Gegründet 1860 76. Jahrgang Westfälischer Telegraph Mendenerseingt Erscheint täglich morgens mit Ausnahme der Sonn= und Feiertage.— Verbreitungsgepiet: Menden und Bdanetel.— seiallonobrnic und Verlon: B. Kiedel. Lonm.= ., Menden. Geschäftsstelle: Menden, Iserlohnerstr. 35—37.— Fernsprechanschluß: Sammelnummer 2017 Amt Menden.— Postscheckkonto: Dortmund No. 2416.— Bezugspreis monatlich RM 2.21): darin ist ein Botenlohn dis zu 50) Pfg. enthalten.— Bei Eintritt höherer Gewalt. Papier= und Strommangel besteht kein Anspruch auf Lieserung der Zeitung oder Rückzahlung des Bezugspreises.— Für die Richtigdett Fröndenberger Nachrichten Einzige in Menden Zeitung aller telesonisch aufgegebenen oeer abbeiteinen, sowie undentlich ge und Anfnahme von Anzeigen an de timmten Tage : Im Verdes##ng Blatt Lendringser übernommen.— Anzeigenproise: Im Verde= ungsgediet 5 Pfg. die 12 gespattene gedruckte Zeitung Nr. 174 Montag, den 29. Juli 1935 Jahrgang 1935 Wölfe im Schafskleid Der sogenannte 7. Weltkongreß der Komintern gibt nach jeder Richtung hin Anlaß zu nachdenklichen Betrachtungen. Zunächst sei einmal festgestellt, daß der Ausdruck„Weltkongreß" irreführend ist, denn die Vertreter der kommunistischen Parteien außerhalb des sowjetrussischen Riesenreiches spielen selbstverständlich nur die Rolle von Attrappen, die je nach Bedarf von den kommunistischen Ladenbesitzern im Kreml als Schaufensterdekoration angeordnet werden. Die Befehlsgewalt übt ganz allein Moskau aus, das übrige Volk hat zu parieren. Gleichzeitig aber mit der Nachricht vom Beginn dieser Tagung des Untermenschentums geht die Nachricht durch die Presse, daß Herr Litwinow, Rußlands vielgeplagter Außenkommissar und derzeitiger Völkerbundspräsident, in Marienbad seine angegriffenen Nerven zu neuen kühnen Taten stählt. Anschließend wird dieser„Revolutionär“, selbstverständlich im weißen Frackhemd mit Lackschuhen etc., auf dem Genfer Parkett„sein Tänzchen wagen". Ist es nicht eine grausame Ironie, wenn zur gleichen Zeit, da in Sowjetrußland sich die Herren Kommunisten an Blutrünstigkeit ihrer Reden gegenseitig nicht übertreffen lassen wollen, der sowjetrussische Außenkommissar in Genf mit dem Palmenzweig des Friedens wedelt, wenn ihm die Nationen der Welt in ihrem treuen Schafsglauben die Leitung jener Versammlung anvertrauen, die über eines der brennendsten europäischen Provien, den italienisch-abessinischen Konflikt, zu befinden und zu entscheiden hat? Wölfe im Schafskleid. Man ware versucht, ein altes römisches Senatswort anzuwenden, das bekanntlich folgendermaßen beginnt:„Caveant Consules..(mogen die Konsuln wachen). Wie soll man diese diametralen Gegensätze auch nur annähernd miteinander in Einklang bringen: Hier der fanatische Haß, der wütende Angriff gegen die Fundamente aller Kultur, gegen den Frieden unter den Nationen, für eine Weltrevolution unter dem blutbedeckten Zeichen des Hammers und der Sichel, dort unter dem sommerblauen Himmel der schönen Schweizer Stadt am See, gepflegte kultivierte Umgangsformen, Festmähler, Bankette, Friedensreden und mitten in diesem Glanz der amtliche Vertreter eines Staates, der den Terror und die Vernichtung jedes völkischen Lebens auf seine blutroten Fahnen geschrieben hat. Fürwahr, ein grausiger Spuk. Hinter dem wohlgenährten Gesicht des Herrn Völkerbundspräsidenten grinst der knochige Totenschädel des Untergangs des Abendlandes in bolschewistischen Wahnsinnsmethoden, lauert die Niedertracht, die Gemeinheit, verbirgt sich der böse Instinkt wilder Tiere. Wir glauben nicht an die friedliche Mission des Herrn Litwinow, denn wir können uns nicht vor. stellen, wie er in Genf als Schlichter Europas wir. ken will, während der Staat und die Vertreter seiner eigenen Weltanschauung gleichzeitig in Moskau zum Kampfe für die Weltrevolution hetzen, sei es auch nur von grünen Tisch aus. Der Wolf im Schafskleid ist erkannt, es wird ihm nicht gelingen, die Wachsamkeit des erwachten Deutschland wieder einzulullen. Wir werden auf dem Posten sein, denn wir haben uns erfreulicherweise den klaren Blick für gewisse Zusammenhänge bewahrt. Die internationale Wühlarbeit der Kommunisten beginnt onb. Moskau, 27. Juli. Die sowjetrussischen Staatsverlage sind, wie amtlich bekanntgegeben wird, gegenwärtig mit der Herausgabe einer ganzen Reihe von Propagandaschriften in fremden Sprachen beschäftigt. Diese verstärkte Verlegertätigkeit steht im Zusammenhang mit dem augenblicklich in Moskau tagenden Weltkongreß der Komintern, dem auch eine Anzahl der Neuerscheinungen gewidmet sein soll. Besonderen Wert will man auf die Herausgabe von neuen Büchern in deutscher Sprache legen. Die Themen der Neuerscheinungen sind die Weltlage vor dem Rongreß, die Kongreßarbeiten, die Kriegsvorbekeitungen() Deutschlands, Dimitroff auf dem Leipziger Prozeß und anderes mehr. Die letzte große Entschließung des Kongresses soll in 15 Sprachen verbreitet werden.— So wird die Internationale Wühlarbeit der Komintern schon setzt offen angekündigt. Das durch Verfügung der Staa P#lizeistelle für den Regierungsbezirk Os drück vom 22. Juli für die Zeit vom 22. Juli 1. September erlassene Verbot des„Kirch boten für Stadt und Bistum Osnabrück“ ist du verfügung vom 25. Juli aufgehoben worden. Die Schiedsordnung für das Schiedsserechtsverfahren in der Angelegenheit Jakob ist Funmehr von den Vertretern der deutschen und e schweizerischen Regierung unterzeichnet worden. Jungvolk in Frankreich Ehrliche Froutkämpferworte an den Soldatengräbern : heury Pichot vor dem Jungvolk onb. Paris, 27. Juli. Auf dem deutschen Kriegerfriedhof in St. Quentin hielt der Vorsitzende der Union Federale, Henry Pschot, in Gegenwart von 58 Charlottenburger Jungvolk=Jungen eine herzliche Ansprache. „Der Mann“, so führte er u. a. aus,„der vor Ihnen steht und Sie an dieser geweihten Stätte willkommen heißt, ist ein ehemaliger französischer Soldat. Offen und herzlich will er mit Ihnen sprechen. 52 Monate lang sind Ihre Väter und wir uns feindlich gegenüber gestanden, erbarmungslos haben wir gegeneinander gekämpft; jeder von uns hat seine Pflicht getan, aber auf beiden Seiten hat man auch die Wirklichkeit des Krieges erkannt. Wenn wir den Krieg verabscheuen, so deswegen, weil wir ihn gründlich kennen gelernt haben. Hüben wie drüben haben wir Zeugnis abgelegt von unserer Not, unserer Opferwilligkeit, von unserer Bereitwilligkeit, alle Mühen des Krieges pflichtgetreu auf uns zu nehmen. Die Toten, die in diesen gewaltigen Friedhöfen ruhen, sie rufen uns, den Ueberlebenden und ihren Söhnen, zu: Verständigt euch endlich untereinander; die Völker, wie die einzelnen Menschen innerhalb der Nationen, haben ein Recht auf das Leben. Fallt nicht noch einmal übereinander her. Sucht einträchtig miteinander, was recht und billig ist; sorgt dafür, daß jedermann, jede Familie, jeoe Nation in Sicherheit sich des Lebens erfreue. Die schönsten und fruchtbarsten Eigenschaften des Menschen kommen im Frieden und nur im Frieden zur Blüte. Im Krieg lähmt der Mensch den normalen Ablauf der Dinge. Der wirkliche menschliche Heldenmut besteht darin, hocherhobenen Hauptes und mit gutem Gewissen das Leben zu gestalten, das uns nicht geschenkt ist, um es wegzuwerfen oder mit blutiger Gewalt dem Nebenmenschen zu rauben. Wir, Franzosen und Deutsche, wir haben uns geschlagen; es ist nun endlich an der Zeit, offen und ehrlich und guten Willens zu gegenseitiger Verständigung zu gelangen, zu einer Zusammenarbeit, die nicht nur erstrebenswert, sondern auch durchaus möglich ist, zu einer Zusammenarbeit, die zwischen beiden Nationen jene Stimmung schaffen wird, die sie zum Leben brauchen und die das blutige Gespenst früherer Feindseligkeiten und Kämpfe verscheuchen wird.“ Gedenkfeier in Maissemy Die 58 Angehörigen des Charlottenburger Jungvolks, die zum Abschluß eines dreiwöchigen Aufenthaltes in Frankreich die Schlachtfelder des Weltkrieges besuchen, fuhren Sonnabend früh als Gäste des französischen Frontkämpferverbandes Union Federale von St. Quentin nach den großen deutschen Sammelfriedhöfen von Maissemy, wo 15000 deutsche Krieger in Einzelgräbern und weitere 15000 in einem Massengrab ruhen. Ein Vertreter des französischen Frontkämpferverbandes Union Federale und der Führer der deutschen Gruppe hielten am Gedenkkreuz Ansprachen, in denen die Hoffnung zum Ausdruck kam, daß der Krieg von 1914 der letzte gewefen sein möge. Die französischen Frontkämpfer legten auf dem deutschen Massengrab ein Blumengebinde nieder. Die deutschen Jungen hatten von den umliegenden Aeckern schlichte Sträuße aus Feldblumen und Kornähren gebracht, die sie in der Gedenkhalle niederlegten. Gedämpft klang über die Grabfelder das Lied vom guten Kameraden, das am Freitag auch auf dem französischen Soldatenfriedhof gesungen worden war. Die Fahrt ging dann weiter nach Reims, wo nach Besichtigung der Kathedrale und der Stadt in der Nähe der ehemaligen Kampfstätten für drei Tage ein Feldlager aufgeschlagen wurde. Die jungen Gäste aus Deutschland, die auf die französische Bevölkerung sichtlich einen ausgezeichneten Eindruck machen, waren am Freitagabend von Vertretern der Stadt St. Quentin und der französischen Frontkämpfer zu einem Beisammensein eingeladen. Auf besonderen Wunsch der französischen Gastgeber wurden zahlreiche Lieder des neuen Deutschland gesungen. Ein feierlicher Appell, bei dem ein Sieg=Heil auf den Führer und den französischen Staatsprandenten ausgebracht und die deutschen Nationalhymen gesungen wurden, beschloß den eindrucks vollen Abend. Versammiungs- und Uniformverbot für 15935 im Kreis Schmalkalden onb. Kassel, 28. Juli. Vom Leiter der Staatspolizeistelle wird mitgeteilt: Auf Grund des§ 1 der Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutze von Volk und Staat vom 28. 2. 33 in Verbindung mit§ 14 des Polizeiverwaltungsgesetzes wird im Einvernehmen mit dem Regierungspräsidenten in Kassel dem RSDFB für den Bereich des Kreises Schmalkalden die Abhaltung von Versammlungen und Zusammenkünften jeglicher Art sowie das Uniform=, Fahnen= und Abzeichen=Tragen untersagt. Der deutsche Botschafter in Paris, Roland Köster, hatre am Sonnabendvormittag eine längere Unterredung mit dem französischen Ministerpräsidenten und Außenminister Laval über die Gesamtheit der europäischen Probleme. Der englische König empfing am Sonnabend den Chef des britischen Generalstabes Sir Archibald Montgomery Massingberd, in Audienz und verlieh ihm den Marschallstab. Zweierlei Quartierfreuden Zwei nette Bilder von dem mehrtägigen Marsch des Infanterie=Regiments Döberitz nach seiner neuen Garnison Neustrelitz:(Links) Groß ist das Interesse der Dorfjugend, wenn die Soldaten im Flecken Quartier gemacht haben, dann wird jedes Fahrzeug und jede Kanone bis ins kleinste untersucht.—(Rechts) Mit die schönste Quartierfreude für den Soldaten aber ist nach dem anstrengenden Marsch der Anblick einer gefüllten Pfanne.(Scheri— M.) Dr. Goebbels an die„Bremen“ dnb. Berlin, 28. Juli. Unter dem Eindruck der Ausschreitungen gegen den deutschen Dampfer„Bremen“ im Newyorker Hafen hat Reichsminister Dr. Goebbels an die Besatzung folgendes Telegramm gerichtet: Der Besatzung der „Bremen“ übersende ich meine herzlichsten Grüße mit dem Ausdruck aufrichtiger Bewunderung für ihr tapferes Verhalten bei dem dreisten Ueberfall, den in Newyork die in allen Ländern gleich feigen und in der Ueberzahl gleich brutalen Kommunisten auf die deutsche Nationalflagge versuchten.— Kommodore Ziegenbein antwortete im Namen der Besatzung: Für die uns übersandten Grüße danken wir aufrichtig und bekennen einmütig, daß es jederzeit unsere Pflicht sein wird, wo immer wir auch sind, unsere Nationalflagge gegen jeden Ueberfall zu schützen. Verletzung des deutsch-amerikanischen handelsvertrages durch den Rewyorter Burgermeister onb. Berlin, 27. Juli. Der Bürgermeister von Newyork hat ein ihm seit Ende vorigen Jahres vorliegendes Gesuch des dort wohnhaften Reichsangehörigen Paul Kreß um Erneuerung seiner seit 1931 innegehabten Masseurlizenz mit ungerechtfertigter Begründung zurückgewiesen. Diese Handlungsweise stellt eine klare Verletzung des deutsch=amerikanischen Freundschafts=, Handels= und Konsularvertrages vom 8. Dezember 1923 durch den Bürgermeister von Newyork dar. Es darf der amerikanischen Bundesregierung überlassen bleiben, die nachgeordnete Behörde zur Achtung des gedachten Vertrages anzuheiten. Beschwerde des Verbandes der völkischen Vereine im Newyorker Rathaus Der Verband der völkischen Vereine, der am Dienstag eine große Massenkundgebung veranstaltet, reichte im Rathaus der Stadt Newyork eine förmliche Beschwerde gegen das Be gehen des Bürgermeisters Laguardia ein. In der Beschwerdeschrift wird erklärt, daß der Bürgermeister entgegen der Anweisung des Staatsdepartements und entgegen dem Gutachten des Rechtsberaters der Stadt Newyork auf der Verweigerung der Gewerbeerlaubnis für einen deutschen Staatsangehörigen bestehe. Es heißt dann weiter:„Wir verbleiben bei der Ansicht, daß impulsive Handlungen und Erklärungen, wie sie während der letzten zwei Jahre von ihrer Seite kamen, die Gefühle des Hasses zwischen den Vereinigten Staaten und Deutschland erregen.“ Wieder der Donaupakt? onb. London, 27. Juli. Reuter meldet aus Rom, daß Italien und Frankreich den Regierungen Oesterreichs, Ungarns und der Kleinen Entente einen neuen endgültigen Vorschlag für den Donaupakt vorgelegt hätten. Die deutsche Regierung sei von den Verhandlungen unterrichtet worden, habe jedoch noch keinen endgültigen Entwurf erhalten. Der Plan enthalte vier Hauptpunkte: 1. eine Bestätigung der österreichischen Unabhängigkeit, 2. Bestimmungen über Nichteinmischung in gegenseitige innere Angelegenheiten einschließlich Propaganda usw., 3. eine Erklärung, daß kein Angriff und keine Unterstützung eines Angreikers stattfinden solle, 4. eine Erklärung, daß im Falle einer Verletzung des Paktes durch einen Unterzeichner Konsultationen durchgeführt werden sollen. Neue Regimenter in dnb. Paris, 28. Juli. Auf Vorschlag des Kriegsministers hat der Staatspräsident durch Verordnung folgende Veränderungen im Aufbau der französischen Armee best umt: Die Schaffung von zwei neuen In, interieregimentern; durch Umgruppierungen die Aufstellung von fünf neuen Regimentern Infanterie, sieben Festungsbataillonen, einem leichten Tankbataillon, zwei Regimentern Artillerie, einem Pionierregiment. Weiter wird eine Kavalleriedivision in eine leichte motorisierte Division umgewandelt. Die Verordnung bestimmt schließlich, daß die Zusammensetzung der Verbände aller Waffengattungen vom Kriegsminister festgesetzt wird. Großfeuer in einem karpatho=russischen Dorf Prag. In Uchorod in der Nähe der karpatho russischen Gemeinde Chloumer brach am Sonn abendvormittag ein Brand aus, dem vier Woha häuser, zwei Außengebäude und 50 große Ge treideschober zum Oofer fielen Auch das Gemeinde amt wurde eingeäschert Das Feuer dürfte durd unvorsichtige Bedienung einer Preßmaschine ent standen sein. Grund und Boden, Volk und Staat Das Ziel der Reichsstelle— übergeordnete Planung und Kaumordnung Reichsminister Kerrl dnb. Berlin, 27. Juli. Reichsminister Kerr! erörterte am Sonnabend vor einer Mitgliederversammlung der„Gezuvor“ im Plenarsaal des Preußenhauses in einer grundlegenden Rede die Aufgaben der Reichsstelle für Raumordnung, deren Leitung ihm vom Führer und Reichskanzler übertragen wurde. Das Gesetz vom 29. März 1935 deutet trotz des kurzen Wortlauts einen außerordentlich großen Rahmen an, der dem Reichsminister für seine Arbeit alle Möglichkeiten offen läßt. Im Erlaß vom 26. Juni 1935 hat der Führer und Reichskanzler die Aufgabe dieser obersten Reichsbehörde als„zusammenfassende übergeordnete Planung und Ordnung des deutschen Raumes über das gesamte Reichsgebiet" festgelegt. Die gewaltigen Aufgaben, so betonte Reichsminister Kerrl, die der nationalsozialistische Staat in seinem Aufbauwerk zu erfüllen hat, haben es mit sich gebracht, daß die verschiedenen Stellen der öffentlichen Hand zur Durchführung ihrer Aufgaben Teile des deutschen Lebensraumes in Anspruch nehmen mußten. Reichsminister Kerrl wies ferner auf die Tatsache hin, daß sich in den letzten hundert Jahren die Einwohnerzahl im deutschen Raum mehr als verdoppelt hat. Ueber das Wachsen der Großstädte gab Reichsminister Kerrl folgende Zahlen bekannt: Von 1871 bis 1910 betrug die Zunahme der Einwohnerzahlen in den Kleinstädten 100 v. H., in den Mittelstädten 175 v. H., in den Großstädten aber 602 v. H. Auch noch von 1910 bis 1933 wuchsen die Kleinstädte um 8/8 v. H., die Mittelstädte um 6,7 v. H., die Großstädte noch immer um 46,7 v. H. Während 1871 nicht einmal 5 v. H. der Bevölkerung in den Großstädten lebten, leben heute in den Großstädten 30,2 v. H., in den Landstätten bis 5000 Einwohner 10,6 v. H. und in den Mittelstädten 26,2 v. H. Die ländliche Bevölkerung betrug im Jahre 1871 63,9 v. H. gegenüber nur 33 v. H. im Jahre 1933. Reichsminister Kerrl vervollständigte dieses Bild durch weitere statistische Zahlen. Auf den Quadratkilometer umgerechnet leben z. B. in der Grenzmark 43,8 Einwohner, in Ostpreußen 63, in Pommern 63,5, in der Rheinprovinz 318,3, in Sachsen 346,8, in Hamburg 2936, in Berlin 4802 Einwohner. Es ergibt sich aus diesen Zahlen, daß ohne eine vorausschauende zweckgestaltende Ordnung solche Eleichgewichtsverschiebungen schwere Krisen hervorrufen mußten, an denen wir gelitten haben und noch heute leiden, und die zu überwinden, wie Reichsminister Kerrl besonders betonte, die Aufgabe der nationalsozialistischen Regierung ist. Die Regierungen der vergangenen 100 Jahre haben die Aufgaben der Staatskunst nicht richtig erkannt und es an einer den Zwecken der gesamten Nation dienenden Lenkung der Entwicklungsfortschritte mangeln lassen. Das Unheil in der Politik dieser Staatslenker hatte seinen letzten Grund in der mangelnden Erkenntnis, was für die Gestaltung des Gemeinschaftslebens notwendig war. Nachdem Reichsminister Kerrl die Beziehungen zwischen Raum und Volk, Raum und Wirtschaft, Raum und Staat erörtert hatte, hob er das Verdienst unseres Führers und Reichskanzlers Adolf Hitler hervor, der die richtige Einsicht in die Fehler der Vergangenheit bewies und das deutsche Volk aufrief, daß das Wohl des Einzelnen wie der Stände ganz allein abhängig sei von dem Gesamtwohl des Volkes. Diese Erkenntnis ergibt als einzigen Grundsatz der Staatskunst: Die Erhaltung des Bestandes der Nation, ihres Volkstums und ihrer Rasse zu sichern. Reichsminister Kerrl verglich die Tätigkeit der Reichsstelle für Raumordnung mit der des Generalstabs, der nur da in die Einzelheiten eingreift, wo er für die Gesamtheit nützen und fördern kann. Es soll sich also bei der Reichsstelle für Raumordnung nicht um eine Zentralisation, sondern um eine weitgehende Dezentralisation und eine enge Mitarbeit aller an den Planungs= und Ordnungsfragen im deutschen Raum intereffierter Stellen handeln. Reichsminister Kerrl gab dann weiter bekannt, daß Reichsminister Heß ihm seine Organisetion „Haus der Reichsplanung“ überlassen habe, welche in seine Reichsstelle für Raumordnung übergeführt wird. Ferner gab er seinem Dank an Generalinspektor Dr. Todt Ausdruck, daß dieser ihm für seine Arbeiten die„ezuvor"(früher Gesellschaft zur Vorbereitung der Reichsautobahnen, jetzt Gesellschaft zur Vorbereitung der Reichsplanung und Raumordnung) zur Verfügung gestellt hat. Die von Oberregierungsrat Dr. Schattenmann von der Generalinspektion auf den erweiterten Zweck umgestellten Satzungen wurden einstimmig angenommen und damit ging die Führung der „Gezuvor“ auf Reichsminister Kerrl über. Zum Vorsitzenden des Vorstandes ernannte Reichsminister Kerrl den bisherigen stellvertretenden Vorsitzenden und geschäftsführenden Vorstand Pg. Blöcker, den er gleichzeitig auch als seinen Vertreter in der Reichsstelle für Raumordnung bestimmte. haussuchungen beim meckleuburgl„ schen Stahlhelm Zahlreiche Waffen beschlagnahmt dub Schwerin, 27. Juli. Die Landesstelle Mecklenburg=Lübeck des Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda teilt mit: Das Verbot des RSDFB(Stahlhelm) in den Kreisen Ludwigslust, Parchim und der Stadt Waren hatte den Verdacht aufkommen lassen- daß Mitglieder dieser Organisation im Besitz verbotener Waffen find. Aus diesem- Grunde wurde eine Haussuchung bei allen Mitgliedern des RSDFB (Stahlhelm) im Gaugebiet Mecklenburg=Lübeck von der Geheimen Staatspolizei angeordnet. Das bisherige, noch nicht vollständige Ergebnis dieser Haussuchungen hat den Verdacht des verbotenen Waffenbesitzes vollauf bestätigt. Es wurden bisher zahlreiche Gewehre, Modell 98, Karabiner, Militärpistolen und erhebliche Mengen scharfer Munition beschlagnahmt. Einige Stahlhelmer sind im Zusammenhang damit in Haft genommen worden. Kommunisten überfallen die„Bremen“ Wüste Ausschreitungen in Newyork— Die hakenkrenzflagge abgerissen Straßenschlacht im hafenviertel dub Newyork, 27. Juli. Bei der Abfahrt des Lloyddampfers„Bremen" veranstalteten über 1000 Kommunisten eine lärmende Kundgebung. Ein starkes Polizeiaufgebot vertrieb die Demonstranten vom Pier und nahm sechs von ihnen fest. Anschließend kam es vor der der Polizeiwache zu heftigen Zusammenstößen zwischen Polizeibeamten und Kommunisten. Die Polizei mußte von der Schußwafse Gebrauch machen, ein Demonstrant wurde schwer verletzt, während eine ganze Anzahl weiterer leichte Verletzungen erlitten. Ueber die kommunistischen Ausschreitungen bei der Abfahrt des Lloyddampsers„Bremen“ werden folgende Einzelheiten bekannt. Danach waren 150 uniformierte Polizisten zu Fuß, 100 Kriminalbeamte und 25 Polizeibeamte zu Pferde bemüht, die tobende Kommunistenmenge von dem Dampfer fernzuhalten und den Fahrgästen das Betreten des Schiffes zu ermöglichen. Plötzlich ertönten aus der Masse der Demonstranten laute Freudenrufe. Drei Kommunisten waren es, von der Polizei unbemerkt, gelungen, an den Bug des Dampfers zu gelangen und die Hakenkreuzfahne herunterzureißen. Aber während die Burschen noch damit beschäftigt waren, die Flagge in den Hudson zu werfen, wurde bereits unter Heilrufen eine neue Flagge gesetzt. Das Eindringen der Kommunisten auf den Bug der„Bremen“ führte dann zu Schlägereien, die sich später in der Touristenklasse fortsetzten. Schließlich konnten die roten Unruhestifter festgenommen werden. Nachdem es der Polizei gelungen war, die Kommunisten vom Pier zu vertreiben, kam es in den Seitenstraßen des Hafenviertels zu erbitterten Kämpfen, die sich bis spät in die Nacht hinein fortsetzten. Die aus dem Schlaf gestörte Bevölkerung nahm größtenteils gegen die kommunistischen Ruhestörer Pertei und unterstützte die Polizei durch Herabgießen von Wasser und Herabwerfen von harten Gegenständen. An verschiedenen Stellen kam es zwischen und dem roten Gesindel zu einem heftigen Handgemenge, wobei auch einige Beamte verletzt wurden. Der Polizeibericht schätzt die Zahl der Demonstranten auf etwa 2000. Die„Bremen“ hat mit halbstündiger Verspätung noch am Freitagabend Newyork verlassen. Das erste Verhör der Newyorker Ruhestörer dnb. Newyork, 27. Juli. Sieben der an den kommunistischen Ruhestörungen Beteiligten wurden unter der Beschuldigung der Teilnahme an den Kundgebungen dem Polizeigericht vorgeführt. Sie wurden zur Sicherstellung des weiteren Verhörs zunächst festgenommen. Während des Verhörs war zur Verhinderung erneuter kommunistischer Kundgebungen ein starkes Polizeiaufgebot vor dem Gerichtsgebäude ausgestellt. * Ganz zweifelsfrei ist dieser beispieklos freche Ueberfall von kommunistisch=jüdischer Seit ins Werk gesetzt; das kennzeichnet ihn von Grund auf und gibt der Frage Raum, wie es im Vergleich zu Deutschland in anderen Ländern um die öffentliche Ruhe und Sicherheit bestellt ist. Um diese Dinge in das rechte Licht zu rücken, genügt die Frage, ob solche Vorgänge in irgend einem deutschen Hafen denkbar wären. Vielleicht ist es nicht ganz abwegig, in dem Newyorker Ereignis eine Fernwirkung jenes famosen Moskauer Komintern=Kongresses zu erblicken; sicher aber ist, daß jener Teil der ausländischen Presse, der sich in dem Verleumdungsfeldzug gegen Deutschland gefällt, die Mitschuld an derartigen Ausschreitungen trägt. Gewiß, die Newyorker Polizei hat sich zwar sofort gegen den frechen kommunistisch=jüdischen Ueberfall auf das deutsche Schiff zur Wehr gesetzt, dennoch muß von den amerikanischen Behörden mit allem Rachdruck verlangt werden, daß sie alles daran setzen, solche beschämenden Vorkommnisse in auer Zukunft unmöglich zu machen. Das sechste Devisenstrafverfahr Gefängnis für katholische dub Verlin, 27. Juli. Vor dem Berkiner Schöffengericht wurde am Sonnabend der sechste Fall aus der Reihe der Devisenstrafverfahren gegen Angehörige kathotischer Orden verhandelt. Anwaren vier Schwestern der„Kongregation vom Heiligen Karl Vorromäus“ mit dem Mutterhaus in Trebnitz(Schlesien). Sie hatten nach der Anklage 255 000 Mark über die Grenze nach Holland bringen lassen und außerdem hatte die Generalvikarin Luitgardis Kneppek die Niederlassung der Kongregation in Olbersdorf(Tschechoflowalei) laufend durch Geldzuwendungen im Gesamtbetrage von 13000 Mark unterstutzt. Verurteikt wurden die Generalvikarin Luitgardis Kneppek und die Schwester Rosalie Beil wegen fortgesetzter Devisenschiebungen zu je 3 Jahren „Strohmänner des Judentums“ dnb. Berlin, 27. Juli. Der Geschäftsführer der Reichskulturkammer, Hans Hinkel, vom Reichsminister Dr. Goebbels zum Sonderbeauftragten für die Ueberwachung der Betätigung aller im deutschen Reichsgebiet lebenden nichtarischen Staatsangehörigen auf künstlerischem und geistigem Gebiet berufen, gewährte einem Vertreter des„Angriff“ eine längere Unterredung, in der er richtungweisende Ausführungen machte. Hinkel erinnerte zu Beginn der Unterredung varan, daß im April 1933 der jüdische Kulturbund genehmigt worden sei, mit dessen Duldung grundsätzlich ausgesprochen wurde, daß jüdische Künstler für ein jüdisches Publikum nach Belleben wirken dürfen, allerdings unter gewissen autoritativen Richtlinien. Es müsse betont werden, daß die führenden Leute des Jüdischen Kulturbundes im Laufe von fast zwei Jahren immer wieder die Loyalität der Regierung anerkannt haben. An diese Zusammenhänge, fuhr Hinkel fort, muß ich erinnern, in Verbindung mit dem neuen Amt, zu dem ich von Reichsminister Dr. Goebbels soeben berufen worden bin. Wenn wir nämlich auf der einen Seite ein jüdisch=kulturelles Eigenleben mit anerkannter Großzügigkeit begründet haben, so verwahren wir uns scharf gen jeden Versuch der Einflußnahme von jüscher Seite auf die Kulturangelegenheiten unserer Nation. Wir wissen, daß da und dort Juden getarnt arbeiten; wir wissen, daß manche Verfilzungen aus der Systemzeit bis heute noch nicht gelöst sind. Diesen Zustand, wo er noch besteht, zu ändern, betrachten wir als unsere aktuellste Aufgabe. Wir werden die Schuldigen zur Verantwortung ziehen, nicht nur die Juden, die unter salscher Flagge sich über die Hintertreppe wieder einschmuggeln wollen, einerlei ob im Film, im Funk oder im Schrifttum— besonders hart und scharf werden wir die Richtjuden anpacken, die sich auf eine jüdische Symbiose einlassen und sich nicht scheuen, sich als Strohmänner für 30 Silberlinge an Juden zu verkaufen. Diesem Zustand wird ein Ende gemacht. Seit Wochen sind die Arbeiten im Gange, auch bei den Kammern. Die Klärung der sogenannten„Grenzfälle“ liegt mir besonders am Herzen. Wir wünschen endlich reinliche Scheidung. Wie uns Anonyme unerwünscht sind, so erst recht Soi=nonyme. Wer nach der nationalsozialistischen Revolution noch geistig oder wo es sein mag mit dem Judentum kompromisselt, hat keinen Platz im kulturellen Lebensraum des deutschen Volkes. Wir werden schorf durchgreifen und müssen es tun, denn vor uns steht das schwer erbeitende gläubige Bolk, demgegenüber wir die Verankirtung tragen für eine saubere, ehrliche KulGefängnis und 115000 bezw. 100000 Mark Geldstrafe, die Generaloberin Fekieitas Potrz erhielt 1 Jahr 9 Monate Gefängnis und 55 000 Mark Geldstrafe, die Schwester Rosa Völkel kam mit 5 Monaten Gefängnis wegen Begünstigung davon. Die Untersuchungshaft wird voll angerechnet. Für die Geldstrafen hat die Kongregation mitzuhelfen. Ferner wurde Einzug der beschlagnahmten 75000 Dollarbonds und der 66 600 siebenprozentigen hokländischen Goldobligationen zugunsten des Deutschen Reiches ausgesorachen. Zu der Verhandlung waren die vier Angeklagten in ihrer Ordenstracht erschienen. Noch Feststellung der Personalien wurde zuerst die Oekonomin Rosalie Bell vernommen. Sie schilderte, wie zur Durchführung von Bauvorhaben große Auslandsanleinen— 480 000 holländische Guelden und 250000 RM.