bezw. 20 Pig. Kostenl. Unfallunterstünung laut Bedingungen meriug„ Schriftleitung Bochum, Muhlenstraße 12—14. Chefredakteur Joleph M Hasler. Verantwortlich für Politik: Dr. J. Riggemann Für Kommunalpolitik und den lokalen Teil: P. Schiffers: Feutlleton B. g Grint chulte; Handel u Sport: F J. Landefeld: für Provinz u. Allgem. K Dörnemann; Anzeigenteil: Jol. Ble— Bochum. Sprechstd. der Schriftleitung v. 11—12 Uhr. Tel. SN— Berliner Vertretung Thefredakteure J. B. Krauß und Dr. Fortmann. Westfälische Anzeigenpreise: Für 1 mm Hohe u. Vemm Breite im Anzeigentei. 10 Pig., Gesamtauflage mit Rebenausgaben Hattingen, Wattenscheid u. Steele 15 Pfg.— für 1 mm Hohe u. 75 mm Breite im Reklametei 50 Pig und 75 Pfg.— Familien=, Kleinanzeigen Gesamtauflage. Bochum und Wattenscheid— oder Hattingen— oder Steele. Jede Nachlaßbewilligung wird hinfällig vei Zielüberschreitung, zwangsweiser Beitreibung durch Klage oder in Konkursfällen. 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Berlin, 1. Febr.(Eig. Meldung) Nachdem der Reichskanzler und der Reichsvizekanzler dem Herrn Reichspräsidenten über die Verhandlungen mit dem Zentrum Bericht erstattet haben, hat der Reichspräsident folgende Verordnung über Auflösung des Reichstags erlassen. Nachdem sich die Bildung einer arbeitsfähigen Mehrheit als nicht möglich herausgestellt hat, löse ich auf Grund des Artikels 25 der Reichsverfassung den Reichstag auf, damit das deutsche Volk durch Wahl eines neuen Reichstages zu der Neubildung der Regierung des nationalen Zusammenschlusses Stellung nimmt. 1. Februar 1933.(Unterschriften.) Gleichzeitig ist durch eine weitere Verordnung vom Herrn Reichspräsidenten als Wahltermin der 5. März 1933 bestimmt worden. hier sind sie: Die Anfragen des Zentrums. Auf die Hiller keine Antwort erkeilt hat! Die Zentrumsfraktion des Reichstages beroffentlicht nunmehr die von ihr an die Reichsregierung gerichteten Fragen, auf die eine Antwort bisher noch nicht vorliegt. Fragen lauten: 1. Die Zentrumspartei wünscht über das Arbeitsprogramm der Regierung genau unterrichtet zu sein. 2. Besonders wichtig wäre die Klärung folgender Einzelfragen: a Welche Sicherbeiten können seitens der Reichsregierung dafür gegeben werden, daß ihre Maßnahmen sich im Rahmen der Verfassung halten? h) Ist die Reichsregierung insonderheit bereit, bindende Zusicherungen zu geden bafür, daß nicht auf Grund des sogenannten Staatsnotstandes verfassungswidrige Maßnahmen ergriffen werden? c) Ist die Reichsregierung berett, die balbige Rückkehr zu normalen derlassungsrechtlichen Verbältnissen n Preußen zuzusagen und in welcher Weise will sie diese Normalisierung durchführen? d) In die Reichsregierung bereit, im Interesse des bäuerlichen Berufsstande s wie auch aus volks- und nationalpolitischen Gründen die Wiederaufnahme bes umfassenden Siedlungswerkes in Angriff zu nehmen und gegen alle Widerstände durchzuführen? Jst die Reichsregierung bereit, die größten sozialen Härten der verordnungen zu beseitigen und welche Einzelmaßnahmen in dieser Richtung sind von ihr vorgesehen? *) Ist es richtig, daß das Arbeitsministerium abgehaut werden soll und mesentliche Teile seiner Zuständigkeiten dem neuernannten Krisenminister unterstellt werden sollen? g) Gedenkt die Regierung das Koalitionsrecht im bisberigen Umfange aufrecht zuerhalten? h) Wie steht die Reichsregierung zur Erbaltung der deutschen Sozialversicherung und des Tarifvertragsrechtes? i) Wie denkt die Reichsregierung einen gerechten Ausgleich zwischen der Förderung des deutschen Binnenmarktes und der lebensnotwendigen Ausfuhr zu sichern? k) Ist die Reichsregierung bereit, Sicherungen dafür zu schaffen, daß jede Form von Inflation unterbleibt und finanzpolitische Experimente, die von gewisser Seite privat propagiert wurden, wirksam abgewehrt werden? Das soll nun eine Begründung sein? Berlin, 2. Febr.(Eig. Meldung.) Wie V. D. Z. erfährt, ist dem Zentrum ern am Mittwoch abend die Antwort auf seine Fragen zugestellt worden, und zwar in einem Briefe des Reichskanzlers an den Prälaten Kaas, wie ja auch die Fragen selbst in der gleichen Form eines persönlichen Briefes gehalten waren. In der Antwort dürfte zum Ausdruck gekommen sein, daß der Kanzler die Fragen als eine Ablehnung seiner Frage auffassen mußte, ob das Zentrum bereit sei, in eine Vertagung des Reichstages auf etwa ein Jahr einzuwilligen. Nach diesem Stand der Dinge war also mit den Zentrumsfragen eine Situation gegeben, in der die Auflösung des Reichstages unvermeidlich(?) wurde. berliner 5A.-Führer Polizeipräsident? (Drahtbericht unseres Verliner Vertrteers.) Berlin. 2. Febr. Wie verlautet, ist für den Posten des Berliner Polizeipräsidenten Graf Helldorf. der Führer der Berliner SA., in Aussicht genommen. Gürtner als Reichsjustizminister TU. Berlin, 2. Fobr.(Drahtb.) Der Reichspräsident hat auf Vorschlag des Reichskanzlers den bisberigen Reichsjustizminister Dr. Gürtner in seinem Amte bestätigt. Auch Landtagsauflösung? Die Nazis wollen es! Landtag zur Beratung ihres Auflösungsantrages zu Sonnabend einberufen.- Aber Mehrheit dafür laum vorhanden. TU Berlin, 2. Februar.(Drahtb.) Die nationalsozialistische Fraktion hat einen Antrag auf Auflösung des Preußischen Landtages eingebracht. Prasident Kerrl hat daraufhin den Landtag auf Sonnavend. den 4. Februar, 11 Uhr, zur Beratung dieses Antrages einberufen Wie das Nachrichtenbüro des VDZ meldet werden in preußischen parlamentarischen Kreisen die Aussichten für den nationalsozialistischen Antrag auf Auflösung des Preußischen Landtages skeptisch beurteilt. Es verlautet, daß Zentrum und Sozialdemokraten dem Auflösungsantrag vermutlich ihre Zustimmung versagen werden, weil sie Neuwahlen erst dann für nützlich halten, wenn einige Zeit nach dem Amtsantritt der neuen Reichsregierung und der neuen Reichskommissare für Preußen vergangen ist. Für die Mehrheitsbildung im Landtage ist unter diesen Umständen vor allem die Haltung der Kommunisten von Bedeutung. Es verlautet, daß die kommunistische Fraktion die Tatsache des plötzlich eingebrachten Auflösungsantrages der kommunistischen Parteileitung unterbreitet hat, deren Stellungnahme bisher noch nicht vorliegt. Doch scheint es, als ob auch die Kommunisten dem Auflösungsantrag nicht zustimmen wollen. Es heißt, daß die Kommunisten die Auflösung im jetzigen Augenblick deshalb ablehnten, weil die Wähler eine klare Entscheidung erst dann treffen könnten, wenn Taten oder Versagen der Regierung Hitler bekannt seien. Danach würden für den nationalsozialistischen Antrag auf Landtagsauflösung nur die Antragsteller und die Deutschnationalen eintreten, die zusammen über 193 Stimmen verfügen. Wenn man noch die Deutsche Volkspartei, den Christlich=Sozialen Volksdienst und die Deutsch=Hannoveraner hinzuzählt, würden 203 Stimmen herauskommen, während die einfache Mehrheit für den Auflösungsantraa 21 1 Stimmen betragen müßte. Im Dreimänner=Kolleatum, das die Auflösung auch noch beschließen könnte, haben Ministerpräsident Braun und der vom Zentrum gestellte Staatsratspräsident Adenauer gegenüber dem nationalsozialistischen Landtagspräsident Kerrl die Mehrheit, so daß auch von dieser Stelle aus ein Auflösungsbeschluß nicht zu erhalten wäre. Im Auerschnitt des Tages. Der erste Regierungsakt— Auflösung! J.H. Ist das nun der politischen Weisheit dieser neuen Manner höchster Schluß, daß ihr erster Regierungsakt die Anflosung des Reichstages sein muß? Wenn das ein Kunststück sein soll, dann ware es doch viel klüger gewesen, dem deutschen Volle die Aufregung der letzten Tage erspari„a hoben! Wo diese Regierung anfängt, da stand die vorangegangene unter Schleicher ja doch schon vor acht Tagen! Darum hätte man sie doch erst gar nicht zu stürzen brauchen! Wenn Schleicher die Auflösungsabsicht als Schwäche und Hilflosigkeit ausgelegt wurde, was ist sie dann aber bei Hitler und den unter der Firma„nationaler Konzentration“ segelnden Männern? Ist, was bei dem einen Schwäche sein soll, bei dem anderen etwa Stärke? Wir nehmen nicht an, daß die Begriffsverwirrung im deutschen Volke schon solche Formen angenommen hat, daß es zu diesem Schluß kommen könnte! Reichstagsauflösung bedeutet doch öffentliches Eingestandnis des Unvermögens, sich dem Reichstag gegenüber durchzusetzen! Leider sind Neuwahlen kein Geschenk für das Volk, sonst müßte es jetzt mit ganzem Herzen der Regierung, die es ihr beschert hat, zujubeln. Jetzt wird es sich wohl zunächst sein Teil denken und dann in aller Seelenruhe abwarten, bis es am 5. März die Quittung darauf geben kann! Ob Hitler gut oder schlecht beraten war, als er sich die Auflösungsvollmacht erteilen ließ, wird sich auch erst an diesem Tage erweisen können! Unter dem Eindruck der jubelnden Begeisterung, die am Tage seiner Ernennung zum Reichskanzler 15000 Fackelträger ihm vor der Reichskanzlei gezollt haben, mag er vielleicht der frohen Hoffnung sich hingeben, daß ihm nun der ganze politische Himmel erschlossen ist und ihm und seiner Partei nichts mehr passieren kann. Wenn er sich nur nicht täuscht! Bis zum 5. März sind noch gut vier Wochen; in dieser Zeit fließt viel Wasser den Rhein hinunter, vielleicht auch mancher Wermutstropfen in den augenblicklich überschäumenden Kelch nationalsozialistischer Begeisterung. Es muß in diesen vier Wochen schon etwas geschehen von dieser neuen Regierung, wenn sie am Wahltage bestehen will! Wie will sie das aber fertig bringen? Hitler fordert selbst in seinem„Aufruf an das deutsche Volk“, den er persönlich gestern im Rundfunk vorgetragen hat, vier Jahre! Was sind dagegen armselige vier Wochen, wenn das Volk voll ungestümer Hoffnungen ist, deren Verwirklichung ihm mit der Machtergreifung durch Hitler in kürzester Frist in Aussicht gestellt war! Hitlers Scharen sind bisher zusammengehalten worden in dem Gedanken, daß ihr Führer an die Macht gebracht werden müßte, und daß, wenn dieses Ziel erreicht sei, sofort der große Umschwung zum Bessern kommen nerde! Das Ziel ist ja nun erreicht! Aber der Umschwung zum Bessern? In vier Wochen kann viel Hoffnung zertrümmert werden, größte Begeisterung selbst erkalten, wenn nichts geschieht! Und wenn das der Fall wäre? Warten wir bis zum 5. März! An diesem Tage wird auch Hitler wissen, ob er gestern klug gehandelt hat oder nicht! * Ein paar Tatsachen! Wenn diese Reichstagsauflösung noch notwendig gewesen wäre! Ja, warum ist sie eigentlich erfolgt? In der Begründung der Auflösungsorder heißt es:„Nachdem sich die Bildung einer arbeitsfähigen Mehrheit als nicht möglich herausgestellt hat, löse ich den Reichstag auf.“ Ist denn aber überhaupt auch nur der geringste Versuch zur Bildung einer solchen Mehrheit unternommen worden? Nein! Hitler hat es einfach für eine Selbstverständlichkeit gehalten, daß das Zentrum ihm Blankovollmacht erteile, daß es ihn tolerieren musse! Er hätte ja ebenso gut von ihm verlangen können, daß es ihm zuliebe Selbstmord beginge! Und so etwas wie eine Aufforderung zu politischem Selbitmord ist es sa auch wohl gewesen, als er an es das Ansinnen stellte, es solle sich damit einverstanden erklären, daß der Reichstag auf ein ganzes Jahr ausgeschaltet werde! Damit Hitler und Papen und Hugenberg nach freiem Ermessen schalten und walten konnten! Ja er hat gar nicht einmal die Antwort des Zentrums auf diese seine Forderung, die ihm gegeben werden sollte, wenn er selbst die Fragen des Prälaten Kaas beantwortet hätte, abgewartet! Fest stehr— und das kann durch nichts abgeritten oder irgendwie beschönigt werden: 1. Hitler hat den Prälaten Kaas aufgefordert, schriftliche Anfragen an ihn zurichten, die er am Mittwoch vormittag beantworten wollte! Diese Antwort ist aber ausgeblieben! 2. Dafür hat aber bereits Mittwoch früh der„Völkische Beobachter“, das Hauptorgan Hitlers, mitteilen können, daß noch im Laufe des Mittwoch der Reichstag aufgelöst werde! 3. Hitler und Papen haben Mittwoch früh bereits den Reichspräsidenten aufgesucht und ihn um die Auflösungsorder ersucht, indem sie gleichzeitig den Wunsch äußerten, keinen Wahltermin anzusetzen! 4. Die Auflösungsorder ist veröffentlicht worden, ehe er vom Zentrum eine Erklärung eingeholt hatte. Nach all dem ist nur dieser Schluß erlaubt: Hitler hat überhaupt nicht wissen wollen, ob das Zentrum zu einer Tolerierung bereit gewesen wäre! Er hat einfach die von ihm selbst geforderte schriftliche Formulierung von Anfragen zum Vorwand genommen, um für die Reichstagsauflösung, die vermutlich längst im Schoße seines Kabinetts beschlossen war, eine Begründung zu haben. Nimmt man noch hinzu, daß gestern mittag im Untersuchungsausschuß des preuß. Landtages der Nationalsozialist Hinkler es als überflüssig bezeichnete, daß der Ausschuß noch tage, da der Landtag ja doch auf jeden Fall in den allernächsten Tagen aufgelöst werde, dann weiß man, woher der Wind eigentlich wehte. Es ist— darüber kann es gar keinen Zweifel mehr geben— beschlossene Tatsache gewesen,— vielleicht sogar schon, bevor Hitler an das Zentrum überhaupt herangetreten ist— gleichzeitig Reichs= und Landtag aufzulösen, um den neuen Kräften die Möglichkeit zu schaffen, die politische Macht, die sie im Reiche soeben erlangt hatten, nach Herzenslust auszuproben! Der Reichspräsident hat ihnen dabei nur einen Strich durch die Rechnung gemacht, als er ihnen die Aussetzung der Neuwahl bis zum Nimmerleinstag verweigerte und den 5. März als Wahltermin ansetzte! Prälat Kaas wird wohl auch noch ein Wort zu der amtlichen„Begründung“ der Auflösung zu sagen haben. Wir hoffen, daß er dabei so deutlich wird, daß auch der letzte Volksgenosse einsieht, daß diese Auflösung nicht notwendig war! Parteiführer oder Regierungschef? Hitler hat es für notwendig gehalten,„an das deutsche Volk“ einen Aufruf zu richten, der gestern abend von ihm persönlich im Rundfunk verlesen worden ist. Wer Gelegenheit hatte, am Radio dieser Vorlesung zu lauschen, wird höchst erstaunt gewesen sein. Unwillkürlich mußte sich ihm die Frage aufdrängen: Spricht so der Chef einer Regierung oder der Führer einer Partei, der noch ganz in den Gewohnheiten der Parteipropaganda befangen ist? Nur politische Unmünder werden es fertig bringen, ihm bei den Anklagen zu folgen, die er gegen die Männer und die Parteien gerichtet hat, die in den letzten 14 Jahren unter den größten persönlichen Opfern und Anfeindungen ihr Bestes für das deutsche Volk und Vaterland hergegeben haben. Alle hat Hitler in einen Topf geworfen nach derselben Methode, wie sie bisher von seiner Presse beliebt war. Im gleichen Atemzuge bringt er es dann fertig, an die Volkskreise, die diesen Männern und Parteien bisher die Gefolgschaft treu gehalten haben und es wahrscheinlich auch für die Zukunft tun werden, zu appellieren, nunmehr den„nationalen Führern“ die Hand zu geben zum„Wiederaufbau des völlig zertrümmerten Reiches"! Dabei weiß er dem Volke nur zu sagen, daß auch er und seine Mitarbeiter keine Wunder vollbringen können, wie man doch bisher hat glauben machen wollen, sondern daß sie mindestens zweimal vier Jahre gebrauchen, um zu gewissen Zielen zu kommen, nämlich der „Gesundung des deutschen Bauernstandes" und der„Bekämpfung der Arbeitslosigkeit". In diesem Punkte ist Hitler jedenfalls recht bescheiden gewesen. Also acht Javre soll das deutsche Volk warten, bis die Versprechungen eingelöst werden können, die von seiner Presse den Millionen, die ihm bisher so gläubig gefolgt sind, gemacht und deren Erfüllung mit der Machtübernahme durch Hitler in unmittelbare Aussicht gestellt worden ist Wir sind gespannt darauf, welche Wirkung die Ankündigung von den zwei Vierjahresplänen in seinem eigenen Lager auslösen wird. Es mutet übrigens etwas recht merkwürdig an, daß Hitler es in seinem Aufruf fertig bringt, den Bolschewismus aufs Schärfste zu bekämpfen, ihm die Vernichtung in Aussicht zu stellen und gleichzeitig von Rußland, dem Vaterland des Bolschewismus, das Muster der Vierjahrespläne zu übernehmen. Alles in allem darf man zu diesem Aufruf wohl sagen: Für einen Parteiführer immerhin eine auf Wirkung berechnete Propagandaleistung, für einen Regierungschef aber unmöglich! Die Rechte der Parteien im Wahlkampf. Berlin, 1. Febr.(Drahtber.) An die zustandige Stelle ist die Frage gerichtet worden, ob im bevorstehenden Wahlkampf allen politischen Parteien die gleichen Rechte gewährt werden würden. Hierauf ist eine bejahende Antwort erteilt worden. mit der Einschränkung, daß natürlich nicht besondere Gründe zutage treten dürften, die dies unmöglich machen würden. Auf die Frage, ob angesichts des bevorstehenden Wahlkampfes eine Aenderung des Wahlgesetzes beabsichtigt sei, wird von zuständiger Stelle erklärt. daß hiervon nichtbekannt sei. Wenn überhaupt eine Aenderung in Frage komme, so könne es sich nur um Gerinafügtakeiten handeln. Jedenfalls sei es nicht beabsichtigt, etwa eine Aenderung des Wahlalters vorzunehmen oder besondere Vorzüge für irgendwelche Klassen usw. zu schaffen. Der Reichstag als Blitzableiter? Aber Hindenburg war dagegen! Man wollte einen„Nokstand" konstruieren, den Reichstag zwar auflösen, aber keine Neuwahlen stakkfinden lassen! Drahtbericht unseres Berliner Vertreters.) Berlin. 