Gegründet 1860 80. Jahrgang Mendener seinat Westfälischer Telegraph Blatt Srschsn täglich morgens mil Ausnahme der Sonnund Verloa: Verlogsgesellschaft v. Naucher“ Menden. Iserlohnerstraße 35.— Fernsprechsreie mongtlich Am. 1.80 zuzüglich 30 Pig. — Durch die Pos 2.56 AD Fröndenberger Nachrichten Einzige in Menden E Lendringser Zeitung gedruckte Zeitung Zeitung Etrommangel besieht bein Anspruch auf des Bezugspreties. Anzeigenpretfe lont un6 vom 1. Juli 1939, deren Bestimmungen für alle Anzeigeneuftrüg. amen. Anzeigenschluß am Voradend 6 Uhr. Nr. 187 Freitag, den 9. August 1940 Jahrgang 1940 Mit niedrigsten Mitteln wird gehetzt Schauermär von der Versenkung eines Kindertransportschiffes durch ein deutsches A=Boot Nach Benutzung des AsA.=Nachrichtenapparates zur Weiterverbreitung gab London Dementi Nachrich= Berlin. 8. Au der einmal eine Duff CCooper hat wie. reuellüge vom Stapel gelassen. Nach dem Fiasko mit der Nachricht vom„pulverisierten Hamburg" versuchte er es jetzt einmal mit einer grausigen Kindergeschichte. Er ließ durch den Londoner Rundfunk die Meldung verbreiten, ein deutsches U=Boot habe einen englischen Dampfer torpediert, der mit evakuierten Kindern nach Amerika unterwegs gewesen sei. Nachdem amerikanische Nachrichtenagenturen und der Newyorker Sender diese Schauermar, wie gefunkt, übernommen hatten, ließ Duff Cooper die Lügenmeldung, da er sie nicht mehr aufrechterhalten konnte, durch Reuter dementieren. In ihrer kraffesten Form wurde die Greuellüge von der mexikanischen Nachrichtenagentur nin am Mittwoch übemnommen. Die Agentur meldete, der englische Rundfunk habe die Versenkung des Dampfes„Accra“, der mit englischen Kindern nach Amerika abgefahren sei, durch ein deutsches U=Boot gemeldet. Es seien nur 30 Kinder gerettet worden. Die Torpedierung habe 400 Meilen von der irischen Küste entfernt stattgefunden. Am gleichen Abend berichtete der Newyorker Kurzwellensender, der Dampfer„Accra“ sei aus einem Geleitzug herausgeschossen worden. An Bord hätten sich Flüchtlingskinder befunden. und 400 Personen seien ums Leben gekommen Spät in der Nacht ließ das Londoner Lügenministerium durch Reuter eine Meldung über die Versenkung der„Accra" verbreiten, in der ebenfalls erklärt wurde, daß der Dampfer an der irischen Küste aus einem Geleitzug herausgeschossen worden sei. 25 Personen würden vermißt, 450 habe man an Land gebracht. Die Admiralität erkläre, daß sich keine Kinder an Bord der Accra befanden. * Das ist die Art, in der die Londoner Lügenzentrale zu allen Zeiten den verhaßten Gegner in den Augen der neutralen Welt moralisch herabzusetzen versucht. Von den erlogenen Greueln in den deutschen Kolonien vor dem Weltkriege, von den abgehackten Kinderhänden im Weltkriege, bis zu den Greuelmärchen in Polen, dem Athenia=Fall und bis zu diesem neuesten Coup zieht sich ein roter Faden durch die englische Agitation. Im Krieg und Frieden wird mit den niedrigsten Mitteln gearbeitet, um die Haßinstinkte zu wecken, und auch auf diese Weise Bundesgenossen zu werben Das Dementi, das Reuter herausgab, sollte nur den Anschein der„Wahrheitsliebe“ erwecken. Man hätte es bestimmt nicht veröffentlicht, wenn man nicht in London erkannt hätte, man sich mit dieser Schauermär in eine heikle Lage hineinmanöpriert hat, viele Leute davon wußten, daß an Bord es Dampfers eben keine Kinder waren.— rdies kommt ein Dementi immer zu spät. Die Grenelmeldung hat bereits gewirkt, und irgend etwas wird schon hängenbleiben. Wie gewünscht, hat der amerikanische Nachrichtenapparat die Lüge verbreiten helfen. Der Versuch war geglückt. Aber auch diese üblen Methoden werden die Katastrophe für England nicht aufhalten. Auch dieser Fall beweist nur, mit was für verbrecherischen Methoden die britische Agitation arbeitet, und wie notwendig es ist, im Interesse der Sauberkeit und des Zusammenlebens aller Völker die Londoner Giftküche auszuräudern. Entlarvte Greuellüge Die englische Daß die keiner Lüge un eng Lügenmethode im Fall„Acera“ glische Greuelpropaganda vor o Verdrehung zurückschreckt, um die Gemüter der neutralen Völker gegen Deutschland aufzuputschen und Haßinstinkte gegen uns zu wecken, wissen wir aus unzähligen Fällen. Auch die Methoden, die die Londoner Oberlügner und ihre vlutokratischen Auftraggeber anwenden, um die Wahrheit zu vergewaltigen und als Greuellüge weiterleben zu lassen, kennen wir zur Genüge. Kein Geringerer als Winston Churchill hat es uns in seinen Weltkriegserinnerungen verraten, daß rund zwei Drittel aller englischen Nachrichten während des Weltkrieges„nicht ganz der Wahrheit entsprochen" haben. Die Welt hat also nicht nur durch uns, sondern allch durch die englischen Oberlügner selbst Kenntnis von der Verlogenheit der englischen Propaganda erhalten. Allmählich ist es nun so weit gekommen, daß die. Londoner Lügner sich daran gewöhnen müssen, ihre Greuelpropaganda anderen in die Schuhe zu schieben und andere dafür verantwortlich zeichnen zu lassen, um sie nicht zu ent werten. Herrn Duff Cooper und seinen Spieß. gesellen fehlt aber anscheinend die geistige Beweglichkeit, um die Tricks ihrer Greuelprovaganda so durchzuführen, daß es nicht ohne weiteres möglich ist, sie ine Scheinwerierlicht zu rücken und gründlich zu entlarven. Wenn diese Herren daher glauben, wieder einmal einen großen Coup gelandet zu haben, so müssen sie schon unmittelbar nachher die peinliche Erfahrung machen, daß ihnen die Felle wieder weggeschwommen sind und daß ihr Spiel durchschaut ist, ehe sie die Figuren richtig aufgestellt haben. Wie wenig all die gemeine Raffinesse ihnen nützt, hat jetzt wieder der Fall der Torpedierung des Dampfers„Acera“ gezeigt. Die ganze Welt sollte nach dem Willen der engiischen Oberlügner vor Entrüstung aufschreien über die Anschuldigungen, daß deutsche Unterseeboote nicht einmal von der Torpedierung eines mit evakuierten englischen Kindern vollbelegten Dampfers Abstand nähmen. Und damit die ganze Welt keinen Zweifel an der Wahrheit einer solchen Meldung— sie war ja allmählich englischen Meldungen gegenüber hellhörig geworden— hege, wollten die englischen Lügenbonzen die Sache so drehen und schieben, als ob die mexikanische Nachrichtenagentur Anta und nicht sie selbst der Kronzeuge für diese Meldung sei. Als Meldung dieser mexikanischen Nachr. tenagentur funkte der Londoner Lügensender diese Greuelmeldung in die Welt hinaus. Der Schwindel kam aber bald auf. und der Londoner Lügenfunk mußte sich entschließen, die Meldung noch in der gleichen Nacht insoweit zu dementieren, daß sich keine Kinder an Bord der„Accra" befunden hätten. Ob Amerika es sich auf die Dauer gefallen läßt, daß die englischen Lügner mit einer Unverschämtheit sondergleichen den amerikanischen Nachrichtenapparat als Mittel zur Verbreitung ihrer Greuellügen benützen, ist seine Sache. Wir werden unsererseits aber auf jeden Fall dafür sorgen, daß derlei Versuche ans Licht des Tages gezerrt und der ganzen Welt in ihrer Erbärmlichkeit aufgezeigt werden. Der Fall des Dampfers„Accra“ reiht sich würdig den Greuellügen über die Toxpedierung des Dampfers„Athenia“. die Muttergottes von Tschenstochau, die säule von Posen. die B Millionen Reichsmark für fu, sozialisten und das„pulverisierte" Hamburg an. erschiebung von 35 führende NationalSchwerer Schlag gegen Geleitzüge 15 Dampfer mit 72000 BRT. durch Schnellboote und Luftwaffe versenkt— 34 britische Flugzeuge im Luftkampf abgeschossen Berlin, 8. Aug. In der Nacht vom 7. zum 8. Aug. griffen unsere Schnellboote einen stark gesicherten feindlichen Geleitzug an. Trotz heftiger Abwehr durch die begleitenden feindlichen Zerstörer, durch andere Bewachungsfahrzeuge und durch die stark bewaffneten Dampfer selbst wurden ein Tanker von 8000 BRT, ein Dampfer von 5000 BRT und ein Dampfer von 4000 BRT versenkt. Ein kleinerer Tauker wurde in Brand geschossen. Unsere Schnellboote kehrten unversehrt zurück. Die Luftwaffe griff Donnerstagvormittag einen britischen Geleitzug im Kanal an. Dabei wurden 12 Schiffe mit insgesamt 55000 BRT versenkt, ieben weitere beschädigt. Bei den sich hierbei entwickelnden Luftkämpsen wurden fünf britische Jagdflugzeuge abgeschossen. Ein eigenes Flugzeug wird vermißt. Bei weiteren Luftkäm) liche Ja verloren. ipfen des Vormittags wurden 29 weitere feind. Jagdflugzeuge avgeschossen. Zwei eigene Flugzeuge gingen hierbei Deutsche Flugzeuge verminen Häfen Rüftungswerke, Flak- und Scheinwerferstellungen bombardiert A-Boot versenkt 16 000 BRT. erBerlin, 8. Aug. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt: Eines unserer Unterseeboote hat drei bewaffnete feindliche Handelsschiffe mit über 16.000 BRT. versenkt. Deutsche Flugzeuge legten in der Nacht zum 8. August vor mehreren en schen Häfen Minen aus und griffen schiedene Rüstungswerke, sowie Flakund Scheinwerferstellungen an. So wurden in Leyland Motorenwerke, bei Chester die Motorenwerke von Vickers=Armstrong und bei Yeovil Flugzeugwerke, bei Plymouth Industrieanlagen, ferner Flak. und Scheinwerferstellungen bei Manchester, Cardiff, Dorchester und Plymouth mit Bomben belegt. Der Feind flog in der Nacht zum 8. August mit einigen Flugzeugen in Nord= und Westdeutschland ein und warf Bomben, ohne wesentlichen Schaden anzurichten. In einem Essener Vorort sowie bei Datteln wurden Wohnhäuser beschähigt. Die entstandenen Brände konnten durch Einsatz des Luftschutzes schnell gelöscht werden. Eine Scheune brannte nieder. Zwei feindliche Flugzeuge wurden abgeschossen. Jeila von den Italienern besetzt auf englischen Flugplatz auf einen Geleitzug italienische WehrDonnerstag hat folgenden Erge, Angrisse ufrika und 8. Aug. Der vom Rom, machtbericht Wortlaut: Eine unserer Kolonnen, die vor drei Tagen die Grenze von Britisch=Somaliland überschritten hatte, ist am Meer angelangt und hat Zeila besetzt. In Ostafrika haben unsere Bomberformationen den griffen, drei stört und schweren Flugplatz von Flugzeuge am afir angeBoden Brände Schaden angerichtet. Im östlichen Mittelmeer rie—#agleiteter sein! Im Kriegsschiffen ist ein von begleiteter feindlicher Geleitzug von fünf Dampfern von unserer Luftwaffe mit Bomben belegt worden. Zwei Dampfer sind getroffen und ernsthaft beschädigt worden. Die gemeldete Besetzung ila am Golf des wichtigen Hafens von Zeila am Golf von Aden gehört, wie in unterrichteten italienischen Kreisen betont wird, in den Gesamtplan der Offensivaktion, die italienische und eingeborene Truppen von Italienisch=Ostafrika aus führen. Mit der Besetzung zeige sich deutlich, daß die Initiative der Operationen auch in diesem Sektor in den Händen Italiens liegt. man in Rom fest, daß zeila und der Besetzung das Kapitel der EinEnglisch=Somaliinzel mit der Aktion gegen dieses wichtigen Hafengliederung von land in das italienische Imperium begon: nen hat. Diese Aktion bezwecke, die Einheit des getrennten Somalilandes mit den Waffen herzustellen und damit aus Französisch=, Englisch= und Italienisch=Somaliland, eine geschlossene Einheit zu schaffen. Eine radikale Grenzbereinigung sei zu diesem Zweck unerläßlich. Die bisherige Aufteilung sei eines der schwersten Hindernisse für die materielle und moralische Hebung der eingeborenen Bevölkerung dieses großen Raumes gewesen. Jetzt werde die italienische Eroberung von Zeila und die bevorstehende Besitzergreijung von ganz Englisch=Somaliland die wirkliche Einheit jenes großen Raumes am Golf von Aden verwirklichen. und gleichzeitig das wirtschaftliche Leben in dem vergrößerten Italienisch=Ostafrika heben. Neue Ritterkrenzträger Berlin, 8. Aug. Der Führer und Oberste Befehlshaber der Wehrmacht hat auf Vorschlag des Oberbefehlshabers der Kriegsmarine, Großadmiral Dr. h. c. Raeder, das Ritterkreuz zum Eisernen Kreuz verliehen: Fregattenkapitän Fritz Berger, Chef einer Zerstörerflottille; Korvettenkapitän Max Eckhard Wolff, Kommandant eines Zerstörers; Korvettenkapitan Nudolf Petersen. Chef einer Schnellbootflottille; Kapitänleutnant Otto Kretschmer, Kommandant eines U.Bootes. Kriegsschauplatz Afrika Afrika, räumlich dreimal so groß wie Europa, ist als Kriegsschauplatz schon sehr oft genannt worden. Und das ist kein Wunder: Afrika begrenzt das Mittelländische Meer im Süden. Die beiden Pforten zu und aus dem Mittelländischen Meer— bei Gibraltar und durch den Suezkanal— liegen zwischen Europa und Afrika. Wohl aber ist eine teilweise Verlagerung der strategischen Interessen eingetreten. Die sbeginn als Nachschub=Basen so wichBedeutung Sudafrikas für die englische Schiffahrt aus dem Wege nach Indien, dem Fernen Osten und Australien beschäftigt mehr den Sachkenner als die Allgemeinheit. Um so stärker hebt sich die Bedeutung von Aegypten als einem wesentlichen Küstenstaat des östlichen Mittelmeerbeckens und neuerdings die Rolle Ostafrikas ab. Ein Blick auf die alten Afrikakarten mit ihren vielen Farbflecken von rot. rosa, grün. ssini ethir lienisch=Somaliland(im Süden) bergestellt. So ist ein gewaltiger italienischer Landblock entstanden, der sich nach fünf Stoßrichtungen hin auswirkt. Und Stoßrichtungen sowie„strategische Punkte“ bedeuten in dem weiten Afrika sehr viel, wo man an eine unmittelbar zusammenhängende Kriegführung aus räumlichen, klimatischen und Nachschubgründen, gar nicht denken kann. Dieser italienische Landblock liegt unmittelbar am Ausgang des Roten Meeres in den Indischen Ozean. Die enge Pforte vom Roten Meer in den Indischen Ozean heißt— wegen der großen Hitze— der„Weg der Tränen". was der meist gebrauchte arabische Name Bab=el=Mandeb bedeutet. Die Engländer haben genau gewußt, daß diese Meerenge mit dem Kanal von Suez im fee= und landstrategischen Sinne korrespondiert. Sie haben neben der kleinen französischen Kolonie Dschibuti Britisch=Somaliland erworben, und nun wird klar; warum in ganz Italien der Satz eines neulich veröffentlichten Wehrmachtberichtes so starkes Aufsehen erregt. hat:„Unsere Kolonnen haben an verschiedenen Punkten die Grenze von Britisch=Somaliland überschritten“. Unmittelbar gegenüber von Britisch=Somaliland haben die Engländer einen Stützpunkt in der Insel Perim und an der arabischen Südküste in der vielgenannten Festung Aden erworben und seit Jahren stark ausgebaut. Gegen Aden hat die italienische Luftwaffe zahlreiche Angriffe gerichtet. In den letzten Tagen hörten wir, daß sich arabische Stämme im südarabischen Hinterland von Aden, dem sogenannten Hadramaut, gegen die Engländer empört haben. Noch vier weitere Stoßrichtungen gehen von dem ostafrikanischen Landblock Italiens aus. Einmal von dem neulich eroberten Kassala über Khartum(am Beginn des Oberen Nil) nach Libven, dann von dem mittleren Abessinien gegen Faschoda, das vor mehr als vierzig Jahren Anlaß eines französisch=englischen Kolonialkonfliktes gewesen ist und jetzt Kodok heißt, ferner von Südwestabessinien gegen Belgisch=Kongo, wo der inglische „Schlauch" nur knapp 700 Kilometer breit ist, und schließlich nach Süden gegen Kenia und die zentralafrikanische Seenplatte. Gibraltar schwer mitgenommen Starke Wirkung der Bombenangriffe Madrid, 8. Aug. Eine Agenturmeldung besagt, daß sich das Gebiet von Gibraltar durch die mehrfachen Bombardierungen und die in aller Eile betriebenen Befestigungsarbeiten stark verandert habe. Besonders der Bombenangriff vom 25. Juli habe große Verheerungen angerichtet. Mehrere Fabriken am Westufer, besonders die Gießereien von Haynes u. Bland hätten schwere Treffer erhalten und seien zum Teil völlig zerstört. Weiter seien in der Mitte des Felsens und hinter der sogenannten Europa=Spitze besonders große Zerstörungen zu beobachten. Dazu komme, daß viele Villen englischer Plutokraten von der Spitzhacke niedergeBiE 46 chen Kasernen sehr stark gelitten, ebenso auch die Benzindepots und die zu einem Fluzplatz umgestaltete Pferderennbahn. Die Admiralität bedauert... Genf, 8. Aug. Wie Reuter bekanntgibt, ist der britische Dampfer„Mera“(9337 BRT) bei einem Angriff eines U=Bootes aus einem Geleitzug an der irischen Küste versenkt worden. Die englische Admiralität teilt mit, daß die als Minensucher fungierende Schaluppe„Riverclyde“ auf eine feindliche Mine gelaufen und gesunken ist.„ Der Kriegsverantwortungsprozeß Daladier wollte belastende Doliumente verschwinden lassen Genf, 8. Aug. Donnerstag begann im Justizsebäude der stillen Auvergnestadt Riom der erste Akt des Gerichtsverfahrens, das die Renerung Pétain gegen die Kriegsverantwortchen eröffnete. Am Nachmittag traten die Veitglieder des Obersten Gerichtshofes zusamten, und der Justizminister nahm in einer Ansprache. in der die Aufgabe dieses Gremiums umrissen wurde, den Eröffnungsakt vor. Man beschäftigt sich im französischen Volk mit einer anderen Seite dieses Prozesses, mit der merkwürdigen Tatsache nämlich, daß ein großer Teil derjenigen, die aus die Anklagebank in Vichy gebracht werden sollen, nach wie vor sich großter Freizügigkeit erfreuen. Mit Ausnahme von Mandel, der sich in Nordafrika unter polizeilicher Bewachung befindet und dessen Ueberführung nach Riom vorbereitet wird, und mit Ausnahme von Daladier der unter Polizeibedeckung von Marseille nach Orange im Rhonetal gebracht wurde, wo ihn weitere Weisungen der Regierung erwarten, haben alle diesenigen Hauptverantwortlichen, die man in französischen Kreisen als die mutmaßlichen Angeklagten nennt, eine normale Bewegungsfreiheit. So wurde gemeldet, daß Paul Reynaud vor einigen Tagen nach Lyon gereist sei und dort mit Herriot Besprechungen gehabt habe. Andere Katastrophenpolitiker unternehmen ungeniert Reisen durch die ganze unbesetzte Zone, vergnügen sich zwischendurch an der Riviera in ihren durchaus nicht bescheiden zu nennenden Besitzungen. Es wird befürchtet, daß die Betreffenden diese Freiheit dazu ausnützen, miteinander in Kontakt zu treten und so gemeinsam oder einzeln Zeit finden, die Spuren ihrer Politik zu verwischen, interessante Dokumente verschwinden zu lassen und überhaupt ihre Verteidigung vor Gericht schon bestens vorzubereiten. Warum z. B., so fragt man sich in der Oeffentlichkeit, ist man noch nicht zur Beschlagnahme der Privatakten oder mindestens der in Privatbesitz befindlichen dienstlichen Dokumente bei den in Frage stehenden Politikern geschritten, deren Name doch in Vichy in aller Munde ist? Als Daladier in Casablanca an Bord der „Massiglia“ eintraf, versuchte sein Sohn Jean einige Tage später unbemerkt das Schiff zu verlassen. Er wurde zufällig in einer Autotaxe erkannt und festgenommen. In der Taxe befanden sich mehrere Koffer mit Dokumenten, die offenkundig beiseite geschafft werden sollten. Dieses Detail allein beleuchtet die Möglichkeiten, die sich für diejenigen ergeben, die sich einer derartig großmütigen Freiheit erreuen. Täuschungsmanöver der„Action francaise" Am Vorabend der