worauf anschließend eine eindrucksvolle Gefallenenehrung stattfand. Nachmittags wurden die Vereine am Ortseingang empfangen. Nach der Begrüßung bewegte sich ein imposanter Festzug zur Katzwinkeler Höhe, wo Kreisjugendpfleger und Oberturnlehrer Theiß die Weihe der neuen Fahne vornahm. Im Namen des Reichspräsidenten überreichte der Redner dem Verein eine Ehren=Fahnenplakette. Anschließend zeigten die eingeladenen Auswärtigen ihr turnerisches Können, die viel Beifall fanden. Als Abschluß des Fahnenweihfestes fand im Vereinsheim ein gemütliches Beisammensein statt. 1 Wissen, 12. August. Die Monatsversammlung des Obst= und Gartenbauvereins am 10. d. Mts. wies einen sehr schlechten Besuch auf, ein Zeichen für die große Interessenlosigkeit für den hiesigen Obst- und Gartenbau. Anstatt den Obstbau intensiver zu betreiben, ist ein Abflauen zu verzeichnen. Die Bedingungen zu, der landwirtschaftlichen Ausstellung in Altenkirchen wurden bekanntgegeben und an Interessenten verteilt. Auch an dieser Stelle wird noch einmal nachdrücklich auf die Ausstellung hingewiesen und gewünscht, daß ein großer Teil der Mitglieder vom Obst= und Gartenbauverein die Ausstellung beschickt. In einigen Tagen geht den Mitgliedern ein Preisangebot für Torfmull zu, der in der ersten Septemberwoche schon zu haben ist. In den letzten Jahren ist der Torfmull recht ausgiebig im Garten zur Verwendung gekommen. Aus der Wahlbewegung. * Siegen, 12. August. Vorgestern fand hier eine gut besuchte Sitzung des Kreisvorstandes der DVP. Siegen=Wittgenstein statt, die sich mit den kommenden Reichstagswahlen beschäftigte. Die von Westfalen=Süd in Vorschlag gebrachten Kandidaten sind: 1. Bergmann Winnefeld, Günnigfeld; 2. Bergassessor Hueck, Gelsenkirchen; 3. Rechtsanwalt Fähre, Dortmund; 4. Frau Dobke, Bochum; 5. Dr. Hanholz, Bochum. Die weiteren Plätze sind wie stets von Vertretern aller Berufsschichten besetzt. Der Kreisvorstand war mit dieser Vorschlagsliste einverstanden. Zum zweiten Punkt der Tagesordnung gab der Kreisvorsitzende Hellmann zunächst einen Überblick über die politische Lage. An die Spitze seiner Betrachtungen stellte er das von der ganzen Versammlung geteilte Bedauern, daß die Sammlung der Mitte nicht zustande gekommen sei. Die übereilte Gründung der Staatspartei habe zwar starke Verstimmungen ausgelöst, zumal bei dem Gründungsvorgang planmäßig auf eine Zerschlagung der DVP. spekuliert worden sei. Trotzdem habe der Führer der DVP. seine Hoffnung auf ein Zusammenfassen der bürgerlichen Kräfte nicht aufgegeben. In Mannheim habe Dr. Scholz gesagt, daß die DVP. nicht glaube, auf die Dauer ohne oder gegen die Sozialdemokratie regieren zu können. Voraussetzung aber sei, daß die SPD. sich bereit finde, die unerläßlichen Reformen auf allen Gebieten unseres Reiches mitzumachen. Nachdem die SPD. sich dieser Verantwortung entzogen habe, sei es klar, daß als Gegenpol zu dem festen sozialdemokratischen Block ein starkes Bürgertum zusammengefaßt werden müsse, das entschlossen sei, die Reformen oyne die Sozialdemokratie durchzuführen. Diese Ansicht habe leider HöpkerAschoff nicht geteilt, sondern, wie auch aus seinem Artikel in der„Kölnischen Zeitung" hervorgehe, ihm schwebe eine Koalition ähnlich der zurzeit in Preußen bestehenden vor. Daß eine solche Zielsetzung für die DVP. untragbar sei, sei nach den Vorgängen im letzten Reichstag nur zu verstehen, und so mußten die Verhandlungen leider unterbrochen werden— das Bürgertum war um eine Hoffnung ärmer. Dieses vorläufige Scheitern der Verhandlungen darf unsere Zielsetzung nicht verändern: wir sehen dies Ziel in der Zusammenfassung von Kräften rechts und links von uns.— In der anregenden Debatte brachten zahlreiche Sprecher zum Ausdruck, daß sie mit dem Vorsitzenden das Nichtzustandekommen der Sammlung bedauerten, daß sie aber ebenso entschlossen die Politik Dr. Scholz' anerkannten. Es kam die Hoffnung zum Ausdruck, daß die Links=Tendenz, wie sie zurzeit in der Führung der Staatspartei deutlich erkennbar ist, nach der Wahl einer besseren Einsicht Platz macht, um so den Weg für die große Sammlung zu geben. * Weidenau, 12. August. Trotz der vielen Veranstaltungen hatten sich zu der öffentlichen Versammlung des Evangelischen Volksdienstes(christlich=sozial) Ortsgruppe Weidenau, die am Sonntag, abends 8 Uhr, in der Bismarckhalle stattfand, die Besucher so zahlreich eingefunden, daß der Saal gut gefüllt war. Um 8.15 Uhr eröffnete der Vorsitzende der Ortsgruppe Weidenau, Hilfsschulleiter Fritz, die Versammlung und begküßte die Anwesenden, besonders den Redner des Abends und Spitzenkandidat für den Evangelischen Volksdienst für Westfalen, Herrn Pfarrer Lic. Schmidt. Er bezeichnete es als ein gutes Omen, daß die Männer und Frauen Weidenaus so zahlreich der Einladung Folge geleistet hätten. Sodann erteilte er dem Referenten des Abends, Pfarrer Lic. Schmidt, das Wort. Dieser führte ungefähr folgendes aus: Glaubensbrüder und Glaubensschwestern! Ich grüße euch als Söhne und Töchter der deutschen Reformation. Immer wieder wird die Behauptung aufgestellt, Religion und Politik hätten nichts miteinander zu tun. Wenn ich in Gott den allmächtigen Leiter und Schöpfer der Welt sehe, dann gibt es keine Stelle, wo Gottes Herrschaft nicht Richtschnur unseres Handelns sein müßte. Dann hat auch Gott etwas in der Politik zu tun. Wir haben ganz einfach die Pflicht, die Herrschaftsansprüche Gottes in der Welt anzuerkennen. Die Mahnung unseres Herrn muß uns auf der Seele brenken: Kurse der Berliner Börse. Radioübermittlung.— Ohne Gewähr. Oeutsche Anleihen Ablöeung R. 1. 2 u. 8 Ablösung Neubes. 5% Dt. Wertb. 1928 6% Reichsanl. 1927 10% Pr. C-Bodenkr. Gold 10% Rh.-W. Bdkr. Gold 2 3% do. Ser. 4 Kurse in Gol Schiffahrtsaktien Hamb. Amer.-Paket. do. Südamerika Hansa Dampt Nordd. Lloyd Bankaktien Barmer Bank-Verein Darmstädter Bank Deuteche Bank u. Oiscontogesellschaft Dresdner Bank Reichsbank lndustrieaktien Accumulator Alexanderwerk A. E. G. Baroper Walz. Basalt A. E. J. P. Bemberg Berger Tiefbau Bergmann Nordd. Eis. Nordd. WollOb. Eisenb-Bd. A.