Die„Siegener Zeitung“ erscheint an allen Werktagen abends und kostet freibleibend monatlich durch Boten 1.80 M. ohne Zustellungsgebühren. durch die Post bezogen 2.- M. Einzelverkauf 10 Pfg. Geschaftsstellen Obergraben 51 u. Neumarkt 11 am Babnbof 6 Fernspr. Sammel=Nr. 5251. Giro=Konto Stadtbank Siegen Nr. 75 Postscheckkonto Köln Nr. 25 553. Nummer 171 Kreisblatt für den Stadt= und Landkreis Siegen Beilagen: Unterhaltungsblatt- Landwirtschaftliche Mitteilungen Heimatland= Der Jugend Druck und Verlag von W. Vorländer in Siegen. Siegen, Donnerstag, den 24. Juli 1930 Angegen 1 mm einspaltig im Verbreitungsgebiet 10 Pfg. Familienanzeigen u. Stellengesuche 6 Pfg., auswärtige Anzeigen 15 Pfg., Reklamen 70 Pfg. Auslandsanzeigen Valutaaufschlag Finanzanzeigen 50% Aufschlag Rabatt nach Tarif Bei Auskunft Offertenannahme u. Weiterbeförderung entsprechende Zuschläge. Platz= und Erscheinungsvorschriften obne Gewähr Anzeigen=Rechnungen sind innerbalb 8 Tagen zahlbar. Erfüllungsort und Geri=btsstand ist Siegen. 108. Jahrgang Die Wahlparole Brüning. Der Kanzler will sammeln. Tagesrundschau. Der Reichspräsident ist gestern abend von der Rheinlandreise wieder in Berlin eingetroffen. 3 Verhandlungen über die Durchführung der Osthilfe auf dem Verordnungswege haben gestern zwischen Reich und Preußen stattgefunden. * In Koblenz findet die Beerdigung der aus dem Wasser geborgenen Toten am Samstagnachmittag statt. 3 In Lübeck ist wieder ein Säugling an der Calmettefütterung gestorben; damit beträgt die Zahl der Todesopfer 62. 3 Aus Agypten liegen nach Londoner Meldungen Nachrichten über beunruhigende Ereignisse nicht vor; es scheint die Ruhe vor dem Sturm zu sein. 3 Das Erdbeben in Italien soll nach den bis heute gemachten Feststellungen 1000 Tote gefordert haben. Stimmt das? Noch immer Angehörige der Mittemächte in Kriegsgefangenschaft. Von unserem ständigen Belgrader Mitarbeiter. R. W. P. Belgrad, im Juli. Dieser Tage ist in Jugoslawien ein Trans port von mehreren hundert Kriegsgefangenen der ehemaligen Mittemachte eingetroffen, den französisches Militär über die Grenze brachte, um ihn dann den Behörden hier zu übergeben. Es sind in der Hauptsache Kroaten und Rumänen gewesen, aber auch etliche Deutsche aus dem Banat befanden sich darunter, und sie alle hatten fünfzehn Jahre lang auf der berüchtigten Teufels=Insel in Französisch=Guayana geschmachtet, wohin sie während des Krieges wegen des Verbrechens der Meuterei deportiert worden waren. Dabei gibt es aber nach den Mitteilungen der Zurückgetehrten noch eine Menge Leute die— während der Kriegszeit zu lebenslänglicher Zwangsarbeit verurteilt,— auf diesem furchtbaren Eiland dahinsiechen, ohne jede Hoffnung auf Befreiung und, was das Erschütterndste ist, im Bewußtsein ihrer völligen Unschuld. Es handelt sich um Soldaten der alten österreichisch=ungarischen Armee, die im ersten Kriegsjahre zum Teil an der Westfront als Angehörige der dort in Stellung gewesenen Mörserbatterien, zum größten Teil aber an der Balkanfront in französische Gefangenschaft geraten waren. Im April 1915 wurden achtzehnhundert dieser Kriegsgefangenen auf einem französischen Dampfer nach Östasien geschickt, wo sie auf verschiedenen japanischen Inseln untergebracht werden sollten. Der Dampfer hatte eine verhältnismäßig kleine Besatzungsmannschaft an Bord, und im Indischen Ozean kam es unter den Kriegsgefangenen zu einer Meuterei, da sie die unmenschliche Behandlung, der sie ausgesetzt waren, nicht länger ertragen wollten. Offiziere und Mannschaften wurden nach kurzem Kampf überwältigt, und die früheren Gefangenen waren nun im Besitz des Schiffes und wollten versuchen, sich nach einem neutralen Hafen durchzuschlagen. Das Wagestück mißglückte, und der Dampfer begegnete schon wenige Tage später einem englischen Dampfer, dem sein Verhalten auffiel und der ihn zum Stehenbleiben zwang. Es kam zu einem heftigen Feuergefecht, und die Gefangenen mußten sich auf Gnade und Ungnade ergeben. Im Schlepptau des englischen Kreuzers wurde das Transportschiff wieder in die französischen Hoheitsgewässer zurückgebracht und dort den Behörden übergeben. Ein Kriegsgericht fällte ohne weitere Untersuchung und ohne auch nur einen einzigen Angeklagten verhört zu haben, das Urteil. Die achtzehnhundert Soldaten wurden in Reih und Glied aufgestellt und einfach ausgezahlt: jeden zehnten Mann traf die Todesstrafe durch Erschießen, die noch am gleichen Tage vollzogen wurde und jeder fünfte wurde zu lebenslänglicher Zwangsarbeit verurteilt. Für den Rest lautete das Urteil des französischen Kriegsgerichts auf je fünfzehn Jahre Zwangsarbeit, und im Mai 1915 brachte man die Unglücklichen unter Bedeckung etlicher Torpedoboote auf die Teufels=Insel, wo sie ihre Strafe abbüßen sollten. Das entsetzliche Martyrium dieser Haft ließ Viele einen Fluchtversuch wagen. Er mißlang immer, und die Aufgegriffenen wurden in Ketten gelegt und mußten unter der schweren Last der ihnen angeschmiedeten Eisengewichte die mörwb. Der Reichskanzler hat dem Berliner Vertreter der New=York Times Ausführungen für sein Blatt zur Verfügung gestellt, in denen es unter anderem heißt: „Die Reichsregierung hat sofort das bedrohte Gleichgewicht des Reichshaushaltes durch neue Einnahmen und durch Ersparnisse wiederherzustellen versucht und sich im wesentlichen im Parlament insoweit durchgesetzt, als die Notwendigkeit neuer Einnahmen und Ersparnisse anerkannt wurde. Durch die Vielheit der deutschen Parteien ist es aber immer sehr schwer, eine völlige Übereinstimmung über die Einzelheiten zu erzielen, da fast jede Partei ihre Zustimmung abhängig macht von Zugeständnissen der Regierung gegenüber ihren besonderen Wünschen, die von anderen Parteien aber um so schärfer abgelehnt werden. So war es auch diesmal. Die Reichsregierung hat im Geiste der Verfassung ihre Notverordnungen unverzüglich dem Deutschen Reichstag vorgelegt und sie aufgehoben, nachdem eine Mehrheit des Parlaments dies verlangt hatte. Sie hat nun, entsprechend den großen Prinzipien eines demokratischen Staates, an das Volk appelliert, um sein Urteil einzuholen. Sie wird in der Zwischenzeit zur Sicherung der Finanzen unverzüglich dem Reichspräsidenten Vorschläge zu einer neuen Notverordnung unterbreiten, die dem nach den Bestimmungen der Verfassung zu wählenden und zusammen zu rufenden Reichstag zur Entscheidung vorgelegt werden wird.“ Heute mittag hält der Kanzler dem Reichsprasidenten Vortrag. Die Notverordnungen sind fertiggestellt und liegen heute dem Kabinett zur Beschlußfassung vor. Bunte Splitter. Privattelegramm. kg. Berlin, 24. Juli. Der Kanzler will sammeln. Das ist alles, was Brüning über seine Pläne zur Führung des Wahlkampfes gestern hat im Gespräch mit Abgeordneten verlauten lassen. Dem Berliner Vertreter der New=York Times hat der Kanzler gestern die Sanierung der Reichsfinanzen als die Schicksalsfrage für Deutschland bezeichnet und die Vielheit der deutschen Parteien ein großes Hemmnis für eine parlamentarische Erledigung genannt. Die„Sammlung“ des Kanzlers, so folgern heute die Morgenblätter, wird für die große Reichsfinanzsanierung demnach wohl Hauptinhalt der kommmenden Wahlaktivität der Regierung sein. Der Innenminister Wirth hat während der Befreiungstage am Rhein dort wichtige Besprechungen mit verschiedenen Politikern gehabt, nicht nur solchen des Zentrums, Besonders viele Volksparteiler sah man mit Wirth eingehend und auch wiederholt konferieren. Auch hier war es die Frage der Wahlparole der Regierung, die an erster Stelle stand. Vorläufig ist man auf das, was in die Wahlparole der Reichsregierung kommen soll, nur auf diese wenigen Tatsachen angewiesen. Daß die Sammlung alle in der Regierungskoalition vertretenen Parteien umfassen soll, ist einleuchtend. Das Hauptinteresse richtet sich aber auf die Parteien, die jetzt noch außerhalb der Koalition stehen, und die Brüning in seinen Wahlzirkel einbeziehen will. Kaum schon in dieser Woche, wo das Kabinett seine Notverordnung formuliert und seine Etatsorgen hat, aber Anfang der nächsten Woche — zuerst war schon der Samstag in Aussicht genommen — wird die große Führerkonferenz beim Kanzler den Vorhang über die vielen Gerüchte und die nationalen Erwartungen aufziehen. über die gestern gevildete Konservative Volkspartei in Verbindung der Westarp= und Treviranus=Gruppe ist zu melden: zu dem Tee, den Westarp gestern anläßlich der Gründung seiner Konservativen Volkspartei Gesinnungsgenossen gegeben hat, war auch der frühere Reichsbankpräsident Schacht eingeladen. Eine Einigung mit Landbund und Landvolkbewegung ist noch nicht zustande gekommen. Ob man sich zur Aufstellung gemeinderische Arbeit in den Steinbrüchen fortsetzen. Wie viele von den Gefangenen in dieser Hölle ihr Leben hingaben, können die nun Zurückgekehrten ziffernmäßig nicht errechnen. Aber es müssen nicht wenige gewesen sein, denn das Häuflein der Unglücklichen schmolz immer mehr zusammen und von den rund 1440 Kriegsgefangenen, die im Jahr 1915 zu fünfzehnjähriger Zwangsarbeit verurteilt worden waren, erlangten jetzt nur noch knapp achthundert die Freiheit. Mitte Mai war ihre Haft zu Ende gewesen, und die Franzosen brachten sie nach Jugoslawien, weil die Mehrzahl von ihnen in dem heutigen Königreich Jugoslawien heimatberechtigt ist. Etwa 80 Mann von den restlichen 160, die damals zu lebenslänglicher Zwangsarbeit verurteilt worden sind, befinden sich aber weiter auf der Teufels=Insel und sind der Verzweiflung nahe. Unter ihnen sollen nach den Erzählungen der Heimkehrer auch etwa zwei Dutzend Deutsche oder Deutschösterreicher sein, die nicht einmal die Möglichkeit haben, sich mit ihren Angehörigen in samer Wahllisten mit den Konservativen zusammenschließen wird, ist noch unsicher. Die Christlichnationale Bauern= und Landvolkpartei, die im Landbund im Augenblick die politische Führung an sich gerissen hat, entscheidet erst in einer am 29. Juli stattfindenden Sitzung endgültig über die Listen= und Kandidatenfrage. Westarp hat, wie wir hören, erklärt, daß er es als seine besondere Aufgabe betrachte, die Einigung der Konservativen mit dem Landvolk weiter zu betreiben. Von einem Echo auf die bekannte Einladung des Abgeordneten Scholz an die Parteien von Westarp bis zu den Demokraten ist noch nicht viel zu merken. Der geschäftsführende Vorstand der Demokraten tagt heute, der Parteivorstand morgen. Die demokratischen Morgenblätter sprechen heute morgen aus, daß ein aktives Zusammengehen mit den Konservativen des Grafen Westarp für die Demokraten nicht in Frage komme. 3 „Der Bürgerblock hat seine Diktatur aufgerichtet! Zwischen Bürgerblock und Sozialdemokratie fällt am 14. September die Entscheidung!“ So beginnt der sozialdemokratische Wahlaufruf, und er sagt am Schluß:„Wähler und Wählerinnen, setzt euch zur Wehr gegen den Bürgerblock und seine Helfer!“ Wie haltlos die Agitation mit dem„Bürgerblock“ selbst vom sozialdemokratischen Standpunkte ist, beweist der Leitartikel, den der Vorwärts(Nr. 339) über den Sammlungsaufruf der Deutschen Volkspartei veröffentlicht. Darin wird jener Aufruf als„Angstprodukt der bürgerlichen Mitte“ und sein etwaiges Ergebnis als„Partei Falscher Hase“ verspottet. Aber die gesucht höhnische Form der Polemik gegen den Sammlungsgedanken darf die bürgerlichen Parteien nicht darüber täuschen, daß die Verwirklichung des Sammlungsgedankens gerade in diesem Wahlkampf die wesentlichste Voraussetzung für Wahlerfolge ist, die gegenüber der Sozialdemokratie und gegenüber den sonstigen radikalen Parteien erzielt werden können. Nur wenn das Zustandekommen einer derartigen Sammlung dem Volke zeigt, daß die in Frage kommenden Parteien noch fähig sind, über sich selbst zwecks Erreichung eines höheren Zieles hinauszuwachsen, wird in die breiten Massen der Wähler und in die große Partei der Nichtwähler der anfeuernde Impuls gelangen, dessen das zersplitterte Bürgertum als unerläßlicher Vorbedingung für einen Wahlsieg großen Stiles bedarf. Leider sind die Aussichten eines Sammlungs=Erfolges sehr gering. Schon der Wunsch der Kölnischen Zeitung, einige Parteien der Mitte in einer„Deutschen Staatspartei“ aufgehen zu lassen, stößt auch im Zentrumslager auf Widerspruch. Nur einen Waffenstillstand zwischen den beteiligten Parteien hält die Kölnische Volkszeitung (Nr. 370) für statthaft, indem sie schreibt: „Der Gedanke(eines derartigen Waffenstillstandes. Red.) an sich wäre nicht von der Hand zu weisen, darf aber keinesfalls zu einem Parteigemengsel führen, das die Aktionsfähigkeit der einzelnen Parteien mehr lähmt als fördert.“ Diese abweisende Haltung des Kölner Zentrumsblattes gegenüber einem Gedanken, dessen Verwirklichung das Reichskabinett Brüning nur stützen könnre— um nicht zu sagen: seine Lebensdauer allein zu erhalten vermöchte,— offenbart die Zentrumssorge, daß eine starke„Deutsche Staatspartei“ die politische Machtstellung des Zentrums beeinträchtigen würde. Ob Brüning für seine Person anders denkt, ist eine Frage, deren Beantwortung ihm von der weiteren Entwicklung des Sammlungsproblems aufgedrängt werden wird. Verbindung zu setzen und die wohl längst als tot gelten. Die jugoslawische Vresse, die seit der Diktatur unter der strengsten Zensur steht, darf darüber nichts berichten, weil sonst vielleicht ein unfreundliches Wort gegen den französischne Bundesgenossen fallen könnte. Dagegen wenden sich die rumänischen Zeitungen— unter den Zurückgekehrten, bezw. den noch auf der Teufels=Insel Verbliebenen sind, wie erwähnt, auch mehrere rumänische Staatsangehörige aus den Gebieten, die früher zu Österreich=Ungarn gehörten,— mit einem leidenschaftlichen Appell an die Öffentlichkeit und an die Regierung, alles zu versuchen, um bei den zuständigen französischen Stellen die sofortige Freilassung jener bedauernswerten Gefangenen durchzusetzen, die vor anderthalb Jahrzehnten wegen eines Kriegsverbrechens zu lebenslänglicher Zwangsarbeit verurteilt wurden und ihre Schuld schon abgebüßt haben. Die überfüllung der Hochschulen. Von Geh.=Rat Prof. Dr. H. Albrecht=München. In der letzten Zeit werden wieder Stimmen laut, die fordern, an die höheren Schüler bei der Aufnahme in die Sexta, bei der Versetzung nach Obersekunda und beim Maturum größere Anforderungen zu stellen als bisher, um eine besondere„Auslese Begabter“ zu schaffen und dadurch der Überfüllung der Hochschulen zu steuern. Geheimrat Dr. Albrecht nimmt hier zu dem Thema in einer Weise Stellung, die wirkliche Pädagogen längst zu eigen gemacht haben. Red. Das bedrohliche Mißverhältnis zwischen der stets wachsenden Flut der Arbeitsuchenden bei gleichzeitig schrumpfender Arbeitsgelegenheit ist ein Verhängnis, das heute alle Berufe, akademische wie nicht akademische in gleichem Maße ereilt; ja, nach der absoluten Größe des Arbeitsdefizits sind die letzteren erheblich stärker belastet. Im gleichen Tempo wie die Wirtschaftsbilanz finkt, die Raumnot wächst, steigt die Überfüllung aller Berufe mit Arbeits= und Erwerbslosen, und nur ein Aufschwung der wirtschaftlichen Lage wird hier Wandel schaffen können. Das ist alles verständlich, ebenso selbstverständlich aber sollte es sein, daß diese alle Kreise des deutschen Volks treffende Not gemeinsam getragen werden muß, ohne daß Angehörige eines einzelnen Berufes versuchen, aus Angst um das eigene Ich und die eigene Kaste den Zudrang zu dieser mit Gewaltmaßnahmen abzuriegeln. Wer, um den eigenen Lebensraum zu sichern, den Nachwuchs in andere Bahnen zu drängen strebt, der muß sich den Vorwurf gefallen lassen, daß der Kampf ums Dasein der akademischen Berufe nicht aus lauteren Motiven, sondern aus Angst um das eigene Budget, auf Kosten der nichtakademischen und mit Front gegen die Jugend führt. Wie verträgt sich der Gedanke, mit verschärften Sperrmaßnahmen den ganzen akademischen Staat zu verschanzen und damit die aus der Überfüllung geborene Not auf die nichtakademischen Berufe abzuwälzen— wie verträgt sich dieser Gedanke mit der im gleichen Atemzuge vorgetragenen Empfehlung, der Mißachtung der nichtakademischen Berufe entgegenzuwirken? Als ob nicht durch Verschärfung der Sperrmaßnahmen die schon bestehende Kluft noch vergrößert würde! Im gleichen Sinne einseitig und eigenherrlich erscheint die Forderung nach Einschränkung des Berechtigungswesens bei den nicht akademischen Berufen. Mag auch die Forderung des Abituriums für männliche und weibliche Angestellte bei der Mehrzahl dieser Berufe sinnlos und unverständlich erscheinen, so können wir doch nicht diesen Berufen die Berechtigung absprechen, die übergroße Zahl der Stellenanwärter durch die Auflage der Abiturientenprüfung zu reduzieren, wenn wir selbst gleichzeitig für die akademischen Berufe eine noch weitergehende Verschärfung des Berechtigungswesens fordern! Das ist doch im Prinzip dasselbe, wie wenn ein Staat vom andern verlangt, seine Zollschranken niederzureißen, während er die eigenen erhöht! Gänzlich verfehlt, untauglich und in hohem Maße gefährlich erscheint mir der Vorschlag einer„scharfen und frühzeitigen Sichtung des Schülermaterials auf den höheren Schulen“. die darin bestände, daß die Auslese das erstemal bei der Aufnahmeprüfung ins Gymnasium, das zweitemal bei Ausstellung des Einjährigenzeugnisses, das drittemal bei der Reifeprüfung erfolgte“. Dagegen habe ich die schwersten Bedenken, deshalb, weil diese für das kommende Leben richtunggebende Auslese