M 73. Menden und Arnsberg, Dienstag den 11. September 1883 24. Jahrgang. Westfälischer Telegraph, zugleich Amtliches Kreisblatt für den Kreis Arnsberg u# Allgemeiner Anzeiger für die Kreise Iserlohn und Arnsberg. Redaction, Druck, Verlag und Expedition von W. Riedel in Menden. Erscheinungstage: Dienstag(mit Provinzial=Correspondenz) und Freitag(mit Mendener Sonntagsblatt).— Abonnementspreis: Vierteljährlich durch Boten oder die Post bezogen 1 Mark 25 Pf., durch den Briefträger in's Haus gebracht 1 Mark 50 Pf. Insertionsgebühr: Die 5gespaltene Garmondzeile oder deren Raum 10 Pf., Reclamen 30 Pf.— Briefe franco gegen franco. Amtliche Bekanntmuchungen. Arnsbera, den 6. September 1883. Polizei=Verordnung. Auf Grund der§§ 5 und 6 des Gesetzes über die Polizeiverwaltung vom 11. März 1850 wird nach vorgängiger Berathung mit dem Magistrat nachstehende Polizei=Verordnung für den Magistratsbezirk Arnsberg erlassen: § 1. Die zur Aufnahme von menschlichen Auswurfsstoffen dienenden Gruben, Tonnen oder sonstigen Behälter sind fortan so häufig zu entleeren, daß der Inhalt derselben niemals höher steht, als einen Decimeter unterhalb der tiefsten, einen Abfluß gestattenden Stelle, mindestens jedoch halbjährlich um die Zeit des Frühlings= und Herbstanfanges. § 2. Die Entleerung und Abfuhr muß vermittelst solcher Einrichtungen erfolgen, welche die Möglichkeit der Verunreinigung der Wege, auf welchen die Abfuhr geschieht, nicht zulassen— ckr.§ 12 der hiesigen Straßenordnung. Die nächste Umgebung dieser Gruben, Tonnen oder sonstigen Behälter, muß sofort nach der Abfuhr gereinigt werden. § 3. Die Entleerung und Abfuhr darf nur in den Stunden von 10 Uhr Abends bis 4 Uhr Morgens vorgenommen werden, falls solche nicht auf pneumatischem Wege völlig geruchlos und rein ausgeführt wird. § 4. Zuwiderhandlungen werden mit einer Geldstrafe bis zu 9 Mark, im Unvermögensfalle mit entsprechender Haft bestraft. Außerdem wird die Durchführung der getroffenen Anordnungen, sowie die Beseitigung der etwa durch die Zuwiderhandlungen herbeigeführten Verunreinigungen oder Belästigungen nöthigenfalls durch Exekutivmaßregeln bewirkt. Der Bürgermeister: Löcke. * Die Vorgänge in Kroatien. Jede Reichshälfte der habsburgischen Monarchie hat ihre besondere Politik; aber die Lenker dieser Politik sind darin einig, daß sie sich gegenseitig unterstützen müssen. Dabei wäre nun allerdings nichts zu verwundern, wenn nur nicht die Gesichtspunkte, nach denen diesseits und jenseits der Leitha die Politik gemacht wird, so grundverschieden wären, wie gleich gezeigt werden soll. In Oesterreich geht offenbar ein von der Regierung begünstigter nationaler Zersetzungsprozeß vor sich. Das Deutschthum wird gewaltsam aus der altererbten, jahrhundertelang innegehabten Stellung verdrängt und die Tschechen haben Oberwasser. Zwischen beiden Nationen ist ein äußerst heftiger Kampf entbrannt, in dem das deutsche Element einstweilen den kürzeren zieht, das tschechische Element aber seiner Siege nicht froh wird; denn die so geschaffenen Verhältnisse sind zu unnatürlich, als daß sie Aussicht auf Bestand hätten. Statt der„Versöhnung“ der Nationen, wie Graf Taaffe seine Politik nennt, tritt eine weitgehende Zersplitterung der Staats= und Volkskraft ein und das für ein Völkergemisch, wie das österreichische, so außerordentlich wesentliche Zusammengehörigkeitsgefühl erleidet naturgemäß die schwersten Schädigungen. Die ungarische Regierung geht ganz anders vor. Sie hat nur eine Schablone für alle Völker und das ist die magyarische, stock=ungarische. Nach dieser werden nicht nur die kleineren Völkerschaften im Ungarlande behandelt, sondern auch die größeren sollen nach und nach ihre Nationalität aufgeben und ganz und gar Ungarn werden. Bei den Sachsen in Siebenbürgen sind die Anfänge dazu glücklich gemacht— nun wollte man auch bei den Kroaten vorgehen, anfänglich in ziemlich harmloser Weise: die ungarische Regierung ließ nämlich auf die Wappenschilder an den Amtshäusern in Kroatien neben der kroatischen Inschrift auch eine ungarische setzen. Damit aber griffen die Ungarn in ein Wespennest. In Agram und vielen anderen Städten Kroatiens rissen die empörten Volksmassen die neuen Wappenschilder herunter und die Erregung und Erbitterung dauert nicht nur an, sondern ergreift immer weitere Kreise. Die Bewegung trägt alle Anzeichen einer großen und umfassenden Erhebung an sich, in deren Hintergrund die alten Lieblingsideen der südösterreichischen Slawen— Herstellung eines südslawischen Staates — lauern. Ungarn hat 13½ Millionen Einwohner, davon sind 5½ Millionen Slawen. Außerdem sind die halb annektirten Provinzen Bosnien und Herzegowina ausschließlich von einer slawischen Bevölkerung bewohnt. Eine Auflehnung dieser Völkerschaften gegen das ungarische Regime müßte zu einer großen Krisis führen und auch das ganze Balkangebiet in Mitleidenschaft ziehen. So ganz auf die leichte Achsel sind daher die Vorgänge in Kroatien nicht zu nehmen und die Regierungen in Wien und Pest sind auch durchaus nicht geneigt, den Dingen ihren Gang zu lassen. Dagegen wächst in Kroatien die Gährung und scheint immer mehr einen revolutionären Charakter anzunehmen, da das Landvolk theilweise schon mit Steuerverweigerungen gedroht hat. In Folge dessen hat der Kaiser auf Vorschlag der ungarischen Regierung die Ernennung eines Diktators für Kroatien gutgeheißen, der in den nächsten Tagen entsendet werden soll, um zunächst die neuen Wappenschilder wieder anzubringen, und damit die Autorität der ungarischen Regierung festzustellen. Auf die Entwickelung dieser Angelegenheit darf man gespannt sein. Daß sie unblutig verlaufen werde, ist kaum zu hoffen. Deutschland. Ueber die Ergebnisse der Zusammenkunft des Fürsten Bismarck und des Grafen Kalnoky verlautet zwar nichts Bestimmtes, die offiziöse Versicherung ist aber glaubhaft, daß die Besprechung keine neue Lage geschaffen, die bisherige aber und besonders das gute Einvernehmen zwischen Deutschland und Oesterreich= Ungarn gekräftigt und befestigt hat.— Der Rechnungsabschluß des Reichshaushalts für das mit Ostern d. J. abgelaufene Etatsjahr 1882/83 ist ein günstiger. Er schließt mit einem Ueberschuß von 15,743,468 M. ab, welcher theils aus Mehrergebnissen der Zölle und Steuern, theils durch Ersparnisse(besonders beim Militair=Etat) resultirt.— Der bayrische Landtag ist zum 28. d. einberusen worden.— In München ist am Dienstag der Kongreß für Völkerrecht zusammengetreten. Die Berathungen erfolgten unter Ausschluß der Oeffentlichkeit, die Vertreter der Presse wurden zurückgewiesen.— Von Schwerin aus werden jetzt in der bündigsten Weise die Mittheilungen der„Köln. Ztg.“ über ein pietätloses Benehmen der Prinzen von Orleans gegen ihre mecklenburgischen Verwandten als pure Erfindung bezeichnet. Die Prinzen haben auf die Benachrichtigung von dem Tode des Großherzogs in der liebevollsten Weise geantwortet und gerade ihre verwandtschaftlichen Beziehungen stark betont. Unwahr ist auch die Behauptung der„Köln. Ztg.“, die Mutter der Prinzen sei vom mecklenburgischen Hofe mit Geld unterstützt worden.— Der Patriarch von Jerusalem hatte s. Z. dem Abgeordneten Windthorst das„Großkreuz vom heiligen Grabe“ verliehen. Die„Schles. Volksztg.“ weiß zu melden, daß der preußische Minister des Innern die Erlaubniß zum Tragen dieses Ordens dem genannten Abgeordneten verweigert hat.— Der deutsche Gesandte am chinesischen Hofe, Herr v. Brandt, der sich zur Zeit auf Urlaub befindet, wird sich angesichts der drohenden Verwickelungen zwischen Frankreich und China auf seinen Posten zurückbegeben.