Menden und Arusberg, Freitag den 25. Februar 1876. 17. Jahrgang. Westfälischer Telegraph, zugleich Amtliches Kreisblatt f. d. Kreise Iserlohn, Arnsberg, Meschede. Redaction, Druck, Verlag und Expedition von W. Riedel in Menden.— Expedition in Arnsberg: Ernst Thielmann. Erscheinungstage: Dienstag und Freitag.— Abonnementspreis: Vierteljährlich durch Boten oder die Post bezogen 1 Mark 25 Pf., durch den Briefträger in's Haus gebracht 1 Mark 50 Pf. Insertionsgebühr: Die 5gespaltene Garmondzeile oder deren Raum 10 Pf., Reclamen 30 Pf.— Briefe franco gegen franco. Amtliche Bekanntmachungen. Iserlohn, den 17. Februar 1876. Bekanntmachung. Die diesjährige Musterung für den Kreis Iserlohn wird vom 13. bis incl. 21. März d. J. in dem Locale des Wirths C. Krollmann am Markte hierselbst stattfinden. Sämmtliche Militairpflichtige, welche zum Erscheinen vor den Ersatz=Commissionen verpflichtet sind, wozu insbesondere auch diejenigen Rekruten gehören, die im letzten ErsatzTermine zur Einstellung designirt und überzählig geblieben sind, werden hiermit aufgefordert, sich an dem in der ihnen zugestellt werdenden Vorladung bestimmten Tage und zur festgesetzten Stunde bei Vermeidung der bestehenden Strafbestimmungen pünktlich zu gestellen. Nach§. 61 Nr. 3 und 5 der Ersatz=Ordnung vom 28. September 1875 kann ein Militairpflichtiger, welcher der Veorderung zur Musterung keine Folge leistet, durch Anwendung gesetzlicher Zwangsmaßregeln zur sofortigen Gestellung angehalten werden, und es wird Derjenige, welcher sich der Gestellung böswillig entzieht, als unsicherer Dienstpflichtiger behandelt, außerterminlich gemustert, und sofort zum Dienst eingestellt. Die Loosung findet für den ganzen Kreis am 21. März d. J. von des Morgens 8 Uhr ab statt, und steht es den einzelnen Dienstpflichtigen frei, daran persönlich Theil zu nehmen und die Nummer selbst zu ziehen. Für die Abwesenden wird durch ein Mitglied der Ersatz=Commission geloost. Der Königliche Landrath: Overweg. Iserlohn, den 15. Februar 1876. Bekanntmachung, betressend die Beschälstation Kalthof. In der bevorstehenden Beschälzeit werden vom 22. d. M. bis zum 18. Juni d. J. zu Station Kalthof bei Herrn Gastwirth Griese folgende Hengste aus dem königlichen Landgestüte zu Warendorf aufgestellt: 1. Garibaldi, Oldenburger, seit mehreren Jahren hier rühmlichst bekannt; 2. Phönix, 5“ 4“, braun, Oldenburger vom Landessohn und G. Landessohn=Stute, welcher auch auf den bisherigen Stationen ungetheilten Beifall gefunden hat. Garibaldi deckt zu 8 M. 75 Pf., Phönix zu 5 M. 75 Pf., mit Trink= und Einschreibegeld. Das Füllengelo pro Stute beträgt je 10 M. Das Füllengeld wird zurückgezahlt, wenn kein lebendes Fohlen geboren wird. Die Züchter verlieren also nur das niedrige Deckgeld, wenn die Bedeckung ohne Erfolg bleibt, und es vergütet der Kreis=Verein seinen Mitgliedern auf das Deckgeld je 3 Mark. Wir machen noch auf die Bekanntmachung der königlichen Westfälischen Landgestüt=Verwaltung vom 1. December v. I. — Amtsblatt von 1876 S. 27— mit dem Bemerken aufmerksam, daß der Stationshalter keine Stute bedecken lassen darf, bevor nicht dafür das Deck= und Füllengeld entrichtet ist, weßhalb sich die Stutenbesitzer, um keine vergebliche Reise nach Kalthof zu machen, mit hinreichenden Geldmitteln versehen müssen. Zugleich wird in Erinnerung gebracht, daß die nachweislich trächtigen Stuten bei einer Heranziehung zum Kriegsdienste berücksichtigt werden sollen, um sie der Pferdezucht zu erhalten. Der Vorstand des landwirthschaflichen Kreis=Vereins. Landrath Overweg, Vereins=Director. Menden, den 19. Februar 1876. Bekanntmachung. Zur Aufnahme der Gesuche der Reserve= und LandwehrMannschaften, sowie der Ersatz=Reserve I. um Berücksichtigung bei eintretender Mobilmachung habe ich Termin auf Samstag, den 26. d. M., Vormittags, auf meinem Amtsbureau anberaumt. Frühere Gesuche müssen erneuert werden. Steuerzettel und Documente über etwaige Schulden sind im Termin vorzulegen. Der Bürgermeister: Papenhausen. Polizei=Verordnung. Auf Grund des Gesetzes vom 11. März 1850 über die Polizeiverwaltung, und im Anschlusse sowie in theilweiser Modification unserer, die Trichinen betreffenden Polizei=Verordnung vom 2. Januar 1866 verordnen wir für den Umfang unseres Verwaltungsbezirkes Folgendes: § 1. Jeder Besitzer eines geschlachteten Schweines ist verpflichtet, dasselbe vor dessen Zerlegung und ehe Fleisch, Fett oder Eingeweide von demselben getrennt werden durch den zuständigen, polizeilich bestellten Fleischbeschauer untersuchen zu lassen. § 2. Erst nachdem auf Grund der Untersuchung von dem Fleischbeschauer eine schriftliche Bescheinigung darüber ausgestellt ist, daß das geschlachtete Schwein trichinenfrei befunden ist, darf das Fleisch zum Genusse für Menschen zubereitet, verkauft oder sonst an Andere überlassen werden. § 3. Findet der Fleischbeschauer in den untersuchten Theilen Trichinen, so hat er dies a. dem Besitzer des Schlachtstückes unter Hinweis auf die Gefahr des Genusses solchen Fleisches und auf die Strafbarkeit des Verkaufes, nach Maßgabe des § 367 Nr. 7 des Strafgesetzbuches, b. der Orts=Polizeibehörde sofort schriftlich mitzutheilen. Der Besitzer des Schweines hat sich sodann jeder Verfügung über dasselbe zu enthalten und die Anordnungen der Polizeibehörde abzuwarten. § 4. Für die Ausführung dieser Verordnung sind die Bestimmungen des bekannt gemachten Reglements maßgebend. § 5. Zuwiderhandlungen gegen die Vorschriften dieser PolizeiVerordnung werden, sofern nicht höhere Strafen verwirkt sind, mit einer Geldstrafe von 15 bis 30 Mark, an deren Stelle im Unvermögensfalle Freiheitsstrafe tritt, geahndet. § 6. Diese Polizei=Verordnung tritt in allen Orten des Regierungsbezirkes in Kraft, sobald von der betreffenden PolizeiBehörde(Bürgermeister resp. Amtmann) im amtlichen Kreisblatte öffentlich bekannt gemacht ist, daß und welche sachverständigen Fleischbeschauer für den Polizeibezirk bestellt sind. Arnsbera, den 15. Mai 1875. Königliche Regierung. Indem ich vorstehende Polizei=Verordnung hiermit zur öffentlichen Kenntniß bringe, bemerke ich, daß 1. für die Gemeinde Oberhemer der Maschinenheizer Diedrich Eikelberg, 2. für die Gemeinde Sundwig der Uhrmacher Ludwia Riesel zu Sundwig, 3. für die Gemeinde Ihmert der Drathzieher Hermann Braucke als Fleischbeschauer bestellt und verpflichtet worden sind. Hemer, den 21. Februar 1876. Der Amtmann: Thomas. Berlin W., den 16. Februar 1876. Bekanntmachung. Annahme von Telegrammen durch die Eisenbahn-Postbureaus Zur Erleichterung des telegraphischen Verkehrs können vom 1. März d. J. ab Privat=Telegramme durch die in den Eisenbahnzügen fahrenden Postbureaus zur Einlieferung gelangen. Die betreffenden Telegramme sind mit dem taxmäßigen Betrage in Telegraphen=Freimarken zu bekleben und durch den Briefkasten an dem Postwagen zur Aufgabe zu bringen. Soweit dem Absender Telegraphen=Freimarken nicht zur Verfügung stehen, darf die Gebühr auch durch Aufkleben von Post=Freimarken entrichtet werden. Das Telegramm kann auch auf eine Postkarte geschrieben sein, muß aber als solches durch Ausstreichen der Ueberschrift „Postkarte" und Ersetzung derselben durch das Wort„Telegramm“, deutlich bezeichnet werden. Den Betrag des Poststempels von 5 Pf. kann der Absender sich bei der Gebühr zu gut rechnen. Wo die örtlichen Verhältnisse und die Dauer des Aufenthalts auf den betreffenden Eisenbahn=Stationen es gestatten, sollen auch nicht mit Marken beklebte Telegramme unter Beifügung der entfallenden, thunlichst abgezählten Gebühren in baarem Gelde durch das Fenster bezw. die Thüre des Postwagens angenommen werden; doch ist dabei den Aufgebern das Betreten des Postwagens selbst nicht gestattet. Die Absender brauchen die Aufgabe nicht selber zu bewirken, sondern können sie auch durch dritte Personen bewirken lassen. Die Telegramme werden vom Eisenbahn=Postbureau aus unverzüglich an diejenige nächstbefindliche Telegraphenstation 16 In stürmischer Zeit. Novelle von Bertha Augusti. (Fortsetzung.) 