Erscheint täglich(auch Sonn= und Feiertags). Verlag: J. Horstmann'sche Buchhandlung, Dülmen i. W Marktstrasse. Dülmener Anzeiger Dülmener Volkszeitung Telegrammadresse: Zeitung Dülmen Fernruf Nr. 118° Postscheck=Konto Dortmund 5315 Postverlagsort: Münster(Westf.) 2. Verbreitungsgebiet des allgemeinen Inseratenteils: Westfalen sowie die angrenzenden Gebiete. Nummer 125 Dienstag, den 6. Mai 1930. Jahrgang 1930 Reichskanzler Dr. Brüning auf dem westfülischen Zentrumsparteitag. Wahrheiten über die Sozialdemokratie./ Gegen eine Fortsetzung der Schuldenwirtschaft. Eine große Vertrauenskundgebung. A Dortmund, 5. Mai. Der heute im Goldsaal der Westfalenhalle abgehaltene Parteitag der Westfälischen Zentrumspartei, der durch die Anwesenheit des Reichskanzlers Dr. Brüning und des Reichsarbeitsministers Dr. h. c. Stegerwald besondere Bedeutung bekam, wies einen sehr starken Besuch auf. Man sah unter den vielen, die den großen Saal füllten, die in den beiden westfälischen Wahlkreisen gewählten Zentrumsabgeordneten des Reichs= und Landtags, an ihrer Spitze den Nestor der Partei, Landesökonomierat Dr. h. c. Derold. Auch Oberpräsident Gronowski, Landeshauptmann Dr. Dieckmann, Regierungspräsident Amelunxen, der als Regierungspräsident von Breslau in Aussicht genommene Präsident des Ruhrsiedlungsverbandes Dr. Happ und der Reichsratsbevollmächtigte der Provinz Westfalen Gilsing waren außer zahlreichen anderen durch ihr Wirken im öffentlichen Leben bekannten Männern und Frauen erschienen. Abg. Dr. Herold eröffnete als Vorsitzender der Westfälischen Zentrumspartei die Tagung mit einer kurzen Begrüßungsrede. Dann gab er dem Reichsarbeitsminister Dr. Stegerwald das Wort, der in sehr instruktiven Ausführungen über die deutsche Wirtschafts= und Sozialpolitik sprach. Ueber sein Referat, das mit starkem Beifall aufgenommen wurde, berichten wir an anderer Stelle. Mit besonderer Spannung sah die Versammlung begreiflicherweise der Rede des Reichskanzlers Dr. Brüning entgegen. Schon der starke Beifall, mit dem man ihn bei seinem Eintritt in den Goldsaal begrüßte, mußte ihm bezeugen, daß man in der Westsälischen Zentrumspartei für ihn besonders herzliche Sympathien hat. Es mag dabei mitsprechen, daß der Kanzler gebürtiger Westfale ist. Weit mehr aber beruhte die Herzlichkeit des Willkommensgrußes, der ihm dargeboten wurde, doch auf der Anerkennung seines politischen Wirkens, seines Mutes zur Verantwortung und seines entschiedenen Auftretens gegenüber dem entschlußlosen Parlament. Man fühlt in der Zentrumspartei, daß in Brüning ein Mann an die Spitze der Reichsregierung gekommen ist, der klug und energisch ist, der mit klarem Kopf die Dinge betrachtet, der weiß, was er will, und der die Fähigkeit besitzt, durchzuführen, was durchgeführt werden muß. Seine Sachlichkeit flößt Vertrauen ein, seine finanzpolitische Erfahrung und seine Beherrschung des großen Komplexes wirtschaftlicher und sozialer Fragen hat die Zuversicht weitester Kreise gefestigt, daß er der Führer ist, der durch kluge politische Maßnahmen das deutsche Volk aus der krisenhaften Gegenwart, aus dieser Zeit schwerster wirtschaftlicher Depression, übergroßen Steuerdrucks und sozialer Not hinausgeleiten wird. Die Aera Müller hatte eine ungeheure Verdrossenheit, ja fast eine Verachtung des parlamentarischen Betriebes hervorgerufen. Daß Brüning es verstand, diesen störrischen Reichstag in kaum für möglich gehaltener kurzer Zeit zur Erledigung der notwendigsten gesetzgeberischen Maßnahmen zu zwingen, das hat wie selten eine politische Tat erfrischend gewirkt, das hat imponiert und im Zentrum die Vertrauenssphäre um den Kanzler geschaffen, die in Dortmund sichtbaren Ausdruck fand. Nachdem Stadtrat Menaelkamv den Parteitag im Namen der Dortmunder Zentrumspartei begrüßt hatte, gab der Vorsitzende dem Reichskanzler Dr. Brüning das Wort. Händeklatschen empfing ihn, als er an das Rednerpult trat. Wiederholt wurden seine Ausführungen von Beifall unterbrochen. Wir geben sie hier wieder. Sie sprechen für sich, sie bedürfen keines Kommentars. Sie lassen das klare politische Wollen des Redners, das sozialdemokratische Politiker und Blätter in den letzten Wochen zu mißkreditieren trachteten, deutlich erkennen. Der Reichskanzler führte folgendes aus: Meine sehr verehrten Damen und Herren! Ich danke Ihnen und Ihrem hochverehrten Herrn Vorsitzenden für die freundlichen Worte der Begrüßung, die Sie mir zu Beginn der Versammlung ausgesprochen haben. Ich bin trotz mancher Schwierigkeiten sehr gern Ihrer freundlichen Einladung gefolgt, besonders deswegen, weil unser hochverehrter Herr Parteifreund Herold mir die Reise hierher besonders ans Herz gelegt hat, zweitens, weil ich als Westfale nicht abschlagen konnte, auf dem westfälischen Parteitag zu sprechen, und drittens weil es notwendig ist, angesichts der Agitation anderer Parteien gegenüber der Zentrumspartei einige Aufklärungsworte an Sie nach der einen oder anderen Seite hin zu richten. Es ist ganz eigentümlich, daß die Partei, die sich in dem vergangenen Jahre die meiste Mühe gegeben hat, das Kabinett Müller zu stützen und aufrecht zu erhalten. wegen der neuen Regierungsbildung, namentlich von der Sozialdemokratie, am stärksten angegriffen wird. Es ist noch merkwürdiger, daß jeden Tag neue Märchen erzählt werden, Märchen, die wirklich von einer Phantasiekraft zeugen, wie man sie niemals der sozialdemokratischen Presse zugetraut hätte. Es vergeht kaum ein Tag, an dem nicht irgendeine neue Nachricht über das Reichskabinett, über den Reichskanzler, über die Zentrumspartei ins Land hinaus geschickt wird, alles Erfindungen, alles Phantasie. Daraus kann man sehr leicht den Schluß ziehen, daß es den Sozialdemokraten bei ihren Beschlüssen, die zur Demission des Kabinetts Müller geführt haben, doch schon nicht mehr so ganz wohl ist, wie ihre Presse sich den Anschein gibt.(Sehr richtig!) Ich glaube, daß dieses Nicht=ganz=wohl-fühlen seine innere Berechtigung hat! Ich darf vielleicht in diesem Kreise zur Geschichte dieser Kabinettsbildung einiges sagen. Wie Sie alle wissen, war kurz vor der Demission des Kabinetts Müller der rheinische Parteitag der Zentrumspartei. Ich habe auf diesem Parteitag ganz klar und offen über den Zweck unserer Forderung, mit der Annahme des Youngplanes auch die Sanierung unserer Finanzen zu verbinden, gesprochen. Ich habe damals ganz deutlich meine eindringliche Mahnung an den gleichzeitig tagenden Parteitag der Deutschen Volkspartei in Mannheim gerichtet. weil damals nach Auffassung vieler die Gefahr für eine Störung der Großen Koalition noch viel stärker bei der Volkspartei liegen konnte. Diese Tagung des Parteitages der Deutschen Volkspartei ist nun schließlich so verlaufen, daß man hoffen konnte, die Große Koalition aufrechtzuerhalten Man war sich ja prattisch über alle Fragen, die gelöst werden mußten, einig geworden, auch über die Arbeitslosenversicherung; denn wir haben durchgesetzt. was die Deutsche Volkspartei zunächst ablehnte: eine Verlängerung des 3½ prozentigen Beitrages über den 30. Juni hinaus, bis zu welchem Termin diese Beitragserhöhung begrenzt war. Außerdem hatten wir einen Antrag vereinbart, daß die endgültige Regelung der Arbeitslosenversicherung zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen sollte Ueber die Form dieser Erledigung ließ dieser Antrag nach jeder Richtung hin den Weg offen. Das bedeutete, daß man sich über die Kassensanierung sofort klar werden konnte, und daß man alsbald nach der Kassensanierung an die Sanierung der Arbeitslosenversicherungsanstalt herangehen mußte. Was wird nun geschehen? Das Kassensanierungsprogramm ist angenommen, und wir werden in kürzester Frist uns immer wieder in der Regierung den Kopf zerbrechen müssen, wie wir die Santerung der Arbeitslosenversicherung durchführen. Es ist weiter nichts geändert, als daß wir die Kassensanierung durchgesetzt haben, und daß, was die Sozialdemokraten wollten, die Sanierung der Arbeitslosenversicherung noch in den nächsten Wochen und Monaten genau so angepackt werden muß, wie sie angepackt werden könnte, wenn das Kabinett Müller noch bestände. Herr Severing hat in Westfalen vor 14 Tagen eine Rede gehalten, als ob die Auflösung des Kabinetts Müller zurückzuführen sei auf sehr sorgfältig überlegte Pläne, und daß sie letztlich nichts anderes zum Zweck gehabt hätte als den berühmten Panzerkreuzer B. Ich muß Ihnen wirklich gestehen: Ich habe in den letzten Monaten sehr viel andere Sorgen gehabt, als überhaupt mich um den Panzerkreuzer B zu kümmern. Wenn man monatelang immer wieder in der Sorge sitzt, ob am Ende des Monats das Reich für notwendige Bauten. für Sozialrentner, für Beamte überhaupt Mittel zur Verfügung hat, dann werden Sie verstehen, daß wir wirklich in diesen Monaten keine Zeit hatten, an solche Fragen zu denken. Außerdem war ich persönlich durchaus einverstanden mit dem Beschluß, den das Kabinett Müller gefaßt hatte, der doch dahin ging, daß im nächsten Jahre mit dem Bau des Panzerkreuzers B anaefangen werden könnte. Was der Reichsrat beschlossen hat. ist nichts anderes, als daß ein Vierteljahr früher mit dem Bau dieses Panzerkreuzers B. über den ich mich nicht jetzt weiter aussprechen will— es sei denn, daß es in der Aussprache gewünscht wird- begonnen werden soll. Ich glaube auch, daß ernstlich bei den maßgebenden Führern der Sozialdemokratischen Partei diese Panzerkreuzer=Angriffe keine Rolle spielen. Wir haben ganz Schweres Explosionsunglück in Liverpool Vier Tote, Joo Verletzte. X London, 5. Mai. Am Montag vormittag um 112 Uhr ereignete sich in der Oelkuchenfabrik der Gebr. Bibbys in Liverpool eine schwere Explosion. Die Explosion wurde durch ein Feuer hervorgerufen, das in einem der Silos in dem neuen Fabrikteil ausgebrochen war. Aus allen Teilen der Stadt eilten Feuerwehrabteilungen und Rettungswagen an die Unglücksstätte. Ein Arbeiter wurde sofort getötet. Nach den bisherigen Feststellungen beträgt die Zahl der Verletzten etwa 100. Drei Schwerverwundete sind im Krankenhaus gestorben, sodaß sich die Zahl der Toten auf vier erhöht. Die drei oberen Stockwerke des Fabrikgebäudes waren in Flammen gehüllt. Man nimmt an, daß die Explosion durch innere Verbrennung in einem Silo entstanden ist. In der gleichen Fabrik ereignete sich im Jahre 1911 eine Explosion, bei der 21 Arbeiter getötet und 113 verletzt wurden. Große Waldbrände in Amerika. Dörfer müssen geräumt werden. + New=York, 5. Mai. In verschiedenen Staaten des Landes sind große trockene Grasflächen und Fichtenwälder in Brand geraten. Bei dem gestrigen starken Winde erreichten die Brände teilweise eine beängstigende Ausdehnung und richteten Schäden an, die bisher auf insgesamt 20 Millionen Dollar geschätzt werden. In Long Island hatte die brennende Fläche zeitweise eine Ausdehnung von 40 Meilen, sodaß die New=Yorker Feuerwehr zu Hilfe gerufen wurde. In New=Jersey mußten mehrere Dörfer wegen der Waldbrände geräumt werden. In Staten Island und Long Island brannten mehrere hundert Häuser nieder. In Rhode Island und in New=Hampshire wüteten ähnliche Brände. Namentlich in Mittel= und Süd=New=Jersey gewannen die Brände eine solche Ausdehnung, daß sie als die schlimmsten in der Geschichte dieser Staaten bezeichnet werden müssen. Ein Waldfeuer, das in Smithburg begann, brannte 12 Meilen weit bis Lakehurst und zerstörte dabei unterwegs einen Teil der Ortschaft Baßville. In Lakehurst war der Rauch dieses Feuers derart dicht, daß die Feuerbeobachtungsstelle auf der Luftschiffhalle, die dem Zeppelin als Unterkunft diente, nutzlos wurde. Die Waldbrände übersprangen breite Landstraßen, die des Nachts voll von Wild waren, das aus den brennenden Wäldern sich geflüchtet hatte. Waldbrände größeren Umfanges werden aus sämtlichen Staaten der Ostküste von Neu=England bis nach Birginia berunter gemeldet. Namentlich aus Delaware, Pennsylvanien und dem westlichen Teil des Staates New=York wird von Feuern mächtiger Ausdehnung berichtet. In Long Island wurde die gesamte in Flammen stehende Fläche heute früh auf 100 Quadratmeilen geschätzt. Die zur Besichtigung der Brandstellen aufsteigenden Flugzeuge mußten wegen der Hitze sich in einer Höhe von 5000 Fuß halten. Die Forstbehörden haben den Verdacht geäußert, daß die Waldbrände angelegt worden seien. * Ueber 200 häuser eingeäschert. + Nashua(New-Hampshire), 4. Mai. Im Südosten der Stadt wurden durch eine Feuersbrunst über 200 Gebäude, darunter mehrere Geschäftshäuser erstört. Das Feuer, das seinen Ausgang von einer ölzernen Brücke nahm, wurde durch den starken Wind egünstigt. Glücklicherweise sind Opfer an Menschenleben nicht zu beklagen. * Im letzten Augenblick 600 Kinder gerettet. + Nashua(New=Hamphire), 5. Mai. Bei dem Brande in Nashua gelang es zwei Geistlichen, noch im letzten Augenblick 600 Kinder aus der katholischen Kirche zu retten. Die Kirche war gleich darauf ein Raub der Flammen geworden. * Brand auf einer amerikanischen Marinestation. X Norfolk(Virginien), 5. Mai. Auf dem Pier 7 der Marinestation Hamptonroads ist um Mitternacht ein großer Brand ausgebrochen, sodaß die gesamte Feuerwehr nach der Brandstelle gerufen werden mußte. Das Feuer begann mit der Explosion eines Schleppdampfers, durch die große Oelvorrate in Brand gesetzt wurden. Das Feuer war acht Meilen hin sichtbar. Der Pier, für dessen Ausbau als Anlegestelle für die zur Zeit allerdings abwesenden Flugzeugmutterschiffe„Lexington“ und„Saratoga“ kürzlich größere Beträge verausgabt worden sind, scheint verloren zu sein. andere Vermutungen. Wir hatten schon früh die Besorgnis, daß es doch immer schwieriger wurde, sowohl die Sozialdemokratische Partei als auch für die Deutsche Volkspartei nach der Annahme des Youngplanes in der bisherigen Form in der Verantwortung festzuhalten. Wir haben ja wiederholt erlebt, daß in den entscheidenden Abstimmungen, schon vor Weihnachten, 20 oder 25 Mitglieder der sozialdemokratischen Fraktion aus dem Saal gegangen sind und nicht mehr für ihre eigene Regierung gestimmt haben, genau wie umgekehrt ein gewisser Prozentsatz der Deutschen Volkspartei ausfiel. Weil wir diese Beobachtung gemacht haben und weil wir diese Große Koalition erhalten wissen wollten, deswegen haben wir die Verbindung der schwierigen Aufgaben, die zu lösen waren, mit der Erledigung des Youngplanes gefordert. Weder die Sozialdemokratie noch irgendeine Partei kann in Wirklichkeit nachweisen oder mit Recht behaupten, daß bei uns nicht der ehrlichste Wille gewesen ist, die Große Koalition so lange wie möglich zu halten. Das ist ganz besonders mein persönlicher Wille gewesen, und bei meinem ersten Auftreten als neugewählter Fraktionsvorsitzender in Breslau im Winter vorigen Jahres habe ich nicht etwa gesagt— wie Herr Severing behauptet— auf einige Monate hinaus solle die Große Koalition erhalten bleiben, sondern wenn die Sozialdemokratie auf kulturpolitischem Gebiet nicht unerträgliche Schwierigkeiten bereite, dann könnten mit dieser Großen Koalition auch die übrigen Aufgaben für eine weitere Zukunft gelöst werden. Im übrigen habe ich auch den Eindruck, als ob die Sozialdemokratie in ihrem Verhalten im Reichstag nicht sehr konsequent gewesen ist. Denn wenn man von der neuen Regierung befürchtet, daß mit Artikel 48 regiert werden sollte, dann war es nicht gerade Aufgabe der Sozialdemokratischen Partei, gegen diese Regierung ein Mißtrauensvotum einzubringen und damit unter Umständen die Reichstagsauflösung und die Anwendung des Artikels 48 zu erzwingen. Die Logik dieser Angriffe und der Politik der Sozialdemokratischen Partei kann ich nicht verstehen, und kein trumswähler kann sie begreifen. Und weiter! Nun soll plötzlich diese Regierung eine Rechtsregierang sein. Aber die Sozialdemokraten haben sich fast in Uebereinstimmung mit dem Führer der Deutschnationalen Volkspartei. Herrn Hugenberg, auf das schärfste gegen dieses Kabinett ausgesprochen Zwar hat Herr Hugenberg das Mißtrauensvotum der Sozioldemokraten praktisch zu Fall gebracht, aber er hat auch erklärt, gegen diese Regierung bestände das schärfste Mitztrauen, weil sie eine Regierung der Mitte sei. Graf Westarp, der Führer des gemäßigten Flügels der Deutschnationalen, hat ebenfalls noch neuerdings erklärt, daß es nicht möglich sei, diese Regierung zu unterstützen, daß man die oppositionelle Haltung auch in Zurunft von Fau zu Fall aufrechterhalten würde. Das ist eigentlich der eklatante Gegenbeweis für das, was die sozialdemokratische Presse ihren Wählern tatsächlich vorsetzt. Ich glaube im übrigen, und ich bin Optimist nach dieser Richtung, daß man im deutschen Volk doch in sehr starkem Maße einsieht, daß nach der Demission des Kabinetts Müller die Zeit zum Handeln endlich gekommen sein muß und nicht zum ewigen Verhandeln, d. h. zu einem Verhandeln, von dem man keinen Schluß erwarten konnte, und über dem meines Erachtens und nach Ansicht maßgebender Leute der Kredit Deutschlands nach der finanziellen und politischen Seite unterminiert worden wäre.(Lebhafter Beifall.) Ich sage, daß nicht nur der Kredit Deutschlands unterminiert worden wäre, sondern daß der Glaube des deutschen Volkes an das Parlament und insbesondere an dieses Parlament weiter geschwunden wäre, wenn man sich zwischen den Parteien über Lappalien nicht einigen konnte und deswegen Beschlüsse für die Lebensinteressen des deutschen Volkes nicht durchführen konnte. Das Parlament, wenn es Sinn hat, ist nicht dazu da, Agitationspolitik der Parteien zu treiben, sondern das Parlament in einer wirklichen Demokratie ist dazu da. Verantwortung zu übernehmen für das ganze Volk und für seine Zukunft. Die Fraktionen dürfen nicht nur verhandeln, sondern sie müssen auch den Mut haben, Entscheidungen herbeizuführen, auch wenn diese unpopulär sind. Wenn es um das Schicksal des Reiches, eines Volkes geht, dann müssen Männer da sein, die ohne Rücksicht auf tagespolitische Agitation sich bereit erklären, die schwerste Verantwortung zu übernehmen.(Lebhafter Beifall.) Ich glaube, es gibt keine Kompromißmöglichkeit, die wir vom Zentrum nicht im vergangenen halben Jahre oder den letzten vier Monaten versucht haben. Wir haben uns bemüht, wenn die Flügelpartei der Rechten abzuspringen drohte, neue Kompromisse zu machen; drohten Schwierigkeiten bei der Sozialdemokratischen Partei, dann haben wir wieder neue Kompromißmöglichkeiten gesucht, um die Sozialdemokraten wieder zu befestigen. Wir sind doch, als die Deutsche Volkspartei vor ihrem Parteitag schwierig war, auf meinen Vorschlag so weit gegangen, mit den Parteien der Weimarer Koalition allein ein Finanzkompromiß herbeizuführen, das auc zustandegekommen ist oder wäre, wenn es nicht schließlich an den Schwierigkeiten, die die Bayrische Volkspartei hatte, gescheitert wäre. Was stand nun in diesem Finanzkompromiß? Darin stand— ich betone, im Finanzkompromiß der Weimarer Parteien!— eine allgemeine Er= höhung der Umsatzsteuer. Das wird jetzt sorgfältig von der Sozialdemokratischen Partei ihren Wählern vorenthalten. Von welcher Seite ist denn der Vorschlag gekommen, der im„Vorwärts“ abgedruckt war, überhaupt auf die Viersleuer zu verzichlen und das ganze Kassendefizit zu sanieren mit Hilfe einer ¼prozentigen Erhöhung der Umsatzsteuer auf 1 Proz" Der kam nicht von der Zentrumspartei, sondern von einem Mitglied der sozialdemokratischen Reichstaasfraktion.(Hört! Hört!) So könnte ich diese Aufklärung fortsetzen. Ich möchte aber noch eins betonen, daß das Kompromiß über die Erhöhung des Arbeitslosenbeitrages und schließlich das letzte Kompromiß nicht von der Zentrumspartei eder von mir allein gemacht worden sind, sondern immer in engster Fühlungnahme mit dem Vorsitzenden der demokratischen Reichstagsfraktion, Herrn Abgeordneten Oskar Meyer. Veide Parteien sind gemeinsam gegangen im Ziele, Auswege zu finden, um die damalige Koalition zu halten. Ich will das eine betonen: Daß dieser fortgesetzte Regierungswechsel in den letzten 10 Jahren— durchschnittlich alle halbe Jahre oder noch öfter— ein Schauspiel war, von dem das Ansehen des Parlaments in Deutschland und der Demokratie, aber auch die sachlichste Wirksamkeit des Parlaments keineswegs günstig beeinflußt werden konnte.(Sehr richtig!) Wenn man, wie wir es 1925 gemacht haben, in einer Koalition mit den Deutschnationalen Gesetze macht, durch die entscheidende Aufgaben gelöst werden mußten und dann in einer schwachen Koalition der Mitte von den Grundlinien dieser Beschlüsse wieder abweichen muß, so ist das höchst gefährlich. Das führt dahin, daß immer wieder eine gerade Linie der Gesundung und der Aufwärtsentwicklung des deutschen Volkes unterbrochen wird. Es kann schließlich zu einer Häufung der Schwierigkeiten führen, daß das Parlament keinen Ausweg mehr findet, zu einer Häufung von Schwierigkeiten, deren Lösung jetzt wieder auf unsere Schultern, wie schon so oft, auf die Schultern der Zentrumspartei gelegt worden ist. Wir haben ein Interesse an der Konsolidierung der Dinge auf lange Sicht. bemühen, ein Programm Wir werden uns bemühen, ein Programm aufzustellen und unter allen Umständen zur Annahme zu bringen, das, sei es in diesem, sei es in einem andern Reichstag, die Grundlage für die Wiederaufwärtsentwicklung des deutschen Volkes in den nächsten fünf Jahren bringen muß. Wir sind keine Zauberkünstler, daß wir, nachdem jahrelang die Lösung schwierigster Aufgaben aufgeschoben wurde, von heute auf morgen plötzlich eine Aenderung schaffen können, zumal das eine große Hemmnis besteht: Das ist die gesamte Krise der Weltwirtschaft. Die Großhandelspreise der Agrarstoffe stehen auf 108 bis 109 Prozent der Friedenswerte, die Rohstoffe auf 130 Proz., die Lebenshaltungskosten und Produktionskosten sind aber sehr viel höher. Dazu kommt eine Erschütterung der Stabilität, Ueberfluß an Getreide in den Produktionsländern der neuen Welt, die Versuche, unter allen Umständen, wie wir befürchten, mit staatlicher Unterstützung in nächster Zeit um jeden Preis diese Getreidemengen nach Europa zu bringen. Das zwingt nicht nur Deutschland, sondern auch die anderen europäischen Staaten zu außerordentlichen Maßnahmen. Was wir gemacht haben in der Zollpolitik, das sind Schutzmaßnahmen gegen Ueberraschungen; denn die hochbedeutsamen Maßnahmen, für die die Landwirtschaft dem Herrn Vizekanzler Dietrich zu großem Dank verpflichtet ist, in der Vergangenheit wurden abgeschwächt, bevor sie Gesetz wurden, dadurch, daß eine ungeheure Vorversorgung einsetzte und so die Wirksamkeit der neuen Maßnahmen kaum verspürt werden konnte. Deshalb haben wir für die Reichsregierung die Ermächtigung gefordert. Sie beruht auf dem Schutz der Konsumenten, d. h. auf der Preisbasis für Weizen und Roggen, die wir gemeinsam mit der Sozialdemokratie bereits vor Weihnachten beschlossen hatten. Was der Landwirtschaft nottut, ist nicht die Hoffnung auf übermäßige Preise, sondern die Erwartung stabiler Preise auf lange Sicht, weil ihr sonst der Glaube an die Zukunft der Landwirtschaft verloren geht. Das ist das wichtigste Moment. Es ist nicht so, als ob die Maßnahmen der Reichsregierung, die sie auf Grund der gesetzgeberischen Vorschriften treffen kann oder treffen wird, etwa eine einseitige Bevorzugung des Großgrundbesitzes oder des östlichen Grundbesitzes bezwecke. Ich erinnere nur an die Eierfrage, die für die westliche Landwirtschaft eine besondere Rolle spielt; wir werden auch den Eierproduzenten verbilligtes Malsfutter zur Verfügung stellen. Diese Maßnahme hat das Reichskabinett beschlossen. Wir wollen, daß im Westen der Gemüsebau sich hebt und die Produktion der gesamten Landwirtschaft gesteigert werde. Aber das Hauptproblem ist nun einmal das Problem der ärmeren Böden, des Roggenpreises, und davon hängt viel ab. Wir haben nicht die Hoffnung, daß wir nach dieser Richtung hin Wunder wirken können Wir können nur aus einem Gesamtrahmen der Politik heraus, für die die Reichsregierung die Ermächtigung hat, dafür sorgen, daß das Roggenproblem sich für das nächste Jahr nicht zuspitzt. Und weiter der Osten! Ich bin selbst östlicher Abgeordneter für Mittelschlesien. Es ist fürchterlich, wie die seelische Depression, ganz abgesehen von der wirtschaftlichen, im Grenzgebiet von Tag zu Tag zunimmt. Bricht uns, wozu die Gefahr besteht, die gesamte Landwirtschaft im Osten zusammen, nicht nur der Großgrundbesitz, sondern auch die der neuen Ansiedler, die zum großen Teil aus Westfalen und Rheinland stammen, dann stehen wir vor einer politischen Krise erster Ordnung, die im Östen doch besondere Gefahren mit sich bringt.