— Im Reichstagswahlkreise Liebenwerda=Torgau erhielt der liberale Candidat Dr. HorwitzBerlin eine bedeutende Majorität.— Der Termin für die Neuwahlen der mit 1. Januar k. J. aufgelösten Berliner Stadtverordneten=Versammlung ist auf den 18., 19. und 20. October festgesetzt. Die Wahlbewegung ist bereits in vollem Gange und fast noch lebhafter als bei den Reichstagswahlen. Oesterreich. Am Mittwoch=Mittag wurde in Laxenburg die jüngst geborene Tochter des österreichischen Kronprinzenpaares getauft. Sie erhielt die Namen Elisabetb Maria Henriette Stephanie Gisela.— Aus Anlaß des freudigen Familienereignisses hat der Kaiser eine Amnestie erlassen, die sich nicht nur auf politische, sondern auch auf berücksichtigenswerthe Fälle der gemeinen Vergehen und Verbrechen erstreckt.— Von den Theilnehmern der jüngst in Wien stattgehabten Arbeiterrevolte wurden am Mittwoch einer zu vierjährigem, ein anderer zu achtmonatlichem schweren Kerker, 14 zu Arreststrafen von 4 Tagen bis zu 3 Monaten verurtheilt, fünf wurden freigesprochen.— Aus Ungarn und Kroatien kommen fortgesetzt Meldungen über allerlei Ausschreitungen antisemitischen resp. anti=ungarischen Charakters. — Der in Agram eingetroffene, mit außerordentlichen Vollmachten ausgestattete Feldzeugmeister von Ramberg verfügt über eine genügende Anzahl von Truppen, um jeden ferneren Aufstandsversuch der Kroaten niederzuhalten, und man hofft in Wien, daß es ihm auch gelingen werde, die Gemüther wieder zu beruhigen.— In dem Wiener Vororte Fünfhaus hat wiederum ein Arbeiterkrawall stattgefunden, weil die Polizei eine Versammlung verboten hatte. Die Polizeibeamten wurden mit Steinen beworfen, mehrere wurden verletzt. Es fanden mehrfache Verhaftungen statt.— In Wien heißt es, der große Brand der Holzplätze in der Roßau sei angestiftet worden.— Der neuernannte Commissar von Kroatien, Baron v. Ramberg, hat eine Proclamation erlassen, in welcher er es als seine erste Aufgabe bezeichnet, die Ruhe wiederherzustellen. Er warnt davor, den Gerüchten Glauben zu schenken, nach denen die kroatische Sprache und Verfassung von Ungarn her gefährdet würden. Italien. Frankreich verscherzt sich immer mehr die wenigen Die Eruptionen auf Java. Ueber New=York erhalten wir die ersten ausführlichen Nachrichten in Betreff der surchtbaren vulkanischen Ausbrüche auf Java, und man wird aus denselben ersehen, daß die bisherigen kurzen Darstellungen weit hinter der Wirklichkeit zuruckgeblieben sind. Der„Daily News“ wird aus NeooYork vom 2. September telegraphirt: Die Störungen begannen auf der Insel Krakatoa am Sonnabend, 25. August, als tiefes Gerumpel deutlich in Surakasta und Batavia zu vernehmen war. Man zeigte sich zuerst wenig erschreckt, allein nach einigen Stunden begannen Steinregen zu fallen, und während der ganzen Nacht gingen Massen roth glühender Steine und Asche nieder. Am Morgen war jeder Verkehr mit Anjer an der Sundastraße unterbrochen, die Brücken waren zerstört und die Wege unpassirbar. Die Störungen erstreckten sich bis unter die Sundastraße; das Wasser kochte und zischte heftig und große Wogen schlugen an die Küste Javas. Die Temperatur des Seewassers stieg um 20 Grad und mehr als 700 km entfernt, bei Madura wurden die Wogen zu wilden schäumenden Bergen aufgepeitscht. Das Gerumpel wurde allmälig deutlicher und zu Mittag stiegen aus dem größten Vulkan Maha Meru beängstigende Flammen auf. Die Eruptionen verbreiteten sich bald über den Gunung Guntor und viele andere kleine Berge, dis mehr als ein Drittel der 45 Krater von Java mehr oder weniger in Thätigkeit waren oder Ausbrüche drohten. Unmittelbar vor dem Dunketwerden bildete sich über dem Gunung Guntor eine helle Wolke, und der Vulkan begann enorme Ströme weißen, schwefeligen Schlammes und Lava auszuwerfen, dem schnell Explosionen, verbunden mit furchtbaren Massen Asche und kolossalen Felsstücken folgten, welche letzteren hoch in die Luft und weithin geschleudert wurden, Tod und Verderben bringend. Gleichzeitig mit diesen fürchterlichen Eruptionen gerieth das Meer in Bewegung. Die Wolken waren so mit Electrizität geladen, daß man in einem Augenblick und zu gleicher Zeit mehr als 50 große Wasserhosen sah. Männer, Frauen und Kinder stürzten aus ihren schwankenden Häusern und füllten die Luft mit Hülserufen. Hunderte von Menschen wurden durch die niederstürzenden Massen Schlamm und Felsstücke begraben. Am SonntagMorgen wurden die Erdstöße und Eruptionen heftiger und es schien, als wenn die Insel ins Meer versinken würde. Zu gleicher Zeit schlugen enorme Wasserwogen mit größerer Macht an die Ufer und gelangten bisweilen weit in das Innere der Insel. An einigen Stellen öffnete sich die Erde weit und drohte Menschen und Häuser zu verschlingen. Um Mitternacht fanden die fürchterlichsten Scenen statt. Es ernob sich, ähnlich derjenigen über Gunung Guntor, aber viel größer, eine helle Wolke über dem Kandang Höhenzuge, welcher den Südosten der Insel umsäumt. Diese Wolke vergrößerte sich, bis sie die Form eines mächtigen, zum Theil blutig=rothen, zum Theil weißlich=grauen Baldachins annahm. Während dieser Zeit wurden die Eruptionen immer heftiger und Ströme Lava ergossen sich ununterbrochen nach allen Seiten in die Thäler, alles vernichtend. Am MontagMorgen um 2 Uhr theilte sich diese große Wolke plötzlich in kleinere Theile und verschwand, und als es Tag wurde, sah man, daß ein enormes Stück Land, vom Kap Capuzin im Süden bis Negery Passoerong im Nordwesten, also etwa 50 englische Quadratmeilen, verschwunden war! Hier lagen die Dörfer Negery und Negery Babawang. Kein einziger von den Einwohnern derselben ist entkommen. Da aber dieser Theil der Insel weniger bevölkert war, als die anderen Theile, ist der Verlust an Menschenleben verhältnißmäßig klein, d. h. es sind 15,000 Menschen umgekommen! Die ganze Reihe der Kandangberge, welche in einem Halbkreis von 90 km die Küste begrenzten, ist verschwunden. Die Gewässer der Welcome=Bay in der Sundastraße und die Pepper=Bay im Osten, sowie der indische Ocean im Süden waren eingedrungen und hatten eine lebhaft bewegte See gebildet. Montag=Nacht war der Vulkan Papandayang in heftiger Thätigkeit und die Detonationen wurden meilenweit gehört. In Sumatra sah man drei verschiedene Feuersäulen von einem Berge zu gewaltiger Höhe aufsteigen, und die ganze Oberfläche war bald bedeckt mit großen und wilden Lavaströmen, welche sich weithin und nach allen Seiten verbreiteten. Meilenweit fielen Steine nieder und eine schwarze Masse verursachte vollständige Dunkelheit. Ein Wirbelwind begleitete diese Eruption und Dächer, Bäume, Menschen und Pferde wurden in die Lüfte gehoben. Sölche Massen Asche fielen nieder, daß der Boden und die Hausdächer selbst in Denamo verschiedene Zoll hoch bedeckt waren. Plötzlich veränderte sich die Scene. Der Berg spaltete sich ohne ein vorhergehendes Zeichen in sieben Theile, und wo kurz vorher der Papandayang gestanden hatte, befanden sich sieben getrennte Gipfel, in deren Spalten man große Mengen einer geschmolzenen Masse wahrnehmen konnte. Aus den Rissen drangen Dampfwolken und schwarze Lava hervor, welche in ununterbrochenen Strömen langsam die Abhänge des Berges hinabrann, wobei sich Lavalager von 200 bis 300 Fuß Breite bildeten. Einer der seltsamsten Zwischenfälle ereignete sich jedoch am DienstagVormittag, als vierzehn neue Vulkane in der Sundastraße entstanden, welche zwischen Kap St. Nicholas auf der Küste von Java und Hoga an der Küste von Sumatra in grader Linie eine vollständige Bergkette bildeten und zwar auf der selben Stelle, wo die Tags vorher ins Meer gesunkener Merak= und Middle=Inseln gestanden hatten. In Batavie 1 n r d h * 9 n 03 Sympathien, die es noch besitzt. So meldet eine Depesche aus Rom, daß das Central=Comité in Neapel für die Opfer von Ischia jede weitere Unterstützung aus Frankreich in Folge mehrerer Aufsehen erregender, für den König Humber: beleidigender Artikel Heuri Rocheforts(in dessen„Intransigeant") zurückweisen wird. Das Comité hält die französischen Unterstützungen für demüthigend. Die italienische Presse tadelt allgemein diesen Beschluß und ist der zutreffenden Meinung, daß Rochefort nicht Frankreich vertrete.