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Fast die gesamte polnische Presse veröffentlicht folgende inspirierte Nachricht: Am 12. dieses Monats kehrt nach den Feiertagserien die deutsche Abordnung für die Hanelsvertragsverhandlungen mit Polen nach Warschau zurück. Wie schon vor den Feiertagen in Un terredungen zwischen den beiden Delegierten Minister Hermes und Minister von Twardowski festgestellt wurde, legt man auf beiden Seiten as Hauptgewicht auf den Abschluß eines sogenannten kleinen Handelsvertrages. Sofern ein solcher Vertrag zustandekommen sollte, kann man erwarten, daß sowohl die deutschen Wünsche betreffend Zollherabsetzung als auch die polnischen Wünsche in Sachen der Ausfuhr polnischer Kohle, Borstenvieh und anderer landwirtschaftlicher Pro dukte nach Deutschland in zufriedenstellen der Weise berücksichtigt werden. Was die Frage der Zollvalorisierung betrifft, so muß unterstrichen werden, daß es sich nach Stabilisierung der polnischen Währung nur um die Umrechnung der polnischen Zollstaffeln in die neue Valuta handelt. In dieser Hinsicht wird den deutschen Unterhändlern Aufklärung gegeben werden, die die Entwicklung und Förderung der Diskussion innerhalb beider Delegationen über Zollermäßigungen gestattet. Wiederaufnahme der deutsch=österr. Strafrechtsverhandlungen. Berlin, den 12. Jan.(Drahtb.) Unter dem Vorsitz des volksparteilichen Reichstagsabgeordneten, Geh.=Rat Prof. Dr. Kahl, werden am Samstaa im Reichstagsgebäude die Besprechungen zwischen den österreichischchen und deutschen parlamentarischen Sachverständigungen wieder aufgenommen, die die Strafrechtsangleichung in beiden Lündern zum Ziele haben. Die Aussichten dieser Verhandlungen werden sehr optimistisch beurteilt, Das somit zu erwartende positive Ergebnis wird als ein wesentlicher Schritt auf dem Wege zum sammenschluß Oesterreichs mit Deutschland bewertet. Die Berliner Beratungen sind der abschließenden Erörterung des letzten allgemeinen Teiles gewidmet. Es wird Aufgabe dieser deutsch=österreichischen Verhandlungen sein, die differierenden Aenderungsbeschlüsse der beiderseitigen Parlamentsausschüsse auszugleichen, wobei sachliche Schwierigkeiten noch nicht zu erwarten sind. Diese werden sich erst bei der Beratung des speziellen Teles des neuen Strafrechtes ergeben, da der österreichische Entwurf die Todesstrafe nicht vorsieht, die ja in Artikel 85 der österreichischen Bundesverfassung abgeschafft wird. Was deutschösterreichische Strafrechtsgremium setzt sich aus 10 Reichsdeutschen und sechs Oesterreichern zusammen. Berlin wird die Kommission auch beschließen, wann und wo nach etwa drei Monaten die Beratungen über den speziellen Teil der Strafrechtsreform weitergeführt werden sollen. Man will dann eine Stadt, die in der Mitte zwischen Berlin und Wien liegt, vielleicht München, wählen. Reichsministerbesprechung über die Länderkonferenz. Berlin, 12. Jan.(Drahtb.) Das Reichskabinett hielt gestern abend eine Besprechung ab, in der die organisatorischen Fragen zur Erörterung standen, die mit der bevorstehenden Konferenz mit den Minisierpräsidenten der Länder über die Verwal tungs= und Verfassungsreform zusammenhängen. In politischen Kreisen nimmt man an, daß dabei auch die Gründung des„Bundes zur Erneuerung des Reiches“ behandelt wurde. Die Besprechungen des Reichskabinetts über die Vorbereitung der Ministerpräsidentenkonferenz werden in den nächsten Tagen fortgesetzt werden. Staatsvereinfachung in Bayern. München, 12. Jannar.(Drahtber.) Der bayerische Ministerrat hat sich gestern abschließend mit der Staatsvereinfachung beschäftigt. Am Abend wurde dann den Führern der Koalitionsparteien Mitteilung von einem neuen Ermächtigungsgesetz gemacht, das die Regierung noch in dieser Woche vorlegen wird. Dieses Ermächtigungsgesetz enthält im Gegensatz zu dem bisherigen Ermächtigungsgesetz auch die ausdrückliche Ermächtigung für die Regierung zur Aenderung auch der Gerichtsorganisation sowie Bestimmungen über einen weiteran Beamtenabbau. Für die Annahme dieses Gesetzes im Landtag genügt die einfache Mehrheis, da cs keine verfassungsändernde Bedeutung hat. Zur Anleihe des Ruhrverbandes. Essen, 12. Jan. Wie wir entgegen anderslautenden Meldungen, die von einem Abschluß der Verhandlungen mit amerikanischen Geldgebern wissen wollten, zuverlässig ersehen, sind diese Verbandlungen noch nicht abgeschlossen. Der Verband verhandelt allerdings über die Gebr. Arnhold, Bankhaus, Dretden, mit einem amerikanischen Bankenkonsortium wegen Aufnahme einer 3-Millionen-Dollar=Anleihe. Die Verhandlungen hatten bisber ein günstiges Ergebnis. (Drahtbericht unseres Berliner Vertreters.) Berlin, 12. Januar 1928. Die Verhandlungen über das Reichsschulgesetz sind am Mittwoch vom interfraktionellen Ausschuß der Regierungsparteien fortgesetzt worden. Am Vormittag hatten die Vertreter der einzelnen Parteien ihrerseits formulierte Anträge zu den umstrittenen Paragraphen des Schulgesetzes dem Innenministerium unterbreitet, das damit seinerseits auf Grund dieser Anträge von sich aus dem interfraktionellen Ausschuß der Regierungsparteien Kompromißanträge vorlegte. Die Verhandlungen zogen sich von 2 bis 8 Uhrhin. Es wurde schließlich bezüglich der Einsichtnahme in den Religionsunterricht eine Einigung zwischen den Regierungsparteien erzielt. Die Regierungsparteien sind übereingekommen, im Bildungsausschusse des Reichstages, der am Donnerstag seine Beratungen wieder aufnimmt, folgenden Kompromißantrag vorzuschlagen: Der Ausschuß wolle beschließen: § 16, Absatz 1. Den Religionsgesellschaften ist— unbeschadet des staatlichen Aufsichtsrechtes— Gelegenheit zu geben, sich davon zu überzeugen, ob der Religionsunterricht in Uebereinstimmung mit ihren Grundsätzen erteilt wird. Die zuständigen oberen Stellen der Religionsgesellschaften haben zu dem Zweck das Recht der Einsichtnayme in den Religionsunterricht. Dieses Recht kann nicht an den Ortspfarrer als solchen übertragen werden. Absatz 2. Die Religionsgesellschaften und ihre Vertreter haben gegenüber den Lehrern, die Religionsunterricht erteilen, keine Befugnis der Dienstaufsicht. § 16a. In den Gebieten des Reiches, in den ein Zusammenwirken zwischen Staatsbehörden und Religionsgesellschaften hinsichtlich der Einrichtung Paris, 1I. Jan. Die Pariser Staatsanwalt= schaft hat auf Antrag des Finanzministeriums den Untersuchungsrichter beauftragt, eine Reihe von Angelegenheiten zu untersuchen, bei denen es sich um betrügerische Manöver bei der Ausführung von Sachlieferungen auf Reparationskonto handeln soll. Durch falsche Angabe des Warenwertes der auf Reparationskonto bezogenen Waren hätten sich die beiden kontrahierenden Parteien, Deutsche wie Franzosen, beträchtliche Vorteile zu sichern gewußt. Bei diesen betrügerischen Manipulationen sei auch der nicht gestattete Transfer von Bargeld von Deutschland nach Frankreich die Folge gewesen. Die französische Regierung habe, sobald sie Kenntnis von diesen betrügerischen Manövern erhalten habe, durch die in Frage kommenden Verwaltungsstellen eine Untersuchung veranstaltet und beschlossen, eine gerichtliche Untersuchung in allen den Fällen einzuleiten, in denen strafbare Handlungen festgestellt worden seien. Zu der Betrugsaffäre berichtet„Echo de Paris“: In gut unterrichteten Kreisen erkläre man, daß es sich um Betrügereien handelt, die ein Mehrfaches von zehn Millionen betragen. Die Regierung sei entschlossen, volles Licht in die Angelegenheit zu bringen, da andernfalls die Loyalität der französischen Kontrahenten diskreditiert werden könnte. Nach dem„Petit Journal“ hat die Polizei bereits Feststellungen nicht nur in Paris, sondern auch in Straßburg, Schlettstadt und Besangon unternommen. Etwa zwölf Personen seien in die Angelegenheit verwickelt und wahrscheinlich seien die französischen Käufer mit den deutschen Lieferanten einig gewesen hinsichtlich der Fälschung von Papieren, die es ermöglicht hätten, den Betrug durchzuführen, der in der Hauptsache darin bestehe, sich Zollfreiheit für die Einfuhr der auf Reparationskonto gelieferten Waren zu beschaffen. Auch auf deutscher Seite sind von den mahgebenden Stellen in den letzten Monaten Beund Erteilung des Religionsunterrichtes in der Volksschule durch Gesetze oder Vereinbarungen festgelegt ist, kannes bei dieser Regelung bleiben. Zu diesem Antrag ist zu bemerken, daß der Antrag zu§ 162 die Unterschrift des Zentrums nicht gefunden hat. Das Zentrum wird sich aber voraussichtlich nicht dieser Bestimmung widersetzen. Schwieriger haben sich wider Erwarten die Verhandlungen über die Frage der Simultanschule gestaltet. Hier konnte trotz mehrstündiger Verhandlungen keine Einigung erzielt werden. Das Zentrum hat zu dieser Frage ganz bestimmt umschriebene Mindestforde rungen aufgestellt, von denen es, wie wir jetzt schon feststellen kännen, unter keinen Umständen abweichen wird. Auf der anderen Seite ist die Deutsche Volkspartei augenscheinlich zu einem Nachgeben nicht gewillt. Es darf nicht verkannt werden, daß sich aus diesem Gegensatz eine sehr ernste politische Lage entwickeln kann. In parlamentarischen Kreisen wird trotz der Verständigung in der Frage der Einsichtnahme in den Religionsunterricht die Lage als sehr ernst beurteilt. Es wird ausdrücklich von maßgebender Seite darauf verwiesen, daß eine schwere Kabinettskrise nicht zu vermeiden sein wird, wenn nicht, was im Augenblick allerdings sehr unwahrscheinlich ist, eine Einigung noch imletzten Augenblick erfolgt. Immerhin besteht dazu insofern eine Möglichkeit, als durch die Verhandlungen des interfraktionellen Ausschusses zunächst einmal die Möglichkeit gegeben ist, daß der Bildungsausschuß des Reichstages die Beratung der Schulvorlage zunächst fortsetzen kann. Zwischen der ersten und zweiten Lesung der Schulfrage im Ausschuß wird dann noch Gelegenheit gegeben sein, über die umstritten gebliebene Frage der Simultanschule eine letzte Einigung zu versuchen. obachtungen gemacht worden, daß, offenbar auf französische Anregungen hin, zwischen französischen und deutschen Firmen Verträge geschlossen worden sind, die wesentlich gegen den Geist und Sinn der Vertragsvorschriften für die Sachlieferungen verstießen. Darauf ist vom zuständigen Reichskommissar für Reparationslieferungen die schärfste Kontrolle angeordnet worden, die ergeben hat, daß tatsäch lich hier Manöver vorliegen, die das Vertrauen zu den von den zuständigen Stellen beauftragten Firmen nicht rechtfertigten. Französischerseits wird noch mitgeteilt: Die deutsche Regierung hat ihrerseits seit Monaten die Angelegenheit verfolgt und, wie es heißt, bereits deutsche Firmen wegen Verfehlungen gegen die Wallenberg=Vorschriften für schuldig eerklärt. Eine Schädigung deutscher Interessen durch die betrügerischen Manipulationen liegt insofern vor, als für Sachlieferungen bestimmte Beträge teilweise als Barzahlung von deutschen Firmen an französische Firmen überwiesen worden sind. Die unerlaubten Opera tionen haben sich bis zur Entdeckung selbstver ständlich ohne Kenntnis der deutschen und alliierten Reparationsinstanzen, insbesondere des Transfers=Komitees, vollzogen. Von deutscher Seite wird weiter noch mitgeteilt: Das deutsche Sachlieferungsbüro in Paris mußte Anfang Dezember vorigen Jahres Veranlassung nehmen, den französischen Sachlieferungsdienst auf Unstimmigkeiten aufmerksam zu machen, die anscheinend bei einigen Reparationsverträgen obwalteten. Daraufhin veranstaltete Untersuchungen haben den Verdacht vorgekommener unlauterer Machenschaften bekräftigt, worauf der französische Minister der öffentlichen Arbeiten die Präfekten der zerstörten Ge. biete angewiesen hat, in eine Preisprüfung der vorgelegten Reparationsverträge einzutreten. Es muß also festgestellt werden, daß gerade die deutschen Instanzen es waren, die zuerst auf die vorgekommenen Machenschaften hinwiesen und den Anlaß zu ihrer Aufdeckung gaben. Was gibt es heute Neues? Die Verhandlungen über den Abschluß einer „Millionen=Dollaranleihe für den Ruhrverband nehmen einen günstigen Verlauf. Die deutsche und die französische Regierung sind sehr umfangreichen Schwindeleien mit Sachlieferungen für Reparationskonto auf die Spur gekommen. Die bayerische Regierung beantragt ein neues Ermächtigungsgesetz zur Durchführung einer Staatsvereinfachung. In der Frage der geistlichen Aufsicht über den Religionsunterricht ist gestern ein Kompromiß zustande gekommen, dagegen bestehen die tiefen Gegensätze in der Simultanschulfrage nach wie vor weiter. Am Sonnabend werden in Berlin die deutsch=österreichischen Verhandlungen über das neue Strafrecht wieder aufgenommen. In den nächsten Wochen soll der direkte Telephonverkehr zwischen Berlin und Newyork aufgenommen werden. In Mexiko wurde eine deutsche Frau mit ihrem Kinde von Räubern ermordet. Deutsch=polnische Annäherung. Von Prof. Dr. Hermann Hoffmann, Breslau. Die soziale Bedeutung.— Handelsvertrag.— Minderheiten.— Zentrumstradition.— Eine deutsche Aufgabe. (Mit Rücksicht auf die für den Monat Januar bevorstehende Unterzeichnung des Handelsvertrages mit Polen dürfte dieser Aufsatz neben seiner grundsätzlichen Bedeutung gerade in diesen Tagen großen aktuellen Wert haben.) Die deutsch polnische Verständigung muß kommen, sie ist eine Lebensnotwendigkeit für Polen und für das Deutsche Reich. Es gibt nicht wenige im deutschen Vaterland, die Polen als Bagatelle und darum die deutsch=polnische Verständigung als weniger wichtig ansehen. Indessen sind die einzelnen Staaten Europas in ihren Interessen so sehr miteinander verknüpft und das Gesetz des Handelns in der politischen Gegenwart ist so wenig uns allein in die Hand gegeben, daß es nicht bloß darauf ankommt, was wir über die Dringlichkeit einer Verständigung mit unserm östlichen Nachbar meinen. sondern mehr noch darauf, was andere, was mächtigere Faktoren der Politik darüber denken. Mit andern Worten, die deutsch=polnische Frage ist nicht eine Privatangelegenheit für Polen und Deutschland, sondern eine Frage der europäischen, ja, wenn man an Finanz= und Anleihepolitik und Dawesabkommen denkt, eine Frage der Weltpolitik. Damit will ich die Bedeutung der östlichen Verständigung für das Reich selber in keiner Weise herabmindern. Der deutsche Osten fühlt das ja besonders stark. Breslau z. B., umgeben von Fabriken aller Art, deren Schlote einst Tag und Nacht rauchten, in denen Tausende von Arbeitern der Metallund anderer Industrien ihr Brot fanden, macht auf den, den die Eisenbahn hierher bringt, einen trostlosen Eindruck; seine Schlote rauchen nicht, seine Fabriken stehen mohr oder weniger still. Die Arbeitslosigkeit hier und im Osten des Reiches überhaupt ist stärker und hält länger an, als irgene anderswo. Und die Industrie des Ostens fürchtek, der deutsch polnische Handelsvertrag wird kommen, wenn es zu spät ist, d. b. wenn Polen infolge des Handelskrieges mit uns andere geschäftliche Beziehungen geknüpft hat, um seine wirtschaftlichen und industriellen Bedürfnisse zu decken, und uns dann nicht mehr braucht. Abgesehen von anderen als den wirtschaftlichen Beziehungen, die zu einer Verständigung im Osten drängen— sie werden besonders im Osten unseres Vaterlandes gefühlt— ist außenpolitisch zu bedenken, daß Polen mit seiner unglücklichen Struktur es einfach nicht ertragen kann, ohne die Sicherungen des Friedens mit seinem Nachbar zu leben. Polen ist auf den Frioden mindestens so stark angewiesen wie das Deutsche Reich. Polen will nicht Krieg, sondern Frieden. Man wird in Polen lange suchen müssen, ehe man einen Polen findet, der nicht dieser Meinung wäre. Polen kann nur im Frieden gedeiben. Nun hat es nach Ost und West offene Grenzen. Nun hat es im Osten und Westen Nachbarn, die es nicht als Freunde betrachten kann. Nun hat es im Osten und Westen seine Minderheiten, denen es nicht traut. Litauer, Weißrussen, Ukrainer(früher Ruthener genannt) und Deutsche, und alle diese Minderheiten bängen räumlich zusammen mit selbständigen Staaten ihrer Nationalität. Wie oft sagte ich Polen in Polen, daß ihre Art, Minderheiten zu behandeln, falsch ist; sie stößt ab, statt anzuziehen und läuft darum Gefahr, sie zu verlieren, statt zu gewinnen. Und doch kann man sich der Einsicht in die Zusammenhänge zwischen außenpolitischer VerständiGroße Betrügereien bei Reparationslieferungen. Ein Schwindlerkomplott zwischen deulschen Lieferanten und französischen Empfängern. 75 E . gung und innenpolttischer Beyandrung der Minverheiten nicht verschließen. Das bedeutet auf die deutsche Minderheit angewendet: die Behandlung der Deutschen in Polen bängt nicht bloß ab von der Behandlung der Polen in Deutscsland, sondern ebenso von der deutsch=polnischen Versandigung. Die Geneigtheit, die Deutschen nach Recht und Vertrag zu behandeln, wäre in ganz anderem Maße zu erwarten, wenn wir ein Ostlocarno hättzen, als unter Verhältnissen wie heute, wo Polen fürchtet, daß das Reich jede seiner Schwierigkeiten z. V. Anleibeschwierigkeiten benutzt, um Rieman aus der Haut des polnischen Staates zu schneiden, ja fürchtet, daß unsere Politik solche Schwierigkeiten schaffen und vergrößern bilft. Hat doch P. Fr. Mudermann S.) vor kurzem erst in der„Germania“ darauf hingewiesen, daß mit Gebietsabtretungen und Grenzverschiebungen zur Zeit nichts zu erhoffen ist, und daß eine Lösung nur von einer Erweichung der Grenzen, von einem neuen Begriff der politischen Crenze zu erwarten ist. Das alles aber hat zur Voraussetzung die deutsch=polnische Verständigung. Mag sein, mag mancher denken, was geht das mich direkt an. Sehr viel. Meiner Meinung nach kommt zunächst dem Westen Deutschlands bei der Aufgabe der deutsch=polnischen Verständigung ein wichtiger Anteil zu. Es ist irrig zu meinen, der Westen habe die deutsch=französische, der Osten die deutsch=polnische Verständigung als Sonderaufgabe anzusehen. Die deutsch=polnische Verständigung gehe also den Westen nichts an, er sei dabei nur ein wenn auch noch so sehr interessierter Zuschauer. Diese Auffassung ist ganz irrig. Daß ich als erster Deutscher in Brüssel nach dem Kriege öffentlich— wenn auch zunächst ohne Augenblickserfolg — reden, politisch reden, über Belgien und Deutschland reden konnte, ist mir sicherlich leichter gewesen. weil ich nicht aus dem besetzten Westen, sondern aus dem Osten des Reiches komme. Unsere Grenzlanddeutschen, d. h. unsere Volksgenossen zu beiden Seiten der Grenze stehen im nationalen Kleinkrieg, die Bitterkeiten des Verlustes an Macht und Geltung, die Bitterkeiten der Kränkung, Zurücksetzung und Ungerechtigkeit, das ständig Kämpfenmüssen um sein Recht, all diese notwendigen und dankenswerten Pflichten verwickeln so sehr in den nächsten Bereich des Kampf= und Arbeitsfeldes, daß von hier aus die Lösung des Kno tens schon wegen des Mangels an Abstand nicht erfolgen kann. Der Frontkämpfer kämpft, Mann gegen Mann, Leitung und Ueberblick und Entscheidung liegt beim großen Hauptquartier. Der Kampf muß sein— wäre es nur immer auf beiden Seiten ein sittliches Ringen um Recht. Da kann und soll das übrige Reich, der Westen, Süden und Mitteldeutschland helfen. Der Westen fühlt ja auch viel mehr die internationale Verflechtung der deutsch=polnischen Verständigung mit der großen, mit der internationalen Politik. Er ahnt früher als der Osten, daß Polen, wenn es mit Deutschland nicht zur Verständigung kommt, diese mit seinem östlichen Nachbar, mit Rußland suchen muß; es verträgt nicht rechts und links feindliche Nachbarn. Der Westen fühlt mehr als der Osten, wie eng die deutsch französische Verständigung zusammenhängt mit der deutsch=polnischen Verständigung. Er ahnt eber als der Osten, daß die Politik von Thoiry Fortschritte gemacht hätte, wenn die deutsch=polnische Verständigung Fortschritte gemacht hätte. Der Osten ist die Heimat der Vaterländischen Verbände; Stahlhelm und Reitervereine und Kleinkaliberschießen und jede Art schwarz=weiß=roter Gsinnung und Betätigung gedeihen hier üppiger als im Westen. Die Geographie der Parteien hat eine große politische Bedeutung. Im Osten sind die guten und schlimmen Eigenschaften des Preußentums zu Hause. Der Osten hat preußische, der Westen deutsche Ueberlieferungen. Das macht den Westen geeigneter zur Verständigung als im Osten. Was die Polen an deutschen Nachbarn haben, sind Protestanten, abgeseben von Oberschlesien, jenem einheitlichen Land, das nach der Abstimmung so künstlich entzwei geschnitten wurde. Germanisierung ist Protestantisierung, das Wort stammt, irre ich nicht, von dem Westfalen von Schorlemer. Die Polen haben die Politik nicht vergessen, die polnisch gleich katholisch und katholisch gleich polnisch ansah. Die Mittel aus dem staallichen Wohnungsbausonds. Der Bezirk des Ruhrsiedlungpreußischen Aus dem Ruhrgebiet, 11. Jan. Die Arbeitsgemeinschaft für wirtschaftliches Bauen im Rheinund Ruhrbezirk hat an den preußischen Minister für Volkswohlfahrt, Virtsiefer, eine längere Denkschrift gerichtet, in der eingangs betont wird, daß die Größe der Wohnungsnot auf Grund der Wohnungszählung vom Mai 1927 zeige, daß die tatsächliche Fehlmenge an Wohnungen bedenklich groß sei. Dieser Wohnungsmangel sei eine wesentliche Ursache der sozialen und sittlichen Not, unter der das deutsche Volk als Nachkriegserscheinung leide. Es sei noch auf längere Zeit eine der vornehmsten Pflichten von Reich, Staat und Gemeinden, dieser Not zu steuern, d. h. den Wohnungsbau, besonders aber den Bau von Kleinwohnungen zu fördern. Auf die viel umstrittene Frage, ob und inwieweit die Wohnungszwangswirtschaft die Wohnungsnot mitverschuldet habe und ein Abbau derselben jetzt oder künftig eine Erleichterung bringe oder bringen könne, soll hier nicht näher eingegangen werden. Vielmehr wird anerkannt, daß unter den durch die Zeitumstände und die Lage der Gesetzgebung gegebenen Verhältnissen, auch schon mit Rücksicht auf den Kapitalmarkt und die Zinsenhöhe, eine Förderung des Wohnungsbaues durch Hergabe billiger Darlehen aus der öffentlichen Hand nicht zu entbehren sei. Das Haus zinssteuergesetz habe in der jetzigen Fassung für die Jahre 1926 und 1927 zu diesem Zweck erhebliche Mittel gebracht. Diese Erträgnisse dürften in den nächsten Jahren nicht gemindert werden. Wichtig sei es, daß die Mittel, die zur Verfügung ständen, rechtzeitig und in gerechter Weise verwandt würden. In dieser Beziehung seien Mißverhältnisse zutage getreten, die dringend der Abhilfe bedürften. Im Jahre 1926 betrug die Hauszinssteuer 975 Proz., davon entfielen für den Wohnungsbau den Gemeinden 337¼ Proz. und für den Wohnungsbau dem Staat 150 Proz. Gemeindliche Wohnungsbaumittel auf den Kopf der Bevölkerung entfielen in Wreußen im Durchschnitt 9,14 RM., im Ruhrkohlenverbandsbezirk im Durchschnitt 8,50 RM., in Frankfurt a. M. 27,73 RM., Berlin 26,25 RM., Wiesbaden 20,09 RM., Hannover 18.62 RM., Aachen 18.53 RM., Düsseldorf 18,49 RM., Breslau 16.18 RM., Königsberg 16,18 RM., Köln 16,13 RM., Dortmund 12,79 RM., Duisburg 12,18 RM., Essen 11,76 RM., Mülheim=Ruhr 11,76 RM. Oberhausen 11,00 RM., Bochum 10,43 RM., Gelsenkirchen 8.67 RM. Gemeindliche Wohnungsbaumittel und staatlicher Wohnunggsfürsorgefonds entfielen in Preußen im Durchschnitt 12,13 RM., im Ruhrkohlenverbandsbezirk im Durchschnitt 10,97 RM., Frankfurt a. M. 30,92 RM., Berlin 26.45 RM., Wiesbaden 22,12 RM., Hannover 21,50 RM Aachen 20,01 RM., Düsseldorf 19,13 RM., Breslau 19,05 RM., Königsberg 21,50 RM., Köln 17,60 RM., Dortmund 14.12 RM., Duisburg 13,74 RM., Essen 13,20 RM., Mülheim=Ruhr 13,38 RM., Oberhausen 13,67 RM., Bochum 11,90 RM., Gelsenkirchen 10,22 RM. Mithin entfielen aus dem staatlichen Fürsorgefonds in Preußen im Durchschnitt 3,29 RM., im Ruhrkohlenverbandsbezirk im Durchschnitt 2,47 RM., in Franksurt a. M. 3,19 RM., Berlin 0.20 RM., Wiesbaden 1,13 RM., Hannover 2.88 RM., Aachen 1.48 RM., Düsseldorf 0.94 RM.. Breslau 2.87 RM., Königsberg 5,32 RM. Köln 1.47 RM., Dortmund 1,33 RM., Duisburg 1,56 RM., verbandes erheblich unter dem Durchschnitt. Essen 1,44 RM., Mülheim=Ruhr 1,02 RM., Oberhausen 2,67 RM., Bochum 1.17 RM., Gelsen kirchen 1,55 RM. Der Verbandsbezirk stehe also bezüglich des eige nen Aufkommens erheblich mit 0,64 RM.= 7 Proz. unter dem preußischen Durchschnitt, erreiche nur ca. ein Drittel des Aufkommens der beiden Großstädte Frankfurt und Berlin und bleibe, mit Ausnahme von Hindenburg hinter sämtlichen Großstädten außerhalb des Bezirks stark zurück. Die zum Verbandsbezirk gehörenden Großstädte ständen teils ebenfalls unter dem preußischen Durch schniti, teils überstiegen sie ihn nur unwesentlich. Die Zuwendungen, die dem Verbandsbezirk aus dem Staatsfonds zugeflossen seien, hätten nur 2,47 RM., also 0.82 RM— 25 Prozent weniger als im preußischen Durchschnitt betragen. Verschiedene Großstädte, wie Frankfurt mit dem dreifachen Aufkommen, Hannover mit ca. dem doppelten Aufkommen, hätten erheblich mehr erhalten als der Verbandsbezirk. Womit diese Ungleichheiten begründet seien, sei nicht zu er kennen. Dabei falle weiter auf, daß in Preußen durchschnittlich verteilt seien 3,29 RM., während nach dem gesetzlichen Verhältnis zwischen 337¼ Prozent für die Gomeinden und 150 Prozent für den Staat, der letztere rd. 4.07 RM. zur Verfügung gehabt haben müßte. Aus den Ergebnissen der Wohnungszählung ergebe sich weiter, daß von 100 Gesamthaushaltungen keine eigene Wohnung(auf 100 Haushaltungen) haben in Preußen im Durchschnitt 5,9, im Ruhrkohlenverbandsbezirk im Durchschntt 8,18, in Frankfurt a. M. 9,6, Berlin 6,9, Wiesbaden 6,1, Hannover 11.1, Aachen 3.3, Düsseldorf 7,0, Königsberg 9,9, Köln 6,7, Dortmund 8,8, Duisburg 6,8, Essen 7,8, Mülheim=Ruhr 5,7, Oberhausen 8,6, Bochum 7,8, Gelsenkirchen 10,6. Im Ruhrkoylenverbandsbezirk sei ferner die Wohnungsfehlmenge um etwa 39 Prozent und die Wohnungsfehlmenge unter Einschluß der in Haushaltungen zusammenlebenden zwei und weiteren Familien(auf 100 Haushaltungen) um etwa 31 Prozent höher als im preußischen Durchschnitt, während eigenes Aufkommen und Gesamt=Wohnungsbaumittel umgekehrt erheblich hinter dem preußischen Durchschnitt zurückblieben. „Welche Folgen die schlechten Wobnverhältnisse besonders bei der Industriebevölkerung in sittlicher, wirtschaftlicher und nicht minder in politischer Beziehung haben, bedürfe keiner näheren Ausführung. Das doppelte Mißverhältnis, das sich bei dem bisherigen Verfahren zum Nachteil des Verbandsbezirkes herausgebildet habe, sei um so bedauerlicher, als der hiesige Bezirk auch in vielen anderen Dingen stiefmütterlich behandelt würde, obgleich er als größtes Wirtschaftsgebiet für Reich und Staat von allergrößter Wichtigkeit sei. Dieses Mißverhältnis sei allein damit zu erklären, daß die Wohnungsnot in ihren örtlichen Größen nicht festgestellt wäre. Nachdem aber diese Größen durch die Wohnungszählung ermittelt seien, gebe sich die Arbeitsgemeinschaft der Hoffnung hin, daß es nur dieser Darstellung und dieser Hinweise bedürfe, um noch im Jahre 1927 und auch weiterhin in den folgenden Jahren dem Verbandsbezirk Ausgleich zu bieten in einem Umfange, wie es den geschilderten tatsächlichen Verhältnissen entspreche. Ihr katholische Deutsche, die ihr dem Banner der Schorlemer, der Roeren, der Trimborn, der Bachem folgt, der Politiker, die seit Windthorst Tagen Gerechtigkeit für die Polen forderten zu einer Zeit, als das dem Fordernden keine Gunst eintrug, besinnt euch auf diese großen Männer, und werdet eurer Aufgaben in der deutsch=polnischen Verständlgung auch bewußt! Die deutsch=polnische Verständigung ist dem ganzen deutschen Volke aufgegeben. Kardinal Hlond besucht Deutschland. R. v. F. Rom. 7. Januar. Papst Pius I. empfing den jetzigen Präsidenten der polnischen Malteseritter=Genossenschaft, Graf Bogdan v. Hutten=Czapski. in Privataudienz. Graf Hutten=Czapski war belanntlich vor dem Weltkriege erbliches Mitglied des preusischen Herrenhauses und Schloßhauptmann von Posen. Wegen seiner verdienswollen parlamentarischen Tätigkeit wurde er damals zu verschiedenen wichtigen Aufträgen im Reichsinteresse verwendet, so war er Reichsbevollmächtigter beim Friedensschluß von Ouchy(1912), der den Tripoliskrieg beendete, und gehörte der unter der Führung des Fürsten Bülow stehenden diplomatischen Mission am Anfang des Weltkrieges in Rom an. Der Primas von Polen, Kardinal lond, der sich noch bis zur zweiten Hälfte des Monats in Rom aufhält, und sich alsdann auf Wunsch des Papstes nach Deutschland begibt, um die Kardinäle von Breslau, Köln und München zu besuchen, hat inzwischen Gelegenheit genommen, mit führenden Persönlichkeiten der deutschen katholischen Kolonie Roms in einen sympathischen und fruchtbringenden Gedankenaustausch zu treten. Die Vorbereitungen für die polnischen Wahlen. Kattowitz, 10. Jan.