(Sehr richtig!) Wir stehen zweitens vor der Tatsache, daß die Kaufkraft der Landwirtschaft sinkt und daß endlich das Arbeitslosenproblem wegen der Gefährdung der Existenz der Landarbeiter nicht nur gemildert, sondern sogar verschärft wird. Wir haben bis jetzt in den letzten 10 Jahren unsern Blick auf die westlichen Grenzgebiete gerichtet. Jeder muß sich nun klar werden, daß im Augenblick, wo die Rheinlandräumung gesichert ist, unser Blick zum Schutz und zur Erhaltung des deutschen Volkstums bei aller Wahrung der Westinteressen in hervorragendem Ausmaß sich auch auf die östlichen Grenzgehiete erstrecken muß. Wir werden von unseren Parteifreunden im Osten mit vollem Recht auf die steigende Gefährdung der Ostlande aufmerksam gemacht. Wir müssen helfen im Rahmen eines weitschauenden und konstruktiven Programms, nicht etwa durch ausschließliche Subvention von dem Teil des Großgrundbesitzes, der wirtschaftlich nicht gehalten werden kann, sondern auch durch die Vergrößerung von kleinbäuerlichen und mittleren Betrieben und durch Förderung der Neusiedlungen. Wir haben das größte Interesse daran, daß in den meist menschenarmen Gegenden des Ostens durch eine verantwortungsvolle Gesamtpolitik eine gesunde Siedlungspolitik für die Zukunft gesichert wird. Unser Programm gilt nicht einseitig für den Osten. Was wir wollen, ist, durch ein langsichtiges Programm die Wirtschaft schrittweise zur Erholung zu bringen, um dem Problem der Arbeitslosigkeit aus den innerpolitischen und wirtschaftlichen Verhältnissen heraus Herr zu werden Dazu ist eine Reihe von Voraussetzungen notwendig. Erstens absolute Sparsamkeit, vorsichtige und gesunde Finanzpolitik nicht nur im Reich, sondern auch in Ländern und Gemeinden. Wenn das Reich von Monat zu Monat zu den Großbanken gehen muß, um zur Ueberwindung des Ultimos um Geld zu betteln, dann schwindet das Vertrauen in die Stabilität unserer politischen und finanziellen Verhältnisse, dann schwindet die Zuversicht in das Verantwortungsbewußtlein der jeweiligen Regierung. Dieses Vertrauen zu schaffen ist, unsere Hauptausgabe. Eine der ersten Aufgaben, die die Reichsregierung zu erledigen hat in den nächsten Wochen, ist, dafür zu sorgen und mitzuhelfen, daß wir von dieser ungeheuren Last der schwebenden Schuld unter allen Umständen herunterkommen, bzw. daß Die Demokraten gegen die Verschmelzung mit anderen Parteien. „partel geschulten und ersogenen Fraktionsmilglieder, die Verantwortung in solchen Augenblicken zu übernehmen. Beilage Der demokratische Parteivorstand billigt die Fraktionspolitik. Berlin, 5. Mai Der demokratische Parteivorstand, der sich aus ungefähr 40 Mitgliedern zusammensetzt, trat am Montag vormittag im Reichstag zusammen, um zu der politischen Lage und den Anträgen verschiedener Landesverbände, aus der Regierung auszutreten, Stellung zu nehmen. Die Beratungen wurden eingeleitet mit einem Referat des Parteivorsitzenden Koch=Weser. Er behandelte besonders ausführlich die verschiedenen Bestrebungen zur Neugestaltung der Parteikonstellation. Er stellte die Vorgänge der letzten Wochen nach allen Richtungen klar und zerstreute und mißbilligte unter der Zustimmung des Parteivorstandes die falschen Gerüchte, durch die in den letzten Wochen die Einigkeit der Partei gefährdet worden sei. Koch=Weser bekannte sich zur Notwendigkeit einer Zusammenfassung der staatsbürgerlichen Kräfte, lehnte aber die Fusionierung bestehender Parteien ab. Jede Neubildung, die als eine Mandatsversicherung der heutigen Parlamentarier erscheine, sei unwirksam und aussichtslos. Auch in der kritischen parlamentarischen Lage vor Östern sei von keinem verantwortlichen Führer über gemeinsame Listen verhandelt worden. Das wichtigste sei, daß das demokratische Gedankengut gewahrt bleibe. Die Aussprache ergab, daß die in der Oeffentlichkeit aufgestellte Behauptung, die Reichstagsfraktion der Demokraten habe sich in ihrer Stellungnahme zu dem Kabinett Brüning durch Fusionsmöglichkeiten bestimmen lassen vollig gegenstandslos ist, und daß auch, wie be reits durch die Abgeordneten Mener und Dr. Fischer erklärt wurde, die Presseverlautbarung uver Verhandlungen wegen gemeinsamer Listen mit amnderen Parteien jeder Begründung entbehre. Dieser Feststellung schloß sich insbesondere auch der Abgeordnete Grzimek entgegen seinen früheren Informationen nach dem Ergebnis der Aussprache an Reichstagsabgeordneter Lemmer machte u. a. Mit teilung über den sozialrepublikanischen Kreis innerhalb der Partei, der versuchen will, junge Menschen aus der deutschen Jugendbewegung und der aktiven Ju gendgeneration für die programmatische Haltung und Zielsetzung der Demokratischen Partei aufzuschließen. Nach mehrstündiger Aussprache wurde einstimmig, bei mehreren Stimmenenthaltungen, folgende Entschlie ßung angenommen: „Der Parteivorstand der Deutschen Demokratischen Partei billigt das Verhalten der Reichs tagsfraktion bei den Abstimmungen im April. Der Parteivorstand hat zu der Reichstagsfraktion und zu dem demokratischen Reichswirtschaftsmnster das Ver trauen, das sie in der jetzigen Kombination die Grundsätze der Parkei wahren und aus deren etwaiger Verletzung mit Entschiedenheit die Folgerungen ziehen werden“. Der Parteiausschuß der Demokratischen Partei wird am 25. Mai in Halle zu einer Tagung zusammentreten. Ghandis Verhaftung. Eine neue Phase des indischen Freiheitskampfes. :: London, 5. Mai. Ghandi ist in der Nacht zum Montag in einem kleinen Ort in der Nähe von Surrat verhaftet worden. Die Verhaftung erfolgte auf Grund einer Verfügung vom Jahre 1927. Nach der Verhaftung wurde Ghandi in einem Postzug nach Berive(etwa 60 Klm. von Bombay entfernt) und von dort in einem geschlossenen Auto nach dem Gefängnis in Poona(150 Klm. südöstlich von Vombay) gebracht, wo er zunächst verbleiben wird, wenn nicht der Verhaftung sofort ein Gerichtsverfahren folgt. In Bombay sind umfangreiche Vorkehrungen zur Verhinderung von Demonstrationen und Unruhen getroffen worden. Von der britischen Regierung ist bisher eine amtliche Mitteilung mit näheren Einzelheiten über die Gründe der Verhaftung Gandhis nicht ausgegeben worden. Die aus Indien vorliegenden Berichte der Blätter geben gleichfalls keinen bestimmten Anhaltspunkt dafür, ob und welche ernsteren Ereignisse Ghandis Verhaftung veranlaßt haben konnten. Ueber eine anhaltend ernste Lage wird nur an der Nordwestgrenze berichtet. Die Verfügung, mit der ein früheres Verbot gegen die Abhaltung aufrührerischer Versammlungen wieder in Kraft gesetzt wurde, ist darauf zurückzuführen, daß unter verschiedenen wichtigen Stämmen an der Nordwestgrenze starke Unruhe herrscht. Die soeben erfolgte Neubesetzung des Postens des britischen Kommissars an der Nordwestgrenze hängt nicht mit den Unruhen oder der kürzlichen Gehorsamsverweigerung indischer Truppen in Peschaware zusammen, hat aber die Besorgnis in englischen Kreisen verstärkt. Der Ausschuß der Bombayer europäischen Vereinigung hat einen Brief an den Gouverneur der Provinz Bombay gerichtet, in dem verlangt wird, daß die Regierung in Zukunft für die Aufrechterhaltung der Ruhe schärfere Maßnahmen ergreife, alle Uebergriffe sofort ahnde, die Demonstrationen verbicte und eine Bewegung gegen Ghandis Feldzug einleite. bekanntmachung der Oeffentlichkeit mitgeteilt worden. Die Nachricht pflanzte sich in Windeseile überallhin fort. Im indischen Viertel von Bombay gehen Swarajisten umher und fordern zu einem Generälstreik als Einspruch gegen die Verhaftung auf. In der Bekanntmachung, mit der die Regierung die Verhaftung Ghandis veröffentlicht, heißt es: Der„Gehorsamsverweigerungsfeldzug habe ernstliche Unruhen zur Folge gehabt. Es habe sich klar gezeigt, daß Ghandi nicht mehr imstande gewesen sei, die Handlungen seiner Anhänger zu kontrollieren. Der Feldzug habe zu weit gehender Verachtung der Gesetze geführt. Ob gleich Ghandi betont habe, daß auf jede Gewalttat verzichtet würde, wäre es doch dazu gekommen. Die Bewe gung habe sich genau so entwickelt, wie alle ähnlichen Unternehmungen der Vergangenheit. Während Ghandi stets die Anwendung von Gewalt beklagte, habe es sich gezeigt, daß sein Einspruch immer schwächer und schwächer geworden ware. Sogar Privatpersonen, die der Regierung gegenüber loyal geblieben wären, seien boykottiert worden, einschließlich der Kaste der Unberührbaren. Gerade diesen gegenüber hätte Ghandi stets erklärt, daß er der Vertreter ihrer Interessen sei. Sikhtruppen meutern. der Moskan. 4. Mai. Die Telegraphenagentur Sowjetunion meldet aus Kabul, daß nach dort aus Indien eingelaufenen Berichten indische Aufständische das die Stadt Peschawar beherrsende Fort erobert hätten. Peschawar sei zwar noch in den Händen der englischen Kommandantur. In der Stadt seien jedoch heftige Straßenkämpfe entbrannt. Die Eingeborenenpolizei und die Sikhtruppen weigerten sich, die Bewegung zu unterdrücken und schlossen sich den Aufständischen an. Bewaffnung der Europüer in Bombay. Die Gründe der Regierung. Bombay, auch von 5. Mai amtlicher Die Verhaftung Ghandis ist nun Seite durch eine Sonder)) London, 5. Mai. Im Anschluß an die Verhaftung Ghandis sind in Bombay neben sehr starken Polizeikräften auch starke Abteilungen britischer Truppen bereitgestellt worden, um etwaige Unruhebewegungen sofort im Keime ersticken zu können. Die curopäischen Angestellten der Banken und großen Firmen sind mit Waffen für die Benutzung im Notfall versehen worden. Von indischer Seite sind gegenwärtig Versuche im Gange, um einen Generalstreik in Bombay und anderen großen Städten in die Wege zu leiten. in langsristige umgewandelt weitem nicht aus der größten diese schwebende Schuld wird. Wir sind noch bei Gefahr heraus. Schulden dürfen in Zukunft von den öffentlichen Körperschaften nicht mehr so wie in der Vergangenheit gemacht werden. Daß wir in dem entscheidendsten Augenblick unserer Geschichte nach Paris gehen mußten zu den entscheidenden Verhandlungen über den Dawesplan, in einem Augenblick, wo eine Schuldenlast von 6—8 Milliarden Mark, zum größten Teil ausländische schwebende Schuld, auf uns lastete, und damit die Möglichkeit geschaffen war, jeden Tag in Deutschland die größte wirtschaftliche finanzielle Katastrophe herbeizuführen,— darin liegt die Schuld der Vergangenheit. Wir wollen für die Zukunft verhindern, daß wir dadurch, daß die öffentlichen Körperschaften in so starkem Maße schwebende und kurzfristige Schulden aufnehmen, in der außenpolitischen Handlungsfreiheit unfrei werden und die Zukunft unseres Volkes an dieser Unfreiheit leidet.(Beifall.) Was wir zu tun haben nach dieser Richtung hin, kann nun nicht alles restlos populär sein. Wohin einseitige Popularitätspolitik führt, hat eine Reihe von Maßnahmen gezeigt; das haben wir in den ersten Jahren und manche Jahre nach dem Kriege zu unser aller Leidwesen in sehr starkem Maße nicht nur für unsere Generation, sondern auch für die zukünftige, erfahren müssen. Nun ist es aber besser, den Mut zu haben, im entscheidenden Augenblick auch etwas Unpopuläres mitzutun, als die Dinge aufzuschieben und schließlich zur Katastrophe treiben zu lassen. Es ist, ich betone das nochmals, nicht der Sinn der Demokratie, die Dinge gehen zu lassen. Ein wirklich demokratisches Parlament muß wach bleiben, und das deutsche Volk muß wach gerufen werden, um die freiwillige, rechtzeitige Uebernahme entscheidender Verantwortungen zu ermöglichen. Denn schließlich wird ein Volk, wenn es sieht, daß sein Parlament nicht zum Handeln kommt und auch die Regierung wegen der differenzierten Meinungen der Fraktionen nicht zur Aktion greift, nicht untergehen wollen, sondern verlangen, daß gehandelt werden muß.(Bravo.) Die vielen Gerüchte und Erörterungen über Parteiverschmelzungen und ähnliche Dinge, die in den letzten Wochen und Monaten schon herumgehen, können dahin ausgelegt werden. daß gewissermaßen eine neue Periode auch innerpolitischer Geschichte insofern in Deutschland ihren Einzug hält, als viele Gruppen der Auffassung sind, daß bei der ungeheuren Zerklüftung der Parteien ein wirkliches demokratisches und parlamentarisches Regime auf die Dauer nur sehr schwer durchzuführen ist. Diese Parteiverschmelzungsbestrebungen, so undeutlich sie auch umrissen sind, bedeuten allerdings keinen Zweck der heutigen Regierung und sie haben mit der Zentrumspartei nach keiner Richtung hin irgend etwas zu tun. Das betone ich ausdrücklich und in aller Deutlichkeit, nachdem auch hier sozialdemokratische Blätter im Westen erklärt haben, daß wir mit Herren anderer Parteien in Verhandlungen stehen, um sie in unserer Mitte aufzunehmen.(Lebhafte Heiterkeit!) Nein, die Zentrumsparten hat zwar ein schweres Los und ein schweres Schicksal innerhalb der deutschen Demokratie. Sie trägt aber im entscheidenden Augenblick die letzte Verantwortung. Aber sie hat nicht notwendig, ihre Aufgaben und ihre Struktur und ihre weltanschauliche Grundlage auch nur im geringsten abzuändern oder durch Hinzunahme anderer politischer Kräfte innerlich umzugestalten. Wir wissen. welche eigene Aufgaben, welche besondere Mission wir haben, und wir werden diese Aufgaben und diese Sendung nicht etwa in einem tastenden Sinn durchführen, sondern wir wissen genau, daß wir unsere Aufgabe nur lösen können, wenn wir der Tradition der letzten sechzig Jahre, der Tradition unseres größten Führers Windthorst, auch für die Zukunft restlos treubleiben. Selbstverständlich hätten wir einen Wunsch, daß auch jetzt getrennte Parteien wie zur Zeit Windthorsts wieder gecinigt wären, d. h Bayrische Volkspartei und entrumspartei sich wieder zusammenschließen und daß wir hoffentlich in kurzer Frist vor einer Arbeitsgemeinschaft der beiden Fraktionen im Reichstage wieder stehen. Ich glaube, trotz mancher Schwierigkeiten, daß diese große Aufgabe auch im Sinne unserer weltanschaulich liegenden Ziele und Zwecke liegt. Lassen Sie mich abschließend noch einige Worte hinzufügen. Wir müssen uns gegenwärtig machen, daß der Kampf und die Agitation in der bisherigen Form gegen das Reichskabinett und die Zentrumsfraktion fortgesetzt wird. Wir sehen es ja, man will uns unsicher machen, man will uns Schwierigkeiten machen, man behauptet, eine andere Lösung scheitere an meiner Person, weil ich unter allen Umständen Reichskanzler bleiben möchte. Ich darf hierzu sagen, daß ich diesen Einwand nur scherzhaft hinnehmen kann. Ich weiß überhaupt noch nicht, ob jemand zur Stunde bereit ist, mit mir zu tauschen.(Stürmische Heiterkeit.) Daß man ausgerechnet nur gegen seinen Willen in dieses verantwortungsvolle Amt hineinkommt, wenn die Situation am dunkelsten, gefährlichsten und schwierigsten ist, ist doppelt unangenehm, aber daist gerade die schwere Pflicht der im Sinne der ZentrumsDie Regierung muß den Reichstag vor neue Aufgaben stellen, denn sie würde ihren Zweck nicht erfüllen, wenn sie erneut wieder sich zurückziehen würde und den Fraktionen in starkem Maße schrittweise unter Druck nachgeben und ihnen die Entscheidungen über die Gesamtpolitik einseitig überließe. Das ist nicht der Sinn der Demokratie. Die Regierung muß führen, muß das Parlament vor neue Aufgaben stellen, muß für die Vorlagen kämpfen und sich einsetzen. Als ich Fraktionsführer wurde, hat man behauptet, ich sei jungkonservativ und hätte eine konservative Ader. Ich kann nur sagen, ich bin Westfale, und daraus ergibt sich, vielleicht nicht unbedingt eine konservative Einstellung, aber eine ruhige, sachliche und nüchterne Einstellung (Lebhafter Beifall) und das bedauere ich nicht, daß ich diesen Einschlag von meiner Heimat mitbekommen habe. (Bravo!) Aber das entscheidende ist, ich bin überzeugter Anhänger eines guten parlamentarischen Systems auch schon vor der Revolution gewesen und habe mich mit diesen Dingen im Ausland, besonders in England, eingehend beschäftigt. Auch das eine habe ich gelernt, daß es gefährlich ist für ein Land, wenn es sich eine Verfassung einer Demokratie gesichert hat, wenn aber die Parteien nicht in ihrer Mehrheit bereit sind, die Konsequenzen dieser verfassungsmäßig verankerten Demokratie zu ziehen, und die Verantwortung, die eine Demokratie gerade in unserm christlichen Sinn einem jeden Einzelnen auferlegt, auch wirklich zu tragen. Glauben Sie an unsern ehrlichen Willen zu dieser wirklichen Demokratie, helsen Sie, das parlamentarische System durch positive Mitarbeit an notwendigen Reformmaßnahmen zur Wiederbelebung der deutschen Wirtschaft, zur Besserung unserer von Tag zu Tag zuspitzenden sozialen Verhältnisse zu verbessern. Glauben Sie an die Reform, helfen Sie uns, werden Sie nicht wankend durch diese Angriffe. Es ist ein großer Kampf, den die Zentrumspartei mit zu führen bestimmt ist. Aber es ist ein Kampf um den Reichstag, selbst um die Behauptung der Demokratie, um die Gesündung der gesamten deutschen Politik, für den wir uns mit Opferwilligkeit, Verantwortungsfähigkeit und Verantwortungswilligkeit mit allen unsern Kräften einsetzen müssen. Stürmischer sich immer wiederholender Beifall folgte dieser Rede. Der Reichskanzler erhob sich und verneigte sich. Darauf setzte erneut stürmischer Beifall ein. Sodann wurde die Aussprache über die beiden Reden eröffnet. Sie bestand im wesentlichen darin, daß Vertreter der verschiedenen Stände dem Reichskanzler ihr volles Vertrauen aussprachen. Auch darüber berichten wir kurz an anderer Stelle im Anschluß an die Rede Stegerwalds. Der Parteitag, der in so vollendeter Harmonie verlief, endete mit einstimmiger Annahme folgender Entschließung: Der heute in Dortmund, aus allen Teilen der Provinz Westfalen sehr gut besuchte Provinzialparteitag der Westfälischen Zentrumspartei hat in eingehender Beratung zur politischen Lage Stellung genommen. Er bekennt sich zu dem Gedanken einer weitblickenden Außenpolitik, die der Wiederherstellung der Souveränität Deutschlands, der Rückgliederung des Saargebiets, einer ehrlich gesuchten, aber auch angenommenen Völkerverständigung und dem Weltirieden auf der Grundlage des Rechts und der Freiheit dient Was den Youngplan mit seinen ungemein drückenden Lasten betrifft, so billigen wir das tatkräftige Verhalten der Zentrumsfraktion des Reichstags, die die Annahme des Youngplans von der Gesundung der Kassenlage und der Finanzen abhängig machte. Wir billigen es gleichzeitig, daß beim Wechsel der Regierung der Reichskanzler Dr uruning die erforderlichen parlamentarischen Maßnahmen in die Wege leitete. Wir billigen ebenso die Erklärungen der Reichstagsfraktion bei der ersten Lesung des Reichshaushalts für 1930 Diese Regierung tritt in eine schwere Zeit Wirtschaft und öffentliche Finanzen bedurfen raschester Gesundung. Die Arbeitslosigkeit ist bis in die letzten Wochen hinein in einer unerträglichen Weise gewachsen Bittere Not hat sich in weiten Bevölkerungsschichten ausgebreitet. Die Zerrüttung der Landwirtschaft wird geradezu als nationale Gefahr empfunden. Deshalb muß alles daran gesetzt werden, um die Gesundung des Arbeitsmarktes durch wirtschaftliche und finanzielle Maßnahmen herbeizuführen. Wir haben zur Regierung Dr. Brüning das volle Vertrauen, daß sie gewillt ist soweit es staatliche Hilfe vermag, alles daran zu setzen, daß die in allen Zweigen darniederliegende Wirtschaft gesundet und daß mit einem lebendigen Sozialempfinden den breiten und zugleich schwer belasteten Volksmassen praktisch geholfen wird. Wir sind der festen Ueberzeugung, daß die Regierung Brüning ihrerseits die Sozialpolitik positiv fruchtbar und führend gestalten wird. Dabei sind alle volkspolitischen Kräfte zu sammeln, Sch damit das Volk in allen seinen Gruppen, Schichten und Erwerbsständen zum Verantwortungsbewußtsein und zur Mitarbeit aufgerufen wird. Wir folgen dieser Regierung, weil sie immitten einer drückend empfundenen Passivität den Mut zum Handeln und zur politischen Tat aufbringt, weil sie weiterhin durch diese Arbeit dem Parlamentarismus den Sinn einer wahren und opferbereiten Demokratie gibt, die im Geiste des Christentums und des deutschen Volksgedankens den Dienst aller an Staat und Voltstum bedeutet Hierauf sprach der Vorsitzende Abg. Dr. Herold das Schlußwort. Mit Befriedigung, so sagte er, können wir auf diesen Parteitag zurückblicken. Er hat eine große Einmütigkeit gezeigt. Ich hoffe, daß die Versammlung dazu führt, die Anhänglichkeit und Liebe zur Zentrumspartei wieder wesentlich zu stärken und zu beleben. Die Aufgaben, die der Zentrumsvartei gestellt sind, wachsen mit jedem Tage. Wir haben Kämpfe zu bestehen wie nie zuvor. Die trumspartei ist die sicherste Stütze zur Verteidigung unserer idealen Güter. Ich rufe jeden Zentrumsanhänger zur Mitarbeit auf in der Partei. Die Zentrumspartei ist, das hat sich jetzt wieder gezeigt, eine Notwendigkeit, sie wachse, blühe und gedeihe. Schwere Studentenausschreitungen in Madrid. Paris, 5. Mai. Nach Meldungen aus Madrid hißten heute vormittag einige Studenten auf dem Dach des Universitätsgebäudes drei rote Fahnen. In der medizinischen Fakultät kam es zu Zwischenfällen. Die Polizei machte von der Waffe Gebrauch. Ein Student wurde getötet, mehrere andere verletzt. Nach einer Havasmeldung aus Madrid werden im ganzen 17 Personen als verletzt gemeldet, und zwar nicht nur Studenten. Für heute nachmittag ist ein dringender Ministerrat einberufen worden. Wir zum Reichsarbeitsi dem westfälischen Rede über die ak zialpolitik. Er Nach der An im Vergleich zu und im Hinblick Deutschland floß einer Illusi haben wir den für Wirklichkeit lungen um die verpflichtungen! fristigen, meist en und de sanden uns also se Lebensfrage einen ernsthaften sprüche der Gege Erledigung des Volk gezeigt we geht, daß die nützt, wenn: Lage die ri werden. Die Folgerun müssen jetzt auf wirtschaftli auch in sozia Kriege hat sic mehrerer eu aus geänder aus drei Staate Rußland. An il entstanden, die machen suchen. teiligt waren, b die übrigen. Al teiligt waren, m land, so Belgier choslowakei, Pol aufzuweisen, wa die Lebenshaltu durch die deu werbsfähig den wir uns sei die sich insbeso land sehr ungü deutschen Landn außerordentlich tionalisier dere in den Ve Deutschland star wir heute vor d daß wir in vorhandenen erze Alle diese Wirts heute allein in in England und beitslose vorha in England, in bewirkt. dah sich das de daß sich die poli zurückdrängen in den einzeln längere Sichti wirkschaftliche genüber dem u schwankt. 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Mai 1930 Nr. 125 Stegerwald über die Wirtschafts= und Sozialpolitik nun wird befürchtet, daß durch die zuletzt beschlossenen hohen und beweglichen Agrarzölle die eutsche Ausfuhr sehr erschwert und damit mehr Grundsützliches zum Arbeitslosenproblem. X Dortmund, 5. Mai. Reichsarbeitsminister Dr. Stegerwald hielt auf dem westfälischen Zentrumsparteitag eine stark beachtete Rede über die aktuellen Fragen der Wirtschafts= und Sozialpolitik. Er führte im wesentlichen folgendes aus: Nach der Annahme des Dawes=Planes ging es uns im Vergleich zu der vorausgegangenen Inflationszeit und im Hinblick darauf, daß viel fremdes Geld nach Deutschland floß, leidlich gut. Dabei sind wir von einer Illusion in die andere geschlittert, haben wir den wirtschaftlichen und finanziellen Schein für Wirklichkeit gehalten. So sind wir in die Verhandlungen um die endgültige Festsetzung der Reparationsverpflichtungen hineingegangen, mit 10 Milliarden kurzfristigen, meist Auslandsschulden des Reichs, der Gemeinden und der deutschen Privatwirtschaft. Wir befanden uns also in einer Stunde, in der es um eine deutse Lebensfrage ging, in einer Verfassung, in der wir einen ernsthaften Widerstand gegen undurchführbare Ansprüche der Gegenseite gar nicht leisten konnten. Bei der Erledigung des Youngplanes mußte daher dem deutschen Volk gezeigt werden, daß es einen schweren Weg geht, daß die Annahme dieses Planes nichts nützt, wenn nicht aus Deutschlands wahrer Lage die richtigen Folgerungen gezogen werden. Die Folgerungen aus der Annahme des Youngplanes müssen setzt auf alle Fälle gezogen werden, sowohl in wirtschaftlicher, finanzieller und teilweise auch in sozialpolitischer Hinsicht. Nach dem Kriege hat sich die wirtschaftliche Struktur mehrerer europäischer Staaten von Grund aus geändert. Das Kernstück Europas bestand früher aus drei Staaten: Deutschland, Oesterreich=Ungarn und Rußland. An ihrer Stelle ist ein Dutzend neuer Staaten entstanden, die sich alle wirtschaftlich selbständig zu machen suchen. Die Staaten, die nicht am Kriege beteiligt waren, brauchen weniger Steuern zu erheben als die übrigen. Alle Staaten Europas, die am Kriege beteiligt waren, mit Ausnahme von England und Deutschland, so Belgien, Frankreich, Italien, Oesterreich. Tschechoslowakei, Polen usw., haben geringwertige Valuten aufzuweisen, was zur Folge hat, daß in diesen Ländern die Lebenshaltung sehr viel billiger ist als bei uns, wodurch die deutsche internationale Wettbewerbsfähigkeit erschwert wird. Dann befinden wir uns seit Jahren in einer Weltagrarkrise, die sich insbesondere in dem kapitalschwachen Deutschland sehr ungünstig auswirkt und die Kaufkraft der deutschen Landwirtschaft für heimische Industrieprodukte außerordentlich schwächt. Dazu kommt noch die Rationalisierung der Wirtschaft. die insbesondere in den Vereinigten Staaten von Amerika und in Deutschland stark durchgeführt worden ist. Und so stehen wir heute vor der Situation, daß wir in Europa und in der Welt mit den vorhandenen Produktionsmitteln sehr viel mehr erzeugen als verkaufen können. Alle diese Wirtschaftserscheinungen haben zur Folge, daß heute allein in den Vereinigten Staaten von Amerika, in England und in Deutschland rund 10 Millionen Arbeitslose vorhanden sind. Diese Erscheinungen haben in England, in Deutschland und in anderen Ländern bewirkt. dah sich das Arbeitslosenproblem zur Kernfrage der inneren Politik auswächst, daß sich die politischen Spannungen der Welt nur schwer zurückdrängen lassen und daß die sozialen Spannungen in den einzelnen Ländern sich stark verschärfen. Auf längere Sicht ist es eine Unmöglichkeit, daß der landwirtschaftliche Index um 108 und 110 herumpendelt, gegenüber dem übrigen Preisindex, der um 150 herumschwankt. Der Landwirt muß also im Verhältnis für die Ware, die er kauft, sehr viel mehr bezahlen, als er vereinnahmt für jene, die er verkauft Das ist eine wirtschaftspolitische Unmöglichkeit. Trotzdem können wir die deutsche Landwirtschaft nicht für sich betrachten, wir müssen sie hineinstellen in die Gesamtlage, in der sich Deutschland nach Annahme des Youngplanes befindet. Unsere Außenhandelsbilanz beträgt gegenwärtig 27 Milliardan Mark im Jahre, wovon rund je die Hälfte auf Ein= und Ausfuhr entfällt. Um den Houngplan ausführen zu können, müssen wir entweder unsere Einfuhr bedeutend vermindern oder unsere Ausfuhr noch um 3 bis 4 Milliarden Mark steigern. In den beiden letzten Jahren haben wir unsere Ausfuhr um mehr als 3“ Milliarden Mark vermehrt. Und Arbeitslose geschaffen werden würden, als durch de kaufkräftigere Landwirtschaft im Innern sich neue Arbeitsmöglichkeiten erschließen ließen. Die jetzigen hohen Zölle lassen sich selbstverständlich nicht dauernd aufrechterhalten. Auch muß das bewegliche Zoll= und Einfuhrschein=System sehr vorsichtig gehandhabt werden, damit nicht großer Schaden für den eutschen Export angerichtet wird Das deutsche Volkseinkommen wird gegenwärtig auf 70 Milliarden Mark im Jahr geschätzt. Davon müssen etwa 23 Milliarden Mark oder rund 30 Proz. für die Bedürfnisse des Reichs, der Länder und Gemeinden, der Kirchen und der Sozialversicherung aus laufenden Mitteln aufgebracht werden. Im einzelnen partizipieren an den Gesamtausgaben die Ausgaben für soziale Zwecke, einschließlich Beamtenpensionen, mit 48.8 Proz., Wirtschaft und Verkehr mit 10 Proz., die Beamtengehälter mit 22,4 Proz., die allgemeinen Ausgaben mit 14,3 Proz. und der Rest mit 4.5 Proz. Ich habe an dieser Ausgabenwirtschaft viel auszusetzen; ich bin der festen Ueberzeugung, daß bei rechtem Zupacken in absehbarer Zeit sich nahezu 1 Milliarde Mark, und bei einer einsachen und klaren Staatsorganisation sich auf die Dauer 1½—2 Milliarden Mark sparen lassen. Auch können noch viele und zweckmäßige Umgruppierungen in der Verteilung erfolgen. Im ganzen kann man aber nicht sagen, daß der Staat und die Oeffentlichkeit sich um die unteren Volksschichten nicht kümmert, daß Deutschlands Ausgabenwirtschaft alles in allem unsozial sei. Ueber 12 Millionen Menschen oder 20 Prozent des deutschen Volkes erhalten Zuwendungen aus öffentlich=rechtlichen Mitteln. Daß in Deutschland, auch in der übrigen Welt, noch viel Elend vorhanden ist, ist richtig, aber zu glauben, daß der Staat und die Gesetzgebung jedwedes Elend beseitigen könnte, ist ausgeschlossen Das ist weder möglich in einer kapitalistischen noch in einer sozialistischen Ordnung. In den letzten Monaten ist viel die Rede gewesen von Steuersenkungen und von unsozialer Steueroplitik. Auch dazu ein offenes Wort. Die Steuerpolitik hängt in Deutschland enger als in anderen Ländern aufs stärkste zusammen mit der allgemeinen Wirtschaftspolitik und der Arbeitslosenfrage. Wir haben davon auszugehen, daß Deutschland gegenwärtig ein kapitalarmes Land ist. Früher hatten wir innerhalb Deutschlands Steueroasen. Die Städte Berlin, Goslar, Münster, Godesberg und Wiesbaden erhoben im Vergleich zu anderen, insbesondere zu Industriestädten, nur geringe Gemeindezuschläge zur staatlichen Einkommensteuer, sodaß sich hier die Rentner vorzugsweise ansiedelten. Diese Dinge sind beiestigt. Dafür haben wir aber heute sehr viel schlimmere Steueroasen in Europa. Wer in Deutschland ein Einkommen hat von 100 000 M. zahlt alles in allem zwischen 30—40 000 MK Steuern. Es gibt schweizerische Kantone, in denen die gleichen Einkommensträger keine 5000 M Steuern zu zahlen brauchen, und die das in deutschen Zeitungen öffentlich bekannt geben. Daneben erstehen in der Schweiz, in Holland, in Dänemark die sogenannten Holdings(Dachgesellschaften), von wo aus große deutsche Unternehmungen und Konzerne geleitet und selbstverständlich auch versteuert werden. Mit deutschen Gesetzen ist diesen Erscheinungen nicht beizukommen. Internationale Steuervereinbarungen kommen nicht zustande, weil ihnen die von solcher Praxis begünstigten Staaten nicht zustimmen. Bei solcher Gesamtlage bedeutet eine weitere Erhöhung der Einkommenund Vermögenssteuer verstärkte Kapitalabwanderung von Dentschland und damit Vergrößerung der Arbeitslosigkeit. Wir werden im Gegenteil, um unsere Wirtschaft und unseren Kapitalmarkt zu beleben, am bestimmten Steuersenkungen nicht vorbei kommen, ungefähr auf der Basis des vorjährigen Hilferdingschen Programms. In diesem Zusammenhang auch ein Wort über das sogenannte„Notopfer“, das in den letzten Monaten eine große Rolle gespielt hat. Wenn man die Beamtenblätter liest, dann sollte man glauben, es gäbe in Deutschland, insbesondere in der Zentrumspartei, einen Kreis von Menschen, der nichts anderes täte als zu überlegen, wie man die Beamten ärgern und chikanieren könne So ist es nicht. Wahr ist vielmehr folgendes: Die letzte Koalition ist zerbrochen, weil man sich nicht einigen konnte über die Sanierung der Arbeitslosenversicherung. Die Sanierung muß aber unbedingt in kurzer Zeit erfolgen, wenn nicht der mühsam in Ordnung gebrachte Staatshaushalt wieder durcheinander gebracht und damit die deutsche Wirtschafts= und Kreditpolitik erneut aufs schärfste erschüttert werden soll. Die Deutsche Volkspartei war seither gegen eine Beitragserhöhung in der Arbeitslosenversicherung. Sie sagte, eine sinnwidrige Maßnahme, die auf der einen Seite den Arbeitslosen helfen solle und auf der anderen Seite die Herbeiführung vermehrter Arbeitslosiakeit in sich schließe, könne die Deutsche Volksvartei nicht mitmachen. In solcher Situation ist der Gedanke des Notopfers für die Festbesoldeten aufgetaucht. Ein solches Notopfer ist vom Standpunkt der Steuergerechtigkeit bestimmt nicht schön. Es bedeutet aber andererseits keine Kanitalflucht und keine Vermehrung der Arbeitslosiakeit. Wenn letztere nicht bedeutend zurückgeht, stehen wir demnächst wieder vor derselben Situation wie im Herbst und Winter des letzten Jahres, nämlich ob eine allgemeine oder eine Sondersteuer für die Arbeitslosen zur Einführung zu gelangen hat. In den letzten Monaten sind im Reichstag rund 750 Millionen Mark neue Steuern für Reich und Länder beschlossen worden. Etwa 150 Millionen dieser Steuern hat die Zentrumspartei des Reichstages nur mit dem größten Widerstreben zugestimmt, und zwar der Erhöhung der Umsatzsteuer, der erhöhten Besteuerung des Großumsatzes, wovon auch die Konsumvereine betroffen werden. und der Mineralwassersteuer. Im Augenblick aber war um diese Dinge nicht herumzukommen Im Reichstag wurde letzten Endes nicht abgestimmt über Biersteuer, Umsatzsteuer, Mineralwassersteuer, sondern darüber, ob die Steuern auf parlamentarischem Wege oder mit dem § 48 der Reichsverfassung gemacht werden sollen, darüber, ob die Steuern mit oder ohne Reichsversorge die wir nicht in den Produktionsprozeß einbeziehen 1? Um unsere politische und wirtschaftliche Gesamt1 verbessern, hat der Reichstag in den letzten MonaDie neue Hochdruck=Lokomotive der Reichsbahn. IIIII gae. 4 T. —. 