Die Meinerzhagener Zeitung erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn= u. Festtage. Bezugspreis monatlich 1,30 Reichsmark. Preis der Einzelnummer 10 Reichspfennige. Bestellungen werden jederzeit von der Geschäftsstelle u. den Postanstalten entgegengenommen. Telegr.=Adresse: Zeitung Meinerzhagen. Verantwortl. Schriftleiter: Walther Kämper, Meinerzhagen t. W. Gelesenste Tageszeitung in Meinerzhagen und Umgegend Anzeiger Fernsprecher Amt Meinerzhagen Nr. 242 Postscheckkonto: Dortmund 11452— Schließfach 56 Herausgabe, Druck und Verlag von Walther Kämper, Meinerzhagen, Hauptstraße 42 Im Falle höherer Gewalt, Streik oder Betriebsstörung hat der Bezieher keinen Anspruch auf eine Entschädigung. Anzeigenpreise: Für 1 Millimeter Höhe in Spaltenbreite von 35 Millimeter in Meinerzhagen 6 Reichspfennige, Familien-Anzeigen und Stellengesuche 5 Reichspfennige, Anzeigen von auswärts 8 Reichspfennige, Anzeigen von Behörden und Finanzanzeigen 10 Reichspfennige, Reklame 40 Reichspfennige. Zahlbarsofort. Redaktion Geschäftsstelle Hauptstr. 48 Kummer 249 Montag, den 24. Oktober 1927 16. Fahrgang Aberraschender Scheilt des Reparationsagenten. Im mitteldeutschen Bergarbeiterstreik ist ein Schiedsspruch gefällt worden. Wirtschaftliche Wochenschau. Von unserem handelspolitischen Mitarbeiter. Der Außenhandel im September.— Folgen des Braunkohlenstreiks.— Die Geld= und Wirtschaftslage. Der Ausweis der Handelsbilanz per September zeigt eine gewisse Besserung gegenüber den Augustziffern. Das Bemerkenswerteste ist vielleicht, daß die Ausfuhr an Fertigfabrikaten gestiegen ist. Auch der Einfuhrüberschuß im reinen Warenverkehr, der auch im August schon gebesserte Zahlen aufwies, hat sich im September weiter gebessert. Immerhin bleibt seit Anfang 1927 eine Gesamtpassivität von rund drei Milliarden bestehen. Die Wirtschaft Deutschlands ist auf den Export eingestellt. Die Möglichkeiten einer Exportsteigerung liegen auf den verschiedensten Gebieten. In erster Linie muß, da es bei höchster Ausnutzung aller Kräfte die beste Quote für eine aktive Handelsbilanz darstellen könnte, die Hebung der Landwirtschaft durch Intensität der Groß= und Kleinbetriebe angestrebt werden. Das beste Beispiel bietet hierfür Canada. Während vor dem Kriege sein Anteil an der Weltgetreideproduktion 11 Prozent ausmachte, hat das Wirtschaftsjahr 1925 diese Quote auf 52 Prozent erhöhen können. Wenn auch die deutsche Landwirtschaft in nicht annähernd ähnlicher Weise ihren Aufstieg vollziehen wird, so kann doch durch maßvolle Kreditpolitik in Verbindung mit einer Ausnutzung aller agrarischen Möglichkeiten in kurzer Zeit manches erreicht werden. Durch den englischen Bergarbeiterstreik war es dem deutschen Bergbau an der Ruhr gelungen, Absatzgebiete, die ursprünglich englische Domäne waren, neu zu erwerben. Bis zu einem gewissen Grade ist es gelungen, diese Gebiete trotz erhöhter englischer Konkurrenz zu erhalten. Auch in den nordischen Ländern konnte der englische Einfluß verdrängt werden. Sogar die deutsche Braunkohle hat sich ein Absatzgebiet in Schweden und Norwegen gesichert. Leider ist durch den mitteldeutschen Braunkohlenstreik die Gefahr eines Verlustes dieser Gebiete entstanden. Wenn nicht in kurzer Zeit der Export an Braunkohle nach diesen nordischen Gebieten wieder einsetzen kann, so wird dieses Gebiet für uns verloren sein. Es hält außerordentlich schwer, solche durch irgendwelche äußeren Umstände plötzlich verlorengegangenen Absatzgebiete wieder zurückzugewinnen. Bedenklich erschien, daß sich dieser Streik auf andere Industriezweige ausdehnen könnte. Ueberängstliche Gemüter sprachen bereits von einem Uebergreifen der Bewegung auf Rheinland=Westfalen, also auf das Steinkohlengebiet. Bisher ist dies vermieden worden, und es liegen auch jetzt keine Anzeichen mehr vor, daß eine solche Gefahr besteht. Für die deutsche Wirtschaft würde eine Ausdehnung des Streiks auf andere Gebiete unübersehbare Folgen haben, gerade jetzt, wo wir in wirtschaftlicher Hinsicht vor außerordentlich ernsten Entscheidungen stehen. Verschiedentlich wird schon wieder von einer nochmaligen Diskonterhöhung gesprochen. Andererseits soll sich der Reichsbankpräsident mit Rücktrittsabsichten tragen. Das letztere ist allerdings völlig abwegig, dagegen ist die Gefahr einer Erhöhung der offiziellen Bankrate durchaus nicht von der Hand zu weisen. Seit Wochen hindurch zeigt der Geldmarkt eine außerordentlich angespannte Tendenz. Während früher die Börse als diejenige Stelle bezeichnet wurde, die sämtliche freien Beträge vom Geldmarkt für sich abzog, sind es jetzt ausschließlich Industrie und Handel, die diese Beträge benötigen. Da andererseits in der Kreditpolitik der Reichsbank starke unterschiedliche Beurteilungen bei der Wechseldiskontierung gemacht werden, so ist die Geldverknappung naturgemäß noch weiter gewachsen. Die Auffassung der Reichsbank über die Anleihepolitik ist im allgemeinen bekannt. Man weiß, daß es ohne Hereinnahme ausländischer Anleihen noch nicht allein geht, aber will nach Möglichkeit auch keine größere Verschuldung an das Ausland mehr zulassen. Aus diesem Grunde werden auch bei der Beratungsstelle für Auslandsanleihen jetzt schärfere Bedingungen gestellt. Bedenklich erscheint, daß am Privatdiskontmarkt starkes Wechselangebot vorliegt und daß, trotzdem es sich hier bei den Bankwechseln um erstklassiges Wechselmaterial handelt, der Satz um ein Achtel auf 6 78 Prozent erhöht worden ist. Auf die Dauer ist eine Spanne von nur 1 Prozent zwischen den beiden maßgebenden Geldsätzen unmöglich. Vielfach hört man, daß sogar der Privatdiskont noch weiter erhöht wird. Eine solche Maßnahme würde natürlich die Lage noch weiter verschärfen. Eine Entlastung könnte erst eintreten, wenn der Gegenwert der setzt abgeschlossenen ausländischen Anleihen nach Deutschland hereinkäme. Hier wiederum ist aber die Tatsache einschneidend, daß die Reichsbank die Umwechslung der Devisen nicht in vollem Maße selbst vornimmt, sondern sie im freien Markte vornehmen läßt. Auf diese Weise haben wir schon seit Tagen eine starke Marksteigerung gegenüber dem Dollar zu verzeichnen. Der Kursstand der Mark war schließlich so hoch, daß der Goldankaufspreis, der bisher 2790 Reichsmark für 1 Kilogramm Feingold betrug, um 6 Reichsmark gesenkt wurde, damit nicht zuungunsten der Bank von England im freien Handel ein allzu starker Goldimport eingesetzt hätte. Der Einspruch des Reparationsugenten gegen die Besoldungsvorlage Die Reform deshalb nicht gefährdet. P Berlin. Was wir bisher nur aus amerikanischen Presseäußerungen erfahren haben, hat nunmehr seine Betätigung gefunden: Der Reparationsagent Parker Gilbert hat dem Reichsfinanzminister eine Denkschrift von 20 Seiten zugehen lassen, in der er seine Stellungnahme zur Beamtenbesoldungsvorlage niedergelegt hat. Die Denkschrift sucht durch Vorausberechnungen über die Gestaltung des Etats in den nächsten Jahren unter Berücksichtigung der weiteren Steigerung der Daweslasten zu beweisen, daß das Reich in den kommenden Jahren ohne neue Erhöhung der Einnahmeseite die Kosten für die Beamtenbesoldung nicht aufbringen kann, und zwar vor allem, wenn das Reich nicht nur die Kosten für seine eigenen Beamten aufzubringen, sondern auch noch unsichere Vorschüsse an einzelne Länder zu zahlen hat. Der Reichsfinanzminister hat mit dem Reparationsagenten sofort Besprechungen eingeleitet und wird der Regierung