(Drahtb.) Die Vorbereitungen für die kommenden Seim= und Senatswahlen werden von den polnischen Parteien fieberhaft fortgesetzt. Unter den Katholiken der Wojewodschaft Schlesien ist es jetzt zu einer Spaltung gekommen. Die Teschener polnischen Katholiken haben beschlossen, bei den kommenden Wahlen mit der Sanierungspartei der Richtung Pilsudski zusammenzugehen. Spitzenkandidat dieser Einheitsliste für die Wojewodschaft Schlesien wird Prälat Lonozin aus Teschen. Bemerkenswert ist hierbei, daß von oberhirtlicher Seite gegen diese Kandidatur keinerlei Einspruch erhoben worden ist, während dem deutschen Domherrn KlinkePosen, der dem bisherigen Seim als Abgeordneter angehörte, und der als Spitzenkandidat für die deutschen Katholiken Ostoberschlesiens neu kandidieren sollte, von dem in Rom weilenden neuen Kardinal Dr. Hlond eine neue Kandidaturannahme verboten wurde. Ob Korfanty persönlich kandidieren wird, steht noch nicht fest. Er hat zwar mehrfach erklärt, daß er nicht kandidieren werde; aber er ist dieser Tage erneut von Versammlungen seiner Partei in verschiedenen Orten ersucht worden, die Spitzenkandidatur für die Christlich=demokratische Partei zu übernehmen, mit der ebenfalls ein Teil der polnischen Katholiken der Wojewodschaft Schlesien gehen dürfte. Voraussichtlich werden die polnischen Gruppen mit drei Listen hervortreten, und zwar mit der Liste der moralischen Sanierung der Richtung Pilsudski unter dem Namen Christlich=Nationale Vereinigung, 2. mit der Liste der ChristlichDemokraten, der Korfanty=Partei, und drittens der Liste der Polnischen Sozialisten, mit denen bekanntlich die deutschen Sozialisten ein Wahlbündnis eingegangen sind. Diesen drei polnischen Listen wird die deutsche Wahlgemeinschaft, bestehend aus der Katholischen Volkspartei und der Deutschen Partei, geschlossen gegenüberstehen. Neuer polnisch=litauischer Grenzstreil. Warschau, 11. Jan. Wie„Kurjer Warszawski“ aus Wilna meldet, fand nach der letzten Schießerei an der polnisch=litauischen Grenze zwischen einem Vertreter der polnischen und der litauischen Grenzwache eine Zusammenkunft statt. Hierbei forderte der litauische Vertreter, daß die Grenzpfähle über den Assanisee hinausgerückt würden, da dieses Gewässer noch zu Litauen jehöre. Der polnische Offiden Katakomben Roms. Mit Genehmigung der Verlagsanstalt Tyrolia, Innsbruck=Wien=München. Aus Br. Willram(Mgr. Prof. Ant. Müller)„Heliotrop“, Skizzen und Bilder aus Italien. Preis Halbl. S 7,20, RM. 4,70.(350 Seiten.) Eines der schönsten und empfehlenswertesten Bücher für jeden Italienreisenden und Rompilger. Und wieder wallen wir in aller Morgenfrühe die appische Straße entlang den Katakomben von „San Callisto“ zu; die Vögel in den Holunderbüschen singen ihre herrlichen Kantaten; in den Linden und Akazien unter„Villa Mattei“ rauscht es wie von Jubelpsalmen, und in den Schilfbeständen seitwärts des Weges flüstert der junge Tag vom goldenen Sonnenmärchen, welches dort drüben über den Albanerbergen sich allgemach zu entschleiern beginnt. Der Herbsthimmel strahlt in seinem wunderbarsten Blau, als wollte er die hehre Feier krönen, die draußen bei„San Callisto“ in den Eingeweiden der Erde vor sich geht. Malven und Lilien, von emsiger Trappistenhand gehegt, sprießen in uppiger Fülle aus dem jungfräulichen Boden, säumen in stiller, heiliger Anmut die Schwelle geweihter Grüfte und grüßen den ernsten Wanderer wie das hohe Lied überirdischer Schönheit und himmlischer Verklärung. Taugeschmeide funkelt in den duftenden Kelchen, und die grünen Blätter flüstern im Morgenwind, und es weht und rauscht aus einer anderen Welt herüber, wie die Brautgesänge bei der Hochzeit des Lammes: „Komm, meine Auserwählte, und ich will in dir meinen Thron errichten, weil es den König nach deiner Schönheit gelüstet!“ Und unten am Grabe der Märtyrer=Jungfrau des dritten Jahrhunderts steht ein Priester, die heilige Messe singend: es ist Cäcilientag! Der Leib der Heiligen ruht bekanntlich in der über ihrem Wohnhaus erbauten, gleichnamigen Kirche im transtiberinischen Stadtteil, wurde aber in den Calixt=Katakomben, nahe an der sogenannten Papstgruft, noch unverletzt aufgefunden. Und die so geheiligte Stelle bildet jedes Jahr am 22. Novomber, dem Todestage der Heiligen, den Anziehungsnunkt für hunderte und hunderte fromme Pilder, welche schon in aller Morgenfrühe hinauswallen. um am ursprünglichen Grabe der heiligen Martyrerin zu beten. Es war 5 Uhr morgens, als wir hinabstiegen in die Gruft, und wir waren nicht die ersten; aus der hellerleuchteten Grotte klang uns schon das Zeichen der heiligen Wandlung entgegen, und als wir sie betraten, fanden wir uns in einem reich dekorierten Festsaal; blumendurchflochtene Buchsgirlanden flossen, eine Krone bildend, von der Lichtöffnung des Gewölbes nieder und zogen sich malerisch an den Wänden hin; diese selbst, reich von buntfärbigen Kränzen behangen, ließen das nackte Gestein kaum mehr zutage treten. Rosen und Chrysanthemen gossen ihren Wohlhauch durch den Raum, und zwei aneinandergeschlungene, frische Palmen, das Symbol des Martyriums, wiesen uns den Ort, der den Leib der Heiligen barg. Dort ruht sie, in Marmor gemeißelt(eine Kopie der berühmten Statue von Stefano Maderna), und in derselben Lage, wie sie(1599) im Grabe vorgefunden wurde, mit vorgestrecktem Arm und(vom Henkersschwert halbgetrenntem) rückwärts gewandtem Haupt— mitten unter Blumen und Lichtern— das Bild hingegossener Anmut und Lieblichkeit. Kein Museum Roms birat diese Fülle von Liebreiz und Schönheit, und ich kenne keine Schöpfung des Meißels, die so unmittelbar fesselnd und bezaubernd auf das Auge des Beschauers einwirkt wie diese tiefergreifende plastische Szene. Ich glaube, der Adel der Reinheit und jungfräulichen Würde hat nie eine verständnisvollere Darstellung gefunden, wie in der Statue der heiligen Cäcilia, von Maderna. Links neben der Grabstätte, unter einem halbverwischten Mosaik, die Heilige in ihrer Verklärung darstellend, stand der Altar, auf welchem soeben ein Priester die heilige Messe zelebrierte. In tiefer Stille knieten Andächtige um die heilige Stätte. Auch dem Verfasser dieser Zeilen war es vergönnt, am Grabe der Gefeierten das heilige Opfer darzubringen, und als er da unten in der Tiefe der Katakomben einer großen Schar Andächtiger beiderlei Geschlechtes die heilige Kommunion austeilte, hatte vor seinen Augen jenes Phantasiegemälde aus der Urkirche, das er den Lesern zu Anfang dieser Schilderung entwarf, greifbare Gestalt gewonnen, und er fühlte sich lebhaft an die Worte der Apostelgeschichte(2, 12) erinnert:„Sie verharrten in der Lehre der Avostel, in der Gomeinschaft des Brotbrechens und im Gebete.“ Der Anwesenden werden immer mehr! Neben der Ordensschwester kniet die Weltdame, neben dem Ordensmann und Priester der Laie ohne Unterschied des Standes. In das Knistern der Herzenflammen mische sich das Rauschen der Seidenkleider — und alles sinkt in die Knie vor der jungfräulichen Hoheit jener Huldgestalt, deren Andenken zu feiern man gekommen ist. Stadtiheater Bochum. Undine. Romantische Zauberoper von A. Lortzing. Bochum, den 11. Januar 1928. In neuer Einrichtung und Einstudierung ging die schöne Oper Lortzings gestern abend in Szene. Der melodische Reichtum das starke Hervortreten des Liedmäßigen ist in einer Oper, die nicht dem Genre der erschütterndsten Tragik angehört, wohl am Platze und bei einer solchen der Volksseele so nahestehenden Dichtung die natürliche Sprache. Aber auch das dramatische, tonmalerische Moment kommt bei Lortzing, besonders in Undine, in ausreichendem Maße zur Geltung, wird aber gewöhnlich keiner großen Beachtung gewürdigt, nicht bloß, weil die Melodie dem Ohr eingängiger ist, sondern auch weil es auch nicht die Willkürlichkeiten und schrillen Dissonanzen der Moderne aufweist. Diese sind wir aber schon längst gewohnt, und so mag dem zeitbefangenen Hörer Lortzing, da er auch in seiner Dramatik durchaus innerhalb den Grenzen des Schönen bleibt, von nicht sonderlicher dramatischer Stärke erscheinen. Die feineren Ausdrucksmittel der Dramatik und Tonmalerei wrden damit zu leicht übersehen, wenn auch der Hörer unbewußt von ihnen eindrucksvoll verührt wird. Die gestrige Aufführung der„Undine“ verlief glänzend. Am Dirigentenpult wirkte Richard Villenbrandt, der auch schon früher diese Oper dirigiert hat. Auch jetzt können wir sagen er führte den Stab mit Sicherheit, Klarheit und Wärme. Für die Spielleitung zeichnete wiederum Karl Siebold, für die dekorative Einrichtung Ernst Presber. Szenisch war kaum eine Veränderung eingetreten In der Rollenbesetzung waren gegen früher natürlich große Veränderungen vorgenommen, alle aber lagen in besten Händen. Den Ritter Hugo von Ringstetten spielte wie früher Karl=Heinz Nießen. Er hatte seine Nolle psychologisch fein erfaßt und befriedigte vollkommen. Wilhelm Trieloffs Kühleborn war wieder eine Glanzleistung. Das Dämonische, das ihm so ausgezeichnet liegt, wußte er hier auf das rechte Maß zu reduzieren. Kühleborn ist kein eigentlich böses Wesen, sein Charakter zeigt sich nach verschiedenen Seiten, aber immer erschien er in Trieloffs Formung lebenswahr und überezugend Undine, die Titelbeldin, sang Elisabeth Kluge. Sie verkörperte die Rolle meisterhaft. In der kindlich unschuldigen Naivität und Heiterkeit erschien ihre Undine ganz entzückend, der tiefe Schmerz ließ Sanftmut und Güte durchblicken. Die Schmiegsamkeit, der zarte Schmelz und die Klarheit ihres Soprans halfen die Undine wundersam gestalten. In Berthalda, der stolzen Tochter des Herzogs, arbeitete Lydig Maschek mit ihrem kräftigen Organ den ganz auf Ehrgeiz und Energie gestellten Charakter klar und bestimmt heraus. Leonhard Kistemann's Veit war ein Jüngling von frischem Humor und Lebenslust, wie er prächtiger nicht zu wünschen war. Sein schöner Tenor erwarb sich mit dem Lied:„Vater, Mutter, Schwestern, Brüder...“ bei offener Szene lang anhaltenden Beifall. Zu einer Wiederholung des Liedes aber ließ er sich nicht herbei. Das wieder einsetzende Orchester machte dem Applaus ein Ende. Zu dem Ton, auf den Kistemann seinen Veit eingestellt hatte, war auch die launige zweite Strophe obigen Liedes ganz gut angebracht, die bei etwas anderer Nuancierung des Charakters früher einmal passend fortgelassen war. Den Kellermeister Hans sang wie früher Rudolf Hohberg. Wiederum war es ein Glanzstück. In der humoristischen, schon mehr burlesken Szene(Veit und Hans) im vierten Akt darf man mit den mimischen Scherzen nicht noch weiter gehen. Das Lied„Ich war in meinen jungen Jahren“ erregte spontane starke Heiterkeit. In dem Quintett des 1. Aktes„Ach, welche Freude.....“ waren die Stimmen etwas unausgeglichen. Die Chöre, ebenfalls einstudiert und geleitet von Richard Hillenbrand, lösten ihre Aufgabe zu voller Zufriedenheit. Die Tänze im dritten Akt waren höchst anerkennenswert. Sie wurden ebenfalls mit glnäzendem Beifall bedacht. Die kleineren Rollen Tobias(Heinrich Löffler), Martha(Annie Kindling) und Pater Heilmann(Deszö Ernster) fügten sich in den Rahmen des Ganzen passend ein. Das Haus war gut besucht und sehr beifallsfreudig. Dr. B. Das Neue Deutsche Theater in Prag feierte sein 40jähriges Bestehen. Aus diesem Anlaß bringen die deutschen und eine Anzahl tschechischer Presseorgane eingehende Artikel über die Entwicklung des Deutschen Theaters als Kulturzentrum des Prager Deutschtums zier verweigerte die Ausführung dieses Verlangens und kündigte an, daß im Falle des Umschlagens oder Wegrückens der Grenzpfähle die polnischen Grenzschutzsoldaten entsprechend reagieren würden. Der litauische Vertreter blieb jedoch dabei, daß die litauische Grenzwache die Grenzpfähle versetzen werde. Angesichts dieses litauischen Verhaltens hat man auf polnischer Seite beschlossen, in dem Gebiete des Assanisces einen besonderen Grenzposten aufzustellen. Verfassungsänderungen in Litauen. Komno Umbildung des litauischen Kabineils und die Einführung der Verfassungsänderungen auf dem Verordnungswege werden hier als ein Versuch der Regierung angesehen, sich einen sesten innerpolitischen Rückhalt bei den Verhandlungen mit Polen zu sichern. Obwohl die Nachricht von den neuen Plänen der Regierung besonders in oppositionellen Kreisen allergößtes Aufsehen erregt hat, hält man ihre Verwirklichung dennoch nicht für unwahrscheinlich. In der Regierung nahestehenden Kreisen weist man nämlich darauf hin, daß die Regierung auf die Verfassungsänderungen im Hinblick auf die bevorstehenden polnisch-litauischen Verhandlungen nicht verzichten könne, da in der neuen Verfassung Wilna Verfassungsänderungen auf dem Wege der Volksabstimmung infolge der Haltung der litauischen Opposition in absehbarer Zeit nicht verwirklichen kann, scheint Woldemaras entschlossen zu sein, sein Ziel auf diesem Wege zu erreichen. Voraussetzung für diesen wichtigen Schritt wäre natürlich die weitere Befestigung der Diktatur, die Woldemaras durch die Beseitigung aller nicht fest auf dem Boden der Diktatur stehenden Minister zu erreichen hofft. Charakteristisch ist die geplante Besetzung des wichtigen Postens des litauischen Generalstabschefs mit dem bisherigen litauischen Innenminister Misteikys, der als radikalster Vertreter der Diktatur in Litauen gilt. Daß die Regierung bereits für März Sejmwahlen auf Grund des in den Verfassungsänderungen enthaltenen neuen Wahlgesetzes ausschreiben lassen wird, hält man für wenig wahrscheinlich. Eine Pariser Meldung, daß Litwinow dem französischen Außenminister Briand in Genf versichert habe, Woldemaras dürfe auf keine Unterstützung der Sowjetunion rechnen, falls er sich auch nach Genf nicht mit Polen verständigen wolle, hat hier größtes Erstaunen hervorgerufen. Man hält es für ausgeschlossen, daß Litwinow Briand ein derartiges Versprechen abgegeben habe, da Rußland bekanntlich sowohl im Frieden von Riga, als auch im russischlitauischen Vertrag Wilna als die Wauptstadt Litauens anerkannt habe. Zu einer Aenderung der Haltung der Sowjetunion liege absolut kein Anlaß vor. Da die französische Presse in diesem Zusammenhang andeutet, daß die Stellung der Sowjetunion in der litanisch=polnischen Frage nicht ohne Einfluß auf die französisch=russischen Verhandlungen bleiben kann, glaubt man hier, daß Frankreicheinen Druckauf Rußlandausüben will, um die Sowjetunion zu bewegen, sich den Standpunkt Polens und Frankreichs im litauisch-polnischen Konflikt zu eigen zu machen. Man hält es jedoch für wenig wahrscheinlich, daß Rußland sich von seiner grundsätzlichen Einstellung im litauisch=polnischen Konflikt abbringen lassen wird, da durch eine einseitige Lösung im Sinne Polens auch die russischen Interessen gefährdet mürden. Die weitere Behandlung der Freigabebill. Washington, 11. Januar. Der Finanzausschuß des Senates hat beschlossen, die Freigabebill vor der Steuervorlage zu beraten und die Verhandlungen darüber zu beginnen, sobald der demokratische Senator Simons, der Führer der Opposition im Ausschuß, der an Grippe erkrankt ist, den Sitzungen wieder beiwohnen kann. Die Verschiebung der Beratung der Steuervorlage erfolgte, weil hinsichtlich der großen Divergenz zwischen den Steuerentwürfen der Regierung und des Repräsentantenhauses und der noch weitergehenden Wünsche der demokratischen Senatoren auf Steuerermäßigung gewartet werden soll, bie die am 15. März fälligen, auf dem letzten Kalenderjahr basierten Steuererklärungen einen Ueberblick über das Steueraufkommen des Jahres 1928 ermöglichen. Zwuchenfälle in einer politischen Versammlung in Prag, 11. Januar.(Drahtb.) Gestern abend fand eine von den Abgeordneten Stribrny einberufene Versammlung statt, die sich vornehmlich mit der Rückkehr des Nuntins Marmaggi nach Prag beschäftigte und in der heftige Angriffe gegen den Minister des Aeußern, Dr. Benesch, gerichtet wurden. Der Regierungsvertreter unterbrach die Redner wegen einiger Angriffe gegenüber der katholischen Kirche. Junge Leute umringten den Regierungsvertreter und drobten ihm mit Tätlichkeiten. Im Augenblick höchster Erregung drang Polizei in den Saal und ermöglichte dem Regierungsvertreter, sich zu entfernen. Anmerkung: Der Abgeordnete Stribrny ist ein Dissident der nationalsozialistischen Partei, welcher auch der Minister des Aeußern, Dr. Benesch, angehört.) Schwierige Lage in Ncaraqua. Newyork, 11. Jan. Nach einer Meldung aus Managua(Nicaragua) sind amerikanische Seesoldaten gestern nach Somotillo, nahe der Grenze von Honduras, gesandt worden, wo eine ernste Lage entstanden ist. Dort waren elf Mitglieder der Nationalgarde von Nicaragna am Sonntag desertiert und hatten sich einem bekannten revolutionären Führer von Honduras, General Higinio Veralta, angeschlossen. Der amerikanische Marineoffizier, der die Truppen in Manaqua befehligt. aina nach Villa Nueva, um Verstärkungen herbeizuholen, aber bei seiner Rückkehr war es ihm unmöglich. Somotillo zu betreten, da die ganze Stadt in Aufruhr war. Alle Verbindungen sind abge schnitten. Die Telegraphenlinien sind von den Streitkräften des Generals Peralta zerstört worden. Der amerikanische Multimillionär Astor in Kiel. Der amerikanische Multimillionär Astor ist in Kiel eingetroffen. Sein Besuch gilt der Besichtigung seiner Lustiacht„Vourmahal“, die auf der Germaniawerit gebaut wird. Die Begnadigungen am Hindenburglage Berlin, 12. Jan.(Drahtber.) Im Haushaltsausschuß erklärte gestern der Berichterstatter, der kommunistische Abgeordnete Münzenberg, man müsse bei aller Objektivität feststellen, daß der Strafgesetzbuchentwurf wesentliche Teile des deutschen Volkes nicht befriedigt habe. Auch die neue Strafprozeßordnung müsse baldigst vorgelegt werden. Der Redner übte weiter Kritik an den Verurteilungen wegen Landes= und Hochverrat, sowie Verrats militärischer Geheimnisse, die erschreckend zugenommen hätten. Reichsjustizminister Hergt gab darauf zu der letzteren Frage umfangreiches statistisches Material bekannt. Danach betrug im Jahre 1927 die Zahl der eingegangenen Hochverratsanzeigen 815, der Landesverratsanzeigen 613. Die Zahl der erhobenen Anklagen betrug aber nur 49 bezw. 46. Dabei sei zu bedenken, daß der Landesverrat auch alle Spionagefälle enthalte. Von einer Hochflut solcher Prozesse könne man daher nicht reden. Gegenüber dem Vorjahre sei im Gegenteil ein starkes Absinken der Verurteilungen festzustellen. Der Minister ging dann auf die Begnadigungen anläßlich des Geburtstages des Reichspräsi denten ein, die 75 Fälle umfaßt hatten. Erlassen wurden Freiheitsstrafen in einer Gesamthöhe von über 700 Jahren. Auf politische Straftaten entfallen 70 Gnadenerweise. Im ganzen seien 118 linksgerichtete und 16 rechtsgerichtete Täter damals in Haft gewesen. Die Gesamtzahl der Gnadenerweise der Länder stehe noch nicht fest. Nach den letzten Mitteilungen seien in Preußen bisher mehr als 12000, in den anderen Ländern rund 4000 Gnadenerweise erfolgt. Marx an die Beamien. (Drahtbericht unseres Berliner Vertreters.) Berlin, 12. Januar 1928. Auf eine Beschwerde des geschäftsführenden Ausschusses des Katholischen Lehrerverbandes wegen der Stellungnahme des Abg. Stegerwald zur Beamtenbesoldungsfrage an den Vorsitzenden der Zentrumspartei, Reichskanzler Marx, hat dieser dem genannten Verband ein Antwortschreiben zukommen lassen, in dem er erklärt, daß er das Schreiben dem Vorstand der Zentrumspartei zur Stellungnahme zugestellt habe. Marx erklärt sodann, daß er selbst die Ausführungen Stegerwalds über die Beamtenbesoldung sehr bedauert und in keiner Weise für gerechtfertigt halte. Er habe Stegerwald auch darüber keinen Augenblick im Unklaren gelassen. Das ganze Vorkommen bleibe aber trotzdem im höchsten Grade bedauerlich. Bluliger Zukammenstoß in Steliin. Berlin, den 12. Jan.(Drahtb.) Am Schluß einer national=sozialistischen Versammlung in Stettin kam es gestern abend zu blutigen Auseinandersetzungen zwischen Versammlungsteilnehmern und Kommunisten. Bei dem Kampf, bei dem die Gegner mit Tischbeinen, Stühlen und Bierseideln aufeinander einschlugen, wurde die gesamte Einrichtung des Versammlungssaales sowie Türen und Fenster zertrümmert. Erst als die Polizei gegen die beiden Parteien eine drohende Haltung einnahmen, Schüsse abgab, ebbte der Tumult ab. Polizeiliche Verstärkungen fanden nur noch die Nationalsozialisten vor, während die Kommunisten das Weite gesucht hatten. Sämtliche Versammlungsteilnehmer wurden verhaftet und ins Polizeipräsidium gebracht; zwei von ihnen wurden so schwer verletzt, daß ihre sofortige Ueberführung ins Krankenbaus notwendig war. Die Polizei beschlagnahmte eine Anzahl von Waffen, darunter einen Revolver und eine Pistole, Telen onverkehr Berlin-Newyork. Berlin, 12. Januar.(Drahtb.) Wie aus dem Reichspostministerium mitgeteilt wird, stehen die zwischen der deutschen, der niederländischen und der englischen Postverwaltung gepflogenen Verbandlungen über die Aufnahme des seit langer Zeit geplanten, über London geschaltete Telephondienstes Berlin— Newyork unmittelbar vor dem Abschluß. Die bisherigen, versuchsweise geführten Gespräche haben ein sehr befriedigendes Ergebnis gezeitigt. Mit der Freigabe des Dienstes ist schon für die nächsten Wochen zu rechnen. Die Gebühren liegen in allen Einzelheiten fest; ein Dreiminutengespräch Berlin—Newyork kostet 16 Pfund 1 Shilling, also etwa 321 Mark. Kleine Tageschronik. Deutsche Diplomaten beim Reichspräsidenten. Der Herr Reichspräsident empfing gestern den neuen deutschen Gesandten im Haag, Graf von Zech, Burckersroda, sowie den deutschen Gesandten in Budapest von Schoen. Das Befinden des Reichsaußenministers. Wie mitgeteilt wird, geht es dem Reichsaußenminister Dr. Stresemann gesundheitlich bedeutend besser. Er hofft, Ende der nächsten Woche seine Dienstgeschäfte wieder aufnehmen zu können. Reichsbankpräsident Dr. Schacht in Bremen. Der Reichsbankpräsident wird am Donnerstag in Bremen anwesend soin. Dr. Schacht wird in der Bremer Gesellschaft von 1914 einen Vortrag halten und am Abend Gast des Senats sein. Ein deutsches Mitglied des Verwaltungsgerichtshofes des Völkerbundes. Geheimer Justizrat, Oberlandesgerichtsrat Dr. Fröhlich, deutsches Mitglied des gemischten Schiedsgerichtes in Paris, ist vom Völkerbund zum Mitglied des neugeschaffenen Verwaltungsgerichtshofes ernannt worden. Stricher disziplinarisch strafversetzt. Das Nürnberger Disziplinargericht für nichtrichterliche Beamte verurteilte den Hauptlehrer und national=sozialistischen Landtagsabgeordneten und Stadtrat Julius Streicher wegen Verlassens seiner Schule zu agitatorischen Zwecken und grober Veschimpfung seines unmittelbaren Vorgesetzten, des Nürnberger Oberbürgermeisters Dr. Luppe, zur Strafversetzung von Nürnberg nach einem kleineren Orte und zu 500 M. Geldstrafe. Der angebliche Erlaß des Generalo Guillaumat. Zu dem angeblichen Erlaß des Generals Guillaumat bezüglich einer strafferen Gestaltung des Verbältnisses zwischen dem Militär und der Bevölkerung in den besetzten Gebieten wird mitgeteilt, daß die Rheinlandkommission dem Reichskommissariat erklärt hat, eine derartige Verfügung des Generals existiere nicht. Wahl der Präsidenten des Danziger Volkstages. In der gestrigen Eröffnungssitzung des Volkstages wurde zum Präsidenten der sozialistische Abg. Spill gewählt. Zum 1. Vizepräsidenten der deutschnationale Abg. Bogdan und zum 2. Vizepräsidenten Konsul Neubauer, der der Zentrumspartei angehört. Die Kandidatenliste der polnischen Regierungspartei. Die Kandidatenliste der polnischen Regierungspartei ist gestern veröffentlicht worden. An der Spitze steht der Vizepremier Bartels, es folgen dann andere bekannte politische Persönlichkeiten, darunter mehrere Minister. Kabinettkrise im Irak. Nach Meldungen aus Bagdad ist die Regierung des Iraks zurückgetreten. Mit der Neubildung des Kabinetts ist Abdul Muhsin Beg betraut worden. Besuch Coolidges in Ottawa? Nach Berichten aus Ottawa wird dort damit gerechnet, daß Präsident Coolidge und seine Frau in nächster Zeit dem englischen Gouverneur in Ottawa einen Gegen besuch machen werden. Damit würde zum ersten Mal ein Präsident der Vereinigten Staaten die kanadische Hauptstadt besuchen. Der bunte Tag. Ermordung einer Deuischen 1 Mexiko. ist, und man hofft, in Teilen inneren Organe, sowie in den der Erplosivstoffe zu finden. r en noch Reste Newyork, 11. Jannar. Wie„Associated Preß“ aus Stadt Mexito meldet, ist gestern nacht Frau Margarethe Winter, die Gattin eines deutschen Buchhalters, als sie mit ihrem kleinen Kind allein zu Hause war, von Räubern überfallen und, obwohl sie sich mit der Pistole in der Hand zur Wehr setzte, getotet worden. Frau Winter und das Kind wurden vorher in grausamster Weise mißhandelt. Als die Leiche aufgefunden wurde, war der Kopf halb vom Rumpf getrennt. Eine große Anlwerpener Firma stellt ihre Zahlungen ein. Antwerpen, 12. Januar. Eine große Antwerpener Firma, die„Antwerpener Wollgesellschaft“, hat ihre Zahlungen eingestellt. Es sollen Unregelmäßigkeiten begangen worden sein, die mehrere Millionen betragen Die Staatsanwaltschaft veranstaltete eine Haussuchung in den Büroräumen der Gesellschaft und beschlagnahmte eine Anzahl Bücher und Papiere. Drei Verwalter sind verhaftet worden. Neuer Rekordflug Chamberlins. Newyork. 