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Dülmener Anzeiger— Dülmen-Halterner Volkszeitung mit der Sonntags-Beilage Liboriusblatt. Donnerstag, 5. März 1908. Erscheint wöchentlich dreimal: Dienstags, Donnerstags und Samstags. Expedition: J. Horstmann'sche Buchhdlg Marktstraße 11.— Fernruf 29. Verlag der Dülmener Zeitung, G. m. b. H., Dülmen. Druck von Breer& Thiemann, Hamm. Verantwortlicher Redakteur: für den lokalen Teil, Anzeigen u. Reklamen B. Horstmann in Dülmen; für Politik, Feuilleton und Allgemeines A. Gockel in Hamm. Erstes Blatt. sind Sie mit der geht guß Hypothek er= Der Raub der lranzölilchen Kloltergüter ist bekanntlich in einer Weise geschehen, daß die an der Regierungskrippe sitzenden Persönlichkeiten den ganzen Bestand geschluckt haben und für den zur Bemäntelung angegebenen Zweck: einen Fonds für die Alters- und Invalidenversicherung der Arbeiter, die in Frankreich trotz alles sogenannten Fortschritts noch fehlt, zu schaf. fen, nichts übrig bleibt. Das ist selbst dem Zentralorgan der Sozialdemokratie Deutschlands, dem für jeden Kirchenraub schwärmenden„Vor wärts", zu arg, er schreibt nämlich: „Die Skandalchronik der kapitalistischen Re publik ist wieder um einen Hauptfall bereichert: die Affäre der Liquidation der Kongregationsgüter. Trotz der Vertuschungsversuche der Re gierung, trotz der Bemühungen der bedrohten Politikerklüngel, den Skandal im Dunkel parlamentarischer Kommissionen still zu ersticken, liefert sie schon jetzt ein Schulbeispiel der parasitären Funktion, die die Politik im Staat der entwickelten bürgerlichen Gesellschaft inne hat, wo die herrschende Klasse jeden politischen Fortschritt mit einem Beutezug zu verbinden bestrebt ist. Man erinnert sich noch der berühmten Rede Waldeck=Rousseaus, worin dieser das Schlagwort von der„Milliarde der Kongregationen“ geprägt hat. In der Agitation gegen die geistlichen Orden spielte es eine große Rolle. Die Bourgeoisradikalen benützten es mit Vorliebe, um den Massen begreiflich zu machen, daß es nur der Vertreibung der Kongregationen bedürfe, um mit ihrem Vermögen die Kosten der Altersversicherung zu decken. Die Orden wurden vertrieben, aber für die Altersversicherung ist noch immer kein Geld da. Die„Milliarde" aber ist unterdes vellständig verdunstet. Die Liquidation der Kongregationsgüter wird bestenfalls einen Ertrag von einigen wenigen Millionen übriglassen. Wie ist dieses verblüffende Resultat zu erklären? Der unlängst verstorbene Justizminister Guyot=Dessaigne hatte der Kammer einen Bericht über die vorläufigen Ergebnisse des Liquidationsverfahrens vorgelegt, der es mit mehr oder minder glücklichen Argumenten zu rechtfertigen suchte. Es ist richtig, daß von vornherein eine Milliarde nicht in Frage kam, denn von dem auf rund 1050 Millionen geschätzten Vermögen der Kongregationen entfielen ungefähr 782 Millionen auf die autorisierten Kongregationen, die in ihrem Besitzstand nicht angetastet wurden. Von den übrigbleibenden 267 Millionen war ein großer Teil in Objekten vorhanden, die unter ihrem Wert losgeschlagen werden mußten, dazu kamen Hypothekenlasten, Liquidationskosten, Übertragungsgebühren, Justizhonorare, die zur Unterstützung alter Kongreganisten verwendete Viertelmillion und dergl. Natürlich haben auch die Pfaffen getrachtet, soviel wie möglich von ihrem Vermögen über die Grenze zu bringen oder unter irgend einer Form zu verstecken. Gewisse radikale Blätter haben darum ein großes Entrüstungsgeschrei erhoben, das aber zu erkünstelt klang, um nicht Verdacht zu erregen. Es war von den Kongregationen wahrhaftig nicht zu verlangen, daß sie ihren Enteignern noch gefällig sein und sich freiwillig ihrer Güter entäußern sollten. Wenn schließlich auch die Bischöfe ihre Macht über die Seelen der Gläubigen ausgespielt haben, um die Teilnahme der Katholiken an den Feilbietungen zu verhindern, so war diese Boykottoperation ihr gutes Recht. Was aber das Schlußergebnis der iquidationen gar so jämmerlich gestaltet hat, waren nicht diese Kniffe. die man voraussehen mußte, sondern der schamlose Raubzug, den die Liqnidatoren unternommen haben. Schon der Bericht Guyot=Dessaignes enthüllte trotz seiner schönfärberischen Tendenz skandalöse Details. Nach ihm waren bis Ende 1906 für liquidierte Kongregationsgüter nur noch etwas über 32 Millionen eingenommen worden. Das aber war der Bruttoertrag, der durch die Liquidationskosten in ganz unglaublicher Weise verringert wurde. Bei 115 Kongregationen, wo die Liquidation abgeschlossen war, betrug der ganze Reinertrag 890 000 Frank, bei 3 Millionen Bruttoeinnahmen. An Advokatengebühren allein waren fast 362000 Frank verrechnet. Im ganzen haben die Advokaten schon über eine Million eingenommen. Aber die Regierung hatte ihnen 3 Millionen vorgeschossen, von denen sie noch gegen 6 schulden. An vielen Orten hat der Schmarotzerprofit der Liquidatoren nicht nur den ganzen Betrag der Liquidation aufgezehrt, sondern noch bedeutende Mehrkosten verursacht.(!) In Versailles hat ein Liquidator für die Liquidation von Möbeln, die auf 600 Frank geschätzt waren, 7000 Frank verrechnet. Aber es waren auch keine„gewöhnlichen“ Advotaten, die die größten Rechnungen gemacht haben, sondern vor allem Zierden der VolksObenan Herr Millerand, der bisher 53000 Frank bezogen hat— d. h., wenn man dem genannten Bericht glaubt. Da aber Herr Millerand mit„Sekretären“ arbeitet, die im zun selbständig figurieren, erhöht sich sein tatsächlicher Gewinn auf 300 000 Frank. Neben ihm kommen noch andere politisierende Advokaten in Betracht, wie der radikale Deputierte Péret, der 48000 Frank verrechnet hat, der progressistische Senator Milliard— nomen est omen— mit 53000 Frank und der ehemalige radikale Deputierte Paul Faure, der nicht weniger als 96000 Frank bezogen hat. Das sind aber nur die offiziellen Ziffern. Der Bericht Guyot=Dessaignes verzeichnet unter der bequemen Rubrik„autres causes“(andere Gründe) Ausgaben, die z. B. im Fall der Pariser Franziskaner 752000 Frank betragen und den Gesamt aktiven gleich sind." Preuhilcher bandtag. Abgeordnetenhaus. 42. Sitzung vom 2. März 1908. Das Haus setzt die zweite Beratung über den Etat des Ministeriums des Innern beim Kapitel Polizeidistriktskommissare in Posen fort, das nach kurzer Debatte bewilligt wird. Beim Kapitel Landgendarmerie wünscht Abg. Bänsch=Schmidtlein(fk.) Erleichterungen für die Gendarmen. Die Dienstaufwandsgelder müßten erhöht werden, ebenso die Wohnungsgelder. Die Abgg. Schulze=Pelkum(kons.), Krause(kons.), Wiemer(frs. Vp.), Hammer(kons.) und Kölle(fraktionslos) äußern gleichfalls Wünsche für die Hebung der wirtschaftlichen Lage der Gendarmen. Abg. Busch(Z.) hält es für unzweckmäßig, daß der Gendarm dem Landrat und außerdem noch der Militärverwaltung unterstehe. Man sollte ihn allein dem Landrat unterstellen. Minister v. Moltke versichert sein Wohlwollen für die Gendarmen. Es sei wünschenswert, daß erhöhte Mittel für die Besserung der Wohnungsverhältnisse zur Verfügung gestellt werden. Abg. Wiemer(frs. Vp.) betont gegenüber einer Bemerkung des Abg. Busch, daß die Freisinnige Volkspartei mit dem Abg. Naumann bezüglich des Beamtenerlasses nicht übereinstimme, die Freisinnige Volkspartei wünsche keine Wahlbeeinflussung, sondern nur gleiches Licht und gleichen Schatten für alle Parteien. Bei dem Fonds=Zuschusse an Kommunalverbände zur Ausführung des Gesetzes über die Fürsorgeerziehung Minderjähriger bespricht Abg. Dr. Faßbender(Zentr.) die Ergebnisse der Fürsorgeerziehung. Die Zöglinge sollten nach Möglichkeit in Familien untergebracht werden, statt in Anstalten. Abg. Heckenroth(kons.) äußert sich ähnlich und kritisiert die Rechtsprechung des Kammergerichts in dieser Beziehung. Abg. Hackenberg(ntl.) bemängelt den Ministerialerlaß, durch welchen die getrennte Erziehung der Geschlechter in den Anstalten angeordnet worden ist. Abg. Henning(kons.) betont gleichfalls die Wichtigkeit der Familienerziehung. Ein Regierungskommissar erwidert, daß die Regierung besonderen Wert auf die Familienerziehung lege. Stark Verwahrloste könne man jedoch nicht in Familien bringen. Die Anordnungen über die Trennung der Geschlechter bei der Anstaltserziehung seien nicht genereller Natur. Abg. Dr. Dittrich(Zentr.) spricht sich gegen die gemeinsame Erziehung der beiden Geschlechter in den Fürsorgeanstalten aus. Beim Kapitel Strafanstaltsverwaltung bespricht Abg. Tourneau(Zentr.) die Ergebnisse der Strafanstaltsstatistik. Es zeige sich ein Wachsen der Vorstrafen bei den Sträflingen. Wenn das so weitergehe, ständen wir bald vor dem Bankerott unseres Strafwesens. Eine Besserung könne nur durch die religiöse Vertiefung des Schulunterrichts herbeigeführt werden. Geheimrat Krohne weist darauf hin, daß die Strafanstaltsverwaltung auf eine strenge Behandlung der Zuchthäusler halte und intensive Arbeit von ihnen verlange. Abg. Haarmann(nl.) ist für die Beseitigung des Dualismus in der Gefängnisverwaltung. Alle Strafanstalten sollten dem Justizminister unterstehen. Abg. Graf v. Wartensleben(kons.) meint, die Regierung solle bei der Unterbringung der Verbrecher die Kommunen ausschalten und die Unterbringung allein in die Hand nehmen. Abg. Marx(Zentr.) wünscht einen vergrößerten Einfluß der Seelsorge in den Strafanstalten. Die pessimistische Anschauung des Aba. Tourneau über die Wirkung des Strafvollzuges teile er nicht. Nach weiteren Bemerkungen der Abgg. Rosenow (freis. Vp.), Strosser(kons.) und Dr. Rügenberg(Z.) sowie des Geheimrats Krohne, der eine Aufbesserung der Gehaltsbezüge der Gefängnisärzte in Aussicht stellt, wird der Rest des Etats erledigt. Schluß 5 Uhr.— Dienstag 12 Uhr: Enteignungsvorlage; Etat der Sechandlung. 43. Sitzung vom 3. März 1908. Die Enteignungsvorlage ist am Dienstag im Abgeordnetenhause verabschiedet worden. Wie zu erwarten war, wurden die Beschlüsse des Herrenhauses in unveränderter Fassung alzeptiert. Aber bevor sich der Vorhang bei diesem parlamentarischen Drama senkte, gab es noch einen heißen Kampf. Zwar war das Interesse der Oeffentlichkeit erschöpft, denn die Tribünen wiesen nicht eine solche Besetzung wie im Herrenhause auf, und wie die Wichtigkeit der Vorlage es verdient hätte. Auch war die Reihe der Minister nicht so stattlich wie in der Sitzung im Herrenhause. Fürst Bülow, der geistige Vater der Vorlage, hatte es nicht für nötig gefunden, beim Schlußakte zu erscheinen. Dagegen wies der Sitzungssaal eine dichte Besetzung auf, wie man es nur bei großen Aktionen gewohnt ist. Der Ton der Verhandlungen nahm einen scharfen Charakter an, und zwar auf Grund des ersten Redners, des Abg. Stychel(Pole), welcher die ganze Ungerechtigkeit der Vorlage in scharfer Weise geißelte. Die Erregung seiner Ausführungen riß ihn zu scharfen Ausfällen gegen die Regierung hin. Da er von einem listigen Raub des politischen Besitztums sprach, sah sich der Präsident v. Kröcher veranlaßt, ihn wegen dieses Ausdruckes zur Ordnung zu rufen. Finanzminister Frhr. v. Rheinbaben, der nicht beabsichtigt hatte, das Wort zu ergreifen, sah sich durch die Ausführungen des polnischen Abg. Stychel zu einer Erwiderung veranlaßt, die jedoch nichts weiter enthielt, als das Lied von der staatsfeindlichen Tendenz der polnischen Bewegung. Von den Ministern griff nur noch der Landwirtschaftsminister von Arnim ein. Er gab eine Ausführung, die, um sich gelinde auszudrücken, frappierte. Man hatte das Gefühl, daß der Regierung nach der Stellungnahme des Herrenhauses zu der Vorlage der Kamm geschwollen sei. Auf eine Frage des Abg. Grafen Praschma(Ztr.), was die Regierung im Jahre 1910 tun werde, wenn sie mit den 70 000 Hektar nicht mehr auskomme, antwortete der Minister, daß die Regierung mit der gegenwärtigen Maßnahme ihre Tätigkeit nicht als abgeschlossen betrachte und daß sie dann weitere Schritte tun werde. Damit hat die Regierung zu erkennen gegeben, daß sie die Erklärung der Konservativen nicht als ernst betrachtet und daß unsere Warnung an die Konservativen, wenn sie sich einmal auf die abschüssige Bahn begeben ha ben, es kein Zurück mehr gibt, richtig war. Die Aus führungen gaben zu erkennen, daß man an eine solche Antwort seitens der Regierung nicht gedacht hatte. Es ist das Verdienst des Abg. Grafen Praschma, durch seine Frage es erreicht zu haben, daß die Regierung klaren Wein einschenkte. Was den Gang der Verhandlungen anlangt, so gaben die einzelnen Redner der verschiedenen Parteien eine kurze Erklärung ihrer Stellungnahme ab. Jedoch hielt Abg. Dr. Porsch vom Zentrum eine längere Rede, die darin gipfelte, daß sich das Unabwendbare nicht mehr abhalten lasse. Wir lehnen die Verantwortung ab, aber wir wollen versuchen, zu bessern, was gebes sert werden kann und verlangen, daß die Voraussetz ung für den Ausschluß von der Enteignung von Grundstücken der Kirche und milden Stiftungen, die vor dem 26 Februar in dem Besitze der Eigen tümer waren, beseitigt werde. Im Hause jedoch war keine Stimmung mehr zu einer Abänderung. Der Antrag Porsch fiel gegen Zentrum, Polen und Frei sinn, und das Gesetz wurde in der Gesamtabstimmung gegen Zentrum, Polen und Freisinn angenommen. o hat die Regierung die Waffe erhalten, die sie haben wollte. Daß es eine zweischneidige Waffe ist, will die Regierung nicht anerkennen, aber die Geschichte der Zukunft wird es lehren. Darauf wurde die zweite Lesung des Etats fortgesetzt beim Etat der Seehandlung.— Abg. Vorster(frkons.) weist auf die hohe Bedeutung des CheckVerkehrs hin. Wie viel Geld unnütz daliegt, läßt sich gar nicht schätzen. Eine Ausdehnung der Seehandlung wäre sehr wünschenswert; ebenso eine gesetzliche Regelung des Depositenverkehrs.— Abg. Dr. Faßbender(Zentr.): Der Vorredner hat die Frage der Depositenregelung angeschnitten, sie ist wichtig. Wir stehen noch alle unter dem Eindruck des Fallissements Friedberg. Ich habe bereits auf die Notwendigkeit einer Regelung des Depositenwesens hingewiesen. Die Einführung des Depositenwesens nach englischem Muster scheint bei uns nicht mehr möglich, aber drei Punkte dürften sich durchführen lassen. 1. Eintragung der Depositenbanken als solche, monatliche Beröffentlichung des Statuts und stetige Kontrolle dieser Beröffentlichungen durch die Behörden. Die Einführung von Filialen der Seehandlung scheint mir nicht zweckmäßig. Viel besser ist die Regelung des Geldverkehrs durch die Genossenschaften und die Sparkassen. Wenn der Scheck bei uns eine Bedeutung gewinnen soll wie in England und Amerika, dann muß er auch in die weiten Massen der Erwerbskreise der Bevölkerung Eingang finden. Für eine Verallgemeinerung des Scheckverkehrs ist das Scheckgesetz Voraussetzung. Ich bin damit einverstanden, daß die Sparkassen nicht Erwerbsinstitute und nicht Bankinstitute werden dürfen und daß der Scheckverkehr keine übermäßige Ausdehnung finden darf. Der Einwurf, daß die Mündelsicherheit der Sparkassen durch den Scheck verkehr gefährdet werden könne, ist hinfällig. Ich möchte den Minister bitten, dahin zu wirken, daß die heute bestehenden freiwilligen Revisionsverbände in obligatorische Verbände nach Art der für die Genossenschaften bestehenden umgewandelt werden. (Lebhafter Beifall im Zentrum.) Auf eine Anfrage des Abg. Krüger(frs. Vpt.) erwidert dann Minister v. Rheinbaben: Wenn wir Filialen oder Agenturen errichten, würden wir in Gegensatz zu den Großbanken treten. Ueber die De positenkassen kann ich mich nicht auslassen, da sie Reichssache sind. An der Nutzbarmachung der schlesischen Wasserkräfte kann sich die Seehandlung nicht beteiligen. Bei der ostpreußischen Landgesellschaft ist die Seehandlung nicht durch Kapital beteiligt. Ebenso nicht bei der Mittelstandskasse. Eine Fusion halte ich nicht für angängig.— Nachdem noch Abg. v. Arnim(kons.), Abg. Friedberg(natl.), Arendt(D. Rpt.) und Abt. Dr. Hahn(B. d. L.) gesprochen, wurde der Etat der Seehandlung angenommen. Morgen: Eisenbahnetat. Deuticher Reichstag. 113. Sitzung vom 2. März 1908. Eröffnung 1¼ Uhr.