Volks Ausgabe A Bochumer Volkszeitung monatlich RM 2.15 oder halbmonatlich RM 1.08 einschl. Botenlohn. Die Behinderung der Lieferung rechtfertigt keinen Anspruch auf Rückzahung des Bezugspreises Anzeigenpreise: Gesamtauflage 6 Pig. Ausgabe A 6 Pig, Ausgube B 3½ Big., Ausgabe O 2 Pig. Textanzeigen: AusgabeA 40 Pfg., Ausgaben B u. C 25 Pfg. je mm. Gültig: Preisliste 8 für den rheinisch=westfälischen Industriebezirk 66. Jahrgang Westfälische Volks-Seitung Bochumer stadtanzeiger verbunden mit den Bezirksausgaben B und C für Eslen=Steele=Hattingen und Wattenscheid Geschäftsstelle u. Schriftleitung: Bochum, Mühlenstr. 12-14/ Fernruf 64746-64748 beschäftsstellen. Bochum, Mühlenstraße 12-14. Fernruf 647 46. Postscheckkonto Dortm. 6146; Hattingen, Viktor=Lutze=Str. 12, Fernruf 2095, Postscheckkonto Essen 1950; Essen=Steele, Westfalenstr 302 Fernr. 582 30. Postscheckkonto Tortmund 193 86; Wattenscheid Freiheitstr 15. Fernr. 1876 Postscheckk. Dortm 30430 Deuck und Berlag: Shürmann 4 Klagges Bochum Nr. 65 Donnerstag den 18. März(Kath. Cyrillus, Evgl. Anselmu:) 1937 Straßenkämpfe in Paris Eine nächtliche Schlacht im Vorort Clichy Kommunisten und Marxisten gegen die Polizei- Barrikaden vor dem Kalhaus- Neben 5 Toten 300 Verletzle- Unter den Schwerverletzten auch der Kabinettschef Blums- Die Polizei in Alarmbereilschaft geDNB. Paris, 17. März(Drahtb.) In Paris kam es in den späten Abendstunden des Diensag zu blutigen Zusammenstößen zwischen Polizei u. Mobilgarde einerseits und Kommunisten u. Marxisten andererseits. Auf beiden Seiten wurde von der Schußwaffe Gebrauch gemacht. Als nach Mitternacht die Ruhe einigermaßen wiederhergestellt war, zählte man vier Tote und etwa 250 Verletzte, darunter eine Anzahl Schwerverletzter. Unter den Schwerverletzten befindet sich auch der Kabinettschef des französischen Ministerpräsidenten, der Schüsse in die Brust u. ins Bein erhalten hat. Die ehemaligen Feuerkreuzler des Obersten de la Rocque hielten am Dienstag in den Abendstunden in einem großen Lichtspielhaus im Pariser Vorort Clichy eine Versammlung ab. Polizei und Mobilgarde hatten einen umfangreichen Ordnungsdienst eingerichtet und das Lichtspieltheater in weitem Umkreis abgesperrt, um allen Zwischenfällen vorzubeugen. Nichtsdestoweniger wollten zwischen 9 und 10 Uhr abends mehrere hundert Kommunisten und Marxisten in unmittelbarer Nähe des Theaters eine Gegenkundgelung veranstalten. Die Menge wuchs immer mehr an. Bald waren es mehrere tausend Anhänger der Linksparteien, die versuchten, zu dem Theater vorzudringen. Um dies zu verhindern, ging die Polizei zum Gegenangriff vor. Dies war das Signal für die Kommunisten u. Marxisten, sich zum regelrechten Straßenkampf vorzubereiten. Das Straßenpflaster wurde aufgerissen und die eisernen Schutzgitter an den Bäumen gewaltsam entfernt und als Wurfgeschosse gegen die Polizeibeamten benutzt. Darauf fielen auch die ersten Schüsse von seiten der Kundgeber, so daß die Polizei ebenfalls von der Schußwaffe Gebrauch machte. Immer wieder gingen Mobilgarde und Polizei zum Gegenangriff über, um die Kundgeber zu zerstreuen, von denen einige die Gelegenheit ausnutzten, um die umliegenden Geschäfte zu plündern. Erst nach Mitternacht gelang es der Polizei, das Straßenviertel zu raumen und die Kundgeber endgültig zurückzudrängen. Aber vier Tate und etwa 250 Verletzt= waren auf der Strecke geblieben. Auf der Seite der Hüter der Ordnung sind ein Toter und zahlreiche Verletzte zu beklagen. Die übrigen drei Toten und der größte Teil der Verwundeten zählen zu den linksgerichteten Kundgebern. Gegen 1 Uhr nachts war die Ruhe einigermaßen wiederhergestellt. Starke Polizeiabteilungen durchzogen die Straßen des Stadtviertels in Kraftwagen, um jede neue Ansammlung von Menschen zu verhindern. 6oo0 Personen beleiligt Die Zahl der Toten wurde gegen 2 Uhr nachts von amtlicher Seite mit sechs angegeben, davon zwei auf seiten der Polizei, die außerdem etwa 50 Verletzte, darunter zahlreiche Schwerverletzte, zu beklagen hat. Die Straßenschlacht in Clichy erinnert in ihren Methoden lebhaft an die blutigen Unruhen vom 6. Februar am Concordia=Platz. Hier wie dort bedienten sich die Kundgeber aller erdenklichen Gegenstände, um den Ordnungsdienst zu überrennen. Das Straßenpflaster wurde an zahlreichen Stellen aufgerissen und Barrikaden errichtet. Mit Steinen, Flaschen und Eisenstangen gingen die linksgerichteten Elemente gegen die Polizei vor, die sich zunächst darauf beschränkte, die wütende Menge mit dem Gewehrkolben in Schach zu halten. Als aber plötzlich aus den Reihen der Kundgeber der erste Schuß krachte, fand er einen hundertfachen Widerball und erst, als die Gefahr, überrannt zu werden aufs höchste gestiegen war, machte auch die Polizei von der Schußwaffe Gebrauch., Im ersten Augenblick stockte der Angriff der Kommunisten. aber schon wenige Sekunden später hatten sie sich gefaßt, und nun erlebte man eine wilde Schlacht, die alles in den Schatten stellt, was man in letzter Zeit in Frankreich an revolutionären Unruhen gesehen hat. halten Die Polizei und die Mobilgarde, die inzwischen Verstärkungen erhalten hatten, blieben Herr der Lage, und langsam mußte sich der Pöbel zurückziehen. Er wurde in die Seitenstraßen abgedrängt, wo einiges lichtscheues Gesindel die Schaufensterauslagen plünderte. Die Zahl der Kundgeber dürfte etwa6000 betragen haben. Die gesamte Pariser Polizei liegt in Alarmbereitschaft. 66 Polizeibeamte im Krankenhaus Die Zahl der Toten bei den blutigen Straßenkämpfen in Clichy scheint sich vorläufig doch auf vier zu beschränken. Dagegen wird die Zahl der Verletzten mit über 300 ange geben. 66 Polizeibeamte mußten ins Krankenhaus eingeliefert werden. Das Stadtviertel am Rathausplatz von Clichy ist nach wie vor abgeriegelt, da die Untersuchung, dedie ganze Nacht angedauert hat, noch nicht keendet ist. Auch in dem Vorort Asgieres, wo sich ähnliche, wenn auch weniger blutige Zwischenfälle abspielten, herrscht eine Art Belagerungszustand. Die amtliche„Verlustliste“ Es ist festgestellt worden, daß sich neben zahlreichen kommunistischen Abgeordneten auch der berüchtigte kommunistische Hetzer Thorez auf den Kampfschauplatz begeben hat und dort mit dem Ruf„Hervor mit den Arbeitermilizen" empfangen wurde. Die Verletzungen des Kabinettschefs des Ministerpräsidenten sind ernst, aber nicht lebensgefährlich. Es hat auch noch nicht festgestellt werden können, ob die beiden Kugeln, die ihn getroffen haben, aus dem Dienstrevolver eines Polizeibeamten stammen oder von den Kommunisten abgefeuert wurden. Die„Action Francaise“ äußert sich in außergewöhnlich schwerer Weise gegen die Volksfrontregierung im allgemeinen und den Ministerpräsidenten im besonderen. Das Blatt schreibt in Fettdruck, die Regierung der Volksfront trage ihre ersten blutigen Früchte. Es habe Blum nicht genügt, auf finanziellem Gebiet Schiffbruch zu erleiden, sondern jetzt gleite er auch auf politischem Gebiet in das Blut ab. Auf finanziellem Gebiet habe Blum zu vernünftigen Auffassungen zurückkehren müssen; es frage sich nunmehr, was er nach den gestrigen Ereignissen zu unternehmen gedenke, ob er der Ordnung recht geken werde oder nicht 5 Tote, 70 Schwer= und 200 Leichtverletzte Selbst der Innenminister wurde niedergeschrien- Thorez hatte es abgelehnt, beruhigend auf die Menge einzuwirken!- Die Kommunisten drohen mit dem Generalstreik Die„Verlustliste“ der blutigen Straßenkampfe auf dem Rathausplatz in Clichy wies am Mittwoch vormittag folgende Zahlen auf: Auf seiten der Kundgeber 4 Tote, 60 Schwerverletzte, sowie 100 Leichtverwundete,— auf seiten des Ordnungsdienstes 10 Schwerverletzte(darunter 2 lebensgefährlich Verletzte), und etwa 100 Leichtverwundete. 25 Personen sind in Haft behalten worden. Die volitische Seite der Straßenunruhen dieser Nacht kommt vor allem in den Berichten des„Petit Parisien“ und des„Paris Midi" zum Ausdruck. In den beiden Blättern heißt es, daß die kommunistischen Anführer ihren Anhang nicht mehr in der Hand gehabt oder absichtlich der politischen Leidenschaft freien Lauf gelassen hätten. Auch finden sich in den beiden Blättern bemerkenswerte Angaben über die feindselige Haltung der Kundgeber gegen den marxistischen Innenminister Dormoy. Nach dem„Petit Parisien“ gingen den Straßenkämpfen Verhandlungen zwischen dem Ordnungsdienst und der Polizeipräfektur sowie den marxistischen Gemeindebehörden von Clichy vorauf. Die Polizeikehörde wollte den versammelten Kommunisten einen Straßenumzug erlauben unter der Voraussetzung, daß er nicht auf näher als 200 Meter an das Lichtspielhaus herankomme. in dem Mitglieder der Sozialpartei einer unpolitischen Filmvorführung beiwohnten. Als diese bedingte Erlaubnis den Kundgebern auf dem Rathausplatz mitgeteilt wurde, waren diese sehr enttäuscht und begannen, gegen den Ordnungsdienst vorzugehen. Darauf riet die Polizei den Kinobesuchern, die Gegenstand der feindseligen Kundgebungen waren, sich durch die Hintertüren aus dem Staube zu machen, um Zwischenfälle zu verhüten. Diese Räumung des Kinos wurde auch durchgeführt. Als nun aber den Kundgebern auf der Straße mitgeteilt wurde, daß die Mitglieder der französischen Sozialpartei auf ihre Filmvorführung verzichtet hätten und nach Hause gegangen seien, wirkte auch diese Erklärung nicht mäßigend, sondern im Gegenteil aufreizend, weil der kommunistische Nöhel bamit um seine Sensation gekommen war. So verschärfte sich die Lage nur noch mehr. Vergeblich versuchte der inzwischen erschienene sozialdemokratische Innenminister Dormoy, von den Stufen des Rathauses aus an die Menge einige keruhigende Worte zu richten. Er wurde aber nicht nur niedergeschrien, sondern sogar durch Zurufe aus der Menge aufgefordert, seinen Rücktritt einzureichen. Auch für den„Paris Midi“ sind die feindseligen Zurufe gegen den sozialdemokratischen Innenminister Dormo y bedeusam. wurden Denn sie von den versammelten Kommunisten ausgestoßen, gegen den Minister der eigenen Volks frontregierung, der mit der Aufrechterhaltung der inneren Ordnung betraut ist. Das Blatt will ferner wissen, daß man den Generalsekretär der kommunistischen Partei, Thorez, der in der Nacht auch auf dem Rathausplatz in Clichy erschienen war, nabegelegt hatte, einige Im Auerschnitt des Tages Eine kommunistische Kraftprobe in Paris Die Volksfrontsaat trägt in Frankreich blutige Ernte. Was sich da in dem Pariser Vorort Clichy in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch ereignet hat, ist gar nicht ernst genug zu nehmen. Die Kommunisten haben eine Kraftprobe versucht, die der Regierung Blum sehr zu denken geben sollte, denn, wenn die Polizei nicht so auf dem Posten gewesen wäre und sich den aufrührerischen Elementen nicht unter Einsatz ihres Lebens entgegengestemmt hätte, die Folgen würden sicherlich noch viel furchtbarer geworden sein, als sie jetzt auch ohnehin schon sind. Wohin der französische Bolschewismus zielt, dafür hat dieses blutige Zwischenspiel eindeutig den Beweis geliefert. Der Haß, der die betörten Massen beseelt, kennt kein Maß mehr. Gestern noch richtete er sich gegen die Sozialparteiler des Obersten de la Roque und die Polizei, morgen vielleicht schon wird er sich auch gegen Blum und die marxistischen Brüder der Volksfront richten, und dann wird Blum ebenso machtlos sein, wie sein Innenminister Dormoy es war, der sich vergeblich bemüht hatte, auf den randalierenden Mob in Clichy beruhigend einzuwirken. Es ist übrigens bezeichnend, daß der Kommunistenführer, der sattsam bekannte bolschewistische Hetzapostel Thorez, sich geweigert hat, den von ihm aufgeputschten Haufen zur Ruhe zu bringen, mit der Bemerkung, der Volkswut müsse freier Lauf gelassen werden! Fünf Tote, siebzig Schwer= und über zweihundert Leichtverletzte sind die furchtbare Bilanz dieser Machtprobe. Aber das scheint den Kommunisten noch nicht einmal genug. Nach den letzten Meldungen aus Paris sind sie ernstlich dabei, auch noch einen Gene ralstreik zu inszenieren, der— wenn er zur Durchführung kommen sollte — nur ein politischer sein würde. Ob Blum nicht allmählich doch die Augen aufgehen werden über seine Brüder zur Linken, die er bisher so sanft gestreichelt und denen er bislang jeden Willen und Gefallen getan hat? Wir sind weit davon entfernt, die Dinge, wie sie sich auf dem politischen Hintergrund in Frankreich grauenerregend ababzeichnen, zu übertreiben und sie schwärzer zu malen, als sie es verdienen. Aber wer Bescheid weiß, wie der Bolschewismus es zu treiben versteht, der kann sich nicht verhehlen, daß Clichy vielleicht nur ein Auftakt gewesen ist. Auch die Pariser Blätter, die sich beschwörend an Blum wenden und ihn endlich zu einem scharfen Eingreifen und zur Lösung von den Kommunisten auffordern, scheinen das zu fühlen. * Ein„Wunder"? Die deutsche Finanz= und Wahrungspolitik ist heute für den uns nicht wohlgesinnten Teil der Auslandspresse ein„Wunder“. Wenn aus ihrem Munde dieses Wort fällt, dann sollten wir Deutsche nicht den Mißklang überhören, mit dem es gesagt wird! Reichsbankpräsident Dr. Schacht hat sich deshalb mit Recht anläßlich der Hauptverberuhigende Worte an die Kundgeber zu richten. Thorez habe diese Aufforderung aber ausdrücklich abgelehnt(!) Die Zahl der Todesopfer ist nunmehr auf fünf gestiegen. da einer der Schwerverwundeten im Krankenhaus seinen Verletzungen erlegen ist. Von den drei schwerverletzten Polizeibeamten sind zwei durch Schüsse verwundet worden. Die blutigen Vorfälle sind Gegenstand leidenschaftlicher Auseinandersetzungen unter der Variser Bevölkerung, besonders in den Vororten. In kommunistischen Kreisen spricht man bereits offen von der Möglichkeit der Ausrufung des Generalstreiks. Altenlat auf dem Pariser Nordbahnhof Eine Fran schießt auf Chambrun Und verletzt ihn schwer.- Die Altentäterin festgenommen DNB. Paris. 17. März.(Drabtb.) Auf den früheren französischen Botschafter in Rom, Cham brun, ist am Mittwoch am Pariser Nordbahnhof ein Revolveranschlag verübt worden. Der Tater, der sofort verhaftet werden konnte, ist ein früherer Redakteur der„Liberte“, Fontange. Chambrun wurde schwer verletzt ins Krankenhaus eingeliefert. Die Gründe des Anschlages sind bisher noch nicht bekannt. Zum Mordanschlag auf den früheren französi schen Botschafter in Rom verlautet, daß der Schuß von einer Frau mit Namen Fontagne abgegeben wurde. Zum Mordanschlag auf den Grafen Chambrun wird weiter bekannt, daß Chamnrun im Begriffe war, nach Brüssel zu fahren. In seiner Begleitung befanden sich seine Frau und ein Freund. Ehe der Botschafter im Abteil Platz nahm, wollte er an einem Zeitungskiost noch einige Zeitschriften kaufen. In diesem Augenblick drängte sich eine Frau an ihn heran und feuerte einen Schuß aufihnab, der den Botschafter in der Leistengegend traf. Er rief aus:„Verhaften Sie diese Person.“ Die Frau, die zu fliehen versuchte, wurde von einem Schlafwagenschaffner feügehalten und dann zur Bahnhofspolizei gebracht, wo sie auch gleich verhört wurde. Chambrun wurde ins Jrankenhauf geschafft und overiert. Sein Zustand gibt zus Besorgnis teinen Anlaß sammlung der Reichsbank gegen seine Be„wunderer“ gewandt, und er hat ihnen stolz entgegengehalten, daß es nur auf das Köpschen ankommt!„Für einen Finanzpolitiker gibt es keine Wunder!“„Wir wissen sehr gut, auf welchen Gebieten unsere Mittel unerschöpflich sind und auf welchen es höchster Klugheit bedarf, um mit dem nur spärlich Vorhandenen die gesteckten Ziele zu erreichen. Wir haben nie einen Zweifel darüber gelassen, daß die Finanzierung zu diesen letzteren Gebieten gehört, allerdings auch nie darüber, daß wir trotdem an dieser Frage nicht scheitern werden, weil und solange wir nicht ins Blaue hinein finanzieren. Und dann gab Dr. Schacht ein Privatissimum über die deutsche Finanzkunst.„Das ganze Geheimnis, woher denn eigentlich das Geld für unsere großen Vorhaben, wie Arbeitsbeschaffung und Wehrhaftmachung kommt, ist in Wirklichkeit nichts anderes als eine Angelegenheit der finanziellen Disziplin und des Festhaltens an bewährten Erkenntnissen, die von jeher die Grundlagen unserer Währungspolitik bildeten. Wir wissen, daß für unsere Finanzierungspolitiker hinsichtlich der Wirkungen der Kreditausweitung auf die Gesamtwirtschaft Grenzen bestehen. Die Grenzen liegen da, wo die Kreditpolitik aufhört, ein wirtschaftlich gesundes Verhältnis zwischen Geld und Gütermenge als allein maßgebend gelten zu lassen.“ Die Reichsbank hatte nun die Aufgabe, innerhalb dieser von der Währungspolitik gesteckten Grenzen einmal für die großen Arbeitsvorhaben des Reiches die notwendigen Gelder durch straffste Zusammenfassung des Geld= und Kreditmarktes und durch die Sicherung der finanziellen Vorrangstellung des Reiches die notwendigen Gelder sicherzustellen, andererseits hatte die Reichsbank aber auch dafür zu sorgen, daß freiwerdonde Geldbeträge immer wieder aufgesogen werden, um zu verbüten, daß die mit der Kreditausweitung einhergehenden Preisauftriebstendenzen das Preisniveau erschüttern. Die Preisgestaltung und die Entwicklung der Löhne— so führte Dr. Schacht aus— ist deshalb eine besonders wichtige Angelegenheit der gegenwärtigen Lage und verlangt von einem jedem, der in der Wirtschaft als Unternehmer oder Verbraucher eine Rolle spielt, Selbstbeschränkung. Das um so mehr, wenn die Preisentwicklung sich auch als ein Währungsproblem darstellt; die Reichsbank begrüßt es daher, wenn die Frage der Preisund Lohnstabilität heute mit erneuter Energie angepackt wird, denn das beständige Preisniveau ist der notwendige Begleiter einer Reichsbankvolitik, der es bis dahin gelungen ist, Geld, Kredit und Zins beständig zu erhalten. * Nicht so empfindlich sein! Vor den Schriftleitern und Verlegern des Gaues Magdeburg=Anhalt hat der Leiter des Reichsverbandes der Deutschen Presse Hauptmann a. D. Weiß in Dessau über Tagesfragen der Deutschen Presse gesprochen und dabei gegen die Empfindlichkeit und Humorlosigkeit gewisser Zeitgenossen herzhaft vom Leder gezogen. Damit hat er nicht nur den Männern der Presse aus der Seele gesprochen, sondern gleichzeitig ein Zeitübel gebrand das in den Augen einiger merkwürtiger Zeitgenossen wie eine Art von Pflichterfüllung gewertet wird. Verantwortung soll man nicht nur mit Weeten tragen, sich aber sonst darum drücken, fondern auch wirklich bewähren. Daß man die Ehre seines Berufes und seiner Arbeit dabei über alles hochstellt, ist selbstverständlich. Der neue Staat hat nicht umsonst ein neues Berufs= und Arbeitsethos gegeben. Diese selbstverständliche Pflicht der Wahrung der Würde darf jodoch niemals ausarten zu überempfindlicher Kleinlichkeitskrämerei, die überall dort bereits Beleidigungen, Ehrabschneidungen und Berufskränkungen sieht, wo nichts weiter war als eine harmlose Bemerkung oder ein netter Scherz, der weder böse gemeint ist noch wehtun soll. Hauptmann Weiß hat ein paar Fälle aus der Praxis angeführt, in denen beleidigte Volksgenossen gleich zur Feder gegriffen haben, weil sie ihren Stand oder Beruf beleidigt glaubten. Jeder deutsche Schriftleiter kann aus eigener Erfahrung bestätigen, daß es manchmal geradezu unglaubliche Zwischenfälle gibt, an die vorher niemand gedacht hat, auch garGlocken klingen übers Land Deutsche Glocken in Geschichte und Legende. Von Herbert Günther. ROV. An kirchlichen Feiertagen und in festlichen Stunden der Ration ertönt das Geläut der Glocken über Stadt und Land. Mit ihrem ehernen Klang künden sie Freude und mahnen zur Besinnung, begleiten sie das Leben des einzelnen von der Taufe bis zum Begräbnis. Oft ist ihnen ihr Auftrag, in hellen und dunklen Stunden des menschlichen Daseins an das Ewige zu erinnern und Rufer zu höheren Zielen zu sein, in Gestalt von Sinnsprüchen eingeprägt. „Vivos voco. Mortuos plango. Fulgura frango“ hat Schiller als Motto über sein„Lied von der Glocke“ gesetzt. Er entnahm diesen Spruch der Großen Glocke des Münsters zu Schaffhausen, die 1486 gegossen wurde und über 400 Jahre erklang. In Rudolstadt in Thüringen steht noch heute das Haus des Glockengießers, zu dem Schiller oft hinauswanderte,„um von diesem Geschäft eine Anschauung zu gewinnen". Eine kleine Glocke und eine Inschrift über der Tür der neuen Werkstatt rufen dem Genius nach, keine Gloche schalle weiter als lein Gedicht(an dem er übrigens 11 Jahre gearbeitet hat). Eine plattdeutsche Fassung jenes Spruches der Schaffhausener Münsterglocke enthält die Gloche in dem lippischen Bergstädtchen Oerlinghausen:„De Levendigen rope ick. De Doden beschrie ick. Deme Donder sture ick.“(Dem Donner wehre ich.) Eine Glocke, deren erster Klang durch den Rundfunk in der ganzen Welt vernommen wurde, ist Deutschlands Olympia=Glocke auf dem Reichssportfeld in Berlin.„Ich rufe die Jugend der Welt“ ist ihr Spruch, und das große Weltfriedensfest der Jugend läutete sie ein und aus. Mit ihrer Höhe von fast 3 Meter und ihrem Gewicht von 200 Zentnern ist die Olympiaglocke eine der mächtigsten in Deutschland. Die größte Glocke aber ist die„Deutsche Glocke am Rhein“ des Kölner Doms. Sie wieot rund 500 Zentner und wurde nicht denken konnte, weil er so viel Humorlosigkeit nicht voraussetzte. Zeitweilig war es so schlimm daß die Zeitungen es sich ernstlich überlegten, ob sie noch Romane oder Kurzgeschichten veröffentlichen sollten, in denen irgendwelche Berufstypen geschildert wurden, denn sie mußten schließlich damit rechnen, daß aus der Darstellung irgendwelcher Personen, die der Verfasser mit dichterischer Freiheit ausgestattet hatte,„bewußte Verächtlichmachung eines ganzen Standes oder Berufes“ konstruiert wurden. Die Proteste gegen Bühnenstücke, in denen irgend jemand schlecht weg kommt, sind bekannt, wenn nämlich dieser jemand mit seiner Berufsangabe auf dem Theaterzettel gemeldet ist. Gottlob hat sich diese Empfindlichkeitsseuche wieder verringert. Doch kommt sie in EinDie Pariser Presse urteilt: nach dem Weltbriege als Ersatz für die eingeschmolzene„Kaiserglocke“ gegossen. Köln birgt— allerdings im Kunstgewerbemuseum— auch die älteste Glocke Deutschlands, die zugleich auch als die älteste des christlichen Europa gilt. Sie ist aus drei Eisenplatten zusammengenietet und hing ehemals in der Cäcilienkirche. Die älteste gegossene Glocke, ein Glöcklein von nur 40 cm Höhe, stammt aus dem Jahre 1144 und hängt heyte noch in der Kirche von Iggenbach in Bayern. Von früher Zeit an haben sich Sagen an Glocken geknüpft. Im westfälischen Kloster Oesede sollen die Glocken von selbst zu läuten begonnen haben, als ein von der Heiligen Elisabeth gestiftetes Standbild der heiligen Mutter Maria, vor dem sie zu beten pflegte, gebracht wurde. In Laer bei Jburg im Teutoburger Wald soll eine ungeweihte Glocke durch den Teufel vom Turm in einen nahen Teich gestürzt worden sein, wo sie Östern und Weihnachten läutet. In der Gegend von Neuendorf im Westhavelland entstand einst durch ein Unwetter ein See, in dem auch ein Dorf versank. Als die Glocken der Kirche von den Fluten erfaßt wurden, flehte die kleinere Gloche die größere an:„Anne Susanne, wi willen to Lanne!