— Der bekannte spanische Thronprätendent Don Carlos ist von der Leichenfeier in Görz wieder in Venedig eingetroffen, wo er einstweilen seinen Wohnsitz anfgeschlagen hat. Die französischen Royalisten statteten demselben keinen Besuch ab. Don Carlos richtete ein Schreiben an den Führer seiner Partei in Spanien, in welchem er erklärte, Spanien gehöre ihm und werde ihm stets gehören. Frankreich. Die Einigkeit der royalistischen Parteien in Frankreich scheint durch das schroffe Auftreten der Gräfin Chambord gegen den Grafen von Paris befestigt worden zu sein. Die Gräfin hatte bestimmt, daß dem bekannten Don Carlos die erste Stelle bei der Leichenfeier Chambords eingeräumt wurde, wodurch sich der„Thronerbe“, Graf von Paris, schwer gekränkt fühlte. Man vermuthet aus dem Verhalten der Gräfin, daß der verstorbene„Roy“ testamentarisch den Sohn des Don Carlos zu seinem„Thronfolger“ ernannt habe und daß diese Bestimmung noch geheim gehalten werde, bis der kleine Prinz zum Mann herangewachsen sei. Die französischen Royalisten aber sind fest entschlossen, am Grafen von Paris festzuhalten. Ob die französische Regierung unter so bewandten Umständen Maßregeln gegen den jetzt einzigen Königsthron=Anwärter und dessen Familie ergreifen wird, weiß man noch nicht.— Eine amtliche Bestätigung von dem Einrücken chinesischer Truppen in Tonkin ist zwar bisher in Paris noch nicht eingetroffen, doch betrachtet man daselbst die Lage der Dinge sehr ernst und hält einen Krieg fast für unvermeidlich.— Könia Alfons ist bei seiner Ankunft in Paris von der dortigen Presse sehr gefeiert worden und hatte sich auch seitens der offiziellen Kreise großer Zuvorkommenheit zu erfreuen. Der König kommt nach Deutschland, und man erzeigte ihm in Paris große Artigkeiten, wahrscheinlich um ihn von einem engen Anschluß an die deutsche Friedenspolitik abzubringen. Hätten die spanischen Revolutionaire Glück gehabt, dann würde der Empfang des Königs wol frostiger ausgefallen sein. England. Wie die Blätter melden, wird die englische Armee in Aegypten im Laufe des October und November wahrscheinlich bis auf 3000 Mann vermindert werden. Ein Bataillon soll in Kairo, die übrigen in Alexandrien bleiben. Es werden Vorbereitungen getroffen, um nöthigenfalls 2000 Mann nach Oberägypten(Sudan) zu senden. Die englischen Truppen werden ihre früheren Quartiere im Laufe der Woche wieder beziehen.— Abermals ist ein Agrarverbrechen verübt worden. Auf einem Gute, unweit von New Roß, wurde laut einer Meldung aus Dublin der Versuch gemacht, vierzig Erndte=Arbeiter zu vergiften, weil dieselben sich geweigert hatten, ihren Arbeitgeber bei seinen Erndte=Arbeiten im Stiche zu lassen. Zwei sind bis jetzt gestorben, sechsunddreißig schwer erkrankt.— Parnell. der Führer der irischen Agrarpartei, tritt in neuerer Zeit sehr gemäßigt auf und man munkelt sogar von einem Einverständniß zwischen ihm und Gladstone. Man will sogar wissen, letzterer lasse einen Gesetzentwurf ausarbeiten, durch welchen Irland ein wurde eine an der Küste liegende und von Chinesen bewohnte Häuserreihe vollständig zerstört. Von den 25,000 Chinesen, welche auf der sumpfigen Ebene lebten, dürften kaum 5000 ihr Leben gerettet haben. Sie blieben in ihren Häusern, bis die Wogen sie fortrissen: sie hatten die Flammen und die Lavaströme mehr gefürchtet, als die Wasserströme. Von den 3500 Europäern und Amerikanern in der Provinz Batavia sind 800 in Anjer umgekommen. Das europäische Quartier wurde zuerst durch den Krater mit Felsstücken, Schlamm und Lava überschüttet und dann kamen die Wassermassen, welche die Ruinen fortschwemmten, so daß keine Spur von dem früheren Orte nachblieb. Es kamen dabei 200 Personen ums Leben. Bantam wurde vollständig mit Wasser bedeckt, und man glaubt, daß dort 1200—1500 Menschen umgekommen sind. Die Insel Serang wurde vollständig überschwemmt und kein einziger Mensch konnte sich retten. In Cherivon that zwar die Fluth keinen Schaden, aber die Lava und fallenden Felsstücke sollen große Verluste an Menschenleben und Eigenthum verursacht haben. Birtin Zong hat schwer gelitten, ebenso Samarang, Djokjakasta, Surakasta und Surabaja. Die 1000 Tempel zu Brambaman wurden schwer geschädigt und einige zerstört. Der Dom des berühmten Tempels von Borobado wurde eingeschlagen. Die Stadt Tamerang wurde durch Lava fortgeschwemmt und die Hälfte der Bevölkerung, also 1800, meist Javanesen, kam ums Leben. In Speezwyk setzten die glühendrothen Felsstücke die Häuser in Flammen und vernichteten alle bevölkerten Theile der Stadt, ebenso 10 Bazars der Europäer. Der Fluß Jacatana, an welchem Batavia liegt, wurde durch die LavaFelsstücke so abgedämmt, daß er seinen Laus änderte und die Bastionen bedrohte. Figelenking wurde vollständig zerstört und eine Menge Menschen getödtet. Die Insel Onius, 7 km von der Mündung des Torgerengflusses und 30 km östlich von Batavia wurde vollständig überschwemmt und das schwimmende Dock zerstört. Die Baby= und Cherivon=Inseln verloren einige Häuser und deren Einwohner. In Batavia wurde das Dach des Gouverneurhauses durch eine Menge Schlamm eingedrückt und drei Diener getödtet. Die Insel Midah, 15 km von der Küste Javas, wurde fast ganz verschlungen. Die Städte Anjer, Tjiringine und Telokbelong sind zerstört. Angefähr 900 Einwohner der Stadt Waronge sind getödtet und bei Talatoa hat man an der Küste 300 Leichen gesunden. Man glaubt, daß der Gesammtverlust sich auf 75,000 Menschenleben beläuft. Auf den Niederungen von Batavia, von denen die Gewässer sich zurückgezogen haben, liegen Hunderte von zerschmetterten und verstümmelten Leichen. eigenes Parlament bekommen soll. Die unabhängige Presse, vor allem die„Times“, sprechen sich sehr lebhaft gegen die Unabhängigkeit Irlands aus. Rußland. Die russische Regierung findet es für nothwendig, ihre Truppen in den an China grenzenden Theilen Sibiriens zu verstärken. Da der Seeweg durch den Suezkanal um Indien und China herum der bequemere ist, Truppentransporte aber möglicherweise zu Ungelegenheiten mit den Aufsichtsbehörden des Suezkanals führen könnten, so sind die Soldaten als„Arrestanten" bezeichnet, die man nach Ostsibirien verbannt.