darüber Bericht erstatten. Wenn man auch in politischen Kreisen die Schwierigkeiten der Deckungsfrage nicht verkennt und die Notwendigkeit einer gründlichen Prüfung anerkennt, so kann durch die Denkschrift Parker Gilberts die Besoldungsreform natürlich nicht gefährdet werden. Die amtlichen Stellen nicht überrascht. Die amtlichen Stellen schweigen über den Inhalt der Denkschrift und sind auch der Ansicht, daß der Denkschrift keine besondere Bedeutung zukommt. Angeblich überreicht der Reparationsagent derartige Denkschriften häufig. Das eigenartige an der Situation ist aber, daß der Reparationsagent diese Denkschrift gerade in dem Augenblick überreicht hat, wo der Reichstag die Beratung des Beamtenbesoldungsgesetzes aufgenommen hat. Außerdem hat der Reparationsagent zum erstenmal von dieser Denkschrift vorher der amerikanischen Presse Mitteilung gemacht, und zwar in einer Form, die den deutlichen Willen des Reparationsagenten erkennen läßt, daß die Denkschrift in der Oeffentlichkeit als ein Einspruch des Reparationsagenten gegen die Erhöhung der Beamtengehälter aufgefaßt werden soll. Im Reichstag werden bereits verschiedene Pläne erörtert, die auf eine ziemlich erhebliche Umarbeitung des Entwurfs über die Beamtenbesoldung hinauslel fen, so daß nach der Ansicht aller beteiligten Fraktionen noch gar nicht zu übersehen ist, welche Gestalt der Entwurf über die Beamtenbesoldung schließlich erhalten wird. Die Entscheidung wird erst im Hauptausschuß des Reichstags fallen. Die Reichsbahn läßt in diesem Zusammenhang noch einmal ausdrücklich mitteilen, daß Tariferhöhungen im laufenden Wirtschaftsjahr nicht beabsichtigt seien. Ablehnung der Interpellationen über den Tergarbeiterstreit. Deutscher Reichstag. 343. Sitzung, Sonnabend. 22. Oktober 1927. Der Reichstag trat am Sonnabend bereits um 12 Uhr mittags susammen, um zunächst den Rest der Tagesordnung der vergangenen Woche zu erledigen. Zunächst wurde ein Gesetzentwurf über die Mündelsicherheit von Wertpapieren und Forderungen, ferner das Internationale Uebereinkommen über die Krankenversicherung der Arbeitnehmer in Gewerbe, Handel und Landwirtschaft sowie eine Novelle zum Gesetz über die Beschäftigung vor und nach der Niederkunft in allen drei Lesungen angenommen. Die erste Lesung eines Gesetzentwurfs zur Aenderung des Reichsversorgungsgesetzes wurde darauf fortgesetzt. Die Kommunisten forderten weitergehende Rechte für die Kriegshinterbliebenen, während der Nationalsozialist den Kommunisten vorwarf, daß sie mit ihren übertriebenen Forderungen die Kriegsopfer nur schädigten. Die Vorlage wurde dem Ausschuß für Kriegsbeschädigtenfragen überwiesen. Das Haus füllte sich rasch, als nunmehr der nächste Punkt der Tagesordnung, die Interpellationen der Sozialdemokraten und des Zentrums über den mitteldeutschen Bergarbeiterstreik zur Sprache kommen sollten. Reichsarbeitsminister Dr. Brauns wies auf den gefällten Schiedsspruch hin. Wenn keine Annahme des Schiedsspruchs stattfände, werde er über die Frage der Verbindlichkeitserklärung zu entscheiden haben. Beide Parteien hätten sich über die Einzelheiten einer eventuellen Wiederaufnahme der Arbeit freiwillig geeinigt. Daraus dürfe man den Schluß ziehen, daß auf beiden Seiten der Wunsch und die Hoffnung auf Wiederaufnahme der Arbeit bestehe. Der volksparteiliche Abgeordnete Dr. Scholz betonte, es wäre nach dieser Erklärung verfehlt, die Dinge im Reichstag zu behandeln. Er beantrage für die Regierungsparteien die Absetzung der Interpellationen von der Tagesordnung. Ihm widersprach der Kommunist Köhnen. Der sozialdemokratische Abgeordnete Wels und der Nationalsozialist Stöhr erhoben Einspruch gegen die Absetzung der Interpellationen. Schließlich stellte Präsident Löbe fest, daß infolge des Widerspruchs der Reichsregierung die Besprechung der Interpellationen nicht erfolgen könne. Ein Parlamentsskandal. Nachdem die Vorlage in erster und zweiter Lesung angenommen war, erhob der Nationalsozialist Stöhr Einspruch gegen die dritte Lesung und rief dabei eine ungeheuere Erregung des Hauses hervor, die sich in lauten Entrüstungsrufen kundgab. Präsident Löbe stellte fest, daß die armen Sozialrentner des Saargebiets bis zum Januar warten müßten, wenn Stöhr seinen Einspruch nicht zurückzöge, und stellte fest, daß es in der Geschichte des Reichstags noch nicht vorgekommen sei, daß jemand ohne Grund die Verabschiedung einer Vorlage verhindere, die armen Sozialrentnern einen Vorteil bringen sollte. Auf diesen Vorgang müsse die Oeffentlichkeit aufmerksam gemacht werden. Der Demokrat Koch und der Abg. Leicht von der Bayerischen Volkspartei wiesen auf den ungeheuerlichen Mißbrauch der Rechte einer kleinen Minderheit hin. Der volksparteiliche Abgeordnete Dr. Kahl wies auf eine Bestimmung hin, wonach man in außergewöhnlichen Fällen von der Geschäftsordnung abweichen könne. Graf Westarp schlug vor, dem Abgeordneten Stöhr eine weitere Stunde Redezeit zu geben. Stöhr hielt trotzdem an seinem Widerspruch fest. Die dritte Lesung konnte nicht erfolgen. Das Haus vertagte sich. Der Präsident schlug vor, die nächste Vollsitzung am 22. November abzuhalten. Der Schiedsspruch im Braunkohlenbergbau. P Berlin. Nach außerordentlich schwierigen Verhandlungen zwischen den Beteiligten des Lohnkonflikts des Braunkohlenbergbaus fällte der Schlichter Professor Dr. Brahn einen Schiedsspruch, der dahin lautet, daß der Durchschnittstariflohn im Kernrevier I mit Wirkung vom Tage der Wiederaufnahme der Arbeit an von 5,20 auf 5.80 M., also um 0,60 Mark je Schicht erhöht wird. Die Lohnerhöhung in den übrigen Kern= und Randrevieren erfolgt im gleichen Verhältnis. Diese Regelung kann erstmalig zum 31. August 1928 gekündigt werden. Die Arbeitgeber lehnen ab. Der Arbeitgeberverband für den Braunkohlenbergbau hat den Schiedsspruch abgelehnt. Die Arbeitgeber halten daran fest, daß eine Lohnerhöhung, zumal in diesem Umfange, ohne entsprechende Kohlenpreiserhöhung undurchführbar sei. Die Arbeitnehmer für den Schiedsspruch. Halle. Die Abstimmung über die Annahme oder Ablehnung des Schiedsspruches in der Arbeiterdelegiertenversammlung hatte folgendes Ergebnis: 381 Ja-Stimmen, 36 Nein=Stimmen und drei weiße Zettel. Arbeitswiederaufnahme am Montag. Halle. Nachdem die Arbeitnehmer den Schiedsspruch angenommen haben, hat der Reichsarbeitsminister ihn auf Antrag hin für verbindlich erklärt. Die BergarbeiterDelegiertenkonferenz hat nach Bekanntwerden der Verbindlichkeitserklärung des Schiedsspruches fast einstimmig die Wiederaufnahme der Arbeit am Montag beschlossen. 5 Der Reichswirtschaftsminister über die Notwendigkeit der Qualitätsarbeit. Eröffnungsrede auf der Werkstoffausstellung. Berlin. Am Sonnabendmittag wurde in der Reichshauptstadt die Werkstofftagung und die mit ihr verbundene Werkstoffschau 1927 eröffnet. Nach einer Begrüßungsansprache übermittelte Reichswirtschaftsminister Dr. Curtius die Grüße und Wünsche der Reichsregierung. In seiner Ansprache führte der Minister u. a. aus: Im Mittelpunkt der Schau stehe die Werkstoffprüfung, die in eindrucksvoller Weise zeige, welche Fortschritte gerade auf diesem Gebiete in Deutschland gemacht worden seien. Von der ganzen Schau könne man sich in erster Linie eine Hebung der Qualität aller Erzeugnisse dieser Fachgebiete versprechen. Steigerung der Qualität der Werkstoffe schließe Steigerung der industriellen Gesamtleistung in sich. Die Veranstaltung sei geeignet, Absatzmöglichkeiten im In- und Ausland für unsere Wirtschaft zu schaffen. Planmäßige Veredelungstechnik auf dem Gebiete der Stoffwirtschaft werde von nun an eine der Hauptaufgaben unseres wirtschaftlichen Wiederaufstiegs sein. Gegen die Anfreiheit der Wohnungsund Bauwirtschaft. Kundgebung der preußischen Hausbesitzer. In Berlin fand am 21. 