12 251 2. Die deutsche Reichsbahn hat neuartige Lokomotiven in den Dienst gestellt, die mit dem außergewöhnlichen Kesseldruck von 100 bis 120 Atmosphären arbeiten und 200 PS an Zughaken liefern. taasauflosung zu beschließen seien. Steuern auf dem Wege der Diktatur machen, hat stets große außenund innenpolitische Bedenken. Und eine Reichstagsauflösung hätte die Wiederankurbelung der Wirtschaft um viele Monate aufgehalten. Besonders unsympathische Einzelheiten an den beschlossenen Steuern können im Herbst bei der Beratung des allgemeinen Steuersenkungsund Sparprogramms wieder in Ordnung gebracht werden. Auf dem Gebiete der Sozialpolitik ist gegenwärtig die brennendste Frage das Arbeitslosenproblem. In Deutschlands haben wir uns, insbesondere in der nächsten Zeit, damit zu beschäftigen: 1. Wie verringern wir die Zahl der Arbeitslosen? 2 jene, die wir nicht in den P können? lage zu verbessern, hat der Reichstag in den letzten Monaten dreierlei getan: Er hat den Youngplan angenommen, durch Steuererhöhung die Etats des Reiches und der Länder in Ordnung gebracht und war bestrebt, der Landwirtschaft zu helfen. Von der Kapitalseite her ist des Vertrauen zur deutschen Politik und zur deutschen Wirtschaft im Wachsen. An der Produktionsmöglichkeit und an der Produktionswilligkeit fehlt es in Deutschland nirgends. Die Hauptschwierigkeit liegt gegenwärtig in der Absatzfrage. Etwa 60 Prozent unseres Exportes geht in Länder, in denen gegenwärtig eine rückläufige Konjunktur zu beachten ist; die Hilfe für die Landwirtschaft und damit die Verstärkung ihrer Kaufkraft für heimische Produkte läßt sich nicht plötzlich herbeiführen. Ebenfalls können wir im Hinblick auf Deutschlands Gesamtlage die Kaufkraft der breiten Masse nicht plötzlich und beliebig steigern. Unsere Wirtschafts= und Steuerpolitik muß im ganzen auf die Vermehrung der deutschen Arbeitsmöglichkeit eingestellt werden. Ueber das„Wie“ der Versorgung der Arbeitslosen besteht schon seit Jahren in England und in Deutschland der gleiche Streit. Die letzte deutsche Regierungskoalition ist an der Arbeitslosenfrage gescheitert, und auch in England ist es nicht ausgeschlossen, daß die Regierung der Labourpartei an ihrer mit der Arbeitslosenfürsorge zusammenhängenden Steuerpolitik zerschellt. In den nächsten Wochen ist eine der Kernfragen der deutschen Innenpolitik die: wieviel Arbeitslose wird Deutschland im Jahresdurchschnitt 1930 zu versorgen haben? 1929 hatten wir durchschnittlich 1.275 Millionen Arbeitslose in der Arbeitslosenversicherung, daneben 175 000 Arbeitslose in der Krisenunterstützung, zusammen 1,45 Millionen. Das Institut für Konjunkturforschung ist der Meinung, daß neben 1926 das Jahr 1930 das größte Arbeitslosenjahr sein wird, später sei dann ein stärkeres Abklingen der Arbeitslosigkeit zu erwarten; es rechnet für 1930 mit einer durchschnittlichen Zahl von 1,5 bis 1,7 Millionen Unterstützten, wieder in beiden Unterstützungsformen zusammengenommen. In der Arbeitslosenversicherung stehen mir für 1,2 Millionen Mittel zur Verfügung in der Krisenunterstützung für rund 200 000. Für je 100 000 Arbeitslose mehr sind etwa 100 Millionen Mark notwendig. Wenn die Annahme des Instituts für Konjunkturforschung zutrifft. dann fehlen für 1930 noch einige Hundert Millionen Mark. Es kann aber auch noch schlimmer kommen. Und nun beginnt der Streit bei der Arbeitslosenversicherung. Sollen die fehlenden Millionen überwiegend aufgebracht werden durch Beitragserhöhung, durch Steuern oder durch Abbau der Leistungen? Ich stehe nicht auf dem Standpunkt, daß die deutsche Arbeitslosenversicherung in ihrem organisatorischen Anfbau ein Kräutchen Rührmichnichtan ist Doch bin ich der Meinung, daß in der gegenwärtigen Stumte, in einer Stunde der Massenarbeitslosigkeit— nachdem im Oktober 1929 die hauptsächlich erkennbaren Mißstände beseitigt worden sind— durchgreifende Verbilligungsreformen kaum werden herbeigeführt werden können. Sonst tritt ein, was auch in England zu beobachten ist! Geringere Aufwendungen für Sozialversicherung, aber sehr viel höhere Ausgaben für Fürsorge und Wehlfahrtszwecke. Die Erhöhung der Wohlfahrtsetats in den Gemeinden würde sich in Deutschland sehr vel wirtschaftshemmender auswirken als eine Veitragserhöhung der Arbeitslosenversicherung oder eine allgemeine Reichssteuer. Manche glauben sodann, man brauche bloß die Saisonarbeiter, insbesondere die Bauarbeiter aus der Arbeitslosenversicherung herauszunehmen, dann sei diese in der Hauptsache saniert. Auch diese Auffassung scheint mir falsch zu sein. Zunächst haben wir ein Jahrzehnt Erwerbslosenfürsorge und Arbeitslosenversicherung hinter uns, eine Periode, die sich aus dem Bewußtsein der Saisonarbeiter nicht mehr herausbringen läßt. Alle diejenigen Saisonarbeiter, die seither Arbeitslosenunterstützung erhielten, würden sich künftig an die Wohlfahrtsämter wenden und würden bestimmt zu mehr als 75 Ungepflügte Aecker von Anne Guntholt. oooooooo 8)(Nachdruck verboten.) Auf dem breiten Dreieck des Laubwaldes liegt ein feiner Hauch von Braun, der Farbe des Vergehens. Dem bloßen Auge kaum wahrnehmbar— aber doch schon vorhanden. Die Gina sieht das nicht. Für die zarten Feinheiten im Bilde der Natur ist ihr Auge nicht geschult. Aber sie weiß nicht, weshalb ihr plötzlich tiefes Traurigsein ins Herz fällt. Sie läßt sich auf einen Steinblock nieder, da, wo der Kiefernwald sein zackiges Geäst über die Schonung vorschiebt. Die Gina hat die Hände im Schoße gefalten. Wenn sie daheim wäre, würde sie am Wirtshaus vorbeigehen und hören, wie der scheele Jupp zum Tanz aufsvielt. Hineingehen, oder auch nur bis zur Tür herantreten würde sie nicht. Es hat ihr nie gepaßt, dort herumzulungern. Ob auf der Waldlichtung am Kreuz jetzt auch die Heideblumen blühen? Dann würde sie einen Strauß pflücken und ihn zum Kreuzbild tragen. Auf dem Nachhausewege,— es wird allmählich Zeit zum Schweinefüttern,— würde ihr unten an der Ecke der Christian begegnen, der von seinem Sonntagsplätzchen aus den Ruhrwiesen kommt. „Mal wieder keine Courasch zum Tanzen?“ würde er sagen, und sie würde sich hochmütig abwenden Sie glaubt sein breites Lachen zu hören und sieht die alte Brenschen vor ihrem Häuschen am Brunnen stehen, spähend, ob die Gina mit dem Christian spricht, oder ob für ihre rothaarige Lisa noch etwas zu erhoffen ist Die Gina ist so vertieft, daß sie den Kopf hebt mit einem unnahbaren Lächeln „Man nit so stolz,“ würde der Christian höhnen, und sie darauf:„Kümmert Euch nit um ander Leut's Angelegenheiten: Plötzlich schaut die Gina auf Sie meint den Christian leibhaftig vor sich zu sehen und zuckt heftig zusammen. Ihre Lippen werden blaß Es ist aber nur ein Kiefernbusch, der da vor ihr steht Langsam sinkt der Gina Kopf vornüber auf die Hände Sie möchte weinen. Leise, innig, immerzu... Sie weiß,— wenn der Christian jetzt daherkäme und ihren Kopf packte, wie da, als er die Ziege ins Elternhaus brachte, daß sie stehen bleiben würde, ganz still— Sie springt auf:„Kinners! Niu weert awwer Tyit!“ und rennt zum Hofe hinab, denn es ist Melkzeit. Beim Abendbrot wissen die Mägde schon, daß der junge Bauer, der gerad' mit dem Wagen auf den Hof einfährt, bei seiner Braut gewesen ist. Das ist so eine wichtige Neuigkeit, daß alle auf Feierabend beieinander hocken Da schleicht sich Gina hinweg in die Heide. Es dämmert schon sacht. In fahlem Licht liegt die Landschaft da. Die Ferne versinkt. Stark duftet das tauige Kraut Der Kiefernbusch, vor dem sie aufschreckte, wie vor dem Christian, düstert schattenhaft, und aus den Kiefernkronen löst sich ein Käuzchen und streicht mit gellem Schrei über die Schonung hin. Die Gina wendet sich. Ist noch trauriger als am Nachmittag. Wo ist der Kieselbach, der luftig durch den Siepen springt? Hier ist auch ein Wiesenbach, der ist sogar voller Forellen, aber er schleicht verträumt durch den Sand, in seiner bedächtigen Weise. Weit ist Heimat und Elternhaus,— weit ist der Christian——— Der Weg dorthin ist ein unübersteigbarer Berg. O. sie würde kaum heimfinden! Das Herz schwer von sehnendem Traurigsein steigt die Gina die Leiterstiege zu ihrer Kammer hinan, wo schon die andere Magd schnarchend im Bette liegt. Die ist immer früh daheim, denn ihr Schatz ist beim Militär, und sein Bruder, der öfter hier auf dem Hofe aushelfen kommt, spielt den Aufpasser über fie. * Seit dem Tage, da die Gina in der Heide weilt, ist ein weicher Schein in ihren Augen. Wenn sie redet, wenn sie arbeitet, immer ist es, als ob sie etwas Verlorencm nachzutrauern habe. Der September bringt heiße Tage. Man muß sich mit dem Einfahren des Grummet beeilen, denn man wittert Regen in der Luft, fühlt ihn in allen Gliedern, die ihm ausgedörrt entgegenlechzen Die Gina steht neben einer anderen Magd, das Grummet zusammenzurechen. Hinter ihr geht der Jochen Er arbeitet so seine Weise weg Ab und zu springt sein Blick zu der Gina hin, hängt sich an ihre sanftrunde Schlankheit, ruht aus auf den goldbraunen Armen, die sich aus den kurzen Aermeln so quell hervorzwängen. Als man die Schwaden in großen Haufen aufgeschichtet hat, die nun wagenfertig dastehen, späht man nach dem Fuhrwerk aus, das längst hier sein müßte. Schließlich schickt der Jochen die Magd zum Hofe, um nachzusehen, woran diese Lotterei läge. Die macht sich verdrossen auf den Weg, geht langsam, hoffend, daß der Wagen ihr begegne und sie aufsitzen lasse. Aber so weit der Weg sich streckt, ist nichts zu sehen. Die Gina fährt höchst überflüssig mit dem Rechen hin und her, als käme es zuguterletzt auf jedes Hälmchen an Aber ihre Augen voll dunkler Weichheit blicken immer auf die gleiche Stelle Sie hat die halbe Nacht wach gelegen. Das Herz blutete ihr vor Heimweh und Liebe. Nun lehnt sie auf dem Rechenstiel und schaut in den vergehenden Tag. Die letzte, warme Luftwelle greift nach ihr, und das sinkende Licht gießt wehmütiges Erschauern in den Körper. „Warum soll man es sich nicht bequem machen,“ sagt der Jochen und setzt sich in den großen Grummethaufen an den Waldrand hin. Die Gina arbeitet weiter und schaut nicht auf. Da zieht sein Mund sich breit zu einem Lächeln,„laß die paar Halme man da liegen.“ Sie sieht ihn erstaunt an. Und er rückt zur Seite und reckt die Glieder,„das hat man nach dem Rackern wohl verdient,“ sagt er. Nun setzt sich auch die Gina, aber neben den anderen Grummethaufen. Ein Seufzer der Ermattung teilt ihre Lippen Das Tuch gleitet ihr vom Haar. Da zieht sie es vollends herunter und hakt das Halsbörtchen auf. Heiß ist es, kaum zum Aushalten. So ein Wetter, und dann im September! Mit geschlossenen Augen sitzt die Gina da Der schwere Duft des gemähten Grases schwült um sie her und verwirrt die Sinne. „Warum soll ich zur Gesellschaft nicht mal hier sitzen.“ sagt der Jochen und läßt sich neben ihr nieder. Die Gina fühlt eine Empörung, ist jedoch zu willenlos, ihr Raum zu geben. Da fühlt sie seine Hand auf ihrem Arm. Sie will auffahren, aber es ist so süß, in dieser berauschenden Mattigkeit zu verharren Selbst der Heimwehschmerz der Nacht wird süß dabei. Und plötzlich brennt sein Mund auf ihrer Wange. Da wirft sie den Kopf zur Seite und sagt mit stahlharten Augen:„Wat fällt Euch ein, Bauer?“ Der Mann reckt sich auf, steif und gerade und rückt eine Handbreit von ihr fort. Er sagt nichts, aber ein Erbleichen zieht über sein Gesicht, und sein Blick bohrt sich in den Boden. Er sieht die Gina garnicht an. Die sitzt da mit aufgewühltem Herzen und aufgewühlten Sinnen und rückt unruhig hin und her. Dunkelsüß und bedrückend duftet der gemähte Klee. Und der Mann schweigt immerwährend. Die Gina ist angefüllt mit Aerger und schüchternem Mitleid bis zum Uebermaß. Es ist auch ein Gefühl der in etwa gestillten Sehnsucht und einer inneren Befriedigung dabei Aber über allem springt doch ihr Stolz hoch.„Ihr habt eine Braut—“ „Ist nicht wahr!“ fährt der Jochen heftig auf, und seine Zähne knirschen. „Doch!“ beharrt die Gina. „Nein!“ sagt haarscharf der Mann. Leise zitternd sitzt die Gina da. Hat den Kopf gesenkt, als erwarte sie Leben oder Tod in demütiger Ergebung Mit einer Stimme, in der ein starker Wille sich kundtut, und auf deren Grunde eine dumpfwogende Wärme rollt, sagt er:„Ich werde wohl einmal tun dürfen, was ich will—“ Und als wäre eine Schleuse geöffnet, reißt es ihn fort:„Was hab ich denn? Lernen wollt ich,— studieren! Häuser bauen oder Maschinen das habe ich mir gewünscht! Aber nein, schuften heißt es, für den Kotten! Sklave muß man sein, und'ne Frau haben se einem schon ausgesucht! Nein, sag ich, nein!“ Die Gina zittert heftiger und will von ihm fort. „Na“, sagt er, und seine Stimme bricht:„Nu rück“ man aus, Ihr—“ Das ist der Ton des Christian. Der Gina Herz fliegt hämmernd gegen die Brust. Die Willenlosigkeit, die ihre Glieder lähmt, nimmt zu. „Ich hab so Heimweh.“ wimmert sie,„jede Nacht muß ich weinen.“ Da schaut er sie unbeweglich an, eine ganze Weile, unter halbgeschlossenen Lidern hindurch Und unter diesem Blick schmilzt ihr Stolz, und die Vernunft schläft ein. Die Sinne aber werden vollends wach. Die Sonne verfinkt in dämmerndem Schattenspiel. Kühl kriecht es aus dem Walde über die Wiesen hin. die nun feucht werden Eine frische, ernüchternde Kühle. Nun kommt endlich der Wagen Ein Rad war gebrochen, grad hinter dem Walde. Mit Wichtigkeit berichtet das die Magd bis ins Kleinste Die Gina, die mit zielloser Genauigkeit herumzuharken beginnt, bleibt nach einer Weile plötzlich stehen (Fortsetzung folgt.) abgewies derbe kei Proz. nicht abgewiesen werden und nicht werden können. Dann kennt das Baugewerbe Weltkonkurrenz und sind in ihm die Arbeiter gut organi siert. Sie würden bei ihrer Herausnahme aus der Ar eitslosenversicherung sich erhöhte Löhne erkämpfen und dann ihre eigene gewerkschaftliche Ar beitslosenversicherung ausbauen. Im gesamten Baugewerde werden jährlich— je nach Konjunktur— 4 bis 5 Milliarden Mark Lohn gezahlt. Mit 5 bis 10 Proz Lohnerhöhung— nirgends ist im Notfalle diese leichter durchzusetzen als im Baugewerbe— ist die gewerkschaft liche Arbeitslosenversicherung im Baugewerbe leicht durch zuführen. Mit der Ausschaltung der de Ausschaltung der Bauarbeiter aus er Arbeitslosenversicherung würde man also lediglich erzielen, daß die gewerkschaftlich organisierten Arbeiter ihre eigene Arbeitslosenversicherung ausbauen, während die unorganisierten sich beim Wohlfahrtsamt melden würden. Das aber würde wieder zu ähnlichen Zuständen führen wie bei der Aussperrung der Metallarbeiter in Nordwest im November 1928. Für die Gesamtwirtschaft des Landes wäre damit nichts gewonnen. Die Arbeitslosenversicherung hat in England und Deutschland meines Erachtens deshalb zu so großen Auseinandersetzungen geführt, weil man glaubte, sie für sich allein betrachten und sen zu können, was nicht möglich ist. Die Arbeitslosenversicherung muß in Wahrheit im usammenhang mit der Krankenversicherung, der Fürsorgegesetzgebung und im Hinblick politische Gesamthaltung eines Volkes werden. auf die gesehen fluß auf den Staat. Heute sind die Gewerkschaften k, ihr Einfluß auf den Staat ist nicht gering. Wir en heute im Gegensatz zu früher ein ausgebautes Heute werden von dem großen deutschen Versicherungsorganismus mit den Familienangehörigen der Versicherten, für die ebenfalls Unterstützungen und Zuwendungen zu gewähren sind, etwa 30 bis 35 Millionen Menschen oder rund die Hälfte des deutschen Volkes erfaßt. Die Kosten für Sozialversicherung sind praktisch vorenthaltener Lohn. Um diesen Betrag werden die im Produktionsprozeß stehenden Arbeiter und Angestellten geringer entlohnt als es ohnedem möglich wäre. Vor dem Krieg war das anders. Damals waren die Gewerkschaften schwach und hatten keinen ausreichenden Einfl stari haben Einigungs- und Schlichtungswesen Heute könnte dem Arbeiter der in der Sozialversicherung vorenthaltene Lohn tatsächlich verschafft werden In solcher Situation. spitzt sich die Frage der Sozialversicherung dahin zu: Wie viel wollen die im Produktionsproeßstehenden Arbeiter von ihrem Lohn an ene abgeben, die vorübergehend oder auernd aus dem Produktionsprozeß ausscheiden? Ueber diese Frage muß in absehbarer Zeit sowohl im politischen Leben wie auch zwischen Arbeitgebern und Arbeitern eine Verständigung möglich sein. Im ganzen sehe ich die Sozialversicherung so: Arbeitslosenversicherung haben wir noch ein Jahr vor uns, woran auch der gute Wille der regierung und des Gesetzgebers nichts Grundlegendes ändern vermag. Mit dem Jahr 1931 dürfte allerdings nach menschlichem Ermessen und in Auswirkung der Gesamtpolitik von 1930 ein wesentlicher Rückgang der Arbeitslosigkeit und damit eine Erleichterung der Wirtschaft zu erwarten sein. Braun über die Maßregelung der hannoverschen Landräte. Keine Aufhebung des Stahlhelm Aufhebung des Verbots. Berlin, 5. Mai. Landtages setzte Obstruktion alt verhin s der PreuDer Hauptausschuß des die vor Ostern durch kommunistische derte Vorberatung des Haush ßischen Staatsministeriums und des Mi nisterpräsidenten fort. Auf verschiedene Bemer kungen von Abgeordneten erwiderte Ministerpräsident Dr. Braun, daß es völlig falsch sei, davon zu terun reden, daß bei der Auswahl der Regierungs- und Oberpräsidenten irgend sei in ein Parteigesichtspunkt hervorgetreten einer Koalitionsregierung praktisch unpra sei, das möglich. Die Zurdispositionsstellung der hannoverschen Landräte abe er selbst für unbedingt notwendig gehalten. Die taatsregierung dürfte sich die Vorgänge im Provin ziallandtag im Interesse ihrer Autorität nicht bieten lassen. Sie blieben eben auch als Provinzjallandtagsabgeordnete Landräte, und als solche seien sie nach diesem Vorgang in ihrer Provinz und auf ihrem Posten nicht mehr verwendbar. Die Separationsdrohungen könnten auf ihn keinen Eindruck machen.— Zur Debatte über den Volkstrauertag müsse er feststellen, daß dieser Trauertag in dieser Form nicht aus der Stimmung weitester Volkskreise herausgewachsen sei, sondern das Resultat der Bemühungen eines Vereins wäre, der sich nicht auf seine eigentlichen Aufgaben beschränken wolle. Auch Bayern und Württemberg hätten diesen Volkstrauertag nicht anerkannt. Die kritisierte sozialdemokratische Feier an diesem Tage sei seit langem schon für diesen Zeitpunkt— den Zusammenbruch des Kapp=Putsches— angesetzt gewesen, und er habe es sich nicht nehmen lassen wollen, bei dieser durchaus ernsten Veranstaltung zu sprechen, die leider sehr notwendig gewesen sei, weil sich heute immer noch die Geichtskreise in der Ideologie der Anstifter des Kapp=Putches gefallen. In der Frage des Konkordats stellte er fest, daß keine Möglichkeit bestände, daß der Vatikan auf unsere Schulangelegenheiten Einfluß nehmen könne. Die Die Krankenversicherung hat von allen Versicherungen die höchste Aufgabe; sie dürfte 1930 wohl beinahe 2,5 Milliarden Mark benötigen. Bei keiner Versicherung ist der Schadensfall so häufig, wie in der Krankenversicherung: dies entspricht an sich auch der Natur der Dinge. Bei der Krankenversicherung können aber durch Zurückdrängung der Bagatellsachen und durch Schutz gegen Mißbrauch auf dem Gebiete der ärztlichen Behandlung und der Arzneiversorgung Verbilligungen erreicht werden. Bei der Unfallversicherung wird den Arbeitern eine verstärkte Mitwirkung bei Erlaß der Unfallverhütungsvorschriften und bei der Ueberwachung ihrer Durchführung einzuräumen sein. Die Invalidenversicherung steht in einigen Jahren vor einer Krise; dann sind ihre Ausgaben höher als ihre Einnahmen. Auch werden in absehbarer Zeit Beiträge und Leistungen für die besser bezahlten und Qualitätsarbeiter denen in der Angestelltenversicherung angeglichen werden müssen, wie auch für die älteren Arbeiter die nicht mehr dem Produktionsprozeß eingegliedert werden können, Erleichterungen zum Bezug der Altersrente geschaffen werden müssen Die dafür benötigten Wehraufwendungen müssen in der Hauptsache durch Ersparnisse bei anderen Versicherungszweigen und durch eine vereinfachte und verbilligte Verwaltung bei der gesamten Sozialversicherung gewonnen werden. Im übrigen sehe ich in den nächsten Jahren in der Sozialversicherung nicht das Kernstück der sozialen Politik, sondern in folgendem: 1. Es muß alles aufgeboten werden, um die Arbeitslosen wieder in den Produktionsprozeß einzugliedern Es sind durch eine entsprechende Wirtschafts- und Steuerpolitik die Voraussetzungen zu schaffen für eine aktive Reallohnpolitik. Es ist das Arbeitsrecht vorwärts zu bringen, insbesondere das Arbeitsvertragsund Tarifvertragsrecht. 4. Es ist nachdrücklichst zu arbeiten an der gleichberechtiaten Eingliederung der Arbeiter in den Gesellschafts- und Wirtschaftsorganismus. In den nächsten Wochen müssen der Etat und das kleine Ostprogramm erledigt werden. Für den Herbst steht bevor ein großes ineinandergreifendes Steuersen kungs= und Sparprogramm, sowie das große Ostpro gramm, das aber bis auf weiteres nur auf Östpreußen und den Grenzgürtel am diesseitigen Korridor beschränkt werden kann. Gegenüber dem Gesamtprogramm des Herbstes steht noch nicht fest, ob es mit diesem Reichstag erledigt werden kann oder mit einem neuen Reichstag durchgeführt werden muß. Die Zentrumspartei kann bestimmt vor ihren Wählern bestehen. In der Politik ist das Ganze entscheidend und nicht diese oder jene unympathische Einzelheit.(Lebhafter und langanhaltender eifall.) 2. Verhandlungen mit den acht evangelischen Landeskirchen würden hoffentlich in viel kürzerer Zeit als seinerzeit die Verhandlungen mit dem Vatikan zum Ziele führen. Die Bestellung eines Sparkommissars aus dem Reiche ei ein ganz abwegiger Gedanke. Es sei nicht möglich, in Preußen noch mehr einzusparen, als jetzt schon leider auf Kosten der Schul= und Kulturpolitik des Staates gespart worden sei. Die bisherigen Erfolge des Reichssparkommissars zeigten, daß von dieser Instanz aus keine nennenswerten Anregungen kommen können. Auf der anderen Seite sei natürlich die Staatsregierung bereit, dem Landtag auf jedem Wege zu folgen, den man ihr zeigen werde, um neue vernünftige Ersparnisse zu machen.— In der Frage der Reichsreform betonte der Ministerpräsident, daß die Staatsregierung bisher zum Bericht der Ausschüsse der Länderkonferenz noch nicht Stellung genommen habe, weil diese Arbeiten noch nicht beendet seien. Was die kleinen Länder anbetreffe, so bedeutete der preußische Antrag auf Abänderung des Artikels 35 keinen Widerspruch zu der Erklärung, daß man keinerlei Einfluß auf die Anschlußbewegung nehmen wolle. Der preußische Standpunkt sei noch unverandert der gleiche geblieben, daß die Länder, die aus eigener Kraft leben können, auch weiter exestieren sollten. Die von Bayern vertretene Auffassung, als ob der preußische Antrag eine„Schande für Deutschland“ sei, sei auf Grund der ganzen Sachlage energisch zurückzuweisen. Im Interesse der Konsolidierung des Reiches begrüße er jeden Anschluß eines kleinen Landes an Preußen, weil das immer noch der beste Weg zur Reform des Reiches sei.— Zum Ostprogramm bemerkte der Ministerpräsident, daß man in Preußen achten werde auf die sachgemäße Durchführung aller Beschlüsse Man müsse an eine völlige Umstellung der östlichen Wirtschaft herangehen. Preußen sei da zu jeder Mithilfe bereit. Es dürfe keineswegs nach dem Muster der bisherigen Umschuldungsaktion die Entscheidung über einzelne Hilfsmaßnahmen in die Hände der Interessenten selbst gelegt werden. Außerdem dürfe nicht wie bisher der Großgrundbesitz allein bedacht werden. Weiter sprach der Ministerpräsident sein Bedauern über die Verlegung des Reichsversorgungsamtes von Wiesbaden nach Mainz aus. Die Frage nach dem Schicksal der Beamten, die sich für das Volksbegehren eingesetzt hatten, beantwortete der Ministerpräsident dahin, daß gegen die Beamten, die die Aufrufe für das Volksbegehren unterschrieben oder sich sonst aktiv betätigt haben, je nach der Art ihres Vorgehens von den Ressortministern disziplinarisch vorgesangen werde. Die Beamten, die sich lediglich eingezeichnet haben, wurden nicht bestraft werden. Im übrigen habe der Staatsgerichtshof in dem grundsätzlichen Teil seiner Entscheidung der Auffassung der Staatsregierung Recht gegeben. Zu einer Aufhebung des Verbots der Stahlhelmorganisation in Rheinland=Westfalen liege kein Anlaß vor. In der Frage einer Amnestie aus Anlaß der Befreiung der besetzten Gebiete seien die Absichten der Reichsregierung noch nicht bekannt. Logisch könnte aber die Amnestie nur für solche Taten infrage kommen, die in direktem Zusammenhang mit der Besatzung und ihren Maßnahmen erfolgt seien. Die Fememorde könnten nach seiner Auffassung keineswegs unter eine solche Amnestie fallen. Der Haushalt des Ministerpräsidenten und des Staatsministeriums wurde sodann vom Ausschuß genehmigt. Ein neuer Anleihebetrugs=Prozeß. Bankier Kunert vor Gericht. in neuer Anleihebetrugsprozeß Sonderabteilung des SchöffenDas deutsche Volk sehnt sich nach einem starken Mann. Ein westfälischer Kapitän steht am Steuer des Staatschiffes und wird seinen Kurs halten.(Stürmischer Beiall!) Wir müssen Männer herausstellen, die den Mut aben, zu regieren. Wir brauchen eine kraftvolle Führung. Der Spott des Auslandes hat uns viel geschadet. Dem Reichskanzler Brüning strömt die Achtung des größten Teiles der Nation zu. Wir müssen fordern, daß man Brüning die nötige Achtung entgegenbringt. Auch das gehört zur Reform des Parlamentarismus. Niemand von uns denkt daran, die Sozialdemokratie zu brüskieren. Wir wollen alle schaffenden und verantwortlichen Kräfte zur Mitarbeit heranziehen. Die Art, mit der Brüning von der Sozialdemokratie behandelt wird, ist unerträglich. Wir wehren uns gegen eine Kulturdiktatur und gegen Kulturmonopole von anderer Seite. Wir müssen ein wachsames Auge haben gegen bestimmte Kulturabsichten. Wir wollen unsere Organisation stark machen. Sollten wir zur Wahlurne schreiten müssen, so können wir mit Zuversicht auf einen Sieg hoffen.(Stürmischer Beifall.) Einschränkung des Roggenbaues. Berlin, 3. Mai. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, hat der Landwirtschaftsminister am 2. Mai erörtert. Hierbei ergab sich übereinstimmend, daß zur Ergänzung der handelspolitischen und sonstigen Maßnahmen zur Hebung des Roggenpreises eine Einschränkung des Roggenbaues erforderlich ist, um die Roggenernten, soweit möglich, dem Roggenbedarf anzupassen. Es ist notwendig, daß die Roggenanbaufläche, soweit die mit Roggen bestellten Böden auch für andere Fruchtarten, insbesondere für Weizen oder Futterpflanzen, geeignet sind, zugunsten dieser Fruchtarten eingeschränkt wird. Hierbei werden westlich der Elbe größere Umstellungslichkeiten als im Osten ergeben. Im Ine dieser Umstellung soll im Einvernehmen mit dem se eine Reihe von einzelnen Maßnahmen durchort werden, die eingehend besprochen worden sind. Staatssekretär von Schubert wird Botschafter in Rom. X Berlin, 5. Mai.(Drahtb.) Die Neubesetzung der deutschen Botschaft in London wird für die allernächste Zeit erwartet. Der jetzt beim Quirinal beglaubigte Botschafter Dr. von Neurath wird als Nachfolger Dr. Stahmers nach London gehen. Staatssekretär Dr. von Schubert wird an seine Stelle die Botschaft in Romübernehmen. Botschafter Stahmer, der sich augenblicklich in Berlin aufhält, wird offiziell erst am Herbstbeginn sein Abje berufungsschreiben überreichen. Um die gleiche Zeit wird sich dann auch der Wechsel in der römischen Botschaft vollziehen. Die Ernennung des Vortragenden Legationsziehen. Die Ernennung des Vortragenden Legationsrats von Bülow zum Staatssekretär wird aber noch zu einem früheren Zeitpunkt bekanntgegeben werden. Neu besetzt werden muß jetzt noch die Gesandtschaft in Oslo, die durch die Einberufung Dr. von Kösters ins Auswärtige Amt frei geworden ist. Eine Zivilklage gegen Reichswehrig ist minister Groener. 