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U- und kypoUnst. Bedingungen. Frößte Sicherheit. wischenkredite in eeigneten Fällen. Lantwirtsch. par-Verträge nach gönstigem Sondertarit L. Auskunft durch: r. mundinzer. münsier L W. ernrut 25 ertrudenstraße 28. Dülmener Dülmener Anzeiger/ Amtliches Kreisblatt für den Kreis Coesfeld/ Dülmener Volkszeitung Gegründet 1874 Verlag: J. Horstmann'sche Buchhandlung, Dülmen i. Marts Gegründet 1874 Erscheint täglich, auch Sonn= und Feiertags— Telegramm=Adresse: Zeitung Dülmen— Fernruf 578— Postscheckkonto Dortmund 5815— Postverlagsort Münster(Westí) 2 Nummer 203 Samstaa, den 25. Juli 1931 Jahrgang 1931 Nach London mit Energie an Selbsthilfe! Kampf um Luther. Von unserer Berliner Redaktion. + Berlin, 24. Juli.(Drahtb.) Reichskanzler Dr. Brüning und Reichsaußenminister Dr. Curtius werden nach den ungemein anstrengenden Tagen in Paris und London auch nach ihrer Rückkehr nach Berlin keine Ruhe finden. Am Samstag wird der Reichskanzler dem Kabinett über den Verlauf der Verhandlungen mit den Staatsmännern der onderen sechs Staaten Bericht erstatten. Bevor noch der Samstag zur Neige geht, wird der amerikanische Außenminister Stimson in der Reichshauptstadt eintreffen und am Montag kommen Mac Donald und Henderson. Nach der Abreise der ausländischen Gäste wird in den internationalen Verhandlungen eine gewisse Ruhepause eintreten, die von der Reichsregierung zu benutzen sein wird, um Maßnahmen zu einer Konsolidierung der deutschen Wirtschaft zu treffen. Es wird dem deutschen Volk voraussichtlich noch manches schwere Opfer auferlegt werden müssen. Wie weit durch neue Notverordnungen der Geld= und Zahlungsverkehr geregelt werden muß, hängt in erster Linie davon ab, wie weit das in Aussicht genommene Stillhaltekonsortium in den nächsten Tagen gedeiht. Die Reichsbank wird mit Schutzmitteln gegen die Devisenflucht nicht mehr zu lange warten dürfen. Funktioniert das Stillhaltekonsortium nicht binnen kürzester Frist, so wird ein Auslandsmoratorium unvermeidlich sein. Im Zusammenhang mit den bevorstehenden Maßnahmen der Neichsregierung ist in der Presse ein Kampf um die Person des Reichsbankpräsidenten Dr. Luther entbrannt. Mehrere Blätter üben scharfe Kritik an den bisherigen Maßnahmen des Reichsbankpräsidenten. Fast einmütig wird betont, daß durch früheres festes Zupacken viel Unheil hätte verhütet werden können. Besonders der„Börsenkurier“ macht sich zum Sprachrohr der Kreise, die Dr. Luther verabschiedet sehen möchten. In dem genannten Blatt heißt es u. a.: „Die Londoner Konferenz hat damit aufgehört, womit sie hätte beginnen können, wenn die Reichsbank das Selbstverständliche nur rechtzeitig getan hätte. Die tragisch unzulängliche Vorarbeit der Reichsbank ist der Grund, daß der deutsche Reichskanzler aus Paris und London mit leeren Händen zurückgekehrt ist. Die internationalen Fachleute müssen eine Reichsbank vorfinden, die sich ihrer naturgemäßen Funktionen und Machtmittel bewußt ist, vor allem eine Reichsbank, die noch aktionsfähig ist. Auch jetzt wieder hängt alles davon ab, daß der Zahlungsverkehr sofort in Ordnung gebracht wird und daß dabei kein einziger Mißgriff mehr unterläuft. Jetzt können Experimente und verspätete Maßnahmen nicht mehr in Kauf genommen werden.“ Aus diesen Forderungen folgert der„Börsenkurier“, daß Dr. Luther einem anderen seinen Platz räumen mulse. Er könne Reichsinnenminister oder Kommissar für die Reichsreform werden. Um die schroffe Forderung des Rücktritts des Reichsbankpräsidenten etwas zu verzuckern, verabreicht der„Börsenkurier“ am Schluß seiner Ausführungen folgende süße Pille: „Kaum ein zweiter wäre wie Dr. Luther berufen, die Reichsreform so in die Wirklichkeit überzuführen, daß das deutsche Volk seinen Namen mit dauerndem Dank ehren und seine Leistung neben die des Freiherrn vom Stein setzen werde.“ Künftiger Reichswirtschaftsminister oder Reichsbankpräsident? Geheimrat Dr. Hermann sorstandsmitglied der J. G. Farben=Industrie, nahm ls Berater des Reichskanzlers an den Londoner Verandlungen teil und hat von seiner Tätigkeit im Farbentrust her den Ruf eines hervorragenden Finanz= und Wirtschaftsfachmannes. In wieweit bei den zuständigen Stellen die Absicht besteht, den Reichsbankpräsidenten Dr. Luther von seinem Posten abzuberufen, läßt sich nicht mit Bestimmtheit nachprüfen. Von ausschlaggebender Bedeutung wird auch der Bericht des Reichskanzlers sein. Im Zusammenhang mit den neuen Maßnahmen der Reichsregierung auf wirtschaftspolitischem Gebiet wird auch in verschiedenen Blättern das Gerücht verbreitet, die Ernennung des Geheimrats Dr. Schmitz von der J. G. Farbenindustrie zum Reichswirtschaftsminister stehe unmittelbar bevor. An zuständiger Reichsstelle war hierüber nichts Positives zu erfahren. Tatsache ist jedoch, daß Dr. Schmitz bei den Londoner Verhandlungen als Berater der Reichsregierung zugegen war und daß somit Reichskanzler Dr. Brüning seine Ansichten über die wirtschaftlichen Erfordernisse genau kennt. An allen diesen greifbaren Merkmalen ist zu erkennen, daß wir auf finanziellem und wirtschaftlichem Gebiet nicht vorwärts kommen, wenn die rein politischen Fragen in den Vordergrund geschoben werden. Die von Frankreich erhobenen politischen Forderungen hat Reichskanzler Dr. Brüning als unannehmbar für Deutschland angesehen. An der Reichsregierung wird es jetzt liegen, mit neuen brauchbaren Vorschlägen herauszukommen. Es handelt sich nicht um eine aktive Außenpolitik, wie sie von der nationalen Opposition gewünscht wird, sondern um das wirkliche Bemühen, mit Frankreich auf einer gemeinsamen Basis zusammenzutreffen, um eine langfristige Anleihe, die trotz aller Selbsthilfe notwendig ist, schließlich doch für Deutschland zu sichern. Es trifft sich ganz gut, daß der französische Ministerpräsident und der französische Außenminister erst später ihren angekündigten Besuch in Berlin machen wollen. In der Zwischenzeit hat alles zu geschehen, was nur irgendwie zu einer Entspannung auf dem Gebiet der außenpolitischen Beziehungen beitragen kann. Die Heimreise der Delegationen von London. Gemeinsame Fahrt Brünings und Lavals. London, 24. Juli. Die deutsche, die französische und die belgische Delegation haben heute vormittag 11 Uhr vom ViktoriaBahnhof aus im gleichen Zuge London verlassen. Briand war bereits um 9 Uhr mit einem früheren Zuge gefahren. Zusammen mit Dr. Brüning und Dr. Curtius reisten auch Dr. Melchior und Geheimrat Schmitz von der J. G. Farben. Ein Teil der deutschen Herren war bereits um 10 Uhr mit einem anderen Zuge über Vlissingen nach Deutschland abgefahren. Der französische Botschafter kam kurz vor Abfahrt des Zuges zu dem Wagen der deutschen Herren und verabschiedete sich von ihnen in herzlicher Weise. Auch zahlreiche andere hervorragende Persönlichkeiten hatten sich auf dem Bahnhof eingefunden, um den deutschen Ministern Lebewohl zu sagen. Unter Glückwunschrufen setzte sich der Zug in Bewegung. Es ist durchaus möglich, daß die deutschen Minister auf der Fahrt nach Calais noch eine Besprechung mit dem französischen Ministerpräsidenten haben werden. * Verabschiedung von Laval in Calais X Paris, 24. Juli. Heute nachmittag sind mit dem Dampfer„Canterbury“ die deutsche und die französische Delegation, von Dover kommend, in Calais eingetroffen. Bevor die deutsche Delegation um 14,40 Uhr mit dem Nordexpreß nach Berlin weiterfuhr, verabschiedeten sich Reichskanzler Dr. Brüning und Reichsaußenminister Dr. Curtius herzlich von den französischen Ministern. Der Reichskanzler dankte dem französischen Ministerpräsidenten Laval für die herzliche Aufnahme, die der deutschen Delegation während ihres Aufenthalts in Frankreich zuteil geworden ist. * Die französischen Minister wieder in Paris. X Paris, 24. Juli. Ministerpräsident Laval, Finanzminister Flandin und Unterstaatssekretär Francois Poncet sind heute nachmittag gegen 18 Uhr in Paris eingetroffen. Sie wurden am Bahnhof von einer Anzahl Minister, unter denen man weder Maginot noch Tardien bemerkte, begrüßt. Außenminister Briand in Begleitung des Generalsekretärs des Auswärtigen, Berthelot, hat sich im Auto direkt von Calais nach Paris begeben. * Flandin und Laval über London. X Paris, 24. Juli. Finanzminister Flandin hat dem Londoner Sonderberichterstatter der Agentur Havas folgendes erklärt: Die Londoner Konferenz ist in einer Atmosphäre guten Willens beendet worden. Sie konnte nicht mehr erreichen, als sie erreicht hat. Weder die Franzosen noch die Amerikaner konnten zulassen, daß man die Revisiion der Verpflichtungen zwischen den Regierungen untereinander diskutierte. Die Konsolidierung der alten und die Schaffung neuer Kredite ist eine Angelegenheit der Banken und nicht der Regierungen Alles, was man von den Regierungen verlangen kann, ist, daß sie an der Wiederaufrichtung des Vertrauens mitarbeiten. Mehr als je hängt es jetzt vom Schuldner ab, Anstrengungen zu machen, um das Vertrauen zu vergrößern. Ich kann mich nicht über die Frage aussprechen, ob die gegenwärtige europäische Krise allein durch die Mittel überwunden werden kann, die man in London vorgeschlagen hat. Wenn ja, umso besser, wenn nein, istes nötig, auf die Mittel zurückzukommen, die von uns in Paris angegeben worden sind. Angesichts der Verantwortung der Regierung sind natürlich präzise und solide Garantien Voraussetzungen. Die öffentliche Meinung wird uns, wie ich hoffe Dank wissen, insbesondere dem Ministerpräsidenten Laval, daß wir unseren Standpunkt fest aufrechterhalten haben, dessen Wohlbegründetheit übrigens von Niemand bestritten worden ist und daß wir zugleich für eine moralische Annäherung bereit sind, die die Zukunft vorbereiten muß. In einer Aeußerung des Ministerpräsidenten Laval heißt es: Ich wage zu sagen, daß die Unterhaltungen der französischen Minister mit den deutschen Ministern, sowie meine Unterhaltung mit Reichskanzler Dr. Brüning uns zu einer Politik führen, die, wenn man Vorsicht walten läßt, zu einer vertrauensvollen Zusammenarbeit mit Deutschland führen kann. Es gibt keinen Kredit ohne Vertrauen. Es gibt kein Vertrauen in der Welt, wenn keine Harmonie zwischen zwei großen Völkern herrscht. Da ist die Rettung, da ist der Friede! So verstehen es alle Nationen, mit welchen uns Bande der Freundschaft verbinden. Unsere Aufgabe ist noch lange nicht beendet. In dem Geiste, der uns in Paris und in London geleitet hat, werden wir weiter handeln. * Die Ministerbesuche in Berlin. — Berlin, 24. Juli. Staatssekretär Stimson trifft am Sonnabend nachmittag um 17,06 Uhr in Berlin ein. Der Besuch trägt, wie von zuständiger Stelle mitgeteilt wird, nichtamtlichen Charakter. Stimson wird am Montag bereits wieder abreisen. Der englische Außenminister Henderson kommt am Montag vormittag um 8,38 Uhr in Berlin an, wahrend Mac Donald nachmittags mit dem Flugzeug eintrifft. Die beiden englischen Minister werden im„Kaiserhof“ Wohnung nehmen. Der ursprüngliche Plan, auf einige Zeit nach Hubertusstock zu gehen, ist fallen gelassen worden, und was den Gegenbesuch der französischen Minister in Berlin angeht, so ist entgegen Pressemeldungen an zuständiger Stelle in Berlin noch nicht bekannt, wann er stattfinden wird. Doch rechnet man vor der Genfer Völkerbundstagung damit. Im Zusammenhang mit dem bevorstehenden Besuch von Finanzsachverständigen in Berlin wird von zuständiger Stelle ausdrücklich darauf aufmerksam gemacht, daß es sich um zwei Ausschüsse handelt, von denen der eine ein Ausschuß von Vertretern ist, die von den Gouverneuren der Zentralbanken ernannt und formell von der BJ3 bestätigt werden, während es sich bei dem anderen Ausschuß um eine Reihe von Bankiers handelt, die auf deutsche Initiative nach Berlin eingeladen werden, um hier die Lage zu prüfen. * Zusammentritt des Londoner Sachverständigenausschusses. X London, 24. Juli. Der Sachverständigenausschuß ist heute vormittag erneut zusammengetreten und hat die Beratung in dem Punkte wieder aufgenommen, wo er beim letzten Wochenende aufhörte, nämlich bei der Frage der Sachlieferungen. Tagesfragen. Der Reichs= London hat für die deutsche hontdiatant, Wirtschaftskrise, wie wir gestern bankoiskont. schon an dieser Stelle betont haben, eine Zwischenlösung gebracht. Das Ergebnis ist wirtschaftlich mager, weil die politischen Gegebenheiten mehr nicht zustandekommen ließen. Aber nach Lage der Dinge muß es als relativ befriedigend angesehen werden, weil vorher zu befürchten stand, daß die Sache schlimmer ausfallen könnte. Und so ist auch wohl die Aeußerung des Reichskanzlers zu verstehen, daß der Ausgang der Konferenz ein sehr guter sei. Rein politisch betrachtet, ist London ohne Frage ein Erfolg für Brüning, rein wirtschaftlich betrachtet ist dagegen nicht viel mehr herausgekommen als ein Sprungbrett. Mehr war, wie der Reichskanzler im einzelnen überzeugend dargelegt hat, einfach nicht herauszuholen. Schuld daran ist das Mißtrauen, das aus unseren innerpolitischen Zuständen und dann auch verstärkt aus dem Zusammenbruch der Nordwolle und der Danat=Bank in der Welt sich gegen Deutschland aufgetürmt hat und nicht durch staatsmännische Gespräche von ein paar Tagen beseitigt werden kann. Darum also jetzt zunächst Selbsthilfe! Das aber heißt vor allen Dingen Ordnung des Zahlungsverkehrs und Wiederherstellung unserer Kreditwirtschaft. Die Neuregelung des Verkehrs der Banken und Sparkassen durch die letzte Notverordnung bis zum nächsten Dienstag hat nirgends große Befriedigung ausgelöst. Wenn auch die deutsche Wirtschaft trotz der Einschränkungen des Zahlungsverteyrs eine starke Widerstandskraft bewiesen hat, so drohen doch bei einem Anhalten der Hemmungen des Geldverkehrs, Industrie und Handel allmählich zu erstarren. Deshalb wird allgemein die Forderung erhoben, so schnell wie möglich wieder zu einem regulären Bankverkehr zu kommen. Diese Meinung ist auch einhellig in einer Sitzung der Privatbankiers zum Ausdruck gekommen. Nur über den Weg gingen die Meinungen auseinder. Die Mehrheit forderte geeignete Maßnahmen der Reichsbank, die es den Banken ermöglichen, einschließlich der Danatbank an demselben Tage die Schalter zu öffnen und voll auszuzahlen. Die Auszahlung sollte durch weitgehendes Entgegenkommen der Reichsbank den Banken gegenüber, d. h. durch verstärkte Lombardmöglichkeiten usw., gewährleistet werden und müßte Hand in Hand gehen mit einer Heraufsetzung des Reichsbankdiskonts. Ueber den Grad dieser Diskontsteigerung dreht sich jetzt die Diskussion. Die„Frankfurter Zeitung" und einige Berliner Blätter fordern nach wie vor Heraufsetzung des Diskonts auf 20 bis 25 Prozent. Nach unseren Informationen entsprechen aber Nachrichten, wonach in den nächsten Tagen eine Heraufsetzung des Reichsbankdiskontsatzes von 10 auf 25 Prozent erfolgen wird, nicht den Tatsachen. Man steht an maßgebender Stelle auf dem Standpunkt, daß eine solche Diskontmaßnahme, solange der Zahlungsverkehr in der gegebenen Form aufrecht erhalten bleibt, praktisch ohne Wirkung sei. Die Frage einer weiteren Heraufsetzung des Diskontsatzes, die wohl zur Erörterung stehe, könne zu einer praktischen Entscheidung erst dann gebracht werden, wenn der Zahlungsverkehr weitestgehend gelockert und der normale Verkehr der Banken wieder hergestellt werde. Die Erwägungen der Reichsbank betreffen, ewie wir weiter hören, eine Erhöhung des Diskontsatzes auf 15 Prozent. Diese dürfte zweckentsprechend und hinreichend sein. Wir schließen uns in dieser Hinsicht der„Kölnischen Zeitung“ an, die auf die Frage, was die Reichsbank nunmehr tun solle, folgende Antwort gibt: Die Reichsbank hat dem Ausland gegenüber Klarheit. Sie muß jetzt im Inland die Unsicherheit des wirtschaftlichen Verkehrs zu beseitigen versuchen. Die einen fordern von ihr eine solche Erhöhung des Diskonts, daß das Gleichgewicht von selber sich einstellt. Das ist die eindeutige Forderung des Exerzierreglements der Theorie: Diskont herauf, damit Waren und Devisen sich lockern, damit die Preise sinken, damit die Kredite zurückbezahlt werden, damit die Ausfuhr steigt und daraus Devisen kommen. Dieses Exerzierreglement, so bestechend einfach es ist, hat nur einen Fehler. Es ist für einigermaßen normale Zeiten gedacht. Es setzt eine Hochkonjunktur voraus, überspannten Kredit, überhöhte Preise und überfüllte Lager und einen einigermaßen aufnahmefähigen und aufnahmewilligen Markt, in Deutschland und in der Welt. Die gegenwärtige Wirtschaftslage erfüllt kaum eine dieser Voraussetzungen. Gewiß kann man für die strenge Diskontpolitik noch ins Feld führen, daß die vorausgegangene Deflation im Verhältnis zur Weltwirtschaft noch nicht stark genug war und daß wir nun einmal mit dem Abzug von 4 Milliarden Auslandkredit als vollendeter Tatsache rechnen müssen. Man übersieht aber, daß die Stockungen im Zahlungs= und Kreditverkehr fast ausschließlich psychologisch bedinat sind. Gegen das außerwirtschaftlich bedingte Mißtrauen hilft aber der Diskont nichts oder nur wenig. Das muß der Politik überlassen werden. Wie aber soll die Wirtschaft die Zinsen aufdringen, die ein Diskont von 20 oder gar 30 Prozent von ihr fordern würde? Ein Reinigungsprozeß ist recht und gut in einer Wirtschaft, die sich übernommen hat. Er wird uns auch bei 10 Prozent Diskont und der straffen Restriktion nicht erspart bleiben. Aber wir machen schon seit 1929 eine Reinigung durch, und eine Ueberzahl von starken Gliedern hat unsere Wirtschaft nicht mehr aufzuweisen. Wenn man mit dem Diskont alles erschlagen wollte, was im Augenblick schwach ist, bliebe von unserer Wirtschaft nichts mehr als ein armseliger Torso. Mit einer ge schwächten Wirtschaft muß man vorsichtiger umgehen. Man muß ihr Zeit lassen, sich anzupassen. Man muß einen Uebergang auf Umwegen suchen. Wir haben unter den gegebenen Verhältnissen nichtsgegen eine nochmalige Diskonterhöhung einzuwenden. Aber 15 Prozent erscheint uns als obere Grenze, die nicht überschritten werden sollte. Der Lombardsatz käme dadurch schon auf 20 Prozent. Wenn uns aus Bankkreisen versichert wird, auch eine Erhöhung auf 15 Prozent wäre verhängnisvoll und außerdem wirkungslos, so meinen wir, die Reichsbank sollte doch den Diskont nochmals anziehen, um jedes Mittel anzuwenden, das mithilft, den Zahlungs= und Kreditverkehr wieder in Ordnung zu bringen. Es ist nicht unwahrscheinlich, daß die Reichsbank schon heute oichtige Beschlüsse fassen wird, nachdem Gehaimrat Vocke, der als ihr Vertreter an den Londoner Verhandlungen teilgenommen hat, nach Berlin zurückgekehrt ist und über seine Londoner Erfahrungen hat Bericht erstatten können. Nochmals die Um die Reisenotverhundert=Mark= ordnung geht die Diskussion weiter, zumal man Verordnung. als eine weitere üble Folge von ihr vernimmt, daß Firmen mit Geschäftsbeziehungen zum Ausland ihre inländischen Geschäftsreisenden kündigen, um die lästige Bescheinigung durch die zuständige Polizeibehörde zu vermeiden, daß es sich jedesmal um eine nachweisbar notwendige Reise handelt, und durch Anstellung ausländischer Reisender, die frei ein= und ausreisen können, die kostspielige 100=MarkGebühr zu sparen. Die letzten, gestern gemeldeten Ausnahmen von der Verordnung haben zu all den Protesten nun aber auch noch verfassungsrechtliche Bedenken erweckt. Nach Artikel 109 der Reichsverfassung, so wird beipielsweise in der„B. Z.“ argumentiert, sind alle Deutschen vor dem Gesetz gleich. Man sieht aber, daß dieser Grundsatz bei den an sich erfreulichen Erleichterungen verletzt worden ist. Es ist verfassungsrechtlich nicht zulässig, die Angehörigen bestimmter Vereine steuerlich besser zu stellen als die Angehörigen anderer Vereine. Es geht auch nicht an, organisierte Wanderer von dem Ausreisegeld zu befreien, von unorganisierten Wanderern aber das Geld zu nehmen. Auch ist es verfassungsrechtlich unzulässig, Wanderer besser oder schlechter zu stellen, als z. B. Automobilisten. Die Bestimmung des Artikels 109 besagt nach den führenden Kommentaren, daß die Gesetze vollzogen werden müssen, ohne Ansehen der Person, sonst ist der Grundsatz der Gleichheit verletzt. Das ist aber hier der Fall, oenn die Durchführungsverordnung schafft Sonderrechte und Privilegien für bestimmte Personengruppen. Zu diesem Einwand, der uns stichhaltig erscheint, wird das Reichskabinett sich äußern müssen. Das muß man auch dann verlangen, wenn man wie wir die Reisenotverordnung als im Kern richtig ansieht. Nun hatten aber auch noch mehrere Berliner Blätter behauptet, das Reichskabinett sei sich schon einig gewesen, von dieser Reiseverordnung Abstand zu nehmen. Entgegen diesem Entschluß sei aber der Minister Treviranus in seiner Rundfunkrede hervorgeprellt und habe danach die Schaffung der Verordnung herbeigeführt. Hierzu wird allerdings von zuständiger Stelle bereits erklärt, daß in einer Kabinettssitzung, die unmittelbar vor der Rundsunkrede des Reichsministers Treviranus stattgefunden habe, von Vizekanzler und Reichsfinanzminister Dietrich der Beschluß des Kabinetts über die 100=MarkGebühr zu Protokoll gegeben worden sei. Hiernach kann also auch nicht eine andere Version stimmen, die behauptet, Treviranus hätte den ablehnenden Beschluß des Kabinetts verschlasen und dann„versehentlich“ im Rundfunk den noch nicht gefaßten Beschluß als Tatsache verkündet. * Wetterlé † In Ouchy in der Westschweiz ist im Alter von 70 Jahren Emile Wetterlé gestorben, jener elsaß-lothringische Abbé, der wohl am nachdrücklichsten für die Wiedervereinigung der früheren Reichslande mit Frankreich gewirkt hat. Der geborene Colmarer, der zehn Jahre alt war, als der Friede von Frankfurt den deutschfranzösischen Krieg bendete, war nach theologischem Studium und nach kurzer seelsorgerischer Tätigkeit auf dem Wege über die Redaktion des 1873 gegründeten französischen„Journal de Colmar“ in das politische Getriebe gekommen. Fünf Jahre später wurde er vom Wahlkreis Rappoldsweiler in den Reichstag gewählt, später auch in den elsaß=lothringischen Landesausschuß, aus dem dann der Landtag der Reichslande entstanden ist. Gewiß wurde das geistige Aufgehen der Elsässer und Lothringer in Deutschland zu einem guten Teil auch durch die Fehler der der Volkspsychose nicht gerecht werdenden, allzu preußischen elsaß-lothringischen Verwaltung verhindert, zum anderen aber war es doch die Unversöhnlichkeit, Hartnäckigkeit und Gewandtheit, mit der die Richtung im elsaß=lothringischen Zentrum, die namentlich Wetterlé vertrat, sich im Volke ihren Anhang sicherte. Während die Mehrzahl der im Elsaß gewählten katholischen Abgeordneten 1907 der Reichstagsfraktion des Zentrums beitraten, blieb Wetterlé mit drei anderen Abgeordneten, auf die er Einfluß hatte, der Fraktion fern, und er ist ihr ferngeblieben, solange er dem Reichstag angehörte. Damals mag man das bedauert haben, weil es ganz abwegig zu sein schien, daß im kotholischen, volklich deutschen Elsaß das Verlangen einer Rückkehr nach Frankreich, zumal nach dessen Bruch mit dem Vatikan durch die Laisierungsgesetze, eine stärkere Bedeutung haben könnte als all die anderen Fragen, die das politische Leben Deutschlands beschäftigten. Erst als der Krieg ausbrach und Wetterlé nach Frankreich flüchtete, da erkannte man richtig, wie stark sich dieser Mann zu den Franzosen hingezogen fühlte, und da hat es natürlich niemand im Zentrum mehr bedauert, daß man mit Wetterlé keine Gemeinschaft gefunden hatte. Heute mag es manchem widerstreben, unter den jetzt klarer erkannten Zuständen im ehemaligen, trotz 43 jähriger Trennung von Frankreich nicht wirklich deutsch gewordenen Reichslande Wetterlé als einen gemeinen Landesverräter anzusehen. Damals, da war die Flucht dieses Reichstagsabgeordneten nach Frankreich eine Tat, die gerade uns katholische Deutsche verletzte und in unseren Reihen besonders scharf verurteilt wurde. Auch heute noch können wir sein Tun und Wirken gewiß nicht billigen, aber man denkt doch etwas milder darüber, zumal wenn man sich überlegt, wie man über einen der Deutschen in den abgetrennten Gebieten denken würde, der seine Zugehörigkeit zu Deutschland nicht vergessen kann und zu entsprechenden Konsequenzen gegebenenfalls bereit wäre. Wetterlé wirkte während der ganzen Dauer des Krieges in Frankreich für die Loslöjung Eljaß=Lothringens vom Deutschen Reiche und dessen Wiedervereinigung mit Frankreich.“ In Marsaille wurde ihm dafür ein Denkmal errichtet. Nach dem Kriege kehrte er als Ritter der Ehrenlegion wieder nach Colmar zurück. Er übernahm dort die Redaktion seines nunmehr„Le Rhin francais" benannten Blattes. Bis 1924 war er Mitglieder der franz. Kammer, dann wurde er nicht mehr gewählt. Durch die Vermittlung Poincarés wurde er in Rom zum geistlichen Attaché der französischen Botschaft beim Vatikan ernannk. Vor etwa drei Wochen begab er sich nach Ouchy, wo er nunmehr einem Schlaganfall erlegen ist. In Frankreich wird man sagen, daß ein glühender, leidenschaftlicher Patriot ins Jenseits abberufen worden ist. Im Elsaß hat er sich nach der Kriege durch seinen gegen die Autonomie gerichteten politischen Eifer indessen doch manche Sympathien verscherzt. Der französische Standpunkt zur Zollunion. Paul-Boncour vor dem Internationalen Gerichtshof. :: Haag, 21. Juli. Nachdem an den vorhergehenden Tagen Prof. Dr. Bruns dem deutschen Prof. Dr. Kaufmann=Bonn und der ihm zur Seite stehende Wiener Rechtsanwalt und Universitätsprofessor Dr. Sperl die österreichische Thesen zur Frage der Zollunion vor dem Ständigen Internationalen Gerichtshof auseinandergesetzt hatten, hörte man heute das Plädoyer des französischen Regierungsvertreters Paul Boncour, der einleitend auf die Bemühungen Frankreichs, insbesondere auf das Briandsche Paneuropaprojekt hinwies, deren Zweck gewesen sei, anstelle der früheren Zollunion regionale Abkommen innerhalb des Völkerbundsrahmens zu setzen. Daher, so erklärte er, die Aufregung in d reöffentlichen Meinung Europas, als bekannt wurde, daß zwei an der Völkerbundsarbeit beteiligten Staaten im Begriff seien, eine Zollunion abzuschließen. Diese Zollunion sei die Einleitung zu einer engeren staatsrechtlichen Verbindung beider Staaten und daher eine Gesahr für die Unabhängigkeit Oesterreichs, die vertraglich nicht beeinträchtigt werden dürfte. Es genüge dazu, wenn bewiesen werde, daß eine einzige Bestimmung des Wiener Protokolls mit dem für das internationale Statut Oesterreichs maßgebenden Vertragsbestimmungen in Widerspruch stene. Der zweite Absatz des Artikels 88 des Vertrages von St. Germain gehe in seiner Bedeutung über den Inhalt des Absatzes 1 hinaus. Als verboten müsse für Oesterreich nicht nur jede Tat gelten, durch die die österreichische Unabhängigkeit unmittelbar aufgegeben werde, sondern schon sede Handlung, die diese Unabhängigkeit unmittelbar oder mittelbar in Gefahr bringen könnte; Deutschland habe die Unabhängigkeit Oesterreichs auch im Artikel 434 des Versailler Vertrages anerkannt, in dem es sich verpflichtete, alle weiteren Friedensverträge zu respektieren, die als eine Ergänzung zum Versailler Vertrag aufgefaßt werden müßten. Infolgedessen sei Deutschland auch an den Artikel 88 des Vertrages von St. Germain gebunden. Die Bestimmungen dieses Artikels seien namentlich mit Bezug auf Absatz 2 mit ganz besonderer Sorgfalt aufgestellt worden und in diese Bestimmungen sei ein ganz bestimmter Zweck hineingelegt worden, was der Redner mit einem Rückblick auf die Entstehungsgeschichte des Vertrages von St. Germain zu begründen suchte. Paul Boncour machte den Versuch, auf Grund seiner Untersuchung mehrerer Bestimmungen des Wiener Protokolls den Nachweis zu führen, daß dieses Protokoll mit den von Oesterreich übernommenen Verpflichtungen unvereinbar sei. Er beschäftigte sich insbesondere mit vier Punkten, die seines Erachtens im Wiener Protokoll esonders bedenklich seien. Es seien dies die vorgesehene gemeinsame Zollgesetzgebung, die gemeinsame Finanzgesetzgebung für die beiderseitigen Abgaben auf den Warenverkehr, das Erfordernis einer Verständigung über den Abschluß von Handelsverträgen mit anderen Mächten und schließlich die Errichtung einer Schiedskommission zur Enteidung von Streitigkeiten zwischen beiden Vertragspartnern. Der Sinn dieser vier geplanten Einrichtungen müßte als mit dem Artikel 88 des Vertrages von St. Germain unvereinbar angesehen werden. Namentlich müßte betont werden, daß die Handlungsfreiheit der eigenen staatlichen Organe eines Landes dadurch beeinträchtigt werde, daß es sich vertraglich dazu verpflichte, seine Handels= und Sozialgesetzgebung derjenigen eines Nachbarlandes anzupassen. Das Recht, seine Zolltarife selbständig zu regeln, müsse als eine der wichtigsten Ausdrucksformen der Unabhängigkeit eines Staates abgeschlossen habe, der Anabhängigkeit eines Staates angesehen werden. Wenn Oesterreich die Zollunion mit Deutschland abgechlossen habe, werde es nicht mehr die Freiheit besitzen ein Recht auf Feststellung seiner Zollgesetzgebung und einer Zolltarife auszuüben. Seine wirtschaftliche Unabhängigkeit werde also darin schwer geschädigt. Nach diesen Darlegungen beschäftigte sich Paul Boncour mit den Fragen der Auslegung der maßgebenden Vertragsbedingungen, wobei er behauptete, die Gegenpartei versuche den Gegensatz zwischen den Bestimmungen des Wiener Protokolls und dem Artikel 88 des Vertrages von St. Germain dadurch zu überbrücken, daß sie einerseits die Bedeutung des Protokolls soviel als möglich abschwäche, während sie andererseits den Artikel 88 in seiner Tragweite mit dem Artikel 80 des Versailler Vertrages gleichsetze. Die Gegenpartei gebe jedoch dem Artikel 88 nicht nur eine unrichtige Auslegung, sondern ihre Auslegung ändere ihn sogar. Ferner mache die Gegenpartei den Fehler, die dem Völkerbundsrat hinsichtlich der Wahrung der österreichischen Unabhängtgkeit zuerkannten Befugnisse zu gering einzuschätzen. Der Völkerbundsrat habe nicht nur ein Verweigerungs= oder Zustimmungsrecht, sondern ihm sei die Kontrolle über die Aufrechterhaltung der österreichischen Unabhängigkeit