11. Januar. Chamberlin startete zusammen mit William Rogers heute nachmittag um 12,13 Uhr auf dem Flugplatz Rooseveltfield in einem Bellanca=Eindecker, um zu versuchen, den deutschen Dauerflugrekord zu brechen. Chamberlin, der dieselbe Kleidung wie beim Deutschlandflug trug, erklärte, er hoffe, drei Tage und zwei Nächte in der Luft bleiben zu können. Er hat 451 Gallonen Brennstoff, 1½ Gallonen Kaffee, eine Anzahl Schinkenbrötchen und drei Brathühner mitgenommen. Im letzten Augenblick gab Chamherlin den Plan auf, zugleich auch den deutschen Rundflugdistanzrekord zu brechen. Er beabsichtigt, den gesamten Flug in der Nähe der Long=IslandFlugfelder auszuführen. Die Flieger wollen morgens und abends durch Zettelabwurf über den Verlauf des Fluges berichten. Verhaftung eines Bankdirektors im Saargebiet. In Saarbrücken ist der bisherige Direktor der Banque du Rhin, Willy Thome unter der Beschuldigung verhaftet, ohne Einwilligung seiner Direktion Kredite der Bank für persönliche Zwecke in Anspruch genommen zu haben. Es soll sich um einen Betrag von 1,2 Millionen Franken handeln. Das Saarbrücker Abendblatt erwähnt bei dieser Gelegenheit verschiedene andere Unregelmäßigkeiten, die bei der Banque du Rhin vorgekommen sein sollen. So sei der Bank von der Regierungskommision des Saargebietes ein Betrag von 9,5 Millionen Franken zur Weitervergebung an die saarländische Geschäftswelt übergeben worden. Von dieser Summe sei der Betrag von fünf Millionen Franken zur Finanzierung der Französisch=Russischen Bank verwendet worden. Das Muttergeschäft der Banque du Rhin ist die Bank Bauer, Marschall u. Co, in Paris. Ein Auto vom Zuge erfaßt. Gestern abend ereignete sich in Weinböhla am Bahnübergang ein schweres Unglück. Kurz, ehe der von Dresden kommende Berliner Zug eintreffen mußte, fuhr ein Auto über die Bahnstrecke. Als es die Gleise überquerte, schloß der Schrankenwärter die Schranke, so daß das Auto nicht weiter konnte, Als der Führer des Autos den herannahenden Zug bemerkte, sprang er aus dem Wagen. Der Schrankenwärter wollte den Zug durch Winken aufhalten, um einen Zusammenstoß zu vermeiden, was ihm jedoch nicht gelang. Die Lokomotive erfaßte den Kraftwagen, schleuderte ihn zur Seite und zertrümmerte die Karosserie. Der Schrankenwärter wurde von dem fortgeschleuderten Kraftwagen auf die Schienen geworfen, von dem Zuge, der trotz sofortigen Bremsens noch einige 20 Meter weiterlief, erfaßt und buchstäblich in Stücke gerissen. Eine vierköpfige Familie mit Gas vergiftet. Im Stadtteil Räcknitz in Dresden hat sich in der vergangenen Nacht das Ehepaar Estel anscheinend in gegenseitigem Einverständnis zusammen mit seinen beiden Kindern im Alter von 6 bis 10 Jahren mit Gas vergiftet. Alle vier Personen sind tot. Der Grund liegt wahrscheinlich in schlechten wirtschaftlichen Verhältnissen. Die Obduktion der Leiche Stammers. Die Obduktion der Leiche des bei der Explosion in Dahlem ums Leben gekommenen Stammer ergab, daß Stammer durch die furchtbare Wirkung der Explosion überaus schwere Verstümmelungen und Zerreißungen davongetragen hat, die die eigentliche Todesursache gewesen sind. Es wurde festgestellt, daß infolge der Erplosion beide Beine vom Rumpfe getrennt und mehrmals gebrochen waren. Außerdem war der rechte Arm abgerissen worden und der Kopf wies furchtbare Zertrümmerungen der Schädeldecke auf, wie überhaupt die ganze Leiche bis zur völligen Unkenntlichkeit verstümmelt worden war. Auch die inneren Organe waren zerrissen, so das Herz, alles Verletzungen, die jede für sich schon genügten, den sofortigen Tod herbeizuführen. Die gerichts=chemische Untersuchung soll nach Möglichkeit feststellen, durch welche Chemikalien die Explosion verursacht worden Schwerer Raubüberfall in Moabit. Gestern vormittag kurz nach 11 Uhr wurde n dem Hause Birkenstraße 31 in Moabit in dem un linerin gefeiert worden war, ein schwerer Raubüberfall verübt. Zwei Männer, die als falsche Kriminalbeamte sich Einlaß in die Wohnung der Verwaltersfrau Gilsout verschafft hatten, schlugen die ahnungslose Frau nieder, würgten sie am Halse, knebelten sie und raubten aus dem Wäscheschrank die einkassierten Mietsgelder in Höhe von 700 Mark. Die Täter sind unerkannt entkommen. Erst eine halbe Stunde später wurden Hausbewohner auf das Wimmern der Frau aufmerksam und alarmierten die Polizei. Furchtbarer Kindesmord. Ein furchtbares Verbrechen hat sich in Kleinkreuz bei Brandenburg ereignet. Dort hat der Arbeiter Seeger, der mit einer Frau Suhl zusammenlebte, in der Nacht das uneheliche sechs Monate alte Kind der Frau, das ihn durch Schreien störte, ermordet, indem er es an den Beinen faßte und mit dem Kopf auf den Boden schlug. Seeger und Frau Suhl wurden verhaftet, Der Schwindler Franklin in London verhaftet. Seinerzeit wurde über einen Schwindler namens Franklin berichtet, der sich als Sekretär des International Labour Office in London ausgab und für angebliche Arbeitsvermittlung in England eine Unkostenpauschale von je 10 Mark forderte. Dieser angebliche Franklin sowie sein Bruder sind nunmehr in London verhaftet worden. Sie stellten sich als Gebrüder Moor heraus, die deutscher Herkunft sind, jedoch die deutsche Staatsangehörigkeit nicht mehr besitzen. Inzwischen sind bei dem„International Labour Office“ immer noch weitere Gelder eingegangen, so daß eine Warnung vor dem Schwindelunternehmen auch heute noch erforderlich scheint. Die noch eingelaufenen Gelder sollen an die Absender wioder zurückgeschickt werden. Untat eines Gewalttäters. In Wien zwang gestern nacht ein als gewalttätig bekannter Mann seine sechsköpfige Familie mit vorgehaltenem Revolver, sich in den Schlafraum zurückzuziehen. Er verschloß hierauf die Tür und breitete davor Lumpen aus, die er mit Petroleum übergoß und anzündete. Darauf flüchtete der Täter. Den Hausbewohnern gelang es, vor dem Eintreffen der Feuerwehr die in höchster Lebensgeahr befindlichen Familienmitglieder zu retten. Die Verfolgung des Täters ist eingeleitet. 28 Fischerboote vermißt. Von 26 Fischerbooten aus der schottischen Hafenstadt Arbroath, die auf hoher See von einem schweren Sturm überrascht wurden, sind nur drei zurückgekehrt. Von den übrigen 23 fehlt jede Nachricht. Eine vierköpfige Familie auf dreijähriger Wanderung durch Europa. In Prag ist vor einigen Tagen ein holländisches Ehepaar namens Apvelboom mit zwei Kindern im Alter von fünf und acht Jahren eingetroffen, das cs auf Grund einer Wette von 6000 holländischen Gulden unternommen hat, ganz Europa in drei Jahren zu durchwandern. Das Ehepaar, das seine Wanderung vor 26 Monaten angetreten hat, hat bisher 16300 Kilometer zurückgelegt. Es führt einige Zelte mit, die am jeweiligen Gastort aufgeschlagen werden. Seinen Lebensunterhalt bestreitet es, sowohl Mann wie Frau sind Sportjournalisten, durch Lieferung von Berichten für englische und holländische Sportzeitungen sowie durch den Verkauf von Ansichtskarten. Die erste japanische Universitätsprofessorin. Dr. Toshi Ko Sekiya, eine anmutige japanische Gelehrte, erhielt als erste Frau eine Professur an der Universität in Tokio nebst einem Staatspreise zur Vornahme einer europäischen Studienreise. Sie beabsichtigt, auch die Stätten der deutschen Wissenschaft zu besuchen Noch sind unsere Läger in allen Abteilungen riesengroß. Nur noch Bruchteile des früheren Wertes. USVERKAUF Nur die bewährt. Qualitäten! Nützen Sie die grossen Vorteile! Ein Posten Biber-Bettücher vollgroß, weiß u. bunt. z. TI. mit kleinen Schönheitsfehlern. Stück ungewöhnlich billig! Zett-Damast 130 cm breit, glanzreiche Qualitäten, effektvolle Muster Meter Bett-Damast 160 cm breit, neue Streifen- u. Blumenmuster Meter Bettuchbiber 150 cm breit, schöne Streifenmuster Meter 2.45 1.90— 1.45 2.90 2.45 1.90 1.90 1.75 125 Ein Posten Schlaf-Decken schwere Biber Qualitäten, vollgroß. Stück zum Teil mit kleinen Schönheitssehlern Die gute KoppelKonfektion im Inventur-Ausverkauf! Jedes Kleid u. jeder Mantel ohne Ausnahme, ist mit einem bedeutend herabgesetzen Sonderpreis versehen. 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Meter-.00 Bochum, den 12. Januar 1928. 1. Beilage der Westfälischen Volks=Zeilung. Nr. 10— Seite 5. Aus Bochum und Umgebung. Nachdruck unserer Originalartikel nur bei Angabe der „Westsälischen Volkszeitung“ als Quelle gestattet. Bochum, den 12. Januar 1928. Schafft eine großzügige Lösung! Noch einmal: Was will Bochum im Eingemeindungsstreil?— Der Paragraph 1 der Regierungsvorlage muß fallen! Für eilige Leser. Der Gemeindeausschuß des Landtages bereist heute die Landkreise Hattingen und Bochum und wird heute in Bochum eine Sitzung abhalten. * Der Magistrat hat eine Vorlage ausgearbeitet über den Ausbau der Hattingerstraße zu einer Allee auf der Strecke von der Ehrenfeldstraße bis zur Eisenbahn Laer—-aninausen in Weitmar. Der Rathausbau ist soweit fortgeschritten, daß in nächster Zeit das Nebenverwaltungsgebaude an der Alleestraße, in dem die Stadtkämmerei untergebracht ist, niedergelegt wird. Die Grubensicherheitshauptkommission beschloß in einer in Verlin stattgefundenen Sitzung, eine Studienkommission nach England, Nordfrankreich und Belgien zu entsenden. Inventurausverkauf. Kaum sind die Weihnachtsglocken verklungen, die Silvesterkopfschmerzen verschwunden, da dämmert am Horizont des neuen Jahres der„Inventur=Ausverkauf“ empor. Wie dieses Wort die Frauenwelt in die Kaufhäuser, in die Läden hineinzieht, wie es der Bequemsten Flügel leiht und sie aus der häuslichen Ruhe und Traulichkeit aufjagt! Aus den Spalten der Zeitungen locken die Inserate zum Inventur=Ausverkauf. Von 100 Häuserfronten, aus 1000 Schaufenstern schreien Aufschriften und Plakate auf die Menschen ein. Aus großen Lettern, auf weißen, gelben, roten Schildern formen sich, Wünsche weckend und zugleich Erfüllung verheißend die Worte„InventurAusverkauf“. Und in den Schaufenstern präsentieren sich, als ermunternder und erläuternder Untertext zu dieser verheißungsvollen Ueberschrift allerlei schöne und nützliche Dinge, die sich der besten Protektion rühmen, die es heute, mehr denn je, in den Augen des kaufgewillten Publikums geben kann, der Empfehlung, die da lautet:„Zu herabgesetzten Preisen!“ Sieht man die Scharen, die den Läden zuströmen, so drängt sich dem Betrachter unwillkürlich der Vergleich mit den Tagen vor dem Weibnachtsfeste auf. Ein Unterschied, ein wesentlicher, ist freilich unverkennbar. Während im Angesicht des Weihnachtsfestes ein großer Teil des Publikums kaufte, nur um eben irgend etwas zu kaufen, weil Sitte und mancherlei Verpflichtung einen gewissen Zwang zum Schenken und damit auch zum Kaufen bedenten, geht die große Mehrheit diesmal bei ihren Einkäufen methodischer, sachlicher, kühler, mit einem Worte„ökonomischer“ vor, bestrebt, den Ausverkauf so zu nützen, daß wenigstens eine kleine Erleichterung des so schwer belasteten häuslichen Budgets bewirkt wird. Für einen großen Teil des Publikums, besonders den weiblichen, sind die Tage des Inventur=Ausverkaufs, an denen sie durch die Läden wandern und nach Herzenslust kaufen können, wahre Festtage. Möchten es solche auch für unsere Geschäftsleute werden und sich alle von ihnen darauf gesetzten Hoffnungen in reichem Maße erfüllen! Wie wird das Wetter? Ausläufer der über Nordeuropa hinwegziehenden Tiefdruckgebiete reichten auch gestern über die Nord= und Ostsee nach Frankreich und Deutschland. Gestern früh war in Nordwestdeutschland Aufklaren eingetreten, sonst war es in Deutschland meist trübe und regnerisch. Die Morgentemperaturen lagen zwischen 2 und8 Grad. Der Kahle Asten meldet starken Südwestwind, bewölkten Himmel und 0 Grad.— Aussichten bis Freitag: Wechselnde Bewölkung mit Niederschlägen in Schauern und vorübergehend etwas kälter J. H. Heute trifft der Eingemeindungsausschuß des Landtags im Bochumer Gebiet ein, um hier an Ort und Stelle das Umgemeindungsproblem zu studieren. Aus diesem Anlaß drängt es uns, in einer kurzen Darstellung noch einmal zusammen zu fassen, um was es geht! Vor ungefähr zwei Jahren tobte hier im Industriegebiet der gleiche Streit, der heute die Gemüter von Hagen bis hinauf nach Düsseldorf bewegt. Auch damals richteten alle Einsichtigen den dringenden Appell an Regierung. Staatsrat und Landtag:„Schafft eine großzügige Lösung!“ Wie dieser Appell aufgenommen worden, ist noch zu bekannt, so daß wir uns ersparen dürfen, hier noch einmal darauf einzugehen! Die Lösungen, die damals beschlossen worden sind, waren alles eher als großzügige! Und nun stehen die zuständigen Instanzen wiederum vor weittragenden Beschlüssen und Entscheidungen und wiederum ergeht an sie der wirklich gut gemeinte Appell:„Schafft eine großzügige Lösung!“ Eine Lösung, die endlich dem so diffizilen Ruhrgebiet Ruhe verschafft, damit es sich, unbelastet von Um= und Eingemeindungssorgen, zu seinem und des ganzen Reiches Besten fortentwickeln kann! Unter der Um= und Eingemeindungspolitik, wie sie von der preußischen Regierung in den letzten Jahren für einen Teil des Ruhrgebietes betrieben worden ist, hat die kommunale Entwicklung schwer gelitten. Das mag man in Berlin nicht so einsehen und beurteilen können, es wird aber die Zeit kommen, wo darüber auch dort die Augen aufgehen werden, denn einmal muß es doch offenbar werden, wohin dies fortwährende Experimentieren am durchaus falschen Objekt führen wird. Wir hatten nach den schlechten Erfahrungen, die mit der Regelung der Eingemeindungsfrage im Jahre 1926 gemacht worden sind, erwartet, daß dieses Mal die Regierung von selbst schon auf eine großzügige Lösung drängen würde. Aber der Regierungsentwurf hat diesen Wunsch ganz gründlich zuschanden gemacht! Wir erkennen allerdings gern an, daß in der Art, wie sie an die Lösung der Probleme Groß=Dortmund und GroßGelsenkirchen herangegangen ist, schon ein Anflug an Großzügigkeit zu entdecken ist und würden es völlig neidlos begrüßen, wenn der Landtag der Vorlage, soweit sie den Zusammenschluß von Stadt und Land Dortmund und Gelsenkirchen-Buer—Horst betrifft, seine Zustimmung geben wird. Nicht aber kann es Beifall finden, wie die Regierung in ihrer Vorlage das Bochum—Hattinger Gebiet behandelt. Der Gesetzentwurf sieht den Zusammenschluß der beiden Landkreise Bochum und Hattingen vor und begründet ihn damit, daß der nach ihrer Ansicht nicht mehr lebensfähige Kreis Hattingen unbedingt durch den leistungsstärkeren Kreis Bochum gestützt und saniert werden müßte. Seit wann ist es überhaupt Brauch. ein Gebilde, das angeblich nicht mehr lebensfähig ist, an ein noch gesundes zu ketten, um dadurch beide in ihrer Entwicklung zu gefährden! Denn praktisch kommt doch bei der Zusammenlegung eines innerlich kranken, nicht mehr lebensfähigen Kreises Hattingen mit einem setzt noch gesunden Kreis Bochum heraus, daß bei einigermaßen gleich bleibenden wirtschaftlichen Verhältnissen, der eine Teil dem anderen zur Last fallen und zum Hemmnis werden muß! Wäre es nicht viel vernünftiger gewesen, im Kreise Hattingen zunächst einmal eine innere Sanierung zu versuchen, ehe man dem Gedanken einer Verbindung mit dem Kreise Bochum überhaupt näher trat. und ehe man sich über die Konsequenzen einer solchen Verbindung überhaupt klar war? Die Befürchtungen, die vom Kreise Bochum gegen den Zusammenschluß mit Hattingen laut gewor den, und die durch die Regierungsvorlage und alle möglichen, von Regierungsseite dazu gege benen Begründungen keineswegs zerstreut worden sind, bestehen unserer Ansicht nach durchaus zu Recht und können auch durch kein noch so fein und sophistisch ausgeklügeltes Rechenexempel aus dem Wege geräumt werden. Andererseits hat aber auch im Kreise Partingen selbst sich von vornherein stärkster Widerstand gegen eine Zusammenlegung geltend gemacht. Nicht mit Unrecht hat man hier darauf hingewiesen, daß es zunächst einmal Aufgabe der Regierung gewesen wäre, die Entwicklung im Kreise abzuwarten und tatsächlich haben die Verhältnisse diesen Gegnern der Regierungspläne recht gegeben! Auch die Denkschrift der Stadt Bochum weist nach, daß das Experiment, das mit der Verbindung der beiden Kreise versucht wird, durchaus verfehlt ist. Mit dem Zusammenschluß der beiden Kreise würde man sich u. A. nach abfinden können, wenn eine stichhaltige innere Berechtigung dazu gegeben wäre, und wenn er eine befriedigende Entwicklung der beiden Teilkreise und der einzelnen Gemeinden garantierte und dabei auch Bochum noch die Gelegenheit gedeihlicher Fortentwicklung ließe! Hier aber liegt der Hauptfehler, der in der Regierungsvorlage gemacht worden ist. Eine innere Berechtigung für die Zusammenlegung ist nicht gegeben und von einer Garantie für eine befriedigende Entwicklung der beiden Teilkreise und ihrer Gemeinden kann erst recht keine Rede sein, und was die Entwicklung für die stetig weiter aufblühende Großstadt Bochum anbetrifft, so soll sie durch die Regierungsvorl direkt abgeschnitten werden! Der Paragraph 1, der die durch die Zusammenlegung zu schaffende Lösung als„endgültig“ bezeichnet, bedeutet praktisch für Bochum nicht mehr und nicht minder als ein Todesurteil, über dessen Konsequenzen man offenbar an zuständiger Stelle sich gar keine Rechenschaft gegeben bat! Der Paragraph enthält eine Unfreundlichkeit gegenüber Bochum, für die wahrhaftig keine Begründung gefunden werden kann! Wer wollte es uns Bochumern verübeln, wenn wir gegen diesen Paragraphen mit allen Mitteln Sturm laufen! Wer kann es uns verdenken, wenn wir uns dagegen wehren, daß man die Entwicklung unserer Stadt einfach aufhalten und abdrosseln will! Ist man sich in Berlin überhaupt klar darüber geworden, was man Bochum mit diesem Paragraphen antun will? Man hat den Widerstand Bochums mit einem ehrgeizigen Streben nach Gebietserweiterung abtun wollen, hat von dem Eingemeindungshung Bochums gesprochen, der nicht zu stillen sei u. a. m. Wer die Bestrebungen Bochums kennt, weiß, daß alle diese Behauptungen in sich zusammenfallen und sich durch nichts beweisen lassen! Nein! Es geht uns in diesem Augenblick wirklich nicht darum, aus dem großen Eingemeindungskuchen große Stücke für uns herauszuschneiden, sondern einzig und allein darum, uns unsere zukünftige Weiter= und Fortentwicklung nicht abschneiden zu lassen, wie es im Para graphen 1 bezweckt werden soll. Einzig und allein aus diesem Grunde haben wir in dem augenblicklich tobenden Streit überbaupt unsere Stimme erhoben! Zu dem Eingemeindungsausschuß des Landtages und zum Landtag selbst, hoffen wir, das Zutrauen haben zu dürfen, daß sie diesem durchaus berechtigten Kampfe Bochums um seine Interessen Verständnis entgegenbringen und Unterstützung angedeihen lassen werden! Die Regierungsvorlage kann verabschiedet werden, aber ohne den Paragraphen 1. Einen andern Wunsch hat Bochum in diesem Augenblick nicht. Und der ist doch wohl bescheiden genug, daß er bei allen die sich über das, was gegenwärtig auf dem Spiele steht, im Klaren sind, Verständnis finder müßte! Wir geben uns der angenehmen Erwarteng hin. daß der Eingemeindungsausschuß sich bri seiner heutigen Anwesenheit in Bochum von der Berech tigung dieses Wunsches selbst überzeugen wird, und daß er dafür Sorge tragen wird, daß alle diejenigen, die an ihn den Appell richten„Schafft eine großzügige Lösung!“ nicht enttäuschen werden. Er darf versichert sein, daß diese Kreise nicht zu jenen gehören, die Kirchturmspolitik betreiben, sondern lediglich die Sorge um lebenswichtigste Interessen des Ruhrgebiets sie leitet! Die Reise des Gemeindeausschusses des Landtages führt heute über Marten Werne, Laerfeld, Laerheide, Zeche„Julius Philipp“, Schacht 1=2. Stiepel, Blankenstein, Nieder=Sprockhövel, Herzkamp, Ober=Elfringhausen, Nieder=Elfringhausen, Bredenscheid, Hattingen.(Kurze Besichtigung in Hattingen vorbehalten.) 12.30 Uhr Weiterfahrt nach Bochum über Linden=Dahlhausen. 13,30 Uhr Mittagessen im Parkhause. 15 Uhr Anhörung der Beteiligten im Parkhause Bochum über die Frage der Vereinigung der Kreise Bochum und Hattingen. 18 Uhr Sitzung des Gemeindeausschusses im Parkhaus Bochum mit Regierungsvertretern. Abends nehmen die Herren an der Vorstellung im Stadttheater teil. Der Bau des neuen Rathauses schreitet rüstig voran, so daß man bereits in nächster Zeit dazu übergehen kann, das an der Alleestraße gelegene Nebenverwaltungsgebäude, in welchem die Stadtkämmerei untergebracht ist, niederzulegen. Die betreffenden Dienststellen der Stadtverwaltung werden für die Zeit des Umbaues in dem von der Stadt angekauften Pastoratsgebäude der Christuskirche untergebracht. Die Stadt hat bekanntlich ein Haus an der Albertstraße erworben, in welchem der Geistliche Wohnung nehmen wird. Die Herstellung der erforderlichen Wohnräume in dem betreffenden Gebäude ist fast beendigt.— Mit der Ausführung der Maurerarbeiten für den zweiten Bauabschnitt des Postgebäudes hat man in den letzten Tagen begonnen. !!! Pommersche Landwirte in Bochum. Durch Vermittelung der Landwirtschaftskammer der Provinz Pommern weilen Mittwoch und Donnerstag eine Anzahl pommerscher Landwirte zu Studienzwecken in Bochum. Gestern vormittag fand eine Besichtigung der Tagesanlagen einer Zeche statt, an die sich eine Grubenfahrt anschloß. Nach dem Mittagessen wurden die Bergschule und die Ammoniak=Verkaufs=Vereinigung besucht. Am Abend nahmen die Gäste an der Vorstellung im Stadttheater teil. Heute vormittag werden das Röhrenwalzwerk der Vereinigten Stahlwerke in Bochum=Höntrop und am Nachmittag die Schlegelbrauerei besichtigt. Am Freitag erfolgt die Weiterreise nach Bocholt. Die Führung und Betreuung der Gäste liegt in den Händen des Verkehrsvereins. )!( Sturz in den Luftschacht. Gestern abend gegen 7 Uhr erlitt der Monteur Heinrich Möller aus Langendreer einen schweren Unfall. M. war in einem Warenbaus an der Oberen Marktstraße an einem Fahrstuhl beschäftigt; er verlor beim Oeffnen der Tür zum Luftschacht das Gleichgewicht und stürzte ungefähr 6 Meter tief in den Schacht. Mit einer Kopfverletzung und mehreren Rippenbrüchen mußte er schwerverletzt dem Augustakrankenhaus zugeführt werden. „Heimat und Welt“ beim Zeitungsboten oder in der Geschäftsstelle bestellen. Monatlich nur 20 Pfennig, zweiwöchentlich 10 Pfennig. » (13. Fortsetzung.) „'n bißchen sehr manchmal.“ „Schadet nichts. Besser so, als anders. Es gibt eine gewisse Klasse Männer, die müssen die Hände in den Hosentaschen haben— ich mag das gern— bei Lausbuben und Blasierten wirkt es flegelhaft.“ „Also ich hab' Chancen?“ „Was heißt Chancen, verehrter Herr Sohr?“ Fräulein Kerst hielt ihr Herz mit beiden Händen und hielt es fest.— ch mag Sie gut leiden, das leugne ich nicht. Ihre Art ist mir sympathisch.“ Das war so ruhig und sachlich gesprochen, daß er darin nichts finden konnte Da frug Sohr scherzend:„Und sie würden es nicht bedauern, wenn Sie diesen— seltenen und sympathischen Menschen verlieren müßten.“ „Wenn ich ihn verlieren müßte“, und sie legte eine eigene Betonung auf dieses müßte,„würde ich es zu ertragen suchen. Aber muß es denn sein? Kann man nicht in Verbindung bleiben?“ „Sie meinen schriftlich?“ „O weh! Sie kennen doch die schreibfaulen Bauern?“ „Nur zu gut. Ich kenne aber auch Ausnahmen So ist es beispielsweise lein Geheimnis, daß Sie Ihre Korrespondenz regelmäßig erledigen.“ „Auch das noch!“ „Der ominöse Montagsbrief gibt in Finkenschlag und Steinan Rätsel auf.“ „Es ist der Brief an die ferne Geliebte.“ „Um die Sie jetzt so sehr verlegen sind.— Nein. Herr Sohr, in den Briefen steht nichts von Liebe.“ „Woraus schließen Sie das?“ „Daraus, daß nie eine Antwort kommt. Aber ich las lürzlich mal einen Artikel in der„Landwirtschaftüber„Superphosphat auf schweren Böden“, der war mit S—r gezeichnet. Ich hatte sofort die Empfindung, daß er von Ihnen sei. Stimmt es?“ Ja „Und wieviel haben Sie bis jetzt zusammengeschrieben?“ „In unsere Sprache übersetzt: vierzig Zentner Weizen oder ein mittelstarkes Arbeitspferd oder einen Morgen Land.“ Meine Hochachtung, wenn Ihnen daran gelegen ist. Bestimmt wissen Sie, wie man es machen muß, wenn man vorwärts will.“ „Und nun ich noch weiter möchte, lassen Sie mich im Stich. Gerade in Ihnen glaubte ich eine Stütze und Hilfe zu finden.“ „In mir? Das ist ganz neu. Ich wüßte nicht, daß Sie bis jetzt davon auch nur einen Ton gesagt hättän?" „Sollte ich wirklich nicht? Dann hole ich's hiermit nach. Bleiben Sie bei mir, Fräulein Kerst. Ein Vierteljahr wenigstens oder ein halbes. Sie wissen nicht, wie Sie mich dadurch zu Dank verpflichten.“ Fräulein Kerst war schweigsam geworden und blickte nachdenkend ins Weite. Hierbleiben— auf Finkenschlag— bei ihm, o ja, das möchte sie gern. Ihm naher kommen, ganz nahe vielleicht, ihm etwas werden und sein! Wie schön wäre das— aber ging es denn auch? Was würde geredet werden über sie und den unverheirateten Mann, die da zusammenarbeiten und unter einem Dache schliefen? Man greift ja so gierig nach dem Nichtalltäglichen, um es in schmutzigen Händen um= und umzudreben, bis es— und sei es auch noch so blank und sauber— selbst schmutzig geworden, zum mindesten aber abgegriffen ist. Sie wußte, daß man auch an ihrem reinen Wollen herumdeuteln würde, und daß sie aus diesem Grunde schon ein Opfer brachte, wenn sie blieb. Aber— er rang und kämpfte, er wollte sich durchsetzen. er brauche sie und bat um ihre Hilfe! Da durfte es lein Bedenken geben und sie hielt ihm die Hand „Ich gebe in diesen Tagen Bescheid, Herr Sohr. Meinen Vater, der auch allein steht, und mich nur ungern gehen ließ, möchte ich doch erst fragen. Wie ich ihn aber kenne, wird er ja sagen. Er hat Verständnis für anständige Gesinnung und ernstes Wollen.“ Sohr küßte der Mamsell wortlos die Hand, „Ich gehe jetzt den Brief zu schreiben. Wenn Sie wollen, können Sie ihn noch zur Bahn bringen.“ Sohr nickte und Fräulein Kerst ging. Diese Unterredung hatte am Freitag stattgefunden. Heute war Sonntag. Sohr brannte auf Antwort. Keine kam. Also warten. Steinpöhl lag in Westpreußen und Westpreußen immex noch in Deutschland. Die Antwort hätte da sein können, wenn der alte Herr postwendend geschrieben hätte. Vielleicht fuhrwerkte er heute seine Epistel zusammen“, dachte Sohr,„dann muß Dienstag der entscheidende Tag sein. Schön— also bis Dienstag. Aber wenn dann nicht —„rücke ich ihm stehenden Fußes auf die Bude“.“ ließ er seine Gedanken laut werden, drehte sich um, schritt durch das Tor, ging die Straße hinunter, über die Felder, um— Aehren zu lesen. Das war auch etwas, worüber die Finkenschlager den Kopf geschüttelt hatten. So ein mühseliges Stück Brot aßen sie schon lange nicht, und wenn es ihnen noch so dreckig ergangen wäre. Sie zählten ja zu den Genügsamen. Für acht— höchstens aber neun Stunden Arbeitszeit etwa hatten sie Verständnis, was aber darüber war, war vom Uebel. Was der Verband für sie herauswirtschaftete, war jedenfalls angenehmer verdient, als das, was sie sich über Feierabend mit ihren Händen verdienen mußten, Gegen elf Uhr hatte Sohr ein Bündel Haferähren zusammengelesen. Die waren für seinen Gaul „Finkenschlag“, der auch im Winter nicht hungern wollte. Auf die Hoffnung hin, Gutspächter zu werden, vermochte Sohr die Hände nicht in den Schoß zu legen. Was man hat, hat man; was man bekom= men könnte, hat man noch nicht. Er rechnete nur noch mit Tatsachen. Zufall und Hoffnungen fehlten in seinen Berechnungen schon seit langem gänzlich Das macht wohl Leben und Schaffen schwerer, dafür aber weniger unsicher. Bestimmt bewahrte es vor Enttäuschungen. Als Sohr vom Feldweg in die Chaussee einbog. saß da im Grase ein Mann— er mochte bald an die sechzig sein— der sein Frühstück verzehrte. „Guten Appetit“, sagte Sohr Der Alte nickte freundlich und frug:„Wo gehen Sie denn hen?" „Nach Finkenschlag.“ „Ist das weit?“ „Nein— ein Viertelstündchen.“ „Ich muß auch dahin, da können wir zusammengehen.“ „Wenn Sie Schritt halten'önnen, schon!“ „Kann ich! Ich bin noch ganz jung auf den Beinen.“ Und die beiden wanderten miteinander die Straße entlang. Der Alte hielt tapfer mit. „Man findet das selten“, begann er nach längerem Schweigen,„daß Männer Aehrenlesen und gar Hafer! Bei uns liest man Korn und Weizen.“ „Man liest, was man braucht.“ „Sie haben wohl Kaninchen?“ „Nein— ein Fohlen.“ Da blieb der Alte vor Staunen stehen.„Ein Fohlen?" „Kommen Sie nur, ich muß weiter“, und der Alte setzte sich wieder in Bewegung. „Das hab' ich auch noch nicht erlebt und bin zweiundsechzig Jahre alt geworden, daß einer, der ein Fohlen hat, Aehren liest, und noch dazu am Sonntag.“ „Da sehen Sie, mein Lieber, man kann hundert Jahre alt und älter werden und erlebt doch immer noch Neues.“ „Ist denn die Ernte hier so schlecht gewesen, daß Sie das müssen?“ „Im Gegenteil— gut war sie. Aber ich habe nichts zu ernten. Ich bin wie der arme Lazarus, der konnte sich auch nur von den Brocken nähren, die von der reichen Herren Tische fielen. Ich bin Knecht, mein Herr, das erklärt alles.“ „Ah“— machte der Alte und blieb wieder stehen, „Da sind Sie wohl der Sohr?“ Jetzt blieb auch Sohr stehen und zwar mit einem Ruck. „Der Sohr?!— Wober wissen Sie, daß es in Finkenschlag einen Sohr gibt?“ „Das spricht sich'rum. Ich bin aus Niederneidberg, drei Stunden von Großsteinau. Das ist doch nicht weit von hier!“ „So. es spricht sich'rum?— Und zu wem wollen Sie denn in Finkenschlag?