-G. Orenstein& Koppel Peipers& Cie. Phönix Bergb. u. Hütten Reichelbräu Rheinische Stahlwerke Rhein.-Westf. Elektr. Rhein.-Weetfäl. Spreng Rütgerswerke Sachsenwerk Sachtleben Schlegelbräu Schub.-Salzer Schuckert El. Schultheiß Siegen-Solinger Gußst. Siemens-Halske Thomee Fr. Walzwerk Verein. el. Busch-Jaeger Ver. Dt. Glanzstoff Vereinigte Stahlwerke V.Stahlw.v Zyp.u. Wiso. Vogel Telegraph Westeregeln Westf Drahtind.Hamm Westi. Kupfer Otavi Minen Frankfurter Kurse: Löhnberger Mühle Siegener Verzinkerei 11. Aug. 93.00 62.37 4650 56.00 88.50 74.75 229.00 83.87 169.50 4637 87.50 144.00 161.50 159.50 143.00 253.50 10.00 183.00 67.00 75.37 159.50 63.50 185.00 82.00 30.12 39.00 42.00 12. Aug. 94.00 62.75 45.25 55.50 88.50 75.25 228.00 82.50 169.50 53.00 4600 86.50 147.50 162.00 159.00 142.50 250.25 1037 185.00 67.00 110.50 75.50 157.50 65.50 183.50 83.00 30.25 38.50 Devisen: (in R.-Mark) 11. Aug. 12 Aug. Buenos-Aires Japan London New-York Rio de Janelro Amsterdam Brüssel Ant. Budapest Danzig Helsingfors Italien Jugo-Slavien Kopenhagen Lissabon u.Oporto 1Eskudo 1 Peso 1 Yen 1 Pfd. St. 1 Dollar 1 Milr. 100 f. 100 Belga 100 Pengo 100 Guiden 100 Fm. 100 Lire 100 Din. 100 Kr. Oslo Paris Prag Schweiz Sofia Spanien Stockbolm Wien 100 Kr. 100 Frca. 100 Kr. 100 Fr. 100 Leva 100 Pes. 100 Kr. 100 Schill. Metallbörse Berlin, 12. Aug. Elektro-Kupfer 105.25 Hütten-Aluminium 190.00 Reinnickel 350.00 Antimon 51.00—53.00 Feinsilber je kg 48 00-50.00 Börse schloß freundlich, Tageskurse nicht überall Schluß- und Nachbörse. Die doch konnten sich die höchsten behaupten. Fest lagen Dt. Linoleum und Zellstoff-Waldhof. Nachbörslich waren Farben mit 1453 gesucht. Im übrigen hörte man Hapag 85,5, Lloyd 85,5, A. E. G. 134, Siemens 183,5 Salzdetfurth 296, Schultheiß 250, Reichsbank 289, Elektr. Licht 129,5, Neubesitz 7,6, Altbesitz 60,10. Ihr seid das Salz der Erde, ihr seid das Licht der Welt. Es gibt nur ein Entweder=Oder, Gottesherrschaft oder die Herrschaft des Teufels. Man fragt uns nun immer: Was wollt ihr denn eigentlich, wo ist euer Programm? Darauf möchte ich erwidern: Wir haben große Richtlinien der Politik. Eine Festlegung auf ein Programm lehnen wir ab, da über der toten Druckerschwärze das lebendige Leben stehen muß. Das hindert uns nicht daran, zielklare Wegweisung aufzustellen. Wir dienen dem Staat, so wie er ist, aber dieser Dienst macht uns nicht blind gegen das Wertvolle im alten Staate, noch gegen bedeutsame Schaden im neuen. Wir fordern Beschränkung eines hemmungslosen Parlamentarismus, Verantwortlichkeit der Regierung und größere Rechte für den Reichspräsidenten, Verminderung öffentlicher Lasten durch eine umfassende Reichs= und Verwaltungsreform, sparsamste Verwaltung öffentlicher Mittel und die Abdrosselung repräsentativer Ausgaben, eine scharfe Steuersenkung und die Ersetzung des heutigen aufgebauschten Finanzapparates durch eine Armeleutefinanzwirtschaft. Wir stehen zum Eigentum, aber auf Grund unserer biblischen Auffassung sagen wir, daß Eigentum verpflichtet, daß es Gnade ist und daß das Eigentum, welches nicht verwandt wird im Dienst am Volksganzen und nutzlos brach liegt, als Diebstahl angesehen werden kann. Das Los der deutschen Arbeiter liegt uns besonders am Herzen. Wir müssen nach Wegen suchen, um die Arbeitslosigkeit zu beseitigen, und wir erkennen an, daß auch der Arbeiter das Recht auf Arbeit und einen auskommenden Lebensunterhalt an, denn jede Arbeit ist ihres Lohnes wert. Ihnen, die im Schatten stehen, gehört unsere besondere Liebe. Um der Arbeiter und um des deutschen Volkes willen müssen wir aber auch nach Mitteln und Wegen suchen, daß unsere abgeschwächte Wirtschaft nicht vollständig zusammenbricht, sondern lebensfähig erhalten und gestützt wird. denn abgewürgte Wirtschaft bedeutet Massenelend. über die Not unserer Landwirtschaft und unseres Mittelstandes zu reden erübrigt sich. Sie tritt so offenkundig zu Tage daß kein deutscher Mensch an ihr vorüber gehen kann. Daran mitzuhelfen, daß beide, Landwirtschaft und Mittelstand, wieder lebenskräftig gestaltet werden, halten wir für eine unserer wichtigsten Aufgaben. Deshalb trete ich als Pfarrer für das Notopfer ein und bin mir darüber klar, daß wir als Beamte in dieser Notlage des Staates bereit sein müssen, die ersten Opfer zu bringen. Das ist ja überhaupt das Neue des Evangelischen Volksdienstes, daß er den Leuten nicht nach dem Munde spricht, und daß, wenn er Opfer verlangt, sie zuerst bei sich fordert. Die letzte und größte Absicht des Evangelischen Volksdienstes ist es, die Kräfte des lebendigen Christentums als die besten wirksam zu machen für Staat und Volk. Reicher langanhaltender Beifall belohnte den Redner für seine treffenden, zu Herzen gehenden Ausführungen. Nach der Aussprache, in der nur ein F. F. F.Mann das Wort nahm, hielt Pastor Lic. Schmidt ein kurzes kerniges Schlußwort, indem er alle evangelischen Männer und Frauen aufforderte, sich im Evangelischen Volksdienst zu sammeln, mitzuarbeiten an einem evangelischen Öffentlichkeitswillen und am 14. September der Liste 17 des Evangelischen Volksdienstes ihre Stimme zu geben. Mit dem gemeinsamen Gesang„Gib, daß ich tu mit Fleiß, was mir zu tun gebühret“, fand die glänzend verlaufene Versammlung ihren Abschluß. Sport. Der österreichische Meister F. A. E.