anvertraut worden. Wenn also ein Zweifel darüber bestehe, daß die Zollunion gegen die Unabhängigkeit Oesterreichs verstoße, so könne ein solcher Streitfall nur durch den Völkerbundsrat geklärt werden. Paul Boncour kam zu der Schlußfolgerung, daß wenn durch die geplante Zollunion die wirtschaftliche Unabhängigkeit Oesterreichs auch nur bedroht werde, sie als für Oesterreich unerlaubt angesehen werden müsse. Im übrigen sei es nicht notwendig, zu beweisen, daß die Zollunion sowohl mit dem Genfer Protokoll, wie mit dem Artikel 88 des Vertrages von St. Germain nicht übereinstimme, sondern es genüge der Nachweis, daß sie nur gegen eine dieser beiden Vertragsabmachungen verstoße. Scharfe Spormaßnahmen bei der Reichswehr. Berlin, 24. Juli. Das Reichswehrministerium hat im Hinblick auf die allgemeine Finanzlage des Reiches bestimmt, daß alle weiteren Uebungen des Reichsheeres, darunter auch die übliche Verlegung der Truppen auf die Truppenübungsplätze, zu unterbleiben haben. Außerdem sollen alle Dienstreisen auf das unbedingt notwendige Maß beschränkt werden. Auch Bestellungen an Lieferanten, soweit sie nicht lebensnotwendig sind, wurden rückgängig gemacht. Die Christlichen Gewerkschaften zur gegenwärtigen Lage. :: Berlin, 24. Juli. Der Hauptvorstand des Gesamtverbandes der Christlichen Gewerkschaften Deutschlands beschloß in seiner Sitzung am 23. Juli in Berlin folgende Kundgebung: Die Verhandlungen der Staatsmänner haben gezeigt, daß das deutsche Volk und seine Wirtschaft hauptsächlich auf sich selbst angewiesen sind. Wir können und müssen deshalb schleunigst alle Mittel ergreifen, um mit den zur Verfügung stehenden Kapitalien und Zahlungsmitteln auszukommen und die deutsche Wirtschaft und die staatliche Ordnung zu erhalten. Dazu ist es notwendig, daß 1. die Bemühungen, über das Reparationsfeierjahr hinaus zu weiteren außenpolitischen Entlastungen zu kommen, energisch weitergeführt werden; 2. die Reichsreform und die Verwaltungsreform nunmeyr unverzüalich mit dem Ziel einer Vereinfachung und weitgehenden Verbilligung in Reich, Ländern und Gemeinden, sowie sonstige öffentlich-rechtliche Körperschaften und in der Sozialversicherung in Angriff genommen und durchgeführt werden; 3. die Reichsregierung unnachsichtlich auf Grund der geschaffenen gesetzlichen Handhabe die geflohenen Kapitalien zur Rückkehr zwingt und daß die Möglichkeiten, die die Verordnung über die Kapital= und Steuerflucht bietet, voll ausgenutzt werden; 4. die meist völlig unmotivierten Abhebungen bei den Geldinstituten aufhören und die abgehobenen Beträge schleunigst wieder eingezahlt werden; 5. das deutsche Bankwesen, gleichzeitig auch das Kartellwesen, einer schärferen Aufsicht und Kontrolle unterstellt werden und insbesondere die Leitung der Deutschen Reichsbank von ihren weitgehenden Machtbefugnissen gegenüber den Banken den entschiedensten Gebrauch macht; 6. alsbald die längst notwendige Reform des Aktienrechts vorgenommen wird; 7. die im Artikel 165 der Reichsverfassung vorgesehenen Wirtschaftskörper gebildet und insbesondere die bestehenden Wirtschaftskammern paritätisch zusammengesetzt werden; 8. die drückendsten sozialen Bestimmungen der Notverordnung baldmöglichst geändert werden und daß allen sozialen reaktionären Bestrebungen auch staatlicherseits entgegengetreten wird; 9. in dieser Notzeit alle gesetzlichen Handhaben benutzt werden, um die Ruhe und Ordnung im Innern aufrecht zu erhalten und daß gegen Hetzer und Ruhestörer, gleichgültig wo sie stehen, auf Grund der Gesetze und Verordnungen vorgegangen wird. Diese erneut über das deutsche Volk hereingebrochene Not wird und kann nur dann überwunden werden, wenn das Parteigezänk zurückgestellt wird und alle Stände und Schichten der Bevölkerung. insbesondere auch die Arbeitnehmer und Arbeitgeber zusammenstehen und gemeinsam Hand ans Werk legen. Die Finanzierung der Erntebewegung. Berlin, 24. Juli. Amtlich wird mitgeteilt: Die unter Leitung des Reichsernährungsministers mit der Reichsbank, den zentralen landwirtschaftlichen Kreditinstituten und den Vertretern der Landwirtschaft geführten Verhandlungen haben folgendes Ergebnis gehabt: Die Reichsbank hat sich bereit erklärt, den zur Finanzierung der Erntebewegung notigen Rediskontkredit für die Mühlen und die Getreidehändler zur Verfügung zu stellen. Darüber hinaus wird sie über die Rentenbankkreditanstalt zusätzliche Rediskontlerungsmöglichkeiten, insbesondere auch für die Warengenossenschaften, gewähren, um so die Finanzierung der Getreidebewegung sicherzustellen. Dieses Eingreifen der Reichsbank eröffnet den Weg für eine geordnete Abwicklung des Getreide= und Mehlverkehrs. Briefwechsel zwischen Wirtschaftspartei und Deutschnationalen. :: Berlin, 24. Juli. Auf einen Brief der Wirtschaftspartei, in dem die Deutschnationale Reichstagsfraktion ersucht wird, sich dem Antrage der Wirtschaftspartei auf Einberufung des Aeltestenrats und Einberufung des Auswärtigen Ausschusses anzuschließen, hat die Deutschnakionale Reichstagsfraktion folgende Antwort erteilt: Auf das Schreiben vom 23. d. M. erwidern wir ergebenst, daß wir im Falle eines erneuten Zusammentritts des Aeltestenrats zwecks Erörterung einer etwaigen Einberufung des Reichstags entsprechend unserer bisherigen Haltung für die Einberufung des Reichstags eintreten werden. Nachdem der Vertreter Ihrer Fraktion in der letzten Sitzung des Aeltestenrats der von uns und anderen Fraktionen geforderten sofortigen Einberufung des Reichstages nicht zugestimmt hat, sehen wir uns aber nicht in der Lage, uns dem von Ihnen im Gegensatz zu dieser Stellungnahme an demselben Tage gestellten Antrag auf Einberufung des Aeltestenrats zur erneuten Behandlung der gleichen Angelegenheit anzuschließen. Auf die Einberufung des Auswärtigen Ausschuises legen wir im Augenblick keinen Wert, zumal die Verhandlungen dort hinter verschlossenen Türen geführt werden würden. ordnete Gregor Strasser geradesteht, wonach die Worte des Herrn Frank eine bedauerliche rednerische Verirrung seien. Hitler habe wiederholt kategorisch erklärt, daß die sogenannte Südtiroler Frage zwischen einem faschistischen Italien und einem nationalsozialistischen Deutschland nicht einmal Diskussionspunkt(!!) sein werde. Das Blatt wird gebeten, diese Erklärung der Direktion der Faschistischen Partei mitzuteilen.„Popolo d'Italia“ veröffentlicht ferner ein Telegramm, das sein Bozener Mitarbeiter von Hitier aus München erhalten habe, in dem Hitler gleichfalls die angeblichen Ausführundes Dr. Frank für unmaßgebli gen de klärt. er. Die Lage in Sevilla ruhiger. X Madrid, 24. Juli. Die Lage in Sevilla war am Donnerstag abend im allgemeinen ruhiger. In der Nacht zum Freitag wurde bei einem ernenten Feuerübersall auf die Militärkaserne ein Hauptmann der Bürgergarde getötet.„Die bekanntesten Führer der Kommunisten und Anarchisten sind in der Festung untergebracht. Bei den Straßenkämpfen am Donnerstag wurden u. a. vier syndikalistische Führer getötet. Das Hauptaquartier der Kommunisten, die sogenannte Taverne von Cornella wurde Donnerstag abend durch Artilleriefeuer vollkommen zerstört. Das Gebäude war von den Aufständischen in eine Art Festung umgebaut worden. Neue Ermittlungen in Sachen Nordwolle. + Bremen, 24. Juli. Die Justizpressestelle Bremen teilt in Sachen Nordwolle mit: Der Untersuchungsrichter beschäftigt sich zur Zeit mit der Durchprüfung des UltramareMaterials nebst Unterlagen. Die bisherigen Ergebnisse begründen den dringenden Verdacht, daß durch Buchungen über die Ultramare Filschungen der Bilanzen der Nordwolle vorgenommen worden sind.(Konkursverbreechen§§ 239 u. 244 Konkursordnung.) Bezüglich der Bilanz von 1929 besteht die begründete Annahme, daß Verpflichtungen in Höhe von mindestens 25 Millionen RM. nicht aufgeführt gewesen sind. Für das Jahr 1930 bewegen sich die Ermittlungen in der gleichen Richtung. Sie sind bereits beträchtlich fortgeschritten. Eine vollständige Aufklärung dieser Vorgänge dürfte nach Angabe des Untersuchungsrichters in Kürze zu erwarten sein. Außerdem erstreckt sich das Ermittlungsverfahren in der Richtung des Betruges, begangen gegenüber den Banken und auf Verstöße gegen§ 312 Handelsgesetzbuch. Die Angeschuldigten sind mehrmals verhört worden. Eine Haftbeschwerde ist bislang von den Angeklagten Karl Lahusen und Heinz Lahusen nicht eingelegt worden. Das Urteil über die Revolte im Erziehungshaus. Lüneburg, 24. Juli. Unter großem Andrang des Publikums erfolgte heute nachmittag die Urteilsverkündung Im Scheuen=Prozen, der seit Wochen vor dem hiesigen Schwurgericht verhandelt worden ist und bekanntlich die Zustände im Berliner Erziehungshaus Scheuen bei Celle zum Gegenstande hatte. Nach dem vom Vorsitzenden, Landgerichtsrat Echte, verlundeten Spruch des Schwurgerichts wird der Leiter des Erziehungshauses Straube zu zwei Jahren Gesängnis verurteilt. 13 Zöglinge von der Straube ergebenen und an den Mißhandlungen der übrigen Zöglinge aktiv beteiligten Gruppe erhalten eine Gefängnisstrafe von vier Wochen bis zu acht Monaten. Einer von ihnen erhält eine Geldstrase von 30 Mark. während zwei andere freigesprochen werden. Die 18 Zöglinge der Revoltearuppe werden zu Gefängnisstrafen von fünf Wochen bis zu zwei Monaten verurteilt. Sämtlichen Angeklagten wird die Untersuchungshaft angerechnet, sodaß die Revoltegruppe größtenteils ihre Strafe verbüßt hat. Aus der Urteilsbegründung ist folgendes zu entnehmen: Das Gericht hat sich mit Vorgängen befaßt, die in keiner Erziehungsanstalt geduldet werden können. nicht der Mann. der sich der schweren AufStraube war. d Mann s gabe, die ihm in Scheuen gestellt war, gewachsen zeigte. Die Erzieher der Anstalt waren völlig ungeeignet. Straube fehlten die wichtigsten Voraussetzungen zum Erzieher, und er hatte auch kein System in seinen Strafen. Straube war theoretisch ein Gegner der Prügelstrafe, praktisch Gericht aberein Prügelpädagöge. Das t hielt es Nationalsozialistischer Rückzug vor dem Faschismus. Die Südtrioler Frage für den Nationalsozialismus einmal Diskussionspunkt! X Rom, 23. Juli. In den ersten Tagen des Juli hat ein Herr Dr. Frank(gemeint kann nur der nationalsozialistische Reichstagsabgeordnete Dr. Frank sein. Die Redaktion) aus München in einer vom Verband Nationalsozialistischer Studenten in Innsbruck einberufenen Versammlung nach Berichten italienischer Blätter u. a. erklärt, nur ein Deutschland von Salurn bis zur Nordsee könne an die Befreiung der dem Mutterlande entrissenen deutschen Gebiete denken. Diese Worte haben in der italienischen Presse scharfe Kommentare ausgelöst. Der„Popolo d'Italia“ ver= öffentlicht nunmehr eine von seinem Bozener Mitarbeiter eingeforderte Antwort der Nationalsozialistischen Parteileitung, für die in Vertretung des abwesenden Parteiführers Hitler der Reichstagsabgefur erwiesen, daß Straube von der grausamen Strafe des Schlafentzuges an zwei Zöglingen Kenntnis hatte. Er hat durch Nichteinschreiten seine Pflicht verletzt. Der Vorsitzende schilderte dann die Tatsache des Revolteverlaufs und ging zur Würdigung der Aussagen der Angeklagten über, denen grundsätzlich Glauben zu schenken sei. Das Gericht hat festgestellt, daß bei der Revoltkeine Notwehr vorlaa. Die Bildung eines bewaffneten Haufens sei erwiesen. Bedenklich in Straubes Verhalten sei die Führung der von ihm bewaffneten Jungen zum Kampf gewesen. Das Gericht habe jedoch zugunsten von Straube Notwehr anaenommen. Alle späteren Maßnahmen Straubes seien nicht als Notwehr anzusehen. Er habe sich von seinem Zorn hinreißen lassen und in 25 Fällen geschlagen. Vorwiegend habe sich Straube strafbar gemacht gegen die 85 223 und 340 des Strafgesetzbuches. Der Vorsitzende gab eine Darstellung der als erwiesen angesehenen Mißhandlungen und begründete damit das Urteil gegen die einzelnen Angeklagten. Straube seien mildernde Umstände im weitesten Maße angerechnet. Bei den übrigen Angeklagten sei berücksichtigt, daß mehrere von ihnen psychopathisch veranlagt und vermindert zurechnungsfähig sind. Das Gericht lehnte zum Schluß den Antrag des Staatsanwalts auf Haftbefehl gegen Straube ab, da auch heute kein Fluchtverdacht vorliege. Die Verhandlungen wurden dann abgeschlossen. Schwerer Unfall beim Staubeckenbau Ottmachau. = Ottmachan, 24. Juli. Bei den Arbeiten am Staubeckenbau in Ottmachau ereignete sich heute nachmittag ein schwerer Unglücksfall, der zwei Menschenleben forderte. Eine Lokomotive befand sich mit zwei Wagen auf der Fahrt nach der Umflutmulde, als plötzlich der vordere Wagen entgleiste und auch die Lokomotive umgeworfen wurde. Der 27 Jahre alte verheiratete Lokomotipführer Stehr aus Eleiwitz und der ledige 31 Jahre alte Heizer Kinne aus Ottmachau wurden beim Umstürzen der Lokomotive durch die ausströmenden Dämpfe verdrüht und waren auf der Stelle tot. Von der Geschäftsleitung der Arbeitsgemeinschaft Dammbau wird mitgete daß sich die Gleise und das Arbeitsmaterial im ordnungsmäßigen Zustand befunden haben Beilage Samstag, den 25. Juli 1931 Nr. 203 Aus Zeit und Leben. Die Diplomatin. In Pariser diplomatischen Kreisen geht das Gerücht, daß der russische Botschafter Dowgalewski demnächst abberufen wird, weil man in Moskau darüber verstimmt ist, daß der frühere Chef der russischen Handelsabteilung in der französischen Hauptstadt, ein Neffe des Botschafters, ironisch ablehnte, nach Moskau zur Rechenschaftsablegung zu fahren. Man macht sich auch schon darüber Gedanken, wer denn Dowgalewskis Nachfolger an der Seine werden soll? Pikanter Weise fiel man auf die sowjetrussische Diplomatin, Frau Kollontai, die sich bekanntlich als sowjetrussische Gesandtin in Oslo und Stockholm dadurch auszeichnete, daß sie keinerlei proletarische Allüren an sich hatte. In der Umgegend des Quai d'Orsay glaubt man, daß Madame Kollontai sich alsbald mit Madame France verstehen würde. * Der verschwun= Vor einem Jahre, im Juli dene Vizekonsul. lsche Fielonnl in Marsaille, ohne daß es der französischen Kriminalpolizei gelungen wäre, auch nur eine Spur des verschwundenen Mr. Reginald Lee zu entdecken. Seltsamerweise kommt jetzt in diese dunkle Affäre etwas Licht aus dem fernsten Östen, aus Tokio. Die japanischen Behörden verhafteten nämlich dieser Tage einen Kaufmann, namens Kitada, der sich als Rauschgifthändler strafbar gemacht hatte. Kitada gestand, daß er im November 1929 nach Deutschland reiste, um hier einen umfassenden Rauschgifthandel nach dem fernen Osten zu organiseren. Da ihm aber die deutschen Beörden zu wachsam waren, verlegte er seine Tätigkeit nach der Türkei. Von hier gab er eine beträchtliche Sendung von Rauschgiften nach Japan auf, doch verschiffte re sie zunächst nach Marsaille, wo sie auf ein Schiff, das nach Japan fuhr, umgeladen werden sollte. Nach dem Geständnis von Kitada entdeckte der britische Vizekonsul Reginald Lee den verbotenen Handel und beschlagnahmte die Rauschgifte. Er wurde daraufhin von den Händlern ermordet, die seinen Leichsam ins Meer warfen. Die Arktis=Fahrt des Zeppelin. Auch ein Verbrechen. Der höchste Gerichtshof in Calcutta verurteile soeben 2 jugendliche Mohammedaner zum Tode, die einen Buchhänder namens Senam 7. Mai d. J. ermordet hatten. In den Gerichtsverhandlungen stellte sich heraus, daß Sen der Verfasser eines Geschichtswerkes war, das unter anderen Bildern auch ein Bildnis Mohammeds, des Propheten, aus dem 15. Jahrhundert enthielt. Für dieses„Verbrechen“ ermordeten ihn die beiden jugendlichen Mohammedaner. Nach mohammedanischer Auffassung ist nämlich die Wiedergabe einer Photographie eine Beleidigung, die Genuatuung erfordert. Die englischen Richter hatten für diese Auffassung der Moslems aber kein Verständnis, denn sie überlegten, wohin es führen müßte, wenn bei den religiösen Verschiedenheiten in Indien jede Sekte, umbekümmert um die vorhandenen Behörden, zur Selbstjustiz greifen würde. Eine wissenschaftliche Expedition. Friedrichshafen, 24. Juli Friedrichshafen bietet auch heute wieder das gewohnte Bild eines großen Tages. Vor dem Start, der um 9,15 Uhr erfolgte, erklärte Dr. Eckener u. a.: Es war, wie bekannt sein wird, eine Lieblingsidee des Grafen Zeppelin, sein Luftschiff einmal im Dienst wissenschaftlicher Forschung verwender zu sehen, und besonders das unzugängliche Gebiet der Arktis schien ihm der Erforschung durch das Luftschiff vorbehalten zu sein. Wir wollen versuchen, den Gedanken des Grafen Zeppelin Durchführung zu bringen. Ich bebauere lebhaft, daß die Fahrt in einer so überaus ernsten Zeit stattfindet, wo das deutsche Volk um sein Geschick, ich möchte sagen, um sein nacktes Dasein bangt. Aber vor drei Wochen, als der Ernst unserer Lage uns schlagartig bekannt wurde, waren die Vorbereitungen schon so weit gediehen, daß sie nicht mehr abgebrochen werden konnten. Es waren schon Gelehrte aus Amerika und aus dem sonstigen Auslande unterwegs nach Friedrichshafen. Deshalb müssen wir das begonnene Werk zu Ende führen. Aber ich möchte mit stärkstem Nachdruck betonen, daß es sich um eine ernste Expedition handelt, um eine Fahrt im Interesse der Wissenschaft, auf der jetzt Deutschlands Zukunftshoffnungen beruhen. Ueberdies: Die Kosten der Fahrt trägt. wie bei der Nordamerika= und Südamerikafahrt, nicht das Reich und das deutsche Volk, sondern zu 75 Prozent das Ausland uno zu 25 Prozent die Philatelisten inaller Welt. So treten wir unsere Fahrt mit Ruhe und unbeschwertem Gewissen an. In 6 Tagen hoffen wir, Ihnen von einer erfolgreichen Fahrt weiter berichten zu können. Nach Dr. Eckener äußerte sich Ingenieur Dänerle und Kapitän Schiller über die Aenderungen am Luftschiff und über die Ausrüstung der Expedition. Dänerle erklärte, daß keine Aenderung an der maschinellen Ausrüstung vorzunehmen nötig gewesen sei; man mußte bloß zu dem Kühlwasser ein Gefrierschutzmittel hinzufügen. So könnte ruhig bis zu 20 Grad Kälte ertragen werden, sollte die Kälte noch stärker werden, so seien weitere Gefrierschutzmittel genügend an Bord. Außerdem sei auch dafür gesorgt, daß die Maschine mit heißem Oel erwärmt werden können. Kapitän von Schiller kam nochmals auf die bekannte Tatsache zurück, daß in der Gondel gewisse Umbauten für den Arktisflug vorgenommen werden mußten. Er erklärte, daß so reichlich Betriebsstoffe an Bord seien, daß das Luftschiff 5. 6 ja 7 Tage in der Luft sein könne, ohne daß irgendwelche Beunruhigungen notwendig seien. Da es sich um eine wissenschaftliche Expedition handelt, habe man auf jeden Komfort verzichten können. Kapitän von Schiller betonte ausdrücklich, daß eine eigentliche Polarfahrt nicht in Frage komme, das Gebiet, das man wissenschaftlich zu erforschen gedenke, sei noch ungefähr 600 km vom Polentfernt. Zum Schluß äußerte sich der wissenschaftliche Leiter der Expedition der russische Professor Samoilowitsch, über Ziel und Zweck der Reise. Er erklärte u. a. daß die Expedition hoffe, noch festes Land zu entdecken. Hauptsächlich jedoch wolle man Beobachtungen machen, wie das europäische Klima durch die Arktis beeinflußt werde. An Bord des Schiffes sind 30 Besatzungsleute, darunter Dr. Eckener mit den Luftschifführern Lehmann, Flemming, von Schiller und Pruß sowie 16 Passagiere. * Zwischenlandung in Staaken. :: Berlin, 24. Juli. Auf der Arktisfahrt ist das Luftschiff„Graf Zeppelin“ um 18 Uhr in Berlin=Staaken gelandet. Nachdem das Luftschiff bereits um 15.30 Uhr über den westlichen Vororten der Reichshauptstadt erschienen war, stellte sich heraus, daß die Landung wegen starker Sonnenböen hinausgeschoben werden mußte. Nach einigen Schleifen über der Reichshauptstadt, wo der Zeppelin auf den Straßen und Plätzen lebhaft begrüßt wurde und nach einem Abstecher in die Mark erschien das Luftschiff um 17,40 Uhr über dem Flugplatz Staaken. Nach dem nur fünf Minuten dauernden Landungsmanöver wurde das Luftschiff nach seinem Aufsetzen am Ankermast festgemacht. Zum Empfang der Expeditionsteilnehmer hatten sich u. a. eingefunden als Vertreter des Reichsverkehrsministeriums Ministerialrat Dr. Hegert, Oberbürgermeister Dr. Sahm, der russische Botschafter, der Kommandeur der Berliner Schutzpolizei, Oberst Heimannsberg. Major Parseval und Admiral a. D. Spieß. Morgen früh um 4,30 Uhr soll nach der Ergänzung des Betriebsstoffes und Proviantes der Aufstieg zur Weiterfahrt vor sich gehen. * Eisbrecher„Malygin" hat FranzJosefs=Land erreicht. :: Moskau, 24. Juli. Nach einem Funkspruch von dem Eisbrecher„Malygin“, teilte Professor Wiese mit, daß der Eisbrecher das Franz=Josefs=Land erreicht hat und dort auf die Zusammenkunft mit dem„Graf Zeppelin“ wartet. Die Forderungen der Kinderreichen. Gegen kindesfeindliche Agitation und falsche Wirtschaftsführung!- Für volkserhaltende Familienpolitik! Die Reichstagung in Köln. Köln statt. Der Pilot und die Krokodile. Auf seinem Fluge von Mbarara nach Enteppe mußte der englische Fliegerleutnant Vines auf dem Viktoria=See notlanden. Unglückseligerweise geriet er in einen Sumpf, der von Krokodilen nur so wimmelte. Der Pilot hielt zunächst auf seinem Flugzeuge aus, als er aber bis an den Hals im Sumpfe stak, mußte er sich notgedrungen durch den dichten Papyrus durcharbeiten, was ihm schließlich in mehrstündiger Arbeit gelang. Es war nahezu ein Wunder, daß er den Krokodilen entrann. 300 Eingeborene, die sich mit Speeren bewaffneten und Trommeln mit sich führten, um die Krokodile zu verscheuchen, suchten zwei Tage lang nach dem versunkenen Flugzeug, doch vergebens. Die Tagung des Reichsbundes der Kinderreichen Deutschlands fand am 18. und 19. Juli Aus allen Reichsgebieten, besonders von Vertreter entwurde n esvorsitzender Kont Begrüßungsansprache hielt. Er betonte den eisernen Willen des Bundes, dafür zu kämpfen„daß in allen staatspolitischen Erwägungen die Sorge für Familie und Volk richtungbestimmend und entscheidend werde. Die Versammlung nahm sodann den umfangreichen Geschäftsbericht entgegen, der sich eingehend mit der durch die Bundesgeschäftsstelle und die Bundesführung geleisteten Arbeit befaßt. Nachdem auch der Kassenbericht und der Haushaltsplan für 1931 besprochen worden war, ferner der Schriftleiter des Bundesblattes und der Leiter des Pressedienstes ihre Berichte erstattet hatten, wurde dem Vorstande einstimmige Entlastung erteilt. Anschließend fand noch eine rege Aussprache statt über die Lage der kinderreichen Familien und deren nicht überall anzutreffende Anerkennung. Nach der Mittagspause wurden die vielen Anträge, die alle Gebiete der Familienpolitik in sozialer und kultureller Hinsicht behandelten, in eingehender Weise beraten und entschieden. Man stirtt auch nicht daran. DINNNINNRININNNNENNAAIINNNNNNEINIMRIAmNMINIRANNIHIANNEEI Roman von Fr. Lehne. 12) Joseph sagte weiter:„Die Stellung bei deiner Mutter wäre etwas für Greta! Sie ist auch im Haushalt sehr erfahren! Dafür, daß die Familie ganz einwandfrei ist, kann ich bürgen!“ „Gut. Sepp, ich werde es mir überlegen! Ob sie oder eine andere es ist, bleibt sich schließlich gleich! Es ist ja auch nur für einige Monate!“ meinte er in gleichgültigem Ton.„sie kann sich meiner Mutter ja mal vorstellen. Wenn sie ihr gefällt, mögen die Damen das Weitere unter sich abmachen! Vielleicht können wir am Sonntag in meinem Wagen irgendwohin fahren, sodaß meine Mutter Gelegenheit hat, Fräulein Holmbrand unauffällig zu beobachten. Du schweigst vorläufig, damit ahnungslos bleibt!“ Selbstverständlich versprach Joseph alles. Er zweifelte nicht, daß sie Ulrichs Mutter gefallen würde! Sie mußte ja jedem gefallen! Wenn er gewußt, wie sehr sie dem Freunde schon gefiel— er hätte sie ihm ferngehalten, hätte Welten zwischen beide gelegt! Aber in seiner Arglosigkeit vertraute er Ulrich, dessen eigentliches Wesen er nicht erkannt hatte. Er beurteilte den Freund nach seiner eigenen geraden Ehrlichkeit! Er freute sich darauf, daß vielleicht eine günstige Aenderung im Leben des geliebten Mädchens eintreten würde! Im Hause der verehrungswürdigen Mutter Ulrichs war Margareta am besten aufgehoben! So meinte er. 7. Für heute habe ich keine Wünsche mehr, liebes Kind! Sie können gehen. Ihrer Frau Mutter meine beiten Empfehlungen!“ „Vielen Dank, Frau Baronin!“ Margareta Holmbrand neigte sich über die ihr freundlich gereichte Hand der Baronin Steinheim, sich verabschiedend. Froh ging sie dann langsam nach Hause durch den Englischen Garten. Wie schön war dieser Weg in der Morgenfrühe, und dann, nach vollbrachtem Tagewerk, abends wieder nach Hause! Ganz anders war ihr Leben jetzt! mmMnnn Urheberschutz C. Ackermann, Stuttgart. Wie dankbar war sie Joseph Escher, daß sie durch ihn zu dieser angenehmen Stellung gekommen. Seit mehreren Wochen war sie Gesellschafterin der Baronin Steinheim. Sie hätte kaum eine gütigere und rücksichtsvollere Herrin finden können! Ihre Tätigkeit bei der Dame füllte nicht den ganzen Tag aus, sodaß ihr für daheim noch reichlich Zeit für ihre Arbeiten blieb. Es waren beinahe nur Tochterpflichten, die sie zu erfüllen hatte. Sie begleitete sie bei ihren Spaziergängen, ihren Einkäufen und beim Besuche der Kunstsammlungen; sie mußte ihr vorlesen und viele Briefe für sie schreiben, was sie ganz besonders freute, da durch diese Briefe sich ihr Gesichtskreis erweiterte und sie manches lernte. Denn die Baronin stand in regem Briefwechsel mit mancher bedeutenden Persönlichkeit. Auch die Briefe an Ulrich hatte sie zu schreiben, außer dem ganz Persönlichen natürlich Es berührte sie ganz eigen, wenn sie das„Du“ für ihn niederzuschreiben hatte. Er weilte in einem Nordseebade Sie hatte ihre Stellung erst nach seiner Abreise angetreten. Das hatte ihr irgendwie ihr neues Amt erleichtert, ohne daß sie sich so recht erklären konnte, warum Vielleicht fühlte sie sich durch seine weltmännische spöttelnde Ueberlegenheit in ihrem einfachen schlichten Wesen bedrängt. Sie war ja nie mit Herren zusammengekommen in der Zurückgezogenheit, in der sie mit der Mutter lebte An Joseph Eschers frische, natürliche Art hatte sie sich schnell gewöhnt Wie zu einem großen Bruder hatte sie Zutrauen zu ihn gefaßt— aber Ulrich Steinheim war ihr fremd. Sie fürchtete sich beinahe vor ihm Wenn sie ahnte, wie ihre Schönheit ihn entflammt, wie er sich in seinen Gedanken mit ihr beschäftigte, wie er unter dem Fernsein von ihr geradezu litt! Er hatte sich diese Entsagung dennoch auferlegt; Joseph sollte schon in den Ferien sein, wenn er zurückkam. Joseph durfte nicht ahnen wie groß sein Interesse an Margareta Holmbrand war; darum heuchelte er tödliche Gleichgültigkeit, obwohl alles in ihm für dieses Mädchen brannte. Sofort hatte er gemerkt, daß Joseph Escher Margareta liebte, wenn auch der Freund sein Gegen die Aufhebung des§ 218 richtet sich folgender Antrag:„Empfangenes Leben ist grundsätzlich unantastbar. Der Reichsbundausschuß lehnt die Aufhebung des§ 218 des Reichsstrafgesetzbuches ab. Der Reichsbund der Kinderreichen Deutschlands zum Schutze der Familie kämpft für die Festigung und Sicherung der sittlichen und wirtschaftlichen Grundlage der Familie, insbesondere der kinderreichen Familie unter Berufung auf den Artikel 119 der Deutschen Reichsverfassung." Die große Kundgebung Am Sonntag veranstaltete der Bund in Anwesenheit der staatlichen und städtischen Behörden im dicht besetzten großen Gürzenichsaale eine Kundgebuna. Die Begrüßung galt besonders den Vertretern der Reichs=, Staats=, städtischen und kirchlichen Behörden. Hauptredner war Medizinalrat Prof. Dr. St. Phil. Baron. Er sprach über Erhaltung und Pflege erbgesunder kinderreicher Familien. Die Schilderung des Absterbens alter Kulturvölker zeige eine überraschende Uebereinstimmung mit der gegenwärtigen Kulturlage des Abendlandes, insbesondere Deutschlands. Die Unkenntnis der Lebensgesetze in den breitesten Schichten des Volkes müsse mit allen Mitteln ausgerottet werden. Baron verlangte, daß an den Universitäten der Familienlehre, besonders der menschlichen Vererbung eine Forschungsstätte eingeräumt werden soll. Geheimnis still für sich trug; aber er konnte in ihm lesen wie in einem offenen Buch! Alles war ihm nach Wunsch gegangen. Wie er vorausgesehen, war seine Mutter von Margareta Holmbrand entzückt, deren Anmut und Schönheit, deren Taktgefühl, Bescheidenheit und große Bildung sie als Geellschafterin für eine alte, vornehme Dame geeignet ein ließen Man war schnell einig geworden. Die Höhe des ihr gebotenen Gehaltes überraschte Greta, die nur mit der Hälfte zu rechnen gewagt für ihre gewiß nicht anstrengende, obendrein sehr angenehme Tätigkeit. Sie hätte sich für den Anfang ihrer Selbständigkeit gewiß nichts Besseres wünschen können. Ihr lag vor allem daran, unabhängig von der Mutter zu werden und etwas Geld bald in der Hand zu haben. Joseph Escher war ganz glücklich, daß Greta befriedigt von ihrer Tätigkeit bei Baronin Steinheim sprach.„Wie eine Mutter ist sie gegen mich! Und so rücksichtsvoll! Ganz anders wie meine Mutter und wie Tante Amanda! Ich merke nicht, daß ich eine bezahlte Kraft bin! So dankbar bin ich Ihnen, Herr Escher!“ Der Tag von Josephs Abreise war da. Schwer war es, von dem geliebten Mädchen zu scheiden. Immer wieder hatte er überlegt, ob er ihr von seiner Liebe sprechen sollte; dann aber hatte er sich gesagt, daß dies die schöne Unbefangenheit zwischen ihnen stören würde. Er hätte, Gretas Zartgefühl schonend und seinem eigenen Empfinden folgend, sein Zimmer bei Frau Amtsrichter Holmörand aufgeben müssen, und dieses Glückes, Greta jeden Tag zu sehen, wollte er sich doch nicht berauben. Sie mußte auch so wissen wie sehr er sie liebte. Wenn er seine Studien beendet, dann würde er sie fragen, ob sie seinen Weg mit ihm gehen wollte. Ach. er hatte sie ja schon so vertraut mit seinen Plänen gemacht, und sie war so einverstanden mit allem, was er vorhatte, daß er sich gar keine bessere und verständnisvollere Lebensgefährtin wünschen konnte Wie schön und reich und verheißungsvoll lag sein Leben vor ihm! Am Abend wußte er sich ein paar Minuten des Alleinseins mit ihr zu stehlen. Er hielt ihre Hand fest.