Nr. 44 Donnerstag, den 24. Februar 1887 16. Jahrgang. Westfälische Volkszeitung. Fortes in fide. Das Abonnement für die an Wochentagen täglich erscheinende„Westfäl. Volksztg.“ nebst„Sonniagsfreude" beträgt bei der Expedition pro Quartal 2 A direct in's Haus bestellt, durch die Post ebenfalls 2 MA, mit Best 2A 49 J. Expedition und Anzeigen=Annahme: Aller= und Humboldtstraßen=Ecke.— Inserate 12# pro 1spaltige Petitzeile. Peclame 40— Annoncen bis zu 2 nur gegen Vorausbezahlung. Fusangel.— Druck und Verlag der Actiengesellschaft„Märkische Vereinsdruckerei" in Bochum. Verantwortlicher Redacteur: I. Schmach und Schande! F. Am Wahltage ist Blut geflossen! Die Anhänger des Herrn Dr. Haarmann sind an verschiedenen Orten über die Agitatoren der christlichen Arbeiterpartei hergefallen und haben dieselben in gröblichster Weise mißhandelt. Am schlimmsten ging es natürlich bei Zeche„Pluto" zu, wo Herr Generaldirector Barth für den Schutz des freien Wahlrechtes seiner Arbeiter in seiner Weise sorgt. Man hat zwar schon verl erzählen hören von den Leistungen der Wahltyrannen von „Pluto", was aber am Montag sich dort ereignet hat, übersteigt doch alle Grenzen. Die Steiger hielten im Wirthshause bei Nagel die Thüre des Wahllokales belagert und ließen keinen Arbeiter durch, ohne ihm einen Haarmannzettel aufgedrungen und den Zeitel der Gegenpartei abgenommen zu haben. Viele arme Arbeiter dachten an Weib und Kind, und ließen diese Vergewaltigung wenn auch mit blutendem Herzen über sich ergehen. Allein die Erbitterung der Arbeiter über den unerhörten Druck naym sichtlich zu und am Nachmittage wagte es ein Pole, einen ihm aufgedrungenen Haarmannzettel auf den Boden zu werfen. Für das nationalliberale Beamtengesindel war diese That Veranlassung genug, den Mann furchtbar durchzuprügeln. Bald kamen ihm Landsleute zu Hülfe und es entwickelte sich ein regelrechtes Gefecht. Das Magazin der Zeche„Pluto“ wurde geöffnet und die nationalliberalen Helden mit Schaufeln, Hackenstielen 2c. versehen, womit sie alsdann gegen die vertheiler der christlichen Arbeiterpartei anrückten. Diese zogen sich, der Uebermacht weichend, in die Wirthschaft von Hense zurück, welche darauf von dem liberalen Pöbel unter Führung von Zechenbeamten förmlich gestürmt wurde. Elf Mann sollen Stiche erhalten haben, 36 Fensterscheiben wurden bei Hense zerschmettert. Erst gegen 9 Uhr Abends gelang es der Polizei, die Straße zu räumen und die Ordnung wiederherzustellen. Die Nationalliberalen können sich auf die Thaten ihrer Gesinnungsgenossen von„Pluto“ wirklich etwas einbilden. Man glaube übrigens ja nicht, daß dieser Vorgang vereinzelt sei. Es ist eine ganze Reihe von ähnlichen Ausschreitungen am Wahltage vorgekommen, und überall waren es die „Nationalen", welche, wo es eben anging, eine wahre Schreckensherrschaft etablirten. In Eppendorfhaben wieder die beiben Steiger von„Marianne", Fischer und Fust, in der Wirthschaft von Niggeling ihr Unwesen getrieben und die Bergleute nach jeder Richtung eingeschüchtert. Im Jahre 1884 haben diese beiden Biedermänner es ebenso gemacht, nachher aber, als sie über ihr damaliges Benehmen vernommen wurden, eidlich bekräftigt, daß sie sich nicht vie geringste Ungehörigkeit hätten zu Schulden kommen lassen. Die beiden„Herren“ scheinen es demnach für ein ihnen gebührendes Recht zu halten, die Bergleute um ihr freies Wahlrecht zu bringen. Was man in Höntrop in der Vergewaltigung der armen Arbeiter geleistet hat, übersteigt alle Begriffe. Die Zeche„Marianre" hat Wahlzettel aus dickem cartonähnlichen„eichenpapier herstellen lassen, welche die Bergleute erst am Wahllocale erhielten und dann unter den Augen der Beamten abgeben mußten. Schließlich 40) Im Hause Immendorf. Original=Roman von Emilie Heinrichs. Diesen Augenblick benutzte der Detectiv, um rasch sein Versteck zu verlessen und auf flüchtigen Sohlen seine Wohnung aufzusuchen, wo er sich tief aufathmend in's Sopha sinken ließ. „Zu diesem klugen Schachzug darf ich mich selber beglückwünschen," sprach er halblaut,„die Sackgasse wäre schlau geöffnet, und der Triumph meiner folgerichtigen Fährte glänzend gesichert. ha, ha," kicherte er, seine Lampe anzündend,„wie der feine Herr erschrack, als der Name Adam Sturm, den er mit dem FreiherrnTitel für immer begraben wähnte, an sein Ohr schlug. Wir sind also richtig dieser Adam, den jener blessirte Edelmann bestohlen haben will,— die Sache liegt ganz eben und klar vor mir und ich glaube, Herr Adam hätte klüger daran gethan, ganz ruhig mit mir zu gehen und die Sache dem Richter zu überlassen. So aber durfte der glorreiche Name der Väter nicht lädirt werden, man hoffte, da er sein Faustrecht gebraucht und nebenbei im Stande der Nothwehr sich befunden, sich mit seinem Gewissen abfinden und hinter dem Ahnenschild verstecken zu können. Ja, ja, er mag im Rechte sein, natürlich, da der ehrenhafte Major und sein berühmter Nefse sich andernfalls nicht für ihn vor die Bresche gestellt hätten. Aber ein Verbrecher bleibt er trotz alledem und mich gefoppt zu haben, dessen soll sich Herr Ulrich von Immendorf alias Adam Sturm nicht rühmen, basta!" Er zundete sich eine Cigarre an und begann einen neuen Feldzugsplan gegen den hinter der Verschanzung eines hochklingenden Namens sich sicherwähnenden Gegner zu entwerfen, den er, wie er sich triumphirend sagen durfte, heute Nacht aus der angenehmen Sicherheit emporgeschreckt hatte. Ob es klug von ihm gewesen? Thorsen zuckte die Achseln, er hatte seine Ueberzeugung neu bestätigt, das war mehr werth als etwaige Gegenminen seine vornehmen Wildes hat man dann noch ungesetzlicher Weise eine größere Anzahl von Wahlzetteln, bei denen der Name Haarmann mit dem Namen Fusangel überklebt war, für ungültig erklärt. Aehnliche Nachrichten über verübte Wahltyrannei kommen aus Herne, Horst, Ueckendorf, Schalke, Bulmke, Linden, Dahlhausen, Stiepel rc. Ueberall hat man mit mehr oder minder großem Raffinement die Arbeiter eingeschüchtert und sie gezwungen, gegen ihre Ueberzeugung den Dr. Haarmann zu wählen. Und da wagt man es noch, unter frecher Verhöhnung der armen um ihr Wahlrecht geprellten Arbeiter von dem Siege des Herrn Dr. Haarmann als von einem Siege der Arbeiter zu sprechen. Wir denken, dieser elende Spoit könnte wenigstens unterbleiben. Mun sollte sich damit begnügen, die Arbeiter unterdrückt zu haben und ihren Zorn nicht dadurch herausfordern, daß man innen auch noch Schwefelsäure in die frischen Wunden gießt. Das ist nicht allein gemein, es ist auch unklug im höchsten Grade. Hirtenbrief hochw. Herrn Bischofs von Paderborn. (Schluß.) V. Die Bitte um das tägliche Brod umfaßt nicht allein die Bedürfnisse unseres zeitlichen irdischen Lebens, sondern auch Alles, wodurch das Leben unserer unsterblichen Seele erhalten und gefördert wird Wie könnte diese Erweiterung des Begriffes des oft genannten Wortes übergangen oder gar abgelehnt werden, sobald wir bedenken, daß derjenige die Bitte uns gelehrt hat, der vom Himmel gekommen ist, um uns zum Himmel zu führen, und datz es der für die Ewigkeit geschaffene Erdenpilger ist, der die Bitte mit Mund und Herz aussprechen soll.— Das Brod der Seele ist zunächst das göttliche Wort, als solches bezeichnete es der Herr selbst dem Versucher gegenüber, indem er sprach:„Der Mensch lebt nicht allein vom Brode, sondern von jeglichem Worte, was aus dem Munde Gottes kommt.“ Das Wort Gottes ist ein Licht für unsere Seele, vertilgend die Finsternisse, die vie Wahrheit verhüllen, erleuchtend, wo Zweifel oder Unwissenheit unsere Secle umnachten, mit voller Sicherheit uns führend auf den Weg zum himmlischen Vaterlande; weil es kommt aus dem Munde Desjenigen, der sich das Licht der Welt, die Wahrheit und das Leben nannte. Das Wort Gottes ist eine Kraft für unsere Seele; hintretend an uns in seiner Einfachheit, in seiner Tiefe und ernsten Wahrheit, fordert es uns auf, ihm zu folgen und durch dasselbe zum Leben zu gelangen. Das Wort Gottes ist erquickend in unserer Schwachheit, erhebend in harter Bedrängniß, tröstend in Kummer und Noth, erleichternd die schwere Bürde, die der Herr oft den Seinigen auflegt. Dieses Wort wird Euch nach des Herrn Anordnung verkündet in seiner heil. Kirche; es wird dargeboten einem Jeden, der zu ihr gehört, aber ihr selbst müßt nun auch mitwirken, daß es ein tägliches Brod für eure Seele werde. Das kann es aber nicht, wenn ihr nie im Jahre, oder nur selten es anhöret, wenn ihr glaubt, schon hinreichend gelehrt zu sein, und dasselbe für Euch nicht nothwendig oder geeignet erachtet; es kann kein tägliches Brod für eure Seele werden, wenn ihr bloß mit den Ohren und nicht mit dem Herzen es höret und aufnehmet und nicht in aller Demuth als euch angehend es erwäget; es kann kein tägliches Brod für eure Seele werden, wenn die gehörte Wahrheit sobald wieder durch eitle und sündhafte Gesprache oder durch das Lesen irreligiöser unchristlicher Schriften und Zeitungen in ihrer Kraft geschwächt oder gänzlich verwischt wird.— Bittet darum recht inständig:„Gib uns, o Herr, das tägliche Brod der Seele durch dein heiliges Wort"; aber arbeitet auch mit allen Kräften, die Gott dem ewigen Theile euers Wesens verliehen hat, daß das göttliche Wort ein tägliches Brod für eute Seelen werde. VI. Das Brod der Seele in seiner höchsten, wunderbaren und anbetungsrer: würdigen Bedeutung ist jenes Brod, auf welches der Herr hinwies in der Synagege zu Kapharnaum mt den Worten:„Ich bin das Brod des Lebens; wer zu Mir kommt, der wird nicht hungern, uno wer an Mich glaubt, der wird nimmermehr dürsten; Ich bin das lebendige Brod, der Ich vom Himmel herabgekommen bin; wer von diesem Brode isset, de: wird leben in Ewigkeit; das Brod, das Ich geben werde, ist Mein Fleisch für das Leben der Welt.“ Es ist jenes Brod, was Er in der Erfüllung dieser Verheißungsworte, am Abende vor Seinem Leiden Seinen Jüngern darreichte und für alle Zeiten in dem damit eingesetzten Opfer des neuen und ewigen Bundes durch die Nachfolger seiner Jünger den Gläubigen darreichen läßt, und worin er mit seiner Gottheit und Menschheit unter verhüllender Brodesgestalt, Einkehr und Wohnung in denselben nehmen will. Es ist jenes Brod, welches in seiner Wesenheit und beseligenden Wirkung in den Gebeten der Kirche gefeiert und angerufen wird mit den Worten:„Oheiliges Mahl, in welchem Christus empfangen und erneuert wird das Gedächtniß seines Leidens, die Seele mit Gnaden erfüllt, und uns ein Unterpfand der künftigen Herrlichkeit gegeben wird.“ Geliebte Bisthumsangehörige! Die Zeit der Fasten nahet heran, und mit ihr jene Zeit, welche dem Andenken an das Leiden und den Erlösungstod des Herrn gewidmet ist; mit ihr auch jener Tag, an dem ihr nach dem Rufe und Gebote der Kirche empfangen sollet das Brod des Lebens, das Himmelbrod der Gläubigen. Ihr Ruf gehet an Alle, welche zu ihr gehören, und als lebendige Glieder in ihr verharren wollen: an Jene, welche oft im Laufe des Jahres diese Seelenspeise empfangen, und mit ihr Kraft, Trost und Frieden in sich aufnehmen; an Jene, welche seltener kommen, damit auch sie ihr Inneres reinigen, und aufs Neue den Bund mit ihrem Erlöser befestigen. Ihr Ruf, ihre liebevolle Einladung gehet auch an Jene, welche vielleicht länger als seit Jahresfrist, vielleicht seit mehreren, seit vielen Jahren sich dem Tische des Herrn nicht genaht haben. O, möchte heute mein oberhirtliches Wort eben so kräftig und tief in ihr Herz eindringen, als ich meine Mahnung aus innigstem Herzen an sie richte. Kommt zu Demjenigen, der Alle zu sich gerufen hat, die mühselig und beladen sind, um sie zu erquicken. Kommt, nahet Euch mit Demuth und Vertrauen seinem heiligen Mahle, und bereitet Freude den Engeln im Himmel, die an dem Wohl jeder Menschenseele die innigste Theilnahme hegen; bereitet Freude der Gemeinde, wozu ihr gehöret, damit sie in all' ihren Gliedern nur ein in sich verbundener, Christo als ihrem Haupte angehörender Leib sei; bereitet Freude und Frieden euch selbst, denn stets hat noch die Abkehr von Christo der Seele Unsegen und Trübsal, die Vereinigung mit ihm stets Freude, Seelenstärke und Frieden gebracht; bereitet euch eine frohe Zuversicht auf den Tag, an dem ihr das Erdenleben verlasset, soll da der Herr eure Seelenspeise, die Wegzehrung auf der Reise in die Ewigkeit werden:- ihr könnt solche Gnade nur mit Zuversicht hoffen, wenn ihr dem Rufe der Kirche gemäß, auch jetzt mit ihm in heil. Gemeinschaft getreten seid; denn selten nahet sich der Herr noch dem in letzter Stunde, der Tag und Jahre hindurch seine Gnade verschmäht hat. Ihr seid sämmtlich geladen zum Empfange des himmlischen Brodes, zur Theilnahme an dem Hochzeitsmahle, welches der Herr den Seinigen fortwährend bereitet. Aber der Ruf gehet auch an Alle, zu erscheinen mit einem hochzeitlichen Kleide; der Herr verweigert in dem bekannten Gleichnisse demjenigen den Zutritt, der ohne ein solches Kleid erscheint. Es bedarf wohl nicht der Erinnerung, daß hier von dem Kleide die Rede ist, mit dem die Seele geschmückt sein muß bei der Vereinigung mit ihrem himmlischen Bräutigam im heil. Altarssaeramente. Auch reichen wenige Worte aus, um dieses in seinen Grundzügen zu zeichnen, wenn wir erwägen, wer es ist, der Einkehr in uns nehmen will. Es ist der ewige Sohn des Vaters, der von Ewigkeit her dem Vater gleich, zu unserer Erlösung in diese Welt gekommen ist. Der Apostel Petrus antwertete auf die Frage: Wofür haltet ihr Mich?