Eröffnungssitzung des Obersten Gerichtshofes in Riom unternahm es die französische Zeitung„Action francaise“ auf gewisse Feststellungen der deutschen Presse einzugehen, auf Feststellungen, die mehr als angebracht waren, daß nämlich Frankreich insgesamt für die Kriegspolitik verantwortlich ist und daß es nicht ausreicht, die Verantwortung nur auf einen Klüngel von Kriegshetzern abzuwälzen, mit denen man nunmehr einen großen Schauprozeß durchzuführen gedenkt. Gewiß sind weiten Volkskreisen die Machenschaften der City=Knechte Daladier, Reynaud, Mandel usw. fremd, aber die Kollektivverantwortung kann schon deshalb nicht abgewiesen werden, weil zumindest die Gleichgültigkeit dieser Volkskreise das Treiben jener Kriegsverbrecher in der Regierung ermöglicht hat. Das Parlament schließlich, das ja doch „Vertreter des Volkes“ sein soll, hat in diesem Punkt seine Mission ebenfalls nicht erfüllt und nicht hindernd eingegriffen. Charles Maurras, der Direktor des genannten Blattes, wurde selbst nicht müde, im Sinne Bainvilles die Aufteilung des Reiches in„Deutschländer" zu fordern. Wenn Maurras zwar gegen die Politik der Mandel und Genossen zu Felde zog, so doch nur, weil ihm dieser Krieg rein technisch und zeitlich verfrüht erschien. Im übrigen hat der gleiche Herr Maurras trotz seiner taktischen Meinungsverschiedenheiten mit der Regierung sich nicht enthalten können, noch vor wenigen Monaten in der „Action francaise“ Pläne für den Tag zu machen, an dem Deutschland besiegt sein würde: er hat die Kunstschätze von München, BerlinPotsdam, die Kohlengruben in Oberschlesien und Westdeutschland als Faustpfänder für die Reparationen empfohlen, die man Deutschland in einer unvorstellbaren Härte auferlegen wollte.. Maurras war es auch, der— um den Gedanken der Reparationen auf die Spitze zu treiben— noch für jeden einzelnen französischen Soldaten eine Art Wehrgeld(Anten des Kämpfers forderte. Also düsterster Vernichtungswille war in diesem nichtjüdischen und nichtfreimaurerischen Lager der französischen Oberschicht zu Hause. Daher ist es im Grunde ein übles Täuschungsmanöver, wenn in der gleichen „Action francaise" nunmehr erklärt wird, es sei nicht wahr, daß Frankreich den Krieg gewollt habe. Frankreich sei in Unwissenheit gehalten worden und habe sich in den Krieg hineinziehen lassen. Der Unüberlegtheit und der Schlaffheit sei Frankreich schuldig, nicht aber der Vorsätzlichkeit. Mit derartig schiefen und überdies frechen und dreisten Aeußerungen sollte es die„Action francaise“ lieber nicht versuchen, mit der deutschen Presse zu polemisieren. Empirekonferenz für Oktober Kanada nicht eingeladen Stockholm, 8. Aug. Eine Konferenz des britischen Empire ist, wie„Nya Dagligt Allehanda“ aus London meldet, für Oktober nach New=Delhi einberufen worden. Es sollen Beratungen über die beste Ausnützung der Hilfsquellen für den Krieg stattfinden. Auch die ostafrikanischen Besitzungen sind zu dieser Konferenz eingeladen, dagegen nicht Kanada. Wehrmacht ehrt von Bohlen Berlin, 8. Aug. Dr. Krupp von Bohlen und Halbach, der wegen seiner großen Verdienste um die deutsche Wirtschaft um die deutsche Arbeit und die deutsche Rüstung mit den höchsten Auszeichnungen geehrt worden ist, war einer der ersten Männer die zu Wehrwirtschaftsführern ernannt wurden. Diese Ernennung erfolgte seitens des Oberkommandos der Wehrmacht im Mai 1937. Dementsprechend ehrte auch die Wehrmacht den Jubilar, indem General der Infanterie Thomas, der Chef des Wehrwirtschafts= und Rüstungsamtes im Oberkommando der Wehrmacht, die Glückwünsche des Chefs des Oberkommandos der Wehrmacht, Generalfeldmarschall Keitel, sowie die der Wehrwirtschaftsorganisation der Wehrmacht überbrachte. ASA.=Sonderbeauftragter in London Er sollte sich über die Stimmung in England erkundigen Stockholm, 8. Aug. Vor ungefähr 14 Tagen ist in aller Stille in London ein Vertreter des amerikanischen Präsidenten Roosevelt eingetroffen, der ebenso still die englische Insel wieder verlassen haben soll. Es handelt sich um Oberst William Donovan, den Roosevelt nach England geschickt haben soll, damit er sich über die Stimmung in England selbst erkundigen sollte. Oberst Donovan ist ehemaliger Kriegsteilnehmer aus dem Weltkriege, wo er an der Front in Frankreich stand. Er ist ein besonders enger Vertrauter des amerikanischen Staatspräsidenten. Donovan hat während seines zweiwöchigen Aufenthaltes in England die höchsten Persönlichkeiten im militärischen und poltischen Leben Englands gesprochen. Er wurde vom König Georg persönlich in Audienz empfangen. Er hatte eine Unterredung mit Churchill in der Downingstreet 10. er war beim Kriegsminister Eden. er hat mit Marineminister Alexander, mit Morrison und sogar mit Arbeitsminister Bevin verhandelt. Außerdem hat, wie schwedische Zeitungen aus London melden, Oberst Donovan englische Verteidigungsanlagen und Waffenfabriken besucht. In neutralen Kreisen der britischen Hauptstadt hat der geheimnisvolle Besuch dieses Sonderabgesandten des amerikanischen Staates größtes Aufsehen erregt. Man wundert sich vor allem darüber, daß sein Besuch derarrig geheim gehalten worden ist und fragt sich, welchen Zweck Amerika verfolge, wenn es genaue Auskunft über die Stimmung im englischen Volk einholen lasse. Donovan selbst hat bisher kein Sterbenswort über seine Eindrücke von sich gegeben. England fürchtet neue Schnüffeleien In weitesten Kreisen Englands kritisiert man zum Teil sehr heftig die neue Verordnung der Regierung, die schwere Strafen für Lebensmittelvergendung vorsieht. In der Oeffentlichkeit befürchtet man vor allem, daß diese Maßnahmen der britischen Behörden zu neuen Schnüffeleien von Beamten des Versorgungsministeriums in den Haushalten führen wird. Mit sehr zweideutigen Gefühlen erinnert man sich jener Beamten des Informationsministeriums, die man„CooperSnooper“ nennt, und die wochenlang in den Häusern erschienen und die Bevölkerung mit den erstaunlichsten Fragen belästigten. Die. Verordnung gegen Lebensmittelvergendung sieht wohl hohe Strafen vor, doch geht aus dem Wortlaut der einzelnen Bestimmungen nicht eindeutig hervor, was man amtlicherseits als Vergendung ansieht. Vor allem aber weist man in England fast überall auf die Tatsache hin, daß ausgerechnet im Heer die Lebensmittelvergendung Ausmaße angenommen hat, die schon seit Kriegsausbruch unter den ärmeren Teilen der Bevölkerung starke Verbitterung ausgelöst hat. „News Chroniele“ z. B. schrieb in englischen Volkes Churchill weiter auf. Dummenfang mit„sozialer Neuordnung“ Berlin, 8. Aug. Auf der Brücke des englischen Plutokratenschiffes, das mit immer stärkerer Schlagseite im Sturme treibt, macht man verzweifelte Anstrengungen, die Mannschaft— das englische Volk— von dem bevorstehenden unvermeidlichen Scheitern des alten zur Verschrottung reifen Kastens abzulenken. Und so überschlagen sich denn die plutokratischen Steuermänner seit einiger Zeit in ihren Versicherungen, daß nach dem Kriege auch in sozialer Hinsicht„alles anders“ würde. Erst kürzlich verkündete die„Times“, man werde es sich angelegen sein lassen,„die Hungrigen zu nähren, die Bedürftigen zu kleiden und denjenigen ein Heim zu schaffen, die kein Dach über dem Kopf haben.“ Heute nun fühlt sich der Londoner Rundfunk bemüßigt, auf einen weiteren Artikel dieses Erbplutokraten=Blattes sowie einen„gleichbedeutsamen Aufsatz" im„Economist“ hinzuweisen, in denen— man kann es gar nicht fassen — erneut wesentliche soziale Verbesserungen „in Aussicht gestellt" werden. Den englischen Arbeitslosen, den Bewoynern der berüchtigten Slums wird sicherlich das Wasser im Munde zusammenlaufe,,, wenn Fe. hören, daß nicht nur eine Mindesthöhe des bensstandards gewährleistet werden soll. sondern daß— mit Hilfe öffentlicher Mittel — auch wichtige soziale Maßnahmen auf dem Gebiet der Invaliditäts= und Unfallversicherung, der Alterspersorgung, der Familien= unterstützung und der Arbeitslosenfürsorge eintreten soll. Aber das ist alles noch gar nichts. Die plutokratischen Machthaber sind so großzügig geworden, daß sie jetzt den Engländern sogar eine„Freiheitsurkunde des englischen Volkes“ schenken wollen. Diese Urkunde werde — immer nach dem Londoner Rundsunk— auch„die persönlichen Rechte des einzelnen gewahrleisten, so daß er in der Lage ist, in wirtschaftlicher Unabhängigkeit ein sorgenfreies Leben zu führen.