— Fortsetzung der ersten Beratung des Gesetzentwurfes betr. die Herstellung von Zigarren in der Hausarbeit in Verbindung mit dem Gesetzentwurf betr. die Abänderung der Gewerbeordnung und den internationalen Abkommen über das Verbot der Nachtarbeit der gewerblichen Arbeiterinnen und über das Verbot der Verwendung von weißem Phosphor in der Zündholzfabrikation. Abg. Enders(frs. Vp.) begrüßt in der Vorlage den ersten Versuch, die Verhältnisse in der Heimindustrie zu regeln. Radikalmittel, wie sie der Abg. Geyer am Sonnabend vorgeschlagen habe, die Mißstände durch Beseitigung der Heimindustrie überhaupt zu beseitigen, seien Mittel a la Doktor Eisenbart. Redner bespricht ausführlich die vorjährige Ausstellung für Heimindustrie; sie sei eine Tendenzausstellung gewesen und habe ein durchaus falsches Bild von der Heimarbeit und ihren Lohnverhältnissen gegeben. Die Lage der Heimindustrie sei augenblicklich sehr ungünstig, in ihren wesentlichen Teilen aber sei sie durchaus gesund. Einer allgemeinen gesetzlichen Regelung müsse er widersprechen, dafür seien die Verhältnisse zu verschiedenartig. Vor allem sei zu fordern eine dauernde Untersuchung der Wohn= und Arbeitsräume, die allgemeine Registrierpflicht sei die erste Voraussetzung für eine großzügige Sozialpolitik. Der wundeste Punkt in der Vorlage sei die erweiterte Befugnis der Polizei in der Gewerbeaufsicht. Alle Zweige der staatlichen Versicherung müßten auf die Heimarbeit ausgedehnt werden. Die Bestimmungen der Vorlage über Kinderschutz seien ungenügend. Abg. Dr. Burckhardt(wirtsch. Vgg.) bestreitet, daß die Ausstellung für Heimarbeit einseitig und tendenziös zusammengestellt gewesen sei. Abg. Naumann(frs. Vgg.): Das Typische der Hausindustrie ist der billige Durchschnitt der Waren und ihre Tendenz zeht dahin, die Löhne niedrig zu halten. Ueberall sonst geht's vorwärts: die Löhne steigen allmählich und die Preise der Lebensmittel werden teurer, nur in der Hausindustrie ist der Lohr seit Jahrzehnten stationär geblieben. Jedes Warenaus ist eine Hausindustrieausstellung, denn überall da, wo zu fabelhaft niedrigen Preisen billiger Schund angeboten wird, lauern im Hintergrunde die elenden Löhne der Hausindustrie. Jeder, der diesen billigen Schund kauft, hilft diese elenden Lohnverhältnisse konservieren, und die beste Gesetzgebung kann nicht gut machen, was der Mangel an gutem Geschmack und an sittlichem Bewußtsein im Publikum auf diesem Gebiete sündigt. Der Gedanke, ein radikales Verbot jeder Hausarbeit zu erlassen, ist kein sozialistischer, selbst Fabrikanten, die Hausindustriearbeiter beschäftigen, sind an und für sich für ein Verbot der Hausarbeit. Ist aber ein Verbot praktisch durchführbar? Kann man die Hausindustrie überhaupt gesetzgeberisch und technisch verbieten? Nein, ein allgemeines Verbot ist unmöglich. Die Gewerbeaufsichtsbeamten reichen bekanntlich schon heute nicht entfernt für die Aufgaben aus, die sie erfüllen sollen. Und jedes neue Stück der Gewerbeordnung schließt heute ohne weiteres in sich die Forderung nach neuen Funktionären der öffentlichen Gewalt, die dem Gewerbe bis in die letzten Ecken und Winkel nachlaufen sollen. Da wäre wohl der Gedanke zu erwägen, ob nicht die Schaffung einer Gewerbebehörde möglich ist, die sich auf die Selbsttätigkeit der beteiligten Kreise aufbaut. Die aussichtsvollste Bestimmung der Vorlage scheint mir die Forderung des Registers zu sein. Dieses wird die einzige Möglichkeit sein, die sogen, verschämte Hausindustrie einzudämmen. Das Register würde weiter den Arbeitern in der Hausindustrie die Möglichkeit geben, sich zu organisieren. Abg. Schiffer(Zentr.): Die Heimarbeiter hatten mehr erwartet, als ihnen die Vorlage bringt. Besonderen Wert legen sie auf die hauptamtliche Gewerbeaufsicht. Wirkliche Gesundung wird nur erfolgen durch Schaffung staatlicher Einrichtungen u. a. sog. Ausschüsse für Heimarbeit. Das hohe Lob, welches der Abg. v. Heyl dem jetzigen Staatssekretär erteilt hat, muß ich dahin ergänzen, daß auch Graf Posadowski ein hervorragendes Verdienst an dem Zustandekommen dieser Vorlage gebührt. Ich komme jetzt zu einer unserer Hauptforderungen: der Einführung des 10stündigen Maximalarbeitstages. Das Ausland ist uns in diesem Punkte über, und was die ausländische Industrie kann, das kann auch die deutsche Industrie tragen.(Sehr richtig! im Zentr.) Dringend zu wünschen ist weiter, daß die Arbeitszeit der verheirateten Arbeiterinnen in den Fabriken abgekürzt wird. Der Schutz der Wöchnerinnen muß auf 8 Wochen ausgedehnt werden. In der Frage der Arbeiterausschüsse hat sich eine erfreuliche Aenderung der Ansicht dieses Hauses vollzogen, die meisten Redner haben sich für die Einführung von Arbeiterausschüssen ausgesprochen. Die Mitglieder derselben müssen in geheimer direkter Wahl gewählt werden. Die Frage des Koalitionsrechts sollte einmal in der Kommission gründlich geprüft werden. Ein weiterer Ausbau oder doch eine weitere Sicherung wäre in der Vorlage sehr gut möglich gewesen. Was mich hauptsächlich veranlaßt, diese Frage hier anzuschneiden, das ist der ungleiche Rechtszustand, welcher für Arbeiter und Arbeitgeber gerade hier besteht. Bezüglich der Gewerbeinspektion möchte ich vorschlagen, den Gewerbeinspektionen in den Gegenden, wo keine Gewerbegerichte bestehen, die Funktionen dieser zu übertragen. Zum Schluß beantragt Redner, die Vorlage an eine Kommission von 28 Mitgliedern zu überweisen.(Lebh. Beifall.) Abg. Everling(nl.): Die Mißstände in der Hausindustrie übersehen wir ganz gewiß nicht, aber es ist nicht so schlimm, wie die Sozialdemokraten und wie der Abg. Naumann es hingestellt haben. Ich bin überzeugt, daß wir auch mit dieser Vorlage ein gut Stück weiter kommen. Abg. Günther(fr. Vp.) warnt vor einem allzu rigorosen Vorgehen auf dem Gebiete der Heimarbeit. Abg. Stadthagen(Soz.) beklagt das gänzliche Fehlen von Bestimmungen über die Arbeitszeit mannlicher Arbeiter. Abg. Erzberger(Zentr.) protestiert gegen die Behauptung, daß die Heimarbeitausstellung eine bendenziöse gewesen sei. Die großen Hoffnungen, die man auf die Organisation der in der Heimarbeit lätigen Personen gesetzt habe, seien nicht erfüllt worden, weil die Organisation der Heimarbeiter ungeheuer schwer sei. Erst nach der Einführung der allgemeinen Registerpflicht werde eine Organisation möglich sein. Aus den fakultativen Vorschriften des Bundesrats müßten gesetzliche Bestimmungen gemacht werden. Die Anschauung, daß nur ein völliges Verbot der Heimarbeit die Mißstände und Gefahren beseitigen könne, teile er nicht. Eigenartig sei das Verhalten der Regierung in der Frage der technischen Angestellten. Die Ausdehnung der Bestimmungen der Gewerbeordnung auf die technischen Angestellten sei absolut notwendig. Die Lösung der Konkurrenzklauselfrage sei bedauerlicherweise ebenfalls nicht erfolgt. Der§ 153 der Gewerbeordnung könne recht gut beseitigt werden, er enthalte eine Ausnahmebestimmung gegenüber den Arbeitern. Die Bestimmungen des Strafgesetzbuches reichten vollkommen aus. Hierauf schließt die Diskussion. Die Vorlage geht an eine Kommission von 28 Mitgliedern. Dienstag 1 Uhr: Etat des Reichsamts des Innern. Schluß 6 Uhr. * * 114. Sitzung vom 3. März. Zweite Beratung des Etats des Reichsamts des Innern. Es liegen zu dem Etat des Reichsamts des Innern 24 Resolutionen und Anträge vor.— Eine Resolution Hompesch(Ztr.) fordert, daß die Kosten der Schlachtvieh= und Fleischbeschau von den Bundesstaaten getragen werden sollen.— Eine weitere Resolution Hompesch(Z.) fordert Vorlegung eines Gesetzentwurfes, wonach besondere Beamte für die Baukontrolle eingestellt werden sollen, ferner Verordnungen zum Schutze der Banhandwerker sowie Sicherung und weiterer Ausbau der gesetzlichen Arbeitervertretungen.— Eine dritte Resolution Hompesch (Zentr.) fordert reichsgesetzliche Regelung des Bergrechtes und des Knappschaftswesens.— Eine vierte Resolution Hompesch(Zentr.) fordert gesetzliche Re gelung der Verhältnisse der Privatbeamten und tech nischen Angestellten.— Eine fünfte Resolution Hom desch(Zentr.) fordert einen Gesetzentwurf betreffend die gewerbliche Sonntageruhe, wonach die den Ar beitern zu gewahrende Ruhe für jeden Sonn= und Feiertag mindestens 36 Stunden und für zwei auf einander folgende Sonn= und Feiertage 60 Stunden betragen soll. Die Arbeitszeit der Handlungsge hülfen und Lehrlinge, soweit sie nicht in offenen beschaften beschäftigt sind, soll höchstens zwei Stunden an Sonn= und Feiertagen betragen. sechste Resolution Hompesch(Zentr.) fordert Vor legung eines Entwurfes betreffend die Sicherung und den weiteren Ausbau des Koalitionsrechtes der Ar beiter, eine auf freiheitlicher Grundlage aufgebaute Regelung der privatrechtlichen Verhältnisse der Berufsvereine und Errichtung von Arbeitskammern. Eine siebente Resolution Hompesch fordert Erhebungen über die Arbeitoverhältnisse in den Walz= und Hüttenwerken und auf Grund der Ergebnisse derselden entsprechende Vorkehrungen zum Schutze der Hüt ten= und Walzwerksarbeiter.— Eine achte Resolu tion Hompe'a(Zentr.) fordert Vorlegung eines Gesetzentwurfes betreffend Kartelle, Trusts und ähaliche Vereinigungen— Eine Resolution Nacken(Z.) fordert die Vorlegung eines Gesetzentwurfes betr r Unfallfürsorge bei den Arbeiten, welche zur Rettung von Personen oder Gegenständen vorgenommen werden.— Eine Resolution v. Brockhansen(kons.) fordert Vorlegung eines Entwurfes, welcher aktive und passive Bestechungen von Privatbeamten sowie den Versuch hierzu unter Strafe stellt.— Eine Re sclution Nieseberg(wirtsch. Vgg.) fordert eine Berechnung über die Wirkung der Herabsetzung der Al tersrente für den Bezug einer Altersrente auf das 65. Lebensjahr.— Eine Resolution Schack(wirtsch. Bag.) fordert Einführung der Verhältniswahlen für alle Wahlen von Vertretern der Arbeitgeber und Arbeiter auf Grund der Arbeiterversicherung und der Arbeitsrechtsgesetze. Eine weitere Resolution Schack (wirtsch. Vgg.) fordert Einführung von Arbeitskam mern für Handlungsangestellte, Werkmeister und Techniker.— Eine Resolution Bassermann(nl.) for dert Regelung der Arbeitszeit und der Sonntagsruhe in Kontoren und sonstigen kaufmännischen Betrie ben.— Eine Resolution Findel(nl.) fordert die Aus dehnung der Versicherungspflicht auf alle Handels geschäfte, soweit sie mit Lagerungs= und Beförde rungsbetrieb verbunden sind, und auf die gesamte Tätigkeit des Geschäfts.— Eine Resolution Bassermann(nl.) fordert die Vorlegung eines Gesetzentwurfes, welcher die Arbeitszeit, die Sonntagsruhe sowie die Ausbildung und Fortbildung der Gehülfen bei Rechtsanwälten, Notaren und Gerichtsvollziehern, ferner der Beamten der Krankenkassen und Versicherungsgesellschaften, von Konsumverwaltern und ähnlichen Betrieben regeln soll.— Die Resolution Neuner(nl.) deckt sich inhaltlich mit der Resolution Nacken. Eine Resolution Albrecht(Soz.) fordert einen Gesetzentwurf, der alle Arbeits= und Dienstverhältnisse einheitlich regelt. Eine weitere Resokution Albrecht(Soz.) fordert reichsgesetzliche Regelung der Berggesetzgebung und des Knappschafts wesens. Eine weitere Resolution Albrecht fordert Verordnungen zum Schutze der Walzwerks= und Hüttenarbeiter. Eine Resolution Albrecht(Soz.) fordert den Erlaß von Verordnungen betreffend Schutzvor richtungen in der Glashüttenindnstrie. Eine Resolution Albrecht(Soz.) endlich fordert einen Gesetzentwurf betreffend den Schutz des Baugewerbes. Abg. Giebberts(Zentr.): Erfreulicherweise können wir auf sozialpolitischem Gebiete einige Ansätze zu weiteren Fortschritten verzeichnen. Da das Zentrum hieran hervorragend mitgewirkt, wird man wohl nicht mehr von einer papiernen Sozialpolitik des Zentrums sprechen. Soll unsere Sozialpolitik fruchtbar sein, so muß damit Hand in Hand gehen die Unterstützung der Arbeiterorganisationen. Ich will mich über die sozialpolitischen Gesetze, die uns hier in der letzten Zeit beschäftigt haben, nicht weiter verbreiten, ich möchte nur betonen, daß wir außer der Arbeiterfürsorge auch eine kräftige Mittelstandspolitik treiben wollen.(Beifall.) Wir nehmen das besonders in Anspruch für die Regelung der Privatbeamtenfürsorge, und wir hoffen, daß diese Fürsorge eine Rückwirkung auf die Vervollkommnung der Arbeiterfürsorge haben wird. Die Invalidenversicherung ist bezüglich der Höhe der Renten sehr reformbedürftig. Und der Gegensatz zwischen den Leistungen einer Privatbeamtenversicherung und der versicherung darf in keinem Falle ein zu klaffender sein. Die technischen Angestellten und Werkmeister ürfen bei unserer Fürsorge nicht zu kurz kommen, und daher will unser Antrag Versäumtes nachholen. An die Regierung möchte ich die Frage richten, ob der Gesetzentwurf über das Hilfskassenwesen zurückgezogen werden soll. Zu bedauern ist, daß im Bezrk Oppeln in Steinkohlen= und Zinkhüttenwerken die Beschäftigung der Arbeiterinnen eine zu lange ist. Oppeln bildet hier eine Ausnahme. Leider wird in Oppeln auch zu sehr die Sonntagsarbeit gestattet. Anerkennenswert ist, daß uns eine Denkschrift zugegangen ist über die Bestimmungen betr. die Bekämpfung von Grubenbränden in den Bergwerken. möchte im Anschluß hieran speziell unsere Resolution empfehlen, die eine Zusammenstellung über die Verhältnisse der Knappschaftsvereine verlangt. Erwünscht wäre, wenn wir auch Aufschlüsse über die Arbeitsverhältnisse in den Walz= und Hüttenwerken erhielten; denn diese Industrie ist hinsichtlich der Unsälle die gefährlichste. Ueber die Mißstände auf dem Gebiete der Werkspensionslassen werde ich bei einer anderen Gelegenheit sprechen. Betreffend unsere Resolution über das Kartellwesen wird noch ein Fraktionskollege von mir sprechen. Zu den Assistentenstellen der Gewerbeaufsicht müssen auch befähigte Leute aus dem Arbeiterstande ohne weiteres zugelassen werden.(Beifall im Zentrum.) Auf das schärfste muß es verurteilt werden, wenn der Gewerbeinspektor für Lothringen erklärt hat, hinter den Gewerkschaften ständen parteipolitische Tendenzen, und wenn er weiter sich in Angriffen auf die christlichen Gewerkschaften ergeht. Es ist erfreulich, daß sich die große Mehrheit des Hauses auf den Boden der Tarisverträge gestellt hat. Ihre Tendenz ist, daß Arbeitgeber und Arbeiter als gleichberechtigte Faktoren Verträge abschließen. Ohne eine weitgehende Bewegungsfreiheit der Gewerkschaften können auf diesem Gebicte Fortschritte nicht gemacht werden. Daher ist es erforderlich, daß auch auf dem Gebiete des Koalitionsrechts endlich freie Bahn geschaffen wird. Erfreulich ist es, daß die Regierung den alten Standpunkt Vismarcks, daß Arbeiterbewegung und Sozialdemokratie dasselbe seien, verlassen hat, und daß sie jetzt auf dem Standpunkt steht, es müsse die Arbeiterbewegung in die heutige Staats= und Gesellschaftsordnung eingegliedert werden. Mit Geungtuung haben wir es begrüßt, daß endlich das Gesetz über die Arbeitskammern gekommen ist. Wir Aimmen dem Entwurf in sofern zu, als er berufliche Gruppierungen vorsieht. Aber wir verlangen als unerläßliche Ergänzung hierzu einen entsprechen= den lokalen Gruppenbau. Ferner wünschen wir, daß nicht allein die Arbeiterausschüsse zu Trägern des ganzen Wahlverfahrens gemacht werden, sondern in diese Frage auch der frische Zug der freien Arbeiterorganisation hineinspielt. Bevor wir zu den Einzelheiten der Vorlage Stellung nehmen, wollen wir die Kritik von draußen abwarter Geenübeunserer wirtschaftlichen Depression ist es zu bedauern, daß wir das Gespenst der Arbeitslosigkeit nicht zeitig gebannt haben. In dieser Beziehung möchte ich daher den Staat und die Gesellschaft an ihre Pflicht erinnern, ohne in diesem Moment eigene Vorschläge machen zu können.(Lebhafter Beifall im Zentrum.) Abg. Pauli=Potsdam(k.): Ich möchte mir die Anfrage erlauben, was die Regierung zu tun gedenkt, um die Arbeitswilligen gegen den Terrorismus der Streikenden zu schützen. Daß die Tarifverträge nur Gutes schaffen können, darin stimme ich Herrn Giesberts bei. Der Erlaß betr. das Submissionswesen wird von den unteren Verwaltungsorganen zu wenig berücksichtigt. Der unlautere Wettbewerb muß mehr eingeschränkt werden. Der Resolution des Zentrums betr. Sonntagsruhe von Handlungsgehilfen usw. können wir nicht zustimmen. Der Resolution Nacken stimmen wir zu. Abg. Stresemann(nl.) bittet den Staatssekretär, in absehbarer Zeit eine Zentralauskunftsstelle für Landwirtschaft, Handel und Industrie zu schaffen. Bezüglich der Kartelle müssen wir verlangen, daß sie sich von den Gesichtspunkten der Allgemeinheit leiten lassen. Zu bedauern ist, daß das Kohlensyndikat trotz der niedrigen Konjunktur an den hohen Preisen fest hält. Aba. Schmidt=Berlin(Soz.) führt aus, daß unter der ungünstigen Konjunktur nur die Arbeiter zu leiden hätten und daß es den Anschein habe, als ob der Zentralverband deutscher Industrieller die Sozialreform hemme. Im weiteren bespricht Redner die in Preußen eingeführte Legitimationspflicht der ausländischen ländlichen Arbeiter. Das Haus vertagt sich auf Mittwoch 1 Uhr.— Wenere. Interpellationen in dieser Richtung sind eingebracht von v. Zedliy(frk.)— Hobrecht(ntl.) und Fischbeck(frs. Vp.)— Arendt(kons.). Bages-Ereignille. * Berlin, 2. März. Bei der Ersatzwahl im 6. Posener Wahlkreis Fraustadt=Lissa Rawitsch) wurde Rittergutsbesitzer Reinde in Gruswitz(k.) einstimmig gewählt. Die Kölner Handelshochschule unternimmt eine Studienfahrt nach Deutsch=Ostafrika, und zwar in den Herbstferien. Die Reise wird zwei Monate dauern. Das Reichskolonialamt unterstützt die Teilnehmer und hat ihnen für die Fahrt an der Küste den Regierungsdampfer zur Verfügung gestellt. An Vorlagen sind dem Reichstag zugegangen der Entwurf betreffend Anderung des amtsgerichtlichen Verfahrens, die Zivilprozehordnung, die Gerichtsverfassung und die Gebührenordnung für Rechtsanwälte. Wegen des umfangreichen Tertes gelangen die Drucksachen erst in einigen Tagen zur Verteilung. Ferner ist dem Reichstag zugegangen eine Denkschrift über die im Jahre 1005 veranstaltete Handwerkerenauete. Der Kaiser begab sich heute vormittag zum Schlesischen Bahnhof, wo er die durchreisende KaiserinWitwe von Rußland begrüßte und sie im Zuge bis nach Charlottenburg begleitete. Spende des Kaisers. Der deutsche Botschafter in Madrid hat dem spanischen Minister des Innern 10000 M im Namen Kaiser Wilhelms für die durch die Ueberschwemmung in Malaga heimgesuchten Bewohner überreicht. Der Kaiser will hierdurch dem Danke dafür Ausdruck geben, daß die Bevölkerung der Stadt Malaga beim Untergang des Kreuzers „Gneisenau“ im Winter 1000 den Geretteten jede nur mögliche Unterstützung angedeihen ließ. Der„Reichsanzeiger“ veröffentlicht das Gesetz betreffend die Abänderung des Zuckerstenergesetzes, sowie den Erlaß betr. die Aufhebung des Kolonialrats und die Bildung von Kommissionen beim Reichskolonialamt, die dieses bei der Verwaltung der Schutzgebiete in beratender Weise unterstützen sollen. Beim Reichskanzler und der Fürstin v. Bülow fand gestern ein Diner statt, zu dem u. a. auch Reichstagsabgeordneter Bassermann eine Einladung erhalten hatte. Politische Betätigung von Beamten. In den letzten Tagen sind im Abgeordnetenhause laute Klagen darüber geführt worden, daß sich Landräte vielfach einer unzulässigen politischen Betätigung schuldig machten. Es wird jetzt ein Vorfall bekannt, der sich zwar nicht auf Landräte bezieht, der aber auch in das Kapitel des amtlichen Mißbrauchs fällt. Der Ostmarkenverein hatte eine Versammlung nach Mewe in Westpreußen einberufen. Zu dieser Versammlung hat der königliche Kreisschulinspektor in Mewe sämtliche Lehrer seines Bezirks eingeladen und zwar hat er dies noch dazu getan unter Ausnutzung der ihm in seiner amtlichen Eigenschaft zustehenden Portofreiheit. Wenn diese Blättermeldung zutrifft, so hat man es hier mit einem amtlichen Druck zu Gunsten des Ostmarkenvereins zu tun, der auf das schärffte verurteilt werden muß. Vielleicht gibt die Etatsberatung im Abgeordnetenhause noch Gelegenheit, diesen Fall klar zu stellen und falls der Sachverhalt zutrifft, eine Rektifizierung des Kreisschulinspektors eintreten zu lassen. Freiherr v. Stengel wird Berlin am 10. März verlassen, um nach München überzusiedeln. Über das Verhältnis seines Nachfolgers Sydow zum preußischen Finanzminister Freiherr v. Rheinbaben bringt die„Post“ eine längere Auslassung, aus der hervorgehet, daß zwischen beiden eine sachliche übereinstimmung zur Zeit keinedwegs besteht, wenn beide Herren bisher auch häusig miteinander in dienstliche Beziehungen getreten sind. Aus Deutsch-Südwestafrika kommt eine vielleicht erfreuliche Mitteilung:„Die südwestafrikanische Eisenbahn Otavi- Grootfontein, welche bekanntlich von der South West Africa Co. erbaut wird, hat nach einer an amtlicher Stelle eingetroffenen telegraphischen Meldung den Endpunkt Grootfontein erreicht.