“ Da schmunzelte der Alte und sagte:„Wir haben in gleichen Weg. Ich gehe auch mit nach dem Gatenschen Gute. Fortsetzung folgt. — Benutzung von Schnellzügen mit Sonntagskarten. In letzter Zeit ist häufiger die Wahrnehmung gemacht worden, daß Reisende mit Sonntagskarten Schnellzüge benutzen, ohne vorher Schnellzugszuschlagskarten gelöst zu haben. Das hat in den ohnehin stark belasteten Schnellzügen vielfach unerwünschte Folgen. Reisende mit Fahrkarten des gewöhnlichen Verkehrs lösen allgemein vor Antritt der Fahrt eine Zuschlagskarte, wenn sie die Absicht haben, einen Schnellzug zu benutzen. Mit Rücksicht auf den an Sonn= und Feiertagen herrschenden stärkeren Verkehr ist diese rechtzeitige Vorauslösung der Zuschlagskarten für Reisende mit Sonntagskarten um so notwendiger. Wenn ein Zwang zur vorherigen Lösung von Zuschlagskarten bis jetzt auch nicht besteht, so ist doch allen Reisenden mit Sonntagskarten, die einen Schnellzug benutzen wollen, dringend zu empfehlen, sich stets vor Beginn der Fahrt mit Zuschlagskarten zu versehen. Die sich aus der Nachlösung in den Zügen ergebenden Unzuträglichkeiten könnten sonst leicht zur Aufbebung der Vergünstigung, Sonntagskarten auch in Schnellzügen zuzulassen, führen. g. Die Gefahr des Kartoffelkrebses. Im Herbst des vergangenen Jahres wurde auf vielen mit Kartoffeln angebauten Geländen im südlichen Stadtteil sowie in Querenburg und Laer der Kartoffelkrebs festgestellt. Dieses Gelände ist für die ersten zwei Jahre für den Anbau von Kartoffeln unbrauchbar, der Anbau ist auch seitens der Behörde verboten worden. Wegen der leichten Uebertragung dieser Kartoffelkrankheit kann das angrenzende Gelände als verseucht bezeichnet werden. So besteht die große Gefahr, daß diese Krankheit sich weiter verbreitet. Betroffen sind in erster Linie Geländeteile, die von kleineren Leuten zur Deckung des eigenen Bedarfs mit Kartoffeln bebaut werden. Es besteht die große Gefahr, daß, wenn von den Leuten verseuchtes Gebiet bebaut wird und die kranken Kartoffeln dann vernichtet werden müssen, das Interesse verloren geht. Deshalb muß im Interesse der Bevölkerung und zur Eindämmung der Krankheit seitens der maßgebenden Stellen etwas geschehen. Es gibt Kartoffelarten, die gegen den Kartoffelkrebs immun sind. Der einzelne wird nicht in der Lage sein, sich derartige Sorten zu beschaffen. Eine dankenswerte Aufgabe der Bochumer Landwirtschaftlichen Schule als Vertreterin der Landwirtschaftskammer, wird es sein, für die bedrohten Gebiete die Vermittlung zu übernehmen. In den maßgebenden Kreisen wurde im Herbst ernstlich in Erwägung gezogen, die an die verseuchten Aecker grenzenden Ländereien als bedrohtes Gebiet für den Kartoffelbau zu sperren. Es geht zum Frühjahr. Eile tut not. Der Stand der Arbeitslosen im Bereiche des Arbeitsnachweises Bochum=Stadt war am 7. Januar folgender: a) Allgemeine Fürsorge: Hauptunterstützungsempfänger: männlich 3967(3527), weiblich 500(460), zusammen 4467(3987); Zuschlagsempfänger: Ehegatten 1818(1812), Kinder 2097(2782), zusammen 4815(4594). b) Krisenfürsorge: Hauptunterstützungsempfänger: männlich 1163(1139), weiblich 171(158), zusammen 1334 1297); Zuschlagsempfänger: Ehegatten 760(758), Kinder 1180(1173), zusammen 1940(1931). Die Zahl der Notstandsarbeiter betrug am 7. 1. 63(63). Die eingeklammerten Zahlen beziehen sich auf die Vorwoche. Inlandslegitimierung ausländischer Arbeiter für 1928. Arbeitgeber, die im Kalenderjahr 1928 ausländische, legitimierungspflichtige Arbeiter, Arheiterinnen, Gesellen, Gehilfen, Lehrlinge, niedere Hausangestellte beschäftigen wollen, müssen die Genehmigung durch Vermittelung des zuständigen örtlichen Arbeitsnachweises beantragen. Die Anträge für die im Bergbau beschäftigten Ausländer sind an die Abteilung Bergbau des Landesarbeitsamts in Bochum, Maltheserstraße Nr. 14, direkt einzusenden. Nach Empfang des Genehmigungsscheins sind die Arbeitgeber verpflichtet, für diese Ausländer eine Arbeiter=Legitimationskarte für 1928 bis spätestens zum 29. Februar 1928 bei ihrem zuständigen Polizeirevier zu beantragen. Ausländische Arbeiter, die seit 1. Januar 1919 in Deutschland in der Industrie, oder seit 1. Jannar 1913 in der Landwirtschaft arbeiten, brauchen keine Arbeiterlegitimationskarte. Sie müssen einen Befreiungsschein für 1928 haben. Die früher ausgestellten Befreiungsscheine sind ungültig. Für diese Ausländer ist eine Beschäftigungsgenehmigung nicht erforderlich. Die ausländischen Arbeiter werden aufgefordert, bis zum 28. Februar 1928 ihre ungültigen Befreiungsscheine gegen Zahlung von 1,50 RM. im Polizeirevier zum Umtausch abzugeben. Auch die erwerbslosen Arbeiter sind zum Umtausch ihrer Befreiungsscheine verpflichtet. Nähere Auskunft wird in den Polizeirevieren erteilt. X Aus dem Stadtteil Hamme. Die nördliche Seite der Prinzenstraße wird jetzt, nachdem sämtliche Leitungen gelegt worden sind, neu ausgebaut und erhält einen hübschen Bürgersteig. Auch wird in einigen Wochen eine Ausbesserung der Bürgersteigfläche an der oberen Dorstener Straße vorgenommen. Die dort stehenden Bäume haben eine Pressung der Bordsteine verursacht. Die Bauten des Spar= und Bau=Vereins an der Amts= und Gahlenschestraße sind bis auf noch geringe Arbeiten fertiggestellt. Mit dem Bezug ist teilweise begonnen. Die Amtsstraße erhält eine neue Decke. Der Gemeindehausnenbau an der südlichen Seite der Amtsstraße ist bis auf die Innenarbeiten fertiggestellt. X Nichtnutzige Streiche. Auf der oberen Castroper Straße, kurz hinter dem Eingang zu den Eisen= und Hüttenwerken, hatten am Dienstag abend nichtsnutzige Burschen einen dünnen Draht über die Straße gespannt, um die Fahrt von Fahrzeugen zu hemmen oder zu stören. Auch sollten Passanten beim Geben stürzen. Hinter einem Baum in einiger Entfernung standen die Bengels, um die Auswirkungen der Sperre zu beobachten. Das erste Fahrzeug erlitt einen Schaden dadurch, daß die Scheibe beschädigt wurde. Kurze Zeit darnach stürzte ein Herr. Die Burschen konnten abgefaßt werden und bezogen eine ordentliche Tracht rügel. Straße als Allee. Abwechslungsreiche Gestallung in der Breitenabmessung.— Grün= und Platzanlagen. Neue Fluchllinienfeftsetzung von der Ehrenfeld=Straße bis zur Bahnlinie Laer—Dahlhausen. Die Stadtverwaltung hat einen großzügigen Plan zur Umwandlung der HattingerStraße in eine Allee ausgearbeitet. Der Stadtbaurat hat in einer früheren Stadtverordnetensitzung von diesem Projekt bereits Mitteilung gemacht. In einer Vorlage des Magistrats an die Stadtverordnetenversammlung über die neue Fluchtlinienfestsetzung der Hattinger Straße auf der Strecke von der EhrenfeldStraße bis zur Bahnlinie Laer— Dahlhausen hat es nunmehr greifbare Gestalt angenommen. Die Planungen der Stadtverwaltung sind im gegenwärtigen Zeitpunkt um so bemerkenswerter, als damit neues Licht auf die Behauptung fällt, daß der Kulturwille der Stadt bei Ausdehnung ihrer Grenzen sich in erhöhtem Maße auswirken kann und die Außenbezirke daraus einen Nutzen ziehen, der ihnen aus eigener Kraft nie zufallen würde. Die Vorlage des Magistrats hat folgenden Wortlaut: Die Hattinger Straße ist die Hauptausfallstraße der Stadt Bochum nach Süden zur Ruhr Teil zwischen Ehrenfeld= und Hüttenstraße. die Langweiligkeit der uns im Industriebezirk sattsam bekannten alten Provinzialstraßenzuge vermieden wird. Da außerdem auf beiden Seiten der Hattinger Straße reine Wohnviertel entstehen und das kleine und das große Weitmarer Holz beibehalten werden. Von der Knoopstraße bis etwa zur Höntroper Straße wird eine längere platzartige Grünanlage geschaffen, deren Gesamtbreite 60 Meter, mit Vorgärten 75 Meter, beträgt. Im weiteren Verlauf bis zum kleinen Weitmarer Holz soll unter Beund vervindet Linden=Dahlhausen und Hattingen, sowie das Hinterland dieser Gemeinden mit der Stadt Bochum. Als alte Provinzialstraße hat sie eine durchschnittliche Breite von 20 Meter. Diese Breite genügt wohl den augenblicklichen Verkehrsansprüchen; sie wird aber für den anwachsenden Verkehr und bei der naturgemäßen Teil zwischen Knoop= und Höntroper Straße. durchschnitten werden, sind bei dem neuen Fluchtlinienplan reichlich Grünanlagen und Schaffung einiger Platzanlagen vorgesehen. Die Fluchtlinienfestlegung ist in den vorgelegten 4 Planunterlagen zu erkennen. Darnach soll am Bergmannsheil die Hattinger Straße achtung der vorhandenen Bauten die Straßen breite zwischen 26 und 33 Meter, mit Vorgärten zwischen 40 bis 50 Meter, Abmessungen erhalten. Mit dem kleinen Weitmarer Holz, dessen Grünfläche durch den Ruhrsiedlungsverband festgelegt ist, schließen die vorgelegten Planungen ab. Im Einverständnis mit dem Bauausschuß bitten wir Teil zwischen Berswordtstraße und Eisenbahn Laer— Dahlhausen. Entwicklung des Südens in Zukunft nicht mehr ausreichen. Ihre Verkehrsbedeutung erfordert daher heute eine fluchtlinienmäßige Erbreiterung der Straße überall, wo diese nur angängig ist. Die Länge der Straße, welche allein auf Bochumer Stadtgebiet über 4 Kilometer beträgt, verlangt auch eine abwechselungsreiche Gestaltung in der Breitenabmessung und in der Behandlung der Fluchtlinien, damit eine Breitenabmessung von 44 Meter, mit Vorgärten 54 Meter, erhalten, um im nächstfolgenden bebauten Teil auf 27,5 bis 26 Meter herunter zu gehen. Etwa 150 Meter südlich der Erlenstraße wird dann ein freier Platz geschaffen, während die Hattinger Straße teilweise auf 36 Meter Breite kommt. Zwischen der Kohlenstraße und der Knoopstraße muß wegen der vorhandenen Häuser die heutige Straßenbreite im allgemeinen die Stadtverordnetenversammlung, folgenden Be schluß fassen zu wollen: „Die vorgelegten neuen Fluchtlinienplän der Hattinger Straße auf der Strecke zwischen Ehrenfeldstraße und der Eisenbahnlinie Bo chum—Dahlhausen werden genehmigt“. X Unfallchronik. An der Kreuzung der Buddenberg= und Arndtstraße stießen am Montag abend um 7,20 Uhr zwei Radfahrer so heftig zusammen, daß beide Fahrer erhebliche Verletzungen im Gesicht davontrugen. Durch den Sturz eines der Fahrer, wurde eine vorübergehende ältere Dame am Arm verletzt, ihre eingekauften Lebensmittel wurden zu Boden geschleudert und teilweise beschädigt. )( Fahrraddiebstahl. Einem Betonarbeiter wurde in der Zeit vom 7. bis 9. 1. von seiner Arbeitsstelle ein Herrenfahrrad entwendet. Es handelt sich um einen Halbrenner Marke„Komet“ Nr. 0299 813, mit bläulichem Gestell(gelb abgesetzt), nach unten gebogener Lenkstange und gelben Gummigriffen. Wert etwa 150 RM.— Am 10. 1. ist einem Schüler aus dem Keller der kaufmännischen Schule in der Arndtstraße ein Herrenfahrrad, Marke„Meteor“, Tourenrad, mit schwarzem Gestell(roten Streifen), schwarzen Griffen, vernickelten Radfelgen, im Werte von etwa 80 RM., entwendet worden. Sachdienliche Mitteilungen nimmt die Kriminalpolizei, Hattinger Str. 59=61, Zimmer 57, entgegen. Veranstaltungen. ::: Stadttheater Bochum. Heute abend, von 8—10.15 Uhr, geht für den gelben Ring Franz Molnars„Spiel im Schloß“ in Szene. Außer den vorgemieteten Plätzen stehen noch 600 Karten für den freien Verkauf zur Verfügung. Morgen, Freitag, hat der braune Ring die Wiederholung von Ilgensteins„Skandal um Olly“ zu erwarten. Auch für diese Vorführung hält die Theaterkasse noch genügend Karten in allen Preislagen und Platzgattungen bereit. Am Samstag wird für die Vormiete A infolge von Erkrankung von Frau Schönseld statt„Kapitän Braßbounds Bekehrung" Molnars„Spiel im Schloß“ gegeben. Zu der Aufführung von Calderons„Dame Kobold“, die als diesjähriges Karnevalsstück am kommenden Dienstag in der Inszenierung von Dr. Hans Buxbaum ihre Erstaufführung erlebt, schuf Johannes Schröder die Dekorations=Entwürse, deren besonders komplizierte Verwirklichung von Ernst Presber geleistet wird. Die Musik schrieb und dirigiert Emil Peters. Klavier=Abend Heinz Eccarius. Im kleinen Parkhaussaal gibt am kommenden Donnerstag, dem 19. Januar. 20 Uhr, der Pianist Heinz Eccarius einen Chopin=Abend. Einlaßkarten für denselben sind in der Buchhandlung Oscar Hengstenberg, Kortumstraße 16, Fernruf 2817=18, erhältlich.(Näheres in der gestrigen Anzeige.) — Kunstverein Bochum. Am Montag abend, dem 16. Januar, findet im Parkhaus der 1. Vortrag mit Lichtbildern von Universitätsprofessor Dr. Dr. Lüthgen, Bonn, über„Westfälische Kunst“ statt. (Näheres siehe Inserat.) := Marcell Salzers„Heiterer Abend“, der am Dienstag, dem 17. 1., hier im Parkhaus stattfindet, ist zugleich das einzige Auftreten des Künstlers während der diesjährigen Vortragstournee in unserer Stadt. Der Abend bringt eine Reihe erlesener und besonders heiterer Dichtungen in Vers und Prosa. Marcell Salzers Programme zeigen stets in Zusammenstellung, Wahl und Inhalt seine ureigene persönliche Note und gestalten in ihrer Vielseitigkeit und Erlesenheit seine Abende zu einem Erlebnis. Vorverkauf bei Hengstenberg und Wolters. ::: Vom westfälischen Kinderparadies. Wenn wer im Reiche des Volksurwuchses und des Volksliedes wirklich zu Hause ist, dann Johannes Ha:feld aus Paderborn. Nicht zuletzt die wanderund liederfrohe Jugend weiß das, auch wenn sie nicht gerade z. B. mit ihm auf der Freusburg war. Auch sonst ist der Name Hatzfeld blanker Klang. Wir erinnern z. B. an die beiden Vorträge über das deutsche und das westfälische Volkslied, die onventur kurusverkan kau/B Das maßgebende Spezlal-Geschäft- Hochstraße25 Kundgebung des WestfälischLippischen Handwerkerbundes. Hatzfeld vor zwei Wintern auf Veranlassung der Vereinigung für Heimarkunde und der Städt. Singschule im Parthaussaale hielt. Heuer wird er am 13. Januar. avends 8 Uhr, ebendort plaudern „vom westfälischen Kinderparadies“. Nicht nur große Westfalen haben eine eigene Art und Welt. Zwar gibt es vieles, was Kinder deutscher Zunge gemeinsam haben; aber Westfalen hat dabei doch leicht seine Variante. Das westfälische Kinderparadies ist eine reiche, weite Welt. Was haben wir noch davon? Was ist uns schon verloren gegangen durch die Schuld der Großen? Der feine liebenswürdige Kenner dieser Heimatwerte wird uns davon vieles zu sagen und zu geben haben. Den klingenden Rahmen dazu wird unter Konrad Sarrazin eine Oberklasse der Städt. Singschule bieten. Hoffentlich wird dem geschätzten Redner und den Singern ein gutbesuchtes Haus. (S. Anzeige.) :. Industriemedizinische Fortbildungskurse. Heute, Donnerstag, abend werden in der Bergschule in Bochum sprechen: 19,30 Uhr Professor Dr. Többen, Münster,„Arzt und Recht I“ 20,10 Uhr Professor Dr. Krummacher, Münster,„Bedeutung des Energiegesetzes für den lebenen Körper“, 20,50 Uhr Chefarzt Dr. Greinemann, Bochum,„Bluttransfusion, ihre Anwendung bei Verblutung, Verbrennung, Gasvergiftung“. () Wanderführerkurs(Lehrgang für wissenschaftliches Wandern). Die Vortragsreihe, die Östern 1928 ihren Abschluß findet, beginnt im neuen Jahre wieder am Donnerstag, dem 12. Januar, 7,30 Uhr abends, im Kinosaal(Mühlenschule). Studienrat Thieme wird über die Industrie der Heimat reden und zunächst mit der Behandlung von„Kohle“ und„Eisen“ beginnen. Vereine. :: Das katholische Bürgerkasino veranstaltete am Sonntag in der Bürgergesellschaft eine Weihnachtsfeier, die sich einer regen Teilnahme erfreute. Sattlermeister Kleine sprach nach einleitenden Musikvorträgen herzliche Worte der Begrüßung. Die Festrede hielt Vikar Grebe. Mitglieder des Kasinos brachten ein Weihnachtsstück„Im Dachstübchen“ zur Aufführung, das freundliche und beifällige Aufnahme fand. ine Verlosung diente des weiteren als Vermittler der Freude. Rezitationen, Musik= und Gesangsdarbietungen gaben dem Abend Rahmen wie Inhalt. Auflösung der Grubenbeamten=Witwen= und Waisenkasse. Im Bochumer Hof fand eine außerordentliche Generalversammlung der Grubenbeamten=Witwen= und Waisenkasse statt, die über die Auflösung beschließen sollte. Anwesend waren bei Beginn der Versammlung 18 Mitglieder, die insgesamt 178 Mitglieder kraft Vollmacht vertraten. Der Vorsitzende, Grubeninspektor a. D. Zentgraf, gab zunächst einen kurzen Bericht über die von Vorstand und Verwaltung geleisteten Vorarbeiten und begründete die Notwendigkeit der Auflösung der Kasse damit, daß das vorhandene aufgewertete Vermögen eine Aufnahme von Rentenzahlungen nicht mehr möglich mache. Für den Fall der Annahme des Auflösungsantrages machte Herr Zentgraf namens des Vorstandes den Vorschlag, die Gelder gleichmäßig unter die Mitglieder und die empfangsberechtigten Witwen und Waisen zu verteilen. Die zur Verlesung gebrachte Satzungsänderung, die den Zweck hat, die Verteilung der Gelder nach dem vorstehenden Vorschlage durchführen zu können, fand einstimmige Annahme, ebenso der Vorschlag des Vorstandes, die Masse aufzulösen: Herr Zentgraf wies noch darauf hin, daß, um den gegenwärtigen Satzungen zu genügen, innerhalb 2 Monaten eine zweite Generalversammlung denselben Beschluß fassen müsse und machte auf die demnächst bekanntwerdende zweite Versammlung aufmerksam. (!) Bürgerschützenverein Altenbochum. Im Lokale Vogt fand am Sonntag unter dem Vorsitz des Herrn Franz Engels die Jahreshauptversammlung statt, begrüßen ist es, daß der Verein die Gründung einer Sterbekasse vorgenommen hat; das Sterbegeld wurde auf 50 Mark festgesetzt. Am 5. Februar veranstaltet der Verein sein diesjähriges Winterfest. Aus der Versammlung wurde angeregt, demnächst ein Preischießen zu veranstalten. Die Vorstandswahl ergab: 1. Vorsitzender Hickert, 2. Vorsitzender Freisenhausen, 2. Kassierer Kriegel, Zugführer Jacobi, Fähnrich Marek, Fahnenoffiziere; Hübner und Gebe. G. Kreis=Krieger=Verband Bochum. Im Bochumer Hof hielt der Kreis=Kriegerverband Bochum am Mittwochabend unter Vorsitz des Bergwerksdirektors Hilgenstock eine gut besuchte Delegierten=Versammlung ab. Der Vorsitzende eröffnete die Sitzung mit einem herzlichen Begrüßungswort an die Anwesenden. Dem Vertreter des Vereins ehem. 154.er wurde die Aufnahmeurkunde überreicht und so durch Handschlag für die Ziele und Ideale des Kriegervereinswesens verpflichtet. Hierauf nahm der Vorsitzende das Wort zu seinem Rückblick. Das verflossene Jahr sei ein arbeitsreiches, aber auch erfolgreiches gewesen. Reges Leben herrschte in den Vereinen. Manche Lücke habe der Tod in den Reihen der Kameraden gerissen. Die Anwesenden ehrten die Verstorbenen durch Erheben von ihren Plätzen. Die Mitgliederzahl habe im vergangenen Jahre eine erfreuliche Aufwärtsentwicklung genommen, sie stieg von 6604 auf 8500. Der Verband habe heute 6 Ehrenmitglieder. Im vergangenen Jahre wurde der Kamerad W. Rosenthal mit der Ehrenmitgliedschaft geehrt. Es wurden an Kriegervereinskreuzen 1. Klasse neun verteilt, für Kreuze 2. Klasse konnten 90 verliehen werden. Die Kriegsbeschädigten= und Kriegshinterbliebenen=Gruppe entwickelte sich ebenfalls weiter sehr günstig. Die Spar= und Baugenossenschaft „Kyffhäuser“, eine junge Organisation, hat sich kräftig entwickelt und hat heute bereits 582 Mitglieder. 53 Wohnungen konnten bereits fertig gestellt werden. Der Anschaffungswert betrug 600000 Mark. Der Anschaffungspreis der vorhandenen Bauplätze beträgt 300 000 Mark. Sodann gab der Vorsitzende eine Uebersicht über die zahlreichen Veranstaltungen des verflossenen Jahres, dessen Höhepunkt die Jubelfeier anläßlich des 50jährigen Bestehens des Verbandes in Bochum und der Grundsteinlegung des Kriegerehrenmales. Der Jahresbeitrag für 1928 wurde auf 35 males war. Der Jahresbeitrag für 1928 wurde auf 35 Verteilung der Ehrenkreuze wurde eine fünfgliedrige Kommission gewählt, bestehend aus Herrn Hauptmann a. D. Hilgenstock, die Kameraden Claus, Hiddemann, Neukirche und Fehler. Es Der Westf.=Lipp. Handwerkerbund(Landesverband der handwerklichen Organisationen) hatte am 6. Januar seine angeschlossenen Mitgliedskörperschaften zu einer großen außerordentlichen Versammlung nach Hagen geladen, um zu Beginn des neuen Jahres Stellung zu nehmen zu den für das Handwerk so außerordentlich wichtigen Fragen der Steuervereinheitlichung und der Finanzierung und der Durchführung der Bauprogramme 1928. Eine besondere Note erhielt die stark besuchte Kundgebung durch die Anwesenheit des Preußischen Finanzministers Dr. Höpker=Aschoff. In seinen einleitenden Worten nahm der Vorsitzende des Westfälisch=Lippischen Handwerkerbundes, Drechslerobermeister Feuerbaum, die Gelegenheit wahr, dem Preuß. Finanzminister den Dank des westfälisch=lippischen Handwerks für die mittelstandsreundliche Einstellung seiner Finanzpolitik auszuprechen und des weiteren als Gäste zu begrüßen den Oberbürgermeister der Stadt Hagen und die Abgeordneten Nientimp, Altegoer. Köthenbürger, Hourtz, Schluckebier, Berkemeyer. Als erster Referent sprach der stellv. Geschäftsführer der Handwerkskammer Dortmund, Herr Scherer, über das Thema „Handwerk und Steuervereinheitlichungsgesetz.“ Der Wortlaut des vom Reichsfinanzministerium vorgelegten Steuervereinheitlichungsgesetzes erfülle, so führte er aus, das Handwerk mit großer Sorge, da es im großen und ganzen die Mittelstandsfreundlichkeit, die das preuß. Realsteuerrecht zweifellos an den Tag lege, vermissen lasse. Trotzdem lehne das Handwerk den Entwurf nicht ab, weil es in der Steuervereinheitlichung eine staats=, finanz= und wirtschaftspolitische Notwendigkeit sehe. Es hoffe aber, daß es den gesetzgebenden Körperschaften gelingen werde, den Entwurf grundlegend umzugestalten. Der Referent wünschte den Real- und Objektcharakter der Grundsteuer, der Gewerbesteuer und auch der Gebäudeentschuldungssteuer beibehalten. An Hand ausgiebigen Materials, das in einer Denkschrift des Westdeutschen Handwerkskammertages zum Steuervereinheitlichungsgesetz zusammengebracht und im Druck der Oeffentlichkeit zugänglich gemacht wurde, erbrachte er den Beweis für die Wirkungen des Referentenentwurfs. Die wesentlichsten Forderungen des Referenten betrafen die Fragen der Steuerbemessung, der Steuersätze und der Steuertarife. Als Maßstab der Besteuerung wünschte er vor allem Vermögens= und Kapital=Werte in den Vordergrund gestellt, speziell im Gewerbesteuerrecht. Für Steuersätze und Steuert: wünschte er Anlehnung an die Bestimmungen des preußischen Rechts. Hinsichtlich der Steuerumlage sprach er sich für volle Bewegungsfreiheit im Rahmen des zu verankernden Anhörungsrechts der Berufsvertretungen aus. Die Möglichkeit einer Steuersenkung erwartete er von einer Erweiterung des Kreises der Steuerpflichtigen bei der Gewerbestener und der Gebäudeentschuldungssteuer. Zu den von den einzelnen Interessentengruppen vorgebrachten Wünschen zum Steuervereinheitlichungsgesetz nahm er kurz Stellung und stellte speziell die besonderen Forderungen des Handwerks heraus, wobei er betonte, daß das Handwerk keine Sondergesetzgebung für sich erwarte, sondern nur Steuergerechtigkeit im Rahmen der allgemein wirtschaftlichen und fiskalisch vertretbaren Möglichkeiten. Die Ausführungen des Redners hinterließen einen starken Eindruck, der sich in einem starken Beifall kundtat und auch in der Diskussion vom Finanzminister unterstrichen wurde, der in seiner kurzen Stellungnahme in den wesentlichsten Punkten sich mit den Auffassungen des Referenten identifizierte. Er stellte dabei fest, daß er unter allen Umständen im Gewerbesteuerrecht an der Aequivalenztbeorie festhalte, die Berechtigung der Forderung nach Verankerung der Anhörungspflicht der Berufsvertretungen und auch die von dem Referenten geforderte Notwendiakeit des zukünftigen kommunalen Zuschlagsrechts zur Einkommensteuer voll und ganz anerkenne. Als zweiter Referent sprach Genossenschaftsdirektor Mühlendyck=Essen über die Frage der „Finanzierung und Durchführung der Bauprogramme 1928“ Ausgehend von der Unsicherheit der Finanzlage der deutschen Wirtschaft infolge des bis heute noch ungelösten Reparations=Problems zeigte er die Entwicklung auf dem Wohnungsbaumarkt im Jahre 1927 und seine Finanzierung. Nach seinen Ausführungen sind dem Wohnungsbaumarkt im Jahre 1927 ungefähr folgende Summen zugeflossen: aus Hauszinssteuermitteln ca. 700 Millionen Mark, von den Sparkassen als Hypothekendarlehen ca, 500 Milwurde dann der Bericht über die Spar= und Baugenossenschaft„Kyffhäuser“ verlesen. Der Vorsitzende bat, diese Bestrebungen allseitig zu unterstützen. Dem Vertreter des Vereins ehemaliger Fuß.=Art. 6., Ober=Ingenieur Küppers, wurde die Aufnahmeurkunde für den Preußischen Landes=Kriegerverband überreicht. Das Krieger=Ehrenmal soll am 13. Mai feierlichst enthüllt werden. Die Steine für das Plateau des Denkmals sind bereits angeliefert. In den nächsten Tagen werden die Steine für das Denkmal geliefert. Das Denkmal wird die Zahl 1914—18 und die Inschrift„Im Geiste unbesiegt, der Mehrheit unterlegen“ tragen. Der Verbandskassierer Buhlmann berichtete über den Haushaltplan, der mit 10 150 Mk. balanciert. Dem Etat wurde zugestimmt. Kamerad Völker wurde in den Vorstand gewählt. Der Kamerad Geumann erstattete den Bericht der Kriegsbeschädigtengruppe. Es beanspruchten die Auskunft 985 Kameraden, 312 Anträge wurden gestellt, von denen 89 mit Erfolg durchgeführt worden sind. Der Barerfolg war 3580 Mk. Nachzahlung und die laufenden Gebühren. Kamerad Bering gab einen kurzen Ueberblick über die Krieger=Wohlfahrtskasse, die einen Mitgliederbestand von lionen Mark, an Zwischenkrediten des Staates und der Länder ca. 600 Millionen Mark; darüber hinaus von Hypothekenbanken, öffentlich=rechtlichen Kreditanstalten, Sozialversicherungen ca. 700 Millionen eigene Gelder der Bauherren ca. 200 Millionen Mark. Mit großer Sorge erfüllten ihn die Aussichten für das Wohnungsbaujahr 1928. da einmal das Schicksal des Hauszinssteuergesetzes über den 1. April 1928 hinaus noch unsicher sei, und der Rückang der Sparkassen=Einlagen bezw. die Versteifung es Geldmarktes zu schwerster Besorgnis Veranlassung gebe. Er ist der Meinung, daß man für das Jahr 1928 nur mit 3/ der im Jahre 1927 hereineholten Gelder, also mit insgesamt nicht über Milliarden Mark rechnen können. Der Redner betonte alsdann die Notwendigkeit, die Hauszinssteuer in Zeit und Höhe zu begrenzen und bis ungefähr 1938 ganz abzubauen. Es soll dem einzelnen Hausbesitzer die Möglichkeit gegeben werden, die auf diese Weise zu übersehende Gesamtbelastung aus der Hauszinssteuer mit entsprechendem Nachlaß teilweise oder ganz auch früher abzudecken. Bis Ende 1935 würden ungefähr 8 Milliarden Hauszinssteuer als Darlehen für Bauzwecke herausgegeben sein. Die Verzinsung dieses Riesenkapitals allein mit 3 Prozent würde ab 1935 allein ungefähr 212 Millionen Mark ausmachen. Im Uebrigen sei mit der allmählichen Entlastung des Althausbesitzes auch eine Belebung des Baumarktes durch Privatkapital und Privatunternehmer zu erwarten. Es wurde ferner die Hereinnahme einer Auslandsanleihe zu billigem Zinsfuß, amortisierbar auf lange Jahre, wenn möglich für 1928, sonst aber für 1929 empfohlen. Die hieraus entstehende Belebung unserer Gesamtwirtschaft würde die Nachteile der Unproduktivität der Anleibe und der jährlich an das Ausland zu zahlenden Zinsen zum großen Teile ausgleichen. Auch wurde eine Lockerung des Mieterschutzgesetzes und Angleichung der Altwohnungsmieten an die Neubaumieten, etwa im Verhältnis von 15: 18 empfoh= len. Auch diese Maßnahme würde die Beteiligung des privaten Kapitals am Baumarkt heben und in kurzer Zeit eine wesentliche Milderung unserer Wohnungsnot hervorrufen. Im Uebrigen wurde empfohlen, die Hauszinssteuerzuschüsse für die einzelnen Wohnungen in einem Umfange zu strecken, der sich durch Angebot und Nachfrage ohne weiteres ergeben würde. Es sei bekannt, daß durch Einschaltung dieses Konkurrenzmoments in einigen Städten die Zuschüsse um fast die Hälfte reduziert werden könnten, mit dem gleichen Kapital, d. h. mit dem gleichen Hauszinssteuerzuschuß, also die doppelte Anzahl von Wohnungen hergestellt werden könnte. In der Aussprache, an der sich insbesondere die Landtagsabgeordneten Schluckebier=Hagen, Köthenbürger=Paderborn, Altegoer=Bochum, sowie einige Vertreter handwerklicher Organisationen rege beteiligten, wurde das Für und Wider der von dem Referenten gemachten Vorschläge eingehend erörtert. Der Grundton der Aussprache war sehr pessimistisch, da man eine Gefährdung der Finanzierung der Wohnungsbauwirtschaft befürchtete, und zwar von Seiten der Sparkassen her, die nach Auffassung der meisten Redenr nicht die gleichen Baugelder zur Verfügung stellen könnten wie im vergangenen Jahre. Demgegenüber meinte Finanzminister Dr. Höpker=Aschoff, daß zu einem übertriebenen Pessimismus kein Grund vorhanden sei. Mit einer Bereitstelluna von Hauszinssteuermirteln in gleicher Höhe wie im vergangenen Jahre könne unbedingt gerechnet werden. Die Entwicklung auf dem Gebiete des Sparkassenwesens zeige unzweideutig, daß auch diese keine geringeren Summen für den Wohnungsbau aller Voraussicht nach aufbringen würden, als es auch im vergangenen Jahre geschehen sei. Die noch fehlenden Gelder könnten ersetzt werden durch schärfere Inanspruchnahme der bei den Versicherungs=Anstalten und Gefellschaften zusammenfließenden Gelder für den Wohnungsbau. Durch Schaffung einer Kreditorganisation dieser Anstalten, evtl, bei den provinziellen Wohnungsfürsorgegesellschaften eröffne sich die Möglichkeit weiterer Beleihungen. Selbstverständlich denke er nicht daran, sich für Regieunternehmungen dieser Wohnungsfürsorgegesellschaften einzusetzen, sondern lediglich für ihren Ausbau als Treuhänder und Ratgeber für die Finanzierung der Wohnungswirtschaft, wobei die private Bauwirtschaft in vollem Umfange und nach Maßgabe ihrer berechtigten Wünsche einzuschalten sei. In der großen Kundgebung am Abend des gleichen Tages sprach Herr Finanzminister Dr. Höpker=Aschoff in einem großangelegten Referat über die Frage der Verwaltungs= und Steuerreform. Er vertrat dabei die von ihm schon bekannten Ideen hinsichtlich der zukünftigen Staatsentwicklung. 