Westfälischer Telegraph Erscheinungstage: Dienstag, Donnerstag, Samstag. Abonnements-Preis: Dierteljährlich durch die Boten oder die Dost bezogen 1.401II., durch den Briefträgerfreiins 2 Haus gebracht 1.65 M. Ein=4 zelnellummern,sowie Belege 4 werden mit 10 Pfg.berechnet. 2 Druck und Verlag: D. Riedel in Menden. 2 Mendener Amtliches Organ der Stadt Menden Wöchentliche Gratisbeilage: Mendener Sonntagsblatt Nr. 17.4 Telegramm=Adresse: Telegraph Menden Bezirk Arusberg. 3 Insertionsgebühr: Die ein3 spaltige Detitzeile oder deren e Raum 15 Dfennig. Reklamen e 40 Pfennig. Bei zwangswei2 ser Beitreibungder Gebühren 3 oder durch gerichtliche Mlite wirkung wird jede Rabatte bewilligung hinfällig. Für 2 3 die Aufnahme von Anzeigen 2 2 an bestimmt vorgeschriebe 3 * nen Cagen oder Stellen wird. e keine Gewähr geleistet. 2 Nr. 119. Blatt. Tonnerstag, den 3. Oktober 1912. 53. Jahrgang. Vordem Ausbruch des Krieges. Die Türkei hat die serbische Forderung auf Freigabe der angehaltenen Waffentransporte abgelehnt und sich in einem Ministerrat für den Krieg entschieden. Derselbe Ministerrat hat sich anscheinend bereits für die Abtretung Tripolitaniens und der Kyrenaika an Italien zur schleunigen Beendigung des Tripoliskrieges entschlossen. Gleich dem bulgarischen hat auch der serbische Gesandte Konstantinopel verlassen. Die Mobilmachung wird mit äußerster Beschleunigung fortgesetzt. Die beteiligten Regierungen sind bemüht, zur Bestreitung der Kriegskosten Anleihen aufzunehmen. Die Diplomaten, die wochenlang versicherten, daß sie den Ausbruch eines Balkankrieges zu verhüten wissen würden, erklären jetzt, daß sie den Krieg sicher lokalisieren würden. Sie haben den ersten Teil ihrer Zusicherung bereits fallen gelassen und können daher auch keine Garantie dafür bieten, daß die Balkanwirren doch noch einen europäischen Kriegsbrand entfachen. Die Türkei ist zum sofortigen Kriege entschlossen und möchte die endgültige Auseinandersetzung mit den Balkanstaaten nicht länger hinausschieben. Man sagt, je früher die Türkei losschlägt, desto vorteilhafter wäre es für sie, da sie jetzt noch den strategischen Aufmarsch der Armeen ihrer Gegner stören kann. Man nimmt an, daß die Türkei gegen Montenegro und Serbien vorerst Beobachtungskorps aufstellen und ihre Kraft gegen Bulgarien entfalten wird. Weiter verlautet, daß der Friedensschluß zwischen der Türkei und Italien unmittelbar bevorsteht. Die Türkei schließt den Frieden hauptsächlich deshalb, damit sie nicht gezwungen ist, allzuviel Militär zum Schutze ihrer Küsten verwenden zu müssen. Die Regierung in Konstantinopel zögerte daher auch nicht, noch vor Ablauf der gewährten 48 stündigen Frist zu erklären, daß sie die Forderung Serbiens auf ungehinderte Durchfuhr des serbischen Kriegsmaterials zurückweise. Die Ablehnung des serbischen Ultimatums ist allerdings noch nicht der Krieg selbst, da noch eine Hintertür offensteht. Die serbische Regierung hatte vor einiger Zeit bei der französischen Firma Schneider in Creuzot zwölf Schnellfeuerbatterien mit Munition und Zuvehör bestellt, die zusammen ungefähr 300 Waggons ausmachten. In der letzten Septemberwoche waren die beiden ersten Sendungen— 91 und 20 Waggons— auf der Durchfahrt nach Serbien, der auf dem Seewege über Marseille erfolgt, auf türkischem Gebiet eingetroffen. Die erste Sendung wurde in Usküb angehalten. Die türkische Regierung erklärte, die Durchfuhr nach Serbien würde nur dann gestattet werden, wenn Serbien die Verpflichtung eingehe, gegen die Türkei nichts zu unternehmen. Auf Grund dringlicher Vorstellungen des serbischen Gesandten in Konstantinopel, Dr. Renadowitsch, wurden diese 91 Waggons freigegeben, jedoch bald wieder angehalten. Als die zweite Sendung auf türkischem Gebiet eintraf, hatte sich die Lage derart verschärft, daß die Türkei die Durchfuhr dieser 20 Waggons nach Serbien verbot und auf die Vorstellungen des serbischen Gesandten nichts mehr erwiderte. Das serbische Ultimatum stellte der Türkei vor die Wahl, entweder das Kriegsmaterial freizugeben oder es nach Marseille zurückzudirigieren. Die zweite Möglichkeit steht somit der Türkei noch offen, deren Beschluß daher noch nicht den offiziellen Kriegsfall bedeutet. Die türkischen Handelsschiffe, die sich in den Häfen des Schwarzen Meeres befanden, wurden zu sosortiger Rückkehr nach Konstantinopel aufgefordert. Den 55 griechischen Dampfern, die sich im Schwarzen= und im Marmarameer aufhalten, verweigerte die Türkei die Ausfahrt aus den Dardauellen, um sie erforderlichen Falles für Truppentransporte zu requirieren. Der Oberbefehlshaber der kürkischen Armee Abdullah Pascha, der soeben zum Generalissimus ernannt wurde, steht am Ende der fünfziger Jahre, ist ein überaus tatkräftiger Mann und imstande, die Strapazen eines Krieges zu ertragen. Er gehört zur Schule des deutschen Generalfeldmarschalls v. d. Goltz, dessen Adjutant er längere Zeit war. Er beherrscht die moderne Kriegstechnik vollkommen. Die von ihm ausgebildeten Offiziere haben 1897 im Kriege gegen Griechenland Proben ihres Könnens abgelegt. Nach oer Revolution wurde Abdullah Pascha Kommandierender des 4. Armeekorps an der persischen Grenze, später des 2. Armeekorps bei Rodosto, wo er namentlich das Festungswesen förderte. Zuletzt war er Oberkommandierender der Truppen in Smyrna, von wo er erst unlängst nach Konstantinopel zurückkehrte. Zum obersten Kriegsherrn ihrer verbündeten Armeen ernannten Bulgarien, Griechenland, Serbien und Montenegro den König Ferdinand von Bulgarien. Der König erklärte noch vor kurzem, daß er im Falle kriegerischer Verwickelungen zugunsten des Kronprinzen abdanken würde. Als ihm seine Bulgaren erwiderten, daß sie dann gegen die Türkei und gegen die Dynastie Koburg kämpfen würden, gab er dem Drängen nach und über ahm jetzt sogar den Oberbefehl. Serbische Truppen sollen bereits über die bulgarischen Grenzen marschiert sein, um mit den Verbündeten eine gemeinsame Aktion zu unternehmen. Man glaubt in Sofia, daß sich beim Ausbruch des Krieges mindestens 10000 russische Freiwillige den Bulgaren anschließen werden. Die Meldung, daß die Türkei die Albanier bewaffnet und ihnen die Verteidigung gegen Serbien und Montenegro übertragen hätte, begegnet bei der Unzuverlässigkeit der Albanesen zweifeln. Das serbische heer wurde in drei Armeen eingeteilt, von denen eine Kronprinz Alexander befehligt. Der Exthranfolger, Prinz Georg, hofst, daß ihm zahlreiche Freiwillige aus Italien zuströmen werden. Dem Könige Peter, der sonst wenig zu sagen hat, wurden Ovationen dargebracht. Viele serbische und bulgarische Banden, die sofort nach der Kriegserklärnna in Aktion treien werden sind in der Bildung begriffen. Mit Griechenland hat auch Kreta mobilisiert. Mehrere Abteilungen Reserve und Freiwillige werden nach Griechenland eingeschifft. Kronprinz Konstantin wurde feierlich als Generalissimus vereidigt. Griechenland soll vier Torpedoboote in England angekauft haben. Der König von Griechenland, der auch am Mittwoch noch in Wien blieb und dort eine Unterredung mit dem Kaiser Franz Josef hatte, sprach die Hoffnung aus, daß es doch noch möglich sein würde, den Frieden zu erhalten. Montenegro begründete seine Mobilmachung mit den unaufhörlichen Grenzzwischenfällen und der Anhäufung der türkischen Truppen längs der montenegrinischen Grenze. Die Aktion der Großmächte. Eine Balkankonferenz soll in Aussicht stehen. In amtlichen türkischen Kreisen glaubt man, die Mächte würden der Türkei eine Konferenz vorschlagen, und die Türkei würde sich bereit erklären, Vertreter zu dieser Konferenz zu entsenden, falls die Balkunstaaten die Mobilisierung rückgängig machen. Die Vermittlungsaktion soll von Paris ausgehen, wo augenblicklich derrussische Minister des Auswärtigen weilt, der die Vorschläge der englischen Regierung von London mitgebracht hat. In Paris soll eine der Türkei und den Balkanstaaten zu übergebende Note ausgearbeitet werden, für die man Deutschlands und Österreichs Zustimmung erhofft, so daß ein gemeinsamer Schritt aller Großmächte, auch Italien tritt für die Erhaltung des Status quo am Balkan ein, in Aussicht steht. Bemerkens= und anerkennenswert ist es, daß namentlich auch Italien sich für die Erhaltung des Balkanfriedens einsetzt und seine Gesandten in den Balkanstaaten in diesem Sinne instruierte. Der Berliner bulgarische Gesandte Geschow erklärte, daß die Möglichkeit der Kriegsverhütung noch gegeben sei, wenn die Großmächte die Türkei zu gründliche Reformen nötigten. Serbien und Griechenland sollen geneigt sein, sich den Ratschlägen der Mächte zu fügen, die zur Geduld mahnen und weitgehende Reformen versprechen. In Sofia ist die Kriegslust am stärksten, doch erklärte man auch dort, Bulgarien habe kein Ultimatum an die Türkei gerichtet, so daß die Großmächte in ihrer Friedensaktion durch nichts behindert wären.