1909. Nr. 101. Samstag den 1. Mai. Bezugspreis vierteljährlich M. 2.50. Anzeigenpreis die einfache Spaltenzeile oder deren Raum 15 Pfennig. Fernsprecher: Geschäftsstelle Nr. 39. Schriftleitung Nr. 42. Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonnund Festtage. Druck und Verlag: Gustav Butz in Hagen, Mittelstraße 22. Fernsprecher: Geschäftsstelle Nr. 39. Schriftleitung Nr. 42. Erstes Blatt. Tagesrundschau. Eine Begegnung des Deutschen Kaiserpaares mit dem Königspaar von Italien wird am 12. Mai vor Brindisi erfolgen. Die Finanzkommission des Reichstages beriet weiter über die Wertzuwachssteueranträge, kam aber zu keiner Beschlußfassung. Der vulkanische Ausbruch des Kamerunberges und die Erdstöße in Buea dauern immer noch an. In Paris sind für die Aufrechterhaltung der Ordnung am 1. Mai 60000 Mann zusammengezogen worden. In Täbris sind russische Kosaken eingezogen. In Berlin begann der Prozeß gegen den Prokuristen Kluge, welcher bei der Firma Artur Koppel 400000 Mark unterschlagen hat. Das Herrenhaus hat am Freitag die Beratung der Besoldungsgesetze beendet. Die Streichung der rückwirkenden Kraft wurde beim Wohnungsgeldzuschuß aufrecht erhalten. Das Kammergericht hat jetzt die Erhebung der öffentlichen Anklage wegen Meineios gegen den Geheimrat Dr. Hammann beschlossen. Das Befinden der Königin Wilhelmina und der heute früh geborenen Prinzessin ist andauernd gut. Als Folge der Untersuchung über die Mißstände in der französischen Marine ordnete Marineminister Picard den Bau zweier großer Trockendocks in Toulon an. Durch einen Wirbelwind ist die Parsevalballonhalle auf dem Festplatz der Frankfurter Luftschifferausstellung eingestürzt. Letzte Meldungen siehe Depeschendienst. Preußischer Landtag. Abgeordnetenhaus. * Berlin, 30. April. 77. Sitzung. Am Ministertische: Förster, Naumann. Präsident v. Kröcher eröffnet die Sitzung um 12 Uhr 15 Minuten. Der Kultusetat. Die zweite Lesung des Kultusctat wird fortgesetzt beim Kapitel„Medizinalwesen“. Abg. Geisler(Z.) bemängelt die Schwerfälligkeit und Kostspieligkeit der Nahrungsmittelkontrolle. Geheimrat Abel erwidert in längeren Ausführungen, die auf der Tribüne unverständlich bleiben. Abg. Marx(Z.): Eine ausreichende Nahrungsmittelkontrolle ist notwendig, sowohl in den Städten wie auf dem Lande. Zudem werde oft die in der Stadt unverkäufliche minderwertige Ware auf das Land abgeschoben. Abg. Dr. Müller=Berlin(Fr. Vv.): Durch die staatliche Nahrungsmittelkontrolle sind leider viele schon bestehende kommunale und private Einrichtun gen dieser Art beseitigt worden. Den Veterinärme dizinern sollte das Recht der Promotion an den tierärztlichen Hochschulen gewährt werden, wie es anderwärts bereits der Fall ist. Geheimrat Abel bemerkt, der Fiskus habe es sich angelegen sein lassen, die privaten Nahrungs mittelchemiker bei der Verstaatlichung der Nahrungsmittelkontrolle möglichst zu übernehmen. Auf die Frage der tierärztlichen Promotion habe die Medizinalabteilung keinen Einfluß. Beim Titel„Hygienisches Institut in Posen“ erwidert Ein Regierungskommissar auf eine Anfrage des Abg. Kindler(Fr. Vp.), daß wegen des Neubaues dieses Instituts Verhandlungen mit der Stadt Posen im Gange seien. Das Kapitel„Medizinalwesen“ wird bewilligt. Beim Kapitel „Provinzialschulkollegien“ führt Abg. Dr. v. Gampe(nl.) Beschwerde darüber, daß mit der Prüfung der Schülerinnen der Hildes heimer höheren Mädchenschule und des Lehrerinnen seminars in Deutsch, Pädagogik und Geschichte drei latholische Examinatoren betraut seien. Hierüber haben sich bereits der Evangelische Bund, die Hildes heimer protestantische Geistlichkeit und sämtliche enangelischen Kirchenvorstände Hildesheims onne Erfolg beim Minister beschwert. Ein Regierungskommissar erwidert, der paritä tische Charakter rechtfertige, ja fordere die derzeitige Zusammensetzung der Prüfungskommission. Päda gogische Bedenken lägen nicht vor. Wenn die An häuger der Simultanschule, zu denen wohl auch Herr v. Campe gehört, gegen den Unterricht durch Lehrer anderer Konfessionen nichts einzuwenden haben, so können sie logisch auch nichts gegen die Prüfung der Schüler durch Prüfungskommissare anderer Konfession einwenden. Abg. Dr. Dittrich(Z.) meint, daß er in einer 30 jährigen Praxis in einer gemischten Prüfungskommission oft Gelegenheit gehabt haben würde, sich über die Prüfung von Katholiken durch evangelische Prü sungskommissare zu beschweren. Abg. Belle(Z.): Die Ausführungen des Abg. v. Campe begrüßen wir mit besonderer Freude. Decken sie sich doch mit unserer Anschauung. Wenn Herr v. Campe konsequent sein will, muß er auch konsessionelle Schulen forden. Abg. Dr. v. Campe(ul.): Ich bin stets ein Anhänger der konfessionellen Schule gewesen. Ich be schwere mich nur darüber, daß gerade in den drei ethischen Fächern protestantische Schülerinnen von Ratholiken geprüft werden. Dem Antrage der Kommission entsprechend wer den## Mark für ein Absteigequartier der Ober präsidenten von Brandenburg im„Fürstenhof“ in Berlin abgelehnt. Beim Kapitel„Universitäten und Charitee=Kran kenhaus in Berlin“ meint Dr. Friedberg(nl.), daß seine Freunde sich stets klar gewesen seien, daß die Fatultäten nur ein Vorschlagerecht haben. Dieseo Vorschlagerecht sei im Falle Mahling nicht verletzt, wohl aber im Falle Bernhard.(Sehr wahr! links.) Der Andrang der Privatdozenten an die Berliner Universität ist naturgemäß sehr groß. Es ist verständlich, daß man ihn einzudämmen versucht. Die Mittel dazu können wir aber nicht billigen. Der Redner bespricht dann eingehend den Fall„Kuhlenbeck=Lausanne“ namentlich vom rechtlichen Standpuntt aus. Das Haus vertagt dann die Weiterberatung auf Sonnabend 11 Uhr. Schluß 5 Uhr. Herrenhaus. Berlin, 30. April. 9. Sitzung. 12 Uhr. Am Ministertisch: Frhr. v. Rheinbaben, Dr. Schwartztopff. Zunächst wird der Gesetzentwurf betr. die Erweiterung des Stadtkreises Düsseldorf debattelos angenommen. Hierauf gibt Präsident Frhr. v. Manteuffel ein Telegramm des Zentralverbandes der Gemeindebeamten Preußens bekannt, in dem dieser, entgegen einer Bemerkung des Abg. Hamecher in der Budgetkommission des Reichstages vom 23. April, jede Beziehung zum deutschen Beamtenbünd ablehnt. Eine Beteiligung an dem sogenannten deutschen Beamtentage in Berlin habe der Verband, obschon eingeladen, ausdrücklich verweigert.(Lebh. Beifall.) Es folgt die Beratung des Mantelgesetzes. Die Kommission hat in das Mantelgesetz die Wohnungsgeldzuschüsse, die ursprünglich in einem besonderen Gesetz enthalten waren, eingearbeitet und hal den Bestimmungen über den Wohnungsgeldzuschus rückwirkende Krast nicht schon vom 1. April 1908, wie das Abgeordnetenhaus, sondern erst vom 1. April 1909 ab beigelegt. Oberbürgermeister Dr. Schmieding=Dortmund betont als Berichterstatter, die Kommission habe gewünscht, daß die alten Tarifklassen Geltung haben sollten bis zum Erlaß eines neuen Gesetzes über den Wohnungsgeldzuschuß in Preußen. Es findet eine allgemeine Besprechung statt. Graf v. Mirbach: Die Steuerzuschläge will unsere Kommission dauernd festlegen. Ich bitte Sie, dem Beschluß des Abgeordnetenhauses zuzustimmen. vorläufig nur vorübergebende Steuerzuschläge zu beschließen, bis eine organische Neuordnung der direkten Staatssteuern in Preußen erfolgt.— Nun zur Reichsfinanzreform! Mit meiner versönlichen Meinung will ich zurückhalten. Die Erb schaftssteuer hat allerdings den Vorzug, daß sie nicht in die diretten Steuern von Preußen eingreift Tatsächlich aber ist sie weiter nichts als eine direkte Steuer, die von meinen politischen Freunden aus sachlichen Gründen und im Einklang mit der Ge schichte der konservativen Partei scharf bekämpft wird.. Die Konservativen haben dem Blockgedanken ihre Zustimmung zu einer Besteuerung des Besitzes schon ein Opfer gebracht. Auf das äußerste gefährdet wird die Steuerreform im Reich aber durch diejenigen, die im ganzen Lande Lärm schlagen und zu einer Menge über die Dinge sprechen, die davon garnichts versteht. Der ganze Kampf um die Reichserbschaftssteuer ist nichts als eine Hetze gegen die Konservativen.— Besonderen Wert lege ich auf die Reform unserer direkter Steuern. Ich bitte Sie, dem Beschluß des Abgeord nctenhauses beizutreten, wonach diese organische Re form nach drei Jahren erfolgen soll.(Lebh. Beifall.) Oberbürgermeister Wilms=Posen: Die linksstehende Presse hat nur auf den scharfen Ton des Bundes der Landwirte geantwortet. Ich bedaure, daß die Reichswertzuwachssteuer von den Konservativen angeschnitten ist. Scheitert die Reichsfinanzreform, so ist Graf Mirbach mit seinen Freunden daran schuld.(Beifall und Widerspruch. Prof. Dr. v. Schmoller=Berlin: Die Reichs finanzreform steht hier eigentlich nicht zur Debatte (Sehr richtig!! Ich muß bestreiten, daß Professor Delbrück den Großarundbesitzern Unredlichteit vorgeworfen hat. Er hat sich ein großes Verdienst dadurch erworben, daß er die Reformbedürftigkeit der Eintommensteuer beleuchtet hat. Der allgemeine Eindruck der Behandlung, die mein Freund Adolf Wagner bei den Wirtschaftsreformen erfahren hat, ist ein ungewöhnlich ungünstiger gewesen. Vizepr. Dr. Becker: Ich möchte duch anheim geben, allmählich zum Thema zurückzutommen.(Heiterkeit. Abg. Graf Mirbach verliest den Brief, den er aus Anlaß der Vorgänge bei den Wirtschaftsreformern an Professor Wagner gerichtet hat, in dem er die Erwartung ausspricht, daß Professor Wagner der Dar stellung der Presse, als ob es sich um skandald#e Vor gänge gehandelt habe, was eine dreiste absichtliche Entstellung der Tatsachen sei, widersprechen werde. Damit schließt die allgemeine Besprechung. Zur Spezialberatung liegt ein Antrag v. WedelPiesdorf und Dr. Hamm Bonn vor, der tur den Wohnungsgeldzuschuß die Tarissätze des Abgeordneteuhauses bestehen lassen will, dagegen die neue Ortsklasseneinteilung ablehnt. Ein Antrag Hamm=Vonn will die rückwirkende Kraft vom 1. April ab wiederherstellen. Kinanzmininer Frhr. v. Rheinhaben bittet um Annahme des Antrages v. Wedel-Piesdorf. Der Be schluß der Kommission sei nur mit einer Stimme Ma jorität bei Abwesenheit unn drei Mitgliedern gesaßt. Es empfehle sich als Provisorium die alte Ortsklasseneinteilung zu nehmen. Oberbürgermeister Ehlers Danzig begrüßt es, daß keine ganz neue Drtsklasseneinteilung vorge nommen werden soll, wie sie im Abgeordnetenhause unter einem Wettrennen aller Beteiligten zustande gekommen sei. Er halte es für das Wichtigste, die Wohnungsverhältnisse einer Stadt so zu verbessern, daß sie in die niedrigste Tarifklasse kommt. Oberlandesgerichtspräsident Hamm=Bonn wendet sich gegen die Vorschläge der Kommission. Graf Fink von Finkenstein verteidigt die Kom missionsbeschlüsse im Interesse der Beamten. Staatssekretär a. D. v. Köller spricht für den Antrag Graf Wedel=Piesdorf. In der Abstimmung werden die Anträge des Grafen Wedel=Piesdorf und mit ihnen§ 1 mit großer Mehrheit angenommen, ebenso§ 2. Zu§ 3 begründet Oberlandesgerichtspräsident Hamm=Bonn seinen Antrag auf rückwirkende Kraft der Wohnungsgeldzuschüsse vom 1. April 1908 ab. In der Thronrede sei ausdrücklich die Versicherung gege ben, daß alle Aufbesserungen vom 1. April 1908 ab gelten sollen. Finanzminister Frhr. v. Rheinbaben bittet drin gend. dem Antrage Hamm stattzugeben, da die Wohnungsgeldzuschüsse für eine Anzahl von Beamten die einzige Aufbesserung bedeuteten. Graf Wedel=Piesdorf: Vom Wohnungsgeldzuschuß steht kein Wort in der Throurede. Wenn ein Minister im Abgeordnetenhause ein Versprechen in der erwähnten Richtung abgegeben habe, so sei das Herrenhaus dadurch nicht gebunden.(Sehr richtig!) Da die Steuererhöhung für 1908 nicht gelten soll, seien Mittel für die Erhöhung des Wohnungsgeldzuschusses im Jahre 1908 nicht vorhanden. Die Beamten erhielten schon eine sehr hübsche Summe, wenn sie jetzt aus einmal 6 Quartalsraten der Besoldungszulage und 2 Quartalsraten Wohnungsgeldzuschuß betämen.(Beifall.) Zinanzminister Frhr. v. Rheinbaben betont nochmals, daß die Erhöhung des Wohnungsgeldzuschusses für weite Kreise der Beamten die einzige Reform der Aufbesserung darstellt. Man möge in den Beamtenkreisen das Gefühl der Erbitterung nicht noch weiter Platz greifen lassen. Uebrigens sei in der Thronrede ausdrücklich eine Neuregelung des Wohnungsgeldzuschusses angekündigt.(Hört, hört! Oberbürgermeister Körte=Königsberg: Die Staatsbeamten mögen sich damit trösten, daß die Kommunalbeamten nirgends vom 1. April 1908 an erhöhte Gehälter bekommen. Finanzminister Irhr. v. Rheinbaben: Was die Gemeinden iun, ist ihre Sache. Die Regierung ist aber durch die Erklärung der Thronrede gebunden. Oberbürgermeister Dr. Schmieding=Dortmund: Wäre der Landtag durch die Thronrede gebunden, durch die jedes Gesetz in Aussicht gesetzt wird, so hätte er überhaupt nichts mehr zu sagen.(Sehr richtig! v. Bedel=Piesdorf zieht nach der Feststellung, daß in der Thronrede den Beamten eine Erhöhung des Wuhnungsgeldzuschusses verheißen wurde, seinen Widerspruch gegen die Bewilligung von 1908 an zurück. Graf Fink zu Finkenstein: Ein Versprechen für ein bestimmtes Jahr ist den Beamten in der Thronrede nicht gemacht. Wenn das Herrenhaus überhaupt noch ein Parlament sein will, musse, es das Recht haben, auch in der Thronrede angekündigten Gesetzen nicht zuzustimmen. Finanzminister Frhr. v. Rheinbaben: Natürlich ist das Herrenhaus nicht gebunden, aber daß beide Häuser des Landtages auf Erklärungen in der Thronrede besonderen Wert legen, ist doch klar. Overbürgermeister Korte=Königsberg verweist darauf, daß z. B. ein Gesetz über die Heranziehung der Lehrer zur Gemeindeein tommenstener, eine Neuregelung des Kommunalsteuerprivilegs wiederholt in der Thronrede angekündigt wurde, aber nicht gekommen ist. Ankün digungen in der Thronrede hätten also nicht die Be deutung, die ihnen der Finanzminister beigemessen hat. Der Antrag Hamm wird hierauf abgelehnt. Die rückwirkende Kraft für den Wohnungsgeldzuschuß reicht also nur bis zum 1. April 1909. Zu§ 7, in dem die Kommisiion dauernde Steuer zuschläge fordert, beantragen Graf Mirbach und Oberbürgermaister Schustehrns=Charlottenburg die Wiederhersellung der Fassung des Abgcordnetenhauses, daß die Steuerzuschläge nur vorübergehend gelten sollen. Finanzminister Frhr. v. Rheinhaben bittet, die Anträge auf Wiederherstellung der Fassung des Ab gcorductenhauses anzunehmen. Die Neuregelung der Materie werde auf jeden Fall in kurzer Zeit er folgen, zumal der jetzt geschaftene Steuertarif auf längere Dauer nicht aufrechterhalten werden könne. Graf Botho zu Eulenburg: Die 25 Proz. Zuschläge können in der Tat auf die Dauer nicht vestehen bleiben, ohne die größte Unzufriedenheit her vorzurufen. Oberbürgermeister Rive=Halle: Wir haben dem Finauzminister viel abschlagen müssen. Hier können wir ihm entgegentommen, da uns die Sache nichts lostet.(Heiterleit. Die Fassung des Abgeorduetenhauses wird hierauf wiederhergestellt. Beim§ 8, wonach die erhöhten Steuerzuschläge bei der Kommunalbesteuerung nicht berücksichtigt werden dürfen, spricht Oberbürgermeister Körte=Königsberg den Wunsch aus, daß von einer Reichowertzumachssteuer Abstand genommen werden soll, da die Wertanwachssteuer für die Gemeinden der letzte steuerliche Norauter sei. Oberbürgermeister Lentze Nagdeburg hofft, daß baltiabglichs der Zustand wiederkehren moge, daß Staat und Gemeinde Zuschlage von gleicher Höhe er heben.§ 8 wird angenommen, ebenso der Rest des Gesetzes und das ganze Gesetz in der Gesamtabstimmung. Hierauf wird das wiedervergestellte Wohnungsgeldzuschußgesetz nach dem Antrage v. WedelPieodorf ebenfalls angenommen. Alsdann wird nach turzer Debatte beschlossen, in Konsequenz der Beschlüsse zum Mantelgesetz auch bei der Mietsentschudigung für die Lehrer die rückwirkende Kraft bis 1. April 1908 zu streichen. Das Lehrerbesoldungsgesetz wird dann in der Gesamtabstimmung gegen wenige Stimmen angenommen. Hierauf wird das Gesetz über das Höferecht in der Provinz Hannover in der Fassung der Agrarkommission angenommen. Alsdann vertagt sich das Haus. Die nächste Sitzung soll voraussichtlich um den 20. Mai herum stattfinden. Schluß 63 Uhr. Die Wertzuwachssteuer in der Finanzkommission. * Berlin, 30. April. Die Finanzkommission des Reichstages setzte in der heutigen Sitzung die allgemeine Erörterung des lonsernativen Antrages auf Einführung einer Wertzumachsstener für Grundstücke und Wertpapiere fort. Sie begann mit einer Rede des Sozialdemokra ten Südekum, der über die Konferenz vom Diens tagabend spottete. Jeue Konferenz sei ein ungewöhnlicher Vorgang gewesen. Eigentümlich sei, daß der Schatzsekretär, der doch sonst die Mehrheit nehme, wo er sie finde, gerade die Sozialdemotraten ausschließe, von denen er doch wisse, daß sie in der Erbaufallstener auf seiner Seite ständen. Es sei zweierlei, ob der Block zu einer Konferenz gebeten werde oder der ganze Reichstag unter Ausschluß nur einer Partei. Schatzsekretär Sydow bemerkte hierzu, Dr. Südekum irre, wenn er annehme, daß er der Einla dende gewesen sei. Er habe nur eine Vorbesprechung angeregt, ohne an den Ansschluß irgend ein:: Partei zu denten. Dr. Süde kum blieb demgegenüber dabei, daß der Staatssekretär nicht von der Verpflichtung entbunden sei, zu solchen Vorbesprechungen alle Parteien zu bitten. Der sozialdemokratische Redner nahm darauf zu den gestrigen Ausführungen Dr. Rösickes Stellung. Vieles daran sei beherzigenswert. Allerdings schienen ihm die Bedenken des Reichsbankpräsidenten begründet. Dr. Rüsicke wolle die Konjunkturgewinne besteuern; die 500 Millionen der Finanzreform würden aber in den nächsten Jahren zu Dreadnonghts verwendet werden, wodurch die Unternehmer à la Krupp Riesenmehrwerte erzielen würden. Sobald man die Uebertragung eines Grundstückes vom Vater auf den Sohn freilassen wolle, mache man das Gesetz wertlos. Das Gesetz hätte 1902 geschaffen werden müssen, um die durch die Zollgesetzgebung geschaffenen Mehrwerte zu fassen. Der konservative Antrag Dietrich sei den Sozialdemokraten unannehmbar. Sie empfehlen ihren Antrag. Der freisinnige Redner, Dr. Müller=Meiningen, erklärte den Ausschluß der Sozialdemokraten von der Vorkonferenz für einen schweren Fehler. Die Konservativen hätten das Verdienst, volle Klarheit über die Stellung der Regierung geschaften zu haben. Warum aber habe die Regierung nicht schon vor Monaten eine solche markante Erklärung abgegeben? Der Plan mit den wechselnden Mehrheiten sei damit auch wohl endgültig ausgegeben. Die Bevölkerung erwarte, daß die Regierung die konstitutionellen Konsequenzen ziehe. Ob der Antrag Dietrich angenommen werde oder nicht, sei einerlei, jedenfalls müsse die Vorlage über die Erbaufallsteuer baldmöglichst kommen. In Bayern habe das Zentrum die Wertzuwachssteuer ganz aus die Kommunen zugeschnitten, also in einem Staate, in dem das Zentrum das Heft in den Händen habe. Wie erkläre sich der Umschwung in der Auffassung des Zentrums? Warum habe Dr. Rösicke das ausgezeichnete Material der bayerischen Regierung ignoriert? Er hätte dann zu so übertriebenen Schätzungen gar nicht kommen können. Tatsächlich blieben die Erträge meistens hinter den budgetmäßigen Anschlägen zurück. Ein Beweis, wie schwankend die Wertzuwachssteuer in ihren Erträgen sei. Der Redner führt umsangreiches Material hierüber an. Wolle man einen beweglichen Faktor, dann solle man die von den Freisinnigen vorgeschlagene Vermögenssteuer wählen. Die große Aufgabe sei die Ersetzung der Matrikularbeiträge durch einen anderen beweglichen Faktor und reinliche Scheidung der einzelstaatlichen und der Reichsfinanzen. Das sei aber nur möglich durch Einführung einer beweglichen, quotisierbaren Vermögenssteuer. Deshalb sei nach wie vor die Hauptforderung der Freisinnigen: Verbindung der Reichserbschaftssteuer mit der Vermögensstener. Als Vertreter der Wirtschaftlichen Vereinigung führt Abg. Raab aus: Die Wertzuwachssteuer sei durchführbar, aber dem konservativen Antrag Dietrich hätten sich seine Freunde nicht anschtießen können, ohne die Erbaufallsteuer gehe es eben nicht. Daher würde die Wirtschaftliche Vereinigung für den Antrag der Reichspartei stimmen, in dem Antrag der Konservativen die Bezeichnung der Wertzuwachssteuer als Ersatzsteuer für Erbaufallneuer zu streichen. In Zeiten aufsteigender Konjunktur könne die Wertzuwachssteuer viel bringen, in Zeiten des Niedergangs wenig oder garnichts. Geld brauche man aber so bald wie möglich, und es könnten Jahre ins Land gehen, ohne daß die Wertzuwachssteuer Erträge für die Reichskasse erziele. Der Abg. Raab bringt hierauf einen neuen Antrag der Wirtschaftlichen Vereinigung ein, unter Zurückziehung des gestrigen. Danach soll für den Fall der Ablehnung des Antrags Dietrich die Regierung aufgefordert werden, ohne Verzug eine Gesetzesvorlage auszuarbeiten, die eine Besteuerung des Wertzuwachses von Immobilien vor sieht; serner soll sie aufgefordert werden, in Erwägung darüber einzutreten, wie zum Ausgleiche der den Grundbesitz belastenden Wertzuwachssteuer eine entsprechende Besteuerung des Zuwachses an beweglichem Kapitalvermögen erfolgen könne. Staatssekretär Sydow nimmt nunmehr Stellung zu den vorliegenden Anträgen. Den Antrag der Nationalliberalen: Erweiterung der Erbschaftsneuer auf Deszendenten und Ehegatten in unbeerbter Ehe, mit möglichster Vermeidung lästigen Eindringens in die Familienverhältnisse, nimmt die Regierung an und kann sich auch mit der zweiten Forderung dieses Antrages einverstanden erklären, soweit hierdurch nicht mindestens hundert Millionen aufgebracht werden, einen weitern Entwurf über die Besteuerung des Wertzuwachses von Immobilien vorzubereiten. Die im freisinnigen Antrag gefor derte Vermögenssteuer lehnt die Regierung ab. Der sozialdemotratische Antrag, der Erbschaftssteuer, Wertzuwachssteuer usw. als Ersatz für die indirekten Steuern aufstellt, verstößt gegen die ganze Basis der Zinanzreform. Die andere Forderung des sozialdemotratischen Antrags, zunächst die Nachlaßstener und das Erbrecht zur Verhandlung zu stellen, sei lediglich eine Sache der Geschäftsordnung. Der An trag der Reichspartei, in dem Antrag Dietrich die Bezeichnung als Ersatzsteuer zu streichen, sei als Eventualantrag akzeptabel. Der neue Antrag der Wirtschaftlichen Vereinigung, ohne Verzug eine Immobilien=Wertzuwachssteuer auszuarbeiten, sei im Sinne der verbündeten Regierungen; die zweite Forderung, in Erwägungen über eine Wertzuwachs steuer auf den beweglichen Besitz einzutreten, müsse als undurchführbar abgelehnt werden. Hierauf äußert sich das Zentrum durch den Abgeordneten Dr. Spahn. Er erklärt, das Zentrum halte den konservativen Antrag für einen gangbaren Weg, um damit die Erbaufallsteuer zu vermeiden. Habe der Staatosetretär die Stimmen des Bundesrats auch in seiner Tasche? Soust hätte er mit seiner Erklärung noch warten sollen. Die Immobiliarwertzuwachssteuer werde als Reichssteuer eine ergiebige Steuer sein. Eine direkte Vermögenostener wolle das Zeutrumnicht. Er könne sich aber einen anderen gangbaren Weg denken. Jede indirekte Steuer habe mehr oder weniger dieselben übeln Nebenwirkungen, die der Reichsbankpräsident der Mobiliarzuwachssteuer zugeschrieben habe. Die Wertzuwachssteuer könne bei vernünftiger Ausgestaltung annehmbare Erträge liefern. Das Zeutrum werde dem Antrage Dietrich zustimmen und sich des Eingehens auf alle Einzelheiten enthalten, bis die Vorlage von der Regierung ausgearbeitet sei. Das Mobiliarvermögen müsse mitgetroffen werden. Schatzsekretär Sydow erwidert: für ihn habe die Einführung der Zuwachssteuer auf Immobilien nicht die Konsequenz; der Einführung auch auf den Robiliarbesitz. Die Sätze müßten sehr hoch genommen werden, wenn die Kommunen beteiligt werden sollen. Der Deklarationszwang für das bewegliche Vermögen könne bei der Erbanfallsteuer nach Möglichkeit durchgeführt werden. Der Abg. Mommsen von der Freisinnigen Vereinigung ging scharf mit dem konservativen Antrag ins Gericht. Es sei schwer zu glauben, daß die Konservativen eine Finanzreform wollken. Die Kommission ließ um 1 Uhr eine Pause bis 3 Uhr eintreten. Nach der Mittagspause der Finanzkommission des Reichstags nahm Graf Westarp(kons.), der mit Dr. Rösicke den Antrag der Konservativen ausgearbeitet hat, das Wort. Wir wollen nur auf gewisse Dinge hinweisen, nicht ausgearbeitete Gesetzentwürfe vorlegen, da nicht wir, sondern die verbündeten Regierungen dazu verpflichtet sind. Wir scheiden den Erbaufall der Kinder und Ehegatten aus. Deshalb ist es logisch, die Ueberlassungsanträge vom Vater auf den Sohn im Gewerbe und in der Landwirtschaft ebenfalls auszuschließen. Die Vorbereitung der Steuer ist sehr einfach, indem es sich nur um den Vergleich mit dem letzten Verkauf handelt. Die Frrage, ob man dem Gesetz rückwirkende Kraft geben soll, besahen wir entschieden. Wie wei das Reich in dieser Beziehung zurückgehen soll, mag spätern Erörterungen vorbehalten bleiben. Die Beteiligung der Gemeinden ergibt sich schon aus dem Umstande, daß die Gemeinde die Veranlagung vorzunehmen hat. Viel Zeit ist nicht zu verlieren, wenn nicht noch mehr Gemeinden die Hand auf die Steuer legen sollen. Die Kritik unseres Antrags betreffend den Wertzuwachs auf Effekten ist sehr scharf gewesen. Unser Antrag ist in diesem Punkte nicht ganz verstanden worden, im übrigen läßt sich über die Einzelheiten reden. Wir wollen den Konjunkturgewinn besteuern, der aus der Differenz der Kurse bei den einzelnen Verkäufen von Wertpapieren entsteht. Die Form der Steuer ist also die einer indirekten. Die Erhebung soll durch dieselben Personen erfolgen, die schon jetzt nach§ 11 des Reichsstempelgesetzes den Schlußnotenstempel zu verwenden haben. Müller=Fulda(Ztr.): Die Steuer wird viel mehr bringen, als man annimmt, insbesondere bezüglich der Mobilien. Jetzt geht's noch, in fünf Jahren nicht mehr, da die Gemeinden sich der Steuer bemächtigen werden. Der Wertzuwachs ist nicht nur in großen Städten zu verzeichnen, sondern auch in mittlern und kleinen. Richtig gehandhabt, sind noch weit größere Summen aus der Steuer zu ziehen, als die Antregsteller angenommen haben. Schatzsekretär Sydow: Mit den erhofften Sätzen ist nun einmal nach dem Urteil der Sachverständigen nicht zu rechnen. Zudem wird es niemals eine sichere Steuerquelle sein; die Deszendenten müssen bei der Erbschaftssteuer herangezogen werden. Reichsbankpräsident Havenstein: Irgend ein praktikabler Weg für die Besteuerung bei den Wertpapieren ist nicht gezeigt worden. Ich habe objektiv und ehrlich nachgedacht und nirgends einen Anhalt gefunden. Sehr möglich ware es, daß unserer Industrie nicht mehr das notige Kapital zugeführt würde. Das wäre volkswirtschaftlich sehr bedenklich. Die Papiere werden den Weg ins Ausland suchen. Der Redner schildert den Geschäftsgang der Banken bezüglich der Abrechnung in Effekten, um nachzuweisen, wie störend jeder Eingriff sein würde. Dr. Wiemer(Fr. Vp.): Der Antrag habe neue Verwirrung geschaffen und weitere Schwierigkeiten in die ohnehin verfahrene politische Lage hineingetragen. Wie man auch sachlich über eine Wertzuwachssteuer für Immobilien oder für Wertpapiere denken möge, zweifellos sei, daß Jamit sofortige Abhilfe für die Reichsfinanzen nicht geschaffen werde. Die Besteuerung des Wertzu wachses bei Wertpapieren sei undurchführbar. Alle agrarische Beredtsamkeit reiche nicht aus, das Gegenteil zu erweisen. Ueberhaupt werde auch von egrarischer Seite zugestanden, daß es sich gar nicht dabei um eine Besitzbesteuerung handle, sondern um eine in direkte Steuer auf bestimmte Erwerbsgeschäfte. Wer für den konservativen Antrag stimme, erschwere das Zustandekommen der Finanzreform. Was das Schicksal der Erbschaftsbesteuerung, ohne welche nach der Erklärung der verbündeten Regierungen die Finanzreform nicht zustande kommen könne, sein werde, sei zurzeit nicht mit Sicherheit zu übersehen. In der Kommission werde sich voraussichtlich Stimmengleichheit ergeben. Aber im Plenum verfügten Konservative, Zentrum und Polen noch nicht über die Mehrheit. Wenn aber jetzt zum zweiten Male in der Kommission die Forderung einer ausreichenden Erb schaftsbesteuerung abgelehnt würde, so würden sich die Parteien, die auf ihre Reputation halten, überlegen müssen, ob sie noch weiter Zeit und Kraft an eine nutzlose Sisyphusarbeit in der Kommission setzen wollen. Nach der Rede des Abg. Wiemer verlangen die Sozialdemotraten Vertagung der Beratung. Konservative und Zentrum unterstützen den Antrag, Nationalliberale, Freikonservative und Freisinnige widersprechen, bleiben aber in der Minderheit. Die Finanzkommission ist also auch heute aus einandergegangen, ohne zur Abstim. mung zu kommen. 