2. Februar. Die erste große Sensation, mit der das Kabinett Hitler=Hugenberg-Papen vor die Oeffentlichkeit tritt, liegt jetzt vor. Das Er gebnis bei den bisherigen Beratungen des Kabinetts, die, wie es in der Rechtspresse heißt,„einen völlig einheitlichen Willen und eine Geschlossenheit der politischen Auffassung zutage treten lassen“, besteht in nichts anderem als in der Auflösung des Reichstages. Wir konnten bereits gestern darauf hinweisen, daß mit Gewalt der Versuch gemacht werde, die Meinungsverschiedenheiten im Kabinetk zu überbrücken, und die Entlastungsoffensive werde sich gegen das Parlament richten, um dessen Kritik auszuschalten. Im Kabinett sollen, wie in parlamentarischen Kreisen verlautet, sogar starke Stimmungen dafür vorhanden gewesen sein, den Reichspräsidenten zu bitten, den Reichslag zwar aufzulösen, aber keine Neuwahlen auszuschreiben. Man wollte einen Notstand konstruieren. Der Reichspräsi dent, heißt es weiter, habe sich jedoch solchen Plänen widersetzt und sich für baldige Neuwahlen entschieden. Die Reichsregierung sieht nicht ihre Verpflichtung darin, dem Reichstag ein ausführliches Programm vorzulegen und die zu erwartende Chance zur Führung der Geschafte auszunutzen, sondern sie hat sich für eine gewaltsame Lösung entschlossen. Da dieser Schritt den Wählern plausibel gemacht werden muß, so bemühten sich schon am Mittwoch nachmittag die Rechtsblätter, die Dinge so hinzustellen, als ob das Zentrum die Absicht bekundet hätte, dem Kabinett Schwierigkeiten zu bereiten und eg am Arbeiten zu verhindern. Demgegenüber muß immer wieder darauf hinge wiesen werden, daß auch am Mittwoch abend keine auch nur andeutungsweise Absicht— von einem Beschluß kann überhaupt keine Rede sein — der Zentrumsfraktion zu erkennen war, daß sie der Reichsregierung das Arbeiten unmöglich machen wollte. Die Ueberreichung der von Prälat Kaas ausgearbeiteten Fragen an Reichskanzler Hitler zeigt, daß kein Beschluß vorliegen kann, denn dann hätte doch zumindest eine Antwort des Reichskanzlers abgewartet werden mussen. Als sich die Zentrumsfraktion am Mittwoch auf Donnerstag vertagte, war die Antwort deReichskanzlers an Prälat Kaas noch nicht eingetroffen. Es dürfte der Reichsregierung schwer fallen, aus den von dem Zentrumsführer formnlierten Fragen einen Grund für die Neuwahlen herzuleiten. Wenn das Zentrum veranlaßt werden soll, ein Kabinett Hugenberg Papen zu tolerieren, so muß es sich notgedrungen Klarheit verschaffen, welcher Weg von dem Reichskabinett eingeschlagen werden soll. Gerade das Hinauszögern der Beantwortung der Fragen deutet darauf hin. mie schwer dem Reichskanzler die Antwort fällt. Dr. Kaas hatte am Dienstag nachmittag nur von 2 bis 5 Uhr zur Formulierung seiner Fragen Zeit. Man hätte erwarten können, daß Hitler in 24 Stunden Zeit gefunden hätte, um die klar präzisierten Fragen eben so klar zu beantworten. Es wird daher ein völlig verfehltes Beginnen sein, wenn der Versuch unternommen wird, das Zentrum für die angebliche Notwendigkeit der Auflösung des Reichstages und der Neuwahlen verantwortlich zu machen. Die Beantwortung der Fragen, die vom Zentrum gestellt sind, wird jedoch der Reichsregierung nicht erspart bleiben. Aus Regierungskreisen hört man, daß die Wahlen deshalb binnen kurzer Frist angesetzt worden sind. weil das Begeisterungsfeuer, das bei der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler auf flammte, am Hellglühen erhalten werden soll Aber die vorübergehende Aufwallung einiger hunderttausend Berliner, die ebenso wie dem neuen Reichskanzler auch einem Borer oder einer Filmdiva zujubeln, sind nicht ausschlaggebend für die Volksstimme. Das Volk will wissen, woran es ist. Wer regieren will, der muß auch Mut haben, offen zu erklären, wohin die Reise gehen soll und welche Mittel angewandt werden sollen Verschiedene Mitglieder des Kabinetts sollen der Meinung sein, daß bei Neuwahlen die bekannten 51 Prozent Mandate angebracht werden können. Besonders Papen soll ein sehr begeisterter Wahrscheinlichkeitsrechner in dieser Hinsicht sein. Es wird darauf verwiesen, daß jetzt die Nationalsozialisten den Wahlkampf mit ihrem eigenen großen Wahlkampfapparat zusammen mit dem offiziellen Regierungsapparat führen könnten und daß sie sowohl dadurch als auch durch die wachzuhaltende Begeisterung für Hitler einen großen Sieg erringen können. Einstweilen vermögen wir nicht zu glauben, daß sie einen solchen Sieg erringen werden. Es ist noch nicht lange her, da konnte man in allen nationalsozialistischen Blättern und in allen nationalsozialistischen Versammlungen die Bemerkungen„Kabinett der Barone" und„der feinen Leute“ hören. In der Zwischenzeit haben sich zwar Hitler und Papen zusammengefunden, sogar so eng. daß es Hitler nicht einmal zuwege bringt, ohne den Vizekanzler dem Reichspräsiden ten Vortrag zu halten Ob aber dieser Umschwung in der Harer nationalsozialistischen Führung auf die Wählermassen besonderen Eindruck auszuüben vermag, ov insbesondere die Verbindung des wenn auch nationalen, so doch sozialen Werberufes Hitlers mit den hochkapitalistischen Ideen Hugenbergs bei den Wählern einen Eindruck machen wird, glauben wir vorerst bezweifeln zu müssen. Wie verlautet, soll die Wahlparole lauten:„Mit Hindenburg und Hitler für ein neues Deutschland!“ An den Wählern wird es liegen, zu zeigen, daß dieses „neue Deutschland“ nicht so aussieht, wie es die Hitler, Hugenberg, Papen und Seldte gern gestalten möchten. Sonderbarerweise finden auch die Nationalsozialisten Geschmack in Preußen an Neuwahlkn zum Landtag, denn sie haben im Landtag den Antrag auf Auflösung gestellt, und daraufhin hat der nationalsozialistische Landtagspräsident den Landtag auf Samstag einberufen. Der Landtag kann sich selbst auflösen, wenn dafür eine einsache Mehrheit vorhanden ist. Die Kommunisten ließen zwar am Mittwoch unter der Hand erklären, sie hätten an Neuwahlen für den Landtag kein Interesse. Da es den Kommunisten aber nicht auf praktische Arbeiten, sondern lediglich auf Unrubestiftung ankommt, so werden sie voraussichtlich mit Bestimmtheit für die Auflösung des Landtags stimmen. Die Wähler werden dadurch die Aufgabe haben, sowohl für eine richtige Zusammensetzung des Reichstages als auch des preußischen Landtages zu sorgen. Schleicher warnte vor Papen. Zu den Gerüchten über angebliche Staatsstreichpläne der Reichsweyr am Vorabend der Regierungsbildung hat der bisherige Reichskanzler von Schleicher der B. Z. am Mittag gegenüber erklärt, daß selbstverständlich an all diesen Behauptungen nicht ein einziges wahres Wort sei. Herr von Schleicher bezeichnet diese Behauptungen als völlig sinnlos und als boshafte Erfindungen und Verleumdungen. In seinem letzten, unmittelbar vor dem Rücktritt stattgefundenen Vortrag beim Reichs präsidenten, so erklärt Herr von Schleicher dem Blatt gegenüber weiter, habe er Ausführungen gemacht, die sich in völlig anderer Richtung bewegten. Er habe es für seine gebieterische Pficht gehalten, dem Reichspräsidenten die Gefahren darzustellen, die seiner Ansicht nach die damals in der Oeffentlichkeit noch viel erörterte Wiederbetrauung des früheren Reichskanzlers von Papen mit sich bringen würde. In einem solchen Kabinett hätte er die Gefahr einer Kampfansage an die übrigen neun Zehntel des Volkes gesehen, die bei den nach seiner Ansicht dann unausbleiblichen Entwicklungen und politischen Kämpfen zu einer Zermürbung der Reichswehr und der Polizei geführt hätten. Eine solche Entwicklung nach Möglichkeit zu verhindern, sei Recht und Pflicht des amtierenden Kanzlers und Wehrministers gewesen. Im gleichen Zusammenhang habe er nun auch seine Meinung vorgetragen daß ein auf parlamentarischen Mehrheitsgrundlage beruhendes Zusammengehen mit der nationalsozialistischen. Mehrheit die best Lösungsmöglichkeit wäre. Reichskanzler oder Varleiführer? Hillers Wahlaufruf! Zwei Vierjahrespläne nach russischem Muster! Hitler hat gestern abend im Rundfunk einen „Aufruf an das deutsche Volk“ verlesen. Wür sind objektiv genug, ihn unsern Lesern im Wortlaut wiederzugeben, damit sie sich selbst ein Urteil zu bilden vermögen. Hier ist er: „Ueber 14 Jahre sind vergangen seit dem unseligen Tage, da von inneren und äußeren Versprechungen verblendet, das deutsche Volk der höchsten Güter unserer Vergangenheit des Reiches, seiner Ehre und seiner Freiheit vergaß und dabei alles verlor. Seit diesem Tage des Verrates hat der Allmächtige unserem Volke seinen Segen entzogen. Zwietracht und Haß hielten ihren Einzug. In tiefster Bekümmernis sehen Millionen bester deutscher Manner und Frauen aus allen Lebensständen die Einheit der Nation dahinsinken und sich auflösen in ein Gewirr politisch-egoisti. scher Meinungen, wirtschaftlicher Interessen und weltanschaulicher Gegensätze. Wie so oft in unserer Geschichte, bietet Deutschland seit diesem Tage der Revolution das Bild einer herzzerbrechenden Zerrissenheit. Die versprochene Gleichheit und Brüderlichkeit erbielten wir nicht, aber die Freiheit haben wir verloren. Denn dem Verfall der geistigen und willensmäßigen Einheit unseres Volkes im Innern folgte der Verfall seiner politischen Stellung in der Welt. Heiß durchdrungen von der Ueberzeugung, daß das deutsche Volk im Jahre 1914 in den großen Kampf zog, ohne jeden Gedanken an eine eigene Schuld und nur erfüllt von der Last der Sorge, das angegriffene Reich. die Freiheit und die Existenz des deutschen Menschen verteidigen zu müssen, sehen wir in dem erschütternden Schicksal, das uns seit dem November 1918 verfolgt, nur das Ergebnig unseres inneren Verfalls. Allein auch die übrige Welt wird seitdem nicht minder von großen Krisen durchrüttelt. Das geschichtlich ausgewogene Gleichgewicht der Kräfte, das einst nicht wenig beitrug zum Verständnis für die Notwendigkeit einer inneren Solidarität der Nationen, mit all den daraus resultierenden glücklichen wirtschaftlichen Folgen, ist beseitigt. Die Wahn idee vom Sieger und Besiegten zerstört das Vertrauen von Nation zu Nation und damit auch die Wirtschaft der Welt. Das Elend unseres Volkes aber ist entsetzlich! Dem arbeitslos gewordenen, hungernden Millionen=Proletariat der Industrie folgt die Verelendung des gesamten Mittel= und Handwerksstandes. Wenn sich dieser Verfall auch im deutschen Bauern endgültig vollendet, stehen wir in einer Katastrophe von unübersehbarem Ausmaße. Denn nicht nur ein Reich zerfällt dann sondern eine zweitausendjährige Erbmasse an hohen und höchsten Gütern menschlicher Kultur und Zivilisation. Drohend künden die Erscheinungen um uns den Vollzug dieses Verfalls. In einem unerhörten Willens= und Gewaltsturm versucht die kommunistische Methode des Wahnsinns das in seinem Innersten erschütterte und entwurzelte Volk endgültig zu vergiften und zu zersetzen, um es einer Zeit entgegenzutreiben, die sich zu den Versprechungen der kommunistischen Wortführer von heute noch schlimmer verhalten würde, als die Zeit hinter uns zu den Versprechungen derselben Apostel im November 1910, Angefangen bei der Familie, über alle Begriffe von Ehre und Treue, Volk und Vaterland, Kultur und Wirtschaft hinweg bis zum ewigen Fundament unserer Moral und unseres Glaubens, bleibt nichts verschont von dieser nur verneinenden, alles gerstörenden Idee. 14 Jahre Marxismus haben Deutschland ruiniert. Ein Jahr Bolschewismug würde Deutschland vernichten. Die heute reichsten und schoniten Kulturgebiete der Welt würden in ein Chaos und Trümmerfeld verwandel. Selbst das Leid der letzten anderthalb Jahrzehnte konnte nicht verglichen werden mit dem Jammer eines Europas. in dessen Herzen die rote Fahne der Vernichtung aufgezogen würde. Die Tausende von Verletzten, deunzähligen Toten, die dieser innere Krieg schon heute Deutschland kostet, mögen ein Wetterleuchten sein der Warnung vor dem Sturm. In diesen Stunden der übermächtig hereinbrechenden Sorgen um das Dasein und die Zukunft der deutschen Nation rief uns Männer nationaler Parteien und Verbände der greise Führer des Weltkrieges auf noch einmal wie einst an den Fronten, nunmehr in der Heimat in Einigkeit und Treue für des ReicheRettung unter ihm zu kämpfen. Indem der ehrwürdige Herr Reichsprasident uns in diesem großherzigen Sinne die Hände zum gemeinsamen Bunde schloß, wollen wir als nationale Führer Gott, unserem Gewissen und unserem Volke geloben, die uns damit übertragene Mission als nationale Regierung entschlossen und beharrlich zu erfüllen Das Erbe, das wir übernehmen, ist ein furchtbares. Die Aufgabe, die wir lösen müssen, ist die schwerste(1), die seit Menschengedenken deutschen Staatsmännern gestellt wurde. Das Vertrauen in uns allen aber ist unbegrenzt denn wir glauben an unser Volk und seine unverganglichen Werte. Bauern. Arbeiter und Bürger, sie müssen gemeinsam die Bau steine liefern zum neuen Reich So wird es die nationale Regierung als ihre oberste und erste Aufgabe ansehen, die geistige und willensmäßige Einheit unseres Volkes wiederherzustellen. Sie wird die Fundamente wahren und verteidigen, auf denen die Kraft unserer Nation beruht. Sie wird das Christentum als Basis unserer gesamten Moral, die Familie als Keimzelle unseres Volks. und Staatskörpers in ihren festen Schutz nehmen. Sie wird über Stände und Klassen hinweg unser Voll wieder zum Bewußtsein seiner volklichen und politischen Einheit und der daraus entspringenden Pflichten bringen. Sie will die Ebrfurcht vor unserer großen Vergangenheit, den Stolg auf unsere alten Traditionen zur Grundlage machen für die Erziehung der deutschen Jugend. Sie wird damit der geistigen politischen und kulturellen Nihilisierung einen unbarmherzigen Krieg ansagen Deutschland harf und wird nicht im anarchischen Kommunismug versinken, Sie wird an Stelle turbulenter Instinkte wieder die nationale Disziplin zum Regenten unseres Lebens erheben. Sie wird dabei all der Einrichtungen in höchster Sorgfalt gedenken, die die wahren Bürgen der Kraft und Stärke unserer Nation sind Die nationale Regierung will das große Werk der Reorganisation der Wirtschaft unseres Volkes mit zwei großen Vierjahresplänen lösen: Rettung des deutschen Bauern zur Erhaltung der Ernährung und damit Lebensgrundlage der Nation. Rettung des deutschen Arbeiters durch einen gewaltigen und umfassenden Angriff gegen die Arbeitslosigkeit. In 14 Jahren haben die Novemberparteien den deutschen Bauernstand ruintert. in 14 Jahren haben sie eine Armee von Millionen Arbeitslosen geschaffen. Die nationale Regierung wend mit eiserner Entschlossenheit und zähester Ausdauer folgenden Plan verwirklichen: Binnen vier Jahren muß der deutsche Bauer der Verelendung entrissen sein. Binnen vier Jahren muß die Arbeitslosigkeit endgültig überwunden sein. Gleichlaufend damit ergeben sich die Voraussetzungen für das Aufblüben der übrigen Wirtschaft. Mit dieser gigantischen Aufgabe der Sanierung unserer Wirtschaft wird die nationale Regierung verbinden die Aufgabe und Durchführung einer Sanierung des Reiches, der Länder und der Kommunen in verwaltungsmäßiger und steuertechnischer Hinsicht. Damit erst wird der Gedanke der föderativen Erbaltung des Reiches blut, und lebensvolle Wirklichkeit. Zu den Grundpfeilern dieses Programms gehört der Gedanke der Arbeitsdienstpflicht und der Siedlungspolitik. Die Sorge für das tägliche Brot wird aber ebenso die Sorge sein für die Erfüllung der sozialen Pflichten bei Krankheit und Alter. In der Sparsamkeit ihrer Verwaltung, der Forderung der Arbeit, der Erhaltung unseres Bauerntums sowie der Nutzbarmachung der Initiative des Einzelnen liegt zugleich die beste Gewahr für das Vermeiden jedes Experimentes der Gefährdung unserer Wahrung III Außenpolitisch wird die nationale Regierung ihre höchste Mission in der Wahrung der Lebensrechte und damit der Wiedererringung der Freiheit unseres Volkes sehen. Indem sie entschlossen ist, den chaotischen Zuständen in Deutschland ein Ende zu bereiten, wird sie mithelfen, in die Gemeinschaft der übrigen Nationen einen Staat gleichen Wertes und damit allerdings auch gleicher Rechte einzufügen. Sie Tonnerstag, den 2. Februar 1933 1. Beilage der Westfälischen Volks=Zeitung Nr. 27— Seite 5 BOCHUMER Wieder ein Dem großen ist nun das kleiWehwechen! nere Wehwechen gefolgt: in großen Lettern leuchten uns von den Plakaten an den Geschaftshäusern zwei große WW entgegen, die ankündigen, daß die weiße Woche angebrochen ist. Man spricht auch von dem weißen Rausch, dem unsere Frauen erliegen. Was ihnen der Inventur=Verkauf nicht bot, das sollen sie setzt in den Geschäften finden. Die weiße Woche umfaßt nicht nur Textilwaren, es werden auch weiße Waren sonstiger Art, wie Porzellanwaren und Haushaltungsartikel angeboten, wenn auch das Hauptkontingent die Wäschewaren stellen. Und ihre Fülle ist auch diesmal wieder so reichhaltig, daß die Wahl wieder zur Qual wird. Da gibt es Hemden= und Wäschetuche, Handtücher Cpal, Voile, Pique und weiße Kleiderseiden, Herren= und Damenhemden, Taschentucher, Tischund Bettwäsche, alles bergehoch aufgeschichtet. Was hier Angestellte, Dekorateure und Kaufmannschaft wieder hergerichtet haben, ist eine Augenweide für jeden, und man kann es verstehen, daß unsere Frauen von diesen„Symphonien in Weiß“ einfach hingerissen sind. Und von dem Beschauen ist es dann nicht mehr weit bis zum Kaufen. In vielen Familien ist die Wische ziemlich zur Neige gegangen, so daß man gern die Gelegenheit benutzt, das Fehlende zu ergänzen, so weit es eben der schmale Geldbeutel gestattet. Die Preisgestaltung trägt dem schwindsüchtigen Haushaltsetat besonders Rechnung, so daß das Kaufen auch leicht gemacht wird. Und wir Männer begnügen uns gern mit der Freude, die unser Auge empfindet beim Anblick dieser weißen Wunder, die erkenen lassen, daß die Geschäftswelt alle Anstrengungen macht, um der Kundschaft zu dienen und durch Billigkeit und Güte auch der weißen Woche einen besonderen Reis zu verleihen. * Die Reichsbahn Mit Wirkung vom 1. März wird billiger. d. J. werden die Netz=, Bezirks= und Bezirksteilmonatskarten wesentlich verbessert und verbilligt. Die Netzkarten, die mit einer Geltungsdauer von einem Monat von jedem Tag an ausgestellt werden können, gelten künftig zur Benutzung von Schnell=, Eil= und Personenzügen auf etwa 7000 Kilometer(jetzt etwa 60000 Kilometer) Eisenbahnstrecken. Ihre Preise werden betragen: für 1 Netz in 3. Kl. 90 M.(bisher 100 M.), in 2 Kl. 120 M.(130 M.); für 2 aneinander anschlietende Netze in 3. Kl. 140 M.(160 M.), in 2. Kl. 18 M.(2R M.): für 3 aneinanderschließende Netze in 3. Kl. 170 M.(20) M.), in 2. Kl. 225 M. 30 M.); für jedes weitere anschließende Netz in 3. Kl. 20 M.(40 M.), in 2 Kl. 25 M.(52 M.); für Netz Ostpreußen in 3. Kl. 60 M.(65 M.), in 2 Kl. 80 M.(82 M.). Die Preise der Bezirkskarten mit der gleichen Geltungsdauer wie die Netzkarten, die jetzt für große und kleine Bezirke sowie für Personen= und Eilzüge verschieden sind, sinken auf den setzigen Preis der kleinen Bezirkskarte Personenzug, betragen also künftig für die 3. Klasse 40 M.(bisher 40 bis 65 M.) und für die 2. Kl. 52 M.(52—80 M.). Ihr Geltungsbereich wird etwa 1000 Kilometer umfassen. Außerdem werden Anschlußbezirkskarten für anschließende Bezirke zum Preise von 15 M. für die 3. Klasse und 20 M. für die 2. Klasse neu eingeführt. Sämtliche Bezirkskarten gelten künftig auch zur Benutzung von Eilzugen ohne Zuschlag. Die Preise der für eine Woche von Sonntag bis Samstag gültigen Bezirksteilmonatskarten, die jetzt ebenfalls für große und kleine Bezirke sowie für Personenzug und Eilzug verschieden sind, betragen künftig einheitlich für die 3. Klasse 16 M.(bisher 14—22 M.) und für die 2. Klasse 21 M.(18 bis 27 M.); auch sie werden etwa 1000 Kilometer umfassen. Diese Karten gelten künftig ebenfalls zur Benutzung von Eilzügen ohne Zuschlag. Nun schlägt es Das Staatliche Gymnasium in aber bretzehn. Oberhausen führte dieser Tage eine Schuloper auf Und wissen Sie, um welche Oper es sich hier handelte? Um die vertonte„Jobsiade"! Jeder Bochumer weiß, was es mit dieser Jobsiade auf sich hat. Und sein Lokalpatriotismus wird auch mit befriedigtem Stolze zur Kenntnis nehmen, daß die Presse sich sehr lobend über die Oper und ihre Aufführung ausgesprochen hat. Das Publikum war begeistert und die Vorstellung wurde mehrmals vor ausverkauftem Hause gevoten. Uns Bochumern kann es ja nur recht sein, wenn man in benachbarten Städten auch mal einen Bochumer Dichter zu Wort kommen laßt: eine Schuloper nach Motiven der bekannten Johsiade", Knittelverse des Mülheimer Arztes Kortum aus dem 18. Jahrbundert! Wenn auch in Mülheim geboren, so hat Kortum doch die meiste Zeit seines Lebens in Bochum verbracht, hier übte er seine ärztliche Praxis hier feierte er sein 50jähriges Doktorsubiläum, hier verfaßte er auch sein Heldengedicht, die„Jobstade". Und wie jeder Bochumer weiß, starh Kortum auch hier in hohem Alter am 15, August 1824 und wurde ebenfalls hier in Bochum auf dem alten Friedhof beigesetzt, wo noch heute ein Dentasin mit der Inschrift:„Sub hoc monumento blescif C. A. Kortum Dr. med. pro meritis nominatus consiliarius aulicus" zu seben ist, wie denn auch sein Wohnhaus eine 1877 dort angebrachte Marmortafel ziert. Ist es nun nicht interessant zu hören daß man in Oberhausen anscheinend von dem Bochumer Kortum so gar nichts weiß, sondern von dem Mülheimer Kortum spricht, obschon Mülheim sich um seinen Dichtersohn bei seinen Lebzeiten gar nicht gekümmert hat! Da die Jobsiade doch während seiner ärztlichen Tätigkeit verfaßt worden ist, hätte es doch in der Ankündigung rechtens heißen müssen: von dem Bochumer Arzt Kortum. Denn in Bochum verlebte Kortum seine Zeit, hier kam er zu großem Wohlstand, hier oblag er seinen dichterischen Neigungen und in Bochum liegt er auch begraben, so daß Bochum ihn mit Recht als einen der Seinigen betrachten kann. Bochumer Tageschronik. Die Grippe im Abflauen begriffen Man merke! Donnerstag, den 2. Februar. Sonnenaufgana 8.11 Sonnenuntergang 10,20 Mondaufgang 17,17 Monduntergang 1,31 962 Otto l. wird zum Kaiser gekrönt. Beginn des„Heiligen Romischen Reiches Deutscher Nation“. 