„Din Vierteljahr werden wir uns nun nicht sehen, Fräulein Greta! Werden Sie da wohl manchmal an mich denken?“ fragte er leise mit bebender Stimme „Nicht manchmal, sondern sehr oft!“ entgegnete sie mit holdem Erröten. „Und ich— ich werde immer an Sie denken!“ sagte er ganz leise, während er ihren blonden Kopf fest gegen seine Brust drückte Wahrhaftig, es stieg ihm feucht in die Augen in dem Gedanken, daß er Greta so lange nicht sehen würde, Nachdem noch mehrere Behördenvertreter, von der Stadt Köln Beigeordneter Dr. Schwering, der Tagung guthn Erfolg gewünscht hatten, wurde eine Entschließung angenommen, die im wesentlichen Jnhalt und Ergebnis der Beratungen zusammenfaßt. In der Entschließung wird gesagt: Das große Rettungswerk der deutschen Ehe und Familie setzt eine vollige Umstellung im Volksdenken und Volksempfinden voraus. Der Reichsbund der Kinderreichen Deutschlands zum Schutze der Familie e. V. verlangt, daß eine breite öffentliche Meinung geschaffen wird, um die bisherigen kümmerlichen Ansätze zum Schutze der deutschen Familie zu einem großzügigen Rettungswerk deutschen Volkstums auszubauen. An den deutschen Hochschulen hat die Familien= und Vererbungslehre bisher eine völlig unzureichende Pflege gesunden. Für sie sind an allen Hochschulen nicht nur Forschungseinrichtungen zu treffen, sondern die Familienlehre muß Pflichtfach u. a. für künftige Aerzte, Pädagogen und Volkswirtschaftler werden. Sie ist ferner als ein notwendiger Bestandteil in den Unterricht und in die Erziehung aller Schulgattungen einzubauen. Die sogenannte Eheberatung Erwachsener dar nicht zu einem Mittel der Belehrung über die Verhütung der Geburten herabgewürdigt werden, sondern sie ist in den Dienst des biologischen und moralischen Wiederaufbaues der deutschen Familie zu stellen. Der Reichsbund der Kinderreichen erstrebt die Einleitung eines Umdenkungsprozesses, demzufolge nicht der einzelne Mensch, sondern die Familie als Urbestandteil des Volkes erfaßt wird. Nur unter dieser Voraussetzung ist auch eine Umgestaltung unserer Wirtschaftsverhältnisse zu erwarten, welche die Forderungen zum Schutze der Familie endlich erfüllt. Der Bestand des Volkes und die Erhaltung seines Ahnenerbes wird nur durch die kinderreiche Familie d. h. die Familie mit durchschnittlich wenigstens vier Kindern, gesichert. Folglich muß der Reichsbund von der künftigen Wohnungs= und Siedlungspolitik die restlose Einstellung auf die wachstumsjähige Familie, nicht auf Unterbringung von Ehepaaren oder der künftigen Kleinfamilien fordern. Ferner sind die Erwerbsmöglichkeiten so zu gestalten, daß jede Familie wieder zu Eigentum gelangen kann und einen Lebensunterhalt gewinnt, der nicht nur die Fernhaltung schlimmster Not, sondern einen gewissen Wohlstand sichert. Die Notverordnuna vom 5. Juli 1931 treibt die kinderreiche Familie der Verzweiflung in die Arme und muß schließlich ihren bisherigen gesunden Widerstand gegen die familienzerstorende und kindesfeindliche Agitation brechen. Für kinderreiche Familien ist„die Grenze dessen, was wir unserem Volke an Lasten und Entbehrungen aufzuerlegen vermögen"(Aufruf der Reichsregierung), bereits längst überschritten. So sehr der Reichsbund alle Maßnahmen der Wohlfahrt für schwache und kranke Einzelmenschen und Familien begrüßt, so tief muß er es bedauern, daß die gesunde kinderreiche deutsche Familie des erforderlichen, durch die Reichsverfassung garantierten Schutzes immer noch entbehrt. Der Reichsbund der Kinderreichen erhebt hiermit schärfsten Protest gegen die zur Gewohnheit gewordene Einstellung, nach welcher die Zahl der Kinder eingeschränkt werden soll, weil die Wirtschaft sie nicht tragen könne. Er verlangt vielmehr, daß die Wirtschaft sich auf die Rettung von Familie und Kind folgerichtig einstellt, weil mit dieser Rettung das deutsche Volk steht und fällt. Wer anerkennt, daß die Menschen nicht für die Wirtschaft da sind, sondern, daß die Wirtschaft für die Menschen zu sorgen hat, wird auch Mitel und Wege für das dringend notwendige staatliche Rettungswerk, den Ausgleich der Familienlasten, finden. Die Zurückbesinnung auf die Lebensgesetze muß zu einer solgerichtig durchgeführten Familtenpolitik führen, welche die Familie als Ausgangspunkt und Ziel unseres gesamten politischen Denkens und Handelns, als den Urquell unserer Kultur in den Mittelpunkt der öffentlichen Meinung stellt. Leichenauto durchfährt geschlossene Schranke. :: Nürnberg, 24. Juli. Ein von Mühlhausen(Thüringen) nach Vad Reichenhall fahrendes Leichenautomovil durchfuhr gestern um Mitternacht die geschlossene, gut beleuchtete Schranke zwischen Sprillendorf und Hirschaid. Der Schrankenbaum spießte sich in den dritten Wagen des zu gleicher Zeit durchfahrenD=Zuges 390. Das Automobil und zwei Personenwagen des Zuges wurden beschädigt. Eine Reisende, ein Frl. Stocker aus Bamberg, erlitt anscheinend einen Nervenschock, der eine Begleiter des Automobils wurde geringfügig an der Hand verletzt. Die beschädigten zwei Personenwagen mußten in Bamberg ausgewechselt werden. Der Zug erlitt einen Aufenthalt von 28 Minuten. Greta, der sein ganzes Liebesfühlen galt. Es konnte für ihn nie eine andere Frau geben! Am liebsten hätte sie gesagt—„bleibe bei mir, schütze mich!“ Ihr wurde weh in dem Gedanken, daß Joseph nun für so lange fortging. Zu ihm hatte sie sich in ihren kleinen Nöten immer geflüchtet. Er war ihr in allem behilflich, hatte ihr manches erleichtert, sodaß er ihr wohl sehr fehlen würde. „Greta—!" Die immer klagende vorwurfsvolle Stimme der Mutter zerriß ihre Versunkenheit. Schnell folgte sie dem Rufe „Wo bleibst du nur Greta? Warum lässest du eine Ewigkeit auf dich warten?“ Das hörte Joseph noch, während er in sein Zimmer ging. Er hatte schon fertig gepackt, da er am nächsten Morgen in aller Frühe abreisen wollte. Sinnend stand er da, die Augen mit fernem Blick ins Weite gerichtet. Seine Lippen formten Worte; er atmete tief auf— das, was er nicht, noch nicht sagen durfte, niederschreiben konnte er es aber! Die Feder vermochte kaum, seinem Gedankenfluge zu folgen. Mühelos formten sich ihm die Worte zu einem jubelnden Bekenntnis seiner Liebe! Und das Lied durfte er ihr schicken; es sollte ihr sagen, was sein Mund noch verschweigen mußte! „Greta— ach. Greta—!“ Er drückte seine Hände gegen die Augen. Wie unsinnig lieb hatte er sie doch!— Nun war er fort! Leer und groß schien Greta die Wohnung ohne ihn. Förmlich verlassen kam sie sich vor, und jetzt den Launen der Mutter, die sich in seiner Gegenwart doch etwas beherrschen mußte, hilflos ausgeliefert! Gegen ihn hatte sie sich doch aussprechen können— wie gut hatte er sie doch verstanden. Richtige Sehnsucht erfaßte sie nach seinem guten treuen Gesicht, nach seiner gefestigten PerDa war es jetzt ein Glück, daß sie die Beschäftigung sein mußte! Da war es jetzt von Glück, daß sie die Beschäftigung bei der Baronin Steinheim hatte. Sie fühlte die Sympathie und das große Wohlwollen der Dame für sic. Dieses Bewußtsein nahm ihr ihre anfängliche Schüchternheit, sodaß ihr Wesen sich unendlich reizvoll und anziehend entfaltete. Einmal sprach sie der alten Dame auch von ihren Wunsch, zur Bühne zu gehen, dessen Erfüllung ihr aber durch den frühen Tod des Vaters vereitelt worden war. (Fortsetzung folgt.) Verordnung über die Förderung des freiwilligen Arbeitsdienstes. Berlin, 24. Juli Auf Grund des Gesetzes über Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung und der Notverordnung des Reichspräsidenten vom 5. Juni wird mit dem Datum vom 23. Juli eine vom Reichsarbeitsminister Dr. Steaerwald und dem Reichsminister der Finanzen, H. Dietrich, gezeichnete Verordnung über die Forderung des freiwilligen Arbeitsdienstes veröffentslicht. Sie bestimmt in Artikel 1 als Gegenstand des freiwilligen Arbeitsdienstes gemeinnützige zusätzliche Arbeiten, die als solche von der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung anerkannt sind. Artikel 2 erklärt eine Förderung nur für zuläs1g, wo die Zusammenfassung von Arbeitsgruppen im freiwilligen Arbeitsdienst nicht für politische oder siaatsfeindliche Zwecke mißbraucht wird. Wie Artikel 3 besagt, wird die Förderung für Empfänger von versicherungsmäßiger Arbeitslosenunterstützung und von Krisenunterstützung gewährt, die mit Zustimmung ihres zuständigen Arbeitsamtes beschäftigt werden. Artikel 4 sagt dem in Artikel 3 erwähnten Personenkreis Erhaltung der Unterstützung in der bisherigen Höhe und Dauer zu und bringt nähere Bestimmungen über deren Regelung. Er verfügt weiter, daß die Unterstützung statt an den Arbeitsdienstwilligen unter gewissen Beungungen an den Träger der Arbeit gezahlt werden kann. Dieser kann die Unterstützung ganz oder teilweise in Sachleistungen an die Arbeitswilligen weitergeben. Artikel 5 gestattet dem Arbeitsamt, soweit der Reichsarbeitsminister der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung besondere Reichsmittel zur Verfügung stellt, Arbeitslosenunterstützung von höchstens zwei Reichsmart wochentäglich für höchstens 20 Wochen auch solchen Arbeitsdienstwilligen zu gewähren, die aus näher bezeichneten Gründen keine Unterstützung erhalten. Die Zeit, während deren der Arbeitsdienstwillige Arbeitslosenunterstützung bezogen hat, wird auf die Unterstützungshöchstdauer angerechnet, wenn er spätet versicherungsmäßige Arbeitslosenunterstützung bezieht. Artikel 6 erklärt, daß aus einer Ablehnung oder Aufgabe des freiwilligen Arbeitsdienstes nicht auf Arbeitswilligkeit oder Arbeitlosigkeit durch eigenes Verschulden geschlossen werden darf. Ueber die Anerkennung einer Arbeit als freiwilliger Arbeitsdienst entscheidet nach Artikel 8 der Vorsitzende des Landesarbeitsamts im Benehmen mit dem Verwaltungsausschuß des Landesarbeitsamts. Artikel 9 legt die Umstände dar, unter denen auf die Beteiligung von Gemeinden am Aufwand für den freiwilligen Arbeitsdienst verzichtet werden kann. In einem solchen Falle trägt das Reich den Ausfall. Artikel 11 schreibt vor, daß der Arbeitsdienstwillige von der Arbeit abgerufen werden muß, wenn ihmeine Arbeitsstelle vermittelt werden kann. Artikel 12 regelt die Zulassung zu Beschwerden und deren Entscheidung. Artikel 13 besagt, daß die Krankenversicherung für Arbeitsdienstwillige, die versicherungsmäßige Arbeitslosenunterstützung oder Krisenun= terstützung bezogen haben, unverändert weiterläuft. Auf Arbeitsdienstwillige, die Arbeitslosenunterstützung nach Artikel 5 erhalten, finden die Vorschriften über die Krankenversicherung Arbeitsloser entsprechende Anwendung. Auch alle übrigen Arbeitsdienstwilligen sind gegen Krankheit persichert. Mit der Krankenversicherung der Arbeitsdienstwilligen ist die Versicherung gegen Arbeitslosigkeit nicht verbunden. Artikel 14 regelt die Vorschriften über Unfallversicherung. Artikel 15 über die Anwartschaften in der Invaliden=, Angestellten und knappschaftlichen Pensionsversicherung, Artikel 16 über Arbeitszeit, Sonntagsruhe, Gefahrenschutz und Arbeitsbeschränkungen für Frauen und Jugendliche. Nach Artikel 17 sind Gemeinden, in deren Bezirk eine als freiwilliger Arbeitsdienst anerkannte Arbeit ausgeführt wird, verpflichtet. Unterkunft und Verpflegung für die Arbeitsdiens messene Entschädigung zur Streitfällen obliegt der Gemeindeau endgültig anzusehende Entscheidung. Artikel 18 bestimmt, daß Arbeitsdienstwilligen, die bei volkswirtschaftlich wertvollen Arbeiten zwölf Wochen beschäftiat worden sind, ein Betraa von 1,50 Reichsmark für jeden Wochentag auf ihren Antrag hin fortlaufend gutgeschrieben werden kann. Artikel 19 verfügt, daß der gutzuschreibende Betrag nebst sechs von Hundert jährlich nachträglich am 1. März fälliger Zinsen für den Arbeitsdienstwilligen auf Ersuchen des Landesarbeitsamts in das Reichsschuldbuch eingetragen wird, wobei die Vorschriften des Reichsschuldbuchgesetzes nach bestimmten Anweisungen sinngemäß anzuwenden sind. Artikel 20 regelt Ueberwachung, Abrechnung und Berichterstattung. Diese Verordnung tritt am 3. August 1931 in Kraft. l, Uniettunft und Vertsdienstwilligen gegen angeVerfügung zu stellen. Bei meindeaufsichtsbehörde die als Das Weltecho der Londoner Konferenz. Was man in England über das Ergebnis denkt. London, 24. Juli. Die Londoner Zeitungen befassen sich heute ausführlich mit den Ergebnissen der Londoner Konfetenz und erörtern die Maßnahmen, die zu einer Stabilisierung der Wirtschaftslage Deutschlands noch zu ergreifen übrig bleiben. So führi„—imes U. a. aus, daß eine Konferenz nur dann bedeutende Ergebnisse zeitigen könne, wenn die Teilnehmer sich vorher über die Hauptrichtlinien der zutreffenden Vereinbarungen geneigt haben; in dieser zinsicht trage die britische Regierung aber einen Teil ihrer Verantwortung für die bescheidenen Ergebnille der Konferenz. Die Probleme, Minderung der Kriegsschulden und Revision der Verträge, wären bereits der Lösung näher gebracht worden, wenn nur die Bereitki. grwägen. Konkrete sammenLaval möglich. Obwohl seit Kriegsende mehr als 12 Jahre vergangen sind, seien die Beziehungen zwischen Frankreich und Deutschland in mancher Hinsicht immer noch die des Siegers und des Besieaten. Ein solcher Zustand sei unnatürlich. Es müsse einmal daran erinnert werden, daß bisher nie die Feindseligkeiten der Kriegozeit über Jahrzehnte des Friedens fortgedauert haben. e Korrespondent des„Daily Telese Franzosen sind zwar der Ansicht, wagen werneue KreGleichzeitig schaft erklärt worden wäre, sie zu erwägen. Ergebnisse seien immer noch durch eine Zularbeit zwischen Dr. Brüning und aß die„angelsächsischen" Mächte, niemals n den, Deutschland ohne französische Beteligung dite zu gewähren. Gleichzeitig aber Zum Besuch der englischen Staatsmänner in Berlin. Das Hotel Kaiserhof in Berlin, wo Premierminister MacDonald und Außenminister Henderson am Montag als Gäste der Reichsregierung Wohnung nehmen werden. Der Besuch von Hubertusstock ist abgesagt worden. war gestern abend eine gewisse Nervosität in französischen Kreisen erkennbar, als bekannt wurde, daß der Staatssekretär Stimson sofort nach Berlin geht und daß Schatzamtssekretär Mellon Besprechungen mit Dr. Brüning und Dr. Curtius hatte. Da überdies noch MacDonald und Henderson nach Deutschland gehen werden, beginnen die Franzosen Mutmaßungen über die eventuellen Ergebnisse dieser englisch=deutsch-amerikanischen Besprechungen anzuzustellen. Der Korrespondent fährt fort: Die erfreulichste Seite der Konferenz war zweifellos die Uebereinstimmung der amerikanischen und britischen Ansichten über die bezüglich Deutschland zu befolgende Politik. Niemals zuvor hat auf einer internationalen Konfetenz eine amerikanische Delegation so aktiv und vorbehaltlos mit den Engländern zusammengearbeitet. Der Korrespondent fügt hinzu, es verlaute, daß die Japaner Hilse bei Mahnahmen zur Wiederherstellung der deutschen Finanzen in Aussicht gestellt hätzten und schließt, daß einige der Empfehlungen der Konferenz in absehbarer Zeit zu bedeutsamen politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen führen dürften. „Daily Herald" schreibt, nachdem die Konferenz alles mögliche getan habe, müsse jetzt das Problem der Kriegsschulden und Reparationen aufgerollt werden. Wenn Europa nicht untergehen solle, müsse die Krisis jetzt gelöst werden. Eine Wiederholung der Krise, so ergänzt„Morning Post“ den Gedankengang des„Daily Herald“, sei vor Ablauf des Hoover=Jahres unvermeidlich, sobald nichts weiter geschehe. Die Kriegslasten müßten soweit vermindert werden, daß sie keinen unerträglichen Druck mehr auf das deutsche Wirtschaftssystem ausüben. Allerdings sei die öffentliche Meinung noch nicht reif für einen solchen Schritt. „News Chronicle“ meint, die Gefahr eines sofortigen Zusammenbruchs Deutschlands sei beseitigt. Eine Erholung Deutschlands sei aber unmöglich, solange Frankreich eine solche nicht zulassen wolle und doch liege sie im Interesse der ganzen Welt.„Financial News“ erklärt, daß der Besuch des britischen Premierministers am kommenden Montag dem deutschen Volke die Versicherung geben solle, daß es mit dem guten Willen der britischen Regierung rechnen könne,„Financial Times“ ist der Ansicht, daß die Gefahr einer Wiederaufnahme der Reparationszahlungen beseitigt werden müsse. Zwar werde verschiedentlich die Meinung vertreten, daß nur ein baldiger Zusamenbruch Deutschlands zur Hilfsbereitschaft führen und die rein nationalen Erwägungen Frankreichs, die beinahe den Hoover=Plan scheitern ließen, beiseite schieben könnten. Die Regierungen hätten die von ihnen zu lösenden Aufgaben den Banken zugeschoben; es sei daher zu hoffen, daß die Regierungen bald zu der Ansicht der Bankiers und Sachverständigen über Reparationen und Kriegsschulden bekehrt würden. * Die deutsch-französische Annäherung. Das Thema der Pariser Presse. 24. Juli. Wie der Außenpolitiker des„Matin“ die deutschfranzösischen Beziehungen als das Leitmotiv der Schlußsitzung der Londoner Konferenz hinstellt, machen sich auch die anderen Blätter diesen Gedanken für ihre abschließenden Betrachtungen zu eigen. Sauerwein schreibt, es werde von niemanden bezweifelt, daß die deutsch=französische Annäherung schwierig sei. Dieses Werk, so fährt er fort, an dem seit Jahren mit allen Mitteln gearbeitet werde, werde jetzt von Laval mit der ihm eigenen Offenheit und Einfachkeit fortgesetzt. Wenn auch Deutschland sich bewußt werde, daß es den Weg der Vernunft einzuschlagen habe, dann werde die Londoner Konferenz reiche Früchte tragen. Wenn die gestrigen deutsch=französischen Besprechungen den Rahmen protokollarischer Höflichkeit nicht überschritten hätten, erklärt„Journal", so sei dies daran gelegen, daß der Augenblick nicht gegeben sei, in dem von finanziellen und politischen Garantien gesprochen werden könne. Fest stehe aber, daß ebenso wie die französischen auch die deutschen Diplomaten eine Zusammenarbeit zwischen ihren beiden Ländern wünschten. „Echo de Paris“ sieht und wünscht Ver möglichkeiten, die se verständigungs= eiten, die bis vor kurzem nur eine Chimäre gewesen wären, und auch„Avenir“ erklärt, man könne sich beglückwünschen, daß die ischen den beiden einst feindBeziehungen zwischen lichen Regierungen besse den beiden einst geworden seien. „La Republique", das Blatt des Führers der Radikalen Daladier, bezeichnet die Tatsache, daß die Vertreter Frankreichs und Deutschland, von deren Einvernehmen die Ruhe der Welt abhänge, im Augenblick der Verständigungnäher stünden als dem Konflikt, als das wichtigste Ergebnis der Londoner Konferenz, wenn auch sonst nichts wesentliches erzielt worden sei. * Amerikanische Stimmen. :: Rewyork, 24. Juli. „Herald Tribune" schreibt in ihrem heutigen Leitartikel: Die Sieben=Mächte=Könferenz war offenbar ein Fehlschlag, soweit eine Lösung des Europaoblems in Frage kam. Indessen verhinderte sie ie Krise. Das Problem selbst, das eine Verbindung der allgemeinen Wirtschaftsdepression mit den besonderen politischen Leidenschaften und Eifersüchteleien in den enropäischen Beziehungen darstellt, ist offenbar durch eineplötzliche Aktionnichtlösbar. Die Konferenz bewies diese Auffassung und sie beschränkte sich daher auf die Abwendung unmittelbarer Gefahren. Diese Beschränkung bedeutet nicht, daß der gesamte Versuch mißlungen sei. Das Verdienst der Konserenz ist, daßsieextreme Erscheinungen einer Keise, ihre Furcht= und Erregungserscheinungen wieder auf normale Formen zuruckführte und eine Atmosphäre der Selbstbeherr sammenarbeit schuf, die weitere den vermag. „Newyork Times" führt aus, die Hauptsache sei, daß Deutschland eine sofortige Erleichterung erhalten habe und damit Zeitzum Ueberlegen, wasnunmehr geschehen solle. Auch Hoover nehme in keiner Weise an, daß bereits ganze Arbeit geleistet sei, sondern nur, daß man eine gesunde Grundlage geschaffen habe. Ebenso erwarte die Konferenz selber, daß weitere ergänzende Maßnahmen folgten, die möglicherweise aus Einzelkonferenzen hervorgingen, die man erwarten dürfe. ung und Zuefahren abzuwenMumie der Gattin im Salon des Witwers Zwangsweise Beisetzung durch die Behörde. das gerichtliche Nachspiel. X Düsseldorf, 24. Juli. Am Freitag hatte sich vor dem Schöffengericht der italienische Rechtsanwalt Dr. Macini su zu verantworten ührten, verursachten wegen Freiheitsberaubun Die Vorgänge, die zu der Tat seinerzeit berechtigtes Aufsehen. Dr. Mancini hatte die einbalsamierte Leiche seiner im Sommer 1928 verstorbenen Frau zwei Jahre lang in seiner Wohnung in Genua aufbewahrt und sie im Sommer 1930 nach Düsseldorf gebracht, wo der Sarg im Salon Aufstellung gefunden hatte. Als die Stadtverwaltung Mancini aufforderte, die Leiche beizusetzen, antwortete er, daß die mumifizierte Leiche im Zinksarg keine Leiche im Sinne der deutschen Gesetze sei. Er drohte sogar, den Oberbürgermeister wegen Hausfriedensbruches zu belangen. Der Regierungspräsident stellte ihm eine kurze Frist zur Beerdigung der Leiche. Bei einer Haussuchung wurde dann die Leiche unter einem Bett versteckt gefunden, sie wurde dann behördlicherseits aus dem Hause entfernt und beigesetzt. Bel diesem Abtransport ereigneten sich die Anklage stehenden Vorgänge. Die Beamten zur merkten eingeschlossen ist etwa eine waren das plötzlich, daß sie von Mancini und mit der Leiche nicht fort konnten. Erst Stunde später wurden die Türen durch Ueberfallkommando geöffnet. Mitangeklagt ist die 22 jährige Hausangestellte Christine Kola, ebenfalls wegen Freiheitsberaubuna. Mancini ertlärt in seiner Verteidigung, er habe die Beamten nicht eingeschlossen, auch habe er seine Hausangestellte nicht dazu verleitet da ihm noch an dem gleichen Morgen vom Amtsgericht die Erlaubnis erteilt worden sei, selbst die Leiche am anderen Tage beisetzen zu lassen. Die Mitangeklagte Kola gibt an, daß sie, als Polizeibeamte und Leichenträger in die Wohnung gegangen seien, vollständig ratlos geworden sei. Sie habe in der Aufregung die Wohnungstür verschlossen und sei ans Telefon gelaufen, um Dr. Mancini zu beachrichtigen. Wegen Freiheitsberaubung beantragte der Staatsanwalt Freispruch, denn der Tatbestand der Freiheitsberaubung liege nur dann vor, wenn die der Freiheit Beraubten nur unter Ueberwindung besondeter Schwierigkeiten die Freiheit wiedererlangten. Das Gericht sprach Dr. Mancini frei, verurteilte aber die Mitangeklagte Kola wegen Widerstandsleistung in Tateinheit mit Freiheitsberaubung zu 100 Mark Haft. Geldstrafe, ersatzweise zu zehn Tagen der 70. Katholikentag und die wirtschaftliche Not. Am Mittowch nachmittag fand unter dem Vorsitz des Präsidenten des Zentralkomitees, Furst Alois zu Löwenstein eine Vorstandssitzung des Lokalkomitees zur Vorbereitung der 70. Generalversammlung der deutschen Katholikon In Nürnberg statt. Es wurde das Thema: und der Katholikentag“ beenden waren sich einig die 70. Generalversammlung in Nürn" „Die wirtschaftliche Krise und der Katholikentag" be sprochen. Alle Anwesenden waren sich einig die 70. Ge neralversammlung in Nürnberg durchzuführen. Das Lokalkommitee und die Katholiken Nürnbergs sind entschlossen auch unter Opfern das Werk des Katholikentages weiterzuführen und rechnen auf die Unterstützung der deutschen Katholiken. Der Katholikentag soll, wie bereits geplant, in einfacher, dem Ernste der Zeit angemessener Form gehalten werden. Er soll den Opfergeist der hl. Elisabeth in den Herzen der Teilnehmer wecken und mehren. Durch Presse und Radio soll auch denen Gelegenheit gegeben werden, die Gedanken des Katholikentages in sich aufzunehmen, denen die finanzielle Lage es nicht erlaubt, ihn persönlich mitzuerleben Der Katholikentag soll durchgeführt werden auch mit Rücksicht auf die notleidende Geschäftswelt Nürnbergs, die bisher dem Katholikentag reges Interesse entgegengebracht hat. Je größer die Not ist, desto mehr werden rnverger Katholiken zusammenstehen, um den 70. deutschen Katholikentag eindrucksvoll zu gestalten. Ein Mann mit Tropenkoller ras. durch Berlin. Mit Hammer und Beil gegen Menschen und Fensterscheiben. :. Berlin, 23. Juli. Gestern abend kurz nach Geschäftsschluß wurden die Passanten der Büschingstraße und der Weinstraße im Nordosten Berlins in ungeheure Aufregung versetzt durch einen Amokläufer. der mit einem Hammer und Beil bewaffnet durch die Straßen raste. Der Wahnsinnige schlug blindlings um sich, zertrümmerte zahlreiche Schauensterscheiben und bedrohte die Passanten. Nur durch as Ueberfallkommando konnte der Mann, ein 29 Jahre alter Monteur Otto Schmidt aus der Büschingstraße, überwältigt werden. Seine Tat ist wahrscheinlich die Folge eines traurigen Lebens. Schmidt war früher jahtelang in der französischen Fremdenleaion und hatte schließlich wegen Krankheit aus dem Dienst entlassen werden müssen. Er kam vor drei Jahren nach Berlin zurück, heiratete und zog mit seiner Frau in eine Kellerwohnung. Vergeblich versuchte er, sich Arbeit zu verschaffen. Seit seiner Tropenerkrankung mußte er sich vor Alkohol streng hüten. Trank er doch einmal, so wurde er vom Tropenkoller befallen, der bei ihm in„Amoklauf“ ausartete. Gestern nachmittag hatte Schmidt mit Freunden ein paar Glas Bier getrunken. Seiner Sinne schon nicht mehr mächtig, kam er nach Hause und begann mit seiner Frau einen Streit. Die Frau flüchtete mit den beiden Kindern auf die Straße. Kaum aber war der Mann allein, als er aus seinem Werkzeugkasten Hammer und Beil an sich riß, und diese über den Kopf schwingend, auf die Straße rannte. Alle Passanten liefen von Entsetzen erfaßt auseinander. Da der Wahnsinnige niemand zu Boden schlagen konnte, steigerte sich seine sinnlose Wut immer mehr. Er lief an den Häusern entlang und zerschlug sämtliche Schaufensterscheiben, an denen er vorüberkam, im ganzen über 20 Stück. Er bog dann in die Weinstraße ein, wo er ebenfalls Scheiben zertrümmerte. Der Unglückliche soll heute untersucht und dann einer Anstalt überwiesen werden. 4 Ein Elfjähriger als Einbrecher. :: Berlin, 24. Juli. Der elfjährige Schüler Alfred Kasch wurde heute um Mitternacht bei einem Einbruch in eine Lebensmittelexpedition in Schöneberg von dem Wächter festgenommen, nachdem ihn dessen Hund gestellt und an der Hand erheblich verletzt hatte. Die polizeilichen Ermittelungen haben bisher ergeben, daß der elfjährige Junge seit Februar nicht mehr in der Schule war. An dem Einbruchsversuch waren nom zwei weitere Jungen beteiligt, die auf der Straße Schmiere gestanden hatten. Lohnschiedsspruch in der Gruppe Nordwest. :: Essen, 24. Juli. In dem Lohnstreit in der nordwestlichen Gruppe der Eisen= und Stahlindustrie wurde am Freitag nachmittag nach mehrstündiger Verhandlung durch den Schlichter Brahn folgender Schiedsspruch gefällt: Der Stundenlohn für den 21jährigen Facharbeiter wird auf 75 (bisher 78) Pfg. festgesetzt, für den 21jährigen Hilfsarbeiter auf 60(bisher ebenfalls 60 Pfg.) Die durch die Entscheidung des damaligen Reichsinnenministers Severing vom 21. September 1928 festgesetzten Zuragen für die im Zeitlohn beschäftigten Arbeiter komme in Wegfall, jedoch darf die Gesamtkürzung bei diesen Arbeitern anläßlich der Durchführung des jetzigen Schiedsspruches 5 Pfg. je Stunde nicht überschreiten. Die übrigen Bestimmungen des Lohntarifes bleiben bestehen. Die in dem Schiedsspruch festgesetzten Lohnsätze treten mit Wirkung ab 1. August 1931 in Kraft. Der Schiedsspruch ist unkündbar bis 30. November 1931 und kann erstmalig zu diesem Zeitpunkt und späterhin mit einmonatiger Frist gekündigt werden. 25 Tour de France. Charleville, 24. Juli. Je näher die Tour de France ihrem Ende kommt, desto besser werden die deutschen Fahrer. Stöpel lieferte auch auf der 22. Etappe von Metz nach Charleville dem Italiener Di Pacco und dem Franzosen Pelissier wieder ein scharfes Rennen. Diesmal wurde nun Pelissier Spurtsieger vor Di Pacco und Stöpel. Die Etappe selbst verlief ohne jeden Zwischenfall. Das einzig Bedeutungsvolle dieses Abschnittes in der langen Rundfahrt war das Ausscheiden Gremos. Die Italiener verlieren damit eine sehr wertvolle Stütze. Der Ausfall machte sich dann auch sofort bemerkbar. Nicht allein dadurch, daß Metze und Thierbach einen Platz weitervrrücken konnten, im Nationenklassement mußte Italien den Deutschen jetzt den Vortritt lassen. Die Deutschen haben damit mit einem Schlage einen Rückstand von fast einer Stunde aufholen können, und es bleibt fraglich, ob die Italiener, die bisher so glänzend gefahren haben, ihren knappen Vorsprung vor Australien=Schweiz noch halten können. Die Strecke selbst war 159 km lang. Die Ergebnisse: 22. Etappe von Metz nach Charleville über 159 km: 1. Pelissier 5:01:44; 2. Di Pacco, 3. Stöpel, 4. Dewaele, 5. Leducq, 6. Thierbach, 7. Siegel, Metze, Geyer, Buse, Sieronski und Bulla. Frankreich nicht in Los Angeles. Paris, 24. Juli. Das französische olympische und das internationale Sport=Komitée traten am Mittwoch in Paris zu einer Vollversammlung zusammen, auf der beschlossen wurde, an den olympischen Spielen 1932 in Los Angeleg nicht teilzunehmen. Bei dieser Gelegenheit legte der Generalsekretär des Komitees, Franz Reichel, sein Amt nieder und wurde durch Deläbre ersetzt. Der Grund für die Ablehnung der Teilnahme an den Spielen dürfte an der mangelnden Unterstützung seitens des Staates zu suchen sein. Wetterbericht + Essen, 29. Juli. Ganz Deutschland befindet sich noch auf der Westseite des heute früh über Osteuropa gelegenen umfangreichen Hochdruckgebiets. Infolge des Absinkens der Luftmassen war es größtenteils wolkenlos, und durch die ungehinderte Sonneneinstrahlung zieht das Thermometer stark an, so daß allgemein Höchsttemperaturen bis über 25 Grad C. beobachtet wurden. Ueber England und Nordwestfrankreich dringen langsam kühlere Ozeanluftmassen nach Osten vor, die sich über dem Kontinent rasch erwärmen werden. Nur vorübergehende leichte, hohe Bewölkung wird sich bei uns bemerkbar machen.