=Wien in Siegen! Die Mannschaft des österreichischen Meisters hat ihre Deutschlandreise bereits angetreten und spielte vergangenen Samstag und Sonntag in Lüdenscheid und Barmen. In Lüdenscheid wurde der Westfälische Meister der D. T., Jahn==Lüdenscheid, mit 10:8 Toren geschlagen, während in Barmen Tura=Barmen, der große Gegner unseres heimischen Meisters in den Endspielen um die Deutsche Meisterschaft, mit 10:9 Toren das Nachsehen hatte. Zu dem Spiel in Lüdenscheid schreibt die Presse, daß die Wiener sich zunächst mit dem glatten Boden des Lüdenscheider Platzes gar nicht abfinden konnten und erst in der 2. Halbzeit, als sie sich einigermaßen eingewöhnt hatten, eine geradezu bestechendes Spiel vorführten und den Kampf dann überlegen und gegen Schluß verhalten spielend für sich entschieden. In Barmen kam ein ganz großes Ringen zustande, denn beide Mannschaften zeigten wahre Bravourstücke handballsportlichen Könnens. Die Wiener gaben als Mannschaft das geschlossenere, vollkommenere Bild ab. Die Zuschauermenge,— annähernd 4—5000 Zuschauer wohnten dem überaus spannenden Kampfe bei,— wurde des öfteren zu wahren Beifallsstürmen durch die glänzende Spielweise des österreichischen Meisters hingerissen. Morgen spielt nun die Wiener Mannschaft in Siegen. Es wird ein sehr harter und zäher Kampf werden, der bestimmt eine Fülle einzigartiger und spannender Momente zeitigen wird. Leiter des Spieles ist der bekannte Hagener Schiedsrichter Pankok. Sein Name bietet Gewähr dafür, daß das Treffen reibungslos und ohne Mißklang durchgeführt wird. Es wird nochmals auf den Omnibuspendelverkehr, welcher ab 6,30 Uhr von der Siegbrücke zum Stadtplatz eingerichtet ist, hingewiesen. Handel und Industrie. Guter Erfolg der 7prozentigen Feingold-KommunalSchuldverschreibungen der Westfälischen Landesbank. Wie uns die Direktion der Landesbank in Münster i. W. mitteilt, vollzieht sich der Absatz der neuen 7prozentigen Feingold-Kommunal-Schuldverschreibungen in recht befriedigender Weise. Es sind bereits 4½ Mill. RM abgesetzt. Der Verkaufskurs bleibt bis auf weiteres 93,75 Prozent. Barometerstand. (234 Meter über Seehöhe) am 12. August 1930. Barometerstand des vordergehenden Nach einer kurzen Besserung über das Wochenende hin hat sich die Wetterlage erneut verschlechtert, indem die nördlich von uns liegenden Tiefdruckgebiete sich wieder verstärkt haben. Die gesamte Wetterlage ist also wieder sehr unbeständig, doch zeigen sich bereits auch die Anzeichen einer wiedereinsetzenden Besserung. Wetteraussichten für Mittwoch: Noch kein beständiges Wetter, aber einsetzende Besserung wahrscheinlich. Das Wetter von gestern: Der höchste Thermometerstand am gestrigen Tage betrug+ 20 Grad, der niedrigste in der vergangenen Nacht+ 14 Grad Celsius. Der Himmel tat wieder, was er nicht lassen konnte: es goß den ganzen Tag, und alle Sommerattribute waren abgemeldet. Suontenios Gneiter. Qnaw dececkt. QVoskig. 9 begecas anegen * Schace aGraupelst a siebel E Gewittgr.(Mladstille. Q sem Eichtes O2 massiger B0asuqwestBstormischo dorduest die Stene fliegen mit dem inde. Dle berden Stationen 3tenenden Zansen geben die Temperatur an. Die Linien verbinden Orte mit aielchem dut Reeresaveau amoerechneten Luftarue Verantwortlich für die Politik und das Feuilleton Walter Weilshaeuser in Siegen, für den übrigen Teil H. Plitsch in Siegen. Berliner Ronaktion: Berlin NW 21, Handelstraße 21(am Tiergarten), Fernrufe Hansa 4354 und 4334. Letzte Nachrichten und Telegramme. Der Reichspräsident in München. cu. München, 12. August. Auf der Reise nach Dietramszell traf Reichspräsident von Hindenburg Dienstag vormittag kurz vor 10 Uhr in München ein. Hindenburg, der von seinem Sohn, Oberstleutnant von Hindenburg, und dem Sohn der Familie Schilcher begleitet war, wurde nach kurzer Begrüßung auf dem Bahnsteig vor der Bahnhofshalle von vielen Hunderten von Menschen begeistert empfangen. Die Weiterreise nach Dietramszell erfolgte im Kraftwagen der Landespolizei. Überall wurden Hindenburg lebhafte Ovationen zuteil, die der Reichspräsident dankend erwiderte. Verbot des Völkischen Beobachters wtb. München, 12. August. Die Polizeidirektion München teilt mit: Einem Ersuchen des Reichsministers des Innern entsprechend, wurde der in München erscheinende „Völkische Beobachter“ von der Polizeidirektion München auf drei Tage verboten. Der Reichsminister des Innern erblickt in Ausführungen, die in Nummer 184 dieser Zeitung am 5. August enthalten waren, einen Verstoß gegen das Republikschutzgesetz. Derartige Ersuchen sind für die Länderregierungen nach dem genannten Gesetz verbindlich, wenn nicht unverzüglich die Entscheidung des Reichsgerichts über die Frage beantragt wird. * Wieder ein Todessturz aus dem D=Zug. tu. Kassel, 12. August. Am Sonntagnachmittag gegen 17 Uhr fiel aus dem Schnellzug Frankfurt a. M.—Berlin kurz vor der Station Herleshausen eine Frau. Sie war sofort tot. Der Schnellzug hielt auf der Station und erlitt dadurch eine Verspätung von 15 Minuten. Die Person der Toten konnte noch nicht festgestellt werden. Auch steht noch nicht fest, auf welche Weise das Unglück geschehen ist. Der große Coup. enb. Berlin, 12. August. Dem Vorwärts zufolge ist gestern in die Villa des Generaldirektors Karl Friedrich von Siemens in der Berliner Straße in Charlottenburg eingebrochen worden. Den Tätern sind Juwelen von großem Wert in die Hände gefallen. enb. Berlin, 12. August. Der Einbruch in der Villa des Generaldirektors Karl Friedrich von Siemens ist der neueste Streich des berüchtigten„Leitungsrevisors“ Fritz Bachnik und seine Taten haben schon öfter die Behörden beschäftigt und Aufsehen erregt. Sein Arbeitssystem ist immer das gleiche. Er wartet ab, bis die Wohnungsinhaber fortgegangen oder verreist sind. Seine Angabe, er müsse die Licht= oder Telephonleitung prüfen, findet stets Glauben. Die Angestellten führen ihn von Zimmer zu Zimmer und er versteht es, sie auf eine kurze Zeit zu entfernen. Kaum ist er allein, so nimmt er sein vorzügliches Einbrecherwerkzeug zur Hand, öffnet schnell und geschickt die Behältnisse und hat Schmuck und Wertsachen schon in der Tasche, wenn die Angestellten zurückkommen. Bachnick betreibt seinen Schwindel seit 1913. Seine Beute, die er gestern gemacht hat, dürfte in die Hunderttausende gehen. Er stahl eine goldene Handtasche mit goldenem Portemonnaie, eine lange echte Perlenkette mit Platinschloß und einen Anhänger in Größe eines Dreimarkstücks, der mit Brillanten und Perlen besetzt ist, ein Platinarmband mit Perlen und Brillanten, zwei Kämme mit Diamanten