3. Die Aussprache auf dem westfälischen Zentrumsparteitag. :: Dortmund, 5. Mai. Unter dem starken Eindruck der an anderer Stelle wiedergegebenen Rede des Reichskanzlers Dr. Brünin stellte im Anschluß an sie Gutsbesitzer Humann au dem Westfälischen Zentrumsparteitag den Antrag, von einer Diskussion abzusehen und angesichts der erhebenden Stunde den Parteitag zu schließen. Reichsratsbevollmächtigter Stadtrat Gilsing=Bochum: Es dürfte sich doch empfehlen, eine Diskussion abzuhalten. Die Abgeordneten werden sicher Wert darauf legen, Stimmen aus dem Volke zu hören. Der Herr Reichskanzler hat selber den Wunsch, daß in eine Aussprache eingetreten wird. Gutsbesitzer Humann zog darauf seinen Antrag zurück und nahm unter großer Heiterkeit des Parteitages als erster Diskussionsredner das Wort Er führte aus: Namens der Landwirtschaft möchte ich aussprechen, wir uns freuen, eine Reichsregierung unter Führung eines Zentrumskanzlers zu haben, deren erster Programmpunkt die Rettung der Landwirtschaft war. Wir möchten besonders dem Reichskanzler Brüning und dem Reichsarbeitsminister Stegerwald unsern Dank aussprechen für ihr mannhaftes Eintreten zugunsten der Landwirtschaft. Die Landwirtschaft hat das vollste Vertrauen zu den beiden Ministern, die ihren Worten sicher auch die Tat folgen lassen werden. Arbeitersekr. Stadtrat Mencelkamn-Derund: Im Namen darmi, lin, da Berlin, 5. Mai. Ein begann heute vor einer gerichtes Berlin=Mitte in Gestalt des Prozesses gegen den Bankier Clemens Max Kunert und den Mit angeklagten, den aus Polen stammenden Kaufmann Salomon Dunkelblum, wegen fortgesetzten versuchten Betruges gegenüber dem Deutschen Reiche durch Anmeldung von Anleiheneubesitz als Altbesitz. Kunert wird außerdem der Urkundenfälschung beschuldigt. Er soll Schlußnoten der Neederlandschen Grond Krediet Bank fälschlich angefertiat und von ihnen zum Zwecke der Täuschung Gebrauch gemacht haben. Der Fall Kunert unterscheidet sich von dem Fall Stinnes dadurch, daß es sich bei den Altbesitzanmeldungen nicht um Depotanmeldungen aus§ 9, sondern um Anmeldungen auf Stückekonte gemäß§ 10 des Anleiheablösungsgesetzes handelt. Wenn ein Kunde gegen seine Bank seit dem 1. Juli 1920 ununterbrochen einen Anspruch auf Lieferung von Anleihestücken gehabt o kann er diesen Anspruch als Altbesitz anmelden ehr erheblichen Vorteile, die den Anleihealtbesitzern im der Neubesitzer gewährte, boten einen großen Anreiz, sich in betrügerischer Weise durch unwahre Angaben in den Besitz von Auslosungsrechten zu setzen. Staatsanwaltschaftsrat Dr. Berliner, der, ebenso wie gegen Stinnes auch die Anklage gegen Kunert erhoben hat, vertritt in seiner Anklageschrift die Auffassung, daß sich alsbald nach dem Inkrafttreten des Die se das Anleiheablösungsgesetz Vergleich mit den Rechten Gesetzes Personen des In- und Auslandes zusammengetan und Vorbereitungen für eine betrügerische Anmeldung von Altbesitzrechten getroffen haben. Im Inlande sei es vor allem Kunert gewesen, der gemeinsam mit ausländischen Kreisen durch betrügerische Anmeldung von Altbesitzrechten das Reich zu schädigen gesucht habe. Die Anträge gingen sämtlich über das Ausland durch vorgeschobene Persönlichkeiten und zwar über olen, Frankreich, Amerika und Holland. Es sollen von unert Vorbereitungen getroffen worden sein, auch über Italien, Rumänien, Holland uno Polen betrügerische Anmeldungen vorzunehmen. Die Anleihen, die Kunert seinen Strohmännern zur Anmeldung als Altbesitz zur Verfügung stellte, soll er durch seine Berliner Bank angekauft haben. Bei den unter Anklage stehenden Anmeldungen handelt es sich um einen Betrag von rund 64 Millionen Mark nominell preußische Konsols. Nach Eröffnung der Sitzung stellte es sich heraus, daß der Angeklagte Dunkelblum fehlte. Erst nach Beginn der Verhandlung erhielt sein Verteidiger die Mitteilung, daß Dunkelblum es vorgezogen habe, die von ihm gestellte Kaution im Stich zu lassen und nach Posen abzureisen. Kunert war bekanntlich im Jahre 1927 in die Aktendiebstahlsaffäre der beiden Moabiter Justizbeamten verwickelt gewesen und geflüchtet. Er wurde in Paris verhaftet und wegen Aktendiebstahls von Frankreich ausgeliefert. Später wurde er in der Anleiheaffäre wieder verhaftet. Die Verteidigung versuchte heute zunächst das Auslieferungsverfahren als unzulässig anzufechten und beantragte Einstellung des Verfahrens gegen Kunert. X Berlin, 3. Mai. Die 40. Zivilkammer des Landgerichtes 1 hatte sich heute vormittag mit einem Nachspiel zu dem Kieler Munitionsprozeßz zu bechäftigen, der bekanntlich nach zweijähriger Vorunteruchung mit einer Freisprechung der Angeklagten von dem Vorwurf der Waffenschiebung endete. Die Freigesprochenen haben jetzt eine Zivilklage gegen den Reichswehrminister Gre der seinerzeit im Reichstag bei Angelegenheit geäußert hatte, daß es sich um eine ganz gemeine Schiebung der Betreffenden handels. Nachdem sich das Kieler Gericht in dem Urteil auf den Standpunkt gestellt hatte, daß die Angeklagten keine Schuld treffe, verlangten sie jetzt auf dem Klagevom Reichswehrminister Groner den Widerruf oener angestreng gestrengt, der Behandlung dieser wege der beleidigenden Aeußerungen. Gleich nach Beginn der Verhandlun gi Gefährdung geschlossen. ig wurde die Oeffentlichkeiit wegen ssicher der Staatssicherheit für längere Zeit ausdoumergues Empfang in Algier. Präsident der Republik, Dou Algier ein getroffen Im :: Paris, 4. Mai. Der mergue, ist heute in Algier Verlaufe der Begrüßungsfeierlichkeiten machte ein Abgesandter der Stammesführer der Tradition gemäß dem Präsidenten als Zeichen der Unterwerfung und des Gehorsams ein Pferd zum Geschenk. Der Präsident der Republik ist in der Sommerresidenz des Generalgouverneurs abgestiegen und hat im Laufe des Vormittags die Huldigungen der Stammesführer entgegengenommen. Am Nachmittag wurde in seiner Gegenwart das Denkmal für Viviani, der in Algier geboren ist, eingeweiht. Die Enthüllungsrede hielt Handelsminister Dumesnil. wir zu dem Reichskanzler Dr Brüning und seinem Ministerium, besonders auch zu unserm Kollegen Stegerwald, vollstes Vertrauen haben. Trotzdem herrschen in der Arbeiterschaft einige Besorgnisse, die ich hier zum Ausdruck bringen möchte. Die Besteuerung der Konsumvereine wird von den breiten Schichten unseres Volkes als eine Ungerechtigkeit empfunden. Wir hoffen und erwarten, daß es unserer Fraktion gelingen wird, diese ungerechte Steuer zu beseitigen. Die wüste Agitation der Sozialdemokratie lehnen wir ab. In der Frage des Panzerkreuzers begrüßen wir die Stellungnahme des Mitgliedes des Reichsrates Gilsing und den Beschluß des Vorstandes der Westfälischen Zentrumspartei, der sich einmütig hinter Gilsing gestellt hat. Die Erklärung des Abgeordneten Ersing im Reichstag, daß die Zentrumspartei unter den gegenwärtigen Umständen den Panzerkreuzer ablehnt, wurde als eine Erlösung empfunden. In einzelnen Ministerien, besonders im Wehrministerium, wünschen wir mehr Sparsamkeit. Wir begrüßen es, daß die jetzige Regierung Mittel und Wege gefunden hat, der notleidenden Landwirtschaft zu helfen. Wir sind als Arbeiter auf Gedeih und Verderb mit der Landwirtschaft verbunden. Wir weisen aber auch immer wieder hin auf die große Not der Industriearbeiterschaft, die darüber nicht vergessen werden darf. Wir hoffen, daß es gelingt, der Arbeitslosigkeit zu steuern und unserm Volk Brot und Arbeit zu verschaffen. Dem Reichskanzler, der Regierung und unserer Fraktion bringen wir vollstes Vertrauen entgegen(Bravo.) Fabrikant Rastrup=Oelde: Nach der Bildung des Kabinetts Brüning ging ein Aufatmen durch die deutsche Wirtschaft. Wir sind stolz auf die Zentrumspartei, daß sie es fertig gebracht hat, im letzten Augenblick die Regierung zu bilden und praktische Arbeit zu leisten für die deutsche Wirtschaft. Wir hätten eine schwere innerpolitische Krise nicht ertragen können Wir begrüßen es. daß sich in Brüning der starke Mann gefunden hat, auf den das deutsche Volk hofft. Wir können wieder vertrauen haben zur Reichsregierung. notwende wenn die Wirtschaft gedeihen soll. ndahnung zu gregerer Sparsam." keit und befürworten eine gesunde Sozialpolitik. Alle besonnenen Vertreter der Wirtschaft müssen begreifen, daß eine gesunde Sozialpolitik notwendig ist. Verschiedene Mängel sind allerdings noch zu beseitigen. Die deutsche Arbeiterschaft ist in ihrer Mehrheit arbeitswillig und arbeitsfreudig. Wir müssen alles daran setzen, um die Arbeitslosigkeit zu beseitigen Für den Gedanken der Arbeitsgemeinschaft trete ich wärmstens ein Arbeitnehmer und Arbeitgeber müssen eine gemeinsame Front bilden. Wir können uns den Luxus schwerer wirtschaftlicher Kämpfe nicht leisten Ich bin niemals so stolz gewesen, ein Zentrumsmann zu sein, wie jetzt. Niemals hat mir die Arbeit der Zentrumsfraktion so viel Freude gemacht, wie in diesen Wochen(Stürmischer Beifall!) Frau Sanitätsrat Driessen-Bocholt: Im Namen aller Zentrumsfrauen Westfalens und im Namen des Frauenbeirats der Westfälischen Zentrumspartei entbiete ich dem Herrn Reichskanzler Brüning einen herzlichen Willkommensgruß. Wir sind stolz auf seine zähe und erfolgreiche Politik und auf seine aufopfernde Arbeit für Volk und Vaterland. Wir danken ihm, daß er die Bürde des schweren Amtes auf sich genommen hat, und versprechen ihm Treue um Treue. Den gleichen Gruß entbiete ich auch dem Herrn Reichsarbeitsminister Stegerwald.(Beifall!) Reichsarbeitsminister Dr. Stegerwald ging kurz auf einige von den Vorrednern angeschnittene Fragen ein und hob besonders den großen Fortschritt der Regierung Brüning hervor, daß sie es vor allem ver wiederum Vertrauen zur Staatsführung im wecken. Reichstagsabgeordneter Prälat Dr. Schreiber: Daß wir wieder einen Reichskanzler aus dem Zentrum bekommen haben, das ist ein Zeichen dafür, daß Deutschland wieder in größter Not war. Die Westfälische Zentrumspartei steht geschlossen hinter Brüning. Nach Irrungen und Wirrungen der letzten Jahre, auch in den eigenen Reihen, sind wir erstanden hat, Volke zu erS Kirchliches. Zwei spanische Priester in China entführt. London, 5. Mai. Die„Times“ berichtet aus anghai: Zwei spanische Priester wurden von Kommunisten in Südwesten Anhwei entführt. Zur Zeit liegen keine Nachrichten über ihr Verbleiben vor. * + Münster, 5. Mai. Kirchliche Ernennungen. Pfarrer und Definitor Hermann Paßmann zu Rheinhausen zum Dechanten des Dekanates Mörs: Seminarpriester Alfons Bleß aus Niel zum Kaplan in Kervenheim: Kaplan Joseph Veldtrup zu Recke zum Kaplan in Dorsten: Kaplan Joseph Teeke zu Nordwalde zum Kalan in Recke: Seminarpriester Heinrich Krampe aus Lembeck zum Kaplan in Nordwalde; Kaplan Heinrich Plugge zu Bottrop(St. Michael) zum Kaplan in Münster(Hl. Geist): Seminarpriester Vernhard Vanheiden aus Ochtrup zum Kaplan in Bottrop(St. Michael): Studienassessor Dr. Karl Sweers zu Münstèr zum Studienrat in Gaesdonck: Kaplan Johannes Wesendonck zu Keppeln zum Pfarrrektor in Leutherheide: Kaplan Joseph Kegler zu Saerbeck zum Kaplan in Keppeln: Rektor Johannes Wörmann im Johanneum zu Wadersloh zum Kaplan in Saerbeck: Seminarpriester Wilhelm Kaldenhoff aus Wesel zum Rektor im Johanneum zu Wadersloh: Kaplan August Nehe zu Bork zum Kaplan in Lembeck: Seminarpriester Hubert Vietmeier aus Emsdetten zum Kaplan in Bork: Seminarpriester Christoph Wallmeyer aus Lette zum Kaplan in Münster(St. Elisabeth): Religionslehrer Theodor Markfort zu Gladbeck zum Chorkaplan in Münster(St. Ludgeri): Seminar= priester Wilhelm Lütkehaus aus Gelsenkirchen zum Kaplan in Gladbeck(St. Lamberti): Vikar Heinrich Keßen zu Billerbeck zum Kaplan in Münster(St. Antonius): Kaplan Heinrich Greßhoff zu Enniger zum Kaplan in Billerbeck: Kaplan Anton Compall zu Füchtorf zum Kaplan in Enniger: Seminarpriester Karl Lessel aus Ochtrup zum Kaplan in Füchtorf; Kaplan Heinrich Hüntemann zu Recklinghausen(St. Johann) zum Kaplan in Buer=Beckhausen: Seminarpriester Johannes Smeets aus Hartefeld zum Kaplan in Recklinghausen(St. Johann): Vikar Bernhard Bitter zu Ablen zum Kaplan in Coesfeld(St. Lamberti); Kaplan Wilhelm Mengelmann zu Altlünen zum Vikar in Ahlen(St. Bartholo= mäus): Seminarpriester Wilhelm Brinkert aus Duisburg zum Kaplan in Altlünen: Vikar Wilhelm Frede zu Stromberg zum Kaplan in Ahaus: Pfarrer Wilhelm Schulte zu Neubeckum zum Dechanten im Dekanat Ahlen: Pfarrer Stephan Jürgens zu Bocholt zum Dechanten im Dekanate Bocholt: Kaplan Ludger Meyer zu OberhausenOsterfeld zum Kaplan in Dinslaken Seilage des Imbusch Essen, 4. Mai. schen Gewerkschafts der Friedrichshe Kundgebung für Ministerialdirektor Grieser befaßte lichen Vortrag mit Horneffer auf sierte das Wesen de „Die Sozialversiche gemeinschaft der A schnitt in ihrem o wie früher die H freiung gekämpft h die ein Bestandte und Gesellschaftson Stand werden, wie Stand geworen Kunstgebilde, sie i Arbeiter eine une haben die Arbeiter litische und gesellse men. Die Mitarbei hörden hat das In auch für die Arbe gefördert. Aus de Proletarier ist der und für ideale Zi Dank unserer Ver und sitlichen Kräf stärkt worden. Da tur, das liegt im! dem Weltmarkt wi ten, gewecktesten u Im Anschluß a Dr. Grieser hielt Reichstag als erster Vorsitzen eine bemerkenswer versicherung. Im! Unsere So Ich glaube, diese! den deshalb den verlassen dürfen; auf diesem Weg und Verhältnissen Es ist schon gesag sprechend immer daß der Kampf u die Wirtschaft nie Kampf ist nach dern er bringt F Auffassung, daß w befreit werden. daß wir auf diese sich Zeiten verhält ten Kampfes ab meisten deutschen Grundsatz der Soz haupt. Leider fin Syndici, die grun lichen es die Unt mehr durch die G ten, die produktiv das Wirken man mit wirklicher Wi auch diese sog. Wi deutschen Sozialve sie werden nur di amen sie reden die Wissenschaft, Ruf etwas mehr z unwidersprochen für Gelder d u dann hätte die 2 nach dem Rechten und notwendige A hafter Beifall!) gonz wertvollen E nehmer, sondern gestorben ist,— o wären die Untern der Arbeitsgemei Sozialversicherung die Gemeinschafts weiter als heute Alle, die irgendw das auszumerzen, Im Augenblick wi sicherung angeran Die K Launisch, wild freundlich wie da Charakter der Be Iberer Hispaniens schroffen des Kant lockend, schmiegsan den Niederungen umbraustes, schnee abfallende Täler und Volk voll biz In einer Buck liegt das Fischerd der etwa 40 schmu Kirchlein, das ga Aeußeres, liebevo sehr der hübsche A fallen dem Besuc stehende Statueng nach spanischer E Schmuck bekleidet Tracht. Jhr tränen das der Gottesmu lieblichen Lächeln beide Hände entge währenden Hilfe. Kerzenhalter geor ihnen hängt ein bootes und seinen fordert die tückise brechende, orkan Fischer oft in der ihnen nicht mehr Ein Landen an d lich. Besonders g ihrer Heftigkeit. Gischt gebadet, de einfliegen. An sol im Kirchlein. So See kämpfen. sovi Seilage Dienstag, den 6. Mai 1930 Nr. 125 Eine bedeutsame Kundgebung des Deutschen Gewerkschaftsbundes. Imbusch über die Arbeitslosenversicherung. Essen, 4. Mai. Der Essener Bezirksverband des Deutschen Gewerkschaftsbundes veranstaltete heute vormittag der Friedrichshalle der Kaupenhöhe eine gut besuchte Kundgebung für den Gedanken der Sozialversicherung, Ministerialdirektor im Reichsarbeitsministerium Dr. Grieser befaßte sich in seinem auf das Thema bezüglichen Vortrag mit den Angriffen des Gießener Professors Horneffer auf die Sozialversicherung und charakterisierte das Wesen der Versicherung mit folgenden Worten: „Die Sozialversicherung ist entstanden aus der Schicksalsgemeinschaft der Arbeiter, es ist für die Arbeiter ein Abhnitt in ihrem allgemeinen Befreiungskampf, ähnlich wie früher die Handwerker und Bauern um ihre Befreiung gekämpft haben. Mit Hilfe der Sozialversicherung, die ein Bestandteil des Arbeitsrechts, der Wirtschaftsund Gesellschaftsordnung ist, wollen die Arbeiter ein Stand werden, wie die Handwerker und die Bauern ein Stand geworen sind. Die Sozialversicherung ist kein Kunstgebilde, sie ist naturhaft gewachsen, sie ist für die Arbeiter eine unentbehrliche Lebensform. Mit Erfolg haben die Arbeiter den Kampf um die wirtschaftliche, politische und gesellschaftliche Gleichberechtigung aufgenommen. Die Mitarbeit bei den Versicherungsträgern und-behörden hat das Interesse und die Befähigung der Arbeiter auch für die Arbeiten in der Gemeinde und im Staate gefördert. Aus dem gedrückten, verachteten, bemitleideten Proletarier ist der wirtschaftlich gehobene emporstrebende und für ideale Ziele begeisterte Vollbürger geworden. Dank unserer Versicherung ist eine Fülle von geistigen und sitlichen Kräften im Arbeiterstand geweckt und gestärkt worden. Das ist nicht nur ein Gewinn für die Kultur, das liegt im Interesse der deutschen Wirtschaft. Auf dem Weltmarkt wird das Volk siegen, das den bestgeschulten, gewecktesten und strebsamsten Arbeiterstand hat.“ Im Anschluß an den Vortrag des Ministerialdirektors Dr. Grieser hielt Reichstagsabgeordneter Imbusch als erster Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes eine bemerkenswerte Rede über die Probleme der Sozialversicherung. Imbusch führte u. a. folgendes aus: Unsere Sozialversicherung ist kein Jerweg. Ich glaube, diese Ueberzeugung ist allgemein. Wir werden deshalb den Weg der Sozialversicherung auch nicht verlassen dürfen; im Gegenteil, wir haben die Pflicht, auf diesem Weg entsprechend den neuen Erkenntnissen und Verhältnissen weiterzagehen und weiterzuarbeiten. Es ist schon gesagt worden, daß den Verhältnissen entsprechend immer wieder Aenderungen notwendig sind, aß der Kampf um das Maß der Versicherung und um die Wirtschaft nie abreißt, und daß er notwendig ist. Der Kampf ist nach meiner Auffassung kein Uebel. sondern er bringt Fortschritt. Wir sind der gleichen Auffassung, daß wir vom Kampf auf diesem Gebiete nie befreit werden. Wir wissen es ja alle aus Erfahrung, daß wir auf diesem Gebiete nie ohne Kampf waren und sich Zeiten verhältnismäßiger Ruhe mit Zeiten verschärften Kampfes abwechselten. Erfreulicherweise sind die meisten deutschen Unternehmer nicht mehr gegen den Grundsatz der Sozialversicherung und Sozialpolitik überhaupt. Leider finden sich als ihre Vertreter noch manche Syndici, die grundsätzlich hierfür sind, und leider ermöglichen es die Unternehmer durch ihre Gelder oder vielmehr durch die Gelder, die die Arbeiter und Angestellten, die produktiv tätig sind, verdienen, die Arbeiten und das Wirken mancher sog. Wissenschaftler, deren Arbeit mit wirklicher Wissenschaft leider nichts zu tun hot Aber auch diese sog. Wissenschaftler werden auf die Dauer der deutschen Sozialversicherung nicht schaden. Im Gegenteil, sie werden nur die Wissenschaft blamieren, in deren Namen sie reden(Lebhafter Beifall und Händeklatschen), die Wissenschaft, die ohnehin allen Grund hätte, ihren Ruf etwas meyr zu wahren als in der letzten Zeit. Wenn unwidersprochen behauptet werden kann, daß man gegen die Arbeitslosenversicherung, und doch ist die Arbeitslosenversicherung gerade in der jetzigen Zeit so notwendig wie nur erwas. Wir müssen den Millionen Menschen Arbeit geben oder wenigstens soviel an Unterstützung, daß sie nicht verhunggern. Ich bin überzeugt, daß der Kampf gegen diese Versicherung auch seine besondere Bedeutung darin hat, weil mancher darin einen Kampf gegen die Gewerkschaften, gegen die Arbeitnehmerbewegung sieht, gegen alles, was die Arbeiterbewegung in den vergangenen Jahrzehnten erzielt hat. Manche Menschen wünschen die Zeiten wie in den 1870er Jahren, wo man bei der großen Arbeitslosigkeit die Löhne herabsetzen konnte, wie man wollte, wo der Hauerlohn im Bergbau im Essener Gebiet von 5 Mark auf 2,55 Mark herabgesetzt werden konnte, wo auch die anderen Löhne fielen, wo man die organisierten Arbeiter auf die Straße setzte, wo Tausende und Zehntausende auswandern mußten, wo man vorübergehend wieder eine willenlose Arbeitnehmerhorde sich schaffen konnte. Manche möchten dies— aber erfreulicherweise ist dies nicht der Fall, weil die meisten diese Träume nicht mehr haben, ausgestorben sind sie aber noch nicht. So ist der Kampf gegen die Arbeitslosenversicherung zu erklären. Wir sind vielmehr der Auffassung, daß für die Arbeitslosen gut gesorgt werden könnte, wenn alle entsprechend ihrer Leistungsfähigkeit für diese Opfer von Kriegs= und Nachkriegswirkungen herangeholt würden. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen!) Heute ist es doch so, daß die erwerbstätige Bevölkerung den größten Teil der Lasten aufbringen muß; gewiß hat das Reich einige Zuschüsse gegeben. Die anderen müßten von sich aus meiner Ansicht nach sich anbieten, für diese Opfer mit zu opfern, alle, die ein sicheres ausreichendes Einkommen haben, alle, die nie in die Gefahr kommen, arbeitslos zu werden. Diese Kreise könnten doch besser einige Mark opfern als der arme Arbeiter, der nicht nur wenig verdient, sondern jeden Tag ebenfalls die Arbeitslosigkeit befürchten muß. (Sehr richtig! Sehr richtig!) Wir haben die Pflicht und Schuldigkeit, unsere Versicherung zu verteidigen, und das, was Ministerialdirektor Grieser hier ausgeführt hat, bietet uns manche Waffe für die Verteidigung. Wo Fehler und Mängel sind in der Versicherung, müssen wir den Mut haben, sie zu beseitigen. Wir haben den Mut. Wir haben nicht nur so geredet, wo es notwendig war, wir haben auch so gehandelt. So soll es auch in Zukunft sein. Aber das Gute werden wir auch verteidigen und wo Mängel sind, werden wir ihre Abstellung verlangen. Noch einige Wünsche möchte ich zum Ausdruck bringen: Wir müssen die obligatorische Einführung der Familienfürsorge erstreben. Weiter hat Ministerialdirektor Dr. Griefer in zarter Weise darauf hingewiesen, daß die Aerzteversorgung innerhalb der Krankenversicherung in etwa sehr weitgehendem Maße an der Erhöhung der Ausgaben schuld ist. Ich bin der Auffassung, daß wir auf diesem Gebiet in absehbarer Zeit zu einer Neuregelung kommen müssen, daß wir den Mut haben müssen, auch hier ganz energisch anzupacken, wenn wir nicht die ganze Krankenversicherung gefährden wollen. Wir müssen ohne Verschlechterung der Fürsorge für die Kranken in dieser Hinsicht zu ganz anderen Verhältnissen kommen. So wie bisher geht die Geschichte nicht weiter. Wenn die Entwicklung so weitergeht, wie in den letzten Jahren, dann wird gerade an dieser Ecke unsere ganze Sozialversicherung ausgehöhlt und erledigt. Ich möchte dringend warnen und bitten, daß die Reichsregierung sich dieser Frage jetzt einmal annimmt. Ich weiß, es ist heißes Eisen, aber wir müssen den Mut hierzu aufbringen, und wenn notwendig, werden unsere Metallarbeiter die notwendigen Zangen liefern.(Beifall) Weiter scheint mir notwendig zu sein, daß in allernächster Zeit eine Gleichberechtigung der Arbeitnehmer bei der Verwaltung der Unsallversicherung erreicht werden muß. Auch hier ist noch eine Verbesserung möglich, wie es noch manche andere kleinere Verbesserungen gibt, über die noch gesprochen werden muß. Wenn gespart werden soll und muß in unserem Vaterland, dann wollen wir, daß das ganze Volk spart. Wir wollen nicht, daß nur bei der Sozialversicherung von den Arbeitnehmern für die Armen und Aermsten gespart wird, wir wollen ehrlich: Zusammenstehen und Zusammenschaffen! Aber wir wollen im besonderen auch schaffen für die Aermsten der Armen. (Langanhaltender Beifall und Händeklatschen!) Die imposant verlaufene Kundgebung des Deutschen Gewerkschaftsbundes war umrahmt von Gesangvorträgen der Gesangabteilung des Christlichen Metallarbeiterverbandes. Aus Westdeutschland. für Gelder die und wissenschaftlichen Titel Bürden haben kann, dann hätte die Wissenschaft Veranlassung bei sich selbst nach dem Rechten zu sehen und nicht über die erfolgreiche und notwendige Arbeit anderer zu Gericht zu sitzen.(Lebhafter Beifall!) Ohne diese in ihrer Gesinnung nicht ganz wertvollen Syndici— ich meine nicht jeden Unternehmer, sondern eine gewisse Sorte, die noch nicht ausgestorben ist,— ohne diese sog. Vertreter der Wissenschaft wären die Unternehmer und Arbeitnehmer in der Frage der Arbeitsgemeinschaft und Zusammenarbeit in der Sozialversicherung sehr viel weiter.(Beifall.) Ich glaube, die Gemeinschaftsgesinnung in unserem Volke wäre auch weiter als heute Das wäre für alle von großem Vorteil. Alle, die irgendwie Einfluß haben, sollten sich bemühen, das auszumerzen, was einer Besserung im Wege steht. Im Augenblick wird gegen die Grundlage der Sozialversicherung angerannt, insbesondere auch Um die Astorschen Millionen. Körber wieder aufgetaucht. Steinheim, 5. Mai. In der Angelegenheit der Astorschen Millionenerbschaft, die an Erben in Berlin und Westfalen fallen soll, hat sich eine neue Wendung ergeben. Körber, der sich zum Interessenvertreter der Erben aufgeworfen hatte und nach endlosen Verhandlungen, Korrespondenzen, angesetzten und wieder abgesagten Zusammenkünften plötzlich aus Steinheim verschwunden war, ist nunmehr dort wieder aufgetaucht. Sein Verschwinden hatte die getäuschten Erben zu den phantastischsten Vermutungen veranlaßt Man glaubte, Körber sei, ausgerüstet mit den Vollmachten der Erben nach Amerika gefahren und habe sich dort einen Teil der Erbschaft selbst auszahlen lassen. Andererseits glaubte man in ihm einen Schwindler größten Formats zu sehen, der seine Ansprüche anderweitig verkauft habe. Alle diese Vermutungen haben sich nun als hinfällig erwiesen. Körber hatte eine längere Reise unternommen, über deren Einzelheiten er noch durch die Kriminalpolizei befragt werden wird; denn es war ihm bekannt, daß er von seiten der Erben gesucht wurde. Sein Anwalt in Braunschweig hat ihn auf Zahlung des Honorars verklagt, daraufhin hat Körber den Offenbarungseid geleistet. Nunmehr haben die Steinheimer Erben sich endlich direkt mit der Familie Astor über die Erbschaft in Verbindung gesetzt. * Die Geflügelzüchter verlangen Zollerhöhung für Auslandseier. X Hamm, 5. Mai. Die heute hier stattgefundene Provinzialtagung des Bundes Deutscher Geflügelzüchter, die 15 000 westfälische Geflügelzüchter vertraten, faßte gegen zwei Stimmen folgende Entschließung an den Reichsausschuß für Geflügel= und Eierverwertung:„Die in den Ausstellungshallen in Hamm versammelten Vertreter von 15 000 westfälischen Geflügelzüchtern erheben dringend die Forderung, zur Stützung der inländischen Eierpreise den Zoll für Auslandseier auf mindestens 60 A je Doppelzentner zu erhöhen,(Zur Zeit beträgt der Zoll 30 MA— D. R.) die Einfuhrerleichterungen zu beseitigen und vor allem die Auslandsware kenntlich zu machen. Hunderte von neuRuin. Ebenso ergeht es Hunderten von Geflügelfarmen welche teilweise mit den aus Inflation und Zusammenbruch geretteten letzten Notgroschen errichtet worden sind. Tausende und Abertausende von Reichsmark deutschen Volksvermögens stehen vor einer Katastrophe, wenn nicht in letzter Stunde unsere Forderungen erhört werden.“ Zuchthaus für Geldschrankknacker. Bochum, 5. Mai. Das Erweiterte Schöffengericht Bochum hatte acht Einbrecher, die in der Zeit von März 1928 bis September 1929 etwa 20 Geldschrankeinbrüche in verschiedenen Städten des Ruhrgebietes, so in Witten, Vorhalle, Neviges, Esborn, Hattingen usw. verübt und hierbei Geldbeträge von 60 Pfg. bis zu 3800 Mark erveutet hatten, zu Strafen von 6 Monaten bis zu 6 Jahren Zuchthaus verurteilt. Während fünf der Angeklagten die Strafen angenommen hatten, hatten der Schlosser Emil Trachte aus Langendreer, der Monteur Erich Jahrmann aus Witten und der Schweißer Wilhelm Skulzki aus Langendreer gegen das Urteil Berufung eingelegt. In der Verhandlung vor der Großen Strafkammer in Bochum, die sich am Samstag mit der Berufung befaßte, wurde jedoch festgestellt, daß die Angeklagten für die bei ihnen in Frage kommenden Fälle vollkommen zu Recht bestraft worden sind. Da auch das Strafmaß nicht zu hoch erschien, verwarf das Gericht die Berufung und erkannte ebenfalls gegen Trachte auf 5 Jahre Zuchthaus, gegen Jahrmann auf 1 Jahr und gegen Skulzki auf ein Jahr und neun Monate Gefängnis. X Horst, 4. April. Der Hahn als Mörder. Als die 15jährige Tochter der Eheleute Thara auf dem elterlichen Hühnerhofe die Hühner fütterte, wurde sie von dem Hahn angefallen und trug dabei eine Kratzwunde am Bein davon. Man schenkte der Wunde zunächst keine besondere Beachtung, bis schließlich Blutvergiftung eintrat, an deren Folgen das junge Mädchen gestorben ist. Hamm, 5. Mai. Auf dem Bahnsteig gestorben. In der Nacht zum Sonntag hat sich auf dem Bahnhof Hamm ein trauriger Zufall zugetragen. Ein Reisender bestellte sich in dem kleinen Wartesaal auf Bahnsteig 3 eine Limonade. Er äußerte jedoch, daß sie ihm zu kalt wäre. Er saß noch ein Weilchen müde auf der Bank, ging dann auf den Bahnsteig, wo er plötzlich tot umfiel. Der hinzugezogene Arzt stellte Schlaganfall fest; die Leiche e ins Marienhospital geschafft.