1. Sicherung der Bauforderungen. Von H. Dove. M. d. R. Der in der zweiten Lesung durchberatene Enlwurf eines Gesetzes über die Sicherung der Baufor derungen weist erhebliche Abweichungen von der ursprünglichen Regierungsvorlage auf. Die letztere suchte das schwierige Problem auf dem Boden des dinglichen Rechts durch Gewährung von hypotheka rischer Sicherung für die durch succesive Lieserungen und Arbeiten in Neubauten den Lieferanten und Handwerkern erwachsenden Forderungen mit be stimmtem Range der Bauhypothek zu lösen. Es lag dem der Gedanke zugrunde, daß der durch die Arbeiten und Lieferungen der Handwerker und Lieferanten entstehende Neubau und die durch ihn erzielte Wertsteigerung des Grundstückes in erster Linie für die kreditierten Beträge der Forderungsberechtigten und daß dem Bangeldgeber lediglich der nach Abzug dieser Beträge verbleibende Wertüberschuß für die von ihm gewährten Baugelder haften und nur bei Verwendung der letzteren zur Befriedigung der Bauforderungen die zu seiner Sicherung dienende Baugeldhypothek in entsprechendem Betrage den Vorrang vor der Bauhypothek gewinnen solle. An Stelle des in§ 648 B6B den Unternehmern von Bauwerken oder Teilen von solchen gewährten Titels zum Pfandrecht solle danach die unmittel bare dingliche Sicherung treten. Die außerordentlich komplizierte Art, wie das Verhältnis von Bauhypothek und Baugeldhypothek im einzelnen geregelt und die Sicherung der wirk lichen Verwendung des Baugeldes zur Befriedigung der Bauforderungen erstrebt wurde, rief gerade auch bei einem Teile der von dem Gesetze betroffenen Handwerkerkreise die Befürchtung hervor, es könnten die außerordentliche Steigerung des Risikos für den Bangeldgeber, der für die bestimmungsgemäße Verwendung seines Geldes haftbar ist, da er nur durch sie Vorrang vor der Bauhypothek gewinnt, die vielfachen Verzögerungen und empfindlichen bureaukratischen Maßregeln, die der Entwurf vorsah, zu einer Beeinträchtigung der Bautätigkeit und zu einer Verdrängung der Unternehmertätigkeit selbständiger Bauhandwerker durch den großkapitalistischen Betrieb führen. Dieser Besorgnis ist bei der ersten Beratung nicht nur von liberaler Seite, sondern auch von dem Abg. Pauli=Potsdam, der selbst Bauhandwerker ist, Ausdruck gegeben worden. Auch der Staatssekretär des Reichsjustizamtes Dr. Nieberding hob die schweren Bedenken, welche die im Entwurf vorgesehene Regelung hervorrufen mußte, hervor und seine Empfehlung klang einigermaßen an das Wort Molières: Tu l'as voulu George Dandin! In den beteiligten Kreisen machte sich daher eine andere Stimmung bemerkbar, welche die Lösung des Problems durch Bestimmungen zu erreichen suchte, nach denen dem Unternehmer die Verwendung des Baugeldes zur Befriedigung der Baugläubiger bei Strafe zur Pflicht gemacht und außerdem die Verpflichtung auferlegt wird, ein Baubuch zu führen, aus dem sich eine Uebersicht über die Rechtsverhältnisse und die jeweilige Lage der finanziellen Gebarung des Unternehmens ergibt. Die Kommission hatte diesen Gedanken mit Hilfe einer von ihr eingesetzten Subkommission gesetzgeberisch auszugestalten unternommen und noch einige Ordnungsvorschriften, insbesondere über die Anbringung eines Anschlages an der Baustelle, auf dem Vor= und Zuname und Wohnort des Eigentümers eventuell des Generalunternehmers verzeichnet ist, hinzugefügt. Diese Vorschriften werden sich allgemeinster Zustimmung erfreuen. Auch der sonstige Inhalt des Gesetzes hatte in der Kommission einige Abänderungen erfahren. Die wichtigste besteht in der Einführung von Bauschöffenamtern. Ihre Einführung erfolgt durch Ortsstatut. Das Amt der Bauschöffen ist ein Ehrenamt. Die Funktionen dieser Bauschöffenämter sind: Feststellung des Baustellenwertes, Entgegennahme der Bauforderungsanmeldungen, Regelung der Sicherheitsleistung zwecks Beseitigung der Anmeldung, Bestimmung der Höhe der Berücksichtigung von offenbar übersetzten Forderungen, Vergleichsversuch, falls ein darauf gerichteter Antrag gestellt wird, Vertehr mit dem Grundbuchamt, der Baupolizeibehörde und den Gerichten, soweit es sich um die Rechtsverhältnisse des Bauvermerks, der Bauhypotheken und der Sicherheitsleistung handelt. Durch landesherrliche Verordnung können diese Funktionen stattdessen einem Beamten oder Notar übertragen werden; anderseits können in gleicher Weise die Funktionen der Baupolizei oder des nach dem Gesetz auf Antrag des Bangeldgebers vom Gericht zu ernennenden Treuhänders übertragen werden, der die Zulässigkeit der Zahlungen zu prüfen und diese anzuweisen hat. Die Eintragung des Bauvermerks kann durch Hinterlegung einer den dritten Teil der voraussichtlich entstehenden Bankosten deckenden Sicherheit abgewendet werden. Die Bauerlaubnis darf von der Baupolizei nur erteilt werden, wenn ent weder die Sicherheit bestellt ist oder die dem Bauvermerk vorgehenden oder gleichstehenden Belastun gen drei Viertel des Baustellenwertes nicht übersteigen. An Stelle des Bauvermerfs tritt auf Grund der binnen einem Monat erfolgenden Anmeldungen der erwirkten einstweiligen Verfügung die Bauhypothet, in der die den einzelnen Baugläubigern zustehenden Teilbetröge anzugeben sind. Sie ist eine Sicherungshupothek. Die Forderungen der Handwerker und Lieferanten haben unter sich gleichen Rang. Die Vorlage hat jedoch aus sozialpolitischen Rücksichten den zweiwöchigen Lohnrückstanden der Bauarbeiter ein gesetz liches Vorrecht verliehen. Durch Tilgung einer Bauforderung aus dem Baugeld erwirbt die Baugeldhypothek einen dem gezahlten Betrage entsprechenden Vorrang. Der Eigentümer haftet für den Unternehmer, dem er die Ausführung des ganzen Baues ober eines Teiles überträgt, sofern er nicht beweist, daß ihm dessen Vermögenslosigkeit oder Absicht, seine Verbindlichkeiten nicht voll zu erfüllen, ohne grobe Fahrlässigkeit unberannt war. Diese sehr einschneidenden Vorschriften treten nur auf Grund landesherrlicher Verordnung für einzelne Gemeinden nach Anhörung der Gemeinde und der Handwertskammer in Kraft. Es ist im Ple num beschlossen worden, daneben auch die kauf männische und die gesetzliche Arbeitervertretung vor Erlaß der landesherrlichen Verordnung zu hören. Die Kommission hat im Gegensatz zu der Vorlage, die das Verfahren nur auf Neuhanten anwendbar machen wollte, es auch auf Ersatzbauten ausgedehnt. Das Gesetz ist dem Bestreben, den Forderungen des Handwerkerstandes entgegenzutommen, entsprungen. Es stellt einen Versuch dar, dem periodisch auftretenden Bauschwindel wirksamer als bis her entgegenzutreten. Die Erfahrung wird lehren, ob die vorgeschlagenen Maßnahmen dieses Ziel er reichen können, und ob die Verteuerung und Ver zögerung der Bautätigkeit, die im Gefolge des Ver fahrens eintreten muß, aus dem wohlgemeinten Ge setz nicht ein Dangergeschenk für die Beteiligten macht. Vom Tage. Hagen, den 1. Mai. Der Beschluß der konservativen Partei. Der weitere(50er) Ausschuß der konservativen Partei, der Freitag im Herrenhause tagte, nahm mit großer Mehrheit folgenden Beschluß an: Erstens: Der weitere Ausschuß der tonservativen Partei steht bezüglich der Reichofinanzreform auf dem Boden der Beschlüsse des Ausschusses vom 22. dieses Monats. weitens: Er spricht der konservativen Fraktion des Reichstages, vor allem ihrem bewährten Führer Herrn von Normann, für die korrekte und entschie dene Vertretung des konservativen Standpunktes in der Frage der Reichsfinanzreform den Dank und die Anerkennung der gesamten Partei aus. N1°T. Ueber die künftige Stellung der technischen Beamten in der Staatseisenbahnverwaltung schreibt man uns von unterrichteter Seite: Um den höheren Technikern ein schnelleres Aufrücken in die Mitgliedstellen bei den Direktionen zu ermöglichen, wird die Zahl der Betriebsinspektionsvorstände, welche mit höheren Technikern besetzt werden, erheblich vermindert. Zu diesem Zweck soll eine Trennung der Inspektionen in Haupt= und Nebeninspektionen nach der Wichtigkeit ihres Wirkungskreises durchgeführt werden. Nur Hauptinspektionen erhalten in Zukunft einen höheren Techniker als Vorstand, während die Vorstandsstellen der Nebeninspektionen den mittteren Beamten vorbehalten bleiben, denen nach einer angemessenen Uebergangszeit eine besondere Ausbildung zureil werden soll Es ist keine abgeschlossene akademische Bildung in Aussicht genommen, wohl aber ein Studium von mehreren Semestern auf einer technischen Hochschule. An dieses wird sich eine besondere praktische Vorbildung für den Iuspektionsvorstand auschließen. Gleichzeitig mit dieser Scheidung in Haupt= und Nebeninspektionen wird auch die Titelfrage eine Neuregelung erfahren, jedoch im Zusammenhang mit den anderen Staatsressorts. Ob dem Wunsch der höheren Techniker nach Beseitigung des Bauinspektortitels Rechnung getragen wird, dürfte davon abhängen, ob in den anderen Ressorts der Inspektortitel für alle höheren Beamten ausgeschaltet werden kann. NPT. Das neue 25 Pfg.=Stua. Das gestern vom Bundesrat angenommene Mo dell für das neue Fünfundzwanzig=Pfennig=Stück ist, wie wir hören, eine Kombination zweier Entwürfe aus dem veranstalteten Wettbewerb. Die mit den beiden ersten Preisen ausgezeichneten Entwürfe haben keine Verwendung gefunden, hingegen hat der dritte Preis die Schriftseite der neuen Münze geliefert, während der Reichsadler das Werk eines anderen Bewerbers ist. Die Münze wird in reinem Nickel in einer Grüße von 23 Millimeter hergestellt. Wegen des geringen Größenunterschiedes von nur 1 Millimeter gegenüber der Reichsmark wird die Münze erheblich dünner gehalten; daneben bleibt der Rand glatt. Kaiser und Kanzler an den König von Bulgarien Der Kaiser hat an den König Ferdinand von Bulgarien folgendes Telegramm gerichtet:„In der Gewißheit, daß Deine Regierung in loyaler Weise für die Sicherstellung der deutschen materiellen Interessen an der Neuregelung der Orieutbahnfrage einsteht, habe ich meinen Vertreter beauftragt, Dir die Anerkennung meiner Regierung zur Unabhängigkeit Deines Landes auszusprechen. Es gereicht mir zur Freude, Dir gleichzeitig meine persönlichen Glücwünsche auszudrücken und Dich als König von Bulgarien begrüßen zu können. Der Königin küsse ich die Hand. Wilhelm, I. R.“ Auf das Glückwunschtelegramm des Kaisers hat der König von Bulgarien telegraphischgeantworter:„Für Deine so herzliche Begrüßung spreche ich Dir meinen und der Königin aufrichtigen Dank aus.“ Der Reichskanzler hat an den König Ferdinand nachstehendes Telegramm gerichtet:„Eurer Majestät und Ihrer Majestät der Königin bitte ich, zur Königswürde und zur Unabhängigkeit meine ehrerbietigsten Glückwünsche darbringen zu dürfen. Möge Eurer Majestät auch als König eine ruhmreiche Regierung zum Heil Bulgariens beschieden sein.“ Der König erwiderte darauf:„Empfangen Euer Durchlaucht meinen und der Königin aufrich tigen Dank für Ihre so liebenswürdige Begrüßung unserer neuen Aera. Daß Euer Durchlaucht dieselbe mit so erhebenden Segenswünschen begleiten, gereicht mir zur besonderen Freude.“. Deutsches Reich. * Berlin, 30. April. — Der Kaiser gedenkt nach den bisherigen Dispositionen am 16. oder 17. Mai wieder in Potsdam einzutreffen. Am Freitagvormittag hörte der Kaiser im Achilleion auf Korfn die Vorträge der Chefs der drei Kabinette. — Nach einer Meldung der Agenzia Stefani aus Korfu wird am 12. Mai in den Gewässern von Brindisi eine Begegnung des Deutschen Kaisers und der Kaiserin mit dem König und der Königin von Hialien stattfinden. — Die Budgetkommission des Abgeordueten hauses hat zum Etat des Abgeordnetenhauses mit 15 gegen 4 Stimmen folgenden von Mitgliedern aller Parteien unterzeichneten Antrag angenommen: „Die Königliche Staatsregierung zu ersuchen, den Mitgliedern des Hauses der Abgeordneten für die Dauer der jedesmaligen Session eine Fahrkarte zur freien Fayrt in beliebiger Wagentlasse auf den preußisch=bessischen Staatsbahnen zwischen Ber lin einerseits und dem Wohnorte und Wahlkreise andererseits zu gewähren. welche jedem Mitgliede bei seiner Anmeldung im Hause auszuhändigen und von ihm nach Schluß der Session vor der Abreise zurückzugeben ist.“ — Entgegen dem ablehnenden Bescheide de Oberstaatsanwalts beim Landgericht I und des Gene ralstaatsanwaltes beim Kammergericht hat. wie die „Nordd. Allg. Itg.“ berichtet, der Strassenat des Kammergerichts die Erhebung der öfsentlichen Antlage wegen Verletzung der Eidespflicht gegen den Wirkl. Geh. Lega tionsrat Dr. Hammann beschlossen. Dieser hat darauf beim Staatssekretär des Answärtigen Amtes seine Beurlaubung unter Suspendie rung vnm Amte bis auf weiteres beantragt. Dem Antrage ist stattgegeben worden. — Zur Begutachtung des Entwurses der Reichsversicherungsordnung, insbesondere zur Beratung des vorgeschlagenen gesetzlichen Unterbaues der Versicherungsämter für die drei Ver sicherungszweige, sind in Kassel die Vorsivzenden sämtlicher Invaliditäts= und Landesversicherungsan stalten unter Teilnahme von Regierungsvertretern zu einer vertraulichen Konferenz zusammengetreten. — Ueber Petitionen des Bundes Deut scher militäranwärter um Beseitigung von Mängeln in der Versorgung der Militäranwärter im siommunaldienst beautragt die Kommission des Herrenhauseo zur Tagesordnung über zugehen. Rundschau im Auslande. Die Freude im Hang. Freitag, nach 9 Uhr gaben die Kanonen ihre Frendenschüsse ab. Viel Anklang fand die historische Tracht der Herolde, deren Trompeten die Menge an lockten. Das Festkleid der Stadt war erstannlich rasch vollendet. Jedes Haus trug Girlanden oder anderen Schmuck, sogar Belenchtungsvorrichtungen wurden schon vormittags sertiggestellt. Das Dentmal Wilhelms des Schweigers vor dem Schloß tragt einen riesigen Kranz am Arm. Die Kontattstangen der elektrischen Bahn sind mit Bändern umwunden. Auf den Straßen herrscht ein Leben, das sich nur mit dem Rosenmontag des rheinischen Karne vals vergleichen läßt. In riesigen Kolonnen ziehen die schulfreien Kinder mit Fahnen singend einher. Aber auch die Großen haben sich schon jetzt mit bun ten Mützen, Trompeten usw. bewaffnet und stampften im Takte ihrer Musikversuche einher. Die Vertreter der Machte waren unter den ersten, die sich in die Gratulationsliste einschrieben. Der erste offizielle Staatsalt aus Anlaß der Geburt findet Samotag 12 Uhr mittags statt. Das Kind wird in Gegenwart der Minister des Acußeren und der In stiz sowie des Bürgermeisters in die Matrilel der Stadt eingetragen. Die Geburt der Throuerbin ist im ganzen Lande durch Tankgottesdienste und festliche Veran staltungen geseiert worden. In der Zweiten Kammer gab der Minister des Innern der hohen Freude über die Geburt eines Sprossen aus dem Hause Oranien beredten Ausdruck. Seine Rede wurde mit begeistertem dreifachen Hoch ausgenommen. Der Prasident der Kammer gab der Freude der Kammer Ausdruck und sagte, das frohe Ereignis habe die Bande zwischen dem königlichen Hause und dem Volke noch fester geknüpft. Auch seine Rede wurde mit lebhaftem Beifall ausgenommen. Darauf ernannte die Kammer eine Redaktionskommission zur Abfassung der Glückwunschadresse und vertagte sich zum Zeichen ihrer Freude. Bewegung der französischen Postbeamten Der Ministerrat beschloß gegen diejenigen Postbeamten die Disziplinarunsersuchung einzuleiten, die sich geweigert haben, über ihre in den Versammlungen gegen die Regierungen gehaltenen Reden Erklärungen abzugeben. Ueber 6000 Post= und„Telegraphenaugestellte hielten nachts ein Meeting ab, in welchem nach überaus heftigen Angriffen gegen das Ministerium, insbesondere gegen den Unterstaatssekretär Simyan, einstimmig ein Beschlußantrag angenommen wurde, in dem u. a. die Handlungsweise der von der Regierung mit Maßregelung bedrohten sieben Postbeamten rückhaltlos gebilligt und als Ursache der tiefgehenden Unzufriedenheit der Postbeamten das Vorgehen der Regierung bezeichnet wird, welche die gegebenen Versprechungen nicht eingehalten habe. Schließlich wurde eine Abordnung beauftragt, sich zum Ministerpräsidenten Clemenceau zu begeben, um ihn auf die Bedingungen aufmerksam zu machen, unter denen die Arbeit letzthin wieder ausgenommen wurde und ihn an die gegebenen Versprechungen abermals zu erinnern. Umbau amerikanischer Schlachtschiffc. „Daily Telegraph“ wird eine Meldung des „Newyork World“ übermittelt, derzufolge bei dem Umban der sechzehn amerikanischen Schlachtschiffe, welche vor kurzem von ihrer Weltreise zurückgekehrt sind, ein großer Teil des schwerfälligen, dem Feinde ein vorzügliches Ziel bietenden Aufbaues entfernt werden soll; auch soll beabsichtigt sein, den Panzergürtel so zu erhöhen, daß er einen wirksameren Schutz als bisher gewährt. Die Gärung in Indien. Eine Depesche aus Kalkutta meldet: Die Unsicherheit im Lande nimmt allgemein zu. Die Gesetzlosigkeit früherer Jahrhunderte scheint zurückgekehrt zu sein. Diebe und Mörder zeigen außerordentliche Kühnheit. Selbst vor den Toren Kalkuttas schwebt die Landbevölkerung in großer Angst. Die Polizei ist ungenügend und ihrer Aufgabe nicht gewachsen. Der bisherige Glaube der Landbevölkerung an Englands starke Hand, so schließt diese Depesche, ist angenblicklich erschütlert. Deutsche Kolonien. Die vulkanischen Erdbeben in Kamernn. Zu dem Erdbeben in Kamerun wird amtlich gemeldet: Nach einer am 29. April in Duala aufgegebenen Meldung an das Reichskolonialamt wurde um 7 Uhr eine starke Cruption des (roßen Kamernnberges beobachtet. Am Berge fiel seiner Steinschlag. Der Ausbruch erfolgte auf der nordwestlichen Seite mit großem Feuerschein. Der Lavastrom nimmt, von nala aus gesehen, die Richtung von Nord 58 Grad 8 Min. West. In Buca war die Lage bis zum 28. v. M. abends unverändert. Die dort befindlichen Steinhanser, namentlich das Gouverne mentsgebaude, zeigen durchgehends Risse. Der Sicherheitsdienst in Buca wird auf rechterhalten und bleibt alarmbereit. Schwache Stüße werden andauernd bemerkt. Der Ausbruch des Vulkans dauert fort. Das neue Regime in der Türkei. : Konstantinopel, 30. April. Der Sultan hat den Prinzen Salah Eddin in Andienz empfangen. Heute sand der Selamlik in der Hagia Sofia statt. Das Spalier wurde von den mazedonischen Truppen gebildet. Alle Höfe der Moschee waren von großen Menschenmassen besetzt. Sultan Mohammed wurde auf der Hin= und Rückfahrt stürmisch begrüßt. Ein Zwischenfall kam nicht vor. Konstantinopel, 30. April. Das Mini sterium der Zivilliste wird aufgehoben und die Rechnungsführung wird dem Finanz= miniserinm übertragen. V Konstantinopel, 30. April.„Turque“ erfährt, Abdul Hamid werde nur einige Tage in Saloniti bleiben und dann nach Monastir geschickt werden. Demselben Blatte zufolge hatte die mazedonische Armee 97 Tote und 160 Vermundete gehabt, die Widerstand leistenden Truppen 297 Tute und 585 Verwundete. Koustantinopel, 30. April. Der Harem und der weibliche Hofstaat des Jildis, insgesamt (500 Personen, wurden nach dem alten Serail übergeführt. Die Frauen bleiben dort vorläufig unter strenger Bewachung. Von den Ennuchen wurde der größte Teil während der letzten Tage getötet, der Rest wird nach Afrika verbannt. Zahlreiche Stlaven und Sklavinnen erhielten die Freiheit. Deutschland und der Thronwechsel in der Türkei. I Berlin. 30. April. Wie die„Nordd. Allg. hört, hat der türtische Botschafter Opman Nisami Pascha den Tyronmechsel in der Turkei dem Auswärtigen Amt norisiziert. Die deutsche Re gierung hat von dieser Ritteilung Kenntnis ge nommen und den türtischen Botschafter gebeten, der türlischen Regierung ihre Glückwünsche für den Sultan und das ottomanische Volk zu übermitteln. Gleichzeitig ist der kaiserliche Botschafter in Konstantinovel beauftragt worden, der dortigen Regierung die deutschen Glückwünsche auszusprechen. Der Staatssekretär Frhr. v. Schoen stattete dem türkischen Botschafter aus Anlaß des Thronwechsels einen Glückwunschbesuch ab. Kaiser Wilhelm und Mohamed V. V Korfn, 30. April. Der Kaiser hat an den Sultan Mohammed ein Glückwunschtelegramm gerichtet. Verzeichnis der in der Ausführung begriffenen bezw. in diesem Jahre voraussichtlich andzuführenden hauptsächlichsten Stratzen=Neubauten, Straßenunterhaltunge= und Kanalitierungsarbeiten. n Straßen=Neubauten werden unter anderem ausgeführt werden in der Bachstraße zwischen Buschen= und Grummertstraße, Elbersnser zwischen Haiden= und Iserlohnerstraße, Ewaldstraße zwischen Minerva= und Langestraße, Fleyerstraße von der Gneisenaustraße auswärts, Friedenstraße nördlich der Spichernstraße, Franz straße zwischen Schützen= und Krähnockenstraße, Goetbestraße zwischen Hartort= und Schwerterstraße, diejenigen Teile der Gutenberg=, Siemens= und Borsigstraße, welche das Grundstück der neu zu er bauenden Wehringhauser Kirche einschließen, Heinrichstraße, Minervastraße zwischen Gustav= und Ewaldstraße, Schillerstraße zwischen Neue Bach= und Klopstockstraße, Minervastraße zwischen Augustaund Gutenbergstraße, Paschestraße zwischen Pelmteund Gutenbergstraße. b) Mit Pflaster werden versehen: die Augustastraße zwischen Wilhelm= und Neue Friedrichstraße, Wehringhauserstraße zwischen Kölner= und Schwanenstraße, Augustastraße zwischen Bach= und Minervastraße, Minervastraße zwischen Augusta= und Wehringhauserstraße, Eilperstraße zwi schen Jäger= und Franzstraße, Rembergstraße zwischen Totenhofweg und der früheren Stadtgrenze, Selbeckerstraße zwischen Eilperstraße und dem Postschen Hammer, der Uebergang an der Kreuzung Grün= und Lessingstraße, sowie das Straßenkreue Buschey=Grünstraße. c) Straßenteerungen finden statt: in der Jägerstraße, Bergstraße, Kirchstraße, Marien straße zwischen Hoch= und Bergstraße, Badstraße zwischen der Volme und der Heinitzstraße, Potthofstraße zwischen Haiden= und Badstraße, Rathausstraße, Ge werbestraße, Fleyerstraße zwischen Haiden= und Heinitzstraße, Langestraße zwischen Wilhelm= und Pelmtestraße, Pelmkestraße zwischen Langestraße und der katholischen Schule, Kaiserplatz, Gartenstratze zwischen Hoch= und Bergstraße, Vittoriastraße, Lonkordiastraße zwischen Hochstraße und Volmetalbahn, Bachstraße zwischen Wehringhauserstraße und der Bahn, Kaiserstraße, Heinitzstraße zwischen Zietenund Müllerstraße. d) Neueingedeckt werden: die Bachstraße zwischen Lange= und Augustastraße, Langestraße zwischen Pelmke= und Ewaldstraße, Kai serstraße, Konkordiastraße zwischen Höchstraße und Volmetalbahn, Vittoriastraße, Heinitzstraße zwischen Zieten= und Müllerstraße, Schützenstraße zwischen Jägerstraße und dem Bezirkskommando, Selbeckerstraße oberhalb des Postschen Hammers. e) Stampfasphaltierungen finden statt: in der Körnerstraße zwischen Bad= und Mittelstraße, Mittelstraße, Elberfelderstraße zwischen Mittel= und Kampstraße. f) An Kanalbauten werden ausgeführt: die Kläranlage, der Hauptkanal von der Unterführung der Ennepetalbahn in der Wehringhauserstraße durch die Kölnerstraße, Eckeseyerstraße bis zur Kläranlage, der Kanal in der Werdestraße, die Kanäle für Schmutz= und Regenwasser in der Weidestraße, der Kanal in der Bachstraße, der Kanal in der Feldstraße, der Kanal in den Straßen„Elbersufer“ und„Am hohen Graben“, der Kanal in der Borsigstraße. Westfälisch=Rheinisches. 9ochdruck imnserer mit Lriginalzeichen versehenen Korrespondenzen nur Quellenangabenut gestattet. Hagen, den 1. Mai. * Wandfahrplan.(Berichtigung.) Strecke Unna(Hamm=Soest): Ab Hagen Zug 10,13 abends fährt bis Hamm, Zug 12,40 nachts(v. 6. bis 9. Aug. u. 25. Aug. bis 11. Sept.) ist Eilzug; Strecke Dortmund=Süd(über Löttring= hausens: Ankunft Hagen Zug 3,08 v. Löttringhausen fährt nur Sonntags und hat in Löttringhausen von Dortmund=Süd Anschluß. Wir empfehlen unseren Beziehern die kleinen Aenderungen an ihrem Wandfahrplan vornehmen zu wollen. * Vollsitzung der Handwerkskammer. In der gestrigen Sitzung wurde der Etat der Kammer beraten, der in Einnahme und Ausgabe mit 66 100 Mk. gegen 61 200 Mk. i. V. abschließt. Die Mehrauswendungen haben ihren Grund in der erhöhten Bereitstellung von Mitteln zur Hebung des Handwerks. Von verschiedenen Seiten wurde darauf aufmerksam gemacht, daß die sozialen Einrichtungen den Etat ganz erheblich belasteten und es müsse erwogen werden, ob man mit den Aufwendungen für das Lehrlingswesen, soweit die theoretische Ausbildung in Frage komme, nicht bald„Halt“ mache. Als bedenklich wurde es auch bezeichnet, daß man dazu übergehe Volksschullehrer prottisch auszubilden, * Buer, 30. April.[Schweres Grubenunglück.] Auf der Zeche„Hugo“, Schacht 2, wurden auf der 620 Meter=Sohle beim Auswechseln von Schienen 4 Bergleute durch niedergehendes Erdreich verschüttet. Einer ist tödlich, zwei schwer, der letzte leicht verletzt. Der tödlich Verletzte ist nach kurzer Zeit im Krantenhause gestorben. Steele, 30. April.