“ Als das Flehen immer heftiger wurde, antwortete schließlich die andere:„Itzt kommt unse Stund, Ru gohn wi to Grund,— Schließ' to dinen Mund!“ und damit sanken sie beide in die Tiefe. Noch immer wird allabendlich in Jever in Ostfriesland die Glocke für die Landesmutter Maria geläutet, die der Sage nach in die Irre ging und nicht wiederkam. In Havelberg gilt das Abendläuten dem Gedenken an den Bischof Johann, der sich einst auf der Jagd verirrte und durch den Glockenklang den Weg wiederfand; heute ruft er als ein Kinderläuten die Buben und Mädel vom Spiel in Wald und Flur. Das winterliche„Dunkel-Läuten“ in Bielefeld stiftete ein auf die gleiche Weile Geretteter. In Tangermünde läutet die Glocke zur Erinnerung an einen Brand, und in Enger in Westfalen, der Ruhestätte des Sachsenherzogs Wittekind, erklingt sie in der Mitternachtsstunde vor dem 6. Januar, den zelfällen immer noch vor. Ein Mensch ohne Humor ist ein geistiger Krüppel! Diese tiefe Lebenserkenntnis, die schon vor hundert Jahren ein Großer unserer Nation aussprach, hat Gültigkeit behalten bis auf den heutigen Tag, ja, heute erst recht. Gewiß, wir leben in einer harten und ernsten Zeit, aber die Fröhlichkeit ist nicht aus unserem Leben verbannt. Die hinter uns liogen den Wochen des Faschings haben uns bewiesen, daß echter Frohsinn in deutschen Landen heimisch ist wie je zuvor, und auch gelegentliche Schläge mit der Narrenpritsche haben kein Unheil angerichtet, weil sie mit lachendem Antlitz gespendet und auch mit lachendem Gesicht empfangen wurden. Seid nicht so empfindlich! man als seinen Todestag annimmt, ebenso vor und nach dem Festgottesdienst zur„Einsenkung" der Leiche. Es ist also jedes Jahr wieder so, als ob Wittekind gerade erst gestorben und zu Grabe getragen worden wäre. Außerdem wird jeder der Nachkommen seiner Hauptleute, die hier als Sattelmeier um ihn siedelten, zum letzten Abschied von dem Manne, der ihren Vorfahren vor über tausend Jahren den ererbten Hof gab, in der Königsstunde„verläutet“. In Braunschweig ertönt eine Glocke alljährlich nur einmal: am Todestage des Freiheitskämpfers Schill in der Rähe des Denkmals, das seinen Kopf birgt. Es ist kein Zufall, daß sich so viele Sagen und Legenden gerade um Glocken weben. Sie scheinen kein totes Ding zu sein: Geheimnis ist um ihr Werden, Geheimnis um ihre Beziehung zu den Menschen. Sie sollen sprechen, wo der menschliche Mund verstummt, und doch ist's, als lähme der Schmerz mitunter auch sie. Eine Glocke in Crossen an der Oder hing in ihrer früheren Gestalt im Glockenturm des alten Domes am Berliner Schloßvlatz, der 1716 abgebrochen wurde. Sie zersprang 1705 beim Leichenbegängnis der ersten preußischen Königin Sophie Charlotte und mußte umgegossen werden. Die nächstgrößte Glocke aus diesem Turm verrichtete lange ihr Amt auf dem neuen Berliner Dom, bis sie 1921 beim Trauergeläut für die letzte deutsche Kaiserin, Auguste Victoria, barst. Auch diese Glocke wurde umgeschmolzen und hängt nun in neuer Gestalt wieder in ihrem Glochkenstuhl. Und noch 1934 ereignete sich ähnlich ein dritter Fall: Die große Glocke der St. Marienkirche in Schonach im Schwarzwald zersprang beim Trauerläuten für Hindenburg und klagte gebrochen weiter. Merkwürdig ist auch das Schicksal der Gleche der Marienkirche zu Rostock. 499 Jahre lang war sie unermüdlich, aber im 500., ihrem Jubiläumsjahre, sprang sie. Ist es nicht, Als wollte sie damit sprechen: „Es ist genug!“? Weil Glocken Leben haben und Mitgefühls fähig zu sein scheinen, hat man sie mehrhundert eingeborenen Arbektslosen, wobei 18 Poli zeibeamte und sieben Eingeborene verletzt wurden. Die Arbeitslosen hatten bis Dienstag Notstands arbeiten durchgeführt. Am Dienstag wurde ihnen jedoch mitgeteilt, daß die Arbeiten infolge Kredit mangels eingestellt werden müßten. Die Arbeitslosen verlangten nun Hilfe von den Behörden. Es wurde beschlossen, daß sie bis zum Eintreffen der notwendic. nanziellen Mittel von der Stadt beköstigt würden. Trotzdem gelang es einigen Rädelsführern, die Menge aufzuwiegeln, die mit Steinen und andeken Wurfgeschossen gegen den polizeilichen Ordnungs dienst vorging. Es kam zu einer regelrechten Stra henschlacht, bei der die Polizei gegen die Ueber macht der Angreifer einen schweren Stand hatte. Sie konnte die Ordnung erst nach größten Verlusten wieder herstellen. Aufruhr gegen Valencia Sowjetrussische Tanks gegen Anarchisten. DNB. Paris, 17. März.(Drahtber.) Der „Jour“ läßt sich aus Bayonne melden, daß es in verschiedenen, noch von den Bolschewisten beherrichten Ortschaften in der Provinz Valencia zu blutigen Unruben gekommen sei. In Panalesca habe sich die Bevölkerung gegen die Bolschewisten erhoben. Sie habe Brot verlangt und die Uebergabe der Stadt an die nationalen Truppen gefordert. Die Bolschewisten hätten den Aufruhr schließlich äußerst blutig niederschlagen können. In Burriana in der Mroninz Castellon, wo die Anarchisten die alleinigen Machthaber seien, sei ebenfalls eine Aufstandsbewegung gegen die bolschewistische Leitung in Valencia ausgebrochen. Eine von Valencia ausgesandte„Strafexpedition“ habe die Stadt mit Hilfe sowjetrussischer Tanks genommen. Darauf sollen sich die Anarchisten ergeben haben. 80 von ihnen sollen auf der Stelle erschossen worden sein. Neuer Befehlshaber der holländischen Armee DNB. Haag, 17. März.(Drabtb.) Generalmajor van Voorst tot Voorst, der bisher die 4. Division führte, ist zum Befehlshaber der holländischen Armee ernannt worden. Der bisherige Befehlshaber Leutnant=General van Roell tritt in den Rubestand. Auf einer Bezirkstagung polnischer Chemiker in Posen wurde beschlossen, auf der demnächst stattfindenden Landestagung des polnischen Chemikerverbandes für die Einführung des Arierparagraphen einzutreten. Hauptschriftleiter: Joseph Hasler, Bochum. Stellvertr. des Hauptschriftleiters: Peter Schiffers, Bochum. Verantwortlich: Für den politischen, kulturpolitischen und den gesamten Unterhaltungsteil: Joseph Hasler. Bochum— für den lokalen Teil Bochum, für Theater und Musik: Peter Schiffers, Bochum— für Westdeutsche Umschau. Verbreitungsgebiet und den Umbruch der Ausgaben Hattingen. Wattenscheid und E.=Steele: Georg Wilhelm Kruse, Bochum. für den lokalen Teil Hattingen und E.=Steele: Dr. Joseph Klösters, E.=Steele, für Sport, Handel und den lokalen Teil Wattenscheid: Ferdinand Julius Landefeld, Bochum, für den Bilderdienst die einzelnen Abteilungsleiter.— Für den Anzeigenteil Bochum: Karl Lenze. Bochum: für den Anzeigenteil Hattingen/E=Steele: Elly Becker, Hattingen; für den Anzeigenteil Wattenscheid: Hermann Lüther, Waitenscheid.— Zur Zeit ist Preisliste Nr. 8 gültig.— Verlag und Druck: Schürmann& Klagges. Bochum. — D.=A. II. 1937 über 11 500(davon Ausgabe A: Westfälische Volkszeitung Bochum über 7800; Ausgabe B: Volkszeitung fur Ennepe=Ruhr/ Steeler Zeitung über 2600; Ausgabe C: Morgenzeitung Wattenscheid über 1100). fach bei der Ehrung der im Weltkriege Gefallenen verwendet. In badenschen Triberg und im braunschweigischen Koniusiutter läutet eine besondere„Heldenglocke" am Todestage jedes im Felde gebliebenen Einwohners und zur Beerdigung jedes ehemaligen Kriegsteilnehmers. Allabendlich um 6 Uhr ertönen in der Marinestadt Wilhelmshaven die Glochen der Elisabethkirche zur Erinnerung an die draußen gebliebenen Männer der Flotte. In der Gemeinde Sohren im Hunsrücker Hochwald erklingt an den Todestagen der Gefallenen im Kriegerehrenmal ein Glockenspiel mit dem Liede„Ich hatt einen Kameraden“. Auch wueißen erhielt 1929 zu seiner Tausendjahrfeier ein Glockenspiel; hier in der Porzellanstadt bestehen die Glocken aus weißem Porzellan. Und ein zweites Glockenspiel derselben Art befindet sich im berühmten Zwinger zu Diesden. Das Glockenspiel der Potsdamer Garnisonkirche, in der Friedrich der Große neben seinem Vater ruht, und in der Adolf Hitler 1033 den eisten nationalsozialistischen Reichstag eröffnete, ist mit seinem„Ueb immer Treu und Redlichkeit“ wohl das bekannteste der deutschen Glockenspiele. Ungefähr aus gleicher Zeit stammt auch das Glockenspiel der Parochialkirche zu Berlin, das ursprünglich für den verunglückten Schlüterschen Münzturm am Schloß bestimmt war. Ein Glockenspiel, das in eine Zeit zurückweist, in der aus Geschichte und Legende eine der merkwürdigsten deutschen Sagen entstand, hat die „Rattenfängerstadt“ Hameln 1934 aus Anlaß der 650=Jahrfeier des Kinderzuges errichtet. Viele der deutschen Glocken, die heute in Kirchen, auf Rathaustürmen und in Glockenspielen erklingen, haben ihre Heimat in Thüringen, wo sich in Apolda eine der ältesten Glockengießereien Deutschlands befindet. Hier wurde jüngst auch ein Glockenmuseum eröffnet— unweit der Gegend, in der der Glockengießer und Dichter Kurt Kluge seinen Roman„Der Glockengießer Christoph Mahr“ spielen läßt, ein Hohes Lied auf das tönende Wunder, das Faust rettete, und dem selbst Mephisto zubilligen mußte, es mische sich„in jegliches Begebnis— Vom ersten Bad bis zum Begräbnis...“ „Ein berechneter Anschlag der „Blum und die Volksfrontminister haben jetzt das Work“ DNB Paris, 17. März.(Drahtb.) Die Pariser Presse veröffentlicht spaltenlage Berichte über die blutigen Straßenkämfpe. Selbstverständlich äußern sich die Blätter je nach der politischen Einstellung grundverschieden über die Verantwortung an dem Aufruhr. Auffallend ist lediglich, daß die „französische Sozialpartei“ und deren Vorsitzender Oberst de la Roque selbst von den Linksblättern nur mittelbar als Urheber der Unruhen beschuldigt werden. Die Rechtspresse berichtet einheitlich, daß die Kommunisten die Verantwortung tragen, weil sie einmal genau wußten, daß es sich bei der Versammlung der Sozialpartei nicht um eine politische Kundgebung handelte, und weil sie zum anderen trotz des starken Ordnungsdienstes der Polizei versuchten, die Straße zu beherrschen und schließlich als erste zum Angriff gegen die Polizei vorgingen und von der Schußwaffe Gebrauch machten. Das„Echo de Paris“ schreibt u. a.: der Ministerpräsident habe jetzt das Wort. Denn er habe durch seine Schwäche und seine ständigen Kompromisse mit den Revolutio nären diese Schreckensszenen erst möglich gemacht. Das Wort hätten auch diejenigen Mitglieder der Regierung, die zwar gegen die Kommunisten eingestellt seien, sie aber geduldet hätten. Diese Minister müßten nun endgültig jede Zusammenarbeit mit den Kommunisten aufgeben. Ganz anderer Ansicht ist natürlich die kommunistische„amanite“, die in schreiender Ueberschrift von einer„Herausforderung der friedlichen Arbeitermassen“ und einem„Anschlag gegen das Volk“ spricht(!). Der„Populaire“, das Organ des französischen Ministerpräsidenten, tritt wesentlich leiser auf. Es spricht nicht von einer„Herausforderung“ seitens der ehemaligen Feuerkreuzler, macht aber im wesentlichen den„Mangel an Kaltblütigkeit“ einiger Polizeichefs für die blutigen Zusammenstöße verantwortlich. Daß ausschließlich die Kommunisten die Verantwortung an der Straßenschlacht tragen, geht aus der Tatsache hervor, daß schon am vergangenen Sonntag der kommunistische Gewerkschaftssekretär von Clichy die Arbeitermassen aufgewiegelt und sie aufgefordert hatte, Oberst de la Rocque zu beweisen, daß für ihn kein Platz in Clichy sei. Gegen 3 Uhr nachts gab der Innenminister den Pressevertretern eine kurze Erklärung ab. Er betonte, daß die gerichtliche Untersuchung schon begonnen habe. Die Regierung bedauere außerordentlich diese„Zwischenfälle“(!) und fordere alle auf, ihre Kaltblütigkeit zu bewahren. Wie verlautet, hat die Polizei 13 Verhaftungen vorgenommen. Bei allen Verhafteten wurden Schußwaffen vorgefunden. Die„französische Sozialpartei“ veröffentlicht eine Verlautbarung, in der sie die Ereignisse als das Ergebnis eines berechneten Anschlages der Kommunisten bezeichnet. Die Partei spricht der Polizei und der Mobilen Garde ihre Bewunderung und ihren Dank dafür aus, daß sie trotz des Feuers der Revolutionäre Ruhe und Mut bewahrt hätten. Die Angriffe seien bezeichnend für die Wühlarbeit revolutionärer Elemente in der„Volksfront“ und müßten die republikanischen Männer endgültig von der Gefahr überzeugen, die auf dem Regime laste, Eine Erklärung der VolksfronkRegierung Zu den blutigen Ereignissen in Elichy DNB Paris, 17. März.(Drahtb.) Im Kabinettsrat, der am Mittwochnachmittag zusammentrat, erstattete Innenminister Dormoy Bericht über das erste Untersuchungsergebnis der blutigen Ereignisse in Clichy. In der amtlichen Mitteilung heißt es weiter, die Regierung verneige sich vor den Opfern und spreche ihren Familien sowie den Verletzten ihre Anteilnahme aus. Die Regierung habe beschlossen, die Verantwortlichen unverzüglich zu ermitteln und energisch zu bestrafen, sowie alle Maßnahmen zu treffen, um die Ordnung und den sozialen Frieden im Land aufrecht zu erhalten. In der schweren Stunde, die das Land durchmache, richte die Regierung an alle Bürger und Parteien den dringenden Appell, um sie vor allen Handlungen und Kundgebungen zu warnen, die geeignet seien, im Lande Verwirrung zu schaffen. heute kommunistische Massenversammlung DNB. Paris, 17. März.(Drahtl.) Das Sprachrohr Moskaus in Frankreich, die„Humanite“, ruft für Donnerstag alle Kommunisten zu einer Massenversammlung in die Winterradrennbahn. Als Redner werden Thorez, Duclos. der Abgeordnete von Clichy, Honel, und der Generalrat von Clichy. Naille, angekündigt. Straßenschlacht in Oran 25 Verletzte, darunter 18 Polizisten. DNB. Paris, 17. März.(Drahtber.) In Oran (Algerien) kam es zu blutigen Zusammenstößen zwischen der Polizei und einigen Donnerstag, den 18. März 1937. 1. Beilage der Volts-Zeitung Nr. 65— Seite 5 Bochumer Tageschronik Man merke! Donnerstag, den 18. März: Sonnenaufgang 6,39 Mondaufgang 9.19 Mond in Nordwende Sonnenuntergang 18,39 Monduntergang 1,21 1813 1856 1866 1913 1915 1929 Der Dichter Friedrich Hebbel in Wesselburen geb.(gest. 1863). Der Ingenieur Rudolf Diesel in Paris geb.(gest. 1913). Der Dichter Eduard Stucken in Moskau geb.(gest. 1936). Der Baumeister Friedrich August Stüer in Berlin gest.(geb. 1800). Der Verleger und Schriftsteller Wilhelm Langewiesche in Barmen geb.(gest. 1934. Geora I., König der Hellenen, in Saloniki ermordet(geb. 1845) Der U=Boot=Führer Otto Weddigen in der Nordsee gest.(geb. 1882). Der Geschichtsforscher Hans Ferdinand Helmolt in Berlin gest.(geb. 1865). Schwer verletzt Gegen 12 Uhr wurde auf der Allee=, Ecke Humboldtstraße, eine männliche Person von einem Lastkraftwagen angefahren und schwer verletzt. Der Verletzte wurde dem Augusta=Krankenhaus zugeführt. Lebensgefahr besteht nicht. * Gegen 14,40 Uhr wurde auf der Bongardstraße eine männliche Person von einem Personenkraftwagen angefahren, zu Boden geworfen und leicht verletzt. Der Verletzte wurde von dem Führer des genannten Personenkraftwagens in das Elisabeth=Krankenhaus gebracht. Nach Anlegung eines Verbandes wurde er von dort wieder entlassen. * Gegen 11,10 Uhr fuhr ein Radfahrer mit seinem Fahrrade gegen die geöffnete Tür eines vor dem Hause Wittenerstraße 100 parkenden Lastkraftwagen. Der Radfahrer kam zu Fall und erlitt eine leichte Verletzung am rechten Arm. Trachtenfiguren des Winterhilfswerkes Letzte Reichsstraßensammlung am 20. und 21. März. Am 20. und 21. März findet die letzte Reichsstraßensammlung des Winterhilfswerkes 1936=37 statt. Die Durchführung der Sammelaktion übernahm die Deutsche Arbeitsfront. Zum Verkauf gelangen Trachtenfiguren aus Porzellan in zehn verschiedenen Ausführungen: eine Bückeburger Bäuerin, ein Schwarzwälder Mädchen, eine rheinische Winzerin, eine Berchtesgadenerin, ein Mann in Vierländertracht, ein Friesenfischer, eine Spreewälderin, eine Schlesierin, ein Bauer aus der Schwalm und ein westfälischer Bauer. Die Darstellungen sind in Form und Farbe naturgetreu kleine Nachbildungen der genannten Trachten. Das große Bochumer Ereignis! Die Tanzgruppe Günther aus München bat sich bereit erklärt, am Samstag, dem 20. d. M., 20 Uhr, im hiesigen Evgl. Vereinshaus ein Gastspiel zu geben. Diese Tanzgruppe ist auf den internationalen Tanzwettspielen der Olympiade Berlin 1936 mit den höchsten Anerkennungen ausgezeichnet worden und spielte in fast allen Großstädten der Welt mit dem größten Erfolg. Almosphärische Störungen Mit diesem Ausdruck werden vielfach Störungen bezeichnet, die nichts mit der Atmosphäre zu tun haben, vielmehr durch ruckweise Aenderungen des erdmagnetischen Feldes erklärt werden können. Vaseline und Lanolin gegen Bakterien Eine Mischung aus zwei Teilen Vaseline und einem Teil Lanolin wirkt nach Bestrahlung mit ultraviolettem Licht tötend auf eine Reihe von Bakterienarten. Eine zwei= bis vierstündige Bestrahlung erweist sich noch nach einer Woche als wirksam. Das empfindlichste künstliche Auge Mit einer äußerst feinen Fotozelle kann man das Licht, das eine Kerze in 48 km Entfernung ausstrahlt, noch feststellen. Zusammen mit dem stärksten Fernrohr der Welt auf dem Mt. Wilson ist es möglich, diese Entfernung bis auf 4800 km auszudehnen. Gemüse und Gesundheit Daß Gemüse gesund und nahrhaft sind, braucht nicht erst bewiesen zu werden. Weniger bekannt ist dagegen, worin der Wert der einzelnen Gemüsearten liegt. Spinat empfiehlt man z. B. Bleichsüchtigen und Nierenkranken, während Sellerie besonders für Nervenkranke und Rheumatiker wertvoll ist. Die Lebertätigkeit erfährt eine nicht zu unterschätzende Anregung durch Tomaten, und Rüben regen stets den Appetit an. Gurken erfreuen sich in der heißen Jahreszeit wegen ihrer kühlenden Eigenschaft großer Beliebtheit, und Knoblauch sowie Zwiebeln vermehren sowohl die Speichel= als auch die Urinabsonderung, außerdem stärken sie alle Verdauungsorgane. Die daniederliegende Verdauung wird von Meerrettich und Schnittlauch belebt. Petersilie ist nicht nur als Gewürzmittel, sondern auch als harntreibendes Rahrungsmittel hoch zu bewerten. „Griff ins Leben“ Das Leben bietet des Interessanten so viel, man muß es nur aufmerklam sehen und hören können. „Der Griff ins Leben“, eine Sendefolge des Reichssenders Köln am Dienstag, bewies das wieder mal. Zunächst hörte man eine Schallaufnahme, die in der Elektro=Stahlgießerei des Eisen= und Hüttenwerkes gemacht worden war. Durch Erläuterungen des Rundfunksprechers und der Fachleute erhielt man einen guten Ueberblick über den Weg des Erzes vom Schmelzvorgang im Elektroofen zum Walzwerk bis zum fertigen Eisenblech, ein hochwertiges Material, das viel nach Südamerika, China und Japan verkauft wird. Zum Schluß der Sendung hörte man eine weitere Schallaufnahme aus Bochum. Diesmal war das Mikrophon beim Bochumer Standesamt zu Gast gewesen. Eine Werkpause bei Lueg! wird in Bochum von der Deutschen in Verbindung mit dem Reichssender Wiedermal Arbeitsfront Köln in der Zeit von 12—13 Uhr eine Werkpause übertragen. Es spielt die Polizeikapelle unter der Leitung von Polizeiinspektor Rungenhagen. Sorge ein jeder, daß sein Gerät bereitsteht und er diese Werkpause nicht verpaßt. Einbruchsdiebstahl. In der Nacht wurden einem Arbeiter von unbekannten Tätern aus einer verschlossenen Gartenlaube, hier, verlängerter Glokkengarten, mittels Einbruchs eine zweiräderige Handkarre, 2 Pfund Nägel, 1 Hammer, 1 Zange und ein Glasschneider entwendet. Diebstahl eines Herrenrocks und der dazu gehörenden Weste. In den späten Nachtstunden wurde einem Schneidermeister am Bahnhof Bo chum=Nord ein in Arbeit befindlicher Herrenrock und eine dazu gehörende Weste entwendet. Wer hat den Diebstahl beobachtet, oder wer kann sonst sachdienliche Angaben zu dem Vorfall machen? Angaben, die auf Wunsch vertraulich behandelt werden, erbittet die Kriminalpolizei in Bochum, Polizeipräsidium, Uhlandstraße 35, Zimmer 242. Bedeutsame Sitzung beim Arbeitsamt Wichtige Tagesfragen der Bauwirtschaft Das gesamte Baugewerbe und die Architektenschaft des hiesigen Bezirks hatten sich auf Einladung des Arbeitsamtes Bochum und der Kreishandwerkerschaft Bochum zu einer bedeutsamen Besprechung zusammengefunden. Außerdem waren erschienen Stadtbaurat Timmermann, Kreisleiter Kleschies, Wattenscheid, die Kreisobmänner der DAF Meinert, Bochum, und Baum, Wattenscheid. Nach Eröffnung der Sitzung durch den Kreishandwerksmeister Esch gab Arbeitsamtsdirettor Kampmann einen umfassenden Ueberblick über die praktischen Auswirkungen der 4. Anordnung zur Durchführung des Vierjahresplancs, die für die gesamte Bauwirtschaft von einschneidender Bedeutung sind. Zwei Fragen sind es, so führte Direktor Kampmann aus, auf die sich diese Anordnung erstreckt: Versorgung des Baugewerbes mit Baustoffen, insbesondere mit Eisen und der ausreichende Einsatz von Fachkräften. Die 4 Anordnung soll dazu dienen, die Sicherstellung des Baugewerbes mit Arbeitskräften durchzuführen und die notwendigen Baustoffe, insbesondere das Eisen, planvoll und rationell nach staatspolitischen Gesichtspunkten zu bewirtschaften. Direktor Kampmann erläuterte sodann im einzelnen die Bestimmungen der 4. Anordnung hinsichtlich der Bewirtschaftung der