— Die türkische Kommission für Reformen in Nordalbanien, begab sich am Mittwoch von Konstantinopel nach Skutari, der Hauptstadt des genannten Reformgebiets. Bulgarien verbot die Ausfuhr von Getreide, Mehl und Futter nach der Türkei.— Die europäischen Börsen waren am Mittwoch weniger flau als am Dienstag. Das Auswärtige Amt zu Berlin läßt durch die „Nordd. Allg. Ztg.“ erklären: Angebliche oder wirkliche türtische Mobilmachungsmaßregeln haben den Balkanstaaten Grund oder Vorwand zur Mobilisierung ihrer Streitkräfte gegeben. Ob es sich nur um einen Gegenzug gegen die türkischen Vorkehrungen oder um ernstliche Kriegsabsichten handelt, läßt sich zurzeit mit Bestimmtheit nicht erkennen. Unter allen Umständen haben die von den Balkantegierungen ergriffenen Maßregeln die Möglichkeit eines kriegerischen Zusammenstoßes mit der Türkei näher gerückt. Die Bemühungen der Mächte, den Frieden zu erhalten, dauern fort. Wie sehr es auch zu bedauern wäre, wenn diese Bemühungen erfolglos blieben, so ist doch auch in diesem Falle für die deutschen Interessen ein Anlaß zu unmittelbarer Beunruhigung nicht gegeben. Dies ist um so weniger der Fall, als mit Bestimmtheit zu hoffen ist, daß der etwaige Konflikt auf seinen Herd beschränkt bleiben würde. Die letzten Ereignisse haben die Wahrscheinlichkeit eines Konfliktes erhöht. Mit der Möglichkeit eines solchen mußten die europäischen Kabinette aber schon seit geraumer Zeit rechnen. Sie haben daher auch alle Zeit gehabt, sich untereinander über ihre Stellung zu einer solchen Eventualität auszusprechen. Bei dem festen Willen aller Mächte, die Ausdehnung des Konflikts hintanzuhalten, kann eine endgültige Verständigung nicht ausbleiben. Wenn also auch die nahe Möglichkeit eines Zusammenstoßes auf dem Balkan nicht von der Hand zu weisen ist, so darf doch zuversichtlich erwartet werden, daß ein weitergehender Kriegsbrand, in den die europäischen Großmächte hineingezogen werden könnten, vermieden bleibt. Die Grotzmächte. Rußland läßt noch einmal amtlich erklären, daß seine angebliche Mobilmachung zurückzuführen sei auf eine Probemobilisation der Festungstruppen in dem befestigten Platz Ossowetz. Zu diesem Zweck wurden am 30. vorigen Monats in einigen Orten des Weichselgouvernements die Reservisten einberufen. Eine Requisition von Pferden hat nicht stattgefunden. Die Maßregel bildete einen Teil eines Programms von Versuchen, die zum Gegenstand die Prüfung der Funktion verschiedener Dienste haben, und steht in keinerlei Beziehung zu den gegenwärtigen politischen Ereignissen. Die Gerüchte, Österreich bereite die Mobilisierung zweier Armeekorps vor, wurden von dem Kriegsminister Ritter von Auffenberg für absolut grundlos erklärt. Während man in Österreich die Machenschaften eines zweiten Ignatiew befürchtet, hegt man in Petersburg wegen der Wiener Politik Besorgnisse. Man glaubt zwar an der Newa, daß Österreich schon wegen seiner guten Beziehungen zu den beiden andern Kaisermächten anfangs neutral bleiben, jedoch eingreifen würde, falls die Balkanstaaten auf Kosten der Türkei Landerwerbungen machen sollten. Dann würde auch Rußland zum Eingreifen gezwungen werden, und der europäische Krieg wäre fertig. In Wien wird die russische Diplomatie laut„Voss. Ztg.“ des Doppelspiels bezichtigt wie in der Ara Gortschakow=Ignatiew und behauptet, während der Minister des Auswärtigen Sasonow für die Erhaltung des Status quo am Balkan einzutreten vorgab, habe der russische Gesandte in Belgrad v. Hartwig am Zustandekommen der bulgarisch=serbisch= griechischen Militärkonvention gearbeitet. Die leeren Kriegskassen. Die Türkei ist ihren vereinten Gegnern nicht nur an Kriegstüchtigkeit, sondern auch finanziell überlegen, obwohl der Krieg um Tripolis etwa 170 Millionen M. bisher gekostet hat. Die türkischen Einnahmen steigen jedoch, und kommt es zum baldigen Friedensschluß, so erhält die Türkei für die Abtretung ihrer beiden nordafrikanischen Provinzen von Italien eine ansehnliche Geldentschädigung. Bulgarien wollte im Herbst für den laufenden Bedarf eine Anleihe von 180 Millionen aufnehmen. Für den Krieg braucht es natürlich das doppelte und dreifache dieser Summe, bekommt dafür aber keinen roten Heller geborgt und auch die 180 Millionen im Kriegsfalle von niemandem ausgezahlt. Die Finanzen Serbiens und Griechenlands unterliegen der internationalen Kontrolle, gehorgt wird beiden Staaten nichts, am wenigsten Griechenland, das nach dem Staatsbankerott auch jetzt noch mit der Zinszahlung für seine auswärtigen Anleihen weit im Rückstande ist. Montenegro hat keine finanziellen Sorgen, besitzt aber auch keine Kredifähiakeit. Politische Nachrichten. Deutschlands wirtschaftliche Interessen am Balkau sind so bedeutend, daß ihre Störung durch einen Krieg erheblichen Schaden anrichten müßte. Die wirtschaftliche Ursache des Balkanbundes war Serbien, das vom Meere abgeschnitten und für seine Viehausfuhr fast ganz auf Österreich angewiesen ist. Die wirtschaftliche Spitze des Balkanbundes richtet sich daher in erster Linie gegen Österreich=Ungarn und danach gegen deisen Verbündeten Deutschland. Aber auch der direkte Warenaustausch des Deutschen Reiches mit den Staaten des Balkanbundes ist beträchtlich. ach Bulgarien, mit dem es durch den die gegenseitige Meistbegünstigung festsetzenden Handelsvertrag von 1905 verbunden ist, liefert das Reich Fertigfabrikate namentlich der Textil= und Eisenindustrie, während es Rohprodukte empfängt. Die gesamte bulgarische Einfuhr nach Deutschland belief sich irn letzten Jahre auf Waren im Werte von 10,6 Millionen Mark, d. h. über 4 Millionen Mark mehr als im Jahre 11110; sie besteht in Eiern, Rosenöl, Mais und Kleie. Die der ische Ausfuhr mit Waren im Werte von 23,9, im Jahre vorhe F 19.0 Millionen Mark, besteht in Eisenbahn=Güterwagen, Lokomotiven, wollenen und baumwollenen Stoffen, Geschosse u und=hren. Deutschland, das also mehr als das Doppel? an Waren nach Bulgarien liefert, als es von dort erhält, keht im hulgarischen Außenhandel an dritter Stelle; nur Öste kreich liefer! noch für rund 10 und England für etwa 3 Millios sen Waren mehr nach Bulgarien als wir. Einen Meistbegünstigungsvertrag, und zwar vo m Jahre 1892, haben wir auch mit Serbien, das nach Deu. schland an getrockneten Pflaumen, Mais, Weizen, Eier und Gerste im ganzen für nahezu 25 Millionen Mark einführt, wä. nene Deutschland nur Waren im Werte von 21,3 Millionen“, tach Serbien lieferte, hauptsächlich Waffen, außerdem woll e und baumwollene Kleiderstoffe. Der Handel mit Montenegr*, der 1907 durch einen die gegenseitige Meistbegünstigung garantierenden Handelsvertrag geregelt wurde, ist nur gering. Das jüngste Königreich exportierte für 11000 Mark Waren an Deutschland und bezog von diesem Waren im Werte von 119000 Mark. Der Handel mit Griechenland endlich ist etwa dem mit Bulgarien gleichwertig. An Korinthen, Faßzwein, Feigen, Terpentin und Eisenerzen führte Griechenland für 23,7 Millionen Mark nach Deutschland aus und empfing an Kleiderstoffen, Steinkohlen und Geschossen vom Reiche Waren im Werte von 17,8 Millionen Mark. Die deutsche Flagge in Neu-Kamernn ist am Dienstag zum ersten Male offiziell gehißt worden. Ohne irgendwelche Formalitäten erfolgte die übergabe jener Gebietsstriche, die natürliche Grenzen besitzen. Dem deutschen Beamten, der mit der Übernahme Neu=Kameruns beauftragt worden war, wurden von der bisherigen französischen Verwaltung die Archive und Dokumente übergeben, in einer längeren Unterredung erhielt er ferner alle gewünschten Mitteilungen und Informationen. In der gleichen Weise wurden einige bisher deutsche Gebietsteile an die französischen Beamten abgetreten. Der deutsch=französischen Grenzkommission, die am 1. Dezember ihre Tätigkeit beginnt, bleibt es vorbehalten, die Grenze an den strittigen Punkten festzulegen, was eine schwierige und langwierige Arbeit darstellt, die aber hoffentlich zur beiderseitigen Befriedigung zu Ende geführt wird. Die Aufgaben der Grenzkommission gewinnen dadurch an Bedeutung, daß sie gleichzeitig auch wissenschaftliche Forschungen und Untersuchungen anstellen wird. Ein„billiger“ Krieg wäre der Kampf um Tripolis zwischen den Türken und Italienern, falls die Angaben der beiden Länder über die bisherigen Kriegskosten zuverlässig sind. Den Angaben der türkischen Regierung, die bisher für das Ringen in Tripolis etwa 170 Millionen Mark ausgeworfen haben will, kann man wohl Glauben schenken, dagegen kann man Italiens bisherige Kosten, die auf 250 Millionen Mark beziffert werden, mit