[Drei Mann gerettet.] Von den auf der Zeche Eintracht=Tiefbau im Freisenbruch am 26. ds. Mts. durch Kohlenfall verunglückten vier Bergleuten wurde gestern abend einer tot zu Tage gefördert. Er stand aufrecht, die Grubenlampe im Munde, als ob er im Begriff stände, der Gefahr zu enteilen. Mit den drei anderen Vergleuten ist heute mittag eine Verständigung erzielt worden, wobei es sich herausstellte, daß sie unversehrt sind. Man hofft, sie in einigen Stunden befreien zu können. Vereinsnachrichten und Veranstaltungen. Hagen, den 1. Mai. ( Der Deutsche Flotten=Verein(Kreisstelle Hagen) veranstaltet am Sonntag den 6. Juni d. J. ein größeres Sommerfest im Kaisergarten zu HagenEckesey. Sämtliche im Kreise Hagen Stadt und =Land bestehenden Marine= und Flotten=Vereine sind eingeladen. Eine größere Anzahl Zusagen liegt bereits vor. Die IV. Mairosen=Artillerie=Navelle zu Kurhaven ist für den Tag fest engagiert. Im übrigen werden die Vorbereitungen eifrigst gefördert. * Viktoriasaal. Ab Montag wird der Zauberlünstler Chamblu hier gastieren. Ueber sein Auftreten in Nachen berichten dortige Blätter:„Ein Künstler ersten Ranges, der holländische Hofkünstler Chambly, gibt hier gegenwärtig Vorstellungen, die wirklich eine besondere Beachtung verdienen. Von seinem ernen bis zum letzten Stüct hielt er die Spannung und das Interesse der sich bald zu einem größeren Kreise erweiternden Zuhörer und Zuschauer rege, was sehr wohl berechtigt war, denn vieles von dem, was er brachte, grenzte fast aus Wunderbare und stellt namentlich auf dem Gebiete des Spiritismus alles das in Schatten, was hier trotz Madame Frey, Cumberland, Merelli usw. gezeigt worden ist". G. Sieboldts Unternehmungen auf der Springe werden morgen, Sonntag, ihre letzten drei Abschieds= „s vorstellungen geben. Heute, Samstag, nachmittag ist u. Kv., bei der jetzt die sogen. Streikarbeit verrichtet! das letzte Kinderfest mit Geschenkverteilung. Abends werden soll, waren bis zur Stunde noch an ihrer in Kabarettvorstellung: Ein Abend im amerikanischen Tingel=Tangel. damit diese fachlichen Unterricht erteilen könnten. Solches tomme doch wohl Leuten aus den Reihen der Handwerker zu. Der Etat wurde genehmiat und auf Vorschlag des Kammermitgliedes Althoff=Hamm für die Errichtung eines Erholungs= heims für Handwerker 1000 Mark in den Etat eingestellt. Schließlich erörterte die Kammer das Su bmissionswesen, ein Kapitel, an dessen Verbesserung alle Kreise des Handwerks schon lange arbeiten. Die Repräsentation der größeren cvangel. Gemeinde sprach sich in ihrer letzten Sitzung grundsätzlich für die Versicherung der vorhandenen 9 Pfarrstellen bei der Alterszulagekasse aus. Endgültig wird die Sache entschieden, wenn der Bescheid eingetroffen ist, welcher Klasse unsere Pfarrstellen zugewiesen werden sollen.— Für die abermalige Herrichtung des Kirchplatzes an der Johannistirche wurden bis zu 120 Mark bewilligt. * Beginn der Kinderlehre. Der Konfirmandenunterricht beginnt in der nächsten Woche und zwar am Dienstag, 4. Mai, nach Schluß der dritten Unterrichtsstunde für die Vollsschüler; Mittwoch, 5 Mai, 11½ Uhr, für die Schüler und Schülerinnen der höheren Lehranstalten. Die Aufnahme der Natechumenen ist in allen Bezirken am Mittwoch, 5. Mai, um 2 Uhr nachmittags. Auswärts getaufte Kinder müssen einen Tausschein mitbringen, den die Hei matgemeinde zu diesem Zwecke kostenlos ausstellt. Aufgenommen werden alle Kinder, die 12 Jahre alt sind oder bis zum 30. September ds. Jahres 12 Jahre alt werden. * Sonntagsruhe im Bäckergewerbe. Am Sonntag den 9. Mai findet im Kaisersaale ein Verbandstag der Bäcker=Innungen des Bezirks statt zwecks Besprechung über die Einführung der Sonntagsruhe im Väckergewerbe. In einer vor einigen Wochen stattgesundenen Vorbesprechung der Vertreter haben sich diese für die Einführung ausgesprochen. * Arbeiterbewegung. Der von uns gestern gemeldete Ausstand von 30 Schmieden der Firma Brenne, Haugarter u. Kv. in Haspe hat schon weitere Kreise gezogen. Da die Firma ihren Betrieb in der Beschlagteilfabrik nicht aufrecht erhalten kann, so hat sie in diesem Teile ihres Betriebes sämtlichen etwa 100 Arbeitern gekündigt, so daß dieser in 14Tagen still gelegt wird. Der Betrieb in der Federnfabrik wird aufrecht erhalten.— Die Arbeiter der Firma Lange Arbeitsstelle. * Schlecht belohnte Gutmütigkeit. In der Hüttenbergstraße wurden gestern vormittag von einem noch schulpflichtigen Bürschchen die Spardosen der Kinder entwendet. Kurze Zeit darauf wurde der Junge in der Nachbarschaft beim Eierdiebstahl ertappt und festgenommen. Der Besitzer, dem der Junge erzählte, daß seine Mutter trank sei, nahm unn seinerseits nuch einige Eier mit, um sie selbst der Familie zu überbringen. Unterwegs ergriff jedoch der jugendliche Schwindler die Flucht und sprang durch die Volme. Hier halfen ihm Eisen bahnbeamte aus dem Wasser. Der Verfolger konnte froh sein, ohne Streit mit den Beschützern des„unschuldigen Kindes“ davonzulommen. P’. Festgenommen wurde ein vom Amtsgericht Schwerte wegen Diebstahls steckbrieflich verfolgter Arbeiter. ### Herdecke, 1. Mai.[Fortzug.] Herr Bürgermeister Dr. Goccke, der in gleicher Eigenschaft nach Natzeburg gewählt ist, wird Herdecke am 5. Mai verlassen. □ Plettenberg, 30. April.[Die Genickstarrel hat weitere Opfer gefordert. In Eiring= hausen erkrantte eine Mutter mit ihrem Kinde. Letzteres in der Krantheit erlegen. Ferner ertrankte eine hier weilende Krantenschwester aus Witten. In der Ziegelstraße erlag ein Mädchen der tückischen Krankheit.— In der Bürgerschaft macht sich starker Unwille darüber geltend, daß die Erkrankten des ganzen Kreises in die hier aufgestellten Varacten verbracht werden sollen. Die Stadtverordneten sind zu einer dringlichen Sitzung einberufen. An die Regierung soll eine Protestkundgebung abgeben. N Oepeschendienst der„Hagener Zeitung". Einsturz einer Ballonhalle. Frankfurt a. M., 1. Mai. Gestern mittag stürzte infolge eines plötzlich einsetzenden schweren Sturmes auf dem Ausstellungsgelände der Internationalen Luftschifffahrts=Gesellschaft die zur Aufnahme des Parseval=Vallons bestimmte Halle in sich zusammen. Ein größere Anzahl Arbeiter wurden leicht verletzt, drei schwer. 8 Personen verbronnt. Newyork, 1. Mai. Ein von Italienern bewohntes Mietohaus wurde von der Bande der Schwarzen Hand in Brand gesteckt, da die Bewohner sich geweigert hatten, 1000 Dollars zu zahlen. Acht Personen, darnnter fünf Kinder, kamen in den Ilammen um. Kirche abgebrannt. □ Osnabrück, 1. Mai. Die bekannte von Karl dem Großen erbaute Kirche in Wallenhorst ist gestern abend durch einen Blitzstrahl angezündet worden. Ein brennender Fesselballon. Berlin, 1. Mai. Ein Fesselballon der Luftschifferabteilung riß sich gestern im starken Sturme ros, ging in der Nähe des Bahnhofes Schünholz brennend nieder. Im Korb des entslohenen Ballons befand sich Lentnant Grnder, vom Grenadierregiment Graf Aleist von Nollen dorf I. Westpr. Nr. 6, der eine Schadelverletzung erlitt. Der Ballon ist nur in der Länge von zwei Metern verbrannt, der andere Teil des Ballons wurde durch Leutnant Gruber durch Ersticken der Flamme gerettet. Durch Sturm umgekommen. — Nashville, 1. Mai. Infolge des gestrigen Tornados haben in Tenessee über 50 Personen das Leben eingebüßt. Der Materialschaden wird auf mehrere Millionen Dollars geschätzt. Große Unterschlagungen vor Gericht. # Berlin, 1. Mai. Der Defraudant Fritz Kluge, der die Aktiengesellschaft Artur Koppel um 103000 Mark durch raffinierte Betrugsmanöver geschädigt hat, sollte sich gestern vor der dritten Straftammer des Landgerichts I verantworten. Als der Vorsitzende mitten in der Vernehmung Kluges stand, wurde der Angeklagte plötzlich von einem schweren hysterischen Weinkrampf befallen, der die Fortsetzung der Verhandlung unmöglich machte. Auf Antrag des Staatsanwalts wurde die Verhandlung vertagt, da der Angeklagte verhandlungsunfähig sei.— Die Verteidiger wollen nun schriftliche Anträge auf Grund des Paragraphen 81 der Strasprozeßordnung stellen, um eine Untersuchung des Geisteszustandes des Angeklagten in einer öffentlichen Anstalt herbeizuführen. Verheerungen durch Orkane. 6 Newyork, 1. Mai. Neue Orkane haben im Mississippi=Tal und den Staaten Tennessee, Missouri, Indiana, Arkansas und Pennsylvania große Verheerungen angerichtet. Nähere Einzelheiten sind noch nicht bekannt, da die telegraphischen Leitungen zerstört sind. Nach den bisher vorliegenden Meldungen beträgt der Gesamtverlust an Menschenleven mehrere Hundert. Am schlimmsten scheinen die Stürme in Tennessee gewütet zu haben. Die Verluste an Eigentum werden auf 5 Millionen Tollar geschätzt. Der 60 Fuß hohe Wall des Gefängnisses von Michigan City in Indiana ist durch den Sturm zerstört worden. Es wurden Truppen herangezogen, um ein Entkommen der Sträflinge zu verhindern. Quittung. Zur Verpflegung eines armenischen Waisenkindes erhielt ich von N. N. 3 Mk., von K. 3 Mk. Herzlichen Dank! Weiteren Gaben sehe ich gern entgegen. Gegenüber Greueln des Türkenhasses, wie sie zum Hohn auf das türkische Verbrüderungs fest jetzt wieder in Adanah verübt wurden, soll sich christliche Barmberzigkeit offenbaren, soll die Christenheit den Türken zeigen, was sie unter allgemeiner Menschenliebe versteht. Pros. W. Bötticher, Hagen, Kirchstr. 1, II. Verantwortlich für den politischen und allgemeinen Teil, k. V.: Karl dartensels: für Feuilleton, Kunst und Wissenschaft Karl Hartensels: tur den lokalen und provinziellen Teil August Hoffmann; für die zeigen G. E. Krüner, sämtlich in Hagen. Schriftleitung(Fernsprecher 4.) und Geschältsstelle(Fernsprecher 39) pagen, Mittelstraße 22. Der Ral ist gekommen die Leute ziehen aus und müssen die Wohnungen rein machen. Nichts ist dafür besser, praktischer und billiger, wie Luhns Wasch=Ertrakt; damit geht's flott voran und alles wird recht schön frisch; wie neu. Ueberall in jedem besseren Geschäft ist jetzt Luhns Wasch=Ertrakt mit Rotband zu haben.— Bitte bemerken Sie sich: „Am roten Band wird Luhns erkannt!“ Bims die Händ’ mit Hbradort Wenn Sie Ihr Kind gesund, munter und geistig frisch sich entwickeln sehen wollen, so geben Sie ihm Dr. Hommel's Haematogen. Lassen Sie sich jedoch keine der vielen Nachahmungen auf4123 reden! Statt besonderer Anzeige. Es hat Gott dem Alllnächtigen in seinem unerforschlichen Ratschlusse gefallen, gestern morgen meinen lieben, unvergesslichen Mann, unsern guten Vater, den Strassenmeister a. D. Carl Funck nach langem, schwerem Leiden, infolge Gehirnschlages, im Alter von 55 Jahren zu sich in die Ewigkeit zu nehmen. Um stille Teilnahme bitten Frau Aletta Funck und Kinder. Hagen, Düsseldorf, den 1. Mai 1909. Heute früh 2½ Uhr entschlief sanft im Herrn meine innigstgelichte Frau, unsere Tante und Schwägerin teure Mutter, Schwester, Emma Platte geb. Brockmann im Alter von 43 Jahren. Ihr Wunsch bei Jesu zu sein, ist nun auf ewig erfüllt. Philipper 1. 23. Herdecke, den 30. April 1909. Die trauernden Hinterbliebenen: Philipp Platte nebst Kindern. 0 65 W Die Beerdigung findet Montag nachmittag 3½ Uhr in Warstein statt. Das feierliche Seelenamt ist am Dienstag in der Marienkirche zu Hagen. Sc Statt jeder besonderen Anzeigo. Nach(ottes unerforschlichem Ratschlusse entschlief heute nachmittag 2 Uhr sanft nach langem, schwerem, mit grosser Geduld ertragenem Leiden unser innigstgeliebter einziger Sohn, Enkel und Netfe am Sonntag den 2. Sterbchause aus statt. Mai, Die Beerdigung findet nachmittags 4½ Uhr. vom Kranzspenden bitte im Sinne der Entschlafenen zu unterlassen. I SIAT Todes-Anzeige. Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, heute nachmittag 4½ Uhr meinen innigstgeliebten Sohn, unsern lieben Bruder und Neffen Gustav Voss im Alter von 22½2 Jahren, nach langem, schwerem, mit grosser Geduld ertragenem Leiden zu sich in die Lwigkeit zu nehmen. Um stille Teilnahme bitten Die trauernden Hinterbliebenen. Blumenthal, Oberwengern, Gründschöttel, Volmarstein, Hattingen und Silschede, den 29. April 1909. Die Beerdigung findet statt am Sonntag den 2. Mai, nachmittags 3 Uhr, von. Sterbehause aus. Danksagung herzliche Te Für nahme teuren allen Dank. Geschwister Wiesel die bein Tode unserer Mutter sagen wir unseren herzlichen 15 Herd- u. Oien-Brandt Hagen I. W. Kampstrasse Nr. Oefen 31 in jed. Preislage u. Geschmack. Feinste Referenzen. Telefon 1194. Josef im zarten Alter von 3 Jahren. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Johann Beule und Frau, Amnlie geborene Blume. Hagen, den 30. April 1909. Todes-Anzeige. Dem Herrn über Leben und Tod hat es gefallen. am Freitagnachmittag 4 Uhr nach kurzem Kranksein meinen lieben Mann, unsern guten, treusorgenden Vater, Schwiegervater, Grossvater, Schwager und Onkel Ludwig Blankenagel im Alter von 75½ Jahron in ein besseres Jenseits abzurufen. Dies zeigen tiefbetrübt an mit der Bitte um stille Teilnahme Altenvoerde, Voerde, Milspe, den 1. Mai 1909. Die trauernden Hinterbliebenen. Ani den der statt besonderer Nachricht. 29. April entschlief sanft nach langem Geheime Justizrat Wünnenberg zu Paderborn im 79. Lebensjahre. Paderborn, Hagen i. W., Hamburg, Newrork. Die trauernden Hinterbliebenen. Im Auftrage: Wünnenberg, Assessor a. D. Die Beerdigung findet Montag, don 3. Mai 1900, nachmittags 4½ Uhr, vom Sterbehause, Waldstrasse 1, als statt. Heute nacht ½a12 Uhr entschlief sanft und gottergeben mein lieber Mann, unser guter Vater, Schwiegervater, Grossvater, Bruder. Schwager und Onkel, dor Landwirt August Einhaus im beinahe vollendeten 59. Lebensjahre. Um stille Toilnahme bitten Die trauernden Hinterbliebenen, Berchum, den 29. April 1909. Die Beerdigung findet Montag den 3. Mai, nachmittags 3 Uhr, vom Sterbchause aus stall. wercen um Besichtigung meiner interessanten und grossen Mustersimmer-Ausstellung gebeten, erstklassige süddeutsche Arbeit, mässige Preise. Ernst Rabenschlag:: Hagen iW. S"—— Elberfelderstr. 40. Verlobte Möbelfabrik 1- u. 2 spännige sehlerfreie Pferde auf sofort wegen Aufgabe des Fuhrwerks zu verkaufen. Angeb. unter U 14093 an die Geschst. d. Itg. Mädchen oder Frau zur Instandsetzung der einfachen Kleidung einer kinderr. Familie auf 1 bis 3 Monate für ganz oder nachmittags gesucht. 14050 Hochstr. 87, 1. Et. HSusun Echt chinesische Lei-Di Bettjedern, dopp. gereinigt, nur 12,00 Mf., volldaunig 2,50 Mf., russische Halbdaunen nur 3.20 Mk. p. Pfund. 12613 [Kug. Bechord, Bettsedernfabrik Hobenlimbura i. W Fan Walther Stamm Hagen i. W. Bahnhof- u. Neumarktstr.-Eck;. 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J. gesaßte verlangte Fil dung als für Reiches dring verband deut für unerläßli bracht werde wesentlich de tikeln des Weise, daß die von den Verl andere Teil d. erlegen, daß d ihrer eigenen len nicht ange deutscher Indi Regierungen Der Verband rungen zur rung der Reic ten Maßnahm Diese Res batte einstimm Darauf er bandes Dentso bericht. In dem Bueck einen a schaftliche Lage die bisherige bei allen Nach mehrung der laß der Reich angestellt work tionalvermöger hervor, daß De Land geworden neben England aber die Beze England und Deutschland ge daß die Landm wesentlichen 2 schwunge Deut wirtschaft ist v inneren Markt Stütze für unst daß die Handel bandes sich als weisen wird. ertremen Ausu politit gewandt am Getreide, d Landwirtschaft, getreten.— Ein Zu dem Th referierte Gene folgender Rest „Der Jentr vom 13. März u zeugung Ausdri beitstammern d den und ein a beitgebern und fördern, nicht er daß sie im Gege Verhältnisses ur laß geben müsse gert worden dur Reichstages, best setzung des Alt der Wählbaren, Wählbarkeit auf oder Angestellte fungieren. Ind aus abweise: über im vollen seinem lebhafter die verbündeter Strömung imme setz veranlaßt h unserer wirtschaf zweiselhaft beitr. In der Beg Redner auf die von den Soziald Ein großer zur Soziall B. gibt schaftigen und so eine harte Zumn Leuten zusammer zu sollen lsehrr sozialen Frieden Frieden zwischen ten reis berg Nr. 101 1909 Samstag den 1. Mai. Begsbreih vierteljährlich M. 2.50. Anzeigenpreis die einfache Spaltenzeile oder deren Raum 1* Pfennig. Fernsprecher: Geschäftsstelle Nr. 35. Schriftleitung Nr. 42. Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonnund Festtage. Druck und Verlag: Gustav Butz in Hagen, Mittelstraße 22. Fernsprecher: Geschäftsstelle Nr. 39. Schriftleitung Nr. 42. Zweites Blatt. Zentralverband deutscher Industrieller. (Nachdruck verboten.) S. u. H. Berlin, 29. April. Unter zahlreicher Beteiligung von Großindu striellen aus allen Teilen Deutschlands trat im Hotel Adlon heute vormittag der Zentralverband deutscher Industrieller zu einer Delegiertensitzung zusammen, die vor allem zu der Frage der Reichsfinanzreform Stellung nehmen soll. Von Vertretern der Regierung waren erschienen: Geheimrat Neumann und Geh. Reg.=Rat Hopp vom Ministerium des In nern. Der Vorsitzende des Direktoriums Landrat a. D. Roctger begrüßte die Erschienenen namens des Tircttoriums und erklärte: Es ist nicht zu übersehen, daß den Reichstag gegenwärtig eine Vorlage beschäftigt, so wichtig, wie ihn seit langer Zeit keine ähn liche beschäftigt hat. Nur wenige Tage trennen uns noch von demjenigen, au welchem die Regierung ge nötigt sein wird, an die Sparkraft des deutschen Volkes zu appellieren. Wir Industriellen müssen hier sagen: leider, denn sicherlich geht mit der Zeichnung auf neue Anleihen ein Teil des Zuwachses an Nationalvermögen den produktiven Anlagen per loren. Wir haben uns im wesentlichen auf den Boden der Regierungsvorlage gestellt und auch gegen die Besteuerung des Besitzes Einwendungen nicht erhoben. Wir möchten heute hier der Hoffnung Ausdruck geben, daß die Regierung sich von diesem Standpunkte nicht abbringen lassen möge. Der Voxsitzende legt sodann der Versammlung folgende Resolution vor:„Der Zentralverband deutscher Industrieller hat mit den in seiner Versammlung vom November v. J. gesaßten Beschlüssen die von der Regierung verlangte Finanzreform unter eingehender Begrün dung als für den Bestand und das Gedeihen des Reiches dringend notwendig erklärt. Der Zentral= verband deutscher Industrieller hält nach wie vor für unerläßlich, daß ein Teil des Bedarfes ausgebracht werde durch die Erhöhung der Abgaben von wesentlich dem Genusse dienenden Ar tikeln des Massenverbrauches und zwar in der Weise, daß die Last nicht von den Herstellern, sondern von den Verbranchern getragen werden muß. Der andere Teil des Bedarfs ist dem Besitz derart aufzuerlegen, daß die für die Bundesstaaten zur Erfüllung ihrer eigenen Aufgabe unentbehrlichen Steucrquel len nicht angegriffen werden. Der Zentralverband deutscher Industrieller erwartet, daß die verbündeten Regierungen an der Finanzreform festhalten werden. Der Verband wird alle von den verbündeten Regie rungen zur schnellen und vollständigen Durchsüh rung der Reichsfinanzreform für notwendig erachte ten Maßnahmen unterstünen und zu fördern suchen.“ Diese Resolution gelangte ohne besondere Debatte einstimmig zu Annahme. Darauf erstattete der Generalsekretär des Verbandes Dentscher Industrieller Bueck den Geschäftsbericht. In dem Geschäftsbericht gab Generalsekretär Bueck einen allgemeinen Ueberblick über die wirt schaftliche Lage Deutschlands und kam dabei auch auf die bisherige Geldtuappheit zu sprechen, die bei allen Nachteilen doch auch eine ungesunde Ver mehrung der Produktion vermieden habe. Aus An laß der Reichsfinanzreform seien Untersuchungen angestellt worden über die Höhe des deutschen Na tionalvermögens. Aus diesen Untersuchungen gese hervor, daß Deutschland aus einem armen ein reiches Land geworden sei, es könne sich jetzt vollberechtigt neben England und Frankreich stellen. Man könne aber die Bezeichnung„Industriestaat“, wie sie auf England und Belgien angewandt werde, nicht für Deutschland gelten lassen. Es stehe außer Zweisel, daß die Landwirtschaft zum großen, wenn nicht zum wesentlichen Teil zu dem wirtschaftlichen Auf schwunge Deutschlands beigetragen habe. Die Landwirtschaft ist von der größten Bedeutung für den inneren Markt, den wir wieder als die sicherste Stütze für unsere Tätigkeit betrachten. Wir hoffen, daß die Handels= und Zollpolitik des Zentralverbandes sich als auf dem richtigen Wege befindlich erweisen wird. Wir haben uns freilich gegen die ertremen Auswüchse einer demagogenhaften Agrar politik gewandt, aber für einen angemessenen Zull auf Getreide, die hauptsächlichste Grundlage unserer Landwirtschaft, sind wir mit aller Entschiedenheit ein getreten.— Eine Diskussion sand nicht statt. Zu dem Thema Arbeitskammergesetz referierte Generalsetretär Bueck unter Vorlegung folgender Resolution: „Der Zeutralverband hat in seinen Beschlüssen vom 13. März v. J. und 30. Januar d. J. der Ueberzeugung Ausdruck gegeben, daß die paritätischen Nr beitstammern die Aufgabe, den wirtschaftlichen Frie den und ein gedeihliches Verhältnis zwischen Ar beitgebern und Arbeitnehmern zu pflegen und zu fördern, nicht erfüllen können und werden, sondern daß sie im Gegenteil zu einer Verschlechterung dieses Verhältnisses und der betreffenden Beziehungen An laß geben müssen. Diese Befürchtung ist noch gestei gert worden durch die Beschlüsse der Kommission des Reichstages, besonders mit bezug auf die Herab setzung des Alters der zur Wahl Berechtigten und der Wählbaren, und durch die Ausdehnung der Wählbarkeit auf solche Personen, die als Vorsitzende oder Angestellte der beiderseitigen Organisationen fungieren. Indem der Zentralverband seine durch aus abweisende Stellung diesem Gesetze gegenüber im vollen Umfange aufrecht erhält, gibt er seinem lebhaften Bedauern darüber Ansdruck, daß die verbündeten Regierungen, der sozialistischen Strömung immer weiter nachgehend, wieder ein Ge setz vergnlaßt haben, das zur weiteren Schädigung unserer wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse un zweiselhaft beitragen wird.“ In der Begründung der Resolution wies der Redner auf die Gefahr hin, daß die Arbeitskammern von den Sozialdemokraten majorisiert werden könn ten. Ein großer Teil der kleinen Arbeitgeber ist be reits zur Sozialdemokratie übergegangen. In Nürn berg 3. B. gibt es Arbeiter, die 30 10 Arbeiter be schäftigen und sozialdemokratisch gesinnt sind. Es ist eine harte Zumntung an die Arbeitgeber, mit solchen Leuten zusammen über ihre Lebensinteressen beraten zu sollen(sehr richtig). Das Gesen wird nicht den sozialen Frieden fördern. Legien hat ja erklärt, daß Frieden zwischen Arbeitern und Arbeitgebern erst dann herrschen solle, wenn die Arbeitsmittel in den Besitz der Arbeiter übergegangen seien, also im Iukunftstaate. Das Gesetz gehört in das sozialpolitische System der letzten 10 Jahre. Die Regierung will in dem Gesetze ihre Autorität aufrecht erhalten, indem sic die Staatsarbeiter von dem Gesetze ausschließt. Wie lange sie dazu noch die Macht haben wird, ist eine andere Frage.(Sehr gut! Das Gesetz wird aber jedenfalls zustande kommen und wird bleiben und die Industrie wird den Schaden zu tragen haben. (Lebh. Beifalls. Nach einer turzen Diskussion wurde die Resolution angenommen. Ueber den letzten Puntt der Tagesordnung:„Die Beschlüßse der Reichstagstommission zur Gewerbeordnungsnovelle“ referierte Regierungsrat Dr. Bartels an der Hand folgender Resolution, in der es u. a. heißt: „Die Telegiertenversammlung ertlärt sich mit Entschiedenheit gegen die die Regierungsvorlage noch verschärfenden Kommissionsbeschlüsse in Sachen der Konturrenzklauset und gegen die erweiter ten Eingriffe in die Freiheit des privaten Arbeits vertrages. Gänzlich unannehmbar erscheint für die Industrie die obligatorische Einführung ständiger Arbeiter=Ausschüsse für ihre Betriebe, sowie die Uebertragung von Besugnissen an diese, zur Mit wirtung beim Erlaß von Ausnahmevorschriften, zur Regelung der Arbeitszeiten und der Sonntagsruhe. Diese Mitbeteiligung der Arbeiterschaft an der Betriebsleitung ist ein meiterer gesetzgeberischer Schritt zur Auslieferung der Herrschaft über die Betriebe an die Sozialdemotratie und zu deren staatlicher Organisation innerhalb der Fabriken. Bei der Ueberlastung des Reichstages liegt das Schwergewicht in den Kommissionen, in denen bei der mangelhaften Vertretung der Industrie und bei der Abneigung des Reichstages, mit den gewerblichen Kreisen unmittel bar Fühlung zu nehmen, Beschlüsse gesaßt werden, die zu den schwernen Mitzstimmungen und Bennruhigungen des gesamten Unternehmertums führen. Da im Plenum eine Abänderung der Kommissions= beschlüsse nicht zu erwarten steht, richtete die Delegiertenversammlung an die Regierung die Bitte, der Gewerbeordnungsnovelle die verfassungsmäßige In stimmung im Bundesrat versagen zu wollen.“ Nach einer kurzen Distustion wurde auch diese Resolntion angenommen und dann die Tagung geschlossen. Am schwedischen Hose vor 50 Jahren. Zum 3. Baude der Memoiren des Marschalls Caurobert. Germain Bapst, der fleißige französische Hi storiker, setzt die Veröffentlichung der Memoiren des Marschalls Canrobert fort und hal jetzt, vor kurzem, deren dritten Band herausgegeben. Er umsaßt die Ereignisse, die zwischen der Eroberung von Sebastopol und dem Waffenstillstande von Villafranca liegen, ist also vorwiegend militärischen In haltes. Aber in dem ernen Kapitel erzählt Canrobert von einer wenig bekannten und des geschichtlichen Inte esses nicht entbehrenden Mission, die ihn wäh rend der letzten Phase des Krimtrieges nach Stock. holm führte und ihm die Antgabe stellte, einmal natt der Tapferteit hofmännische Gewandtheit und diplo matisches Geschic zu zeigen. Der offizielle, änßerliche Zweck der Mission war die Ueberbringung der Abzeichen des Großtrenzes der Ehrenlegion an den nonig Ootar l. von Schweden und Normegen. Man hätte indessen für diesen nicht allzu wichtigen Akt schwerlich den vo pulärsten General der französischen weeres, deisen Stirn die frischen in der Krim gewonnenen Lor beeren schmückten, gewählt, wenn es sich nicht zu gleich um die Erreichung eines viel bedeutenderen politischen Zieles geyandelt hätte. Dieses Ziel be stand darin, das schwedischuorwegische Reich vor aller Welt eng an Frantreich zu tetten, es zu feindseliger Haltung gegen Rußland zu veraulassen und dadurch Rutzland— wo die öfsentliche Meinung seit dem Falle Sebastopols und dem Tode des Zaren Nikolaus I. das Ende des mörderischen Streites herbeiwünschte— zur Nachgiebigleit, zum Frieden zu zwingen. Zwischen dem Hause Bernadotte, das mit dem Vater des Königs Ostar I. auf den Thron von Schweden und Norwegen gelangt war, und zwischen dem Hause Bonaparte, dessen Herrschaft Napoleon III. in Frantreich wieder auf gerichtet hatte, bestanden enge Beziehungen der Freundschaft und Verwandtschaft. Noch lebte die Witwe Vernadottes, Desirde Clarn, die einst mit dem großen Kaiser Napoleon verlobt ge wesen war und die, trotz aller Königinnenherrlichleit, in Stockbolm nur von ihrer französischen Heimat, von dem sonnigen Marseille und dem eleganten, unterhaltenden Paris tränmte. Und die Gemahlin ihres Sohnes, Ostar I., die Königin Jusephine, war dem Kaiser Napoleon III. als eine Beanbarnais, eine Tochter des Vizekönigs Engen von Italien, durch nahe Alntsvermandtschaft verbunden. Der Boden war auch sonst gut vorbereitet. Das schwedische Volk sumpathisierte mit dem französischen, in Stockholm hatte man, als die Nachricht von der Einnahme Sebastovols eintraf, illuminiert, und der Kronprinz, der später als König Karl XV. zur Re gierung gelangte, befürwortete mit Leidenschaft ein ofsenkundiges Bündnis mit Frankreich. So wurde dem Marschall Caurobert denn auch in Stockholm, inv er am 6. November 1855 aukam, der glänzendste Empfang zu teit. In feierlicher Andienz, im Bei sein der höchsten Würdenträger des Staates und Hofes übergab er dem Könige die Ehrenlegion und hatte dann in dessen Arbeitszimmer eine Unter redung mit ihm, die eine halbe Stunde währte. Den Marschall überraschte dabei des Königs entschiedener Gascogner=Aecent, den er von seinem Vater Berna dotte geerbt hatte, ohne jemals selbst im Süden Frantreichs gewesen zu sein. Seinem Vater glich er auch im Aussehen, besonders durch seine dunklen, großen Angen und seine start hervorspringende Nase. Der König erklärte, es würde seinem Wunsche ent sprechen, in die französisch englische Allianz einzutreten, doch müßten sich dieser zuvor noch andere Mächte anschließen,— und vor dem Frühjahr ließe sich ja ohnenin nichts Entscheidendes unternehmen. Er lobte sein Heer und seine Marine, und seine bei den Söhne, der Kronprinz und der Prinz Ookar, der nachmals als König Oslar II. hieß, stellten sich dem Marschau zur Verfügung, um ihm die Streitkräfte Schwedens zu Wasser und zu Land zu zeigen. Auch die regierende Königin empfing den französischen Abgesandten voll Zuvorkommenheit und benutzte die Gelegenheit, ihn gründlich nach den Toiletten der Kaiserin Engenie und den Festen der Tuilerien auszufragen. In eine ganz andere Welt versetzte den Marschall der Besuch, den er dann der KöniginMutter Däsirée abstattete. Sie war damals 78 Jahre alt, lebte aber ganz in der Erinnerung an ihre Ingend und halte sich eine kolette Zierlichkeit bewahrt, die in seltsamem Gegensatz zu ihrem Alter stand. Sie empfing den Marichall in einem großen, im Empire stil eingerichteten Zimmer, dessen Mahagonimöbel mit hellgelber Seide bespannt und mit Bronzebeschlägen geschmückt waren und das ihr zugleich als Wohn zimmer und als Schlaszimmer diente. Canrobert überbrachte ihr die Grüße des Kaisers. Sofort unterbrach sie ihn mit den Worten:„Ihren Kaiser habe ich gekannt, wie er laum geboren war und als ein ganz kleines Kind bei seiner Mutter Horteuse in der Wiege lag.