„Du bist Christus, der Sohn des lebendigen Gottes"; und dieselbe Antwort gab er, als der Heiland in der Synagoge zu Kapharnaum das erhabene Geheimniß verheißen hatte, und Viele Anstoß daran nehmend, weggingen, mit den Worten:„Herr, zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens; und wir haben geglaubt und erkannt, daß du bist Christus der Sohn Gottes.“ Sehet da die erste Zierde eurer Seele beim Empfange des himmlischen Brodes: es ist der lebendige Glaube an die ewige Gottheit unseres Erlösers, der lebendige Glaube an seine göttliche und menschliche Gegenwart unter verhüllender Brodesgestalt. 15. Egen Dorner war am selben Abend nach Ulrichs offizieller Heimkehr zurückgekommen und ebenfalls von der Gesellschaft, welche er bei seiner Mutter vorfand, sehr wenig erbaut gewesen. „Laß es gut sein, mein Junge!" beruhigte ihn der Major, „immerhin besser, als wenn Du mit dem Hut in der Hand wie ein armer Reisender hättest umherwandern und Besuche machen müssen und søzusagen stückweise zerrissen worden wärest. Deine Mama ist eine kluge Frau, sie macht es Dir bequem und was unsern Freund Immendorf anbetrifft—“ „Wird er kommen?" „Nun versteht sich, wundert mich, daß er so lange zögert; wüßte er freilich, was ihn hier erwartet, er würde sicherlich, da er ein halber Wilder geworden, ohne Entschuldigung fortbleiben. Gegen diese Todsünde wird ihn nun wohl seine Schwester bewahren, welche natürlich ebenfalls erwartet wird." Er streifte bei diesen Worten mit einem Seitenblick Egons Gesicht, das die Farbe wechselte, während seine Augen freudig aufleuchteten. „Verbrenne Dir nicht die kecken Flügel an dieser Flamme, lieber Junge!" setzte er sehr ernst mit einem unterdrückten Seufzer hinzu,„sie ist eine Immendorf und in Tante Irmgards Macht!" „Bah, mein bester Onkel!" lachte Egon ein wenig spöttisch, „wir sind sicherlich aus anderem Holz geschnitzt und würden unser Lebensglück nicht einer selbstsüchtigen Leiche zum Opfer bringen. Meinst Du nicht, daß die schöne Hedwiga in solchem wahrscheinlich sehr unmöglichen Falle, denn wer sollte einen halben Wilden, wie ich's doch eigentlich bin, lieben können, aber setzen wir diesen Fall, meinst Du nicht, daß sie an einer Weltreise großen Gefallen finden würde?" „Alle Wetter, Egon, Ihr wäret wahrhaftig, fürchte ich, beide dazu im Stande.“ „Ein unmöglichster Fall, liebster Onkel!" seufzie Egon,„ein wunderbarer Traum, zu schön, um erfüllt zu werden. Aber las uns jetzt zu der geselligen Tortur schreiten.“ Sie war nicht so schlimm, diese Tortur, als der junge Doctor es fürchtete,— nicht schlimmer, als sie überall in der Welt zu sinden, im Königsschloß sowohl als in der Arbeiterh'itte, wo immer nur Menschen sich gesellig zusammenfinden, um im verfeinerten Theecirkel, beim lucullischen Mahl und schäumenden Champagner, oder beim Cichorienkaffee, bei Vier und Alkohol sich gegenseitig mit kleinen Nadelstichen der Bosheit und des Spottes das Vergnügen zu erhöhen oder abwesende Freunde einer wehlthätigen ReinigungsHechel zu unterziehen. So war's auch hier, marktgängige Waare, wie der Major humoristisch meinte, deren gute und schlimme Eigenschaften sich die Waage hielten. „Fordere die letzteren nicht heraus, Egon!" warnte er gutmüthig,„wir sind alle nur Menschen und mit Fehlern behaftet, die Andere leider viel schärfer bemerken als wir selber. Die Kunst zu gefallen, kann Dir doch nicht schwer werden." „Es kommt auf die Umstände an," brummte Egon,„man kann dem Einen recht sein, und—“ Er verstummte und schritt hastig auf Ulrich von Immendorf welcher soeben mit seiner schönen Schwester das Vorzimmer, wo ich die beiden Herren noch befanden, betrat. Er begrüßte sie mit großer Wärme und bedauerte es in leisen Worten, daß sie nicht wenigstens heute Abend im traulichen Beisammensein geblieben. „Gesellschaft?" wiederholte Ulrich nachdenklich,„wie schade—" „Es ist ganz weise von meiner Schwester gehandelt," sprach der Major,„Sie müssen sich doch wieder mit der Gesellschaft assimiliren, mein junger Freund?" „Nur ruhig," flüsterte ihm Egon in's Ohr,„ich werde die Neugierde auf mich ablenken und der Klatschsucht hinreichenden Stoff jeben." Und der berühmte Reisende that wirklich an diesem Abend sein Möglichstes, um die Anwesenden zu unterhalten, er erzählte die wunderbarsten Reisemärchen und zwar in einer Weise, als ob wiga von Immendorf seine einzige Lubäherinen. n sie selber n emnen vermome, wanene aue lenen vom Zauber seiner Schuderungen hingerissen, noch! ständnisWee e omn hate dung folgt.) Wer ist es, der Einkehr in uns nimmt? Jener, der aus unbegreiflicher Liebe für uns Mensch geworden, der aus unbegreiflicher Liebe im heiligen Sacramente seine Gegenwart unter uns fortsetzt Zwar sind gar viele, ja zahllose Wohlthaten, die der Welt gespendet werden und ebenso viele Lichtstrahlen der göttlichen Liebe genannt werden können; dennoch blieb die Welt ohne Leben und Wärme, bis alle de#te Liebeob weise in dem menschgewordenen Gottessohne wie in einem Puntte versammelt wurden, da e die Fülle seiner ewigen Liebe und Schonzeit in seiner Menschheit sichtbar machte. Und wiederum ist Alles, was er nach seinem Hinscheidena Gnad., Kraft und seliger Hoffnung der Welt hinterlassen hat, im heiligen Sacramente wie in einem Punkte vereinigt. Unbegreiflich it seine Liebe; aber unabweisbar auch die Aufforderung an uns, als Zierde unserer Seele ihm unsere Liebe, unsere innige ungetheilte Liebe entgegenzubringen; eine Liebe zu Ihm, der uns in Allem vorangegangen ist, eine Liebe zu den Brüdern, die mit uns durch Iyn zu einem Bunde vereinigt sind, die, wie Er am selben Abende der Einsetzung des heiligen Geheimnisses zum himmlischen Vater betete,„Alle Eins sein sollen, wie der Vate in ihm, und er in dem Vater, damit die Welt daran er kenne, daß Ihn der Vater gesandt habe.“ Wer ist es, der Einkehr in uns nimmt? Der Heilige, den die selig Geister mit diesem Namen anbeten und verehren; der Heilige, vor de jede Sünde ein Greuel ist; der in diese Welt kam, damit Gottes Name geheiligt und die Menschen durch ihn geheiligt würden. Darum kann Er mit Seiner Gnade nicht in eine Seele aufgenommen werden, welche d Sünde noch ergeben, und von derselben abzulassen nicht entschieden ent schlossen ist Und zum Zeichen und Bilde der Herzensreinheit, die zu seinem Empfange nothwendig ist, wusch er unmittelbar vor der Einsetzung des heiligen Geheimnisses seinen Jüngern die Füße. Sehet da, eine dritte nothwendige Zierde unserer Seele; es ist die Befreiung von der Sündenschuld und die Mittheilung der heiligmachenden Gnade, welche in dem würdigen Empfange des Sacramentes der Buße ihr gewährt wird. Dann sollen, dann können wir Alle bitten: Gib uns das himmlisch Brod; und wir dürfen es dann mit Recht auch unser Brod nennen weil Christus, der hier wahrhaft und wesentlich gegenwärtig ist, uns, den armen Menschen geschenkt ist, weil Er für uns sich dahin gegeben hat und als Erstgeborener unter vielen Brüdern für uns von den Todten aufer standen und, in den Himmel aufgenommen, unser Mittler beim Vater, also in jeder Weise unser ist, und— sprechen wir es mit Jubel und innigstem Danke aus,— uns in alle Ewigkeit angehört. Gib uns von diesem, von unserem himmlischen Brode: so sollen wir nach würdiger Vorbereitung Alle beten. So soll der Reiche sprechen, aber sein Herz losreißen von dem sünd haften Streben nach fremdem Gute,— es losreißen von der sündhaften Liebe zu irdischem Besitze; so soll der Arme sprechen, aber sein Herz verschließen jedem Neide und sündhaftem Begehren nach dem, was ihm nicht beschieden ist; so soll der Hochmüthige und Eitle sprechen, aber in aller Demuth seine Niedrigkeit und Unwürdigkeit erkennen; so, der Haß in seinem Herzen getragen hat, aber sein Herz wieder ernstlich der Nächsten liebe öffnen; so der Träge im Diensie Gottes, aber mit neuem Elfer fur Gott und das Heil seiner Seele erfüllt sein; so vor Allen jene, denen jene Tugend fehlt, obne welche wir Gott nicht schauen werden, die Tugend der Herzensreinheit; sie müssen zuvor flehentlich gebetet haben:„Erschaff in mir, o Herr, ein reines Herz, und erneure in meinem Innern den rechten Geist“ und mit diesem Gebete den Willen und Lebensernst zu dieser Erneuerung gebracht haben. Geliebte Bisthumsangehörige! Ihr habt nun Einiges von der Tiefe und dem Umfange der Wahrheiten und Mahnungen, welche in den wenigen göttlichen Worten„unser tägliches Brod gib uns heute" ent halten sind, vernommen;— ich sage nur Einiges, denn der Reichthum, der in dem göttlichen Worte liegt, ist unergründlich; und je mehr sie der Mensch vor seine Seele stellt, und je mehr er sie betrachtend und ehrfurchts voll in seine Seele aufnimmt, desto mehr erkennt er, wie er unvermögend ist, die ganze Tiefe und den Umfang der göttlichen Worte zu erfassen. Ich kann nur die Bitte beifügen: erwäget recht oft das Gehörte, wenn ihr das Gebet des Herrn sprechtt; erwäget es besonders in der bevorstehenden heil. Fastenzeit, auf daß sie für euch werde eine Zeit der Herzens= und Lebens erneuerung. Ja, Herr!— so lasset uns beten!— gio uns das tägliche Brod des Leibes durch deine gnädige Verleihung alles dessen, was wir zu unserm Leben bedürfen; gib uns das Brod der Seele in deinem h. Worte; beten lasset uns mit den Worten der Kirche: Verleihe, o Herr, daß wir von dem ewigen Genusse Deiner Gottheit erfüllt werden, welchen der zeitliche Empfang deines kostbaren Leibes und Blutes vorbildet. Amen. Es segne Euch mit dem Reichtyume seiner Gnade der allmächtige Gott, Vater, Sohn und heil. Geist. Amen Vorstehendes Hirtenschreiben ist am Sonntage Quinquagesima von den Kanzeln in der Frühmesse, wie im Hochamte zu verlesen. Paderborn, den 30. Januar 1887. Der Bischof † Franz Kaspar in Die österliche Zeit für den Empfang der allen Gläubigen vorgeschriebenen hl. Ostercommunion soll wegen des vielerorts vorhandenen Mangels an Beichtvätern, und in Folge vielseitig ausgesprochener Wunsche vom Passionssonntage bis zum Feste der Himmelfahrt des Herrn dauern. Für diejenigen Pfarreien, welchen wegen Abgang eines oder mehrerer Geistlichen die verbliebe seelsorglichen Kräfte unzureichend sind, wird die österliche Zeit bis zum F der heiligsten Dreifaltigkeit einschließlich ausgedehnt Die Fastenverordnung ist am Sonntage Quinquagesima Kanzeln zu verkündigen. Paderborn, 30. Januar 1887. Der Bischof Franz Kaspar. von Fasten=Verordnung. Beim Herannahen der heil. Fastenzeit ertheile ich, in Ausübung der mir vom heiligen Apostolischen Stuhle gegebenen Vollmacht, für den Zeitraum von Aschermittwoch 1887 bis Aschermittwoch 1888, im Anschlusse an die bisher bewilligten Erleichterungen des Fasten= und des Abstinenzgebotes, folgende Fasten=Verordnung: I. Fast= und Abstinenz=Tage sind: 1. in der vierzigtägigen Fastenzeit der Aschermittwoch, die Freitage und die drei letzten Tage der Charwoche, 2. die Freitage der Quatemperzeiten des Fahres, 3. die Vigilien: a) vor dem hl. Pfingstfeste, b) vor dem Feste Martä=Himmelfahrt, c) vor dem hl. Weihnachtofeste, II. Fasttage, an denen von der Abstinenz insoweit dispensirt wird, daß der einmalige Genuß von Fleischspeisen, nicht aber der gleichzeitige Genuß von Fisch und Fleischspeisen bei derselben Mahlzeit gestattet ist, sind: 1. die oben nicht genannten Wochentage der 40tägigen Fastenzeit, 8. die Mittwoche und Samstage der drei andern Quartemperzeiten des Jahres, 8. die Vigilien vor dem Feste der hl. Apostel Petrus und Paulus und vor dem Feste Allerheiligen. III. Abstinenztage, an welchen der Genuß von Fleischspeisen untersagt ist, sind alle Freitage des Jahres. IV. Abstinenztage, an wrlchen bloß der gleichzeitige Genuß von Fisch= und Fleischspeisen bei derselben Mahlzeit untersagt ist, sind die Sonntage der 40tägigen Fastenzeit. V. Geschmolzenes Fett und die Ueberbleibsel der geschmolzenen Feitsubstanz sowie Fleischbrühe dürfen, mit Ausnahme der drei letzten Tage der Charwoche, an allen Tagen genossen werden. Auch gehören diese Gegenstände nicht unter jene Fleischspeisen, deren gleichzeitiger Genuß mit Fischspeisen untersagt ist; wohl aber gehören darunter Stücke Speck oder Speckscheiben unter Speisen gemischt, deren Genuß daher nicht erlaubt ist. VI. Den im hiesigen Bisthume stationirten, im activen Dienste stehenden Militärpersonen und ihren Hausgenossen,— den Hausbewohnern, bei welchen Militärpersonen einquartirt sind und speisen,— den Mitgliedern und Dienstboten nicht katholischer oder confessionell gemischter Familien, — den Fabrik= und Bergarbeitern— den Tagelöhnern,— den Armen, den Reisenden,— den Gast= und Speisewirthen, sowie ihren Gästen und Hausgenossen wird, mit alleiniger Ausnahme des hl. Charfreitags, die Abstinenz hierdurch erlassen. VII. Wir ertheilen allen Pfarrern und Beichtvätern der Diöcese die Befugniß, die hier ertheilte Dispens nach Bedürfniß zu erweitern, oder auch in den einzelnen Fällen, wo die Verbindlichkeit des Fasten=Gebotes zweifelhaft erscheint, dieses Gebot zu interpretiren und also zu entscheiden, ob und in wie weit es verbindend sei, namentlich in Hinsicht der mit körperlichen Arbeiten in Tag= und Dienstlohn Beschäftigten, in Hinsicht der Armen und der im Hauswesen Bedrängten und dgl. Doch sollen die Pfarrer diese erweiterte Diepense nur Einzelnen ihrer Pfarrkinder, welche dieselbe nachsuchen, nicht ganzen Gesellschaften, und die Beichtväter sollen sie nur ihren Beichtkindern und zwar nur bei Spendung des hl. Bußsakramentes zu ertbeilen befugt sein. VIII. Kranke und Schwache müssen sich auch in Hinsicht des Fastengebotes nach dem Rathe ihres Arztes richten IX An Feiertagen, welche auf einen gebotenen Fast= oder Abstinemlag fallen, wird der mehrmalige Genuß von Fleischspeisen, nicht aber der gleichzeitige Genuß von Fisch= und Fleischspeisen gestattet. Die geschlossene Zeit, in welcher Hochzeiten nicht stattfinden sollen, und öffentliche Belustigungen, insbesondere Tanzbelustigungen untersagt sind, dauert vom Aschermittwoch bis zum Weißen Sonntage einschließlich, und vom ersten Adventssonntage bis zum Feste der Erscheinung des Herrn einschließlich. Deutsches Berlin, 22. Febr. Ueber den Ausfall der gestern staitgefundenen Reichstagswahlen besitzen wir abschließend Nachrichten nur aus einigen großen Städten, darunter selbst verständlich aus der Reichshauptstadt. Das Juviliren de „Nationalzeitung“ über die wahrhaft zerschmetternde Nieden lage der Freisinnigen und die angebliche E oberung vor 23 Mandaten durch die Nationalliberalen ist daher noch keines vegs an der Zeit. Selbst die„Nordd. Allg. Zeg.