“— Die Bahn ist aus privaten Mitteln gebaut worden, um die Ausbeutung der dortigen Minen zu erleichtern. über die preußische Beamtenbesoldungsreform gab Finanzminister Frhr. v. Rheinbaben am Dienstag in der Budgetkommission folgende Erklärung ab: „Die Gehaltsvorlage ist durchgearbeitet, sie umfaßt 240 Druckseiten und ist dem Staatsministerium zur Entscheidung unterbreitet. Dasselbe wird in Bälde die Entscheidung treffen, nachdem klargestellt ist, was das Reich tun wird. Jedenfalls werden die Beamten die erhöhten Beträge rückwirkend vom 1. April dieses Jahres an ausbezahlt erhalten, selbst wenn die Vor. lage erst im Herbste eingebracht werden sollte.“ Angesichts der heutigen Erklärung des Finanzministers v. Rheinbaben in der Budgetkommission, welche in der Frage der Beamtenbesoldungsvorlage eine ausweichende Antwort gab, beschloß die Landtagsfraktion des Zentrums in ihrer heutigen Fraktionssitzung- sofort eine Interpellation einzubringen, in welcher die Staatsregierung nach einer bestimmten Antwort darüber befragt wird, ob sie gemäß ihrer wiederholten und bestimmten Ankündigung noch in dieser jetzigen Tagung eine entsprechende Vorlage cinbringen wird. Die im Vorhergehenden bereits angekundigte Interpellation des Zentrums über die Beamtenvorlage ist inzwischen eingebracht; sie trägt den Namen Porsch" und lautet:„Wann in dieser Session gedenkt die Staaksregierung die von ihr für dieselbe im vorigen Jahr in Aussicht gestellte Vorlage betr. Erhohung der Bezüge der Staatsbramten, Volksschullehrer und Geistlichen dem Landtage zu unterbreiten." Was nun? Dem Obersten a. D. Gädke ist in einem Urteil des Kammergerichts bekanntlich das Recht auf die Führung des Titels„Oberst a. D.“ abgesprochen wor den. Der alte Soldat, der offenbar den Schelm im Nacken hat, unterzeichnet demzufolge seinen jüngsten Artikel„Schlußwort eines Verurteilten“ folgendermaßen: Gädke, früher Oberst und Kommandeur des Feldartillerie=Regiments 41. Was wird das Kammergericht nun beschließen? v. Moltke— Roeren. Die Verhandlung des Abgeordnetenhauses über die behördliche Drangsalierung der aus dem Landesverbande ausgetretenen Kriegervereine zeigte, was wohl nicht genügend aus den Parlamentsberichten hervorgeht, eine ganz ungewöhnliche Erregung nicht nur beim Zentrum, sondern auf allen Seiten des Hauses. Der Abg. Roeren war in der Lage, aus der langen Reihe von Beläftigungen, die sich einzelne Bürgermeister aus dem Saargebiet haben zu schulden kommen lassen, mehrere Fälle dokumentarisch zu be legen, die man sonst für unglaublich halten sollte und an der Hand der Bestimmungen des Vereinsgesetzes die Gesetzwidrigkeit des Vorgehens nachzuweisen. Die Rede machte, wie die fortgesetzten Zustimmungs= und Beifallsäußerungen zeigten, den tiefsten Eindruck, nicht nur im Zentrum, sondern unterkennbar auch auf der Ministerbank. Der Minister sah sich denn auch außer stande, an den überzeugenden Ausführungen des Abg. Roeren auch nur das geringste zu widerlegen und half sich damit, durch einige später von ihm übrigens richtiggestellten Wen dungen über die Pflege des„nationalen Sinns“ in den Kriegervereinen aus der peinlichsten Situation, in die ihn der Abg. Roeren versetzt hatte, hinauszuwinden. Allgemeine Entrüstung und teilweise schallende Heiterkeit riefen namentlich die von Roeren vorgebrachten bürgermeisterlichen Erlasse an die Kriegervereine in Merzig und Losheim hervor, sodaß der Minister nicht umhin konnte, hier nähere Untersuchung und entsprechende Remedur zuzusagen. Überhaupt ließ die durch die Replik des Abg. Marx veranlaßte nochmalige Erklärung des Ministers keinen Zweifel mehr, daß an die hier in Betracht kommenden Beamten des Saar= und Moselgebietes von oben herab eine Verfügung ergehen wird, die mit Sicherheit den weiteren Behelligungen der Kriegervereine Einhalt gebietet. Es war Zeit, daß der unerhörte Mißbrauch der Kriegervereine zu parteipolitischen Zwecken und Wahlumtrieben, wie er von mehreren Vereinsvorsitzenden in jener Gegend versucht worden ist, einmal gründlich im Parlament beleuchtet wurde, und das ist in der Sitzung vom Freitag in der denkbar eindrucksvollsten Weise geschehen. Es muß außhören, daß unsere Kriegervereine zu Pflegestätten einseitiger Parteipolitik herabgedrückt werden. Wo die Mitglieder durch politische Parteistreitigkeiten auseinander gerissen werden, da können sie den idea len Zwecken des Vereins, den monarchischen Sinn und die kameradschaftliche Freundschaft zu pflegen, nicht dienen. Hoffentlich wird die Verhandlung im Abgeordnetenhause die Wiederholung solch statutenwidriger Vorgänge, wie sie bei den letzten Wahlen vorgekommen sind, auch in der Saar= und Moselgegend für immer ausschließen. Der Sprachenparagraph in der Kommission abgelehnt. 9 Die Vereinsgesetzkommission des Reichstages stimmte heute über den§ 7 ab und nahm zunächst vier Absätze, Nr. 2 bis 5 des freisinnigen Antrages an und lehnte sodann in der Gesamtabstimmung vollständig den ganzen Paragraphen ab. Durch die Ablehnung des§ 7 in der Vereinsgesetzkommission des Reichstages fällt dieser somit aus dem Gesetz. Damit ist die erste Lesung beendigt. Die zweite Lesung beginnt am Mittwoch den 11. März. Ansland. Italien. Gefährdung des Religionsunterrichts in den italienischen Schulen. Das Wolffsche Telegraphenbureau hat als Ergebnis der Schuldebatte in der italienischen Kammer bloß die Ablehnung des Antrags Bissolati auf Abschaffung des Religionsunterrichts gemeldet. Wer die Sache genauer verfolgt hat, dem war es ohne weiteres klar, daß damit die Angelegenheit nicht erledigt sein könne. War doch die wichtigste Frage diese, welche das Schicksal des Ministerialerlasses sein werde, der den bisher für die Gemeinden obligatorischen Religionsunterricht in einen fakultativen verwandelt hatte. Giolitti ist aus dem mit großer Heftigkeit geführten Kampfe als Sieger hervorgegangen; denn als der Antrag Bissolati mit 941 gegen 60 Stimmen abgelehnt war, wurde die von der Regierung eingebrachte Tagesordnung mit großer Mehrheit(270 Stimmen gegen 129) angenommen, und ihre Verfügung somit von der Kammer gutgeheißen. Die katholischen Abgeordneten haben ihr Bestes getan, um die Erhaltung des früheren Zustandes zu erzielen. Einige von ihnen haben ihren Standpunkt mit seltenem Geschick und hinreißender Beredsamkeit verfochten, wir nennen vor allem Ca meroni, Cornaggia, Mauri und Stoppato, die sich auch bei der Abstimmung über die Tagesordnung nicht von ihren Prinzipien abbringen ließen. Manche Katholiken vertraten allerdings anscheinend die Ansicht, daß die scharfe Absage des Ministe riums an den Antrag Bissolati eine gewisse Garantie bicte, die man von einem neuen Kabinett nicht bestimmi erwarten könne, und daß bei der verhältnismäßig geringen Anzahl kirchlich gesinnter Deputier ter der Sturz Giolittis höchstwahrscheinlich mehr Schaden als Nutzen bringen würde. Von diesem Gesichtspunkte aus gaben sie ihr Votum für die Tagesordnung ab. Am meisten hat aber auf ihre Stellungnahme die Versicherung des Ministerpräsidenten cingewirkt, daß die neue Schulordnung vorlänfig nur ein Provisorinm sein soll, an dem jedoch jederzeit nach den gemachten Erfahrungen Veränderungen vorgenommen werden könnten. Der Ministerialerlaß wurde also lediglich als eine Art Versuch hingestellt, den um die Schule entbrannten Streit gütlich beizulegen. Die ausgesprochenen Antiklerikalen waren mit den Ausführungen Giolittis ebenso wenig einverstanden, wie die entschiedenen Katholiken, und stimmten gleichfalls gegen die Regierung. Giolitti vertratadie Ansicht, daß die Bevölkerung Italiens ebenso wenig vom Klerikalismus als vom Antiklerikalismus etwas wissen wolle, und daß diese Tatsache für die Lösung der Schulfrage entscheidend sein müsse. Der Staat könne nur eine Laienschule als die seinige anerkennen, andererseits verbiete aber die den Bürgern gewährte Gewissensfreiheit eine Unterdrückung des Religionsunterrichts, wie sic von Bisso lati gefordert werde. Gewiß sei der Religionsunterricht in der Schule weder für die Lehrer noch für die Schüler obligatorisch, aber da die meisten Ita liener ihn offenbar wünschten, müsse aus taktischen Gründen der Staat für dessen Erteilung ein gewisses Entgegenkommen zeigen, weil eine absolut konfessionslose Schule zweifellos den Analphabetismus fördern würde. Deshalb müßten vor allem die Schullokale für den Religionsunterricht frei gegeben werden, die Entscheidung über dessen Übernahme durch die Gemeinden müsse man jedoch diesen selbst überlassen. Der schlaue Giolitti hat also wieder einmal einen seiner beliebten Schachzüge fertig gebracht. Durch keine Schlanbeit dat er die Aufmerksamkeit masten Hantt, Hamik Ben NE Rechtsgiltigkeit des Ministerialerlasses, abgelenkt und dazu noch für diesen ein Zustimmungsvotum errungen. Am zufriedensten sind mit ihm die gemäßigten Liberalen. Die Katholiken aber sollen es sich merken, wieviel die Uhr geschlagen hat, und, wie der Corriere d' Italia schreibt, im großen Stile ihre Wahlorganisation aufbauen, weil von ihr ihre ganze Zukunft abhängt. Die nächsten Folgen des Ministerialerlasses werden sich wohl für sie sehr unangenehm bemerkbar machen. Ein Erfolg des deutschen Fabrikats. Infolge günftiger Begutachtung der Kruppgeschütze durch die Untersuchungskommission hat der neue Kriegsminister die Kruppwerke angewiesen, den Auftrag, der suspendiert wurde, nun doch zur Ausführung zu bringen. Kirche □ Der Kaiser empfing den neuernannten Staats= sekretär des Reichsschatzamtes Sydow und sodann den Abt von Maria Laach zur Vorführung eines Modells zur Ausschmückung der Kirche in Maria Laach. X In der Budgetkommission des Reichstags führte am Dienstag Staatssekretär Dernburg auf eine Anfrage über die Baumwollkulturversuche in Ostafrika aus, daß eine Baumvollschule eristiere, die gute Erfolge zeitige. Es seien an verschiedenen Stellen Versuche mit der Baumwolle gemacht worden, die ein gutes Ergebnis gehabt hätten. So sei in einem Garten Baumwolle mit künstlicher Bewässerung gezogen worden und hierbei habe sich herausgestellt, daß diese Art der Kultur den 14fachen Ertrag ergeben habe gegenüber der im freien Felde gezogenen Baumwolle. + Der Zentralvorstand der nationalliberalen Partei beschäftigte sich in seiner gestrigen Sitzung in der Hauptsache mit der preußischen Wahlreform Angenommen wurde folgende Resolution: Die Reform des preußischen Landtagswahlrechts ist unaufschiebbar, von der Einführung des Reichstagswahlrechts ist abzusehen. Die Reform ist darauf zu richten, daß 1. eine anderweite Feststellung der Wahlbezirke und der Zahl der in ihnen zu wählenden Abgeordneten herbeigeführt wird. 2. daß auf die soziale und wirtschaftliche Schichtung des Volkes und ihre Bedeutung für die Gesamtwohlfahrt Rücksicht genommen wird, 3. daß in diese Reform die geheime und direkte Stimmabgabe aufgenommen wird. □ Die preußischen Finanzen wurden am Samsnder tag in der Budgetkommission des Abgeordnetenhauses bei der Beratung des Etats besprochen. Zu der Frage, ob in dieser Session noch an eine Erhöhung der Einkommenstener gedacht werde und in welcher Weise, konnte die Regierung eine bestimmte Erklärung noch nicht abgeben. Es sei ein Entwurf im Finanzministerium ausgearbeitet, es sei darüber aber im Staatsministerium ein Beschluß noch nicht gefaßt worden. — Im Jahre 1007 sind an Steuern 247 Millionen Mark eingekommen, etwa 18 Millionen mehr, als veranschlagt war. Dies wird auf die besondere günstige wirtschaftliche Lage zurückgeführt, sodann aber auch auf die Besteuerung der G. m. b. H., die 3 Millionen, und die Anderung im§ 25, die etwa 7 Millionen eingebracht hat.— Hier wird zum ersten Male zugegeben, daß man mit der Verschärfung der Auskunftspflicht der Arbeitgeber über die Löhne ihter Arbeiter einen ungeheuren finanziellen Erfolg erzielt hat. Daß die Arbeiter diese 7 Millionen Mark an Steuern mehr zu gahlen hatten, und in alle Ewigkeit zu zahlen haben werden, das verdanken sie den nationalliberalen Arbeiterfreunden. — Der 18. März soll, wie mehrfach behauptet wurde, von der Sozialdemokratie durch einen Generalstreik gefeiert werden. Auf eine diesbezügliche Bemerkung der„Freisinnigen antwortet der„Vorwärts“ höhnisch, daß bereits seit Wochen von den zuständigen Instanzen deschlossen worden sei, daß an allen größeren Orten, wo dies möglich sei, am 18. März in Ermnnerung an die Märzereignisse von 1848 Volksversammlungen abgehalten werden sollen, in denen die Wahlrechtsfrage für Preußen erörtert werden solle. Da der 18. März in diesem Jahre auf einen Mittwoch fällt, so werden, wenn die Versammlungen zalhreich besucht sein sollten, die sozialdemokratischen Arbeiter für einen Nachmittag die Arbeit niederlegen müssen. Die Sozialdemokratie wird doch selbst nicht glauben wollen, daß sie mit einer solchen„Märzkundgebung“, deren Kosten niemand anders als die Arbeiter bezahlen müssen, irgend etwas erreichen merne. X Posen, 3. März. In einem Steinbruch bei Hochdorf wurden 9 Arbeiter verschüttet. Zwei blieben tot, mehrere wurden verletzt. X München, 8. März. Nach hier an kompetenter Stelle eingetroffenen Nachrichten, wird Kaiser Wilhelm am 25. d. Mts. München passieren und über den Brenner und Venedig nach Korfu reisen. X Haag, 2. März. Der Besuch des Prinzen Heinrich 35. von Reuß, des Gesandtschaftsattachees bei der holländischen Gesandtschaft in Paris, der sich acht Tage am Hofe in Haag aufhielt und vorgestern nach Paris zurückkehrte, wird in politischen Kreisen lebhaft erörtert. Bekanntlich gilt der ältere Bruder des Gesandtschaftsattachees Prinz Heinrich 32. als legitimer Nachfolger auf den holländischen Thron für den Fall, daß Königin Wilhelmine einen Erben nicht mehr erwartet. Paris, 3. März. Wieder ein Opfer der französischen Spionenfurcht.„Journal“ berichtet aus Toulon: Die Polizei verhaftete einen jungen Deutschen namens Schlaper, der im Marinearsenal angetroffen wurde. Bei dem Verbör sagte er aus, er habe mit einer Gruppe Arbeiter das Arsenal betreten, ohne daran zu denken, daß der Eintritt für Fremde verboten sei. Der junge Mann wurde wieder entlassen, aber verpflichtet sich, für die nächste Zeit zur Verfügung der Bebörden zu halten. Chirago, 3. März. Ein anarchistischer überfall. Gestern drangen 3 Männer in die Wohnung des Volizeichfs Schippy ein und brachten seinem Sohne und dem Kutscher durch Dolchstiche schwere Verletzungen bei. Der Polizeichef erschoß einen der Anareifer. Es liegt ein Racheakt von Anarchisten vor. — Newyork, 4. März. Der anarchistische Schrecken. Der Erzbischof zeilte der Polizei mit, daß er einen Drohbrief erhalten habe, in dem ihm die Anarchisten mitteilen, daß sie seinen Tod beschlossen hätten. Auch Kardinal Gippons hat einen Trohbrief erhalten. ebenso mehrere Finanzleute und der Polizeikommissar, welcher die Verfolgung der Anarannen leitet. (e) Teheran. 4. März. Gestern wurden bier Personen verhaftet unter dem Verdachte, das Attentat gegen den Schah verübt zu haben. Einer hat bereits gestanden, an dem Attentat beteiligt gewesen zu sein. Die Verhafteten hatten sich an einen Ort geflüchtet, der von jeher als Zufluchtsort für volitische Verbrecher gilt. Die Derwische, welche durch das Eindringen der Polizei in diesen Zufluchtsord sehr erbittert find, setzten der Verbaftung beftigen Widerstand entgegen. Mexiko ist soel vn Baptist und einer Aissionäre in Mexiko enommen worden. E vorden. Sloan war d issionär; zuerst war lang in Mexiko tan ründet und viele hon nun an seine Rül Erfahrung in den T kellen. 