— Nach den bei dem Toten gefundenen Papieren handelt es sich um den Kaufmann Karl Baumann, geboren am 23. Juni 1894 in Westerland(Sylt). Wie aus der Fahrkarte lich, befand er sich auf der Reise von Paderborn nach Hamburg. Er soll zuletzt im Hotel Kaiserhof in Altona logiert haben; dort kennt man ihn jedoch nicht. X Hagen, 4. Mai. Der Tod auf den Schienen. Ein Streckenwärter fand heute abend kurz vor 9 Uhr in der Nähe der Bahnüberführung am Nippenweg eine bis zur Unkenntlichkeit verstümmelte Leiche eines etwa 30jährigen Mannes, der von einem Güterzug überfahren worden war. Kopf und Beine waren vom Rumpfe getrennt. Allem Anschein nach handelt es sich um einen Selbstmord Hagen, 4. Mai. 138 Bewerber um den Hagener Intendantenposten. Die Zahl der Bewerbungen um den Hagener Intendantenposten ist inzwischen auf 138 gestiegen. Auf Grund der bisherigen Prüfungen hat der beauftragte Ausschuß des Aufsichtsrates der Theater=A.=G. fünf Bewerber in die engere Wahl gezogen. Duisburg=Hamborn, 5. Mai. Aushebung einer Falschgeldsabrik. Nach Durchführung langwieriger Beobachtungen und Ermittelungen ist es der Polizei gelungen im Stadtteil Osterfeld eine vollständige Fabrik zur Anfertigung falscher Zwanzigmarkscheine auszuheben. Vorläufig konnten fünf Personen festgenommen werden. Den Hauptschuldigen, Hub. Vügele aus Österfeld und einem gewissen Engelhardt, gelang es, in einem Auto die Flucht zu ergreifen. In Hamborn wurde der Wagen von einer Polizeistreise gesichtet, als er sich in schneller Fahrt in Richtung Dinslaken befand. Den Beamten gelang es jedoch nicht, die Verbrecher festzunehmen. Wuppertal, 5. Mai. Lebendig verbrannt. Ein furchtbarer Unfall ereignete sich Samstag abend in Elberfeld. Eine dort im Mansardengeschoß der Opphoferstraße wohnende Frau wollte Kleider mit Benzin reinigen. Durch die Reibungselektrizität entzündeten sich die Benzindämpfe. Im Nu glich die Frau einer Feuersäule. Laut schreiend stürzte die Bedauernswerte die Treppe hinunter und setzte dabei einige kleine Gegenstände im Treppenhaus in Brand Durch die Explosion wurde nicht unerheblicher Sachschaden angerichtet. Der Ehemann, der seiner Frau zu Hilfe kommen wollte, erlitt ebenfalls nicht unerhebliche Vrandverletzungen. Die sofort ins Krankenhaus eingelieferte Frau ist dort Sonntag nachmittag ihren schweren Wunden erlegen Köln, 4. Mai. Der Raubüberfall im Eisenbahnzug. Zu dem Ueberfall im Eisenbahnzug im Köiner Stadtgebiet wird mitgeteilt, daß bei der Kriminalpolizei starle Zweifel über die Angaben des Urbe:fallenen bestehen. Der die Ermittlungen führende Kriminalkommissar hat sich entschlossen, den Ueberfallenen vom Untersuchungsrichter unter Eid vernehmen zu lassen. Rheinheim, 3. Mai. Seltsamer Selbstmordversuch. Einen eigenartigen Selbstmordversuch beging ein Schuhmacher. In seiner Werkstatt in der Atroperstraße schnitt er sich die Pulsader der linken Hand ourch, sodinn legte er den Arm auf den Tisch und hieb mit dem Beil die Hand ab. Schwerverletzt sand man den Mann später auf und brachte ihn in ein Krankenhaus. Er wird am Leben erhalten werden X Bad Kreuznach, 4. Mai. Bad Kreuznach besatzungsfrei. Heute vormittag verabschiedete sich der letzte Adjulant als Vertreter der französischen Besatzungsbehörce von der Stadt, nachdem der Abzug der Besatzung in den letzten Wochen stillschweigend und ohne irgendwelche offizielle militärische Form stattgefunden hatte. Zugleich wurde heute das letzte militärische Gebäude an die zustänoige deutsche Behörde zurückgegeben. Alle Kasernen sind jetzt geräumt, und nur noch einige Gendarmen und Beauftragte der Sicherheitspolizei verbleiben noch einige Wochen bis zum offiziellen Räumungsschluß in der Stadt. Auch die Einholung der Flagge vor dem Garnisonkommando erfolgte ohne jegliche militärische Form. (( Hannover, 5. Mai. Ein Lastanto verbrannt. Ein Lastauto, mit dem etwa 20 Personen befördert wurden, ist gestern nachmittag zwischen Braunlage und St. Andreasberg verunglückt uno verbrannt. Drei Personen wurden derart verletzt, daß sie ins Krankenhaus nach Lauterberg gebracht werden mußten. Eigenartig ist, daß die nichtverletzten Teilnehmer der Fahrt fluchtartia verschwanden. Es ist auch nicht festgestellt, worauf der Unfall zurückzuführen ist. An der Stelle, wo der Wagen verunglückte, sind, wie behauptet wird, russische Geldsorten gefunden worden. Der Wagen soll auf der Fahrt nach Aachen gewesen sein. Die Kerzen im Kirchlein von La Dega. Von Theo Pöppelmann. Launisch, wild, jäh aufbrausend,— dann sanft und freundlich wie das Meer im Golf von Biscaya, ist der Charakter der Basken, jener Abkömmlinge, der alten Jbe Iberer Hispaniens. Stolz und hart, gleich den Felsen schroffen des Kantabrischen Gebirges,— aber auch üppig, lockend, schmiegsam, wie die wogenden Getreidefelder in den Riederungen sind ihre Frauen und Mädchen. Sturmumbraustes, schneebeecktes Hochland,— liebliche, zur See abfallende Täler mit mildem, ozeanischem Klima. Land und Volk voll bizarrer Gegensätze. In einer Bucht der nördlichen Provinz Guipuzcoa liegt das Fischerdorf La Vega. Seine einzige Straße, an der etwa 40 schmucke, kleine Häuser stehen, führt zu einem Kirchlein, das ganz aus Holz erbaut ist. Schlicht sein Aeußeres, liebevoll ausgeschmückt das Innere. Nicht so sehr der hübsche Altar und die kunstvoll geschnitzte Kanzel fallen dem Besucher auf, sondern die in einer Nische stehende Statuengruppe. Vor der sitzenden Madonna, die nach spanischer Sitte mit kostbaren Seidenkleidern und Schmuck bekleidet ist, kniet eine Fischersfrau in baskischer Tracht. Ihr tränenüberströmtes Antlitz ist trostsuchend auf das der Gottesmutter gerichtet. Mit einem unbeschreiblich lieblichen Lächeln sieht diese auf die Flehende herab, ihr beide Hände entgegenstreckend— Maria von der immerwährenden Hilfe. Um diese Gruppe sind kranzförmig 30 Kerzenhalter geordnet, zu je dreien zusammengefaßt. An ihnen hängt ein Täfelchen mit dem Namen eines Fischerbootes und seiner Dreimannbesatzung. Jahraus, jahrein fordert die tückische Biscaya ihre Opfer. Plötzlich ausbrechende, orkanartige Wirbelstürme überraschen die Fischer oft in der Nähe der Küste. Wehe ihnen, wenn es ihnen nicht mehr möglich ist, die hohe See zu gewinnen. Ein Landen an dem wildbrandenden Gestade ist unmöglich. Besonders gefürchtet sind die Herbststürme wegen ihrer Heftigkeit. Dann ist die ganze Küste in weißem Gischt gebadet, dessen Schaumflocken weit ins Land hineinfliegen. An solchen Tagen versammeln sich die Frauen im Kirchlein. Soviel Männer draußen mit der wilden See kämpfen, soviel Lichter brennen zu Füßen der Mutter Gottes. Fällt ein Fischer seinem Berufe zum Opfer, löscht der alte Pfarrer unter dem Wehklagen der Hinterbliebenen dessen Kerze aus Es war ein Spätnachmittag im frühen Mai. Trotz des wolkenlosen Himmels lag ein milchiger Dunst über dem Meere, aus dem die Sonne blutrot hervorsah. Einige alte Fischer standen auf der Klippe unweit des Dorfes, von der man einen guten Ausblick auf die See hatte. Besorgt musterten sie das Meer, das glatt und ölig auf die Küste zulief.„Wenn die hier", auf die See deutend,„nach einer Stunde nicht anders aussieht, will ich nicht Rodrigo heißen“, meinte einer von ihnen, dessen salzzerfressenes Gesicht den erfahrenen Seemann verriet. Die anderen nickten ihm zu.„Gott gebe, daß die Unsrigen auf der Heimfahrt sind.“ Ein tiefer Seufzer ließ die Männer sich umwenden. Neben ihnen stand eine Greisin, deren vorgebeugte Gestalt sich schwer auf einen Stab stützte. Mutter Veranes war es, die älteste Frau der Siedlung. Vater, Mann und Brüder,— alle, alle hatte die wilde See gemordet. Nun lebte sie mit ihrem Ernesto zusammen, einem sechzehnjährigen, frischen Knaben. Keine Vorhaltungen, keine Bitten der Großmutter hatten bewirken können, daß der Junge der Tradition untreu wurde. Schon in frühester Kindheit trieb er sich mehr auf dem Wasser, als auf dem Lande herum. Fischer wollte er werden, wie es alle Vorfahren gewesen waren. Mit dem sieghaften Vertrauen der Jugend auf ihre Kraft, glaubte er schon jetzt allen Gefahren trotzen zu können. Seit einem halben Jahre war er an Bord der„La Vega 2“, die von den Brüdern Riego geführt wurde Als alte Küstenbewohnerin wußte Mutter Veranes gut, daß die Bedenken der Männer wegen eines aufkommenden Unwetters nur zu sehr begründet waren. Vor der Sonnenscheibe lagerte jetzt dichter Wasserdunst. Dann und wann glitten leichte Windstöße über das glatte Meer dahin, die ihm das Aussehen gaben, als ob es fröre. Untrügliche Vorboten eines baldigen Sturmes. Aber noch war kein Segler am Horizont zu sehen, der Kurs auf die Küste nahm Andächtig ein Kreuz schlagend, warf die Greisin noch einen trostlosen Blick auf die weite Wasserfläche und schlug, mühsam gehend, den- Weg zur Kirche ein. Auch die Männer schritten jetzt dem Dorf zu, um Vorbereitungen für eine eventuelle Rettungsaktion zu treffen. Man brachte Korkringe und lange Seile an geStellen des Strandes. Auf den Klippen wurden mit Teer getränkte Holzklötze aufgeschichtet, um während der Nacht den Seefahrern Richtpunkte zu geben. Auch der alte Pfarrer des Dorfes mußte die drohende Gefahr erkannt haben. Das kleine Kirchglöcklein rief alle in banger Sorge Schwebenden vor das Muttergottesbild. Fünf mal drei Kerzen brannten zu seinen Füßen. Fünf Boote mit fünfzehn Mann Besatzung lagen draußen dem Fischfang ob. Schon nach dem ersten Rosenkranzgesetze zu Ehren Marias von der immerwährenden Hilfe heulte der Sturmwind um die Kirche. Rüttelte mit gewaltiger Kraft an den festen Balken des Glockenturmes. Erzwang sich den Weg durch Tür= und Fensterritzen, daß die Kerzenflämmchen unruhig auf= und niederzuckten. Die verängstigten Frauen sahen darin ein schlimmes Vorzeichen. Alle im Ort befindlichen Männer hielten sich derzeit am Strande auf. Zwei Stunden mochten vergangen sein, als ein Fischer haftig die Kirche betrat, dem Pfarrer etwas zuflüsterte, und sich gleich darauf wieder entfernte. Ein jeder wußte, was das zu bedeuten hatte. Mit liebreichen Worten beschwichtigte der geistliche Herr die weinenden Frauen, ermahnte sie, im Gebete zu verharren, und verließ dann ebenfalls das Gotteshaus. In das Heulen des Sturmwindes mischte sich das verzweifelte Flehen der Fischerfrauen, die jetzt eng zusammengedrängt zu Füßen Marias knieten. Mitten zwischen ihnen Mutter Veranes Keine Träne floß über ihre Wangen. Mit einem merkwürdig verzückten Blicke schaute sie auf die Gottesmutter, die mit ihrem lieblichen Lächeln nur sie allein anzusehen schien. Und— o Wunder— allmählich breitete sich auf dem Gesichte der sonst so ernsten Greisin ein ähnliches Lächeln aus, als sähe sie etwas unbeschreiblich Schönes in weiter Ferne. Wieder öffnete sich die Kirchentür. Hinter dem Pfarrer trugen zwei Männer eine Bahre, die sie vor die Stufen des Altares niedersetzten Mit bleichem Gesicht schritt darauf der Priester durch die Reihen der erschreckten rauen, und— löschte zögernd, schmerzbewegt, das Lichtein einer Kerze aus. Das Licht einer der drei Kerzen, die für die Mannschaft der„La Vega 2“ vor der Gottesmutter von der immerwährenden Hilfe brannten Zerschellt lagen die Trümmer des Bootes am Strande. Wie durch ein Wunder hatte die Brandung beide Brüder Riego unversehrt durch die scharfen Schären getragen. Ernesto aber, der frische, lebensfrohe Junge war ertrunken. Während zwei Frauen glückselig weinend in den Armen ihrer Männer lagen, beugte sich der Pfarrer mitleidsvoll zur Greisin nieder Sie war tot. Aber noch immer lag auf ihrem verklärten Antlitz der Widerschein des rührenden Lächelns der Madonna. heitere Welt. Der Dienstmann. „Diese Vase ist zweitausend Jahre alt! Seien Sie recht vorsichtig beim Transport!“ „Herr Professor können sich auf mich verlassen; ich werde damit umgehen, als wenn sie ganz neu wäre!“ Der Lebertran! „Mutti, heut' hat der Lebertran nicht so schlimm geschmeckt.“ „Das freut mich, Jungchen, wie kommt denn das?“ „ch hab' keinen Löffel gefunden und da hab' ich ihn mit'ner Gabel genommen.“ Schlechte Zeiten. Richter(zum Angeklagten): Haben Sie den Einbruch allein verübt oder hatten Sie Helfershelfer? „Nein, Herr Richter, ich mußt's allein schaffen. Heutzutage kann man sich keinen Gehilfen mehr leisten.“ Jhr erster Gedanke. Arzt(zur Frau des Patienten): Ich habe Ihrem Manne vorläufig das Rauchen verboten. „Ach, wie nett von Ihnen, Herr Doktor! Sie haben gewiß bemerkt, daß ich frische Gardinen aufgesteckt habe.“ Das Wundermittel. Herr(zum Apotheker): Weshalb haben Sie denn Ihre hübsche Gehilfin entlassen? „Weil meine männlichen Kunden fanden, daß ibr Lächeln wirkamer sei als alle Arzneien.“ Handel und Wirtschaft. Berliner Börse. + Berlin, 5. Mai. Nachdem der heutige Vormittagsverkehr äußerste Zurückhaltung gezeigt hatte und eine Tendenz schwer zu erkennen war, da zuverlässige Kurse überhaupt noch nicht zu hören waren, konnte die Börseneröffnung als ziemlich widerstandsfähig bezeichnet werden. Die Befürchtungen, daß die europäischen Börsen stärker von der flauen Tendenz in Wallstreet beeinflußt werden würden, erfüllten sich nicht in dem Maße, und nur die sogenannten Auslandswerte erlitten stärkere Einbußen. Das Geschäft war im allgemeinen sehr still, und es fehlten besondere Anregungen. Die Börse war allerdings geneigt, Meldungen wie die Verhaftung Ghandis, neue Stillegungen in der Montan= und Schwachstromindustrie und das Zögern der Reichsbank in der Frage der Diskontsenkung eher ungünstig zu kommentieren. Während bei der Mehrzahl der Werte Rückgänge von mehr als 2% nur selten waren, konnten Lorenz sogar um weitere 4% anziehen, und Nebenwerte wie AugsburgNürnberg, Aschaffenburg, Zellstoff und Deutsch=Atlanten bis zu 2½% gewinnen. Stärker abgeschwächt waren nur Ilse minus 3¾% und die bereits erwähnten Auslandswerte wie Chadeaktien minus 8½ M und Svenska minus 5½ M. Größeres Interesse bestand dagegen weiter für festverzinsliche Werte und Aktien mit festverzinslichem Charakter, wie Reichsbahnvorzüge, Reichsbankanteile usw. Auch im Verlaufe war das Geschäft sehr ruhig, vereinzelt setzten sich zunächst kleine Kursbesserungen durch, die aber päter wieder verloren gingen, als am Karstadtmarkt ein Baissevorstoß den Kurs dieses Papiers von 137½ auf 135% drückte. Chadeaktien gingen um weitere 2 M auf 347 zurück. Das Anfangsniveau wurde auf fast allen Märkten um ca. 1% unterschritten. Anleihen behauptet, Ausländer wenig verändert, Macedonier 1% fester. Für Pfandbriefe hielt die Nachfrage an, auch Reichsschuldbuchforderungen hatten wieder einen größeren Markt. Sehr feste Tendenz hatten heute auch Schatzanleihen. Am Devisenmarkt lag das Pfund etwas fester, Buenos konnte stärker anziehen, dagegen neigten Schweiz und Spanien zur Schwäche. Am Geldmarkt waren geringfügige Erleichterungen zu erkennen. Tagesgeld nannte man mit 5¼—7¼% und teilweise schon mit 5%, und Monatsgeld mit 5½—6½%, Warenwechsel blieben ohne Umsatz. Günstiger Saatenstand in Preußen Anfang Mai. X Berlin, 5. Mai. Nach Mitteilung des Preußischen Statistischen Landesamtes ist die Witterung im April für die Landwirtschaft günstig gewesen. Die häufig über dem Normalwert liegenden Temperaturen förderten im Verein mit reichlichen Niederschlägen das Wachstum der Feld= und Grünlandbestände. Wenn 2 gleich gut, 3 gleich mittel und 4 gleich gering bedeuten, so steht der Winterweizen mit 2,3 gegen 2,5 anfangs April besser, Winterroggen 2,4(2,5), Wintergerste 2,5(2,7), Gemenge aus Wintergetreidearten 2,6 (2.7), Raps und Rübsen 2,7(2,8). Die Grünlandflächen haben sich überraschenderweise im ganzen Staat gut erholt. Die Witterungsschäden sind unbedeutend. Die Saaten des Sommergetreides sind in der Regel gut aufgelaufen. Pflanzenkrankheiten und Pflanzenschädlinge werden nur vereinzelt gemeldet. berichten, waren die Märkte in der Berichtswoche recht lebhaft bei ziemlich großen Umsätzen. Nicht zu verkennen ist die anhaltende Stetigkeit der Positionen alter Ernte infolge der Kontraktknappheit und der geringen Bestände in Liverpool, die nur die Hälfte des vorjährigen Bestandes aufweisen und zum großen Teil nicht andienbar sind Noch ein Haussefaktor ist der Umstand, daß so viele Sichten alter Ernte mit exotischen Provenienzen arbitriert sind, die gedeckt werden müssen weil solche Baumwolle unandienbar ist. Wir würden uns durchaus nicht wundern, wenn die Spannung zwischen Juli über Oktober sich noch merklich vergrößern würde Im übrigen unterlagen die Preise manchen baissefreundlichen Einflüssen. Die Witterung ist günstig und die Feldarbeiten schreiten gut voran. Die Areal=Verminderung wird vielfach auf weniger als 5% geschätzt. Im übrigen scheint man vorläufig weiter mit reduziertem Konsum und Produktionskürzung rechnen zu müssen. Die politischen Ereignisse in Indien wirken sehr drückend, insbesondere der Voykott auf eingeführte Stoffe. Angesichts dieser Faktoren halten wir es für richtig, vorläufig mit Käufen vorsichtig vorzugehen Aegyptische Baumwolle. Der Liverpooler Markt ist nach Aufhören der Käufe für die Ausfuhr nach den Vereinigten Staaten merklich ruhiger geworden. Die Geschäftslage der englischen Spinnereien ist für die feinen Nummern immer noch kläglich, und doch befindet sich der Liverpooler Markt in technisch starker Lage, nachdem die Vereinigten Staaten den größten Teil unserer begehrenswerten Locobaumwolle abgenommen haben. Was die neue Ernte anbelangt, scheint die Heuschreckengefahr fast vorbei zu sein und es besteht jede Aussicht auf eine große Ernte. Die ägyptische Regierung hält große Baumwollbestände und dürfte noch mehr während der nächsten 3 Monate ausnehmen. Dieser Faktor dürfte eine drückende Wirkung auf die entfernten Sichten ausüben, denn bei irgendwelchen Preisbesserungen wäre mit Abgaben der Regierung zu rechnen. zahlt wurden für 50 kg Lebendgewicht: Ochsen: a) 59-61, b) 55—58, c) 50—54; Bullen: a) 54—56, b) 41—53; Kühe: a) 50—53, b) 45—49, c) 35—44, d) 28—34: Färsen: a) 58—60, b) 50—57; Fresser: 40—47; Kälber: a) 70—75, b) 60—69, c) 45—55; Schweine: a) 60—63, b) 64—66, c) 64—66, d) 61—63, e) 58—60; Sauen: 48—55. Düsseldorfer Viehmarkt. Düsseldorf, 5. Mai. Auftrieb: 90 Ochsen, 39 Bullen, 138 Kühe, 1 Fresser, 388 Kälber, 5 Schafe, 2412 Schweine, 40 Färsen. Marktverlauf: Großvieh mittel, beste Tiere über Notiz bezahlt; Kälber und Schweine mittel. Fettschweine vernachlässigt. Bezahlt wurden für 50 kg Lebendgewicht: Ochsen: a) 58—62, b) 50—56; Bullen: a) 53—57, b) 48—52; Kühe: a) 50—54, b) 43—49, c) 33—42, d) 20—32; Färsen: a) 55—59, b) 50—54; Kälber: a) 72—80, b) 60—70, c) 45—58; Schweine: a) 63—67, b) 65—69, c) 64—68, d) 60—65; Sauen: 51—56. Märkte. Dortmunder Schlachtviehmarkt. Dortmund, 5. Mai. Auftrieb: 788 Großvieh, 597 Kälber, 15 Schafe, 2 Ziegen, 2996 Schweine. Marktverlauf: Großvieh, Kälber und Schweine langsam. Bezahlt wurden für 50 kg Lebendgewicht: Ochsen: a) 60—62, b) 56—58, c) 48—53; Bullen: a) 55—57, b) 52—54, c) 50 bis 52; Kühe: a) 52—54, b) 48—51, c) 42—46, d) 30—40; Färsen: a) 57—59, b) 53—56, c) 48—52; Kälber: a) 75—82, b) 60—74, c) 45—59; Schweine: a) 62—64, b) 64—66, c) 64—66, d)61—63, e) 60—61; Sauen: 50—56. Essener Schlachtviehmarkt. X Essen, 5. Mai. Auftrieb: a) am Markttage: Großvieh 399, hiervon 48 Ochsen, 70 Bullen, 207 Kühe, 16 Fresser, 725 Kälber, 14 Schafe 3245 Schweine, 58 Färsen; b) seit dem letzten Markt dem Schlachthofe direkt zugeDie Lage am Baumwollmarkt. Amerikanische Baumwolle. Wie J. H. Springman& Co in Liverpool nach Mitteilung der Firma Carl Müller=Rubens in Düsseldorf führt: Großvieh 19, 1 Schaf, 202 Schweine, 50 Kälber, 13 Kühe, 6 Fresser. Marktverlauf: Großvieh mittel, Kälber, Schafe und Schweine lebhaft. Bezahlt wurden für 50 kg Lebendgewicht: Ochsen: a) 60—63, b) 50—53, c) 53—56, d) 45—48; Bullen; a) 56—58, b) 53—55, c) 48—52; Kühe: a) 51—55, b) 45—48, c) 36—43, d) 28—33; Färsen: a) 56—60, b) 53—55; Fresser: 42—46; Kälber: a) 90—110, b) 70—78, c) 60—68, d) 50—58: Schafe: 58; Kölner Schlachtviehmarkt. X Köln, 5. Mai. Auftrieb: 1176 Großvieh, 543 Ochsen, 120 Bullen, 526 Kühe, 62 Färsen, 25 Fresser, 1218 Kälber, 5 Schafe, 5599 Schweine. Marktverlauf: Rinder beste Tiere auch noch höher bezahlt, ruhig geräumt. Kälber, Schafe und Schweine ruhig geräumt Bezahlt wurden für 50 kg Lebendgewicht: Ochsen: a) 61, b) 40—48; Bullen: a) 53—57, b) 47—52; Kühe: a) 50—54, b) 43—48, c) 35—40, d) 30—34; Färsen: a) 55—60 b) 48—54; Fresser: 46—53; Kälber: a) 83—105, b) 72—76, c) 64—70, d) 50—60; Schweine: a) 60—63, b) 60—65, c) 60—65, d) 60—63; Sauen: 50—55. bis 11, Roggenkleie 8,25—9, Steffens Zuckerschnitzel 13,50. Tendenz: ruhiges Geschäft bei unveränderten Preisen. Berliner Produktenbericht. X Berlin, 5. Mai. Am Produktenmarkte fehlt heute jegliche Unternehmungslust, die Stimmung ist unsicher und abwartend, da Bestimmtes über die Höhe der künftigen Einfuhrscheinbewertung für Roggen, Hafer und Gerste immer noch nicht bekannt ist, was sowohl Käufer wie Verkäufer zur Zurückhaltung veranlaßt. Weizen ist trotz sehr knappen ersthändigen Inlandsangebots im Effektiv= und Lieferungsmarkt um etwa 1 A abgeschwächt, angesichts des sehr schleppenden Mehlgeschäftes, von Roggen fehlt Offertenmaterial fast gänzlich, sodaß das Gehäft nahezu zum Erliegen gekommen ist. Am Mehlmarkte gehen die Umsätze in beiden Mehlarten bei unveränderten Mühlenforderungen nicht über die Deckung des dringendten Bedarfes hinaus. Hafer ist in den Preisen ziemlich jehalten. Nennenswertes Angebot liegt nur aus Schleien vor. Das Geschäft hält sich in engen Grenzen. Gerste eyr still. Zucker. Magdeburg, 6. Mai, Zucker. Mai 7,70 B., 7,60 G., Juni 7,90 B., 7,80 G., Juli 8,10 B, 8,00 G, August 8,20 B., 8,15 G., September 8.30 B., 8,20 G., Oktober 8,40 B., 8,35 G., Dezember 8,75 B., 8,65 G, Oktober=Dezember 8,65 B., 8.55 G., Januar=März 8,95 B., 8,85 G. Bremen: Baumwolle Essener Produkten. Essen, 5. Mai. Ausl. Weizen 31—34, ausl. Roggen 23,25—24,25, ausl. Hafer 22,50—23,50, ausl. Gerste 21 bis 23, La Plata=Mais 22,50—23, Cinquantino=Mais 24,50—25, Bäckermehl, Grundpreis 43,75—44,50, Roggenloko.... Mai... Jun.... Öktober Dezember anuar... 193 Ars.... Tendenz: abeeschwächt Liverpool:Baumwolle 3. 6. Celd besahlt 16.84 15.62 15.69 15.72 15.80 Duisburger Produkten. X Duisburg, 5. Mai. Pomm. u. schles Hafer 21—22, ostpreuß. Hafer 20,50—21,50 ausl. Weizen 32—34. aus! Roggen 23—24, ausl Hafer 22—23, ausl. Gerste 20—22, La Plata=Mais 22,50—23, Cinquantino=Mais 24,50—25, Bäckermehl, Grundpreis 43,25—43.75, Roggenmehl 70% 28,50—29, Weizenkleie 8,25—10, Weizenbollmehl 10,50 loko Mal Juni Juli August September Oktober November Tendenz: ruhlg Amtl. Procuktennotierungen in Ferlin am 5. Mal 1930. 286—290 Mal Jall September Tendenz: 303 Roggen mürk schwäch. 159—184 chweine: a) 62—64, b) 65—67, c) 66—68, d) 64—67, e) 62—64; Sauen: 50—58 Elberfelder Viehmarkt. Elberseld, 5. Mai. Auftrieb: a) am Markttage: Großvieh 807, hiervon 363 Ochsen, 43 Bullen, 259 Kühe, 37 Fresser, 521 Kälber, 6 Schafe. 2337 Schweine, 85 Färsen; b) seit dem letzten Markt dem Schlachthofe direkt zugeführt: 14 Ochsen, 275 Schweine, 18 Kälber. 4 Bullen, 8 Kühe. Marktverlauf: Großvieh schlecht, Kälber und n Schweine langsam, fette Schweine fast unverkäuflich. BeMal Juli September Tendenz: Gerrte Braugerste Futtergerste Wintergerete Tendenz: 192—203 17.—190 Hafer märt Mal Juli September Tendens: 173 186½186 ruhlg Male Waggon trei ab Hamburg Tendenz: 6. 5. Tagesimport... Tageslokoverkäufe Exportverkäufe Egypt. Upper F. G. fair loko 10.10 3. 5. 10000 3000 100 10.21 31¼—40 uhte Liverpool: Östindische Baumwolle M. loko ruhie 9½—10 ruh 9¼—10½ ruhlg F. C. Surteo...... F. G. Broach F. G. Nr. 1 Oomra F. G. Americ Sind Punjab F. G. Bengal F. G. Sind. F. G. Tinnivelly New Orleans: Baumwolle 24½—30 21 24 18-19 17—19 15½—17 19 22½ 15—16 20-22½ loco Mai Juli Oktober 3. 5. 19.46 14.51 14.68 New York: Baumwolle 28½—31 16-18 8.2-8.7 loco.... Mai.... unl.... Juli... August September Oktober 3. 5. 14.66 10.76-00 14.88-87 19.8-15.3 4000 Speisekartoffeln. Speisekartoffeln, Speisekartolfeln. Fabeil weille rote saartoileln, gelbfl. abrikkartoffeln in Pf. 1.20-1.50 1.30-1.40 2.30-2.70 Geschätzte Totalzufuhren Baumwollzufuhr in Atlantischen Häfen Baumwollzufuhr in Golf-Häfen Export nach England. Export nach dem Kontinent.... 12000 Zufuhren im Innern........ 4000 Fracht nach Liverpoo........ 45 Fracht für Standard..... 60 Zufuhren in Pacilic-Häfen.. 3000 Export nach Japan und China..— Die Hilfe gegen Gicht und Rheumatismus. Sie wissen kein sicheres Mittel gegen diese Plagegeister? Einreibungen, Packungen, Bäder, Salben usw. lindern meistens nur für einige Zeit die Schmerzen, aber sie packen nicht immer das Uebel an der Wurzel. Ich empfehle Ihnen ein wirklich erprobtes Mittel, und Sie sollen es selbst versuchen, ohne daß es Sie etwas kostet; aber ehe ich Ihnen mehr sage lesen Sie die solgenden Briefe Seit mehreren Jahren habe ich mit Rheumatismus zu tun gehabt, so daß mir das Laufen vor Schmerzen sehr erschwert wurde. Daher kann ich jetzt mit Freuden bekunden, daß mir die von mir eingeschlagene Kur mit Gichtosint=Tabletten äußerst gutgetan hat und ich von meinen heftigen Schmerzen gänzlich befreit bin. Jedem Rheumatismuskranken kann ich diese Kur nur empfehlen. Hochachtungsvoll A. R. in M. Ich spreche Ihnen heute meinen besten Dank für Ihre vorzüglich wirkenden Gichtosint=Tabletten aus. Nach 14tägigem Gebrauch spürte ich schon eine Besserung und konnte nachts schlafen. Nach Gebrauch der ersten Sendung war ich wie von neuem geboren. Nochmals besten Dank. Hochachtungsvoll P. Sch. in N. Ich will Ihnen hiermit von dem überraschenden Erfolg Ihrer Gichtosint=Tabletten berichten und dankbar sein. Ich habe 10 Jahre mit Rheumatismus zu tun gehabt, so daß ich vor Schmerzen bald nicht mehr gehen konnte, hauptsächlich im Winter. Jetzt kann ich mit Freuden berichten, daß ich keine Schmerzen mehr habe. Nochmals meinen besten Dank. Hochachtungsvoll Frau M. H. in O. Solche Briefe besitze ich Tausende. und nun hören Sie weiter: Gicht und Rheumatismus können nur von innen heraus wirklich kuriert werden, durch Entgiftung des Blutes. Dieses ist verunreinigt durch harnsaure Salze, und diese müssen heraus Einreiben und M.— und Warmhalten nichts. zurückgebliebene sonst nützt alles ichZur Beseitigung der Harnsäure dient das tosint. Sie können das glauben oder nicht. aber Sie sollen keinen Pfennig dafür ausgeben, eye Sie sich überzeugt haben. Teilen Sie uns ihre Adresse auf einer Postkarte sofort Sie diese an: Generaldepot der Vikmit und adressieren toria-Apotheke, Berlin Jhnen mit weiteren sung zu potheke, Berlin A 93. 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Fa folgen der Stä beiter, die Met zukünftigen We alle Berufsgrun einzelnen Verei zügliche AnhaltEin besonde einsleben lichen Vereinen lungen abgehalt Vereine veranst terrichtskurse, di hinzogen und 31 waren. Durchsch regelmäßig dara dadurch ihr Wi auch in den V halten werden. beitervereinsben lichkeit der Ar sammlungen un allen Fragen de In der bandes sind leute tätig. An Bewegung. So Tatiakeit erschei Vereins= und treuen Pioniere Haus zu Haus torischen Arbeite Last. Sie kann a gesunder Ideali der Bewegungsi Das reli vereinen ist zelnen, die sich Bewegung. 10: Exerzitien teilge ten„Schwarzen stischen Kreisen geistert für ihre 146 Mitglieder allen Vereinen eingeführt und Die W Verbandes benutzt worden. kasse. Ueberall bandes, die Leo gliederzahl de wünschen übrig. Die Ver same Bezirksver fanden 2 Deleg Vorstandssitzung gen. In mehre Delegierte mit der Arbeiterscha dessen war es 1 bei den Kommi den Kreistagwa Mit großem zirksfest in beiter des Bezi gaben ein berel gung. Ebenfall vereins Dülmen Appelhülsen ein Im Mittel beitersekre segensreiche Tät ausgehenden schätzt werden. sekretariat aus Tagungen besud mitgezählt sind deren Mitarbei In der Zeit vo schutzsachen vom den. Davon we versicherungsam dem Amtsgerick selg dreier Ver ahlen ausgedi konnte ein Ge 9195.20 Mark 1 1865 und an Kassenabschluß i Mk. Ausgabe fe Delegiertentag des Bezirksverbandes Münster der Kath. Arbeitervereine. er= Münster, 6. Mai 1930. Am Sonntag tagten in Münster im Kettelerheime die Delegierten der Arbeitervereine des Bezirksverbandes Münster, zu der die Delegierten der einzelnen Vereine recht zahlreich erschienen waren. Die Bedeutung der Tagung wurde noch gehoben durch einen angekündigten Vortrag des Reichstagsabgeordneten Riesener, Gladbeck, der über die Zentrumspolitik der letzten zwei Jahre, insbesondere aber über die Zentrumspolitik seit der Regierungsübernahme durch Reichskanzler Brüning sich verbreitete. Am Morgen fand eine interne Versammlung statt, die die Angelegenheiten des Verbandes zum Thema hutte. Ein klares und anschauliches Bild gibt der Jahresbericht. Die Katholischen Arbeitervereine im Bezirke Münster haben im Jahre 1929 einen erfreulichen Aufstieg zu verzeichnen. Trotzdem die Arbeitslosigkeit zu mancherlei Mißstimmungen Anlaß gab, trotzdem zu Anfang des Jahres 1929 der ungewöhnlich strenge Winter die Arbeit in den Vereinen behinderte, und zum Schluß des Jahres die Kommunalwahlen von der Vereinstätigkeit und der Mitgliederwerbung ablenkten, sind die Vereine in sich gesestigt worden und ist die Mitgliederzahl des Bezirksverbandes gesteigert. Während am 30. 