“ Da sage einer noch, Churchill und Genossen hätten kein Herz für das arbeitende Volk. Die plutokratischen Wölfe verwandeln sich in zarte Lämmer für den Augenblick, da sie den Hals schon in der Schlinge haben. Die Ausgebeuteten werden wissen, was sie von solchen Versprechungen zu halten haben, die man ihnen ja jetzt nicht zum erstenmal macht. Im übrigen: viel zu spät, Herr Churchill, der Schwindel zieht nicht mehr! Ihr Schiff wird sinken, selbst wenn Sie der ganzen Welt den Himmel auf Erden versprechen würden. Eine einsichtige Stimme Die USA=Regierung braucht keine Wehrpflicht Newyork, 8. Aug. Der Präsident der CioGewerkschaften, John Lewis, erklärte in Denver vor Arbeitervertretern, kein Feind von außen bedrohe die Vereinigten Staaten. Die einzige Gefahr, die der USA=Regierung im Innern drohe sei die, das Vertrauen der amerikanischen Bevölkerung zu verlieren, auf deren Stimme die USA=Regierung nicht hören wolle. Solange die Regierung die Wünsche der Bürger nach Arbeit, Heim und Sicherheit berücksichtige, brauche sie keine Wehrpflicht, denn alle Bürger würden eine solche Regierung freiwillig verteidigen Deutsch=türkisches Warenaustauschabkommen ratifiziert Das deutsch=türkische Warenaustauschabkommen wurde in der Mittwoch=Vollversammlung des Parlaments in Istanbul als dringlich ratifiziert. Darauf vertagte sich das Parlament bis zum 21. August. einem Leitartikel, Vergeudung sei im Frieden verbrecherisch, aber im Kriege doppelt verbrecherisch. Außerdem solle der Versorgungsminister Woolton lieber einmal sein Augenmerk auf die Zustände im Heer richten. Die Lebensmittelvergendung im Heer sei unvorstellbar. Die Mahlzeiten, die in den Mülleimer wanderten, würden genügen, um eine ganze neue Armee zu ernähren. Verfall der Mittelmeerherrschaft Das Drama der englischen Seeherrschaft erfährt tagtäglich eine neue Steigerung. Die Luft= und U=Boot=Ueberlegenheit der Achsenmächte wird von Tag zu Tag vernichtender. In der Nordsee und im Aermelkanal ist die englische Schiffahrt so gut wie unmög: lich geworden, im Mittelmeer ist sie bereits seit zwei Monaten völlig lahmgelegt. Dabei ist durch die mehrfache erfolgreiche Bombardierung von Haifa die Brennstoffversorgung der englischen Kriegsflotte für die Zukunft ebenfalls völlig unmöglich geworden, da die Oelzufuhr durch das Rote Meer und den Suezkanal mit der bevorstehenden Besetzung der wichtigsten Häfen und Flottenstützpunkte in Englisch=Somali heute schon als ausgeschlossen gelten kann. Dieser Zerfall der englischen Seeherrschaft wird in ganz Italien mit großer Genugtuung verzeichnet und mit lebhafter Hoffnung beobachtet. Die Achsenmächte erweisen sich England wirtschaftlich und militärisch auf allen Sektoren überlegen. und wie gerade die überraschende Offensive in Britisch=Somali zeigt, haben sie auch überall die Initiative und diktieren das Gesetz des Handelns. England ist also, wie in italienischen politischen Kreisen und in der italienischen Presse übereinstimmend festgestellt wird. bereits tödlich verletzt. Daß man unter diesen Umständen in den englischen Dominien, im besonderen in Kanada und Australien, von der Londoner Politik abzurücken beginnt, und daß dem englichen Lügenminister Duff Cooper im Unterhaus rundheraus erklärt wird, die englische öffentliche Meinung habe kein Vertrauen mehr zu ihm, sind, wie in Rom betont wird, psychologische Erscheinungen, die bei der bevorstehenden Verschärfung der Krise gegen die britischen Inseln und gegen das englische Weltreich mit ihrer inneren Zersetzung die vernichtende Wirkung der deutschen und italienischen Waffen aufs stärkste unterstützen werden. Regierungsumbildung in Rumänien? Bukarest, 8. Aug. Wie in unterrichteten Kreisen verlautet, ist eine Regierungsumbildung zu erwarten, die die Basis des Kabinetts verbreitern und verstärken soll. Man glaubt, daß der frühere Minister Valer Pop Justizminister, der frühere Unterstaatssekretär Leon Scridon, der der Partei Gogas entstammt, Arbeitsminister, und Universitätsprofessor Sextil Puscariu Kultusminister werden. Das Ministerpräsidium und Außenministerium sollen unberändert bleiben. Ebenso sollen die Generäle, die dem jetzigen Kabinett angehören, auf ihren Posten verbleiben. Dagegen hält man weitere kleinere Veränderungen für möglich. Die Freundschaft mit Bulgarien wird von der gemeinsamen Vergangenheit, den gegenwärtigen Interessen und den Aussichten für die Zukunft gefordert, schreibt„Ordinea“. Im Geiste dieses Willens sei Rumänien entschlossen, so fährt das Blatt fort, die Streitigkeiten mit Bulgarien zu liquidieren. Es müsse das gefunden werden, was die beiden Nationen binde; nicht das, was sie trennen könne. In dem gleichen Geist wolle Rumänien auch zu einer Verständiaung mit Ungarn gehangen. Der nach Budapest abgereiste rumänische Gesandte in Rom, Bossy, hat als Sonderbeauftragter seiner Regierung die Aufgabe, mit dder ungarischen Regierung die Vorverhandlungen bezüglich der zukünftigen. Gestaltung des ungarisch=rumänischen Verhältnisses aufzunehmen. In Gibraltar wurden am Donnerstag ein hoher Marineoffizier und zwei Matrosen der englischen Kriegsmarine beigesetzt, während die Kriegsschiffe im Hafen Ehrensalven abgaben und die öffentlichen Gebäude Gibraltars halbmast flaggten. Es wird angenommen, daß die Opfer zur Besatzung des Schlachtschiffes„Resolution" gehörten. Auf seiner Reise durch die neuen Ostgebiete sprach der Reichskommissar für die Preisbildung. Gauleiter Josef Wagner, am Mittwochabend auf einer Kundgebung der NSDAP im Festsaal der Posener Universität. nachdem er an den vorangegangenen Tagen Gelegenheit genommen hatte, in Aussprachen mit führenden Männern der Wirtschaft die besonderen Verhältnisse im Reichsgau Wartheland kennenzulernen. Wahrheiten In England hat es eine große Sensation gegeben: Nachdem, man von dort drüben eigentlich immer nur faustdicke Lügen gewohnt ist, hat endlich einmal wieder einer von der Clique die Wahrheit gesprochen. Das ist ein Ereignis, daß man fast an ein Wunder glauben möchte, wenn man bedenkt, wie sehr Lügen und Heucheleien zu den Grundbestandteilen des englischen Charakters gehören. Und noch dazu der Erste Lord der Admiralität ist es gewesen, der über seine Lippen den Redefluß der Wahrheit gehen ließ. Hier entsinnen wir uns, wie sehr ein Winston Churchill seinerzeit, als er in der Admiralität aus und ein ging, dieses Amt in Verruf brachte und der Lächerlichkeit preisgab Sein Nachfolger Alexander versucht zwar, ihm darin gleichzukommen, aber zu dieser Meisterschaft bringt er es nicht; im Gegenteil, ihm ist nunmehr das Geständnis entschlüpft, daß man in England— um es einmal ganz vulgär auszudrücken— die Hosen gestrichen voll hat. „Wir müssen damit rechnen", so sagte Alexander zu seinem Zuhörerkreis, unter dem sich auch der Emigrant Benesch befand, wörtlich, „daß Deutschland seinen Plan mit allen Mitteln verwirklicht, und wahrscheinlich haben wir noch schwere Schläge, ernste Prüfungen und bedenkliche Ereignisse vor uns.“ Es waren bittere Wahrheiten, die der Erste Lord der Admiralität zugeben mußte, Wahrheiten, die nun wohl in England zeigen werden, daß die Totengräber Churchill, Cooper, Chamberlain und Eden das Land bereits an den Rand seines Grabes geführt haben. So sehr der Arbeiterverräter Greenwood, der für vieles Geld zum Papagei Winston Churchills geworden ist und die Interessen der Plutokratie vertritt, in einer Unterhauserklärung über die wirtschaftliche Versorgung Englands auch den Mund vollzunehmen versuchte, er kam nicht darum, zugeben zu müssen, daß in England sehr vieles zu tun bleibt, wenn man diese Versorgung überhaupt gesichert sehen will. Englischer Doppelbetrug im Orient Aegyptens gestohlene Waffen werden an Juden verschachert Zwei Meldungen aus dem Orient verdienen einander gegenübergestellt zu werden. Nach einer Nachricht von der ägyptischen Grenze gab der ägyptische Innenminister eine Verordnung bekannt, wonach die ägyptische Polizei sich nur noch mit Angelegenheiten der öffentlichen Sicherheit befassen darf. Diese Maßnahme steht im Zusammenhang mit der Entwaffnung der ägyptischen Streitkräfte durch die Engländer. Die andere Meldung kommt vom Jerusalemer Rundsunk und besagt, daß die Begeisterung der Palästina=Juden über die Unterhauserklärung des britischen Kriegsministers Eden ungeheuer sei, weil nunmehr endlich die vielbegehrte jüdische Palästinatruppe aufgestellt und in die regulären britischen Streitkräfte eingereiht werde. Britisches zweierlei Maß: Den Aegyptern, deren innerer Widerstand gegen die aufgezwungene Anwesenheit der Engländer inzwischen aller Welt bekannt geworden ist, werden Waffen weggenommen, um jeden aktiven Widerstand im Rücken der gegen Italien aufmarschierten britischen Armee auszuschließen. Es handelt sich um Waffen, die einwandfrei Eigentum der ägyptischen Armee und mit teurem Geld angeschafft worden sind. Jeder Rechtstitel zur Fortnahme dieser Waffen und überhaupt zur Entwaffnung der ägyptischen Armee fehlt. Diese von Aegppten bezahlten englischen Waffen werden jetzt von den Briten ein zweites Mal verkauft, und zwar an die Juden im benachbarten Palästina. Neben der typisch britischen Politik also ein gutes britisches Geschäft. Nicht als ob die Palästina=Juden bisher unbewaffnet gewesen wären, die sogenannte„jüdische Armee“ in Palästina hat eine Vorgeschichte, die schon mehrfach behandelt wurde. Es genügt, daran zu erinnern, daß die Juden schon vor mehr als einem Jahrzehnt versiegelte Waffendepots von den Engländern gestellt bekamen, die vielfach gegen die Araber in Palästina eingesetzt wurden, und zwar noch zuletzt in den jüngsten arabischen Aufständen der Jahre 1936/39. Ebenso sind die jüdischen Wehrorganisationen in Palästina: bekannt, die„Haganae" und„Irgun". Gerade diese beiden Organisationen, die sich untereinander eifersüchtig bekämpfen, stimmen in einem Punkt völlig überein: in dem Ziel der Aufstellung einer jüdischen Armee im Gelobten Lande. Seit Kriegsausbruch verhandelte die Jewish Agency in Jerusalem teils über die Filiale in London, teils durch direkte Besuche des Herrn Waizmann bei der Londoner Regierung über dieses Thema. Man wußte jüdischerseits seit Kriegsbeginn, daß es den Engländern darauf ankommen würde, Fremdenlegionäre für ihre überseeischen Besitzungen, insbesondere rings um das Mittelmeer, zu werben. Man kalkulierte, daß dies der