1 Hausfriedensbri gen 9 Uhr drangen irschen Spinnerei Betonarbeiter in diBürgers ein, ergriff je ahnungslos am Verschiedene Verletz Schließlich gelang es n die Luft zu setzer die Polizei des Ron solchen rabiaten aus denen auch am Sonn kum auf dem Wege höfen arg belästigt X Handwerker=Ki wurde der für Handi beschlossen. Herr E rend über die Vert Im Anschluß an den sehr lebhafte Diskuss vorhergegangenen V Fragen noch klarer sehr erfreuliche Frud rin, daß sieben Ar prüfuna bei der erfolgt sind. Mögen gen, die gegeben sin gen! Gott segne das * Einen Akt rohe Knecht des Brennereibe Tag. Mit einem dre er ausgeschickt worden, Fn. Als eines der P no er dasselbe hinten darum zu kümmern. wurde etwa 1000 Mete geschleift. Als der K aufmerksam gemacht verendet. Da Anzeige Menschen hoffentlich ei treffen. X Schöffengericht. ung verhandelt: 1. G Fischer geb. Reike aus telns. Die Angeklagte bestraft.— 2. Gegen! Hausdülmen, angeklag Lärms. Gegen die P. Dülmen, welche den A von 16 A geschlagen richtliche Entscheidung warf den Einspruch 1 auf das Doppelte, also Maurer Herm. Boven Bergmann Heinrich W sesten Wohnsitz, angekla nergewerbe=Steuer=Ges der Landstreicherei. D Landstreicherei zu 2 W von der Uebertretung! freigesprochen.— 4. Ge und Ant. St., den We lier, sowie gegen den 2 richtsgefängnis, die meinschaftlichen, schwer tere der Bedrohung 1 Es erfolgte die Bestraft und zwar des Ri. zu Sch. zu 20 A, des Br * Eine für Besitzer scheidung fällte dieser nach ist derjenige, der britten aus Gefälligkei Sicherheit haftbar. De den Standpunkt, daß d Gefälligkeit und ohne der Tierhalterhaftung wurde. * Haltern, 3. Mä steher Nahf ist zum 1. genschaft von hier nach Bahnhofsvorsteher Rein Hen Tage ab als 2. Vor ahnassistent Anton 9 Oberbahnassistenten ern gegen elf Uhr brach in nehmers Fritz Klaus a aufgeklärte Weise Fei auf das angrenzende rend es gelang, Mobili bringen, wurden die C der Flammen. Mit An willigen Feuerwehr, di Kupferschmiedemeisters sers Geldermann vor chützen. Der Schaden W Lette. 4. März. Fahrweges an der neue haben kürzlich die Gem regreß der Gemeinde! essenten offen gelegen. den, daß der fragliche? Unsere Vorfahren haber die allgemeine Benutzur ist aber nach dem Urtei dadurch doch ein Interletzteren auch die Wege haben tragen müssen. * Coesfeld, 1. M ung des Kreistages na Frhr. von Fuerstenberg neu- bezw. wiedergewä ren Wahlen von der Ve wurden, vor. Die für vor Jahresfrist erlassen nung wurde mit den vo nen Anderungen genehr ratung des Kreiskommu das Rechnungsjahr 1908 1008 beläuft sich in C 204 00 A und wurde 1 sammlung festgesetzt. Schankkonzessionssteuer der Kreissteuern mit 10 höhung des Prozentsatze jahr voraussichtlich nich unterhaltungskosten wer Beitrag des Kreises zu sich auf 40 000#— In Stadt an verschiedenen( Zahlung gegeben wo Bildnis Kaiser Wilhelm und fallen durch ihr leic * Münster, 3. Mär ynd am gestrigen Roser 2 Kirche und Schule. In Mexiko ist soeben Herr Wilhelm H. Sloan, hin Baptist und einer der rührigsten protestantischen Missionäre in Mexiko in die katholische Kirche aufhenommen worden. Er ist„sub conditione" getauft worden. Sloan war durch 34 Jahre protestantischer Missionär; zuerst war er in Indien und dann 24 Jahe lang in Mexiko tätig; er hat mehrere Kirchen gebründet und viele Zeitungen redigiert. Er wird bon nun an seine Rührigkeit und seine langjährige Erfahrung in den Dienst der katholischen Kirche kellen. Weltfalen 1 Hausfriedensbruch. Am Sonntag Abend „en 9 Uhr drang ein an dem Neubau der Bendixschen Spinnerei beschäftigter, ausländischer Betonarbeiter in die Wohnung eines hiesigen Bürgers ein, ergriff einen Stuhl und schlug auf die ahnungslos am Tische sitzende Familie ein. Verschiedene Verletzungen waren die Folge. Schließlich gelang es, den frechen Eindringling an die Luft zu setzen. Hoffentlich erbarmt sich die Polizei des Rowdies und befreit uns von solchen rabiaten ausländischen Elementen, von denen auch am Sonntag Nachmittag das Publikum auf dem Wege zwischen den beiden Bahnhöfen arg belästigt wurde. X Handwerker=Kursus. Am Freitag Abend wurde der für Handwerker veranstaltete Kursus beschlossen. Herr Esterhues sprach sehr belehrend über die Verträge des täglichen Lebens. Im Anschluß an den Vortrag entwickelte sich eine sehr lebhafte Diskussion über den letzten und die vorhergegangenen Vorträge, durch die manche Fragen noch klarer beantwortet wurden. Eine sehr erfreuliche Frucht dieses Kursus besteht darin, daß sieben Anmeldungen zur Meisterprüfung bei der Handwerkskammer Münster erfolgt sind. Mögen auch die anderen Anregungen, die gegeben sind, praktischen Nutzen bringen! Gott segne das ehrbare Handwerk! * Einen Akt rohester Gefühllosigkeit legte der Knecht des Brennereibesitzers N. aus Daldrup an den Tag. Mit einem dreispännigen Lastfuhrwerk war er ausgeschickt worden, um die Aufträge zu erledigen. Als eines der Pferde unterwegs Kolik bekam, band er dasselbe hinter den Wagen, ohne sich weiter darum zu kümmern. Das Pferd kam zu Fall und wurde etwa 1000 Meter weit auf der Chaussee mitgeschleift. Als der Knecht von Passanten hierauf aufmerksam gemacht wurde, war das Tier bereits verendet. Da Anzeige erstattet ist, wird den rohen Menschen hoffentlich eine ganz exemplarische Strafe treffen. X Schöffengericht. Es wurde in gestriger Sitzung verhandelt: 1. Gegen die Hausiererin Sibilla Fischer geb. Reike aus Münster, angeklagt des Bettelns. Die Angeklagte wird mit zwei Tagen Haft bestraft.— 2. Gegen den Fuhrknecht Heinr. P. aus Hausdülmen, angeklagt der Erregung ruhestörenden Lärms. Gegen die Polizeistrafe der Polizeibehörde Dülmen, welche den Angeklagten dieserhalb in Höhe von 16 A geschlagen hat, hat der Angeklagte ge richtliche Entscheidung beantragt. Das Gericht verwarf den Einspruch und erhöhte die Polizeistrafe auf das Doppelte, also auf 90 a— 8. Gegen den Maurer Herm. Bovenkamp aus Österfeld und den Bergmann Heinrich Wilde aus Oer, beide z. Z. ohne elten Wohnsitz, angeklagt der Uebertretung des Hau ergewerbe=Steuer=Gesetzes vom 3. Juli 1876 sowie tr Landstreicherei. Die Angeklagten werden wegen Landstreicherei zu 2 Wochen Haft verurteilt, dagegen von der Uebertretung des Gesetzes vom 3. Juli 1876 freigesprochen.— 4. Gegen die Hilfsorbeiter Ant. Ri. und Ant. St., den Weber Bern. Sch., sämtlich von hier, sowie gegen den Tagelöhner Josef Br., z. Z. im richtsgefängnis, die drei ersteren angeklagt der gemeinschaftlichen, schweren Körperverletzung, der letz tere der Bedrohung und öffentlichen Beleidigung. Es erfolgte die Bestrafung sämtlicher Angeschuldigten und zwar des Ri. zu 50 A, des St. zu 80 MN, des Sch. zu 20 A. des Br. zu 40#K Geldstrase. * Eine für Besitzer von Gespannen wichtige Entscheibung fällte dieser Tage das Reichsgericht. Danach ist derjenige, der auf seinem Gespann einen britten aus Gefälligkeit mitnimmt, nicht für dessen Sicherheit haftbar. Das Reichsgericht stellte sich auf den Standpunkt, daß durch das Mitfahrenlassen aus Gefälligkeit und ohne Vergütung eine Ausschließung der Tierhalterhaftung stillschweigend vereinbart wurde. gegen 76 im Vorjahre, 686 im Jahre 1006 und 730 im Jahre 105. Das Leben auf den Straßen hielt sich in angemessenen Grenzen, grobe Ausschreitungen kamen nirgends vor. * Münster, 4. März. Die Freunde gesunder, echter Karnevalsfreuden, die sich um das Wiederaufleben eines Karnevalszuges bemüht haben, haben den Dank und nicht zuletzt die Anerkennung vieler verdient, aller, die gestern in den ersten Nachmittagsstunden in die Altstadt pilgerten, um sich an dem Vorbeizug des Karnevalszuges zu ergotzen und zu erheitern. Und die zählten nach Tausenden. In den Straßen wogte es auf und ab, und verschiedentlich herrschte ein Gedränge, das lebhaft an die Menschenansammlungen in den Kaisertagen erinnerte. Eröffnet wurde der Zug durch ein paar He rolde zu Pferde. Es folgte hoch zu Roß unsere Kü rassierkapelle in schmucker Kleidung. Dann töff=töffte ein Wagen heran, die Zeppeline, die neueste Errungenschaft auf dem Gebiete des Antomobilismus und der Aeronautik darstellend, die Führer tief in Pelzen vermummt. Recht nett war der Wagen mit dem„vom Stadtrat erlaubten“ Sektbuffet, dem man in diesem Jahre so ziemlich den Garaus gemacht hat. Der Wagen mochte in manchem„wehmütige Erinnerungen“ wecken. Viel Heiterkeit erregte der Wagen„Auflucht für Harfenmädchen“. Eine Anzahl berittener Metzger brachten dann eine Abwechselung. Und schwer und wuchtig rollte der Wagen der starken Männerschaft heran, die eine„internationale Ringkampfkonkurrenz um den großen Preis von Angelmodde“ ausfochten. Was das sogen.„Siegerden! mal“ bedeuten sollte, leuchtete wohl jedem bald ein. Kommentar überflüssig! Recht gelungen war der Wagen„Landwirtschaftliche Hochschule", der auch einige Musiker mit sich führte. Auch der nun folgende Tutti=Frutti=Wagen war mit Lust und Laune ausstaffiert worden. Viel Witz zeigte der Wagen„Der Kaiser kommt“, der auf die Straßenpflasterungen in Münster vor den Kaisertagen anspielte. Der nächste Wagen„Die Steuerschraube“, mag in manchem Zuschauer bange Ahnungen wachgerufen haben. Dem Anscheine nach war der folgende Wagen, der keine nähere Bezeichnung trug, nebst Vorreitern von den Gärtnern gestellt. Schmetternde Musik der Viegenerschen Kapelle kündete dann das Nahen Sr. Tolli tät, des Prinzen Karneval an, der, eine prächtige Figur, hoch unter rotem Baldachin thronte. Vorher hatte noch ein geschmackvoll ausgestatteter Wagen, „das Erwachen des Karnevals 1908“, die Aufmerksamkeit des Publikums erregt. Hoffentlich hat der letzte Wagen, auf dem Gaben für die Armen Münsters eingesammelt wurden, die nötige Beachtung gefunden, damit sich eine schöne Summe für die Be dürftigen ergibt. Dann wäre gleich das Angenehme mit dem Nützlichen verbunden worden. Im ganzen waren trotz der Kürze der Zeit 17 Wagen zusam mengebracht worden. * Lüdinghansen, 8. März. Dem Gutsbesitzer G. verschwanden schon seit Jahren aus seiner Wal dung eine große Anzahl 20. bis 25jähriger Eichen. Am 24. Januar d. Is., bei sehr starkem Nebel, wurde der Bestand wiederum um 16 schöne kräftige Stäm me verringert. Trotz eifrigster Bemühung konnten die Täter, die seit Jahren diesem Frevel nachgingen, nicht erwischt werden. Durch Zufall fand man vor einigen Tagen die Spur und nahm dann eine gründ liche Untersuchung vor. Hierbei stellte sich heraus, daß ein in den besten Verhältnissen lebender Gutsbesitzer und seine Frau den mühsamen Diebstahl im Dunkel der Nacht ausgeführt haben. Sie haben ein umfassendes Geständnis abgelegt. der Stadt sind beschädigt. Glücklicherweise sind die vorgeschichtlichen Funde sowie sämtliche fränktsche Altertümer, Inschriften, Waffen, Schmucksachen usw. unversehrt geblieben. Vorläufig wird die ganze Sammlung im Rathause untergebracht werden. = St. Johann, 8. März. Wegen Sittlichleitsverbrechen in zahlreichen Fällen an Kindern im Alter von 9 bis 10 Jahren wurde der Millionenerbe Bruch hier verhaftet. Die Staatsanwaltschaft lehnte es av, ihm gegen eine Kaution von 60 000 A einstweilen auf freien Fuß zu setzen. * Püttlingen, 28. Febr. Am Grabe noch. Am Montag morgen wurde hier der Gemeinde Exekutor Georg Kiefer beerdigt. Derselbe hat die Feldzüge 1806 und 1970=71 mitgemacht. Der Verstorbene war Vorsitzender des hiesigen Kriegervereins, der, wie allbekannt, aus dem Deutschen Verbande ausgetreten war. Infolgedessen war bei dem Begräbnisse jede militärische Ehrenbezeugung gegen den Verstorbenen laut Reskript des Landrates Saarbrücken verboten. Es durfte keine Gewehrsektion gebildet, es durfte auf dem Kirchhofe nicht geschossen werden, wie dieses in ganz Deutschland in Gebrauch ist. Nur eines hat man gestattet, es durften noch die Ehrenzeichen hinter der Leiche hergetragen werden. Aufgefallen ist allgemein das Benehmen zweier Gendarmen, die den Leichenzug überwachen zu müssen glaubten, trotzdem der Bürgermeister und die ganze Zivilpolizei als Leidtragende an der Beerdigung teilnahmen. Wir haben also hier den Fall, daß ein Veteran unter Bewachung der Gendarmerie beerdigt wird. Vermilchtes. * Lüdinghausen, 3. Märg Amtmann * Haltern, 3. März. Herr Oberbahnhofsvorsteher Nahf ist zum 1. April d. Is. in gleicher Eigenschaft von hier nach Homberg a. Rh. und Herr Bahnhofsvorsteher Reinecke von Münster ist vom aleichen Tage ab als 2. Vorsteher nach hier versetzt. Herr ahnassistent Anton Bauer von hier wurde zum Oberbahnassistenten ernannt.— Am Sonntag Abend gegen elf Uhr brach in der Stallung des Fuhrunter nehmers Fritz Klaus auf der Mühlenstraße auf unaufgeklärte Weise Feuer aus, welches sofort auch auf das angrenzende Wohnhaus übergriff. Während es gelang, Mobiliar und Vieh in Sicherheit zu bringen, wurden die Gebäude vollständig ein Raub der Flammen. Mit Anstrengung gelang es der Freiwilligen Feuerwehr, die angrenzenden Gebäude des Kupferschmiedemeisters Ernst und des Metzgermeisters Geldermann vor dem entfesselten Elemente zu chützen. Der Schaden ist durch Versicherung gedeckt. W Lette, 4. März. Wegen der Umlegung des Fahrweges an der neuen Blockstation im Letterbruch haben kürzlich die Gemarkungskarten und der Wegeregreß der Gemeinde Lette zur Einsicht der Interessenten offen gelegen. Es ist nun festgestellt worden, daß der fragliche Weg ein Interessentenweg ist. Unsere Vorfahren haben nach dem Wegeregreß wohl die allgemeine Benutzung dieses Fahrweges gestattet, ist aber nach dem Urteil juristischer Sachverständiger dadurch doch ein Interessentenweg geblieben, da die letzteren auch die Wegebaupflicht und Unterhaltung haben tragen müssen. * Coesfeld, 1. März. In der gestrigen Sitzung des Kreistages nahm der Vorsitzende, Landrat Frhr. von Fuerstenberg, zunächst die Einführung der neu= bezw. wiedergewählten Kreistagsmitglieder, deren Wahlen von der Versammlung für gültig erklärt wurden, vor. Die für den Kreis Coesfeld bereits vor Jahresfrist erlassene Schankkonzessionssteuerordnung wurde mit den vom Bezirksausschuß beschlosse nen Anderungen genehmigt. Es fand dann die Be zatung des Kreiskommunalkassen Voranschlages für das Rechnungsjahr 1908 statt. Der Voranschlag für 1008 beläuft sich in Einnahme und Ausgabe auf 20400 A und wurde in dieser Höhe von der Versammlung festgesetzt. Die Einnahmen aus der Schankkonzessionssteuer sind mit 1500 M, der Bedarf der Kreissteuern mit 166 000 AA eingestellt, eine Erhöhung des Prozentsatzes wird aber gegen das Vorjahr voraussichtlich nicht stattfinden. An Chausseeunterhaltungskosten werden 65 000 A gefordert, der Beitrag des Kreises zum Provinzialbedarf beläuft sich auf 40 000 K.— In jüngster Zeit sind in unserer Stadt an verschiedenen Stellen falsche Fünfmarkstücke mn Zahlung gegeben worden. Dieselben tragen das Bildnis Kaiser Wilhelm II. mit der Jahreszahl 1903 und fallen durch ihr leichtes Gewicht auf. * Münfter, 3. März. 155 Maskenkarten und am gestrigen Rosenmontag verausgabt worden. Fruntke von hier ist gestern morgen nach schwerem Leiden im Alter von 48 Jahren gestorben. Er war von 1889—1809 erster Stadtsekretär in Reckling hausen, von da ab bis zum 1. Oktober 1906 verwal tete er die Stadt= und Landgemeinde Olfen, bis er am 1. Oktober 1906 die Verwaltung der Landge meinde Lüdinghausen und Seppenrade übernahm. Der Eisenbahnfiskus ist mit der Stadt verwaltung zwecks Ankaufs von Grundstücken zum Bau von Beamten=Wohnungen in Verhandlung ge treten. * Warendorf, 3. März. Eine verdiente Auszeichnung ist, wie der„Neue Emsbote“ mitteilt, einem im Auslande wirkenden Sohne unserer Stadt zuteil geworden. Der Direktor der Deutschen Schule in Madrid, Dr. phil. Bernhard Fromme, hat im vergangenen Monat den Roten Adler orden 4. Klasse erhalten. Dr. Fromme, der sich schon des Besitzes des spanischen Ordens Isabellas der Katholischen, des spanischen Militärverdienstordens und einiger anderer Ordensauszeichnungen erfreut, hat also nunmehr auch ein Zeichen der Anerkennung. der heimischen Regierung erhalten. — Gelsenkirchen, 3. März. Auf dem Bahnhof Rotthausen wurde der Arbeiter Redkorki beim überschreiten der Geleise von einem Personenzug überfahren und getotet. R. war verheiratet. * Wesel, 2. März. Der Beschluß der Stadtverordnetenversammlung über die Gewährung von Teuerungszulagen an die Lehrpersonen der hiesigen Volksschulen hat mit Rücksicht auf das in ussicht stehende Lehrerbesoldungsgesetz die Genehmigung der Königl. Regierung nicht gefunden. * Eller, 8. März. Ein Raubmordversuch wurde vorgestern von einem Maskierten an dem Villenbesitzer Wirtz verübt. Wirtz saß in der Wohnstube, um Kassengeschäfte zu ordnen, als sich die Tür öffnete und ein Maskierter hereinsprang und ihm mit einem Gummischlauch, an dessen Ende sich eine Schraubenmutter befand, auf den Kopf schlug. Glücklicherweise verlor der Ueberfallene nicht sofort die Besinnung, so daß es ihm gelang, den Buben zu ergreifen und ihm die Larve vom Gesicht zu reißen. Er erkannte in ihm einen früheren Müller burschen. Wirtz hatte noch so viel Kraft, um mittels des Telephons Hülfe herbeizurufen. Dann brach er zusammen, während es dem Eindringling gelang, die Flucht zu ergreifen. * Ronsdorf, 3. März. Der seltene Fall, daß ein Stadtverordneter wegen nicht fristzeitiger Einladung zur Sitzung die Gültigkeit der sämtlichen in der betreffenden Sitzung gefaßten Beschlüsse anficht, ist hier zu verzeichnen. In der letzten Stadtverordnetensitzung teilte der Bürger meister Staas mit, daß der Stadtverordnete Halbach gegen die Gültigkeit der in der Sitzung vom 14. Februar gefaßten Beschlüsse Protest eingelegt habe. Nach der Geschäftsanweisung für die Stadtverordnetenversammlung müssen die Einladungen zu einer Sitzung wenigstens zwei freie Tage vorher ergehen. Der Stadtverordnete Halbach hat die Einladung aus weislich des Poststempels verspätet erhalten. Das Kollegium gab dem Protest Folge und beschloß einstimmig die Nichtigkeitserklärung der Stadtverordnetenbeschlüsse vom 14. Februar. Andernach, 2. März. Gestern abend brach im Hotel zum Kurfürsten am Rheinwerft ein Schadenfeuer aus. Die