72000 hatten, davon 6000 aus Bochum, Vom Preußischen Landeskriegerverband war dem Kreisverband nahegelegt worden, Jugendgruppen zu gründen, die als Träger der Tradition heranwachsen sollen. Der Vorsitzende schlug vor, den Kameraden Dudt, Unna, zu einem Vortrag über die Ziele und Wege der Jugendbewegung zu gewinnen und dann später einen endgültigen Beschluß zu fassen. In Bochum hat außer dem Kolonialkriegerbund kein Verein eine Jugendgruppe. Kam. O. Brune erstattete den Bericht über die Fechtschule. Es wurden insgesamt 2725,85 Mk. eingenommen. Mehrere Kinder konnten zur Erholung fortgeschickt werden. Der Vorsitzende dankte dem Kameraden Brune für sein selbstloses Arbeiten für den Fechtverein. Der Verein ehem. Unteroffiziere hat einen Antrag gestellt, die alljährliche Totenfeier immer auf einen Sonntag zu legen. Der Krieger= und Landwehrverein BochumGrumme veranstaltete am Sonntag im großen Saale der Kaiseraue für seine Mitglieder und deren Angehörige eine wohlgelungene Weihnachtsfeier mit Kinderbescherung. Der große Saal war bis auf den letzten Platz besetzt. Zu Beginn der Feier begrüßte der Vereinsvorsitzende, Herr Wilh. Niehaus, die ErEine bergbauliche Studienkommission ins Ausland. + Die Grubensicherheitshauptkommission beschäftigte sich in ciner Tagung zu Berlin mit den Arbeiten zur Bekämpfung der Unfälle durch Stein- und Kohlenfälle im Bergbau. Der Vorsitzende, Ministerialrat Hatzfeld, wies darauf hin, daß die Unfälle durch Stein= und Kohlenfälle im Ruhrbergbau und auffallenderweise im oberschlesischen Steinkohlenbergbau zugenommen hätten.(Das Oberbergamt Dortmund hat bereits zu diesen Feststellungen mit einem ergiebigen Zahlenmaterial Stellung genommen.) Die vornehmste Aufgabe der Grubensicherheitskommission müsse es sein, energisch an der Bekämpfung der Unfälle durch Stein= und Kohlenfälle zu arbeiten. Jedoch seien die Arbeiten äußerst schwierig. Von einigen Vertretern wurde darauf hingewiesen, daß die Arbeitstätigkeit im Bergbau heute durch die Einführung der vielen Maschinen und Apparate eine ganz andere sei als früher. Schüttelrutschen, Bohrhämmer und sonstige maschinelle Einrichtungen hätten es mit sich gebracht, daß dem Bergbau heute viel mehr Gefahren durch Stein= und Kohlenfälle drohten, als wie das früher der Fall gewesen sei. Die Auffassung wurde von allen Anwesenden bestätigt und unterstrichen. Es wurde beschlossen, eine Studienkommission nach England, Nordfrankreich und Belgien zu schicken. Der Beirat Sichtermann beantragte, daß die Kommission von der Grubensicherheitskommission gewählt werde und im Laufe des Frühjahrs die Studienreise antreten solle. Ministerialrat Hatzfeld war der Auffassung, daß es zweckmäßiger sei, die Kommission aus den einzelnen Oberbergamtsbezirken. z. B. Ruhrrevier, Breslau und Bonn, von den zuständigen Grubensicherheitskommissionen wählen zu lassen. Für das Ruhrrevier und den Oberbergamtsbezirk Bonn sollte die Wahl baldigst stattfinden. Desgleichen für den oberschlesischen Berabau. Voraussetzung für die Bewilligung der Studienreise sei aber, daß der Handelsminister die notwendige Summe zur Verfügung stelle. Falls der Handelsminister die Gelder bewilligen würde, könnte die Kommission baldigst gewählt werden, andernfalls bliebe die Angelegenheit vorläufig nur ein frommer Wunsch. Ministerialrat Hatzfeld wolle sich dafür einsetzen, daß die Gelder bewilligt würden, da man unbedingt die Erfahrungen über die Bekämpfung der Unfälle durch Stein= und Kohlenfälle in anderen Bergbaugebieten gut gebrauchen könne. Man stimmte den Ausführungen des Ministerialrats Hatzfeld zu. Berieselung an Betriebspunkten mit starker Kohlenstaubentwicklung. Ein Arbeitgebervertreter wies darauf hin, daß es unmöglich sei, zwei Berreselungsarten gleichzeitig vorzunehmen. Das Oberbergamt Dortmund hatte die Auffassung vertreten, daß neben der Staubberieselung auch gleichzeitig noch die Wasserberieselung vorgenommen werden soll. Die Unternehmer könnten das nicht mitmachen. Entweder müsse es heißen Staubberieselung, oder Wasserberieselung, und nicht Staub= und Wasserberieselung. Ministerialrat Hatzfeld betonte, daß jeder einzelne Fall geprüft werden müsse. Das Oberbergamt müsse darüber wachen, daß sowohl mit Staubals auch mit Wasser berieselt würde. Es könne nicht allgemein gesagt werden, daß Stauboder Wasserberieselung in Frage käme, sondern die Angelegenheit müsse streng von Fall zu Fall geprüft werden. Die Arbeitnehmer traten der Auffassung des Herrn Ministerialrats bei. Stand des Preisausschreibens zur Beseitigung des Bohrstaubes. Ministerialrat Hatzfeld teilte mit, daß ursprünglich ein Betrag von 10000 Mark für den ersten Preis bewilligt worden sei. Nach längeren Beratungen seien sie zu der Auffassung gelangt, daß dieser Preis zu gering sei. Nach längeren Verhandlungen mit der Reichsknappschaft hätte dieselbe einen Betrag von 10 000 Mark für diesen Zweck zur Verfügung gestellt. Er schlage deshalb vor, daß die Grubensicherheitskommission den vorgesehenen Betrag von 5= auf 10000 Mark erhöhe, so daß insgesamt 20000 Mark zur Verfügung ständen. Die Anwesenden stimmten dem Vorschlage zu. Die Frist für das Preisausschreiben soll bis zum 31. Dezember 1928 festgelegt werden. schienen. Es folgten dann Konzertstücke der Kapelle Guere und gemeinschaftliche Lieder. Von einigen Kindern wurden Weihnachtsgedichte vorgetragen. Nach der Bescherung, die Kinder wurden schön beschenkt, wurden mehrere Theaterstücke aufgeführt, die großen Beifall fanden. Das Fest nahm einen schönen und frohen Verlauf. Die Kriegervereine Bochum=Grumme und Vöde=Grumme haben über 350 Mitglieder. Persönliches. + Im Ruhestand. Die Studienrätin Dr. Marx am staatlichen Hildegardislyzeum ist in den Ruhestand versetzt worden. + Justizpersonalien. Ernannt sind: Gerichtsaktuar Worm AG. Steele zum JOSekr. AG. Bochum. IHWachtm. Möhlmann vom AG. Minden zum IHWachtm. beim AG. Bochum. Versetzt sind: JOSekr. Gerlach AG. CastropRauxel an StrA. Dortmund. Obergerichtsvollz. Bergmann AG. Bochum an AG. Recklinghausen. Obergerichtsvollz. Dörmann AG. Recklinghausen an AG. Bochum. Obergerichtsvollz Riedel AG. Essen an AG. Wattenscheid. :: Ehejubiläum. Ihr 45jähriges Eheiubiläum feiern am 13. Januar die Eheleute Bürobeamter K. Hildebrauer und Frau, Herner Straße 80. in seltener Frische und Rüstigkeit. Wir wünschen ihnen, daß sie in 5 Jahren ihr goldenes Jubiläum feiern können und sprechen unseren herzlichsten Glückwunsch aus. NEU ERÖFFNETI WILHELMS-BAD WILHELMSTRASSE 22 AM WILHELMSPLATZ Wannen, alle Heilbäder, Dampf- u. 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Vom Institut für Koniunkturforschung wird soeben als Sonderheft 5 eine Untersuchung über den Güterverkehr und seine Veränderungen in der Nachkriegszeit veröffentlicht. Die Arbeit stellt den Ver such dar, an Hand der Statistik aus der bisherigen Entwicklung des Verkehrswesens und der übrigen Zweige der Volkswirtschaft Anhaltspunkte für die Beantwortung der Frage zu gewinnen, ob für die Folge im Güterverkehr ein beträchtliches An steigen des Anfalls an Verkehrsmengen zu erwarten steht oder ob nicht vielmehr mit einer Verlangsamung im Aufkommen der Gütermengen zu rechnen ist. Das Ergebnis der Untersuchung ist folgendes: Die Fortschritte im Eisenbahnbau, die noch um die Jahrhundertwende in allen Ländern sehr beträchtlich waren, hatten sich in Ländern mit stark verbreitetem Eisenbahnverkehr bereits in den letzten Jahren vor dem Kriege sehr verlangsamt; Die Entwicklung in der Nachkriegszeit läßt vermuten, daß in diesen Ländern mit einem Neubau von Eisenbahnen in größerem Umfang kaum noch zu rechnen ist. Der Eisenbahngüterverkehr, der vor dem Kriege in Deutschland und anderen Ländern einen stärkeren Aufschwung nahm, als es der Ausdehnung des Eisenbahnnetzes und der Bevölkerungszunahme entsprach, verlangsamte in verkehrsreichen Ländern bereits vor dem Kriege seinen Zuwachs von Jahr zu Jahr; er ging in der Nachkriegszeit in Deutschland und England sogar zurück und stiog auch in den Vereinigten Staaten kaum noch in dem Maße wie die Bevölkerungszahlen. Der Güterverkehr in außerdeutschen Ländern, der zu Ansang des Jahrhunderts stärker stieg als die Gütergewinnung, hielt schon in den letzten Vorkriegsjahren in seiner Entwicklung nur noch mit dieser Schritt, und es liegen Anzeichen vor, daß die Produktion stärker fortschreiten wird als der Güterverkehr; auch ist in den wichtigsten außerdeutschen Ländern kaum zu erwarten, daß die Gütergewinnung im Binnenland sich stärker entwickeln wird als der Außenhandel. In Deutschland erfuhr in der Vorkriegszeit die Außenhandelsmenge, deren Durchschnittswert sich verringerte, den gleichen Aufschwung wie der Gesamtgüterverkehr; in der Nachkriegszeit ging der Außenhandel weit stärker zurück als der Güterverkehr, behielt aber immerhin noch solche Bedeutung, daß die dahingehende Entwicklung, im Außenhandel mehr höherwertige Waren umzusetzen, auch auf die gesamte Verkehrszunahme hemmend wirken muß. Der Güterverkehr in Deutschland stieg mengenmäßig in den letzten Jahrzehnten vor dem Kriege etwa in demselben Maße an, wie Gütergewinnung und=verbrauch; in dem Zeitraum von 1913 auf 1925 nahm bei den mengenmäßig wichtigsten Güterarten, die etwa zwei Drittel des Gesamtverkehrs ausmachten, die Produktion einschließlich Ausfuhr men genmäßig um 1 Prozent ab, der Verkehr zu Bahn und zu Wasser aber um 14 Prozent. Der starke Rückgang des Güterverkehrs zu Bahn und zu Wasser im heutigen Reichsgebiet von 1913 auf 1925 ist zu einem Teil die Folge der Fortschritte der Technik, besonders in der Brennstoff wirtschaft, der Umstellung im Güterverbrauch und der zunehmenden Zusammenballung von Industrie und Bevölkerung; zum anderen Teil ist der Verkehrsrückgang auf die Veränderung der Absatz= und Bezugsgebiete und vor allem auf die Einschränkung des Güterverkehrs mit dem Ausland zurückzuführen. Nan 1925 auf 1927 steigt der Verkehr nach den bisher vorliegenden Zahlen um etwa 14 Prozent. Der Aufbau der deutschen Wirtschaft und die damit verbundenen außerordentlichen Investitionen haben neben der günstigen Koniunktur diese Steigerung des Verkehrsanfalls hervorgerufen. Andererseits ist die deutsche Wirtschaft noch nicht auf dem Punkt der Entwicklung angelangt, der für die jetzige Wirtschaftsstruktur und ihre Produktionskapazität als wäre, mindestens ausgleichen. Die nächsten Jahre dürften daher für den Verkehr sowohl auf Eisenbahn wie auf Wasserstraßen nur eine Steigerung bringen, die etwa der Bevölkerungsentwicklung entspricht, so daß z. B. der Verkehr im Jahre 1932, wenn man von den Einflüssen der Konjuntturschwankungen absieht, höchstens um etwa 5 Prozent höher sein würde als im Jahre 1927. Eine stärkere Verkehrszunahme wäre für die Hauptverkehrsmittel zu erwarten, wenn technische Fortschritte zu einer Verbilligung des Betriebs und damit zu niedrigen Frachten führen sollten; eine Senkung der Frachten, zu der auch der zunehmende Wettbewerb der Verkehrsmittel beitragen kann, würde die Anknüpfung neuer Verkehrsbeziebungen ermöglichen. normal anzusehen ist. iese Angleichung wirkt gegenüber dem Wegfall des Bodarfs für außerordentliche Investitionen und einem etwaigen Konjunkturrückgang steigernd. Nehmen wir an, daß diese beiden einander entgegengesetzt wirkenden Tendenzen sich miteinander ausglichen, so würde man den normalen jährlichen Verkehrsanfall Deutsch lands für die Eisenbahn zurzeit mit 430—150 Mill. To. rechnen können. Die Entwicklungsrichtung, die auf eine weitere Einschränkung des Güterverkehrs hinausläuft, dürfte die Steigerung der Güterbewegung, die durch weitere Ausdehnung der Industrie, intensivere Landwirtschaft und Erhöhung der Ausfuhr zu erwarten eeliner Börse. Berlin, 11. Januar. Im heutigen Vormittagsverkehr herrschte eine freundlichere und zuversichtlichere Stimmung bei Kursbesserungen von 1—2 Prozent. Die seit Tagen bestehende Zurückhaltung nahm jedoch im Verlaufe des Vormittags wieder ein stärkeres Ausmaß an und erhielt sich auch zum offiziellen Börsenbeginn. Nachrichten, die sonst wahrscheinlich einen großen Einfluß ausgeübt hätten, wirkten heute gar nicht. Der Beschluß des Finanzausschusses, die Freigabebill von der Steuervorlage im amerikanischen Senat zu beraten, wurde heute im Gegensatz zu den gestrigen Mitteilungen nicht beachtet. Der Reichsbankausweis, der eine große Entspannung zeigte— die Wechsel= und Scheckbestände haben um zirka 550 Millionen, die Notenbestände um zirka 400 Millionen abgenommen, bei einer Besserung der Deckung um 4—4½ Prozent— wurde zwar als befriedigend angesehen, konnte aber die Stimmung nicht freundlicher gestalten. Unterstützt durch die herrschende Geschäftslosigkeit— die zweite Hand fehlte der Börse auch weiterhin — schritt die Spekulation zu einem weiteren Abbau ihrer Medio=Engagements und nahm sogar besonders in einigen Werten Leerverkäufe größeren Stils vor, die bei der fehlenden Aufnahmefähigkeit einen Druck auf das Kursniveau ausüben müßten. Die ersten Kurse zeigten ein wenig einheitliches Aussehen. Meist überwogen die Abschwächungen, die sich im Rahmen von 1—3 Prozent hielten, jedoch hatte eine Reihe von Aktien Kursbesserungen im selben Ausmaß zu verzeichnen. Sehr fest lagen Akkumulatoren mit einem Gewinn von 4½ Prozent, Schubert und Salzer verloren dagegen 8 Prozent. Nach Beginn konnten sich zum Teil leichte Erholungen durchsetzen, jedoch wurde es im späteren Verlauf überwiegend wieder schwächer. Glanzstoff 3 Prozent höher. Loewe plus 2 Prozent. Am Geldmarkt hielt die Flüssigkeit unverändert an. Tagesgeld war mit 4—6 Prozent, z. T. mit 3—3½ Prozent nicht unterzubringen, Monatsgeld mit 7—8½ Prozent, Warenwechsel 6 sieben Achtel Prozent, Reportgeld mit 8—8½ Prozent angeboten. Deutsche Anleihen lagen uneinheitlich. Neubesitz war schwächer, Altbesitz dagegen fester. Ausländische Renten waren bis auf Mazedonier und Merikaner fester, Bukarester verloren 1 Prozent. Goldpfandbriefe konnten leicht anziehen, Liquidationspfandbriefe und Anteile uneinheitlich, eher fester. Roggen geteilt, Obligationen gut behauptet. Am Devisenmarkt ergaben sich bei sehr ruhigem Geschäft nur geringe Veränderungen. Amtliche Devisen. Närbte. Produkten. Berlin, 11. Januar. Die Preise verstehen sich für Getreide je Tonne 71000 Klg.) ab Versandstation, für Mehl je Doppelzentner(100 Klg.) frei Berlin, für Hülsenfrüchte(100 Klg.) ab Abladestation, Raps. Lein= und Kleesaaten(1000 Klg.) ab Versandstation. Raps und Leinkuchen(100 Klg) ab Abladestation Kleie(100 Klg) frei Berlin Futtermittel(100 Klg.) ab Abladestation sowie Stroh ie Zentner(50 Kla) ab märk Station in R=M Weizen, märk. 232—235, Roggen, märk. 234 bis 237, Sommergerste 220—266, Hafer, märk. 200 bis 211, Mais loc. Berlin 21—221, Weizenmehl 30,50—31, Roggenmehl 31—33,75, Weizenkleie 15, Roggenkleie 15, Raps 3,15—3,50, Viktoriaerbsen 51—57, Speiseerbsen 32—35, Futtererbsen 21—22, Peluschken 20—21, Ackerbohnen 20—21, Wicken 21 bis 21, Blaue Lupinen 14—14,75, Gelbe Lupinen 15,70—16,10, Seradella, neue 21—25, Ravskuchen 19,70—19,80, Leinkuchen 22,10—22,40, Tr. Schnitzel 12,20—12,40, Sojaschrot 21,10—21.60, Kartoffelflocken 23,70—21. Viehmärkte. Dortmund, 11. Jannar. Auftrieb: 715 Stück Großvieh, 255 Schweine, 67 Kälber. Handel langsam. Es kosteten in Reichsmark: Kühe 325—720, Rinder 250—500, Ferkel, 6—8 Wochen 10—15, Ferkel, 9—10 Wochen 16—25, Ferkel, 10—12 Wochen 25—33. Allgemeine Handelsnac richt Aus der internationalen Nohstahlgsmeinschaft. Fortschritte in der nationalen Verbandsbildung. Wie wir hören, haben die Verhandlungen zur Bildung eines nationalen französischen Verbandes für Träger und Halbzeuge eine Einigung gebracht. Man rechnet damit, daß der nationale Verband schon in den nächsten Wochen in Kraft treten kann, voraussichtlich rückwirkend ab 1. Januar 1928. Obwohl es sich um eine rein innerfranzösische Angelegenheit im Rahmen der nationalen französischen Rohstahlgeweinschaft handelt, bedeutet diese Gründung einen weiteren Fortschritt in der praktischen Tätigkeit des Kartells. Die Gründung der nationalen Verkaufsverbände wurde gerade auch von deutscher Seite immer als wesentliche Forderung aufgestellt. Baldige Vorlage des Braunkohlengutachtens. Die Schlußarbeiten über das angeforderte Braunkohlengutachten gehen, wie wir zuverlässig hören, zu Ende. Man darf damit rechnen, daß das Gutachten in den allernächsten Tagen den zuständigen Stellen zugeher wird. Die Auffassung des Braunkohlengutachtens ist auch heute noch nicht in den Interessentenkreisen bekannt, man glaubt jedoch nicht, daß der vor Monatsfrist vorgeschlagene Ausgleich beantragt werden wird, nach welchem die Hausbrandpreise erhöht werden sollen, um einer Verteuerung der Industriekohle und einer dadurch zu befürchtenden allgemeinen Preissteigerungswelle vorzubeugen. Victoria=Brauerei Actien=Gesellschaft, Bochum. Der Aufsichtsrat der Victoria=Brauerei ActienGesellschaft Bochum beschloß in seiner gestrigen Sitzung, die Hauptversammlung am 10. Februar 1925, vormittags 10 Uhr, im Parkhause zu Bochum abzubalten. Außer den üblichen Regularien soll Beschluß gefaßt werden über Genehmigung eines Verschmelzungsvertrages zwischen der Schlegel=Scharvenseel=Brauerei Aktien=Gesellschaft in Bochum und der VictoriaVrauerei Actien=Gesellschaft in Vochum bei einem Umtauschverhältnis von 3 Schlegel=Scharpenseel Akktien gegen 5 Victoria=Aktien. Bergbau=A.=G. Lothringen in Bochum. Die Gesellschaft hat das Geschäftsjahr mit dem 31. Dezember abgeschlossen. Das Ergebnis des ersten Halbjahres war sehr gut, das des zweiten weniger befriedigend. Nach den Erklärungen aus der vorjährigen H.=V. müßte mit einer Dividendenausschüttung zu rechnen sein; denn das Jahr 1927 hat keinen Rückschlag gebracht. Die Verwaltung lehnt aber eine Erklärung zur Dividendenfrage im gegenwärtigen Augenblick noch ab, da die ziemlich verzweigten Teile des Konzerns noch nicht Rechnung gelegt hätten und im übrigen auch die Entwicklung bis zum voraussichtlichen Zeitpunkt der Abschlußvorlage (etwa Mitte März) noch abzuwarten sei. Die weitere Geschäftsentwicklung und ihre Beurteilung spielt ja bekanntlich mehr und mehr eine ziemlich erhebliche Rolle bei der Gestaltung der Jahresabschlüsse. Eine gesunde Dividendenpolitik verlangt gerade in Zeiten möglicher starker Schwankungen die Berück sichtigung auch einer absehbaren Zukunft. In dieser Hinsicht ist nun allerdings die Lage bei Lothrina als überwiegendem Kohlenkonzern nicht ganz so unbesorglich, wie bei Eisenkonzernen, bei denen man aber mit einer Fortdauer der Koniunktur in 1928 rechnet. Die Gesamtverfassung von Lothringen stellt sich als gesund dar. Die eignen Zechen, die Beteiligung König Ludwig, die chemischen Werke und das Stahl= und Walzwerk sind auf der Höhe, wenn auch letzteres noch nicht lange arbeitet und in seinem finanziellen Erfolg noch nicht fest einzuschätzen ist. Zur Höhe der Schulden wird versichert, daß sie nichts Ungewöhnliches bedeuten, daß im Gegenteil die Bankschulden fast nirgends aus Verlusten, sondern lediglich aus gewinnbringenden Verwendungen herrührten, daß ihre Höhe dem Umfange des Konzerns angemessen und den langfristigen Verbindlichkeiten anderer Konzerne vergleichbar sei. Nimmt man hinzu die Prestigefrage und die Dividendenausschüttungen, wenn auch teilweise bescheidene, aller anderen Kohlen= und Eisenkonzerne, so sollten die überwiegenden Gründe für eine Dividende 192 bei Lothringen sprechen. J. G. Farbenindustrie. Vor einigen Wochen ist laut V. T. ein neues Uebereinkommen zwischen den österreichischen chemischen Fabriken und der J. G. Farbenindustrie abgeschlossen worden, welches eine weitgehende Kooperation der gesamten Schwerchemikalienindustrie und eines Teils der Leichtindustrie bezüglich des Verkaufs auf dem Balkan und in Mitteleuropa vorsieht. Insbesondere bestimmt das Uebereinkommen, daß der österreichischen Industrie für ihre Erzeugnisse Oesterreich Ungarn, Südslawien, Bulgarien, Rumänien und die Türkei wohl als Absatzgebiet vorbehalten bleiben, daß jedoch die J. G. Farbenindustrie(als Lieferant der österreichischen Waren in Verkaufsgemeinschaft. D. Red.) auch in Oesterreich selbst und in den Balkanstaaten auftritt. Für Superphosphat und für Säuren bleibt der Handel in österreichischen Händen. Die österreichische Chemieindustrie verpflichtet sich dagegen, nicht nach dem Westen und nicht nach Deutschland zu liefern. Das Uebereinkommen erstreckt sich auf die meisten Schwerchemikalien, jedoch nicht auf die Kunstdüngererzeugung. Wie verlautet, sind neben dieser Vereinbarung in der letzten Zeit auch Einzelabkommen zwischen der österreichischen und der tschechoslowakischen Chemikalienindustrie über 20 Produkte abgeschlossen worden. Auch zwischen der österreichischen und der ungarischen Industrie wurde eine Vereinbarung getroffen, die sich hauptsächlich auf die Abgrenzung der gegenseitigen Lieferungen bezieht. Dazu wird von seiten der J. G. mitgeteilt, daß bereits seit längerer Zeit eine ziemlich enge Zusammenarbeit zwischen der J. G. und der österreichischen chemischen Industrie auf dem Gebiete der Schwerchemikalien besteht, und daß man sich von Fall zu Fall verständigt. Eine Aenderung sei in der letzten Zeit nicht eingetreten. Die deutsche Wirtschaft im Jahre 1927. Von Erich Welter. 1,— Mk. Frankfurter Societäts=Druckerei G. m. b. H., Abteilung Buchverlag, Frankfurt a. M. 1928. achstum“ ist der Titel einer Betrachtung der deutschen wirtschaftlichen Entwicklung des letzten Jahres, in der in drei Hauptabschnitten das Verhältnis Deutschlands zur Weltwirtschaft, die Wandlungen im Produktions=, Verteilungs= und Verwaltungsapparat und das Problem der Kapitalbildung und Kapitalverwendung in kurzen Strichen dargestellt wird. Als wichtigstes Ergebnis des Jahres würdigt die Arbeit das Wachstum der Wirtschaft, das auf vielen Gebieten Vorkriegsmaße übersteigt. Es vollzog sich, obwohl im übrigen Europa großenteils Depression herrschte. Allerdings hat die inländische Kapitalbildung nicht dazu ausgereicht, den beträchtlichen Fortschritt zu ermöglichen. Deutschland nar 11 1927 wesentlich stärker als im voraufgegangenen Jahre von der Gewährung ausläindischer Kapitolien abhängig. Diese standen in dem großen Prosperitätszentrum Amerika reichlich zur Verfügung, doppelt reichlich nach einer gegenwärtig auf Verflüssigung gerichteten Kreditpolitik stabiler Preise. Gegen irrtümliche Betrachtungsweisen über die Transferfrage unternimmt es der Verfasser darzustellen, wie sich deutsche Reparationsleistungen und ausländischer Kapitalstrom kompensierten und betont, daß auch das letzte Jahr vor Einsetzen der vollen Reparationszahlungen, das letzte Schonjahr, keinen Anhalt für die Möglichkeit oder Unmöglichkeit eines echten Transfers erbracht habe. Bezüglich der Aufbringung wird errechnet, daß eine Zweieinhalb=Milliarden=Annuität, die im Zeitpunkt der Festsetzung etwa ein Fünfzehntel des damaligen abnorm niedrigen Volkseinkommens beanspruchte, in 1927 etwa ein Fünfundzwanzigstel des mutmaßlichen Sozialprodukts erforderte. Die mit Graphiken und Zahlen reich illustrierte Abhandsung befaßt sich ferner mit der Pedeutung der Konjunktur für die einzelnen Industrien und wendet sich gegen die Anwendung des Wortes „Mengenkonjunktur“ in verächtlichem Sinne. Konzentrationen, nationale und internationale Kartellbewegung, die Entwicklung im Handel und die falsche Front der Agrarpolitik sowie die Notwendigkeit, den Verwaltungsapparat modernen wirtschaftlichen Auffassungen entsprechend zu rationalisieren, alles das wird behandelt. Schließlich wird Kapitalmarkt. Bankpolitik, Börsenentwicklung und Kapitalbildung ausführlicher kritischer Betrachtung unterzogen und els das Kernproblem der nächsten Zeit die Finanzierung des wirtschaftlichen Wachstum bezeichnet. Rationellste Kapitalverwendung sei erforderlich, jedwede Förderung der inneren Kapitalbildung, aber auch möglichst freie Gestaltung des internationalen Kapitalverkehrs. Antethen 2. R.-Anleihe P. Sparpr.-Anl. Prenb. kons. Anl. do. do. Uanken Barmer Bankv. Berl. Hand.-Cles. Berl. Hyp.-Bank Com. u. Priv.-Bk Darinst. u. N. Deu'sche Bank Dt. Hyp. Bank Diskonto Komm. Dresdner Bank Mitteld. Credith Preus. Bod.-Bk. Prö. Centr.-Bd. Pra. Hyp. A.-B. Prö. Plardbr. Bk Reichsbank Schlffahrt Hapnz Hamb z.-Sudam. liansa Dampfsch Fosmos Noili. Lloyd Elsenbahn Div heutel Divlheute! vor. 149.0 10 264.0 10 276.0 176.0 238.2 1660 163.5 161.5 161.5 221.7 138.5 171.5 6154. 9163.0 10 191.5 149.2 711.0 214 0 150.2 264 5 229.0 177.0 287 167.5 164 0 6. 625 7220 139 0 173.0 155.0 165.0 192 0 150.0 —.9 —8 100.0 100. .0 9600 Schantungbann? Baltimore Ohio Hamb. Hochb. Hannov. Ströb. Bruuerelon Schulth. Patzenh. Bochumer Vikt. Dortm. Akt. Dortm. Ritter Dortm. Union Glückauf Müser Schlewel Scharp. Wicküler Küpper Bonstigo industr Paplere Accumul Fabr. Adl Portl. Zem. Adlerwerke Allg. Elektr. Ges Annener(ußst. Augsb.-Nürnb. Galcke Maschin.* amag-Meguin Barop. Walzwerk Basalt A. O. Bedb. Wollind. Bemb. J. P. Berger I. Tiefb. Bergmin Elektr. Berf. Ciub. Huif. Berl. Karlsr. 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P.& W Friedrichhatte 185. 101.0 78.00 94 75 187.0 107.5 80.50 96 25 129.7 130.2 82.50 88.75 116 0 115 2 Divihen 135.2 94.00 71.12 91. 0 125.2 77.25 34 1 172.0 210.5 210.0 1 6.0 111.0 35.0 96.00 71.75 90.00 127.7 80.00 136 1 173.5 213.5 210.0 156.0 111.0 75.25 77.50 140.0 140.0 276.5 279. 2 6.0 204. 127.0 128.0 - 0 156.0 107.0 156.0 daug. Eisen Gelsenk. Berg. Guöstahl Germania Zem. (ies. I. elekt. Unt. T Goldschmidt Görl. Waggon Gothaer Wagg. Cruschw. Text Gutmann. M. Nackethal Draht Ha lesch. Masch. Hammersen F. Hannov. Masch. Hansa Lloyd W. Harpener Bergb. Heckmann. C. eld& Franke Hilpert Masch. Hirsch. Kupter Hösch Eis. St. Hoizmann Phll. Harchwerke Humboldtmühle Hutschenr C. M. Hutschenr. Lor. Ilse Bergbau Industriebau Judel a Co. Mahla Por. Kahlbaum C. A. P. Kali Aschersleb. Karstadt Rud. Klöckner Wk. Köln-Lindenth. M. 37.25 142.5 205.0 279.0 115.0 19.75 110.0 80.00 97.25 168.0 146 2 66.00 —.0 195.0 64.00 91.00 112.5 151.7 147.1 118.0 65.50 73.00 127.0 1290 235.0 2330 1602 153.0 39.00 143.2 260.0 281.0 116.7 20.00 110.0 80.25 91.50 170.0 117.0 67.00 —.0 198 5 67.00 9).00 113.0 153 0 141 2 117.8 65.50 74.00 152.0 161.0 105.0 168. 