— ausgenommen worden seien. Dr. Hofius sei zum Orden gekommen und habe angeregt, daß Aktien gezeichnet würden. Anter Mitwirkung des Landrates seien dann auch tatsächlich 25000 RM. Aktien gezeichnet worden. Die Angeklagte berichtete dann weiter, daß Dr. Hofius erzählt habe, daß er auch anderen Orden helfe und sie habe daher das Vertrauen gehabt, daß er zu seinen Geschäften berechtigt gewesen sei. Auch die Angeklagte Kneppek behauptete, durchaus gutgläubig gewesen zu sein. Sie hob hervor, daß Dr. Hofius den Orden auf die Rotwendigkeit einer staatlichen Genehmigung bei der geplanten Aufnahme einer Anleihe in der Tschechoslowakei aufmerksam gemacht habe. Infolgedessen habe sie angenommen, daß er sich als Bankdirektor auch die staatliche Genehmigung für die Rückkäufe verschafft habe. Der Vorsitzende wandte sich dann zu der Angeklagten Bölkel und warf ihr vor, daß sie vor deutschen Zollbeamten ein Notizbuch auf dem Boden unter schmutziger Wäsche versteckt habe. Die Angeklagte erklärte hierauf, daß sie über dieses Buch nicht Bescheid wisse, worauf der Vorsitzende feststellte, daß sie in der Voruntersuchung geman das Gegenteil gesagt habe. Bei der Erörterung der Geldunterstützungen, die der Kongregationsniederlassung in Olbersdorf(Tschechoslowakei) von Trebnitz aus zugegangen sind, bestritt die Angeklagte Kneppek, sich schuldig gemacht zu haben. Sie erklärte, es hätte doch auch die Möglichkeit bestanden, diese Gelder und nach im Rahmen der Freigrenze nach zu schaffen.— Auf die 2 haltungen des Vorsitzenden, daß das auch auf eine Umgehung des Gesetzes hinausgelaufen wäre, bestritt die Angeklagte eine Verletzung ihrer Pflichten gegenüber der Volksgesamtheit. „Daß Sie das jetzt auch noch versuchen“, stellte der Vorsitzende mit erhobener Stimme fest,„finde ich sehr verwunderlich, nachdem Sie 255000 Mark dem deutschen Volksvermögen entzogen haben". Es wird dann eingehend die Angelegenheit mit dem Notizbuch erörtert, das die geheimen Buchungen über die Geschäfte des Dr. Hofius enthielt. Nach langem Zögern gab die Oekonomin Bell zu, zu der mitangeklagten Schwester Völkel gesagt zu haben, daß es nicht gut sei, wenn man dieses Buch sehe. Die Schwester Völkel will das Buch nur versteckt haben, weil sie annahm, daß „Unstimmigkeiten in den Buchungen sein könnten“. Anschließend machte der Vorsitzende den Angeklagten Vorhaltungen aus den Protokollen der Voruntersuchung und bemühte sich, die Widersprüche mit ihren heutigen, stark einschränkenden Aussagen aufzuklären. Bei der Begründung seiner Skrafanträge, denen das Urteil des Gerichts entspricht, wandte sich der Staatsanwalt dagegen, daß sich die Angeklagten auf ihr angeblich so festes Vertrauen zu Dr. Hofius berufen könnten. Nach Auffassung des Anklagevertreters mußte es die Schwestern stutzig machen, daß die Geschäfte mit Dr. Hofius nicht ordnungsmäßig in die Bücher eingetragen werden durften. Hinzu komme weiter, daß der Erzbischof von Köln die Orden ausdrücklich vor Geschäften mit Dr. Hofius gewarnt habe. Zur Strafbemessung bemerkte der Staatsanwalt, daß die Tat besonders schwer wiege, weil es sich um einen großen Betrag handele. Immerhin habe er sich aber aus subjektiven Gründen doch nicht dazu verstehen können, Zuchthausstrafen gegen die vier angeklagten Ordensschwestern zu beantragen, einmal mit Rücksicht auf ihr vorgerücktes Alter und zum anderen deshalb, weil sie besonders leicht den Verführungen und Ueberredungen des Dr. Hofius erlegen seien. Wenn die Angeklagten, so bemerkte der Staatsanwolt zum Schluß, 30 Jahre jünger wären, so hätte er keinen Augenblick geschwankt, gegen sie Zuchthausstrafen von 3½ bis 5 Jahren zu beantragen, ähnlich wie in den bicher schon durchgeführten Strafverfahren. Nie bite iu#u dub Mootan, 27. Juli. Die sowjet=amtliche Nachrichtenagentur teist mit, daß sich m einigen Stadtbezirken Moskaus aus bösher ungeklärter Ursoche die Straßen um ein beträchtliches gesenkt hat. An der Straßenfront des„Ochotnyj Riod“ im Zentrum der Sidt gab ganz plötzlich die Erdoberfläche nach und in meyreren Teilstrecken sackte der Damm ab, wobei das Straßenpflaster aufgerissen wurde. Die greichen Straßenbeschädigungen wurden u. a. auch am Kirow=Tor festgestellt. Man nimun an, daß die Ursache in der Anterspülung durch Regengüsse zu suchen ist. Die Ausbesserungerbeiten werden aufgenommen. Bei der Bevökterung hat dieses Ereignis einiges Aufsehen hervorgerusen. Man ist unter anderem der Ansicht, daß die plötzlichen Straßensenkungen auf unsochgemäße Ausschachtungsarbeiten beim Bau der Moskauer Untergrundbahn zurückzuführen sind, aber auch der SowjetHumor hat neuen Stoff gefunden. Gegenüber dem Ocmotuni Rad“ befindet sich nämlich das Gewerkschaf###, m dem zur Zeit der 7. Kongreß der Kommunistischen Internationale tagt. „Der Kommunistenkongreß hat schon in den ersten Tagen das Weltoll erschüttert!“ und„Die Erde tut sich auf, um die Komintern zu verschlin— die Witze. beidn acfefte dub Essen, 27. Juli. Von der Landesgruppe Münster der Deutschen Christen geht der Nationalzeitung ein Prozest zu, den das Blatt unter der Ueberschrift„Peinlich, höchst peinlich!“ noch ein„Dank“ an den Bischof von Münster für sein wackeres Eintreten für die„christlichen Belange“ veröffentlicht. Der Protest lautet:„Der Bischof von Münster hat in seinem Brief an den Oberpräsidenten von der„christlichen und besonders der katholischen Bevölkerung Münsters“ gesprochen, in deren Namen er gegen die beabsichtigte Rede des Reichsleiters Pg. Rosenberg protestiere. Auf unsere Anfrage hat das bischöfliche Generalvikariat erklärt, daß„weder das Presbyterium der evangelischen Gemeinde Münster noch dessen Präses im Sinne ihrer Anfrage eine Bitte an ihn gerichtet habe.“ Wir evangelischen deutschen Christen müssen auf Grund 400jähriger Erfahrung dagegen Einspruch erheben, daß ein katholischer Bischof ohne Auftrag überhaupt evangelische Interessen wahrzunehmen in Anspruch nimmt und daß er in unserem evangelischen Namen gegen das Auftreten des Reichsleiters Pg. Rosenberg proletttent! nach Jnde als Betrücer und dub Frankfurt a. M., 27. Juli, Die stelle des Frankfurter Polizeipräsidiums teilt mit: Im Oktober 1933 machte der jüdische Kaufmann Manfred Strauß die Bekanntschaft der minderjährigen D. W. Er bewog sie, ihre Stellung aufzugeben und mit dem ihr vom Juden geliehenen Geld eine neue Existenz zu gründen. Zu diesem Zweck fertigte der Jude einen Darlehnsvertrag und einen Anhang mit besonderen Bedingungen an, nach welchem dem Mädchen ein Betrag von 5000 RM für die Geschäftsgründung geliehen werden sollte. In Wirklichkeit war aber der Darlehnsvertrag ein Knebelungsvertrag, nach welchem der W. lediglich die Arbeit zugeschoben wurde; weiter mußte sie mit ihrem arischen Namen noch das Geschäft decken. Ferner hat sich Strauß in rassenschänderischer Weise an der W. vergangen. Die Kriminalpolizei hat den Juden festgenommen, da die Abfassung des als ein Betrug angesehen Aus Menden# u. Unigebung Wochenend in Menden Menden, 29. Juli Ein busteter Himmel, graue Wolken, Bindfadenregen und am Abend vom zerrissenen Wolkenhimmel— letzte Sonnenstrahlen, glutroter Schein, für den nächsten Tag schönes Wetter verheißend: das war der Sonntag in Menden. Also ein Sonntag der Enttäuschungen. der betrogenen Wochenendhoffnungen. der Griesgrämigkeit und der Wirtshausidylle. Die Gesichter der Schirme schwenkenden Sonntagsbummler erzählten eine Satire von gähnender Langeweile. Was alles ins Wasser gefallen ist: Am nachbarlichen Himmel über Hemer sollten sich kühne Flieger tummeln, sollten das hohe Lied unserer deutschen Motor= und Segelfliegerei singen. Auch die Mendener hatten sich auf diese Veranstaltung gefreut. Doch der Himmel hat es nicht gewollt, drum versteckte er sich hinter grauen Wolken. Zwar sollen Motorflieger am Nachmittag ihre Schleifen über Menden gezogen haben, aber für ihre Kunststückchen fanden sie nicht genügend Zuschauer. Nunmehr vertröstet man sich auf den nächsten Sonntag. Nicht so einfach ließen sich die Mendener 09er vom Regen beeinflussen. Schließlich konnten sie ihre Sportfreunde aus Hörde auch nicht unverrichteter Dinge wieder heimschicken. Man hat noch Glück gehabt, denn die Kämpfe waren nicht allzusehr vom Regen beeinflußt. Und es hat sich gezeigt, daß die Adolf Hitler=Kampfbahn auch nach solchem Regenwetter spielfähig ist. Wenn auch der Boden schwer war, so versickerte das Wasser doch sofort. Zwar fanden sich zu den Kämpfen nicht viele Zuschauer ein, denn man war in dem Glauben, daß auch diese Veranstaltung„ins Wasser gefallen wäre". Groß war die Zahl der frommen Waller, die gestern morgen mit einem Sonderzug nach Werl fuhren. Allein von Menden beteiligten sich ungefähr 700 Personen. Auch sie hätten sich gerne besseres Wetter gewünscht, aber mit Regenmänteln und Schirmen bewaffnet, ließen sie sich in ihrer Andacht nicht stören. Und als sie am Spätnachmittag von einer zahlreichen Menge am Bahnhof abgeholt und in einer Prozession zur Kirche geleitet wurden, da lachte ihnen gar die Sonne. Nicht erzählen wollen wir von den zahlreichen Plänen unserer wanderlustigen Jugend, von den Hoffnungen auf ein schönes Wochenendbad in der Leitmecke oder in der Arche Noah, von den Kaffeekränzchen und sonstigen Sommersonntagsvergnügungen. Wir wollen schließlich auch nichts verraten von den alles andere als freundlichen Gesichtern, die am frühen Morgen des Sonntags hinter den Gardinen der Schlafzimmerfenster in den wolkenverhangenen Himmel lugten. Zu einem hat der Sonntag nun doch getaugt: man konnte sich nämlich einmal wieder gründlich ausschlafen. Und bei einer Tasse Kaffee oder einem Gläschen Bier waren die Abendstunden bei musikalischer Unterhaltung und angenehmer Gesellschaft in unseren Gaststätten schließlich doch noch ganz angenehm. Was kann man auch schließlich viel verlangen von einem verregneten Sonntag? Und heute morgen— o Ironie des Schickals— da tanzen die Sonnenstrahlen lachend auf unseren Arbeitsplätzen herum, die eine ganze Woche lang unseren Träumen vom Wochenendglück gelauscht haben. Das Ehrenmal vor der Fertigstellung Das Krieger=Ehrenmal unserer Stadt geht immer mehr seiner Vollendung entgegen. Die feierliche Weihe soll am zweiten Sonntag im September stattfinden. Diese letzten Wochen gelten nur noch der Ausführung der Verschönerungsarbeiten. Einen Verputz erhält das aus Herdecker Sandstein bestehende Mauerwerk nicht mehr. An der Innenwand der mittleren Säule wird ein großes Hoheitsabzeichen angebracht. Die Halle, die nicht durch ein Eisengitter verschlossen wird, sondern offen bleibt, soll mit Sandsteinplatten ausgelegt werden. Sodann wird die Plastik aufgestellt, die bei der Weihe enthüllt wird. Die großen Kupferplatten mit den Namen der 432 gefallenen Heldensöhnen unserer Stadt sind bereits fertig gestellt und werden in der Halle angebracht. Um die Kränze nicht wahllos auf den Boden legen zu müssen sind besondere Kranzsteine aufgestellt, an denen die Kränze angelehnt werden können. Der Vorplatz wird einer 60 cm. hohen Sandsteinmauer eingefaßt, die von der linken und rechten Säule des Ehrenmals ausläuft. In den Mauernischen werden Sandsteinbänke aufgestellt. Ebenfalls werden die Holzbänke in den Anlagen durch Sandsteinbänke erneuert. Auch die Wege in den Grünanlagen werden mit Sandsteinplatten ausgelegt. Nach Fertigstellung dieser Arbeiten wird der Stadtgärtner in Tätigkeit treten, dessen Aufgabe es sein wird, auf und in die umziehende Mauer farbenprächtige Moose und dergleichen Grünschmuck zu pflanzen. Um das Denkmal selbst ist die Anpflanzung von Pappeln geplant, die dann später die Steinsäulen überragen werden. So wird auch das Ehrenmal nicht wenig dazu beitragen, das Bild unserer Stadt Menden zu verschönern. Monatlich 2000 Uebernachtungen in der Mendener Jugendherberge Die Mendener Jugendherberge erfreut sich einer steigenden Beliebtheit. Sie gehört im Verhältnis zu ihrer Bettenzahl zu den am stärkten besuchten von ganz Westfalen. In diesem Jahre hat sie ihre führende Stellung noch weiter befestigt. Seit Ostern wurden durchschnitt125 Wohnhäuser wurden gebaut Generalversammlung des Gemeinnülzigen Spar= und Bauvereins im Hönnelal Lendringsen, 27. Juli Die Hauptversammlung des Gemeinnützigen Spar= und Bauvereins im Hönnetal e. G. m. b. H. zu Lendringsen befaßte sich mit dem Jahresabschluß für 1934. Aus dem Bericht des Vorstandes über das abgelaufene Geschäftsjahr entnehmen wir folgendes: Das Geschäftsjahr 1934 hat, im ganzen gesehen, das Vertrauen, das soviele Volksgenossen auf unsere Genossenschaft gesetzt haben, in vollem Umjange gerechtfertigt Es sind eine Reihe von Arbeiten vorgenommen worden, die unsere Genossenschaft, insbesondere den Wert des Hausbestandes wieder ein Stück vorwärts gebracht haben. Ein Erwerbshaus ist in demselben Jahr erbaut(Kruschinski) und vier weitere sind in Angriff genommen worden, die aber erst im Jahre 1935 zu Ende geführt worden sind.(Kleine, Timmermann, Rach) und drei neue Genossen haben Cenossenschaftswohnungen bezogen.(Schmitt, Krause. Rademacher). Insgesamt sind von der Genossenschaft erbaut worden 125 Säuser mit 159 Wohnungen, davon sind aufgelassen 59 Häuser mit 62 Wohnungen. Als Eigentum der Genossenschaft verbleiben also 35 Erwerbshäuser mit 36 und 31 Mietshäuser mit 60 Wohnungen. Eine organisatorische Maßnahme, die sich als notwendig erwies, bestand darin, daß die hiesige Spar= und Darlehnskasse mit der Einkassierung sämtlicher Geldbeträge für die Genossenschaft beauftragt wurde. Diese Maßnahme war für die Vereinsachung der Geschäftsführung für Vorstand und Aussichtsrat notwendig. Da die Geschäftsführung der Genossenschaft recht vielseitig geworden ist(Förderung der Kleinsiedlung), haben Aussichtsrat u. Vorstand die Einrichtung eines Geschäftszimmers beschlossen. Dasselbe soll eingerichtet werden, sobald die betreffende Wohnung geräumt sein wird. Ueber den Eingang der Mieten im allgemeinen kann nicht geklagt werden. Jedoch gibt es noch einige wenige Genossen, die trotz wiederholter Mahnungen noch erheblich im Rückstande mit ihren Mieten sind. Diese allein tragen die Schuld daran, wenn der Mietsrückstand gegenüber dem Vorjahre um RM. 500.— gestiegen ist. Die Spareinlagen sind gegenüber dem Vorjahre um etwa RM. 700.— gestiegen. Die Zahl der Genossen ist ebenfalls um 3 höher(158). Das Geschäftsguthaben sämtlicher Mitglieder hat sich um RM. 3653,03 erhöht. Im Geschäftsjahr 1934 wurden 3 Vorstandssitzungen und 3 gemeinsame Sitzungen des Vorstandes und Aufsichtsrates einberufen. Am Schluß des Geschäftsjahres scheiden aus vom Aufsichtsrat die Herren Beile u. Conrath. Das Geschäftsjahr schließt auch diesesmal günstig ab. der Vorschlag zur Gewir nverteilung ist deshalb ähnlich wie im Vorjahre. Der Geschäftsbericht schließt mit der Mahnung an alle Genossen, die übe nommenen Pflichten streng einzuhalten, und dem fundamentalen Satz„Gemeinnutz geht vor Eigennntz“ nicht zu vergessen, damit die Genossenschaft in gleicher Weise auch denen nuren kann, die nach uns kommen werden. Der Aussichtsrat hat im abgelaufenen Jahre die Geschäfte der Genossenschaft in allen Zweigen überwacht und sich vom Gange ihrer Angelegenheiten dauernd unterrichtet gehalten Er hat den Geschäftsbericht, die vorliegende Bilanz und die Schlußrechnung ebenfalls geprüft und für richtig befunden. Die Jahresrechnung schließt mit einem Gewinn von RM. 1827,14 ab, über dessen Verwendung wie folgt beschlossen worden ist: RM. 182.71= 10% Ueberweisung zur gesetzlichen Rücklage, RM. 1572,08= 3½% Dividende auf die Geschäftsguthaben. RM. 72,35 zer Hil'srücklage. Die Jahresrechnung weist aus unter: Vermögen: Unbebaute Grundstücke RM. 27545,68 Häuser„ 485 279,10 Neubauten" 12 818,81 Geschäftseinrichtung„ 510,95 Beteiligungen Wests. Bauvereinsbank„ 1 500.— Hypotheken Grundschulden„ 47 669,25 Rückständige Mieten, Forderungen„ 9 262.16 Kassenbestand„ 144.27 Bankguthaben„ 10 196,82 Posten, die der Rechnungsabgrenzung dienen„ 585.20 RM. 695512.24 Verbindlichkeiten: Geschäftsguthaben RM. 48742.26 Reservefonds„ 46 398.31 Rückstellungen„ 44023,38 Hypothekenschulden„ 341 997.36 Spareinlagen„ 15 118,92 Von Kaufanwärtern geleistete Zahlungen„ 91 546.75 Sonstige Schulden„ 5 600,04 Posten, die der Rechnunesabgrenzung dienen„ 258.08 Reingewinn„ 1827,14 RM. 595512.24 Vorstand und Aussichtsrat wurde einstimmig Entlastung erteilt. In den Aussichtsrat wurden die Herren Conrath und Bruns gewählt. Nach Abwicklung der Tagesordnung berichtete der Vorstand nochmals eingehend über den Stand des weiteren Ausbaues der Siedlung im Aechternholz. Die Vorarbeiten sind soweit gediehen, daß mit dem Beginn der Ausführung in einigen Wochen gerechnet werden kann. Beabsichtigt ist bis jetzt die Errichtung von 12—15 Siedlerstellen. lich in jedem Monat über 2000 Uebernachtungen gezählt! Die Herberge dient aber nicht nur als Unterkunft für die wandernde Jugend, sondern vor allem auch als Gemeinschaftslager für höhere Schulen aus dem Industriegebiet. Besonders die Dortmunder Schulen wählen für solche Aufenthalte gern die Mendener Jugendherberge, nicht zuletzt wegen ihrer günstigen, staubfreien Lage. So weilten in letzter Zeit vier Klassen vom Hindenburg=Gymnasium Dortmund 14 Tage lang in der Mendener Bleibe. Das Mallinckrodt=Lyzeum von Dortmund weilte mit 55 Schülerinnen 10 Tage hier als Gast. Das größte Gemeinschaftslager stellte die Horst=WesselMittelschule=Dortmund mit 120 Schülern für 14 Tage. All' diese Jungen und Mädel haben sich hier äußerst wohl gefühlt und gut erholt. Für die Herbergseltern erwächst dadurch natürlich eine Unmenge Arbeit. Das zeigt am besten ein kleines Beispiel: Als die Schüler der HorstWessel=Mittelschule einen Tagesausflug von Menden aus unternahmen, mußten sie ihren Proviant in Form von Butterbroten mitnehmen. Bis morgens 9 Uhr mußten die Herbergseltern nicht weniger als 1200 Scheiben Brot schneiden, streichen und belegen! Für die Herbstferien wird ein neuer Massenbesuch erwartet. Zahlreiche Volksschulklassen unternehmen dann Wanderungen. In großer Zahl liegen schon Anmeldungen vor. Was ereignete sich am 29. Juli? 1856 R. Schumann gestorb. 1870 Napoleon übernimmt den Oberbefehl über die Rheinarmee. 1900 König Humbert von Italien ermordet. 1934 In Oesterreich Bildung eines Heimwehrkabinetts. Sonnenaufg.: 4,13 Mondaufg.: 2.53 Sonnenunterg.: 19,58 Mondunterg.: 19,28 2.— Rentenauszahlung. Die Auszahlung der Rentenbezüge für Monat August findet am Mendener Postamt wie folgt statt: Militärrenten am 29. Juli, Versicherungsrenten am 1. August. *.— Ausbesserung der Schulklassen. Die Schulferien bringen für den Handwerker neue Arbeit. Die Volksschulklassen der AugustaSchule, 2 Klassen im Gymnasium und je 1 Klasse in der Wilhelm= und Evangel.=Schule werden von Grund auf instandgesetzt. Ein Teil der Fenster der Josef= und Evang.=Schule sollen gestrichen werden. Je 1 Klasse der Wilhelmund Evang.=Schule werden mit neuzeitlichen Stahlmöbeln ausgerüstet werden, wie das bereits im vorigen Jahre mit einer Klasse der Josefschule geschehen ist. Eine solche Musterklasse soll mit der Zeit jede Schule erhalten. Neubautätigkeit setzt ein. Im Augenblick ist ein stärkeres Einsetzen der Neubautätigkeit in unserer Stadt fenzustellen. So ist bzw. wird in den nächsten Wochen mit 6 Bauvorhand zwar am Bräukerweg, an der Walburgisstraße, beim Felienkeller und an Schwitterweg je ein sowie im Wünnefeld zwei Neubauten. Infolge der Errichtung dieser Wohngebäude muß das Gas= und Rohrnetz an verschiedenen Stellen dieser Straßen erweiter: werden. Diese lebhafte Neubautätigkeit ist seh zu begrüßen, dient sie doch nicht nur der Bese: tigung des Wohnungsmangels, sondern aus der Hebung der handwerklichen Arbeitsmarktslage in unserer Stadt. *.— Kanalisation. Ein Teil des Hofes kamp. von der Bachstraße angesangen, wird in nächster Zeit kanalisiert werden. Leider reiche die ausgeworfenen Etatsmittel nicht aus, um die ganze Straße in einem Zuge zu kanalisieren. Die Arbeiten sind bereits ausgeschrieben. sodaß in den nächsten Tagen damit begonnen werden kann. *.— Die Leitmecke wurde gesäubert. In der letzten Woche wurde das Schwimmbecken der Leitmecke entleert, gründlich von allen Unreinlichkeiten gesäubert und neu gekälkt. Das war notwendig, da das Wasser kaum mehr den hygienischen Anforderungen entsprach. Nunmehr ist wieder seit einigen Tagen frisches Wasser eingelaufen, sodaß das Baden zu einer Erholung wird. *— Totenglocke. Im jugendlichen Alter von 9 Jahren verschied am Freitag der Schüler Ferdinand Hillebrand, Kaiserstraße. Die Beerdigung findet heute nachmittag 4 Uhr vom Krankenhaus aus statt. N. i. p. *.— Geburtstagschronik. Seinen 70. Geburtstag feierte am gestrigen Sonntag in körperlicher und geistiger Frische Herr Heinrich Kramer, Lahrbach. Trotz seines hohen Alters ist er als Hausschlächter gern gesehen und nach getaner Arbeit schmeckt ihm noch das Gläschen Schloßberger vorzüglich. Zum Wiegenfeste nachträglich unsern Glückwunsch! •— Amtswaltertagung der DAF. Am Freitag abend fand in der Gastwirtschaft Knoke eine gut besuchte Versammlung der Amtswalter der Deutschen Arbeitsfront Menden statt. Nach einer Bericht des Ortswalters Lackner sprach Kreiswalter Kirsch aus Iserlohn zu akuten Tagesfragen. Eingehend auf die wirtschaftliche Lage in unserem Vaterland zeichnete er den durch das internationale Judentum aufgezogenen Boykott des Auslandes. Er wandte sich gegen den Konfessionskampf, der in Deutschland zum Austrag zu kommen drohe. Der Nationalsozialismus wolle den Schutz der Religionsbekenntnisse, verlange aber, daß diese sich der volitischen Betätigung enthielten. Sehr eindringlich sprach er sodann über die Aufgaben der Amtswalter der Arbeitsfront. Sie hätten in ihren Betrieben Pionierarbeit zu leisten, sie sollten Vorbilder ihren Arbeitskameraden sein. Der Vortrag wurde mit großem Beifall aufgenommen. Anschließend besprach man die Sonderfahrten zur Rundfunkausstellung nach Berlin im Monat August und einige Urlauberfahrten der NS=Gemeinschaft„Kraft durch Freude", sowie sonstige organisatorische und geschäftliche Angelegenheiten. *.— Grün= u. Blumenschmuck an den Häuserfronten. In der letzten Generalversammlung des Verschönerungsvereins wurde an die Hausbesitzer mit öden Hausfronten die Bitte ausgesprochen— eotl. mit Unterstützung des Verschönerungsvereins— die Hausfront zu beleben. Es ist erfreulich festzustellen, wieviel unserer Mitbürger dieser Bitte nachgekommen sind und das Stadtbild durch Aufstellen von Grünpflanzen in Fässern und Kübeln belebt haben. Besonders haben die Gastwirte es sich angelegen sein lassen, ihr Haus auf diese Weise zu verschönern und das Betreten des Hauses selbst einladender zu gestalten. Hoffentlich folgen noch recht viele Bürger dem gegebenen Beispiel, dann bleibt der erstrebte Erfolg nicht aus. Lendringsen. Die Mütterberatungsstunde in Lendringsen findet am Freitag, den 2. 8., von 15—17 Uhr, im Gemeindehause statt. Sport Menden 09 siegreich im Aufgeweichte Bahn— Bei denkbar schlechtem Wetter trugen gestern die 09er Leichtathleten ihren ersten Freundschaftsklubkampf gegen den Hörder Verein aus. Bei dem wolkenverhangenen Himmel war es weiter nicht verwunderlich, daß nur ca. 200 Zuschauer erschienen waren, die jedoch spannende Kämpfe zu sehen bekamen. Der Gegenwind machte sich sehr bemerkbar, sodaß keine besonders gute Zeiten gelaufen wurden. Man konnte die Feststellung machen, daß die 09er gute Breitenarbeit leisten, denn es trennten bei den Läufen und den anderen Uebungen oft nur Sekunden oder Zentimeter die einzelnen Wettkämpfer. Die Abwicklung der Kämpfe ging flott vonstatten, sodaß sie nach ungefähr drei Stunden schon erledigt waren. Im 200 m Lauf liefen Schmidt und Lohmann in 25 Sek. ein tot:s Rennen. Gute Läufer wie Stein und Rüberg wurden schon nicht mehr gewertet. Der 400 u: Lauf wurde von Vogelsang gewonnen, doch rückte Schmidt in den letzten Metern gut auf. Ludwig von 09 und Schulte=Hörde belegten die nächsten Plätze. Wie wir schon im Vorbericht erwähnten, wurde der 1500 m Lauf das interessanteste Rennen. Nach zwei Runden schälten sich schon die Favoriten Schulte=Hörde, Ludwig und Platzmann von 09 heraus. Ludwig war dann im Endkampf der Stäckere. Kreismeister Platzmann war über 5000 m nicht zu schlagen. Becker 09 ist jedoch noch sehr zu beachten; er gegen Hörde doch gute Leistungen. kann Platzmann nach einigen weiteren Renne.. schon gefährlich werden. Das Kugelstoßen wurde von Schulte 09 mit einer Leistung von 12.56 m gewonnen(außer Konkurrenz 13.36 m1. Auch das Speerwerse: gewann er mit 49.57 m vor Wagner 09. Im Dreisprung wurde Stein knapp von Gemming= Hörde geschlagen. Im Diskuswerfen war mi: Vogelsang am Start schon der Sieg gegeb Menke und Michel von 09 warteten aber au mit guten Leistungen auf: 32.88 m bezu32.82 m. Behrend=Hörde brachte den Hee sprung mit 1.75 mrr. vor Wagner 1,65 ans Das Stabhochspringen gewann Schulte 2.85 m: vor Schroer 09 mit 2.80. Auch im Hamm wersen konnte man bei den Mendenern g: Formverbesserungen feststellen. Menke wa den Hammer 24.55 m. Die 4X180 m Staffe gewannen die 09er, mit der erstmalig komple: lausenden 1. Mannschaft bei sehr schlechten Wechsel in der Zeit von 46.9 Sek. Umrahmt wurde der Klubkampf von Jugendwettkämpfen. Gutes Wetter und einwandfreie Bahnverhältnisse vorausgesetzt, sollte es denk 09ern ermöglichen, im demnächst in Menden stattfindenden offiziellen Meisterschaftsklubkampf, der NotErde Iserlohn=Lüdenscheid 01 und 08 Jahn Menden und Altena am Start vereinigt. die 7000 P ulrgrenze zu erreichen. Aus Westdeutschland Muffelwild für holzmindener Forste:: Holzminden. Nachdem kürzlich bei Grünenplan ein Muffelwildgehege eingerichtet worden ist, wird nun auch in den Holzmindener Forsten auf Veranlassung von Gaujägermeister Staatsminister Alpers Muffelwild ausgesetzt, und zwar zunächst zwei Böcke und fünf Schafe. Schon vor dem Kriege wurde ein ähnlicher Versuch in den preußischen Forsten von Neuhaus gemacht. Der Bestand dieses Wildes ist jedoch in der Kriegszeit der Wilddieberei zum Opfer gefallen. Das väterliche Haus in Brand gesteckt Tnger(Kr. Herford). In Drenen bei Enger brannte das Haus des Einwohners Schröder nieder. Die Ermittlungen nach der Brandursache lenkten den Verdacht der Tat auf den 26jährigen Sohn der Familie Schröder. Er wurde festgenommen und hat nach anfänglichem Leugnen das Geständnis abgelegt, sein Vaterhaus in Brand gesteckt zu haben. Er hoffte, mit der Versicherungssumme einen Neubau errichten zu können. Britische Frontkämpfer kommen nach Münster Münster. Zu dem vom 7. auf den 28. und 29. September verschobenen Treffen der Gaue Westfalen=Lippe und Westhannover der Reichsvereinigung ehemaliger Kriegsgefangener werden— wie wir erfahren— 80 britische ehemalige Frontkämpfer erscheinen, die einer gelegentlich des Brightoner Besuches der Ortsgruppe Grundschöttel der R. e. K. ergangenen Einladung folgend, vom 25. bis 30. September zum Gegenbesuch in Westfalen weilen. Vom Auto erfaßt und getötet Rünster. Auf der Hammer Landstraße in Hiltrup ereignete sich in der vergangenen Nacht ein tödlicher Verkehrsunfall. Zwei beim Kanalbau in Amelsbüren beschäftigte Arbeiter aus Münster befanden sich mit ihren Fahrrädern auf dem Heimweg, als sie in der Höhe des Gehöftes Lodemann von einem mit großer Geschwindigkeit fahrenden Auto überholt wurden. Der Arbeiter Busch wurde von dem Auto erfaßt und etwa 20 Deter weit auf die Straße geschleudert, wo er mit schweren Kopfverletzungen liegen blieb. Der Verunglückte wurde von dem herbeigerufenen Ueberfallkommando ins Krankenhaus geschafft, wo er kurz nach der Einlieferung starb. Die Ursache des Unfalls steht noch nicht fest, da es noch nicht möglich war, das Auto zu ermitteln. Brand im Kraftwerk herdecke Hagen. Am Samstagmorgen gegen 7.30 Uhr entstand im Kraftwerk Herdecke des Kommunalen Elektrizitätswerks Herdecke ein Brand, durch den die Stromzufuhr unterbrochen wurde. Ein Oelgenerator der Umladestelle war in Brand geraten. Die Hagener Berufsfeuerwehr löschte mit Unterstützung der Werksangehörigen mit Schaumlöschern das Feuer. In etwa einstündiger Tätigkeit war die Gefahr beseitigt. Die Hagener Straßenbahn erlitt durch den Brand eine Stilllegung von rund 45 Minuten. Schiffsunfall im Duisburger Hafen Duisburg. Im Hamborner Hasen Schwelgern brach am Samstagvormittag ein etwa 400 To. fassender Kahn nach der Belodung in der Mitte durch. Das einer belgischen Firma gehörende Schiff geriet sofort auf Grund. Die Besatzung konnte sich retten. Geheimrat Professor Dr. Moritz Ehrenbürger der Aniversität Köln Köln. Am 28. Juli, dem Tage seines goldenen Doktorjubiläums, wurde Geh. Medizinalrat Dr. Friedrich Moritz, der entpflichtete ordentliche Professor der inneren Medizin an der Universität Köln, von Rektor und Senat mit Genehmigung des Reichs= und Preußischen Ministers für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung zum Ehrenbürger der Universiät Köln ernannt. Richard=Wagner=Festwoche in Detmold Volksfest im Palaisgarten— Siegfried-Wagner- und Franz=Liszt=Jeiern Detmold. Die eigentlichen Richard=Wagner=Aufführungen wurden am Donnerstag mit der Einführung in die„Meistersinger" beendet, und die folgenden Tage sollen nun den Einfluß seiner Kunst auf das