“ Und nun überschüttete sie den Marschall mit einer wahren Flut von Fragen. Das ungestillte Heimweh, das sie so lange im Herzen trug, trat zutage. Sie wollte wissen, ob Le Ron noch eristiere, der große Modeschneider der Ruc de Ri chelien, oder wer ihn ersetzt hätte? Ob Constant immer noch der bese Friseur wäre, und ob man noch die von der Kaiserin Marie Louise in die Mode gebrachten Pelzsacken mit silbernen Litzen trüge? Vor allem aber verlangte sie genaue Auskunft über ihr Palais in der Rue d'Anion in Paris, über ihren Garten, und wollte wissen, ob ihre Birnbäume dies mal schöne Früchte getragen hätten: Auf diese Frage hatte unn Napoleon III. den Marschall vorbereitet und ihm empfohlen, sich bei Chevet, dem ersten Delikatessenhändter von Paris, mit einer Kiste der schönnen Virnen zu verscehen und der Königin zu sagen, sie stammten aus ihrem Garten. Das tat ei jetzt und versetzte die Nönigin damit in helles Eutgüden. Sie wurde immer mitteilsamer, erzählte von Marseille, wo ihr Vater als Seidenfabrikant lebte und wo Vonaparte sie sah und sie liebte. So ober flächlich, so zerfahren, ja, so kindisch ihr Wesen sonst war,— die Erinnerung an diese Zeit pflegte sie mit rührender, ernster Treue. Sie zeigte ihrem Besuche ein kleines Pälchen, das die Entwürfe ihrer Brautbriefe an Nappleon enthieft, und sprach von Tagen, die um sechzig Jahre zurücklagen, wie von gestern und heute. Von Napoleon sagte sie: er sei„der netteste, gutmütigste Mensch von der Welt gewesen, ein munterer Gesellschafter, stets zum Lachen und Spielen aufgelegt, mit allem zufrieden und überall Frohsinn um sich verbreitend". Man wird dem Mar schau Caurobert nicht unrecht geben können, wenn er meint, Déüirée Clary wäre wohl der einzige Mensch auf Erden gewesen, der einen solchen Napolcon gekannt hätte. Viele Jahre lang lag im Hafen von Stockholm Tag und Nacht ein Schiff unter Dampf, um die alte Königin nach Frankreich zurückzuführen. Ein einziges Mal entschloß sie sich zur Fahrt, doch als die Küste Schwedens ihren Augen zu entschwinden be gann, ersaßte sie die Furcht, und sie befahl ihrem Entel Oslar, der das Schiff bejehligte, die Rückkehr. Einförmig schlich ihr Dasein hin. Täglich unternahm sie gegen Mitternacht in einer riesigen Karosse, von einem Kammerberrn und einer Hofdame vegleitet, durch die stillen Straßen der Hauptstadt eine langsame Fahrt, bei der alle drei bald sanft einschliesen, und wenn sie dann zur Rabe ging, ihre Nachttoilette beendet halte, mußte der Kammerherr ihre kleine, zierliche Gestalt in seine Arme nenmen und auf ihr zwei Meter hohes Bett niederlegen. Niemals fühlte sie, das Kind der Provenee, sich im talten Norden heimisch. Hatte Vernadotte ne doch erst 1828 durch einen strengen Besehl dazu vermocht, Paris zu ver lassen und sich nach Stockvolm zu begeben; sie hatte ihren ältesten Sohn damals achtzehn Jahre lang nicht gesehen. Sie stach erst 1860, 83 Jahre alt, in der Nacht und, wie Canrobert beyauptel, an den Zol gen eines Anfalles von Zorn darüber, daß sie zu spät in die Oper gerommen war und man respektwidriger Weise nicht auf sie gewartet hatte, um den Vorhang aufzuziehen. Also war sie von dem Gefühl tönig licher Würde doch wohl mehr durchdrungen, als sie sonst einzugestehen liebte,— mehr auch als Verna dotte, ihr Gemahl, der in seiner Todesstunde die Worte gesprochen haben soll:„Wenn ich daran dente, daß ich Marschall von Frankreich gewesen bin und nur als König von Schweden nerben sonl....!“ A. v. W. IC. Das Handwerk in England. Lange Zeit war in weiten Kreisen die Anschau ung verbreitet, das Handwerk oder in weiterem Sinne das Kleingewerbe müsse der fortschreitenden Entwicklung zum Großbetriebe völlig unterliegen. Diese Aufsassung kann heute als überwunden an gesehen werden. Zwar ist die starke Industrialisie rung Deutschlands verhältnismäßig noch jungen Datums. Würde sie aber zu einer gänzlichen Ver nichtung des Kleinbetriebes hintreiben, so müßte der Bestand des Kleingewerbes schon in weiterem Um sange reduziert worden sein, als es tatsächlich ge schehen ist. Zum Beweise jener Theorie hat man immer auf England als das am meisten industriell vorgeschrittene Land verwiesen. Es ist daher wohl der Mühe wert, einmal die Frage zu stellen: Wie sicht es mit dem Handwerk in England? Auch in England ist das Handwert nicht untergegangen. Schon Bernstein hat in seinem bekannten Buche über die„Voranssetzungen des So zialismus“ 11899 gestehen müssen:„Wir erhalten in Englands im ganzen für das Arbeiter= und Hilfs personal der Großbetriebe zwischen 31. und 1 Mil lionen, denen über 5½5 Millionen in Mittel= und Kleinbetrieben beschäftigte Personen gegenüber stehen. Die„Wertstatt der Welt“ ist danach noch bei weitem nicht in dem Grade, wie man meint, der Großindustrie verfallen. Die gewerblichen Betriebe zeigen vielmehr auch im britischen Reiche die größte Mannigfaltigkeit, und keine Größentlasse verschwin det aus der Stufenleiter.“ Eine genauere Feststel lung der Zahl der Handwerker in England ist leider vorderhand nicht möglich. Durch die englische Be rufsstatistik wird das Handwerk nicht erfaßt. Aneprinate Erhebungen über den Bestand des Handwerks existieren nicht. Ueberhaupt hat man die wissenschaftliche Seite der Handwerterfrage in Eng land vollständig vernachlässigt. Darstellungen über das Handwert nach Art der vom Verein für Sozial politit herausgegebenen Untersuchungen über die Lage des Handwerks in Deutschland gibt es in Eng land nicht. Man tennt dort gar keine„Handwerkerfrage“ im wissenschaftlichen Sinne. Um so daukenswerter ist es, daß ein Deutscher, Georg Brodnitz, das englische Kleingewerbe zum Gegenstande einer eingehenden wissenschaftlichen Untersuchung gemacht hat (Conrads Jahrbücher, Januar= und Februarheft 1909). Er kommt dabei zu dem Resultate, daß auch heute noch das Kleingewerbe in England eine nicht unbeträchtliche Rolle spiele. Bezeichnend dafür sei u. a. die Tatsache, daß in England(außer Schottland und Irland) noch 9 Prozent bei Weglassung des Bergbaues 10 Prozent aller e werbstätigen Inhaber gehilfenloser Einzelbetriebe seien. Wie erheblich dieser Prozentsatz ist, geht daraus hervor, daß in Deutschland nach der Berufs zählung von 1895 rund 17 Prozent aller gewerblich Tätigen Inhaber von Alleinbetrieben waren. Im merhin ist das Handwerk in England mehr znsammengeschmolzen als in Deutschleuid Die Ursachen dieser Erscheinung sind nicht nur in der fortgeschritteren industriellen Entwickelung, son dern auch in den Eigenheiten der gesamten englischen Wirtschaftsgeschichte zu suchen. „Seit einer Reihe von Jahren beobachte ich“. schreibt der Fabritinspektor in Newkastle 1906,„den langsamen aber dauernden Rückgang der Ge werbe in den ländlichen Bezirken. Dieser Rückgang beschräntt sich nicht auf einen bestimmten Industriezweig; er umsaßt Gerbereien, Brennereien, Sägemühlen, Wagenbauer, Getreidemühlen, Sattler, Schneider und Schuhmacher. Selbst der Zimmermann und Schmied auf dem Dorfe werden davon berührt. In den letzten 40 Jahren sind in Northumverland und Durham allein nicht weniger als 3 Gerbereien geschlossen worden. Horsan war frühet ein Zeutrum der Handschuhmacherei— jetzt wird dort kein einziges Paar gemacht. Weiter hat sich die Zahl der Bleihütten wesentlich vermindert. In den Landbezirken der genannten Grafschaften bestehen von früher 15 nur noch 2. Die Gründe dieser Verschiebungen sind verschiedener Natur. Aber der liebergang von der Feld= zur Weidewirtschaft brachte natürlich einen starten Rürkgang in der Zahl der Pferde und der landwirtschaftlichen Wertzeuge, und damit verringerte sich u. a. die Nachfrage nach Schmieden und Zimmerlenten. Der Rückgang der Bevölkerung beeinflußte die Land. schneider, Wagenbauer, Möbeltischler. Im übrigen zeigt die Entwickelung des Handwerts in England ähnliche oder ganz die gleichen Tendenzen wie in Deutschland. Wahrend auf der einen Seite das Handwerk überau dort Einbuße an seinem Bestande erfahren hat, wo gleichartige Massenproduktion durch Fabrik oder Verlag bezw. vermehrte Hausindustrie einsetzte, haben auf der anderen Seite die Handwerkszweige, die versünlichen oder lotalen Bedarf befriedigen, so namentlich die Nahrungsmittelgewerbe, oder bei denen die Handwerkstechnik vorherrschend geblieben, wie das Bauhandwert, serner diejenigen Handwerker, die Qualitätsarbeiten liesern, wie feine Schneider= und Schuhmacherarbeit, sich besser gehalten. Wie die Brodnitz'schen Untersuchungen zeigen, geht en wie in Deutschland so auch in England nicht an, ron einer gleichartigen Entwickelung des Handmerks als Summelbegriff genommen— zu reden. Die ein zelnen Handwerkszweige lassen, wie bei uns, eine ganz verschiedene, eigenartige Entwickelung er kennen. Eine positive Förderung hat das Handwerk in England bieher nur erst in ganz geringem Mazze erfahren. Wie schon oben bemerkt, gibt es dort eine eigentliche„Handwerkerfrage“ gar nicht. Auch eine Handwerkerbewegung und eine Handwertergesen gebung sind dort völlig unbekannt. Man hat dort weder gesetzliche Handwerkerkorporationen, wie Innungen und Handwerkskammern geschaffen, noch eri stieren irgend welche andere, auf die Hetung des Handwerks im allgemeinen oder die wirtschaftliche Stärtung im besonderen(Genossenschaftenf gerichtete freiwillige Vereinigungen. Höchstens, daß besondere Korporationen zur Hebung des Kunsthand werks bestehen, dem man in England eine gan; besondere Aufmerksamkeit zuwendet. Ferner kann man auch in gewissem Sinne von einer„Gewerbeförderung“ sprechen. So geben Gemeinden, wenn sie Elektrizitätswerke besitzen, mietweise oder auf Ab zahlung Kleinmotore an Kleingewerbetreibende ab. Ferner wendet man neuerdings auch dem gewerblichen Unterrichtswesen größere Aufmerksamkeit zu. Vorbildlich sind nach Brodnitz in England die Fachschulen, die dem Doppelzweck gewerblicher und lünstlerischer Ausbildung dienen. Dies erklärt sich„aus der hohen Wertung, die das künst lerische Gewerbe als ästhetischer wie als wirtschaftlicher Faktor in den letzten Jahrzehnten in England gefunden hat.“ Verständlich ist dieser Stand der Handwerkerfrage in England nur, wenn man bedenkt, daß dort der Gedanke der selbsteigenen Verantwortlichteit und der Gewerbefreiheit ganz anders im Voltsbewußt sein Boden gefaßt hat wie bei uns. Trotz der ge werberechtlichen Beschränkungen früherer Zeiten hat in England die Gewerbefreiheit im Prinzip eigent lich immer geherrscht. Der Fortfall der wenigen gesetzlichen Bestimmungen, die meist schon ihren prat tischen Wert verloren hatten, blieb daher auch oyne größere Wirtung auf die Haltung der Kleingewerb. treibenden, während die Einführung der Gewerde freiheit bei uns bekanntlich eine lebhafte Handwer terbewegung und dann auch eine Revision der Ge werbeordnung zur Folge hatte. Hagen, den 1. Mai. X Aus der Provinzialverwaltung. In der Uni versitätsdruckerei von Joh. Bredt ist unter dem Titel „Die provinzielle Selbstverwaltung Westfalens“ ein Werk erschienen, das den Landeshauptmann Dr. Hammerschmidt und eine Anzahl der oberen Provin zialbeamten zu Verfassern hat und auf 464 Quartseiten eine Fülle historischen und statistischen Materials enthält. Die aus Anlaß des 50. Zusammen tritts des Provinziallandtages veröffentlichte Schrift ist umso frendiger zu begrüßen, als die Kenntnis von der weitverzweigten Tätigkeit der provinziellen Selbstverwaltung noch sehr gering ist. Besondere Erwägung verdienen die umfangreichen Kapitel über soziale Fürsorge und Wohlfahrtopflege seit 1823, über die Beamten und Arbeiterversicherung und die Darstellung der gesamten finanziellen Verhält nisse der Provinz. Da. Wert wird demnächst auch im Buchhandel erscheinen. = Austellung technischer Lehrerinnen. Die Re gierung zu Arnsberg empfiehlt den Gemeinden, tech nische Lehrerinnen mehr als bisher anzustellen. Es wird hingewiesen auf die Wichtigkeit des Unterrichts in weiblichen Handarbeiten, sowie auf die hohe Be deutung des Turnens für die Gesundung und körperliche Entwickelung der weiblichen Jugend. Das Bemühen einzelner Kreisschulinspektoren, wissenschaftliche Lehrerinnen durch besondere Kurse für den Turnunterricht befähigt zu machen, solle anerkannt werden; doch seien solche Kurse nur als ein Notbehelf anzusehen. * Hamm, 30. April.[Von der Zeche„Radbod“.] Eine ziemlich starke Belegschaftsvermehrung wird in den nächsten Tagen auf Zeche„Radbod“ eintreten. Nachdem die zu den bisherigen Aufwältigungsarbeiten benötigte Arbeiterzahl in den letzten Wochen schon vermehrt worden war, soll, wie uns mitgeteilt wird, in den nächsten Tagen die Belegschaft unter Tage wieder um zirka 100 Mann verstärkt werden. Die Gesamtarbeiterzahl unter Tage wird sich dann auf zirka 250 Mann belaufen. * Recklinghausen, 30. April.[Zur Woh nungsfrage im Industriegebiet.] Die Bohnungsnot hat hier in Recklinghausen nachgerade einen bedrohlichen Umfang angenommen. Sie ist derart angewachsen, daß der Eisenbahnsiskus durch sie gezwungen worden ist, verschiedene seiner Maß nahmen rückgängig zu machen, nicht zum Vorteil der Stadt. Vom 1. Oktober 1908 ab sollte eine große Zahl Kohlenzüge zum Teil neu eingelegt, zum Teil von ihrem bisherigen Abgangsort Wanne nach Recklinghausen verlegt werden. Diese Einrichtung konnte aber nur teilweise durchgeführt werden, weil schon der erste, geringste Beamtenschub am 1. Oktober G 1900 zum Teil rückgängig gemacht werden mußte. Die Beamten konnten nicht alle hier Wohnung finden. Die geplanten umfangreichen Versetzungen nach hier am 1. Januar 1909 mußten darum unterbleiben, ebenso der weitere Schub am 1. April. Ferner wurde Anfang April d. J. die hier neu ervante Eisenbahn=Repgraturwerkstätte, die 2000 Mann beschäftigen soll, eröffnet, konnte jedoch nicht, wie geplant, mit 600 Mann den Betrieb anfangen, sondern mußte sich vorerst auf etwa 100 Mann beschränken. Diese fanden in der von der Eisenbahn= verwaltung selbst erbauten Beamten= und Arbeiterkolonie Unterkunst. Erst mit dem weiteren Ausbau dieser Kolonie konnten auch noch mehr Arbeiter für die Werkstätte herangezogen werden, doch ist der Stand von 600 Arbeitern noch nicht erreicht. Auch die zahlreichen Koloniebauten der Zechen im Stadtkreise konnten noch nicht genügend Abhilfe für die Wohnungsnot schaffen, die durch die strenge Durchführung der neuen Regierungsvorschriften für das Kost= und Quartiergängerwesen noch erheblich vergrüßert wurde. Ein vor kurzem gegründeter Beamten Wohnungsverein, der staatliche Unterstützung, insbesondere vom Eisenbahnfiskus, erhält, wird demnächst mit dem Bau von Beamtenhäusern beginnen. Die private Bautätigkeit hat sich gegenüber dem Vorjahre zwar mehr als verdoppelt, ist aber doch noch sehr gering. Das alles genügt bei weitem noch nicht zur Beseitigung der Wohnungsnot. Jetzt will auch die Stadt zur Linderung der Not zu ihrem Teile 7 boitragen. In der Stadtverordnetenversammlung wurde der Bau einer Kleinwohnungenkolonie von 24 Einfamilienhäusern beschlossen. Die Häuser erhalten 4 bis 5 Wohnräume, Stall für Kleinvieh und geräumigen Gemüsegarten. Die etwa 750 Quadrat= meter großen Grundstücke werden zum Selbstkostenpreise abgegeben, der einschließlich der Kosten für Straßenbau, Kanalisation usw. zwischen 6= und 8000 Mark je nach Größe und Ausführung beträgt. 10 Prozent der Kaufsumme sind anzuzahlen, der Rest mit dem von der Stadt selbst zu zahlenden Zinssatze zu verzinsen und mit ½ bis 1 Prozent zu tilgen. Der Bau der Kolonie erfokdert ohne Grunderwerb einen Aufwand von 150000 Mark. Schon jetzt haben sich 20 Käufer für derartige Häuser gemeldet. Die Stadt behält sich das Rückkaufsrecht 30 Jahre lang vor. * Warstein, 30. April.[Diehiesige Tropfsteinhöhle, Bilsteinhöhle genannt, inmitten von herrlichen Waldungen gelegen, wird morgen zum Besuch wieder eröffnet. * Essen, 30. April.[Radrennbahn.] Unsere Stadt wird voraussichtlich schon in diesem Sommer eine Radrennbahn erhalten. Die Bahn soll an der Steelerstraße liegen, 400 Meter lang werden, mit einer Fahrbreite von 8 Meter und 6 Kurvenerhöhungen; sie soll etwa 20000 Besuchern Platz bieten. Duisburg, 30. April.[Gesunken.] Der Dampfer H. P. Disch ist im alten Hafen in Ruhrort aus unbekannter Ursache plötzlich gesunken. Die Besatzung wurde gerettet. * Honnef, 30. April.[Drachenquelle.] In der Sitzung der Stadtverordnetenversammlung kam zunächst ein Antrag der Drachenquelle auf Bewilli gung eines Zuschusses zum Badebetrieb zur nochmaligen Beratung. In der hierüber entstehenden längeren Debatte wurde auf die Gefahren hingewiesen, die durch nicht ordnungsmäßig bercitete Kohlensäurebäder entstehen könnten. Schließlich wurde beschlossen, der Drachenquelle einen jährlichen Zuschuß von 700 Mark auf drei Jahre zu bewilligen. unter der Bedingung, daß sie während der Kurzeit Bäder in ordnungsmäßigem Zustande abgibt und das Wasser für die Trinkhalle im Kurhause liefert, dagegen dürsen Kohlensäure=Bäder nur dann nerabfolgt werden, wenn sie den wissenschaftlichen Anforderungen entsprechen. Bei HARTLEIBIGKEIT, VERSTOPFUNG nehmen Sie das altbewährte Hunyadl János Bitterwasser. Normaldosis: ein Weinglas voll. (Mehr als 30 Sorten.) Drei Vorzüge von MAGGIS Suppen-Würfeln 1. Große Ausgiebigkeit und Billigkeit. 13964 2. Kurze Kochzeit und bequemste Zubereitung. 3. Jede Sorte hat den ihr eigenen, natürlichen Wohlgeschmack. Man verlange ausdrücklich MAGGIs Suppen. „MAGGls gute, sparsame Küche In unser Handelsregister ist heute bei der Firma: Eduard Hemmer, Hotelbetriebsgesellschaft und Weingroßhandlung, Gesellschaft mit beschränkter Hastung zu Hagen eingetragen: Die Gesellschaft ist ausgelöst und in Liquidation getreten. Liquidator ist der Kaufmann Richard Friedrich Schulz zu Hagen. Hagen i. W., den 29. April 1909. 14020 Königliches Amtsgericht. Zwangsversteigerung. Im Wege der Zwangsvollstreckung sollen die in der Gemar king Boele belegenen, im Grundbuch von Boele Band 10 Blatt 114 zur Zeit der Eintragung des Versteigerungsvermerkes auf den Namen des Zimmermanns Lorenz Siebers zu Bathey eingetragenen Grundstücke: Flur 3 Nr. 98, Hofraum nebst Hausgarten, Durf Bathey, mit Wohnhaus Nr. 18 mit Anbau, Werkstatt und Ställen, groß 2 a 66 cm, Nutzungswert 270 Mark, Flur 3 Nr. 99, Hausgarten, groß 2 a 33 qm, am 15. Juni 1909, vormittags 10 Uhr durch das unterzeichnete Gericht— an der Gerichtsstelle— Zimmer Nr. 31 versteigert werden. Der Versteigerungsvermerk ist am 1. April 1909 in das Grundbuch eingetragen. 14019 pagen i. W., den 17. April 1909. Königliches Amtsgericht. Die Heberolle der Genossenschaftsbeiträge der Mitglieder der Sektion Hagen=Stadt der Westfälischen landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft für das Jahr 1908 liegt vom 3. Mai d. J. an zwei Wochen im Rathause, Zimmer 4la, zur Einsicht offen. Binnen einer weiteren Frist von zwei Wochen kann jeder Beteiligte gegen die Beitragsberechnung bei dem Genossenschaftsvorstande in Münster Einspruch erheben. Der Sektions=Vorstand. 74a I. V.: Willde, II. Bürgermeister. der Singvögel: Polizei=Verordnung. Auf Grund des§ 11 des Gesetzes über die Polizei=Verwaltung vom 11. März 1850, der§§ 13, 34, 40, 41, 43 und 46 des Feldund Forstpolizei=Gesetzes vom 1. April 1880, sowie des Schlußsatzes des§ 1 des Gesetzes, betreffend den Forstdiebstahl, vom 15. April 1878 verordnen wir hiermit zum Zwecke der Aufrecht erhaltung der Ordnung und Sicherheit bei Ausübung von Berechtigungen, sowie zum Schutze der Felder und Waldungen in unserem Bezirke folgendes: Abschnitt V. A.§ 48. Das Schießen, Fangen und Töten nachbenannter Vogel: Nachtigallen, Sprosser, Blaukehlchen, Rotkehlchen, Rotschwänze, Laubvögel, Grasmücken, Steinschmätzer, Wiesenschmätzer, Bechstelzen, Pieper, Zaunkönige, Pirole, Drosseln, Amseln, Goldhähnchen, Meisen, Lerchen, Ammern, Dompfaffen, Finken, Hänflinge, Zeisige, Stieglitze, Baumläufer, Wiedehopfe, Schwalben, Staare, Dohlen, Krähen, Fliegenschnäpper, Würger, Kuckucke, Spechte, Wendehälse, Eulen(mit Ausnahme des Uhn) und der Bussarde(Mauser= oder Mänsesalken) ist verboten. § 49. Alle Vorbereitungen zum Fangen der genannten Vögel, namentlich das Ausstellen von Leimruten, Vogelnetzen, Schlingen, Tohnen, Sprenkeln und Fangkäfigen sind verboten. § 50. Der Handel mit den genannten Vögeln und das Feilhalten derselben ist verboten. § 51. Das Ausnehmen der Eier oder der Brut, sowie das Zerstören der Nester dieser Vogelarten ist verboten. § 52. Zuwiderhandlungen gegen die vorstehenden Paragraphen 48 bis einschließlich 51, werden, abgesehen von den Fällen des§ 368 Nr. 11 des Reichsstrafgesetzbuchs vom 26. Februar 1876 und des§ 33 des Feld= und Forstpolizeigesetzes vom 1. April 1880, nach§ 34 des letzteren Gesetzes bestraft. § 53. Die vorstehenden Paragraphen 48 bis einschließlich 52 finden keine Anwendung: 1. bezüglich des jagdbererechtigten Fangens(siehe Allgem. Landrecht, Teil II Tit. 16§ 61) derjenigen der in§ 48 genannten Vögel, welche Gegenstand der niederen Jagd sind, seitens der zu dieser Jagd Berechtigten, soweit denselben nicht etwa aus besonderen Gründen die Befugnis zur Ausübung der Jagd durch Vogelfang fehlt, in der Zeit, während welcher die niedere Jagd geöffnet ist. 2. bezüglich des Feilhaltens und Verkaufes der zu 1 bezeichneten getöteten Vögel während gleicher Zeit, der jagdgerechte Fang(unter 1) sowie das Feilhalten und der Verkauf der Krammetsvögel mit Einschluß der Drosseln und Amseln darf jedoch nur in den Monaten Oktober und Novemnber stattfinden; 3. bezüglich des Zerstörens der Vogelnester seitens der Eigeneumer beziehentlich Nutznießer der Grundstücke oder Gebäude, auf oder an welchen die Vogelnester sich befinden. Srusberg, den 30. Abpril 1883. genzuge Kindern nd Pflegebefohlenen Den Exekutivbeainten ist besondere Kontrolle zur Pflicht ge. macht worden. 178.—, e. Die Polizeiverwaltung. J. B.: Perker. 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März 1910 in das Reichs= oder Staatsschuldbuch einzutragen sind, ermäßigt sich der Zeichnungspreis um 0,25%, beirägt also: für die 4% Anleihen 102,45 Mark für je 100 Mark Nennwert, für die 3½% Anleihen 95,35 Mark für je 100 Mark Nennwert. 4. Die Zuteilung erfolgt tunlichst bald nach der Zeichnung dergestalt, daß zunächst die Schuldbuch=Zeichnungen, sodann diejenigen Zeichnungen vorzugsweise berücksichtigt werden, für welche der Zeichner sich, ohne Eintragung ins Schuldbuch, einer Sperre bis zum 15. November 1909 unterworsen hat; im übrigen entscheidet das Ermessen der Zeichnungsstelle. 5. Die Zeichner können die ihnen zugeteilten Anleihebeträge vom 13. Mai d. J. ab jederzeit voll bezahlen, sie sind jedoch verpflichtet: 30% des zugeteilten Betrages spätestens bis zum 13. Mai d. J. 30%0„„„„„„ 22. Juni d. J. „„„„„„ 2=. Juli d. J. „„„„„„ 21. August d. J. 15"0„„„„„„„ 22. September d. J. zu bezahlen. Zeichnungsbeträge bis 1000 Mark einschließlich sind am 13. Mai. d. 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Ich klagte, das Mißgeschick ar Sprichwort sagt: Unglück kehrt mit und der Lederhän! „Es ist eine „möge Gott das 5 chen, daß er dir d „Ohne Geld t glückliche Sattler. Der Holzhänd dannen. Er spricht sagt er einen Tros an Hilfe. Wie er das Se tet er schnurstracks lers.„Es ist viel Scufzer.„Ich wer „Ich nenne mit händler in der Ko Stepan Timosejol machen.“ Der Angeredete Name ist mir bekan dorowitsch, daß du z Abermals folgt Seiten; die beiden Mund und Wange du nicht Platz nehr genießen?“ Der Holzhändl Herr, ich komme ein „Um so mehr und wir dürfen unSie setzen sich und trinten schweig Dann nimmt de darfst du von mir 2 auf dem Lager.“ „Nicht darum k andere Sache. Du 1 ler setzen lassen.“ „So ist es, er so „Stepan Timose sunder Entel gebore Der Lederhändl verbeugt ssich und wi dem Kinde Gedeihen Der Holzhändle dauert mich, weil n müchte ich mich seine wolltest.“ „Gewiß,“ sagte# und da wir heute 31 zusammen gegessen möglich ist.“ „Nun denn, ich wenn du ihn freiläß Der Hauoherr sp du hin? 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Er breitet sie auf den Tisch aus und spricht:„Das soll für die armen Gefangenen im Schuldturme sein.“ Dann streicht er den grauen Bart, blinzelt listig mit den kleinen Augen und fragt freundlich:„Anna Iwanowna, mein Weibchen, mein Grotzmütterchen, hast du dem nichts hinzuzufügen?“ Anna Iwanowka erhobt sich langsam, geht in die Küche, hebt einen Stein aus dem werde, holt einen Strumpf heraus und entnimmt ihm zwei Fünfundzwanziger. Sie legt die Scheine neben das Geld ihres Mannes. „Nicht mehr?“ fragt der Mann verwundert. „Mein Eheherr, Sergei Feodorowitsch,“ schmollt die Frau schalthaft,„ist ein Geizhals, ein Knauser, der uns jede Kopeke nachrechnet, sonst würde es mehr geworden sein.“ Der Hausherr lächelt zu diesem Vorwurf, wendet sich zu dem ältesten Sohne und fragt:„Wie steht es mit dir?“ Auch dieser bringt seine Gabe, ebenso die andern Brüder und Schwestern; selbst der Neugeborene muß von dem, was ihm in die Wiege gesteckt worden ist, etwas spenden, damit er sein Leben mit einer guten Tat beginne. So sind siebenhundert Rubel zusammengekommen. „Es wird wohl genügen für zweitausend Rubel,“ sagt Sergei Feodorowitsch und geht nach dem Schuldturm. Dort wandert er durch die Räume des Elends schweigend einber, als suche er irgend einen Bekannten. Er lauscht der Unterhaltung der Gefangenen. Er ist ein erfahrener Mann mit scharfem Blick. Die dort stehen und so vorsichtig mit einander raunen, das sind die gerissenen Burschen, die ihr Geld in Sicherheit gebracht haben und nicht zahlen wollen. Er geht an denen vorüber, die das Kainszeichen des Leichtsinns und der Liederlichkeit an sich tragen, die gleichsam Stammgäste in diesem Hause sind und sorglos schwatzen. Aber die Stillen, die Gebeugten, die Mutlosen saßt er ins Auge. Und da steht einer, für den sein Herz spricht. Er tritt auf ihn zu, grüßt ihn höflich und spricht: „Erlaube mir, dich zu fragen, warum du dich hier befindest.