— Vorhersage für Sonnabend: Leichte südliche bis südöstliche Luftbewegung, noch größtenteils heiter, warm und trocken, später zunehmende Gewitterneigung. Wahrscheinlich Weiterentwicklung: Wechselnd wolkig bis heiter, noch warm, lokale Gewitterneigung. Beilage Somstag, den 25. Juli 1931 Nr. 203 Aus Westdeutschland. Wieder erhöhte Einzahlungen bei den Sparkassen Westfalens. Münster, 24. Juli. Nachden Bankfeiertagen hat sich der Verkehr des Publikums bei den Sparkassen sehr bald wieder belebt. Besonders erfreulich ist es, daß in der ganzen Provinz Westfalen die Einzahlungen die Abhebungen bei weitem überstiegen haben und auch weiterhin höher sind als die Abhebungen. Nach den Feststellungen des Oberpräsidiums machten allein am 21. Juli die Mehreinzahlungen gegenüber den Abhebungen 582 000 RM. aus. Ueber eine halbe Million sind bei einem Gesamtumsatz von etwa vier Millionen mehr eingezahlt als zurückgefordert worden. Es scheint so, als wenn wir sehr bald wieder einen ganz normalen Sparverkehr haben werden. Nationalsozialist beleidigt einen Kirchenfürsten. Niederträchtige Werbemethoden des Hitlerpropheten. A Recklinghausen, 24. Juli. Vor dem erweiterten Schöffengericht in Recklinghausen fand eine Verhandlung gegen den Nationalsozialisten Paul Land aus Chemmnitz statt. Dieser Wanderredner der Nationalsozialisten hatte schwere Anschuldigungen gegen Kardinalerzbischof Dr. Faulhaber=München erhoben. Der Redner behauptete in Datteln, daß der Kirchenfürst in einem jüdischen Hause jahrelang verkehrt habe, in dem von seinem jüdischen Bekannten systematisch erotische Verbrechen an blonden christlichen Mädchen unter Verwendung zweier großer im Zimmer errichteter Kreuze begangen worden seien, von denen allerdings der Kardinal nichts gewußt habe. Der Verkehr des katholischen Kirchenfürsten in einem jüdischen Hause beweise die Verflechtung zwischen Katholizismus, bezw. Zentrum und Judentum. Der in der Dattelner Versammlung anwesende Kriminalbeamte Gnichwitz sicherte sich das Stenogramm des Redakteurs Lardy. der die betreffende Stelle wörtlich mitgeschrieben hatte und so erhob der Staatsanwalt Klage wegen Beleidigung eines hohen Kirchenfürsten. Der Angeklagte Land suchte die Richtigkeiten der Anklage zu bestreiten. Er erklärte, daß er sich als Katholik schützend vor Kardinal Faulhaber gestellt habe,(das hat Kardinalerzbischof Dr. Faulhaber auch nötig! Die Red.) daß er lediglich damit bezwecken wollte, daß wahrhaft christliche Menschen gegen eine Verbindung mit Leuten protestieren, die aus der Kirche eine Wechselstube machen wollten. Der Staatsanwalt verwies auf die Vorstrafen des Angeklagten, der nicht nur wegen politischer Vergehen, sondern auch wegen Betruges vorbestraft sei und beantragte wegen Beleidigung eines hohen katholischen Kirchenfürsten 3 Monate Gefängnis. Das Gericht verurteilte den Angeklagten wegen grober Beleidigung zu 20 RM. Geldstrafe, Tragung der Kosten des Verfahrens und sprach dem beleidigten Kardinal die Publikationsbesugnis zu. * Auto rast beim Ueberholen gegen einen Baum. Lennep, 24. Juli. Auf der Hauptstraße Lennep=Lüttringhausen, dort wo die Straße zur Knusthöhe abzweigt, ereignete sich gestern früh ein schweres Autounglück. An einem mit zehn Zentner Waldbeeren beladenen und mit drei jungen Leuten besetzten Lieferwagen aus Lindlar, der zum Barmer Wochenmarkt fahren wollte, versagten beim Ueberholen eines Radfahrers plötzlich die Bremsen. Das Fahrzeug rannte infolgedessen mit voller Wucht gegen einen Straßenbaum. Dabei explodierte der Benzintank, und in wenigen Sekunden stand der Vorteil des Fahrzeuges in Flammen und verbrannte. Die Fruchtladung des auch sonst schwer beschädigten Fahrzeuges wurde vollständig vernichtet. Zwei von den Begleitern des Kraftwagens mußten ins Krankenhaus befördert werden. Einer von ihnen hatte neben Brandwunden und einem schweren Oberschenkelbruch anscheinend auch innere Verletzungen erlitten. Der Zweite trug Brandwunden und Quetschungen davon. Der dritte Mitfahrer erlitt nur leichtere Verletzungen. * Falschmünzer von Kindern überführt. Aachen, 24. Juli. In letzter Zeit wurden in Aachen eine größere Menge alscher Fünfmarkstücke in den Verkehr geracht. Einer der Verbreiter machte sich vornehmlich an Kinder heran, gab ihnen eines der Falschstücke und beauftragte sie, eine Kleinigkeit zu kaufen und ihm das Wechselgeld zurückbringen. Der Falschgeldstelle der Kriminalpolizei ist es jetzt gelungen, den Hersteller und den Verbreiter der Falschstücke festzunehmen. Eine größere Menge fertiger Falschgeldstücke ist im Aachener Walde aufgefunden worden, wo die Hersteller sie vergraben hatten. Bei der Ermittlung der Täter haben die Kinder, die der eine der Täter mit dem Wechseln der Falschstücke beauftragte, der Polizei wertvolle Hilfe geleistet. Sie haben auf der Straße den Unbekannten wiedererkannt. Sie liefen zum nächsten Posten der uniformierten Polizei und sagten ihm, um was es sich handele, worauf dieser den Mann festnahm. Die spätere Verhaftung des Haupttäters hat sich sehr schwierig gestaltet, da der Gestellte zu entfliehen versuchte und den Beamten heftigen Widerstand entgegensetzte. Leider mußte die Polizei bei dieser Gelegenheit wieder die trübe Feststellung machen, daß die Bevölkerung gegen die Beamten Stellung nahm. * Kohlendrahtseilbahn Nachen- Köln? Ersatz für den abgelehnten Aachen—Rhein=Kanal. + Köln, 24. Juli. Der Eschweiler Bergwerksverein Kohlscheid(Rhld.) hat gemeinsam mit der Stadt Köln eine Studiengesellschaft ins Leben gerufen, um die Pläne für die Anlage einer Schleppbahn oder einer Drahtseilbahn aus dem Aachener Revier nach den Kölner Wasserumschlagplätzen zu bearbeiten. Neben der Ausarbeitung der Entwürfe und der Betriebskostenberechnung soll insbesondere die Frage unersucht werden, ob es auf diese Weise, insbesondere durch die dadurch herbeigeführte Verbilligung der Vorfracht, möglich ist, dem Aachener Gebiet eine wirtschaftliche Erleichterung durch Hebung seines Absatzes zu schaffen. Die Studiengesellschaft ist, wie K. W. A. erfährt, in den letzten acht Tagen gegründet worden. Die geplante Schlepp= oder Kohlendrahtseilbahn ist als eine Zwischenlösung des Problems der Frachtenverbilligung für das Aachener Wirtschaftsgebiet gedacht, bis man zur Ausführung des bekannten Projektes eines AachenRheinkanals schreiten kann, an dem die Gesamtwirtschaft des Aachener Gebietes wegen der Verkehrsund Tarifnot unabänderlich festhält. Der Eschweiler Bergwerksverein hat im verflossenen Jahre in Köln auf dem Wasserwege 750000 Tonnen umgeschlagen. Es handelt sich bei diesen Kohlenmengen um die Verfrachtungen nach Süddeutschland, nach der Schweiz und nach Italien. Durch die geplante Kohlendrahtseilbahn wird der Versuch gemacht, die hohen Frachtkosten nach Köln zu verringern. * Mehrere tausend Ratten. Keppeln, 24. Juli. Die furchtbare Rattenplage, unter der die Gemeinde zu leiden hatte, scheint durch die umsichtigen Maßnahmen der Verwaltung behoben zu sein. Die von dem Rattendienst in Köln durchgeführten Vernichtungsmaßnahmen waren von vollem Erfolg. Lediglich auf einzelnen Gehöften, wo vorher die Ratten zu Hunderten und Tausenden erschlagen wurden, dürften sich noch einige Ratten erhalten haben. Sollten sich aber noch irgendwo Ratten zeigen, so wird auf eine entsprechende Meldung hin sofort neues Gift ausgelegt werden. * Von der Art des Vaters getroffen. • Schapen, 24. Juli. Der Heuermann Johannes Huil rammte mit der Axt Pfähle ein. Sein neunjähriges Söhnchen schaute ihm zu. Als der Vater wieder zu einem mächtigen Schlage ausholte, flog die Axt vom Stiel, die Schneide flog dem Jungen an den Hals und durchschlug ihm die Schlagader. In wenigen Augenblicken war das Kind verblutet, ehe ärztliche Hilfe herbeigeholt werden konnte. 4 + Münster, 24. Juli. Kirchliche Ernennungen. Gerhard Geesink. Präses im St.=Josephshaus zu Wettringen, zum Direktor daselbst; Ludger Brockmann, Assistent im St.=Josephshaus zu Wettringen, zum Präses daselbst: Hubert Hullermann. Kaplan in Recklinghausen St. Johann. zum Pfarrektor in Essel; Aloys Kruse, Kaplan zu Vreden, zum Kaplan in Herbern. • Dortmund, 24. Juli. Ein Betrüger der Geflügelfarmer verurteilt. Das Dortmunder Schöffengericht verurteilte den 41jährigen Kaufmann W. Thiemann aus Barop wegen 16 Fällen des vollendeten Betruges zu 9 Monaten Gefängnis. Der Angeklagte hatte in ländlichen Bezirken in zahlreichen Zeitungen unter dem Titel„Lebensmittel= und Feinkostbetrieb Thiemann, Dortmund“, den Ankauf von Eiern, Butter, Geflügel jeder Art inseriert. Er kündigte Barzahlung und größere Nachbestellungen an. Meist waren es kleine Leute, Besitzer von Hühnerfarmen, die auf das verlockende Angebot eingingen und niemals einen Pfennig für die gelieferte Ware erhielten, denn Thiemann besaß gar kein Geschäft noch überhaupt eine feste Wohnung. Zahlreiche bei ihm vorgenommene Pfändungen verliefen fruchtlos. Die Lieferanten wurden um insgesamt 2000 Mk. geschädigt. Der Angeklagte ist bereits sieben mal wegen Eigentumsdeliktes vorbestraft. Oelde, 24. Juli. Vom stürzenden Eisenbahnwaggon erschlagen. In der Nähe des Stellwerks Oe W sprang kurz vor der Weiche ein mit Material beladener Wagen des Bauzuges aus den Schienen und begrub den im Bremshäuschen mitfahrenden Weichensteller Bernard Merkentrup unter sich. Die Verletzungen des M. waren derart schwer, daß der Tod auf der Stelle eintrat. + Bocholt, 24. Juli. Eine„Rohbaumwollkrise" hat sich hier in den letzten Tagen entwickelt. Da die Zufuhr an Rohbaumwolle infolge der Schwierigkeiten bei der Beschaffung von Devisen stockt, sahen sich bereits zwei hiesige Baumwollspinnereien(vom Velsen und Gebrüder Drießen) gezwungen, ihre Betriebe stillzulegen. Dadurch wurden etwa 300 Arbeiter arbeitslos. Falls die Schwierigkeiten länger andauern, werden weitere Firmen gezwungen werden, ihre Arbeiter zu entlassen, was sich für die Stadt Bocholt, die ohnehin unter der Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit schwer leidet, recht unheilvoll auswirken würde. X Bocholt, 24. Juli. Schmuggler singen die Internationale. Am Mittwoch abend stellten mehrere Zollbeamte in der Nähe der holländischen Grenze eine Schmugglerbande von mehr als 60 Köpfen. Als die Beamten die beschlagnahmten Schmuggelwaren wegschaffen wollten, nahmen die Schmuggler eine drohende Haltung an, so daß die Beamten sich gezwungen sahen, Landjäger und Polizeibeamte zur Hilfe herbeizuholen. Erst nach geraumer Zeit gelang es, die Menschenmasse, die mittlerweile auf mehrere 100 Köpfe angewachsen war, mit Hilfe des Gummiknüppels zu zerstreuen. Aus Rufen, wie„Heil Moskau!“ und dem Gesang der Internationale ist zu schließen, daß es sich hier in der Hauptsache um eine kommunistische Aktion handelte. Minden, 24. Juli. Statt auf die Katze auf den Lehrer gezielt. Als ein Personenkraftwagen nachts auf der Chaussee Minden=Neesen in die Nähe eines friedlich des Weges gehenden Lehrers kam, feuerte plötzlich ein Mann aus dem Auto mit einer Pistole auf den Lehrer. Dicht am Kopf vorbei sauste die Kugel. Auf den Alarm des Lehrers gelang es, das Auto zu stellen und den Führer festzunehmen. Er war ein Einwohner aus Neesen und gab an, er habe auf eine Katze schießen wollen, die über den Weg gelaufen sei. Die wirkliche Ursache der Tat wird die weitere Untersuchung ergeben. Oberhausen, 24. Juli. Durchführung der Massenentlassungen auf der Gutehoffnungshütte. Eine erneute Besprechung ergab eine gewisse Milderung der angekündigten Maßnahmen. Die GHH. hat nicht die ursprünglich vorgesehenen 1600 Arbeiter und 30 Angestellte, sondern„Nur" 1380 Arbeiter und 20 Angestellte gekündigt. Trotz dieser Entlassungen ist ein gänzlicher Wegfall der Feierschichten nicht möglich. Auch nach Durchführung der Belegschaftsverminderung ist bei gleichbleibender Absatzlage mit 1 bis 2 Feierschichten monatlich zu rechnen. Die Arbeiterentlassungen werden zum 31. Juli erfolgen. Auf die sozialen Belange der Belegschaft wird weitgehend Rücksicht genommen. Remscheid, 24. Juli. Erste Primizfeier seit der Reformation. Am kommenden Sonntag bringt der Neupriester P. Karl Storck in seiner Vaterstadt Remscheid sein erstes heiliges Meßopfer dar. Dies ist die erste Primizfeier im Remscheid seit der Reformationszeit, obwohl Remscheid eine starke katholische Gemeinde hat. Ein Ereignis von ähnlicher Bedeutung für das kirchliche Leben war die Prozession am Fronleichnamstage. Sie fand zum ersten Male seit der Reformation außerhalb der Kirche statt. Krefeld, 24. Juli. Verbot einer Nazi=Versammlung. Der Krefelder Polizeipräsident hat die für heute abend in den großen Stadtgartensaal einberufene Versammlung der NSDAP, Ortsgruppe Krefeld, in der der der aus dem Stresemann=Diehl=Prozeß bekannte Dr. Diehl über das Thema„Das deutsche Rechtsleben und das deutsche Lebensrecht“ sprechen wollte, auf Grund des§ 1 der Verordnung des Reichspräsidenten vom 28. 3. verboten. 4 Opladen, 24. Juli. Ein folgenschweres Einsturzunglück ereignete sich beim Bau einer Ueberführung der Köln=Düsseldorfer Autostraße an der hiesigen Reuschenberger Straße. Ein viereinhalb Meter hohes Gerüst brach plötzlich infolge von Ueberlastung zusammen und riß den auf dem Gerüst beschäftigten Arbeiter J. Blum mit sich. Blum erlitt einen Schädelbruch und schwere innere Verletzungen. Noch übler erging es dem unterhalb des Gerüstes beschäftigten Arbeiter Jankowsky. Dieser wurde von dem herabstürzenden Gerüst getroffen und lebensgefährlich verletzt. Köln, 24. Juli. Steinzeitfunde und Siedlungsspuren. Während bisher nur Steinzeitfunde im Stadtteil Lindenthal gemacht wurden, fand man jetzt auch in Müngersdorf zahlreiche bisher unbekannte Siedlungsanlagen. Bei den an der Oberfläche angesammelten Fundstücken handelt es sich um verschiedene Feuersteingeräte, wie Resten von Messern, Klingen, Pfeilspitzen usw. Die Funde sollen aus der jüngeren Steinzeit stammen. Auch römische Siedlungsspuren wurden an einigen Stellen gefunden. Die wissenschaftliche Auswertung der Fundstellen wird durch die Römische Abteilung des Wallraf=Richartz=Museums vorgenommen. Frankfurt a. Main, 24. Juli. Selbstmord eines Frankfurter Bankiers. Der Senior=Inhaber des altbekannten Frankfurter Bankhauses J. J. Wailler Söhne, das seit mehr als 120 Jahren in Frankfurt ansässig ist, hat sich mit Versonal vergiftet. Der Grund dürfte in Schwierigkeiten des Bankhauses zu suchen sein. Westdeutscher Rundfunk. Samstag, den 25. Juli. 6,45—7 Uhr: Leibesübungen. Dr. Ludwig Bach. 7 Uhr: Wettervorhersage und Zeitangabe. 7,05—8 Uhr: Morgenkonzert(Schallplatten). 8 Uhr: Zeitangabe und Wiederholung der Wettervorhersage. 10,15—10,45 Uhr: Schallplattenkonzert 10,30 Uhr: Erste Meldungen, amtliche Wasserstandsmeldungen und Zeitangabe. 10,45—11,15 Uhr: Funkpädagogische Arbeits=Gemeinschaft der Lehrer an Berufsschulen. Oberregierungsrat Hufnagel: Auf= und Ausbau des Berufsschulwesens. 1170—12 Uhr: Deutschkundlicher Schulsunk für die Oberstuse höherer Lehnanstalten. Leitung: Studienrat Dr. Holtschmidt. Sprecher: Wittsack. Allegorie und Symbol in Dichtung und bildender Kunst. Klopstock: Mein Vaterland— Goethe: Zueignung— C. F. Meyer: Lethe— Kirche und Synagoge am Straßburger Münster. 12—12,35 Uhr: Schallplattenkonzert. 12.35 Uhr: Funkwerbung mit Schallplatten. 12.50 Uhr: Wetterbericht. 12,55 Uhr: Nauener Zeitzeichen, Mittagsmeldungen und Zeitangabe. 13,05—14,30 Uhr: Mittagskonzert. Leitung: Wolf. 1. Ouvertüre zur Oper„Zampa". 2. Bei uns z'Haus, Walzer. 3. a) Der Geigenmacher von Cremona. b) Hopak, russischer Tanz. 4. Ein Abend in Petersburg, russische Suite. 5. Melodien aus Verdis Oper„La Traviate". 6, a) Dein Bild, Serenade. b) Liebesgruß. 7. Ueber Berg und Tal, Potpourri. 14,35—15,25 Uhr: Wochenend=Konzert(Schallplatten.) 15.30 Uhr: Wasserstandsmeldungen(Wiederholung), Zeitangabe und Wirtschaftsmeldungen. 15,50—16,20 Uhr: Kinderstunde. Kasperltheater: Kasperlstreiche. Sprecher: Liesel Simon— Reinhold Freyberg. 16,20—16,40 Uhr: Wanderungen in Rheinland und Westfalen. Hermann: Großsohann: Von der Volme zur Sieg. 16,40—17 Uhr: Englisch. Prof. Hase. 17—17,50 Uhr: Vesperkonzert. Oberhausener Singkreis, Leit.: Helmut Mönkemeyer; Walter Schneiderhan(Violine), August Schreiber(Cello). 1 Alte Madrigale(vierstimmig): a) Zum Ansang. b) Das Herz tut mir aufspringen. c) Hans und Grete(Oberhausener Singkreis). 2. a) Gavotte E=dur. b) Menuett. c) Rondino über ein Thema von Beethoven(Walter Schneiderhan). 3. Neue Madrigale(vier= und sechsstimmig): a) Ach Sorg, du mußt zurücke stahn. b) Wach auf, meins Herzens Schöne (Oberhausener Singkreis), 4. Sonate op. 1(August Schreiber). 5. Alte Volkslieder in Originalsätzen(3= bis 4stimmig): a) Es gingen zwei Gespielen gut. b) Ich armes Käuzlein kleine. c) Hat mir ein Espenzweigelein. d) Ach herzig Herz(Oberhausener Singkreis). 6. a) Walzer. b) Scherzo Tarantelle op. 16(Walter Schneiderhan). 17,50—18,20 Uhr: Tanz zum Wochenende. Kapelle Harry Head. 18,20—18,40 Uhr: Der Telegrammverkehr. Erfordernisse— Ersparnisse. Obertelegraphensekretär Bühne. 18,40—19 Uhr: Der westsälische Lebensraum. A. Schulz=Blensdorf: Frauen in der westsälischen Geistesgeschichte(1). 19—19,15 Uhr: Wetterbericht, Zeitangabe, Wirtschaftsmeldungen und Sportvorbericht. 19,15—19,25 Uhr: Zehn Minuten Bezirkssunkhilfe: Neues aus der Funklsteratur. 19,30—19,55 10k: Dr. Leo Schwering: Zum Gedächtnis von Karl Trimborn. 19.55 Uhr: Erste Abendmeldungen. 20 Uhr(auch über den Deutschlandsender Königswusterhausen): Lustiger Abend. Das Orchester des Westd. Rundfunks. Leitung: Breuer. Anschließend: Letzte Meldungen, Bericht über das geistige Leben, Sportbericht. Anschließend bis 23 Uhr: Nachtmusik des Orchesters des Westd. Rundsunks. Leitung: Breuer. 23—23,30 Uhr: Brettl auf Schallplatten. 23,30—24 Uhr: Jazz auf zwei Flügeln. Paul Schramm und Diny Soetemeer. 1 Tanzsutte für zwei Klaviere. 2. Aus dem Tonfilm„Der Hampelmann": a) Schön wär's, ja wunderschön wär's. b) Bin ein armer Hampelmann. 3. Kleine Paraphrase über„On the sunny side of the street". 4. Finesse. 5. Marsch aus der„Puppenhochzeit". 24—1 Uhr: Tanzmusik der Kapelle Harry Head. Sonntag, den 26. Juli. 7—8 Uhr: Uebertragung von der Norddeutschen Sendergruppe: Hamburger Hafenkonzert auf dem Dampfer „Hamburg“ der Hamburg=Amerika=Linie. Die Glocken vom„Großen Michel". 1. Choral: Wer nur den lieben Gott läßt walten. 2. Militärmarsch Nr. 1— Schubert. 3. Huvertüre zu der Operette„Die schöne Helena“— Ofsenbach. 4. Fantasie aus der Oper„Der fliegende Holländer“— Wagner. 5, Csardas aus der Oper„Der Geist des Wosewoden“— Großmann. 6. Der alte Berner Marsch. 8-8,30 Uhr: Morgenkonzert.(Schallplatten.) 8,30—8,55 Uhr: Aus der Mappe eines Foto=Amateurs. Sepp Schüller: Die Fotomontage. 9—9,05 Uhr: Uebertragung des Geläutes von St. Gereon, Köln. 9,05—10 Uhr: Katholische Morgenfeier. Domprediger Pater Dionysius Ortsieser O. F. M., Kirchenchor St. Dreikönigen, Neuß(Leitung: Josef Krey), Orchester des Westdeutschen Rundsunks, Leitung: Kühn, Hans Hilgers (Orgel). 1 Chorgesang: a) Choralsatz:„Multisarie olim Deus" mit Alleluja(vom Oktavtag des Weihnachtssestes) Graduale Romanum. b)„Ich glaube, Gott, mit Zuversicht". 2. Angelus, für Streichorchester— Liszt. 3. Ansprache:„Wir Katholiken und die Heilige Schrift“. 4. Chorgesang: Zwei Motetten für gemischten Chor op 28— Ludw. Finzenhagen. a)„Tuet die Tore auf“. b) „So spricht der Herr“. 5. Präludium und Fuge Cis moll für großes Orchester— Bach=Ehrenberg. 6. Chorgesang: „Jubilate Deo“, Motette für gemischten Chor und Orgel — Aiblinger. 10,15—10,35 Uhr: Besuch am Krankenbett. 11—11.20 Uhr: G. Bernhard Shaw fünfundsiebzig Jahre alt: Privaidozent Dr. Heinrich Lützeler. 11,20—12,05 Uhr: Hauptwerke des vierhändigen Klavierspiels (3). Else Muschenborn— Georg Kinsky(Nlovier). Verbindende Worte: Dr. Georg Kinsky. Franz Schubert (1): 1. Rondo Adur, Werk 107. 2. Divertissement a l'hongroise Werk 54. 3. Moci Märsche, Werk 40 Nr. 2 und 3. 12,05—12.25 Uhr: Lebende Dichter. Franz Joh. Weinrich: Elgenes. 12,30—12,55 Uhr: Der Vauer im Wandel der Zeit. Prof. Alsons Goldschmidt: Bauer und Farmer. 13—14,30 Uhr: Mittagskonzert. Leitung: Wols. 1. Der Regimentskamerad, Marsch— Lehnhardt. 2, Ouvertüre zur Cper„Die lustigen Weiber von Windsor“— Nicolai, 3. Zwei Sätze aus der Suite„Alt=China“ a) Chinesische Nachtigall. b) Die kleine Li l=Tse— Niemann. 4. Melodien aus der Oper„Königskinder“— Humperdinck. 5. Alt=Wien, Walzer— Ziehrer. 6. Ouvertüre zur Cperette „Flotte Bursche“— Suppé. 7. Lortzings Lieblingskinder, Fantasie— Urbach. 8. a) Am Erlenbach, Charakterstück— Drever. b) Galantes Fest, Rokoko=Cavotte— Dreyer. 9. Er weicht der Sonne nicht, Marsch— Blankenburg. 14,30—14,45 Uhr: Jungmädchenstunde. Els Vordembeige: Ferien daheim. 14,45—15 Uhr: Uebertragung aus Freiburg: A. D. A. C— Bergrekord 1931. Hörbericht. 15,15—15,40 Uhr: Lebende Dichter. Wilhelm Weigand: Ter Musikantenstreik(Erzählung). 15,40—16,05 Uhr: Für den Kleingärtner. Tipl.=Landwirt Hammerschmidt: Kunstdunger im Kleingarten. 16,05—16,30 Uhr: Die Hauptsinne und das menschliche Schicksal. 1. Die Hände: Hans Roselieb. 16,30—17 Uhr: Unsere Städte in Rheinland und Westsaten: Witten 17—18 Uhr: Uebertragung aus dem„Freischütz“ im Schwerter Wald: Vesperkonzert des Deutschen Konzertina= und Bandoncon=Bundes, Bezirksorchester Dortmund. Leit.: Bezirksdirigent Karl Schwebs, Dortmund. 1. FliegerAttacke, Marsch— Laushütte. 2. Mignonette, Livertüre— Baumann. 3, Sektgeister, Walzer— Urbach. 4. Nachtigallenständchen, Intermezzo— Klose. 5. Nur du allein bist die Frau, Tango— Freiverg. 6. Paraphrase über das Lied„O meine Sonne“— Oscheit.' 7. Wein, Weib und Gesang, Walzer— Strauß. 8. Hoch Heldecksburg, Marsch— Herzer 18—18,20 Uhr: Der westsälische Lebensraum. A. SchulzBlensdorf: Frauen in der westfälischen Geistesgeschichte. 18,20—19 Uhr: Eine Stunde Kurzweil. 19—19,45 Uhr: Uebertragung aus Wien: 2. Arbeiter=Olympia. Endspiel um die Olympla=Fußballmeisterschaft.(2. Halbzeit). 19.50 Uhr: Sportvorbericht. 20 Uhr: Der liebe Augustin. Operette in drei Aufzügen von Leo Fall. Musikalische Leitung: Kühn. Spielleitung: Anbeißer, Chöre: Zimmermann Etwa 22,30 Uhr: Letzte Meldungen, Bericht über das geistige Leben, Sportbericht. Anschließend bis 23,30 Uhr: Nachtmusik, Leitung: Wolf. 23.30—24 Uhr: Tanzmusik der Kapelle Harry Head. Handel und Wirtschaft, Wenn das Geld knapp wird... Karlsruhe, 24. Juli. Bei der Reichszentralkasse der deutschen Beamtenbanken, die ihren Sitz in Karlsruhe hat, und gewissermaßen als Ausgleichs= und Girostelle für die angeschlossenen 60 Beamtenbanken fungiert, sind Stockungen insofern eingetreten, als die den angeschlossenen Banken gewährten Darlehen zur Weitergabe an ihre Beamtenkundschaft infolge der allgemeinen Verhältnisse nicht in dem Maße zurückgeflossen sind, wie es dem sonst üblichen Monatsrhythmus entspricht. Die Reichszentralkasse eGmbH. als solche erhält üblicherweise die bei den Beamtenbanken eingehenden Gelder(Gehälter und Darlehnsraten) zur weiteren Anlage, die das Institut vor allem gegen Monatsende stark machen, während zum Medio durch Abhebungen der Beamtenkundschaft und in letzter Zeit verstärkte Zurückziehungen eine übermäßige Anspannung erfolgte, die durch die Unmöglichkeit, sich neue Kredite zu beschaffen, verschärft wurde. Das Gesamtengagement der Preußenkasse beträgt etwa 8—10 Mill. M, ist also relativ gering. Durch Restriktion der Ueberweisungen an die der Reichszentralkasse angeschlossenen Banken einerseits und durch die in den nächsten Tagen zu erwartenden Gehaltsüberweisungen andererseits hofft man jedoch, auch ohne weitere Hilfe von außen den Ultimo überwinden können. Die Badische Beamtenbank eGmbH. in Karlsruhe hat, wie wir erfahren, durch ihren 1. Vorsitzenden, der auch gleichzeitig 1. Vorsitzender der Reichszentralkasse der deutschen Beamtenbanken ecmbH. Karlsruhe. ist, einen Treuevertrag mit dem Staate Baden abgeschlossen. Nach diesem Vertrag wird in Zukunft die Badische Beamtenbank eGmbH. alle Gehaltszahlungen, die der Staat und die Gemeinden des badischen Staats auszuführen haben, übernehmen. Bremen, 23. Juli. Von der Beamtenbank Bremen eGmbH. wird, WTB=Handelsdienst zufolge, folgendes mitgeteilt: Die finanzielle Erschütterung Deutschlands hat auch die Beamtenbank Bremen eGmbH. in Mitleidenschaft gezogen. Sie sieht sich genötigt, zunächst ihre Schalter zu schließen. Die Eingänge, die sonst in regelmäßigem Geschäftsgang die Auszahlung der Verbindlichkeiten der Genossenschaft gewährleisten, fielen infolge der restriktiven Maßnahmen der Reichsbank aus. Die vorhandenen Werte der Bank lassen sich nicht so schnell realisieren, um im Augenblick die notwendigen Auszahlungen zu ermöglichen. Den gegenwärtigen Zustand der Zahlungsstockung zu überwinden, ist sie bemüht. Die Hauptsache ist, daß die Interessenten in Anbetracht der vorhandenen Werte der Genossenschaft warten und damit dazu beitragen, eine günstige Gestaltung der Dinge zu erreichen. * München, 24. Juli. Die 1883 gegründete Münchener Bankfirma Ruederer u. Lana. die in München eine Hauptstelle und zwei Depositenkassen unterhält, hat am Donnerstag ihre Schalter geschlossen, da es nach Mitteilung der Bankleitung infolge der heutigen Verhältnisse unmöglich sei, die für die Abhebung notwendigen Barmittel flüssig zu machen. Die bei dem Bankhaus eingezahlten Gelder sind, wie die Firma erklärt, nach bestem Wissen in Grundwerten, soliden Effekten und Pfandbriefen angelegt worden. Das Bankhaus hat sich der Aufsicht und Kontrolle der Süddeutschen Treuhand AG. unterstellt, um eine zweckentsprechende Realisierung der vorhandenen Werte und damit eine reidungslose Abwicklung zu ermöglichen. Es ist zu erwarten, daß im Laufe der nächsten Tage die Süddeutsche Treuhand AG. die zur Aufstellung eines Status erforderlichen Unterlagen erstellt. Die Börsenengagements sind nach Angabe der Firma völlig gedeckt. Zu einer Beunruhigung bestehe keinerlei Anlaß. Abteilung Girozentrale. X Münster, 24. Juli. Der Rheinisch=Westfälische Sparkassenverband hat jetzt im Einvernehmen mit dem Deutschen Sparkassen= und Giroverband beschlossen, für das Gebiet der Rheinprovinz eine besondere Girozentrale als Zweigstelle der Deutschen Girozentrale Berlin in Köln einzurichten. Für Westfalen hat man dies nicht für erforderlich gehalten. Es ist vielmehr auf Grund weiterer Beratungen der beteiligten Stellen eine Einrichtung getroffen, durch die unter besonderer Mitwirkung der westfälischen Sparkassen der Spargiroverkehr in Westfalen einer besonderen Abteilung der Landesbank als einer provisorischen Girozentrale übertragen wird. Diese Girozentrale eröffnet den Zahlungsverkehr auf neuen Konten und hat ein besonderes Reichsbankgirokonto bei der Reichsbank in Münster unter dem Namen„Landesbank der Provinz Westfalen, Abteilung Girozentrale". Die neue Girozentrale steht unter der Leitung des Landesbankdirektors Ruegenberg. Die Geschäftsführung haben Landesbankrat Dr. Hähner und der Bevollmächtigte des Deutschen Sparkassen= und Giroverbandes, Liesegang gemeinschaftlich. Die Sparkassen können den Verkehr mit der neuen Girozentrale sofort aufnehmen. Der RheinischWestfälische Sparkassenverband hat ferner beschlossen, demnächst einen Westfälischen Sparkassen- und Giroverband zu gründen, der eine engere und dauernde Verknüpfung der Sparkassen mit der Landesbank in der Form einer Gemeinschaftsbank, wie in anderen preußischen Provinzen, herbeiführen soll. Keine Lohnsteuererstattungen mehr für 1931 Nach der Notverordnung vom 5. 6. 1931 sind die Erstattungen von Lohnsteuer wegen Nichtberücksichtigung der steuerfreien Jahresbeträge durch Verdienstausfall und wegen außergewöhnlicher Belastung in Krankheitsfällen u. s. w. zunächst für 1931 fortgefallen. Ein Ausgleich für die z. B. im Falle eingetretener Erwerbslosigkeit im Jahre 1931 nicht mehr vom Arbeitgeber berücksichtigten steuerfreien Beträge läßt sich daher wie bisher am Ende des Jahres nicht mehr herbeiführen. Für die Steuerpflichtigen hingegen, die durch Krankheit, Unterhalt mittelloser Angehöriger, Verschuldung u. s. w. außergewöhnlich belastet sind, ergibt sich durch den zukünftigen Fortfall der Erstattungen die Notwendigkeit, sich schon im Laufe des Jahres derartige Aufwendungen durch Antraa auf Erhöhung des steuerfreien Lohnbetrages berücksichtigen zu lassen. Auch ist die neue Rechtslage für diejenigen Lohn- und Gehaltsempfänger beachtlich, die zur Einkommensteuer veranlagt werden. Bei ihnen kann für die erst in der Einkommensteuer=Erklärung geltend gemachten Umstände, die eine Ermäßigung der Steuer herbeiführen, wohl eine Erstattung der geleisteten Vorauszahlungen eintreten, aber darüber hinaus nicht mehr für besondere Fälle eine Rückzahlung von Lohnsteuerbeträgen. Die Anträge auf Erhöhung des steuerfreien Lohnbetrages müssen rechtzeitig, d. h. sobald Ermäßigungsgründe vorliegen, unter Vorlage der Steuerkarte gestellt werden, weil nach den einschlägigen Vorschriften eine Steuervergünstigung nur noch für die zukünftig, nach Rückgabe der geänderten Steuerkarte an den Arbeitgeber stattfindenden Lohnzahlungen gilr. Das Gleiche ist insbesondere auch bei Anträgen auf Erhöhung der steuerfreien Pauschbeträge für Werbungskosten (Fahrtausgaben, Aufwendungen für doppelten Haushalt w.) und Sonderleistungen(soziale Beiträge, ersicherungsprämien, Kirchensteuer u. s. w.) der ie dann an das Finanzamt zu richten sind, wennh öhere Ausgaben als 40 M monatlich entstehen. Fall, hierfür usw.) und Sonderleistungen(soziale Versicherung die höhere Ausgaben als 40 A monatlich entstehen. Bei verspäteter Antragstellung geht der Arbeitnehmer der Vergünstigung für die versäumte Zeit verlustig. Bei Zahlung besonders hoher Lebensversicherungsprämien ist noch die Bestimmung des§ 112 Einkommensteuergesetz beachtenswert, die unter gewissen Voraussetzungen bestimmten Steuerpflichtigen eine weitergehende Steuervergünstigung einräumt. Hiernach erhöht sich bei Versicherungsprämien und Spareinlagen, zu denen sich der Steuerpflichtige in den Jahren 192.1926 verpflichtet hat, der nach§ 17 zulässige Höchstbetrag(600 en und je 250 M für den Familienangehörigen) jährlich weiter 1. wenn der Steuerpfl. mehr als 50, aber nicht mehr als 55 Jahre alt ist auf 960 M; 2. wenn der Steuerpfl, mehr als 55, aber nicht mehr als 60 Jahre alt ist auf 1200 3. wenn der Steuerpfl. über 60 Jahre alt ist auf 1440 Mark. Wie der Reichsfinanzhof jedoch neuerdings in seinem Urteil vom 14. 