1829 Der Naturforscher Alfred Brehm in Renthendorf geboren(gest. 1881). Alle Umzüge verboten. Aber nur für die K. P. D. Der Polizeiprasident von Bochum hat auf Grund des Artikels 123 Absatz 2 der Reichsverfassung sämtliche Aufzüge und Versammlungen unter freiem Himmel der K. P. D. und ihren Neben= und Unterorganisationen bis auf weiteres verboten Im Interesse der Allgemeinheit und öffentlichen Sicherheit wäre es politisch klüger gewesen, dieses Verbot auf alle politischen Organisationen auszudehnen. Wenn es zu Zusammenstößen gekommen ist, dann tragen beide Radikalinskis die Schuld, weshalb es nicht angängig ist den einen büßen, den anderen frei laufen zu lassen „Ruhr-Echo“ für vier Wochen verboten. Der Regierungspräsident in Düsseldorf hat die kommunistische Tageszeitung„Ruhr=Echo“ in Essen aufgrund der Verordnung des Reichspräsidenten zur Erhaltung des inneren Friedens vom 19. Dezember 1932 in Verbindung mit den entsprechenden Paragraphen des Strafgesetzbuches für die Dauer von vier Wochen verboten. Das Verbot umfaßt auch die im gleichen Verlag erscheinenden Kopfblätter„Kämpfer“(Dortmund) und„Niederrheinische Arbeiterzeitung“(Duisburg). Das Verbot ist ergangen wegen der Veröffentlichungen im„Ruhr=Echo“, die den politischen Generalstreik zwecks Vorbereitung eines gewaltsamen Umsturzes fordern und in der Errichtung einer sozialistischen Arbeiter= und Bauernrepublik ihr Endziel sehen. Man war schon versucht, von einer zweiten Gripvewelle zu sprechen, als zu Beginn dieser Woche fast hundert Schulen unserer Stadt wegen zahlreicher Krankheitsfälle unter den Schulkindern den Betrieb einstellen mußten. Wie an anderer Stelle zu lesen, sind inzwischen wieder mehrere Schulen eröffnet worden und auch der Rückgang der Krankheitsfalle zeigt, daß die Grinne in Bochum im Abflauen begriffen ist. So verzeichnet die Statistik am Montag noch 37 Todesfälle, darunter 17 durch Grippe. Am Dienstag waren es noch 30 Todesfälle, darunter 11 durch Grippe und am gestrigen Mittwoch wurden nur noch 20 Sterbefälle, darunter vier durch Grippe, verzeichnet. Der Verlauf der Krankheit zeigt, daß diesmal vor allem altere Leute von der Grippe heimgesucht worden sind. Es handelt in den meisten Fällen um solch= Personen, bei denen eine Verschleppung der Krankheit erst nachträglich zum Ausbruch kam, die dann in vielen Fällen den Tod herbeiführte. Im übrigen wiederholen wir, daß die Grippe diesmal überall gutmütig verläuft mit Ausnahme bei den älteren Leuten, deren Gesundheitszustand sowieso schon geschwächt ist und die daher der Seuche nicht den Widerstand entgegensetzen können, wie er für die Ueberwindung dieser Krankheit notwendig Totenglocke. Im 77. Lebensalter verschied gestern Hauptlehrer i. R. Wilhelm Becker. Geboren am 6. April 1856 zu Drensteinfurt, erhielt er am 11. November 1878 seine erste Lehrerstelle in Bochum= Laer. 39 Jahre lang wirkte er hier in vorbildlicher Pflichttreue, ein wahrer Erzieher der ihm anvertrauten Jugend, der es mit seinem Berufe überaus ernst nahm. Am 27. Mai 1893 erhielt er seine Ernennung zum Hauptlehrer. Außerdem wurde er im April 1918 mit dem königlichen Kronenorden 4. Klasse ausgezeichnet. Am 1. April 1918 trat er dann in den wohlverdienten Ruhestand. Bei Freunden und Bekannten war der Verstorbene wegen seiner edlen Eigenschaften äußerst beliebt und geschätzt. Er ruhe in Frieden! Wie sich der Regierungswechsel im Bochumer Präsidialbezirk auswirkte. Unruhiger Januarabschied. Woher die vielen Waffen? Am 31. 1. 1933 wunde auf dem Moltkemarkt 1 Bochum eine kommunistische Kundebung wegen Nichtbefolgung polizeilicher Anrdnungen von der Schutzpolizei unter Anwenung des Gummiknüppels aufgelöst. Vertzungen wurden nicht festgestellt. Weiter mußte ein Demonstrationszug in Bosum=Langendreer ebenfalls unter Anwenung des Polizeiknüppels aufgelöst werden, weil t einen unfriedlichen Charakter angenomten hatte. Auch hier sind Verletzungen nicht festestellt worden. Zu gleicher Zeit in Wattencheid und Herne stattgefundene kommuniische Demonstrationen verliefen störungslos. Auf der Alleestraße in Bochum wurde ogen 20 Uhr ein SA=Mann von 3 Kommunisten berfallen und so erbeblich verletzt, daß er in das lugusta=Krankenhaus eingeliefert werden mußte. ebensgefahr besteht nicht. Die Täter wurden on Zeugen erkannt. Gegen 23,40 Uhr erstattete eine Person auf em 24. Polizeirevier in Werne Anzeige, daß r angeblich von SA=Leuten beschossen worden di. Eine in Verfolg dieser Angelegenheit vorenommene körperliche Durchsuchung von vier Ingehörigen der NSDAP auf der Wittekindraße förderte einen Trommelrevolver mit fünf latronen und zwei sogenannte Hampelmänner ttage. Der Besitzer des Trommelrevolvers verichte, sich der Waffe durch Wegwerfen zu entdigen. Die Waffenbesitzer wurden festgenommen. In der Nacht zum 1. 2. 1933, gegen 1,40 Uhr, atstand in Wattenscheid an der Ecke Wassernd Hochstraße zwischen Nationalsozialisten und ommunisten eine Schlägerei, in deren Verlauf n Kommunist durch einen Messerstich in den tücken erheblich verletzt wurde. Der Verletzte lußte dem Marienhospital zugeführt werden. Im terlauf der Schlägerei wurden von unbekannten ersonen mehrere Schüsse abgegeben. Eine nach eendigung der Schlägerei vorgenommene Durchichung des Verkehrslokals der NSDAP führte ur Auffindung von einem Trommelrevolver, ner Pistole 08 und fünfzig Schuß Munition, die 1 dem Lokale versteckt waren. Eine in der gleichen Angelegenheit später vorgenommene Durchsuchung von vier Nationalsozialisten förderte dann noch einen Trommelrevolver, ein Dolchmesser und einen Totschläger zutage. Die Waffenträger wurden festgenommen. In Wanne=Eickel kam es am 31. 1. 1933, gegen 21 Uhr, anläßlich eines Fackelzuges der NSDAP zu Störungsversuchen von kommunistischer Seite. Einschreitende Polizeibeamte wurden auf der Moltkestraße aus einem Hause beschossen. Die Polizeibeamten machten hierauf auch ihrerseits von der Schußwaffe Gebrauch. Fünf Personen erhielten Schußverletzungen und wurden in das St. Anna=Hospital eingeliefert. Lebensgefahr besteht bei keinem der Verletzten. Vier Verletzte gebören der KPD an, bei der fünften Person handelt es sich um ein parteiloses Müdchen. Am 1. 2. 1933, gegen 6,15 Uhr, wurde auf der Ebertstraße in Wanne=Eickel, vor dem Hanse Nr. 10, ein Nationalsozialist, der sich auf dem Nachbausewege befand, aus den gegenüberliesenden Häusern der Ebertstraße beschossen. Der Nationalsozialist erlitt einen Halssteckschuß und wurde sofort in das St. Anne tal in WanneEickel eingeliefert. Bei ihm besteht Lebensgefahr. Eine der Tat bringend verdächtige Person wurde festgenommen. Am 1. 2. 1933, gegen 7,45 Uhr, drangen etwa 2—25 Nationalsozialisten gewaltsam in die Geschäftsräume der Sozialdemokratischen Zeitung „Freie Presse“ in Wanne=Eickel, Hindenburgstraße 220, ein und verlangten die Herausgabe der beutigen Zeitungsausgabe, um sie zu vernichten. Die Herausgab= wurde verweigert und die Nationalsozialisten aus dem Lokal verdrängt. Hierauf gaben die Nationalsozialisten von draußen mehrere Schüsse auf das Lokal ab. Verletzt wurde niemand. Einige Personen sind als Täter erkannt worden. In Witten wurde am 31. 1. 1933 der Arbeiter R. durch einen Schuß an der Schulter verletzt. Er mußte in das Krankenhaus eingeliefert werden. Lebensgefahr besteht nicht. Der Täter war bisher nicht zu ermitteln. Nach Angabe des Verletzten soll er den Schuß gelegentlich einer Demonstration der SA und des Stahlhelms erbalten haben. Mariä Lichlmeß. Brach nicht ein Ahnen wie ein Frühlingstag, Wie eines Wächters Horn von Turmes Warte In Simeons Seele, die da hoffend harrte Wie Ackerland auf ersten Lerchenschlag? Es zitterten die Flammen am Altar, Da Eine zu ihm trat, ihr Kind zzu heben, In heilgem Opfer es der Welt zu geben, Das die Erwartung aller Zeiten war. Da ward in ihm der Völker Stimme wach, Die ihn erharrten, und Gewährung füllte Sein Priesterherz, dem schauernd sich enthällte, Was hell wie Sonne durch den Wolken brach. Er sah das Zeichen der Erlösung stehn, Sah neu die Welt aus Nacht und Sünde steigen Und sah der Mutter Opfer und ihr Schweigen, Und sah das Schwert durch ihre Seele gehn. Und neigte sich und hob die greise Hand, — Es war der ganzen Menschheit Hand— zum Segen Für sie, in deren Arm das Kind gelegen, Und die der ersten Opferung Kerze angebrannt. Martha Große. * „Sie brachten das Kind hinauf nach Jerusalem, um es dem Herrn darzustellen, so wie es geschrieben steht im Gesetze des Herrn.“ So erzählt die heilige Geschichte in schlichter Weise die Darstellung Jesu im Tempel. Es war jene feierliche religiose Handlung, durch die die jüdische Mutter nach mosaischem Gesetz ihren Erstgeborenen dem Herrn weihte. Der erste Gang zum Tempel hat tiefe symbolische Bedeutung. Zur Opferstätte der Juden wird das Sühnopfer für die Sünden der Welt hinaufgetragen. Die Schlacht= und Brandopfer des Tempels wiesen auf das Erlösungsopfer des Messiasreiches; sie werden aufhören, wenn sie erfüllt sind. Nun tut der Erlöser seinen ersten Gang in den Tempel,„Schlacht= und Brandopfer hast du nicht gewollt, aber einen Leib hast du mir bereitet, siehe, ich komme, deinen Willen zu erfüllen.“„Er erniedrigte sich selbst, nahm Knechtsgestalt an und wurde Mensch.“ Das war sein Beruf, gehorsam dem Willen des Vaters, ein unbeflecktes Opfer zu werden für das Heil der Welt; sein Lebensweg ist ein Opferweg von Bethlehem bis Golgatha. „Meine Augen haben dein Heil gesehen, o Herr, das du bereitet hast vor dem Angesichte aller Völker, ein Licht zur Erleuchtung der Heiden und zum Ruhme deines Volkes Israel." So frohlockt in überseligem Glück der fromme Simeon, der Greis, der dem Leben abgestorben, nur noch die eine große Hoffnung im Herzen trägt, das Heil der Welt zu schauen. Er ist der Vertreter des gläubigen Israel, einer von den wenigen, die sich den Glauben und die Hoffnung auf den Heiland nicht haben verfälschen lassen, die über die Enge des nationalistischen Judentums hinausdenken und den Weltheiland erwarten.„Er ist das wahre Licht, das in diese Welt gekommen ist.“— In der Liturgie des Tages wird Christus immer wieder gefeiert als das Licht der Welt; dieser Gedanke hat dem Fest Namen und Sinn gegeben. „Siehe, dieser ist gesetzt zum Falle und zur Auferstehung vieler in Israel und als ein Zeichen, dem man widersprechen wird.“ Es klingt dies Wort wie eine Prophezeiung aus dem Munde des frommen Greises über die Blindheit seines eigenen Volkes, das dem Lichte des Evangeliums sich nicht erschließen will; es klingt dies Wort wie ein Vorahnen des Kampfes um Christus in der Welt. Noch liegt der Heiland als kleines Kind in den Armen Simeons, aber aus dem Kind wird ein Jüngling und Mann werden, der mit göttlicher Macht sein Evangelium der Welt predigen wird. An ihm werden sich die Geister scheiden. Das eigene Volk wird an ihm zugrundegehen, weil es ihn, den wahren Baustein, verworfen hat. Er wird durch die Weltgeschichte gehen, geliebt und gehaßt, angebetet und verworfen. „Und deine eigene Seele wird ein Schwert durchdringen, damit die Gedanken vieler Herzen offenbar werden.“ Der Mutter gilt das Wort. Sie weiß es, daß ihr Leben unzertrennlich mit dem des Sohnes ist, und daß, wenn ihr Sohn den Kreuzweg gehen muß, sie mit ihm den Weg der Schmerzen geher muß. Sie muß eine schmerzhafte Mutter werden; denn ihr Sohn ist das Lamm Gottes, das hinwegnimmt die Sünden der Welt. Aber, als sie dem Engel in jener heiligen Stunde gesagt hatte:„Siehe, ich bin die Magd des Herrn“, da hat sie sich selbst dem Herrn geweiht und dem Willen Gottes unterworfen. Sie ist bereit, auch schmerzhafte Mutter zu werden. So geht der liebliche Weihnachtsfestkreis zu Ende; und es kündigt in seinem Abschiedsfest schon an: kommendes Leid und Kampf und Blut. In der Ferne steigt Golgatha auf. Dr. K Ausbildungslehrgänge für Hebammen und Wochenbettpflegerinnen. Wie uns die Pressestelle des Landeshauptmanns der Provinz Westfalen mitteilt, beginnt am 1. April 1933 in der Landesfrauenklinik Bochum ein achtzehnmonatiger Ausbildungslehrgang für Hebammen und in der Landesfrauenklinik Paderborn ein sechsmonatiger Ausbildungslehrgang für Wochenbettpflegerinnen Gesuche um Zulassung zu den Lehrgängen sind baldigst dem Landeshauptmann in Münster in Westf. einzureichen, von dem auch die Aufnahmebedingungen gegen eine Gebühr von 50 Pf. bezogen werden können. Wäsche kaufen? Keine Bange, Wäsche hält noch mal so lange, und das Waschen ist so leicht, wenn mit BURNUS eingeweicht. Die grosse schmutzlösende Wirkung des BURNUS beroht auf seinem Geholt on Enzymen(d. s. Verdavungssófte). Diese Enzyme hoben die Eigenschoft, den Schutz gleichsom zu verdoven, können ober ihrer gonzen Notur noch niemols die Wöschefoser ongreiten. 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Sodann begrüßte er die zahlreich Erschienenen und besonders den Leiter der Landeszentrale=Industriegebiet Muckermann=Essen, als Vertreter der Stadtverwaltung Magistratsrat Wolff und den Redner der Tagung, Studienrat Kruse=Essen. Herr Muckermann sprach sodann kurz über die Ziele und Aufgaben der staatsbürgerlichen Volksaufklärung durch die Reichszentrale für Heimatdienst. Die Reichszentrale sei 14 Jahre lang ununterbrochen als amtliche Aufklärungsstelle nach jeder Seite sachlich und überparteilich geführt worden. Sie verfolge ein hohes und ideales Ziel, dem alle folgen könnten. die guten Willens seien. Sie wolle immer mehr das allgemeine Wissen über die Probleme des Auslands= und Grenzdeutschlands in den Schulen verbreiten. Dazu wäre keiner mehr berufen, als gerade die Lehrerschaft, vor der Tag für Tig die Jugend sitzt, die ja doch die Hoffnung Deutschlands ist. Es müsse möglich sein, eine Basis zu schaffen, auf der sich die Jugend, ganz gleich, welcher Richtung, zusammenfinden kann, um sich über politische Themen zu besprechen. Zu der Aufklärungsarbeit stellt die Landeszentrale jeder einzelnen Schule ein reichhaltiges Lichtbildmatertal und eine Fülle von Publikationen leihweise und kostenlos zur Verfügung. Es sollen auch Bibliotheken für Arbeitsdienstlager eingerichtet werden. Mit einem herzlichen „Glück auf!" schloß Herr Muckermann seine Ausführungen. Es folgte der erste Vortrag über Fragen des Grenz= und Auslandsdeutschtums von Studienrat Kruse, der seinen Zuhörern mit umfassender Sachkenntnis und einer mitreißenden Darstellungskraft ein anschauliches Bild vom Schicksal des Grenz= und Auslandsdeutschtums und seinen Nöten und Sorgen vor Augen stellte. Er zeigte, wie der Begriff des Volrsdeu“schen, der weder im alten noch im neuen Deutschland Wahrheit geworden ist, weil schon Bismarck es nicht fertiggebracht hat, über den Staatsbegriff hinaus den Begriff des volkstümlichen zu bilden, wie also dieser Begriff gerade in den deutschen Grenzlanden noch fester denn je verwurzelt ist. Gerade in diesen Gebieten lebt noch etwas anderes und Tieferes, als nur der Gedanke, zum deutschen Reich zu gehören. Hier lebt der Begriff des Deutschseins, der sich weder durch Drohungen, noch durch Lockungen, weder durch Ausweisungen, noch durch Mißhandlungen umformen oder gar ausmerzen ließe. In Allenstein wurden zum Beispiel der deutschen Bevölkerung von den Polen alle Arten von Lebensmitteln gebracht, um sie zum Umschwenken zu bewegen; man machte ihr immer von neuem klar, daß Deutschland den Krieg verloren habe und zahlen müsse, daß dagegen Polen den Krieg gewonnen und von Deutschland viel Geld zu erwarten habe— nichts konnte die Deutschen in ihrem volkstümlichen, deutschen Denken beirren und sie in der Treue zum Mutterland= wanken machen. An ausführlichem Zahlenmaterial zeigte der Redner dann, wie rücksichtslos man in allen Grenzgebieten baran arbeitet, um immer neue Teile von Deutschland zu trennen. Wir nennen einige Zahlen: 66 Prozent der deutschen Kinder in den Grenzgebieten müssen zwangsweise polnische Schulen besuchen, obschon sie zu Hause nur deutsch sprechen, 9000 Güter sind bereits dem Deutschtum verloren, 15 000 Güter stehen noch, von denen eine außerordentlich große Zahl in Gefahr schwebt, ebenfalls verloren zu gehen Und wie können wir im Reich nun helfen und all der Not steuern? Aufklärungsarbeit leisten über die tatsächliche Lage in den Grenzgebieten! Dadurch unseren Brüdern und Schwestern neue Hoffnung und Kraft zum Weiterkämpfen geben und ihnen zeigen, daß wir sie in ihrer Bedrängnis nicht vergessen und bereit sind, ihnen zu helfen. Es muß eine gründliche Revision der Schandverträge durchgeführt werden. Das ist keine parteiliche oder konfessionelle Angelegenheit, sondern Sache des gesamten Deutschland. Polen drangsaliert unsere evangelischen Brüder im polnischen Korridor ebenso, wie unsere katholischen Brüder in Oberschlesien Studienrat Kiuse spricht dann weiter über die Vergewaltigung Tirols durch Italien und über die sehr wichtige Forderung Deutschlands, nun endlich wieder an der Verwaltung der Kolonien teilzunehmen. Deutschtum an der Grenze ist ein Heimatsdeutschtum, für das zu kämpfen wir alle verpflichtet sind. Vor allem müssen wir alle daran arbeiten, daß in Deutschland das partikularistische Denken dem Gedanken einer inneren Schicksalsverbundenheit weicht. Es ist Pflicht und Aufgabe gerade der Volksschulen, unserer Jugend über die Leiden unserer Schwestern und Brüder in den Grenzgebieten und im Ausland aufzuklären, aber auch über ihren Willen, dem deutschen Mutterlande treu zu bleiben. Wir wollen kämpfen, daß mit der deutschen Sprache auch deutsches Land erhalten bleibt! Als Ergänzung zum Hauptthema folgte dann ein Lichtbilder=Vortrag; ebenso war mit der Veranstaltung eine kleine Ausstellung staatsbürgerlicher Schriften verbunden. Die staatspolitische Lehrertagung wird in einer längeren Vortragsreihe fortgesetzt werden Endlich: Die Reichsbahn berichtigt. Der Triebwagenverkehr bei der Reichsbahn. Jetzt endlich bequemt sich auch die Reichsbahn, die in Verbindung mit dem Fliegenden Hamburger in der Presse aufgetauchten Gerüchte, als ob derselbe Blitzzug auch im Ruhrgebiet in Verkehr gestellt werden soll, zu berichtigen und auf das richtige Maß zurückzuführen. Bekanntlich hat die W. V. von vornherein diese Blitzzüge für das Ruhrgebiet als Fabel abgetan und als erste Zeitung unsere Leserschaft von dem vierachsigen Schnelltriebwagen berichtet, der im Frühjahr im Ruhrgebiet laufen