9. Des Alters Grämlichkeit spukt ihr nur Unheil vor, Ich flüstre lachend ihr die tollsten Ding' in's Ohr. Regina's Großtante, die Besitzerin des kleinen Hauses, war die Tochter des Registrators Tauser, eine Greisin von nahezu siebzig Jahren. Ohne innerlich jemals jung gewesen zu sein, hatte die Vernunftsheirath mit dem jeligen Registrator, einem durch und durch verknöcherten Aktenmenschen, ihr Herz und Gemüth auch niemals erwärmt und bewegt. Das Glück, Kinder zu haben, blieb ihnen versagt, Verkehr in anregendem Umgang wurde von Beiden vermieden, in dem kleinen pedantisch saubern Hause lebten sie nur ihren Grillen und eingebildeten Sorgen, abgeschlossen von dem Treiben der Außenwelt. In toren alten Tagen erst, als ihr der Mann gestorben war, und sie hinfällig wurde, erinnerte sich die Frau Registratorin, die sich bis dato niemals um ihre einzige Verwandte bekümmert hatte, daß sie in Regina eine Großnichte besitze, deren junge rüstige Kräfte und erheiternde Gesellschoft ihr jetzt wohl zu statten kämen und die langen Stunden zu kürzen vermöchten. Ob sie mit ihren krankhaften, eigenwilligen Anforderungen an den öfteren Besuch Regina's das junge Glück der beiden Eheleute trübe, das machte der in ihrer Selbstsucht verkommenen Registratorin durchaus keine Skrupel, sie bedurfte nun einmal ihrer jungen Verwandten,— es war also nur Christenpflicht von ihr und dem Förster, daß sie nachgaben,— dachte die Kranke, und dabei verstand sie bei all' ihrer Körperschwäche, doch mit einer Art von tyrannischer Gewalt, die freilich meist nur der Hinfälligkeit ihrer äußeren Erscheinung den Sieg verdankte, ihren Willen durchzusetzen. So war es ihr denn auch heute wieder gelungen, den Förster zu rühren, der mit dem Vorsatz gekommen war, seine Frau mit in sein vereinsamtes Haus heim zu holen. Die Alte bat mit so schwacher Stimme, Regina doch noch kurze Zeit nur da zu lassen, daß eine verwandte Seele ihr die Augen zudrücken möge; sie fühlte ja, daß es zu Ende mit ihr gehe, den letzten Wunsch einer Sterbenden werde er doch erfüllen,— daß Paul in seiner Selbstlosigkeit endlich nicht anders konnte, als sie durch seine Zusage beruhigen.— Regina hatte zu dem Allen mit resignirter Miene geschwiegen; als sie dann später allein mit Paul war, sprach sie aber so niedergeschlagen von der langen Trennung zwischen ihnen, daß er ihr selbst ermunternd zuredete, der Kranken den letzten Liebesdienst zu erweisen und sich in das Nothwendige fügen zu wollen, und darauf gestand er ihr mit einer kindlichen Offenheit, die sie einen Moment tief erschütterte, wie sehr auch er sie daheim vermisse und die Stunde herbeisehne, die sie wieder im trauten Heim vereinige. Und jetzt, da die junge Frau hüpfenden Schrittes, mit lachender, triumphirender Miene den mit Steinfließen belegten kleinen Flur durcheilte und in das Zimmer ihrer kranken Großtante trat, hatte sich selbst die leiseste Spur des heute früh vor ihrem Gatten zur Schau gestellten Kummers vollständig verflüchtigt, ihr ganzes Wesen athmete sorglose Jugendlust. „Liebe Tante, sei nur nicht ungehalten, daß ich Dich heute so lange allein und noch dazu im Dunkeln ließ!" rief sie in der Thür mit ihrer wohlklingenden Stimme in das düstere Zimmer hinein.„Herr Aubain kam just in dem stürmischen kalten Wetter halb erfroren und beschneit von der Reise und plauderte mir so viel vor, daß ich ihm nicht entwischen konnte; Du kennst ja seine Art!“ „Oft wollte ich, der schwatzhafte Franzose wäre mir aus dem Hause geblieben,“ ließ sich die zitternde Stimme der alten Frau aus der finsteren Ofenecke vernehmen;— und jetzt, wo Reginas geschäftige Hände eine grünbeschirmte Lampe angezündet, fiel die zusammengesunkene, abgezehrte Gestalt der Registratorin, die in Kissen gebettet im großen Ledersessel ruhete, mit einem Male ordentlich gespenstisch in die Augen. „Der selige Tauser sowohl als ich hatten dieselbe Abneigung gegen Alles, was nur Französisch klingt, er drehte sich im Grabe um, wenn er wüßte, daß ich mir einen solchen Menschen auf den Hals geladen; wie ich nur dazu kam!— Aber, Herr Jesus, wie der auch zu schwatzen versteht!“ Regina lachte hell auf.„Nun siehst Du's, Tante, hast Du mir nicht nach meiner Ankunft damals auch erzählt, daß er der erste Mann gewesen sei, dem Du Deinen Willen hättest unterordnen müssen? Durch seine Liebenswürdigkeit habe er Dich förmlich gezwungen, Deinem Vermiether ab und ihm die oberen Stuben zuzusagen— hat er es nicht? Und Tantchen,— beruhige Dich, er ist ja doch kein richtiger Franzose, die Schweizerfranzosen sind halbe Landsleute von uns, und seinen Namen sprichst Du ja auch ehrlich deutsch aus,„Aubain“, das klingt so hübsch!“ Und wieder schlug Regina ein muthwilliges Lachen auf. „Mit Deinem ewigen Gespötte!“ grämelte die Alte, und ihr erloschener Büick traf mit einem plötzlichen Aufflackern giftig die schöne Uebermüthige. „Du bleibst immerdar wie ein unvernünftiges Kind, das in den Tag hineinlebt, unbekümmert um Anderer Weh 1 besorgt, welche die schleunigste Abtelegraphirung nach dem Bestimmungsorte zu bewirken in der Lage ist. ae Snnsuane Berlin W., den 19. Februar 1876. Bekanntmachung. Vom 1. März ab wird für Stadt=Telegramme, soweit solche überhaupt zugelassen sind, eine Grundtaxe von 20 Pf. für jedes Telegramm und eine Worttaxe von 2 Pf. für jedes Wort erhoben. In den Anforderungen an die Beschaffenheit der StadtTelegramme tritt eine Aenderung nicht ein. Der General=Postmeister. Berlin, den 17. Februar 1876. Bekanntmachung. Die Bestellung der Telegramme an den Adressaten oder an die zum Empfange Berechtigten kann, wenn es vom Absender gewünscht wird, auch offen(unverschlossen) erfolgen. Für dergleichen Fälle hat der Absender des betreffenden Telegramms den desfallsigen Wunsch durch den, unmittelbar vor der Adresse niederzuschreibenden Vermerk:„offen bestellen", oder„unverschlossen bestellen“ auszudrücken. Kaiserliches General=Telegraphenamt. Siehe da, Fürst Bismarck hat sich auch als Gratulant bei dem Dichter Victor von Scheffel in Carlsruhe eingestellt. Er telegraphirte ihm:„Bei Vollendung Ihres ersten halben Jahrhunderts bitte ich Sie, meiner Frau und meine besten Glückwünsche freundlich entgegenzunehmen.