Dülmener Dülmener Anzeiger/ Amtliches Kreisblatt für den Kreis Coesfeld/ Dülmener Volkszeitung Gegründet 1874 Verlag: I Horstmann'sche Buchhandlung, Dülmen i. Westf. Gegründet 1874 Erscheint täglich, auch Sonn= und Feiertags— Telegramm=Adresse: Zeitung Dülmen— Ferpruf 578— Postschechkonto Dortmund 5815- Postverlagsort Münster(Westf) 2 Nummer 287 Jahrgang 1931 Der Reichstag mit 295:270 Stimmen für Brüning Außer dem Mißtrauensontrage gegen das Kabinett auch alle anderen Anträge der Opposition mit noch größeren Mehrheiten abgelehnt.— Vertagusig des Reichstags bis zum 23. Februar. Der Erfolg des Kanzlers. Von unserer Berliner Redaktion. — Berlin, 16. Okt.(Drahtb.) Durch den Abstimmungssieg des Kabinetts Brüning im Reichstag ist die politische Lage weitgehend geklärt. Viele Spannungen sind beseitigt, und es herrscht keine Ungewißheit mehr darüber, daß Dr. Brüning tatsächlich eine ausreichende parlamentarische Mehrheit hinter sich hat. Die„nationale Opposition" hat ihren Plan nicht verwirklichen können. Weder ein Harzburger Rechtskabinett noch ein Rechtskabinett mit einigen verschwommenen Linien zur Mitte hin wird dem deutschen Volk beschert. Wie es in Wirklichkeit mit der angeblichen großen Bedeutung der„nationalen Opposition" steht, hat sich daraus ergeben, daß die 270 Stimmen, die für das Mißtrauensvotum gegen das gesamte Reichskabinett aufgebracht wurden, nur mit Hilfe der Kommunisten erzielt werden konnten. Bringt man ihre Stimmen bei dem Abstimmungsergebnis in Abzug, so bleibt für die„nationale Opposition" nur eine hoffnungslose Minderheit übrig. Aber die„nationale Opposition" ist auch noch unter sich uneinig. Jede der beiden Gruppen, d. h. die Nationalsozialisten und die Deutschnationalen, möchte für sich allein die Führung beanspruchen. Dazu kommt noch, daß auch in den Reihen der Nationalsozialisten nur eine geschlossene Einigkeit nach außen hin vorgetäuscht wird. In den Wandelgängen des Reichstages konnte man nämlich hören, daß Dr. Goebbels sehr gern bei der Reichstagsdebatte geredet hätte, es aber nicht durfte, weil sein Chef Adolf Hitler ihm ein Auftreten im Reichstagsplenum nicht erlaubte. Vielleicht hängt dieser Vorgang auch damit zusammen, daß die Nationalsozialisten sich damit begnügten, während der viertägigen Debatte nur eine verhältnismäßig kurze formulierte Erklärung abzugeben. Bis zum Freitag mittag herrschte über den Ausgang der parlamentarischen Schlacht eine große Ungewißheit. Die letzten Stunden waren noch mit recht starken Spannungen geladen. Erst durch die Bekanntgabe des Beschlusses der Wirtschaftspartei, daß sie gegen die Mißtrauensanträge stimmen werde, war die Garantie gegeben, daß das Kabinett Brüning Sieger bleiben werde. Die Deutsche Volkspartei dagegen hielt es mit Ausnahme von einigen ihrer Mitglieder für angebracht, dem Reichskabinett das Vertrauen zu versagen, dagegen stimmten die Volksparteiler nicht für die Mißtrauensanträge, die von den Kommunisten gegen einige Kabinettsmitglieder eingebracht worden waren. Anscheinend wollte man es auf diese Weise mit dem Kabinett Brüning nicht ganz verderben. Von der Landvolkpartei wäre vielleicht auch ein größeres Entgegenkommen zu erwarten gewesen, wenn nicht eine große Ungeschicklichkeit auf journalistischem Gebiete vorgekommen wäre. Die Landvolkpartei war nämlich mißtrauisch geworden, weil in einer schlesischen Zentrumszeitung Ausführungen veröffentlicht wurden, die Reichskanzler Dr. Brüning über den Abbau der Agrarzölle gemacht haben sollte. Obwohl es sich um eine aus dem Zusammenhang gerissene Bemerkung des Kanzlers handelte, so war doch vielleicht aus diesem Grunde die Landvolkpartei etwas verschnupft, und sie stimmte daher mit großer Mehrheit für die Mißtrauensanträge. Doch auch dieses Versagen von zwei rechtsgerichteten Mittelparteien konnte es nicht verhindern, daß Dr. Brüning als Sieger durchs Ziel ging. Ohne Zweifel hat auch der letzte Appell des Kanzlers sehr günstig gewirkt. Er ging in seiner kurzen Rede, die er vor Beginn der Abstimmungen hielt, noch weit mehr aus sich heraus als am Dienstag bei seiner großen Regierungserklärung. Dadurch wurde der ausgezeichnete Eindruck seiner Ausführungen vom Dienstag noch erheblich vertieft. Der Kanzler zerpflückte die Argumente seiner Gegner in einer außerordentlich wirkungsvollen und sachlichen Art, sodaß sich ernsthafte Einwendungen gegen das, was er sagte, überhaupt nicht vorbringen ließen. Er vermied es, seinen politischen Gegnern auch nur eine einzige Angriffsfläche zu bieten, dagegen forderte er alle Gutgesinnten auf, über alle politischen Gegensätze hinweg sich zusammenzuschließen zur Rettung des deutschen Volkes. Aber soweit die Opposition in Frage kommt, ist das ein Appell, der auf taube Ohren stößt. Es werden sogar unsaubere Mittel angewandt, um den politischen Gegnern Schaden zuzufügen. Die gegen den Reichskanzler Dr. Brüning betriebenen Unterminierungsversuche sind bekannt. Trotz aller Ableugnungen spielten dabei auch Absichten mit, die ve. konfessioneller Unduldsamkeit, ja Verbissenheit eingegeben waren. Auf der gleichen Linie liegt ein VorDie Abstimmunge. im Reichstag. Von 577 Abgeordneten waren 57] anwesend. + Berlin, 16. Oktober. Nach Abschluß der politischen Debatte wurden heute nachmittag im Reichstag die mit größter Spannung erwarteten Abstimmungen vorgenommen. Das Haus füllte sich nahezu bis auf die letzten Plätze. Es wies eine Besetzung auf, wie sie noch nicht dagewesen ist. Von den 577 Abgeordneten waren 571 anwesend gewesen, nur 6 haben also gefehlt. Die Fehlenden waren bei den Sozialdemokraten der preußische Ministerpräsident Dr. Brann, bei den Kommunisten die Abgeordneten Maddalene und Kreutzburg, bei der Deutschen Volkspartei die Abgeordneten Dr. Curtius und Dauch und bei der Wirtschaftspartei der Parteivorsitzende Dr. Bredt. In allen diesen Fällen lagen Krankheit oder unüberwindbare Hindernisse vor. Die Fraktionen der Nationalsozialisten, der Deutschnationalen, des Zentrums, der Christlich=Sozialen, der Bayerischen Volkspartei, des Landvolks und der Staatspartei waren bisauf den letzten Mann erschienen. Es wurde zunächst abgestimmt über die zusammengesaßzten Mihtrauensanträge der Nationalsozialisten, der Deutschnationalen und der Kommunisten gegen die Reichoregleruna.— Mit der „nationalen Opposition" stimmen für diese Anträge die Kommunisten, der größte Teil des Landvolks, die meisten Mitglieder der Deutschen Volkspartei und die Sozialistische Arbeiterpartei; dagegen stimmten mit den Regierungsparteien(Zentrum, Bayrische Volkspartei, Staatspartei, Konservative Volkspartei) die Sozialdemokraten, die Wirtschaftspartei, die Christlich=Sozialen, die Volksnationalen und der Bayrische Bauernbund. Die Mißtrauensanträge werden mit 295 gegen 270 Stimmen bei drei Enthaltungen abgelehnt. Enthalten haben sich bei der Abstimmung die drei Deutsch=Hannoveraner. Bei der Deutschen Volkspartei haben sünf Abgeordnete gegen die Mißteanensanträge gestimmt, und zwar die Abgeordneten Dr. Kahl, Glatzel, Thiel, Dr. Kalle und Dr. v. Kardorss. Die Abgeordneten Dr. Moldenhauer und Dr. Schneider=Dresden haben sich an der Abstimmung nicht beteiligt. Das Landvolk hat bis auf die Abgeordneten Schlange=Schöningen und Dersch=Hessen für die Mißtrauensanträge gestimmt. Der Abgeordnete Schlange hat gegen die Mißtrauensanträge gestimmt, der Abgeordnete Dersch hat sich an der Abstimmung nicht beteiligt. Die Wirtschaftspartei hat geschlossen gegen die Mißtrauensanträge gestimmt. Der kommunistische Mißtrauensantrag gegen Minister Groener wurde in namentlicher Abstimmung mit 321 gegen 238 Stimmen abgelehnt bei 16 Stimmenthaltungen. Mit 337 gegen 233 Stimmen wurde der Mißtrauensantrag gegen den Reichsernährungsminister Schiele abgelehnt, mit 326 gegen 235 Stimmen bei 16 Enthaltungen der Mißtrauensantrag gegen den Reichsarbeitsminister Dr. Stegerwald. Der von den Deutschnationalen, Nationalsozialisten und Kommunisten gestellte Antragauf Auflösung den Reichstages wird mit 320 gegen 252 Stimmen der Antragsteller abgelehnt. Es folgte die namentliche Abstimmung über den von den Deutschnationalen und Nationalsozialisten gestellten Antrag auf Aufhebung sämtlicher Notverordnungen. Dieser Antrag wurde mit 336 gegen 233 Stimmen abgelehnt. In einsacher Abstimmung wurde mit großer Mehrheit auch der Antrag abgelehnt, die beiden Notverordnungen zur Bekämpfung politischer Ausschreitungen außer Kraft zu setzen, ebenso mit 334 gegen 233 Stimmen die Eventualanträge, die Notverordnung zur Sicherung von Wirtschaft und Finanzen vom 5. Juni dieses Jahres aufzuheben. sall, der sich am Freitag zugetragen hat. Unter den evangelischen Mitgliedern des Reichstages wurde von dem bekannten Nationalsozialisten Münchmeyer ein Rundschreiben verteilt, in dem über den Führer der Bayrischen Volkspartei, Prälaten Leicht, grobe Unwahrheiten behauptet wurden. Selbst der Nationalsozialist Dr. Frank, der als Kronzeuge für die angeblichen Behauptungen des Prälaten Leicht genannt wurde, mußte öffentlich im Reichstag zu gestehen, daß ihm von solchen Aeußerungen des Prä laten Leicht nichts bekannt sei. Dieses Beispiel zeigt wieder, mit was für Mitteln gewisse Kreise noch Erfolg zu haben glauben. Brüning hat gesiegt. Aber gewiß ist, daß die „nationale Opposition" trotz der parlamentarischen Niederlage keine Ruhe geben wird. Die„Deutsche Zeitung“ erklärt ganz offen, ein„Pyrrhus=Sieg“ Brü nings im Reichstag könne nicht darüber hinweg täuschen, daß die politische Umgruppierung im Gange sei und die Entscheidung sich außerhalb des Reichstages anbahne. Sollen diese Worte bedeuten, daß man auf Seiten der„nationalen Opposition“ vor der Anwendung gewaltsamer Mittel nicht zurückschrecken will, falls die unterirdischen Quertreibereien keinen Erfolg haben sollten? Die Reichsregierung und die Regierungen der Länder haben jedoch die Mittel in der Hand, um Ruhe und Ordnung aufrecht zu erhalten. Es kommt jedoch nicht nur darauf an, den Frieden im Reich zu sichern, sondern wichtige Entscheidungen sind auf vielen Gebieten notwendig. Man braucht nur daran zu erinnern, daß ein großes umfassendes Wirtschaftspiogramm erforderlich ist, um über die schweren Wintermonate hinwegzukommen. Dabei wird eine Fühlungnahme mit den Ländern bezw. mit dem Reichsrat unerläßlich sein, damit nicht wieder die süddeutschen Länder verärgert werden, wie es bei der letzten Notverordnung beispielsweise wegen des Eingriffs in das Sparkassenwesen der Fall war. Darüber hinaus soll das große Problem der Herstellung des Wirtschaftsfriedens zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern gelöst werden. Für die Sicherheit der Reichswährung ist sehr viel zu tun. Das Volk erwartet Senkung der Preise und wünscht eine energische Bekämpfung der Arbeitslosiakeit, und nicht zuletzt wird es auch eine der großen Aufgaben des Reichskabinetts sein, die Stillhasteabkommen, die im Februar ablaufen, rechtzeitig n verlängern, um auf außenpolitischem. Ge biete weiterzukommen. Wenn wir auch mit vollster Genugtuung den parlamentarischen Erfolg des Reichskanzlers verzeichnen, den man nach dem Verlauf des Kampfes nicht nur als seinen persönlichen, sondern auch als den größten Erfolg im Ringen um seine Politik bezeichnen darf, und wenn wir uns auch aufrichtig darüber freuen, so sind wir uns doch im klaren darüber, kommt. daß das Schwerste erst no Stegreifbeschluß des Reichstages gegen Panzerschiff B. )( Berlin, 16. Oktober. Dem heute vom Reichstag angenommenen kommunistischen Antrag, den Bau des Panzerschiffes B einzustellen und die hierfür vorgesehenen Mittel zur Kinderspeisung zu verwenden,(vergl. den Reichstagsbericht) kommt insofern lediglich der Charakter einer Demonstration zu, als er praktische Wirkungen nur im Zusammenhang mit Haushaltsberatungen haben würde. Der Haushalt ist jedoch durch Notverordnung bereits festgelegt und die Abänderung bezw. Aufhebung der Notverordnung ist vom Reichstag abgelehnt worden. Im Haushalt erscheint als erste Rate für den Bau des Schiffes, der inzwischen in Angriff genommen worden ist, ein Posten von 10,83 Millionen. Der Einstellungsbeschluß des Reichstages fußt im übrigen nach dem erneuten Abzug der Rechtsparteten auf einer Zufallsmehrheit, die sich in vorvereiteten Abstimmungen ohnehin nicht wiederholen würde. In parlamentarischen Kreisen nimmt man an, daß der Reichstagsbeschluß dasselbe Schicksal erleiden werde, wie ein ähnlicher auf genau so zusammengesetzter Mehrheit fußender überraschender Antrag gegen das Panzerschiff B vom März dieses Jahres, der darauf vom Reichsrat abgelehnt worden war. Vorläufig 173,6 Millionen Reichsbahnanleine gezeichnet. + Berlin, 16. Oktober. Das bis Freitag nachmittag festgestellte Zeichnungsergebnis auf die neue Reichsbahnanleihe beträgt rund 173,6 Millionen Reichsmark. Es handelt sich um Zeichnungen, die bis zum Ablauf der Steueramnestiefrist (15. 10.) getätigt wurden. Die allgemeine Zeichnungsfrist läuft bekanntlich bis zum 31. Dezember 1931. Es kann somit, wie in unterrichteten Kreisen betont wird, durchaus mit einem günstigen Ergebnis der Auflegung der Anleihe gerechnet werden, da bisher zweifellos im wesentlichen solche Personen gezeichnet haben dürften, die von der Steueramnestie Gebrauch machen wollten, die am 15. Oktober ablief. Das Ergebnis der Anleihe soll bekanntlich für die Vergebung von Aufträgen durch die Reichsbahn und damit der Bekämpfung der Arbeitslosiakeit dienen. Die zweite Kanzlerrede. Eine vornehme Antwort an die Opposition. = Berlin. 16. Oktober. In der heutigen Reichstagssitzung nahm vor den Abstimmungen über die Mißtrauensanträge Reichskanzler Dr. Brüning noch einmal das Wort zu einer Rede, in der er zu den in der dreitägigen Debatte aufgeworfenen Fragen und den Einwendungen gegen seine Politik Stellung nahm Der Reichskanzler führte folgendes aus: Ich bin dankbar für die Anregungen, die in der Debatte gegeben worden sind. Die Reichsregierung widersetzt sich nicht einem Antrag, eine Reihe formulierter Vorschläge auf Aenderung der Notverordnung einem Ausschuß zur weiteren Beratung zu überweisen. Wir wollen nur, daß nicht die Klammern zerstört werden, die unser Wirtschafts= und Finanzgebäude zusammenhalten Eine andere Gesamtlösung ist in der Debatte der Regierung von keinem Parteiredner den Regierungsvorchlägen entgegengehalten worden. Ich danke allen Rednern, auch dem Führer der Nationalsozialisten, für die Vornehmheit, mit der sie die Polemik gegen mich in der Reichstagsdebatte geführt haben Wenn diese Besserung der politischen Methoden auch in den Parteiversammlungen der kleinsten Orte Platz greifen würde. dann würden manche Maßnahmen überflüssig sein, die wir nicht zu unserer Freude in die Notverordnung aufnehmen mußten. Es ist keine Freude, der Presse Zwangsauflagen zu machen, und ich wünsche den Tag herbei, wo es durch freiwillige Selbstkontrolle der Presse möglich sein würde, darauf zu verzichten. Im übrigen darf ich eines besonders hervorheben, was mich mit einer gewissen Enttäuschung erfüllt hat und das ist die bei aller persönlichen Liebenswürdigteit scharf ablehnende Kritik der Deutschen Landvolkpartei.(Lebhafte Zustimmung.) Ich sage Enttäuschung und sage das vom Standpunkt eines Freundes der Landwirtschaft aus Denn, einen Minister so angreifen, dem es das Geschick auferlegt hat, nur Abbaumaßnahmen gegen die Arbeiterschaft aus einer Zwangslage heraus vorzunehmen, einem Mann, der schon in früheren Jahren sich unter die Konsumenten gestellt hat und sich mutig zum Schutz der Landwirtschaft bekannt hat, diesem Manne derartige Vorwürfe zu machen, das ist ein ganz historischer Fehler vom Standpunkt der deutschen Landwirtschaft.(Starker Beifall.) Sind wir uns doch darüber klar: Neben der ungeheuren Schulden= und Zinsenlast, die auch der Landwirtschaft droht, neben der Ueberspannung anderer öffentlicher Lasten, leidet doch die Landwirtschaft heute schon in Deutschland, wenigstens schon in stärkstem Maße darunter, daß die Kaufkraft der Konsumenten soweit gesunken ist, daß sie ihre Produkte nicht mehr absetzen kann Und deshalb gehtes auch nicht so mit den radikalen Lösungen der Produktionskostensenkungen auf einen Schlaa. wie sie anscheinend einzelnen Rednern, vielleicht auch dem Abgeordneten Dingeldey, vorgeschwebt haben. Vor allem aber, das muß ich hier einmal scharf betonen, Herr Abgeordneter Dingelden, wenn ich in den Tagen, wo die Banken und Sparkassen geschlossen waren, Maßnahmen getroffen hätte, die das ganze Voll ee eegt hätten, dann wäre es nicht möglich gewan, die deutsche Kreditwirtschaft und den deutschen taat überhaupt zu retten. (Lebhafte Zustimmung). Ruhe mußte ich schaffen in diem Augenblick. Es sind nicht die Maßnahmen des Staate wesen, die unser Kreditsystem gerettet haben, sondern Glaube der Bevölkerung an diese Ma naymen(Beifall im Zentrum). Eine praktische Arbeltsgemeinschaft habe ich im stillen soweit durchgeführt, daß ich stets wieder mit Wirtschaftsführern verschiedenster Verufe und mit Vertretern der Arbeitnehmer gesprochen und ersucht habe, eine Linie zu finden. Ich bin überzeugt, daß es möglich ist, eine solche Linie zu finden.(Kommunistischer Zuruf: Hungerlinie!) Keineswegs eine Hungerlinie! Ihre Politik(zu den Kommunisten gewandt) führt letzten Endes zum Hunger. Es ist meine Aufgabe, zu verhindern, daß das deutsche Volk in diesem schwersten aller Winter auseinandergerissen wird. Das Ziel eines verantwortlichen Politikers in diesen Tagen muß sein, zu verhindern, daß über der Not dieser Wochen und Monate. über diesen internationalen Spannungen aller äußersten Grades nicht, wie es immer in der Geschichte des deutschen Volkes war, das deutsche Volk in zwei seindliche Lager auseinandergerissen wird. Man mag mich ruhig angreifen, das soll mich nicht stören. Ich habe mit Bewußtsein in den letzten Wochen nicht mehr in der Oeffentlichkeit gesprochen, weil ich sonst in so scharfe: Form gegen die Intrigen und Gehässigkeiten hätte Stellung nehmen müssen, daß ich vielleicht vieles für die Zukunft zerschlagen hätte. Ich habe Wichtigeres zu tun und ich habe eknen zu tiefen Glauben an das deutsche Volk, als daß ich es für nötig halte, auf jeden Angriff infamer Skribenten zu antworten. Bei dem Kampf der einen Seite dieses Hauses gegen die andere ist es leider nicht möglich, die Volksgemeinschaft in ihrem politischen Ausdruck herbeizuführen, die wir in dieser historischen Stunde des deutschen Volkes haben müßten. Ich halte es für unmöglich, einen Weg zu gehen, der uns über diesen schweren Winter hinwegführen soll, der von vornherein eine geschlossene Front gegen die Arbeiterschaft bedeutet. Wer das glaubt, wird in kurzer Zeit versagen. Aber hinter dem Versagen steckt diesesmal etwas anderes. (Hört! Hört! in der Mitte.— Sehr wahr! bei den Kommunisten.) Da es auf diesem Wege nicht möglich ist, so bin ich zu der Ueberlegung gekommen, ein Kabinett zu bilden, daß an sich von jedermann in seinen Maßnahmen und in seinem Programm akzeptiert werden könnte, denn die Linie, die gegangen werden muß, wenn Deutschland gerettet werden soll, wird doch immer eine Linie des Ausgleichs und nicht der Unterdrückung nach der einen oder anderen Seite sein. Ich mußte daher die parteipolitische Basis dieses Kabinetts verengen und gleichzeitig dem Herrn Reichspräsidenten vorschlagen, einen Wirtschaftsbeirar zu bilden. Wenn man glaubt, in diesen schwierigen außenpolitischen Zeiten einen Wechsel in der Regierung vornehmen zu können, dann muß ich etwas sagen, was ich aus eigener bitterer Erfahrung habe kennengelernt. Jedes Kabinett mit einer anderen Etikette hat zunächst für einige Zeit mit stärkstem Mißtrauen im Auslande zu kämpfen. Wir können keine Zeit verlieren. Nehmen wir einmal den theoretischen Fall einer Rechtsregierung. Wenn sie den Weg, der zur Freiheit führen muß, gehen will, so wird sie den Weg fortsetzen müssen, den wir gegangen sind.(Sehr richtig!) Aber sie wird dem Auslande gegenüber erst Erklärungen avgeben müssen, die die bisherigen Regierungen nicht abzugeben brauchten. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Damit ich nicht mißverstanden werde. Ich habe kein Wort von einer Kapitulationserklärung einer solchen Rechtsregierung gesprochen und glaube, daß es überhaupt keine Partei in diesem Hause gibt, die jemals eine derartige Erklärung abgeben wird. Wie will man die Anschauungen innerhalb einer Rechtsregierung auf einen Nenner bringen? Man soll doch wenigstens einmal klas erklären, was man will. (Sehr richtig.) Ich habe noch nicht die Möglichkeit gehabt, den Offenen Brief Hitlers an mich selbst genau durchzulesen. Das bedeutet keine Kritik. Ich werde ihn durchlesen. Aber auf ein paar angestrichene Stellen dieses Briefes möchte ich eingehen. Hitler sagt, wenn auch nur vorübergehend eine Sanierung gelungen wäre, hätte niemand an die Revision gedacht. In dieser Auffassung liegt ein grundsätzlicher Fehler. Ich habe nicht mit einer Revision des Young=Planes angefangen, sondern es war zunächst meine Aufgabe, unter bitteren Opfern des deutschen Volkes ein absolut finanziell wankendes Gebäude zunächst einmal zu stützen, um überhaupt darin leben zu können. Wir sind die erste Regierung gewesen, die aus eigener Kraft und nicht aus Anleihen ersüllt hat. (Unruhe bei den Kommunisten.) Es zeigte sich dabei, daß es so mit den Reparationen nicht geht. Entweder gibt man uns das Geld, um es in Reparationen wieder zurückzuzahlen— und das hat auch einmal ein Ende— oder man gibt uns die Freiheit, die Reparationen mit einem riesigen Ausfuhrüberschuß zu bezahlen, und auch das können die Völker nicht vertragen. Trotz aller Unpopularität mußten wir den Mut haben, unseren Weg zu gehen. Wenn man an das Erfüllen ohne ausländische Kredithilfe geht, so wird sich zeigen, daß es nicht möglich ist, in dieser Form hohe Reparationen zu bezahlen. Ich glaube, daß diese Methode, die gewählt wurde, um eine Aufklärung der Welt über die wirkliche Lage Deutschlands zu schaffen, wirksamer war, als manche Forderung der Parteien. Denkschriften und Reden werden die Welt nicht von der Notlage Deutschlands überzeugen. Es überzeugt allein, wenn eine Regierung den Mut hat, ihre Karten aufzudecken und nicht zu sagen, daß sie mit allem Auferlegten mit einem Schlage brechen will. Diese, unsere Methode ist nicht neu, sie ist von besiegten Völkern immer wieder benutzt worden, um zum Erfolg zu kommen. Wenn Hitler mutig genug ist, mir die nationale Gesinnung nicht abzusprechen, so frage ich, was hindert dann vier Fünftel dieses Hauses, sich einmal zu entschließen für ein paae Monate Parteipolitik beiseite zu lassen und nur darüber zu reden, wie das Vaterland geretket werden kann, um endlich Glück und Freiheit zu schaffen.