wird und von dem auch in der folgenden Erklärung die Rede ist. Die Reichsbahn schreibt: In letzter Zeit sind aus Anlaß ber Fahrten des neuartiaen Schnelltriebwagens der Reichsbahn auf der Strecke Berlin—Hamburg in der Tagespresse(nicht in der W. V.) von privater Seite mehrfach Aufsätze erschienen, die den Eindruck erwecken, als ob in der nächsten Zeit auf verschiedenen Strecken der Reichsbahn weitere Schnelltriebwagen gleicher Bauart zum Einsatz kommen würden. Zur Behebung von Zweifeln ist hierzu zu sagen, daß die Reichsbahn diese elektrische Triebwagen zur Verwendung auf Hauptbahnstrecken in zwei Ausführungen(Schnelltriebwagen und Eiltriebwagen) bauen läßt. Der Schnelltriebwagen Berlin—Hamburg ist ein Doppelwagen mit drei Drehgestellen zu se zwei Achsen. Er entwickelt eine Fahrgeschwindigkeit von 150 km in der Stunde. In den zwei Enddrehgestellen ist je ein Dieselmotor von 410 PS Leistung eingebaut. Der Eiltriebwagen, der vorläufig auf der Strecke Frankfurt—Wiesbaden läuft, ist mit dem Schnelltriebwagen nicht zu verwechseln; dieser Wagen hat zwei Drehgestelle zu je zwei Achsen und entwickelt eine Fahrgeschwindigkeit von 100 km in der Stunde. In einem Drehgestell ist ein Dieselmotor von 410 PS eingebaut. Die Reichsbahndirektion Essen wird im Laufe des Sommers 1933 voraussichtlich drei ähnliche Triebwagen(410 PS) mit je einem Beiwagen erhalten, der als Steuerwagen ausgebildet ist. Der Beiwagen kann auch ols Spitzenwagen laufen und ist mit Führerstand versehen, so daß auf dem Zielbahnhof eine Umstellung der Wagen nicht erforderlich ist. Es ist beabsichtigt, diese Wagen hen Dortmund und Duisburg nach Art der bereits zwischen Dortmund=Hbf. und DuisburgHbf. laufenden Züge des Ruhrschnellverkehrs einzusetzen. Von der in der Deffentlichkeit erwähnten Einrichtung eines Rundverkehrs Köln—Düsselborf— Duisburg—Essen—Dortmund—Hagen—Wuppertal Köln ist bei den zuständigen Stellen der Reichsbahn nichts bekannt Zwischen Bürgersteig und Straße. Auf der Großen Beckstraße. Ecke Bongardstraße, wurde gegen 19.35 Uhr ein Motorrad von einem Pferdefuhrwerk beim Ueberholen angefahren. Der Führer des Motorrades erlitt leichte Verletzungen. Das Motorrad wurde leicht beschädigt * Gegen 14.20 Uhr wurde auf der Dorstener Straße, vor dem Hause 223, ein Radfahrer von einem Lieferwagen angefahren und erheblich verletzt(Schlüsselbeinbruch und leichte Gehirnerschütterung). Der Verletzte wurde von dem Fuhrer des Lieferwagens in das Josephs=Hospital in Wanne=Eickel eingeliefert. Lebensgefahr besteht nicht. * u. Ein widriges Geschick ereilte den Schüler M. von der Dorstener Straße, der Ech gestern vormittag durch die halbgeöffnete Toreinfahrt hindurchzwängen wollte, um auf die Straße zu gelangen. Ein plötzlicher Windstoß schlug die eisernen Torflügel zusammen, wobei der Schüler mit seinem linken Arm dazwischen geriet. Er erlitt erhebliche Quetschungen, so daß er ärztlicher Behandlung zugeführt werden mußte. Auf dem Dorpeweg stürzte gestern infolge eines Stangenbruchs der Anhänger eines Lieferautos, das von Osnabrück kommend, nach Bochum wollte, um. Die Wurstwaren, mit denen der Anhänger beladen war, flogen auf die Straße und wurden von Passanten aufgelesen. Menschenleben kam nicht zu Schaden. Die Diebeszunft an der Arbeit. Vom Gehöft eines Landwirts Am Pappelbusch in Bochum wurde eine Jauchekarre(80 Zentimeter hohes Faß, welches mit einem zweiräderigen Fahrgestell verbunden war) entwendet. Dem gleichen Landwirt wurde im Monat Dezember 1932 von einer zweiräderigen Karre, die auf einer Ziegelei untergestellt war, ein Rad abmontiert und gestohlen. * Diebe drangen in der Nacht in die Wohnung eines Hauses der Ulmen=Allee ein und entwendeten Wäsche und Lebensmittel. * Aus einem verschlossenen Lagerraum an der Gußstahlstraße wurde eine Zeltplane gestohlen. ALEXANDER RACHMANOWA Studenten, Liebe, Tscheka und Tod Tagebuch einer russischen Studentin Copyright bel Verlag Anton Pustet, Salzburg Nachdruek verboten. (79. Fortsetzung.) 16. Juni 1919. Wir sind wieder im Zug. Auch die Tante fährt mit uns. Wieder dasselbe Spiel wie bei uns: bis zum letzten Augenblick haben die Behörden versichert, es sei keine Gefahr, und erst einige Stunden vor der Uebergabe wurde der Befehl zur Evakuierung gegeben. Die Tante lief wie verrückt im Zimmer herum und wußte nicht, was sie mitnehmen und was sie dalassen sollte. Sie packte in der Schnelligkeit einen silbernen Samowar und einen persischen Teppich zusammen. Im Waggon fiel ihr ein, daß der Samowar auf der Fahrt verderben könnte, und sie schickte das Dienstmädchen damit wieder heim. Kurz vor der Abfahrt kam sie wieder darauf, daß man vor allem Eßwaren hätte mitnehmen sollen. Da setzte ich mich auf ein herrenloses Pferd und jagte schnell in die Stadt zurück. Die Wohnung der Tante machte auf mich einen entsetzlichen Eindruck. Alles war durcheinandergeworfen, man sah, daß die Leute, die hier in den letzten Stunden gehaust, den Sinn für logisches Handeln gänzlich verloren hatten. Ganze Hausen von allen möglichen Dingen lagen am Boden herum. Dinge, die den sinnlos Herumeilenden gerade in die Hände gekommen waren, um gleich wieder weggeworfen zu werden. Dort waren die Briefe. die der Onkel als Bräutigam an die Tante gerichtet, zerstreut am Teppich, da lagen Berge von Gerichtsakten, und in der Ecke stand das Klavier. geöffnet, am Notenhälter noch ein Walzer von Chovin aufgeschlagen; traurig wartete es auf den Augenblick. in dem es einen Rotgardisten als Brennmaterial dienen würde.. So schnell ich konnte. lief ich in die Speisekammer, nahm von den Lebensmitteln, was ich in der Eile erwischen konnte und zu tragen vermochte: Brot. Zucker, einen Schinken und einige gebratene Hühner, und hastete die breiten, mit weichen Teppichen belegten Treppen herunter. Ein letztesmal umfing mich nochmals der Duft feiner Kultur, der von jedem Eckchen in diesem Hause wehte, und dann ging es fort, dem schmutzigen, stinkenden Viehwagen zu. Vor der Haustür stand das Dienstmädchen.„Lisa“, sagte ich. „sperren Sie, bitte, die Tür in die Wohnung zu!“ „Ich gehe ja auch weg. Baryschnia!" Und wozu denn zusperren? Wie die Weißen weg sind, werden die Roten ja doch plündern. Glauben Sie, die werden sich genieren, wenn die Tür zugesperrt ist?“ Das Pferd ließ ich einfach beim Bahnhof stehen. es sollte auch seine neuen Herren erwarten; als wüßte es, daß dies ein Abschied auf immer von seinem Stalle bedeute, sah es mich traurig an. Fürchte dich nicht, armes Tierchen, dir kann ja nichts geschehen, denn du sprichst nicht Französisch, du spielst nicht Klavier, du trägst keine weißen Hemdkragen, du putzt dir nicht die Zähne, kurz und gut, du bist ja kein Burshui... Zahllose Menschen schleppten ihre armseligen Bündelchen und Körbe dem Bahnhof zu, das Schreien und Schimpfen der Männer, das Weinen und Heulen der Weiber und Kinder erfüllte die langen. aubigen Straßen. Wie von Wahnsinn gepeischt, ießz sich dieser Menschenhaufe vorwärts, nur einen Gedanken hatten diese Tausende, die von höllischer Angst sinnlos geworden waren: Rettung vor den Roten! Was diese Menschen in Jahrzehnten erarbeitet, erbaut. errungen hatten, das alles warfen sie von sich, wie man einen alten Handschuh wegwirft... Rettung vor den Roten! 17. Juni 1919. Die Stadt N...„ aus der wir gestern wegfuhren, ist heute schon in den Händen der Roten. Unser Zug ist plötzlich stehengeblieben; vor ihm steht Gräulein. noch ein Zug. weiter vorn wieder einer, und so fort. soweit das Auge reicht. Ein endloses Band von Viehwagen, deren jeder vollgepfropft ist mit Unglücklichen, die um ihr Leben zittern. Am andern Geleise aber fahren Züge mit Tschechen und allen möglichen Ausländern vorbei. Der Vater ging zum Stationsvorstand und hielt ihm vor Augen, daß die Weißen Offiziere und Soldaten, die verwundet in den Wagen lägen, erschossen würden, wenn sie den Roten in die Hände fielen. „Ich kann die Züge nicht weiterlassen, ich muß die Befehle der Tschechen und Amerikaner ausführen“. war die Antwort.„sonst erschießen sie mich Der Vater wollte sich nicht so einfach abfertigen lassen; es half aber alles nichts. 18. Juni 1919. Wir sitzen eng aneinandergedrängt und starren einander an wie stumpfe Tiere Es ist heiß, entsetzlich heiß; wir sind naß vor Schweiß. Der Zug steht mitten im freien Felde, vor uns und hinter uns ein endlosen Band von Zügen. Das entsetzlichste ist. daß die Wagen keine Aborte haben; manchmal fährt der Zug stundenlang ohne Aufenthalt, manchmal steht er halbe Tage mitten in der endlosen, nackten Ebene, und da muß jeder kleine Strauch, jeder Maulwurfshaufen herhalten, um alDeckung bei der Verrichtung der notwendigsten Bedürfnisse zu dienen. 19. Juni 1919. Die Insassen des Waggons haben sich gegenseitig bis zum äußersten satt bekommen. Es ist ein grausames Zusammenleben. Mit uns fährt die Geheimrätin Kowalewskaja, die Familie der Tante. ein Arzt mit Familie— drei kleine Kinder!—, einige Krankenschwestern und ein Feldscher. Der Feldscher schwitzt ganz besonders viel. und da er kein Sacktuch hat, wischt er sich den Schweiß ununterbrochen mit dem Aermel ab. der schon ganz schwarz und speckig ist... 20. Juni 1919. „Wasja, Wasja! Ich glaube, mich hat eine Laus gebissen!“ Das ist der Schreckenoruf, mit dem Wie wird das Wetter? Zwischen Island und Mittelskadinavien ist ein kräftiger Sturmwinkel angekommen. In seinem Strömungsgebiet liegt bereits ganz Mittel= und Westeuropa, so daß hier unter dem Einfluß der zuströmenden warmen Ozeanluft allgemein starke Bewölkung und Temperaturen über Nu" Grad gemeldet werden. Das südliche Skandinavien, die Nordsee und Großbritannien verzeichnen bei stürmischen südlichen und südwestlichen Winden verbreiteten Niederschlag der über dem südlichen Norwegen meist als Schnee fällt. Ueber Schottland entwickelt sich ein selbständiger Teilwirbel. Seine Bahn wird ebenfalls gegen Nordosten gerichtet sein so daß nur sein Strömungsfeld und die Ausläufer seiner Störungen Westdeutschland stärker beeinflussen werden. Die Temperaturen bleiben weiterhin sehr mild. Vorhersage für Donnerstag: Wei= terhin frische um Südwest schwankende Winde. Dabei unbeständiger, stark wolkiger Witterungscharakter mit zeitweisem Regen. Für die Jahres zeit sehr mild. Wahrscheinliche Weiterentwicklung: Beim Herankommen neuer ozeanischer Störungen wenig Aenderung wahrscheinlich. Steuerfälligkeit im Monat Februar 1930. Die Stadtkasse Bochum macht darauf aufmerksam, daß bis zum 3. Februar 1933 das Schulgeld für die staatl. höheren Lehranstalten und die Unterhaltsbeiträge für Februar, bis zum 10. Februar die Getränkesteuer für Januar und die mit besonderem Steuerbescheid angeforderte Bürgersteuer für 1933, bis zum 15. Februar die Biersteuer und die Gewerbesteuer von der Lohnsumme für Januar, die Abgaben vom Grundbesitz(staatliche Steuer vom Grundvermögen, Hauszins= und Gemeindegrundsteuer nebst Gebühren), die Vergnügungssteuer für ständige Veranstaltungen und die städt. Schulgelder für Februar, ferner die Gewerbesteuer vom Ertrage und die Hundesteuer für Januar—März 1933 und die Landwirtschaftskammerbeiträge für 1932 an die Stadtkasse— Steuerkasse— zu zahlen sind In den eingemeindeten Stadtteilen kann Zahlung an die örtliche Zahlstelle und an den bekanntgegebenen Kassentgen erfolgen. Bis zum 15 Februar 1933 sind auch dieNwenneuern in den Stadtteilen Gerthe=Harpen und Linden=Dahlhausen für Januar—März 1933 zu entrichten. Die Arbeitgeber sind verpflichtet, die im Februar 1933 fällig werdende Bürgersteuer für 1933 bei den Lohnzahlungen vom 10. Februar 1933 ab vom Arbeitslohn einzubehalten und an die obenbezeichnete Kasse abzuführen. Es wird darauf hingewiesen, daß gültige Zablungen nur an empfangsberechtigte Beamte geleistet werden können. Die Ueberweisung auf ein Bank= oder Postscheckkonto der Stadtkasse wird empfohlen. *) Aus der St. Marienpfarrei. Der Herz=JesuFreitag dieses Monats kann leider nicht in der gewohnten Weise begangen werden. Das Allerheiligste kann nur in der ersten hl Messe ausgesetzt werden; die beiden anderen hl. Messen müssen Beerdigungsämter sein. Die Gemeinschaftskommunion wird deshalb auf die erste hl Messe angesetzt. Die Mütterprediat wird am kommenden Sonntage in eigener Mütterandacht um 4 Uhr gehalten werden. Kellerbrand. Auch gestern abend mußte die biesige Feuerwehr wieder ausrücken. Diesmal war in der Rosenstraße 8 ein Kellerbrand entstanden. Ueber eine Stunde dauerte die Arbeit, bis mit einer Schlauchleitung das Feuer gelöscht war. Eheberatungs- u. Rechtsschutzstelle des Kalh. Deutschen Frauenbundes Die Sprechstunden sind jeden Donnerstas nachmittas von 3 bie s Uhr. Kanalstr. 15, Erdgeschoh. Die Beratung ist streng vertraulich und kostenlos. Den Ratsuchenden steht ein erfahrener Seellorger. Arst und Jurist im Einzelfalle durch Vermittlung der Beratungsstelle zur Verfügung. die Tante von fünf zu fünf Minuten den ganzen Waggon alarmiert. Sofort beginnt sie sich aufzuknöpfen. Kyra muß eine Decke vorhalten, und der Onkel muß lo lange suchen, bis er die gebissene Stelle gefunden, die er nun mit Spiritus einzureiben hat. Die Tante hat eine höllische Angst vor dem Flecktyphus. Der Vater sitzt finster in seinem Winkel auf der Pritsch. Sein Gesicht ist schmutzig vom Kohlenstaub, und er riecht nach Wodka, er, der sonst nie trinkt. Bei jedem Aufenthalt kommt der Ingenieur Wesnowski mit einer Flasche, sie stellen sich vor den Waggon und trinken den Schnaps aus Wassergläsern. Der Gesichtsausdruck beider ist trostlos; es sind Menschen, die an keine Rettung mehr glauben, für die alles verloren ist. Ich sitze in meiner Ecke und weine; so habe ich meinen armen Vater noch nie gesehen! 21. Juni 1919. Unsere Wäsche ist ichmutzig, aber wir haben nichts zum Umziehen, nicht einmal eine einzige Garnitur Wäsche konnten wir mitnehmen. Die Luft im Waggon ist entsetzlich. Die Tochter des Feldschers ist an Dysenterie erkrankt. 23. Juni 1919. Wir haben kein Geschirr. Die Feldscherin schenkt uns eine Blechdole von Monvensiers" und wir laufen jetzt damit auf den Stationen um Kipiatok." Dadreijährige Töchterchen des Feldschers ist seiner Dosenterie erlegen. Wir begruben es bei einem Aufenthalt mitten im freien Felde. 24. Juni 1919 Ein linder Sommerregen fällt. Er lenkt unsere Aufmerksamkeit auf das Waggondach, das voller Löcher ist. Das Wasser rinnt direkt auf unsere Betten, die wir aus den Mänteln zurechtgemacht haben. Nun ist auch die Mutter erkrankt. Sie hat Fieber. Eine Art Konfekt * Kochendes Wasser. (Gortietung folgt) 18. Fortsetzung. „Wir sind in eine Wolkenbank hineingefahren“ bemerkte er. Kurz darauf zuckte ein Lichtstrahl auf, dem nach einer kleinen Pause ein grollender Donner folgte. Hermann eilt sofort in die Führergondel; mich bat er, im Tagesraum bei Thea zu bleiben. Inzwischen war auch der Sturm losgebrochen. Ein tropischer Sturm! Das muß man mitgemacht haben! Beschreiben kann man das nicht. Dieses Heulen und Pfeifen und dumpfe Grollen wie von 1000 wilden Bestien, das Kreischen und Brüllen wie von wildgewordenen Stieren... Unser Regina zitterte in allen Gliedern, wie eine vom Tiger verfolgte Gazelle. Es war in der Tat gerade, als ob ein Riesengoliat oder ein wahnsinnig gewordener Neptun sie gepackt hätte, sie einmal 1000 Meter hoch und gleich darauf 1000 Meter tief hinab schleuderte... Anfangs schien Thea in ihrem tollen Uebermut das Ganze als eine neuartige Sensation zu betrachten. Als z B. der Sturmriese unsere Regina packte und wortwörtlich um ihren Mittelpunkt drehte und zwar von oben nach unten, da rief sie„Looping the loop!“ Als aber die Blitze um uns herum zu zucken begannen und der rollende Donner sich in blitzschnell folgende Donnerschläge auslöste, da sah ich Thea erbleichen. Unser Licht ging glücklicherweise nicht aus. Dann wurden wir mehrmals schnell nacheinander im Kreise herumgewirbelt, dann wieder auf den Kopf gestellt, so daß alle Dinge. die nicht fest vernietet waren, hin und her flogen, unsere vier Klubsessel, unsere Stühle, unsere Kaffeekanne mitsamt den Tassen— und zwar in Scherben— und ich selbst. Allerdings gelang es mir, beim Hinuntergleiten den einen Fuß der fest angeschraubten Chaiselongue zu erwischen und mich daran festzuklammern. Als ich aufblickte, sah ich Thea am Treppengeländer zur Motorgondel auf unserm Dache sich anklammern, dieses Mal aber mit angsterfüllten Zügen. Auf einmal rief sie:„Karl, wir sind verloren!..“ Es war übrigens ein Glück, daß sie dort hing; denn nun ertönte das Klingeln des Telephons. Hermann rief aus seiner Kabine Thea an, um sich zu vergewissern, ob sie lebe und bat sie dann, wenn möglich, den Windmühlenmotor anzuwerfen; von seiner Gondel aus ging es nicht mehr. Mutig kletterte sie sofort in die Gondel und bald hörte man in stillen Augenblicken, wie sie bisweilen bei diesen westindischen Zyklonen— denn in einen solchen waren wir hineingeraten— vorkommen, das gleichmäßige Surren des Motors und wahrhaftig, wir begannen zu steigen. Die anderen Motore ließ Hermann gleichzeitig gegeneinander laufen. Sein Gedanke war ohne Zweifel durch möglichst hohes Steigen aus der schlimmsten Wirbelzone hinaus zu kommen. Interessant war das Benehmen unserer Menagerie. Man sagt ja, daß in Todesgefahr selbst die Bestien des Urwaldes sich zum Menschen hinflüchten, als ob er Hilfe wisse... jedenfalls waren sowohl Rex, wie auch Pussi während des fürchterlichen Unwetters zu mir herangekrochen. Rex lag neben mir unter der Chaiselongue; Pussi krallte sich sogar an meinen Rock fest, während sie ängstlich miaute. Rex winselte wie ein Kind. Gott sei Dank! Nach mehrstündigem Ringen kamen wir aus den schlimmsten Wirbeln heraus bei etwa 3000 Meter Höhe. Darauf fuhren wir mit höchster Tourenzahl scharf nach Süden und gegen Mitternacht wurde es allmählig wieder still. Halbtot kam Hermann zu uns und, nachdem er festgestellt daß die Gefahr vorüber war, fiel er in sein Bett und lag dann wie ein Brückpfeiler im Strom. Nur einer von uns hatte eine kleine Verletzung davongetragen, nämlich Natz, der seinen Schädel gegen das Dach der Motorkabine angestoßen hatte, als wir looving the loop' machten. Es war aber nicht gefährlich.