Recht anzweifeln, da doch die Italiener zu Wasser und zu Lande große Aufwendungen gemacht haben. Der verhältnismäßig teuerste Krieg war bisher der deutsch=französische Krieg 1870=71, für den Frankreich mehr als 6300 Millionen Mark aufbringen mußte. Nicht viel geringer waren die Kosten des Krimkrieges (1853—1856), die auf 6265 Millionen Mark berechnet wurden. Eine große Überraschung bereiteten den Engländern die Summen, die der Burenkrieg verschlungen hat, denn er stellte sich mit 4000 Millionen Mark teuerer als der russisch= japanische Krieg, der auf jeder Seite wöchentlich 20 Millionen Mark kostete, was bei 20 monatiger Dauer etwa je 1,7 Milliarden Mark ausmacht. Die Mobilisierungen auf dem Balkan haben ebenfalls bereits Millionen verschlungen und falls es zum„klappen“ kommt, werden die Beteiligten kaum so„billig“ wegkommen wie im Tripolishtien Als Rachfolger Nardinal Zischers äuf dem Kölner Erzdischofsstuhle wird jetzt der Abt von Maria=Laach Fidelis Freiherr v. Stotzingen genannt. Bekanntlich hat auch sein Vorgänger Adt Benzler die Bischofowürde in Metz erlangt. Abt Fidelis steht allerdings erst im 42. Lebensjahre und wird im Fall seiner Wahl verhältnismäßig jung auf den hohen Kirchenposten gelangen. Von Seiten der Regierung ist ein Vato gegen die Wahl Frhru. v. Stotzingen nicht zu erwarten. Kaiser Wilhelm war wiederholt Gast in MariaLaach und hat für das dortige Benediktinerkloster bereits verschiedene Süftungen gemacht. Lokales und Provinzielles. Menden, den 3. Oktober 1912. ::*— Vom Bischofsbesuch. Mit Dienstag begannen für unsere Stadt die freudigen und guadenreichen Tage für die katholische Bevölkerung, galt es doch den geliebten Oberhirten festlich zu empfangen. Am Morgen rieselte noch ein seiner Staubregen hernieder, der bei den noch zu vollendenden Ausschmückungen störend und hinderlich war. Aber nicht lange dauerte es, die Sonne kam zum Durchbruch und nun konnten die in Angriff genommenen Vorbereitungen schnell beendet werden. Besonders die Unnaer=, Haupt=, Iserlohner=, Wilhelm=, Balver= und Pastroratstraße hatten ein gar festliches Kleid angelegt. Die ganzen Straßenzüge sind dicht mit Tannen bepflanzt, sämtliche Häuser tragen Fahnen= und vielfach Guirlandenschmuck. Am Marktplatze ist eine prächtige Ehrenpforte errichtet, ebenfalls bei den beiden Hauptein= und Ausgängen der Kirche. Ohne Unterschied der Religion haben sich die Bürger Mendens an den Ausschmückungen beteiligt. Um ¼ vor 3 Uhr hatten sich zirka 70 Radfahrer und 15 Wagen auf der Wilhelmstraße versammelt, um von hier aus geschlossen dem Oberhirten bis Sümmern entgegenzufahren und abzuholen. Die Geistlichkeit war bei der feierlichen Abholung vertreten durch den hochwürdigen Herrn Vikar Hollenbeck; die Stadt durch Herrn Bürgermeister Dr. Overhues, Amt Merden durch Herrn Ehrenamtmann Wiemann, diesen hatten sich der Kirchenvorstand und Gemeindevertretung angeschlossen. Kurz vor 5 Uhr verkündete das Geläut der Glocken, daß der Zug das Weichbild der Stadt erreicht habe. Um 5 Uhr war der feierliche Zug vor dem Ehrenbogen angelangt. Hier wurden Sr. Bischöflichen Gnaden Dr. Karl Josef Schulte von dem hochw. Herrn Dechanten Boeddiker herzlich willkommen geheißen. Das Töchterchen des Herrn Polizeikommissar Unger trug ein Begrüßungsgedicht vor. Zum Empfange hatten Mitglieder des Kirchenvorstandes und der Gemeindevertretung, das kath. Lehrer= und Lehrerinnenkollegium, die Vereinsvorstände und eine stattliche Schar Engelchen Aufstellung genommen. Nach der Begrüßung wurden Sr. Bischöflichen Gnaden in feierlicher Prozession zur Kirche geleitet. Hier hielt derselbe eine Ansprache an die andächtige Gemeinde, in welcher er auf die Bedeutung der Tage hinwies, für den herzl. Empfang dankte und erwähnte, daß Menden ihm nicht fremd sei, aus seiner Studienzeit wie als junger Priester habe er Menden kennen gelernt und liebgewonnen. Nach Erteilung des sakramentalen Segens wurde der Bischof in feierlicher Prozession zur Pastorat geleitet, woselbst demselben die Mitglieder des Kirchenvorstandes und der Gemeindevertretung, die Lehrer und Lehrerinnen, sowie die Vorstände der einzelnen Vereine vorgestellt wurden. Gestern morgen wurde der hochw. Herr Bischof in stattlichem Zuge nach Halingen abgeholt. 20 Reiter, 5 Wagen und eine Anzahl Radfahrer bildeten den Festzug; heute ist Ruhetag, den der hohe Besuch zu einer Reise nach Köln benutzen mußte, um an einer Konferenz teilzunehmen, die jedoch mit der Erzbischofswahl in keinem Zusammengang steht. +*— Der Kath. Gesellenverein feiert am 6. Okt. sein 46. Stiftungsfest. Morgens 9½ Uhr ist gemeinschaftlicher Kirchgang zum Hochamt. Nachmittags 6 Uhr Festfeier im Gesellenhause, abends 7 Uhr Theater. Es wird „Auf der Sonnenseite". Lustspiel in 3 Akten von Blumental und Kadelburg gegeben. Die Theateraufführungen des sellenvereins sind hinlänglich bekannt, so wird auch dieses Stück sich würdig an die vorhergegangenen anschließen. Der Inhalt ist sein humoristisch, die Rollen sind durchweg in Händen von bewährten Spielern. Von einem Festzuge durch die Stadt ist in diesem Jahre Abstand genommen. Als Festredner wird der hochw. Herr Pater Corbinian aus MerkelbeckHolland fungieren, welcher in der dem Feste folgenden Woche einige religiösen Vorträge im Gesellenhause halten wird. Alles Nähere durch die Anzeigen. **— Schule. Heute 11 Uhr fand in der Wilhelmsschule die Einführung des Herrn Rektors Wetschewald in sein Amt durch Herrn Bürgermeister Dr. Overhues im Beisein der Schuldeputation und der Lehrerschaft statt. *— Ein für die Kommunen des Regierungsbe zirks schwerwiegendes Urteil fällte der Bezirksausschuß in der Klage des Mühlenbesitzers Gottfried Heuser in Gelsenkirchen gegen den dortigen Oberbürgermeister. Heuser hatte in einer Zwangsversteigerung ein Grundstück erworden. Dafür sollte er 97 M. Umsatzsteuer zahlen. Er bat aber um Freilassung von dieser Steuer, denn wenn man die Eintragungen(Hypotheken), die auf dem erworbenen Grundstück lasteten, abziehe, so bleibe kein steuerpflichtiger Wert mehr übrig. Die Eintragungen bat er zu berücksichtigen. Streitig war nur der§ 11 der Umsatzsteuer. Der Bezirksausschuß gab dem Antrage Heuser statt und stellte ihn von der Steuer frei. Da diese Fälle häufiger vorkommen, daß bei Erwerb eines Grundstückes in der Zwangsversteigerung die Hypotheken den Wert des Grundstückes decken, so dürften demnächst die Kommunen um ihre Umsatzsteuern in Sorgen sein. Der Fall Heuser geht an das Oberverwaltungsgericht nach Berlin. *— Die glatte Abwickelung des Briefverkehrs wird durch die übergroße Verschiedenheit der Briefformate, den Mangel an Gleichmäßigkeit im Aufkleben der Freimarken und die oft geringe Uebersichtlichkeit der Aufschrift erheblich beeinträchtigt. Der Briefverkehr würde wesentlicht erleichtert werden: 1. durch Verminderung der Zahl der Briefformate und namentlich durch Beseitigung der ganz kleinen Formate sowie durch möglichst allgemeine Verwendung von Umschläzen in kleinem Quartformat, wie solche für Geschäftsbriefe schon üblich sind, Größe etwa 12 zu 15 Zentimeter; 2. durch Vordruck von Markenfeldern auf den Umschlägen; 3. durch Beschränkung des Firmenaufdrucks auf die obere linke Ecke oder noch besser auf die linke Seite des Umschlages: 4. durch Vordruck eines starken Striches für den Bestimmungsort unten rechts. A•— Vom Evang. Volksbüro. Eine wichtige Mitteilung für Unfallverletzte geht uns aus dem Evang. Volksbüro zu. Gemäß einer Verfügung des Reichsversicherungsamts sind die Berufsgenossenschaften verpflichtet, sämtliche Unfallisten daraufhin zu revidieren ob und wieviel Unfallverletzte kleinere Renten von 10 bis 15% für leichtere Verletzungen, Fingerdefekte usw. beziehen und dem Königl. Oberversicherungsamt bis zum 1. Januar 1913 den Antrag auf Einstellung sämtlicher kleinen Renten zu unterbreiten. Die Folge davon ist, daß viele kleine Renten, auch wenn sie schon jahrelang bezogen sind, unbedingt zur Einstellung kommen. In sehr entgegenkommender Weise haben einzelne Berufsgenossenschaften den Verletzten von obigem Vorhaben Kenvtnis gegeben, mit der Anheimgabe, möglichst bald einen Antrag auf Kapitalobfindung zu stellen. Wir können nur dringend raten, dieser Anfforderung zu entsprechen und machen darauf aufmerksam, daß etwaigen Anträgen nicht mehr entsprochen werden kann, sobald die ärztliche Untersuchung vorgenommen werden soll. Zwecks jeder weiteren Auskunft und Anfertigung entsprechender Anträge wende man sich an das Evang. Volksbüro Iserlohn, das aber auch am hiesigen Platze am Samstag den 12. Oktober im Lokale des Herrn Merse von ½6 bis 7 Uhr abends eine Sprechstunde abhält. *.