(Anhaltender Beifall und Händeklatschen bei den Reaierungsparteien.) er püpstliche Nuntius verläßt Spanien. Brüning und die Parteien. Ein Besuch beim Ministerpräsidenten. — Madrid, 15. Oktober. Der päpstliche Nuntius Tedeschini soll beabsichtigen, Spanien zu verlassen, und zwar auf Grund eines Beschlusses, dessen Bedeutung und Ursprung nicht genau bekannt sei. Der Nuntius habe heute vormittag mit trei spanischen Kardinälen Fühlung genommen, um sich mit ihnen auf die Persönlichkeit zu einigen, die den Primat ausuven und auch einen gewissen Anteil an den Beziehungen zwischen der spanischen Kirche und dem Vatikan nehmen soll. Man erklärt hier, daß der Erzkischof von Valodolid, Kardinal Gandasegui, hierfir ausersehen worden sei Die Abreise des Nuntius soll, nie verlautet, sehr bald, vielleicht schon heute abend erfolgen. Der Nuntius hat heute achmittag mit Mitgliedern der Regierung verhandelt und später darüber erklärt, er habe dem Ministerpräsidenten einen vertraulihen, nicht offiziellen Besuch abgestattet, urd jedenfalls nicht mit ihm über die Beziehungen zum Vatilan gesprochen. Die Kirche, sagte der Nuntiis, könne auf Grund der letzten Geschehnisse sich verleit fühlen aber sie nehme niemals eine seindselige Haltung ein. Nach einer Erklärung des spanischen Ministerpräsidenten hat es sich bei dem Besuch des Nintius um eine reine Förmlichkeit gehandelt. Der Nuntius habe als Doyen des diplomatischen Korps dem neuen Ministerpräsidenten seine Auswartung gemacht. Ein Jesuitenpater über die Ausweisung seines Ordens. Paris, 15. Oktober. Wie Havas aus Almeria meldet, hat der Prior des dortigen Jesuitenklosters erklärt, daß die Gesellschaft Jesu Spanien nicht verlassen werde, solange man ihr nicht beweiskräftige Gründe für ihre Ausweisung angebe. Er und die Seinen seien entschlossen, in Gemeinschaft mit den Gläubigen ihre Sache bis zum äußersten zu verteidigen. * Der Papst protestiert. Rom, 16. Oktober. Der„Össervatore Romano“ wird am heutigen Freitag abend eine Botschaft des Papstes an die Gläubigen in Spanien veröffentlichen. Der Papst erklärt darin, daß er auch ferner mit ihnen sein werde. Ferner protestiert der Papst nachdrücklichst gegen die der Kirche zugefügten Beleidigungen. Schließlich fordert er alle zum Gedet für die Erlösung Spaniens von den gegenwärtigen Prüfungen auf. Genfer Einladungsnote an Amerika. Hartnäckiger japanischer Widerstand. : Genf, 16. Oktober. Der Völkerbundsrat tiat am Freitag vormittag zu einer öffentlichen Sitzung zusammen, in der der in der geheimen Nachtsitzung gegen die Stimme von Japan gefaßte Beschluß über die offtzielle Einladung an die amerikanische Regierung bekanntgegeben wurde. Es kam erneut zu einer ausgedehnten Aussprache, in der Briand und Lord Reavina mit allen Mitteln versuchten, den japanischen Votschafter zur Aufgabe seiner ablehnenden Halrung zu bewegen. Briand teilte mit, daß der Botschafter ihm ein Schreiben übermittelt habe, in dem die jajpanische Regierung ihren Standpunkt der Ablehnung uneingeschränkt aufrecht erhalte und zunächst die Klärung der grundsätzlichen Rechtsfrage verlangt, ob die Zuziehung eines Nichtmitgliedsstaates durch den Völkerbundsrat mit Mehrheitsbeschluß gefaßt werden könne und welche Rechte und Pflichten die amerikanische Regierung im Falle einer Teilnahme an den Verhandlungen habe. Briand gab sodann sein Antwortschreiben an den japanischen Botschafter zur Kenntnis, in der die Auffassung der japanischen Regierung als nicht verständlich avgelehnt wird. Der japanische Notschafter betonte, daß lediglich aus politischen Zweckmäßigkeitsgründen nicht grundsätzlich die gesamten die Verfassung des Völkerbundes berührenden Fragen überaangen werden könnten Lord Reading erklärte sodann, daß alle rechtlichen Bedenken beiseite gelassen werden müßten, um zu einer sofortigen Regelung dieses außerordentlich ernsten Konfliktes zu gelangen. Nach längerer Beratung teilte Briand nunmehr mit, daß nunmehr die offizielle Einladungsnote an Amfrika abgehen werde. Die grundsätzliche Verfassungsfrage über die Zuziehung von Nichtmitgliedstaaten sowie die Frage der Einstimmigkeit oder Mehrstimmigkeit sei offengeolieben. Der deutsche Vertreter, Gesandter von Mutius, verlas eine Ertlärung der deutschen Regierung, in der es heißt, daß die materiellen und moralischen Folgen eines Krieges sich heute gleichmäßig aufalle Staaten auswirkten. Deutschland als entwaffnete Macht sei besonders daran interessiert, daß ein zwischen den Völkerbundsstaaten ausbrechender Konflikt so schnell wie möglich durch das Eingreifen des Völkerbundsrates zum Abschluß gelange. Deutschland, seiner geographischen, wirtschaftlichen und sozialen Lage bewußt, nehme besonderes Interesse daran, daß China und Japan ein Beispiel der Mäßigung und der Voraussicht gäben. Die große Aussprache wurde sodann mit einer Erklärung Briands geschlossen. Der Völkerbundsrat hoffe, kürzester Frist zu einer Lösung dieses außerordentlich ernsten Problems zu gelangen. * Amerika nimmt an. Genf, 16. Oktober. Die amerikanische Regierung hat die Einladung zur Teilnahme an den Verhandlungen des Völkerbundsrats über die Regelung des japanisch=chinesischen Streitfalls angenommen und den ständigen Beobachter beim Völkerbund, Generalkonsul Gilbert, beauftragt, die Vereinigten Staaten im Rat zu vertreten. Die nächste Ratssitzung findet am Abend statt. Begrüßung des amerikanischen Vertreters. + Genf, 16. Oktober. Der Völkerbundsrat trat heute abend zu einer öffentlichen Sitzung zusammen, an der zum ersten Male seit der Gründung des Völkerbundes ein Vertreter der Vereinigten Staaten teilnahm. Briand eröffnete als Vorsitzender die Sitzung mit der Verlesung der Antwort, in der die Vereinigten Staaten die Einladung des Völkerbundsrates, an den Sitzungen über den mandschurischen Konflikt teilzunehmen, angenommen haben. Sodann bat Briand den im Saal anwesenden Vertreter der Vereinigten Staaten, Prentiß Gslbert, am Ratstisch Platz zu nehmen. Briand begrüßte ihn. Der Vertreter der Vereinigten Staaten erwiderte auf die Begrüßungsworte des Vorsitzenden. Im weiteren Verlauf der Sitzung gaben sämtliche Ratsmitglieder mit Ausnahme des Vertreters Japans und Norwegens Erklärungen ab, in denen die Anwesenheit eines Vertreters der Vereinigten Staaten begrüßt wurde. Der deutsche Vertreter, Gesandter von Mutius, sagte, Deutschland habe seinerzeit mit einer ganz besonderen Befrledlauna die großzügige Initiative, die zum Pakt von Paris geführt habe, begrüßt. Er beglückwünschte den Rat zu der engen Zusammenarbeit mit den Vereinigten Staaten, die jetzt erfolgen werde. Nach einem kurzen Dankeswort des amerikanischen Vertreters schloß Briand die Sitzung. * Mandschurei- Ruhrgebiet. :: Moskau(über Kowno), 16. Oktober. Nach Moskauer Meldungen aus Tokio nimmt in Japan die Bewegung gegen die Einmischung des Völkerbundes und Amerikas in den mandschuischen Konflikt ständig zu. Die Tokioter Zeitungen schreiben, der Völkerbund habe zu schweigen und sich nicht in die ost-asiatischen Angelegenheiten einzumischen, und erinnern daran, daß Genf auch zugunsten Deutschlands während der Besetzung des Nuhrgebiets durch Frankreich keinen Finger gerührt habe. Die japanische Regierung soll beschlossen haben, die letzte chinesische Note nicht zu beantworten und Verhandlungen über den Konflikt nur mit Vertretern der mandschurischen Regierung zu führen. * Austritt Japans aus dem Völkerbund? :: Tokio, 16. Oktober. Man spricht hier von der Möglichkeit des Austritts Japans aus dem Völkerdund; man ist stark enttäuscht durch den Beschluß des Völkerbundsrats, trotz der japanischen Bedenken die Vereinigten Staten zur Teilnahme an der Behandlung der mandschurischen Angelegenheiten einzuladen. Von maßgebender Seite wird erklärt, die Regierung habe eine derartige Maßnahme nicht erwartet, und es wird die Hoffnung ausgesprochen, daß der Völkerbund nach reiflicher Ueberlegung die Berechtigung des japanischen Standpunttes anerkennen werde. Glückwünsche der Zentrumsfraktion für den Reichskanzler. Von unserer Berliner Redaktion. — Berlin, 16. Oktober.(Drahtb.) Während einer Pause der Reichstagsverhandlungen trat die Zentrumsfraktion zu einer kurzen Sitzung zusammen. Prälat Dr. Kaas sprach dem Reichskanzler zu seinem errungenen Sieg im Namen der Fraktion die herzlichsten Glückwünsche aus und gab der Hoffnung Ausdruck, daß auch bei denen, die es eute noch nicht einsehen wollen, allmählich die Einsicht urchdringe, daß der Sieg Brünings ein Sleg deutscher Vernunft und deutschen Schicksalswillens war. Mit Freuden, so sagte der Führer der Zentrumspartei, haben wir in den letzten Tagen feststellen können, wie stark das Vertrauen zu Dr. Brüning im politischen Leben und nach der olitischen Seite hin verankert ist. Man darf auch hoffen, daß das Vertrauenskapital, das sich Brüning im Ausland erworben hat, gute Früchte tragen wird. Prälat Dr. Kaas versicherte den Kanzler der unverbrüchlichen Treue und weiteren Unterstützung der Fraktion. Der Kanzler selbst dankte in gerührten Worten. Er eine Zentrumsmitarbeiter im Kabinett hin und auf den Parteivorsitzenden Prälat Dr. Kaas, die schweren Arbetten der letzten Wochen und ganze Dank der Partei gebühre. In der Zenwies auf seine Zentrumsmitarbeiter im Kabinett hin und vor allem auf den Parteivorsitzenden Prälat Dr. K denen für Tage der ganze Dant ver par trumsgeschichte wird der heutige Tag, so schloß der Kanzler, ein Ruhmesblatt bleiben. Keine Siegeszuversicht dürfe Platz greifen, denn niemals könne man vorhersehen, wie die weitere Entwicklung läuft, und nur dersenige, der den Mut und die Nerven behalte, der werde letzten Endes sowohl im inneren Kampf wie auch in dem letzten Kampf der Völker, sich aus dem Chaos zu retten, den Erfolg für sich zu buchen. Er fordere deshalb nochmals alle Mitglieder der Fraktion auf, nach wie vor die Nerven zu behalten, um dann den endlichen Erfolg mit erringen zu können. Kurzer Urlaub Brünings. Berlin, 16. Oktober. In Kreisen der Reichsregierung wird als nächste Sorge nach der Vertagung des Reichstages die Bildung des Wirtschaftsbeirates angesehen. Reichskanzler Brüning wird jedoch am Sonnabend einen kurzen Urlanb antreten. Lavals Abreise nach Amerika. + Paris, 16. Oktober. Ministerpräsident Laval hat heute früh 8,10 Uhr, begleitet von der französischen Delegation und seiner Tomter Josette, Paris verlassen und ist im Zuge nach Le Havre abgereist. Auf dem Bahnsteig in Paris waren die in Paris anwesenden Mitglieder der Regierung erschienen, um ihn zu begrüßen. In seinem Salonwagen nahmen außerdem Platz der amerikanische Botschafter in Paris, Edge, um Laval bis Le Havre das Geleit zu geben, sowie die Unterstaatssekretäre Cathala und Foulon. Laval wurde in Le Havre im Rathaus von dem dortigen Bürgermeister, dem aus de Radikalen Partei ausgetretenen Abgeordneten Leo Meyer, empfangen. Der Dampfer„Isle de France“ lichtete mit Ministerpräsident Laval und der französischen Delegation an Bord, wie vorgesehen, um 12,30 Uhr französischer Zeit(1,30 Uhr ME3) die Anker. heute nacht Start des„Graf Zeppelin" nach Pernambuco. Friedrichshafen, 16. Oktober. Der Start des Luftse dritten Südamerikafah nambuco ist auf Sonnabend früh 0.45 der Fahrt nehmen voraussichtlich 20 Fluggäste tei uftschiffes„Graf Zeppelin" zu einer ahrt in diesem Jahre nach Pernabend früh 0.45 Uhr festgesetzt AnDia Mehrheit, die sich hinter die Regierung Brüning gestellt hat, ist nicht sehr groß, aber sie ist doch größer, als man in den letzten Tagen zeitweilig erwarten mochte. Die Deutsche Volkspartei, das Landvolk und die Wirtschaftspartei waren die drei unbekannten Größen, von denen man nicht wußte, ob man sie auf die Seite Brünings oder der Opposition zu plazieren hatte. Die Entscheidung in den drei Fraktionen ist tatsächlich erst am Freitag gefallen. Zuletzt kam es, da die Volkspartei und das Landvolk sich in den wenn auch nicht ganz eindeutigen Reden ihrer Führer doch schon so gut wie festgelegt hatten, nur noch auf die Wirtschaftspartei an. Von ihren Versuchen, möglichst viel für ihre Interessen herauszuholen, wird allerhand erzählt. Hugenberg soll sich bereit gefunden haben, dieser wirtschaftlich doch ganz einseitig orientierten Standespartel das Wirtschaftsministerium zuzusichern. Beim Reichskanzler soll sie vor allem von der Zusicherung eines Genossenschaftskredits von 100 Millionen Mark ihr Votum für ihn abhängig gemacht haben. Dies und anderes mehr können Couloirgerüchte sein. Die ihr nachgesagte Kreditbedingung wird sogar von der Wirtschaftspartei als„Infamie“ bezeichnet. Aber die wirtschaftsparteiliche Taktik hat doch stark den Eindruck eines Handels gemacht. Das Ende war immerhin, daß sie geschlossen gegen die Mißtrauensanträge stimmte. Und es waren 21 gute Stimmen, die sie zugunsten Brünings in die Wagschale warf. Die Deutsche Volkspartei und die Landvolkpartei haben sich bei der Hauptabstimmung dreifach gespalten: für, gegen und Stimmenthaltung. Beiden Parteien hat der Reichskanzler in seiner Rede vor den Abstimmungen noch einige passende Bemerkungen gewidmet. Wir begnügen uns damit, hier darauf hinzuweisen. Der Konflikt innerhalb der Deutschen Volkspartei, den die Gewinnung Dingeldeys durch den tarifrechtsfeindlichen schwerindustriellen Flügel heraufbeschworen hat, ist in der volksparteilichen Reichstagsfraktion offen zum Ausbruch gekommen. Es ist ihrem Führer nicht gelungen, die von Hitler und Hugenberg noch nicht Geblendeten wenigstens zur Stimmenthaltung zu bewegen. Der Ehrenvorsitzende der Partei, der alte Geheimrat Kahl, erklärte, er könne es nach reiflicher Ueberlegung nicht mit seinem Gewissen vereinbaren, sich nur der Stimme zu enthalten. Ihm schlossen sich der Abgeordnete von Kardorff, das Verwaltungsratsmitglied der J. G. Farben Dr. Kalle und die beiden Gewerkschaftler Glatzel und Thiel vom Deutschnationalen Handlungsgehilfenverband an. Dr. Moldenhauer und Dr. Schneider, der sich in letzter Zeit in mehreren Zeitungsartikeln scharf gegen die nationale Opposition gewandt hat, enthielten sich der Stimme. Dr. Curtlus und Dauch, die sicherlich nicht mit der volksparteilichen Mehrheit gestimmt hätten, waren nicht anwesend. Aber die Mehrheit selbst, die gegen das Kabinett stimmte, ist auch noch keineswegs eine homogene Gruppe, sondern diese 20 sind, wie die „Kölnische Zeitung“ bemerkt, untereinander in ihren Auffassungen ziemlich weitgehend verschieden. J. B. sei unter ihnen eine Gruppe, die lediglich aus Fraktionsdisziplin mit der Mehrheit gehe, jedoch innerlich auf seiten des Kabinetts Brüning steye. Andere wiederum seien unentschlossen und gingen ebenfalls nur mit Rücksicht auf die Disziplin mit der Mehrheit. Aehnlich steht's bei der volksparteilichen Wählerschaft. Es sind aus ihr heraus in den letzten Tagen Kundgebungen bekannt geworden, in denen der Anschluß an die„nationale Opposition" gefordert wurde, aber auch andere Kundgebungen, die sich scharf im entgegengesetzten Sinne an die volksparteiliche Reichstagsfraktion wandten. So hat eine Anzahl oberbadischer Industrieller, die der Deutschen Volkspartei nahestehen, den Führer der Deutschen Volkspartei, Dingeldey, wissen lassen, daß sie der Partei nicht länger angehören könnten, falls die Volkspartei das Verbleiben des Reichskanzlers Dr. Brüning im Amte nicht unterstütze. Auch hat der zur Volkspartei gehörige badische Finanzminister Mattes sich sehr deutlich für die Unterstützung Brünings ausgesprochen. Man müsse jetzt, sagte er, eine Regierung auf möglichst breiter Basis aufzubauen versuchen und man dürfe nicht die Sozialdemokratte, die bereit sei, die schwere Verantwortung mittragen zu helfen, in die Opposition und an die Seite des Kommunismus drängen. Diese Auffassung deckt sich vollkommen mit der des Zentrums. Was nach dem 16. Oktober, der doch für die Deutsche Volkspartei eine regelrechte Katastrophe geworden ist, aus dieser Partei wird, darauf darf man gespannt sein. Es hat den Anschein, daß ihr Auseinanderfall nicht mehr zu verhindern ist. In der kurzen Zeit seiner Führerschaft hat sie Dr. Dingeldey dahin gebracht. Sieht man von den Kommunisten ab, so sind von den Vertretern aller Oppositionsparteien dem Reichskanzler persönlich in diesen Tagen von erheblicher Hochachtung für ihn zeugende Komplimente gemacht worden. Selbst Hitler, dem anscheinend die von Frick im Reichstag abgegebene Erklärung nicht genügte, betonte am Schlusse eines nicht weniger als 1600 Druckzeilen des„Völkischen Beobachters" umfassenden Offenen Briefes an den Reichskanzler, bei der allerhöchsten Achtung vor der Person Brünings sehe er, Hitler, in der Ueberwindung seines Systems und seiner Regierung die Beseitigung des letzten Hindernisses zum Sieg der Kraft unseres Volkes. Wir erinnern uns nicht, daß Parteien aller Richtungen vor Brüning schon einem Reichskanzler in ähnlicher Weise ihre Hochachtung bezeugt haben, wie es in diesen Tagen im Reichstag und auch außerhalb des Parlaments geschehen ist. In der Zentrumspartei und sicher auch in all den Parteien, deren parlamentarische Vertretungen sich hinter die Regierung gestellt haben, ja auch darüber hinaus, wie die Zersplitterung in der Deutschen Volksvartei beweist, hat die viertägige Reichstagsschlacht rneut das Gefühl und die Ueberzeugung bestärkt, daß das deutsche Volk in Dr. Brüning einen wirklichen Führer hat. Er ist kein Freund von vielem Reden, von Impulsivitäten hält er sich fern, er überlegt, was er tut, aber er verliert nie sein großes Ziel, das deutsche Volk zur nationalen und wirtschaftlichen Freiheit zu führen, aus dem Auge. Das Vertrauen des Auslandes zu ihm wird nach dieser Reichstagsschlacht noch mehr als zuvor das außenpolitische Aktivum Deutschlande in den bevorstehenden weltpolitischen Entscheidungen sein. Samstag, den 17. Oktober 1931 Christlich=Soziale und Wirtschaftspartei für Brüning. Der Schluß der Aussprache im Reichstag. Kriegsbeschädigten debattelos de die Aussprache über die — Berlin, 16. Oktober. Reichstagspräsident Löbe eröffnete die Sitzung des Reichstages um 12 Uhr. Zunächst wurde eine Entschließung des Kriegsbeschädigtenausschusses zu Gunsten der Kriegsbeichd aufgenommen. Dann wurde Regierungserklärung fortgesetzt. Abg. Rippel(Chr. Soz.): Es geht heute um mehr als um ein Kabinett, es geht um die Schicksalsfrage des deutschen Volkes. Schrittmacher der radikalen Flügelparteien sind die rücksichtslose Politik Frankreichs und die schwere wirtschaftliche Not. Eine weitere Unterstützung hat die Agitation der Flügelparteien gewonnen durch die Sünden der früheren Regierungen. Die Rechtsopposition verdächtigt in ihren Versammlungen den Reichskanzler Dr. Brüning seit langer Zeit. Darum ist es erfreulich, daß gestern Adolf Hitler im„Völkischen Beobachter“ erklärt hat, er wolle Brünings Unantastbarkeit in keiner Weise anzweiseln. Die Parteigenossen Hitlers haben sich bisher leider anders verhalten. (Lauter Widerspruch der Nationalsozialisten. Dr. Frick und Dr. Goebbels rufen: Wir haben das auch nie getan!) Herr Dr. Goebbels, wenn Sie in Ihrem „Angriff“ Dr. Hugenberg und seine Partei als einen „Misthaufen“ bezeichneten, dann wundert es mich, daß sie sechs Wochen später mit diesem„Misthaufen" eine Einheitsfront bilden. Die Nationalsozialisten laufen jetzt Sturm gegen die Brüning=Notverordnung, in der die Kürzung der hohen Pensionen, die Kontrolle der Großbanken und Kartelle angeordnet wird. das sind doch die Fordeungen, die die Nationalsozialisten früher selbst propagiert haben. Die Ausführungen des Abgeordneten Dingeldey waren wenig klar, aber ich habe den Eindruck, daß sie beginnen und enden mit der Forderung der Senkung der Löhne und der Auflockerung der Tarifnoch Dr. Obersohren haben die preispertenernde wirtschaftlichen Grohell. verträge Weder Dr. Dingeldey ein Einschreiten gegen Politii der w konzerne und Kartelle gefordert, Das deutsche Volk trägt harte Opfer, wenn die Not des Vaterlandes es erfordert. Es wehrt sich aber mit Recht dagegen, wenn die verschwenderische Wirtschaft der Privatwirtschaft und der Kommunen auch in der jetzigen Notzeit fortgesetzt wird. Heute ist es nicht zu rechtfertigen, wenn der Intendant des Würzburger Stadttheatersein Gehalt von 40 000 Mark bezieht und wenn die Generaldirektoren der Großindustrie, die der Rechtsopposition sehr nahe stehen, heute noch Gehälter bis 800 000 Mark erhaiten. In aufreizendem Gegensatz dazu stehen die niedrigen Gehälter der kleinen Beamten, von denen einer nach Abzug der durch die Notverordnungen verfügten Kürzung für sich, Frau und Kind ganze 81 Mark als Monatseinkommen hat. Haben die Nationalsozialisten die Absicht, gemeinsam mit Hugenberg die Sozlalversicherung zu zerschlagen? Wie steht es heute bei den Nationalsozialisten mit der Entthronung der Bank= und Börsenüesten? Mit solchen agitatorischen Forderungen aben die Nationalsozialisten ihre Bewegung groß gemacht, und setzt stellen sie diese Bewegung den Bank= und Börsenfürsten zur Versügung. Wir können in dieser Notzeit den Klassenkampf nicht ertragen, der von rechts proklamiert wird. Wir brauchen eine Arbeitsgemeinschaft, in der auch die Gewrkschaften aller Richtungen vertreten sind. Der nächste Redner war der Kommunist Dr. Neubauer. Seine Ausführungen endeten wie üblich: Nur der Kommunismus im Bunde mit Sowjetrußland kann das deutsche Volk aus der Not erretten Aba. Mollath(W. P.) verlas eine Erklärung seiner Fraktion, in der es heißt: Die Folge einer vernichtenen zehnjährigen Finanz= und Wirtschaftspolitik in Verbindung mit außenpolitischer Schwäche sei die Abwendung eines großen Teils des Volkes von dem setzigen System. Die nationale deutsche Jugend ist heute der wertvollste Aktioposten unseres Volkes. Die Fraktion der Wirtschaftspartei, die durch Zustimmung zum Mißtrauensvotum den Weg freizumachen hätte für die Bildung einer Regierung, in der diese Kräfte führend vertreten sind, ist sich der schweren Verantwortung bewußt, die sie damit für die Zukunft übernimmt. Losgelöst von aller Parteipolitik haben wir die Folgen eines solchen Schrittes sorgfältig erwogen. Wir haben vor der Entscheidung der Fraktion dem Reichskanzler verschiedene Fragen vorlegen müssen und er hat uns zugesagt, daß er eine grundsätzliche Schwenkung in der Politik der letzten zehn Jahre vornehmen wolle unter Berücksichtigung der Bedürfnisse des selbständigen Mittelstandes. Wir haben andererseits nicht die Ueberzeugung gewinnen können, daß heute die Chance für die Mehrheitsbildung einer Rechtsregierung größer werde, als vor einem Jahr, als wir zu diesem Zweck unseren Minister Dr. Bredt zurückgezogen haben. Wie haben uns darum entschlossen, trotz aller Bedenken das Kabinett Brüning zu tolerieren. ). Dieser Regierung gehören heute bestimmte Persönlichkeiten nicht mehr an, gegen die wir Bedenken Kabinett Brüning ist berufen worden vom Reichspräsidenen v Hindenburg, hinter dem das Bevölkerung steht und zu dem wir in licher Treue stehen.(Abg. Stubbendorf (Dntl.): Für 30 Millionen in unverbrüchlicher Treue!) m Erun"de: Das ist eine Unterstellung, die Sie im Ernst nicht aufrechterhalten werden. iner(Dntl.): Aber der„Vorwärts" hats doch geschrieben!(Große Heiterkeit). Prasioent Loebe: Was der„Vorwärts" schreibt, geht mich nichts an. Ich rufe den Abgeordneten Stubbe orfzur Ordnung.(Lachen und klatschen rechts.) Katbg. Mollary(W. P.): Es ist eine Infamie, zu behaupten, daß in der Schicksalsstunde des deutschen Volkes eine anständige Partei sich durch Geldsummen in ihrer Entscheidung beeinflussen ließe. Was uns bet unserer verbestimmt, ist allein der Wunsch, das deutsche Volk aus dem Abgrund wieder zur Höhe zu führen(Beifall bei der Wirtschaftspartei). Hierauf nahm Reichskanzler Dr. Brüning das Wort.(Den Wortlaut seiner Rede veröffentlichen auf der ersten Seite des Hauptblattes.) Abg. Schmidt=Hannover(Dntl.) verlas in Anwesenheit der Rechten eine Erklärung. in der u. a. betont wird: Ein Weiterregieren dieses Kabinetts und eine neue Ausschaltung des Reichstages würde eine außenund innenpolitische Lage von so tragischer Schwere schaffen, daß ein Abgleiten Deutschlands in chaotische Zustände unvermeidlich wäre. Der Mißerfolg der mit nie dagewesenen Vollmachten ausgestatteten Regierung des Kanzlers Brüning liegt klar vor Augen. Er scheiterte, weil er sich aus der Abhängigkeit von der Sozialdemokratie nicht zu befreien vermochte. Wenn der Kanzler die Befürchtung ausgesprochen hat, daß sich eine Rechtsredierung zu Erklärungen dem Auslande gegenüber veranlaßt sehen würde, die die jetzige Regierung nicht abzugeben braucht, so können wir nur unser Befremden darüber aussprechen, daß der Kanzler überhaupt an solche Möglichkeiten denkt. Wir erklären erneut, daß wir neue internationale Lasten und Bindungen, die diese Regierung übernimmt, nicht anerkennen. Wir lassen uns nicht von dem klaren Weg abbringen, auf dem wir Deutschland aus der Kerinski=Pesriode der Halbheiten, aus dem bürokratischen Despotismus dieses Verordnungsstaates in eine starke Zukunft hinüberführen werden.(Starker Beifall bei den Deutschnationalen und Nationalsozialisten.) Abg. Dr. Rosenfeld(Soz. Arb.=P.) sieht die größte Gefahr des neuen Kabinetts Brüning darin, daß der Wehrminister Groener gleichzeitig das Innenministerium führe. Aba. Strathmann(Chr=Soz.): Wir bekennen uns in heißer Liebe zur Nation, aber gerade darum verneinen wir die Berechtigung der von der äußersten Rechten aufgestellten Forderung. Dr. Oberfohren lehnt parlamentarische Klopffechtereien ab. aber gerade seine Rede war eine parlamentarische Klopffechterei. Seine Verurteilung der Notverordnung war eine exaltierte Ungerechtigkeit. Abg. Kling(Bayr. Bauernb.) erklärte, seine Freunde wären zwar nicht mit allen Maßnahmen der Brünning=Regierung einverstanden, würden aber gegen die Mißtrauensanträge stimmen. Abg. Meyer=Hannover(D. H.) erklärte, seine Freunde würden sich bei der Abstimmung über die Mißtrauensanträge der Stimme enthalten. Abg. Haag(Landv.) beantragte Aufhebung der Zuckersteuer für Zucker zur Weinbereitung. Damit war die Aussprache beendet und es begannen die Abstimmungen. Zunächst wurde in namentlicher Abstimmung über den von den Kommunisten, Deutschnationalen und Nationalsozialisten eingebrachten Mißtrauensantrag gegen das Gesamtkabinett entschieden. Die Abstimmung ergab die Ablehnung des Mißtrauensantrages mit 295 gegen 270 Stimmen bei drei Stimmenthaltungen. Das Abstimmungsergebnis wurde von der Mitte mit Beifall, von der Rechten un Schweigen aufgenommen. Vor der Abstimmung gegen einzelne Minister erklärte Abg. Leicht(Bayr. Vpt.), offenbar zum Zweck der Abstimmungsbeeinflussung sei den protestantischen Mitgliedern ein Zettel zugestellt worden, auf dem ihm — Leicht— Aenßerungen über den Protestantismus in den Mund gelegt werden, die er nie getan habe. Auch Dr. FrankII(N.=S.), auf den sich der anonyme Zettelschreiber berufe, könne sich solcher Aeußerungen nichterinnern. Es sei bezeichnend, mit welchen Mitteln von der Opposition gearbeitet werde.(Pfuirufe.) Die Abgeordneten Dr. Dingeldey(D. V.) und Döbrich(Landvolk) erklärten, daß ihre Fraktionen den kommunistischen Demonstrativanträgen gegen einzelne Minister nicht zustimmen würden. Darauf wurden die Mißtrauensanträge gegen die Minister Groener, Schiele und Stegerwald, der Antrag auf Auflösung des Reichstages und der Antrag auf Aufund den Kommunisten mit über die Mißtrauensanträge zum hebung der Notverordnungen in namentlichen Abstimmungen abgelehnt. Präsident Loebe machte darauf aufmerksam, daß bei der Abstimmung über das Mißtrauensvotum gegen Dr. Stegerwald die Zahl der abgegebenen Stimmzettel nicht mit der Zahl der anwesenden Abgeordneten übereinstimme. Das Abstimmungsresultat werde nachgeprüft und richtiggestellt werden. Abgelehnt wurden auch die Anträge auf Aufhebung einzelner Notverordnungen. Bei der Abstimmung über die letzte Notverordnung enthält sich die Bayerische Volkspartei der Stimme mit der Begründung, daß sie erst die Entscheidung über ihre Aenderungsvorschläge abwarten wolle. Abg. Dr. Frick(N.=S.) erklärte, nach diesem Verlauf der Verhandlungen hätten die Nationalsozialisten kein Interesse mehr an den parlamentarischen Beratungen. Sie wurden den Reichstag verlassen und außerhalb des Parlaments daran arbeiten, die letzten Stützen dieses Systems zu zerbrechen. Abg. Leicht(Bayr. Vpt.) erklärte, er habe jetzt festgestellt, daß der vorher von ihm gebrandmarkte anonyme Zettel mit den unwahren Verdächtigungen von dem nationalsozialistischen Abgeordneten Münchmeyer stamme.