künstlerische Schaffen nach ihm, auf Franz Liszt, aus Siegfried Wagner, auf Hans Pfitzner zeigen. Den Auftakt zu den musikalischen Darbietungen bot eine vortreffliche Wiedergabe des Vorspiels durch das deutsche Luftsportorchester unter Leitung von Schulz=Dornburg. Das Strahlende des Preisliedes brachte Josef Janke von der Städtischen Oper Köln ebenso hervorragend wie auch das lyrisch=liedhafte„Am stillen Herd zur Winterszeit" zum Ausdruck. Einen dieser Rolle vollauf gerecht werdenden David stellte Bruno Miserski in den Meisterregeln und dem Johannisspruch. Und wieder wie an den vergangenen Abenden beglückten Herbert Alsens schöne Stimme und edler Vortrag diesmal in Pogners Ansprache. Das Schusterlied, der Wahnmonolog und der Fliedermonolog dienten det Kennzeichnung des Hans Sachs, den Alfred Kase in klarer sprachlicher Gestaltung sehr gut charakterisierte. Das Quintett„Die Taufe der seligen Traumdeutweise“ mußte wiederholt werden. Es wurde mit Hilde Singenstreu von der Staatsoper Wiesbaden und Grete Lüddecke vom Stadttheater Bielefeld zu dem Erlebnis der Aufführung. Der vom Schubertbund Detmold gut vorgetragene Wach=auf=Chor und Schlußchor vervollständigten die Einführung. Daß die Detmolder Festwoche den Sinn hat, weiten Kreisen ein Bekanntwerden mit den Werken des Bayreuther Meisters zu ermöglichen und weiter das Verhältnis des Volkes zu seiner deutschen Kunst zu verinnerlichen, das kam auch in dem groß angelegten Volksfest im Palaisgarten am Donnerstagabend zum Ausdruck. Fanfaren und Blasmusik des Meisters, vorgetragen von der Arbeitsdienstkapelle Pivitsheide und der Bataillonsmusik des 18. Infanterie=Regiments, erklangen. Auf grünem Wiesenplan tanzten die Gruppen der Detmolder Gymnastiklehrerinnen den „Tanz auf der Festwiese“ aus den„Meistersingern“. Im Mittelpunkt stand das als Laienspiel aufgeführte Fragment„Wieland der Schmied“ (Richard Wagner), das dank der hervorragenden Leistungen der jungen Darstellerinnen und Darsteller eine sehr lebendige Wiedergabe erfuhr. Nach den Schlußworten„O, einziges, herrliches Volk, schmiede Dir auch Deine Flügel" zogen die Soldaten des neuen Deutschland heran, das Heer, die SA. und SS. und die Arbeitsmänner, vom Publikum mit stürmischem Beifall begrüßt. Der Palaisgarten im Schmuck unzähliger bunter Papier= laternen und Lämpchen bot mit seinen angestrahlten Wasserkünsten einen stimmungsvollen Rahmen. In einer Siegfried=Wagner=Morgenfeier wurde am siebenten Tag der Festwoche die Entwicklung dieses Komponisten in der Atmosphäre von Bayreuth dargestellt. Wie eine schöne Späterscheinung der deutschen Romantik mutet sein Werk an, so führte der Organisatos der Festwoche. Otto Daube (Detmold), in seinem Einführungsvortrag aus. Er schilderte, wie Siegfried Wagner das Erbe des Vaters in Bayreuth verwaltet habe, als fähiger Dirigent. als erneuernder Schöpfer zeitgemäßer Inszenierungen. Eine Schutz= und Trutzburg des deutschen Idealismus habe man sein Werk einmal genannt. Sein Werk harte noch heute des Bekanntwerdens im deutschen Volk. Und doch hat dieser Sohn eines großen Vaters einen durchaus selbständigen Eindruck an eine durchaus selbständige Kunstgattung— die Kirchen und Volksoper— gefunden. Das zeigten die Lieder aus„Der Kobold" und„Sternengebot“, die Maria Marinowa von der Staatlichen Musikakademie Sofia klangschön sang. Die Franz=Liszt=Feier, die am Nachmittag ein aufmerksames Publikum im Landestheater Detmold vereinigte, begann mit der Sonate in H=Moll. Die technisch beherrschte Wiedergabe von Hubert Thielemann(Detmold) bot in der prächtigen Kennzeichnung der verschiedenen Arten der einzelnen Sätze einen hohen Genuß. Vier Lieder sang Ilse Hermann von der Städt. Oper Bielefeld, am Flügel von Otto Daube mit bemerkenswert schönem Ausdruck begleitet. Das Petrarca=Sonett sprach Willibald Mohr vom Landestheater Detmold sehr gehalten. In schwingendem Ton übertrug es Hubert Thielemann. Damit verdeutlichte er wie auch in der eingangs gespielten Sonate die Entwicklung der rein technischen Virtuosität zur Trägerin des Geistigen in der Kunst bei Liszt. Dionysisches in „Alexandriner", Lenaus Faust, die Szene in der Dorfschenke, sprachen Richard Beron(Detmold) als Mephisto und Wilhelm Mohr als Faust. Es folgte der von Hubert Thielemann gespielte„Tanz in der Dorfschenke“ aus dem Mephisto=Walzer. Mit der vollendeten Wiedergabe dieses m allen Teilen aufwühlend mitreißenden Stückes schloß die Feier. Richard Wagners Enkel in Detmold Detmold. Die Enkel des Meisters von Bayreuth, Wieland=Gottfried und Wolfgang Wagner, sind aus Anlaß der reichswichtigen Richard=Wagner= Festwoche in Detmold eingetroffen und wohnten bereits dem Volksfest im Palaisgarten bei. Flugzeug=Ingenieure gesucht! Essen. Der ungeheure Aufschwung, den die Flugtechnik nach der Machtübernahme durch den Nationalsozialismus in Deutschland erfahren hat, stellt an die Flugzeugwerke Anforderungen, denen sie nur bei genügender Zahl von Fachmännern gerecht werden können. Es ist daher nicht zu verwundern, daß Flugzeug=Ingenieure zurzeit besonders stark gesucht sind und daß die Regierung ein weitgehendes Interesse hat, ihre Ausbildung zu fördern. Zwischen Vertretern des Reichskultus= und Finanzministeriums und der Stadtverwaltung Essen ist bekanntlich eine grundsätzliche Einigung über die Errichtung einer Ausbildungsstätte für Flugzeugingenieure an den Technischen Staatslehranstalten für Maschinenwesen in Essen zustandegekommen. Diese Sonderabteilung wird, wie der Pressedienst der Stadt Essen mitteilt, mit Beginn des Winter=Semesters 1935= 1936 am 17. September 1935 eröffnet; die notwendigen Lehrkräfte sind der Anstalt bereits überwiesen. Die Abteilung ist die einzigste dieser Art in Westdeutschland und erhält in Essen als Mittelpunkt des Industriegebietes eine besonders günstige Lage. Der Besuch dieser Sonderabteilung setzt eine allgemeine technische Ingenieurausbildung voraus, die Spezialausbildung zum Flugzeug=Ingenieur erfolgt als zusätzliche Ausbildung in einer Aufbau=Klasse, die als 6. Semester der fünfsemestrigen Höheren Technischen Staatslehranstalt Tischler=Obermeistertagung in Buer Ansprache des Reichsinnungsmeisters der Tischler Gelsenkirchen=Buer. In Buer fand am Samstag der Obermeistertag 1935 des Tischlerhandwerks des Treuhänderbezirks Westfalen statt, zu dem sich die Tischlerobermeister aus dem ganzen Bereich der Bezirksstelle Westfalen des Reichsinnungsverbandes des Tischlerhandwerks(Sitz Dortmund) eingefunden hatten. Unter den Tagungsteilnehmern sah man auch den Reichsinnungsmeister des deutschen Tischlerhandwerks, Kaiser(Stuttgart), und den westfälischen Landeshandwerksmeister Schmitt (Münster) Landesinnungsmeister Mertens(Duisburg= Hamborn) eröffnete die Tagung mit dem alten deutschen Handwerksgruß„Gott segne das ehrbare Handwerk". In ergreifenden Worten gedachte er der Gofallenen des Weltkrieges, der Toten der Bewegung und der Helden der Arbeit. Hierauf erstattete der Landesinnungsgeschäftsführer Evers den Tätigkeitshericht. Den Ausführungen des Landesgeschäftsführers schloß sich eine ausführliche Debatte über die verschiedenen Fragen des Tischlerhandwerks an. Landeshandwerksmeister Schmitt sprach über all das. was seit der nationalsozialistischen Machtübernahme im Rahmen des Neubaues des deutschen Handwerks bereits geleistet wurde. Die Arbeit habe erst begonnen. Notwendig sei vor allem, daß auch in den eigenen Reihen des Handwerks Verständnis für alle Fragen des deutschen Handwerksstandes herrsche. Weitere Ausführungen des Redners befaßten sich mit der Frage der zweckmäßigen Unterrichtung breiter Volksschichten über den Wert der Handwerksarbeit. Eingehend müsse sich das deutsche Handwerk mit der Nachwuchsfrage befassen und hierbei die gebotenen gesetzlichen Möglichkeiten in Anwendung bringen. Entscheidend sei die handwerkliche Leistung, durch die das deutsche Handwerk wieder aufwärts und vorwärts gebracht werden könne. Reichsinnungsmeister Kaiser, dessen Ausführungen besonders begeistert ausgenommen wurden, gab seiner Freude darüber Ausdruck, daß er gerade im Westen soviel echten, deutschen Handwerksgeist vorfinde. Die Bezirksstelle für den Treuhänderbezirk Westfalen des deutschen Handwerks habe auf ihn mit den allerbesten Eindruck gemacht. Wenn das deutsche Handwerk wieder aufsteigen wolle, so sei in allererster Linie das Vertrauen zur eigenen Leistung erforderlich. Damit das Handwerk die Aufgabe an sich selbst vollbringen könne, sei die Einführung der einheitlichen Prüfungsrichtlinien besonders empfehlenswert. Das deutsche Handwerk müsse denken und arbeiten auf lange Sicht und nicht nur nach Augenblickserfolgen trachten. Entscheidend sei die planmäßige innere Umwandlung, die das Gesicht des deutschen Handwerks im Laufe von Jahren ändern werde. Weitere Ausführungen des Reichsinnungsmeisters galten dem handwerklichen Wertgedanken und wie man diesen im Handwerk und im Volke durchzusetzen vermöchte. Das deutsche Tischlerhandwerk, so schloß der Reichsinnungsmeister, sei bereit, sich mit seiner ganzen Kraft für die Neuentwicklung und Neugestaltung des deutschen Handwerks einzusetzen, und es werde zugleich seinen Teil dazu beitragen, zur Einheit der Lebensgestaltung des deutschen Menschen zu gelangen. Während der Tagung hatten die Obermeisterfrauen Gelegenheit, sich vom Verkehrsverein die Schönheit der Buerschen Volkserholungsanlagen zeigen zu lassen. Von dieser Möglichkeit machten nach der Tagung in einem kurzen Rundgang auch die Tagungsteilnehmer selbst Gebrauch. Am Abend fand auf Schloß Berge ein offizieller Begrüßungsabend statt. für Maschinenwesen in Essen angegliedert ist. Vorbedingung für die Aufnahme ist daher das Bestehen der Reifeprüfung an einer Höheren Technischen Staatslehranstalt für Maschinenwesen oder an einer gleichwertigen Höheren Technischen Lehranstalt. Absolventen von Technischen Staatslehranstalten für Maschinenwesen müssen die notwendigen Kenntnisse in höherer Mathematik und Mechanik durch eine Aufnahmeprüfung nachweisen. Weitere Auskunft erteilt das Büro der Technischen Staatslehranstalt für Maschinenwesen in Essen, Beginenkamp 20, Fernruf 21862, Sprechstunden von 9—12 Uhr. Wirtschaftseinbrüche am laufenden Band Festnahme eines Schwerverbrechers Essen. Nachdem vor einigen Tagen die Kriminalpolizei drei Einbrecher aus Dahlhausen wegen mehrerer Wirtschaftseinbrüche und eine fünfköpfige Schmugglerbande, bei der sechs Zentner Tabak und vier gestohlene Fahrräder beschlagnahmt wurden, festnehmen konnte, wurde jetzt ein weiterer Wirtschaftseinbrecher auf frischer Tat im Lokal Abst in Essen=Ueberruhr ertappt und unschädlich gemacht. Es handelt sich um den 40 Jahre alten Walter Wladislaus Mikolayczak, der sich seit zwei Jahren vagabundierend unter Mitführung eines Fahrrades und seines Einbrecherwerkzeuges umhertreibt. Bei seiner Festnahme führt der Täter eine geladene Schußwaffe bei sich. Die Festnahme ist um so erfreulicher, als es sich um einen berüchtigten Einbrecher handelt, der von den Staatsanwaltschaften Essen und Bochum gesucht wird und wegen 40 begangener Einbruchsdiebstähle im Bezirk Recklinghausen mit Zuchthaus bereits vorbestraft ist. Der Täter hat in den letzten zwei Jahren wiederum etwa 200 Einbruchsdiebstähle in Essen, E.=Steele, Kray. Ueberruhr, Kupferdreh, Schonnebeck, Karnap, Borbeck, ferner in Wattenscheid, Gelsenkirchen, Bochum, Oberhausen, Österfeld, Duisburg und Düsseldorf ausgeführt. Bisher sind 52 Wirtschaftseinbrüche aufgeklärt. Die Ermittlungen sind aber noch lange nicht abgeschlossen. Es werden auch noch mehrere Hehler zur Verantwortung gezogen werden. Jahrradfabrik in der Mansarde Duisburg. Den eifrigen Bemühungen der Kriminalpolizei gelang es vor einiger Zeit, einer Fahrraddiebesbande auf die Spur zu kommen, die nicht nur in Duisburg, sondern darüber hinaus in Essen, Oberhausen, Mülheim, Düsseldorf und anderen Orten Räder stahl. Um diese Räder wieder an den Mann bringen zu können, erfuhren sie in der als„Fahrradfabrik“ eingerichteten Mansarde des Haupttäters eine geschickte Umarbeitung. Die Zahl der gestohlenen Räder beläuft sich nach Schätzung eines Mittäters auf etwa 350. Ein großes Lastauto war nötig, auf dem die Polizei den Inhalt der„Fabrik“ abtransportieren mußte. Der Haupttäter, Paul Simons, war seinerzeit zu sieben Jahren Zuchthaus, sein Schwager Karl Scholar zu vier Jahren Gefängnis verurteilt worden. Eine gegen Die Großhandels-Einkaufspreise für Hühnereier, Essen. Nach Mitteilung des Rheinisch=Westfälischen Eierverwertungsverbandes wurden durch die Hauptvereinigung der deutschen Eierwirtschaft und mit Zustimmung des Reichsministers für Ernährung und Landwirtschaft folgende Großhandels=Einkaufspreise für Hühnereier festgesetzt: Deutsche Handelsklasseneier: G. I: S 10,5, A 10, B9,25, C 8.50, D 8 Pfg., G. II ¼ Pfg. niedriger. Aussortierte Eier 7,75 Pfg. Auslandseier: Holland, Dänemark und Schweden: S 9,75, A 9.25, B 8,75 Pfg.; Finnland, Belgien, Estland und Irland: S9,50, A9, B 8.50 Pfg., Jugoslawien: S—, A9, B 8.30 Pfg.— Preise verstehen sich frachtfrei Empfangsstation. das Urteil eingelegte Berufung hutte keinen Ersolg, da die Tat der beiden als äußerst verabscheuungswürdig und volksschädigend angesehen wurde. 15jährige als Brandstifterin— für 15 000 RM. Brandschaden Oberhausen. Anfang Juni und Mitte Juli wurde die Gesellschaft„Heideblümchen“ von drei Bränden heimgesucht, die einen Gesamtschaden von 15000 RM. verursachten. Wie jetzt festgestellt wurde, sind die Brände vorsätzlich von einem 15jährigen Mädchen aus Oberhausen, das im „Heideblümchen“ bedienstet war, angelegt worden. Das Mädchen ist in vollem Umfange geständig. Als Motiv der Handlungsweise gab die Täterin an, aus Rache gehandelt zu haben. Die jugendliche Brandstifterin wurde dem Jugendrichter beim Amtsgericht in Oberhausen zugeführt. Vom Lastzug überfahren Dinslaken. Auf der Dorstener Kanalbrücke blieb die 13 Jahre alte Elfriede Kreß, die in Begleitung ihres Vaters mit dem Fahrrad nach Hause fahren wollte, in dem Augenblick in den Straßenbahnschienen hängen, als ein Lastzug die Brücke passierte. Das Mädchen kam zu Fall und wurde vor den Augen des Vaters von dem Anhänger des Lastzuges erfaßt und überfahren. Die Unglückliche trug derart schwere Kopfverletzungen davon, daß der Tod bereits auf dem Transport zum Krankenhaus eintrat. Großfeuer in einer Baumwollspinnerei Bedeutender Sachschaden M.=Gladbach. In der Baumwollspinnerei Eduard König& Co. brach am Samstagvormittag aus noch nicht geklärten Gründen in einem Trockenraum ein Brand aus, der schnell um sich griff und großen Schaden verursachte. Auch die angrenzenden Räume, in denen erhebliche Baumwollvorräte lagerten, sowie die Bleicherei wurden von den Flammen erfaßt. Die Feuerwehr, die mit acht Schlauchleitungen dem Element zu Leibe ging, mußte sich auf den Schutz der übrigen Fabrikteile beschränken. Neben den Maschinen der betroffenen Werksabteilungen sind den Flammen etwa 5000 Kilogramm Baumwolle zum Opfer gefallen. Für die Belegschaft muß bis zur Beseitigung der durch den Brand entstandenen Störungen eine kurze Arbeitsunterbrechung eintreten. Zwei Hauptgewinne der Arbeitsbeschaffungslotterie gezogen Düsseldorf. In Godesberg wurde am Donnerstag ein Hauptgewinn der Arbeitsbeschaffungslotterie in Höhe von 5000 RM. gezogen. Am Freitag hate dann die kleine Stadt Werdohl das Glück, daß dort ein Gewinn in gleicher Höhe gezogen wurde. Rattenplage in der Westeifel Prüm(Eifel). Aus dem Kreise Prüm mehren sich Klagen über verstärktes Auftreten von Ratten, die unter den Junghühnerbeständen und auf den Getreidespeichern großen Schaden anrichten. Mit Radikalmitteln sind die Bauern bestrebt, die Rattenplage vor dem Einbringen der neuen Ernte zu beseitigen. Es ist mit einer amtlichen Schadensverhütungsaktion zu rechnen, die im Einvernehmen mit den Ortsbauernschaften durchgeführt wird. Richter-Berlin Deutscher Reister Schluß des Aachener Schachturniers Aachen. Im Schlußkampf um die Schachmeisterschaft von Deutschland in Aachen ging es noch einmal heiß her. Da Richter gegen Koch remisierte, wollte Ahues, der seine Hängepartie mit Elstner gewonnen hatte, seine remisartige Stellung gegen Rellstab unbedingt gewinnen, um gleichzuziehen. Rellstab verteidigte sich umsichtig, kam selbst zum Angriff und gewann schließlich. Durch diese Niederlage hatte sich Ahues auch den zweiten Platz verscherzt, denn Errst und Michel siegten(ersterer über Schlage, Michel gegen Reinhardt) und teilen so mit Ahues den 2. bis 4. Platz. Engels hatte die Hängestellung gegen Blümich gewonnen, mußte aber gegen Schönmann abbrechen, obwohl der Ausgang für die Platzfrage ohne Bedeutung ist. Weißgerber verlor die abgebrochene Partie gegen Schönmann und am Samstag gegen Dr. Lachmann. Blümich holte einen Punkt gegen Elstner, während Brinkmann spielfrei war. Der Schlußstand: Sieger und Meister von Deutschland 1935: K. Richter=Berlin mit 10½ Punkten, 2. bis 4. geteilr: Ahues=Königsberg, Ernst=Gelsenkirchen und Michel=Nürnberg mit je 9½ Punkten, 5. Engels=Düsseldorf 8 und Hänge, 6. Rellstab=Berlin 7½ Punkte, 7. Dr. Lachmann 7 Punkte, 8. Schönmann 6 Punkte und Hänge, 9. bis 10. Elstner und Reinhardt mit je 6 Punkten, 11. bis 13. Brinkmann, Schlage und Weißgerber mit je 5½ Punkten, 14. bis 13 Blümich und Koch mit je 4 Punkten. Die Madonna von Kerzsprung) Roman von Hertha Fricke Schon am anderen Morgen saß Stegemann wieder an der Staffelei und legte das Porträt des Pfarrers an. Er machte sich vor, daß es eine interessante Arbeit wäre, und gestand sich durchaus nicht ein, daß ihn nur der Gedanke trieb, recht bald Rosemarie wieder zu sehen,— ihr eine Freude zu machen. Es ging ganz merkwürdig mit dem Bild— Als er damals am Kaminfeuer nach der Farbe von Haar und Augen des alten Herrn gefragt hatte, sagte ihm lächelnd die schöne junge Frau, er solle sie einmal ansehen. Genau so, nur grau sei zwischen dem braunen Haar gewesen beim Vater.— Daran dachte er jetzt und wie er die Gelegenheit benutzt hatte, noch einmal so recht in das liebliche Gesicht zu schauen, ohne taktlos scheinen zu müssen. * Der Freiherr von Coretzky war zurückgekehrt. Er wunderte sich, daß Rosemarie ruhig und gleichmütig f#agte, ob der Christel gut untergekommen sei, und ob es nette Leute seien, die das Institut leiteten. Während er ihr antwortete, bemerkte er, daß seine Frau etwas Frohes und Leuchtendes an sich hatte, etwas, das er wohl von früher her kannte, aber lange vermißt hatte. Mißtrauisch fragte er, ob etwas vorgefallen sei, und ob jemand dagewesen sei während seiner Reise. Rosemarie erschrak. Aber dann faßte sie sich und sagte ruhig, der Maler Stegemann sei am Tage zuvor dagewesen und habe gefragt, wie er das Bild von ihrem Vater malen solle, denn der Graf Kaysersberg habe ihm davon gesprochen, daß Robert ihn habe darum bitten wollen. Das sei damals an dem Jagdtage gewesen und sie habe sich mit dem Künstler davon unterhalten. „Muß der alte Schwätzer, der Kaysersberg, mir wieder vorgreisen, sonst hätte der Maler sich dies nicht herausgenommen!“ zürnte Coretzky. „Ihm ist auch nichts recht!“ dachte traurig Rosemarie, und das sonnige Gesicht und das fröhliche Geplauder Henning Stegemanns fiel ihr ein. Ob sie ihn wohl einmal wiedersehen würde? „Es ist so traurig, daß wir gar keine Freunde haben!“ sagte sie unglücklich.„Die guten Nach barn lassen sich kaum sehen. Den Damen bin ich fremd geblieben! Und kommt durch Zufall mal ein froher Mensch in unsere Abgeschiedenheit, so tust du gleich, als wäre er nicht wert, über unsere Schwelle zu treten!“— „Ich lasse mir über unseren Verkehr von dir keine Vorschriften machen!“ brauste der Freiherr auf. Rosemarie drehte sich um und ging hinaus. Coretzky ging auf sein Zimmer und griff nach seiner Post. Stegemanns höflicher Brief fiel ihm in die Hände. Höhnisch kräuselte der Freiherr den harten Mund. Er riß den Brief in kleine Fetzen und ließ sie achtlos auf den Teppich fallen.„Das könnte ihm passen, sich so hier einzuschleichen!“ knirschte er.„Ich bin sonst nicht abergläubisch, aber der Fuchs neulich nachts scheint mir doch eine Warnung zu sein!“ Er nahm ein wappengeschmücktes Briefblatt, tauchte tief die Feder ein und schrieb in kalt höflichen Worten, er danke für das freundliche Anerbieten, aber er habe das mit dem Porträt damals nur ganz flüchtig gegen den Grafen erwähnt, er wolle davon absehen. Ernstlich habe er diesen Gedanken gar nicht erwogen, und er bedauere, daß der Herr Stegemann sich in seiner Abwesenheit dieser fruchtlosen Angelegenheit wegen nach Herzsprung bemüht habe. „Es wird alles wieder so dunkel und trostlos wie vorher!“ dachte Rosemarie betrübt, und Coretzky sah, daß das Helle und Glückliche wieder aus ihren Blicken verschwunden war. „Ich habe nichts dagegen!“ sagte er zu ihr,„daß du die Damen der Nachbarschaft gelegentlich besuchst! Du erwähntest gestern, daß du dich einsam fühlst. Die Gräfin Kaysersberg wird sich über deinen Besuch freuen. Sie leben auch ziemlich einsam, wie das auf Gütern oftmals der Fall ist. Aber du wirst warten, bis ich dir den Zeitpunkt angebe. Der anmaßende Maler reist wohl nächstens!“ Da hob Rosemarie die gesenkten Augen.„Mißtraust du mir?“ „Ich mißtraue dir nicht, aber ich mißtraue ihm!— Nicht deinem besten Wollen, aber deiner Kraft!". „Das ist dasselbe!" erwiderte Rosemarie beleidigt. „Du bist gekränkt!“ sagte er versöhnlich.„Aber ich meine, wir lebten stets am ruhigsten allein! Wozu brauchst du Menschen?— Ich fand, schon der Junge störte!“ „Dich!“ antwortete Rosemarie leise und trauug.„Hättest du ihn lieb gehabt, so würde er dich nicht gestört haben! Und er war doch deiner Schwester Kind! Und wenn du fragstt, wozu ich Menschen brauche. Robert— ich glaube, wir brauchen Menschen, um für sie zu leben, um ihnen etwas zu sein! Darum tat mir auch der Christel noh!“ „Es genügt, wenn du mir etwas bist, wenn du für mich lebst! Aber wir wollen die unerquicklichen Gesprüche lassen und zu Tisch gehen! Darf ich bitten?“ Er bot Rosemarie den Arm und führte sie in das große Speisezimmer. Der Diener zündete die großen silbernen Armleuchter an, wie stets in der dunklen Zeit. Sie aßen fast schweigend. Die Kerzen flackerten. Lautlos servierte der Diener. Auf dem schneeweißen glänzenden Dai; vor Rosemarie zog sich der matte Kreis eine:.ne. Sie neigte sich über den wappengeschmunten Teller. „Willst du die Liebenswürdigkeit haben, mir einen Apfel zu schälen?“ fragte der Freiherr verbindlich. „Gewiß, gern!“— antwortete die junge, schöne Frau. Es tat ihr weh, daß dies die einzigen Worte waren, die während der Tafel gesprochen wurden. Gestern dagegen am Kamin.... h muß am nächsten Moniag zur Arwar'. sitzung nach Danzig!“ erklärte Coretzky seiner Frau und deutete auf die Zeitung, wo in einem großen Inserat die Standesherren dazu eingeladen wurden.„Ich würde dich mitnehmen, aber es ist grimmig kalt geworden, und ich habe in Danzig doch keine Zeit für dich. Zum nächsten Mal im Mai, dann kommst du mit!— Du weißt ja aber, ich halte mich nicht länger auf, als dringend erforderlich. Damit du aber in den drei Tagen keine Grillen fängst, kannst du zur Gräfin Kaysersberg fahren. Der berühmte Künstler reist morgen ab, da wird es ihr lieb sein! Denn der Alte fährt mit nach Danzig! Soll ich dich anmelden?“ „Ich bitte dich darum!“ sagte Rosemarie. Sie kannte die Gräfin sehr wenig, aber sie entsann sich ihrer als einer freundlichen Dame mit einem grauen Scheitel und klugen Augen. Es fiel der jungen Frau ein, daß sie dort etwas sehen würde. was Henning Stegemann gemalt hatte, und das erfüllte sie mit einer gewissen Spannung.— Aber warum reiste ihr Mann jetzt so oft?— Er benutzte jede Gelegenheit, er war so unstet und unruhig. War er daheim, so lief er in Ställen umher oder er ritt durch die Wälder, die doch der tüchtige alte Förster ganz allein besorgte. Rosemarie sah ihn oft furchtsam an. Was ging in ihm vor?— Sie verstand ihn noch weniger als früher. Als er am Montag abreiste, fühlte sie eine Art Erleichterung, die ihr bald darauf Gewissensbisse machte. Wo sollte das hinaus?— Froh war Rosemarie, als sie im Schlitten saß, der sie zu dem alten Ehepaar führen sollte. Der Schnee wurde schon weich und ballte sich unter den Pferdehufen. Wildenten zog nach Norden. Würde es bald Frühling werden?— Grau und spitz ragte das alte Herrenhaus mit seinem Giebel aus dem Gewirr der Lindenäste vom Kaysersberg. Die Gräfin war in ihrer Jugend Hofdame gewesen. Aus der Zeit war ihr ein Hang zur Intrigue geblieben, der sich hier auf dem Lande selten auswirken konnte. Coretzky konnte sie nicht leiden. Er hatte sie sich einmal durch eine seiner Salonbosheiten zur Feindin gemacht, die er längst vergessen hatte. Als ihr harmloser Gatte ihr erzählte, daß der Freiherr sich erst genau erkundigt hatte, wann Henning Stegemann abreiste, ehe er den Besuch seiner jungen, hübschen Gemahlin ankündigte, fiel ihr eine kleine Rache ein, und sie bat ihren Gast mit dem charmantesten Lächeln, doch nicht gerade heute zu reisen! Ob es auf zwei Tage ankäme? Denn da ihr böser Gemahl nach Danzig gereist sei, wäre es doch für sie doppelt einsam. Es kam nicht gerade auf zwei Tage an, obgleich er sich schon daheim angemeldet hätte, sagte Stegemann, und es käme ihm undankbar vor, da er eine so schöne Zeit hier gehabt habe und leider auch acht Pfund zugenommen habe, wenn er den schmeichelhaften Wunsch seiner Gastgeberin nicht erfülle. „Ich habe auch noch eine besondere Ueberraschung für Sie!" versprach die Gräfin und machte ein vielsagendes Gesicht.„Heute nachmittag zum Tee!"— Henning Stegemann lächelte müde. Die letzten Tage hatten ihm Enttäuschungen gebracht. Die kurze verletzende Absage des Freiherrn und die gänzliche Unmöglichkeit, Rosemarie noch einmal wiederzusehen. Die kleinen verblaßten Bilder des Pfarrherrn hatte er noch nicht zurückgeschic Er hatte auch seine kleine Rache. Denn diese Bilder gaben ihm die Gelegenheit, noch ein paar Zeilen an Rosemarie zu schicken.—— Nun stand er im Nordzimmer, wo seine gepackten Koffer aufgetürmt waren, und schloß noch einmal auf, um einen dunklen Anzug hervorzuholen. Die Frau Gräfin erwartete ja Teebesuch heute nachmittag. Unten klingelte ein Schlitten. Das große Haustor gab einen singenden Ton. Diener und Mädchen traten hinaus, um einer Dame aus den Pelzdecken zu helfen.— Stegemann starrte hinunter, und eine tolle Freude stieg in ihm auf. Wars möglich? Die Freifrau von Schloß Herzsprung?— Rosemarie?— Er ging in das Gastzimmer nebenan, wo er gewohnt hatte, und machte langsam und sorgfältig Toilette, wie um die Minuten köstlicher Erwartung auszukosten,— das Sichfreuen auf das letzte Glück,— die noch einmal zu sehen, die er niemals sein nennen durfte, mit der er nie sprechen durfte von dem, was ihn erfüllte. Er war ein munterer Bursch gewesen, der Henning Stegemann, manches hübsche Mädel hatte er beim Kopf gehabt und geküßt, wenn sie es sich gern gefallen ließ, ohne einen Wechsel auf die Zukunft darüber zu fordern. Aber so war ihm noch nie gewesen,— so innerlich nahe war ihm noch nie ein Weib gewesen, so ganz und gar hatte ihn noch keine gefangen genommen, wie diese Frau, die ihm trotzdem so himmelsfern war. Mit seiner ganzen gewinnenden Herzlichkeit sah er ihr in die Augen, nachdem er seinen hübschen Mund auf die kleine, warme Hand gedrückt hatte, die eben aus dem dicken Pelzhandschuh geschlüpft war. „Wie geht es Ihnen, Herr Stegemann?— Sie sind noch hier?“ fragte Rosemarie erstaunt, aber nicht ohne Freude „Wie es mir geht, gnädige Baronin? Das kann ich gar nicht sagen! Denn eben war ich noch so von Herzen betrübt und habe doch nicht geahnt daß das Glück zu mir unterwegs war!" Rosemarie schwieg und sah in den großen Spiegel, nahm die Pelzkappe ab und strich über ihr Haar. Dabei begegneten ihr die Augen Hennings im Glas. Sie lächelte und wurde rot. Sie steckte ein mutwilliges Löckchen in den Knoten und ging, die Gräfin zu begrüßen. Es war behaglich und für Henning ein besonderer Genuß, in dem roten Salon von Kaysersber, dies Teestündchen mit den beiden Damen. Di Gräfin genoß ein wenig Schadenfreude, denn es entging ihr nicht, daß diese beiden jungen Menschenkinder sich einander freuten. „Bloß schade, daß der Coretzky, der alte Esel, es nicht sieht!“ dachte sie ein wenig boshaft.„Ich kann es ihm aber gelegentlich versetzen!“ Als die Teestunde unmöglich länger ausgedehnt werden konnte, bat sie Henning Stegemann, ihrer lieben kleinen Baronin doch die Bilder zu zeigen, die er gemalt habe, auch die Tiroler Landschaft im Herrenzimmer und seine anderen Schöpfungen, die ihr Gatte ihr zum Geschenk gemacht. Henning verneigte sich und führte sie hinauf. Mit kindlicher Freude ließ Rosemarie sich alles erklären und zeigen. Die Gräfin hatte sich entschuldigt, sie mußte einen wichtigen Gang durch die Wirtschaft machen. Nun waren die beiden allein. Es war Rosemarie beklommen zu Mute. Sie zitterte ein wenig, wie Frauen zittern, wenn der ihnen nahe ist, der Macht über sie hat. Henning sah es und fühlte deutlich die Ursache. Aber er stand still und hochachtungsvoll. Er wußte, daß er sie jetzt hätte in den Arm nehmen können und ihren süßen Mund küssen. Aber nachher würden bittere Reue und schwere Vorwürfe ihr reines Herz bedrücken. Und davor wollte er sie behüten. Er zog ihren Arm durch den seinen und sah sie herzlich an. „Liebe Frau Baronin, es ist hier oben zu kalt Im Zimmer der Frau Gräfin knistert das wärmende Feuer. Wir nehmen eine Mappe mit hinunter, wenn es Sie noch interessiert! Ich habe da noch ein paar nette Sachen!