— Rekruten. Der Gardeverein hat anläßlich seiner Quartalversammlung die diesjährigen Rekruten und Reservisten zum Besuche eirgeladen, um ersteren praktische Winke und Belehrung für die bevorstehende Soldatenzeit zu geben. *— Ein wichtiger Erlaß für Lehrer. Der preueische Kultusminister hat einen Erlaß bekannt gegeben, der für die Lehrerschaft von weittragender Bedeutung ist. Die Aufsichtsbehörden sind angewiesen, bei Prüfungen und Revisionen durch die Lokalschulinspektoren, Rektoren, Kreisschulinspektoren und Schulräte die Revisions= und Prüfungsberichte den Lehrern zur persönlichen Aeußerung vorzulegen. Auch ist in Zukunft den Lehrern Einsicht in die Persoaalakten zu gestatten. In Bezug auf die Geheimakten ist die Bestimmunz getroffen, daß in Zukunft von jeder Eintragung von Tatsachen, die für das Lehrpersonal belastend sind, diesem Kenntnis zu geben ist. Es ist den Lehrern die Möglichkeit einer Rechtfertigung zu gewähren. Die Verteidigungsschriften sind den Personalakten beizufügen. Ungünstige Eintragungen sind, wenn sich der Betreffende seit dieser Zeit musterhaft geführt hat, nach angemessener Zeit wieder zu vernichten.— Damit ist ein alter Zopf gefallen. =*.— Rapid nehmen die Tage ab im Monat Oktober, schneller als in den Monaten August und September, schneller auch als im November und Dezember. Sonnenaufgang hatten wir 1. Oktober 5.42, am 31. aber 6.40, also eine Stunde später. Sonnenuntergang am 1. Oktober um 5.14, am 31. Okt. aber schon um 4.4. Also fast um zwei Stunden nehmen die Tage im Oktober ab, das ist ein ganzer Posten Minus! Für den Geschäftsmann beginnen die Kosten für Beleuchtung daher von jetzt an in die Höhe zu schnellen. Ja, sogar im einfachsten Haushalt machen sich die bevorstehenden Mehrausgaben für Licht bemerkbar, und in manchem armen Stübchen wird das Lämpchen noch kleiner geschraubt als früher, damit nur ja nicht soviel Oel verbrennt. *— Der kälteste September seit 100 Jahren. Das Wetter im September hatte insofern der Voraussage entsprochen, als es namentlich in der zweiten Hälfte des Monats trockener und sonniger als im August war, und der Monat keine heißen Tage brachte, allerdings war es weit kälter, als man befürchtet hatte. Schon seit acht Wochen haben wir ohne Unterbrechung zu niedere Tagesmittel. Abgesehen vom Monats=Ende hatte nur ein einziger Tag die normale Temperatur fast erreicht und zwar kurz nach Mitte des Monats, als wir wärmere Tage ankündigten. Kein Tag des Monats hatte jedoch ein Maximum von 20 Grod gebracht und war der September im Durchschnitt zirka 4 Grad zu kalt und daher der kälteste September, den wir seit hundert Jahren hier hatten. Im September 1877 sank zwar die Temperatur zeitweise auf 0 Grad, aber er hatte auch eine Anzahl warmer Tage und deshalb eine höhere Durchschnittstemperatur als der diesjährige. Die Monate August und September in diesem Jahre waren zusammen 7 Grad zu kalt, so daß das ganze Wärmeplus, das uns der Januar, Februar, März, April, Mai, Juli zusammen brachten, hierdurch fast aufgewogen wurde. Die Ursache lag in der Luftdruckverteilung und in der starken Luftfeuchtigkeit, wodurch wir helle Nächte hatten, in denen sich die Temperatur stark abkühlte und was auch die Veranlassung war, daß es bei Tage bewölkt wurde und die Sonne auch dann die Erde nicht richtig erwarmen konnte. Im Oktober haben wir vermutlich in der ersten Monatshälfte relativ wärmeres Wetter zu ermarten. 2.— Mit Rücksicht auf die immer noch nicht erloschene Maul= und Klauenseuche ist das Verbot des Hausierhandels mit Klauenvieh bis zum 31. Oktober d. J. verlängert worden. Der Hausierhandel kann jedoch vom Landrat für den Kreis oder für einzelne Teile des Kreises auch vor dem vorgenannten Zeitpunkte gestattet werden. e Ostsümmern, 2. Okt. Dem Schulamtsbewerber Herrn Josef Esser von hier, ist vom 1. Okt. dss. Is. ab eine Schulstelle in Unna=Königsborn übertragen worden. e- Hembrock, 2. Okt.(Feuer.) Gestern nachmittag gegen 4 Uhr brach in dem Einwohnerhause des Gutsbesitzers Josef Tönnis in Gaxberg Feuer aus. Dasselbe wurde von dem Fabrikarbeiter Robert Kickermann bewohnt. Wie das Feuer entstanden ist, hat noch nicht festgestellt werden können. Die Bewohner des Hauses waren zur Zeit des Feuerausbruches nicht zu Hause und sie gelangten erst zur Brandstätte, als das Haus bereits nur noch ein Trümmerhaufen war. Die herbeigeeilten Nachbarn fanden das Haus verschlossen vor und mußten, um Einlaß zu bekommen, die Türen erbrechen. Das Feuer hat so schnell um sich gegriffen, daß die Mobilien nicht mehr haben gerettet werden können. Der Schaden ist durch Versicherung gedeckt. —. Lendringsen, 2. Okt. Da der Trichinenbeschauer Wilhelm Trippe sein Amt als Trichinenbeschauer niedergelegt hat, so ist der Friseur Kaspar Weische von hier zum Trichinenbeschauer für den Gemeindebezirk Böingsen bestellt worden. * Hüingsen, 2. Okt. Am Sonntag nachmittag fand eine Versammlung betr. Schulneubau im Saale des Herrn Krutmann statt. Herr Vorsteher Wrede, welcher die Versammlung einberufen hatte, erteilte Herrn Gemeindevertreter Bieker das Wort, der die Anwesenden über die in Frage kommenden Bauplätze aufklärte, die Vor= und Nachteile jedes Platzes erläuternd, ohne indes für einen Platz Partei zu ergreifen. Redner schlug vor eine Abstimmung stattfinden zu lassen, obwohl das Ergebnis keinesfalls bindend sein könne, da vorerst mit dem hochherzigen Gönner, welcher die Grunderwerbskosten tragen will, sowie auch mit der Behörde in Verbindung getreten werden müsse. Bei der Abstimmung wurde das Grundstück des Bauunternehmers Spiekermann von sämtlichen Anwesenden gewählt. Hemer, 2. Okt. Neuerdings taucht der Plan eines Umbaues der Eisenbahnstrecke Menden=Iserlohn auf. Die Mängel dieser Strecke haben die nationalliberalen Abgeordneren Dr. Haarmann und Hirsch wiederholt im Landtage zur Sprache gebracht. Von Menden bis Hemer benutzt die Eisenbahn die Landstraße, von Hemer über Westig nach Iserlohn macht sie einen ungeheuren Bogen, der die Fahrtzeit für die eine Stunde, die ein Fußgänger braucht, um von Hemer nach Iserlohn zu kommen, auf etwa 20 bis 25 Minuten ausdehnt. Die notwendige Vergrößerung des Bahnhofs Hemer läßt sich an der gegenwärtigen Stelle auch nur schwer lösen. Es ist nun angeregt worden, den neuen Bahnhof an der Grenze von Niederhemer und Höcklingsen anzulegen und die Bahn dann in gerader Linie von Hemer nach Iserlohn zu führen, wodurch die Strecke um die Hälfte verkürzt würde. Gleichzeitig würde so eine bessere Verbindung zwischen der Ruhrbahn(Fröndenberg) und der Lenne=Siegbahn(Lethmathe) hergestellt. Ebenso notwendig wie die Geradelegung dieses Teiles wäre die baldigste Entfernung des Bahnkörpers von der Landstraße zwischen Menden und Hemer. Westig, 2. Okt. Vor zwei Jahren bildete sich die Ge werkschaft Bonisatius zu Tal. Düsseldorfer Ziege=Industrielle waren die Gründer. Nachdem einer ausgeschieden, übernahm Direktor Gockel die Leitung. Es wurden umfangreiche Bauten ausgeführt: Ringosen, Brechwerke, Kantinen, Seil= und Anschlußbahnen. Nachdem etwa 2½ Millionen Mark ausgewendet, aber das Unternehmen in Stockung geriet, kam Direktor Gockel in Konkurs; eine Villa mit Park im Werte von 400 000 Mark kommen jetzt zur Subhastation. Neue Männer traten ein, so die Kölner Karl und Morsbacher, der Iserlohner Dalberg. Die Anlagen wurden erweitert, aber die Hoffnungen erfüllten sich doch nicht, und jetzt ist allen Arbeitern bis auf wenige gekündigt worden, während im Sommer die Arbeiterzahl noch 200 betrug. Es soll an Absatz mangeln. Für die Kuxenbesitzer ist das recht betrübend, während unsere Gemeinde weniger berührt wird, da die Gewerkschaft fast nie Steuern entrichtete und die Arbeiter meist Italiener waren. die doch ihren Verdienst größtenteils nach Hause schickten. Langschede, 3. Okt. Die hiesige Ruhrbrücke, welche bis jetzt Eigentum des Brauereibesitzers Rasche zu Unna war, ist von der Regierung zu Arusberg angekauft worden. Die Brücke soll dem Vernehmen nach im nächsten Jahre durch eine neue moderne Eisenbrücke ersetzt werden. Schwerte, 3. Okt. Die neue Bahnstrecke SchwerteDortmund, und somit auch die neue Verbindung IserlohnDortmund, ist Dienstag morgen fahrplanmäßig ohne Sang und Klang dem Verkehr übergeben worden. Dortmund, 2. Okt. Die Einwohnerzahl der Stadt Dortmund beträgt nunmehr 230 921. Im August betrug der Zuzug 3946, der Abzug 3291, so daß der Ueberschuß in der Wanderung von 605 verblieb. Der Ueberschuß der Geburten betrug 217, so daß der Zuwachs insgesamt 872 ausmacht. Unna, 3. Ott. Gelegentlich des Umzuges einer in der Hertingerstraße wohnenden Familie waren in den Zimmern die Gas=Leuchtkörper abgeschraubt worden ohne Abstellung der Gasleitung. Dadurch sammelten sich ernebliche