slos alles mit, hrlich beklagen, ahlreiche Lebeisamster Weise gelingt, vor hine oder vor eder Landwirt n bei seinem während der s die Rücksicht derr und Hüter ing beratung für egeben wurde, statt in Opfer des außerhalb der Gestern nachder Nähe von asser gezogen, erfolglos. des Coesfelder ten Wer über s im Grunde te, an welcher nde sich regen ilie erarbeiten vernichtet und ß. Möge die auch an dieser 1 des Abbaues das gesamte tarbeit geleistet verdient. Kaffee=Geschäft 9. Juli bis beim Einkauf Mk. kann der statt Nabatt ten, die eine Und dabei die Hausfrau s Bewußtsein, aben. Dr. Wilh. Blank, les: Dr. Maser; liner Redaktion: )". Heute ndbad Dülmen. trage Jeder art das Startrichtet haben, ichtigt. Alles Kasten an der ttwoch) abend n im KolpingWettkämpsen für Senioren ithletik). Um ird gebeten. Dülmener Zeitung Dülmener Anzeiger/ Amtliches Kreisblatt für den Kreis Coesfeld/ Dülmener Volkszeitung Gegründet 1874 Veriag: J. Horstmann'sche Buchhandlung, Dülmen i. Martf Gegründet 1874 Erscheint täglich, auch Sonn= und Feiertags— Telegramm=Adresse: Zeitung Dülmen— Jernruf 578— Postscheckkonto Dortmund 5815— Postverlagsort Münster(Westf) 2 Mittwoch, den 29. Juli 1931 Uummer 207 Jahrgang 1931 Der Fall Nientimp. Zum Nientimp=Prozeß, der am Dienstag abend nach dreitägiger Verhandlung mit der Verurteilung des früheren Reichstagsabgeordneten und des mitangekagten Geschäftsführers Hundertmark zu je 1000 RM. Geldstrafe und der Verfallerklärung der Bestechungssummen(soweit sie noch vorhanden sind) geendet hat, sind ein paar kurze Bemerkungen erforderlich. Man könnte angesichts des Umstandes, daß nur eine Geldstrafe für die Hauptangeklagten herausgekommen ist, natürlich versucht sein, an den alten Vers zu erinnern: Es kreißen die Berge, und sie gebären nur ein lächerliches Mäuslein. Aber auf die Höhe der Strafe kommt es in diesem Falle nicht an. Wesentlich ist einerseits, daß sich Nientimp hat bestechen oder, vulgär gesagt, schmieren lassen, andererseits daß die Zentrumspartei, der er angehörte, mit der Sache nichts zu tun hat. Es liegt keine politische Korruption vor, wohl dagegen eine persönliche Unsauberkeit im geschäftlichen und privaten Leben. Wie wenig das Zentrum geneigt ist, solch eine Sache auf die leichte Schulter zu nehmen, geht sowohl aus dem energischen Durchgreifen der Bochumer Zentrumspartei hervor, die den Reichstagsabgeordneten Nientimp ausschloß, als er, statt befriedigende Erklärungen abzugeben, mit auswelchenden Aeußerungen sie hinhalten wollte, als auch aus dem Verhalten der Zentrumsfraktion des Reichstages, die alsbald, nachdem sie von Bochum das Nötige erfuhr, den Abgeordneten Joos zu Nientimp sandte, um ihn zur Niederlegung seines Mandats zu veranlassen. Das Zentrum kann in seinen parlamentarischen Vertretungen nur Leute mit absolut weißer Weste gebrauchen. Und darum ist dieser Fall Nientimp für die Partei eine besondere Warnung. Als man dem damaligen Syndikus des Bäckerinnungsverbandes „Germania" auf Wunsch des Mittelstandes auf der Zentrumsliste für Westfalen=Süd einen sicheren Platz gab, da konnte man natürlich nicht ahnen, daß dieser Vertrauensmann einer wichtigen Wählerschicht eines Tages wegen passiver Bestechung vor dem Strafrichtet stehen würde. Aber es wäre doch notwendig gewesen, daß man vor seiner Aufstellung über seine Vergangenheit sorgfältige Erkundigungen eingezogen hätte. Das ist leider versäumt worden, zumal der damals Vierzigjährige einen durchaus sympathischen Eindruck machte und seine Kandidatur von ernsten, untadeligen Männern empfohlen und gewünscht wurde. Aber das Merkwürdige war, daß damals, obwohl das doch kein Geheimnis sein konnte, wie sich ja später erwiesen hat, von keiner Seite eine Andeutung gekommen ist, daß dieser Syndikus Nientimp mit dem vor dem Kriege wegen Fälschung einer Dissertation relegierten Studenten Nientimp identisch sei. Schon diese Fälschung aber offenbart einen wesentlichen Zug an diesem Manne: seinen Leichtsinn. Denn nur mit Leichtsinn ist es doch zu erklären, wenn ein Student, um den Doktorhut zu erwerben, als Dissertation ein Plagiat abliefert statt eigener wissenschaftlichen Arbeit, hoffend, daß eine wohllöbliche Fakultät den Schwindel nicht merken werde. Und Leichtsinn ist es auch offenbar gewesen, die ihn veranlaßt haben, sein anständiges Einkommen aus wirklicher Arbeit durch ihm angebotene Umsatzprozente einer Firma vermehren zu lassen, die an dem Kreis derjenigen, deren Geschäftsführer er war, als Lieferantin interessiert war. Daß das eine Bezahlung für geleistete Arbeit war, hat dem Angeklagten Nientimp weder das Gericht noch irgendjemand, der dem Prozeß beigewohnt hat, zu glauben vermocht. Leichtsinn war es auch, daß er dem Finanzamt diese aus den Geschäftsbüchern der zahlenden Firmen hervorgehenden Beträge zu verheimlichen suchte. Nientimp hat leichtfertig gehandelt. Nicht die 1000 Mark, die ihm das Gericht zudiktiert hat, sind die wirkliche Strafe für ihn, sondern der Verlust einer angesehenen Stellung, der Verkust des Vertrauens einer großen Mittelstands=Gruppe, der Verlust des Vertrauens seiner früheren Parteifreunde. An dem Gelde, das in seine Tasche geflossen ist, hat er nicht viel Freude erlebt, das bittere Ende läßt die guten Tage in nichts zerfallen. Als ein körperlich gebrochener Mensch, in sich zusammengesunken und mit grauem Gesicht, saß dieser vor Jahr und Tag noch stattliche, kräftige und geistig lebhafte Mann auf der Anklagebank. Wer ihn früher gekannt hat, den mußte das Mitleid um ihn packen. Und dieses Mitleid darf man ihm auch nach dem Prozeß bewahren, der ja keine verbrecherischen Anlagen an den Tag gefördert, wohl aber den Beweis dafür erbracht hat, daß dieser Mann nicht so peinlich akkurat und auf seinen guten Ruf so sehr bedacht war, wie man es insbesondere von einem Abgeordneten verlangen muß. Riesenbrand in Ungarn. ((Budapest, 28. Juli. In dem Dorfe Resznek brach heute nachmittag ein Feuer aus, das bei dem sehr heftigen Winde rasch um sich griff. Die Feuerwehren der umliegenden Dörfer sind z. Zt. noch bemüht, das Feuer zu bewältigen. Die Löscharbeiten sind durch den Wassermangel erschwert. Ein Feuerwehrmann, eine 82 Jahre alte Frau und ein siebenjähriger Knabe fanden in den Flammen den Tod. Um 3 Uhr nachmittags standen 40 Häuser in Flammen. Herzlicher Abschluß des englischen Ministerbesuchs Fortsetzung des Gesprüches von Chequers. :: Berlin, 28. Juli. Heute vormittag fand in der Reichskanzlei zwischen Reichskanzler Brüning, Reichsaußenminister Curtius, Minister Ramsay MacDonald und Mr. Henderson eine Besprechung statt. Die Beratungen, die eine Fortsetzung des Chequersgespräches waren, dauerten zwei Stunden. Heute mittag empfingen die beiden englischen Staatsmänner die Vertreter der deutschen Presse. Dabei glaubte ein nationalsozialistischer Journalist an den englischen Ministerpräsidenten die Frage richten zu müssen, ob MacDonald bereit sei, die Vertreter des Stahlhelms zu empfangen, um Auskunft über die Gesinnung der deutschen Jugend zu erhalten. MacDonald beantwortete diese Frage in konzilianter, aber nichts desto weniger abweisender Form.(Ueber den sonstigen Verlauf dieser Besprechung berichten wir in einer besonderen Meldung.) MacDonald und Henderson folgten sodann einer Einladung des preußischen Ministerpräsidenten Braun zu einem Essen in den Räumen des Staatsministeriums. Bei dieser privaten Veranstaltung waren keine Amtspersonen, sondern nur Führer der Sozialdemokratischen Partei anwesend. unter ihnen die Abgeordneten Wels und Breitscheid, die eigens zur Begrüßung der englischen Führer vom gegenwärtig tagenden Sozialistenkongreß in Wien auf einen Tag nach Berlin gekommen waren. Heute nachmittag wurde auf einer Spazierfahrt die Unterhaltung zwischen dem Kanzler, dem Reichsaußenminister und den englischen Gästen fortgesetzt. Die Herren fuhren zunächst mit dem Kraftwagen nach Pichelsdorf und machten von dort eine Fahrt im Motorboot zum Wannsee, wo sie am Schwedischen Pavillon wieder an Land gingen. Die englischen Gäste bekamen bei dem recht schönen Wetter einen interessanten Eindruck von der märkischen Seenlandschaft, die die Schönheit der Umgebung Berlins ausmacht. Auch die politische Unterhaltung nahm einen harmonischen und überaus freundschaftlichen Verlauf. Mit dem Essen, das heute abend in der englischen Botschaft stattfand, nahm der offizielle Besuch sein Ende. Ueber die heutigen Besprechungen ist folgendes amtliche Kommuniqué ausgegeben worden: nori Montag wieder naler Zahlungsverkehr. Zunächst unwesentliche Erhöhung der Auszahlungen. :: Berlin, 28. Juli. Die Reichsregierung hat die 6. Verordnung über die Wiederaufnahme des Zahlungsverkehrs nach den Bankfeiertagen erlassen. Amtlich wird dazu und über ihren Inhalt folgendes mitgeteilt: Der Rest dieser Woche ist dadurch gekennzeichnet, daß zu den für die regelmäßigen Lohn- und Gehaltszahlungen bereitzustellenden Zahlungsmitteln noch die Anforderungen des Monatsendes hinzutreten. Es erschien daher nicht ratsam, darüber hinaus für die nächsten Tage eine umsangreichere Auflockerung des bisherigen Zahlungsverkehrs vorzuneymen. Die heute erlassene Verordnung der Reichsregierung sieht daher nur unwesentliche Erhöhungen der zahlbaren Beträge vor. Die beteiligten Stellen werden dafür sorgen, daß vom Beginn der nächsten Woche die Wiederaufnahme eines normalen Zahlungsverkehrs eintritt. Die Erleichterungen, die bis zum Wochenende eintreten, betreffen einmal die Erhöhung der Baranszahlunasarenze von 200 auf 300 RM. bei Kontokorrentguthaben, während hinsichtlich der Auszahlungen auf Sparkassen= und Sparbüchern es bei 30 RM. verbleiben mußte. Die Auszahlung auf Kreditbriese ist ebenfalls auf 300 RM. ernont worden. Freigegeben zur unbeschränkten Barauszahlung und folgeweise auch auf Ueberweisung sind über die bisher bestehende Höhe hinaus die Mietzinsen für Wohnungen und gewerbliche Räume, sofern der Kontoinhaber nicht Einlagen aus Lohn=, Gehalt=, Ruhegeld usw. bezieht, ferner zur Einlösung von Zinsrenten und Gewinnanteilscheinen. Die Ueberweisungen sind im allgemeinen auf 4000 RM. täglich, also inslesamt 16 000 RM. bis zum Wochenende erhöht worden und dem Ueberweisungsverbande wird der Tagesbetrag auf 50 000 RM. voraussichtlich auch weiter erhöht werden. Zur Wechseleinlegung sollen täglich 8000 RM., also 32 000 RM. bis zum Wochenende ausgezahlt werden dürfen. Die Wechselprozeßaussichten sind entsprechend den bisherigen Regelungen wieder staffelweise etwas hinausgeschoben worden, während eine Verlängerung der Vorlegungsfrist für die nach dem 21. Juli 1931 ausgestellten Schecks nicht mehr notwendig schien. Ferner ist vorgesehen, daß die Bankinstitute Wechselverbindlichkeiten nicht nur, wie bisher, aus eigenen Akzepten, sondern auch aus ihren Giros erfüllen dürfen. Schließlich stellt die Verordnung sicher, daß bestätigte Verrechnungsschecks auch nur in den ersten Tagen des Augusts ausgestellt werden dürsen, und daß die Einlösung auch durch Gutschrift auf einem Konto erfolgen kann, das nicht bei dem bezogenen Kreditinstitut geführt wird. Selbstverständlich kann die Gutschrift nur im Rahmen der für Ueberweisungen freigegebenen Beträge stattfinden. Im übrigen bleiben auch diesmal die Vorschriften über den Schuldnerschutz. über die Ausnahme der Reichspost, Reichsvank und der Deutschen Golddiskontbank von den Vorschriften der Verordnnng und den Vorschriften über die unbeschränkte Verfügungsfreiheit über neue Konten und aufrechterhalten. über überwiesene Gehaltsteile die Wechselprotestfristen. Berlin, 28. Juli. In der am heutigen Dienstag veröffentlichten 6. Verordnung über die Wiederaufnahme des Zahlungsverkehrs heißt es in Artikel 2 über die Wechselprotestfristen: „Bei Wechseln, deren Fälligkeitstermin in der Zeit vom Sonntag, 19., bis Donnerstag, 23. Juli 1931, einschließlich liegt, kann die Erhebung des Protestes nicht vor dem dritten Werktag und darf noch am vierten, fünften und sechsten Werktage nach dem Zahlungstage geschehen. Bei Wechseln, deren Fälligkeitstag in der Zeit vom Freitag, 24., bis Dienstag, 28. Juli 1931, einschließlich liegt, kann die Erhebung des Protestes nicht vor dem dritten Werktag und darf noch am vierten und fünften Werktage nach dem Zahlungstage geschehen. Bei Wechseln, deren Fälligkeitstag in der Zeit vom Mittwoch, 29. Juli, bis Sonnabend, 1. August 1931, einschließlich liegt, kann die Erhebung des Protestes nicht vor dem dritten Werktag und darf noch am vierten und fünften Werktag nach dem Zahlungstage geschehen. Für die Kreditinstitute gelten hinsichtlich der Erfüllung ihrer eigenen Verbindlichkeiten aus Wechseln vom Mittwoch, 29. Juli 1931, ab keine Beschränkungen des Zahlungsverkehrs. In dem amtlichen Wortlaut ist entgegen dem amtlichen Auszug aus der Verordnung übrigens nichts davon gesagt, daß die Ueberweisungen im allgemeinen auf 4000 RM. täglich, also insgesamt 16 000 RM. bis zum Wochenende erhöht werden, sondern es wird nur von Ueberweisungen bis insgesamt 16 000 RM. gesprochen. Die Besprechung zwischen Reichskanzler Dr. Bruning, Dr. Curtius, Mr. Mac Donald und Henderson, die heute vormittag in der Reichskanzlei begannen, wurden heute nachmittag in einem weiteren freundschaftlichen Gedankenaustausch fortgesetzt und beendet. Einer der Hauptgegenstände der Besprechung war die Frage, wie die Beschlüsse der Londoner Konserenz am besten in konsteuktiver Weise in die Praxis umzusetzen waren. Die englischen und deutschen Minister besprachen weiterhin die allgemeine Wirtschaftslage und die Maßnahmen, die zur Beseitigung der gegenwärtigen Swierigkeiten auf wirtschaftlichem Gebiet getroffen werden könnten. Die Inkraftsetzung des internationalen Arbeitszeitabkommens für den Bergban wurde in Erwägung gezogen. Das Abrüstungsproblem wurde im Zusammenhang mit den Vorbereitungen für die kommende Abrüstungskonserenz erörtert. Die Besprechungen trugen einen außerordentlich freundschaftlichen Charakter, und es herrschte allgemein Uebereinstimmung darüber, daß die persönliche Fühlungnayme, welche durch die Zusammenkünfte in Chequers, Paris und London in so glücklicher Weise geschaffen wurde, sortgesetzt und ausgebaut werden müßte. Der Außenminister Henderson hat am Dienstag abend um 21,59 Uhr mit dem Norderpreß Berlin wieder verlassen. Henderson wurde von Reichsaußenminister Dr. Curtius, verschiedenen Herren des Auswärtigen Amtes und der Reichskanzlei und einigen Herren der englischen Botschaft zum Bahnhof geleitet. Auf dem Bahnsteig war kein Publikum, nur die Vertreter der Presse waren zugelassen. Henderson verabschiedete sich von dem deutschen Reichsaußenminister und seiner Begleitung sowie den Herren der englischen Botschaft sehr herzlich. Mac Donald wird morgen vormittag 10 Uhr die Heimreise mit dem Flugzeug antreten. Drei englische Militärflieger, die ihn nach London bringen wollen, sind heute nachmittag auf dem Tempelhofer Flugplatz gelandet. Ihre Doppeldecker sind offene Tagesbombenflugzeuge. * Selbsthilfe, keine französische Anleihel Von unserer Berliner Redaktion. :: Berlin, 28. Juli. Bei allen Gelegenheiten haben die englischen Staatsmänner in Berlin das Vertrauen zu Deutschland zum Ausdruck gebracht und darauf hingewiesen, daß eine Zusammenarbeit der europäischen Staaten notwendig sei. Dabei versagten es sich MacDonald und Henderson, die Gesamtlage in Europa auch nur als gut zu bezeichnen. Vielmehr machten sie wiederholt auf die großen Schwierigkeiten aufmerksam, die dem deutschen und damit demeuropäischen Sanierungsprozeß entgegenstehen. Von vornherein war die deutsche Oeffentlichkeit darauf vorbereitet, daß von dem Besuch der Engländer in Berlin keine sofort sichtbaren Aenderungen der Situation zu erwarten seien. Somit kann auch niemand darüber enttäuscht sein, daß MacDonald und Henderson die Reichshauptstadt wieder verlassen haben, ohne daß die Reichsregierung irgend einen wirtschaftlichen, finanziellen oder politischen Wechsel in Händen hätte, der zu gegebener Mac Donalds Ankunft in Berlin. Der engl. Premierminister Mac Donald(2. von links) bei der Ankunft in Berlin. Links: Sir Horace Rumbold; rechts von MacDonald Reichskanzler Dr. Brüning und Reichsaußenminist Dr. Curtius. Helt präsentierk werden könnte. Alle Illusionspolitik, die noch vor wenigen Wochen das Denken selbst maßgebender Persönlichkeiten umnebelte, ist durch die offene, ehrliche Aussprache zwischen den deutschen und englischen Staatsmännern verflogen. Das deutsche Volk muß, wenn es auch noch so schwer fällt, erkennen, daß es wenigstens in den nächsten Wochen nur auf sich selbst gestellt ist. In der demokratischen und sozialdemokratischen Presse werden seit einigen Tagen die Dinge so hingestellt, als ov eine auf dempolitischen Gebiet liegende Verständigung zwischen Frankreich und Deutschland genuge, um einen großen langfristigen Kredit flüssig zu machen. Es wird der Glaube erweckt, daß die Versorgung unserer Wirtschaft mit Kapital durch reife politische Entscheidungen bewirkt werden könne. Diese Betrachtungsweise ist falsch. Selbst wenn sich Deutschland zu dieser Geste bereit finden könnte, wäre damit für eine große Anleihe noch nichts gewonnen. Die französische Regierung, insbesondere Finanzminister Flandin hat wiederholt erklärt, daß eine Anleihe für Deutschland nur dann aufgelegt werden könnte, wenn die französische Regierung eine Regierungsgarantie für diese Anleihe übernehmen würde. Die Uebernahme einer solchen Garantie hat aber die französische Regierung von einem gleichen Schritt der amerikanischen und der englischen Regierung abhängig gemacht. Aus Verfassungsgründen ist es der amerikanischen Regierung nicht moglich, diese Garantie zu übernehmen, und in England bestehen die bekannten Kapitalschwierigkeiten. Die beiden englischen Staatsmänner haben nicht verfehlt, auf diese Tatsache aufmerksam zu machen. Wie das finanzielle Leben Englands ist, geht übrigens am besten daraus hervor, daß die Bank von England von der französischen Staatsbank Hilfsstellung erhielt. Es wird nun darauf hingewiesen, daß Frankreich allein als reiches Land eine Zwei= oder DreiMilliardenanleihe für Deutschland aufbringen könne. Wie aber aus Frankreich mit Bestimmtheit verlautet, ist zur Zeit nicht daran zu denken, einen solchen Betrag auf dem französischen Kapitalmark unterzubringen. Selbst für eine kleinere Anleihe wären die politischen und finanzwirtschaftlichen Bedingungen so stark, daß sie von Franzosen selbst als für Deutschland unmöglich erachtet werden, ganz abge sehen davon, daß die Regierung Brüning nach wie vor ablehnt, über ein Nachgeben gegenüber den französischen Forderungen in Verhandlungen zu treten. Der deutschen Wirtschaft bleibt somit nichts übrig, als durch Selbsthilfe, durch ganz energische Sanierungsmaßnahmen Mittel und Wege zu schaffen, um das Wirtschaftsleben nicht noch mehr ins Stocken geraten zu lassen. Nur wenn ohne jede Illusion die nackte Wirklichkeit erkannt wird, ist die Sicherheit vorhanden, daß die erforderlichen Maßnahmen mit der notwendigen Schärfe angeordnet und auch durchgeführt werden. Als eine der Hauptaufgaben bleibt nach wie vor das Zurückbringen der ins Ausland geflüchteten Kapitalien. Kann in dieser Richtung nichts Durchgreifendes geschehen, so werden die anderen Maßnahmen nur sehr schwer von Erfolg begleitet sein. * Presseempfang bei den englischen Staatsmännern. X Berlin, 28. Juli. Ministerpräsident Macdonald und Außenminister Henderson empfingen heute mittag im„Kaiserhof“ die deutsche Presse, deren Vertreter so zahlreich erschienen waren, daß der für den Empfang bestimmte Raum nur ausreichte, weil sie sich im großen Halbkreis stehend um die englischen Staatsmänner gruppierten. Macdonald gab einleitend seiner Freude darüber Ausdruck, nach Berlin gekommen zu sein, um den Londoner Besuch der deutschen Minister zu erwidern, über den man sich in England sehr gefreut habe. Der Zweck seiner Anwejenheit in Berlin sei, die perönliche Fühlungnahme mit den deutschen Staatsmännern, die in London angebahnt worden ist, ortzsetzen. Dabei biete sich Gelegenheit, einen leberblick über die Lage zu gewinnen, die sich seit der londoner Konferenz ergeben hat. Macdonald betonte, daß er erneut die Ueberzeugung gewonnen habe, daß die Qualitäten des deutschen Volkes, seine wirtschaftliche und seine finanzielle Stärke auch diesmal über die gegenwärtigen Schwierigkeiten hinwegkommen werde. Er gebe zu, daß noch weitere Schwierigkeiten zu überwinden seien. Aber er sei überzeugt, daß die Deutschen sich als Volk hindurchringen wurden, und daß kein Deutscher seine Nation in Stich lassen werde. Der Deutsche sei mit Recht deutscher Staatsbürger, und dieser Stolz werde ihm die Kraft geben, die Schwierigkeiten zu überwinden. Wenn die überwunden seien, dann heiße es, durch eine Zusammenarbeit der Völker die Beruhigung der internationalen Atmosphäre herbeizuführen. Um dieses Ziel vorzubereiten, seien die deutschen Minister in England gewesen, und aus dem gleichen Grunde weilten die englischen Minister jetzt hier. Zum Schluß unterstrich Magdonald noch, wie erfreut man in England über den überaus freundlichen Empfang gewesen sei, den die englische Flotte bei ihrem kürzlichen Besuch in iKel gefunden habe. In all dem glaube er Anzeichen für ein lange dauerndes freundschaftliches Verhältnis zwischen den beiden Ländern zu sehen. An die Abgabe der vorstehenden Erklärungen, die von einem Dolmetscher übersetzt wurden, schloß sich ein reges Frage= und nAtwortspiel zwischen den britischen Ministern und den anwesenden Pressevertretern an, das sich auf die britische Abrüstungspolitik, auf den Kampf gegen die Wirtschaftskrise, auf das Hoover=Feierjahr und auf die Goldabzüge aus England vezog. Mit großer Entschiedenheit lehnte Mardonald die frühere britische Politik der„balance of power“ ab, die in diametralem Gegensatz zu der Politik sei Regierung stehe, vor allem, weil sie Englandrüstung unmöglich mache, während umgekehrt die Labour=Politik auf die Zusammenarbeit der Völker hinauslaufe, die mit der Abrüstung unlösbar verdunden sei. Auf die Frage nach den möglichen Methoden zur Beseitigung der ökonomischen Schwierigkeiten meinte der Premierminister, es sei nötig, in steigendem Maße die finanziellen Mittel der Völker zur internationalen Ent lastung zu verwenden, die Handelsabkommen zu vermehren und den Protektionismus niederzuringen, dessen Uebertreibung die Welt zum Bankrott führen müßte. Henderson fügte auf eine Zwischenfrage erläuternd hinzu, daß die britische Regierung seit zwei Jahren an der Verwirklichung einer wirtschaftlichen Zusammenarbeit und Vereinheitlichung tätig mitwirke und ihren besten Sachverständigen hierfür u. a. den Genfer Arbeiten zur Lösung der wirtschaftlichen Fragen der europäischen Union zur Verfügung gestellt habe. Das Hoover=Jahr, uctonte Macdonald, sei ein außerordentlich wertvoller Beitrag zur Beilegung der augenblicklichen Schwierigkeiten. Inbezug auf die Goldabzüge aus der Bank von Enaland. von der immer noch und auch in Zukunft das Wort gelte„so gut wie die Bank von England“, meinte Macdonald, es spräche dabei viel Propaganda und psychologische Motive mit. England habe z. B. bei der Unterstützung Oesterreichs und Deutschlands willig seinen Beitrag zu den Bedürfnissen der internationalen Zusammenarbeit geleistet und werde das auch weiterhin tun. Mit einigen freundlichen Worten über die Bedeutung der Presse und jein Bedauern darüber, daß er ihr nicht länge zur Verfügung stehen könne, be die etwa einhalbstündige Unterhaltung. beendete Macdonald Empfang beim Reichspräsidenten. + Berlin, 28. Juli. Reichspräsident von Hindenburg empfing heute vormittag den Ministerpräsidenten Ramsay Maedonald und den Außenminister Henderson, die von dem Botschafter in Berlin Sir Rombold begleitet waren. Doch noch ein Auslandsmoratorium? Die Stillhalte=Verhandlungen. Von unserer Berliner Redaktion. )( Berlin, 28. Juli.