“, obgleich sie der Opposition an anderer Stelle bereits einen Verlust von 34 Mandaten zuweist, glaubt denn auch nichtsdestowengen in der Beurtheilung des Wahlergebnisses so lange haltung sich auferlegen zu sollen, bis sich übersehen lägt, ob die Wahrscheinlichkeitsschlüsse, die man aus den vorliegender günstigen Einzelnachrichten zuhen kann, auch wirklich der Thatsachen ennsprechen. Indessen läßt sich doch schon mit ziemlicher Sicherheit annehmen, daß das von der Regie rungspresse aus Leibeskräften während der ganzen Wahl bewegung unterhaltene Kriegsgeschrei seine Wirkung nicht verfehlt hat, indem die süddeutsche demokratische Partei fast gänzlich von der Bildfläche verschwunden zu sein scheint und die Freisinnigen zum mindesten eine sehr erhebliche Einbuße erlitten haben. Nur darüber besteht kaum eine Meinung verschiedenheit, daß das Centrum in ungeschwächter Kraft auch aus diesem Wahlkampfe wieder hervorgegangen ist. Am auf fallendsten ist der Niedergang der Freisinnigen in Berlin zu Tage getreten. Hier, wo diese Partei fast ein volles Menschen alter hindurch seine Herrschaft unangesochten behauptet hat, ist es ihr nicht gelungen, auch nur in einem einzigen Wahl kreise einen ihrer Candidaten durchzubringen. Ihre Stimmenzahl ist sogar gegen das Jahr 1884 um 4000 zurückgegangen, die wohl vorwiegend den Solialdemokraten zu Gute gekommen sein mögen, da deren Heer um 25,000 Köpfe zugenommen hat, so daß dasselbe über nahezu 100,000 Stimmen verfügt Ihnen gegenüber haben die aus den Nationalliberalen, den Freiconservativen und den Conservativen sich zusammensetzenden Cartellbrüder es nur auf 71.000 Stimmen gebracht. Von den 314 914 eingetragenen Wählern hatten 232,924, also rund 74 pCt. ihr Wahlrecht ausgeübt. An diesem Procentsatz betheiligen sich die Freisinnigen nur mit 283, die Cartell brüder mit 30,9 und die Socialdemokraten mit 40,4. Letztere haben auch die Wahlkreise 3 und 5 trotz aller ihnen von der Polizei in den Weg gelegten Hindernisse mit Glanz behauptet, während sie entschlossen sind, bei den Stichwahlen in den vier übrigen Bezirken den freisinnigen Candidaten zum Siege zu verhelfen, nachdem diese sich verpflichtet haben, für die Beseitigung des Socialistengesetzes einzutreten. Nur eine vom Parteihaß erzeugte Verblendung, wie sie der„Nordd. Allg Zig.“ eigen ist, kann in dem Ausfall der Berliner Wahlen ein erfreuliches Zeichen erblicken, da dieser Ausfall nur mög lich geworden ist durch dos furchtbare Anschwellen der Social demokratie. Die„Kreuzzeitung“ ist dern auch verständig genug, offen einzugestehen, daß die hiesigen Wahlen im höchsten Grade unerfreulich ausgefallen sind und daß das, was etwa an ihnen noch erfreulich sein könnte, lediglich den Herren Stöcker und Wagner zum Verdienste anzurechnen ist. Denn die Mittelpartei habe sich außer Stande gezeigt, das zu leisten, was von ihr erwartet worden sei. Sogar ihr Prophet Miquel ei trotz des warmen Appells an das Judenthum nicht einmal n die Stichwahl gekommen. Dem Mißvergnügen der„Kreuz zeitung“ muß man allerdings zu Gute halten, daß sie instinctwv fühlt, wie die Nationalliberalen jetzt auf dem Wege sind, die Conservativen wieder in die zweite Linie zu drängen. Ein chwacher Trost ist es deshalb für das conservative Organ, daß das Centrum sich als der unangreifbare Thurm bewährt hat. Wäre es möglich gewesen, diesen Thurm durch die neue Kirchen=Vorlage zu erschüttern, so kann man sicher sein, daß man sich beeilt haben würde, dieselbe in die Wahlbewegung zu werfen. Ihr Inhalt zeigt jedoch, daß mit diesem Gesetz Entwurf nicht viel Staat zu machen ist. Die neuen Zugetändnisse sind in der That für die Befriedigung unserer Bedürfnisse lange nicht ausreichend und überdies nicht genügend sicher gestellt, obendrein auch noch die Frucht nicht ganz unbedenklicher Gegenleistungen. Berlin, 22. Febr. Ueber die rechtliche Lage bei einem Verfassungs-Conflict im Reiche stellt die hiesige „Volksztg." folgende Betrachtungen an. In den sechsziger Jahren flossen in Preußen die Haupt=Einnahmen der Regierung aus directen Steuern, heute im Reiche fließen sie aus indirecten Steuern. Diese genügen aber noch lange nicht. Trotzdem den Einzelstaaten vor Jahren schon versprochen ist, das Reich werde ihre Bedürfnisse decken helfen, kann dieses hre Beiträge, die sogenannten Matricularbeitrage, jeute noch nicht entbehren. Wenn nun die Reichs=Regierung die Matricularbeiträge nicht entbehren kann, so ist sie vom Reichstage abhängig. Matricularbeiträge sind ohne das verfaffungsmäßig zu Stande gekommene Reichsetat=Gesetz un denkvar. Darin ändert sogar Art. 62 der Reichsverfassung nichts. Derselbe lautet:„Zur Bestreitung des Aufwandes ür das gesammte Bundesheer sind bis zum 31. December 1871 dem Bundesfeldherrn(dem Kaiser) jährlich so viel Mal 225 Thaler, als die Kopfzahl der Friedensstärke des Heeres beträgt, zur Verfügung zu stellen. Nach dem 31. December 1871 müssen diese Beiträge von den einzelnen Staaten zur Reichskasse fortgezahlt werden." 1867 wurde auf diesen Artikel hoher Werth gelegt, weil darin eine Bürgschaft liegen sollte dafür, daß auch in einer budgetlosen Zeit die zum Unterhalt des Heeres zur Verfügung stehen würden. Heute hat der Artikel nur calculatorische Bedeutung. Im Art. 70 sind nämlich die Regeln für den Entwurf des Einnahme Etats aufgestellt, wonach zur Bestreitung der Ausgabe dienen 1. die Ueberschüsse der Vorjahre, 2. die Einnahmen aus Zöllen, aus dem Postwesen u. s. w., und 3. Matricularbeiträge zur Deckung des dann noch Fehlenden. Die Matricularbeiträge werden nach Maßgabe der Bevölkerung in den Einzelstaaten berechnet, also in derselben Weise, wie nach Art. 62 die Heereslast vertheilt werden soll. Den EinzelLandragen war bekanntlich das Recht vorbehalten, die meichsverfassung zu genehmgen. Der offenbere Widerspruch vischen Art. 62 und Art. 70 gab im preußischen Landtage em Abgeordneten, der überall Klarheit liebte, Anlaß zu Afrage, ov die Reichsregierung der Ansicht sei, daß die 225 Thaler des Art. 62 neven den gemeinschaftlichen Einnahmen und den Matricularbeiträgen von den Einzelstaaten gezahlt werden sollien. Darauf erklärte Fürst Bismarck im Namen der Staats=Regierung,„das es niemals ihre Absicht hat sein können, die Finanzwirthschaft des Reiches so aufzufassen, als ob neben den Steuern, die für die Reichskasse eingehen, außerdem noch 225 Thaler für jeden Kopf innerhalb der gesetzmäßigen Ziffer des Heeres gezahlt werden sollten; sondern daß immer nur die Meinung die gewesen ist, daß gerjnige Antheil von 225 Thalern für den Kopf, der durch Reichsstenern nicht gedeckt wurde, durch Matricularbeiträge zu bestreiten sei!" Diese Erklärung vom 8. Mai 1867 beweist klar die rein calculatorische Bedeutung des Art. 62. Als 1865 in Preußen kein Etatsgesetz zu Stande gekommen war, enieß die Regierung ein solches auf Grund des NothstandsParagraphen unter„eigener Verantwortlichkeit". Wenn im Reiche der Versuch gemacht werden sollte, von dem Art. 62 der Reichs=Verfassung eine ähnliche Anwendung zu machen, wenn also die Reichs=Regierung eigenmächtig die Matriculareiträge festsetzen wollte, so wäre kein Einzelstaat verpflichtet, einen einzigen Pfennig an die Reichskass= abzuführen. Da Execution ihnen gegenüber nach Artikel 19 nur gestattet ist, wenn sie ihre„verfassungsmäßigen" Bundespflichten nicht erfüllen, so bleibt bei verfassungswidrigen Forderungen der Reichskasse jeder Zwang ausgeschlossen. Die Lage der Einzeltaaten ist in dieser Frage zu günstig; nicht zahlen zu dürfen, ist eine zu angenehme Sache, als duß sich in Deutschland nicht einige Landtage finden sollten, die ihr Recht wahrnehmen. Eine praktische Bedeutung werden diese Ausführungen unter den obwaltenden Umständen schwerlich gewinnen. *Berlin. 22. Febr. Der dem Herrenhuuse heute zugegangene kirchenpolitische Gesetzentwurf lautet: Artikel 1. Der Artikel 2 des Gesetzes vom 21. Mai 1886 wird wie folgt abgeändert: Die Bischöfe Osnabrücks und Limburgs sind befugt, in ihren Diöcesen Seminare zur wissenschaftlichen Vorbildung von Geistchen zu errichten und zu unterhalten. Auf diese Seminare finden die Bestimmungen des Artikels 2 des vorjährigen Gesetzes Anwendung; die beschränkende Bestimmung im Absatz 4 dieses Gesetzes wird aufgehoben, das heißt also, daß auch Studirende fremder Sprengel ohne besonderen Dispens diese Seminare besuchen dürfen. Artikel 2. Das Gesetz vom 11 Mai 1873 wird wie folgt abgeändert: an Stelle der Vorschriften in Nro. 2 und 3 des§ 16 tritt folgende Betimmung:„Der Einspruch ist zulässig, 2) wenn dafür erachtet wird, daß der Anzustellende aus einem Grunde, welcher dem bürgerlichen oder staatsbürgerlichen Gebiete angehört, für die Stelle nicht geeignet sei. Ein staatlicher Zwang zur dauernden Besetzung der Pfarrämter sindet fortan nicht tatt.“§ 18 des Gesetzes vom 11. Mai 1873 wird aufgehoben. Gerichtliche Entscheidungen gegen Geistliche in den Fällen des§ 21 des letztgenannten Gesetzes haben nicht von Rechtswegen die Erledigung der Stelle zur Folge. Die entgegenstehende Bestimmung wird aufgeboben. Artikel 3. Die in Absatz 2 des Artikels 8 des vorjährigen Gesetzes vorgeschriebene Verpflichtung der geistlichen Oberen zur Mittheilung kirchlicher Disciplinarentscheidungen an die Oberpräfidenten wird aufgehoben. Artikel 4. Das Gesetz über die Grenzen des Gebrauchs der kirchenpolitischen Strafzucht vom 13. Mai 1873 wird aufgehoben. Nur§ 1 bleibt bestehen. Artikel 5 ändert das Gesetz über die geistlichen Orden wie folgt ab: Von den durch dieses Gesetz ausgeschlossenen Orden und ordensähnlichen Congregationen können durch Beschluß des Staatsministeriums diejenigen zugelassen werden, welche sich der Aushülfe in der Seelsorge oder der Uebung christlicher Nächstenliebe widmen, oder deren Mitglieder ein beschauliches Leben führen. Auf diese finden betreffs der Errichtung der einzelnen Niederlassung, sowie der sonstigen Verhältnisse dieselben gesetzlichen Bestimmungen Anwendung, welche für die bestehenden Orden und Congregatioen gelten. Die Ministern des Innern und des Cultus können den Orden die Ausbildung von Missionären für den Dienst im Auslande, sowie zu diesem Behuf die Errichtung einer Niederlassung gestatten. In allgemeinen Motiven wird zunächst auf die bekannten vorjährigen Verhandlungen hingewiesen, in Folge deren die Regierung mit der Curie unterhandelte, um entsprechend ihrer Fürsorge für die katholischen Unterthanen und den freundschaftlichen vertrauensvollen Beziehungen zur Curie die Grundlagen für ein Gesetz zu gewinnen, welches die Verhältnisse zwischen Staat und Curie zu beiderseitiger Zufriedenheit gestaltet. Die Regierung habe sich dabei nicht auf eine Revision der im vorjährigen Gesetz unerledigt gebliebenen Bestimmungen beschränkt, sondern, den Wünschen der Curie gern entgegenkommend, auch solche Fragen in Erwägung gezogen, die durch das vorjährige Gesetz eine Regelung gefunden haben. Sie durfe demnach zuversichtlich hoffen, daß der Entwurf geeignet sei, die bei seiner Aufstellung leitend gewesenen Ziele zu verwirklichen. * M. Gladbach, 22. Febr. Ganz anders als in vielen mischmaschparteilichen Kreisen denkt man in den Reihen der Centrumspartei über den Werth der freien Wahl. Es mag in dieser Beziehung an die schönen Worte erinnert werden, welche Herr Frz. Brandts jun. am Sonntag in der Wählerversammlung der Centrumspartei hierselbst sprach: „Wir verlangen“, sagte Herr Brandts,„keine Stimme für unseren Candidaten, als nur auf Grund der eigensten und freieten Ueberzeugung des Wählers, daß er durch seine Stimmabgabe dem Wohle des Vaterlandes wie der Kirche dient. Wer seine feste Ueberzeugung hat, bedarf keines Rathes.... Es soll sich keiner beeinflussen lassen, gegen seine Ueberzeugung zu stimmen; ist er ein Fabrikarbeiter, so soll er seine Ueberzeugung seinem Brodherrn nicht opfern, und bensowenig soll ein Mitglied des Kriegervereins auf seine Ueberzeugung Verzicht leisten. Wir wünschen nur, daß die Führer der„liberalen" Partei ieselbe Erklärung abgeben und jede Wahlbedrückung und eden Wahlterrorismus ebenso verurtheilen wie wir." Leider it dieser Wunsch nicht in Erfüllung gegangen, und manche Arbeitgeber, die sich für„liberal" halten, nutzen ihre Stellung in einer Weise gegenüber den Arbeitern aus, als ob ie Sclaven vor sich hätten und nicht freie Männer. Trier. 