„Ein westfälischer Schädel bricht nicht so leicht,“ meinte der schweigsame Bentherm. Natz selber behauptete Regina haben bloß Tanzunterricht haben wollen; das sei das Geheimnis der wilden Jagd gewesen... Augenblicklich befinden wir uns auf dem 15. Grad. Das hat vermann aus dem Schatten eines meterlangen Stabes berechnet, der heute mittag, als die Sonne gerade im Zenit stand, einen zwölf Zentimeter langen Schatten genau nach Süden warf... In Sudamerika gelandet Bella Vista am Tapajos, 24. Juni. Heute nachmittag um 4 Uhr sind wir ohne weiteren Unfall auf dem mehr als ein Kilometer breiten Sandgestade des Rio Tapajos niedergegangen. Seit gestern morgen standen wir in drahtloser Verbindung mit Bella Vista, dem Landhause des Bischofs von Santarem, wo Bruder Zyrillus, ein begabter Mechaniker und Elektrotechniker alle Vorbereitungen zu unserer Landung mit fachmännischer Kenntnis getroffen hat. Unsere Durchschnittsgeschwindigkeit war, wie der Leser leicht selbst berechnen kann, auf etwas unter 100 Kilometer die Stunde herabgegangen. Der Hauptgrund war der Sturm und die zahlreichen, allerdings nicht lebensgefährlichen Wunden, die Regina im Kampfe mit dem Ungeheuer davongetragen hatte. Drei oder vier Scharniere waren gebrochen, die äußeren Gummituchhüllen der Ballonsysteme waren teilweise zersetzt. Sie hingen in Lappen zu beiden Seiten der Gassäcke hinunter und flatterten im Winde. Natz und Gratz erboten sich zwar, über die Ballonhüllen hinwegzuklettern— selbst Thea hatte beinahe Lust, dasselbe zu tuen, wagte aber nicht, ihrem Manne eine Andeutung zu machen— um die Fetzen wieder zu flicken, aber Hermann erklärte, es sei nicht von solcher Bedeutung, da die durch die Verletzungen bedingte Verzögerung nicht so grot sei, daß wir Benzin= und Oelmangel fürchten müßten... Der hochwürdigste Herr Bischof kam gegen Abend mit einem Motorboot von Santarem, um uns zu begrüßen. Ein sehr liebenswürdiger Herr. Thea findet ihn entzückend nett. Er war so froh, Hermann wieder zu sehen, der ja vor beinahe zwei Jahren drei Wochen lang sein Gast gewesen war, und hofft, daß es ihm gelingen möge, seinen für das deutsche Volk so ungeheuer wichtigen Plan auszuführen. Soweit er nur kann, will er ihm zur Seite stehen. Einstweilen überläßt er ihm den Bruder Zyrillus, den Obermechaniker des Bistums. Br. Zyrillus nahm mit uns am Abendessen teil. Er berichtete kurz was er alles vorbereitet habe. Nachher saß der Bischof mit uns noch ein Stündchen zusammen auf der luftigen Veranda des Hauses und tauschte Gedanken aus, die sich auf das große Unternehmen bezogen. Es wurde beschlossen, eine erste Forschungsfahrt, um einen Ueberblick über das in Frage kommend Gebiet zu gewinnen, nördlich bis zu dem Gebirgslande im südlichen Veneznela, Guavana, und von da, den Orinoco kreuzend, über die Llanos von Venezuela und Kolumbien bis zum Rand der Ost=Kordillere zu machen; dann der Kordillere nach Süden zu folgen bis zum Pongo de Manseriche in Peru, dem Felsentore, durch das der Amazonas hindurchbricht... „Wie weit wird das wohl sein, alles in allem?“ fragte ich Hermann. Er breitete seine Karte aus und begann zu messen. „1000 Kilometer bis zum Gebirgsland Guyana, 1000 bis zur kolumbischen Grenze am Zusammenfluß von Orinoco und Meta. 1000 von da bis zur Ostkordillere und 1000 die Ostkordillere hinunter bis zum Pongo de Manseriche: zusammen 4000 Kilometer. ... Am Pongo müssen wir um jeden Preis anhalten und etwa eine Woche lang, Land und Leute studieren und dann...*— Nach einer kleinen Pause fragte er:„Was meinen Bischöfliche Gnaden zu diesem Gedanken?“ Ich hatte schon gemerkt, daß der Bischof etwas auf dem Herzen zu haben schien und war nicht erstaunt, als er nun plötzlich sagte: „Lieber Herr Van den Kamp, wollen Sie mir nicht die große Freude machen und diese vornehmen europäischen Anreden sein lassen. Ich bin ein armer Franziskaner Missionsbischof und möchte am liebsten mit meinem schlichten Ordensnamen: Pater Athanasius angeredet werden.“ „Aber mit dem größten Vergnügen, hochwürdigster— bitte um Entschuldigung— Pater Athanasius. Und nun darf ich auch meinerseits eine Bitte aussprechen. Erinnern Sie sich noch, wie Sie mir bei meinem vorigen Hiersein erzählten von ihrem Waisenhaus und wie ich Ihnen versprach, wenn irgend möglich, Wohltäter dafür zu gewinnen. Ich habe mein Versprechen nicht vergessen und zum Beweise dafür bitte ich Sie, diese Kleinigkeit in Empfang zu nehmen.“ Dabei überreichte er dem Bischof 10 Ein=Tausend=Dollarnoten. „Zehn tausend Dollar!“ rief dieser aus,„das ist ja ein ganzes Vermögen. Das sind nach dem heutigen Stande unserer Währung über 120000 Milreis. Damit bezahle ich nicht nur alle Schulden, die auf dem Waisenhaus stehen, sondern kaufe noch mehrere hundert Hektar Plantagenland, um nach und nach daraus meine 150 Waisenkinder zu unterhalten...“ Dieser Hermann! Seine größte Freude scheint darin zu bestehen, andere glücklich zu machen. Ein Idealmensch! Bei dieser Gelegenheit erfuhren wir denn auch, daß in Brasilien wieder einmal Inflation herrschte. Statt 20 Cents war der Milreis nur 8 wert. Im Laufe der Unterhaltung erwähnte der Bischof auch, daß sein Sprengel ein Gebiet umfasse ungefähr so groß wie Deutschland und Oesterreich zusammen mit einer Bevölkerung von 200000 Seelen; also auf drei Quadratkilometer ungefähr ein Mensch. „Aber ist denn das Gebiet so unfruchtbar?“ wollte ich wissen, „daß nicht mehr darauf leben können?“ „Im Gegenteil“, erwiderte er,„es ist eines der fruchtbarsten Länder der Erde. Dreifache Ernt und in großer Masse. Nicht vierzigfache, sondern vierhundertfache bei Mais, Reis, Hirse etc. Aber so dünn bevölkert ist ja der ganze Nordteil Südamerikas. Ein Gebiet, zwanzig mal so groß wie Deutschland mit weniger als 20 Millionen Einwohnern, darunter nur 3—4 Millionen Weiße. Die übrigen sind Eingeborene und Mischlinge. Ich versichere Ihnen: In diesem Gebiete könnten ohne Schwierigkeit eine Milliarde Menschen ihr gutes Auskommen finden; denn es gibt in dem ganzen Bereiche dieser unermeßlichen Wälder und Weiden nicht eine einzige wirkliche Wüste, bloß einige Steppen, die aber ebenfalls viele wertvolle Erzeugnisse hervorbringen würden unter fachmännischer Bearbeitung.“ „Hörst du es?“ rief Hermann,„dieser Gedanke ist die Grundlage unseres Planes!“ „Aber vielleicht ist das Klima so ungesund, daß Europäer hier nicht leben könnten“, wagte ich einzuwenden. Fortsetzung folgt.) Nach der Schlacht um Shanhaikwan. Dieses Bild zeigt, wie furchtbar das japanische Artilleriefeuer und die japanischen Bombenflugzeuge in der Stadt Shanhaikwan an der großen chinesischen Mauer wüteten. Nur noch kümmerliche Trümmerreite stehen an der Stelle des Städtchens, das als Angriffsziel der japanischen Offensive kürzlich im Mittelpunkt des Weltinteresses stand. ...Darauf kommtes an: Bochum, Bongardstraße 11 Durchgehend geöffnet. „Grüner Tisch“ spielt gegen „Schwarze Tinte“. Die Mannschaften stehen: Der Schleier um die beiden Mannschaften lüftet sich. Akurat und schneil, mie bei Verwaltungsbeamten üblich, haben die Sportführer zuerst ihre Mannschaft nominiert. Sie sieht folgendermaßen aus: Friese(Handball=Sachbearbeiter); Berres(Spielausschußmitglied des Rasensportverbandes), Zynda (Vorsitzender des Gaues Bochum); Faber(Spielausschußmitglied des Rasensportverbandes), Wittemus (Ruhrbezirks=Schiedsrichter=Sachbearbeiter). Surhoff (Leiter des Stadtamtes für Leibesübungen); P Schmidt(Gau=Schiedsrichter=Sachbearbeiter), W. Meier(Starter und Leichtathletikobmann). Hengst (Sportlehrer), Vollmer(Jugendführer des M. B. V Linden), Päsler(Sekretär des Rasensportverbandes). Wer die Bochumer Fußballgeschichte kennt, der weiß was er von dieser Mannschaft zu halten hat. Man braucht nur an den Namen Peter Schmidt zu denken. dann ist man sofort im Bilde. Heute ist er ja der energische Leiter des Bochumer Schiedsrichterwesens er, der vor und nach dem Kriege die Massen durch seine Dribblings und sein witziges Spiel begeisterte. Das weiß die Pressemannschaft ganz genau. Es stimmt zwar nicht, wenn gesagt wird, die Hintermannschaft der„Schwarzen Tinte“ sehe dem Samstag nur mit Zittern und Zagen entgegen, aber„Manschetten“ haben die Presseleute vor Peter und seinem Sturm jedenfalls. Die Mannschaft der„Schwarzen Tinte“ ist von den Regisseuren erst aufgestellt worden, nachdem man die des„Grünen Tisches“ kennen gelernt hat. Man hat jedenfalls den Versuch gemacht, sie der des Gegners anzupassen. Es wirken mit: Landefeld(Westf. Volkszeitung); Krieter(Westf. Volkszeitung), Flamme(Bochumer Anzeiger); Rohland (Boch. Tageblatt). Schulte(Bochumer Anzeiger), Laupenmühlen(Bochumer Anzeiger); Dr. Dierichs, Wegener(beide Boch Anzeig). Herker, Dörnemann(beide Westf. Volkszeitung), Wirtz(Rote Erde). Die ersten Sieger auf dem Berliner Reitturnier. Links. Oberleutnant Hasse, der die zweite Abteilung des Preises der Grünen Woche gewann. in der nur frühere Sieger antreten durften.— Rechts: Frau von Opel, die in der ersten Abteilung des Preises siegte, wobei sie die beste Zeit erzielte, die in beiden Abteilungen erreicht wurde. Der große Erfolg des Berliner Reitturniers hält weiter an. Auch am Mittwochnachmittag war die weite Halle fast restlos ausverkauft. Die Fortsetzung des„Prinz Friedrich Sigismund=Erinnerungs=Preises“ führt diesmal die Teilnehmer vom Tage vorher über einen vornehmlich aus Hoch=WeitSprüngen bestehenden Kurs. Allerdings starteten zusammen nur noch 30 Pferde. 19 hatten die Aussichtslosigkeit ihrer Bemühungen auf Grund der bisherigen Resultate bereits eingesehen Die am Dienstag fehlerlos gebliebenen Pferde enttäuschten stark. Am Mittwoch sprangen nur drei Pferde fehlerlos und zwar„Der Mohr“(Leutnant K. Hasse) sowie die beiden Tichechen„Kamila“(Oberleutnant Schantin) und„Elliot“(Kapt. Statecny). Letzterer hatte bei seinem ersten Start nur vier Fehler gemacht und plazierte sich lomit in der vorläufigen Gesamtwertung an dritter Stelle hinter„Kurfürst“ und„Husar“.— Im„Preis vom Kaiserdamm“, einer Dressurprüfung für Reitpferde. triumphierte der Trakehner„Linneweber“ und in dem den Damen vorbehaltenen„Preis vom Hippodrom“ schoß der Vollblüter„Servatius“ unter Frau Franke wiederum den Vogel ab. Ein Aufruf des W. 5. V. an seine Mitglieder zur Meldung für die Arbeitodienstlager. Der Gau Bochum=Hattingen des W. S. V. bittet uns um die Aufnahme des nachfolgenden Aufrufes den der Verbandsvorstand erlassen hat: W. S V.er! Der W. S. V. wird in Kürze verschiedene geschlossene Lager zur Durchführung des Freiwilligen lrbeitsdienstes errichten. Junge W. S. V.er im Alter von 16—25 Jahren können sich zur Einreihung in dieses Lager melden bei der Gaugeschäftsstelle Hotel (Inh. J. Zipuda), Bochum, Kortumstraße 4. Die Meldung muß enthalten Vor= und Zuname, Geburtstag und=Ort sowie genaue Anschrift. Arbeitskleidung, Wäsche, Schuhe, Sportanzug werden gestellt. Außerdem erhält jeder kostenlose Unterbringung und reichliche Verpflegung und ein wöchentliches Taschengeld in Höhe von 1.80 Mark Junge W. S. Ver, die Lust zur Arbeit und Freude an einem Zusammenleben mit Kameraden bei Sport und Spiel haben, werden zur Abgabe ihrer Meldung direkt oder durch ihre Vereine gebeten. * In Südamerika standen sich wiederum Uruquay und Argentinien im Länderkampf in Montevideo gegenüber. Die Elf des Olymptasiegers von 1924 und 1928, Uruguay, blieb nach fesselndem Kampf knapp 2:1 siegreich. Bienna Wien siegt in London. Im zweiten Spiel ihrer Englandreise kamen die Wiener Berufsspieler der„Vienna“ zu einem verhältnismäßig leicht errungenen Siege von 8:0(1:0) über die Londoner Queens Park Rangers, eine drittklassige Mannschaft. Vor nur 1000 Zuschauern zeigten sich die Oesterreicher am Montag im White CityPark meist überlegen und kamen durch Adelbrecht, Schönwetter und kurz vor Schluß durch Wortmann zu drei Toren. Freier Deutscher Turnerbund, E. „Jahn" Hofstede— B.B. 32 Griesenbruch 6:0. Beide Mannschaften legten ein gutes Tempo vor. Durch gute Zusammenarbeit im Sturm konnte der Mittelstürmer von„Jahn“ Hofstede nach 6 Minuten das erste Tor anbringen. Nach weiteren 10 Minuten gelang es dem Halbrechten, eine Vorlage des Linkoaußen bletzschnell zum Tor zu verwandeln. Nach Halbzeit war Hofstede weiter überlegen; wobei noch vier Torchancen ausgenutzt wurden. Beim Sieger konnte die ganze Mannschaft gefallen, beim Gegner war die Hintermannschaft am besten. Ostpreußen-Auktion in Berlin. Wie alljährlich während der„Grünen Woche“ fand in Berlin im Tattersall Veermann die Auktion der ostpreußischen Halbblutpferde, die für Turntere und Jagdzwecke überall begehrt werden. statt. Trotz der wirtschaftlichen Nöte können die ostpreußischen Züchter auch mit dem Ergebnis dieser Auktion sehr zufrieden sein. Die Gebote der zahlreichen Interessenten überstürzen sich mitunter, wenn auch nicht alle in den Ring geführten Pferde den Besitzer wechselten. Als Hauptkäufer traten neben Ställen aus Nord=, West= und Süddeutschland auch verschieschiedene Polizeibehörden auf. Der prachtvolle Trakehner„Elevator“ ging für den Sensationspreis von 5000 M. nach Essen, aber auch für einige schöne andere Exemplare von der ostpreußischen Scholle wurden gute Preise erzielt. So wurden für„Mun“ von einem Münchener Turnterstall 3100 M. bezahlt. Der von„Cancara“ gezogene Schimmel„Lützow“ brachte 2550 M. und über 2000 M. ging dann noch„Chang“ in andere Hände über. Später legte der Tattersall Beermann sogar 8100 Mark für den von Raisch=Perkallen gezogenen„Maiseuer“ an, so daß sich schließlich der hervorragende Durchschnittspreis von 1540 M bei 44 versteigerten Pferden ergab. Wegen des großen Erfolges hat man sich entschlossen, während des Frankfurter Turniers am 11. März eine weitere Ostpreußen=Auktion zu veranstalten. * Rennen in Cannes. 1. R. 1. Dark Story(Davy), 2. Nanouck, 3. Sucrier. Toto: S 22:10, Pl. 14, 12:10. 2. Militär=Jagdrennen. 3. R.: 1. Prior(Kalley). 2 Sybaritic, 3. Massinette. Toto: S. 31:10. Pl. 13, 15. 18:10. 4. R.: 1. Flambo(Haes). 2 Canterbuy Bell(die anderen sind gefallen). Toto: S. 25:10; Pl 18, 14.10 5. R.: 1. Battosio(Emmern), 2. Macache, 3. Amrou. Toto: S. 83:10; Pl. 23, 28:10. Nach Schäfer auch Sonja henie. Die Europameisterschaften im Kunstlaufen wurden mit dem Kürlaufen der Damen beendet. Vor einem auserlesenen Publikum holte sich erwartungsgemäß die fünffache Weltmeisterin Sonsa Henie zum dritten Male auch den Titel von Europa. Ihr Kürprogramm war in jeder Beziehung großartig und stand weit über dem Können der übrigen fünf Teilnehmerinnen. Die Norwegerin zeigte ein so vielseitiges Programm, sie lief selbst die schwierigsten Figuren mit einer Eleganz und Sicherheit, daß die Zuschauer in helle Begeisterung gerieten. Genau wie bei den Herren Karl Schäfer eine Klasse für sich bildete, stand hier Sonja Henie auf einsamer HöheIhre Mitbewerberinnen zeigten wohl ebenfalls sehr gutes Können, es fehlte aber ihnen der Schneid der Norwegerin. Der Kampf um die nächsten Plätze war sehr ausgeglichen, da die jugendliche Engländerin Colledge den beiden Wienerinnen Fritzi Burger und Hilde Holovsky vollkommen ebenbürtig warEs war sehr schwer, einer der drei Läuferinnen den Vorzug zu geben, und nur knapp entschieden sich die Punktrichter für die Engländerin als Zweite, während Fritzi Burger den dritten Platz vor Hilde Holovsky belegte. J. Purkerk siegt in Schreiberhau. Unter starker Beteiligung der besten schlesischen und deutschböhmischen Springer fand am Mittwoch bei schönstem Winterwetter und hervorragenden Schneeverbältnissen auf der Himmelsgrundschanze bei Schreiberhau ein Skispringen statt. Der 50W hatte seine lämtlichen für die FIS=Rennen gemeldeten Teilnehmer zur Stelle, um seiner Streitmacht für Innsbruck den letten Schliff zu geben. Die Deutschböhmen waren denn auch auf der ganzen Linie erfolgreich und belegten sämtliche ersten Plätze Die Leistungen waren ganz ausgezeichnet. Der Sieg fiel an Josef Purkert mit Weiten von 41. 45 und 55 Meter von W. Glaser(41. 51. 47 Meter) und Ewald Priebsch(49, 45. 51 Meter). Rudolf Purkert stand im ersten und letzten Sprung jedesmal 51 Meter, kam aber beim zweiten mit 50 Meter zu Fall und ging dadurch des ihm sonst sicher gewesenen ersten Preises verlustig. In der Jugendklasse siegte der Schreiberhauer Günther Adolf (39. 42. 47 Meter), während bei den Jungmannen wieder die Deutschböhmen durch Krauß(38, 47. 18 Meter) in Front endeten. Das Lechstagerennen in Frankfurl. Vorzügliche Besetzung.— 13 Mannschaften am Start. Nachdem nun auch die letzten Schwierigkeiten aus dem Wege geräumt wurden, kann am kommenden Freitagabend der Startschuß zum 6. Frankfurter Sechstagerennen fallen. Wiederum nehmen 18 Mannschaften den Kampf auf. Neben verschiedenen der besten europäischen Mannschaften kommt vor allem der Nachwuchs zu Wort. der diesmal sogar das Gros des Feldes stellt. Es starten: RauschPiinenburg. Richli—Tietz. Broccardo Guimbretiere. Ehmer—Rieger, Schäfer—Altenburger, ZimeOestreich. Schön— Buschenhagen, Dinale— Wals, Bresciani—Severgnini. Vopel—Korsmeier, Kilian— Pützfeld. Siehl—Reiländer und Lehmann—Maczynski. Die Routine und Erfahrung der alten Sechstagecracks dürfte auch in diesem Rennen wieder eine Clique bilden. die Rausch- Piinenburg. Schön— Buschenbagen. Broccardo Guimbretiere und Richli —Tietz umsassen wird. Zwischen diesen Paaren dürfte wohl wieder der Sieger zu luchen lein. Mit frischen Lorbeeren kommen Schön und Piinenburg aus Brüssel. Schön fährt wieder mit Buschenhagen und bildet mit diesem eine Favoritenmannschaft Ganz besonders gespannt wird man aber auf das Verständnis der neuen Bildung RauschPijnenburg sein. Es ist gleichzeitig das erste Mal, daß der spurtschnelle Kölner ohne seinen langtährigen Partner Hürtgen fährt. Diese Mannschaft dürfte neben den Franzosen Broccardo-Guimbretiere der gefährlichste Gegner für Schön—Buschenhagen sein. Schach. Die Mannschaftsmeisterschaften im Schachkreis Bochum. Die Ergebnisse der 5. Runde mit teilweise entscheidendem Charakter: A-Klasse: Bochumer Schachv.— Schachog. Gelsenkirchen 5:8. Schachfr. 25 Bochum— Schachv. Günnigfeld 8:0. Schachkl. Langendreer— Königspringer 7½:½. Mit diesem Sieg gilt der Bochumer Schachverein bereits als Kreismeister.— Gunnigfeld erlaubte sich gegen die Schachfr. nicht anzutreten.— Langendreer schlug den ersatzgeschwächten Gegner leicht B=Klasse: Schachfr. Wattenscheid— Bochumer Verein 5:8 Schachkl. Altenbochum— Schachkl. Leithe 8:3 u Schachv. Wattenscheid— Schachfr. Weitmar 5:8(!) Schachfr. Wattenscheid haben es nach diesem Siege nicht mehr weit zum B=Meister. C-Klasse 1: Schachv. Wattenscheid— Schachv. Günnigfeld 8½ 3½ und Schachfr. 25 1— Schachfr. Weitmar 8:5. Schachfr. Wattenscheid— Schachkl. Leithe 2½:5½ Bochumer Verein— Schachfr. Riemke 1 2:6. C-Klasse 11: Königspringer— Schachkl. Langendreer 8:0. Schachfr. 25 2— Bochumer Schachges. 1½:6½. Schachv. Werne— Schachkl. Altenbochum 5:3. Berliner Börse. Berlin, 1. Febr. Das Interesse des Publikums für Aktien hat etwas nachgelassen, die Spekulation war im Hinblick auf das unregelmäßige Newyork zu Glattstellungen geneigt. Trotzdem genügten die Publikumsaufträge noch, um zu Beginn des offiziellen Verkehrs überwiegend Kursbesserungen herbeizuführen. Montanwerte waren auf die lebhaftere Tendenz an den Kohlenmärkten bis zu 1 Proz. freundlicher. Deutsche Erdöl gewannen sogar über 2 Proz. Braunkohlenwerte tendierten uneinheitlich Niederlausitzer Kohle und Rheinische Braunkohlen verloren in Reaktion bis zu 2.5 Proz. Kaliaktien bröckelten bei minimalem Geschäft etwas ab. Von chemischen Werten waren besonders Rüttgerswerke fester. Auch Farben zeigten durchaus freundliche Haltung. Am Markt der Elektroaktien war die Allgemeintendenz etwas festerAEG gingen auf Sanierungserwägungen weiter zurück Schuckert und Siemens lagen bis zu 1,75 Proz. gedrückt. Der Siemensabschluß machte jedoch an sich keinen besonders schlechten Eindruck allerdings war die 7proz. Dividende börsenmäßig bereits escomotiert. Gaswerte. Kabel= und Drahtwerte. Maschinenfabriken. Metall=, Bau=, Textil=, Papier= und Zellstoffwerte waren bis zu 2 Proz. gebessert. Deutsche Eisenhandel wurden heute erstmalig nach der Zusammenlegung mit 44.75 notiert. Von Autowerten lagen BMW weiter haussierend und beinahe 4 Proz. gesteigert. Unter Brauereien fielen Dortmunder Union bei einem Umsatz von 4 Mille durch einen Gewinn von 8.25 Proz. auf Deutsche Anleihen gewannen bis zu einem halben Proz. Reichsschuldbuchforderungen hatten kaum Veränderungen aufzuweisen, die übrigen festverzinslichen Werte waren uneinheitlich, überwiegend schwächer. Ausländer tendierten bei geringfügigen Veränderungen unregelmäßig. Schlußkurse um 14 Uhr: J. G. Farben 106¼, AEG. 26½ B. Gesfürel 817. Siemens 1253. Schukkert 88½. RWE. 91½, Lieferungen 83½. Eintracht 158, Gelsen 61¼. Mannesmann 62¾ Hoesch 55 Rheinstahl 72¾, Harpen 81½. Ver. Sahl 35¼ Klöckner 46¼. Aku 37. Contigummt 121¼, Altbes. 