Rohstoffe und die in jüngster Zeit ergangenen Vorschriften, die die Grundlagen der Bautätigkeit der nächsten Monate bilden. Die zweite bedeutungsvolle Frage ist die: Haben wir genügend Bauarbeiter? Nach den vorliegenden Bauanzeigen werden für die nächste Zeit rund 2100 Bauarbeiter benötigt, davon rund 600 Maurer. Ein Teil von diesen kann von den fertiggestellten Bauten übernommen werden. Es wird aber noch großer Anstrengungen des Arbeitsamtes bedürfen, um die benötigten Reserven heranzuholen. Durch Einschaltung des Landes= bzw. des Reichsausgleichs dürfte das Ziel zum Teil erreicht werden Es wird jedoch stets ein gewisser Facharbeitermangel vorhanden sein, der nur von unten herauf durch Heranbildung einer genügenden Zahl von Lehrlingen beseitigt werden kann. Deshalb kommt dem Nachwuchsproblem eine ganz besondere Bedeutung zu. Auf Grund der 1. Anordnung zur Durchführung des Vierjahresplanes sind die Arbeitsämter verpflichtet, zu überwachen, daß die Betriebe und Verwaltungen sich an der Ausbildung des Nachwuchses in ausreichendem Maße beteiligen. Wie sieht es nun im Baugewerbe aus, das neben dem Bergbau und Metallgewerbe eine große wirtschaftliche Bedeutung für den hiesigen Bezirk hat? Zunächst ist festzustellen, daß die Jugendlichen selbst nur geringe Neigung zeigen, ins Baugewerbe überzugehen. Von den 3400 Entlaßschülern des Jahrganges 1936 äußerten nur 133 den Wunsch, ins Baugewerbe zu gehen. Im Jahre 1937 sank deren Zahl sogar noch auf 109. Demgegenüber beträgt das jährliche Lehrlingssoll 4.2 Prozent der im Baugewerbe tätigen Facharbeiter. Das ergibt für Bochum bei einer Beschäftigungsziffer von 1823 Baufacharbeitern und eine Lehrzeit von 3¼ Jahren eine normale Lehrlingsziffer von 15 Prozent der Beschäftigten= 283. Es sind aber nur 170 Lehrlinge vorhanden. Dabei ist der Ausfall der Lehrlinge in den vergangenen Jahren überhaupt noch nicht berücksichtigt. Die Durchführung der erstatteten Anzeigen hat gezeigt, daß, je kleiner der Betrieb ist, desto größer die Lehrlingshaltung ist. So werden Betriebe mit über 10 beschäftigten Personen Östern 1937 8.7 Prozent der Beschäftigten an Lehrlingen haben, während diese Zahlen bei kleineren Betrieben unter 10 Personen bei 24 Prozent liegt. An das Baugewerbe wird daher der dringende Appell gerichtet, alle Möglichkeiten auszuschöpfen, um dem Gewerbe den notwendigen Nachwuchs zu sichern. Kreishandwerksmeister Esch dankte dem Redner die klaren und umfassenden Ausführungen und schloß die Sitzung mit dem Gruß an den Führer. Erst die Kriegsopfer! Betriebsführer! Kriegsbeschädigten gebührt der erste Arbeitsplatz! Wiederholt ist in den letzten Jahren der Ruf ergangen, den Kriegsopfern geeignete Arbeitsplätze in den Betrieben zur Verfügung zu stellen. Dieser Ruf hat vielerorts ein günstiges Echo gefunden. Tausende von Kriegsopfern konnten wieder in den Arbeitsprozeß eingegliedert werden. Aber noch nicht alle Beschädigten haben einen Arbeitsplatz gefunden, den sie auf Grund der von ihnen für die Volksgesamtheit gebrachten Opfer bevorzugt beanspruchen können. Der Kriegsbeschädigte will nicht nur Rentenempfänger sein, er will die ihm verbliebene Arbeitskraft in den Dienst des Volksganzen stellen! Ihn kann auch nur regelmäßige Arbeit über seine schweren Sorgen und Leiden hinweghelfen! Die nationalsozialistische Regierung hat es sich stets zur besonderen Aufgabe gestellt, allen arbeitswilligen und einsatzfähigen Opfern des Krieges eine geeignete Beschäftigung zu sichern. Die gleiche Fürsorge gilt den beschädigten Kämpfern für die nationale Erbebung, den Wehrmactbeschädigten sowie den Opfern der Arbeit, die ebenfalls im Dienste für die Volksgemeinschaft ihre Gesundheit eingebüßt haben. Das Ziel, das sich die Regierung gesteckt hat, muß unter allen Umständen erreicht werden! Betriebsführer, es ist Eure unbedingte Pflicht, Arbeitsplätze für die Beschäftigten, die bislang nicht untergebracht werden konnten, bereitzustellen. Prüft Eure Betriebe erneut und immer wieder, welche Arbeitsplätze mit Schwerbeschädigten besetzt oder für diese freigemacht werden können. Meldet die freien Plätze der zuständigen Fürsorgestelle oder der Hauptfürsorgestelle für Kriegsbeschädigte und Kriegshinterbliebene in Münster, Warendorfer Str. 25. Es soll und muß gelingen, jedem einsatzfähigen Beschädigten einen geeigneten Arbeitsplatz zu sichern. Preisbarometer für unsere Hausfrauen Der Mittwochmarkt nahm bei unfreundlicher Witterung einen stillen Verlauf. An den Gemüse= und Obstständen zeigte sich keine Veränderung. Die Gärtner hatten sich auf die nun bald einsetzende Arheit der Kleinaartenbesitzer eingestellt und hielten Sämereien und Pflanzen in großer Auswahl keil. Die Preise nolierten gestern wie folgt: Rotkohl 10—12, Wirsingkohl 12—15, Weißkohl 10, Blumenkohl 20—30, Rosenkohl 85, Grünkohl 12, Spinat 25, Feldsalat 60—80, Endiviensalat 15, Kopfsalat 80, Rhabarber 35, Chigorie 40, Schlangengurken 100 bis 120, Zwiebeln 10, Wurzeln 10, Schwarzwurzeln 25, rote Beete 10, Kohlrabi 15. Aepfel 35—60, Apfelsinen 7—15, Citronen 5—6, Tomaten 60, Bananen 30—35 Eier 11—14, Molkere butter 155—160, Rindfleisch 80 bis 100, Kalbfleisch 90—130, Schweinefleisch 80—120, Hammelfleisch 120, Stint 25—30 Schellfisch 25—30, Seeaal 30, Seehecht 20, Kabeljau 25, Rotbarsch 30 bis 35, Heilbutt 60. grüne Heringe 15—18, Fischfilet 40—50, Flußhecht 80—90.. Festnahme. Festgenommen wurden in Bochum eine männliche Person von auswärts wegen Diebstahls und zwei männliche Personen von hier auf Grund von Haftbefehlen. Die Festgenommenen wurden sämtlich dem hiesigen Amtsgericht zugeführt. An alle Schaffenden des Kreises Bochum Samstag und Sonntag stehen im Zeichen der Straßensammlung für das Winterhilfswerk des deutschen Volnes. Die Deutsche Arbeitsfront wird diese letzte Reichsstraßensammlung ir einer Angriffslinie mit allen Amtswaltern und=warten, Gefolgschaftsführern und Vertrauensräten durchführen. Alle deutschen Volksgenossen und Volksgenossinnen zeigen Hilfsbereitschaft und Gebefreudigkeit. Wer Not lindert, schafft Freude! Darum helft mit und opfert! Meinert, Kreisobmann der Deutschen Arbeitsfront. Was ist richtig? Was ist falsch? Mit dieser Frage beschäftigt man sich so oft. Falsch ist, daß man immer noch kein Merkblatt zur Schadenverhütung vom Polizeipräsidium Bochum erworben hat. Die verschiedenen Merkblätter bieten eine Reihe von Hinweisen für die Bevölkerung, wie sie sich vor Betrug, Einbrüche und sonstigen Gefahren schützen kann. Daß auch der Verkehr nicht zu vergessen ist, dürfte wohl selbstverständlich sein. Ist es doch heute eine Kauptaufgabe der Polizei, die erschreckende Zahl der Verkehrsunfälle herabzumindern. Ein Teil der Merkblätter gibt daher jedem Kraftfahrer, Radfahrer und Fußgänger in Bild und Schrift Belehrungen und Anregungen, wie er sich im Verkehr zu verhalten hat Mit welchem Interesse die einzelnen Merkblätter von unserer Bevölkerung aufgenommen sind, beweisen die vielen Eingänge, die täglich beim Polizeipräsidium eingehen. Die vielen Anregungen, die teils in belehrender oder in humoristischer Form zum Ausdruck gebracht sind, zeigen, daß auch der Bochumer Bürger bereit ist, das Ziel zu unterstützen. Wer daher noch nicht im Besitze eines Merkblattes ist, hat jetzt noch Zeit, das Stück für 20 Pfg. auf jedem Polizeirevier zu erwerben. Wie wir erfahren, ist nur noch eine beschränkte Anzahl vorhanden. Daß damit zugleich ein Preisausschreiben verbunden ist, dürfte wohl bekannt sein. Ein Fehler, der auf einer Zeichnung unterlaufen ist, soll gefunden werden. Der Preis ist ein fabrikneuer Personenkraftwagen„Hannomag“. Also noch ist es Zeit! Der letzte Einsendungstag der richtigen Lösung ist der 31. März 1937. Darum lasse sich keiner das Glück zum Gewinnen eines Personenkraftwagens entgehen. )( Ein 75jähriger. Am heutigen Tage vollendet der Reviersteiger i. R. Wilhelm Röcker, Lennestraße 21, sein 75. Lebensjahr. Fast 50 Jahre war er als treuer und gewissenhafter Beamter bei der H. B. A.=G. auf Zeche„Caroline“ tätig. Der Jubilar erfreut sich noch der besten Gesundheit in geistiger Frische. Täglich macht er auch bei Wind und Wetter seinen gewohnten Spaziergang. Am kirchlichen Leben seiner Pfarre nimmt er regen Anteil. Seit Jahren gehört er dem Kirchenvorstand an und ist ein eifriges Mitglied des Vinzenzvereins. Seit 50 Jahren ist er auch Bezieher der Volks=Zeitung, die er heute noch mit demselben Interesse verfolgt. Wir wünschen unserm treuen Leser, daß er noch viele Jahre in Gesundheit und Zufriedenheit verleben möge V Bestandenes Eramen. Am Haushaltspflegerinnenseminar in Soest bestand Frl. Johanna Fritz, Schumannstraße 12, ihr Staatseramen mut„gut“ Arbeitsdank Groß=Bochum. Wir machen noch mals auf die künftig jeden Freitag im Hildegard Lyzeum an der Augustastraße stattfindenden Vo tanzabende aufmerksam. Beainn 21 Uhr. Hallenoder Wechselschuhe sind mitzubringen N38, Ortsgruppe Felsenburg. Heute findet um 20 Uhr im Restaurant Südpol, Wiemelhauser Straße, der Schulungsabend für Block= und Zellenwalter statt. Erscheinen ist Pflicht. Die Herkunft unserer alten Ruhrbergleute. Hier= über spricht in der Vereinigung für Heimatkunde am Freitag, dem 19. März, 20 Uhr, in der Verwa akademie der Heimatforscher Rektor Kleff. Der äußerst interessante Vortrag befaßt sich mit dem märkischen Bergbau und der berufsmäßigen Umschichtung durch den Zuzug von Bergleuten aus anderen Teilen Deutschlands.— Am Sonntag, dem 21. März, unternimmt die Vereinigung für Heimatkunde eine Vorfrühlingswanderung in die Berge südlich der Ruhr(Witten— Sprockhövel— Hattingen, 18 Kilometer). Führung: Willi Noll, Abfahrt 8.17 Uhr ab Bochum=Hbf. oder 8,17 Uhr ab BochumNord bis Witten(einfache Fahrkarte bis Witten). zum 1. Juli zu beantragen Getränkeschankanlagen bedürfen der polizeilichen Zulassung Mit dem Inkrafttreten der Polizeiverordnung über Einrichtung und Betrieb von Getränkeschankanlagen vom 1. September 1866 sind die Gast= und Schankwirte verpflichtet, auch für bereits bestehende Anlagen, die vorgeschriebene polizeiliche Zulassung bis zum 1. Juli 1937 zu beantragen. Nach der vorbezeichneten Verordnung hat der Polizeipflichtige vor der erstmaligen Einrich tung von Getränkeschankanlagen und vor wesentlichen Veränderungen bestehender Anlagen der Ortspolizeibehörde(Polizeiamt, Rathaus, Zimmer 11) schriftliche Anzeigen zu erstatten. Diesem Antrage sind diejenigen Unterlagen beizufügen welche die zum Ausschank kommenden Getränke und die wesentlichen Anlageteile nach Art und Lage eindeutig erkennen lassen. Die Erlaubnis zur Benutzung oder Weiterbenutzung der Anlage wird von der Ortspolizeibehörde nach Feststellung der vorschriftsmäßigen Beschaffung der Anlage schriftlich erteilt. Bei einem Wechsel in der Person des Polizeiflichtigen hat der Betriebsnachfolger dies der Ortspolizeibshörde anzuzeigen. Zu den Getränkeschankanlagen gehören alle Lager= und Schankräume und Einrichtungen, die dem Getränkeausschank unmittelbar oder mittelbar dienen. Auch Vorrichtungen zum Füllen von Siphons, Bierkrügen und Flaschen gelten als Teile der Getränkeschankanlage, dagegen nicht Flaschen, in denen oder aus denen den Gästen Getränke verabreicht werden. Als wesentliche Veränderungen in Getränkeschankanlagen gelten insbesondere: der Einbau zuitzlicher Getränke= und Leitungsabzweigungen, die Ortsveränderung der Getränkeschankanlage, der Ersatz oder der Umtausch von Druckminderventilen oder Sicherheitsventilen sowie der Ersatz von Prüfvorrichtungen durch solche gleicher oder anderer Bauart. Die für die Anmeldung erforderlichen Vordrucke Getränkeschankanlagebuch) werden bei der Geschäftsstelle Gasthätten=und Beherberbungsgewerbe Kreisgruppe Bochum, Markischestraße 40 vorrätig gehalten. Danerarbeit durch Umschulung Wichlig für alle arbeitslosen Volksgenossen Auto gegen Lichtmast gefahren Der Führer des Antos tot. In der gejährlichen Kurve hinter der Wirtschaft Kopp in Sevinghausen ereignete sich gestern gegen 8,30 Uhr ein schwerer Verkehrsunfall, der ein Menschenleben forderte Auf der regenglatten Straße kam ein von Essen kommender DKW=Wagen ins Schleudern und rannte in voller Fahrt gegen einen Lichtmast. Der Fahrer, der eine schwere Schädelverletzung davontrug, war sofort tot, der Wagen war fast durchgebrochen. Dr. Friedrich Castelle bei den Bochumer Jägern Der Hegering 1 Groß=Bochum hielt Mittwoch im Parthaussaal eine Pflichtversammlung ab, die sehr gut besucht war. Es war dem Hegeringleiter Dr. Salber gelungen, den westfälischen Dichter Dr. Friedrich Castelle für einen Vortrag über Hermann Löns zu gewinnen. Dr. Salber begrüßte zu Beginn des Abends den Redner, ferner eine Anzahl von Gästen, u. a. den Kreisjägermeister Fohr und seinen Stellvertreter Rechtsanwalt Dannenberg. Er sprach die Erwartung aus, daß in Zukunft die Schießveranstaltungen des Hegerings besser besucht würden. Er wünschte allen Anwesenden einen schönen fröhlichen Abend Dr. Castelle, ein Studienfreund des Dichters Hermann Löns, ist wohl der berufenste Mann, der über Löns, sein Leben und sein Schaffen, sprechen darf. Hermann Löns sei, so sagte der Vortragende ein echter Jägersmann und Tierfreund gewesen, der einen hartnäckigen Kampf gegen das Schießertum geführt habe. Er ist Vorbild für den deutschen Jäger. Aus westfälischer Sippe stammend, führte er immer Kampf gegen artfremdes Volk, das sich in seiner westfälischen Heimat breit machte und das niedersächsische Volk zu zersetzen drohte. Er kämpfte auch gegen die Zerreißung des deutschen Volkes in Standesgruppen. Von seiner Mutter hat er das Fabulieren gelernt. Aus ihrem Geschlecht erbte er auch das Jägerblut. In Westpreußen kam Löns dann in Verbindung mit der Natur Seine Tierkunde schuf die ersten Grundlagen für das erste naturwissenschaftliche Museum in Deutschland. 18jährig, kam er wieder nach Westfalen, und hier in der Heide entfaltete sich seine dichterische Begabung. Castelle schilderte dann erschöpfend die weitere Entwickelung Löns, der dann als Kriegsfreiwilliger 1914 in Frankreich fiel und erst 1935 in der Lüneburger Heide seine letzte Ruhestätten in seiner geliebten Heimat fand. Im zweiten Teil brachte Dr. Castelle dann einige Godichte von Löns und Proben aus seinen Erzählungen. Dieser Abend vermittelte den Anwesenden einige erlebnisreiche Stunden. heimabend des 5GV. Bochum Der überaus starke Besuch des Heimabends in der„Uhle“ galt in erster Linie dem erwarteten Lichtbildervortrag„Westfälische Wasserburgen“, der aber verlegt worden war. An dieser Stelle hielt Wanderfreund Horch einen Lichtbildervortrag über seine Wanderungen durch Jugoslavien. In Anbetracht der guten freundschaftlichen und wirtschaftlichen Beziehungen, die uns heute mit diesem Staat verknüpfen, fand auch dieser Vortrag, der sich in großen Zügen mit Geschichte, Wirtschaft und Kulturleben dieses Landes befaßte eine freundliche Aufnahme. Der Vortragende bemühte sich, die zahlreichen Zuhörer an seinen Erlebnissen teilnehmen zu lassen. Der Vereinsführer Döring machte bekannt, daß am 6. April ein Frühlingsabend stattfindet, der besonders reichhaltig ausgestaltet werden soll. Am 2. Östertag findet eine Wanderung nach Schwelm statt. Ferner wurde auf den am nächsten Dienstag beginnenden Wanderführerkursus hingewiesen. Der Bezirksführer Meyer wird über das Kartenlesen sprechen, ein Gebiet das jeder Wanderer beherrschen sollte. Der Wanderfreund Deppe wird in einem besonderen Vortrag über die heimische Pflanzenwelt sprechen. Reifeprüfung am Staatl. Gymnasium und Realgymnasium. Dienstag nachmittag fand unter dem Vorsitz des Oberstudiendirektors Schilling die vorzeitige Reifeprüfung der Unterprimaner der gymnasialen Abteilung der Anstalt statt. Es bestanden die Prüfung: Aufderheide, Flesch, Kohlpoth und Picht. Das Prädikat„gut bestanden“, wurde dem Unterprimaner Aufderheide zuerkannt. Das Arbeitsamt Bochum sieht es als seine ganz besondere Aufgabe an, im Rahmen des zweiten Vierjahresplanes der Industrie geeignete Arbeitskräfte zuzuführen. Das Arbeitsamt hat daher seine Umschulungswerkstätten für die Metallindustrie in großem Umfange ausgebaut und sie mit modernen Maschinen und Einrichtungen versehen, so daß sie als vorbildliche Schulungsstätten anzusehen sind. Allen Volksgenossen, die noch arbeitslos sind, ist Gelegenheit geboten, durch die erfolgreiche Teilnahme an diesen Umschulungskursen sich eine neue, gesicherte Dauereristenz in der Metallindustrie zu schaffen. Es ergeht daher an alle Volksgenossen, die noch ohne Arbeit sind, der dringende Appell, sofort beim Arbeitsamt Bochum, Abtlg. Metallvermittlung, Kreuzstraße 11, Zimmer 8, vorzusprechen. Um eine sachgemäße Beratung zu ermöglichen, bittet das Arbeitsamt, folgende Regelung für die Anmeldung zu beachten: Buchstabe A—G: Donnerstag, den 18. März, von 9—12 und von 15—17 Uhr; Buchstabe H—9: Freitag, den 19. März, von 9—12 und 15—17 Uhr: Buchstabe O—Z: Sonnabend, den 20. März, von 9—13 Uhr. Es können nur Arbeitslose berücksichtigt Neues amtliches Fernsprechbuch Die Ausgabe Februar 1937 des amtlichen Fernsprechbuches für das niederrbeinisch=westfälische Bezirksnetz ist erschienen. Die Deutsche Reichspost bittet die Teilnehmer, das neue wuch gegen Rückgabe der zugesandten Benachrichtigungskarte und des alten Ferusprechbuches(Ausgabe September 1935) bei dem auf der Karte angegebenen Verkehrsamt abzuholen. Diese Lieferung ist unentgeltlich. Auf Antrag oder bei Nichtabholung innerhalb der angegebenen Frist wird das Buch gegen eine Bestellgebühr von 0,30 RM ins Haus gebracht. Bei Mehrbedarf kann es zum Preise von 1,40 RM von der Verlagsstelle(Telegraphenamt Dortmund) unmittelbar oder durch Vermittlung der Postämter bezogen werden. Ju dem Buch erscheint wie in den Vorjahren in etwa 4-6 Wochen ein Berichti gungsblatt, in das auch neue Teilnehmer, die noch nicht im amtlichen Fernsprechbuch aufgeführt sind, gegen Zahlung der halben Zeilengebühr(3 RM) eingetragen werden. Allen Fernsprechteilnehmern wird empfohlen, sogleich nach Empfang des neuen Buches ihre Eintragung zu prüfen und die Berichtigung von Druckfehlern oder die Aufnahme ihres neuen Anschlusses usw. unverzüglich bei ihrem Vermittlungsamt schriftlich zu beantragen. Gesellenprüfungen bei den Friseuren Die Friseurinnung nahm an zwei Tagen die Prüfung von 22 Lehrlingen vor. Es erwies sich, daß ein Teil der Lehrlinge den gestellten Anforderungen nicht gerecht werden konnte, und zwar in erster Linie in den Prüfungen der praktischen Arbeit. Die Prüfungsarbeiten bestanden im Haarschneiden, Ondulation, Wasserwelle und einer Haararbeit als Gesellenstück. Von den Prüflingen bestanden folgende 16 die Gesellenprüfung: K. Spenner(bei Michel), H. Kindel(Kramp), Straußbach(König)), A. Stubldreier (Stuhldreier), W. Herkt(Knebel), A. Klomfaß Krüger), A. Merkovnick(Voßebein), K. Löhel (Millberg), Wilamczy(Stock). Menzenbach (Lange), v. Wagener)Thiesbürger), H. Brenner(Gevelmann), W. Epping(Föller), H. Ostboff(Bunse), Ph. Isege(Korme), Edith Franz(Lange). Gesellenprüfung der Konditoren Der Gesellenprüfung unterzogen sich vier Prüflinge. Neben den theoretischen Kenntnissen wurden als praktische Arbeiten die Fähigkeiten in der Herstellung von Backwerken geprüft Als Gesellenstück wurde die Herstellung einer Torte mit Aufschrift verlangt. Alle vier Prüflinge bestanden die Prüfung, und zwar H. Peter(Erich Döhmann), W. Herberholz(H. Althoff), Emil Jäger(Rienermann), J. Heidenreich(E. Hochstrathe), werden; Meldungen von Volksgenossen, die in Arbeit stehen, insbesondere auch in landwirtschaftlicher Arbeit, sind zwecklos. Sie werden unter keinen Umständen zugelassen. Es können alle Arbeitslosen umgeschult weiden ohne Rücksicht darauf, ob sie Unterstützung beziehen oder nicht. Auch Verheiratete sind willkommen, jedoch muß sich jeder Teilnehmer zu Beginn des Kursus verpflichten, nach Beendigung der Ausbildung Arbeit außerhalb Bochums aufzunehmen. Die infrage kommenden Betriebe haben jedoch zugesagt, mit allen Mitteln den Wohnungsbau für die von auswärts kommenden Gefolgschaftsmitglieder zu fördern, so daß die Uebersiedlung der Familie in einiger Zeit möglich sein wird. Die Teilnahme am Kursus ist kostenlos. Die obere Altersgrenze ist 45 Jahre, die untere 18 Jahre. Jugendliche im Alter von 18—25 Jahren können nur zugelassen werden, wenn sie entweder ihren Arbeitsoder Wehrdienst erfüllt haben oder wenigstens Jahr in der Landwirtschaft tätig gewesen sind. Die betreffenden Unterlagen sind mitzubringen. Die beim Arbeitsamt vorgemerkten Volksgenossen brauchen sich nicht zu melden, da sie bereits durch ihre zuständigen Fachvermittler erfaßt sind. Freisprechung von 400 Lehrlingen Ausstellung der Gesellenstücke. Anläßlich der stattgefundenen Gesellenprüfungen, die in den einzelnen Handwerkszweigen fast 100 Lehrlinge des Handwerks bestanden haben, veranstaltet die Kreishandwerkerschaft am Sonntag, dem 21. März 1167, 11 Uhr, im großen Saale der Bürgergesellschaft eine gemeinsame Freisprechung sämtlicher Lehrlinge. Zu dieser Veranstaltung sind neben den Junggesellen mit ihren Angehörigen die Lehrmeister mit ihren Gefolgschaften eingeladen. Die Freisprechung der Lehrlinge erfolgt durch den Kreishandwerksmeister im Rahmen einer besonderen Festfolge. Die angefertigten Gesellenstücke sind im Rahmen einer kleinen Schau im weißen Saale der Bürgergesellschaft vom 19.—21. März 1937 ausgestellt. Die Besichtigung dieser Schau ist für alle Volksgenossen kostenlos. Neue Beitragsmarken Invalidenversicherung. Ab 5. 4. 1937 werden nur noch neue Beitragsmarken verauft. Alte Beitragsmarken werden mit diesem Tage ungültig und können rechtswirksam nicht mehr verwendet werden. Wer am 5. 4. 1937 noch alte Marken besitzt, die er nicht mehr verwenden konnte, kann diese bis zum 5. 7. 1937 gegen neue Marken bei der Postanstalt umtauschen. Wer mit der Markenverwendung noch irgendwie im Rückstand ist, muß diese bis zum 4. 