Gasmengen in den Zimmern an. Als der betr. Installatzur den Gasgeruch merkte, wollt: er durch Ableuchten die vermeintliche schadhafte Stelle der Gasleitung suchen. In diesem Augenblick ereignete sich die Explosion. Der Installateur erlitt so schwere Brandwunden, daß er von dem herbeigern fenen Arzt nach Anlegung eines Noterbandes ins Krankenhaus gebracht werden mußte. Auch der Sachschaden ist ziemlich erheblich, da nicht nur verschiedene Fensterscheiben zertrümmert, sondern auch mehrere Decken stark beschädigt wurden. Hamm, 2. Okt. Die Stadt Münster bemüht sich den Sitz des Oberlandesgerichts nach dort zu bekommen und hat dieserhalb eine Immediateingabe abg sandt. Die Stadtverwaltung Hamm setzt natürlich alle Hebel in Bewegung, um das drohende Unheil abzulenken. In der Bürgerschaft haben die Mitteilungen große Erregung und Mißstimmung hervorgerufen, was um so begreiflicher ist, als die Stadt gerade in letzter Zeit große Anstrengungen gemacht hat, um die Wünsche der Beamtenschaft des Oberlandesgerichts zu berücksichtigen. Niederense, 3. Okt. Die hiesige Molkerei hat den Preis für Milch laut„Neh. Zig." auf 16 Pfennig herabgesetzt. Geseke, 2. Okt. Der siebenjährige Sohn der Eheleute Kreggenwinkel, der auf die Deichsel eines angehängten Wagens kletterte, fiel unter die Räder und wurde auf der Stelle getötet. Borken, 2. Okt. Durch ein Versehen wurde im Nachbarorte Weseke abends der Dachdecker, der am Kirchendach Reparaturen ausführen sollte, in der Kirche eingeschlossen Der Mann versuchte sich an einem Abflußrohr vom Kirchdach herabzulassen. Das Rohr brach jedoch ab und der Dachdecker stürzte in die Tiefe, wo er mit zertrümmerten Gliedern liegen blieb. Duisburg, 2. Okt. Von der katholischen Kleinkinder bewahranstalt in Duisburg=Laer stürzte infolge des herrschenden Sturmes ein Kamin herab und fiel durch ein Glasdach direkt in das mit Kindern besetzte Schulzimmer. Ein Kind wurde getötet, vier andere wurden schwer verletzt. Aachen, 2. Okt. Wie verlautet sind die hiesigen Metzger dahin übereingekommen, die Gesellen nicht mehr zu beschäftigen, die der Stadt beim Verkauf des dänischen Fleisches geholfen haben. Gerichtszeitung. Sümmern, 2. Okt. Siebzehn Holzpfähle im Werte von 25 Mark hat während des vergangenen Winters und im Frühjahr der Fatrikarbeiter Fritz H. zu Bixterheide dem Landwirt Heinrich H. zu Griesenbrauck nach und nach von einem Zaune entwendet. Der Angeklagte, der sich sonst eines guten Leumunds erfreut, will aus Not gehandelt haben, da ihm die Mittel zum Ankaufe von Brennmaterialien fehlten. Dem Geschädigten hat er die Pfähle nach und nach bezahlt. Mit Rücksicht hierauf und auf das Geständnis des Angeklagten erkannte das Iserlohner Schöffengericht wegen Diedstahls auf 1 Tag Gefängnis: das Gericht beschloß, ihn zur Begnadigung zu empfehlen. Reheim, Polizeikommisse Poltzeisergeant kannte das Ai Monat Gefäng und Publikatio W H a g e r Woche beginn sind folgende gegen den Arb raubes. Am Josef Oleff an Mittwoch den aus Hagen 1 Donnerstag d Paulus aus§ Okt. gegen der wegen Notzuch die Ehefrau A Ja Sach Allg. Ztg.“ a im Einverneh völlig in der jetzigen hohen über andersla weiter fest, 1 Wenn es mög nach der Schi zu uns einzuf Schlachtvieh folgen können am Mittwoch schlossenen M. spüren; für 4 100 Pfund E Das Art Orogowitsch, zuges große dreieinhalb J Geldstrafe, au und Orden al sämtlichen Eh teidigung, an ar * ist eine ist eine ge seinen Gru um für die Steuergenaue u haben. 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Okt. gegen den Kaufmann Hermann Gosse aus Hagen wegen Meineides und Unterschlogung. Am Donnerstag den 10. Oktober gegen den Fabrikarbeiter Emil Paulus aus Hagen wegen Meineides. Am Freitag den 11. Okt. gegen den Arbeiter Paul Schneider in Hagen, in Haft wegen Notzuchtversuchs. Am Sonnabend den 12. Okt. gegen die Ehefrau August Bogant aus Gevelsberg wegen Meineides. Vermis Ja Sachen der Fleischtenerung weist die„Nordd. Allg. Ztg.“ ausdrücklich darauf hin, daß die Fleischer, die im Einvernehmen mit den Kommunalbehörden handeln, es völlig in der Hand haben, zu beweisen, daß auch ihnen die jetzigen hohen Fleischpreise sehr unerwünscht sind. Gegenüber anderslautenden Meldungen stellt das Regierungsblatt weiter fest, daß Holland gegenwärtig seuchenfrei sei. Wenn es möglich sei, mit Nutzen Schlachtrinder aus Holland nach der Schweiz einzuführen und von dort Fleisch wieder zu uns einzuführen, so müsse um so eher die Einfuhr von Schlachtvieh nach Deutschland zu annehmbaren Preisen erfolgen können.— Auf dem Berliner Schlachtviehhof war am Mittwoch noch kein Einfluß der von der Regierung beschlossenen Maßnahmen gegen die Fleischteuerung zu verspüren; für Schweine erster Qualität wurden 88 Mark für 100 Pfund Schlachtgewicht gezahlt. Das Arteil gegen den russischen General Achatsch Orogowitsch, der während des russisch=japanischen Feldzuges große Unterschlagungen begangen hat, lautete auf dreieinhalb Jahre Festungskompagnie und etwa 340 000 M. Geldstrafe, außerdem wurden ihm der Adel sowie alle Ränge und Orden aberkannt. Uchatsch war in voller Uniform mit sämtlichen Ehrenzeichen vor Gericht erschienen. Seine Verteidigung, andere Generale hätten dieselben Betrügereien verabt wie er, hat ihm nicht diel genüßt. Die untetschlagenen Millionen hat der jetzige Exgeneral zweiselhaften Damen geopfert; eine Chinesin hat ihm Hunderttausende aus den Taschen gezogen. Die Auruhen unter den Simon Nopperleuten in Deutsch-Südwestafrika scheinen doch ernsterer Natur zu sein, als es nach der Unschädlichmachung der 12 köpfigen Bande bei Gaus an der Ostgrenze den Anschein hatte. Der vorläufig noch mit einem Geheimnis umgebene Tod des Reitero Müller durch die Hand hinterlistiger Schwarzer hat die Beunruhigung weiter geschürt, nun kommt noch die allerdings nicht amtliche Meldung, daß die Kopperleute auch im Keetmanshooper Bezirk austauchen; u. a. soll eine 30 Mann stacke Bande bei Heigasib gesehen worden sein, die stark bewaffnet war. Seitens der Schutztruppe sind bereits alle Maßnahmen ergriffen, um einen etwaigen Aufruhr im Zeime zu ersticken. Das Waffentragen in Italien ist bekanntlich streng verboten und hat für Reisende schon wiederholt böse und unangenehme Folgen gehabt. Verschiedentlich haben Fremde wegen Tragens von Revolvern Bekanntschaft mit den mehr als schlechten italienischen Gefängnissen machen müssen. Da in letzter Zeit auch Deutsche dieses harte und unangenehme Los ereilt hat, macht die„Nordd. Allg. Ztg.“ jetzt nachdrücklich darauf aufmerksam, daß in Italien selbst das Tragen von Taschenmessern, Scheren, Rasiermessern usw. verboten ist, wenn dieselben entweder zugespitzt oder mit einer mehr als 4 Zentimeter langen schneidenden Spitze oder einer mehr als 10 Zentimeter langen Klinge versehen sind; Zirkel und Schlagringe darf man edenfalls nicht bei sich tragen. Man darf nicht, aber die Italiener selbst kümmern sich wenig um das Verbot, das beweisen die vielen Mordtaten und Schlägereien, in denen der Dolch eine Rolle spielt. In dem Prozeß wegen des Bombenanschlags gegen Staatsauwalt und Richter in M.-Gladbach wurde am Mittwoch ein Fingerabdruck gezeigt, der im Kleister auf der Bombenhülse gefunden worden war. Der Fingerabdruck ist nach dem Bertillonschen Verfahren gemessen worden, wobei sich ergab, daß der Fingerabdruck mit dem fünften Finger an der rechten Hand des angeklagten Kaufmanns Tritzsche übereinstimmt. Der Angeklagte, der den Mordanschlag leugnet, hatte für diese Feststellung nur ein Achselzucken übrig. Durch den Brand einer Landungsorücke, welche die Hamburg=Amerika=Linie in Philadelphia anlegen läßt, wurde ein Schaden von 4 Millionen M. verursacht, doch ist diese Summe durch Versicherung gedeckt. Standesamtliche-Nachrichten des Amtes Menden. Im Moaat September dss. Is. wurden beurkundet: 12 Geburten: davon in der Gemeinde Halingen 1, Holzen 6, Oesbern 1, Schwitten 4. Sterbefälle: Witwe Lisette Kortmann geb. Lenze, OberOesbern, 76 J. Neueste Nachrichten. Eigene Drahtnachrichten. Schülerselbstmord. — Stettin, 3. Okt. Hier erschoß sich der 16jährige Schüler Mielke vom König-Wilhelm=Gymnasium, weil er nicht versetzt worden war. Wenig Mut. —' Paris, 3. Okt. Nach Privatdepeschen aus Lausanne sind die türkisch=italienischen Friedensvermittler zum Endergebnis gekommen, doch erscheint ihnen die Bekanntgabe der Bedingungen wegen der zur Zeit in der muselmannischen Welt herrschenden Erregung in diesem Moment nicht angezeigt. Schweres Unwetter. —* Lissabon, 3. Okt. Heftige Stürme wüten seit gestern in ganz Portugal und verursachen großen Schaden. Vor allem ist die Landwirtschaft schwer heimgesucht worden. An der Küste sind ein portugiesisches, ein spanisches und ein anderes ausländisches Segelschiff gestrandet. 