4. 31 VI A 677=31 entschieden hat, gelten die erhöhten Abzüge nur für Steuerpflichtige, die in der Zeit bis 1926 die vorstehend aufgeführten Altersgrenzen erreicht haben. Weitere englische Goldsendungen für Frankreich. X Paris, 24. Juli. In Le Bourget trafen am Donnerstag von England kommend, wiederum sechs Flugzeuge ein, die insgesamt acht Tonnen englisches Gold an Bord hatten, das für die Bank von Frankreich bestimmt ist. Diese acht Tonnen stellen einen Wert von 150 635 000 Franken(über 25 Millionen Mark) dar. Märkte. Hamburger Schweinemarkt. + Hamburg, 24. Juli. Auftrieb: 3321 Schweine. Es kosteten: a) 44—45, b) 44, c) 43—45, d) 33—38, e) 36 bis 41. Marktverlauf: gut, Berliner Schlachtviehmarkt. Berlin, 24. Juli. Auftrieb: Rinder 2244, Ochsen 488, Bullen 598, Kühe 1158, o. K. 162, Auslandsrinder 50, Kälber 1750, Auslandskälber 10. Schafe 7620, Auslandsschafe 600, Schweine 8593, zum Schlachthof direkt seit letztem Viehmarkt 1361. Es kosteten: Ochsen: a) 48-50, b) 46—47, c) 42—45, d) 37—40; Bullen: a) 42—44, b) 41—43, c) 38—40, d) 35—37; Kühe: a) 32—36, b) 25 bis 30, c) 20—24, d) 17—20; Färsen: a) 41—45, b) 39 bis 40, c) 35—38; Fresser 32—36; Kälber: a)—, b) 48— 55, c) 42-53, d) 32-40; Schafe: a)—, b) 53-55, c) 46 51, d) 41—43. e) 38—45, f) 24—35; Schweine: a) 49 bis 50, b) 49—50, c) 48—50. d) 46—48, e) 42—45, f) —, g) 46. Marktverlauf: bei Rindern und Kälbern ruhig, bei Schweinen gute Ware glatt, sonst langsam. Magdeburger Produkten. X Magdeburg, 24. Juli. Roggen 158—161, Wintergerste 148—152, Hafer alter 175—177, Viktoriaerbsen 240—260, Weizenmehl 38—39, Roggenmehl 26—27, Weizenkleie 12,5—13, Roggenkleie 11,60—12, Baumwollsaatmehl 14,30—14,50, Reisfuttermehl 9,20—9,40, Palmkuchen 10,60, Rapskuchen 9—9,40, Kokoskuchen 15,30—16,30, Trockenschnitzel 5,20-5,40, Kartoffelflocken 15,30—16, Soyaschrot 13,40. Allgemeine Tendenz: still. Berliner Produktenmarkt. X Berlin, 24. Juli. Bei reichlichem Angebot und sehlender Kauflust sehr schwach. Das Geschäft am Proenmarkt stagnierte heute fast völlig, da sich die Käufer angesichts der schwierigen Finanzierungsverhältnisse weitgehendst Zurückhaltung auferlegen und nur einzelne Waggons für den notwendigsten Bedarf erwerben. Bei dem reichlichen Angebot von Brotgetreide neuer Ernte, das infolge des günstigen Wetters täglich noch zunimmt, lauteten die Gebote wiederum ganz erheblich niedriger und die Aufgelder für kurzfristige Lieferungen, die vor einigen Tagen noch zu erzielen waren, sind fast völlig verin Ferlin am 24. Juli 1931. (Für Getreide jo 1000 kz., für die übrigen Artikel jo 100 kg.) Weizen märk epte ptember Oktober Tenden: Roggen mürl eptember Oktober Tenden: Gersto Braugerste Futtergerste Wintergerste Tenden: Hafer mürk Jul Septe ptember Oktober Tenden: Mal Waggon Trei ab Hlamburg Tendens 23. 7. matt 7½—29½ lau 13—12¼ stiI 11—12¼ still 26-31 19—21 18—21 24—28 18-20 24—29 9.3-9.8 13.7-14 7.6—7.0 13-13.5 loren gegangen. Am Brotgetreidemarkt wurden Weizen und Roggen wesentlich niedriger bewertet als an der gestrigen Börse. Bremen: Baumwolle(emtlich) loko Juli Oktober Dezember aouar 1992 lärs Mai Tendenst kaum stetlg Liverpool: Baumwolle loko Juli Auguot September Oktober November Dezember Januar Februar Tendens: willig Tagesimport Tageslokoverkäufe Exportverkäufe Egypt. Upper F. G. fair loko Liverpool: Östindische Baumwolle bezahlt o. 10. 10. 10. 23. 7. 6.11 5.15 5.19 3.22 5.25 3.33 24. 7. 100 100 B. 7. 3000 5000 100 Loco M. G. Surtee Tully good „ M. G. Broach fully good „ M. G. Americ. Sind/Punjab „ F. G. Nr. 1 Oomra Tully good „ M. G. Bengal fully good „ M. G. Bengal superline „ M. G. Scinde fully good " M. G. Scinde superfine New Orleans: Baumwolle loco Juli Oktober Derember New York: Baumwolle 24. 7. 9.00 24. 7. 4.69 4.14 3.16 3.84 3.61 3.81 3.64 3.64 23. 7. 4.68 4.13 3.15 3.63 3.63 3.83 3.63 3.8 23. 7. 9.60 . 10. loco Jull August September Oktober November Dezember 6.82 6.95 9.08—10 9.20 9.30—32 23. 7. 9.30 9.13 9.13 9.25 9.38 9.30 9.60 Ma April Mai un! Tendens: anuar ebruar Märs ril 24. 7. 9.41 9.51 9.62 9.69 9.7 stetle 23. 7. 9.71 9.00 9.00 9.90 10.08 Geschätzte Totalzufubren Baumwollzufuhr in Atlantischen Häfen— Baumwollzuluhr in Golf-Hüfen 3000 Zufubren in Pacifio-Häfen 1000 Zufuhren im Innern 3000 Export nach England— Export nach Frankreich— Export nach dem übrigen Kontinent— Export nach Japan und China— Fracht n. Liverpool f. stark gepr.Ballen 45 Fracht für Standard 60 MinannIII Sonnentage an der Nordsee Bedeutend ermäßigt. Ferienaufenthalt in Borkum 7 Tage 10 Tage 14 Tage 21 Tage 11 RM. 90.146.- 197,g besten Hotels am Strande. 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Alles das erfüllt das tiefe, müde Schweigen im Korridor des Hotels— läßt alle Fäden die hier verbunden oder gelöst wurden, alle Gedanken, die hier an Grübeln zu Grunde gingen. alles Freuen, das hier aufstrahlte, alles Leben, das hier vorübergehend umschlossen wurde, zu Richtfeier. Bei der Richtfeier eines Hauses hält der Maurerpolier folgende Ansprache an die versammelten Arbeiter, Handlanger und Maurer:„Sehen Sie, meine Herren, bei einem so großen Bau sind dreierlei Sorten Menschen beschäftigt! Da ist zuerst eener, der versteht et, aber er kann et nich— det is der Herr Baumeester; dann sind eene fanze Menge, die können et, aber sie verstehen et nich,— det seid ihr, die Arbeeter, Handlanger un Maurer; un schließlich jibt et noch eenen, der versteht et un kann et ooch— det bin ick— der Herr Maurerpolier!" Fragen. „Mutti, was sind indiskrete Fragen?" Das sind Fragen, die man nicht beantworten kann." „Mutti, unser Lehrer stellt aber viel indiskrete Fragen.“ * * Auch eine Rede. Vor vielen Jahren hielt ein Landrat eine derbe Rede zur Eröffnung einer Viehausstellung. Darin fielen folgende Worte besonders auf: „Unsere Pferdezucht steht bei den auswärtigen Landwirten in hohem Ansehen. So große Ochsen findet man selten und die Schweinewirtschaft ist hinlänglich bekannt.“ jenem unpersönlichen Erinnern werden, das nie zur Ruhe kommt Dann legt sich in das Denken oder Empfinden der Menschen, deren Gegenwart über diesen Korridor gleitet etwas mit dem sie nichts Rechtes anzufangen wissen. Ein Erinnern an nicht selbst Erlebtes, ein Forschen nach Fremdem, Unbewußtem, eine Hoffnung, die sich an anderen erfüllte, ein Vermissen, das sich nicht nennen läßt. Es ist das Schicksal, das unentwegt über den Korridor im Hotel schreitet, unaufhörlich sich erfüllt— und gut oder schwerer auf allen lastet, die ihm hier begegnen Immer noch liegt das Deckenlicht mit mattem Scheinen über dem nächtlichen Dunkel, über dem läuferbedeckten Korridor, der an den weißen, stummen Türen vorbei nach der Treppe führt. Russische Bären. In einer Gesellschaft erzählte ein Oberförster, in Rußland gäbe es Bären, die sich im Winter einschneien ließen und dann gemach den Winterschlaf hielten. Das war einem Anwesenden zu bunt, denn er entgegnete: „Herr Oberförster, Ihre Angaben in Ehren, aber das sind doch sicherlich solche Bären, die man andern aufbindet.“ Kontrolle. „Wo hast du deine Fahrkarte, mein Junge?" „Ich brauche noch keine!“ „Wie alt bist du?" „Wie alt kann man sein ohne Fahrkarte?" * Frühaufsteher. Ede:„Wann stehst du im Sommer immer auf?“ Lude:„Wenn bei mir der erste Sonnenstrahl ins Zimmer kommt.“ Ede:„Ist das nicht reichlich früh?" Lude:„Ne, mein Zimmer geht nach Westen.“ * Schulden. „Schulden sind mir etwas Schreckliches!“ „Merkwürdig; ich kann ohne Schulden nicht leben.“ Damen, welche gewillt sind, mit mir den Bund der Ehe zu schließen, werden gebeten, ihre Fotografie und die ihrer Mutter, gleichviel ob dieselbe noch lebt oder nicht, der Offerte beizufügen. Das 7 Wie heißt das siebente Gebot, Fritz?" „Bitte nicht zu stehlen." Das heißt doch: Du sollst nicht stehlen." „Ich kann doch nicht„Du“ zu Ihnen sagen, Herr Lehrer.“ Der Aufruf. Der„Rosenheimer Anzeiger“ brachte bei den Gemeindewahlen folgenden Artikel:„Die Gemeindewahlen haben auch hier eine Lawine von Flugzetteln mit sich gebracht. Das Kuriosum aber war ein Wahlaufruf, der sich an die Büroangestellten wendete und mit folgender Schlagzeile versehen war:„Büroangestellte! Wacht auf“!“ Die Uhr. Verkäufer:„Dies ist eine wunderbare Uhr, mein Herr, sie geht vierzehn Tage, ohne daß Sie sie aufziehen.“ Kunde:„Und wie lange geht sie, wenn ich sie aufziehe?“ * Der Unterschied. „Im Irunde is doch jar keen jroßer Unterschied zwischen einem Preußen und einem Bayern. Oder finden Sie nich?“ sagte ein Berliner. „Hm, hm. Jedenfalls,“ erwiderte der Bayer, „dem liabn Herrgott sei Dank für den Unterschied.!“ Kamel. Pauline half ihrem Jüngsten bei den Schularbeiten. Der Kleine las:„Ein Kamel kann acht Tage arbeiten, ohne zu trinken.“ Brummte Pauline:„Gerade das Gegenteil von deinem Vater.“ Euter Rat. „Die Pelzaufbewahrung kostet für den ganzen Sommer zwanzig Mark.“ „Ekelhaft teuer. Muß das sein?“ „Natürlich, sonst gehen doch die Motten rein.“ „Dann bring' doch den Pelz einfach den Sommer über aufs Leihhaus. Die motten ihn auch gut ein, und außerdem bringt das noch Geld.! Verantwortlicher Schriftleiter: Josef Hom —- Heitere Welt.—— Schach=Zeitung. Endspielstudie Nr. 11 von W. u. M. Platow. Schwarz: Kh8, Ldl; Bd2, d6(4). a b e d e abc de1 Weiß: Kas, Tcs(2). Weiß zieht und hält unentschieden. Zuschriften etc. an W. Sander, Dipl.=Volkswirt, Castrop=Rauxel 1. Schach=Olympiade zu Deutschland mit Polen und Lettland an der Spitze. Stand der Spitzengruppe nach der 9. Runde: Polen 22 aus 31 Partien, Deutschland 22 aus 32 Partien, Lettland 23 aus 35 Partien, Amerika 22 aus 35, Oesterreich 21 aus 32, England 21 aus 35 Partien. Quer durch die Schach=Olympiade. I. Der stürmische Bogoljubow. Partie Nr. 29. Nimzowitsch=Variante. Weiß: Bogoljubow(Deutschland). Schwarz: H. Johner(Schweiz). Damenbauer. 1. d2—d4 Sg8— f6 2. c2—c4 e7—e6 3. Sb1—c3 Lf8—b4 4. e2—e3. Die Nimzowitsch=Variante des Damenbauerspiels(3.— Lb4), die den Theoretikern so lange und so viel Kopfzerbrechen bereitete, hat heute ihren Nimbus verloren. Es gibt mehr als eine gute Entgegnung darauf. Die von Bogoljubow gewählte nimmt, wie ja auch die Sämisch=Fortsetzung 4. a3, eine gewisse Verschlechterung der weißen Bauernstellung in Kauf, um dafür vollwertige Kompensationen in Gestalt eines initiativreichen Spiels auf dem Königsflügel einzutauschen. 4.— 0—0 5. Lf1—d3 Lb4Xc3 6. b2Xc3 d7—d6 7. Sg1—e2 e6—e5 8. e3—e4 Tf8—e8 9. f2— f3 c7—65 10. d4—d5. Die Struktur dieses Stellungsbildes ist bekannt. Die Bauernrotte c3, c4 ist unstreitag schwach, aber die Ausnutzung dieser Schwäche liegt in weiter Ferne. Vorerst einmal muß Schwarz zu den rasch heranreifenden Aktionen des Gegners auf dem anderen Flügel Stellung nehmen. Bogoljubow, temperamentvoll wie nur immer, geht hier vom Fleck weg zu einem stürmischen Angriff über, der, obwohl er im ersten Augenblick etwas improvisiert erscheint, sich bei näherer Betrachtung als durchaus gesund und äußerst kräftig erweist. 10.— Sf6—d7 11. h2—h4 Sd7—f8 12. 92—94 Sb8—d7 13. Se2—g3 Sf8—g6 14. Sg3—f5 Sd7—f8 15. Kel—f2 Sg6—f4! 16. Ld3—c2 g7—g6 17. Sf5—g3 Dd8—f6 18. g4—g5 Df6—g7 19. LciX f4 e5Xf4. Dieser Bauer wird zwar ein wenig zu einem Sorgenkind für Schwarz, dafür hat er aber das wichtige Feld e5 freigemacht. Sein Versuch, einen Springer dorthin zu dirigieren, wird allerdings von Vogol vereitelt.(vgl. Zug 21.) 20. Sg3—e2 Sb8—d7 21. Lcc2—a4! Te8—f8 22. La4Xd7 Lc8Xd7 23. Ddl—d2. Deckt c3 und greift damit f4 an. 23.— f7—f5 24. g5Xf6 e. p. Dg7Xf6 25. Tal—g1 Ta8—e8 26. h4—h5 Ta8—e8. Die einzige Möglichkeit, hier die Partie vor schnellem Untergang zu bewahren, war 26.— g6—g5. Allerdings würde auch danach die Lage für Johner auf die Dauer unhaltbar geworden sein. Z. B. 26.— g5 27. TXg5! DXg5 28. Tal DX T 29. KX T Tf7 30. SX f4 Tefs 31. Se6! (LXeb 32. dXe Te7 33. f4!) 27. h4Xg5 h6Xg5 28. Dd2Xf4! Df6—g7. Falls DXf4, so TXg6+ Kf7, SXf4 usw. 29. Df4—46 Tf8—f6 30. Kf2—e3 Te8—e7 31. Se2—f4 Tf6Xf4. So oder anders ist gleichgültig. Auf 31. Les wäre 32. Shö DXD 33. SXf6+ Ka7 34. TXD KXD 35. Sg8+ gefolgt. 32. TglXg6. Aufgegeben. Partie Nr. 30. Eine Groteske. Weiß: Spielmann(Oesterreich). Schwarz: Gromer(Frankreich). Spanisch. 1. e2—e4 e7—e5 2. Sgl—f3 Sb8—c6 3. Lfl—b5 d7—d6 4. d2—84 e5Xd4 5. DdiXd4 Lc8—d7 6. Lb5Xc6 Ld7Xc6 7. Sb1—C3 Dd8—f6. Bewies schon der 4. und 6. Zug(LXc6 statt bXc) bedenkliche Unsicherheit in der Beurteilung der Eröffnung seitens des Schwarzen, so gerät er durch den Damenzug völlig auf Abwege. Die Dame exponiert sich(an sich ein schöner Zug kühner Weiblichkeit, aber dem gewalttätigen Spielmann gegenüber gar zu riskant!) und hindert auf ihrem Platze jede halbwegs vernüftige Entwicklung der Königsflügelfiguren. 8. Dd4—d3 h7—h6 9. Lc1—e3 Lf8—e7 10. Ss —d4 Le7—d8 11. 0—0—0 Sg8—e7. Man sieht, zu welchen Schnörkeleien die schwarze Partieanlage geführt hat. Im grellen Gegensatz dazu steht der einfach=wuchtige Aufbau Spielmanns. 12. f2—f4 Lc6—d7 13. h2—h3 0—0 14. g2—g4 a7—a6. Schwarz steht in gräßliche Enge gekeilt, irgend eine Entlastungsmöglichkeit ist nirgends zu erblicken. So z. B. folgt auf 14.— c5 15. Sf3, worauf d6 hängt und außerdem e4—5 droht. 15. Sd4—f5! Se7Xf5 16. g4Xf5 Ld7—b5 17. Dd3—d2 Df6—e7 18. Thl-g1 Lb5—c6. Darauf tötet ihn der nachfolgende Stoß sofort. Er mußte schon f7—f6 ziehen. Jedoch würde auch darauf Triplierung der schweren Figuren in der g=Linie und schließliches e4-e5 die schwarze in Auflösung bringen. 19. f5—f6 De7—e6 20. f4—f5! Aufgegeben. Auf Dd7 oder Des folgt Ld4 usw. Anm. von A. Brinckmann, Schachmeister. 888 5 88882. 888. 888. Su 888. 000 883228. e6ee 23222 91 S8 88. 82 a Leselrüchte Blätter für Unterhaltung, Rumor und Spiel. Nr. 58 Juli 1931 Der Friedensfreund. Geschichte./ Von Wilhelm Lennemann. Fritz Steinbrink kam mit dem jungen Hans Echtermeier vom Felde. Juli wars und die Roggenernte nahe. Beide waren wohlgestimmt; denn Korn und Halm waren wohl geraten. Sie sprachen nicht viel; das war auch nicht vonnöten; einer wußte, was der andere dachte und errechnete. Da sprang der Hans Steinbrink mit einem Male aus dem Geleise: Fried' muß sein in der Welt und eine Freud'; sonst ist's alleweil nix! Der Echtermeier schwieg; dann tropfte er hin: Wenn ich mein Ruh hab', sonst fürcht ich auch noch, daß. Wenn du Ruh gibst!, unterbrach ihn der alte Bauer. Allemal will's keiner gewesen sein! Ein paar Hartköpf seid ihr, alle beid, du und auch der Alois! Aber was nutzt das Gered, da komm her, ein Trunk tut gut bei der Hitz! Und ohne eine Antwort abzuwarten, schritt er auf den Dorfkrug zu. Der andere folgte ihm. Steinbrink steuerte auf einen Tisch zu, an dem bereits ein Bauernbursch saß, der Alois Hawersiek. Da stutzte der Echtermeier, der kräftigere Steinbrink aber faßte ihn und stieß ihn vor sich her und drückte ihn auf den Schemel: Ich mach's halt wie die großen Herren in der Politik; ich druck euch in eine Eck zusammen. Ich bin auch ein Friedensfreund! Alois Hawersiek schaute die beiden verständnislos an, hob und trank langsam sein Maß aus: dann hatte er sich gefunden. Er setzte sich schräg zum Tisch und warf einen nichtssagenden Blick auf den Hans Echtermeier: Ich hab' euch nit gerufen! Und dann zum Wirt, als sei die Sache damit für ihn abgetan: Noch a Maß! Hans Echtermeier fuhr auf: Wegen meiner brauchst nit da zu sein! Und schob seinen Stuhl auch längsseits. Und sah auch den Friedensfürsten mit giftigen Augen an, und war darin zu lesen: Du hast dein Fried und Freud. Der aber lächelte überlegen: So fangt's allemal an; auch bei den Herren, daß sie ihr Prestige wahren. So sagen's halt. Aber nachher hauen sie ihre Kreuz doch a auf Stückle Papier, das sie Protokoll nennen. Indes bringt der Wirt den dreien das Bier; wie eine Haube saß der weiße Schaum auf den Krügen. Der Alois hob sein Maß und blies kunstgerecht gegen die weiße Krone. Flockig stäubte sie ab und dem Hans direkt ins Gesicht. Das hat nit sein sollen! log er dazu. Das auch nit! schrie der Getroffene und schlug mit der flachen Hand schräg auf sein Glas, daß der schneeige Ueberfluß wie ein zielgerechtes Torpedo dem ersten Schützen in sein triumphierend Gesicht fuhr. Gleich sprangen die beiden auf. Ihre Fäuste standen wie zwei Dreschflegel. Aber ehe sie niederisten, war der Fritz Steinbrück zwischen sie gefahren. Ueber den Tisch weg ergriff er je eine der beiden Fäuste und hielt sie wie in Klammern: Da muß ich halt ein Machtwörtlein reden: Jetzt wird abgerüst! Will auch gleich ein wenig dazu helfen. Seid nit bös drum; ich mein's gut! Und er gab den beiden Armen eine kleine drehende Bewegung, daß sie hörbar in den Gelenken knackten: So. und nun setzt euch, daß wir ein Protokoll aufnehmen. Ich hab's euch ja gesagt, ich bin a Friedensfreund! Damit ließ er die beiden Hände los. Kraftlos sanken sie nieder. Beschämt saßen die Burschen. Und nun lauscht ein wenig, hob der Alte begütigend an, ihr seid doch sonst ein paar ganz anstellige Burschen; aber nun gehabt ihr euch wie störrische Stiere! Und kommt doch nix dabei raus! wem tuts nutzen! Keinem, sag ich! Red' mir nix darein! S weiß doch jedermann im Dorf; und drum sag ich's euch: weil das Theresle Neumann... Was schert dich das Theresle! brauste der Echtermeier auf; er da soll ihr nicht nachsteigen, wo sie ihn nicht mag! Hat sie mir noch gestern abend gesagt! Was gesagt! staunte der Alois, hat's dir gesagt! Wo ich noch heut Morgen in aller Früh mit ihr einen Schwatz gehalten! Und da war kein Rosenkranz dabei, mein Lieber! Der Friedensfreund hörte schmunzelnd zu: Also brauch ich's nit in die Läng und Breit zu sagen: Sie hat euch beid zum Narren gehabt! A Freud und Kurzweil hat's mich euch getrieben; mehr nit; denn daß ihr's nun wißt: Heut Mittag hat sie sich mit dem reichen Schulte in Eppingen versprochen. Das ist so gewiß, wie ich hier sitze! Hans und Alois fuhren auf: Das ist a Lug und Trug. Da fragt meine Loisle und meine Kathi; die waren beid per Zufall bei den Neumanns und haben alles angeschaut. Jetzt wißt Ihr a Neuigkeit, hat's Theresle gesagt, nun tragt' aus! Ich mag's nimmer glauben! stöhnte der Alois. Also. da frag's Loisle selber, schlug der Alte vor, tust sie je wohl kennen, sehr wohl kennen; ich hatt'.schon immer gemeint... na, reden wir nit darüber; aber da ist's Theresle gekommen und hat dich so zum Spaß eingefangen. Und wandte sich an an den Han: Und soll ich dir von der Kathi erzählen! Ist auch wohl nimmer vonnöten! Du weißt auch so, was da zu sagen wär! Die beiden Burschen faßen wie zwei schamhafte Sünder. Schüchtern hob der Alois an: Von wegen, was war nun die Komödie! Ja, von wegen was wiederholte der Hans. Und habt euch ausgekollert wie zwei Truthähn', denen die Hennen weggeflogen sind! Als müßt's gerad die eine sein! Aber nun hat's ein End, und nun wird ein Fried gemacht! Der alte Bauer sah die beiden aufmunternd an. S' wär schon das best! Da hat ja nun all' das Gezänk keinen Zweck mehr! Also, da schlag ein! Und der Hans rückte seinen Stuhl zurecht und streckte seine Hand dem Alois entgegen. Und sah ihm in die Augen: Daß wir keine Narren sein! Recht hast! erwiderte der Alois, also da sei ein End! Und ergriff mit kräftigem Druck die Hand des Hans. Was hab' ich gesagt! triumphierte der listige Steinbrink, ich wußt doch, daß ihr ein gesund Herz im Leibe habt! Und nun gehen wir zu dritt in mein Haus. Die Kathi und die Loisle sind auch noch nit zu Bett. Ich hab da noch einen alten Kirsch; hab ihn immer aufgehoben für einen ganz besonderen Tag; ich mein, der könnt heut sein! Und da sie dann gingen, stand der Alois auf einmal, schlug dem Bauer derb auf die Schulter und scherzte froh: Hast wahr gesagt, bist wirklich ein Friedensfreund! Ich. hob sich der Bauer, und ein überlegen Lächeln füllte sein Gesicht: Ich bin der Völkerbund! Kristall. Die Seel' ist ein Kristall, die Gottheit ist ihr Scein. Der Leib, in dem du lebst, ist ihrer beider Schrem. Schließ mich, so streng du willst, in tausend Eisen ein, Ich werde doch ganz frei und ungefesselt sein. Ich selbst muß Sonne sein, ich muß mit meinen Strahlen Das farbenlose Meer der ganzen Gottheit malen. Wie töricht tut der Mann, der aus der trinkt, Und die Fontäne läßt, die ihm im Haus entspringt. Angelus Silesins. Hohentwiel bei Singen(Württemberg). as kkLetztes Geleit. Erzählung./ Von C. A. Stein. „Sie irren sich, meine Herren", sagte der Kapitän.„Wenn wir einigermaßen gut unsern Kurs einhalten, wenn wir Eisbergen aus dem Wege gehen und dergleichen, dann habe ich daran das wenigste Verdienst. Bedanken können Sie sich dafür allenfalls beim Ersten Steuermann. Der Kapitän hat andre Dinge zu tun. Leider. Er ist auf Schiffen wie dem unsrigen mehr Verwaltungsbeamter als Schiffsführer. „Sie haben Polizeigewalt, nicht wahr", fiel einer der Herren ein.„Sie sind Standesbeamter —— was haben Sie eigentlich sonst noch für Aemter?“ Der Kapitän lachte.„Zur Zeit bin ich eigentlich Vergnügungskommissar", sagte er. Er öffnete eine Tür des Rauchsalons, in dem wir saßen, und wir vernahmen die Klänge der Jazzkapelle aus dem Gesellschaftszimmer.„Jetzt hätte ich eigentlich die Pflicht, hinüber zu gehen und müßte sogar vereinzelt einmal das Tanzbein schwingen, wenn nicht heute zufällig—“ er unterbrach sich und zog seine Uhr hervor—„eine ernstere, sogar sehr ernste Pflicht mich abberiefe." „Nanu, was denn? Sie setzen ja mit einem Mal eine Miene auf, als hätten Sie einen Leichenzug zu begleiten." „So ist es in der Tat", sagte er.„Es ist nicht notig. es weiter zu sagen, aber wir haben ein Todesfall auf dem Schiff gehabt.“ „So? Wer denn?“ „Ein Kind ist plötzlich gestorben, das mit seiner Mutter zu dem drüben weilenden Vater reist. Es ist vermutlich schon mit einer Lungenentzündung auf das Schiff gekommen, und ist schon am zweiten Tage unserer Reise verschieden.“ „Wird es nicht an Land genommen?“ Der Kapitän schüttelte den Kopf.„Wir sind ja noch vier Tage unterwegs. Die Mutter wünscht es außerdem nicht. Sie tut wohl recht daran, dem Mann nicht den Sarg auf den Hafenkai zu stellen. Bitte entschuldigen Sie mich, meine Herren, die Pflicht ruft.“ Er verneigte sich und ging. Ich folgte ihm.„Herr Kapitän, ist es wohl erlaubt, daß ich der Zeremonie beiwohne? Nicht bloß Neugier treibt mich. Ich finde, die Passagiere des Schiffes sollten auch vertreten sein, wenn man das Kind einer Mitreisenden dem Meer übergibt. Und die Musik da— sollte eigentlich schweigen." Der Kapitän schlug mit der Hand.„Eigentlich ja. Aber es gibt seltsame Leute unter den Passagieren. Ein Todesfall auf einem Schiff wird anders gewertet als auf dem Lande. Die meisten reisen zu ihrem Vergnügen und wollen sich das durch nichts stören lassen. Man wird die Musik von dem Schauplatz der Zeremonie nicht hören.“ Er musterte mich mit einem Blick.„Aber wie ist es mit Ihrer Kleidung? Die Uniform tut's bei mir, sonst aber———“ „Ich bin in fünf Minuten entsprechend gekleidet da. Wenn Sie mir nur sagen wollen, wo.“ „So seien Sie in fünf Minuten bitte an meiner Kabine. So lange hat's noch Zeit.“— Gerade als ich an der Kapitänskabine klopfen wollte trat der Kapitän heraus. Er war in voller Gala, mit dem Degen an der Seite. Ich selber stand im schwarzen Rock da. Er nickte mir stumm zu, dann gingen wir über mehrere, mir ganz unbekannte Treppen, hinauf, hinunter, und kamen schließlich unten in einem kleinen Raum an, der wie eine Kapelle aussah Ein Betpult stand da, und davor auf einer Bahre der kleine mit Kränzen überdeckte Sarg. Auf einem Stuhl saß eine schwarz gekleidete, leise weinende Frau. „Es ist kein Geistlicher auf dem Schiff“, flüsterte mir der Kapitän zu.„Sonst würden wir eine religiöse Feier haben.“ Hinter uns traten zwei Offiziere und mehrere Matrosen ein. Sie stellten sich vor den Sarg. Der Kapitän begab sich an das Betpult. Er schlug ein Buch auf und las laut und eindrucksvoll einen Psalm. Als er ihn mit gehobener Stimme beendet hatte, traten die Matrosen zu dem Sarg, während der Kapitän der Mutter den Arm bot. Zwei der Matrosen trugen den Sarg voran, der Kapitän mit der Mutter, die immer noch leise vor sich hin weinte, folgte. Hinter ihnen schritten die beiden Offiziere, und ich beschloß den ua. Es ging zwei Stufen hinauf, dann eröffnete sich ein Blick in das Freie. Wir traten durch eine niedrige aber breite Tür und standen sodann auf einer kleinen Plattform unmittelbar über dem Wasser. Sie war so in den Schiffskörper eingebaut, daß sie von den Decks aus nicht gesehen werden konnte, ebensowenig wie wir die Decks sehen konnten. Vor uns lag das grüne Meer Ruhig schaukelte das Wasser hin und her, hob sich und senkte sich, und am Horizont verschwammen Meer und Himmel in einem undeutlichen Strich, in dem man eine ferne Küste vermuten konnte. An Algenteilchen, die auf dem Wasser schwammen, erkannte man, wie groß die Geschwindigkeit des Schiffes war. Die Mutter schluchzte auf, als sie das Meer erblickte. Sie sank in die Knie und schlug die Hände vor das Antlitz. Unbeweglich standen die Matrosen und hielten den Sarg Unbeweglich standen auch der Kapitän und die Offiziere. Kaum ein Laut war zu vernehmen Nur undeutlich, wie ein fernes Summen, drangen die Geräusche des Schiffes her. Ein dumpfes Brausen quoll aus der Tiefe— die Arbeit der Schiffsschrauben. Nun nahmen die Offiziere die Kränze von dem Sarg. Dann ein leichter Wink des Kapitäns, — die Matrosen schoben den Sarg über Bord, unter dem Aufschrei der Mutter. Eine Sekunde lang ein hellbrauner Schatten über dem Wasser, dann sank er senkrecht in die Tiefe. Herzzerreißend gellte ein Schrei:„Mein Kind!“ Wir alle standen und blickten rückwärts nach der Stelle, wo der Sarg gesunken war. Ruhig schaukelten die Wasser darüber. Der kleine rg aber, stellte man sich vor, sank unterdessen, — sank immer weiter in eine unergründliche Tiefe. Ernst sprach der Kapitän:„Auch diese Tiefe wird einmal ihre Opfer wiedergeben.“ Dann bot er der Mutter wieder seinen Arm. Die Matrosen und Offiziere salutierten, dann gingen sie. Ich aber stand noch lange und schaute in die weite Ferne. Und das Rätsel des Daseins, das schwere, harte Wechselspiel von Leben und Tod, rang tief in meine Seele. Lorch am Rhein. Der„Nollig", dessen Gesteinsmassen bekanntlich die Bewohner des Ortes Lorch am Rhein wiederholt bedrohten, da sie sich in ständiger Bewegung befinden, wird jetzt in mühevoller Arbeit so weit abgetragen, daß jede Gefahr für die an seinem Fuße liegenden Häuser beseitigt ist. Der Friseur der Königin. historische Skizze./ Von C. Trost. Im Garten der Tuilerien, den der weiche, warme Sommerwind von irgendwoher mit dem feinen Dufte blühender Rosen überzog, knirschte der Sand der Wege leise unter den hochhackigen Schuhen zweier schlanker, hochgewachsener Männer. Der schwedische Diplomat Graf Axel Fersen und der Marquis Francois Claude de Bouille gingen Seite an Seite langsam an den beschnittenen Hecken entlang und besprachen halblaut die letzten Vorbereitungen für die für den nächstfolgenden Tag, den 20. Juni 1791 geplante Flucht des königlichen Paares. Lange hatte es gedauert, ehe man den unentschlossenen, seit den schlimmen Ereignissen des 5. Oktober fast völlig willenlos in den Tuilerien weilenden und alle Rettung allein vom Auslande erhoffenden König für den Fluchtplan zu gewährleisten konnte. Erst nach dem Tode Mirabeaus war die Flucht endgültig beschlossen worden — und die Langsamkeit und umständliche Art, in der man sie ins Werk setzte, brachte die Ratgeber des Königs und zumal den Grafen Fersen fast zur Verzweiflung. Und trotzdem nun— endlich!— so ziemlich alles aufs Beste vorbereitet schien, fühlte der schwärmerische Verehrer Marie Antoinettes dennoch eine tiefe Beklemmung. Angst und Unruhe erfüllten sein Herz— und er sehnte inbrünstig den Tag herbei, der ihm die Meldung von dem glücklichen Gelingen des Unternehmens bringen sollte. „Wenn nur die Königin nicht gar so viele Zofen und sonstiges Personal mit auf die Reise zu nehmen wünschte!“ äußerte Marquis de Boulkle plötzlich unvermittelt nach längerem Schweigen. „Was wollen Sie— eine schöne Frau gebraucht eben auch ständig die nötigen dienstbaren Kräfte zur Pflege ihrer Schönheit!“ entgegnete Graf Fersen schwach lächelnd. „Je nun— besser wäre es auf jeden Fall, man führe allein und es wüßten weniger Menschen um die Sache!“ brummte der alte Soldat ärgerlich. „Wenn wir Ihrer Majestät diesbezügliche Vorstellungen machen würden riskierten wir höchstens, daß der Termin der Flucht noch weiterhin verschoben wird!“ gab Fersen zu bedenken. „Vermutlich! Nun— wie dem auch sei— morgen abend nach Einbruch der Dunkelheit werden die Wagen jedenfalls zur Stelle sein", meinte General de Bouille abschiednehmend. Die beiden Männer reichten einander mit festem Druck die Hände und entfernten sich hierauf nach verschiedenen Richtungen.——— In der Nacht vom 20. auf den 21. Juni war alles zur Flucht der königlichen Familie bereit. Aber— hatte Marie Antoinette den bitteren Ernst der Situation noch nicht erfaßt? Vermochte sie nicht zu begreifen, was alles auf dem Spiele stand — nicht zu fühlen, was die Zukunft unter Umständen bringen konnte? Jedenfalls——— die elegante, spielerische Tochter der großen Maria Theresia bestand nicht nur darauf, ihre Lieblingszofe und bevorzugten Schneiderinnen und Modistinnen auf der Flucht mitzunehmen, sondern wollte unbedingt auch ihren Leibfriseur Léonard Autier unter ihrem Gefolge sehen. Achselzuckend bemühte Graf Fersen sich endlich, den berühmten Coiffeur des damaligen Frankreich zur Stelle zu schaffen. Doch Léonard Autier war ein Künstler in seinem Fache— und als Künstler launenhaft, unzuverlässig und unpünktlich. Als Graf Fersens Botschaft ihn erreichte, frisierte er eben eine reiche, vornehme Dame, die wohl ebenfalls von der Tragik der Stunde nichts ahnte, für eine Abendgesellschaft. Er brachte es nicht über sich, dies Kunstwerk einer Frisur unvollendet zu lassen— und als der Haaraufbau endlich vollendet war, mußte er doch noch in seine Wohnung, um sich umzukleiden und alle jene Dinge mitzunehmen, die dem großen Autier nun einmal unentbehrlich dünkten! So kam der große Coiffeur Léonard Autier zu spät. Daß das Schicksal der Bourbonenmonarchie auf dem Spiele stand— daran dachte weder er, noch die Königin Marie Antoinette, die befohlen hatte, geduldig auf ihn zu warten. Léonard Autier aber brachte den ganzen, von dem Grafen Fersen und dem General Bouille mit minutiöser Genauigkeit geregelten Fluchtplan völlig in Verwirrung. Nichts klappte mehr— und da auch das Glück im Augenblick den Bourbonen nicht gerade hold war, wurde Ludwig XVI., denn in St. Menehould gelegentlich des Pferdewechsels— der von rechtswegen viel früher hätte erfolgen sollen— von dem Postmeister Drouent erkannt, in Varennes en Argonnen angehalten und nach Paris zurückgebracht. Zuerst nach den Tuilerien, später nach dem Palais Luxembourg— und schließlich in den Temple.