und Sichtung im Lebensalter der Pubertat getroffen werden soll— einem Zeitabschnitt, in dem körperliche und geistige Leistungsfähigkeit erst im Werden begriffen ist, die Persönlichkeit des Schülers unreif und unfertig in Form und Inhalt ist, dabei aufs stärkste verdeckt, gehemmt oder verschoben durch die bedeutsamen Faktoren der körperlichen Reifeentwicklung, der psychischen Umformung und nicht minder durch die in dieser Zeit äußerst wirksamen Einflüsse der Ernährung, des Milieus in= und außerhalb der Familie, der persönlichen Einstellung und Einstellungsmöglichkeit zu Schule, Lehrer und Kameraden. Volksschule sowie höhere Lehranstalt soll doch erst diesen geistigen Reifeprozeß in richtige Bahnen lenken, die Leistungsfähigkeit üben und ertüchtigen, den Grund zur selbständigen späteren Arbeit legen, die erwachenden Begabungen entwickeln und leiten. Und ich frage: welcher Einsichtige traut sich die Sehergabe zu und übernimmt die Verantwortung, aus dem jeweiligen Stande der während der Pubertätsreife von so vielen inneren und äußeren Faktoren abhängigen unberechenbar wechselnden körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit vorherzusagen, wie und nach welcher Richtung sich diese nach abgeschlossener Reife, im dritten Dezennium oder noch später entfalten und gestalten wird? Ist das nicht genau so unmöglich, wie wenn ein Gärtner schon den späteren Ertrag einer Pflanze berechnen wollte, die erst aus dem Boden keimt. Freilich, bei gesunden, kräftigen Hochbegabten und ebenso bei den ganz schwachen, unbegabten Minderwertigen wird die richtige Prognose schon in den Reifejahren mit größter Wahrscheinlichkeit zu stellen sein. Aber der viel größeren Zahl der unter dem Einfluß der Schwankungen der Reifejahre geistig Mittel mäßigen und bei der ebenso großen Menge der für die Schule als faul erscheinenden Begabten und endlich bei der wichtigen Gruppe der in der Entwicklungszeit vielfach weitgehend gehemmten Psychopathen mit ihrer erst später hervortretenden, oft ganzbesonders kostbaren, einseitigen Begabunu— bei all diesen mittelmäßigen und schlechten Schülern erscheint mir eine Prognosestellung ihrer Eignung zum geistigen Arbeiter auf Grund der Schulleistungen ganz unmöglich und äußerst bedenklich. Dazu kommt, daß körperliche und geistige Entwicklung sich beim einen früh und rasch, beim anderen spät und langsam vollzieht. Weiterhin, daß bekanntermaßen bei vielen Faulen und Leichtsinnigen der Auftrieb zu intensiver und schöpferischer Arbeit sich erst nach Jahren, oft erst nach Verlassen der Hochschule, einstellt. Aus all diesen Erwägungen geht eindeutig hervor, daß zu der Zeit, wo die Auslese des Schülermaterials gefordert wird, nichts als die Diagnose der derzeitigen Reifeentwicklung, keineswegs aber die Prognose für die künftige Entwicklung und Leistung der Persönlichkeit gestellt werden kann; schon deshalb nicht, weil in diesem Stadium die meisten Faktoren, die von innen oder außen die Leistung beeinträchtigen, als Unbekannte gar nicht abgeschätzt werden können, eben jene, die nach Abschluß der Entwicklung ihren Einfluß verlieren, so zum Beispiel Fehler der Erziehung, Angst vor Schule und Lehrer, Verweichlichung der einzigen Kinder, ferner sowohl erblich als durch die stofflichen Umwälzungen in der Pubertät bedingte Hemmungen aller Art, auf der anderen Seite gerade bei temperamentvollen Begabten ein die geistige Leistungsfähigkeit absorbierendes, von der Schule avlenkendes Interesse für künstlerische, literorische oder technische Betätigung und die damit einhergehende Gleichgültigkeit gegen den Lernstoff, die dann zur Fehldiagnose„Dummheit“ verführt. Ich brauche zum Beleg ja nur auf die immer wiederkehrenden, vielfach sehr scherzhaft anmutenden Fehlprognosen hinzuweisen, die sich in Biographien unserer großen Männer gehäuft finden. Und wer kann nicht aus eigener Erinnerung bestätigen, daß gerade die Klassenprimi, die uns immer als Vorbilder vor Augen gehalten wurden, die allen Lernstoff fehlerlos produzieren konnten, nur bei der Zeugnisausteilung beneidenswert erschienen, sonst aber oft genug Mangel an Temperament und Persönlichkeitswerten erkennen ließen, und es demgemäß entgegen allen glänzenden Voraussagungen ihrer Lehrer später nur zu mittelmäßigen Leistungen brachten, während bei diesem oder jenem schlechten Schüler mit den Anforderungen an die eigene Kraft auch die Leistungsfähigkeit ungeahnt sich entfaltete. Einer unserer größten Chirurgen wäre einer derartigen Schulprognose zum Opfer gefallen, wenn er nicht eine sehr kluge Mutter gehabt hätte, die dem Leiter des Gymnasiums auf seine Eröffnung, daß der Junge dumm und faul sei und es zu nichts bringen werde, prompt erwiderte:„Faul ist er schon, aber dumm ist der Junge nicht, und bringen wird er es weiter als Sie, Herr Direktor!“ Ich fasse zusammen: die Feststellung der geistigen Leistungsfähigkeit in den Entwicklungsjahren gestattet keine Prognose auf die zukünftigen Leistungen. Prüfungsnoten aus diesem Lebensabschnitt bilden keine Unterlage für die strenge Sichtung und Auslese zum akademischen Beruf, auch nicht bei der neuerdings vielfach ins Feld geführten geänderten Methode des heutigen Schulbetriebs. Es kann sich dabei immer nur um ein Wertung des derzeitigen Standes der geistigen Entwicklung handeln. Mit kurzen Worten muß ich noch auf einen höchst bedauerlichen Notstand hinweisen, der durch den bereits bestehenden Druck zu möglich strenger Aussiebung die hohe Aufgabe der Jugendbildungsstätten in eine falsche Richtung drängt. Die Ursache liegt in der durch den vermehrten Zudrang bedingten Raumnot der höheren Lehranstalten. Da die durchaus folgerichtig sich ergebende Schaffung neuen Raumes an der Geldnot des Staates scheitert, bleibt ausschließlich nur die Möglichkeit, den Zugang gewaltsam zu vermindern durch verschärfte Anforderung bei Aufnahme und Aufrücken.(Hierzu ist uns ein Fall bekannt, der sich an einem Gymnasium an der Sieg,— der Name der Anstalt soll nicht genannt werden,— vor zwei Jahren bei der Versetzung nach Unterprima zugetragen hat. Dort mußte ein Dutzend Obersekundaner, von denen wenigstens ein Teil in UI glatt mitgekommen wäre, sitzen bleiben, weil die Räume dieser Klasse nicht ausreichten! Es werden also durch solche rein äußerliche Umstände„schwere“ und„leichte“ Versetzungen geschaffen, u. E. eine grobe Ungerechtigkeit den Schülern gegenüber. Red.). Dabei lautet doch eigentlich die Devise, daß die Pforten zur höheren Bildung immer weiter geöffnet werden sollten, und daß es die heilige Aufgabe der dazu Berufenen sei, weitesten Volkskreisen eine gediegene Geistesbildung angedeihen zu lassen,— und heute muß der gestrenge Vogt, vielfach wohl unter schweren Gewissenskämpfen, aber notgedrungen, auf eine Mindestzahl derer, die zur höheren Bildung vordringen dürfen, hinarbeiten! Daß das Verhältnis von Schülern und Eltern zum Lehrer dadurch in jeder Hinsicht ungünstig beeinflußt wird, bedarf keiner Erläuterung. Jedenfalls glaube ich, daß die geforderte erneute Verschärfung die bereits bei vielen Schülern bestehende Angst= und Furchteinstellung unerträglich machen würde. Südafrika im Kraftverkehr. Eigene Meldung. □ Berlin, 24. Juli. Der Kraftverkehr in Südafrika ist ständig im Zunehmen begriffen. Ein Problem, das zurzeit in Deutschland eine große Rolle spielt, nämlich die wachsende Konkurrenz des Lastkraftwagens zur Eisenbahn, wird auch in der Südafrikanischen Union lebhaft besprochen. Dies hängt besonders mit dem Zeitpunkt der Maisernte zusammen, die nach der Küste befördert werden muß. In Regierungskreisen glaubt man, daß die Eisenbahn so bald den Vorsprung des Kraftwagens nicht wird einholen können. Bei der Ernte liegen die Verhältnisse so, daß die Zeit, die benötigt wird, um die Ernte auf Lastkraftwagen nach der Küste zu befördern, nur zwei Tage beträgt, während die Beförderung mit der Bahn fünf Tage dauert. Wie groß die Bedeutung der Maisernte für den Transportverkehr in Afrika ist, geht daraus hervor, daß von der voraussichtlichen Ernte in Höhe von 12,5 Millionen Sack zu je 90 kg 11 bis 11,5 Millionen nach den Häfen verladen und weiter befördert werden. Allein in Johannesburg ist in den letzten Wochen der Omnibuspark um rund 35% verstärkt worden, während die Gesamtzahl der Lastkraftwagen in Südafrika im Jahre 1929 um 4000 Fahrzeuge zugenommen hat. Koblenz. In der Totenhalle.— Es fiel ein Reis....- Ergebnislose Taucharbeit.— Beerdigung der Toten am Samstag.— Die Prüfung der Schuldfrage. An den Ufern der Mosel und des Rheins stehen Hunderte traurig gestimmter Menschen, von denen einige noch mit verweinten Augen auf vermißte Angehörige warten. Die Bergungsarbeiten werden von der Feuerwehr und den Sanitätern mit Hilfe eines Treibbaggers fortgesetzt. Unter dem Gewirr des Brückengestänges und der Brückentrümmer vermutet man noch einige Leichen. Von allen öffentlichen Gebäuden der Stadt und der Vororte. von den Brücken des Rheinstroms und von der Feste Ehrenbreitstein wehen die Flaggen auf Halbmast. Leid lähmt die noch girlandengeschmückte Provinzialhauptstadt. Von der Bevölkerung wurde die Bekanntgabe der Teilnahme des Reichspräsidenten wie ein befreiender Trost aufgenommen. Als der Wagen des Reichspräsidenten ohne die Eskorte des glänzenden Gefolges vom Hauptbahnhof aus, wo er in seinem Sonderzug die Nacht verbracht hatte, zum Rathaus fuhr, stand die eben noch so begeisterte Menge stumm in den Straßen. Mit allen Zeichen tiefster Trauer in den Mienen durchfuhr der Reichspräsident die Stad; Häupter entblößten sich, Straßenbahnen und Krastwagen standen still. Der Oberbürgermeister hat an die Mitbürger die Bitte gerichtet, mit Rücksicht auf die öffentliche Trauer den Häuserschmuck sofort zu entfernen und die Flaggen bis nach der Beerdigung der Opfer auf Halbmast zu setzen. In der Rede bei der Trauerfeier beschäftigte sich der Oberbürgermeister Russell mit den Fragen der Ursache des Brückeneinsturzes und der Verantwortlichkeit für ihn, indem er ausführte: „Nach allem, was wir festgestellt haben, handelt es sich bei der Katastrophe um einen unglücklichen Zufall. Der Weg, der über die Brücke führt, ist kaum begangen und weist zu normalen Zeiten keinen Verkehr auf. Er ist diesmal begangen worden, weil die übrigen Wege durch Wagen zu sehr beansprucht waren. Die Brücke ist Eigentum der preußischen Wasserbauverwaltung, die stets mit aller bei der Unterhaltung derartiger Bauten gebotenen Vorsicht verfahren hat. Selbstverständlich ist, daß die Veranwortlichkeitsfrage aufgeworfen wird und mit allem Nachdruck zu verfolgen ist. Alles was zur Hilfeleistung erreicht werden konnte, ist unternommen worden. Die Feuerwehr, die Sanitäter, Arzte und vor allem auch die Mannschaften der Rheinstrombauverwaltung bemühten sich in rührender Weise um die Unglücklichen, um sie noch dem Leben zu erhalten. Heute ist die Hoffnung hinfällig. Außer den Toten sind noch 23 Leicht= und nur wenige Schwerverletzte zu beklagen. Die Leichtverletzten haben durchweg die Krankenhäuser wieder verlassen können. Es ist von mir sofort angeordnet, daß alle Kosten, die mit der Auffindung der Leichen und Bestattung zusammenhängen, von der Stadt übernommen werden sollen. Es ist Sorge getragen für eine weitere Unterstützung der Hinterbliebenen, soweit sich dies für notwendig erweist, und für eine würdige Aufbahrung.“ Der Reichspräsident, der an der Feier teilgenommen und dann Koblenz sofort verlassen hat, sagte: „Tiefbewegt weile ich als Ihr Ehrenbürger in Ihrer Mitte und spreche Ihnen das innigste Mitgefühl aus zu dem großen Unglück, das in so jäher Weise das Fest beendet hat. Ich denke mit Wehmut der Gestorbenen, mit warmer Teilnahme der Hinterbliebenen. Wo etwa Sorgen vorliegen, werde ich auch meinerseits nach Kräften mich bemühen, zu helfen. Wie sie gestern die Freude mit uns teilten, so wollen wir heute den Schmerz mit den Hinterbliebenen teilen. Gott tröste die armen Trauernden und Hinterbliebenen und er segne die teuren Entschlafenen.“ Zur Linderung der ersten Not spendete der Präsident 10 000 Mark. Am Mittwochnachmittag pilgerten viele Koblenzer über die alte, große Brücke hinüber zum Vorort Lützel, um zu der Unglücksstelle am Sicherheitshafen zu kommen. In der Totenhalle. der Turnhalle der Telegraphenkaserne, liegen die Opfer alle in langer Reihe,— Männer, Frauen, Mädchen, Mütter und in der Mitte sechs Kinder. Draußen werden die Särge angefahren, und drinnen weint und fleht eine junge Frau, die ihren kleinen, sechsjährigen Jungen zum Vater mitnehmen will. Sie ist in Amerika verheiratet und wollte den Jungen, der in Koblenz bei den Großeltern gewesen war, wieder zu sich nehmen. Er war mit seinem Großvater zum Feuerwerk gegangen, und beide fanden den Tod. Mit leeren Händen kehrt nun die Mutter zurück. Ein großer kräftiger Mann liegt in der Reihe. Er hat sich noch selbst am Rettungswerk beteiligt. Eine junge Diakonissin liegt neben einer ihrer Schülerinnen und weiter unten in der Reihe eine barmherzige Schwester. Nacheinander kommmen die Angehörigen und Verwandten der Koblenzer Toten in die Halle. Der Bischof von Trier, Dr. Bornewasser, hat mitgeteilt, daß er voraussichtlich selbst die Einsegnung vornehmen wird. Die Strombauverwaltung hatte am Mittwochvormittag in Köln Taucher für die weitere Suche nach Verunglückten angefordert. Ein Taucher ging daraufhin gestern nachmittag in dem Eingang zum Sicherheitshafen von der Unfallstelle aus eine Strecke von etwa 70 Metern hafeneinwärts ab. Die Suche blieb ergebnislos. Es wurden lediglich einige Kleidungsstücke gefunden. Da mit Sicherheit angenommen wird, daß in dem schlammigen Grund noch mehr Leichen stecken, wurden die Taucherarbeiten heute vormittag fortgesetzt. Am Mittwochabend hat die Leitung einer Dresdener Reisegesellschaft, die sich in Koblenz aufhält, mitgeteilt, daß zwei Personen der Gesellschaft seit Dienstag abend vermißt werden. Die Zahl der im Wasser geborgenen Toten beträgt 35. Die Strombaudirektion ist der Auffassung, daß nur noch wenige Leichen im Bodenschlamm liegen oder abgeschwemmt sein müßten. Vermißt werden noch zwei Zöglinge des Schwesternhauses Rheinwaldheim. Bei der Polizei sind seit der Katastrophe 18 Vermißtenanzeigen eingegangen, doch dürften in dieser Zahl die üblichen Vermißtenanzeigen enthalten sein, wie sie täglich einlaufen. Die Beerdigung der Todesopfer ist auf Samstagnachmittag 4 Uhr festgesetzt worden. Das preußische Staatsministerium hat angeordnet, daß die staatlichen und kommunalen Dienstgebäude und Schulen in ganz Preußen am Beerdigungstage halbmast zu beflaggen sind, wie auch bei dem Hausdorfer Unfall, Kardinalerzbischof Schulte=Köln hat dem Oberbürgermeister von Koblenz folgendes Beileidstelegramm geschickt: „An dem furchtbaren Ereignis, daß Ihre gestern so froh gestimmte Bürgerschaft in düstere Trauer versetzt hat, nehme ich tief mitfühlend Anteil.“ Aus Koblenz wird gemeldet, daß viele Tote mit der Strömung des Rheins fortgetrieben worden sind. Eine genaue Zahl sämtlicher Opfer wird erst in etwa zehn Tagen möglich sein, wenn der Reichswasserschutz seine Bergungsarbeiten zwischen Koblenz und Bonn beendet hat. Wer trägt die Schuld? Von naseten Korrespondenten. S. Berlin, 24. Juli. Im preußischen Innenministerium ist gestern in den frühen Morgenstunden eine Ministerialkommilsion gebildet worden, die sich nach Koblenz begeben hat, zur Prüfung der Schuldfrage der Behörden. Es bestätigt sich, daß die Eisen=Fußgängerbrücke über den Koblenzer Winterhafen nur für höchstens 25 Fußgänger tragbar war und für den Massenanorang bei der Befreiungsfeier nicht freigegeben werden durfte. kg. Koblenz, 24. Juli. Beamte der Staatsanwaltschaft sind im Laufe des Mittwochs an der Unglücksstätte eingetroffen. Die erhaltenen Teile der geborstenen Brücke wurden beschlagnahmt. Vernommen wurde bisher nur der Hafenmeister, der auf den Zustand der Eisenbrücke schon vor Tagen aufmerksam gemacht haben will. mtb. Köln, 24. Juli. In auswärtigen Zeirungen wiro zu dem entsetzlichen Unglück geschrieben: „Es muß ein sträflicher Leichtsinn obgewaltet haben, daß man die Brücke, oder besser, den Unglückssteg, mit dem die Katastrophe passierte, in der Nacht dem Verkehr freigab. Es handelt sich gar nicht um eine eigentliche Brücke, sondern um einen provisorischen Steg, der von Fall zu Fall hingesetzt wird, wenn Arbeiter auf der Werft notwendig werden und dann lediglich für die Arbeiter da ist. Der Steg ist also 18 Meter lang und 2½ Meter breit, führt über einen tiefen, schachtähnlichen Eingang zum Hafen und besteht fast nur aus Eisen; daher die Schwere des Unglücks. Die Verunglückten sind zum Teil von den niederstürzenden Eisenmassen erschlagen worden und liegen jetzt noch darunter; sie sind furchtbar verstümmelt, entweder durch die niedergehenden Eisenmassen oder durch die Art, wie die Toten geborgen werden müssen, nämlich durch einen sogenannten Wolf, ein Gerät, mit vielen Haken, das die Toten vom Boden aufkratzt. Augenzeugen der Bergung erzählen gräßliche Einzelheiten.