4. in Ordnung bringen, um Ordnungsstrafen oder sonstige Nachteile zu vermeiden Zeugen genießen den besonderen Schutz + Es ereignen sich hin und wieder Fälle, in denen Personen, die ihrer Zeugenpflicht nachgekommen sind, Verunglimpfungen und selbst Mißhelligkeiten ausgesetzt sind, weil sie Aussagen machten, die nicht genehm waren. Mit einem solchen Fall hatte sich auf die Strafkammer Bochum zu befassen. Der 74jährige Ki. von Witten hatte sich wegen Körperverletzung zu verantworten. Ein junger Mann, der mit dem Angeklagten in einem Hause wohnt, mußte, seitdem er als Zeuge in einem Prozeß gegen den Angeklagten ausgesagt hatte, befürchten, von diesem verfolgt zu werden. Er ging daher dem Alten aus dem Wege. Eines Tages trat der Angeklagte ihm entgegen und schlug ihn mit einem Hackenstiel zu Boden. Das Gericht war der berechtigten Ueberzeugung, daß eine solche Tat eine empfindliche Sühne verdiene. Der Zeuge könne erwarten, daß er in Wahrung seiner unparteiischen Zeugnispflicht energisch gegen solche Nachstellungen geschützt werde. Das Urteil lautete trotz des bohen Alters des Angeklagten auf 3 Monate Gefängnis. „Meister im Segelflugzeugbau“ Wegen der Bedeutung des Luftsports hat der Reichsstand des deutschen Handwerks dafur Soise getragen, daß der Segelflugzeugbau als besonderer Handwerkszweig herausgestellt wird. Damit soll gewährleistet werden, daß leistungsfähige Handwerksmeister und Handwerksgesellen nach einer sorgfältigen Ausbildung dem Reichsluftsportführer zur Verfügung stehen. Der Reichsstand des deutschen Handwerks hat daher in enger Zusammenarbeit mit dem Reichsluftsportführer die fachlichen Vorschriften für Segelflugzeugbauer=Meister geschaffen, die für die gesamte Ausbildung grundlegend sind. Heule Symphonie-Komert des Städtischen Orchesters Bochum. Heute, Donnerstag, 18. März, findet um 20 Uhr im Stadttheater das 7. Symphonie=Konzert des Städtischen Orchesters statt. Als westdeutsche Erstaufführung enthält das Programm das Klavier=Konzert in Es=dur von Peter Tschatkowsky, das der bekannte Münchener Pianist Udo Dammert zum Vortrag bringen wird. Unter Leitung des Städtischen Kapellmeisters Professor Leopold Neichwein spielt das Städtische Orchester die Symphonie in C=dur(Linzer) von Wolfgang Amadens Mozart sowie die BallettSuite von Mar Reger. Eintrittskarten von 60 Rpf an sind noch an der Konzertkasse im Stadttheater, in den bekannten Vorverkaufsstellen sowie ab 19 Uhr an der Abendkasse im Stadttheater zu haben. Schüler erhalten gegen Vorlegung eines entsprechenden Ausweises an der Konzert= und Abendkasse Eintrittskarten mit 50 Prozeut Preisermäßigung. Vorbestellungen werden unter Nr. 61051 entgegengenommen * Der Intendant des Bochumer Stadttbeaters, Dr. S. Schmitt, wird alle Werke die in der Woche Dramatiker der HI“ vom 11.—18. April unter der Schirmherrschaft von Reichsminister Dr. Goebbels und dem Jugendführer des Deutschen Reichs Baldur von Schirach zur Aufführung gelangen werden, inszenieren. Außer den beiden Dramen von Eberhard Wolfgang Möller„Das Frankenburger Würfelspiel“ und„Rothschild sieat bei Waterloo“ sowie Schwitzkes„Scarrons Schatten“ und Friedrich Wilhelm Hymmens„Der Vasal!“ werden in dieser Woche an weiteren Aufführungen in Szene geben: Schiller„Die Räuber“, Grabbe„Napoleon", Hanns Johst Paine". V Der Saar= und Pfalz=Verein Bochum hielt in der Gaststätte Vogel eine gut besuchte Versammlung ab. Nach der Begrüßung durch den Vereinsleiter Christ wurde bekannt gegeben, daß der Verein dem Vereinsring der NS=Gemeinschaft„Kraft durch Freude“ in Bochum beigetreten ist. Besondere Unkosten werden dem Verein dadurch nicht entstehen Außerdem wurde noch bekannt gegeben, daß die bisher durchgeführten Autobusfahrten nach der Saar nicht mehr stattfinden können. Dagegen werden die Saarsonderzüge Ende Juli und Anfang August wie in den früheren Jahren verkehren. Nach einer Anregung sollen die Vorbesprechungen für die Errichtung eines Abstimmungserinnerungsdenkmals in Kürze aufgenommen werden. Volksmusikkurse der Deutschen Arbeitsfront, NS.=Gemeinschaft„Kraft durch Freude“. Donnerstag, den 18. März: Für Lauten und Gitarren Uebungsstunden für jugendliche Anfänger von 14,20 kis 19 Uhr; Uebungsstunden für erwachsene Anfänger von 19 bis 21 Uhr; Geigenunterricht für Anfänger von 17 bis 20.30 Uhr. Sämtliche Kurse finden in der Schule an der Trankgasse statt. Auskunft und Anmeldungen dortselbst oder in der Verkaufsstelle, Kortumstraße 62, sowie bei allen Betriebswarten. KdF.=Theaterzettel. Östermontag, den 20. März, Lustspiel„Petermann fährt nach Modeira“. Karten zu ermäßigten Preisen in der Verkaufsstelle, Kortumstraße 62. Nicht die Klinge ist schuld! Denn wenn shre Haut rissig und spròde ist, kann selbst die beste Rasierklinge nicht glan darüber) hinglelten. Krättigen und glaten/ Sie daher Ihre Haut vorm Einseiten mit Nivea-Creme. Der Gehal en Euzerit macht Nivea so wirksam Lachen um Grock Aber auch die übrigen Künstler große Klasse Der Mann, der vor Jahren schon eine Welt zum Lachen brachte und sich dann mit einem Geldschatz zur Ruhe setzte, mit dem andere Sterbliche sich bis an ihr Lebensende recht vergnügte Stunden hätten machen können, hat wohl oder übel wieder seinen Weg zur Bühne finden müssen, nachdem ihm die Millionen wie der Sand einer Eieruhr durch die Finger gerieselt sind. Doch brauchen wir deswegen nicht um ihn besorgt zu sein, seine mit allen Raffinessen ausgestattete Villa an der Riviera gehört ihm noch und auch heute zählt er, wie früher schon, wieder zu den bestbezahlten Artisten. Er wird also bald wieder sein Häuschen im Trockenen haben. Seit einigen Jahren fährt Grock wieder auf Tourneen durch die deutschen Lande und über die ausländischen Bühnen, um allabendlich wieder auch die eingefleischtesten Trübsalschwitzer zum Lachen zu bringen. Trägt er doch nicht umsonst den Ehrentitel, der Welt größter Humorist zu sein. Groch ist aber nicht nur ein Clown von besonderen Graden, sondern auch ein großer Musiker, der die verschiedensten Instrumente mit einer Virtuosität ohnegleichen beherrscht. Und gerade diese seine musikalische Beherrschung war es, die ihn in der Verliner Skala im Jahre 1924 mit einem Schlage berühmt machte und die alle Hörer in Bann schlug. So war aus dem Clown der größte Musikclown der Welt geworden. Deshalb muß man dem hiesigen Verkehrsverein Dank wissen, daß er ein Gastspiel dieses großen Humoristen auch für Vochum ermöglichte, zumal man weiß, daß er noch vielen Verpflichtungen im Ausland nachzukommen hat. Sein geflügelter Ausdruck„Rit mööglich!“ wurde auch gestern abend wieder ins Gegenteil umgewandelt. Als Grock in seinem viel zu weiten Rock, mit seiner riesenhaften, spiegelglatten Glatze und seinem gutmütig strahlenden Vollmondgesicht in überdimensionalen Schuhen auf die Bühne watschelte, da segte schon die erste donnernde Lachsalve durch den gut besetzten Schützenhofsaal, die dann immer weitere und stärkere Salven fand, als Grock nun den verzweifelten Kampf mit der Tücke des Objekts aufzunehmen begann. Denn gecade dieser grotesk geführte Kampf ist es ja, die den Zuschauer nicht müde werden läßt und der schon zu so vielen Plagiaten herhalten mußte. Hat doch gerade dieser einfaltreiche Humor eine Unzahl von Nachahmern gefunden, die mit mehr oder weniger Geschick Grock zu kopieren versuchten und versuchen und dem man heute auf allen Varieté=Bühnen immer wieder in den verschiedensten Variationen und Abwandlungen begegnet. Und dennoch arbeitet Groch nicht mit eingepaußten Tricks, sondern es ist sein eigenes Geheimnis, wie er sich immer der Situation anzupassen und sich durch das Publikum zu immer neuen Einfällen anregen zu lassen versteht. Ein uralter Koffer ist das stets ihn begleitete Requisit, während er in der Rechten einen Stuhl mit sich führt. Ein eleganter Partner begleitet ihn und erhöht den Kontraft zwischen ihm und dem vergnüglich schauenden, gutmütigen, alten Mann, der immer wieder sein„Nit mööglich!“ als unheimlich wirkende Lachbombe unter die Zuschauer wirft. Ebenso heiter wie die Philosophie, die aus seinem Humor leuchtet, ebenso herrlich verströmt seine Musikalität, wenn er die einzelnen Instrumente auspackt und mit platzender Komik zu bearbeiten beginnt. Er kann schier alles. Eine winzige Geige wird ebenso zu einem meisterlich klingenden Instrument unter seinen Fingern, wie eine Posaune, ein Klavier, ein Akkordion, eine Konzertina, oder ein anderes Instrument. Selbst eine Baßgeige weiß er mit seiner Kehle klangfest nachzuahmen. Hinter der Kulisse steht dann seine Frau, die ihn auf allen Reisen begleitet, als„Lautverstärkerin", die beispielsweise mit einer Knarre das Krachen des berstenden Stuhles unterstreicht, wenn Grock durch den Klaviersessel bricht. Von diesem Professor, diesem Ehrendoktor der Philosophie, der nicht nur ein halbes Dutzend Sprachen beherrscht, sondern auch ein Dutzend Instrumente zum reinen Erklingen bringt, ging auch gestern abend eine aus Lachen und Tiefsinnigkeit gemischte Stimmung aus, von der alle ergriffen waren und die sie eiwäimte und erfreute. Es war herzerfrischend und befreiend, seiner Ueberlistung der toten Materie zuzuschauen und ihn den großen Unsinn und Unwert der kleinen täglichen Aergernisse, die uns das Leben schwer machen, enthüllen zu sehen. Diese Enthüllungskomödien des Alltags waren einfach unwiderstehlich. In Alfred Schatz hat er seinen besten Partner, wie Grock selbst einmal gesagt hat, und der ihn bei der Musik begleitet. Grock, der wohl allein einen Abend ausfüllen kann, weil man nicht müde wird, das laufende Band von witzigen Einfällen zu verfolgen, kam nicht allein. Er hatte ein Ensemble erstklassiger Artisten mitgebracht, die den ersten Teil des Abends mit ihren hohen Leistungen ausfüllten. Da war Ernst Reinhardt vom„Vaterland", Berlin, der das Programm mit witzigen Pointen und unverblümten Schlagfertigkeiten anzeigte und sich hernach als verblüffender Karikaturist betätigte, der mit einigen Strichen ein Liebespärchen beim Tanz und auf der Bank auf die weiße Fläche zauberte und anschließend noch einige„Publikümer“ ihr karikiertes Konterfet blicken ließ. Dann zeigten die Bonhair=Gregory ikarische Spiele in Vollendung, daß es nur so rollte, flog und in tollen Saltos durch die Luft wirbelte. Georg Ackermann vom„Wintergarten“ Berlin war auch dabei und verblüffte wieder als origineller, lustiger Zauberkünstler die Zuschauer. Einige Besucher assistierten ihm bei seinen fabelhaften Tricks, und obschon sie dicht um ihn herumstanden, blieb ihnen der Zauber ein Geheimnis. Dann stellte sich das schönste und sensationellste Tanzpaar in Nanina und Josho vor, bei dem weniger dek Tanz als die Akrobatik, mit der der Partner mit Nanina die unglaublichsten Luftwirbel vollbrachte und diese wiederum ihren Körper in sonst unmögliche Lagen und Verdrehungen brachte, Staunen und Bewunderung erregte. Und zum Schluß gab es dann noch die Sensation der letzten Weltkusstellung in einem Rollschuhakt auf einer Tischplatte, mit dem die 4 Ryles artistische Spitzenleistungen vollbrachten. Fabelhaft einfach, wenn sie in doppelter Umdrehung um ihre eigene Achse sowohl wie um ihren Partner durch die Luft rotierten. Wüßig zu sagen, daß alle Darbietungen zu wahren Beifallsstürmen hinrissen. Ein Wort der Anerhennung auch für die Kapelle Alf Thönissen, die mit schmissiger Musik das Programm untermalte. Man kann wohl sagen, daß Bochum ein derartiges Programm bisher noch nicht gesehen hat. Es war ein Programm der Sensationen. Peter Schiffers. Groß Bochum meldet.. Lochum-Altenbochum Der Kleingartenverein„Auf der Prinz“ hielt im Vereinslokal Deh seine Monatsversammlung ab. Der Vereinsleiter Hoffmann wies besonders darauf hin, daß alle jene Mitglieder ausgeschlossen würden, die ihren Verpflichtungen nicht satzungsgemäß nachkämen. Weiter machte er auf die Vorführung des Films„Der Obstbaum in der Erzeugungsschlacht“ am 11. April aufmerksam An dem Opferschießen beteiligten*“ die Kameraden des Bürgerschützenvereins im Kompagnie lokal Rustemeier auch in diesem Jahre wieder in großer Zahl. Dem WHW. wurde ein Betrag von 70 Mk. von der 1. Kompagnie zur Verfügung gestellt. Hauptmann Jacols errang die vom WHW. bereitgestellte goldene und Oberleutnant GroßeBünning die silberne Plakett hamme Hohes Alter. Heute vollendet die Ehefrau Anna Scheer, geb. Sabel, Redemptoristenstraße 10, ihr 81. Lebensjahr. Die Jubilarin erfreut sich noch guter Gesundheit. Ueber 40 Jahre lang wird die Volkszeitung“ von ihr gelesen. Fünf Kinder mit 19 Enkeln und 5 Urenkeln beglückwünschen die Inbilarin, der auch wir einen herzlichen Gekurtstagsglückwunsch übermitteln. Aus dem Hammer Schützenleben. Nach dem Opferschießen bei Kneider, das eine Summe von 220 Mk. einbrachte, hielt der Bürger SchützenVerein eine außerordentliche Bataillons=Versammlung ab. In der Hauptsache befaßte man sich mit der finanziellen Lage des Vereins. Es wurde beschlossen, eine regelmäßige Umlage zur Deckung der Vereinsunkosten einzurichten. Für die Monate März bis Juni wurde für jeden Monat ein Großkaliberschießen, verbunden mit dem Wettkampf um den Wanderpokal, festgelegt. Von einem Preis schießen in diesem Jahre wurde einsrweilen Abstand genommen. Für Jungschützen findet regelmäßig ein Kleinkaliher=Uekungsschießen stat Arheitsdank, Ortswaltung Hamme. Alle Arbeits dankkameradinnen treffen sich am Donnerstag, dem 19. März, abends 20 Uhr. im Lokal Räder. Gahlenschestraße, zum ersten Male. Instrumente bitte mitbringen! Erscheinen unbedingte Pflicht. Bochum-Riemke Mit dem Fahrrad gestürzt. Auf der Fahrt zur Morgenschicht sprang die Tretkette des Fahrrades ab. Der Zechenarbeiter W., der das Rad fuhr, kam zu Sturz und brach sich einen Arm Der Schützenverein„Weidmannsheil“ hielt seine Jahreshauptversammlung ab. Nachdem die Versammlung zweier verstorbener Kameraden gedacht hatte, erstattete Schriftwart Fallach und Kassen wart Biermann die Berichte. Schützenmajor Lange wurde einstimmig wiedergewählt. Nur das Amt des Unterkassierers wurde mit dem Kameraden Stadtfeld neu besetzt. Bochum-Gerthe Abiturientenprüfung an der Oberrealschule Gerthe. Unter dem Vorsitz von Studiendirektor Rothe fand an der Oberrealschule Gerthe die zweite diesjährige Abiturientenprüfung statt. Alle 12 Prüflinge bestanden, und zwar Karl=Heinz Ernst, Franz Floren, Willi Hombach, Gerhard Knepper, Rolf Küppers, Fritz Liesenhoff, Otto Lindner, Erich Partmann, Heinrich Reimöller, Alfred Römer, Edmund Sandermann u. Ferdinand Traude. Mit dem Prädikat„Gut“ bestanden die Reifeprüfung Karl=Heinz Ernst und Rolf Küppers. Frühjahrshauptversammlung. Im Vereinslokal Siebert hielt die Reisevereinigung Bochum=Gerthe und Umgegend ihre Frühjahrshauptversammlung unter Beteiligung sämtlicher 21 angeschlossener Vereine statt. Dem Züchter Meier vom Verein „Siegespalme“ wurde die goldene Fachschaftsmedaille überzeicht. Der Züchter Gonnermann vom Verein„Heimatliebe“ Hiltrop erhielt die bronzene Medaille, die er beim Olympia=Flug erzielt hatte. Goldene Uhranhängsel von der Reisevereinigung erhielten die Züchter Mengelkamp vom Verein „Brüderlichkeit“ Harpen für das beste Alttier, Züchter Boczkowski vom Verein„Edeltaube“ Gerthe für das beste einjährige Tier und der Züchter Meier vom Verein„Siegespalme“ GrummeVöde für das beste Jungtier. Anschließend gab der Geschäftsführer Borns den Reiseplan für das Flugjahr 1937 bekannt Die Preisflüge für Altund jährige Tiere beginnen ab Stadthagen. Die Einsatzklassen wurden den Richtlinien des Kreises entsprechend geändert. Der Derbyflug findet bei dem Flug Stendal statt, während der Medaillenflug für drei im voraus zu bestimmende Tiere vg Gardelegen aus gebt. Auch für dieses Flugjahr werden von der Reisevereinigung wieder besondere Ehrenpreise ausgesetzt. Das 10jährige Bestehen, auf das die Reisevereinigung Bochum=Gerthe in diesem Jahre zurückblicken kann, soll im Herbst festlich begangen und mit einer Ausstellung verbunden werden. Der Vorstand bleibt in seiner alten Besetzung. Neu hinzu kam der Züchter Lukas vom Verein„Heimatliebe“ Hiltrop als Propagandawart.(va.) Bochum-Hordel Persönliches. Von der Verwaltung der Zeche Hannover wurden Wilhelm Lampmann und Emil Finkensieb zu Steigern bestellt.— Das Fest der Silbernen Hochzeit feierten gestern die Eheleute Friedrich Berends aus der Kruppschen Kolonie. Glückauf zur Goldenen!(th.) Bochum-Weitmar Einen Kameradschaftsabend feierte das Revier 4 der Zeche Engelsburg in den Räumen der Wirtschaft Kuhlmany in Eppendorf. Die NS.=Gemeinschaft„Kraft durch Freude“ hatte durch ihre Pro grammgestaltung so viele Arbeitskameraden mit ihren Angehörigen angezogen, daß der geräumige Saal bald zu klein wurde. Nach der Begrüßung durch den Ortsobmann Pg. Soika folgte eine Reihe bunter Darbietungen, die allen frohe Stunden vermittelten. Arbeitsdank, Ortswaltung Weitmar=Nord. Alle Arbeitsdankkameraden u.-Kameradinnen treffen am Donnerstag, dem 18. März, um 20 Uhr, im Lokal Holler, Essener Straße, zusammen. Erscheinen ist unbedingte Pflicht. Bochum Linden-Dahlhausen 9o Jahre alt wird heute Frau Zölzer, geb. Walper, Sonnenberg 59 l. Am 18. März 1847 wurde sie in Fürstenberg, Kreis Eisenberg(Waldeck) geboren. Mit 21 Jahren bereits kam sie, nach dem ihr inzwischen verstorlener Mann sich schon hier ansässig gemacht hatte, nach Linden=„Östhol“ das auch ihre zweite Heimat werden sollte. Jetz begann für sie ein Lebensabschnitt, der überaus reich war an harter Arbeit und Schicksalsschlägen Durch fleißige Arbeit und Sparsamkeit gelang es ihr, im Verein mit ihrem Manne ein Häuschen zu bauen, worin sie heute noch mit ihrem Sohne wohnt. Neun Kindern schenkte sie das Leben, welche nun an ihrem Geburtstage ihre Glückwünsche der Mutter darbringen. Auch wir schließen uns ihnen an und wünschen der„Oma“ Zölzer einen sonnigen Lebensabend und daß ne in voller Gesundheit und Zufriedenheit das 10" Lebensjahr erreichen möge. Bochum-Auerenburg Elternabend der Schule auf dem Kalwes. Dienstaa hatte die Schule auf dem Kalwes die Eltern ihrer Gemeinde zu einem Elternabend eingeladen, der den Vätern und Müttern ein Bild geben sollte von den Arbeiten in der Schule. Lehter Wunderlich, der Leiter der Schule, begrüßte die Eltern und Kinder herzlich und erklärte Zweck und Ziel der Veranstaltung, nämlich ein fruchtbares Verhältnis zwischen Elternhaus und Schule herzustellen. is anseren Verbreitungsgebiet Herne s Bronzebe Museum wurde vor längerer Zeit mitgeteilt, daß schon vor etwa 20 Jahren in Herne=Börnig ein Beil aus Bronze gefunden worden sei, das wahrscheinlich ein Museum in der weiteren Umgebung von Herne erhalten habe. Die Ermittlunger haben nun endlich Erfolg gehabt; im Dortmunder Kunstund Gewerbemuseum wurde das Herner Bronzebeil festgestellt! Damit sind in Herne bisher zwei dieser außerordentlich wichtigen Bodenfunde gemacht worden. Erfreulich ist, daß, olwohl dieser Fund nicht in Herne geblieben ist, das Beil damals abgeliefert wurde und so der Heimatforschung erhalten blieb. Bekanntlich wurde vor einigen Jahren östlich der Zeche Friedrich der Große 3=4 ein Bronzebeil gefunden, das das Städt. Museum Herne erhielt. Es handelt sich um ein sogenanntes Absatzbeil der Periode 2 der Bronzezeit, ist somit an 3500 Jahre alt! Auch der jetzt bekanntgewordene Fund von Börnig stellt ein gleiches Absatzbeil dar, nur ist es etwas zierlicher und schöner in der Form, als das zuletzt gefundene. Wanne-Eickel In ein Schulhaus eingebrochen. In der Nacht zum Dienstag wurde von bisher noch unbekannten Tätern in die Berufsschule in der Wilhelmstraße eingebrochen. Anscheinend hatten es die Täter nur auf Geld und Wertsachen abgesehen. Gestohlen wurde nichts. Bau von drei HJ.=Heimen in Wanne=Eickel geplant. Dem Mangel an HJ=Heimen im Stadtgebiet sucht die Stadtverwaltung durch den Bau von drei HJ.=Heimen abzuhelfen, die am Röhlinghauser Goelbelshaus, am Holsterhausener HorstStadion und in der Eickeler Gartenstadt errichtet werden sollen. Die Stadtverwaltung wird für diese Zwecke den Betrag von rund 57 000 Mk. be reitstellen und erwartet auch von der Reichsjugendführung die Bereitstellung eines gleich hohen Be trages. Die Bankosten jedes Heimes betragen rd. 30 000 Mk. Jedes HJ.=Heim wird aus vier Räumen für HJ., BdM., IV. und IM. bestehen, aus 2 Führerzimmern, einem Gemeinschaftsraum und einem Appellflur bestehen. Die Heime sollen einstöckig errichtet werden und einen Appellplatz erbeitten. 653 Wattenscheid Beide Wagen wurden schwer beschädigt. Dienstag, gegen 10,15 Uhr, erfolgte an der Straßentreuzung Westenfelder und Hindenburgdamm in Wattenscheid ein Zusammenstoß zwischen einem Personenkraftwagen und einem Lastkraftwagen. Beide Fahrzeuge wurden stark beschädigt. Personen wurden nicht verletzt. Die Schuldfrage ist noch nicht geklärt. Roman von Harry Hoff (29. Fortsetzung) Aber nicht er allein nahm so teil daran. Die sensationelle Verhaftung Moulins war in weitesten Kreisen bekanntgeworden. Mit großen Lettern brachten die Morgenblätter bereits Berichte. Der junge Deutsche, der junge Deutsche, so ging es von Mund zu Mund. So wurde um Seidlers Haupt eine Gloriole gewunden. Man sprach ihm ohne Bedenken allein den Ruhm zu, den großen Verbrecher zur Strecke gebracht zu haben, der noch mehr als das Eisenbahnattentat auf dem Kerbholz hatte. Die tolle Verhaftungsszene wurde von enehreren Blättern genau geschildert. Man verschlang die Berichte. Mit einem Schlage wurde Seidler geradezu volkstümlich. Die Sympathien aller gehörten ihm. Wäre Lebrun nicht an sich ein recht bescheidener Mensch gewesen, er hätte jetzt allen Grund, auf den jungen Kollegen eifersüchtig zu werden. Von Paris aus wurde Seidler auf Grund seiner Tat für die Zeit seines Aufenthalts in Frankreich der Charakter eines Kommissars vertiehen. Die Operation war vorüber. Sie war voll kommen glatt und harmlos verlaufen. Nun mußte sich der Patient nur noch einige Zeitlang schonen. Man gab ihm ein schönes, sonniges Einzelzimmer, in dem sich immer mehr Blumen einfanden. Blumen. Blumen... wo kamen die alle her? Immer von neuem kam eine Schwester mit einem Strauß. Kleine Karten wurden mit abgegeben, mit Glückwünschen unbekannter Personen. Seidler starrte verwirrt in die Pracht hinein. Lebrun legte ihm als Ueberraschung das Telegramm aus Paris vor.