Flammen griffen auf das unmittelbar danebenliegende alte Rheintor über. Besonders wurde der rheinseitige Teil des Gebäudes, der sog. Zoll, der erst im Jahre 1898 unter Beihülfe des Provinziallandtags von der Stadt Andernach vollständig restauriert worden war, in Mitleidenschaft gezogen. Der hohe, von zwei stumpfen Türmchen flankierte Dachstuhl ist völlig niedergebrannt. Auch der darunter befindliche große Saal, in dem die städtische Altertumssammlung untergebracht ist, hat schwer gelitten. Von den Altertümern wurde der größte Teil der frührömischen Gefäße, die einen wertvollen Teil der ganzen Sammlung bilden, durch herabstürzendes brennendes Gebälk zertrümmert. Auch zahlreiche andere Gegenstände, so die an den Wänden befindlichen eingerahmten alten Ansichten Berlin, 3. März. In juristischen Kreisen wird ein Aufsehen erregender Vorfall hier lebhaft erör tert. Kürzlich war eine Geldschranteinbrecherbande festgenommen worden. Jetzt sind vier der gefährlichen Burschen infolge eines Versehens des Untersuchungsrichters wieder auf freien Fuß gesetzt worden, obwohl alle Mitglieder der Bande ein umfassendes Geständnis abgelegt hatten. Das Versehen ist so zu erklären, daß der erste Haftbefehl des Untersuchungsrichters, der im allgemeinen nur für einige Tage ausgefertigt wird, nicht erneuert wurde. Infolgedessen hat die Direktion des Untersuchungsgefängnisses die Leute freigelassen. * Stettin, 2. März. Auf dem Gute des Herrn von Neumann, Hamseberg bei Schwedt, wurde in der letzten Nacht eingebrochen und der gesamte Inhalt des Geldschrankes, etwa 10 000 Mark, gestohlen. — Charlottenburg, 4. Febr. Ein Kindermörder verhaftet. Am 4. Januar wurde hier die 4 Jahre alte Else Milke von einem Manne durch Stiche in den Unterleib schwer verletzt, so daß sie starb. Gestern wurde der Täter in der Person des 16jährigen Arbeitsburschen Kurt Keller ergriffen, der die Tat bereits eingestanden hat. Keller hatte wiederum versucht, Kinder an sich zu locken. Auf seine Ergreifung war eine Belohnung von 3000 Mark ausgesetzt. * Osnabrück, 8. März. Die hiesige Polizeibehörde verbot die Aufführung des Bühnenstückes Tagebuch einer Verlorenen, welches ein gegenwärtig im hiesigen Vereinshause gastierendes Berliner Schauspiel=Ensemble aufzuführen gedachte. + Frankfurt a. M., 2. März. Vom Maskenball in den Tod. Gestern erschoß sich der 10jährige Bote Bohländer, der in Sachsenhausen wohnt, auf der Rückkehr vom Maslenball mit einem Revolver. Wiesbaden, 3. März. Hier erschot sich ein Soldat des 80. Infanterie=Regiments. Der Tote ist ein 23 Jahre alter verheirateter Lehrer. Er beging die Tat, weil ihn ein Kellner wegen einer kleinen Zechschuld gemeldet hatte. Kassel, 8. März. In der benachbarten Zwangs erziehungsanstalt Rengshausen brach eine Meuterei aus. 14 Zwangszöglinge schlugen zwei Aufseher mit Hacken und Messern zu Boden und ergriffen sodann die Flucht. Zwei konnten bereits wieder festgenommen werden. Wächtersbach(Hessen=Nassau), 2. März. Hier wurde ein 60jähriger Lehrer von einem Schnellzuge überfahren und getötet. Merseburg, 2. März. Hier ist in der letzten Nacht der Polizeisergeant Dreyer mit zerschmetterter W.rnschale aufgefunden worden. Es handelt sich wahrscheinlich um einen Racheakt. Acht Personen wurden verhaftet. Kattowitz, 3. März. Gestern früh 6 Uhr wurden auf dem Reckerschacht der Kleophasgrube durch zu starkes Aufsetzen der Förderschale sieben Mann schwer undeiner leicht verletzt. Die Ursache des Unglücks ist anscheinend im Defektwerden des Tiefenanzeigers zu suchen. München, 2. März. Die bayerische Regierung hat emne vierprozentige Staatsanleihe im Betrage von 60 Millionen Mark, und zwar 22 Millinnen für allgemeine Anleihe und 38 Millionen Eisenbahnanleihe an ein Banken=Konsortium begeben. Die Anleihe ist bis 1918 unkündbar und wird demnächst zur Zeichnung aufgelegt werden. Planen i. B., 2. März. Ein dreizehnsähriges Schulmädchen, das gegen seinen Klassenlehrer allerlei lügenhafte Gerüchte in Umlauf gesetzt hatte, wonach sich der Lehrer in sittlicher Beziehung grober Ungehörigkeiten schuldig gemacht haben sollte, wurde dieser Tage vom hiesigen Schöffengericht zu sechs Wochen Gefängnis verurteilt. In der Verhandlung wurde die völlige Unwahrheit der Behauptungen festgestellt. Liegnin, J. März. Der Hoboist Sergeant Marge vom. Königs=Grenadier=Regiment erhängte sich in einer Arrestzelle. Er war der haftet worden, weil er Gelder der Hoboistenkapelle zu eigenen Zwecken verwendet hatte. t.) Budweids, 3. März. Gestern kam es auf dem mesigen Ringplatz zu einem vlutigen Zusammenstoß zwischen Tschechen und Deutschen. Die Polizei schritt sofort energiich ein und stellte die Rube wieder her. Ein deutscher Hochschüler wurde schwer verletzt. 8 Personen wurden verhaftet. Bern, 8. März. Nach Ansicht Sachverständiger wäre das Unglück von Göppenstein nicht durch eine Lawine, sondern durch einen Zyklon herbeigeführt worden. Die Gesamtzahl der Verunglückten beträgt 23; sie wurden alle aufgefunden. Tot sind 11, darunter ein Genfer Arzt, ein amerikanischer Monteur, der Zeichner, der Rechnungsführer und der Magazineur der Bauunternehmung, ferner ein vorübergehend anwesender Ingenieur aus Rouen namens Wirt mit Familic. Verletzt sind 12 Personen, darunter 5 schwer Wien, 3. März. Seit einiger Zeit wird behauptet, die zur Ausgabe gelangten Jubiläumskronenstücke würden wieder eingezogen. Da die Kronenstücke allgemein gefallen hatten, war man neugierig, den Grund der Einziehung kennen zu lernen. Wie sich nun herausstellt, ist auf den Jubiläumskronenstücken vergessen worden, den Kopf des Kaisers mit einem Lorbeerkranz zu schmücken, wie er auf allen früheren Münzen vorhanden ist. () Nizza, 8. März. Toselli, der„Gatte“ der ehemaligen Gräfin Montignoso, richtete an das hiesige Karnevalskomitee ein Schreiben, in dem er bittet, den Wagen„Musik“ aus dem Karnevalszuge fortzulassen, da dieser eine Verhöhnung seiner„Sattin“ darstelle. Newyork, 3. März. Die Polizei in Denver glaubt einer anarchistischen Mordverschwörung gegen Geistliche auf der Spur zu sein. In sechs Städten sind Verhaftungen von Männern vorgenommen worden, welche im Verdacht stehen, mitschuldig an dem Morde des Paters Leo Heinrichs zu sein. X Bukarest, 3. März. Im Hafen von Konstanza sind die Magazine der rumänischen Schifffahrtsgesellschaft von einer Feuersbrunst voll ständig zerstört worden. Der Schaden beträgt eine Million Fr. Es herrscht große Panik, da man eine Erplosion der Petroleum= und Benzinreservoirs befürchtet. Selbstmord des Hauptmanns v. Göben. X Allenstein, 3. März. Die„Allensteiner Zeitung meldet: Gestern nachmittag 4 Uhr hat Hauptmann v. Göben durch Öffnen der Halsschlagader Selbstmord begangen. Der um 5 Uhr erschienene Arzt konnte nur noch den bereits eingetretenen Tod feitstellen. (s) Allenstein, 8. März. Zum Selbstmorde des Hauptmanns von Goeben wird noch gemeldet: Der Hauptmann empfing um 3 Uhr sein Mittagessen, ¼5 Uhr wurde beim Garnisonlazarett angerufen und die Entsendung eines Arztes erbeten, da Hauptmann von Goeben sich mit seinem Tischmesser den Hals avgeschnitten habe. Nach dem ärztlichen Gutachten trat der Tod gegen 4 Uhr ein. Damit hat das blutige Drama mit seinem erschreckenden unsittlichen Hintergrund doch noch ein außergerichtliches Ende gefunden. Die unglückselige Frau des meuchlings hingemordeten Majors Schönebeck ist für geistesgestört erklärt und deshalb nicht verhandlungsfähig, Hauptmann v. Goeben hat sich selbst gerichtet, nachdem der Versuch der Familie, ihn ebenfalls für irrsinnig erklärt zu sehen, gescheitert war. (=) Allenstein, 3. März. Die Nachricht von dem Selbstmord des Hauptmanns v. Goeben durchlief gestern wie ein Lauffeuer die Stadt. Allgemein wird geglaubt, daß ein Verschulden eines der überwachenden Organe vorliegt, da bei instruktionsgemäßer überwachung der Selbstmord nicht hätte aus geführt werden können. Wie verlautet, wurde das Kriegsministerium sofort von dem Selbstmord in Kenntnis gesetzt. Das Militärkabinett des Kaisers soll telegraphisch einen eingehenden Bericht über die Tat eingefordert haber Sport=Nachrichten. Die Ringkampftonkurrenz in der Festhalle zu Münster ging am Samstag zu Ende. Wie zu erwarten, blieb Siegfried über Steurs=Belgien Sieger und errang somit den 1. Preis(1200 M), Steurs wurde 2.(800 A), Carlos erhielt den B. Preis(Gn.n) und Jackson, welcher am letzten Abend noch Porthos=Holland warf, den 4. Preis (400 A). Industrie, Handel und Verkehr. * Essen, 29. Februar. Fruchtmarkt.(Nicht amtlich.) Weizen, inländ. 20,00—25.50 Mk., fremder 23,00 bis 24.25 Mk. Roggen, inländ. 19,00 bis 19,50 Mk., fremder 22.25 bis 23.25 Mk. Hafer, inländ. 17,25 bis 00.00 Mk., fremder 17.75 bis 20,00 Mk. Buchweizen 22.50 bis 00,00 Mk. Futtergerste 15.25 bis 15.90 Mk. Mais 15.65 bis 16.25 Mk. Weizenvorschuß 28,00 bis 28.75 Mk. Roggenvorschuß 28,00 bis 28.50 Mk. Weizenkleie 12,00 bis 00,00 Mk. Alles per 100 Kg. frachtparität Essen ohne Sack bei Abnahme von Doppelladungen, mit Ausnahme von Kleie, die mit Sack gehandelt wird. Schlachtviehmärkte: Essen. Tortmund Die Preise verstehen sich für 50 Kilogr. SchlachtgewKath. Gesellenverein — Dülmen. ist Am Sonntag, den 8. März General=Versammlung zu der sämtl. Mitalieder erscheinen müssen. Der Vorstand. Auf sofort ein Schneidergeselle, zu Ostern ein Lehrling ges. Robert Böller Schneiderm., Dortmund, II. Kampftr. 19. Suche einen jungen Schneidergesellen. Nnd. Breling, Hagen, Viemarckstraße 7. Schweine=Verkauf. Am Möntag. den 9. März ce, morges 10 Uhr anfangend, laßt Herr Wörmer aus Coesfeld an der Wirtschaft des Hrn. Rössing hierselbst 30 Stück 2—4 Monate alte Schweine gegen Kredit verkaufen. Dulmen, 4. März 1903. Bockholt. Einen nüchternen, zuverlässigen sickerknecht (kath.) sucht zum 1. April oder Mai. Schulze=Kalthoff, Osterwick, Kreis Coesfeld i. W Schweine-Verkauf Am Samstaa, d. 7. März, vormittags 10 Uhr anfangend werde an der Wirtschaft des Herrn Rössing bier ta. 40 Stück 2 bis 4 Mon. alte Schweine gegen Kredit verkaufen. Dülmen, 3. März 1908. Bödiger. Die Butter wird noch teuerer! Es gibt aber vollkommenen, billigen Ersatz für feinste Meierei-Butter: die neue Margarine Rheinperle, welche selbst von Fachleuten für frische Haturbutter gebalten wird. 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Die Rentei=Verwaltung Billige, leichte, dauerhatte, sturmsichere aa as Asphaltdachpappe u. Semptalin(D.R. P.) fertigt man aus Materialien der Dachpappenfabrik von C.F. Beer Söhne in Köln a.Rh. Anleitung und Muster gratis und franko. "« Carbollneum, Holzzement, Isollerplatten, Goudron.» Ausführung von Asphaltarbeiten aller Art. Mobiliar=Verkauf. Am Dienstag, den 10. März(Markttag) morgens 10 Uhr anfangend, läßt Frau Ww. Franz Schücking an ihrer auf der Lüdinghauser Str. hierselbst belegenen Wohnung verziehungshalber gegen Kredit versteigern: Eine Zimmereinrichtung(Mahagoni), bestehend aus Ausziehtisch, Sekretär, 6 Stühlen, Sofa, Büfett mit Marmorplatte, Uhr, Spiegel, Blumenständer usw., 1 Küchenschrank, 1 Kleiderschrank, Tische, Kommoden, Koffer, Kisten, Bettladen m. Matratzen, Betten, Waschkommoden, Waschtische mit Marmorplatten, Garderobeständer, Bücherständer, Spiegel, Gardinen, Teppiche, Läufer mit kupf. Stangen, 1 Fliegenschrank, 1 Kochherd, verschiedene Oefen, darunter 1 Holzofen, Töpfe, Kupfergeschirr, Porzellan, Lampen, Nippsachen, Bilder, 1 Zimmerhobelbank mit Zubehör, eine Brutmaschine, 1 Obstgestell usw. usw. Dülmen. 2. März 1908. Bockholt. a. fettdichtes Butterpapier in weiss und gelb, in Bogen und Rollen zu haben in der U. Horstmnan schen Buchhandg, Dilnen. Bekanntmachung. Die Wegebäume an der Ehaussee Daldrup Hiddingsell sowie an der Valdruper Schule stehenden Pappeln sollen am Montag, den 9. März de. Is. öffentlich meistbietend verkauft werden. Die Eichen eignen sich zu Grubenholz, die Ulmen für Stielmacher. Beginn vormittags 9 Uhr. Sammelplatz Wirtschaft Brüggemann. Dülmen, den 26. Febr. 1908 Der Amtmann: Fischer. PIANOS u. Flügel in altbewährter Güte IBACH-PIANOLA-PIANOS d. h. IBACH Pianinos mit eingebautem Klavierspielapparat. Pianolas mit Themodist und Metrostyle, sowie Harmoniums empfiehlt in reicher Auswahl zu bequemen Bedingungen Rud. IBACH Sohn Kais. u. Königl. 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Gott dem Allmächtigen hat es in seinem unerforschlichen Ratschlusse gefallen, Sonntag abend 8 Uhr meine liebe Frau, uusere gute, sorgsame Mutter, Schwiegermutter, Grossmutter, Schwester, Schwägerin und Tante, Frau Ant. Rubbert Marla geb. Schäfers zu sich in die Ewigkeit zu nehmen. Sie entschlief nach kurzem, mit grosser Geduld ertragenen Leiden plötzlich und unerwartet, aber wohlvorbereitet durch einen wahrhaft christlichen Lebenswandel und gestärkt durch den andächtigen Empfang der heiligen Sakramente im 70. Lebensjahre. Wir bitten der Seele der teuren Verstorbenen im Gebete za gedenken. Die trauernden Angehörigen. Dülmen, Köln. Essen u. Lippstadt, d. 2. März 1908. Die Beerdigung findet statt am Freitag, den 6. März, morgens 8½ Uhr vom Missionskreuze aus und gleich darauf die feierlichen Exequien. Sollte jemand aus Versehen keine besondere Anzeige erhalten haben, so bitten wir, diese als solche anzusehen. Süssrahm-Margarine Marke„Lulsa“, von gleichem Geschmack wie teine frische Molkereibutter, ist volistindiger Ersa z für Tiscbbutter auf Brot zu essen per Pfund 60 Pfg. Eigelb-Margarine Marke„Frischer Mohr“, bräunt und duftet beim Braten, Kochen und Backen geuau wie feine Butter, daher vollkommenster Ersats für Bratbutter per Pfund 65 Pfg. Margarine-Käse von gleich hohem Fettgehalt und Geschmack als feinster vollfetter Schweizer-Käse per Pfund 42 Pfg. Sowohl Margarine als Käse werdon in Postkolli à 9 Stůcke a 1 Pfund verpackt. Preise sind franko jedon Postort Deutschlands, gegen Nachnahme oder monatliche Zahlung nach Emptang der Ware. Es können von den 8 Sorten auch gemischte Postkolli bestellt werden. Nichtgefalendes nehmen untrankiert surück Altonaer Margarine-Werke Mohr& Co., G. m. b. H. Altona-Ottensen, Holstein. Bekanntmachung. Durch Beschluß des unterzeichneten Gerichts vom 29. Februar 1908 ist der Kolon Franz Kuhmann zu Merfeld wegen Trunksucht entmündigt. Dülmen, den 29 Februar 1908. Königliches Amtsgericht. Die Gewerbebank Dülmenverzinst Spareinlagen mit 4½ Prozent. m. b. Der Vorstand: J. A.: Bockholt Es wird zum 1. Mai ein küchtiger Brotkutscher gesucht von Clemens Stallmeyer, Dampfbäckerei, Hugo bei Bner. Ein Geselle und Lehrling auf sofort oder später gesucht Peter Verlande, Schneidermeister, Hamborn Kreis Ruhrort. Ein tüchtiger Schuhmachergeselle gegen guten Lohn gesucht Schubgeschäft E. Tanschert, Niederschelden a. d. Tieg. Tücht. Gehülfe für Grob=Sattlerei gesucht. H. Hennigfeld, Neviges. 1jg. Schneidergehülle per sofort gesucht M. Lehmann, Aplerbeck, Weststraße 41. Sohn achtbarer Eltern unter günstigen Bedingungen sofort oder später in die Lehre gesucht. Nie fr., Bäckermeister, Auer i. W. Friseur=Lehrling auf sofort oder zu Östern gesucht. R. Stümpke, Lippstadt, Bahnhofstraße 28 Lehrling. Sohn achtbarer Eltern per sofort oder später für mein Fahrradgeschäft als Mechaniker gesucht. Wilh. Berow, Nachf., Herten i. Ltl. 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Einen Sohn achtbarer Eltern, wel= cher Lust hat das Maler- und Ainstreichergeschäft zu erlernen, sucht Wilh. Dietz, Hüls bei Sinsen. Wegen Krankheit meines jetzigen itt ein suche ich zum baldigen Eintri zuverlässiges Mädchen für die Hausarbeit und einen Jungen von 14 bis 17 Jahren für land wirt schaftliche Arbeit. Frau Nw. Keinrich Langebeckmann, Wanne, Suche per März ein tüchtiges Mädchen für Hausarbeit bei gutem Lohn. Fran Otto Mänken. Hagen i. W., Rembergstraße 15 Für einen kinderlosen, ländlichen Haushalt wird zu April oder Mai ein jüngeres, katholisches Mädchen gesucht bei vollständigem Familienonschluß. Joh. Wendker, Amelsbüren bei Münster i. W Suche auf sofort oder später ein junges Mädchen ur weiteren Ausbildung in der Damenchneiderei. Frau Ww. Arning, U. Burgsteinfurt, Kalkwall Erfahrenes Küchenmädchen, das selbständig kochen kann, sowie ein gewandtes, im Nähen und Bügeln geibtes Hausmädchen baldigst oder April—Mai gesucht. Frau Bergrat Goebel, Arnsberg i. W. 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Beingspreis: 120 Mk. viert dition abgeho Anzeigen wert einfache Petit rechnet. Bei 2 ßeren Aufträge Reklamen kost 50 Pfg. die 3 Beilagegebühr Anzeigen=ann woch und jeweils fällige Zwe durch Gottes Erbe Bi Hausprälat un entbietet der ehr Gläi Gruß Vielgelieb Vor mehreren ben zu Euch gesp ich auf den Firmu habe an den Kun lichteit an unsern tiefster Seele erg kräftig das Treuge erklang:„Fest so ich will die Kirche! Gott Dank! Auc erkennung Euch an serer hl. Mutter, Eure Anhänglichke Geliebte Diözesan auch nicht verschlie dieser Glaubenstre so drängt es mich Euch zu sprechen, heiligste Pflicht Gnade gegen die schützen. Und zwa Wert und die Kost wir schätzen, dass hohen Werte unse bleiben, dann wer ihn mit Gottes Hü uno zu bewahren. Vielgeliebte D Wahrheiten und G kein bloßes Meiner er Wahrheiten. 