“ Wie wir erfahren, ist die Brücke nicht durchgebrochen, sondern seitlich avgerutscht und liegt etwa sechs Meter unter Wasser. Man nimmt an, daß noch zwei oder drei Personen, die vermißt werden, im Wasser liegen können. Die Trauer in Koblenz und weit darüber hinaus ist allgemein. Die Fahnen, die eben noch stolz im Winde flatterten, sind auf Halbmast gesetzt worden. Von weit her sichtbar weht die auf Halbstock gesetzte schwarz=rot-goldene Flagge auf dem Ehrenbreitstein. Auch die Rhein= und Moseldampfer haben zum Zeichen der Trauer halbmast geflaggt. An der Unfallstelle, die von einem großen Aufgebot von Schupo abgesperrt ist, sind immer noch Menschen versammelt, die stillschweigend die Aufrämungsarbeiten verfolgen. Auch in Mainz, in Rheinhessen und in der Vfalz sind unter dem Eindruck der Hiobsmeldung aus Koblenz alle Befreiungsfeiern sofort unterbrochen worden. In Mainz ist in aller Eile der bunte Schmuck aus den Straßen entfernt worden. Der Rheingau gleicht einer einzigen Trauerlandschaft. Auch die fremden Konsulate haben halbmast geflaggt. Von den Pariser Zeitungen äußert sich heute teilnahmsvoll zum Koblenzer Unfall der sonst nicht deutschfreundliche Figaro. Das Blatt schreibt, menschliches Leid, wie jetzt in Koblenz, finde in Frankreich das gleiche, mitfühlende Echo wie im Jahre 1922 die große Explosion in Ludwigshafen am Rhein. Frankreich entbiete Deutschland Anteilnahme und Mitgefühl. Hinduführer bei Gandhi. Meldung von Wolffs Telegr.=Büro. London, 24. Juli. über die vierstündige Unterredung im Yrado=Gefängnis bei Kuna zwischen zwei Führern der gemäßigten Inder und Gandhi wird aus Kuna gemeldet, daß keiner der beiden unoffiziellen Abgesandten Mitteilung über die Unterredung machen wollte. Es werde jedoch für unwahrscheinlich angesehen, daß Gandbis Haltung von der der anderen Kongreß=Anhänger abweicht, die erklärt haben, daß nichts geschehen sei, was irgendwelche Friedensschritte rechtfertige. Außerdem wird betont, daß die beiden Abgesandten keine neuen Vorschläge des Vizekönigs überbringen konnten. Sie werden eine neue Besprechung mit Gandhi haben und sich darauf nach Allahabad begeben, um mit Pandit Nehru zu verhandeln. Die Konservative Volkspartei. Eigene Meldung. enb. Berlin, 24. Juli. Die Verhandlungen der aus der Deutschnationalen Volkspartei ausgetretenen Abgeordneten und der Volkskonservativen Vereinigung für Sammlung aller konservativ eingestellten Kräfte in einer neuen gemeinsamen Organisation, die vom Reichsminister Treviranus, dem Abgeordneten von Lindeiner=Wildau einerseits und Graf Westarp, Dr. von Dryander anderseits geführt wurden, haben gestern zu einer völligen Einigung und zur Gründung der Konservativen Volkspartei geführt. Wie Westarp erklärt, gehört er dem engeren Vorstand der Konservativen Volkspartei auf seinen eigenen Wunsch nicht an, sondern nur dem weiteren Vorstand der neuen Partei. Diese Distanzierung ist auf seinen eigenen Wunsch erfolgt, um sich der Aufgabe der Sammlung der konservativen Elemente und insbesondere der engen Zusammenarbeit zwischen Landvolkpartei, und Konservativer Volkspartei widmen zu können. Jum Führer der Partei wird, wie die Germania meldet, voraussichtlich Reichsminister Treviranus gewählt werden. Vor einem engeren Kreise sprachen gestern Graf Westarp, Schiele und Treviranus über die Aufgaben der neuen Parteien der Rechten. Westarp führte aus, wenn er den schweren Entschluß gefaßt habe, die Neugründung der Konservatipen Volkspartei mitzumachen, so geschehe dies im Interesse der Zusammenfassung der konservativen Bevölkerung. Er hoffe, daß die neue Partei in engster Fühlung mit der Landvolkpartei bleiben werde. Ein prattisches Zusammengehen mit der Volkspartei und anderen Parteien halte er für unmöglich. Reichsminister Treviranus betonte, daß die Zeit gekommen sei, den konservativen Gedanken zum Einsatz zu bringen. Man könne sich nicht mit der Verneinung begnügen, sondern müsse mit Hand anlegen. Kein Staat könne ohne konservativen Gegenpol bestehen. Nun gelte es, eine Mehrheit für den Generalfeldmarschall und seine politischen Ideen zu schaffen. 3 Die Berliner Blätter mit Ausnahme des Lokalanzeigers und des Tag bringen den Gründungsaufruf der Konservativen Volkspartei. Einige von den Blättern nehmen bereits zu dem Aufruf Stellung. So schreibt die Deutsche Zeitung: „Die entschloffesheit der siellen Gruppe. „wesensverwandten Parteien und Gruppen“ zusammen zu wirken. ist eine Banalität ersten Ranges, denn ein solches Zusammenwirken hat niemand von der Hand gewiesen. Gerade Hugenberg hat ja mehrfach, so in Kassel, und in der letzten Minute der Entscheidung über den Tributplan, zur bürgerlichen Sammlung aufgerufen.“ Eine grobe Irreführung, so sagt das Blatt weiter, liege in dem Mißbrauch des Wortes„konservativ“, der nun ganz offiziell betrieben werde. Das Schiff der Sezessionisten segle unter falscher Flagge. Die Deutsche Tageszeitung sagt, was mit der Gründung der Konservativen Volkspartei begonnen sei, müsse stimmungsmäßig und organisatorisch weitergefuhrt und ausgebaut werden. Die Schwere der Aufgaben und des Kampfes sei so groß, daß sie den geschlossenen Einsatz auf breitester Front erheische. Die Berliner Börsenzeitung bezeichnet den Zusammenschluß der Westarp=Gruppe und der Treviranus=Gruppe als den ersten erfolgversprechenden Ansatz der nationalen Einheitsbewegung. der bürgerlichen Front und Tat. Dem berufsständischen Gedanken müsse sich der staatspolitische Gedanke durch Zusammenschluß mit Landvolkpartei aufs engste vermählen. Die D. A. Z. stellt fest, es sei ein neuer Tonim deutschen Parteileben, wenn in dem konservativen Aufruf gesagt werde, daß sich Parteien nicht nur zu bekämpfen, sondern durch den Blick auf das Ganze zu ergänzen hätten. Mit der Gründung der Konservativen Volkspartei sei der entscheidende Schritt zur Konstituierung der neuen Rechten getan. konservativen Partei, soweit sie sich frei und offen zum heutigen Staat bekennen will, muß als ein positives politisches Faktum gewertet werden.“ Thüringen und die Wahlen. Eigene Meldung. T. Berlin, 24. Juli. Die bevorstehende Reichstagswahl wirft ihren Schatten auch auf die Koalitionsverhältnisse im Land Thüringen. Sicherem Vernehmen nach ist die Deutsche Volksvartei entschlossen, die Fühlungnahme mit den Nationalsozialisten aufzugeben, um auf diese Weise eine schwere Belastung beim Wahlkampf zu vermeiden. Selbstverständlich ergäbe sich dann auch eine veränderte Lage in Thüringen, die zu einer Landtagsauflosung führen würde. In thüringischen unterrichteten Kreisen glaubt man, daß in diesem Falle die thüringischen Landtagswahlen mit den Reichstagswahlen zusammenfallen würden. Die Demokraten an Scholz. Meldung der Telsgraphen=Union. Berlin, 24. Juli. Der parteiamtliche Demokratische Zeitungsdienst beschäftigt sich mit dem Aufruf des Führers der Deutschen Volkspartei, Scholz, an die Parteien der Rechten und der Mitte. Er schreibt unter anderem: „Die Reichsregierung hat verlauten lassen, daß sie ein Programm vorlegen wird, das für den Wahlkampf und die kommende politische Arbeit von Bedeutung sein soll. Man muß erst einmal dieses Programm kennen, ehe man überhaupt zu weiteren Maßnahmen Stellung nehmen kann. Die Umbildung innerhalb der Rechtsparteien ist noch keineswegs abgeschlossen. Aus dem Charakter der vollzogenen Umbildung aber ergibt sich erst die Stellungnahme für die Mittelparteien. Wenn die Absicht bestehen sollte, jetzt eine Art Burgfrieden oder eine Dämpfung des Wahlkampfes zu verabreden, so werden sich voraussichtlich die Demokraten dem nicht verschließen. Eine Fusion derartig verschiedener Parteien, wie die es sind, an die Dr. Scholz seinen Brief gerichtet hat, ist nicht vorstellbar.“ Numnmer 1 2.sat Siegener Zeitung Domerstog, 24. Juli18390 Rund um die Welt. Der Streit der Zigeunerkönige. Geheimnisvoll ist die Geschichte der Zigeuner, und der Außenstehende ahnt kaum, welche Fülle von Tradition und sonderbaren Gebräuchen bei diesen Stämmen üblich sind. Die Umwelt wußte bisher auch nichts davon, daß es eine polnische Zigeunerkrone gibt. Um diese ist nun ein beftiger Streit zwischen den beiden volnischen Zigeunerkönigen Wasil aus Marimont und Michael II. aus Pjastow entstanden. Bisher war es üblich, daß diese beiden Könige die Macht unter sich leilten. Jeder der Rivalen verlangt nun, daß der andere auf seine Rechte verzichten und ihm selbst die Königswürde überlassen solle. In diesen Tagen erst ist es zu blutigen Auseinandersetzungen zwischen den Anhängern der Beiden gekommen, und in vielen Teilen Polens fanden Kämpfe zwischen den feindlichen Zigeunern statt. Von Tag zu Tag wurde die Lage bedrohlicher, so daß die besonneneren Elemente unter den Zigeunerführern einsahen, daß es so nicht mehr weiter gehen könnte. Man entschloß sich daher, an das Oberhaupt aller Zigeuner, den Zigeunerkönig Mateo Don Quiebeco, zu appellieren, der in Madrid residiert. Auf den telegraphischen Anruf kam der Spanier nach Warschau, und er brachte— wie es einem König gebührt— zahlreiches Gefolge, darunter auch einen persönlichen Adjutanten, mit. Die erste Sitzung fand in einer kleinen Kneipe Warschaus statt. Vor Beginn dieser Konferenz mußten die beiden polnischen Zigeunerkönige ein feierliches Gelöbnis ablegen. Sie mußten schwören, daß sie sich ohne Widerspruch der Entscheidung des spanischen Kollegen fügen würden. Das taten sie auch, denn die Dynastie Quiebec ist eine der ältesten und hat seit Urzeiten sämtliche Zigeunerstämme Europas beherrscht Deshalb gilt Mateo als höchste Autorität, der kein Zigeuner zu widersprechen wagt. Es gelang dem Spanier auch tatsächlich, eine Einstellung der Feindseligkeiten bis zur Verkündung des endgültigen Schiedsspruches zu erlangen. Zum Dank dafür wurde der Schiedsrichter zum Zigeunerbaron sämtlicher polnischer Zigeuner ernannt. Am 29. Juli soll nun die Hauptverhandlung in Lodz stattfinden. Durch die Warschauer Tagespresse hat König Mateo 800 Führer der polnischen Zigeunerstämme zu dieser Verhandlung einladen lassen. Jeder Zigeunerfürst, der dieser Aufforderung nicht Folge leistet, soll hart bestraft werden. Man nimmt an, daß es der Autorität des Spaniers gelingen wird, die alte Fehde durch seinen Schiedsspruch zu beseitigen. * Persönliches. Prof. Dr. E. Lerch in München hat den Ruf auf den Lehrstuhl der romanischen Philologie an der Universität Münster zum 1. Oktober angenommen. * Tagungen. Die Schwimmeisterschaften der Deutschen Turnerschaft werden vom 22. bis 25. August 1930 in Darmstadt ausgetragen. m. Die Preußische Akademie der Wissenschaft hat für das Jahr 1933 folgende Preisaufgabe gestellt:„Die Weiterbildung protestantischer Motive in der Philosophie und Weltanschauungsdichtung des deutschen Idealismus.“ Der Preis beträgt 5000 Mark; die Bewerbungsschriften sind bis zum 31. Dezember 1932 einzureichen. wb. Die Stadt Darmstadt feierte gestern ihr 600jähr. Stadtjubiläum. In Anbetracht der schwierigen Zeitverhältnisse wurde jedoch von größeren Feierlichkeiten abgesehen. s. Im Berliner Bezirk Wedding haben, wie in der Versammlung der Grundbesitzer mitgeteilt wurde, acht Hausbesitzer Konkurs anmelden müssen. Sämtliche Mieter ihrer Häuser weigern sich seit langem, die gesetzlichen Mietzuschläge zu zahlen. Die erfolgreich verlaufenen Klagen haben jedoch zu keiner Räumung führen können, weil das Wohlfahrtsamt gegen die Durchführung der Exmission Einspruch erhoben hat. Somit blieb den betroffenen Hausbesitzern nichts übrig, als ihre Zahlungsunfähigkeit zu erklären. * Deutscher Stenographentag Berlin 1930. Zu der Tagung des Deutschen Stenographenbundes(Bund für Einheitskurzschrift),/ die Anfang August in Berlin stattfindet und die die größte Stenographenversammlung der Welt sein wird, haben Staat und Wirtschaft bereits ihre Teilnahme zugesagt. Reichspräsident von Hindenburg hat für das große Wettschreiben, das in Verbindung mit der Tagung abgehalten wird und zu dem eine Massenbeteiligung zu erwarten ist, schon jetzt einen wertvollen Ehrenpreis zur Verfügung gestellt. Das Verhandlungsprogramm wird die große Bedeutung der Kurzschrift auf allen Gebieten des Schreibverkehrs zum Ausdruck bringen. Die Festrede hält Staatssekretär a. D. Heinrich Schulz, der während seiner Amtszeit im Reichsinnenministerium mit besonderer Energie für die Schaffung der deutschen Einheitskurzschrift gewirkt hat. Vom Standpunkt der Wirtschaft wird Handelskammersyndikus Dr. Gertz(Koblenz) über die Bedeutung der Kurzschrift sprechen. Der Referent für Kurzschrift im Reichsministerium des Innern, Oberregierungsrat Dr. Becker, hat einen Vortrag zugesagt, in dem er auf die Beurteilung der Einheitskurzschrift durch die Behörden des Reiches und der Länder eingehen will. Weitere Redner werden u. a. auch das Arbeitsgebiet der Schule behandeln. Sie alle werden erkennen lassen, welch tiefer Geisteswert der stenographischen Arbeit innewohnt. gd. Kupferfunde im Harz? Bei Hohegeiß hat ein größerer Konzern unter Leitung von Bergwerksdirektor CordesLudwig Ganghofer. Am 24. Juli jährt sich zum zehnten Male der Todestag des bekannten bayerischen Dichters und Schriftstellers Ludwig Ganghofer. Hannover den seit länger als 150 Jahren totliegenden Kupferschacht„Gottes Walten“ versuchsweise in Angriff genommen. In dem Antoinetten=Stollen, der zu dem Schachtgebiet„Gottes Walten“ gehört, stieß man nach Beseitigung verschiedener Hindernisse etwa 370 Meter unter Tage auf ein 40 Zentimeter starkes hochprozentiges Kupfervorkommen. Man glaubt in Fachkreisen, daß die weiteren Versuche erfolgreich sein werden und daß eine mit allen modernen Mitteln betriebene Ausbeute sich lohnen wird. Für Hohegeiß wäre es in Anbetracht der nur geringen Erwerbsmöglichkeiten zu begrüßen, wenn es dem Konzern gelingen würde, die alten Bergwerke, aus denen man nach der Chronik früher wöchentlich 200 Zentner Kupfer förderte, Die Feier am Deutschen Eck. Das Bild hält den Augenblick fest, da Hindenburg(X) seine Rede hält, die durch Mikrophon übertragen wurde. Der Flugzeugunfall in England. In der Grafschaft Kent in der Nähe von Gravesend stürzte bekanntlich ein englisches Flugzeug ab, dessen sechs Insassen getötet wurden. Das Bild zeigt die Trümmer der Maschine. wieder ins Leben zu rufen und dadurch der heimischen Bevölkerung Arbeitsmöglichkeiten zu schaffen. T. Die Ausgaben des Arbeiterhaushalts. Das Statistische Reichsamt hat in 1000 Arbeiterhaushaltungen Erhebungen anstellen lassen, die der Feststellung dienten, wie sich die Ausgaben eines Arbeiterhaushaltes innerhalb eines Jahres verteilen. Nach den Ermittlungen ergibt sich, daß der deutsche Arbeiter im Jahre ungefähr 346 Mark für Fleisch. 221 Mark für Brot, 146 Mark für Milch, 95 Mart für Fette— mit Ausnahme von Butter, für die 73 Mark veranschlagt werden—, 67 Mark für Kartoffeln, 58 Mark für Eier, 56 Mark für Gemüse, 55 Mark für Obst und 38 Mark für Zucker ausgibt. Der Menge nach verzehrt der Arbeiter in erster Linie Kartoffeln, nämlich 1387 Gramm, und in zweiter Linie Brot und Backwaren, nämlich 1030 Gramm. An dritter Stelle steht der Verbrauch von Fleisch und Fleischwaren mit täglich durchschnittlich 400 Gramm. Der Gemüsekonsum beträgt 348 Gramm pro Tag. Interessant ist ein Vergleich mit den Ausgaben der amerikanischen Arbeiterhausfrau. Während man in Amerika für Fleisch, Eier und Fisch nur 20 Prozent des Haushaltsgeldes rechnet, erhöht sich die Ausgabe in Deutschland auf fast 40 Prozent. Dagegen verwendet die Amerikanerin für Gemüse, Obst und Kartoffeln über 35 Prozent ihres Geldes, die deutsche nur 14 Prozent. * Aktentaschen mit Sirenengeheul. Die Beratungsstelle der Kölner Kriminalpolizei ließ die Presse eine Aktentasche aus Rindleder besichtigen, die gegen Raub und Beraubung zuverlässig geschützt ist. In der Tasche befindet sich eine Trockenbatterie, die eine laute Sirene für lange Zeit in Bewegung setzt, wenn die Tasche dem Träger entrissen wird. Fremde können diesen Alarm von anderthalbstündiger Dauer nicht aufheben. Man kann schon glauben, daß diese an sich nicht allzu kostspielige Tasche ihren Zweck erfüllt, nämlich Geldbeförderungen mit Sicherheit bewerkstelligen zu lassen. A. Ein Gesamtkatalog der deutschen Bibliotheken ist auf der vor kurzem abgeschlossenen 26. Tagung der deutschen Bibliothekare in Lübeck beschlossen worden. Noch vor kurzer Zeit hätte man die Durchführung des Gesamtkatalogs, die eine ungeheure Arbeit erfordert, für unmöglich gehalten. Auf der Lübecker Tagung konnten sich die wichtigsten deutschen Bibliotheken, die Berliner Staatsbibliothek für Preußen, die Münchener Staatsbibliothek für Bayern, die Österreichische Nationalbibliothek in Wien und die Deutsche Bücherei in Leipzig unter Zurückstellung aller besonderen und regionalen Wünsche zu einem gemeinsamen Plan entschließen. Durch einen deutschen Gesamtkatalog würden sämtliche wissenschaftlichen Arbeiten außerordentlich erleichtert werden, ohne einen guten Katalog sinken auch die interessantesten Büchersammlungen zu gewissermaßen„toten Bücherbeständen“ herab. * Der Ortsvorsteher von Grünfelde hat neulich im Auftrage seines Gemeinderats die Hygiene=Ausstellung in Dresden besucht. Daß er dort sehr viel gelernt hatte, zeigte sich denn auch bald. Im Gemeindehaus, in den Schänken des Dorfes und in der Postagentur wurden Spucknäpfe in Massen aufgestellt. Aber damit hielt der tatenfrohe Gemeindevorstand seine Sendung noch lange nicht für erfüllt. Er begann, die drei Kaufläden Grünfeldes zu inspizieren, ob dort auch alles hygienisch zugehe. Als er in die Bäckerei kam, sah er die Brote auf einem blanken Holzregal liegen. Er schüttelte bedenklich den Kopf und sagte zu dem Bäcker: „Horche mal, Emil, das gehd awwer nich, daß de's Brot so eefach uffs naggche Holz lechst! Da mußde schon mindesdens ä Schdigge aldes Zeidungsbabier drunderdun!