“ Rosemarie fühlte eine tiese Dankbarkeit für den Mann. Sie begriff, daß er zu vornehm war, eine Situation auszunützen, und das machte ihn ihr nur noch lieber. Jetzt gab er ihr eine gewisse Sicherheit, halb unbewußt drückte sie seinen Arm und ließ sich von ihm die breite Treppe hinunterführen. Sie setzte sich in den hochlehnigen, geschnitzten Stuhl, der am Fenster stand, und Henning lehnte sich leicht über ihre Schulter und reichte ihr ein Bild nach dem andern. Rosemarie hatte lebhaftes Interesse für die farbigen Skizzen und Bildchen. Es waren meist Aquarelle und Kohlezeichnungen und Radierungen in handlicher Größe. Sie deckte behutsam wieder das Seidenpapier über die Blätter und legte sie neben sich auf den kleinen Tisch. Ein bunter Bauerngarten mit Dahlien und Steckrosen und einem weinumrankten Giebelhäuschen fesselte sie besonders. Es war so lustig, so voller Einfälle. „Machen Sie mir die Freude, gnädigste Baronin, dies als Andenken von mir zu nehmen!“ bat er. Rosemarie neigte den hübschen Kopf und dankte.„Andenken!“ dachte sie versonnen.„Ich werde mehr an ihn denken müssen, als recht ist!“ Die Gräfin trat herein.„Nun wird es zu dunkel zum Bildersehen, meine Herrschaften! Wir setzen uns an den Ofen, liebe Frau Coretzky, ja? Und der Maler wird uns zeigen, daß er auch Musiker ist! Er kann seine Seele klingen lassen, wenn er will!— Bitte, lieber Herr Stegemann, ja? Der dazugehörige Mond wird inzwischen aufgehen!“ Stegemann verneigte sich gegen die Dame des Hauses, dann fragte er Rosemarie, was für Musik sie gern habe, und von da an sprudelte ein lebhaftes Gespräch über Schubert, Mozart, Löwe und Krieg. Sie liebten sie alle drei, das heißt, die Gräfin wußte aus ihrer Hofzeit wenigstens darüber zu reden. Die alte Dame bobachtete mit Vergnügen das Aufleuchten der Blicke der beiden, wenn sie sich auf einen gemeinsamen Gedanken fanden und das leise Vibrieren von Rosemaries Stimme, und sie dachte, daß Rache süß sei. Henning Stegemann aber wußte die aufsteigende Glut zu den Ausdrücken einer ruhigen warmen Freundschoft herabzustimmen, weil er instinktiv fühlte, daß dies Rosemarie wohltat und sie beruhigte. „Es ist mir, als ob wir uns schon lange kennen Herr Stegemann!“ sagte sie verwundert, und Henning lächelte ihr glücklich in die Augen, als seien diese Worte ein Dank für ihn. Dann machte er den Flügel auf, denn der Mond kam wieder leise über die weiße Fensterbank und legte sich in hellen Bogen auf die blanken Dielen. Die große Fächerpalme, die auf einer geschnitzten Säule stand, hielt ihre breiten dunklen Blätter vornüber. Und Rosemarie legte ihr Gesichtchen in die Polster des Kaminstuhles, sah in das lebendige Feuer und lauschte der Musik. Es kam ihr so seltsam vor, daß sie glaubte, in der Seele dieses fremden Mannes so viel leichter lesen zu können, als in der ihres Gatten, mit dem sie seit so vielen Jahren täglich zusammen war. Sie fand, daß Henning Stegemanns Stimme, besonders wenn er sang, der Stimme ihres Vaters glich und es war wie Heimat um sie her. Beim Abendbrot sprach man vom Christian und Henning freute sich ihres mütterlichen Stolzes. Er versprach, den Christel zu besuchen auf der Heimfahrt. Am nächsten Morgen, ehe die Sonne kam, fuhr er ab. Er hatte das Gefühl, daß nun nichts Schöneres mehr kommen konnte. Von dem Bilde des Pfarrers hatten sie nicht mehr gesprochen. Rosemarie wußte, daß ihr Gemahl das höflichAngebot Stegemanns zurückgewiesen hatte, und wollte nicht mehr daran rühren. Er aber hatte nicht davon sprechen wollen, weil er die kleinPhotographien nicht heraus geben wollte, ehe das Bild fertig war. Er beschwindelte sich damit, daß der Kopf des alten Pfarrers so essant sei und die klare Wahrheit war daß er in irgendeinem stillen Winkel seines Herzens hoffte doch noch einmal Gelegenheit zu finden, der hol den Herrin von Herzsprung eine Freude dam't zu machen. Nun fuhr der Wagen die grade geschnittene Allee hinaus, die im Dunkel des Morgens aussah. wie zwei Mauern. Und durch die'llee fuhr er wieder hinaus aus der herben Stille dieser beschneiten Waldeinsamkeit, der nervenerholenden Ruhe und Gleichförmigkeit, zurück in die großen Städte. Man würde ihn wieder hierhin und dort hin rufen, große Feste mit grellen Lichtern, mit schimmernden Frauennacken und leerem Geschwätz würden ihn umfangen, das Sausen und Rattern von hundert puffenden, knatternden Wagen, das Geschrei vieler Menschen würde seine Ohren quälen, die alberne Musik moderner Tänze, zu denen man den berühmten Künstler immer wieder hinbettelte— doch im Grunde ein törichtes Leben! Aber ohne dies alles wäre er kaum so schnell in die Höhe gekommen, ohne dies wären seine Schöpfungen nicht so schnell gewertet worden— er wußte, seine glückliche Natur, seine Fröhlichkeit, seine gesellschaftlichen Calente hatten mehr dazu beigetragen, als sein ernstes Schaffen. Es saß mancher noch im Dunkeln, der ebenso viel konnte wie er! Henning machte sich nichts vor.— Aber er war seiner Erfolge froh. Hatte er durch dieses das Glück, seiner Mutter den letzten Teil ihres bis dahin so schweren debens leicht und behaglich zu machen. Und letzten Endes hatte er wieder die Behaglichkeit des äußeren Lebens durch die kleine, fleißige, bescheidene Mutter. Ja, es war schön gewesen in der dunklen Waldeinsamkeit Ostpreußens. Ein Künstler muß reisen können, das tat ihm immer auf lange Zeit gur. Und diesmal war ein Ereignis in sein Leben getreten, etwas ganz Großes, Besonderes!— Etwas, was über der ganzen Reise nach dem Gute des Grafen Kaysersberg stand, wie der helle Stern, dort über den Zacken des Waldes. Er wußte, daß dies Ereignis eine große schaffende Kraft in ihm auslösen würde, er sah Bilder vor seinem Geist, so farbig, so warm, so köstlich, wie er sie nie gemalt. Er schloß die Augen, um sie besser sehen zu können. Heller Kerzenschein fiel auf fliederfarbenen Samt, beleuchtete ein weißes Kinn und einen süßen Mund— ließ goldene Funken im hellbraunen Haar leuchten——— Das vergißt man nicht, Rosemarie!— Und wenn ein Engel mit einem feurigen Schwert dastand und es verbieten wollte!——— Und nun freute er sich, daß der Zug inn hinführen würde, wo sein lichtes, freundliches Atelier lag, draußen vor den Toren Münchens. Wo der Kanarienvogel in seinem blanken Käfig zwitscherte und Lux, sein großer braver, zottiger Hund, wieder zu seinen Füßen liegen würde, wenn er arbeitete und mit den treuherzigen braunen Augen zu ihm aufsehen, wenn sein Herr mitten in der Arbeit ihm zunickte und lächelnd sagte:„Gelt, Lux— so ist's richtig!“—-„Herzensmutterl, ich bin wieder da!“ rief Henning Stegemann und hob die kleine alte Dame mit dem schwarzen Sammetband um den weißhaarigen Kopf hoch in die Luft. Sie zappelte ein bißchen und sah ihn doch strahlend aus guten warmen Mutteraugen an. „Du bist doch noch gerade derselbe Lausbub, wie vor zwanzig Jahren, Henning! Es ist ja hübsch, daß du endlich wieder da bist, aber sewann wirst du mal gescheit?“ Henning lachte und küßte sie mitten in das rn sige Gesicht, das so wenig Falten hatte, und setzte sie auf das breite geblümte alte Sofa. Dann durchlief er die ganze geräumige Wohnung mit den blitzblanken alten Mahagonimöbeln und rieb sich die Hände. Wie war es doch immer freundlich und nett bei der Mutter zu Hause.— Viele Topfpflanzen grünten und blühten auf Ständern, Tischen und Fensterbänken und gaben der Luft jene herbe Frische, die gepflegte Pflanzen immer verbreiten. Lux gebärdete sich rein verrückt und sprang hoch an ihm, um die zärtlichen Klavie zu empfangen, die er als Liebkosung gewöhnt war Stips, der große, schwarze Kater schmiegte sich schnurrend um die Füße des Heimgekehrten, und Ulli, der kleine Kanarienvogel, der eigentlich ins Atelier hinaufgehörte, zwitscherte über dem kleinen Nähtisch mit der weißen Decke, auf dem die Kinderbilder von Henning und seiner Schwester standen. Auf dem ovalen Tisch lag eine weiße Decke mit altdeutschen bur ten Kreuzstichmustern, und der Kaffee duftete aus vielfarbigem Bauerngeschirr. „Wo ist unser Theresle und das Kleine?“ fragte Henning, nachdem er sich vom Reisestaub befreit, behaglich an dem hübschen Kaffeetisch saß. „Sie ist zu ihrer Schwiegermutter gefahren. die das Kind sehen will. Henning! Sie grüßt dich tausendmal, und sie ist erst vorgestern gereist, weil sie wußte, daß du unterwegs warst und ich nicht allein bin. Sie sagt wir sollten uns erst brav ausplauschen, dann käme ne schon wieder! — Na und wie war's denn da oben. Bub?— Geschrieben hast du wenig, das ist immer so, wenn du viel erlebst!"— Henning Stegemann biß herzhaft mit seinen prächtigen Zähnen in den Guglhupf, den kein Mensch auf der Welt so schön backen konnte wie seine Mutter. Das behauptete er wenigstens! Und dann erzählte er allerlei, vom Grafen Kaysersberg und seiner netten Frau, von der Landschaft da oben, die soviel Winterschönheit gehabt hatte, wie er sich lange gewünscht habe; von den Ahnenbildern mit den Rüstungen und Spitzenkragen über den Samtkamisols und von dem Porträt und dem anständigen Honorar, das er ertra noch mit heimbrachte. Aber es fiel der Mutter auf, daß er von gar keinem Mädel erzählte! Er hatte sie gern, die lustigen jungen Dinger mit blonden und braunen Zöpfen und frischem Mund, der da schwatzen, singen und küssen konnte.— Gab's da oben nis dergleichen in den oftpreußischen Wäldern, wo die Füchse sich gute Nacht sagten? Oder waren die Comtessen und Freiiranleins zu feudal für ihren prächtigen venning gewesen.— Er he#te doch fonst nis.: zu klagen gehabt und di: Mutter mei#ete motür'ig; daß arrch sein Prinzeßlein zu seinder chren Einzigen. Forschend schaute sehr in e= Naren Buhaugen, in die sich schon= verliebt hatte— Sie schenkte ihn von des duftenden brannen Trunk ein, schod ihm Ho####rdoie und Rahmanß eind fragte: rech: hirterlistio: „Und saubere Mole gab's woy!.# dor: droben. Henning?" f„ n 4. Georg Ludowigs Heimfahrt Urheber-Rechtsschutz Verlagsanstalt Benziger& Co. A.- G. Einsledein Roman eines Lebens o. Von Ruckoh Atsch (11. Fortsetzung.) „Ich muß gestehen, es ist auch noch nicht lange her, daß ich für einen festen Wohnsitz schwärme. Ich habe nämlich die Absicht— hierzubleiben.“ In den Mienen des Pfarrers leuchtet es ein wenig auf. „Das wird deiner Mutter viel Freude machen, Seorg!“ „Gerade ihretwegen möchte ich nicht mehr fort... Doch— um noch einmal auf unser Gespräch zurückzukommen— glauben Sie, Hochwürden, daß man diese Grundsticke hier gegen einen angemessenen Preis erwerben kann?“ „Ich glaube, daß der ganze Hügel verkäuflie, ist. Der Beden hat hier fast jeglichen Wert verloren. Man verkauft ihn zu Schleuderpreisen. Ein Morgen wird schon zu dem lächerlichen Preis von zweihundert Mark abgegeben.“ „Ich würde gerne den doppelten Preis zahlen, wenn ich alles haben könnte.“ „Du trägst dich also wirklich mit der Absicht, dich hier ganz festzusetzen?" Der geistliche Herr streift mit verk#underten Blicken die im esante Figur Georgs. „Ja.— Ich fürchte nur, daß die Leute mir nicht besonders gut gesinnt sind und mir manches Hemmnis in den Weg legen.“ „Das ist nicht anzunehmen!" „Ich darf hier kaum noch auf Freunde rechnen...“ „Du mußt versuchen, sie zu gewinnen.“ „Mein Ruf ist zu besudelt.“ „Es liegt stets an der Person selbst. Eine geschwundene Achtung ist immer wieder zu erringen. Solange man lebt, ist es nie zu spät dazu. Du müßtest allerdings beweisen, daß du ein anderer geworden bist. Und ich glaube“— der Pfarrer spricht langsam und betont jedes Wort—„du bist ein sehr, sehr vernünftiger und anständiger Mensch geworden!“ „Ja, ja, ich habe mich verändert— hauptsächlich in den letzten Tagen.“ Georg muß sich gestehen, daß ihm das diskrete Wesen des Pfarrers sehr wohltut. Es berührt ihn angenehm, daß er mit keiner Silbe auf die Verhältnisse seiner Familie anspielt. Georg war, als er ihn erblickt, auf große Vorwürfe gefaßt, denn der Pfarrer— das wußte er noch — pflegte sonst nie mit seiner Meinung hinter dem Berg zurückzuhalten. „Hm. Georg. wenn es dir nichts ausmacht, so konnen wir ja den Weg zum Dorf gemeinsam zurücklegen" Als Georg sich gleich zum Gehen anschickt, schreiten beide ohne weiteres nebeneinander her. Der Pfarrer beginnt wieder:„Ich muß gestehen, ich hatte eigentlich die letzten Tage auf deinen Besuch gewartet, denn deine Ankunft erfuhr ich natürlich auch.“ „Ich befand mich in einem Lustand, daß ich es kaum wagte, einem Menschen unter die Augen zu treten. Sie werden verstehen...“ „Ja, das kann ich verstehen. Denn mir ist alles Vorgefallene natürlich in allen Einzelheiten bekannt. Es liegt mir fern, dich jetzt mit Fragen zu belästigen— ich hoff., es ist nicht das letztemal, daß wir miteinander reden. Du warst mir früher stets ein lieber Junge, Geora, ich habe das Bedürfnis, dir das zu sagen. Ich habe dich getauft— dann warst du ja auch viele Jahre bei mir im Unterricht. Du erinnerst dich vielleicht auch noch, daß ich oft deine Hilfe in Anspruch nahm, wenn in meinem Gurten das Obst reif war. Auch während des Krieges, wenn du in Urlaub kamst, war dein zweiter Gang stets zu mir. Dies freute mich ungemein. Nach dem Kriege warst du dann plötzlich wie umgewandelt... Doch schweigen wir darüber!" „Ich bitte darum, Hochwürden! Ich habe der Anklagen schon viele gehört!“ „Das kann ich mir denken.“ „Ich kann nur sagen, daß mir alles Geschehene von Herzen leid tut, und daß ich den festen Vorsatz habe, wieder gutzumachen!“ „Das ist die Hauptsache! Der Weg zurück, der Arfstieg nach oben, darf keinem Menschen versperrt werden. Und ich bitte dich herzlich, Georg, laß dich durch nichts in deinem Vorsatz wankend machen...“ Sie schreiten plaudernd weiter durch den frischen Morgen. Als sie das Dorf erreichen, ist Georg leichter zumute. Im Dorfe begegnen ihnen schon Menschen, die sehr erstaunte Blicke auf die Spaziergänger wersen. „Habt ihr's gesehen?“, so tuscheln sie sich zu.„Der Pfarrer mit dem jungen Ludowig... Vor dem Pfarrhaus hat er ihm die Hand gereicht und auf die Schulter geklopft...“ IX. „Die Lage des Hasenackers ist prachtvoll, Fritz. Die Sonne bestreicht von morgens früh bis abends spät die Fluren. Es muß alles dort wieder kultiviert werden. Ich mache das nach meinen Plänen, die schon feststehen. Bei dem Ankauf des Landes mußt du mir behilflich sein. Ich kann nicht mit den Leuten verhandeln. Du brauchst nicht zu sagen, daß du es für mich tust. Sprich in deinem Namen. Die Felder können ruhig auf leinen Namen einstweilen überschrieben werden. Ich habe so das Empfinden, daß man Schwierigkeiten macht, wenn man weiß, daß diese Aktion ausschließlich von mir ausgeht. Du mußt sehr vorsichtig sein. Wir zahlen einen anständigen Preis, überbieten meinethalben den zur Zeit existierenden Kurs um das Dreifache. Es kommt mir nicht darauf an. Aber wenn die Leute merken, daß ich unter allen Umständen das Land in meinen Besitz bringen will, so werden sie gierig und lassen sich zum Wuchern verleiten. Ich kenne das. Also mußt du ein wenig schlau handeln, Fritz. du mußt etwas Diplomat sein.“ „Ich verstehe, Georg. Du wirst sehen, es wird alles sein klappen.“ Georg geht, ein wenig hastig und aufgeregt, in seinem Zimmer auf und ab. Fritz Kohel steht am Fenster in gemütlicher Stellung und drückt den Kautabak aus einem Mundwinkel in den andern. Mit dem linden Ellenbogen stützt er sich auf die Fenstereinfassung. „Gut. Das Haus und die Stallungen sollen in sechs Wochen stehen— fix und fertig, nachdem ich über Grund und Boden bestimmen kann.“ „In sechs Wochen?“ In den Mienen des Bergmanns drückt sich großes Staunen aus.„Das ist rein undenkbar!“ Georg bleibt in der Mitte des Zimmers stehen. „Nicht einen Tag darf es länger dauern!“ „Es gibt hier keinen Architekten, der dir in einer solch kurzen Zeitspanne ein Haus haut. Allein die Formalitäten beim Bauamt...“ „Ich habe keinen Architekten nötig!“ willst scherzen.. „Keineswegs! Ich lasse mir ein Haus schicken!“ Nun lacht Kobel schallend auf.„Per Eilpost— oder wie? Vielleicht soll's der Briefträger bringen. Haha!“ „Das kennst du nicht, Fritz. Ich meine selbstverständlich ein Holzhaus— so ein niedliches, reizendes Holzhaus. Das gibt auf dem Hasenacker ein Besitztum nach Art der amerikanischen Bungalows. Ich hatte immer Spaß an einer solchen Anlage. Du wirst staunen. Halte mit deinem Urteil zurück, bis die Sache allright ist. Das Haus wird geschickt mit allem Drum und Dran. Nur der Sockel muß gebaut werden. Wir sind jetzt schon im Sommer. Ein Stein= oder Fachwerkgebäude, jetzt aufgerichtet, könnte im Herbst wohl nicht mehr bezogen werden — es würde zu feucht sein.“ „Da hast du recht.“ „Noch heute stellst du durch das Grundbuch die Besitzer der Felder fest.“ „Das ist nicht nötig, denn ich kenne die Eigentümer alle.“ „Schön. Setze dich mit ihnen in Verbindung!“ Georg stellt sich an das andere Fenster des Zimmers und trommelt mit den Fingern auf den Scheiben. Da ruft ihn Kobel plötzlich laut beim Namen. Er fährt herum und sieht, wie der Bergmann interessiert nach draußen schaut. „Georg, komm doch einmal her!“ „Was ist's denn?“ „Da draußen— siehst du nicht die Jungens?“ „Natürlich sehe ich sie!“ „Der kleine Heinz is. dabei. Das schlanke Bürschlein mit dem Pagenkopf! Da— dort! Siehst du ihn denn nicht?“ „Der mit dem sportlichen Anzug ist's?“ „Ja, der!“ Georg starrt mit weitgerundeten Augen auf den Weg, wo die Knaben spielen. Sie laufen auf Rollern hin und her. Jeder ist bestrebt, der schnellste zu sein. Die Distanz zwischen dem Fenster und dem Weg beträgt etwa einen Steinwurf. Das helle und fröhliche Lachen der Jungens schallt zu den bei en herüber. „Es ist ein fixes Kerlchen, was?“ sagt Kobel mit etwas belegter Stimme.„Guck ihn dir nur mal richtig an!“ Georg läßt keinen Blick von dem Jungen. Die kleine Gestalt verschwindet fast vor seinen überanstrengten Augen. Das lange blonde Haar flattert im Winde, die Wangen sind gerötet. „Es ist erstaunlich, wie nett er immer angezogen ist“, sagt Fritz.„Die Mutter ist eben eine Künstlerin im Nähen. Aus einigen Lappen fabriziert sie die schönsten Sachen... Sie haben ihn alle gern, den kleinen Heinz. Er ist nie ungezogen wie die meisten andern. Die Lena erzieht ihn zu einem anständigen Menschen, das steht Marine-Volkswoche K Vor dem Oberbefehlshaber der Kriegsmarine fand als Schluß der Marine=Volkswoche eine Parade auf dem Kasernenhof in Wik statt. Unser Bild zeigt den Vorbeimarsch vor dem Oberbefehlshaber der Kriegsmarine Admiral Naeder.(Scherl=M.) Die Reise nach Würzburg Eine Brahms-Episode von Paul Bergenholt Brahms ließ die Hände von den Tasten sinken. Er war nicht sehr zufrieden mit sich. Er wehrte sich gegen das Träumerische, das in ihn sank:„Es ist immer dasselbe! Wie eine Verschwörung richtet sich diese schmerzliche Einsamkeit gegen mich!“ Dabei bedrängten ihn Claras gütige Augen. Agathens dunkler Blick. Und dahinter wachte das sorgende Schauen der Mutter auf. Er zog die Hände energisch weg, als könnte er so die quälende Erinnerung bannen! Die aber blieb, bedrängte ihn weiter, warf Unrast in ihn! Er las nochmals die Notenblätter„An Clara“. Er hörte in sich das kraftvolle C=Dur aufklingen, woraus doch plötzlich wieder ein bunter Fioriturentraum ins dunkle Scherzo drang. Er erhob sich, ging wuchtig her und hin:„Es ist wie eine Illustration zum letzten Kapitel vom Mann im blauen Frack und gelber Weste! Es könnte Goethes Werther sein! Vielleicht aber bin ich es selbst.“ Erneut erwachte Abwehr in ihm:„Es wird Zeit, daß es sommert und daß ich hier wegkomme! Aber wohin nur?" Die italienische Reise gaukelte ihm ihre Zauber vor; aber dann endete die in Preßbaum und hielt in der Wunderwelt eines Andante. in dem eine milde Klarinette zu webendem Mondschein eine zärtliche Liebesmelodie sang! Brahms wurde unwirsch:„Es scheint mich heute nicht loszulassen!" Aber da er nun doch wieder bei der Liebe war. so begann er in einem Stapel von Notenheften zu stöbern. Er traf auf Lieder zu Daumerschen Texten. Die aber wieder zogen ihn zum Flügel, und er spielte wieder und spann sich ein:„Fast beneiden könnte man den Hafis=Dauner wegen seiner Liebe! Wie innig das klingt:„Wie bist du, meine Königin, in deiner Güte wonnevoll!?“ Aus dem Dolce des heimlichen Dreiachteltakts spann sich sein Sinnen um die verträumte Schönheit der Unbekannten; aber dann tropfte es in rinnenden Achteln wie ein Weinen, und ein wehmütiges Des=Dur umfing eine schmerzliche Cis=Moll=Episode:„Mit einem Male dann hernieder sei es auf ihres Hauptes goldne Pracht ergossen, und sie empfinde, daß es Tränen sind! Daß es die Tränen sind, die meinem Aug in dieser kummervollen Nacht entflossen!" Die Hände ruhten eine Weile. „Freilich wird der Daumer auch ein Leid haben, wie alle Liebe mit Leid vereint ist!“, sann er vor sich hin. Aber dann tauchte daraus auch wieder Tröstliches und unsagbar Zärtliches auf:„Wehe Lüftchen lind und lieblich um die Wangen der Geliebten!“ Brahms spielte, verspann sich erneut in Gedanken, unterbrach sich aber plötzlich:„So manches Lied dank ich dem Daumer und seiner Liebsten und kenne sie nicht einmal! Ich hätte eigentlich allen Grund, die Beiden kennen zu lernen!“ Dieser Gedanke gebar in ihm den Wunsch, daß er, um sich selbst zu entfliehen, die Beiden wirklich einmal besuchen könnte! Und der Wunsch wurde Entschluß:„Morgen früh reise ich!“ Und wirklich, kaum graute der Tag, als ein emsiges Kramen anhob, Brahms füllte eine alte buntgestickte Reisetasche mit Nützem und Unnützem. Aber obenauf legte er die Liederhefte. Er ging zum Bahnhof, summte vor sich hin und freute sich:„Das sollen nun schöne Tage werden!"... Im Zuge schwand ihm die Weite der Reise zu nichts! Immer wieder malte er sich die Begegnung aus, war voller Erwartung:„Sie muß sehr schön sein, diese Verlobte Daumers! Jung und schön! Ich werde ihr Blumen mitbringen!" Er freute sich seiner Flucht, er freute auf das Kennenlernen in Würzburg.„Was wird das für eine Ueberraschung geben!“, dachte er frohgemut, als er sich in Würzburg auf den Weg machte und sich zurecht fragte. Vor einem alten Giebelhause fragte er nochmals.„Ja, hier oben im Giebelstock unterm Dach würden sie wohnen, die Daumeraleut!" hieß es. Er dachte:„Jenun, grade gut scheint es ihnen nicht zu gehen! Aber sie haben ja ihre Liebe und die wird ihnen Trost sein!“ Gespannt klinkte er die Haustür und stand nun auf knarrender Treppe. Da hörte er über sich leise Schritte schlurfen, sah empor, gewahrte gütig forschende Augen hinter scharfen Brillengläsern. Das runzelige Gesicht wollte wissen, wer er sei, was er begehre, ob er zu Daumers wolle?... Brahms dachte:„Vielleicht gehts den Dichterleuten noch nicht so schlecht, wenn sie gar eine Aufwartung haben!“, laut aber sagte er:„Ja, mein Fräulein, ich suche Daumers!"„Sososo!“, fisselte oben ein dünnes Stimmchen und er nickte hinauf:„Ich möchte den Herrschaften meinen Besuch abstatten!"... Dann kam ein Kichern zu ihm:„Ein Fräulein bin i grad net! Aber wann S' zu Daumers wolln, ists eh schon recht daherin!“ Wen sie melden dürfte, wollte die Stimme wissen?... Der Besucher stieg weiter:„Melden Sie nur, der Johannes Brahms sei da!“ Oben tat es einen erregten Luftschnapper!... „Daumer! Daumer! Jessesnaa, der Herr Brahms kimmt und zu uns will der Herr Brahms!“ überschlug sich oben die aufgeregte Stimme. und dann lugte ihm ein runzeliges Altmännergesicht entgegen, das eine noch schärfere Brille vor den Augen hatte und sich von dem Weibel fast nur dadurch unterschied, daß unter der Nase braune Schnupftabaktupfer hingen. Diese neue Erscheinung stand da, dienerte, empfing den Gast, stellte sich vor:„Daumer!"; und das Männel deutete auf das Hutzelweibel:„Und das ist meine Frau!“ Brahms verschlug die Ueberraschung auf Sekunden den Atem! Als die Alten ihn aber in die Stube nötigten, und das Weibel war furchtbar aufgeregt und knixte immerzu, und räumte den etwas wackligen Tisch ab. um bald einen Kaffee und Guglhupf darauf zu stellen, da überkam Brahms ein Frohsein wie noch nie:„Das also war sein Dichtersmann! Und das Weibele da dessen glühend Geliebte?... Er konnte das gar nicht fassen, hatte eine tiefe Heiterkeit in sich wegen seiner ganz anderen Vorstellung, und zugleich auch eine leise Wehmut, die aber schnell wich, als er die Beiden nun nebeneinander sitzen und ihn bewundern sah. Aber auch der Freude der Alten war kein Ende, als er ihnen die Liederhefte schenkte; denn nun räusperte sich das Männchen gewichtig, blätterte und begann mit zarter Stimme zu lesen: „Wenn du nur zuweilen lächelst, nur zuweilen Kühle sächelst meiner ungmessenen Glut: In Geduld will ich mich fassen, will dich alles treiben alles, was der Liebe wehe tut!“ Daumer las mit zitternder Stimme, verglich mit den Noten, hatte blanke Augen und hielt das Hutzelweib bei der Hand gefaßt. Danach war ein glückliches Schweigen über den Dreien. Die Beiden aber geleiteten ihn, als Brahms ging. bis zur Haustür. knarrten wieder die alte Treppe hi auf und drs Meibel konnte sich gar nicht beruhigen, soder wacelte mit dem Kopf: „Daumer Fräulein, hat er mich genennt, der Brahms!" fest. In der Schule soll er der Beste sein. Nun ja, wäre ja auch kein Wunder. Die Abstammung...“ Frit unterbricht sich selbst, als er merkt, daß Georg gar nigt auf ihn hört. Nun sondert sich Heinz mit einem andern Knaben voder Schar ab. Die beiden fliegen mit ihren Rollern die Straße hinab. Hinter Obstbäumen verschwinden sie. Georg tritt ins Zimmer zurück.„Es ist furchtbar Jutz! Furchtbar— und... ach!“ Er nimmt seine Mütze. setzt sie hastig auf den Kopf. „Wo willst du hin?“ „Ich muß zu ihm— ich will ihn in der Nähe sehen! „Bei einer andern Gelegenheit, Georg. Die Leut — jetzt auf offener Straße.. „Ach, was heißt das?“ Er läuft sast aus dem Zimmer. Die andern Jungen sehen ihm erstaunt nach, als er an ihnen vorbeieilt. Seine modische Sportkleidung un sein vornehmes Aeußere erregen bei den Dorfrangen Aufsehen. Den er sucht, ist nicht mehr zu sehen. Die Straße führ leicht fallend aus dem Dorf. Georg eilt weiter, bleit ab und zu stehen, sieht sich nach allen Seiten um. Drüben, schon ziemlich weit aus dem Dorfe, ist ein Wegbiegung. Vielleicht hat sie der Kleine schon passien Die Straße ist menschenleer. Er nimmt die Mütze von Kopf und eilt weiter. In der Kurve hält er wieder ein. Die Sonne sticht ihm ins Gesicht, auf seiner Stirn stehen Schweißtropfer Ein Auto kommt ihm in rasendem Tempo entgegengefahren. Er weicht aus, gehr vor, späht weiter nach vorne Jetzt endlich entdeckt er ihn inmitten der von dem Ann aufgewirbelten Staubwolken. Auch den andern sieht er Doch der ist zurückgeblieben und setzt sich am Wegrand ins Gras. Georg geht an ihm vorbei und verfolgt Heinz. Jetz kommt er in einen jungen Eichenwald, durch den die Straße führt. Links fällt eine hohe Böschung ziemlich steil ab, rechts erhebt sich eine hügelige Anhöhe, wo du Bäume auf Felsen zu wachsen scheinen. Nun zweigt ein Weg rechts ab. Georg kennt ihn nos genau. Er führt durch eine schmale Schlucht in eine Wiesengrund. Am Rande der Wiesen befin det sich ein Pension für Erholungsuchende, die auch Ausflüglern als Raststätte dient. Sie liegt sehr romantisch und ist in der ganzen Gegend bekannt und beliebt. Auch er hat hier früher oft verkehrt. Der Besitzer ist ein Fremder, der sich an diesem günstigen Platz niedergelassen hat. Die Hauptstraße gewährt eine Sicht auf einige Kilo meter. Der Junge ist darauf nicht mehr zu sehen. Georg gehtde: Lokal zu. Er lauscht mit angestreng ten Sinnen. Laugsam und bedächtig ist sein Schritt. A und zu bleibt er stehen. Eine Drossel singt im Geät einer Eiche. Eine andere antwortet ihr. Sonst unter bricht nur noch das Plätschern eines Baches, der sich un terhalb des Weges über knorrige Wurzeln ius Tal stürzt, die Stille des Waldes. Kein Lüftchen weht. Au dem Boden liegen die Schatten der Bäume. Bald bemerkt er einen Roller neben dem Weg aus dem Waldboden. Wie hingeworfen. Georg ist sehr auf geregt, sein Herz pocht schnell. Wo mag der Junge um stecken?„ Nun dringt von der Terrasse des Sommerlokals Mu sik an sein Ohr. Ein bayerischer Ländler wird gespielt anscheiend auf einem Grammophon. Der Junge muß doch in der Nähe sein! Sein Junge!! Gott!!!... Er schiebt am Wegrand wildwucherndes Gestrüpp beiseite und blickt hinunter auf den rauschen den Gießbach. Da hockt der Kleine am Wasser. Ahnungslos. Nu# legt er sich platt auf den Boden, neigt sein Gesicht über den schäumenden Gischt und trinkt. Seine langen Haan fallen über die Stirn hinab und tauchen in das Was ser. „Jaub. was machst du da?" Georgs Stimme vibriert. Der Junge hebt erschreckt den Kopf und stemmt sich rasch mit den Händen empor. Sein Gesicht ist naß, au den rosigen Wangen hängt Tropfen an Tropfen. „Ich habe Durst", erwidert der Knabe, er legt sih auf die Seite und lächelt Georg an. „Du fällst in den Bach!