9 sanz anderes. U chütterliches Fürn age nicht menschlic haftigkeit hat, sont tes selber, des Unser Glaube ist ten von Wahrheite alles menschliche Fürwahrhalten sol nur möglich durd Gnadenhilfe Gottausdrücklich das V natürliche Tugend und Mitwirkung! geoffenbart hat,f inneren, mit dem durchschauten Wal Autorität des sich der weder irren no de fide c. 3). Seh ben also und wer dieses seines Grut sens und Inhaltes seine Kostbarkeit auf die ich Euch n „Was willst du in dem Evangeliu den Blinden zu 9 „daß ich sehen möwenn wir dies W wollen, die erste 1 kung des Glauber für die ErkenntniDer menschliche( Wahrheit geschaffe Zahllose Fragen Menschheit; aber sten greifen, dere ganze menschliche ist: die Fragen n Dinge, nach Gott nach dem Menscher die Fragen, die hides irdischen Dase Wirrsal, die Ewikeit, über die recht liche Geschick nach niemand auf die 9 hier, für die Bear unser wahres Glü reicht das schwache und Klugheit ganz hervorragenden nen das Licht des sind sonst so klug! entweder voll von sie verstummen ga wissen wir nicht un nicht, wenn nichtd weg zeigt.(Aug. d nun in der Tat( vielerlei Art bat( det durch die Prop Sohn"(Hebr. 1, 1 men war, entsende wichtigsten Frager Weisheit selber n konnte:„Ich bin d Ich wandelt nicht das Licht des Lebe Eingeborene vom heit(Joh. 1, 14) verborgenen Gnade schen(Kol. 1, 26) 6—8) und durch eine Fülle von W ein Leben und er und Tiefe, als wa Fülle seiner Mach seine Kirche gegrü Apostel und Prophgrundstein war“ Er selbst bis ans C ßen hat(Matth. 28 seinen und seines lige und festige in Nr. 2d. 39. Jahrgang. Beungspreis: Durch die Boten zugestellt 120 Mk. vierteljährlich, von der Expedition abgeholt 1 Mk Anzeigen werden mit 15 Pfg. für die einfache Petitzeile oder deren Raum berechnet. Bei Wiederholungen und größeren Aufträgen entsprechender Rabatt. Reklamen kosten in Textspaltenbreite 50 Pfg. die Zeile. Beilagegebührt 5 Mk. das Tausend. Anzeigen=Annahme bis Montag, Mittwoch und Freitag mittag für die jeweils fällige Nummer. Dülmener Zeitung. Dülmener Anzeiner— Dülmen-Halterner Volkszeitung mit der Sonntags-Beilage Liboriusblatt. Donnerstag, 5. März 1908. Erscheint wöchentlich dreimal: Dienstags, Donnerstags und Samstags. rpedition: I. Horstmann'sche Buchholg Marktstraße 11.— Fernruf 29. Verlag der Dülmener Zeitung, G. m. b. H., Dülmen. Druck von Breer& Thiemann, Hamm. Verantwortlicher Redakteur: für den lokalen Teil, Anzeigen u. Reklamen B. Horstmann in Dülmen; für Politik. Feuilleton und Allgemeines A. Gockel in Hamm Zweites Blatt. Hermann, durch Gottes Erbarmung und des hl. Apostolischen Stuhles Gnade Bischof von Münster Hausprälat und Thronassistent Sr. Heiligkeit des Papstes, entbietet der ehrwürdigen Geistlichkeit und allen Gläubigen des Bistums Gruß und Segen im Herrn. Vielgeliebte Diözesanen! 1. Vor mehreren Jahren habe ich über den Glauben zu Euch gesprochen; habe Euch geschildert, wie ich auf den Firmungsreisen mich erbaut und gefreut habe an den Kundgebungen Eurer treuen Anhänglichkeit an unsern hl. Glauben; wie es mich oft in tiefster Seele ergriffen hat, wenn so herzlich und kräftig das Treugelöbnis durch die Hallen der Kirchen erklang:„Fest soll mein Taufbund immer stehen, ich will die Kirche hören; nie will ich von ihr weichen.“ Gott Dank! Auch jetzt noch kann ich freudige Anerkennung Euch aussprechen für Eure Liebe zu unserer hl. Mutter, der katholischen Kirche und für Eure Anhänglichkeit an unsern hl. Glauben. Aber, Geliebte Diözesanen, der Erkenntnis kann ich mich auch nicht verschließen, daß gerade in unsern Tagen dieser Glaubenstreue große Gefahren drohen. Und so drängt es mich, abermals über den Glauben zu buch zu sprechen, um Euch, was ich als die erste und heiligste Pflicht des Bischofs ansehe, mit Gottes Gnade gegen diese Gefahren zu festigen und zu schützen. Und zwar möchte ich zu Euch reden über den Wert und die Kostbarkeit des Glaubens. Denn was wir schätzen, das schützen wir auch. Wenn wir vom hohen Werte unseres Glaubens recht durchdrungen bleiben, dann werden wir auch alles aufbieten, um ihn mit Gottes Hülfe gegen alle Gefahren zu schützen und zu bewahren.— Vielgeliebte Diözesanen! Unser Glaube an die Wahrheiten und Geheimnisse unserer hl. Religion ist kein bloßes Meinen oder schwankendes Annehmen dieser Wahrheiten. Nein, es ist weit mehr; es ist etwas ganz anderes. Unser Glaube ist ein festes, unerchütterliches Fürwahrhalten, das zu seiner Grundage nicht menschliches Wissen und menschliche Wahrhaftigkeit hat, sondern das untrügliche Wissen Gottes selber, des Allwissenden und Allwahrhaftigen. Unser Glaube ist ein unerschütterliches Fürwahrhalten von Wahrheiten und Geheimnissen, die zum Teil alles menschliche Erkennen übersteigen. Ein solches Fürwahrhalten solcher Wahrheiten ist uns Menschen nur möglich durch die erleuchtende und stärkende Gnadenhilfe Gottes.„Dieser Glaube," so erklärt ausdrücklich das Vatikanische Konzil,„ist eine übernatürliche Tugend, durch die wir unter Anregung und Mitwirkung der Gnade Gottes das, was Gott geoffenbart hat, für wahr halten, nicht wegen der inneren, mit dem natürlichen Licht der Vernunft durchschauten Wahrheit der Sache, sondern auf die Autorität des sich offenbarenden Gottes selber hin, der weder irren noch in Irrtum führen kann"(Vatic. de fide c. 3). Seht, Geliebte Diözesanen, wie erhaben also und wertvoll unser hl. Glaube ist wegen dieses seines Grundes und Ursprunges, seines Wesens und Inhaltes. Allein noch viel heller erstrahlt seine Kostbarkeit aus seinen herrlichen Wirkungen, auf die ich Euch nun insbesondere hinweisen möchte. „Was willst du, daß ich dir tun soll?" so fragt in dem Evangelium des heutigen Sonntages Jesus den Blinden zu Jericho.„Herr,“ antwortet dieser, „daß ich sehen möge!"(Luc. 18, 41). Da haben wir wenn wir dies Wort im geistlichen Sinne nehmen wollen, die erste unschätzbar große Gabe und Wirkung des Glaubens: er ist ein unersetzbares Licht für die Erkenntnis der allerwichtigsten Wahrheiten. Der menschliche Geist ist für die Erkenntnis der Wahrheit geschaffen, wie das Auge für das Licht. Zahllose Fragen beschäftigen darum unablässig die Menschheit; aber gerade jene Fragen, die am tiefsten greifen, deren sichere Beantwortung für das ganze menschliche Leben von der größten Bedeutung ist: die Fragen nach dem Urgrund und Ziel aller Dinge, nach Gott und Gottes Willen und Wirken, nach dem Menschen und seiner wahren Bestimmung; die Fragen, die hinausgehen über die kurze Spanne des irdischen Daseins mit all seinem Mühsal und Wirrsal, die Ewigkeitsfragen über Seele und Seligkeit, über die rechten Wege im Leben und das endliche Geschick nach dem Tode, die Jenseitsfragen, die niemand auf die Dauer abweisen kann: ach! gerade hier, für die Beantwortung dieser Fragen, von der unser wahres Glück in Zeit und Ewigkeit abhängt, reicht das schwache Licht der menschlichen Vernunft und Klugheit ganz und gar nicht aus. Fraget die hervorragenden Weisen aller Völker und Zeiten, denen das Licht des Glaubens nicht leuchtete. Sie sind sonst so klug! Aber in diesen Fragen sind sie entweder voll von Unsicherheit und Widerspruch, oder sie verstummen ganz und bekennen: Einen Ausweg wissen wir nicht und eine zuverlässige Antwort gibt es nicht, wenn nicht die Gottheit redet und einen Ausweg zeigt.(Aug. de vera relig. c. 3.) Und das hat nun in der Tat Gott getan.„Manchmal und auf vielerlei Art hat Gott zu den Vätern vormals geredet durch die Propheten, zuletzt zu uns durch seinen Sohn"(Hebr. 1, 1). Als die Fülle der Zeit gekom men war, entsendete Gott uns den Lehrer in diesen wichtigsten Fragen, der die ewige Wahrheit und Weisheit selber war, der von sich selbst bezeuger konnte:„Ich bin das Licht der Welt; wer mir nach folgt wandelt nicht in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben.“(Joh. 8, 12). Als der Eingeborene vom Vater voll der Gnade und Wahrheit(Joh. 1, 14) hat Christus die ganze Fülle der verborgenen Gnadenratschlüsse Gottes mit den Men schen(Kol. 1, 26) den Seinen kund getan(Joh. 17 6—8) und durch himmlische Zeugen, nämlich durd eine Fülle von Wundern und Weissagungen, durd ein Leben und eine Lehre von göttlicher Reinhei und Tiefe, als wahr erwiesen. Noch mehr: In der Fülle seiner Macht und Weisheit hat der Erlöser seine Kirche gegründet„auf dem Fundamente der Apostel und Propheten, während er selbst der Hauptgrundstein war“(Eph. 2, 20). Dieser Kirche, bei der Er selbst bis ans Ende der Zeiten zu bleiben verbeißen hat(Matth. 28, 20), versprach Er und sandte Er einen und seines Vaters hl. Geist, damit er sie bei ige und festige in aller Wahrheit(Joh. 17, 17—19, zur Vollendung der großen Aufgabe, die ihr gestell g dei ist, allen Menschen in das Evangelium, d. h. die frohe Botschaft jener kost baren Wahrheiten zu verkünden, die von Gott stam men und zu Gott führen(Mark. 16, 15). So ist es Gottes Wille, so Christi Anordnung. Wie aber werden wir diesem entsprechen? Zu allererst durch den Glauben. Diesen fordert die Kirche von uns im Namen des sich offenbarenden Gottes, sie, die Botschafterin Gottes(2 Kor. 5, 20), sie, die Säule und Grundfeste der Wahrheit(1 Tim. 3, 15). In der hl. Taufe wird der Glaube als eine göttliche, übernatürliche Tugend zugleich mit der heiligmachenden Gnade uns eingegossen, als ein Licht und eine Kraft, durch die wir teilnehmen an dem Wissen und der Weisheit Gottes, wie es der hl. Bernhard schildert: „Das Unnahbare,“ sagt er,„erreicht der Glaube, das Ungekannte entdeckt er, das Unermeßliche begreift er, bis zu den äußersten Grenzen reicht er, selbst die Ewigkeit schließt er ein in seinen weiten Busen (Serm. 76 i. Cant. n. 6). Wie die Seele des harmlosen Kindes die Lehren und Aussprüche des geliebten Vaters mit felsenfestem Vertrauen umfaßt und in diesem kindlichen Glauben gleichsam eins wird mit der Seele des Vaters; so schließt sich die gläubige Menschenseele in ihrem hl. Glauben innig und eng an Gott an und wird gleichsam eines Geistes mit ihm(1. Kor. 6, 17). Gottes Wissen wird im Glauben ihr Wissen, Gottes Weisheit wird die Weisheit der gläubigen Seele. So geht ihr in den Finsternissen der beschränkten, durch die Sünde geschwächten menschlichen Vernunft im Glauben des Morgenrot einer ganz neuen, übernatürlichen Erkenntnis auf; durch den Glauben schaut sie hinein in die tiefsten Geheimnisse des Wesens und Waltens Gottes. Der Glaube gibt uns wenigstens eine Ahnung von den Höhen und Tiefen seines dreipersönlichen Lebens und Daseins in der Einheit des Wesens; von den Abgründen seiner Macht, Weisheit und Güte in der Schöpfung, Erlösung und Heiligung der Menschen; von dem Adel der Geburt und Wiedergeburt jedes Menschen zur Gotteskindschaft und Himmelserbschaft. Der Glaube zeigt uns die furchtbare Nacht und Macht der Sünde, den Tod, die Hölle und alle anderen Folgen und Strafen, die mit ihr zusammenhängen; aber er zeigt uns auch die lichten Herrlichkeiten der Gnade und aller Tugenden, die aus ihrer Wurzel sprießen, die Wunder der hl. Sakramente, die Segensmacht des Opfers und des Gebetes, die Seligkeit der triumphierenden Gotteskinder im Jenseits. Der Glaube stärkt das Auge unseres Geistes für alles, was wahr und gut und schön, rein und edel ist; er läßt uns die wunderbaren, geheimnisvollen Wege der Vorsehung aufspüren, und erkennen, wie Gott mit sanfter und doch so starker Hand die Fäden aller Menschenlose bält und alles, selbst die Sünde und das Übel, seiner Ehre und dem Heile seiner gläubigen Kinder dienstbar macht. So wird der Glaube an dem dunklen Orte unserer Verbannung und auf den harten Ween unserer Pilgerschaft durch dieses Leben zu jener leuchte, von der der Apostelfürst Petrus redet, zu einem Lichte, das keineswegs im Widerstreit ist mit dem Lichte unserer Vernunft, vielmehr weil es auseht vom Vater aller Lichter und Erkenntnisse(Jak. „17), das natürliche Erkennen in den wichtigsten Fragen vor verhängnisvollen Abwegen und Irrtümern bewahrt und mit seinem Strahlenglange ewiger Wahrheiten Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft beleuchtet„bis der Tag(der Ewigkeit) anbricht und der Morgenstern(der Seligkeit) aufgeht in unseren Herzen.“(2. Petr. 1, 19). Wollet ihr den unschätzbaren Wert des Glaubens noch klarer erkennen, Geliebte Diözesanen, dann schauet einen Augenblick von seinem Lichte hinweg in die dunklen Schatten, in denen jene bemitleidenswerten Menschen sich befinden, die in der Nacht des Unglaubens weilen. Wie ein Schiff auf den Wogen es Meeres ohne Steuer und Kompaß allen Stür men und Klippen preisgegeben, so wird der Ungläu bige von der wechselnden Flut menschlicher Meinun gen hin und her getrieben, indem er heute als Irrtum von sich stößt, was er gestern als höchste Weisheit anpries. Von nimmer ruhenden Zweifeln gequält, von banger Sorge erfüllt, in ständiger Unruhe, sa, oft genug seufzend und stöhnend unter der Last der Verzweiflung in Bezug auf die allerwichtigsten Fragen des Menschengeistes, leben die Ungläubigen dahin ohne wahren inneren Frieden. Wohl suchen sie durch tausend Ausflüchte ihren Unglauben zu rechtfertigen, ihr Auge zu schließen vor den einleuch tendsten Beweggründen, die uns die gesunde Ver nunft als Wegweiser zum Heiligtum des Glaubens an die Hand gibt, vor der mahnenden Stimme des Gewissens, das den Glauben als ein allererstes Ge bot des sich offenbarenden Gottes darstellt. In stol zem Pochen auf vermeinliche Wissenschaft und auf eine selbstgemachte Sittlichkeit gebärden sie sich als die einzig Freien und als die alleinigen Führer und Bahnbrecher des Fortschrittes in Wissenschaft und Kultur. Vergebliches Beginnen! Der stolze Bau ihres Wissens bricht gegenüber den allerwichtigsten Fragen zusammen in das jammervolle Geständnis: „Wir wissen es nicht, und werden es niemals wisen", und auf die Scheinkultur des Unglaubens und einer Sittlichkeit ohne Gott und Christentum lassen die Ausbrüche wüster Leidenschaften vernichtende Schlaglichter fallen. So trifft den Unglauben das Wort der Weisheit:„Wir Toren, Abgeirrt sind wir vom Wege der Wahrheit, und das Licht der Gerechtigkeit hat uns nicht geleuchtet und die Sonne der Erkenntnis ging uns nicht auf. Wir haben uns abgemüht auf dem Wege des Unrechts und des Verderbens und sind harte Wege gewandelt, aber den Weg des Herrn erkannten wir nicht. Vorüber ist nun alles wie ein Schatten, wie Schaum und Rauch dahin"(Weish. 5, 6 ff.). Wie ganz anders, Geliebte Diözesanen, gestaltet sich das Los des Glaubens, von dem der Heiland spricht:„Das ist das ewige Leben, daß sie dich erkennen, den einzig wahren Gott, und den du gesandt hast, Jesum Christum“ (Joh. 17, 3).— Aber nicht bloß für das Erkennen ist der Glaube ein unaussprechlich wertvoller Schatz. Der Mensch sucht auch Befriedigung des Herzens. Wir alle empfinden und kennen dieses Sehnen nach Ruhe. Frieden und Glück. Wir wissen aus eigener und fremder Erfahrung, daß weder Wissenschaft, noch Ehre, noch Reichtum und Wohlleben dieses Sehnen dauernd stillen kann. Tausende haben es damit von jeher versucht und versuchen es immer von neuem. Aber der Erfolg ist stets derselbe. Der Prediger des alten Bundes hat es schon ausgesprochen:„Eitelkeit der Eitelkeiten und Alles Eitelkeit“(Pred. 1, 2). Nur der Glaube, jene göttliche Tugend, die mit himmischem, ewigem Lichte alles Irdische beleuchtet, gibt uuch dem Herzen des Menschen die wahre Rube, das echte Glück, jenen„Frieden, den die Welt nicht geben ann"(Joh. 14, 27). Unser Heiland,„der Urheber sen Eintritt in diese Welt die Engel mit dem Ju bellied des Friedens begrüßten, faßt seine ganze Aufgabe in das herzerquickende Wort zusammen: „Frieden hinterlasse ich Euch, meinen Frieden gebe ich Euch"(Joh. 14, 27)).„Kommt her zu mir, ihr alle, die ihr mühselig und beladen seid, und ich will euch erquicken, und ihr sollt Ruhe finden für eure Seelen“(Matth. 11, 29). Wer anders kommt zu Jesus, Geliebte Diözesanen, als wer an ihn glaubt als den Sohn des lebendigen Gottes mit dem rechten Glauben? Wen anders kann er erquicken als den, der im Glauben freudig Heileswasser schöpft aus den Quellen des Erlösers, d. h. aus seiner Gnade und Wahrheit? Ja, diese Quellen, die im Gottesgarten der wahren Kirche sprudeln und fortströmen ins ewige Leben, sie allein sind es, die dem Menschenherzen den wahren Frieden bringen, den Frieden, den ie Welt nicht geben kann. Drückt dich die Last deiner Sünden: siehe, dein hl. Glaube zeigt dir den Weg zur Heimkehr ins verlas sene Vaterhaus und an das allerbarmende Herz dei nes Erlösers. Liegt auf dir die Bürde der unaus weichlichen Uebel und Beschwerden dieses irdischen Lebens: siehe, dein Glaube zeigt dir nicht bloß, woher sie stammen, warum Gott sie zuläßt, sondern gibt dir auch die allerbesten Heilmittel und die Kraft, sie zu dulden und zu tragen, nicht in herzverbitternder Klage und Empörung, sondern in starkmütiger Geduld, zu deiner Läuterung, Erprobung und Bewäh rung, im Geiste der Buße und der Heiligung als getreuer Nachfolger Christi, hoffnungsvoll, ja freudig in der Kraft des Glaubens, der mit dem Apostel festhält,„daß die Leiden dieser Zeit nicht zu vergleichen sind mit der künftigen Herrlichkeit, die an uns offenbar werden soll“(Röm. 8, 18). Diese Segensmacht des Glaubens sehen wir verwirklicht an all den Glaubenshelden, die uns die hl. Schrift und die Geschichte der hl. katholischen Kirche zeigt, an den Heiligen und Seligen,„die uns vorangegangen sind mit dem Banner des Glaubens“,„die im Glauben stark alles überwanden, Gerechtigkeit übten, die Ver heißungen erlangten, die Krone, die denen, so im Glauben ausharren, verheißen ist"(Hebr. 11, 33; 2. Tim. 4, 8). Sehet da, Vielgeliebte Diözesanen, die überschwänglich kostbare Gottesgabe unseres Glaubens, die allein unser Herz mit Ruhe, Friede und Seligkeit erfüllt. Wie arm und bemitleidenswert erscheint da der Ungläubige, der durch eigene oder fremde Schuld dieses Schatzes beraubt ist!