„Nun kann ich Sie ja als wirklichen Kollegen begrüßen!“ meinte er fröhlich lachend, „Sie sind doch ein Glückspilz, Seidler!“ „Ein Glückspilz? Wo ich jetzt tagelang festliegen muß und Ihnen vorläufig gar nicht mehr helfen kann?“ „Aber lieber Freund, etwas können Sie mir doch schließlich auch noch übrig lassen, sonst kann ich ja in den Ruhestand treten, und der alte Lebrun ist nur noch eine mystische Figur in der Kriminalgeschichte! Nein, nein. So baben wir nicht gewettet!“ „Herr Kommissar“ „Halt! Kollege, bitte! Sie sind jetzt auch Kommissar!“ Nachdruck verboten „Also Kollege, ganz wie Sie wollen, ja, also, ich wollte sagen, die Sache mit diesem Moulin, ich meine damit die Verhaftung, ist doch nur Ihnen zu danken.“ „Mir? Wieso?“ „Sie haben ihn doch das erstemal festgenommen, beziehungsweise festnehmen lassen, und Ihren Forschungen allein ist es zuzuschreiben, daß man überhaupt etwas Näheres von ihm wußte. Wahrscheinlich hätte man ihn sowieso bald erwischt, und auch diese Sache mit dem poste=restante Brief ist nur Ihr Verdienst. Ich machte doch eigentlich nur die kleinere Handlangerarbeit, und wenn mir ein anderer Zufall den Mann in die Hände spielte, ich weiß überhaupt nicht, warum man so viel Aufhebens davon macht.“ „Jetzt hören Sie aber auf! Sie haben sogar Ihr Leben dabei gewagt. Das ist es auch was man so anerkennt. Aber nun hören Sie, Sie wollten mir vor der Operation noch etwas sagen, kamen aber nicht mehr dazu. Ich nehme an, es war etwas Wichtiges“ „Ach so, das war eben die Sache mit jenem Brief. Wissen Sie, wer ihn abholen wollte?“ „Dle wissen das auch schon?“ „Natürlich. Moulin!“ „Aber das wäre ja unverständlich. Er hat doch selber den Brief geschrieben.“ „Trotzdem war er es zweifellos Die Beschreibung des Abholers seitens des Postbeamten stimmte genau auf ihn. Bis auf den Stock mit dem Elfenbeinknopf.“ „Und wie erklären Sie sich den Fall?“ „Es gibt da zwei Möglichkeiten. Entweder hat Moulin den Brief aus irgendeinem Grunde im Auftrage des Empfängers selbst wieder abgebolt, oder, was auf alles wieder ein ganz neues Licht wirft, er hat es auf Grund einer Berechnung getan." „Ah. und diese Berechnung wäre?“ „Gehen wir einmal von einer bestimmten Erwägung aus. Offenbar steht doch fest, daß Moulin ein Mensch ist, der skrupellos andere umbringt, wenn er dafür nur entsprechend bezahlt wird" „Das mag schon stimmen“ „Ich bin daher überzeugt, daß er auch jenes Attentat nicht von sich allein aus unternommen hat." angsstelle ett wir es leit „Uebrigens eine Zwischenfrage. Hat er es Ihnen denn zugegeben?“ „Ja." „Donnerwetter! Sie glauben aber, daß er in jemandes Auftrag gehandelt hat?“ „Ohne Zweifel. Vielleicht steckt jene anarchistische Gruppe dahinter, was stark zu vermuten ist. Jedenfalls schalte ich meinerseits eine Raubabsicht aus, eine Ansicht, zu der ja auch Sie wohl inzwischen gekommen sind.“ „Stimmt schon. Na, aber weiter!“ „Sein Auftraggeber hat ihm nun Geld, vielleicht eine Restsumme, eben die viertausend Frank, nach Paris geschickt und wollte natürlich auch eine Bestätigung haben.“ „Nun ja." „Inzwischen wurde Moulin von Ihnen als höchst verdächtig bezeichnet und aufgestöbert. Er mußte fliehen und hatte die Absicht, im Auslande zu verschwinden; hatte dazu aber vielleicht noch nicht genügend Geld.“ Somn: „Hören Sie weiter. Er kommt nach Marseille, wo er in der Kaschemme„Zum bissigen Köter“ noch einen gewissen Rückhalt zu finden sucht. Gleichzeitig fällt ihm ein, daß er ja auch jene Quittung hierher gesendet hat. Vielleicht überlegte er folgendes: eigentlich war es doch eine Dummheit, den Betrag zu bestätigen. Wenn man den Empfang abstritt, war die Summe möglicherweise noch einmal herauszuholen. Oder man konnte sogar eine Erpressung riskieren. Voraussetzung war natürlich, daß die Quittung noch nicht abgeholt wurde. Das war eben auszuprobieren.“ Lebrun klopfte sich mit der Hand auf den Schenkel.„Donnerwetter ja,“ sagte er ganz betroffen.„Ihre Kombinationen leuchten mir ein. Sie scheinen tatsächlich etwas für sich zu haben. Man hat ja für so etwas ein gewisses Gefühl.“ „Hören Sie weiter, ich bin noch nicht fertig!“ lächelte Seidler freundlich.„Moulin kann inzwischen auch einen zweiten Erpresserbrief nachgeschickt haben. Man müßte da einmal forschen.“ „Sehr richtig. Ich werde die Sache im Auge behalten. Was gibt es, Schwester?“ Die Krankenschwester war eingetreten und reichte Seidler eine Visitenkarte.„Die Herrschaften wünschen den Herrn zu sprechen.“ * Seidler nahm hastig die Karte in seine Hand. „Konsul Rückert und Frau.“—„Ich lasse bitten! Bleiben Sie ruhig, Lebrun, vielleicht gibt es was Neues von Kießling.“ Schon trat der Konsul und seine Gattin ein. Frau Asta hielt einen riesigen Rosenstrauß in der Hand Bewegt schritt sie auf das Lager des Kranken zu, nachdem sich Lebrun den Herrschaften höflich vorgestellt hatte. „Aber mein lieber Herr Seidler, was machen Sie nur für Geschichten! Ganz Frankreich spricht ja von Ihnen! Wie geht es denn?“ Auch der Konsul überschüttete ihn mit einem Schwall von Worten. Es war unmöglich, auf alle Fragen zugleich eine Antwort zu geben. „Und denken Sie,“ sagte Frau Asta,„oir haben unsere tausend Frank schon zurückerhalten!“ Jetzt fuhr selbst Seidler aus seinem Kissen empor.„Was sagen Sie, bitte, die tausend Fran ken? Hat man Kießling doch noch erwischt?“ „Erwischt? Nein. Er hat sie uns selber zurück geschickt. Hier ist sein Brief Lesen Sie, bitte!“ „Ich werde es vorlesen,“ erbot sich Lebrun,„er tann jetzt schlecht ewas halten. Die Herrschaften gestatten doch? Schließlich bin ich ja auch in der Angelegenheit unterrichtet!“ „Aber ich bitte Sie, Herr Kommissar, selbstverständlich!“ beeilte sich Rückert zu sagen und blickte dem berühmten Mann voller Bewunderung ins Gesicht. Lebrun las den Brief vor. Er lautete: „Hochverehrter Herr Konsul— hochverehrte gnädige Frau! Was werden Sie von mir denken! Es tut mir unendlich leid, daß ich Ihnen solche Ungelegenheiten verurfachen mußte. Jedenfalls bitte ich Sie hiermit lausendfach um Entschuldigung. Die tausend Frank, die ich nur leihweise mitnahm, folgen hiermit anbei zurück Gestatten Sie mir, bitte, zu meiner Entschuldigung und zur Erklärung meines Ihnen gewiß bisher unverständlichen Handelns Folgendes anzuführen: Wie Ihnen gewiß durch Herrn Krause bekannt ist, bin ich Verwalter auf einer afrikanischen Farm. Ich bin nur einmal wieder nach Europa gekommen, um einen alten Freund, den Sohn des Farmbesitzers sowie eventuell auch meine alte, schon seit Jahren leidende Mutter in Zürich zu besuchen. Infolge verschie dener Umstände mußte ich allerdings meine Pläne ändern. Zuden hatte mich hier der Spielteufel gepackt, und ich verlor alles, was ich an Reisegeld bei mir hatte. Aber Sie wissen ja, daß gerade dieses der Grund war, weshalb mith Hrr Krause liebenswürdigerweise an Sie empfahl. Trotzdem versuchte ich auch, mir auf andere Weise wieder das Reisegeld zu verschaffen, um möglichst bald fahren zu können. Ich telegra phierte nach Afrika, woher ich seltsamerweise noch *ine Nachricht erhalten hatte. Die Antwort erschreckte mich auf das Höchste Sie lautete: „Besier entschlafen. Können leider nicht disponieren. Rascheste Rückkehr dringend erforderlich. Nähere Nachrichten sind bereits nach Zürich gegangen.“ Was sollte ich nun beginnen? Reisegeld war von dort also nicht zu erwarten. Man hatte mir nach Zürich gedrahtet, weil ich dorthin fahren wollte. Nun blieb mir auch nichts anderes übrig. Und alles drängte, und ich wußte mir keinen Rat. zumal ich glaubte, daß Sie mir eine Bitte um Geld einfach abschlagen würden, was Ihnen auch niemand verdenken könnte, da Sie mich noch an wenig kennen. (Fortsetzung folgk.) Herausgegeben im Auftrag der Vereinigung für Heimatkunde von Rektor B. Kleff Reich illustriert, 3 Bände.— Preis für alle 3 Bände zul. R M. 4(Einzelband RM. 1.50 Erhältlich in jeder Buchhandlung „nd in der Geschäftsst. uns. Ztg für seellsche Ehe- und Lebensnot aller Stände. Streng vertraulich und kostenlos. Sprechstunden jeden Mittwoch 17—19 Uhr In unserer Geschäftsstelle Sedanstraße 6 Vaterländischer Frauenverein vom Roten Kreuz, Bochum- Altstadt. Polstermöbel umarbeiten und aufarbeiten zu lassen bei Wilh. Janssen seit 30 Jahren Bochum, Herner Straße 7 Große Auswahl In Stotfen. EI Spiel, Lurnen Kath. Schule an der Fahrendellerstraße Sladtmeister der Bochumer Volksschulen im Fußball 1937 Kassenbergerstraße(Dahlhausen) 2:0(0:0). Kath. Schule Fahrendellerstraße— Schule Schade, daß das Wetter am gestrigen Tage so schlecht war. Es regnete vormittags und auch während des Endspieles um die Stadtmeisterschaft im Schulfußball, zu dem die Kath. Schule an der Fahrendeller Straße und die Schule an der Kassenberger Straße antraten. Man konnte das Treffen auch Klein=Westfalia gegen Klein=SC Dahlhausen bezeichnen, in deren„Vereinsbereich“ die Schulen liegen, zumal die Mannschaften im grünen bzw. roten Dreß, den Farben der beiden Klubs, spielten. Der Boden war glatt und schwer, ebenso der Ball, trotzdem lieferten die Parteien ein gutes Spiel, dem etwa 1000 Zuschauer— davon der größte Teil natürlich Angehörige der betreffenden Schulen— beiwohnten. Jedoch überwog der Anhang derer aus Hamme. Die Dahlhauser waren,— wie die Großen— im Autobus gekommen. Die Bedeutung des Spieles wurde dadurch unterstrichen, daß Bochums Schiedsrichter=Obmann Peter Schmidt selbst die Leitung übernommen hatte. Als sich die Mannschaften formiert hatten, konnte man feststellen, daß die Grünen aus der Fahrendeller=Schule körperlich etwas im Vorteil waren. Ihr Torwart, die Verteidiger und die Außenstürmer fanden auf der Gegenseite höchstens in den beiden Verteidigern und dem Mittelläufer körperlich gleichwertige Partner. Auf beiden Seiten waren die Innenstürmer und Außenläufer kleine, aber bewegliche Kerle, die das Spiel stets in Fluß hielten. Die Innenstürmer kombinierten ausgezeichnet. Dabei ließen beide Mittelstürmer große fußballerische Anlagen erkennen, ebenso der Halblinke und rechte Läufer der Grünen sowie der Mittelläufer Dahlhausens. Die Verteidiger der Kassenberger Straße wurden im zweiten Spielabschnitt etwas schwächer, während die des Gegners besser durchstanden. Auch der Torwart der Grünen verstand sein Fach. Er hielt einen Prachtschuß des gegnerischen Mittelläufers in der zweiten Hälfte ganz großartig. Die Mannschaften waren mit Feuereifer bei der Sache, sie zeigten gute Ballbehandlung, Sinn für Kombination und eine entsprechende Spielauffassung. Die Roten spielten in der ersten Halfte gegen Wind und hatten nicht viel weniger vom Spiel. Der Innensturm erschien in planvollen Angriffen, die der Mittelläufer inszenierte und den Mittelstürmer als gefährlichen Reißer sahen, im gegnerischen Strafraum. Hier stand einmal der Abwehr das Glück zur Seite, als ein gegen das leere Tor rollender Ball vom Pfosten sich ins Aus drehte. Die Grünen erzielten drei Eckbälle, konnte sich aber trotz einiger Torschüsse gegen die Deckung der Kassenberger Straße nicht durchsetzen. Nach der Pause sah man die von der Fahrendeller Straße, obschon sie nun gegen Wind spielen mußten, sofort im Angriff, und nach 8 Minuten war auch ein Tor fällig, da der Halblinke und Mittelstürmer gemeinsam einen vom Torwart abgewehrten Ball vom Pfosten aus über die Linie des Tores der Dahlhauser brachten. Die Ausgleichsbemühungen des guten Innensturmes der Roten, die zwei Eckbälle erzwangen, scheiterten an der nun sehr sicheren Deckung des Gegners. Immerhin war es zeitweise sehr kritisch vor dem Tor der Grünen. Diese selbst trugen im weiteren Verlauf schöne Flügelangriffe der schnellen und starken Außenstürmer vor, und ein solcher führte drei Minuten vor dem Ende zum zweiten Tor. Der Rechtsaußen flankte nach guter Vorarbeit des rechten Läufers quer über das Feld, der Linksaußen gab den Ball zur Mitte, und wieder waren der Halblinke und Mittelstürmer zur Stelle, und durch einen hohen Schuß wurde Dahlhausens Tormann geschlagen. Nun ging Dah hausens Mittelläufer, der beste Mann, in den Sturm, aber es war zu spät, um eine Aenderung des Ergebnisses zu erzielen. Der Sieger wurde am Schluß von seinen Kameraden stark gefeiert. Nachdem Kampf richtete der Obmann der Arbeitsgemeinschaft für körperliche Ertüchtigung im Nationalsozialistischen Lehrerbund, die die Durchführung der Spiele übernommen hatte, Oberschullehrer Klostermann, eine Ansprache an die beiden Mannschaften. Er wies auf die Bedeutung des Spieles hin, dem leider die Ungunst der Witterung Abbruch getan habe, dankte den Teilnehmern und ihren Lehrern, ferner Schiedsrichter Schmidt für die Leitung. Sodann beglückwünschte er die siegreiche Mannschaft und überreichte sodann beiden Spelführern je einen Fußball als Preis und Anerkennung, Mit einem dreifachen Sieg=Heil auf den Führer schloß er seine Ausführungen. Auch wir sprechen der Fahrendenerschule zu dem errungenen Titel unsere Glückwünsche aus. Am kommenden Sonntag Zweite Zwischenrunke um den Tschammer=Porul. Rasensport Herne— Westfalta Bochum SpVg Welper— SC Dahlhausen LFC Laer— Ver. Preußen 07 Bochum SC Gelienkirchen 07— Phönix Bochum VfB Bottrop— Westfalia Buer BC Bövinghausen— Castrop 11 TuBV Mengede— Merkur Dortmund Phönix Lindenhorst— Derne Witten 92— DSC Hagen Hagen 72— Stockum TuS Voßwinkel— TuS Meschede, Werdohl— Reichsbahn Brügre, Menden 09— Fröndenberg, SuS Hüls— Gelsenguß Gelsenkirchen, HervestDorsten— Datteln, Beckum— Wiedenbrück, Dülmen— Hiltrup, SVg Emsdetten— BV Rhene, Union Herford— Grün=Weiß Bielefeld. SpVg Hamm 03=04— VfB Bielefeld, SpSp Ahlen— Westfalia Ahlen, Borussia Lippstadi— Neuhaus, Eiserfeld— Weidenau. Die Magdeburger starteten in Straßburg. Nach dem Schwimmkampf in Paris gingen die Magdeburger Schwimmer noch in Straßburg an den Start. Sie gewannen alle Staffel= und Einzeirennen sicher gegen die Vertreter von SN und EN Straßburg. Im Wasserballspiel blieben aber die Elsässer 8:4(4:1) siegreich. Kölblin Europameister im Schwergewicht Punkksieger nach 15 Kunden über Pierre Charles Die Europameisterschaft im Schwergewicht zwischen dem Belgier Pierre Charles und dem deutschen Meister Arno Kölblin hatte am Mittwoch abend in der Reichshauptstadt seine Anziehungskraft nicht verfehlt. Schon gleich im Einleitungskampf wartete der jetzt in Berlin lebende Kurt Haymann mit einer famosen technischen Leistung auf und konnte über den Solingger Erwin Klein einen schönen Punktsieg davontragen. einer offiziellen Ausscheidung für die Halbschwergewichtsweltmeisterschaft der IBU standen sich die beiden Landesmeister von Deutschland und Velgien, Adolf Witt und Charles Sys=Belgien gegenüber. Was Heuser vor wenigen Wochen nicht gelang, brachte auch Witt gegen den Belgier nicht fertig; auch er wurde über 12 Runden klar nach Punkten geschlagen. Der Deutsche zeigte wieder einmal mehr sein großes Kämpferberz, war aber Sys borerisch unterlegen. Der Kieler versuchte zum Schluß mit seinen wilden Schwingern durchzukommen, aber Sys war einfach nicht zu treffen. Mit diesem Sieg erkämpfte sich Sys die Berechtigung, mit Gustave Roth um die Weltmeisterschaft zu boxen. letzten Kampf standen sich dann der deutsche Meister Arno Kölblin und der neunmalige Europameister der 84jährige Walone Pierre Charles im Kampf um die Europameisterschaft im Schwergewicht gegenüber. Dem deutschen Meister gelang es in einem Kampf über 15 Runden den verdienten Punktsieg zu erringen und damit wieder eine Europameisterschaft der Berufsboxer nach Deutschland zu bringen. Als Ringrichter fungiertRitzi=Schweiz, Punktrichter waren PippowDeutschland und Stappen=Holland. Kölblin greift in den ersten Runden gleif energisch an und hat bis zur dritten Runde klare Vorteile. Charles versucht mit seiner überlegenen Erfahrung den Deutschen zu verwirren und ihn von seiner Taktik abzubringen. Der Deutsche trifft aber immer genauer und härter und führt bis zur Hälfte der Strecke klar. Charles holt dann langsam auf und es glückt ihm auch, zwei Runden an sich zu bringen. Körblin drückt dann wieder stark auf das Tempo und beweist seine große Ausdauer. Von 15 Runden gab er nur zwei ab, das allein zeigt seine große Mittelgewicht: Isenburg=Düsseldorf Punktsieger aus verdent. Niederrhein klar überlegen Niederrhein schlägt den Gau Südwest im Vergleichskampf 12:4. In Essen kamen am Mittwoch abend die Gaue Südwest und Niederrhein im Fachamt Boxen zum Vergleichskampf zusammen. Der Essener Saalbau hatte einen guten Zuspruch der Vorsportfreunde aufzuweisen. Gaufachamtsleiter Moosen aus Düsseldorf begrüßte seine Gäste, für die Georg Dietrich, der Fachamtsleiter Südwest. dankte. An den Punkttabellen saßen als Neutrale die Fachamtsleiter aus Westfalen und vom Mittelrhein, Bernhard Adler aus Wattenscheid und Josef Bruckmann aus Köln. Die Ergebnisse: Fliegengewicht: Palussek=Essen Punktsieger über Bamberger=Ludwigsbafen. Bantamgewicht: Rappsilber=Frankfurt Punktsieger über Madrak=Essen. Federgewicht: Scholten=Ruhrort— SchönebergerFrankfurt unentschieden. Leichtgewicht: Beich=Mülbeim=Ruhr— Punktsieger über Claus=Frankfurt. Weltergewicht: Knoth=Düsseldorf— Ims=Frankfurt unentschieden. Mittelgeiwcht: Isenburg=Düsseldorf Punktsieger über Frey=Saarbrücken. Halbschwergewicht: For=Essen Punktsieger über Köhler=Darmstadt. Schwergewicht: Runge=Wuppertal— Punktsieger über Leis=Kaiserslautern. WRISCHAFS NACHRICHTAN gab aber sogleich wieder auf 120,30 nach. Die Umschuldungsanleihe ermäßigte sich um 5 Pfg. auf 91,30, Wiederaufbauzuschläge waren erbolt. Bei der amtlichen Berliner Devisennotierung wurden Pfund und Dollar mit unverändert 12.17 bzw. 2,49 festgesetzt. Von den übrigen Valuten ermäßigte sich nur der französische Franc auf 11,42½ (11,43½). RUNDFUNK h.-V. der Westfalenbank A.-G. Bochum + In der Harmonie zu Bochum fand gestern die ordentliche Hauptversammlung der Westfalenbank, A.=G., Bochum, in Anwesenheit von 14 Aktionären, die ein Aktienkapital von 5 470000 Mark vertraten, unter Vorsitz des Geh. Regierungsrates Dr. Carl Brügman=Dortmund statt. Der vorgelegte Geschäftsbericht, die Bilanz, Gewinn= und Verlustrechnung für das Geschäftsjahr 1936 wurden genehmigt und dem Vorstand und Aufsichtsrat Entlastung erteilt. Nach den Vorschlägen des Vorstandes wurde beschlossen, von dem 645 318,89 Mark betragenden Reingewinn 378 973 Mark zur Rückzahlung des der Reichsschatzanweisungen zu verwenden, 4' cozent Dividende auf 6000000 Mark K n= 240 000 Mark zu zahlen und den Rest vo 66 345 Mark auf neue Rechnung vorzutragen. Be ien Wahlen zum Aufsichtsrat wurden die turnu ißig ausscheidenden Mitglieder Dr. Carl Br-aman-Dortmund, Generaldirektor August Rosterg=Kassel wieder und neu in den Ausichtsrat zur Ergänzung gewählt, Consul Hans BrockhausHannover, Dr. Ing. Willi van Delden=Ahaus und Dr. Günther Quandt=Hagen. Der Vorsitzende sprach dem Vorstand, den engeren Mitarbeitern desselben, und der Gefolgschaft der Bank für ihr ersprießliches Arbeiten Dank aus. Als besonders günstige Ergebnisse der Entwicklung des Unternehmens im abgelaufenen Geschäftsjahr 1936 bezeichnete er die restlose Abdeckung der überlassenen Reichsschatzanweisungen und die Tatsache, daß zum ersten Mal wieder eine Dividendenzahlung erfolgen könne. Die Börsen Düsseldorf: Freundlich. Düsseldorf, 17. März. Angeregt durch den günstigen DD=Bank=Abschluß sowie weiterer befriedigender Meldungen aus der Wirtschaft eröffnete die Börse in freundlicher Haltung. Die Umsatztätigkeit hält sich aber weiter in engem Rahmen. Auf dem Montanmarkt konnten Klöckner einen Gewinn von % Prozent buchen. Auch Ver. Stahl und Erdöl besserten sich je um 3 Prozent und Hoesch um ½ Prozent. Farbenaktien 3 Prozent erhöht. Einen Verlust von 15 Prozent erlitten Muag. Elektroaktien vernachlässigt. Auf dem Kalimarkt waren Wintershall im Verlaufe ¼ Prozent rückläufig. Bevorzugt blieben wieder Westd. Kaufhof, die ihre Aufwärtsbewegung mit plus 2¼ Prozent fortsetzten. Zum ersten Kurs gingen rund 50 Mille um. Anleihen still und wenig verändert. Der Kuxenmarkt verkehrte in sehr ruhiger Haltung. Die Kurse neigten auch heute weiterhin eher zur Schwäche. Von Kohlenwerten war lediglich ein Diergardtkux niedriger im Verkehr. Von den Kaliwerten gaben Beienrode leicht nach. Freiverkehrsmarkt ruhig. Von Kaliaktien stiegen Burbach ½ Prozent. Zu ungefähr letzten Kursen wurden am Kohlenaktienmarkt Bergbau Lothringen umgesetzt. Dolerit 2 Prozent und Dyckerhoff 1½ Prozent fester. Kassawerte überwiegend fester. Für Jülicher Zucker wurde der Kurs der letzten Notiz 7 Prozent höher festgesetzt. Balcke gewannen 1½ Prozent. Berlin: Aktien eher fester, Renten freundlich. Berlin, 17. März. Der Zustand der Lethargie, in dem sich die Börse zurzeit befindet, scheint selbst durch die vorzüglichsten Anregungen aus der Wirtschaft nicht behoben werden zu können. Die von tiefem Ernst getragenen, aber zuversichtlichen Ausführungen des Reichsbankpräsidenten Dr. Schacht in der Reichsbankgeneralversammlung, der glänzende Abschluß der DD=Bank, die Tatsache, daß die Anleihequote bei einigen Banken bereits heute voll gezeichnet ist, und anderes. mehr, vermochten es nicht, eine Belebung des seit Wochen stillen Börsengeschäftes herbeizuführen. Ein etwas regerer Verkehr entwickelte sich in Spezialwerten. So konnten Schubert und Salzer auf Grund der im Geschäftsbericht für 1936 festgestellten beträchtlichen Umsatzzunahme um 1½ Prozent, Westdeutsche Kaufhof 5 Prozent gewinnen. Am Montanmarkt setzten Buderus auf Dividendenhoffnungen den vortags beobachteten Anstieg um fast 3 Prozent fort, Braunkohlenwerte dagegen vernachlässigt. Von Kaliwerten vermochten Westeregeln den vorangegangenen Rückschlag mit plus 2¾ Prozent aufzuholen. Am chemischen Markt setzten Farben ¼ Prozent höher mit 169¼ ein, Goldschmidt gewannen 1 Prozent. Zum Teil waren auch die gestern schwächeren Glektrowerte, so Lahmener mit plus ¼ und AEG in denen größere Beträge umgingen um* Prozent befestigt. Bemberg minus 1. Muag minus 1¼, Rheinmetall Borsig minus 1½, Gelsenkirchener Wasser plus 1¼. Eisenbahnverkehr plus 8 Prozent. Am Mentenmarkt zoa die Reichsaltbesitzanleihe um ½ Prozent auf 1203 an, Donnerstag, 18. März 6.00: Morgenlied— Wetterbericht für den Bauer. 