“ O Lole ode1 Seif SS 4/77 e? Sein wahres Sein hängt nicht von der Rolle ab, die ich spiele, sondern von der Art, wie ich sie spiele. Fichte. Die Wacht am Rhein Roman von Clara Viebig. 54)(Fortsetzung.) Viele Tage trug sie das verknitterte, vergilbte blutbefleckte Papier auf ihrer Brust. Da lag es und gab ihr ungeahnte Kraft; aber dann schloß sie es doch in die Truhe, in ihr Nähkästchen, zu den Andenken ihrer Jugend und Ehe. Jetzt hatte sie den Talisman nicht mehr nötig, sie war ruhig geworden in sich. Nicht mehr von der steineren Ruhe jener ersten Zeit, nein, Gott sei Dank, sie konnte weinen! Aber in ihre Tränen mischte sich das Gefühl des Stolzes: mein braver Sohn!— Von ihren Kranken empfing Josefine besondere Zeichen des Vertrauens. „Schreiben Sie an meine Mutter,“ bat mancher Soldat. Und so saß sie denn an den Betten und ließ sich in die Feder diktieren von schwachen Stimmen aber von Herzen, die jetzt doppelt stark empfanden für die Mutter daheim. Und wunderliche Antworten liefen ein aus Nord und Ost und West des weiten Deutschen Reiches. Aber immer, trotz der lächerlichsten Orthographie, trotz aller Verquickung, las man's heraus, das in Angst und Liebe und Sehnsucht gestammelte:„Mein lieber Sohn!' „Werte Frau,“ sagte Unteroffizier Schmidt eines Tages— er war schon in der Besserung und schluffte bereits in Filzpantoffeln bis zum Bett des Westfalen—,„werte Frau Conradi, würden Sie für mich nich auch mal'n kleenes Briefchen schreiben?“ „Jern.“ „Na, nämlich“— er zupfte schon wieder an seinem Schnurrbart und versuchte ihm den früheren kühnen Aufwärtsstrich zu geben—„na, da ich nu doch mal kein Glück bei Sie habe,“— er sah ihren ernsten Blick und nickte—„nehm ich ja nich übel, is ja jetzt janz natürlich, und denn auch schon von wejen Hucklenbruch— wär mir wirklich penibel! Na, nämlich, ich habe mir's jeschworen, als mir die Kugeln man so um die Ohren pfiffen, und die Kameraden um mich'rum fielen, in Schwaden, wie jemäht:„Junge, Junge, wenn de'rauskommst, wirste'ne alte Schuld wieder jutmachen!" Denn die Schramme da am Schädel rechnet nich, die is balde heil, und ich mache noch mal los. Also: ich habe da nämlich en Mächen zu sitzen, an de Panke wohnt se, jroßer Staat is jerade nich mit se zu machen, arm is se man, und auch lange nicht so hübsch wie Sie, werte Frau! Na— aber se hat nun mal'nen Jungen von mir! Also, haben Se die Jüte, werte Frau, schreiben Se schon man los: ich wer' ihr heiraten. Es drückt mir's Herz ab, ich kann nich warten, bis ich alleene schreiben darf. Die Aujuste wird jeheirat’t stantepe, sowie der Krieg'rum is. Denn, wissen Se, so in'n Krieg wird einen janz schnurrig zumute.'s is lange nich so, als wie die Leute sich denken. Un mit die Bejeisterung is det allens Mumpitz. Un mit den Haß auf den Feind auch. Davon weiß man jarnischt in der Schlacht, man weiß von sich selber so jut wie jarnischt; was befohlen wird, wird jemacht: einfach rin! Muß’t nu mal sind, denn man los! Das können Sie mir jlauben. Aber an die Juste schreiben Se man, bitte!“ * Die Firma S. Sternefeld am Alleeplätzchen hatte annonciert, fettgedruckt, die halbe letzte Seite im Blättchen allein für sich in Anspruch nehmend: Fahnen, Fahnen! Fahnen in allen Größen, Fahnennessel, Flaggentuch und so weiter." Wer noch keine Fahne im Besitz hatte, rannte heute eilig hin und kaufte; die große Eingangstür klappte den ganzen Tag—'raus—'rein,'rein —'raus. „Sie wünschen?“ „Fahnen, Fahnen!“ „Schwarz=weiß?“ „Nein, schwarz=weiß=rot!“ Ein Meer von Schwarz=weiß=rot hatte sich über die Stadt ergossen. Zu jeder Bodenluke, zu jedem Mansardenfenster heraus steckte bald eine lange Stange; und lustig flatternd und sich freudig blähend im frischen Herbstlüftchen klatschte das schwarzweiß=rote Tuch gegen das untere Stockwerk. Das klang wie Wellenrauschen, wie Musik einer stürmischen Brandung: Sedan, Sedan! Überall flaggte und wimpelte es. Der Jägerhof, das Rathaus, die Kaserne, das Theater, die Kirchen, die Schulen, die Tore, die Rheinbrücke, selbst der alte Jan Willem hatten geschmückt. Um alle Dächer rauschte es, durch alle Lüfte sauste es: Sedan, Sedan! Große Flaggen, kleine Flaggen, schmale Wimpel, breite Wimpel, kostbares Tuch, dünner Nessel, verwaschener Kattun, Papierfähnchen— aber strahlender Sonnenschein lachend über alle, und übermütig dreinharfender Wind: Sedan, Sedan! Wer freute sich nicht?! Die Verwundeten setzten sich auf in ihren Betten und horchten mit gespanntem Ohr. Der Rhein brauste es, Kanonen donnerten es— wer hätte gedacht, daß die je solchen Jubel künden könnten—: Sedan, Sedan! Gefangennahme des Kaisers Napoleon. Kapitulation der Armee Mac Mahons bei Sedan!" Was wollten die Franzosen nun noch?! Ihr Kaiser gefangen, ihre größte Armee gefangen! Nun mußte es Friede, Friede werden! Gegen Mitternacht war die erste Kunde nach Düsseldorf gekommen, atemlos hatte ein Depeschenbote sie in die schon schlummernde Stadt getragen. Vorbei war der Schlaf, vorbei die Ermüdung; die Leute stürzten aus ihren Häusern, auf den Straßen und Plätzen fanden sie sich zusammen, sie schüttelten sich die Hände, sie küßten und umarmten sich, sie lachten mit weinenden Augen: nun kam der Friede! Leuchtend stand ein Stern am Himmel, und plötzlich fingen alle Glocken der Stadt an zu läuten— fromme Stimmen in heiliger Nacht. Am kommenden Morgen zogen unzählige Schulkinder durch die Straßen; Maler Camphausen mit seinem weißen Bart hatte sich an die Spitze der Jugend gestellt und marschierte voran mit dem Trommlerchor. Und die bekränzten Knaben und Mädchen schmetterten aus hellen Kehlen: „Es braust ein Ruf wie Donnerhall— In allen Kirchen Gottesdienst, von allen Orgeln Dankeshymnen. Ins Beten klang Jubel hinein: „Der Kaiser, der Kaiser gefangen!" In der Kaserne war ein Faß Bier aufgelegt— die Liebesspende eines begeisterten Bierbrauers— es trank davon, wer trinken durfte; und andere stießen mit Wein an. Herr Schnakenberg kam auch gerannt mit ein paar ganz besonderen Bouteillen unterm Arm: alter Rheinwein, firn und golden wie Harz.„Wat Extras, Finken, für dein Kranken“, flüsterte er der Stieftochter zu und steckte ihr die Flaschen unter die Schürze.„Hurra, wir haben ihn, den Napolium!“ Sie freuten sich alle. Als Josefine zum Mittagessen nach Hause kam, hatte der Invalide das ganze Schaufenster beflaggt und zugleich einen merkwürdigen Geschäftssinn dabei entwickelt. Zu Fähnchen hatten die bunten Kriegstaschentücher gedient: Weißenburg, Wörth, Spicheren, Mars la Tour— sogar König Wilhelm und der Kronprinz, Moltke und Roon, selbst der von Bismarck hatte dran glauben müssen. Nicht allein die Straßenjugend stand vor so viel Pracht, auch Leichtverwundete, die draußen schon umherspazieren durften, kamen herein und kauften. „No, wenn alle wat tun, können wir doch nit ganz müßig sitzen,“ brummte Ferdinand, als die Schwester ihn belobte. Und dann fing er wieder an, auf sein Bein zu fluchen: wenn das nicht schon weggeschossen wäre, wäre er ja überhaupt mit ausmarschiert. Aber er begann nicht mehr seine alte Geschichte:„Wir hatten die fränkische Saale überschritten—', die bekam man seit einiger Zeit nicht mehr zu hören; er war klein geworden im großen Krieg, und der Geruch des Lazaretts, der Hauch der vielen Leiden, den die Schwester aus der Kaserne mit herüberbrachte, ließen sein eignes, mißvergnügtes Gejammer ganz verstummen. Er war begierig darauf, zuweilen mit ihr hinüberzugehen und ihr bei kleinen Diensten für die Kranken hilfreiche Hand zu leisten. Auch der Junge durfte ab und zu mit der Mutter kommen. Er lernte jetzt Französisch und war ein guter Schüler; so konnte er als Dolmetscher dienen, wo ihre paar Brocken nicht ausreichten. Mancher Franzose streichelte ihm über den Kopf: „Ah merci, mon petit, Dieu vous bénisse!“ Fritz hatte viel Freunde unter den Feinden. Aber waren denn diese armen Kranken wirklich Feinde? Was konnten sie für den Krieg? Die — gar nichts! Waren sie nicht weggerissen aus ihrer Familie, vom Pflug, vom Webstuhl, vom Maschinenrad, von all dem, was sonst ihr Leben ausgemacht, nur gehorchend dem Befehl? Es wollte Josefine nicht aus dem Sinn, was ihr der helle Berliner', wie die andern den Schmidt neckend nannten, gesagt hatte:„Mit der Begeisterung ist das Mumpitz und mit dem Haß auf den Feind auch.' Und liebten die Franzosen ihr Vaterland nicht auch? Es sollte sehr schön in Frankreich sein. Mußte es ihnen nicht weh tun, wenn die Kanonen den Sieg donnerten und die Glocken Freude läuteten und alles Volk jubelte?! Und unten auf dem Kasernenhof, unter den Ahornbäumen spielte heut nachmittag die Musir. Da stand, was Beine hatte, und schrie Hurra. Selbst die Nonnen waren an die Fenster geeilt. Das erste Eiserne Kreuz war nach Düsseldorf gekommen, hierher in die Kaserne! Und der Glückliche, dem es verliehen wurde für besondere Bravour, war Unteroffizier Schmidt. Ja, das war einer! Der hatte gesagt, als sie die vom Feind besetzte Waldhöhe stürmten und der Zugführer zusammenbrach:„Nu, Kinder, druf wie Blücher! Aber erst wer ik mir noch eene ins Jesicht pflanzen!' Und er hatte seine Stummelpfeife angesteckt und dann war's losgegangen wie ein Donnerwetter, daß der Feind wich. Forts. f.) § Eine interessante Entscheidung ist in Wien ausgesprochen worden. Es handelte sich um einen kleinen Beamten, der, an und für sich schon geiziger und schikanöser Natur, seine Frau, einen äußerst sparsamen und tüchtigen Menschen, mit seiner Kleinlichkeit bis aufs Blut qualte. Sie durfte keine Mahlzeit ohne sein Beisein zubereiten, bekam von ihm die Lebensmittel bis aufs Gramm zugewogen, und wenn ja ein Stückchen Brot ohne seine Erlaubnis gegessen wurde, gab es die bittersten Vorwürfe. Seine gesamte Freizeit verbrachte der Mann in der Küche. Schließlich hielt es die arme Frau nicht mehr aus und beantragte die Scheidung. Das Gericht gab dem Antrage mit der Begründung statt, es könne der Frau die Fortsetzung der Ehe, bei den andauernden, ihr unberechtigterweise zugefügten Kränkungen nicht zugemutet werden. Der Beamte ging in die Berufungsinstanz, erfuhr aber auch hier eine Ablehnung, da er sich als ein ewig nörgelnder Tyrann erwiesen habe, mit dem keine Frau leben kann. Der Sturm hält einen Zug auf. Vor kurzem herrschte in der Oststeiermark während des Nachmittags ein orkanartiger Sturmwind, der an den Häusern und Obstkulturen schweren Schaden anrichtete. Bei der Ortschaft Uebersbach erreichte der Sturmwind eine derartige Gewalt, daß der von Fehring gegen Fürstenfeld fahrende Güterzug Nr. 5976 in seiner Fahrt behindert wurde. Ein besonders starker Windstoß riß einem in der Mitte des Zuges befindlichen Güterwagen das Dach los, dessen Trümmer unter den Zug gerieten. j. Von einer wunderbaren Rettung berichten die Holzarbeiter in den Wäldern am Forsmo in Angermannland=Distrikt(Schweden). Es handelt sich um einen ihrer Kameraden, einen gewissen Pettersson, der aus den Strudeln der Forsmo=Stromschnellen gerettet wurde. Das gefällte Holz wird in den Strom geworfen, der die Stämme über die Stromschnellen und Wasserfälle hinweg befördert, so daß das Holz ohne Kosten zum Sammelplatz transportiert wird. Häufig aber stapeln sich die Stämme an einer Stelle auf und bilden im Strom eine Barrikade. Pettersson war einer von den drei Arbeitern, die eine solche Barrikade aus dem Wege zu räumen hatten. Plötzlich brach der Stamm, der das Haupthindernis bildete, auseinander. Die zwei Kameraden Petterssons sprangen rechtzeitig zur Seite, Pettersson selbst aber wurde in den Strom hineingerissen. Zwischen den Hölzern schoß der Unglückliche über brausende Strudel hinweg zu den Wasserfällen, die der Forsmo etwas weiter abwärts bildet. Man sah ihn noch, wie er in den ersten Wasserfall hineingeriet. Bald hatte sich in der ganzen Umgebung des Stromes die Nachtricht vom Tode Petterssons verbreitet, als dieser unvermutet erschien, matt und bleich, mit Abschürfungen am rechten Bein, im übrigen unversehrt. Er hatte die Möglichkeit wahrgenommen, auf einen der Baumstämme zu klettern und sich an ihm während des Sturzes in den beiden Wasserfällen festgehalten. Über eine Meile war er durch die Stromschnellen mitgerissen worden, dann aber war es ihm geglückt, ans Ufer zu schwimmen. wb. Auf dem internationalen Mikrobiologen=Kongreß in Paris sprach Professor Calmette unter anderem über die Eignung des B. C. G.=Bazillus als unschädlichen Mittels gegen Tuberkulose und erklärte hierzu, daß in Frankreich in den letzten 6 Jahren 258 000 Kinder mit diesem Mittel geimpft worden seien. Da das Verfahren als solches als unschädlich erkannt worden sei, bestehe kein Grund, nicht alle Kinder, gleichviel aus welchem Milieu, damit zu impfen. X Zum Erdbeben in Italien liegen heute morgen noch ergänzende Drahtungen vor. Eine Sonderausgabe des Corriere della Sera meldete gestern abend, die Zahl der Toten in Süditalien ist auch mir 400 noch nicht annayerno erschöpft. Man muß leider damit rechnen, daß sich diese Zahl verdoppeln kann, denn ununterbrochen laufen neue Nachrichten ein. Auf den Liparischen Inseln sind allein 105 Menschen umgekommen. — Die neue Züricher Zeitung meldet aus Messina, in den Abendstunden des Mittwoch sei auch in Sizilien ein heftiger Erdstoß wahrgenommen worden. In Catania stürzten Häuser ein. Ein zweiter Erdstoß erfolgte in der 8. Abendstunde. In Messina und Palermo herrscht Panik, da eine erhebliche Verstärkung der Kratertätigkeit des Atna eingesetzt hat.— Basler Anzeiger meldet aus Rom, die amtlichen Berichte über den Umfang des Erdbebens fehlten gestern noch bis spät abends. In Rom gehen die wildesten Gerüchte um. Man befürchtet eine Katastrophe schwerster Art. Viele Schiffe vor dem Hafen Tarento sind untergegangen.— Die Pariser Blätter melden aus Korsika, daß auf der ganzen Insel Mittwoch früh mehrere mittelstarke Erdstöße in Richtung von Osten nach Westen erfolgten. In zahlreichen Städten wurden Verwüstungen angerichtet. In der Stadt Aleria gab es 23 Tote und viele Verletzte. w. Merkwürdige Sachen findet man unter den Städtenamen. Da gibt es auf einer Insel im Adriatischen Meer eine große Stadt ohne Vokale: Krk. und Oos bei Baden besitzt mehr Vokale als Konsonanten, und Oia auf Britisch=Borneo besteht nur aus Vokalen. O ja! Auf der Suche nach„langen“ Städten findet man sehr rasch, daß solche mit mehr als 15 Buchstaben sehr selten sind. Man fand trotz eifriger Arbeit nur achtzehn. Burglengenfeld in Bayern, Brauchitzschdorf in Schlesien, Ceradzkoscielny in Polen und Choiquenilahne in Chile kommen über 15 Buchstaben nicht hinaus und sind doch schon weiß Gott wie lang. Mit Berggießhübel und Dippoldiswalde ist ebensowenig„Staat“ zu machen wie mit Aglasterhausen, Handschuchsheim und Neuhaldensleben. Dagegen kann sich Heiligkreuzsteinach mit 18 Buchstaben schon sehen lassen. Das in Spanien liegende Puebla del Caraminal hat keinen Buchstaben mehr und ist dabei noch zusammengesetzt. Wer hört, daß es in Ungarn eine Stadt mit dem unaussprechlichen Namen Jaszfelsöszentgyörgy gibt, würde schwören, sie sei die „längste“ der Welt. Dabei hat sie einen Buchstaben weniger als Friedrichwilhelmshafen. Rechnet man„ch“ als zwei Buchstaben, dann sind es sogar 22! * * Allerlei Humor. Grenadier Krawutschke ist so ziemlich das blödsinnigste, was jemals als Rekrut die Kaserne verunziert hat. Besonders in der Instruktionsstunde leistet er an Dummheit das Unwahrscheinlichste. Unteroffizier Meyer hat sich die redlichste Mühe gegeben, ihm die Grundbegriffe soldatischen Wesens beizubringen, aber völlig vergebens. Als er auf eine ganz einfache Frage wieder einmal von Krawutschke eine vollkommen idiotische Antwort erhält, seufzt der brave Unteroffizier tief auf und meint:„Wissen Sie, Krawutschke, ich beneide Sie. Für Sie ist doch fürs ganze Leben ausgesorgt. Sie brauchen weiter nichts zu tun, als nach Hinter=Indien zu fahren und sich dem ersten besten Rhinozeros vorzustellen. Ich wette meinen Kopf: es adoptiert Sie auf der Stelle.“— Mißbrauch. Hein liest in der Zeitung herum. Käppen Piepenkopp steht an der Kaimauer und spuckt in regelmäßigen Abständen ins Wasser. Plötzlich fragt Hain: „Wat is dat?“ und liest vor:„Mißbrauch geistiger Getränke.“ Käppen Piepenkopp denkt angestrengt nach. Vergißt darüber sogar das Spucken. Nach einer Weile schiebt er sich die Mütze ins Genick und antwortet:„Dat is, wenn du Spiritus up eene Lamp füllst.“— Höflichkeitsaustausch. Zwei Herren sitzen zusammen in einem Eisenbahnabteil. Der eine zündet sich eine Zigarre an und hält sie dem anderen unter die Nase.„Was sagen Sie zu dieser Zigarre?"„Hm, sie riecht wie angesengte Schweinsborsten."„Wirklich? da bin ich wohl Ihrem Bart zu nahe gekommen?"— Der Hausknecht als Klavierspieler. Klavierlehrer:„Eines kann ich diesem reich gewordenen Hausknecht nicht abgewöhnen. Wenn er fortissimo spielen soll, spuckt er vorher immer in die Hände.“ Zwischen Hydra und Giftspinnen. Mensch und Tiergist.— Die Fangarme der Altinie.— Märchen um Skorpione.— Imker, die gegen Bienengist immun sind.— Stichtaren gegen Rheumatismus.— Mücken, die Hekatomben fordern.