und ein goldenes Zigaretten=Etui. Außerdem stahl er einen Schmuckkasten, der auch noch Brillanten enthielt, von denen bisher die genaue Beschreibung fehlt. Nach den früheren Erfahrungen verschwindet Bachnick, wenn ihm ein großer Schlag gelungen ist, für einige Zeit aus Berlin. Wo er sich in der Provinz versteckt und wo er seine Beute läßt, weiß man noch nicht. In der Provinz spielt Bachnick den Oberingenieur mit Gattin und bezieht elegante Quartiere. Die Kündigungen bei Siemens. enb. Berlin, 12. August. Wie uns von der Direktion der Siemens=Werke mitgeteilt wird, entspricht die Meldung eines Berliner Mittagsblattes, wonach die Direktion durch ein Rundschreiben an die einzelnen Abteilungen die Zurücknahme der ausgesprochenen Kündigungen im Falle des Einverständnisses der Angestellten mit zehnprozentiger Gehaltskürzung bei entsprechender Arbeitszeitkürzung angekündigt habe, nicht den Tatsachen. Um die Erhaltung des Welfenschatzes. T. Berlin, 12. August. Der schon fast endgültig verlorene Welfenschatz— die beiden Frankfurter Kunsthändler haben bekanntlich ihr Angebot dem preußischen Staat gegenüber nur bis zur Eröffnung der Ausstellung aufrechterhalten— ruft immer noch neue Liebhaber des Schatzes auf den Plan, die versuchen, zu seiner Rettung beizutragen. So taucht jetzt aus interessierten Kreisen ein neuer Vorschlag auf, der vielleicht Aussicht auf Erfolg haben könnte. Es wird nämlich angeregt, daß die einzelnen deutschen Museen, da ihr Ankaufs=Budget für diesen Zweck zu klein ist, entschlossene und schnelle Kunstverkäufe von solchen Stücken vornehmen, die zwar einen großen Marktwert erreichen würden, aber sonst hinter der Bedeutung des Welfenschatzes als Kulturwert der ganzen Nation zurückstehen. Der Welfenschatz würde auf diese Weise vorläufig in den gemeinsamen Besitz mehrerer Museen und eventuell nacheinander in den größeren Städten Deutschlands zur Ausstellung kommen, bis einmal später, wenn die Mittel dazu vorhanden sind, ein Museum oder das Reich den Schatz endgültig ankauft. Auf diese Weise wäre wenigstens vermieden, daß der kulturell so wertvolle Schatz an das Ausland verkauft werden müßte. Ein anderer Vorschlag geht dahin, eine Werbe=Briefmarke auszugeben, deren Erträgnisse dazu benutzt werden könnten, die Kunsthändler von ihren Verkaufsabsichten durch eine vorläufige Anzahlung abzuhalten. Es könnte schließlich auch versucht werden, die interessierten Kreise, vielleicht auch Deutsch=Amerikaner, zur Bereitstellung einer solchen Anzahlung zu veranlassen. Wenn nicht der ganze Welfenschatz zu retten ist, so sollte man doch mit allen nur möglichen Mitteln versuchen, wenigstens die schönsten Hauptstücke für den Nationalbesitz zu retten. Ein neuer Vorschlag zu den vielen, die schon zur Rettung des Welfenschatzes gemacht worden sind,— wird er Erfolg haben? Lebendig verbrannt. cnb. Berlin, 12. Aug. In der Nacht zum Montag brannte der Gerichts=Kretscham in Blasdorf bei Liebau in Schlesien nieder. Ein Kind wurde ein Opfer der Flammen. Bei dem Versuch, zwei weitere Kinder zu retten, fand ein pensionierter Eisenbahner ebenfalls den Tod. Flugzeugabsturz. cnb. Berlin, 12. August. Die Fliegerin Vera von Bissing wollte gestern mit ihrem Doppeldecker„Schwalbe“ von Tempelhof nach Leipzig fliegen, rutschte aber bald nach dem Start in einer Kurve über dem Fluglatz aus etwa 300 Meter Höhe ab. Bei dem Aufprall schlug die Maschine in Trümmer, während die Insassin mit leichten Abschürfungen und einer Fußverrenkung davonkam. Pilzvergiftung. tu. Leipzig, 12. August. In dem Leipzig benachbarten Lützen sind zwei Familnsgesamt zehn Personen, an Pilzvergiftun d erankt. Drei Kinder sind bereits gestorben. Die Familien wurden nach Leipzig ins Krankenhaus eingeliefert. Beide Familien hatten von selbstgesuchten Pilzen gegessen. Der Hamburger Lessingpreis für Friedrich Gundolf. enb. Hamburg, 12. August. Bei der Verfassungsseier teilte Bürgermeister Roß mit, daß der für die Verteilung des Hamburger Lessina=Preises eingesetzte Ausschuß den Preis Dr. Friedrich Gundolf in Heidelberg zuerkannt hat. Verzweifelte Mutter. tu. Harburg=Wilhelmsburg, 12. August. In der Nacht zum Montag hat sich in der Hoerstenerstraße eine 30 Jahre alte Arbeiterfrau mit ihren beiden Kindern im Alter von vier und acht Jahren durch Leuchtgas vergiftet. Die Ursache der Tat ist in Familienzwistigkeiten zu suchen. Der Mann kam nachts nach Hause und legte sich, als er die Tür verschlossen fand, im Treppenhaus schlafen. Er wurde morgens von einem Hausbewohner geweckt. Vergehen im Amte. wtb. Ingolstadt, 12. August. Der Verhaftung des Kriminalkommissars Paul Weber von der Ingolstädter Kriminalpolizei ist nun eine weitere Aufsehen erregende Festnahme gefolgt. Auf Veranlassung des Staatsanwaltes in Eichstätt wurde am Sonntag der Polizeireferent von Ingolstadt, Hierl, von auswärtigen Beamten verhaftet und in das Amtsgerichtsgefängnis Ingolstadt eingeliefert. Gerüchtweise verlautet, daß Hierl sich Verfehlungen im Amte habe zuschulden kommen lassen. Die Verhaftung soll mit der Festnahme des Kriminalkommissars Weber in Zusammenhang stehen. Es wird angenommen, daß in den nächsten Tagen ein Staatskommissar in Ingolstadt eingesetzt werden wird. Das Plenum des Stadtrates wird sich heute mit der Angelegenheit befassen. Bei der städtischen Verkehrsgesellschaft waren vor einigen Monaten erhebliche Unterschlagungen festgestellt, daraufhin war ein Angestellter der Gesellschaft verhaftet und in Untersuchungshaft genommen worden. Diesem Häftling sollen Weber und Hierl ziemlich große Bewegungsfreiheit gestattet haben. Die Kinderlähmung. wtb. Lörrach, 12. August. Die spinale Kinderlähmung im Lörracher Grenzbezirk hat in Weil am Rhein und in Eimeldingen je ein Todesopfer gefordert. Weiter sind noch drei Kinder erkrankt, die man jedoch am Leben zu erhalten hofft. Es sind alle Vorkehrungen getroffen, um ein weiteres Ausbreiten der Seuche, die wie einwandfrei festgestellt, aus dem oberen Elsaß eingeschleppt