8.65: Leibesübungen. 6.30: Fruhkonzert. Es spielt das Sachsen=Orchester; Leitung: Otto Fricke. 7.00: Nachrichten; anschließend: Morgenlied— Morgenruf. 8.00: Zeit, Wetter, Wasserstandsmeldungen— Kalenderblatt. 8.10: Hilde Bremus: Frauenturnen. Morgenmusik(Schallplatten). 9.45: Reit. Nachrichten. Wasserstandsmeldungen. 10.00: Volksliedsingen. Wiederholung. Liederblatt 25. 10.30: Sendepause. 11.50: Bauer merk' auf. 12.00: Die Werkpause des Reichssenders Köln (in Verbindung mit der DAFl. Was sich die arbeitenden Volksgenossen des Sendegebietes wünschen. Uebertragung aus den Farberzeugwerken Lueg, Bochum. Es spielt die Kapelle der Schutzpolizei, Leitung: Polizeiinspektor Rungenhagen. 13.00: Mittagsmeldungen— Glückwünsche. 13.15: Musik für alle. Bunter musikalischer Bilderbogen. Ausführung: Das Große Orchester des Reichssenders Frankfurt unter Leitung von Kapellmeister Walter Caspat. 1. Deutsche Märsche H. Kaun). 2. Maskerade(R. Gebhardt). 8. Bäuerliche Festmusik(Jentschl. 4. Kleine norwegische Suite(Schfelderupf. 3. Admiralsball(H. Baths. 14.00: Mittagsmeldungen. 14.15: Kleine Musik. Es spielt das Kammerquintett. 1. In Saus und Braus, Galopp(Millöckers. 2. Der Liebesbote(O. Köppings. 8. Tanz unter der Dorflinde(Heinecke). 1. Frühlingsfest im Schwalbennest(F. W. Rust). 5. Mondnacht auf der Alster, Marsch(O. Fetras). 6. Pizzi Puzzi(Kromel. 7. Stelldichein mit Colombine(J. Henkens). 8. Wochenendzauber(Kick=Schmidt). 9. Villann, Czardas (Lindsay=Theimer). 10. Necktenfelchen(P. Lincke). 15.00: Sendepause. 15.45: Wirtschaftsmeldungen. 16.00: Musik am Nachmittag. Es spielt das Unterhaltungsorchester des Deutschlandienders, Leitung: Otto Dobrindt. 17.00: Der wundersame Quell. Eine Erzahlung von Walter Gottfried Klucke. 17.15: Kleine Musik. Wilfried Krüger spielt! Schallplatten.) 1. Geburtstagsständchen(J. Alers. 2. Ach schenk' mein Herz, Lied aus der Operette„Die Dubarrn“(C Millöcker- Th Mackeben. 3. Volksliedchen(K. Komzak). 4. Jsola bella(P. Lincke). 5. Das Blumenmadchen(J. Padilla). Kobert Ilse- Dauerfahrer Der Bochumer Berufsfahrer Nobert Ilse wird sich in der kommenden Sommerrennzeit als Dauerfahrer hinter Motoren versuchen Sein Debüt wird er am 11. April auf der Bochumer Radrennbahn geben. alter Lohmann(Bochum) wird am 20. 3. in Antwerpen erstmalig seinem neuen Schrittmacher Arnulf Meinhold starten. Außenseiter gewann Lincolnshire Werbeabend Kaum hat Englands neue Flachrennzeit in Lincoln begonnen und schon wurde mit dem traditionellen Meilenhandicap dem Lincolnshire, ein Rennen entschieden, das auch auf dem Festlande großem Interesse begegnet. Wie üblich, wurde auch in diesem Jahre der Favorit geschlagen. Und mit ihm erneut Englands großer Meisterreiter Gorden Richards, der dieses Rennen noch nie in seiner erfolgreichen Laufbahn gewann. Richards steuerte den 10:07=Favoriten Laureat 2, der auch in der Geraden schon wie der sichere Sieger aussah, dann aber nach heftigem Kampf von Marmaduke Jinks(D. Smith um einen Kopf geschlagen wurde. Die übrigen 29 Bewerber hielt der nur 44¼ kg tragende Coldron (Dyson), der mit seinem Kurs von 66:1 als einer der längsten Außenseiter startete. 1. Marmaduke Jinks(D. Smith), 2. Laureat 2(Gordon Richards), 3. Goldron(Dyson).— Kopf— 2.— 32 liefen.— Wetten 33:1, 100:7, 66:1. Rennen zu Le Tremblay. 1. R.: 1. Chrismyr(Delaurie), 2. Champvallon, 3. Adulateur. Sieg 14:10; Platz 12, 17:10. 2. R.: 1. Huxley(Herve), 2. Diable en Bois, 3. Aiome. Sieg 13:10. 3. R.: 1. Jessie(Johnstone), 2. Silvabelle, 3. Soria. Sieg 29:10 Platz 17, 39:10. 4. R.: 1. Chuchoteur(Semblat), 2. Verjus, 3. Durazzo. Sieg 22:10; Platz 13, 36, 18:10. 5. R.: 1. Verbena(Carpentier), 2. Le Kirghize, 3. Ivanoete. Sieg 110:10; Platz 34, 26, 24:10, 6. R.: 1. Pistolet(Johnstone), 2. Sadik Shah. 3. Scotch Cake Sieg 52:10; Platz 30, 21:10. Billardsport Um ddie Billard=Stadtmeisterschaft. Im Kampf um die Bochumer Billardmeisterschaft im Mannschaftswettbewerb schlug am letzten Sonntag der BSp 1930 seinen ärgsten Widersacher, den BSp Amateure überraschend hoch mit 6:0 Punkten. Die besten Partien des Tages lieferten die Spieler Franz Völker und Fritz Plücker mit 11,52 und Walter Stückrath mit 10 Durchschnitt.— Am Sonntag, 21. März, werden die Kämpfe mit dem Spiel Amateure— Bochum=West fortgesetzt. Werbeabend der Frauen=Schwimmabseilung im TV 48. Dienstag abend fand im Rahmen der Uebungsstunde der Frauen=Schwimmabteilung m TV zu Bochum, gegr. 1848, ein Werbeabend in der Städt. Badeanstalt statt. Zu Beginn der Uebungsstunde wurde ein Film vorgeführt, der Ausschnitte aus den Schwimmwettkämpfen anläßlich der Olympischen Spiele enthielt. Alsdann folgte ein Film, der das große Können der Springer auf den Olympischen Spielen zeigte. Beide Filme wurden von den Zuschauern mit großem Beifall aufgenommen. Nachdem der Abteilungsleiter, Kamerad Stein, die Anwesenden und Kreisfachamtsleiter Koch herzlich begrüßt und auf die Bedeutung des Schwimmens namentlich für die Frau hingewiesen hatte, wickelte sich der Uebungsabend in der gewohnten frisch-fröhlichen Weise ab. Durch diesen Werbeabend haben auch bisher Außenstehende den Wert des Schwimmens für die Gesundheit erkannt, und es ist zu erwarten, daß dadurch dem Schwimmsport neue Freunde zugeführt werden. 17m: Ein Blätttein Kunterbunt. Diesmal dar= gebracht von Jungen und Mädel der Schnellmarkschule in Gevelsberg. 18.00: Blaskonzert. Es spielt ein Musikzug der Wehrmacht. 1. Huldigungs=Marich(E. Griegl. 2. Vorspiel zur Oper„Halka(Moniuszkos. 3. Ungarische Rhapsodie in bemoll(Wiggert)(Solist: Unteroffizier Braungardt, Trompete). 4. Ein Sommertag in Norwegen, Folge(Willmers): al Pastorale: b) Sturm; c) In der Kapelle; di Fröhliche Landlente: ei Abendglocken=Ausklang. 5. Ich liebe dich, Walzer waldtenfel). 6. Konzertstück über das Lied „Beim Holderstrauch“(Herrmann). 7. Deutscher Frühling)(F. Deisenrothl. 8. Militär Marich(Fr. Schubert). 19.00: Unterhaltungskonzert. Es spielt Kleine Orchester des Reichssenders Köln unter Leitung von Leo Eyfoldt. Kurt Schäffer(Violinel: Walter Wielsch(Klavieri. 1. Vorspiel zur Oper „Der Improvisator“(E. d'Albert). 2. Gavotte, Caprice(Bortkeewicz). 3. al Capricco(K. Schäffer); b) Calabrese(Bazzini)(Kurt Schäffer/ Walter Wielschl. 4. Melodien aus Werken von Franz Liszt(E. Urbach). 5. Liebes=Walzer(M. Regerl. 6. Melodien aus der Operette„Die lockende Flamme“ (E. Künneke). 7. Der Scherz(V. Ranzato). 19.45: Momentaufnahme. .00: Erste Abendmeldungen. M.10: Abendkonzert. Es spielt das Kleine Orchester des Reichssenders Koln unter Leitung von Peo Eysoldt. Walter Wielsch/ Erich Rummel(Klavier. 1. Im Herbst, Ouvertüre(E. Griegl. 2. Lied der Zwerge, aus„Schneewittchen"(E. Humperdinck). Suite für zwei Klaviere(Arensky)(Erich Nummel Walter Wielsch). 4. a) Tango(W. Niemann); b Langsamer Walzer(W. Niemann). 5. Humoreske S. Rachmaninoff). 20.45: Geschichte vom braven Kasperl' und dem schonen Annerl'. Funkballade nach Clemens Brentanos Erzählung von Eduard Reinacher. Musik von Leo Justinus Kaubfmann. Ursendung. Musika= lische Leitung: Der Komponist; Spieleitung: Günther Bungert; Chöre: Josef Breuer. Mitwirkende: Carla Spletter(Sopran); Albert Weikenmeier Tenor); Clemens Kaiser=Breme(Bariton); Eprecherinnen— Sprecher; das Große Orchester und der Kammerchor des Reichssenders Köln 2.00: Zeit. Wetter, Nachrichten 21.00: Unterhaltungskonzert. Es singen und spielen: Hermann Munk, Lieder zur Laute; Richard Nothelser(Tenor); Hans Hanus und Eduard Poeliner; die Stuttgarter Volksm#sik; das Mandolinen=Orchester„Odeon“, Leitung: Heinrich Becher. Skandalöse Polizeizustände in San Franzisco Ungehenerliche Korruption aufgedeckt Die Unterwelt zahlte Millionen für polizeiliche„Protektion“! Dr. Goebbels erhält den Ehrenbürgerbrief von Saarbrücken Fcierliche Ueberreichung durch eine Ratsabordnung. DNB. Berlin, 17. März.(Drahtber.) Eine Ratsabordnung der Stadt Saarbrücken, die unter Führung ihres Oberbürgermeisters, Kreisleiter Dürrfeld, erschienen war, überreichte am Mittwoch Reichsminister Dr. Goebbels den Ehrenbürgerbrief ihrer Stadt. Dr. Goebbels, der die Grüße der Saarbrücker Bevölkerung und ein wertvolles Kunstgeschenk entgegennahm. brachte in herzlichen Worten des Dankes zum Ausdruck, daß es ihm eine besondere Freude sei, diese hohe Ehrung anzunehmen, als er sich in gemeinsamer Erinnerung an den Abstimmungskampf mit dem ins Reich heimgekehrten Saarvolk besonders herzlich verbunden fühle. Oberpräsident Wagner zum Ablauf des Genfer Minderheitenschutzabkommens DNB. Breslau, 17. März.(Drahtb.) Beikeiner Tagung der Provinzialräte von Nieder= und Oberschlesien gab Oberpräsident und Gauleiter Wagner folgende Erklärung ab, die von den Provinzialräten mit großem Beifall aufgenommen wurde: Der bevorstehende Ablauf eines Teils des Genfer Abkommens vom 15. Mai 1922, insbesondere des Teiles 3, welcher den völkischen Minderheiten besondere Schutzrechte gewährt, veranlaßt mich, auf folgendes hinzuweisen; Die in Westoberschlesien lebende polnische Minderheit wird sich nach Ablauf des Genfer Abkommens der vollen politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Freiheit erfreuen können Im Gegensatz zu gewissen anderen Staaten, die bisher schon glaubten, in sehr bedenklicher Mißachtung internationaler Bestimmungen vor allem durch erbarmungslosen wirtschaftlichen Druck ihre Minderbeiten vernichten zu müssen, werde ich auch nach Ablauf des Abkommens nicht zu irgendwelchen Gewaltmaßnahmen gegen die polnische Minderheit greifen. Ich lege Wert auf die Feststellung daß mir jede Eindentschung eines in Deutschland lebenden fremden Volkstums fern liegt. Andererseits bin ich naturlich nicht gewillt, staatsfeindliche Umtriebe oder irredentistische Bestrebungen ihrer Minderbeit zu dulden. In Anbetracht der Bedeutungslosiakeit der Polenbewegung in Oberschlesien und ihres ständigen natürlichen Rückgangs habe ich bisber manches übersehen, was mich an sich zu einem Eingreifen hätte veranlassen müssen. In Zukunft werde ich meine Handlungsmeise danach rinrichten, wie man in anderen Staaten den Volksdeutschen begeanet“ Zahlen geben Ausschluß Zmei Millionen Volksgenossen schaffen an 350 000 Baustellen Deutschland.— Zur bevorstebenden Tagung des Baugewerbes DNB. Berlin, 17. Marz.(Drahtb.) Die ReichsLetriebsgemeinschaft„Bau“ in der Deutschen Arbeisfront veranstaltet am 19. und 20. März ihre Reichsarbeitstagung in Berlin. Die Haupttagung wird am Freitagvormittag im Saalbau Friedrichshain eröffnet. Die Teilnehmerzahl ist nach den Anmeldungen so groß, daß eine Parallelversammlung stattfinden muß. An dem gewaltigen Bauschaffen des Dritten Reiches nimmt das gesamte deutsche Volk teil. Während vor 5 Jahren noch Hunderttausende von bauschaffenden Menschen auf den Stempelstellen sich berumdrückten, sind diese Leute heute nicht nur in Arbeit und Brot gebracht worden, sondern darüber hinaus sind Hunderttausende von Volksgenossen, die früher nichts mit dem Baugewerbe zu tun hatten, durch dieses wieder in den großen Aufbauprozeß der Nation eingereiht worden. Nicht weniger als zwei Millionen schaffende Deutsche sind heute auf den fast 350 000 Baustellen Deutschlands tätig. Die Reichsbetriebsgemeinschaft„Bau“ in der DA,v. ist für die Sicherung des sozialen Friedens im deutschen Baugewerbe verantwortlich. Durch ihre Täigkeit ist es möglich, daß das umfangreiche Bauschaffen des deutschen Volkes ohne jede Schwi rigkeiten vorwärts gebracht wird. Dem Kampf gegen den Unfall galt das kesondere Augenmerk der Reichsbetriebsgemeinschaft„Bau“. Der Oeffentlichkeit ist diese Tätigkeit durch die große Unfallverhütungsaktion im vergangenen Jahre bekannt geworden. DNB. San Franzisko, 17. März.(Funkspr.) Der Präsident des Obersten Gerichtes. Steiger, hat soeben den Bericht des vor einem Jahre zur Untersuchung der Polizeiverhältnisse in San Franzisko eingesetzten Justizbeamten Atherton veröffentlicht, der skandalöse Zustände enthält. Atherton hatte die Untersuchung begonnen, nachdem Bundessteuereinnehmer Lewis bei einer Abendveranstaltung offentlich gewisse Mitglieder der Polizeiverwaltung der schwersten Korruption beschuldigt hatte. In dem Bericht wird die Polizei beschuldigt, binnen einem Jahre eine Million Dollar Bestechungsgelder von der Unterwelt angenommen zu haben, davon allein 324 000 Dollar aus Kreisen der Prostitution. Atherton führt in seinem Bericht aus, es gebe im ganzen Fiskus 135„alte etablierte Freudenhäuser“; wer ein neues Haus eröffnen wolle, müsse der Polizei zuerst 500 bis 750 Dollar zahlen und später 250 Dollar im Monat. Es gebe außerdem sahlreiche Spielhöllen, die an die Polizei Schmiergelder abführen, sowie 150 Buchmacher, die monatlich 15 000 Dollar für polizeiliche„Protektion“ bezahlen. Die Untersuchung hat bereits zum Rücktritt und zur Entlassung mehrerer Polizeibeamter geführt. Einige von ihnen mußten zugeben, ein Vermögen von 25000 Dollar und darüber besitzen, über dessen Zustandekommen sie allerdings keine Aufklärung geben könnten. Atherton führt in seinem Bericht die Unmöglichkeit, die bestehenden Gesetze gegen Prostitution, Spielhöllen und andere Laster streng durchzuführen, auf das ausgedehnte Korruptionssystem zurück. Westdeutsche Um= und Ausschau Flucht in der Unterhose Leiche im Karnevalskostüm Heitere Gerichtssitzung. Oberhausen. Das Oberhausener Arbeitsgericht hatte sich mit einer Klage zu befassen, die einer heiteren Note nicht entbehrte. Ein Kraftfahrer klagte gegen seinen früheren Brotherrn. der ihn fristlos entlassen hatte, auf Zahlung eines Restlohnes und Rückzahlung einer Kaution. Die fristlose Entlassung war erfolgt, weil der Kläger erst morgens um 3 Uhr betrunken nach Hause gekommen war, obwohl er bereits um 5 Uhr eine verantwortungsvolle Kraftwagenfahrt nach Nordhorn unternehmen sollte. Um sein spätes Heimkommen zu vertuschen, war der Kläger zusammen mit einem Arbeitskameraden über das Dach in die Schlafkammer gestiegen, wobei das Dach beschädigt wurde. Der Arbeitgeber hatte aber den Nachtwandler bemerkt und diesen obwohl er nur mit Unterhose und Strümpfen bekleidet war, aus dem Hause geiagt und bis zur Oberhausener Stadtgrenze ver olgt.— Das Gericht war der Ansicht, daß der Kläger durch sein Verhalten die fristlose Entlassung zweifellos verschuldet hatte. Schließlich kam es zu einem Vergleich, durch den sämtliche Forderungen abgegolten wurden. Tolschlag aus nichtigem Anlaß Duisburg. Ein versuchter Totschlag, der nahe an Mord grenzt, brachte den 28jährigen Hans Pauli aus Homberg vor das Duisburger Schwurgericht. Selten hatte man einen derartigen merkwürdigen Fall erlebt; denn als der Täter nach einem kurzen Wortwechsel ohne jede Ursache seinem Gegner eine Kugel aus nächster Nähe durch die Brust schoß hatte der Verletzte dies nicht einmal bemerkt. Er verfolgte den Täter, der durch das Ruhrorter Hafenviertel flüchtete, noch eine Strecke weit und brach dann bewußtlos zusammen. Im Krankenhaus stellte man fest, daß die Kugel oberhalb des Herzens den Körper glatt durchschlagen hatte. Heute sagte er als Zeuge vor dem Schwurgerickt aus, daß er mit dem Täter nur wenige Worte gewechselt habe, als dieser in dem Haus Einlaß begehrte, wo er mit Angehörigen seine Einberufung zum Militär feierte. Pauli hatte sich anscheinend in der Hausnummer geirrt und als man ihn zur Rede stellte, zog er die Pistole und schoß. Er konnte von Glück sagen, daß seine Tat nicht als Mordversuch bewertet wurde und so verurteilte ihn das Gericht wegen versuchten Totschlages zu zwei Jahren neun Monaten Gefängnis, eine verhältnismäßig geringe Strafe, die er den mildernden Umständen au grund seines bisherigen tadellosen Vorlebens verdankte. aus dem Rhein gelandet. Köln. In Köln=Niehl wurde am Montag aus dem Rhein eine weibliche Leiche gelandet, die mit einem Karnevalskostüm bekleidet war. Man vermutet, daß es sich um eine der Leichen handelt, die seit dem Rosenmontag gesucht werden. Bekanntlich ereignete sich an diesem Tage nachts in Höhe des Filzengrabens ein schwerer Verkehrsunfall, wobei ein mit acht Personen besetzter Kraftwagen das Gitter des Rheinufers durchbrach und in den Rhein stürzte. Während vier Insassen sich retten konnten, wurden die anderen, drei Mädchen und ein junger Mann, ein Opfer des Unfalls. Eine Leiche konnte damals geborgen werden, während die Leichen von zwei Mädchen und dem Mann bisher vermißt wurden. Abschluß der Kölner Frühjahrsmesse Ueber 30 000 Einkäufer an den drei Messetagen. Köln. Auch der dritte Tag der Kölner Frühjahrsmesse hat alle Erwartungen erfüllt. Insgesamt haben an den drei Messetagen 30 225 Einkäufer die Kölner Frühjahrsmesse besucht. Für den Erfolg der Veranstaltung spricht die Feststellung, daß bereits 80 v. H. der verfügbaren Ausstellungsfläche für die nächste Kölner Messe fest vergeben werden konnten. Der Verlauf hat auch gezeigt, daß die Bemühungen der Messeleitung, den Besuch gleichmäßiger auf die einzelnen Tage zu verteilen, nicht ohne Erfolg geblieben sind. Mädchenmord Lengerich. Die von der Lengericher Polizei vorgenommene Suchaktion nach der seit dem 13. Märs vermißten 14jährigen Schülerin Adele Kuhlenbeck führte am Dienstagmorgen zu der Feststellung, daß an dem Mädchen ein Mord verübt wurde. Die Feststellungen der Recklinghäuser Mordkommission in Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft ergaben, daß das Mädchen von seinen Eltern zum Einkauf in die Stadt geschickt worden war. Auf diesem Wege hat es einen Mann getroffen, der als der Täter anzusehen ist. Dieser hat das Kind dann zum Mühlenbach gelockt es dort umgebracht und versucht, die Leiche im Mühlenbach zu versenken. Die Leiche wurde in voller Kleidung im Morast des Baches aufgefunden. Die weiteren Ermittlungen sind noch im Gange. Der„Tote Von G. Wessels. Dr. Kopfstein, Geschichtsprofessor, verstand trotz all seiner Kenntnisse, nicht Disziplin zu halten. Wir Jungens, fünfundvierzig an der Zahl, die vor ihm in den Bänken saßen, blühendes Leben, spru delnder Leichtsinn, fürchteten ihn nicht. Und das war so gekommen: „Alles im Leben braucht sein Schwungrad.“ hatte er sich in der ersten Stunde feierlich vorgestellt „Die Geschichte ist mein Fach. Sie ist das Schwungrad der Erde. Die Vergangenheit bedingt die Zukunft. Unser Dasein, die Gegenwart, ist stets nur der tote Punkt im Getriebe des Weltgeschehens, der durch de, Schwungrad der Geschichte überwunden wird. En Zähuchn greift dabei ins andere. Auch ihr seid Zähnchen.“ Wir aber kicherten. Denn bei den Worten„toter Punkt“ hatte sein bagerer Zeigefinger bedeutungsvoll durch die Luft gestrichen und absichtslos gegen die Stirne gezeigt— die von einer mächtigen Warze verunziert war.„Der tote Punkt“, tuschelte einer.„Der tote Punkt“. lispelte ein anderer. Alle lachten:„Der tote Punkt“. Nur der, den alles anging, schien nichts zu merken. Und mit dieser ersten Milde hatte er bereits die Geltung über uns verloren. Wie er sich auch abmühte und uns mit Griechen, Persern und Aegyptern plagte, es wurde nicht besser. Und jeder Nachzügler, der noch in unseren Jahrgang eintrat, zeigte sich nach kurzer Zeit in der Geschichtsstunde genau so unruhig wie wir. Zischelte, schwatzte, drebte den Kopf und trieb Allotria, wenn der„tote Punkt“ uns nur einen Augenblick den Rücken kehrte, um eine wichtige Jahreszahl an die Tafel zu schreiben. Er mochte Rube gebieten, so oft er wollte und seine Stimme schallen lassen wie ein römischer Feldherr, der zu seinen Scharen redet, wir Lausbuben besserten uns nicht. Jede seiner Angewohnheiten erhielt besondere Bedentung. Jede Anekdote, die über ihn zirkulierte, wurde unter Gelächter besprochen und an andere Klassen zum besten gegeben. Eine ergötzliche Schnurre löste die andere ab. Man bedeutete ihm wohl in freundlicher Weise in den Konferenzen oft genug, daß man mit ihm und unseren Leistungen in seinem Fach nicht mehr ganz zufrieden sei. Der Direktor meinte es. Der Präfekt munkelte es. Die übrigen Professoren waren derselben Meinung. Und als es uns der Schuldiener nach und nach zutuschelte, hielten es auch wir für selbstverständlich, daß der„tote Punkt“ ein erledigter Faktor sei. Aber trotz seines hohen Alters wollte er von Pensionierung nichts wissen. Gab seinen schweren Posten einer jüngeren Kraft nicht ab. Jedes Jahr versuchte er den Stein, den ach so schweren Stein, mit frischer Kraft bergan zu rollen. Er war gegen uns zu gut, zu milde. Er hatte jeden Schüler tief in sein Herz eingeschlossen und liebte ihn wahrhaft. Konnte nicht streng sein. Während er unermüdlich die Arbeit des Sisnphus verrichtete, wurde sein Haar noch weißer, noch spärlicher, und deutlicher als früher trat die Warze aus Licht der Klasse. Deutlicher als früher quälte ihn unser jugendlicher Schabernack:„Der tote Punkt!“ Und noch eine Schwäche hatte der„.ote Punkt“ außer seiner Milde zu uns. Das war die ungeheure Liebe zu seinem einzigen Sohn, der irgendwo draußen im großen Krieg stand. Und die Art, wie er heimlich dieser Liebe Ausdruck gab, kam uns Lümmels noch lustiger vor, als die unschuldige Warze auf seiner Stirne. Regelmäßig zehn Minnten vor Ende seiner Stunde kramte er aus seiner Brieftasche einen vergilbten Zeitungsausschnitt hervor, um unsere„Aufmerksamkeit“ zu be lobnen. Es war eine kleine Geschichte von Men schenlieb und Menschentreu, die sein Sohn vor Kriegsausbruch in einem kleinen Blättchen veröffentlicht hatte. Und regelmäßig beim erlösenden Glockenzeichen war er über die drei ersten Spalten noch nicht hinausgekommen, mußte seufzend mitten im Satz abbrechen. Schweren Herzens verließ er dann die Klasse, mit dem Versprechen, uns vor Schluß der nächsten Geschichtsstunde das Ende vorzulesen. Nie kam er dazu. Wir büffelten bereits den Dreißigjährigen Krieg recht und schlecht, waren in der Türkenbelagerung Wiens so wenig heimisch wie im Abfall der böhmischen Länder, aber das Ende der kleinen Geschichte von Menchenlieb und Menschentren batten wir noch immer nicht erfahren. Er bebte vor Besorgnis, wir hätten den Anfang vergessen und begann stets von vorne. Und immer wieder zog ihm noch das Glockenzeichen einen Strich durch die Rechnung. Bis der Zeitungsausschnitt schlissig und rissig wurde, sich wie ein Zellentierchen zu teilen begann und den Schluß verlor: denn er klebte die Geschichte auf haltbare Leinwand— ohne an die Rückseite zu denken. Wenn er nun auf unser Bitten mit Vorlesen begann, zirkelte er mit langsamen Worten und blutrotem Kopf die Zeit genau bis zum Glockenzeichen ab. Ahnte nicht, daß wir längst wußten, was er uns ängstlich zu verbergen suchte. Und wir hatten unsere helle Freude an seiner sorgsamen Verlegenheit. Da gab es plötzlich einen Tag, an dem wir trotzdem das Ende erfuhren. Es war besonders toll zugegangen.