“ Der Mann läßt den Kopf sinken und sagt mit leiser Stimme:„Ich bin dem reichen Lederhändler Stepan Timofejow dreihundert Rubel schuldig.“ „Dreihundert Rubel! Das ist eine große Summe! Du magst wohl ein leichtsinniger Vogel gewesen sein, schlecht gewirtschaftet, getrunken oder gar gespielt haben?“ „Ich habe mir nichts vorzuwersen, Herr. Ich war ein Sattler, hatte meine Bude in der Kasanska und durch Gottes Hilfe mein Auskommen. Da kam der Verwalter des Fürsten Salkow zu mir, kaufte und bezahlte gut und bar. Das tat er noch einige Male und machte mich sicher. Dann nahm er für tausend Rubel Waren und ließ mich mit der Zahlung sitzen. Ich klagte, aber es chalf nichts. Damit sing das Mißgeschick an. Nun weißt du wohl, wie unser Sprichwort sagt: Das Glück geht stets allein, das Unglück kehrt mit Gefolge ein. So ging es auch mir und der Lederhändler ließ mich einsetzen.“ „Es ist eine böse Zeit,“ sagt der Holzhändler, „möge Gott das Herz beines Gläubigers bald erweichen, daß er dir die Freiheit schenkt.“ „Ohne Geld tut er das nimmer,“ sagte der unglückliche Sattler. Der Holzhändler zuckt die Achseln und geht von dannen. Er spricht noch mit ein paar anderen; jedem sagt er einen Trost, aber keinem macht er Hoffnung an Hilfe. Wie er das Schuldgesängnis verlassen hat, schreitet er schnurstracks nach dem Hause des Lederhändlers.„Es ist viel,“ sagte er mit einem kurzen Scufzer.„Ich werde tüchtig handeln müssen.“ „Ich nenne mich Sergei Feodorowitsch, bin Holzhändler in der Kolomna wohnhaft, und wünsche, Stepan Timosejowitsch, deine Bekanntschaft zu machen.“ Der Angeredete verbengt sich tief und sagt:„Dein Name ist mir bekannt und es freut mich, Sergei Feodorowitsch, daß du zu mir kommst.“ Abermals folgt eine tiefe Verbengung auf beiden Seiten; die beiden bärtigen Männer küssen sich Mund und Wange und der Lederhändler sagt:„Willst du nicht Platz nehmen und Brot und Salz bei mir genießen?“ Der Holzhändler antwortet:„Mühe dich nicht, Herr, ich komme eines Geschäftes wegen.“ „Um so mehr sollst du Brot und Salz nehmen und wir dürfen uns nicht fremd bleiben.“ Sie setzen sich an den Frühstückstisch und essen und trinten schweigend. Dann nimmt der Lederhändler das Wort:„Be darfst du von mir Waren, ich habe vorzügliches Leder auf dem Lager. „Nicht darum komme ich diesmal. Es ist eine andere Sache. Du hast den armen Teufel, den Sattler setzen lassen.“. „So ist es, er schuldet mir dreihundert Rubel.“ „Stepan Timosejowitsch, es ist mir gestern ein gesunder Entel geboren.“ Der Lederhändler steht bei dieser Nachricht auf. verbeugt ssich und wünscht dem Großvater Glück und dem Kinde Gedeihen. Der Holzhändler fährt fort:„Der Sattler dauert mich, weil mir Gott Freude geschenkt hat, möchte ich mich seiner erbarmen, wenn du billig sein wolltest.“ „Gewiß,“ sagte der Gläubiger,„um deinetwillen und da wir heute zum ersten Male Salz und Brot zusammen gegessen haben, will ich tun, was mir „Nu: denn, ich will dir fünszig Rubel zahlen, wenn du ihn freiläßt.“ Der Hauoherr springt auf und ruft:„Wo denkst du hin? Der sechste Teil meiner Forderung! Unter zweihundertfünfzig Rubel lasse ich ihn nicht heraus!“ „Sei barmherzig, du wirst ein gut Stück Geld dabei verdient haben.“ „Erbarme dich,“ ruft der Lederhändler beteuernd, „unter dem Einkaufspreis habe ich ihm die Ware gegeben!“ „Sechzig Rubel werde ich zahlen,“ sagte der Gast und kraut sich das Haar. „Das geht beileibe nicht. Ich ruiniere mein Geschäft, wenn ich mit zweihundert Rubel zufrieden bin.“ „So kann ich ihm nicht helfen,“ sagt der Holzhändler und schickt sich zum Gehen an:„Ich danke für deine gastliche Aufnahme.“ „Eile doch nicht,“ bittet der Wirt.„Ich habe heute noch kein Geschäft gemacht. Du bist mein erster Kunde, du weißt wohl, es bringt Unheil, wenn man den ziehen läßt. Ich will das Möglichste tun und noch fünsundzwanzig Rubel erlassen. „Gut, und ich biete dir fünfundsiebzig Rubel. Das ist das Aeußerste.“ „Väterchen, du bist ein Räuber; keine Kopete kann ich mehr nachlassen.“ „Nun, so will ich deinen Schuldner nicht mehr und wenn du ihn mir für so viele Kopeken lassen wolltest, als ich dir Rubel geboten habe. Lebe wohl.“ Der Lederhändler kämpft einen Kampf. Es könnte doch ernst werden und dann hätte er gar nichts. „Bist wahrhaftig ein Hitzkopf, Alterchen.“ Der Gast lächelt und sagt:„Es mag wohl nur sein. Ich will dir achtzig Rubel geben.“ Sie einigen sich endlich auf hundert Rubel. Der Lederhändler schreibt den Freischein. Sie küssen sich abermals und der Wirt sagt: „Sergei Feodorowitsch, wenn du Leder brauchen solltest...“ „So komme ich zu meinem Freunde Stepan Timosciowitsch. Und wenn du a#miz brauan... „Ich lasse noch dieses Jahr eine neue Badstube bauen und werde bei dir vorsprechen.“ Dann trennen sie sich. Sergei Feodorowitsch lehrt mit dem Schuldschein zurück. Die Schweißtropfen stehen ihm auf der Stirn, aver er atmet froh auf. Dem Beamten über gibt er den Freischein, der trägt ihn in das Buch ein und sagt:„Du darfst deinen Schützling mitnehmen.“ Der Holzhändler geht in den Saal und hat schnell den Saitler erspäht, der, das Gesicht in die Hände gedrückt, auf einer Bank kauert. Er tritt auf ihn zu, vührt ihn an, und wie er sich erhoben hat, gibt er ihm den Bruderkuß und sagt: „Du bist frei, vergiß nicht, was ich um des Erlösers willen für dich getan habe. Verleiht dir der Himmel Segen und du bedarfst etwas von meinen Waren, so gehe nicht an dem Hause des Sergei Feodorowitsch in der Kolomna vorbei.“ kk. Walpurgisnacht. Volkstümliches zum 1. Mai. Von O. Schell=Elberfeld. (Nachdruck verboten.) „Es trägt der Besen, trägt der Stock, Die Gabel trägt, es trägt der Bock; Wer heute sich nicht heben kann, Ist ewig ein verlorner Mann.“ Mit diesen Worten aus Gocthes Janst ist die Walpurgisnacht nach dem Glauben des Volkes in aller Kürze gekennzeichnet. Mannigfach sind die Gebräuche, die sich mit dem 1. Mai vertnüpsen, dem Tag der Waldburg oder Walpurgis, der Gehilfin von Windfried=Bouifazius, die erst in Heidenheim bei Eichstätt in Baern, dann in Cichstätt selbst beigesetzt wurde. Greifen wir zunächst einige von diesen alten Bräuchen aus den verschiedensten Gegenden unseres Vaterlandes heraus. Schon Prätorius bemerkt:„Vor allen anderen haben sie zum österen anderswo befondere Zweige, so man bei uns Wolburgs man nennet, von einem Baum oder Stande, der sonsten viel rothe Beerlein träubleinweise träget, und dessen Blätter klein sind, sonsten forbus torminalis, Eberesche, Vogelber.“ Prätorins deutet damit einen abergläubischen Ge brauch, der vordem(vielleicht vereinzelt auch noch in Westsalen am 1. Mai. am Walpurgistag mit dem Walpurgismai geübt wurde und den man turz weg das Kalverqueken nennt. Turch diesen soll, unter dem Hersagen eines gewissen Reims tfast in Zauberformt, dem Vieh Fruchtbarkeit übermuttelt werden. Der berühmte Erlaß des großen Kurfürsten von Brandenburg(1669) bezieht sich mit folgenden Worten auf diesen Gebrauch:„Auf Maitag das Vieh geqnicket und die Quiäruten an die Türen und Hecke des Hufes ausgestecket.“ Im Braunschweigischen trieb man früher am 1. Mai die Kühe auf die Weide und zwar geschah das durch Mädchen, die eine mit Bändern geschmückte Peitsche trugen. Auf der Weide oder dem Anger nahm der Dorfhirte das Vieh in Empfang. Das letzte Mädchen wurde arg verspottet. Die Mädchen tanzten dann mit den Hirten umher, warfen sie übermüng zu Boden und jedes suchte von den in den Boden gesteckten Peitschen die längste zu erhalten, da ihr Flachs dann auch am längsten wurde. In Ermland bindet der Gemeindebirte am 1. Mai=den Milchkühen Kletten zwischen die Hörner, damit ihnen nicht die Milch in die Hörner schießt. Im fränkischen Inra ist der Austrieb des Viehs am 1. Mai ein Tag der allgemeinen Volksfreude, der mit einem Biergelage auf dem Anger begangen wird, früher aber am Abend im Wirtshaus mit Tanz, Essen und Trinken(„Kuhschwanz“) gefeiert wurde. Einen Tanz(„Hurttanz“) kennt man am 1. Mai auch in der Oberpfalz und in Niederbayern.„Die Hirten der einzelnen thüringischen Gegenden pflegten einige Zeit nach dem Austrieb, am Sonntag vor Pfingsten, an bestimmten Stätten, B. an der„Tanzbuche“ oberhalb Friedrichrodas, zusammenzukommen; während die Herden in einiger Entfernung weideten, bereiteten die Frauen das Essen; mit Beratungen über gemeinsame Angelegenheiten, Essen und Trinken, Musizieren und Tanzen vergingen die Stunden“, so erzählen Kück Schuoey in ihren Festen und Spielen des deutschen Landvolkes. In einigen Gegenden Mühmens hat sich ein ähnlicher Gebrauch erhalten, wie der oben von Westsalen mitgeteilte; der Hirte segnet die Tiere und besprengt sie aus einem Weihwassertöpschen, das er nach dem Gebrauch aufs Geratewohl unter die Tiere wirft. Die Besitzerin des getroffenen Stückes Vieh gibt ihm eine besondere Belohnung. Im Sieger lande werden die Kühe mit Glocken bedacht, wie in den Alpen. Die Hörner werden den Tieren vor dem Austrieb abgestumpft, um gegenseitige Verletzungen zu verhüten. Ein Geschenk in Form von Eiern erhält der Hirte für diese Bemühung. Ferner legt der Hirte beim ersten Austrieb gerne seinen Sonntagsstaat un. Den Uebergang von den bisher angedeuteten Hirtengebräuchen am Walpurgistag zu den Herenfahrten in der Walpurgisnacht vermittelt eine von Kuhn mitgeteilte Sage. In derselben wird ein Maitagshorn erwähnt, dessen sich die Hexen in der Walpurgisnacht bedient. Aber der Knecht eines benachbarten Gutsbesitzers entwandte den Heren das Horn und lieferte es seinem Herrn aus. Die Heren gaben sich nun alle erdentliche Mühe, wieder in den Besitz des Hornes zu gelangen. Am nächsten Tage ließ sich ein vornehmer Herr bei dem Gutsbesitzer melden und versprach ihm, seine Besitzungen mit einer sieben Fuß hohen Mauer zu umgeben, wenn er das Horn zurückgeben werde, andernfalls würde sein Gehöft dreimal nacheinander abbrennen, gerade dann, wenn er sich am reichsten dünte. Der Besitzer gab das Horn nicht zurück und das angelündigte Unheil trat ein; doch ließ der König die Gebäude wieder aufführen. Das Horn schickte man durch das ganze Land, um zu erfahren, woher es stamme, doch alle Mühe war vergeblich. Die naheliegende Frage, weshalb der Volksglaube die wüsten Orgien der Heren in die Nacht vor dem 1. Mai, in die Walpurgisnacht, verlegte, ist zunächst mit dem Hinweis zu beantworten, daß dann noch mancher Berggipfel mit Schnee bedeckt ist, den die Heren wegtanzen müssen. Berggipfel sind durchweg die Tanzplätze der Heren in der Walpurgisnacht Wir sagen mit gutem Vorbedacht„Tanzplätze“, denn nicht nur der Blocksberg im Harz ist hier anzuführen, sondern viele andere Heren= oder Blocksberge in ganz Deutschland, wie schon J. Grimm nachgewiesen hat. Der Herensabbat scheint der altdeutschen Muthologie nicht angehört zu haben. Uralte Kultreue haben sich, wenigstens in Deutschland, an weitverbreitete Hirtengebräuche angetnüpft, welch letztere in ihrer Ausfahrt(Austrieb des Viehesl, durch die Jahreszeit(Frühjahr) fest bestimmt waren. Ein anderes Element, das wir deutlich in dem Treiben der Walpurgisnacht erkennen, ist der mittelalterliche Teufelsglaube. Auf den Glauben an den Bilmschnitter lönnen wir heute nur verweisen. Es bleiben noc die Vorsichtsmaßregeln gegen die Heren und ihr Treiben in der Walpurgisnacht zu erwähnen. Wer in der Walpurgisnacht den Tanz der Hexen belauschen will, muß sich unter eine Egge stellen, deren Zinken nach oben gerichtet sind(Westfalen). Allgemein herrschend ist der Gebrauch, in der Walpurgisnacht die Türen, vor allen Dingen die Stalltüren, mit drei Krenzen zu versehen, damit die Heren einem nichts auhaben und dem Vieh nicht das Gedeihen nehmen können(Mark Brandenburg). In der Neumark bezeichnen die Kinder ihre Schuhspitzen mit drei Krenzen; wer das unterläßt, beiommt ein Kreuz auf den Rücken gemalt. In der Zauche nagelt man Zweige von Kreuzdorn auf die Krippen, Intter troge und Schwellen der Viehställe. In anderen Teilen der Prorinz Brandenburg säct man in der Walpurgisnacht Gurten und Kürbisse, glaubend, dieselben gingen so schnell auf, wie die Heren den Blocksberg hinaufreiten. Am Walpurgisabend pflegt man in Mittelschlesien hin und wieder Rasenstücke und Besen kreuzweise vor die Stalltüren zu legen, um die Heren abzuhalten. Von besonderem Interesse ist eine Nachricht aus dem Riesengebirge, der zufolge dort die hl. Walpurgis von wilden Geistern verfolgt wird: Einem Iauern begegnete sie einst im Walde mit feurigen Schuhen, langen, wallenden Haaren, eine goldene Krone auf dem Haupte und in den Händen einen dreiectigen Spiegel und eine Spindel, verfolgt von einem Trupp Reiter auf weißen Rossen. Den rundton dieser#age bilden die wefentlichsten Züge der Saae vom wilden Näger: Walpurgis lieh wohl nur den Namen, während mir erst in zweiter ein# den Herenritt der Walpurgisnacht zu erlennen vermögen. Als letzte Kunsegnenz des Glarvens an den Herenritt in der Walpurgionacht erscheint die in Weimar und Etteroburg übliche Genflogenheit, am Abend vor Walpurgis die Hen= und Mistgabeln, sowie die Reisigbesen zu verstecken, damit sie nicht von den Heren gestohlen und zum Ritt auf den Blucksberg benntzt würden. In den Ställen richtet man die Besen mit den Stielen nach unten und setzt ne neben die Tür, um dadurch den Heren den Eingang zu verwehren. Die Schüsse, die man in manchen ciebirgsgegenden Sachsens, aber auch in einigen Gegenden des Tieflandes in der Walpurgionacht vernimmt, haben nun den Zweck, die Heren zu der treiben. Auch die Walpurgissener werden angesacht, um den Unholden zu wehren. Dichterelend und Kriegspoesie. Eine Tachstubengeschichte von Paul Scheerbart. (Nachdruck verboten.) K K. Meinem Freunde Friv Dressel ging es sehr schlecht: er lebte als Dichter und Schriftsteller hoch oben in einer Tachstube und dachte unablässig darüber nach, wie er es wohl anfangen könnte, viel Geld zu verdienen. Er sagte öfters zu mir: „Man muß mit der Zeit mitgeben. Man muß aktuell sein. Was alle Menschen levhaft interessiert, das muß man schreiben. So nur kann man vorwärts kommen. Aber ich weiß leider nicht, was alle Menschen interessiert. Ich komme immer mehr da hinter, daß sie sich eigentlich für garnichts inter essieren— gan; bestimmt nicht für das, was ich schreibe. Wenn ich nur wüßte, wie ich's aufangen soll, aktuell zu schreiben.“ So und so ähnlich sprach Fritz Dressel sehr oft, und es wurde mir schon langweilig. Da entstand plötzlich das große Kriegsgeschrei tief unten in der Türkei— die Serben und die Oesterreicher wollten Krieg führen miteinander. Als das Fritz Dressel las, veränderten sich seine Gesichtszüge, nahmen einen gemeingefährlichen Aus bruck an, und er sagte dazu mit heiserer Stimme: „Jetzt weiß ich, was alle Menschen interessiert: der Krieg interessiert alle Menschen— ich schreibe Kriegspoesie— damit muß ich Geld verdienen“ „Willst du,“ fragte ich,„gegen den Krieg schreiben— oder für den Krieg?“ „Das,“ rief er lachend,„weiß ich noch nicht. Das ist aber nach meiner Meinung ganz egal, denn beides muß gehen. Jetzt heißt es zunachst...“ „Was?“ fragte ich neugierig. „Leben!“ brüllte er,„zunächs muß man leben, Eindrücke sammeln, Studien machen, Wer trinten, Herumfahren, Reden!“ „Ja,“ fragte ich nun weiter,„willst Du nach Serbien fahren oder bloß nach Wien?" „Das“, sagte er ganz gelassen,„ist nach meiner Meinung alles ganz egal. Wo man lebt, ist ganz gleich— wenn man nur lebt“. Kurzum: vierundzwanzig Stunden später hatten wir einen großen Katzenjammer, und Fritz Tressel hatte vierzehn Tage später auch noch einen großen Katzenjammer, und von seiner Kriegspoesie betam ich nicht viel zu sehen. „Den Volkston“, sagte er,„muß man tressen. Die Kriegspoesie darf um alles in der Welt willen nicht geistreich sein. Und nach bekannten Melodien muß alles gesungen werden können. Das zieht. Das wirkt auf alle, und wenn sich alle für eine Sache, die geschrieben ist, interessieren, so hat man sehr virle Leser— vielleicht Millionen von Lesern. Dann hat man sein Ziel erreicht, und man ist der Mann des Tages. Mit der Zeit muß man mitgehen— aktuell sein— das ist die Hauptsache.“ „Das ist,“ bemerkte ich lächelnd,„eine mertwürdige Art von Popularität. Wenn man das sagt, was alle sagen, so wird man ganz bestimmt nichts Besonderes sagen.“ „Ach,“ versetzte er heftig,„wenn man was Besonderes sagt, so wird man nur von wenigen begrifsen; man muß aber von allen begriffen werden, und darum darf man nicht sehr geistreich sein.“ Auch dieses wiederholte er so oft, daß es mir bald langweilig wurde. Nun„lebte“ er in sehr leichtsinniger Weise weiter, nur um Anregungen zu sammeln— und währenddem wurde plötzlich der Friede verkündet, und alle Kriegsgerüchte verstummten. Fritz Dressel war anfangs starr, dann aber lächelte er wieder sehr verschmitzt und sagte mir eines Tages ganz ruhig: „Du deutst natürlich, jetzt werde ich die Kriegspoesie an den Nagel hängen. Darin irrst du aber. Langsam. aber sicher kommt eine neue Zeit heran. Die Regierungen der einzelnen Staaten haben selbstverständlich ein großes Interesse daran, den Frieden zu erhalten. Die Völker aber— und das ist nicht zu bestreiten— denken gar nicht daran, immerfort in Eintracht und Freundschaft mit einander zu leben. Die Zeit der Rassenkriege naht. Davon kannst Du sest überzeugt sein. Ob Du für den Krieg oder gegen den Krieg bist, das ist ganz egal. Die Rassengegensätze lassen sich nicht überwinden. Und diese Rassengegensätze werden zu großen Rassenkämpfen führen — zunächst zu langen schweren Kriegen zwischen den Slaven und den Germanen. Das ist meine bombenseste Ueberzeugung.“ Er schwieg nach diesen Worten, und ich schwieg auch, denn ich halte es allmählich für etwas unvorsichtig, allzu klar und bestimmt über zukünftige Dinge zu reden— wenn man sich zu oft irrt, so werden die Menschen immer ungläubiger— und sie hüren schließlich gar nicht mehr auf das, was man sag. Ich sah danach meinen Freund Fritz Dressel vierzehn Tage lang nicht. Und als ich ihn dann auf seiner Dachstube wiedersah, war er sehr nervör und rannte wie ein Besessener immerfort in seinem Zimmer herum. Und ich wußte nicht, was er eigentlich wollte. Plötzlich brachte er einen ganzen Stoß Papier herbei, auf dem unzählige Verse geschrieben waren. Nine Handschrift war aber so unleserlich, daß ich mich mit bestem Willen nicht entschließen konnte, irgend etwas zu lesen. Ich fragte ihn nur, für welche Partei er denn die Kriegslieder schreibe— für die germanische oder für die slavische. Er sah mich zunächst verständnislos an, und nach einer Weile sagte er leise: „Du bringst mich auf eine glänzende Idee. Aber — sprechen wir zunächst nicht davon. Selbstverständlich! Um Deine Frage zu beantworten, muß ich Dir natürlich seierlich erklären, daß ich zunächst nur für die germanische Partei Kriegslieder geschrieben habe. Das erscheint sehr natürlich. Aber es scheint wohl nur so. Jedenfalls bitte ich Dich, momentan nicht weiter darüber zu sprechen. In acht Tagen wirst Du mehr von mir hören.“ Ich war ganz zufrieden mit dieser Erklärung und recht sroh, daß wir nun wieder von anderen Dingen sprechen konnten. Als wir uns aber nach acht Tagen abermals in seiner Dachstube wiedersahen, erkannte ich Frinz Dressel kanm noch wieder; er strahlte vor Glückseligleit aus, die einfach bezaubernd wirkte. Und er legte gleich einen Band Gedichte vor mir auf den Tisch, und als Titel des Bandes las ich: „Kriegslieder— für den großen demnächst bevorstehenden germand=slavischen Rassentrieg(für alle Rassen Europas— auch für die neutralen)". Ganz verblüfft legte ich das Manuskript wieder hin. Aber Fritz Dressel war damit keineswege zu frieden, er beschwor mich, doch etwas wenigstens zu lesen. „Sieh“! sagte er,„man muß durchaus versuchen, es allen recht zumachen. Ich habe entdeckt, daß heutzutage eigentlich kein Mensch mit gutem Gewissen sagen kann, er sei Germane. Und es kann auch tei ner mit gutem Gewissen sagen, er sei Slave. Und darum bin ich der Meinung, daß der slavo=germanische Rassenfrieg eigentlich ganz und gar von dem gnten oder bösen Willen des einzelnen abhängt. Jetzt sah ich meinen Freund Fritz Dressel etwas verständnidlos an. Er aber euyr fort: „Und darum habe ich meine Kriegspoesie gleich für beide Parteien geschrieben. Zuerst kommt ein### dicht für die Germanen, und dann kommt gleich ein Gedicht für die Slaven— und so abwechselnd. Schließlich sind auch noch Verse für die unparteiischen Romanen und Türken da. Das Uebersetzungerecht habe ich für alle Sprachen sofort freigegeben.“ Ich begriff allmählich, und ich las im Manustript. Und ist sagte lachend: „Also: Du bist wahrhaftig der Mann für alle. Im ersten Gedicht sagst Du:„Haut den Slaven! Haut den Slaven!“ und im zweiten Gedicht steht feierlich:„Laßt im Germanen keinen Tropsen Blat— das tut nicht gut!“ Ich bewundere diese Vielseitigkeit und diesen echten einfachen Volkston.“ Acht Tage rannte Fritz Dressel mit seinem Manustript in der Stadt herum und suchte einen Verleger. Sodann erhielt ich von meinem Freunde eine Postkarte, auf der stand kurz: „Erfolg gehabt! Bin soeben Agent einer Lebensversicherung geworden. Die Kriegspoesie wird mir schon weiter helfen. Heil! Dein Fritz.“ Ich habe mir die Posttarte einrahmen lassen. Ellis Abenteuer. Skizze von Hans Reis. „„(Nachdruck verboten.) IID. Das Abfahrtssignal ertönte. Die Lokomotive tat einen gellenden Pfiff. und dann setzte sich der Zug in Bewegung— langsam, ganz langsam. Man merkt es kaum. Elli stand am Fenster eines Coupés II. Klasse und winkte ihren Angehörigen mit dem Taschentuch. „Gib auch aufs Portemonnaie acht und per lier das Billett nicht!“ sagte der Papa— mindestens zum sechsten Mal am heutigen Vormittag. Und die Mama bat: „Vergiß nicht zu schreiben, Kind— sowie Du in Posen angekommen bist. Hörst Du! Wenigstens'ne Karte.“ Bob und Fritz, die Brüder, trabten noch eine Weile mit dem Zug mit. „Bring' mir auch Konfekt mit vom Hochzeitsdiner!“ schrie ersterer mit Aufbietung aller Lungenkraft und Fritz sekundierte: 1..„Mir auch! Und Baumkuchen— aber recht viel!“ Gottlob— endlich war nichts mehr von den himmelhohen Häusern von Berlin und den langweiligen geraden Straßen zu sehen! Elli lehnte sich befriedigt in eine Ecke und schloß die Augen. So— jetzt war sie Freiherrin und konnte tun und lassen, was ihr beliebte. Es war das erste Mal, daß man der Achtzehnjährigen eine selbständige Reise gestattete. Und was für eine Reise! Eine Hochzeit sollte sie mitmachen nebst obligatem Polterabend von fast 100 Personen! Seit Monaten schon freute sie sich darauf und alle Kränzchenfreundinnen beneideten sie. Edith, die„schon 20“ war und außerdem eine welterfahrene Dame, hatte zwar gesagt: daß alleinreisende junge Mädchen heutzutage sehr vorsichtig sein müßten! Man höre zuviel von zudringlichen Abenteurern, Raubanfällen und sogar Morden. Nach reiflicher Ueberlegung war man übereingekommen, daß Elli ihren Einsegnungsring, der, wenn man ihn umdrehte, genau wie ein Trauring aussah, gegebenenfalls als Schutzring benutzen solle. Denn natürlich hatten Diebe und solche Leute mehr Respekt vor einer Frau als vor einem jungen Mädchen. Na vorläufig— Elli seufzte fast bedauernd— war ja jede Gefahr ausgeschlossen. Wenn man so mutterscelenallein fuhr... unn schon zwei Stunden... Eigentlich war es recht langweilig. Sie gähnte ohne jeden Zwang. Sie konnte sich das ja leisten. Trübsinnig sah sie zum Feuster hinaus; aber die sandige märkische Landschaft und der graue Regentag zeigten immer das gleiche Gesicht. Da— jetzt hielt der Zug. Endlich mal'ne größere Station. „Frankfurt a. d. Oder! Acht Minuten Aufenthalt!“ schrieen die Schaffner und rannten geschäftig den Bahnsteig entlang. Elli war neugierig ans Fenster getreten. Himmel, das war ein Gewühl auf dem Bahnhof! Jetzt würde sie gewiß Gesellschaft bekommen. Aber nein es schien nicht so. Alle hasteten an ihrem Coupé vorüber. Kurz vor Abfahrt des Zuges betrat noch eine Gruppe von Offizieren den Perron. Die Herren gaben offenbar einem in Zivil befindlichen eraden das Geleit. Man schien von einem guten, sihstück zu kommen; denn alle hatten rote, erregte Gesichter und sprachen und gestikulierten lebhaft. „Wo ist denn mein Bursche mit den Sachen?“ schrie jetzt der Zivillist aufgeregt.„Radete! Zum Donnerwetter, wo steckt das Kamel?!" Einer der Herren hatte schon ein Coupé aufgerissen. „Allons, Freundchen— schnell einsteigen!“ ermunterte er den Zivilisten.„Hier— ein ganz lecres Conpé. Du hast Glück— wie immer.“ Unterdes hatte ein anderer, ein sehr vergnügt aussehender, kleiner Mensch, Elli entdeckt. „Nee, ner— ust! Halt! Kommen Sie hierher!“ protestierte er lebhaft.„Hier fahren Sie mit einem bildhübschen jungen Mädchen— ganz allein!“ Der Zivilist, der schon im Begriff gewesen war, einzusteigen, tehrte wieder um. „Was sagen Sie, Krause?! Bildhübsches junges Mädchen! Wo ist sie? Her damit?“ schrie er übermütig. Elli hatte sich errötend zurückgezogen. Allein schon im nächsten Moment wurde ihre Conpétür aufgerissen. Radeke, der sich inzwischen eingesunden hatte, stolperte herein, trat ihr erst kräftig auf den Fuß und verstaute dann die Sachen seines Herrn. Ehe Elli noch recht zur Besinnung gekommen war, saß dieser selbst ihr schon vis-à-vis, und der Zug setzte sich in Bewegung. „Adien, adien!“„Glückliche Reise!“„Amüsier dich gut— unterwegs!“ riefen die Offiziere ihrem Kameraden lachend nach. Elli bemühte sich, ein gleichgültiges Gesicht zu machen und sah krampshaft aus dem Feuster; denn jedesmal, wenn ihre Augen zufällig denen ihres Gegenübers begegneten, traf sie ein Blick so unverhohlener Bewunderung, daß sie heiß errötete. „Darf ich bitten, mein gnädiges Fräulein. Ihr Eigentum- vermutlich.“ Der junge Offizier überreichte Elli mit einer cheraleresten Verbeugung iyr Handtäschchen, das ihr entglitten war. „Danke,“ sagte sie kühl und lehnte sich tiefer in ihre Ecke zurück. Wie keck der Mensch sie jetzt wieder angesehen hatte! Es war wirklich abscheulich! „Ja— das hätte ich mir heute morgen, als ich in strömendem Regen auf dem Kasernenhof stand und meine Kerls einexerzierte, auch nicht träumen lassen, daß ich am Nachmittag noch so allerliebste Reisebgleitung haben würde,“ suchte er lunn die Unterhaltung weiterzuspinnen. Elli tat, als habe sie nichts gehört, und betrachtete interessiert die Gegend draußen. Etwas später, als ihr Gegenüber damit beschäftigt war, seinen Filzhut mit einer leichten Reisemütze zu vertauschen, drehte sie blitzschnell den kleinen Brillantring, der den vierten Finger iherer rechten Hand schmückte, um, so daß ein schlichter, glatter Tranring daraus ward. Als dann ihr Reisegefährte sie wieder mit sehr wohlwollenden Blicken musterte, strich sie— wie zu fällig— eines der widerspenstigen Löckchen, die sich immer vorwitzig auf die weiße Stirn drängten, mit einer langsamen Bewegung zurück. Er war dieser Bewegung gefolgt und starrte unverwandt auf die schmale Hand, an der der schlichte, glakte Reif matt blinkte. Seine Augen wurden immer größer. Sie drückten nicht nur Erstaunen, sondern auch so unverhohlene Enttäuschung aus, daß Elli beinahe laut aufgelacht hätte. Es war wirklich komisch, wie prompt die Wirkung des Psendotrauringes einsetzte; denn als sie sich jetzt bemühte, das Feuster zu schließen, sprang er sofort auf und sagte in ehrerbietigem Tone: „Gestatten Sie, daß ich Ihnen behilflich bin, meine gnädige Frau.