(Drahtb.) An den Verhandlungen, die gegenwärtig in Berlin stattfinden und bei denen es sich um die Frage dreht, wie die Stillhalteaktion für die kurzfristigen Kredite während der nächsten Monate durchgeführt werden kann, ist am heutigen Dienstag ein Fortschritt erzielt worden. Die englischen Banken scheinen geschlossen für ein Stillhalten zu sein. Der Vertreter der amerikanischen Banken hat die überwiegende Mehrheit der führenden U.S.A.=Banken hinter sich. Auch die Verhandlungen mit den Schweizer Bankvertretern lassen sich gunstig an, während die Besprechungen mit den holländischen Bankiers bisher noch nicht recht in Fluß gekommen zu sein scheinen. Man rechnet allerdings weder in Deutschland noch im Ausland damit, daß die Stillhaltung eine 100%ige sein wird. Eine erhebliche Anzahl von kleineren Auslandsgläubigern wird auf dem Wege kollektiver Verhandlungen kaum in den Rahmen einer Stillhalteaktion einzuordnen sein. Für diese Gläubiger wird man wohl kaum ohne ein formales Auslandsmoratorium auskommen können. Ob es sich dabei um ein generelles Moratorium handeln wird, das für die stillhaltenden Gläubiger durch die oben erwähnte Konzession gemildert wird oder ob man für diejenigen Banken, die still zu halten bereit sind, Ausnahmen von dem Moratorium zugestehen wird, ist eine Frage, die vorläufig noch nicht entschieden ist. 20-Millionen-Pfund-Kredit on die Bank von England? • Berlin, 28. Juli. Nach einer Meldung der„Vossischen Zeitung“ aus Paris wird bestätigt, daß im Laufe von Besprechungen am Montag abend ein Kredit der Bank von Frankreich an die Bank von England in Höhe von 20 Millionen Pfund(400 Millionen Mark) zustande gekommen ist. Es handelt sich um einen Rediskontkredit, der die englischen Banken in den Stand setzen soll, gegenüber den deutschen Banken stillzuhalten und weitere Kreditabziehungen aus England zu vermeiden. An den Verhandlungen waren besonders das Bankhaus Lazare Brothers in London beteiligt, dem auch Robert Kindersley angehört und die Pariser Schwesterbank Lazare Freéres und der Bankier David Weill.(Pertinax berichtet dagegen im„Daily Telegraph“, von zuständiger Seite sei ihm versichert worden, daß noch kein Abkommen zustande getommen sei. Bei seiner Rückkehr nach London werde Sir Robert Kindersley dem Gonverneur der Bank von England mitteilen können, daß ein Abkommen, falls es gewünscht werde, innerhalb von fünf Minuten abgeschlossen werden könnte. Die Unterschrift der Bank von England werde genügen, und der Kontrakt werde sehr einfach sein.— Diese Information des englischen Blattes dürfte stimmen, denn aus Paris wird gemeldet, daß in den seit Sonnabend geführten Verhandlungen zwischen der Bank von England und der Bank von Frankreich heute eine Pause eingetreten sei; Sir Kindersley sei nach London gefahren, um sich mit der Bank von England und möglicherweise der englischen Regierung zu besprechen.) Der Steuermann für kleine Küstenfahrt. Die Vorgeschichte des schwarzen Montags. Großbanken und Reichsbank. Die Tätigkeit des Reichsbankpräsidenten Dr. Luther ist in den letzten Wochen von verschiedenen Seiten scharf krisiert worden. Auch von der Notwendigkeit seines Rücktritts ist in verschiedenen Blättern, in politisch rechtswie linksgerichteten, gesprochen worden. Die einen empfehlen besonders Dr. Schacht, den früheren Reichsbankpräsidenten und ehemaligen Demokraten, zu seinem Nachfolger. Andere stellen die Kandidatur des Direktors der deutschen Bank, Dr. Kehl, der hier im Westen durch eine Rede im Langnam=Verein vor einigen Monaten Aufsehen erregt hat, oder Dr. Bötzkes, des Generaldirektors der Bank für Industrieobligationen, in den Vordergrund. Auch Dr. Reinhardt, der früher die Mitteldeutsche Kreditbank leitete und gegenwärtig bei der Commerz= und Privatbank tätig ist, wird noch empfohlen. Man wirft Dr. Luther vor allem vor, daß er zu spät gehandelt habe. Er hätte den Abzug von einigen hundert Millionen, oder gar von ein paar Milliarden Mark Devisen aus Deutschland durch geeignete Maßnahmen, wenn sie rechtzeitig getroffen worden wären, verhindern können. In der Frage der Danat=Bank, des Redinskontkredites, des Reichsbankdiskonts und der Vankfeiertage habe er versagt. Durch rechtzeitiges, energisches Eingreifen der Reichsbank habe sich der schwarze Montag mit dem Run auf Banken und Sparkassen und den anderen üblen Folgen vermeiden lassen. Es hätte an der nötigen Voraussicht bei der Leitung der Reichsbank gefehlt. Luther sei zwar ein kluger Mann, aber zum Leiter des deutschen Zentralnoteninstituts habe er nicht das Zeug. Es wäre also besser, daß man ihm die Möglichkeit gäbe, sich seiner Lieblingsidee, der Erneuerung des Reiches, unbeschwert durch berufliche Tätigkeit, hinzugeben. Zu all diesen Freundlichkeiten hat Luther selber bisher geschwiegen. Jetzt aber bringt die„Deutsche Berawerkszeitung“. die in der rheinisch=westfälischen Industrie angesehene Wirtschaftszeitung, die es ebenfalls an Bemerkungen gegen Luther nicht hat fehlen lassen, zu den Angriffen gegen ihn, insbesondere zu den umstritten Flug nach London und Paris, von unterrichteter Seite folgendes in Erfahrung: 1. Die Behauptung, der Reichsbankpräsident Dr. Luther habe von Anfang an auf den großen Auslandskredit gehofft und sich durch diese Hoffnung zu einem spekulativen Spiel verleiten lassen, gibt die wirkliche Sachlage nicht zutreffend wieder. Tatsächlich ist der Reichsbankpräsident sowohl von Mitgliedern und hohen Beamten der Reichsregierung wie aus dem Kreise der Banken immer wieder aufgefordert worden, Verhandlungen wegen eines großen Rediskontkredits aufzunehmen. Der Reichsbankpräsident hat die Regierungsstellen wiederholt darauf hingewiesen, daß die Frage eines großen Rediskontkredits ebenso wie die Frage einer großen An leihe etwa an das Reich sich nicht anschneiden lasse, ohne daß damit die Erörterung der politischen Fragen verbunden wäre. Bei diesen Vorstellungen ist der Reichsbankpräsident vielfach auf den falschen Glauben gestoßen, die. Zusammenarbeit der Notenbanken vollziehe sich im politisch neutralen Raum. 2. Selbstverständlich trifft es zu, daß sich der Reichsbankpräsident in London und Paris und später in Basel um einen Rediskontkredit bemüht hat. Bei der Behandlung dieser Vorgänge wird verschiedentlich behauptet, Luther sei trotz Abratens seitens der Engländer nach Paris gegangen. Tatsächlich liegen die Dinge umgekehrt. Der Reichsbankpräsident ist von zuständiger englischer Stelle dringend ersucht worden. noch schneller nach Paris gehen, als das seinem ursprünglichen Reiseplan entsprach. Auf Grund dieser dringenden englischen Vorstellungen hat dann Luther den Reiseplan geändert und ist einen Tag früher, als ursprünglich beabsichtigt war, nach Paris gereist. 3. Der Entschluß des Reichsbankpräsidenten, in der Frage des Rediskontkredits einen besonderen Schritt zu tun, wurde durch die Veränderung der Sachlage herbeigeführt. In der Nacht von dem 6. auf den 7. Juli war in Paris die Vereinbarung zwischen Amerika und Frankreich erfolgt. Am 7. Juli war dann in Berlin die Garantie der Wirtschaft für die Golddiskontbank beschlossen worden. In den Beratungen mit der Wirtschaft, die zu dieser Garantieübernahme führten, spielte eine große Rolle die Auffassung, daß auf der neuen Grundlage in annehmbarer Forn ein Kredit für Deutschland, sei es für die Reichsbank, sei es für die Golddiskontbank, erzielt werden müsse. Während dieser Erörterungen, bei denen der Reichsbankpräsident immer größeres Gewicht auf die durch die Garantieübernahme der Wirtschaft aus eigener Kraft geschaffene neue Grundlage legte, wurde wiederholt von Teilnehmern aus Wirtschaftskreisen betont, daß ohne Kredithilfe an eine Besserung der Lage nicht zu denken sel. Auch aus der Reichsregierung heraus wurde immer weiter auf die Beschaffung eines Rediskontkredits gedrängt. Diese Sachlage bedeutete für den Reichsbankpräsidenten die Rotwendigkeit, alle Anstrengungen für einen Erfolg in der Kreditfrage zu unternehmen. Es mußte versucht werden, auf Grund der durch das Pariser Abkommen und die Garantieerklärung der deutschen Wirtschaft veränderten Umstände unter Umgehung der politischen Fragen das Kreditproblem vorwärtszubringen. Es war das ein Ziel, das den Einsatz wohl lohnte. Hätte der Reichsbankpräsident auf seine Reise verzichtet, so wäre die Kritik, daß er vor der BIZ.Sitzung keine vorbereitetenden Schritte unternommen habe, wahrscheinlich ebenso heftig oder heftiger gewesen als die heutige Kritik an der Reise. 4. Was nun die Beziehungen zwischen Reichsbank und Großbanken angeht, so ist klipp und klar festzustellen, daß die Großbanken niemals eine Diskonterhöhung oder den Erlaß einer Devisenverordnung verlangt haben. Verlangt worden ist vonseiten einer Großbank schon seit längerer Zeit mehrfach der Erlaß eines Auslandsmoratoriums. Es sei hier auf diese Frage wegen ihres politischen Charakters nicht näher eingegangen. Was im besonderen die Diskonterhöhung betrifft, so haben sich schen bei der Erhöhung von 5 bis 7 Prozent sämtliche Großbankvertreter im Zentralausschuß der Reichsbank gegen diese Erhöhung ausgesprochen. Eine weitere Erhöhung ist niemals von irgendeiner Seite gefordert worden. Die Erhöhung von 7 auf 10 Prozent ist ausschließlich aus der Initiative der Reichsbank hervorgegangen. 5. Ueber die Vorgänge am Abend des 11. Juli ist kurz zu sagen: Als der Reichsbankpräsident am 11. Juli in den späten Nachmittagstunden aus Paris in Berlin ankam, fand er eine Lage vor, die sich gegenüber dem Stand bei seiner Abreise sehr verschlechtert hatte. Eine Besprechung innerhalb der Reichsbank ergab, daß es unmöglich war, auf der bisherigen Basis weiter Kredit zu gewähren. Die Reichsregierung lud einen Kreis von Bankfachleuten und einige andere Wirtschaftsvertreter auf den Samstagabend zu einer Besprechung ein, die sich mit dem Problem Danatbank beschäftigen sollte. Vor dieser Sachverständigenbesprechung schlug ein führendes Mitglied einer Großbank dem Reichsbankpräsidenten vor. Bankfeiertage einzulegen. Der Reichsbankpräsident nahm diesen Vorschlag an sich zustimmend auf, fügte aber hinzu, daß dieser Vorschlag erst im Kabinett beraten werden müsse. Es trifft aber nicht zu, daß sich die eigentlichen Fachleute der Reichsbank für die Bankfeiertage ausgesprochen hätten. Umgekehrt haben vielmehr die beiden anderen bei der Besprechung anwesenden Reichsbankvertreter vor der Aeußerung des Reichsbankpräsidenten sich diesem gegenüber lebhaft gegen die Einlegung von Bankfeiertagen ausgesprochen. Der Reichsbankpräsident selbst hat an dem späteren Beschluß der Bankfeiertage nicht mitgewirkt, da er sich in Basel befand und dort nur von der vollzogenen Tatsache unterrichtet wurde. Uebrigens wurden gerade von den Banken die Bank feiertage nicht als unbedinat notwen zu dige Folge des Schalterschlusses der Danardanr angesehen: Am 12. Juli abends, als die Beschlußfassung über die Danat=Bank sich immer mehr hinauszögerte, regten die Banken selbst zuerst noch einmal die Einlegung von Bankfeiertagen an. Nachdem dieser Gedanke schon das Kabinett beschäftigt hatte, wurde er aber von den Banken selbst widerrufen, obwohl es inzwischen völlig klar geworden war, daß die DanatBank auf jeden Fall am Montagmorgen ihre Schalter chließen würde. 6. Wenn sich heute die Neigung des Auslandes zum Stillhalten hinsichtlich der noch in Deutschland stehenden Kredite verstärkt hat, so ist das nur deshalb eingetreten, weil man an den kritischen Vorgängen der letzten Tage erkannt hat, wie es tatsächlich in Deutschland aussieht. Gelingt es, auf dieser Grundlage langsam weiter voranukommen, so werden die Opfer des 13. Juli nicht umonst gebracht sein. Man muß sich aber darüber klar ein, daß hierzu noch die allerstärkste Anspannung der eigenen Kräfte im Innern erforderlich sein wird. Etwas anders sieht hiernach die Angelegenheit Luther doch aus. Allerdings kann man daraus noch nicht die Ueberzeugung gewinnen, daß die Reichsbankpolitik glücklich oder auch nur an der gegenwärtigen Misere schuldlos war. Und was Dr. Luther angeht, so bleibt auch danach das Urteil der„Kölnischen Zeitung“ zu Recht bestehen:„Er mag vielleicht auf dem Posten des Reichsbankpräsidenten ein Steuermann für kleine Küstenfahrt sein, als Kapitän für große Fahrt hat er sich bisher nicht bewährt.“ Aber man muß doch auch der „Frankfurter Zeitung“ zustimmen, die sagt, der Fehler liege im Grunde nicht bei Dr. Luther, dessen große Qualitäten auf anderen Gebieten unbestritten seien; er liege vielmehr bei denjenigen, die ihn nach Schachts Rücktritt auf jenen überaus schwierigen Posten berufen hätten. Der Fehler liege aber auch in der ganzen Art, mit der seit Jahrzehnten die Personalpolitik bei der Reichsbank gehandhabt worden sei. Dazu macht das Blatt folgende bemerkenswerte Ausführungen: „Dus Direktorium besteht größtenteils aus tüchtigen, z. T. sehr tüchtigen Reichsbankbeamten. Aber Männer, die sich über die tieferen Zusammenhänge des Geldwesens, der Währungspolitik und der Wirtschaft im Wissenschaftlich geschulte Mitglieder fehlen dem Direktorium völlig, und das deutsche Noteninstitut ist wohl das einzige, das sogar auf jede nationalökonomische Beratung verzichtet. Die Bestimmungen des Bankgesetzes, nach denen sich die Auswahl des kollegial entscheidenden Reichsbankdirektoriums vollzieht, sind so unglücklich formuliert wie nur möglich. Der Präsint wird auf vier Jahre vom Generalrat nach Anhörung des Reichsbankdirektoriums in der Weise gewählt, daß eine Mehrheit von sieben Stimmen vorhanden sein muß. Mitglieder des Generalrats, denen der Reichsbankpräsident vorsitzt, sind heute außer dem Vizepräsidenten Dreyse die Herren Richard von Flemming, Louis Hagen, Franz von Mendelssohn, Georg Müller, Oerlinghausen, Hans Remshardt, Franz Urbrig, Max Warburg und Oscar Wassermann, Die Wahl des Reichsbankpräsidenten bedarf der Bestätigung durch den Reichspräsidenten, der die Ernennungsurkunde unterzeichnet. Die Ernennung der Mitglieder des Direktoriums erfolgt nach Zustimmung des Generalrats auf 12 Jahre durch den Bankpräsidenten und bedarf der Bestätigung durch den Reichspräsidenten. Die Abberufung ist nur aus wichtigem Grunde möglich und erfolgt gegenüber dem Präsidenten durch den Generalrat und gegenüber einem Mitglied des Direktoriums gleichfalls durch den Generalrat, jedoch nur mit Zustimmung des Präsidenten. Jede Abberufung bedarf ferner der Bestätigung des Reichspräsidenten.“ Die„Frankfurter Zeitung“ bezweifelt nicht, daß Dr. Luther sich nicht auf die formalen Bestimmungen des Bankgesetzes berusen würde, wenn ihm von leitender Regierungsstelle ein Rücktritt nahgelegt würde. Die Entscheidung liege, also beim Kabinett, d. h. beim Reichskanzler, und wenn dieser sich bisher trotz der Kritik, die die Reichsbankpolitik in einem täglich wachsenden Maße gefunden hat, nicht zu einem Wechsel entschlossen habe, so offenbar deshalb, weil er sich nicht im klaren sei, wer an Luthers Stelle gesetzt werden könnte. In der Tat ist die Auswahl der Persönlichkeiten, die in Frage stehen, außerordentlich begrenzt. Wir haben, schreibt das gegenüber der Reichsbankpolitik besonders kritisch eingestellte Frankfurter Blatt, in Deutschland eine Reihe von verdienten und tüchtigen Bankiers, aber die beste Bewährung in der Bankpraxis stellt noch keine Legitimation für die verantwortliche Führung der Währungspolitik dar. Anderen Persönlichkeiten wieder, die das Rüstzeug mitbringen, fehlt es an den weiteren Eigenschaften, die der Posten des Reichsbankpräsidenten voraussetzt.„Dieser Posten kann nicht ohne große Tatkraft, Takt und politisches Geschick verwaltet werden. Es ist unter diesen Umständen im Moment schwer zu sehen, wie bei der gegenwärtigen politischen Konstellation und bei den bankgesetzlichen Bestimmungen über die Regeneration des Direktoriums und seines Präsidenten eine frische und aufgeschlossene Kraft an die Spitze der Reichsbank zu bringen ist, die den gigantischen Aufgaben des Augenblicks gewachsen wäre und zugleich den ganzen Reichsbankkörper der notwendigen personalpolitischen Reorganisation unterziehen könnte. „Graf Zeppelin" über FranzJoseph-Land. + Friedrichshafen, 28. Juli. Eine bei Luftschiffbau Friedrichshafen heute vormittag eingegangene telegraphische. Benachrichtigung besagt, daß das Luftschiff„Graf Zeppelin“ vor dem Eintreffen über dem Franz=Joseph=Land das verabredete Zusammentreffen mit dem russischen Eisbrecher „Malygin“ bei der Hooker=Insel hat ausführen können. Das Luftschiff führte gegen 19,30 Uhr eine Wasserlandung aus, tauschte die Post aus und stieg nach etwa 15 Minuten wieder auf. Eine längere Landung war infolge der ungünstigen Eisverhältnisse nicht möglich. Alsdann setzte das Luftschiff seine Fahrt nach dem Franz=Joseph=Land fort. Am Montag um 23,45 Uhr ME3 hat das Luftschiff„Graf Zeppelin“ das Franz=JosephLanderreicht.(Nach anderer Meldung hat man bei der Fahrt festgestellt, daß die Karten des überflogenen Polargebiets nicht stimmen, daß die Inseln im Eismeer nicht liegen, wo sie nach den Karten liegen sollten. Da es sich um eine wissenschaftliche Expedition handelt, ist anzunehmen, daß ihre geographische und insbesondere kartographischen Ausbeute nicht gering sein wird. Nach einem Funkspruch des Eisbrechers„Malygin“ ist ein neues Zusammentreffen zwischen dem Eisbrecher „Malygin“ und dem„Graf Zeppelin“ bisher nicht geplant. Die Wetterverhältnisse werden als nicht besondersgunstig bezeichnet. In einem weiteren Funkspruch des Eisbrechers wird mitgeteilt, daß über die Suche nach der Gruppe Alessandri bisher noch nichts entschieden worden sei, da die Witterungsverhältnisse solchen Forschungen nicht günstig seien.) Seilage Mittwoch, den 29. Juli 1931 Nr. 207 Nientimp und Hundertmark zu je J000 Mark Geldstrafe verurteilt. Die Plaidoyers. :: Dortmund, 28. Juli. Nach Eröffnung der Verhandlung bat R.