“ Sofort telegraphirte der Dichter verbindlich zurück:„Ein gutes Blatt Geschichte ist mehr denn tausend Blätter Gedichte" und legte die Glückwunsch=Depesche des deutschen Kanzlers auf das Adelsdiplom seines Landesherrn, des Großherzogs von Baden, auf den eigenhändigen Glückwunschbrief des Königs Ludwig von Baiern, und auf die 400 andern Depeschen und Briefe aus allen Theilen Deutschlands, Oesterreichs und der Schweiz ovenauf. Die Städte Carlsruhe und Heidelberg hatten eigene Abgesandte mit Geschenken geschickt. Seit dem hat Mancher Scheffels Dichtungen noch einmal in aller Stille vorgenommen, denn Bismarck, der weder zu der studirenden Jugend noch zu den Schwärmern gehört, hat doch Eindruck gemacht. In Dresden ist 81 Jahre alt Gustav Nieritz gesterben. Alt und Jung kennt ihn als einen der fruchtbarsten und besten Schriftsteller für die Jugend. Er wollte nicht zu hoch hinaus und traf fast immer eine glückliche Wahl und einen guten Ton in seinen Erzählungen, was man von vielen seiner Collegen, die den Markt überschwemmen, nicht sagen kann. Der bisherige Präsident des Herrenhauses, Graf Otto zu Stollberg=Wernigerode, Oberstlieutenannt a la suite der Armee und Kanzler des Johanniterordens ist zum deutschen Botschafter in Wien ernannt worden. Laut dem„Centralblatt für die gesammte UnterrichtsVerwaltung“ sind Juni 1875 in Westfalen besetzt gewesen 1339, evangelische, 1104 katholische, 23 jüdische Lehrer=, 70 evangelische, 558 katholische Lehrerinnen=Stellen. Es waren nicht besetzt 119 evangelische, 70 katholische Lehrer= und drei evangelische, zwölf katholische Lehrerinnen=Stellen, in Summa 204 Stellen. Von diesen versahen Präparanden 129, Lehrer anderer Schulen 69. Es weisen als unbesetzt auf der Regierungs=Bezirk: evang., kath. Lehrer-, evang., kath. Lehrerinnen= Stellen. Münster 8• 3„— 2„„ Minden 25 10„— 5„ Arnsberg 86 57„ 3 5„„ demnach ergeben sich für Münster 13, Minden 40 und Arnsberg 151 Vacanzen, welche sich am 15. Juni 1873 in Münster auf acht, Minden 31 und Arnsberg 119, zusammen 158 beliefen. Das deutsche Reich besitzt nach der neuesten Rang= und Quartierlieste 296 Generale, Oesterreich nach dem eben veröffentlichten Schematismus für 1876 im activen Dienste und Sorgen,“ fuhr sie gereizt fort.„Mit Dir ist kein ernstes Wort zu reden, Du weißt nicht, wie es einer alten: kranken Frau zu Muthe ist, die nicht mehr lachen und scherzen mag!“ Regina wickelte sich spielend ihre Locken um die Finger. „Wenn Dir meine Gesellschaft nicht mehr ansteht, liebe Tante, so will ich Dir gewiß nicht länger lästig fallen, Paul verlangt ohnedies nach mir und—“ „Ach, Herr Jesus! Wie Du Deine alte Greßtante zu strafen verstehst, Regina!“ fiel ihr die Kranke ängstlich in's Wort,„Du wolltest mich verlassen, wo der Tod mir schon auf der Stirne steht? Habe doch noch ein Weilchen Geduld mit mir, meine kleine Hinterlassenschaft soll Dich ja für Dein Opfer entschädigen, Kind; komm', setz' Dich zu mir und plandere mir etwas vor!“ Regina zögerte noch ein Weilchen, dann schob sie einen Schemel dicht an den Lehnsessel der alten Frau und setzte sich zu ihren Füßen nieder. „Ich bleibe bei Dir, Tantchen, ich will Dir die Grillen fortschwatzen und lachen, das ist heilsamer und erquicklicher für Dich, als wenn ich in ein Horn mit Dir bliese und eine suuertöpfische Niene aussetzte,— ich verstehe mich auch gar nicht darauf— aber das sage ich Dir ernstlich, liebe Tante, sprich mir kein Sterbeuswörtchen mehr von Deiner Erbschaft— sonst eile ich auf und da von in's Forsthaus zu meinem Paul, der auch weder Dir noch irgend Jemand auf der Welt zu erhoffender Vortheile wegen einen Gefallen erzeigt.“ „Ich weiß das, weiß das, Kind; Fessel ist ein wenig ungelenk in seiner Art, aber durch und durch ein Ehrenmann.“ nickte die Alte, während eine jähe Röthe über Regina's Gesicht jagte,„Du bist ja auch nicht habgierig, und wenig ist's ohnehin, was Ihr bekommt, wenn ich die deren 208; für Frankreich weist der„Spectateur Militaire“ 325 Generale nach' und Rußland zählt 336 solche. An Offizieren hat das deutsche Reich 18,887, Oesterreich im activen Stande 13,644, Frankreich 25,103, Rußland 25,652. Des Schleswiger Amtsblatt veröffentlicht Folgendes: Se. Majestät der Kaiser und König haben die Gnade gehabt, mir einen andern Wirkungskreis anzuweisen. Indem ich aus meiner bisherigen Stellung als Präsident der königl. Regierung hierselbst ausscheide, ist es mir Bedürfniß, den Einwohnern von Schleswig=Holstein, sowie den Behörden dieser Provinz meinen aufrichtigen Dank auszusprechen für das wohlwollend freundliche Entgegenkommen, welches sie mir persönlich erwiesen haben, sowie für das ehrenvolle Vertrauen, welches mir in den Geschäften meines Amtes in so reichem Maße zu Theil geworden ist. Bei dem Rückblick auf mein vielbewegtes Leben werden mir die Jahre meiner Thätigkeit in Schleswig=Holstein eine der liebsten wie der ehrenvollsten Erinnerungen sein. Möge die Gnade und der Segen des Herrn auch ferner auf dem Lande und seinen Bewohnern ruhen! Schleswig, den 15. Februar 1876. Der Regierungs=Präsident Bitter. Von gut unterrichteter Seite wird bestätigt, daß dem Grafen Ledochowski alsbald nach seiner Ankunft in Krakau von Seiten der österreichischen Regierung die Aufforderung zuging, seine Reisen durch Gatizien abzubrechen und sich jeder Demonstration zu enthalten, die als gegen freundnachbarliche Regierungen gerichtet sein könnte. Aus Petersburg wird unterm 21. Februar berichtet: „Die Großfürstin Maria Nikolajewna(Schwester des Kaisers) ist heute früh 1 Uhrihren Leiden erlegen. Die Verstorbene war die älteste Tochter des Kaisers Nikolaus und der Kaiserin mierandra, zuvor Prinzessin Charlotte von Preußen, mithin die Nichte des deutschen Kaisers. Die verewigte Großfürstin, am 18. August 1819 geboren, vermählte sich am 14. Juli 1839 mit dem Herzoge Maximilian von Leuchtenberg, welcher am 1. November 1852 starb. Seit dem 16. November 1856 war sie zum zweiten Male vermählt mit dem Grafen Georg Stroganow. Das Schwurgericht zu Meseritz hat dieser Tage abermals gegen 5 Angeklagte in der Kähmer Aufruhrsache verhandelt. Vier von ihnen wurden zu Gefängnißstrafen von 6 und 10 Monaten verurtheilt, Einer freigesprochen. Der Oberbürgermeister von Köln, Dr. Becker, hatte an den Herrn Reichskanzler Bericht über die jüngst mit der Kaiserglocke vorgenommene Läuteprobe erstattet und hat darauf vom Fürsten Bismarck folgende telegraphische Erwiderung erhalten:„Im Zusammenklange der Kaiserglocke mit den übrigen sehe ich eine vorbildliche politische Verheißung.“ SelestfälischPaderborn. Der Regierungs=Assessor Himly hier veranlaßt die Kirchenvorstände der Diöcese Paderborn, die durch die Geschäfts=Instruction von ihm vorgeschriebenen Berichte 2c. binnen 14 Tagen einzureichen. Ebenso fordert er die Kirchenvorstände auf, bis zum 1. März Abdrücke der neu angeschafften Kirchenvorstands=Siegel zu den Acten einzuliefern. Fröndenberg. Letzten Sonntag feierte der hiesige Männer=Gesangverein sein Stiftungsfest durch Concert und Ball. Die schön decorirten Räume des Herrn Lücke waren kaum im Stande, das gesang= und musikliebende Publikum zu fassen, und zollte letzteres den gut zum Vortrag gebrachten einzelnen Piecen den wohlverdienten Beifall. Der nach dem Concerte stattgehabte Ball hielt die Festtheilnehmer noch lange in gemüthlicher Stimmung beisammen, wozu Küche und Keller des Herrn Lücke, welche Vorzügliches leisteten, viel mit beitrugen. Wir wünschen dem wackern Vereine ein gutes Gedeihen. Plettenbera: Am 14. d. M. haben wir einen Mann begraben, der mit seltener Rüstigkeit und Frische nicht weniger denn 46 Jahre seiner Gemeinde und fast 25 Jahre in einem großen Theile unseres Kreises