“ Die Tatsache, daß seine hübsche Reisegefährtin verheiratet war, schien Ellis vis-à-vis in jeder Beziehung entnüchtert zu haben. Schweigsam, mit finster gefalteter Stirn saß er in seiner Ecke und starrte unverwandt zum Fenster hinaus. Dadurch ward ihr Gelegenheit, ihn nun auch ihrerseits zu betrachten, und sie konstatierte mit Befriedigung, daß er eine schlanke elegante Figur und ein interessantes, brünettes Gesicht besaß. Gerade für so brünette Männer hatte sie immer geschwärmt! Eigentlich schade, daß er ein so närrischer Kanz war. Erst fast zudringlich keck und nun wieder wie auf den Mund geschlagen. Auf der nächsten Station bestellte sich Elli bei einem Pikkolv, der mit gefüllten Biergläsern den Zug entlang trollte, eine Tasse Kaffee. „Darf ich um die Gunst bitten, der gnädigen rau das Gewünschte besorgen zu dürfen?" fragte ihr Reisegefährke, indem er diensteifrig aufsprang. Sie nickte. Nach wenig Minuten schon kehrte er mit einem Kellner zurück, der auf einem zierlichen Tablett zwei dampfende Tassen Kaffee und etwas Kuchen trug. „Ach, das ist nett von Ihnen, daß sie mir Gesellschaft leisten wollen!“ rief Elli erfreut. Dann aßen und tranken beide mit jugendlichem Appetit, und dieser kleine gemütliche Zwischenfall brachte sie einander näher, als die ganze bisherige Reise. Von jetzt ab brauchte sie sich nicht mehr über die Schweigsamkeit ihres Gefährten zu beklagen. Er unterhielt sie so fesselnd und interessant, daß er ihr mit jeder Minute besser gesiel. Es war nicht ganz leicht für Elli, sich siegreich in ihrer neuen Frauenwürde zu behaupten. Schon einige Male war sie nahe daran gewesen, sich zu verraten. Als sie dann in ihrem Handtäschchen unter einem Dutzend überflüssiger Gegenstände eifrig nach dem Portemonnaie suchte, um ihm das für den Kafsee verauslagte Geld wieder zu geben, fiel dabei ein kleines Lederetui zu Boden. Sofort bückte er sich danach, und da sich das Etui im Fallen geöffnet hatte, warf er auch einen Blick auf den Inhalt. Zwei pausbäckige, lachende Knabengesichter und ein Männerantlitz mit bereits stark gelichtetem mnbthaar blickten ihm entgegen. „Darf ich mir die Bilder ansehen, gnädige Frau?“ fragte er bittend.„Ihre Familie— vermutlich.“ „Allerdings,“ erwiderte sie zögernd. Es war ihr peinlich, ihm dauernd etwas vorlügen zu müssen, obgleich sie ja in diesem Falle nicht einmal die Unwahrheit sprach. „Mein Kompliment, gnädige Frau. Sie haben bildhübsche Kinder!“ kritisierte der Leutnant. „Finden Sie?“ sagte Elli so kläglich, daß er sie erstannt ansah. Eine stolze Mutter war das nicht. „Und Ihr Herr Gemahl— sehr ansprechendes Gesicht,“ fuhr er fort.„Aber doch wohl— pardon gnädige Frau— bedeutend älter als Sie?“ Elli nickte nur. Sprechen konnte sie nicht. Die Kehle war ihr wie zugeschnürt. Dies alberne Komödiespielen wurde wahrhaft immer lästiger. Für ihr Leben gern wäre sie wieder in ihren ledigen Stand zurückgetehrt. Aber das ging leider nicht; denn dazu war sie jetzt schon zu lange verheiratet. Na— schließlich war's ja auch gleichgültig. Eine flüchtige Belanntschaft... Auf der nächsten Station stieg eine volnische Familie ins Conpé. Vater, Mutter und drei sehr schicke Töchter. Aule fünf begannen sofort Zigaretten zu ranchen und erfüllten das Conpé mit einer in elegantem Französisch geführten Unterhaltung. Elli und der Leutnant saßzen stumm dabei, obgleich die jüngste und hübscheste der Polinnen ziemlich ungeniert mit dem interessant aussehenden Herrn zu kokettieren begann.— Am nächsten Abend stand Elli herzklopfend in dem strahlend erleuchteten Saal des größten und elegautesten Hotels von Posen. Um sie herum war Lachen und Schwatzen, lebhafte Begrüßungen und Händedrücken. Die ganze übrige Polterabendgesellschaft schien sich gut zu kennen, nur sie ram sich in dem bunten Gewühl etwas überflüssig vor. Jetzt kam Vetter Arnold, der glückliche Bräutigam, mit einem großen, schlanken Insantericoffizier auf sie zu. Herr des Himmels— Elli wurde es schwarz vor den Angen— das war ja ihr Reisegefährte von gestern! Na, das war ne nette Bescherung! Halb betäubt hürte sie, wie Vetter Arnold sagte: „Hier. Ellimans, stell' ich Dir meinen Freund und Intimus, den Lentnant Botho Walden vor. Er ist ein gewaltiger Herzensbrecher, also— nimm Dich in acht, Kleine!“ Tausend Lachtenselchen spielten in Botho Waldens hübschem brünctten Gesicht, als er sich tief vor Elli verneigte und übermütig sagte: „Guten Abend, gnädige Frau! Ich freue mich herzlich über dies Wiedersehn! Uno noch mehr freute ich mich, als mein Freund Arnold mir soeben mitteilte, daß Sie,„gnädige Frau“, morgen meine— „Brantiungfer“ sein werden.“ Elli erwiderte nichts, nur ihr liebliches Gesichtchen bedeckte sich mit einem heißen Rot; der Lentnanl Arnold aber riß die blaßblauen Angen vor Slannen weit auf und fragte: „Nanu— was soll denn das heißen!? Weshalb nennst Du meine Consine„gnädige Frau“? Botho Walden sah Elli fragend an, und da diese mit einem bittenden Bliet den Finger auf den Mund legte, meinte er lächelnd: „Das wird nicht verraten. Das ist unser Geheimnis.“ Am nächsten Tage— während des Hochzeitsdiners— sagte er im Laufe der Unterhaltung: „Einer der schrecklichsen Momente in meinem Leben war bisher der, als ich Ihren Trauring entdeckte und wiederum einer der glücklichsten, als Freund Arnold mir verriet, daß Sie noch— zu haben seien.“ Elli erwiderte nichts. Sie quittierte nur mit einem Erröten. Als er aber fortfuhr: „Würden Sie mir gestatten,„Fräulein Elli“ wieder in„Frau Elli“ und zwar in„Frau Elli Walden“ zu verwandeln, da sagte sie sehr leise zwar, aber doch dentlich:„Ja.“ Aus der Eine wehmütige Geschichte von Reinhold Ortmann. (Nachdruck verboten.) BU Von den Kastanien am Kanal riefelten die Blüten hinab ins Wasser wie große weiche Schneeflocken. Matt und gedämpft nur ließ die Blätterfülle die Sonnenstrahlen durchdringen; hoch über den Wipseln aber wölbte sich ein tiefblauer Himmel, in dem große weiße Wolten ruhig schwammen, und eine Fülle von Sonnenlicht war ausgegossen über die Tächer der Stadt. Ein leiser, warmer Luftbauch zog durch die Straßen, jene seltsame Luft, die sich auf die Schläfen legt wie schmeichlerische Hände und eine Sehnsucht weckt, eine wunderliche, unruhige Sehnsucht nach unbekannten Zielen. Beklommen, suchend sahen sich die Begegnenden in die Augen, in verlegenem und doch vertraulichem Fragen: Fühlst du das auch?— dieses Rätselhafte— daß man die ganze Welt umarmen möchte und sich doch hinausflüchten in die tiefste Einsamteit? Selbst den Alten ging es so. Mit schüchternem Lächeln und tranlichem Grüßen standen die Erinnerungen auf vor ihnen— Erinnerungen an„längst vergessene" Jugendtorheiten, die immer dann lebendig werden, wenn es den Alten am wohlsten und wärmsten ums Herz ist. In den Köpfen ehrwürdiger, weißhaariger Herren in Amt und Würden sputte es von blonden Zöpfen, blauen Angen und wehenden Röckchen, die Burcaus und Amtsstuben bevölkerten sich mit allerlei traumhaften Gestalten, und aus dem Knirschen der Feder klang es wie fröhliche Lieder, wie Gläserklingen und helles Lachen. Und die alten, matt gewordenen Herzen schlugen wieder höher, die gebogenen Rücken strafften sich und die Angen glänzten unter weißen Brauen. Ja, damals—! Damals, als die Welt noch so jung war— was war das für eine köstliche Zeit!— Und die Augen blickten verträumt in eine nebelhafte Ferne. Auch dem Geheimrat Ellwanger ging es so. Es kicherte und lachte in allen Ecken und Winteln der Amtsstube im Rathaus, aus jedem Blatt weißen Papiers sahen ihn zwei dunkelbraune Angen schelmisch an, und so toll trieben es die Spukgeister, daß die Wände des Zimmers dem alten Herrn zu eng wurden. Bis zum Glockenschlage elf ertrug er cs; dann aber zog er den hellgelben Sommerüberzieher an, setzte langsam und bedächtig den spiegelnden Zylinder auf, knöpfte die Handschuhe sorgfältig zu und ging endlich so rasch und lebhaft die Treppe hinab, als hätten seine Beine sich mit seinem Herzen verjüngt. Er hatte sich keinen Plan gemacht, aber er handelte so zielbewußt, als würde ihm sein Tun von einer höheren Macht vorgeschrieben. Ein paar Stunden von der Residenz lag am Neckar ein kleines Dorf — nicht sehr weit entfernt von Heidelberg, aber doch keiner der beliebten Ausflugsorte, die im Frühling und Sommer von Reisenden überschwemmt wurden. Dort hatte der Geheimrat dereinst seine köstlichsten Stunden verlebt. Eine unerklärliche Scheu hatte ihn bisher davon abgehalten, es noch einmal aufzusuchen — heute aber zog es ihn unwiderstehlich dorthin, und das Herz schlug ihm wie einem liebenden Jüngling, der seinem ersten Rendez=vous entgegengeht, als er sich in einem Coupé 1. Klasse des Zuges niedergelassen hatte, der ihn an die Stätte seiner Erinnerungen führen sollte. Ungeduldig wartete er auf das Zeichen zur Abfahrt; kurz vorher jedoch wurde die Tür noch einmal geöffnet, und ein anderer alter Herr stieg ein— in gelbem Sommerüberzieher, Zylinder und Handschuhen. Die beiden sahen sich in die Angen, grüßten sich, und jedem von ihnen ging ein Zitat durch den Kopf: Auch du, mein Sohn Brutus?! Anfänglich lehnten sie sich schweigend gegenüber und blickten beide zum Fenster hinaus. Dann bat der Fremde den Geheimrat um Feuer für seine Zigarre. Sie begannen ein Gespräch, und die Gefühle, die sie beide beseelten, machten sie rasch vertraut. Sie hatten beide in Heidelberg studiert— der Geheimrat um wenige Semester früher. Und sie erinnerten sich an allerlei Leute, die sie beide getannt hatten, und die nun wohl in alle Winde zerstreut sein mochten. Die schöne blonde Kellnerin in dem Café an der Leopoldstraße—. Und der drollige dicke Wirt draußen in Retarsteinach—? Und der und jener Profeisor—? Ja, der war vor ein paar Jahren gestorben. Und jener hatte Heidelberg längst mit einer anderen Wirtungsstätte vertauscht. Es war viel, was sich die beiden alten Herren zu erzählen hatten, und die Zeit verging ihnen wie im Fluge. Da rief der Schaffner den Namen der Bahnstation aus, die das Ziel des Geheimrats war— und auch der andere verließ hier den Zug. Die Beine waren ihnen seltsam schwer, und wie die Herzen schlugen. Sie erkannten so vielc alte Freunde— dort die Linde, die ihre Aeste verlangend der Sonne entgegenstreckte, dort das grane Haus mit dem bizarren Dach, das noch immer ein schief lächelndes Gesicht machte wie damals. Und dann! — Da floß der Neckar wie eitel Silber, die roten Dächer des Dörfleins schmiegten sich traulich an einander, und die Höhen lagen noch immer so lieblich arün unter dem blauen Himmel wie einst. Und als sie am Rande des Wassers standen, in dem einige Kinder schreiend und lachend hernmwateten, ram ein Dampfer von Heidelberg herauf. Tücher wurden geschwenkt, und zu der Musit zweier greller Trompeten tlang es aus jugendlichen Kehlen: „Alt=Heidelberg, du feine! Du Stadt. an Ehren reich, Am Resar wie am Rheine Keine zweite kommt dir gleich!“ Die beiden hatten sich untergefaßt. Sie hielten die Zulinder in den Händen und grüßten zu dem Schiffe hinüber, bis es hinter eine Anhöhe verschwand. Dann räusperte sich der Geheimrat. Und in seiner wunderlich spröden Art, als würde ihm einc Beichte abgezwungen, sagte er: „Hier— hier habe ich allerlei Jugendtorheiten begangen. Es war wohl die glücklichste und sorgenloseste Zeit meines Lebens. Wir haben vorhin non vielen Menschen gesprochen, die wir drunten in Heidelberg getannt haben; aber die mir die Liebste war, hat hier gelebt. In ihr rothlondes Haar habe ich mich verliebt— es war wie Gold, wenn die Sonne darauf schien. Und mertwürdig war es, daß sie ganz Lunkle, fast schwarze Augen dazu hatte. Das Beste freilich war, mie sie lachen und lüssen tonnte— gelacht hat sie immer, immer!— Was wohl aus ihr geworden sein mag.“ Der andere hatte still zugehört. Seine Augen waren immer größer geworden. Und auch er räusperte sich unn. „Wie seltsam!“ sagte er.„Auch meine Liebste hat hier gewohnt. Und auch sie hatte rotblondes Haar und mertwürdig duntle Angen. Aber sie hat mirs tausendmal geschworen, daß ich ihre erste Liebe sei.“ Sie sayen sich an. Es war ihnen wunderlich zu Mute. „Meine kleine Freundin hieß Käthe,“ sagte der Geheimrat. Und der andere nickte. „Ja— so hieß meine Freundin auch. Sie war die Tochter des Dorfwirtes— das Haus steht noch da drüben.“ „Gewiß!" bestätigte der Geheimrat.„Da drüben, wo die große Nastanie steht.— Aber ich war doch um einige Semester früher da, lieber Freund.“ Und sie lachten beide— ein wenig gezwungen freilich. Es war ihnen, wie wenn eine unfreundliche Hand Blüten geknickt hätte im Garten ihrer Träume— Blüten, an denen sie sich lange gefreut hatten. Und sie waren einander fast gram darum. Aber die Kastanie drüben stand in Blüten wie in einem weißen Brantkleide, und das Dörschen schmiegte sich in die Tannenarme des Abhanges wie eih schwaches und zärtliches Mädchen an den stärkeren Geliebten. Und wenn sie beide dasselbe geliebt hatten— es war ja doch die köstlichste Zeit ihres Lebens gewesen. Und einträchtig miteinander schritten sie der Stätte zu, die sie dereinst besucht hatten, so oft die Studien sie freigeben wollten. Unter der Kastanie ließen sie sich nieder auf der roh gezimmerten Holzbank, und behutsam stellten sie die Zylinder neben sich und legten die Handschuhe über den sauber gebürsteten Rand. Im Garten spielten zwei Mädchen Ball, denen die blonden Zöpfe fast bis auf die Fersen hingen. Vier Bauern, die in Hemdärmeln um einen Tisch saßzen und schweigend ihre Pfeifen rauchten, betrachteten die Fremden in gelassener Neugierde. Dann lam die Kellnerin und fragte nach ihren Wünschen. Sie bestellten beide Wein— den gleichen Wein, der ihnen einst so köstlich gemundet hatte. Und der Geheimrat fügte hinzu: „Sagen Sie— wissen Sie vielleicht, was aus Herrn Herrle und seiner Tochter Käthe geworden ist? Er war vor langen langen Jahren hier Wirt.“ Die Kellnerin nickte. Ja, der Herr sei lange tot. Die Tochter hätte geheiratet und sei nnn die Wirtin. Aber nächstens würde wohl der älteste Sohn das Geschäft übernehmen— die Frau sei alt und könne sich nicht mehr recht rühren. Und wieder räusperte sich der Geheimrat. „Würden Sie uns die Wirtin wohl einmal rufen? Wir sind alte Bekannte von ihr.“ Und dann kam es durch den Garten dahergekeucht — eine Masse wandelnden Fettes ließ sich prustend auf die Holzbank fallen, daß das schwache Gerüst bedenklich krachte, und fragte mit hoher, fettiger Stimme, was die Herren wünschten. Dabei wanderten die Blicke der kleinen, verschwommenen Augen von einem zum andern, und die reichlich ausgepolsterten Hände suchten die grauen Haarsträhnen über der merkwürdig faltenlos gebliebenen niedrigen Stirn zu ordnen. Lh Gott! dachte der Geheimrat. Ein Elephant war in den Garten seiner Träume geraten, und all die zarten Blumen und Blüten wurden zu einem Brei zerstampft. Aber er suchte zu retten, was noch zu retten war. Ob sie sich seiner nicht erinnerte— Erich Ellwanger— es sei allerdings sehr lange her. „Ellwanger?— Ach nee— Sie waren wohl der lange Mediziner, der wo immer mit mir durchgehen wollte?“ Nein. Der waren sie beide nicht. Das war der dritte. Und der Geheimrat lenkte rasch ab. „Also jetzt sind Sie verheiratet?— wohl recht glücklich?“ „Ach wo— gesoffen hat er, mei' Mann. Na, jetzt liegt er unter der Erde.“ „Und Kinder haben Sie auch?“ „Ja freilich— fünfzehn Stück. Da— das sind die Jüngsten.“ Und sie deutete mit dem Daumen auf die beiden Mädchen, die im Spiel inne gehalten hatten und aus großen, neugierigen Augen herüberfahen. Da griffen die beiden alten Herren zu ihren Hüten. Sie tnöpften die Handschube langsam zu. Und gemeinsam, nachdem sie ihre Zeche beglichen hatten, gingen sie davon— der Bahnstation zu. Von der Höhe wandten sie noch einmal den Blick hinunter auf das Dorf, das in all seiner Traulichkeit zu ihren Füßen lag. Und dann sahen sie sich lange an, bis der Geheimrat wehmütig sagte: „Daß sie uns nicht wiedererkannt hat, hätte ich ihr vielleicht noch verziehen. Auch, daß sie nicht nur uus beide liebte. Aber fünfzehn— nein, lieber Freund, das ist zuviel!“ I. Moose und Algen als Nahrungsmittel. (Nachdruck verboten.) Man hat in letzter Zeit Produkte als Nahrungsmittel schätzen gelernt, die früher in dieser Hinsicht ziemlich über die Achsel angesehen wurden, z. B. Isländisches Moos, Agaragar, die Jernsalem= Artischoke und ühnliches. Es sind mehrfache Gründe, die die Aufmertsamteit nach dieser Richtung gelenkt haben, wie die Bestrebungen der Vegetarier, ihren Küchenzettel reicher zu gestalten, der Wunsch. neue Stoffe wirtschaftlich zu verwerten, und das Bestreben, Ersatzmittel für Stärke und Zucker zum Gebrauch der Diabetiker zu finden. Diese Gründe bringen es allerdings mit sich, daß von mancher Seite bei der Anpreisung der neuartigen Nährmittel des Guten etwas zu viel getau wird und daß man ihren Nährwert über Gebühr eingeschätzt hat. Die Verwendung der genannten Erzeugnisse in der Küche ist an sich teine vollkommene Neuhein. Namentlich in Japan erscheinen solche Dinge seit langem anf dem Tische, und eine Neuerung stellen sie eigentlich nur in Europa dar. Die meisten derartigen Speisen gehören der Gattung der Flechten und Algen zu. An den Orten ihres natürlichen Vorkommens tosten sie fast nichts. Einzelne solche Nahrungsmittel, wie manche Gattungen von Pflanzengummi, entstammen hühern Pflanzen. Zubereitet steilen sie sich zumeist als gelatinöse oder gummiartige Speisen, dar, die ihrer chemischen Zusammensetzung nach fast ausschließlich auKohlenwasserstoffen bestehen und demgemäß scheinbar sehr hoben Nährwert besitzen Eine Besprechung im Journal der Amerikanischen Medicinischen Vereinigung wendet sich mit Recht gegen diese Auffassung, da aus dem Prozentgehalt an Kohlehydraten, Fett und Eiweißkörper durchaus nicht ohne weiteres ein Schluß auf den Nährwert irgend eines Stoffes gezogen werden kann, ohne die Form, in der diese Bestandteile vorhanden sind, zu berücksichtigen, d. h. ohne den Grad der Möglichkeit ihrer Verarbeitung durch den menschlichen Organismus in Betracht zu ziehen. In ganz besonderem Maße gilt dies von den Kohlehydraten, weil die vermittelnden Enzume auf ganz bestimmte Arten von Köblewasserstossen reagieren und die übrigen garnicht angreisen, sehr im Gegensatz zu dem Peps in und Trypsin, die so gut wie alle Eiweißstoffe verdaulich machen. Daß der Mensch zum Unterschiede von vielen Tieren nicht imstande ist, sich von Holzzellstoffen zu ernähren, hat seinen Grund darin, daß ihm eben die nötigen Verdauungsenzyme dazu fehlen, die aus der unlöslichen Cellulose einen assimilierbaren Zucker machen könnten. Die Kohlehydrate der Algen, Flechten und ähnlicher pflanzlicher Stoffe sind unn nach ihrer chemischen Zusammensetzung auch nur wenig dazu geeignet, von den Verdauungsvorrichtungen des Menschen in nutzbringender Weise verarbeitet zu werden. Die ganze Frage liegt durchaus nicht so einfach, wie es nach den Anpreisungen, die von manchen Seiten gemacht worden sind, erscheinen möchte. Ein Beleg dafür ist die Geschichte des Inulins, eines Pflanzenstoffs, der sich in verschiedenen Körbchenblütlern und vor allem in den nollen der Georaine, reichlich findet. Er wird in Lacuulose verwandelt, eine Form des Traubenzuckers, die von Zuckerkranken weit besser vertragen wird als die chemisch gleich zusammengesetzte Dertrose. Man hat daher das Inulin für die Diät Zuckerkranker vorgeschlagen. Versuche haben indessen gezeigt, daß das Inulin überhaupt nicht im Organismus verarbeitet wird. Und ganz ähnliche Ergebnisse hat das Studium der Polysaccharide erbracht, die vorzugsweise den Körper der Algen und Flechten aufbauen. Namentlich japanische Gelehrte haben die Speisen dieser Art, die in ihrem Heimallande sehr gebräuchlich sind, untersucht und haben ihren Nährwert als sehr fragwürdig erkannt. Der Instinkt des Menschen hat die Weisheit längst vorausgeahnt, sonst würden ebenso reichlich vorhaudene„Speisen“ in viel ausgedehnterem Maße als Nahrungsmittel herangezogen worden sein. Verschiedenes. uc. Vom Marschall„Vorwärts“. Als Fürst Blücher auf dem Sterbehette lag, ert er den Besuch König Friedrich Wilhelms III., ihm freundlich zusprach und der Hoffnung Ausck verlieh, sein tapferer„Marschall Vorwärts de wieder genesen. Blücher sah dem Monarchen elnd ins Gesicht und meinte dann jestät wissen, daß mein Weg allezeit vorwärts !. Ich fühle, daß ich nicht mehr weit vom Ziele — umkehren, Majestät,— das war nie meine be!“ leus 120 Tischwäsche as Handtücher sr Haus- und Küchenwäsche Spezialität: Braut-Ausstattungen in jeder Preislage. Wilh. Schild Bielefelder Leinen- und Wäschefabrik. 8874 Hagen i. W. Elberfelderstrasse 30. Feur Lits nurr tann.“ 121 Lassen Sie sich„Gratis-Proben“ geben vol Grubers Saucentateln„Schmackhaft“. Eissc Sie sind die vorzüglichsten im Gebrauch, erübrigen alle Jutaten wie Mehl, Gewürze 2c. und finden auch in der feinsten Rüche allgemein lobende Knerkennung. In allen besseren Geschäften zu haben. 9947 Vertreter für Hagen u. 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Armenpflege, die mit Schwester Alma in Berührung gekommen sind, sowie ihre Kolleginnen in der Gemeinde= und Krankenhauspflege und anderen Wohlfahrtseinrichtungen werden hiermit zu dieser Feier herzlich eingeladen. 13571 Eintritt frei.— Wer Kaffee trinken will, zahlt dafür 40 Pfg. Der Vorstand. Die Heilsarmee Ecke Wittekind= und Adolfstraße. Morgen Sonntag, den 2. Mai 1909, abends 8½2 Uhr Abschieds=Feier von Handidat Graf. Sie sind freundlichst eingeladen. 14028 Weinbergbesitzer Weinkellereien am Rhein-5 Bahnhofstraße 4 1 Marienstraße 4 empfiehlt seine vomüglichen preiswerten 40 Tel. 427 14018 Geschäfts=Eröffnung. Mit dem heutigen Tage eröffne ich Bachstraße Nr. 12 ein 14053 Spezial=Geschäft in Zigarren, Zigaretten und Tabak. wird mein Bestreben sein, meinen verehrten Freunden und Gönnern nur erstklassige und preiswerte Ware anzubieten, gleichzeitig bitte ich, mein junges Unternehmen gütigst unterstützen zu wollen. Hagen i. W., den 1. Mai 1909. Hocbachlungsvoll! 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(Nachdruck verboten.) K K. In seiner„Liebeskunst“ hat Ovid geseufzt, er wolle lieber die Eicheln an einer großen Eiche oder die Bienen des Hybla zählen, als all die man nigfachen Kopftrachten, die der Frauengeist sich immer neu ersänne. Der Betrachter der Mode, der sich in die Vergangenheit versenkt, wird bei dem Kapitel Damenhüte diese Schwierigkeiten in noch viel höherem Maße empfinden: Eine schier unfaßliche Fülle von Formen und Gestaltungen zieht an ihm vorüber, umtanzt und umgankelt ihn mit tausendfältigen Neckereien wechselnder Lanne, und er steht schließlich mit verdutzter Bewunderung vor diesem nie erschöpften Erfindungsgeist, der in den wunderlichsten Variationen stets neuen Schmuck für den Kopf erfindet und den Hut allmählich zur Krönung der ganzen Tvilette ausgestaltet hat. Der Topf hut der diesjährigen Saison, der zuerst ablehnendes Kopfschütteln und bald Entzückung bei den stets nachgiebigen Männern hervorrief, ist ein Beweis für die revolutionäre Kühnheit, mit der Hutmoden auf treten; und wie diese Formen der Kopfbedectung an Extravaganz den Körben und Trichtern der Merveilleusen in der Revolutionszeit zustreben, so wer den wir vielleicht auch noch die Wiederkehr jenes riesigen spitzen Horuhntes der burgundischen Zeit mit ansehen müssen, falls es der phantastischen Modefee gefallen sollte, in so ferne Vergangenheiten herabzusteigen. Erst ganz allmählich hat der Hut im weiblichen Kostüm die hohe Bedeutung erlangt, die er heute be sitzt. Die Griechinnen der klassischen Zeit gin gen barhaupt und setzten höchstens auf der Reise einen breitrandigen Hut auf, der sie gegen die Sonne schützen mußte und den sie nur ihres Teints wegen als eine unschöne Verbergung der Frisur mit in Kauf nahmen, für gewöhnlich aber an einer Schnur auf den Rücken herabhängen ließen. Die lokettere Aera des Prariteles kennt bereits eine spitze dectelartige Kopfzier, die pikant auf der hohen Lockenfrisur balancierte und besonders den Tanggrafiguren einen mondän=graziösen Reiz verleiht. Die römische Matrone trug in der Zeit der Republit züchtig nur den Schleier, und erst in der entarteten Epoche der Kaiser erscheinen die zahllosen Frisurengebäude, Kopfputz der raffiniertesten Art, unter dem seit Neros Tode der Hut eine wichtige Stelle ein nimmt. Die dreihundert Kopftrachten, mit denen die Gemahlin Mark Aurels paradierte, zeigen, welch hohen Wert vornehme Frauen auf diesen Teil der Tvilette legten. Nie aber ist der Hut in der Antite bei den Frauen zu einem so notwendigen Element der weiblichen Kleidung auf der Straße geworden, wie er es bei uns ist und wie er es bei den Männern schon damals war. Ueberhaupt galt der Hut lange als ein spezifisch männliches Kleidungostück; die Herrentracht hatte in Hutformen sehr lange die Führung, sodaß die Frauen ihre Kopfbedectung von den Männern übernahmen, wie den Federhut in der Renaissanee oder den Filzhut in der Rembrandtzeit oder den Zulinder in der Kongreßepoche. Vielsach stand der Kopfputz in engstem Zusammenhang mit der Frisur, wurde im Salon und beim Ausgang ganz gleich getragen, Hauben, Mantillen und Spitzen arrangements stritten lange mit ihm um die Herr schaft, und bis weit ins 19. Jahrhundert hinein war es Mode, auch für die seinen Damen unserer nörd lichen Länder, mit einem Kopftuch oder einem Häub chen auf der Straße zu erscheinen, eine Sitte, die im Romanischen ja auch noch heute anhält. Der Sieg des Damenhutes ist allerdings in den letzten Jahr zehnten so entscheidend geworden, daß auch ganz ein fache Frauen bei uns ohne Hut nicht mehr gern über die Straße gehen. Die germantsche Frau schmückte sich, wenn sie nicht zum Zeichen ihrer Mädchenschaft harhaupt ging und stolz ihre Zöpfe zeigte, mit einer einfachen Linnenhaube oder bei festlichen Gelegenheiten mit dem„Schapel“, einem schmalen Goldreif oder auch Streifen aus buntem Zeug, der bei den Vornehmen durch Verzierung mit Edelsteinen und Perlen, durch blumenförmige Rosetten und Zinken zu einer kleinen Krone wurde; allmählich kamen direkte„Gold hüte“ auf, schwere Diademe, die die ganze Frisur be deckten. Doch zogen die Damen der Ritterzeit solch prunkend offiziellem Schmuck köstliche Blumengewinde vor, die wie ein blühendes Dach sich um die Haarflechten legten und das Gesicht beschatteten. Es gab eine ganze Zunft unter den Gärtnern, die sich mit der Verfertigung solcher Blumenhüte beschästigte. Während die Römerin aber schon früh künst liche Blumen bei ihrem Kopsputz bevorzugte, scheint die deutsche Frau lange den natürlichen Kindern Floras treu geblieben zu sein; erst im Barock und Rotolo treten künstliche Blumen auf, die unn, wie auch jetzt noch, zur Garnierung des Hutes verwandt werden. Der aus Blüten und Zweigen künstlich ge flochtene Schäferhut, der als kurze Zier des Som mers besondere Frende entfesselte, war hauptsächlich Schmuck der jungen Mädchen; ältere Frauen setzten Hüte aus Samt und Pelzwerk auf, die im 13. Jahr hundert recht breitkrempig wurden und auch von den Jungfrauen begehrt waren. Doch wenden sich die Dichter des Minnesangs sehr scharf gegen diese österreichische Mode, weil von einem hübschen Gesicht bei solch breitem Rand nicht viel zu sehen war. Als ele ganteste Kopfbedeckung der Ritterzeit galten die „Pfauenhüte“; sie wurden mit den Spiegeln der Pfauenfedern belegt, gefüttert und mit Schnüren zum Festbinden versehen; die feinsten kamen aus England. Auch sonst wurden schon Federn zur Garnierung des Hutes verwendet. Im 14. Jahrhundert weichen alle diese Kopfbe deckungen einer hohen Haube, die wohl in Frankreich zuerst aufkommt, dann ein wichtiger Teil der bur gundischen Tracht wird und nun auch in Deutsch land sich einbürgert. Die Frauen lassen sich das Haar ganz aus der Stirn streichen, ja sogar bis hoch auf den. Kopf hinauf, rasieren die Angenbrauen ab und geben so dem glatten Gesicht jene spitze, nach oben dräugende Richtung, die in eine möglichst hohe tegelförmige Mütze ausläuft. Dieser„Hennin“, wie ihn die Franzosen nannten, die Hornhaube, ist bei Edeldamen wenigstens einen Meter hoch, Bürger frauen müssen sich mit einer Länge von 50—60 Jenti metern begnügen. Dazu kommen noch ellenlange Schleier, mit denen die Hauben drapiert werden. Diese spitze Mütze verbindet sich dann in den M0er Jahren des 15. Jahrunderts mit einer auch schon A Sr früher getragenen Haubenform, die über dem Hinterkopf mit Draht gestützt wird und dadurch breit aufgebauscht erscheint. Der Kopfputz erhält dadurch einen breiten Unterbau, der in ein gewaltiges Horn ausläuft, und die ganze ungehenerliche Auftürmung wird durch eine breite Kinnbinde festgehalten. Wenn die Damen des vergangenen Winters mit ihren Riesenhüten in keine Droschke hineinkonnten, so wurden sie von den Frauen des späten Mittelalters übertrumpft, denn von ihnen sagte man, sie müßten sich ihre Hörner am Kirchenportal abbrechen. Dazu wurden noch gewaltige Kissen auf die Köpfe gelegt. die mit Schleiern umspannt waren, so daß sie großen Segeln glichen und die Damen nur seitwärts durch die Türen gehen tonnten. In einem interessanten Modenbild hat uns Dürers Lehrer, Michel Wol gemut, die Kopfputze dieser Zeit aufbewahrt; da sehen wir die ungeheuren turbauartig umgewunde nen Hauben, die zwei=, drei= und mehrzipfeligen Kappen, die sich schnörklig und mit bizarren Verzierungen um die Frisur verumwindenden Kopftücher. die spitzen Riesentegel, von denen der Schleier bie herab auf die Erde fällt. Mit Recht wird in einer Ballade den Frauen vorgeworsen, sie seien schlim mer wie die Hirsche, denn diese wechselten doch ihren Kopsputz nur einmal im Jahre, die Frauen aber wohl jeden Monat. Die Bußprediger eiferten natürlich gegen diese Mode, in der„der Teufel gar zu deutlich seine Hörner aus dem Kopfe der Weiber herausstrecke.