— Im südlichen Rußland siedeln sich jetzt zahlreiche Irländer an. Eine irische Gesellschaft von 3000 Personen, mit reichlichem Kapital ausgestattet, hat große Landeinkäufe daselbst vorgenommen. Bulgarien. Der junge Fürst Alexander macht seinem Volke in einem Manifest bekannt, daß er, um einen dauerhaften Stand der Dinge herzustellen, die Einsetzung einer Kommission beschlossen habe, die unter Mitwirkung der Minister eine neue Verfassung ausarbeiten und dieselbe dann der Berathung einer zu dem Ende zu berufenden, besonderen Landesversammlung unterbreiten soll. Mit der von Rußland dem Lande gegebenen„freien“ Verfassung scheint sich's also nicht regieren zu lassen. Türkei. Die Feststellung der montenegrinischen Grenze ist eine der schwierigsten Fragen gewesen, welche der Berliner Vertrag der directen Regelung überließ. Nach höchst mühsamen Unterhandlungen, die noch verwickelter wurden durch den aufrührerischen Geist der Grenzbevölkerung, welche jeder Einmischung in ihre Angelegenheiten widersprach und niemals ihre Lehnspflicht gegen die Pforte klar anerkannt hat, während das muselmännische Element sich dagegen sträubte, unter christliche Behörden gestellt zu werden, ist die Angelegenheit endlich friedlich ausgeglichen. Während der Anwesenheit des Fürsten von Montenegro in Constantinopel wurden die bezüglichen Verträge abgeschlossen. Aegypten. Während in den letzten acht Tagen in Unterägypten gar keine Choleratodesfälle mehr vorgekommen, ist die Seuche glücklicherweise nun auch in Oberägypten dem Erlöschen nahe. Die Zahl der täglichen Todesfälle wird immer geringer. WesttälischMünster. Unserm Mitbürger Herrn Bernard H der bekanntlich zu Anfang dieses Jahres sein 50jähriges Jubiläum als Dom=Organist beging, wurde am 5. d. M. noch eine ganz besondere Auszeichnung von Sr. Majestät dem Könige und Kaiser zu Theil. In Anerkennung der vielen Verdienste, die sich der Jubilar sowol als Dirigent wie als Componist in seiner langjährigen verdienstvollen musikalischen Wirksamkeit erworben, ist demselben das Prädikat „Königlicher Musik=Director“ verliehen worden. Herr OberBürgermeister Scheffer=Boichorst überreichte persönlich dem Herrn Musik=Director das hierauf bezügliche Diplom. Bielefeld. Pastor v. Bodelschwinah. der Gründer von Wilhelmsdorf, hat, laut der„Rhein.=Westf. Post", die Vorstände und Leiter aller ähnlichen Unternehmungen in Deutschland— Vagabunden= und Arbeiter=Kolonien— auf den 16. October zu einer Versammlung nach Hannover eingeladen. Im Anschluß an dieselbe sollen Wilhelmsdorf und Kästorf bei Gifhorn besucht werden. Soest. Freude war in Trojas Hallen! Diese Worte treffen für den Augenblick auch für Soest zu; denn die Nachricht von Herford, daß hinsichtlich der Verlegung des hiesigen Bataillons dahin in Berlin ein anderer Beschluß gefaßt worden sei, und den man nur günstig für Soest zu deuten glaubt, hat hier Viele aufs Freudigste erregt. Freilich ist der hiesige Magistrat dem Militair=Fiskus insoweit entgegen gekommen, daß er zu dem Bau der Kasernements 2c. die nöthigen Mittel bewilligt, aber die Schießplatzfrage, dieser für Soest so gordische Knoten, ist damit noch nicht gelöst, und wie diese Angelegenheit auslaufen wird, darauf ist man hier allenthalben gespannt. Schließlich wird man aber doch in den sauren Apfel beißen und auch dieses Hinderniß aus dem Wege räumen— mag dieses auch noch ein schönes Sümmchen kosten. Soest. Vielen wird es neu sein, zu hören, daß seiner Zeit ein Enkel des Reformators Martin Luther als Kaufmann sein Geschäft in Soest betrieb. Es war dies Martin Luther, der Sohn des ältesten Sohnes Dr. Martin Luthers, welcher 1526 in Wittenberg geboren, Jura studirte, Kanzlist am sächsischen Hofe wurde und 1575 in Königsberg starb. Dem hiesigen Martin Luther wurde im Jahre 1608 ein Sohn geboren, welcher Theologie studirte. Dieser wurde 1649 Hauptpastor in Brecklum in Holstein, wo er 1685, 75 Jahre alt, starb. Elberfeld. In einem größeren Restaurant Elberfelds hat am Dienstag eine Explosion— man vermuthet durch Dynamit— stattgefunden.— Außer einem Kellner, welcher einige leichte Verletzungen durch Glassplitter davontrug, sind glücklicherweise Menschen dabei nicht zu Schaden gekommen. Nach dem Verüber dieses Bubenstücks wird eifrigst geforscht. Düsseldorf. Die Baumwollenspinnerei von Herzfeld & Metz hierselbst ist am Morgen des 4. September vollständig niedergebrannt und leider dabei ein braver Feuerwehrmann ums Leben gekommen. Buir. Am 5. September, Morgens 2 Uhr 25 Min., beobachtete man hier unterirdisches Rollen mit folgendem Erdstoß, der die Häuser erzittern machte. Deßgleichen schreibt man aus Heerdt: In der Nacht vom 4. bis 5. September, Morgens 2 Uhr 23 Min., wurde hier ein ziemlich heftiges Erdbeben beobachtet, welches von starkem Rollen begleitet war. Dasselbe dauerte etwa drei Secunden und schien die Bewegung von Süden nach Norden zu haben, gegen 3 Uhr folgte eine minder heftige Bewegung. Ferner aus Düsseldorf: Diese Nacht, 23 Min. nach 2 Uhr, fand hier eine ziemlich starkes Erdbeben statt; Gläser und Waschschüsseln schlugen auf dem Waschtisch gegeneinander. Und aus Walderheim: Heute Nacht wurden hier zwei Erdstöße wahrgenommen. Der erste, zwei Secunden dauernd und von ziemlicher Heftigkeit, fand um 2 Uhr 30 Min. hiesiger Zeit statt. Er glich einer starken Drehung von Ost nach West und zurück. Um 3 Uhr 3 Min. folgte ein zweiter Stoß von nur einer Secunde Dauer und in der Richtung von Westen nach Osten. Er war weit schwächer als der erste und gleichfalls eine Drehbewegung. Wesel. Die Entlassung der diesjährigen Reserve bei den Infanterie=Regimentern Nr. 56 und 57 findet am 15. und 16. September statt, die der Artillerie einige Tage später. Den Schluß des Manövers der beiden genannten Regimenter bildet ein Angriff auf die hiesige Festung, wobei der Commandant, Herr Oberst Hartort, die einzelnen Dispositionen treffen wird. Dieser Festungskampf findet höchst wahrscheinlich am 14. September statt und wird zu einem interessanten militairischen Schauspiel Anlaß geben. Tanten. Das hiesige Schöffengericht verurtheilte einen Tagelöhner, der bei einem Brande gaffend umberstand und Hilfeleistung verweigerte, zu 10 Mark event. 2 Tage Haft. (Die Polizeimannschaften wie die mit polizeilichen Functionen versehenen Führer der Feuerwehr haben, was noch nicht allgemein bekannt zu sein scheint, bei Bränden das Recht, die Zuschauer zur Hilfeleistung heranzuziehen. Verweigern letztere diese Hilfe, so sind sie strafbar.) den Kreisen Iserlohn— Arusberg. Menden, 10. Sept. Donnerstag den 6. September, Abends gegen 6 Uhr, traf der hochwürdigste Herr Bischof Dr. Franz Kaspar Drobe, von Iserlohn kommend, über Westig und Hemer— in dessen Pastorat unsere städtische Begrüßungs=Deputation von ihm freundlichst empfangen wurde — in seiner Vaterstadt ein. Der Einzug glich einem Triumphzuge, wie ihn Menden wol noch nicht gesehen. Wol haben wir aus manchen Orten, wo der hohe Herr das h. Sakrament der Firmung gespendet, von einer stattlichen Reihe von Wagen gelesen, die ihn abgeholt haben; aber daß derselbe, wie hier, in Begleitung von 48 Wagen seinen Einzug gehalten, steht wol bis jetzt unübertroffen da. Was die Dekoration der Stadt angeht, so erinnern wir uns nicht, Menden jemals in solchem Schmucke gesehen zu haben. Nicht blos die Hauptstraßen waren und sind auf das geschmackvollste verziert, nicht einmal ein Winkelchen, und wäre es noch so abgelegen, ist aufzufinden, das nicht seinen Festschmuck aufzuweisen hätte. Die Glanzpunkte der Dekoration bilden aber unstreitig der Weg von der Kirche zur Pastorat, wo zwei lange Reihen von großen und mächtigen Tannen, die mit Fahnen und Guirlanden gar herrlich geschmückt sind, das Auge des Beschauers fesseln; dann die Hauptstraße und die beiden Ehrenpforten auf dem Marktplatze und vor dem kath. Gesellenhause. Unter dem Geläute der Glocken gelangte der hochwürdigste Herr auf dem Marktplatze an. Dort wurde derselbe vom Herrn Pfarrer Röver mit einer warmen und herzlichen Ansprache und von weißgekleideten Mädchen mit sinnigen Gedichten