der Schule gedient hat. Es war der Pfarrer und Kreis=Schulinspector Schirmer in Plettenberg. Wer ihn kannte, hatte schon seit Monaten mit tiefem Schmerz erfahren, wie dieser rasche, rege, mit blitzender Genialität begabte Geist von harter, schwerer Krankheit gehemmt wurde, und seine noch fast ungebrochene körperliche Kraft einer unvermeidlichen Auflösung entgegenging. Bochum. Der Anspruch auf ein Landgericht, den Seitens unserer Stadt am Freitag eine hiesige Deputation bei dem Justizminister in Audienz vorbrachte, wurde von dem Minister als noch sehr verfrüht bezeichnet. Der Justizminister äußerte darüber: Bevor die neue Gerichtsorganisation gesetzlich perfect geworden sei, müsse die Feststellung eines detaillirten Plans über die Vertheilung der Gerichte offenbar verfrüht erscheinen. Jedenfalls würden bis zur Organisation der neuen Gerichte mindestens 2 Jahre vergehen. Der außerordentlich große Geschäftsumfang des Bochumer KreisGerichts sei ihm sehr wohl bekannt, und werde ihn dieser Punkt jedenfalls Anlaß geben, bei der Entscheidung der in Rede stehenden Frage„an Bochum zu denken.“ Ein bestimmtes Versprechen könne er aber in keiner Weise geben, da hierbei doch noch mehrfache andere Gesichtspunkte in Betracht kämen. Dortmund. Ein gutes Zeichen der Zeit ist hoffentlich darin zu finden, daß auf der Dortmunder Hütte(Union) in diesen Tagen der erste Hochofen wieder angeblasen wurde und bereits Eisen liefert. Der zweite wird voraussichtlich in einigen Tagen in Thätigkeit gesetzt. Dortmund. Der musikalische Wettstreit, den zur größeren Ehre des deutschen Reichskanzlers vor nunmehr anderthalb Jahren Dortmunder Bürger entzündeten, ist endlich entschieden. Der Ehrenpreis von 1000 Thalern, der dem würoigsten Sänger Bismarcks zufallen sollte, ist von den Preisrichtern dem Musikdirector Karl Reinthaler in Bremen zugesprochen worden. Man schreibt uns hierüber von dort aus: Den in allen Kreisen Bremens als Musiker sowohl, wie als Mensch sehr hochgeschätzten Mann hat die Kunde von seinem so ehrenvollen Triumphe um so freudiger berührt, als er durch persönliches Unglück in den letzten Tagen tief gebeugt worden war. Herr Reinthaler, aus fröhlicher Gesellschaft spät Abends heimkehrend— man hatte das Stiftungsfest des hiesigen Künstlervereins gefeiert— hatte das Unglück, auf einer bei dem damaligen Schnee= und Eiswetier doppelt gefährlichen Trottoirstelle auszugleiten und sich das Bein zu zerbrechen. Er ist noch jetzt an das Schmerzenslager gefesselt, von dem ihn zu befreien die frohe Kunde hoffentlich beitragen wird. Carl Reinthaler wurde im October 1822 in Erfurt als Sohn des dortigen Domorganisten Reinthaler geboren, studirte zuerst Theologie und machte später, als sein musikalischer Beruf zum Durchbruch gekommen war, umfassende Studien in Rom, Köln und Berlin(bei Marx). Seit 1857 ist er hier als städtischer Musikdirector angestellt und nimmt am musikalischen Leben Bremens den hervorragendsten Antheil schon durch seine Eigenschaft als Dirigent der hiesigen Privatconcerte und der Singakademie. Er gilt als einer der bedeutendsten Orgelvirtuosen und hat eine Menge Werke, unter denen ich das Oratorium„Jephta und seine Tochter“, die Oper„Edda“ neune, geschrieben, die sich reichen Beifalls der Kunstinteressenten zu erfreuen haben. Der errungene Preis— so angenehm er auch ist— wird Herrn Reinthaler doch minder erfreuen als die Ehre aus solcher Concurrenz als Sieger hervorgegangen zu sein. Aachen. Am Abend des 16. versuchte ein Mann in einer hiesigen Wirthschaft falsche Thalerstücke auszugeben, wurde aber dabei von der benachrichtigten Polizei in Haft genommen, deren fofortigen Nachforschungen es auch gelang, gleich nachher auch den Fabrikanten festzunehmen und in dessen Wohnung Tiegel und Form— in letzterer fand sich noch ein richtiger Thaler vor— mit Beschlag zu belegen. Der ganze Vorrath bestand aus 11 falschen Thalerstücken und scheint die Fabrikation erst Tags vorher begonnen zu haben. Aus den Kreisen Iserlohn— Arusberg. — Wunne. Die kürzlich stuttgehabte Ueberschwemmung de: Hönne hat den hiesigen Gärten, und namentlich dem Communalwege in der Nähe des Schmied Ulmke' schen Hauses einen nicht unbedeutenden Schaden verursacht. Die Passage, welche hier über den Graben nach der Fabrik führt, ist vollständig gehemmt. Während der Dunkelheit möchten Augen schließe, mein Einkommen besteht ja nur aus einer Leibrente, in die der selige Tauser mich eingekauft, und dann ist das kleine Haus noch da, das ist Alles!“ Regina hielt sich die Ohren zu. „Ich will nichts mehr wissen von all dem langweiligen Plunder, Tante, der uns mit seinem Ballast beängstigend an die Scholle fesselt;“ sagte sie entschieden.„Ich beneide nur die sorglosen Vögel, die leicht und fröhlich in den Zweigen leben, bald hier, bald dorthin schweifen, wohin ihre Schwingen sie tragen, nur Licht, Sonnenschein und etwas Nahrung brauchen, und das alles finden sie vollauf!“— „Was nicht für tolle Wünsche und Gedanken sich in Deinem Kopf jagen,“ bemerkte mit sauersüßem Lächeln die Registratorin.„Dein Schifflein müßte stets ungefährdet auf blauem Wasser schwimmen. Behüte Dich der Himmel vor schweren Tagen!" „Die halte ich mir wohlweislich ferne,“ scherzte Regina lachend;„was sollte ich denn auch mit Sorgen machen!“ „Und doch fürchte ich, wir gehen schlimmen Zeiten entgegen,“ warnte die Alte:„der Ernst des Lebens wird auch Dich erreichen, Du kannst ihm nicht entrinnen. Die Welt sieht kriegerisch aus, wer weiß, ob auch wir nicht noch unter der Geißel des verhaßten Napoleon zu leiden haben,— seit dem gewaltigen Siege bei Austerlitz letzthin glaube ich an Alles.“ „Du sprichst wahrhaftig wie ein Orakel, Tante," spottele die junge Frau,„bedenke aber nur, wie weit wir hier vom Schusse sind! Einstweilen magst Du noch ganz ungefährdet in Deiner Ofenecke sitzen, und sollte uns einmal von Französischer Seite Unheil drohen, dann müssen die Preußen als Schutzwehr herhalten; dafür sind sie uns lange genug zur Last gewesen und von uns gefüttert worden.“ „Und nicht einmal Dank hat man davon,“ ärgerte sich die Alte,„wenigstens wir hier nicht Alle Regimenter, die in der Umgegend einquartirt gewesen, sprachen in den öffentlichen Blättern doch ihre Auerkennung für die vortreffliche Verpflegung gegen die geplagten Bewohner aus, denen sie ins Haus geschneit kamen. Das von Zastrow'sche Regiment, dessen wir uns hier in Jena Wochen lang zu erfreuen hatten, verschluckte freilich den Dank; die hielten's für unnöthig, die Zeitungsgebühren daran zu wenden.“ Die reizbare Kranke hatte sich so in die Wuth hineingerebet, daß auf ihren eingefallenen Wangen fieberrothe Flecken brannten; ein heftiger Krampfhusten erschütterte ihren Körper. Regina eilte zu ihr bin und nahm die abgemagerten Hände der Alten zwischen ihre schlanken Finger. „Beruhige Dich doch beste Tante,“ sagte sie mit sanfter Freundlichkeit, als ob sie zu einem Kinde spräche. „Preise unser Geschick, daß wir diese schmutzigen Polen los sind. Den Dank wollen wir ihnen gerne schenken; nur gut, daß sie außer Sicht sind.“ „Du solltest nur einmal unsere Kammern oben ansehen, wo die wüsten Gäste residirten, und das Klagen der Nachbarn, ja sämmtlicher Bürger müßtest Du hören über den Schmutz, den die Pollacken ihnen in den Häusern zurückgelassen haben; das wird ein Scheuerfest geben bei allen Hausfrauen hier; ich glaube, Alles wird just unter Wasser gesetzt.