“ „Ich?“ Seine Augen sind groß und verwundert Georg gerichtet. Sie scheinen zu fragen: Kann wirkligh so ein Kerl wie ich ins Wasser fallen? Wie groß der Junge schon ist. Was aber Georgs Blis bannt, sind seine Augen. Sie sind außergewöhnlich grof und leuchtend. Es sind die Augen seiner Mutter, denkt er. Zwischen frischen Kinderlippen zeigen sich ihm zwei Reihen blanker weißer Zähne. „Wenn man in erhitztem Zustand kaltes Wasser trinkt, so wird man krank“, versetzt Georg, nur um etwas sagen. „Wir schadet es nichts. Ich werde nicht krank. Bit noch nie krank gewesen.“ Er wendet sich von ihm ab und beugt sich wieder übet das Wasser. Da kann Georg nicht mehr an sich halten. Er spring den Abhang hinab und steht bald neben dem Jungen Sein Atem geht hastig, die Bäume versinken— Rauschen des Baches tönt wie aus weiter Ferne— di Welt um ihn zerrinnt, er sieht nur den kleinen bebendet Körper, die starken Knie, den gebräunten Nacken, das goldblonde Haar, auf dem ein warmer Schein der Som mersonne liegt. Er ist ihm ein Fremder, der da vor ihn liegt... und doch sein, sein eigen. Er fühlt es nu einer Inbrunst, die ihn berauscht und erschauert gleich. Er nimmt das vor ihm liegende Wesen unter der Armen und hebt es empor. „Was— was tun Sie?“ fragt der Junge ängstlich und versucht sich frei zu machen. „Du brauchst keine Angst zu haben, ich tue dir nicht zuleide“, versetzt Georg mit bebender Stimme und statt dem Kinde unablässig ins Gesicht. Dann setzt er sich h zieht den Knaben neben sich. Der Kleine beruhigt schnell. Als er sieht, wie sich in Georgs Augen Trasie“ lösen und die blassen Wangen hinabstürzen, fragt mitleidig und erstaunt: „Warum weinen Sie denn?“ „Weil— weil... ach, es ist ja nichts!“ Er wei nicht recht, was er antworten soll. Er zieht ein Seide tuch aus der Tasche, trocknet Stirn und Haare Knaben, fährt sanft über sein Gesicht und drückt Wange an seine Wange. Er tut dies impulsiv. Denn ses Leben ist sein Leben, der kleine Körper gehört seinen Körper. (Fortsetzung folgt.) Holland baut Stromlinien=Windmühlen Die Idee eines deutschen Majors setzt sich durch Vor 80 Jahren gab es noch dreimal soviel Windmühlen wie heute— Holländische Landschaft in Gefahr— Vereinigung zum Schutz der Windmühlen... Nirgends auf der Welt gibt es soviel Windmüh len wie in Holland Man schätzt die Anzahl der heute bestehenden auf 2400. Die meisten von ihnen stehen seit vielen hundert Jahren in Betrieb. Sie sind die getreuen Gefährten des Holländers bei seiner unermüdlichen Anstrengung, aus dem feuch ten Untergrunde trockenes Land zu gewinnen und dieses dann endlich gewonnene Land von neuen Ueberströmungen frei zu halten. So legten die Holländer vor vierhundert Jahren durch Benutzung der Windkraft binnen ner Jahren den Schermer polder trocken und dieselben 60 Windmühlen, die ihnen dabei halfen, drehen noch heute ihre Fkügei im Winde. Die holländischen Windmühlen tun heute in erster Linie Dienst als Wasserschöpfwerke. Sie he ben das Wasser aus niedriger gelegenem Gelände in höheres und bringen es adurch zum Abfließen Die überwiegende Mehrzahl dient diesem Zwecke wogegen heute die Anzahl von Mühlen zum Korn mahlen zur Zerkleinerung von Gewürzen, zur Holz zersägung usw. verhältnismäßig gering ist. Die erste Windmühle wurde in Holland im Jahre 1299 errichtet. Unter den Gerechtsamen. die der Müller vom damaligen Herzog Jan I. von Brabant erhielt, befand sich auch das erbliche An recht auf„freien Wind". Die Müller in Holland hatten nämlich bis noch vor gar nicht so langer Zeit eine Windpacht zu zahlen; der Gegendienst bestand darin, daß der Pachtempfänger, meistens der Eigentümer des umliegenden Geländes, für freie Windbahn zu sorgen hatte, also dafür, daß in der Umgebung der Mühle(Abstand 50 Ruten) keine windbehindernden Gebäude oder Wälder angelegt werden durften. Im 17ten Jahrhundert nahm die Errichtung von Windmühlen einen ungeheuren Aufschwung. Im Gegensatz zu heute zog man damals den Wind als treibende Kraft auch bei industriellen Betrieben heran. Das Mehl für den weltberühmten Zeanschen Schiffszwieback wurde von den 26 Mühlen an dem Flüßchen„De Zaan“ gemahlen; die Mühlen halfen dadurch mit, daß an diesem holländischen Ausfuhrartikel ungeheure Beträge verdient wurden. Noch in der Mitte des vergangenen Jahrhunderts betrug die Zahl der in Betrieb stehenden Windmühlen etwa 7500, also fach dreimal soviel wie heute. Die Frage, warum die Holländer ihre alten Kameraden im Stiche lassen und die Mühlen abbrechen, verstümmeln oder vernichten, beantwortet Autofahrer— anhalten und hier melden! Eine praktische Meldestelle für Automobilisten wurde jetzt an der Elbbrücke in Harburg=Wilhelmsburg auf der Strecke Cuxhaven—Hamburg errichtet. Man kann dort hin telephonieren, und Autofahrern, von denen man weiß, daß sie die Elbbrücke passieren, irgendeinen Bescheid zukommen lassen. Die Meldestelle fordert dann durch das Aushängen der Nummer des Kraftwagens den Fahrer zum Halten auf.(Scherl— M.) sich dadurch, daß der Wind nicht jeden Tag und daß er nicht an jedem Tage gleichmäßig weht. Dampfmaschine und elektrischer Motor hingegen lassen sie an jedem Tage, wann man nur will, in Gang setzen. Die Windmühlenbetriebe begannen auszusterben, die Kunst des Bauens von Windmühlen geriet in Vergessenheit. Es ist überaus bezeichnend, daß nirgendwo in Holland das Windmühlenbauen fachwissenschaftlich gelehrt wird, es ist vom Vater auf den Sohn durch mündliche Ueber lieferung fortgeerbt. Der Abbruch der Windmühlen in Holland geschah in den letzten Jahren in immer größerem Ausmaß, mit immer reißenderer Geschwindigkeit. In manchen Jahren verschwanden 200—300 Mühlen von der Bildfläche. Die Einbuße an landschaftlicher Zierde war beträchtlich. Holland ist ein Land ohne landschaftliche Bewegtheit, es ist ebenes, stilliegendes, wortloses Land. Die Windmühle, als einzige Senkrechte innerhalb dieses ungeheuren wagerechten Flachfelds, bringt durch die Bewegung ihrer Flügel in die Ruhe das dramatische Element, in die Stille die Gesprächigkeit. Das Gleichnis dieses großen, der Sonnenscheibe ähnlichen Drehrads wirkt auf die Einbildungskraft, ein jeder kann es verstehen und dabei nachdenklich werden. Der Schrecken darüber, was Holland in seinen Windmühlen verliert, bewirkte es, daß vor nunmehr zehn. Jahren eine Vereinigung zum Schutze der Windmühlen gegründet wurde. Dieser glückte es in sehr vielen Fällen, Mühlen vor dem Abbruch zu bewahren und schon stillgelegte Mühlen wieder in Gang zu setzen. In diese letztvergangenen zehn Jahre fällt nämlich die Entdeckung, daß sich der Wind weit mehr als bisher ausnützen läßt, und zwar dadurch, daß man den Flügeln Stromlinienform gibt. Es ist der deutsche Major K Bilau, der als erster hierauf aufmerksam machte. Sein Buch wurde ins Holländische übersetzt. Bei den Mühlen der alten Bauart pflegen bis zu 78 Prozent der Windenergie verloren zu gehen. Der Wind wird durch die drehenden Flügel„verwirbelt". Durch das Stromlinienystem stellt sich das Verhältnis umgekehrt; es gehen nur etwa 26 Prozent Windenergie verloren. Mit anderen Worten: Die Arbeitsleistung einer Mühle mit dem Stromliniensystem ist dreimal so groß wie die einer gewöhnlichen Mühle. Ostpreußens Jungmannen marschieren 800 Kilometer zum Nürnberger Parteitag Als erste Formation der Hitler=Jugend, deren Jungmannen einen Sternmarsch zum Nürnberger Reichsparteitag unternehmen, sind am Mittwochabend die Jungen des Gebietes Ostland, die mit etwa 800 Kilometer die weiteste Strecke zurückzulegen haben, von Königsberg aufgebrochen. Hier sieht man die teilnehmenden Hitlerjungen mit den Bannfahnen vor dem SA.=Ehrenmal in Königsberg wenige Minuten vor dem Abmarsch.(Scherl— M.) Die Idee wurde in Holland durch den Mühlenbauer A. I. Dekker in Leiden aufgegriffen. Er baute 1931 zwei Mühlen nach dem neuen System um. Der Erfolg fand Anklang; mehr und mehr Müller ließen ihre Mühlen„verdekkern“. Im vergangenen Jahre allein wurden 43 Mühlen verdek kert; dazu wurden eine Anzahl ganz neuer Wind mühlen nach den Vorschriften Dekkers erbaut. Die Aussichten für die Erhaltung der Windmühlen sind damit viel besser geworden. Inzwischen ist man nämlich zu der Einsicht gekommen, daß die Ausnützungskosten der riesigen, mit Dampf oder Elektrizität betriebenen Wasserschöpfmaschinen ungeheure sind, wohingegen die Instandhaltung der Windmühlen über viele Jahrhunderte möglich ist und verhältnismäßig wenig Kosten verursacht. Nur ein Volk von Bauern Wenn wir heute in dieser schnellebigen, hastigen eit vor jener stummen Gewalt vieltausendjähriger froßsteingräber stehen und wenn der Forscher die heilige, weihevolle Ruhe der toten Ahnen grausam zerstört und die Zeugnisse ungeahnter Bauern kultur aus Grabkammern und Grabhügeln gräbt — dann überfällt uns doch einmal das Gefühl von der inneren Armut unserer fortschrittlichen Zeit Wie turmhoch erhaben erstehen jene Menschen vor uns, die ihren Sippen Grabmale bauten, daß Dutzende von Geschlechtern nach ihnen noch in Er griffenheit davor stehen, die ihren Toten die kost barsten Schätze, die besten Kleider, die tüchtigsten Waffen als Liebesgaben mit auf die Fahrt nach Walhall gaben. Wir haben heute die wundervollen Nachbildun gen jener Gewänder, ja wir kennen die Technik ihrer Herstellung und können sie wieder anwenden. Was uns erhalten blieb, sind vor allem schafwollene Gewebe, oft aber mit eingewebtem Wildhaar, das dem Tuch einen eigenartigen Glanz und eine Wasserundurchlässigkeit verlieh. Man wird auch ruhig behaupten dürfen, daß das Linnen vor einigen Jahrtausenden schon gewoben wurde. Und gar das Mützenmachen war schon eine Kunst, über die wir staunen müssen! Das Schuhwerk„bronze zeitlicher“, Germanen war aus Leder und in geradezu künstlerischer Form gebunden und geschnürt. Angesichts solcher Fundbeweise weicht das verzerrte Bild der Theatergermanen mit Riesenbärten und in Bärenfellen langsam vor der Wirklichkeit. Denn auch die wildzerzausten Bärte der Germanen lassen sich nicht länger verfechten. Man hat verschiedene asiermesser aus Bronze, zierliche Scheren und viele Kämme aus Bein und Metall gefunden. Mit dem Schwerte verteidigte der Germane Freiheit und Ehre und seinen Acker, über den er den Pflug eit undenklichen Zeiten führte. Ein erstaunliches Formgefühl und vollendeter Kunstsinn sprechen aus den Schwertern und Dolchen, die da einst, goldStatt Waffen kamen Sand und Steine an Im Hafen von Le Havre ist eine große Waffenschiebung aufgedeckt worden. 310 Kisten, die Wafsen und Munition aus Argentinien enthalten sollten, waren bei ihrer Oeffnung lediglich mit Sand und Steinen gefüllt. Ueber der ganzen Angelegenheit schwebt ein großes Dunkel, da sowohl die Lieferfirma als auch die Behörden sich in Schweigen hüllen.— Unser Bild zeigt einige der ge#ffneten Kisten mit der Steinladung.(Weltbild— M.) glänzend, in feinen hölzernen Scheiden steckten. Das Wunderbarste aber blieb uns im Schmuck aus edlem Metall erhalten. Es müßte verlockend sein, das bodenständige bäuerliche Handwerk in germanischer Zeit näher zu betrachten, doch eines kommt uns bei all dem immer wieder klar und bestimmt zur Erkenntnis; jenes Volk, das diese wundervollen Güter der Kultur und diese Höhe der Gesittung sein eigen nannte, war—„nur“ ein Volk von Bauern. Ein uufreiwilliger Dauerstug Amerikanische Flugschülerin versucht 35mal vergeblich zu landen Die junge amerikanische Flugschülerin Joan Ellis, die vom Roosevelt=Flugplatz zu ihrem ersten Alleinflug gestartet war, dürfte sich durch die Ungeschicklichkeit, die sie in der Führung ihrer Maschine bewiesen hat, endgültig um die Chan sen gebracht haben, das Pilotenzeugnis zu erlangen. Den Flug und die vorgeschriebenen Wendungen absolvierte Miß Ellis zwar ziemlich einwandfrei, aber bei dem Landungsmanöver hat sie völlig versagt. Nicht mehr und nicht weniger als 35mal versuchte sie vergeblich, das Flugzeug wieder auf den Boden zu bringen. Die Prü fungskommisson und die anwesenden Zuschauer und Neugierigen waren schon verzweifelt. Schließlich stieg ein anderer Pilot auf und führte, direkt vor der jungen Pilotin herfliegend, zwei mal ein Landungsmänöver aus, in der Hoffnung, daß die Flugschülerin es ihm nun einfach nachmache. Aber auch so klappte die Sache nicht. Schließlich stieg der hilfsbereite Kollege zum dritten Male auf, nachdem er alle erforderlichen Handgriffe mit großen Lettern seitwärts auf den Rumpf seiner Maschine geschrieben hatte. Der Erfolg war verheerend— eine größere Bruchlandung hat es auf dem Roosevelt=Flugplatz schon lange nicht mehr gegeben. Wenigstens hat sich dabei die Flugschülerin nicht weiter erheblich verletzt. Die Parabel des Lebens Im Kaukasus sind in den letzten Monaten bekanntlich besonders viele langlebige Menschen entdeckt worden. In der Nähe von Tiflis soll sogar ein Mann namens Langhiatschvili leben, der über 150 Jahre alt ist. Angeblich erinnert sich dieser Methusalem, der einen Sohn von 110 Jahren und einen Enkel von 82 Jahren hat, noch genau an den Tag im Jahre 1801, da durch einen Ukas des Zaren Georgien dem russischen Reich einverleibt wurde. Auf Grund seiner an Ort und Stelle vorgenommenen Beobachtungen hat Professor Zazareff vom Institut für experimentelle Medizin in Moskau theoretische Berechnungen über die Lebensdauer der Menschen im allgemeinen angestellt. Ihnen zufolge kann die Lebensdauer eines Menchen graphisch in der Form einer Parabel dargestellt werden, die etwa beim 20. Lebensjahr den höchsten Punkt erreicht, um dann langsam wieder zum Rullpunkt abzusinken. Insgesamt wurde eine durchschnittliche Lebensdauer von 180 Jahren auf diese Weise errechnet. Ob ein Mensch praktisch ein solches langes Leben erreicht, hängt ganz und einzig und allein von der Verfassung seines Zentralnervensystems ab. Des Führers Ehrenpreis für das Nennen um das „Braune Band“ Diesen künstlerischen Preis stiftete der Führer und Reichskanzler für das diesjährige Rennen um das Braune Band von Deutschland“, das am 4. August unter Beteiligung der besten deutschen Vollblutelite und verschiedener ausländischer Ställe auf der Rennbahn München=Riem entschieden wird. Diese Prüfung ist mit Preisen im Gesamtwert von 50 000 Mark eins der wertvollsten Rennen des deutschen Sportjahres.(Scherl— M.) Das Handschraubenboot“— ein ideales Fahrzeug für schmale Wasserwege Im Berliner Landwehrkanal wurde dieses neue Ruderboot vorgeführt, das durch einen Handhebelmechanismus der eine am Hock des Bootes unter Wasser angebrachte kleine Schiffsschraube antreibt, fortbewegt wird. Durch den Fortfall der Ruderriemen eignet sich das Boot besonders für schmale WasTrwege.(Scherl— M.) Lesestunde. * Offensive der„Abteilung G“ Der letzte Erfolg— drahtlose Verbrecherjagd Kurzwellensender und Empfänger in allen Polizei=Automobilen der UsA Wie die Bankräuber von Pasadena verhaftet wurden g. Die amerikanischen Kriminalbehörden haben eine Offensive gegen die Unterweltler begonnen, wie sie in dieser Großzügigkeit einzig in der ganzen Welt dastehen dürfte. Im Rahmen dieser Offensive werden jetzt sämtliche Polizeiautomobile mit KurzwellenSendern und Empfängern ausgestattet, so daß in Zukunft die Verbrecherjagden auf drahtlosem Wege geleitet werden können. Die Sachverständigen sind davon überzeugt, daß es damit gelingen werde, dem Gangsterunwesen endgültig beizukommen. Erst wenige Tage ist eine Reihe kalifornischer Polizeiautomobile mit Kurzwellensendern= und Empfängern ausgestattet, und schon ist von dem ersten ganz großen Erfolg zu berichten, der mit Hilfe dieser technischen Neuerung errungen wurde. Eine vielköpfige Banditenbande hatte in Pasadena auf die Bank Hubert D. Jveys einen Raubüberfall verübt und 72.000 Dollar erbeutet. Da die Gangster wie wild um sich schossen und nach ihrem gelungenen Handstreich in rasender Geschwindigkeit davonfuhren, schien es kaum möglich, ihnen ihre Beute abzujagen und sie zur Strecke zu bringen. Die Zeiten eines Dillingers sind vorbei Die Banditen waren offenbar gelehrige Schüler des„Fachmannes für Banküberfälle". John Dillinger, der in ganz ähnlicher Weise verfuhr und der bei allen seinen Bankräubereien entkam. Aber die Banditen von Pasadena mußten zu ihrem Schrecken erkennen, daß die Zeiten eines Dillingers in Amerika endgültig vorüber sind. Die Polizei hat inzwischen viel hinzugelernt und ihre technische Ausrüstung ist in den letzten Monaten ganz erheblich vervollkommnet worden. Als die Bankräuber die freie Straße erreicht hatten, sahen sie in einiger Entfernung ein Polizeiauto vor sich herrasen. Nun, mit einem Polizeiauto wollten es die Gangster schon aufnehmen. Viele Stunden lang währte die Fahrt. Plötzlich befand sich auch hinter dem Verbrecherauto ein Polizeiwagen. Aus Nebenstraßen bog ein drittes und viertes Polizeiauto ein. Die Situation wurde langsam immer bedrohlicher. Als endlich zwei weitere eberfallwagen entgegenkamen, die vorherfahrenden Autos abstoppten und die verfolgenden Polizeiwagen immer dichter aufschlossen, war es offenbar, daß die Polizei ein regelrechtes Kesseltreiben auf die Gangster veranstaltete. „Banditen gestellt! Schickt Verstärkung!“ Die Gangster, die sich den Vorfall nicht erklären konnten, setzten sich verzweifelt zur Wehr. Mit ihren Maschinenpistolen versuchten sie sich nach bewährtem Muster den Weg freizuschießen, aber die Uebermacht war zu groß. Der Chauffeur des Verbrecherautos wurde von einer Kugel tödlich getroffen und die übrigen Insassen mußten sich ergeben. Die geraubten 72000 Dollar konnten ihnen abgenommen und dem rechtmäßigen Besitzer wieder zugestellt werden. Als man den Bankräubern auf ihre verwunderten Fragen erklärte, in dieser Weise werde man fortan mit allen Verbrechern in den Vereinigten Staaten verfahren, denn man besitze ein geheimes Verständigungsmittel, sollen die Unterweltler kein besonders schlaues Gesicht gemacht haben. Die Polizisten haben mit dieser Auskunft keineswegs übertrieben. Das„geheime Verständigungsmittel“ ist der Kurzwellensender und=empfänger der sich in den Polizeiautomobilen befindet und die„fliegenden Polizeistationen“ nicht nur auf dem laufenden über alle Vorgänge bei Verbrecherverfolgungen hält, sondern ihnen auch die Möglichkeit gibt, sich untereinander zu verständigen. Und das ist das Wichtige bei dieser technischen Neuerung. Mit Funkempfänger sind die Polizeiautomobile Amerikas schon seit langem ausgerüstet. Aber der Empfänger allein genügte nicht, denn die zentrale Sendestelle konnte selbstverständlich bei Verbrecherverfolgungen nie so genau informiert sein, wie ein Polizeiauto, das sich den Flüchtenden an die Fersen geheftet hatte. Mit einem Polizeiautomobil allein aber nahmen es die schwerbewaffneten Banditen fast immer mit Erfolg auf. In dem Fall der Bankräuber von Pasadena hatte ein Polizeiautomobil den Verbrecherwagen gesichtet, sofort mit Hilfe des Kurzwellensenders Verstärkung herbeigerufen und allmählich sämtliche in der Umgegend befindlichen„fliegenden Polizeistationen“ herbeidirigiert. Die Polizisten verständigten sich dann untereinander über die Methode der Unschädlichmachung der Gangster und konnten so einheitlich und schlagartig handeln. Der Erfolg war ja dann auch überwältigend. Umstellung im polizeilichen Patrouillen= dienst Die Geschichte der Verhaftung der Bankräuber von Pasadena hat in den Vereinigten Staaten allergrößtes Aufsehen erregt. Man ist der Ueberzeugung, die Polizei habe den Beweis geliefert, daß es nunmehr auch einem so noch verwegenen Gangster nicht mehr möglich sein werde, monatelang, wie Dillinger und die nach ihm zu Staatsfeinden Nummer 1 erklärten Unterweltler, sich den Verfolgungen einer ganzen Polizeiarmee zu entziehen. In diesem Sinne äußert sich auch Edgar I. Hoover, der Leiter des Büros für kriminalistische Nachforschungen. Er erklärte, es sei nur noch eine Frage von Tagen, bis sämtliche Polizeiautomobile der Vereinigten Staaten mit Kurzwellensendern ausgerüstet sein würden. Die Sender hätten vorläufig allerdings nur eine Reichweite von wenigen Meilen, aber die Reichweite lasse sich ganz erheblich steigern, so daß die Polizei ein bewegliches Netz von Funksendern über das gesamte amerikanische Territorium ziehen könnte. Dadurch werde eine grundlegende Umstellung im polizeilichen Patrouillendienst erforderlich. Die großen Zentralfunkstellen würden zwar auch weiterhin bestehen, aber bei besonderen Aktionen können die einzelnen Patrouillen völlig auf die Mithilfe der zentralen Stellen verzichten. Der Erdteil der halb Angezogenen hemden machen Leute] Was der indische händler erhofft Wenn ganz Afrika Kleider trüge! Weltbereiste Geschäftsleute haben sich errechnet, daß ganz Europa Arbeit hätte, wenn der schwarze Erdteil sich plötzlich dazu entschlösse, Kleider anzuziehen. Indessen versichern die des Landes Kundigen, daß es damit wohl noch sehr lange Weile haben würde, denn seit mehr als achtzig Jahren sind die Afrikaner dabei, sich zu bekleiden, ohne daß man heute den Eindruck haben könnte, sie seien auch nur halbwegs angezogen. So sehr sich auch die indischen Händler, die Missionare und Großindustriellen darum bemüht haben, so sehr hindert die Armut des Landes eine planmäßig erfolgende Bekleidung. Kolonialkrise, Arbeitsstockung und Senkung der Löhne haben das bei den Eingeborenen sowieso rare Geld außerordentlich knapp werden lassen. So kehren Männer und Frauen aus Sparsamkeitsgründen mählich wieder zur Nacktheit zurück. Die jetzt heranwachsende Generation begnügt sich mit einem kleinen Ledergürtel, der um die Lenden getragen wird und an dem sich ein kurzer Schurz aus Agavefasern befindet. Die Frauen haben sich aus dem gleichen Stoff ein Röckchen hergestellt, soweit es sich wenigstens um Gegenden mit„Zivilisation“ handelt. Geht man abseits von diesen Wegen in die abgelegenen Dörfer, Steppen und Wälder, so wird auch dieses Röckchen nicht mehr allzu oft anzutreffen sein. Das Vorrecht des Mannes! Beschaffen sich die Eingeborenen wirklich schon eine Art Bekleidung, so hat der Mann natürlich das Vorrecht, denn die Frau ist die Sklavin des Mannes, die sich besonderer Sparsamkeit zu befleißigen hat, hat doch ihr Kauf seinerzeit schon genug Geld gekostet. Bei großen Gelegenheiten tragen die Männer eine kurze Hose aus Khakituch, die weniger Begüterten begnügen sich mit einem Stück Sackleinewand oder einem Antilopenfell, das bis auf die Schenkel herunterfällt. Heißt es bei uns zu Lande, daß Kleider Leute machen, so tut es im schwarzen Erdteil schon das Khakihemd. Wer ein Hemd an hat, und sei es im Laufe der Jahre auch noch so durchlöchert, der stellt schon etwas dar, weil man in ihm den Mann sieht, der einstmals in der glücklichen Lage war, für ein Hemd 10 Frs. anzulegen. Der Durchschnittseingeborene muß daran ungefähr fünf Jahre sparen, weil sein Jahresbudget für Garderobe die zwei Fr. im allgemeinen nicht übersteigen kann. Aber wenn er dieses Opfer bringt, so genießt er dafür auch Ansehen und Achtung seiner Umgebung. Angemalte Strümpfe, bunte Strumpfbänder und Kettenschmuck Die Zusammenstellung der„Garderobe“ der Eingeborenen ist nach unseren Begriffen mehr als absonderlich. Die Strümpfe, die dort zulande ein Vermögen kosten, werden nicht selten durch Farbe ersetzt. Dafür werden aber richtige Strumpfbänder getragen, weil diese lange halten. Mit Schmuck wird dafstr nicht gegeizt. Diesem Schmuck zuliebe opfert die Frau gerne ihre Schamhaftigkeit, wie sie überhaupt schwer einzusehen vermag, was wohl daran liegt, daß sie sie zuletzt erlernt hat. Trotzdem geben die indischen Händler die Hoffnung nicht auf, daß sie eines Tages doch noch die Bekleidung des nackten Erdteils erleben. Sie meinen, daß der dreieckige Tuchlatz doch eines Tages die Hosen nach sich ziehen wird, und daß die Hosen später auch ein Hemd gebieten, daß die Strumpfbänder eines Tages richtige Strümpfe halten werden und demgemäß Schuhe unentbehrlich sind. Die Devise heißt: Abwarten! Es kann auch ebensogut noch Generationen dauern! Gentlemen bevorzugen bestrumpfte Beine Sommerlicher Brief aus London Seit einigen Wochen sieht man auch in London, obwohl sich der Sommer hier sehr verspätet hat, in leuchtendem Sommerblau leuchtende Sommerkleider, und man sieht riesige Sommerhüte, und unter den riesigen Sommerhüten sieht man schön„sonnengeküßte", lieblich gebräunte Wangen... Was man aber nicht sieht, weder in der Bond= noch in der Regent=Street, weder in der geschäftigen City um die Bank von England, noch auf dem lustigen Piccadilly, der sich liebevoll an den Hyde Park schmiegt: was man also nicht sieht oder nur sehr vereinzelt— das sind, zu Sommerhut und Sommerkleid— die nackten Frauenbeine! Das sei doch nicht verwunderlich, meinen Sie? O doch, das ist sehr verwunderlich, wenn man bedenkt, daß die strumpflose Mode hier in den vergangenen Jahren geradezu epidemieartige Ausmaße angenommen hatte, so daß man sich in dem sonst so korrekten London— ein weiterer Beweis dafür, daß nichts Lebendiges lebendig bleibt ohne Paradoxe— daß man sich also hier während der Sommermonate wahrhaftig eines Beinleidens oder eines Hautfehlers veroachtig machte, wenn man auf den ausgefallenen Einfall verfiel, einen auch nur der Konsistenz eines Hauches vergleichbaren Strumpf überzuziehen! Gewiß, die schlanken Londoner Damen, die der Society wie die der Arbeit, konnten, ungekränkt und mit ungetrübtem Selbstbewußtsein ihre wohlgeformten, sportgestählten, sonnenverbrannten Beine zeigen— ein wonniger Anblick bei Sport und Spiel!— Aber in der City, beim „Shopping“, beim 5=Uhr=Tee? Wo blieb da das berüchtigte und, ach so empfindliche, Anstandsgefühl? Wo blieb das so leicht alarmierte englische„Shoking“! Wundern Sie sich bitte: es blieb aus. Es wäre auch heute noch ebenso ausgeblieden, und nicht dies ist der Grund, warum die strumpflose Mode in diesem Jahr nicht recht aufkommen will. Dafür sind andere Gründe vorhanden. Zum ersten: ein sozialer; denn jedes Paar Strümpfe, das nicht getragen wird, bedeutet eine Arbeitsstunde weniger für die Arbeiterinnen der Strumpffabriken. Die Tausende— das Wort steht für Hunderttausende, vielleicht Millionen!— Londoner Frauenbeine, die nackt und unbestrumpft durch den Sommer stolzieren, bedeuten Tage und Wochen der Arbeitslosigkeit für die Mitschwestern in Leicestershire und Nottingham. Das brauchte in diesem Lande beispielhafter Solidarität nur einmal gesagt zu werden. Dafür aber— die Engländer sind ein praktisches und ein gerechtes Volk— werden die Strümpfe auch zusehends billiger und jedem erschwinglich. Aber wem nun einmal die liebe Eitelkeit doch über das soziale Empfinden geht, den wird ein anderes Motiv von der strumpflosen Mode geheilt haben. Die Männer erklärten nämlich laut und deutlich, daß sie nackte Frauenbeine in Menge nicht mögen! „Glauben Sie mir, meine Damen“, äußerte sich als ihr berufener Sprecher der Lordmayor von Nottingham, denn er muß es ja wissen, da Neitingham als Stadt der hübschen Mädchen gilt,—„glauben Sie mir: die Wirkung eines schön bestrumpften Frauenbeines auf uns Männer ist mit der eines unbekleideten Beines gar nicht zu vergleichen! Wie vielverlockender erscheint ein Bein, vom Zauberhauch der Seide umsponnen!" Also sprach der Bürgermeister von Nottingham, der auch ein Meisterbürger ist, denn— müssen Sie wissen— Nottingham ist nicht nur die Stadt der hübschen Mädchen, sondern auch eine Stadt der Strumpf=Industrie und die englische Männerwelt sprach es ihm einhellig nach. Die Frauenbeine mithin haben heuer nicht„hitzefrei". Das zu berichten war Chronistenpflicht. Zurück zum Strumpf! war die eindringliche Mahnung der Männer, und welche Frau— und mag sie noch so selbständig, sicher und unabhängig sein— hätte es je gewagt, sich in Dingen des Geschmacks dem eindeutigen Verdikt des stärkeren Geschlechts zu widersetzen? N. E. Elefant gegen Lokomotive Seltsame Abenteuer des Dampfrosses In den europäischen Ländern hatten der Dampfwagen und seine Fürsprecher einen schweren Stand gegenüber menschlicher Unvernunft und Ungläubigkeit. Noch seltsamer aber waren die Abenteuer, die das Dampfroß bei seinem Einzug in unzivilisierte Gegenden erlebte. Eingeborene und wilde Tiere führten noch vor 40 Jahren einen hartnäckigen Kampf gegen das rauchende und schnell dahinrasende Ungeheuer, das den Frieden der Steppen und Wälder störte... Vor etwa 30 Jahren wurde in Afrika die sambara=Bahn gebaut. Als die ersten Züge auf dieser Strecke verkehrten, verfielen die Eingeborenen in panischen Schrecken. Die meisten flohen bei dem Nahen des Zuges in den schützenden Wald, andere vermochten sich nicht von der Stelle zu rühren, fielen zu Boden und stimmten Todesgesänge an. Das erste gefährliche Abenteuer erlebte ein Nachtzug, als er durch einen dichten Wald fuhr. Unweit der letzten Station bemerkte der Lokomotivführer ein Rudel Elefanten, das aus dem Wald hervorsah. Einer der riesigen Vierfüßler schien durch die Signallaternen der Lokomotive gereizt und mochte den heranbrausenden Zug wohl für einen ihn herausfordernden Gegner halten. Mit einem wütenden Trompeten=Gebrüll stürmte der Elefant dem Zuge entgegen, stellte sich mitten auf dem Gleis fest auf seine ungeheuren Fußsäulen und erwartete mutig und mit drohend erhobenem Rüssel den Feind. Es war zu spät, den Zug zum Halten zu bringen. In einem furchtbaren Zusammenprall warf der Schienenräumer der Lokomotine das gewaltige Tier zu Boden und tötete es. Doch auch das Dampfroß war auf eine solche Schlacht nicht vorbereitet. Die Lokomotive entgleiste und stürzte mit elf Wagen den Bahndamm hinunter... * Mit unglaublichen Schwierigkeiten hatten auch die Ingenieure zu kämpfen, die einen Schienenweg durch die argentinischen Pampas anlegten. Die halbwilden Gauchos ließen keine Gelegenheit unversäumt, Schaden anzurichten. Als dann die ersten Probefahrten unternommen wurden, beschlossen sie, das verhaßte Ungeheuer durch ihre erprobten Kampfmethoden zu Fall zu bringen. Zwei der tapfersten und geschicktesten Gauchos ritten dem Zug in wildem Galopp entgegen. Zwanzig Meter von der Lokomotive entfernt, schleuderte der eine sein Lasso um den Schornstein der Lokomotive, riß sein Roß herum und gedachte das Ungetüm auf diese Weise zum Stehen zu bringen, wie die Gauchos es von ihrem Stierfang her gewöhnt waren. Indessen zeigte sich das Dampfroß dem lebenden doch überlegen: Ehe es jemand hindern konnte, waren Roß und Reiter zu Boden gerissen, eine Strecke fortgeschleift und dann von den Rädern zermalmt. Die Kameraden des Unglücklichen ergriffen bei diesem Anblick die Flucht und ließen fortan die Eisenbahn ungeschoren. * Glimpflicher verlief ein Abenteuer an der preußisch=russischen Grenze. An einer Grenzstation stand ein Kosak, der noch nie eine Lokomotive gesehen hatte. Als der Zug über die Grenze fuhr, sprang der Kosak ihm mit gefälltem Bajonett entgegen und schrie tapfer:„Stoi, stoi!