21. Febr. Durch Urtheil des kgl. Landgerichts hierselbst vom 7. April 1885 wurde für Recht erkannt, daß die sämmtlichen im Jahre 1874 von der königl. Regierung beschlagnahmten und vom kgl. preußischen Fiscus als Staatseigenthum in Anspruch genommenen Güter des hiesigen Bischöflichen Seminars nicht dem Staate gehören, sondern Eigenthum des Seminars seien. Das Oberlandesgericht zu Köln hat durch Urtheil vom 8. April 1886 ne landgerichtliche Entscheidung bestätigt. Der kgl. preußische fiscus war hiermit nicht zufrieden, sondern hat Recurs beim Reichsgericht erhoben. Die Verhandlung der Sache ist nunmehr, nach der„Köln. Vzig.", auf den 8. März festgesetzt. * Der diesjährige Fasten=Hirtenbrief des Herrn Bischofes von Osnabrück handelt über die Feier der Sonnund Festtage. Die Sonn= und Feiertage sind, so wird ausgeführt, gesegnet und geheiligt, erstens als Tage„der Ruhe", sodann als Tage„gnadenreichen Umganges mit Gott, und endlich a und weit Gelegenh wendens Mißbrau gabe a D. der preuf einen9 witiert 1 diten u. das siren nährt.C haft emla versamml. wärtigen Wähler der hiesig stündigen erklärte e suchung Worte hi Versam darin eine *W Europat worden i ablegen, sandt wi „Barcelor gestern N 3 Uhr, sa ununterbr meter hol einige Flo berührten. auszugehei und Fenst gedenken n eine Klein solche Win blick ist n Alpen, di Palmen u bieten ein brechen un kein Fuhrn thun sollen brochen. erfeoren. zu waten Schneeman Der Schad bäume, die wohl verlor ist einzig, prachtvoll. in diesem 5° Kälte ge lichen Bras 19. d. eingeb sisch ziere 1 messun Amu Turkesi daß en kurgan, KunduGerüch mit ei Seistan Herat 1 Kenntni gramm eine Fl Zusamn bar und schildert vom preuß vonf hiesig. dem ersten des ganze die Leut über alles 1 lenden. Die MatriBevölkerung in den Weise, wie nach Art. ll. Den Einzelcht vorbehalten, die ffenbare Widerspruch peeußischen Landtage it liebte, Anlaß zu Ansicht sei, daß die meinschaftlichen Einon den Einzelstaaten Fürst Bismarck im niemals ihre Absicht 8 Reiches so aufzudie Reichskasse eineden Kopf innerhalb ihlt werden sollten; sie gewesen ist, daß en Kopf, der durch Natricularbeiträge zu Mai 1867 beweist des Art. 62. Als ine gekommen war, nd des Nothstandsichkeit". Wenn im „von dem Art. 62 pendung zu machen, htig die Matricularnzelstaat verpflichtet, se abzuführen. Da 19 nur gestattet ist, despflichten nicht er= 1Forderungen der die Lage der Einzelht zahlen zu dürfen, sich in Deutschland ihr Recht wahrnehrden diese Ausfühschwerlich gewinnen. rrenhuuse heute tzentwurf lautet: 1. Mai 1886 wird wie Limburgs sind befugt, Vorbildung von Geistse Seminare finden die esetzes Anwendung; die setzes wird aufgehoben, prengel ohne besonderen d wie folgt abgeändert: §16 tritt folgende Beafür erachtet wird, daß bürgerlichen oder staatsgeeignet sei. Ein staatmter findet fortan nicht d aufgehoben. Gerichtn des§ 21 des letztgee Erledigung der Stelle aufgeboben. des vorjährigen Gesetzes n zur Mittheilung kirchenten wird aufgehoben. Gebrauchs der kirchenaufgehoben. Nur§ 1 n Orden wic folgt ab: n und ordensähnlichen ministeriums diejenigen der Seelsorge oder der 1 Mitglieder ein beschauErrichtung der einzelnen elben gesetzlichen BestimOrden und Congregatioultus können den Orden im Auslande, sowie zu statten. e bekannten vorjährigen legierung mit der Curie die katholischen UnterBeziehungen zur Curie es die Verhältnisse zwieit gestaltet. Die Regier im vorjährigen Gesetz ondern, den Wünschen n in Erwägung gezogen, nden haben. Sie dürfe ignet sei, die bei seiner 1. inders als in vielen in den Reihen der er freien Wahl. ien Worte erinnert n. am Sonntag in ei hierselbst sprach: 3,„keine Stimme für ensten und freieer durch seine Stimmdient. Wer seine feste is soll sich keiner beeinnen; ist er ein Fabrikherrn nicht opfern, und auf seine Ueberzeugung der„liberalen" Partei lbedrückung und en wie wir." ung gegangen, und halten, nutzen ihre beitern aus, als ob e Männer. es kgl. Landgerichts Recht erkannt, daß von der königl. preußischen Fiscus imenen Güter des cht dem Staate seien. Das Obervom 8. April 1886 Der kgl. preußische rn hat Recurs beim der Sache ist nunMärz festgesetzt. brief des Herrn die Feier der Sonnsind, so wird ausTage„der Ruhe", es mit Gott", und endlich als Tage„häuslichen Verkehes". In der Behandlung und weiteren Durchführung dieser Sätze findet der Beschof Gelegenhen, die Weise, wie die Sonn und Feierta“ zu ver wenden sind, klar zu legen, zugleich aber auch gegen Mißbrauch der an denselben gestatteten Freiheir durch Hin gabe an die Sinelichkeit und Genußsucht zu warnen * Danzig, 21. Febr. Wohl in keiner„öße. der preußischen Monarchie erregt der Name„Socia Schrecken als wie in der hiesigen. Man "Stad mokkat" einen goderen witiert in im diten u. s. w einen Hochverräther, P“roleumbelden, Ban= Diese kunstliche Bangemacherei werd noch durch das strenge Auftreten der Polizei gegen die Socialisten ge nährt. Gestern Abend ist es den 11 aus der Untersuchuneshaft emlassenen Sociolisten gegluckt, eine socialistische Wählerversammlung vor Schluß der Wahlcampagne in einem aus wärtigen Locale abzuhalten. Erschienen waren ungefähr 150 Wähler und 23 his 24 Polizeibeamte. Als der Candidat der hiesigen Socialisten, Lityvgrapy Jochem, naca einem ein stündigen Vortrage aufgefordert wurde, lauter zu sprechen, erklärte e, daß eine kürzlich überstandene 22täzige Unter suchungshaft ihn sehr angegriffen habe. Auf diese Worte hin löste der aufstasführende Polizeibenm:e die Versammlung auf indem er wahrscheinlich glaubte, daß darin eine Aufreizung gegen die Staatsanwaltschaft gelegen habe. Spanien und Portugal. * Wie empfindlich man in diesen Tagen auch im südlichen Europa von dem strengen Auftreten des Winters heimgesucht worden ist, dafür mögen die nachstehenden Zeilen Zeugnit ablegen, die dem„Nurnb. Corresp." aus Barcelona zuge sandt wurden. Der Verfasser schreibt unter'm 11. d.: „Barcelona, der Winteraufenthalt für Brustkranke, liegt seit gestern Nachmittag im tiefsten Schnee. Seit dem 10. ds, 3 Uhr, schneit es bei einer Temperatur von 0° b:s 1° Wärme ununterbrochen fort: bereits hat sich eine 30 bis 35 Centimeter hohe Schneedecke gebildet. Vorgestern bereits fielen einige Flocken, die aber zu Wasser wurden, ehe sie den Boden berührten. Jetzt ist es betterer Ernst, es ist fast unmöglich, auszugehen. Die Leute stehen mit offenem Munde an Thüren und Fenstern; denn desgleichen hat Barcelona seit Menschengedenken nicht erlebt. Vor fünf Jahren im März fiel einmal eine Kleinigkeit Schnee, vor 30 Jahren desgleichen, aber eine solche Winterlandschaft ist etwas nie Dagewesenes. Der Anblick ist wunderbar. Die Berge um Barcelona gleichen den Alpen, die Promenaden ma ihren Lorbeerbäumen, die Palmen und die mit Früchten beladenen Apfelsinenbäume bieten einen Anblick dar, der bezaubernd ist. Die Zweige brechen unter der Last des Schnee's; in den Straßen ist kein Fuhrwerk zu sehen. Die Leute wissen nicht, was sie thun sollen. Post und Telegraph sind naturlich sofort unterbrochen. Die Spanier, Männlein und Weiblein, sind bald erfroren. Ich mache mir das Vergnügen, im Schnee herum zu waten und mit Hülfe einiger deutscher Familien einen Schneemann zu bauen, der dann photographirt werden soll. Der Schaden für das Land wird bedeutend sein, Mandelbäume, die am Sonntag in vollster Blüthe standen, werden wohl verloren gehen. Der Blick am Hafen und am Meer ist einzig, die Kuste schneeweiß, und gegen sie donnert das prachtvoll blaue Mittelmeer seine Wogen. Der Winter war in diesem Jahre überhaupt etwas streng; wir haben bis zu 5° Kälte gehabt, dabei gibt es keine Oefen, nur die abscheulichen Brasecos, d. h.„Kohlenbecken.“ Ueberseeische Länder. * Aus Bombay wird dem Reuter'schen Bureau unterm 19. d. gemeldet: Nach hier eingegangenen Mittheilungen aus eingeborenen Quellen wurde jüngst bemerkt, daß einige rus sische Offziere in Gesellschaft etlicher bucharischer Offiziere und Reiter in der Nachbarschaft von Kulfat Vermessungen für die Errichtung einer Brücke über den Amu Darja vornahmen. Der Gouverneur des afghanischen Turkestaus und der Emir von Afghanistan besorgen daher, daß ein russischer Vormarsch auf Khulm oder Taschkurgan, einem auf halben Wege zwischen den wichtigen Posten Kunduz und Balth gelegenen Platze, geplant sei. Es sind Gerüchte beharrlich im Umlaufe, daß 6 russische Offiziere mit einer Eingebocenen Escorte von Katta Kurgan in Seistan angekommen sind, mit der Absicht, verkleidet über Herat nach Afghanistan zu gelangen. Der Schah hat hiervon Kenntniß.— Die„Times of India“ veröffentlicht ein Telegramm aus Lahore, demzufoige der Emir von Afhanistan eine Flugschrift herausgegeben hat, welche die Ereignisse im Zusammenhange, mit dem in Rawul Pindi abgehaltenen Durbar und die Bewegungen der Russen an der nördlichen Grenze schildert. Provinziebe und vermischte Nachrichter vonnt, 24.. Laut Verfügung der General=Lotteriedirection preußischen anenie dur Relervirung der Loose 1. Classe der 176. kgl. eutzischen Classenlotterie bestimmte Frist von 10 Tagen auf eine solche von fünfzehn Tagen verlängert worden. —n Haltern, 22. Febr. Gestern Morgen ereianete sich auf dem best er anlene d händers Kolt ein grähliches Unglüc, inerben welem welcher nan emer vierzehntägigen Reparatur zum wieder in Berrieo genommen war, explodirte, wobei leider drei Menschenleben vernichtet wurden. Der Heizer, der Maschinist und der Platzmeister wurden als Leichen unter dem Schutt hervorgezogen. Stück Kessels wurden ungefähr 3000 Meter weit geschleudert und ist das ganze Sägewerk total vernichtet. * Castrov. 21. Febr. In der gestern Nachmittag bei dem Gastwirth Hevemann in Merklinde stattgefundenen Generalversammlung des hiesigen landwirthschaftlichen Localvereins wurde beschlossen, in einer demnachst anzuberaumenden Versammlung durch einen Lehrer der andwirthschaftlichen Winterschule zu Dortmund einen Vortrag über Einuna und Hrete der lindwirthschaflichen Winterschulen halten zu Der vornehmste Gegenstand der Tagesordnung, Berathung einer , an die Behörde betreffs Abänderung der Verfügung über Einung der Bodenluken wurde wegen zu schwacher Betheiligung Versammlung bis zur nächsten Zusammenkunft verschoben. und dei Sxuche 72 Fev.. Am Sonntag feierte der Verein„Frohsinn jähriges Ter. festlich geschmückten Saale des Wirth Möller sein diesball. Das tofes durch declamatorische Vorträge und nachherigem FestHend sehr gut besucht und verlief ohne j de Storung. der Belg=Act.el. war Auf Zeche Clerget edenso auf Schacht VI katen beklebt, auf denenaesterPa Besatzung, der Geschüße, Menfren Festungswerke mit Angabe der die Kriegsfurcht einujagen 1 geheichnet sind, um den Vergleuten Leuten vorgeprediat. Das er Zugmittel wird außerdem den Leuten vorgepredigt, daß der Centrumscandidat es bisher unterlassen hat über seine Thätigkeit im Reichstege Bericht zu erstatten. Es hat aber alles nichts genutzt; der bisherige Vertreter Herr Fabrikant Ad. Beck in Bocholt(Centr.) erhielt hierselbst 266 Stimmen, der Herr Landrath Reitzenstein(freicons.) dagegen nur 133 und Hasenclever(Soc.) 2 St *Vom Rhein, 23. Febr. Die Maschinenfabrik von Schaubach und Grülmer in Coblenz ist mit dem Aufstellen zweier eisern? Schiff für die dortige Schiffbrück: beschäftigt. Wie wir hören, sollen die alten hölzernen Schiffe später sämmtlich durch eiserne ersetzt werdmn. Schausenberg im Kr. Jülich bruchen vor einigen Nächten Diebe in die Kirche ein. Obwohl 5 denselben trotz harter Arbeit nicht gelung, ous nene Tabernakel zu erbrechen, so haben sie doc durch die theilweise Zer= tümmerung des schönen Altars der armen Kiec. einen bedeutenden Shaden zugefügt. De wusten Menschen haben mit bestialischem Vendalismus in der Kuche gegausl und einen wayren„Greuel der Verwüllung“ an der beiligen Mutte bervorgerufen, von ihren nicht näher zu beschreibenden Unfläthinkeiten ganz abgesehen. Allem Anscheine nach steht dieser Einbruch in Verbindung mit dem einige Tage voryer in Aldenhoven statigehabten Kuchenraube, und dürften hier wie dort dieselben Subjecte in Thätigkeit gewesen sein.— In Düsselorf wurden vor einigen Tagen zwei höchn gefährliche Verbrecher verhaftet. Min fand bei ihnen eine Cigarrenliste voll goldener Uhrketien, eine Schachtel mit Damenschmuck sachen und 10 Neue goldene Uhren. Ber der Verhaftung zog einer der Gauner einen Revolver bervor und gab damit zwei Schüsse auf die Polizeibeamten ab, glücklicherweise ohne zu treffen. Die Verbrecher sind aus Westfaten, der eine aus Langengesecke, der andere aus Lünen und er erscheint wahrscheinlich, daß fie auch vei der zahlreichen Kirchenberaubung in der Nachbarprovinz betheiligt gewesen sind.— In Niel lief vor caucht Tagen ein 23jähriges Maschen in den Rhein, tauchte in die kühlen luthen hinas und ward nicht mehr gesehen. Alles Fischen nach dem Körper des Mädchens war vergeblich. Wirum dasselbe seinem jungen Leben ein so trauriges Ende bereitet, ist unbekannt.— Ein Buchbindergeselle in Crefe.o hatte sich wiederholt in die Hosentaschen seines Schlafgenossen veriret und verschiedene Gelobeträge stibitzt. Der Bestohlene bemerkte nun vor einigen Tagen, wie Z wieder seine Hosentaschen durchichte und daraus einen Geldbetrag entnahm. Er stellte sich unwissend, zeichnet= jNoch in Gegenwart eines Sritten eine Anzahl Gelostücke, über velche er ein genaues Verzeichniß anfertigte. Am nächsten Morgen war in Theil des Gelbes verschwunden und fand man es bei Z. wieder. Der Dieb halte die Zeichen nicht bemerkt und will nur irrthümlich in die verkehrten Hosentaschen gewesen sein. Vorläufig erhielt er Freiquartier in dem bekannten großen Hotel.— Der Kölner Männergesangverein hut n einer außerordentlichen Generalversummlung beschlossen, am Ostermontag eine Concectreise nach Hamburg, Bremen und Lübeck zu unternehmen; ein gleichzeitiges Concert in Kul unterliegt noch dem Beschlusse des Vorstandes. ie Dauer der Reise, von der sich der Verein einen großen künstlerischen rfolg verspricht, geht bis zum weißen Sonntag. Wahlresultate. Lüdenscheid. Gesammtresultat des Wahlkreises Lüdenscheid: Amtsrichter Reinhold(n.