(F. s9) *[Eine Erbschaft.] Aktuar: Jetzt geben Sie mir genau an, was Sie von Ihren Eltern geerbt haben. Herr: Vom Vater selig hab' ich die krummen Beine und von der Mutter selig die lange Nas'— sonst wüßt' ich nichts! wir keinem rathen, da man die Aubringung einer Laterne nicht für nöthig zu halten scheint, dieselbe zu betreten, er könnte sonst leicht Hals und Bein brechen. Ob die Bahn, oder wer den Schaden zu ersetzen hat, vermögen wir nicht zu sagen, jedenfalls dürften aber unverzüglich Schritte zu thun sein, damit die Sache energisch verfolgt und ehestens Abhülfe geschafft wird. Iserlohn. Hinsichtlich der bekannten Bschwerden über den Bergbau unter der Stadt fand am 19. Februar unter Leitung des Herrn Oberpräsidenten von Kühlwetter, Excellenz, ein Termin statt, welchem Seitens des königl. Oberberg= amts zu Dortmund seine Durchlaucht der Berghauptmann Prinz Schönaich=Curolatb, der Oberbergrath Hardts, und der Bergmeister Täglichsbeck, Seitens der königlichen Regierung zu Arnsberg der Herr Präsident Steinmann und die Herren Regierungsräthe Lodemann und Schulze, die Herren Landrath Overweg und Kreisbaumeister Meydenbauer hierselbst und Vertreter des Bergwerksvereins und der Stadt beiwohnten. Der gleichfalls eingeladene Vorstand der katholischen Kirchengemeinde war nicht erschienen.— Der Bergwerksverein erklärte sich zunächst den Bürgern und der Stadt gegenüber bereit zu einer angemessenen Entschädigung für die in der Lehmkuhle entstandene Beschädigung, soweit sie nicht Gegenstand des Prozesses sind. Ferner wurde festgestellt, daß der Bergbau sich nicht weiter nach Westen hin in die Stadt hinein, sondern nach Norden zu in die Gegend zwischen Nordstraße und Langen Gasse und von dem bekannten Tagebruch(24. Dec. 1875) über die ehemalige Gößer'sche Besitzung hinaus in die Feldmark hineingetrieben werden solle. Da namentlich zwischen Langen Gasse und Nordstraße es sich um einen sehr tiefen Betrieb zwischen Kalksteinwänden handelt, so sind Beschädigungen der Gebäude nicht meyr zu vermuthen, gleichwohl verpflichtet sich der Verein etwa durch den Bergbau entstehenden Schaden zu ersetzen.— Der von jetzt ab stattfindende Bergbau ist nach Westen zu durch eine Demarkationslinie abgegränzt, welche sich wesentlich von der im Jaore 1858 gezogenen dadurch unterscheidet, daß dieselbe bis zur ewigen Teufe führt, und also in gar keiner Tiefe mehr überschritten werden darf mit Ausnahme von erforderlichen Luftschüchten im festen Gestein. * Arnsbera. Den Curatoren der RegierungsbezirksWittwenkasse Arnsberg wird durch die königliche Regierung folgende Verfügung des Ministeriums der geistlichen, Unterrichts= und Medicinal=Angelegenheiten bekannt gemacht: „Berlin, den 24. Januar 1876. Auf den Bericht vom 14. v. M. veranlasse ich die königliche Regierung, die Einforderung der Gehaltsverbesserungs=Beiträge zur Elementarlehrer=Wittwen= und Waisenkasse vom 1. Januar d. J. ab zu sistiren, vorbehaltlich der Wiedererhebung dieser Abgabe für den Fall, daß die Verhältnisse der Kasse dies in der Zukunft erforderlich machen sollten. Einer Statutenveränderung bedarf es für diese in Uebereinstimmung mit den Wünschen der Kassen=Curatoren nach Anhörung der Kreisvorstände getroffenen Verwaltungsmaßregeln um so weniger, als für die dortige, wie für alle anderen nach Maßgabe des Gesetzes vom 22. November 1869 eingerichteten Kassen nicht nur die ministerielle Genehmigung für Statutveränderungen durch die constante Praxis als ausreichend anerkannt, sondern auch dieses Verfahren bei Abfassung der Statuten ausdrücklich beabsichtigt worden ist. Die königl. Regierung hat hiervon den Kassen=Curatoren Nachricht zu geben. Im Auftrage gez. Förster. An die königliche Regierung zu Arnsberg.“ ∆ Arnsberg. Ueber die gegenwärtigen Zustände in Nordamerika entnehmen wir einem Schreiben des Pastors Ruperti in Newyork, eines Deutschen, folgende wenig erfreuliche Schilderung:„Die Geschäftslosigkeit,“ sagt derselbe in diesem Briefe,„hat eine zunehmende Armuth und wachsendes Verbrechen im Gefolge. Die Armee von Arbeitslosen in den Straßen war nie größer, und die Aussichten nie schlechter. In allen östlichen Staaten ist dasselbe Elend. Der Sherif einer großen Stadt in Massachusetts fand kürzlich die Räume seines Gefängnisses unzureichend. Er telegraphirte deßhalb an alle Gefängniß= Verwaltungen des Staates um Ueberlassung von Raum. Aber von allen Seiten kam die Antwort, daß die eigenen Räume überfüllt seien: Alles von bettelnden Vagabunden. Und doch kommen noch Tausende monatlich herüber, und die meisten ohne Geld, ohne Sprachkenntniß, vielleicht auch ohne ausreichende Körperkraft für schwere Arbeit. Es ist herzbrechend und dabei zugleich zum Grimmigwerden, wenn man diese leichtfertigen Schaaren beobachtet, die so gedankenlos auswandern und sich und die Familien in das größte Unglück bringen. Es sollten doch Alle, die Einfluß auf das Volk haben, das arme thörichte Volk von der Auswanderung nach Amerika zurückhalten.“ Allerlei. *[Ein Käniaswort.] Die Einziehung derjenigen Kassen=Anweisungen, die mit dem Ablauf des vorigen Jahres ungiltig geworden sind, ruft der Tribüne eine Geschichte aus dem Jahre 1846 ins Gedächtniß zurück, die wenig bekannt und wol werth ist, der Vergessenheit entrissen zu werden. Damals lebte in dem Städtchen Sangerhausen eine alte Frau, die Nagelschmiedwille WBeloia, die sich einen kleinen Schatz im Betrage von 69 Thalern in einzelnen Tresorscheinen gespart hatte, den sie wie einen Augapfel hütete. Eines Tages zeigte sie diesen für ihre alten Tage bestimmten Nothgroschen einem Manne, der bei ihr wohnte und zu dem sie großes Vertrauen hatte. Der Mann sah sich die Scheine an und erklärte ihr, daß dieselben bereits seit Jahren außer Cours gesetzt seien. Die Frau war vor Schreck außer sich, und als auch mehrere Kaufleute, die sie befragte, jene Angabe bestätigten, überließ sie sich einer wahren Verzweiflung. Ihr Chambregarnist suchte sie zu trösten, und richtete noch an demselben Tage in ihrem Namen ein Immediatgesuch an den König Fricdrich Wilhelm IV., in welchem um Ersatz der verfallenen Scheine unter Darlegung der traurigen Verhältnisse der Witwe gebeten wurde. Etwa 14 Tage später wurde die Witwe nach dem Haupt=Steueramt beschieden. Man denke sich die Freude der alten Frau, als ihr der Steuercommissar einhundert Thaler auf den Zahltisch legte mit dem Bemerken, das Geld einzustreichen. Hierauf holte er die ihm zugegangene Petition hervor, welche folgende eigenhändige Bemeitung des Monarchen enthielt:„Mit dem Aufhören des Courses der Kassen=Anweisungen hört die Verpflichtung des Staates nicht auf, dieselben einzulösen, ebensowenig wie die moralische Verpflichtung eines Privatmannes nicht aufhört, an die Bezahlung einer Schuld zu denken, die rechtlich nicht mehr eingeklagt werden kann, und die staatlichen Institute sollen anderen mit gutem Beispiel vorangehen. Es sind der Witwe Helbig deßhalb die 69 Thaler auszuwechseln und, um die Frau für die erlittenen Zinsenverluste zu entschädigen, machen wir die 100 Thaler aus unserer Privatschatulle voll. Fr. Wilh. IV.“ *[„Hier ist das Klopfen verboten.