=A. Dörpinghaus den Vorsitzenden um die Feststellung, daß der Angeklagte Nientimp nichts getan hat, um das Ingangkommen des Verfahrens gegen ihn aufzuhalten. Diesem Wunsche gab der Vorsitzende statt. Dann erteilte er das Wort dem Vertreter der Anklage Staatsanwaltschaftsrat Witte, der u. a. folgende Ausführungen machte: Der Prozeß gegen Nientimp und Genossen hat in der breitesten Oeffentlichkeit größtes Aufsehen erregt, besonders wegen des Umstandes, weil ein Mitglied des Reichstages nicht nur große Nebeneinnahmen bezog, sondern wegen umfangreicher Steuerhinterziehungen in ein Steuerstrafverfahren verwickelt wurde. Aus dem Steuerverfahren entstand dann der Strafprozeß. Es ist festgestellt worden, daß dem Angeklagten Nientimpaußer en Verautungen, die in dem Prozeß die Hauptrolle spielen, also von den Dortmunder Mühlenwerken und von der Margarinefabrik Lindemann noch eine ganze Reihe von anderen Nebeneinnahmen zugeflossen sind. Zur Anklage stehen nur die Nebeneinnahmen, von denen festgestellt ist, daß sie nach dem Umsatz berechnet sind. Es handelt sich um den§ 12 des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb, schlechthin Schmiergelderverbot genannt. Nientimp und Hundertmark sind also der aktiven, Horreysek und Lindemann der passiven Bestechung angeklagt. Die fraglichen Beträge sind von Nientimp in den Jahren 1926—29 vereinnahmt; es waren 140 000 Mark von den Dortmunder Mühlenwerken und etwa 13 000 Mark von Lindemann, von denen Nientimp die Hälfte an Hundertmark abgab. Es besteht der Verdacht, daß diese Beträge nach dem Umsatz berechnet worden sind. Der Angeklagte Nientimp behauptet, er habe das Geld für seine wirtschaftspolitische Tätigkeit und für erlaubte Reklame als Vergütung erhalten. Der Anklagevertreter ging dann auf die Schuldfrage ein. Als die Zeitungen von den Beträgen, die Nientimp erhalten hatte, berichteten, reiste er in alle möglichen Erholungsorte ab, um sich von seinem Nervenchoc zu erholen. Warum diese große Aufregung, wenn er sich schuldlos fühlte! In den vier Jahren 1926, 27, 28 und 29 erhielt Nientim Beträge in Höhe von rund 31 000. 40 000, 45 000 und 13 000 Mark. Dazu erhielt er ein Gehalt von 16 000 Mark von der Geweba und vom Verband, sodaß die Vergütungen jeweilig das Doppelte bis Dreifache des Gehalts ausmachen. Gleichzeitig aber bezahlten die Vereinigten Mühlen Westdeutschlands auch noch Vergütungen an Nientimp, sodaß also die Dortmunder Mühlenwerke doppelt an ihn bezahlten. Nientimp stellte alles so harmlos wie möglich dar. Warum verschwieg der Angeklagte aber die Beträge dem Finanzamt, obwohl er Mitglied des Reichstags war? Keineswegs stichhaltig ist der Grund, den er dafür angibt, nämlich, er habe den Bäckermeistern, die zum Teil in der Bochumer Steuerkommission saßen, seine Nebeneinnahmen verheimlichen wollen, da ihm ja jede Nebenbeschäftigung untersagt gewesen sei. Ich kann nur annehmen, fuhr der Staatsanwalt fort, daß die Gelder als Schmiergelder im Sinne des § 12 des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb angenommen worden sind. Nientimp behauptete, er habe sich Hundertmark gegenüber für verpflichtet gehalten, ihn für entgangenen Gewinn zu entschädigen. Das ist durchaus unglaubwürdig. In der Hauptverhandlung änderte denn Nientimp auch seine Einlassung und sprach von seiner Anast vor Hundertmark, der ihm Unannehmlichkeiten bereiten könnte wegen der Verschiebung eines Waggons Mehl, und weil Hundertmark ihm früher einmal geholfen habe. Dem Steuersekretär Bodenbender gab Nientimp zuerst an, es handele sich um eine Provision für den Umsatz. Später erklärte er, es sei eine Provisiion für geleistete Arbeit, berechnet nach dem Umsatz. Auf ie Worte des Zeugen Steuerassistenten Scharf, das scheine ja eine nette Korruption zu sein, gab Nientimp uae. den Raucherkatarrh, reinigt den Atem keine Antwort und erklärte später, er hab die Worte überhört. Scharf meinte, der Angeklagte könne es nach seiner Ansicht nicht überhört haben. Tatsächlich kann er es auch nach meiner Ansicht nicht überhört haben. Ich bin der Ansicht, daß Nientimp die Gelder von den Dortmunder Mühlenwerken und von der Margarinefabrik Lindemann als Bestechungsgelder erhalten hat, wenn auch der Fall Lindemann zweifelhaft ist. Auch der Angeklagte Hundertmark hat gewußt, woher die Gelder stammten. Ein strikter Nachweis ist bei Schmiergeldern sehr schwierig, er muß durch indirekten Beweis geführt werden. Dem Zeugen Scharf gegenüber erklärte Hundertmark, er habe die Gelder für Aufträge erhalten. Auf Scharfs Antwort,„Das sind ja schöne Schmiergelder“, bestritt Hundertmark nichts und sagte nur, man könne das ja bezeichnen, wie man wolle. Die Angeklagten Nientimp und Hundertmark sind also zu bestrafen im Sinne des§ 12 des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb. Der dritte Angeklagte Horreysek tut so, als ob er von der ganzen Geschichte nichts wisse. Er will überhaupt nicht wissen, an wen die Gelder gezahlt und für welchen Zweck sie ausgegeben wurden. Für die Richtigkeit seiner Einlassung könnte die von einem Zeugen bekundete Selbstherrlichkeit des verstorbenen Direktors sprechen. Ki Brandenberg Konnte aber Horreysek es wagen, England und die Hilfe für Deutschland. Bedeutungsvolle Rede Macdonalds. Berlin, 27. Juli. Bei dem Essen, das heute abend zu Ehren der englischen Minister in der Reichskanzlei stattfand, brachte zunächst Reichskanzler Dr. Brüning einen Toast auf den Reichspräsidenten und den König von England aus. Der Reichskanzler hielt sodann eine Ansprache, in der er nach Worten der Begrüßung auf die Lage Deutschlands zu sprechen kam und der Ueberzeugung Ausdruck gab, daß eine wirkliche und gründliche Sanierung der wirtschaftlichen Verhältnisse Europas nur durch loyale Zusammenarbeit und durch gegenseitige Hilfe möglich sein werde. Der Grundstein für die Zusammenarbeit sei in London gelegt worden, die weitere Aufbauarbeit müsse nunmehr beginnen. Nachdem MacDonald für die freundlichen Worte, die der Reichskanzler an ihn gerichtet hatte, seinen Dank ausgesprochen hatte, erklärte er folgendes: Wir sind nicht nur nach Berlin gekommen, um für den deutschen Chequers=Besuch einen Gegenbesuch abzustatten, sondern auch um der Welt zu zeigen, daß trotz der Schwierigkeiten der gegenwärtigen Lage unser Vertrauen in Deutschland unvermindert fortbesteht. Deutschland macht schwere Zeiten durch, und wir sind vollen Mitgefühls für den schweren Kampf, den dieses Land im jetzigen Augenblick durchzuführen hat. Lassen Sie mich gleich eins hinzufügen: Wir sind voller Bewunderung für Deutschland, und wenn auch seine Schwierigkeiten noch nicht überwunden sind, so sind wir doch der festen Ueberzeugung, daß, wenn Deutschland in seinen Anstrengungen fortfährt, daß, wenn es seine intellektuellen, moralischen und wirtschaftlichen Kräfte anspannt, um wieder auf die Füße zu kommen, und sich davor hütet, sich der Verzweislung hinzugeben, die anderen Völker ihm Hilse leisten werden und das deutsche Volk nicht untergehen lassen. Ein freies und sich selbst achtendes Deutschland ist für die Gemeinschaft der Zivilisation unentbehrlich. Genau so wie kein Sperling vom Dache fällt, ohne daß der Schöpfer aller Dinge davon weiß, so kann auch keine Nation, die sich selbst achtet, aufhören zu existieren, ohne daß für alle anderen Glieder der internationalen Gemeinschaft sich daraus das schwerste Unglück ergibt. Es ware undenkbar, daß einem Land, das sich in der Kunst, in der Wirtschaft, im Geisteswissen so ausgezeichnet hat wie Deutschland, das den Körper und den Geist gleichermaßen fest in der Gewalt hat, das in einer langen und wechselvollen Geschichte seine Qualitäten erwiesen hat, von den anderen Völkern die Hilfe in der Not verweigert würde. Die Ergebnisse der Londoner Konferenz, sagte MacDonald weiter, sind nicht sensationell gewesen. Es hat sich darum gehandelt, die Stellung zu halten, während die Vorbereitungen für eine gründlichere Behandlung der Schwierigkeiten getroffen wurden. Das, worüber man sich in London geeinigt hat, ist zu einem großen Teil bereits durchgeführt worden. Das Studium der deutschen Finanzlage hat begonnen. Die Ratgeber Deutschlands, die von der Londoner Konferenz vorgesehen worden sind, befinden sich hier in Berlin und der Apparat ist auf diese Weise in Bewegung gesetzt worden. Das wichtigste aber ist, daß die Nationen, die auf der Londoner Konserenz vertreten waren, sich auf Zusammenarbeit zur Hilfe für Deutschland haben einigen können. Obwohl der Genius und das Verantwortungsgefühl des Bankiers sich von der Politik fernzuhalten hat, so müssen trotzdem, wenn die Banken und die Kreditinstitutionen ihre große Funktion in der Zukunft richtig ausüben wollen, zukünftige Generationen alle ihre Anstrengungen darauf richten, den internationalen Wohlstand zu erhohen. Es genügt nicht, wenn jeder die Macht, die er auf diesem Gebiet besitzt, nur für seine eigenen Zwecke verwendet. Alle finanziellen Hilfsquellen müssen dazu verwandt werden, das Gewebe der nationalen und internationalen Zivilisation zu stärken und zusammenzuhalten. Und in diesem Zusammenhange müssen die Grundursachen der gegenwärtigen Krise früher oder später einmal klar ins Auge gesaßt werden und mit gesundem Menschenverstand und gutem Willen einer glücklichen Lösung entgegengesührt werden. Als Vorbereitung dazu muß ein Gefühl gegenseitigen Vertrauens geschaffen werden. Ein Gefühl gegenleitigen Vertrauens in persönlicher Hinsicht. so daß die Staatsmänner, die miteinander verhandeln, wissen, daß der Unterhändler auf der anderen Seite offene und innerliche Worte zu ihnen spricht und offen und ehrlich handelt. Nicht durch schriftliche oder mündliche Abmachungen, sondern durch ein Gefühl des Vertrauens. im Herzen eines jeden ist dieses Ziel zu erreichen, uno zum zweiten muß das Vertrauensgefühl von Nation zu Nation wiederhergestellt werden. Jedes Volk hat viel dazu beizutragen, und ich möchte der Hoffnung Ausdruck geben, daß Besuche, wie der von Chequers, von London oder unser jetziger Berliner Besuch, nicht als einzelstehende Tatsachen bestehen bleiben, sondern daß sie als Ausdruck einer Tendenz zum besseren gegenseitigen Verständnisses auf internationaler Grundlage ihre Fortsetzung in ähnlichen Zusammenkünften finden mögen. Seit Abschluß der Londoner Konferenz ist manches Wichtige geschehen. Zu allererst möchte ich in diesem Zusammenhang die Hilfeleistung Frankreichs anerkennen und möchte der Hoffnung Ausdruck geben, dah die Beprechungen mit Ihnen und den französischen Staatsmännern sortgesetzt werden mögen. Die Schaffung von guten Beziehungen von Mensch zu Mensch ist das Wichtigste. Wirmüssen die Veigangenheit vergelsen, da die Zukunft von einer Politik abhängt, die nur von Männern geführt werden kann, die guten Willens sind, und die von einem Geiste der Zusammenarbeit beseelt sind, der es ihnen ermöglicht, die Beunruhigungen und die Argwöhne zu unterdrücken, die, wenn sie bestehen bleiben, die schlimmsten Folgen hätten und schließlich zum Kriege führen müßten. Die Gedanken und Gefühle der jungen Generation müssen von Feindseligkeit und Argwohn abgewendet und auf das gegenseitige Verständnis und die gegenseitige Hilfeleistung gerichtet werden. Das ist unsere gemeinsame Aufgabe: Diesen Idealismus, der in der jungen Generation steckt, dazu zu verwenden, daß er sich den großen internationalen Aufgaben der Verständigung und der Zusammenarbeit zu den großen Völkern der Welt zuwendet. als zweiter Direktor einfach solche Beträge zu zahlen? Ich halte es für ausgeschlossen, daß ein Mann wie Horreysek einfach wie ein Stift oder ein Lehrjunge alles tat, was Brandenberg befahl. Der Angeklagte Lindemann gibt unwiderlegt an, er habe die Beträge bei der sehr guten Vermögenslage seiner Firma ohne weiteres im Interesse der Deutschen Margarineindustrie hergeben können. Im Falle des Angeklagten Lindemann beantrage ich seine Freisprechung mangels Beweises. Sind die anderen Angeklagten schuldig oder nicht? Sind die gezahlten Beträge Schmiergelder oder nicht? Sind sie es wirklich, so könnte man auf den Gedanken kommen, an einen derartigen Fall habe der Gesetzgeber garnicht gedacht, sonst müßte man ohne weiteres die Höchststrafe beantragen. Auf jeden Fall aber halte ich eine exemplarische Gefängnisstrafe für am Platze. Die Strafanträge. Ich beantrage gegen die Angeklagten Nientimp und Hundertmark je 7 Monate Gesängnis mit der Auflage, je 75 000 Markan den Staat zuruazuzahlen. Anders zu werten ist der Fall des Angeklagten Horreysek, der sich der aktiven Bestechung schuldig gemacht hat. Darauf steht eine Geldstrafe bis zu 10 000 Mark oder bei Gewinnsucht bis zu 100 000 Mark. Ich beantrage gegen den Angeklagten Horreysek eine Geldstrafe von 10 000 Mark oder 20 Tage Gesängnis. Nebenkläger Dr. Kessel: Nientimp hat sich immer wieder gegen den Vorwur) der Korruption gewehrt. Er hat gewisse Nebenbeschäftigungen ausgeübt, doch kann das ausscheiden. Die Beteiligten können das unter sich ausmachen, eine strafbare Handlung scheidet dabei aus. Es war die Durchschnittstätigkeit eines modernen Parlamentariers(?). So aufreibend war aber die Tätigkeit Nientimps nicht, wie er sagt; es gibt bekanntlich noch einige andere Probleme im Reichstag zu behandeln als die Müllerei. Politische Korruption im eigentlichen Sinne liegt nicht vor. Was übrig bleibt, ist ein größerer Fall des unlauteren Wettbewerbes, und ein Spezialfall der aktiven und der passiven Bestechung. Was hat nun die Hauptverhandlung inbezug auf die Schuld der Angeklagten Nientimp und Hundertmark ergeben? Für die Westfälischen Bäckermeister war das Verhalten Nientimps nicht ordnungsgemäß, für sie handelte es sich um Schmiergelder. Der Angeklagte führte an, er habe gar keinen Einfluß auf den Einkauf abt; es gibt auch indirekte Einflüsse. Die Stellung des Einkäufers, der eine starke Kaufkraft hinter sich hat, gewinnt heute lawinenartig an Einfluß. Er ist:„Seine Majestät der Einkäufer." Die Möglichkeit, Bevorzugungen zu verschaffen, sind heute ungeheuer groß. Man wußte, daß Nientimp ein maßgebender Mann war! Die Zweifel an der Schuld des Angeklagten Horreysek, die ich anfangs hatte, sind mir im Verlauf der Verhandlung geschwunden. Es ist unmöglich, daß Brandenberg und Horreysek sich nicht sagten: Drei Jahre lang 40 000 Mark— das ist enorm. Nientimps Behauptungen sind„Hoffmanns Erzählungen". Nientimp und Hundertmark teilten sich das erhaltene Geld in der Absicht, die Dortmunder Mühlenwerke durch Unlauterkeiten geschäftlich zu bevorzugen. Wenn im Mühlengewerbe, einem Pfenniggewerbe, jährlich 40000 Mk. für derartige Zwecke ausgegeben werden, so ist das enorm. Ueber Nientimps Stellung mußte sich Horreysek von vornherein klar sein. Hundertmark wußte: wenn ich einen Auftrag an die Dortmunder Mühlenwerke gebe, dann steigt mein Konto, das ich durch Nientimp erhalte. Horreysek ist quasi mit in die Geschichte hineingeschliddert. Heutzutage wird mit jeglichem Mittel des unlauteren Wettbewerbs gearbeitet. Man muß daher durch geeignete Mittel diesen unlauteren Wettbewerb zu unterbinden versuchen. Ich schließe mich den Anträgen des Anklagevertreters an. Mit Nientimp habe ich ein gewisses menschliches Mitgefühl. Er ist schon schwer genug bestraft und dürfte sich nicht leicht aus der Lage, in die er sich selbst hineinmanöveriert hat, wieder herausarbeiten. Nientimps Verteidiger, R.=A. Dr. Dörpinghaus=Bochum, begann seine Ausführungen mit den Worten, die Strafsache Nientimp habe ein besonderes Relief, weil Nientimp einstmals von 60000 Wählern in den Reichstag entsandt worden sei. Wir müssen aber dem Menschen und dem Angeklagten Nientimp gerecht werden. Nientimp hat keine Schuld an dem schleppenden Fortgang des Verfahrens. Erst drei Monate nach dem Tag, an dem er sich zur Verfügung stellte, kam es zu seiner richterlichen Vernehmung. Er wartete von November bis zum März in Bochum auf seine Vernehmung durch den Untersuchungsrichter. Unterdessen drangen gänzlich haltlose GeMan stirbt auch nicht daran. Roman von Fr. Lehne. 16) Einen scharfen Schmerz empfand sie doch, als die Schere darin so heftig hantierte. Plötzlich flog ihr ein Gedanke durch den Kopf: Was wird Joseph Escher sagen, der ihre Zöpfe immer so bewunderte und der kurzgeschnittenes Frauenhaar gar nicht liebte. Ah. es würde gar nicht so kurz geschnitten, tröstete die gewandte Friseuse, die Pagenfrisur sei gerade für ihr feines Gesicht so kleidsam! In begreiflicher Eitelkeit gestand Greta es sich selbst ein, als sie im Spiegel den fertig geordneten Kopf betrachtete. Aufrichtig entzückt war die Baronin von Steinheim, als ihr Greta entgegentrat. „Reizend, Kind, ganz reizend! Ihre Biedermeierknoten waren zu unmodern! Der Mensch hat wirklich die Verpflichtung, so schön wie möglich auszusehen!“ Dann gab es noch allerhand zu kaufen; ein Hut mußte sein, feine Wäsche zum Kleide! Greta sträubte sich, dies anzunehmen; doch gütig lächelnd sagte Frau von Steinheim:„Gönnen Sie mir die Freude! Wie gern hätte ich auch ein liebes Töchterchen gekleidet! Sie müssen mir schon erlauben, mich Ihnen ein wenig erkenntlich zu zeigen, weil Sie sich für meinen Sohn so bemühen! Ich will es Ihnen verraten: er ist sehr zufrieden! Nur sehr ungern würde er mit einem Büro gearbeitet haben. Er selbst mag nicht gerne Maschine schreiben, obwohl er es kann! Er ist oft sehr eigen, wie wohl jeder Künstler! Ich bemühe mich, ihm den Alltag sowie jede Störung und Unbequemlichkeit fernzuhalten!“ Greta sah Ulrich bei Tisch erst wieder Bei ihrem Anblick flammte es leidenschaftlich in seinen Augen auf Er sagte ihr aber keine Schmeichelei, sagte nur in kühlem geschäftliechn Ton:„Sieh da. Fräulein Holmbrand im Bubikopf! Es ist recht, daß Sie mit der Mode mitgehen! Sie waren gar zu rückständig!“ Ulrich von Steinheim gab ungeheuer viel auf äußerliche Dinge Wenn Greta Holmbrands Schönheit erst den richtigen Rahmen erhielt, würde keine andere es mit ihr aufnehmen können! Darum wollte er sich dieses Kleinod sichern, das auch seiner Eitelkeit schmeichelte! Er liebte es, um seine jeweilige Freundin beneidet zu werden. (Fortsetzung folgt.) Sein Herz war nie beteiligt, nur seine Sinne und seine Eitelkeit. Am Abend saß man zu dritt im Residenztheater, Greta mit von der Erregung rot gefärbten Wangen in dem elegant einfachen Kleide, das sie so entzückend kleidete. Von den vielen schönen Frauen und Mädchen war Greta die schönste, wie Ulrich mit Befriedigung feststellte, wie auch die vielen bewundernden und neugierigen Blicke, die nach ihrer Loge flogen, ihn freuten. Greta lebte wie in einer anderen Welt. Wie lange war sie nicht in einem Theater gewesen! Mit ihrem tiefsten Empfinden nahm sie die herrliche Vorstellung in sich auf. Die göttlichen Melodien Mozarts klangen noch während der ganzen Nacht in ihrem Ohre nach. Zur nicht geringen Enttäuschung Ulrichs fühlte sich seine Mutter nach der Vorstellung etwas ermüdet, so daß sie den Wunsch hatte, gleich nach Hause zu fahren, während er noch mit einem Plauderstündchen in einem Café gerechnet, aus dem nun nichts wurde. Noch ganz erfüllt von dem Erlebten kam Greta am nächsten Tage zu ihrem Dienst. Mit Rührung und Genugtuung sah es Frau von Steinheim; ihr schien das Mädchen förmlich aufgeblüht—— wie eine Blume, die in belebender Sonne gestanden, mußte sie denken, was doch ein wenig Freude tut! Was würde Greta Holmbrand erst sagen, wenn es hieß, mit dem Auto nach dem Bodensee. Bei dem schönen Wetter wurde der übliche Morgenspaziergang nach dem englischen Garten gemacht. Man trank ein Glas Milch, ruhte ein wenig und ging dann wieder langsam heim. Gegen Mittag kam Ulrich aus der Stadt. Als er die Mutter begrüßte, meinte sie lächelnd:„Du bist schon zurück, mein Sohn? Du haft wohl Hunger?“ „Ja, sogar zweimal!“ nickte er,„Hunger auf das Mittagessen und die Arbeit!“—— Auch auf deine Lippen, Greta Holmbrand! dachte er „Es freut mich. Uli! Wir können sofort essen!“ Ulrich wandte sich an Greta. „Können Sie schwimmen, Fräulein Holmbrand?“ Sie war ein wenig erstaunt über diese unvermittelte Frage. „Ja, Herr Baron! Allerdings hatte ich im letzten Jahre wenig Zeit, zum Schwimmen zu gehen“ „So, dann werden Sie jedenfalls gern einmal im Bodensee schwimmen! Ich beabsichtige, morgen auf zwei, drei Tage nach Lindau zu fahren und will Sie mitnehmen!— Was für ein entsetzliches Gesicht Sie machen, Fräulein Holmbrand—— schade, daß ich das nicht auf der Platte festhalten kann! Halten Sie das so unmöglich, meine Mutter und mich zu begleiten?" Er lächelte belustigt, als er ihr erleichtertes Aufatmen bemerkte.„Ich brauche die Stimmung dort für eine Novelle! Also, richten Sie sich ein und packen in ihr Köfferchen auch Ihren Schwimmanzug! Bitte, reden Sie nichts dagegen, Fräulein Holmbrand, Sie können das doch nicht annehmen— wie die üblichen Redensarten so sind! Machen Sie nicht so kleinbürgerliche Einwände wie:„erst die Mama fragen, die Mama könne nicht ohne Sie sein!“ Die Mama wird auch ohne Sie die paar Tage fertig! Nicht so schwerfällig sein! Morgen früh um 6,30 Uhr fahren wir los! Dafür gehen Sie heute nachmittag schon heim; dann werden Sie genügend Zeit haben, Ihre Mutter und sich vorzubereiten!“ Wie er befehlshaberisch sprach, über sie bestimmend, als ob sie gar nichts zu sagen hätte, gar keinen eigenen Willen; es kränkte sie empfindlich, daß er sie bald wie ein unmündiges Kind behandelte! Man hatte gegessen. Frau von Steinheim hielt Nachmittagsruhe, Greta saß wieder vor der Schreibmaschine. Nachdem Ulrich ihr frische Bogen zurechgelegt, deutete er auf den großen blauen Umschlag, der das bereits Geschriebene barg. „Fleißig sind wir gewesen, Fräulein Holmbrand! Mein Verleger wird staunen!“ Plötzlich fuhr er mit kosender Bewegung über ihr Haar——„Reizend steht Ihnen der Bubikopf.