8 Fischerboote sind gesunken. Die Einfahrt und Ausfahrt in die Häfen ist infolge des hohen Seeganges nur unter großen Schwierigkeiten möglich. Zahlreiche Eisenbahnzüge sind infolge von Dammbeschädigungen entgleist. Der Abado= und der Limafluß sind über die Ufer getreten und haben weite Landstrecken überschwemmt. Die Stadt Ponte de Lima steht unter Wasser. Die Einwohner flüchten auf die Dächer. Für die Redaktion verantwortlich: v. Rauchendichler in Menden Zetten? Kauthaus Max Samson, Reuden Jedem Brautpaar, jeder Hausfrau, die vor dieser Frage stehen, empfehle ich die unverbindliche Besichtigung meiner grossen Läger. Man wird alsdann zu der Ueberzeugung gelangen,dass meine Firma in Bezug auf Auswahl, Preise u. Qualitäten unbedingt an erster Stelle steht. Einziges Spezial-Zettenlager am Platze. Hauptstrasse 64. Nordwall 2. n * ist eine user und Für jeden Hausbesitzer wichtig ist eine genaue Aufstellung aller an seine Häuser und seinen Grundbesitz bezüglichen Einnahmen und Ausgaben, um für die Steuer-Deklaration u. Steuer-Reklamation genaue und einwandfreie Unterlagen vorliegen zu haben. Selbst kleine Ausgaben können die Klasse der SteuerVeranlagung beeinflussen: z. B. berrägt die Staats euer für ein Einkommen von 420) M. nur 92 M., für 4201 M. aber 104 M. Durch eine solche Aufstellung muß sich gleichzeitig der Betrag der im Sieuerjahr gehabten Mielausfälle ergeben und ebenso auch in übersichtlicher Weise die Summe aller für die Steuerveranlagung abzugfähigen und davon getrennt diejenigen der nicht abzugfähigen Ausgaben. In höchst einfacher und jedermann leicht faßlicher Weise erzielt man dies mit Riedels Orundstücks-Verwaltungskonto. Preis des Buchess uebst ausführlichen Auleitungs= bogen Mark 3.—. Format des Buches 30: 29 cm. Riedel, Buchhandlung. Obstkuchen(sehr fein). Zutaten: 125 g 1% Pid.) Butter. 125 g(¼ Pfd.) Zucker. 3 Eier, 200 g Weizenmehl, ein Päckchen Dr. Oetker’s Backpeiver. ½—1, Liter Milch, 750 g(1½ Pfd.) geschälte Apfel. Zubereitung: Butter und Zucker rührt man schaumig und fügt nach und nach das Eigelb, das mit demn BackPulver gemischte Niehl und so viel kalte Milch hinzu, daß man einen glatten Teig bekommt. Zuletzt führt man den Eierschnee unter die Masse und füllt dieselbe # eine gefettete Springform, hierauf belegt man den eig mit den geschälten und in sechs Stücke geschnittenen Apfein, bestreut ihn mit Zucker und bäckt inn ca., Stunde. An Stelle der Apfel kann man auch mit durchSchnittenen, entsteinten Zwetschen belegen. Flechten viss u. trochane Schuppenflechte, skroph. Eizema, Hastansechläge, offene Füße per„ader wrrediich hafte Kino-Salbe Dese Mark 1.15 u. 2.210 Dankschreiben geben türlich di. Nur echt in Originalpechung weiß grün-ret und mst A#ms Schubert& Co., Weinböhla-Dresden Fälschungen weise man zurück. Zu haben in den Apotheken Reparaturen an Uhren, Gold-, Silber-, optischen Waren, : Sprechapparaten *„* s werden sofort unter 3 — Garantie zu* = billigen Preisen gur Sund sauber ausgeführt.“ Vergoldungen u. Versil berungen an Goldwaren in eigener Werkstatt innerhalb 24 Stunden. Phil. Schröder, Uhrmacher. Goldarbeiter. 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J. starb unerwartet unser Ehrenmitglied und stellvertretender Vorsitzender Herr Bauunternehmer Wilhelm Friederich. Der Verstorbene gehörte dem Bürger-Schützen-Verein seit dem Jahre 1873 als Offizier und Vorstandsmitglied an. Im Jahre 1885 wurde er als Präses des Vereins gewählt; durch sein Interesse und seine Arbeitskraft, welche er dem Verein widmete, gelangte dieser zur neuen Blüte. Nachdem der Heimgegangene lange Jahre als Vorsitzender gewirkt hatte, trat er von seinem Posten zurück und blieb bis zu seinem Todestage stellvertretender Präses. Im Jahre 1897 wurde er in Anerkennung seiner hervorragenden Verdienste um den Verein zum Ehrenmitglied ernannt. Der Verein, der an dem Verstorbenen eine seiner treuesten Stützen und eines seiner eifrigsten Mitglieder verliert, wird ihm auch über das Grab hinaus stets ein ehrendes und dankbares Andenken bewahren. Er ruhe in Frieden! Der Vorstand und das Offizierkorps des Bürger-Schützen-Vereins Menden. Nachruf. Sonntag abend verschied unerwartet Herr Bauunternehmer Wilh. Friederich. Der Verstorbene gehörte seit Gründung der Innung dem Vorstande an und hat während der Zeit unsere Interessen in jeder Hinsicht mit Tatkraft und Umsicht gefördert. Sein Andenken wird bei uns unvergesslich sein. Menden, den 3. Oktober 1912. Bauhandwerker-Innung für Stadt und Amt Menden. Nachruf. Am Sonntag, den 29. September vers chied plötzlich unser langjähriges Vorstandsmitglied Herr Bauunternehmer Wilhelm Friederich. Der Dahingeschiedene hat die Interessen unseres Verbandes durch seinen, durch reiche Erfahrungen erprobten, Rat allzeit gefördert. Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Westdeutscher Arbeitgeberbund für das Baugewerbe Kreisverband Altena. Heute nachmittag entschlief in Menden, wo sie zu Besuch weilte, sanft nach längerem mit Geduld ertragenem Leiden, wohlvorbereitet durch den öfteren Empfang der hl. Sterbesakramente, unsere gute Mutter, Schwiegermutter und Grossmutter Frau Wwe. Peter Gurris Sophia geb. Sturzenhecker im 66. Lebensjahre. Lüttkenheide bei Oesbern, Menden, Vosswinkel und Lendringsen, den 1. Oktober 1912. Die trauernden Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet Freitag, den 4. Oktober. morgens 7¼ Uhr vom Sterbehause Breukerweg in Nenden aus statt. Zwangs=Versteigerung. Zum Zwecke der Aufh bung der Gemeinschaft, die in Ansehung der in der Steuergemeinde Menden belegenen im Grundbuche von Menden Band 4 Blatt 18, zur Zeit der Eintragung des Versteigerungsvermerkes auf den Namen des Fabrikarbeiters Franz Theodor Hufnagel zu Menden eingetragenen Grundstücke 494 Flur 11 Nr. 270, auf der Renne, Acker, 9 a 91 qm; 1,16 Tlr. R. E. 439 „—„„, im oberen Ohl, Garten, 6 a 20 gm, 1.,94 Tlr. R. E. „ 12„„,, am Nocken, Garten 1 a 70 qm, 033 Tlr. R. E. „—„„ am Rocten, Hofraum, 50 qm, „ 12„„ Schützenstraße 13, ** a) Wohnhaus, 1 a 70 qm, a) 160 M. N. W. mit Hofraum und Hausgarten, b) Wohnhausanbau, b) 140 M. N. W. c) Stall, d Stau, Artikel der Mutterrolle Nr 259 und 857; Gebäudesteuerrolle Nr. 505, besteht, sollen diese Grundstücke am 22. November 1912 11 Uhr durch das unterzeichnete Geric— an der Gerichtsstelle— Zimmer Nr. 2— verseigert werden. Menden, den 1. Oktober 1912. Königliches Das gauze Jahr geben wir außer auf Eier und Süßrahmbutter auf alle Waren Rabatt und auf Margarine, Malzkaffee i. P., Kornkaffee, Nährsalzkaffee und gemahl. Koffee=Ersatz doppelte Rabattmarken und Bons also bis zu 23 Proz. Rabatt was von keiner Konkurrenz geboten wird. Durch direkten waggonweisen Einkauf vom Ausland liefern wir Eier! Eier! in bekannt feinster Qualität zu saunend billigen Preisen. R. Peisfer' Spezialgeschäft Menden, Kirchstraße 4, Hemer, Hauptstraße 115, Fröndenberg, Westickerstraße 5“ Schröder's Malz-Sstrakt (in flüssiger Form) ist das extracktreichste und bekömmlichste Nähr- und Stärkungsmittel für. Bleichsüchtige, Blutarme, Rekonvalescenten, schenkende Mütter und schwächliche Kinder, dies beweisen die vielen vorliegenden ärztlichen Gutachten. Alkoholarmes, nicht berauschendes Getränk. Niederlage bei: Jos. Lillotte. Werkmeister ver ein Menden-Bösperde. findet Sonntag, den 6. Okt., nachmittags 4 Uhr, im Vereinslokale beim Wirt Joseph Oberkampf statt. Hieran anschließend Besprechung bezügl. der Wahl von Vertrauensmännern u. Stellvertretern für die Privatbeamtenversicherung. Kauf. eute, Betriebsbeamte und Meister, welche keinem Verbande angehören, laden wir hierzu freundlichst ein. Um rege Beteiligung wird, der Wichtigkeit halber, gebeten. Der Vorstand. Sonntag, den 6. d. M., abends 7½ Uhr, findet im Vereinslokale(Wwe. Knoke): Cuartals-Versammlung statt, wozu die Reservisten und Rekruten eingeladen werden. Der Vorstand. Blutfrischen Bratschellfisch per Pfd. 18 Pfg., Kabeljau per Pfd. 20 Pfg., Seelachs, kopflos, per Pfd. 25 Pfg., Angelschellfisch per Pid. 30 Pfg. Beste hiesige Magn. von. Speisekartoffel zum Einkellern per Centner Mark 3.—. Zwiebeln Winterware) per Ctr. Mk. 3.50, bei 10 Pfd. nur 40 Pfg. Bücklinge 3 Sick. 20 Pfg. Mainzer Käschen 4 Stck. 10 Pfg. Bratheringe Sick. 10 Pfg.— Verwahräpfel allerfeinste Sorten, Eier und anderes frisches Genüse empfiehlt billigst Rostek, Hauptmarkthalle, neben der neuen Apotheke. zum Eintellern(magnum bonum) Pieper, Markthalle. Sofort gesucht Fräulein für Schreibmaschine. Sienographie erforderlich. Offerten mit Gehaltsansprüchen unter D. 973 an die Geschäftsst. AE Jubiläum und Paten Geschenke fnden Sie in bekannt grösster und schönster Auswahl zu den billigsten Preisen in Gold, Silber, Alfenide Bronce— Messing Echt Kristall Cafesewice, Aufsätze. Blumenvasen Bisquitdosen, Bestecken und dergl. bei Phil. Schröder, Hauptstr. 