worden ist, zu verhindern. Eine Richard Wagner=Sammlung für Bayreuth. tu. Bayreuth, 12. August. Der bekannte Richard Wagner=Sammler Robert Bartsch aus Kopenhagen schenkte seine ganze Sammlung der Stadt Bayreuth. Die Sammlung stellt das Lebenswerk Bartschs, eines nach Kopenhagen eingewanderten Reichsdeutschen, dar und füllt einen ganzen Flügel im Erdgeschoß des neuen Schlosses aus. Auch der bisherige Vorsitzende des Richard WagnerVereins in Leipzig- hat der Stadt ein äußerst kostbares Geschenk gemacht, nämlich die handschriftlichen Aufzeichnungen Richard Wagners über den Bau des Festspielhauses mit eigenhändigen Berichten über die Grundsteinlegung und die ersten Pläne und Entwürfe. Verkehrsunfall. wtb. Brünn, 12. August. Ein von Hrottowitz nach Trebitsch fahrender vollbesetzter Autobus stürzte an einer Straßenkrümmung oberhalb Unterwillimowiz von einer Böschung auf ein Feld ab und überschlug sich. 23 Personen wurden verletzt, davon sieben schwer; sie wurden ins Trebitscher Krankenhaus geschafft, während die leichter Verletzten der häuslichen Pflege überlassen wurden. Meuterei im Gefängnis. wtb. Posen, 12. August. Im Posener Gerichtsgefängnis, das gegenwärtig besonders stark mit Gefangenen belegt ist, brach gestern in den späten Nachmittagsstunden eine Gefangenenrevolte aus. Die Gefangenen behaupten, daß das Essen unzureichend sei und daß sie nicht gar gekochte Kartoffeln erhalten hätten. Der Block 1, der etwa 600 Gefangene beherbergt, war der Ausgangspunkt der Revolte. Die Häftlinge schrien und zerschlugen die Fensterscheiben, rissen die Fensterrahmen heraus und zerstörten die Zelleneinrichtungen. Die Schreie der Gefangenen waren weit zu hören, und in Posen machte sich eine lebhafte Unruhe bemerkbar, da Gerüchte umgingen, daß eine Anzahl Schwerverbrecher ausgebrochen sei. Die Polizei umstellte das Gefängnis und sperrte die Zugangsstraßen ab, da der Verdacht bestand, daß die Kommunisten durch die Kundgebung zum Angriff auf die Polizeibehörden und das Gefängnis veranlaßt werden sollten. Die Gefangenen beruhigten sich auch nicht, als man bereits 100 Häftlinge in andere Räume geschafft hatte. In den späten Abendstunden wurde die Feuerwehr alarmiert, die dann die Gefangenen in den Zellen unter Wasser setzte. Erst spät gegen Mitternacht gelang es, den Aufstand zu unterdrücken. Berichtigung einer Verlustliste. wtb. Rom, 12. August. Nach einer Meldung der Agenzia Stefania stellt es sich heraus, daß die Zahlder Todesopfer der Erdbebenkatastrophe merklich geringer ist, als die in den letzten amtlichen Angaben genannte Zahl. Viele Personen, die für tot gehalten wurden, hatten sich aus ihren Heimatorten entfernt und aufs offene Land begeben. Einstellung des holländischen Boylotts. wtb. Amsterdam, 12. August. Der führende holländische Molkereiverband, der Algemeen Nederlandsche Zuivelbond, von dem die in Holland gegen deutsche Waren entfachte Boykott=Bewegung ausgeht hat beschlossen, diesen Boykott vorläufig einzustellen. Der Grund zu diesem Verhalten dürfte darin zu suchen sein, daß der unmittelbare Anlaß zu der Boykott=Bewegung, die wiederholten Versuche, zwischen Deutschland und Finnland zum Abschluß eines privaten Butter= und Käse=Lieferungsvertrag zu gelangen, durch das endgültige Scheitern der deutsch=finnischen Verhandlungen weggefallen ist. Da die Lage jedoch vorläufig noch sehr unsicher erscheint, so heißt es in dem betreffenden Presse=Communiqué, wolle der Verband einstweilen eine abwartende Haltung einnehmen und inzwischen mit anderen Interessentengruppen Fühlung suchen, um für den Fall, daß es für notwendig gehalten werde, den Boykott erneut auszusprechen, für diese Bewegung dann eine breitere Grundlage zu haben. Opfer des Meeres. kg. Rotterdam. 12. August. Das schwere Unwetter auf der Nordsee hat dem Courant zufolge innerhalb 48 Stunden zahlreiche Schiffsverluste gebracht. Fünf holländische Küstendampfer sind seit zwölf Stunden überfällig. über 50 Fischerfahrzeuge der Küstenfischer sind ins Meer getrieben. Sieg der wtb. Paris, 12. August. Nach Blättermeldungen aus Straßburg haben die Delegierten der internationalen Liga für Frieden und Freiheit gegen die Inschrift einer Befreiungsstatue protestiert, die in Straßburg aufgestellt ist. Die Inschrift lautet:„Zur Erinnerung n den Sieg des Rechtes über die Gewalt, und der Zivilisation über die Barbarei.“ Angesichts des Drängens der Versammlungsteilnehmer hat der kommunistische stellvertretende Bürgermeister Haas versprochen, die Inschrift zu entfernen. Streik der Midinetten. wib. Paris, 12. August. Wie der Matin berichtet, haben etwa 600 Arbeiterinnen eines Pariser Modehauses gestern mittag den Streik aufgenommen, weil die Direktion eine im Hinblick auf den Beitrag zur Sozialversicherung geforderte Lohnerhöhung von 6 Prozent, die andere Firmen bewilligt hatten, vermeiterte. Rumänisches Räuberstück. tu. Bukarest, 12. August. Verwegene Straßenräuber üb rfielen auf der Straße nach Bazarik 40 Bauernwagen. Sie raubten 90 Bauern vollständig aus führten sie in den nahen Wald, fesselten sie und banden sie an die Bäume an, darunter auch viele Frauen und Kinder. Nachdem die Banditen Geld und Wertsachen an sich genommen hatten, entflohen sie. Auf die Hilferufe der Gefesselten eilten Passanten herbei, die die Bauern befreiten. Diese getrauten sich nicht, Anzeige zu erstatten, da sie die Rache der Banditen befürchteten. Sie wußten sich zu helfen. tu. Kopenhagen, 12. August. Wie aus Helsingfors gemeldet wird, haben sich bei dem Polizeiminister von Kajana gestern 44 Einwohner der Stadt gemeldet, die erklärten, an der gewaltsamen Entführung von fünf kommunistischen Stadtratsmitgliedern teilgenommen zu haben. Sie gaben an, daß sie die fünf Kommunisten bis zur finnisch=russischen Grenze geführt hätten, von wo die Kommunisten dann freiwillig nach Rußland hinüber gegangen seien. Die Kommunisten hätten sich bis zum letzten Augenblick geweigert, eine Verpflichtung zu unterschreiben, wonach sie ihre Ämter