“ Sie wurde glühendrot. Er trat zurück, indem er vor dem Tischchen Platz nahm, begann er anzusagen. Was war das für eine seltsame schwüle Geschichte diesmal, anders als die bisher geschriebenen Novellen! Und mit welch eigener Betonung er ihr die Sätze diktierte! Wie quälte es ihr Zartgefühl, was sie hören mußte! Diese heißen Liebesbeteuerungen brachten sie in eine unsagbare Verwirrung, was er mit lächelnder Genugtuung wahrnahm. Sie neigte den Kopf tief auf die Maschine, daß das kurze Haar um ihre Wangen fiel und preßte die Lippen fest zusammen. Unendlich reizvoll war für ihn dieses Spiel, das er mit dem unschuldigen Mädchen spielte. Mit einem Male flog ihm der Gedanke durch den Kopf——„eigentlich Stoff für eine Novelle——!“ Nun, er würde abwarten können, wie sich alles entwickelte. Das, was man dem wirklichen Leben entnahm und schilderte, war immer am interessantesten! Kurz und sprunghaft, wie es oft in seiner Art lag, sagte er jetzt:„Wir wollen aufhören! Ich habe nochmals einiges durchzuarbeiten!" Er legte die sauber geschriebenen Bogen in die blaue Mappe. „Also, morgen früh halb sieben sich fertighalten! Wir sind mit dem Wagen pünktlich zur Stelle!“ Ihr Gesicht glühte noch, sie wagte nicht ihn anzusehen, als er ihr, sich verabschiedend, die Hand entgegenstreckte. Wie sie verlegen war! Es freute ihn, da es ihm zeigte, daß sie ihre Unbefangenheit verloren! ——— Die Fahrt nach dem Bodensee! Nie hatte Greta etwas ähnliches Schönes erlebt! In der Erinnerung genoß sie jede Stunde dieser wundervollen Tage nochmals. Als sie den See, der wie eine große blendende Silbertafel dalag, in seiner Majestät erblickte, drohte ihr das Herz stillzustehen. Unwillkürlich griff sie nach der Hand der alten Dame, die gütig lächelnd in ihr beglücktes Gesicht blickte. „Nun?“ Ulrich drehte sich lächelnd um nach den beiden Damen. Es klang so, als habe er eigens diesen Traum von Schönheit vor sie hingezaubert. „Leider—— Gott sei Dank—— kann ich heute nicht mit den Kulissen der Schweizer Berge aufwarten! Wir haben keine Sicht! Es ist aber gut so, dann bleibt das Wetter schön!“ Im Hotel säuberte man sich vom Reisestaub, zog sich um und genoß etwas. Das Stillsitzen behagte Margareta gar nicht; ihre Augen schweiften umher; sie wäre am liebsten davongelaufen, um zu schauen. Doch pflichtgemäß barrte sie neben der alten Dame aus, die zum Schutz gegen die goldene Helle ihre dunkle Brille trug. Frau von Steinheim sah, wie Greta vor Freude und Erwartung förmlich fieberte. Lächelnd sagte sie da: „Uli, du kannst ja Fräulein Holmbrand ein wenig herumführen! Ich bleibe ganz gern für mich und ruhe mich aus!“ Ulrich ließ sich das nicht zweimal sagen. Hätte die Mutter jetzt nicht gesprochen, so würde er schon diesen Vorschlag gemacht haben! Er war ein scharmanter Führer, der überall Bescheid wußte. Er durchstreifte mit Greta die alten romantischen Gäßchen von Lindau, zeigte ihr, was die meisten Touristen, die die Stadt durchhafteten, nicht aben so daß es ein Genuß war, mit ihm zu gehen, und sie gar nicht Zeit fand. an Joseph Escher zu denken. (Fortsetzung folgt.) * * rüchte über seine Flucht ins Ausland in die Oeffentlichkeit. Mir verweigerte der Untersuchungsrichter die Ein sicht in die Akten. Ich stelle die Frage an Sie, meine Herren Richter können Sie Nientimp seine Einlassungen widerlegen Nientimp wollte sagen: In erster Linie war ich den Dort munder Mühlenwerken dadurch dienstbar, daß ich ihnen Tips gab, deren Verwertung ein viel saches Verdienst für sie ergab im Vergleich z dem. was ich selbst dafür bezog. Legalisierte Mis stände sind so alt wie das Parlament. Nach den Ma wahlen hatten ganz in er ißere Rehabilitierung. np eine Gefahr gech fliege, fliegst 68 Abgeordnete 275 Aussichtsratssitze, einer allein 49 Aufsichtsratssitze. Der Fall Nientimp ist eine Angelegenheit, die sich g zwanglos in diesen Rahmen einfügt. Nientimp hat einem mir unerklärlichen Optimismus geglaubt, seine Tätigkeit sei leaal. Wir sind in dieser Sache auf einen Indizienbeweis in Reinkultur angewiesen denn keiner ist dabei gewesen, der gehört hat, daß Horre sek zu Nientimp sagte:„Hier ist das Geld, nun verschaf uns aber einen ordentlichen Abschluß.“ Ein wesentlicher und dunkler Punkt ist die Teilung der Gelde mit Hundertmark. Nientimp ist vor mehr als 20 Jahren etwas unterlaufen, das schärfst Mißbilliaung verdient.(Gemeint ist der Vers gegen die Promotionsbestimmungen. Die Red.) Krieg verschaffte ihm aber eine außere Hundertmart war für Nientim worden, er hatte gesagt: Wenn ich flieg Du auch. Nientimp sagte einmal, er verfluche di Stunde, in der er Hundertmark kennen gelernt habe. Ich möchte auf das illoyale Vorgehen des Finanzamtes hinweisen; wenn ein und dieselbe Behörde sich einmal so und einmal anders einstellt, muß die Oeffentlichkeit das Vertrauen verlieren. Wenn der Zeuge Scharf wirklich gesagt hat, das ist Korruption, so ist das seine Privatauffassung. Nichts wird mich überzeu gen, daß Nientimp in den Sätzen des Protokolls zugegeben hat, er habe sich vergangen. Eine besonders schwere Belastung sollte die Unterredung Nien timps mit dem Abgeordneten Joos darstellen. Aber die Vernehmung des Abg. Joos ergab etwas ganz anderes in der Hauptsache die Tatsache, daß Nientimp seelisch vollständig zerrurter war. Ich richte die dringende Vitte an das Gericht: machen Sie sich frei von dem Urteil, das sich vielleicht schon in Ihrem Unterbewußtsein gebildet hat. Haben Sie den Mut zur Unvopularität, der sich seiner Verant wortung bewußt ist. In diesem Falle kann nur ein Freispruch erfolgen. R.=A. Hachenberg=Dortmund: Ich habe das Gefühl, daß der Staatsanwalt und der Nebenkläger sich zu großzügig und zu schnell von der Schuld Hundertmarks überzeugt haben. Der Zeuge Scharf durfte sich Ausdrücke wie„Das ist Korruption“ gar nicht erlauben, das war nicht seine Sache. Ich weiß, daß ganz andere Leute gestottert haben als Reicholagsabgeordnete, als sie von Steuerbeamten ausgefragt wurden. Warum soll es sich hier um einen ganz besonders schwer wiegenden Fall handeln? Es ist doch im Grunde gar kein Schaden entstanden. Anders wäre es, wenn Leute geschädigt worden wären. Hundertmark, mein Klient, is Gott sei Dank kein Mitglied des Reichstages, und es wir deshalb auch nicht ein so großes Theater um ihn gemacht. Ich bitte das Gericht, Hundertmark in die Lage zu versetzen, vor die Bäckermeister zu treten und sagen zu können: Gratuliert mir zu meiner Freisprechung. R.-A. Dr. Calmann-Köln: el Inschuld meines Klienten Hor t. Gewiß sprechen Verdachtsmomente Nientimp sollte bekanntlich Brandenbergo formator sein. Er sollte nicht auf die Gesetzgebung wirken, er sollte vielmehr Informationen geben Wozu dienten die Informationen? Sie sollten in erster Linie die Grundlage für die geschäftlichen Dispositionen Brandenbergs sein.— Der Verteidiger kam zu dem Schluß, die Indizien des Staatsanwalts und des Neben klägers seien wie Staub zusammengefallen. Nientimp sei freizusprechen. R.-A. Dr. Hoffmann: Ich bin von der Un reysek überzeug gegen ihn. Halten Sie sich aber nicht zu sehr an die vor Ihnen liegenden schriftlichen Protokolle! Ich will nur verweisen auf das Zeugnis des Abgeordneten Joos. Wie vernichtend war dieses Zeugnis und wie anders lau tete es in seiner Aussage vor Gericht! Steuerassistent Scharf sagte hier, er habe das Wort Korruption nur auf politische Korruption angewandt. Brandenberg war die Seele des ganzen Geschäfts. Gewiß war Horreysek mitverantwortlich, aber auf zivilrechtlichem Gebiet. Für direkte Parteizwecke ist das Geld nicht gegeben worden, sondern für wirtschaftspolitische Nicht ein Heller ist der Zentrumspartei zugeflossen. Nie ist Nientimp nach außen hin an Horreysek als Vertreter der Geweba aufgetreten. Horreysek muß die Kenntnis nachgewiesen werden, daß Nientimp bei der Geweba angestellt war. Häufig ist der Punkt berührt worden, daß die Vergütungen nach dem Umsatz bezahlt wurden. Man kann zwei Schlüsse daraus ziehen, die beide richtig sind: Horreysek wußte von der ganzen Angelegenheit nichts anderes, als was Direktor Brandenberg ihm sagte. Ich erwarte von Ihnen, meine Herren Richter, die Freisprechung des Angeklagten Horreysek. Dr. Däumig: Die freisprechenden Anträge des Staatsanwalts und des Nebenklägers machen es mir leicht. Lindemann war mit Nientimp bekannt und wußte von seiner Tätigkeit beim Bäcker=Innungsverband. Lindemann sprach von der großen wirtschaftlichen Not der deutschen Margarinefariken im Kampf gegen den ausländischen Konzern. Lindemann hat das Verdienst, den Umsatz des ausländischen Trusts wieder heruntergesetzt zu haben. Seine Propaganda mußte sich besonders bei den Großkonsumenten durchsetzen, und dazu war Nientimp als Reichstagsabgeordneter der richtige Mann. Nebenkläger Dr. In einem Indizienprozeß dieser Art ist schließlich jede Lösung möglich. Ich muß von einem Kaufmann annehmen, daß er sich fragt:ist eine Leistung denn auch den Gegenwert von 40000 oder wieviel Mark wert? Horreysek hätte über den Verwendungszweck des Geldes Beeid wissen müssen. Eine plausible andere Erklärung E sch kai ann es meines rachtens nicht geben. Staatsanwaltschaftsrat Witte: Es ist nunmehr Sache des Gerichts, ist nunmehr Sache des Gerichts, zu entscheiden, ob die Hauptverhandlung genügend Veweise dafür erbracht hat, um zu einem Urteil zu kommen.— Der Anklagevertreter trat dann den dem Finanzamt und dem Untersuchungsrichter in offener oder versteckter Form gemachten Vorwürfen entgegen. Die Verschiedenheit in den Aussagen des Zeugen Joos beruhe nicht auf Redewendungen Nientimps, sondern auf Schätzungen. Die Behauptung. Nientimp habe den Prozeß verzögert, sei von ihm— dem Staatsanwalt— nicht aufgestellt worden. Nach verschiedenen Repliken des Staatsanwalts und der Verteidiger erhielt zum Schluß das Wort der Angeklagte Nientimp: Ich stehe zu meiner in vollem Bewußtsein ihrer Vedeutung gegenüber den Organisationen des Westfälischen Bäckergewerbes abgegebenen und vor dem Untersuchungsrichter ausdrücklich wiederholten eidesstattlichen Versicherung, daß ich keine Schmiergelder erhalten und infolgedessen auch keine an Hundertmark weitergegeben habe. Daß diese Versicherung subjektio wahr ist, verantworte ich in jeder Stunde meines Lebens vor meinem Gewissen, daß sie objektio unwahr ist, hat die Gerichtsverhandlung nicht ergeben. Ich habe abgesehen von dem Steuervergehen während meiner ganzen politischen und insbesondere meiner parlamentarischen Tätigkeit niemals auch nur das Geringste unternommen, was den Interessen meiner Partei, des mir auf Grund meiner wirtschaftspolitischen Ueberzeugung nahestehenden Mittelstandes und der deutschen Volkswirtschaft im allgemeinen widersprach. Nach anderthalbstündiger Vorsitzende folgendes Beratung verkündete der Urteil: Die Angeklagten Horeysek und Lindemann werden auf Kosten der Staatskasse freigespeochen. Die Angeklagten Nientimp und Hundertmark werden aus§ 12 Absatz 2 des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb zu je 1000 Mark Geldstrale, ersatzweise zu je 10 Tagen Gesängnis Bei dem Angeklagteverurteilt. Bei dem Angeklagten Nientimp werden 98027 Mark, bei dem dertmark 47588 Mar! füe versallen erklärt. m Angeklagten Hun dem preußischen Staate Wegen der vorgeschrittenen Zeit erklärte der Vor sitzende, nur auf die Hauptgedanken der Urteilsbegründung eingehen zu wollen. Das Gericht habe sich vor einer sehr schwierigen Aufgabe gesehen, denn es habe sich um einen Inoiziendeweis gehandelt. Fest stehe, daß Nientimp in den Jahren 1926—29 140 000 Mark von den Dortmunder Mühlenwerken bekommen habe. Es fragte sich, ob er sie für wirtschaftspolitische Tätigkeit erhielt oder dafür, daß er dahin seinen Einfluß geltend machte, den Umsatz der Firma zu steigern. Ausschlaggebend für das Gericht war, daß das Geld nach dem Umsatz berechnet worden ist, den die Dortmunder Mühlenwerke bei der Geweba gehabt haben und daß die Vergütungen zwischen Nientimp und Hundertmark genau geteilt wurden. Aus Westdeutschland. Großfeuer auf dem landwirtschaftlichen Versuchsaut Sprakel. :: Münster, 28. Juli. Auf dem unweit der Station Sprakel liegenden Gutshof Sprakel, der seit 1917 der westfälischen Landwirtschaftskammer als Versuchsgut dient, brach heute mittag gegen 1 Uhr in dem mit Stall verbundenen Hauptwirtschaftsgebäude ein Großfeuer aus. Die Sprakeler freiwillige Feuerwehr traf zwar rasch mit ihrer Spritze ein, doch konnte erst erfolgreiche Löscharbeit geleistet werden, als die städtische Berufsfeuerwehr und der dritte Löschzug der freiwilligen Feuerwehr Münster mit zwei großen Motorspritzen an der Brandstätte eintrafen und das Feuer mit 10 Schläuchen angriffen, wobei das Löschwasser aus dem Gutsteich genommen werden konnte. Trotzdem konnte nicht verhindert werden, daß das Dach und die auf dem Dachboden liegende Ernte, Heu und Stroh, vernichtet wurden. Der untere Teil des Hauptwirtschaftsgebäudes und die Nebengebäude konnten erhalten bleiben. Ebenso wurden das Vieh und der Hausrat des Verwalters in Sicherheit gebracht. Den Feuerwehrleuten gebührt für ihre Arbeit uneingeschränktes Lob. Auffallend ist, daß der Brand des Versuchsgutes Sprakel schon der neunte Brand im Amte St. Mauritz seit Fastnacht ist. Die Arbeiten des Versuchsgutes Sprakel werden, wie wir von zuständiger Saelle hören, durch den heutigen Brand schwer beeinträchtigt, aber nicht unterbrochen. Die Dattelner Unterschlagungsaffäre. Weitere 60 000 Mk. Spekulationsverluste.— Eine scharfe Entschließung der G. V. + Datteln, 27. Juli. eneralversammlung des Dat gest. telner Spar= und Darlehnskassenvereins brachte neben der Klärung der bereits bekannten Unterschlagung von 60 000 Mark durch drei Angestellte die überraschende Mitteilung, daß außerdem noch 60 000 RM. voraussichtlich als Kreditverluste anzusprechen sind, über die in der nächsten Generalversammlung Mitteilung gemacht werden soll. Immerhin war die Erregung unter den Mitgliedern derart merhin war die Erregun roß, daß restlose und rüille gefordert wurde. Mitgliedern tslose Untersuchung der VorDas Aufsichtsratsmitglied Möcklinghoff auf die Unmöglichkeit, in gewohnter Weise über verwies das Geschäftsjahr 1930 zu berichten, da die Ereignisse der letzten 14 Tage in der Dattelner Spar= und Darlehnskasse der Unregelmäßigkeiten erfol häuser, dem bei der Prüfung der Effektengeschäfte eine Reihe notwendiger Geschäftsu ung der Effektenge ftsunterlagen fehlte ich der Angestellte ar= und Darlehnskasse erst einer Klärung bedürfen. Der bei der Ländlichen Zentralkasse in Anspruch genommene Kredit der Mitglieder konnte nicht vermindert werden und beträgt zurzeit rd. 520 000 Mark. Neue Kredite können nicht bewilligt werden und darüber hinaus ist ein allgemeiner Abbau der bewilligten Kredite in Angriff genommen worden. Die Rendantur wurde im Zusammenhang mit diesen Maßnahmen neu besetzt bezw. die gesamte Geschäftsührung liegt in den Händen des Bankbevollmächtigten Kaltenhäuser. Die Revisionsberichte vom 8. und 15. Juli gaben Aufschluß über die Unregelmäßigkeiten, die bei der Kasse vorgekommen sind. Die Aufdeckung äbiakoiten erfolgte durch Herrn Kalten fek en. Als er diese verlangte, entschloß sich der Angestellte Lücke zum Geständnis seiner Spekulationen und über die Art der Buchungen. Der Verbandsrevisor Winterhoff unternahm dann eine weitere Prüfung, die feststellte, daß außer den unverantwortlichen Effektenspekulationen, die zum Verlust von 61 493,87 Mark geführt haben, durch eine Reihe weiterer Falschbuchungen eine Summe von 1300 Mk. hinzukommt, sodaß bis zur Stunde 62 793,87 Mk. als verloren gelten. Die Versammlung faßte einstimmig folgende Entchließuna: „Die von mehr als 400 Mitgliedern besuchte ordentGeneralversammlung des Dattelner Spar= und Darinskassenvereins nimmt Stellung zur gegenwärtigen Bankkrise und zu den bei der Dattelner Spar- und Darlehnskasse vorgekommenen Unregelmäßigkeiten. Die Verammlung fordert, daß die durch die Bankkrise verursachte Kapitalabwanderung und die der Spar= und Darlehnskasse durch die Unregelmäßigkeiten entstandenen Verluste unter keinen Umständen zu rigorosen Kreditündigungen führen dürfen. Die Versammlung protestiert sowohl im Interesse der Mitglieder als auch im Interesse des Vereins gegen alle kurzfristigen Kreditkündigungen und Kreditreduzierungen, soweit es ich nicht um Kreditüberziehungen handelt, weil durein solches Vorgehen die schuldlosen Mitglieder zum Tei in ihrer Existenz bedroht sind, und weil auch dem Verein durch Zusammenbrechen örtlicher Unternehmungen leicht weitere erhebliche Verluste entstehen können. Dem Zweck des Vereins entsprechend fordert die Versammlung, daß der etwa notwendig werdende Abbau der Debitorenkonten unter loyalen Bedingungen durchgeführt wird und daß dabei Existenzgefährdungen nach Möglichkeit vermieden werden.“ le drovinzialnachrichtensammelstelle für Vermißte und unbekannte :: Recklinghausen, 28. Juli. Nachrichtensammelstelle für Vermißte und unbekannte Tote für die Provinz Westfalen ist bekanntlich die Landeskriminalpolizeistelle in Recklinghausen. Diese Einrichtung ist begrüßenswert. Sie hat schon manchem geängstigten Menschen die Ruhe wiedergegeben oder wenigstens die Gewißheit, wenn auch eine traurige, über das Schicksal seiner Angehörigen gebracht. Bei der Provinzialnachrichtensammelstelle werden sämtliche in Westfalen Vermißte und unbekannte Tote gemeldet. Die erforderlichen Nachforschungen werden mit den modernsten Hilfsmitteln auf schnellsten Wegen getätigt. Dieser Tage haben zwei interessante Fälle bei der Provinzialnachrichtensammelstelle im Polizeipräsidium Recklinghausen ihre Erledigung gefunden. Bei dem ersten Falle handelte es sich um einen unbekannten Toten, der am 18. Mai 1931 an einer einsamen Stelle in der Nähe von Voerde, Ennepe=Ruhr=Kreis, instark verwestem Zustande erhängt aufgefunden Mann wurde. Der Mann muß schon vor etwa ¾ Leben ein Ende gemacht haben und war Jahren seinem stä ändlich vollkommen unkenntlich. In seinen Taschen wurde nur „Recklinghausen, en. Es folgten selbstverst Taschen wurd ein Notizbuch mit der Eintragung Hochlarmark 12. November 1929“ gefunden. Es folg dann eine ganze Anzahl Personennamen. An Hand dieser Namen wurde schließlich nach längeren Ermittlungen festgestellt, daß es sich um einen Schachtmeister aus Homberg, Kreis Düsseldorf handelte, der am 12. November 1929 auf der Hochlarmarkstraße in Recklinghausen eine Arbeiterkolonne beaufsichtigt hatte. Wegen einer strafbaren Handlung hatte der Schachtmeister seit September 1930 die Seinen verlassen und Hand an sich gelegt. Bei dem zweiten Fall handelte es sich um einen 31jä rigen Wanderburschen, der am 24. Mai d. J. beim Baden im Ahsefluß in Hamm i. W. infolge eines Herz schlages ertrunken war. Die polizeilichen Feststellungen ergaben, daß der fahrende Geselle aus Württemberg stammte und im Jahre 1922 seine Heimat verlassen hatte. Gut Ehrsen ein Raub der Flammen. + Schötmar, 27. Juli. Ein gewaltiges Großfeuer brach am Sonntag morgen auf dem vom Landwirt Nacke bewirtschafteten Gute Eorsen bei Schötmar aus. Sämtliche Getreidelager und Stallungen bildeten gleich nach Ausbruch ein einziges Flammenmeer. Knechte bemerkten den Brand erst, als schon gewaltige Rauchwolken über den Gebäuden standen. Von den 90 in dem 40 Meter langen Viehhaus untergebrachten Schweinen konnten nur 14 gerettet werden. 