begrüßt. Der hohe Herr wurde davon sichtlich ergriffen und gerührt, wie die Nahestehenden deutlich wahrzunehmen vermochten. In Begleitung einer zahlreichen Volksmenge begab sich der hochwürdigste Herr Bischof zur Kirche, wo er den bischöflichen Segen ertheilte. Am andern Morgen wurden die Firmlinge der Schulgemeinden Werringsen und Schwitten gefirmt, deren Zahl 410 betrug. Samstag=Morgen hatten sich die obere Knaben= und Mädchenschule des Besuches Sr. Bischöfl. Gnaden zu erfreuen. Die für den Nachmittag dieses Tages projektirte Rundfahrt durch die Stadt mußte wegen des eingetretenen Regenwetters leider unterbleiben. Am Sonntag um 9 Uhr war feierliches Pontifikalamt, wobei der kräftige und wohlklingende Gesang des hohen Celebranten alle Anwesenden auf das angenehmste überraschte. Wie in der Festpredigt hervorgehoben wurde, hatte der hohe Herr vor 52 Jahren gerade an demselben Festtage sein erstes Hochamt in seiner Pfarrkirche gehalten. Heute werden die Firmlinge von Lendringsen und Halingen, Dienstag die von Sümmern und Fröndenberg, Donnerstag die von Holzen und die ältesten Jahrgänge von Menden, Freitag die mittleren und Montag die drei jüngsten Jahrgänge von Menden gefirmt. Den Schluß machen Dienstag den 18. September die Firmlinge der Gemeinde Hemer. Hohenlimburg. Am Mittwoch den 12. d. M., Nachmittags 3 Uhr anfangend, findet in Letmathe die monatliche Conferenz der evangelischen Lehrer der Aemter HohenlimburgErgste statt. Da diese Couferenz die letzte vor dem am 3. und 4. October in Lüdenscheid stattfindenden Gesangfeste ist, so wird die Theilnahme hoffentlich eine recht große sein, damit die für das Fest ausgewählten Chöre noch tüchtig durchgeübt werden können. Außer einigen Partituren wurden von Lüdenscheid auch mehrere Lutherlieder eingeschickt, die dem schon festgestellten Programme noch nachträglich eingefügt werden sollen; dieselben bedürfen demnach noch eines eingehenden Studiums. Bleibe deßhalb kein Mitglied der Conferenz fern; Jeder, dem die edle Gabe des Gesanges verliehen, betheilige sich an den Uebungen, um später zum Gelingen des gesanglichen Theiles des beliebten Lehrerfestes beitragen zu können. Hüsten. Das diesjährige Thierschaufest findet hierselbst am 24. September statt, und zwar in Verbindung mit einer Geflügel=, Obst= und Gemüse=Ausstellung, einer Verlosung von Vieh und landwirthschaftlichen Geräthen und Pferderennen. Arnsbera. Am 6. d. M. fand im Knothe'schen Saale unter dem Vorsitze des Herrn Kreisschulinspektors Schürholz und unter Betheiligung vieler geistlicher Localschulinspektoren die Kreisconferenz für die katholischen Lehrer und Lehrerinnen des Kreises Arnsberg statt. Nach Begrüßung der Anwesenden durch den Herrn Kreisschulinspektor und nach dem darauf folgenden Vortrage mehrerer kirchlicher Compositionen für gemischten Chor kamen: der Handarbeitsunterricht in der Volksschule, der Gesangunterricht nach der Ziffernmethode von Cheré und die erziehliche Aufgabe der Volksschule zur Verhandlung. Beim gemeinschaftlichen Mittagsmahle wurden die Versammelten durch den Vortrag weltlicher Volkslieder in die heiterste Stimmung versetzt. Von den mannigfachen Toasten verdient außer dem Hoch auf Seine Majestät den Kaiser Wilhelm der Trinkspruch auf den Herrn Kreisschulinspektor Schürholz erwähnt zu werden. Derselbe, ausgebracht vom Herrn Ehrendomherrn Propst Kroll, endigte in einem begeisterten mehrstimmigen„Lebehoch“, welches zur allgemeinen Freude bewies, wie sehr die Herzen aller Anwesenden dem allgemein geachteten Vorgesetzten in reiner Liebe entgegenschlagen.— Ein Jeder wanderte am Abend mit dem Bewußtsein, einen angenehmen Conferenztag verlebt zu haben, der Heimath zu. Arnsvera. Die kommissarische Verwaltung des durch die Pensionirung des zwischenzeitig beurlaubten Kammerherrn Freiherrn von Lilien demnächst zur Erledigung kommenden Landrathamtes im Kreise Arnsberg ist zufolge Bestimmung des Herrn Ministers des Innern dem Landrath Freusberg in Olpe übertragen, und wird derselbe demnächst in sein neues Amt eingeführt werden. Arnsberg. Im Bezirke der Kaiserlichen Ober=Postdirection hierselbst sind folgende Personal=Veränderungen eingetreten. Versetzt sind: der Ober=Postdirectionssecretair Schlister von Arnsberg nach Essen, der Postsecretair Faulhaber von Frankfurt a. M. nach Arnsberg, der Postverwalter Müller von Westhofen nach Blankenstein und Hupp gen. Heltmann von Erndtebrück nach Rüthen, sowie der Postassistent Wagner von Witten nach Siegen. Angestellt sind: die Postassistenten Besse in Castrop und Kineke in Brackel als Postverwalter. In den Ruhestand treten: die Postverwalter Hesse in Wickede (Ruhr) und vom Schemm in Brügge(Bahnhof). Arnsberg. Daß die Eltern verpflichtet sind, unter allen Umständen dafür zu sorgen, daß auch ihre widerspenstigen Kinder die Schule besuchen, scheint manchen Vätern nicht klar zu sein. Es möge daher auf Nachstehendes hingewiesen werden. Nach§ 43, Theil II., Titel 12 des allgemeinen Landrechts, der Allerhöchsten Kabinetsordre vom 14. Mai 1825(Ges.=S. S. 149) und Artikel 1 der Verfassungsurkunde vom 21. Januar 1850(Ges.=S. S. 17) sind die Eltern, welche den nöthigen Unterricht nicht im Hause besorgen können, verpflichtet, ihre Kinder zur Schule zu senden und straffällig, wenn sie dieser ihnen obliegenden Verpflichtung nicht nach kommen. Dieser Pflicht müssen die Eltern auch in dem Falle genügen, wenn sie solche widerspenstigen Kinder haben, die sich auf jede mögliche Weise vom Schulbesuch zu drücken suchen. Ihre Aufgabe ist es daher, diese Kinder event. selbst in die Schule zu führen. Unterlassen Eltern dies, so sind sie wegen der Schulversäumniß des Kindes in jedem Falle strafbar, da das Gesetz von den Eltern die nöthige Autorität verlangt, den Schulbesuch der Kinder auf die eine oder andere Weise zu erzwingen. Die zwangsweise Sistirung durch die Polizei soll, worauf höheren Orts wiederholt aufmerksam gemacht worden, nur selten und nur als Ausnahmeregel angewendet werden, welche auf die übrigen Kinder abschreckend wirken soll. Allerlei. Berlin. Kaiserin Augusta hat in einem an den Minister der öffentlichen Arbeiten gerichteten Telegramm ihre besondere tiefe Theilnahme an dem Unglück, welches sich auf dem Bahnhof Steglitz ereignete, ausdrücken lassen und dem Vaterländischen Frauen=Verein in Berlin tausend Mark zur geeigneten Vertheilung für die hülfsbedürftigen Hinterbliebenen der Opfer der Katastrophe überwiesen. Als hülfsbedürftig werden eine Wittwe, zwei Mütter und acht Waisen bezeichnet. * In Berlin fand am 6. d., Nachmittags 4 Uhr, von der Anatomie in der Louisenstraße aus die Beerdigung von 13 Opfern des Eisenbahnunglücks in Steglitz statt. Eine nach Tausenden zählende Menge stand Kopf an Kopf zu beiden Seiten des endlos langen Weges bis zum Friedhofe vor dem Halle'schen Thore. Ein imposanter Leichenzug, wie ihn Berlin seit erdenklicher Zeit nicht gesehen hat, gab den Leichen der Verunglückten das Geleite. Ein Trommler= und ein Musikcorps eröffneten den Zug. Dann folgten die Schützengilden mit ihren Fahnen, dann in Gruppen von je vier, stets gefolgt von Leidtragenden zu Fuß, zwölf offene Leichenwagen mit reich bekränzten Särgen. Einer der Wagen führte zwei Särge. Hinter den Leichenwagen schritten die Mitglieder der Fabriken u. s. w., denen einzelne derselben angehört hatten, namentlich die Fabrik von Ludwig Löwe unter Vorauftragung des trauerumflorten Banners. Marschälle leiteten diesen Theil des Zuges. Eine endlose Wagenreihe beschloß denselben. Unter Grabgesängen, Rede und Gebet des Geistlichen wurden auf dem Friedhofe die Särge in die Gruft gesenkt. * In Breslau verkündeten dieser Tage rothe Plakate dem dortigen Publikum, daß zwei Lehrlinge des auf der Schmiedebrücke wohnenden Kaufmanns J. Berliner diesem mit 153,000 M. Gold und Werthpapieren am Abend vorher durchgegangen sind. Die hoffnungsvollen Jünglinne sind 17 resp. 20 Jahre alt. Auf deren Festnahme event. Zurückstellung der gestohlenen Valuta ist eine Belohnung von 1000 M. gesetzt.