12. 1928 4158 Mitglieder gebucht werden konnten, wurden für den 31. 12. 1929 4229 Mitglieder gemeldet. Den Hauptanteil an diesem Zuwachs hat der Arbeiterverein Borghorst, der sich in diesem Jahre zu einer gründlichen Hausagitation aufraffte. Der Erfolg wiegt den Verlust einzelner Vereine doppelt wieder auf. Dem Beispiel des Vereins Borghorst werden in diesem Jahre eine Anzahl anderer Vereine folgen müssen. Die„Westdeutsche Arbeiterzeitung“. das Verbandsorgan der Kath. Arbeitervereine, wird von 3907 Mitgliedern gehalten, während die„Werkjugend“ nur von 107 jugendlichen Mitgliedern bezogen vird. Die letztere Zahl ist gegenüber der von den Vereinen gemeldeten Zahl der Jugendlichen unter 20 Jahren, die sich auf 412 beläuft, viel zu gering. Die Jugendorganisation der Arbeitervereine, die„Werkiugend“, hat sich im gesamten Verbandsgebiet erfreulicherweise Anerkennung errungen. Es ist freilich schwer, in den Landgemeinden die Jugend für die besondere, ernste Art der Werkjugend zu gewinnen, aber von Jahr zu Jahr schließen sich immer mehr aufrechte und arbeitsfreudige junge Arbeiter an. Den Vereinen ist sehr zu empfehlen, auf die Heranziehung und Mitarbeit der Arbeiterjugend besonders großen Wert zu legen. Die Altersverhältnisse in den Arbeitervereinen des hiesigen Bezirkes sind sehr günstig. 10,6 Prozent der Mitglieder sind unter 20, 18 Prozent unter 30. 24,1 Prozent unter 45 und 47.3 Prozent über 45 Jahre alt. In einigen Vereinen, besonders in denen der Stadt Münster, könnten allerdings die Verhältnisse bei weitem besser sein. Entsprechend der beruflichen Struktur des Bezirkes ist auch die Berufszugehöriakeit der Vereinsmitglieder. Fast 30 Prozent sind Textilarbeiter, ihren folgen der Stärke nach die Bauarbeiter, die Volzarbeiter, die Metallarbeiter und die Landarbeiter. Bei zukünftigen Werbeaktionen wird zu beachten sein, ob alle Berufsgruppen entsprechend ihrer Stärke u. den einzelnen Vereinen vertreten sind. Hier eibt es vorzügliche Anhaltspunkte für die Werbetätigkeit. Ein besonders erfreuliches Bild bietet das Vereinsleben und Bildungswesen. In sämtlichen Vereinen wurden durchweg monatlich Versammlungen abgehalten. Im Jahre 1929 waren s 265. 13 Vereine veranstalteten während der Wintermonate Unterrichtskurse, die sich zum Teil durch den ganzen Wieter hinzogen und zum Teil auf eine kürzere Zeit beschtänkt waren. Durchschnittlich beteiligten sich 40—50 Mitglieder regelmäßig daran und im ganzen haben 552 Mitglieder dadurch ihr Wissen erweitert. Wenn man bede kt. daß auch in den Versammlungen regelmäßig Vorträg gehalten werden, so kann man die ganze Tätigkeit der Arbeitervereinsbewegung nur als eine ausgezeichnet Möglichkeit der Arbeiterbildung bewerten. In den Versammlungen und Kursen wurde Stellung genommen zu allen Fragen des Lebens. In der Organisation des Bezirksve bandes sind 383 Vorstandsmitglieder und Vertrauensleute tätig. Auf diese stützt sich vornehmlich die ganze Bewegung. So gering und unscheinbar den Laien diese Tatiakeit erscheinen mag. so wichtig ist sie für das ganze Vereins= und Verbandsleben. Auf der Schulter dieser treuen Pioniere, die wöchentlich das Verbandsorgan von Haus zu Haus tragen und zu allen sonstigen organisatorischen Arbeiten herangezogen werden, ruht eine grone Last. Sie kann auf die Dauer nur getragen werden, wenn gesunder Idealismus und schöne Erfolge die Freude an der Bewegung stärken. Das religiöse Leben in den Arbeitervereinen ist nicht nur eine Kraftquelle für die Einzelnen, die sich beteiligen, sondern auch für die gesamte Bewegung. 102 Mitglieder haben im Jahre 1929 an Exerzitien teilgenommen. Sie wurden in der sogenannten„Schwarzen Stahlschmiede“, wie man in den soziatistischen Kreisen die Ererzitienhäuser gerne nennt, begeistert für ihren Glauben und gestärkt in ihren Idealen. 146 Mitglieder nahmen an Einkehrtagen teil. Fast in allen Vereinen ist die gemeinschaftliche hl. Kommunion eingeführt und findet rege Beteiligung. Die Wohlfahrtseinrichtungen des Verbandes sind von den Vereinsmitgliedern fleißig benutzt worden. 15 Vereine haben eine Sterbeumlagekasse. Ueberall ist die Versicherungsgesellschaft des Verbandes, die Leokasse, eingeführt. Dagegen läßt die Mitgliederzahl der Zentral=Krankengeld=Zuschußkasse zu wünschen übrig. Die Vereinsarbeit wurde noch durch gemeinsame Bezirksveranstaltungen gefördert. Im Jahre 1929 fanden 2 Delegiertentagungen statt, denen je 2 BezirksVorstandssitzungen und Präsideskonferenzen vorausgingen. In mehreren Konferenzen befaßten sich besondere Delegierte mit den Kommunalwahlen und den Cinfluß der Arbeiterschaft auf die Parteiorganisation. Infolgedessen war es möglich, daß die katholische Arbeiterschaft bei den Kommunalwahlen überall, vor ailem auch bei den Kreistagwahlen erfolgreich vorstoßen konnten. Mit großem Erfolg wurde im Jahre 1929 das Bezirksfest in Münster gefeiert. An die tausend Arbeiter des Bezirksverbandes zogen durch die Stadt und gaben ein beredtes Zeugnis von der Stärke der Bewegung. Ebenfalls hatte auch das Jubelfest des Knappenvereins Dülmen und die Fahnenweihen in Ascheberg und Appelhülsen einen guten Verlauf. Im Mittelpunkte der Bewegung steht das Arbeitersekretariat. Es konnte im Jahre 1929 eine segensreiche Tätigkeit entfalten. Der Erfolg der von ihm ausgehenden Anregungen kann zahlenmäßig nicht abgeschätzt werden. Im Berichtsjahre wurden vom Arbeitersekretariat aus 270 Versammlungen, Konferenzen und Tagungen besucht. 95 Vorträge wurden gehalten. Nicht mitgezählt sind hierbei die vom Bezirkspräses und anderen Mitarbeitern wahrgenommenen Versammlungen. In der Zeit von 1. 4. bis 31. 12. 1929 sind 405 Rechtsschutzsachen vom Arbeitersekretariat aus bearbeitet worden. Davon waren 55 Terminsachen, die vor dem Oberversicherungsamt, dem Spruchausschuß des Arbeitsamtes. dem Amtsgericht usw. vertreten worden sind. Der Erfolg dieser Vertretungen kann nicht in allen Fällen in ahlen ausgedrückt werden. Soweit das möglich war. konnte ein Gewinn für die Mitglieder in Höhe von 9195.20 Mark verbucht werden. An Posteingängen sind 1865 und an Ausgängen 2735 zu verzeichnen. Der Kassenabschluß ist mit 7912.14 Mk. Einnahme und 7555,91 Mk. Ausgabe festgestellt. Der Bericht erweist, daß die Katholischen Arbeitervereine im Bezirksverbande Münster eine beachtliche Bewegung darstellen, die vorwärts und aufwärts will. Möge ihr auch fürderhin der Erfolg nicht versagt bleiben. Weiterhin machte ein Vertreter des Jugendwerkes, Herr Winkelheide, Recklinghausen, beachtenswerte Ausführungen über Die katholische Werkjugend in den Nöten und Wirrnissen der Zeit, und die Aufgabe der katholischen Arbeitervereine. Die christliche Arbeiterjugend, insbesondere die kath. Werkarbeiterjugend, erleidet tagtäglich ein gefährliches Schicksal. Vornehmlich im rheinisch=westfälischen Industriegebiet krachen stündlich die weltanschaulichen, politischen und sozialen Ideen und Kräfte gegeneinander. In dem stark bevölkerten Städteland an der Ruhr, dessen Vorwärtsentwicklung amerikanisches Tempo angenommen hat, macht sich auf der anderen Seite eine maßlose Gleichgültigkeit in ideeller Hinsicht mitsamt einer übergroßen Gier nach Genuß breit. In dieser Welt suna zu sein, ist beinahe undenkbar, in dieser Welt Arbeiter zu sein, ist hartes, unerbittliches Schicksal; in dieser Welt katholisch zu sein, ist fast eine Tragödie. Hier atmen und wachsen viele Tausende junger christkatholischer Männer und Mädchen unter Mitmenschen, die den Sinn der Welt mit allen Mitteln der Wissenschaft auf die Erde verlegt haben. Man sollte begreifen lernen, was es heißt hier jung, hier proletarisch und katholisch zu sein. Der junge katholische Proletarier steht tagein, tagaus vor demselben unerbittlichen Schicksal: Proletarier und Katholik zu sein. Die Ausführungen zeigen in ihrer„Schwarz=Weiß“Zeichnung das Problem in seiner ganzen Größe. Wer offenen Auges durch unser Industrieland geht, muß gestehen, daß unsere katholische Arbeiterjugend unter einem einzigartigen Schicksal steht. Das Schicksal der arbeitenden Jugend bekommt durch Elternund Familiennot durch eine besondere Sexualnot, durch Berufs=, Arbeits= und Standesnot sein trauriges Gepräge. Zieht der Arbeiterjunge seine Kinderschuhe endgültig aus und fängt er ernstlich an, sich in seiner Umwelt, in der Gesellschaft und Wirtschaft umzusehen, dann spürt er, daß es in eine Schicht hineingeboren ist, die auf der untersten Stufe der Jozialen Rangordnung der Stände und Gruppen steht, und die in einem gewaltigen Ringen um ihren Aufstieg begriffen ist. Manche essen erst spät von dieser Frucht der Erkenntnis einer tiefen Zerklüftung der menschlichen Gesellschaft. Dem Sozialisten= und Kommunistenkind wird von Kindesbeinen an gleichsam der Klassenhaß eingeimpft. Der Durchschnitt, der katholischen Arbeiterjungen wächst in einer anderen Atmospäre auf. Eingebettet in den Geist der katholischen Familie, umgeben vom Lebensideal der katholischen Jugendvereine wird die Stunde der Erkenntnis der großen sozialen Kämpfe oft lange hinausgeschoben. Aber sie kommt. Sie kommt, weil sie kommen muß, weil die harte, rauhe Wirklichkeit sie herbeiführt. Sie kommt auch, wenn der Junge in Spiel und Sport das Leben lange nur von der angenehmen Seite anzusehen schien. Wehe, wenn der Klassenkampf den katholischen Arbeiterjungen geistig unvorbereitet überrascht. Wie schnell sind dann oft Bedingungen, die man für fest und dauernd hielt, zerrissen. In dem Augenblick, wo der Arbeiterjunge anfängt, sich mit dem Problem Gesellschaft, Stand und Klasse geistig auseinander zu setzen, tut er gleichzeitig den letzten, entscheidenden Schritt ins geistige, politische und wirtschaftliche Leben. Vielen, und nicht den schlechtesten wird das Gesellschafts= und Wirtschaftsproblem dann zu einer großen seelischen und geistigen Not. mit der sie ein Menschenleben zu ringen haben. Umkämpft von allen Seiten, hin= und hergezerrt zwischen Klassenhaß und Gemeinschaftsgeist, wissen sie nicht, ob sie die Menschheit u. deren große Institutionen lieben oder hassen sollen Einem großen Teil gelingt es nicht, sich zur Klarheit des katholischen Standesgedankens durchzuringen und sich einen festen geistigen Halt in der menschlichen Gesellschaft zu verschaffen. Hat sich aber der katholische Arbeiterjunge zu einer wahrhaftigen Standessolidarität durchgerungen, dann lastet auf seiner Seele die ganze Not es Standes, dessen Bedrängnissen, dessen Zerrissenheit, dessen wirtschaftliche Unsicherheit und dessen Verachtetsein in der modernen Gesellschaft. Auch das ist eine bittere Not, die gerade den Besten unter den denkenden Arbeiterjungen schwer auf der Seele lastet. So hat das Schicksal der Arbeiterjungen sein besonderes Gesicht. Die katholische Arbeiterbewegung hat an dem jungen Werkvolk eine Mission zu erfüllen, eine Sendung, eine Aufgabe. Geredet worden ist genug über die schlechte Jugend. Der moralischen Entrüstung über die verdorbene Jugend Ausdruck zu geben, ist keine Erfüllung der Mission, die uns gestellt ist. Die moralische Entrüstung ist dazu auch noch ungerecht. Wir müssen mit unserer Jugend und für unsere Jugend handeln. Dieses Handeln muß getragen werden von einem tiefen Verantwortlichkeitsgefühl, für unsere Jugend. Anton Heinen hat mit Recht einmal ausgeführt: Ein Stand, der an sich selbst glaubt, wird die Sorge für seine Jugend und die Bildung seiner Jugend nicht irgendwelchen standesfremden Elementen, Persönlichkeiten und Organisationen überlassen, sondern wird die Sorge für seine Jugend und ihre Heranbildung im rechten Geiste selbst ernstlich sich auf das Gewissen laden und tatkräftig in die Hand nehmen. Die Erkenntnis dieser Pflicht ist uns seit Jahren immer deutlicher vor die Seele getreten. Ihre Erfüllung haben wir im Jahre 1925 in der Grüdung der Werkjugend mutig begonnen. Jedoch, noch stehen wir am Anange unserer Arbeit. Wir begrüßen freudig die Mitarbeit unserer Freunde, seien es Priester, Lehrer oder Akademiker. Wir wissen, daß die Aufgaben, die an der arbeitenden Iugend zu erfüllen sind, groß, zahlreich und schwer sind. Wir sind fest davon überzeugt, daß wir ohne die seelsorgliche Unterstützung unsere Aufgabe überhaupt nicht erfüllen können. Wir wissen auch die erzieherische Arbeit der katholischen Jugendvereine und Bünde, der Kongregationen an unserer Jugend, zumal, wenn sie sich immer stärker in unserem Sinne vollzieht, hochzuschätzen. Aber es ist unsere innerste Ueberzeugung, daß ein gerütteltes Maß von Verantwortung auf unsere Schultern fällt. Denn schon seit Jahren machen wir die betrübende Erfahrung, daß die jungen katholischen Arbeiter sich zum großen Teil überhaupt nicht mehr im katholischen Organisationslager befinden, oder daß sie ihm nur als tote Mitglieder angehören. Wir sehen, daß die religiöse Verbundenheit allein bei der reiferen Arbeiterjugend nicht mehr so stark ist, daß sie der Anknüpfungspunkt für die organisatorische Erfassung— etwa im Jungmännerverband— sein könnte. Auch die Verbundenheit aus dem Berufsgedanken heraus, wie sie der Gesellenverein pflegen will, ist bei der ständig wachsenden Zahl der nichtgelernten Arbeiter nicht vorhanden. So kann bei dieser Jugend nur ein Moment das Ausschlaggebende für einen Zusammenschluß sein: Das Bewußtsein der Zugehörigkeit zu einer Schicht, zu einem Stand, in den sie hineingeboren und hineingestellt ist, und mit dessen Schicksal auch ihr Schicksal unzertrennlich verdunden ist. Dies Bewußtsein lebt tatsächlich stark und unausrottbar in einem großen Teil der jungen Arbeiterschaft. Das beweisen die paar Jahre, in denen wir Werkjugendarbeit in den einzelnen Bezirken geleistet haben. Die junge Arbeiterschaft erwartet mit Recht, daß der ältere gereiftere Kollege ihm mutig, vertrauensvoll und hilfsbereit die Hand zur gemeinsamen Arbeit entgegenstreckt. Darum legen wir endlich im Angesiche der Nöte und Kämpfe unserer Jugend und im Hinblick auf die gemeinsame Aufgabe unserer Standwerdung die Hände zusammen. * Am Nachmittage versammelten sich die Delegierten wieder im Kettelerheime. Arbeitersekretär Rüberg, Münster, eröffnete die Versammlung und gab einige einleitende Worte über den Vortrag des Reichstagsabgeordneten Riesener. Zuvor aber noch sprach Diözesanpräses Dr. Konermann und betonte vor allen Dingen die Wichtigkeit der Jugendarbeit. Ganz besonders machte er noch auf die regelmäßig stattfindenden Exerzitienkurse für die arbeitslosen Jugendlichen aufmerksam und richtete an alle Bezirksleiter die dringende Bitte, in ihrem Wirkungskreis doch darauf hinzuwirken, daß möglichst viele junge Leute an den Kursen teilnähmen. Alsdann ergriff Reichstagsabgeordneter Riesener das Wort zu einem längeren über eineinhalb Stunde dauernden Vortrag, aus dem wir nur die Hauptmomente herausgreifen können. Er sprach über die aktuellen politischen Tagesfragen, wie Sturz der Regierung Müller, Neubildung des Kabinetts Brüning, Schutzzölle, Sanierung der Reichsanstalt für Arbeitslosenversicherung, Biersteuer, Besteuerung der Konsumvereine usw. Der Vortrag fand die gespannteste Aufmerksamkeit der Zuhörer. Er wirkte durch seine Offenheit und die Wucht der Einzeltatsachen geradezu erfrischend. Riesener illustrierte besonders scharf das zwiespältige Verhalten der Sozialdemokratie. Ist die Sozialdemokratie an der Regierung beteiligt, dann redet sie anders als wenn sie in der Regierung sitzt. Jedesmal wenn, nicht durch die geringste Schuld der Sozialdemokratie, der Karren in den Dreck gefahren ist, dann drückt sie sich vor der Verantwortung. Der Sturz des Kabinetts Müller war nicht notwendig. Die Sozialdemokratie hat ihn leichtsinnig herbeigeführt und sich selbst von der Regierung ausgeschlossen. Dagegen ist die Politik der Zentrumspartei klar und eindeutig. Nach einer kurzen Zeit der Nichtbeteiligung an der Regierung hat das Zentrum in schwerster Stunde wiederum die größte Verantwortuna übernommen. Es liegt im Wesen der Zentrumspartei, positiv mitzuarbeiten und sich stets erhaltend zu betätigen. Das Zentrum hat jetzt wieder seine besten Leute zur Verfügung gestellt. Zu Brüning kann man uneingeschränktes Vertrauen haben. Das, was er bisher erreicht hat, ist im ganzen gesehen eine große Leistung. Müller=Franken hat wochenlang gebraucht, um ein Kabinett zusammenzustellen. Brüning hat sein Kabinett in zwei Tagen auf die Beine gebracht. In zehn Tagen hat Brüning die großen entscheidenden Gesetentwürfe durchgebracht. In offener Feldschlacht hat er seine Pläne durchgeführt. Es ist jetzt wieder eine feste Hand da. Darauf hat das deutsche Volk lange gewartet. Brüning ist ein Mann, der etwas weiß, der vor allem weiß, was er will. Er ist ein lauterer Charakter und genießt das höchste Ansehen. Steaerwald, der Mitbegründer der christlichen Gewerkschaftsbewegung in Deutschland und langjähriger Führer des Deutschen Gewerkschaftsbundes, wird im Reichsarbeitsministerium bestimmt nicht die klägliche Rolle spielen, wie sein Vorgänger Wissell. Man darf von ihm erwarten, daß er eine stärkere Initiatipe entweckeln wird, als Wissell. Stegerwald ist kein Abbauminister, wie ihn die Sozialdemokraten jetzt verlästern. Alles das, was der Parteivorsitzende, Prälat Kaas schon vor Monaten an Besorgnissen für die Zukunft Deutschlands geäußert hat, ist eingetroffen. Aber man hat ja in anderen Lagern nicht auf das Zentrum gehört. Erst jetzt sieht man ein, wie richtig die Haltung der Zentrumspartei gewesen ist. Kaas und Brüning haben in Paris und im Haag dem deuschen Volke große und weittragende Opfer erspart. Brüning hat alles getan, um die notwendigen Gesetze mit der alten Koalition zu schaffen. Er ist nicht schuld am Sturz des Kabinetts Müller. Wenn die Sozialdemokraten das jetzt behaupten, so ist das wiederum eine hetzerische Phrase. Brüning hat nicht daran gedacht, mit den Sozialdemokraten zu brechen. Das vorgeschlagene Notopter ist nicht an der tung der Zentrumspartei gescheitert. Das Zentrum hat immer wieder mit aller Deutlichkeit den Gedanken des Notopfers in den Vordergrund gestellt. Allerdings hat es darauf hingewiesen, daß nicht nur allein die Beamtenschaft das Notopfer aufbringen dürse. Die Sozialdemokratie hat alles getan, um das Notopfer stillschweigend kaputt zu machen. Die Sozialdemokratie dachte garnicht daran, das Notopfer mitzumachen. Sie ist erst für das Notopfer eingetreten, als sie aus der Regierung heraus war. Wir müssen uns hüten, den sozialdemokratischen Phrasen zu glauben. Die Sozialdemokratie war auch für eine Reform der Arbeitslosenversicherung. Dafür sind Beweise vorhanden. Die sozialdemokratischen Vorschläge zur Reform der Versicherung waren viel weitgehender als die Vorschläge des Zentrums. Wenn die Sozialdemokratie jetzt behauptet, das Zentrum wolle einen Abbau der Arbeitslosenversicherung herbeiführen, so ist das eine glatte Irreführung der öffentlichen Meinung. Die Persönlichkeit Stegerwalds bürgt dafür, daß ein Abbau nicht in Frage kommt. Mit der Arbeitslosenversicherung wäre es nicht so weit gekommen, wenn der sozialdemokratische Arbeitsminister Wissell mehr Führung und Initiative gezeigt hätte. Was jetzt im Agrarprogramm gemacht worden ist, dem haben früher die Sozialdemokraten selbst zugestimmt. Die jetzige Agitation der Sozialdemokraten gegen die Agrargesetze fällt beinahe in das Bereich des Lächerlichen. Im Dezember und März haben die Sozialdemokraten die beiden großen Zollvorlagen selbst mitgemacht. Sie dürfen jetzt nicht kommen und der Arbeiterschaft erzählen, das Zentrum habe das Brot und die Milch verteuert. Man muß die Dinge sehen, wie sie sind. Der größte Teil der Zölle wirkt sich zur Zeit noch nicht aus, weil er noch nicht in Kraft tritt. Die Notlage vor allem in der Landwirtschaft des Ostens ist sehr groß. Arbeitsbeschaffung für die ländlichen Arbeiter ist Hauptsache. Man kann sich den berechtigten Forderungen der Landwirtschaft nicht verschließen. Was jetzt an Agrargesetzen gemacht worden ist, kann man sehr gut verantworten. Die deutsche Landwirtschaft ist der beste Kunde der Industrie. Sie beschäftigt zur Zeit 20 Millionen Menschen. Diese müssen von der Zuwanderung in die Industrie ferngehalten werden. Wir haben hier Arbeitslosigkeit gerade genug. Die Bayern haben in der Fage der Biersteuer nicht gerade eine staatsmännische Haltung eingenommen. Die Sozialdemokraten haben in der Regierung für die die Biersteuer gestimmt, außerhalb der Regierung dagegen. Die Umsatzsteuer für Konsumvereine ist nicht gerechtfertigt. Nicht nur das Zentrum hat aus dem zwingenden Grunde der Sanierung der Reichskasse dafür gestimmt, sondern auch einflußreiche Kreise der Sozialdemokratie haben den Vorschlag gemacht, eine Erhöhung der Umsatzsteuer vorzunehmen.(Riesener erwähnte z. B den Artikel des führenden sozialdemokratischen Finanzsachverständigen Keil im Vorwärts.) Dieser Vorschlag war noch viel weitergehend als der der Zentrumspartei. Die Sozialdemokraten hätten eine Erhöhung der Umsatzsteuer verhindern können. Sie haben es nicht getan. Wenn sie in der Regierung geblieben wären, wäre das Finanzprogramm anders ausgefallen. Kein Zentrumsmann hat eine Erhöhung der Umsatzsteuer gewünscht. Aber im Interesse des Staatsganzen mußten Opfer gebracht werden. Auch andere Parteien, z. B. die Wirtschaftspartei und die Deutsche Volkspartei haben Zugeständnisse machen müssen. Das Zentrum wird alles versuchen, um diese Sondersteuer wieder zu beseitigen. Andererseits aber haben wir das Vertrauen zu unseren Genossenschaften, daß sie durch diese Belastung nicht zugrunde gehen werden. Es muß jetzt erst recht der letzte Arbeiter herangeholt werden. Wir konnten es nicht verantworten, wegen der Umsatzsteuer das Kabinett Brüning, in dem unsere führenden Männer wie Stegerwald und Wirth sitzen, zu stürzen. Die Sozialdemokraten haben keinen Grund, mit der Aeußerung des Abgeordneten Schlack hausieren zu gehen. Schlack hat seine Aeußerung dem Reichskanzler Brüning gegenüber richtig gestellt. Das Kabinett Brüning ist nicht sozial-reaktionär. Es kann jeden Vergleich mit dem Kabinett Müller=Franken aushalten. Wir können zur Regierung Brüning volles Vertrauen haben. Lassen wir ihr Zeit, ihre Pläne durchzuführen. Die Sozialdemokraten haben es in der Hand gehabt, die Regierung Brüning zu stürzen. Sie haben es nicht getan. Das ist bezeichnend. Die Zentrumspartei hatte keine Angit, in den Wahlkampf zu gehen. Wir wären aus dem Wahlkampf gestärkt hervorgegangen. Wir haben genug Material gegen die Sozialdemokratie. Unsere Arbeiter sind zu vernünftig, um auf die verlogene sozialdemokratche Agitation hineinzufallen. Letztlich muß man die Politik in ihrer Gesamtheit sehen. Wir müssen zu unseren Führern stehen, die sich die größten Verdienste erworben haben. Wenn es demnächst wieder aufwärts geht, und diese Hoffnung dürfen wir zu versichtlich haben, dann werden wir das unserer verdienten und verantwortungsbewußten Zentrumspartei zu verdanken haben. Die Rede Rieseners wurde wiederholt von lauten Beifallskundgebungen unterbrochen. In herzlichen Worten dankte Herr Rüberg für die hrungen des Redners und betonte, daß es von Zeit zu Zeit notwendig sei, die politischen Ereignisse im großen Zusammenhang gesehen zu betrachten. Denn man sehe sonst nur immer die Einzelheiten und vergesse dabei das Ganze, den Rahmen, in dem diese Einzelheit sich zugetragen. In der nach dem Vortrag recht lebhaft einsetzenden Aussprache fanden verschiedene Punkte des Vortrages noch eine eingehende Würdigung. Besonderes Interesse fanden die Beamtenbesoldungsreform und vor allem die Verwaltungsvereinfachung. Auch über die anderen Fragen wie Notopfer, Agrarhilfe und Arbeitslosenversicherung wurde lebhaft debattiert. Die Aussprache fand ihren Schluß in der einstimmigen Annahme mehrerer Entschließungen, in der man Zentrumskanzler Brüning vollstes Vertrauen aussprach und sich gegen die verleumderische Hetze der Sozialdemokraten wandte. Entschließung. Der Delegiertentag der Kath. Arbeitervereine des Bezirksverbandes Münster erkennt die Haltung der Zentrumsfraktion des Reichstages zu den volitischen Ereignissen der letzten Woche grundsätzlich als richtig an. Dem Reichskanzler Dr. Brüning bringen die Delegierten ihr volles Vertrauen entgegen und danken ihm für sein tatkräftiges und entschlossenes Handeln zur Rettung des demokratischen Volksstaates. Die seige Scheu der Sozialdemokratie vor der Verantwortung muß als arbeiterfeindlich gebrandmarkt werden. Im einzelnen stellt der Delegiertentag noch folgende Forderungen auf: Arbeitslosenversicherung. Die Bestimmungen der Arbeitslosenversicherung dürfen unter keinen Umständen herabgesetzt werden. Daran kann nichts mehr geknäppt werden, wenn nicht Gesundheit und Leben der Erwerbslosen und ihrer Familien noch mehr gefährdet werden soll. Wir wenden uns auch gegen eine allzukleinliche Auslegung des Gesetzes durch die Arbeitsämter, die durch die starke Einschränkung des Rechtsweges noch gefördert wird. Notopfer. Wenn wir auch die steuergesetzlichen Maßnahmen der Regierung Brüning aus politischen und wirtschaftlichen Gründen als notwendig anerkennen müssen, so sind wir uns doch bewußt, daß durch die Erhöhung der Steuern und Zölle eine erhebliche Belastung der verbrauchenden Massen eintreten wird. Die Not der Arbeiterschaft und besonders der Erwerbslosen wird infolgedessen vorerst noch vermehrt. Das Opfer, das die breite Masse dadurch bringt, ist angesichts dieser Not doppelt groß und kann nur getragen werden. wenn schnell eine Besserung ihrer Lage eintritt. Wir unterstützen daher die Forderung des Zentrums nach einem allgemeinen Notopfer der Festbesoldeten und Besitzenden, deren Einkommen eine gewisse Grenze übersteigt und begründen es damit, daß Wirtschaftskrisis und Arbeitslosigkeit vom gesamten Volke überwunden werden müssen. Entschließung. Der Delegiertentag der Katholischen Arbeitervereine richtet an die Zentrumsabgeordneten im sozialpolitischen Ausschuß des Reichstages die Bitte, für eine baldige Aenderung der§§ 1259 Abs. 1 und 1291 Abs. 1 RVO. in der Weise Sorge zu tragen, daß die Waisenrente aus der Invalidenversicherung bezw. der Kinderzuschuß zur Invalidenrente generell bis zum 18. Lebensjahr gewährt wird. Zur Begründung der Vitte weisen wir darauf hin, daß die jetzige Fassung der Paragraphen zu unerträglichen Auswirkungen geführt hat. Vielen Rentenempfängern oder Witwen ist es nicht möglich, ihre Kinder frühzeitig in ein ordentliches Lehrverhältnis unterzubringen. Das führt immer zu einer Entziehung der Renten gerade dann, wenn sie am nötigsten gebraucht werden. Nach§ 1291 RVO. wird für den Bezug des Kinderzuschusses über das 15. Lebensjahr hinaus neben der Berufs= oder Schulausbildung auch noch die überwiegende Unterhaltung durch den Versicherten verlangt. Bei der geringen Höhe der Rente und der sonstigen wirtschaftlichen Lage kann davon nur in den seltensten Fällen die Rede sein. Ferner stellen sich auch nach dem 15. Lebensjahr oft noch Gebrechen ein, die die Weitergewährung der Renten bedingen. Nach unserer Meinung kann die durch die Aenderung des Gesetzes in unserem Sinne entstehende Mehrbelastung der Versicherung nicht wesentlich sein, zumal dadurch erbebliche Verwaltungs= und Streitverfahrenskosten erspart werden können. 4 1 5 Aus Münster und dem Münsterland. Der Reichsverbandsgeschäftsführer der Kriegsbeschädigten schädigt seine Betreuten. + Münster, 5. Mai Die Bezirksgeschäftsstelle des Reichsverbandes der Kriegsbeschädigten in Münster wurde seit dem Februar 1925 von einer bezahlten Kraft, dem Geschäftsführer Ernst H., geleitet. Witwen und Kriegsbeschädigte wurden, wie die Anklage darlegt und in der sieben Namen Geschädigter aufgeführt sind, um namhafte Beträge geprellt. Am charakteristischsten war der Fall des Fabrikarbeiters O. aus Lengerich. O. beanspruchte eine höhere Rente wegen seiner Kriegsbeschädigung. Der Verband unterstützte seine Bemühungen und H. stellte sich pflichtgemäß in den Dienst der Sache. O.s Rentenansprüche wurden genehmigt. Nach getaner Arbeit aber verlangte H.