— Pfeilgist vom Färberfrosch. Viele, besonders pflanzliche Gifte, wirken in kleineren Mengen heilkräftig, in größeren schädlich, ja todbringend. Von tierischen Giften sind zur Tötung eines Menschen nur Bruchteile eines Gramms nötig. Sie wirken aber nicht sofort, sondern erst nach einer gewissen Inkubationsfrist. Ihre Wirkung hängt von verschiedenen Umständen ab. z. B., ob sie durch die Haut ins Blut oder durch die Verdauungswege in den Körper eindringen, schließlich vom Körpergewicht des Vergifteten, von der Gewöhnung und anderen Ursachen. Manche Tiere sind immun gegen Tiergift, z. B. der Igel, das Schwein, dessen blutgefäßarmer Fettpanzer die Gifte nur langsam dem Körper zuführt, der Nashornvogel, der die strychninhaltige Brechnuß genießt, oder der Ichneumon. Dann aber gibt es Tiere, die durch Krankheit oder Tod oder giftige Nahrung, etwa durch den Genuß von Nieswurz, selbst giftig werden. Der Leningrader Gelhrte E. N. Pawlowsky, der diese Tiere eingehend idiert hat, unterscheidet Gifttiere, die beim Angriff durch Stechen, Beißen oder Brennen verletzen, solche, die ohne Verletzung giftige Sekrete abscheiden, und Tiere, deren Genuß Vergiftungen hervorruft. Die einfachsten Schutzvorrichtungen findet man bei den Paramaecien (Infusorien), die winzige, spitze Stäbchen ausstoßen. Berührt man beim Baden zufällig Medusen, Quallen oder Polypen, so kann man durch ihre Nesselfäden wie durch Brennesseln schmerzhafte Hautreizungen davontragen. Von den über tausend Fangarmen einer Aktinie trägt jeder über vier Millionen reifer Nesselbläschen, welche die Aufgabe haben, die Haut des Beutetieres zu durchbohren und es zu lähmen. Ein solches Seetier, die Hydra, kann drei bis vier Zentimeter sange Lachse töten und ist auch für den Menschen gefährlich. Schwammfischer erkranken auf der Haut; Physolien können Menschen schwer verwunden. Unter den Landtieren sind zu nennen die im Süden vortommenden Skorpione. Ihr schmaler Schwanz hat am Ende einen gebogenen Stachel, der über den Körper nach vorn geschlagen wird, wobei das Tier aus einer wie ein Ölkännchen geformten Giftdrüse in das festgehaltene Beutetier Gift pumpt. Man kennt 500 Arten dieser Nachträuber, die Insekten und selbst die giftigen Tarantelspinnen fressen. Das Gift, von dem jeder Skorpion ein bis zwei Milligramm enthält, ist nicht genau erforscht. Es wirkt auch auf Menschen schädlich, manchmal tödlich; doch kann bei rechtzeitiger Anwendung von Serum Heilung erfolgen. Skorpione haben eine gewisse Immunität gegen ihr eigenes Gift, doch werden sie durch größere Dosen getötet. Der angebliche Selbstmord der durch glühende Kohlen eingekreisten Tierg ist durch nichts bewiesen. Versuche haben nur gezeigt, daß die Tiere in diesem Falle durch die Hitze in eine Art Starrkrampf verfallen, aus dem sie jedoch unversehrt wieder erwachen, wenn man sie in frischen Sand bringt. Neben diesem Gifttier südlicher Landstriche gibt es in unseren Breiten Brennraupen mit Nesselhaaren. deren Berührung Entzündung, besonders der Augenbindehaut, hervorruft. Bienen und Wespen haben einen Stachel, durch den eine giftige organische Verbindung, die aus einer sauren und einer akalischen Drüse gemengt wird, in die Wunde fließt. Ihr Gewicht beträgt etwa ein Fünfhundertstel des Bienengewichtes. Sie verletzen nur, wenn sie angegriffen oder bedroht werden, gehen beim Stich meist durch Verlust des Stachels zugrunde. Die Wespen dagegen lähmen ihre Beute durch Stiche und kämpfen selbst gegen Giftspinnen. Viele Imker können gegen das Gift immun werden; auch werden Stichkuren gegen Rheumatismus, Ischias, Podagra verordnet, wobei die Patienten allmählich an bis zu hundert Stichen täglich gewöhnt werden. Ameisen wehren sich durch Ausspritzen der ätzenden Ameisensäure. Viele Fische haben giftige Stacheln und Drüsen, die sich in Rinnen des Stachels der Flosse oder des Kiemendeckels befinden: so manche Haiarten, Stechrochen, Seeteufel, Drachenköpfe, Zauberfische, die in fernen Ländern leben, und die Petermännchen in Europa. Von Säugetieren ist als giftig nur das männliche Schnabeltier bekannt, das im Hinterfuß einen Sporn mit einer Giftdrüse trägt. Giftig sind viele Spinnenarten; besonders gefährlich die südamerikanischen Vogelspinnen, die gelegenlich mit Waren nach Europa eingeschleppt werden und selbst kleine Säugetiere töten. Die europäischen Kreuzspinnen sind weniger giftig; dagegen sind die argentinische Podadora und besonders die in Rußland und Italien oft anzutreffende Karakurte, überaus gefährlich, an deren Biß im Gebiet der unteren Wolga innerhalb zweier Jahre 70000 Rinder, andere Haustiere nicht gerechnet, eingingen und zahlreiche Menschen starben. Ihre Feinde sind Schafe und Schweine, die sie ohne Schaden fressen. Im Gegensatz zur landläufigen Ansicht sind die Wolfsspinnen oder Taranteln nur selten. Milben und Zecken, die sich an Tieren festsaugen, haben einen giftigen Speichel, der Juckreiz erregt, von Mückenarten ist besonders die an der unteren Donau lebende Kolumbaca gefährlich, der im Jahre 1923 in Rumänien über 16 400 Rinder und mehr als 2800 Schweine zum Opfer fielen. Die in Mexiko lebenden Krusteneidechsen können auch beim Menschen Vergiftungserscheinungen hervorrufen, die monatelang andauern können. Die bekanntesten Giftträger sind die Schlangen, die aus Giftdrüsen das Gift durch hohle oder gefurchte Zähne in die Wunde fließen lassen. Die wirksamen Bestandteile dieser kompliziert zusammengesetzten Gifte sind das Neurotoxin und Hämorrhagin. Die natürlichen Feinde der Schlangen sind Igel, Schweine, Ichneumon, Mungo, der in Afrika heimische Sekretärvogel und die in Brasilien lebende Musuraschlange. In Indien starben im Jahr 1911 50 000 Menschen und 10 500 Rinder an Schlangenbiß. 171000 Schlangen wurden getötet. In Brasilien werden jährlich 24 000 Menschen verletzt, davon 4800 tödlich. Die Behandlung erfolgt am sichersten durch die Heilsera, die in zahlreichen Instituten der ganzen Erde, z. B. auf der bekannten Schlangenfarm in Butantan (Brasilien) gewonnen werden. Sie wirken immer nur gegen das Gift einzelner Schlangengruppen; universell wirksame kennt man noch nicht. Viele Tiere besitzen keine Verwundungswaffen, sind aber durch giftige Ausscheidungen gegen das Schicksal geschützt, aufgefressen zu werden, wie etwa die Sandassel, der Paederuskäfer in Algerien und Astrachan. Der Salamander enthält Gifte in Hautdrüsen; die wirksamen Bestandteile des Krötengiftes sind Butotalin und Bufotin. Die Pfeilgifte der Indianer stammen vom Färberfrosch, der sie an der Haut ausscheidet. Manche Insekten können ihr Blut, das giftig ist und im Tierversuch kleine Tiere tötet. bis zu 50 Zentimeter weit spritzen. Manche Fische enthalten giftige Bestandteile, so in Japan der Mefubu und Kitamakura, die im Rogen und in den Eingeweiden Tetrodensäure haben. Jährlich sterben auf diese Weise zahlreiche Menschen. Zufällig giftig können Austern werden, die in fauligem Stauwasser leben, sich jedoch in frischem nach drei bis vier Monaten erholen. Selbst Honig kann gelegentlich durch Stachelgift der Bienen oder durch deren Fütterung mit bestimmten Pflanzen giftig werden. Das Cantharidin der spanischen Fliegen, das fälschlicherweise als Aphrodisiacum angesehen wird, ruft starke Entzündungen hervor; 30 Milligramm dieses Giftes können einen Menschen töten. Provinzund Nachbarschaft n. Finnentrop, 24. Juli. Der Ausschuß für Naturschutz im Sauerländer Heimatbund beklagte sich in einer Tagung sehr darüber, wie die Bigge immer meyr verschmutzt würde. Eine Denkschrift über die unhaltbaren Zustände soll den Behörden bald zugehen. Oberförster Trümper, Meschede referierte über die Frage des Waldschutzes. Auch wurde die Verschandelung der Landschaft durch die Reklame sehr gerügt. Man erwartet, daß die Behörden mehr als bisher dieser Unsitte entgegentreten. ss. Meggen, 24. Juli. Ganz unheimlich mehrten sich etwa seit Jahresfrist die Diebstähle, nächtlichen Einbrüche usw. hier und in der Umgegend. Die eifrigen Bemühungen der Polizei blieben leider bisher erfolglos. Da kommt ihr ein Zufall zu Hilfe, und eine ganz überaus tätige und gemein=gefährliche Diebesbande, deren Mitglieder aus verschiedenen Orten stammen sollen, wird gestellt. Einem dieser Gesellen brennt das fremde Gut, ein Sprechapparat und Radioteile, herrührend aus einem nächtlichen Einbruchsdiebstahl im Geschäft Kappe in Grevenbrück, auf der Seele. Er schickt alles dem Eigentümer zurück, verwendet dabei aber Einschlagpapier mit einer bekannten Aufschrift. Die benachrichtigte Polizei nahm die Spur auf. Haussuchungen förderten allerlei zutage, wie Grammophone, Radio=Artikel, Photos, Fahrräder und Teile davon, Wildfleisch, Gewehrmunition und sogar — Dynamit. Die Gesellschaft hatte noch allerlei vor. Mit Hilfe des gefundenen Sprengstoffes sollten einige Geldschränke geöffnet werden. Der Sprengstoff soll auf einer hiesigen Grube entwendet worden sein. Es ist wirklich ein Glück, daß das Treiben der gemeingefährlichen Bande aufgedeckt ist. Ein Mitglied sitzt hinter Schloß und Riegel, der Haupttäter ist trotz des Polizeiaufgebotes leider flüchtig geworden; er nahm die Flucht über den Dachboden seiner Wohnung, als die Polizei bereits unten im Hause war und die Verhaftung vornehmen wollte. Man ist ihm aber schon wieder auf der Spur. n. Attendorn, 24. Juli. Wie Olpe seine Agathaprozession und=feier hat, in der die von den Vätern im Mittelalter gegebenen Gelübde gewissenhaft gehalten werden, ebenso ernsthaft nehmen es die Attendorner mit der Erfüllung des Brandgelübdes. So fand denn am vergangenen Sonntage die Brandprozession in der feierlichsten Weise statt. Die Geschichte meldet über die Brände folgendes:„Im Jahre 1613 stellte sich wiederum die Pest ein und gleichzeitig legte eine gewaltige Feuersbrunst die Hälfte der Häuser in Asche; 1656 beschleunigte den Niedergang der Stadt ein gleich großer Brand, der auch die Pfarrkirche zerstörte. 1710 brach eine Feuersbrunst aus, die 52 Häuser einäscherte. Noch verheerender waren die Brände von 1737 und 1742. Der furchtbarste aller Brände folgte 1783, wo rund 35 bis 40 Häuser verschont blieben.“ Von diesem Zeitpunkt an ist die Brandprozession Jahr für Jahr gehalten worden. k. Olpe, 24. Juli. Nach dem Stande vom 1. Mai 1930 zählte der Kreisaufsichtsbezirk Olpe, das ist der Kreis Olpe ausschließlich des Amtes Kirchhundem, 7697 Schulkinder. Gegen das Vorjahr ist eine Zunahme von 358 Schülern zu verzeichnen. Nach dem Bekenntnis verteilen sich die Kinder wie folgt: Es sind 444 landeskirchlich evangelisch, 1 sonst evangelisch, 2 jüdisch, 3 religionslos und 7247 katholisch. Die Schüler werden in 67 Volksschulen unterrichtet. Im einzelnen sind die Schulen folgendermaßen gegliedert: 2 Halbtagsschulen, 18 einklassige Schulen, 22 zweistufige Schulen, 1 Schule mit 3 Klassen und 2 Lehrern, 14 dreistufige, 4 vierstufige, 1 fünfstufige, 2 sechsstufige, 2 siebenstufige und 1 achtstufige Schule. Die Schüler wurden unterrichtet in 195 Klassen von insgesamt 191 Lehrkräften, und zwar von 124 Lehrern und 67 Lehrerinnen(einschließlich zweier technischer Lehrerinnen). Die 195 Klassen sind in 157 Klassenzimmern untergebracht. Es fehlen mithin, wenn für jede Klasse ein Klassenzimmer angesetzt wird, 38 Räume. Durch Schulneubauten sind seit dem Jahre 1922 50 Klassenzimmer neu geschaffen. -h- Saalhausen(Kr. Olpe), 24. Juli. Fast keine Sitzung des Siegener Schöffengerichts vergeht, ohne daß nicht einige Fälle von Körperverletzung mittels Messers zur Verhandlung kämen. Das Gericht spricht in letzter Zeit exemplarische Strafen gegen diese Messerhelden aus. Der 1906 geborene Fabrikarbeiter Bernhard Sch. von hier ist vom Schöffengericht in Siegen wegen gefährlicher Körperverletzung mittels eines Messørs zu 8 Monaten Gefängnis verurteilt worden. Gegen das Urteil hat Sch. Berufung eingelegt. Am 2. März ds. Is. feierte der Turnverein Saalhausen in der Schützenhalle ein Fest. Als der Angeklagte gegen Mitternacht in angetrunkenem Zustande mit dem Josef Trilling Streit bekam, wurde er auf Anweisung des Vorstandes aus dem Saale gewiesen. Kurz darauf verließ ein Mönig mit seiner Braut gleichfalls den Saal. Mit diesen beiden Personen traf der Angeklagte vor der Halle zusammen. M. versuchte, den Sch. von seinem Vorhaben, wieder in die Halle zu gehen, abzuhalten. Als Sch. auf den M. eindrang, versetzte ihm dieser einen Tritt. Sogleich drang Sch. auf den M. ein und brachte ihm zwei Stiche in den Arm bei. Erst durch das Eingreifen anderer Personen wurde Sch. von weiteren Tätlichkeiten abgehalten. Das Schöffengericht in Siegen hatte mit Rücksicht auf das stetige Zunehmen der Messerstechereien auf acht Monate Gefängnis erkannt. Nur hohe Strafen könnten abschreckend wirken. Das Berufungsgericht, die Große Strafkammer in Arnsberg, sah die Sache etwas milder an und ermäßigte die erkannte Strafe auf 4 Monate Gefängnis. Auf den Antrag des Verteidigers, dem Angeklagten die bedingte Begnadigung zuzubilligen, beschloß das Gericht, die Entscheidung hierüber dem ersten Richter zu überlassen. fpd. Limburg a. d. L., 24. Juli. Dem Vernehmen nach plant die Reichsbahn die Aufhebung der beiden D=Züge auf der Strecke Gieken— Trier. Es handelt sich um den Zug D 245 und D 246. Gegen diesen Plan, der mit dem Eintritt des Winterfahrplanes verwirklicht werden soll, machen die interessierten Verbände, Körperschaften und Einzelfirmen bereits lebhafte Propaganda. Man bezeichnet die Maßnahme der Reichsbahn einfach als unverständlich. Der Kreistag von Cochem hat sich in öffentlicher Sitzung in schärfster Weise gegen die Pläne der Eisenbahn ausgesprochen. Er weist vor allem darauf hin, daß vom Winter ab nach dem Fortfall der D=Züge auch die einzige Verbindung zwischen dem äußersten Südwesten des Reiches mit der Reichshauptstadt verloren geht. Kleine Provinznachrichten. In Hohenlimburg wurde ein stadtbekannter älterer Herr, der sich nachts in Begleitung mehrerer junger Leute nach Hause begab, von diesen aufgefordert, sein Geld herzugeben. Als er sich zur Wehr setzte, vermißte er hinterher seine Taschenuhr, die dann auch nach erfolgter Anzeige hin bei einem der nächtlichen Begleiter beschlagnahmt werden konnte. X Ein Drehorgelspieler hatte am Dienstag abend in Essen eine Wirtschaft besucht, wo sich zwei Männer zu ihm setzten. Diese forderten Bezahlung einer Lage Bier, was aber verweigert wurde. Gegen 24 Uhr trat der Drehorgelspieler den Heimweg an. Plötzlich wurde er von hinten an die Kehle gegriffen und ihm gewaltsam die Geldbörse mit 36 Mark Inhalt aus der Hosentasche herausgenommen. Trotz energischer Gegenwehr konnten die Täter mit der Beute unerkannt entkommen. X Am Mittwoch morgen wurde auf der Bahnstrecke Essen=Wattenscheid am Bahnhof Wattenscheid die Leiche einer unbekannten Frauensperson aufgefunden. Der Tod ist in der Nacht zum Mittwoch durch Überfahren von einem in der Richtung Essen=Wattenscheid fahrenden Zuge eingetreten. Bei der Toten handelt es sich um eine Frau im Alter von 20 bis 26 Jahren. X Im Kreisort Niedergrundau grassiert beleits seit einigen Monaten der Mumps(Ziegenpeter) in besorgniserregendem Maße. Während es anfangs nur Kinder waren, die von der heimtückischen Krankheit befallen wurden, mehren sich nunmehr auch die Fälle, in denen Erwachsene unter den gleichen Erscheinungen erkranken. X Ein unglaublicher Vorfall ereignete sich am Dienstag abend in Rheinhausen. Zwei Knaben im Alter von 10 und 8 Jahren hatten Streit bekommen und schlugen aufeinander los. Im Verlauf des Streites holte sich der 10jährige Knabe ein Küchenmesser und versetzte seinem Gegner mehrere Stiche in den Kopf und das Gesäß. Die Verletzungen des gestochenen Jungen waren so schwer, daß er sofort ärztlicher Behandlung zugeführt werden mußte. X Das katastrophale Erdbeben in Unteritalien wurde auch von den Seismographen der Erdbebenwarte auf dem Kleinen Feldberge vermerkt. Die Registrierung fand statt zuerst um 0,11,13 Uhr, der zweite heftigere Stoß folgte um 0,12,59 Uhr, die größten Ausschläge erfolgten sodann gegen 0,17 Uhr. Erst gegen 4 Uhr kamen die Apparate zur Ruhe. X Bei Rißbach(Mosel) löste sich von einer Bergkuppe ein etwa 100 Zentner schwerer Felsblock los, rollte durch die Weinberge und zersprang auf der Straße, so daß der Straßenverkehr bis zur Beseitigung des Hindernisses eingestellt werden mußte. X In Rehborn wurden aus Anlaß des Kriegerfestes mehrere Böllerschüsse abgegeben. Dabei versagte ein Schuß. Als der Schriftsetzer Deiler nach der Ursache sehen wollte, löste sich plötzlich die Ladung und zertrümmerte dem jungen Mann den Kopf buchstäblich. X Bei Simmern fanden Kinder eine männliche Leiche. Die polizeilichen Feststellungen ergaben, daß der Tote Selbstmord verübt hatte. Als Grund zu der Tat wurde in einem hinterlassenen Brief Arbeitslosigkeit angegeben. Der Name des Toten konnte bisher noch nicht ermittelt werden. X In Emmerich wurde ein Schwert französischen Ursprungs aus der Zeit von 600 bis 700 n. Chr. gefunden. Der seltene Fund befindet sich jetzt im Emmericher Museum. Deutsches Bundesschießen. Die Hauptwoche jedes Bundesschießens wird eingeleitet mit der Übergabe des Bundesbanners. das drei Jahre lang in der Obhut der festgebenden Stadt verbleibt. Diese feierliche Übergabe erfolgt diesmal am Samstag, 26. Juli, um 6 Uhr nachmittags vor dem Staatenhaus auf dem Ausstellungsgelände. Kurz nach 5 Uhr trifft das Banner im Kölner Hauptbahnhofe ein, wird dort entfaltet, und von mehreren Schützen aufgerichtet. So unglaublich es auch ist, es müssen mehrere kräftige Männer zupacken, um das Symbol des Deutschen Schützenbundes aufzurichten, denn es wiegt 1½ Zentner. Das Fahnentuch stammt aus dem Jahre 1862 und zeigt die großdeutschen Freiheitsfarben schwarz=rot-gold. Draußen auf dem Bahnhofvorplatz nimmt ein festlich geschmückter Ehrenwagen das Banner auf und bringt es in feierlichem Zuge nach Deutz zum Mittelbogen des Staatenhauses. Alle Kölner Schützenkönige geben dem Wagen das Ehrengeleit. Hundert stämmige Schützen aus Oberbayern, die bisherige Wache des Banners, umringen den Zug und bringen die farbenfreudige Note ihrer Uniformen und Trachten in das Kölner Straßenbild. Inzwischen haben Behörden, Schützen und Zuschauer vor dem Staatenhaus Aufstellung genommen. Nach einer kurzen Ansprache des Bundesvorsitzenden übergibt Oberbürgermeister Scharnagl von München, Hüter des Banners seit dem Jahre 1927, das wertvolle Symbol dem Oberbürgermeister der Stadt Köln. Mit dem Versprechen, gleichfalls treuer Hüter zu sein bis zum nächsten Bundesschießen im Jahre 1933 übernimmt Dr. Adenauer das Banner und läßt es durch sechs Kölner Schützen emporheben. Im gleichen Augenblick braust das DeutschlandLied mächtig dahin, hallt durch die Anlagen und über den Rhein. a Aus Stadt und Land Stadt Siegen Die Hundstage. Wir haben die„Hundstage“ heuer eigentlich schon genossen im ungewöhnlich heißen Juni. Aber es stehen uns noch welche bevor, die kalendarischen Hundstage vom 24. Juli bis 24. August. Den etwas sonderbaren Namen haben diese Tage von dem Stern Sirius, dem hellsten aller Fixsterne, aus dem die Sonne in das Zeichen des Löwen tritt. Daher heißt es:„Die größte Hitz entsteht, wenn die Sonn in den Löwen geht“. Der Stern Sirius wird nach der lateinischen Bezeichnung„canicula“ auch, allerdings weniger poetisch, Hundsstern genannt. Schon Plinius erwähnt in seiner„Naturgeschichte“ die Zeit der Hundstage, doch kannten schon viel früher die Agypter und Araber diese Periode der heißesten Jahreszeit, welche die Zeit vom Frühaufgang des Sopet, jetzt Sirius, bis zum Frühaufgang eines anderen, ebenfalls hellen Fixsterns, des Arktus, umfaßte. Der Hundsstern ist schon bei Homer das verhängnisvolle Zeichen, das den Menschen eine Hitzewelle bringt:„Hell zwar glänzt er hervor, doch zum schädlichen Zeichen geordnet; denn er bringt ausdörrende Glut den elenden Menschen“ heißt es in der Ilios. Nach altem Volksglauben soll das Wetter beim Eintritt der Hundstage darüber entscheiden, wie sich das Wetter in den nächsten Wochen gestaltet. So heißt es in einem uralten Bauernspruch:„Treten die Hundstage gut ein, so wird vier Wochen gutes Wetter sein“. Wie die Hundstage eingeleitet werden, so gehen sie aus. Beginnen sie mit Hitze, enden sie auch mit Hitze, beginnen sie aber mit Regen, enden sie auch so.