10. eine vom Preußischen Landesverband der Haus= und Grundbesitzervereine veranstaltete' Massenkundgebung der preußischen Hausbesitzer unter der Parole: „Gegen die drohende Erhöhung und Verewigung der Realsteuern, gegen die Sozialisierung der Wohnungs= und Bauwirtschaft, für gerechte Besteuerung nach der Leistungsfähigkeit, für Erhaltung der Privatwirtschaft und des Privateigentums“ statt. Nach beachtlichen Ausführungen über die steuerliche Belastung wurde einmütig folgende Entschließung angenommen: „Die am 21. Oktober 1927 in Berlin versammelten Vertreter und Angehörigen des Hausbesitzes und des mit ihnen auf Gedeih und Verderb verbundenen Handelsund Handwerksgewerbes sowie der Landwirtschaft erheben mit lauter Stimme scharfen Protest gegen die fortgesetzte Erhöhung der bis zur Unerträglichkeit gesteigerten Steuerlast. Unerhört ist es, daß aus dem schwer um seine Existenz ringenden Mittelstand jährlich hohe Milliardenbeträge allein in Form roher Objektsteuern herausgepreßt und durch einen krankhaft aufgeblähten Verwaltungsapparat großenteils in geradezu unverantwortlicher Weise vergeudet werden. Unerhört ist es, daß fortgesetzt Milliarden für ein korruptes Bausystem angeblicher Gemeinnützigkeit sinnlos verschleudert werden. Unerhört, daß trotz aller öffentlich gebrandmarkten Korruption und Schiebung im Bau= und Wohnungswesen die maßgebenden Behörden keinen Anlaß nehmen, energisch einzugreifen. Hier tut Abhilfe dringend not. Es muß endlich Schluß gemacht werden mit der ungesunden Behördenwirtschaft, mit den fortgesetzten dreisten Eingriffen der öffentlichen Hand in Freiheit und Eigentum der Staatsbürger. Fort mit dem aufgeblähten Verwaltungsapparat! Hände weg von der Privatwirtschaft! Freie Wirtschaft für alle und jeden! Freie Wirtschaft auch im Wohn= und Bauwesen!“ Reichsregierung und Schluß der Gesellschaftssaison am Fastnachtsdienstag. Das Reichskabinett befaßte sich am Freitag unter dem Vorsitz des Reichskanzlers mit der Beteiligung der Mitglieder der Reichsregierung an gesellschaftlichen Veranstaltungen und kam zu der Entschließung, in ihren eigenen Veranstaltungen mehr noch als bisher die größtmögliche Einschränkung und Einfachheit anzustreben und ihre Teilnahme an feierlichen Veranstaltungen von anderer Seite auf das äußerste Mindestmaß zu beschränken. Vom Reichskanzler wurden die aus früherer Zeit bereits bestehenden Richtlim en über die Beteiligung von Mitgliedern der Reichsregierung an Kongressen, Tagungen, Jubiläen, Einweihungsfeiern, Gedenktagen und ähnlichen gesellschaftlichen Veranstaltungen in Erinnerung zurückgerufen, die das Ziel haben, die Beteiligung des Kabinetts — falls eine solche überhaupt erforderlich— nur auf den in erster Linie zuständigen Reichsminister zu beVom Glück vergessen. Roman von Fr. Lehne. 30. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Sie sagte aber nichts von ihrer Beobachtung zu Gwendoline. Indem sie ihre Arbeit wieder zusammenlegte, meinte sie:„Du, Line, ich glaube, wir könnten uns jetzt mal wieder zu dem Brautpaar verfügen! Malte braucht schließlich die berühmte Sandtorte unserer Babette nicht allein zu verzehren!“ Mit ironischem Beifallsklatschen empfing Malte seine Schwester. „Bravo für das Gratiskonzert, liebe Line—“ „Es ist doch zu schade, daß sie so eigensinnig ist und von mir gar nichts zur richtigen Ausbildung ihrer Stimme annehmen will!“ sagte Hanna eifrig, Maltes Ironie nicht bemerkend,„liebster Schatz, hilf doch deine Schwester mit bitten!“ Gwendolines Brauen zogen sich wie im Schmerz zusammen.„Nein, Hannerl, willst du mich immer wieder quälen?“ stieß sie hervor,„schon genug, daß——“ sie brach kurz ab und biß sich auf die Lippen—„man soll deine Güte nicht gar zu sehr ausnutzen, Hannerl,“ setzte sie dann hinzu. „Ich freue mich, daß du so vernünftig denkst, Line!“ warf die Frau Kommerzienrätin ein, das„du“ merklich betonend. Malte lächelte ein süffisantes Lächeln, legte zärtlich den Arm um Hannas Taille und blickte die drei anderen Damen beinahe herausfordernd an; an ihm prallten derlei Anzüglichkeiten wirkungslos ab. Am nächsten Tage— dem Sonntag— schlug Gwendoline in aller Frühe die Augen auf, geblendet von einem vorwitzigen Sonnenstrahl, der sich durch die Spalten der Vorhänge des Schlafzimmers stahl. Sie richtete sich auf, sah nach der noch schlafenden Hanna, mit der sie das Zimmer teilte, da diese nachts nicht allein sein durfte, schlich sich vorsichtig aus dem Bett, und huschte in das nebenan liegende Kämmerchen, um sich dort anzuziehen. Sie ließ die Fensterflügel weit auf. Das strahlende Tagesgestirn war gerade über die Berge im Östen hervorgekommen, und seine Strahlen funkelten in dem feuchten schränken. Insbesondere möchte sie einen guten, alten Brauch in Erinnerung zurückrufen, wonach die Wintersaison mit dem Fastnachtsdienstag ihr Ende erreichen soll. Jedenfalls wird die Reichsregierung von diesem Tageab, nämlich dem 21. 2. 1928, eine Beteiligung ihrerseits an gesellschaftlichen Veranstaltungen grundsätzlich ablehnen. Reg.=Rat Prof. Dr. M. Brahn(rechts) im Gespräch mit Friedrich Husemann, M. d. R.(links). Mißhandlungen Deutscher durch französische Besatzung. Kaiserslautern. In neuerer Zeit nehmen die Besatzungszwischenfälle in der Pfalz einen geradezu erschreckenden Umfang an. Nachdem erst kürzlich in der Stadt Kosel ein schwerkriegsbeschädigter Fuhrmann von einem französischen Offizier mit einer Peitsche ohne Grund schwer mißhandelt worden war, treffen aus anderen pfälzischen Städten neue Hiobsbotschaften ein. In der Nacht vom 21. Oktober wurde hier ein heimkehrender Arbeiter von zwei französischen Soldaten überfallen und mißhandelt. In der gleichen Nacht wurde von denselben Soldaten ein Herr belästigt und am Halse gewürgt. Ein junger Mann wurde nach kurzen Bemerkungen ohne jeden Anlaß von einem der Soldaten ins Gesicht geschlagen. Wiederum von denselben Soldaten wurden mehrere deutsche Zivilisten belästigt, zum Teil auch geschlagen und getreten sowie zu Voden geworfen. Zwei deutsche Polizisten, die zur Hilfe gerufen wurden, erhielten ebenfalls Stöße vor die Brust und wurden beschimpft. Auch die Vergewaltigungen gegenüber deutschen Frauen ind Mädchen nehmen in der letzten Zeit erschreckenden Umfana an. Trotz verschiedener Vorstellungen der deutschen Behörden wird den französischen Soldaten immer noch Nachtausgang gewährt. Dr. Stresemann über die politische Lage. Liegnitz. Anläßlich einer Wahlkreistagung der schlesischen Wahlkreisverbände der Deutschen Volkspartei sprach Reichsminister des Aeußern Dr. Stresemann über die politische Lage. In ausführlicher Darlegung der wirtschaftlichen Lage betonte der Reichsninister, daß wir vom Standpunkt der gegenwärtigen Lage ohne Zweifel positive Ergebnisse buchen können: Rückgang der Arbeitslosigkeit und Zunahme der inneren Kaufkraft. Das dürfe aber keineswegs dazu führen, die wirtschaftliche Gesamtlage als gesichert anzusehen. Der Wegfall früherer Vermögen und der zweifellos noch geringe Spartrieb machten uns abhängig von ausländischer Kapitalversorgung, die ihre großen Gefahren