=l.) 12,228, Dr. Langerhans(freis.) 9737, Meist (soc.) 1611 St. Das Amt Menden fehlt noch. Reinhold ist gewäylt Münster. Die sämmtlichen acht Centrumssitze in Westfalen sind mit großartigen Mehrheiten behauptet worden. Paderborn. Hesse(Centr) wiedergewählt. Lippstadt=Brilon. Kersting(Centrum) mit großer Mehrheit gewählt. Hamm=Soest. Gew. Amtmann Smiths=Neyerich N mit 800 St. Rehrheit gegen Träger FC.(Der b. A. war Krug v. Nidoa cons.) Bielefeld: Gew. Commercienrath Delius N. mit 10,509 St. gegen Kirker F., Zwiener S. und v. Kleinsorgen C, zusammen 7558.(Der b. A. war Fror. v. Ungern=Sternberg co.) Solingen. Lundrath a. D. Melbeck(M) 5772, Fuchs(C.) 4599, Lederhändler Schumacher(S.) 8629 Stimmen. Also Stichwahl zwischen Socialbemoktaten und Mittelparteilern. Hönningen. Von 441 Wahlberechtigten stimmten 414, also der enorme Satz von 91,7 pCt. Es erhielten: Bender(C.) 353, Dietz(Mischmasch) 59. Die verhältnißmäßig sehr hohe für Dietz abgegebene Stimmenzahl ist auf die bekannten schmötzigen Einwirkungen zurückzuführen Montjoic=Malmedy. Fritzen(C.) gewählt. Landkreis Köln. Menten(C.) hat mit großer Mehrheit und starkem Zuwachs gegenüber der letzten Wahl gesiegt. Siegkreis=Waldbroel. Die Wiederwahl von Lingens(C.) mit großer Mehrheit gesichert. Er erhielt u. a. in Siegburg 594 gegen 505, in der Bürgermeisterei Eitorf 1087 gegen 113, in Happerschoß 160 gegen 23, Stieldorf 524 gegen 42, Honnef 534 gegen 103 St.(Betheiligung 80 pCt.) Siegen. Wiederwayl Stöcker's(cons.) außer Zweifel. Berncastel. Dieden(C.) wiedergewählt. Neuwied. Bender(C.) wiedergewählt Lennep Mettmann. Stichwahl zwischen Schmidt(freis.) und Friedrichs(n.=l.). *Berlin, 23. Febr.(Telegramm.) Bis jetzt 338 Wahlen bekannt, daoon 66 conservatw, 87 nationalliberal, 20 Reichspartei, 63 Centrum(darunter 3 für Septennat), 12 Freisinnige, 6 Socialisten, 15 Elsässer, 14 Polen, 2 Welfen und 53 Stichwahlen. Breslau Soweit bekannt hat sich das Centrum in Schlesien glänzend behauptet. Urberall colossaler Stimmenzuwachs. In Breslau selbst Stichwahl zwischen Mischmasch und den Socialisten. Mannheim. Diffené(Nl.) gewählt. Magdeburg. Duoigneau(M) 13,594, Heine(S.) 11,438, Dr. Barth(F.) 3592. Also Stichwahl zwischen dem Mittelparteiler und dem Sokialdemokraten. Nach einer späteren Meldung ist der Socialdemokrat durch. Hannover. Bruel(C.) 8039, Meister(S) 10,365, Knoevenagel(M.) 9053, Träger(F.) 510. Also Stichwahl zwischen dem Socialisten und dem Mittelparteiler. Straßburg. Im 7. elsaß=lothring'schen Wahlkreise Sieffermann (Prot.) gewählt gegen den bisherigen Bulach Sohn(Septennatsfreund). otsdam. v. Rauchhaupt(cons.) gewählt mit 3937 Stimmen gegen Dr. Schneider(F.) 2872 und Li pländer(S.) 619. Halle=Saalkreis. Dr. jur. Alex Meyer, bisheriger Vertreter,(of) 6767, Bergrath Täglichsbeck(n.=l.) 9261, Kayser(S) 5957. Einige Dörfer fehlen noch. Stichwahl zwischen Täglichsbeck und Meyer nothwendig. Stettin. Gesammtresultat: Rechtsanwalt Leistikow(n=l) 6116, bisheriger Vertreter Brömel(df) 5706, Herbert(S.) 4274 Stimmen. Stichwahl zwischen Leistikow und Brömel Delmenhorst. Graf Galen(C.) wiedergewählt Nürnberg. Gesammtresultat. Bioheriger Vertreter Grillenberger (S.) 15,000, Crámer(dí) 9000, Schwanhäuser(n.=l.) 4000 Stimmen. Grillenberger gewählt. Posen. Wahlkreis Posen: Cegielski(Pole). Samier-Obornik: Kwileki(Pole). Meseritz=Bomst: v. Unruhe=Bomst(cons.) But-Kosten: Dr. v. Pycielski(Pole). Kröben: Fürst Adam Czartorzski(Pole), Fraustadt: Stichwahl zwischen Fürst Radziwill (Pole), von Rheinbaben(cons.), letzterer sicher. SchrimmSchroda: v. Gräve(Pole). Wreschen=Pleschen: v. Magdzinski(Pole). Krotoschin: Dr. v. Jazdzewski(Pole). AdelnauSchildberg: Fürst Radziwill(Pole). Czarnikau=Colmar: v. Colmar(cons.). Wirsitz=Schubin: Graf Skorzewski(Pole) Bromberg: Stichwahl zwischen Hahn, Oberverwaltungsgerichtsratt (cons.) uad v. Komierowski(Pole). Inowrazlaw- Mogilno: von Koscieleki(Pole). Gnesen=Wongrowis: Dr. v. Chelmickt(Pole). Beuthen O.=S. Major Szmula(Centrum) erhielt mindestens 10,000 Stimmen mehr als Fürst Radziwill. Frankenstein i. Schl. Itz! bekommt Graf Chamaré(Centrum) 8368, Rädler(Mischmasch) 2759 St. Neisse. Horn(Centrum) 12,000, Jerin(Mischmasch) 2000 St. In Neustadt Graf Stolberg(Centrum) mit 9000 Stimmen gewählt gegen Wittenburg(Mischmasch) mit 2000 St#men. In Falkenberg Graf Praschma(Centrum) gewählt mit 8000 gegen 3000 St. Heiligenstadt.(Eichefeld.] v. Strombeck(Centrum) 10,000, Schäfer[Mischmasch] 1800 St. Für das Centrum 3000 St. gewonnen. Braunsberg=Heilsberg. Spahn Centr. wiederg wählt. Wertheim=Tauberbischofsheim. v. Buoi(Centrum) mit 13 885 gewählt, Klein#at=lib.] erhielt 8157 St. Tilsit=Niederung(l. Gumbinnen). v. Schlieckmann(cons.) wiedergewählt. Allenstein=Rössel Borowski(Centr.) wiedergewählt. Heiligenstadt Worbis Bis Abents 11 Uhr waren für v Strombeck(Centr./ 9193, für Schäfer(Mittelp.) 1447 St. gezahlt, Konit Polczynski(Pole). West Havelland(8. Potsdam). Stichwahl zwischen dem bisherigen Vertreter Rickert(fter.) und Metzenthin(cons.) Aschersleben=Calbe. Dietze(Reichep) wiedergewählt Wanzleben.(6 Magdeburg). v. Benda(nat=lib.) wiedergewählt. Meppen. Windthorst's Wiederwahl scheint sicher.(Kommt uns sehr sicher vor.) Osnabrück. Stichwahl zwischen dem bisherigen Vertreter v. Scheie (deutsch=hannov.) und Struckmann(nat.elib.) Kassel Weyrau5(cons.) Eschwege. v Christen(Reichsp.) wiebeigewählt. Wersfeld. Seyfarth(cons.) wied ergewählt. Bensheim Scipion(nat.=lib. Hildesheim Strucknann(nat=lib.) 9007, v. Olenhusen(DeutschHinnon 4613 St Bingen=Alzey Bunberzer(feris.) wiedergewählt. Oldenburg=Ploen Gef v. Vren(cons.) wiedergewählt. Attona. Frohme(Soc.) wiedergewählt. Holzminden(3. Braunsch ver1). Kulemana(nat lib.) Wolfenbüttel. Rosmer(nat=lib.) wiedergewährt. Döveln(10. Sachsen). Niethimmer(nat.=lb.) Bisher Braun(frei.) Borna. Frege(cons.) wiedergewählt Bautzen. Neich(cons.) wiedergewählt. Mittweida. Schneider(n=l.). Annaberg. Hoitzmann(n=l.) wiedergewählt Dresden, rechte von der Elbe. K.emm(cons.) wiedergewählt. Meißen. Friesen cons.). Piraa Geumpt(n.=l.). Bisher Ey'olot(nel) Kirchberg=Auerbach. Gewählt Kurz(cons.). Bisher Kayser(S.). Dresden, links der Erbe. Ackermann(cons.) wiedergewählt. Waldeck. Böttcher nl. wiedergewählt. Meiningen Zeitz(nel.] w.dergewäht. Pforzheim. Klumpp[n=l.] wiedergewählt Lahr. Enzler a=l. Waldshut. Krafft n.=l] wiedergewählt. Constanz. Noppel(n.=l.] wiedergewählt. Donaueschingen. o. Hornstein wiedergewähl Wunderlich n.=l.] Bieher Papellier freis. Neisse=Grottkau. Defintioes Resultat. Horn(Centr.) wiedergewählt 12,000 St., Jerin,(Mittelp.) 2000 St. Neustadt. Graf Stolberg(Centr.) 9000 St., Wittenburg(Mittelpartei) 2000 St. Nasaslau=Brieg. v. Heydebrandt(cons.) wiedergewählt Mielitsch. Fürst Hatzfelot(Reichsp.) wiedergewählt. Latiau(2. Königeberg). Gustedt(cons.) wiedergewählt. Neuhaus. Gebyarot(nat.=lib.) Fraustadt. Stichwahl zwischen v. Reinbaben(Reichspartei) und Naoziwll(Pole). Landsverg a. d. Warte. Bayer(cons.) gewählt. Bromberg. Stichwahl zwischen Hahn(cons.) und v. Komierowski Pole) Braunsberg(Ostpr.). Spahn(Centr.) wiedergewähl. Falkenverg. Graf Praschma(Centr.) wiedergewählt 8000 St., Schilder(Mittelpartei) 3000 St. Eisenach. Geibel(nat.=lib.) gewählt. Neustettin. v. Busse(cons.) wiedergewählt. Bütow. v. Massow(cons.) wiedergewählt. Gumvinnen.(3. Gumpinnen). Saro(cons.) wiedergewählt. Altona. Frohme(Soc.) wiedergewählt. Kiel. Slichwayl zwischen dem bisherigen Verteeter Hänel(freis.) und Heinzel(Soc.). Goslar. v. Alten(deutsch=hannov.) verbrängt durch Drechsler (Reichsp.) Sameln. v. Reden(nat.=lib.) wiedergewählt. Graf Droste=Vischering(Centr.) mit großer Mehrheit wiederMolsheim=Erstein. Der bisherige Vertreter Zorn v. Bulach, der einzige Elsässer, der für das Septennat stimmte, wurde durch Siffermann verdrängt. Prenzlau=Angermünde. v. Wedell=Malchow(cons.) wiedergewählt. Ratibor=Leovschütz. Klose(Centr.) Bolkenhayn. Hermes(freis.) Hirschverg. Barth(freis.) wiedergewählt. Görlitz. Stchwahl zwischen dem bisherigen Vertreter Lüders(freis.) und Seydewitz(cons.J. Waldenvurg. Stichwahl zwischen Websky(nat.=lib.] und Eberty (freisinni1). Grünberg=Freistadt. Wahl des Fürsten Carolets(Reichsp.] gesichert. Bieher Träter[freis.]. Holland=Mohrungen. Wiedergewählt Wichmann[cons.). *Straßburg, 21. Febr. Gewählt sind die bisherigen Aogeordneten von Wendel, Antoine, Germain, Jannez, Kable, Mühleisen, von Dietrich, Simonis, Lang, Grad, Guerber, Winterer. In E stein=Molsheim wird Zorn von Bulach, der bisherige Abgeordnete, wahrscheinlich ersetzt durch Sufferman(Protestler). In Mülhausen ist Lalance(Prot.) neugewählt. Der Wahlkeeis Zabern steht noch aus. Letzte Wosten und Telegramme. * Berlin, 23. Febr.(Telegramm.) Das Abgeordnetenhaus erledigte in heut ger Sitzung nach wenig erheblicher Debatte den größten Theil des Cultusetats. Excellenz Windthorst erklärte, das Centrum wolle angesichts der neuen Kirchenvorlage principielle Beschwerden vorläufig unterlassen. Das Gehalt des altkatholischen Bischofs, wozu Frhr. von Schorlemer namentliche Abstimmung beantragt, wurde mit den Stimmen der Conservativen, Nationalliberalen und eines Theiles der Freisinnigen bewilligt.(Fortsetzung morgen) * Berlin, 23. Febr.(Telegramm.) Der„Reichsunzeiger“ publicirt eine Kaiserliche Verordnung, welche den Neichstag auf den 3. März einberuft. *Rom, 22. Febr. Graf Salimbeni traf am 16. d. in Massanah ein und kehrte am 21. d. nach Asmara zurück. Derselbe überbrachte ein Schreiben Ras Alulas, in welchem en Italienern Freundschaft und Frieden angeboten wird; der Bruch wäre durch die Befestigung von Wua und Saati und ourch die Ungetreuen, welche sich unter den Italienern befänden, herbergeführt worden. Es heißt dann weiter in dem Schreiben:„Laßt uns wieder Freunde sein und möge Jeder auf seinem Gebiete bleiben." Nach einer Meldung der„Tribung" aus Massunah hätte General Gené in der Antwort auf dieses Schreiben Ras Alulas es abgelehnt, mit demselben zu unterhandeln, so lange Salimbeni und seine Genossen gefangen gehalten würden. Gené verlangt deren Freilassung, er werde sonst die Mitglieder der Expedition als todt betrachten und dieselben rächen. Salimbeni hatte dieser Antwort schriftlich zugestimmt. Von allen Seiten kommen uns Nachrichten über schamlose Wahlbeeinflussungen de nationalliberalen Arbeitgeber zu. DieGesinnungsgenossen, welche in der Lage sind, besonders gravirende und durch gut beleumundete Zeugen bestätigte Fälle mitzutheilen, werden gebeten, uns sofort Mittheilung zu machen. Redaction der„Westf. Volksztg." seitens jenigen Uever Verdauungsstörungen. Die Organe, durch welche dem menschlichen Körper die Stoffe zu seiner Ernährung aufnahmefähig gemacht werden, sind für die Gesundheit natürlich von äußerster Wichtigkeit, jede Stötung in den Functionen dieser Organe, jede Minderung, Alteration und Pemmung ihrer Leistungofähigkeit erz unt keankhafte Zustände mehr oder weniger schwerer Art. Durch die schlechte Verdauung wird auch die Darmpartie des Unt rleibes in Mitleidenschit g zogen. Tritt nicht an der rechten Stelle richtige Herlpflege ein, so terten din mennichfachsten Krankneilserscheinungen auf als: Blutarmuth. Bleichsucht. Trätzeit der Glieder, Appelitlosigkeit, saures Aufstotzen, Schmerzen im Miger, den Därmen, überhaupt im Uiterleib, Verstopfung, Diarthöe, Blähunge, Abmagerung, Lever= und Gallenleden. In diesen Fällen werden d.: Apotheker R Brandt's Schweizerpillen(erhältlich à Schachtel M. in den Apotheken) von vielen Aersten als das beste Mut l bezeichnet, weil es angenehm, sicher und absolut nuschädlich wirkt. Hauptdepot: Apotheker O. Hoynck in Allendorf. Die Mitglieder des 3. Ordens werden zu der am Freitag, Morgens 8 Uhr, stattfindenden Beerdigung der Wittwe Kost vom Krankenhause aus freundlichst eingeladen. 1052 Der Vorstand. „Constantia", kath. Verein für Kauflente und Beamte. Der auf heute Abend angekündigte Vortrag 20 „China, Land und Leute", beginnt um 8 Uhr und zwar, weil derselbe mehrere Stunden in Anspruch nimmt, pünktlich. Es wird deshalb gebeten, sich rechtzeitig einfinden zu wollen. 1048 Der Vorstand. Wiemelhauser Krieger=u. Landwehr-Verein. Sonntag, den 27. d. Mts., Nachmittags 4½ Uhr, im Locale des Herrn W. Dickamp: General=Versammlung. Tages=Ordnung: 1. Zahlung der laufenden Beiträge 2. Besprechung über die Feier des Geburtstages Sr. Majestät des Kaisers. Es ladet freundlichst ein 1059 Der Vorstand. Christlich=socialer Arbeiter=Verein Günnigfeld. Versammlung Sonntag, den 27. Februar, Nachmittags punct 4½ Uhr. Tages=Ordnung: 1. Zahlung der monatlichen Beiträge und Aufnahme neuer Mitglieder. 2. Verschiedenes. 3. Einschreiben in den Rechtsschutz Verein. Um pünktliches Erscheinen bittet 1047 Der Vorstand. Vincenz=Verein. Marien=Conferenz. Freitag Abend. Ausverkauf sämmtlicher Tuch-, Mannfactur= u. Mode=Waaren zu Inventur-Preisen. Gebr. Archenhold, 357 Bochum, Mochstr. 23. Eène nerestante Neuheit die sowohl in den höchsien und allerhöchsten Hofkreisen, wic überhaupt bei allen Liebhabern und Liebhaberinnen einer feinen Tasse Kasfee die beifälligste Aufnahme findet, ist ein Gewürz, welches bei der Bereitung des Koffee=Getränkes dem Bohnen=Kaffee zugesetzt, dem Getränk jene brillante Färbe und jenen wunderbar feinen, pikanten Geschmack verleiht, wie ihn das in Carlsbad credenzte weltberühmte Kaffee=Getränk besitzt. 