“] Aus Langenlois erzählt man folgende ergötzliche Schulgeschichte: An der Brüner Straße steht hier im Schulhause gerade unter dem Wohnfenster des Lehrers eine ziemlich große leere Tonne, und den Schuljungen machte es besondere Freude daran zu pochen und an dem lauten hellen Klange sich zu ergötzen. Dem Lehrer, eigentlich der Frau Lehrerin war das ewige Gepoche und Getöne zuwider, da es schon oft ihren jüngsten Sprößling aus dem Schlafe brachte, und wurde das Klopfen den Kindern wiederholt nachdrücklichst verboten; zuletzt klebte er einen mit großen Buchstaben beschriebenen Zettel auf den Faßboden, worauf zu lesen war:„Hier ist das Klopfen streng verboten!“ Eines Tages jedoch trommelte trotz des vor Augen habenden Verbotes des Bachbauers lustiger Micher! nach Herzenslust auf dem Fasse, bis ihm von dem Wohnzimmer herab die zornige Stimme des Lehrers mit den drohenden Worten:„Warte nur, Schlingel!“ von seinen musikalischen Uebungen abschreckte. Betroffen schlich sich Micherl in den entferntesten Winkel des Hofes, im Stillen darüber nachbrütend, ob nicht einmal„Schulstürzen“ ihn von der drohenden Züchtigung befreien könne. Plötzlich kam ihm ein rettender Gedanke. Im letzten Augenblicke vor Schulbeginn trat er ins Schulzimmer und schlüpfte in seine Bank. Doch der Lehrer hatte ein scharfes Auge und den Delinquenten bemerkt. Nach Ende des Gebetes rief er mit barscher Stimme den Micherl vor seinen Thron.„Du hast geklopft!“ herrschte er ihn an; ein zögerndes, schüchternes „Ja“, ertönte als Antwort. Nach diesem Geständniß ergriff der Lehrer den geständigen Uebelthäter, und ihn mit der linken Hand mit langgeübter pädagogischer Sicherheit über das vorwärtsgesetzte linke Knie beugend, wollte soeben die mit dem eichenen Lineal bewaffnete Rechte niederzucken, um auf der Kehrseite von Micherls Ich die verwirkte Zahl von Hieben niederfallen zu lassen, als sein Blick auf der Rückseite von Micherls Höschen erstaunt haften blieb; denn dort stand von des Lehrers eigener Hand geschrieben:„Hier ist das Klopfen verboten!“— Der pfiffige Micherle hatte von dem Fasse den lehrerischen Ukas abgelöst und damit sein Höschen a posteriori versehen. Der Lehrer war durch den findigen Einfall des sonst braven Knaben entwaffnet und, den Knaben loslassend, sagte er:„Weil Du so gescheit warst, so will ich Dir diesmal die Strafe nachsehen, aber merk Dir, daß am Fasse es steht:„Hier ist das Klopfen verboten!" *[Ein furchtbarer Schneesturm] wird aus Saratow an der mittleren Wolga gemeldet, der am 18. v. M. dort wüthete. Es wurden Dächer abgerissen, Häuser in den Schneewehen ganz eingehüllt, so daß man den Bewohnern Hülfe bringen mußte. Ein Offizier, der sich aus der Kaserne in die Stadt nach Hause begab, erfror auf der Straße. Am 19. wurden Kosacken ausgeschickt, um zu sehen, wer etwa unterwegs von dem Schneesturm überrascht und darin verunglückt sei. Sie fanden nach einem Bericht der „Mosk. Ztg.“ über 30 Leichen. *[Zerstreutheiten.] Glasbrenners MontagsZeitung bringt nachfolgende niedliche Auszüge aus deutschen Blättern:„Ehrenerklärung. Ich habe meine Tochter Johanna öffentlich beleidigt. Ich nehme dieselbe hiermit zurück, erkläre sie für unwahr und warne vor Weiterverbreitung. Johann Bribsch.“(Schweidnitzer Kreisblatt Nr. 1, 1873.)—„Ein halbes Windspiel ist entlaufen.“(Amtsblatt für Ostfriesland Nr. 1, 1873.)—„In Mogoro (Sardinien) erschlun ein junger Mann seinen Vater, um ihn berauben und dann heirathen zu können.(„Fränkischer Courir“, 12. Februar 1873.)—„Der Kaiser gab das Zeichen zum Beginn der Feier durch Absingung eines Chorals.“(Kölnische Zeitung Nr. 243, 1873.)—„Gesucht wird eine Schlafstelle für einen Herrn, worin man arbeiten kann. Adressen abzugeben bei Fr. Zimmermann, Zeitzerstraße Nr. 11.“(„Leipziger Tageblatt“, 17. Mai 1873.) —„Gestern Nachmittags 5 Uhr, an unserm Hochzeitstage, beschenkte mich meine liebe Frau mit einem kräftigen Jungen.“(Leipziger Zeitung, 1. October 1873.) *[Guter Rath.] Will eine Frau ihrem Mann das Spätausbleiben abgewöhnen, dann braucht sie ihm nur ein Mal des Nachts durch das Schlüsselloch entgegenzuflüstern:„Bist Du es, Heinrich?“—(vorausgesetzt, daß er nicht Heinrich heißt!—) und dann zu schwören, daß sie sich blos versprochen habe. *[Vortheil.] Köchin: Hans, Du wärst sonst ein netter Knecht, wenn Du den großen Mund nicht hättest. Hauskuecht: Herrgott, det hat immer man sein Vortheil. Bei schlechte Zeiten fällt nichts daneben, bei guten Zeiten geht was Ordentliches drin. *[Bessere Art, Kartoffeln zu kochen.] Die Kartoffeln haben auch gewöhnlich nach dem Kochen noch eine herbe Schärfe, die ebenso unangenehm als ungesund ist. Um ihnen diese zu benehmen, koche man sie einmal mit Wasser auf, gieße dann dieses rein ab und darauf reines, warmes Wasser hinzu, mit welchem man sie gahr kocht. Das erste Wasser hat alle herben Theile herausgezogen, mit dem letzten werden sie gesalzen. Man erhält auf diese Weise gesundere und wohlschweckendere Kartoffeln. Die Mühe ist kaum in Anschlag zu bringen. *[Kartoffelpräparate.]„Der Landwirth“ theilt die Darstellung getrockneter Kartoffeln in der Konserveufabrik von Carstens in Lübeck mit. Die Kartoffeln werden mit der Hand geschält, auf einer Maschine in Scheiben geschnitten, diese in einen Korb gelegt, mit demselben in einen Kessel gestellt und dann— jedoch nicht vollständig gar gekocht. Hierauf kommen die Kartoffelnscheiben auf Drathrahmen in einen Trockenosen, in dem sie ganz hart gedörrt werden. Eine Hauptaufgabe muß es sein, dem Kartoffelnfabrikat die Farbe zu erhalten. Wenn man die rohe Kartoffel schält, sie in Scheiben schneidet und ohne Weiteres trocknet, so werden sie grau. Es muß deßhalb, um ihnen die Farbe zu erhalten, eine dem entsprechende Manipulation vorgenommen werden. Dieselbe besteht darin, daß die rohen geschälten und auf einem Gurkenhobel in Scheiben geschnittenen Kartoffeln mit kaltem Wasser, dem 1 Procent Schwefelsäure, oder 1—2 Procent Salzsäure zugesetzt worden sind, behandelt, in reinem Wasser abgespült und dann rasch getrocknet werden. Das auf diese Weise gewonnene Kartoffelpräparat ist von leichter citronengelber Farbe, gummiartig durchscheinend und erleidet an seinem Stärkegehalt keinen Verlust. Mit Wasser unter etwas Salzzusatz gekocht, nimmt es die natürliche Farbe und Fasernstrucktur der Kartoffeln wieder an und unterscheidet sich im Geschmack nicht von den frischgekochten Kartoffeln. Letzteres ist von Wichtigkeit. Man könnte sich die Kartoffeln im Herbst für die Zeit des Spätfrühjahres zubereiten, wo sie bekanntlich an Wohlgeschmack verlieren. *[Vortheil beim Backen.] Zum Gelingen von Hefenbäckereien, überhaupt von allen Backwerken, also auch von Hausbrod, ist ein sorgfältiges Sieben des Mehles unerläßlich. Das Unterlassen desselben, besonders wenn das Mehl länger gelegen oder fest in die Säcke eingedrückt war, ist häufig die Ursache, daß das Gebäck nicht gehörig aufgeht und mißräth. Alle Backwerke werden lockerer und leichter verdaulich, wenn man das Mehl vor dem Anrühren oder Kneten ein= oder zweimal durch ein Sieb gehen läßt. Man bringt dadurch mehr Luft in den Teig, als durch das anhaltendste Kneten, was die Gährung(das Aufgehen) erleichtert, gleichförmiger und vollkommen macht. *[Conserviren rohen Fleisches.] Die schon längere Zeit bekannte Wirkung der Borsäure als Conservirungsmaterial scheint weitere Ausdehnung zu