dann habe, wenn sie nicht restlos zu produktiven Zwecken angewandt werde. In der ganzen Ausgabewirtschaft dürfen wir nicht den Eindruck eines wohlhabenden Volkes erwecken, das wie in Wirklichkeit absolut nicht sind. Hand in Hand mit der Besoldungsvorlage muß eine weitgehende Verwaltungsreform gehen. In bezug auf das Reichsschulgesetz Gras und auf den noch nassen Blättern der Bäume und Sträucher wie tausend Diamanten. Wolkenlos wölbte sich der tiefblaue Himmel über der prangenden Erde, und in bläulichem Dunst standen die Berge da. Feiertagsfrieden und Feiertagsschönheit lag in diesem Sonntagmorgen. Tief atmete sie die reine, köstliche Bergluft ein. „Heut' sehe ich ihn,“ jubelte sie. Nur ihretwegen würde er kommen— er hatte es ihr ja geschrieben, und doppelt sorgfältig machte sie Toilette. Die Villa, die Frau Likowski gemietet, war ziemlich elegant eingerichtet, und geräumig genug, um gelegentlich Gästen ein behagliches Unterkommen zu gewähren, wovon Malte öfter Gebrauch machte. Heute war er schon früh auf. In einem weißen Anzug mit Seidenhemd mit grünseidener Kravatte, zu der die Strümpfe und der Gürtel paßten, stand er auf dem Balkon, der sich rings um das Haus zog. Der Scheitel in dem dunklen, leicht welligen Haar war peinlich scharf gezogen; sein hübsches Gesicht trug einen Ausdruck großer Befriedigung, während er den leichten, aromatischen Rauchwölkchen seiner Morgenzigarette nachsah. Der ganze Malte duftete förmlich nach Wohlbehagen, Sauberkeit und Frische. Unter leutseligen Scherzworten sah er dem adretten Stubenmädchen zu, wie es den Frühstückstisch herrichtete. Gwendoline kam jetzt, die Honig= und Marmeladendose tragend.„Sind Sie fertig, Melly?“ Sie stutzte, als sie den Bruder erblickte; es war doch kaum sieben Uhr vorbei. Spöttisch verneigte er sich und warf seine Zigarette fort. „Guten Morgen, teuere Schwester!“ „Du schon auf, Malte?“ „Ich habe mir erlaubt—“ „Hanna schläft noch, da sie eine unruhige Nacht hatte.“ „Dann gönne ihr noch die Ruhe und wecke sie nicht.“ „Das war auch nicht meine Absicht. Sie wird deine Komplimente noch früh genug hören.“ „Wenn sie sich dadurch beleidigt fühlt! Was geht's dich an!" „Du hast recht, mich geht es gar nichts an! Und dennoch unterstrich der Reichsminister, daß die Deutsche Volkspartet vünsche, die freie Entwicklung aller Schularten sicherzustellen. Im Zusammenhang mit den wirtschaftlichen Fragen betonte Dr. Stresemann die Fortführung der Handelsvertragspolitik und wies dabei auf die Bedeutsamkeit des Handelsvertrages mit Frankreich hin. Auch die Verhältnisse mit Polen bedürften nach mehr als zweijährigen Verhandlungen nunmehr/ der Regelung. Nach Kennzeichnung der Grundlinien der deutschen Außenpolitik umriß Dr. Stresemann in seinen Schlußworten die Stellung der Deutschen Volkspartei zur politischen Entwicklung und kennzeichnete ihre Politik als eine zielbewußte, verantvortliche, nüchterne Mitarbeit am Staat. Der Minister richtete zum Schluß einen Appell an seine Parteifreunde, das liberale Bürgertum in den Städten wieder zu der Bedeutung aufzurufen, die es einst gerade im preußischen Östen gehabt habe, und forderte, gegenüber manchen zu weit gehenden Ansprüchen und manchen einseitigen Interessentenforderungen, die Möglichkeit vorübergehender Erfolge der Partei zurückzustellen hinter dem größeren Gesichtspunkt des Eintretens für die Interessen der Allgemeinheit. Polnische Seeleute mißhandeln ihren deutschen Kapitän. Hamburg. Vor dem Hamburger Seeamt fand die Verhandlung über den Zusammenstoß zwischen dem Dampfer „Sachsen“ und einem polnischen Segler bei Gdingen statt. Der Dampfer hat im Juni dieses Jahres ein mit zehn Personen besetztes Segelboot angefahren, das falsch gelenkt worden war. Der Kapitän hatte sofort Schwimmwesten über Bord werfen lassen, konnte jedoch den Dampfer nicht so rasch stoppen. Die polnische Besatzung mißhandelte ihn deshalb schwer und sperrte den deutschen Maschinisten, der dem Kapitän zu Hilfe kommen wollte, vier Tage ein. Die Verhandlung wurde vertagt, um Aussagen des polnischen Segelbootführers zu erhalten. Mit Hilfe des Auswärtigen Amtes soll weiteres Material von der polnischen Reaierung angefordert werden. Der Verbrauch an Runstdunger. Jausend Töririert.— -Stickstoff——KalPhosp Geringe Einnahmen der Landwirtschaft bringen stets die Gefahr mit sich, daß in der im Interesse des Volksganzen so notwendigen Intensivierung der landwirtschaftlichen Betriebe ein Stillstand eintritt. Dies zeigt auch der Verbrauch an Kunstdünger, in welchem 1925/26 infolge der besonders starken Unrentabilität der Landwirtschaft und des damit verbundenen Geldmangels ein, wenn auch nur leichter, so doch deutlicher Rückgang eintrat. Die vorstehende Uebersicht über den Kunstdüngerverbrauch der Landwirtschaft wird aber in ihrer vollen Bedeutung erst klar, wenn man sich vergegenwärtigt, daß die deutsche Landwirtschaft im Jahre 1913 bei einer bedeutend größeren landwirtschaftlichen Nutzfläche an Kunstdünger nur verbrauchte 185 000 Tonnen Stickstoff, 555 000 Tonnen Kali und 490 000 Tonnen Phosphorsäure. Trotz dieses günstigen Verhältnisses verbraucht die deutsche Landwirtschaft nur etwa ein Fünftel des für Höchstleistungen notwendigen Stickstoffes. Die dafür notwendigen Aufwendungen werden erst möglich sein, wenn die Rentabilität der Landwirtschaft gesichert ist. Es zeigt sich also auch an diesem Beispiel, wie eng die Frage der Rentabilität der Landwirtschaft mit der Erfüllung ihrer wichtigsten nationalpolitischen Aufgabe, Erreichung der deutschen Nahrungsfreiheit, zusammenhängt. hab' ich ein drückendes Gefühl der Beschämung über soviel Lüge und Heuchelei!“ Er zuckte die Achseln. „Du bist wahnsinnig! Spare deine großen Töne für andere! Bei mir verfängt dein Pathos nicht! Vergiß nicht, daß du hier nicht zu Hause bist,“ sagte er halblaut und scharf,„meine Rechte, hier zu sein, sind größer und berechtigter, als die deinen! Du bist jetzt abhängig von meinem guten Willen— bist hier nur geduldet! Merke dir das: ein Wort von mir bei Hanna und du fliegst—“ Er machte eine bezeichnende Handbewegung. Sie erblaßte; ihr Mund öffnete sich zu einer heftigen Erwiderung; doch sie preßte die Lippen fest zusammen und schwieg. Was half ihre Empörung! Mochte es werden, wie es wollte! „Guck— guck!“ rief es da; aus dem Eckfenster beugte sich Blanka weit hinaus im weißen Frisiermantel, so daß das ziemlich kurze Haar über ihre Achsel fiel. „Seid Ihr schon auf? Und du schon im Staat Line?“ „Hast du vergessen, Blanka, daß du nachher mit mir zur Kirche willst?“ „Nein, nein, ich beeile mich schon, weil ich auch Hunger habe!“ Hanna war ein wenig verstimmt gegen Gwendoline, daß diese sie nicht rechtzeitig geweckt, weil Malte schon auf war und sie ließ die Freundin diese Verstimmung auch fühlen. Jede Minute, die sie mit dem Verlobten nicht zusammer war, zählte für sie zu den verlorenen. Ihre Eitelkeit ließ sie lange suchen, bis sie das geeignetKleid für heute fand. Ein ganz lose gearbeitetes weißes Seidenbatistkleid mit kostbaren Spitzen wurde endlich gewählt. Dann legte sie den indischen Kaschmirschal über die Schultern, ohne den sie selten zu sehen war— und so ging sie zu Malte. Gwendoline vergaß ihren Groll, hervorgerufen durck Hannas Verstimmung, angesichts dieser rührenden Erscheinung. Sie legte ihre Hände um das zarte Gesichtchen der Freundin und drückte ihre Lippen auf deren Stirn. Leicht entzog sich Hanna ihrer Liebkosung. (Fortsetzung folgt.) Aus aller Welt. Stadt und Land. Jubiläen und Gedenktage. 