Moment sei, um die eigenen Geschäfte vorzutreiben. Anfänglich wollte London noch nicht. Bie zur französischen Niederlage, fürchtete England die Rückwirkungen auf die arabische Welt und hielt es sogar für angebracht, den Palästina=Arabern einige freundliche Gesten als Brosamen hinzuwerfen. Man war sich in London darüber klar, daß die Einreihung der jüdischen Wehrorganisationen in die regulären britischem Kolonialstreitkräfte eine Provokation der Araber bedeuten muß, die alles wieder über den Hausen werfen dürfte, was mit Hilfe teils starker. teils narkotischer Beruhigungsmittel zum Stillhalten der Araber erreicht worden war. Frankreichs Niederlage und Italiens, Kriegseintritt haben die britische Not in Palästina und Aegypten so offensichtlich gemacht, daß die Londoner Regierung den konsequenten jüdischen Angeboten endlich ihr Ohr leiben mußte. Unter abermaligem Betrug an den Arabern hat die britische Regierung den Palästinajuden zum zweitenmal Palästina— und diesmal konkreter als in der Balfour=Deklaration von 1917— versprochen und dafür die Waffenbilfe der Juden eingetauscht. Palästina wird jetzt eine Judentruppe von einigen 30000 bis 40000 Mann haben. die in englischer Uniform unter jüdischen und britischen Offizieren Palästina besetzen und den dortigen britischen, australischen und neuseeländischen Truppen den Abmarsch nach Aegypten und die Verstärkung der englischen Streitkräfte gegen Italien ermöglichen werden. Freitag, den 9. August 1930 ** Nr. 187 Mendener Zeitung Aus unserer Heimat Die Loeing: Was verdirbt die Politik? Weniger die Politik verdirbt den Charakter, als der Charakter die Politik. Dietrich Eckart. Hie denken nur an sich RSK. Bei der Durchführung der Räumung der Kinder aus London und anderen Städten Südenglands kommt es immer wieder zu unerhörten Vorgängen in den Aufnahmebezirken, die sogar von der englischen Presse nicht verschwiegen werden können. Zehntausende von Erwachsenen der wohlhabenden Volksschichten Englands, die keine Möglichkeit sahen, infolge Schiffsraummangel nach Uebersee zu entkommen, ergossen sich in die für Kinder in Aussicht genommenen Ortschaften, in der Annahme, dort sei es am sichersten. Durch phantastische Geldangebote setzten sich die geflüchteten Erwachsenen in den für die Kinder bestimmten Wohnungen fest und beriefen sich auf ihr „Recht“, als die Kinder dort eintrafen. Es blieb nichts anderes übrig, als die Kinder in flüchtig hergerichteten Massenquartieren, also Scheunen, Spritzenhäusern und anderen Räumlichkeiten unterzubringen oder sie im Freien übernachten zu lassen. Die Einordnung der Kinder verschleppte sich um viele Tage. Es kam zu zahlreichen Erkrankungen. Das„vorläufige" Verbot der Elternbesuche wird allgemein dahin ausgelegt, daß die Eltern die Zustände nicht kennen lernen sollen, unter denen ihre vertrauensvoll den Behörden ausgelieferten Kinder zu leben gezwungen sind. Der Neunmalkluge von Jupp Flederwisch Jüngst sprach ich da einen klugen Mann " mit eitel geschwellter Bruft, dem sieht man es schon von weitem an, daß er es jaimmer gewußt. „Die Lage?“(ernst zog er die Stirne kraus) Man hat doch wohl anders gemußt. Ich lasse mich da nicht gerne aus, doch hab ich's natürlich gewußt“. „Ich kalkuliere(man ist ja nicht dumm) genau nach Gewinn und Verlust. Was jetzt sich getan. das Dran und das Drum, das hab ich schon lange gewußt“. Ich sagte ihm, daß er ein Esel wär' (das tat ich mit innerer Lust). Nach alter Gewohnheit nickte er: „Dashabich jalange gewuß!". *— Wer möchte noch mitspielen? Am morgigen Sonnabend findet eine weitere Probe aller Mitwirkenden für die Tellaufführung statt, die wahrscheinlich unter Leitung des Intendanten Segler stattfindet. Nünktliches Erscheinen wird erwartet. Volksgenossen, die noch mitwirken möchten, werden gebeten, gleichfalls pünktlich um 17 Uhr in der Waldbühne zu sein *— Noch gut abg elaufen. Wie leichtsinnig Kinder beim Radfahren sind, beweist folgender Vorfall: Ein 12jähriger Junge kam freihändig den Heimkerweg herunter gefahren. In der Kurve beim evangelischen Friedhof kam jedoch der leichtsinnige, Fahrer= zu Fall. Auf ähnliche Weise wäre beinahe auf der Unnaer Straße ein Unglück passiert: Ein Mädel kam die Unnaer. Straße herauf, als zur gleichen Zeit ein Auto angefahren kam. Durch die Geistesgegenwart des Chauffeurs gelang es, das Auto frühzeitig zum Halten zu bringen, so daß ein Unglück vermieden werden konnte. Eltern und Erzieher achtet auf eure Kinder! RSG.„Die schönste Stunde für den Soldaten ist am Abend immer die Postverteilung!“ lasen wir in einem der vielen Feldpostbriefe, die den Weg zu den Ortsgruppen des Deutschen Frauenwerks finden.——... Helfen Sie doch mit, daß jeder Soldat an dieser abendlichen Freude teil hat... So nehmen sich hauptsächlich die jungen Mädel und Frauen in den Jugendgruppen der alleinstehenden Soldaten an, die ihnen von den zuständigen Dienststellen namhaft gemacht werden und bedenken sie laufend mit Feldpostpäckchen. Eine jede von ihnen sinnt dabei stets für„ihren“ Soldaten auf eine besondere Freude— sei es ein schönes Buch, eine selbstgebackene Leckerei, ein Unterhaltungsspiel oder etwas Aehnliches. Der beigefügte Brief sorgt dafür, daß sich stets engere Bande der Kameradschaft um Front und Heimat schlingen. Immer wieder klingt in den dankbaren Grüßen aus dem Feld die Freude über die frauliche Sorgfalt bei der Zusammenstellung der Päckchen. Auch die Allerkleinsten, die sechs= bis zehnjährigen Bubei und Mädel der Kindergruppen des Deutschen Frauenwerks beteiligen sich schon eifrig an den Sendungen für unsere Soldaten. Allmählich wächst die Feldpost in den Ortsgruppen zu beträchtlichen Bergen an. Lagen doch hier in Westfalen=Süd monatelang Soldaten in Quartier. Sie hatten schon den Polenfeldzug mitgemacht und— nehenbei bemerkt— ihre Wäsche und Strümpfe *— Sicherer Splitterschutz für jedes Haus. Der Haus.= und Grundbesitzerverein für Menden und Umgegend weist darauf hin, daß von sachverständiger Seite festgestellt ist, daß in der letzten Zeit immer häufiger die Wahrnehmung gemacht werden kann, daß die Besitzer von behelfsmäßigen Luftschutzräumen dazu übergehen, die Fenster ihrer Schutzräume durch Eisenklappen gegen Splitter zu sichern. Leider werden aber diese Klappen vielfach zu dünn ausgeführt. 15 mm Eisenstärke ist schon das Mindeste, was verlangt werden muß, soll einigermaßen Splittersicherung erzielt werden. Man kann aber Klappen antreffen, die nicht halb so dick sind. Diese unzulänglichen Klappen bergen die Gefahr in sich, daß die Insassen des Schutzraumes sich hinter den Eisenklappen sicher wähnen, ohne daß diese Sicherung in Wirklichkeit besteht. Die dünnen Eisenklappen werden auch von kleineren Splittern glatt durchschlagen, so daß die Insassen des betreffenden Schutzraumes hinter diesen dünnen Eisenklappen keinerlei Schutz genießen. Leider ist noch immer festzustellen, daß auch völlig unzulängliche Steinpackungen in die Fensteröffnungen gestellt werden. Man kann Steinpackungen von 14 Ziegelstein und noch weniger erleben. Nach den Vorschriften gewährt aber nur eine Packung von mindesten., 38 cm Stärke genügenden Splitterschutz. Auch diese falsche Anwendung des Splitterschutzes kann zu dem gleichen Ergebnis führen, wie oben geschildert, nämlich, daß sich die Insassen sicher fühlen, während sie in Wirklichkeit großen Gefahren ausgesetzt sind. Es liegt im eigenen Interesse jeden Hauseigentümers, für eine vernünftige Splittersicherung zur sorgen. *— Besondere Auszeichnung. Dem kaufm. Angestellten Hermann Schwarz bei der Fa. Schmöle u. Comp. wurde vom Führer und Reichskanzler das Treudienstehrenzeichen der Sonderstufe verliehen. Das Ehrenzeichen wurde vom Bürgermeister Rau überreicht. Die M3 übermittelt ihrerseits die herzlichsten Glückwünsche für diese besondere Auszeichnung. *— Leichter Zusammenstoß. Ein Zusammenstoß, der zum Glück noch glimpflich abgelaufen ist, ereignete sich gestern auf der Iserlohner Straße, in der Nähe des Hauses Battenfeld. Ein Radfahrer fuhr mit einem Motorradfahrer zusammen. Glücklicherweise war die Geschwindigkeit des Motorradfahrers nicht sehr stark; der Radfahrer wurde jedoch mehrere Meter mitgeschleift und erlitt Verletzungen am Bein, die aber nicht ernster Natur sind. Das Fahrrad wurde stark beschädigt. Auch während der jetzigen Kriegszeit verzeichnet unser Mendener Standesamt eine ganze Anzahl von Trauungen. Freilich ist die Gründung eines regelrechten Hausstandes in dieser Zeit erschwert. Schon die Frage einer eigenen Wohnung ist im Augenblick in Menden schwer zu lösen, und die Beschaffung einer vollständigen Aussteuer würde genau so auf größte Schwierigkeiten stoßen. Darum haben alle heute gegründeten jungen Haushalte zunächst etwas Provisorisches. In den meisten Fällen wird es so sein, daß, wenn der Mann im Felde steht, das Mendener Mädel weiter bei ihren Eltern wohnt oder ein möbliertes Zimmer innehat, wobei sie ja auch meistens ihren Beruf beibehalten wird. Im andern Falle, wenn der Mann nicht zum Heeresdienst eingezogen ist, wird man sich zunächst ebenfalls mit einem möblierten Zimmer, in seltenen Fällen vielleicht auch mit dem Leerzimmer begnügen, das behelfsweise eingerichtet wird.