1011 Erwähntes Gewürz, das unter dem Namen:„Weber's Carlsbader Kaffee=Gewürz in Portionsstücken"in den Handel kommt, wird in den Fuhriken des Hoflieferanten Otto E. 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Janzen 45 I. 8 M. alt, Roonstr. 46. Týeodor, 2 I. 11 M. alt, S. des Fabrikers Heinr. Schmidt, Roonstr. 76a. Maria, 8 M. alt, T. des Tagelöhners Hch Surmann, Helenenstr. 2. Maria, 1 I. 3 M. alt, T. des Arbeiters Carl. Adams, Beethovenstr. 12. Anna, 1 M. alt, T. des Maurers Stephan Rassenhövel, Carlstr. 2. Berginval. Stephan Lübbesmeier, 66 J. 6 M alt, Hernerstr. 19. Schreinermeister Wilh. Spettmann, 67 I. 3 M. alt, Wittekindstr. 4. Gerichtsbote Louis Herold, 31 I. 10 M. alt, Thomasstraße 4. Joseph, 1 J. 9 Mon. alt, S. des verstorb. Schneiders Joseph Harbaum, Gerberstr. 20. Elisabeth, 1 M. alt, T. des Bahnarbeiters W Plümacher, Wittenerstr. 87. Josephine, 11 M. alt, T. des Schneiders Ant. Bömelburg, Rottstr. 84. E s wird dringend gebeten die Redaction oder an eine persönliche Adresse irgend eines Angestellten unseres Geschäftes auszugeben, sondern stets an die Adresse: 5ar den Peclaetne aro Jrserateni.sil nerantwartlich Ladger Dilla in Bochen Expedition der Westfälischen Volksztg. uheit n, wic überhaupt en Tasse Kaffee welches bei der e zugesetzt, dem feinen, pikanten zte weltberühmte 1011 „Weber's Carlsdel kommt, wird in RadeveulCartons, enthl. affee, zum Preise Nr. 21. Beilage ur Wehfulischen Bolkszeitung in Bochum. III. ( Unterhaltungsblatt für das christliche Volk. Erscheint henc mt ene Sams aus Ne. ) Bochum Sonntag, den 20. Februar. 1887. ungen zu haben. s Colonial= u. Farbrd zum 1. Mai ein ling, zuter Schulbildung, d Logis im Hause. Offerten unter B. die Exped. d. Ztg. d Schlosser zen Eintritt(1051 tte Westfalia. tüchtige Bauschreinerellen 959 llenberg liederschein orf a. d. Ruhr. Nädchen it melken kann, jes. Spitzberg 5 b. ienstmädchen Von wem? sagt 8. 925 mädchen, Jahren gesucht. die Exp.(1034 adchen von 16— für Geschäft und zum 15. März Alleestr. 10. von 18 Jahren, ausarbeit versteht, 1053 nstraße 82. Ammen Stelle. Frau SieVeberstr. 18.(1046 ndermädchen chmittags) gesucht. ed. d. Ztg.(1055 Stadt ruar 1887. laust Hermann, S. r. Ohsieck, RoonS. des Fabrikers Johanniterstr. 23. 3. des Fabrikers telsir. 20.. Wilynmeister-Diätars chstr. 9. Lisette, riedr. Böke, Rott na, T. des Fabr. heserstr. 36. Albrikers Joh. Köln 81,1. Maria, heod. Hülsmann, Theodora, T des Nolzen, Hernerk. des Polizeiserlz, Hernerstr. 27. irth Wilh. Janzen istr. 46. Theodor, 5 des Fabrikers nstr. 76a. Maria, Tagelöhners Hch. tr. 2. Maria, 1 3 Arbeiters Carl. r. 12. Anna, 1 laurers Stephan r. 2. Berginval. er. 66 J. 6 Schreinermeister 67 I. 3 M. alt, erichtsbote Louis M. alt, ThomasI. 9 Mon. alt, chneiders Joseph 20. Elisabeth, Jahnarbeiters W str. 87. Josephine, Schneiders Ant. 84. gend gebeten niemals an oder an eine bresse irgend ten unseres ugeben, son e Adresse: on der Volksztg. Die Offenbarung. I. Der Menschengeist hat einen unwiderstehlichen Drang nach Wahrheit und Gewißheit. Es führt aber ein doppelter Weg zur Wahrheit, der Weg des Wissens und der Weg des Glaubens. Habe ich durch eigene Anschauung und Einsicht von einer Sache Gewißheit erlangt, so weiß ich es; daß z. B. die Sonne über mir leuchtet, das glaube ich nicht blos, sondern ich weiß es, weil ich sie alle Tage mit meinen Augen sehe. Habe ich aber von einer Sache Gewißheit nicht durch meine eigenen Sinne, sondern auf das Zeugniß Anderer hin, weil Andere, die es gesehen oder gehört haben, es mir bezeugen, so weiß ich das nicht, sondern ich glaube es. So haben z. B. Viele Rom nicht gesehen, aber sie zweifeln darum nicht im Mindesten daran, daß es ein Rom gibt; sie nehmen eben die Aussagen der Berichterstatter und Augenzeugen, die dort gewesen, für wahr an, d. h. sie glauben es. Verschlägt etwa das der Gewißheit von der Existenz Roms etwas, daß du es nicht selbst gesehen hast? Nicht im Mindesten. Also gibt es zwei Wege, um zur Gewißheit in Betreff einer Sache zu gelangen, das Wissen und das Glauben; der Unterschied liegt nur darin, daß man beim Wissen aus eigener Anschauung und Einsicht die Gewißheit hat, beim Glauben aber auf das Zeugniß Anderer hin. Es entsteht nun die Frage: Kann Jemand behaupten, daß ich unter meiner Wurde handle, wenn ich glaube, wenn ich auf die glaubwürdige Aussage Anderer etwas für wahr halte, was ich nicht selbst gesehen habe? Wer könnte das behaupten? Im Gegentheil, ich muß sogar glauben, wenn ich Kenntnisse erlangen will, weil ich selber Vieles nicht sehen kann. Du hast Amerika noch nicht gesehen; zweifelst du deshalb, daß dieses Land existirt? Gewiß nicht; du würdest ja für thöricht gelten, wenn du daran zweifeln wolltest, weil die Existenz dieses Welttheiles durch zahlreiche Zeuanisse beglaubigt ist. Also du glaubst, daß es ein Amerika gibt, und ist dieser Glaube deiner unwürdig? 1. Wir behaupten aber noch mehr; wir sagen: Der Glaube ist überhaupt notywenoia, um zum Wissen zu gelangen; alles ursprüngliche Wissen beruht auf dem Glauben. Wie wird das Kind zu einer Kenntniß gelangen, als einfach dadurch, daß es seinen Eltern und Lehrern Glauben schenkt? Es hält dasjenige für wahr, was diese ihm sagen, und auf solche Weise kommt es zur Erkenntniß und zum Wissen. Haben wir nicht Alle dadurch das Lesen erlernt, daß wir den Versicherungen des Lehrers glaubten, dieser Buchstabe heiße a und jener heiße b; wir nahmen das zuerst gläubig an, und als wir dann die Buchstaben zusammensetzten und zu lesen begannen, überzeugten wir uns von der Richtigkeit, weil diese Buchstaben Worte bildeten, und die Worte uns Gedanken brachten, und weil wir dann nicht blos in einem Buche, sondern in jedem beliebigen Buche uns überzeugen konnten, daß dieser Laut der Buchstaben so und nicht anders sei. Darum sagt der heilige Augustinus:„Das ist die Ordnung der Natur, daß der Glaube vorausgeht, wenn wi: etwas lernen, und dann erst die innere Einfolgt." Das ganze gesellschaftliche Leben beruht gewissermaßen auf dem Glauben. Muß nicht das Kind glauben, daß dieser sein Vater und jene seine Mutter sei? Wissen kann es dieses nach der Natur der Sache nicht. Der ererbte Besitzstand einer Familie, wodurch ist er gesichert, als durch den Glauben an die geprüften Urkunden? Und alles Recht im Staatsleben, alle Fragen über das Eigenthum, über das Mein und Dein, wodurch werden sie geregelt, als durch den Glauben an die Documente und authentischen Zeugnisse? Mit Recht sagt darum Cicero:„Die Grundlage aller Fra gen über Mein und Dein gibt der Glaube." Und selbst die Rechts pflege, wodurch ist sie bedingt, wie kann sie geübt und ausgeführt werden, als durch den Glauben auf die Zeugenaussage? Ohne diesen Glauben kann der Richter kein Urtheil fällen. Also ist der Glaube des Menschen nicht unwürdig, im Gegentheil, er ist schon im gewöhnlichen Leben unumgänglich nothwendig. Nun fragen wir: Soll das religiöse Leben des Menschen allein ausgenommen sein von der Nothwendigkeit des Glaubens? Soll man dem Menschen glauben dürfen, Gott aber nicht? Soll man auf das Zeugniß der Schriftsteller die Thaten der Vergangenheit als wahr annehmen, den Worten Gottes aber und den Zeugen seiner Thaten keinen Glauben schenken? Gott zu glauben das soll unter des Menschen Würde sein? Welch ein Widerspruch wäre dies, das Zeugniß der Menschen annehmen und das Gottes verwerfend? Solch eine Zumuthung kann uns doch Niemand machen, der noch gesunden Verstandes ist. Das Zeugniß Gottes aber ist die Offenbarung. Ste ist uns, was den Alten Bund betrifft, verbürgt durch ein ganzes Volk, durch das Volk Israel, das zur Stunde noch in unserer Mitte lebt; was aber den Neuen Bund anlangt, so ist uns die Öffenbarung in demselben verbürgt und gewährleistet durch viele Augen= und Öhrenzeugen, durch das Blut von Hunderttausenden, durch den achtzehnhundertjährigen Bestand der Kirche. Wie, fragen wir mit Recht, das Zeugniß der Menschen dürften wir annehmen, das Zeugniß Gottes aber, das so glänzend bestätigt ist, sollten wir nicht annehmen? Das sollte unter der Würde des Menschen sein, wie die moderne Aufklärung zu sagen beliebt? Wäre das nicht die größte Thorheit, das Zeugniß des Niedern annehmen, das des Höhern aber verwerfen? Die Frage, die an uns ergeht, ist nicht die: Soll ich Gott glauben, wenn er sich offenbart, wenn er zu den Menschen redet? Das versteht sich von selbst, weil Gott die ewige Wahrheit ist und sein muß, fo wahr er Gott ist. Die Frage ist vielmehr diese: Hat sich Gott wirklich geoffenbart? Darauf antwortet uns das ganze Volk Israel: Ja, Gott hat sich geoffenbart, er hat zu den Vätern gesprochen, er hat durch die Propheten geredet, er hat sein Gesetz durch Moses gegeben. Es antworten uns ferner die Apostel und die ersten Blutzeugen des Neuen Bundes: Gott hat sich geoffenbart in Christo, er ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt, er hat durch seine Lehre den Irrthum, durch seinen Tod am Kreuze die Sünde überwunden. Die heidnische Weltord nung ist gestürzt und die christliche Weltordnung ist erstanden. Diese antwortet mit einem entschiedenen, unleugbaren Ja, Gott hat in Christo sich geoffenbaret und die Welt erlöst. Nun sagen wir: Wenn Gott sich offenbart und von sich Zeugniß gibt, so ist es nicht unter unserer Würde, ihm zu glauben und sein Wort anzunehmen, und hat er sich wirklich geoffenbart, dann müssen wir ihm glauben. Das kann keinem Zweifel unterliegen. So gut das Wort des Königs Anspruch hat auf den Glauben der Unterthanen, ebenso gut, ja unendlich mehr hat das Wort Gottes, des ewigen Königs, Anspruch auf den Glauben der Menschen. Darum sagt der Apostel:„Ohne Glauben ist es unmöglich, Gott zu gefallen." Indeß, der Unglaube ist die Krankheit unseres Jahrhunderts. 290 Man hat eine Scheu vor dem Glauben, eine Abneigung gegen die übernatürlichen Wahrheiten; man ist bemüht, mit gewissen Phrasen sich darüber hinwegzusetzen und wo möalich sie zu läugnen oder zu verspotten. Selbst wenn eine Wahrheit auf das Klarste bewiesen, wenn eine Glaubenslehre durch die gewichtigsten Gründe und Zeugnisse gestützt und mit den Gesetzen des vernünftigen Denkens vollständig in Einklang gebracht ist, so fertigt man sie kurz ab mit der vornehmen Bemerkung:„Ist nur Pfaffengeschwätz das!" Und dies einzige Wort genügt oft, der Jugend, ja selbst manchen Erwachsenen die Augen zu blenden und sie für jede ernstere Prüfung unempfänglich zu machen. Es ist bedauerungswürdig, aber wahr: Die destructive Tendenz unserer Zeit geht nur darauf aus, zu läug nen und niederzureißen, nicht aber aufzubauen und etwas zu bewei sen und festzuhalten. Man prahlt mit der modernen Aufklärung; aber worin besteht diese Aufklärung in religiöser Beziehung? Wir können es tagtäglich sehen und hören. Als aufgeklärt gilt, wer keinen Glauben hat, wer die christlichen Lehren für nicht mehr zeit gemäß hält und von einer Zukunftsreligion spricht. Das Christenthum muß sich mit den Zeitideen aussöhnen, heißt es, es muß sich den Forderungen des Zeitgeistes anbequemen. Frägt man aber, was denn der Zeitgeist verlange, worin die Zukunftsreligion bestehen soll, dann heißt es immer: Weg mit den christlichen Dogmen, fort mit der Lehre von der Menschwerdung Gottes, von der Gottheit Christi, von einer unfehlbaren Kirche; diese Sätze passen nicht mehr in das neunzehnte Jahrhundert. Man verwirft einfach, was man nicht will; man behauptet und spricht ab ohne irgend einen Beweis; man reißt nieder, ohne aufzubauen, wie es der Materialismus der Jetztzeit zur Genüge darthut. Bequemt man sich aber doch dazu, die evangelische Lehre wissenschaftlich zu bekämpfen und zu widerlegen, dann geschieht es in jener unredlichen und hinterlistigen Weise, wie es der Christusleugner Renan in seinem„Leben Jesu“ gethan. Man streicht jene Capitel aus den Evangelien, die man ein für allemal nicht umdeuten kann; die andern aber werden gedreht, gewendet, gemodelt, bis sie in das beliebte System passen; kann man bei einem Ereigniß oder einer Thatsache den Wundercharacter nicht in Abrede stellen, dann muß es eine Täuschung der Evangelisten oder ein späterer Zusatz sein. Und damit die ganze sogenannte evangelische Darstellung auch den sentimentalen Seelen zusagt, wird eine gewisse Bewunderung und Hochschätzung für die von den Evangelisten geschilderte Persönlichkeit Jesu geheuchelt. So macht es der vielgelesene Renan in dem erwähnten Buche. Auf Widersprüche und Lügen kommt es ihm gar nicht an. Zuerst scheidet er Alles von den Evangelien aus, was für die Gottheit Christi spricht. Fragt man aber: Mit welchem Recht? so gibt es keine andere Antwort, als weil er nur so zu seinem Ziele gelangen kann. Zwar schildert er den Nazarener als einen glühenden Eiferer für die Ehre Gottes, als das höchste Ideal der Tugend. Doch mit diesem Lobe ist es nicht so ernst gemeint; er will nur seinen Lesern Sand in die Augen streuen. Denn einige Seiten nach den Lobsprüchen über Jesus lesen wir wörtlich Folgendes:„Jesus war eigentlich ein Schwärmer, voll falscher, unmöglicher Ideen, ein überspannter Geist, der die heiligen Grenzen der menschlichen Natur verachtete, der halb zum Betrüger, halb zum Wahnsinnigen wurde, ein Revolutionär, der die Rolle eines Messias spielte und falsche Wunder that, dessen verunglücktem Leben die Juden zu seinem eigenen Besten ein Ende machten rc.