25. Oktober. 1919 Generalfeldmarschall Gottfried Graf v. Haeseler auf Guk Harnekop b. Wrietzen gest. 26. Oktober. 1800 Graf Helmuth von Moltke, preuß. Generalfeldmarschall, in Parchim(Mecklenburg) geb. 1867 Dorothee Goebeler, Schriftstellerin, in Berlin geb. Sonne und Mond. 25. 10. Sonne: A. 6.44, U. 16.43. Mond: A. 6.04, U. 17.06 26. 10. Sonne: A. 6.46, U. 16.41. Mond: A. 7.14, U. 17.21 Pakete mit Zeitungen. Zeitungspakete, die unter bestimmten Voraussetzungen zu ermäßigter Gebühr befördert wurden, sind seit dem 1. August weggefallen. Zeitungen, die vom Bezieher beim Eintreffen der Züge am Bahnhof in Empfang genommen werden sollen, müssen als„Bahnhofszeitungen“ aufgeliefert werden. Durch die hierdurch bedingte gesonderte Behandlung der Sendungen ist ihre pünktliche Beförderung und sofortige Aushändigung am Bestimmungsort gewährleistet. Es findet sich indessen nach einem Bescheide des Reichspostministeriums nichts dagegen einzuwenden, daß auch gewöhnliche Pakete mit Zeitungen ohne Paketkarte aufgeliefert werden und für die Ersatz nicht beansprucht wird, an die Empfänger am Bahnhof ausgehändigt werden, wenn dies ohne Beeinträchtigung des Betriebs möglich ist. Eine von der übrigen Paketpost getrennte Lagerung der Sendungen oder ein umständliches Heraussuchen der Pakete aus der Masse der Sendungen ist nicht möglich. Ob die Voraussetzungen für die Aushändigung der Pakete am Bahnhof gegeben sind, muß sich nach den örtlichen Verhältnissen richten. Im allgemeinen wird das Verfahren nur in kleineren Orten Anwendung finden können. Die Entscheidung für den Einzelfall treffen die Postamtsvorsteher. Der Gräberbesuch in Elsaß=Lothringen an den Totengedenktagen. Nach einem Berichte der Deutschen Botschaft in Paris hat die französische Regierung auch in diesem Jahre ihre Konsulate in Deutschland angewiesen, Reichsangehörigen zum Besuche der Gräber von Gefallenen in Elsaß=Lothringen an den beiden Totengedenktagen die üblichen Erleichterungen zu gewähren. Die Gebühr ist auf 3 Goldfrancs festgesetzt. Die Zollbehörden an der deutsch=französischen Grenze sind angewiesen worden, Grabtranze und andere Gegenstände(Kränze, Blumen, Motive, Palmen usw.), die die Beteiligten zur Schmückung der Gräber ihrer auf den Friedhöfen der Grenzzone bestatteten Verwandten oder Freunde mitnehmen, zollfrei einzulassen. Mit Belgien besteht ein Abkommen, wonach im kleinen Grenzverkehr für Kränze, Blumen und dergleichen Zollfreiheit gewährt wird. Weitere Bestimmungen sind mit Belgien nicht getroffen worden. Die öffentlichen Geldinstitute der Provinz Westfalen. 1. Der Zufluß der Spareinlagen bei den westfälischen Sparkassen ist im Monat September wieder reichlich gewesen, wenn er auch hinter dem des Vormonats zurückbleibt. Die Zunahme beläuft sich auf gut 7 Millionen RM. Die geringere Zunayme hängt wohl damit zusammen, daß der Monat September ein Quartalsschlußmonat ist. Die Spareinlagen der westfälischen Sparkassen belaufen sich jetzt auf 464,5 Millionen RM. Die Kontokorrenteinlagen weisen im September einen Rückgang von 106 auf 99 Millionen RM. auf. Der Gesamteinlagenbestand der westfälischen Sparkassen beträgt mithin 563,5 Millionen RM. An Sparbüchern wurden ca. 19000 Stück ausgestellt. 2. Landesbank und Pfandbriefamt. Die Landesbank einschl. der Stellen Bielefeld, Dortmund und Hagen hatte im September 1927 einen Umsatz von 549 Millionen RM. Die Bilanzsumme für September 1927 belief sich auf 214 Millionen RM. Seit Beginn des Jahres 1927 hat sich der Bestand der Landesbank an langfristigen und kurzfristigen Kommunalkrediten um 23,8 Millionen RM. vermehrt. Die Hypotheken des Pfandbriefamtes sind einschließlich der gewährten Zwischenkredite in der gleichen Zeit um 9,5 Millionen RM. gewachsen. Somit haben die Landesbank und Pfandbriefamt seit Jahresbeginn an neuen Krediten 33,3 Millionen RM. aufgebracht, das ist erheblich mehr als in irgend einer Zeit vor dem Kriege. Die weitere Kreditgewährung mußte bekanntlich in Rücksicht auf die Lage des Geld= und Kapitalmarktes eingestellt worden. (—) Meinerzhagen, 24. Oktober. Der Abbruch des in Wiebelsaat gelegenen Gebäudes des Herrn Müller ist nunmehr beendet. Die Besitzung ist seitens der Straßenverwaltung angekauft worden, weil sie an der scharfen Kurve gelegen den gesamten Verkehr behinderte. Nunmehr ist die Straße übersichtlich geworden.— Die Straße Neuenbrücke—Wiebelsaat soll jetzt mit einer neuen Decke versehen werden, wozu man z. Zt. die Steine heranschafft. * Meinerzhagen, 24. Oktober. Die Firma Lamberti in Wiebelsaat ist z. Zt. damit beschäftigt, einen Teil ihres Betriebes abzubrechen. Das Gebäude war teilweise alt und unmodern, sodaß man jetzt zu einem Neu= bezw. Umbau geschritten ist. Im vorigen Jahre hat man bereits einige Gebäudeteile erneuert, sodaß der ganze Betrieb ein völlig anderes Aussehen erhält. el= Meinerzhagen, 24. Oktober. Gestern nachmittag wurde die Freiw. Feuerweyr zu einer Schauübung gerufen, der eine zahlreiche Zuschauermenge beiwohnte. Auch hatten sich Amtmann Vedder und Gemeindevorsteher Kleine eingefunden. Eine Schulübung und eine solche an den Geräten klappte in ihrer Exaktheit vorzüglich und fanden allgemein Beifall. Dann erfolgte plötzlich das Alarmsignal. Die Wehr war in wenigen Augenblicken an der gedachten Brandstelle. In Sekundenschnelle war die mechanische neue Leiter aufgestellt, in Sekundenschnelle pumpte schon der Benzinmotor der Spritze Wasser in die Schläuche, auch trat sofort die alte Spritze in Tätigkeit, und aus vier Leitungen prasselten armdicke Strahlen auf das Brandobjekt. Die Geräte waren, wie immer, in bester Ordnung und arbeiteten zuverlässig, und jeder Wehrmann stand auf seinen Posten. Das Signal„Wasser halt" endete den Angriff. Abends war im Hotel Wirth ein gemütliches Beisammensein, wo man bei froher Unterhaltung einige schöne Stunden verbrachte. Herscheid, 24. Oktober. Auf einstimmigen Vorschlag der Gemeindevertretung wurde zum kommissarischen Amtmann der Amtsobersekretär Dames vom Oberpräsidenten der Provinz Westfalen ernannt. Lieberhausen, 24. Oktober. In Hellberg war eine Frau hinter ihrem Hause mit durchschnittener Kehle aufgefunden worden. Es hat sich herausgestellt, daß die Unglückliche im Verfolgungswahn Selbstmord begangen hat. Unglücksfall in einem Berliner Kaufhaus. Ein umstürzendes Regal begräbt fünf Verkäuferinnen. Ein schwerer Unglücksfall ereignete sich in einem Berliner Warenhaus. Ein an der Wand im ersten Stock aufgestelltes Regal, in dem etwa 1000 Paar Schuhe aufbewahrt werden, stürzte in den Verkaufsraum und begrub fünf Verkäuferinnen unter sich, Das Unglück trug sich in der Mittagsstunde zu. Eine Verkäuferin bestieg die Rolleiter, die an dem Schrank befestigt ist, um einige Umstellungen der Schuhkartons vorzunehmen. In dem Raum waren noch mehrere Verkäuferinnen tätig, um die umzusetzenden Waren abzunehmen. Das Regal war durch Eisenstäbe in der Wand befestigt. Es ist etwa 30 Meter lang und drei Meter hoch. Anscheinend haben sich die Eisenstäbe in der Wand gelockert und gaben nach. Das ganze Regal neigte sich zur Seite und stürzte dann in den Verkaufsraum. Einige Verkäuferinnen konnten sich noch rechtzeitig in Sicherheit bringen, während fünf von ihnen unter die Bretter und Schuhkartons zu liegen kamen. Unter dem Personal und den zahlreichen Käufern entstand eine Panik. Alles schrie laut auf und lief zu den Ausgängen, da man zuerst einen Decken= und Wandeinsturz befürchtete. Die unter den Trümmern des Schrankes liegenden Verletzten riefen laut um Hilfe. Einige beherzte Angestellte und die Geschäftsleitung machten sich gleich daran, die Verunglückten hervorzuholen. Während vier der Verletzten nur einen Nervenschock erlitten, hatte die fünfte starke Quetschungen davongetragen. Eine Königin, die die Schule schwänzt. Die Modekönigin Hilde Zimmermann vor Gericht. Die Berliner Modekönigin Hilde Zimmermann hatte sich am Sonnabend vor einem Berliner Amtsgericht wegen fortgesetzten Schwänzens des Fortbildungsschulunterrichts zu verantworten. Die Modekönigin, die sowohl von der Schulleitung wie von ihrem Personalchef wiederholt vergeblich zum Schulbesuch aufgefordert worden war, lehnte diese„Zumutung“ als eine nicht mit der Würde einer Königin zu verbindende Pflicht ab:„Sie verstehen, meine Herren: als Königin hat man doch andere Pflichten. Wenn man den Hermelinmantel trägt, kann man nicht auch noch die Schulmappe schleppen.