76 Schweine verbrannten also. 200 Zentner Futter=, Schnitzel= und Strohmengen wurden ein Raub der Flammen. Außerdem verbrannten noch 100 Fuder Heu. Rindvieh und Pferde konnten gerettet werden. Die Wohnungseinrichtungen der Knechte und das in den Schuppen untergebrachte Ackergerätematerial fiel dem rasenden Feuer zum Opfer. Ein Junge geriet bei den Bergungsarbeiten unter einen Wagen und wurde sehr sch euers ist nach Mitteilungen eues zurückzuführen. Der S die 40000 RM. wer verletzt. Die Ursache auf Selbstentzündung Schaden beträgt des des an Tigerjagd mit Scheinwerfern. Bad Pyrmont, 28. Juli. Eine aufregende, gefährliche Jagd brachte unseren ruhigen Kurort in Panikstimmung. Aus dem hier gastierenden Zirkus Hagenbeck=Barley war ein großer Tiger ausgebrochen und auf das Vieh in den dem Orte vorgelagerten Wiesen losgegangen. Ein Kalb wurde durch die Tatzen des Tigers getötet. Einer Kuh wurde das Maul avaebilsen. Dem Dompteur gelang es ohne weiteres nicht, den Tiger einzufangen. Er ließ riesige Scheinwerfer anfahren und damit den Tiger blenden. In einem Garten an der Bahnhofstraße wurde schließlich die wilde Tigerjagd beendet. Das Tier befindet sich setzt wieder hinter Gittern. Kündigungen bei der Rheinischen Landesbank. Düsseldorf, 28. Juli. Infolge der unerquicklichen Lage bei der Landesbank der Rheinprovinz hat die Verwaltung sich veranlaßt gesehen, 450 Beamten zu kündigen. Bei diesem Personal handelt es sich um Beamte die noch nicht das 30. Lebensjahr erreicht haben und für die vierteljährliche Kündigungsfrist besteht. In einer stark besuchten Versammlung des Personals der Landesbank protestierte dieses gestern gegen die geplanten Kündigungsmannahmen. Die Beamten und Angestellten fürchten hauptsächlich, daß ihre Existenz bedroht ist durch die Errichtung der Rheinischen Girozentrale als Sonderinstitut in Köln. Einmütig wurde zum Ausdruck gebracht, daß die Girozentrale am Sitz der Landesbank in Düsseldorf erhalten bleiben müsse. Die Zerschlagung der Landesbankorganisation in Düsseldorf, Köln, Aachen, Essen und Trier bedeute eine Katastrophe für rund 1500 Menschen einschließlich Familie. Die Versammelten forderten dringend die Erhaltung des gesamten bestens eingespielten Verwaltungskörpers, und seiner Zweigstellen für die Zwecke der Girozentrale. In der Versammlung wurde noch mitgeteilt, daß in Düsseldorf noch vor knapp einem Jahr ein Neubau für Zwecke des Giroverkehrs mit einem Aufwand von 500 000 M. errichtet worden sei. Ebenso seien 250 Buchungs=, Schreib= und Rechenmaschinen im Werte von über 630 000 M. bis zu neun Zehntel im Dienste des Girogeschäftes tätig. Die Mehrkosten der neuen Kölner Rheinbrücke. Köln, 27. Juli. In einer Kleinen Anfrage mehrerer Landtagsabgeordneten der Deutschnationalen Volkspartei war nach der Richtigkeit der Zeitungsmeldungen gefragt worden, die vor einiger Zeit über die Kosten des Neubaus der Köln=Mülheimer Brücke und die Ausgaben bei der Einweihungsfeier veröffentlicht worden sind. Wie der Amtl. Preuß. Pressedienst mitteilt, hat der preußische Minister des Innern auf die Kleine Anfrage folgende Antwort erteilt: „Die Errichtung der Köln=Mülheimer Brücke hat über die zunachst bewilligten Mitteln hinaus einen Betrag von ca. 5 745 000 M., gefordert. Hiervon entfallen etwa zweidrittel auf Zinsen und Disagio, über deren Aufbringung bei Annahme des Projektes Entscheidung vorbehalten war. Der übrige Betrag entfällt im wesentlichen auf eine nachträglich beschlossene Erweiterung der Brückenrampe, sowie auf Mehrkosten infolge polizeilicher Anforderungen und ungünstiger Witterungsverhältnisse während des Baues. Die Kosten der Einweihungsfeierlichkeiten im Jahre 1929 betragen nicht 700 000 RM., sondern 92 879 RM. Uebrigens hat die Stadtverordnetenversammlung in Köln sämtliche Ausgaben genehmigt. Dietödlich verunglückten Arbeiter standen im Dienst der beteiligten Baufirmen. Die Stadt Köln hat aber rechtliche Verpflichtung ihren Hinterbliebenen Unterstützung gewährt. Nach den geltenden Bestimmungen kann die Kommunalaufsicht nur eingreifen, wenn der geordnete Gang der Gemeindeverwaltung gestört erscheint. Zu dieser Annahme hat bis zum Abschluß des Brückenbaus kein erkennbarer Grund vorgelegen. Auc heute besteht nach den Beschlüssen der Stadtverordnet nversammlung und nach dem bisherigen Ergebnis der Prüfung kein Rechtsgrund zu einem Einschreiten der Staatsbehörden im Wege der Kommunalaufsicht. Eine Heide wird kultiviert. Neuwied, 28. Juli. Im Kreise Neuwied, in dem hauptsächlich kleinbäuerliche Wirtschaft betrieben wird, hat jetzt die Kreisverwaltung mit Unterstützung des Landwirtschaftlichen Vereins für Rheinpreußen ein großes Meliorationswerk durch die Urbarmachung der großen Elgerter Heide bei Dierdorf(Westerwald) in die Wege geleitet. Die Bewohner von Elgert bildeten für die Rodung der Heide, die sich im Gemeindeeigentum befindet, eine Weidegenossenschaft, die vom April d. J. bis jetzt berei.2 Morgen Heideland umbrochen und mit Vorflutgräben und Drainageröhren durchzogen hat. Das Kultivierungswerk wird nach Aussaat von Winterroggen in diesem Herbst, von afer im nächsten und von Kartoffeln im übernächsten Jahre, also im Jahre 1934 beendet sein. In den ysten Jahren soll die ganze Heide gerodet werden. Hervest=Dorsten, 28. Juli. Bergmannslos. Im unterirdischen Betriebe der Zeche„Fürst Leopold" kam ein Bergmann unter das hereinbrechende Hangende und wurde tödlich verletztzt. Der Bedauernswerte hinterläßt Frau und Kind. 1( Erkenschwick, 28. Juli. 25 Strafanzeigen weg verbotenen Aehrenlesens. Selbstverständlich ist auf den sen Roggenfeldern das Aehrenlesen durch fremde Personen nur mit Erlaubnis des Besitzers gestattet. Hier herrscht die Unsitte, daß sich Frauen und Mädchen scharenweise auf die Felder begeben und ohne den Besitzer um Erlaubnis zu fragen, einfach die Aehren auflesen. Die siesige Schutzpolizei hat in den letzten Tagen 25 solcher Frauen und Mädchen zur Feststellung ihrer Personalien der Polizeiwache vorgeführt und gegen sie Strafanzeige erstattet. Hönningen, 28. Juli. Ueberfall auf einen Gewerkschaftssekretär aus Rache. Der beim Baugewerksbund angestellte Gewerkschaftssekretär Mende aus Koblenz wurde, als er nach einer Versammlung zum Bahnhof ging, von hinten her auf offener Straße von mehreren Burschen überfallen, niedergeschlagen und mit Schlagwaffen schwer mißhandelt. Es liegt wahrscheinlich ein Racheakt vor. Der Verletzte wurde kurz vorher in einer Wirtschaft von ausgeschlossenen Gewerkschaftlern zur Rede gestellt, die ihn dann verfolgten. Eine Frau bei lebendigem steh ( Geseke, 28. Juli. Leibe verbrannt. Die alleinstehende unverheiratete Frau Ossenkötter wollte Feuer in ihrem Herd anstecken. Da das Feuer nicht recht brannte, wollte die Frau mit Petroleum die Flammen zum Entfachen bringen. Hierbei wurde sie von dem Feuer erfaßt und stand sogleich in hellen Flammen. Die Frau stürzte auf die Straßé, wo sich Nachbarn darum bemühten, den Brand zum Erlöschen zu bringen, doch war es bereits zu spät. Die Unglückliche brach zusammen und erlag nach kurzer Zeit ihren schweren Brandwunden. Bieleseld, 28. Juli. Ste wollken einen Toten wecken. Auf dem Rückwege von Uuebissen nach Sieker kam der 19jährige Schlosser Kurt Bucknuß mit seinem Rade zu Fall. Er erlitt hierbei eine kaum sichtbare Verletzung und verspürte auch weiter keine Schmerzen. Er fuhr mit einem Rade nach Haus und legte sich dann schlafen. Als e ihn am anderen Morgen wecken wollten, war inAngehörige ihn am anderen Morgen wecken wollten der Tod infolge Verletzung einer Hauptader durch nere Verblutung eingetreten. Oberhausen, 28. Juli. Nicht mehr alle auf der Latte? Gegen 17.50 Uhr wurde ein in der Stöckmannstraße in Alt=Oberhausen wohnender Arbeiter wegen Verübung oben Unfugs vorläufig festgenommen, weil er sich an der Ecke König= und Elsässerstraße aufgestellt und mit einer Latte fortgesetzt nach vorübergehenden Passanten und vorbeifahrenden Autos geschlagen hatte. Oberhausen, 28. Juli. Schmugglernest ausgehoben. In ggle der Nacht zum Montag wurden in der im Hause Walztraße 28 in Oberhausen gelegenen Wohnung einer Witwe wegen dringenden Verdachts der Zollhinterziehung vier Männer vorläufig festgenommen. In dem zur Wohnung jehörigen Keller wurden vorgefunden und beschlagnahmt: 992 holländische unbanderollierte Pakete Tabak a 50 Gr., und 19000 unbanderollierte holländische Zigaretten. In einer Entfernung von etwa 500 Metern vom Lagerort der Schmuggelware stand vollkommen abgeblendet, der Personenkraftwagen II 98 326, mit dem die Schmuggelware nach Oberhausen gebracht worden war. Der Wägen wurde beschlagnahmt. Duisburg, 28. Juli. Städtische Gehaltszahlungen in drei Raten. Die äußerst angespannte Finanz= und Kassenlage zwingt die Stadtverwaltung dazu, die Gehälter der Beamten, Angestellten und städtischen Lehrer für den Monat August in drei Raten zu zahlen. Die Gehälter werden am 1., 10. und 20. August ausgezahlt werden. Es wird, wie das Städtische Presseamt berichtet, in den nächsten Wochen der größten Anstrengung bedürfen, um die Zahlung der Wohlfahrtsunterstützungen möglich zu machen. Soziales. Kündigung des Mehrarbeitszeitabkommens im Ruhrbergbau. X Essen, 28. Juli. Wie verlautet, haben die Bergarbeiterverbände des Ruhrgebietes gestern endgültig bechlossen, das Mehrarbeitszeitabkommen für den Ruhrbergbau zum 30. September 1931 u kündigen. Neue Massenentlassungen sind erfolgt. Eine schnelle und wirksame Linderung der ungeheuren Arbeitslosennot wird nach Ansicht der Arbeitnehmer nur durch eine Beseitigung der bestehenden Mehrarbeit geunden werden können. Ergebnislose Nachverhandlungen in der Eisen- und Stahlindustrie Nordwest. X Berlin, 28. Juli. Die heutigen Nachverhandungen über den Lohnstreit der Eisen= und Stahlindutrie der Gruppe Nordwest sind ergebnislos gelieben. Ergebnislose Streifen auf Devisenschieber. Auflösung des Devisendezernats? Berlin, 28. Juli. Kriminalrat Vorwerk, der Leiter des Sonderdezernats zur Bekämpfung des Devisenschleichhandels, hat tern beim Polizeipräsidium den Antrag gestellt, sein zernat zum 1. August aufzulösen. Kriminalrat Vorwerk begründet seinen Antrag auf Auflösung damit, daß lle Streifen auf Deviesenschieber ergebnislos geblieben sind. Das Sonderdezernat hat in seiner Tätigkeit, die am 16. Juli, nachmittags, begann. bis heute keine einzige Verhaftung vorgenommen. Geldliche Sc Natic Gläubigerversammli Jm Ruhrrevier en nationalsozialistische um die Gewinnung e überschneiden. Die e die andere die„Nat nach den Absichten be Völkische Beobachter Sie ist aber nicht nur weit entfernt, sondern tung=Verlag=G keiten. Sie hatte, w am Montag ihre erst Leiter dieser Versamn politischen Abteilung ner(München). Di ihren Gläubigern eis 1932 vor. Am 31. Jo am 15. März wieder! 40 v. H. ihrer Forder 50 Mark und bevorre ligkeit beglichen wei 253 000 Mark stehen Vermögenswer Maschinen und Mobil terialien 13 000. Forl (wohl Parteiinserate) tehen aus 125 000 2 sulden, 240 000 Me sulden und 53 000 Löhnen. Das Zahler Nationalzeitung schon Sicherheit bot man eines Parteige angeblich seine Fordeinem Prozeß gegen! Nationalzeitung abtr lich jedoch dami er Frage eines Za langten sie zun itlers oder de igner will sich nac Die geldlichen Sc sind keine verein nationalsozialistischen tionalsozialistische„ sich selbständig macht inde ihres Lateins. Düsseldorf erscheine blieb eineiDüs lungen schuldig schuld. Zahlungen einstellen tung" durch die„Vo „Rote Erde" in 1 letzten haben zurzeit Die„Nationalzeitung Abonnentenziffer, die Durch das Zusammer man, das erträumte erhalten, womit nach sozialistischen Verla gebene W Zirtschaftlicht Die Re Ein Kommentari ihrer Weltwirtschaftfrage, das ist die de mannes und eines sprungene Schrift, die schienen ist und den fibel"(Preis 2,80 Gulbranssons, Th. Tl und Garvens' hat h Unterschriften in den nanter als eine Dar der deutschen Not g Punkte Wilsons bis1 not. Bilder von schl falsche Sentimentalitö niemandes Gefühl v derjenigen dringen Welt in die Hände g allem auch, wie die a sailler Uebels mitlei grund schweben, wie dieser Epoche innige auch die Nachbarn m verdanken wir jetzt Gefahr wird dadurck Reparationsfrage ha funden. Sie muß sie nicht der Zusammen Mühe und Not verh von neuem und dam die ganze Welt hab daher Und daher die Aktu= erschütternden Bilder ganzen deutschen Ju eutschen Politiker sie stets vor Augen hö Schreibtischen jener Grenzen liegen, die d führen. Ein schwun Einen neuen TriMünzstraße im Zen mühelos Geld zu ver Boten und Angestellt sie abzuschließen. Die Straße an Vorüberge Rad kaufen wollten. führten ihn die beide das Rad und steckten preis" ein. Sie verse Gestern hatten sie w der neue ahnungslos radeln, als der wirk eine gewaltige? schreiten mußte. Die darauf festgenom im Begriffeina Kampf mit Einen gefährlich hatte gestern nacht de in Friedrichsfelde auch übernachtet, Stalltür seines Na Rahn bewaffnete sidh schlich sich an die Ein „Hände hoch!"1 ten auf ihn. In rend der eine Verbr von dem Komplizen worfen. Ehe er sich Einbrecher geflüc zeigen, auf der Straf Da von der Laube b führt, ist einer der 1 schossen worden. Geldliche Schwierigkeiten bei den Nationaljozialisten. Gläubigerversammlung bei der Essener„Nationalzeitung". Im Ruhrrevier erscheinen seit einigen Monaten zwei nationalsozialistische Zeitungen, die sich in dem Bemühen um die Gewinnung eines Verbreitungsbezirkes zum Teil überschneiden. Die eine ist die„Rote Erde“ in Bochum, die andere die„Nationalzeitung" in Elsen, die nach den Absichten bei ihrer Gründung gewissermaßen der „Völkische Beobachter“ des Ruhrgebietes werden sollte. Sie ist aber nicht nur von diesem Gründungsziel noch sehr weit entfernt, sondern ihr Verlag, die„Nationalzeitung=Verlag=GmbH, ist auch bereits in Schwierigkeiten. Sie hatte, wie die„Kölnische Zeitung“ berichtet, am Montag ihre erste Gläubigerversammlung. Leiter dieser Versammlung war der Leiter der wirtschaftspolitischen Abteilung der NSDAP, Major a. D. Wagner(München). Die Nationalzeitung=Gesellschaft schlüg ihren Gläubigern ein längeres ruhiges Stillhalten bis 1932 vor. Am 31. Januar 1932 sollten sie dann 30 v. H., am 15. März wieder 30 v. H. und am 1. Mai die restlichen 40 v. H. ihrer Forderungen erhalten. Forderungen unter 50 Mark und bevorrechtigte Forderungen sollten bei Fälligkeit beglichen werden. Den Vermögenswerten von 253 000 Mark stehen Schulden von 532 000 gegenüber. Die Vermögenswerte setzen sich wie folgt zusammen: Maschinen und Mobilien 135 000„Kraftwagen 37 000, Materialien 13 000. Forderungen, vornehmlich aus Anzeigen wohl Parteiinserate) 68 000 Mark. Die Schulden betehen aus 125000 Mark Akzepten, 34 000 Mark Bankchulden, 240 000 Mark Darlehen, 80 000 Mark Warenchulden und 53000 Mark rückständigen Gehältern und Löhnen. Das Zahlen der Gehälter und Löhne hatte der Nationalzeitung schon länger Kopfschmerzen bereitet. Zur Sicherheit bot man den Gläubigern die Bürgschaft eines Parteigenossen Schmidt an. Dieser soll angeblich seine Forderung von 200 000 Mark, die er in einem Prozeß gegen die Stadt Kiel geltend macht, an die Nationalzeitung abtreten. Die Gläubiger gaben sich jedoch damit nicht zufrieden. Bevor sie der Frage eines Zahlungsaufschubs nähertreten, verlangten sie zum mindesten die Bürgschaft Hitlers oder der Reichsparteileitung. Dr. Wagner will sich nach dieser Richtung bemühen. Die geldlichen Schwierigkeiten der„Nationalzeitung“ sind keine vereinzelte Erscheinung unter den nationalsozialistischen Zeitungen des Westens. Die nationalsozialistische„Wuppertaler Zeitung“. die sich selbständig machte, war bereits in vier Wochen am Ende ihres Lateins. Sie ist jetzt wieder Kopfblatt der in Düsseldorf erscheinenden„Volksparole". Diese blieb einer Düsseldorfer Druckerei die Zahlungen schuldig, worauf auch die Druckerei ihre Zahlungen einstellen mußte. Jetzt soll die„Nationalzeitung" durch die„Volksparole in Düsseldorf und die „ore Erde“ in Bochum saniert werden. Die beiden letzten haben zurzeit zusammen eine Auflage von 15 000. Die„Nationalzeitune" gibt ihre Auflage(also nicht die Abonnentenziffer, die geringer sein dürfte) mit 16 000 an. Durch das Zusammengehen der drei lahmen Pferde hofft man, das erträumte Rennpferd mit 25 000 Beziehern zu erhalten, womit nach der Rechnung des Essener nationalsozialistischen Verlags die bei 16000 Beziehern nicht gegebene Wirtschaftlichkeit erreicht wäre. Die Reparationsfibel. Ein Kommentar in Bildern zu der die Gegenwart mit ihrer Weltwirtschaftskrise beherrschenden Neparationsfrage, das ist die der Anregung eines Hamburger Kaufmannes und eines Hamburger Zeitungsverlegers entsprungene Schrift, die jetzt im Verlag Broschek& Co. erschienen ist und den knappen Titel„Reparationsfibel"(Preis 2.80 RM.) trägt. Die Meisterhand Gulbranssons, Th. Th. Heines, Schillings, Schulzs, Thönys und Garvens' hat hier in farbigen Blättern mit kurzen Unterschriften in den vier Weltsprachen, besser und prägnanter als eine Darstellung es vermöchte, eine Geschichte der deutschen Not geschaffen, vom Tage der vierzehn Punkte Wilsons bis zu den heutigen Stunden der Arbeitsnot. Bilder von schlichter Größe, lapidarer Sprache, ohne falsche Sentimentalität, ohne Uebertreibungen, Bilder, die niemandes Gefühl verletzen und doch hart in die Brust derjenigen dringen müssen, denen Wohl und Wehe der Welt in die Hände gegeven ist. Die Bilderfibel zeigt vor allem auch, wie die anderen unter dem Druck des Versailler Uebels mitleiden, wie sie gleich uns überm Abgrund schweben, wie der drohende Sturz Deutschlands in ieser Epoche inniger weltwirtschaftlicher Verflechtung auch die Nachbarn mit hinwegreißen muß. Dieser Gefahr verdanken wir jetzt das Weltschuldenfeierjahr. Aber die Gefahr wird dadurch nur vorübergehend gebannt. Die Reparationsfrage hat damit noch keine Erledigung gefunden. Sie muß sie jedoch in diesem Jahre finden, wenn nicht der Zusammenbruch Deutschlands, der eben mit Mühe und Not verhindert worden ist, nach einem Jahre von neuem und damit auch wieder die Folgen, die er für die ganze Welt haben muß, abermals drohen sollen. Und daher die Aktualität der Reparationsfibel. Ihren erschütternden Bildern ist zu wünschen, daß sie sich der ganzen deutschen Jugend einprägen möchten, daß die deutschen Politiker in ihren kleinen und großen Fehden sie stets vor Augen hätten und nicht zuletzt, daß sie auf den Schreibtischen jener Männer jenseits der deutschen Grenzen liegen, die das Wort Friede alltäglich im Munde führen. Ein schwunghafter„Handel" mit Fahrrädern. Berlin, 27. Juli. Einen neuen Trick hatten sich zwei Händler aus der Münzstraße im Zentrum Berlins ausgedacht, um sich mühelos Geld zu verschaffen. Auf den Höfen lassen dort Boten und Angestellte häufig ihre Fahrräder stehen, ohne sie abzuschließen. Die beiden Händler traten nun auf der Straße an Vorübergehende heran und fragten, ob sie ein Rad kaufen wollten. War jemand zum Kauf bereit, so führten ihn die beiden auf einen der Höfe, zeigten ihm das Rad und steckten vergnügt 10 bis 15 Mark als„Kaufpreis" ein. Sie verschwanden dann so schnell wie möglich. Gestern hatten sie wieder einen„Verkauf getätigt“ und der neue ahnungslose Besitzer wollte gerade vom Hofe radeln, als der wirkliche Eigentümer hinzukam. Es gab eine gewaltige Prügelei, so daß die Polizei einschreiten mußte. Die beiden Händler konnten bald arauf festgenommen werden; sie waren gerade im Begriffeinanderes Rad zu„verkaufen“. Kampf mit Laubeneinbrechern. Berlin, 26. Juli. Einen gefährlichen Kampf mit Laubeneinbrechern hatte gestern nacht der Kolonist Rahn am Mühlenberg in Friedrichsfelde zu bestehen. Rahn, der in seiner Laude auch übernachtet, hörte gegen Mitternacht, daß an der Stalltür seines Nachbarn Einbrecher arbeiteten. Rahn bewaffnete sich mit einem Trommelrevolver und schlich sich an die Einbrecher heran. Auf seinen Ruf „Hände hoch!“ warfen sich die Ueberraschten auf ihn. In der Notwehr schoß Rahn. Während der eine Verbrecher getroffen wurde, wurde Rahn von dem Komplizen des Angeschossenen zu Boden geworfen. Ehe er sich aufraffen konnte, waren die beiden Einbrecher gefluchtet. Sie müssen, wie Spuren zeigen, auf der Straße ein Motorrad bereitgehabt haben. Da von der Laube bis zur Straße eine breite Blutbahn führt, ist einer der Verbrecher scheinbar schwer angeschossen worden. Das Rheinisch-Westfaͤlische Industriegebiet. Eine Beröffentlichung im Staatslexikon der Görresgesellschaft. Unter dieser Ueberschrift ist in dem neuerschienenen Band 4 des Staatslezikons der Görtesgesellschaft eine 13 Spalten lange Abhandlung erschienen (Verfasser Dr. Joh. Ricking, Essen), die in zusammengedrängter Kürze in 7 Abschnitten(Abschnitt 1: Begriff und Größenverhältnisse, Abschnitt 2: geschichtliche Entwicklung, Abschnitt 3: die Wirtschaft, Abschnitt 4: Verkehrsfragen, Abschnitt 5: Siedlungsfragen, Abschnitt 6: Verwaltungsfragen, Abschniet: 7 Kulturaufgaben) die wichtigsten wesichtspunkte herausgestellt und beleuchtet. Die Bevölkerungsdichte des Rhein.=Westf. Industriegebietes(R. W. J.) beträgt 902 Einwohner auf 1 gm, macht also das 7jache des Reichsdurchschnitts und das 15sache von Ostpreußen aus. Die Bevölkerungsdichte der Stadtzone zwischen Ruhr und Emscher beträgt sogar 2410, in dem wohl am dichtesten besiedelten Stadtteil Hamborn sogar 4840. Bei der Darstellung der geschichtlichen Entwialung werden behandelt das Zeitalter der staatlichen Verwaltung(bis 1850) das Zeitalter des Konkurrenzkapitalismus(1850—1893) und das Zeitalter des kartellund konzerngebundenen Kapitalismus(seit 1893). Die Erschließung der unter der Mergelschicht liegenden Kohlenflöze mittels Schachtanlagen entschied um die Mitte des 19. Jahrhunderts über die Zukunft Essen und des ganzen Kohlenreviers. In dem Zeitalter des Konkurrenzkapitalismus treten 2 Gründerperioden, 1852 bis 1857 und 1870—1873 auf. In der 1873 einsetzenden wirtschaftlichen Depression, die volle 2 Jahrzehnte andauerte, sanken die Kohlenpreise von 13—14 M in 1874 auf 4,50 bis 5.— M. Ende der 70er Jahre. Der Arbeitslohn, der 1873 z. B. auf Zeche Sälzer=Neuack 1044 A betragen hatte, belief sich 1878 nur auf 683 M. Der kartellgebundene Kapitalismus begann mit der Gründung des RheinischWestsälischen Kohlensyndikates am 9. Februar 1893. Seit 1909 trat die vertikale Gliederung der Großwirtschaft (Konzerne) in den Vordergrund. Die geschichtliche Entwicklung schließt mit einem kurzen Ueberblick über die Ruhrbesetzung 1923 bis 1925, deren schädigende Auswirkungen auf die deutsche Volkswirtschaft auf rd. 4½ Milliarden, für den Staatsfiskus auf 2 Milliarden, geschätzt werden, ganz abgesehen von dem durch sie hervorgerufenen unermeßlichen Schaden der Geldentwertung. Im Abschnitt 3 werden die wichtigsten Wirtschaftszweige, der Bergbau, die Eisenindustrie, die Energiewirtschaft sowie Handwerk und Handel behandelt. Anschließend werden die größten Wirtschaftskörper, das Rhein.=Westf. Kohlensyndikat, der Verein für die bergbaulichen Interessen, der Roheisenverband, der Stahlwerksverband, die Friedr. Krupp A.