“ Im Jahre 1428 predigte der Carmelitermönch Thomas eifrig gegen die eitlen Kopfzieraten; hinter den edlen Damen mit Hornhauben heute er die kleinen Kinder auf der Gasse her, ließ sie schreien:„Auf den Hennin“ und den Frauen die Mützen vom Kopfe reißen. Das nützte aber nicht viel, denn die Frauen„handelten nach dem Beispiele der Schnecke, die, wenn man vorbeigeht, die Hörner einzieht, und wenn sie nichts mehr hört, sie wieder hervorstreckt, und sobald der Prediger aus dem Lande fortgezogen war, vergaßen sie seine Lehren und nah men ihre alte Tracht wieder auf, ebenso und selbst noch größer, als wie sie sie früher zu tragen gewöhnt waren.“ Im Jahre 1429 verbrannten alle Frauen nach einer Predigt des Bruder Richard zu Paris ihre Kopfhörner zu Ehren der heiligen Jungfrau. Aber weder frommes Eifern noch strenge Klei derordnungen, die z. B. nur den Edeldamen Samt und Seide für den Kopfputz, den Bürgerrinnen schwarzes und rotes Tuch erlaubten, konnten helfen; allein die Mode selbst vermochte die tollen Geister, die sie gerufen, auch wieder von den Frauenköpfen und aus den Frauenkopfen zu vertreiben. Im An fang des 16. Jahrhunderts erschien es allmählich als nicht mehr elegant. Hörner und Hauben zu tragen. Die Turbane, all die phantastisch geschlungenen Dravierungen verschwinden; Filz- und Biber hüte, wie sie die Männer tragen, werden auch von den Frauen ted ans das Haupt gedrückt. Der Filzund Viverynt waren von Frauen auch schon früher zur Reise und auf der Jagd getragen worden; in dem Inventar' der Isabella von Bayern, die 1385 mit 14 Jahren den König von Frankreich beiratete, finden sich zehn Viverhüte erwähnt. Nun aber wird das von reichem Federschmuck umwallte Barett modern. Die Straußenseder, die sich seitdem bis heute in der Gunst der Damen erhalten hat, tritt als schönster Schmuck auf; aus einer Federzeichnung von Zasinger sehen wir einen Händler mit Strau ßzenfedern auf der offenen Straße sitzen, der selbst ein rundes Barett mit zwei nickenden Büschen aufgesetzt hat und die fremdländischen Wunderdinge darbietet. Zunächst war dieser tostbare Schmuck nur den reichen Damen und jenen gefälligen Schönen vorbehalten, die sich schon damals ihre Toilette erwas losten ließen, durch die fahrenden Weiber, die die Landsknechtheere begleiteten, ist die Mode ja über hautt wohl ausgekommen. Bei Lucas Kranach und Bernhard Strigel lachen uns solche Frauen mit schiefaufgesetztem Federbarett an; um 1520 aber scheint der Federhut auch schon in einfachen Ständen ganz verbreitet gewesen, zu sein. Auf Holbeins Nostümbildern trägt eine Wirtshausmagd einen ganz mit Federn umtränzten Hut und Lucas Kranach hat sogar ein Dienstmädchen mit einem Federbarett am Waschsaß dargestellt. Die abenteuerlustige, am üppigen Schmuck und freien Leben sich erfreuende Renaissancezeit treibt so auch in den Hüten ihr Spiel. Die spanische Mode macht dieser malerisch frischen Kopftracht ein Ende und sie ist seitdem nur wieder aufgelebt, wenn man sich an die Renaissance anschloß, so in dem sogenannten Rembrandthut, den die Frauen des Rubens häufiger als die Rem brandts tragen, der eigentlich nur seine Sastia mit einem solch breiten Hut geschmückt hat und sonst meist die steife Haube gibt, dann bei den geschmackvollen Damen Gaiusboronghs und in den ritterlich gestimmten Bildern der Romantik, zuletzt in dem „Rembrandthut“ der 80er Jahre des 19. Jahrhunderts. Die spanische Mode bringt eine runde, häufig schief auf dem Scheitel sitzende Kappe, die zu dem eng und glatt gepreßten Haar paßt; dem nonnenhaften Charatter der Zeit entsprechend treten Beghinenhauben und rundliche Stofftapuzen mit langen Schulterkragen auf; untleidsame Käpochen und Mützchen in mannigfachsten Formen tragen die Frauen. Die geschmackvollste Ausgestaltung findet diese Mode in der sog.„Stuarthaube“, die sich mit ihren seinen Spitzeneinfassungen in schön geschwungenen Linien um das an den Ohren gepuffte Haar legt und häufig mit der steifen Halskrause und auch mit dem Mantel in Verbindung gebracht wird. Die Zeit Ludwigs XIV. verbannt eine eigentliche Kopf bedeclung überhaupt aus der Toilette und schafft in der„ontange ein Gegenstück zur Perücke, bei der der gewaltige hutartige Spitzenaufputz mit den zu plastischer Darstellung aller möglichen Gegenstände entarteten Coiffüren unlöslich zusammenhängt. Die niedrige Haartracht des Rokokos gewöhnt sich allmählich wieder an den Hut; er trennt sich in der Zeit der Marie Autoinette, die die kostbarsten und überladensten Aufbauten über dem Haar liebte, wieder von der Frisur. Die Revolution entfesselte alle Kobolde der Huttracht: antike Helme mit Girlanden und Lorbeer barmonieren mit der griechischen Tracht; dann erscheinen pilante Toques und Varetts, bei denen eine Feder oder ein Palmenmedel aufs linte oder rechte Ange niederfiel; roman tische Tournierhelme aus schwarzem Samt erinnern an die Schwärmerei fürs Mittelalter und bilden den Uebergang zur Schute, die nun auf lange die wichtigste Hutform wird; sie ist bald wie ein Ofen rohr: steht bald breit aufwärts wie zwei gigantische Schentlappen; hat bald einen flachen langen, bald einen hohen schmalen Rand und rückt schließlich immer in den Nacken, bis sie von dem winzig klei nen Kapptthüichen abgelöst wird. Damit wollen wir unsere Betrachtung abschließen und uns nicht mehr in das Chaos der Hutformen nach 1870 hineinwagen, die uns zum großen Teile noch heute vor Augen stehen. Dr. P. L. Hagen, den 1. Mai. X Ferieneinheit. Die Landräte sind seitens der Regierung angewiesen worden, die Ferien der Rektorat= und höheren Mädchenschulen in kleineren Orten möglich mit denen der Volksschulen übereinstimmend anzusetzen. Für die bis zur Tertia einschließlich entwickelten Rettoratschulen gelte die vom Königlichen Provinzial=Schulkollegium für die höheren Schulen festgesetzte Ferienordnung. * Witten, 30. April.[Fortzug.] Nachdem im vorigen Jahre der erste Steuerzahler Wittens, Herr Kommerzienrat Rüving, seinen Wohnsitz nach Wies baden verlegt hat, folgen ihm in diesen Tagen zwei andere potente Steuerzahler in das„Weltbad“ im Tannus. Es sind die Herren Generaldirektor Schu mann, der aus Gesundheitsrücksichten von der Leilung des Gußstahlwerks zurücktritt, und der Stadt verordnete Rentner Seidel. An ihm verliert auch unser Stadtparlament eine tüchtige Kraft. Der städtische Steuersäckel wird den Wohnungswechsel leider auch empfinden. Laugendreer, 30. April.[Verbrüht.] Die fünfjährige Tochter der Familie K. in Werne zog einen Topf tochende Milch vom Ofen, wobei sie so schwere Brandwunden erlitt, daß sie schon kurz nachher starb. * R e c k l i n g h a u s e n, 3 0. A p r i l.[ G e n i c k s t a r r e.]. Eine erst 25 Jahre alte Ehefrau aus Bochum, die im benachbarten Waltrop bei ihren Verwandten zu Besuch weilte, erkrankte nachts plötzlich an Genick starre. Diese Nacht ist sie im Krantenhause, wohin sie sofort geschafft wurde, gestorben. Recklinghausen, 30. April.[Eigenartiger Unfall.] Der Pergmann Hüttner, auf einer Radtour nach dem benachbarten Marl begriffen, stürzte mit seinem Rade. Durch einen unglücklichen Zufall bohrte sich die Leutnange in den Leib. Die furchtbare Verletzung führte schon nach kurzer Zeit den Tod Hüttners herbei. * Barmen, 30. April. sUm hervorragende Verdienstel einzelner Bürger und anderer Personen in besonderer Weise zu ehren, hat die Stadt Barmen eine städtische Medaille schlagen lassen. Diese Dentmünze wurde zum ersten Male dem Ver fasser der Festschrift zur Jahrhundertfeier der Stadt, Adolf Werth, verlichen. Werth feierte vor kurzem seinen 70. Geburtstag. Seit 10 Jahren int er Vorsitzender der Abteilung Barmen des Vergischen Geschichtsvereins, dessen Mitglied er seit 1866 ist. Auch stiftete ihm die Stadt einen Ehrenbecher. * Duisburg, 30. April.[Anorganisierten Krantentassen waren in der Gesamtstadt zu Beginn 198 nicht weniger als 65 vorhanden mit 2589 Versicherten, darunter sind 8 Ortskranten lassen mit 22573 Versicherten und 48 Betriebe trantenkassen mit. 28071 Versicherten. An Krankheitslosten wurden ausgewendet 2081 121 Mark. Die Gesamteinnahmen der Kassen betrugen 2709725 Mt. Das Gesamtvermögen stellte sich auf 2425 708 Ml. Duisburg=Laar, 30. April.[Unglückssall.] Der Zimmermann Gustav Engels hier, der mit dem Spannen von Drahtseilen beschäftigt war, stürzte von beträchtlicher Höhe ab und erlitt tödliche Verletzungen. Duisburg=Ruhrort. 30. April.[Ertrunken. Ein Schiffejunge vom Schiff Nr. 60 der Firma A. Fündel stürzte über Bord und ertrant.— Der 7jährige Schüler Heinrich Porten hier stürzte beim Schlackensuchen von der Kaimaner in den Hafen und ertranf. * M.=Gladbach, 30.. April.[Verhaftung.] Die Polizei der Landgemeinde verhaftete den 28= jährigen Stanzer Juseph Sch., der am 1. März d. J. bei Rheindahlen eine Frau überfiel und sich an ihr verging. In der Sache erfolgten früher schon zwei Verhaftungen, doch die Festgenommenen mußten wieder entlassen werden, da sich ihre Unschuld her ausstellte. Die Frau hat Sch. als den Täter bestimmt wieder erkannt. Er spielt jetzt im Gefängnis den wilden Mann. Köln, 30. April.[Zoologischer Garten in Köln.] Nur wenige deutsche Tiergärten erfreuen sich einer gleich glücklichen Entwickelung, wie der Kölner, dessen Tiersammlungen mit jedem Jahre an Artenzahl und Wert zunehmen Von den kostbaren Giraffen besitzt er jetzt vier Stück. Das jüngste wurde am letzten Karfreitag geboren und ging, obwohl es schon 1,80 Meter hoch war, mühelos unter der Mutter hindurch Die vier Giraffen bieten durch ihre verschiedenen Größen und den guten Pflegezustand, in dem sie sich befinden, ein außerordentlich anziehendes Familienbild. Ein anderes Schaustück von nicht geringerer Anziehungstraft ist das afrikanische Doppelnashorn, das im Februar v. Js. erworden wurde und seit dieser Zeit über 400 Klg. an Gewicht zugenommen hat. Einer gleich guten Entwickelung erfreuen sich die Nilpferde, von denen namentlich der Bulle ein außergewöhnlich kräftiger Bursche zu werden verspricht. * Siegburg, 30. April.[Bei einem Umzugl sah ein mithelfender Arbeiter eine Flasche stehen und gedachte einen Schluck zur Stärkung zu nehmen. Die Flasche enthielt aber Karbolsäure. Die Verbrennungen sind derart, daß der Mann die Sprache verloren hat und sein Aufkommen sehr bezweifelt wird. Gerichts=Zeitung. Witten, 30. April.[Einer, der gerneins Arbeitshaus will.] In der heutigen Bochnmer Strafkammersitzung ereignete sich der seltene Fall, daß ein Angeklagter selbst die Ueberweisung ins Arbeitshaus beantragte. Der wiederholt vorbestrafte Ziegelarbeiter Ernst Hamel war, nachdem er ein Fenster zerschlagen, zur Nachtzeit in die Wasch taue der Zeche Vommerbäuker Tiefbau eingedrun gen, hatte ein Feuer entzündet und es sich in dem Raume bequem gemacht. Heute sprach Hamel den Bunsch aus, man möge ihn doch wieder ins Arbeitshaus schicken, da es ihm dort sehr gefallen habe. Das Gericht konnte leider diesen sehnlichen Herzenswunsch des Angeklagten nicht erfüllen; es verurteilte Hamel wegen Hausfriedensbruchs, Sachbeschädigung und Bettelns zu einer Woche Gefängnis und drei Wochen Haft. * Düsseldorf, 30. April.[Ausgesetzte Schwurgerichtsverhandlung.] Vor dem hiesigen Schwurgerichte sollte heute gegen zwei holländische Viehwärter wegen Straßenraubes verhaudelt werden. Der Hauptzeuge befand sich jedoch in total berauschtem Zustande, sodaß eine Verhandlung unmöglich war. Der Betreffende wurde in eine so fort zu vollstreckende Ordnungsstrafe von drei Tagen genommen und die Verhandlung auf Freitag vertagt. * Trier, 30. April.[Ein Weinchen für Kenner!] Die Winzer Lofi, Vater und Sohn, aus Maring, hatten sich vor der Strafkammer in Trier wegen Weinfälschung zu verantworten. Der erstgenannte Angeklagte hatte einem Gastwirt in Niederweiler 527 Liter Wein verkauft, der bei der polizeilichen Probeentnahme einen starten Zusatzz von Petroleum und Jauche ergab. Im Keller befanden sich damals noch drei Fuder des gleichen Weines und vier Inder Tresterwein. Auch dieser Wein zeigte bei der chemischen Untersuchung das gleiche analytische Bild, niedrigen Extrakt= und Säuregehalt bei hohem Chlorgehalt. Die Angetlagten bestritten den Zusatz verbotener Stoffe, der Wein sei erst bei dem Käufer unbrauchbar gemacht worden. An dem einen Faß sei nämlich ein großer Petroleumflecken festgestellt worden, der vorher nicht da war. Das Gericht nahm an, daß die Angeklagten den Wein in gewinnsüchtiger Absicht überstreckt und ihm Nochsalz zugesetzt hätten. Hinsichtlich des Petroleumzusatzes liege die Vermutung nahe, daß erst im Keller des Käufers durch Fahrlässigkeit Petroleum in den Wein gekommen sei. Beide Angeklagte wur den zu je vier Wochen Gefängnis verurteilt. Auch wurde die Einziehung der beschlagnahmten drei Inder Wein angeordnet. * Bad Wildungen, 30. April.[Zur Ladenschlunfrage.] Hier war ein Uhrmacher mit einer Polizeistrafe von 2 Mt. bedacht worden, weil er eine Kundin, die seinen Laden vor 8 Uhr abends betrat, noch 10 Minuten nach 8 Uhr bedient hatte, ohne den Laden zu schließen. Der Uhrmacher beantragte rich terliche Entscheidung und machte geltend, daß er gesetzlich nicht verpflichtet sei, seine Ladentür um 8 Uhr zu schließen, nur dürfe er dann an etwa noch herein kommende Personen nicht mehr verkaufen. Das um 8 Uhr noch im Laden befindliche Publitum nehme es häusig übel, wenn die Tür geschlossen werde, und es sei bei ihm schon vorgekommen, daß dadurch ein Geschäft vereitelt worden sei. Der Amtsanwalt war dagegen der Ansicht, der Uhrmacher hätte punkt 8 Uhr seinen Laden schließen müssen und erst nach Erledigung des Geschäfts die Tür wieder öffnen dürfen, um die Kundin herauszulassen. Er weise auf die Postanstalten hin, deren Schalterränme pünktlich um 8 Uhr abgeschlossen werden, während die noch anwesenden Perionen abgefertigt werden. Eso müsse der Achtuhrschluß auch im Geschäftsleben gehandbabt werden: er beantrage daher, es bei der Polizeistrafe von 2 Mt. zu belassen. Das Schöffengericht sprach indes den Uhrmacher mit der Begründung frei, daß jeder Ladeninhaber nach der gesetzlichen Schlußzeit seinen Laden aufhalten dürfe, nur müsse der Laden für den geschäftlichen Vertehr geschlossen werden, d. h. der Inhaber dürfe nach Geschäftsschluß nichts mehr vertaufen. Die Iserlohner Falschmünzer=Affäre vor dem Schwurgericht. (Nachdruck verboten.) Hagen, 30. April. Heute wird in der Beweisaufnahme in der Falschmünzerasfäre der Ludwig und Genossen fort gefahren und als Zeuge und Gutachter der Oberarzt der Irreuanstalt in Warstein Dr. Hermkes über den Zustand des heute auch anwesenden Spelsberg vernommen. Derselbe sagt aus, daß Spelsberg aufangs für einen Simulanten gehalten sei. Er sei einsilbig und verschlossen gewesen und habe ein mangelhaftes Crientierungsvermögen gezeigt. Später habe sich aber gezeigt, daß er doch geistestraul war. An der Echtheit seiner Krankheit könne heute nicht mehr gezweifelt werden. Es sei schon früher von seiner geistigen Minderwertigkeit, aber nicht von Geistesgestörtheit die Rede gewesen. Seiner Meinung nach habe sich die Krankheit im Gefängnis erst entwickelt. Dann wird Spelsberg hereingeführt und nachdem er über sein Zeugnisverwei gerungsrecht belehrt ist, vernommen. Er sagt ähnlich aus, wie er gestern dem Arzt gegenüber erklärt vat. Er ertennt Schmöle als seinen Schwager, Ludwig wie auch dessen Frau. Weiske kennt er nicht, auch Rodegra nicht, wenigstens kennt er diesen nicht als den Rodegra wieder, den er in Menden eines Tage im Beisein des Ludwig kennen gelernt habe. Sp. weiß bestimmt, daß er, Ludwig und Gerhardt ir. falsches Geld, das von Gerhardt sr. herrührte, ausgegeben haben. Woher G. fr. das falsche Geld habe, wisse er nicht. Es seien lauter Zweimarkstücke gewesen, das andere Geld sei richtiges gewesen. In Hagen sei er— Sp.— mit Ludwig, nicht aber mit dessen Frau gewesen; auch in Menden, Schwerte, Unna. Hohenlimburg und Letmathe. Der alte Ger hardt habe ihm eines Tages gesagt, er solle den Ro degra mal fragen, ob er salsches Geld haben wolle. G. habe zwei Säcke bei sich gehabt, einen mit rich tigem Goldgeld und einen mit Pfennigen, die prä pariert— vergoldet— waren.— Die Zeugin Frieda Baldt kennt der Spelsberg auch wieder; er will mal mit ihr bei Rodegra in Menden gewesen sein. Sp glaubt sich auch zu erinnern, daß er mal einen Brief an Rodegra geschrieben hat. Ob dieser Brief von Frau Ludwig fortgebracht ist, weiß er nicht mehr. Die Zeugin Frieda Baldt hat den Spelsberg in der Wirtschaft von Ant. Hesse in Iserlohn kennen gelernt. Er bot iyr falsches Geld an, um es in Verkehr zu bringen, sie will aber keins bekommen haben. Die Zeugin ist eines Tage mit Spelsherg und Ger hardt fr. am Ostbahnhof in Iserlohn gewesen, wo sie einen Mann erwarteten, der aber ausblieb. Gerhardt habe 2 Beutel mit Geld bei sich gehabt und ihr eine Hand voll Goldstücke zur Ansicht gegeben. Ob das Geld echt oder falsch gewesen sei, wisse sie nicht. Der Spelsberg habe mal in Hohenlimburg in ihrem Bei sein falsches Geld ausgegeben. Er sagte, er und Ludwig hätten es gemacht. Spelsberg habe auch mal eine Gipsfurm bei sich gehabt, die er zerbrach und in die Lenne warf, ebenso eine Flasche mit einem Präparat. Zeugin gibt zu, mit Spelsberg eines Tags in Menden bei Rodegra gewesen zu sein. Erstexer habe letztèrem falsches Geld besorgen wollen. Was verhandelt sei, wisse sie nicht, da sie im Zimmer geblieben sei, während die beiden Männer herausgegangen seien.— Zeuge H. Gerhardt sr., Galvaniseur aus Iserlohn, gior zu, den Spelsberg zu kennen und eines Tages mit ihm und der Baldt am OstbahnhofIserlohn gewesen zu sein und einen Beutel mit Geld bei sich gehabt zu haben. Er beteuert, nie falsches Geld besessen oder ausgegeben zu haben. Der Zeuge Gerhardt ist in dieser Sache auch kurze Zeit in Untersuchungshaft gewesen, indes bald wieder in Freiheit gesetzt. Ebenso sein Sohn H. G. fr. Es werden dann verschiedene Fälle erörtert, wo falsche Zweimarkstücke verausgabt sind. Bei Fr. Strünkelberg in Menden ist Ludwig als der Verausgeber erkannt, bei Bäcker Trumpetter=Hagen der Spelsberg, bei Metzger Fischer=Hagen die Frau Ludwig, bei dem Wirt Schnüring=Menden der Rodegra. Weiske hat dort in trunkenem Zustande mit falschem Gelde geprahlt, aber keins ausgegeben. Dem Schuhmacher Eigenbrod hat Weiske eine handvoll falscher Zweimart= stücke gezeigt. Der Schutzmann Vierhaus, der den Weiske am 2. April nach Fröndenberg trausportiert hat, hat in dessen Besitz 78 falsche Zweimarkstücke vor gesunden. Er— W.— sagte erst, die hätte ihm einer in die Tasche gesteckt; dann aber sagte er, er habe das Geld am 29. Februar von Rodegra erhalten mit dem Ersuchen, es zu verausgaben. Hier wird die Verhandlung abgebrochen und auf morgen früh 10 Uhr vertagt. Schiffsbewegungen Kaiserliche Marine. * Berlin, 30. April. Fürst Bismarck ist auf der Heimreise am 29. April in Colombo(Ceylon) eingetroffen und setzt am 4. Mai die Reise nach der Insel Perim(Golf von Aden) fort. Scharnhorst ist mit dem 2. Admiral des Kreuzergeschwaders auf der Ausreise nach der ostasiatischen Station am 29. April in Colombo eingetroffen und setzt am 4. Mai die Reise nach Singapore fort. Luchs ist am 30. April in Honkong eingetroffen und geht am 4. Mai von dort nach Pakhoi in See. Grille ist am 29. April in Kiel eingetrossen und am 30. April nach Curhaven gegangen. Zieten und die 2. Schulslottille sind am 29. April in Wilhelmshaven, die 1. Minensuchdivision am 28. April in List auf Sylt, Velikan und die Manöverflottille— ohne 10. Halbslottille— am 29. April in Kiel eingetroffen. Poststation für den Verband der Aufklärungsschiffe der Flotte für 5. bis 7. Mai Cuxhaven. Für 8. Mai Helgoland. (Eingesandt.) Bei allen an dieser Stelle erfolgenden Veröffentlichungen übernimmt der Emnsender für die Richtigkeit des Inhalts und die event. in den Artikeln zu findenden Angriffe beleidigender Natur die Verantwortung der Oeffentlichkeit und dem Gesetz gegenüber Die Verteuerung der Brötchen. Will man sich da des Morgens gemütlich zum Kaffee setzen, flattert einem ein wenig erquickliches Zettelchen mit der Unterschrift:„Die Hagener Bäckermeister“ auf den Frühstückstisch, auf dem man die fröhliche Kunde liest: Nur 4 Brötchen für 10 Pfennige! Das kann ja heiter werden, nur immer so fort. Die Konjunktur wird schlechter, der Verdienst nicht besser, bei den meisten Leuten geht er sogar zurück, aber die Bäckermeister, von denen bis heute noch keiner gehört hat, daß man bei diesem Gewerbe verhungert, nehmen ausgerechnet zu einer Preiserhöhung der Brötchen die schlechteste Zeit des Verdienstes! Sozialpolitisch äußerst geschickt!?— Das Zettelchen ist ja fein säuberlich und schön gedruckt, welche geringe Logik aber der verehrte Verfasser in dieser Ankündigung bewiesen hat, scheint ihm und den Herren Bäckermeistern unbekannt zu sein! Der erste Satz lautet: Infolge der enorm hohen Mehlwreise, der stetig wachsenden Unkosten des Geschäftsbetriebes, wie auch die für den Bäckermeister verteuerten Lebensverhältnisse nötigen uns usw., dann kommen die inhaltsschweren Worte:„4 Brötchen für 10 Pfg.“. Die Zahl der zu liefernden Ware wird geringer, die Größe der Ware aber soll „dementsprechend“ größer werden. Spiritus merkst du was? Auf der einen Seite, wohl verstanden, heißt es: Konsument bezahle mehr, auf der andern Seite aber neißt es: trotzdem kriegst du dasselbe Quantum. Wie reimt sich das zusammen? Hier scheinen die Herren doch nicht so ganz richtig beraten worden zu sein, denn sonst würden sie wohl einen derartig komischen Jettel nicht verteilt haben. Sollen sie doch dann wenigstens sagen, wir können um den alten Preis nicht mehr arbeiten, wir müssen mehr verdienen, die Rohstoffe sind zu teuer. So aber wird das Publikum mit einer leeren Redensart abgespeist. die jedem Vernünftigen, der einigermaßen über die Verhältnisse informiert ist, ein Hohnlachen entlockt. Nun aber zur Sache selber. Die Hagener Bäckermeister behaupten, das Mehl usw. ist teurer geworden! Es ist eine ganz eigenartige Erscheinung, daß ausgerechnet gerade alles in Hagen teuerer sein muß, wie in einer ganzen Reihe anderer Städte aus dem Industriegebiete, und wer den Bäckerbetrieb nur einigermaßen kennt und die Geschichte der einzelnen Bäckereien verfolgt, der wird wohl nicht selten darauf treffen, daß ein Bäcker nicht nur nach einer gewissen Reihe von Jahren wohlhabend geworden ist, sondern sogar Reichtümer gesammelt hat. Von einer Erhöhung der Unkosten des Geschäftsbetriebes durch irgendwelche Sondersteuer, durch Erhöhung der Löhne oder der Aufbesserung des Ver kaufspersonals usw. hat hier niemand etwas gehört und daß die Brötchen jetzt schon eine so enorme Größe angenommen hatten, daß für 10 Pfg. nicht mehr 5 geliefert werden können, ist doch wohl auch nicht ganz zutreffend. Die Hagener Bäckermeister rechnen eben mit der vollständigen Gleichgültigkeit des Publi kums und so ist es ihnen möglich, einfach den Hausfrauen einen neuen Preis aufzuerlegen, ohne daß sich dieselben dagegen wehren. Ich bin neugierig, was unsere braven Hausfrauen hierzu sagen werden?! Wahrscheinlich eine fürchterliche Protestversammlung, in der enorm viel geredet wird, die aber ausläuft wie das Hornberger Schießen oder überhaupt nichts. Hausfrauen! Hier könnt Ihr mit Eurer Weisheit einsetzen und einmal energisch beraten, wie es möglich ist, daß Euch die Herren Lieseranten nicht einfach die Daumschrauben aufsetzen und Ihr einfach bezahlen müßt, ohne gefragt zu werden. Es ist betrübend, daß gerade die Bäcker ausgerechnet auch jetzt diejenigen sein müssen, den Leuten auch noch das Brot derartig zu verteuern. u Essen z. B. gibt ein Bäcker für 15 Pfg. 8 Brötchen, in Hagen kriegen wir nur nach neuester Rechnung 6. So, verehrter Bürger und verehrte Hausfrau, nun rechnet Euch aus, was ein Bäcker verdient oder wieviel er zusetzt. Jeder Mensch läßt sich gefallen, daß ein anderer verdienen will, aber es muß auch alles seine Grenzen haben und das Publikum sollte in diesem Falle auch nicht der Gleichgültige mit den Häuden in den Hosentaschen sein, sondern einmal ganz energisch gegen derartige willkürliche Verteuerungen Front machen. Eine eingehende Aufrechnung über den wirklichen Wert eines Brötchens will ich heute nicht machen. Wir wollen abwarten, was unsere Hausfrauen zu dieser neuesten Errungenschaft auf dem Gebiete der Lebensmittelverteuerungen sagen werden.