“ Kann es eine ärgere Gotteslästerung geben? Weil indessen das doch manchen Leser unangenehm berühren könnte, mischt er wieder einigen Zucker bei, indem er Jesum mit Thränen der Rührung einen unvergleichlichen Mann, einen wunderbaren Geist, die erhabenste Persönlichkeit, den Schöpfer der ewigen Religion rc. nennt; ja, zum Schluß ruft er ihm zu: „Zwischen dir und Gott wird fortan kein Unterschied mehr sein." So wird nach einigen Textseiten der„Betrüger" wieder zum „Gott" gestempelt; und es ist eine und dieselbe Persönlichkeit in einem und demselben Buche jetzt als„überspannter", dann wieder als„wunderbarer Geist" dargestellt; jetzt ist er ein„Schwärmer, Betrüger und halb Wahnsinniger", dann ist er wieder„die erhabenste Persönlichkeit, der Schöpfer der ewigen Religion". Diese diametralen Widersprüche können die Christusfeinde recht gut vertragen. Ueber die Pflichten der Eltern gegen die V. B. Heute handelt es sich um eine sehr ernste Frage, ernst deshalb, weil es sich um diejenige Sache handelt, welche die größten und häufigsten Streitigkeiten zwischen Schule und Haus hervorruft. Die Frage der körperlichen Züchtigung.„Ich will mein Kind nicht vom Lehrer geschlagen haben; wenn es Strafe verdient, so kann ich es selbst züchtigen", so hört man nicht selten unverständige Eltern sagen. Es verlohnt sich daher wohl der Mühe, zu untersuchen, ob der Lehrer denn wohl das Recht oder aar die Pflicht hat, zu strafen. Wenn ich die Eltern frage, ob sie selbst das Recht haben, ihr Kind körperlich zu züchtigen, so werden sie sämmtlich diese Frage für eine sehr überflüssige erklären; noch nie habe jemand dies bezweifelt, sagen sie. Und sie haben Recht. Ja, noch mehr, es ist sogar eine heilige Pflicht für die Eltern, ihre Kinder nach Verdienst zu züchtigen, eine recht unangenehme Pflicht allerdings, aber darum nicht weniger strenge.„Entziehe deinem Sohne die Züchtigung nicht!“ sagt die hl Schrift;„denn schlägst du ihn mit der Ruthe, so wird er nicht sterben; du aber wirst seine Seele retten." Noch deutlicher tritt die schwere Verantwortung der Eltern in dem Beispiele des Hohenpriesters Heli hervor:„Ich will alles wider Heli erfüllen", sprach Gott zu Samuel,„was ich geredet habe wider sein Waus: denn er wußte, daß seine Söhne Böses thaten, und strafte sie nicht." Wenn aber die Eltern die Pflicht haben, ihre Kinder zu züchtigen, so hat sie der Lehrer nicht minder. Der Lehrer ist der Stellvertreter der Eltern und bat als solcher alle Rechte und Pflichten derselben, also auch die unangenehmste aller Pflichten, die Pflicht, zu strafen. Und wenn die Mutter ihre drei oder vier Kinder zu Hause ohne Schläge nicht erziehen kann, wie kann sie dann glauben, daß der Lehrer in der Schule, wo viel höhere Anforderungen an die Willenskraft der Kinder gestellt werden müssen, als zu Hause, eine so große Zahl von Schülern ohne körperliche Züchtigung auf dem rechten Wege halten kann? Der Lehrer hat also das Recht und die Pflicht, die Kinder zu strafen, wenn sie es verdienen. Er würde sich deshalb einer schweren Pflichtverletzung schuldig machen, wenn er denjenigen unverständigen Eltern, die ihm dieses Recht bestreiten, nachgeben und sagen wollte: „Gut, die Kinder gehören ja nicht mir, sondern ihren Eltern. Mögen diese sie also selbst für ihre Unarten bestrafen!“ Was würde es Heli geholfen haben, wenn er dem lieben Gott erklärt hätte:„Ich habe die Buben nicht gestraft, weil sie ja dein sind; denn du hast sie geschaffen, und ich bin nur dein Stellvertreter bei ihnen. Das Strafen habe ich daher auch dir, ihrem eigentlichen Herrn und Vater, überlassen!“ „Ja, das ist wohl alles gut und schön", höre ich da den Einen oder Andern sagen,„ich hätte auch nichts dagegen, daß meine Kinder in der Schule gestraft würden, wenn es nur immer mit Gerechtigkeit geschähe und nicht über das Maß hinausginge." Du glaubst also, die Strafe würde wohl ungerechter Weise ertheilt. Nun sage mir, kannst Du wohl mit Sicherheit behaupten, daß du niemals eines deiner Kinder ungerecht bestraft habest? Wenn du dies behauptest, dann bist du entweder sehr vollkommen, oder, was viel eher anzunehmen ist, du bist dir deines Unrechts nie bewußt geworden. Hättest du so viele scharfe Wächter neben dir, als der Lehrer, so würdest du jedenfalls auf den einen oder andern Fall einer übereilten Bestrafung aufmerksam gemacht worden sein. Alle menschliche Handlungen sind dem Irrthum unterworfen; es kann also auch geschehen, daß der Lehrer ungerechter Weise straft. Aber ebenso, wie du es mit Entrüstung von dir weisen würdest, wenn ich dir sagte, du habest dein Kind avsichtlich ohne Ursache bestraft, so wird auch der Lehrer den Vorwurf zurückweisen, er habe mit Absicht ein unschuldiges Kind bestraft. Warum auch sollte er's thun? Ist das Strafen etwas so Angenehmes, daß es ohne Noth, aus reiner Liebhaberei, geschähe? Nein, jeder Lehrer freut sich, wenn er sich nach vollbrachtem Tagewerke sag kann: „Heute habe ich nicht zu strafen brauchen." Woher kommt es dann, daß der Schule so manchmal vorgeworfen wird, sie strafe ungerechter Weise? Das kommt von der Leichtgläubigkeit mancher Eltern. Da kommt der Kleine mit verweinten Augen nach Hause. Nun wird untersucht. Zuerst will er nicht gestehen. Erst auf vieles Drängen erklärt er, er sei vom Lehrer gestraft worden,„weil er einen Fehler gemacht oder sich einmal umgesehen habe." Nun geht ohne Weiteres das Schimpfen los, uno zwar in Gegenwart des Kindes. Damit wird zunächst das Ansehen des Lehrers untergraben, und ferner wird das Kind in seinen Unarten gestärkt. Und war denn wirklich der Fehler oder das Umsehen der Grund der Strafe? In der Schule wird nicht die Unfähigkeit oder ein Versehen bestraft, sondern der böse Wille, mag er sich nun zeigen in fortgesetzter Träabeit oder in andauernder Unaufmerksamkeit oder in einem schlechten Betragen. Glaubet also nicht gleich dem Kinde, wenn es sagt, es sei wegen dieser oder jener geringfügiger Sache bestraft worden! Tritt die Strafe wiederholt ein, so erkundigt euch lieber beim Lehrer, und dann thut euer Bestes, um das Kind so zu erziehen, daß die Bestrafung desselben fortan nicht mehr nöthig ist, dadurch macht ihr euch um euer Kind sowohl, als auch um die Schule verdient. „Aber es geht zuweilen über das Maß hinaus", sagst du. Gewiß, es kann vorkommen, daß sich die Spuren einer Züchtigung auf dem Rücken des Kindes zeigen; aber eine wirkliche Verletzung kommt doch höchst selten vor. Und dann möchte ich dich auch hier wieder fragen: Hast du dich niemals in der Erregung so weit fortreißen lassen, daß du dir nachher hast sagen müssen, es war etwas zu viel? Nun, wenn dies so ist, so sei 291 auch nicht zu empfindlich, wenn einmal der Lehrer bein Kind wider seinen Willen nach deiner Ansicht etwas über das Maß hinaus gestraft haben sollte! Hiermit will ich meine Erörterungen über die Pflichten der Eltern gegen die Schule schließen, da ich die Hauptpunkte berührt habe. Möchte ich durch dieselben etwas dazu beigetragen haben, daß Schule und Haus Hand in Hand an dem so unendlich wichtigen Werke der Erziehung der Jugend arbeiten! Hermann Brück Eine Reise nach Amerika. Eine Humoreske, aber thatsächlich wahr. Lebte da Anfangs der Siebenziger Jahre und lebt noch heute in dem bekannten schweizerischen Städtchen Seldwyla ein braver Bürger und Biedermann, der pünktlich seinen Bürgernutzen in Empfang nahm und redlich, aber ohne Leidenschaft seinen Kohl pflanzte; der nebenbei als städtischer Architekt schaltete und waltete, ohne die Bürde seiner Würde schwerer zu neymen, als dem Gehalt von 200 Franken angemessen war. Seine Hauptthätigkeit bestand indeß darin, die verschiedenen Schenken am Oberthor und Unterthor seines angestammten Städtchens regelmäßig zu besuchen, ohne die dazwischen liegenden zu vernachlässigen. Im Alter von über vierzig Jahren von einer heftigen Liebe erfaßt, nahm er sich eine Lebensgefährtin, nicht nur um Freud und Leid mit ihr zu theilen, s. dern mehr um ihr für die schwerere Arbeit im Freien das „Feld“ gänzlic, zu überlassen. Die Ehe blieb kinderlos, das ersehnte Pfand der verspäteten Liebe erschien nicht und vergeblich hurrten die spitzen Zungen der Seldwyler der Gelegenheit, ihrer gefürchteten Bosheit die Zügel schießen zu lassen. Eine düstere Stimmung bemächtigte sich unseres jungen Ehemannes, die ihn erst Abends spät zu verlassen pflegte, wenn er unter der wohlthuenden Einwirkung zahlloser Schoppen in's Stadium des Singens gerieth, während seine„Alte" zu Hause ihm bereits eine zähnefletschende Aufnahme bereit hatte. Immer finsterer blickte der Mann, er fing an, den häuslichen Heerd zu meiden und minder seines Amtes als seines Durstes zu walten; er stürzte sich in Unternehmungen, die wenig Vortheil brachten, und verfiel zuletzt auf den Gedanken, sich am Handel in Getreide zu bereichern, um die nächsten Marklflecken allwöchentlich besuchen und dem Bereich seiner stets gereizten bösen Sieben entfliehen zu können. Eines Tages nahm er Alles zusammen,„die Lust auch den Schmerz", nebst dem ganzen Vorrath an Korn und Hafer, fuhr damit nach der Hauptstadt und machte seine Habe zu Geld, indem er die leeren Fruchtsäcke unter der Stiege eines ihm bekannten Wirthshauses vorsorglich versteckte. Schwere Gedanken marterten sein Gehirn. „Soll ich wieder nach Hause meinem keifenden Verhängniß entgegen oder soll ich meinem freudlosen Dasein ein rasches Ende bereiten?“ In diesem keitischen Moment kam ihm der erlösende Gedanke: „Ich gehe nach Amerika!“— Acht Tage später erblicken wir unsern flüchtigen Seldwyler an Bord eines stolzen französischen Postdampfers, der mit der Schnelligkeit von 25 Meilen die Stunde der Hauptstadt Brasiliens entgegensteuerte. Freudig klopfte unserem Helden das Herz, als er die schützende Entfernung von seiner besseren Hälfte immer größer werden sah.— Europa vergessend, richtet er seinen Blick unverwandt vorwärts gen Brasilien, wo er sein Glück zu machen hoffte und eines schönen Morgens auch wirklich anlangte. Die Passagiere wurden ans Land gesetzt und von Bekannten und Verwandten abgeholt. Fünf Minuten später befand sich unser Seldwyler allein— ganz mutterseelen allein in Amerika bei einer Hitze von 34 Grad Réaumur. Er hatte sich die Sache doch anders gedacht. Wie konnte man mit soviel Geld in der Tasche doch so elend und verlassen dastehen? Schwere Schweißtropfen rannen dem Ankömmling über die Stirne.— Stundenlang von Straße zu Straße irrend, oft denselben Weg zweimal zurücklegend, gelangte der Gute wieder an's Ufer in die Nähe des Steamers, der ihn so glücklich nach Amerika gebracht. Ruhig lag das elegant gebaute Fahrzeug vor Anker, die Vorderseite schon wieder Europa zugewandt, wohin die Fahrt gleichen Abends unternommen werden sollte. Ein beginnendes Heimweh nach den friedlichen Fluren seines Städtchens, eine erwachende Sehnsucht nach den Stammkneipen Seldwylens, ein merkliches Knurren des Magens und die wachsende Angst vor unbestimmt drohenden Gefahren führten unseren Verlassenen wieder zu dem einzigen Bekannten in Amerika— zu dem gastlichen Dampfer, wo man ihm auf seine nicht mißzuverstehenden Geberden Essen und Trinken vorsetzte. Er sprach tapfer zu. Der Aufenthalt in Amerika hatte ihm Appetit gemacht. Aber nichts vermochte ihn zu bewegen, wieder ans Land zu gehen— zurück nach Seldwyla— das war sein Entschluß. Mit dem noch gut gespickten Portemonnaie in der Hand und dem wiederholten energischen Ruf„Europa“ gab er dem Capitän den festen Willen kund, seine Forschungen in Amerika nicht weiter auszudehnen. Zwanzig Tage später holte er die leeren Säcke unter der Stiege wieder hervor und trollte damit zufrieden Seldwyla zu, als ob er dasselbe erst gestern verlassen hätte Wenn man ihn aber nach seinen Erlebnissen in Amerika fragt, so trinkt er seinen Dreier ohne Weiteres aus und begibt sich in eine Schenke weiter, aber auch nur Eine.— Nur wenn er sich in besonders heiterer Laune befindet, was in der Sauserzeit mit Gewißheit zu geschehen pflegt, so äußert er sein Erstaunen darüber, daß er es während seines ganzen Aufenthaltes in Amerika aushalten konnte, ohne auch nur den Frühschoppen zu trinken.