gewinnen. A. Herzen in Florenz benutzt rohe Borsäure mit Zusätzen von Salpeter und Kochsalz zur Conservirung von frischem Fleisch. Nach vorliegenden Resultaten bleibt Fleisch noch nach einem Jahre genießbar. Nach diesem mehrfach patentirten Verfahren beabsichtigt eine Gesellschaft in Florenz Fleisch aus Südamerika und Rußland einzuführen. *[Das Abkneipen der Erbsen] ist in der Umgegend von Paris ein sehr gebräuchliches Verfahren, um die Reife der Schoten zu beschleunigen. Man kneipt nur Früherbseu und von diesen wieder nur Zwergerbsen ab. Die Sache selbst ist sehr einfach. Sind die Erbsen im Frühjahr so weit ausgebildet, daß die Blüthen anfangen, sich zu entfalten, dann werden die Spitzen der Pflanzen über dem dritten oder vierten Blüthenstock abgekneipt, was zunächst zur Folge hat, daß die Blüthen sich dadurch alle zu gleicher Zeit entfalten und demnach die Reife der Schoten gleichmäßig ist. Die Deutschen Lebens=Versicherungs=Gesellschaften im Jahre 1874. Auf die fortschreitende Entwickelung und die hervorragende Stellung des deutschen Lebensversicherungs=Wesens, dieses wichtigen Zweiges wirthschaftlicher Selbsthülfe, weist auch in diesem Jahre die in der Extra=Beilage zu Nr. 506 der „Berliner Börsen=Zeitung" vom 30. October 1875 veröffentlichte, durch wissenschaftliche Gründlichkeit und strenge Unparteilichkeit ausgezeichnete statistische Arbeit über die Geschäfts= und Vermögenslage der deutschen Lebens=Versicherungs=Gesellschaften hin. Von den einzeln aufgeführten 57 Gesellschaften gehören 38 dem deutschen Reich:, 17 DeutschOesterreich und 2 der deutschen Schweiz an. Bei den 38 Gesellschaften im deutschen Reiche blieben Ende 1874 in der Haupt=Abtheilung der Capitalversicherungen auf den Todesfall 504,098 Personen mit Thlr. 497,512,360 Capital versichert, wovon 316,228 Personen mit Thlr. 286,975,702 Versicherungs=Summe den 19 Actien=Gesellschaften und 187,870 Personen mit Thlr. 210,536,658 Versicherungs= Summe den 19 Gegenseitigkeits=Gesellschaften angehören. Mit Hinzurechnung der Begräbnißgeld= und Aussteuer=Versicherungen erreichte das Gesammt=Versicherungscapital dieser 38 Gesellschaften die Höhe von Thlr. 522,434.009. Unter den Actien=Gesellschaften hatte die größte preußische LebensVersicherungsanstalt, die Germania in Stettin, Ende 1874 den höchsten Bestand von 129,711 Versicherungen mit Thlr. 66,195,025 Capital und Thlr. 34,426.92 jährl. Renten; sie erhielt auch im verflossenen Jahre den höchsten neuen Zugang an Versicherungen.— Für 7712 im Jahre 1874 eingetretene Sterbefälle, sowie für bei Lebzeiten fällig gewordene Capitalien und Renten zahlten die 38 Gesellschaften im deutschen Reiche Thlr. 7,853,909 gleich 36.53 Procent ihrer Jahreseinnahme, die Germania in Stettin allein Thlr 971,978. Zu den Gesellschafteu, welche von der Jahreseinnahme weniger als den Durchschnittssatz aller Gesellschaften von 14.86% für Provisionen und Verwaltungskosten verausgabten, gehörte die Germania in Stettin; sie verwendete für diese Ausgaben nur 14.22%o ihrer Jahreseinnahme. Dem Prämien= Reservefonds wurden Thlr. 6,596,008 gleich 30.68%o der Jahreseinnahme überwiesen, und der Gesammtbetrag der Garantiefonds ist um Thlr. 8,935,830 auf Thlr. 115,941,080 gestiegen. An Garantiefonds besitzen die 19 Actien=Gesellschaften Thlr. 76,438,452 gleich 25.22“ o ihres VersicherungsCapitals, die 19 Gegenseitigkeits=Gesellschaften Thlr. 39,502,628 gleich 18.01% ihres Versicherungs=Capitals. Von dem Gesammtbetrage der Garantiefonds der 38 Gesellschaften Ende 1874 gehören Thlr. 10,459,164 der Germania in Stettin, deren Fonds gegen das Vorjahr eine Vermehrung um Thlr. 903,231 zeigen uno zum größeren Theile in pupillarisch sicheren Hypotheken zinstragend angelegt sind. Todes= Anzeige. Freunden und Bekannten die traurige Mittheilung, daß unser lieber Bruder und Schwager Carl Bösenhagen, pract. Arzt, heute Morgen zu Straßburg i. E. sanst entschlafen ist. Die trauernden Hinterbliebenen. Menden u. Straßburg, den 23. Februar 1876. Für die zahlreiche Betheiligung an dem Begräbniß unseres am 16. Februar 1876, Vormittags 9 Uhr, im Alter von 80 Jahren verstorbenen Gatten, Vaters, Schwiegervaters und Großvaters, des Mechanikus Heinrich Tiltmann, sagen wir hiermit unsern innigsten Dank. Arnsberg, Lippstadt, Lüdenscheid und Recklinghausen, 21. Februar 1876. Die trauernden Hinterbliebenen. Nach Menden und Umgegend! Unterzeichneter wird künftig nicht mehr jeden Samstag, sondern nur am 2. und 17. jedes Monats dorthin kommen. Fällt der 2. oder 17. auf einen gesetzlichen Feiertag, so gilt der nächste Werktag. Werl. Reigers, Rechtsanwalt. Verpachtung u. Mobilarverkauf. Am Mittwoch den 1. März, Morgens 10 Uhr anfangend, werde ich für den Herrn Oeconomen Franz Midderhoff in Garbeck bei Balve, an der Behausung der Frau Wwe. Stümmel daselbst, seine sämmtlichen Grundstücke: ca. 36 Morgen nehst Wiesen, welche alle in sehr gutem Zustande sind, auf mehrere Jahre öffentlich zur Verpachtung aussetzen. Um 12 Uhr anfangend, werde ich für denselben in seiner Behausung sein sämmtliches Mobilar nebst Ackergeräthen, als: 1 sehr gutes Pferd, 2 sehr gute Kühe, 1 Rind, 17 Stück Schafe, 30 Stück Faselschweine, 1 Wagen, 1 Karre, 1 Karrengestell mit eiserner Axe, Eggen, Pflug u. s. w.; ferner kommen zum Verkauf: Glasschränke, Tische, Stühle, Ofen, Kochmaschine, Bilder, Haus= und Taschenuhr und noch allerlei Acker= und Hausgeräthe. Die Gegenstände werden gegen Credit verkauft, mit Ausnahme derer, die unter 3 Mark bleiben; letztere müssen gleich bezahlt werden. Menden. Franz Rößler. Bekanntmachung. Die Anfertigung der PlanumsArbeiten des von Buemke bis zu Wenholthauser Flurgrenze auszubauenden, 990 laufende Meter langen Communalweges, incl. Material veranschlagt zu 951 Mark 30 Pf., soll am 9. März d. I., Morgens 10 Uhr, mindestfordernd verdungen werden. Unternehmungslustige wollen sich im Verdingstermine an Ort und Stelle zu Buemke einfinden. Kostenanschlag nebst Plan liegt beim Unterzeichneten zur Einsicht offen. Eslohe, den 10. Februar 1876. Tilly, Amtmann. Bekanntmachung. Der Bau einer massiven Brücke über den Salwey=Bach im Dorfe Niedersalwey, incl. Material veranschlagt zu 874 M., soll Samstag den 11. März c., Morgens 9 Uhr, in der Behausung des Wirths Anton Wiethoff zu Niedersalwcy mindestfordernd verdungen werden. Zeichnung und Kostenanschlag nebst Bedingungen liegen auf dem Bureau des Unterzeichneten zur Einsicht offen. Eslohe, den 20. Februar 1876. Tilly, Amtmann. Holz=Verkauf. Freitag den 3. März, Morgens 10 Uhr, werden im Freiherrlich von Dücker'schen Forst=Distrikt Bieberberg 1000 Stück langschaftige Fichten, geeignet zu Balken, Sparren, Leiterbäumen, Latten, Gerüst=, Frechtungsund Baumstangen; auch mehrere hundert Bohnenstangen spHeckenstöcke in Nummern öffentlich meistbietend gegen baare Zahlung verkauft. Zusammenkunft am Handweiser. Rödinahausen, 23. Februar 1876. Melchers. Oeff. Stadtverordnetensitzung Holz=Verkauf. Am Samstag d. 4. Märzd. J. werden im Vosholz, bei Edelburg, 150 starke Fichten=Balken und Sparren, 100 Haufen Fichten=Staugen, verschied. Stärke, und 100 Haufen Lärchen=Gerüst= und Zannstangen meistbietend verkauft. Sammelplatz im Vosholz. Hemer, den 18. Februar 1876. Tuschhoff, Rentmeister. Bekanntmachung. Der Neubau des Communalweges von Obersalwey bis zur Flurgrenze Schliprüthen, zur Länge von 1582 Meter, soll Samstag den 1 1. März d. J., Morgens 11 Uhr, in der Behausung des Wirths Böring zu Obersalwey mindestfordernd verdungen werden. Unter nehmungslustige werden zum Verdingstermine hiermit geladen. Der Bau besteht in Anfertigung des Planums, verschiedener Durchlässe und der Steinbahn 2c. 2c., veranschlagt incl. Material zu überhaupt 1827 Thlr. 1 Sgr. oder 5481 M. 10 Pf. Kostenanschlag, Situations= und Nivellementsplan liegen auf dem Bureau des Unterzeichneten zur Einsicht offen und werden auch im Verdingstermine vorgelegt. Eslohe, den 18. Februar 1876. Tilly, Amtmann. 