67½. Neubes. 83, Llond 19. Reichsbank 156 3. Düsseldorfer Börse. Dusseldorf, 1. Febr. Die Aufwärtsbewegung machte an der heutigen Börse weitere Fortschritte Zu den Anfangskursen waren von Montanwerten Gelsenkirchener Berg 1 Prozent, Harpen und Hoesch ½ Prozent gebessert. Mannesmann plus 1 Prozent und Rheinstahl plus 2½ Prozent. Rheinische Braunkohlen und R.W.E blieben unverandert. Ebenfall waren die Kursgewinne bei Kaliaktien geringer. Salz detfurth wurden zu letzten Preisen notiert, während Aschersleben 1 Prozent und Westeregeln 1¼ Prozent höher genannt wurden. Wintershall wurden zum Anfangskurs ½ Prozent höher umgesetzt und konnten im Verlaufe vorübergehend 1 Prozent anziehen Die Tendenz blieb im weiteren Verlauf zunächst fester um sich gegen Schluß abzuschwächen. Gegenüber den Anfangskursen verloren Rheinstahl und Rheinische Braunkohle 1 bezw. 2 Prozent.— Am Kurenmarkt war die Geschäftstätigkeit heute etwas lebhafter. Von Kohlenwerten gewannen Heinrich bei mehrfachen Umsätzen 100 RM. Ebenfalle stellten sich Constantin um 100 RM und Carolus Magnus um 50 RM hoher. Diergandt lagen im Angebot und mußten bei mehreren Umsätzen 100 RM hergeben. Von Kohlenaktien wurden nur Dahlbusch 2 Prozent höher umgesetzt. Am Braunkohlenmarkt zeigte sich größeres Interesse für die Werte des Michel=Konzerns. Am Kalikurenmarkt gingen nur von elsässischen Werten Marie Luise und Mar zu etwas gebesserten Preisen um, Von Kaliaktien lagen alte und neue Burbach bei kleinem Geschäft knapp behauptet. Am allgemeinen Aktienmarkt setzten Eisen und Hüttenwerke ihre Steigerung fort. Der Kurgewinn betrug 2,5 Prozent. Kabel Rheydt hatten auf gestriger Basis größere Umsätze zu verzeichnen Märkte. Berliner Produktenbörse, Berlin, 1. Febr. Die Preise verstehen sich für Getreide je Tonne(1000 Klg.) ab Versandstation, für Mehl je Doppelzentner(100 Klg.) frei Beclin, für Hülsenfrüchte(100 Klg.) ab Abladestation, Raps, Lein= und Kleesaaten(1000 Klg.) ab Verladestation. Raps= und Leinkuchen(100 Klg.) ab Abladestation. Kleie(100 Klg.) frei Berlin, Futtermittel(100 Klg.) ab Abladestation sowie Stroh je Zentner(50 Klg.) ab märk. Station in RM Weizen 184—186, Roggen 152—154, Braugerste 165—175, Futter= u Industriegerste 158—164, Hafer 112—115. Weizenmehl 22 55—25,75, Roggenmebl 70prozentig 19,70—21,75, Weizenkleie 8.10—8.50, genkleie 8.70—0.00, Viktorigerbsen 20—23, kl. Speiseerbsen 19.50—21.00, Futtererbsen 12—14, Peluschken 12—13 50. Ackerbohnen 12.50—15.00, Wicken 18.50 bis 15,.50, Lupinen blaue 8—10, dto, gelbe 11.50—12 75. Seradella neue 17—23, Leinkuchen 10.50 Erdnußkuchen 10.60. Erdnußkuchenm 10.60—10.70 Trockenschnitzel 8.80 Kartoffelflocken 13.40—1350 Dortmunder Zucht= und Faselmarkt. Dortmund, 1. Fehr. Auftrieh: 423 Stück Großvieh, 170 Schweine, 49 Kälber— Handel langsam Es kosteten in Reichsmark: Kühe 1. 330—350. 2 26 bis 820 8. 180—250 Rinder 160—200. Ferkel 8—10 Wochen alt 11—13 10—12 W. alt 13—19, Läuferschweine 10—31 Die Siemens-Abschlüsse. Bei der Siemens=Schuckert=Werke A. G. gelangt eine Dividende für 1931/32 wieder nicht zur Verteilung. Soweit der entstandene Betriebsverlust nicht in Beteiligungen und außerordentlichen Erträgnissen Deckung findet, wird er. wie im Vorjahre, durch Heranziehung stiller Reserven ausgeglichen. Die außerordentlichen Verluste werden in Verbindung mit dem Restverlust aus dem Shannon=Geschäft, die Abschreibungen auf den Besitz in Bergmann=Elektrizitätsaktien und auf die Beteiligungen an der Maffei=Schwarzkopf GmhH, werden durch Entnahme von 12.2 Millionen RM aus einer für solche Zwecke gebildeten Sonderrücklage, die im Vorjahre mit 14 Mill. RM ausgewiesen wurde, gedeckt. Die Jahresbilanz schließt bekanntlich ohne Saldo. Bei der Siemens und Halske A. G. verbleibt nach Abzua von 45 Millionen RM aus dem im Vorjahre mit 125 Millionen ausgewiesenen Sonderrücklage für den bei Siemens und Halske entstandenen Restverlust aus dem Shannon=Geschäft einschließlich 2.22 gegen 2.16 Millionen RM Gewinnvortrag ein verfügbarer Reingewinn von 9.19 gegen 11.07 Millionen RM. Der GV. am 28. Februar wird die Ausschüttung eine dende von 7 gegen 9 Prozent auf das berichtigte Kapital vorgeschlagen, die 6,19 gegen 8.6 Millionen RM erfordern. * Gewerkschaft Ber. Constantin der Große, Bochum, Wie der Grubenvorstand den Gewerken mitteilt wird für das vierte Quarial 102 wieder eine Ausbeute von 40 RM se Kur. die von der Fried. Krupp A0 garantierte Mindestausbeute ausgeschüttet, die setzt zur Auszahlung kommt. ) Start Karten Ihre Vermählung geben bekannt Anton Freitag und Frau Gerti gec. Seelcaen Bocnum 2 Februer 183 Brunsteirstrade M . Inner-eran rer Mnglten ete getarsen. Lie Leerdgung i 2 2 A Zedrua 1303 nartend ta 145 1 em Trauertaut MarMtzage 436. Tas Serienam: R vorder ».4 1-. at2 In a#lerd. 2e. Ler Bertans Nech Gottes se. Wllen versched an 31. Januar 183 encs A15 Chr nach urter Krasknert intolge Langenentzindung aser lecer, treusorgender vater. Schv egevater. Grodvater Scawager und Ousei der conacatere Herr Wilhelm Ormeloh woavorteretet durca egen ernt cerstcnes Letensvande versecen mt den se gen Stebesaramenten, i Alter vor 1aaren C es stles Cecet fir des hecen Verwertenes bire Die trauernden Hinterbliebenen. Herse. Bennnetrie 1 Sécircten. socaum-Kemse Soche ces L Feortar 1831 De Beertgang tadet stait a Sonnacend dem 4 reesar 181 secamags 10 Uhr vos der 1a solisctes Aircae s Becten-Klenke, as tam rrechct daseet. Das le ercae Levtenant at an gecsen Tage vorn. 830 Uhr Herne St Borfatus. Des Seelensocnamt n Bocha-Reme i: Montag, cen é Fecruar. morgens 820 Uhr. Voa Kranzspenden vo e maa Asstand nenmes und mat: tesses dem Scaveseraits in Rerte ene Cate zeventen Alles, denen«s Versenen kene Nachrc tageen sodte. dere dese as ecicne Am Samstag. dem 4 Fedruer. findet in der St. Marenercre um 7.45 Uhr das I. Jahresseelenamt tar de Lehrerin Frl. Auguste lintelott 2rt. Wir laden freundlichst dazu ein Teleton 81838 Kreftwegesbetrieb Hetar.Hüther ... ed ter A lmacat ge sanm seure ebend a temem erercs caen Ratschius sere gellebte mverei cre lochter nser tertee leSenvere Seavtgern, Nchte and Kame. de Jungfrau Elisabeth Wiedemann ndhenden Ater vea 2 Jahre ta ses a ce Evgken. S e star sanft irs gecergecen, saca rveigge scaverer Ketet rica ad merv, doe et turch eses badlica-tommen LebensLaa der Sterbesaremente. men Cecet fr de lece Verrcere re Dre teftetrübten E.tern. Geschwster u. Asvervancten Soctum i Nenern-Misren Leer. Eberg anea den yaurr M11 Die Seerdging indet wan am Pretag. 1 Fecriar nor*Mvem sererase. ecm M ser Strade 1«s Glen dariaf a das leerene see ernochamt ter Partrene Von Kransscendes ve na1 Aatar d eamen und tatt dessen. m Sinne der veritertenen ces st V ters-schwesterhauses E.-deme gedenen Ea reles Mitterners sat autgencet ca Nach turter scwerer Krentett v tere norgen 1 Uhr unsere lece Parer. Sewegernutter. Gromater, Schvigers und Tante de ohacatsere Frau Wwe. Elisabeth Reineke ges. Eonecker n Ater von 73 janren. e gus nach esen rommen erstichen Lecesewantel, ges irt: durch des Emctang deStersesakramente. Um stlle Telnanme ren Die trauernden Hinterbliebenen. 3ecaam. Gelsenkrcnen, Moers. Medecech ten 1 Fecruar 1921 De eeen.anq inde Samat a de( Per cami fhr vm Tarause edematste strade 1 aus mn u ter 3t josechskrene. Llen, teren esvetenen tece ln dere dese as che is Seeenamt at norgens 7 KIe und Janrnen= Frunen= Ritter=Leren Honareatn| 1. Mitterveren re 144 R2. Lie Beernigung rrn. Renete Ar.— 126 1.30 29r. 50 * A 2ern n aMes E= 22 ad Be gug e ra 7 22 E—124 1 n2 2 beerdigungs m42 2er Bertena. An Freitag dem I Febriar. morgers? 45 Unr. fndet a der Chret-AlaaArne das Jahres-Seelenamt ir den verstertenen Ecerne seHerrn Bernhard Finke sart vora treundicnst eingeiades wrd Nach merrdanger bester Ausoddurg ar Universàs u. Prdirken habe en mct Bochum, Kortumstraße 731 as Facharzt für Orthopädie vedergeenen. Dr. med. Hans Ado Venn ele 861 oser a Er, Sie, Es tragen Tack Schuhe! Weil Hack immer besser Hack immer billiger Hack 1 immer begehrter Großè FebruarWerbung ab 1. Februar Spottbillige Angebote Tack Bochum, Kortumstr. 69 24I m Groß=Bochum meldel... Bochum-Hiltrop-Bergen. l= Ueberfallen. Die Ehefrau B. B.=Bergen Bergenerstraße 74, begleitete am Dienstag abend, gegen 6 Uhr, eine Verwandte, eine Ehefrau aus Riemke, ein Stück auf den Heimweg. Sie befanden sich auf dem Feldweg, der von Bergen nach Riemke führt. Schon hier bemerkten die beiden Frauen ein Rascheln, konnten aber nichts Verdächtiges feststellen. Als Frau sich von ihrer Verwandten verabschiedet hatte und sich auf dem Heimweg befand, wurde sie in der Mitte des Feldweges plötzlich einen Radfahrer hinter sich gewahr. Dieser sprang sogleich von seinem Rade, ergriff Frau B., würgte sie am Halse und warf sie zu Boden. Alsdann stellte er unsittliche Anträge und bedrohte Frau B. mit seinem Messer. Auf ihr verzweifeltes Wehren und Hilferufen ließ der Unhold von seinem Opfer ab und bestieg sein Rad und fuhr in Richtung Riemke davon. Es handelt sich um eine kleine, mit blauer Schirmmütze bekleidete Mannsperson. Von dem Ehemann der überfallenen Frau wurde Anzeige bei der Polizei erstattet. Die Ueberfallene hat starke Schwellungen und blaue Flecken am linken Bein. Bochum-Werne. :=: Klagen ohne Ende. Seit einigen Tagen kann man in den verschiedensten Straßenzügen unseres Stadtteils die Feststellung machen, daß eine große Anzahl von Lampen nicht mehr brennt. Es hat den Anschein, daß die Straßenlaternen von bestimmten Elementen ausgelöscht werden. Besonders in den abgelegenen Straßenzügen auf der Vollmond, dem Werner Hellweg nach Laer und Lütgendortmund zu. sowie in der Heroldstraße kann man die Mißstände beobachten, die bestimmt durch einen Streifendienst abgestellt werden könnten. :=: Kreisverband der Evsl. Frauenhilfen BochumLand. Eine sehr wichtige Abgeordnetenversammlung fand in Bochum=Werne im Gemeindehause an der Lütge Heide vom Kreisverband Bochum=Land der Evangelischen Frauenhilfen statt. Dieser Tagung ging eine Versammlung des erweiterten Vorstandes vorauf, die ihre Hauptnote durch die Anwesenheit der ersten Vorsitzenden des Deutschen Gesamtreichsverbandes der Evangelischen Frauenhilfen, Frau von Oppen(Potsdam) erhielt. Pfarrer Leich als Vorsitzender eröffnete die Versammlung und hieß besonders die Reichsführerin herzlich willkommen, die namens der Werner Kirchengemeinde durch Pfarrer Rummeld begrüßt wurde. Die Reichsführerin ergriff dann das Wort zu ihrem Vortrag über das Thema„Frauenhilfe als Organisation und die Aufgabe der Gemeinschaft“. Sie gab einen großen Aufriß von der gigantischen Form der Frauenhilfe, den diese als Organisation angenommen hat. Nach einer Besprechung des bedeutungsvollen Themas fand anschließend im großen Saale des Gemeindehauses die Abgeordnetenversammlung statt, die wie immer außergewöhnlich stark von allen Frauenhilfen Groß=Bochums beschickt war. Die Vorsitzende, Frau Superintendent Niederstein(Altenbochum), erstattete nach herzlichen Begrüßungsworten den Jahresbericht, der über die vielseitige Arbeit der Frauenhilfen Aufschluß gab. Frau von Oppen (Potsdam) sprach in ihrem Hauptvortrag über das Thema:„Gaben und Aufgaben der Frau“. Einleitend betonte sie die Bedeutung des Familienlebens, ging dann auf das große„Muß“ der Gegenwart ein, um weiter zu beleuchten, daß die Frau das Mutterliebende, das Pflegende, das Ausgleichende, das Friedesuchende finden nüsse. Bochum-Linden-Dahlhausen. b. Die Aloysiusschule geschlossen. Wir berichteten bereits gestern über die Schließung dreier Klassen der Aloysiusschule wegen Grippeerkrankungen. Inzwischen hat die Krankheit weiter um sich gegriffen, so daß sich die Schulleitung zur Schließung der ganzen Schule ab Mittwoch bis vorläufig nächste Woche Mittwoch gezwungen sah. Volksfront Linden=Dahlhausen, Freitag abend 7.30 Uhr Pflichtabend auf dem Horkenitein. Erscheinen aller heute dringender denn je erforderlich. Aus unserem Verbreitungsgebiet. Wanne-Eickel. Einbruch in ein Lebensmittelgeschäft. In der Nacht wurden aus dem Lebensmittelgeschäft D. im Verbindungsweg durch Einbruch nachfolgende Sachen gestohlen: 2 Mille Zigaretten der verschiedenen Marken, 150 Pakete Tabak. 8 Flaschen Wein. 25 Pfund Kaffee, 150 Tafeln Schokolade, Butter, Käse, Wurstwaren verschiedener Sorten, Seife und andere Toilettenartikel, Nähgarn und Twist im Gesamtwerte von 1000 RM. g. Glück im Unglück. Dienstag in später Abendstunde ertönten Hilferufe am Hafenbecken nahe der Dorstener Straße. Ein 16jähriger Junge hatte sich auf den Eisschollen des Kanals zu schaffen gemacht und war ins Wasser gefallen. Ein heimkehrender Schiffer hatte die Gefahr sofort erfaßt, sprang nach und holte den jungen Mann aus seiner Gefahr. Um Haaresbreite wäre hier ein Todesfall fällig gewesen, Wäschediebstahl. In der Nacht wurden aus einer Waschküche in der Wilhelmstraße mit Hilfe eines Nachschlüssels ein Deckbezug, ein Bettlaken. vier Damenhemden, 20 verschiedene Handtücher, eine rosa=, braun= und grüngemusterte Wolldecke und eine Wringmaschine gestohlen. Stalleinbrüche. Aus einem Stall in der Mühlenstraße wurden in der Nacht drei Kaninchen und ein Herrenfahrrad. Marke M. G. C., Nummer unbekannt und aus einem anderen Stall des gleichen Hauses acht Hühner entwendet. Schaufensterscheibe zertrümmert. Gegen 19.30 Uhr wurde eine Schaufensterscheibe in den Hindenburgstraße zertrümmert. Castrop-Kauxel. Auf der Straße angegriffen und verletzt. Gegen 0.05 Uhr wurde der Bergmann Hans K. auf der Kaiserstraße von mehreren Männern angegriffen. geschlagen und dabei am Kopfe verletzt. Die Täter sind bekannt und zur Anzeige gelangt. Wattenscheid. Einbruch in ein Lebensmittelgeschäft. In der Nacht wurde in ein Lebensmittelgeschäft an der Wibbeltstraße eingebrochen. Gestohlen wurden größere Mengen Lebensmittel und Tabakwaren. Gelsenkirchen. Nach 16 Jahren aus Rußland zurückgekehrt. Im Jahre 1916 geriet der Arbeiter Bosmann in russische Gefangenschaft. Er wurde für tot erklärt, als er auch lange Jahre nach Friedensschluß nichts mehr von sich hören ließ. Im Jahre 1921 kamen die ersten Lebenszeichen des für tot Erklärten aus Rußland wieder nach seiner Heimat, und B. wurde, damit alles seine Ordnung hat auf Betreiben seiner Angehörigen vom Amtsgericht in Coesfeld wieder den Lebenden einverleibt. B. ist nunmehr vor einigen Tagen zu seiner in Buer wohnenden Mutter zurückgekehrt. Die Allüren des Herrn„Dr. med. Vorsteher“. Eigentlich hieß er mit richtigem Namen Arthur Müller und stammt aus Barmen. Da er aber von der Staatsanwaltschaft wegen fortgesetzter schwerer Betrügereien gesucht wurde, hielt er es für ratsam, diesen ehrsamen Namen in„Dr. med. Vorsteher" umzuwandeln. Sein„Staatseramen“ hatte er bereits im Zuchthaus gemacht, wo er mehrere Jahre saß. Im Heimgarten in Gelsenkirchen hatte sich der falsche Arzt quittiert. Am Montagabend wollte ihm hier die Kripo einen Besuch abstatten „Dr. med Vorsteher“ ließ sich verleugnen und auch seine Vermieterin wollte nichts von seiner Anwesenheit wissen Beim Durchsuchen der Wohnung tauchte der falsche Mediziner plötzlich auf und mit einem halsbrecherischen Sprung gelangte er aus dem zweiten Stockwerk der Wohnung auf den Hof des Hauses. Hier blieb er aber nicht etwa liegen, sondern setzte noch über einen hohen Gartenzaun hinweg Ein Kriminalbeamter, der ihn verfolgte, konnte ihn einholen und festnehmen. Müller, der sich bei dem Sprung einen Bluterguß zugezogen hatte, wurde ins evangelische Krankenhaus transportiert. Er wurde bereits seit längerer Zeit wegen einer großen Reihe von Straftaten, Urkundenfälschungen, Betrügereien usw. verfolgt. Eickel und Holsterhausen gehören zum neuen Amtsgerichtsbezirk. Bochum tritt an Wanne-Eickel ab. Ab 1. Februar 1933 hat das neu errichtete Amtsgericht in Eickel=Wanne seine Geschäftstätigkeit aufgenommen. Es sind aus dem Amtsgerichtsbezirk Bochum die früheren Gemeinden Eickel und Holsterhausen ausgeschieden. Das Amtsgericht in Bochum hat an das Amtsgericht in Wanne Eickel folgende, diese beiden Gemeinden betreffenden Sachen abgegeben: 1. die Grundbücher(auch Berggrundbücher) mit den zugehörigen Grundakten, Zahlungsfrist= und Aufwertungsakten; 2. die Register Handelsregister 4 und B), genossenschafts=, Vereins=, Güterrechts= und Musterregister) mit den zugehörigen Akten; 3. die am 1. 2. 1933 laufenden Vormundschafts, Pflegeschafts=, Beistandschafts=, Fürsorgeerziehungs. echtss sonstige Familienlaufenden Armen. und tssachen: die am 1. 2. 1933 rechtssachen: 5. ein Verzeichnis der Schuldner, die in den letzten 5 Jahren den Offenbarungseid geleistet haben; 6. die bis zum 1. 2. 1933 eröffneten Testamente und Erbverträge nebst einem Verzeichnis der noch nicht eröffneten, in besondere amtliche Verwahrung genommenen Testamente und Erbverträge. Alle übrigen erledigten und noch am 1. 2. 