(Stürmische Pfuirufe.) Abg. Gottheiner(D. Nat.) schloß sich für die Deutschnationalen und die drei Dissidenten aus der Landvolkpartei der Erklärung von Dr. Frick an. Die Mitglieder der Rechtsopposition verließen darauf unter großer Unruhe des Hauses den Saal. Abg. Torgier(Komm.) erklärte, es sei für die Feigheit und Heuchelei der Nationalsozialisten und ihrer Anhängsel bezeichnend, daß sie gerade in dem Augenblick flüchten, wo über den kommunistischen Antrag auf Verweigerung weiterer Young=Tributzahlungen entschieden werden solle. Abg. Sollmann(Soz.) meinte, die Flucht der Nationalsozialisten sei von der Furcht diktiert, für die in Versammlungsreden aufgestellten außenpolitischen Forderungen und für die zum Schutze der Arbeiterschaft gestellten Anträge mit dem Stimmzettel einzutreten. Diese Partei sei nur eine Martonette in der Hand des Großkapitals und der abgedankten Fürsten. Der kommunistische Antrag auf Einstellung der YoungZahlungen und auf Austritt aus dem Völkerbund wurde darauf gegen die Stimmen der Antragsteller abgelehnt. Vor der Abstimmung über die weiteren Anträge vertagte sich das Haus bis 8¼ Uhr, um inzwischen dem Aeltestenrat Gelegenheit zu einer Sitzung zu geben. Nach Wiedereröffnung der Sitzung wurden der kommunistische Antrag auf Einstellung der Polizeikostenzuschüsse an die Länder, der nationalsozialistische Antrag auf Einstellung der Polizeikostenzuschüsse an Preußen und kommunistische Anträge auf Maßnahmen gegen Brotpreiserhöhungen abgelehnt. Anträge gegen Kapitalflucht, Devisenschiebungen usw. wurden gegen den Widerspruch der Kommunisten an den Steuerausschuß, andere Anträge, die sich mit der Devaheimaffäre befassen, an den Haushaltsausschuß überwiesen. Dem Sozialpolitischen=Ausschuß wurden unter Pfuirufen der Kommunisten, die sofortige Entscheidung verlangten, die Anträge auf Verbesserung der Erwerbslosenunterstützung überwiesen. Ein kommunistischer Antrag verlangte die Einstellung der Panzerkreuzerbauten und die Verwendung der so ersparten Mittel für Kinderspeisung. Im Hammelspeung wurde dieser Antrag mit 211 Stimmen der Sozialdemokraten beider Richtungen und Kommunisten, die wegen des Fehlens der Rechtsopposition die Mehrheit hatten, gegen 181 Stimmen angenommen. Angenommen wurde auch mit der gleichen Mehrheit eine kommunistische Entschließung, die das uneingeschränkte Koalitionsrecht für alle Arbeiter, Angestellte und Beamte fordert. Ein kommunistischer Antrag auf Einstellung der Abfindungszahlungen an die Fürsten wurde abgelehnt. Der kommunistische Antrag auf sofortige Verhaftung von Hugenberg, Hitler und anderen Führern der Rechtsopposition wurde gegen die Antragsteller abgelehnt. Das Rütsel Matuschka. Eine Erklärung Dr. Bergmanns. )( Wien, 16. Oktober. Dr. Gustav Bergmann erschien gestern abend in der Redaktion der„Neuen Freien Presse“ und machte über seinen Aufenthalt in Caputh folgende Mitteilung: Ich habe als Schüler des Wiener Universitätsprofessors Dr. Walter Meyer von der Notgemeinschaft deutscher Studenten ein Stipendium zu Studienzwecken erhalten. Dieses Stipendium verwandte ich dazu, mit dem Professor Meyer, der gleichzeitig Assistent Professor Einsteins ist, im Sommer in Caputh zusammenzuarbeiten. Matuschka habe ich weder gekannt, noch jemals gesehen. Bergmann wurde heute abend zur Vernehmung auf die Polizeidirektion bestellt. Da ihm ein Zusammenhang weder mit Matuschka noch mit den Eisenbahnattentaten nachgewiesen werden konnte, und sich auch sonst keinerlei Verdachtsmomente gegen ihn ergaben, konnte er sich noch am Abend wieder entfernen. Allem Anschein nach hat Matuschka, ebenso wie er sich in Berlin für den irischen Offizier ausgab, die zufällige Anwesenheit eines Wieners in Caputh dazu benutzt, diese Person als den Anstifter hinzustellen. * Der Anspruch auf die Belohnung. :: Wien, 16. Oktober. Die Wiener Zeitung„Der Tag“, bringt die Tatsache, daß Frau Forgo=Jung. die Besitzerin eines niederösterreichischen Steinbruches, welchen Matuschka pachtete, bereits am 22. September eine Anzeige gegen Matuschka erstattet hatte, der ihr, wegen seiner Ekrastiankäufe dringend verdächtigt erschien, in Zusammenhang mit einer scharfen Polemik gegen die Wiener Polizei. Die Polizei ware den Verdachtsmomenten nichtsokort nachaeaangen. sondern erst am 10. Oktober, nachdem Matuschka auf ungarische Veranlassung verhaftet worden war, darauf zurückgekommen. Frau Forgo=Jung habe bereits den Anspruch auf die deutsche, ungarische und österreichische Ergreifungs=Prämie im Gesamtbetrage von 230 000 Schilling angemeldet. Polizeiaktion in Caputh. CNB Berlin, 15. Oktober. Auf Grund der Angaben, die Matuschka in Wien bei seinem heutigen Verhör gemacht hat, fanden heute nachmittag und abend umfangreiche Ermittlungen der Berliner Kriminalpolizet unter Leitung von Kriminalkommissar Dr. Wächter und unter Hinzuziehung der örtlichen Polizeibehörde in Caputh statt. Insbesondere wurde in der Ringstraße nachgeforscht, wo der irische Offizier Carnell gewohnt hat und eine gebürtige Wienerin, eine Frau Schneider, ein Landhaus besitzt. Frau Schneider erklärte, daß sie einen Mann namens Matuschka nicht kenne, daß auch niemand in ihrem Hause in der fraglichen Zeit kürzere oder längere Zeit gewohnt habe. Auf Grund des ihr vorgelegten Bildes konnte sie sich nicht entsinnen, den Täter einmal gesehen zu haben. Die Beamten setzten dann ihre Ermittlungen in den anderen Häusern der dortigen Gegend fort, um festzustellen, ob und unter welchem Namen Matuschka dort gewohnt hat, ferner, um nachzuforschen, was es mit den von ihm genannten Dr. Bergmann auf sich hatte. Es soll sich dabei um einen Lektor an der Wiener Universität namens Dr. Gustav Bergmann handeln, der auch tatsächlich in diesem Sommer in Caputh gewohnt hat, merkwürdigerweise aber nicht gemelder war. Die Beamten photographierten auch mehrere Häuser, auf die die Schilderung Matuschkas zutreffen könnte, wonach es sich in Caputh um ein Haus mit Holzverschalung gehandelt habe, das Ineinem Garten lag, der mit einem Drahtzaun umgeben war. Merkwürdigerweise trifft diese Schilderung auch ziemlich genau auf die Villa der Frau Schneider zu. Die polizeilichen Ermittlungen in Caputh waren am Abend noch nicht zu Ende und dürften morgen fortgesetzt werden. kin sozialdemokratischer Antrag, der Maßnahmen gegen überhöhte Kartellpreise verlangt, wurde mit großer Mehrheit angenommen. Ein sozialdemokratischer Antrag ersucht die Reichsregierung, Pläne und Forderungen auf Beseitigung oder Aushöhlung des Tarifrechtes abzulehnen, insbesondere die Angriffe auf die Unabdingbarkeit des Tarifvertrages avzuwehren. Dieser Antrag wurde in namentlicher Abstimmung mit 319 gegen 80 Stimmen bei sieben Enthaltungen angenommen. Viele weitere Anträge und Initiativgesetzentwürfe, darunter auch die der Bayerischen Volkspartei auf Aenderung der Notverordnung, werden den zuständigen Ausschüssen überwiesen, die Einsprüche des Reichsrats gegen verschiedene Gesetzentwürfe dem Haushaltsausschuß. Im Namen des Wohnungsausschusses empfahl Abg. Lipinski(Soz.) eine Entschließung, die die Regierung ersucht, von einer Aenderung des Mieterschutzgesetzes des Mietengesetzes und des Wohnungsmangelgesetzes Abstand zu nehmen bis das soziale Mietrecht gesichert ist. Die Ausschußentschließung wurde angenommen. Präsident Löbe teilte mit, der Abg. Drewitz (WP.) habe gebeten, der Reichstag möge die Genehmigung zur Fortsetzung des gegen ihn schwebenden Strafverfahrens erteilen, damit er Gelegenheit zur gerichtlichen Klarstellung der gegen ihn erhobenen Vorwürfe finde, ebenso habe der Abg. Baade(S.) die Genehmigung zur Fortsetzung des von ihm selbst gegen sich beantragten Disziplinarverfahrens erbeten. Der Reichstag erteilte in beiden Fällen die erbetene Genehmigung. Auf Antrag des Abg. Ersing(Z.) wird der 23. Februar 1932 als Termin Sitzung bestimmt. der nächsten Nach 10,30 Uhr fand die Sitzung ihr Ende. Beverina und Grimme vor dem Landtag. Berlin, 16. Oktober. Nach Eröffnung der heutigen Plenarsitzung des Preußischen Landtages sprach Vizepräsident Baumhoff unter lebhaftem Beifall des Hauses dem Abgeordneten Dr. Leidig(D. V. P.) herzliche Glückwünsche zu seinem 70. Geburtstag aus. In der fortgesetzten politischen Aussprache beschäftigte sich der Innenminister Severing mit den Ausührungen der Oppositionsparteien. Der Minister wandte ich scharf dagegen, daß man ihm im Zusammenhang mit der Meinungsfreiheit der Beamten beim Volksentscheid Wortbruch vorgeworfen habe. Es sei nicht richtig, daß die Beamten über die veränderte Stellungnahme, die die Staatsregierung beim Volksentscheid auf Grund der ganz anders gelagerten Verhältnisse gegenüber ihrer Haltung beim Volksentscheid eingenommen habe, nicht unterrichtet worden seien. Wir können, so fuhr der Minister fort, in diesem Winter keine Wahlen machen, weil dann nicht politische Programme und Weltanschanungen den Wahlkampf beherrschen würden, sondern Revolver, Dynamit und ähnliche Mittel. Gerade die Polizeioffiziere und=Beamten würden bei solchen Vorfällen ihr Leben aufs Spiel setzen, und das ist mir dafür niel zu wertvoll. Eine Aenderung der Waffengebrauchsbestimmungen für die Polizei bezeichnete der Minister als nicht erforderlich, da die gegenwärtigen Vorschriften ausreichten. Kultusminister Grimme äußerte sich zu den Sparmaßnahmen Im Schulwesen. Man habe versucht, die Sparmaßnahmen auf das mindestmögliche Maß zu beschränken. Wenn man sich vor Augen halte, daß von den 740 Millionen Reichsmark Ausgaben für den Kultushaushalt allein 630 Millionen für Personallasten beansprucht würden, ergebe sich zwangsläufig, daß die Sparmaßnahmen überwiegend auf Personaleinschränkung hätten entfallen müssen. Die Durchführung des Abbaues werde sich über Monate erstrecken, sodaß die individuelle Behandlung weitgehend beachtet werden könne. Ausführlich behandelte der Minister die Not des Lehrernachwuchses. Er sehe die große Gefahr der Notverordnung in voller Uebereinstimmung mit der Oeffentlichkeit darin, daß eine Generation von Lehrern auszufallen drhe. Sein Grundsatz sei gewesen, lo viel junge Lehrer wie nur möglich, in der Arbeit zu erhalten. Das sei, wenn auch mit verminderten Bezügen und verminderter Arbeit, bei 16 000 Junglehrern möglich gewesen. Von den Studienassessoren beziehen 1100 Anwärter weiter vier Fünftel ihrer Bezüge; auch sie bleiben in beschränktem Maße in der Arbeit. Es sei nicht richtig, daß über 1000 Assessoren brotlos gemacht wären, da es gelungen sei, ihnen vielfach, teilweise durch opferwillige Mithilfe der einzelnen Lehrerkollegen, einen Erwerb zu verschaffen. Wenn man den Mißtrauensantrag gegen ihn annehme, so würde heute auch sein Amtsnachfolger nicht im Stande sein, eine andere Politik zu treiben. Für die Parteien sprachen nochmals die Abgeordneten von Detten(Radikale Mittelstandspartei), Stendel (DV.). Falk(St. P.). Kickhöffel(DN.). MüllerHessen(Komm.). Dr. Graf von PosadowskyWehner(Volksr.=P.) und Dr. Hoffmann=Münster (DN.). Die Schlußworte wurden auf Dienstag, 20. Okt., dem nächsten Plenarsitzungstag, vertagt. Nachrichten. Eine Greisin der Ermordung zweier Urenkel verdächtig. Neiße, 16 Okt. Gegen die 79jährige Rentenempfängerin Johanna Gottschlich aus Mittelsteine(Kr. Neurode) hat die Staatsanwalt schaft in Glatz ein Untersuchungsverfahren eingeleitet. Die alte Frau wird beschuldigt, in den Kriegsjahren zwei erst 14 Tage alte Kinder ihrer Enkeltochter beseitigt zu haben. Die Beschuldigte gibt zu, den Kindern Pfeffermünztropfen ein geflößt zu haben Kurze Zeit darauf war der Tod der Kinder eingetreten. Explosion in einem rumänischen Steinbruch. :: Bukarest, 15. Okt. In einem Steinbruch in der Nähe von Cernowitz explodierre gestern vorzeitia eine Dunamitmine. 20 Arbeiter wurden von den herabstürzenden Gesteinsmassen verschüttet. 15 konnten lebend geborgen werden, während fünf Arbeiter den Tod erlitten. Die neue Lesmona SDID• Auch ohne Mundstück, rund und dick o Konzernfrei o Gold und Silb Quarzfelsen. In der Minenstadt„El Oro“.- Schätze im Dreck.- 600 Meter unter der Erbe. der Fremde begreift sehr bald, warum es an den MinenMan kennt jene spannenden Geschichten von verwegenen Goldsuchern, die phantasiebegabte Schriftsteller erfinden, ohne jemals auf den Goldfeldern Alaskas und Kaliforniens oder gar in den Minengebieten Mexikosnaturalistische Studien getrieben zu haben. Und so glaubt der Leser, den die Kraft der Darstellung überwältigt, gemeinhin auch an die Pistolenromantik, die in der einschlägigen Literatur die Goldplätze des amerikanischen Westens, vor allen aber die Minenstädte Merikos umwittert, und hält den Untergrund solcher abenteuerlichen Erzählungen durchaus für naturecht, denen zufolge der Hunger nach Gold mit einem barbarischen Whisky= und Branntweindurst gepaart ist, und schon ein schiefer Blick genügt, um einen Hagel von blauen Bohnen zu entfesseln. So schlimm ist es in Wirklichkeit nun nicht. Gewiß wird in jeder mexikanischen Minenstadt(von einer solchen soll nachstehend die Rede sein) viel getrunken, und es kommt auch bisweilen vor, daß sich zwei Leutchen über irgendeine strittige Angelegenheit der Einfachheit halber per Revolver aussprechen, doch stehen diese Fälle viel zu vereinzelt da, um sie zu einer allgemeinüblichen Gepflogenheit zu stempeln. Der Fremde jedenfalls braucht kaum unangenehme Zwischenfälle zu befürchten, sofern er nur die„Dantinas“ und Pulquekneipen meidet. Dort geyr es allerdings- besonders an den Lohntagen— hoch er. und„studienhalber“ unternommene Abstecher in diese Bachustempel zeitigen dann auch häufig ganz unerwartete Ergebnisse. Im übrigen habe ich noch stets die Erfahrung y.macht, daß man nicht nur in Mexiko, sondern auch in den andern Ländern Lateinamerikas am sichersten ist, wenn man kein Schießinstrument mit auf die Reise nimmt; so ein mattschwarzer oder perlmuttverzierter Pistolenkolben wirkt immer etwas provozierend, und gerade der Mexikaner, der sich mit Recht als Herr im eigenen Lande fühlt, sieht es nicht gern, wenn ihm der Fremde mit einer Pistole spaziert. im Gurt vor der Nase herumMeine Fahrt nach„1 Oro“. einem der bedeutendston Minenplätze Mexikos mochte sich im fahrplanmäßig abgehenden Automobil einer in Mexiko ansässigen Verkehrsgesellschaft. Es war einer der schweren amerikanischen Wagen, die hierzulande bei größeren Reisen durch das schwierige Gebirgsgelände allgemein benutzt werden. In drangvoll fürchterlicher Enge— statt sieben Perlonen, die das Auto faßt, nehmen deren zehn an der eise teil— sitze ich zwischen zwei dicken Kubanern festgeklemmt, die mir die Aussicht und außerdem die gute sune verderben. Der 100pferdige Motor zieht uns spielend die steilsten Hänge hinauf, und der junge Indianerchauffeur steuert den Wagen in rasendem Tempo so scharf und kaltblütig an zackigen Gebirgswänden und tiefen Schluchten vorüber, daß man die Möglichkeit eines Unfalles kaum noch in Betracht zieht und auch nicht mehr des von Straßenräubern verübten Attentates gedenkt, das vor etwa sechs Wochen auf dieser Landstraße drei Autoinsassen das Leben kostete. Etwa vier Stunden dauert die Fahrt durch das malerische mexikanische Hochland. Dann kommen bewaldete Hügel mit Häusern und Minentürmen, und schon aus der Ferne hört man den Lärm der ungezählten Maschinenhämmer, die in den Minenmühlen das metallhaltige Gestein zu feinem Staub zermalmen. Das ist El Oro die fleißige Minenstadt, wo Tausende von mexikanischen Arbeitern als moderne Schatzgräber Tag und Nacht unter der Erde tätig sind, um für landfremde Kapitalisten(hauptsächlich Engländer und Amert aner) Jah slihtende kaner) fläche zu Die Stadt sieht aus, h1 Jald, warum es an den Mir plätzen immer ein wenig toller zugeht, als in den friedlichen Fentren der Kultur und Zivilisation. Ich glaubte, hier unten zwischen dem Gestein das Gold und Silber in seinem Urzustand sehen zu lönnen, und war enttäuscht, nur giaantische Quarzselsen zu erblicken, an denen schweißtriefende Gestalten mit Preßluftbohrern arbeiteten„Das Metall ist unsichtbar". sagte mein Führer.„Wenn die Analysen nicht bewiesen, weit geringeren daß sich farbige halt wieder ins Wert haben. Jedoch hat man beobachtet, Perlen, wenn man die Muschel samt InWasser setzt, im Laufe der Jahre in weiße verwandeln. Ein sicheres äußeres Kennzeichen, aus dem man auf Perlen schl das Vorhandensein von Perlen schließen könnte, ohne die daß in diesem Dreck Gold und Silber enthalten ist, es würde wohl niemand daran denten, die Stadt zu unterhöhlen und täglich Tausende von Tonnen Erde an die Obexfläche schaffen zu lassen". Später sah ich in der Schmelzanlage, wie recht er hatte. Man war eben dabei, etwa zweihundert Gold= und Silberbarren. je dreißig Kilo schwer, Muschel zu öffnen, gibt es nicht, doch erklären die Perlin einen Waggon zu verladen. Die Maschinenhämmer fischer, daß die„Weißrinne, eine charakteristisch geder Mühle dröhnten, und in den Klärtanks gurgelte formte Vertiefung an der Außenseite der Schale, auf die schmutziggelbes Wasser. Das dröhnt und gurgelt Tag und Nacht, Monat um Monat schon, Jahr um Jahr. Die Engländer und Amerikaner aber, die hier mit emsigem Fleiß den Boden Merikos nach blinkenden Schätzen durchwühlen, freuen sich in jedem Jahr aufs neue der großen Dividenden. ber an die Ober= als sei sie eigens für eine Die Filmaufnahme errichtet worden: Die Straßen eng zum Teil ungepflastert, die Häuser niedrig und einfach, als wären sie in aller Eile provisorisch hingesetzt worden. Und die Bewohner? Es sind dieselben Gestälten, wie man sie bei uns daheim im Kino sieht. Da ist der „Charro“ mit dem breiten Hut und der Pistole im patronengespickten Gürtel, der amerikanische Gent im tadellosen Straßenanzug, Angestellter der Minengesellschaft, das mexikanische Kampmädel, schlank, brünett und glutäugig, und schließlich das Heer der Minenarbeiter, die mit brennenden Karbidlämpchen zur Arbeitsstelle gehen oder vom Schichtwechsel kommen. In letzterem Falle gehen sie ja wohl, bevor sie ihre armselige Behausung aufsuchen, zunächst noch auf einen Sprung in ihre Pulque=Stammkneipe, denn die Arbeit im Silberbergwerk macht durstig, und die Pulque— das aus der Agave hergestellte Volksgetränk— ist ja so billig. Ich hatte dieses milchich-trübe Gebräu noch nie gestostet, uno hier, in El Oro, kam mir der Gedanke, doch einmal ein Gläschen davon zu probieren. Als ich eben im Begriff stand, eine Pulqueschänke zu betreten, flog mir durch die Tür ein breiter Sombrero an den Kopf, und gleich darauf folgte im schwungvollen Bogen der Besitzer des Elberbestickten Hutes. Das war ein sicheres Anzeichen dafür, daß der Wirt dieses Lokals auf Ordnung hielt und seinem Beruf mit Lust und Liebe nachging. Am anderen Morgen hatte ich Gelegenheit, mir den Minenbetrieb unter der Erde anzusehen. Etwa sechshundert Meter ging die Fahrt in die Tiefe, dann folgte eine weite Wanderung durch heiße, neblige Stollen. Braune Menschen arbeiteten da, nackt, nur mit einem Lendenschurz und dem mexikanischen Strohhut bekleidet. Wer in dieser Hölle sein Brot verdient, muß Ströme von Schweiß dafür opfern; wo der Kampf ums Dasein so bittere Mühe und Arbeit verlangt, kann ein Menschenleben nicht so hoch im Kurse stehen wie anderswo, und Eigenartige Bahnschranke. Um die Zahl der Unfälle auf den Bahnübergängen herabzumindern, hat man bei Vermilion (Ohio) diese eigenartige Schutzanlage angebracht. Das Auto wird von langen Lederstreifen gepeitscht, wenn es zu schnell auf den Bahnübergang zuführt. Männer, die Kaffee trinken- müssen. Kaffeeprüfer, deren wertvollster Besitz eine feine Nase und eine gute Zunge zur Bestimmung des Aromas sind, bel der Arbeit, die andern ein Vergnügen ist. Eine interessante Aufnahme aus der Probierstube einer Newyorker Kaffee-Großhandelsfirma. Perlen, die in Deutschland wachsen. Farbige Perlen.- Alle 12 bis 15 Jahre wird abgesischt.- Die Perlenzange rettet den Muscheln das Leben. Für den Laien schmelzen die Begriffe Perlen, Austern, Orient zu einem zusammengehörigen Ganzen zusammen. Er kann sich die Perle gar nicht anders als den südlichen Meeren entstammend vorstellen, und er ahnt nicht, daß er gar nicht so weit in die Ferne zu schweifen braucht, um serlen suchen und finden zu können, daß, wenn er Deutscher ist, er dies sogar in seinem Vaterland kann. Diese kostbaren Juwelen kommen nämlich nicht ausschließlich in Seeschalentieren, wie z. B. Seeperlmuschel, der Auster und der Miesmuschel vor. Es haben auch einige Süßwassermuscheln, vor allem die Flußperlmuschel, deren Heimat Deutschland ist, die sonderbare Gewohnheit, mdkörperchen, die zufällig zwischen Schalen und Tiere aten, mit ko ilten. der Perlenfischerei ist einfach. Die Fischer in ein mit Wasser gefülltes t der Perlenzange gesssVertiefung an der Außenseite Anwesenheit von Perlen bedeuten soll. Die Flußperlmuschel und ihre Perlen sind schon seit Jahrtausenden bekannt, doch wurde in früheren Jahren ausgesprochene Raubwirtschaft getrieben. Man machte es genau so, wie man es noch heute bei der Gewinnung der Seeperlen macht, tötete die Muscheln und untersuchte dann erst die toten Tiere. Das war natürlich o unwirtschaftlich wie möglich und ganz dazu geeignet, die Muschelkolonien vollständig zu vernichten. Seit ungefähr fünf Jahrhunderten werden aber die Flußperlmucheln in Deutschland, d. h. nämlich in den in Betracht kommenden Gebieten, wie Bayern, Oberfranken, Sachsen, systematisch gehegt und sind Kroneigentum, besser gesagt Staatseigentum des betreffenden Landes. Man erfand ein Verfahren die Muscheln mit geeigneten Instrumenten zu öffnen und ihr die Perlen zu entnehmen, ohne dabei das Tier zu verletzen, und setzte die geleerten uscheln wieder aus. Die dabei verwendeten Instrumente sind mehrere Jahrhunderte alt und haben sich merkwürdigerweise in fast unveränderter Form bis auf den heutigen Tag erhalten. Der Vorgang bei der Muscheln werden vom Gefäß gesammelt, mitde. net, die Perlen herausgenommen, mit dem Mund von dem ihnen anhaftenden Schleim gereinigt und dem Kontrolleur übergeben. Die Schalen der untersuchten Muscheln versieht man mit einem Zeichen und setzt dann die uschel wieder in den Bach Die Perlgewässer sind in eine Anzahl Revlere eingeteilt, deren jedes alle 12 bis 15 Jahre einmal abgefischt wird. Oefter ist dies nicht angängig, da die Muschel nur in kalkarmen Gewässern lebt und daher lange Zeit braucht, bis der Mantel die zur Perlenbildung erforderliche Perlsubstanz, die in der Hauptsache aus Kalk besteht, absondert. Die Flußperlmuschel hat eine ziemlich lange Lebensdauer, nämlich 60—100 Jahre, wie man an mit Zeichen versehenen Tieren festgestellt hat. Der Ertrag der Flußperlenfischerei ist verhältnismäßig gering. Im Jahre 1915, einem verhältnismäßig ertragreichen Jahre, wurden in der Weißen Elster und deren Nebenflüssen insgesamt 120 Perlen erbeutet, von denen aber beinahe die Hälfte minderwertig war. Die Ausnutzung der Perlengewässer ist also von keiner besonderen wirtschaftlichen Bedeutung. Doch hat die Perlenfischerel, oder vielmehr ihr Abfallprodukt, die Schalen. den Anstoß zu der Entwicklung der heute rund 8000 Menschen beschäftigenden sächsischen Perlmutterindustrie gegeben, die ursprünglich nur heimische Muscheln verarbeitete, jetzt aber auch Seemuscheln verwendet. Der Begründer dieser Industrie war der Buchbinder Friedrich August Schmidt in Adorf. gen des Mantels zu umgeben und so im Laufe der Jahre die begehrten Perlen zu schaffen. Diese Flußperlen sind zwar nicht allzu häufig, können aber in solcher Vollkommenheit vorkommen und weisen manchmal einen solchen Schmelz und Schimmer auf, daß sie selbst ein gewiegter Kenner von orientalischen nicht unterscheiden kann. Allerdings enthält nur ein sehr geringer Prozentsatz der gefischten Flußperlmuscheln Perlen von so guter Qualität. In der Regel sind unter 1000 gefischten Flußperlmuscheln höchstens zehn„perlträchtig“, das waren also ein Prozent. Das Zahlenverhältnis zwischen gefischten Muscheln und erbeuteten guten Perlen ist aber noch viel ungünstiger, da sehr häufig geüne, rote, gelbe braune und schwarze Perlen vorkommen, die einen Aus aller Welt. Bienen per Flugzeug. Der englische Großimker Bowen in Cheltenham hat kürzlich aus Südindien eine Bestellung auf 20 000 Bienen erhalten. Da die Erfahrung früherer Transporte aber darüber belehrt hat, daß die Bienen auf der Seereise infolge der großen Hitze meist zugrunde gingen, sollen die 20 000 von Indien bestellten Bienen auf dem Luftwege nach dem Bestimmungsland überführt werden. Wenn die Einführung von Bienen von England nach Indien bisher erfolglos war, so ist das darauf zurückzuführen, daß die indischen Bienen keine Reigung zeigten, sich mit den englischen Königinnen zu verbinden. Man will deshalb weitere Versuche machen, um die Schwierigkeiten der Honiggewinnung in Indien zu überwinden. Die indischen Bienen haben die Gewöhnheit, auf Bäumen und andern schwer zugänglichen Plätzen zu leben, sodaß die Leute, die den Honig ausnehmen sollen, von den Bienen oft überfallen und durch Stiche übel zugerichtet werden. Auf die Frage, ob sich bei dem Transport im Flugzeug besondere Vorsichtsmaßnahmen als notwendig erweisen, um den Piloten und die Passagiere vor Bienenstichen zu schützen, antwortete der englische Großimker, daß die Zienen für die Reise ausgiebig mit Zucker und Honig ausgerüstet werden, sodaß sie nicht nötig haben, zur Futtersuche auszuschwärmen Baden ist die erste Bürgerpflicht! Im mexikanischen Parlament ist ein Gesetzentwurf eingebracht worden, der die Bestimmung enthält, daß jeder mexikanische Bürger wenigstens einmal in der Woche ein- Bad nehmen müsse. Zuwiderhandlungen sollen behördlich geahndet werden. Wiro man in hartnäckigen Weigerungsfällen die mexikanische Schupo mit Feuerspritzen ausstätien? Der Rekord=Blutspender. Nicht weniger als 452 Personen hat ein Angestellter des städtischen Begräbnisinstitutes von Paris namens Raymond Briez durch Blutspendung das Leben gerettet. Innerhalb von 8 Jahren hat Briez ungefähr 22 Liter Blut zur Verfügung gestellt. Briez hat für seine menschenfreundlichen Dienste niemals Geld angenommen, zumal, da es sich meist um Patienten aus ärmsten Kreisen handelte. Das Schaltjahr 1932. Das Jahr 1932 ist bekanntlich ein Schaltjahr und ählt 366 Tage. Es entspricht dem Jahre 6645 der julianischen Periode und dem Jahre 7440 bis 7441 der bycantischen Periode. Der Winter 1931/32 beginnt am 22. Dezember, um 20,41 Uhr, der Frühling 1932 am 20. März um 20,50 Uhr, der Sommer 1932 am 21. Juni 16,25 Uhr. Der Herbst beginnt am 23. September und der Winter 1932/83 am 22. Dezember. Wollen Sie eine Eisenbahn geschenkt bekommen? Hier wüchst die Radiostadt von New=Hork empor. Die kleine Lokalbahn von Ruhpolding nach Reit im Winkel(Bayern) ist so unrentabel, daß der bayrische Staat sie verschenken will. Der Staat ist sogar bereit, dem Empfänger noch 10 000 M dazu zu zahlen, damit der Verkehr aufrechterbalten bleiben kann. In Newyork ist mit dem Bau eines riesigen Komplexes begonnen worden, der alle Errungenschaften der modernsten Funktechnik veräinigen soll. Der Bau soll etwa eine Milliarde Mark kosten und wirh von Rockefeller finanziert. Baugelände der geply Radiostadt inmitten der Wolkenkratzer, Beilage Samstag, den 17. Oktober 1931 Nr. 287 Amerikas politisches Programm gegen über Europa. Eine Anerkennung für das Kabinett Brüning. :: Washington, 15. Oktober. Der Leiter der Westeuropaabteilung des Staatsdepartements. Boal, hielt heute in Williamsburg=College einen längeren Vortrag, der die Zusammenfassung der Hauptpunkte, die die Regierung offenbar mit Laval besprechen möchte, darstellte. Boal betonte die sinanzielle Verbundenheit aller Nationen und das ernste Bestreben Amerikas, mit den anderen Mächten für das Gesamtwohl zusammenzuarbeiten Ein Haupthindernis für die Wiederherstellung der Prosperität seien die ungeheuren Ausgaben für Rüstungen, die auch psychologisch einen bedenklichen Wall gegen das Aufkommen von Vertrauen und Verständigung darstellten. Amerika wolle den anderen Regierungen kein starres, gleichförmiges Abrüstungsprogramm aufdrängen. Er sei sich außerdem klar, daß man von der Konferenz des nächsten Jahres lediglich einen weiteren Schritt zur dauernden Verminderung der Rüstungen erwarten könne, aber schon das Stattfinden einer von 52 Ländern beschickten Konferenz dieser Art sei ein erfreulicher Fortschritt. Auch der Vorschlag eines einjährigen Rüstungsstillstandes vom 1. November d. J. ab sei von der amerikanischen Regierung aufrichtig begrüßt worden. Der Redner bezeichnet Deutschland als wirtschaftlich gesund. Hoover habe Zustimmung in der ganzen Welt gefunden, als er im Juni ein Moratorium vorschlug. damit das„tüchtige, von energischen und fortschrittlichen Leuten bemannte deutsche Schiff nicht auf Klippen getrieben werde“. Frankreich und Deutschland seien in der Lage, sich wirtschaftlich zu erganzen. Eine Verständigung zwischen diesen beiden Ländern würde auch den Staaten der Kleinen Entente nützen und Mitteleuropa hoffe auf die Beilegung der europäischen Streitfragen. Es sei nicht an den Einzelheiten interessiert, wohl aber sehr daran, daß die Regelung auf friedlichem Wege erfolge. Der Sklarek=Prozeß. Das„willenlose Werkzeng des Magistrats". Berlin, 16. Oktober. Bei Beginn des dritten Verhandlungstages entspinnt sich nach der Verlesung einers Magistratsverfügung ein Streit zwischen Staatsanwaltschaft und Verteidigung über die Frage, ob Magistratsmitglieder in ihrer Eigenschaft als Aufsichtsratsdelegierte Beamte sind. Im weiteren Verlauf beschwert sich Rechtsanwalt Dr. Pindar über die Stimmungmache der Staatsanwaltschaft gegen die Sklareks. Da den Sklareks bisher noch keine strafbare Handlung nachgewiesen worden sei, sei dieses Verhalten der Staatsanwaltschaft ein Bruch der Objektivität. Der kommunistische Stadtrat Degner stellt erneut die Behauptung auf, daß Bürgermeister Scholz von den Bilanzfälschungen bei der KVG. unterrichtet gewesen sei. Der Vorsitzende kommt dann auf das sogenannte Abrufslager der Sklareks zu sprechen, das eingerichtet worden war, um Waren, die von der KVG. beansprucht wurden, auf Abruf liefern zu können. Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft stand dieses Abrufslager nur auf dem Papier, was jedoch von Leo Sklarek entschieden bestritten wird. Es kommt dann in diesem Zusammenhang zu scharfen Zusammenstößen zwischen dem Oberstaatsanwalt Freiherr von Steinaecker und Rechtsanwalt Dr. Pindar. Schließlich behandelt das Gericht den Auftrag, den der Magistrat am 29. Mai 1925 der Firma Sklarek erteilte. Als dem Vorsitzenden es auffällt, daß sich keiner der Sklareks um die Aufträge des Magistrats gekümmert habe und dennoch Aufträge dagewesen seien, erklärte Willi Sklarek, daß der Magistrat die moralische Verpflichtung gehabt hätte, ihnen Aufträge zu erteilen. Der Magistrat habe sich, nachdem sie die KVG. übernommen hätten, ganz gemein benommen, indem er in der BAG. ein Konkurrenzunternehmen eröffnete und ihnen nur die Brocken überlassen habe. diesem Zusammenhang wörtlich: die Müllabfuhr für die städtischen Gesellschaften gewesen seien. Sie. die Sklareks, seien noch heute anständige ehrliche Leute. Auf Vorhalten des Vorsitzenden, daß die Sklareks doch den Magistrat in der Hand gehabt hätten, wenn sie die Schweinereien der Stadt zugedeckt hätten, erklärt Leo Sklarek, daß sie (die Brüder) das willenlose Werkzeug des Magistrats gewesen wären, die tun mußten, was der Magistrat wollte. Der Vorsitzende stellt schließlich fest, daß Kieburg sich jedesmal vor einer Revision bei den Sklareks Waren ausgeborgt hat, um seinerseits die Warenlager auszufüllen und dadurch das Fehlen der Bestände zu verdecken. Bei de zu der Erörterung über das Zustandekommen der Verträge wird dann festgestellt, daß die Sklareks 1926 das Restlager der KVG übernahmen. Als sie später die Minderwertigkeit und Unverkäuflichkeit dieses Lagers rügten, wurde im November mit der Berliner Anschaffungsgesellschaft ein neuer Vertrag geschlossen, der als Aequivalent für die Unverkäuflichkeit des Restlagers den Sklareks laufende Aufträge in Höhe von 50 000 Mark im Monat für drei Jahre zusagte. Die Staatsanwaltschaft steht auf dem Standpunkt, daß die Rüge des Restlagers nur konstruiert worden ist, um eine Begründung für einen neuen Vertrag zu haben. Willi Sklarek bemerkte dazu, daß sie nur entschädigt werden sollten und deshalb die Ware reklamiert worden sei. Wie schlecht der Warenbestand des übernommenen KVG=Lagers war, geht aus einer eidlichen Aussage vor dem Untersuchungsausschuß des Preußischen Landtages hervor, in der das Restlager als Raritätensammlung angesehen wurde, so daß den Sklareks verboten worden sei, mit den Beständen des Restlagers die städtischen Anstalten zu beliefern. Als der Vorsitzende den Sklareks vorhält, daß sie dem Magistrat gegenüber Fehr geduldig gewesen seien, gegen ihre Kunden aber die Raten schuldig geblieben waren, auf rigoroseste Weise vorgegangen seien, erklärt Leo Sklarek, daß er sich darum nicht gekümmert habe. Er könne aber sagen, daß sie große Wohltäter gewesen seien, die allen armen Leuten gegeben hätten. Es wird dann noch einmal die Frage aufgeworfen, weshalb nicht gegen Kieburg vorgegangen worden ist. In Willi Sklarek sagt in diesem Zusammenhang erklärt Willi Sklarek erretzt, daß Kieburg selbst gegen sich Strafanzeige gestellt habe. Diese Feuerprobe habe er überstanden, da er von vornherein wußte, daß die Prominenten des Magistrats nicht gegen ihn aussagen würden. Es wurden dann noch einmal die damaligen Strafversahren gegen Kieburg besprochen. Dabei wird festgestellt, daß dem Staatsanwalt von einer Selbstanzeige Kieburgs nichts bekannt ist. Der Vorsitzende geht dann zu dem Vertrage vom 10. März 1927 über, der eine Abänderung des Vertrages mit der BAG darstellt und den Brüdern Sklarek noch größere Vorteile brachte. Die Weiterverhandlung wurde auf Montag vormittag 9 Uhr vertagt. Aufklärung des Eisenbahnraubes bei Ratibor. )( Ratibor, 15. Oktober. Der am 7. Oktober auf einen Personenzug der Strecke Ratibor=Leobschutz ausgeführte Raubüberfall, bei dem die Täter etwa 700 Markaus dem Gepäckwagen erveuteten, hat eine unerwartete Aufklärung gefunden. Während man zunächst mit Bestimmtheit annahm, daß der Raub von den Helfershelfern der jungen Burschen ausgeführt worden war, die im letzten Wagen des Zuges eine Schlägerei veranstalteten und den Zug durch Ziehen der Notbremse zum Halten brachten, sind jetzt zwei Bahnbeamte aus Leobschütz in den dringenden Verdacht der Täterschaft ge kommen. Nach der Vornahme von Haussuchungen ist einer der Beamten verhaftet worden. Die beiden Beamten hatten den überfallenen Zug begleitet. Während der Zug hielt und die übrigen Beamten den Streit im letzten Wagen zu schlichten versuchten, hat offenbar der im Packwagen diensttuende Beamte den Raub ausgeführt. Die Pressestelle der Reichsbahndirektion Oppeln teilt noch folgendes mit: Der Festgenommene ist der Oberzugschaffner B., der am 7. Oktober in dem fraglichen Personenzug Schaffnerdienst tat. B. hat zugegeben, am Tage vor der Tat die Wand zwischen Hundeabteil und Packwagen künstlich so hergerichtet zu haben, daß diese sich von außen durch das Hundeabteil leicht entfernen ließ. Den Umstand, daß der Zug zum Halten gebracht war und die übrigen Zugbediensteten sich zur Schlichtung des Streites nach dem Ende des Zuges begeben hatten, machte sich B. zunutze. In wenigen Sekunden war er in den Packwagen gelangt und hatte die Geldtasche geraubt Der Täter will nur 400 M erbeutet und damit drückende Schulden bezahlt haben. Es konnte noch nicht festgestellt werden, ob B. mit den jungen Burschen, die den Streit verursachten und die Notbremse gezogen haben, in Verbindung gestanden hat. Feuerüberfall ouf ein nationalsozialistisches Berlin, 15. Oktober. Heute abend gegen 6.30 Uhr haben unbekanntgebliebene Täter, die aber anscheinend in kommunistischen Kreisen zu suchen sind, auf das nationalsozialistische Verkehrslokal in Neukölln von der Straße aus meyrere Revolverschüsse abgegeben. Dabei wurde der Schankwirt Böwe sowie zwei weitere im Lokal anwesende Personen verletzt. Die Scheiben der zum Lokal füh renden Tür wurden durch die Schüsse vollständig zertrümmert. Die Verletzten mußten in das Urbankrankenhaus eingeliefert werden. Auf der Straße fand man vier Patronenhülsen. Die Ermittlungen nach den Tätern sind im Gange. 4 ungültig. Köln, 16. Oktober. Die Kirchenvorstandswahlen in Zülpich, bei denen, wie wir ausführlich berichteten, der Stahlhelm durch eine Uebetrumpelung im letzten Augenblicke sämtliche Mandate errungen hatte, sind nunmehr vom Generalvikariat in Köln als ungültig erklärt worden. Man kann gespannt darauf sein, wie sich der Zülpicher Stahlhelm bei den demnächst stattfindenden Neuwahlen verhalten wird. Lage der bestreikten deutschen Schiffe in Rußland. Nachdrückliche diplomatische Vorstellungen in Moskau. X Berlin, 15. Oktober. Amtlich wird mitgeteilt: In einigen Sowjethäfen, insbesondere in Leningrad, ist auf deutschen Handelsschiffen ein wilder, d h. gewerkschaftlich nicht anerkannter Streik ausgebrochen. Die überwiegende Zahl der Schiffsmannschaft ist arbeitswillig, wird aber durch unmittelbare Gewalt einer terroristischen Streikleitung an der Ausübung ihres Dienstes verhindert. Die deutschen Konsularbehörden in den Hafenstädten haben entsprechend ihren Obliegenheiten sofort eingegriffen und sich mit den Lokalbehörden in Verbindung gesetzt, um die entstandenen Schwierigkeiten zu beheben. Da ihre Bemühungen erfolglos blieben, hat das Auswärtige Amt durch die Botschaft in Moskau die Sowjetregierung selbst mit der Angelegenheit bebefaßt und sie gemäß dem Konsularvertrag vom 12. Oktober 1925 um ihr Einschreiten ersucht. Die heimischen Reedereien sind über die Entwicklung der Lage von Anfang an fortlaufend unterrichtet worden; auch haben mit den Vertretern des Reedereiverbandes Besprechungen darüber stattgefunden, wie sich die Schwierigkeiten praktisch am besten beheben ließen. Auf Grund dieser Besprechungen haben die Reeder sich entschlossen einen Schlepper nach Leningrad zu entsenden, um die dort liegenden deutschen Schiffe aus dem Hafen herauszubringen. Die Sowjetregierung ist hiervon auf diplomatischem Wege verständigt worden, mit dem Ersuchen, dem Schlepper Schutz zu gewähren. Inzwischer hat sich im Hafen von Leningrad, wo zurzeit mehr als 40 deutsche Schiffe festliegen, die Lage durch Sabotageakte verschärft. Infolgedessen besteht augenblicklich keine Bergungsmoalichkeiten der deutschen Schiffe. Die Reichsregierung hat die Botschaft in Moskau beauftragt, ihre nachdrücklichen Vorstellungen bei der Sowjetregierung fortzusetzen, um den vertraglichen Schutz der der deutschen Schiffahrt sicherzustellen. Solange diese Vorstellungen nicht zu dem gewünschten Ergebnis geführt haben, besteht die Gefahr, daß auch etwa weitere nach Sowjethäfen fahrende deutsche Schiffe dort, insbesondere in Leningrad, an der ordnugsmäßigen Abfertigung behindert werden. Der Botschafter von Dircksen, der heute zu Besprechungen in dieser Angelegenheit nach Berlin berufen war, reist heute abend nach Moskau zurück. Komerzienrat Dr. Krumbhaar(Liegnitz) konnte am 16. Oktober auf eine 10 jährige überaus verdienstvolle Tätigkeit als Vorsitzender des Vereins deutscher Zeitungsverleger zurückblicken. „Wie sind vom Magistrat unmenschlich behandelt worden.“ Nach der Darlegung des gespannten Verhältnisses zwischen den drei Brüdern wird die Frage des Zustandekommens der Magistratsausträge eröriert. Die Sklareks erklären dazu, daß Kieburg eines Tages mitgeteilt hätte, daß sie Bestellungen bekämen, wenn sie die Unterbilanz von 400000 Mark bei der KVG. übernehmen. Im weiteren Verlauf erklärt Leo Sklarek, daß die Brüder nin Fohund Mlot, Miele. Welf im Winkel. ......... seceee Roman./ Von Betty L. Bahle. zu dazu 30) Eine tiefe, starke Ruhe begann Lena fühlen und die Ueberzeugung, daß auch dieser Weg bazu führen konnte, Vergangenes aufzuwiegen. Längst hatte sie zurückgefunden zu ihres eigentlichen Wesens Innerlichkeit, die auch Schweres dulden und in sich verwinden konnte, nachdem sie ihre bange, zermürbende Erwartung und Sühnebereitschaft einmal abgeklärt hatte zu ruhigem Sichbescheiden einer gereiften Frau Längst auch hatten jene Unheilskünder, die das Abhausen des Hofes geweissagt hatten durch die„neumodische" Müllerin, alle düsteren Zukunftssorgen umgeändert in Lobsprüche auf dieselbe Frau, oder aber wenigstens auf das Bordbrett des abwartenden Schweigens zurückgestellt. Zur rechten Zeit konnte der Müller das hören und sich gestärkt fühlen in dem Bewußtsein, den Lauf der Dinge in die rechte Bahn gelenkt zu haben. Er selbst sprach nicht darüber. Als müsse er auf die langen, notwendig gewesenen Aussprachen hin sich erhöhter Schweigsamkeit befleißigen, so schien es. Es war ja seine eigentliche Art, alles was an Aeußerlichkeiten an ihn herantrat, im eigenen Innern stillschweigend zu verarbeiten, daß es gar manchmal scheinen mußte, er sei unempfindlich gegen Kummer und Freud Trotzdem stund der Bertoldsmüller mit wachen Sinnen fest auf der Erde wenn auch keiner es wissen und nur wenige es ahnen konnten. Ließ er doch kaum seine Frau Zeuge sein der seltenen Augenblicke, in denen das Herbe seines Wesens sich löste zu Gefühlsregungen irgendwelcher Art Dabei ging das Leben auf der Mühle setzt geruhsame Bahn Dies ereignislose Dahingleiten der Zeit hatte denn auch zur Folge, daß die zukunftsbangen Aengste endlich einzuschlafen begannen. Abgesehen davon, daß man ein paar Menschen nimmer fand, die ehedem zum Leben auf dem Hof gehörig waren, konnte man versucht feln zu glauben es wäre kein Sturm aufwühlend über die kleine Welt im Waldwinkel dahingebraust. Aus aller Angst und allen Tränen schien neues Gedeihen zu sprossen Wie immer trug die Scholle Segen und die Arbeit Frucht wie ehedem. Auch in den Ställen war es nicht seccccsceeeeee: Verlag C Duncker Berlin W 62. anders als zu Zeiten der Väter; gut Glück und hier und da ein Fehlschlag. In der Wohnstube aber mehrten die Häupter sich nimmer. Die zwei Buben waren herausgewachsen aus den Kinderjahren sodaß der Müller es an der Zeit fand, den jüngeren in die Schulbank zu stecken; Geistlicher sollte er werden. Ein bitterweher Abschied war es, den der Gottfried nehmen mußte vom Elternhaus. War ja richtig gesehen, ein Abschied von der Kindheit selber, die jetzt ihr Ende nahm Aber was nützte schon alles Greinen: daß er fort mußte in die Studie, das wußte er von Kind an. Er hotte also Zeit genug gehabt, sich abzufinden mit den Tatsachen, zumal er um seinen Willen doch nicht gefragt wurde Da hieß es denn alles Geflenn sorgfältig zu verbergen vor des Vaters strengen Augen und sich dreingeben Und konnt's doch nicht, nicht das erstemal und in der Folgezeit nicht so oft er auch nach kurzen Ferienwochen wieder Abschied nahm. Einmal hatte er zur Mutter seine Not getragen. Die hatte getröstet und den jungen Schmerz geschlichtet mit soviel Eifer, daß er vermeinte, es müßte wohl ihr Wunsch noch mehr sein als der des Vaters. Und helfen tat sie ihm auch nicht Da gab er es auf und begrub den Kummer um das eigentliche Wollen für sein Leben in einer fast trotzigen Schweigsamkeit. Jeden trostlosen Blick und jeden spiegelnden Tränenschimmer verbarg er, daß Lena mitten drin vermutete, es hätten seine jungenhaften Wünsche ausgegoren und sich geklärt in ein tapferes Sichfügen Welch schwere, atembeklemmende Last sich bei diesem Akt kindlichen Gehorsams auf sein Knabenherz senkte, das wurde sie nicht inne— Ein zages, glückhaftes Aufatmen fand sie vielmehr und die Hoffnung, daß etwa noch alles würde wohl gut sich fügen Und ein befreiendes Gefühl entspannte ihr Gesicht dieses Gesicht, in das trotz aller Regelmäßigkeit, die es immer noch schön machte, doch ein leidvoller Lebensabschnitt seine Zeichen gekerbt Richt spurlos war also die Vergangenheit an ihr vorübergegangen, aber zugleich hatte diese runenprägende Zeit als Allheilerin gewirkt. Das Recht des gegenwärtigen Lebens gewann allmählich wieder Macht über ihr Denken und Tun, besonders, da nun anscheinend auch ihr Jüngster sich bescheiden wollte. Es war allerdings auch an der Zeit, da er doch nun durch Jahre schon mußte hineingewachsen sein in den Aufgabenkreis seines zukünftigen Standes. Wenn er jetzt, vor den Toren seiner ersten Reife, noch geschwankt tte, dann hätte sie sich keinen Rat mehr gewußt. Östern kam mit Glockengeläute und Feststimmung in Haus und Herz. Sonnenschein wob eine Gloriole um das uferstehungswunder Christi und seiner Natur. Ueber dem Talgrund lag ein bläulicher Duft, der die Hügelketten fernab rückte und den Himmelsbogen weiter spannte. Kecke, vorwitzige Maßliebchen grüßten aus umpfigen Wiesen, das grelle Gelb des Löwenzahns bedeutete helle Frühlingsbotschaft. Wohl verglosten noch mächtige Buchenscheiter in dem breitbauchigen Schacht des Kachelofens, aber man hatte die Fenster geöffnet und genoß herben Frühlingsduft. Eine überwinterte Vorjahrsfliege brummte aufgeregt durch die Stube und trug Verlangen nach einer Kostprobe von dem dottergelben, rosinengespickten Käskuchen, der an den beiden Feiertagen, jedwedem Dienstboten verfügbar in großen Stücken auf der eichenen Tischplatte prangte. Langsam und in festtäglicher Gemessenheit kamen über den Hof die Kirchgänger zurück. Voran Lene, die Ziehtochter, und des Alies etwas älteres Mädchen, die Bärbel, die fein behutsam den Korb schleppten, worin, in gewichtig Trumm Brot sein, wollt jeder der Hofbewohner ein Teilchen davon abkriegen Es wartete dann jeder noch auf eines der Eier, die rot, blau und orange in buntem Kranz aus dem Weidengeflecht osterten. Salz durfte aber keinesund Kren gingen nebenbei noch mit durfte aber keineswegs vergessen sein, denn jedweder möchte sein Scheiblein von letzterem, um es jahrüber im Geldbeutel zu tragen, als„Weihsamen". Wird bloß manchmal dieser Samen nicht aufgehen können in der mageren Luft eines solchen Behältnisses, denn es soll zuzeiten schon mal sein, daß in dem Säcklein oder in der Börse nur das Scheibchen Meerrettich zu finden ist Den letzten, verbleibenden Rest vom Weihbrot aber hob, wie alle Jahre, der Müller gut auf, bas das verschrumpfte Stümpflein ersetzt wird durch ein neues im nächsten Jahr Altmodisch waren diese und manch andere Sitten aber nicht sinnlos Den Lebens= und Glaubensbedingungen der Bewohner gemäß hatten sie sich fortgepflanzt und überliefert und standen auch in dieser neueren, fortschrittlich benamsten Zeit mit der Selbstverständlichkeit einer lebensberechtigten Tatsache. Es ist ein schönes Fest, Östern, für die Bauern zumal. Drückt noch keine Sorge um Hagelschlag auf Erntestand, und auch die Arbeit läßt sich noch zwingen, sodaß man den Sonntag ruhsam verbringen kann mit Kirchgang und Schmaus und ein bißchen Faulheit Der Montag wird dann emsiger, denn die meisten gehen da nach Emaus, d. h in irgendein Nachbardorf, einen besuchen, den man sonst vielleicht das ganze Jahr lang nicht sieht. Die Bertoldsmühldienstboten waren nicht anders, und am zeitigen Nachmittag rückte noch alles ab, was nicht schon am Vormittag zu den Eltern und Anverwandten gegangen war. Auch der Müller richtete sich zu einem Besuch, während Frau Lena von überall ein Stückchen einpackte als „Bscheid“. Wie immer seit denkbaren Jahren, wollte die Müllerin haushüten. Jetzt wunderte sich nicht mehr leicht einer darüber, wie etwa früher schon, obschon keiner vermuten konnte, was sie dazu bewog. Sie aber war eben immer noch der Meinung, daß der bitterschwere Hintergrund eines Teiles ihrer Lebenstage noch viel aufwog an freudfernem Ernst und ernsthafter Selbstentsagung erdgerechter Lust So glaubte sie am besten in sich selbst die Erinnerung lebendig zu halten an das, was sie nach ihrem Dafürhalten nicht vergessen durfte über dem alltäglichen Gehabe. Und gar heute wo Gottfried, der Student, ihr konnte Kurzweil schaffen, blieb sie lieber zu Hause, als daß sie ausflog. Ordnend strich sie denn nochmal über des Müllers Rock und schob ihn dann kurzerhand zur Tür hinaus. Er war gut gelaunt und tat einen lachenden Brummer.„In zwei Stunden bin ich wieder da,“ beschied er noch über die Schulter und ging dann. „So, Bub jetzt sind wir Herr im Hause," lachte Lena. „Wollen wir zu Hause bleiben oder über die Wiesen gehen?“ Ein Schatten fiel durch das Fenster und fiel auch über des Studenten Gesicht Dabei war es doch gar nicht verwunderlich, daß auch auf die Mühl einer jener Emausjünger kam, die am Östermontag einen aus der Vetternschaft mit ihrer Anwesenheit beglücken. „Mußt es nicht merken lassen, Gottfried, wie uns das verlorene Stündchen reut.“ raunte Lena noch schnell dem Finsterblickenden zu und ging dem Besuch entgegen, der dann natürlich bewirtet und unterhalten sein wollte. Und es war ihr, der Landwirtsfrau, auch die Ueberwindung nicht so groß, mit dem Vetter zu plaudern. Rat zu geben und Rat zu hören, was sie, die mitten im lebendigen Alltag stand allzeit wertvoll dünkte. (Fortsetzung folgt.) Handel und Wirtschaft, Deutschland kann seinen Verpflichiungen nachkommen. X Berlin, 16. Oktober. Der heutige Freiverkehr eröffnete in abwartender Haltung. Man wollte anscheinend vor den Entscheidungen im Reichstag teine neuen Engagements mehr eingehen. Das Geschäft bewegte sich daher in sehr ruhigen Bahnen, bei Kursen, die meist noch etwas unter denen des gestrigen Abendverkehrs lagen. Besonders fiel einiges Angebot in Siemens und Schultheiß auf, die sich etwas größere Kurseinbußen gefallen lassen mußten. Gut behauptet lagen IG. Farben. Aber auch für festverzinsliche Werte überwog heute zunächst das Angebot und man führte dies darauf zurück, daß der Gedanke einer Zwangskonvertierung jetzt bei den zuständigen Stellen langsam festere Formen anzunehmen scheine. Nicht ganz ohne Einfluß blieb natürlich auch die avermalige Diskonterhöhung der Newyorker Bundesreservebank. Obwohl man davon überzeugt ist, daß diese Maßnahme sich in erster Linie gegen Frankreich richtet und weitere Goldverluste verhindern soll, so weiß man doch nicht, welche Folgen dieser Kampf zwischen der Bank von Frankreich und der Newyorker Federal Reservebank für die zukünftige Diskontpolitik der deutschen Reichsbank haben könnte. Direkte Auswirkungen auf unseren Geldmarkt sind unter dem Schutze des Stillhalteabkommens kaum zu erwarten. Interessant ist, daß auch die valutastarken Länder Schutzmaßnahmen ergreifen müssen, die Deutschland bereits hinter sich hat. Wenn es gelingt, die deutsche Außenhandelsbilanz so aktiv zu halten, wie in den letzten Monaten, dürfte es nichtschwer fallen, dem Ausland gegenüber laufend seinen Verpflichtungen nachkommen zu können. is zum BI. Dezember 1931. Ein Urnoch eingehenden gegeben werden. Immerhin ist daschon wegen der sonstigen SteuerbeDas Zeichnungsergeonis der Reichsbahnanleihe beträgt nach unseren Informationen 140 Millionen Mark. Die allgemeine Zeichnungsfrist für die Anleihe läuft noch bis zum 31. Dezember 1981. Ein Urteil über die jetzt noch kann natürlich nicht mit zu rechnen, daß freiungen, die bisherige Summe um einiges überschritten wird. Danach wird sich übersehen lassen, inwieweit die Deutsche Reichsbahn=Gesellschaft aus dem Erlös der Anleihe die für die Wirtschaft dringend erwarteten zusätzlichen Arbeitsaufträge vergeden kann. Die Reichsmark nach dem Erfolg der Reichsregierung. 