105 5 Divhe 178.2 179 157.2 177.2 129.0 130.0 15K1527 Köln Cias u. El. Körting, Gebr. Kromschröd. G. Kuppersbusch Lahmeyer& Co. Laurahülte Lindes E sm. Lindström. Car. Linke-Hofm.-L. Loewe& Co. Lüdensch. Met. Nagdeb. Bergw. Magirus C. D. Mannesm.-Mul. Mannesm.-Röhr. Mannsteld. Bergb Masch. u. Kranb. Masch. Baum Mech. Web.-Lind. Met.-Bk. u. Metal Meyer H.& Co. Mimosa Minimax Mix& Genest. Motoren Deutz Mülheim. Bergb. National-Aut. Na ronzellstoff Neckarsulm Fhr. Veckarwerke Vordd. Kabel Wollk. Nordw. Kraftw. Oberschl. Eb. Bd " Koks Ohsas 101.7 102.2 93.50 66.50 159.5 160.0 191.0 199.0 170.0 1700 79.62 80.25 168.2 157.7 359.0 350.0 258.0 258.0 108.0 110.0 14.0 92.25 54 00 52. 0 156.2 158.2 127.0 122.2 91.871 20.75 108.0 107.5 194.7 925 264.0 7640 140.5 142.0 61.00—.0 138 0 139.5 12.5 1050 153.0 153.5 107.5 1080 141.0 141.5 139 2 139.0 1)' 170.2 116.0 08975 97.75 /48 n0 168.0 116.7 90.00 98.50 48 75. Orensl. A A. Osnabr. Kupfer Ottenser Eisen Passage-Bau Peters Union Phoenix Bergbau Phoenix Braunk. Plauen, Ciard. " Spitzen " Tüll u. Gard Polyphonwerke Prestowerke Reish. Papierl. Rhein. Braunk. " Elektrizität " Möbelst W " Spiegelglas "-W. Elektr. "-W. Kalkw. ".W. Sprgst. Rhein Stahlw Rhein.-W. Zement Rlienania chem. Rheydt Elektr.* Riebeck Montan Riedel J. D. Roddergruben Rombach. Hültte Rütgerswerke Sachsenwerk Sachs. Carton. Th. Portl.-Z Salzdett. Kali Sarotti Saxonia Portl.-Z. Schering chom. schomburg Schönebeck Met. Schubert-Salz Schuckert& Co. Schwelm. Eisen Segall Strumplw. 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REETEPERANNN NN Das ehemalige kurfürstliche Palais in Trier, ein Prachtwerk des mainfränkischen Meisters Johannes Seiz, soll nach Abzug der Besatzungstruppen in ein Rathaus verwandelt werden. Das Palais dient schon seit den Zeiten Napoleons militärischen Zwecken und auch zur Zeit für die Rheinlandbesatzung beschlagnahmt. o Kleine Geschichten. Die Flucht aus dem Räuberlager. Der amerikanische Bergwerksbeamte Lyman Barber war vor drei Wochen von mexikanischen Räubern verschleppt worden, die für seine Freilassung ein Lösegeld von 15 000 Dollars forderten. Da sich die Räuber ständig auf der Flucht vor den Regierungstruppen befanden, hatte Barber große Anstrengungen zu erdulden. Jetzt ist es ihm gelungen, sich aus dem Berglager nach Cuernavaca zu retten. Er hatte ein Gespräch der Anführer der Bande belauscht, daß man ihn zu töten beabsichtigte, wenn das Lösegeld nicht binnen weniger Tage zur Stelle sei, zumal ihn wegen der Verfolgung durch die Regierungstruppen nicht mehr länger festhalten könnte. Barber entschloß sich daher, bei der nächsten Gelegenheit die Flucht auf Leben und Tod zu wagen. Im Laufe eines heißen Nachmittags erschlug er seine vor Uebermüdung eingeschlafenen vier Wärter mit Flaschen und Steinen und konnte nach Cuernavaca entfliehen, wo er vollkommen erschöpft in zerlumpten Kleidern eintraf. Ein rätselhaftes Tier. Ein Förster in Jägerhof bei Jördenstorf in Mecklenburg fand in einem großen Wassertümpel ein ganz unbekanntes Tier. Es erscheint als Zwischenart zwischen einer riesigen Vogelspinne (Mygale) und einem großen Hummer(Homarus vulgaris), ist aber weder das eine noch das andere. Die Ausmaße sind bemerkenswert groß. Der Körper dieses braunroten Unikums ist ausgestreckt 25 Zentimeter lang, der Kopf acht Zentimeter, der Rücken zehn Zentimeter breit. Auf eine Vogelspinne deuten die sechs je 25 Zentimeter langen Füße, obwohl eine Spinne acht Füße hat; auf einen Hummer zwei scharfe gezähnte Scheren; auf nichts von beiden die starken Rückenstacheln. Um festzustellen, was es für eine Bewandtnis mit diesem sonderbaren Fund hat, ist er einem zoologisch=wissenschaftlichen Institut zur Untersuchung eingesandt worden. Frauen als Ausstellungsobjekte. Aus Madrid wird laut Europapreß berichtet: Die spanische Regierung hat die südamerikanischen Regierungen, die sich an der Iberisch=Amerikanischen Ausstellung in Sevilla im nächsten Jahre vertreten lassen werden, eingeladen, aus jedem Staat eine Frau nach Spanien zu entsenden, die nach ihrer Ansich: am besten den Nationalcharakter des betr. Landes verkörpere. Die spanische Regierung wird ein Kriegsschiff nach einem noch zu bestimmenden südamerikanischen Hafen entsenden, um die Damen an Bord zu nehmen. Der Unterhalt in Spanien wird von der spanischen Regierung getragen werden. Was Frankreichs Spielhöllen einbringen. Die letzten französischen Steuerergebnisse zeigen, daß das Glücksspiel mit jedem Jahr größere Erträge abwirft. Die 160 Spielkasinos in Frankreich brachten in der Wintersaison 1926=27 und der Sommersaison 1927 einen Gewinn von 64 660 000 Mark gegenüber 63 320 000 Mark im Jahre 1926 und 40 Millionen 1925. Neue Spielhöllen entstehen wie Pilze; in Nizza allein gibt es jetzt sechs Kasinos. Rechnet man die Gewine von Monte Carlo hinzu, das ja auch zu den französischen Spielhöllen gehört, so steigert sich der jährliche Gewinn aus dem Glücksspiel auf 106 Millionen Mark. In Monte Carlo beliefen sich die Gewinne aus dem„Trente et Quarante“ auf 26 Millionen, und die aus dem Roulette auf über 25 Millionen. Diese Zahlen bedeuten natürlich nicht, daß die Franzosen allein mehr spielen als früher, sondern, daß aus der ganzen Welt größere Summen als je vorher auf den grünen Tischen gesetzt werden. Der beleidigte Taubstumme. Vor einer Strafkammer des Pariser Tribunals fand unter großer Anteilnahme ein seltsamer Beleidigungsprozeß statt. Das Interesse des Publikums gab sich durch ungewöhnlich rege Gesten kund, was weiter nicht verwunderlich war, da die erschienenen Personen meistens Taubstumme waren. Lebhaftes Augenspiel und gerötete Wangen legten Zeugnis dafür ab, in welcher Erregung sich die Anwesenden befanden. Kein Laut erscholl im Gerichtssaal und der Vorsitzende, der seit geraumer Zeit Spezialist für Taubstummenprozesse ist, unterhielt sich mit den Parteien und den Zeugen durch die Gebärdensprache. Monsieur Larouche, ein bekannter Herrenschneider, klagte gegen den Restaurateur Henri Klaber wegen Ehrabschneiderei, da er ihn einen „Apachen“ und minderwertigen Menschen genannt hatte. Diese schweren Injurien wurden zwar nicht ausgesprochen, aber durch gleichwertige Gesten angedeutet. Im Restaurant befand sich unter den Gästen ein Taubstumer, der diese Beleidigungen wahrnahm und auf dessen Zeugnis hin der Beklagte verurteilt wurde. Der Richter erklärte, daß die Gestikulationen ebenso wie Verbalinjurien geahndet werden müßten. Der Beklagte erhielt eine Geldstrafe von 1000 Franken. Fr. Z. Aus Westdeulschland. Larm gesteht den Öhligser Postraub ein. Der am Dienstag nachmittag im Schnellzuge München—Berlin in Saalfeld ergriffene und sofort nach Jena überführte Rudolf Larm ist gestündig, gemeinsam mit dem noch gesuchten Posträuber und Polizeibeamtenmörder Johann Hein folgende Straftaten begangen zu haben: Postraub in Ohligs, Einbruch in das Kloster Lausnitz bei Jena, Geldschrankeinbruch in die Postagentur Jena=Zwaetzen, desgleichen(unter Verwendung von Sprengstoffen) in WeimarDornburg, etwa 20 schwere Einbruchsdiebstähle, darunter 12 Geldschrankeinbrüche in Jena. Larm war noch im Besitz eines von ihm selbst hergestellten Sprengkörpers, sowie einer modernen Pistole mit 75 Schuß. Von den geraubten Geldern be fand sich nur noch ein verhältnismäßig geringer Betrag in seinem Besitz. Die beiden Verbrecher wußten ihre Verbrechen so geschickt auszuführen uno zu verbergen, daß sie ungestört in Jena, wo die meisten Taten ausgeführt wurden, bleiben konnten. Unna.(Ein Auge verloren.) An einem der letzten Tage ging die schon ältere Frau K. über die Roonstraße. Junge Burschen spielten in der genannten Straße Fußball. Plötzlich flog der Ball der Frau an das rechte Auge; sie brach sofort ohnmächtig zusammen. Das Auge schwoll stark an. Bis jetzt ist es noch nicht gelungen, dem verletzten Auge die Sehkraft wieder zu verleihen. Brackwede.(Tod eines Kindes durch Mutterliebe.) Die Ehefrau J. hatte in der Nacht zum Sonntag ihr 4 Monate altes Töchterchen mit dem Mantel ihres Mannes zugedeckt. Als sie nach einigen Stunden nachsah, war das Kind unter dem Mantel erstickt. Man nimmt an, daß der Mantel feucht gewesen ist. Cleve.(Die Unterschlagungen bei den van den Bergh=Werken.) Die Unterschlagungsangelegenheit bei der Niederrheinischen Fastagefabrik G. m. b. H. van den Bergh ist nunmehr völlig aufgeklärt. Der ungetreue Geschäftsführer, der bei der Firma eine Vertrauensstellung innehatte, hat insgesamt 77000 Mark unterschlagen. Die Unterschlagungen begannen im Jahre 1924. Der Täter ist geständig. Er hatte sich zur Beschaffung von Materialien Gelder überweisen lassen, die er aber in die eigene Tasche steckte. Düsseldorf.(Ein scharfer Erlaß des Düsseldorfer Regierungspräsidenten.) Der Regierungspräsident hat den Verkehrswachten des Regierungsbezirks folgendes Schreiben zugehen lassen: Aus den Berichten über die Verkehrsunfälle ergibt sich, daß eine große Zahl dieser Unfälle darauf zurückzuführen ist, daß der Fahrer angetrunken war und in diesem Zustande seinen Wagen nicht mehr in der Gewalt hatte oder zu leichtsinnig gefahren war. Jeder Fahrer, der sich nach dem Genuß berauschender Getränke ans Steuer setzt, muß sich ernsthaft prüfen, ob er überhaupt noch in der Lage ist, seinen Wagen sicher zu fahren. Jeder Fahrer, der die geringste Menge derartiger Getränke zu sich genommen hat, hat die Pflicht, besonders vorsichtig und ganz langsam zu fahren. Am besten ist es, wenn jeder, der einen Kraftwagen führen will, sich des Alkohols gänzlich enthält, bevor er sich ans Steuer setzt. Ich habe die Polizeibehörden angewiesen, jedem die Fahrerlaubnis für ein halbes Jahr zu entziehen, der im angetrunkenen Zustand am Steuer getroffen wird. Demjenigen, der in diesem Zustande einen Unfall verschuldet hat, soll die Erlaubnis dauernd entzogen werden. Ich sehe mich zu dieser Strenge veranlaßt, weil ich kein anderes Mittel weiß, um den zahlreichen auf Trunkenheit zurückzuführenden Unfällen vorzubeugen. Düsseldorf.(Gasexplosion auf den Rheinischen Metallwerken.) Auf den Rheinischen Metallwerken ereignete sich gestern eine folgenschwere Gasexplosion. In einem sogenannten Wärmeschrank, in dem Eßtöpfe gewärmt werden, batte sich aus bisher noch nicht geklärter Ursache Gas angesammelt, das explodierte, als der mit der Bedienung des Schrankes betraute Arbeiter sich mit einer kleinen Zündflamme dem Schrank näherte. Die Explosion war derartig heftig, daß die schweren Türen des Schrankes durch den Raum geschleudert wurden. Sie trafen den Arbeiter so unglücklich, daß er auf der Stelle tot war. Solingen.(Der Radioapparat als Brandstifter.) In einer Redaktion entstand ein Brand, der zwar schnell gelöscht wurde und wenig Schaden anrichtete, aber durch die Art der Entstehung interessant ist. In dem Büro befand sich ein Radioapparat, der mit einer Hochantenne verbunden war. Durch den Sturm hatte sich die Antennenleitung auf eine Starkstromleitung von 220 Volt gelegt. Der Strom fand seinen Endausgang in dem Radioapparat, der dadurch zum Brandherd wurde und einige Einrichtungsgegenstände des Zimmers in Brand setzte. Solingen.(Derehescheue Bräutigam.) Im benachbarten Witzhelden hat sich ein nicht alltäglicher Fall von plötzlicher Ehescheu ereignet. Als die Trauzeugen in der Wohnung der Braut eintrafen, in der sich auch der Bräutigam befand, war dieser nicht zu bewegen, mit zum Standesamt zu gehen. Alle Bemübungen blieben vergebens, so daß schließlich die Trauzeugen unverrichteter Dinge heimwärts zogen. Was den Bräutigam zu seinem Verhalten bewogen hat, ist unbekannt. Büderich.(Anklage gegen einen Bürgermeister.) Gegen den ehemaligen Bürgermeister Vonnemann ist Anklage wegen verschiedener Amtsüberschreitungen erhoben worden. Als Vonnemann seinerzeit vom Büdericher Gemeinderat zum Bürgermeister gewählt wurde, geschah das nur mit Stimmenmehrheit: einige Stimmen fehlten. Vonnemann soll nun die Protokollabschrift über diesen Gemeinderatsbeschluß dem Regierungspräsidenten in Düsseldorf mit der Unterschrift sämtlicher Stimmen zugestellt haben, wodurch eine einstimmige Wahl vorgetäuscht wurde. Ferner soll er einen Gemeinderatsbeschluß, wonach ein Amtsgebäude der Gemeindesparkasse unentgeltlich zur Verfügung gestellt werden sollte, in der Abschrift dahin abgeändert haben, daß das Gebäude nur gegen eine Vergütung von 6 oder 7 v. H. zur Verfügung gestellt werden sollte. Außerdem liegen noch einige andere, aber unwesentliche Anklagepunkte vor. Bonn.(Zum Professor der Pädagogik ernannt.) Der frühere Oberstudiendirektor der Oberrealschule in Neuß und jetzige Akademiedirektor Räderscheidt in Bonn wurde zum Professor der Pädagogik ernannt. Godesberg.(Der Rodderberg Naturschutzgebiet.) Der in Segelfliegerkreisen gut bekannte Rodderberg ist laut Verordnung des preußischen Ministers für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung zum Naturschutzgebiet erklärt worden. Maria Laach.(Trauung des Landeshauptmanns Dr. Horion in der Abtei Maria Laach.) Der Landeshauptmann der Rheinprovinz, Dr. Horion, hat sich mit Frau Emma von Kürten, geborene Abeck, vermählt. Die Trauung wurde gestern in der Abtei=Kirche Maria Laach im Beisein der nächsten Anverwandten durch den Abt Ildefons werwegen von Maria Laach persönlich vollzogen, wobei der Abt eine Ansprache hielt. Dr. Horion war seit längerer Zeit Witwer. Lorchhausen.(Schiffszusammenstoß auf dem Rhein.) Bei Stromkilometer 40,8 (an der Wirbellay), einer besonders gefährlichen Stelle des Rheinstromes, stießen aus noch unbekannter Ursache der zu Berg fahrende Radschleppdampfer„Braunkohle 16“ und das zu Tal fahrende beladene Lastschiff„Rheinfahrt 57“ zusammen, wodurch bei beiden Dampfern schwere Beschädigungen hervorgerufen wurden, die eine Weiterfahrt unmöglich machten. Osnabruck.(Angliederung Westhannovers an Westfalen geplant.) Im Zusammenhang mit den westfälischen Eingemeindungen wird in den letzten Wochen die Abtrennung des Teiles des Mgierungsbezirts Osnabrück. der zum wesentlichen von Landesteilen der Provinz Westfalen umschlossen wird, von der Provinz Hannover unter Angliederung an Westfalen wieder lebhaft erörtert. Anlaß dazu gab die selbst in Berliner Kreisen umlaufende Nachricht, daß im westfälischen Provinziallandtag ein diesbezüglicher Antrag eingebracht werden soll oder bereits eingebracht wurde. Naturgemäß wehren sich Osnabrücker und mit ihnen— man könnte sagen— noch mehr hannoversche Kreise gegen solche Pläne, bei denen es sich um alles andere als theoretische Projektenmacherei handelt. Die Dinge haben einen durchaus realen Hintergrund, nicht zuletzt auch durch die ins Rollen kommende Verwaltungsreform. Mit welchem Ernst man seitens der maßgebenden hannoverschen Provinzialbehörden die ganzen Diskussionen betrachtet, beweist am eindrucksvollsten die Tatsache, daß Oberpräsident und Landeshauptmann bereits für die nächsten Tage eine Konferenz nach Osnabrück einberufen haben, auf der vor allem in Besprechungen mit interessierten Personen und Organisationen die fragliche Materie unter besonderer Berücksichtigung der Wirtschafts= und Verkehrsverhältnisse des Osnabrücker Bezirks behandelt werden soll. Mit Westfalen, das bis zu einer Wegstunde an die Stadt Osnabrück heranreicht, verbinden Osnabrück manche Berührungspunkte. Diese liegen vor allem auf wirtschaftlichem Gebiet, steht doch die Osnabrücker Großindustrie(Klöcknerwerke, Hammersen und Osnabrücker Kupfer= und Drahtwerke) in einem starken Abhängigkeitsverhältnis zu westfälischen Konzernen. Weiter war Osnabrück von altersher westfälischer Kulturboden. Ferner hat das Osnabrücker Emsland, das gleichfalls festere kulturelle Bande mit Münster verbinden, verkehrspolitisch den Zusammenhang mit der Bezirkshauptstadt Osnabrück verloren, da die münsterschen Kreise geschickt Fahrpläne usw. so zu beeinflussen wußten, daß sich das Emsland, dessen Hauptabnehmer zudem Westfalen ist, stark zum Münsterland hingezogen fühlt. Wenn auch die Behauptungen, daß Münster in seinem Konkurrenzkampf gegen Dortmund nach Ausgleichsmöglichkeit sucht und die gekennzeichneten Pläne stark betreibt, so darf andererseits nicht verkannt werden, daß die beabsichtigte Aufteilung Deutschlands in Reichsländer gleiche Tendenzen verfolgt. Rinteln.(Selbstmord eines Schülers.) Der 18jährige Primaner I., der einzige Sohn eines Regierungsbaurats, hat sich in der elterlichen Wohnung erschossen. Es fehlt jeder Anhalt, aus welchem Grunde der zu den besten Hoffnungen berechtigte junge Mann seinem Leben ein Ende setzte. Aus dem Gerichtssaal. + Bochum.(Fahrlässige Tötung des eigenen Kindes.) Wegen fahrlässiger Tötung ihres unehelichen Kindes wurde gegen die Haustochter Anna G. von hier seitens des erweiterten Schöffengerichtes verhandelt. Im Laufe der Verhandlung beantragt der Vertreter der Anklagebehörde die Weitergabe der Strafsache an das Schwurgericht. Das Gericht hielt sich aber auf Grund der vorliegenden Umstände für zuständig und erkannte bei Zubilligung mildernder Umstände auf eine Gefängnisstrafe von 6 Monaten. + Bochum.(Ein Unverbesserlicher.) Wegen gewinnsüchtiger Urkundenfälschung in Tateinheit mit versuchten Betruges hatte sich der Konditorgehilfe Brinkhoff von hier zu verantworten. Der Angeklagte hat ein Strafregister von nicht weniger als 17 Vorstrafen. Bei ihm kam strafschärfender Rückfall in Frage. Der Angeklagte hatte einen Bestellschein auf 15 Pfund Kaffee ausgestellt und mit dem Namen Stemann unterschrieben. Dann ging er zu der Großeinkaufsgesellschaft„Edeka“, zeigte den Schein vor und wollte die 15 Pfund Kaffee in Empfang nehmen. Die Edeka schöpfte jedoch Verdacht, da die Firma Stemann noch nie bei ihnen gekauft hatte. Durch eine telephonische Unterredung wurde dann die Straftat des Angeklagten aufgedeckt. Staatsanwaltschaftsrat Halbrock beantragte dem Angeklagten mildernde Umstände zu versagen und brachte gegen ihn die geringste zulässigen Strafe von 1 Jahr Zuchthaus in Antrag. Das Gericht billigte Brinkhoff abermals mildernde Umstände zu und verurteilte ihn wegen Urkundenfälschung in Tateinheit mit versuchten Betruges zu 6 Monaten Gefängnis. ++ Bochum. Wegen Körperverletzung wurde der Fuhrmann Joh. Stoer von hier zu 3 Wochen Gefängnis verurteilt. Der Angeklagte hatte am 14. Aug., gegen 2 Uhr nachts, ohne jeden Grund den Pianisten Pillig überfallen und mißhandelt. Ein unverbesserlicher Rückfallsdieb. Essen. Das erweiterte Schöffengericht verurteilte den 46 Jahre alten Metzger Wilhelm Niewind, einen mit Gefängnis und Zuchthaus sehr häufig und schwer vorbestraften Menschen, wegen Rückfallsbetrug und Rückfalldiebstahles zu 5 Jahren Zuchthaus und 5 Jahren Ehrverlust. Der Angeklagte betrieb seine gemeingefährlichen Straftaten dadurch, daß er kleine Kinder, die von den Eltern ausgeschickt waren, Einkäufe zu machen, an sich lockte und ihnen das Geld abnahm. Vielfach wendete er auch Gewalt an. Auf diese Weise hat er in sämtlichen Städten des hiesigen Industriegebietes bis tief in die westfälischen Bezirke hinein zwei Jahre lang sein Unwesen getrieben. Nach eigenen Angaben erbeutete er vielfach Beträge von 50, 70 und 100 Mark. Die Anzahl von Diebstählen, die er nach dieser Methode verübt hat, läßt sich auch nicht annähernd ermitteln. Düsseldorf.(Berufung im Prozeß Hackenbroich.) Der frühere Direktor der städtischen Kunsthalle, Hackenbroich, der im Oktober vorigen Jahres wegen Unterschlagung zum Nachteil notleidender Künstler während des Ruhrkampfes zu neun Monaten Gefängnis verurteilt worden war, hat jetzt gegen das Urteil Berufung eingelegt. Die große Strafkammer verwarf die Berufung des Staatsanwalts sowohl wie auch des Hackenbroich mit der Maßgabe, daß die ganze Strafe, wie sie in der Vorinstanz verhängt wurde, wegen fortgesetzter gewinnsüchtiger Urkundenfälschung. Unterschlagung und Untreue bestehen bleibt. Der Staatsanwalt hatte ein Jahr Gefängnis beantragt. Ein neues deuisches Motorschiff. Das Motorschiff„San Francisco“ lief auf der Deutschen Werft in Hamburg von Stapel. Es ist für den Passagier= und Frachtverkehr der Hamburg=Amerika=Linie nach der nordamerikanischen Westküste bestimmt. Samstag, den 14. Januar, morgens 7.45 Uhr, findet in der Propsteikirche ein Seelenhochamt als Jahiresgedächtnis für den verstorbenen Backofenbaumeister Herrn Albert Wirtz statt, wozu freundlichst eingeladen wird. Praxis verlegt von Friedrichstr. 13 nach Wilhelmstraße 22 Ruf 1601 Ruf 1601 Sprechzeit von 10.30 bis 1 Uhr und 4 bis 5 Uhr. Dr. med. W. Schreiber, Arzt. Freitag, den 13. Januar 1928, morgens 7.45 Uhr, findet in der Dreifaltigkeitskirche ein 30 lägiges Seelenamt für den verstorbenen Herrn Ferdinand Rehermann statt, wozu freundlichst eingeladen wird. Bekanntmachung. Wörlsnofener Asthmatee Wörishofener Kräuterhaus Bocium. Viktorlastr. 3(gegenüber der Hauptpost) Damenbarl Flecken, Warzen u'w. werden mitt. Elektrolyse entfernt. Institut für moderne Gesichtspflege, nur für Damen. Sprechst. von 3—7 Uhr. 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Dortrag mit Lichtbildern von Aniversitätsprofessor Dr. Dr. Tüthgen=Bonn über älische Kunst Die zwei we teren Vorträge dieser Vortragsreihe finden am Montag, den 23. Januar und 13. Februar statt. Eintritt für Mitglieder fret. Für Nichtmitglieder werden in der Gemäldegallerie, Kaiser=Wilhelm=Straße 24 und in der Buchhandlung Hengstenberg Karten zum Preise von 3 Mk. und 1.50 Mk. für Schüler für alle drei Vorträge und 2 Mk. und 75 Pfg. für den Einzelvortrag ausgegeben. Beschluß. Ueber das Vermögen der Einkaufsgenossenschaft für Papier-, Schreibwaren u. verwandte Gewerbe e. G. m. b. 5. in Liquidation, in Bochum, Feldstraße 3, ist heute vormittag 9.45 Uhr der Konkurs eröffnet. Konkursverwalter ist der Rechts anwalt Müser II in Bochum. Onfener Arrest mit Anzeigepflicht bis zum 1. Februar 1928. Anmeldefrist bis zum 1. Februar 1928. Erste Gläubigerversammlung und Prüfungstermin am 8. Februar 1928, vormittags 10 Uhr im hiesigen Amtsgericht, Wilhelmsplatz, Zemmer Nr. 45. Bochum, den 9. Januar 1928. Das Amtsgericht. Beschluß. Das Konkursverfahren über das Vermögen des Kaufmanns Karl Schlechtweg in Bochum, Thomasstr. 11 wird eingestellt, da eine den Kosten des Verfahrens entsprechende Konkursmasse nicht vorhanden ist. Bochum, den 28. Dezember 1927. Das Amtsgericht. Lindenhonig Auslese, Köstl. Aroma, 10-Pid.-Dose 12.— 5-Pid.-D. 7.. goldklarer Herbsthonig 1-Pfd. Dose 9.50, 5-Pfd.-D. 5.50, alles gar. naturrein freo Husterdellüre hol Diecmann Wes bevern 163 Westfalen. Für Kranke Naturbehandlung Montag u. Freitag 4—7 Uhr nachmittags. Frau Irma Riedel — bei Ophoff in Weltmar Franziskastraße 12. TechnikurnLemge Maschinenbau- Elsenhochben- Clekvotechaf Getriebstechnl Hochbas- Tiofbau- Citenbetondso- Arenrettue In 5 Tagen Ziehung der großen Hölner Dombau Geld-Lotterle 7168 Geldgewin e: 1300004 75000 390084 250004 10609 Alle Gewinne bar ohne Abzug zahlbar. 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Der Generaldirektor ist eine der ersten und angesohensten Persönlichkeiten unserer Stadt, dazu ehrgeizig und als ein Streber bekannt von jeher. Wie sollte er einem Manne ohne Rang und Titel seine Tochter zur Frau geben? Das wird nicht geschehen! Auslachen wird er dich, wie du vorhin ganz richtig sagtest! Es besteht gar keine Aussicht! Worauf willst du warten? Vielleicht auf den Tod dieses Mannes? Nun, wie ich ihn schätze, kann er noch vierzig Jahre leben, denn er ist ein Mann von robuster Gesundheit!“ Alfred stützte bei den Ausführungen der Schwester stöhnend den Kopf in beide Hände. „Weshalb sagst du mir das alles?“ stieß er heftig hervor.„Das weiß ich doch längst selbst! Ich kenne Wiebrecht besser als du! Wenn er durch die Räume der Bank geht und seine kalten, grauen Augen umherschweifen läßt, dann ducken sich unwillkürlich alle Köpfe tiefer auf die Arbeit. Man atmet erst auf, wenn er wieder draußen ist. Nichts entgeht seinem scharfen, musternden Blick, er tadelt immer, lobt nie!! Dafür wird er auch von keinem geliebt!“ „Und von diesem strengen, finsteren Mann erhoffst du eine Nachgiebigkeit?“ fragte Mathilde leise. „Nein!“ lautete die heftige Antwort. „Wie also denkst du dir die Zukunft,“ „Mein Gott, Mathilde, das weiß ich doch selbst nicht!“ stöhnte Alfred. „So bleibt eben keine andere Lösung, als daß du den Gedanken an eine Verbindung mit Luise Wiebrecht aufgibst!“ „Nein,— niemals!“ rief Albrecht außer sich. So aufgeregt hatte Mathilde den Bruder noch nie gesehen. „Soll ich mir um solcher Vorurteile willen mein ganzes Lebensglück zerbrechen lassen? Soll ich zusehen, wie mir das Mädchen von einem andern weggenommen wird? Bin ich deshalb weniger wert, weil ich kein Direktor oder sonst eine Persönlichkeit mit hohem Titel bin? Ist nicht der Karakter eines Menschen die Hauptsache? Was gelten Rang und Stand, wenn der Mensch nicht ehrenhaft ist? Und dann mußt du bedenken, Lu liebt mich,— mich allein! Das habe ich oft genug in ihren Augen gelesen und sie hat es mir auch gesagt! Muß ihrem Vater nicht das Glück seines einzigen Kindes am Herzen liegen, auch wenn er ein harter, ehrgeiziger Mann ist? Und wenn wir beide fest bleiben, und Lu erklärt, keinen anderen als mich zu nehmen, was kann er schließlich machen? Wir sind beide jung,— Lu zählt erst achtzehn Jahre, ich vierundzwanzig,— wir werden eben warten!“— „Warten— worauf?“ beharrte die Schwester, „Willst du Goldgräber werden?“ „Vielleicht auch das, wenn es sein muß!“ trotzte Alfred.„Aber von Lu lassen werde ich nicht!“ Mathilde seufzte tief auf. „Sieh, Alfred,“ begann sie dann wieder,„du weißt, ich habe auch einen andern geliebt, und ich meinte, das Derz müßte mir brechen, als ich einsehen mußte, daß sich einer Verbindung mit dem Geliebten unüberwindliche Hindernisse in den Weg stellten. Herrgott, damals wollte ich nichts mehr vom Leben wissen, ich wollte sterben,— aber ich lebe noch und bin ganz zufrieden. Es ist ja keine himmelhochjauchzende Liebe, die ich für meinen Mann empfinde, aber wir achten und schätzen uns gegenseitig. Ich habe es noch keine Stunde bereut, daß ich meinem Fritz mein Jawort gab. So wird es auch bei dir einmal sein, ich hoffe fest darauf. Du glaubst gar nicht, was die Gewohnheit macht.“ Alfred antwortete nicht sogleich. Als er den Kopf hob und die Schwester ansah, erschrak sie vor dem trostlosen Ausdruck in den Augen des jungen Mannes, und sie erkannte, daß Alfred von einer wirklich großen Leidenschaft beherrscht war, einer andern, als man gewöhnlich mit„Liebe“ bezeichnet. Hier mußte mit anderem Maß gemessen werden. Diese Liebe saß zu tief, als daß sie sich so leicht aus dem Herzen reißen ließ. Was aber sollte aus alledem werden, „Möchtest du nicht eine Reise machen?“ begann sie wieder.„Das Geld dazu würde ich dir geben; mein Mann verdient viel und ich bin gewiß, er schlägt mir die Bitte nicht ab, wenn ich ihm sage, um was es sich handelt. Urlaub bekommst du ja ohnedies jetzt bald, und vielleicht bringt dich ein Aufenthalt in der Fremde auf andere Gedanken.