— Aber noch eine andere Seite der beseligenden Macht des Glaubens darf nicht übersehen werden, eine Wirkung, durch die er, wie er unsern Geist mit Gottes Licht, unser Herz mit Gottes Frieden erfüllt, uns adelt und befähigt für das Leben eines Gotteskindes, uns stark macht für den Kampf um one: ich meine den Einfluß des Glaubens auf unsern Willen, auf jene Seelenkraft, die in allem Tun und Lassen des Menschen den Ausschlag gibt.— In der Brust des Menschen lebt der Hang zum Bösen, die dreifache böse Lust. Es lockt die gefallenen Adamskinder die Welt mit der ganzen Macht ihrer zahllosen sündhaften Reize. Im Bunde mit ihnen steht der Erbfeind des Menschengeschlechtes, der ruhelos auf unser ewiges Verderben bedacht ist. Angesichts solcher Feinde drängt sich uns das Wort der Apostel auf die Lippen:„Herr, wer kann selig werden“?(Matth. 19, 25). Und die Antwort gibt uns der hl. Geist durch den Mund des Apostels:„Das ist der Sieg, der die Welt überwindet: unser Glaube tes Namen und Auftrag und Vollender unseres Glaubens“(Hebr. 12. 2), des 1. Joh. 5, 4). So ist es, geliebte Diözesanen! Die Velt, das will sagen, alles Gottfeindliche, alles zur Sünde Lockende in uns und außer uns, das muß erliegen einer einzigen Waffe, dem Glauben! Vor ihm kann die Lust der Augen, d. h. die ungeordnete Begier nach Besitz und Reichtum, die Lust des Fleisches, d. h. die Verlockung der Sinnlichkeit, die Hoffart des Lebens, d. h. die sündhafte Liebe zur eigenen Auszeichnung und Herrlichkeit, nicht bestehen. Der Glaube reißt ja diesen Frieden des Heiles trügerische Maske ab, mit der sie unter dem Schein des Guten uns zu verlocken suchen; der Glaube zeigt uns den Ursprung und das Ziel dieser Feinde; der Glaube enthüllt uns die wahre Gestalt der Sünde und das ewige Verderben, zu dem sie Diese Erleuchtung, welche der Glaube uns bringt "ist gewiß geeignet, unserem Willen Kraft zum Widerstand zu verleihen. Aber mehr noch: Der Glaube wappnet uns auch mit der Erkenntnis unserer eigenen Schwäche und unserer Stärke in Gott. Er liefert uns die Waffen der Klugheit, der Vorsicht, des Mutes und weist uns die Wege zu den Hilfsmitteln, ohne die wir erliegen müßten: zum Gebet, zum Opfer, zu den Gnadenmitteln der Sakramente. So werden wir durch den Glauben jene Kämpfer voll himmlischer Kraft, wie sie der Apostel zeichnet:„Brüder, erstarkt im Herrn. Ziehet an die Waffenrüstung Gottes. Ergreifet den Schild des Glaubens, mit dem ihr alle feurigen Pfeile des Bösen auslöschen könnt"(Eph. 6. 10 ff.). Wie kostbar, vielgeliebte Diözesanen, ist also der Einfluß des Glaubens auf unsern Willen zur Abwehr des Bösen, für den Sieg über alle verheerende Macht der Sünde! So groß das unabsehbare Verderben ist, das dadurch von uns abgewehrt wird, so große offenbar ist der Wert und die Kostbarkeit dieser Wirkung des Glaubens. Aber schauen wir noch weiter zu! Das Böse meiden ist noch nicht genug. Der Knecht, der das anvertraute Talent unbenutzt gelassen hatte, wurde hinausgestoßen als Übeltäter an den Ort der Qualen(Matth. 25, 30). Der Glaube dient nicht bloß dem Kampfe gegen das Böse, sondern er ist auch die fruchtbare Wurzel aller Tugenden, weil er mit der Gnade Gottes vereint und selbst eine große Gnade Gottes, den schwachen Willen des Menschen reinigt, erhebt, stärkt zu jeder guten Tat und Tugend, ja, ihn begeistert und hinaufführt zu den lichtesten Höhen des Heldentums im Guten.„Der Gerechte lebt aus dem Glauben“(Röm. 1, 17). Denket an die Tugendhelden jeglichen Geschlechtes und Standes, die in den hl. Büchern von Anfang bis zum Ende an unserem Auge vorüberziehen. In ihnen war der Glaube die lebendige Kraft, die ihren Willen zu dem teuersten Leben nach den Geboten Gottes und den Anregungen seiner Gnade drängte, die sie die Dornenpfade der Tugend wandeln ließ, die sie befähigte zu den Heldentaten für die Sache Gottes und das Heil der Brüder, sie, die unsere bl. Kirche in ihren Gebeten preist:„Sancti per fidem vicerunt regna— durch den Glauben wurden sie Sieger über Königreiche, übten sie die Gerechtigkeit, errangen sie die Verheißungen"(Off. pl. mart. Vesp.). Wie kostbar also, geliebte Diözesanen, ist die Macht des Glaubens, dem wir alle, dem die Welt so Großes und Herrliches verdankt! Schluß folgt.) Weltfalen— Rheinland. Dülmen, den 5. März. □ Der Himmel im März. Die Sonne tritt in das Zeichen des Widders, erreicht den Aquator und macht zum erstenmal im Jahre Tag und Nacht einander gleich, d. h. es beginnt der Frühling am 21. März um 1 Uhr morgens.— Der Mond: Am 2 März 7 Uhr 51 Min. abends Neumond; am 9. März 10 Uhr 36 Min. abends erstes Viertel; am 18. Mäcz 3 Uhr 22 Min. früh Vollmond; am 25. März 1 Uhr 25 Min. nachm. letztes Viertel.— Die Planeten: Merkur ist unsichtbar.— Bei Venus nimmt die Dauer der Sichtbarkeit weiter zu bis auf 4 Stunden Ende des Monats.— Bei Mars nimmt die Dauer der Sichtbarkeit immer schneller ab und beträgt Ende des Monats nur noch 3¼ Stunden.— Jupiter ist anfangs noch 11 Stunden sichtbar, gehl dann aber immer früher, zuletzt schon um Mitternacht unter, sodaß Ende des Monats die Dauer der Sichtbarkeit nur noch 8¼ Stunden beträgt.— Saturn kommt am 21. des Monats in Konjunktion mit der Sonne und wird daher unsichtbar.— Bauernregeln: Märzenstaub ist's Lot einen Dukaten wert. — Viel und langer Schnee: viel Heu, aber mager Korn und dicke Spreu.— An Kunigunden(3.) kommt die Wärme von unten.— Ist's am Joseftage(19. klar, so folgt ein fruchtbares Jahr.— Das Wetter im März nach dem 100jähr. Kalender: Den 1. bis 5. rauh und kalt, den 6. bis 10. warm, den 11. Regen, den 12. bis 16. schön, den 17. bis 19. alle Morgen kalt und rauh, den 22. rauh Wetter und Sturmwind bis den 29., den 31. Regen. * Schaffner mit Signalhörnern wird man demnächst auf den Staatsbahnen sehen. Das Bremssignal des Lokomotivführers wird nämlich bei langen Güterzügen von den hintensitzenden Schaffnern troh aller Aufmerksamkeit nicht immer gehört, namentlich bei ungünstiger Windrichtung und im Winter, wenn die Schaffner die Pelzkragen hochgeschlagen haben. Für diese Fälle ist vorgeschlagen worden, einige der Schaffner mit Signalhörnern auszurüsten, mit welchen das Bremssignal der Lokomotive weiter gegeben werden kann. Der Minister hat daraufhin in einigen Direktionsbezirken Versuche anstellen lassen, die sich durchaus bewährt haben. Die Signale waren selbst gegen Wind gut hörbar und sie würden auch bei Zugtrennungen usw. zur besseren Verständigung des Zugpersonals gute Dienste leisten. Es ist deshalb beabsichtigt, mit den Signalhörnern weitere Versuche in größerem Umfange anzustellen. * Münster, 3. März. Ein schwerer Ungiuasfall hat sich gestern vormittag gegen 9½ Uhr auf dem hiesigen Güterbahnhofe zugetragen. Der etwa 50 Jahre alte Arbeiter M. Telsemeyer geriet beim Kohlenladen zwischen eine Lokomotive und eine Wand und wurde schwer verletzt. Man brachte ihn zum Klemenshospital, wo er nachmittags um 2 Uhr gestorben ist. Der Unglückliche hinterläßt eine Witwe mit einem Kinde. * Dortmund, 2. März. Auf der Strecke Witten=Annen B.=M. wurden in der vergangenen Nacht von einem patrouillierenden Bahnwärter 9 Dyna= mitpatronen zwischen den Gleisen vorgefunden. Ob die Patronen verloren oder absichtlich niedergelegt wurden, ist noch nicht festgestellt. * Bochum, 3. März. Gegen das sozialdemokratische„Volksblatt“ in Bochum hat die Staatsanwaltschaft Anklage wegen Beleidigung des Kriegsministers von Einem beantragk. Die Strafkammer hat dem Antrage stattgegeben. Die Beleidigung wird in der Beurteilung der Rede des Kriegsministers zu dem Hardenprozeß im Reichstage gefunden. führt.* Haspe, 2. März. Der älteste praktisch tätige Arzt Deutschlands, Geh. Sanitätsrat Dr. Reismann, feierte am Sonntag in allee! Frische und Rüstigkeit seinen 80. Geburtstag. R. wurde 1853 Arzt, leitete 30 Jahre das katholische Krankenhaus in Haspe, konnte schon 1905 sein 50jähriges Jubiläum feiern; im vorigen Jahre zum Geheimen Sanitätsrat ernannt, übt er noch täglich Praxis und beteiligt sich literarisch Solingen, 2. März. Der Messerreider Meisenburg schoß heute mittag zunachst seiner Frau und dann sich selbst eine Kugel in den" Kopf. M. war sofort tot, seine Frau liegt hoffnungslos darnieder. Um die Tat ungestört ausführen zu können, hatte M. sein kleines Töchterchen mit einem Briefe zur Post geschickt. * Mülheim(Ruhr), 2. März. Bei dem Pferdemetzger Herz wurden zwei schwere Fuhren völlig verdorbenen Pferdefleisches beschlagnahmt. Herz setzte seine Fleisch= und Wurstwaren hauptsächlich auf den Wochenmärkten der Industriestädte Hamborn und Meiderich ab, wo er besonders unter der polnischen Bevölkerung seine Kundschaft suchte. Er brachte wöchentlich das Fleisch von 40 und mehr Pferden unter. * Köln, 3. März. Der Rosenmontagszug konnte sich gestern bei gutem Wetter in bester Weise entfalten. Wer von ihm eine stärkere Darstellung des in Köln heimischen Humors erwartek hatte, erlebte eine Enttäuschung: wie in den Vorjahren zeigte der Zug viel Prachtentfaltung, aber wenig, herzlich wenig Humor. Mit wenigen Ausnahmen waren die dem Witz und Humor gewidmeten Wagen minderwertig aufgebaut, so daß der von dem Zeichner beabsichtigte Zweck völlig verloren ging. In den Fuß= und Reitergruppen, welche in großer Zahl den Zug belebten, prägte sich der Humor eindrucksvoller aus als in den Wagen. Wer konnte sich des Lächelns erwehren beim Anblick der Seeleute Sr. Tollität, der Poller Milchmädchen, der Rheinschiffeegilde, der Zappjungen von früher und heute, der Minnesänger, der Räuber, des Geckenbähnchen mit den hilligen Mädchen und Knechten, der Schalkonarren usw.? Mit Jubel wurden die Zugteilnehmer begrüßt, als der Zug sich gegen von pem mit Tausenden von frobgestimmten Menschen besetzten Neumarkt aus in Bewegung setzte, als er seinen Weg nahm durch die zu beiden Seiten mit einer lebenden Mauer eingefaßten Straßen. So viel bis jetzt verlautet, wurde der Umzug ohne Unfall beendigt. Die Zahl der Fremden schien auch in diesem Jahre wieder eine recht hohe zu sein. Gegen Abend setzte das Treiben auf den Straßen wieder ein, D Schloß Neuenhof. Roman von Irene v. Hellmuth. 1)—o—(Nachdr. verb.) Arnold, der die kleine Szene mit geärgerter Miene beobachtet hatte, machte ein strenges Ge sicht, und faßte das Mädchen mit hartem Grif am Arm. „Gleich gehst Du hin zur Großmama und aibst ihr einen Kuß,“ gevot er zornig. Aber war es der ungewohnte barte Ton oder die ernste Miene des Vaters,— Klein Elschen schrie und weinte noch heftiger, als zuvor, und klammerte sich mit beiden Händen am Halse der Mutter fest. „Laß das Kind. Arnold,“ wehrte die Gräfin in eisigem Ton,„es ist unschuldig an der Sache Was versteht so ein Wurm! Du siehst es ja daß es mir systematisch entfremdet wird. Es liebt mich nicht, ebenso wie mich seine": jemals liebte.“ Der verächtliche Blick, der diese Worte begleitete, brachte Nina um den letzten Nest von Fassung. Mit einem Schritt stand n vor der alten Dame, hoch aufgerichtet, ihrten und jähe Röte färbte die Mo „Da haben Sie recht,“ schrie sie „ich liebe Sie nicht, ich kann Sie nicht lieben! Wie sollte es auch anders sein, da Sie, so lange ich hier bin, mir niemals mit einem auten, herzlichen Wort entgegen kamen! Ich liebe Sie nicht,— denn Sie— Sie verbittern mir das Leben, Sie machen es mir zur Qual, so daß es mir manchmal zur Unmöglichkeit wird, es länger zu ertragen! Und weshalb verfolgen Sie mich? Weil ich nicht reich war? O, pfui, ist es nicht demütigend, daß der Mensch selbst gar nichts gilt in Ihren Augen, nur sein Geld? Mit einem Herzen voll Liebe kam ich her, aber Sie sorgten mit unermüdlichem Eifek dafür, daß mein aufrichtiges Bemühen. Ihre Zuneigung zu errin gen, erlahmen mußte, und daß sich meine Liebe in das Gegenteil verkehrte! Mich dürfen Sie nicht dafür verantwortlich machen, ich habe das Menschenmöglich ertragen!“—— „Halt ein. Nina!“ gebot Arnold streng.„Du sprichst Dinge aus, die Du bei ruhiger Überlegung nicht eingestehen würdest! Ich will das nicht länger mit anhören." „Ein solches Betragen ist pöbelhaft,“ zischte die alte Gräfin.„Arnold,“ wandte sie sich mit bleichem Gesicht an den Sohn,„ich hoffe, Du machst Deiner Gattin klar, daß sie sich in unver antwortlicher Weise benommen hat, und sorgst dafür, daß mir solche Szenen in Zukunft erspart bleiben. Meine Nerven vertragen das nicht oft." Der einzige, der ein kleines Lächeln nicht unterdrücken konnte, war Eberhard, Arnolds jüngerer Bruder. Er hatte sich in eine Fensternische zurückgezogen. Sein Blick bing unverwandt an dem schönen, erregten Gesicht Ninas. Diese sah bei den Worten ihres Gatten beinahe erschrocken auf, und als sie den traurigen Ausdruck gewahrte, der in seinem Auge lag, nahm sie hastig das Kind, das sie vorhin auf den Boden gestellt, in die Arme und entfernte sich rasch. die gejagt lief sie die wenigen Stufen, die unmittelbar in den Park führten, hinab und rastete nicht eher, bis sie eine kleine Laube erreicht hatte. Dort sank sie auf die Bank, drückte das Gesicht in das Blondhaar der Kleinen und weinte bitterlich. Der elegante, mit dunkelblauer Seide ausgeschlagene Wagen, der Elisabeth v. Hallerstein an der Station abgeholt hatte, hielt vor der groten Freitreppe des Schlosses Neuenhof. Es war ein wundervoller Maientag, auf der Terrasse standen in mächtigen Kübeln schlank gewachsene Palmen, die man aus den Treibhäusern der Gärtnerei hervorgeholt hatte. Die ganze Lust schien erfüllt vom Duft des Flieders, der in überreicher Pracht und Fülle rinnsum blühte. überhaupt war Schloß Neuenhof förmlich ein gebettet zwischen Blütenbäumen, Graf Arnold selbst hatte die junge Verwandte am Bahnhof in Empfang genommen, und Nina, gefolgt von der alten Gräfin, kam die breite Treppe herab und begrüßte Elisabeth in ihrer freundlichen herzlichen Weise. „Sei willkommen in Neuenhof," rief sie schon von weitem der jungen, zwar einsach, aber geschmackvoll gekleideten Dame zu, die, ohne irgendwelche Hülfe abzuwarten, leichtfüßig aus dem Wagen sprang und stürmisch auf Nina zu eilte. Sie küßte die junge Frau auf Mund und Wangen und sagte lebhaft:„Wie schön, wie wunderschön ist es hier! Auf dem ganzen Wege hierher konnte ich mich nicht satt sehen an der reizvollen Umgegend und erst das Schloß selbst, — es macht einen wahrhaft imposanten Eindruck. Ach Nina, wie glücklich mußt Du sein! Wer es doch auch so gut hätte!“ Die junge Frau seufzte ein klein wenig. Ein rascher, kaum wahrnehmbarer Seitenblick streift. die Schwiegermama, die das junge Mädchen kühl und förmlich begrüßt hatte, jetzt aber hochaufgerichtet dastand, und ihre kalten Augen hochmütig von einem zum anderen schweifen ließ. „Ich freue mich, wenn es Dir bei uns gesällt," begann Nina wieder,„wir werden uns bemühen. Dir den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu gestalten. An Abwechselung fehlt es hier nicht, denn die Stadt ist bequem in einer halben Stunde zu erreichen, man entbehrt also die großstädtischen Genüsse nicht und lebt doch auf dem Lande. Du sollst sehen, wie rasch Du Dich hier eingewöhnst.“ „M," nickte Elisabeth, während sie die groten, etwas verträumt blickenden Augen umherschweifen ließ,„schön, sehr schön ist es hier, ich beneide Dich, Nina.“ Die beiden jungen Damen stienen Hand in Hand die Treppe empor, Elisabeth wollte sich erst den Reisestaub von den Kleidern schütteln, und suchte deshalb die für ne bestimmten Zimmer auf. Nina beauftragte ihre Kammerjungfer, dem anädigen Fräulein bei der Toilette zu helfen. Elisabeth v. Hallerstein war eine jener Er schinungen, die, wo sie sich auch zeigen. Aufsehen erregen müssen. Schon die seltene Farbe ihres schimmernden Haares bewirkte, daß jeder Vorübergehende sich unwillkürlich nach ihr umsah. Die schweren Flechten zeigten jenen wunderbaren Goldalanz, emne Mittelfarbe zwischen rot und blond. Fast chien es. als sei der Kopf zu Plein um diese leuchtende Pracht zu tragen. Das Gesicht war vielleicht etwas zu blaß uno zu durchsichtig, es zeigte nur einen leisen Hauch von Röte, dafür chimmerten aber die Lippen im herrlichsten Purpur, und wenn ein Lächeln über die reizenden Züge olitt, so konnte man die Reihe der kleinen Perlenzähne bewundern. Tiefdunkle lange Wimpern beschatteten die Augen, deren Farbe so blau war, wie der Himmel an einem heißen Sommertage. Lange Zeit stand Elisabeth unbeweglich. Sie trat durch die geöffnete Glastür auf den kleinen Balkon hinaus, von wo man eine herrliche Rundsicht genoß. Träumerisch irrten die Augen des schönen Mädchens über das wogende Blütenmeer hin, welches das Schloß von drei Seiten umgab. Unmittelbar an den Park schloß sich der Wald, bestehend aus uralten hochgewachsenen Bu chen, von deren hellem, frischem Grün sich das tiefe Dunkel einzelner, herrlicher Fichten wun derbar abhob. Ringsum herrichte Ruhe und Stille, nur einzelne Vogellaute drangen aus dem Dickicht des Parkes. Die Brust Elisabeths hob sich unter einem tiefen Atemzuge. In den Augen lag ein selt samer Ausdruck, wie Sehnen oder Heimweh. Da das Schweigen der jungen Dame der Zofe, welche zugleich mit eingetreten war, etwas zu lange dauern mochte, so räusperte sich diese ein paar mal vernehmlich. Als dies aber nicht wirkte und Elisabeth die Gegenwart der Dienerin völlig vergessen zu haben schien, trat dieselbe unter die Balkontür und fragte schüchtern:„Wenn es dem gnädigen Fräulein vielleicht gefällig wäre? Soll ich Ihnen die Haare ordnen?“ Etwas überrascht wandte sich die Angeredete um. „Ach,“ sagte sie freundlich.„Sie sind auch noch da? Das hatte ich in der Tat ganz ver gessen. Es kommt davon, weil ich nicht gewöhnt bin, mich bedienen zu lassen.“ Sie winkte das Mädchen zu sich heran. „Wie heißen Sie denn?" „Ich?— Marie.