——— Umsonst versuchte der dem Königspaare leidenschaftlich und begeistert ergebene Graf Fersen vom Auslande aus die Gefangenen zu befreien. Es wird berichtet, daß Graf Axel Fersen, als er die Nachricht von dem traurigen Ende der Königin Marie Antoinette auf dem Schaffot unter den Händen des Henkers empfing, voll schmerzlicher Bitterkeit geäußert haben soll:„Une coifure est cause de sa mort!“— und außer ihm hat es noch manche Leute gegeben, die ganz allein in der Unpünktlichkeit des großen Coiffeurs Autier die Ursache des Unterganges der französischen Bourbonendynastie erblickten.— Wildbach im Bayrischen Wald. müssen Sie wissen, bin ich mal'n bißchen verliebt gewesen. Aber wie sie'n ganzen Halbzug strampelnder Bengels in die Welt gesetzt hat. da habe ich mir die Flausen aus dem Kopf geschlagen. Die Minna hat sich auch weidlich plagen müsen, am die hungrigen Mäuler alle satt zu kriegen. Und nun ihr die schreckliche Nachricht bringen! Was sollte der alte Bertele wohl dabei für Gesichter schneiden? Dreimal bin ich rauf und runter geklettert in der ollen Mietskaserne und habe den Brief hin= und hergedreht. Beim dritten Mal hat die Frau von selbst den Kopf zur Tür hinausgesteckt und sich die Hände an der Schürze abgewischt. Nee, Mutter Schünemann, habe ich schnell gesagt, nix für Sie! Und dabei habe ich den Brief schnell in die Tasche gleiten lassen und da ist er heute noch. Vater Bertele paffte mächtig aus seiner Pfeise und klopfte gewichtig auf den speckigen Alltagsrock. Eigentlich war es ja Unsinn, fuhr er fort, ich konnte das Schicksal nicht aufhalten und aus der Verlustliste mußte sie's ja doch bald erfahren. Ich habe denn auch wochenlang keine Ruhe gehabt, bis der Schünemann in der Liste stand. Aber meinen Sie, Mutter Schünemann hätte das geglaubt? Sie ist ganz starr geworden und hat wieder die Schürze glatt gestrichen. Er kommt wieder! hat sie ganz fest gesagt. Er kommt wieder, hat sie ihre Jungens getröstet. Die sind dabei trotz der Kriegskost groß und stramm geworden und gehen längst selbst in die Fabrik. Der Krieg ist ausgegangen und Karl Schünemann war nicht dabei; Vater Bertele hat seine Briefe weiter ausgetragen und niemand hat ihn wegen der Unterschlagung angezeigt. Aber das schönste bei der Geschichte: Er ist doch wiedergekommen, der Karl Schünemann! Nach acht Jahren aus Sibirien, mit so nem langen Bart! Vorgestern war er auch da zum Gratulieren. Wissen Sie, da hat der alte Bertele verstohlen nach dem unterschlagenen Feldpostbrief gefaßt und sich einmal so recht als Vorsehung gefühlt. Und mit dem Amtsverbrechen... Na. Sie verraten mich nicht...! Liebe, treue Briefträgerseele, das habe ich Dir gern versprochen! Ein sonniges Lachen. Von eit Amsee. Ganz trostlos hat es gegossen, in Strömen kam es vom Himmel geflossen, grau und schwer. Da hat von dort her, wo es zum Abend geht, durch eine Wolkenritze die Sonne gespäht und— lacht auf den Regen! And sieh da den Segen! Wohl regnet's noch immer; doch ein goldener Schimmer liegt leicht und licht auf den nassen Strängen, voll Entzücken die Blicke dran hängen und darüber— hoch durch die Luft gezogen baut sich der herrlichste Regenbogen.— Schau nur, das kann ein sonniges Lachen aus dem grauesten Regen machen! Korridor im Hotel. Skizze. Von Bernharda Alma. Es ist Nacht und die Nacht ist voll Stille und lautlosen Geschehens. Von der Decke schimmert ein kleines, mattes Licht und überhellt die Dunkelheit des Korridors im Hotel. Der führt schmal, von einem Läufer bedeckt, an zwanzig Türen vorüber nach der Treppe. Es sind zwanzig weiße, verschlossene Türen. Hinter jeder dieser Türen liegt ein Zimmer— unpersönlich eingerichtet, mit dem üblichen Komfort ausgestattet rein gehalten, für flüchtigen lufenthalt bestimmt. Vor den Türen hängen Kleider und stehen Schuhe. Und— ist es nicht seltsam? Diese Kleider und Schuhe, die alle irgendein Persönliches an sich haben, geben dem Korridor ein unbestimmt trauriges Aussehen. Den sie tragen etwas von der Schwere vielfältigen Schicksales in seine Gleichgültigkeit. Diese Schwere wird beherrschender, daß es ist, als gewänne mit einem Male alles das Wesenheit, was schon diesen Korridor erfüllt hat. Immer noch ist die Nacht voll Stille und lautlosen Geschehens— aber Ungewisses gestaltet sich — Vergangenes flattert auf, serne Schicksale— für flüchtige Augenblicke von der Enge dieses Korridors begrenzt— sinken herein wie in stummem, hilflosen Grüßen. Das Gestandnis des alten Brieftraͤgers Erzählung./ Von Gerhard Fließ. Im dritten Stock unseres Mietshauses, wo unter dem Dach für Herrschaftswohnungen kein Raum mehr ist, wohnen kleine Leute. Der alte Briefträger Bertele hat meine Gedanken schon oft beschäftigt, wenn er morgens um sechs mit schweren Stiefeln die Treppe herunterstampfte und mich vorzeitig aus süßem Schlummer riß. Jetzt höre ich diesen Schritt nimmermehr und schlafe vis in den hellen Morgen. Vor kurzem hat man Bertele nach vierzig mühseligen Briefträgerjahren in den Ruhestand versetzt. Es war eine schöne Feier; sogar der Postdirektor ist dagewesen, und man soll nicht glaufen, was die einsachen Leute für Blumen und Geschenke bekommen haben. Da fühlte ich mich denn auch verpflichtet. Mehr Dankbarkeit für geschenkte Morgenruhe denn aus nachbarlicher Freundschaft vielleicht— aber ich schnitt ein paar Rosen ab und steckte ein Päckchen Tabak ein, und wahrlich, den Besuch habe ich nicht bereut. Bertele, der vielgeehrte, ein mildes, zerfurchtes Greisenantlitz inmitten großer Blumenkörbe und umwogt von gewaltigen Tabakschwaden, zeigte sich aufs höchste erfreut und dankte mir einmal über das andere, so daß es mir angesichts der bescheidenen Gabe schon fast peinlich war Ich sollte aber noch mehr ins Staunen kommen. Natürlich mußte ich Platz nehmen und an einem Gläschen nippen. Bertele zeigte sich, als seine geschäftige Gattin wieder in der Küche verschwunden war, als ein gesprächiger, ja als ein gebildeter Mann. Alle Hochachtung, welche schönen Worte er für seinen schlichten Botenberuf fand, der ihn doch in vierzig Jahren wahrlich nicht reich gemacht hatte. Er schien mir gerade ein Philosoph unter Briefträgern, unter den Schicksalsboten, von deren rastloser Pflichterfüllung es abhängt, daß sich so tausendfältige kleine und große Geschehnisse, die tief in jedes Menschenleben greifen, vollenden. Und bei mir wurde seine Zunge wohl besonders beredt, weil sie eines dankaren Widerhalls gewärtig war. Wissen Sie, sagte Bertele, man ist ja bloß n' kleiner Beamter gewesen, aber das macht einen doch stolz, daß all die tausend anstreugenden Botengänge bei Wind und Wetter, treppauf, treppab ein ganzes Leben lang, nicht vergeblich waren. Sie hätten den Postdirektor hören müssen, wie schön er das gesagt hat. Daß Diensteifer und Pflichterfüllung auch auf einem kleinen Posten die Achtung der Mitmenschen erzwingen, und so. Mein Lebtag habe ich gedacht, ob die Menschen auch unsere Arbeit so recht zu würdigen wissen oder ob wir für sie bloß Handlanger sind. Es ist doch nicht so, daß wir für unsere Bezahlung pflichtschuldigst die Briefe in den Kasten stecken. Man kennt doch jeden in der kleinen Stadt und nimmt Anteil an seinen Leuten. Wir Briefträger bekommen schließlich ein Gefühl dafür, ob wir diesmal Unglücksboten oder Freudenbringer sind, auch ohne daß wir in den Briefen lesen. Sie glauben nicht, wie schwer manche Briefe in meiner Hand gewogen haben, wenn ich wußte, was in ihnen stand.— Na, man auckt ja auch mal in eine Karte, das ist doch kein Verbreen. Und dann schaut man in ein verhärmtes Lutterantlitz und weiß gleich, wie's steht und kanns nicht ändern... Wenn ichs noch nicht gewußt hatte: der alte Bertele hatte ein Herz! Ein weites, gütiges Herz, das auch der blaue Amtskittel, schimmernd und speckig geworden in der grauen Alltagspflicht, nicht hatte ersticken können. And nun, da die beengende Pflicht verschwunden war, da schlug dieses gütige Briefträgerherz sich aus in überlauten Schlägen. „Verantwortung, hat der Direktor gesagt— so fuhr Bertele fort—„Verantwortung haben Sie Ihr Leben lang gefühlt!“ Ach, wenn der wüßte, wie schwer mir manchmal meine Pflicht geworden ist. Wenn er ahnte, daß auch ich einmal einen schweren Kampf mit meiner Pflicht getan und dann dennoch einen wichtigen Brief unterschla... Der alte Bertele schlug sich wie ein ertappter Schuljunge auf den Mund. Ach was, sagte er, nun ist es doch heraus, und Sie werden mich nicht verraten. Ja, es ist wahr, auch der alte Bertele, dem man erst kürzlich den sauberen Kittel bescheinigt hat, hat sich einmal schwer im Amte vergangen. Deswegen braucht mich niemand schief anzusehen, vor dem lieben Gott da oben fühlt sich der Alte rein. Und verjährt ist die Geschichte ja auch. Sehen Sie, meine schwerste Zeit habe ich im Kriege gehabt. Die jungen Kollegen alle im Feld und ich muß meine alten Knochen doppelt strapazieren. Und jeden Tag den Packen Briefe alleene. Aber das war noch nicht das schlimmste. Da kamen manchmal solche verflixten Dinger aus dem Felde zurück, die hatte Mutter selbst geschrieben, und nun stand so ein roter Stempel darauf: Gefallen! oder Vermißt! Ach, da wurden dem alten Bertele die Knochen doppelt so schwer. Man hat die Männer so zuversichtlich hinausziehen sehen. Die Frauen härmen sich ab zu Hause und hungern; aber trotzdem die Freude bei jedem Brief, der aus dem Schützengraben kommt! Und nun ist alles aus, und Bertele muß es mit ansehen. Wissen Sie, da bin ich Königlich preußischer Postbriefträger manchmal erbärmlich feige gewesen und habe den verdammten Brief ganz leise in den Kasten gesteckt und mich davongemacht! Aber einmal, da habe ich's doch nicht übers Herz gebracht, den Hiobspostillon zu spielen. Es war damals Minna Schünemanns ihrer, den hatte es nun auch geschnappt. In Minna Schünemann, Albertus Maguus. Der große Philosoph und Naturforscher. Von Dr. Albert Wand. Das Gesuch des Kat veroanoes an Pa erklärung des seligen holischen AkademikerPius XI um die Heiligkeitsbertus Magnus hat von neuem en die Aufmerksamkeit auf den größten Geistesmann gelenkt, den Deutschland im Mittelalter hervorgebracht hat. Nach dem die deutsche Wissenschaft gerade in den letzten fünfglJahren in mühevoller Kleinärbeit aus dem sein üppig umspinnenden Legendenktanz den sicheren schichtlichen Kern herausgeschält und die wissenschaftli Kritik aus seinem ungeheuren literarischen Nachlaß vielen ihm zu Unrecht unterschobenen Schriften geschmack los abergläubischen Inhalts sicher ausgesondert hat, dürfte der Schritt des Katholischen Akademikerverbandes der gegebene Anlaß sein, die Bedeutung dieses hervorragenden deutschen Denkers und Forschers auch weiteren Kreisen gegenüber herauszustellen. Gerade in Westfalen aber dürfte man dabei besonderem Interesse begegnen, nicht nur weil die Hauptstätte seiner Lehrtätigkeit Köln damals weit über den Kreis des Landes, das zu Köln bis 1821 kirchlich gehörte, die westsälische Kultur damals beherrschte und maßgebend beeinflußte, sondern weil dieser größte deutsche christliche Philosoph und erste deutsche Naturforscher selbst im Lande der roten Erde geweilt und gewirkt hat. Bedeutende Westfalen haben auf seinen Lebensgang entscheidenden Einfluß gehabt. Der hervorragende westfälische Geschichtsschreiber Heinr. von Herford, der als Mindener Dominikaner am 9. Oktober 1370 starb, kann als der erste Biograph des seligen Albertus bezeichnet werden, dem die Nachwelt nicht nur den Titel„Magnus"(der Große) sondern wegen seines gewaltigen Wissens auch die Bezeichnung„Doctor universalis“ gab. In dem schwäbischen Stätdchen Lauingen erinnert heute noch ein schönes Denkmal daran, daß Albert als Sproß des ministerialen Reichsrittergeschlechtes von Bollstädt hier wahrscheinlich 1193 geboren wurde. Nach Studien in der Heimat widmete er sich in Venedig und Padua 10 Jahre den freien Künsten. Der aus Borgentreich bei Paderborn gebürtige, dem gräflichen Geschlechte Eberstein entstammende sweite General der Dominikaner Jordan von Sachsen gewann ihn für den Dominikanerorden. Nach Vollendung seiner Studien und dem Empfang der Priesterweihe wirkte er seit 1228 als Lektor in den Dominikanerklöstern Hildesheim, Freiburg im Breisgau, Regensburg und Straßburg. Spätestens seit 1244—1245 lehrte er in Köln. Nach glänzenden Vorlesungen in Paris kehrte er 1248 mit der Würde eines„Meisters der Theologie“ nach Köln zurück, wo er die Leitung der auf seinen Rat dort eingerichteten Generalstudien der deutschen Ordensprovinz, die er zur größten Blüte brachte, bis er 1254 Provinzial der deutschen Ordensprovinz wurde. Auf seinen mühsamen Visitationswanderungen durchquerte er zu Fuß, nach der Regel seinen Lebensunterhalt erbettelnd, vom Rhein bis nach Schlesien, von der Nordsee bis an die Grenzen Ungarns seine Ordensprovinz, die alle Länder deutscher Zunge umfaßte. Außer der Gründung von Männerklöstern in Straßburg 1254, Seehusen 1255 und Rostock 1256 brachte er die durch den aus Wildershausen im Osnabrückischen stammenden Ordensgeneral Johannes Teutonikus begonnene Gründung des Frauenklosters Paradies bei Soest zum Abschluß, das bis zur Säularisation erhalten blieb und noch am Tage vor seiner Aufhebung die katholische Pfarrei Welver begründete. Alberts geschickte Widerlegung der Schrift der PaProfessoren, welche unter der Anführung Wilhelms aint=Amour die Grundlagen der Vettelorden angriffen, gab den Ausschlag, daß Papst Alexander IX in nigni diese Angriffe verurteilte. Da Albert am päpstlichen Hofe Vorlesungen über das Johannesevangelium vor den Kardinälen hielt, bekam er den Titel„Magister sacri palatii'. Auf eigenes Drängen 1257 von seinem Amte als Provinzial entbunden, mußte er auf päpstlichen Befehl die Bischofswürde von Regensburg übernehmen. Nachdem er von 1260—1262 die durch seinen unwürdigen vom Papste abgesetzten Vorgänger zerrüttete materielle, geistige und religiöse Ordnung durch rastlose Arbeit und sein hinreißendes Beispiel— er blieb persönlich trotz Mitra und Krummstab der bescheidene Ordensmann von früher— wieder hergestellt hatte, wurde er auf seine Bitten vom Papste von der Leitung seiner Diözese entbunden, aber am päpstlichen Hofe zurück behalten. Als päpstlicher Legat predigte er den Kreuzzug in den Ländern deutscher Zungen. Erst 1266 konnte er als Lehrer nach Köln zurückkehren, wo er sich seinen schriftstellerischen Arbeiten widmete, aber auch noch als Weihischof wirkte. Nachdem er 1277 am Konzil von Lyon teilgenommen hatte, trat er zum letzten Male öffentlich 1277 in Paris auf, wo er mit großer Beredsamkeit und scharfer Logik die Rechtgläubigkeit seines großen Schülers Thomas von Aquin, der ihm im Tode vorangegangen war, verteidigte. Am 16. September 1280 schlief Albert auf einem Sessel sitzend in seiner Zelle von seinen betenden Mitbrüdern umringt sanft ein. Seine sterblichen Ueberreste wurden im Chore der Klosterkirche begraben. Bei deren Abbruch wurden seine Gebeine in die Kirche St. Andreas übertragen. Papst Gregor V. sprach ihn 1622 seelig. Hatte Albert schon am 7. Mai 1249 durch seine Bitte den Bürgern Kölns verschiedene Privilegien vom Erzbischof Konrad von Hochstaden erwirkt, so beendete er, zum Schiedsrichter angerufen, 1258 die verwickelten Streitigleiten der Kölner Bürgerschaft mit dem erwähnten Erzbischof, wie er auch den Friedensschluß zwischen dem schof von Würzburg und dortigen Bürgerschaft vermittelte. riser von Erzb Bisch 1265 Für das gesamte deutsche Reich leistete der damals achtzigjährige Greis einen ganz unschätzbaren Dienst, als er 1277 auf dem Konzil von neugewählten deutschen Königs r Rede durchsetzte, Zürgerkrieg on die Anerkennung des Rudolphvon Habsbura in feuriger Rede durchsetzte, damit bewahrte er Deutschland vor dem Bürgerkrieg und begründete die Herrschaft des Habsburger Geschlechtes auf dem wichtigsten Throne Europas, das ihn 650 Jahre behauptete. Doch diese Verdienste Alberts treten in den Hintergrund gegenüber der Bedeutung, die er sich als Schöper derchristlichen Philosophie, als Fortührer der„philosophia perennis" erworben hat. Aldert war philosophisch Autodidakt, da ja die damals noch in Kraft befindlichen dominikanischen Konstitutionen von 1228 ausdrücklich vorschrieben:„In den Büchern der Heiden und Philosophen sollen die Brüder nicht studieren, wenn sie dieselben auch zeitweilig einsehen". Albert, dem auch sein großer Gegner Roger Bacon es bestätigt, daß er Autodidakt in der Philosophie gewesen ist, der u. a. sagt:„Aus eigenen Studien hat er, was er weiß", wurde nach Bacons=Zeugnis der erste Magister der Philosophie unter seinen Ordensbrüdern, der sie dann lehrte. Aus seiner Erkenntnis, daß die Philosophie die naturgemäße Grundlage der theologischen Wissenschaft sei, setzte er 1259 die Vorschrift für das Studienwesen der Dominikaner durch, daß das philosophische Studium als Grundlage der Theologie strenge Vorschrift wurde. Damit förderte er wesentlich die Art des theologischen Studiums, die heute in der gesamten katholischen Theologie noch maßgebend ist. Zugleich aber brachte das Genie des deutschen Magisters auch einen grundsätzlichen Umschwung in der wissenschaftlichen Richtung der Philosophie. Bisher hatte unter Berufung auf den heiligen Augustinus Plato in der christlichen Philosophie eine absolute Alleinherrschaft ausgeübt. Albert erkannte als erster den Wert des Aristoteles, dessen Werke er mit starken Zusätzen der jüdischen und arabischen Gelehrten kennen gelernt hatte. Albert, der die neue Welt der peripatetischen Literatur zu einem großen Teile durchmessen und sich angeeignet hatte stellte dem herrschenden Augustinismus den Aristotelismus mit dem Anspruch auf Anerkennung gegenüber. Die lebendige Ueberzeugung von Werte des Aristoteles— und das Drängen seiner Mitbrüder veranlaßten ihn, diese Literatur den Lateinern nahe zu bringen. In nicht viel mehr als zehn Jahren, veröffentlichte er seine Erklärungen zu den Hauptwerken des Aristoteles. Die Werke des großen Stagiriten machte er durch eine wertvolle Paraphrasierung(eine Erklärung, bel der er das Richtige vom Falschen zu trennen und den Sinn des Urhebers festzustellen sucht) seinen Zeitgenossen ermöglichte ihnen dadurch die Nachprüfung ufstellung, behandelte wichtige Punkte in Einzelund zusämmenfassend, wodutch er eine christliche hie schuf, die als Grundbau der Theologie dienen Diese Einführung der aristotelischen Philosophie, die eine wahre Revolution im Studienwesen der damaligen Zeit hervorrief, bezeichnet Grabmann mit Recht als das größte Ereignis der mittelalterlichen Scholastik. Durch seine mit vielen geschichtlichen Notizen und kritischer Stellungnahme umgebenen Erklärungen der aristotelischen Philosophie überlieferte er aber auch wertvolle Beiträge zur Geschichte der Philosophie und schuf den Boden zu ihrer Weiterentwicklung, zu der sein größter Schüler, der hl. Thomas von Aguain an erster Stelle beigetragen hat. Als Johannes Teutonikus ihm 1245 in Köln den aquitanischen Gtafensohn Thomas als Schüler zuführte, da erkannte er gleich dessen Fähigkeiten. Als die Mitschüler ihn den„stummen Ochsen“ nannten, soll Albert nach der ersten Disputation erklärt haben:„Wir nennen diesen einen stummen Ochsen, er aber wird in der Wissenschaft dermaßen seine Stimme erheben, daß sie in der ganzen Welt gehört werden wird." Dieser große Schület den Albert mit allen Mitteln förderte, hat auf den Arbeiten seines Lehrers aufbauend, das geniale System der thomistischen Philosophie geschaffen, welche das Mittelalter beherrschte und auch heute noch die maßgebende christliche Philosophie, die wahre philosophia perenis ist. Alberts philosophische Stellungnahme wirkte sich auch auf dem Gebiete der Theologie aus, wo er auf exegetischem, moralischem, domatischem und mystischem Gebiete rege arbeitete. Mag er auch hinter Thomas mit seinen Leistungen zurückstehen, so bleibt ihm doch das unbestrittene Verdienst, wie Wilms mit Recht sagt,„dem Schüler den Weg gewiesen zu haben, die schwierigsten Vorarbeiten im Sammeln des Materials, in der Festlegung der Richtlinien und in dem Versuch einer, wenn auch nur teilweise gelungenene Synthese geleistet zu haben." Vieles von Thomas nicht verwertete Eigengut aus berts Theologie ist für die Entwicklung der theologischen Wissenschaft aber später noch fruchtbar geworden. Alberts Bestreben, den Aristoteles seinen Mitbrüdern verständlich zu machen, ließ ihn auch fast das gesamte Gebiet der Naturwissenschaft behandeln.„Den ganzen Kosmos von den Sternen bis zu den Steinen hat Albert studiert und beschrieben", sagt mit Recht Wimmer, denn Albert behandelt in seinen Schriften Astronomie, Meterologie, Klimatologie, Physik, Mechanik, Alchemie, Mineralogie, Anthropologie und Zoologie. Gerade der Tätigkeit Alberts als Naturforscher sind viele Gelehrte nachgegangen und haben ihre Bedeutung klargelegt. Als Untergrund der damaligen Naturwissenschaft diente der„Panllologus“, eine Art religiöse Naturgeschichte mit heidnischem Kern, durch christliche Zutaten vermehrt, der Berichte, hauptsächlich aber Fabeln über Tiere, Schlangen und Steine in ihren Glück oder Unglück bringenden Beziehungen zum Menschen zusammenstellt, Mag Albert sich von dessen Einfluß auch nicht überall befreit haben, so übte er doch scharfe Kritik an ihm und drang über dieses Volksbuch hinaus bis auf alte wissenschaftliche Vorarbeiten, besonders die naturwissenschaftlichen Arbeiten des Aristoteles, der griechischen Aerzte Hippokrates und Galenus vor, benutzte aber auch die Arbeiten späterer Naturforscher. Er ging aber mit einer gewissen Kritir an diese Arbeiten, indem er die eigenen Wahrnehmungen als porzüglichstes Kriterium der Naturwissenschaft an die Spitze stellte, dem erst an zweiter Stelle die Uebernahme der Beobachtungen anderer folgte. Albert war von Jugend auf, in der er nach seinem eigenen Berichte zur Erholung jagte, ein feinsinniger Beobachter der Natur und des Tierlevens und bringt uns in seinen naturwissenschaftlichen Werken oft die ersten und auch heute von der Wissenschaft noch angenommenen Berichte über deutsche Pflanzen und Tiere. Albert, der sich mit den Pflanzenkeimen, Baum= und Pflanzenknospen intensiv beschäftigte, der insbesondere als erster den Einfluß von Licht und Wärme auf das Wachstum der Bäume bezüglich ihrer Höhe und Breite, ja selbst der Beschaffenheit ihrer Rinde, sowie die Verschiedenheit des Pflanzensaftes in der Wurzel und beim Höhersteigen feststellte, besaß als der größte Forscher der mittelalterlichen deutschen Flora nach dem Urteile von Franz Strunz eine ans Wunderbare grenzende Kenntnis der deutschen Vegetation. Professor Stadtler, der beste Kenner der Zoologie Alberts, der auf der 80. Generalversammlung deutscher Naturforscher und Aerzte zu Köln am 21. September 1908 in einem großen Vortrage Alberts Vorzüge als Naturforscher rühmte, hat festgestellt, daß dieser als erster von deutschen Säugetieren das Wiesel, die beiden Marder, die Ratte, den Gartenschlürfer und die Haselmaus nennt und kenntlich beschreibt, den Eisbären nennt und die deutschen Tiernamen Gemse, Hermelin und Iltis als erster anführt. Stadtler hat nachgewiesen, daß sich auf Grund der Schilderungen Alberts ein Rückschluß auf den damaligen Tierbestand der einzelnen deutschen Gegenden machen läßt. Albert hat sich nach den Darlegungen Stadtlers intensiv mit den Fischen und Vögeln. aber auch besonders mit den Insekten und Blenen befaßt. Auch auf chemischem und meterologischem Gebiete machte er interessante Erfahrungen, so daß Stadler von ihm sagt:„Jedenfalls war er ein Beobachter allerersten Ranges, und wäre die Entwicklung der Naturwissenschaften auf der von Albert eingeschlagenen Bahn weitergegangen, so wäre ihnen ein Umweg von drei Jahrhunderten erspart worden“. Dazu systematisierte er nach dem Vorbilde des Aristofeles und schaffte er, um Strunz's Worte zu gebrauchen, ein vielverzweigtes und wohlerwogenes System, das auch heute noch Gegenstand naturwissenschaftlichen Studiums ist. Seit Alexander von Humboldt, erkennen auch protestantische Gelehrte mehr und mehr in Albert den großen deutschen Forscher im Buche der Natur. Aber Albert wies, was ling mit Recht betont, wie auc bott als den Schöpfer der gesamten Natur und den Schöpfer alles Lebens hin. So mündete seine Forschungsarbeit wieder in das große System seiner philosophischen und theologischen Weltanschauung. Mit Recht sagte Anselm Ricker als Rektor der Wiener Universität:„Wir verehren in Albertus Magnus nicht nur einen der evelsten Männer, der größten Genies, die unser Vaterland hervorgebracht hat, er ist auch gleichsam die ewig lebendig dastehende Verkörperung jener glänzenden Epoche unserer nationalen Geschichte, von deren gewaltigen Geistesleben die hohe Gestalt eines Albertus Magnus ebenso lautes Zeugnis ablegt, wie die himmelanstrebenden Dome am Rhein und an der Donau.“ Freiherr Georg von Hertvie alle großen Naturforscher Trachtenfest im Riesengebirge. In Oberschreiberhau im Riesengebirge wurde ein Trachtenfest veranstaltet, dessen Höhepunkt ein Hochzeitszug aus dem Jahre 1839 bildete. Die Muhmen und Gevattern des Brautpaares in altschlesischen Trachten. Brief vom Ostseestrand. Auf Usedom, Juli 1931. Aus des Meeres tiefem, tiefem Grunde klingen Abendglocken dumpf und matt, uns zu geben wunderbare Kunde von der schönen alten Wunderstadt. Jn der Fluten Schoß hinabgesunken blieben unten ihre Trümmer stehn; ihre Zinnen lassen goldne Funken widerscheinend auf dem Spiegel sehn. Also dies ist der Boden, auf dem das alte sagenhafte Vineta stand. Sagenhaft— aber man kann ruhig annehmen, daß an dieser Sage, wie an vielen alten Sagen, ein taksächlich an der ein taksächlicher, wahrer Kern ist. Sicherlich lag n der Mündung der Oder einst eine mächtige Handelsstadt, eine jener Ostseestädte, mit denen, wie uns bezeugt ist, die Phönizier Handel trieben und aus denen sie den Nai ist. die Phönizier Bernstein, den die alten Griechen unter dem Namen „Elektron" kannten und an dem sie zum ersten Male die danach bekannten elektrischen Erscheinungen wahrnahmen, holten. Vielleicht aber müssen wir gar auf noch frühere Zeiten zurückgehen. Dann brach möglicherweise das Meer ins Land, riß es auseinander, versenkte einen Teil davon und schuf so die heutigen geographischen Verhältnisse an der Obermündung, die für den Fremden anfangs so schwer zu überblicken sind und ihm die Orientierung erweren. Und doch ist's im Grunde einfach: die Oder erweitert sich zu dem Stettiner Haff, und zwischen dem Haff und der Ostsee liegen, wie spitz zulaufende Keile. die beiden Inseln Usedom und Wollin, auf letzterer als wichtigstes Seebad Misdroy, auf Usedom aber eine Reihe bekanntet, glänzender Badeorte: Swinemünde, Ahlbeck, Heringsdörf, Bansin, Zinnowitz,— die fernsten Vororte von Berlin, wie man mit gewisser Berechtigung sagt. Alle diese Bäder prangen in dem freundlichen Gewand. das die Ostseeküste auszeichnet und so anheimelnd macht: grüne Laub= und Fichtenwälder, mitunter hochplateauähnlich dem Meere vorgelagert, mitunter sich zu ansehnlichen Höhen emporschwingend; davor die flachen oder welligen Dünen, mit Schilf und Dünengras bestanden, und dann bis ans Meer der weiße Strand, an den mit immer gleichem Ton und Takt die Wellen schlagen. Keine Flut trägt das Wasser weit zurück, keine Ebbe bringt es wieder; Frieden und Ruhe zu bewahren scheint der Strand ängstlich bemüht. Und doch gibt es auch hier Stürme, die die See bis ins Innnerste aufwühlen, die, wenn sie von Wasser kommen, die Flut weit voran tragen, sodaß sie uns die Seebrücken und Seestege tobt und den Gischt bis auf die Promenaden wirft. Jetzt noch erinnern Inschriften an der Seebrücke von Heringsdorf, die sich Hunderre von Metern weit ins Meer erstreckt, daran, daß bei einem einige Jahre zurückliegenden Sturm so gut wie nichts von diesem gewaltigen Balkenwerk übrig blieb. Und die Mole an der Hafeneinfahrt von Swinemünde, die die Badenden in der Ferne sehen dann von den Wogen überspült. Nur der an der Spitze stehende Leuchtturm ragt über die brüllenden und tobenden Wasser und gibt ruhig seine Signale. And ist es Nacht, dann vollführen die gewaltigen Scheinwerfer des Hafens ihren gespenstischen Rundgang auf dem Meere, lassen die tanzenden Wogen in ihrem Licht auferstehen und lassen sie wieder in der Dunkelheit versinken— ein wundervolles Schauspiel, das an manchen Abenden das Badepublikum von Swinemünde bis auf den letzten Mann an den Strand lockt. Swinemünde ist die Stadt, von der man sagen kann, sie habe das Erbe Vinetas angetreten. Eine ruhige Hafenstadt, Vorhafen von Stettin, mit Docks auch für große Ozeandampfer, gern von der Kriegsmarine aufgesucht. Der Badegast muß sich aber schon ein wenig bemühen, um dies Hafenleben kennen zu lernen, und sich entweder mit dem Motorboot hinüberfahren lassen oder den Badeort und den weitläufigen Kurpar., der die Stadt von dem Bad trennt, durchschreiten. Beschränkt er sich auf den Badeort, so sieht er von dem Hafenleben nur gerade die ankommenden und abfahrenden Schiffe: Rauchwolken tauchen in der Ferne auf dem Meer auf, kommen näher, Schornsteine und ein dunkler Rumpf werden sichtbar, und dann schwimmt der Riese heran, näher und näher, und sucht schließlich östlich vom Bad vorbeifahrend, den Hafen auf. Und zwischen den dunklen Frachtschiffen die weißen Passagierschiffe und Motorschiffe, die nach Rügen, nach Bornholm, nach Stockholm, nach Memel und Libau fahren, darunter hervorstehend das elegante und schnelle Motorschiff„Preußen", das die Aufgabe hat, das eich mit Ostpreußen auf dem Wasserwege zu verbinden. Man merkt dem Bad Swinemünde an, daß eine kapitalkräftige Stadt dahinter steht, daß es sich langsam und allmählich aus einem Fischerdorf entwickelt hat, sondern daß es planvoll und organisch erbaut ist. Eine übersichtliche Anlage, gerade, asphaltierte und daher staubfreie Straßen, alle von Bäumen und freundlichen Vorgärten eingesäumt. Da stört kein alter, stehengebliebener Schuppen, keine abgebröckelte und verschlissene Fassade. Und wundervoll die kilometerlange Strandpromenade, von der aus man die ganze flache Bucht übersieht, in welcher die Usedomer Bäder liegen, und auf der anderen Seite die Spitze der Nachbarinsel Wollin. Da bieten sich dem Auge dar: die weißen Flecke zwischen dem Strand und den Uferwäldern, die der Kundige uns als Ahlbeck, Heringsdorf und Bansin erklärt. Man sieht die bunten Strandkörbe unabsehbar stehen; wo die letzten Kurgäste von Swinemünde lagern, da baden schon die Ahlbecker, und diese wieder reichen den Heringsdorfer Gästen die Hand. Die ganze Promenade entlang Villa, Hotel an Hotel, alle mit der Aussicht auf das Meer. Und in der Mitte, mit der Flagge hoch am Mast, das stilvolle Kurhaus, das seine großen Ausmaße Uug hinter einer fast zierlichen Fassade verbirgt und bewußt den Eindruck des„GrandHotels" und seines Massenbetriebes vermeidet, vielmehr etwas individuell Einladendes zur Schau trägt. Es ist, als hätte sich etwas wie der sogenannte„Stil der neuen Sachlichkeit“ in diesem Badeort verkörpert. Ganz anders ist der Eindruck, den Heringsdorf vermittelt. Heringsdorf war einmal das Modebad des Nordens. Er trägt, möchte man sagen, den Stempel einer entschwundenen Epoche an sich. Und es gibt auch heute noch Menschen, die sich dafür begeistern. Nestähnlich klammert es sich an den Höhen fest, die dort vor dem Meer lagern. Hinauf und hinab führen seine Straßen; viele Stufen muß man zuweilen erklimmen, um von der Straße in ein Haus zu kommen. Romantisch umdüstert, in einem Garten mit jahrhunderte alten Bäumen, liegt manches Haus da; Postamente und Steinbilder zieren den Eingang. Riesig das Kurhaus und manche Hotels. Heimliche Pfade ziehen sich entlang und münden schließich auf einer Höhe, von der man das Meer überblickt. Und auf hohen Uferfelsen steht manches„Haus am Meer", in hohe Wipfel fast versteckt, und träumt in die Weite. Enge und gewunden laufen die Gäßchen, und steht noch ein altes Fischerhaus, wie ein Denkhwundenen Primitivität hie und da sie mal, das man einer längst ent gesetzt hat. Kehren wir nach Swinemünde zurück. Um eine Spezialität der pommerschen Bäder zu erwähnen: wie ein Festungsgelände sleht der Strand aus. Um jeden Strandkorb oder jedes Zelt ist ein Wall aufgeschichtet, die„Jurg“. Oh, so eine Bu ist keine Kleinigkeit. Und Regeln zu beobachten, die d h. so eine Burg aufwerfen man hat dabel auch allerlei tönt. Wo käme man dahin, wenn jeder viel Raum beschlagnahmen wollte, wie ihm beliebt. Also da gibt es genaue Vorschriften, wie groß so eine„Burg“ sein darf. Und auch E eine am Tage, des Morgens, sehen eine andere Familie die Burg vollendet, einen Strand korb gemietet und ihn„hineingestellt hat. Nun, nodie „Burg" wird von der ankommenden Familie im Sturm genommen. Heftige Redeschlacht,„Wie kommen Sie dazu———?