— Auf jeden Fall aber sind für einen jungen Hausstand, auch wenn er zunächst nur unter beschränkten Verhältnissen geführt wird, eine ganze Menge Dinge nötig, die nun einmal zum Leben gehören. Das Notwenauch! Diese sahen böse aus. Aber die Frauen wußten Rat. In den Nähstuben fanden sich helfende Hände genug, so daß beim Abrücken alles wieder intakt war. Den Soldaten wurde es bald zur lieben Gewohnheit in ihren„Männernöten“ den Weg zum Deutschen Frauenwerk zu finden. Es wurde geflickt, gestopft, gekocht für die Soldaten und auch sonst mit dem begehrten mütterlichen Rat nicht gespart. Wie warm unsere Soldaten diese mütterliche Hilfe empfanden, spiegelt sich in den oft rührenden Briefen, die sie nun aus dem Felde schreiben. Vielleicht ist das schicksalhafte Zusammenstehen von Mann und Frau nie schöner als in diesem Krieg zum Ausdruck gekommen, wenn wir als Ueberschrift dieer Briefe lesen:„Liebe Schwestern...“ oder „.:. Liebe Mütter!“, oder wie es in einem anderen Briefe heißt:„So wie wir nicht danach fragen, tust du es für die Schwester, die Mutter, den Vater oder wie bei mir, für meine fünf Kinden so fragt die Heimat nicht, wer bekommt daß Päckchen, ober der Freund, der Bruder? Nein, irgend einer aus der großen Armee des Führers, das ist das Zeichen unserer großen Volksgemeinschaft!...“ . Als sorgfältig gehüteter Schatz bleiben diese Feldpostbriefe für alle Zeiten für die jeweilige Ortsgruppe Zeugen dieser großen Zeit. Wir in der Heimat aber wissen, daß nicht die Soldaten uns, sondern wir allein ihnen auf immer für ihre Opfer verpflichtet sind. *— Neue Sportausweise der Hitler-Jugend. Die Vereine des Nationalsozialistischen Reichsbundes für Leibesübungen haben für die Jugendlichen ihrer Vereine ab 15. Auaust 1940 den einheitlichen Sportausweis der Hitler=Jugend einzuführen. Jeder Jugendliche kann ab 15. August an keiner Sportart teilnehmen, wenn er nicht im Besitz dieses Ausweises ist. Alle bisherigen Mitgliedsbescheinigungen verlieren mit dieser Einführung ihre Gültigkeit. Der Ausweis kostet 15 Pfennig. Die Vereine erhälten die Ausweise bei den Verwaltungsstellen der Banne. *— Sportwettkampf der Betriebe. In den Kreisen des Gaues Werstfalen=Süd führt die Deutsche Arbeitsfront, NS=Gemeinschaft„Kraft durch Freude“ einen Sportwettkampf der Betriebe um die Kriegsmeisterschaft 1940 durch. Der Wettkampf dient der Erhaltung der Gesundheit und Leistungsfähigkeit der Schaffenden. Die zum Teil schon durchgeführten Kreismeisterschaften haben eine starke Beteiligung gezeigt. Auch die weiter auszutragenden Kreiswettkämpfe sollen in einem weiten Rahmen bei starker Beteiligung durchgeführt werden. So sind für die am kommenden Sonntag in Iserlohn stattfindenden Wettbewerbe des Kreises Iserlohn 17 Mannschaften gemeldet. Auch Gau=Obmann Stein hat sein Kommen nach Iserlohn zugesagt. *.— Vergeßlichkeit kein Grund zur Entschuldigung. Wenn ein Volksgenosse während eines Fliegeralarms sein Fenster hell erleuchtet hat und, von der Kontrolle überrascht, als Grund Vergeßlichkeit vorschiebt, so schützt das nicht vor Strafe. Das sollte sich auch ein Volksgenosse merken, der im Mittelpunkt der Stadt wohnt. So wurde in der Nacht zum Donnerstag vom Krankenhaus aus die Feststellung gemacht, daß in der Stadt ein Fenster nicht verdunkelt war. Der nach außen fallende Lichtschein bot so dem feindlichen Flieger das beste Ziel zum Abwurf seiner Bomben. Man sollte meinen, daß es jeder so langsam bei den täglichen Hinweisen durch das Radio und die Zeitungen begriffen haben müßte, wie er sich bei Fliegeralarm zu verhalten hat. Er gefährdet dadurch nicht nur sich selbst, sondern kann auch Gemeinschaft großen Schaden zufügen *— Frisch gestrichen sind alle Briefkästen im Mendener Stadtgebiet. Hellrot leuchten sie jetzt in die Gegend. so daß sie nicht mehr zu übersehen sind. Beim Einwerfen der Briefe muß man ein wenig vorsichtig sein, damit die Briefschaften nicht gleich einen roten Farbkler mitbekommen. digste kann auf Bezugscheine gekauft werden, wie etwa Bettwäsche, Handtücher, Küchenwäsche. Daneben aber braucht man allerlei Geschirr, Bestecke, Kochtöpfe und manche anderen Küchengeräte. Vom Teesieb bis zum Kochlöffel und Quirl ist die Reihe der notwendigen kleinen Anschaffungen, ohne die es nun einmal nicht geht, lang. Ueberall, wo jetzt eine junge Ehe geschlossen wird oder geschlossen werden soll und alle diese „Einrichtungsfragen“ an die jungen Menschen herantreten, die in so vielen Fällen beide im Beruf stehen und auch wenig Zeit haben, in der kurzen Freizeit alles Notwendige heranzuschaffen, sollten sich um so mehr Verwandte und Freunde die Frage vorlegen, wie weit sie hier helfend eingreifen können. Das gilt nicht nur ür die Bereitwilligkeit, irgendwelche wichtigen Gänge und Bestellungen zu übernehmen, sondern ganz besonders für die Möglichkeit, aus den Beständen des eigenen Haushalts mancherlei für den jungen Haushalt zu stiften, vielleicht auch das eine oder andete Stück käuflich zu überlassen oder leihweise zur Verfügung zu stellen. Gerade in älteren Haushalten ist es ja so, daß sich im Laufe der Zeit mancherlei Hausrat, vielfach durch Erbschaft von Großeltern oder Eltern, ansammelt, der gar nicht unbedingt gebraucht wird. So manche Hausfrau wird in den Fächern ihres Küchenschrankes sicher Kochtöpfe finden, die sie eigentlich niemals braucht, ebenso haben sich in allen anderen Schränken Tassen, Teller, Gläser, Löffel aufgestapelt, die für den eigenen Gebrauch überflüssig sind, weil alles vollständig vorhanden ist. Zur Einrichtung eines jungen, behelfsmäßigen Hausstandes aber wären alle diese Dinge überaus wertvoll. Wenn eine liebe Tante aus ihrem Wäscheschrank nur ein Tischtuch und vier Servietten oder zwei Handtücher oder drei Küchentücher opfert, dann spielt das schon eine wesentliche Rolle und gibt die Möglichkeit, Neuanschaffungen entsprechend einzuschränken. Irgend etwas findet sich in jedem Haushalt, das man unserm jungen Mendener Paar zur Verfügung stellen kann: manchmal ist es eine Kaffeemühle noch aus Großmutters Wirtschaft oder eine Fleischmaschine, manchmal ein hölzernes Mangelholz oder ein Küchenbrett, manchmal ein Korkenzieher oder ein Milchtopf. Es schadet durchaus nichts, wenn sich alle diese nützlichen Dinge erst allmählich einfinden. Manche Eltern wissen aus eigener Erfahrung, wieviel Freude es im eigenen Haushalt macht, klein anzufangen und allmählich aufzudauen. Vielleicht haben sie, die Eltern, es vor zwanzig Jahren nicht anders gemacht. Heute heiratet die Tochter, und darum wird Mutter sie zu trösten wissen:„Laß nur, wenn euch heute noch manches fehlt, könnt ihr das nach dem Kriege in Ruhe anschaffen und euch ein behagliches eigenes Heim einrichten...“ Soldaten danken südwestfälischen Frauen= Feldpostbriefe an das Deutsche Frauenwerk Hausstand- im Kriege begründet Wenn das Mendener Mädel setzt heiratet, wie steht es mit der Aussteuer? *— Bunter Blütenschmuck im Stadtgebiet. Uns scheint, daß der Blütenreichtum am Rathaus noch nie so herrlich war wie in diesem Jahr. Das Auge wird erfreut von einer dichten Fülle rosa und roter Geraniendolden. Vielleicht hat der regenfeuchte Juli diesen Blütenreichtum bewirkt, da ja die brennende Sonnenhitze für Blumenkastenpflanzen nicht fördernd ist, Schade ist nur, daß die Hausbesitzer ihre Häuser nicht mehr mit Blumen geschmückt haben, dann würde das Stadtbild ein viel freundlicheres Aussehen haben. — Was spielt die Gaufilmstelle im August? Die Gaufilmstelle spielt im August im Kreis Iserlohn:„Spiegel des Lebens",„Es leuchten die Sterne". — Hohes Alter. Frau Wwe. Henriette Fischer, Neuwaltzwerk, feiert heute ihren 72. Geburtstag. Unsern herzlichen Glückwunsch! — Dreistes Diebesgesindel. Bei einer Anwohnerin der Horst=Wessel=Straße ist dieser Tage eine gemeiner Einbruchsdiebstahl verübt worden. Unter dem Schutze der Dunkelheit hatten sich der oder die Diebe auf das Grundstück geschlichen, den Kaninchenstall behutsam geöffnet und elf Kaninchen entwendet. Nur das Muttertier ließ man zurück. Da die Diebe so ortskundig und sicher vorgegangen sind, scheint es sich um heimische Personen zu handeln. Hoffentlich gelingt es der Polizei, das lichtscheue Gesindel bald hinter Schloß und Riegel zu setzen. Unverantwortlicher Leichtsinn NSG. Vor einigen Tagen wurde im Landkreis Geldern ein zwölfjähriger Schüler von einem bedauerlichen Unglücksfall betroffen. Mit noch zwei anderen Kindern fand er in einem Kornfeld eine Metallhülse. Als die Kinder die Hülse eingehend untersuchten, zerknallte sie plötzlich. Sie hatten keine Ahnung, daß es um einen Sprengkörper handelte. Dem Schüler wurden zwei Finger abgerissen und eine Hand fast vollständig zerfetzt. Dieser bedauerliche Unglückfall gibt erneur Veranlassung, darauf hinzuweisen, daß alle nach feindlichen Fliegerangriffen und auch sonst gefundenen unbekannten Gegenstände sofort der zuständigen Ortspolizeibehörde abzuliefern sind. Auf der Jagd nach Andenken oder auf der Suche nach Flak-Granatsplittern kann zu leicht ein Unglück passieren, das unter Umständen noch ernstere Folgen mit sich bringt als vorstehend geschilderter Fall. Alle Metallgegenstände, die von Flugzeugen oder Flakgeschossen herrühren, gehören grundsätzlich sofort in die sachkundigen Hände der Polizei. Die Eltern handeln nur im Interesse ihrer Kinder und im eigenen Interesse, wenn sie die Jugend mit allem Nachdruck auf die Gefährlichkeit solcher Funde hinweist. — Neues Stellwerk. Der Bahnhof Fröndenberg erhält auf der Strecke von Langschede nach Fröndenberg und zwar kurz vor dem Bahnhof Fröndenberg ein neues Stellwerk. Mit den Bauarbeiten hat man bereits begonnen. Es wird damit zu rechnen sein, daß die Arbeiten noch im Laufe des Herbstes fertiggestellt sind. — Noch glimpflich abgelaufen. Gegenüber dem Hotel„Wildschütz“ kam gestern mittag eine Frau so unglücklich zu Fall, daß sie sich eine Kopfverletzung zuzog. Sie wollte einem Auto ausweichen und geriet dabei ins Rutschen. Durch das schnelle Stoppen des Autofahrers wurde ein schweres Unglück vermieden. Aüs der Balve. 