“ Die Zofe betrachtete mit unverhohlener Be wunderung die schöne junge Dame. Elisabeth bemerkte es wohl, sie war es ja gewöhnt, überall angestarrt zu werden, dennoch bereitete es ihr ein besonderes Vergnügen, sich immer sagen zu lassen, daß sie schön sei. Deshalb stellte sie auch hier die Frage:„Weshalb iehen Sie mich denn so sonderbar an. Marie?“ „Weil— weil—“ „Nun?" „Weil Sie mir so gefallen, gnädiges Fräu lein!“ stotterte das Mädchen verwirrt. Elisabeth lachte belustigt auf. „So. so, bin ich denn wirklich schön?" „Ach ja, wunderschön!“ beteuerte Marie in inniger Überzeugung,„und— und, Sie sehen so gütig aus, gar nicht stolz!“ „Gütig? Na, wissen Sie, das bin ich eigent lich nicht immer, das kommt auf die Umstände an. Aber Sie sollen sich nicht über mich zu be klagen haben, Marie,— also auf gute Freundschaft!“ Sie streckte dem jungen Mädchen die seine weiße Hand entgegen, und dieses, an dergleichen Freundlichkeit und Herablassung nicht gewöhnt legte errötend ihre Rechte hinein. Elisabeth hatte sich damit das Herz des Mädchens vollstän dig erobert. Die junge Dame deutete in den Park hinab „Sagen Sie mal, Marie, wer ist denn der hübsche, hochgewachsene Mann dort?" Vom Walde kommend, die Büchse über der Schulter, schritt Eberhard v. Reutlingen geradenwens auf das Schloß zu. „Tus ist der jüngere Bruder unseres gnädigen#errn.“ gab Marie Auskunft. „So, und das nette Mädchen neben ihm?“ „Das ist die Tochter des gräflichen Försters, Lotte Reinwald. Sie bringt täglich frische Milch, Butter, Eier, kurz, was man eben braucht, nach dem Schloß: denn mit der Försterei, die gleich am Eingang des Waldes liegt, ist eine große Meierei verbunden, die unsern ganzen darf deckt. Dabei wird noch viel in die Stadt verkauft. Es sind recht liebenswürdige, brate Leute drüben im Forsthaufe, besonders der alte Förster ist in der ganzen Umnegend bekannt. Die Försters müssen Sie einmal besuchen, gnädiges Fränlein, sie würden sich freuen." Elisabeth schien kaum zu hören, was das Mädchen alles erzählte, lächelnd betrachtete sie das junge Paar. Sehen Sie nur Marie, der Graf scheint sich lebhaft mit dem hübschen Försterstöchterchen zu unterhalten; was er ihr nur alles erzählen mag? Nun lachen sie alle beide. Es wirkte beinahe ansteckend." In der Tat schien sich Graf Eberbard in sehr heiterer Stimmuna zu befinden. Er wandte kaum die Angen ab von dem rosigen Mädchen an seiner Seite, und dieses war offenbar durchaus nicht unangenehm dadurch berührt, im Gegenteil, es sah viel öfter als nötig auf den scheinbar sehr übermütigen jungen Mann, und ließ es willig geschehen, daß er ihr half, den schweren Norb zu tragen. Die beiden konnten natürlich die Lauscherinnen auf dem halb versteckten Balkon des Schlosses nicht gewahren, sonst hätten sie sich gewiß mehr zusammengenommen. Ich glaube, der Förster täte besser, zu diesen Botengängen jemand anders zu schicken, als seine Tochter,“ meinte Elisabeth scherzend, ohne den Blick zu wenden. „Ja," flüsterte Marie,„man munkelt, der junge Herr Graf käme viel öfter nach dem Forsthause, als die Aufsicht erfordere, halbe Tage lang oll er drüben sitzen im Garten und der Lotte sogar bei der Arbeit helfen. Feiern darf die natürlich nicht, denn es gibt sehr wel zu tun in daus und Garten, und die Frau Försterin ist sehr streng. Unser Kutscher Franz erzählte erst neulich, wie der gnädige, junge Herr der FörsterLotte geholfen hat, junges Gemüse zu verpflanzen. Der Herr Graf ist überhaupt gegen alle Untergebene so gut und gar nicht stolz. Und die Jagd und den Wald liebt er über alles. Aber während man im Schloß denkt, er durchstreife ein Revier, sitzt er im Forsthause und studiert dort die— Landwirtschaft, wie er dem Kutscher Franz versicherte. Na, wir wissen es besser. Aber um Gotteswillen, gnädiges Fräulein,“ unterbrach sich die Schwätzerin erschrocken,„verraten Sie mich nicht!— Ich sollte ja eigentlich nicht über die Sache sprechen, und wenn die gnädige Gräfin=Mutter davon erführe—— na, das gäbe einen schönen Skandal!“ „Die alte Gräfin scheint sehr stolz zu sein? bemerkte Elisabeth fragend. Das Mädchen nickte. „Ja, stolz ist sie und hochmütig, und— furchtbar geizig“, platzte es dann ohne Überlegung heraus.„Ach, das hätte ich nun wieder nicht sagen sollen!“ Die Redselige sah bittend zu der jungen Dame auf. Elisabeth beruhigte das junge Mädchen lä chelnd. „Von mir erfährt keine Menschenseele etwas.“ „Ich hatte schon gleich ein rechtes Zutrauen zu Ihnen,“ meinte Marie treuherzig. Elisabeth amüsierte sich köstlich. Der junge Graf gina jetzt unten in gemesse nem Schritt neben seiner Begleiterin her, und je näher sie dem Schlosse kamen, desto ernster wur den sie. Kein Blick hinüber und herüber ver riet mehr die vorhergegangene Zutraulichkeit, ja, sie gingen nunmehr wie zwei gänzlich Fremde nebeneinander her. „Da hätte die gnädige Gräfin=Mutter nicht solche Angst zu haben brauchen“, lächelte Marie, als ipräche sie mit sich selbst. „Warum Angst?“ forschte Elisabeth. „Nun— ja,— weil,— ich meinte nur— Die Dienerin stockte und sah verwirrt und hülflos zu Boden. „Bitte, gnädiges Fräulein,— ich kann es nicht sagen!“— „aber erzählen Sie doch Marie“, ermunterte Elisabeth lachend,„mir dürfen Sie alles anver trauen.“ „Ja.— die gnädige Gräfin meinte eben.— weil Sie doch— eine so hübsche, junge Dame sind,— und— und da dachte sie,— der Herr Eberhard ist auch jung,— und der— könnte sich n Sie verlieben!“ „Ach so, jetzt verstehe ich,“ lachte Elisabeth und ihre Augen funkelten,„das— sollte er wohl nicht, was?“ Marie nickte. „Aber weshalb denn nicht?" Marie fühlte sich jetzt sehr unbehaglich unter den forschend auf sie gerichteten Blicken der jungen Dame. Sie sah beharrlich zu Boden und wurde sehr rot. „Ach, nun weiß ich es“,— ein flüchtiger Schatten flog über Elisabeths eben noch so heiteres Gesicht—,„das ist es, nicht wahr?" Sie machte dabei die Bewegung des Geldzählens. Ohne ein weiteres Wort wandte sie sich ab. Um ihren schön geformten Mund laa ein herber Zug. Eine kleine Pause entstand. Marie war recht verlegen geworden, sie wagte kaum aufzu blicken. In ganz verändertem Ton begann Elisabeth endlich wieder:„Ich habe mich schon zu lange aufgehalten, rasch, nehmen Sie dort aus meinem Reisekorb das blaue Kleid; hier ist der Schlüssel. Es lieat ganz obenauf. Ich muß mich beeilen mit dem Umziehen, bitte, helfen Sie mir. Sie können nachher meine übrige Garderobe auspacken und wenn Briefe für mich ankommen sollten, legen Sie dieselben hier berein.“ Sie deutete auf ein kleines Kästchen aus Perlmutter, das sie ihrer Reisetasche entnahm. Schweigend und in sehr ernster Stimmung vollendete Elisabeth ihre Toilette. Kein Wort wurde mehr gewechselt. Dann stieg sie die Treppe hinab. Der Tisch war im Freien gedeckt, der weichen, milden Abendluft wegen. Das lauschige Plätzchen schützten dichte Olcander= und Lorbeerbäume vor jedem kühlen Luftstrom. Die Unterhaltung während des Essens war eine sehr lebhafte. Graf Eberhard entpuppte sich als vorzüglicher Gesellschafter. Die weiteren Episoden aus seiner Studienzeit, die er zu erzählen wußte, rissen auch Elisabeth mit fort; mehr als einmal ertönte ihr ilberhelles Lachen. Sie bemerkte wohl die besorgten Blicke der alten Gräfin, die es einzurichten gewußt hatte, daß im letzten Augenblick noch die Tischpläte gewechselt wurden. Sie— die alte Gräfin,— saß nun zwischen Eberhard und dem Gast, und bemühte sich, die beiden von einander fern zu halten. Elisabeth verbiß nur mit Mühe das Lachen. Sie wußte es, der junge, elegante und übermütige Graf konnte ihr nicht gefährlich werden; dazu dachte sie zu oft an die Heimat und an ein paar braune, schwermütig blickende Augen, die es ihr angetan. Gelegentlich eines Balles nämlich hatte Eliabeth einmal den Leutnant Karl v. Wolfegg ennen gelernt und der junge Mann zeichnete sie chon beim ersten Begegnen derartia aus, daß es ullgemein auffallen mußte. Man zuckte die Acheln über das vermeintliche Verhältnis, raunte und flüsterte:„An eine Heirat zwischen den beiden ist gar nicht zu denken. Wovon sollten sie leben? Sie besitzen beide nichts. Elisabeth v. Hallerstein ist ein sehr schönes Mädchen,— gewiß,— wer möchte das leugnen,— sie hat ihn offenbar bezaubert,— aber ohne Geld kann er je nicht nehmen,— das ist einfach unmöglich Solche und ähnliche Reden flogen damals hin und her zwischen Elisabeths Bekannten und Freundinnen, und die Mütter, die in der glückichen Lage waren, ihren Töchtern bei der Verheiratung ein ansehnliches Vermögen mitgeben zu können, hofften unentwegt weiter, daß sie den hübschen Leutnant doch noch einfangen würden; denn über kurz oder lang mußte er sicher zu der Einsicht kommen, daß Elisabeth v. Hallerstein keine Frau für ihn sei,— so kalkulierte man wenigstens. Die beiden verblühenden Schwestern des Leutnants, Fräulein Karoline und Melitta v. Wolfegg, erhielten eine Einladung nach der anderen; man riß sich förmlich um deren Gesellchaft, um ihnen dabei womöglich„auf den Zahn ühlen“ zu können betreffs ihres Bruders. Und unbedenklich äußerten die Damen jedesmal achselzuckend: Mein Gott,— so ein bischen Liebelei, das kennt man, es ist ungefährlich und geht bald vorüber. Die beiden jungen Menschenkinder, von denen in jenen Tagen so viel die Rede war, kümmerten ich freilich wenig um das, was man über sie in der Gesellschaft sprach. Sie waren schon zufrieden, wenn sie sich in die Augen sehen konnten, was sie allerdings in ausgiebiger Weise besorgten. Leutnant v. Wolfegg hatte kaum einen Blick üdrig für die anderen jungen Damen. Bei verchiedenen Gelegenheiten war beobachtet worden, daß er die Hand Elisabeths viel länger, als eigentlich nötig war, in der seinen behielt, ja, die kleinen, bebenden Finger des Mädchens an seine Lippen führte, als er sich unbeobachtet wähnte. Das ging nun freilich bedenklich weit, und als man sich nicht mehr anders zu helfen wußte, da sand sich ein guter Freund.— Vater von vier unversorgten Töchterchen,— der die schwere Pflicht auf sich nahm, dem alten Hallerstein die Augen zu öffnen. Der wohlmeinende Freund stellte dem Vater Elisabeths vor, daß er gar nichts anderes tun könne, als einzuschreiten, ehe es zu spät sei. Für jeden sorgenden Vater in ähnlicher Lage sei das unerläßliche Pflicht. Der Alte, der sich förmlich einspann zwischen seine vier Wände und seine Bücherreale, die bis zur Decke hinauf reichten in der stets von dichtem Tabaksqualm erfüllten Studierstube, wollte anfänglich gar nichts hören. Man solle ihn in Ruhe lassen,— entgegnete er auf alle wohlgemeinten Ratschläge,— sein Mädel, seine Liesel, sei ein kluges Kind, und wisse schon selbst, was sie tun und zu lassen habe, man möchte sich nicht um sie kümmern. Er rechnete nur nicht mit dem einen Umstand, daß die Liebe blind macht; und blind schienen die beiden Liebenden allerdings zu sein, denn sie rannten doch offenbar in ihr Unglück, wenn man sie nicht warnte, und— das konnte doch keiner mitansehen, man meinte es ja so— herzlich gut. Als die treuen Freunde und Freundinnen bemerkten, daß die Liebenden sich schon außerhalb des Bekanntenkreises trafen, zufällig natürlich,— als man sie einmal, dicht neben einander auf einer halb versteckten Bank der städtischen Anlagen beobachtete, da wußte es jeder, es war die höchste Zeit, energisch einzuschreiten und der Sache ein Ende zu machen.— Elisabeth ahnte natürlich nichts von allen Komplotten gegen ihre Liebe. Mit der harmlosesten Miene der Welt erzzählte sie ihren Freundinnen, daß sie eine herzliche Einladung von ihrer Kusine, der Gräfin Reutlingen, erhalten habe, und daß sie jedenfalls auf einige Zeit nach Schloß Neuenhof gehen werde, weil ihr Vater, der sich doch eigentlich selten um ihr Aussehen kümmere, sie für angegriffen und erholungsbedürftig halte. Sie fühle sich ja ganz wohl, aber um den alten Mann zu beruhigen, der so dringend einen Landaufenthalt wünsche, gebe sie seinen Bitten nach. Und die Freundinnen bestätigten mit wahrem Feuereifer, daß Elisabeth in der Tat sehr blaß und schmal geworden sei, und eine Luftveränderung dringend nötig hätte.— Das alles ging der jungen Dame während des Essens durch den Kopf, daß sie ganz still dasaß und ihren Gedanken nachhing. Immer wieder choß es ihr durch den Kopf, warum sich alle ihre Bekannten, samt dem Vater, nur auf einmal so sichtlich um ihre Gesundheit ängstigten und ihr sehlte doch absolut nichts. Sogar als sie schon m Koupee saß, rief man ihr noch zu, sie möge doch ja so lange als möglich bleiben, um ihre angegriffenen Nerven in der gesunden Luft von Neuenhof zu stärken. Da glaubte sie es beinahe selbst, daß sie krank sei. „Liebe Elisabeth, Du mußt nun recht lange bei uns bleiben", sagte soeben auch die junge Hausrau, welche ihren stummen Gast schon längere Zeit beobachtet hatte. Die Angeredete schreckte aus ihren Sinnen ompor und entgegnete hastig:„Du bist sehr reundlich, Nina,— aber das wird leider nicht gut möglich sein." „aber weshalb denn nicht? Ich freue mich o sehr auf Deinen Besuch, gefällt Dir Neuenhof nicht? Vermissest Du etwas? Sage es ohne Schen!" Elisabeth lächelte. Was sollte ich wohl vermissen? Ich bin überrascht von all der Schönheit, die mich hier umgibt." „Nun also, dann bleibst Du mindestens bis zum Herbst." „O, wo denkst Du hin, das kann nicht sein." „Ich lasse Dich nicht früher fort." Elisabeth schien so verwirrt. Was sollte sie sagen? Was für Gründe sollte sie angeben? Den wahren Grund konnte sie hier doch nicht verraten. Sie vergegenwärtigte sich eben, daß ein paar schöne, ausdrucksvolle Männeraugen nun u Hause vergeblich die Reihe der Fenster ihrer Wohnung streifen würden, sie dachte daran, daß diese Augen bei ihrem Erblicken stets so hell und reudig aufleuchten konnten, und sie fühlte etwas wie heiße Sehnsucht in sich aufsteigen. Weißt Du“, begann sie endlich zögernd,„mein Vater wird mich doch sehr vermissen. Ich war noch nie längere Zeit von Hause fort, und er ist nun ganz auf die Gesellschaft unserer alten Wirtchafterin angewiesen, und die mürrische Person gönnte ihm kaum ein gutes, freundliches Wort. Sie besorgt ihm ja das Hauswesen tadellos, aber das ist auch alles. Sie kann zuweilen recht ungemütlich sein." Nina lachte. „Mein liebes Kind, darüber mache Dir keine Sorgen: Dein Vater vermißt Dich nicht so chver. Ich kenne doch den lieben, alten, mürrichen Onkel ganz genau. War ja als jüngeres Mädchen oft genug Euer Gast. Für Deinen Vater existiert überhaupt nur zweierlei: Seine Bücher und seine Pfeife. Wenn er diese Requiiten hat, vergißt er Welt und Menschen, sein hübsches Töchterlein mit inbegriffen." Elisabeth seuszte „Du hast wohl recht“, sagte sie,„aber allzu lange möchte ich trotzdem den guten Papa nicht allein lassen." Sie bemerkte sehr wohl, daß die alte Gräfin wie erleichtert aufatmete. „Ich kann Ihnen durchaus nicht Unrecht geben“, meinte die letztere, scheinbar wohlwollend. „Ihr Papa wird doch sehr an Ihre Gesellschaft gewöhnt sein.“ Elisabeth unterdrückte nur mit Mühe ein Lächeln. Sie kokettierte mit Eberhard, um die alte Dame, die ihr vom ersten Augenblick an unympathisch war, ein wenig zu ärgern. Nr. 29. (Fortsetzung folgt.) Bezugspreis: Dur 1.20 Mk. vierteljä dition abgeholt 1 Anzeigen werden einfache Petitzeile rechnet. Bei Wiel ßeren Aufträgene Reklamen kosten 50 Pfg. die Zeile Beilagegebühr: Anzeigen=Annah woch und Frei jeweils fällige N Erft Beamtenpo Wie wir schon ändert sich die Sit amtenbesoldung vo der Vorgänge, wel abgespielt haben, men zu können, d Sache kommen wi reits die Erklärun baben aus der Bu netenhauses verbre Erklärung kannn sein. Man kann in dahin sehen, daß di Session nicht kom aber kann man in sehen, denn ohne der Frage der Bmöglich vorgehen. Vorgang muß es Grund der Erklär zeitig nicht wenige gebracht wurden. Wie wir schon b klärung des Fin Deutlichkeit hervo keiten beim Reich tags, der sich bish die Finanzreformf weiter vorwärts z als ein taktischer S Zeitung" das Sch nanzreform im 9 partikularische Wi Liberalen damitl erklärt, sie seien be ern zu bewilligen, dem Gebiet der E nis gemacht würde. frage hat bisher de so als ein Hinder gegengestellt, die di amtenbesoldungsvo Preußen herbeizufi in Preußen die Vo hat, ist im Reich in Ruh insofern als der Beamtenbesold immer nicht hört. lassen, das Gerücht gang der Vorlage Wochen zu erwar Druck, der jetzt vo ist, seine Wirkung verfehlen. Sollte sagen, so wäre es ßen später die Bemit rückwirkender würde, sondern daß bemessene Teueru denn man kann den daß sie trotz der feic sich bis zum Herb was wir hier von selbstverständlich a rung braucht in Furcht zu haben, in man die Teuerun Preußen hat das würde die Aufnahr sein. Also nur fr Preuhil 45. S Humoristisches. Ungalant. Junge Frau(die auf einem Gutin der Sommerfrische war):„Denke Dir, morgens habe ich immer das Futter für die Schweine gekocht!“ — Mann:„Run, die werden froh sein, daß Da der fort bist.“ iiea Die wird fortgesetzt be Abg. v. Heydeb allgemeine Gesichts des Etats ist nich die wir aufnehme reine get en ür andere Zwea st auch sehr unüb senbahnen hat sich gestaltet. An die bahnen sind nicht schuld, sondern au richtig!) Wir wer keit bedürfen in de Betriebsmaterial dings werden wir müssen.(Sehr ri bahnen zu dem m wenn es nicht and Apfel beißen. D reform stehen wei Fahrkartensteuer zielle Nachteile gel men geben wir sie hin. Wir haben? endlich auf eine g Abg. Wallenbo der Ansicht, daß Einnahmen nicht einzelnen Titeln Wir erkennen die an, die Einnahme Verwaltung wie1 Jahren richtig zu daß für das nächs Erfahrungen der den tatsächlichen schätzung vorgelegt klarere Aufstellun Wir stehen vor d Beamten, Geistlich Forderung, die