[Neueren Nachrichten zufolge sind dem Bestohlenen die Werthpapiere im Betrage von 150,000 M. von Dresden aus übersandt worden und hätten sich demnach die Diebe mit dem Baarbestande von 3000 M. begnügt.] Meiningen. Das hiesige Landgericht hat dieser Tage in einer Anklagesache erkannt, daß eine von einem Lehrer ausgestellte Censur als eine Urkunde zu betrachten ist. Ein Vater, der das Censurbuch seines Sohnes zu unterschreiben hatte, ließ das Dintenfaß darauf fallen und hat im Aerger darüber es zerrissen. Der Angeklagte bestritt, daß er wegen der schlechten Censur das Buch zerrissen habe. Auf Grund des§ 133 des Strafgesetzbuches wurde er verur theilt, jedoch zur mildesten Strafe von einem Tag Gefängniß und Tragung der Kosten. Mannyeim. Ein in seiner Art wol einzig dastehender Unglücksfall hat eine arme Wittwe hierselbst in schweren Kummer versetzt. Dieselbe wollte auf dem Markt einige Einkäufe besorgen und ließ ihr kaum 1½ jähriges Kind allein in dem verschlossenen Zimmer zurück. Zum Trocknen der Wäsche befand sich in der Nähe des Ofens ein schlaff aufgehängtes Seil, mit dem das Kind gespielt haben mag, wobei es mit seinem Kopf sich in dem Seil verwickelte, und als die Mutter zurückkehrte, fand sie zu ihrem Schrecken ihr einziges Kind im wahren Sinne des Wortes erhängt vor. Alle sofor: angewandten Wiederbelebungsversuche blieben erfolglos, da das dünne Seil durch Strangulation den Tod des Kindes wol sehr rasch herbeigeführt hat. Freiburg. Auf dem letzten Wochenmarkte verkaufte eine fremde Händlerin einem hiesigen Handelsmanne eine Kiste Eier zu verhältnißmäßig billigem Preise. Zu Hause angekommen, fand der Käufer bei näherer Untersuchung, daß 20 Stück Eier nur leere Eierschalen waren, mit Sand gefüllt und an beiden Seiten sorgfältig vergypst. Wien. Sonntag=Nachmittag 3 Uhr brach in den großen Holzdepots der Rossauer Lände ein großes Schadenfeuer aus, bei welchem die Löscharbeiten durch die unerträgliche Hitze und den Sturmwind sehr erschwert wurden; mehrere Häuser wurden von den Flammen ergriffen. Zur Mitwirkung bei den Löscharbeiten wurden alle freiwilligen Feuerwehren der Vororte herbeigerufen, die gefährdeten Objekte wurden schließlich durch 200 Geniesoldaten demolirt. Abends 10 Uhr war der Brand zwar lokalisirt, der Feuerschein war aber immer noch weithin sichtbar. Der Schaden beträgt mehrere Millionen. — In der Dienstag=Nacht brach in den großen Niederlagen neben dem Brandplatz in der Rossauer Lände abermals ein starkes Feuer aus und zerstörte die Niederlagen von sehr werthvollen Hölzern vollständig. Auch in Sechshaus entstand um dieselbe Zeit ein Magazinbrand; erst nach angestrengter Thätigkeit gelang es, das Feuer an den beiden Stellen zu unterdrücken. * Es verlautet jetzt Näheres über das Testament des Grafen von Chambord: er hinterläßt denn doch an die 60 Millionen, von denen nach Abzug der verschiedenen Vermächtnisse der Herzog von Parma zwei Drittel und der Graf v. Bardi ein Drittel erhält; der Papst bekommt 400,000 Francs, als Kapital der Unterstützung, die ihm jedes Jahr als Peterspfennig zugestellt wurde; die Propaganda der katholischen Kirche erhält 500,000, die Armen von Paris 100,000 Francs. Die nämliche Summe erhält eine jede seiner Nichten. Seine Dienerschaft wurde im Testament auch bedacht. Die Gräfin von Chambord hat die Nutznießung der 60 Millionen. *[Der Gipfelpunkt der Brutalität.] In dem griechisch= katholischen Kloster„Basilica" nächst Munkacs war am 23. vorigen Monats Wallfahrt. Zahlreiches Volk war herbeigeströmt, und auch an den bei solchen Anlässen stets gegenwärtigen Bettlern war kein Mangel. Unter diesen erregte besonders ein Bettelknabe Mitleid, der ohne Füße vor der Kirchenthüre, auf den Knieen rutschend, seine Kirchenlieder sang. Jeder Vorübergehende warf ihm eine Gabe in den Hut. Auch eine Bäuerin, die daher kam, warf ihm einen Kreuzer zu und wollte vorübergehen. Da rief der Knabe ihr zu:„Mutter, auch Sie geben mir einen Kreuzer?" Die Frau ward stutzig, schaute dem Knaben ins Gesicht und wurde ohnmächtig. Sie hatte ihr Kind erkannt, das, sieben Jahre alt, von einem baumstarken Landstreicher gestohlen und verstümmelt wurde, damit es als Krüppel das Mitleid errege und ihm eine Erwerbsquelle bilde. Die in der Nähe befindliche Gensd'artierie nahm den betrunkenen Landstreicher sofort fest und die Bäuerin, die mittlerweile sich erholt hatte, nahm ihr unglückliches Kind zu sich. * Eine Revolution im Schuhmacherhandwerk wird seit einiger Zeit durch den Ledercement angebahnt, welchen Hofschuhmacher Deis in den Handel bringt. Diese Substanz ermöglicht es, das Schuhwerk in allen Theilen zu kleben und die Anwendung von Nähten, Holz= und Drahtstiften ganz zu umgehen. Die Fachblätter haben sich wiederholt über die praktische Verwendbarkeit des Klebestoffes äußerst günstig ausgesprochen, und da seine Anwendung äußerst einfach ist, wird seine Einführung nur eine Frage der Zeit bilden. Die geklebten Stiefel sind absolut wasserdicht und unzertrennbar, lassen dem nöthigen Transpiriren des Fußes hinreichenden Spielraum und an Eleganz der Arbei: nichts zu wünschen übrig. * Ueber 253,000 Pfund Straußfedern wurden im vorigen Jahre vom Cap in England importirt. Der Werth der Federn belief sich auf 1,800,000 Pfd. Sterling. *[Verurtheilt.] August: Du Fritze, unser Freund Wilhelm ist gestern für 100 Mark verknaxt worden.— Fritze: Nanu, weßhalb?— August: Ach, wegen Farbenblindheit! — Fritze: Wieso?— August: Er hatte zu einem jrünen Jungen von Assistenten„Sie Gelbschnabel“ gesagt. Vorschriften und Necepte. Gelreide den dumpfigen Geruch zu nehmen. Daß gedroschene Getreidekörner, so entnehmen wir Fühlings landw. Zeitung, bei ihrer Aufbewahrung auf dem Speicher oder Schüttboden einen dumpfigen Geruch annehmen, ist nichts Seltenes. Die Ursache ist in allen Fällen ein großer Gehalt an Feuchtigkeit, oft noch verbunden mit ungenügendem Luftzutritt. Ist der Geruch nur ein unbedeutender, dann dürfte ein häufiges Umschaufeln, verbunden mit der Anlage von nur sehr niedrigen Haufen, und die Herbeiführung eines möglichst starken Zuges auf dem Getreideboden zur Behebung des Uebelstandes genügen. Wenn jedoch der Geruch ein intensiverer, die beginnende Verderbniß der Körner also schon eine vorgeschrittenere ist, dann ist die Reinigung eine schwierigere, und man muß zu energischeren Mitteln seine Zuflucht nehmen. Ein Verfahren, welches von günstigem Erfolge, ist die Vermischung der Körner mit Holzkohlenpulver. Man mengt in diesem Falle ungefähr ein halbes Procent (auf 1 Hektoliter also etwa ein halbes Liter) feinpulverisirter und gesiebter frischer Holzkohle möglichst gleichmäßig unter das Getreide und reinigt letzteres nach ungefähr 2 Wochen auf der Klapper oder Fege. Im Bedarfsfalle ist diese Vornahme zweimal zu wiederholen und, wenn das Dumpfigsein nicht allzu stark war, ist ein gutes Resultat bei allen Getreidearten voraussichtlich. Schafgarben. Sie wachsen an Wegen, Straßen und auf den Feldern und sind wohl bekannt. Als