(Neue Züriher Ztg.) Die Ente. Ein journalistisches Märchen. In jener guten Zeit, als unser Aller Meister Konrad Bolz noch lustig lebte und gedieh, begab es sich, daß ein Kuckuck— in der Art, wie diese Vögel es zu thun lieben— ein Ei in das Nest einer Amsel legte. Nach der von den Naturforschern vorgeschriebenen Zeit entkroch aber der gesprengten Eierschale eine junge— Ente. Ich werde mich nicht dabei aufhalten, Euch zu erklären, wie sich diese Verwechselung eigentlich zugetragen habe. Der Kuckuck fragt danach. Vielleicht war derselbe just sehr zerstreut, als er ein nicht ihm gehöriges Ei in ein ebenfalls nicht ihm gehöriges Nest legte. Ich sehe nicht ein, warum nur die in Witzblättern vorkommenden Professoren das Recht haben sollen, zerstreut zu sein. Kurz und gut: es war eine Ente. Und weiter begab es sich, daß ein vergnügter junger Mensch des Weges kam. Er sann über den Beruf nach, welchen er wohl verfehlt habe. Denn der Schein trog, und obgleich er vergnügt dreinschaute, war er doch ein Journalist. Der Sommertag, der um ihn her aus Blumenkelchen dustete, aus Vogelkehlen klang und auf dem goldnen Seil der Sonnenstrahlen vom blauen Himmel zur braunen Erde hernieder tänzelte— dieser jubelnde Sommertag schlich dem jungen Menschen unversehens in's Herz hinein. Und zwar durch die Ritze, welche an besagtem Herzen zurückgeblieben war, nachdem es infolge einer sogenannten unglücklichen Liebe gebrochen. Im übrigen war er aber so frisch und munter, wie Ihr und ich ... Als er nun den Sommertag in seinen Adern brausen und rumoren füllte, da kam es wie ein Ferienrausch über ihn, und er trieb verschiedene pudelnärrische Allotria: lief mit sich selber bis zur Athemlosigkeit um die Wette, wie ein Ehrgeiziger, legte sein Ohr dicht an den Erdboden, um das Gras wachsen zu hören, wie ein Konjekturalpolitiker; stellte sich auf den Kopf, wie die Offiziösen, wenn sie sich für die öffentliche Meinung ausgeben. Endlich wandelte ihn sogar die knabenhafte Lust an, Vogelnester auszuheben. So fand er denn das Amselheim, in welchem jener fremdartige kleine Gast hockte. Seinem durchd ingenden Reporterblick konnte nicht lange verborgen bleiben, daß dies keine Amsel war. Er war jedoch so unvorsichtig gewesen, ohne die sämmtlichen Bände des Meyerschen Conversationslex kons auszugehen. Daher ihn eine gelinde Ungewißheit über die wahre Beschaffenheit seines Fundes beschlich. Nahm also das Vöglein an sich und lief damit spornstreichs nach der Redaktion. Dort schwitzen soeben seine beiden Kollegen in der betrübendsten Weise, zufolge der großen Hitze, sowie weil es blutwenig Stoff zum Schreiben gab. Denn das war eine gemächliche Zeit, in der es gar friedsam zuging in der Welt. Die Daily News hätten damals mit einem Krieg=in=SichtArtikel keinen wie immer gearteten Hund hinter dem Ofen hervorzulocken versucht. Die kleine Ente war also ein gefundenes Fressen, indem man sie als solche nicht erkannte. Denn es lag eine durchaus glaubwürdige Mittheilung über des interessanten Fremdlings Herkunft vor. Wäre dieses mysteriöse Gethier ganz einfach in der Nähe einer Entenniederlassung aufgehoben worden, so hätte man die Sache gewiß nicht für eine merkwürdige gehalten. Die Umstände verdunkeln immer unser Urtheil. Es kommt ja wohl nicht nur im Märchen vor, daß man irgend einen Enterich für einen Singvogel von eigenthümlicher und bezaubernder Art hält, weil man ihn nicht an einem Tümpel, sondern beispielsweise im Verlage der Gebrüder Paetel gefunden hat. Jene Redaction that sich also zusammen und lieferte einen ausgezeichneten Bericht über das Ereigniß. Zwei der Männer hielten das sich sträubende Thier, indeß der Dritte es sorgfältig beschrieb: von der Schnabelspitze bis zu den Schwanzfedern. Es war eine stattliche Arbeit, erstreckte sich wohl über hundertundfünfzig Druckzeilen. Alsdann thaten sie das muthige Geschöpfchen in einen Käfig und begaben sich erschöpft zu Biere. Weil man unmöglich annehmen konnte, daß etwas so Gewöhnliches, wie eine kleine Ente, in dieser großartigen Manier verherrlicht werde, und hauptsächlich wegen der allzu ausführlichen Beschreibung, die keiner vollständig las, machte der Aufsatz Sensation. Und da sich die Redaction bereit erklärt hatte, das Wunderthier eventuell auszustellen, konnte dessen Existenz nicht bezweifelt werden. Dies empfanden die rivalisirenden Blätter als eine bittere Demüthigung. Gekränkter Ehrgeiz und gefährdete Interessen halfen einander und riefen eine starke Bewegung hervør. Die wunderbarsten Naturerscheinungen begannen aus dem Boden zu schießen. Eines schönen Hochsommertages ward die Seeschlange zum ersten Male gesehen. Von da bis zu dem„bevorstehenden Kriegs“=Artikel der„Daily News“ schwang sich der rastlos strebende Menschengeist unaufhaltsam aufwärts. In diesem Wettstreit war jene brave kleine Redaction, von der aus dazumal die folgenschwangere Ente ihren Flug in die Welt genommen hatte, allmählich zurückgeblieben. Es war ja auch nichts anders möplich, da man sich hier streng an die Wahrheit hielt. Dies hatte freilich einen besonderen Grund. Im Verlaufe der Zeit war nämlich der gefiederte Gast der Redaction in seinem Käfig herangewachsen und gab sich immer deutlicher als das zu erkennen, was er wirklich war. Scheu blickten die Männer an ihm vorbei und thaten vor einander, als wüßten sie noch immer nichts. Ach, sie wußten!.. Da geschah es einmal, daß sie den Besuch eines Collegen von der „Morgenwacht“ erhielten. Er sah die fette Ente im Käfig an der Wand hängen. lachte plötzlich laut auf und stürzte davon, ohne sein eigentliches Anliegen vorgebracht zu haben. Die Drei blickten einander tief ergrimmt und in Mordgedanken an. Der Beweis ihres Irrthums mußte um jeden Preis vertilgt verden. Dies thaten sie denn auch, indem sie noch am selben Abend die Ente braten ließen und in düsterem Schweigen verzehrten. Waren freilich minder klug, als jener Würzburger Professor, den seine Schüler mit künstlichen Fossilien foppten, und der seinen Irethum selber einbekannte, weil nichts menschlicher sei, als das Jrren. Auch wares schon zu spat. Hen: die nächste„Norgenwacht" schrnb:„Man wird sich vielleicht now an den Bericht erinnern, weiczer kürz ich in einem hiesigen Blatte zu lesen war und einen ungemein merk bürdigen Vogel behandelte. Es war eine Ente. Das ist die Geschichte von der Ente. Einige Forscher wollen dieselbe zwar von Legende, Lügente herleiten; aber mir scheint die obige Darstellung unglaubwürdiger zu sein, also richtiger.(„Berl. Tagebl.“) Miscellen. ** Bekanntlich hatte sich die Provinz Westfalen gleich mehreren anderen nicht den 96 preußischen Städten angereiht, welche dem Prinzen Wilhelm und Gemahlin gelegentlich deren Vermählung ein aus 828 Stücken bestehendes Tafel=Service, fünfzehn Centner Silber enthaltend, stifteten, sondern eine besondere Ehrengabe zu überreichen beschlossen, einen Tafel=Aufsatz, principielle Eigenthümlichkeiten allegorisch darstellend, der von der Blüthe der Goldschmiedekunst in dieser Provinz Zeugniß ablegen sollte. Derselbe wurde neben zwei Jardinieren, welche Wilhelm Rentrop in Altena fertigte, von dem Goldschmidt Arnold Künne in Altena, nach den Zeichnungen des Bauraths Adolph Heyden(Berlin) ausgeführt: im Stil der Spätrenaissance in getriebener Arbeit aus massivem Silber, welches theilweise in verschiedenen Nuancirungen meisterhaft hell und dunkel vergoldet wurde. In diesen Tagen hat nun, laut der„Rheinisch=Westfälischen Zeitung", der Eine der Inhaber der Firma, Herr Albrecht Künne, für den„Historischen Verein für die Grafschaft Ravensberg“ hierseltst drei prächtige, kunstvoll eingerahmte, photographische Abbildungen dieses Tafel=Aufsatzes in verschiedenen Aufnahmen übermittelt. Das erste, 80 Centimeter hohe, 63 Centimeter breite Bld stellt den in Wirklichkeit 140 Centimeter hohen, 110 Centimeter langen, 76 Centimeter breiten, 51650 Gramm schweren Aufsatz(Preis 93,111 Mark) zusammengestellt dar; das zweite Bild. 62 Centimeter doch, 46 Centimeter breit, den mit dem springenden Pferde Westfalens auf seinem Deckel geschmückten, uingsum einen Hochzeitszug zeigenden Humpen allein, und dos dritte Bild, in der Größe des zweiten, den Sockel des Aufsatzes allein. Am Bauche des Humpens hängen ringsum an Festons die acht Wappenschilder der Landschaften der Provinz. Der Eocal wird von 4 Pagen auf einem Ehrenschilde getragen; zu deren Fützen finden sich Figuren, welche die Hauptbeschäftigungen der Provinz versinnbildlichen: Hüttenwesen, Bergbau und Landwiet schaft. (Ein treues Pferd.) Der am letzten Somstag in Szegedin plötzlich verstorbene Major Hochenadl hatte ein englisches Reitpferd, welches von seinem Eigenthümer sehr gur gehalten wurde. Dieses Pferd war dem Major auch besonders anhänglich, und man konnte schon am Samstag wahrnehmen, daß das Pferd, da es an diesem Tage von seinem Besitzer keinen Besuch meyr erhielt, von Stund= zu Stunde trauriger schien. Am Sonntag, um 5 Uhr morgens, genau 48 Stunden nach dem Tode Hoch nadl's, war das treue Pferd, welches Futter, ja Lickerbissen verschmähte, in aller Stille verendet. ** Ein unbezahltes Blumenbouquet hat kürzlich, wie der„Pet. List.“ berichtet, eine Tänzerin dazu veranlaßt, in Zukunft Vorsichtsmaßregeln bei der Entgegennahme derartiger Ovationen anzuwenden. Ihr wurde nämlich im vorigen Sommer, während sie in einem der außerstädtischen Vergnügungsetablissements von Petersburg auftrat, von einem Herrn ein schönes Bouquet überreicht. Nach längerer Zeit, als die Blumen schon längst verwelkt und fortgeworfen waren, legte ihr ein Gärtner plötzlich eine Rechnung vor und verlangte die Bezahlung von 25 Rubel, indem er angab, der Herr, welcher das Bougnet für die Tänzerin bestellte, habe nur 15 Rubel angezahlt und sich nicht mehr sehen lassen; das Bouquet koste aber 40 Rubel. Die Tänzerin erklärte zwar sofort, daß sie nicht zur Zahlung verpflichtet sei und anch nicht zahlen werde, doch soll sie sich, um ähnliche unangenehme Auftritte zu vermeiden, entschlossen haben, in Zukunft nur dann Bouquets oder andere Geschenke auf der Bühne entgegenzunehmen, wenn denselben eine Quittung über erfolgte Zahlung beigelegt ist. **(Eine nette Pflanze.) Richter:„Also Sie stahlen aus der herrschaftlichen Küche eine Kuchenform?"—„Ja, Herr Richter, die Gnädige hat ja selbst gesagt, ich sollte mir die feineren Formen aneignen.“ ** Gedankenleser: Meine Herren ich bin erstaunt. Ihrer aller Gebanken habe ich ohne Schwierigkeit errathen. Aber des Herrn Fähnrich seine kann ich beim besten Willen nicht entdecken.— Hauptmann: Ueberruscht mich nicht, Verehrtester. Unser Herr Fähnrich ist öfters— gedankenlos! ** Zu einer spaßhaften Scene kam es in Sebnitz in Sachsen bei einer Vorstellung im„Magischen Kunstsalon“ des Herrn Fiebig, als das bekannte Kunftstückchen der„Enthauptung eines lebenden Menschen“ aus geführt werden sollte. Ein junger Mann, welcher kurz vorher mit seiner Geliebten Zank gehabt, wollte sich dazu hereben und Alles schon vorbereitet, als die vol. Furcht und Liebe geplagte Schöne auf die Bühne stürzte, ihren Adonis herabholte und zum Saale hinauszog. Der Jubel des Publikums war unb schreiblich. **(Gut abgefertigt.) Zur Tischgesellschaft eines sehr gewählten Cirkels war auch ein Geistlicher geladen. Im Kreise der Umsitzenden befand sich eine sehr vornehme Dame, die aus Zeitungen und frivolen Schriften sich„aufgeklärte" Grundsätze geholt hatte. Mit boshaftem Wohlbehagen fing sie an, eine von katholikenfeindicheln Zeitungen jüngst gebrachte ärgerliche Geschichte von einem Geistlichen zu erzählen, und dann schloß sie mit berechnetem Nachdruck:„So sind die Pfaffen alle.“ Der gewandte Pfarrer erwiderte nichts, lenkte aber unvermerkt das Gespräch auf die hoyen Gesellschafskreise und erzählte nun aus dem Leben einer übel berüchtigten hochadeligen Dame einen drastischen Vorfall. Dann aber wandte er sich an die gegenübersitzende Sprecherin mit dem nachdrücklich betonten Schlusse:„Gnädige Frau, daraus folgt aber keineswegs, daß alle hochudeligen Damen so sind." ** Ein tirolischer Dichter, Arnold v. d. Passer, konnte nicht anders, als jetzt zur Winterszeit einen Band Gedichte herausgeben. Seine Gedichte leitet er mit den Worten ein:„Wenn ich jetzt schon voller Lieder,— Wo es Winter noch auf Erden,— Was, so muß ich wirklich fragen,— Wird dann erst im Frühling wero““ So können wir denn nicht ohne Sorge dem heitern Lenz entgegen sehen! **(Zeitbild.) Lenchen:„Mutter, Mutter, mich hungert, bekommen wir denn heute nichts zu essen?" Karl:„Liebe Mutter, da sieh doch meine zerrissenen Hosen! Die Jungen in der Schule lachen mich alle aus!"— Mutter:„Haltet doch Ruhe, Racker? Ihr wißt ja, daß ich heute einen Vortrag im Erziehungsverein zu halten habe!“ **(Auch ein Modell.) In früheren Zeiten ließ man Verbrecher zur Stafe vor dem Rathhause auf einem hölzernen Esel reiten. Nun wurde einmal im Gemeinderathe eines Dorfes über die Form eines solchen hölzernen Esels heftig gestritten. Endlich sprang der Bürgermeister auf und entschied energisch:„Ei, was da! Der Esel wird nach meinem Kopfe gemacht, und damit punktum **(Der dankbare Patient.)„Herr Doctor, ich danke Ihnen bestens für Ihr letztes Recept.“—„Ist die Medicin Ihnen gut bekommen?"—„Ausgezeichnet."—„Wie viel Flaschen haben Sie genommen?“—„Oh, ich habe keine getrunken, aber mein Onkel hat aus Versehen eine geleert, und ich bin sein einziger Erbe!“ **(Genaue Buchführung.) Ein Kaufmann in New-York verlangte von seiner jungen Frau, daß sie über die Haushaltsausgaben Buch führe. Nach Verlauf des ersten Monats fand er folgende Einträge in dem Buch: Futter für den Kanarienvogel.. 02 Dem Zeitungsträger..... 80 Suppengrünes und Zimm. 500,00 Verschiedenes 12,00 **(Harte Arbeit.) Unzufriedene Frau:„Wenn ich gewußt hätte, daß ich in der Ehe so arbeiten müßte, so wäre ich ledig geblieben." Mann: „Ich dachte, Du liebtest die Arbeit; wenigstens arbeitetest Du sehr hart, bis Du mich bekamst.“ **(Geschäfts=Auffassung.) Hauslehrer:„O, es ist höchst bedauerlich, daß wir nun keinen Klassiker in der Art Goethe's haben.“ — Rentiere(früher Fleischermeisterin):„Hatte Goethe denn keinen Sohn?“ — Hauslehrer:„O ja, er hatte einen.“— Rentiere:„Warum hat er denn den nicht Klassiker lernen lassen, da konnte er ja sein Geschäft mal fortsetzen.“ **(Mißbräuchliche Verwendung einer Patrontasche.) Ein wehrpflichtiger Östschweizer wollte auf einen altfallsig plötzlich eintreffenden Marschbefehl hin seine Ausrüstung nachsehen und gemäß der neulichen strengen Bekanntmachung in guten guten Stand setzen. Alles fand sich richtig vor bis auf die Patrontasche. Trotz allen verzweifelten Suchens war keine Spur von dem unentbehrlichen Ausrüstungsgegenstand zu entdeck n, und dem Mund des ordnungsliebenden Wehrmannes entfuhr manch vaterländisches Kraftwort. Schließlich stellte sich durch Verrath eines fünfjährigen Mädchens heraus, daß die Frau Gemahlin unseres Füsiliers die Patrontasche als— Tournüre schon seit längerer Zeit in Gebrauch hatte. Borantwortlicher Redacteur: R. Schwarze.— Druck und Verlag der Actiengesellschaft„Märkische Vereinsbruckerei“ in Bochum.