sofort niederlegen. Als Grund für die Entführung gaben die 44 Bürger von Kajana an, daß die Stadt ohne Leitung gewesen wäre, falls die Kommunisten nicht zurückgetreten wären, da die bürgerlichen Stadtverordneten sich geweigert hätten, weiter an den Arbeiten der Stadtverwaltung teilzunehmen, solange es Kommunisten in der Stadtverordnetenversammlung gäbe. Die 44 erklärten weiter, daß ihr ganzes Auftreten nichts mit der Lappobewegung zu tun habe. Sie hätten sich deshalb gemeldet, damit die Behörden nicht durch ergebnislose Untersuchungen in Mißkredit kämen. Spiel mit der Schußwaffe. tu. Kopenhagen, 12. August. Wie aus Roskilde gemeldet wird, hat am Sonntag ein Arbeiter einen Knaben, der auf einem Kirschbaum saß und mit seiner Erlaubnis Kirschen pflückte, versehentlich durch einen Schuß getötet. Der Arbeiter rief den Knaben aus Spaß zu, er solle nur machen daß er herunterkomme, sonst würde er schießen. In dem Augenblick ging seine Flinte, die er gesichert glaubte, los. Der Knabe war auf der Stelle tot. überschwemmungen in China. tu. London. 12. August. Der Bezirk Tientfin und Mukden ist in den letzten Tagen von Überschwemmungen heimgesucht worden. Die Eisenbahnanlagen selbst sind vielfach überschwemmt. Ebenso ist großer Schaden an Brücken angerichtet worden. Besonders stark sind die Verwüstungen in den Gebieten hinter dem großen Wall, wo eine große Anzahl von Dörfern in den Fluten verschwunden ist. Hunderte von Chinesen sollen ertrunken sein. In den Städten entlang der Küste treffen Tausende von Flüchtlingen aus den überschwemmungsgebieten ein. Hunger und Typhus im amerikanischen Dürregebiet. tu. New=York. 12. August. Der Leiter des amerikanischen Roten Kreuzes, der von Präsident Hoover in das durch die anhaltende Dürre gefährdete Erntegebiet entsandt wurde, teilte dem Präsidenten mit, daß in dem gesamten Gebiet Hungersnot herrsche und schon zahlreiche Fälle von Typhus vorgekommen seien. Die Gefahr, daß sich die Seuche weiter ausbreite, sei sehr groß. tu. New=York, 12. August. Das Landwirtschaftsdepartement in Washington gibt amtlich bekannt, daß durch die anhaltende Trockenheit 700 Millionen Bushels Mais vernichtet wurden. Damit ging das Gesamtergebnis der Ernte auf 2,212 Millionen Bushels Mais herab. Das ist die kleinste Ernte seit 29 Jahren. In New=York und anderen Großstädten ist eine enorme Steigerung der Lebensmittelpreise eingetreten, die teilweise 25 vom Hundert beträgt. Weitere Steigerungen stehen bevor. Präsident Hoover hat das amerikanische Rote Kreuz aufgefordert, sich zu Hilfeleistungen bereit zu halten. Für Freitag hat Hoover die Leiter der großen Landwirtschaftsgenossenschaften zu sich gebeten, um sie für die Mitarbeit im nationalen Dürre=Ausschuß zu bewegen, der gegründet werden soll. Flugzeuge im Dienst der Streiksabotage. wtb. New=York, 12. August. Im Bergwerksrevier von Providence in Kentucky, wo seit mehreren Wochen Lohnstreitigkeiten herrschen, ereignete sich gestern ein Aufsehen erregender Vorfall. Um 6 Uhr früh, als viele Bergleute auf dem Weg zu ihrer Arbeitsstätte waren, erschien ein orangefarbenes Flugzeug und warf 9 Dynamitbomben av. von denen aber nur zwei explodierten, ohne glücklicherweise jemand zu verletzen. Die Behörden haben den Gouverneur um Entsendung von Truppen gebeten. In den letzten Wochen war es verschiedentlich zu Mißhandlungen arbeitswilliger Bergleute gekommen. Die Behörden haben ungefähr 100 Bergleute offiziell gewarnt, die Arbeit in den Bergwerken zu stören. Explosion in New-York. wtb. New=York, 12. August. Bei Experimenten zur Herstellung eines neuen Vanille=Extraktes ereignete sich eine Explosion in dem dichtbevölkerten Teil der unteren Stadt, wobei die obersten Stockwerke eines Hauses auf das Nebengebäude stürzten. Vorläufig konnten ein Toter und 13 Verwundete festgestellt werden, man befürchtet jedoch, daß noch mehrere Personen unter den Trümmern begraben liegen. Unfall des deutschen Weltfliegers. wtb. New=York, 12. August. Der deutsche Flieger Freiherr von König=Warthausen hat bei einem Automobil=Zusammenstoß eine Rippenquetschung erlitten, die starke Schmerzen verursacht. Nach Ansicht der Arzte ist der Verunglückte jedoch außer Gefahr. Warthausen hält sich hier auf, um über die Finanzierung eines größeren Ostasienfluges zu verhandeln. Hindernisse eines Ozean=Etappenfluges. wtb. Montreal, 12. August. Der deutsche Flieger Hirth ist zu Schiff mit seinem Flugzeug von Reykjawik hier eingetroffen. Er erklärte, er habe den Grönlandflug aufgeben müssen, da 10000 dänische Kronen für die Erlaubnis zur Landung verlangt worden seien. Außerdem sei seine Brennstoffversorgung ungenügend gewesen. Hirth hofft, den Flug nach Chikago fortsetzen zu können, sowie die notwendigen Formalitäten durch das deutsche und amerikanische Konsulat geregelt seien. Reise und Verkehr. Bad Königsborn bei Unna. Die Zeit der Ferien ist herangekommen. Wer sich noch nicht entschieden hat, an welchem Orte er Aufenthalt nehmen soll, sei auf das heilkräftige Sol= und Thermalbad Königsborn bei Unna in Westfalen aufmerksam gemacht, das von allen Seiten bequem zu erreichen ist. Kurtaxe und Bäderpreise sind mäßig. Im 60 Morgen großen Kurgarten, der seinesgleichen sucht, liegen Kurhaus, Logierhaus, Amtshaus und Parkhaus. Neben dem Badehause befindet sich das Hotel zum Adler. Sonst sind noch viele Gasthöfe und Privathäuser vorhanden. Der Preis für das Zimmer mit vollständiger Verpflegung stellt sich auf 4,00 bis 6,50 Reichsmark für den Tag. Fünf große Gradierwerke verbreiten eine ozonreiche Luft. Für die Unterhaltung sorgen mehrmals wöchentlich stattfindende Konzerte und Theaterabende; 3 große Lawn=Tennisplätze sind vorhanden. Im Badehause, das 80 Zellen enthält, werden die heilkräftigen Sol= und Thermalbäder sowie SoleDunst= und Medikamenten=Inhalation(Eucalyptol, Menthol, Latschenöl) verabreicht. Massage wird von drei schwedischen Heilgymnastikern ausgeübt. Das Badehaus wird am 15. Oktober geschlossen. Wer noch etwas für