“ Alfred lächele wehmütig. Doch streckte er der Schwester die Hand hin, indem er leise sagte: „Ich weiß, du meinst es gut mit mir, Mathilde, Aber wie wenig kennst du die Art meiner Leidenschaft, wenn du meinst, mit einer Reise würde sie sich überwinden lassen. Ich fühle, ich würde tief unglücklich werden, müßte ich jetzt fort von hier, denn gerade die Hoffnung auf eine zufällige Begegnung mit Lu ist es, die mich aufrecht erhält. Vorgestern, als ich, von der Bank kommend, meiner Wohnung zuschritt, wußte sie es einzurichten, daß wir uns begegneten. Freilich sahen wir uns nur eine Minute, denn zu leicht könnte es geschehen, daß irgendein Bekannter uns sieht, und — du kennst ja die Klatschmäuler dieser Stadt,— gleich wären wir verraten. Im Vorübergehen drückten wir uns die Hand, und Lu rannte mir zu: Am Samstag nachmittag 4 Uhr,— Stadtpark, am Schillerdenkmal! Nun stelle dir meinen Jubel vor! Um vier Uhr wollte sie kommen, ich sollte mit ihr reden dürfen, sie sehen,— du ahnst nicht, wie mich das über alle Sorgen und Qualen hinweghob! Kaum wußte ich, wie ich den Tag und den folgenden verbringen sollte. Die Bank wird am Samstag um 2 Uhr geschlossen, und sogleich wandte ich mich dem Stadtpark zu. Ich konnte die Zeit nicht erwarten! Mir klopfte das Herz, als es vier Uhr schlug! Gleich würde sie mit ihrem leichten, schwebenden Schritt daherkommen. Geduldig wartete ich,— allein vergebens— sie kam nicht! Neue Qualen, neue Zweifel bemächtigten sich meiner!“ Wieder stützte er den Kopf in die Hand und blickte traurig auf die Schwester, die bei seiner Erzählung mißbilligend den Kopf schüttelte. „Alfred!“ mahnte sie dann, als er schwieg,„du darfst den Ruf der jungen Dame nicht leichtsinnig aufs Spiel setzen! Diese geheimen Zusammenkünfte sind doch wirklich nichts für euch beide. Bedenke, wenn nur ein einziger Bekannter euch beobachtete! Luise Wiebrecht ist ein unerfahrenes Kind, aber du bist doch wirklich alt genug, meine Warnung zu begreifen.“ „Beruhige dich nur,“ lachte er bitter auf,„es war das erstemal, daß wir uns heimlich treffen wollten, und du hörst ja, es ist mißglückt! Wer weiß, was da mitgespielt hat. Vielleicht hat Lu sich anders besonnen, vielleicht sieht sie ein, daß unsere Wege sich trennen müssen,— was weiß ich! Mir zu schreiben, wagt sie auch nicht, weil sie fürchtet, es könnte meiner Hauswirtin oder deren Tochter auffallen. Von der letzteren sollte es mich nicht wundern, denn sie ist ein naseweises, zudringliches Ding. Ich trage mich dieser Tochter wegen auch mit dem Gedanken, mir eine andere Wohnung zu suchen, obwohl mir die beiden Zimmer sehr gut gefallen und ich schwerlich etwas besseres finden werde. Frau Wandsbeck, meine Wirtin, tut ja auch alles, mir den Aufenthalt angenehm zu machen, sie ist eine freundliche, ruhige Frau, die wie eine Mutter für mich sorgt. Aber diese Olly, ihre Tochter, ist mir manchmal geradezu lästig. Sie läßt es so deutlich merken, daß sie— daß sie verliebt ist in mich!— Denke dir, neulich bringt sie mir wie gewöhnlich das Frühstück und ich bemerkte im Scherz, ihr dicker Haarknoten könne unmöglich echt sein,— sie besitzt ja eine solche. Fülle blauschwarzen Haares, die wirklich staunenswert ist.— Was denkst du, was geschieht? Sie zieht die Nadeln aus dem Haarknoten und steht vor mir mit dem aufgelösten Haar, das ihr über den Rücken flutet und die ganze Gestalt wie in einen Mantel einhüllt.„Nun, ist das echt oder nicht?“ ruft sie triumphierend, und wollte sich ausschütten vor Lachen über mein verblüfftes Gesicht. Ihre Mutter. die das laute Lachen bis in die Küche gehört hatie, öffnete behutsam die Türe, um zu sehen, was es gäbe. Sie schlug entsetzt die Hände über dem Kopf zusammen, als sie ihre Tochter in dieser Verfassung erblickte.„Aber Olly“, rief sie erschrocken, faßte das Mädchen am Arm und zog es aus der Stube. Olly warf mir noch einen Blick zu, aus dem deutlich zu entnehmen war, wie sehr sie die Dazwischenkunft ihrer Mutter bedauerte. So treibt sie es immer, und du kannst der wohl denten, daß man sich vor ihr in acht nehmen muß. Ich nahm ja früher auch mein Abendessen bei Frau Wandsheck ein, aber das habe ich Ollys wegen abgeschafft. Die zudringliche, kleine Person setzte sich ungeniert an meinen Tisch und war nicht wegzubringen. Ich ging deswegen viel öfter des Abends aus, obwohl ich manchmal gern zu Hause geblieben wäre; aber das Mädchen wurde mir zuweilen lästig! Solche Freiheiten mögen bei ihren Kolleginnen und Kollegen erlaubt sein.— Du weißt ja, sie singt im Theater im Chor mit,— ich mag das nicht leiden.“ Mathilde nickte dem Bruder lächelnd zu, „Ich weiß, Fräulein Wandsbeck ist schon manchem meiner Bekannten aufgefallen, wenn sie auf der Bühne steht, sie ist unter den Choristinnen entschieden eine der hübschesten.“ „Ja, die Männer müssen sie wohl hübsch finden, denn sie weiß fast jeden Tag von einer neuen Eroberung zu berichten. Wahrscheinlich erzählt sie mir das, um sich interessant zu machen. Und ihre Mutter verwöhnt sie in einer Weise, daß man manchmal dreinfahren möchte. Immer Olly hin und Olly her, förmlich wie ihren Abgott behandelt sie das Mädchen. Den letzten Pfennig gibt sie her, wenn es gilt, Olly einen Wunsch zu erfüllen.“ „Nun. Alfred,“ sagte Mathilde leichthin,„wie wäre denn das mit Olly? Könnte sie dir nicht mit der Zeit etwas werden?“ Er hielt sich die Ohren zu. „Ich bitte, nichts mehr davon, ich kann das nicht hören! Ein solches Mädchen wird kaum eine richtige Hausfrau. Sie tändelt den ganzen Tag herum, etwas Ordentliches vollbringt sie nicht. Die Mutter arbeitet von früh bis spät, um nur das Prinzeßchen recht herausputzen zu können. Grobe Arbeit darf Olly nicht verrichten, damit sie ihre schönen Hände nicht verdirbt. Frau Wandsbeck ist die Witwe eines kleinen Beamten und bezieht eine völlig unzureichende Pension. Deshalb arbeitet sie noch nebenbei für ein Geschäft, und alles Geld, was sie erübrigen kann, hängt sie an die vergötterte Tochter. Frau Wandsbeck spricht zuweilen davon, daß Olly schon viele Heiratsanträge bekommen hätte, aber das arme Kind sei eben verliebt in einen, und wenn sie den nicht bekommen könne, dann bliebe sie lieber ledig. Das geht natürlich auf mich, aber mich rührt es nicht! Denn wenn Fräulein Olly einen sieht, der ihr besser gefällt, dann nimmt sie ihn ohne Bedenken, davon bin ich überzeugt. Sie schwärmt auch immer davon, einmal eine große Sängerin werden zu wollen, aber zur weiteren Ausbildung reichen die Mittel nicht. Auch ist die Stimme zu klein. Sie genügt gerade für den Chor. Doch darum kümmere ich mich nicht, ich werde mir, wie gesagt, eine andere Wohnung suchen, aber dann bei einer Witwe ohne Tochter. Höre mal gelegentlich bei deinen Bekannten herum, Mathilde.“ Diese nickte:„Das will ich gern, aber du mußt doch einen Grund angeben, wenn du ausziehen willst.“ „Der ist leicht gefunden.“ „Du wohnst doch schon lange bei Frau Wandsbeck und es wird sie kränken, wenn du ausziehst.“ Alfred zuckte die Achseln. „Ich kann ihr nicht helfen.“ Noch lange saßen die Geschwister beisammen, und als Alfred endlich aufbrach, stand der Mond voll und klar am Himmel. Der junge Mann schlug dan Weg nach der Vorstadt ein, wo ganz im Grünen versteckt, die Villa des Generaldirektors Wiebrecht lag. Es war ein schönes, stattliches Gebäude. Weiß schimmerte es zwischen den Bäumen des Parkes hervor. Aber dunkel und still lag es da in dem großen, herrlichen Garten, der sich weithin erstreckte und viele alte prächtige Bäume aufwies, die auch bereits das Laub abgeworfen hatten. Nur verschiedene Blautannen und Fichten, die das Haus wie Wächter umstanden, trugen unverändert ihr gewöhnliches Aussehen. Aus keinem der vielen eFnster schimmerte Licht, das eiserne Gitter, das die Villa nach der Straße zu abschloß, war bereits versperrt. Da wandte sich Alfred seufzend ab und ging nach Hause. 9. Es war an demselben Tag gegen Abend, als Fräulein Olly Wandsbeck von einem kleinen Bummel, den sie mit einigen Kolleginnen durch die Stadt gemacht hatte, heimkehrte. Der eben einsetzende Regen trieb sie früher nach Hause wie gewöhnlich; denn wenn sie im Theater nicht beschäftigt war, pflegte sie viel später zurückzukommen. Frau Wandsbeck empfing die Tochter mit einer Flut zärtlicher Worte: „Na. Ollychen, du kommst ja heute sehr früh, hast du dich schlecht unterhalten, mein Kind?“ „Siehst du denn nicht, daß es regnet?“ entgegnete Olly mürrisch.„Kann man denn in solchem Wetter spazieren gehen? Nicht mal die kleinste Freude hat man,“ maulte sie geärgert und mißmutig.„Was soll ich nun wieder den ganzen langen Abend anfangen?“ „Du hast doch Bücher genug, mein Liebling, lies etwas oder singe ein wenig,“ riet die Mutter gutmütig. „Das ist mir alles zu langweilig, ich mag es nicht! Weißt du, was ich jetzt möchte?“ „Nun, mein Kind?“ „Daß Herr Wendland käme und mich zu einem feinen Abendessen einläde mit Sekt und so———“ Sie schnalzte mit der Zunge und drehte sich aufgeregt im Kreise herum. „Herrgott, hab ich den Menschen gern, Mutter, und er will immer nichts merken! Was fange ich nur an, um ihm zu gefallen? Den Kopf hab ich mir schon zerbrochen deswegen! Er muß doch längst wissen, daß sagen! Warum beißt er nicht an? Nicht einmal ins Theater geht er, wenn ich zu tun habe! Wke froh wären meine Kollegen, wenn ich nur halb so lieb zu ihnen wäre, wie zu diesem Klotz, der immer nicht begreifen will, daß ich seine Frau werden möchte!“ „Ach, Kindchen,“ seufzte Frau Wandsbeck bekümmert,„ich glaube, um den bemühst du dich vergebens; denn wenn er wollte, hätte er längst zugegriffen. Du mußt ihn dir aus dem Kopf schlagen.“ „Fällt mir gar nicht ein,“ trotzte Olly und warf den Kopf zurück.„Der muß noch betteln um meine Liebe,— so klein wird er noch, du wirst schon sehen!“ Sie machte eine bezeichnende Handbewegung. Die Mutter lächelte ungläubig. „Mich solls ja freuen, wenn sich dein Herzenswunsch erfüllte, aber ich kann mir nicht denken, wie du es anfangen willst!“ „Das laß nur meine Sorge sein, Mutter! Die Männer kann man alle um den kleinen Finger wickeln, wenn man klug und hübsch ist!— Gott, wie viele hätte ich schon haben können, wenn ich gewollt hätte!!“ prahlte sie und verzog spöttisch den Mund;„denn hübsch bin ich doch, nicht wahr, Mutter?“ „Hübsch?“ sagte diese und lächelte stolz.„Du bist eine Schönheit, mein Töchterchen— das weiß die Stadt!“ „Weiß es die Stadt!“ jubelte Olly und faßte die rundliche alte Frau um die Hüften, um sie ein paarmal im Kreise herumzudrehen, bis sie ganz außer Atem auf den nächsten Stuhl sank. „Du wildes Kind!“ schalt die zärtlich.„Aber jetzt muß ich wieder an meine Arbeit, ich hal viel zu tun!“ Olly gähnte herzhaft. „Was soll ich nun anfangen,“ klagte sie.„Wann essen wir denn zu Abend?“ „Gleich, mein Kind! Ich habe Wurstbrot und Tee!" „Ach, das ewige Wurstbrot! Wenn ich einmal verheiratet bin, dann singe ich natürlich nicht mehr im Chor mit. Dann muß mich mein Mann abends in ein feines Gasthaus führen, wo man gut ißt und trinkt— und wo es lustig hergeht.— wo Konzert ist und viel Leben! Und nachher gehen wir ins Kaffee — ah,— das soll ein Leben werden!“ „Glaubst du, Kind, daß ich dann manchmal auch mitgehen kann?“ „Aber natürlich, Mutter, dich nehmen wir selbstverständlich mit, das mach ich schon aus!“ „Gutes Kind!“ sagte die Mutter gerührt. Dann fuhr sie erschrocken herum. Draußen hatte es geklingelt. „Wer kann das sein?“ fragte sie.„Wer kommt denn jetzt noch zu uns?“ „Das ist vielleicht Herr Wendtland, der seinen Hausschlüssel vergessen hat,“ rief Olly vergnügt und eilte hinaus, um zu öffnen. Die Mutter folgte gespannt. Draußen stand ein sauber und nett gekleidetes Dienstmädchen in weißem Häubchen und weißem Zierschürzchen, einen Brief in der Hand haltend. „Bitte, wohnt hier Herr Alfred Wendtland?“ fragte das Mädchen, Olly scharf musternd vom Kopf bis zu Fuß. „Gewiß,“ lautete die rasche Antwort. „Ist er zu Hause?“ „Nein!“ „Nicht?“ Das klang sehr enttäuscht. „Bitte, was wünschen Sie denn von ihm?“ Olly war aufmerksam geworden, denn sie witterte sofort eine Nebenbuhlerin. Ihre schwarzen Augen funkelten wie die einer Katze, wenn sie die Maus erspäht „Ich? Ach, ich sollte einen Auftrag ausrichten, aber wenn Herr Wendtland nicht zu Hause ist, hat es weiter keinen Zweck. Dann will ich wieder gehen.“ Das Mädchen wandte sich und wollte sich enternen. Olly fühlte ein heftiges Herzklopfen. Um keinen Preis wollte sie sich die Gelegenheit entgehen lassen, zu erfahren, was hinter dem ängstlichen Gebaren des Mädchens steckte. Mit katzenartiger Freundlichkeit legte sie diesem die Hand auf den Arm und sagte schmeichelnd: „Aber bitte, ich werde sehr gern ausrichten, was Sie Herrn Wendtland zu sagen haben. Der Herr ist bei uns wie zu Hause, nicht wahr, Mutter,“ wandte sie sich an diese, die neugierig dabei stand. „Herr Wendtland wohnt schon so lange bei uns,“ versicherte die alte Frau mit treuherziger Miene, „er ist mir wie ein Sohn, so lieb. Sie dürfen ruhig sagen, was Sie ihm mitzuteilen haben. Ich und meine Olly sind keine Klatschbasen, Fräulein. Nun und ein schweres Geheimnis wird es ja wohl auch nicht sein.“ Die beiden blickten lauernd auf das noch immer zaudernde Mädchen, das offenbar nicht wußte, was es tun sollte und unschlüssig den Brief hin= und mandte. „Ist der Brief für Herrn Wendtland bestimmt?“ fragte Olly ruhig, während sie Mühe hatte, ihre Erregung zu meistern. „Ja freilich— aber mir ist befohlen worden, den Brief wieder mitzunehmen, wenn der Herr nicht zu Hause nt. Ich darf ihn nur an Herrn Wendtland selbst abgeben.“ Durch das Gebaren des Mädchens wurde Olly immer neugieriger. dauert keine 10 Minuten mehr, bis er kommt,“ versicherte sie.„Er ist sehr pünktlich. Wir legen den Brief auf seinen Tisch, dann bat er ihn gleich.“ Das Mädchen zögerte immer noch. „Mein Auftrag lautet eben anders.“ „Aber weshalb sollen Sie sich die Mühe machen und nochmals herlaufen? Herr Wendtland erhält den Brief unversehrt, Sie können ganz beruhigt sein.“ Schweigend reichte das Mädchen den Brief hin und entfernte sich mit kurzem Gruß. Olly flog ins Zimmer zurück. Erregt drehte sie den Brief zwischen den Händen hin und her, nachdem sie die Aufschrift gelesen. „Nanu,— was ist denn das? Eine Damenhandschrift?? Sieh nur, Mutter, was für zierliche Schriftzüge! Und der feine Duft, der dem Papier entströmt! Also von einer vornehmen Dame, wie es scheint.— Hm, der dicke Umschlag ist undurchsichtig, was ist denn da zu machen?“ „Kind, Liebling, lege den Brief auf den Tisch des Herrn Wendtland,“ bat die Mutter dringlich. „Fallt mir nicht ein!“ lachte Olly aufgeregt.„Ich muß wissen, was darin steht, koste es, was es wolle, und wenn es ein Liebesbrief ist,— dann— dann—“ Sie vollendele nicht, aber ihre schwarzen Augen funkelten lebhaft, während sie das Schreiben von allen Seiten betrachtete. „Gesiegelt ist der Brief auch,“ murmelte sie zwischen den Zähnen,„ach was!“ Und mit jähem Ruck riß sie den Umschlag auf.— „Mein Gott, Kind, was tust du?“ rief die Mutter ehrlich erschrocken. Olly lachte:„Mach dir keine Sorgen, Mutter, laß das mich nur allein verantworten! Wir haben einfach keinen Brief gesehen, verstehst du?— Das Mädchen lieferte keinen ab, damit basta! Wir sind zwei gegen eine! Wir bleiben beide auf dieser Aussage!" Unterdessen hatte sie rasch das Briefblatt entfaltet und sie durchflog mit blitzenden Augen die wenigen Zeilen: „Mein liebster Fredy! Sei nicht böse, daß ich Dich heute vergebens warten Ich konnte unmöglich fortkommen, mein Vater wünschte diesen Nachmittag meine Gegenwart, weil wir Besuch bekamen. Ich muß Dich sprechen— muß! Deswegen werde ich morgen— Sonntag— in die Kirche gehen und bin um halb zehn Uhr am Schillerdenkmal im Stadtpark. Ich schicke Dir diesen Brief durch meine treue Sofie. Sie ist zuverlässig und verschwiegen. Also auf Wiedersehen! Ich habe dir viel zu sagen und bleibe in treuer Liebe Deine Lu.“ Wütend ballte Olly den Brief zusammen und schleuderte ihn mitten ins Zimmer hinein. Ein häßliches Lachen entstellte ihr Gesicht, die Hände stützten sich schwer auf die Tischplatte und die Augen funkelten unheimlich aus dem erblaßten Gesicht. Die Mutter legte beruhigend die Hand auf ihren Arm, aber unwillig entzog sie sich mit heftiger Bewegung der Berührung. „Da seht nur den Duckmäuser an!“ schrie sie dann überlaut.„Geht herum mit einer Unschuldsmiene und hat dabei eine Geliebte!— schlecht sind die Männer— so schlecht!“— Sie brach in heftiges Weinen aus. Doch bald versiegten die Tränen. Sie ballte die Hände zu Fäusten und schüttelte sie, als könnte sie den Gegenstand ihrer Wut erblicken. „Wer mag nur diese Lu sein, Mutter? Öffenbar eine vornehme Dame, denn eine gewöhnliche hat nicht solches Dienstmädchen.“ Die Gefragte blickte ratlos auf ihre zornige Tochter und wußte nichts zu sagen als nur immer:„Kind— Kind— was machen wir mit dem Brief?“ „Ach was, das ist jetzt doch Nebensache," lautete die ungeduldige Erwiderung.„Vor allem muß ich wissen, wer diese„Lu“ ist! Aber das bekomme ich schon heraus! Warte, mein Bürschchen! Eine Olly Wandsbeck läßt sich nicht mir nichts dir nichts beiseite schieben! Zu dem Stelldichein gehst du morgen nicht, aber ich werde statt deiner hingehen! Diese Lu will ich mir genau ansehen! Und dann werde ich schon finden, was weiter zu tun ist! Jetzt gilt es, schlau zu sein!“ Sie hatte rasch ihre gute Laune wieder gefunden, sie lachte laut auf und fing sogar zu singen an: Man hat schon in den frühsten Tagen Durch List und Schlauheit viel erreicht, Wenn auch die Leute immer sagen, Den Dummen sei das Glück geneigt! Die Dummheit trägt doch selten Zinsen—. Sonst leistete ja Esan nicht Für eine Schüssel dicker Linsen Auf seine Erstgeburt Verzicht!“—— Dann holte sie lachend den fortgeworfenen Brief wieder herbei, las ihn nochmals aufmerksam durch und zerriß ihn in lauter winzige Stückchen, die sie in den Ofen warf. „Kind, das kann dir teuer zu stehen kommen," murmelte die Mutter ängstlich. Aber Olly schien ihre Worte nicht zu hören. In der folgenden Nacht schlief Olly fast gar nicht. Tausend Pläne entwarf sie, aber bei näheren Bedenken hielt keiner stand. Unruhig warf sie sich hin und her. (Fortsetzung folgt.) Aus der Nachbarschaft. Querenburg. sch. Der neue Fürsorgearzt. Die gesamten G schafte des Fürsorgearztes der Gemeinde Oueren bura hat nach dem Ableben des Sanitätsrats Severin der Dr. med. Sunkel aus Laer übernom men. Die nächste Säuglingsfürsorgestunde finde Donnerslag, dem 12. d. M., nachmittags von 3 Ul ab im Sitzungszimmer der Gemeindeverwaltung stat sch. Zahltermin. In dem Zahltermin am Dont ta. bei der Gemeindeverwaltung gelangen die renten der Kriegshinterbliebenen sowie die Sozia und Kleinrentner=Unterstützungen zur Auszahlung. Gerthe. Theaterabend. Ein besonderer künstlerischer Ge nuß bietet sich den Bewohnern Gerthes und der nahe ren Umgebung am Mittwoch, dem 18. Januar. Im großen Saalbau Borgmann gelangt das Weihnachts schauspiel„Mein Lied dem Konig“ zur Auf führung. Der kath. Jungfrauenverein hat mit de Wahl dieses Schauspieles weit über den Durchschnitt dessen hinausgegriffen, was wir auf der Vereins bühne zu sehen gewohnt sind. Der gewaltige Widerstreit der jüdischen Messiashoffnungen, die Sehnsucht nach dem Befreier aus Sündenelend einerseits und die Hoffnung auf den politischen Befreier und gründer des jüdischen Weltreiches andererseits bilde den Hintergrund des Stückes. In feiner dramatische Gestaltung hat P. Paul Humpert diesen Zwiespalt un seine Lösung in seinem Schauspiele verarbeitet Naturgemäß mußte dieser Streit im Kreise der Tem peljungfrauen, denen es oblag, dem Koniae Zuda das Einzugslied zu singen und den kultischen Tan zu tanzen, zu seiner höchsten Schärfe entbrennen Während Racha und ihre Freundinnen dem erwarteten Messiaskönig ein rauschendes Siegeslied singen wollen bereitet Sulamith, die Reigenführerin, ein schlichtes von reiner, demütiger Gottesliebe durchhauchtes Hir tenlied vor. Es gelingt Racha und ihren Freundin nen, Rachel, die Meisterin der Tempeljungfrauen für sich zu gewinnen. Die Tempeljungfrauen weigern sich Sulamiths Lied zu singen. Diese gewinnt die Kinder und Sklavinnen für sich. Deren Herrin dringt erbost über die Messiassehnsucht ihrer Dienerinnen, in den Tempel ein und macht dort einen erregten Auf tritt. Sulamith wird für die Entweihung des Gotteshauses verantwortlich gemacht, aus Chor und Reigen verstoßen und verbannt. Das Wort der Prophetin Anna weist sie nach Bethlehem. Sie will dort hin, um dem Messias ihr Lied zu singen. Dort wird sie Zeugin der der Verkündigung der Engel, ruft die Sklavinnen und Kinder zusammen und singt an de Krippe ihr Lied. Auch Racha und ihre Freundinnen haben von der Ankunft des Messias gehört. Sie eilen nach Betblehem. Als sie aber dort die Armut schauen, wenden sie sich voll Stolz ab. Sie wollen das Kind nicht als Messias anerkennen. Doch nach Sulamiths Lied sinken sie in reuevoller Erkenntnis an der Krippe nieder, und der Schlußchor,„Ehre sei Gott in der Höhe und Friede den Menschen auf Erden, die eines guten Willens sind!“ beschließt würdig das Spiel. — Neben der gut gelösten dramatischen Handlung verleihen die prächtigen Chöre und Reigen dem Spiele besonderen Wert. Die Rollen sind in guten Händen. Keine Mühen und Kosten sind gescheut, einmal etwas Ganzes zu bringen. Zirka 56 Rollen waren zu be setzen und der noch junge, aber unter der unermüdlichen Leitung der Musiklehrerin, Fräulein Goebel, Gerthe, gut geschulte Chor des Jungfrauenvereins bringt die Chöre mit feinem Verständnis zu Gehör. Kurzum, wenn nicht alles trügt, wird die Aufführung ein voller Erfolg. Um jedem die Möglichkeit zu geben, an derselben teilzunehmen, ist der Preis trotz der hohen Unkosten so niedrig, wie möglich gestellt. Die Plätze sind numeriert. Es versäume daher niemand sich rechtzeitig einen guten Platz zu sichern. Da die Aufführung nur einmal stattfindet, werden die Kar ten bald vergriffen sein. Sie sind zu haben bei den Mitgliedern des Vereins und an der Kasse. Es wird noch darauf aufmerksam gemacht, daß die Vorstellung Punkt 8 Uhr begint. Kassenöffnung eine halbe Stunde vorher. f. Der Probealarm für die Freiwillige Feuerwehr Gerthe bzw. die Prüfung der Wirksamkeit der Sirene findet nicht wie wir am Dienstag berichteten, Vonnerstag, sondern Freitag von 20 bis 20.30 Uhr statt. Langendreer. Das Aushängen von Plakaten. Eine neue Polizei verordnung der Polizeibehörde Langendreer verbietet das Anbringen von Plakaten an andern Stellen als an den öffentlichen Anschlagsäulen. Motorradunfall. Gestern vormittag gegen 10 Uhr überfuhr ein Motorradfahrer, der von der Kaiserstraße in die Wörthstraße einbiegen wollte, die fast 77jährige Frau Bingert von hier. Die alte Frau, der sofort ärztliche Hilfe zuteil wurde, trug durch das Aufschlagen auf das Straßenpflaster eine klaffende Stirnwunde und eine leichte Gehirnerschütterung davon. Kl. Hauptversammlung des vereinigten Kriegerund Landwehrvereins. Unter zahlreicher Beteiligung fand am Sonntag im Vereinslokal Grollmann die ordentliche Hauptversammlung statt. 1. Schriftführer Ortmann erstattele den Jahresbericht und stellte die Stärke des=Bataillons auf 1149 Mann fest. Der Kassenbericht des Herrn Fricke wies eine Einnahme von 8070,— Mark und eine Ausgabe von 6998.— Mark auf; mithin ein Bestand von 1071.— Mark nach. Es waren im Jahre 1927 30 Sterbefälle zu verzeichnen. An Sterbebeihilfen wurden etwa 8000,— Mark gegahlt und außerdem an Unterstützungen 1260,— Mark. Der Vorstand wurde einstimmig wiedergewählt, evenso die Vertreter beim Kreiskriegerverband Bochumkreuz 2. Klasse, 8 Kameraden für 40jährige Mitgliedschaft mit dem Hindenburgbild und 28 Kameraden für 25jährige Mitgliedschaft mit dem Jubiläumsabzeichen ausgezeichnet. Zum Schluß der Versammlung fand eine Lichtbildervorführung statt, umrahmt von Gesangsdarbietungen des Beamten=Gesangvereins der Zeche Mansfeld.. l. Verein ehemaliger Jäger und Schützen, e. V. Im Vereinslokal Zentralhotel P. Mies, Langendreer, hielt der Verein seine Generalversammlung. Der 2. Vorsitzende, Hebeler, erstattete den Geschäftsbericht. Hiernach hat sich die Mitgliederzahl um ein Drittel gesleigert. Von Bedeutung ist auch die Tatsache, n der Verein die Rechtsfähigkeit erlangt, d. h., die Eintragung in das Vereinsregister erwirkt hat. Es wurde ein neuer Vorstand gewählt, der sich wie folat zu sammensetzt: 1. Vors. Döhlemeier. 2. Vors. Hebeler, 1. Schriftf. Arnold, 2. Schriftf. Willaut, 1. Kass. Strierecht rege. Auch in selbstmörderischer Absicht ist die wisch.2. Kass. Reese, Beis. Kläsker. Zum Ehrenmitalied wurde der frühere 1. Vorsitzende, Mies, ernannt. Beschlossen wurde die Bildung einer Jugendgruppe. Fur den Monat März ist die Veranstaltung eines grünen Abends geplant. Somborn weiterhin für die Milielstadt. Somborn. Die Gemeindevertretung Somborn befaßte sich in ihrer Sitzung am Dienstag noch einmal mit der Eingemeindungsfrage und kam einstimmig zu folgendem Vertretung beschließt, an ihrem 7. Arf. 1927 voll und ganz festzuhalten und kann sich im übrigen nicht für eine Zusammenlegung der Kreise Nochum und Hattingen aussprechen. Der weschluß vom 7. April lautet: Die Gemeinde Somborn will nach Möglichkeit selbständig bleiben, wenn dieses sich nicht durchführen laßt, will sie nicht eine mit Stockum und Düren bilden, sondern mit Lan gendreer. r. Kein Polizeiamts=Neubau! chen erschienenen Meldung, in t dem Neubau eines Polizeiamt kann nach Erkundigung bei der Wanne=Eickel. Zu der in GelsenWanne habe man bändes begonPressestelle des lizeiprasidiums Bochum mitgeteilt werden, daß dies nicht zutrifft, vielmehr ist der Neubau des Polizeiamtes in Herne gemeint, dem bekanntlich der Wanne=Eickeler Bezirk angegliedert ist. r. Aus dem kath. Vereinsleben. Der St. JosephsKnappenverein Eickel unter Vorsitz von Vikar Gogolin beging Sonntaa seine Weihnachtsfeier, ebenso der kath, Mütterverein St. Laurentins am Dreikönigstage unter Präses Dechant Funcke. Am gleichen Tage feierte der kath. Arbeiterverein WanneWest bei Gerdesmann, hier hielt die Festansprache Stadtverordneter Kaufmann. Im Kolpinghause fand sich der kath. Gesellenverein Wanne zusammen, den in Behinderung von Vikar Padberg. Vizepräses Rektor Klus leitete. Sämtliche Veranstaltungen atmeten den Geist echt christlicher Nächstenliebe. r. Der kath. kaufm. Verein„Merkuria“ hielt im Kolpinghaus seine Jahreshauptversammlung ab. Die Vorstandswahl ergab: 1. Vorsitzender Bresser, 2. Vorsitzender Gewehr. Auf den am 22. 1. in Recklinghausen stattfindenden Gantag wurde besonders hingewiesen. r. Der Cäcilienchor an St. Barbara kam bei Henkel zur Generalversammlung zusammen. Auch der geistliche Beirat, Pfarrer Patrzeck, war erschienen. Heute sind 55 aktive Sänger vorhanden. Neben dem lirchlichen Gesang will man, wie bisher schon, auch weiter Volkslied und Geselligkeit pflegen. Der gesamte Vorstand wurde einstimmig wiedergewählt. N. Der St. Josephs=Knappenverein, Marienpfarre veranstaltete am Sonntag im großen, schön mit Girlanden und Tannengrün dekorierten Saale seine Der Vikar Nreifner, wünschte in seiner Begrüßungsansprache noch nachträglich allen Anwesenden frohe und gesegnete Weihnachten sowie ein segenbringendes Neujahr. Die Weihnachtsfeier sei so recht ein deutsches Familienfest und solle in allen Katholiten die Erinnerung wachrufen an die Geburt unseres Erlösers in dem armseligen Stalle zu Betblehem. Mit Klavierbegleitung wurden nun die alten, volkstümlichen Weihnachtslieder gesungen bis sich der Vorhang der Bühne öffnete und ein sinnreiches Weihnachtsstück über die Bühne ging. Um auch den Humor zu keinem Rechte kommen zu lassen, wurde noch das militärische Lustspiel„Der Leutnant kömmt“ zur Aufführung gebracht. Den Schluß dieser recht schönen Veranstaltung bildete die Kinderbescherung. Der Knappenverein hatte auf die Weihnachtsfeier grosse Kosten und Mühe verwendet, und man konnte schon an den frohen Gesichtern von jung und alt die Fest stellung machen, daß der Verlauf der Feier alle be friedigte.