77. Geburtstag eines alten Balvers. In diesen Tagen begeht ein alter angesehener Balver Bürger seinen 77. Geburtstag in seltener Frische. Schreinermeister Anton Betten erfreut sich in seiner Vaterstadt einer allgemeinen Beliebtheit. Viele Jahre hindurch gehörte Meister Betten dem Stadtverordnetenkolleaium und dem Sparkassenvorstand an. Wir wünschen dem alten Herrn noch einen weiteren sonnigen Lebensabend. Balve. Weidmannsheil. In den letzten Tagen erlegte der Jagdpächter Wrede=Menden in den Küntroper Wäldern einen kapitalen Rehbock. Werdohl. Hitler-Urlauber in unserer Heimat. Auch in Werdohl trafen jetzt die ersten Urlauber der Hitler=Freiplatz=Spende ein, um einen 8= bis 14tägigen Urlaub zu verbringen. Es sind Soldaten, die keine Angehörigen haben und denen ein Urlaub durch die NS=Volkswohlfahrt im Rahmen der Adolf=Hitler=Freiplatz= Spende vermittelt worden ist. Arnsberg. Nette Spenden für das Rote Kreuz. Für das Kriegshilfswerk für das Deutsche Rote Kreuz gehen auch zwischen den Sammeltagen zahlreiche Spenden ein. Auch Musterungsjungen stifteten für das Rote Kreuz. So gingen in Lüdenscheid von Musterungsjungen einmal 100 und einmal 110 J ein. Ein beispielhaftes Opfer zeigte der Verein deutscher Reichsbahninvaliden in Arnsbera. Er übermittelte der NSV für das Rote Kreuz den Betrag von 50 Verena erbt ein Rittergut 30 Abenteuerlicher Roman von Heinrich Lang „Warum hielt man den Mann nicht fest, bis alles geklärt war?“ schrie Erich Fay außer sich Gaston Durand hob die Augenbrauen noch weiter empor und betrachtete eingebend sein Fingernägel. Aber er blieb bei alledem höflich Er wurde sogar noch eine Kleinigkeit freund licher als zuvor.„Wenn Sie eine Beschwerd vorbringen wollen, so muß ich Sie darauf auf merksam machen, daß hierfür der Herr Un tersüchungsrichter zustöndig ist, der die Mord sache Webb bearbeitet. Leider sind wir auch in dieser Angelegenheit nicht viel weiter gekommen. Vor allem ist unsere Fahndung nach jenem Armenier Darjan, der nach dem gegenwärtigen Stand der Dinge als am schwersten belastet erscheint, bis jetzt völlig negativ verlaufen...“ Erich Fay stand auf. Er sagte nichts mehr Je länger er seinem eleganten, lässig gleichgültigen Gegenüber ins Gesicht sah desto heißer überfiel ihn die Gewißheit, daß er von dieser Seite keine Unterstützung zu erhoffen habe. Daß er bei der Klärung all der Geheimnisse, die sich immer dichter um Verena Ander lohr weben zu wollen schienen, ganz allein auf sich selbst angewiesen sei. Und während er, die bleierne Hitze des Som mertages wie eine Zentnerlast auf den Schul tern fühlend, wieder durch die grellbesonnten Straßen lief, war es ihm, als wolle etwas wie Zweifel und schwächliches Verzichten über ihn kommen. Müde und stumpf schlich er schließlich dahin, die Augen am Boden, quälendes Grübeln schmerzhaft im Hirn. Ziellos setzte er die Füße. Er wußte keinen Zweck für die Schritte, die er sich da in greller abrang. Bis er plötzlich, durch die Allee des Capueines hinschlendernd, Tür und Schild eines Postamtes vor sich sah. Da kam es wie ein Erwachen über ihn. Und wie ein Hilferuf nahmen die Worte sich aus, die er kurz darauf mit fliegender Hast auf ein Telegrammformular hinschrieb, während ihm eine nie gekannte, fiebernde Unrast die Rechte zittern machte:„Drahte sofort, oh on Verena Anderlohr gesehen und wiedererkannt— weiß mir sonst keinen Rat mehr... Erich.“ Der Flugkapitän Mühleck in Berlin Tempelhof war der Empfänger dieses Telegramms, das in derselben Stunde noch seinen Weg durch die Drähte nahm, dem Norden zu. Erich Fay aber trottete, etwas wie ein Aufatmen in der Brust, wieder weiter durch den sonnenhellen Marseiller Mittag. Müde, als habe er Steine geklopft oder schwere Lasten getragen, langte er endlich m dem bescheidenen Hotel an, das, in einer lärmerfüllten Straße bei der Rue Colbert gelegen, seine Herberge war. Aber so müde er auch war, er riß sich auf der Stelle wieder zusammen, als ihm der Portier bei seinem Eintreten ein paar Worte sagte und, ein etwas geringschätziges Lächeln um den Mund, mit einem Bleistift irgendwohin in eine Ecke wies. Ein junger Mensch, halb noch ein Knabe, lehnte dort in dieser Ecke— einen Stuhl schien man ihm nicht angeboten zu haben, dazu sah er wohl zu verwahrlost aus—, dunkle Augen flackerten zu Erich her, und ein Paar bartlose Lippen lächelten. „Sie sind Monsieur Fay, nicht wahr? Gekommen aus Alexandrien, zu sehen das Fräulein Verena Combi.“ Erich Fay streckte die Hande aus und paare en jungen Menschen an den Schultern. Langsam erinnerte er sich. Jugendwo, bei inem der vielen Verhöre, die er durchgemacht atte, war ihm dieses Gesicht begegnet, hatte r diese großen Kastanienaugen gesehen und iese Stimme gebört, die jetzt in einem seltamen Mischmasch von Italienisch, Französischind Deutsch auf ihn einsprach. „Ja— du kennst mich?“ schrie er deshalb. Sage mir deinen Namen!" Silvio!“ kam es lächelnd von des Jungen ippen.„Ich auch habe gekannt junge deutsche Signorina, welche Sie suchen! Ich sie haben ekannt von der„Nauplia“ und sie haben geprochen in der Rue Sankt Laurent. Haben gesehen zittern Signorinas Hand, als sie hat geschrieben Brief an deutsche Herr nach Alexandria.“ Mit weiten Augen starrte Erich Fay den jungen Italiener an. Es war ihm, als fülle sich der dunkle Korridor, in dem er mit dem Burschen stand, plötzlich mit einem verheißungsvollen Licht. Er rüttelte an Silvios Schultern.„Du weißt es also genau, daß Berena Combi und keine andere es war, mit der du in der Rue Gankt Laurent sprachst?“ „Oh— ich alles wissen ganz genau!“ nickte der Schiffsjunge.„Zweimal ist Signorina mitgefahren auf der„Nauplia“. Ist gewesen so gut und freundlich zu mir. Nie ich haben gesehen schönere Frau im Leben.“ Es klang rührend und drollig zugleich, was der junge Mensch da schwärmerisch hervorbrachte. Aber Erich Fay belächelte es nicht. Zu schnell rissen ihn seine Gedanken wieder weiter. „Bist du deiner Sache sicher, Silvio?“ fragte er noch einmal.„Bist du sicher, daß du dich nicht täuschest? Daß es nicht eine andere von den Reisenden der„Nauplia“ war. die du sprachst? Eine Madame Perino zum Beispiel, die mit jenem Armenier hier zusammenlebte, und kurz nach Webbs Tod verschwand?“ In Silvios braunem Gesicht klafften einige Sekunden lang voll Erstaunen und Abwehr die Lippen offen. „Nichts Perino!“ schrie er aufgeregt.„Nichts Perino! Andere Frau ist gewesen mit Armenier an Bord von„Nauplia“. Ist zum ersten Male gefahren, als Schiff ging verloren. Ist an Land gerettet worden von rotem Charly Atkinson, weil Fremder hat gegeben viel Geld dem roten Charly?“ „Und Verena Combi?“ „Ist gefahren mit dem„General Stone" nach Malta und von. Malta nach Tunis und von Tunis hierher mit der„Artemis“.“ „Das könnkest du beschwören, Silvio?“ „Das ich jederzeit beschwören! Und ich allen habe gesagt auf Präfektur und Gericht, daß es so gewesen. Aber alle haben nur gezuckt mit„Schultern und haben gesucht weiter auf falscher Spur.“ „Sprich nicht davon!“ schrie Erich Fay aufgebracht.„Die Wut packt mich, wenn ich daran denke, mit welcher Gleichgültigkeit man den Dingen ihren Lauf läßt! Du weißt, daß betrügerische Menschen dabei sind, ein armes Mädchen um ihr mütterliches Erbe zu bringen?“ Silvio nickte heftig.„Sie sprechen davon in allen Kneipen am Hafen. Ueberall sie sprechen davon, Herr!“ „Und du? Was denkst du, was werden wird?“ Da ging ein seltsames Leuchten über des jungen Italieners Gesicht.„Oh— ich denken, daß müssen suchen, wo steckt blonde Signorina Combi! Ich denken, daß wird festgehalten und versteckt gegen Willen von Signorina!“ Erich Fay wechselte die Farbe.„Das— denkst du? Und wie kommst du darauf?“ Ehe der junge Italiener antwortete, zog er den Fragenden, ihn am Aermel fassend, mit sich fort, hinaus auf die helle Straße. Dort standen die beiden dann dicht beieinander, und an ihnen vorbei zog das Gewimmel der mittäglichen Stunde. „Besser, wir sprechen hier!" flüsterte Silvio mit lächelnden Lippen.„Dort drinnen ist Pförtner, und man weiß nicht, wem er vielleicht hat verkauft seine Ohren.“ „Sprich!“ drängte Erich voller Hast.„Sage mir, wie du darauf kommst, daß Verena Combi „Sollen hören, Signore!“ nickte Silvio.„Ich haben Quartier in kleiner Gasse drunten am Hafen, wo wohnen meine Landsleute. Und ich jeden Tag sitzen bei Vater Muscelli, welcher hat kleine Osteria für Matrosen. Ich kennen viele Leute, welche kommen undd gehen bei Vater Muscelli. Haben offen die Augen und die Ohren, zu bekommen neue Schiffe und neue Geld. Aber nicht nur von Schiff ich haben gehört bei Vater Muscelli, sondern noch mehr, noch viel mehr. Ich auch kennen einen Herrn Fabry, mit dem ist fortgefahren Signorina Combi zu italienischer Greuze. Und ich nicht saul im Aufpassen auf Sigmoxe Fabry..“ „Silviol“ schrie Erich Fay, eine wilde Freud heiß in der Brust.