„Hundstage hell und klar, deuten auf ein gutes Jahr, werden sie aber Regen bedeuten, dann kommen keine guten Zeiten“. Vor den Hundstagen hatte man früher einen Mordsrespekt. Die Kinder trauten sich nicht zu baden, denn das Wasser sollte gerade um diese Zeit seine Opfer fordern. Die Bauern wagten kein neues Unternehmen, besonders auch keine Operation und kein Aderlassen, da die Hundstage kein Glück bringen sollen. uns With an dem gestabend neue Fahne der hiesigen Vereinigung Fahne ist im Schaufenster Markt Siegen, 24. Juli. Mit Unterstützung des städtischen Schulamtes findet in der Zeit von Samstag, 26. Juli, bis einschließlich Dienstag, 29. Juli, in der Turnhalle Frankfurter Straße die 1. Deutsche Kolonial=Wanderausstellung statt. Die Ausstellung besucht alle größeren Städte Deutschlands und findet überall Anklang, soll sie doch den deutschen Kolonialgedanken fördern und beleben. Es ist eine deutsche Tat, wenn durch sie die großen Verdienste der deutschen Kolonisten hervorgehoben werden, die sonst in der heutigen Zeit in Vergessenheit geraten. Daher empfehlen auch die Ministerien und Regierungen diese Veranstaltung. Die Ausstellung ist geöffnet an den Werktagen von 8 bis 20 Uhr, am Sonntag von 10 bis 18 Uhr. Da durch die Siegener Schulen, die alle die Ausstellung besuchen, die Vorund Nachmittage belegt sind, empfiehlt es sich für Erwachsene, die Abendstunden von 18 bis 20 Uhr und den Sonntag zur Besichtigung zu benutzen. Erwachsene zahlen 40 Pfg. und Schüler 20 Pfg. Eintritt. * Siegen, 24. Juli. Anfangs August wird die staatliche Polizeischule in Münster unsere Stadt besuchen. Neben 30 Offizieren und Beamten erwartet man 600 Anwärter, die in unserer Stadt Quartier machen werden. Von hier geht es nach Wissen und von da an den Rhein. Man wird hier ein Massenquartier bereit stellen. * Siegen, 24. Juli. In der Nähe des Kaisergartens stießen heute vormittaa zwei Kraftwagen zusammen, die in Klafeld und Niederschelden beheimatet waren. Glücklicherweise gab es nur Sachschaden. ** Siegen, 24. Juli. Die Wiedersehensfeier der ehemaligen 88er, die in Verbindung mit dem diesjährigen Kriegerfest stattfindet, verspricht einen recht glanzvollen Verlauf zu nehmen. Der frühere Oberst des Regiments Rogge wird bei dieser Gelegenheit hier erwartet und wird an dem Festabend im Kaisergarten die weihen. Die prächtige 45 ausgestellt. Die Traditionskompagnie des Regiments wird mit 14 aktiven Mannschaften vertreten sein. Ein Feldgottesdienst, der mit einer Gefallenenehrung verbunden sein wird, soll am Sonntagvormittag auf dem alten Friedhof in der Hundgasse abgehalten werden. Ein Empfangsbüro, das die Fest= und Quartierkarten für die ankommenden Gäste ausgibt, ist im Hotel Huthsteiner eingerichtet. Die Wiedersehensfeier wird sich sonst im großen und ganzen in den Rahmen des Kriegerfestes einfügen. Ein besonders glänzendes Bild wird der Festzug am Sonntagnachmittag darbieten. An die Bürgerschaft ergeht nochmals die Bitte, die vielen auswärtigen Gäste durch Ausschmückung der Häuser zu ehren. * Siegen, 24. Juli. Die Ortsgruppe Siegen ehem. 143er nimmt an der Wiedersehensfeier der 88er teil. Die Kameraden treffen sich so zeitig im Vereinslokal, daß die Kriegervereins= oder Soldatenmütze mit einem einheitlichen Bande versehen werden kann. Antreten Sonntags 2 Uhr. Nächste Versammlung Sonntag, 10. August, 3 Uhr, in Kaan, Wirtschaft Daub, vorgesehen als Familienausflug. + Siegen, 24. Juli. Aus dem Siegerlandgau nahmen verschiedene Turner am Wettkampf auf dem Harkortberge teil, von denen Ferdinand Müller im Altersturnen und Willi Grebe und August Krebs im Vierkampf, alle vom Siegener Turnverein, Sieger wurden. ** Siegen, 24. Juli. Das Elektrizitätswerk Siegerland hat den Zorn der Altenkirchener Radiohörer in hohem Grade entfacht. Das „Altenk. Kreisbl.“ schreibt folgendes:„Die Empörung der Bevölkerung wegen Ausschaltung des elektrischen Stromes am Sonntag gerade in dem Augenblick, als die Radiohörer die Rede des Reichspräsidenten von Hindenburg anhören wollten, ist berechtigt. Der gegen die Städtischen Betriebswerke gerichtete Zorn wendet sich aber an die falsche Adresse. Die Ausschaltung des Stromes ist, wie jeden 3. Sonntag im Monat, aus betriebstechnischen Gründen durch das Elektrizitätswerk Siegerland erfolgt. An die Radioübertragung der Rheinlandfeiern zu dieser Zeit hatte natürlich kein Mensch gedacht. Das war ein Fehler! Denn schließlich können die Stromabnehmer, die doch die Träger des Werkes sind, Rücksichten verlangen. Die Feierstunden am Rhein waren begründeter Anlaß zu solcher Rücksichtnahme.“— Man muß eben heutzutage an alles denken, aber wir zweifeln daran, ob es ein Elektrizitätswerk mit seinen Tausenden von Abnehmern jemals allen recht machen kann. Landkreis Siegen * Aus dem Kreise, 24. Juli. Nachdem in den letzten beiden Jahren die Maul- und Klauenseuche fast verschwunden war, tritt sie in diesem Jahre unter dem Rindvieh wieder stark auf. Die Landwirte tungut, ihre Ställe möglichst geschlossen zu halten, damit fremde Personen sie nicht betreten können. Eine gewisse Sicherheit gegen die Seuche bietet eine Schutzimpfung. * Eiserfeld, 24. Juli. Die breiten Rillenschienen der Eisern=Siegener Eisenbahn, die manchem Rad= und Motorradfahrer schon zum Verhängnis geworden sind, werden jetzt beseitigt. Die Straßenüberquerung oberhalb des Bahnhofs Eiserfeld ist schon fertiggestellt, während die Überquerung in der Bogenstraße jetzt in Angriff genommen ist. Die Schienen werden herausgenommen, aneinandergeschweißt, neu gebettet und mit neuen Leitschienen versehen. Die Arbeiten werden von der Firma Weyland& Höfer, Siegen, ausgeführt. Nach Fertigstellung der letztgenannten Baustelle wird die Bahnüberquerung in der Bahnhofstraße bei der Wirtschaft Sturm in Angriff genommen werden. * Wilnsdorf, 24. Juli. Eine außerordentliche Hauptversammlung des S. G. V. Abt. Wilnsdorf fand im Saale des Gastwirts Herbert Schmidt hier unter dem Vorsitz des ersten Vorsitzenden San.=Rat Dr. Schneider statt. Die Tagesordnung wurde wie folgt erledigt. Zunächst gab der Vorsitzende bekannt, daß der zweite Vorsitzende der Abteilung, Bürgermeister Richardt, in aller Kürze das Amt Wilnsdorf verlassen werde. Er sprach dem Scheidenden den Dank für die im Verein geleistete Arbeit aus und beglückwünschte ihn herzlichst zu seinem neuen Amte. Bürgermeister Richardt dankte dem Vorsitzenden für die ihm gezollte Anerkennung. Was er für den Verein getan habe, sei eine Selbstverständlichkeit gewesen, er habe das stets mit Freuden getan. Wenn er jetzt auch scheide, so seien seine Gedanken noch immer bei der Abt. Wilnsdorf, der er auch weiterhin ein Aufstreben wünsche.— Der Vorsitzende gab bekannt, daß mit Genehmigung des Hauptwanderausschusses die Hauptwanderstrecke 19 zwischen Rödgen und Wilnsdorf von der Landstraße weg in den Hauberg verlegt worden sei, und zwar auf den sogenannten„alten Postweg“. Er dankte der Wegekommission für die geleistete Arbeit. Der zum Landeskroner Weiher führende, im vorigen Jahre aufgehauene Weg soll neu beschildert werden In Kürze sollen einige Wanderungen gemacht werden, mit denen die Erneuerung der Wegezeichen auf der Hauptwanderstrecke 19 bis Dillenburg verbunden werden soll Ebenso soll ein jetzt neu angelegter Separationsweg von Wilgersdorf bis zum Höhenweg Siegerland auf der Haincher Höhe neu gezeichnet werden. re. Niedersetzen, 24. Juli. Der Bau der Gemeindewasserleituna oder vielmehr die zwei ersten Lose, die die Herstellung von Sammel= und Hochbehälter, sowie die Leitung bis ans Dorf in sich schließen, sind dem Tiefbauunternehmer Gotthardt in Niederschelden unter dem Vorbehalt übertragen worden, daß die vorkommenden Maurerarbeiten von ihm aus weiter der Firma Berg u. Völker zugewiesen werden, auch sind die Arbeitslosen der Gemeinde in erster Linie zu beschäftigen. Der Hochbehälter soll 50 Kubikmeter fassen, da man mit diesem Quantum Trinkwasser als Tagesverbrauch reichlich auszukommen hofft. b Freudenberg, 24. Juli. Nachdem am Freitagabend eine Kundgebung der Ortsgruppe Freudenberg des Stahlhelms anläßlich der Aufhebung des Stahlbelmverbotes stattgefunden hatte, tagte am Dienstag die erste Versammlung der Ortsgruppe in ihrem Heim. In der Leitung der Ortsgruppe hat ein Wechsel stattgefunden. Der bisherige Ortsgruppenführer Artur Siebel hat sein Amt uiedergelegt, da er anderweitig mit Arbeiten zu sehr belastet war. Mit seiner Stelle wurde der Kamerad Wilhelm Haas betraut. Letzterer erstattete den Bericht über die stattgefundene Führertagung in Siegen. An der demnächst in Siegen stattfindenden Gauveranstaltung soll geschlossen teilgenommen werden. Der Jungstahlhelm fährt auf Fahrrädern dorthin. Auch soll der diesjährige Reichsfrontsoldatentag am 14. und 15. Oktober in Koblenz zahlreich besucht werden. Hierfür wird eine Reisekasse gegründet und zu deren Verwalter Kamerad Stutte bestimmt. Mit Absingen des Stahlhelmbundesliedes wurde die Versammlung geschlossen. Altenkirchen * Kirchen, 24. Juli. Der Steinbrucharbeiter P. M. aus Elkenroth wird der Körperverletzung in zwei Fällen beschuldigt, indem er einem 20jährigen Mädchen aus Elkenroth Wasser und heißen Kaffee ins Gesicht schüttete und dessen Bruder, der bei der Betriebsleitung Anzeige erstattete, mit einem Besen und durch Fußtritte mißhandelte. Aus der Beweisaufnahme ist zu schließen, daß es sich um eine kleine Neckerei handelte, wodurch dem Angeklagten seine Stellung verlustig ging. Das Urteil lautete wegen Körperverletzung in zwei Fällen auf eine Geldstrafe von 35 Mark.— Der Hilfsarbeiter K. T. aus Mudersbach hatte ein Motorrad ohne Führerschein gefahren, weshalb er von einem Polizeibeamten zur Anzeige gebracht wurde. Da der Angeklagte schon zweimal wegen desselben Vergehens vorbestraft ist, wurde er zu zwei Wochen Gefängnis verurteilt. I. Wissen, 24. Juli. Die Arbeiten an dem Bau der Ferngasleitung Siegen—Kirchen—Wissen gehen jetzt dem Ende entgegen. Man hat die Leitung bis Katzwinkel durchgebaut. Eine weitere Leitung wird demnächst von der Ponscheid bis zum Walzwerk gelegt werden, da auch das Weißblechwerk und die Alfredhütte der Vereinigten Stahlwerke Aktiengesellschaft an die Ferngasleitung angeschlossen werden. In den nächsten Tagen sollen die Arbeiten beendet werden und die noch in Arbeit stehenden Arbeiter zur Entlassung kommen. Dillkreis )( Weidelbach, 24. Juli. Die starke Zunahme der Bevölkerung in unserem Ort zwang zur Einrichtung einer zweiten Lehrerstelle. Eine Klasse hat man in dem neuerbauten Vereinshaus untergebracht, die andere bleibt in der alten Schule. Der Plan des Neubaues einer Schule schwebt schon seit langen Jahren. Leider lassen es aber zurzeit die Geldmittel nicht zu, dem Plan näher zu treten. )( Dillenburg, 24. Juli. In der Nacht zum Mittwoch erbrachen Diebe den Schaukasten der Uhrenhandlung Weber in der Hindenburgstraße und entwendeten hier Uhren im Gesamtwerte von 80 Mark. Sie begaben sich daraufhin zur Güterabfertigung, wo sie nach Zertrümmerung eines Fensters in den Kassenraum eindrangen. Die Einbrecher versuchten, den Kassenschrank und den Wandtresor zu sprengen. Während der Kassenschrank ungeöffnet blieb, konnte der Tresor geöffnet werden. Geld fanden die Diebe jedoch keins. ain din Diese Veröffentlichungen dienen dem Meinungsaustausch unter den Lesern. Die Redaktion steht dem Inhalt fern und übernimmt nur die pretzgesetzliche Verantwortung. Betr. Deutschlandlied. Alle, die Gelegenheit hatten, die übertragung durch Radio der Befreiungsfeier in Koblenz mitanzuhören, werden mit Ergriffenheit nach den Worten des Herrn Reichspräsidenten das Erklingen des Deutschlandliedes mitangehört haben. Abgesehen von der besonderen Weihe des Augenblicks, die jeder hierbei empfand, wurde jedes musikalische Herz angenehm durch die instrumental und besonders in bezug auf den Takt musterhafte Begleitung des Deutschlandliedes erfreut.. Es ist außerordentlich bedauerlich, daß im Gegensatz hierzu, die Begleitung des Deutschlandliedes in Siegen, sooft es als Abschluß einer Feier erklingt, in marschartigem Tempo heruntergejagt wird, so daß man eher den Eindruck eines Schlußmarsches, als den der Endkrönung einer Feier hat. Infolgedessen sieht man auch immer wieder, daß ein Teil der Teilnehmer mit den Hüten auf den Köpfen dieses Lied— ich muß leider sagen— herunterleiern. Wenn sich auch dieses Benehmen in keiner Weise entschuldigen läßt, so könnte doch die Musik selbst etwas erzieherisch mitwirken indem sie dieses uns wirklich zum Heiligtum gewordene Lied in entsprechend weihevoller Art vorträgt und durch eine Art von musikalischer Suggestion einen jeden zwingt, sein Haupt zu entblößen und mit Andacht mitzusingen. Gerade dieses Lied sollte immer wieder Gegenstand der Musikproben sein, damit es im rechten Augenblick seine ganze Schönheit und Weihe entfalten kann. Ein vaterlandsliebender Musikfreund, den Gerichtssälen. Vor dem Schöffengericht Siegen hatte sich der Invalide Peter J. aus Siegen wegen Sittlichkeitsverbrechens zu verantworten. Die Anklage wirft ihm vor, mit der 9jährigen Maria Pf. unzüchtige Handlungen vorgenommen zu haben. Wegen Gefährdung der guten Sitten fand die Verhandlung hinter verschlossenen Türen statt. Sie endete mit der Verurteilung des J. zu einer Gefängnisstrafe von 6 Monaten.— Der Fabrikant Friedrich Sp. aus Lambroth bei Dotzlar befand sich in Geldverlegenheit. Da er nirgends Geld auftreiben konnte, versuchte er es auf betrügerische Art und Weise. Am 29. 10. 29 veranlaßte er den Landwirt und Maurer Heinrich M. in Richstein unter der falschen Angabe, die Firma Sch. in Cronenberg habe sich bereit erklärt, den Wechsel einzulösen, einen Finanzwechsel in Höhe von 550 RM. zu unterschreiben. Als der Wechsel fällig wurde, weigerte sich die Firma Sch., die eine Verpflichtung zur Einlösung des Wechsels nicht übernommen hatte, den Wechsel zu bezahlen. Die Darlehnskasse in Arfeld löste dann den Wechsel ein, belastete aber dem Zeugen M. sein Konto mit dem Betrage von 550 RM. Sp. bestritt, sich strafbar gemacht zu haben, er wollte nach seinen Angaben niemand betrügen. Die Beweisaufnahme überführte ihn jedoch des Betruges. Er wurde zu 2 Monaten Gefängnis kostenpflichtig verurteilt.— Der Schreiner Otto N. aus Siegen setzte den Polizeihauptwachtmeistern Mö. und G., die die Aufgabe hatten, den Haupteingang zu dem damals hier gastierenden Zirkus Barum frei zu halten, Widerstand entgegen, indem er der Aufforderung der Beamten, den Eingang frei zu machen, nicht nachkam und schließlich die Beamten tätlich angriff. Er wurde wegen Widerstandsleistung zu einer Geldstrafe von 30 RM. oder 6 Tagen Gefängnis kostenpflichtig verurteilt.