1933 laufenden Sachen verbleiben bei dem Amtsgericht in Bochum. Theatergemeinschaft Essen-Duisburg. Die Ausschüsse stimmen zu. Schon gestern berichteten wir, daß die Verhandlungen wegen einer Theatergemeinschaft Bochum=Essen=Duisburg ergebnislos verlaufen sind. Bochum will vorläufig für sich bleiben. Gleichzeitig meldeten wir auch, daß zur selben Stunde in Essen Verhandlungen wegen eine Theatergemeinschaft Essen=Duisburg gepflogen wurden. Ueber das Ergebnis lesen wir in der Steeler Zeitung folgendes: Es ist eine alte, seit Jahren erhobene Forderung, daß der kommunale Theateretat auf ein der heutigen Notzeit entsprechendes Maß heruntergeschraubt wird. In der letzten Zeit ist auch bereits manche innere„Bereinigung" vorgenommen worden; in Essen wurde beispielsweise der Theaterzuschuß von einem Jahr zum anderen um die Hälfte zusammengestrichen. Immerhin erfordern die städtischen Bühnen Essens auch heute noch einen jährlichen Zuschuß von 900000 Mark. Auf die Besucherzahl abgestellt, sieht die Sache so aus: im letzten Jahr wurde das Schauspiel insgesamt von 150 000 Menschen besucht, bei der Oper wurden 100000 Besucher gezählt. Hierin sind die Angehörigen von Theatergemeinschaften(Bühnenvolksbund usw.) eingerechnet. Das bedeutet, daß die Stadt Essen für jeden Besucher ihrer Bühnen einen verlorenen Zuschuß von rund vier Mark zahlen muß. Daß ein solcher lukrativer Betrieb untragbar ist, braucht nicht näher erläutert zu werden, und es ist eine recht überhebliche Darstellung, wenn ernsthaft behauptet wird, die große Mehrheit der Essener Bevölkerung halte unbedingt an der bisherigen Durchführung des Theaterplans fest. Man braucht hierbei nicht einmal nur an die großen Massen unserer Erwerbslosen zu denken, sondern auch an alle jene Bevölkerungsschichten, die aus ihrem Haushaltsgeld nicht einen einzigen Pfennig opfern können, um ins Theater zu gehen. Ein weiterer Einwand, der auf Grund der jüngsten Ereignisse in die Debatte geworfen wurde, kann ebenso wenig durchschlagen. Es wurde nämlich behauptet, daß das„Dritte Reich“ wahrStadttheater Bochum. Heute, Donnerstag wird der Vorverkauf eröffnet zu der Sonntagveranstaltung; die neue große Inszenierung des Schauspiels, Kleists„Prinz Friedrich von Homburg“, ist zu erwarten. Die Ausgabe der Karten erfolgt zu Preisen von 050 RM bis 8.50 RM. Daß für morgen, Freitag, eine Wiederholung von Künekes„Vetter aus Dinasda“ angesetzt ist, wurde bereits mitgeteilt, daß es die letzte dieser überaus unlerhaltsumen Operette sein wird, sei nochmals betont. Fur alle, die das liebenswürdige musikalische Werk bei dieser nur noch einmaligen Gelegenheit sehen möchten, ist hinreichende Möglichkeit zu einer günstigen Teilnahme vorhanden. Zunächst, was die freie Besucherschaft anbetrifft, wurden für sie die kleinen Opernpreise von 0.50 RM. bis 4,50 RM. vorgesehen; der Vorverkauf hält noch Karten jeder Art bereit. Den Mitgliedern sämtlicher Ringe wird der„Vetter aus Dingsda“ als Wahlvorstellung angeboten, so daß sie demnach eine 25prozentige Preisermäßigung zu erwarten haben. Schließlich sei noch das Abonnement des Abends genannt: es ist die Vormiete C. Der Vorverkauf ist im Gange, wie auch die Karten zu der Samstags=Veranstaltung bereits ausgegeben werden. Der letzte Tag der Woche wird vom Publikum besonders gern zur Ausspannung und Zerstreuung benutzt, und dieses Bedürfnis erstreckt sich auch auf die Theateraufführung des Samstagsabends. Wenn nun in der Samstag=Spalte des Spielplans„Morgen geht's uns guti“ zu lesen ist, so ist damit besagt, daß, abgesehen von dem sympathischen Titel an sich, das auswärtige Werk ein paar Stunden angenehmster Unterhaltung gewährleistet; denn die bisherigen Aufführungen haben es bewiesen. Wenn die Ankündigung weiterhin vermerkt: Außer Vormiete— Preise von 0,40 RM. bis 2,40 RM, so mag sich angesichts solch günstiger Bedingungen bei allen der Wunsch zur Teilnahme in die Tat umwandeln! Heute, Donnerstag, Symphoniekonzert im Stadttheater. Das Programm des heutigen Symphoniekonzertes des Städtischen Orchesters, abends 8 Uhr im Stadttheater bringt als symphonisches Hauptwerk die zweite Symphonie in c-moll von Anton Bruckner Diese Symphonie gehört zu den seltener gespielten Werken des Meisters und hat erst in neuerer Zeit die gebührende Würdigung gefunden. Als Neuheit bringt das Programm eine symphonische Rhapsodie für Violine und Orchester von Max Reger, ein nachgelassenes Werk, das von dem bekannten Geiger Florizel von Reuter vollendet wurde. Herr von Reuter wird das von ihm bearbeitete Werk selbst spielen und außerdem das dritte Violin=Konzert von Mozart zum Vortrag bringen. Zur Einleitung des Konzertes wird die„Corolan“=Ouvertüre von Beethoven gespielt. Leitung: Generalmusikdirektor Leopold Reichwein. Eintrittspreise: 0,75—4,00 RM. Karten sind an der Konzertkasse im Stadttheater vormittags von 10—2 sowie in den bekannten Vorverkaufsstellen zu haben. Die Abendkasse im Stadttheater ist von 7 Uhr ab geöffnet. Schülerkarten zum Preise von 0,50—2,00 RM. gegen Vorlegung eines entsprechenden Ausweises nur an der Konzertund Abendkasse. Telephonische Bestellungen werden unter Nr. 686 51 entgegengenommen. Siehe Theateranzeige. Capitol. „Die unsichtbare Front“. Der weltbekannte Regisseur Richard Eichberg bringt seinen neuesten Film„Unsichtbare Front“ mit dem größten Erfolg in ganz Deutschland heraus. Zum ersten Male wurde neben der Spionage im feindlichen Lande ein Thema gewählt, das noch kein Film bisher gebracht hat. Ein Unterseeboot=Spionage=Tonfilm. Es bedarf besonderer Anerkennung, wenn Richard Eichberg es sich zur Aufgabe machte, jener unsichtbaren Helden zu gedenken, durch Zugrundelegung authentischer Berichte, Bisher unveröffentlichte Geheimdokumente brachten Enthüllungen aus dem Leben der berühmten Meisterspionin E. 8, die tollkühnen Abenteuer des geheimnisvollen Spions Larsen, sowie die Geheimtransporte des Unterseebootes U 98 verwandte Eichberg zu seinem Film. Die Besetzung der einzelnen Rollen wurde mit ganz besonderer Sorgfalt vorgenommen und die besten Schauspieler Deutschlands für den Film verpflichtet. Trude von Molo als Spionin E. 8, Karl Ludwig Diehl als Spion Larsen, Trude Berliner, Theodor Loos Paul Otto u. a. spielen die Hauptrollen. Berlin, Kopenhagen, London sind die Schauplätze dieses spannenden und erschütternden Tonfilms.— Dazu ein bekannt gutes Beiprogramm mit der Ufa=DeuligWoche. Willi Bolesko in der Plaza. de= An der Spitze eines fidelen Programms marschiert, wie könnte das auch anders sein, Willi Bolesko, der uns schon so oft im Rundfunk nicht aus dem Lachen herauskommen ließ und nun auch die Bochumer mit Volltreffern seines köstlichen Humors bombardierl. Er kennt nicht nur das Volkchen am Rhein, er weiß auch die schwerfälligen Westfalen von der richtigen Seite und mit allen Mitteln zu packen. Unter seiner sachkundigen Führung verwandelt sich das Publikum bald in eine stimmungsfrohe Gesellschaft, die den ulkigen Kerl, der einen ewigen Kampf mit seinem„Stieschen“ auszufechten hat, nur nach langen Beifallsstürmen von der Bühne entläßt. Ganz gleich, ob er Solo oder mit seinem Ensemble in„Viktor macht alles“ auftritt— in jedem Falle ist er unvergleichlich und bleibt„Hahn im Korb“. In dieser witzgeladenen Atmosphäre ist es natürlich auch den anderen Mitwirkenden besonders leicht, zu ausgiebiger Wirkung zu kommen. So wird das auch im übrigen glänzende Programm zum Genuß, angefangen bei der sympathischen Conférence Karl Leonhards und den ausgezeichneten Erzentrik=Akrobaten Landy und Ata bis zur Tanzsensation der 4 Devers, die erstaunlich exakte und schmissige Tanzkunft zeigen. Zwischendurch eine Fülle artistischer und equilibristischer Darbietungen, so die 2 Pole de Ruba in akrobatischen Parodien, Karl Leonhard(jawohl! Leondard!), der beweist, daß er nicht nur konferieren kann sondern auch über eine besondere Gewandtheit für Tricktänze verfügt, die ihm den verdienten Beifall des Publikums bringt. Alles in allem: Ein Programm, das jeden auf seine Kosten kommen läßt und die Plaza in den Mittelpunkt der Bochumer Vergnügungsunternehmen setzt. Wer einmal recht von Herzen lachen und die Alltagssorgen für einige Stunden vergessen will, der besuche Willi Bolesko und seine Kollegen in der Plaza, Vereinskalender. Mütterverein St. Josephepfarrei. Morgen(HerzJesu=Freitag), 8 30 Uhr, Hochamt mit gemeinschaftlicher hl. Kommunion, scheinlich anders über die Notwendigkeit=des Kulturtheaters denken werde als die bisherigen Regierungen. Oberbürgermeister Schäfer, der gestern in einer Pressebesprechung über den Stand der Theaterfrage in Essen Aufschluß gab, konnte hierauf mit Recht erwidern, daß jede Regierung, sie mag heißen, wie sie will, gehalten ist, in der öffentlichen Verwaltung strengste Sparsamkeit durchzuführen. Im weiteren machte Oberbürgermeister Schäfer Mitteilung davon, daß die Theatergemeinschaft Essen=Duisburg so gut wie perfekt ist. Kunstausschuß und Finanzausschuß haben sich gestern ebenfalls mit allen hier berührten Fragen beschäftigt, um zu dem Ergebnis zu kommen, daß dem Plan einer Theaterfusion zwischen Essen und Duisburg zugestimmt werden soll. Nach den Darlegungen des Beigeordneten Dr. Richter sieht der Plan folgendermaßen aus: Die preußische Staatsregierung hat erneut die Gemeinden ermahnt, durch eigene planwirtschaftliche Maßnahmen eine wesentliche Senkung der Theaterzuschüsse zu bewerkstelligen. Diese Sachlage hat die benachbart liegenden Städte Essen und Duisburg=Hamborn veranlaßt, in Erörterungen darüber einzutreten, ob sich die Sicherung der Bühnen unter Beibehaltung eines hohen künstlerischen Standes durch planwirtschaftliche Abreden erzielen läßt. Das Ergebnis dieser Ueberlegungen ist der Vorschlag, daß die Städte Essen und Duisburg=Hamborn eine Gemeinschaft eingehen, in der sie die Theater, also Musikbühne, einschl Tanzbühne und Schauspiel gemeinsam betreiben, in beiden Städten ungefähr gleich viele Aufführungen veranstalten und sich in die Gagenkosten hälftig teilen. In beiden Städten werden— trot der in diesem Spieljahre anziehenden Besuchsziffer — bisher zu viele Vorstellungen angeboten. Es erscheint ferner— besonders in der jetzigen Zeit— wenig sinnvoll, daß die Einstudierungen derselben Stücke in zwei Städten vorgenommen werden, die eine Eisenbahnfahrt von 20 Minuten auseinanderliegen. Die beiden Stadtverwaltungen nehmen sich vor, zwei Ensembles von bester künstlerischer Qualität zu bilden und gedenken hierfür einen Aufwand von annähernd 600 000 M. zu machen. Es bedeutet dies für beide Städte zusammen eine Ersparnis von über 300 000 M., die allerdings durch den Reiseaufwand(etwa 50000 M. zusammen) verringert wird. Es ist in Aussicht genommen, daß die Musikbühne neunmal in der Woche das Schauspiel achtmal swielt, und daß sich die Vorstellungen so verteilen, daß Essen vier Vorstellungen der Musikbühne, Duisburg deren fünf, und weiter Essen fünf Schauspielvorstellungen, Duisburg drei erhält. An den besuchsstarken Samstagen und Sonntagen soll das Ensemble der Musikbühne geteilt werden, so daß in beiden Städten abends entweder große Oper, Spieloper oder Overette geboten wird. Es ist nicht richtig, wie vielfach behauptet worden ist daß eine Bestimmung über den Sitz von Oper, Schauspiel usw. jetroffen sei; es soll vielmehr den Künstlern freigestellt werden, wo sie wohnen wollen. Sie sollen Monats=Dauerkarten erhalten. Die Stadtverwaltungen der beiden Städte verkennen keineswegs die künstlerischen und technischen Schwierigkeiten, die in diesem Plane liegen, und besonders auch aus der räumlichen Verschiedenheit der Häuser hervorgehen. Sie haben den Plan nach der künstlerischen und finanziellen Seite überprüfen lassen und schlagen ihn zur Ausführung vor, nachdem sie in dem jetzigen Intendanten des Braunschweiger Landestheaters, des Herrn Dr. Thur Himmighoffen, eine Persönlichkeit gefunden haben, die die künstlerische und finanzielle Verantwortung für das Gemeinschaftsunternehmen zu tragen bereit ist. Die zwei Stadtverwaltungen sind allerdings der Ansicht, daß die Gemeinschaftsarbeit einer entsprechenden Anlaufzeit bedarf und vertreten deswegen den Standpunkt, daß der Abschluß der Theaterplanwirtschaft auf zwei Jahre erfolgen müßte. Geschäftsjubiläum. Am 1. Februar konnte der Schneidermeister Josef Scheele, Hattinger Str. 55, auf ein Bjähriges Bestehen seines Geschafts zurückblicken. n dabei erfüllt von der Große der Pflicht, mit diesem freien, gleichberechtigten Volk für die Erhaltung und Festigung des Friedens einzutreten, dessen die Welt heute mehr bedarf als je zuvor. Möge auch das Verständnis all der anderen mithelfen, daß dieser unser aufrichtigster Wunsch zum Wohle Europas, ja der Welt, sich erfüllt. So groß unsere Liebe zu unserem Heere als Träger unserer Waffen und Symbol unserer großen Vergangenheit ist, so wären wir doch beglückt, wenn die Welt durch eine Beschränkung ihrer Rüstungen eine Vermehrung unserer Waffen niemals mehr erforderlich machen würde. Soll aber Deutschland diesen politischen und wirtschaftlichen Wiederaufstieg erleben und seine Verpflichtungen den anderen Nationen gegenüber gewissenhaft erfüllen, dann setzt dies eine entscheidende Tat voraus: Die Ueberwindung der kommunistischen Zersetzung Deutschlands. Wir Männer dieser Regierung fühlen uns vor der deutschen Geschichte verantwortlich für die Wiederherstellung eines geordneten Volkskörpers und damit für die endgültige Ueberwindung des Klassenwahnsinns und Klassenkampfes. Nicht einen Stand sehen wir ssondern das deutsche Volk, die Millionen seiner Bauern, Bürger und Arbeiter, die entweder gemeinsam die Sorgen dieser Zeit überwinden werden oder ihnen sonst gemeinsam erliegen. Entschlossen und getreu unserem Eide wollen wir damit, angesichts der Unfähigkeit des derzeitigen Reichstages, diese Arbeit zu unterstützen, dem deutschen Volke selbst die Aufgabe stellen, die wir vertreten. Der Reichspräsident, Generalfeldmarschall von Hindenburg, hat uns berufen mit dem Befehl, durch unsere Einmütigkeit der Nation die Möglichkeit des Wiederaufstiegs zu bringen. Wir appellieren deshalb an das deutsche Volk, diesen Akt der Versöhnung selbst mit zu unterzeichnen. Die Regierung der nationalen Erbebung will arbeiten und sie wird arbeiten. Sie hat nicht 14 Jahre lang die deutsche Nation zugrundegerichtet, sondern will sie wieder nach oben führen. Sie ist entschlossen, nvier Jahren die Schuld von 14 Jahren wieder itzumachen. Allein sie kann nicht die Arbeit des jederaufbaues der Genehmigung derer unterstellen, die den Zusammenbruch verschuldeten. Die Parteien des Marrismus und seiner Mitläufer haben 14 Jahre lang Zeit gehabt, ihr Können zu beweisen. Das Ergebnis ist ein Trümmerfeld. Nun, deutsches Volk, gib uns die Zeit von vier Jahren und dann urteile und richte uns! Getreu dem Befehl des Generalfeldmarschalls wollen wir beginnen. Möge der allmächtige Gott unsere Arbeit in seine Gnade nehmen, unseren Willen recht gestalten, unsere Ernsicht segnen und uns mit dem Vertreuen unseres Volkes beglücken. Denn wir wollen nicht kämpfen für uns, sondern für Deutschland!“ . Tödlicher Rodelunfall. LII Meiningen, 2. Fehr.(Drabtb.) Auf einer steilen Straße bei Mezningen hat sich ein schwerer Rodelunfall ereignet Als fünf junge Leutdie Straße hinabfuhren, verlor der Führer die Gewalt über den Schlitten, der in voller Fahrt gegen einen Kilometerstein raste. Ein Fahrer war sofort tot ein anderer Mitfahrer erlitt lebens. gefahrliche Verletzungen, während die übrigen drei jungen Leute leichter verletzt wurden. Schwere Bluttat in einer Bahnmeisterei. Harburg=Wilhelmeburg, 2. Febr.(Drahtb.) Im Bahnmeisterei=Gebäude an der Parallelstraße in Wilbelmsburg erschien gestern früh ein bie jetzt noch unbekannter Mann, von dem man annimmt, daß es ein früher dort beschäftigt gewesener Bahnbeamter ist, und gab auf die beiden diensttuenden Beamten Revolverschüsse ab, durch die der eine Beamte sofort getötet, der andere schwer verleyzt wurde. Nach der Tat brachte der Eindringling sich einen Kopfschuß bei. Er wurde schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht. Die Beweggründe zur Tat sind nicht bekannt, Mietsgeldraub in Berlin. Ein Toter, ein Schwerverletzter. TU. Berlin, 2. Febr.(Drahtb.) In den späten Nachmittagsstunden des Mittwoch wurden zwei Angestellte einer Heimstättengesellschaft. die Mieten im Gesamtbetrage von 12 500 Mark einkassiert hatten, in Pankow von mehreren unbekannten Tatern überfallen. Die Räuber streckten die Ueberfallenen durch mehrere Schüsse zu Boben ,entrissen ihnen die Geldtaschen und flüchteten in einem bereitstehenden Kraftwagen. Einer der Verleyzten ist bald nach dem Ueberfall gestorben. Der andere wurde ins Krankenhaus geschafft. Und wieder Staatsgerichtshof? Kabinell Braun erwägt neuen Schrilt. Da„drei Monate nach dem Leipziger Spruch noch immer nicht die zwingenden Konsequenzen gezogen" seien. VDZ. Berlin, 2. Febr.(Drahtb.) Wie das Nachrichtenbüro des VdZ. meldet, hat Ministerialdirektor Dr. Brecht gestern namens des preußischen Kabinetts dem Staatssekretär in der Reichskanzlei, Dr. Lammers, Mitteilung über die noch ungeklärten Punkte aus dem Staatsgerichtshofurteil wegen der Einsetzung des Reichskommissars gemacht. Die bereits im Gange befindlichen ausführlichen Verhandlungen zwischen Staatsregierung und Reichgregierung waren durch den Kabinettswechsel im Reiche unterbrochen worden. Das Kabinett Braun trat am Nachmittag unter dem Vorsitz des Ministerpräsidenten zusammen. Diese Sitzung, die bereits seit einiger Zeit vorgesehen war, sollte dem Zweck dienen, Klarheit zu schaffen über den Stand der Auseinandersetzungen mit dem Reich. Es verlautet, daß man mit einem abermaligen gerichtlichen Vorgehen der Staatsregierung rechnen könne, da nun bereits drei Monate seit dem Leipziger Urteil vergangen seien, ohne daß das Reich aus dem Urteil die nach Meinung der Staatsregierung zwingenden Konsequenzen gezogen habe. Wie das Nachrichtenbüro weiter hört, erörtert das Kabinett Braun auch die durch den Antrag auf Landtagsauflösung geschaffene Lage. Die Meinung scheint in dieser Frage dahin zu gehen, daß für die preußischen Regierungsparteien Neuwahlen an sich zu begrüßen wären, daß aber die gleichzeitige Auflösung des Reichstages und des Landtages dazu zwinge, die ganze Angelegenheit noch unter dem Gesichtspunkt zu betrachten, daß dann in Berlin ein absolut parlamentloser Zustand von etwa brei Monaten eintreten könnte. Das zwinge zu der Erwägung, das es unzweckmäßig sei, in derartigen Krisenzeiten für eine so lange Frist keine Tribüne für Beschwerden der Bevolterung in Berlin bestehen zu lassen. Der Terror triumphiert! Zahlreiche blutige Zusammenstöße. In Homberg allein vier Tote und mehrere Verletzte. Somberg, 2. Febr.(Drahtber.) In Sombera am Niederrhein ist es am Mittwoch zu schweren Zusammenstöhen zwischen Kommunisten und Nationalsozialisten ge= kommen, die sich, wie von nationalsozialistischer Seite mitgeteilt wird, zu einer regelrechten Schlacht entwickelt haben. Nach bisher vorliegenden Nachrichten sind zwei SA=Leute und ein Landsäger getötet und auf beiden Seiten zahlreiche Verletzte sestzustellen. Zu den schweren Zusammenstößen wird von volizeiamtlicher Seite auf Anfrage mitgeteilt, daß es in der weiteren Entwicklung bei dem Versuch der Landjager, die Straßen zu räumen, zu einem Zusammenstoß zwischen den Landjagereibeamten und den National sozialisten gekommen sei. Die Nationalsozialisten zogen sich in ihr Heim zurück und be schossen die Landjägereibeamten, die das Feuer erwiderten. Nach den bisherigen polizeilichen Feststellungen sind bei den Zusammenstoßen ein Landjägermeister und drei Nationalsozia listen getötet und vier Landjager verlett worden. Ein Nationalsozialist erstochen. Lübeck. 1. Febr.(Drahtber.) Dienstag abend kam es auf der Straße zu einem Zusammenstoß zwischen dem sozialdemokratischen Reichstagsabgeordneten und Bürgschaftsmitglied Dr. Leber und dem Reisenden Schwohm. wegen der Begrüßungsform. in dessen Verlauf ein Nationalsosialist erstochen wurde. 15 Verletzte. Wernigerode. 1. Febr.(Drahtber.) Nach den schweren Zusammenstößen am Dienstag abend, bei denen ein Nationalsozialist und ein Kommunist schwer verletzt wurden, fanden auch während der ganzen Nacht zum Mittwoch zahlreiche Ueberfälle statt. Am Mittwoch vormittag kam es wiederholt zu schweren Zusammenstößen im Innern der Stedt. da es den geringen Polizeikräften nicht möglich ist. die Ordnung aufrecht zu erhalten. Schließlich entwickelte sich eine regelrechte Straßenschlacht, in deren Verlauf der Kriminalassistent Martini, der einem Kommunisten eine Pistole abnehmen wollte, von mehreren Kommunisten überfallen und mit einem Spaten auf den Kopf geschlagen wurde. Mit gespaltenem Schädel und in hoffnungslosem Zustande wurde er ins Krankenhaus eingeliefert. Der Nationalsozialist Wenzel wurde durch einen Stich in die Lunge schwer verletzt und mußte ebenfalls in lebensgefahrlichem Zustande ins Krankenhaus gebracht werden. Außerdem sind im ganzen 13 Personen, zumeist Nationalsozialisten, erheblich verletzt worden. Große Razzia in Charlottenburg. CNS Berlin, 2. Febr.