9. Fernruf 164 Achtung! Achtung! Freitag auf dem Wochenmarkt Menden 1 Waggon prima Winteräpfel Doppelbellefleut, garant. tadellos gepflückt und haltbar à Sack 7.50 Mk. 1 Waggen Einmachpflaumen die allerletzten 10 Pfund nur 80 Pfg Carl Brenner, Westig. Auf das heute beiligende humor.=lichtvolle Extre blatt über den Glühstrumh Degea machen wir noch besonders aufmerksam Der heutigen Ausgabe lieg eine Beilage des Kaffee=Geschäft bei, die zu Durchsicht empfohlen wird. Telegraph Erscheinungstage: Dienstag, Donnerstag, Samstag. Abonnements=Preis: Dierteljährlich durch die Boten oder die Dost bezogen 1.40 m., durch den Briefträger freiins Haus gebracht 1.65 M. Einzelnellummern sow: Belege werden mit 10Ofg.berechnet. Druck und Verlag: W. Riedel in Menden. Mendener Gagan Wöchentliche Gratisbeilage: Mendener SonntagsblattFernsprecher Nr. 17. 4 Telegramm=Rdresse: Telegraph Menden bezirk Arusberg. der Stadt Menden Insertionsgebühr: Die einspaltige Detitzeile oder deren Raum 15 Dfennig. Reklamen 40 Pfennig. Bei zwangsweier Beitreibungder Gebühren oder durch gerichtliche Mitwirkung wird jede Rabattbewilligung hinfällig. Für die Aufnahme von Anzeigen an bestimmt vorgeschriebenen Tagen oder Stellen wird keine Gewähr geleistet. Nr. 119. Zweites Blatt. Donnerstag, den 3. Oktober 1912. 53. Jahrgang. Regierung und Fleischteuerung. Über die Aufgabe der Kommunen in der Bekämpfung der Fleischteuerung schreibt die„Nordd. Allg. Zig.“ in einem Abwehrartikel gegen verschiedene Angriffe auf die letzten Veröffentlichungen über die Teuerungsmaßnahmen der Regierung, daß letztere ihre guten Gründe dafür habe, die gewährten Vergünstigungen nur solchen Städten zugut: kommen zu lassen, die als Märkte für Vieh= und Fleisch= preise maßgebend seien. Die großen Städte mit ihren Schlachthäusern, Bahnanschlüssen und sonstigen Einrichtungen böten allein die volle Garantie für die sanitäts= und veterinär=pollzeiliche Überwachung der Einfuhr. Ohne Mitwirkung der größeren Kommunen lasse sich eine baldige Einwirkung auf die Preisbildung der Vieh= und Fleischmärkte nicht erreichen. Nur durch Unterstützung der großen Kommunen lasse sich die entscheidende Aufgabe verwirklichen, den Konsumenten unter Beteiligung des Fleischergewerdes und möglichster Ausschaltung überflüssigen Zwischenhandels billigeres Fleisch zuzuführen. Gegenüber der Forderung der Aufhebung der Vieh= und Fleischzölle stellt die„Nordd. Allg. Ztg.“ fest, daß der Kleingrundbesitz in erster Linie an der Aufrechterhaltung des Grenzschutzes interessiert sei, da auf den kleinbäuerlichen Viehstand in Deutschland 88.35 Prozent an Rindern, 51,01 Prozent an Schafen und 91,59 Prozent an Schweinen entfallen. Das einzige dauernd wirksame Mittel zur Beseitigung der Fleischteuerung sei die Hebung und Sicherstellung der inländischen Fleischerzeugung; zur Erreichung dieses Zieles sallten alle Beteiligten und in erster Linie die Landwirte selbst der landwirtschaftlichen Verwaltung helsend zur Seite stehen. Gleich der badischen und bayerischen Regierung hat nunmehr auch die sächsische sich den von der„Nordd. Allg. Ztg.“ bekanntgegebenen Maßnahmen gegen die Fleischteuerung angeschlossen.— Auf einem von der DeutschAustralischen Dampfschiffahrtsgesellschaft gegebenen Diner, auf dem nur australisches Gefrierfleisch gegessen word, wurde betont, daß bei Aufhebung des§ 12 des Fleisch= beschaugesetzes und bei völligem Fortfall des Zolles das Pfund Gesrierfleisch im Einzelverkauf zu 45 Pfg. abgegeben werden könne.— Der Verband der Unterbeamten des Deutschen Reiches hat an die Reichsämter und Minisierien Eingaben um Gewährung einer Teuerungszulage gerichtet. Die Rekrutenzeit ist nahe. Die Kavalleristen sind in ihre Garnisonen eingerückt, die Fußtruppen folgen in spätestens zwei Wochen nach. In vielen Vereinen zahlreicher Städte, auch in den Dörfern werden den jungen Leuten, die sich jetzt um die Fahne versammeln, Abschiedsfestlichkeiten gegeben, eine neue Sitte, die man billigen kann, wenn sie sich in angemessenen Grenzen hält. Denn die Rekruten sollen es sich doch bewußt sein und bleiben, daß der Soldat ein ganzer Mann ist, der auf festen Füßen steht. Bei der gegenwärtigen Rekruten=Einstellung kommt schon die im letzten Heeresgesetz enthaltene bedeutsame Vermehrung des Mannschaftsstandes in Betracht, mancher junge Mensch muß die Uniform anziehen, der geglaubt hatte, noch durchschlüpsen zu können. Wenn indessen le allgemeine Wehrpflicht, auf die wir mit Stolz blicken, besteht, dann soll tunlichst jeder brauchbare Adamssohn mit der Wasse ausgebildet werden. Frankreich, das allerdings eine um 26 Millionen geringere Bevölkerung wie Deutschland hat, ist uns auf diesem Gebiete voraus; kein Franzose verliert jemals die Verpflichtung zum Militärdienst. Es ist Gekreuzte Klingen. Roman von Hermann Jensen. 2) Nachdruck verboten. Es war wohl eine Stunde später, als der Großfürst sich erhob und ans Fenster trat. Er zog die schweren Vorhänge zur Seite und starrte einen Augenblick hinab auf die schneebedeckte Straße. Mit einem scharfen Ausruf wandte er sich plötzlich um:„Teufel, was ist das?“ Mehrere Herren standen auf und sahen hinaus. Das weiße Licht des Mondes fiel auf dunkle Gewehrläufe, und man hörte den dumpfen, taktfesten Schritt von Militär, das im Eilmarsch nach dem Winterpalast rückte. Es wurde auf einmal drückend still in der großen Gesellschaft. Im Ballsaal verstummte die Musik, und die frohen Paare lauschten in die Nacht hinaus, während das Lächeln auf den blassen Lippen erstarrte. Und mitten in dem tiefen Schweigen wurde das Grauen noch größer, als auf einmal heftig eine Tür aufgerissen wurde und die Stimme eines erschrockenen Dieners in die Versammlung hinein ertönte:„Es wird Generalmarsch geblasen!“ Die Gäste zerstreuten sich. Nur die wenigsten nahmen Abschied. Als die letzten verschwunden waren, warf Oberst Iswetzkow einen Blick auf die Uhr. Es war halb zwei. Ein neuer Tag war angebrochen, ein Festtag: der Sonntag des 22. Januar. „ Die Soldaten standen und stampften im Schnee, um sich warm zu erhalten, hinter den langen Reihen von zusammengestellten Gewehren, während die Offiziere in kleinen Gruppen die Ursache des schnellen nächtlichen Ausrückens besprachen. 91-n Paul Tschernow, der so jäh den Ball des Obersten Iswetzkow hatte verlassen müssen, um den Befehl nach der Kaserne zu überbringen, wußte ebensowenig wie alle anderen; aber er fühlte gleich allen seinen Kameraden, daß etwas Ernstes bevorstand. Es war kein gewöhnlicher Streiktumult; darüber waren sie klar.„ Wohl stand das Regiment hier bei den Putilowfabriken, wo die Arbeit eingestellt war: aber gleichzeitig schon vorgerommen, baß Franzosen im Alter von über fünfzig Jahren, die eine andere Staatsangehörigkeit erworben hatten und im Vertrauen darauf heimkehrten, bestraft wurden und dann noch eine zeitlang allerlei Arbeiten in der Kaserne verrichten mußten. Die Sorge für Eltern, die sich nicht allein ernähren können, übernimmt die französische Republik ebenfalls für die Zeit, die der Sohn gebraucht, mit der Waffe ausgebildet zu werden. Mit Recht richten unsere deutschen Behörden ein strenges Auge auf die militärischen Drückeberger, die übrigens viel, viel geringer sind, wie in Frankreich, wo die Zahl der Deserteure eine geradezu Aussehen erregende Höhe erlangt hat. Der Militärdienst ist gemäß den Anforderungen, die der moderne Krieg an den Offizier und Soldaten stellt, straff, aber er ist auch boch interessant geworden und bietet unau:gesetzt neues. Der Driu int es langst nicht meyr, um den sich die Diensizeit dreht, das ganze Soldatenleben ist vertieft, Ehrgeiz und Ehrliebe sind ganz anders geweckt wie früher. Die neuen Waffen, die vielen technischen Vervollkommnungen flößen jedem Soldaten ein erhöhtes Interesse ein, sie geben ihm auch eine besondere Gelegenheit, seine Tüchtigkeit zu betätigen. Bei dem heutigen Schwanken wegen der Laufbahn von Knaben verdient darum die militärische rechte Beachtung, und der Zivilversorgungsschein gibt doch für später eine neue Sicherung der Existenz. Die militärische Erziehung gibt Schneid und Zuversicht, und wenn wir daran denken, wie viele Freiwillige sich s. Zt. für die großen Expeditionen nach China und Deutsch=Südwestafrika meldeten, so erkennen wir auch, daß die Möglichkeit eines ernsten Soldatenloses nicht schreckt. Wenn die Rekruten mit lustigem Gesange zur Garnison ziehen, so tun sie recht, ein Soldatenherz soll eine frohe und freudige Stimmung