“—„Erlauben Sie mal———" glich, (Jamuß, lärt: Einer hört nicht, was der andere sagt. Schließlich, letzte Zuflucht: der Kurdirektor muß entscheiden. wohl, der Fall ist so ernst, daß der Kurdlrektor her müß ob er will, oder nicht. Denn die Familie hat erklärt „Wenn wir unsre Burg nicht wieder bekommen, verlassen wir das Bad auf der Stelle." My home is my castle!) Und der Kurdirektor entscheidet, daß die Famllie, die den Bau begonnen hat, ihre„Burg" zurückerhält. Grollend ziehen die andern ab und Jsuchen einen andern Platz. Sie vergessen ihr Mißgeschick schnell. Denn eben ertönt Propellersurren, ein Flugzeug fliegt über das Bad hin. Und nun lösen sich von ihm bunte Walserbälle und fallen langsam, vom Winde leicht abStrand herab. Schreien, Jubel, Spandie Bälle niedergehen? Die Strand1 Bewegung, Kinder laufen. Nun ist Schrei— getrieben, auf den Strand nung. Wo werden di besucher setzen sich in der erste unten, ein Haschen, ein jubelnder Schrei— eine Mutter hat ihn für ihren kleinen Buben eingefangen. Der klatscht in die Hände und drückt ihn sellg an sich. Soll man da nicht ein klein wenig Aerger vergessen? Der große Lautsprecher sendet Musik über den Strand. Die Wellen murmeln dazu die leise Grundmelodie, in den Lüften bunte Bälle, die zur Erde schaukeln. Die drükkende lastende Sorge, die auf der Welt liegt, scheint fern im Hinterland geblieben. Und schließlich, raunt das Meer nicht auch von etwas Gewaltigem, das den Blick von dem Elend unserer Tage zur Harmonie des Unendlichen hebt? Ja, auch das gehört zu der Not unserer Zeit, daß so wenige sich aus Ihrem Alltag lösen können, aus den engen Steinmauern ihrer Städte, in denen sie ersticken, die von dem Schrei nach dem Brote widerhallen, entfliehen können, um einmal den Blick in die weite Meeresferne zu richten und sich aus der Schau der freien, weiten Natur Kraft zu holen für die Ertragung und Ueberwindung ihrer Nöte. Nacht ist's. Leise plätschern die Wellen. Ueber dem Meer stehen leuchtend die Sterne. Und ich vollende sinnend das Gedicht, das uns Wilhelm Müller über die alte Wunderstadt Vineta schenkte, und dessen erste Strophen am Beginn dieses Briefes stehen: Aus des Herzens tiefem, tiefem Grunde klingt es mir wie Glocken dumpf und matt. Ach, sie geben wunderbare Kunde von der Liebe, die es einst empfunden hat. Eine schöne Welt ist da versunken, ihre Trümmer blieben unten steh'n, lassen sich als gold'ne Himmelsfunken Oft im Spiegel meiner Träume seh'n. Aus aller Welt. Notlandung zum Eiereinkauf. Ein Pilot des Flugdienstes Paris—London erhielt dieser Tage von seiner vorgesetzten Behörde einen ernsthaften disziplinarischen Verweis wegen allzugroßer Galanterie im Dienst. Er hatte für den Weg von Paris nach London nur einen einzigen Fluggast, eine englische Dame. Dieser fiel unterwegs ein, daß bei ihrer Ankunft in London die Läden schon geschlossen sein würden und daß sie notwendig noch ein paar Eier brauche. Das Flugzeug war noch über französischem Boden, der Pilot ließ sich zu einer Notlandung bereden, und nach beendeten Eiereinkauf in einem französischen Dorf flog man weiter. Der Zeitverlust ließ sich aber nicht mehr einholen. Der Pilot wird künftig wohl nur an den fahrplanmäßigen Landungsstellen niedergehen. Die nützlichen Ameisen. Wie aus den Untersuchungen eines französischen Zoologen hervorgeht, sind die Mitglieder eines einzigen Ameisenhaufens imstande, am Tage über 100 000 Stück Ungeziefer zu vernichten. In der Stunde schaffen die Ameisen durchschnittlich je 12 Ungeziefer in ihren Bau. Betrachtet man die sogenannte„Ameisenplage“ unter diesem Gesichtspunkte, so ergibt sich die erstaunliche Tatsache, daß diese kleinen„Naturpolizisten“ einen riesigen Nutzen für die Landwirtschaft bedeuten, dem nur ein geringer Schaden an Obst und Gemüse gegenübersteht. Der fliegende Missionar. Ein deutscher Kulturpionier in Südwest-Afrika.- Mit Flugzeug und Auto durch den afrikanischen Busch. Aus dem früheren Deutsch=Südwestafrika ist jetzt ein Mann nach Deutschland zurückgekehrt, der dort ein Werk deutscher Kulturarbeit vollendet hat: Pater Paul Schulte, der„Fliegende Missionar“. Der folgende Bericht ist ein Kapitel deutscher Missionsarbeit von heute. Hungersnot im Ovamboland. Im Ovamboland(Südwestafrika) herrscht Hungersnor.— 120 000 Menschen sind aufs schwerste bedroht: Langanhaltende Dürre läßt sie verzweifeln, die Schwarzen haben trotz aller Gebete völlig den Mut verloren, in den bedrohtesten Landstrichen wissen sie es ganz genau: Der Hungertod ist unvermeidbar,— es hat nicht einmal mehr Zweck, andere zu berauben, weil deren Vorratskammern ebenfalls leer sind. Die männlichen Eingeborenen ergeben sich in ihr Schicksal; sie sind überzeugt, daß es hier keine Hilfe mehr gibt. Die Frauen wimmern, klagen um ihre Kinder, hoffen vielleicht noch auf ein Wunder, im afrikanischen Busch, anno 1930. Hilfe? Woher?? Tsumeb, die Endstation der Eisenbahn, ist— 600 Kilometer von der Hungergegend im Ovamboland entfernt. 600 Kilometer Wüste, Busch, einsames Land, durch das die Ochsenkarren 30 Tage wandern... bis die ankommen, ist alles verhungert! In einem Negerdorf, dessen Einwohner dumpf brütend und verzweifelt auf dem Dorfplatz hocken, entsteht lärmende Vewegung: Ein schwarzer Vogel, von nie erblickter Größe fliegt mit lautem Brummen auf das Dorf zu, senkt sich plötzlich bis auf den Sandboden und kommt so di heran, daß die Schwarzen laut kreischend nach allen Ri tungen fliehen. Ein Mann entsteigt dem Flugzeug, im langen schwarzen Rock,— der deutsche Pater Paul Schulte, der eine Flugzeugladung Maismehl bringt. Eine ganze Anzahl Flugzeuge des von Pater Schulte organisierten Schnellverkehrsdienstes im ehemaligen Deutschsüdwest sind unterwegs, um die Eingeborenen in letzter Minute mit Nahrung zu versorgen. Fünf Stunden hat das Flugzeug zu einer Strecke benötigt, für die der Ochsenkarren unter unendlichen Mühen 30 Tage braucht. Langsamer kommen die Automobile des Schnellverkehrsdienstes mit ihren Maismehlladungen hinterher,— sie brauchen immerhin drei bis vier Tage. Das ist das Werk eines Deutschen, der in der früheren deutschen Kolonie Südwest Kolonial= und Missionsdienst übt: über das ganze Land, in dem es nur wenige Eisenbahnstrecken gibt, ist in mühsamer Aufbauarbeit, aber in verhältnismäßig ganz kurzer Zeit ein Schnellverkehrsnen von Automobilen, Flugzeugen und Motorbooten gezogen worden. Hervorragende deutsche Unternehmen, wie die Hamburg=Amerika=Linie, der Norddeutsche Lloyd, die Junkersflugzeugwerke, Daimler=Benz, USW. sind hieran beteiligt. Der Tod eines nahen Freundes, der im Ovamboland starb und bei besseren Transportmitteln hätte gerettet werden können, erweckte in Pater Schulte den Drang, das einsame, wüste Land mit den Mitteln moderner Technik u erobern. Jedoch,— selbst ist der Mann!— er begnügte ch nicht damit, von Windhuk aus den Schnellverkehrsienst über Südwestafrika nur zu organisieren,— er selbst war der erste Pionier dieser Strecken, der erste, der im großen Motorboot den einsamen Okawango hinauffuhr, der im Automobil nach dem Canrivizipfel, nach Livingstone reiste, sein Wagen war der erste, der die Strecke Windhuk—Livingstone durchgehalten hat, um der Bevölkerung Hilfe und Rettung zu bringen. Haben wir überhaupt eine Vorstellung davon, was es heißt, im einsamsten Südwestafrika solche Riesentouren im Auto zu unternehmen, um eine Strecke zu erforschen und die Wegebereitung möglich zu machen? Pater Schulte selbst erzählt von seinen Erlebnissen: An einem Spätnachmittage trafen wir auf der früeren deutschen Festung Namutoni(Ovamboland) ein. hrend gedachten wir derjenigen, die hier gebaut und gekämpft hatten. Um die Festung herum ist ein Wildreservat, ein wahres Tierparadies. Tausende von Tieren sahen wir in der weiten, unübersehbaren Ebene: Zebras, Gnus, Strauße, Springböcke, Perlhühner,, Adler u. in der Ferne brüllende Löwen. Mit einem Wagen fuhren wir in eine Herde hinein, ohne die Tiere zu verletzen, und photographierten, was nur die Apparate hergeben konnten. Wir fuhren zurück und badeten in einem wunderschönen Vassin, umgeben von Palmen und Zypressen, erbaut in deutscher Zeit. Ich sagte:„Hier hätte ich auch Kommandant sein mögen...“ der Bremse. Es ging Zoll für Zoll. Eine ungewollte falsche Gewichtverteilung— und das Auto mußte kippen. Man mochte nicht daran denken. Man hätte schon einige Flußpferde anspannen müssen, um unseren versunkenen „Kameraden“ aus der Tiefe herauszuholen. Mehrere Male mußten wir den Wagen um Zentimeterbreite nach rechts oder links schieben, keine leichte Arbeit. Endlich war der Wagen oben. „Jetzt kommt der Moment, wo der Frosch ins Wasser springt," sagte Dressel, und ging ans Land, um, wie Schönfelder, mitzuhelfen, das Boot mit dem Auto vorsichtig avzustoßen. Ich thronte oben in der Höhe hinter dem Steuerrad an der Bremse. Langsam, langsam lößte sich das Floß,—— es schwamm. Im Augenblick des Loslösens vom Grunde kam das Auto ins Schwanken, so daß wir glaubten, jetzt sei Schluß der VorInstinktiv rutschre ich nach hinten, hergestellt, so stellung. gewicht war wieder hergestellt, sogar meine Zigaret brannte noch. Langsam, vorsichtig wurde die kostbare Fracht auf die andere Seite gerudert. Da es bereits dunworden war, hatten wir auf beiden Seiten des Flusses riesengroße Feuer gemacht, um den Ruderern bei ihrer verantwortungsvollen Fahrt behilflich zu sein Als der Wagen glücklich am Ufer stand, war alle Angst überstanden. Wieder mal hatten wir's geschafft. Soll's auch der Kuckuck holen, wenn drei alte deutsche Krieger nicht mit einem afrikanischen Flußübergang fertig werden!“ Seitdem die deutschen Flugzeuge und Automobile in Südwestafrika Pioniere der Kultur, der Menschlichkeit sind, haben sie zahllosen Eingeborenen das Leben retten können. Der Mann, der diese Organisation geschaffen hat und jetzt nach einem schweren Malariaanfall nach Deutschland zurückgekehrt ist, ist jener Typ des deutschen Kulturpioniers, der sich durch nichts hindern läßt, auch auf neuen gefährlichen Wegen seiner Pflicht zu dienen. Solche Männer sind eine lebendige Anklage gegen jenen Spruch von Versailles: Deutschland sei unfähig, Kolonien zu pflegen. Die Bayreuther Festspielfanfare. Mit der Aufführung des„Tannhäuser“ unter dem Dirigentenstab Arturo Toscaninis wurden am 21. Juli die Bayreuther Festspiele eröffnet. Fanfarensignale kündigen den Beginn der Wagner=Festspiele in Bayreuth an. Schwimmende Kaimauer aus Beton. Im Hafen von Rotterdam wird ein schwimmender Dampferanlegsteg aus Beton gebaut, mit der Flut steigt und mit der Ebbe sinkt. der ... Wir mußten über drei Flüsse, je zweimal, mit primitivsten Mitteln übersetzen. Es handelte sich um den Okawango, den Mashi und den Lynyanti. Der vierte Fluß, der Sambesi, den wir in Livingstone überquerten, hatte eine wundervolle Brücke. Der schwierigste Flußübergang war der vorletzte über den Lynyanti. Wir stärkten uns durch ein gutes Mittagessen: Herr Schönfelder, Herr Dressel, Herr Professor Zypriani und ich.— Der Wind, welcher das neun Meter tiefe Wasser sturmartig aufgewühlt und ein Uebersetzen bisher unmöglich gemacht hatte, ließ nach. Der Kraftwagen wurde langsam auf daß als Floß hergerichtete Boot geschoben. Ich saß an Stapellauf eines italienischen Ozeanriesen. Am 26. Juli findet der Stapellauf des italienischen Ozeandampfers„Rex“ statt, der den regelmäßigen Passagierdienst schen Neapel und Newyork versehen soll. In italienischen Schiffahrtskreisen hofft man, mit dem Dampfer einen neuen Rekord für die Ueberfahrt aufstellen zu können. Bugansicht der„Rex“ auf der Werft in Genua. Die erste„Fernseh=Station" der Welt. Ein bedeutungsvoller Tag für das Radio.- Wie die erste ständige„Fernseh-Station" arbeitet.- Die Kosten der Empfangsapparate. Der 22. Juli 1931 war für die Entwicklung des Radios ein bedeutungsvoller Tag, der die erste„Fernseh=Station“ brachte. Visher waren alle Maßnahmen auf diesem Gebiete in Europa und Amerika nur Versuche, die vorübergehend auf eigens zu diesem Zwecke errichteten Stationen unternommen wurden. Die amerikanische„Columbia Broadcasting“ in New York ist nun zum ersten Male daran gegangen, eine ständige Fernsehstation zu errichten, die täglich ein längeres Programm aussenden soll. Die„Columbia Broadcasting“ ist eine der größten und reichsten derartigen Unternehmungen, deren technischer Direktor Cohan schon seit Jahren an der Verbesserung des Fernsehens arbeitet. Er glaubt an die Zukunft dieser neuen Erfindung und hat seiner Gesellschaft eine Abteilung angegliedert, die„Columbia Television Broadcasting“, die sich eigens mit diesem neuen Zweige des Radios befaßt. In den letzten Monaten wurden umfangreiche praktische Versuche in aller Stille unternommen, um festzustellen, ob sich bereits die Patente der„Columbia Broadcasting“ für eine allgemeine Einführung des Fernsehens eignen. Die Versuche verliefen zufriedenstellend, sodaß der kühne Plan gefaßt wurde, allen Zweiflern zum Trotz die erste ständige Fernsehstation der Welt einzurichten und damit der ganzen Welt das Beispiel zu geben, auf diesem Wege fortzuschreiten. Das erste Programm, das durch Ansprachen des New Yorker Bürgermeisters Walker und des deutschen Rundfunkingenieurs Dr. Schäffer eingeleitet wurde, war nach Mitteilungen englischer Blätter nicht besonders umfangreich. Es dauerte ungefähr eine Stunde und brachte allerlei Vorführungen von Sängern und Schauspielern die auf den Empfangsapparaten nicht nur gehört, sondern auch gesehen wurden. Die Fernsehplatte der Aufnahmeapparate ist ungefähr 20 mal 10 Zentimeter groß, also ausreichend, um die Bilder der Vortragenden zeigen zu können. Die„Television Broadcasting“ hat die Fernsehapparate bereits in Massenfabrikation hergestellt und auf den Markt gebracht, um endlich das Geschäft mit Fernsehen„anzukurbeln“. Die Columbia ist überzeugt, daß der Absatz bald großen Umfang annehmen wird, da jeder Amerikaner dem Fernsehen großes Interesse entgegenbringt. Die augenblickliche Geldknappheit, die auch in Amerika herrscht, wird nach der Meinung der Geschäftsleiter dem Verkauf der Fernsehapparate nicht erheblichen Abbruch tun, zumal die Apparate nur 100—150 Dollar kosten sollen. Nach dem Gelingen des Einführungsprogramms werden von jetzt ab täglich umfangreiche Fernsehsendungen stattfinden und zwar 2 Stunden vormittags und 5 Stunden nachmittags und abends. Der Dampfer„Leviathan“ ist als erstes Schiff der Welt mit Empfangsapparaten ausgestattet, so daß die Passagiere in der Lage sein werden, das ganze Sendeprogramm des ersten Fernsehsenders zu verfolgen. Von der ersten Sendung bis heute hat die Apparatur erhebliech Fortschritte gemacht. Im Herbst 1927 erregten Mitteilungen Aufsehen, denenzufolge von der amerikanischen„Telephone and Telegraph Co.“ zum ersten Male von Washington nach New York über eine Drahtverbindung und ein zweites Mal von Whippany nach New York drahtlos Bild= und Tonübertragungen stattgefunden hatten. Die Bilder waren allerdings sehr unscharf, trotzdem aber konnte man die Redner erkennen. Dies war der erste Versuch, der die praktische Möglichkeit des Fernsehens dargetan hatte. Schon vollendeter war die Apparatur, mit der 4. Dezember der Ingenieur Dr. Alexanderson zum ersten Male ein kleines Drama im Fernseher übertrug. Es handelte sich um den Einakter„Queens Messenger“ von Hartley Manaß, dem die historische Mission zugefallen war, zum ersten Male im Fernsehapparat zu erscheinen. Die Leinewand, auf der die Bilder erschienen, hatte nur eine Größe von 7½ Quadratzentimeter. Es war also schwer, auf größere Entfernungen die Bilder zu erkennen, da die Länge der Sehfläche nicht viel mehr als 3 Zentimeter betrug, und die Breite sich auf 2½ Zentimeter belief. Man mußte also ganz nahe an die Fläche herantreten, um die Bilder gut sehen zu können, zumal ihre Schärfe noch viel zu wünschen übrig ließ. Jetzt ist die Sehfläche schon auf ungefähr 300 Quadratzentimeter angewachsen. Schon aus dem Vergleich der Flächenmaße ergibt sich, welch beträchtlicher Fortschritt in den 1½ Jahren gemacht worden ist, die zwischen der Aufführung des Fernsehdramas und der Errichtung der ersten ständigen Fernseh=Station liegen. Das System ist aber nicht erheblich geändert worden. Die Fortschritte auf dem Gebiete der Kurzwellen haben eine erhebliche Verbesserung der Bildschärfe und Vergrößerung der Bilder ohne Schaden für ihre Deutlichkeit ermöglicht. Zwar sind auch die amerikanischen Fernseh=Bilder noch nicht das Ideal, das erstrebt wird. Aber es lassen sich bereits Anfänge einer Wiedergabe erkennen, die in Zukunft bei Verbesserung der Apparaturen zur Zufriedenheit auch im Massenbetrieb arbeiten wird. Die Apparate, auf denen die Wiedergabe der tönenden Bilder erfolgt, sind schon von größeren Versagern frei. Sie arbeiten nicht schlechter, als die ersten Rundfunkapparate, die auf den Markt kamen. Die Praxis soll nun Fingerzeige für notwendige Verbesserungen geben. Man hofft, schon in wenigen Monaten ganz vollendete Empfänger schaffen zu können. Dann wird sich das Fernsehen die ganze Welt erobern. In Deutschland kann man auch damit rechnen, daß in absehbarer Zeit in Verbindung mit den Kurzwellensendern das Fernbild eingeführt werden wird. Man wird aber wohl erst die Erfahrungen abwarten, die mit der ersten Fernsehstation der Welt gemacht werden. Ruine Canberra. Australiens neue Hauptstadt wird aufgegeben. Vor einigen Jahren, als der fünfte Erdteil noch auf der Höhe seines Wohlstandes war, beschloß die australische Regierung den Bau einer modernen Hauptstadt. Canberra, die Stadt in der Wüste, sollte mit einem Kostenaufwand von ungezählten Millionen eine Wunderstadt, eine Idealstadt werden, namhafte Städtebau=Architekten entwarfen die Pläne, in denen große Plätze, breite Straßen, ausgedehnte Parkanlagen vorgesehen waren. In die neue Hauptstadt siedelte über: die Bundesregierung, das Parlament, die Beamtenschaft, kurz, alles, was ein Regierungsapparat erfordert. Doch eine Erwartung erfüllte sich nicht: die Einwohner dieser modernsten Haupttadt der Welt blieben aus. Es stellte sich heraus, daß eine Regierungsverordnung noch nicht imstande ist, eine Bevölkerung anzulocken. Trotz aller Maßnahmen bekam Canberra keine Zuwanderuna. Nur die Beamtenschaft bevölkerte die neue Hauptstadt. Die riesigen Wohnblocks blieben leer, die Parkanlagen begannen der Verwahrlosung anheimzufallen. Nach einer Regierungsverordnung sind jetzt alle Neubauten und Verschönerungsbauten eingestellt worden. In Australien herrscht allgemein die Ansicht vor, daß bald auch die derzeitigen Bewohner der neuen Residenz, die Regierung wie die Beamtenschaft, genötigt sein werden, die Stadt zu verlassen. Man glaubt, daß schon in einigen Jahren von der nach den letzten Errungenschaften moderner Städtebaukunst aus dem Boden gezauberten Hauptstadt nichts übrig bleiben wird als eine Steinruine Buntes Allerlei. Ein Volk ohne Seife. Die Sowjetregierung entsandte vor einiger Zeit eine sanitäre Kommission in eine entlegene Gegend Sibiriens, in der, entfernt von aller menschlichen Zivilisation, ein Volksstamm lebt, von dem wir heute ungefähr ebensoviel wissen, wie etwa von den Marsmenschen. Wie die ersten Ergebnisse der Expedition lauten, führen die Einwohner dieser Gegend ein Leben, das den Eskimositten nahekommt. Seife oder irgend welche andere Reinigungsmittel sind ihnen völlig unbekannt. Der Leiter der Kommission versuchte persönlich einen jungen Mann, der mit dicken Schmutz= und Fettkrusten bedeckt war, auf etwas robuste Weise abzuseifen. Dabei erlitt der Unglückliche vor Angst einen Herzschlag. Denkmäler für zwei italienische Aerzte. Italien hat, wie Guido Lami in der„Deutschen Medizinischen Wochenschrift“ berichtet, zweien seiner größten Aerzte feierliche Ehren erwiesen, und zwar durch Denkmäler, die ihnen errichtet wurden. Das eine Monument gilt dem Andenken an den Begründer der pathologischen Anatomie, Giovanni Battista Moraaani. von dem Virchow gesagt hat, daß mit ihm das Zeitalter der neuen Medizin begonnen habe. Das Denkmal erhebt sich auf einem Platze seiner Geburtsstadt Forli in der Romagna. Auf einem Platz von Rom wurde ein Denkmal von Guido Baccelli enthüllt, der als ein hervorragender Nachfolger Morgagnis zu betrachten ist und nicht nur ein großer Arzt, sondern auch hervorragender Schriftsteller, Archäologe und Politiker war. Das Wort Kommißbrot stammt aus der Zeit Dreißigjährigen Krieges. Sicher ist, daß es schon bei den Soldaten Wallensteins im Gebrauch war. Wallenstein setzte nämlich, als er nach Stralsund zog, sogenannte Brotkommissionen ein, die die Brotversorgung seiner Soldaten zu organisieren hatten, da die arme Bevölkerung nicht in der Lage war, seine Truppen mit Brot zu verpflegen. Diese Kommission besorgte also das Kommissionsbrot— woraus die militärische Abkürzung „Kommißbrot“ entstand. Später hat sich vom Kommißbrot die weitere Abkürzung„Kommiß“ abgespalten, womit man nach dem oft von der Sprache gemachten Gebrauch, mit dem Ausdruck für einen Teil das Ganze zu bezeichnen, den gesamten militärischen Betrieb meinte. heitere Welt. Grabinschrift. Oft sind Grabinschriften sehr aufschlußreich. So beuchte ich in der Sommerfrische auch einen alten Dorfriedhof. Da fand ich auf einem Stein folgende Inchrift:„Hier ruht in Gott Herr Aloys Lenzhuber. Er lebte 28 Jahre als Mensch und 5 Jahre als Ehemann.“ Dienstmädchen. „Frau Duddeldran hat immer gleichzeitig drei Dienstmädchen.“ „Drei Dienstmädchen?“ „Ja, eine, die gerade abzieht, eine, die gerade kommt, und eine, die gerade da ist.“ Zarter Grund. Richter:„Warum haben Sie sich nicht eingemischt, als die Eheleute sich gegenseitig mit Stühlen bearbeiteten?“ Zeuge:„Ich wollte, aber es war kein Stuhl mehr frei." Der Geizhals. „Wie wunderbar und eindringlich hat unser Pastor heute die Pflicht der Wohltätigkeit auseinandergesetzt — nicht wahr?“ „Ja, man bekommt ordentlich Lust, selbst betteln zu gehen.“ Angefaßt. Herr(im Maskenladen):„Ich will auf einen Maskenball. Haben Sie eine recht komische Nase im Vorrat?“ „Gewiß. Wünschen Sie eine in der Art wie die Ihrige?“— Segelflieger Otto Fuchs abgestürzt. Der bekannte deutsche Segelflieger Otto Fuchs stürzte bei dem letzten großen Rhön-Segelflug- Wettbewerb über dem Lösselstein ab. Fuchs erlitt einen Oberschenkelbruch; seine Maschine„Starkenburg“ wurde vollständig zertrümmert. Einfüh sonntags Vom Zentra und Transpo Zuschrift: Seit Monaten bungen zur Al im industriel Den ersten Vorstof dustrie. Diese vereinigte Industr und teilweise auch Sonntagsbetrieb Notwendigkeit das der große Gerr geschafft. Den Be dadurch in Verbis annähernd hunden könnten, daß seith Sonntagsbetriebsr werden müßten, d beiter infolge dekann, ohne daß die zu werden brauche tägigen Betriebsr den ununterbroche und daß sich durch Anlagen besser au ließen. Die Düs behörde hat so digen Gewerkschaf stellung auf den 1 Dortmunder diese Regelung e lage umfangreiche chaften für ver ede Möglichkeit? tische Handel Auffassung der F ist, daß die Einste 52 neu eingeführte einer vielgri oder in anderen muß. Das auf Deut 1929 rund 590 2 wegen Absatzmang die Absatzverhältn Sonntage jetzt vo resproduktion zwe Belegschaft muß den schon jetzt schinen noch weit übersteigen. Das Neueinstellu lassungen. Au tingentfreien Art Sonntage bringt diesen Artileln, d bergestellt werden ist, und der Sonn lassungen an ande die Behauptung über hundert Leu schäftigt wurden, Regelung, daß die Befriebszeit mögl § 105 c Ziffer 3 Eine Verkürzi des Vierschichtens betrieb möglich.! morgens 6 bis al wochenarbeitszeit den einzelnen Ar Arbeitgeber und! tragbar ist. Der täglichen Vetrieb kühlung= und Ver Genau dieselben paratur während bessere Ausnützur triebsanlagen hät Anlagen zu der Produktion nicht volle Ausnützung die Stillegung ei trieb befindlichen für die deutschen einer verhältnisn einem seither seh chend zur Preisg sollte, dann muß betrieb zur Rege werden. Den Behörden samten Flas vollen Sonntagst Notwendigkeit da wegen Absatzman sterium hat den vor Erteilung ein stattfinden und di holländische dieselben Be christlichen Arbei werden. In der seither nie Sonn große hochmodern Vorstoß auf Bese unternommen, de weitere folgen we abgeschlossen. Am 20. Mai ist amt in Genf Vereinbarung üb schen Fenster tägliche Betriebs möglich ist, verha verlangten, daß alle Zweige werden müßte of wendigkeite Teilnehmer jener Bestrebungen der industrien au triebes durch Bese in der mechanisch keiten machen dür deutsche Kun der Sonntagsruh Köln=Merhe Genehmigung un gung allen Arbei Abschaffung der wird glaubhaft des vollen Soni werden müßten. gekommenen Ku Beseitigung der Kunstserdeni den zuständigen 3 der Kunstseidenin wendigkeiten zum der Nichtgenehmi bestimmt auch du sondern erst etwe mehrtem Umfange starten Ueberkapa gels bei voller ausgenutzt wird, betrieb um ein E chend gesteigert u strie recht ist, wir ndustrie, der Gre strie und dem Be Wollen die der und alle Stellen. Kultur in Deuts lung schweigen? rra. aufgegeben. Erdteil noch auf oß die australische hauptstadt. Cannit einem Kostenine Wunderstadt, Städtebau=Archiroße Plätze, breite jesehen waren. In Bundesregierung, z, alles, was ein ie Erwartung ertodernsten Haupterungsverordnung anzulocken. Trotz ne Zuwande. lkerte die neue blieben leer, die ung anheimzufalind jetzt alle Neustellt worden. In ht vor, daß bald uen Residenz, die tigt sein werden, ß schon in einigen ingenschaften moden gezauberten eine Steinruine lei. einiger Zeit eine begend Sibiriens, Zivilisation, ein igefähr ebensoviel l. Wie die ersten n die Einwohner kimositten nahee Reinigungsmititer der KommisMann, der mit war, auf etwas der Unglückliche e Aerzte. „Deutschen Medin seiner größten war durch Denkeine Monument der pathologischen gni, von dem italter der neuen 1 erhebt sich auf in der Romagna. in Denkmal von n hervorragender st und nicht nur ragender Schrift3e daß es schon bei ch war. Wallensund zog. sogeBrotversorgung da die arme Bete Truppen mit besorgte also das ärische Abkürzung ch vom Kommißabgespalten, woje gemachten Geeil das Ganze zu etrieb meinte. t. lußreich. So beinen alten Dorfin folgende Inloys Lenzhuber. Jahre als Eheeitig drei Dienstdie gerade kommt, licht eingemischt, Stühlen bearkein Stuhl mehr hat unser Pastor auseinandergesetzt selbst betteln zu auf einen Mastische Nase im r Art wie die abgestürzt. 