50 Centner Heu sind billig zu haben. Wo? erfährt man in der Exp. d. Bl. Großer am Mittwoch den 1. März c., Nachmittags 5 Uhr. Tages=Ordnung: 1. Einführung eines gewerblichen Schiedsgerichts betreffend; 2. Auszug aus dem Jahresbericht über die Provinzialstraßen des Kreises Iserlohn; 3. Antrag des Anpächters der städtischen Fischerei auf Ermäßigung des Pachtzinses; 4. Niederschlagung unbeibringliche: städtischer Gefälle; 5. Niederschlagung unbeibringlichen Schulgeldes und Uebernahme desselben auf die Stadtkasse; 6. Wahl einer Commission zur Prüfung der Sparkassen=Documente; 7. Erstattung des Verwaltungsberichts pro 1875. Menden, 23. Februar 1876. Der Bürgermeister: Papenhausen. Großer Mobilar Ausverkauf. Neue Möbeln, als: Sekretaire, polirte und gewöhnliche Stühle, Tische, ein= und zweischläfrige Bettstellen, Küchen= und Kleiderschränke, Commoden, Pulte, Anrichte u. s. w. werde ich Freitag den 25. c., Morgens 10 Uhr, beim Wirth Herrn E. Schmidt Sohn hier, und Samstag den 26. c., Morgens 11 Uhr, beim Wirth Herrn Dodt in Hemer gegen 3monatlichen Credit verkaufen. Menden. L. Pieper. Mobilar 2c. Herr Hötel=Besitzer Rüßmann wird zufolge Verzugs Montag den 28. c., Morgens 10 Uhr anfangend, 2 Füllreguliröfen, Säulenofen, Sprungheerd, eine große Kochmaschine, fünf Dutzend Stühle, große und kleine Tische, Servante, Sophas, Küchenschrank, Wanduhr, Fleisch= und Ohmfässer, und sonstige Küchen= und Hausgeräthe gegen Credit verkaufen. Menden. L. Pieper. Holz=Verkauf. Montag den 28. d. M., Vormittags 9 Uhr anfangend, werde ich für den Holzhändler Herrn W. Schulz hierselbst eine große Parthie trockene eichene Bretter, Bohlen und Bauhölzer in der Kluse und auf dem Lagerplatz Grüner=Wege, nummerweise am mit einer ausgedehnten Zahlungsfrist verkaufen.— Sammelplatz und Anfang in der Kluse. Iserlohn, 18. Februar 1876 Böttcher, Auctions=Commissar. Eine Wiese ist auf 5 Jahre anzupachten, und eine Besitzung, bestehend in einem Hause und circa 9 Morgen Acker, ist unter günstigen Bedingungen sehr preiswürdig zu kaufen. Näheres bei Menden. L. Pieper. Verkauf. Dienstag den 29. c., Morgens 10½ Uhr, sollen beim Wirth Herrn W. Schröder die sehr guten, fast neuen Ackergeräthe, als: Leiterwagen, Karre, Pflug, Egge und Pferdegeschirr gegen ausgedehnten Credit verkauft werden. Menden. L. Pieper. Schweine=Verkauf. Dienstag den 29. c., Morgens 11° Uhr, wird der Viehhändler Rademacher eine bedeutende Partie tragbare Mutter- und Faselschweine bei Herrn Ernst Schmidt Sohn gegen Credit verkaufen. Menden. L. Pieper. Bekanntmachung. MN 17. sollen Donnerstag den 2. März c., Morgens 11 Uhr im Gasthause von F. Gerke zu Meschede 8 Eichen=Nutzstücke. Cis#i2 Ofl8 R.= M. Eichen= Grubenholz, Distrikt 16 Buchen=Nutzstücke,(Distrikt Herrescheid und Ostergehre) 173 R.=M. Fichten= u. Buchen=Kloben u. Knüppel, Erlen= Knünpel und Totalität 36„ Erlen= Knüppel, und 600„ Buchen=Abfall=Reiser, des Schutzbezirks Enste, öffentlich meistbietend verkauft werden. Rumbeck, den 20. Februar 1876. Der Königliche Oberförster: Ulich. — Am zukünftigen Montag, Morgens 11 Uhr, verkaufe ich für den Viehhändler A. Schmale bei Gastwirth W. Schmale hier circa 50 Stück große und kleine Faselschweine gegen Credit. Menden. Franz Rößler. Beste stückreiche Kohlen, von Glückauf Tiefbau und Schürbank& Charlotteuburg. Lager an der Mühlenstraße. Von heute ab Preis per Scheffel 6½/ Sgr., bei Abnahme von 10 Scheffel und mehr 6 Sgr.! Waggonweise billiger. Menden, den 23. Februar 1876. Hugo Peus. # Mendener Turnverein. Zu unsermam nächsten Sonntag den " 2 7. F e b r u a r, A b e n d e ½ 8 U h r, i m D ü l l mann'schen Saale stattfindenden Frische holl. Tafelbutter wieder angekommen, seines hiesiges Schmalz, gute Faßbutter, einmar. Häringe empfiehlt Menden. Franz Rößler. geschlossenen Maskenballe * nur im Maskenanzuge erscheinen. Alle übrigen Ballbesucher müssen wenigstens mit einem carnevalistischen Abzeichen versehen sein.— Nach 12 Uhr wird unter die anwesenden Damen der Narren=(Bohnen=) Kuchen vertheilt,wobei der Gewinnerin des Bohnenstückchens ein prachtvolles Medaillon verehrt wird. Zutritt zum Maskenballe ist nur gegen Vorzeigung einer Eintrittskarte, die für unsere Mitglieder gratis, für einzuführende Fremde a 1 Mark bei unserm Kassenwart Lillotte in Empfang zu nehmen ist, gestattet. Der Vorstand. Katholischer Gesellenverein in Menden. Sonntag=Abend, den 27. Februar: Theatralische Vorstellung. Zur Aufführung kommt: Herrenpfiffe und Dienerkniffe, oder: Nichts leichter als das. Lustspiel in 5 Acten und 7 Bildern von Flotow. Kinder unter 14 Jahren haben keinen Zutritt. Anfang präcise 1#28 Uhr. Montag=Abend: 90 Anfang 6 Uhr. Die Ehrenmitglieder werden höflichst eingeladen. H. Kissing, Vice=Präses. Bekanntmachung. Bekanntmachung. Im Wege der Exekution sollen nachstehende Gegenstände: 1 Mutterschwein, 4 kleine Faselschweine, 1 Glasschrank, 1 Wanduhr, 1 Tisch, 1 Kleiderschrank, 2 Rinder (1 roth und 1 schwarzbuntes), 1 altes Pferd am 2. März d. I., tags 12 Uhr, in lcco Hovei— Versammlung beim Wirth Püttmann daselbst— an den Meistbietenden gegen baare Zahlung verkauft werden, wozu Kaufliebhaber einladet Arnsberg, 22. Februar 1876. Im Auftrage: Sachs, Executions=Inspecter. Bekanntmachung. Im Wege der Exekution soll eine Kuh am 3. März c., Vormittags 12 Uhr, im Pfandlocale loco Allendorf an den Meistbietenden gegen baare Zahlung verkauft werden, wozu Kaufliebhaber einladet Arnsbera, 22. Februar 1876. Im Auftrage: Sachs, Executions=Inspector. Im Wege der Exekution sollen: zwei Kühe am 4. März c., Vormittags 11 Uhr, in loco Sundern an den Meistbietenden gegen baare Zahlung kauft werden, wozu Kaufliebhaber einladet Arnsbera, 22. Februar 1876. Im Auftrage: Sachs, Executions=Inspector. 8troh und Heu wird noch 100 pfundweise abgegeben. Menden. Franz Rößler. Jedes Loos gewinnt! Zu der am 1. März 1876 in Wasungen unter obrigkeitlicher Aussicht und Leitung stattfindenden Blumen=Verloosung sind Loose a 1 Mark zu haben bei E. Thielmann in Arnsberg. Die Gewinne bestehen aus lebenden Pflanzen, wie Pracht=Georginen, Rosen, Fuhsien, Heliotropinen, Pelargonien, Verbenen, Topfnelken und sonstigen Topfgewächsen. Eisenbahnfracht briefe wieder zu haben bei W. Riedel. Amt Er Die diesjäh vom 13. bis i1 C. Krollman Sämmtliche den Ersatz=Con auch diejeniger Termine zur sind, werden ihnen zugest Tage und der bestehender Nach§. 6 September 18 Beorderung zi wendung gese stellung angehe sich der Geste pflichtiger behe zum Dienst ei Die Loosu d. J. von des einzelnen Die nehmen und senden wird geoot. In der ber zum 18. Jur Gastwirth G Landgestüte z 1. Gar rühn 2. 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