=G. und die Vereinigten Stahlwerke, in ihrem geschichtlichen Werdegang, in ihrem organisatorischen Aufbau und in ihrer Bedeutung für das deutsche Wirtschaftsleben knapp und bündig dargestellt. Im Abschnitt 4(Verkehrsfragen) wird die interessante Feststellung gemacht, daß auf das RWI. vom deutschen Güterverkehr rd. ein Drittel entfällt(150 Millionen Tonnen), vom Eisenbahnverkehr rd. ein Fünftel(90 Millionen Tonnen). Vom gesamten Ruhrgebietsverkehr spielen sich nicht weniger als zwei Fünftel(in Deutschland durchschnittlich ein Sechstel) auf den Wasserwegen ab. Im Abschnitt 5(Siedlungsfragen) sind die Feststellungen bemerkenswert, daß 8,18 Proz. der gesamten Haushaltungen im Ruhrbezirk keine eigene Wohnuna haben(gegenüber 5,9 Proz. in Preußen), daß die Ueberweisungen aus dem staatlichen Ueberweisungsfonds 1927(preußischer Ausgleichsfonds Berlin) auf den Kopf der Bevölkerung nur 2,47 A(25 Proz. weniger als im preußischen Durchschnitt) betrugen und daß die gemeindichen Wohnungsbaumittel auf den Kopf der Bevölkerung nur 8,50 M(7 Proz. weniger als im preußischen Durchschnitt) ausmachten. Es folgt eine kurze Darstellung der wasserwirtschaftlichen Verbände wie der EmscherGenossenschaft und des Ruhrtalsperrenvereins. Abschnitt 6(Verwaltungsfragen) behandelt die durch das Gesetz über die kommunale Neugliederung des RWI. vom 29. Juli 1929 aufgeworfenen Probleme. Im 7. Abschnitt wird als wichtigste Kulturaufgabe die Verwurzelung der Bevölkerung in Heimatboden und in Berufsarbeit bezeichnet. Die Arbeit des Klerus wird bei der Größe der Pfarrgemeinden und der Vielgestaltigkeit der Aufgaben als dornenvoll und schwer gewürdigt, aber auch als erfolgverheißend, da weite Kreise des RWI. noch warm religiös und kirchlich gesinnt sind. Interessant sind die statistischen Ermittelungen über die städt. Büchereien sowie über die Volksbibliotheken des Boromäusvereins(rd. letztere allein 340 mit rd. 450 tausend Bänden) die zeigen, daß im RWJ. ein reges Lese= und Bildungsbedürfnis besteht. Der Abhandlung sind 3 Karten über die Verteilung der wichtigsten Industrien im RWJ., über die geographische Entwicklung des verliehenen Kohlenfelderbesitzes uhrbezirk und über die kommunale Neugliederung vom 29. Juli 1929 beigegeben, die gemeinsam mit dem Text dem Leser, der rasch ein zusammenhängendes über das RWI. gewinnen will, sehr dienlich sein können. „Nautilus“ wieder startbereit. 8 11 8 rpe1wri. Das Polar-A-Boot„Nautilus", das auf seiner Fahrt über den Atlantik schwer beschädigt worden war, ist in einer englischen Marinewerft wiederhergestellt worden. Das Ergebnis der neuen Tauchversuche in Devonport ist so zufriedenstellend, daß Sir Hubert Wilkins die Fahrt nach Norwegen bereits in den nächsten Tagen antreten will. Das A-Boot bei einem Tauchversuch in Devonport. Große Unterschlagungen aufgedeckt. Berlin, 28. Juli Großen Unterschlagungen, die bis in das Jahr 1929 zurückreichen, ist man auf dem Umwege über einen Diebtahl jetzt auf die Spur gekommen. Bei der Gemeinchaftskasse der Deutschen Hypothekensanken war seit einer Reihe von Jahren als Buchhalter der 25 Jahre alte Ernst Krösing angestellt. In seiner Abteilung, die mit der Verbuchung eingegangener Hypothekenbriefe beschäftigt ist, sind noch fünf andere Angestellte tätig. In der letzten Zeit wurden diesen Angestellten mehrmals kleinere Privatbesitztümer entwendet, so einem der Herren erst kürzlich eine Brieftasche mit 300 RM. Auf die Anzeige hin untersuchte die Polizei die Angelegenheit und forschte dem Leben der in der Abteilung Beschäftigten nach. Dabei kam heraus, daß Krösing, der sich im Januar 1931 verheiratet hat, in der Fregestraße 70 in Schöneberg eine 7=Zimmerwohnung innehat, die mit allem Luxus ausgestattet ist. Er lebte mit seiner Frau auf so großem Fuße, daß es mit seinem Einkommen unmöglich in Einklang zu bringen war. Zur Rede gestellt, gab Krösing endlich zu, im Laufe der Jahre immer wieder Unterschlagungen veruot zu haben, um seinen kostspieligen Gewohnheiten nachgehen zu können. Durch falsche Buchungen hat er die Veruntreuungen bisher zu verschleiern gewußt. Hypothekenbriefe. die er hätte verbuchen mussen, nahm er an sich und verkaufte sie bei anderen Banken. Auch den Diebstahl der Brieftasche seines Arbeiskollegen gab er zu. In der letzten Zeit hatte er nichts mehr unterschlagen können, brauchte aber dringend Geld und vergriff sich daher an dem Gelde der Angestellten. Nach vorläufigen Feststellungen hat der Ungetreue insgesamt 80 000 RM. an sich gebracht. Es ist aber möglich, daß sich die Summe noch erhöht. Dampfer von Torpedoboot gerammt. ° Steitin, 28. Juli. Der kleine, hundert Tonnen große Dampfer„Stadt Rügenwalde“. der sich auf der Fahrt von Stettin nach Kolberg befand, wurde in der vergangenen Nacht in der Swinemünder Bucht von einem abgeblendet fahrenden Torpedoboot gerammt und so chwer beschädigt, daß er in den Hafen von Swinemünde eingeschleppt werden mußte. Die Besatzung des Dampfers bestand einschließlich des Kapitäns aus fechs Personen, von denen niemand verletzt wurde. Das Torpedoboot hatte bei einer Angriffsübung mitgewirkt, die in der letzten Nacht mit dem Linienschiff„Schlesien“ in der Swinemünder Bucht stattfand. Amy Johnson auf dem Flug nach Tokio. A Berlin, 28. Juli. Die englische Fliegerin Amy Johnson ist auf ihrem Fluge nach Tokio heute früh um 6 Uhr auf dem Tempelhofer Flugfelde zwischengelandet und eine Stunde später zum Weiterfluge gestartet. Sie will noch heute abend in Moskau sein. Amtssuspendierung eines Reichsbankbeamten. + Karlsruhe, 27. Juli. Wie verlautet, ist der zweite Vorstandsbeamte der hiesigen Reichsbanknebenstelle, Direktor Körber, vom Amt suspendiert worden. Er soll in hohem Maße verschuldet sein. Es schwebt gegen ihn ein Diszivlnarverfahren mit dem Ziel der Dienstentlassung. handelsgerichtsurteil im Prozeß der Brasil=Kaffee=G. gegen Kaffee=Hag. Wien, 27. Juli. In einem Prozeß der Brasil=Kaffee=Gesellschaft gegen die Kaffee=Haa A.=G. fällte heute das Handelsgericht das Urteil. In dem lange Zeit geführten Prozeß wurde, wie das„Neue Wiener Extrablatt" berichtet, von beiden Parteien ein heftiger Kampf über die Zulässigkeit der Reklame der Kaffee=Hag=Gesellschaft geführt. Das Gericht hat in seinem Urteil der Hag=Kaffeeaufgetragen, die Aufstellung und Verbreitung der allgemein gehaltenen Behauptungen zu unterlalsen, das im Bohnenkaffee enthaltene Koffein sei ein Herz= und Nervenanft. raube den Schlaf und reize Herz, Nerven und Stoffwechsel=Organe. Wenn es auch richtig sei, meint das Urteil, daß Koffein ein Gift sei, so dürfe doch nicht außer acht gelassen werden, daß dieses bei Personen, die daran gewöhnt sind, sicherlich keine Giftwirkung zeige. Dies könne nur bei unmäßigem Genuß der Fall sein, und unmäßig genossen schadet jedes Nahrungsmittel. Ausgabe von Notgeld in einer dänischen Gemeinde. Tondern, 27. Juli. Das Kirchspiel Norderluegum im Kreise Todern hat jetzt den seit längerer Zeit gefaßten Plan der Ausgabe von Notgeld verwirklicht. Die ersten 10 000 Kronen in 1, 5 und 10 Kronen=Scheinen sind nunmehr zur Ausgabe gelangt und werden zur Auszahlung an die Kommunalarbeiter verwendet. Luegumkloster hat sich schon zur Annahme des Notgeldes bereiterklärt, man hofft, daß weitere Gemeinden folgen, sodaß man einen Druck auf die Banken zur Herabsetzung der Zinsen für Darlehen ausüben tann. Verhaftung eines jugoslawischen Raubmörders in Ungarn. o Budapest, 27. Juli. In der Nähe der jugoslavischen Grenze wurde gestern ein jugoslavischer Militärpilot festgenommen, der nach seinen Aussagen bei einem Uebungsfluge auf ungarischem Gebiet hatte notlanden müssen. Es stellte sich im weiteren Verlauf der Vernehmung heraus, daß er im Jahre 1923 zwei Raubmorde verübt hatte. Der Verhaftete gestand die Taten ein bat aber gleichzeitig, man möge ihn nicht der jugoslavischen Behörde fern, da das sein sicherer Tod wäre. Er wurde vorerst in das Militärgefängnis nach Steinamanger übergeführt. Der Schnellzug Barcelona-Paris entgleist. Paris, 28. Juli. Der Schnellzug Barcelona=Paris ist am Montag abend zwischen den Stationen Cerbère und Banyuls=sur=Mer entgleist. Sämtliche Wagen sprangen aus den Schienen und legten sich über die Gleise. Glücklicherweise ereignete sich das Unglück kurz nach dem Verlassen der großen Brücke über den Ballaury, so daß ein unübersehbares Unglück vermieden werden konnte. Der Zugführer und der Heizer wurden lebensgefährlich verletzt. Eine ganze Reihe von Reisenden erlitt evenfalls mehr oder weniger schwere Verletzungen. Der Materialschaden soll sehr groß sein. Eine Deutsche in einem indischen Fürstenpalast verhaftet. + London, 27. Juli. „Daily Mail“ meldet aus Bombay, daß die Polizei im Kalankar-Palast in Laucknau eine Razzia unternahm und dabei eine deutsche Fraunamens Geisler verhaftete, die sich bei Brijesh Singh, angeblich dem Bruder eines indischen Herrschers, aufhielt. Brijesh Singh wurde ebenfalls verhaftet. Viele Dokumente wurden mit Beschlag belegt, darunter auch ein Brief Gandhis. Der„Nautilus" von neuem nach Bergen unterwegs. Plymouth, 28. Juli. Sir Hubert Wilkins' Unterseeboot„Nautilus" ist heute von hier zu seiner Polarfahrt, die es zunächst nach Bergen führen wird, ausgelaufen. BBuntes Allerler. Frankreichs Analphabelen=Heer. Bei einer Versammlung, die in der Pariser Sorbonne abgehalten wurde, erhoben verschiedene Pädagogen die Forderung, daß das volksschulpflichtige Alter in Frankreich von 13 auf 14 Jahre hinaufgesetzt werden sollte, weil die Ergebnisse des französischen Volksschulunterrichtes sehr viel zu wünschen übrig lassen. Das zeigt auch ein soeben erschienener Bericht, demzufolge von einer Viertel Million neuer Rekruten mehr als die Hälfte nicht das Abschlußzeugnis der Volksschule erreicht hatte, während mehr als 14 000 überhaupt nicht lesen und schreiben, 17000 nicht schreiben und nur sehr schlecht lesen konnten. Es wird nun in Pariser Blättern hervorgehoben, daß das Analphabetenheer durch die Heraufsetzung des schulpflichtigen Alters kaum sehr verringert werden dürfte, denn diese des Lesens und Schreibens Unkundigen besuchen ja die Schule nicht zu kurze Zeit, sondern überhaupt kaum. In vielen Teilen des ländlichen Frankreichs gehen manche Kinder überhaupt nicht zur Schule, da sie von den Eltern bei der Arbeit zu notwendig gebraucht werden. Es müßte daher zunächst einmal die Schulpflicht im allgemeinen strenger durchgeführt werden. Aber nicht nur über die mangelnden Erfolge des Volksunterrichtes wurde von den Pädagogen geklagt, sondern auch über die Unzulänglichkeit der höheren Schulen. Ein Pariser Blatt veröffentlicht Zeugnisse von Schülern der höchsten Gymnasialklassen, aus denen hervorgeht, daß die Leistungen trotz aller Milde sehr unbefriedigend sind. verdankt Rodin seine Berühmtheit. In London findet zurzeit eine Ausstellung statt, die einen Ueberblick über das künstlerische Schaffen Rodins geben will. Für den Katalog der Ausstellung hat Bernyard Shaw. der zurzeit in Rußland weilt, eine Vorrede geschrieben, in der es unter anderm heißt: Katalog der Werke Rodins bedarf keiner Einführung, und ich weiß sehr wohl, daß es eine Unverschämtheit wäre, wenn ich meinerseits eine solche schreiben wollte. Ich habe manches geschrieben, was hier angeführt werden könnte, aber alle diese Dinge sind in einem Brief enthalten, den ich seinerzeit gelegentlich eines Pariser Festanketts für Rodin geschrieben habe. In diesem Briefe erklärte ich ganz offen, daß ich Rodin meinen Ruhm zu danken habe, und daß die biographischen Nachschlagewerke in tausend Jahren eine Notiz des Inhalts enthalten werden:„Shaw, George Vernard, Modell einer von Rodin geschaffenen Büste, im übrigen aber völlig unbekannt.“ Chaldäische Spuren im Himalaja. In nächster Zeit bricht unter der Führung von Dr. Irvine Baird und Miß Cosley=Batt eine Expedition nach dem Himalaja auf, der die Erforschung der Geschichte und der Sitten einer bisher noch fast unbekannten Stammes zugrunde liegt. In einer Höhe von 13000 Fuß soll ein eigenartiger Volksstamm wohnen, der eine bellere Hautfarbe aufweist als die anderen Einwohner dieser Gegend. Miß Cosley=Batt drang bereits einmal zu diesem Stamme vor und fand, daß es sich dabei um einen abgesprengten Ueberrest des einst weit verbreiteten Volkes der Chaldäer handeln müsse. Das geht insbesondere aus den Inschriften in den Höhlen hervor, die chaldäischen Charakter aufweisen. * Der größte Plumpuddina, der jemals hergestellt wurde, ist für die Armen der Stadt Devontown gemacht worden. Er wog neunhundert Pfund und enthielt unter anderem zwanzig Pfund Rofinen. Obwohl er drei Tage und drei Nächte lang gekocht wurde, blieb er in der Mitte ganz roh. Hondel und Wirtschaft, Rundschau. Zusammenschluß der Adca mit der Sächsischen Staatsbank. Dresden, 28. Juli. Von zuständiger Seite erfährt WTB=Handelsdienst: Die Verwaltung der Sächsischen Staatsbank und der Adca(Allgemeine Deutsche KreditAnstalt Leipzig) haben die Vereinigung ihrer Interessen beschlossen. Demgemäß haften beide Banken für ihre Verbindlichkeiten gemeinschaftlich und unbeschränkt. Schweizer Notendeckung fast 100 Prozent. Der dritte Juli=Ausweis der Schweizerischen Natiolbank spiegelt deutlich die krisenhafte Abnormität des ternationalen Finanzmarktes wieder. Am 23. Juli nalbank internationalen Finanzmarktes wieder. Am 23. Juli überschritt die Gold=Deckung des Schweizer Noteninstituts zum ersten Male die recht respektable Höhe von 1 Milliarde Franken. Sie beträgt nun ganz genau 1009 Milliarden Fr. Damit ist der Noten=Umlauf, obwohler gleichfalls, nämlich auf 1,015 Milliarden, angestiegen ist, nunmehr nahezu völlig durch Gold gedeckt. Diese Entwicklung wurde außer durch weiteren Zuzug ausländischen Kapitals von Schweizer Banken durch Abbau ihrer Auslands=Guthaben veranlaßt. Was das deutsche Fluchtkapital anlangt, so sind an den letzten Wochentagen in verstärktem Maße große Guthaben abgeheben worden, offensichtlich aus Furcht vor der Beschlagnahme im Falle eines Moratoriums. Gegen diese Tendenzen haben die Schweizer Banken Rationierungen vorgenommen. Goldbesitz, eine Kraftquelle ersten Ranges. Als wahrscheinliche Folge der von Frankreich mit Hilfe seines Goldes betriebenen Machtpolitik erwartet Prof. Gustav Cassel, Stockholm, einen erneuten Preissturz, wodurch die wirtschaftliche Depression der Welt weiter verschärft wird. Die Erhöhung des englischen Diskonts ist das erste Signal für das, was jetzt kommen muß. Der Versuch des Hooverplanes, der Krise ein Ende ird offenbar mißlit zu machen, wird offenbar mißlingen, wenn nichts getan wird, um der gesteigerten Goldknappheit, die jetzt bevorsteht, entgegenzutreten. Wenn die Welt die Folgen dieser Goldknappheit in der Form von gesteigerter Arbeitslosigkeit und zunehmender sozialer Unruhe zu durchleiden haben wird, wird Frankreich seine Hände in Unschuld waschen und abermals erklären, daß es niemals absichtlich Gold an sich gezogen habe. Für die übrige Welt sollte aber die Lehre aus den augenblicklichen VorAmtliche Devilenkurle. Berlin, den 28. Juli 1931 Canade Canad Japen 1 Ten Kalre 1 Agypt. Konstantinopel 1 türk. London 6 New.Vork 1 8 Rlo de Janeire 1 Milr. Uragnay 1 Gold-Pes. Amsterden Rotterdam 100 Guld. Athen 100 Drachmen Brüssel-Antwerpen 100 Belge Bukareet 100 Lei Budapest 100 Pengö Denzlg 100 Gulden Helsingfore 100 finnl.M Itallen 100 Lire Jugoslavien 100 Dinar Kopesbegen 100 Kr. Liseabon-Oporto 100 Eeendo Oele 100 Kr. Purie 100 Fre. Prag 100 Pr. Reykjavik 100 lslünd. Kr. Rige 109 Latto Schweln 100 Fre. Sofla 100 Leva Spanien 100 Peseten Slock holm-Gothenb. Talina(Estl.) 100 estn. Kr. Wien 100 Schilling Festgestellt von der men mit der Reichbank. Berliner Bedingungsgemeinschaft zusaingängen leicht zu ziehen sein. Die internationale Goldwährung kann nur aufrechterhalten werden, solange die Ansprüche auf Gold auf das wirtschaftlich oder banktechnisch notwendige Maß beschränkt werden. Würden die Länder aber Gold für politische Machtzwecke anzusammeln beginnen, dann bleiben der fortgesetzten Wertsteigerung des Goldes, aber auch dem wirtschaftlichen und sozialen Elend, das die Welt zu erleben haben wird, keine Grenzen gesetzt! Märkte. in Berlin am 20. Juli 1931. (Für Getreide je 1000 kg., für die übrigen Artikel je 100 kg.) 7.7. Weizen märk Jall September Oktober Tendenz Roggen märl Jull September Oktober Tenden: Gerste Braugerste Futtergerste Wintergerste Tenden: Hafer märk Jull Se September Oktober Tendenz Mal Wagros frel— Hamburg Tendens schwich. 22/—2 matt 12½—12¼ matter 11.6—12 matter 20-22 24—28 9.3—9.8 13.5-13.8 7.6—7.8 12.5—13.1 alte Ferkel 8—12. Läuferschweine: 3—4 Monate alte 112—20 Ferkel 12-20. 4—6 Monate alte Ferkel 20—33. Größere entsprechend höher. Frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt, 27. Juli. Auftrieb: 1314 Großvieh, hiervon 284 Ochsen, 119 Bullen, 482 Kühe, 602 Kälber, 62 Schafe, 4704 Schweine, 395 Färsen. Marktverlauf: Rinder schleppend, Ueberstand; Kälber und Schafe ruhig; Schweine rege, ausverkauft. Es kosteten: Ochsen: a) 42—46, b) 38—41, c) 32—37; Bullen: a) 35—38, b) 30—34; Kühe: a) 34—36, b) 30—33, c) 22—29; Färsen: -46, b) 38—41, c) 32—37: Kälber: a) 48—52, b) a) 42—46, b) 38—41, c) 32—37; Kälber: a) 48—52, b) 43—47, c) 33—42; Schweine: a) 46—49, b) 47—50, c) 48—50, d) 47—50, e) 45—48. Viehmarkt zu Vechta. + Vechta, 27. Juli. Vieh= und Schweinemarkt. Auftrieb 363 Schweine. Es kosteten: 6=Wochenferkel 4—5 Mk., 7—8=Wochenserkel 5—7 Mk. das Stück, Läuferschweine 0,28—0,31 Mk. das Pfund. Sämtliche Preise für mittelgute Tiere, bessere entsprechend teurer. Handel flau. + Cloppenburg i. Oldenburg. 27. Juli. Schweinemarkt. Auftrieb 1126. Es kosteten: Ferkel, bis 6 Wochen alt, 4—6 Mk., von 6—8 Wochen 7—9 Mk., ältere pro Pfund 25—30 Pfg. Ausgesuchte Tiere über Notiz. Handel sehr langsam mit Ueberstand. Nächster Vieh= und Schweinemarkt am Montag, den 3. August 1931, an der Eschstraße. + Münster, 28. Juli. Viehmarkt. Der heutige Viehmarkt war bschickt mit 67 Pferden und Fohlen aller Gattungen und 926 Schweinen. Der Handel war in Pferden und in Schweinen langsam. Wegen der augenblicklichen wirtschaftlichen Lage wurde von einer Notierung für Pferde Abstand genommen. Ferkel kosteten je Woche 1—1,25 Mk., je nach Qualität. Der nächste Viehmarkt findet am Dienstag, den 11. August. statt. Bremen: Baumwolle(emtlich) Amtliche Heu- u. Strohnofierungen ab märkische Station für den Berliner Markt per 23 Kilogramm. (Erzeugerpreise) Roggenstroh drahigepreslt0. 50—0.65 Weizenstroh drahtgepreft Haferstroh drahtgeprest Gerstenstrob drabtgeprest Roggenlangstr. 0 40.0.55 0.65-0.85 bindladengepr Roggenstrob Weizenstroh Häcksel Heu handelsübl Heu. gutes Thymotee, lose Kleehen Heu drabtgepreft 0.50—0.70 1.35—1.55 1.25-1.50 1.70—2.15 2.25-2.55 2.10-2.40 Magdeburger Produkten. X Magdeburg, 28 Juli. Roggen 162—165, Wintergerste, neue 148—152, Hafer, alter 172—174, Viktoriaerbsen, alte 240—255, Weizenkleie 12,50—13, Roggenkleie 11—11,50. Allgemeine Tendenz: unregelmäßig. Berliner Schlachtviehmarkt. X Berlin, 28. Juli. Auftrieb: 1588 Rinder; darunter 857 Ochsen, 536 Bullen, 695 Kühe und Färsen, 2400 Kälber, 5906 Schafe, 295 Ziegen, 12230 Schweine. Zum Schlachthof direkt seit letztem Viehmarkt 3150. Marktverlauf: Bei Rindern ruhig, bleibt Ueberstand, Kälbern langsam, Schafen ruhig, Schweinen ziemlich glatt. Es kosteten: Ochsen: a) 44—46, b) 40—43, c) 35—38; Bullen: a) 40—43, b) 40—42. c) 36—38. d) 33—35; Kühe: a) 30—35, b) 24—29, c) 19—22, b) 15—18; Färsen 41—43, b) 32—40, c) 32—36; Fresser: 30—35; Kälber: a) 45—54, b) 40—50, c) 30—38; Schafe: a) 49—51, b) 52—53, c) 45—50. d) 40—42, e) 38—45, f) 27—37; Schweine: a) 48, b) 48, c) 47—49, d) 45—46, e) 42—43; Sauen: 44. Hamburger Schlachtviehmarkt. Hamburg, 28. Juli. Auftrieb: 4633 Schweine, 1227 Kälber. Marktverlauf: Schweine gut, Kälber sehr langsam. Es kosieten: Schweine: a) 46—47, b) 46—47, c) 45—47, d) 34—39; Sauen: 37—40; Kälber: a) 46—50, b) 40—44, c) 34—38, d) 28—32. Altenessener Schweinemarkt. X Altenessen, 28. Juli Gesamtauftrieb: 1301 Ferkel und Läuferschweine. Marktverlauf; sehr langsam. Es kosteten: 6—8 Wochen alte Ferkel 5—8, 9—10 Wochen loko Juli Oktober Dezember lanvar 1992 lära Mai Tendens: ruhlg Liverpool: Baumwolle bezahlt Wetterbericht. Essen, 28. Juli. Der Tiefdruckkern zwischen Schottland und dem südlichen Skandinavien ist unter dem Einfluß der ihn umspülenden maritimen Kaltluftmassen in Auffüllung begriffen. Die Kaltluft ist bis zur Linie Breslau—Danzig-Stockholm vorgedrungen und hat ganz Deutschland bei lebhaften westlichen Winden vielfach Schauerniederschläge gebracht. Vor dieser angegebenen Kaltluft strömt weiterhin sehr warme Luft vom Balkan her über Polen nach dem nördlichen Skandinavien. Die Temperaturen in Polen betragen heute morgen 24 bis 26 Grad. Im Bereiche der Haltluft, baut sich vom Ozean her nach dem Festland ein Hochdruckgebiet auf, so daß wieder mit heiterem und wärmerem Wetter zu rechnen ist.— Wettervorhersage für Mittwoch: Abflauende westliche Winde, noch meist wolkig, aber vielfach Aufheiterung und dabei Temperaturanstieg. Wahrscheinliche Weiterentwicklung: Schwache westliche bis nordwestliche Winde, wolkig bis heiter, sehr warm. Westdeutscher Rundfunk. Mittwoch, den 29. Juli. loko Jull August September Oktober November Dezember anuar Februnr 32 Tendene: ruhig behauptet Tagesimport Tageslokoverkäufe Exportverkäufe Exypt. Upper F. G. fair loko 28. 