“ Der Gerichtshof war indes anderer Ansicht. Hilde muß in die Schule gehen, und ihr Personalchef hat die Pflicht, sie„zum Schulbesuch anzuhalten“. Da er diese Pflicht bisher nicht erfüllt hatte, wurde er zu 10 Mark, im Unvermögensfalle zwei Tage Haft, verurteilt. .... und das Unheil schreitet schnell. Peter Schläger bei einer Autofahrt verunglückt. Am 19. Oktober, nachts gegen 2 Uhr, fuhr unweit dem 2 Kilometer von Schönebeck entfernt liegenden Ort Frohse ein Auto gegen einen Haltemast der Straßenbahn und hatte diesen umgebogen. Wenn der Mast ganz abgebogen gewesen wäre, so hätten durch den auf das Auto abgeleiteten Strom die Insassen getötet werden können. Das Auto war vollkommen zertrümmert. In dem Auto befanden sich vier Personen, der durch seinen frechen Raub im Berliner „Klausner“ bekannte Peter Schläger, ein Chauffeur und zwei Kellnerinnen aus einem Lokal Neuschönebeck bei Schönebeck, wo das Auto zuletzt gehalten hatte. Hier hatte eine Zecherei stattgefunden, und Schläger soll die beiden Kellnerinnen mitgenommen haben, da sie sich angeblich in Magdeburg eine Stellung suchen wollten. Während der Chauffeur und die beiden Kellnerinnen nur leichte Hautabschürfungen davontrugen, ist Schläger schwer verletzt worden. Der Verunglückte, der bei vollem Bewußtsein ist, hatte Papiere bei sich und sich auf seinen richtigen Namen ausgewiesen. Polizeibeamte beschlagnahmten die Sachen des Verunglückten. Es wurden bei ihm ungefähr 250 Mark beschlagnahmt. Der Verunglückte, der einen ruhigen und friedlichen Eindruck macht, weiß bisher noch nicht, daß er erkannt worden ist, da eine Vernehmung vor dem Eintreffen des Kriminalkommissars Werneburg nicht vorgenommen werden soll. Ländliches Schadenfeuer. Die gesamte Haferernte eines Rittergutes verbrannt. 300 Fuder Korn vernichtet. Auf dem Rittergut Striesenow der Frau von Lepel ist eine große Feldscheune in Brand geraten. Wegen des dichten Nebels wurde der Feuerschein in der Umgebung nicht gesehen, und die Feuerwehren mußten aus den Nachbardörfern erst drahtlich zur Hilfe herbeigerufen werden. Sie erschienen auch zahlreich, doch konnten sie dem Feuer keinen Einhalt mehr gebieten. Das ganze Gebäude brannte vollständig nieder und vernichtete die gesamte Haferernte des Gutes und 300 Fuder Korn. Zugzusammenstoß bei Schönwalde. Auf der eingleisigen Strecke Rösenthal=Berlin— Wandlitz der Niederbarnimer Eisenbahn stießen zwei Züge, die aus entaegenWestfalen-Rheinland. Altena, 24. Oktober. Die Frau eines 100 proz. Kriegsbeschädigten geriet mit Nachbarn in einen Streit, in den sich auch die Männer einmischten. Zwei Nachbarsleute fielen über den armen Kriegsbeschädigten, der sich nicht wehren konnte, her und verprügelten ihn. Das Hagener Schöffengericht verurteilte einen von ihnen zu 50 Mark Geldbuße. Der zweite Angeklagte wurde mangels Beweises freigesprochen. Altena, 24. Oktober. In dem Zuge, der von Hagen kommend, gegen 14 Uhr hier einläuft, gerieten in einem Wagen vierter Klasse einige Mitfahrende aus unbekannten Gründen in Streit, der solch bedrohliche Formen annahm, daß die in ihrer Sicherheit bedrohten Fahrgäste die Notbremse zogen, wodurch der Zug auf offener Strecke, zwischen Letmathe und Nachrodt zum Halten gebracht wurde. Der Hauptkampfhahn wurde in Altena zum Verlassen des Zuges gezwungen. Die Folgen, die für ihn sehr kostspielig sein dürften, werden nicht ausbleiben. Hagen, 24. Oktober. Die„Berg.=Märk. Ztg." schreibt: Märkische landw. Zentrale, A.=G. in Hagen. Diese Gesellschaft hat laut Bilanz zum 31. Dezember 1926 ihr Aktienkapital von 500000 M. verloren. Während der Verlustvortrag aus 1925 325674 M. betrag, ist für 1926 ein neuer Verlust von 198 454 M. ausgewiesen. Die Abschreibungen belaufen sich 47696 M. Gläubiger steher mit 503612 M. zu Buch; ihnen stehen Schuldner von 94202 M., Liegenschaften mit 364352 M. und Warenbestände mit 58737 M. gegenüber. gesetzter Richtung kamen, am Bahnhof Schönwalde bei Weiche I zusammen, wobei mehrere Wagen stark beschädigt wurden. Etwa 25 Personen trugen durch Holz= und Glassplitter teils leichtere, teils schwerere Verletzungen davon. Nach Aussagen eines der Zugführer hat die Bremse versagt und außerdem hat der starke Nebel die Sicht sehr erschwert. Vier Kinder verbrannt. In einer Laube beim Luftbad Dölzchen(Sachsen) wurden vier Kinder im Alter von etwa 6—10 Jahren, die bis zur Unkenntlichkeit verbrannt waren, tot aufgefunden. Nach den bisherigen Ermittlungen ist anzunehmen, daß die Kinder, die an dem sehr warmen Vormittag im Gartengelände gespielt hatten, durch ein Fenster in die Laube geklettert waren. Dort hat vermutlich ein Spirituskocher gestanden, den die Kinder anzündeten. Offenbar ist dabei Brennspiritus vorbeigegossen worden, der sich entzündet und in kurzer Zeit die ganze Laube in Brand gesetzt hat. Die polizeilichen Ermittlungen sind noch im Gange. Familiendrama. Ein auf der Domäne Roschwitz bei Halle beschäftigter Gutsarbeiter erschoß seine Ehefrau und seine 17jährige Stieftochter und hierauf sich selbst. Der Täter hatte seine Stieftochter bereits seit langem mit unsittlichen Anträgen und Drohungen verfolgt. Die Lebertranflasche mit der Giftflasche verwechselt. In Döllingen tranken zwei Arbeiterkinder aus einer Giftflasche, in der sie Lebertran vermuteten. Eines der beiden Kinder ist bereits gestorben, das andere schwebt in Lebensgefahr. Abflauen der Typhusepidemie in Schlesien. Die Typhusepidemie, die vor einigen Monaten im Kreise Münsterberg ausbrach, hatte kürzlich mit 130 Erkrankungsfällen ihren Höchststand erreicht, von denen zwölf tödlich verliefen. Seit den letzten Tagen ist ein Abflauen der Epidemie festzustellen. Die behördlichen Maßnahmen, wie Verbot öffentlicher Zusammenkünfte, Untersagung des Herbstjahrmarktes, Verbot des sogenannten offenen Sonntags und der öffentlichen Tanzlustbarkeiten trugen viel zur Verminderung der Epidemie bei. Drei Tote, ein Swerverletzter bei einem Autounglück. Auf der Chaussee Lötzen— Rastenburg überschlug sich ein Personenkraftwagen, anscheinend infolge einer Reifenpanne am Vorderrad, in voller Fahrt. Die Insassen des Wagens, ein Kassierer und sein achtjähriger Sohn, konnten nur als Leichen aus den Trümmern hervorgezogen werden. Der Chauffeur erlitt schwere Verletzungen. Es besteht wenig Aussicht, ihn am Leben zu erhalten. Feuer auf einer Schachtanlage. Auf der Gewerkschaft „Gottes Segen“, Betriebsabteilung Vereinigt=Feld, Schacht I, in Hohndorf im Erzgebirge brach am 22. Oktober Feuer aus. Von den Flammen wurde die Materialniederlage ergriffen. Das gesamte Material ist vernichtet worden. Die im feuerfesten Keller untergebrachten Benzin= und Oelfässer konnten in Sicherheit gebracht werden. Das Feuer soll durch Selbstentzündung entstanden sein. Der Schaden ist erheblich. 