4 Berlin, 16. Oktober. An den internationalen Devisenmärkten neigte das englische Pfund am Nachmittag unter kleinen Schwankungen eher etwas zur Schwäche, gegen den Dollar stellte es sich auf 3,85½, gegen den Gulden auf 9,50, gegen den Schweizer Franken auf 19.60 und gegen den französischen Franken auf 98,25, der Dollar war ziemlich unverändert. Die Reichsmark lag gegen das Pfund mit 16,72½ etwas fester, auch in Amsterdam konnte die Reichsmark auf die Mitteilung von dem Erfola des Kabinetts Brüning anziehen, sie stellte sich auf 56,66 nach Anfang 56,20, es zeigte sich etwas Kaufneigung. Frank lag in Amsterdam schwächer ing, daß einige Millionen Gulden Gold aus arls für die Amsterdamer Bank eingetroffen seien Der französische Fr zuf die Meldung, daß einige Um den Fälligkeitstermin für Aufwertungsbypotheken. # Berlin, 16 Oktober. Betreffs des Aufwertungstermines vom 1. Januar 32 besteht immer noch Unsicherheit. Die zuständigen Stellen haben ursprünglich die Absicht deutlich werden lassen, den Fälligkeitstermin des 1. Januar 1932 für die Aufwertungshypotheken nicht zu verschieben. Etwaige Schwierigkeiten sollten durch Entscheidungen von Fall zu Fall gelöst werden. Neuerdings scheint man nun nicht mehr so unbedingt an der Ablehnung der Verschiebung festzuhalten, denn es verlautet, daß die Prüfung der Angelegenheit noch nicht abgeschlossen ist. Diskonterhöhung in den U8A. X New York, 15. Oktober. Die New Yorker Bundesreservebank hat ihren Diskontsatz von 2,5 auf 3,5 Proz. heraufgesetzt, nachdem erst vor acht Tagen eine Diskonterhöhung um 1 Prozent auf 2,5 Prozent erfolgt war. * Die plötzliche Abkehr Englands vom Goldstandard hat die Gemüter in aller Welt so erschüttert, daß man heute kaum eine Devise mehr als unbedingt sicher ansteht. Nur so ist es zu erklären, daß die Bank von Frankreich ihre Dollarguthaben nur dann aufrecht zu erhalten bereit ist, wenn ihr von den in Frage kommenden amerikanischen Banken die Goldklausel zugestanden wird. Das Beispiel der französischen Notenbank wirkte ansteckend auf die unzählig vielen lleineren Dollarbesitzer. Einigermaßen grotesk klingt die Meldung, daß am Mittwoch sogar eine Goldsendung von 1.12 Mill Dollar nach Deutschland vorgenommen wurde angeblich für Rechnungen einer Süddeutschen Notenbank, der ihr Dollarguthaben nicht mehr genügend sicher erschien. Das Ausland, besonders Frankreich und die Schweiz, sowie auch Holland und Belgien wollen eben ihr Geld sehen, weil sie dem Dollat nicht mehr trauen. Mit kleinen Mitteln wird man das Unheil, das in der Weltwirtschaft angerichtet wurde, nicht wiedergutmachen können. Mit Diskonterhöhungen ganz sicher nicht. Ob Amerika gezwungen wird, zu schärferen Maßnahmen zu greifen, ist von Frankreich abhängig. Frankreich, das jetzt um seine Dollarguthaben so große Angst hat, wird sich überlegen müssen, was ihm blüht, wenn auch Amerika die Goldausfuhr sperrt. Deutschland sieht gespannt dem Zweikampf Dollar—Franken zu. Es hat sich, weil es gar keine andre Wahl gibt, dafür entschieden, bei der Goldwährung zu bleiben An einer formalen Neuverteilung des Goldes hat es aber kein Interesse. Wenn die Grundlage der internationalen Verchuldung nicht geändert wird, würde neues Gold nur den Weg des alten gehen. Sinn hätte eine Neuverteilung nur, wenn gleichzeitig die kurzfristigen Auslandschulden fundiert und die einseitige Kriegsschuldenbelastung beseitigt würde. Nur dann könnte die Deflation planvoll bekämpft werden. Die Frage ist, ob Frankreich freiwillig dazu bereit ist. Ob es vor allem dazu bereit ist, nicht bloß die Goldtresors zu entleeren, sondern auch die unglückselige Steigerung der Kaufkraft des Goldes durch eine großzügige Kreditpolitik innerhalb der Goldwährung herabzusetzen. Mit andern Worten durch Kreditausweitung eine Aenderung des Verhältnisses zwischen der Kaufkraft des Goldes und dem Freistand der Waren herbeizuführen. Das erst würde das Ende der Deslation und eine Erleichterung für die Schuldner bedeuten, die gleichzeitig für die Gläubiger erhöhte Sicherheit und Verwertung ihrer Kreditrefelven bringen würde. Was Amerika machen wird, wenn Frankreich an seiner bisherigen Haltung festhält, würde sich bald nach der Unterredung Hoover=Laval entscheiden müssen Die Diskonterhöhungen in Newyork sind jedenfalls nebensächlich gegenüber den Beschlüssen, die demnächst gesaßt werden müssen und die auch auf Deutschland entscheidend zurückwirken werden Die jetzige Diskonterhöhung hat wie die vorige für Deutchland kaumeine Bedeutung: es sei denn, die Zinsen für die Stillhaltekredite steigen dadurch, was aber nicht anzunehmen ist; denn ob die Diskontspanne zwischen Berlin und Newyork 4,5 odeg 5,5 Proz. beträgt, spielt kaum eine Rolle. Die Auffassung in Amsterdam. Amsterdam, 1d. Oktober. In Amsterdam ist man der Ansicht, daß die Diskonterhöhung in New York den Abfluß weiterer Gelder aus den Vereinigten Staaten nicht verhindern werde. Der Dollar, der in Amsterdam etwas leichter eröffnete, konnte sich später wieder etwas bessern und stellte sich auf zirka 246,25. An den übrigen Plätzen war er zunächst unverändert. Die holländischen Warenmärkte zeigten im Zusammenhang mit der unheitlichen Tendenz der amerikanischen Märkte schwächere Veranlagung, doch waren die Umsätze gering. Das Sauptgesprächsthema an der Londoner Börse war natürlich die New Porker Diskonterhöhung, obwohl sie für die Londoner Kreise durchaus nicht überraschend kam. England selbst wird ja seit der Ausgabe des Goldstandards von den Diskontveränderungen der Goldstandardländer nur mittelbar berührt Man ist über die Wirksamkeit der New Yorker Diekonterhöhung ziemlich skeptisch gestimmt, da man meint, daß diese Maßnahmen vielleicht gerade das Gegenteil des Gewünschten herbeiführen kann, da sich die Unruhe des breiten Publikums vielleicht noch vergrößert. Es ist auch fraglich, ov sich das Ausland durch die Diskonterhöhung davon abbringen lassen wird, seine Guthaben aus Amerika abzuziehen. Viel hängt natürlich von der Haltung der Bank von Frankreich ab. Bleibt Paris unverändert, so dürfte die sich darauf zweifellos ergebende Vergrößerung des Disagios auf Termindollar die auf dem Kontinent herrschende Unsicherheit nur noch vergröhern, fällt aber Paris, so bleibt international alles beim Alten. Märkte. Hamburger Schweinemarkt. Hamburg, 16. Okt. Auftrieb: 4134 Schweine. Es kosteten: a) 50—53, b) 45—47, c) 41—44, d) 31—37, e) Mo rungen um 1—1.5 M. die Notierungen kamen schwer zustande. Die Situation am Mehlurkte Veränderung erfahren. Bei behaupteten sserungen aber auch hat keine Preisen erfolgen täglich kleine Bedarfskäufe Hafer liegt bei mäßigem Angebot stetig, Gerste in unveränderter Marktlage, Weizen= und Roggenexportscheine hatten sehr ruhiges Geschäft. Amtl. Produklenpotierungen in Berlin am 10. Oklober 193.. (Für Getrelde je 1000 kg für die übrigen Artikel je 100 kg.) 15. 10. 271—32¼ a1 behauntet 10—10.2 matter 9.1—9.3 stetla Welzen märk neue Ernte Oktober Dezember Tendenz Roggen märk neue Ernte Oktober Dezember Tendens Gersto Braugerste Futtergerete Wintergerste Tendenz Hafer märk. Oktober Dezember Tendenz Mal Waggon frei ab Hamburg Tendeuz 20—27 18.2—12. —6.1 11.00 Weizenausfuhrscheine Roggenausfuhrscheine Gerstebezugsscheine Malsbezugsscheine 100—161 Wert 120 bes. 60½ Wert 107 Wert ruhle 35—40. karktverlauf: mittel. Berliner Schlachtviehmarkt. X Berlin, 16 Okt. Auftrieb: 2582 Rinder, darunter 1044 Ochsen, 467 Bullen, 1071 Kühe und Färsen, 1540 Kälber. 4883 Schafe, 9744 Schweine. Marktverlauf: Bei Rindern ziemlich glatt; bei Kälbern und Schafen in guter Ware glatt, sonst ruhig; bei Schweinen glatt. Es kosteten: Ochsen: a) 88 b)—, c) 34—37, d)—, e) 82—34, f) 28 bis 31: Bullen: a) 35—36, b) 33—35, c) 31—32, d) 27 bis 30; Kühe: a) 23—32. b) 22—28, c) 18—21, d) 14—17; Färsen: a) 34—36, b) 31—33, c) 25—29; Fresser: 24—29; Kälber: a)—. b) 52-56, c) 40—56, d) 23—35; Schafe: a) 36—38, b) 43—45, c) 38—42 d) 30—33. e) 33—37, f) 20—28: Schweine: a)—, b) 49-50, c) 46—48, d) 43—45, c) 38—42, f)—. g) 40—43 Magdeburger Produkten. # Magdeburg, 16 Okt Weizen 218-220 Roggen 198—200, Futtergerste, zu Industriezwecken geeignet 166 ble 168, Braugerste, mittlere 176—180, gute 182—186, Wintergerste 166—18, Hafer alter neuer 144—150, Viktorigerbsen 220—250, Weizenmehl 70% 35—36, Roggenmehl 60% 28.75—29,75, Weizenkleie 10—10,50, Roggenllese 9—9,50, Baumwollsaatmehl 50% 10,80—11. Reisfuttermehl 24—28% 7,30, Palmkuchen 21% 9,30, Rapokuchen 38% 8, Kokoskuchen 26% 13—14, Treckenschnitzel 4,40—5. Kartosselflocken 13,20—13,40, Soyaschrot 46% 11.20. Allgemeine Tendenz: ruhig. Berliner Produktenmarkt. X Berlin, 16. Okt In Erwartung der bevorstehenden Entscheidung machte sich im Produktenverkehr heute eine starke Zurückhaltung bemerkbar Das Inlandsangebot von Brotgetreide bleibt minimal und die Nachfrage zwecks Befriedigung des notwendigen Tagesbedarfs konnte nur zu 1,5—2 A höheren Preisen als gestern erfüllt werden Auch auf dem erhöhten Preisniveau blieb die Umsatztätigleit sehr gering. Am Lieferungsmarkte ergaben sich Bremen: Baumwolle(amtlich) loko Oktober Dezember Januar 1992 lärs Mal Juil Tendens: Liver loko Oktober November Dezember annar 1932 Februar Mürs April Mal bezahlt aber atetls Baumwolle August September Oktober Dezember 16. 10. 7000 Tagesimport Tageslokoverkäute Exportverkäufe Aegypt. Upper F.G. fair loko Tondens: ruhls. benaunte Liverpool: Ostindische Baumwolle 16. 10. Loco Surtes F. G. „ Broach F. G.(Good Staple) „ M. G Punjah/Ameriean F.G. Centr. Provinces Oomra Nr.1 Bengal F. G „ Bengal Superfine „ Sind F. G. „ Sind Superfine New Orleans: Baumwolle loco Oktober Dezember Januar New York: Baumwolle 16. 10. 6.25 6.12 6.13 6.21—22 6.33-34 9.43 6.53 Geschätzte 15. 10. 100 t 4.16 4.15 4.28 3.73 16. 10, 6.42—49 loco Oktober November Dezember Januar Februar Märs April Mal Jun Juli Auguet September Tendenz: 15. 10. 6.20 6.04 6.05 6.13—14 6.24—25 6.30 6.42—43 Totalzufuhren Baumwollzufuhr in Atlantischen Hüfen Baumwollzufuhr in Golf-Häfen Zufuhren in Pacifie-Hafen Zufuhren im Innern Export nach England Export nach Frankreich Export nach dem übrigen stetin 196000 4000 23000 4000 rigen Kontinent 12000 Export nach Japan und Chine 9000 Fracht n. Liverpool f. stark gepr.Ballen 45 Fracht für Standard 60 Borken I. W. Am Dienstag, den 20. Oktober 1931 Pferde=Rindvieh=u. Schweinemarkt sowie Krammarkt Der Magistrat. Pelze Große ZuchtviehVersteigerung in Münster in Westfalen (Halle Münsterland) am Donnerstag, den 2». Oktober 1951, vormittags 11 Uhr. Zur Versteigerung gelangen: 09 Bullen und 150 Zucht- u. Gebrauchsrinder des roibunten Tieliandschages. Infolge des großen Auftriebes ist mit niedrigen Preisen zu rechnen. Auf alle Tiere 20% Frachtermäßigung Weitere Auskünlte und Verzeichnisse durcn die Geschältsstelle des Verbandes WUestläl. Rotbuntrüchter Münster in Westfalen Engelstraße 281, Fernruf 24101 Junghennen weiße Leahorn, 3 Monate alt, auf unbeschränktem Wald= und Wiesenauslauf in fahrbaren Ställen aufgezogen, kräftig ent= wickelt, gelund und abgehärtet, auf Leistung und Schönheit gezüchtet. Preis 2.80 Garantie für lebende Ankunft. Größere Mengen auf Anfrage Geflügelhof Palz. Darfeld i. Gut Retoe. Rut 22. aubergewöhnlleh billia! Echte Pelzkragen von Mk. 30.- an Füchse„" 16.Echte Wölfe„„ 25.Pelzgernituren. Felle in größter Auswehl. Pelzvertrieb, Dortmund etst Hansastreße 8—7 gegenüber Sparkasse Bel Einkauf ab Mk. 30.- Fahrlvergülung. Wohltahrts-Geld-Lotterie Ziehung 23. bis 26. Okt. 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Der Kies rauscht unter den Gummireifen meines Rades Hier ist die Stelle. wo in den ersten Julitagen ein Fliederzweig unerwartet mein Gesicht streifte Und hier, gerade hier begegnete mir ein Mädchen, ein fremdes Mädchen Nie mehr habe ich sie hernach getroffen Eine Fülle blauen Lichts entströmte ihren Augen, in denen alles sich spiegelte: Lebensfreude, jugendliche Entzückung, leuchtendes Ich lächelte, und sie erwiderte mein Lächeln so strahlend.. Und ging vorüber. Ich sah ihr nach. Rein, sie ging nicht. sie tanzte! Ein sonnenberauschter Schmetterling, kaum mit den Füßen den Boden streifend, so tanzte sie dahin! Es drängte mich niederzusinken und die Spuren. weißen Schuhe hinterlassen hatte, zu sieh— da ist auch die morsche, alte Gartenbank mit den vielen eingeritzten Geheimzeichen: O Liebste! Sei gegrüßt, mein Herbst! Nun erfüllt nicht einmal Bitterkeit meine Seele Segnen will ich den Fliederbusch und das Mädchen, das Meer, den kalten Himmel und die letzten traurigen Georginen auf den Beeten (Deutsch von Irmela Linberg.) Rosenkranzmonat. Wenn Kränze des Sommers verblassen Und Lieder der Lüfte verklingen, Wenn Blätter zitternd entfallen Und Blumen zum Tode sich ballen, Dann blühen himmlische Rosen In gläubigen Händen auf, Und kindliche Seelen schwingen Sich selig zum Himmel hinauf. Und betende Lippen orgeln Wie brausender Blätter Chor, Und Kränze der Liebe winden An heil'gem Bild sich empor: Maria, Rosenkranzkönigin, Du aller Gnade Mittlerin, Jn uns'rer Erde Vergänglichkeit Sei Du reine Schönheit in Ewigkeit! Maria Bacht. Heitere Welt. Ein Hochzeitsgeschenk. Ein Herr betritt in Newyork ein Waffengeschäft und verlangt einen Revolver „Her ist ein besonders schöner, ein Familienrevolver?“ „Er hat sechs Schüsse Zwei Kugeln für Ihre Frau zwei für den Zerstörer Ihres häuslichen Glücks und zwei für Sie selbst Der Artikel geht gut, die Leute sind wie wild danach. Ich habe hundert davon als Hochzeitsgeschenk verkauft." * Im Schuhgeschäft. Verkäufer(nach stundenlangem Anprobieren): „Es ist zwecklos gnädige Frau. Sie wünschen Schuhe zu haben die außen eng und innen weit sein sollen! So etwas führen wir leider nicht!“ * Etwas schwierig. Aufmerksam nahm das Brautpaar den Brantunterricht des Pfarrers vor der Trauung entgegen Als aber die Stelle kam:„ und folge ihm überall wo er auch hingehe!“, stammelte die junge ein Geschenk denken Sie 1 minem 21. Gejetzt ist es wieder „Wenn mein Chef gelagt hat betrere ich nicht wieder“ niche zurücknimmt was er sein Bureau vom Ersten an „Was hat er denn gesagt?“ „Er hat meine Kündigung ausgesprochen“ Nue Geduld. Hans war unartig gewesen und in eine dunkle Kammer gesperrt worden Nach einer Stunde ging seine Mama an die Tür klopfte und fragte: „Hans, bist du nun wieder artig?“ „Nein. Mama. ich werde schon rufen, wenn es soweit ist.“ Sein Bild. „Denken Sie nur. Herr Doktor seit drei Monaten ist mein Mann nun schon tot und jetzt erscheint er mir jede Nacht im Traume!“ „So Würden Sie ihn dann wohl gütigst daran erinnern, daß er mir noch hundert Mark schuldig ist?“ Trick. segen Sie zu meinem Geschäft?“ fragt virietora stolz Primal Aber warum schelen alle Jhre Ver= „Damit kein Kunde weiß, von welcher Seute er beobachtet wird" erklärt Hirsekorn überlegen Mißverstanden. Ein Londoner Geschäftsmann hatte ein altes Anto, das er nicht loswerden konnte Schließlich hängte er ein Plakat heraus. Wer will dieses Auto für fünf Pfund mitnehmen? Am anderen Tage erschien ein Mann und fragte„Ist das Angebot ernsthaft gemeint?“ „Jawohl mein Herr“ „ich glaube zwar bestimmt, daß da ein daber ist, aber immerhin— rücken Sie mal raus mit den fünf Pfund!“ No Haken Unüberwindlich. Geschäftsinhaber zum Reisenden:„Ich habe jetzt wirklich keine Zeit und auch von allem möglichen den Kopf voll.“— Reisender:„Da können Sie vielleicht meine vorzüglichen Kämme gebrauchen“ Verantwortlicher Schriftleiter: Josef Hom. RAETSEL-ECKE Bilder=Krenzworträtsel. Vaggerecht 1 Tresorwand. 6 Präposition. 7 engl Bier. 8 Flächenmaß. 9 Rebenfluß der Donau. 11 Umlaut 12 bibl. Frauengestali Senkrecht: 1 kl. Nagel 2 Präposition. 3 ehem russ Potentat. 4 spanischer Artikel. 5 Komponist(gest.) 8 kirchlicher Würdenträger. 10 Spielkarte. * Krenzworträtsel. Waagerecht: 3 Kampfspielbahn. 7 griech Göttin der Morgenröte 8 wie 5 jenkrecht 9 Rebenfluß der Donau. 11 geographische Bezeichnung. 12 Hauptstadt des württembergischen Donaukreises 13 Name der weltberühmten„schwebenden Jungfrau“. 15 kindl. Rufname für Großvater. 16 Steigerungswort 18 Papstname. 19 Vor= und Zuname eines berühmten Operettenkomponisten(gest.) Senkrecht: 1 deutscher Artikel 2 Kurzname einer südamerik. Hauptstadt. 3 franz Kolonie. 4 Erdart 5 protestierender Ausruf. 6 nördl Punkt der Erde 10 Prophet. 14 engl Bier. 15 Erdprodukt. 17 Hilferuf in Seenot. 18 nicht warm. * Silben=Austanschrätsel. In den nachstehenden Wörtern sind je die letzten Silben zu streichen und dafür durch Vorsetzen einer neuen Silbe aus den unten angegebenen neue Wörter zu bilden. Die Anfangsbuchstaben der neuen Wörter ergeben den Namen eines berühmten nordischen Forschers Die Wörter sind: Selma. Ratter, Reger, Segel, Nervi, Lattich. Sense. Besen. Die zu verwendenden Silben lauten: am, don, ei, mo, na. nar, sa, ur. Auflösungen der letzten Rätsel: Krenzworträtsel: a) 1 Para, 4 Kola, 7 Oder, 8 Adam, 9 Oel, 10 Oran, 12 Isar, 14 Puma, 17 Bete, 20 Bei, 21 Rede, 22 Lied, 23 Ural, 24 Dora; b) 1 Polo, 2 Ader, 3 Aron, 4 Kali, 5 Lava, 6 Amor, 11 Alm, 13 See, 14 Pern, 15 Ufer, 16 Abel, 17 Bild, 18 Tuer, 19 Edda. Wo ist der Wilddieb?“ Der Wilddieb befindet sich in der linken oberen Ecke. Er stößt mit dem Kopf an den rechten Baum, das Gesicht ist nach der Fußleiste gekehrt, der Oberkörper ruht auf der linken Leiste. Das Motorboot. Novelle./ Von Jan feith. Stolz und freudig erregt stand Fritz am Steuerrad seines neuen Motorbootes, während Anny auf dem Klappstühlchen saß, dicht in seiner Nähe, denn auf dem Achterdeck des zierlichen Bootes war es sehr eng. Verstohlen blickte sie hin und wieder zu dem schlanken, jungen Mann im blauen Marineanzug auf, wie um seine geheimsten Gedanken zu erraten. Der aber schien völlig von seiner Aufgabe in Anspruch genommen zu sein Er nannte ihr den Ramen der kleinen Orte, an denen das Boot vorüberschoß, oder erzählte ihr, fast schulmeisterhaft, historische Daten von einzelnen Plätzen, die noch aus der Römerzeit stammen sollten. „Erstaunlich, was Sie alles missen, Fritz!“ sagte sie. Innerlich aber dachte sie:„Unausstehlich ist er heute!“ Weiter glitt das schnelle Boot den stillen Fluß entlang. Am rechten Ufer folgte jetzt ein Obstgarten dem anderen. An der anderen Seite graste das Vieh auf den Weiden. Die Kühe kamen bis an das Flußufer, um das Gras zu fressen, das hier so üppig wucherte. Nun gab es keine Flußstädtchen mehr mit historischen Erinnerungen, keine sauberen Dörfer mit roten Dächern, über die sich Interessantes erzählen ließ. So schwieg er. And sie ebenfalls. Man hörte nichts als das Klatschen des Wassers gegen den Kiel und das Murmeln der plätschernden Wellen zu beiden Seiten des Bootes. Dazu den unermüdlichen Gleichtakt des Motors. Fritz dachte:„Vorzüglich arbeitet der Motor.. es war eine gute Idee von mir, sie zu der ersten Probefahrt einzuladen. Die Schwierigkeit ist jetzt nur, den passenden Augenblick zu finden, es ihr zu sagen... denn sagen muß ich es heute, weil sich nie eine günstigere Gelegenheit bieten wird... Aber wie... Und sie dachte:„Ob andere auch so schreckliche Hemmungen haben..“ Und laut sagte sie plötzlich: Wissen Sie, ich lausche immerfort auf das Stampfen des Motors... Finden Sie nicht, daß etwas Lebendes, etwas Menschliches in solch einem Motor ist? Manchmal ist es, als ob er gleichen Takt hielte mit dem Klopfen unseres Herzens...“ „Ja, ja", erwiderte Fritz, wieder in seinen wichtigen Ton von vorhin fallend,„die modernen Motoren sind vorzüglich durchkonstruiert. Wenn man ihr Geräusch einmal gewöhnt ist, dann kann man mit Sicherheit ausrechnen, wieviel Pferdekräfte so ein Motor hat.“ Das Wort„Pferdekräfte" kam Anny in diesem Moment unsagbar gewöhnlich vor. Aber sie gab es noch nicht auf. „So.. also Sie hören in Ihrem Boot nichts Lebendes... in dem Ticken des Motors keinen Widerklang Ihres Herzens?“ Fritz schien etwas in Verwirrung zu geraten, aber er kam nicht auf die Idee, auf ihren Vergleich einzugehen, und so dozierte er munter fort: „Wir haben dafür eine Formel, die Anzahl Umdrehungen des Motors, die Anzahl der Zylinder, den Zylinderdurchmesser, den Kolbenhub, und indem wir diese Zahlen miteinander multiplizieren und das Resultat durch die Ziffer des Viertaktund Zweitaktmotors dividieren, erhalten wir die Anzahl Pferdekräfte..“ Sie seufzte vor Empörung. „Ist Ihnen etwas...?“ fragte er schnell. „Oh. im Gegenteil", erwiderte sie kühl,„Sie sind ja außerordentlich bewandert auf dem Gebiete der Technik.“ Er wollte es noch als Kompliment auffassen, dann aber stiegen ihm doch Zweifel auf und ihm schien endlich klar zu werden, daß sein Ton nicht der richtige war. Darum sagte er, und seine Stimme war jetzt ganz einfach und bescheiden: „O nein, das ist gar nichts Besonderes. So ein Ding läuft ja von allein, und man braucht kaum aufzupassen.“ „Wollen Sie es nicht einmal versuchen?“ fragte er. „Was?“ fuhr sie aus ihren Gedanken auf. „Wollen Sie nicht einmal steuern?“ „Ach so!“ entgegnete sie, wieder enttäuscht. Dennoch stand sie auf und stellte sich neben ihn. Er trat einen Schritt zur Seite, damit sie vor das Steuerrad treten konnte. Dann erklärte er ihr mit einigen Worten die Handhabung. Und sogleich war er fort, in der Kajüte verschwunden, um nach vorn zu gehen, zu seinem Motor, und ihn zu kontrollieren, wie er sagte. Sie stand nun allein. War sie böse? Ach nein! Konnte sie denn diesem großen Jungen böse sein? Aufrecht stand sie am Steuer, währene der Wind mit den Zipfeln ihres Schals spielte, und scharf paßte sie auf, daß das Boot eine grade Linie einhielt. Aber während sie auf den Takt des Motors lauschte, kam es ihr vor, als ob das Geräusch etwas schwächer und langsamer wurde, so daß es klang. als sei die Maschine müde geworden. Immer langsamer stampfte sie, noch langsamer, bis plötzlich der Motor stillstand. Zugleich tauchte Fritzens Kopf aus der Oeffnung der Kajüte auf, das Gesicht rot und mit Schweiz bedeckt und einen schwarzen Strich von Maschinenöl auf der Backe. „Der Motor steht still, Anny“, sagte er verlegen. „Hol Ho!“ lachte sie fröhlich,„das Herz steht still? Was nun?“ „Dann mal ohne Herz!“ lachte nun auch er. „Aber ich muß Sie doch ordentlich zu Hause abliefern... Wissen Sie was?... Ich habe ein Segel an Bord... Wir werden nach Hause segeln!" Und schon hatte er zu heben und zu schleppen begonnen. „Kann ich helfen?“ fragte sie hilfsbereit. „Es hängt nun alles von Ihrer Steuermannskunst ab!“ rief er, während er sich abrackerte. „Halten Sie das Boot mitten auf dem Strome, damit es nicht abtreibt!“ Flink und geschickt wie ein vollendeter Matrose brachte er alles in Ordnung. Er stellte den Mast aufrecht, holte aus dem Vorraum das Segel an Deck, legte eine Trosse aus, knüpfte die Taue fest. Und schon zog er das große Segel hoch, mit starken Zügen, so daß der Mast knarrte. Sie sah aufmerksam zu und beobachtete, wie ingen waren. l“. keuchte Ferliche von Ann sicher und gewandt jede seiner „Wir haben den Wind voll im er, wieder neben ihr stehend. Der Wind blähte das Segel, und das kleine Boot flog dahin. Fritz hatte das Steuer nny übernommen und sie stand dicht neben ihm. Da neigte er sich zu ihr und sagte mit leise drängender Stimme: „Wer hat nur die Schuld, daß das Motorherz stillstand?“ Wer anders als Sie?“ lachte Anny.„Ich habe das Herz nicht stillstehen lassen. Warum ben Sie es nicht weiter schlagen lassen?“ Das Auspuffventil streikte“, erwiderte er. Er hatte jetzt nichts Dozierendes mehr in seiner Stimme. kommt daher“, erklärte sie mit Nachdruck, Sie nur immer auf das Schlagen des Motors haben... So geht es, wenn wir zuviel auf den Schlag unseres Herzens achten und ihm keine Gelegenheit geben, sich zu äußern..." „Unseres Herzens? Unseres Herzens?“ dachte er, aber diesmal laut. „Nein, des Motors und seines Auspuffventils, meine ich", sagte sie mit Entschiedenheit, wie um kein Mißverständnis aufkommen zu lassen. Fritz holte tief Atem. „Und wenn dies nun nicht ausschließlich auf meinen Motor anwendbar wäre?“ fragte er. „Wie meinen Sie das?“ fragte sie, als ob sie nicht verstände. „Wissen Sie wohl, daß ich eifersüchtig bin?" sagte er plötzlich. „Auf wen?“ Am jimmersee in Oberbayern. Kloster Andechs „Auf das Steuerrad, das Sie angefaßt haben ... auf den Motor, auf den Sie so andächtig gelauscht haben... auf das Motorherz, mit dem Sie Mitleid haben, weil es stillsteht...“ Sie lachte leise vor sich hin. „Sie sind doch kein Motorboot“, antwortete sie, „und Sie haben doch keinen Motor an Stelle des Herzens?“ „Der meine schlägt schneller“, sagte er. „Im Viertakt oder Zweitakt?“ „Oh!“ flehte er. „Und Ihre Formel?“ „Ich kenne keine Formel mehr“, flüsterte er bewegt,„oder höchstens eine einzige...“ „Und wie gelehrt lautet die wohl?“ neckte sie zum letztenmale. „Daß ich dich liebe!“ rief er stürmisch. „Muß ich antworten?“ fragte sie, selig zu ihm aufblickend. „Ja, antworte!“ drängte er „Ich fürchte nur, daß ich all die Fachausdrücke noch nicht so beherrsche...“ „Und ohne Fachausdrücke?“ „Oh, das geht nicht an Bord eines Motorbootes“, sagte sie mit gespieltem Ernst,„ich wollte es gerade technisch tadellos ausdrücken, daß es mich schon lange gewundert hat, daß die Ventile eines gewissen Herzens so schlecht funktionierten, und daß ich darum schon nahe daran war, zu verzweifeln...“ Aber diesen Satz konnte sie nicht mehr vollenden, weil er sie an sich gezogen und ihr mit seinen Küssen den Mund verschlossen hatte. Erika blüht. Es blüh'n in weiter Heide Blümlein zart und schlicht Dem Wanderer zur Freude Im Herbstessonnenlicht. Blüh'n auf herber Erde, Auf sandig=stiller Flur. Es preist das stete„Werde“ Noch einmal die Natur. Im Leuchten der Heideblume, Ihrer Blüten farbiger Pracht, Wohl zu des Schöpfers Ruhme, Vor Winters langer Nacht. E. K. Die Kathedrale von Reims wieder hergestellt. Die berühmte gotische Kalhedrale von Reims, eins der herrlichsten Bauwerke des Mittelalters, die während des Weltkriegs schwer beschädigt worden war, ist jetzt völlig wieder hergestellt und durch den Erzbischof von Reims mit einem feierlichen Pontifikalamt wieder eröffnet worden. in das Wirtshaus zurück, in der Hoffnung, die Entführte hätte sich dort inzwischen wieder eingefunden. Sie war nicht da. Auch den bei der Entführung beteiligt gewesenen Burschen, Männern und Frauen waren die Gesuchten in der allgemeinen Hatz und dem großen Jubel und Trubel aus dem Gesicht gekommen. Man holte die Musikanten heraus auf die Paßstraße und ließ nach allen Himmelsrichtungen die Trompeten schmettern, Waldhörner rufen und Flöten trillern, so daß eine wilde Bewegung in die gespenstische Nacht kam und unter dem Geflacker der Fackeln und Windlichter schauerliche Gestalten über die Hochstraße zu preschen schienen und erdfremde Schatten aus den Felsen und Bergfalten wuchsen. Doch die beiden meldeten sich nicht. Langsam wuchs ein furchtbarer Verdacht: daß Christoph Randhofer die Braut wirklich entführt haben müsse, wenn man das auch gerade von der stolzen Mena nicht begreifen konnte, und mit ihr vielleicht längst zu Tale war, wo auf der Station in bald zwei Stunden der Frühzug abging. Berstende Erregung packte die Bauern, vor allem die Burschen. Schäumend stellte sich Valentin an ihre Spitze, und mit mächtigen Feuerbränden rannten sie zu Tal. Als sie den Randhof, das erste Haus hart am Abgrund, erreichten, brannte dort noch Licht. Die Burschen fielen in das Haus und stießen überall auf verstörte Gesichter. Der Randhofer war nicht da, und die junge Bäuerin lag krank zu Bett. Nun schien der Fall klar. Und im Hinunterstürmen zur Bahnstation flogen— niemand wußte, wer sie geschleudert— ein paar Feuerbrände in den Randhof. Mochte er hinter den Talstürmern in Flammen aufgehen und dem Christoph und der treulosen, verworfenen Dirn unten in den Eisenbahnzug leuchten! Als die Jagd keuchend, mit zerfetzten Röcken und flackernden Blicken auf der einsamen Bahnstation anlangte fuhr der Zug zu ihrem Erstaunen eben erst ein. Die Rächer taumelten auf den Bahnsteig. untersuchten, die Fackeln in den braunen Fäusten, trotz des hilflosen Protestes des Bahnversonals und der grellen Angst der aufgeschreckten Reisenden, die Wagen vom ersten bis zum letzten. Keine Maus hätte ihnen entgehen können. Mena und Christoph waren nicht da. Da schrie Valentin plötzlich grell auf. „Rindviecher san wir durcheinander! Dümmer, als der Lump der Christoph, glauben möcht'! Rüber wird er sein über u Berg. über die Grenz! Basel. Marktplatz mit Rathaus. Die Hochzeit auf dem Hochpaß. Erzählung./ Von Josef Stollreiter. Es war eine weitberühmte Hochzeit, wie man sie seit langem nicht mehr erlebt. Der Wirt auf dem Hochpaß hatte sie auszurichten, weil dort die umliegenden Gemeinden, die alle die Hochstraße benutzen mußten, am leichtesten zusammenkommen konnten und der Weg für fast alle halbiert war. Der Wirt vom Hochpaß verfügte über mächtige Räume, führte eine talauf und talab gepriesene Küche, und Bier und Wein, hieß es, wären nirgends so prächtig im Stande. Die ganze Umgegend, die Bauers zehn Dörfern und mehr, hermmen, der Hochzeit des Valentin beizuwohnen— so geheißen, weil liche Hof des Großbauern einst hochherrlicher Besitz gewesen, den die Erben herabgewirtschaftet hatten, bis ihn Valentins Großvater ersteigerte. And die Braut war die schöne Philomena von Erzach, einem großen, reichen Bergdorfe. Die Stimmung war bereits weit vorgeschritten, die Musikanten, auf das allerbeste traktiert, bogen und warfen sich vor Leidenschaft, der Tanzboden knackte nur so unter den stampfenden Füßen der Burschen und Männer. Besonders umdrängte man natürlich die blühende Mena, die Braut, mit den blitzenden, dunklen Augen und dem tiefschwarzen Haar. Sollte ie doch, nach altem Brauche, entführt und vom Bräutigam erst nach möglichst langem, verzweifeltem Suchen wieder eingebracht werden. Obwohl der wilde Valentin, wie man ihn nannte, die Augen überall hatte, war es den Gästen doch gelungen, unter Stellung einer falschen Braut, die der Mena einigermaßen ähnlich sah, die wirkliche zu entführen. Der gleichfalls scharf umbrangte Bräutigam alaubte Mena noch immer unzen zu sehen und schüttelte sich nur vor Lachen. als im Saale plötzlich der Ruf erscholl, daß die Braut verschwunden sei. Erst nach langen Bemühungen ließ er sich bewegen, die unermüdlich tanzende Braut näher anzusehen und sich ingrimmig als der Gefoppte zu erkennen. Scheltend warf er sich auf die Suche, wurde immer wieder irre und in die Enge getrieben. Eine Unruhe packte ihn, als er hörte, daß gerade sein einstiger Rivale, der jetzt allerdings seit einem Jahre verehelichte Christoph Randhofer, die Entführung ins Werk gesetzt habe und mit der Braut davon sei. Er stieß auch überall auf Posten, die die Gesuchten durch Signale und Pfiffe vom Rahen des Bräutigams unterrichteten. Schweißbedeckt rannte er durch das ganze, weitläufige Wirtschaftsgehöft, stürmte, von Eiferfucht gestachelt, hinaus auf die Paßstraße, die der Vollmond in gespenstisches Licht tauchte, so daß die Formen der Berge, ihre Risse und Schlünde, ihre spitzen Nadeln und ihre wilden Schlagschatten in schauerlicher Starre und dennoch in drohender Belebtheit auf ihn eindrangen. So hatte er die Bergwelt seiner Tage nicht gesehen! Valentin sprang durch die„Lindwurmschlucht“, in der einst ein Drache gehaust haben sollte, hetzte zum„Felskirch!