seine Gesundheit tun will, lenke daher seine Schritte nach dem altbekannten Bade Unna=Königsborn. Ausführliche Badeschriften nebst Wohnungsverzeichnis können unentgeltlich von der Badeverwaltung in Unna=Königsborn eingefordert werden. Die Reichsbahndirektion Elberfeld im Juli 1930. Im Güterverkehr hat sich die Lage im Berichtsmonat gegenüber dem Vormonat wiederum verschlechtert. Für den ganzen Monat genommen ist zwar eine Erhöhung der Verkehrsleistungen um etwa 6% zu verzeichnen; sie ist aber lediglich auf die im Jult vorhandene höhere Zahl der Arbeitstage zurückzuführen. Auf einen Arbeitstag bezogen ergibt sich bei der Zahl der abgefertigten Frachtbriefe ein Weniger von 5,6% und bei der Zahl der behandelten Stückguttonnen ein solches von 5,4%. Die Zahl der arbeitstäglich gestellten Wagen fiel von 8405 im Juni auf 8117 im Juli, mithin um 3,4%. Bemerkenswert ist wiederum der Rückgang gegenüber dem gleichen Monat des Vorjahres, der bei den Stückguttonnen 18,7% und bei den arbeitstäglich gestellten Wagen 21,5% betrug. Auch der Personenverkehr ist im Monat Juli gegenüber Juni trotz des beginnenden Ferienverkehrs zurükgeblieben. Gegenüber Juni 1930 wurden 7,28% und gegenüber Juli 1929 13,02% weniger Fahrkarten ausgegeben. In den Monat Juni fiel das Pfingstfest. Der Rückgang im Juli ist einmal hierauf und zum andern auf die dauernde Verschlechterung der Wirtschaftslage, die besonders den Berufsverkehr beeinflußte, sowie auf die ungünstigen Witterungsverhältnisse zurückzuführen. Der Rückgang gegenüber dem gleichen Monat des Vorahres hat seinen Grund mit in dem besseren Wetter im Juli 1929. Neben dem regelmäßigen Verkehr wurden 184 Gesellschaftssonderzüge, 208 Verwaltungssonderzüge und 46 Feriensonderzüge gefahren. Der Gepäckverkehr ist im Juli dem Personenverkehr entsprechend ebenfalls zurückgeblieben. Auch der Expreßgutverkehr hat infolge der schlechten wirtschaftlichen Verhältnisse abgenommen. Zur rechten Erholung in der Sommerfrische gehört auch der Bezug der HeimatzeitungDie Siegener Zeitung wird an jede auf gegebene Adresse pünktlich unter Kreuzband versandt. Bücher und Zeitschriften. An der Handelshochschule Mannheim beginnt das UterSemester am 3. November. Das Vorlesungs=Verzeichnis ist soeben erschienen und kann vom Sekretariat der Handelshochschule (Mannheim, C 2. 1) gegen Voreinsendung von 40 Pfg. bezogen werden. Es macht Freude, in unserer Zeit der öden Gleichmacherei eine Zeitschrift zu beobachten, die unbeirrt ihren Grundsätzen treu bleibt. Paul Kellers„Bergstadt“ ist auch heute noch, was sie von Anfang an war: eine Stadt hoch über den Niederungen und dem Dunst des Tales, in deren reiner Luft sich's gut leben läßt. Preis des Heftes 1.50 RM., Verlag Wilh. Gottl, Korn, Breslau 1. lesien und das Reich“ betitelt sich das Augustheft der Schlesischen Monatshefte(Wilh. Gottl. Korn, Breslau 1. Monatl. 1 RM.). Es wirkt in den Tagen der„Osthilfe“ wie ein starker Appell an das Reich, sich des kostbaren Besitzes der gefährdeten Provinz erneut bewußt zu werden. Zeitschrift des Vereins für rheinische und westfälische Volkskunde. 27. Jahrgang, Heft 1/2. Elberfeld 1930. A. Martini& Grüttefien, G. m. b. H. Der Verein für rheinische und westfälische Volkskunde hat im Verlag A. Martini& Grüttefien, Wuppertal=Elberfeld, ein Doppelheft seiner Zeitschrift herausgegeben, das sich durch seinen reichen Inhalt auszeichnet. Die Zeitschrift wird den Mitgliedern des Vereins für rheinische und westfälische Volkskunde für den Mitgliedsbeitrag von 3.— RM. kostenlos geliefert. Sie verdient von allen Freunden der Heimat Beachtung. * Motor und Sport, Vogelverlag Pößneck(Thür.). Aus dem Inhalt des neuen Heftes: Das neue Kraftfahrzeuggesetz; Unterhalb der 1000=§-Grenze; Wenn jemand eine Reise tut; Sport der Woche; Ein 18jähriger konstruiert einen Kleinwagen mit Vorderradantrieb; Etwas über Kurventechnik; Neue Reisemöglichkeiten; Waffenschein und Kraftfahrer; Vom Reiz der Schnelligkeit; Juristischer Ratgeber; Technischer Fragekasten; Terminkalender; Ratgeber für Touristik; Antofallen; Kleine Sportnachrichten und vieles andere. Die aben aufgeführten Bücher oder Zeitschriften sind sämtlich durch die Buchhandlung Montannin Siegen zu beziehe. Verantwortlich für die Politik und das Feuilleton Walter Weilshaenser in Siegen, für den übrigen Teil H. Plitsch in Stegen. Berliner Redaktton: Berlin NW 91, Händelstraße 24 som Tiergarten), Fernrufe Hansa 4354 und 4334. Also auf Wiedersehen bei ichel Marx bringt a Gewaltig war der Andrang. Alle Kunden waren begeistert über unsere außergewöhnlich billigen Preise und die riesigen Warenmengen.—— Kommen auch Sie recht bald! Maikäferbund/ Ortsgruppe Siegerland Unser ältester Kamerad Heinrich Vollmer aus Siegen wurde am Sonntag, dem 10. d. M., zur großen Armee abberufen.(196 Mit regem Eifer widmete er sich, trotz seines hohen Alters, unserer Maikäfersache. Wir werden ihn nie vergessen. Der Vorstand. Siegen, den 12. August 1930. Die Kameraden werden ersucht, vollzählig an der Beerdigung am Mittwoch, dem 13. August, nachmittags 3 Uhr, teilzunehmen. Todesanzeige. Nun ist ausgerungen, Und nun ist er da, Wo ihm wird gesungen Ein Halleluja Am Montagmorgen verschied plötzlich und unerwartet nach längerem Leiden infolge eines Schlaganfalles mein lieber Mann. Vater, Bruder, Schwager und Großvater Herr mmet im Alter von 54 Jahren. 7183 Die trauernden Angehörigen. Anzhausen, Wilgersdorf, Wilden, Wilnsdorf und Niederdielfen, den 12. Aug. 1930. Die Beerdigung findet am Donnerstag, nachmittags 2½ Uhr statt. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme beim Heimgange unserer lieben Entschlafenen sagen wir hiermit allen Innigen Dank. Familie Heinr. Mengel. Siegen, den 12. August 1930. Siegener Sängerkreis. Wieder hat der Tod einen unserer Mitbegründer aus unseren Reihen genommen. Im Alter von 86 Jahren starb am Samstag unser liebes Ehrenmitglied, Schreinermeister:(124 Die treue Anhänglichkeit zum deutschen Liede und zu unserem Verein hat er bis in sein hohes Alter hinein bewiesen.:(124 Sein Andenken wird bei uns in Ehren bleiben. Siegen, 12. August 1930. Der Vorstand. Trauerschmuck stets vorrätig bei Juwelier Roedig, Markt Danksagung. Für die uns so zahlreich bewiesene aufrichtige Teilnahme bei der Krankheit und beim Heimgange unserer lieben Mutter sagen wir auf diesem Wege allen unseren herzlichsten Dank.