“ (Stehl), in treuer Befolgung seines Befehles, niemand ohne Paß über die Grenze zu lassen. Der Lokomotivführer setzte die Dampfpfeife in Tätigkeit und ließ eine riesige Dampfwolke ausströmen. Da glaubte der pflichttreue Soldat, eine Erscheinung der Hölle vor sich zu haben, der gegenüber alle Diensworschriften machtlos seien, und lief davon. Das rettete ihn in letzter Sekunde vor dem Ueberfahrenwerden... Die Entlassung Von Wolfgang Thomas Mister Benjamin Doggart besitzt im Staate Pennsylvania fünf große Warenhäuser. Enes in Pittsburgh, eines in Harrisburg, das dritte in Williamsport und das vierte und fünfte in Reading und Norristown. Wenn Mister Doggart eines seiner Warenhäuser besucht, dürfen ihn seine Direktoren weder feierlich empfangen, noch sonst irgendwee begrüßen. Mister Doggart wünscht, unerkannt von seinen Angestellten, als einfacher Kunde durch die Abteilungen seiner Häuser zu schreiten und nach dem Rechten zu sehen. Wehe, wenn er eine Nachlässigkeit entdeckt— dann erst gibt er sich zu erkennen und hält furchtbares Strafgericht. An einem heißen Sommertag traf Mister Doggart unangesagt, wie immer, um die Mittagsstunde in Reading ein. Er betrat sein Warenhaus, ging von einem Verkaufspult zum anderen, ließ sich Waren vorlegen, kaufte einige Kleinigkeiten, schien von keinem seiner Angestellten erkannt zu werden und freute sich darüber wie weiland Harun Al=Raschid. Erst als er in die Abteilung für Papierwaren kam, verfinsterte sich sein bis dahin leidlich freundlicher Gesichtsausdruck zu einer düster drohenden Miene. Seine an Ordnung und Disziplin gewöhnten Augen erspähten hier, lässig an einem Verkaufspult lehnend, einen jungen Mann, der. schlecht gekämmt und mit lose gebundener Krawatte, gelangweilt auf einem Rechnungsblock undefinierbare geometrische Figuren zeichnete und keinerlei Anstalten traf, den nähertretenden Mister Doggart nach seinen Wünschen zu fragen. Mister Doggart wurde zur verkörperten strafenden Gerechtigkeit, trat dicht an den nachlässigen jungen Mann heran und zischte ihm ins Ohr:„Ich bin Benjamin Doggart, Sie pflichtvergessener Mensch!“ Der also Angefauchte fuhr erschrocken in die Höhe, verneigte sich ehrerbietig, als er den Namen des Warenhauskönigs vernahm, und harrte schweigend des drohenden Donnerwetters. „Was bekommen Sie Gehalt?“ fragte Mister Doggart streng. „Fünfzehn Dollar die Woche“, hauchte der Unglückliche. Mister Doggart zog seine Brieftasche, entnahm ihr einige Scheine und sagte:„Hier sind dreißig Dollar. Nehmen Sie dieses Geld, das Sie nicht verdient haben, und verlassen Sie sofort mein Geschäft— ich wünsche Sie nie mehr zu sehen!" Der junge Mann sah Mister Doggart einen Augenblick ratlos an, öffnete dann schüchtern den Mund zu einer Antwort, aber Mister Doggart duldete keine Widerrede:„Kein Wort!— Nehmen Sie das Geld und verschwinden Sie!“ Er stopfte dem Mann die Noten in die Hand und wendete sich ab. Dieser stammelte endlich einen Gruß und verließ dann fluchtartig das Warenhaus. Wütend schritt Mister Doggart eine Weile vor dem leeren Pult auf und ab Da trat ein junger, peinlich sauber gekleideter Verkäufer mit einem großen Stoß neuer Geschättsbücher in Händen auf Mister Doggart zu. „Verzeihen Sie. mein Herr.“ sagte er,„haben Sie nicht zufällig den jungen Mann gesehen, der eben noch hier stand...? Er wollte für dus Kontor, in dem er angestellt ist, eine Anzahl Geschäftsbücher kaufen, die ich vom Lager holen mußte. Ist er am Ende fortgegangen...!“ Ruvolari glücklicher Sieger Der Große Aulomobilpreis von Deutschland— v. Brauchitsch hatte kurz vor dem Ziel Pech Die Großen Automobilvreise von Deutschland sind von jeher äußerst hart umstritten gewesen. Immer hat sich die Weltklasse auf dem Nürburgring einen erbitterten Kampf auf dem 500 Meter langen Kurs geliefert. aber wohl noch nie ist ein Rennen von Anfang bis zum Schluß, über vier Stunden, so dramatisch verlaufen, wie der Große Preis von Deutschland 1935 auf dem Nürburgring. Als der Italiener Nuvolari das Zielband passierte, da wußten die Zuschauer auf den Zieltribünen noch nichts von der Dramatik. die sich in der letzten Runde abgespielt hatte. v. Brauchitsch war in die letzte Runde noch mit einem Vorsprung von 32 Sekunden vor dem Italiener gefahren, und dann geschah etwas. womit niemand gerechnet hatte. Am Karussel! platzte der linke Hinterradreifen an Brauchitschs Wagen. Der Deutsche stovvte ab. fuhr aber trotzdem weiter, da entwich auch noch aus dem rechten Hinterradreifen die Luft. Nuvolari, der in den letzten Runden nichts mehr riskiert hatte. konnte deshalb als leichter Sieger an Brauchitsch vorbeifahren. Stuck belegte den zweiten Platz. Dritter wurde Caracciola vor dem jungen Rosemeyer. Unter dem tosenden Jubel der Hunderttausende kam dann in langsamer Fahrt v. Brauchitsch an. Brauchitsch war von seinem argen Mißgeschick so niedergeschlagen. daß er an seiner Box aus dem Wagen stieg. Tränen standen ihm in den Augen. Vor dem Kampf Schon seit Tagen war der Nürburgring das Ziel der Sportbegeisterten aus dem In= und Ausland. Dieses Interesse war auch nicht verwunderlich, denn der Große Preis von Deutschland hatte eine Besetzung aufzuweisen, wie ihn noch kein Grand Prix vorher hatte. Schon seit Samstag setzte der seit Jahren bekannte ununterbrochene Zug zum Nürburgring ein. Die ganze Nacht hindurch donnerten die Motoren durch die sonst so stille Eifel. Alles vollzog sich in bester Ordnung. überall war die Svannung über den Ausgang dieses Kampfes der Giganten zu sehen. Fertig zum Start Eine halbe Stunde vor dem Start, also um 10.30 Uhr. standen die Maschinen in folgender Reihenfolge: Balestrero. Nuvolari. Stuck. Brauchitsch, ehender. Chiron. Caracciola. Etancelin. Mays. uesch. Fagioli. Rosemener, Varzi. Pietsch. Hartmann. Taruffi. Lang. Gersi. Brivio. Heyer. Der englische Era=Wagen des Deutschen von Delius war also nicht fertig geworden, und da auch der Italiener Soffietti fehlte, nahmen 20 Wagen den Kampf um den Großen Preis von Deutschland auf. Eine Verkehrsampel gab das Zeichen zum Start und Caracciola schnellte aus der dritten Reihe sofort an die Spitze. gefolgt von Nuvolari. Fagioli und von Brauchitsch. Stuck und Pietsch waren schlecht vom Start gekommen und die Motore der Auto=UnionWagen donnerten erst los, als die ersten Fahrer schon in der Südkehre waren. Mit 12 Sekunden Vorsorung erschien Caracciola" nach der ersten Runde an der Spitze, gefolgt von Nuvolari. Fagioli. Rosemeyer. Brauchitsch und Chiron. Stuck hatte hier schon eine Minute Rückstand. Der Italiener Balestrero geriet kurz vor Beendigung der ersten Runde aus der Bahn und mußte aufgeben. In der zweiten Runde vergrößerte Rosemever die Geschwindigkeit und mit 14 Sekunden Rückstand hatte er nach zwei Runden den zweiten Platz hinter Caracciola. Es folgten Brauchitsch(23). Fagioli(27), Barzi(50) und Stuck(1:30). Brivio schied hier bereits wegen Differentialbruchs aus. Rosemeyer fuhr immer schneller und nach vier Runden ist er bis auf 4 Sekunden an den führenden Caracciola berangekommen. der bis dabin einen Durchschnitt von 115.2 Kilom.=Std. herausgefahren hatte. Der Abstand der beiden in Front liegenden Fahrer vergrößerte sich immer mehr. Am Mercedes=Turm hält Chiron seinen Wagen an und zu Fuß kommt er an das Ersatzteillager zurück. Nach einer Stunde haben von vier Alfas also schon drei aufgegeben. In der sechsten Runde ist der Vorsprung Caracciolas wieder größer geworden, denn Rosemever kommt in etwas langsamer Fahrt an. Das rechte Hinterrad schlägt und muß aufgebessert werden. Caracciola. Fagioli und von Brauchitsch bilden nun die Spitze. Rosemeyer schließt sich ihnen dann wieder an. Das Bild bleibt nun einige Runden lang ziemlich unverändert und nur im Hinterfeld, wo Pietsch und Varzi kurz am Ersatzteillager halten mußten, gibt es Positionskämpfe. Nach der neunten Runde liegt Caracciola immer noch vorn. aber Brauchitsch. Nuvolari. Rosemever und Fagioli liegen ganz dicht zusammen. Stuck hat einen Rückstand von 1:40 Min., während Nuvolari jetzt eine Runde in 10:57(124.9) dreht. Kampf der Monteure Der Italiener Nuvolari, die einzige Hoffnung Die unvergleichliche Siegesserie der deutschen Leichtathletik wurde erwartungsgemäß auch im 15. Länderkampf gegen die Schweiz nicht unterbrochen. Protz des schönen Sommerwetters hatten sich auf dem Sportplatz in Letzigrund bei Zürich nur knapp 3000 Zuschauer eingefunden. Die fast nur aus süddeutschen Athleten bestehende deutsche Mannschaft etzte die Siegesserie der DSB. fort und schlug die Eidgenossen überlegen mit 84:54 Punkten. An dem Endsieg der Deutschen hatte man vorher kaum gezweifelt, daß er aber in dieser Höhe ausfallen würde, kommt etwas überraschend. Von den 15 Wettbewerben gewannen unsere Vertreter nicht weniger als 12 und sechsmal stellten sie die Doppellleger. Die Leistungen waren im allgemeinen nicht Vverragend, da die Bahn reichlich schwer war. Trotzoem erzielte der Schweizer Hänni ausgezeichnete Zeiten Er gewann die 100 Meter in 10.6 und „“ 200 Meter in 21.7, jedesmal ganz überlegen. Zweimal mußten die Punkte geteilt werden. Im Teitlprung erreichten Biebach(Halle) und der Schweizer Studer je 7.19 Meter, und im Hochprung teilten sich Wittmann(Deutschland) und Plagweig, mit 1,76 Meter in den zweiten Alfas. dreht in der zehnten Runde noch mehr auf. Auf der Gegengeraden überholt er Caracciola. der auch noch von Brauchitsch passiert wird. Dahinter folgen Rosemeyer. Fagioli und Stuck. Nach der elften Runde erlebten die Zuschauer auf den Tribünen ein Schauspiel, wie es noch nicht auf dem Ring vorgekommen ist. Ruvolari hält an der Box ebenfalls Rosemeyer, Brauchitsch und Caracciola. An allen Wagen werden neue Hinterradreifen aufgezogen und Brennstoff nachgefüllt. Fieberhaft wird gearbeitet. trotzdem lassen es die Zuschauer sich nicht nehmen, die Monteure anzufeuern. Da saust Fagioli an ihnen vorbei. Aber schon ist Mercedes in einer unübertrefflichen Geschwindigkeit mit der Montage fertig geworden. Brauchitsch verfolgt Fagioli und Rosemeyer. Caracciola und Stuck schließen sich an. während Nuvolari einige kostbare Minuten verloren hat. Nach der 13. Runde muß aber auch Fagioli halten, die Reifen wechseln lassen und tanken. Mit 38 Sekunden Vorsprung jagt von Brauchitsch nun an der Spitze davon. Rosemeyer. Caracciola und Nuvolari sind hinter ihm her. Die letzte Runde beginnt von Brauchitsch jagt an den Tribünen vorbei, mit brausendem Jubel empfangen. 33 Sekunden später erscheint Nuvolari. ihm folgen Stuck und Caracciola. Da meldet der Lautsprecher vom Karussell das niederschmetternde Mißgeschick, das von Brauchitsch ereilte. Man ist wie vor den Kopf geschlagen, denn der rote Alfa von Nuvolari erscheint— Am Samstag kamen auf dem Baldenevsee bei leichtem Westwind weitere Vorrennen zur deutschen Meisterschafts=Regatta zum Austrag. Im ersten Zwischenlauf des Achters siegte die Verbandsmannschaft Berlin(2. Boot) vor dem Mainzer RV. Den 2. Zwischenlauf gewann die Verbandsmannschaft Berlin(1. Boot) vor RG Leipzig. Amicitia Mannheim als Dritte schied aus. In den beiden Rennen des Vierers m. St. machte im ersten Lauf Etuf Essen die beste Figur, ruderte von Beginn an in Front und kam auch nicht mehr in Gefahr. Der Limburger RC hielt die RG Germania Frankfurt sehr sicher. Im zweiten Rennen siegte erwartungsgemäß die Verbandsmannschaft Würzburg. Sturmvogel Berlin=Spindlersfeld war durch Auswechslungen eines Mannschaftsmitglieds gebandicapt und kam über den dritten Platz nicht hinaus. In den Zwischenläufen im Dopvelzweier fielen die Erfolge der siegreichen Boote recht eindeutig aus. Der Berliner RC hielt dem Ansturm des RV Rüsselsheim sehr sicher stand. Im zweiten Rennen setzte sich die Frankfurter RG Germania vor der Renngemeinschaft der Studenten=Rudervereinigung Münster=Hannover sicher durch. Nach Beendigung der letzten Meisterschafts=Vorrennen wurde die 27. Hügel=Regatta mit dem 7. Jungmann=Vierer eröffnet. Der RC Germania Düsseldorf fuhr hier ein überlegenes Rennen und siegte sehr sicher. Im Jungmann=Vierer blieb der Regensburger RV vor Etuf Essen erfolgreich, während der Zweier o. St. eine Beute des DresdenBlasewitzer RV wurde. Im Ersten Vierer ruderten die Mannen der Frankfurter RG Germania in ausgezeichnetem Stil einen schönen Sieg heraus. Im Dovvelzweier feierte der Frankfurter RC 82 in Abwesenheit von Rüsselsheim und Germania Frankfurt einen leichten Sieg. Schließlich kam die R6 Dresden im Ersten Einer durch Haslebner vor dem Berliner Alemannen Pirsch zu einem schönen Erfolg. Der Düsseldorfer RV konnte im Zweiten Vierer eine schöne Leistung vollbringen und den WSV Krupp Essen sowie den Akad. RC Berlin hinter sich lassen. Der Berliner RK Hellas war im Junior=Achter und im Zweier m. St. siegreich: in letzterem allerdings im Alleingang. Der Schlußtag in hügel Das Deutsche Meisterschaftsrudern erreichte am Sonntagnachmittag mit den Endkämpfen um die sieben Titel und den Hauptrennen zur 27. HügelRegatta seinen Höherunkt. Vierer ohne Steuermann: Erster und Deutscher Meister: Verbandsmannschaft Würzburg 7:47.4 Min.: 2. Stuf Essen 7:51,2. Alle vier Boote kommen glatt vom Start. Allmählich 100 Meter: 1. Hänni(Sch.) 10,6; 2. Marxreiter (D.) 10.8.— 200 Meter: 1. Hänni(Sch.) 21,7, 2. Neermann(D.) 22.2— 400 Meter: 1 Hemle(D.) 51,2; 2. Schäfer(D.) 51.6. 800 Meter: 1. Fink (D.) 1:59; 2. Lang(D) 2 00— 1500 Meter: 1. Abel(D.) 4:11; 2. Creter(D.) 4:12.3.— 5000 Meter: 1. Haag(D.) 15·54.7; 2. Bloesch(D.) 16:05.3.— 110 Meter Hürden: 1 Welscher(D.) 15.2; 2. Kunz(Sch.) 15,5.— Weitsprung: 1. Biebach(D.) und Studer(Sch.) je 7,19 Meter.— Hochsprung: 1 Blaser(S.) 1,85 Meter, 2. Wittmann(D.) und Guh.(Sch.) je 1,75 Meter.— Stohhochsprung: 1. Müller(D.) 4 Meter, 2. Stadler (Sch.) 3.60 Meien— Speerwersen: 1. Kullmann (D.) 63.35 Meter; 2. Schumacher(Sch.) 60,20 Meter.— Diskuswerfen: 1. Würfelsdobler(D.) 44.25 Meter: 2. Lampert(D.) 43.88 Meter.— Kugelstoßen: 1. Lampert(D.) 14.66 Meter; 2 Konrad D.) 14,57 Meter.— 4mal 100 Meter: 1. Deutschandl Marrreiter. Neckermann. Huber. Pontow) 43.2; 2. Schweiz 43.5.— 4mal 400 Meter: 1. Deutschland(Helmle. Schäfer. Lang. Fink) 3:30.9; 2. Schweiz: 3•34 Gesamtergebnis: Deutschland 84 Punkte. Schweiz 54 Punkte. zuerst am Ziel! Es folgt Stuck, dann Caracciola und auch Rosemeyer. Letzterer war in der letzten Runde sehr vorsichtig gefahren, da er offenbar Angst hatte, das Kühlwasser würde nicht ausreichen. Das Ergebnis: 1. Nuvolari(Alsa Romeo) 4:08:40.2 Stunden= 121.1 Kilom.=Std., 2. Hans Stuck(Auto=Union) 4:10:18.8= 120.3 Kilom.=Std. 3. Caracciola(Mercedes=Benz) 4:11:03.2= 119.9 Kilom.=Std. 4. Rosemeyer(Auto=Union) 4:12:51= 119.1 Kilom.= Std. 5. v. Brauchitsch(Mercedes=Benz) 4:14:17.4 = 118.4 Kilom.=Std.= 6. Fagioli(Mercedes=Benz) 4:15:58.6= 117.7 Kilom.=Stdt. 7. Geyer(MercedesBenz) eine Runde zurück: 8. Varzi(Auto=Union) eine Runde zurück: 9. Pietsch(Auto=Union) zwei Runden zurück: 10. Ruesch(Maserati) zwei Runden zurück: 11. Zehender(Maserati) zwei Runden zurück: 12. Gersi(Maserati) zwei Runden zurück. Hühnleins Siegerehrung Der für v. Brauchitsch und für Mercedes=Benz so tragische Ausgang des Rennens, denn die siebenfache Erfolgskette der Untertürkheimer Werke war wirklich nur durch ein arges Mißgeschick unterbrochen worden, hinterließ bei allen Zuschauern tiefsten Eindruck. Bei der Preisverteilung lobte Korpsführer Hühnlein die todesmutige Fahrt v. Brauchitschs. ehe er dem Sieger Nuvolari zu seinem Erfolg gratulierte und ihn den vom Führer Adolf Hitler gestifteten Ehrenpreis überreichte. kommt Würzburg durch ruhigen und stilvollen Schlag nach vorn und kann sich die Spitze sichern. Bei 900 Meter führt Würzburg mit einer halben Länge. Inzwischen macht sich Etuf Essen frei, so daß bei 1200 Meter Würzburg vor Breslau, Etuf und Wiking führt. Die Würzburger vergrößern bei 1350 Meter ihren Vorsprung auf 1½ Längen. Etuf gelingt es dann. den zweiten Platz zu holen. Vierer mit Steuermann: Erster und Deutscher Meister: Verbaudomannschaft Würzburg 7:24.0 Min.: 2. WSV Godesberg 7:28,9. Die Boote liegen zunächst auf gleicher Höhe. Allmählich spurten die Würzburger, und bei 1100 Meter gibt es noch imer Zweikampf zwischen den beiden Mannschaften. Im Endspurt ist Würzburg ganz überragend und siegt mit einer Länge vor Godesberg. Essen und Limburg. Einer: Erster und Deutscher Meister: Dr. Buhtz=Berliner RE 8:21.0 Min.; 2. Franz Haslebner=R6 Dresden 8:26,5 Min. Nach dem ersten Start werden die Boote bei 400 Meter infolge Kollision zurückgerufen. Der zweite Start folgte eine halbe Stunde sväter. Die Boote kamen gut ab. Bei 400 Meter führt Dr. Buhtz. Die Boote steuern jetzt ausgezeichnet. Dr. Deutschlands Sieben war für diesen Kampf etwas umgebaut. Für Schwenn svielte der Weißenseer Schirrmeister, und es zeigte sich dank dieser Umstellung ein erheblich besseres Zusammenspiel der Deutschen als im Treffen gegen Schweden. Schwartz schoß das erste Tor. und eine Bombe von Schulze führte nach Vorlage von Gunst zum zweiten deutschen Treffer. Einen 4=Meter=Wurf wegen Unfairnetz der belgischen Abwehr verwandelte Schwartz kurz vor der Pause zum 3:0. Im zweiten Spielabschnitt nahm die Begegnung reichlich harte Formen an, zumal der holländische Schiedsrichter de Vries nicht gut auf dem Posten war. Belgien holte durch Michiels auf 3:1 und wenige Minuten später durch Issely auf 3:2 auf. Das Bad glich nunmehr einem Hexenkessel. und es war für die deutschen Spieler besonders schwer, die Nerven zu behalten. Erst als Schirrmeister in diesen kritischen Minuten das vierte Tor warf. beruhigte man sich ein wenig. Dann ging der Höllenlärm aber wieder los, als Belgien durch Issely auf 4:3 herankam. aber dann holte Dr. Schürger durch eine famose Einzelleistung den fünften Treffer heraus, der den Kampf endgültig entschied. Ungarn— Frankreich 9:3 Schweden— Südslawien 3:1 Deutschlands Gegner am Sonntag war Südslawien. Nach guten Leistungen konnten sie einen verdienten 5:1=Sieg herausholen. nachdem es bei der Pause noch 3:1 geheißen hatte. Fast mit Beginn des Kampfes konnte Schwenn unhaltbar zum ersten Treffer einsenden. Schwenn kann nach guter Vorarbeit von Schulze auf 2•0 erhöhen. Dr. Schürger nimmt eine Vorlage von Gunst geschickt an. geht durch und kann trotz Behinderung auf 3•0 erhöhen. Klingenburg wird schließlich doch durch einen unheimlich scharfen Schuß von Ciganovic bezwungen. Nach der Pause gibt es vor beiden Toren gefährliche Momente. Nichtsdestoweniger bringt ein Freiwurf von Schulze den vierten deutschen Treffer ein. Gunst hat schön an Schulze gegeben. der im Alleingang auf 5:1 erhöhte. Mit dem Schlußufiff erzielen die Deutschen noch einen sechsten Treffer. der aber keine Anerkennung fand. Ungarn— Schweden 532 Belgien— Frankreich 3:1 erwarkel: Roman Mac: 46 Tour=de=France=Fahrer erreichen Parie Die 29. Tour de France ging am Sonntag mit dem erwarteten Siege des Belgiers R. Mace zu Ende. wer kleine Belgier hat es verstanden, von Buhtz hat bei 1300 Meter klar die Führung. Drei Längen trennen ihn von dem Dresdner. der in den nächsten 100 Meter weitere zwei Runden zurückfällt. Im glänzenden Endspurt fährt Dr. Buhtz das Rennen ganz überlegen nach Hause. Zweier ohne Steuermann: Erster und Deutscher Meister: Dresdner RB Dresden=Blasewitz 8:11.6 Min.; 2. Mannheimer RC von 1875 8:17.5. Nach Fehlstart kommen die Boote gut ab. Bei der 500=Meter=Marke werden alle Boote gut gesteuert. In Führung liegt noch Mannheim. Unverändert ist das Bild auch bei 1200 Meter. Erst dann kommen die Dresdner auf, während Köln dichtauf folgt. Bei 1500 Meter liegen die Mannheimer noch knapp vor Dresden. das nun mit einem fabelhaften Endspurt aufwartet und in der ausgezeichneten Zeit von 8:11.6 Minuten siegt. Zweier mit Steuermann: Erster und Deutscher Meister: Berliner RC Hellas 8:25.1 Min.: 2. Hannoverscher RC 1880 S:41. Bei 900 Meter hat Hannover noch einen Vorsorung von einer halben Länge. Hellas zieht mächtig davon und sichert sich die Führung. Im Endspurt bolen sich die Hellenen mit Längen einen sicheren Sieg. Doppelzweier: Erster und Deutscher Meister: Berliner SC 7:31.4 Min.; 2. RV Rüsselsheim 7:33.3. Das schönste Rennen. das es bisher zu sehen gab. Bei 500 Meter liegen alle Boote auf gleicher Höhe. Dann setzen scharfe Positionskämpfe ein. Die Berliner legen einen Zwischenspurt ein, aber auch Frankfurt bleibt nicht untätig. Die Studenten legen einen Spurt ein und kommen etwas auf. Im Schlußspurt ist Berlin ganz überragend und geht mit einer guten Länge Vorsprung siegreich durchs Ziel. Achter: Erster und Deutscher Reister: Verbandsmannschaft Berlin 1. Boot 6:38,1 Min.; 2. Verbandsmannschaft Berlin 2. Boot 6:40,5 Min. Alle vier Boote kamen gut vom Start weg. Leipzig arbeitete mit langen Schlägen. Dann zieht Berlius erstes Boot an und sich leicht in Front. Auch das zweite Boot setzt durch und läßt Leinzig hinter sich. Bei 1000 Meter schneidiger Spurt von Berlin(1. Boot), das sich eine klare Führung sichert. Das gleiche Bild bei 1500 Meter, während dann der Endspurt einsetzt. Berlin ist der Sieg nicht mehr zu nehmen. Mit dreiviertel Längen siegt das erste Boot vor Berlin 2. Mainz und Leipzig. Mit der Preisverteilung und Siegerehrung son dem Baldeneysee=Fest klangen die Deutschen Mei schaften aus. 27. hügel-Regatta Junior=Bierer: 1. Klub für Wasserfvort Köln 7.44.6. Jubiläums=Achter(2. Achter): 1. RC. Saar Saarbrücken 7:01,2. B=Jungmann=Vierer: 1. RK Westfalen Herdecke=Ruhr 8:01,2. Hindenburg=Vierer (1. Vierer): 1. Regensburger RV 7:47.6. Junamann=Achter: 1. Berliner RK Hellas 7:00.6. KlubBierer(2. Vierer): 1. Düsseldorfer RV 1880 7:52,0. Ruhrkampf=Achter(Elsaß=Erinnerungspreis): 1. WSV Krupp Essen 7:05.5. Erinnerungs=Vierer (3. Jungmann=Vierer): 1. RC Hamm 8:17,8. SchlußBierer(3. Vierer): 1. WSV Krupp Essen 7:54.4. Gig=Doppel=Vierer mit Steuermann für Frauen (Stilschnellrudern): 1. Etuf Essen. Baldenen##e Achter(3. Achter): 1. Stuf Ellen 7•00. der ersten Etappe ab das gelbe Trikot des in der Gesamtwertung führenden Fahrers gegen alle Angriffe seiner von 92 bis zuletzt auf 46 Mann zusammengeschmolzenen Gegnerschar zu verteidigen. Die Deutschen haben sich auch in diesem Jahre wieder ausgezeichnet gehalten. Ihr ständiger Betreuer Martin Schmidt erklärte einem Vertreter des DRB. am Ziel, daß er mit dem Abschneiden seiner Fahrer äußerst zufrieden sei. Man habe junge Kräfte versucht und werde auch in Zukunft weiter so verfahren. Die Deutschen hätten trotz Krankheit außerordentliches geleistet. Es sei bedauerlich, daß wir mit Stöpel und Umbenhauer zwei unserer besten Leute unterwegs verloren hätten. blinzeus Pech Der Schlenderhauer nicht im„Braunen Band“ Der ausgezeichnete Hengst des Gestüts Schlenderhan. der vierjährige Blinzen, erlitt bei der Morgenarbeit auf der Neuenbagener Grasbahn einen leichten Unfall. Der vorjährige Sieger und diesjährige Dritte aus dem Großen Preis von Berlin zog sich bei seinem Galopp eine Fesselfissur zu. die ihn zwingt, dem Braunen Band von Deutschand am 4. August in München fernzubleiben. Damit sind die Aussichten, den reichen Preis im Lande zu behalten, gewaltig gesunken, denn bekanntlich wird auch Sturmvogel in dieser mit 50 000 RM dorierten Zuchtnrüfung nicht starten. so daß Blinzen unsere scärfste Waffe im Kampf gegen die Ausländer Aliscab und Denver war. Die vorläufige Starterliste hat folgendes Ausseben. Denver (C. Ellie“, Alisbad(F. Fer). Travertin(I. Rastenberger, Ehrenpreis(K. Narr). Atbanabus(E. Grabsch). Janitor(G. Streit). Glaukos(E. Huquenin), Manzanares(W. Prirten). Lawpadius(R. Zachmeier). On Tor(A. Seiffert) und Czardasfürstin(X). Islands Wesserballmannschaft in dareburg Außer den isländischen Fußballspielern wird such eine Wasserballmanaschoft Iskands nach Deutschland kommen. Geguer wird um 12. August in Hamburg die Sieben des Ottenser#V#rin. E. Huber Diro Sportlehre: Der mehrfache s#ddentsche vos württembeigis+e Meister im Zehnkamot. Erviio Haber=Stuttgart, Feldwebel im Reichetr: und Deutscher Heeresweister im Zehnkampf. dat in Münster: W. seine Prüfung als Leichtatdletik=Sportlebrer alanzend bestanden. Von 57 Prüflingen wurd eier für reif befunden. u. a. noch die bekannten Leichtatdleten Schuhmacher=Hambarg und Rebb-Mannbelm. Die Schweiz mut 84:54 Pkt. geschlagen Deutschlands Leichtathleten wieder erfolgreich Dr. Buhtz gewinnt den„Einer“ Der Kampf um die sieben Meisterkitel beendet Deutschland Hoppelsieger in Brüssel Am Samstag Belgien, am Sonnlag Südstawien geschlagen Bisher Merkens und Metze ermittelt Reislerschaften der Amateure und Berufsfahrer— Viel Regen England führt schon 2:0 Amerika im Davispokal=Eudsviel ohne Aussichten Amerikas Davis=Pokalmannschaft, die nach ihrem 4·1=Siege über Deutschland mit recht guten Aussichten die Schlußrunde gegen den Inhaber des Pokals. England. am Samstag mit zwei Einzelspielen begann. liegt schon nach dem ersten Spieltag nahezu in geschlagenem Feld. H. W. Austin schlug nach einem Kampfe. der den Einsatz der letzten Energie forderte. den Amerikaner Wilmer Allison mit 6:2, 2:6, 4:6. 6:3, 7:5 Perrns erwarteter Sieg über Budge Das zweite Einzelsviel führte auf dem CentreCourt der Wimbledon=Anlage. die mit über 14000 Zuschauern einen imposanten Anblick bot. den Ersten der Weltrangliste. Fred Perry. mit dem Amerikaner Donald Budge zusammen. Den ersten Satz holte sich Perry mit 6:0 überaus leicht, spielte dann im zweiten Satz, den er gegen den beldenhaft kämpfenden Amerikaner mit 6:8 abgeben mußte, verhaltener. um im dritten Satz wieder seine ganze angeborene Tenniskunst„svielen“ zu lassen. Budge verlor diesen Satz mit 6:3. und auch den vierten Satz mußte er mit 6:4 an Perry abtreten. Klare Siege unserer Spitzenspieler Die nationalen Tennismeisterschaften in Braunschweig Vor 2000 Zuschauern wurden am Sonntag bei durchweg schönem Sommerwetter die Vorschlußund Schlußrundenspiele der Deutschen Tennismeisterschaften entschieden. Im Männer=Einzel siegte Gottfried von Cramm über den Berliner Jänicke 6:2, 6:1, 6:2. Die Meisterschaft im FrauenEinzel fiel an die Berlinerin Frl. Keppel, die Frau Schomburgk(Leipzig) 6:2, 7•5 schlug. Im Männer=Doppel qualifizierten sich vormittags Denker=Henkel 2 durch einen 6:1=, 7:9=, 6:3=Sieg über Adalbert v. Cramm=Henkel 1 für die Schlußrunde. Das zweite Vorschlußrundenspiel brachte einen Sieg von Dr. Dessart=Frenz über GötscheUtmöller mit 6:3, 6:3. Das Endspiel gewannen Denker=Henkel 2 mit 6:4, 6:1, 6:2 über Dr. DessartFrenz. Im Gemischten Doppel gab es einen Sieg von Frl. Sander=Henkel 2, die Frau Schomburgk= Jänecke 6:3, 6:3 schlugen. In der Vorschlußrunde hatten Frl. Sander=Henkel 2 mit 6:2. 