„Dich hat mir der Himmel geschickt! Erzähle! Es soll dir nie mehr schlecht gehen im Leben, wenn diese Sache gut ausgeht! Was weißt du von diesem Fabry? Weißt du, daß er behauptet, Verena Combi hieße in Wirklichkeit Ginette Perino und sei eine Tänzerin aus Paris?“ Der junge Italiener machte eine abfällige Handbewegung. Seine Augen glänzten.„Ich genau wissen, warum Fabry spricht von Ginette Perino. Ich auch wissen, daß Fabry plötzlich hat Geld mehr als je zuvor. Hat bekommen dieses Geld von Armenker für Hilfe und Schweigen! Aber ich nicht nur kennen Signore Fabry— ich auch kennen jungen Mann, der ist gewesen Chauffeur auf Fahrt nach italienischer Grenze. Und alter Geiehals Fabry hatte Streit mit jungem Fahrer. Silvio hat gehört diesen Streit mit eiigenen Ohren. Will deutscher Herr mitkommen zu Vater Muscelli? Wir dort wollen sehen, wie man kann vielleicht werden gut Freund mit jungem Fahrer.“ „Auf der Stelle werde ich mit dir gehen, Silvio!“ rief Erich Fay, ohne sich zu besinnen. Aber da lächelte der junge Italiener ein viel sagendes Lächeln.„Nicht so!“ sagte er und wies auf Erich Fays Anzug und Kragen.„Nicht so gehen zu Vater Muscelli!“ Erich verstand.„Komm mit!“ sagte er. „Komm in mein Zimmer! Wir werden einen anderen Menschen aus mir machen! Mag der gute Mann in der Pförtnerloge die Augen noch so weit aufreißen!"— So kam es, daß eine halbe Skunde später zwei junge Leute das kleine Hotel verließen. die beide wie Matrosen aussahen, die Hälse frei, die Mützen schräg aus den Haaren weite Hosen flatternd um die Beine. Sie gingen miteinander über die Place Carnpt und eine Strecke weit die Rue de la République entlang, worauf sie, die Fäufte in den Taschen, in die Grande Rue einbogen und bald danach bei den Fischhallen mitten im burstesten Treiben der Italienerstadt sich befanden, deren enges, steiles Straßenlabyrinth beim Alten Hafen sich erstreckt. „Hier!“ lächelte Silvio nach einer Weile schweigenden Dahintreibens im Gewimmel schmutziger, übelriechender Gäßchen.„Hier!" Und Erich Fay sah sich plötzlich im Innern eines kleinen Schankraumes, in dem es bunt und wunderlich genug aussah. Ein kugeliges, stachelbewehrtes Seeungeheuer baumelte mit offenem Maul über einer, schmutzigen Theke. Dunkeläugige, kraushaarige tätowierte, schwatzende und trinkende Männer saßen an dunkel gebeizten Holztischen beisammen. Von irgendwoher drang eine überlaute Stimme durch das Gewirr von Stimmen, und einer, der sich als ehematigen Korporal in einem Koloniatregiment bezeichnete, erzählte grölend von angeblichen Heldentaten, die er im Feldzug gegen Abd el Krim vollbracht haben wollte. „Hier!" flüsterte Silvio jetzt noch einmal, seinen blonden Gefährten am Aermel zupfend. Gleich darauf saß Erich Fay au einem der schmierigen Tische, und„Vater Muscelli“ kam langsam hinter seiner Theke hervor, nach den Wünschen seiner Gäste zu fragen. * Weiße Wolkensetzen trieben vor dem Fenster, und im Tale unten brodelte und wogte der Nebel; er brandete herauf und sank wieder in sich zusammen, aber er wich nicht und machte aus dem engen Tal einen Kessel voll milchiger Suppe, die kein Auge durchdringen konnte. Dies war das Bild, das Verena Anderlohr jeden Morgen vor sich sah, wenn sie in ihrem kleinen kahlen Zimmer erwacht war und ans Fenster trat, und jedesmal rann ihr dabei ein Frösteln von Kälte und Einsamkeit über die Haut, und sie stand beklommen mit unwillkürlich gefalteten Händen, angespannt auf jedes Geräusch lauschend, das aus dem stillen Hause zu ihr hereindrang. Wie verhext schien es zu sein, dieses Bergnest des Monsieur d’Ortelli— eine Burg wilder Felseneinsamkeit, von harten Winden umpfiffen, und außer der dicken Magd, die Verena schon kannte, war bis jetzt nur noch ein junges Mädchen sichtbar geworden ein Hirtenkind offenbar, braunverbrannt und dunkeläugig, die zarten Rosen gesunder Jugend auf den schmalen Wangen. Vier Tage waren vergangen, seit Verena die seltsame Fahrt mit dem Herrn d'Ortelli hier herauf in die Bergwelt der Hochalpen gemacht hatte— und die vier Tage waren ihr verstrichen wie einer Gesangenen, wie einer. die man auf einsamem Eiland ausgesetzt und verlassen hat. Am Morgen nach der ersten Nacht hatte sie, achtlos auf den Frühstücksteller hingezählt ihr Gehalt für zwei Monate vorgefunden. Souft nichts. Keine Zeile. Kein Wort einer Nachricht oder Erklärung. Und von den beiden Kindern, denen sie Unterricht erteilen sollte, war erst recht nichts zu sehen. Auch Jeannette, die Magd. schien nicht zu wissen, wo die Kinder steckten. Ueberhaupt war: diese derbe Person von einer höchst seltsamen Art. Es hatte den Anschein, als wiche sie Verena aus, so gut sie konnte. Und wenn es Verena doch gelang, sie für ein paar Fragen festzuhalten, bekam die Dicke ganz angstvolle Augen und schien sich die Antworten mit vieler Mühe und vorsichtigem Nachdenken abzuquälen. Sie sorgte jedoch mit großer Pünktlichkeit für Essen und Trinken—. einfache Bergkoß gab es meist und roten Landwein dazu—, und bisweilen meinte Verena, die scheue Person hinter einem der Fenster stehen und mit großen, stillen, verwunderten Augen dem fremden Gast nachblicken zu sehen, der sich da herauf in die Unwirtlichkeit des Hochgebirges verirrt hatte. An diesem Morgen, der nebeldampfend und voll herber Kühle heraufstieg, beschloß Verena, die Magd, wenn sie das Frühstück brachte, mit besonderer Dringlichkeit auszufragen und in die Enge zu treiben. Aber gerade an diesem Morgen war es nicht Icannette, die nach dem üblichen scheuen Klopfen zur Tür hereinkam, sondern das junge Hirtenmädchen mit den dunklen Augen. Verena lächelte.„Sieh da, auch du bist so früh schon auf den Beinen?“ Das Mädchen schien sehr betroffen von dieser Frage.„Ich bin schon zwei Stunden auf!“ kächelte es endlich.„Jeannette ist heute drüben auf der Mutter=Gottes=Alm, sie wird erst am Mittag wieder da sein.“ „Wie heißt du denn, mein Kind?“ Das Mädchen machte etwas ängstliche Augen bei der freundlichen Anrede.„Sie nennen mich Myra. Ich komme von drüben.“ „Von drüben? Was heißt das?“ „Von der and ren Seite der Grenze!“ erklärte Myra.„Meine Mutter war Italiene= rin. Wir wohnten im Piemontesischen.“ „So! Und nun lebst du hier bei Herrn d’Ortelli? Als Hirtin wohl?“ „Ich bin bei dem Bauer Brunot!“ antwortete die Kleine, Verena verwundert aufblickend. „Bei dem Bauer Brunot? Wo wohnt der denn? Auch hier oben irgendwo?“ Myra stand der frische Mund offen. Sie schwieg jetzt, und ihre Stirn färbte sich rot. Es war, als sei sie zu spät einer Dummheit gewahr geworden, die sie gemacht hatte. „Guten Appetit!“ sagte sie schließlich unvermittelt und machte Anstalten, zur Tür zu laufen. Fortsetzung folgt. Verantwortlich Hauvtschrif leiter Erich Schmidt z. It. im Felde. Vertretung; Schriftleiterin Helma ron Rauchenbichler Menden; für Anzeigen: Helma von Rauchenbichler. Druck und Verlag Versagsgesellschaft v. Rauchendichler, Menden. I. Jt. ist Ain=eigenpreislifte 6 aüllt 1. 2 Zimmerwohng. oder Mansarden von ruhigem Mieter(2 Personen) in Menden sofort oder später gesucht. Angeb. u. H R 150 a. d. M. Berufstätiges Fräulein sucht zum 1. Sept. oder 1. Okt. ein möbl. Zimmer mit oder ohne Pension. Angeb. u. H S 151 a. d. M3. Badeanzug einmal benutzt, ohne Punkte abzugeben. Preis 10—12 RM. Näheres in der Geschäftsstelle Graues Stricksäckchen mit Rot auf dem Wege nach Fa. Rinker verloren. Geg. Belohn. abzug. in der Buchhdl. Mommer, Hauptstraße 25. Der Wert einer Anzeite wächst mit der Dauer ihrer Veröffentlichung Ihre Wünsche werden erfüllt durch die vielfach bewährten Kleinanzeigen in der Mendener Zeitung Zwischen Neheim und Menden im April oder Anfang Mai eine wasserdichte Wagenplane verloren. Finder erhält Belohnung. Zu melden bei Valeatin Gesang, Kohlenhandlung. Ncheim. w. T. Lichispiele, Menden Freitag— Montag Paul Hartmann Ilse Werner Hannes Stelzer Balparé Ein Karl Ritter=Film der Ufa mit Fritz Jansse Kampers, Erika v. Thellmann, Walter Janssen, K. Haack, Th. Danegger, L. Carstens. Musik: T. Mackeben— Herstellungsgruppe und Spielleitung Katl Ritter. Ein beschwingt heiterer, übermütig fröhlicher Ufa=Großfilm Karl Ritters, der die amüsanten und verliebten Ball=Abenteuer einer reizenden, kleinen Münchnerin um die Jahrhundertwende in einer mitreißenden Stimmung zu erzählen weiß! Dazu die neue Ufa-Woche. Für Jugendliche verboten! Samstag 3 Uhr: Jugendodestellung mit Kampf um den Piratenschaßz 7 nu die neue Ufa-Woche. Lichtspielhaus Bahnholstraße Freitag— Montag Casanova heiralel Ein neuer Tobis-Film Es gibt viele komische Zwischenfälle und manche lustigen Verwicklungen in dem Film, ehe unser Casanova endlich als Ehemann in den Armen seiner Braut glücklich landen kann. Ein Viktor de Kowa-Film der Tobis mit Fita Benkhoff, Irene v. Meyendorff. Lizzi Waldmüller, Karl Schönböck, Richard Romanowsky, Haus Leibelt, Günther Lüders, Paul Westermeier. Okto Gebühr, Herbert Ernst Groh Spielleitung: Viktor de Kowa Musik: Harald Böhmelt Dazu die neue Ufa-Woche. Für Jugendliche verboten! Sie brauchen nicht ins Feld zu schreiben was ganz allgemein in der geht. Das steht ja alles viel sichtlicher in der„Mendener also viel bequemer, wenn Sie Ihrem Soldaten jeden Tag durch Feldpost zu übersenden. den normalen Bezugspreis. sorgen wir kostenlos für Sie. Heimat vor sich besser und überZeitung". Es ist uns beauftragen unsere Zeitung Das kostet nur Den Versand befür dns AR