(F173 Geschwister Stähler. Buschhütten, den 12. August 1930. Hagener Straße 56. 4-SitzerLimousine 4/20 Flat in tadellosem Zustand, zu verkaufen.(167 Schriftl. Angeb. unt. A. 82 an die Gesch. d. Sieg. Ztg. Sofus u. Chuiselongues erstklassig in jeder Beziehung,mit wunderbar schönen modernen Bezügen, dabei gar nicht teuer. Trotz der niedrigen Preise brauchen monatlich nur Rm. 10.— be zahlt zu werden. Lieferung erfolgt franko Haus. Schreiben Sie eine Postkarte.(x92 Rich. Langenbach, Burbach i. W. Todesanzeige. Weinet nicht an meinem Grabe gönnet mir die ew’ge Ruh, enkt, was ich gelitten habe, eh' ich schloß die Augen zu. Heute Nacht um 1 Uhr entschlief sanft nach langem, mit großerGeduld ertragenem Leiden unser lieber Vater, Großvater, Schwiegervater, Bruder und Onkel, der Invalide Christian Amos im Alter von 71 Jahren. Die trauernden Hinterbliebenen: Willy Amos Martha Amos geb. Blum Frieda Utsch geb. Amos Wilh. Utsch Fritz Amos Ernst Amos. Eiserfeld, Frankfurt a. d. Oder, Puderbach, Niederschelden, Oberschelden und Niederschelderhütte, den 11. August 1930. Die Beerdigung findet Mittwoch, d. 13. Aug., nachm. ½4 Uhr statt. Hilchenbach. Beschluß. Gemäß§ 34 in Verbindung mit§ 165 der Reichsstimmordnung vom 14. März 1924(RGBl. 1 S. 173) ernennen wir für die Durchführung der Reichstagswahl den Beigeordneten Wilhelm Hohlsiepe zum Abstimmungsvorsteher, und den Ratsherrn Albert Menn zu seinem Stellvertreter. Hilchenbach, den 6. August 1930. Der Magistrat. Dr. Moning. Schuh-Reparatur-Werk»anlae Slegen. Kölner Tor 14, Nahe Siegbrücke. Prima Kernleder— Beste Verarbeitung Herren-Sohlen 3.30, Absätze v. 1.20 an. Damen-Sohlen 2.50, Absätze v. 0.80 an Zwangsversteigerung. Am Mittwoch, dem 13. August 1930, werde ich nachstehende Gegentände öffentlich meistbietend gegen bar versteigern: 1) vorm. 9½ Uhr in Netphen an Ort und Stelle, Zusammenkunft Wirtschaft Jägerhof 1 Sofa, 1 Tisch, 1 Vertiko, 1 Spiegel mit Konsole, 13 Stühle, 2) vorm. 10 Uhr in Eschenbach an Ort und Stelle, Zusammenkunft Wirtschaft Weber 1 Sofa, 1 Tisch, 1 Vertiko, 1 Korbsessel, 3 Stühle, 1 Plüschdecke, 1 Flurgarderobe, 1 runden Tisch, 1 Blumenbank, 1 Serviertischchen. Siegen, den 12. August 1930. Heim, Gerichtsvollzieher kr. A., Siegen.(52 Plakatanschlag! Für die in Siegen, Eiserfeld, Olpe und neuerdings in Weidenau, Klafeld=Geisweid aufgestellten Plakatsäulen, im ganzen 53 Stellen, ist mir der Plakatanschlag übertragen. Das Ankleben von Plakaten an anderen Stellen(Häusern, Zäunen, Mauern oder Pfosten) ist von jetzt ab in oben genannten Orten verboten. Zu dem Ankleben von Plakaten an den Plakatsäulen sind nur meine Beauftragte berechtigt. Sämtliche Plakatstellen stehen unter polizeilichem Schutz. Das Abreißen von Plakaten wird bestraft. Eltern sind für ihre Kinder verantwortlich. Anmeldungen zum Plakatieren können in meinem Geschäft Siegen, Löhrstr. 14, oder durch Ruf 2285 geschehen.— Preisberechnungen nebst Rabattsätzen für Geschäftsplakat=Anschlag sende ich auf Wunsch gerne zu.— Für Wahl=Plakate gebe ich besonderen Rabatt! Die Wahl=Plakate müssen mit Druckfirma verehen sein. Auch übernehme ich zweckmäßig die Lieferung von Plakaten.(7113 Heinrich Schneider, Siegen, Löhrstraße 14 Öffentl. Plakat=Anschlag, Stempel= und Schildergeschäft. Zwangsversteigerung. Am Mittwoch, dem 13. August, nachm. 3 Uhr, werde ich in Siegen, Wirtschaft Langenbach, Wilhelmstr. 1 Nähmaschine, 1 Automobil Brennabor10/45PS), 1 Automobil (Opel 9/20 PS), 1 Geldschrank, 1 Bild öffentlich meistbietend gegen Barzahlung versteigern. Siegen, den 12. August 1930, Bering. Obergerichtsvollzieher Autofahrten mit Schnellastwagen, Möbeltransporte, Personenfahrten und Umzüge. Tel. 1633 L. Stahl. Tel. 1633 Siegener Kriegerverein e. V. Bezirk Altstadt Am 10. Aug starb unser Kamerad Heinrich Vollmer in Siegen, Siegbergstraße 2/1. Er war Kriegsteilnehmer von 1870/71 und InhaberderKriegsdenkmünze. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Mittwoch, den 13. August, 3 Uhr nachm., vomSterbehause aus statt. Antreten der Kameraden um 230 Uhr beim Kameraden Heifer, Kölner Str. Siegen, den 12. Aug. 1930.(124 Der Vorstand. Für jetzt od. später Wohnung gesucht in gutem Hause von Ruhestandsbeamt.(ruhige Familie, 3 Erwachsene). Grüne Karte vorhanden. Zuschr. erb. u. U 62 a. d. Gesch. d. S. Z. Lwangsversteigerung Am M.ttwoch, dem 3.Aug., vo.m. 10 Uhr. werden in Siegen. Zusammenkunft Wirtschaft Stahl, Marburg. Straße Schreismaschine (Adler), vorm. 10½ Uhr. Zusammenkunft Wirtschaft Jüngst, Kölner Straße 1 Schreiblisch, vorm. 11 Uhr. Zusammenkunft Wirtschaft Jung. rienborner Straße 1 Schreibmaschine (Orga=Privat), 1 Schreiblisch öffentl.meistbietend gegen Barzahlung versteigert.(§135 Vollstrellungsstelle des Finanzamtes Siegen. 2 schöne. 18 helle Räume parterre, in der Nähe des Bahnhofs, geeignet für ruhiges Gewerbe, zu vermieten. Siegen, Tiergartenstr. 5. 1 Zimmer u. Küche auf Wunsch 2 Z m mer. in schöner Lage, an ruhige Leute z. 15. Aug oder 1. Sept. zu vermieten.(72 Schr. Ang. unt E 85 an die Geschäftsst. d. S. Ztg Ein (7154 besorgi Auskunftstelle Vorländer an. Bahnhot Suche auf Wohnu. Geschäftshaus, an Hauptverkehrstraße gelegen, amtlicher Taxwert 28000.—, 1.Hypothek von(7127 M. 7000 zu angemessenem Zinssatz. Zuschr. u. M T 67 an die Geschst der Sieg. Ztg. von alleinstehend Person zu mieten gesucht. Schr. Ang. unt. H 87 an die Ge schäftsst. d. S. Ztg ool= erlobungsbriefe erobungs,arten Zeiche Auswahl Vornehme Papiere Moderne Schriften Buchdruch, erei W. Vorländer Siegen Fernsprech- Sammelnummer 5251. 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