„Der tote Punkt“ war uns willenlos verfallen gewesen. Daß die Ursache seiner Schwäche diesmal in der schwe ren Zerworfenheit seines Gemütes zu suchen war, wußten wir nicht. Waren daher aufs höchste erstaunt, als er nach dem Glockerzeichen mit Vorlesen nicht innebielt und aus dem Gedächtnis in der Erzählung fortfubr. Langsam, mit schwerer Stimme erzählte er. wie es ihm aus dem Herzen kam, Mit blendendem Kolorit. Er griff in ein Reichsbankdirektor Hasse gestorben DNB. Berlin, 17. März.(Drahtber.) Am 13. März 1937 verschied nach kurzer Krankheit das Mitgried des Reichsbankdirektoriums Reichsbankdirektor Ernst Dasse im 62. Lebensjahre. Reichsbankdirektor Hasse war aus dem Beamtenstab der Reichsbank hervorgegangen. Seine Laufbahn bei der Reichsbank begann im Jahre 1900 in Hannover und führte ihn dann an verschiedene Bankanstalten Süd= und Ostdeutschlands; 1912 kam er als Bankvorstand nach Berlin=Schöneberg. In den Jahren 1920 bis 1926 war er als Reerent beim Reichsbankdirektorium tätig und übernahm anschließend die Leitung der Reichsbankhauptstelle Hamburg. Bei Ausbruch der Bankenkrise 1931 wurde Reichsbankdirektor Hasse wieder zur Mitarbeit im Reichsbankdirektorium nach Berlin berusen und hat an den schwierigen und mühevollen Arbeiten zur Wiederherstellung der deutschen Kreditwirtschaft maßgeblichen Anteil genommen. Im Jahre 1933 erfolgte seine Ernennung zum Mitglied des Reichsbankdirektoriums. In dieser Eigenschaft betreute Herr Hasse hauptsächlich das Kreditdezernat. Er war Vorsitzender des Aufsichtsrats der Diskont=Co AG. und Mitglied des Aufsichtsrates der Bank für deutsche Industrieobligationen sowie der Deutschen Golddiskontbank. Ferner gehörte er dem Kreditausschuß der Deutschen Zentralgenossenschaftskasse an. Der Verstorbene war ein hervorragender Kenner des Kreditgeschäftes der Reichsbank wie überhaupt des praktischen Bank= und Kreditwesens in Deutschland. Für das Reichsbankdirektorium ist das Hinscheiden dieses kräftigen und gewissenhaften Mitarbeiters ein schwerer Verlust. Liquidation der Deffa DNB. Berlin, 17. März.(Drahtber.) Mit der Ueberwindung der Arbeitslosigkeit sind die Aufgaben der Deutschen Gesellschaft für öffentliche Arbeiten AG. erfüllt. Die Reichsregierung hat sich daher entschlossen, die Gesellschaft zur Liquidation zu bringen. Zu diesem Zwecke wurde am 17. März 1937 in einer außerordentlichen Generalversammlung die Auflösung der Gesellschaft und die Bestellung der Deutschen Bank und Bau= und Bodenbank zum Liquidator beschlossen. Bergarbeiterstreit in Polnisch-Ostoberschlesien Vorkehrungen der Regierung. DNB. Warschau, 17. März.(Drahtber.) Im Hinblick auf die Möglichkeit eines Streiks der ostoberschlesischen Bergarbeiter, die ebenso wie die Vertreter der Industrie den Schiedsspruch abgelehnt haben, hat die polnische Regierung Sondermatznahmen zur Sicherung der Kohlenversorgung der Städte und Industriebetriebe getroffen. Es wurde angeordnet, daß von Mitternacht des heutigen Tages an die Ausfuhr von Kohle aus Polen eingestellt wird und daß alle Kohlentransporte in die Städte geleitet werden. Eine weitere Anordnung fordert. daß die Kohlenvorräte der öffentlichen Betriebe in den Industrieorten und Städten sofort ergänzt werden. Endlich sind Maßnahmen getroffen, die eine Spekulation beim Kohlenverkauf unterbinden sollen. Unverändert Bericht des Reichswetterdienstes Essen=Mulheim vom 17. März. Das atlantische Tiefdrucksystem verlagert sich nur langsam nach Nordosten und wird an seiner Rückseite durch kräftigen Luftdruckanstieg bereits aufgefüllt. Westdeutschland bleibt daher vorern an seiner Vorderseite im Bereich feuchtmilder Luft massen. Die Niederschlagstätigkeit wird dabei lanasam zurückgehen. Vorhersage für Donnerstag: Bei frischen füdwestlichen Winden wechselnd, aler meist stärker bewölkt mit einzelnen Niederschlägen. Unveränderte Temperaturen. Vorhersage für Freitag: Bei langsamer Winddrehung nach West Bewölkungsrückgang, doch noch einzelne Regenschauer, etwas kühler als am Vortag. Wahrscheinliche Weiterentwicklung: Vorübergehend heiter bis wolkig und vorwiegend trocken. goldenes Saitenspiel, das wir in ihm bisher nicht geabnt hatten. Seine Augen glänzten dabei. Und da, da war es, als flöge ein kleiner Engel durch die Klasse. So still war es geworden. Mäuschen still. Das Ende der kleinen Geschichte von Menschenlieb und Menschentreu war schön. Wir waren gerührt. Und zum erstenmal in unserem Leben haben wir uns richtig geschämt. Er wollte noch etwas sagen, konnte aber nicht. Schluckte. Stammelte:„Ich habe niemanden außer Euch, dem ich es mitteilen könnte. Mein Sohn ist gefallen.“ Ein tiefes, wehes Zucken ging jäh durch die Stille. Auch wir schluckten. Wir saßen da in den Bänken, fünfundvierzig Jungen an der Zahl, vor unserem Professor. Und weinten mit ihm. Mit unserem Professor Dr. Kopfstein, der einen Sohn hatte, der ein Held war. Ein unklares Abnen von dem, was außer dieser Welt und ihrer Geschichte liegt und sich menschlicher Beobachtung entzieht, schauerte durch unsere Seele. Nächsten Tag, wir hatten alle unsere Sonntagskleidung angelegt— kam unser Professor nicht. Er hatte um Pensionierung angesucht. Sie war ihm noch zur selben Stunde bewilligt worden. * Gestern traf ich einen Schulkollegen aus jener Zeit. Zufällig traf ich ihn auf der Straße. Da war es, als hätte uns plötzlich unsere Jugend überfallen?—„Weißt Du noch?“—„Erinnerst Du Dich noch?“— Und wir kamen auch auf den „toten Punkt“ zu sprechen. Und ich erfuhr, daß er seinen Sohn nicht lange überlebt hat. Nur ein halbes Jahr. Das Schwungrad fehlte... da blieb das Getriebe in seiner Brust stehen. In einem kleinen Kaffeehaus war er eines Nachmit tags bei einer Schale Tee sanft in ein besseres Leben hinübergeschlummert. 1 Karl Hofmann Nessie Hofmann geb. Wallace Vermählte Bochum Viktoriastraße 5 18. März 1937 Glasgow/Uplawmoor „Sraehead“ Am Freitag, dem 19. März 1937, morgens 7 Uhr, findet In der St. Antonlus-Kirche zu Bochum das 1. Jahresseelenamt für den verstorbenen Klempnermeister G. H. Wienhold statt, wozu freundlichst elngeladen wird. Bohnerwachs, wie es sein soll, das viel leistet u. wenig kostet, das mühelos bohnert, herrlichen Glanz gibt u. mild im Geruch ist, das heute schon viele und morgen sicher noch mehr verwenden das ist: Seifix! Zwangsversteigerung 14 K. 13— 34. Grundbuch von Hamme, Band 12, Blatt 596, Gemarkung Hamme, Flur 15, Nr. 911/64 Acker, Goldhammer Str., groß 8.66 Ar Flur 15, Nr. 912/65, Acker, Sachsenstraße, groß 1,45 Ar; Flur 15, Nr. 917/65, Acker, Wattenscheider u. Thül ringer Straße, groß 19,31 Ar: Flur 15, Nr. 910/60, Acker, Goldhammer Straße, groß 23,99 Ar; Flur 15, Nr. 918/68, Acker, Sachsen= und Wattenscheider Str., gr. 11,84 Ar. 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Verlag: Bochum, Mühienstraße 12:: Fernruf 64746. Probenummern auf Wunch kostenlos Garlentand liefert in kürzester Frist die Druckerei unserer Zeitung der Lohbergbrücke, ca. 30 Rut. sofort billig zu verwieten. derm. Diekenbrock Bochum Augustastr. 2 1. nke daran, daß die Anzeige in Deiner Heimatzei. tung die geeignete Vermittlerin zwichen Angebot und Nachtrage ist. Eintragungen in das Handelsregister des Umisgerichts zu Bochum Am 1. Marz 1937: Die Firma Wilhelm Blennemann, Bochum, und als deren Inhaber der Kaufmann Wilhelm Blennemann, Bochum. HRA. 2677. Am 2. Marz 1997: Bet der Firma Benzol=Verband, Gesellschaft mit beschrankter Haftung, in Bochum: Dem Hugo Stratmann in Bochum, Heing Schramm in Essen, Oskar Warnholtz in Dortmund. Bernd Müller in Essen ist derart Prokura erteilt worden, daß sie in Gemeinschaft mit einem Geschäftsführer, stellvertretenden Geschaftsführer oder einem anderen Prokuristen zur Vortretung der Gesellschaft berechtigt sind. Die Prokura des Carl J. H. Brandt ist erloschen. HRB. 231. Am 4. Marz 1997: Bei der Firma Albert Wirt, Bochum: Tas Handelsgeschaft ist im Erbgang übergegangen auf die Witwe Hubert Wirtz, Magdalene geborene Daniel in Bochum, die es unter der bisherigen Firma weiterführt. Die Prokura der Ehefrau Hubert Wirtz ist erloschen Am 5. Marz 1937: Die Firma Konig& Temme Güterfernverkehr, Gesellschaft mit de schrankter Haftung, Bochum, und als deren Geschaftsführer der Kaufmann Hugo Temme, Bochum: Gegenstand Unternehmens: Die Ausführung von Ferntransporten. Stammkapital 0 000.— RM. Gesellschaft mit beschrankter Haftung. Der Gesellschaftsvertrag ist am 28. Januar 1937 festgestellt. Nicht eingetragen, aber veroffentlicht wird: Bekanntmachungen der Gesellschaft erfolgen im Deutschen Reichsanzeiger. HMB. Am 6. Marz 1937: a) Bei der Firma August Cramer in Bochum. Die Prokura des Emil Karl Peter ist erloschen. HRA. 40. b) Bei der Firma Morit Steffen, Bochum: Dem Kaufmann Moritz lefsen, Bochum, ist Prolura erleilt. Das Handelsgeschäft ist im Erbgang übergegangen auf die Witwe Moritz Stessen, Christine geborene KnühlFiege in Bochum, die es unter der bisherigen Firma weiterführt. Die Prokura der Ehefrau Moritz Steffen ist erloschen. HRA. 55. Am 8. Marg 1937: a) Die Firma Kurt Schmiedeknecht, Möbel=Werkstatten, Boasum, und als deren Inhaber der Innenarchitekt Kurt Schmiedeknecht in Bo= chum. HNA. 2679. b) Bei der Firma Bochumer Maschinen=Industrie, Gesellschaft mit beschrankter Haftung, in Bochum: Durch Gesellschafterbeschluß vom 27. Januar 1937 ist das Vermögen der Gesell schaft auf Grund des Gesetzes vom 5. Juli 1934 auf den alleinigen Gesellschafter Ingenteur Adolf Märker, Bochum, Übertragen. Die„Gesellschaft ist damit aufgelöst, die Firma erloschen. Nicht eingetragen, aber veroffenttlicht wird: Gläubigern der Gesellschaft, die sich binnen 6 Monaten nach der Bekanntmachung der Eintragung dieses Umwandlungsbeschlusses zu diesem Zwecke melden, ist Sicherheit zu leisten, soweit sie nicht Befriedigung verlangen können. HRB. 518. c) Die Firma Adolf Märker, Kraftfahrzeug=Vertrieb und Werkstatt, Bochum, und als deren Inhaber der Ingenieur Adolf Marker, Bochum. HRA. 2678. Am 9. Märg 1937: Bei der Firma Conrad Tack& Cle, Gesellschaft mit beschrankter Haftung, Bochum: Durch Gesellschafterbeschluß vom 29. Dezember 1936 ist auf Grund des Gesetzes vom 5. Juli 1934 das Vermögen der Gesellschaft auf die alleinige Gesellschafterin, Conrad Tack& Cie, Aktiengesellschaft, Berlin, Übertragen. Die Gesellschaft ist damit aufgelöst, die Firma erloschen. Nicht eingetragen, aber veröffentlicht wird: Gläubigern der Gesellschaft, die sich binnen 6 Monaten nach der Bekanntmachung der Eintragung dieses Umwandlungsbeschlusses zu diesem melden, ist Sicherheit zu leisten, sowett sie nicht Befrledigung verlangen können. HRB. 153. Am 11. März 1937: a) Bei der Firma Bochumer Wach36/2 Handgeschriebene Briefe! wirken heute im geschäftlichen Verkehr rückständig. .... und ebenso rückständig wirkt man bel der Kundschaft, wenn man für die Briefe Immer noch einen alten, unzweckmäßigen und unmodernen Firmenaufdruck wählt. Ueberaltete Drucksachen mit überholten Schrifttypen und mit umständlicher Textanordnung sprechen nicht vom fortschrittlichen Geist. Darum weg mit den überholten Brietbogen. Für den brieflichen Verkehr nur Drucksachen, die in der Ausführung und im Geschmack der Zelt entsprechen, die zeigen daß man zeitgemáß Ist. Mit Drucksachen, die von uns ausgeführt sind, werden Sie bel der Kundschaft immer einen guten Eindruck machen. Märkische Vereinsdruckerei Schürmann& Klagges Bochum, Mühlenstraße 12—14, Fernruf 64746. und Schließgesellschaft mit beschrankter Haftung, Bochum: Durch Gesellschafterbeschluß vom 26. Februar 1937 ist auf Grund des Gesetzes vom 5. Juli 1934 das Vermögen der Gesellschaft auf den alleinigen Gesellschafter Kaufmann Franz Raby, Bochum, übertragen. Die Gesellschaft ist damit aufgelost, die Firma erloschen. Nicht eingetragen, aber veröffentlicht wird: Gläubigern der Gesellschaft, die sich binnen 6 Monaten nach der Bekanntmachung der Eintragung dieses Umwandlungs beschlusses zu diesem Zwecke melden, ist Sicherheit zu leisten, soweit sie nicht Befriedigung verlangen können. HRB. 221. b) Die Firma Bochumer Wach= und Schließgesellschaft Franz Raby, Bochum, und als deren Inhaber der Kaufmann Franz Raby, Bochum. HMA. 2680. c) Die Firma„Blin“ Güterfernverkehr=Gesellschaft mit beschränkter Haftung, Bochum, und als deren Geschaftsführer der Transportunternehmer Albert Rieks, Bochum: Gegenstand des Unternehmens: Die Ausführung von Ferntransporten. Stammkapital: 20 000 RMM. Gesellschaft mit beschränkter Haftung. Der Gesellschaftsvertrag ist am 6. März 1937 festgestellt. Nicht eingetragen, aber veroffentlicht wird: Die Bekanntmachungen der Gesellschaft erfolgen im Deutschen Reichsanzeiger. CNB. 785. Am 12. Marz 1077: Bei der Firma Th. Rüsberg und Co., Eisen= und Metallwerk, in Bochum: Ter Ehelrau Charlotte Rüsberg geb. Seplarth, Bochum, ist Proso bequem u.billig LUHNS Seifenpuiver gute kräftige Lauge reinigt gründlich frischer sauberer Duft Oas neue LUHNS löst sich leicht in kaltem oder warmem Wasser und schäumt hervonragend. Frischer Fisch angekommen 500 g von 78 3 an bekannte Verkaufsstellen Berichligung. der gestrigen Aazelde vom Lichtspielhaus, Bochum mußte es heißen: Arzt aus Leidenschaft nicht, wie Irrtümlich veröffenilicht. Der Arxt aus Leidenschatt, kura erteilt. HRA. 1991. Blinden-Verein Dochum l. Vors.: Klavierstimmer Winkler, Bochum, Herner Str. 21, Ruf 635 18. Es wird gebeten, nachstehende Handwerker mu Aufträgen zu bedenken: Kard= und Stuhlflechter: A. Fucken Altendochum. Altendochumer Straße 79 Tel Nr. 654 27 Jos. Hawazinikt. Auf dem Dablacker 47, Konrad Obach, Altenbochum. Zeche Karoline 8a Stuhlflechter: Karl Gottschalk. Bochum Kronpringenstraße Paga Bochum Elsaßstr. 17, Frl Schulle. Bochum. Meterstr. 8. Lischewikt, Harpen. Grüner Weg 11, Frl. Deitz, Von=der=Recke=Straße 1000 Maschinenstrickerin Bürstenmacher: Hoffmann Weitmar Hattinger Str 1984. Handarbetterinnen: Frl. Keller Bochum. Hellneg 89. Bertanfsleile: Vertrieb von Blindenardeiten aller Art: Herner Str. 21 Tel 635 18 Die Zeitung bringt dir die Welt ins Haus! = SA kkSOEEE . . k=e sttt2 2 s=E 3. , 3 EE . == 25 s . e 0E 2 5e E-o. 5e kkE E lk .s S1 38 . „Ich bin ein Priester Gottes, durch dessen Mund Gott selbst zu euch spricht!" rief der Kaplan und reckte seinen Arm prophetisch gegen den Himmel. Die Bauern wußten nicht, was sie tun sollten; doch Jan Holthusen setzte die Hochzeit an und lud das ganze Dorf ein in den Krug zu Bier und Wein und einem großen Gelage. Es war ein kalter, sonniger Tag und Bernhard Oltkotten feierte die Passion des Herrn allein in seinem Kirchlein auf dem Heidbuckel, derweil Jan Holthusen mit seiner Braut zum Dorfältesten ging, wo die ganze Nachbarschaft versammelt war. „Wir wollen ein Paar sein!“ sagte er frech. Und der Dorfälteste erwiderte:„Ihr seid ein Paar'“ Alle aber glaubten, daß es wahr sei, — auch oime den Segen des Priesters. Hierauf zogen sie allesamt in den Krug, wo das Mahl bereitet war. Plotzlich war der Priester unter ihnen, groß und stark; das weiße Haar hing ihm in Strähnen bis auf die Schultern. Im Moment war es totenstill und Bernhard rief:„Bauern, ich befehle euch: geht nach Hause! Jan Holthusen feiert keine Hochzeit; denn nur was Gott zusammengibt, wird eine Gemeinschaft sein! Jan Holthusen ist der Sünde verfallen. Geht und kehrt in euch; denn Gott wird euch strafen, wenn ihr den Karfreitag entheiligt durch Vollern und Saufen, indem ihr der Buhlschaft anhängt.. Einige Heidleute erhoben sich und schlichen zur Tür. Da ergriff Jan Holthusen einen Krug und schleuderte ihn wütend nach dem Priester. „Scher dich zum Teufel, alter Narr!“ keuchte er und duckte sich zum Sprung. Groß stand Kaplan Oltkotten und hob den Arm.„Gnädig sei euch Gott; aber Gott läßt seiner nicht spotten!“ sagte er ruhig und ging. Ihm folgte das Geschrei der zechenden Heidleute. Langsgm stieg er den Buckel hirauf nach seinem Kirchlein und warf sich vor dem Altare Der Hagestolz Von Heinz Steguweit. Es ist doch so. Die Jungens spielen viel länger mit den Bleisoldaten als die Mädchen mit den Puppen. Leute, die sehr weise tun, sagen das anders: Frauen sind früher reif als Männer. Ein Mädchen kann mit siebzehn Jahren schon heiraten, ein Junge zieht dann erst die lange Hose an und findet Rasierseife unterm Weihnachtsbaum.— Kurt Herbrand war so einer. Er saß daheim, brütete eine Gleichung mit zwei Unbekannten aus und hobelte dann einige Bretter zurecht, um ein Paddelboot zu bauen. Plotzlich klingelte es. Die Mutter ging öffnen: Eine Dame stand da, blaß und verhärmt, begehrte Einlaß, bat um eine Unterredung. Mutter Herbrand wußte: Diese Dame ist Frau Rothe aus dem Nachbarhaus. Man kannte einander, aber man hatte sich, mie das oft ist in der Großstadt, nie gegrüß“ In der Wohnstube schüttete die Besucherin ihren Kummer aus, und dieser Kummer war absonderlich, war hart, man mußte schon selber Frau und Mutter sein, um ihn in seiner letzten Schwere zu begreifen. Frau Rothe sagte nämlich:„Meine Tochter Luise liegt im Sterben. Eine Blutkrankheit. Drei Aerzte hatten wir, alle haben sie aufgegeben. Ich flehe Sie an, Frau Herbrand, teilen Sie das Leid einer Mutter, erfüllen Sie meiner Tochter die letzte Bitte: Schicken Sie Ihren Sohn, wenn er meine Luise auch nicht kennt. Aber das Mädchen hat ihn immer gern gesehen, hat ihn immer beobachtet, hat oft und viel von ihm gesprochen Mutter Herbrand griff nach der Hand der Weinenden, holte Luft: „Warten Sie, meine Liebe, warten Sie,— ich werde mit Kurt sprechen!“ Und Mutter Herbrand sprach mit Kurt, der sich, da er das Paddelboot zimmerte, soeben einen Fingernagel blau geklopft hatte. Dem Jungen blieb die Stimme weg. Aber nur zwei Herzschläge lang. Dann sagte er:„So was Komisches!“— Diese Antwort umschloß die ganze Haltung des Siebzenjährigen, freilich auch seine Kraft, seine Reinheit So was Komisches! Das war sein Urteil über die Sehnsucht einer Sterbenden, die nicht älter war als er. vielleicht aber reifer und wacher, obzwar sie im Erlöschen lag. nd Kurt Herbrand ging mit Frau Rothe ins Haus nebenan. Ging ungelenk, stumm und ahnungslos, während er den blau geklopften Fingernagel betrachtete. Das Gesicht des Mädchens war gelb, Lippen und Wangen schienen ohne Blut. Dennoch: Luise Rothe hatte dafür gesorgt, daß man sie wusch und frisierte. Also lächelte sie schmerzhaft, war aber zu schwach, die Hand zu reichen oder gar den Mund zu öffnen. Nur Mutier Rothe, die alle Erschütterung tapfer verbarg, sprach ermunteind auf sie ein:„Nun freue dich, Luise, dein Freund und Nachbar isi ja oekommen!“ seurt Verbrand rung zwut nach einem Wort, doch fand er es nicht. dafür wnne 3 einmal auf Luisens Arm, ertotete aber dabei, als habe er cus Ungeziemendes getan. Eine Viertelstunde laß man so beieinander. Dann schlief die Kranke. die der geringen Anstrengung nicht gewachsen war, ein, und ihr Gesicht ichien friedlich, ein feines Lächeln schlüpfte drüber hin. was wochte das Mädchen nun träumen? Doheim erzählte Kurt seiner Mutter nur das Rötigite. Viel wichtiger war urn. zu wien, daß Luise Rothe wirklich nichts Ansteckendes habe. Dann minmer= 2 sich wieder dem Paddelboot, den Briefta und derwertbiechie, wihrend er den Krankheitsfall im Nebenhaus t. Denn. so duchte er, man braucht nur dinn zu kommen nieder, die Arme ausgebreitet, wie Christus am Kreuz, und still, mit brennenden Augen blichte er in das stille Antlitz des Heilandes am Kruzifir, dessen Passion er am Morgen gefeiert hatte. Licht sprang aus den Wunden und erfüllte die Kirche: der Heiland hob das mude Haupt und blickte ihn an: ekstatisch bewegungslos verharrte der Priester und erlebte Kalvaria. Ein Donnerschlag zerriß die Stille und ließ das Kirchlein erzittern: Bernhard Oltkotten blichte auf seinen Gott am Kreuz.— Am Morgen desselben Tages aber war der Graf von Brockhausen zu Pferd gestiegen, um nach Münster zu reiten und dort das Osterfest zu verbringen. Er war mitten in der Heide, als er von einem Unwetter überfallen wurde. Alle Schleusen des Himmels öffneten sich, Hagel und Regen prasselten nieder. Der Tag wurde zur Nacht und Blitze zerfetzten das Dunkel. Es war aber erst März. Die Pferde des Gefolges waren durchgegangen und in weiter Wildnis war der Graf allein. Er hielt sein Tier an und betete zu Gott um Gnade und Vergebung seiner Sünden. Dann gab er dem Pferd die Sporen, um die Nacht in Weddenbrink zu verbringen. Aber das Reittier bäumte sich hoch und jagte hinaus in die Heide. Als der Morgen graute, sah der Graf ein Kirchlein auf einem Heidbuckel. Er lenkte darauf zu und stieg ab. Auf der Siege zum Altar aber hockte Bernhard Oltkotten.„Hochwürdiger Herr!“ sagte der Graf. Der Priester blicht zu ihm hoch, seine Augen waren verschleiert.„Könnt Ihr mir den Weg nach Weddenbrink weisen?“ fragte der Edelmann. Bernhard Oltkotten hob müde den Arm und wies auf das Moor vor ihm, das bis ans Kirchlein reichte.„Da in der Tiefe liegt es, Herr. Der Allmächtige hat das sündige Weddenbrink vernichtet und es im Schlamm begraben. Wo ihr das Meer seht da lag gestern noch Weddenbrink, das am Karfreitag eine Hochzeit feiern wollte. Herr, groß und mächtig ist Gott und läßt seiner nicht spotten!