Thee getrunken, stillen sie die Bauchschmerzen und erwärmen überhaupt den Körper. Der Thee mit Essig vermischt ist gut denen, die am Stein leiden und nicht wohl harnen können. In Wein gesotten und getrunken vertreiben sie die Würmer und zerstoßen auf Wunden gelegt, machen sie heilen. Um Schmeißfliegen vom Fleische abzuhalten, reibt man das Fleisch mit dem bekannten Suppenkraut Estragon ein. Dasselbe erhält außerdem dadurch einen angenehmeren Geschmack. Französische Kartoffelsuppe. Ein Liter geschälte und in Stücke geschnittene Kartoffeln werden mit einigen Mohrrüben=, Sellerie=, Porré= und Petersilienwurzel=Scheiben, 1/ Kilo magerem Schinken und 1/8 Kilo Butter auf gelindem Feuer so lange geschwitzt, bis sie sich hellgelo zu färben beginnen, mit einem Löffel Mehl vermischt, mit etwa 2 Liter Bouillon aufgefüllt, das nöthige Salz, eine Prise Pfeffer und etwas Muscatnuß dazu gegeben und langsam weich gekocht. Ist dies erreicht, wird sämmtliches Wurzelwerk durch ein Haarsieb gestrichen, noch einmal erhitzt und mit Semmelcroutons und nicht zu fein geschnittenen blanchirten Kräutern(Petersilie, Selleriekraut, Kerbel und einigen Salatblättern) angerichtet. Erste Hülfe bei Vergiftungen. Ein Mittel bei Vergiftungsfällen, das sich für die erste Hülfe wol so ziemlich in jedem Hause in Bereitschaft finden dürfte, ist folgendes. Ein gehäufter Kaffeelöffel ordinaires Küchensalz und halb so viel Senf werden in einer Schale mit warmem oder auch kaltem Wasser rasch verrührt und das Ganze dem Patienten eingeflößt. Es wirkt fast augenblicklich als Brechmittel, und so wird der Mageninhalt herausbefördert. Gegen den zurückgebliebenen Rest des Giftes läßt man zuerst das Weiße von einem Ei, dann eine Schale starken, schwarzen Kaffee nehmen, da diese Stoffe paralysirend auf die Wirkung der Gifte sich erweisen. Aus voller Ueberzeugung empfehlen wir dem schönen Geschlecht nachdrücklich das in Dresden erscheinende praktische Wochenblatt für alle Hausfrauen„Fürs Haus“, welches am 1. October einen neuen Jahrgang beginnt. Das Blatt hat in der kurzen Zeit seines Bestehens bereits eine notariell beglaubigte Auflage von 15,000 Exemplaren erreicht,— der beste Beweis für die Vorzüglichkeit seines Inhaltes. Allerdings hat hierzu gewiß auch der auffällig billige Abonnementspreis beigetragen, welcher vierteljährlich nur 1 Mark beträgt!„Fürs Daus“ bringt alle zweckmäßigen Neuerungen auf dem Gebiete des Hauswesens zur Kenntniß der Leserinnen und erstrebt vernünftige Ersparnisse im Haushalte. Küche und Keller, das Schlafund Kinder=, Eß= und Wohnzimmer, der Wasch= und Bodenraum, Hof und Garten, sowie die künstlerische Ausstattung des Hauses fesseln die Aufmerksamkeit der Redaktion im gleichen Grade. Auch der Sorge für den Gatten, der leiblichen und geistigen Pflege der Kinder, deren Arbeiten und Erholungen weiht sich liebevoll die Zeitschrift. Sie will die Töchter fürs Haus erziehen helfen und sie zu seiner Verschönerung anleiten. Nicht minder wird auch der großen Zahl von Mädchen mit Rath beigestanden, denen ein eigener Herd nicht vergonnt ist. Die Erforschung neuer Berufszweige für unverheirathete Damen und die Förderung und Erweiterung der älteren ist daher eine Hauptaufgabe des Blattes, welches den deutschen Frauen übrigens vor allem die meihlichkeit bewahrt wissen will. Alle Postämter und Buchhandlungen nehmen Bestellungen an. Probenummer gratis in jeder Buchhandlung. Konrad Ferdinand Mever, der gefeierte schweizerische Novellist, veröffentlicht in Schorers Familienblatt seine neueste Novelle unter dem Titel: Julian Boufflers. Das Leiden eines Kindes. Die Erzählung versetzt uns in die Tage des„grossen“ Ludwig XIV. Eigenartige Schönheiten einer tiefen Empfindung und feinen Charakterisirung, echte historische Treue auch in dem freiesten Walten der dichterischen Phantasie kennzeichnen dieses jüngste Werk des Dichters. Gleichzeitig erscheint in„Schorers Familienblatt“, das wir bei dieser Gelegenheit unsern Lesern empfehlen, eine neue Erzählung von O. Schubin: Mal’occhio. Der Autor dieser Erzählung ist ein neues und ganz eigenartiges Talent in unserer Literatur. Der Roman„Ehre“, von O. Schubin, welcher in diesem Frühjahr erschien, erregte allgemeines und berechtigtes Aufsehen. 33 84 * 2 * Son 10 + — 2— * S 1 B = □ = — .S 2 * S 3 G% " 9 8 S 0 S E2 1— 2#• S•** ————— 95•" S 2 9 2 2 •TG 8— —a S BUNSE □ — BUOS — B 56 — 6 = 8 —— 5 6 — S 2— = . * *= S 5 ..* S S 5 S S. R* . 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M., Morgens 11 Uhr, auf meinem Amtsbureau öffentlich wenigstfordernd verdungen werden. Die Bedingungen liegen bei mir zur Einsicht offen. Menden, 10. September 1883. Der Ehren=Amtmann: von Dücker. Bekanntmachung. Die hiefige Ruhrbrücke wird wegen auszuführender Reparaturarbeiten am Donnerstag und Freitag den 13. und 14., und den 20. und 21. d. M. für Fuhrwerk gesperrt. Fröndenberg, 6. September 1883. Der Amtmann: Schmitz. Gras=Verkauf. Der zweite Graswuchs von den zum Rittergute Rödinghausen gehörigen Flößwiesen soll verkauft werden: Dienstag den 11. c., Nachmittags 5 Uhr. im Sauernkamp und Leihwiese; Mittwoch den 12. c., Nachmittags 3 Uhr, in der Askai=, Pütt hoffs= und Steinhauser Wiese; Donnerstag den 13. c., Nachmittags 3 Uhr, auf der Wolfskuhle. Menden. L. Pieper. Faselschweine. Dienstag den 11. c., Morgens 10 Uhr, läßt Viehhändler Rademacher eine Partie Faselschweine bei Wirth Peter Humpert verkaufen. Menden. L. Pieper. Dombau-Loose sind in meinem Bureau zu haben. Menden. L. Pieper. Gras=Verkauf. Der Grasverkauf für den Fabrikbesitzer Herrn Eichelberg findet Dienstag den 11. k., mittags 6 Uhr, statt. Menden, 9. September 1883. Fr. Gortlob. 2 erfahrene Schneidergesellen erhalten dauernde Arbeit bei Schneidermeister Drolshagen, Lendringsen. Den geehrten Bewohnern hiesiger Gegend zur gefälligen Kenntniß, daß ich mich hierselbst— im Hause des Herrn Carl Vietze— als Büchsenmacher neuer 5 niedergelassen habe. Ich empfehle mich zur Anfertigung Gewehre, wie zur Ausführung jeder Reparatur unter I— sicherung einer prompten und billigen Bedienung hiermit bestens. Menden, 6. September 1883. Louis Gerhard, Büchsenmacher. Hôtel u. Restaurant zum Fürsten Bismarck. Kalte und warme Speisen, sowie Portions-Essen zu jeder Tageszeit; vorzügliche Biere. Fröndenberger An den beiden Kirmeßtagen, Freitag den 21. und Samstag den 22. d. M., findet bei mir BALT statt.— Musik: Kapelle Giesenkirchen aus Dortmund. Zu zahlreichem Besuche lade freundlichst ein. Lücke Stettiner Kirchenbau=Lotterie. Das Loos kostet 1 Mark. 1. Hauptgew.: Ein vollst. Mobiliar nebst Leinen=Einrichtung, Werth 5000 M. 2.„ Ein Besteckkasten von Silber für 24 Personen= 2100.„ 3.„ Ein Tafelaussatz mit silberner Schaale..= 900„ 4.„ Ein Paar silberne Armleuchter für je 5 Lichte 630„ 5.„ Ein silbernes Thee= und Kassee=Service 500„ 6.„ Ein Besteckkasten von Alfenide für 12 Personen= 270„ und 2530 Gewinne im Betrage von..........„ 50,600„ darunter Silberwaaren, Oelgemälde, goldene Uhren und Ketten, Teppiche, Seidenstoffe, Regulatoren, Uhren, Nähmaschinen, Gardinen und Leinenstoffe verschiedener Art.