6:4 über Frl. Ullstein=Dr. Dessart gesiegt, während Frau Schomburgk=Jänecke sich durch einen 6:4=, 6:4=Erfolg über Frl. Stein=Adalbert von Cramm für das Endspiel qualifizierten. Im Frauen=Doppel fiel der Sieg an Frau Fabien=Frl. Hiller, die Frl. Heitmann=Frau Othber=Krüger 5.77, 6:0, 7:5 abfertigten. Frl. Heitmann=Frau Othber=Krüger hatten im dritten Satz bereits eine 5:3=Führung erkämpft, konnten aber zwei Matchbälle nicht verwandeln. Frl. Stegemann und Meißner Auf der 5500 Meter langen Strecke auf der Sprec wurde am Samstag zum 17. Male das große Wettschwimmen„Quer durch Berlin" ausgetragen. Zahlreiche Zuschauer verfolgten an den Ufern mit großer Svannung die Kämpfe. Bei den Männern siegte Meißner=Hannover, während bei den Frauen Frl. Stegemann=Magdeburg erfolgreich blieb. Vom Start weg setzte sich der neue deutsche Meeresmeister Meißner=Hannover an die Spitze der Einzelkämpfer und gab sie bis zum Schluß nicht mehr ab. Nach 1200 Meter führte Meißner vor Hülewische und Kienzle. Bei 3000 Meter lagen Meißner und Kienzle in Front. während an den Zelten(4500 Meter) Meißner einen Vorsorung von 50 Meter herausgeschwommen hatte. Reglin und Diebold hatten an den Zelten aufgegeben. Bei den Frauen übernahm Frl. Stegemann=Magdeburg sofort die Führung, die ihr keiner mehr streitig machen konnte. Den zweiten Platz belegte Frau Ebel=Schrader(Görlitz), während die deutsche Meeresmeisterin Käthe Hanicke=Dresden wegen eines Krampfes aufgeben mußte. In den Staffeln kam es zu harten Kämpfen. SSC 89 Berlin siegte erwartungsgemäß in der LigaKlasse. während bei den Frauen Nixe Charlotten= burg vor dem 1. Magdeburger DSC erfolgreich war. Unverständliche Bestrafung Der Italienische Radsport=Verband hat zehn Fahrer der Tour de France. die Italiens Interessen zu vertreten hatten und die teils infolge von schweren Stürzen, zum Teil infolge von Erschöpfung vorzeitig aufgaben, bestraft. Vor allem den letztgenannten Grund der Aufgabe erkennt der Verband nicht als stichhaltig an und hat daher kurzerhand u. a. Fahrer wie Bergamaschi. Di Pacco, Cioriani. Martano. Giacobbe und Rimoldi bis auf weiteres susvendiert. Im Rennen befinden sich nur noch Morotli und Teani. Voxländerkampf Im Rahmen des Münchener Festkommers wurde als erste internationale Veranstaltung der Amateurborländerkampf Deutschland— Schweiz im ZirkusKrone=Gebäude vor 2000 Zuschauern durchgeführt. Es war dies die dritte Begegnung zwischen den Eidgenossen und Deutschland. In den vorhergehenden Kämpfen siegte Deutschand in Wiesbaden 1922 mit 12:4 und 1928 wurden die Schweizer in Genf mit 14:2 besiegt. Nach dem Aufmarsch der Teilnehmer mit der Hakenkreuz= und der schwarz=weißroten und der Schweizer Fahne wurden sie vom Publikum lebhaft begrüßt. Die deutsche Mannschaft binterließ einen sehr guten Eindruck und blieb diesmal im Gesamtergebnis mit 15:1 Punkten erfolgreich. Die Kämpfe: Der erste Kampf der Fliegengewichtler Färber=Augsburg gegen Stöckle=Basel nahm ein vorzeitiges Ende. Bereits in der 2. Runde konnte Färber seinen Gegner k. o. schlagen. Der Schweizer hatte sich schon zu Beginn des Kampfes zu sehr ausgegeben, so daß er schon in der 2. Runde aus war. Der Ringrichter brach den Kampf vor Ende der 2. Runde zu Gunsten des Deutschen ab. Im Bautamgewicht lieferte der Exeurovameister Zialarski=München gegen den Baseler Bandler seinen letzten Kampf. Nach ausgeglichenem Kampf endete die Begegnung unentschieden. Im Federgewicht zeigte Eurovameister Käst ner=Erfurt seine graße Focm im Kampf gegen den Schweizer####flneb. Der Erfurter wurde bober Punktsieger. Im Leichtsewicht konnte der Ersatzmann Biemer=Köln nicht sonderlich gefallen. Allerdings mar sein Schweizer Gegner Nacs in anter Form und zeigte und gutes boxerisches Können. In der dritten Runde lum der Kölner jehr am auf und laudete einen verdienten Bunktheg. Im Weltergewicht und es zwischen MurachDie deutschen Radmeisterschaften der Amateure auf der Bahn waren leider vom Wetter wenig begünstigt. Immerhin waren 3000 Zuschauer erschienen, die einen neuen Sieg von Toni Merkens in der deutschen Meisterschaft über 1000 Meter zu sehen bekamen. Der Kölner gewann seine sämtlichen Vorläufe überlegen und schlug in der Vorentscheidung den Leipziger Karsch, der erst aus dem Hoffnungslauf in die Endkämpfe gelangte. In den beiden Endläufen traf Merkens auf Ihbe=Leipzig, den er jederzeit beherrschte. Im Kampf um den dritten und vierten Platz konnte der Kölner Horn den Leipziger Karsch zweimal sicher hinter sich lassen. Nach der 1000=Meter=Meisterschaft setzte in Erfurt starker Regen ein, so daß die Meisterschaftskämpfe vorläufig unterbrochen werden mußten. Auch die Rennen der Verufsflieger mußten wegen des starken Regens unterbrochen werden und konnten nur bis zur Schlußrunde gefördert werden. Qualifiziert für den Endlauf hatten sich bis dabin Richter, Steffes, Engel und Rieger. Erwartungsgemäß wurde dem Kampf der Steher größtes Interesse entgegengebracht, galt es doch in der Hauptsache dem Duell zwischen dem alten Bahnmatador Metze und dem jungen aufstrebenden Bochumer Walter Lohmann. Metze hatte auch hier wieder das für ihn sprichwörtliche Glück, daß ihm als Startnummer die Nr. 1 zugeteilt wurde, während Lohmann als letzter startete. So wurde das Rennen ein erbitterter Zweikampf zwischen Die mit Spannung erwarteten Deutschen Ringer=Meisterschaften in Hohenlimburg begannen am Samstag mit den ersten Runden der Bantamgewichtsklasse(Griech.=Röm.) und im Mittelgewicht(Freistil). Es traten 16 bezw. 8 Bewerber an, die sich recht spannende Kämpfe lieferten. Im Freistilringen der Mittelgewichtsklasse schied von den Favoriten Laudin=Wilhelmshaven durch zwei Punktniederlagen gegen Neuhaus=Essen und Europameister Földeak=Berlin vorzeitig aus. Köstner=Bamberg überraschte nach der angenehmen Seite. Er verlor gegen Földeak nur ganz knapp und leistete auch Neuhaus harten Widerstand, um dann aber doch nach Punkten zu verlieren. Im Bantamgewicht sah die zweite Runde den hoffnungsvollen Schrader, Hörde, mit dem Titelverteidiger Moechel, Köln im Kampf. Schrader war im Stand ebenbürtig und bekam überraschenderweise einen knappen Punktsieg zugesprochen. Die einzelnen Ergebnisse dieser Klasse waren: 1. Runde: Rößler, Hohenlimburg, fiegt über Hüffner, Berlin, nach 4 Minuten; Brendel, Nürnberg, siegt über Schock, Berlin nach 8,50 Min.; Schrader, Hörde, siegt über Sackfinger, Zirndorf, nach 3.30 Min.; Moechel, Köln, siegt über Schinkitz, Reunkirchen, nach 7,25 Min.; Gehring, Friesenheim, siegt über Merscheid, Köln, nach 16,45 Min.; Herbert, Stuttgart, siegt über Hädel, Halle, nach 10,20 Min.; Meyer, Thaleisweiler, siegt über Schwerter, Duisburg=Hochfeld, nach 13.30 Min.; Uhrig, Oftersheim, siegt über Fischer, Zweibrücken, nach Punkten. 2. Runde: Schrader, Hörde, siegt über Moechel, Köln, knapp nach Punkten; Gehring siegt über Herbert mit 2:1 Punkten. 3. Runde: Brendel siegt über Rößler mit 3:0 Punkten; Gehring siegt über Schrader mit 2:1 Punkten. 4. Runde: Brendel, Nürnberg, siegt über Schrader, Hörde; Rößler, Hohenlimburg, Fallfieger über Uhrig, Oftersheim; Gehring verlor gegen Moechel glatt nach Punkten. Die Entscheidung mußte nach diesem Stand zwischen Brendel und Moechel fallen, die sich einen ausgezeichneten Kampf lieferten voll techausgeglichenes Gefecht. Sväter brach schließlich der Ringrichter nach heftigem Schlagwechsel den Kampf zu Gunsten Murachs ab. Murach wurde technischer k. o.=Sieger. Im Mittelgewicht konnte SchmittingerWürzburg gegen den besten Schweizer von BürenLausanne nur in der 1. Runde ausgeglichen kämpfen. Erst in der Schlußrunde konnte Schmittinger den Punktsieg sicherstellen. Im Halbschwergewicht beherrschte der Stuttgarter Bernlöhr seinen Schweizer Gegner Gugger vom Gong weg an. Er trieb ihn volle drei Runden wie er wollte und wurde haushoher Punktsieger. Im letzten Kampf des Abends kam es im Schwergewicht zu einer Ueberraschung. Sölch=München schlug Bürgel=Basel schon in der 1. Runde schwer an, so daß er zweimal zu Boden mußte. Auch in der 2. Runde beherrschte der Münchener den Kamof. Er schickte seinen Gegner wiederholt zu Boden und beim dritten Niederschlag wurde Bürgel ausgezählt. Sieger durch k. o. Sölch. Damit endete der Länderkampf im Gesamtergebnis mit 15:1 für Deutschland. Schweizer Amateurboxer siegen in Landshut 10:6 Nach ihrem Münchener Start am Freitagabend im Zirkus Krone gegen die deutsche Ländermannschaft ging die Schweizer Nationalmannschaft der Amateurboxer am Samstagabend in Landshut gegen eine Auswahl=Acht von Niederbayern=Ostmark in den Ring. Der Kamp' brachte mit 1500 Zuschauern ein ausverkauftes Haus. Auch der boxsportbegeisterte Oberbürgermeister Vielweib sowie Brigadeführer Hillmeyer waren zu dem Kampfabend erschienen. Die Schweizer gewannen verdient 10:6, obwohl sie nicht ganz die Form des Vortages erreichten. diesen beiden Rivalen, das Metze nur knapp für sich entscheiden konnte. Wenn man berücksichtigt, daß Lohmann sich durch das ganze Feld nach vorne arbeiten mußte und trotzdem den zweiten Platz belegen konnte, so ist dieser Erfolg umso höher zu bewerten. In Erfurt galt das Hauptinteresse den Saalmeisterschaften, bei denen es nicht ohne Ueberraschungen abging. Eingeleitet wurden die Wettbewerbe mit der Meisterschaft im Vierer=Mannschaftsfahren über 4000 Meter. Der RC Excelsior Dresden, der Spezialist für diesen Wettbewerb, erwies sich auch diesmal als unschlagbar und sicherte sich damit zum sechsten Mal den Titel. Deutscher Meister im Einerfahren wurde Kempels (M.=Gladbach). Im Zweier=Kunstfahren setzten sich wieder die Gebr. Störmer(Diana Oberbruch) erfolgreich durch. Im Sechser=Kunstreigen setzte sich der RV. Flottweg Kassel ganz knapp durch, und im Achter=Kunstreigen war mit dem Wiedererscheinen von Blitz=Neukölln der Sieger gegeben. Die Sensation des Abends war die Niederlage von Wanderlust Frankfurt im Zweier=Radball durch Falke=Stellingen im Endspiel mit 3:5(1:3). Bahnmeisterschaften in Erfurt abgebrochen Die restlichen Kämpfe um die Titel in der 25=Kilometer=Einzelmeisterschaft und im Zweisitzerfahren werden am Montag um 18 Uhr nachgeholt. Insgesamt qualifizierten sich für die 25=Kilometer=Entscheidung 14 Fahrer. nischer Feinheiten und spannender Momente, den Brendel nur knapp für sich entscheiden konnte. Gleich hart mußte Földeak gegen den Reichswehrmann Schweikert um den Titel im Mittelgewicht kämpfen, den er aber nach einem technisch einwandfreien Kampf doch zu seinen Gunsten gestalten konnte. Damit sicherte er sich wiederum den Meistertitel. Jugendmeisterschaften Wohl selten hat eine Schwimmveranstaltung eine derart gute Beschickung erfahren, wie sie die Westdeutschen Jugend=Meisterschaften des Gaues 19 (Niederrhein), die am Samstag und Sonntag in dem schönen Städtischen Freibad in DinslakenHiesfeld zum Austrag kamen, aufweisen konnte. Man kann hier von einem Rekord sprechen, denn überaus reichlich waren die jugendlichen Amateure des Gaues vertreten. In organisatorischer Beziehung blieb nichts zu wünschen übrig. Leider war die Krefelderin Martha Genenger, die Weltrekordlerin über 200 Meter Brust und Europas Beste über 400 Meter Brust nicht am Start, dafür zeigte sich aber Trude Wollschläger(Amateur Duisburg) von der besten Seite, die über 100 und 200 Meter Brust gute Zeiten herausholte Zu erwähnen wäre dann noch der Essener Aegir=Mann Kuhnke, der die 100 Meter Brust in der guten Zeit von 1:27,6 trotz des schweren Wassers bewältigte. P. Schwarz und heina im toten Rennen Das vom SV Göppingen auf dem Waldeck=See veranstaltete reichsoffene Schwimmfest gestaltete sich schon am ersten Tage zu einem großen Ereignis. Im Mittelpunkt der Kämpfe des Samstags stand das usammentreffen der zurzeit besten Brustschwimmer eutschlands. Heina(Gladbeck), Wittenberg(Berlin) und Paul Schwarz(Göppingen) über 100 Meter. Vom Start weg legten diese drei Schwimmer gleich ein unheimliches Tempo vor. Bei 50 Meter wurden 35 Sekunden gezeitet. Die Vertreter der Klasse 1A blieben weit zurück. Nach der Wende führte Schwarz vor Heina, während Wittenberg schon etwas zurücklag. Der Berliner gab sich aber noch nicht geschlagen, holte etwas auf. um dann aber wieder zurückzufallen. An der Svitze lieferten sich Heina und Schwarz einen ungemein harten Kampf. der mit 1:17.6 Min. im toten Rennen endete. Sie hatten einen Bahnrekord geschwommen. Die neuen Mittelrhein-Gaumeister Im vollbesetzten Kölner Metrovolring ermittelte der Gau Mittelrhein am Freitagabend seine neuen Amateurmeister. Auf der ganzen Linie gab es ausgezeichneten Sport. Einen vorzüglichen Eindruck hinterließen ganz besonders Mertens, Cremer und Stein. Die Endrunden=Ergebnisse sind: Fliegen: Mertens(BC Norden) schlug Zeeh (Trier) nach Punkten. Bantam: Schlönke(Aurorn) schlug Stiegler (Post Bonn) nach Punkten. Feder: Cremer(Rhenania) schlug Eskes(BC Norden) nach Punkten. Leicht(Meisterschaft fiel aus, da Biemer in München borte): Einlagekampf: Mönneckes(Rhenania) schlug Pannhausen(Köln) in der dritten Runde k. o. Welter: Ulderich Colonia) schlug Neu(Mülheimer BC) nach Punkien. Mittel: Stein(Bonn) schlug Bernardini(Colonia) nach Punkten. Halbschwer: Kesting(Koblenz) schlug Blum (Rhenania) nach Punkten. Schwer: Ohrsmann(Rhenania) schlug Langel (Bonn) nach Punkten. England schlägt Frankreich 64:56 Der 12. Leichtathletik=Länderkampf in London Recht ausgeglichene Leistungen gab es im 12. Leichtathletik=Länderkampf England— Frankreich am Samstag im Londoner White=City=Stadion Vor nur 5000 Zuschauern setzten die Engländer ihren 1931 angetretenen Siegeszug mit einem 64:56=Siege fort. Von den 14 Wettbewerben gewannen die Briten acht und belegten siebenmal einen zweiten Platz. Viermal feierten die Ergländer einen Dovvelerfolg. dreimal die Frani sen. Rekorde fielen nicht, und die Leistungen erhoben sich kaum über internationalen Durchschnitt. England wird am 11. August in München wesentliches besseres Können aufweisen müssen, um erfokgreich zu bestehen. Um die Rheinland=Wasserballmeisterschaft Die Wasserballspiele um die Rheinlandmeisterschaft wurden in Ruhrort am Samstag und Sonntag mit zwei Spielen fortgesetzt. Zwischen Ruhrort Deutschland gegen Schweiz 15:1 Die Eidgenossen zum dritten Male gefchlagen— 2000 Zuschauer und Brendel Ringermeister Die Entscheidungen im Mittel- und Baukamgewicht sind gefallen Repräsentativkampf der Leichkachleter Niederrhein flegt vor Westsalen. und Mittelrhein In Mülheim(Ruhr) kam am Sonntag teot der schlechter Witterung der Reprzientatiolamof der Gaue Niederrheea, Westfalen und Mittelcdein zum Austrag, zu dem sich immerhin noch etwa 10•0 Interessenten eingefunden hatten. Die, die herausgekommen waren, werden es sicherlich nicht bereut haben, denn für die Unbill der Witterung wurde man durch gute sportliche Leistangen entschähigt. Die vom Niederhein zeigten sich durchweg überlegen und brachten mit 142 Punkten den Sieg an sich. Westfalen folgte auf dem zweiten Platz mit nur 113½ Punkten, während der Mittelrhein es nur auf 94½ Pankte brachte. Die Ergebnisse: 800=Meter=Lauf: 1. Begovie(Niederrbein) 2:02, 6. 200=Meter=Laus: 1. Buthe=Pieper(Westfalen) 22.8; 2. Heidhoff(Niederrhein) 22.8 Stabhoch: 1. Dwiza(Westfalen) 3.70 Meter. Diskus: 1. Debus(Mittelrhein) 42.46 Meter. 5000=Meter=Lauf: 1. Berg(Mittelrhein) 15:29.5; 2. Osthoff(Niederrhein) 15:30.5. Hochsprung: 1. Hellerforth(Niederrhein) 1,83 Meter. 100=Meter=Laus: 1. Bathe=Pieper(Westfalen) 10,6 Sek. 400=Meter=Lauf: 1. Kisters(Niederrhein) 50 Sek. 1500=Meter=Lauf: 1. Schaumburg(Niederrhein) 4:01.6 Min. Weitsprung: 1. Voelmke(Westfalen) 6.75 Meter. Kugelstoßen: 1. Werring(Westfalen) 15 Meter. 4mal 100 Meter: 1. Niederrhein 43.3 Sek., 2. Westfalen 443 Sok., 3. Mittelrhein 45.2 Sek. Dreisprung: 1. Hellerforth(Niederrhein) 14,33 Meter. Speerwersen: 1. Stechen=esser(Westfalen) 57.40 Meter. 15mal eine halbe Runder 1. Niederrhein 4.34,5; 2. Westfalen 4:248; 3. Mittelrhein 4:33,6. Frauen: 100=Meter=Lauf: 1. Winkels(Niederrhein) 12.4 Speerwersen: 1. Graul(Westfalen) 38.90 Meter. Amal 199 Meter: 1. Niederrhein 50.1 Sek., 2. Mittelrhein 52,1 Sek., 3. Westfalen. 09 und Düsseldorf#9 kam es am Samstag zu einem gleichwertigen Spiel, in dem auch gute Leistungen geboten wurden. Während die Ruhrorter noch bei der Pause mit 2:1 geführt hatten, hieß es am Ende 2:2, was auch dem Spielverlauf nach gerecht ist.— Der Sonntag sah Ruhrort 09 und Düsseldorf 98 im Kampf. Diesmal konnten die Einheimischen zu einem knappen, aber auch glücklichen Siege kommen. Wieder führten sie beim Wechsel mit 2:1. aber jede Partei kam im weiteren Verlauf noch zu einem Erfolg, so daß Ruhrort mit 3:2 siegreich blieb. Bei den siegreichen Mannschaften tat sich besonders Lütkemeier hervor. Dies und Das Deutscher Studentenfußballsieg in Riga Zu schönen Erfolgen kamen die nach Lettland gereisten deutschen Studenten=Fußballer. Nachdem sie am ersten Tag die Universität Riga mit 5:1(2:0) besiegt hatten, erzwangen die deutschen Studenten 24 Stunden sväter gegen die Nationalmannschaft von Lettland ein 414, obwohl sie bei der Pause noch mit 3:1 im Rückstand gelegen hatten. Auch die Handballer schnitten vorzüglich ab. Gegen lettische Auswahlmannschaften fiegten sie am ersten Tage mit 14•6 und am Tage darauf mit 16:1 Toren. Paul Wahl hebt 795 Pfund Bei dem württembergischen Gaufest in Schwenningen gelang es dem früheren Düsseldorfer Wahl im olymvischen Dreikampf der Schwergewichtsklasse den bisherigen Weltrekord von 792 Pfund auf 795 Pfd. heraufzuschrauben. Leider kann der Rekord keine Anerkennung finden, da man es verabsäumt hat. nach jeder Uebung die Gewichte zu prüfen. Weltrekord des Japauers Negami Die im April dieses Jahres von dem Amerikaner Jack Medica aufgestellte neue Weltbestleistung über 400 Meter Kraul mit 4:42.5 Minuten wurde jetzt in Tokio von dem Japaner Higoshi Negami unterboten. Die neue Rekordmarke steht nunmehr auf 4:41,4 Minuten. Weltrekord in Moutlbery Ein 3=L=Citroen, mit Fahrern der Rekordmann= schaft von César Marchand am Steuer, ist seit einigen Tagen in Linas Montlhery auf Rekordjagd. Neben einigen internationalen Klassenrekorden stellte„Rosalie VIII“, wie der Citroen getauft wurde, einen neuen Weltrekord auf. Er fuhr in drei Tagen 16 478.407 Kilometer mit einem Durchschnitt von 145.553 Kilom.=Std., eine Strecke, wie sie noch nie zuvor in solcher Zeit zurückgelegt wurde. Der alte Klassenrekord stand auf 9406.513 Kilometer (130.646 Kilom.=Std.) und der alte Weltrekord auf 10 258.989(142.485 Kilom.=Std.) Radrennen in Köln=Mülheim Auf der vor wenigen Wochen eröffneten Schmitterbahn in Köln=Mülheim gab es am Samstag gutbesuchte Abendradrennen. Zwei Mannschaftsrennen für A= und B=Klassen=Fahrer füllten die Kampffolge aus. Ergebnisse der beiden Wettbewerbe: A=Mannschaftsfahren: 1½ Stunden: 1. KüsterKleinsorg(Köln) 38 Punkte, 58,100 Kilometer; eine Runde zurück; 2. Paduscheck=Seegers(KölnDuisburg) 38 Punkte; 3. Wollschläger=Nohr(KölnStuttgart) 6 Punkte; drei Runden zurück: 4. Schlösser=Kingmann(Köln) 3 Punkte B=Mannschaftsfahren: 1 Stunde: 1. FaiduttiBreuer(Köln) 38 Punkte. 35.100 Kilometer; 2. Kerstenberg Rotbühr(Köln) 18 Punkte. Toto und Tip Selsenkirchen Preis von M.=Gladbach: I. E. Speckmaunz Ciroe (Bes.). 2. Kora W., 3. Hera W. Toto: Sieg 20. it. 49. Platz 12. 14, 12:10. Preis von Regensburg: 1. J. Unterhansbergs Jan Wellem(A. Irbach). 2. Maria N., 3. Jay Lee W., 4. Mieze B. Toto: Sieg 181. it. 31. Platz 19. 14. 13. 18:10. Preis von Mühldorf: 1. J. Middeldorfs Yvetta Bacon(I. Frömming), 2. Comtesse Mia. 3. Maikönig. Toto: Sieg 38. it. 33. Platz 13. 13. 12:10. Preis vom Ammersee: 1. J. Dickmanns Kaul Gus(F. Weller). 2. David Kuser, 3. Erna Bacon. 4. Hexenkind. Toto: Sieg 529. it. 148. Platz 53. 21, 14. 25:10. Preis vor Daglfing: 1. W. Heiers Adda(Bes.). 2. Maior Jack= son, 3. Dirigent. Toto: Sieg 25. it. 125. Platz 12 8. 14:10. Preis von Straubing: 1. L. Leutböuser: Salvator(E. Jung). 2. Hilde S., 3. Ostermas#. 4. Danilo. Toto: Sieg 36. it. 60. Platz 14. 16. 18. 15:19. Preis von Niem: 1. A. Teßmanas Bello Watts(W. Dabl), 2. Dina. 3. Grasschaft. Sieg 71. it. 65. Platz 13. 13. 21 110. Preie Eibsee: 1. H. Sengers Alpba(Ehs.), 2. Loni Bleite 3. Peter Breit. Toto: Sieg 27. it. 51. Wlen 12 15. 15:10. Der Höhepunkt des Leutschlandlagers Die Weihestunde auf dem„Hügel der Nationen“ Argblätter in München Kommunistisches Bündnisangebot an die kath. Jugendverbände dnd. München, 28. Juli. Nachdem in den letzten Wochen bereits mehrfach ganz offen Bündnisangebote von den Kommunisten an die katholischen Jugendverbände in Deutschland gerichtet worden sind und sich das Organ des Zentralkomitees des internationalen kommunistischen Jugendverbandes im Juni in einem Aufsatz positiv mit dieser Frage beschäftigt hatte, sind nunmehr als Auswirkung dieser geheimen Weiung in München Flugblätter gefunden worden, die so charakteristisch und bezeichnend sind, daß sie für sich selbst sprechen. Die Flugblätter haben folgenden Tert:„An die katholische Bevölkerung Münchens! Gegen die Vergewaltigung eures Glaubens gilt es, einen verschärften Kampf zu führen! Wir Kommuniden schlagen euch vor, trotz der verschiedenen weltanschaulichen Auffassungen, einen gemeinsamen Kampf für die Gewissensfreiheit zu organisieren! Wir schlagen euch vor, in allen Betrieben, in allen Stadtteilen gemeinsame Komitees zum Kampf für Glaubens= und Gewissensfreiheit zu organisieren! Wir schlagen euch weiter vor, einen gemeinsamen Kampf für die Befreiung aller eingekerkerten Pfarrer und Ordensschwestern, für die Befreiung aller Antifaschisten zu organisieren! Schaffung von Selbstschutzformationen zum chutze der antifaschistischen Bevölkerung. Die KPD.“ * Es wäre sehr interessant, zu erfahren, was die Leitung der katholischen Jugendverbände und die Bischöfe als berufene Hüter der katholischen Religion zu diesem Bündnisangebot zu sagen haben. Es ist darauf hinzuweisen, daß bei einem Kaplan in Sachsen vor einiger Zeit in größeren Mengen aus der Tschechoslowakei herübergeschmuggeltes marxistisches Propagandamaterial gefunden wurde, und daß auch an verschiedenen anderen Stellen Deutschlands eine engere Verbindung zwischen Mitgliedern der katholischen Kirche und Marxisten festgestellt worden ist. Eine Erklärung der zuständigen Stellen der Kirche wäre hier dringend vonnöten, wenn nicht die katholischen Jugendverbände mit den Bolschewisten auf eine Stufe gestellt werden sollen. Major Godley erstattet Der Führer der englischen FrontkämpferAbordnung dnb. London, 28. Juli. Major FetherstoneGodley gab am Sonnabend auf dem Vierteljahrestreffen des Vollzugsausschusses der British Legion in London einen Berscht über die Deutschland=Reise der englischen FrontkämpferAbordnung. Nach dem hierüber an die Presse ausgegebenen Bericht erklärt er, daß der Zweck der Reise darin bestanden habe, die Lage aufzuklären und sich über die Möglichkeit zu unterrichten, eine engere Verbindung mit den ehemaligen Soldaten Deutschlands für die Zukunft herbeizuführen. Mit innerpolitischen deutschen Fragen habe sich die Delegation in keiner Weise besaßt, denn diese Dinge gingen sie nichts an. Ein umfassender Bericht befinde sich in Vorbereitung und werde in Kürze vorgelegt werden. Der Vollzugsausschuß der British Legion werde dann beschließen, was für weitere Schritte zu ergreifen seien. Während des Besuches hätten direkte Besprechungen mit den Frontsoldatenverbänden stattgefunden. Bei allen Gelegenheiten, bei denen man mit Vertretern der deutschen Regierung gesprochen habe, habe man die Deutschen davon unterrichtet, daß die British Legion sich nur mit ehemaligen Soldaten=Orgunisationen befasse und keine Verantwortung für irgendeine andere Ansicht übernehmen könne. Der Vollzugsausschuß erklärte, er stimme den Absichten und den Ergebnissen des Besuches in vollem. Umfange zu. Weitere Aktionen sollen jedoch erst nach Vorliegen des vollen Berichtes erfolgen. „Peinlich, höchst peinlich“ dnb Essen, 27. Juli. Von der Landesgruppe Münster der Deutschen Cyristen geht der Nationalzeitung ein Protest zu, den das Blatt unter der Ueberschrift„Peinlich, höchst peinlich!“ noch ein„Dank“ an den Bischof von Münster für sein wackeres Eintreten für die„christlichen Belange" veröffentlicht. Der Protest lautet:„Der Bischof von Münster hat in seinem Brief an den Oberpräsidenten von der„christlichen und besonders der katholischen Bevölkerung Münsters“ gesprochen, in deren Namen er gegen die beabsichtigte Rede des Reichsleiters Pg. Rosenberg protestiere. Auf unsere Anfrage hat das bischöfliche Generalvikariat erklärt, daß„weder das Presbyterium der evangelischen Gemeinde Münster noch dessen Präses im Sinne ihrer Anfrage eine Bitte an ihn gerichtet habe.“ Wir evangelischen deutschen Christen müssen auf Grund 400jähriger Erfahrung dagegen Einspruch erheben, daß ein katholischer Bischof ohne Auftrag überhaupt evangelische Interessen wahrzunehmen in Anspruch nimmt und daß er in unserem evangelischen Namen gegen das Auftreten des Reichsleiters Pg. Rosenberg protestiert.“ Gegen die habsburger Scharfe Erklärung des südslawischen Ministerpräsidenten onb. Belgrad, 28. Juli. Im Belgrader Senat erklärte Ministerpräsident Stojedino= witsch, daß die Frage der Rückkehr der Habsdurger nach Oesterreich berechtigte Erregung in Südslawien hervorgerusen habe, zumal, wenn man sich des von der Dynastie Habsburg hinterlassenen Andenkens erinnere.„Es muß ert werden“, sagte der Ministerpräsident wört„daß wir die Restauration der Habsburger N als eine rein österreichische Frage anerkennen können. Sie ist eine internationale Frage, an der wir in dohem Maße interessiert sind, und dieses Interesse ergibt, daß wir uns Inbedingt und entschlossen der Wiedereinsetzung der Habsburger widersetzen.“ dnb. Kuhlmühle b. Wittstock, 28. Juli. Das Deutschlandlager der Hitlerjugend, an dem nun schon seit einigen Wochen 3000 deutsche und auslandsdeutsche Hitlerjungen sowie Mitglieder anderer auslandsdeutscher Jugendgruppen teilnehmen, erlebte Sonntag nachmittag seinen festlichen Höhepunkt in einer erhebenden Weihestunde, die auf dem„Hügel der Nationen“ unter den 50 Fahnen aller Länder stattfand. Der Stellvertreter des Reichsjugendführers, Hartmann Lauterbacher, verkündete eine Botschaft Baldur von Schirachs, und Gauleiter Bohle grüßte in den jungen Auslandsdeutschen die Millionen unserer Volksgenossen, die außerhalb der deutschen Reichsgrenze leben. Von nah und fern waren Unzählige herbeigeeilt, um an dieser Kundgebung der deutschen Jugend teilzunehmen. Die Feier gestaltete sich zu einem gewaltigen Bekenntnis deutscher Jugend aus aller Welt zu ihrem deutschen Volkstum. Ein gewaltiges Chorwerk leitete die Feier ein. 250 deutsche und auslandsdeutsche Hitlerjungen vereinigten sich in diesem Spiel zu einer meisterhaften symbolischen Darstellung des Deutschlandlagers. Ein Sprecher forderte die deutschen Jugendgruppen aus fernen Ländern auf: „Kommt nach Deutschland!“ und vielfältig erscholl das Echo zurück:„Wir kommen!“ Unter den Klängen des Liedes„Märkische Heide...“ errichteten dann die deutschen Hitlerjungen die Zelte als Symbol dafür, daß die Heimat für den Empfang der jungen Kameraden gerüstet sei. Die auslandsdeutschen Gruppen setzten sich darauf in Marsch und schlossen bald die Reihen ihrer Kameraden aus der Heimat. Ein einziger Ruf erscholl über das Feld:„Wir sind zur Stelle!