30 Personen an Fleischvergiftung erkrankt. Nach dem Genuß von Sülze sind in Rüstringen, Wilhelmshaven und Bockhorn dreißig Personen am Paratyphus erkrankt. Gegen die Schlächtereien, aus denen die Sülze stammte, ist eine polizeiliche Untersuchung eingeleitet worden. Die Massenvergiftungen in Hagen. Zu den Massenvergiftungen in Hagen, die auf einer Silberhochzeitsfeier durch den Genuß von Nußtorte verursacht wurden, wird berichtet, daß die bakteriologische Untersuchung der Tortenreste ergeben hat, daß die Ursache der Erkrankungen in einem zur Typhusgruppe gehörenden Bazillus zu suchen sei, der in Reinkultur in der Tortencreme vorhanden war. Sämtliche Erkrankten befinden sich außer Gefahr. Zwei Eisenbahnbeamte überfahren und getötet. Auf dem Hammer Bahnhof wurden zwei Eisenbahnbeamte— ein Zugführer und ein Oberschaffner, beide aus Osnabrüd — bei Ueberschreiten der Gleise von einem einfahrenden Personenzug erfaßt und getötet. Starker Nebel auf der Elbe. Auf der Hamburger Unterelbe herrscht seit dem 21. Oktober nachts so starker Nebel, daß die Schiffahrt auf der Elbe und in der Mündung fast vollständig lahmgelegt ist. Das Verholen der Seeschiffe wurde eingestellt. Von den unterelbischen Passagier=Frachtdampfern ist nur ein einziger in den Hafen gekommen. Auch der Fährverkehr ist stark beeinträchtigt. König Fuad bei Briand. Am Quai d’Orsay gab Außenminister Briand zu Ehren König Fuads von Aegypten ein Bankett, an dem auch der Präsident der Republik, das gesamte Kabinett, die Präsidenten von Kammer und Senat und das diplomatische Korps teilnahmen. Keine neuen deutschen Kredite an Sowjetrußland. Die in der deutschen Presse in der letzten Zeit wiederholt auftauchenden und von der ausländischen Presse übernommenen Meldungen über bevorstehende neue deutsche Kredite an Sowjetrußland auf Grund einer neuen Ausfallsgarantie des Reiches entbehren jeglicher Grundlage. Oeffentliche Umzüge des Roten Frontkämpferbundes in Köln verboten. Der Regierungspräsident von Köln hat für den Bereich seines Bezirks alle öffentlichen Umzüge des Roten Frontkämpferbundes bis auf weiteres verboten. Dortmund, 22. Okt. Teilstreik auf der Dortmunder Union. Wegen Lohnstreitigkeiten sind auf der Dortmunder Union in der elektrischen Abteilung und bei den Gußputzern Streiks ausgebrochen, an denen sich ungefähr 60 Arbeiter beteiligten. Der Tarifvertrag, gegen den sich die Arbeiter wenden, läuft noch bis zum 31. Dezember dieses Jahres. Hattingen, 22. Okt. Die vogelmordende Hochspannung. In den Ruhrweiden wurde dieser Tage ein stattlicher Fischreiher tot aufgefunden. Eine Schußwunde fehlte, am Schädel des Tieres aber stellte man eine verbrannte Stelle fest, die nur auf die Berührung des Tieres mit der die Ruhrweiden durchlaufenden elektrischen Hochspannung von 50 000 Volt zurückzuführen war. Auf einer Strecke von 80 bis 100 Meter entdeckte man, ebenfalls unter der Hochspannung, weitere 40 tote Vögel aller Art, vor allem Graudrosseln, alle zeigten die charakteristischen Brandmerkmale auf der Schädeldecke. Einige Tage später fand man auf derselben Strecke zehn Vogelleichen. Blankenstein, 22. Okt. Brückenerwerb des Kreises Hattingen. Die Koster Ruhrbrücke zwischen Blankenstein=Welper und Stiepel=Bochum geht aus dem Eigentum der Gemeinde Stiepel in das des Kreises gen über. Seit Jahresfrist führt die Straßenbahn HattingenStiepel=Bochum über diese Brücke und dabei hat sich heraus gestellt, daß sie den Anforderungen des heutigen Verkehrs nicht mehr gewachsen ist. Sie muß aus polizeilichen und verkehrstechnischen Gründen repaciert werden, wozu der Gemeinde aber die Mittel fehlen, die rund 70000 Mark betragen dürften. Aus diesem Grunde ist die Gemeinde froh, die Brücke samt einer Brückengeldrücklage von 23 000 Mark an den Kreis abtreten zu können. Horst(Emscher), 22. Okt. Abenteuerliche Flucht aus der Fremdenlegion. Hier traf der Fremdenlegionär Bronsart ein, der sich längere Zeit in der französischen Fremdenlegion aufgehalten hatte und dessen abenteuerliche Flucht durch den Suez=Kanal großes Aufsehen erregte. Br. hatte sich mit 14 jungen Deutschen in Euskirchen für die Fremdenlegion anwerben lassen. Sie wurden nach Metz und von dort nach Marseille befördert. Ohne weiteren Aufenthalt kamen sie an Bord eines Schifses, das nach Oran in Nordafrika fuhr. Zu einer Expedition nach Indochina gab Br. eine freiwillige Anmeldung ab. Schon unterwegs im Mittelländischen Meere kam dem Br. der Gedanke an eine Flucht. Als das Schiff sich im Suez=Kanal befand, der eine durchschnittliche Breite von 180 Meter und eine Länge von 160 Kilometer besitzt, machte sich unter den übrigen Fremdenlegionären eine Verschwörung bereit, die darauf hinzielte, gemeinsam die Flucht zu wagen. Anscheinend aber hatte das Bordkommando von dieser Bewegung Kenntnis bekommen, denn es ließ die Legionäre feldmarschmäßig auf Deck zusammentreten, und es war jedem Legionär verboten, sich in einer Kabine aufzuhalten Trotzdem wagte der Horster die Flucht. Er kletterte an einem Mast empor und versteckte sich in einem„Krähennest". Von diesem seinem Schlupfwinkel aus sprang er dann später aus einer Höhe von 16 Meter in den Kanal. Ihm folgten 25 Deutsche und cin Pole. Zwei der Flüchtlinge büßten ihr Leben ein. Die Flucht mußten die Franzosen geschehen lassen, denn nach der internationalen Abmachung ist das Schießen in diesen Gewässern streng vervoten. An Land angekommen, fand Br. den Weg zum deutschen Konsulat. 17 Tage dauerte der Aufenthalt in Port Said, die die Flüchtlinge in Ruhe und Muße verlebten, bis sie sich auf das deutsche Motorschiff„Königsberg“ begaben, das sie nach Rotterdam beförderte. Insgesamt kamen 7 Mann in Deutschland an, während 4 Mann den Fußweg durch die Türkei vorgezogen hatten. In Hamburg nahm die Staatspolizei sich der ehemaligen Legionäre an und steckte sie erst 17 Tage hinter „schwedische Gardinen". Nach Erledigung aller Formalitäten konnte Br. endlich die Reise in die engere Heimat antreten Buer, 22. Okt. 600 000 Mark für den Wohnungsbau. In einer kürzlich stattgefundenen Belegschaftsversammlung hiesiger Bergleute wurde vom Versammlungsleiter mitgeteilt, daß sich die Generalversammlung der Vergwerksgesellschaft Recklinghausen entschlossen habe, einen Betrag von 600 000 Marl als verlorenen Zuschuß für den Wohnungsbau bereitzustellen. Auch wurden schon Pläne vorgelegt, denen die Betriebsvertretung ihre Zustimmung noch nicht geben konnte, da sie nicht allen Anforderungen entsprachen. Neuerdings ist aber ein Vertrag mit dem Essener gemeinnützigen Bauverein zustande gekommen. Diese Baupläne sehen Räume von 16 bis 19 Quadratmeter vor. Zusammen mit der Stadtverwaltung Buer sollen in der Nähe des Stadtwaldes im östlichen Stadtteil von Buer=Mitte 80 Wohnungen gebaut werden. Durch Beisteuerung eines verlorenen Zuschusses erhält die Bergwerks=A.