„Gebühren“. Die Verfechtung der Rentenangelegenheit sei ein schweres Stück Arbeit gewesen und seine Ausgaben seien sehr groß gewesen. Nun bekam O. eine Nachzahlung von über 500 Mark und H. behielt 248 Mark für sich. Vier Briefe sind in den Untersuchungsakten, die dem Schöffengericht in Münster vorliegen und die Auskunft über die Taktik des H. geben. Der Vorsitzende, der des öfteren die Schamlosigkeit des Angeklagten den Witwen und Kriegsbeschädigten gegenüber rügte, fragte den Angeklagten, warum er die Beamten des Versorgungsgerichtes in verantwortungsloser Weise als Schild vor seine Taten erhebe. Angeklagter: Ich wollte nach außen den Namen haben, daß man mir nicht mit Geldern beikommen könne. Die Verhandlung vor dem Schöffengericht in Münster rückte alle sieben Fälle der Anklage ins rechte Licht. Immer wieder kehrte die Frage des Vorsitzenden nach der Vermögenslage der Geschädigten und die Antworten schwankten zwischen: Schlecht und Bescheiden, Eklatant war die Schädigung einer Witwe. Sie bekam eine Nachzahlung von 1800 Mark vom Versorgungsgericht, aber bis zu der Witwe gelangten nur 300 Mark. Als die Witwe ihr Geld haben wollte, erklärte H., daß er den Aerzten für ihr Gutachten 1200 Mark gezahlt habe. Diese Angabe war frei ersunden und als die Witwe für das „schwere Stück Arbeit“ eine Belohnung von 200 Mark zum Geschenk anbot, sagte H.:„Das ist aber wenig!“ Die Witwe gab ihm darauf 300 Mark. Die anderen Fälle lagen äbnlich und als der Richter die Summe der„Gebühren“ addierte, stellte sich als Endsumme ein Betrag von 4400 Mark heraus. Mit einigen Tausend Mark sind nun die Verwandten eingesprungen und H., der selbst wieder eine Stelle gefunden hat, zahlt in monatlichen Raten einen Teil seiner Schuldsumme ab. H. tat ein weiteres, er trug auch seine Schuld bei den Beamten des Versorgungsamtes ab, indem er ausdrücklich erklärte, daß er keine Bestechungsgelder zahlte noch daß der Gedanke an Vestechungsgelder beim Versorgungsamt auftauchte. Ein Bürogehilse, der unter H. an der Geschäftsstelle des Reichsverbandes der Kriegsbeschädigten tätig war. erklärte als Zeuge, daß er der Meinung ist, daß H. des öfteren die Vollmachtserklärung der Rentenempfänger auf seinen Namen ausstellte, um die Rente in Empfang nehmen zu können. Er entsinne sich, daß H. einmal ein Rezept eines münsterischen Arztes mit des Arztes Namen sälschte. Der Staatsanwalt verurteilte mit scharfen Worten das Tun des Angeklagten und beantragte insgesamt 42 Monate Gefängnis und sofortige Verhaftung des Angeklagten. Das erweiterte Schöffengerich“ bestrafte H. wegen Betruges und verleumderischer Beleidigung mit einem Jahr und drei Monaten Gesängnis und drei Jahren Ehrverlust. Das Gericht erließ jedoch keinen Haftbesehl. eines Berliner Kommissars durch einen holländischen Kriminalinspektor. Das Finanzamt hat nun am Sonnabend nachmittag die Vermögenswerte der Petrolea und der Kunzendorfer=Werke beschlagnahmen lassen. Ob die Kunzendorfer Aktien allerdings noch irgendeinen Wert besitzen, ist sehr fraglich, da das Unternehmen bei einem Aktienkapital von 50 000 Mark Verpflichtungen in Höhe von 125 000 Mark besitzt und da die Liquidation der Werke kaum abzuwenden sein wird. Wie weiter bekannt wird, wird das Ermittlungsverfahren durch die Staatsanwaltschaft jetzt auch auf den in den Verhandlungen des Landtagsausschusses mehrfach genannten Kaufmann Sechs ausgedehnt werden. Gattenmord. + Weißenfels, 5. Mai. Frau Beyer aus Köttichau ist gestern in der Jauchaer Flur mit durchschnittenem Hals aufgefunden worden. Als Täter kommt der Ehemann, Bergarbeiter Emil Beyer, in Frage, der seit dem 3. Mai unter Zurücklassung blutbefleckter Kleidungsstücke flüchtig ist. Straßenkämpfe in Südafrika. Worcester(Cap=Province), 4. Mai. Zwischen einer Abteilung von 14 Polizisten und Eingeborenen kam es hier zu furchtbaren Zusammenstößen. Ein Polizeihauptmann wurde mit einer Axt zu Boden geschlagen. Zwei Polizisten wurden verletzt. Die war gezwungen, von der Schußwasse Gebrauch zu machen. Sieben Eingeborene wurden getötet, mehrere andere verwundet. Die Polizei sah sich schließlich genötigt, sich aus dem Eingeborenenviertel zurückzuziehen. Von Kapstadt sind Verstärkungen angefordert worden. Die Kämpfe dauern an. In Worcester haben sich bereits am 5. April Unruhen ereignet, und zwar als Folge des Einschreitens der Polizei wegen gesetzwidrigen Alkoholhandels. Auch damals mußte sich die Polizei zurückziehen. Die Unruhen sind von betrunkenen Farbigen, die nicht zu der eingeborenen Negerbevölkerung gehören, hervorgerufen worden. Das Befinden des verwundeten Polizeihauptmanns ist äußerst kritisch. Er ist nicht nur durch Arthiebe niedergestreckt worden, sondern es sind ihm auch von einer Frau Schnittwunden in den Hals beigebracht worden. Von Kapstadt sind im Autobus 50 Polizisten nach Worcester entsandt worden. * Ein neuer Komet entdeckt. )(Hamburg, 3. Mai. Auf der Hamburger Sternwarte in Bergedorf wurde in der Nacht zum 2. Mai von Professor Schwaßmann und Dr. Bachmann am Lippert Astrographen wieder ein neuer Komet 10. Größe im Sternenbild der Krone entdeckt. Der Komet, der die Bezeichnung„1930 d“ erhält, bewegt sich am Himmel etwa einen halben Grad täglich nach Ost=Nordost. Der Komet ist nicht mit freiem Auge zu sehen. Auf der photographischen Platte zeigt er eine sternartige Verdichtung mit kurzem Schweifansatz. zum ersten Male bei den Fechtmeisterschaften einen durchlagenden Erfolg errungen.— Bel den Damen siegte Helene Mayer zum v. Male in ununterbrochener Reihenfolge. Die Weltmeisterin hat sich gegen hr noch erheblich verbessert. Es konnte ihr jahr ne Konkurrentinnen gefährlich werden. das Vor= keine der Turnen/ Spiel/ Sport. + Münster, 3. Mai. Neue Handwerksmeister. Vor den zuständigen Ausschüssen der Handwerkskammer Münster bestanden im Monat April folgende Handwerksgesellen ihre Meisterprüfung: Bäcker: Bernbard Bernzen, Rheine; Josef Scheller, Hiltrup; Anton Hemesath, Kinderhaus: Vernhard Willenborg, Münster; Heinrich Limberg, Münster; Josef Dreyer, Münster; Heinrich Müller, Münster; Franz Brinkmann, Münster. Buchdrucker: Theodor Bröcker, Münster; Walter Ansorge, Münster; Herbert Cramer. Greven. Friseur: Wilhelm Brüning. Rheine: Konditoren; Wilhelm Brümmer, Münster: Theodor Horstkötter, Münster; Heinrich Wagner. Münster: Paul Langmann, Münster. Maler: Clemens Rieskamp, Münster; Josef Welle, Emsdetten; Heinrich Heitfeld. Ahlen: Hugo Lammers, Holthausen; Alfons Eustergerling. Ahlen; Anton Sudhoff. Ahlen. Optiker: Wilhelm Schrewe, Münster. Putzmacherinnen: Antonia Happe geb. Räcker, Österfeld: Maria Preun, Waltrop; Maria Tewes, Haltern. Sattler und Polsterer: Franz Dütsch. Altenberge(S. u. P.); Paul Berges. Lette(S.); Josef Berges, Lette(S.): Heinrich Dünmann, Freckenhorst(P.). Schlosser: Theodor Loseke, Ablen; Heinrich Kleykamp, Warendorf: Ernst Pivitt. Ahlen. Schmied Heinrich Ruhkamp, Beckum. Schneider: Bernhard Wehkamp, Stadtlohn; Bernhard Flotkötter, Borghorst: Bernhard Knapheide, Milte; Anton Beßmann, Marienfeld: Theodor Averbeck, Gimbte. Schneiderinnen: Hedwig Erwig. Dorsten: Angelika Imberg. Dorsten: Therese Zoch, Dorsten; Antonia Kuhe, Merfeld; Elisabeth Tempeler, Saerbeck; Anna Franke, Warendorf; Anni Knievel. Münster; Helene Krampe, Lingen; Erna Schwarz, Bockum; Gertrud Stüer, Hullern; Elisabeth Eversmann, Haltern; Maria Löck= mann. Werne; Franziska Stoffers, Borken; Josefine Wie= gand. Westerholt; Anni Gröning, Waltrop; Franziska Kurz, Seppenrade. Schreiner: Wilhelm Hartmann, Gelsenkirchen; Heinrich Schröder, Recklinghausen; Erich Müller, Gelsenkirchen: Josef Karrengarn, Westbevern; Josef Behring, Saerbeck: Anton Gerding, Sendenhorst; Anton Brüning, Selm; Stephan Westermann, Liesborn: Georg Stall, Coesfeld; Adolf Nienhaus, Heek; Heinrich Klapheck. Dorsten; Franz Goßheger, Herbern; Heinrich Budde. Werne; Josef Neuhaus, Waltrop; Dietrich Vennemann. Dorsten; Hubert Jürgens. Rheine; Karl Hermes, Rheine; Anton Kortüm, Billerbeck; Georg Kreymeyer, Recke; Bernhard Lodensträter, Stockum; Anton Homann, Albachten: Heinrich Gehring. Ortwick; Franz Johannemann, Hopsten; Bernhard Linnemann. Hopsten: Paul Stockmann, Einen; Josef Bröcker, Rheine. Schuhmacher: Josef Horstkötter, Rinkerode; Albert Grähler, Ostbevern; Heinrich Wunderlich. Münster: Gerh. Steinkötter, Liesborn; Andreas Schrameyer, Münster: Wilhelm. Kipp. Ramsdorf: Johann Röring, Stadtlohn. Stellmacher: Paul Zimmermann, Waltrop: Her= mann Niehaus, Recke; Hermann Duventester, Herzfeld; Heinrich Hagen, Österwick: Wilhelm Brundick, Lienen. Uhrmacher: Martin Pfeffer, Borken; Josef Pölking, Ibbenbüren; Franz Joksch, Wadersloh; Wilhelm Brieden, Münster. Der Skandal um Stadtrat Busch. Finanzamt beschlagnahmt umstrittenen Aktienbesitz. :: Berlin, 5. Mai. In der Untersuchung gegen den Stadtrat Busch hat sich, wie eine Berliner Korrespondenz mitteilt, die Staatsanwaltschaft jetzt zu einem aufsehenerregenden Schritt entschlossen. Staatsanwaltschaftsrat Dr. Weißenberg hat sich veranlaßt gesehen, die Angelegenheit dem Finanzamt zu übergeben, da er sehr starke Zweifel an den Behauptungen des Stadtrates Busch hat und angibt, daß Lutki in Wahrheit nur Strohmann ist. Auf Veranlassung des Staatsanwalts hat bekanntlich ein Berliner Kriminalkommissar den Geschäftsfreund Busch', den Händler Lutki in Rotterdam vernommen, der nach Angabe von Busch der Hauptaktionär der Kunzendorfer Werke sein soll, bei denen der Sohn Brich' als Geschäftsführer tätig ist. Lutki soll ferner nach der Angabe Busch' erheblich an der„Petrolea“ beteiligt sein, die Busch bekanntlich selbst gegründet hat. Die Vernehmung Lutkis erfolgte in Gegenwart Deutsche Jugendkraft. Fußball. Grünweiß Selm=Beifang— VfB. Sendenhorst 3:1. Die Selm=Beifanger hatten sich den VfB. Sendenhorst, der gute Aussichten auf den Aufstieg in die Gauklasse hat, verpflichtet. Wider Erwarten gelang den Platzherren ein glatter Sieg. In den ersten 45 Minuten waren die VfBer die Besseren. Sie zeigten flüssiges Angriffsspiel, konnten sich aber bei der vorzüglichen Abwehr der Grünweißen nicht durchsetzen. Der Tormann der Selmer zeigte in dieser Spielzeit hervorragende Leistungen. Bis zum Schlußpfiff können die Selmer einen glatten 3:1=Sieg erzielen. Borussia 07 Münster— Winfridia Recklinghausen 4:2. Der A=Klassenmeister des Bezirkes Recklingbausen lieferte den Borussen eine recht annehmbare Partie. In der ersten Halbzeit vermochte Borussia wohl eine leichte Feldüberlegenheit herauszuarbeiten, konnte sich aber gegen die umsichtig spielende Verteidigung der Recklinghauser nicht durchsetzen. Bis zum Wechsel erzielten beide Parteien je einen Tresser. Nach der Pause spielte der technisch gute Borussensturm etwas durchschlagskräftiger. so daß die Borussen leicht drängen konnten. Insbesondere war es ihre rechte Sturmflanke, die brauchbare Angriffe vortrug. Das Endergebnis von 4:2 entspricht dem Spielverlauf. DIK. Hiltrup— VfL. Telgte 5:1. Das Treffen in Hiltrup sah zwei ungleiche Gegner. Das Endergebnis hätte leichthin noch ein höheres sein können, wenn die VfLer nicht einen so guten Schlußmann gehabt hätten. Die ersten 45 Minuten sahen ein überlegenes und überlegtes Spiel der Hiltruper, das auch zahlenmäßig in vier Torerfolgen eine gerechte Wertung fand. Nach dem Wechsel spielten die Gastgeber verhalten, so daß die Telgter etwas mehr aufkamen. Platzeinweihung in Nottuln. Grün=Weiß Nottuln wirbt für die DIK. Das idyllisch gelegene Steverörtchen Nottuln prangte in Maienschmuck und Fahnenpracht. Es galt für die dortige DIK. den neuen Platz von der Gemeinde zu übernehmen. Nach einer Festandacht formierte sich ein stattlicher Zug der Sportler Nottulns und der Gäste, der sich durch den Ort zum neuen Sportplatz bewegte, auf dem Nottulns Sportgemeinde vollzählig versammelt war. Mit markanten Worten übergab der Bürgermeister Kalbhen den Platz an die Nottulner DIK. Vikar Grening übernahm mit kernigen Dankesworten die ideale Platzanlage. Alsdann setzte unter großem Interesse der stattlichen Zuschauermenge die sportlichen Wettkämpfe ein. In einem Handballwerbespiel standen sich zunächst die münsterischen Borussen und Hanseaten gegenüber. Dank ihrer größeren Spielerfahrung konnte die Hansaelf das Treffen mit 7:3 Toren das Treffen für sich entscheiden. Faires Spiel und technisch gute Leistungen fanden dankbare Zuschauer. Das Hauptereignis war das Fußballtreffen Herten 07— Wacker Appelhülsen 1:1. Das Spiel wurde sehr flott durchgeführt und brachte durch die Gleichwertigkeit der beiden Mannschaften immer wieder interessante Kampfbilder. Das leichtathletische Rahmenprogramm hatte eine gute Besetzung gefunden. Der Staffellauf „Quer durch Nottuln“ verlief recht interessant und spannend. Die A=Klasse sah folgende Sieger: 1. DIK. Havixbeck, 2. Grünweiß Nottuln. 3. Wacker Appelhülsen, 4. Hansa Münster: B=Klasse: 1. Eintracht Coesfeld. 2. Borussia 07 Münster. 3. Grünweiß Rottuln, 4. Wacker Appelhülsen. Auf dem neuen Platz wurden zwei Jugendstaffeln gelaufen. 4=mal=100=m=Staffel 1. Jugend: 1. Eintracht Coesfeld. 2. Hansa Münster, 3. Wacker Appelhülsen, 4. Grünweiß Nottuln: 4=mal=75=m=Staffel für Schüler: 1. DIK. Havixbeck, 2. Grünweiß Nottuln, 3. Appelhülsen. Saxonia 09 Münster Sieger in der Industriestaffel „Bochum—Gelsenlirchen“. Einen würdigen Auftakt für die diesjährige Leichtathletiksaison bildete die große DIK.=Industriestaffel „Bochum—Gelsenkirchen“, die bei herrlichstem Maienwetter unter äußerst starker Anteilnahme der Industriebevölkerung weit über 500 Läufer am Start sah. Die 9.2 Kilometer lange Laufstrecke war überall dicht von einer schaulustigen Menge umsäumt. Dank der guten Vorarbeit klappte der Lauf vorzüglich. Das stärkste Interesse beanspruchte natürlich die große Staffel für die Vereine der ersten Athletikklasse. Es waren die besten westdeutschen DIK.=Mannschaften am Start, die sich auf der ganzen Strecke spannende Kämpfe lieferten. Den münsterischen Saxonen glückte der große Wurf. Nach heißem Lauf langte der Schlußmann als erster am Ziel an, den Favoriten DBZ. Essen=Borbeck. 20 Meter hinter lich lassend.Die Industriestaffel 1930 gehört der Vergangenheit an. Sie hat in dem dichtbevolkerten Industriegebiet Bochum—Gelsenkirchen den DIK. erneut hervortreten lassen. 1. Saxonia 09 Münster. 2. DB3. Essen=Vorbeck. 3. Tus Gelsenkirchen. 4. Saxonia Dortmund. 5. Markania Bochum. Kleine Staffel: 1. EssenFrohnhausen 1912, 2. Arminia Menden, 3. DIK. Watten= scheid. Gruppe III. DIK. Salzkotten— Essen=Frohnhausen 1912 0:7. DIK. Lenhausen— Wacker Ahlen 0:1. Handball. DIK. Mülheim=Styrum— Essen=Kronenberg 3:1. Westfalia Welper— Essen=Altendorf 09 1:5. Westfalia Werdohl— Mark Paderborn 6:4. Glanzvoller Auftakt der Deutschland rundfahrt. Die erste Etappe Berlin—Glogau. (Spezialbericht) Berlin, 4. Mai. Ein Auftakt, wie er nicht glorreicher sein konnte... diese erste Etappe steht in der Geschichte des internationalen Straßenrennsportes einzig da. Sämtliche Fahrer bis auf den hinter Frankfuri schwer gestürzten Chem nitzer John fuhren die 220 km durch. 62 Fahrer am Start, 61 am Ziel. Man darf schlechthin hier nicht mehr von Berufssport sprechen, ein derartiges Ergebnis spricht für die hoye sportliche Auffassung der Straßenfahrer, auch wenn man gelten lassen kann, daß der Modus der Wertung, das Gesamtklassement der 10 Etappen, zum Durchhalten zwingt, da ja die beste Zeit und bei Zeitgleichheit die Punktzahl— der Sieger jeder Etappe erhält 15, der 15. Fahrer noch einen Punkt— für die Reihenfolge entscheidet. 22 km war die von Berlin ausgehende über Münche berg, Frankfurt, Crossen, Grünberg nach Glogau führende Etappe. Es wurde von Anfang an scharf gefahren, die Marschroute wurde um eine halbe Stunde unterbrochen, und berücksichtigt man hierbei das oben Gesagte, dann haben alle Fahrer sich bewährt. Es wäre verfrüht, heute schon eine Kritik zu fällen, wir müssen abwarten, bis die Bergstrecken kommen, bis Wind und Wetter die Anforderungen noch erhöhen. Eins aber ist zu sagen. Die älteren Semester haben durch das eine Jahr der Unterbrechung nichts verlernt und die vielen Neulinge haben sich bewährt wie alte Routiniers. Ehrgeiz, Draufgängertum und Siegeswillen sind ausschlaggebend. Neue Leute sind gekommen, gekommen sind aber auch neue Talente. Das Ressort der Straßenfahrer ist schier unerschöpflich— Die Entscheidung dieses Rennens fiel 30 km vor Glogau am Ickersdorfer Berg. Hier konnte sich eine 13köpfige Spitze herausschälen, die sich dann einen erbitterten Endspurt lieferte, wobei es leider ohne Drängeleien mit den Ellenbogen— eine Unsitte der Ausländer— nicht abging. Am Ziel hatte die Polizei versäumt, entgegennende Fahrzeuge anzuhalten, und es hätte bei noch größeren Gruppen leicht zu schweren Unfällen kommen können. Viele Fahrer, die weitaus meisten, fielen Reifendefekten zum Opfer. Da bei dem schnellen Tempo an ein Aufholen nicht zu denken war, besiegelte sich das Schicksal dieser Pechvögel oft gar schnell, vor allem, wenn der Defekt nach der Verpflegungskontrolle in Frankfurt eintrat. Neben dem Brennaborstall fuhr diesmal auch ein Teil der Dürkopp=Mannen den in Mode gekommenen Ballonreifen. Das Ergebnis hält sich ungefähr die Wage und es müssen auch hier die Bergetappen abgewartet werden, ehe sich bindende Rückschlüsse der Techniker ziehen lassen können. Die Manager von Opel und Brennabor wurden mit 50 Mark Geldstrafe belegt, da sie den Fahrern Wreciono und Stübecke Getränke zugereicht hatten, was nach den Ibus=Bestimmungen verboten ist. Die Ergebnisse brachten wir bereits gestern. Wißbröcker in Lvon geschlagen. Lyon, 4. Mai. Eine recht mäßige Rolle gab der Hannoversche Steher Wißbröcker in Lyon, wo er in beiden Rennen nur auf dem letzten Platz endete, ab. Während Maronnier das 20 Kilometer Dauerrennen in 15:35,8 gewann, konnte Weltmeister Paillard im Stundenrennen sich revanchieren, welches er mit 72,094 Kilometer gewinnen konnte. Deutschland gegen England Die Auswahl der Mannschaft. Berlin, 4. Mai. Der Spielausschuß des deutschen Fußballbundes hat am Sonntag zwar noch nicht die deutsche Nationalmannschaft zum Spiel am 10. Mai in Berlin gegen England endgültig aufgestellt, doch wurden nach den Spielen des Sonntages, insbesondere des Länderkampfes in Zürich, nachstehende Spieler in die enge Wahl gestellt: Tor: Kreß=Frankfurt(als Ersatz Gehlhaar=Berlin. Stürmer: Bergmayer=München, Czepan=Schalke, Pöttinger=München, Kuzorra=Schalke, Richard HofmannDresden, Ludwig Hofmann=München(Ersatz: AppelVerlin). Deutsche Turnerschaft. Die westdeutschen Turnerinnen ausgeschieden Mainz, 5. Mai. Die westdeutsche Damenmeisterelf von Tgde. Witten 48 schied schon in der Vorrunde um die DT=Meisterschaft aus. Sie hatten das Pech, gleich im ersten Spiel auf fremdem Boden zu kämpfen, lieferten ihren Gegnerinnen, 1V Mainz 1817 aber einen völlig ebenbürtigen Kampf und gaben sich erst in der Verlängerung mit 3:2 geschlagen Bei Ablauf der regulären Spielzeit stand artie noch 2:2. „schnellste Schwimmer der Welt“. Man muß mit diesem Superlativ sehr vorsichtig sein. Nicht etwa, weil Ungarns Rekordschwimmer Barany ihn zurzeit zu Unrecht trüge. garnichts sagt. Was hei Die DIK.=Endspiele. Fußball. Arminia Oberhausen— DJK. Reheim in Essen 5:1. Arminia Oberhausen ist dadurch Sieger der Endspielgruppen I und II und bestreitet das Schlußspiel um die Rhein=Weser=Meisterschaft gegen den Sieger der Gruppe IIL. Deutsche Florettmeisterschaften in Mainz. August Heim=Offenbach und Helene Mayer Sieger. Mainz. 4. Mai. Die deutschen Meisterschaften im Florettfechten wurden am Sonntag in Mainz beendet. Vei den Herren sicherte sich August Hoim nach einem Stichkampf mit seinem Klubkameraden Thomson durch einen 5:2=Sieg den Meistertitel. Damit hat die Deutsche Turnerschaf: Sondern weil es dem Laien fast eißt das:„schnellster Schwimmer?“ as oder wohin schwimmt er am schnellsten? Und woher will man wissen, daß gerade er es ist? Dem sportlichen Laien wird niemand begreiflich machen können, was es bedeutet, hundert Meter in oder gar unter einer Minute zu schwimmen. Und wer ist denn nun eigentlich der schnellste Schwimmer? Barany oder Arne Borg, der 1500 Meter stark unter 20 Minuten schwimmen kann? Der friedliebende Laie würde vorschlagen, Barany als den schnellsten, Arne Borg aber als den ausdauerndsten Schwimmer zu bezeichnen. Ein Rekordgelächter der gesamten Sportwelt wäre die Antwort: denn man kann einen Kurzstreckenschwimmer nicht mit einem Langstreckler vergleichen. Es kommt in jedem Falle auf die Strecke an. Beide Sportler schwimmen keineswegs gleichmäßig, vielmehr sprintert der Eine, während der Andere Langstreckenstil vollführt. Also...! Alles in allem hat jedenfalls Barany in der Tat als schnellster Schwimmer der Welt zu gelten, da einmal sein Konkurrent Weißmüller Professional geworden in, während Stefan Barany als ungarischer Konsulatsbeamter in Paris ansässig ist und als Amateur zu gelten hat. Die Sache mit Petkievitez. Eines der unerfreulichsten Kapitel der soeben beendigten amerikanischen Hallensaison war zweifellos die Angelegenheit des polnischen Langstrecklers Petkievicz, die immer noch ihrer Erledigung harrt. Es war nach Lage der Dinge wirklich unnötig, daß ein großer Sportverband eine gerichtliche Verfügung gegen den amerikanischen Athletik=Verband erwirkte, um den Polen als Starter sicher zu haben. Wenn man den vorliegenden Berichten aus den verschiedensten Zeitungen Glauben schenken will, dann kann nicht mehr daran gezweifelt werden, daß mit dem Läufer, der einst Nurmi schlug, viel zu viel Politik getrieben wurde. Litauen forderte seinerzeit vollständige Disqualifizierung, da der Läufer nur naturalisierter Pole sei. Der amerikanische Verband gab ohne Verhör und Nachfrage nach und versagte ihm deshalb die Starterlaubnis Nach wie vor hängt der Fall in der Schwebe und wird vielleicht auf dem internationalen olympischen Kongreß, der im Mai in Berlin stattfindet, noch zu vielen Debatten und Streitereien führen. Auch Polen wird sicherlich nicht schweigen, zumal aus Warschau mitgeteilt wird, daß Petkievicz auf jeden Fall Amateur sei, da er doch den Posten eines diplomatischen Kuriers bekleidet. Allem Unschein nach hat man sich in Amerika etwas reichlich voreilig zu einer Suspension veranlaßt gefühlt, die im internationalen Sportsinteresse besser unterblieben wäre. Das Kapitel der Amateurschnüffelei ist damit um eine Blamage reicher geworden! Westdeutscher Rundfunk. Dienstag, 6. Mai. 6,45—7 Uhr: Leibesübungen. 7 Uhr: Wettervorhersage. 7,05—7,30 Uhr: Morgenkonzert(Schallplatten) 7,30—8,30 Uhr: Brunnenkönzert aus Vad Kreuznach. Die Kurkapelle(Rhein.=Westf. Sinfonie=Orchester, Oberhausen), Leitung: Operndirektor Rud Schder. 1. Choral: O. daß ich tausend Zungen 2. Vorspiel zum Bühnenweihspiel„Parsi Wagner. 3. Melodien a. d. Op.„Die: singer"— Wagner. 4. Morgenstimmung— 5. Hofballtänze, Walzer— Lanner. 10,15—11,55 Uhr: Schallplattenkonzert(Homocerdplatten). 12,10 Uhr: Mechanische Musik(Homocordplatten). 13,05—14,30 Uhr: Mittagskonzert, Leitung: Eysoldt, Solisten: Dung und Wottke(Trompete) 1. Ouvertüre z. Op.„Zampa"— Herold. 2. Verschmähte Liebe, Walzer— Lincke. 3. Melodien a. d. Op. „Der Postillon von Lonjumeau"— Adam. 4. Komm', wir wandeln, Lied— Cornelius. 5. Die Perlen, Polka für zwei Trompeten— Kling (Fritz Dung. Paul Wottke). 6. Ballettmusik aus „Faust und Margarethe“— Gounod. 7. a) Im goldnen Löwen, Lied— Königsberger; b) El Cahira, Intermezzo— Mewes. 8. Potpourri a. d. Operette„Polenblut“— Nedbal. Uhr: Funkwerbung: Ratschläge fürs Haus 5.30 Uhr; Kinderspielstunde. Els Vordemberge: Zum Gedächtnis 14.30 15—15.30 uhr Spiel und Tanz im Freien. 15,45—16 Uhr: Adolf von Hatzfeld: Charles de Costers. 16—16,20 Uhr: Die Welt im Buch. Walter Gizewski: „Labyrinth der Gegenwart“ Herm. Bahr:„Labyrinth der Gegenwart“— Hans Kohn:„Martin Buber“— Julius Langbehn:„Geist des Ganzen“ — D. S. Mereschkowskij:„Das Geheimnis des Westens“. 16,20—16,45 Uhr: Ministerialrat Helene Weber: Die moderne Stadt und das soziale Werk der Frau. 16,45—17 Uhr: Dr. Hans Behle: Mitteilungen aus dem Schulfunk. 17—17,30 Uhr: Aus dem Leben der höheren Schule. rofessor Dr. Honigsheim: Soziologie und höhere binté 17,30—18,30 Uhr: Vesperkonzert. Heiteres aus Opern. (Schallplatten.) 18,30—18,50 Uhr: Zeitfragen der Rationalisierung. Dr. Vork: Die Rationalisierung des Rechnungswesens in deutschen Großbetrieben. 19,15—19,40 Uhr: Lektor Le Bourgeois— Lektor G. Perrot: Französische Unterhaltung 19,40—20 Uhr: Der westdeutsche Wirtschaftsraum. Universitätsprofessor Dr. Kuske: Staat und Wirtschaftsentwicklung in Westdeutschland 20—20,55 Uhr: Abendmusik des Kleinen Orchesters des Westdeutschen Rundfunks, Leitung: Eysoldt Beliebte Ouvertüren und Märsche 1. Ouvertüre z. Op.„Martha"— Flotow. 2. Ouvertüre z. Op. „Der Barbier von Sevilla“— Rossini. 3. Ouvertüre z. Operette„Banditenstreiche“— Suppé. 4. Ouvertüre z Operette„Die Fledermaus“— Strauß. 5. Soldatenblut, Marsch— Blon 6. Titanenmarsch— Krüger. 7. Karl=Marsch— Unrath. 8. An die Gewehre, Marsch— Lehnhardt. 9. Essener Lumpensammler, humoristischer Marsch — Eysoldt. 21 Uhr: Sinfoniekonzert. Das Orchester des Westdeutschen Rundfunks. Leitung: Buschkötter Gregor Piatigorsky(Cello). 1. Enigma=Varia= tionen— Elgar. 2. Konzert h=moll für Ceuo— Haydn(Solist: Gregor Piatigorsky). 3. Tanzfinfonie— Reznicek Anschließend: Letzte Meldungen: Bericht über das geistige Leben, Sportbericht Funkstille. 2 Dülmen den 6. Mai 1930. (!) Kreistierschau für den Kreis Coesfeld in Dülmen. Die diesjährige Kreistierschau für den Kreis Coesfeld findet am 9. Juli in Dülmen statt. Die Anmeldungen sind bis zum 10. Juni an die Landwirtschaftsschule in Billerbeck zu richten. Anmeldeformülare sind zu haben: Dülmen bei H. Lödding, Darup bei Eliab, Coesfeld bei Buschmann, Lette bei Böinghoff. Bei Rindvieh wird Rotbunt und Schwarzbunt ausgestellt. Näheres ist aus den zum Aushang kommenden Plakaten zu ersehen Uebergabe des Vorsitzes im Ortskriegerverband. Der satzungsgemäße Wechsel des Vorsitzes des Ortskriegerverbandes vollzog sich am vergangenen Sonntag in der Jahres=Generalversammlung. Der Vorsitz, den im letzten Jahre der Marineverein führte, wurde an den Kriegerverein Dülmen abgetreten. Ueber die Versammlung selbst werden wir noch berichten. Verwaltungsreform. Der Entwurf des neuen Gesetzes über die kommunale Selbstverwaltung ist im Druck erschienen. Er ist vorrätig ist der J. Horstmannschen Buchhandlung. Preis 1 RM. Konzert des Männergesangvereins. Unter Chormeister Schmitts Stabführung veranstaltet der Männergesangverein am kommenden Sonntag sein diesjähriges Frühjahrskonzert Eine reichhaltige Vortragsfolge, in der u. a. die Namen Haydn, Mozart und Beethoven erscheinen, wird geboten werden. Besonders ist man gespannt auf das erstmalige Auftreten der neuen Orchesterabteilung des M. G. V., die die Symphoniesätze spielen wird. § Grundprobleme der kommunalen Selbstverwaltung. Im Sommersemester 1930 wird Herr Oberbürgermeister Dr. Dr. h. c. Ruer, Bochum, über die Gegenwartsprobleme der kommunalen Selbstverwaltung eine Vorlesung halten, die im Institut für Wirtschafts= und Sozialwissenschaften der Universität Münster, Johannisstraße 9, alle 14 Tage Dienstags von 20,15 bis 21 Uhr stattfindet. Die Vorlesung beginnt am Dienstag, den 13. Mai. Abschluß der Feuerschutzwoche. Helft Feuer verhüten! hieß es in der vergangenen Woche auch in Dülmen. Die Feuerschutzwoche, die von den einschlägigen Organisationen und Versicherungen organisiert war, ist in entsprechender Weise auch hier in Erscheinung getreten. Dreimal rückten während der Woche die Löschzüge unserer Freiw. Feuerwehr aus: ein echter Alarm, ein blinder Alarm und zum Schluß der repräsentative Aufmarsch in Paradeuniform mit Musik und Geräten waren Ereignisse, bei denen die Feuerwehr in Erscheinung trat. Am dem sonntäglichen Aufmarsch schloß sich auf dem Marktplatz ein kurzes Platzkonzert an.— Möge die Feuerschutzwoche auch hier ihr Teil dazu beigetragen haben, daß Brände, die vermieden werden können, durch entsprechende Vorsichtsmaßnahmen auch in größtem Umfange vermieden werden. *Blühender Flieder gehört zu den besonderen Freuden der Blumenfreunde Jetzt ist die Zeit gekommen, wo sich die süßduftende Fliederdolde in allen Abstusungen von Blau und Lila über den Mauern und Zäunen schaukelt und zarte Mädchenhände ganze Büschel davon ins Haus bringen, um die Vasen zu schmücken und den Wohnraum mit dem würzigen Duste zu durchtränken. Nur Leute mit sehr schwachen Nerven und Kranke meiden den durchdringenden Fliedergeruch. Es gibt wohl kaum einen Strauch, der so viel geplündert wird und so viele Zaundiebe groß zieht, wie der aus dem Orient stammende Flieder Warum so viele Feste? Es hat bald den Anschein, als ob um so mehr Feste gefeiert und Vergnügungsvereine gegründet würden, je schwieriger die wirtschaftlichen Verhältnisse sind. Daß dies natürlich eine nicht auzu angenehme Kehrseite hat ist selbstverständlich. Aus diesem Grunde ist in vielen benachbarten Gemeinden von oben herab für eine möglichste Beschränkung und Zusammenlegung von Festen eingetreten worden. So wird vielfach Schützen- und Kriegerfest gemeinsam gefeiert. Andere Gemeinden haben beschlossen, beide Feste nur in zweijähriger Folge zu feiern, sodaß im einen Jahre ein Kriegerfest, im anderen ein Schützenfest stattfindet. So in anderen Geweinden. Und in Dülmen? Man prüfe und frage sich, ob denn hier etwa noch zu wenig Feste gefeiert werden. (!) Reichstagung der Kriegsopfer. Der Reichsverband Deutscher Kriegsbeschädigter und Kriegerhinterbliebener, e. V., Sitz Berlin, hält in der Zeit vom 20.