“, und das Fahnenlied der HI vereinigte schließlich deutsche Jugend aus aller Welt im Geiste Adolf Hitlers zu dem mehrwöchigen Aufenthalt in der Heimat. Stabsführer Hartmann Lauterbacher eröffnete nunmehr im Namen des Reichsjugendführers, der wegen einer Erkältung nicht teilnehmen konnte, die Kundgebung und verlas eine Botschaft Baldur v. Schirachs an die deutsche Jugend, in der cs heißt:„Deutsche Jugend! Ich begrüße euch im Namen der nationalsozialistischen Bewegung und im Namen der Hitlerjugend im Deutschlandlager der H3. Aus allen Teilen der Welt seid ihr hierher geeilt, um im Vaterland das Wunder der nationalsozialistischen Kameradschaft zu erleben. Euer Vaterland hat euch hierher gerufen und ihr seid diesem Ruf gefolgt, um das gewaltige Erlebnis dieses Vaterlandes in eure Herzen einzufangen und es nach eurer Rückkehr zu euren Familien weiter zu schenken an alle die, denen es nicht vergönnt war, diese Deutschlandfahrt mitzumachen. Es ist das erste Mal, daß das Deutsche Reich eine derartige Veranstaltung durchführt. Adolf Hitler schuf die Voraussetzung für dieses Welttreffen der H3; ohne ihn wäre diese Veranstaltung nicht denkbar gewesen. So gilt unser Dank, den ich zugleich in eurem Namen bekunden möchte, besonders den Reichsministern und Reichswaltern, die durch ihre Unterstützung zum Gelingen dieses Lagers beigetragen haben, insbesondere aber dem Stellvertreter des Führers, Rudolf Heß, der an der Spitze des Ehrenausschusses für das Deutschlandlager steht und selbst am Zustandekommen des Welttreffens der HI entscheidend mitgewirkt hat. Dieses Deutschland ist unsere Heimat. Ihm gehört unser ganzes Herz und unsere Liebe fragt ebensowenig wie unsere Kameradschaft nach Geld und Größe. Ihr werdet hier nicht äußeren Glanz, nicht Reichtum und Ueberfluß finden, wohl aber Zeugen einer gewaltigen geschichtlichen Vergangenheit und einer dieser Vergangenheit würdigen Gegenwart. Auf dem ruhmreichen Boden dieses ewigen Deutschlands müht und strebt und schafft ein einiges Volk, euer Volk. Ihr sollt in euren Herzen mit euch tragen fortan bis an euer Ende das Erlebnis dieser irdischen und ewigen Heimat als ein Bekenntnis zu eurem Führer und eurem Volk. Wir grüßen den Führer Adolf Hitler! Sieg Heil!" Mit begeisterten Heilrufen nahm die Jugend den Gruß an den Führer auf. Dann sprach der Leiter der Auslandsorganisation der NSDAP, Gauleiter Bohle. Er wandte sich u. a. an die jungen Kameraden, die Staatsbürger eines anderen Landes seien und ermahnte sie zur treulichen Innehaltung ihrer staatsbürgerlichen Pflichten. Das Ansehen Deutschlands in der Welt, so rief er ihnen zu, hängt davon ab, wie ihr dem Staate dient, der euch neue Heimat geworden ist. Das Horst=Wessel=Lied, selten so ergriffen gesungen wie hier in dieser Kundgebung deutscher und auslandsdeutscher Jugend, beendet die Weihestunde. andergeworfen und zum Tefl mit voller Wucht herausgeschleudert. Dabei erlitten acht Personen mehr oder weniger erhebliche Verletzungen. Sie wurden ins Mayener Krankenhaus übergeführt. Lebensgefahr soll nicht bestehen. Der Führer des Lastkraftwagens blieb unverletzt. Italienische Pulversebrik explodiert onb. Mailand, 27. Juli. In einer Pulverfabrik in Varese in der Nähe von Mailand ereignete sich ein schweres Explosionsunglück. Der Schauplatz des Unglücks, die Versandabteilung der Fabrik, befand sich in einem etwa 15 Meter langen und 4 Meter hohen Schuppen. Das Gebäude wurde durch die Explosion völlig zerstört. In der Unglücksabteilung waren normalerweise 30 Arbeiterinnen und vier Arbeiter beschäftigt. Doch ist die endgültige Zahl der Toten, außer den bereits geborgenen 12 Leichen, noch nicht ermittelt. Die übertriebenen Meldungen ausländischer Nachrichtenagenturen, die von 50 und mehr Toten wissen wollten, haben sich glücklicherweise nicht bewahrheitet. Neue schwere Hochwasser in Nordchina Schanghai. Nachdem die Ueberschwemmungskatastrophe bisher im wesentlichen auf die Flußgebiete des Hoangho und des Yangtse beschränkt war, haben mehrtägige schwere Wolkenbrüche in Hopei und in den Bergen von Dschehol im nördlichen Teil der Provinz Hopei ebenfalls große Ueberschwemmungen verursacht. Auch an der Mündung des Luanho, der um fünf Meter gestiegen ist, ist das Land weit und breit überschwemmt. 25 Dörfer stehen unter Wasser; die ausgedehnten Reisfelder sind zerstört. In der nordchinesischen Industriestadt Tongschan steht das Wasser über einen Meter hoch. Auch die Verwaltungsgebäude des bekannten Kohlenberg= werks von Kailan wurden nach Einsturz der Schutzwälle vom Wasser erfaßt. Die Brücke der Peiping=Mukden=Bahn über den Luanho ist stark gefährdet. Die steigenden Fluten des Peiho und Yungtingio bedrohen die Stadt Tientsin. In Schantung ist die Lage unvermindert ernst, da am Kaiserkanal weitere Deiche gebrochen sind, wächst auch die Hochwassergefahr für die Provinz Kiangsu. Polnisches Militärflugzeug beim ersten Probeflug abgestürzt Warschau. Dicht bei Warschau in der Nähe des berühmten Schlosses Willanow stürzte ein Militärflugzeug aus einer Höhe von 300 Meter ab. Alle drei Flieger, nämlich zwei Offiziere und ein Beamter des technischen Forschungsinstituts, erlitten den Tod. Die Katastrophe des Flugzeuges, das seinen ersten Probeflug machte, wird auf einen Motordefekt zurückgeführt. Furchtbares Autounglück in Spanien Madrid. Auf einer Landstraße in der Nähe von Coruna stürzte ein vollbesetzter Autobus um und geriet in Brand. Eine Frau wurde getötet. 26 weitere Insassen, die größtenteils schwere Knochenbrüche und Brandwunden davontrugen, wurden in das Krankenhaus eingeliefert. Folgenschwerer Irrtum eines spanischen Gefängnisarztes Madrid. In Valencia verabfolgte ein Gefängnisarzt mehreren Sträflingen versehentlich anstatt eines Abführmittels eine giftige Arznei. An den Folgen der Vergiftung sind zwei Gefangene kurz darauf gestorben, während zwei andere lebensgefährlich erkrankten. Steuersteckbrief und Vermögensbeschlagnahme Berlin. Gegen den Kaufmann Max Ruhstadt. geboren am 1. April 1879 in Ahno. zuletzt wohnhaft in Frankfurt=Main, Arndtstraße 39. ist seitens des Finanzamtes Frankfurt=Main=West ein Steckbrief erlassen worden. Der Steuerpflichtige schuldet dem Reich eine Reichsfluchtsteuer in Höhe von 39 500 RM. Es ergeht hiermit die Aufforderung. den oben genannten Steuerpflichtigen, falls er im Inland betroffen wird. vorläufig festzunehmen und ihn gemäß § 11 Abs. 2 der Reichsfluchtsteuer=Vorschriften unverzüglich dem Amtsrichter des Bezirks, in welchem die Festnahme erfolgt, vorzuführen. Zwischen Vertretern Deutschlands und der belgisch=luxemburgischen Wirtschaftsunion ist am Sonnabend ein Abkommen über den Zahlungsverkehr abgeschlossen worden, das am 1. August in Kraft tritt. Die Kennziffer der Großhandels: preise stellt sich für den 24. Juli auf 102.2(1913 = 100); sie hat sich gegenüber der Vorwoche(101,9) um 0.3 v. H. erhöht. Der abessinische Gesandte in London, Dr. Martin. hat dem König von England aus Anlaß des Regierungsjubiläums im Auftrage des Kaisers von Abessinien die Goldene Kette des Salomon=Ordens überreicht. Königin Mary wurde vom Negus mit der Goldenen Kette des Ordens von Saba ausgezeichnet. Wie„Daily Telegraph“ aus Kalkutta meldet, haben die Auslassungen Mussolinis gegen die farbigen Rassen in Indien große Entrüstung hervorgerufen. Die Organisation einer indischen Rotkreuztruppe für Abessinien wurde eingeleitet. Der spanische Kriegsminister ist durch eine Verordnung ermächtigt worden, 15000 Stück 50=Millimeter= und 50000 Stück 81=MillimeterGranaten im Gesamtwerte von über 1 100 000 Peseten für den spanischen Heeresbedarf in Auftrag zu geben. Die militärische Wache der britiichen Gesandtschaft in Addis Abeba, die nur aus einem Offizier und 15 Schwarzen besteht, soll beträchtlich verstärkt werden. Die Verstärtungen werden voraussichtlich einem indischen Regiment entnommen werden. Wie der englische Luftfahrtminister mitteilte, hat die englische Regierung einen Aktionsausschuß für die Kontrolle und Entwicklung der englischen Verkehrsluftfahrt ins Leben gerufen. Das Aachener Schachturnier um die Meisterschaft von Deutschland wurde am Sonnabend beendet. Sieger und Meister von Deutschland 1935 wurde K. Richter(Berlin) mit 10½ Punkten. Präsiden: Roosevelt verfügte die Ausweisung von 151 Ausländern, die Rauschgiftverbrechen. Falschmünzerei und ähnliche Delikte begangen haben Dies ist die größte derartige Massenausweisung, die bisher in Amerika erfolgt ist Die Ratstagung am Mittwoch onb. Genf, 27. Juli. Das Völkerbundssekretariat veröfsentlicht am Sonnabendabend eine Mitteilung, nach der der Ratspräsident auf Grund der Antworten auf sein Telegramm an die Ratsmitglieder die Eröffnung der außerordentlichen Ratstagung auf Mittwoch, 31. Juli, nachmittags 5 Uhr festgesetzt hat. Die gleichzeitig veröffentlichte Tagesordnung enthält einen einzigen Punkt: Der Streit zwischen Abessinien und Italien, Beschwerde der abessinischen Regierung. Italieus Bedingungen für Geuf onb. Rom, 27. Juli. Die italienische Regierung hat am Sonnabend eine Note an den Völkerbund gesandt, in der sie um genaue Mitteilung bittet, ob die Tagesordnung der vorgesehenen Ratstagung nicht die Erörterung direkter Vermittlungsverhandlungen und der Ernennung eines fünften Schiedsrichters für den Ual=Ual=Zwischenfall überschreitet. Falls andere Mächte noch irgendwelche anderen Fragen in der Ratssitzung aufwerfen sollten, muß sich Italien noch seine Entscheidung vorbehalten, ob es überhaupt imstande ist, an den kommenden Genfer Beratungen teilzunehmen. Damit hat die italienische Regierung klar zum Ausdruck gebracht, daß sie sich nur auf Ratsverhandlungen einläßt, wenn sie auf der von ihr gewünschten Linie liegen. Vollkommene Einigung mit Frankreich, Unzufriedenheit über Englands Haltung Nach römischer Auffassung liegt die Schlüsselstellung für die Entwicklung der kommenden Genfer Abessiniendebatte bei England. Man gibt daher hier sehr deutlich zu verstehen, daß auch England sich zu der Ansicht bekehren müsse, die kommenden Ratsverhandlungen nur auf den Streitfall von Ual=Ual zu beschränken. Mit großer Befriedigung wird in der römischen Presse allenthalben festgestellt, daß vollkommene Einigkeit mit Frankreich über die in Genf einzuDie Regierungskrise in Holland Aalberse gibt seinen Auftrag zurück dnb. Den Haag, 28. Juli. Der Vorsitzende der katholischen Fraktion der Zweiten Kammer, Prof. Aalberse, hat am Sonnabendabend die Königin gebeten, ihn von dem Auftrag zur Bildung einer neuen Regierung wieder zu entbinden.— Er begründete seinen Schritt damit, daß er sich nach eingehender Rücksprache mit den Fraktionsvorsitzenden der Zweiten Kammer davon habe überzeugen müssen, daß keine genügende Uebereinstimmung zu erzielen sei, um ein neues Kabinett auf möglichst breiter parlamentarischer Grundlage zusammenstellen zu können. Das holländische Volk verfolgt in seiner überwiegenden Mehrheit den Verlauf der politischen und parlamentarischen Krise mit großem Interesse. Es betrachtet aber die Lage durchaus ruhig. Allgemein herrscht die Auffassung vor, daß von einer unmittelbaren Gefahr für die Währung keine Rede sein könne. Von einer fühlbaren Nervosität oder von etwaigen Angstkäufen kann denn auch vorläufig keineswegs gesprochen werden. Unruhen in Ulster danern an dnb. London, 27. Juli. Die Verfolgungen der Katholiken in Ulster dauern— wie aus schlagende Marschroute bestehe. Man spricht in diesem Zusammenhang die Hoffnung aus, daß es Laval bei dem kommenden Pariser Besuch Edens gelingen werde, den englischen Minister von der Zweckmäßigkeit zu überzeugen, daß seine Regierung dem Kaiser von Abessinien die Wiederaufnahme der unterbeochenen Ual=Ual=Verhandlungen nahelegen müsse. Bis jetzt sei die englische Regierung allerdings noch wenig geneigt, eine derartige Intervention zu unternehmen. Es fehlt daher nicht an heftigen Vorwürfen, daß England sich zwar mit Worten zu einer Versöhnung einsetze, dies aber nicht durch die Tat beweise. Alles in allem sieht man englische Vorstellungen in Addis Abeba in der hiesigen Oeffentlichkeit als einen Gradmesser für den wirklichen Vermittlungswillen Londons an. Der Regus prophezeit Italien ungünstigen Kriegsausgang dnb. Paris, 27. Juli. Großen Widerhall finden gerade im Hinblick auf die bevorstehende Ratstagung Erklärungen, die der Negus einem Sonderberichterstatter des„Paris Soir" abgegeben hat. Der Negus kritt hierbei den italienischen Ansprüchen auf Kolonisierung und Zivilisierung eines rückständigen Landes mit der Foroerung entgegen, daß keine ausländische Macht brutal in die Entwicklung der abessinischen Zivilisation eingreifen dürfe. Der Negus ist überzeugt, daß ein Krieg für Italien ungünstig ausgehen würde. Er behauptet, daß bereits jetzt das italienische Expeditionskorps starke Ausfälle infolge von Krankheiten zu verzeichnen habe und daß Italien diese Lücken durch Anwerbung von Eingeborenen aus Somali und Erytrea auszufüllen suche, deren loyales Verhalten aber zweifelhaft sein dürfte, sobald es sich für sie darum handele, gegen Brüder der gleichen Rasse zu kämpfen.„Wenn die Feindseligkeiten beginnen, werde ich der erste Soldat meines Heeres sein und das Schicksal der Meinigen teilen.“ Belfast gemeldet wird— weiter an. Katholische Mädchen in Jennymount konnten ihre Arbeitsstätten nur unter Polizeischutz verlassen. Trotz= dem gelang es der Menge, einigen der Mädchen die Kleider vom Leibe zu reißen.— Eine Fabrik mußte geschlossen werden, da die protestantischen Arbeiter sich weigerten, zusammen mit Katholiken zu arbeiten. Durch die Schließung der Fabrik werden über 1000 Arbeiter betroffen. Insgesamt sind bei den Unruhen 265 Familien von Haus und Hof vertrieben worden. Ueber den verlassenen Häusern weht die englische Flagge, die dort als Siegeszeichen von den Orangisten aufgepflanzt wurde.— Der Stadtkommissar für Belfast hat einen Bericht herausgegeben, wonach 141 Personen bei den Unruhen festgenommen wurden. Schweres Autounglück in Mayen Acht Schwerverletzte Mayen, 28. Juli. Ein folgenschweres Autounglück ereignete sich Sonntag abend in Mayen. Ein auf der Rückfahrt vom Rürburgring befindlicher, stark besetzter Koblenzer Lastkraftwagen wollte einen Personenwagen überholen. Dabegeriet der Lastkraftwagen mit dem Hinterrad an einen Baum, kam ins Schleudern und fuhr mit voller Wucht gegen einen zweiten Baum. Die Insassen des Lastkraftwagens wurden durchein Ein in allen Hausarbeiten erfahrenes Mädchen tür kl. Privathaushilt nach Werdohl für sofort gesucht. Näheres in der Geschäftsst. d. M3 Vertretung für den Stadt= u. Landkreis Iserlohn: W. Riedel. Menden. Reichslotterie Dat, Oebeiter detfeusk ½ Csaufende meiner Dolbsgenossen, „„ wieder in Arbeit! Verlagsleiter: Dr. Schroeder. Menden: Hauptsch istletter: Alfred Redecker Mendens verantwortlicher Anzeigenleiter: Helmuth Jauer Menden: Druck und Verlag: W. Riedel. A.=G. Menden. J. It. ist Anzeigenpreisliste 2 gültig. D. A. VI. 35 1309. vom 29.7.- 10.8. Wie seit Jahren, wird auch diesmal teiner Tisch gemacht. Damen- Weißleinen- Spangen schuhe m. Gummisohle 2.60 2.25 1.7·5 Damen-Bauernleinen- u. weiße Spangenschuhe mit Ledersohle 3.90 3.60 2.45 Opanken und Sandaletten in schönen Mustern 4.90 3.90 2.80 Kinder- Weißleinen- Spangen schuhe mit Gummisohle. 31-35 1.50, 27-30 1. 30, 23-26-. 95 Schuhhaus Luig Menden, Kirchltraße 3 BIStGu schon Mitgllod der NSV.7 Vermischtes Die Arademie der schweren Jungen... Natürlich sind es keine richtigen Studenten, die jungen Herren, die man da kürzlich in Prag hinter Schloß und Riegel gebracht hat. Es handelt sich vielmehr um richtige Einbrecher, die mit dem ganzen Rüstzeug ihrer löblichen Zunft zu Werke gegangen sind. Aber sie hatten— das ist das Bemerkenswerte an dieser Sache— ihr Handwerk geravezu auf akademische Art erlernt und gelehrt. Es bestand eine Art Universität mit Dozenten und Hörern. Die Vorlesungen wurden in dem Hause des berühmten Einbrechers Hauser abgehalten, und sein Freund Cenis stand am Katheder. Man begnügte sich dabei nicht mit der grauen Theorie. Vielmehr ging man auch bald zu praktischen Uebungen über. Dazu lieh dann Hauser das Werkzeug. Alles klappte eine Weile vorzüglich. Man konnte in einem Laden für Rundfunkgeräte an die 20000 Kronen erbeuten. Und in dem Bankgeschäft an der Jungmanngasse fand man noch mehr. Aber dabei hatte das wohl schon allzu sehr abgenutzte Werkzeug Schaden erlitten, und ein Bruchstück war am Tatorte liegen geblieben. Die Polizei entbeckte es, und sie konnte mit dessen Hilfe die Svitzbuben überführen. Das Herz vor der Kamera. Die Zeit der Ritterherrlichkeit ist längst vorüber. Die Anbeter von heute sind aus anderem Stoff als beispielsweise der kühne Delorges, der seiner Dame den Handschuh aus dem Löwenkäfig holte. Stand da eines Tages ein junger Mexikaner mit seiner Kamera vor einer großen Brücke, deren Bild er auf die Platte bannen wollte. Um dem technischen Wunderwerk etwas von seiner Strenge zu nehmen, hatte der Mann die Dame seines Herzens neben einen der eisernen Pfeiler gestellt. Der Photograph war gerade so weit gediehen, auf dem mühselig gewonnenen Standort den Apparat aufzubauen und die Linse in die Schußrichtung zu bringen, als er das Mädchen plötzlich jämmerlich schreien hörte. Und dann sah er, wie ein zudringlicher Wicht die Schöne umschlungen hielt. Eigentlich hätte ja nun der Photograph sofort seiner Angebeteten zu Hilfe eilen müssen. Aber er bewahrte kaltes Blut. Zunächst knipste er einmal, den ganzen Auftritt wohlverstanden, die Brücke und die Dame und den Unhold. Und dann erst verscheuchte er den Angreifer. Dessen Person hat man nun auf Grund des überaus deutlichen Lichtbildes einwandfrei feststellen können. Der Missetäter wurde nicht nur bestraft, sondern mußte der Dame auch eine angemessene Entschädigung zahlen. Denn sie hatte eine ähnliche Lebensanschauung wie ihr Anbeter. Während der Maschinist Kaffee trank. Es sollte ja eigentlich nicht sein, aber der kalte Nordwind, der kürzlich über den Hafen von New York wehte, ging doch zu sehr auf die Knochen. So faßte Louis McLure, ein Maschinist einer Hafengesellschaft in der amerikanischen Großstadt, der eine Verschiebezpeden dienende Lokomative führte, den Entluß, sich erst einmal ein wenig innerlich zu erwärmen. Er ließ seine Maschine an einer günstigen Stelle vor einem Kaffeehause halten, trat dort ein, nahm an einem Fenster Platz und bestellte sich etwas Heißes. Der Kellner hatte den Auftrag aber noch nicht ausgeführt, als McLure plötzlich die Haare zu Berge stiegen. Mußte er doch sehen, daß seine Lokomotive langsam im Nebel verschwand. Mit einem Satz war er wieder auf der Straße und suchte die Ausreißerin einzuholen. Das wäre ihm schwerlich gelungen, hätte nicht die Lokomotive in einiger Entfernung von selbst Halt gemacht. Jetzt sah McLure auch den Grund der Flucht. Auf dem Führerstand erblickte er zwei nicht allzu vertrauenswürdig aussehende Männer, die sich eifrig an den Hebeln und Schaltern zu schaffen machten, aber in ihrer Unerfahrenheit den Bremshebel erwischt hatten. Ehe man ihrer noch habhaft werden konnte, waren sie von der Maschine gesprungen und im Nebel verschwunden. Was ne mit ihrer Beute hatten anfangen wollen. ist nicht leicht einzusehen, denn schließlich ist eine Lokomotive nicht so ohne weiteres zu verkaufen.— Der neidische Wind. Zu einer recht schwierigen Angelegenheit wuchs sich kürzlich die Entlohnung eines Kutschers aus, der einen Fahrgast in Tokio zur Kyobaschi=Brücke befördert hatte. Als der Reisende den Wagen verließ und dem Fahrer einen Fünf=Yen=Schein darbot, mischte sich der Wind rein und entführte die Note im Hui in die Lüfte, wo sie auf Nimmerwiedersehen entschwand.„Dafür kann niemand“, meinte der Gast und zog einen Zehn=ven=Schein hervor. Aber der war noch nicht in die Hand des Kutschers gelangt, als der wütende Sturm auch diese Note packte und emporriß. Diesmal war man jedoch auf der Hut. Der Fahrer rannte hinter dem Flüchtling her. Und zwar mit solchem Eifer, daß er des Weges nicht achtete, plötzlich den Boden unter den Füßen verlor und ins Wasser stürzte. Immerhin gelang es ihm, den Wellen ihren Raub zu entreißen. Er klomm am Ufer hinauf und reichte dem Fahrgast den Schein. In demselben Augenblick brauste ein neuer Windstoß heran und schleuderte den Erschöpften wiederum ins Wasser. Der Mann stürzte so unglücklich, daß seine Stirn gegen einen Pfeiler der Brücke prallte. Der Bedauernswerte verlor die Besinnung, Doch konnte ihn ein Schutzmann, der ihm nachsprang, noch im letzten Augenblick retten. Dann brachte man den Pechvogel ins Krankenhaus. Dorthin schickte ihm der treue Kunde noch einen Fünf=Yen=Schein. Es ist also für beide Teile eine ziemlich teure Fahrt geworden. Melone und Silbergroschen. Anekdote, erzählt von Werner Dagsburg. Es trifft heute nicht mehr ganz zu, das Dichterwort: Dem Mimen flicht die Nachwelt keine Kränze. Zum mindesten ist es die leichtgeschürzte Anetdote, die dann und wann schmunzelnd an den großen Toten erinnert. Selbst wenn er von einer Bedeutung war wie weiland der Schauspieler Theodor Doering, der Franz Mvor, Shylock und Oliver Cromwell um die Mitte des verflossenen Jahrhunderts auf der Bühne verkörperte. Dieser gefeierte Mime wandelte eines warmen Sommertages die Straße Unter den Linden entlang, als er einer wunderschönen Melone ansichtig wurde, die ihn aus dem Korbe einer jungen, appetitlichen Fruchthändlerin heraus anlachte. Doering trat näher und fragte nach dem Preise.„Zwei Taler", war die ebenso kecke wie anmutige Antwort. „Zwei Taler?" wiederholte der Meister und runzelte die gewaltige Stirn.„Ein wenig teuer!“ „Aber nein, für einen so berühmten Künstler wie den Herrn Doering ist doch das Beste gerade gut genug. Da kann doch nichts zu teuer sein...“ lächelte das Mädchen den Mimen an. Die Stirnrunzel verschwand.„Sie kennen wich?“ 0 bitte, wer sollte Herrn Doering nicht kennen!“ Nun zögerte der Schauspieler keinen Augenblick mehr. Er legte die zwei Taler auf den Tisch:„Haben Sie die Güte, mir die Melone einzuschlagen! Das Mädchen wickelte die Melone sorgfältig in rosa Seidenpapier. Der Künstler grüßte huldvoll und setzte seinen Weg fort. Und zwar, wie es sich gehört, auf dem Bürgersteig an der Kranzlerschen Seite, nicht etwa unter den Linden selbst. Doering war in der gehobensten Stimmung. Und er freute sich, als er einen Menschen traf, dem er sich mitteilen konnte. Das war auch ein Schauspieler, allerdings keiner von der königlichen Oper, ach nein, sondern nur einer vom Thaliatempel in der Schumannstraße, der gute Rudolph Haase. Aber weshalb soll man nicht auch einmal mit„solchen Leuten“ nett sein? Der Hofschauspieler legte also voller Herablassung seinen Arm in den des Kollegen:„Guten Tag, lieber Haase, nicht wahr, Sie begleiten mich ein Stück!“ Und dann hielt er dem Zunftgenossen einen belebrenden Vortrag über Volkstümlichkeit und wie man sie erlangt.„Sehen Sie, lieber Haase, wenn man beim Volke beliebt ist, dann wiegt das viel mehr als alle die schönen Worte, die uns die Kritiker spenden. Populär sein gilt mehr als alle anderen Lorbeeren. Und ich darf sagen: Ich bin volkstümlich. Diese schmeichelhafte Erfahrung habe ich soeben erst gemacht, als ich mir diese Melone kaufte.“ „Un wat haben Sie für det Ding bezahlt? Zwee Dahler? Dat is'n bisken ville Jelo... Woll'n wir nich'n Ojenblick mang de Linden sehn!“ Doering wußte zwar nicht recht, was Haase wollte. Aber dann wandelten die beiden Mimen einträchtig ihres Weges. Als sie einige Schritte gegangen waren, hielt Haase seinen Begleiter zurück:„Warten Sie eenen Ojenblick...“ Dann legte er einem Halbwüchsigen, der gerade die Anschläge an einer Litfaßsäule studierte, die Hand auf die Schulter. Der Bursche wandte sich erschrocken um.„Junge, kennst Du mir?“ fragte Haase. Der Bursche besann sich keinen Augenblick. Er legte beide Hände an die Backen und schrie: „Ach, Knobbe, Knobbe! Ich soll Knobbe'n nich kennen?“ Knobbe hieß eine beliebte Bühnenfigur, die der Komiker Haase damals zu einer stadtbekannten Type gestaltet hatte. Es war jener ewig an Zahnschmerzen leidende Mann aus der Posse„Der Maschinenbauer', ein Schlossergeselle, der sein Leiden immer wieder durch Branntwein zu vertreiben suchte. Haase gab dem Jungen, der ihn so schnell erkannt hatte, einen Silbergroschen. Dann wandte sich der Komiker aus der Schumannstraße an den königlichen Hofschauspieler: „Sehen Sie, Herr Kollege, wir sind beide populär. Ich bin populär für'n Silbergroschen, und Sie sind populär für zwee Dahler. Na, lassen Sie sich die Melone jut schmecken!“ Ein elektrisches Fernrohr? Mit Spannung warten die Astronomen der ganzen Welt auf die Fertigstellung des gewaltigen, fünf Meter im Durchmesser zählenden Spiegels für das neue Spiegelteleskop, das für die bekannte Sternwarte auf dem Mount Wilson in Kalifornien gebaut wird. Ebenso wie das z. Zt. größte Teleskop der Welt, das Hooker=Teleskop mit zweieinhalb Meter Spiegeldurchmesser, uns zahlreiche Geheimnisse des Weltraumes enthüllt hat, wird auch dieser neue Riese unter den Fernrohren unser Wissen auf dem Gebiete der Astronomie bedeutend vermehren. Bis vor kurzem hatte es den Anschein, als ob wir damit die Grenzen des für uns erkennbaren Teils des Weltalls so gut wie erreicht hätten, und jeder Sachkenner würde die Unterstellung, daß wir es noch zu Teleskopen mit 25 oder 50 Metern Spiegeldurchmesser bringen würden, kalt lächelnd von der Hand gewiesen haben. Und doch sieht es so aus, als ob wir diesem utopisch erscheinenden Ziele schon recht nahe wären. In einer Sitzung der„Amerikanischen Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften" wurde nämlich der Gedanke geäußert, ob sich die Technik des elektrischen Fernsehens nicht für den Bau eines elektrischen Fernrohrs verwerten ließe. Der Vorschlag ging dahin, die von äußerst weit entfernten Himmelskörper ausgehenden sehr schwachen Lichtstrahlen in einem Netz von Photozellen zu sammeln, sie in elektrische Energie umzusetzen und sie dann schließlich, viele tausendmal verstärkt, wieder in Licht zu verwandeln. Es wäre demnach die moderne Verstärkertechnik, die für uns bislang ungeahnte Möglichkeiten schafft. Man hält es für möglich, die Verstärtung so weit durchzuführen, daß mit Bezug auf Größe und Helligkeit das so erhaltene Bild einem mit einem Spieglteleskop von 50,8 Meter Durchmesse ausgenommenen entsprechen würde. Ein verlorenes Paradies. Die Gemeinde Feissal, die kleinste gan Frankreichs, liegt in der Nahe von Grenoble, u. itten der Hochgebirgslandschaft der Dauphiné, in völliger Weltabgeschlossenheit. Feissal ist in der Tat nicht groß, besteht es doch alles in allem aus einem einzigen Hause mit sechs Bewohnern. Aber eine Gemeinde ist nun einmal eine Gemeinde, sie steht unter dem Gesetz, und dieses schreibt vor, daß Feissal einen Bürgermeister, einen Feldwächter, einer Briefträger, einen Gemeindeschreiber und ein Fernsprechzelle aufweisen müsse. Natürlich ha der Bürgermeister, Herr Pécoul, auch einen Gemeinderat, der sogar acht Mitglieder zählt, die ausnahmslos zur Familie Pécoul gehören, für eine Gemeinde mit nur sechs Einwohnern immerhin eine tüchtige Leistung. Bei den vor einigen Wochen abgehaltenen Gemeinderatswahlen standen acht Kandidaten auf der Wahlliste, während nur sieben Wähler eingeschrieben waren. Diese setzten sich vornehmlich aus einigen wandernden Hirten und Landstreichern zusammen, die gerade in Feisial anwesend waren. Zum Bürgermeister wurde Herr Pécoul wieder gewählt, der auch in einer noch so kleinen Gemeinde einen Stellvertreter haben muß. Der Einfachheit halber ernannte er seine Frau, die schon die Fernsprechstelle versah, zum Vizebürgermeister und gleichzeitig zur Gemeindeschreiberin. Auch die übrigen noch freien Stellen wurden mi Familienmitgliedern Pécouls besetzt. Die Gemeinde ist übrigens reich, denn die Bauern der weiteren Umgebung lassen ihr Vieh gern auf den fetten Weiden von Feissal grasen und lassen sich dafür nicht lumpen. Auch der Verkauf des Holzes aus dem Gemeindewald wirft jährlich ein erkleckliches Sümmchen ab. Dazu keine übelwollende Kritik aus den Kreisen der Gemeindeangehörigen befürchten müssen, über eine stets wohlgefüllte Gemeindekasse verfügen und ein geruhsames Leben führen zu können, das alles waren Dinge, die man sich wohl schon gefallen lassen konnte. Es ist also gar nicht so übel, Bürgermeister dieser Gemeinde zu sein. Leider nahm dieses Idyll unlängst ein unerwartetes Ende. Die vorgesetzte Behörde hatte sich mit der Sache beschäftigt und aus alten Akten eine Bestimmung ausgegraben, welche die bisherigen Zustände als ungesetzlich erklärte. Der erzeitige Gemeinderat, bestehend aus der Familie Pécoul, legte zwar begreiflicherweise Einspruch dagegen ein, konnte es aber nicht verhindern, daß Feissal schließlich von dem benachbarten Authon eingemeindet wurde. Ein Festessen kommt durch die Luft. Es gibt offenbar noch immer mit irdischen Gütern allzu reichlich Gesegnete, die nicht recht wissen, wie sie ihr veeles Geld nutzbringend anlegen sollen. Zu ihnen gehört auch ein gewisser Einar Dessau, ein in London lebender Däne, der kürzlich, um zu zeigen, was sein kleines Vaterland auf kulinarischem Gebiete zu leisten vermag, auf den Gedanken kam, 1600 Gäste zu einem großen Essen zu laden, bei dem sämtliche Gerichte im letzten Augenblick mittels Flugzeugen aus Dänemark herangeschafft waren. Zwei Oberköche führender Londoner Gaststätten waren von Dessau eigens ebenfalls in Flugzeugen in die dänische Hauptstadt entsandt worden, um dort die Mahlzeit zuzubereiten. Die englischen Gäste ließen sich das dänische Festessen sicherlich gut schmecken, viele von ihnen dürften aber doch im stillen den Kopf geschüttelt und sich gesagt haben, daß sie in London ohne einen derartigen Aufwand gewiß nicht schlechter gespeist haben wür!:: vergiften ihren Träger. Ein junger Mann aus der belgischen Ortschaft Couvin ersuchte kürzlich seinen Schuhmacher, seine weißleinenen Schuhe schwarz zu, färben. In wenigen Tagen war der Auftrag ausgeführt, die Schuhe glänzten im schönsten Schwarz, und ihr Besitzer zägerte nicht, sie alsbald anzuziehen. Darauf nahm er an einem Fußballspiel teil, mußte den Kampf aber bald aufgeben, da ihm unwohl wurde. Zwei Aerzte bemühten sich um ihn, ohne indessen imstande zu sein, der Sache auf den Grund zu kommen. Erst nach langwierigen Bemühungen fanden sie den Grund des Unwohlseins. Die zum Färben der Schuhe benutzte Farbe, die Anilin enthielt, hatte sich infolge der an dem betreffenden Tage herrschenden starken Hitze teilweise aufgelöst. So konnte der Giftstoff allmählich in die Haut des jungen Mannes dringen und dort vom Blut absorbiert werden. Die Folge war eine heftige Blutvergiftung, die erst nach großen Anstrengungen behoben werden konnte.