=G. für 76 Wohnungen das Vorschlagsrecht auf 10 Jahre. Recklinghausen, 22. Okt. Direkt vor das Auto gesprungen. Auf der Landstraße nach Haltern, unweit von Sinsen, wurde ein fünfjähriges Kind von einem Hinterrad eines Personenautos erfaßt. Dabei wurde das leine Wesen derart schwer verletzt, daß es wenige Minuten päter seinen Verletzungen erlag. Nach Aussagen eines Augenzeugen soll das Kind direkt vor das Auto gesprungen scin, so daß den Wagenführer keine Schuld treffen soll. Hagen, 22. Okt. 34 Personen an Paratyphus erkrankt. Zu der Massenvergiftung durch selbstgemachte Nußtorte bei einer Silberhochzeit, wobei von den Festteilnehmern und deren Angehörigen im ganzen bis jetzt 33 Personen an zum Teil schweren Vergiftungserscheinunjen erkrankten, wird noch mitgeteilt: Proben der Nußtorte ind zur Untersuchung nach Gelsenkirchen geschickt worden. Weil bei den Erkrankten Paratyphusverdacht besteht, sind ille erforderlichen Schutzmaßnahmen getroffen. Endgültiges kann erst nach Abschluß der laufenden Untersuchung mitgeteilt werden.— Ueber den Zustand der Erkrankten verlautet, daß nur bei einem jungen Mann Lebensgefahr besteht. Unter den Erkrankten befindet sich auch das Silberpaar. Inzwischen ist noch ein Mann dem Marienhospital zugeführt worden, der beim Kaffee nur die Nußtorte probiert hatte. Die Untersuchungen sind soweit gediehen, daß die Erkrankungen mit Bestimmtheit auf den Genuß der Nußtorte zurückgeführt werden können; denn diesenigen Gäste, die von der Nußtorte nichts genossen haben, sind nicht erkrankt. Hagen, 22. Okt. Ueberfahren und getotet. In der Nacht wurde auf der Strecke Hagen=Elberfeld zwischen den Stationen Gevelsberg=Milspe ein 20 Jahre alter Student aus Iserlohn tot aufgefunden. Er wurde von einem Zuge überfahren und ist eine Strecke mitgeschleift vorden. Der Körper wurde ara verstümmelt. Lippstadt, 22. Okt. Ein Schwindler. Ende September war ein auswärtiger Mensch in das hiesige Krankenhaus aufgenommen worden, der vorgab, bei einem Autounfall innerliche Verletzungen davongetragen zu haben. Er pumpte dann den Arzt, die Krankenschwestern und einige hiesige Geschäftsleute an und verschwand auf Nimmerwiedersehen. Jetzt kommt aus Haan bei Elberfeld die gleiche Nachricht, wonach er sich Adolf Middermann, Fabrikantensohn aus Hohenlimburg nannte, auch einen Autounfall mit inneren Verletzungen erlitten haben wollte, sich am 3. Oktober im dortigen Krankenhause bei den Schwestern meldete, sich in 1. Klasse legen ließ, Auswahlsendungen von Wäsche und sonstige Bedarfsartikel senden ließ(wie in Lippstadt), die Krankenhausinsassen und Geschäftsleute um größere oder kleinere Beträge anpumpte und dann heimlich verduftete. Hoffentlich gelingt es, diesen gemeingefährlichen Schwindler bald dingfest zu machen. Eversberg, 22. Okt. Diebstahl im Pfarrhause An die lange Reihe der Einbrüche in Pfarrhäusern schließt sich ein neuer an. In der Nacht von Donnerstag auf Freitag wurde das hiesige Pfarrhaus heimgesucht. Ein kleiner Geldbetrag sowie ein Ring sind mitgenommen. Hoffentlich gelingt es der Polizei recht bald, den Dieb zu stellen. Meschede, 22. Okt. Zur Eröffnung des Blinden=, Alters= und Erholungsheimes in Meschede hat der Westfälische Blindenverein eine Festschrift herausgegeben, die in übersichtlicher Weise vom Werden und Zweck des Heimes, über blindenorganisatorische Angelegenheiten und die Stadt Meschede selbst berichtet. Eine Reihe gelungener Lichtbilder zeigt Ansichten vom Mescheder Heim, von den Anstalten in Paderborn und Soest sowie bedeutenden Bauten der Stadt Meschede. Münster, 22. Okt. Schweres Bauunglück. An einem Neubau an der Ecke der Kellermann= und Melcherstraße werden die Baumaterialien mittels eines Aufzuges in die Höhe befördert. Aus einem bisher noch nicht erklärlichen Grunde löste sich plötzlich ein Bund Latten während der Auffahrt. Unglücklicherweise fiel er einem unten stehenden Arbeiter auf den Kopf. Dem Mann wurde die Schädeldecke zertrümmert; außerdem erlitt er erhebliche Verletzungen an den Schultern. Man schaffte den Verunglückten sofort ins Krankenhaus. Vocholt, 22. Okt. Elektrische Ernuchrerung durch einen Nollmops. Abends hantierte auf dem Kirmesplatze ein junger Mann in angeheiterter Stimmung mit einem Rollmops in der Luft herum, ohne zu bemerken, daß an der Bude, vor welcher er sich befand, aus einer herunterhängenden Fassung der elektrischen Lichtleitung die Birne herausgedreht war. Der junge Mann geriet mit seinem Rollmops in die Lampenfassung und stellte so eine gute Leitung für den elektrischen Strom her. Im Moment fand sich der junge Mann am Erdboden wieder und staunte nicht wenig, eine elektrische Ernüchterung so plötzlich und so billig erhalten zu haben. Zum Glüdk konnte er sich wieder erheben und mit einigen Ausdrücken der Verwunderung über elektrische Stromspannungen von dannen ziehen. Köln, 22. Okt. Die Unterschlagungen des in Untersuchungshaft sitzenden Sparkassenvorstehers Müller von der Zweigstelle der Städtischen Sparkasse am Barbarossaplatz sind weit höher, als zuerst angenommen. Der Beigeordnete Bürgermeister Dr. Matzerath erklärte in der letzten Stadtverordnetensitzung, daß die Unterschlagungen Müllers sich auf 250 000 bis 300 000 Mark belaufen würden. Es hat sich aber nunmehr herausgestellt, daß diese Veruntreuungen nahezu eine halbe Million Mark betragen, Die Stadt Köln wird für die Fehlbeträge des ungetreuen Beamten aufzukommen haben. Müller hat das veruntreute Geld auf Kölner und anderen Pferderennen verwettet. Er hat im Durchschnitt nicht weniger als 1000 Mark auf ein Pferd gesetzt. Soweit bekannt, hat er auch einmal einen Gewinn von 19 000 Mark erzielt, der ihm aber einen Einsatz von 14 000 Mark kostete. Köln, 22. Okt. Revision im Falle Broicher. Die Revision in dem Giftmordprozeß gegen den Arzt Dr. Broicher wird vor dem Reichsgericht am 1. November verhandelt. Wesel, 22. Okt. Selbstmord im Wirtshaus. In der Nacht hat in einer Wirtschaft am Kornmarkt ein Kaufmann aus Mülheim(Ruhr) Selbstmord verübt. Er zog olötzlich einen Revolver und jagte sich eine Kugel in den Kopf. Der Tod trat kurze Zeit darauf ein. Die Leiche wurde zur Leichenhalle gebracht. Hohenlimburg, 22. Okt. Die bevorstehende 700= Jahr=Feier von Schloß und Stadt Hohenlimburg war Gegenstand einer Aussprache in einer Sitzung des Vereins für Orts= und Heimatskunde. Aus geschichtlichen wie aus verkehrspolitischen Gründen will man eine mehrtäzige größere Feier veranstalten. Vorgesehen sind u. a. die Aufführung eines Festspieles im Schloßhof, ein historischer Festzug, ein großes Feuerwerk und die Herausgabe einer Festschrift. Simmern, 22. Okt. Jugendherbergen auch in Hunsrück. Der Gau Rheinland des Verbandes deutscher Jugendherbergen hat in diesem Jahre vollständig neue Bahnen beschritten und der wandernden Jugend zum erstenmal eine Reihe von Eigenheimen zur Verfügung getellt. In den Ferien waren die Heime trotz der ungünstigen Witterung vielfach überfüllt; auf der Eifelstrecke Köln=Trien wurden in den Heimen von Manderscheid, Darscheid be Daun, Adenau, Altenahr und Mehlem gegen 13 000 Ueber nachtungen gezählt. Beim Bau der Heime wurde auf die sanitären Einrichtungen besonderer Wert gelegt. In der nächsten Jahren soll außer der Eifel auch der Hunsrüc mit Hoch=, Idar= und Soonwald mit neuen Heimen versehen werden. Das Wasser aus Ihrer Leilung ist— wie jedes Leitungswasser- hart. Diese Härte ist beim Waschen sehr störend: sie hemmt die Wirkung des Waschmittels, verhindert eine kräftige Schaumbildung und erschwert das Waschen! 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