“ hinaus, so daß ein schwerer Hagel von Gesteinsbrocken unter ihm abstürzte und die Begleiter zurücktrieb. Steil war der Hang, mit lockeren Feldstücken bedeckt, ein einziger Fuß konnte eine Lawine ins Rollen bringen. Mena und Christoph waren nirgend zu finden, obwohl es den nachfolgenden Burschen geschienen, als hätten sie unter dem abpolternden Gestein einen Schrei gehört. Aber der Hochpaß war so voll Menschenstimmen, voll Rufen und Jauchzen, daß keiner weiter darauf achtete. Düster und mißmutig kehrte Valentin endlich Wenn der Weg a weiter is und steiler, sicherer is er dazua!!“ Diese jähe Erkenntnis traf wie ein Keulenhieb, und die Burschen, die eben noch wie wilde Naturgewalt getobt, standen einen Augenblick erstarrt. Dann traten sie zähneknirschend die Fackeln aus, denn oben hatten die Bergspitzen bereits zu leuchten und zu flammen begonnen, und stiegen niedergedrückt in ihre Dörfer und Einöden empor. Der Randhof war bis auf die Grundmauern niedergebrannt. Kaum hatte man die Bäuerin retten können. Als am folgenden Tage die Grenzer heraufkamen, in den Dörfern und Oeden herum die Sachlage zu untersuchen und diejenigen herauszufinden, die Feuerbrände in die Gebäude des Randhofers geworfen hatten, fiel ihnen beim Absuchen des Geländes auf, daß die„Quarzerhöhle", die einige Klafter unter dem„Felskirch!“ in den Berg hineingähnte, zugeschüttet war, und zwischen dem niedergestürzten Gestein sickerte Blut hervor. Sie räumten die Felstrümmer fort und fanden dicht an die Felswand gedrückt, von abgestürzten Felsstücken erschlagen, die zerschmetterten Körper des Christoph vom Randhof und der schönen, bräutlich geschmückten Mena. Brand in Krühwinkel. Idyll./ Von Reinhold Moorkamp. Das Städtchen Krähwinkel lag friedlich im Tale. Es war Nacht, und der Mond, der weltweise Himmelswanderer, blickte schmunzelnd auf die Schindel= und Ziegeldächer der Häuser herab. Daß er besonders gern über Krähwinkel verweilte, hatte seine besondere Bewandtnis. Denn der Mond war schon seit jeher ein arger Spaßmacher und Eulenspiegel gewesen. Er liebte darum Krähwinkel besonders, dieweil hier noch die echten Typen einer alten Kleinstadtromantik lebten. Das ganze Städtchen bestand ja aus sogenannten Originalen, vom Schneider Nadelöhr angefangen bis zum Nachtwächter Tuthorn. Deshalb schaute sich also der Mond das Städtchen immer mit besonderem Vergnügen an. Seine dicken, roten Bäckchen leuchteten so heftig und neugierwarm, daß das ganze Wällchen, darüber er listig blinzelnd ins Krähwinkel=Tal hinabschaute, in einem lodernden Feuermeer stand. Plötzlich aber riß der Mond erschrocken die Augen auf, wurde rot, wie eine schämige Jungfrau und schlug erregt seine Strahlenarme zusammen. Was da in Krähwinkel vorging, konnte allerdings auch einen solchen Phlegmathiker wie den Mond in Aufregung versetzen. Er sah nämlich, wie es drunten im Dorfe lebendig wurde, Frauen in Nachtjacken und Männer in Feuerwehruniform schreiend und tutend die schmalen Gassen hinabrannten. Schauerlich klang das gedehnte„Tuuut! Tuuut!“ durch die Nacht. Und mit einem Male fing die Notglocke vom Turm der Kirche zu beiern an, daß man meinen konnte, das Ende der Welt wäre nahe Schneider Nadelöhr stand, die Schlafmütze schief auf dem Kopfe, am Fenster seines Hauses und glotzte verwundert die Gasse hinab. Da rasselte auch schon die Brandspritze vorbei. „Wa— was ist los, Heinrich?“ fragte der Schneider einen vorübereilenden Feuerwehrmann, den Schuster Pechdraht.„Es brennt, Franz!“ rief der Schuster zurück und lief weiter. Wahrhaftig, jetzt sah der Schneider auch, daß da drüben, hinter dem Wäldchen, eine rote Glut am Himmel stand. Er kleidete sich schnell an und sprang hastig die Gasse hinab. Denn auch Nadelöhr war ein pflichteifriges Mitglied der freiwilligen Krähwinkler Feuerwehr. Bald hatte er den Spritzenwagen erreicht. Die Feuerwehr machte soeben Nenstrelitz. Die Stadtkirche. eine kleine Ruhepause, um sich ein wenig zu erholen. Der Feuerwehrhauptmann, Bäckermeister Weichbrot, strich sich über Schnauzbart und sagte gemütlich:„Leute, das ist aber ein Brand! Der ganze Waldberg steht in Flammen!“ „Wo brennt es denn?“ fragte Schneider Nadelöhr. „Auf Meyers Brink muß es sein,“ erwiderte der Hauptmann.„Von dort kommt ja der Feuerschein her.“ Die Feuerwehr von Krähwinkel mußte ihren Spritzenwagen selbst ziehen. Zu einer Rosinante oder gar einem Töfftöff hatte man es noch nicht gebracht. Und da die zur Wehr gehörenden Bürger fast alle wohlbeleibt waren, machte man öfter halt, um wieder zu Atem zu kommen. Fritz Blasebalg, der Hufschmied, holte eine Flasche aus seiner Rocktasche, die stetig reihum ging. Echten Münsterländer Korn sei darin, sagte er.„Kluck, kluck, kluck.“ plätscherte es in gleichmäßigen Intervallen durch die Nacht, während vom Kirchturm die Brandglocke noch unentwegt läutete. Allmählich setzte sich die Kolonne wieder in Bewegung. Man hatte bald das Wäldchen erreicht, dahinter das Feuer lohte. Der Hauptmann schickte einen seiner Leute voraus, um auszukundaften, wo der Brandherd war. Unterdessen löschten die wackeren Krähwinkler abermals ihren eigenen Brand, indem des Hufschmieds Flasche mit dem Münsterländer Korn wieder die Runde machte. Friseur Bartkratzer blies noch einmal in sein messingglänzendes Horn, daran zwei rote Troddeln baumelten. Nach einer Weile sah man den ausgeschickten Boten eiligst durch den Wald laufen. Die Feuerwehrleute rissen verwundert die Augen auf, und der Hauptmann runzelte unmutig die Stirne, denn der Mann wagte es, bei einer so ernsten Angelegenheit, wie es ein Brandunglück war, zu lachen! Er lachte so sehr, daß es laut durch den Wald hallte. Schneider Nadelöhr stieß den Hauptmann an und wies bedeutungsvoll nach der Stirne. Ja, der Kerl muß irrsinnig geworden sein, irrfinnig von dem furchtbaren Eindruck, den die Brandstätte auf ihr gemacht hatte! „Hahaha,“ lachte der Mann jetzt wieder, als er vor dem Hauptmann stand. Und was er dann sagte, schlug dem Faß den Boden aus: „Das ist ja gar kein Brand, das ist ja der Mond, der über dem Wäldchen scheint!“ „Der Mond?“ riefen alle wie aus einem Munde. And dann hub ein Gelächter an, wie es Krähwinkel noch nicht erlebt hatte. Alle Bürger, die noch vor kurzem ängstlich auf die Signale und das Glockengeläut gelauscht hatten, wurden angesteckt von dieser Heiterkeit, die nach acht Tagen noch nicht verebben wollte. Der sich aber am meisten darüber freute, die Krähwinkler mal wieder ins Bockshorn gejagt zu haben, das war der Mond, der weltweise Himmelswanderer, der lächelnd hinter den Wolken verschwand, um einen neuen Schelmenstreich auszuhecken. Verlassene Sommerhäuser. Von R. J. Kuprin. ener geheimnisvollen ommer in Herbst sich ichi gedenken, da der So wandelte! Wir hatten uns am äußersten Rand des Abhanges über dem Meer gelagert. Da brach jene Stille an, jener sonderbare, plötzliche Augenblick der Stille, der zuweilen sogar mitten im Trubel der Stadt und ihres ununterbrochenen Getöses wahrnehmbar wird. Die zitternden Töne der Mandoline verklangen, Gespräche verstummten, und ein goldenes Mädchenlachen brach jäh ab. . c yma.. Ein Denkmal für Kemal Pascha. Der Wiener Bildhauer H. Krippel hat im Auftrage der türkischen Regierung ein Reiterstandbild Kemal Paschas ausgeführt, das in der türkischen Stadt Samsun aufgestellt werden soll. „Dies wird die letzte Nacht des Sommers sein." Ich weiß noch; ich schaute damals gen Süden. Dort ballten sich von der Erde bis zu halber Himmelshöhe träge schwere Wolken, durchglüht von Abendröte. Unter ihnen aber dehnten sich sanfte, erschöpfte Felder und schwarze Hügel. Und vereinzelte Bäume standen da, wie traurige dunkle Gespenster. Und mir schien, daß dort, auf dem Felde, hinter den Hügeln und Bäumen, etwas läge,— etwas Großes, Unsichtbares, Grausames und— Heiteres zugleich: auf dem Bauch und den Ellenbogen läge und den dichten, krausen Bart in beide Handflächen gestützt hielte. Anscheinend lächelte es lautlos und mit boshafter Freude einem Vorübergehenden zu und blinzelte verschmitzt mit den Augen. Dann— auf einmal— wurde es sehr kalt. Wind erhob sich von Osten her. Wir gingen von dannen. In der Frühe aber sprang vom Meere aus jäh ein Sturm auf, ein ganz schwarzer mit weißen Schaumzotteln. Angstvoll wälzen sich die Wogen zum Ufer, entsetzt bogen sich die Bäume, ihre wellen kraftlosen Arme alle in dieselbe Richtung streckend, und unser Haus bebte unter dem Anprall des Windes. Was geschah denn da auf dem Meere? Dort rasselten Tausende beladener Wagen einher, brauste ein Wald, splitterten Felsen. Jemand riß hartnäckig immer von neuem riesenhafte Seidenfetzen in Stücke So begann der Herbst. Nun fahre ich auf dem Rade durch einen schmalen. gewundenen Pfad des Parks. Unter den Reifen knirscht der Kies. Meine linke Wange ist der Sonne zugewendet und hat es warm, die rechte friert. Zu Seiten des schmalen Weges wächst dichtes Gebüsch. Himmel schimmert zerrissen hindurch, erscheint greifbar nah und unwahrscheinlich blau. Alles ist geräumig geworden, so kahl, unordentlich und ungemütlich, wie ein Gemach, aus dem man die Möbel entfernte. Mit silbernem Laut rascheln die braunen, geschrumpften Blätter. Leise Bitterkeit erfüllte meine Seele, müde, süße Sehnsucht, von welcher, wie nach Weingenuß, das Herz sich zusammenkrampft. Verlassene, entleerte Sommerhäuser... Ihre Fenster sind von außen unregelmäßig mit Brettern verschlagen. Unordnung umgibt sie— jene Unordnung, die Feriengäste zu hinterlassen pflegen. In großen Büscheln leuchten Astern und Georginen auf entblößten Beeten. Ich atme ihren würzig=schwermütigen Duft ein. Abends kommen fremde, zurückgelassene Hunde auf unsere Veranda zu Gast. Lautlos und ohne Scheu schmiegen sie sich an und blicken bescheiden mit ihren flehenden, erschreckten Augen zu uns auf. Sie werden den Winter über da bleiben. Ich schaudere, wenn ich mir die harten Nächte ausmale, in welchen sie unter den vom Schnee verwehten Balkonen vor Kälte und Grauen zittern werden. Das Meer wird in diesen Nächten brüllen, 22 2 2 28 25 5 & 2 2 — 2 S 2. . . -. 2E2 82 SES . a 9 . 3 22 SE. 9 31 2 S 2 „Bis an die Grenzen der Erde" Zum Weltmissionssonntag. Nur dreimal konnte der vom Papst für die ganze Kirche eingesetzte Weltmissionssonntg von der katholischen Christenheit mit dem Gefühl der Weite gefeiert werden, das der Name dieses großen Tages der Katholizität zu erwecken imstande ist. Dunkle Schatten schwerer Weltprobleme, zu denen die Wirtschaftskrise nur die Begleitmusik ist, legen sich wie drückende Nebel auf die Seelen Der sonst so frohe Blick auf„die Felder, die schon reif sind zur Ernte“, ist beschwert, eigentlich ohne rechte Logik Denn das Reich Gottes ist nicht von dieser Welt, und dem Missionsbefehl Christi kann keine Wirtschaftskrise der Welt und keine bolschewistische Revolution entscheidend den Weg versperren Aber die Menschen. auch die katholischen Menschen, werden von den wirtchaftlichen Spannungen hin und her gezerrt und können ihre xeligiöse Seele nicht von der wirtschaftenden trennen Denn die Not des Leibes wirkt auf die Seele ein, da Seele und Leib eine Einheit bilden; und die Uebernatur baut auf der Natur auf. Wenn dann noch der Missionsgedanke in jener Kategorie von Primitivität, Ueberflüssigkeit und exotischer Fremdheit gesehen wird, wie ihn weite Kreise unseres katholischen Volkes trotz aller gegenteiligen Papstenzykliken noch immer sehen, dann ist es begreiflich, daß ihrer Seele in dem Maße zusteigt Dann Hinweis auf die Not schnell bel der Hand ist, wenn die Idee auftaucht, jede Missionssammlung zugunsten der heimischen Not zu unterbinden. Wenn es nach dem unkatholischen Willen vieler Katholiken ginge, müßten die Missionare, die Boten des Evangeliums Christi, jetzt alle heimkehren. Der Staat, dessen Notwendigkeit die überwältigende l aitens Baltes anrtennt land a becter 1o cht in Rauch aufgehen. Er beschränkt sein Budget rch Notverordnungen, aber er streicht es nicht Katholiken sind Bürger zweier Welten. dem Staate gehören wir an, sondern auch der Kirche, und zwar sind wir Glieder der einen katholischen Weltkirche, nicht etwa der deutschen Teilkirche. Die Weltmission ist ein wesentlicher Teil der Weltkirche, nicht ihr unwichtigster, sondern ihr wichtigster.„Denn dazu allein ist ja die Kirche geboren, das Reich Christi in aller Welt auszubreiten, und so die gesamte Menschheit des Heiles der Erlösung teilhaftig zu machen"(Rundschreiben zur Förderung der hl. Missiönen vom 28. Februar 1926). So hat zweifellos nicht nur der auf den baute Haushaltsplan der wendigkeit, son enzytliten noch immer seyen, oann ist es de dieser Missionsgedanke in ihrer Seele in de sammenschrumpft, wie das materielle Elend ist es begreiflich, daß man unter Hinweis ir icht nur sondern auch der der Kirchensteuern aufgerche eine BestandsnotMissionskirche. Der Aufwand für die Missionskirche muß aber sensgemäß von den schon christlichen Völkern größtenls getragen werden. Denn die Missionsvölker strecken die die Katholikenzahl wächst und die kirchliche! sich festigt, zum eigenen Unterhalt ihrer Kird Um der Heimatkirche die finanzielle Unter wesensgemäß von den teils getragen werden. Denn die Missionsvölker strecken der katholischen Kirche vor ihrer Gewinnung nicht die Mittel vor, sondern erst im Laufe des vieljährigen Proder Kirchengründung können sie in dem Maße, wie Organisation eitragen. nangielle Unterstützung des Missionswerkes zu erleichtern, hat Pius XI ein neues Aufbringungssystem eingeführt. Alle Katholiken sollten einen ganz kleinen Beitrag jährlich spenden, damit durch Häufung von Millionen kleiner Almosen die Gesamtsumme erreicht werde, welche die Kirche zum Unterhalt der Missionen benötigt. Dieser Plan war angemessen, weil jeder Katholik als Glied der Kirche eine strenge Liebespflicht zur Beteiligung am Missionswerk hat. Dieser Plan war billig und recht, da es für eine Weltkirche ein unerträglicher Zustand sein mußte, daß ihr Missionswerk den freiwilligen Gaben einer kleinen Schicht einfacher schlichter Leute mit geringen Einkünften dauernd aufbaute. Der neue Plan ist seit 1922 in Wirksamkeit Zu seiner Ausführung soll am Weltmissionssonntag das gläubige Volk seine Hilfe leihen. Es sieht also jedermann ein, daß eine Unterbindung der finanziellen Missionshülfe am Weltmissionssonntag einer Streichung des Missionshaushaltes mit allen seinen verhängnisvollen Folgen gleichkommt. Welches sind diese Folgen? Die Missionen der Kirche in Osteuropa, ganz Asien, ganz Afrika, ganz Ozeanien gerieten in schwerste wirtschaftliche Bedrängnis. Der Aufbau neuer Volkskirchen in den Missionen würde, kaum begonnen, zur Unmöglichkeit werden. Die Kirche könnte nicht mehr den Ehrentitel„katholisch“ in vollem Sinne in Anspruch nehmen, da ihre Ausdehnung im wesentlichen auf die alten Kontinente zurückgeschraubt würde Kampflos müßte sie die Länder der farbigen Völker dem Bolschewismus und den wiedererwachten heidnischen Religionen preisgeben. Der Zusammenbruch der Missionen um die Wende des 18. Jahrhunderts hat die Heimatkirche, die schon in einer geistigen Krisis sich befand, weiterhin aufs schwerste erschüttert. Daß der abendländische Katholizismus eine Krise durchmacht, wer wollte es bezweifeln? Würde ein Rück000 katholischen Missionare mit ihren über 80 000 katholischen Missionshelfern, würde ihr Weichen Missionsstationen, würde ihre Preisgabe von 45 000 Kirchen und Kapellen, würde die Aufgabe von über 40000 Missionsschulen, von tausenden von Waisenhäusern, Krankenhäusern, Missionsapotheken nicht einen enormen seelischen Schlag für die von Krisenunruhen erfaßte abendländische Kirche sein? Würde sie nicht wie eine Lähmung wirken und gewaltsam den Apostolatsgeist eindämmen, der eine so ungemein wertvolle Funktion in Erneuerung der abendländischen Christenheit dar„Ja, aber Deutschland wird von der Wirtschaftskrise am meisten betroffen." Gut. Das neue Finanzprogramm für die Missionshilfe ist so aufgezogen, daß man es gerade als providentiell für diese Notzeit bezeichnen kann. Denn wir stehen nicht allein. Die ganze Welt einschließlich der Missionschristen soll am Weltmissionssonntag ihre kleine Gabe spenden. So ist Deutschland nicht überlastet. Es braucht nicht mehr zu geben, als es geben kann. Aber es darf sich auch nicht ausschalten. Selbst wenn Millionen in ihrem Lebensaufwand unter das Existenzminimum gesunken sind, so gibt es doch noch andere Millionen, die eine kleine Gabe spenden können. Und glauben wir nicht, daß diese Gabe unseren Arbeitslosen entzogen würde. Denn wer für die Mission nicht ein paar Pfennige hat, hält gewöhnlich auch die Taschen zu, wenn die heimische Caritas sich an ihn wendet.„Vergessen wir auch eines nicht: auch die Millionen, die ohne Arbeit und ohne Brot sind, können zum Gelingen des Weltmissionssonntags beitragen. Denn der Missionssonntag ist ein Tag des Gebeles der ganzen Christenheit. Gewiß läßt die Not manche arme Menschen am Gottesgedanken irre werden. Andere aber führt sie näher zu Gott. Und es braucht nicht nur in den Kirchenblättern gesagt zu werden, sondern darf auch einmal in der Tagespresse unterstrichen werden, daß das Gebet der Notleidenden für die Ausbreitung des Reiches Gottes auf Erden kraft seiner Leidenstiefe und seiner Ergebung in die Fügungen Gottes die realste Hilfe ist, die dem Weltmissionswerk der Kirche in dieser ren Dauerkrise des Wirtschaftssystems zuteil kann. kmal für die Kriegsn'erde. Internationaler Luftfahrt=Kongreß. In Bukarest wurde ein Internationaler Luftfahrt-Kongreß eröffnet, an dem von beutscher Seite Gerd von Hoeppner teilnimmt. Der Kongreß hat die Einführung eines einheitlichen Luftpasses beschlossen; bisher mußte für jeden Flug über fremde Länder eine besondere Ueberfliegungserlaubnis eingeholt werden. Stehend von links nach rechts: Französischer Luftfahrtminister Dusmenil, Prinzessin Bibeseo, italienischer Luftfahrtminister Balbo, Gerd von Hoeppner, Vizepräsident der Aero=Clubs von Deutschland; rechts sitzend: englischer Luftfahrtminister Lord Amulree, Prinz Bibesco. Die geretteten Ozeanflieger in der Heimat. Die nach ihrem mißglückten Ozeanflug=Versuch geretteten deutschen Ozeanflieger Johannsen, Rody und ihr portugiesischer Begleiter Veiga sind an Bord des Hapag=Dampfers„Saint Louis" in Hamburg eingetroffen, wo sie offiziell begrüßt worden sind. Die Begrüßung in Hamburg, die durch Radio übertragen wurde; von links nach rechts: Johannsen, Rody und Veiga. wewerden Feuerwehr auf dem Wasser. die Berliner Feuerwehr veranstaltete eine eigenartige Uebung, die bei bestimmten Verkehrsunfällen von großer Bedeutung sein kann. Es wurde ein altes Auto ins Wasser geworfen, danach ein Taucher am Kran hinabgelassen, der die Lage des Wagens festzustellen und die Aufzugseile zu befestigen hatte. Links: Der Taucher geht, am Kran hängend, in die Tiefe. Rechts: Das von dem Taucher geborgene Auto wird aus dem Wasser gezogen: Beamte in einery Schlauchboot der Wehr bergen den Taucher. s 8. Auf dem Schulhof in Schlutter bei Delmenhorst wurde ein einzigartiges Denkmal für die tapferen Kriegspferde geschaffen. Es besteht aus einer großen Holztafel, die mit einem Kranz von Hufeisen umgeben und zwei Pferdeköpfen geschmückt ist. Auf der Tafel ist ein Gedicht zu lesen, das die Dienste des Pferdes im Kriege verherrlicht. Bombenüberfall auf Peking. Peling nimmt nur selten etwas ernst. Das ist sein großes Glück Es lacht über Trauerspiele, findet chinesische solitik so spaßig, wie sie es tatsächlich ist, und sieht sogar im Kriege ein gesellschaftliches Ereignis. Im Frühling 1926 saßen wir eingesperrt hinter den Stadtmauern. Die Tore waren mit Sandsäcken verrammelt, und den Chinesen fiel das Herz in die Hosen; doch die Fremdenstadt unterhielt sich königlich. Jeden Morgen punkt 10 Uhr erschien ein Flugzeug von Süden her, warf ein paar Vomben über der Stadt ab und flog wieder zu Tschangtsolins Linien zurück. Vom Dach des Pekinghotels aus konnte man das Schauspiel am besten etrachten.„Bombenfrühstück“ wurde die neueste Gesellschaftskurzweil. Ein Dutzend Gäste wurden zum Frühstück im Hotel um 9 Uhr eingeladen. Fünf Minuten vor Zehn begaben sie sich aufs Dach, sahen zu, wie der Flieger seines Amtes waltete, und sprangen dann in den Kraftwagen, um den Schauplatz der Verwüstung in Augenschein zu nehmen. Da es nur kleine, mit Schwarzpulver gefüllte Vomben waren, richteten sie nicht allzuviel Schaden an. Gewöhnlich waren ein, zwei Kulis die einzigen Opfer. Soldaten kamen nie ums Leben. Den Tschin=mönn=Bahnhof in der Nähe der amerikanischen Gesandtschaft nahmen die Flieger ganz besonders gern aufs Korn, und die Beamtenschaft im Gesandtschaftsebäude wurde allmählich unruhig. Man merkte ganz eutlich, daß der Bombenabwerfer das Gesandtschaftsviertel zu vermeiden suchte, aber er zielte so sämmerlich, daß wir ständig damit rechnen mußten, ein„Ei" auf den Kopf zu bekommen. Eines Morgens hatte ich ein recht ungemütliches Erleonis. Ich hatte selbst ein Bombenfrühstück gegeben und war recht wütend darüber, daß das Flugzeug nicht erschien. Um 11 Uhr ging ich zum Hsidschi=mönn=Bahnhof, um unsere Siebensachen nach der Mongolei zu verladen. Gerade als ich in den breiten Bahnhofsvorplatz einfuhr, surrte ein Flugzeug über mir. Die Fußgänger stoben nach allen Seiten auseinander, als eine Bombe mit fürchterlichem Krachen 30 Meter rechts von uns landete. Zum Glück schützte uns eine hohe Lehmwand vor den Splittern. Ich gab Vollgas, um rasch in das schützende Bahnhofsgebäude zu gelangen, aber eine zweite Bombe traf gerade vor dem Wagen auf. Da wir beide dieselbe Richtung hatten, beschloß ich; sie dasRennen gewinnen zu lassen. Ich sprang aus dem Wagen und sauste zu einem Panzerzug, der auf dem Geleise stand. Mein Chinesenoy Lo drückte sich an eine Wand. Mit einem Dutzend Chinesen kroch ich unter den Zug, wo wir uns zwischen den Stahlrädern in Richtung der Achsen ausstreckten. Plötzlich platzte eine Vombe mit ohrenbetäubendem Knall keine fünf Meter von meinem Unterschlupf. Die Eisensplitter prasselten wie Regen gegen die Wagenräder. Ich hatte bis dahin noch nicht gewußt, wie klein ich mich machen konnte. Ein paar Sekunden später knallten andere fast gleichzeitig auf der entgegengesetzten Seite des Zuges los. Ein Eisenbrocken kam im Winkel herein und grub sich keine fünf Zentimeter vor meinem Gesicht in die Erde. Ich scharrte ihn aus und verbrannte mir die Finger tüchtig; denn er war glühend heiß. Nach einigen Minuten kroch ich im Glauben hervor, der Ueberfall sei vorüber. Aber das Flugzeug hatte nur einen Kreis gemacht und war unmittelbar über uns. Bevor ich wieder in Deckung gehen konnte, platzte eine Bombe ein paar Meter weiter gerade vor einer Chinesin. Der Kopf wurde ihr so glatt abgemäht, als hätte ihn ein Messer abgetrennt. Eine zweite Bombe landete vor der Mauer, wo mein Boy gestanden hatte, und tötete vier Mann. Er kam nur darum mit dem Leben davon, weil er sich endlich entschlossen hatte, meinen Rufen zu folgen und unter den Wagen zu kriechen. Der Flieger versuchte offenbar, unsern Zug zu treffen; denn er ließ 14 Bomben nur wenige Meter daneben fallen. Zum Glück brachte er keinen Volltreffer fertig. Bei dem Getöse, dem Pulverdampf und dem Stöhnen der Verletzten war uns recht unbehaglich zumute. Ich machte mir besonders Sorge wegen eines riesigen Tanks. der der Standard Oil=Gesellschaft gehörte und 90 000 Liter Petroleum enthielt. Er befand sich ganz in der Nähe, und hätte ihn eine Bombe getroffen, dann hätten wir einen netten Brand gehabt! Als der Flieger wieder abgezogen war, begab ich mich m Bahnhof und versuchte, meine Geschäfte zu regeln. s ging aber nicht; denn während wir dabei waren, kam der Flieger zurück und überschüttete uns mit einer neuen Ladung. Offenbar war die Nähe der Eisenbahn eine recht ungemütliche Ecke; daher jagte ich in meinem Wagen so rasch wie möglich in eine sichere Gegend. Ich kann mich rühmen, der einzige Ausländer zu sein, der während irgendeines Fliegerüberfalles in wirklicher Gefahr schwebte. Mit besonderer Genehmigung des Verlages F. A. Brockhaus, Leipzig, dem Buch„Mit Harpune, Büchse und Spaten" von Roy Chapmann Andrews entnommen. * Makkaroni. Makkaroni waren schon den alten Griechen bekannt. Sie nannten die Speise makarios, d. h. glücklich. Nach einer anderen Version stammt die Bezeichnung von einem italienischen Kardinal. Als dieser die Speise zum ersten Male vorgesetzt bekam, soll er ausgerufen haben:„Cari!“ (Eine liebe Speise!) Das nächste Mal rief er beim Anblick der Hohlnudeln:„Ma cari!“(Aber was für eine liebe Speise!) Und schließlich:„Macaroni!