— Jeder der letzteren Gewinne repräsentirt einen Einzelwerth von 10 bis 150 Mark, und werden alle Gewinne nur aus den reellsten inländischen Geschäften und Fabriken bezogen. Geffentliche Ziehung am 3. Getober e. in einem öffentlichen Locale hierselbst. Loose sind in der Expedition des Westfälischen Telegraphen zu haben. Vertreter gesucht für Margarinbutter=, Obstund Rübenkraut=Fabrik. Gefl. Franco=Anerbietungen sub D. G. an die Administration des „Volksfreunds“, in Cleve erbeten. Ziehung: 10. October 1885. Die beliebten der Frankfurter Pferdemarktlotterie, 400 Gewinne i. Werthe von 84,000 M., darunter 10 elegante Equipagen u. 61 Pferde, sind à Drei Mark zu beziehen vom Secretariat des Landwirthschaftl. Vereius in Frankfurt a. M. und durch die Exp. d. Bl. Uneutgeltlich prcten Tüete 1871—83 resp. Anweisung z. Rettung v. Trunksucht, selbst im höchsten Stadium, periodisch u. habituell mit u. ohne Wissen vollständig zu beseitigen. M. C. Falkenberg, Berlin M., Ackerstr. 138. — Bergmann's— Theerschwefel=Seife— bedeutend wirksamer als Theerseife, vernichtet sie unbedinat alle Arten Hautunreinigkeiten und erzeugt in kürzester Frist eine reine, blendendweiße Haut. Vorräthig a Stück 50 Pf. dei Franz Mellmann. In der Lürbke bei Menden ist ein fast neues Haus nebst Stallungen, mit ca. 15 Morgen Acker und Wiese, auf sofort oder Martini zu pachten von Franz Rössler. Täglich 15—20 Liter frische Milch zu haben bei Neckmann& Helm in Menden. Sämmtliche Munitions=Artikel empfiehlt Louis Gerhard, Büchsenmacher. trog e#. Zwiebel versende zu M. 4,85 pro Centner, Sack frei, france Menden und nächst belegenen Stationen gegen Nachnahme des Betrages. J. H. Sonvageol, Haspe. Geute(Montag) Morgen wurde auf dem Pastoratwege ein goldenes Medalllan— eine HerrenPhotographie enthaltend— gefunden. Dasselbe kann gegen Erstattung der Insertionsgebühren in der Exp. d. Bl. wieder in Empfang genommen werden. Photographien unseres Hochw. Bischofs Herrn Dr. Caspar Drobe habe ich noch vorräthig und empfehle solche zur gefl. Ab nahme. August Bockelmann, Menden. Verloren eine schwarze Emaille=Broche mit Damen=Photographie auf der Rückseite. Abzugeben gegen Belohnung an die Exp. d. Bl. Fröndenberg. Donnerstag den 13. d. M., Vormittags 10 Uhr, werde ich am hiesigen Brückenhause Tische, Stühle, Oefen, Glasschrank, Betten mit Matratzen und allerlei Haus= und KüchenGeräthe gegen Credit und Baar verkaufen. Fröndenberg. Cl. Neckmann. Loose zur Mainzer Kirchenbau=Lotterie.(Lotterie in 4 Klassen), Gesammtgewinne im Werthe von 337,980 Mark, Ziehung am 19. September 1883, 1. Klasse a 2 M.: zur Stettiner Kirchenbau=Lotterie, Ziehung am 3. October 1883, a 1 M.; zur Frankfurter Pferdemarkt=Lotterie, (Gewinne im Werthe von 84,000 M., darunter 10 elegante Epuipagen und 61 Pferde), Ziehung am 10. October 1883, à 3 Mark; zur Silber= 2c. Lotterie zu Gunsten des Thurmbaues auf dem Astenberge, Ziehung am 15. October 1883, à 1 Mark: zur Lotterie des Westsälischen Zoologischen Gartens in Münster, Ziehung am 28. und 29. December 1883, à 1 M., habe ich vorräthig und empfehle solche zur gef. Abnahme. W. Niedel. Vorn am obern Thore ist eine schöne Wohnung von 4 Zimmern nebst Keller und Bodenraum, auf Wunsch auch Garten, zu vermiethen; ebendaselbst ein Stall mit großen Bodenräumen. Näheres in der Exp. d. Bl. Börse zu Düsseldorf. Coursbericht vom 6. September 1883. Coaks B. Roheisen. 1. Spiegeleisen la 2. Weißstrahliges Eisen I. Qual. 7,60— 8.50 62,00— 64,00 55,00—— C. Stabeisen(Grundpreise). 1. Gewöhnl. Stabeisen. 130,00—— 2. Feinkorneisen. 150,00—— D. Bleche(Grundpreise). 1. Gewöhnliche Bleche 180,00—— 2. Kesselbleche 195,00—— 3. Dünne Bleche. 175,00—180,00 E. Draht. Walzdraht(Stiftdrahtqual.)— Berechnung in Mark pro 1000 ko undwo nicht anders bemerkt. loco Werk. Der Kohlen= und Eisenmarkt ist seit der letzten Börsenversammlung ziemlich unverändert.— Nachfrage nach Kohlen für Verschiffung für den Winterbedarf lebhaft.— Coakskohlen in Folge der heruntergegangenen Preise der Coats ruhig.— Das Roheisengeschäft geht über die nothwendigsten Ankäufe für den unmittelbaren Verbrauch nicht hinaus, die speculative Thätigkeit auf dem Markte ruht fast vollständig, doch hält die Convention am Preise fest, wozu sie um so mehr in der Lage ist, da die Vorräthe nicht anwachsen.— Das Geschäft in Walzfabrikaten ist bei unverändertem Preise Eisenbahn= und Von=Verkehr. Vom 1. Juni 1883. Hemer— Menden— Fröndenberg. I. Zug. Von Hemer 5,9 früh, von Oese 5,19, von Menden 5,37, von Bösperde 5.46, m Fröndenberg 5.52 fruh, m Schwerte 6,20, in Hagen 6,40 mit Courierzug, mit Personenzug 6,53, m Elberfeld 7,18, m Düsseldorf 8,2, in Deutz 8,22; in Unna 8.41, in Hamm 9,16, in Soest 9,30 Vorm. II. Zug. Von Hemer 7.55 früh. von Oese 8,5, von Menden 8.29. von Bösperde 8.38, m Fröndenberg 8.41 früh. in Arnsberg 9,29, in Cassel 1,12 Rchm., in Leipzig 11,42 Ab.; in Holzminden 1,5 Nachm., in Berlin(Potsd. Bahnh.) 11,40 Ab.: in Eisenach 5,12 Nachm. III. Zug. Von Hemer—, von Oese— von Menden 9,37 Vorm., von Bösperde 9.46, in Fröndenberg 9.52 Vorm., in Schwerte 10,19, in Hagen 10,41, in Elberfeld 12,52, in Düsseldorf 2,0, in Deutz 2,21 Nachm.; in Hamm 11,35 Mitt.; in Berlin(Schles. Bahnh.) 8,44 Abends. IV. Zug. Von Hemer 1,8 Nachm., von Oese 1,18, von Menden 1.40. von Bösperde 1,49, in Fröndenberg 1.55 Nachm., in Schwerte 2,24, in Hagen 2,51, in Elberfeld 3,52, m Düsseldorf 5.23, in Deutz 5,53; in Hamm 4,36 Nachm. V. Zug. Von Hemer 3,28 Nachm., von Oese 3.38, von Menden 4.2. von Bösperde 4,11, in Fröndenberg 4,17 Nachm., in Arnsberg 5,16 Nachm., in Cassel 9,53 Abends, in Leipzig 4,44 früh. VI. Zug. Von Jemer 6,18 Nachm., von Oese 6,28, von Menden 6.55. von Bösperde 7,4, in Fröndenberg 7,10 Nachm., in Schwerte 7,36; ab Schwerte mit Expreßzug Abfahrt 7,46, m Hagen 8,1, in Elberfeld 8,40, in Deutz 9.48; ab Schwerte mit Personenzug Abfahrt 8,43, m Hugen 9.5, in Elberfeld 10,23, in Düfseldorf 11,35, in Deutz 12,4 Abds: in Hamm 8,42, in Soest 8,50, in Padervorn 10,30 Abends. VII. Zug. Von Hemer 8,42 Ab., von Oese 8,52, von Menden 9.10. von Bösperde 9,19, in Frändenberg 9,25, in Schwerte 9,51, in Hagen 10,16, in Elberfeld 11,38 Ab. Courierzug a5 Schwerte 10,2 nach Berlin über Soest=Paderborn in Berlin Potsd. Bahnh. 7,55, Schles. Bahnh. 8,22 Vorm. Ab Fröndenberg bis Bestwig: Abf. 10,29 Abds., in Arnsberg 11,12, in Bestwig 12,1 Nachts. Fröndenberg— Menden— Hemer. I. Zug. Von Fröndenberg 6,59 früh. in Bösperde 7.6. in Menden 7.21. in Oese 7,39, in Hemer 7.48 früh; von Arnsberg 5.20, von Bestwig 4,33 Morg., von Cassel 7,17 Ab.; von Hagen 6,10, von Schwerte 6,34 Morg. II. Zug. Von Fröndenberg 9.2 Vorm., in Bösperde 9.9. in Menden 9,19 Vorm., in Oese,—, in Hemer—. von Hagen 7,50, von Elberfeld 6,35, ab Solingen 5,28, ab Ohligs 5,46, von Düsseldorf 5,20 Vorm. III. Zug. Von Fröndenberg 11,34 Vorm., in Bösperde 11, 41, in Menden 1I.56. in Oese 12,14, in Hemer 12,23 Vorm.; von Arnsbera 9.21, von Cassel 5,21 V.: von Schwerte 11,3, vonl Bugen 10,35, von Elberfeld 9,55, von Düsseldorf 9,0, von Deutz 8,58 Vorm. IV. Zug. Von Fröndenberg 2,27 Nachm., in Bösperde 2.34. in Menden 2,49, in Oese 37, in Hemer 3,16 Nachm.; von Arnsberg 1,19 Nm., von Cassel 9 V. V. Zug. Von Fröndenberg 4,34 Nachm., in Bösperde 4.41. in Menden 4,56, in Oese 5,14, in Hemer 5,23 Nachm.; von Hagen 3.24, von Elberfeld 2,00, von Düsseldorf 12,10 Nachm., von Deutz 11,48 Vm.; von Hamm 1,32 Nm. VI. Zug. Von Fröndenberg 7,30 Nachm., in Bösperde 7.37. in Menden 7,52, in Oese 8.10. m Hemer 8,19 Abends: von Arnsberg 6,40, von Cassel 2,20 Nachm., von Berlin 8.25 Vorm. via Holzminden. VII. Zug. Von Fröndenberg 10.35 Abends, in Bösperde 10.42. in Menden 10.53, in Oese 11,11, in Hemer 11.20 Abds.; von Schwerte 10.5. von Hagen 9,43. von Elberfeld 9.00. von Düsseldorf 8.00. von Deutz 7.54 Ab.: von Arnsberg 8.55. von Bestwig 8,11 Abends. Hierzu Nr. 36 der Prov.=Corresp.