(Eigene Meldung.) In der Wallstraße in Charlottenburg, in der am Montag im Anschluß an den Fackelzug der Nationalsozialisten und des Stahlhelms ein Zug der Nationalsozialisten beschossen worden war wobei der Polizeiwachtmeister Zauritz und der Sturmführer der SA Maikowski getötet wurden, fand gestern nachmittag eine große Razzia der Kriminalvolizei mit Unterstützung eines großen Aufgebotes uniformierter Polizeibeamter statt. Es sollte vor allem nach vorhandenen Waffen gesucht werden. Punkt 4 Uhr rollten zahlreiche Lastkraftwagen mit Polizeibeamten zum Teil mit Karabinern ausgerüstet, in die Wallstraße. Die Beamten riegelten sofort alle Zugangsstraßen ab und besetzten sofort alle Hauseingänge und Höfe. Die Straße wurde geräumt und alle Personen aufgefordert, in die Häuser zu gehen. Vier Gehöfte eingeäscherl. Ein Todesopfer. Waidhaus(Oberpfalz), 1. Febr.(Drahtb.) Ein Großfeuer hat in der Nacht zum Dienstag vier Gehöfte vollkommen in Schutt und Asche gelegt. Die Wohnhäuser, Scheunen und Rebengebaude sind sämtlich vernichtet. Auch die Scheune des Bürgermeisters wurde ein Raub der Flammen. Als Ursache der Katastrophe wird vorsätzliche Brandstiftung angenommen. Dem Brande ist auch ein Menschenleben zum Opfer gefallen. Der 23jährige unverheiratete Landwirtssohn Fuchs ist in einer der Scheunen verbrannt. Mord und Brandstiftung. Eagenfelden(Niederbayern), 2. Febr.(Drahtv.) Im benachbarten Mooshan stand am Mittwoch früh das Anwesen des Krämers Gottfried Hofweber in Flammen. Bei den Löscharbeiten fand man Hofweber ermordet in seinem Schlafzimmer auf, Er war durch Hiebe vermutlich mit einer Hacke auf den Kopf in bestialischer Weise getötet worden. Im Laufe der letzten Monate waren 42 Einbrüche in die Krämerei verübt worden. Wüster Krach im UntersuchungsAusschuß des Landtages. IU Berlin, 2. Februar.(Drahtb.) Der Untersuchungsausschuß des Preußischen Landtages zur Prüfung der preußischen Rechtspflege trat am Mittwoch zu einer Sitzung zusammen, um die Beweisaufnahme zum Fall Kutisker— Werthauer auf Grund der in der„Gefesselten Justiz“ von Zarnow gegen Justizrat Dr. Werthauer erhobenen Vorwürfe aufzunehmen. Der Vorsitzende, Abgeordneter Dr. Freisler(Nat.Soz.), erklärte, es handele sich darum, festzustellen, inwieweit der Vorwurf der Beihilfe zum Betruge Kutiskers an der Preußischen Staatsbank berechtigt sei. Um die Grundlage der Beweisaufnahme festzustellen, verlas Dr. Freisler hierauf die entsprechenden Kapitel aus der„Gefesselten Justiz". Darauf trug Freisler eine Reihe von Fällen vor, an denen er nachzuweisen suchte, daß Justizrat Werthauer sich der Beihilfe on dem betrügerischen Geschäftsgebaren Kutiskers gegenüber der Staatsbank schuldig gemacht habe. Als er nach Beendigung seines Vortrages die Sitzung plötzlich mit der Erklärung schloß, daß die Auflösung des Landtages bevorstehe und weitere Verhandlungen bes Ausschusses daher zwecklos seien. kam es zu erregten Protestrufen bei den Sozialbemokraten. Der Abgeordnete Kuttner schlug erregt mit der Faust auf den Tisch und rief:„Das ist die Verleumdermethode, wie sie im Buche steht“. Der Sozialdemokrat Rosenfeld rief:„Das Verhalten Freislers läßt darauf schließen, daß er Pathologe ist". Diese Bemerkung löste heftige Gegenrufe bei den Nationalsozialisten aus. Hinkler(Nat.=Soz.) stürmte, gefolgt von mehreren Fraktionskollegen, auf Rosenfeld ein und stellte ihn heftig zur Rede. Als Rosenfeld auf Aufforderung seine Bemerkung wiederholte, erklärte Hinkler, das könne„nur ein frecher Judenjunge“ sagen, und es drohte zu Tätlichkeiten zu kommen. Rosenfeld erklärte, er habe nicht die Absicht, sich mit den Nationalsozialisten zu schlagen, worauf Wintler erwiderte:„Mit solchen Judenjungen schlägt man sich nicht, die kriegen einen Tritt in den Hintern." Unter allgemeinem Tumult verließen die Abgeordneten schließlich den Saal. Beim Fluchtversuch erschossen. TU Stuttgart, 2. Febr.(Drahtb.) Ein etwa 25jähriges Dienstmädchen aus dem Oberamt Tübingen, das wegen Diebstahl zu fünf Monaten Gefängni verurteilt worden war, wurde auf dem Wege zum Amtsgericht in Cannstatt, wohin es zur Verbüßung seiner Strafe gebracht werden sollte, bei einem Fluchtversuch von dem das Mädchen begleitenden Polizeiwachtmeister erschossen. Der Wachtmeister machte das Mädchen unmittelbar nach dem Verlassen des Krankenhauses besonders darauf aufmerksam, daß er bei einem etwaigen Fluchtversuch, von seiner Waffe Gebrauch machen werde. Trotzdem versuchte das Dienstmädchen zu entkommen. Der Beamte schoß und traf die Flüchtende in den Kopf. Sie war sofort tot. Gegen den Wachtmeister war vor einiger Zeit ein Verfahren wegen fahrlässiger Gefangenenbefreiung eingeleitet worden, woraus sich vielleicht seine übereilte Handlung erklären lassen dürfte. Grausiger Leichenfund auf einem Acker. Bad Meinberg. In der Nähe des Försterberges fanden Passanten hier unweit der Landstraße eine männliche Leiche in knieender Haltung, der der herabgesunkene Kopf durch Blut am Boden festgefroren war. Wie polizeilicherseits festgestellt wurde, handelt es sich um den etwa 20jährigen landwirtschaftlichen Arbeiter Wilhelm Rute aus Humfeld, der bei dem Landwirt Sprute in Mosebeck in Diensten stand. Dem jungen Mann, neben dem man ein zertrümmertes Fahrrad fand, war die Schädeldecke eingedrückt. Zweifellos liegt ein Unglücksfall vor, der, wie die Beobachtungen an Ort und Stelle zeigen, darauf zurückzuführen ist, daß der Verunglückte in der Dunkelheit eine an der Unfallstelle befindliche Kurve überfahren hat und mit seinem Fahrrad gegen einen Baum raste. Durch den Anprall wurde er dann aufs Feld geschleudert, wo er tot aufgefunden wurde. Mister Wu. Oper von Eugen d'Albert, vollendet von Leo Blech. Aufführung im Bochumer Stadtthenter Bochum. den 1. Februar 1933. Die Zeiten des Impressionismus sind vorüber. Einzelne Opern dieser Richtung, besonders gunstige Fälle haben auf der Bühne festen Fuß gesatzt. Im allgemeinen ist der Impressionismus in der Dramatik nicht ungefährlich. Der imbressionistische(naturalistische) Text, meist recht unlyrisch, ähnelt vielfach dem Konversationsstück und enthalt viel Konventionelles, das der Alltaglichkeit sehr nahe steht und daher wenig Empfindung enthält Die Form der impressionistischen Musik erfordert, daß auch solche Stellen in der Vertonung nicht übergangen werden, und so muß die musikalische Untermalung entweder übertreiben oder sich auf Defkription des Aeußeren beschränken. Auf dem einen wie dem anderen über kann das Herz entweder gar nicht oder doch nicht tief ergriffen werden. Im gesprochenen Drama, wo das Konventionelle oft nur als Bindemittel für die Handlung dient, geht das Wort am Ohr rasch vorüber, in der Oper ist dies nicht der Ffall. Es kann aber die Handlung der Oper mit tiefen Empfindungen und starken Spannungen wohl erfüllt sein, ein harmonisch gebautes, sich steigerndes musikalisches Gesamtbild, etwa wie ein symphonischer Satz, könnte freilich nicht gegeben werden, weil die Musik infolge ihrer untermalenden Stellung ganz an das Wort resp. den einselnen Gedanken gebunden ist. Da bleibt mehr oder weniger nur ein bloßes Mosaikbild übrig. Sprechgesang und bloß untermalende Musik ergreifen das Herz des Hörers um so weniger, je mehr der Text in der Ebene des Konventionellen bleibt. Wagner hat dem Sprechgesang freilich auch breiten Raum gegeben, aber seine Textfassung ist durchaus poetisch, zumeist von tiefem seelischem, oft stark erschütterndem Gehalt, und dieser ist entsprechend musitalisch illustriert. Aber auch Wagner mutet hier und da die Geduld des Hörers etwas viel zu Der Grundfehler des impressionistischen Dramas(er kann mehr oder weniger hervortreten) besteht darin, daß der Ton dem(oft recht prosaischen) Text untergeordnet ist. Die Musik ist aber eine ebenbürtige Schwester und keine Dienerin der Dichtung. Sie kann den Empfindungsgehalt allgemein darstellen oder auch mit Hilfe der Tonmalerei den Anlaß zu Empfindungen in die musikalische Wiedergabe mit hineinbeziehen. Das Strophenlied gibt z. B. den realen Gehalt, der in jeder Strophe verschieden ist, ohne Anstoß mit der gleichen Melodie wieder, wenn der Empfindungsgehalt, die Grundstimmung, die gleiche ist.(Wäre es die natürliche, wesenhafte Stellung der Musik, dem Text absolut untergeordnet zu sein, so wäre ein Strophenlied gar nicht möglich.) Aber das ist nur durch die Melodie zu erzielen. Diese ist das eigentliche Urelement der Musik. Die Tonmalerei steht mit ihr nicht auf derselben Höhe. Die Oper ist nicht einfach ein musikalisch untermaltes Drama. Das Drama wendet sich mit dem Wort, dem Instrument der Begriffsvermitlung, zunächst an den Verstand. Daher ist im gesprochenen Drama die Motivierung der Handlung von höchster Wichtigkeit, wodurch dann erst die Empfindung ausgelöst wird. Die Oper wendet sich mit der Musik dagegen unmittelbar an die Empfindung, die aus der Handlung hervorquillt. Und diese findet in rein lyrischen Partien ihren Höheinder Mel punkt, die musikalisch telodie gipfeln. d'Albert hat die Klippen der Vertonung eines naturalistischen Dramas wohl erkannt und ist ihnen, so gut es ging, aus dem Wege gegangen. Stellen im Dialog, die wenig Stimmung enthalten, läßt er meist rasch sprechen und mit einigen Tonlinien musikalisch nur leicht skizzieren. An anderen Stellen, besonders im 2. Akt, liegt der Schwerpunkt ganz im Orchester mit den chiesischen Melodien(besser wohl Motiven), die Deklamation paßt sich ihnen nebenher an; zuweilen ist sie von der Musik auch ganz losgelöst. Von den chinesischen Melodien sind einige echt, wie Dr. Hans Redlich im„Prisma“ ausführt, sogar in etwa chinesisch(Flöten) instrumentiert; einige von d'Albert erfunden, aber mit so exotischer Form, daß man sie für echtes chinesisches Gut halten könnte. Die orchestrale Illustration gestaltet sich zu reizender Buntfarbigkeit; auch chinesisches Schlagzeug ist dazu verwendet. Die Instrumentationskunst d'Albert's und Leo Blech's erstrahlt hier in hellstem Licht. Eine absolute Verschmelzung der europäischen mit der chinesischen Art ist freilich nicht gelungen, weil wohl unmöglich, aber eine gute organische Verbindung ist zweifellos erreicht, und das genügt. Die markanteste, tragfähigste Melodie der ganzen Oper ist wohl die marschmäßige Einleitung zum 2. Akt. Wilhelm Grümmer entledigte sich seiner schweren Aufgabe mit feinstem Empfinden und blieb der Partitur nichts schuldig. Die Bühnenbilder von Johs. Schröder trugen den chinesischen Formen selbstverständlich sorgfältig Rechnung. Karl Eggerts Spielleitung zeugte von tiefer Einfühlung. Es galt, ein psychisches chinesisches Milien zu schaffen, worin das Europäertum sich als Fremdkörper ausnahm. Das Musikdrama beschaftigt nur wenige Rollen; trotzdem mußten zwei derselben infolge zahlreicher Erkrankungen in unserem Ensemble mit Gästen besetzt werden. Den Titelbelden spielte Georg Vöge(Hagen). Sein Mister Wu zeigte mit starkem Eindruck echt chinesische Selbstbeherrschung und Politesse, nichtsdestoweniger aber auch grimmigen Haß und furchtbare, kalt lächelnde Rache. Vöges dunkelfarbiger Bariton erklang weich und voll. Nang Ping, Wus Tochter, war Hilde Steudter(Wuppertal). Sie wußte die höfliche, immer zurückhaltende Chinesin recht gut zu geben, auch stimmlich berührte ihr weiches, doch auch kräftiges Organ recht angenehm. Ein köstlicher Typ war Herbert Hesse als Gregory. Burschikos und selbstbewußt, alles Chinesische verachtend, dabei doch innerlich haltlos erschien dieser vom Dichter etwas unenglisch gezeichneter Engländer. Gesanglich schnitt Herbert Hesse ganz vorzüglich ab. Sein Filius Basil(Herrit Visser) zeigte sich in jeder Lage wieder als gewandten, überzeugenden Darsteller. Verschiedentlich fand er auch Gelegenheit, die große Kraft und den prächtigen Glanz seines Tenors zu entwickeln. Die Rolle der Mrs. Gregory war Friedel Beckmann anvertraut. Sie verlieh der besorgten, liebevollen Mutter packende Form und ihr dramatisch bewegter Gesang mit seiner ganzen Fülle und Schönheit machte starken Eindruck. Auch Annie Kindlina war als Ah Wong in jeder Hinsicht eine gute Figur. Richaro willenbrands Chorleitung bewährte sich wieder vorzüglich. Seine Aufgabe war nicht sehr umfangreich, aber technisch schwierig. „Mister Wu“ bildet in der Opernliteratur eine abseits stehende, exotische Pflanze, gerade mit diesen Reizen dürfte das Werk zahlreiche Freunde behalten. Das Publikum dankte lebhaft, auch Wilhelm Grümmer mußte hervortreten. Pr. 2 Wir geben bis Samstag, den 4. Februar einschl. Doppelte Rabattmarken= 103 Markenartikel und die bekannten Artikel ausgenommen Frischer Brai-Fisch! Kl. Merlans Weißileischiges Filef Grüne lleringe Otto Mess Pfd. nur 1859 Pfd. nur 309 Pfd. nur Bochum Brückstraße 30 Wittener Str. 4 Marienstraße 24 Pflasterarbeiten. Die Pflasterung der Dortmunder Straße zwischen der Heldeller= und Heckert=Straße soll auf dem Wege der öffentlichen Verdingung vergeben werden. Verdingungsunterlagen können von der Straßenbauabteilung des Stadtbauamtes, Rathaus, Zimmer 369, bezogen werden. Die Angebote sind verschlossen und mit entsprechender Aufschrift versehen bis zum 13. Februar 1933, 10 Uhr, bei der vorgenannten Abteilung einzureichen. Verspätet eingehende Angebote bleiben unberücksichtigt. Bochum, den 30. Januar 1933. Der Magistrat. Ladenlokal mit anschließ. Zimmer im Hause Bruc straße 23(jetzige Benutzung Droger e), welches seiner guten Lage zu jedem Gesmalt geelénet ist, zum 1. April sehr preiswürdig zu vermieten. Gefl. Antragen M. Schulte. Bochum, Brückstraße 23. 2 Etage 5 Der Zunglehrer Das Schicksal unserer amtolosen deutschen Junglehrerschaft von Bert Walter. Gebunden Mk.2.—, broschiert Mk.1,50 Verlag: Schürmann& Klagges, Bochum Muhlenstraße 19—14 S.=Nr. 647 46 Postscheckkonto Dortmund 6146 Zu beziehen durch jede Buchhandlung Auch durch die Geschäftsstelle unserer Zeitung. tadttheater BOCHUM Donnerstag, 2. Bebr. 20—22 Uhr Vormiete 6. Veranstaltung Werke von: Beethoven/ Reger/ Mozart/ Bruckner. Solist: Professor Florizel von Reuter (Violine). Freitag, 8. Februar 20—23 Uhr C. 18 und Wahlvorst. für alle Ringe: Zum letzten Male! 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Zwischenaktmusik Nr. 2 in B=dur aus„Rosamunde“ von Schubert, 8. Ouverture zu„Ein Feldlager in Schlesien“ von Meyerbeer. 4. Zwei Lieder von Rich. Strauß, a) Heimliche Aufforderung, b) Morgen. 5. Gavotte aus der Oper„Mignon“ von Thomas. 6. Zwei Violinsoli: a) Serenade von d’Ambrosio, b) Gitarre von Mosa Noszkowsky. 7. Potpourri aus der Operette„Wiener Blut“ von Joh. Strauß. 8. a) Es liegt ein Traum auf der Heide von v. Schönaich, b) Caprice Viennois(Ein altes Lied) von Kreisler=Andersen. 9. Lustiges Wien, Konzertwalzer v. Meisel, 10. Deutsche Marschperlen, Potpourri von Blankenburg, 8.00 Wiederholung der Wettervorhersage, Zeitangabe und Wasserstandsmeldungen 9.00 Uebertagung vom Südfunk Stuttgart: Ge meinschaftsprogramm der deutschen Schulfunk, sender. Schulfunk für Schüler vom 12. Lebensjahre an: So singt man in Schwaben. 10.00 Erste Meldungen, Zeitangabe und Wasserstandsmeldungen 11.15 Mensch und Welt. Gemeinschaftsempfang für Arbeitslose. 11.20 Schallplattenkonzert 12.00 Vom Südwestfunkt Frankfurt Unterhaltungekonzert 12.50 Wetterbericht, Zeitangabe und Mittage. meldungen 1 13.00 von 13,30—14.00 auch über den Südfunk Stuttgart Mittagekonzert. Leitung: Eysoldt, Solist: Harry Son(Cello), Begleitung: Egbert Grape. 1. Manöverbilder Marsch von Woehlert. 2. Ouverture„Il Guarany“ von Gomes. 3. Cellosoli: a) Intermezzos von Granados b) Chant du Ménestral v. Glasunow, b) Aprés un Rêve von Fauré.(Harry Son. 4. Furiant aus„Schwanda der Dudelsackpfeifer“ von Weinberger. 5. Szenen aus der Oper„Die Meistersinger von Nürnberg“ von Wagner, 6. Aus aller Herren Länder, Suite von Moszkowsky. 7. Liebeslied— Canzonetta von Schütt. 8. Was wir lieben, Potpourri von Ganglberger. 9. Einzug der Frühlingsblumen, Intermeszo von Kockert. Gegen 14,00 Mittagsmeldungen II 14.30 Funkwerbung mit Schallplatten 15.30 Wirtschaftsmeldungen und Zeitangabe 15.50 Kinderstunde, Els Vordemberge: Wir spielen und singen 16.10 Mitteilungen aus dem Schulfunk 16.15 Funkpädagogische Arbeitsgemeinschaft der Lehrer an Volksschulen. Dr. Leo Weismantel: 16.45 17.00 Lektor Le BourWirtschaftsmeldunHans Sperber: 19.55 20.00 Die Sprachräume der Lebensalter in unsern Lesebüchern(mit praktischen Uebungen) Sternschau im Februar, Dr. H. H. Kritzinger Besperkonzert des Orchesters des Westdeutschen Rundfunks Der westfälische Lebengraum. Dr. Wilhelm Frings: Sterbende Emscherwälder, verlorenes Tierparadies Französische Unterhaltung, geois— Lektor Nogué Wetterbericht, Zeitangabe, gen und Sportvorbericht Universitätsprofessor Dr. Hans Sperver Aus der Geschichte der deutschen Sprache(3) Der westdeutsche Wirtschaftsraum. Dr. A. Voigt: Das rheinische Bulkangebiet und seine wirtschaftliche Entwicklung Erste Abendmeldungen Operetten=Weisheit. Ein heiterer Streifzug. Helly Boschan(Sopran), Marita Gründgens (Sopran), Joseph Barding=Barfuß(Tenor), Westdeutsches Kammerorchester, Leitung: Hermann Spitz. Verbindende Worte: Paul Heinrich Gehly Der alte Fritz in Westfajen. Hörspieleret von Joseph Winckler. Spielleitung: Haslinde. Börnebrink, Schneidermeister(Wilm Böckenholt), Frau Börnebrink(Lene Holden), 1. Geselle, 2, Geselle(Bernd Bietendüwel), der Dorflehrer(August Wessel), Erzähler(Wilhelm Wahl). Letzte Meldungen, Bericht über das geistige Leben, Sportbericht Nachtmusik, Leitung: Eysoldt Freitag, den 8. Februar 1933. 6.45 Leibesübungen, Dr. Ludwig Bach: Atmungsund Haltungsgymnastik 7.00 Wettervorbersage und Zeitangabe 7.05 Morgenkonzert(Schallplatten) 1, Halleluja von Palestrina. 2. Dritter Satz „Menuett“ aus der Sinfonie Nr. 6 in Gedur mit dem Paukenschlag) von Haydn. 8 Drei Lieder: a) Leise zieht durch mein Gemüt von Mendelssohn, b) Der Schmied von Brahms, *c) Sandmännchen von Brahms. 4. Ouverture zur Oper„Die Stumme von Portici“ von Auber. 5. Fantasie aus„Tannhäuser“ von Rich. Wagner, 6, a) Arie des Sängers aus dem Rosenkavalier“ v. R. Strauß, b) PostillonLied aus„Postillon von Longjumeau“ v. Adam. 7. Tarantella aus„Venezia e Napoli“ v. Liszt. 8. Von Wien durch die Welt, Potp. v. Hruby. 9. Vibraphon=Walzer von Löhr. 11, RadetzkyMarsch von Joh. Strauß. 8. Wiederholung der Wettervorhersage, Zeitangabe und Wasserstandsmeldungen . . . Im det e nion Se chu HE EL ERG M wird unter günftigen Bedingungen eingestellt. Etwas Vorkenntnisse erwünscht Ein 1. Hypotdek=Brief 3000 M. banksichere selte Zinsen 8% muß übernommen werden Offerten u. B. 6370 a. d. Gesch. Einfaches katb., g. maß. Vergüt bess. Beamtenhaushalt(4 Personen) aum 15. 2. gesucht. Halblagsm. vorh. Nähkenntnisse erwünscht. Offerten u. B. D. 6371 a. d. Gesch Braves ordentliches für Küche und Haus= arbeit, nicht unter 25 Jahren, für sofort gesucht. Backerel Heinr. Kruse. Bochum, Königstr. 24. 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