haben. Schuljahre, Lehrjahre, Soldatenjahre sind Zeiten, an die noch jeder gern zurückdachte, der sich bewußt war, daß das Leben nun einmal kein Kinderspiel sein kann. Vermischtes. Der Kaiser auf der Bühne. Die Franzosen beschaftigen sich mehr mit Kaiser Wilhelm als irgend ein anderes Volk. Im Frühjahr hieß es in Poris, Kaiser Wilhelm habe ein Volksdrama verhaßt, doch stellte sich die Nachricht später als ein Aprilscherz heraus. Jetzt kommt von der Seine die Nachricht, der französische Dramatiker Octave Mirbeau habe Kaiser Wilhelm zum Helden seines allerdings noch unvollendeten Dramas„Les Metallurgistes“ gemacht, worunter der Dichter die Panzerplatten= und Kanonengießer versteht, zu deren Gegner Mirbeau den Kaiser gemacht hat, den er als friedensliebend schildert. In dem„Drama“ sind aber die Verhältnisse stärker als der Wille des Kaisers, der schließlich den Krieg gegen Frankreich erklären muß. Das Erzeugnis Mirbeaus kann in dieser Zeit der Kriegsromane und der Kriegsspektakelstücke, wie sie vor wenigen Jahren in England aufgeführt worden sind, kaum mehr groß überraschen, derartige Tendenzstücke richten sich von selbst. Aber im Interesse der Förderung der gegenseitigen Verständigung unterbliebe die Aufführung besser, da durch derartigen Kitsch alle Meinungsaustausche, Massenbesuche usw. illusorisch werden. Der kühne Sturmflug des sungen Fliegers Hauuschke während der Berliner Herbstflugwoche auf dem Flugplatz Johannisthal hat bisher seinesgleichen nicht gesehen, da es bisher kein Aviatiker gewagt hatte, bei 25 Sekundenwind aufzusteigen. Der 19 jährige Hanuschke, der das erste Mal hatten andere Regimenter alle Brücken über die Newa besetzt. Man fürchtete also mehr als einen Angriff auf die Werke. Aber was? Die Offiziere sprachen gedämpft über die Begebenheiten des vorigen Tages. Handelte es sich wohl um ein Attentat? Die Kugel, die bei der Salutierung von der Peter Pauls=Festung flog, war sie bestimmt für——? In diesem Fall mußten sich Verräter selbst unter den Mitgliedern des Gardeoffizierkorps finden. Das war fast undenkbar. Und doch! Was sollte man glauben, wenn so etwas geschehen konnte? Und was hatte nian dann von den Mannschaften der ordinären Regimenter zu erwarten? Paul ließ den Blick über die Reihen der stummen, fröstelnden Soldaten schweifen, welche die Hände tief in den Manteltaschen vergruben, und er forschte in den schlaftrunkenen und doch so gutmütigen Gesichtern. Fanden sich wirklich Treulose darunter? Es erschien unglaublich. Kinder waren sie, große Kinder, brave Kerle, die sich auf den Weg der Pflicht führen ließen, ohne zu fragen, warum! Eine Tür kreischte in ihren Angeln, und Paul fuhr zusammen bei dem scharfen, durchdringenden Geräusch. Da kam ein Kapitän über den Platz gelaufen, und die Offiziere umringten ihn. Er sprach laut und schrill. Paul vernahin die Worte:„Skandal!“—„Ganz unerhört!"—„Was darf man erwarten?“—„Zu den Gewehren!“ Es ging ein dumpfes Geklirr durch die Reihen, und sektionsweise marschierte das Bataillon durch die Doppelflügel des Tores hinaus. Die Kommandoworte klangen unterdrückt, fast feierlich in der schweren Morgenluft, als die Kompagnien beim Narvator Kolonne formierten. Paul fühlte ein seltsam kitzelndes Gefühl, und er sah sich mit einem halb ängstlich nervösen Blick um. Der Oberstleutnant, den er früher nicht bemerkt hatte, war herbeigekommen und hielt mit einem fremden Offizier vor der Front. Jetzt erschien auch der Regimentschef, Oberst Iswetzkow, mit seinem Adjutanten zu Pferd. Sein Gesicht war finster und nachdenklich, und er winkte abwehrend mit der Hand, als der Bataillenskommandant„richten“ lassen wollte. „Sie haben Ihre Befehle empfangen?“ rährend des vorjährigen Deutschen Rundflugs mit einem Eindecker eigener Konstruktion von sich reden machte, hat nunmehr seinen Apparat bedeuteno vervessert. Die Maschine erhob sich schon nach zwei Metern vom Boden und erreichte bald eine Höhe von 270 Meter, allerdings wurde das Flugzug statt vorwärts von dem Sturm rückwärts getrieben. Der 1000 Mark=Preis, den Hanuschke für seinen Sturmflug erhielt, ist als ein Schmerzensgeld dafür anzusehen, daß der junge Pilot wegen eines französischen Motors von der Flugwoche ausgeschlossen wurde. Die Prüsung der neuen Armeelastzüge hat am Mittwoch von Berlin aus begonnen. 27 Last= oder Personenautomobile, die von 23 deutschen Automobilfirmen gestellt werden, beteiligen sich an der vierwöchigen Prüfungsfahrt, die von Berlin über Torgau, Zwickau, Nürnberg, Heibronn, Mannheim, Trier, Bonn, Olpe, Marburg, Kassel, Magdeburg nach Berlin zurück führt. In Rußland hat am gleichen Tage eine ähnliche, aber internationale Armeelastwagenfahrt begonnen. Die deutsche Industrie ist mit 50 Wagen vertreten. Durch eine Explosion auf dem amerikanischen Torpedosäger„Walke“, die plötzlich bei einer forcierten Ubungsfahrt in der Nähe von Newport eintrat, wurden ein Leutnant und fünf Mann getötet, während vier schwer verletzt wurden. Die Schießversuche in der französischen Marine. die genaue Klarheit über die Ursache der zahlreichen Pulverund Geschützexplosionen bringen sollen, haben zur Erfindung einer neuen Auswischeinrichtung geführt, durch deren Anwendung es möglich sein soll, alle Gase und festen Rückstände mit absoluter Sicherheit aus dem Rohre zu entfernen. Das Prüfungsschießen hatte nämlich ergeben, daß sich die im Rohr geschobenen Kartuschen dadurch entzündeten, daß Teile des B=Pulvers vom vorhergegangenen Schuß nicht völlig verbrannten, sondern als glühende Partikelchen im Rohre zurückblieben. Der Todessturz des amerikanischen Minionars Bruce Brown, eines in ganz Amerika bekannten Automobilrennfahrers, erfolgte auf einer Probefahrt für das Banderbiltrennen, als er bei Milwaukee im Tempo von 125 Kilometer in der Stunde gegen einen Zaun rannte. Während, Brown infolge Schädelbruchs sofort starb, erlag der Mechaniker erst nach einiger Zeit seinen Verletzungen. Brown hatte bereits zweimal den großen Preis von Amerika gewonnen. Ein einzigartiger Gebirgskunnel ist bei Römhild anläßlich des Main=Werra=Kanalprojekts geplant. Während man bei den bisherigen Kanalbauten die Höhen durch Schiffshebewerke zu überwinden suchte, will man bei Römhild den Kanal durch das Gebirge hindurchleiten, also einen schiffbaren Tunnel herstellen. Der Plan befindet sich bereits bei einer Mannheimer Firma in Ausarbeitung. Der Tunnel soll angeblich nicht so kostspielig sein, wie mehrere. Schiffs, hebewerke. Gegen die Eisberggefahr hat ein englischer Professor einen Warnungsautomaten erfunden, der bei Abnahme des Salzgehaltes des Meerwassers ein elektrisches Läutewerk automatisch in Beweguug setzt. Die Vorrichtung wurde während, einer Fahrt nach Kanada erprobt und gab dreimal Warnungssignale, ehe die Gefahr durch andere Mittel, insbesondere durch Temperaturmessungen des Meerwassers, ermittelt werden konnte. gur die Redaktion verantwortlich: v. Rauchendichler in Menden. „Jawöhl, Herr Obernl Goll beschutze Euer Hochwohlgeboren!“ Der Chef ritt we ter mit gebeugtem Kopf. Die Soldaten hatten aufgehört, sich durch Stampfen zu erwärmen; sie streckten den Hals und lauschten. Aus der Ferue trug der Wind Töne wie von Gesang herüber. Näher und näher kam das Geräusch. Ein wunderlich klagendes Gemurmel, wie von einem Meer in Dünungen nach dem Sturm. Langsam, Fuß um Fuß, näherten sie sich. Und klagend, fast schluchzend ertönte der Gesang:„Sieh auf dein Volk, o Herr! Schenk dem Zaren Sieg, o Gott!“ Vorn in der Prozession entstand eine Stockung; man hatte die Soldaten bemerkt. Doch hinten drängte die Menge nach, und die vielen Köpfe bewegten sich wie Schaum in einer Brandung. Der Oberstleutnant ritt vor.„Im Namen des Zaren: Kehrt um!“ Drei Männer traten aus den Reihen, und der eine sagte einige Worte; aber der Bataillonschef schüttelte den Kopf und wiederholte laut und deutlich:„Im Namen des Zaren: Kehrt um!“ Wieder schwankten die Gestalten hin und her, und die Gesichter leuchteten weiß mit einem wunderlichen Gespensterglanz. Der Gesang erstarb und wurde von einem drohenden Gemurmel abgelöst, das sich nach und nach zu einem tausendstimmigen Ruf erhob:„Der Zar! Wir wollen den Zaren sehen!“ Der Oberstleutnant warf sein Pferd herum. Er war sehr bleich, und seine Stimme klang spröde und trocken. als er mit den Kompagnieführern sprach.„Laßt mit blinden Patronen laden! Scharfe Schüsse ins Magazin!“ Die Gewehrverschlüsse klirrten. Die Menge kam näher Fuß um Fuß. „Zum letztenmal: Kehrt um! Zurück! Geht zurück, Leute, oder ich lasse schießen!“ Aber auch diesmal blieben die Reihen nicht stehen: der Gesang wurde kräftger, lauter und lauter. (Fortsetzung folgt.) 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