“(Aber was für eine außerordentlich liebe Speise!) . Aus Wessdentschland. Zwei Erpresser! Ahlen, 16. Oktober. Ein Kaufmann von hier hatte vorige Tage einen Brief erhalten, in dem er unter Bedrohung seines Lebens und Hab und Gut aufgefordert worden war, an eine in dem Schreiben näher bezeichnete Adresse innerhalb einer bestimmten Frist eine größere Bargeldsumme abzusenden. Würde er dieser Aufforderung bis zur angegebenen Frist nicht nachkommen, bedrohte man ihn mit Erschlagen. Der Kaufmann übergab den Brief der hiesigen Polizei, die sofort die Ermittlungen aufnahm, welche inzwischen ersolgreich waren. Es konnten zwei junge Leute als die Briefschreiber ermittelt werden. Sie wurden verhaftet und ins hiesige Amtsgerichtsgefängnis eingeliefert. Bei den beiden Erpressern handelt es sich um einen 18 Jahre alten Kraftwagenführer J. He. und einen 1909 geborenen Arbeiter A. Ho., beide aus Ahlen. Die beiden Erpresser hatten in dem Brief von dem Kaufmann verlangt, er solle an dem Abend des Tages, an dem er den Brief erhielt, in der Zeit zwischen 10 und 11 Uhr auf seinem vor seinem Lager stehenden Wagen eine Brieftasche mit 500 Mark niederlegen. Würde er Anzeige erstatten, müsse er das Leben lassen. Der Brief war nick: mit der Hand geschrieben, sondern mit aus Zeitung und Zeitschriften ausgeschnittenen Buchstaben zusammengesetzt. Die mit den Ermittelungen der Angelegenheit beschäftigten Polizeibeamten gingen scheinbar auf die Aufforderung der zwei Erpresser ein und hatten an dem fraglichen Abend eine Brieftaschenattrappe auf den Wagen gelegt und sich in der Nähe versteckt. Gegen 11 Uhr machten ch plötzlich zwei junge Leute an dem Wagen zu schaffen, erließen aber bald darauf den Ort. Nachdem sie verhwunden waren, konnte die Polizei feststellen, daß die ittrappe weg war; die zwei Burschen wurden darauf erhaftet. Beim Einbruch erstickt. Gelsenkirchen, 16. Oktober. Der Erwerbslose Johann Saleski ist am 5pätabend des Donnerstag bei einem Diebesgang auf eltsame Weise zu Tode gekommen. Saleski war in der Herthastraße in einen Schuppen eingedrungen, in dem sich ein großes Lager von Lebensmitteln befindet. Der Dieb nahm seinen Weg durch das Oberlicht. Als er sich auf dem Rückwege befand, kam er wohl wieder mit den Beinen durch das Fenster, nicht aber mit seinem vollgespickten Rock. Dieser rutschte ihm zum Halse, und eine Wurst drückte dem Eindringling derart die Kehle zu, daß er in dieser jämmerlichen Lage erstickte. Durch das Bellen der Hofhunde wurde der Besitzer des Schuppens ausmerksam. Gemeinsam mit anderen Personen wurde der Dieb aus seinem Schwebezustand befreit. Der herbeigerufene Arzt konnte nur den bereits eingetretenen Tod feststellen. Englische Kohle billiger als deutsche. 5000 Entlassungen. Essen, 16. Oktober. Der englische Wettbewerb in den bestrittenen Gebieten gegenüber der Ruhrkohle macht sich äußerst stark bemerkbar. Hierdurch ist auch die Lage im Ruhrbergbau gekennzeichnet. Im hiesigen Gebiet wird ab Duisburg=Ruhrorter Häfen englische Kohle zu Preisen angeboten, die weit unter den Preisen des rheinisch=westfälischen Kohlensyndikats liegen. Nach den bisher vorliegenden Feststellungen liegen für den laufenden Monat Oktober weit über 5000 Kündigungen von. Zum 31. Oktober ist noch mit neuen Kündigungen und Stillegungen einzelner Schachtanlagen zu rechnen. Stillegung der Zeche Vereinigte Welheim. Essen, 16. Oktober. Die Stillegung der zum Stinnes=Konzern gehörenden Zeche Vereinigte Welheim in Karnap. die ursprünglich am 15. Oktober erfolgen sollte, wiro nunmehr am 31. Oktober vorgenommen werden. nachdem der von der Verwaltung gestellte Antrag auf Abkürzung der Sperrfrist zurückgezogen worden ist. Von der Stillegung werden jedoch nicht, wie zuerst vorgesehen, sämtliche 1400 Mann der Belegschaft betroffen werden, vielmehr werden voraussichtlich etwa 1100 bis 1200 Bergarbeiter zur Entlassung kommen, da einige Nebenanlagen, wie das Kraftwerk usw., in Betrieb bleiben sollen. Vom Eilzug erfaßt. sich gebracht werden. Ein 72jähriger Pensionär und zwel Kinder im Alter von 14 und 10 Jahren wurden ins Krankenhaus gebracht; auch sie scheinen mit dem Leben davonzukommen. Sprengstoffanschlag auf eine Zeitung. Kassel, 16. Oktober. Gegen die Geschäftsräume des sozialdemokratischen Kasseler Volksblattes wurde heute gegen 3 Uhr morgens von unbekannten Tätern ein Sprengstoffanschlag verübt. Nach den bisherigen Feststellungen ist eine mit Sprengstoff und Eisenteilen gefüllte Zigarrenkiste, die mit Bindfaden umwickelt war, durch das Eisengitter vor die Ladentür gestellt und mit einer Zündschnur zur Explosion gebracht worden. Die Entladung durchschlug die Mauer unterhalb des Schaufensters und zertrümmerte die Ladentürscheibe sowie die beiden Seitenscheiben. Personen wurden nicht verletzt. Der Sachschaden ist nicht erheblich. Der Polizeipräsident begab sich sofort zum Tatort. Interessant ist, daß heute früh bei der Redaktion des Kasseler Volksblattes ein Drohbrief einlief, in dem ein anonymer Schreiber den Anschlag voraussagte. Es heißt darin, man werde dem Volksblatt, wenn es nicht mit den Lügen und Verhetzungen gegen die K. P. D. aufhöre, einen Sprengkörper„in den Bauch schießen". Vom zuge zertrümmert. Osnabrück, 16. Oktober. Als der Forstaufseher Steinkamp mit einem Ackerwagen den beschrankten Bahnübergang beim Bahnhof Vehrte überqueren wollte, standen die Schranken auf. St. fuhr daher unbekümmert weiter und sah im gleichen Augenblick auch schon die Lokomotive eines heranbrausenden Zuges vor sich. Diese zertrümmerte den Wagen vollkommen. St. selbst hatte das Glück, zur Seite geschleudert zu werden. Mit sehr schweren Verletzungen brachte man ihn ins Krankenhaus. 4 Ahlen, 17. Okt. Die Bluttat von Herringen vor der münsterischen Grohen Straftammer. Im November vorigen Jahres ereignete sich auf der Landstraße zwischen Radbod und Hamm eine schwere Bluttat. Zwischen den Ebeleuten Bl. bestanden schon seit längerer Zeit eheliche Zwistigkeiten, die schließlich dazu führten, daß sich die Frau von ihrem Manne trennen wollte. Die Frau, die ihrem Manne Ehebruch vorwarf, stand in engen Beziehungen zu einem früheren Kostgänger, dem Bergmann Josef S., der von dem Ehemann und seinen Freunden einmal in seiner Wohnung überrascht und arg verprügelt worden war. Josef S. ließ darauf durch Frau Bl. seinen Bruder telegraphisch herbeirusen, um sich mit ihm gemeinsam für die Schläge des Bl. zu rächen. Mit Zaunlatten und einer Schußwafse bewaffnet, begaben sich Josef und Alfred S. an dem fraglichen Novembertage auf den Weg. der von Radbod nach Hamm führte. Unterwegs trafen sie nicht die gesuchte Frau Bl., die das Kind von ihrem Manne holen wollte, sondern Bl. selbst. Nach der Darstellung der Angeklagten soll Bl. mit gezücktem Messer auf sie losgegangen sein, während nach der damaligen Verhandlung die Brüder zuerst mit den Zaunlatten auf Bl. eindrangen, der dann sein Messer zog und dem Josef einen Stich im Rücken beibrachte. Auf dessen Hilferufe zog Alfred seinen Revolver und schoß blindlings los, wobei er seinem Bruder drei Schüsse in den Rücken und dem Bl. ebenfalls drei Schüsse beibrachte, an deren Folgen dieser verstarb. Wegen Raufhandels waren die beiden Brüder zu 1 Jahr 6 bezw. 1 Jahr 4 Monaten Gesängnis verurteilt worden. Auf ihre Berusung hin erkannte jetzt die Große münsterische Köln, 16. Oktober. Donnerstag früh. wurde auf dem Betriebsbahnhof Deutzerfeld ein 51jähriger Rottenarbeiter vom Eilzug erfaßt. Der Verunglückte sollte für seine Arbeitskollegen heißes Wasser zum Kaffee holen. Auf einem höhergelegenen Bahndamm wurde er wahrscheinlich in dem Augenblick, als er sich anschickte, abwärts zu gehen, von der Lokomotive des herannahenden Eilzugs Niederlahnstein-Köln erfaßt und zu Boden geschleudert. Der Mann war sofort tot. Er hinterläßt Frau und ein Kind. Stadt im Dunkel aus Proteft. Andernach, 16. Oktober. Eine außerordentlich stark besuchte und stürmisch verlaufene Protestversammlung der Andernacher Bürgerschaft beschäftigte sich mit dem seit Wochen von den Metzgern durchgeführten Schlachthofboykott. Die Versammlung forderte Rückgängigmachung des mit dem neuen Schlachthofdirektor abgeschlossenen Vertrages und stellte sich rückhaltlos hinter die Maßnahmen der Metzger. Weiter stellte die Versammlung mit Bedauern fest, daß die Gasfernversorgung Mittelrhein(Thüringer Gas) die Forderung, den hohen Gaspreis von 45 Pfg. zu ermäßigen, völlig ignoriert. Um dieser Forderung Nachdruck zu verleihen, legt die gesamte Bevölkerung alle Geschäfte und Lokale des Stadtgebietes von Donnerstag, 15. Oktober, bis einschließlich Samstag, 17. Oktober, völlig dunkel. Diese Maßnahme wird periodisch wiederholt. Bleibt die Gasfernversorgung weiter auf ihrem Standpunkt, dann sollen Lichtmaschinen in die Häuser eingebaut werden, um den Strom selbst zu erzeugen. Die Stadtverwaltung wird beauftragt, zu versuchen, auf Grund der Notverordnung den mit der„Thüringer Gas“ abgeschlossenen Vertrag zu annullieren. Sodann forderte die Versammlung weitgebende Steuerstundung und wandte sich gegen jede Erhöhung der Bürgerund Viersteuer. Grubengase bedrohen Menschen. Saarbrücken, 16. Oktober. Die Grubensenkungen von Schnappach, die, abgesehen von Verheerungen an Gebäuden schon manches Unglück verursacht haben, haben abermals zu einem schweren Unfall geführt. Durch einen Einbruch des Erdreichs in die Hauptstraße wurde ein Gasrohr undicht. Die Gase drangen unterirdisch durch die Mauerrisse in die Wohnräume zweier Häuser. Am Morgen fand man fünf Personen besinnungslos in ihren Wohnungen auf. Zwei von ihnen konnten durch Rettungsmannschaften gleich wieder zu Strafkammer bei jedem der Brüder auf 9 Monake Gesänanis. Die Untersuchungshaft von nahezu 7 Monaten wurde angerechnet. Bünde, 16. Okt. 101 Jahre alt. Die Ehefrau Johann Heinemann erreichte ihren 101. Geburtstag. Die alte Frau erfreut sich reger geistiger Frische und einer guten körperlichen Gesundheit. Sie überlebte durch ihr hohes Alter ihre sämtlichen Kinder. Essen, 16. Okt. Kind vom Antobus getötet. Gestern morgen lief die drei Jahre alte Gertrud Siepmann in der Otto=Hue=Straße in Schonnebeck gegen einen Autobus der Essener Straßenbahn und kam zu Fall. Das Kind geriet mit dem Kopf unter ein Hinterrad und trug derart schwere Verletzungen davon, daß der Tod sofort eintrat. )!( Essen, 16. Okt. Glückwünsche des Reichskanzlers an Krupp. Der Reichskanzler hat Herrn und Frau Krupp von Bohlen und Halbach zur Feier der silbernen Hochzeit telegraphisch herzliche Glückwünsche übermittelt. Grevenbroich, 16. Okt. Postdieb unschädlich gemacht. Beim hiesigen Postamt waren mehrfach Briefe, die Geld enthielten, abhanden gekommen. Der Verdacht lenkte sich auf einen Postschaffner, dem man deshalb eine Falle stellte.. Ein Brief mit vier Dollar Inhalt wurde ihm in die Hände gespielt. Er unterschlug auch diesen Brief, so daß er einwandfrei überführt werden konnte. In seinem Besitz fand man ferner holländische Gulden, über deren Erwerb er keine glaubwürdigen Angaben machen kann. Außerdem wurde festgestellt, daß er in der letzten Zeit erheblich über seine Verhältnisse lebte. Langenberg, 16. Okt. Raubüberfall auf eine Frau. Die Schwester eines hiesigen Fabrikanten wurde am hellichten Tage, als sie am Flasberg spazieren ging, von einem Manne überfallen, schwer mißhandelt und dann ihrer Handtasche mit 25 Mark Inhalt beraubt. Auf die Hilferufe der Frau, die sich kräftig gewehrt hatte, ergriff der Bursche die Flucht. Die Ueberfallene konnte der Polizei eine genaue Beschreibung des Täters geben, der bald darauf festgenommen wurde. Es handelt sich um einen vorbestraften Gärtner, der die Tat eingestand. Bergisch=Gladbach, 16. Okt. Allen städtischen Angestellten gekündigt. Die hiesige Stadtverwaltung hat sämtlichen Dauerangestellten, Kündigungsangestellten, Stellen= und Beamtenanwärtern sowie sämtlichen Hilfskräften vorsorglich zum 1. November 1931 gekündigt. Die Kündigung wurde ausgesprochen, um die Wirkung, die sich auf Grund der Bestimmungen der preußischen Notverordnung vom 12. September 1931 für die Beamten und Angestellten der Stadt Bergisch=Gladbach ergibt, durch die Versäumung von Fristen aufzuheben oder abzuschwächen. Köln, 16. Okt. Straßenraub am hellen Tage. Ein Straßenraub ereignete sich gestern zwischen 13 uno 14 Uhr am Mühlenbach, wo ein Mechaniker von zwei Männern hinterrücks niedergeschlagen wurde. Ein Räuber kniete auf dem am Boden Liegenden, während der andere ihm die Brieftasche aus dem Rock zog. In ihr befanden sich 65 Mark und drei Pfandscheine. Bonn, 16. Okt. Rücktritt des Bonner Oberbürgermeisters. Wie die Bonner Presse mitteilt, hat Oberbürgermeister Dr. Falk mit dem Hinweis auf seine angegriffene Gesundheit sein Entlassungsgesuch zum 1. Dezember eingereicht. Der Aeltestenausschuß der Stadtverordnetenversammlung tritt morgen zur Entgegennahme des Abschiedsgesuches zusammen. Die Vorbereitungen für die Neuwahl sollen bald getroffen werden. Brühl, 16. Okt. Eingemeindungen und zugleich Personalunion. Wie wir von gut unterrichteter Seite erfahren, ist in der Eingemeindungsfrage der Stadt Brühl nunmehr im Ministerium die Entscheidung gefallen. Danach wird das Amt Brühl in die Stadt Brühl eingemeindet, mit Ausnahme der Gemeinden Berzdorf und Schwadorf, aus denen eine selbständige Bürgermeisterei gebildet werden soll. Die Verwaltung dieser Bürgermeisterei soll dem Bürgermeister von Brühl=Stadt in Personalunion übertragen werden. Turnen/ Spiel/ Sport. Die Ereignisse des Sonntags. Das Hauptinteresse im Fußball konzentriert sich natürlich auf das Pokal-Zwischenrundenspiel Südostdeutschland— Westdeutschland in Breslau. Der WSV. hat eine äußerst spielstarke Mannschaft mit seiner Vertretung beauftragt, die aus fünf Vereinen besteht. Schalke 04 stellt den gesamten Sturm ab. die Läuferreihe enthält einige Neulinge und mit Mellage(Schalke), Lepper(Münster 08), Weber(Kurhessen Kassel) dürfte das Schlußdreieck kaum besser zu besetzen sein. Südostdeutschland hat aber in den letzten Jahren im Fußball große Fortschritte gemacht, und unsere Vertreter werden sich schon anstrengen müssen, um einen Sieg herauszuholen. Die Handballer tragen ebenfalls ihre Zwischenrundenspiele um den DSB. Pokal aus. Westdeutschland trifft nach seinem glänzenden Sieg über Berlin in der Handballhochburg Aachen auf Norddeutschland. In der gleichen guten Form wie gegen Vrandenburg müßten unsere Vertreter auch diesmal knapp erfolgreich bleiben. Der Pokalverteidiger und Favorit Mitteldeutschland hat in Weißenfels den Süden als Gegner. Die Süddeutschen stellen eine starke zusammengewürfelte Mannschaft ins Feld, die wohl kaum an einer Niederlage vorbeikommen wird. Außer diesen beiden Begegnungen stehen sich in der Krefelder Grotenburgkampfbahn Rheinland und Westfalen gegenüber. Oesterreich hat einen Länderkampf mit Ungarn in Budapest abgeschlossen, der aber mehr als Werbeveranstaltung gilt, da die Magyaren den Handballsport erst vor kurzer Zeit aufgenommen haben. In der Leichtathletik ist die Sommersaison nun ebenfalls beendet, u. das erste großere Hallensportfest steigt in Offenburg. Körnig, Lammers und der Straßburger Oberle bestreiten einen Sprinterdreikampf Dr. Peltzer, Keller=Frankreich und Paul=Stuttgart werden als Starter im 1000 m Lauf genannt. Ueber 3000 m gehen u. a. der Darmstädter Schilgen und Helber=Stuttgart an dem Ablauf. Auch die anderen Wettbewerbe haben eine ausgezeichnete Besetzung gefunden. Die Radsportler haben nun auch ihr Betätigungsfeld in die Halle verlegen müssen. Im Eishocken bereitet sich Deutschlands beste Mannschaft, Verliner SC., auf die neue Saison im Ausland vor. Die Reichshauptstädter treffen am Sonntag im Pariser Eispalast auf eine französische Auswahlmannschaft. Sehr ruhig geht es bei den Schwimmern zu Außer einigen kleineren Klubkämpfen steht nur das gauoffene D. T.=Schwimmfest in Dortmund auf dem Programm. Auch die Boxer haben noch ziemlich Ruhe. Vor dem Großkampftag am nächsten Mittwoch in der Rheinlandhalle findet am Samstag in Köln noch ein kleinerer Kampfabend statt, für den der Manager Weichardt verantwortlich zeichnet. Deutsche Jugendkraft. Mit dem 18. Oktober gehen in der Gauklasse des Münsterlandes die Meisterschaftsspiele der ersten Serie zum größten Teil dem Ende zu; ein Vorteil, der durch die Dreiteilung der Gauklasse zur schnelleren Abwicklung der Gruppenmeisterschaft unbedingt beiträgt. In der Gauklasse bringt der 3. Oktobersonntag die Spiele: Blau=Weiß Hiltrup— Saxonia Münster. Die Blau=Weißen haben in ihrem letzten Treffen zwei glückliche Punkte erworben, die in dieser Serie wohl die letzten sein dürften, wenn die Mannschaft nicht ganz umgestellt worden ist. Gegen die geschlossene Kampfeinheit der Saranen dürften sie ganz wenig auszurichten haben. S. C. Dyckburg— Stella Bevergern. Stella zeigte in den letzten Spielen außerordentliches Können, das die Mannschaft auch zu weiteren Erfolgen berechtigen sollte. S. C. Dyckburg stellt immer noch eine stabile und leistungsfähige Elf ins Feld, so daß es zu einem spannenden Treffen kommen sollte. Tento Riesenbeck— Arminia Ochtrup. Gegen die Riesenbecker Teutonen darf man den Arminen trotz ihrer zweifelhaften Spielstärke recht wenig einräumen. Die Teutonen werden den Kampf für sich haben. In der zweiten und dritten Gruppe treffen sich in 5 Spielen 10 Mannschaften, die spannende Kämpfe und Ueberraschungen, die bisher noch nicht ausgeblieben sind, bringen dürften. Wir melden: DIK. Wüllen— Sp. Va. Vreden. Union Wessum— V. s. L. Ahaus. Sp. V. Stadtlohn— Matellia Metelen. Lünen Altstadt— V. f. B. Sendenhorst. Grün=Weiß Selm=Beifang— Schwarz=Weiß Lüdinghausen. Gespannt darf man auf den Ausgang des ersten Treffens sein, in dem die gewaltig im Kommen begriffenen Vredener auf die kampferprobte Elf aus Wüllen stößt. Ein unentschiedenes Treffen liefern sich Stadtlohn und Metelen, während der V. f. L. Ahaus seine Stellung an der Spitze der Tabelle besestigen sollte. V. f. B. Sendenhorst hat in dieser Spielzeit noch recht wenig gezeigt: einen Sieg über Lünen trauen wir ihnen nicht zu. Große Erwartungen darf man auf die Schwarz=Weißen setzen, die sich sicherlich behaupten werden. Handball. Hansa Münster— Rheine 08. In Münster steigt am Sonntag das zweite Spiel der Sonderklasse, das die außerordentlich interessante Paarung der beiden Gauvertreter des Münsterlandes bringt. Man kann nur sagen, daß die Spielstärke der Hanseaten gewachsen ist, ebenso werden aber die 08er eine Leistungssteigerung aufzuweisen haben, so daß man keine Vorschußlorbeeren, weder nach der einen noch nach der andern Seite hin, verteilen darf. Die Gauklasse des Münsterlandes bringt nur ein Spiel: Teutonia Borghorst— Rasensport Burgsteinfurt. Die Teutonen haben die bessere Gesamtleistung auf ihrer Seite, so daß ihnen die Punkte mit einen glatten Eraehnis bleiben sollten. Westdeutscher Rundfunk. Sonnabend, den 17. Oktober. 10,40—11,20 Uhr: Funkpädagogische Arbeitsgemeinschaft der Lehrer an Berufsschulen. Direktor Dr. Heß: Benutzung des Anzeigenteils in einer Zeitung im Unterricht in Handelskunde an kaufmännischen Berufs- und Handelsschulen. 11,20—12 Uhr: Deutschkundlicher Schulfunk für die Oberstufe höherer Lehranstalten, Leitung: Studienrat Dr. Wilhelm Holtschmidt. Sprecher: Studienrat Dr. Maximilian Weller. Die Darstellung des Religlösen in naturalistischer Malerel und Tichtung. Uhde:„Komm, Herr Jesu, set unser Gast“— Gerhart Hauptmann: Aus dem Roman„Der Narr in Christo“— Emanuel Quint. 12—12,35 Uhr: Schallplattenkonzert. 12,35 Uhr: Funkwerbung mit Schallplatten. 12,50 Uhr: Wetterbericht. 12,55 Uhr: Naucner Zeitzeichen, Mittagsmeldungen und Zeitangabe. 13,05—14,30 Uhr: Mittagskonzert. Leitung: Wolf. 1. Marionetten, Marsch— Gounod, 2. Fern vom Ball, Walzer — Waldteufel. 3 Cuvertüre„Des Teusels Luftschloß“ — Schubert. 4. Melodlen aus der Oper„Lakmé— Delibes. 5. Melodien aus der Operette„Grigri“— Lincke. 6. An der Weser, Lied— Pressel. 7. Verklungene Zeiten, Walzerpotpourri— Hannemann. 14,35—15,25 Uhr: Wochenend Konzert(Schallplatten). 15,30 Uhr: Wirtschaftsmeldungen und Zeitangabe 15,50—16,20 Uhr: Kinderstunde. Kinder geben ein Konzert. 16,20—16,40 Uhr: Deutsches Vaterland. Max Horndasch: Ein Herbsttag auf dem Schlachtfeld von Tannenberg. 16,40—17 Uhr: Englisch. Prof. Hase. 17—18 Uhr: Vesperkonzert. Mandolinenverein 1918 Sieglar, Leitung: Michael Braun; Dürener Doppelquartett. 18—18,20 Uhr: Frauenstunde. Ina Seidel: Zur Abrüstungskonserenz 1932. 18,20—18,40 Uhr: Wirtschaftspolitische Umschau. Dr. Rich. Wichterich: Die deutsch=spanischen Handelsbeziehungen. 18,40—19 Uhr: Der westsälische Lebensraum. Landesrat Dr. Zuhorn: Westfälische Lebensbilder. Die Sachlichen. 19—19,15 Uhr: Wetterbericht„Zeitangabe, Wirtschaftsmeldungen und Sportvorbericht. 19,15—19,25 Uhr: Zehn Minuten Bezirksfunkhilfe. 19,30—19,55 Uhr: Die Stunde des Arbeiters. Gewerberat Hellwig: Die tarifliche Regelung der Arbeitszeit. 19,55 Uhr: Erste Abendmeldungen. 20 Uhr: Lustiger Abend. Kapelle: Eysoldt. Anschl.: Letzte Meldungen, Bericht über das geistige Leber Sportbericht. Anschl. bis 23,30 Uhr: Nachtmusik. Leitung: Wolf. 23,30—1 Uhr: Meister des Jazz. Sonntag, den 18. Okteber. 7—8 Uhr: Uebertragung von der Norddeutschen Sendergruppe: Hamburger Hasenkonzert auf dem Dampfer Hamburg der Hamburg=Amerika=Linie. Die Glocken vom Großen Michel. 1 Choral: Ach, bleib mit deiner Gnade. 2. Nibelungen=Marsch— Sonntag. 3. Ouvertüre zur Oper„Die lustigen Weiber von Windsor"— Nicolal. 4. Potpourri aus dem Ballett„Die Puppenfee"— Beyer. b. Sesira, Intermezzo— Siede 6. Dorfkinderwalzer aus der Operette„Der Zigennerprimas"— Kalman. 2 Alter Jäger=Marsch— Piefke. 8—8.30 Uhr: Morgenkonzert.(Schallplatten.) 8,30—8.55 Uhr: Esperanto. Wilhelm Wingen. 9—9,05 Uhr: Uebertragung des Geläutes der Trinitatiskirche, Köln. 9,05—10 Uhr: Evangelische Morgenfeler. Leitung und Ansprache: Pfarrer Lic. Dr. Beckmann=Soest. Musikalische Leitung: Studienrat Karl Seubel=Münster, Das Solistenquartett: Sppina, Stylow, Schnitzler, Harlofs. 1. Chorgesang: Im Himmelreich ein Haus steht— Reger. 2. Eingangsworte: Jakobus 1, 12—17. 3. Orgelchoral zu Neues Gesangbuch 159, Vers 1 und 7„Vater unser"— Pachelbel 4. Schriftverlesung: Matth. 4, 1—11. 5. Chorgesang: 159, Vers 1 und 7„Vater unser" und „Führ uns, Herr, in Versuchung nicht". 6. Ansprache: Die Erlösung vom Bösen". 1. Teil:„Führe uns nicht in Versuchung“. 7. Chorgesang: 159, Vers 8„Von all mn Urbel uns erlös". 8. Ansprache: 2. Teil„Sondern erlöse uns von dem Uebel". 9. Sologesang: O füßer, o freundlicher, o gütiger Herr Jesu Christ, wie teuer hast du uns erlöset— Schütz 10. Orgelchoral:„Laß mich dein sein und bleiben". Neues Gesangbuch 161. 11. Schlußwort: Offenvarung 21, 1—7. 12. Choralgesang: Neues Gesangbuch 162, Vers 1—3— Bach. 10,15—10,85 Uhr: Besuch am Krankenbett. 11—11,25 Uhr: Meister der Naturschilderung Gustav Theodor Fechner: Ueber das Scelenleben der Pflanzen, 11,30—11,55 Uhr: Frauenfriedenswoche. Dr. Klara Marie Faßzbinder: Kriegsbücher von Frauen. 12—12 25 Uhr: Arbeitslosigkeit. Eine Woche der Sozialen Hilfe. Heinz Schmidt: Die Arbeitslosenunterstützung. 12,30—13 Uhr: Uebertragung aus der Festhalle in Viersen: Erste Generalversammlung der Erzbruderschaft vom hl. Sebastlanus(Bund der rhein.=westf. Schützenbruderschaften). 1. Anmarsch. 2. Ansprache des Bundesmeisters Rektor B. Lankes, Viersen, und Uebergabe des Bundesbanners. 3. Ansprache des Präsidenten Fürst Franz zu Salm=Reisserscheidt. 4. Ansprache Sr. Eminenz des Bischofs Dr. Vogt, Aachen. 13—14,30 Uhr: Mittagskonzert. Leitung: Wolf. 1. Tapser und treu, Marsch— Dicker. 2. In lauschiger Nacht, Walzer— Ziehrer. 3. Cuvertüre zur Oper„Semiramis"— Rossini. 4. Melodien aus der Oper„Zar und Zimmermann"— Lortzing, 5. a) Nationaltanz— Schumann. b) Intermezzo— Moškowšky. 6. Melodien aus der Operette„Hoheit tanzt Walzer“— Ascher. 7. a) Oricn'alische Traumsantasie— Heimburgh=Holmer. b) Ballett=Arie— de Tacye. 8. Horrido, JägerliederPotpourri— Kohlmann. 14,30—14,50 Uhr: Der westfälische Lebensraum. Archivdirektor Dr. Kiewning: Türstin Pauline zur Lippe. 14,55—15,15 Uhr: Schachfunk. Dr. A. van Nüß. 15,25—15,45 Uhr: Das Jahrmarktsässchen und andere Erzählungen. Edwin Erich Twinger. 15,45—16 05 Uhr: Für den Kleingärtner. Heinr. Herpers: Bekämpfung der Obstschädlinge. 16,05—16,30 Uhr: Kaiser Friedrich zum 100. Geburtstag. Univ.Prof. Dr. Ziekursch. 16,30—17,40 Uhr: Vesperkonzert. Leitung Wolf. 1. Ouvertüre zur Oper„Die lustigen Weiber von Windsor“— Nicolat. 2. Kaiser=Walzer— Strauß. J. Melodien aus der Oper„Der Wildschütz“— Lortzing. 4. a) Blaues Porzellan. b) Auf cinem persischen Markt— Ketelbey. 5. Slawische Rhapsodie— Friedemann. 6. Morgenstimmung und Aases Tod aus„Peer Gynt“— Gricg. 7. Frühling im Wiener Wald, Potp.— Ascher. 8. Alte Kameraden, Marsch— Teike. 17.40—18 Uhr: Uebertragung aus Aachen: Zwischenrunde um den D. S. B.=Handball=Pokal. Westdeutschland— Norddeutschland(Schluß des Spiels). Schallplatten. 18—18,30 Uhr: Unsere Städte in Rycinland und Westfalen: Ziegburg. 18,30—18.50 Uhr: Die Welt auf der Schallplatte. Rudolf Kirschke: Mohammedaner beten in der Moschee. 18,50—19,10 Uhr: Arbeitslosigkeit. Eine Woche der sozialen Hilfe. Bruno Nelissen=Laken: Arbeitslosenschicksale. 19,10—19,45 Uhr: Eine Stunde Kurzweil. 19.45 Uhr: Spor vorbericht. 20 Uhr: Volkskonzert Das Orchester des Westd. Rundfunks. 22,05 Uhr: Letzte Meldungen, Bericht über das geistige Leven, Sportbericht. 22,25—23,30 Uhr: Uebertragung aus der Queenshall, London: Richard Strauß dirigiert cigene Werke. 1.„Ton Juan, sinsonische Tichtung. 2. 2wei Lieder für Sopran: a) Morgen, b) O Caccilic.(Margarcte Teschenmacher). S. „Tod und Verklärung“, sinsonische Dichtung. 23.30—24 Uhr: Meister des Jazz. Wetterbericht. Essen, 16. Okt. Das englische Hochdruckgebiet wird schnell vom Westen her abgebaut durch Vordringen des atlantischen Tiefdruckausläufers. Die stärkere Bewölkung und das leichte Nebelnässen im nordwestlichen Flachlande rühren von der lebhaften Zufuhr maritimer Kaltlustmassen aus dem Norden her. Die Tiefdruckrinne im Nordmeer ist durch einen Vorstoß grönländischer Kaltluft zunächst unterbrochen. So besteht die Gefahr, daß sich der tiefe Druck wieder in die Nähe unserer Breiten verlagert. Der Hochdruckkern im Norden wird, wie der Druckanstieg im Osten ankündet, über die Ostsee und später nac Rußland wandern. Wettervorhersage für Samstag: Bei südöstlichen Winden wechselnd bewölkt, wieder Temperaturzunahme, keine Nachtfrostgefahr, in der Frühdunstig ohne ausgesprochene Nebelbildung, geringe loka auftretende Niederschläge.