— Unter Ausschluß der Öffentlichkeit fand die Verhandlung gegen den Schweißer Karl O. aus Unglinghausen statt, der beschuldigt wird, mit seiner Schwester Minna gewaltsam Blutschande betrieben und seine verheiratete Schwester Anna bedroht zu haben, sie tot zu schlagen O. wurde zu einer Gesamtgefängnisstrafe von 4 Monaten und 1 Woche kostenpflichtig verurteilt.— Der Krankenkassenangestellte Ernst L. aus Berleburg, der bei der Orts= und Landkrankenkasse des Kreises Wittgenstein den Kassiererposten seit dem 1. 11. 28 inne hatte, hatte sich wegen Diebstahls und Unterschlagung zu verantworten. L. kam mit seinem Gehalte infolge von Bauhandwerkerrechnungen und anderer Ausgaben nicht aus. Er ließ sich dadurch verleiten, Gelder der Kasse anzugreifen. Schon in der Zeit, als ihm der Kassiererposten noch nicht anvertraut war, benutzte er unbewachte Augenblicke dazu, um aus der Kasse nach und nach 1260 RM. zu entwenden. Nachdem er Kassierer geworden war, entwendete er weitere 4300 RM. Die Diebstähle und Unterschlagungen verdeckte er dadurch, daß er entweder falsche Zahlungen in die Bücher einsetzte oder aber falsch aufaddierte. L. ist geständig und hat sich bemüht, mit Hilfe seiner Verwandten den Schaden wieder gut zu machen. 2000 RM. sind in bar zurückgezahlt. Für den Rest hat er eine Hypothek auf sein Haus eintragen lassen. L. wurde zu einer Gesamtgefängnisstrafe von 6 Monaten kostenpflichtig verurteilt.— Der Dienstknecht Ernst Z. aus Remscheid, früher in Dünschede bei Grevenbrück wohnhaft gewesen, besuchte am 1. 9. 29 das Kriegervereinsfest in Förde. Da er angetrunken war und mehrmals versuchte, Festteilnehmer zu belästigen, wurde er aus der Halle gewiesen. Als der Zeuge F. mit seinem Freunde Dr. aus der Schützenhalle kam, wurden sie plötzlich von dem Beschuldigten Z. angerempelt. Mit den Worten„Hier bist du, Lump“ stach er den F. mit einem Dolche in die Brust. Z. flüchtete und wurde kurz darauf von anderen Personen festgenommen. Die Verletzung des F. war schwer. Z. behauptet, stark angetrunken gewesen zu sein, gibt aber die Tat zu. Er wurde wegen gefährlicher Körperverletzung und wegen verbotenen Waffenbesitzes zu einer Gesamtgefängnisstrafe von 6 Monaten und 1 Woche kostenpflichtig verurteilt. Das bei der Tat benutzte Messer wird eingezogen.— Zum Schluß der Sitzung saßen der Zahntechniker Adalbert Kr. aus Siegen und sein Bruder Josef Kr. aus Siegen auf der Anklagebank. Adalbert Ki. soll nach der Anklage Waren, die er von der Firma Dr. O. und A. als Kommissionswaren im Besitz hatte, versucht haben, weit unter dem regulären Preis für seine eigene Tasche zu verkaufen. Ein Motorrad, das der Gerichtskassenvollzieher S. gepfändet hatte soll er vorsätzlich beiseite geschafft haben. Auch wegen weiterer Betrügereien sollen sich die Angeklagten verantworten. Die eingehende Beweisaufnahme konnte das Gericht von der Schuld der Angeklagten nicht überzeugen bis auf den dem Adalbert Kr. zur Last gelegten Fall der Pfandverschleppung Nach dem Ergebnis der Hauptverhandlung lautete das Urteil: Adalbert Kr. wird unter Freisprechung im übrigen wegen Pfandbruchs zu einer Gefängnisstrafe von 2 Wochen verurteilt, die durch die erlittene Untersuchungshaft verbüßt ist. Josef Kr. wird freigesprochen. Die Kosten des Verfahrens fallen, soweit Freisprechung erfolgt ist, der Staatskasse, im übrigen Adalbert Kr. zur Last. Große Strafkammer in Arnsberg. -h- Meggen, 24. Juli. Der frühere Betriebsführer Gustav K. von hier ist vom Schöffengericht in Siegen wegen Rückfallbetrugs zu 3 Monaten Gefängnis verurteilt worden. Gegen das Urteil hat K. Berufung eingelegt. Da er zu der vor der Großen Strafkammer in Arnsberg anstehenden Berufungsverhandlung trotz ordnungsmäßiger Ladung nicht erschienen war, wurde seine Berufung kostenpflichtig verworfen. Arbeitsgericht. * Betzdorf, 24. bach klagte am suli. Ein Angestellter aus Niederfischrbeitsgericht gegen die Firma Arnold Jung in Jungenthal b. Kirchen auf Zahlung des Monatsgehaltes bis zum 30. September d. Is. Der Sache liegt folgendes zugrunde. Der Kläger war bei der Firma als Zeichentechniter beschäftigt und wurde im Jahre 1925 zum erstenmal wegen Arbeitsmangels entlassen. Im Jahre 1927 trat er auf seine Bewerbung wieder in Diensten der Firma und wurde am 30. April durch weitere Abbaumaßnahmen entlassen. In der Zwischenzeit hat der Kläger aber bei mehreren Arbeitgebern in Diensten gestanden. Die Strafsumme wird vom Gericht auf 370 Mark festgesetzt. Nach einer eingehenden Beratung kam das Gericht zu der überzeugung, daß die Entlassung nicht unter die Sonderbestimmungen des Kündigungsschutzgesetzes falle, und wies die Klage kostenpflichtig ab.— Gegen eine Firma aus Berlin klagte ein Betriebsleiter aus Hachenburg auf Zahlung der ihm noch aus den Geschäftsjahren 1923/24 und 1925 zustehenden Tantiemen in Höhe von 1800 Mark nebst 8 Prozent Zinsen. Der Kläger betrieb in Hachenburg eine gutgehende Lederwarenfabrik, welche von der GenroA.=G. angekauft wurde, die den Kläger mit einem Monatsgehalt von 400 Mark als Betriebsleiter anstellte. Außerdem wurden dem Kläger noch 600 Mark jährlich Tantieme vom Umsatz zugesichert, welche ihm aber nicht gezahlt wurden. Das Gericht wies die Klage kostenpflichtig ab. Der Antrag auf Verleihung des Armenrechtes wird abgelehnt, da eine Verfolgung als aussichtslos erscheint. Sport. Um die südwestfälische Meisterschaft. Im südwestfälischen Schachkreise werden dieses Jahr auch erstmalig neben den bisher jährlich stattfindenden Vereinsmeisterschaften die Einzelmeisterschaften ausgetragen. Teilnahmeberechtigt sind sämtliche Mitglieder der dem Westfälischen Schachbund angeschlossenen Vereine, mit Ausnahme derjenigen, die bereits den Titel„Westfälischer Schachmeister“ besitzen; denn der Sieger aus diesem Turnier erlangt nur die Berechtigung, seinen Kreis auf dem im nächsten Jahre stattfindenden Kongreß des Westf. Schachbundes im Hauptturnier A(Kreismeisterturnier) zu vertreten. Gelingt es ihm allerdings, hier die Spitze zu erlangen, so wird er im darauf folgenden Jahr zu dem Turnier der Westfälischen Meister zugelassen und kann dann mit um die höchste Würde des Bundes, den„Westfalenmeister“ kämpfen. Um den Titel„Westfälischer Schachmeister“ zu erlangen, genügt es ihm, in dem Meisterturnjer 40 Prozent der zu erlangenden Punkte zu erreichen. Zu den Einzelmeisterschaften wurden insgesamt 15 Meldungen von den Vereinen Hagen, Lüdenscheid, Plettenberg und Siegen abgegeben. Die Teilnehmer wurden in drei Gruppen eingeteilt. Gruppe I: 1. Gayk, Lüdenscheid, 2. Dr. Gruhl, Hagen, 3. O. Klingspor, Siegen, 4. Leimbach, Plettenberg, 5. Petry, Siegen. Gruppe II: 1. Bodderas, Lüdenscheid, 2. Ehmig, Plettenberg, 3. Hain, Siegen, 4. Mager, Hagen, 5. Quiter, Plettenberg. Gruppe III: 1. Heinrichs, Plettenberg, 2. Hofmann, Siegen. 3. Schäffer, Siegen, 4. Schmandt, Plettenberg, 5. Schreiber, Hagen. Die Sieger der drei Gruppen werden in weiteren Kämpfen den südwestfälischen Kreismeister ausspielen. Die Kämpfe der ersten Runde gelangten am Sonntag, dem 13. Juli 1930 in Plettenberg zum Austrag. Sämtliche angesetzten Partien konnten erledigt werden. In Gruppe I verlor O. Klingspor, Siegen gegen Leimbach, Plettenberg, während Dr. Gruhl, Hagen gegen Petry, Siegen remisierte. In Gruppe II konnte Quiter, Plettenberg seinen Klubkameraden Ehmig schlagen, während Hain, Siegen und Mager, Hagen sich nach dem 24. Zuge auf Remis einigten. In Gruppe III gelang es Hofmann, Siegen gegen Schreiber, Hagen im Mittelspiel einen Turm zu gewinnen. Er spielte die Partie sehr gut bis ins Endspiel, um sich dann durch einen groben Schnitzer die Partie noch zu verscherzte. Die zweite Partie Schäffer, Siegen gegen Schmandt, Plettenberg wurde von Schäffer nach fünfstündigem Kampf gewonnen. Die zweite Runde wird voraussichtlich am kommenden Sonntag stattfinden. Von der Runde werden 4 Partien im Vereinslokal der Schachabteilung der Sportfreunde Siegen, Café Schubert, Siegen, Kölner Str. ausgetragen. W. H. Sonnenaufgang 4.36, Sonnenuntergang 20.31 Uhr. Mondaufgang 1.38, Monduntergang 19.38 Uhr. Barometerstand. (234 Meter über Seehöhe) am 18. Juli 1930. Das über der Nordsee liegende Tiefdruckgebiet hat sich etwas aufgefüllt, während der Luftdruck im mittleren und namentlich im südlichen Europa ständig gefallen ist. Dadurch haben sich die Luftdruckgegensätze ausgeglichen und die bisher ziemlich lebhaften Westwinde sind schwächer geworden. Bei der Zufuhr kältere Luft ist noch immer mit stärkerer Bewölkung und auch zeitweise mit Regenfällen zu rechnen. Das Wetter bleibt daher vorläufig noch unbeständig. Die Entwicklung eines Tiefs südlich der Alpen kann aber nun zu einer Besserung des Wetters bei uns überleiten. Das Wetter von gestern. Die Sonne ließ sich gestern schon wieder etwas länger sehen und schien mild und freundlich, aber das Barometer macht einen ziemlichen Sprung nach unten. Der höchste Thermometerstand während des gestrigen Tages betrug+ 20 Grad; der niedrigste während der vergangenen Nacht+ 10 Grad Celsius. Wetteraussichten für Freitag. Noch unbeständig, aber wieder langsame Besserung wahrscheinlich. Suomemos Gneiter. Gund decernt. wolklg. dedecat onegen * Schnes a Graupcia enebel K Gewltter. C)Windstille. O 5ein teienter OnO nassiger S0asnqwest stormocho corquest die Otene megen aut dem Winde. Ole bersen Stationen sienenden Zahsen geden die Temperatur an Die Linien verbinden Orte mit alelchem auf Reeresaiveau umgerechneten Cuftdruch Genen üblen Mundgeruch, nach längerer Mundruhe und nach dem Rauchen benutze man zum Desodorieren und Aromatisieren des Atems eine Spülung mit dem herrlich Schweineschmall gar. rein Pfa.65 Kokosiell i. Tafeln„ 50 Margarine....2„ 95 Oldenb. Molkereibutter„188 SpeCK fett, geräuchert..„ 96 Rotwurst„ 80 gek. Schinken.... ¼„ 50 Plockwurst la......„168 Edamer Käse..... Pfd. „„ vomlet.„ 96 Holländer Käse vollfent„ 98 Iilsiter Käse vollfett..„ 100 Schweizer Käseschönsaft... 138 Neue Zwiebeln...„ 10 Aptelwein...... Liter 40 Himbeersaft..... Pfa 60 Neue Hartoffeln 10 Pfd. 68 Neue holl. Vollheringe Stück 12 Rheinisches Kaufhaus Lebensmittelhaus J. Seifner Gebt den Blinden Arbeit! 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Kreuztal: Ernst Bender, Stuhlund Wäscheleinenflechter, „ Eckmannshausen: Anna Krämer, Stuhlflechterund Handarbeiterin, „ Eiserfeld: Walter Hanz, Lindenstr. 43, Korb= und Stuhlflechter, „ Freudenberg: Toni Achenbach, Handarbeiterin (Strick.) „ Klaseld: Bernh. Jung, Lindenstr. 27, Fernspr. 2560, Stuhlflechter, Besen=, Schrubber= u. Bürstenmacher, „ Hainchen: Mart. Kringe, Stuhlflechter, BesenSchrubber= und Bürstenmacher, „ Niederndorf: Karl Stein, Manufakturw.=Geschäft, „ Niederschelden: Osw. Weber, Hausschuhemacher und Wäscheleinenflechter, „Obersdorf bei Eisern: Rud. Nies, Wäscheleinenflechter. „ Obersetzen: Alb. Müller, Stuhl= und Korbflechter und Maschinenstricker, „ Salchendorf b. Neunkirchen: Karl Hassel, Harmoniumbauer und Klavierstimmer, „ Weidenau: Theod. Schlemper, Schulstr. 39, Fernprecher 1833, Stuhl= u. Korbflechter, Bürstenw. Adolf Siebel, Känerbergstr. 19, Stuhl= und Wäscheleinenflechter. Sämtliche Arbeiten werden mit nur bestem Material sauber und preiswert hergestellt. 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Z. schreibt zur Berliner Aufführung: „Collen Moore als tanzendes Sprühteufelchen, als kokettes Luderchen und als glückverklärte Geliebte, ist so bezaubernd und entzückend humorvoll, daß man diesem Filmabenteuer bis zum glücklichen Schluß mit Schmunzeln und ungetrübtem Vergnügen folgt“.(x59 Die neue Lichtsplel- SyndikatsWochenschau Arbeits=Wochenzeltel für Handwerter zu haben bei W. Vorländer, Siegen. Wir suchen für die Bedienung uns. Autogen=Schneidmaschine sofort geeigneten MANN. Es kommen nur Leute in Frage, die die Maschine perf. bedien. u. auch m. dem Handschneidbrenner saub. schneid. können Schr. Ang. unt. PR 192 an die Geschst. d. S. Z. erh. redegewandte Leute b. Verkauf von Futtermitteln. Kreuer, Düsseldorf, Schließfach 143. Leheverteäge für gewerbl. Betriebe vorrätig Buchdruckerei W. Vorländer. 60 Rml. Wochenlohn oder 50Provision erhält jed. durch den Verkauf mein. Fabrikate. Muster kostenlos.(§8 Rudol, Klöckner, Erbachi. esterw. Kleine Anzeigen nur Siegener Zeitung. 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Nicht selten erhalten wir Kenntnis davon, wie schwer den Eltern die mit solchen Reisen verbundenen Opfer werden und wie wenig sie sie, trotz der scheinbaren äußeren Zustimmung, im Grunde wünschen. Daß solche Schulreisen in die weite Ferne nicht geeignet sind, die heute mehr als je notwendige unspruchslosigkeit in der Jugend zu fördern, liegt auf der Hand; ebenso sicher ist, daß darin Gefahren liegen können für die von der Schule erstrebte Verwurzelung der Jugend in der Heimat. Nach der Dienstanweisung ist der Anstaltsleiter wohl berechtigt, die Schüler der oberen Klassen, die unter der Leitung des Lehrers einen größeren Ausflug zu unternehmen, für mehrere Tage zu beurlauben. Aber es geht über den Sinn und Wortlaut dieser Bestimmung hinaus, wenn Reisen von einer Woche und mehr während der Schulzeit unternommen werden, die zudem eine reichliche Vorbereitung während der Schulzeit vorher erfordern. Den Schulen sind ebenso wie uns die Klagen der Eltern bekannt, daß infolge des nicht seltenen Ausfalls von Unterricht die unterrichtliche Arbeit der Schule zu kurz kommt. Ob und wieweit ein Rückgang in den Leistungen gegenenfalls darauf zurückzuführen ist, lassen wir dahingestellt. Im übrigen betonen wir, daß die durch die Richtlinien für die Oberstufe geforderten mehrtägigen Wanderungen durch solche Reisen ihre Erfüllung nicht finden.“ 3 Es ist gut und war dringend nötig, daß von oberster amtlicher=Stelle her den Schulleitern endlich einmal in dieser unmißverständlichen Form die Wahrheit über die mehrtägigen Schülerreisen gesagt wird. Denn die Klagen der Eltern über die Ausgaben,— bekanntlich werden für solche Reisen schon wochen= und monatelang Beiträge von 5 M. monatlich oder 1,50 wöchentlich von den Schülern eingesammelt,— scheinen, wie manches andere, nicht so leicht das Ohr der Studiendirektoren zu erreichen, wie das wünschenswert wäre. Selbstverständlich ist die Beteiligung„freiwillig“. Aber welcher Schüler möchte sich wohl ausschließen, wenn „die meisten anderen fahren"? Es ist also auch eine Sache des einfachsten Taktgefühls, nicht erst durch einen Vorschlag, und wenn er in noch so vorsichtiger Form gemacht wird, die Jungen und Mädels zu Ausgaben zu drängen, die die Eltern sich lieber ersparten. Wer das Geld dazu hat, maa allein fahren. Der Reisezwang durch die Schule muß endlich aufhören, wenn die Schule auch in bester Absicht handeln mag. Aber sie ist dann eine schlechte Psychologin. Deutscher Bergarbeiterkongreß. Meldung von Wolffs Telegr.=Büro. Breslau, 24. Juli. Auf dem deutschen Bergarbeiterkongreß empfahl gestern der Referent Schmidt=Bochum am Schluß seiner Ausführungen nach Ablehnung aller Antrage die Annahme einer vom Vorstand vorgelegten Entschließung, in der es heißt: „Die 27. Generalversammlung des Verbandes der Bergbauindustriearbeiter Deutschlands erkennt die Notwendigkeit eines Sondergesetzes für den Berabau, wie es der Entwurf eines Bergarbeitergesetzes darstellt, nicht an. Die erforderlichen Vorschriften können sehr gut im Arbeiterschutzgesetz ihre Erledigung finden.“ Die Schicht von täglich sieben Stunden für die unter Tage beschäftigten Arbeitnehmer sei bereits durch Gesetz festgelegt worden. In einer Erklärung im Jahre 1923 wurde den Bergarbeitern feierlich versprochen, daß die Verlängerung nur vorübergehenden Charakter haben und nur dazu dienen solle, den Friedensförderanteil wieder zu erreichen. Dieser Anteil ist aber schon längst weit überschritten worden. Die Bergarbeiter haben daher ein Anrecht auf die Erfüllung ihrer Forderungen. Mit aller Schärfe wendet sich die Entschließung auch gegen die in dem Entwurf zugelassenen 300 produktiven Überstunden im Jahr. „Der Entwurf eines Bergarbeitergesetzes“, so heißt es weiter,„beweist aber, daß endlich für den deutschen Bergbau eine einheitliche Gesetzgebung notwendig und daher die Verabschiedung eines Reichsberggesetzes dringend erforderlich ist. Die erstmaligen Bemühungen der diesjährigen internationalen Arbeitskonferenz in Genf um eine internationale Regelung der Arbeitszeit werden geprüft. Es wird aber für dringend notwendig gehalten, daß in eine abzuschließende internationale Kommissi on neben den Steinkohlenbergbau auch der gesamte Braunkohlenbergbau eingezogen wird.“ Die Abstimmung ist noch nicht erfolgt. Aufträge auf Grund des Arbeitsbeschaffungsprogramms. Meldung von Wolffs Telegr.=Büro. Berlin, 24. Juli. Das Reichskabinett hat beschlossen, den Firmen, die durch das Arbeitsbeschaffungsprogramm der Reichsregierung zusätzliche Aufträge erhalten, folgende Verpflichtungen aufzuerlegen: 1. Die Firmen müssen sich verpflichten, die fraglichen Aufträge ohne überstunden auszuführen. Es soll Sorge dafür getragen werden, daß ausreichende Lieferfristen gestellt werden. 2. Die Firmen müssen sich ferner verpflichten, sich die Arbeitskräfte, die sie zur Erledigung der zusätzlichen Aufträge einstellen, von den Arbeitsämtern nachweisen zu lassen. 