— Am kommenden Sonntag ist Generalver sammlung mit Rechnungslegung und Vorstandswahl, worauf schon heute hingewiesen wird. r. Ein hereingefallener Reisender. Ein Reisende schwätzte einer Familie einen Staubsauger zu 165,— Mark auf, den diese aber absolut nicht haben wollte. Auf die Erklärung, man habe kein Geld, zog der Rei sende mit der Bemerkung von dannen:„Ich brauch kein Geld“ und ließ den Staubapparat dort. Nun kam nach kurzer Zeit ein Bote zum Inkasso der ersten Rate. Man lehnte ab und verwies auf die unter Zeugen gemachte Bemerkung des Reisevertreters: Er brauche kein Geld für das Ding.— Nach langem Feil schen, die Familie beharrte hartnäckig auf ihrem Standpunkt, und das mit Recht, einigte man sich zu Zahlung von 50,— Mark. Den Rest von 115.— Mark darf der Reisevertreter in den Schornstein schreiben Herne. Tödlicher Sturz aus dem Fenster. In der Früh stunde des gestrigen Tages stürzte sich eine Insassin eines Hospitals us dem oberen Stockwerk. Sie fand Der Gemeindeausschuß in Herne. Die Frage Herne=Sodingen und die Abgrenzung nach Castrop=Rauxel. Die Auseinandersetzungen über das Schicksal von Hörde. m. Das Programm des zweiten Tages der Besichtigungsreise des Gemeindeausschusses des Landtags brachte eine Fahrt über Castrop Rauxel in das Gebiet von Herne und Sodingen. Gegen 10 Uhr fand im Herner Rathaus eine Aussprache der Interessenten der Frage Herne=Sodingen und der Frage der Abgrenzung der um Sodingen erweiterten Stadt Herne gegen CastropRauxel statt. Der Vorsitzende des Ausschusses, Prof. Dr. Hoffmann, eröffnete die Aussprache. Der Bürgermeister des Amtes Sodingen, Wiedhoff, forderte die Vereinigung des gesamten Amtes Sodingen mit Herne und bat die Landtagsmitglieder nachdrücklich, die Gesetzesvorlage möglichst bis zum 1. April zu verabschieden, damit die, jede großzügige kommunale Arbeit hemmende Beunruhigung der Einwohnerschaft endlich beseitigt werde. Der Bürgermeister von CastropRauxel, Dr. Mende, gab zu, daß enge wirt schaftliche und kulturelle Zusammenhänge zwischen dem größten Teil von Sodingen und Herne be stehen, dagegen bestritt er die in der Regierungsvorlage enthaltene Begründung der Zuteilung des Gebietes der Zeche Teutoburgia zu Herne. Seit der Bildung der Vereinigten Stahlwerke bilde das Gebiet der Zeche Teutoburgia mit dem der Zeche Erin eine wirtschaftliche Einheit, die durch die in der Gesetzesvorlage vorgesehene Eingemeindung des Gebiets der Zeche Teutoburgia zu Herne zerrissen werde. Im übrigen stehe die in dem Gesetzentwurf vorgesehene Regelung im Gegensatz zu den bekannten allgemeinen Richtlinien der Staatsregierung für die Lösung kommunaler Umgliederungsfragen, nach denen wirtschaftliche Interessengebiete zusammengeschlossen werden sollen. Diesen Grundsatz habe der vorstehende Gesetzentwurf nicht berücksichtigt. Er bitte die Landtagsmitglieder bei hrer Entscheidung die wirtschaftliche Einheit Teutoburgia=Erin und die kulturellen Belange, die das strittige Gebiet mit Castrop=Rauxel verbinde, zu berücksichtigen. Der Vertreter des Ruhrsiedlungsverbandes teilte bei der Richtigstellung von Angaben des Bürgermeisters Dr. Mende über die frühere Haltung des Siedlungsverbandes zu der Frage Teutoburgia mit, daß Herne unbedingt Siedlungsland brauche. Die Wohnungsdichte in Herne sei 37, in Castrop=Rauxel 12 und in Sodingen 19. Diese Ziffern erhellen die Notwendigkeit der Zuteilung der Kolonie Tentoburgia nach Herne. In dem orliegenden Falle seien die wirtschaftlichen Interessen gegenüber dem bier vorliegenden Siedlungsbedürfnis seiner Auffassung nach nicht von ausschlaggebender Bedeutung. Oberbürgermeister Täger, Herne, verwies uf den Landtagsbeschluß vom Februar 1926, nach em die Zuteilung des Amtes Sodingen unter geingfünigen Grenzberichtigungen gegen CastropRaurel vorgesehen war. Auf Grund einer Verandlung im März 1926, die im Amtshause Soingen unter Teilnahme von Ministerialdirektor on Leyden stattfand, wurde eine Vereinbarung wegen der Abgrenzung nach Castrop=Raurel erielt. Damals ist kein Einspruch des anwesenden ertreters von Castrop erfolgt. Seit anderthalb Jahren besteht ein Eingemeindungsvertrag mit Sodingen. Mit dem Ruhrsiedlungsverband wurde n besonderer Vertrag abgeschlossen, nach dem der iedlungsverband das Recht hat zu klagen, wenn ie Zusicherung der Wahrung der Sodinger Interessen, die in dem Eingemeindungsvertrag seitens der Stadt Herne gegeben wurde, nicht inne gehalten wird. Die Störungen der Herner Eingemeindungspolitik setzten erst ein, als die Vereinigte Stahlwerke A.=G. die Zechen Teutoburgia und Erin vereinigte. Plötzlich tauchte das Schlagwort von der wirtschaftlichen Einbeit und der wirtschaftchen Notwendigkeit auf. Nach seiner Auffassung ege gar keine Notwendigkeit vor, das Gebiet der Reche Teutoburgia nach Castrop einzuverleiben. Auch Oberbürgermeister Täger bat am Schluß seiner Ausführungen um baldige Verabschiedung der Gesetzesvorlage. Er bemerkte, daß wenn eine derrtiee Zerschneidung non Sodingen erfolgen sollte wie Castron es wünsche, dem Eingemeindungsvertrag mit Sodingen jede reale Unterlage entzogen sci. er Vertreter der Landwirtschaftskammer Münster empfahl Zuteilung des gesamten Amtes odingen nach Herne. Der Vertreter der Industrie= und Handelskammer Dortmund führte aus. daß durch die geplante Steigerung der Förderung der Zechen Teutoburaia und Erin von 2000 auf 00 und 1 nnen eine Vermehrung der Beleaschaft Umarunvierung der Teutohunzia=Bemehner otwendig sei.„Aus diesem Grunde empfehle er Zuteilung des Teutoburgia=Gebietes zu CastropRauxel. Der erste Syndikus der Industrie= und Handelskammer Bochum, Dr. Trainer, war der gegenteiligen Auffassung. Er bezeichnete die von Castrop geforderte Linienführung als unmöglich und befürwortete die Annahme der Regierungsvorlage. Der Vertreter der Handwerkskammer vertrat die gleiche Forderung. Gegen 12,30 Uhr war die Sitzung im Herner Stadtverordnetensitzungssaal beendet. Die Besichtigungsfahrt ging weiter über Gerthe, Kirchharpen, Langendreer, Witten, wo am Wasserturm Halt gemacht wurde und im Rathause eine Stärkung eingenommen wurde. Dann ging es über Annen nach der Hohensyvurg, wo das Mittagsmahl eingenommen wurde. Nach Rückfahrt nach Dortmund fand gegen 5 Uhr im Dortmunder Stadtverordnetensitzungssaal eine Anhörung der Beteiligten über die Vereinigung der Stadt Hörde mit Dortmund statt. In der mit Spannung erwarteten Aussprache führte Oberbürgermeister Freudenberg, Hörde, aus:„Nach meiner innersten Ueberzeugung muß die Vereinigung von Hörde und Dortmund jetzt unbedingt erfolgen, damit nicht Fehler, wie sie in mehreren Jahrzehnten, sowohl in der Stadt Hörde als auch in der Stadt Dortmund, sogar im ganzen rheinisch=westfälischen Industriegebiet gemacht worden sind, erneut gemacht werden. Auf alle Fälle dürfe eine gesunde Weiterentwicklung der Stadt Hörde durch Ablehnung bzw. Hinausschiebung der Eingemeindung nicht aufgehalten werden. Es gibt Kreise in Hörde, welche eine Ausdehnung in die Nachbargemeinden des Landkreises Hörde wünschen und die damit die Entwicklung der Stadt Hörde zu einer selbständigen Mittelstadt anstreben. Bei der Lage der Stadt Hörde gegenüber Dortmund muß ich einen solchen Gedanken als blödsinnig bezeichnen. Ich wende mich aufs schärfste gegen eigene Eingemeindung der Stadt Hörde und Verbindung mit einzelnen Gemeinden des Landkreises Hörde. Wenn nicht früher schon so manches versäumt worden wäre, so brauchten nicht Staatsrat und Parlament sich jetzt mit dieser Angelegenheit zu befassen. Es erscheint mir im Interesse der Stadt Hörde, auch bald den Landkreis Hörde aufzulösen und zur Stadt Dortmund zu schlagen, weil im Dortmunder Bezirk große Aufgaben nur von den zu vereinigenden Gemeinden gemeinschaftlich gelöst werden können. Ich bitte die maßgebenden Instanzen, recht baldige Entscheidung zu treffen.“ Stadtverordnetenvorsteher Ritter, Hörde, führte aus, daß die Hörder Stadtverwaltung sich auf den entgegengesetzten Standpunkt des Oberbürgermeisters, der die Stadt Hörde als lebensunfähig bezeichnet hat, gestellt habe. Die Stadtverordnetenversammlung ist der Ansicht, daß Hörde durchaus lebensfähig ist. Allerdings seien in den letzten beiden Jahren infolge der Wirtschaftskrisen große Fehlbeträge entstanden. Dies sei lediglich durch eine außerordentliche Steigerung der Wohlfahrtslasten infolge der großen Arnettslongkeit bewirkt worden. Die Hörder Industrie floriere jetzt wieder gut. Die Lage bessere sich, so daß in Zukunft bei rationeller Finanzpolitik nicht mehr mit Fehlbeträgen zu rechnen sei, ohne daß die Steuern über das normale Maß erhöht zu werden brauchten. Aus diesem Grunde sei die Stadtverwaltung der Auffassung, daß ihre Selbständigkeit möglichst erhalten bleiben müsse, mindestens so lange, bis der Landkreis Hörde aufgelöst wird. Die Stadtverordnetenversammlung verurteilt einstimmia, daß Oberbürgermeister Freudenberg nicht den Willen der Mehrheit der Bevölkerung vertreten hat. Sie legt entschieden Verwahrung dagegen ein, daß der Oberbürgermeister jetzt jede kommunale Arbeit sabotiert, nicht einmal den nätigen Straßenbau durchführen läßt. Aus diesem Grunde erfolgte das Mißtrauensvotum gegen den Oberbürgermeister. Oberbürgermeister Dr. Eichhoff, Dortmund, wies mit aller Entschiedenheit die Verdächtigungen und Unterstellungen gegen Oberbürgermeister Freudenberg, Hörde. zurück, der nach von gegnerischer Seite verbreiteten Gerüchten hinter den Kulissen Verhandlungen über die Sicherstellung seiner persönlichen Interessen im Falle der Eingemeindung Hördes nach Dortmund mit der Dortmunder Stadtverwaltung geführt haben soll. Die Stadt Dortmund soll, so wird bebauptet, dem Oberbürgermeister als Aequivalent für sein Entgegenkommen in der Umgemeindungsfrage eine Stadtbauratsstelle angeboten haben. Oberbürgermeister Dr. Eichhoff betont mit allem Nachdruck, daß niemals derartige Verhandlungen geführt worden seien und daß Oberbürgermeister Freudenberg wiederholt erklärt habe: „Ueber meine Person wird nicht verhandelt“ Dies festzustellen halte Therbürgermeister Dr. Eichhoff für eine kollegiale Pflicht. bei dem Anprall auf das Pflaster den sofortigen Tod. Das Motiv der Jeklagenswerten Tat ist vorläufig unbekannt. Von Schwermut hat man bei der Person nie etwas gemerkt. Die betätigte sich im Hause recht rege. Auch in selbstmörderischer Absicht ist die Tat nicht begangen worden. Man steht vor einem Rätsel. Wattenscheid. Der schwarze Tod. Der Hauer H. Tacke, Gelsenlirchen, Ueckendorferstraße wohnhaft, verunglückte in er Nacht von Montag auf Dienstag im unterirdischen Betriebe der Zeche Holland 1=2 durch Steinfall aus dem Hangenden. T. zog sich eine schwere Schädelverletzung zu, an deren Folgen er in der vorvergangenen Nacht im Knappschaftskrankenhaus Gelsenkirchen verstarb. Bredenscheid=Stüler zum Eingemeindungsproblem. Bredenscheid=Stüter. Ni.= Wie auch in den übrigen Gemeinden Amtsbezirkes Hattingen, beschäftigte sich auch das Gemeindeparlament der Großgemeinde BredenscheidStüter in der am vorgestrigen Nachmittag unter dem Vorsitze des Bürgermeister Mihhelt in der evangelischen Schule am Bahnhof stattgefundenen Gemeinderatssitzung eingehend mit den schwebenden Eingemeindungsfragen. Bürgermeister Wibbelt erläuterte die schwebenden Projekte sehr eingehend. Als wirksamstes Mittel gegen diese Bestrebungen betrachtete man zur Zeit den Zusammenschluß des ungeteilten Kreises Hattingen mit dem Kreise Bochum. Das Gemeindeparlament vertrat weiter den Standpunkt, daß die bisherigen berechtigten Meinungsverschiedenheiten über den Zusammenschluß der beiden Kreise durch die Bestrebungen der Städle vollständig in den Hintergrund getreten seien. Nach der sehr anregenden Diskussion faßten die Gemeindeväter einen einstimmigen Beschluß, wonach sie mit aller Schärfe und Entschiedenheit die Bestrebungen der Städte, wonach der Kreis und das Amt Hattingen zerschlagen werden sollen, ablehnen, und den Zusammenschluß des ungeteilten Kreises Hattingen mit dem Kreise Bochum befürworten. Ebenso wurde in diesem Beschlusse ganz entschieden Widerspruch erhoben gegen die im preußischen Landtage beabsichtigte Vertagung der Gesetzesvorlage, wonach die beiden Landkreise Bochum und Hattingen zusammengeschlossen werden sollen. Man erblickt hierin den ersten Schritt, um die Pläne der Städte zu verwirklichen. Ferner wurde ausdrücklichst hervorgehoben, daß der durch Verfügung des Ministers des Innern vom 1. 4. 26 erfolgte Zusammenschluß der früheren Einzelgemeinden Bredenscheid und Niederstüter sich sehr gut ausgewirkt hat. Die jetzige Großgemeinde Bredenscheid=Stüter hatte sich während des erst 1¾ jährigen Bestehens sehr gut entwickelt und ihre Lebens= und Entwicklungsfähigkeit in jeder Weise bewiesen. Das Wohlergehen und die Interessen der Einwohner der Gemeinde Bredenscheid=Stüter sind am besten bewahrt, wenn letztere nach wie vor als selbständige Gemeinde innerhalb des Amtes Hattingen verbleibt. Somit haben jetzt sämtliche Gemeinden der Amtsverwaltung Winz zu den schwebenden Eingemeindungsfragen Stellung genommen und sich einmütig für die Ablehnung der Bochumer Eingemeindungspläne ausgesprochen, den Kreis=Zusammenschluß Hattingen=Vochum aber befürwortet. Neue Linienführung für die Seilbahn. Bredenscheid=Stüter. N1.= Die Frage der Seilbahn Alte Haafe— Gemeinschaftswerk Hattingen kommt jetzt wieder dadurch ins Rollen, daß in den letzten Tagen hier neue Vermessungen vorgenommen wurden. Demnach wird die neue Linienführung der Bahn über Alte Haase—„Kleine Kuh“— frühere Zeche„Johannessegen— oberhalb der Schule in Oberbredenscheid— Voß zur Mühlen— Hansberg— und dann fortlaufend längs der Starkstromleitung bis zum Gemeinschaftswerk am Isenberg in Hattingen sein. So wird also nach dieser neuen Linienführung der Hattinger Schulenberg nicht berührt. Hiermit dürfte bestimmt zu erwarten sein, daß der Bau der Seilbahn Tatsache wird. Bredenscheid=Niederstüter. Ni.- Ein„Niese“ fällt! Wie wir erfahren, soll in absehbarer Zeit der 56 Meter hohe Schornstein der früberen Zeche„Johannessegen“„zur Strecke gebracht“ werden. Das Fallen des Riesen dürfle ein seltenes Schauspiel werden. -Ni.= Das Schwein im Baum. Es zwitscherte dort nicht etwa ein kleines Vöglein. Nein!— Dort hing. aufgespießt an ein paar Zweigen, ein geschlachtetes Vorstentier. Man zerbrach sich die Köpfe darüber, wie das tote Schwein dort hinaufgekommen sei, als der Kötter Heinrich Kroniger plötzlich meinte:„Ec glöff, dat es min Schwien!“ Tatsächlich sand er sein geschlachtetes Schwein zu Hause nicht mehr vor. Anscheinend hatten sich einige ganz lustige Gesellen einen derben Spaß erlaubt. Stecle. Eine Baumpflanzung durch Grasabbrennen vernichtet. Im Stadtbezirk Steele=Eiberg sind v. 2 Jahren im sogenannten Bergmannsbusch Baumpflanzungen vorgenommen worden. Trotzdem die amerikanischen Eichenschonungen mit Stacheldraht eingezäunt sind, wurde die Baumpflanzung ein Opfer der Unsitte des Grasabbrennens. Einige junge Burschen vergnügten sich mit Feuermachen und nichteten damit fast die ganze Schonung. Ueberruhr gegen Eingemeindung. Ueberruhr. Die bisherige nach außen hin gezeigte passive Haltung der hiesigen Gemeinde hinsichtlich der Eingemeindungsfragen wurde ordentlich aufgerüttelt durch die in diesen Tagen durch die Presse veröffentlichte Aeusserung des Essener Oberbürgermeisters, Bracht, wonach es in Essen als eine absolute Selbstverständlichkeit betrachtet wird, daß, wenn die Auflösung des Landkreises Essen beschlossen wird, von der Staatsregierung dieser ganze Landkreis restlos der Stadt Essen zugeteilt werden muß. Nunmehr fühlle man sich in der hiesigen Gemeinde dazu veranlaßt, in einer Zusammenkunft von Angehörigen aller Parteien und Berufsstände die Meinung der Bewohner der Gemeinde zur Eingemeindungsfrage zu hören. Diese Zusammenkunft fand, zu der auch die örtlichen Presseberichterstatter eingeladen waren, am Dienstaa abend im Lokale des Wirtes Torwesten statt. In längerer Besprechung kamen die Ansichten der einzelnen Berufsstände zu der Frage der Eingemeindung zu Worte. Man vertrat allgemein die Ansicht, daß eine Eingemeindung weder nach Esfen noch nach Steele für die Gemeinde Ueberruhr in Frage komme. Im übrigen fand das Ergebnis der allseitigen Erwägungen der wrage: Wie stellt sich die Gemeinde Ueberruhr zu der durch die bevorstehende Auflösung des Landkreises Essen akut gewordene Eingemeindungsfrage? seinen Ausdruck in der zum Schluß der Versammlung gefaßten Resolution: Die Angehörigen aller Parteien und Berufestände, die heute Dienstag abend, den 10. Januar 1928. im Lokale des Gastwirts Torweiten zersammelt sind, haben nach eingehender Veratung und Aussprache folgende Resolution gefaßt: „Die Anwesenden erblicken in der Selbständigkeit der Gemeinde Ueberruhr die beste Gewähr für die weitere günstigste Entwicklung der Gemeinde und wollen alles daran setzen, die Selbständigkeit der Gemeinde bis zum alleräußersten zu wahren.“ Vereinshalender. Männergesangverein„Loreley“, Vochum. Zu unserer am Sonnabend, dem 11. Januar 1028, abends 7 Uhr, beim Wirt Karl Röttger, Dorftener Straße, stattfindenden Generalversammlung mit Freibier werden unsere Mitglieder hierdurch eingeladen. Der Vorstand. Turnen, Spiel und Sporl. Das Endspiel um die deulsche Hochschulmeisterschaft in Bochum Der neue Hochschulmeister gegen die Bochumer Stadtmannschaft. Durch Vermittlung des Stadtamtes für Leibesübungen ist es gelungen, das Endspiel um die Fußball neisterschaft der deutschen Hochschulen zwischen den Mannschaften der Universität Berlin und der Technischen Hochschule München nach Bochum zu bringen. Das Treffen findet am Samstag, dem 11. Februar, im T. u. S.=Stadion an der Castroper Strasse statt. Am nächsten Tage tritt dann der neue Hochschulmeister gegen eine Bochumer Stadtmannschaft an, Für die Vorbereitung dieser Spiele ist ein Ausschuß eingesetzt worden. * Der Fußballsport an den deutschen Hochschulen hat sich in der Nachkriegszeit stark entwickelt. Fast jede deutsche Hochschulmannschaft besitzt die Reife für die erste Klasse, wenn auch der Stand des Fußsballsporis an den englischen Hochschulen noch nicht erreicht worden ist. Die Spitzenmannschaften unserer Hochschulen verzeichnen namhafte Spieler in ihren Reihen. So sind für die Universität Berlin so bekannte Spieler wie Otto(früher, Arminia“ Bielefeld, jetzt„Tennis=Vorussia“ Berlin), Rane vom mleichen Verein und der bekannte Halblinke Lehmann(Berliner Sport=Verein 92) tätig. Das Entscheidungsspiel um die HandballGruppenmeisterschaft am Sonntag. Bekanntlich stehen in der Tabelle der Gruppe Bochum/Dortmund in der Handball=Bezirksklasse die Mannschaften der Polizei==Sportvereine Bochum und Dortmund an erster Stelle. Jede Mannschaft hat noch ein Spiel auszutragen. Man hai jedoch hiervon Abstand genommen. Das Entscheidungsspiel um die Meisterschaft findet bereits am kommenden Sonntagvormittag im T. u. S.Stadion statt. Zehn statt fünf! Eine Sitzung, deren Beschlüsse von weittragender Bedeutung sind, fand in Amsterdam statt, und zwar besprach der Internationale Frauensportverband das Programm der Frauenwetbewerbe bei den Olympischen Spielen. Der von Deutschland angeregte Ausbau des Programms, das statt fünf zohn Wettbewerbe umfassen soll, fand lebhaften Anklang und wurde der Leitung der Olympischen Spiele nahegelegt. Danach würden folgende Konkurrenzen zur Entscheidung kommen: 100 Meter, 200 Meter, 800 Meter, 80=MeterHürden, Diskuswerfen, Speerwerfen, Kugelstoßen, Hochsprung, Weitsprung, 4 mal 100=Meter=Staffel. Weiterhin beschloß man, nach deutschem Muster und deutscher Punktwertung einen Dreikampf einzuführen, der 100 Meter, Hochsprung und Speerwerfen umfassen soll. Was die Ikaliener sagen. Schmeling: Ueberragende Boxklasse. Der blitzschnelle Sieg des Europameisters Schmeling über Bonaglia hat in Mailand, dem italienischen Boxzentrum, enormen Eindruck gemacht, da man mit geradezu blindem Vertrauen auf die Siegesnachricht des Italieners gewartet hatte. Am Kampfabend standen Scharen von Bonagliafreunden vor den Redaktionen der Zeitungen, um noch in der Nacht das Resultat zu hören, und als nach Mitternacht die Hiobsbotschaft einlangte, hielt ne jeder für einen schlechten Scherz. Erst als die Morgenausgaben ausführlich über die zwei Minuten Kampf berichteten, wurde dem Unglaublichen Glauben geschenkt. Die„Gazetta dello Sport“, größte italienische Sportzeitung singt ein Loblied auf Schmeling und verurteilt die unvorsichtige Taktik des Italieners, der sich weder von Kompetenten noch von Freunden überzeugen ließ, daß er sich vor dem starken Rechten des Deutschen in acht nehmen müsse, und so in sein Unglück hineingerannt sei. Weiter sagt sie:„Schmeling, der der Erscheinung nach weniger rauh aussieht als Vonaglia, hat sich uns als ein Vorer von überragender Klasse entpuppt. Die wenigen Kampfhandlungen, die er brauchte, um zu siegen, genügten vollkommen dazu. Abermals hat ein Athlet gewonnen, dessen plastische Formen harmonierten, über den rauh geschnittenen Kämpfer, dessen plastische Linie unvollkommen ist.„Schmeling ist schneller als Vonaglia und hilft sich mit einer beneidenswerten Beinarbeit, er ist intelligent und ahnt das Voren voraus. Fast noch schmeichelhafter drückt sich De Martino in„Corriere della Sera“ aus:„Ohne zu übertreiben, kann man ruhig behaupten, daß der Deutsche, der elegante Athlet, perfekt in Stil und Linie, auf uns den Eindruck Carpentiers machte, als wir ihn in den Ring steigen sahen. Schmeling kämpft auch fast in der Weise des großen Franzosen, und seine Siege sind klar. Es gibt nichts mehr zu diskutieren, der Erfolg ist überzeugend, ohne irgendwelche Zweifel hervorzurufen, wie sie gewisse Punktsiege mit sich bringen! Die Siege Schmelings gefallen dem Publikum. Wir verstehen sehr gut den Enthusiasmus, den er dem Publikum eingeflößt hat, und das in ihm vielleicht nicht nur den Europameister sieht, sondern den Weltmeister ahnt. Schmeling in der Form, in der er heute Bonaglia besiegte, kann nur ein ganz außergewöhnlicher Mann sein. Man muß sich vor der Schönheit eines rein sportlichen Sieges beugen, wer auch der Sieger gewesen sei, denn der Sport hat uns heute einen großen Meister mehr gegeben. * Schmeling ist mit diesem Sieg in der ganzen Welt bekannt geworden und hat damit auch eine große Verantwortung auf sich genommen. Mögen diese Urteile der ausländischen Presse seine Brust mit Stolz erfüllen und mit Freude, aber vergesse er dabei auch nicht, daß man nun erst von ihm das ganz Große verlangt. Sein Weg ist damit gezeichnet! Weltmeister Gene Tunney will vor seinem für den Herbst geplanten Titelkampf noch einige Vorbereitungskämpfe bestreiten. Nach amerikanischen Meldungen soll ein solcher im Juli in Los Angeles wischen Tunney und Europameister Paolino stattinden. Der lolgesagle Murchison lebl. Als im Dezember 1927 die Meldung von dem Tode des amerikanischen Meistersprinters Loren Murchison auftauchte, machten sich bereits Zweifel über ihre Richtigkeit geltend, die sich inzwischen erfreulicherweise als berechtigt erwiesen haben. Loren Murchison hat jetzt seine schwere Erkrankung, die offenbar zu dem Gerüchte von seinem Tode führte, im großen und ganzen überwunden und dürfte in absehbarer Zeit wieder im Vollbesitz seiner Gesundheit sein. Girardengo=Negrini siegen in Leipzig. Auch in den letzten Stunden des Leipziger Sechstagerennens war die Stellung der Italiener nicht zu erschüttern. Mit einer Runde Vorsprung siegten sie mit 3448,260 Kilometer, Das Endergebnis: 1. Girardengo=Negrini, 507 Punkte; eine Runde zurück 2. Rieger=Junge, 304 P., 3. Tietz=van Hevel, 220 P., 4. Behrendt=Maes, 190 P.; zwei Runden zurück: 5. Mouton=Louet, 430 P., 6. Debaets=Thaemers 166 P., 7, Nebe=Seifferth, 109 P.; drei Runden zurück: 8. Frankenstein=Vermandel, 217 P., 9. Persyn=Verschelden 141 P.; vier Runden zurück: 9. Lewanow=Thollembeck, 237 P Ein unverbesserlicher Taschendieb. Essen. hb. Im vergangenen Monat wurde in einem hiesigen Konzertcafé am Hauptbahnhof, in dem schon längere Zeit hindurch den Gästen Geld und Wertsachen aus ihrer Garderobe entwendet worden war, ein Taschendieb von einem Kellner dabei überrascht, als er gerade die Taschen eines fremden Mantels auf ihren Inhalt untersuchte. Auf der Polizeiwache stellte es sich heraus, daß man es bei dem Taschendieb mit dem kaufmännischen Angestellten Kurt Grotmangen, Rüttenscheider Straße 46 wohnhaft, zu tun hatte, der bei einer hiesigen größeren Firma mit einem Monatsgeld von 300 Mark angestellt war und bereits lange Zeit in dem fraglichen Café als Stammgast verkehrte. Grotmangen, der aus einer sehr guten Familie stammt, im Kriege Offizier war und das E. K. 1. und 2. Kl. besitzt, ist bereits mehrfach wegen Diebstahles und Betruges vorbestraft. Trotz seines auskömmlichen Gehaltes geht er immer wieder auf Diebstahl aus. G. wurde seinerzeit dem Untersuchungsrichter vorgeführt, von diesem jedoch, obwohl er bereits eine große Anzahl Taschendiebstähle, bei denen ihm erhebliche Geldbeträge in die Hände gewleder auf fallen waren, elngestanden Fuß gesetzt. Die wiedererlangte Freiheit und das in ihn gesetzte Vertrauen hat G. jedoch schon bald wieder auf das gröbste mißbraucht, Ja er sofort seine verbrecherische Tätigkeit wieder aufnahm, trotzdem er von seiner Firma nicht entlassen wurde. Kurz vor Weihnachten wurde er im Bahnhofswartesaal 1. und 2. Klasse vom Geschäftsführer sowie von einem Kellner dabei überrascht, als er sich an fremden Mänteln zu schaffen machte. Er stand von seinem Tisch verschiedentlich auf, ging zu seiner Garderobe, holte sich Zigaretten und Streichhölzer und tastete bei dieser Gelegenheit die fremden Kleidungsstücke ab. Erbeutet hat er in diesem Falle jedoch nichts. Einige Tage später fiel den Gästen eines Restanrants ein Mann auf, der andauernd seinen Platz wechselte und ständig seinen Mantel auf einen anderen Gaderobehaken hing. Auch wurde er dabei beobachtet, wie er sich mit fremden Kleidungsstücken zu schaffen machte. Der einzige Erfolg seiner Tätigkeit war eine weitere Anzeige wegen versuchten Taschendiebstahles. Am 2. d. Mts. hielt sich G., der sein Tätigkeitsfeld dauernd wechselte, wiederum in einer anderen Wirtschaft auf. Auch hier beobachtete ein ihn bekannter Gast, wie er sich an seinem Mantel zu schaffen machte. Als der betreffende Herr das Lokal verlassen hatte, bemerkte er, daß ihm eine Schachtel Zigaretten aus seinem Mantel gestohlen worden war. Er kehrte in das Gasthaus zuruck und stellte G. zur Rede, der nach anfänglichem frechen Leugnen schließlich den Diebstahl zugab. Die Zigaretten waren jedoch unbrauchbar geworden, da G. die Schachtel nebst Inhalt in das Klosettbecken geworfen hatte. Diese ganzen neuen Diebstähle gaben der Kriminalpolizei Veranlassung, G., der am nächsten Tage nach Düsseldorf übersiedeln und wahrscheinlich dort auch seine Diebstähle fortsetzen wollte, abermals festzunehmen und dem Untersuchungsrichter vorzuführen, Wahrheit über das Schlankheitsproblem. Bekannte ärztliche Antoritäten haben festgestellt, daß bestimmte Mineralsalze durch ihre Wirkung auf die Organe das Blut wasserärmer machen. Eine ärztliche Autorität schreibt: „Das Bittersalz, wie überhaupt die Mittelsalze, entziehen dem Körper Wasser. Es kommt mit den dünnen Stühlen mehr Wasser aus dem Körper heraus, als das getrunkene Salzwasser beträgt. Das Blut wird also wasserärmer.“ Die zuverlässigste Methode ist die Anwendung des Kruschen=Salzes, welches die besonderen Minevalsalze in chemisch reiner Form unter Berücksichtigung geeigneter kleiner Gaben in genauer Analyse enthält. Die Schwachdosierung wie beim Kruschen=Salz ist von großen ärztlichen Autoritäten anerkannt worden. Je mehr Wasserverlust im Stuhl, um so mehr Parnsäure, Gifte und Schlacken werden aus dem Körper herausgezogen und dadurch findet natürlich ein besserer Stoffwechsel statt. EEine Kruschenkur reicht für 100 Tage, somit tägliche Gesundheitspflege für 3 Pfg. beim Bohren u. Plombieren nerverkrankter Zähne. 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