2 ieger Otto en großen über dem nen Ober= „Starkenrümmert. Einführung der russischen sonntagslosen Arbeitswoche? Vom Zentralverbandchristlicher Fabrikund Transportarbeiter erhalten wir folgende Zuschrift: Seit Monaten sind in Deutschland bungen zur Abschaffung der Sonnta Großl im Bestresruhe ange. nzurA im industriellen Großbetrieb Den ersten Vorstoß unternahm die Flaschengroßindustrie. Diese in einem internationalen Weltsyndikat vereinigte Industrie hat bereits in Frankreich, England und teilweise auch in der Tschechoslovakei den vollen Sonntagsbetrieb eingeführt, obwohl keinerlei technische Notwendigkeit dafür vorliegt. In diesem Frühjahr hat der große Gerresheimer Betrieb den Sonntag abgeschafft. Den Behörden wurde glaubhaft gemacht, daß dadurch in Verbindung mit einem Vierschichtensystem annähernd hundert Arbeiter mehr eingestellt werden könnten, daß seither über hundert Arbeiter während der Sonntagsbetriebsruhe mit Reparaturarbeiten beschäftigt werden müßten, daß die Arbeitszeit für alle Betriebsarbeiter infolge des Vierschichtensystems verkürzt werden kann, ohne daß die Löhne im stärkeren Ausmaß reduziert zu werden brauchen, daß jeden Montag infolge der sonntägigen Betriebsruhe recht viel Bruch anfalle, der durch den ununterbrochenen Betrieb vermindert werden könne und daß sich durch die Beseitigung der Sonntagsruhe die Anlagen besser ausnutzen, die Betriebskosten vermindern ließen. Die Düsseldorfer Gewerbeaufsichtsbehörde hat sofort ohne überhaupt mit den zuständigen Gewerkschaften Rücksprache zu nehmen, die Umstellung auf den vollen Sonntagsbetrieb genehmigt. Der Dortmunder Schlichter, Prof. Brahm. hat den, diese Regelung ermöglichenden Schiedsspruch trotz Vorlage umfangreichen Gegenmaterials durch die Gewerkchaften für verbindlich erklärt, um den Arbeitern ede Möglichkeit der Abwehr zu nehmen. Das Preusische Handelsministerium ist ebenfalls der Auffassung der Firma beigetreten, obwohl nachgewiesen ist, daß die Einstellung der hundert Arbeiter infolge der 52 neu eingeführten Sonntagsschichten die Entlasjung einer viel größeren Arbeiterzahl im gleichen oder in anderen deutschen Betrieben zur Folge haben muß. Das auf Deutschland entfallende Kontingent beträgt 1929 rund 590 Millionen Flaschen. Hergestellt wurden wegen Absatzmangels nur 368 Millionen. Zur Zeit sind die Absatzverhältnisse noch ungünstiger. Wird die 52 Sonntage jetzt voll gearbeitet, so ist die absetzbare Jahresproduktion zwei Monate früher fertig und die ganze Belegschaft muß entlassen werden. Oder es werden zu den schon jetzt im Werk außer Betrieb befindlichen Maschinen noch weitere stillgesetzt, um die Quote nicht zu übersteigen. Das bedeutet anstelle der hundert Neueinstellungen einige hundert Entlassungen. Auch eine Produktionssteigerung an kontingentfreien Artikeln durch die Miteinschaltung der 52 Sonntage bringt keine Arbeitsmarktenlastung, da in diesen Artileln, die auch von der Weißhohlglasindustrie bergesteilt werden, eine große Ueberproduktion vorhanden ist, und der Sonntagsbetrieb in Gerresheim größere Entlassungen an anderen Orten zur Folge haben muß. Wenn die Behauptung der Gerresheimer Firma, daß seither über hundert Leute Sonntags mit Reparaturarbeiten veschäftigt wurden, stimmt, so beweist sie mit der jetzigen Regelung, daß diese Arbeiten auch während werktägiger Betriebszeit möglich sind, daß sie seither zu Unrecht vom § 105 c Ziffer 3 der R. G. O. Gebrauch gemacht hat. Eine Verkürzung der Arbeitszeit durch Einführung des Vierschichtensystems ist auch ohne vollen Sonntagsbetrieb möglich. Wenn am Sonntag der Betrieb von morgens 6 bis abends 6 Uhr ruht, kommt eine Gesamtwochenarbeitszeit von 156 Stunden oder 39 Stunden für den einzelnen Arbeiter heraus, eine Arbeitszeit, die für Arbeitgeber und Arbeitnehmer bei einigem guten Willen tragbar ist. Der reichlichere Bruchanfall nach jeder sonntäglichen Vetriebsruhe war eine Folge der Glasabkühlung= und Verunreinigung durch die Reparaturarbeit. Genau dieselben Mängel zeigen sich jetzt nach jeder Reparatur während der Betriebszeit an Werktagen. Die beisere Ausnützungsmöglichkeit der zinsenfressenden Betriebsanlagen hätte einen Sinn, wenn die vorhandenen nlagen zu der durch die Absatzmöglichkeit bedingten Produktion nicht reichen würden. So aber bedeutet die volle Ausnützung eines Teils der Anlagen an Sonntagen die Stillegung eines Siebentels der insgesamt im Betrieb befindlichen Anlagen an Werktagen. Wenn aber für die deutschen Behörden schon allein der Tatbestand einer verhältnismäßig geringfügigen Unkostensenkung in einem seither sehr gut prosperierenden Betrieb ausreichend zur Preisgabe der gesetzlichen Sonntagsruhe sein sollte, dann muß konsequenterweise der volle Sonntagsbetrieb zur Regel, die Sonntagsruhe zur Ausnahme werden. Den Behörden liegen bereits Anträge der gesamten Flaschenindustrie auf Zulassung des vollen Sonntagsbetriebes vor, obwohl keine te Notwendig nische adigkeit dafür vorliegt und die Hälfte der Anlagen wegen Absatzmangels stilliegt. Das Reichsarbeitsministerium hat den Gewerkschaften lediglich mitgeteilt, daß vor Erteilung einer solchen Genehmigung eine Aussprache stattfinden und die Gewerkschaften gehört würden. In der holländischen Flaschenindustrie zeigen sich dieselben Bestrebungen, die von den dortigen christlichen Arbeitern ebenfalls aufs heftigste bekämpft werden. In der deutschen Weißhohlglasindustrie, in der seither nie Sonntags gearbeitet wurde, hat bereits der große hochmoderne Betrieb in Carnap bei Essen einen toß auf Beseitigung der sonntägigen Betriebsruhe unternommen, dem im Falle eines Erfolges sicher viel weitere folgen werden. Die Verhandlungen sind noch nicht abgeschlossen. Am 20. Mai ist im Internationalen Arbeitsamt in Genf über die Frage einer internationalen Vereinbarung über Vierschichtensystem in der mechanischen Fensterglasindustrie, in der eine sonntägliche Betriebsruhe aus technischen Gründen nicht möglich ist, verhandelt worden. Die Arbeitgebervertreter verlangten, daß der volle Sonntagsbetrieb für alle Zweige der Glasindustrie ermöglicht werden mußte ohne Rücksicht auf technische Notwendigkeiten. Zwischendurch konnten aufmerksame Teilnehmer jener Verhandlung erfahren, daß man den Bestrebungen der Großeisen- und anderen Großindustrien auf Einführung des vollen Sonntagsbetriebes durch Bo in der mechanisch keiten machen dürfte. Seit eig deutsche Kunstseide-Industrie um Beseitigung der Sonntagsruhe. Der Betrieb Courtaulds in Köln=Merheim rechnet sicher mit der behördlichen Genehmigung und droht für den Fall dieser Genehmigung allen Arbeitern Entlassung an, die sich gegen die Abschaffung der Sonntagsruhe sträuben. Den Behörden wird glaubhaft gemacht, daß ohne künftige Einführung des vollen Sonntagsbetriebs 400 Arbeiter entlassen werden müßten. Mittlerweile soll von dem neu zustandegekommenen Kunstseidesyndikat ein Antrag auf Beseitigung der Sonntagsruhe in der gesamten Kunstseidenindustrie geplant, bezw. bereits bei den zuständigen Zentralbehörden eingereicht sein. Auch in der Kunstseidenindustrie liegen keinerlei technische Notwendigkeiten zum Sonntagsbetrieb vor. Die für den Fall der Nichtgenehmigung angedrohten Entlassungen werden bestimmt auch durch die Genehmigung nicht vermieden, sondern erst etwas hinausgeschoben und später in vermehrtem Umfange notwendig werden, da bei der heutigen starten Ueberkapazität der Werke, die wegen Absatzmangels bei voller Sonntagsruhe nur zu einem Bruchteil ausgenutzt wird, wohl die Produktion durch Sonntagsbetrieb um ein Siebentel, aber nicht der Absatz entsprechend gesteigert werden kann. Was der Kunstseidenindustrie recht ist, wird bald der übrigen chemischen Großndustrie, der Großcisen=, Maschinen=, Keramischen Industrie und dem Bergbau billig sein. Wollen die deutschen Parlamente, die Kirchenbehörden und alle Stellen, die als Wächter für Christentum und Kultur in Deutschland berufen sind, zu dieser Entwicklung schweigen? Karl Trimborn. Nach einer Radierung von Prof. Schäffer(Charlottendurg). Vor zehn Jahren, am 25. Juli 1921, starb der Zentrumsführer Karl Trimborn. I Konnersreuth. lichen Lucino Berra; Augen, die den Heiland u. Therese Neumann von Konnersreuth. dem Italienischen. Okt. 168 Seiten. Dülmen k. Westf. 1931. Verlag Laumann. Auch im Ausland verfolgt man die außergewöhnen Ereignisse in Leben der Jungfrau T. Kie rese Neugnisse in Leven Se mann mit lebhaftem Interesse, wie aus der vorliegenden Broschüre des italienischen Journalisten Berra zu erilte weil und sehen ist. Dieser in Konnersreuth der Stigmatisiert gibt er die dort erhal bekan im Februar des vorigen Jahres hatte mehrere Unterredungen mit In frischer, vornehmer Sprache Itenen Eindrücke wieder und entwirft nn nach dem bekannten Schriften von Gerlich, Hynek, von Lama und Spirago ein ansprechendes Lebensbild Theresens. Auch über das Dorf und dessen Bewohner redet er freundlich. „Der Fremde erregt hier kein Interesse. Man ist gegen ihn höflich aber man legt ihm keine Bedeutung bei. Man antwortet auf seine Fragen, wenn er solche stellt, aber man erstickt ihn nicht mit Zudringlichkeiten. Man weiß, weshalb er kommt, und man will nichts von ihm wissen, nicht einmal, woher er kommt. Auf der traße grüßte man ihn mit dem schönen katholischen Gruß, den man in Bayern überall hören kann: Grüß Gott! Konnersreuth ist geblieben, was es immer schon war, das einfache Dorf mit seinen paar bescheidenen Gasthäusern mit niedrigen Räumen und einem Gastzimmer zu ebener Erde, in dem man ohne Tischtuch Nach allem was er gesehen und gehört hat, hält der scharffinnige Berichterstatter Lüge, Verstellung, Hysterie oder Autosuggestion für ausgeschlossen. Wenn er auch kein endgültiges Urteil abgibt, so neigt er doch zu dem Schluß, daß natürliche Ursachen nicht hinreichen, um die Heiligungen, die Visionen und die N zu erklär Visionen und die Nahrungs losigkeit zu erklären. „Möglicherweise wird erst die Zeit dieses Drama eines Lebens in seinem innersten Wesen beleuchten und offenbaren, das heute noch nicht seine Ruhe in der Seligkeit eines letzten Wortes findet, das jedes Fragezeichen tilgt und jede Ungewißheit löst. Es kann sein, daß es die Morgenröte der Heiligkeit sein wird, es kann aber auch falscher Schein sein, wie mancher Herbstmorgen warmen Sonnenschein verspricht und sich dann in kalten Nebel hüllt. Wie dem auch sei, mir scheint es eine Warnung für den Hochmut von uns Uebermenschen. In unserem Jahrhundert, da alle Geheimnisse entdeckt und enthüllt erscheinen, und der Mensch sich seines Sieges über alle Schwierigkeiten rühmt, da öffnet sich die Seele noch einmal weit dem Geheimnisse. Unsere blinkenden, kunstvollen Instrumente vermögen hier nichts. Die Regale unseres Wissens geben uns kein Licht. Der Drang unseres Herrscherwillens scheitert an einer Wirklichkeit, in die wir nicht einzudringen vermögen. Eine kleine Mädchenhand erhebt sich vor uns und hemmt unsern Weitergang. Die Uebersetzung, bei der kein Name genannt wird, liest sich gut, Druck und Ausstattung sind gefällig. Die allen Ueberschwung meidende, von P. Agöstino Gemelli. Rektor der mailändischen katholischen Universität, veranlaßte und geprüfte, und vom Össervatore Romano günstig besprochene B Deutschland zahlreiche Leser find Dr. Broschüre finden. Helnr. Zens, wird auch in M. S. C. Arktis beendet die„Radium=Not" der Menschheit. Ungeheure Radium=Lager gefunden.- Waffen gegen den Krebs.-„Uran-Rausch' Kanada. in In Kanada ist ein„Uran=Rausch“ ausgebrochen, der die Goldräusche früherer Tage weit in den Schatten stellt, denn es wurden in dem Nordgebiet von Kanada gewaltige Radtum=Lager(Uranerz=Lager) entdeckt, die den Wert von Goldfeldern weit übertreffen. Radium ist bekanntlich der kostbarste Schatz der Erde, ein Gramm stellt sich heute noch auf ungefähr 250 000 Mark. Die geologische Expedition unter Leitung von Prof Thomas G. Donovan, die sich vor längerer Zeit nach den arktischen Gebieten von Alaska und Kanada begab, um hier Bodenuntersuchungen anzustellen, hat ungeahnte Erfolge gehabt, mit denen die hoffnungsfreudigsten Unternehmer nicht rechneten. Außer zahlreichen anderen Erzen hat dieser jungfräuliche Voden, der bis Ende Juli von Eis und Schnee bedeckt ist, das kostbarste Metall der Erde in scheinbar ungeheuren Mengen aufzuweisen. Es wurden hier nämlich nördlich von dem Großen Bärensee in der Nähe des Polarkreises märchenhafte Lager von Uranerz gefunden, aus dem das Radium hergestellt wird. Es wurden wissenschaftliche Untersuchungen der Erze unternommen, durch die der große Reichtum an Radium festgestellt wurde. Er soll alle bisherigen Funde auf Erden übertreffen. Die größten Schätze wurden bisher aus Hoch=Katanga im belgischen Kongogebiet bezogen, da hier ungewöhnlich reiche Lager vor mehreren Jahren entdeckt wurden. Sie ermöglichten es, den bis dahin sehr geringen Radiumvorrat der Welt von wenigen Gramm auf ungefähr 250 Gramm zu steigern. Auch diese Menge ist für die Menschheit noch nicht im entferntesten ausreichend, da sich das Radium bekanntlich als der beste Feind der surchtbaren Krebskrankheit erwiesen hat. In Deutschland allein werden jährlich 170000 Krebskranke in Krankenhäusern behandelt. Die Zahl der Erkrankungen ist im Steigen begriffen. Man war darum mit Recht empört, als die Socièté Generale de Belgique“, die die Radium=Mienen von Hoch Katanga kontrolliert, zur Aufrechterhaltung der hohen Radiumpreise eine Einschränkung der Förderung beabsichtigte. Diese Gewaltherrschaft eines Trusts hat noch ganz andere und verheerendere Folgen, als gewöhnliche Wirtschaftstrusts, da es sich hierbei um die Gesundheit der Menschheit handelt. Nun ist Hoch=Katanga heute die einzige große Radiumquelle der Welt, neben der die anderen in Joachimstal, Rußland, Amerika usw. keine erhebliche Rolle spielen. Wenn nun jetzt in der Nähe des Polarkreises, fast im ewigen Eis, gewaltige Lager von Uranerz festgestellt wurden, so bedeutet das, daß die Menschheit von ihrer „Radium=Not“ befreit werden wird. Allerdings sind die Beförderungswege noch nicht sonderlich bequem. Aber in Anbetracht der großen Kostbarkeit des Radiums werden Mittel und Wege geschaffen werden, um die Erzmengen auf schnellsten Wegen in zivilisierte Gegenden zu bringen, wo sie sachgemäß verarbeitet werden können. Bisher gibt es noch keine Eisenbahnverbindungen mit diesen hohen Breitengraden, die an das Nördliche Eismeer grenzen. Bis zur Fertigstellung der geplanten Eisenbahnlinie werden große Transportflugzeuge eingesetzt werden, um das kostbare Material fortzuschaffen. Man beabsichtigt auch, in der Nähe der Fundorte die Bearbeitung der Uranerze vornehmen zu lassen, und zwar soll Professor Allan, der kanadische Fachmann auf dem Gebiete des Radiums, die Leitung ver Werke übernehmen. Um ein Gramm Radium zu erhalten, braucht man ungefähr 500 000 Kilogramm Uranerze, je nach ihrer Beschaffenheit. 100—200 Arbeiter sind zur Durchführung dieses umständlichen Veredelungsprozesses erforderlich. Der Lohn ist allerdings auch sehr hoch. Abgesehen von dem teuren Preis des Radiums bedeutet die Gewinnung jedes Gramms einen Segen für die kranke Menschheit. Außerdem ist fernerhin zu erwarten, daß dieser bisher ast unerschwingliche Preis durch diese großen Funde geenkt werden wird. Durch die Erzlager von Katanga iel der Preis von 400 000 Mark, die zuerst gezahlt werden mußten, auf 250 000 Mark heute. Vielen Krankenhäusern ist aber auch noch bei diesem gesenkten Preis der Ankauf einer genügenden Menge Radiums unmöglich, denn eine Behandlungseinheit von ein Tausendstel Gramm kostet immer noch 250 Mark. Ein Krankenhaus braucht sehr viel derartiger Quantitäten. Bei der skeit deSchwierigkeit der Veredelung wird ein Preis in der Edelmetalle naturgemäß nie auch ne der anderen —nut Entferntesten erreicht werden können. Aber es wäre schon sehr viel gewonnen, wenn er um 50 000—100 000 M je Gramm gesenkt werden könnte, wie man in Amerika anzunehmen geneigt ist. jooo worte Sonniagsausflug. Der Sonntagsausflügler: Brieftasche, die bei Ausflugsbeginn voll, bei Heimkehr leer sein muß. Sonnntagssonderzüge: Einzige Möglichkeit, wo ein Unternehmen einen Sitzplatz zehnmal verkaufen darf. Ausflugsproviant: Möglichkeit, im Hause angesammeltes Papier in den Wald und auf Wiesen auszustreuen. Bäume und Sträucher: Aergerquelle für Ausflügler, weil man nicht auch den ganzen Baumstamm mit abbrechen, ausreißen und mit nach Hause nehmen kann. Wiesenblumen: Billiges Spielzeug für Kinder, das nach Gebrauch weggeworfen und beliebig oft erneuert werden kann. Der See: Wasserfläche, umgeben von teuren Restaurants und Mietbooten. Der Berg: Anhöhe, die absichtlich mit hohen Bäumen so umstellt ist, daß man, um einen Ausblick zu gewinnen, den Aussichtsturm gegen fünfzig Pfennig erklettern muß. Die schöne Aussicht: Ausrede für Ansichtspostkarten. Ansichtspostkarten: Postkarten, die man nicht unbedingt schreiben muß — aber die man unbedingt geschrieben haben muß. Wegweiser zu Ausflugsorten: Praktischer Beweis, daß zehn Minuten(wie angezeigt) gleich einer Stunde(wirklichen Weges) sind. Prima hausbackener Kuchen: Eine Zusammensetzung von Mehl und Wasser, die unbedingt am Sonntag verkauft werden muß, da Hotelhunde prinzipiell keinen Hundekuchen fressen. Schattiger Garten: Kahle, baumlose Fläche vor den Restaurants, die nach Sonnenuntergang im Schatten liegt. Heimkehr: Bewußtsein, etwas für seine Gesundheit getan zu haben. Erkenntnis, daß die ganze Reise teurer war, als man befürchtet, und weniger schön, als man gehofft. Schwere Ernteschüden in der Prignitz. T4 . . Die starken Niederschläge der letzten Wochen haben im Niederungsgebiet der Prignitz erhebliche Schäden angerichtet. Weite Gebicte beheuter Landes, Aecker mit Hackfrüchten, Getreidefelder und grünes Wiesenland liegen unter Wasser. Links: Die überschwemmten Weiden bei Krienitz; rechts: das Hochwasser bei Deibow, wo die Fluten 140 Hektar Wiesenland bedecker Dülmen den 25. Juli 1931. Die Kommunisten suchen mit aller Macht hier zu fassen und ihre Ortsgruppe in den Reihen der Arbeiterschaft zu stärken. So hat man nach der Versammlung des letzten Samstags jetzt wieder einen Agitationsabend des Einheitsverbandes der Textilarbeiter angesetzt, um auch damit von Rheine aus die Textilarbeiter zu betreuen. Aber man wird hier ja auf der Hut sein und die christlichen Arbeiter werden sich nicht ohne weiteres unter der neutralen Flagge von der R. G. O. der Revalutionären Gewerkschafts=Opposition einwickeln lassen. Der Hauptkampf dieser neuen Propheten richtet sich ja gegen die Sozialdemokratie, mit der früher zweifellos verschiedene Mitglieder symatisierten und sich auch dazu rechneten, wenn sie auch nicht gerade„eingeschriebene" Mitglieder waren. Steuertermine im nächsten Monat. 31. Juli: Ablauf der Frist, bis zu welcher die Vermögenssteuererklärungen beim Finanzamt eingereicht werden können, ohne daß Verzugszuschläge eintreten. 5. August: Lohnabzug und Krisensteuer für die Zeit vom 16.—31. Juli. Keine Schonfrist. 10. August: Umsatz=, Einkommensteuerzahlungen sind erst wieder im Oktober zu leisten. Die Umwandlung der vierteljährlichen Zahlungsweise in eine monatliche wird erstmals bei der Novemberzahlung wirksam. 15. August: Vermögenssteuerzahlung entsprechend dem zuletzt zugestellten Vermögenssteuerbescheid. Die Landwirtschaft hat am 15. August keine Zahlung zu entrichten, sondern muß dafür am 15. Novbr. 2 Quartalsraten zahlen 15. August: Gewerbeertrag= und Gewerbekapitalsteuer. Grundvermögenssteuer mit Zuschläge für Monatst und Vierteljahrszahler. 20. August: Lohnabzug und Krisenlohnsteuer für die Zeit vom 1.—15. August. Keine SchonfristZur Flugveranstaltung in den Borkenbergen. Wie wir bereits gestern mitteilten, findet am morgigen Sonntag nachmittag das Schaufliegen der Dülmener Jungfliegergruppen am bequem erreichbaren Waustberge statt. Die Flüge werden Zug um Zug programmgemäß durchgeführt, sodaß das Publikum sich mit den Einzelheiten der Flugarten und der verschiedenen Maschinentypen vertraut machen kann. Anschließend ist genen 6 Uhr Preisverteilung bei Bügelmann. Die Leitung der gesamten Veranstaltung liegt in Händen des Vorsitzenden Rechtsanwalt Kreuz, den technischen Teil hat Gewerbeoberlehrer Büker übernommen. Da ein mannigfaltiges Programm geboten wird, wie man es sonst nicht ohne weiteres außerhalb des Wettbewerbes zu sehen bekommt, sei jeder Freund der Fliegerei aufgefordert, am Sonntag als Ausflugsziel die Borkenberge zu wählen. Die Autobusse(Schwering) verkehren zweimal zu den bekannten Abfahrtszeiten und zurück nach Beendigung der Veranstaltung !) Zur Familienfeier des Gesellenvereins am Sonntag abend 830 Uhr anläßlich der Bannerweihe sind die Mitglieder, Ehrenmitglieder und Angehörigen, sowie alle Freunde des Vereins freundlichst eingeladen. Bei günstigem Wetter werden die Gesangund Musikabteilung ein Gartenkonzert geben andernfalls findet die Veranstaltung im Saale statt. Zur Deckung der Unkosten werden 20 Pfg. Eintritt erhoben. * Eine Tatsache zum Nachdenken!. In diesen Tagen der Krise ist für jeden, der ein Sparkassenbuch oder ein Bankkonto besitzt, nötig zu wissen: Die gesamten deutschen Spareinlagen betragen ungefähr 12 Milliarden RM., die Einlagen bei den deutschen Vanken ungefähr 5 Milliarden RM., zusammen also 1. Milliarden RM. Alle diese Gelder sollen Zinsen bringen, sie haben deshalb auch zinsbringend angelegt werden müssen, und zwar in Hypotheken und anderen sicheren Anlagen. Wenn jetzt jeder deutsche Einleger sein Guthaben sofort abheben würde, so wäre eine Summe von 17 Milliarden RM. an barem Gelde erforderlich. Der gesamte deutsche Notenumlauf beträgt aber nur rund 5 Milliarden RM. Diese eine unbestreitbare und ganz klare Tatsache zwingt zum Nachdenken und sollte vor unüberlegten und gefährlichen Entschlüssen bewahren. Buldern und Hiddingsel den 25. Juli 1931. * Die Roggenernte hat begonnen. Die vielen Niederschläge und das dauernd anormale Gewitterwetter in letzter Zeit haben die Ernte weiter hinausgeschoben, als sie bei günstiger Witterung möglich werden konnte. Nässe und Sturm haben zwar dem Getreide ziemlich zugesetzt und es an manchen Stellen umgelegt, aber kaum geschadet und vielleicht nur die Reise verlangsamt Sonnige, trockene Tage sind jetzt, wenn alles gut gehen soll, zur Ernte nötig. Das Ernteergebnis dürfte sowohl im Halm wie in Körnern ein günstiges werden, stellenweise vielleicht besonders gut ausfallen. * Anwerbung von Arbeitskräften nach dem Auslande durch Inserate. Wiederholt sind in letzter Zeit in den Tageszeitungen Inserate erschienen, in denen ausländische Firmen oder sonstige Auftraggeber deutsche Arbeitskräfte nach dem Ausland anzuwerben versuchen. In manchen Fällen ist bei Prüfung der Stellenangebote festgestellt worden, daß es sich um Schwindelunternehmen oder um nicht einwandfreie Stellen handelt. Diese Vorkommnisse geben Anlaß im eigenen Interesse auf die Verordnung über die Anwerbung und Vermittlung von Albeitnehmern nach dem Auslande vom 4. 10. 23 mit Aenderungen der Verordnung vom 20. 9. 27 aufmerksam zu machen. Nach den Bestimmungen dieser Verordnung ist die Annahme von Anwerbeanzeigen nur zulässig, wenn die Inseratenaufgeber Genehmigung zur Anwerbung von Arbeitskräften nach dem Auslande besitzen. Verstöße gegen diese Vorschrift sind gemäß§ 258 des Gesetzes für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung strafbar. Aus der Umgebung b Rorup. 24 Juli(Ausflug des Kriegervereins). Der Kriegerverein hatte für seinen diesjährigen Ausflug eine größere Tour geplant Schon in aller Frühe um 6 Uhr fuhr der Schwering'sche große Omnibus voll besetzt in Richtung Dortmund. Gegen 8½ Uhr hatte man die Großstadt erreicht. Es war vorgesehen, zunächst den Schlachthof von Dortmund zu besichtigen. Diese Besichtigung war sehr lehrreich besonders die maschinellen Anlagen und Kühlvorrichlungen. Im Anschluß daran ging man geschlossen zum Fettviehmarkt. Auch hier wurde, besonders von den Herren der Landwirtschaft, großes Interesse gezeigt. Es wurde dann das Frühstück eingenommen im„Kölnischer Hof", deren Inhaber in Rorup eine Jagd gepachtet hat Es wurden dort gemütliche Stunden verbracht. Nun trat man allmählich die Weiterfahrt über Lünen, Waltrop, nach Henrichenburg an. Hier wurde, ebenfalls unter Führung, das berühmte Schiffshebewerk besichtigt. Von dort ging die Fahrt weiter zum Halterner Stausee. Es begann dort recht bald ein kleines Wetteifern mit den Paddelboten. Die Krieger wurden auch auf dem Wasser gut fertig. Von Haltern wurde nun der Heimweg angetreten. Gegen 8 Uhr war Rorup erreicht. Es wird noch eine gemütliche halbe Stunde im Vereinslokal zugebracht, dann eilten alle rasch nach Hause, um noch recht viel von der interessanten und lehrreichen Ausflugsfahrt zu erzählen. * Haltern, 24. Juli.(Einsteigediebe.) Diebe drangen in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag in das Wirtschaftslokal Enselmann ein, erbeuteten 1½ Mille Zigaretten, 1 Kiste Zigarren, 1 Liter Likör. Außerdem fiel den Dieben ein geringer Betrag Kupfergeld in die Hände. Sie haben sich den Eingang durch den Saal zu verschaffen gewußt und sind dann in das Lokal eingedrungen. Einige im Nebenzimmer hängende Anzüge ließen die Diebe zurück; wahrscheinlich hatten sie nur Mangel an Rauchwaren. Die Polizei wurde verständigt. Gottesdienstordnungen (Ausführliche Gottesdienstordnung im Emmerich=Kirchenblatt.) Sonntag, den 26. Juli 1931. Pfarrkirche Dülmen: Morgens 6 Uhr erste hl Messe, 6,45 Uhr zweite hl. Messe mit gemeinschaftlicher heil. Kommunion der Frauen und Mütter, 7,45 Uhr Sodalenmesse, 8,45 Uhr Kindermesse mit Predigt, 9,45 Uhr Hochamt mit Predigt, 11,15 Uhr letzte heil. Messe mit Predigt. Nachmittags 230 Uhr Christenlehre. 3,15 Uhr Versammlung des 3. Ordens. Abends 6 Uhr Andacht. Hausdülmen: Morgens 7,30 Uhr hl. Messe und gemeinschaftliche hl. Kommunion der Frauen u Kinder, 930 Uhr Hochamt mit Predigt.— Nachmittags 2.30 Uhr Andacht. Buldern: Gemeinschaftliche hl. Kommunion des Frauen= der Müttervereins. Morgens 7 Uhr erste hl. Messe mit Volksgesang, 8,15 Uhr stille hl. Messe, 10 Uhr Hochamt mit Predigt.— Nachmittags 2 Uhr Festgottesdienst für die Deutsche Juaendkraft 4 Uhr Standesvortrag für den Frauen= und Mütterverein. Hiddingsel: Morgens 7 Uhr Frühmesse mit Predigt und gemeinschaftl hl. Kommunion des Müttervereins, 9.30 Uhr Hochamt mit Predigt.— Nachmittags 2 30 Uhr Christenlehre und Andacht 4 Uhr Andacht mit Predigt für den Mütterverein. Evangelische Kirchengemeinde Dülmen. Vormittags 8,30 Uhr Gottesdienst. Vereinsanzeigen. Dülmen: Gesellenverein Am Sonntag soll unser#ues K-Banner feierlich eingeweiht werden. Morgens um 9½ Uhr marschieren wir Kolpinghaus mit Musik zum Festgottesdienst auf dem Kapellenberg. Nach Schluß der heil. Messe geht's im geschlossenen Zug durch die Stadt zum Kolpinghaus, wo die Vereinskapelle ein Morgenkonzert gibt. Abends 8½ Uhr ist Familienfeier, unter Mitwirkung der Gesang= und Musikabteil ung. Für alle Mitglieder ist die Teilnahme Pflicht. Ehrenmitglieder sind herzlich willkommen Alle Mitglieder der Jünglings-Sodalität nehmen teil an der Bannerweihe des Gesellenvereinam kommenden Sonntag. Antreten um 9½ Uhr am Kolpinghaus zum Festgottesdienst auf dem Kapellenberg Da der Gesellenverein sich stets rege an unseren Vereinssesten beteiligt hat, ist es für uns Ehrenpflicht, daß wir auch am Sonntag alle mitmachen. Männerbruderschaft. Zu der am Sonntag den 26. d. M. stattfindenden Bannerweihe des kathol. Gesellenvereins Dülmen sind unsere Mitglieder freundlichst eingeladen. Abmarsch morgens 9½ Uhr vom Kolpinghaus. Handwerkerverein. Der Gesellenverein hat den Handwerkerverein eingeladen, am Sonntag, 26. Juli an der Bannerweihe teilzunehmen. Der Vorstand bittet um rege Teilnahme. Kreuzbund Dülmen. Am Sonntag, 26. Juli, Abholen des Brudervereins Wanne=Eickel, die mit dem Zuge um 2 Uhr hier eintreffen. Anschließend Besichtigung der Emmerichstätten. Die Andacht findet um ½25 Uhr in der Kapelle des Krankenhauses statt. Um 8 Uhr abends ist Generalversammlung mit Verlosung im alten Gesellenhause, wozu besonders eingeladen wird. Ferner werden die Mitglieder gebeten, sich zahlreich an der Bannerweihe des Gesellenvereins zu beteiligen, die Sonntag morgen um 10 Uhr auf dem Kapellenberge stattfindet. Aufstellung und Abmarsch vom Kolpinghause um ½210 Uhr. KKV. Jugend. Wir beteiligen uns am Sonntag an der Bannerweihe des Gesellenvereins. 9,30 Uhr Treffen am Kolpinghaus. Ortskartell der christlichen Gewerkschaften. Die aus der Bibliothek des Ortskartells entliehenen Bücher müssen am Sonntag morgen restlos abgeliefert werden. Im Wege der Zwangsvollstredung soll das im Grundbuch von Stadt Dülmen Band 62 Blatt Nr. 47 eingetragene, nachstehend beschriebene Grundstück um 23. September 1931, vorm. 10 Uhr an der Gerichtsstelle Zimmer Nr. 2 versteigert werden. Gemarkung Stadt Dülmen Flur 9 Parzelle 974/237 Grundsteuermutterrolle Nr. 1898 Ader, Garten groß 5 a Grundsteuerreinertrag 20/100 Thlr. bezw. das in der Zusammenlegung Dülmen an seine Stelle getretene Grundstück Stadt Dülmen Flur 23 Parzelle 58 Grundsteuermutterrolle 1898 Garten an der lütken Heide, Plan 311a groß 4,79 a Grundsteuerreinertrag 28/100 Thlr. Der Versteigerungsvermerk ist am 9. Juni 1931 in das Grundbuch eingetragen. Als Eigentümer war damals der Lohgerber Hermann Bretthauer in Dülmen eingetragen. Anmeldungen haben gemäß§ 37 Nr. 4, 5 des Zwangsversteigerungsgesetzes zu erfolgen. Dülmen, den 10. Juli 1931. Das Amtsgericht. Neues eichen Schlafzimmer 180 Zeit meter breit, weit unter Preis abzugeben. Zu erfragen in der Expedition. Die kluge Hausfrau schafft sich einen Gemüse-Vorrat tür den langen Winter. Jetzt Ist es Zoit, Ihren Einkauf in Einmachlöpten u. Gläsern zu tätigen Braune und graue Einmachtöpfe von 1—50 Liter zu herabgesetzten Preisen bel B. HOMANN Achtung! Achtung! 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