—22. Juli d. J. im Plenarsitzungssaal des Reichstages seinen ordentlichen Verbandstag ab. Die Fragen der Kriegsopferversorgung und ihre finanzielle Aaswirkung sind in der letzten Zeit von maßgeblichen Etatskritikern in der öffentlichen Presse lebhaft diskutiert worden. Der Reichsverband trägt sich mit der Absicht, sich ernsthaft mit den vorliegenden Vorschlägen einer Einschränkung auf versorgungsrechtlichem Gebiete auseinanderzusetzen. Maßgebliche Regierungsvertreter haben ihr Erscheinen bereits zugesagt, so daß diesem Verbandstage eine besondere Bedeutung beizumessen ist. *Eine neue Berufskrankheit ist zu verzeichnen: Die Benzolvergiftung von Autofahrern. Sie macht sich kenntlich durch auffallende Blässe der Kraftfahrer. Die Krankheit ist bei Chauffeuren, deren Führersitz offen ist, nicht anzutreffen, dagegen bei solchen, deren Führerräume geschlossen sind. Die Vermutung liegt nahe, daß bei geschlossenen Räumen die Benzolgase sich ansammeln, deren ständige Einatmung eine gesundheitliche Schädigung des Fahrers bewirkt Vor Aufhebung der Bahnsteigsperre! Wie man aus Berlin meldet, findet zurzeit ein Vorschlag der industriellen Spitzenverbände in den Kreisen der Deutschen Reichsbahngesellschaft, der darauf hinzielt, die Bahnsteigsperre aufzuheben, eine genaue Prüsung. Es wird dabei darauf hingewiesen, daß in einer Reihe von Ländern keine Bahnsteigsperre besteht und daß sich diese Einrichtung bewährt habe. Der Reichsbahn würde es nach Ansicht der industriellen Spitzenverbände möglich sein, auf diese Weise 40-50 Millionen zu ersparen.(?) Demgegenüber schätzt man den Einnahmeausfall durch Fortfall des Bahnsteigkartenverkaufs auf nur rund 6 Millionen. Die Ueberprüfung dieser Eingabe dürfte in kurzem beendet sein, sodaß die Reichsbahn zu dieser Frage abschließend Stellung nehmen kann. Vom Dülmener Diözesantag. Um die Zusammenarbeit der Industrie= und Landjugend in der Diözese Junge Führer der neuen Jugend. .) Dülmen, den 5. Mai 1930. In der gestrigen Ausgabe berichteten wir bereits eingehend über den imposanten Verlauf des 5. Diözesantages der Jugend= und Jungmännervereine der Diözese Münster, der verbunden war mit einem Treffen der münsterländischen Sturmscharen. Auf dem letzten großen Diozesantag 1929 in Gerleve war Dülmen zum diesjährigen Tagungsort bestimmt worden und hier sollte über die zukünftige Führung, über die harmonische Zusammenarbeit wie nicht zuletzt auch über die Lebensgestaltung unserer „neuen Jugend“ beraten werden. Gleichzeitig hatten sich die wandernden Jungen des Münsterlandes, die Sturmscharen in ihren charakteristischen blauen Hemden, in Dülmen und Visbeck getroffen, um hier nach Wanderjugendart ihr„Thing“ abzuhalten und ebenfalls ihren Diözesanvertreter und ihre Bezirksführer zu wählen. Das Treffen in Dülmen gestaltete sich so zu einem vollen Erfolge, zu einer Demonstration, die neben der Bedeutung die der internen Tagung zukommt, ihre repräsentative Wirkung nicht verfehlt hat. Die Tagung selbst, die von einem herzlichen, offenen und jugendfrischen Ton in der Debatte getragen war, den man auch unsern politischen Parlamenten wünschen möchte, brachte eine ergiebige und für die kommende Arbeit fruchtbringende Aussprache über viele die Jugendbewegung unserer Kirche angehende Fragen, Strömungen und Probleme, die hier behandelt und beraten werden konnten. Besonderem Interesse begegnete die Berichterstattung über die Arbeitsgruppen im Diözesanverbande, die erkennen ließ, daß man allmählich hier eine klare Linie zu gewinnen sucht. Der Arbeitserfolg ist ja wesentlich abhängig von den örtlichen Kräften, die sich ihrer Lust und Eignung entsprechend für die Jugendbewegung einsetzen. Daß ein Präses mit 80 Jahren vielleicht für unsere neue Jugend ein Hindernis sein kann, während ein arbeitsfroher 30 jähriger Kaplan die örtliche Gruppe vorwärtstreiben und in ihren Ideen anders erfassen könnte, ist selbstverständlich. Man will nach Möglichkeit in Zukunft der Jugend Führer geben, die ihr im Denken und Empfinden nahestehen, die als Führer auch mit der Jugend leben und arbeiten können. Aus diesem Grunde wurde in begrüßenswerter Weise eine Höchstaltersgrenze von 35 Jahren angesetzt. Die neue Bestimmung der zwangsläufigen parlamentarisch zu handhabenden geheimen Führerwahl will die Jugend staatspolitisch fördern und erziehen, und will in ihrem Hauptzweck in den Ortsgruppen aufräumen, die einen Vorsteher haben, der vielleicht hindernd davorsteht, wenn etwas getan werden soll. Es ist ja bekannt, daß gerade in diesem Punkte oft ein freies Wort am rechten Platze aus den verschiedensten Gründen nicht gesprochen werden kann. Von der Schaffung der neuen Arbeitsgr:ppen Industriejugend und Jungbauern verspricht man sich eine gegenseitig anregende Gestaltung des Verbandslebens, das nur allen Gruppen dienlich sein kann. Man hofft bestimmt, daß es alsbald in größerem Umfange gelingen kann, arbeitslose Industriejugend, die sich dafür eignet, in der Landwirtschaft unterzubringen und dort bodenständig zu machen. Die Industriejugend beschäftigt, den Berichten und Beschlüssen der Tagung nach zu schließen heute so manches, was nicht richtig erkannt ist und vielleicht in kurzer Zeit dem Geiste der Bewegung entsprechend geändert oder geklärt werden soll. Das Verhältnis zur katholischen Arbeiterbewegung und zur Organisation der Christlichen Gewerkschaften bedarf noch einer genauen Prazisierung. Auch ist eine Abtrennung der verschiedenen Kompetenzen in Erziehungs= und Bildungsfragen notwendig. Die Versammlung in Dülmen war im allgemeinen der Ansicht, daß man den Gewerkschaften die berufliche Ausbildung überlassen solle und müsse, daß aber andererseits unbedingt dem Jugendverein die kulturelle Bildungsarbeit zukommen und von diesem beansprucht werden müsse. Die Wochenendkurse müssen ferner weiter ausgestaltet werden und die Schaffung konfessioneller, katholischer Jugendheime ist ein weiteres notwendiges Erfordernis der Zeit, das gepflegt und mit größtem Nachdruck bei den kommunalen und städtischen Behörden zu betonen ist. Dies wären neben den Wahlen die wesentlichen Ergebnisse der Dülmener Tagung. Man konnte klar erkennen und mit Befriedigung feststellen, daß sich unsere„Neue Jugend" eine Organisation geschaffen hat, die in ihrem Wesen nicht Abwehrbewegung gegen Sozialismus und Kommunismus ist und als AntiBewegung ihre Existenz aufbaut, sondern daß es sich um die große Idee und Aktion hunderttausender glaubens- und sittentreuer junger deutscher Menschen handelt, die an ihre eigene Kraft glauben und in diesem Geiste einen starken Pfeiler unserer Kirche darstellen.:: Buldern und Hiddingsel den 6. Mai 1930. Wer den Pfennig nicht ehrt...! Es ist beinahe so, als ob in Deutschland das Fünfpfennigstück die kleinste Münze wäre; überall begegnen wir der Aufrundung auf volle 5 Psennig. In England, einem Lande von ungleich größerem Nationalreichtum, kennt man 3= und 1½=PfennigRechnung. Wir Deutsche können es uns ja scheinbar leisten, diese Beträge zu vernachlässigen. Leider muß man in dieser Aufrundungsmanie ein Symptom für das Ungesunde unserer ganzen Wirtschaftsauffassung sehen. Wir tuen immer so, als ob noch heute Inflation wäre, und das Geld überhaupt keinen Wert besäße. Wo ist die Sparsamkeit unserer Großeltern geblieben, die auf das peinlichste jede überflüssige Ausgabe vermieden? Eine Rückkehr zu dereen Ansichten wäre in unserer heutigen Zeit der Verarmung doppelt notwendig. Die Gelegenheit, die PfennigRechnung bei uns jetzt einzuführen, erscheint im Augenblick gegeben: Durch den Reichstag wurde die Erhöhung der Biersteuer beschlossen, und zwar um etwa 4 Mark pro Hektoliter. Das bedeutet 4 Pfennig pro Liter. Im Wesen einer solchen Verbrauchssteuer liegt es„daß sie auf den letzten Verbraucher abgewälzt wird; in diesem Falle also auf den Biertrinker. Es ist unbedingt notwendig darauf hinzuweisen, daß die Bierpreise jetzt nicht etwa um weitere 5 Pfennig pro Glas erhöht werden, sondern daß sich Wirte und Publikum endlich daran gewöhnen, daß der Pfennig auch Geld ist. Es ist zu hoffen, daß mit der Einführung der Pfennig=Rechnung in den Gastwirtschaften endlich auch auf anderen Wirtschaftsgebieten mit der ungesunden Methode der Aufrundung ein Ende gemacht wird. Der Vorwurf, daß der Detailverkauf dadurch kompliziert werden würde, trifft nicht zu. Die Warenhäuser und einige andere große Geschäfte, deren Umsatz viel größer ist, haben in vielen Abteilungen die Pfennigrechnung eingeführt— und beide Teile sind damit zufrieden. An der Mitführung von Kupfergeld wird sich jeder Käufer schon sehr bald gewöhnt haben. Weiteste Kreise werden in dieser Einführung ein Zeichen der Rückkehr zur Solidität und Sparsamkeit erblicken. :: Vom Jubelfest des Krieger=Vereins Hiddingsel. Wie wir bereits wiederholt berichteten, begeht am 18. und 19. Mai sein 25 jähr. Stiftungsfest, verbunden mit dem Kreis=Kriegerverbandsfest des Kreifes Coesfeld. Es werden sich aus diesem Anlasse viele auswärtige Vereine in unserm Dorfe einfinden und das Komitee hat bereits für einen entsprechenden Empfang wie für korrekte Durchführung des Festes Sorge getragen und folgendes Programm aufgestellt. Samstag, den 17. Mai, abends 7.30 Uhr Antreten am Festlokal Zumbrink, Zug durch den Ort. Gefallenenehrung, Anzeichnung der Jubilare sodann Kommers. Sonntag, den 18. Mai, 5 Uhr Wecken. 8 Uhr Antreten zum Kirchgang, Gottesdienst für die Ge— fallenen und Verstorbenen des Vereins, 2,45 Uhr Abmarsch zum Kriegerdenkmal von der Lüdinghauserstraße aus, Festakt, Parade und Festkonzert, abends Ball. Montag, den 19. Mai, 9 Uhr Antreten, Zug durch den Ort und großer Fruhschoppen, 2,30 Uhr Preisschießen, gleichzeitig Kaffee für die Damen und nach Rückkehr großer Manöverball. Die Heimatzeitung wünscht schon heute einen frohen, harmonischen Verlauf des Hiddingseler Ehrentages, damit die auswärtigen Gäste mit einer guten Erinnerung an Hiddingsel zurückkehren. §§ Schonzeit für Rehböcke und für Fasanen hähne. Auf Grund der§§ 39 und 40 der Jagdordnung vom 15 Juli 1907(Ges. S. 407) wird für das Jahr 1930 für den Regierungsbezirk Münster beschlossen: 1. Die Schonzeit für Rehböcke endet mit Ablauf des 19. Mai 1930, sodaß für die Jagd auf Rehböcke Dienstag, der 20. Mai, der erste Jagdtag ist 2. Der Beginn der Schonzeit für Fasanenhähne wird für das Jahr 1930 auf den 1. Juni 1930 festgesetzt. Meldungen zur Kreistierschau. Für die diesjährige in Dulmen stattfindende Kreistierschau sind Anmeldeformulare schon heute zu haben bei Hüls in Buldern und bei Hoehr in Hiddingsel. Man erledige die Meldung möglichst rechtzeitig. Schützenfest 1930. Nach einem Beschluß des Bürgerschützenvereins Buldern findet das diesjährige Schützenfest am Sonntag, den 15. und Montag, den 16. Juni statt. Kriegerfest Buldern. Das diesjährige Fest des Bulderner Krieger= und Landwehrvereins soll am Sonntag, den 3. August in herkömmlicher Weise gefeiert werden. Das„starke" Geschlecht. Zwei Drittel aller Gebrechlichen entfallen auf das männliche Geschlecht. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, veröffentlicht nunmehr das Preußische Statistische Landesamt in der„Statistischen Korrespondenz" das endgültige Ergebnis der Reichs=Gebrechlichenzählung, und zwar über die Zahl der Gebrechlichen insgesamt, wie über die einzelnen Arten ihrer Gebrechen unter besonderer Hervorhebung der mehrfach Gebrechlichen, der Trennung nach Geschlechtern und der dazugehörigen Bezungsziffern auf 100 000 Lebende jeden Geschlechts. Hiernach sind von den 422 159 ermittelten gebrechlichen Personen— blinde, taubstumme und ertaubte, geistig oder körperlich gebrechliche Personen(Krüppel)— 269 051 männliche und 153 108 weiblichen Geschlechts. Trotzdem nach dem Ergebnis der Volkszählung 1925 sich die männliche Bevölkerung um über 5 v. H. gegenüber der weiblichen in der Minderheit befindet, entfallen doch fast zwei Drittel aller Gebrechlichen auf sie. Aus der Umgebung :: Rorup, 5. Mai.(Personenauto verbrannt.) Am Sonntag morgen geriet eine neue aus Nottuln stammende Limusine auf der Chaussee Nottuln=Hövel während der Fahrt auf unerklärliche Weise plötzlich in Brand. Der Fahrer konnte sich aus dem in hellen Flammen stehenden Wagen nur mit größter Mühe durch Abspringen während der Fahrt retten. Der Wagen brannte dann im Straußengraben vollständig aus. * Hullern, 5. Mai.(Brand in einer Hühnerfarm.) In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag brannte die Hühnerfarm des Herrn Gutsbesitzers Vinnemann bis auf einen kleinen Rest vollständig nieder, Die Hausbewohner bemerkten den Brand leider zu spät. Verbrannt sind etwa 300 Küken und über 200 Hühner sind erstickt. Die Entstehung des Brandes ist noch ungeklärt Billerbeck, 2 Mai.(Gefaßter Brandstifter.) Einen guten Fang haben die hiesigen Sicherheitsbeamten gemacht. Den Ermittelungen des Landjägermeisters Dübbelde und des Polizeihauptwachtmeisters Born ist es gelungen, den Brandstifter der dem Landwirt Ester gt. Heuing in Beerlage abgebrannten Scheune festzustellen und in Haft zu nehmen. Außerdem hat derselbe Täter 2 Fahrräder gestohlen, die den Vestohlenen wieder zugestellt werden konnten Gronau, 3. Mai.(Tödlicher Sturz.) In Overdinkel ereignete sich ein trauriger Unglücksfall Der Arbeiter R B. begab sich zu Bett und fiel aus bis jetzt noch unbekannter Ursache von der Treppe Er blieb mit einer kleinen Wunde an der Schläfe tot liegen. Der herbeigeholte Arzt glaubte nicht an einen Unfall, sondern ließ die Polizei benachrichtigen. Diese hat die Leiche beschlagnahmt und die Untersuchung eingeleitet. Zum Tode des Herrn Grafen von und zu Westerholt=Gysenberg, In der Bauerschaft Emkum in den Borkenbergen, an dem Fußwege vom Forsthaus Uelm nach dem Kolonat Doye, steht der schlichte Gedenkstein mit der Bronzetafel und der Inschrift: Bete für den Grafen Otto von Westerholt=Gysenberg und seine Mörder. 2. Mai 1920. Vater, vergib ihnen, sie wissen nicht, was sie tun. Uns sind die schrecklichen Vorgänge in den nahen Borkenbergen, die sich vor 10 Jahren dort abspielten noch in lebhafter Erinnerung. Herr Mallmann, der langjährige treue Diener im gräflichen Schlosse in Sythen, fand die Leiche seines Herrn mit einer Schußverletzung auf. Der tödliche Schuß war, nachdem der Graf durch einen Hieb auf den Hinterkopf betäubt worden war, von hinten aus nächste Nähe abgegeben. Als Täler wurde im Jahre 1925 der Maschinenmeister Geora Rehme aus Oldenburg ermittelt. Auf dem Transport von Haltern zum Gerichtsgefängnis in Münster ereignete sich eine dramatische Szene, die von einem Augenzeugen wie folgt geschildert wird: Die 72jährige Mutter des Grafen, die in Münster wohnt, wurde von dem Kammerdiener Mallmann auf dem Vorbeitransport des Mörders an ihrer Wohnung aufmerksam gemacht. Aufrechten Schrittes geht sie auf offener Straße auf den gefesselten Rehme zu und fragt ihn:„Sind Sie der Mörder meines einzigen Sohnes?" Rehme antwortete mit gebrochener Stimme:„Ja, der bin ich.“ Darauf sagte die betagte Gräfin:„Ich verzeihe Ihnen, sehen Sie zu, daß Sie auch bei Ihrem überirdischen Richter bestehen können!" Die unerwarteten Worte der alten Frau erschütterten den Mörder, der gesenkten Hauptes vor der Mutter eines Opfers stand. Plötzlich brach er zusammen. Er suchte die Hand der Gräfin zu haschen... Nur mit Mühe versteht man die Worte, die der Mörder unter Tränen stammelte:„Ich danke Ihnen!" Rehme wurde dann im Jahre 1925 vom Schwurgericht zum Tode verurteilt, später aber zu lebenslänglicher Zuchthausstrafe begnadigt. Briefkasten. XQY in Dülmen. Sie schreiben uns diesmal in einer Angelegenheit, die Sie schon seit einiger Zeit unter Verkennung der Tatsachen am Biertisch gegen die Dülmener Zeitung auszuschlachten versuchten. Nun wollen Sie unsere eigene Aeußerung zu Ihrer Ansicht und Kritik hören. Gerne! Also hören Sie! Es war ein Rheinländer, der bekannte Kölner Journalist Dr. J. Bachem, besonders kompetent in der Beurteilung der von Ihnen aufgeworfenen Fragen, der sich wie folgt äußerte:„Die Zeitung, die es allen recht machen kann, muß erst erfunden werden. Sollte sie, was sehr zu bezweifeln ist, jemals erfunden werden, so könnte man nur wünschen, daß sie alsbald wieder einginge, denn sie würde nichts taugen." Verantwortlich: Dülmener Schriftleitung: Dr. Wilhelm Blank, Dülmen.— Zenoteil: Politik und Allgemeines: Dr. Maser, Feuilleton: Jos. Hom, beide in Dortmund; Berliner Redaktion: Dr. Häfner, Berlin=Lichterfelde Verlag: J. Horstmann'sche Buchhandlung, Dülmen in Westfalen. Druck: Zeno=Münster i. W. Vereins=Anzeigen (Ermäßigter Preis unter dieser Rubrik nur 30 Pfg. pro Zeile. Es können nur Mitteilungen veröffentlicht werden, die für die Mitglieder des Vereins und nicht für die breitere Oeffentlichkeit bestimmt sind.) Dülmen: Gesangabteilung des kath. Gesellenvereins. Die Gesangstunde findet Umstände halber heute abend ½29 Uhr bei Wwe. Willi Schmitz statt. Theaterabteilung„Eintracht" des kathol. Gesellenvereins. Heute(Dienstag) 8½ Uhr Theaterprobe. Morgen(Mittwoch) 8½ Uhr Versammlung. Das Geld für den Ausflug nach Bonn muß morgen hinterlegt werden. Nach der Versammlung Theaterprobe. Um pünktliches und restloses Erscheinen wird gebeten. D. J. K.„Sportfreunde 1920“. Morgen (Mittwoch) avend 8½ Uhr Vorstandssitzung im Kolpinghaus. Viele Köpfe, viele Sinne, so heißt es wohl, und doch ist die große Gemeinde der deutschen Hausfrauen sich einig darüber, daß Maggi's Würze ein ideales Küchenhilfsmittel darstellt. Seit Jahrzehnten leistet sie in der Küche unschätzbare Dienste: Wenige Tropfen verbessern augenblicklich schwache Suppen und Soßen und verleihen Gemüsen und Salaten aller Art hohen Wohlgeschmack. Amol * Melissene. 8 Mnekate, 1 Melkene, a Gitronenschalene, 8 Zimt= und Rosmarinsl, Menthol, 600 Spirit., 400 Waff. 3169 bei Rheuma, Jschias, Hexenschuß, Nerven= und Erkältungsschmerzen.— Jn Apotheken und Drogerien erhaltlich.......... in Abfig.: Wirtsch.-Pealsch., Töchterhandelssch., Handels- u. Organ. Prektixum— Aufnahme u. Schül rinnen all. Schulgatlungen, euch ältere Schüler. Nellezeugnis befr. v. d. Berufs schulpflicht. Gedieg. Allgem. u. Fachbildg. fUr alte Wir schaftsberute u. miffl. Beamtenlaufb. II. Priv. Oberrealschule v. Sexte b Oberprima. Energ Forderung, Umschulung, indiv Arb Method, ausgez. Einrichtg. u Lehrtorer. III Chemisches Instifut zur Ausbilde. von Damen u. Herren zu chem Assist. Lebor. ete Erackd, mod. Arbeits- und Errichungsschule Beretung urd Drucksschen tre V Fragen des deutschen Mittelstandes für Handwerk, Gewerbe, Handel und Landwirtschaft. Vor allem Reform der Krankenversicherung. /So sehr man es begrüßen muß, daß bei den schwedenden Verhandlungen über die Finanzreform das Problem der Arbeitslosenversicherung, die eine der Hauptrsachen unserer verzweifelten Finanzlage bildet, im Vordergrunde steht, so sehr ist es auf der anderen Seite zu beklagen, daß durch das Fiasko der Arbeitslosenversicherung der Blick der Oeffentlichkeit von der Sozialversicherung und ihrer Reform als Ganzes bis zu einem gewissen Grade abgelenkt wird. Neben der Arbeitslosenversicherung sind nämlich auch andere Zweige unserer Sozialversicherung einer gründlichen Reform bedürftig. Das ist vor allem bei der Krankenversicherung der Fall. Wie groß die Bedeutung gerade dieser Versicherung für unsere gesamte Finanzwirtschaft ist, geht schon aus der Tatsache hervor, daß allein sie von dem ganzen, 6,3 Milliarden betragenden jährlichen Sozialetat(im Frieden waren es rund 2 Milliarden des heutigen Goldwertes) mehr als zwei Milliarden in Anspruch nimmt. Aber auch aus anderen Gründen, die auf dem Gebiete der öffentlichen Moral liegen, erscheint eine gründliche Reform unerläßlich. Gerade hier haben sich nämlich Mißstände eingeschlichen, die zu einer Zerrüttung der Arbeitsmoral führen. Obwohl sich der allgemeine Gesundheitszustand in Deutschland im Laufe der letzten fünf Jahre nicht verschlechtert, sondern verbessert hat, ist bei den Krankenkassen eine erhebliche Steigerung der Krankenziffer zu beachten. Während die Krankheitsfälle im Jahre 1924 nur 8064 im Jahre betrugen, waren sie im Jahre 1928 bereits auf 11 577 gestiegen. Nicht ohne Grund sagt denn auch das Reichsarbeitsministerium in seiner Erinnerungsschrift„Deutsche Sozialpolitik 1918 bis 1928“:„An Willen und Energie, die Mißbräuche in der Krankenversicherung zu beseitigen, fehlte es nicht, ein wesentlicher Erfolg war ihnen aber bisher nicht beschieden, Kassen berichten auch jetzt noch, daß bei unvermuteten vertrauensärztlichen Nachuntersuchungen ein großer Teil der vorher von den Aerzten als arbeitsunfähig anerkannten Mitglieder wegbleibt und damit sich selbst für gesund erklärt. Die Selbstzucht der Versicherten, das mit Gerechtigkeit und Verantwortlichkeit verbundene Wohlwollen der Aerzte und die Wachsamkeit der Kassenverwaltung sollten mehr vermögen, als gesetzliche Regeln, die sich gegen bestimmte Mißbräuche richten, unter Umständen aber auch die wirklichen Kranken treffen. Verwaltung und Gesetzgebung werden dafür sorgen müssen, daß die Krankenziffer mit der wahren Natur der Dinge übereinstimmt.“ Angesichts dieses Tatbestandes, der wohl von Niemandem mehr geleugnet wird, wird eine soeben von der Vereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände unter dem vielsagenden Titel:„Die Reform der Sozialversicherung, eine Schicksalsfrage des deutschen Volkes" veröffentlichte Denkschrift, die sich hauptsächlich mit der Reform der Krankenversicherung befaßt(die Vorschläge Nachruf! Hierdurch die schmerzliche Nachricht, daß unser langjähriger Reisevertreter, Herr der Vereinigung zur Reform der Arbeitslosenversicherung sind noch allgemein in Erinnerung, wenn sie leider auch bei den parlamentarischen Beratungen und in den Regierungsentwürfen über die Finanzreform nicht die gebührende Beachtung gefunden haben) das lebhafte Interesse der Oeffentlichkeit erregen. Wollen wir wieder geordnete finanzielle und wirtschaftliche Verhältnisse schaffen, so müssen wir mit der Sozialpolitik anfangen und eine Angleichung der Ausgaben an unsere nun einmal gegebenen Verhältnisse herbeiführen. Darüber, wie das im einzelnen bei der Krankenversicherung gemacht werden kann, und zwar ohne daß ein Abbau der Leistungen erfolgt, gibt die Denkschrift eine Reihe höchst wertvoller Fingerzeige. Es soll das Eigeninteresse des Versicherten an der Schonung der Krankenkasse durch stärkere Selbstbeteiligung an den Kosten, sowie eine Einschränkung der Bagatellfälle angestrebt werden, weiter die Einführung von Wartetagen beim Krankengeldbezug und Beschränkung der Krankengeldzahlung auf den Arbeitstag erfolgen. Diese im einzelnen begründeten Vorschläge weisen Wege, den deutschen Sozialetat herabzusetzen und die Wirtschaft damit im Sinne der auch von der Regierung anerkannten Notwendigkeiten zu entlasten. Das wäre gleichbedeutend mit der Möglichkeit, die Beiträge um 1,5 bis 2% herabzusetzen und somit im Rahmen des gesamten FinanzProgramms wesentlich zur Sanierung und auch zugleich zur moralischen Gesundung unseres innerwirtschaftliche Lebens beizutragen. Der„nervöse" Magen. Dr. Anne=Marie Durand=Wever. Der moderne Mensch ist, selbst wenn er nicht Großstädter ist, so vielen nervenzerrüttenden Einflüssen ausgesetzt, daß es ganz begreiflich ist, daß unsere Zeit den Begriff der„Neurose“ bilden mußte. Ebenso verständlich ist es, daß die Psychotherapie erst im Zeitalter der Elektrizität, des Autos und des Flugzeuges sozusagen entdeckt worden ist. Die„Neurose“ ist eine häufig rein körperliche Erkrankung auf nervöser Grundlage, manchmal treten dazu solche Symptome wie Angst, Zittern, Aufregungszustände, die ihre seelische Grundlage leichter erkennen lassen, als die reine Organneurose. Charakteristisch für die Neurose ist, daß auch die anscheinend rein körperlichen Beschwerden sich im allgemeinen nicht ohne eine Behandlung der zu Grunde liegenden Seelenstörung beheben lassen. Andererseits aber baut sich eine derartige nervöse Störung eines Organs meist auf einer sogenannten Organminderwertigkeit auf, d. h. ein Organ, das schon sowieso durch Mißbrauch oder Ueberanstrengung einmal in Mitleidenschaft gezogen worden ist, wird am meisten nervösen Störungen unterliegen. So sehen wir denn Organneurosen meist an den am stärksten in Anspruch genommenen Organen, den Geschlechtsorganen, dem Herzen und dem Magen austreten. Der nervöse Magen ist wohl gerade deshalb so verbreitet, weil tatsächlich auf dem Gebiete der Ernährung am meisten gesündigt wird und somit eine gewisse Minderwertigkeit der Verdauungsorgane häufig besteht. Besonders der Magen des modernen Großstadtmenschen wird mißbraucht von Kindheit an, wieviele Kinder bekommen kaum eine warme Mahlzeit im Laufe des Tages, sondern müssen von„Stullen" aus der Tasche leben, um dagegen an Sonn= und Feiertagen mit allerhand schwer verdaulichen und meist herrlich schmeckenden Dingen vollgestopft zu werden. Man kann es diesen Würmern doch gar nicht verdenken, wenn sie, sobald sich eine Gelegenheit bietet, solange essen, bis sie im wahrsten Sinne des Wortes nicht mehr können. Von den Eßsünden der Erwachsenen, denen es in des Tages Last und Hast meist auch nicht viel besser geht, will ich gar nicht reden, sie hätten es ja schließlich selbst in der Hand, eine gewisse Aenderung in ihrer Ernährungsweise herbeizuführen. Eine aus rohem Obst und Vollkornbrot bestehende Mahlzeit ist ebenfalls ebenso sättigend wie Stullen, ebenso leicht zu transportieren und bedeutend gesünder. Ich habe versu“r zu zeigen, aus welchen Ursachen der Magen des modernen Menschen vielerlei Schädigungen ausgesetzt ist, und daß infolgedessen eine gewisse Organminderwertigkeit auftreten kann. Das Zustandekommen einer Neurose beruht entweder auf Verdrängungen oder auf— in beiden Fällen unbewußten — Zweckhandlungen, deren psychologische Zusammenhänge hiel zu kompliziert sind, um sie im Rahmen eines kurzen Aufsatzes zu erklären. Ein Beispiel mag für viele gelten. Ein Herr litt an zeitweise, manchmal in kürzeren Zwischenräumen, manchmal in langen Abständen, auftretenden Magenschmerzen, die ihn zwangen, sich ins Bett zu legen. Da seine Mittel es erlaubten, wurden alle möglichen Bäder und Kuren probiert, der Magen wurde durchleuchtet und ausgehebert, es fand sich keine Ursache, bis eines Tages durch die zusällige Bemerkung:„Immer, wenn es besonders wichtig wäre, daß ich da oder dorthin gehe, stellen sich diese verfl... Schmerzen ein, und ich muß mich ins Bett legen“ die Aufmerksamkeit des Arztes auf eine mögliche seelische Ursache gelenkt wurde. Der Arzt bestand jetzt auf einer psychotherapeutischen Behandlung, die bewies, daß die ganzen Schmerzen auf der seelischen Grundlage eines Minderwertigkeitskompleres beruhten, allerdings deshalb an den Magen gebunden, weil durch jugendliche Eßsünden der Magen das am wenigsten widerstandsfähige Organ des Körpers war. Es braucht sich durchaus nicht immer, wie in dieFalle, um das Auftreten von Schmerzen zu handeln, der„nervöse“ Magen kann verschiedene Erscheinungen verursachen, aber man soll, wenn keine eigentliche körverliche Grundlage für die bestehenden Beschwerden geunden werden kann, doch an die Möglichkeit einer seelischen Störung denken. Die großellterarische Monatsschrift schildert sachlich und klar den inhalt wertvoller Werke der Weltliteratur, bringt kurze Lebensabrisse, Proben, Mlustrationen U. v a. Für jeden Bücherfreund der rechte Führer zum guten Buch Jedes Heft 90 Ptennige FRANCKH'SCHE VERLAGSHANDLUNG. STUTYGART Probehette und Prospekte von J. Horsimann'sche Buchhandlung Dülmen L Wesil. nach voraufgegangener mehrwöchiger Krankheit gestorben ist. In dem Verstorbenen verlieren wir einen treuen bewährten Mitarbeiter von unermüdlicher Tatkraft und großer Erfahrung, der unser vollstes Vertrauen besaß. Der Dahingeschiedene leistete unserm Hause in den 36 Jahren seiner regen und ununterbrochenen, im Verkehr mit unserer Kundschaft ausgeübten Verkaufstätigkeit erfolgreichste Dienste. Insbesondere aber auch ließ ihn uns sein vornehmer Charakter und sein verbindliches Wesen im persönlichen Verkehr als Mensch schätzen und lieben. Seiner werden wir uns immer mit der größten Hochachtung und Wertschätzung erinnern und das Andenken an ihn in hohen Ehren halten. Verlag Laumann, Dülmen Westi. 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