“ — Verlassen in der Heide liegt das Moor, in den Mauerresten des verfallenen Kirchleins wohnen Eulen und Kaninchen. Manchmal steigt ein Irrlicht auf aus dem Moor.——— wenn man gerufen wird. Oder nicht? Ra, alsol— Die Gnade wollte es, daß Luise nach einigen Wochen genas. Zur Zeit der Maikräuter aber promenierte sie mit einem Studenten Arm in Arm durch den Volkspark, just dort, wo der Weg am einsamsten war. Beide sahen frisch und schneidig aus,— das Frühlingserwachen persönlich! jedoch: Kurt Herbrand begegnete dem Paar, blieb stehen, grüßte ungelenk, wurde indessen nicht wiedergegrüßt.— Da schüttelte er den Kopf:„So was Komisches Daheim wußte Mitter Herbrand nicht, warum ihr Sohn sehr ernst. sehr still, sehr gedrückt war. Also doch eichnis vom Schnürsenkel Von Heinz Steguwett Till stand auf dem Jahrmarkt zu Pullnitz und hielt Schnürsenkel feil. Schwarze und braune. Dicke und dünne. Das Geschäft blühte, zumal Till der einzige war, der auf dem Jahrmarkt zu Pullnitz mit diesem Artikel ehrlichen, deutschen Handel trieb. Und da das Geschäft seinen Mann rechtschaffen ernährte, wurde der Reid wach in denen, die dem ehrlichen Händler sein Brot. mißgönnten. So kam es, daß ein Fremder, den man vordem nie in Pollnitz gesehen, auch einen Stand mit Schnürsenkeln aufmachte, und zwar genau gegenüber der Bude des Händlers Till. Jedoch: Es genügte dem Zugewanderten nicht, daß er mit Till die Kundschaft teilte. Nein, der Fremdling wollte alles allein, alles für sich haben. Um dieses unlautere Ziel zu erreichen, hängte er ein Schild über seinen Stand, das folgenden Wortlaut hatte:„Die besten Schnürsenkel Deutschlands!" Till. der ehrliche, nahm Aergernis an dem dreisten Rebenbuhler. Solche Geschäftsmethoden waren in Pullnitz bisher unbekannt gewesen. Um den andern aber zu übertreffen, hängte er gleichfalls ein Schild über seine Bude:„Die besten Schnürsenkel Europas!“ Der Fremde, der gegenüber stand, lachte höhnisch, und am folgenden Morgen hatte er sein Plahat schon geändert:„Die besten Schnürsenkel der Welt!“ Till sah es und bekam Sodbrennen. Er hatte mmer bescheiden und ohne jedes fremdartige Geschrei auf dem Jahrmarkt zu Pullnitz sein Brot verdient, nun mußte ihm ein frecher Eindringling das Leben sauer machen, den Verdienst schmälern und die Seele verängstigen. Was sollte er tun? Der Fremde hatte seine Schnürsenkel die besten der Wekt genannt, diese Qualität war nicht mehr zu übertreffen. Und die Käufer strömten dem unlautern Eindringling zu, während der brave Kaufmann Till nichts mehr aalt, obmohl er seit Jahren auf dem Mark zu Pullnit Halt. Till lachte. Sprach ein dnkbates Stoßgjebet. Der Himmel mtte ihm einen sauberen Einfall geschenkt: Nicht Europa, nicht die Welt, nein, etwas anderes mußte Till an keine Ware schreiben:„Die beiten Schnürsenkel vom Jahrmarkt zu Pullnitz!“ Dabei blieb es. Schlicht und klug. Till hatte gewonnen. Hatte seine alten unden Geimat alle fremdartige Shreiere übertraf. Mur eite Anendote? Nein: ein Gleichnis Donnerstag, den 18. Märt 19:37 Liebe auf Grube Rosine (18. Fortsetzung) Als er zurückkam, trat ihm der Sanitäter entgegen. „Lassen Sie mal, Herr Beier, sie wird gleich wieder da sein. atmet schon ganz ruhig und gleichmäßig. Wie ist denn das nur gekommen?“ Beier zuckte mit den Schultern. „Das soll mal einer so schnell erzählen. Ich hatte mich eben noch mit ihr unterhalten, da...“ Ilse Klinger bewegte den Kopf, sah mit erstaunten Augen auf die zwei Männer. „Ruhe, mein Kind, nicht aufregen... beschwichtigte Beier leise, als er sah, daß sie sprechen wollte.„Ruhen Sie nur, ich bleibe boi Ihnen, bis alles vorüber ist...“ Ilse lächelte. Eine Träne stand ihr im Auge. Das war ein so wehes und doch auch wieder ein so glückseliges Lächeln, daß es Beier ganz eigentümlich heiß zumute wurde. So schmerzlich und doch froh hatte er noch nie ein Mädchen lächeln sehen. Ganz nahe trat er zu ihr hin und sprach leise, liebevoll auf ste ein. „Kleines, liebes, dummes Mädel, nee— wie kann man nur———" Ilse lächelte nur und weinte zugleich. Beier sah sie an. Dann gab es einen Wink rückwärts. Der Sanitäter ging in den Nebenraum. „Kleine Ilse“, sagte er ganz, ganz weich,„haben Sie Schmerzen, große Schmerzen?“ Ilse bewegte verneinend das Haupt Und da rannen ihr immer die Tränen die Wangen herunter Beier vergaß beinahe, daß er ein Mann war. Es fehlte nicht viel, er hätte angefangen, zu heulen. Und er hätte dann bestimmt nicht gewußt, war es vor Freude oder vor Sorge. Jetzt, da er sah, daß sich Ilse mehr und mehr erholte, wußte er gar nicht, was er nur alles anstellen sollte. Er holte Wasser, gab ihr zu trinken, feuchtete ihr die Stirn, streichelte sie übers Haar, sah ihr ein ums andere Mal in die Augen, in die lieben, großen, nassen Augen Ilse erhob sich langsam. Beier half ihr dabei Sie stellte sich auf die Füße. Noch zitterten ihr die Knie. Aber Beier stützte sie „Geht es denn? Können Sie denn laufen, kleine Ilse?“ Sie nickte. „Oder soll ich den Wagen vom Direktor...?“ Da öffnete sie den Mund. „Nein! Es sind doch nur fünf Minuten bis nach Hause!“ „Na, wenn es geyt, ich bringe Sie schon, und— wenn ich Sie tragen müßte———“ Der Sanitäter kam wieder Beier verabschiedete sich Er nahm sie fest in seinen Arm und führte sie. Und es ging ganz gut. Er brachte sie bis an ihre Wohnungstür, wartete, bis geöffnet wurde. Frau Klinger war erschrocken. Beier erzählte ihr in Kürze, was vorgefallen war und beruhigte die aufgeregte Mutter Fräulein Klinger streckte dem großen Manne ihre kleine Hand hin „Ich danke Ihnen sehr, Herr Beter!“ Roman von Erich Degenkolb „Da ist schon nichts zu danten, Fraulein Klinger, aber ich wurde mich freuen, wenn ich Sie morgen einmal besuchen darf, muß doch sehen, wie es meinem Patienten geht Ilse und ihre Mutter gestatteten es ihm gern * Gegen Abend sah Ingenieur Beier durch das Fenster seines kleinen Büros auf den Werkshof hinaus. Deutlich zeichneten sich die ästigen Schatten der riesigen Tanne im Zauberscheine einer Großzahl von vielkerzigen Glühbirnen gegen die blau=schwarze Kulisse des Horizontes ab. Für einen Menschen, der wenige Stunden vorher ein Märchen erlebt hatte, wirkte dieses Bild zauberhaft schön, wie eine Wirklichkeit gewordene Szene aus sagenfernen Landen——— Beier saß und schaute. Die Geräusche der Maschinenhalle verklangen mehr und mehr, alle Wirklichkeit um ihn her verdämmerte, stahl sich fort. Es war, als sei der kleine Raum, mählich von der Erde abgehoben, in die naturferne Stille der Ewigkeiten eingeschwebt... Und der hellstrahlende Tannenbaum, jenes symbolische Lichtmal der Deutschen, fügte sich harmonisch ein in diese Welt wundersamen Träumens——— Noch immer saß Beier. Nichts sonst als seine Augen verrieten, daß Leben in ihm war. Neues Leben mit neuem Inhalt! Körperhaft wirklich sah er im Scheine der Lichter eine weibliche Gestalt: Ilse Klinger! Leichtflockig fiel der Schnee aus der Höhe, tanzend im tausendkerzigen Scheine des Weihnachtsbaumes.. Und die verheißenden Augen kamen näher und näher. Und der Schein wurde lichter und eindringlicher Da wischte sich Beier über die Augen. Sogleich war auch die Wirklichkeit wieder oa, zerstört durch sie aber auch ein Bild, daß er dennoch im Leben nie vergessen würde—— Oft muß erst ein Unglück geschehen, ehe einem die Augen aufgehen, dachte er——— Darnach meldete sich Kröber, um ihn abzulösen. * Auf der Straße vor dem Werkshofe der Grube„Rosine“ standen viele Menschen, die das Wunder des Weihnachtsbaumes erleben wollten. Einer sagte: Auf allen Gruben der„Hertha“ stehen heute solche Christbäume für alle! Jeder soll den Glanz sehen, wenn es ihm nicht vergönnt ist, selber einen Baum zu haben——— Monteur Fiedler hatte es gehört. Er nickte für sich: Jeder soll den Glanz sehen! Und er hatte seltsame Gedanken dabei. Er wartete auf Beier. Sie hatten sich verabredet, gemeinsam in die Heilige Nacht hineinzugehen. In seine Gedanken eingehüllt, spürte er einen leichten Schlag auf der Schulter „Grüß Gott, Otto! Einsamer Nummer 2!“ Otto Fiedler dankte mit einem Gegengruß. Seine sonst o starke Stimme hatte jetzt einen milden, weichen Zug. „Gut, daß du da bist, Harry... An einem Tage wie heute möchte einen die Einsamkeit schier erdrücken!" „Ja, ja, Otto— ich merk's auch. Aber— laß mal, jetzt gehen wir hübsch zu Bruder Lampe und feiern! Mit ein bisschen gutem Willen werden wir schon in Feststimmung kommen.“ Bruder Lampe nannten sie hier auf der Grube den Kantinenwirt * Und der Abend in der Kantine wurde dann auch wirklich recht angenehm. Beier hatte sich kurz nach seinem Erscheinen mit Fiedler vom Platze erhoben und eine kleine Ansprache gehalten. Er war kein ausgesprochener Redner, aber die paar Worte, die er sagte, waren herzlich gut gemeint und wurden auch so verstanden, zumal er einfach und ohne Wichtigtuerei am Schluß verkündete: „Was Ihr heute trinkt. Kumpels, das zahle ich! Das ist ein kleines Geschenk für euch und gleichzeitig ein großes für mich. Tut euch keinen Zwang an, verlangt von Bruder Lampe, was Ihr wollt und laßt es euch schmecken! Zwischendurch singen wir eins miteinander, dann wird uns schon warm ums Herz herum werden!“ Dann rief er laut in die Küche hinaus:„Na, nu laßt mal den Grog anrollen, hier wird Wärme gebraucht!“ Und zu Fiedler gewandt sagte er leise:„Die armen Luders hier verdienen ja nichts, die Gruben zahlen schlecht! Und die paar Pfennige Gratifikation können sie nach Weihnachten auch noch gut gebrauchen. Soll mir eine Freude sein, wenn ich einen Hunderter schmeißen, soll! Ist mir sowieso peinlich, so eine Stange Geld gekriegt zu haben———“ „Hör' mal zu, Harry, machen wir's so: Jeder von uns zahlt die Hälfte, einverstanden?“ „Wenn dir's Spaß macht, immerzu! Weiß schon, daß du ein guter Kerl bist, sollst deine Freude auch haben! Ist doch etwas köstliches, schenken zu dürfen und vor allem— zu können!“ Das erste Weihnachtslied erklang. Alle sangen mit. Sogar der dicke Lampe war in der Küchentür erschienen und brummte dazwischen. Wie eine große Familie stand sich die Gesellschaft zueinander. Alle Zurückhaltung war gewichen. Man war einander näher gekommen. Die Gläser klangen. Punschtöpfe dampften. Stimmen raunten durcheinander. Und so manches Freundschaftsband wurde geknüpft. Fiedler war sehr schweigsam. Beier bemerkte es. „Was hast du denn heute nur, Otto? Ich kenne dich doch gar nicht von dieser Seite?“ „Laß nur jetzt. Ich muß dir nachher mal was erzählen. Mir ist da vor kurzem was passiert, das geht mir im Kopfe herum———“ „Was Dummes?“ „Nee!" „Also etwas Gescheites———“ „Auch nicht!“ „Na, dann bleibt bloß noch eins, was beides zugleich sein kann———“ Fiedler sah versonnen aus. „Aha“, Beier sah dem Freunde ein paar Augenblicke in's Gesicht, ich weiß schon, was Liebes! Stimmt's?“ Beier bohrte so lange, bis Fiedler endlich„Ja“ sagte. „Na ja, da haben wir's! Ja ja, die Liebe———“ Er dachte dabei an sich selbst. „Ganz so ist es nicht, mein Lieber, aber etwas ähnliches muß es doch schon sein———“ „Kinder, nee, diese Geheimniskrämerei! Mach' dir doch Luft! Erzähl' schon! Wirst doch nicht an Herzdrücken sterben wollen?“ Beier ließ nicht locken. Er peinigte den Freund auf eine gutmütige Weise, daß dieser gar nicht anders konnte, er mußte endlich reden. Und er erzählte eine kleine Geschichte. „Du wirst gemerkt haben, daß ich oft in freien Stunden nach der„Rosalie“ hinüberpilgerte, das erste Mal zufällig, später absichtlich. Es zog mich hin. Und am liebsten würde ich jetzt noch einmal hinüberlaufen. Obwohl das natürlich aussichtslos wäre... Na ich will dich nicht auf die Folter spannen. Will dir auch keinen großen Roman erzählen. Jedenfalls habe ich dort zwei Mädels getroffen, die mich so angezogen haben, daß alle meine Gedanken bei ihnen sind———“ „Verliebt also?“ Fiedler schüttelte mit dem Kopfe. „Nein— oder— vielleicht ja! Ich weiß es nicht. Eine Dumme=Jungen=Liebe jedenfalls ist es nicht. Mir ist, als gehörten diese Mädels in mein Leben, seit ich sie gesehen. Ich kann mir nicht denken, eines T zes wieder von hier abreisen zu müssen, ohne daß eine Entscheidung in irgend einer Form gefallen ist. Und ich habe doch noch höchstens zwei Wochen bei euch zu tun, dann... nein, weiter kann ich nicht denken. Ich habe schen meine alte Tante in Magdeburg, eine liebe, gute Frau, meine Pflegemutter, die ich wie eine richtige Mutter verehre, diese Weihnachten im Stich gelassen, weil es mich nicht von hier fortläßt. Ich bin mir ganz untreu geworden, ich weiß nicht, wo das hinführen soll.“ Harry war sehr ernst geworden. „Mein lieber Otto, ich— versuche, zu verstehen. Ganz begreifen kann ich freilich nicht. Ich bin da Neuling, aber beinahe ähnlich ist's mir heute ergangen.. Und nun beichtete Beier. Mit dem Anto durch die Wand Ein nicht alltäglicher Unglücksfall ereignete sich in Berlin=Weißensee, bei dem ein Lastauto einen grotzen Teil einer Hausfront eindrückte. Zum Glück kamen bei diesem Unglück keine Menschenieben zu Schaden.(Scherl=Bilderdienst=M.) Darnach waren sie beide still geworden und hingen ihren Gedanken nach. Am liebsten wären sie in die stille Nacht hinausgelaufen, um mit ihren Gedanken allein zu sein. Bruder Lampe hatte angeschafft, was nur zu erreichen war. Aber er mußte doch feststellen, daß seine Vorräte bald am Ende sein würden. Aber ein Trost blieb dennoch: Malzkaffee! Da hatte er noch einen Zentner liegen! Es währte auch tatsächlich nicht lange. Bruder Lampe erschien inmitten seiner Gäste und verkündete mit seinen tiefen Baß:„Jetzt gibt's nur noch Malzkaffee, Kinners!“ Das hatte er so drollig hervorgebracht, daß alle lachen mußten, obwohl es eine sehr wässerige Aussicht war. Beier und Fiedler freuten sich über die wunderbare Stimmung, die unter den Versammelten herrschte. Jeder schien seine Einsamkeit vergessen zu haben. Auch die zwei Freunde fühlten sich nun etwas aus ihren Grübeleien herausgehoben. Beier fing zuerst wieder an. „Du sprachst von zwei Mädchen, Otto. Stimmt das?“ „Ja, ja, es stimmt schon, zwei! Ich weiß schon, was deine Gedanken bewegt. Zwei Mädels, meinst du, kann man nicht auf einmal lieben, nicht wahr? Ich halte sie für Zwillinge. Und Eltern müssen sie haben, die die Liebe und Güte selber sind—“ „Eltern? Ich glaube, der Vater lebt nur noch!“ Fiedler war überrascht. „Du kennst sie, die Mädels?“ „Ich nehme an, daß meine Vermutung richtig ist!“ „Wer sind sie, sag' mir's schnell!“ „Keine Angst, ich enthalte dir mein Wissen nicht vor. Nach deinen Beschreibungen kann es sich nur um die Töchter des Direktor Schumann handeln. Das ist wirklich auch, wie du schon zu vermuten glaubtest, ein ganz prachtvoller Mensch, kein Direktoren=Charakter wie etwa unser Schmidt, nein, ein Mensch, nur Mensch, gutmütig und weitsichtig, groß in seinen Gedanken!“ „Kennst du ihn denn näher?“ „Nein, aber ich habe einmal mit ihm verhandelt, mit Schmidt zusammen, und diese erste Begegnung schon hat mir diesen Direktor Schumann so sympathisch gemacht, daß ich schon einmal ins Auge gefaßt hatte, mich bei der„Rosalie“ zu bewerben; denn hier auf der„Rosine“ kann man ja machen was man will, man hat nie einen Dank, eine Anerkennung von oben. Im Grunde brauche ich ja auch kein auffälliges Lob, das liegt mir sowieso nicht, aber wohl tut einem eine kleine Anerkennung doch, und wenn es nur ein paar einfache, ehrlich gemeinte Worte sind———“ „Hm. Also... der Direktor von der„Rosalie“.. „Wenn du dich da herantraust...“ „Mein lieber Harry... für mich ist ein Mensch so gut und so schlecht wie der andere! Und wenn es sein muß, so trete ich dem Teufel gegenüber und traue mir zu, mit ihm fertig zu werden. Aber, wir kommen ja ganz ab von der eigentlichen Sache, also... du meinst, Schumann ist ein guter Kerl——“ „Zweifellos!“ „Ich danke dir, Harry! Das ist ein großer Schritt näher dem Ziele. Ich muß noch einmal mit den Mädels reden, ich muß sie wiedersehen, ich———“ „Na ja, schön... gib dir Mühe, Otto. Ich wünsche dir jedenfalls das Beste. Nur gut, daß ich die zwei Mädchen noch nicht Im Moor versunken Während noch der große Krieg wütete, der die Pest brachte und Hungersnot und Tod, im Jahre 1652, es war im Herbst, starb der Pfarrer von Weddenbrink und wurde nach alten christlichen Bräuchen im Heideboden beigesetzt. Der Bischof von Münster schickte zwei Wochen später den jungen Kaplan Hans=Jochen Tombrock nach Weddenbrink, doch wurde er unterwegs von marodierenden Banden, die das Land wie eine Flutwelle überschwemmten und unsicher machten, auf offener Landstraße überfallen und an zwei gekreuzte Balken gebunden. Hierauf warfen die Marodeure zu ihrem Vergnügen mit Steinen und Knüppeln nach ihm, bis er, blutüberströmt und zerschunden, seinen Geist aufgab. Da es zu jener Zeit jedoch wohl Kriegsvolk, aber keine Priester gab, konnte der Bischof keinen neuen Pfarrer nach Weddenbrink entsenden, das viele Meilen weit hinten in der Heide lag, versteckt hinter Dünen und Büschen. Der fromme und alte Bauer Heidkamp versammelte jetzt die Heidleute zur Andacht auf seiner Deele und erzählte ihnen, da er nicht lesen konnte, aus der Heiligen Schrift, was er noch vom seligen Pfarrer her behalten hatte, und das wurde immer weniger, weil das Gedächtnis des alten Heidkamp mit zunehmendem Alter abnahm, und nach seinem Tode, der bald darauf erfolgte, war niemand, der die Andachten fortsetzte und den Bauern von Gott sprach und mit ihnen betete. Da verfiel das Dorf der Sünde, die Menschen fluchten und wußten nichts von den 10 Geboten. Das kleine Fachwerkkirchlein stand verlassen auf dem Heidbuckel, der Turm blickte müde über den Wald, und nur, wenn ein Toter begraben wurde, läutete die Glocke. Als dann doch der große Krieg einmal zu Ende und Ruhe und Ordnung wieder hergestellt waren, erinnerte sich der Bischof von Münster seiner hirtenlosen Herde in Weddenbrink draußen in der Heide und schickte den Kaplan Bernhard Oltkotten nach dem verlassenen Kirchlein. Bernhard war ein alter Mann mit silberweißem Haar, der in seiner Jugend mancherlei Schlachten mitgemacht hatte, wovon Narben im Gesicht und auf dem Körver ein Zeugnis ablegten, und der, auf den Tod verwundet, sich zu Gott bekehrt und den heiligen Rock angezogen hatte. Mit viel Freude und frohem Mut ging er nach Weddenbrink, wo sein Häuslein dicht neben der Kirche oberhalb des Dorfes stand. Doch es betrübte ihn sehr, hier statt der Christen Heiden anzutreffen, die den Umgestürzter Baum verursachte das Eisenbahnunglück in Frankreich gesehen habe. Ich glaube gar, mich hätte es genau so gepackt wie dich man kann es nicht wissen———“ * Fiedler und Beier schickten sich an, zu gehen. Die zwölfte Stunde war verklungen, der große Regulator hatte sie geschlagen. Und es hatte beinahe geklungen, als wären es Glocken gewesen. Aber die gab es hier nicht. Wohl war eine kleine, aus Holz errichtete Kirche da, jedoch— der winzige spitze Turm barg nichts als stützendes Gebälk. Darum fehlte in dieser Gegend auch das zauberhafte Groß=Glocken=Geläute, das besonders um die Weihnachtszeit so freudig ergreifend in die Seele der Feiernden eindringt und sie zu frohem Schwingen mitreißt. Allgemein bedauert wurde, daß Beier und Fiedler nun die Feier verließen. Draußen in der stillen Nacht, hörten sie noch das laute Fröhlichsein, zu dem sie ein gut Teil beigetragen hatten (Fortsetzung folgt) Bernd Böhlo Sonntag hielten, wann es ihnen paßte und das Wetter zum Feiern Zeit ließ. Nur die Alten wußten von Gott, zu dem sie einmal im Kirchlein gebetet hatten. Die Jungen hatten das Wasser der Taufe nicht berührt. Da wollte der Kaplan Bernbard Oltkotten die Heidleute in den Schoß der Kirche zurückführen; doch hörten nur wenige auf ihn, weil ihnen das Saufen und Vollern lieber war als das Fasten. Die Bauern versuchten Gott; denn der Krieg hatte ihnen, da sie versteckt in der Heide wohnten, nichts angehabt; sie bauten Buchweizen und zogen Schweine und aßen auch am Freitag Schinken und Bratenfleisch, und vom Fasten wußten sie nichts. Sie hielten Hochzeit, wann es ihnen gefiel, ohne den Segen der Kirche. Doch Raub und Mord war ihnen fremd, weil sie im Grunde gute Menschen waren. Bernhard Oltkotten versuchte die Bekehrung mit viel Liebe und Geduld; doch sein Kirchlein blieb leer. Jan Holthusen, der Erbe eines reichen Hofes, dessen Vater kürzlich im besten Alter gestorben, war sein Feind, weil ihm nicht gefiel, was der Kaplan von der Sünde sagte. Und wenn Bernhard Oltkotten am Sonntag das Glöckchen zur Messe läutete, zog er mit einem Gespann durchs Dorf oder ging in den Krug, und weil Jan Holthusen so lauthals schrie, taten die Männer es ihm gleich und das Weibervolk verdrehte die Augen nach ihm. Er haßte das weißbaarige Pfäfflein; dabei wußte er nicht zu sagen warum, aber weil er jung war, machte es ihm Freude, Krieg gegen den frommen Mann vom Kirchberg zu führen. So ging ein ganzes Jahr hin. Da sagte Jan Holthusen, daß er Hochzeit machen wolle. Es war aber das der Tag, an dem der Heiland gestorben war und die Christenheit trauerte. Oltkotten ging zu dem jungen Bauern und sagte:„Wartet mit eurer Hochzeit, bis Ostern ist. Die Kirche verbietet, am Karfreitag den Ehebund zu schließen.“ Da lachte der Bauer:„Ich halt Hochzeit, wann ich will!“ Er hörte nicht auf den Priester. Auch die Braut griente, sie halte Hochzeit, wann Holthusens Jan es befehle. Nun zog der Kaplan durchs Dorf und rief:„Gott läßt seiner nicht spotten! Das Strafgericht Gottes kommt über euch, wenn Jan Holthusen am Karfreitag Hochzeit hält. Bekehrt euch und tut Buße!“ Ein Bursche aber fragte:„Wer bist du?“ In der Nähe von Bourges südlich von Paris ereignete sich ein schweres Eisenbahnunglück, durch das 13 Menschen ums Leben kamen. Die Ursache bildete eine vom Orkan umgestürzte Ulme, die über das Gleis fiel und durch die der Zug zum Entgleisen gebracht wurde. Das Tragische des Unglücks ist die Tatsache, daß der Besitzer der Ulme bereits vor längerer Zeit im Prozeßwege zur Beseitigung des Baumes aufgefordert war, aber schließlich das Recht erhielt, den Baum. dessen Stumpf man rechts sieht, stehen zu lassen. (Associated=Preß M.)