7. 3009 100 27.7. 300 100 Liverpool: Östindische Baumwolle Loco M. „M G. Surtee fully good G. Broach Tullv good G Amerie. Sind Punjab G Nr. 1 Oomra tully good G Bengal fullv good G Bengal supertine G Scinde fully good S. Scinde cuperfine New Orleans: Baumwolle loco Juli Oktober Detember 7. 7. 9.21 9.43 9.60 New York: Baumwolle loco Jul Augnet September Oktober November Dezember 27. 7. 9.26—27 9.36 9.46—47 9.54 9.63 9.7 Geschätzte Totalzufuhren Baumwollzufuhr in Atlantischen Häfen Baumwollzufuhr in Golf-Häfen Zufuhren in l'acific-Häfen Zufubren im Innern Export nach England Export nach Frankreich Export nach dem übrigen Kontinent Export nach Japan und China Fracht n. Liverpool I. stark gepr.Ballen Frocht Tür Standard 6,45 Uhr: Leibesübungen. Dr. Luhwig Bach. 7 Uhr: Wettervorhersage und Zeitangabe. 7,65—8 Uhr: Morgenkonzert(Schallplatten). 8 Uhr: Zeitangabe und Wiederholung der Wettervorhersage. 8,05—8,30 Uhr: Der neue Haushalt. Direktor Dr. Schwamborn: Wie schützt das Gesetz den Kauf von Lebensmitteln? 10,15—10,30 Uhr: Gymnastik für Frauen. Hilde Bremus. 10,30 Uhr: Erste Meldungen, Bentliche Wasserstandsmeldungen und Zeitangabe. 10,40—11,35 Uhr: Schallplattenkonzert. 11,35—12 Uhr: Funkwerbung mit Schallplatten. 12 Uhr: Schallplattenkonzert. 12.50 Uhr: Wetterbericht. 12,55 Uhr: Nauener Zeitzeichen, Mittagsmeldungen und Zeitangabe. 13,05—14,30 Uhr: Mittagskongert. Leitung: Wolf. 1. Ouverture zum Singspiel„Rosamunde“— Schubert. 2. Aus aller Herren Länder, Suite(Russisch. Deutsch, Italienisch, Spanisch, Ungarisch— Moszkowsky. 3. a) Menuett— Boccherini; b) Momert musical— Schubert. 4. Eine Soirée bei Liszt— Urbach. 5. Vorspiel zur Operette „Das Land des Lächelys“— Lehar. 6. a) Tausend Teepuppen— Schmidt: b) Pittoreske, Intermezzo— Schaeser. 7. Magdalenen=Walzer— Waldteusel. 8. Die Freundschaftsslagge— Blon 15,30 Uhr: Wasserstandsmeldungen(Wiederholung), Zeitangabe und Wirtschaftsmeldungen. 15,50—16,10 Uhr: Kinderstunde. Els Vordemberge: Wir spielen. 16,10—16.30 Uhr: Frauenstunde. Dr. Hanna Meuter: Bestand und Erschütterung der Familie in der Gegenwart(4). 16,30—17 Uhr: Pädagogische Führergestalten: Eduard Spranger(Zugrunde liegt Sprangers Werk„Lebensformen"). Der religiöse Mensch. Leitung: Prof. Dr. Koerber. 17—18 Uhr: Vesperkonzert. Leitung: Wolf. Solistin: Mia Boin=Müller(Alt).] 1. Ouverture zur Oper„König für einen Tag“— Adnm. 2. Wiener Tanz— FriedmannGärtner. 3. Melodien aus der Oper„Die Regimentstochter— Donizeiti. 4. Lieder für Alt: Trübe Zeit— Ritt durchs Leben— Eine Melodie— Was für ein Feuer— Noack. 5. Präludium, Chor und Tanz aus der Operette„Das Penstonat“— Suppé. 6. Immer oder nimmer, Walzer— Waldteufel. 18—18,20 Uhr: Die Reschspost hat das Wort. 18,20—18,40 Uhr: Die Hauptsinne und das menschliche Schicksal, 3. Der Mund und die Sprache: Hans Roselieb. 18,40—19 Uhr: Was jeder wissen sollte. Gewerberat Hellwig: Altes und Neues vom Verkehr mit brennbaren Flüssigkeiten. 19—19.15 Uhr: Wetterbericht, Zeitangabe, Wirtschaftsmeldungen und Sportvordoricht. 19,15—19,25 Uhr: Vom Tage. 19,30—19.55 Uhr: Landschaft in Not. Hermann Jung: Saargängerdörfer hungern. 19.55 Uhr: Erste Abendmeldungen. 20 Uhr(auch über den Deutschlandsender Königswusterhausen): Werke von Nchard Wagner. Das Orchester des Westdeutschen Rundfunks, Leitung: Buschkötter. Solisten: Emmy Bettendorf(Sopran), Max Lorenz(Tenor). 1. Einleitung zu„Lohengrin". 2. Szene im Brautgemach, aus„Lohengrin“(Emmy Bettendorf— Max Lorenz). 3. Bacchanale aus„Tannhäuser", 4. Schlußszene des 1. Aktes aus„Walküre“(Emmy Bettendorf— Max Loreng). 5. Siegfrieds Rheinfahrt, aus„Götterdämmerung". 6. Schmiedelleder aus„Siegfried“(Max Lorenz). 7. Trauerzug und Schlußszene aus„Götterdämmerung"(Emmy Bettendorf). 22 Uhr: Letzte Meldungen, Bericht über das geistige Leben, Sportbericht. Anschließend bis 23 Uhr: Nachtmusik auf Schallplatten. 23—24 Uhr: Tanzmusik der Kapelle Harry Head. Volkswohl Lotterle Zlehung 1).—25. Sept. 1931. 48096 Gewinne und 2 Prämien I. Werte v. 430000.— Höchstgew. auf ein Doppellos I. Werte v. 150000.— Hauptoew, auf ein Doppellos I. Werte v. Rue. 100000,— Höchstgew. auf ein Einzellos I. Werte v. Ruk. 75000,— Für alle Gewinne auf Wunsch 90½ bor Los Rmk. 1.—, Doppellos Rmk. 2(Porto und Liste 40 Rotg. extra.) Versand unter Nachnahme. Anz.-Verw. der Zeno Münster 1, W., Salzstr. 33a(am Servatiiplatz). Postscheckkonto Dortmund 20726. Billige Sonderfahrt für die Leser d.Zeno-Zeitungen an den Nordseestrand nach Borkum am 1. u. 2. August 1931. Taule des Segelllugzeuges „Borkum“ der Lultfahrtvereinigung Münster, Kurkonzerte, groß. Strandleben usw. Unterkunft u. 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Zenanisabschr. sind unter 8153 an das Bocholter Bolksblatt in Bo olt zu richten Es war vor 50 I. da kniete unter den auch der Hildesheim vor dem Bischof, un Salbung zum Prie einem Vierteljahrhu der Generalvikar vo und neigte sein Hau der Bischofswei Bernwards zu bestei Wille Gottes nach! darauf auch der Pu Schulter gelegt wurd 50 Jahre priesterl Tätigkeit. Fürwehr antwortung, mühereichster Arbeit, auf nen Tagen zurückblick nen, was sie dem der das wird ihm freilick Diözesanen und seine Katholiken und der sagen: Das beste wir Meister selber aufbel „Forma gregis ex ralanweisung der Pr Bertram darf sich wo dieser Mahnung des kommen zu sein in se Priester und sein W Apostel der Caritas, tholischen Aktion, we hinaus. Zeugnis sind Hirtenbriese. I steller und Historiker Wegweiser der Zeit unheilschwanger wie Kirchengeschichte über und ssen V bischöflichen Thron 2 zeit hinein hat er im und darüber hinaus und Führer zu sein, wie sich von selbst v überall dort, wo es( Die in vielen Hamilton ist dem Rasen, so oo Dos große Erfolge auf die Die Nordpol=Expe ufg wissenschaftliche Aufg schung der Arktis d t hier noch aus weiße Flecke ar 500 Jahren ist die M res Heimatplaneten Schwierigkeiten habe gegengestellt, so daß deten tatsächlichen Ke begangenen Gebiete und Schneemassen hi gen. Zum ersten Male Luftschiffes„Graf sche Erforschun für die bereits vorhe werden konnte. Das schungsarbeiten mit den Tücken des Gelö ziemlich unabhängig des Geländes vom graphie können Arbe für die man bisher „Polarkommis unter Vorsitz von 1 hat unter Mitarbeit Breitfuß=Berlin, Pro Joerg=Washington sch schiffexpedition alle gramms bearbeitet u festgestellt, die dem L Sieben große Fo die zuerst kartographi men werden sollen. Westen bis nach den und vom 75. Breiten im Norden. Es ist gen und erforscht u Eckeners und seiner 1872—1874 Payer reichische Nord bereits unter 76 Gra sen und nach Norder getrieben wurden, Joseph-Land hei den Jahren 1878—197 fahrt gewiesen. Der wähnen, der 1899/190 Landes Forschungen bisher aber Nanse und mit Hilfe von 5 bis 1895 eine Polhöh Das Luftschiff„Graf Spuren dieser Bahn Das erste Forschungsg Semlja, die nock sart die so stark vergletsch fürsterzbischof Kardinal Bertram. Zum goldenen Priesterjubiläum des Breslauer Oberhirten. Es war vor 50 Jahren, am 31. Juli des Jahres 1881, da kniete unter den Ordinanden der Würzburger Diözese auch der Hildesheimer Kaufmannssohn Adolf Bertram vor dem Bischof, um von ihm die Handauflegung und Salbung zum Priestertum zu empfangen. Und nach einem Vierteljahrhundert, am 15. August 1906, beugte der Generalvikar von Hildesheim wiederum die Knie und neigte sein Haupt der Salbung mit dem Chrisma der Bischofsweihe, um den ehrwürdigen Stuhl St. Bernwards zu besteigen, von wo ihn nach 8 Jahren der Wille Gottes nach Breslau rief und nicht allzulange darauf auch der Purpur des Kardinals um die Schulter gelegt wurde. 50 Jahre priesterlichen Wirkens, 25 Jahre bischöflicher Tätigkeit. Fürwehr eine weite Spanne schwerster Verantwortung, mühe= und leidvoller, aber auch segensreichster Arbeit, auf die der Breslauer Oberhirt an jenen Tagen zurückblicken kann. Was sie ihm und den Seinen, was sie dem deutschen Volk und der Kirche gewesen, das wird ihm freilich nur unvollkommen der Dank seiner Diözesanen und seines Klerus, aber auch aller deutschen Katholiken und der Segen des heiligen Vaters in Rom sagen: Das beste wird ihm aber sein göttlicher Herr und Meister selber aufbehalten. „Forma gregis ex animo“ soll nach St. Pauli Pasto ralanweisung der Priester und der Bischof sein. Kardinal Bertram darf sich wohl selber das Zeugnis nicht versagen, dieser Mahnung des Apostels nach bester Kraft nachgekommen zu sein in seiner unermüdlichen Arbeit für seine Priester und sein Volk, als Lehrer, Seelsorger und postel der Caritas, als Herold und Wegführer der katholischen Aktion, weit über die Grenzen seiner Sprengel hinaus. Zeugnis sind seine zahlreichen Schriften und Hirtenbriefe. In diesen ist der einstige Kunstschriftsteller und Historiker ganz zum deutenden Künder und Wegweiser der Zeit geworden, einer Zeit, die schwer und unheilschwanger wie kaum je eine Periode der Zeit= und bischöflichen Thron Breslaus bestieg, bis in unsere Notzeit hinein hat er immer wieder sich bemüht, den Seinen und darüber hinaus dem ganzen deutschen Volke Hirt und Führer zu sein, im Religiösen zunächst und vor allem wie sich von selbst versteht, datüber hinaus aber auch überall dort, wo es Edelgut deutsch=christlichen Volkstums und deutsch=christlicher Kultur zu wahren und zu mehren galt. Mag er die Seinen zu treuer Mitarbeit im kirchlichen Leben, oder zur sorgsamen und verantwortungsbewußten Ausübung ihrer bürgerlichen Rechte aneifern, mag er als einer der ersten unter den deutschen Oberhirten seine Warnstimme gegen Uebertreibung und Verfälschung völkischer Ideen erheben, mag er den zur Förderung katholischer Kultur und Caritäs dienenden Organisationen und Vereinen die den Bedürfnissen seines weiten Sprengels am besten angepaßte Sonderform geben, mag er aufrufen zur Zusammenarbeit von Klerus und Volk im Sinne der katholischen Aktion, immer ist er der feinsinnige überlegene Führer, der aus den Tiefen des Glaubens heraus mit der Autorität des Bischofs von Gottes Gnaden seine Mahn= und Warnstimme erhebt. Lehrer, Priester, Bischof, Kardinal der heiligen römischen Kirche, und dabei doch der demütige Schüler und Diener seines göttlichen Meisters Christus. Ungewollt hat Kardinal Vertram grade in-seinem neuesten Buche, das eben recht zu seinen Jubiläen erscheint, sich selbst gezeichnet;„Charismen priesterlicher Gesinnung“ hat er es genannt, und wenn es auch zunächst für Priester bestimmt ist als Wegleitung, Trost= und Hilfsbuch in ihrem schweren Beruf, so möchten wir doch auch, daß den katholischen Laien dieser Niederschlag der Erfahrungen, Betrachtungen und Gebete des Breslauer Oberhirten in etwa vertraut würde.„Aemulamini charismata meliora“: „strebt nach den besseren Gnadengaben“ mahnt er hier seine Jungpriester; und er schließt mit der Mahnung des heiligen Bernhard:„Leuchtet Christus, die Reinheit und Güte, Selbstlosigkeit und Demut des göttlichen Herrn aus den öffentlichen Lehren und ebenso aus dem privaten Leben des Priesters, dann schreitet das priesterliche Wirken in der Gemeinde von Erfolg zu Erfolg.“ Was er hier seinen Neupriestern als Mahnung mitgibt, hat er ihnen vorgelebt in dem halben Jahrhundert seines Priestertums und seiner Hirtenschaft. Er wird mit Dank gegen Gott gestehen müssen, daß ihm die charismata mellora“ nicht versagt geblieben sind. Mit ihm aber wird an seinen Jubiläumstagen das ganze katholische Deutschland sich einen in Dank und Vitte, daß es dem Breslauer Oberhirten und Kardinal der römischen Kirche vergönnt werde, noch eine reiche Späternte und Seelenfrucht einzubringen, trotz der Stürme und drohenden Wetterzeichen, die ihn wie uns alle umringen. Der letzte„Star“" der Universitäts=Elf. Die in vielen Kämpfen erprobte Fußballmannschaft der amerikanischen Universität Colgate in Hamilton ist zum letzten Male versammelt. Allerdings gilt es diesmal nicht dem Kampf auf dem Rasen, sondern dem„Start“ ins Leben. Sie haben gemeinsam promoviert und stellen sich nun dem Photographen im Doktorhut und Robe. „Weiße Plecken" am Nordpol. große gesgraphische Arbeitsprogramm der Zeppelin-Expedition.- Die bisherigen Erfolge auf diesem Gebiete.- Payer, Weyprecht, Nordensskjöld, Nansen, die Vorläufer Dr. Eckeners. Die Nordpol=Expedition des„Graf Zeppelin" hat rein wissenschaftliche Aufgaben, die der geographischen Erforschung der Arktis dienen. Ein ungeheures Gebiet besteht hier noch aus unerforschten Ländern, die sich als weiße Flecke auf der Landkarte darstellen. Seit 500 Jahren ist die Menschheit bestrebt, dieses Gebiet unseres Heimatplaneten zu erkunden. Aber unüberwindliche Schwierigkeiten haben sich bisher diesem Bemühen entgegengestellt, so daß man mit einer irgendwie begründeten tatsächlichen Kenntnis selbst der von Polarforschern begangenen Gebiete nicht rechnen kann. Ungeheure Eisund Schneemassen hinderten die erforderlichen Messungen. Zum ersten Male soll nun mit Hilfe des deutschen Luftschiffes„Graf Zeppelin“ eine systemati[me Erforschungsarbeit durchgeführt werden, ür die bereits vorher das Programm zusammengestellt werden konnte. Das ist das erfreuliche an den Forschungsarbeiten mit Hilfe der Lustschiffe, daß man von den Tücken des Geländes, des Eises und des Schnees, ziemlich unabhängig ist. Kartographische Aufnahmen des Geländes vom Luftschiff aus mit Hilfe der Photoraphie können Arbeiten in wenigen Stunden erledigen, ür die man bisher mehrere Jahre gebraucht hat. Die Polarkommisston" zur Erforschung der Arktis unter Vorsitz von Professor Dr. E. de Martonne hat unter Mitarbeit von Professor Samoilowitsch, Dr. Breitfuß=Berlin, Professor v. Romer und Professor Dr. Joerg=Washington schon lange vor dem Beginn der Luftschiffexpedition alle Einzelheiten des Forschungsprogramms bearbeitet und zuerst die wichtigsten Aufgaben estgestellt, die dem Luftschiff zu erledigen obliegen. Sieben große Forschungsgebiete wurden abgegrenzt, die zuerst kartographisch und photogrammatisch aufgenommen werden sollen. Sie reichen von Nowaja Semlja im Westen bis nach den Neu=Sibirischen Inseln im Osten und vom 75. Breitengrade im Süden bis zum 83. Grade im Norden. Es ist ein gewaltiges Viereck, das umflogen und erforscht werden soll. Die Vorläufer Dr. Eckeners und seiner Expedition waren in den Jahren 1872—1874 Payer und Weyprecht, die eine österreichische Nordpolexpedition führten und bereits unter 76 Grad 30 Minuten vom Eise eingeschlossen und nach Norden an ein bisher unbekanntes Land getrieben wurden, das jetzt Kaiser-Franzoseph=Land heißt. Nordenskjöld hat hier schon in den Jahren 1878—1979 den Weg der Nordöstlichen Durchfahrt gewiesen. Der Herzog der Abruzzen ist auch zu erwähnen, der 1899/1900 in dem Gebiete des Franz=JosephLandes Forschungen anstellte. Den größten Erfolg hatte bisher aber Nansen, der zuerst mit seiner„Fram“ und mit Hilfe von Hundeschlitten in den Jahren 1893 bis 1895 eine Polhöhe von 86 Grad 4 Minuten erreichte. Das Luftschiff„Graf Zeppelin“ wird vielfach auf den Spuren dieser Bahnbrecher seine Arbeit durchführen. Das erste Forschungsgebiet ist die Doppelinsel Nowaja Semlja, die noch sehr wenig erforscht ist. stark vergletscherte Ostküste sungsarbeiten Widerstand geleistet. Der ph Apparat, der in der Luft über diesem Eisgelände schwebt, wird die Arbeit erfolgreicher beendigen können, als es den Forschern in ihren Hundeschlitten und auf Skiern möglich war. Das zweite Gebiet der wissenschaftlichen Erkundungsarbeit umfaßt den größten Teil des Karischen Meeres bis hinauf zur Einsamkeitsinsel, die östlich vom Franz=Joseph=Land gelegen ist. Weiter nach Östen liegt die Nordenskjöld-Insel, die gleichfalls noch ziemlich unbekannt ist und zum ersten Male mit Hilfe der photographischen Meßapparate kartographisch aufgenommen werden soll. Das„Nordland“. das früher Nikolaus II=Land hieß, wird gleichfalls auf sein Ansehen hin untersucht und gemessen werden. Nun folgen Aufgaben, die bezwecken, unbekanntes Land festzustellen. Die Byrranga=Kette, die überhaupt wissenschaftlich noch nicht beglaubigt ist, soll gesucht und womöglich photographiert werden, damit man über die Gestaltung der Erde auf diesem unbekanntesten Gebiete eine Vorstellung erhält. Auch weiter östlich sollen im Gebiete der Neu=Sibirischen Inseln unbekannte Ländereien festgestellt werden. Damit ist der wichtigste Teil der wissenschaftlichen Arbeit des„Graf Zeppelin“ erschöpft. Im Zusammenhange damit werden bekanntlich auch meteorologische Messungen mit Hilfe von Registrierballons durchgeführt werden, um die„Wetterfabrik Eurovas" die sich hier hoch im Norden defindet, einer eingehenden Untersuchung zu unterziehen. Es sind also Aufgaben von großer wissenschaftlicher Bedeutung, die dem„Graf Zeppelin“ gestellt wurden. Wir wollen hoffen, daß die Expedition, zu der alle Beteiligten das größte Vertrauen haben, glücklich in der Arktis ankommt und glücklich wieder zurückkehrt. Die größte Hängebrücke der Welt vollendet. Die„Seorge Wajhington=Brücke“- ein Meisterwerk der modernen Baukunst.- Newyorks neue Sehenswürdigkeit. Nach einer Pause von vielen Jahren scheint der Brückenbau in Newyork einen neuen Aufschwung genommen zu haben. Die Ingenieure sind sich darüber klar geworden, daß Brückenbau und Tunnels ihre Berechtigung haben, obwohl man im Jahre 1908 beschlossen hatte, nur noch Tunnels zu bauen. Entscheidend für das Projekt eines Brücken- oder Tunnelbaues ist stets die Uferformation. Wo hohe Ufer und verhältnismäßig freies Land ist, da wird man eine Brücke bauen. Wo das Ufer niedrig und das Land sehr wertvoll ist, wird man einen Tunnel vorziehen. So ist es kein Wunder, daß man sich für eine Brücke entschied, als es sich darum handelte, die Washington Heights in Manhattan mit dem Fort Lee auf der Jersey=Seite zu verbinden. Mit den Brücken und Tunnels hat sich Manhattan von je her gegen seinen insularen Charakter gewehrt. Und es ist die Rebellion gegen diesen, die die Größe und Blüte der Menschenansiedlung auf dieser Insel herbeigeführt hat. Diese Größe wäre niemals möglich gewesen, hätte man nicht Mittel und Wege gefunden, die flüssigen Grenzen zu sprengen, die die Natur gelegt hat. Am längsten von allen hat sich das Breiteste dieser Wasserbänder, der imposante Hudson River, gegen die Ueberbrückung gewehrt, wenn er auch nichts dagegen machen konnte, daß man unter ihm hindurchkroch. Nun aber wird in ganz kurzer Zeit, so meldet der Newyorker Herold, die größte Hängebrücke der Welt, die„Seorge WashingtonBrücke“, bei der 178. Straße Newyorks vollendet sein. Die gigantische Brücke ist 250 Fuß hoch über den Fluß angelegt und wird von zwei riesigen grauen StahlskelettTürmen, die 635 Fuß hoch aufsteigen, getragen. Von all den vielen Brücken Newyorks ist die alte Broklyn Bridge immer noch im Sinne eines Erholungs= und Aussichtsturmes die beliebteste. Es ist vorauszusehen, daß die neue„George Washington=Brücke“ der erstgenannten sehr bald starke Konkurrenz machen und sogar als Sehenswürdigkeit übertreffen wird. Auf lange Zeit hinaus dürfte ja kaum eing Armee von zur Arbeit Wandernden über sie hinweggehen, aber an Sonn= und Feiertagen werden sehr bald Tausende über sie schlendern, die nur kommen, um sie zu schauen. Sie werden kommen, um die kräftige Luft zu atmen, die über dem großen Strome weht, aber auch um die Aussicht zu genießen, die man nach allen Seiten hat, nicht nur von der Vrücke selbst, sondern auch von der Höhe der Tragtürme, zu denen Fahrstühle emporführen. Diese Türme sind mehr als einen flüchtigen Blick wert. Modernen architektonischen Ideen entsprechend hat man sie in strengster Einfachheit belassen. Die Idee, aus konstruktiven Linien natürliche Schönheit entstehen zu lassen, hat hier Boden gewonnen. So steigen die Türme gerade und machtvoll in die Höhe, riesenhafte Blöcke von Stahl. Von dem Brückenturm auf der Manhattan=Seite hat man einen der eindrucksvollsten Blicke auf eine Szenerie, die sich aus Naturgewordenem und von Menschenhand Geschaffenem zusammensetzt. Nach Norden blickt man den Fluß hinauf, bis er sich in der Ferne mit einem scharfen Knick nach Westen wendet. Unmittelbar zu Füßen liegen die kahlen Felsen und die freundlich-grünen Bäume des Fort Washington Parks. Westlich starren die nackten, senkrechten, in mancherlei Tönen gefärbten Wände der Palisaden über einem grünen Meer von Bäumen. Darüber und über das Hackensack=Tal hinweg schimmert die tiefblaue Kette der Orange Mountains. In unmittelbaren Vordergrund macht einem das riesenhafte Spinngewebe der Brücke selbst den stärksten Eindruck— die vier mannsdicken Riesenkabel in die, wie man uns berichtet, je 26 474 Einzeldrähte zusammengedreht wurden, und die sich in vier mächtigen parallelen Parabeln nach dem Turm auf der anderen Flußseite hinaufschwingen, von ihnen herunterhängend die Tragseile, die die Ingenieure so poesielos„Suspenders“ nennen. Gen Osten sieht man über eine wirre Masse von roten Ziegelbauten nach den Höhen des Harlem=River=Tales und über den Long Island Sund hinweg auf die Hügel von Long Island, während die riesigen zackigen Pfeiler des„Medical Center“ rechts im Vordergrund aufragen. Den stärksten Eindruck menschlicher Geschäftigkeit aber hat man, wenn man nach Süden blickt— in einer Vision der Würfel und Parallelepipeda und Polyhedra, die die Wohn= und Arbeitsstätten von Manhattan bilden. In einer Silhouette unregelmäßiger Zacken steigt das Gebirge der Riesengebäude in Newyork auf. mit dem ragenden Gipfel des Empire State=Gebäudes. des höchsten Bauwerks der Welt, auf der rechten und dem Chrysler Gebäude auf der linken Flanke. Förderung der Volksbildungsarbeit. „Das Volksbildungswesen, einschließlich der Volkshochschulen, soll von Reich, Ländern und Gemeinden gefördert werden.