3. Die Firmen müssen sich schließlich verpflichten, für die zusätzlichen Aufträge nur inländisches Material zu verwenden, falls dieser Verwendung nicht aus technischen Gründen oder aus Gründen der Preisgestaltung unüberwindliche Hindernisse entgegenstehen. Reichsbahn und Roichspost haben sich bereit erklärt, ihren Lieferfirmen die vorstehenden Verpflichtungen aufzuerlegen. Auch für das zusätzliche Wohnungsbauprogramm sind entsprechende Anordnungen an die Regierungen ergangen. Zur Lage in Finnland. Privattelegramm. S. Riaa. 24. Juli. über die Lage in Finnland liegen hier heute Meldungen vor, wonach die Neuwahlen unter militärischem Schutz stattfinden werden. Innerhalb acht Tagen sind in Helsingfors 16, in Wiborg acht bolschewistische Revolutionskomitees ausgehoben und im Helsingforser Hafen wurde ein russisches Schiff beschlagnahmt, das Waffen und Munition in großer Menge an Bord hatte. In Helsingfors herrscht der Eindruck vor, daß Finnland einer Machtprobe mit dem russischen Kommunismus nicht entaehen könne. England. Meldung der TelegraphensUnion. London, 24. Juli. Nach dem politischen Mitarbeiter des Daily Telegraph ist man im Parlament allgemein der Auffassung, daß Neuwahlen in den ersten Monaten des nächsten Jahres unvermeidlich seien. Alle drei Parteien befaßten sich bereits jetzt mit der Frage der Benutzung des Rundfunks für einen Wahlfeldzug. Für die nächsten Wochen seien Besprechungen zwischen den Parteien und der Regierung hierüber in Aussicht genommen. 3 Die Londoner Zeitungen beginnen erst gestern mit der Veröffentlichung ausführlicher Telegramme über die Lage in Agypten. Die Times schreiben, Indien sei bedroht, Agypten aber gefährdet. Denn in Agypten stehe das ganze Volk gegen König Fuad und die englische Besatzung. Die Bewegung in Agypten sei zu 90 Prozent offene Revolution gegen England. Die Morningpost meldet, in Scharen strömten die englischen Staatsangehörigen aus Agypten zurück. Der Hauptanschlag der Agypter stehe erst bevor. 1700 Tote im Erdbebengebiet. Von unserem Korrespondenten. wtb. Rom. 24. Juli. Nach amtlichen Mitteilungen beträgt die Gesamtzahl der Toten im Erdbebengebiet 1778, die der Verwundeten 4264. Vollkommen eingestürzt sind 3188 Häuser, 2757 Häuser wurden beschädigt. wtb. Mam. 24. Juli. Nach den letzten Nachrichten der Morgenblätter sind im Hauptbebengebiet allein mindestens 700 Menschen ums Leben gekommen. Es ist zu befürchten, daß diese Zahl unter Berücksichtigung der Todesopfer in den weniger heimgesuchten Provinzen Süditaliens die 1000 erreichen oder gar überschreiten wird. Die Zahl der Verwundeten, unter denen sich viele Schwerverletzte bfinden, ist zweifellos ganz erheblich größer, ihre Bergung und ihr Abtransport mit Lastkraftwagen und Privatautos ist schon seit gestern wirksam im Gange. wib. Rom. 24. Juli. Von den Bergungsarbeiten werden tragische Szenen berichtet. Ganze Familien sind ums Leben gekommen. Eine Frau war mühsam lebend aus den Trümmern befreit worden. Bevor sie jedoch weggetragen werden konnte, trat plötzlich ein Nachbeben ein, ein Quaderstein kam ins Rollen und zerschlug der Frau den Schädel. Auch unter dem Rettungspersonal, das unter Einsetzung des eigenen Lebens sich um die Verunglückten bemüht, sind bereits Opfer zu verzeichnen. Die im Hauptbebengebiet fast völlig zerstörten Gemeinden bieten einen trostlosen, erschütternden Anblick. Abgesehen von den sehr wenigen erdbebensicher gebauten Häusern sind viele Gebäude nur Stein= und Schutthaufen, aus denen gespensterhaft die dicken, hohen Mauern Jahrhunderte alter Paläste herausragen. Auch der Schaden an den Kirchen ist sehr groß. Eine beträchtliche Anzahl von Kirchen ist in sich zusammengebrochen und in Stein= und Schutthaufen verwandelt. In dem Dorfe San Bartolomea, in dem fast kein Stein auf dem anderen geblieben ist, wurde seltsamerweise ein mittelalterliches Schloß von dem Erdbeben verschont. Die Wirkung des Erdbebens in dem Hauptgebiet war überall so stark, daß fast alle Häuser, selbst wenn sie den heftigen Stößen Stand hielten, bedenkliche Mauerrisse zeigen. In einzelnen Gemeinden, in denen kein Haus mehr bewohnbar ist, gibt es keine Familie, die nicht mindestens eines ihrer Mitglieder unter den Toten zu beklagen hat. wtb. Neapel, 24. Juli. Gemessen an den großen Verlusten an Menschenleben und an den verheerenden Wirkungen des Erdbebens in den Hauptgebieten ist der Schaden und die Zahl der Todesopfer in den entfernteren Provinztädten Süditaliens verhältnismäßig gering zu nennen. Im Gebiet von Neapel zeigen eine Reihe von Kirchen, darunter die Kathedrale von Neapel, Risse in den Mauern. Viele Paläste von Neapel sind beschädigt. Auf Capri und den dem Golf von Neapel vorgelagerten Inseln wird kein Schaden gemeldet. Die Bevölkerung Neavels, die auch in der vergangenen Nacht zum Teil im Freien blieb, begab sich gestern den ganzen Tag über in dichten Scharen in die Kathedrale, um den Neapeler Stadtheiligen Gennaro zu verehren. Zwischen 4 und 7 Uhr wurde auf dringendes Verlangen der Bevölkerung seine in feierliche Gewänder gehüllte Statue auf dem Domplatz ausgestellt, die die Massen weinend und betend umgaben. tu. Rom, 24. Juli. Die Rettungsarbeiten in dem Erdbebengebiet werden nach besten Kräften fortgesetzt. Für die Verwundeten sind besondere Sammelstellen errichtet worden. Unaufhörlich bringen Lastkraftwagen Massen von Verletzten an. Während der Rettungsarbeiten wurden zwei Miliz=Soldaten bei dem durch einen neuen Erdstoß verursachten Einsturz einiger Häuser verletzt. Die Bestattung der Neapeler Opfer erfolgt heute auf Kosten der Stadt. Kurse der Berliner Börse. Radioübermittlung.— Ohne Gewähr. Oeutsche Anlelhen Ablösung R. 1. 2 u. 8 Ablösung Neubes. 8% Dt. Wertb. 1929 6% Reichsanl. 1927 10% Pr. C-Bodenkr. Gold 0% Rh.-W. Bdkr. Gold 2 8% do. Ser. 4 Kurse in Go Schiffahrtsaktien Hamb. Amer.-Paket. do. Südamerika Hansa Dampf Nordd. Lloyd Bankaktien Barmer Bank-Verein Darmstädter Bank Deutsobe Bank u. Diecontogesellechaft Dresdner Bank Reichsbank industrieaktien Accumulator Alexanderwerk A. E. G. Baroper Walz. Basalt A. E. J. P. Bemberg Berger Tiefbau Bergmann Berl. Karlsruher Ind. Buderussche Eisenw. Charl. Wasser Daimler Motoren Dess. Gas(Dt.Conti-Gas) Deutsche Erdöl Dt. Eisenhandel Dortmund Union Dynamit Nobel Elektr. Lieferungs-Ges. Essen Steink. Farbenindustrie A.-G. Felten-Guilleaume Friedrichshütte Gelsenkirchener Bergw. Ges. f. elektr. Unt.-A.-G. Th. Goldschmidt Hackethal Draht Hammersen Harpener Bergb.-G. Hoesch Eisen- u. Stahlw. Hoffmann Stärke Hohenlohe-Werke Holzmann Kali Aschereleben Klöckner-Werke Köln-Neuessen Kölsch-Fölzer-Werke Kronprinz Metalle Lahmeyer Laurahütte Lindes Eis. Lüdensch. Metall Mannesmann Röhr. Mansfeld Nordd. Eis. Nordd. Wolle Ob. Eisenb.-Bd. A.-G. Orenstein& Koppel Peipers& Cie. Phönix Bergb. u. Hütten Reichelbräu Rheinische Stahlwerke Rhein.-Westf. Elektr. Rhein.-Westfäl. Spreng Rütgerswerke Sachsenwerk Sachtleben Schlegelbräu Schub.-Salzer Schuckert El. Schultheiß Siegen-Solinger Gußet. Siemens-Halske Thomee Fr. Walzwerk Verein. el. Busch-Jaeger Ver. Dt. Glanzstoff Vereinigte Stahlwerke V.Stahlw. v.Zyp.u. Wiss. Vogel Telegraph Westeregeln Westf.Drahtind.Hamm Westf. Kupfer Otavi Minen Frankfurter Kurse: Löhnberger Mühle Siegener Verzinkerei 22. Juli 102.50 76.00 5450 63.00 90.00 61.75 232.00 96.87 167.75 60.00 53.75 96.00 156.00 173.75 190.00 162.00 274.50 14.00 203.62 67.00 131.00 82.00 172.00 75.00 204.25 86.00 33.25 38.00 23. Juli 102.00 73.00 52.75 61.00 90.00 78.00 229.00 91.00 168.50 59.00 50.50 91.00 155.00 170.20 186.60 156.50 269.00 13.50 199.00 66.00 122.00 79.50 172.50 70.50 197.50 85.00 33.00 37.50 Buenos-Aires Japan London New-York Rio de Janetro Amsterdam Brüssel Ant. Budapest Danzig Helsingfor Italien Jugo-Slavien Kopenhagen Devisen: 1 Peso 1 Yen 1 Pfd. St 1 Dollar 1 Milr. 100 n. 100 Belga 100 Pengo 100 Gulden 100 Fm. 100 Lire 100 Din. 100 Kr. R.-Mark) Juli 23. Juli Lissabon u.Oporto 1 Eskudo Oslo 100 Kr. Parin 100 Frcs. Prag 100 Kr. Schweis 100 Fr. Sofia 100 Leva Spanien 100 Pes. Stockholm 100 Kr. Wien 100 Schill. Schluß- und Nachbörse. Die Börse schloß fast zu den niedrigsten Tageskursen, Nur vereinzelt machte sich nach den vorangegangenen Rückgängen eine leichte Erholung bemerkbar. Nachbörslich hörte man Metallbörse Berlin. 23. Elektro-Kupfer 105.25 Hütten-Aluminium 190 Antimon 48—50 Feinsilber je kg 47.25-49.25 Juli. Reinnickel 350 A.E.G. 140. Siemens 197, Schuckert 155, Ostwerke 216, Schultheiß 267, Farben 15118, A.K.U. 923, Bemberg 93,5, Reichsbank 245,5, Neubesitz 7,10, Altbesitz 60,25. Auf der Straße überfallen. enb. Berlin, 24. Juli. Ein Raubüberfall wurde gestern mittag auf den Kassenboten Rönnfeld einer Schuhfabrik verübt, der von seiner Firma zur Bank geschickt worden war, um 300 Mark abzuheben. Auf dem Rückwege zur Fabrik wurde Rönnfeld von zwei Männern angesprochen, plötzlich gepackt und in einen Hausflur gezerrt. Dort erhielt der Kassenbote über den Kopf mehrere Schläge mit einer Eisenstange und brach blutüberströmt zusammen. Dann schleppten die Täter den Wehrlosen eine Kellertreppe hinunter und ließen ihn besinnungslos liegen. Als Rönnfeld das Bewußtsein wiedererlangte und um Hilfe rief, waren die Verbrecher bereits verschwunden. Sie hatten seine Aktentasche mit dem abgehobenen Geld geraubt. Rönnfeld wurde mit schweren Schädelverletzungen ins Krankshaus übergeführt. Cholerine in Buxtehude. Als Ursache der schweren Vergiftungserscheinungen, an der eine ganze Hochzeitsgesellschaft in Buxtehude erkrankt ist, ist jetzt einwandfrei schwere Cholerine festgestellt worden. Die Krankheit ist in Deutschland nicht unbekannt. In ihrem Außeren ähnelt sie der echten Cholera mit dem Unterschied, daß sie als eine harmlosere Abart der Seuche zu betrachten ist. Diese Feststellung hatte die sofortige Verhängung der Quarantäne für alle Erkrankten zur Folge. Die Todesursache des verstorbenen Greises führt man darauf zurück, daß zu dieser Erkrankung eine Herzlähmung hinzugetreten ist, ein Erscheinen, wie man sie bei dieser Art Erkrankungen öfter beobachten kann. Neuer Segelflugdauerrekord. tu. Fulda, 24. Juli. Auf der Wasserkuppe hat am Mittwoch Oberleutnant Hemmer von der bayrischen Luftpolizei einen neuen Dauerflugrekord für Segelflugzeuge mit einer Flugdauer von neun Stunden 35 Minuten aufgestellt. Die bisherige Flugleistung von Weininger=Darmstadt betrug 8 Stunden 26 Minuten Das Lübecker Kindersterben. wib. Lübeck. 24. Juli. Nachdem in den letzten vier Tagen ein Stillstand in der Krankheits= und Sterblichkeitsziffer eingetreten war, hat sich gestern wieder ein Todesfall ereignet. Die Zahl der Todesopfer beträgt nun 62. Krank sind 57, gebessert 73, gesund bezw. in ärztlicher Beobachtung 59 Säuglinge. Die Untersuchung in Hausdorf. kg. Breslau, 24. Juli. Die Untersuchung der Staatsanwaltschaft im Unglücksschacht in Hausdorf ist bisher ergebnislos geblieben. Es haben insgesamt 47 Vernehmungen stattgefunden, darunter auch sämtlicher Geretteten. Voraussichtlich wird es zu einem Strafverfahren nicht kommen. Auch die gerichtlichen Sachverständigen haben sich schon dahin ausgesprochen, daß nur höhere Gewalt die Ursache der Katastrophe sei. Spinale Kinderlähmung im Elsaß. wid. Straßburg, 24. Juli. Im Departement Unterelsaß sind 11 neue Fälle von spinaler Kinderlähmung festgestellt worden. Isgesamt sind jetzt 183 Kinder krank. In Metz ist ein Kind der Krankheit erlegen. Schwerer Wolkenbruch in Yorkshire. wib. London, 24. Juli. Ein schwerer Wolkenbruch hat im Tal des Sek(Yorkshire) Brücken und Eisenbahnschienen fortgespült, zahlreiche Familien wurden von jedem Verkehr abgeschnitten. Einige Frauen sind ertrunken, und man befürchtet, daß noch mehr Opfer zu beklagen sind. Hilfszüge sind unterwegs. Befreiung von Missionaren. wtb. Vutschan, 24. Juli. 23 englische und 21 amerikanische Missionare, die in dem von aufständischen chinesischen Truppen besetzten Gebiet abgeschnitten waren, sind gestern abend unversehrt wieder nach Putschau gelangt. Sie verdanken ihre Rettung einer von dem amerikanischen und britischen Konsul unternommenen Expedition, die durch die Kampflinie führte. Zwei Frauen von englischen Missionaren, die von Räubern gefangen genommen worden sind, besinden sich noch in Gefangenschaft. Der Führer der aufständischen Truppen hat versichert, daß er sich um ihre Freilassung bemühen werde. Kraterausbruch. kg. Paris, 24. Juli. Der Herald meldet aus Port Franko(Martinique): Der Krater des Mont Pelé hat seit Dienstag von neuem starken Lava=Ausbruch. Ununterbrochen strömt die Lava in der Richtung Port Grankos. Ein Dutzend Ortschaften in 20 Kilometer Umkreis mußten wieder geräumt werden. Die im Hafen liegenden Schiffe werden von der wohlhabenden Bevölkerung gestürmt. Der Streik bei der Mansfeld=A.=G. beendet. tu. Halle, 24. Juli. Der Streik bei der MansfeldA.=G., der etwa 8 Wochen dauerte und an dem etwa 13000 Arbeiter beteiligt waren, ist beendet. Am Freitag wird die Arbeit auf den Schachtanlagen, dem Wasserhebungsrevier, den Elektrizitätszentralen sowie in der Reparaturwerkstatt wieder aufgenommen. Die übrigen Betriebe werden erst in einigen Tagen wieder eröffnet. Der Europarundflug. tu. Madrid, 24. Juli. Nach der Rückkehr aus Sevilla starteten folgende Maschinen des Europarundfluges nach Saragossa: K. 5 um 13 05 Uhr, r. 2 um 14.30 Uhr, ferner B. 3, F. 8, K. 1. K. 3 und L. 3. In Saragossa landeten als erste K. 5 um 14.43 Uhr und K. 1 um 15.27 Uhr, die sofort nach Barcelona weiterflogen. Ferner trafen in Saragossa B. 3, F. 2 und B. 8 und K. 3 ein. Auch diese Maschinen starteten unverzüglich nach Barcelona. Unfälle. wtb. Stade, 24. Juli. Ein Postomnibus, der während des Schützenfestes in Ottersberg den Verkehr zwischen dem Ort und dem Schützenplatz vermittelte, geriet plötzlich auf den Fußsteig und überfuhr vier Personen. Eine Frau wurde getötet, ihre Tochter erlitt einen schweren Schädelbruch, während der Sohn und der Schwiegersohn der Getöteten leicht verletzt wurden. Der Führer des Gefährts ist geflüchtet. wtb. Nürnberg, 24. Juli. Ein 41 jähriger Feuerwehrmann fuhr gestern auf seinem Motorrad, als er ein Pferdefuhrwerk überholen wollte, gegen eine Telegraphenstange. Er und sein auf dem Soziussitz mitfahrender Begleiter erlitten schwere Schädelbrüche. Der Feuerwehrmann war sosort tot, sein Begleiter erlag den Verletzungen im Krankenhaus. wtb. Singen, 24. Juli. Der Schnellzug D. 156 Offenburg=Konstanz streifte gestern abend bei der Ausfahrt aus dem Bahnhof Singen zwei auf dem Nebengleis stehende Güterwagen, so daß diese entgleisten. Der Schnellzug, der sofort angehalten werden konnte, wurde beschädigt. Die Lokomotive, der Postwagen, der Packwagen und ein Personenwagen mußten abgeschoben werden, da sie erhebliche Beschädigungen aufwiesen. Mit 30 Minuten Verspätung konnte der Zug seine Fahrt fortsetzen. Personen kamen nicht zu Schaden. Banditen erbeuten 100000 Dollars. tu. New=York, 24. Juli. Schwer bewaffnete Banditen überfielen die First Nationalbank in Hartford (Virginia) und raubten 100000 Dollars, indem sie das Personal der Bank mit Revolvern in Schach hielten. Die Räuber entkamen mit einem Kraftwagen, nachdem sie einen Kassierer durch Revolverschüsse schwer verletzt hatten. Verantwortlich für die Politik und das Feuilleton Walter Wetlshaeuser in Siegen, für den übrigen Teil H. Wlttsch in Siegen. Berliner Redaktion: Berlin NW. 21, Händelstraße 21(am Tiergarten), Fernrufe Hansa 4354 und 4334. Schwvarzkopf heute schönes Jtaar., am Sonntag! Allwöchentlich eine Haarwäsche mit SchwarzkopfSchaumpon erhält Ihr Haar gesund, macht es reizvoll, seidenweich und duftig. Schwarzkopf Schaumpon (Päckchen 20 Pfg.,„Extra“ mit Haarglanz 30 Pfg.) AM MARKT Die Kundenzahl wächst!— Der Umsatz wächst!— Das muß doch einen Grund haben! Besonders Hausfrauen kaufen sehr kritisch— aber alle sind zurrieden: weil ane— aus Erfahrung wissen, daß sie bei uns stets gut und sehr billig kaufen!! Fleisch u. Wurstwaren Wissen Sie warum der niedrige Tietz-Preis das Rennen machen wird? Käse! d. h. weil er Käse ißl! und zwar morgens, mitfags und abends! Ja- Käse ist gesundl- u. bei uns immer sehr billig! Dort, in den Höfen voller Segen, Wo aus der Fremd’ ich kehre ein, Kommt mir kein fremder Gott entgegen Denn er ist Gott und Vater mein. Die Liebe, die mich dort begrüßet, Die mich umgibt mit Herrlichkeit, Hat mir die Wüste schon versüßet, Hat mich erquickt in dieser Zeit. Heute nachmittag entschlief sanft im Herrn nach kurzer, schwerer Krankheit unsere liebe Nichte, Kusine und Schwester im Herrn Minna Schüfer im Alter von 44 Jahren. 7161 Die trauernden Anverwandten und Freunde. Neunkirchen, den 23. Juli 1930. Kr. Siegen. Die Beerdigung findet am Sonnabend, dem 26. d. M., nachmittags 4 Uhr statt. Todesanzeige. Dem Herrn über Leben und Tod hat es gefallen, am Mittwochnachmittag 4 Uhr unseren lieben Vater, Schwiegervater, Großvater, Bruder, Schwager und Onkel, den Invaliden Ludwig Menk im 79. Lebensjahre zu sich in die Ewigkeit zu nehmen. Jes. 35 V. 10. Die trauernden Hinterbliebenen. Salchendorf bei Neunkirchen, Düsseldorf, Barmen, Hagen, Gosenbach und Haiger, den 24. Juli 1930. Die Beerdigung findet am Sonnabendnachmittag 4 Uhr statt.(§98 Eßt Käsel Holländer vollfett..... Pfd. 0.90 Schweizer saftig.... Pfd. 1.35 Tilsiter vollten.... Pfd. 1.20. 1.00 Edamer 20%...... Pfd. 0.68 Allg. Stangenkäse 20%. Pfd. 0.42 Kümmelkäse(Kohler).. Pak. 0.25 Mainzer Käse..... Rolle 0.60 Emmenthaler...% Schachtel 0.88 Camembert... Schachtel 0.50, 0.45 Allerf. holl. Süßrahmbutter Pfd. 1.90 Dänisches Blasenschmalz Pfd. 0.85 Palmbutfer... 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