— Wahrscheinliche Weiterent wicklung: Zunehmende Aufgleitbewölkung und Tempera turen, strichweise stärkere Riederschläge. Dülmen den 17. Oktober 1931. Ein Appell an alle Familien. Am Sonntag, den 25. Oktober, wird das Christ=Königfest begangen. Aus diesem Anlaß soll wie das bereits in manchen anderen Gegenden geschieht durch Flaggen der Bedeutung dieses Tages auch nach außen hin Rechnung getragen werden. In Dülmen wird erstmalig in diesem Jahre geflaggt werden. Alle Familien wollen an diesem Tag Veranlassung nehmen zu flaggen, damit dieser Festtag in Wahrheit ein Christ=Königsest wird. Ebenso wird angeregt, daß auch im Klrchspiel und in Merseld durch Flaggen der Mitwelt gezeigt wird, daß das Christ-Königsest würdig und geziemend begangen wird. So möge denn jede Familis rechtzeitig Vorsorge treffen daß geflagg erden kann. (:) Silberne Hochzeit. Am heutigen Tage feiert Klempnermeister Franz Lemken mit seiner Gemahlin laria geb. Weppelmann das silberne Ehejubiläum dem Paare unsere herzlichsten Glückwünsche. Die Landwirtschaftskammerwahlen im Kreise Coesfeld. Am Sonntag waren in 18 Kreisen Westfalens die Mitglieder für die Landwirtschaftskammer neu zu wählen Da in 8 Kreisen eine Liste aufgestellt war, erübrigte sich dort der Wahlakt Dagegen mußte in der 10 übrigen Kreisen gewählt werden, wo es hauptsächlich pen die Sinmoentelung toschen den Berscligen der andwirtschaftlichen Kreisvereine, des Westdeulschen Bauernbundes der Natlonalsozialistischen Deutschen Arbeierpartei ging ( Im Kreise Coesfeld sind auf Grund des Vorschlages der Einheitsliste als gewählt anzusehen: Oekonomierat W. Leppelmann, Haus Hamicolt-Rorop; Gutsbesitzer Backensseld, Holtwick und Pächter Kerkhoff, Lette; letzterer ist vom Westfälischen Bauernbund vorgeschlagen worden. Sperre für Neu-Konzessionen in Westfalen. / Auf Grund des§ 21 Abs. 2 des GaststättenGesetzes kann für gewisse Bezirke oder Gemeinden eine Sperre für Neu-Konzessionen gefordert werden. Die Stadt Hamburg, wie auch verschiedene Gemeinden in Thüringen, haben bereits von diesem Rechte Gebrauch gemacht. Auch die Provinz Rheinland hat bei der Preußischen Landesbehörde den Antrag gestellt, auf die Dauer von 3 Jahren keine Neu-Konzession zuzulassen. Der Provinzial=Wirte=Verband hat jetzt gleichfalls den Antrag beim Preußischen Innenministerium gestellt, für die ganze Provinz Westfalen eine Sperre für Neu-Konzessionen für die Dauer von 3 Jahren einzuführen und hat diese Forderung damit begründet, daß wohl in keiner Provinz Peußens in den letzten Jahren die Zahl der Konzessionen zugenommen hat, wie in Westfalen. Bereits in Nr. 13 der Statistischen Korrespondenz vom 5. April 1930 wurde der Nachweis erbracht, daß Westfalen in der Erteilung von Konzessionen an der Spitze stehe. Die Zahl ver Gast= und Schankwirtschaften im Jahre 1928 betrug in den westfälischen Städten 7334, was ein Mehr gegenüber dem Vorjahre von 476= 6,9 Prozent beträgt. Erst mit 2,9 bezw. 2 Prozent folgen die Provinzen Nieder=Schlesien, Oberschlesien und Hessen=Nassau an 3. bis 5. Stelle. Ähnlich sieht es bei den Kleinhandlungen mit Branntwein und Spirituosen aus. Während es im Jahre 1927 1236 derartige Kleinhandlungen in der Provinz Westfalen gab, stieg diese Zahl im Jahre 1928 um 234 auf 1460, was eine Steigerung von 18,1 Prozent bedeutet. Erst an 2. Stelle folgte die Stadt Berlin mit 13,1 Prozent, dann die Grenzmark Posen=Westpreußen mit 11,1 Prozent und schließlich Schleswig=Holstein und Hannover mit 9,7 bezw. 9,3 Prozent. Unsere theinische Nachbarprovinz hat eine Steigerung der Gast- und Schankwirtschaften in der gleichen Zeit von 1.2 Prozent und der Kleinhandlungen um 8.6 Prozent, also im ersteren Falle um weniger als ein Fünftel, im letzteren Falle um weniger als die Hälfte als Westfalen, zu verzeichnen. Wenn man dann noch die Steigerung der alkoholfreien Wirtschaften in den Städten mit 32 Prozent gegenüber der nächst höheren Steigerung von 21 Prozent in Posen=Westpreußen berücksichtigt, so beleuchtet diese Gegenüberstellung blitzlichtartig die Bewilligungsfreudigkeit der örtlichen Konzessionsbehörden bezw. der für die Erteilung der Konzessionen sehr häufig verantwortlichen Bezirks=Ausschüsse. Berücksichtigt man ferner, daß die Gesamtsteigerung im Reich in der Zeit 1927—1928 bei Gastwittschaften 857 Betriebe betrug, wovon allein 467, d. h. mehr als die Hälfte, auf Westfalen entfallen und Westfalen außerdem bei der Schaffung von neuen Kleinhandlungen mit Branntwein und Spirituosen ein Siebentel aller Neu=Konzessionen erhielt, so kann man wohl mit Fug und Recht behaupten, daß hiet des Guten zuviel geschehen ist, und daß wir ruhig anderen Provinzen des Reichs nach dieser Richtung einmal den Vorrang lassen können. Die Verhältnisse haben sich in Westfalen nicht gebessert. Die Stadt= und Kreis=Ausschüsse sind ebenso bewilligungsfreudig geblieben wie die Be zirks=Ausschüsse, sodaß eine Ruhepause in der Konzessionserteilung nur von Nutzen sein kann. Freiwillige Wiederaufnahme der Invalidenversicherung auf Grund alter, längst verfallener Versicherung auch im vorgerückten Lebensalter noch möglich Es ist eine nicht selten beobachtete, bedauerliche Erscheinung, daß Versicherte, die infolge Selbständigwerdens, Heirat oder aus sonstigen Gründen aus der Invalidenversicherung ausscheiden, diese nicht freiwillig fortsetzen und dadurch ihre schon erworbenen Ansprüche verfallen ließen. Erst im vorgerückten Lebensalter besann man sich auf diese frühere Beitragsleistung, konnte dann aber häufig hieraus keine Ansprüche mehr herleiten, insbesondere die Versicherung nicht freiwillig wieder aufnehmen, da der Gesetzgeber hieran erschwerende Bedingungen geknüpft hatte. Das Wiederaufleben der Anwartschaft aus den verfallenen Beiträgen und damit die freiwillige Wiederaufnahme der Versicherung war nach Vollendung des 40. Lebensjahres an den Nachweis von mindestens 500 Beitragsmarken, nach Vollendung des 60. Lebensjahres an den Nachweis von mindestens 1000 Beitragsmarken vor dem Erlöschen der Anwartschaft gebunden. Aus diesen Gründen mußten manche Anträge auf Zulassung zur Weiterversicherung abgelehnt werden. Hierin ist nach einer Entscheidung des Reichsversicherungsamts durch die neuere Rechtslage eine Erleichterung insofern eingetreten, als sämtliche früher versichett gewesenen Personen nach Vollendung des 40. bezw. 60. Lebensjahres, auch wenn sie obige Voraussetzungen nicht erfüllt haben, nunmehr doch auf Grund ihrer alten, erloschenen Versicherung diese fteiwillig wieder aufnehmen können, falls und solange Invalidität noch nicht vorliegt. Dadurch wird nach Zurücklegung einer neuen Wartezeit von 500 Beitragswochen ein Rentenanspruch erworben Allerdings lebt in diesen Fällen die Anwartschaft aus den alten verfallenen Beiträgen nicht wieder auf(es sei denn, daß die Deckung der gesamten Versicherungszeit durch Beitragsmarken zu mindestens drei Vierteln erreicht wird). Aber es wird — wie gesagt—überhaupt die Möglichkeit geboten, wieder in die Versicherung freiwillig einzutreten, was bisher nicht zugelassen war. Für jede Woche darf nur ein Wochenbeitrag entrichtet, es können aber für 1 Jahr zurück Beiträge nachgebracht wer den. Die Versicherung muß in der dem Einkommen entsprechenden Lohnklasse, mindestens aber in Lohn klasse II erfolgen. Wer hiernach die Versicherung freiwillig wieder aufnehmen möchte, wende sich unter Einsendung seiner Quittungskarte, Aufrechnungsbescheinungen oder sonstiger Unserlagen an die Ortspolizeibehörde. Sind Ausweise nicht mehr vorhanden, so muß die Aufschrift der früheren Quittungskarte genau angegeben werden, und zwar nach Versicherungsanstalt, Vorund Zuname des Versicherten, Geburtsdatum und Geburtsort. Die Post= u. Telegraphenbeamten tagten. Versammlung der Kreisgruppe Westmünsterland des Reichsverbandes Deutscher Post= und Telegraphenbeamten. Die in Borken einberufene Versammlung der Kreisgruppe Westmünsterland des Reichsverbandes Deutscher Post= und Telegraphenbeamten nahm einen guten Verlauf. Der erste Vorsitzende der Ortsgruppe Borken, Postsekretär Dahlhaus, eröffnete die Versammlung. Weiterhin begrüßte er den ersten Vorsitzenden des Ortskartells des Deutschen Beamtenbundes, Kreisobersekretär Welk, ferner den Leiter der Kreisgruppe, Herrn Kern aus Coeseld und Herrn Baumann aus Münster. Er richtete sodann noch an die Anwesenden ernsthafte Worte, in den heutigen schweren Notzeiten fester denn je zu einem einheitlichen Gefüge zusammenzustehen. Hierauf ergriff Herr Kern(Coesfeld) das Wort Einleitend streifte er zunächst die Notverordnungen, die sich auf die Beamtenschaft sehr stark ausgewirkt hätten. In längeren Ausführungen behandelte er odann die auch im hiesigen Bezirk in Aussicht genommene Verkraftung der Landbestellhezirke. Es müsse energisch Protest gegen diese Maßnahme eingelegt werden; viele Postgehilfen verlören dadurch hr Brot, und auf der anderen Seite würden dadurch Doppelverdiener geschaffen. (.) Vom Stand der Diphtheritis=Epidemie Zu den Diphtherie-Erkrankungen sind in den letzten Tagen nur noch wenige neue Fälle hinzugekommen, auch ha sich kein weiterer Todesfall mehr eteignet sodaß man annehmen kann, daß der Krankheitsstand seinen Höhe punkt erreicht hat. (*) Die Blinkfeuer der Nachtflugstrecke Berlin Amsterdam, sind mit dem gestrigen Tage abgeschaltet worden, weil diese Nachtflugstrecke im Winterflugplan nicht beflogen wird. Das Leuchtfeuer des Signalturmes bei Gescher konnte bei klarem Wetter auch in der hiesigen Gegend beobachtet werden. * Katholische Schulorganisation. Wir machen darauf ausmerksam, daß die Werber der Katholischen Schulorganisation im Laufe der nächsten Wochen die Familien unserer Pfarrei besuchen, um Förderer für diese so überaus wichtige Organisation zu werben. Wir bitten alle Eltern unserer Pfarrei im Interesse der katholischen Erziehung ihrer Kinder durch Beitritk die katholische Schulorganisation zu unterstützen. Um Irrtümer zu vermeiden, wolle man darauf achten daß die Werber einen Ausweis vorzeigen, der mit dem Kirchensiegel und der Unterschrift des Pfarrers versehen ist. Millionen besuchten das Lustspiel„Im weißen Röß'l“ bei den zahllosen Aufführungen des In- und Auslandes. Bei den bisherigen Auffi#rungen des Spieles im Kolpinghaus, Dülmen, waran schon über 2000 Besucher anwesend Sie alle erlebten einige sorgen=freie, frohe Stunden und waren begeistert von dem flotten, lustigen Spiel Gar manche kamen schon zum zweitenmal. Auch für die letzte Anfführung, die am Sonntag abend 8 Uhr stattfindet, ist mit starkem Andrang zu rechnen. Deshalb besorge sich jeder rechtzeitig eine günstige Platzkarte. Alle, die bisher keine Gelegenheit zum Besuche des Spieles hatten, sollten die letzte Möglichkeit dazu am Sonntag abend wahrnehmen. * Das Lagern des Obstes. Aepfel, Birnen, Zwiebeln usw., die wegen Mangel an Platz auf dem Boden(Speicher) gelagert werden müssen, sollten mindestens alle acht Tage gründlich nachgesehen werden Dabei ist aber zu beachten, daß die einzelnen Früchte beim Nachsehen weder unnötig gedrückt, geworfen oder sonst beschädigt werden, denn jede auch die geringste Beschädigung und Wunde gibt Anlaß zur Fäulnis und dadurch Minderung der Vorräte. Gegen Frost zugedecktes Obst muß bei anhaltendem Tau= bzw. bei frostsreiem Wetter wieder abgedeckt werden, damit es ausdünsten und etwa eingedrungener Frost langsam wieder herausziehen kann. Dies gilt auch für angefrorenes Wurzel= und Blattgemüse, das vielfach ganz mit Unrecht in gefrorenem Zustande möglichst schnell in warme Räume gebracht wird. Das ist grundsalsch und außerdem schädlich. Schutz der Finanzbeamten gegen tätliche Angriffe. Aus vorgelegten Verichten über Unfälle, von denen Beamte der Reichsfinanzverwaltung im Dienst betroffen worden sind, hat der Reichsfinanzminister ersehen, daß Reichsfinanzbeamte, insbesondere Beamte im Grenzaufsichtsund des Vollstreckungsdienstes, bei rechtmäßiger Ausübung ihres Dienstes von Steuerpflichtigen überfallen oder sonst tätlich anaegriften und beleidigt werden. Leider sind die angegriffenen Beamten von den vorgesetzten Dienststellen nicht immer mit dem erforderlichen Nachdruck gegen diese Tätlichkeiten und Beleidigungen geschützt worden. Die verhängten Strafen sind vielfach auffallend milde gewesen. Ferner sind in weitgehendem Umfange Strafaussetzungen mit dem Ziele eines Gnadenerweises bewilligt worden. Eine derartig milde Bestrafung erachtet der Minister, wie die Deutsche Beamtenbund=Kortespondenz erfährt, mit Rücksicht auf die Wichtigkeit des ordnungsmäßigen Einganges der Steuereinnahmen als dem Staatsinteresse abträglich und betont, daß die Beamten in ihrem schweren und verantwortungsvollen Dienst weitestgehend geschützt werden mullen. Der Minister hat einen ihm bekanntgewordenen derartigen besonderen Fall dem zuständigen Justizminister zur Kenntnis gebracht und gebeten, die Staatsanwaltschaften und die für die Strafaussetzung und für Gnadenerweise zuständigen Stellen darauf hinzuweisen, daß sie Vorkommnissen dieser Art künftig größte Beachtung zuwenden möchten. Der Minister ersucht, ihm alle geeigneten Fälle, die eine weitere Verfolgung der Angreifer notwendig machen, umgehend mitzuteilen. Steuererleichterung bei Lohnsteuerpflichtigen Die früher gemäß§ 93 des Einkommensteuergesetzes auf Antrag für rückliegende Zeit gewährte Lohnsteuererstattung ist durch die Notverordnung vom 5. Juni 1931 in Fortfall gekommen. Wie jetzt auf Grund eines Einzelfalles vom Reichsfinanzministerium mits können aber die besonderen wirtschafterhältnisse im Sinne des§ 56 des Einkommenssetzes, wozu u. a. auch die Führung eines doppelts Haushaltes zählen kann, auf Antrag des SteuerpfliRigen durch Erhöhung des steuerfreien Lohnbetrages/nach§ 75 Nr 1 des Einkommensteuergesetzes im Laufe des Jahres berücksichtigt werden. Bel Vorliegen besonderer wirtschaftlicher Verhältnisse ist es daher für die Steuerpflichtigen ratsam rechtzeitig einen entsprechenden Antrag bei dem zuständigen Finanzamt zu stellen. sche Fußbaltspiele der Sportfreunde am Sonntag. Die Sportfreunde schicken am Sonntag vier Mannschaften in den Kampf. Naturgemäß beansprucht das Punktespiel der ersten Elf das größte Interesse. Diese Mannschaft geht am Sonntag in der ersten Serie der Meisterschaftsspiele zum dritten Mal an den Start SV. Rinkerode ziert z. Zt. den Schluß der Tabelle. Somit sollte den Sportfreunden der Papierform nach ein Sieg sicher sein. Doch erhält Rinkerode am Sonntag einige Leute spielberechtigt und wird sich am Sonntag den Sportfreunden in alter Spielstärke vorstellen Hoffentlich sind sich die Dülmener bewußt, daß es um zwei wertvolle Punkte geht, und daß ein Spiel erst mit dem Schlußpfiff entschieden ist. Die erste Jugend leistet der ersten Elf Reisegesellschaft und trägt ebenfalls in Rinkerode ein Jugendpflichtspiel aus. Nach den letzten Erfolgen sollte auch hier ein Sieg der Dülmener im Bereich des Möglichen liegen Aber ja nicht unterschätzen Die zweite Jugend fährt zum Retourspiel nach Coesfeld. Die Coesselder werden versuchen, für die hier erhaltene Niederlage Revanche zu nehmen. Ihr erstes Spiel auf hiesigem Platz trägt die zweite Mannschaft gegen die gleiche von Grün=Weiß Nottuln aus. Die„Neugebackene Elf“ wird alles daran setzen müssen, wenn sie bestehen will. Die Anstoßzeit ist auf 2 Uhr festgesetzt. Vom Gymnasialturnverein(TVG). Wegen eines bedauerlichen Zwischenfalles konnten die Pennäler vom städtischen Gymnasium Münster am etzten Samstag das festgesetzte Handballwettspiel auf dem hiesigen Sportplatz nicht austragen. Jetzt Samstag heute) werden sie aufwarten mit einer Handball- und Fußballmannschaft. Ob die Dülmener im Handballpiel Sieger sein werden, wollen wir dahingestellt assen Technisch werden die Münsteraner wohl überegen sein. Auf jeden Fall stellt aber Dülmen eine erprobte Handballmannschaft und zwar in folgender Aufstellung: Brambrink; Strack, Gerdemann; Thoms, Hoffmann. Schmitz; Bertenkamp, Kenkmann, Wenery, Overhaus, Eismann. Im Fußballspiel werden die Münsteraner sicher sein weil sie eine eingespielte und fähige Mannschaft haben Die Dülmener aber stellen zum ersten Male eine Fußpallmannschaft. Gelingt ihnen ein Zusammenspiel, dann werden sie keine hohe Schlappe hinnehmen brauchen. Die Dülmener Pennäler=Fußballmannschaft spielt n folgender Aufstellung: Brambrink; Schwer, Benning; Brüning Hoffmann Schmitz; Overhaus, Klein, Wenery, Ihlending, Ostendorf. Die Spiele beginnen 2 Uhr. Alle Sportinteressenten sind herzlichst eingeladen. Möge keiner den schönen Spaziergang zum Sportplatze scheuen, mu spannende Wettkämpfe dort zu sehen. Postsportverein Münster in Dülmen. VfL. Dülmen— Postsportverein Münster, so heißt am Sonntag die Begegnung auf dem VfL.=Platz bei Nordmann. Man weiß, daß er für den VfL. ein schwerer Gegner ist. Der VfL. hat für diesen Kampf folgende Mannschaft notiert: Elskemper B.; Stewemüeer Ad, Elskemper Aug; Norgall E., Stewemüer R., Rewener L.; Püttmann Th., Wälter A., Gerwersmann B., Göckener Th., Reuwener Herm. Etwas über die Mannschaft: Elskemper im Tor, der seine Mannschaft schon zu manch große Erfolge führte, zeigte sich in den letzten Spielen schwankend und war an den letzten Niederlagen nicht schuldlos; er bildet ein Fragezeichen. Der Innensturm ist wohl das beste, was der VfL. zu stellen vermag. Alles in allem ist es aber eine Mannschaft, zu der man schon Vertrauen haben kann. Anstoß 3 Uhr.(Siehe Plakate.) Samstag, soweit Vorrat! LEBENSMITTEL Mengenabgabe vorbehalten! Pfund 110 Ernte Mittelbohnen weile neuo Ernte.. Pliaumen getrocknete.. schöne Miechung ot .. Plund 0,12 .Plund 0,12 . Plund 0,14 . Plund 0,20 ..Plond 0,44 3 Plund 0,50 Mneinisch aptelkraut od. Vierirucht-Marmeiace() lose ausgewogen, Pund Rheln. Tafelobst orten, handgepfl. Bananen Plord 0, 15 Ph 0,25 Junge schnitbehnen 2 ladenfei. 2-Pfund-Dose U, Nell. V6.Meringe Buckinge täglich frisch 10 Stück O.00 Plond 0,25 1-Liter-Dons U, 6ö nmer Irsc. Plord U.67 ten im Fotl 67 frisch geschossen... Pfand U,OC aithoffs aite 38% Liter o. Flasche 3.25 Frisch-Fleisch allererster Qualität Suppentleisch..... Plund 058 Braileisch....... Plund 0.05 Genacktes....... Plund 0.85 Naihileis:h namae.n. Speck, curchw. 0.75 065 SchweineMoon. Plund 0,12 Salatoi glanzhell Liter 0.35 Blut- und Leberwurst BerUUTSI unser Schlager... Plochwurst schnitifest Schinkenspech hesiger... Konsumsüze Plend 0,35 Plund 0,72 .. Plund 0,96 Piad 135 nerte 6½/4 Plund 1,90 Faß Liter AlTHOFF RECKLINGHAUSEN Margarine 1-Pfund-Paket 0.28 0.33 Kokostett in latten..... Pfund Rückenspeck 175 tetter, geräuchert... Pfund U,1U Schweinebacken 70 hiesige, gerauchert... Pfurd U.10 Gemüse-Erbsen ER 2-Pfund-Dese U,JU PllaumenEn uD mi Stein. P2-Plund-Dose U,UU rabeertontitupg n05 2-Pfund-Eimer U,30 TI.stter sehr pikant, oder Mien. echt Gouda. Pfund ue Raseinusse wede Paranüsse ... Plund 0.50 Plond 0,50 Aus der Umgebung ° Lippramsdorf, 16 Okt.(Bulle auf dö zbgeschlachtet). Einem hiesigen Landwirt wur der Weide ein Bulle abgeschlachtet. Der Landw die Tiere auch des Nachts auf der Weide ließ, diese Feststellung erst einige Tage später machen. * Münster, 16 Olt.(Wer wird Oberbürgerneister in Münster?) Bevor der Wahlausschuß des Starverordnetenkollegiums sich mit den eigentlichen Wahl vorbereitungen beschäftigen konnte, hat Oberbürgermeister Dr. Schmitz(Bocholt), der vor einiger Zeit in Bonn in engerer Wahl stand, seine Bewerbung zurückgezogen Für die Neubesetzung der Oberbürgermeisterstelle kommt mit größter Wahrscheinlichkeit niemand von den Bewerbern in Frage; die Parteien erscheinen sich vielmehr auf den Kultur= und Finanzdezernenten bei der westfälischen Provinzialverwaltung Landesrat Dr. Zuhorn, geeignet zu haben. Als weitere aussichtsreiche Anwärter gelten noch Oberbürgermeister Kiwitt (Wanne=Eickel), Bürgermeister Geyer(Bochum) und Senator Dr. Althoff(Danzig), der allerdings nicht Volljurist ist, wie es in der Ausschreibung verlangt wurde. Gottesdienstordnungen (Ausführliche Gottesdienstordnung im Emmerich=Kirchenblatt.) Sonntag, den 18. Oktober 1931. Pfarrkirche Dülmen: (Kirchweihfest.) Morgens 5,15 Uhr Matutin mit sakramentalem Segen, 6 Uhr erste hl Messe, 6,45 Uhr zweite hl. Messe mit gemeinschaftlicher hl Kommunion der Jungfrauen, 7,45 Uhr Sodalenmesse, 8,45 Uhr Kindermesse mit Bredigt, 930 Uhr Umgang um die Kirche, 9,45 Uhr tierliches Hochamt mit Predigt, 11,15 Uhr letzte l. Messe mit Predigt. Nachmittags 230 Uhr Vesper. 3,15 Andacht mit redigt für die Jungfrauen.— Abends 6 Uhr Rosenranz=Andacht. :Hausdülmen: Morgens 7,30 Uhr heil. Messe end gemeinschaftliche hl. Kommunion der Jungfrauen, 99,30 Uhr Volkshochamt mit Predigt.— Nachmittags 22,30 Uhr Rosenkranz-Andacht. Wochentags abends 8 Uhr Rosenkranzandacht. Buldern: Gemeinschaftliche hl Kommunion der Jungfrauen=Kongregation— Morgens 7 Uhr erste heil. Messe mit Volksgesang, 8,15 Uhr stille hl. Messe, 10 Uhr Hochamt mit Predigt.— Nachmittags 2,30 Uhr Rosenkranz=Andacht. Hiddingsel: Morgens 7 Uhr Frühmesse, 9,30 Uhr Hochamt mit Predigt.— Nachmittags 2,30 Uhr Rosenkranz=Andacht. Evangelische Kirchengemeinde Dülmen. Vormittags 1030 Uhr Hauptgottesdienst 11,30 Uhr Kindergotlesdienst. Donnerstag nachmittag 330 Uhr Monatsversammlung der Frauenhilfe bei Hilger. Beirheumatischen Schmerzen aller Art haben sich Togal=Tabletten ganz hervorragend bewährt. Zahlreiche Dankschreiben über Togal bei veralteten Leiden, bei denen kein anderes Mittel half! Ein Versuch überzeugt Fragen Sie Ihren Arzt. In allen Apotheken M. 1.40! Verantwortlich: Dülmener Schriftleitung: Dr. Wilh. Blank, Dülmen.— Zenoteil: Politik und Allgemeines: Dr. Maser, Feuilleton: Jos. Hom. beide in Dortmund; Berliner Redaktions Dr. Häfner, Berlin=Lichterfelde. Verlag: J. Horstmann'sche Buchhandlung, Dülmen in Westsalen. Druck: Zeno=Münster l. W. Sie Jhren Arzl. In allen Apolhe 12.6% LItn, 0,46% Chin., 74,3% Acld. acot. salle. Vom Film. Das Flötenkonzert von Sanssouci. Im Dresdener Palais des prunktliebenden Premierministers Grafen Brühl, leuchten die Kerzen im festlichen Glanz des Maskenballs. Doch die Fröhlich'eit dieses Festes ist nur Deckmantel für ein diplonatisches Ränkespiel, das sich hier hinter den Kulisen abwickelt. Maria Theresia will ihr Schlesien wederhaben. Sie hat sich mit Frankreich und Rußlan gegen den Einsiedler von Potsdam, den sie haß verbündet. Ein teuflischer Geheimvertrag ist perfet geworden. Doch die Wachsamkeit Friedrichs des Croßen hintergeht man nicht. In rasendem Ritt von Tresden nach Potsdam hat ihm Major von Lindenck Abschrift des Geheimvertrages gebracht. Das ist die historische Basis des neuen Ufa=Tonfilms:„das Flötenkonzert von Sanssouci". In sie hineinvervoben ist eine entzückende Liebesgeschichte von der khinen Majorin von Lindeneck, in der Friedrich der Große die Lebenslustige vor einem Fehltritt bewaht. Zu den prächtigen Bildern, die der Film zeigt, at Adolf von Menzel Pate gestanden. Otto Gezühr spielt Friedrich den Großenu Renate Müller die liebreizende Majorin. Der n Ufa=Tonfilm, der bei seinen Uraufführungen auch stark im Vordergrund des politischen Interesses und Kampfes stand, verdient größte Beachtung. Nieman möge sich dieses begeisternde patriotische Filmwerl entgehen lassen, das noch bis einschließlich Montag im Zentral=Theater zur Aufführung gelangt. „Im Weten nichts Neues". Das politische Gigenstück, der vielumstrittene Remarquefilm:„Im Westen nichts Neues“, wird augenblicklich in Halter im dortigen Römertheater gezeigt. Vereins=Anzeigen (Ermäßigter Preis unter dieser Rubeit nur 30 Big. pro Zeile. können nur Mitteilungen veröffentlicht werden, die ausschließl. für die Mitglieder des Vereins und nicht für die breitere Oesfentlichkeit bestimmt ind.) Dülmen: ALLERHEILIGEN nach VPERI zum Besuch der deutschen Kriegertriechöte in Flandern und Nord-Frankreich Abfahrt 1. November Anmeldungen bis 19. Oktober Preis Aachen-Aachen: 3. Klasse RN 9,50, 2. Klasse AN 13— einschl. Sammelpaß und Visum Kein Reisepaß erforderlich! Fahrpreis Dülmen— Aachen— Dülmen AN 14,— Anmeldungen möglichst sofort an: Dülmener Zeitung sollen Lichtnra, Auskunft und Prospekte kostenlos! Stadtverwaltung wird zur Förderung deutscher Gedächtnisfehrten Grund der Notverordnung 6c1. in Flandern und Frankreich/ Aachen. abgeschlossenen Vertrag zu an derte die Versammlung weitge Die eines bedeutenden Versicherungskonzerns, der alle Branchen betreibt, ist für Dülmen und Umgegend neuzubesetzen. Es wird auf einen rührigen Herrn reflektiert, der über gute Veziehungen verfügt und sich dem weiteren Ausbau des Geschäftes nachhaltig widmen kann. Inlassobestand wird mit übertragen. Bewerbungen unter K. 1581 an die Ann=Expedition Jak. Vowinchel, Elverseld. dung und wandte sich gegen jede und Biersteuer. eraugen, en und Warzen empfehlen kau= Grubengase bedrohen Menk n se ann dee ein Saarbrücken,(gedessen nicht auf und dröckt mit Vorliebe vo Damen Die Grubensenkungen von Schnuma kann da Kukiroldie, abgesehen von Verheerungen an Gebäudeifniemalor 1utschen manches Unglück verursacht haben, haben abermöei Nichte 1g zahlt einem schweren Unfall geführt. Durch einen Ein von 10 1 Mark des Erdreichs in die Hauptstraße wurde ein Gasro undicht. Die Gase drangen unterirdisch durch die 1 Beukel Mauerrisse in die Wohnräume zweier Häuser. Am Salz Morgen fand man fünf Personen besinnungs. los in ihren Wohnungen auf. Zwei von ihnen Kci zür konnten durch Rettungsmannschaften gleich wieder zu vert“ Nehmen Sie dreimal täglich ein Gläschen Doppelherz. Es ist des wohlschmeckende und bekömmliche Nerven-Kräftigungsmittel. Hervorragend bewährtes Kräftigungsmittel bei Neurasthenie, Blutarmut, Appetitlosigkeit und Schwächezuständen aller Art. 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Dr Wagner, dessen Darbietungen im Gesellenverein unter stärister Beteiligung das größte Interesse finden, wird uns einen lehrreichen, pinnenden Vortrag halten. Die Ausführungen des Redners werden umrahmt mit frohen Liedern und wichtigen Vereinsmitteilungen. Kein Sodale darf sehlen. D. J. K.„Sportfreunde 1920“. Die 1. Mannschaft und 1. Jugendmannschaft fahren am Sonntag um 11¼ Uhr vom Kolpinghaus ab nach Rinkerode. Pünktlich da sein! Die 2. Jugendmannschaft ährt um 1 Uhr ebenfalls vom Gesellenhaus ab nach Coesfeld. Spiel der 2. Mannschaft gegen Nottuln um 2 Uhr. Die Aufstellung der Mannschaft ist angeschlagen am „Schwarzen Brett" im Ko.pinghaus. Zentralverband christlicher Holzarbeiter. Am Sonntag, den 18 Oktober, morgens 11 Uhr Mitgliederte.sammlung bei Kaute Sie laufen wie ein Wiesel wenn Sie ihre Höhneraugen durch„LEBEWOHL" vertreiben. Höhneraugen-Lebewohl Blechdose(8 Pflaster) 78 Pig. in Apotheken und Drogerien. Sicher zu haben Drog. Friedr. Simons, Terrahe’o Med.-Drog. 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