“ Auf den ersten Blick hin möchte man in diesem Satz die Formulierung des Wunsches nach öffentlicher Anerkennung und Förderung sehen, den die in Deutschland um die Förderung der Volksbildung bemühten Gruppen und Institute hegen.. Nein, dieser Satz bedeutet viel mehr: Er bedeutet die öffentlich-rechtliche Anerkennung des Volksbildungswesens und enthält die Bestimmung, daß von allen für unser öfentliches Leben verantwortlichen Faktoren gefördert werden muß, vom Reich, von den Ländern und von den Gemeinden. Dieser Satz nämlich, der eingangs zitiert wurde, steht in der Reichsverfassung: Artikel 148, Absatz 3. Er ist auch heute schon in voller Geltung, denn der Artikel 148 gehört zu den Bestimmungen der Verfassung, die nicht erst eines besonderen Ausführungsgesetzes bedürfen, um in Kraft zu treten. Streng genommen gehört somit die Förderung des Volksbildungswesens zu den Aufgaben, namentlich der Länder und Gemeinden, die erst dann in Notzeiten, wie wir sie jetzt durchleben müssen, vernachlässigt werden dürfen, wenn zuvor andere Aufgaben, die nur durch Herkommen und Gewohnheit, nicht aber durch die verfassungsmäßige Zuweisung gesichert sind, zurückgestellt worden sind. Dieser Bestimmung der Reichsverfassung entsprechend haben Reich, Länder und die meisten Gemeinden in den verflossenen Jahren in größerem oder geringerem Umfang der Volksbildungsarbeit ihre Aufmerksamkeit geschenkt und Mittel zu ihrer Unterstützung gegeben. Was ist nun„Volksbildungswesen“ im Sinne der Reichsverfassung? Nach allgemeiner Auffassung versteht man darunter jene außerhalb des Schulwesens sich vollziehende Vildungsarbeit, die solchen Jugendlichen und Erwachsenen nun vorwiegend gilt, die wirtschaftlich nicht in der Lage waren, die sogenannten höheren Bildungsanstalten zu durchlaufen, die aber an den kulturellen Gütern der Nation ihren Anteil durch die besondere Form der„Volksbildung“ nehmen wollen und die die gleiche Schärfung des Blickes und des Urteilsvermögens erstreben, wie sie denen zu Gute kommt, die ihre Bildung unseren Hochschulen verdanken. Solche Volksbildungsarbeit, über deren Voraussetzungen, Wege und Ziele mancherlei gesagt werden müßte, wird heute von Weltanschauungsgruppen, berufsständigen Vereinigungen, von gemeindlichen Volksbildungseinrichtungen Keine Burg, sondern ein Widerlager. die so Besonders hat bisher allen Mel= Die bizarre Konstruktion eines Widerlagers zur Ueberführung des Mittellandkanals über die Elbe bei Magdeburg. Die Bauarbeiten an dem Mittellandkanal schreiten trotz aller wirtschaftlichen Schwierigkeiten rüstig vorwärts. und ausgesprochenen Volksbildungsvereinigungen in verschiedenen Formen geleistet. Daß diese Arbeit nicht die Mittel zur Verfügung hat, wie sie den Schulen zur Verfügung stehen oder doch standen, leuchtet ohne weiteres ein; es ist vielleicht der Sinn der Sollvorschrift in der Reichsversassung, dem Volksbildungswesen ein Mindestmaß an öffentlicher Beachtung und Unterstützung aus öffentlichen Mitteln zu sichern, das zur fruchtbaren Arbeit dringend benötigt wird. Während das Reich bisher nur in geringem Umfang die Volksbildungsarbeit, insbesondere die sogenannten Spitzenverbände der Volksbildungsbewegung unterstützt hat, haben die Länder ihr Augenmerk stärker auf die Beschaffung von Beratungseinrichtungen und auf die Unterstützung zentraler Arbeitsstellen für Volksbildung gerichtet, deren forschende, beratende und lehrende Tätigkeit der praktischen Arbeit im Lande die wichtigsten Voraussetzungen schafft. Da aber auch die Ländermittel, von denen ein Teil an örtliche Volksbildungseinrichtungen fließt, gering sind, mußten Lücken entstehen. So ist es vor allem beklagenswert, daß der Heimatgedanke in der Volksbildungsarbeit stets in Gefahr ist, von zentralistischen Bestrebungen unterdrückt zu werden. Die wichtigen Lebensräume der Landschaft und des Stammes, Lebensräume, die zugleich Kulturräume sind und deren reale Existenz und fortzeugende Bedeutung nur der hemmungslose Befürworter einer unterschiedslosen Entwicklung zu einer— wahrscheinlich dann in Verlin erzeugten deutschen Einheitskultur hin leugnen wird, finden in der Volksbildungsarbeit heute eine noch zu geringe Beachtung. Wer ist nun berufen, diese Lücke auszufüllen? Indem die Reichsverfassung den Gemeinden die Förderung des Volksbildungswesens zur Pflicht macht, beauftragt sie sinnvoll auch die großen Kommunalverbände: in Preußen somit die Provinzialverbände. Es unterliegt keinem Zweifel, daß die Provinzen, zu deren Kulturaufgaben die Heimatpflege bereits gehört, die Pflicht haben, durch Unterstützung des Volksbildungswesens und zwar vor allem zentraler Volksbildungseinrichtungen in ihrem Bereich die Förderung der Volksbildungsarbeit zu sichern, die an dem heimatlichen Lebens- und Kulturraum nicht achtlos vorbeigeht. Auf diesem Arbeitsfelde hat der westfälische Provinzialverband das große Verdienst, in umsichtiger Weise vor drei Jahren die Förderung der zentralen westfälischen Volksbildungsbestrebungen in die Hand genommen zu haben. Man hat die Kräfte innerhalb der Provinz aufgespürt, die dem Gedanken der heimatbetonten Volksbildungsarbeit zu gewinnen waren. Dabei sind alle Voraussetzungen, die vom weltanschaulichen Standpunkt gemacht werden müssen, beachtet worden: Man hat vornehmlich an die Arbeit der Weltanschauungsgruppen angeknüpft. So ist es möglich geworden, daß in den Kreisen, die in der Volksbildungsarbeit an das Besondere, Heimatliche anknüpfen wollen, ohne dabei das Allgemeine, Deutsche aus den Augen zu verlieren, die westfälische Initiative freudig begrüßt worden ist Man wird nach dem Vorbilde Westfalens auch anderswo zu gleichen Entschlüssen und Vorkehrungen kommen. Dieses Bewußtsein, eine vorbildliche und in der unterrichteten Oeffentlichkeit anerkannte Arbeit geleistet zu haben, wird für den westfälischen Provinzialverband nur ein Ansporn sein können, auf dem eingeschlagenen Wege weiterzuschreiten. aller Welt. Das erste Barometer wurde im Jahre 1643 von Torvelli, einem Schüler Galileis hergestellt. Die Holländer behaupten, daß schon vor Gutenberg der Holländer Laurerens Coster ein Druckverfahren erfunden hätte, um zu seinem eigenen Vergnügen zu drucken. Auf Island werden die dort reichlich vorhandenen heißen Quellen, die Geysiers, benutzt, um die ganze Hauptstadt Reykjavik zu beheizen. Schon jetzt ist diese Heizungsanlage in mehren Schulen in Betrieb. In England mußten zur Zeit der Königin Elisabeth bis zur Regierung Georgs 1. die englischen Kinder rauchen, da man im Rauchen ein Vorbeugungsmittel gegen die Pest sah. Knaben, die sich weigerten, zu rauchen, sind öffentlich geprügelt worden. Dülmen den 29. Juli 1931. Schwarzarbeiter verwüsten den Arbeitsmarkt. Vom Landesarbeitsamt Westfalen wird uns geschrieben: Mit der zunehmenden Wirtschaftskrise hat die Schwarzarbeit einen so erheblichen Umsang angenommen, daß sie eine große Gefahr für den Bestand der Wirtschaft und den Beschäftigungsgrad des Arbeitsmarktes bedeutet: Die wenigen heute noch vorhandenen Beschäftigungsmöglichkeiten haben dadurch erheblich abgenommen; tausende von Arbeitern sind unnötiger Weise arbeitslos geworden. Der Einzelne, der meist um geringer finanzieller Vorteile willen Schwarzarbeit durch Erwerbslose verrichten läßt, trägt zur Erhöhung der Arbeitsnot unseres Volkes bei und bringt die Erwerbslosen in Versuchung, die Arbeislosenunterstützung zu mißbrauchen. Darüber hinaus geht er persönlich ein großes Risil ein: tritt während der Schwarzarbeit durch Unfall eine Beschädigung des bei ihm Beschäftigten ein, so kann er selbst in vollem Umfange evtl. für eine Lebensrente haftbar gemacht werden. Die Unfallberufsgenossenschaft ist berechtigt, ihm im Falle der Nichtanzeige der Beschäftigung Strafbeiträge in mehrsacher Höhe der normalen Beiträge aufzuerlegen. Unterläßt es der Arbeitslose, seinen durch Schwarzarbeit erzielten Verdienst dem Arbeitsamt anzugeben, so kann der Auftraggeber wegen Beihilfe zum Betruge haftbar gemacht werden. Da Schwarzarbeit meistens in Unkenntnis dieser Rechtsfolgen durchgeführt wird, sei nochmals dringend auf die allgemeinen vo kswirtschaftlichen Schäden und das große Risiko hingewiesen, dem sich jeder einzelne aussetzt, der entgegen den gesetzlichen Bestimmungen Schwarzarbeit verrichten läßt. Die Behörden werden mit unnachsichtlicher Schärfe gegen diese Auswüchse vorgehen. !) Haushaltungsschule. Für den neuen Kursus, der im September beginnt, werden noch einige Teilnehmerinnen gesucht. Anmeldungen werden in der Wohnung der Lehrerin, Tiberstr. 53, entgengenommen. Reichsjugendwettkämpfe des Gymnasiums. In Ergänzung unseres gestrigen Berichtes, in dem wir eingingen auf die Verfassungs=Feier des städt Gymnasiums, ist noch mitzuteilen, daß in hergebrachter Weise am Nachmittage die sportlichen Wettkämpfe der Schule stattfanden. Die Veranstaltung wurde der Not der Zeit entsprechend verhältnismäßig einfach gehalten, man verzichtete auch auf den sonst üblichen Marsch durch die Stadt. Studiendirektor Dr. Vorneseld begrüßte die erschienenen Eltern der Schüler und Freunde der Anstalt, worauf die sportlichen Wettkämpfe ihren Verlauf nahmen. Besondere Beachtung verdient der Hindernislauf der VI. und V. Zum Fußballspiel traten in diesem Jahre zwei eigene Mannschaften der Anstalt an, deren Kräfte ziemlich ausgeglichen waren Auch das Torverhältnis von 1:2 entspricht dem Spielverlauf. In der Leichtathletik waren die Vorkämpfe schon vorher ausgetragen worden sodaß jetzt nur noch die Hauptentscheidungen zwischen den aus den Vorkämpfen hervorgegangenen Siegern fielen. Zum Schlusse der Veranstaltung(etwa ½27 Uhr) nahm Studienrat Dr. Klostermann die Preisverteilung vor, die das nachstehende Ergebnis brachte. Die besten Schüler der einzelnen Klassen erhielten die Diplome des Reichspräsidenten, die alljährlich aus Anlaß der Reichsjugendwettkämpfe zur Verteilung gelangen. Vorklasse: tyrg. 1917/18: § Fahrraddiebstähle. Vor der Spar- und Darlehnskasse auf der Münsterstraße wurden am Freitag nachmittag 2 Fahrräder gestohlen. Bei dem einen Fahrrad handelt es sich um ein neues Opelrad mit Markenschild, bei dem anderen um ein Rad Marke Adler, Nummer 740546. § Gemütlicher Abend des Nieströter Schützen vereins. Unser gemütlicher Abend findet am 2. August im Lokale„Merfelder Hof“ statt. Wir weisen hiermit auf die in der Samstagsnummer dieser Zeitung erscheinende Anzeige hin. Die Ergebnisse der Gauberufsprüfung des Jung=KKV. 1931. Vor kurzem fanden in 17 Orten des deutschen Reiches die Gauberufsprüfungen des Jung=KKV. 1931 statt. Die insgesamt 500 Teilnehmer an der Gauberufsprüsung waren auf Grund von voraufgegangenen Ortsberufsprüfungen als die Besten aus der ersten Etappe der groß angelegten Reichsberufsprüfung hervorgegangen. Nunmehr handelte es sich darum, die Anwartschaft, in der letzten Etappe der Reichsberussprüfung, die am Orte der Bundesleitung in Essen stattfindet, vertreten zu sein, zu erwerben Die Ergebnisse der Gauberufsprüfung des JungKKV. 1931 gewinnen insofern ein öffentliches Interesse, als sie Zeugnis geben von dem Niveau und dem Stande der Berufsbildung unter der katholischen Kaufmannsjugend. Interessant ist hierbei die Feststellung, daß der Westen und auch zum Teil der Süden was das Niveau der Kaufmannsbildung angeht, über den durchschnittlichen Leistungen liegen. In erster Linie wird das wohl darauf zurückzuführen sein, daß die beruflichen Bildungsmöglichkeiten hier besser sind, als in den übrigen Landesteilen. Die Orts=, Gau- und Reichsberufsprüfungen sind, was die Aufgaben und Bewertungsrichtlinien angeht, nach eigenen Richtlinien des Jung=KKV aufgezogen und durchgeführt worden. Andererseits wurden Aufgaben und Bewertungsrichtlinien in engster Anlehnung an das Maß von Vorbildung und Kenntnissen aufgestellt, die die kaufmännische Berufsschule von ihren Schülern voraussetzt bezw fordert. Im allgemeinen kann man die erfreuliche Tatsache feststellen, daß der berufliche Eifer innerhalb unserer Kaufmannsjugend sehr groß ist. Gerade die Aussicht, als Sieger in die letzte Etappe in der Reichsberufsprüfung nach Essen aufzusteigen, hat der Reichsberufsprüfung des Jung=KKV. einen besonderen Reiz und eine besondere Eigentümlichkeit verliehen, mit anderen Worten: die Staffelung nach drei Etappen hat sich als durchaus zweckentsprechend und berufsfördernd erwiesen Die in diesem Jahre erstmalig durchgeführte Reichsberufsprüfung wird im Jung=KKV. in den nächsten Jahren ihre Wiederholung bezw ihren weiteren Ausbau finden. Angesichts der schon jetzt vorliegenden Ergebnisse darf man sagen, daß der Jung=KKV. sich mit der Durchführung der Reichsberufsprüfung auch ein großes Verdienst um die Berufsförderung und Berufsbildung des kaufmänn Nachwuchses erworben hat. Kein Knls.=Verbandstag. Der für die Tage vom 6.—9 August in Danzig vorgesehene diesjährige Verbandstag des Verbandes katholischer kaufmännischer Vereinigungen Deutschlands (Sitz Essen) ist wegen der augenblicklichen allgemein politischen und wirtschaftlichen Lage abgesagt worden Wenn auch diese Absage weiten Kreisen im fernen Osten unseres Vaterlandes eine bittere Enttäuschung bereitet, so glaubte die Verbandsleitung dennoch, in der gegenwärtigen Zeit die Verantwortung für die Abhaltung eines großen Verbandstages nicht tragen zu können. Buldern und Hiddingsel den 29. Juli 1931. Vom Bulderner Sportwerbetag. Ungefähr 100 Sportler des Bezirks Münster trafen sich am Sonntag in Buldern anläßlich einer Werbeveranstaltung der Adler=Leute. Programmgemäß marschierte um 2 Uhr die stattliche Zahl der Jugendkraftler mit schnittiger Musikbegleitung zur Kirche. Am Kriegerdenkmal wurde durch Kranzniederlegung der gefallenen Krieger gedacht. In der Festandacht richtete Religionslehrer Friedrichs aus Münster warmempfundene Worte an die Erschienenen und wies auf die Bedeutung. Zweck und Ziel der DIK. besonders hin. Mit den noch hinzugekommenen Gästen ging es hierauf nach einem Umzuge durch das Dorf zum Sportplatz, wo H. H. Vikar Bücker hier im Namen der DIK. die Gäste begrüßt, vor allem die Ehrengäste, Kreisjugendpfleger Eversmann, Bürgermeister Devens, Pfarrer Deittert Lehrer Schwarze und Turnwart Knüvener. Bürgermeister Devens brachte in einer Ansprache seine Freude über die guten Erfolge der DIK. zum Ausdruck und wünschte dem Verein ein weiteres Blühen. Nach Hochrufen auf das Vaterland und den Reichspräsidenten spielte die Musikkapelle das Deutschlandlied. Sodann begannen in 3 Klassen die Wettkämpfe. Der beengten Platzverhältnisse halber hatte man das Programm kurz gehalten. Für die Jugend gab es einen Dreikampf, für die Senioren den 100-Meter-Lauf, sowie das Kugelstoßen. Durch Irrtum kam in der 1. Jugendklasse W. Uhlending um den sicheren Sieg. Ein glänzendes Rennen war der 100=Meter=Lauf der Senioren, der neben einem Adlermann und einem Münster'schen Borussen zwei Dülmener im Rennen sah. Hier siegte nach schärfstem Kampf Eugen Niehoff(Adler Buldern) um Handbreite vor Ludw. Buthmann(Sportfreunde) in 11,4 Sek. Dritter wurde Höltker(Sportfreunde) in 11,5 Sek, der im Endlauf ein schwaches Rennen lieferte, obwohl er im Zwischenlauf mit 11,3 die absolut beste Zeit des Tages lief. Ein Fußballspiel zweier Auswahlmannschaften sah die Kombination Wacker=Appelhülsen — Adler=Buldern mit 6:0 gegen Lünen— Bork siegreich. Das bereits am Mittag stattgesundene Spiel der Alten Herren Buldern=Appelhülsen endete nach schönem Verlauf mit 2:1 für Buldern. Bei der Siegerehrung erhielten folgende Dülmener den schlichten Eichenkranz: Senioren: 100 Meter: 2 L. Buthmann, 11,4 Sek., 3. H. Höltker, 11.5 Sek. Kuaelstosten: 4. H. Höltker, 9,45 Meter. 1. Jugend: Dreikampf: 2 W. Uhlending, 110 Punkte, 6. Hövener, 84 Punkte. 2. Jugend: 5. Reinermann 58 Punkte Nachdem nun die Siegerverkündigung erfolgt war, ordneten sich die Sportler zu einem Zuge und in langen bunten Reihen zog er sich durch Bulderns Straßen: nach dem Vereinslokale, woselbst der für die Bulderner Jugend unter reger Anteilnahme der Bevölkerung so ereignisreiche Tag seinen Abschluß sand Aus der Umgebung *Osnabrück, 28. Juli.(Schweres Bootsunglück auf dem Dümmer See.) Ein Vereinsausflug, den 10 Mitglieder des Notburgavereins aus Osnabrück am letzten Sonntag zum Dümmer See unternahmen, fand bei der Ueberfahrt von Damme aus über den Dümmer ein tragisches Ende. Als das Boot mit welchem sich 18 Personen von der Oldenburger Seite aus übersetzen lassen wollten sich mitten auf dem Dümmer befand, geriet es in einen Wirbelsturm und kenterte. Bei dem anhaltenden Sturm und dem hohen Wellengang war trotz der geringen Tiefe des Dümmersees ein Schwimmen unmöglich außerdem waren die meisten des Schwimmens unkundig. Unter den vielen jungen Mädchen spielten sich tragische Szenen ab. Verzweiselt klammerten sie sich an den Rumpf des Bootes und riefen gellend um Hilfe. Ihre Todesangst dauerte 2 Stunden, bis endlich Segelboote in Sicht kamen, um die außerordentliche schwierige Rettung durchzuführen. Vollkommen erschöpft landeten die Geretteten am Hüder Ufer. Leider ist bei diesem schweren Bootsunglück auch ein Todesopfer zu beklagen. Die Führerin der Gruppe, Frl. Hanna Durst aus Osnabrück, die sich am Boot nicht mehr halten konnte, versank in den Fluten und ertrank. Ihre Leiche konnte Montag geborgen werden. *Paderborn, 28. Juli.(Lippisch=Preußischer „Grenzfall": In Lippe wird getanzt— in Preußen löscht man den Durst.) An der Grenze im Süden des Lipperlandes liegt auf lippischem Gebiet eine Ortschaft, die den Namen Beldrom(mit V) hat. Auf preußischem Gebiet, hart an der Grenze, befindet sich ein Dorf, das ebenfalls Feldrom(aber mit F) heißt. In diesem preußischen Feldrom feiert man alljährlich das Schützenfest. In diesem Jahre jedoch war ein großer Teil der Einwohnerschaft mit Rücksicht auf die wirtschaftliche Lage gegen die Veranstaltung des Schützenfestes. Auch der Amtmann in Nieheim war wahrscheinlich ebenfalls der Ansicht, daß das Schützenfest überflüssig sei. Er gab jedenfalls nicht die polizeilich notwendige Genehmigung zu dem Volksfest. Der festesfreudige Teil der Schützen sann nun auf einen Ausweg und fand ihn auch. Man beschloß einfach, das Volksfest nicht auf preußischem sondern auf lippischem Gebiet, also einen kleinen Schritt über die Grenze im lippischen Veldrom zu feiern. Der lippische Landrat genehmigte als zuständige Polizeibehörde das Fest, da bei Schützenfesten bekanntlich auch Vergnügungs- und Biersteuern in die Kassen der Gemeinden fließen. Das Schützenfest soll nun an der idyllisch gelegenen Kattenmühle stattfinden. Dabei ist das Tanzzelt auf lippischem Gebiet errichtet worden und die Vergnügungssteuer wird dem lippischen Veldrom zusließen. Dagegen ist das Bierzelt auf preußischem Gebiet aufgebaut, weil nämlich in dem preußischen Feldrom keine Biersteuer erhoben wird. Es ist nun also so, daß man in Lippe tanzen, aber in Preußen Bier trinken wird auf diesem Schützenfest. Dabei hat man die Unkosten noch herabgedrückt, indem keine Biersteuer gezahlt zu werden braucht. Alle Hindernisse sind beseitigt, der lippischpreußische Grenzsall beigelegt— das Schützenfest kann beginnen. Verantwortlich: Dülmener Schriftleitung: Dr. Wilh. Blank, Dülmen.— Zenoteil: Politik und Allgemeines: Dr. Maser; Feuilleton: Jos. Hom. beide in Dortmund; Berliner Redattion: Dr. Häfner, Berlin=Lichterfelde. Vereinsanzeigen. Dülmen: Jugendherbergsverband Dülmen. Für den Monat Auaust werden Ausweise und Mitgliedskarten von unserem 2. Vorsitzenden, Herrn Engelmann, Lüdinghauserstraße 85, ausgestellt. Eisenbahnverein Dülmen. Am Sonntag, den 2. August macht der Verein einen Ausflug zur Wirtschaft Friedag in Welte. Daselbst gemeinschaftliches Kaffeetrinken, Preisschießen und Kinderbelustigung. Abfahrt ab Bahnhof Dülmen=Ost 14,24 Uhr nach Merfeld. Der Verein geht von hier geschlossen mit Musik zum Lokal. Um rege Beteiligung der Mitglieder wird gebeten. KartoffelnVerkauf! Am Freitag, den 31. Juli 1931, abends 7 Uhr, werde ich für Herrn Landwirt Heinrich Weiling in Sythen 2-3 Mrg. vorzgl. Kartoffeln (Früh= und Spätkartoffeln) abteilungsweise gegen Kredit verkaufen. Sammelplatz auf der Chaussee Dülmen— Haltern an der Westfälischen Geflügelfarm Herberhold. Dülmen. den 24. Juli 1931. Johannes Bockholt beeid. Auktionator Kartoffeln=Verkauf. Im Auftrage des Herrn Bulsberg zu Dernekamp werde ich in der Nahe seines Hofes am Freitag, den 31. Juli 1931, nachmittags 2 Uhr 2 Morgen Frühkartoffeln (blaue Odenwälder) abteilungsweise, öffentlich gegen Kredit verkaufen. Dülmen, den 27. Juli Johannes beeid. 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