——. Unehrliche Kampfesweise. " Der in der Donnerstagnummer erschienene Sprechsaalartikel versucht unter der Maske eines „Versammlungsbesuchers“ die Arbeiter und auch die Mitglieder des Deutschen Metallarbeiter=Verbandes gegen meine Person aufzuhetzen. Da der Artikel eine vollständige Verdrehung von Begebenheiten, sowie auch direkte Unwahrheiten enthält, werde ich dem „Versammlungsbesucher“. Gelegenheit geben, seine Behauptungen auch der Oefsentlichkeit gegenüber wiederholen zu können. Friedrich Donath, Bevollmächtigter des Deutschen MetallarbeiterVerbandes. Verwaltungsstelle Hagen und Umg. Handels= und Marktberichte. Amtliche Fruchtpreise zu Neuß am 30. April. Neuer Weizen 2. Qual. 3. Neuer Roggen per 100 Kilo 1. Qual. * Haser per 100 Kilo 1. Qual. *) „—„„** Kartoffeln 50 Kilo„ Heu per 50 Kilo Luzernerhen per 50 Kilo„„ Krummstroh per 500 Kilo. Breitdruschstroh per 500 Kilo Butter per Kilo Eier(100 Stück) Neuß, 30. April. Rüböl per 100 Kilo in Partien 100 Ztru. ohne Faß Rüböl per 100 Kilo faßzweise(ohne Faß) Gerciuist.= Sel v. 100, Kilo 3 M. böh. als Rülbdk Rübluchen per 1000 Kilo waggonweise „ in kleineren Partien Kleien per 50 Kilo„„„ von Mf. 25.— 23.— 18.70 17.70 17.70 16.20 14.70 3,30—3,60 3,.40—8.80 4.20 16. 18.— 2.60 56.50 58.50 98.— 10.— 6.20 3 Berlin, 30. Avril.[Preise um 212 Uhr.] Weizen Mai 246.50. Juli 237.00, Sept. 214.00, Ryggen Mai 175.75, Juli 182.00, Sept. 177.50. Haser Mai 177.50, Juli 178.75, Sept. 168.50. Mais Mai 164.75. Juli 154.50. Mehl Mai 21.90, Juli 22.10, Sept. 22.25. Rüböl April 06.00, Mai 53.00. Okt. 54,00. Trockene Karto##elstärke und Kartoffelmehl 23.00 bis 23.50 M., seuchte Stärke 00.00 M.) * Magdeburg, 30. April. Zuckerbericht. Kornzucker. 88 Grad ohne Sack 00.00—00,00.— Nachprodukte 75 Grad ohne Sack 0,00—0,00. Stimmung: Schwächer. Brodraffin. 1 ohne Faß 20,25—20.50.— Kristallzucker 1 mit Sack (00,00—00,00. Gem. Raffin. m. S. 20,00-20,25. Gem. Melis I. m. Sack 19,50=19,75. Stimmung: Still. Rohzucker 1. Prod. Transit frei an Bord Hamburg per April 20,70 Gd., 20,75 Br., per Mai 20.75(sd., 20,80 Br., per Juni 20,85 Gd., 20.90 Br., per Juli 20,95 Gd., 21.00 Br., per August 21,05 Gd. 21,10 Vr. Ruhiger. Wochenumsatz: 311000 Zentner. * Hamburg, 30. April. abends 6 Uhr. Kaffee good average Santos per Mai 33½/ Gd., per Septbr.93 5½ Gd., per Dezember 311/2 Gd., per März 311. Gd. Ruhig. * Hamburg, 30. April, abends 6 Uhr. Zuckermarkt. Rüben=Rohzucker 1. Produkt Basis 88% Rendement neue Usance, frei an Bord Hamburg per 100 Kilo per April 00,00, per Mai 20,70, per Aug. 21,10, per Oktober 19,80, per Dezbr. 19,75, per März 20,10. Ruhig. * Bremten. 30. April.(Börsen=Schluß=Bericht.) Privat=Notierungen. Schmalz. Ruhig. Loko, Tubs und Firkin 51¾, Doppel=Eimer 55¾, Kaffee. Ruhig. Offizielle Notierungen der Baumwollbörse. Baumwolle. Sehr ruhig. Upland loko middl. 52 Pf. * Amsterdam, 30. April. Java=Kaffee good ordinary— * Amsterdam, L0. AprilBankazinn—. K * Autwerven, 80. April. Petroleum. Raffiniertes Type weiß loko 92 bez. Br., do. per April 22 Br., do. per Mai 23½ Br., do. per Juni=Juli 22½3 Br. Fest. Schmalz per April 133. * London, 30. April. Kupfer 5738 a 5838 Pfd. St. Zinn 1811/ a 133 3/8 Pfd. St.— Blei 18 5/16 Pfd. St.— Zink 21¾ Pfd. St. Kuxen-Bericht von Ernst Osthaus, Bankgeschäft Hagent. W.— 30. April. Kohlen-Kuxe. Alte Haase. Altendorf Blankenburg Brühl Carolus Magnue Charlotte Constantin d. Gr. Deutschl. u. Hasslinge. Dorstfeld Eintracht Tiefbau Lwald Freiovogel a Unverhofft Gottessegen Graf Schwerin Hleinrich llelene u. Amalie Humboldt Jch. Deimolsberg König Ludwig Königin Elisabeth Langenbrahm Lothringen Mont Cenis. Schallmauer Nachtr. Angeho 1500 1600 2700 2850 5800 6050 54500— 4750 4900 1125040 51900 52500 1525 1575 3399 3700 4925 5100 1730018500 1375 1425 5775 5900 29200 50800 29500 22000 1840018500 17350 16000 387S 3925 Kohlen-Kuxe. Nachfr. Ingebot Schürbank u. Charl. 1450 1500 3100 Trappe Tremonia Kall-Kuxe. Alexandershall Beienrode Burbach Hansa-Silberberg Hiohenfels Hohenzollern Kaiserrods Wilhelmshall Wintershall 2275 3350 7500 76 5025 5250 12122 3075 3150 6350 6500 225 3375 6700 6850 1920010#400 1200012355 Erz-Kuxe. Bautenborg Fernie Victoriab. Litfeld 1825 1875 2975 3050 1730 1760 Patentliste. Mitgeteilt vom Patent= und techn. Bureau Conrad Köchling, Ing.(Verb.=Mitglied). Hagen i. W., Ost" straße 6. Auskunft und Broschüre„Patent=Wissenschaft“ kostenlos. A. Patentanmeldungen: Einsteckschloß mit einer auf die Nuß und die Riegelzuhaltung wirkenden Blattfeder Baubeschlagfabrik Tannenbaum, Kierspe=Bahnhof. B. Gebrauchsmuster: Vorhänge=Schloß. Friedr. Wilh. Lüling, Volmarstein.— Maschinenschraubstock, desgl. Parallelschraubstock. Fa. Paul Ferdinand Peddinghaus, Gevelsbera.— Klemmschnalle für Hosenträgergurte. P. C. Turck Awwe., Lüdentmerv.— Geschlossene Büchse für Walzwerke. S. Seynkowski, Hasvc.— Drahtund Eisenhaspel. H. Schmidt, Vogelsang.— Aus Holzschraube und Schienennagel ohne Klemmplatte bestchende„Schienenbefestigung auf eiserner Unterlagsplatte. Köllmann u. Vorländer, Gevelsberg.— Elektrischer Drehschalter mit sprungweiser Bewegung des Schaltkörpers. G. Busch, Lüdenscheid.— Glühlampenfassung. Gebrüder Jgeger, Schalksmunir.— Karbidlampe mit an dem Unterteil derselben angebrachtem drehbaren, durch eine Mutter anzuziehenden Bügel. Fa. Heinrich Giersieper, Oberbrugar.— Gaskochherd, welcher aus einem tellerartig durchgepreßten Blechstück und einem darüber gelegten, durch die Befestigungsschrauben der Füße damit verbundenen Gußrahmen besteht. Max Albers, Vogelsanu.— Pliestergeflecht zur Herstellung von Betondecken. F. Schäfer, Haaen.— Schar für landwirtschaftliche Geräte. Jellinghaus u. Co., Gevelsvern.— Feder zum Festhalten des Meßgefäßes für gemahlenen Kaffee an Wand=Kasseemühlen. Märkische Kaffeemühlen= fabrik W. Salomon, G. m. b. H., Hagen. Vieh= und Fleischpreise der Stadt Hagen im Monat April 1909. 1. Viehpreise pro 50 Kilo Schlachtgewicht. A. Ochsen: 1. Vollfleischige, ausgemästete höchsten Schlachtwerts bis zu 7 Jahren... 70—74 M 2. Junge fleischige, nicht ausgemästete; ältere ausgemästete....... 67—60„ B. Färsen und Kühe: 1. Vollfleischige, ausgemästete Kühe höchsten Schlachtwerts bis zu 7 Jahren. 65—68„ 2. Aeltere ausgemästete Kühe und wenig gut entwickelte jüngere Kühe und Wähsn t#...... 62—64 3. Mäßig genährte Kühe und Färsen, 58—61„ 4. Gering genährte Kühe und Färsen 51—57„ C. Bullen: 1. Vollfleischige Bullen höchst. Schlacht werts 2. Mäßig genährte jüngere und gut ge nährte ältere 60—63 D. Schweine: 1. Vollfleischige Schweine der seineren Aees....“ 2. Fleischige Schweine....... 3. Gering entwickelte Schweine, Sauen E. Kälber: 1. Doppellender 95—100 2. Feinste Mast= und beste Saugkälber. 82—90 3. Mittlere Mast= und gute Sangkälber 61—66 64—66 62—63 60—62 Geringe Saugkälber F. Schafe: 1. Mastlämmer u. jüngere Masthammel 2. Fleischpreise pro 1 Kilo: Rindfleisch mit Knochenbeilage Kalbfleisch mit Knochenheilage.... Hammelfleisch mit Knochenbeilage Schweinefleisch: Kotelette und Bratenstücke Speck, Tricher.......... Speck, geräucherter........ 75—80 65—92 70—80 60—80 Pfg. 75—100„ 75—90„ 80—100„ 70—80„ 80—10„ Briefkasten der Schristleitung. Allen Aufragen ist die letzte Bezugs=Quittung beizufügen. Namenlose Anfragen bleiben undeantwortet. Für die erteilten Auskunfte übernimmt die Schriftleitung nur die preßgesetzliche Verantwortung, während sie eine Hastpflicht ausdrucklich ablehnt Beantwortung der Anfragin erfolgt nach Möglichkeit Mittwochs und Samstags. Sprechstunden für mündliche Auskünfte. Auf unserer Redaktion werden mündliche Auskünfte an den Wochentagen nur in den Stunden von 11—12½ Uhr mittags und 6—7 Uhr abends erteilt. Sonntags finden solche Sprechstunden nicht statt. E. S. Die größte bekannte Tiese des Meeres beträgt 9600 Meter, der höchste Berggipfel erreicht jedoch nur eine Höhe von 8800 Metern. M. Es steht jedem frei, neue deutsche Ausdrücke zu erfinden, und sie werden sich auch gewiß schnell einführen, wenn die Erfindung eine glückliche war. Das Wort„anbiedern“ z. B. rührt von Paul Heyse her, das Wort„Dampfroß“ für Lokomotive hat Chamisso erfunden, während das Wort „Glimmstengel“ für Zigarre keinen Geringeren als Goethe zum Vater hat. 3. Die Noten der Braunschweigischen Bank dürfen zu Zahlungen außerhalb Braunschweigs nicht verwendet werden. Abonnent Laugestraße. Die Auszahlung Ihres Vermögens bei Erreichung Ihrer Großjährigkeit erfolgt durch den Vormund; wann und in welcher Weise, darüber müssen Sie sich mit dem Vormund verständigen. A. 112. Wenn es nach Lage der Verhältnisse ausgeschlossen erscheint, daß das Haus bis zum 15. Mai fertig und Ihre Wohnung beziehbar wird, können Sie schon jetzt dem Vermieter mitteilen, daß Sie vom Mietvertrage zurücktreten. Abonnent Breckerfeld. Die Tochter hat anläßlich ihrer Verheiratung Anspruch auf Gewährung einer angemessenen Ausstattung, insbesondere also auch auf Kleidung und Wäsche. Was als angemessen zu erachten ist, hängt von dem Stande und Vermögen des Vaters und des Bräutigams ab. M. W. 737. Sie als Schwiegersohn sind zum Unterhalt der Schwiegermutter nicht verpflichtet, wohl aber Ihre Frau, so daß diese zur Unterstützung angehalten werden kann, wie auch die vorhandenen Söhne. Wenn Sie mit Ihrer Frau in Gütergemeinschaft leben, so haftet eben das gemeinsame Vermogen für diese Verpflichtung der Frau, wenn diese auch nichts mit in die Ehe gebracht hat, die Folge ist natürlich, daß in Wirklichkeit die Unterstützung aus dem Verdienste des Mannes bestritten wird. Lebten Sie in Gütertrennung, so würde Ihre Frau allein vernflichtet sein und im Falle deren Unvermögens müßte die Armenverwaltung eintreten. B. Breckerfeld. Wenn für den Bezirk eine Zwangsinnung errichtet ist, müssen alle Handwerker des betreffenden Berufes ihr angehören. Dem Vorstande ist das Recht gegeben, bei Verstößen gegen statutarische Vorschriften Geldstrafen bis zu 20 Mark zu verhängen. Nr. 77 R. Die Zeichen bedeuten: Krankheiten der Haut und ihrer Gebilde. Als Bruchanlage bezeichnete bloße Erweiterung des äußeren Leistenringes. Die Fähigkeit zum Dienste mit der Waffe ist nicht ausgeschlossen. W. S. 99. Die Volljährigkeit tritt mit dem vollendeten 21. Lebensjahre ein, nach dessen Vollendung bedarf das Kind zur Heirat nicht mehr der elterlichen Einwilligung. Spielwaren. Als solche Fachblätter nennen wir Ihnen„Mühlhäuser Zeitung", Mühlhausen i. Th. „Mittweidaer Tageblatt", Mittweida i. S. und „Miltenberger Tageblatt“, M.#enberg. 20jätzriger Abonnent in H. Die von Ihnen angegebenen Hilfsmaschinen sind Zubehör der Schmiede und damit des Grundstückes. Die Hyrothek erstreckt sich auf das Zubehör des Grundstückes. Die Hncothek erstreckt sich auch auf die Forderung gegen die Versicherung. Die Haftung der Forde rung gegen den Versicherer erlischt aber, wenn der versicherte Gegenstand wiederhergestellt oder Ersatz für ihn beschafft ist. K. 33. Bisher sind an der bezeichneten Straße für Straßenbaukosten berechnet worden für den vorläufigen Ausbau 50 Mark und für den endgültigen Ausbau weitere 80 Mark, zusammen also 130 Mark für den lausenden Meter Straßenfront. Die Kosten sind vor Erteilung der Bauerlaubnis zu hinterlegen. Nr. 1000, Haspe. Die Versendung mehrerer Rechnungen für verschiedene Kunden nach dem Auslande unter einem Briefumschlag an eine bestimmte Adresse ist, als Brief zulässig, nicht aber als Geschäftspapiere. K. in J. Um die Frage beantworten zu können, bedarf es der genauen Kenntnis der Dienstanweisungen für den betr. Bezirk. Wir werden uns um diese bemühen und Ihnen demnächst an dieser Stelle antworten. K. L. 25. Wir nehmen an, daß es sich um ein Dienstmädchen(nicht Halbtagsmädchen) handelt. Ist nichts Besonderes verabredet worden, so wird die Miete bei städtischem Gesinde auf ein Vierteljahr, gerechnet vom Tage des Dienstantrittes an, für ge schlossen angenommen. Die Aufkündigungsfrist wird unter diesen Umständen auf 6 Wochen vor dem Ablauf der Dienstzeit angenommen, d. ch. Sie müssen spätestens 6 Wochen vor Ablauf der 3 Monate, für welche der Mietvertrag als geschlossen gilt, kündigen. Nach der Kündigung hat die Herrschaft dem Gesinde auf Verlangen angemessene Zeit zum Aufsuchen eines neuen Dienstes zu gewähren. inländische Staats-, Provinzial und Kommunal-Anleihen. 4% Deutsche ReichsAnlelbe 5“ dergleichen 3% dergleichen 4% Preuss. Konsol9 dergleichen Kursbericot der Berliner Börse vom 30. April 1909, mitgeteilt von der Berglach Märkischen Bank Hagen 103.40 bzG 96.10 bzC 86.90 bzG 193.40 b26 6.10 9.1# 86.90 bzG 86.60 bzG 000.00 102 30 bzG 94.60 bz 102.75 bz 88.00 G 95.20 G 99.10 G 102.00 101.25 bz 4000 dergleichen 3% Süchsische Rente 42 Brem. Staatsanl. v. 08 4% Hamb. Stuatsanl. v. O8 815% Rhein. Provinz.-Anl. 4% dergleichen 8% Westfal. Provinz.-Anl. 3½% dergleichen 3¾% dergleichen 4% dergleichen 1915/16 4% Bartner Stadtanl. v.08 B5% Bochumer Stadtanl. v. 1902 k7 55 4% Crefeld. Stadtanl.v.1907 101.20 G 4% Dortmunder Stadtanl. v. 1908 101.25 G 4%, Düsseld, Stadtanl. v. 1907 101.55 0. 4% Elberf. Stadtanl.v. 1899 101.40 G 4% Kölner Stadtanl. v. 1006 101.40 C: 4% Ilagener Stadtanl. v.07 101.00 G Ausländische Aulelben. 41.% Bukarester Stadtanl. von 1898 96.75 C #. Chines. Anl. von 1806 102.70 bz 5% Meaikan. kone. Anleihe von 1899 101.80 b2 4% Oesterr. konr. lente 4% dergl. Goldrente 4% Russische Staatsrente 4% dersl. Anleihe von 1902 412% dergl. von 1905 4% Rumänische Rente von 1905 5% dergl. Rente v. 1903 4% Ung. Goldrente( 1000 fl.) 4% dergl.(500 fl.) 4% dergl.(100 fl.) 4% dergl. Kronen-Rente 96.75 R 9990 52 86.00 bzG 86.70 D2 98.75 baG 89.75 b2 102.25 b26 95.40 b B 96.40 96.40 93.50 bz0 Hypotbeken, Pfandbriefe. 4½ Baver: Handelsbank unkdb. bis 1911 101.00 G 3½% unkdb. bis 1912 000.00 4% Gothaerunkdb.bis 1917 100.10 G 4% Hamburg. llypth.-Ban unkdhi. bis 1918 101.00 b20 4% Pr. Bodenkr.-Pfandbr. unkdt. bin 1918 101.00 G 4% Preuss. Zentr. Bd.v.1800 100.40 bz 4% dergl. unkdb. bis 1909 100.40 C: 4%-dergl. unkdb. bis 1910 100.40 G 4% Preuss. Zentr. Bd. unkdb. bis 1912 100.75 C; 4% dergl. unkdb. bis 1916 101.00 C; 4% dergl. unkdb. bis 1917 101.10 312% dergl. von 1886/80 94.00 C 812% dergl. von 1804.96 94.00 UG 312% dergl. unkdlb. bis 1913 94.10 bzG 4% dergl. Komm.-Obl. unkdb. bis 1910 101.10 G 4% dergl. Komm.-Obl. unkdb. bis 1917 102.00 G 312% dergl. Komm.-Obl. von 87/96 3½2% dergl. Komm.-Obl. unkdb. bis 1916 4% Pr. Pfandbr. Bk. unkdb. bis 1911 4% dergl. unkdb. bis 1915 dergl. un ddb. bis 1917 3½% dergl. unkdb. bis 1912 4% Rhein.-Westf. Bd. Kr. unkelh. bis 1910 4% Rhein.-Westf. Bd.-Kr. unkdb. bis 1912 * dergleichen 4% Westd. Bd.-Kr. unkdb. bis 1918 4% dergl. unkdb. bis 1913 1 4%„„„ 1915 1 " 1916 94.30 C 95.30 C 100.10 bzG 100.10 b26 101.00 bzG 95.00 bzC 99.90 G 100.20 00.00 bzC 4.10 G Eisenbahn-Anleihen. ¾ Berg.Mürk. Prt. 4½% Iwangor.-Dombr. Prt. 4% Mosco-ljäsan(gar.) 4%„Smolonskabg.igar.) 3% Itallen. Eisenb.-Obl. 5% Anatol(gar.) 96.00 B 94.20 b 89.00 bzG 84.70 Uac 72.70 bzG 102.25 C Nanken. Barmer Bank-Verein Bergisch Mürkische Bank Berliner Handels-Ges. Darmstädter Bank 243.60 b 190.60 M2C 151.90 0 Deutsche Bank Diskonto Kommandit Dresdner Bank 151.90 Essener Kredit 162.00 baB Nationalbank fürDeutschl. 123.40 bz Reichsbank 147.60 b Rhein.-Westfal. 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Die Karre der Reichsfinanzreform, bei der jeweils zwei Pferde davor und zwei dahinter angeschirrt werden, ist derart in den— Sumpf gefahren, daß nachgerade auch die überzeugtesten Optimisten an der Hoffnung zu zweifeln beginnen, den Wagen wieder ins richtige Geleise zu bringen. Die verbündeten Regierungen beharren auf dem Ausbau der Erbschaftssteuer, und der Staatssekretär des Reichsschatzamts hat dieser Auffassung sowohl in der zu Beginn dieser Woche abgehaltenen Konferenz der bürgerlichen Parteien wie in den Verhandlungen der Finanzkommission des Reichstags mit aller Entschiedenheit Ausdruck gegeben. Die Hoffnung aber, daß die konservative Partei sich zur Saulus=PaulusTheorie des Reichskanzlers bekehren werde, hat sich bisher wenigstens als eine trügerische erwiesen, während andererseits der Versuch, den Ausbau der Erbschaftssteuer durch die Wertzuwachssteuer nicht nur auf Immobilien, sondern auf Wertpapiere zu ersetzen, sich als ein Versuch mit untauglichen Mitteln um untauglichen Objekt erwiesen hat. Was die Zuwachssteuer auf Wertpapiere betrifft, so kann sie nach den Verhandlungen der Finanzkommission als endgültig beseitigt gelten, während eine Zuwachssteuer auf Immobilien höchstens, wie dies der nationalliberale Vermittelungsantrag anstrebt, als Ersatz für einen etwaigen Minder=Ertrag der Erbschaftssteuer, die bekanntlich 100 Millionen Mark bringen soll, in Betracht kommen könnte. Nach dem Gange der Verhandlungen in der Kommission ist jedenfalls zur Zeit nicht abzusehen, wie sich irgend eine Mehrheitsbildung für irgend ein greifbares Finanzpro= gramm finden soll, und den Fall gesetzt, daß der Block bereits endgültig zu den Toten geworsen sein sollte, wäre doch selbst dadurch weder für den Reichskanzler Fürsten Bülow noch für einen etwaigen Nachfolger die Lage geklärter, als sie es bisher war. So lautet die Parole zur Zeit: Große Konfusion! Mit um so größerer Befriedigung ist es zu begrüßen, daß wenigstens die Weltvolitik, die ja zur Zeit in der Hauptsache auf der Balkanpolitik beruht, eine erfreuliche Entwirrung zu verzeichnen hat. Die gefurate#e orientalische Frage ist, nachdem Oesterreich=Ungarn und die Türkei sich verständigt haben, Serbien zu Kreuze gekrochen ist und nunmehr auch Bulgarien sich der Anerkennung als unabhängiges Königreich erfreuen kann, wenigstens für die nächste Zeit aus der Welt geschafft, und gleichzeitig hat auch die türkische Frage auf dem Wege eines gewaltsamen Umsturzes, eines Staatsstreiches von unten, der sich dem von oben entgegenstellte, mit dem Sturze Abdul Hamids und der Ausrusung seines Bruders Mohammed V. zum Kalifen aller Gläubigen ihre Lösung gesunden. Wenn der Exsultan geglaubt hatte, daß er durch seine allzu spät erwachende Konstitutionsfreundlichkeit die verlorene Position retten könne, so hat er die Rechnung ohne die Jungtürken gemacht, die durch Schaden klug geworden sind. Der gefallene, zunächst nach Saloniki in die Verbannung gebrachte Abdul Hamid, dem von allen seinen getreuen Untertanen nur 2 Eunuchen und 11 Haremsdamen geblieben sind, entbehrt der tragischen Größe, die ihn zum Helden einer Tragödie stempeln könnte. Die Jungtürken aber, die jetzt zeigen müssen, daß sie nicht bloß stürzen, sondern auch aufbauen können, werden hoffentlich so viel kaltes Blut behalten haben, um dem entthronten Sultan gegenüber von einem Strafgericht Abstand zu nehmen, das nicht nur ihr Konto, sondern auch das Mohammeds V. belasten würde. Im übrigen wird allseitig der Wunsch geteilt werden, daß die neue Ordnung der Dinge in der Türkei sich wirklich als eine Ordnung entpuppt, daß jetzt der Revolution die dringend wünschenswerte Regeneration folgt. Eine Vorbedingung hierfür wird die sein, daß den barbarischen Metzeleien in Kleinasien allerschleunigst ein Ende gemacht wird. Goldsaat. Roman von Dietrich Theden. 2)— Mit geradezu andächtiger Aufmerksamkeit hatte Eva den Worten ihres Vaters gelauscht, und das Glänzen ihrer Augen verriet, welche Freude sie daran gehabt. Soweit aber verstand sie sich doch schon auf die weibliche Kunst der Verstellung, daß sie mit einer Miene erheuchelter Gleichgültigkeit erwidern konnte: „Wenn er ein so außerordentlicher Mensch ist, Papa. kann es ihm wahrhaftig einerlei sein, ob ich Gefallen an ihm finde oder nicht.— Und du wirst ihm nichts von meiner Beschwerde sagen— nicht wahr?— Ich brauche ihm ja nur aus dem Wege zu gehen, wenn sein Benehmen gegen mich mir nicht gefällt.“ Martin Boyen lächelte ein wenig, während er sein Töchterchen von der Seite anfah. Aber er betrachtete das Thema als abgetan und erinnerte Eva an ihr Versprechen, ihn zu der malenden Schwester zu führen, da er in dem großen Park vielleicht lange vergobens würde nach ihr suchen müssen. Eva rafste eiligst ihre beschriebenen Briefbogen zsammen und barg sie in der verschließbaren Schreibmappe. Dann hängte sie sich in den Arm ihres Vaters und sie machten sich auf den Weg. Wenige Minuten später hatten sie an einem Plätzchen, das den prächtigsten Ausblick auf die frün umrahmte Villa gestattete, die junge Künstlerin erreicht. Auch Martin Boyens ältere Tochter war von ausgesprochen blondem Typus mit dem weichen, fast durchsichtig zarten Teint und den klaren, blauen Augen der norddeutschen Blondinen, aber sie war größer und in den Formen entwickelter als die jüngere Schwester, und die hochgewölbte, leuchtend weiße Stirn wie ein seiner Hauch von Frauenhaftigkeit in den ebenmäßigen Gesichtszügen ließen sie auch geistig gereifter erscheinen. Lächelnd hatte sie die Ankömmlinge begrüßt und sie trat ein wenig zur Seite, um dem Vater die Betrachtung der halb vollendeten Skizze zu gestatten. „Vortrefflich!“ lobte er mit einer Wärme, die sie krendig aufhorchen ließ.„Du fängst wahrhaftig an, dich zu einer richtigen kleinen Künstlerin zu entwickeln.“ „Es gefällt dir also, Papaz“ Das wäre um so dringender zu wünschen, da die Politik aller Mächte bisher erfreulicherweise den Grundsatz der Nichteinmischung in die türkischen Angelegenheiten aufrecht erhalten und so den europäischen Frieden vor schweren Erschütterungen bewahrt hat. Zu dieser Friedenspolitik steht die in Baja stattgefundene Begegnung zwischen dem König Viktor Emanuel von Italien und dem König Eduaro von England durchaus nicht im Gegensatz, ebenso wie in ihrem Zeichen der bevorstehende Besuch Kaiser Wilhelms in Wien steht. Die Bedeutung des Bündnisses zwischen Deutschland und Oesterreich=Ungarn als„besonders glanzvolles Instrument im europöischen Konzert“ hat ja beim Wiederzusammentritt des österreichischen Abgeordnetenhauses der Ministerpräsident Freiherr v. Bienerth soeben erst eingehend beleuchtet. Während übrigens in Oesterreich die parlamentarischen Aussichten eine wenn auch bescheidene Besserung aufweisen, ist die seit langem schleichende ungarische Krisis jetzt mit der Demission des Kabinetts Weckerle zum offenen Ausbruch gelangt, und eine Lösung der österreichisch=ungarischen Bankfrage ist damit abermals in weite Ferne gerückt. In recht ungemütlicher Lage befindet sich auch das französische Kabinett Clemenceau, das sich auf der einen Seite der immer weiter um sich greifenden Gärung unter den unbotmäßigen Beamten gegenübersieht, während auf der anderen Seite die Enthüllungen über die Zustände in der Florre ganz Frankreich, und nicht mit Unrecht, in sieberhafte Erregung versetzt haben. Drunter und drüber geht es noch immer in Persien, wo der Schah angesichts des Anmarsches der Russen seinen Untertanen, die von den Jungtürken gelernt haben, schleunigst wieder die Verfassung versprochen hat, vielleicht weil ihn das Schicksal seines Kollegen Abdul Hamids schreckt. Die mißtrauisch gewordenen Perser aber scheinen zu denken: Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht, auch wenn er von Verfassung spricht! Gr. Aus dem Finanzwesen der Provinz Westsalen. Dem am 2. Mai in Münster zusammentretenden 50. Westfälischen Provinziallandtag ist u. a. eine Vorlage des Provinzialausschusses zugegangen, betreffend Verwendung der Ueberschüsse des Rechnungsjahres 1907 und Festsetzung der Höhe der Provinzialsteuern für 1909. Danach stehen aus dem Rechnungsjahre 1909 aus der Hauptrechnung unter Hinzurechnung der aus den Ueberschüssen der Landesbank noch verfügbaren 128 996,79 Mark insgesamt 440 634 Mk. 85 Pfg. zur Verfügung, für welche der Provinzialausschuß folgende Verwendung vorschlägt: An den Kanal= kostenausgleichfonds 50000 Mk., an den Erneuerungsfonds für die maschinellen Anlagen in den Provinzialanstalten(Abschreibungen) 40000 Mk., zur Wiederherstellung der durch das Hochwasser beschädigten Provinziälstraßen und=brücken 79620 Mk., zur Beseitigung der Hochwasserschäden bei der Heilanstalt Marsberg 5500 Mk., zu Jubelgaben an die Grafschaft Mark(50000 Mk.) und Ravensberg(5000 Mk.) 55000 Mk., zur Deckung der Kosten für die Restaurierungs=, Aufstellungs= und Einbauarbeiten im Landesmuseum sowie für außerordentliche Neubeschaffung von Sammlungsgegenständen für das Landesmuseum im Jahre 1909 35000 Mk., zur Unterstützung von Wasserleitungen 25000 Mk., für Erhöhung der Beamtengehälter 150 514,85 Mk. Die Jubelgaben sind bestimmt als Zuschüsse zu den anläßlich der 300jährigen Zugehörigkeit der Grafschaften Mark und Ravensberg geplanten Erinnerungsbauten. Ein in der Grafschaft Mark zusammengetretener Ausschuß hat sich die Aufgabe gestellt, einen historischen Mittelpunkt der ruhmreichen Geschichte der Grafschaft Mark durch den Wiederaufbau der Burg zu Altena zu schaffen. Die GeMartin Boyen nickte. „Es übertrifft alle meine Erwartungen.— Dein Sonnenschein hat Wärme und Glanz und aus dem Parkgrün lugt es ganz so geheimnisvoll wie in der Wirklichkeit. Es ist Stimmung und Beseelung in dem kleinen Bilde.— Aber hättest du nicht Lust, deine Arbeit für ein Weilchen zu unterbrechen und mich mit Eva auf einem kleinen Spaziergang zu begleiten Sophie war ohne weiteres, einverstanden. Sie durste hier, wohin kein Unberufener kam, Bild und Staffelei gctrost sich selbst überlassen und sich unter dem freudigen Eindruck des eben geernteten Lobes mit um so lebhafterem Vergnügen dem Genuß der köstlichen Mittagspromenade hingeben. Der Junitag war von idealer Schönheit. Wolkenrein und im tiefsten Blau spannte sich das Himmelszelt: ein festliches Sommergrüßen flimmerte in dem durchsichtig klaren Luftraume, und schattend und kühlend wölbte sich über dem dustenden Waldboden, den sie bald betreten hatten, das frische Laubgrün der träumerisch raunenden Wipfel. Die seinen Stimmen der gesiederten Sänger belebten die idollische Stille mit anheimelnden Frohlauten, und der rote Rock eines Eichkätzchens, das beim Nahen der Spaziergänger einen Eichstamm hinauflief und von oben neugierig herablugte, malte in das braungrüne Waldbild ein Stückchen bunter Farbenfreude. An einem der höchsten Punkte der hügeligen Waldung befand sich ein alter Pavillon, dessen kupferne Dachung und wetterzerfressene Eichenpfeiler bereits einem Jahrhundert getrotzt haben mochten. Martin Boyen hatte das alte Bauwerk schonend in Stand setzen und auch ein Tischchen nebst einigen Stühlen hineinstellen lassen. Und er liebte es, sich auf seinen Spaziergängen hier zu kurzer Rast niederzulassen. So geschah es auch heute, und mit innigem Behagen schaute Boyen auf den weiten, glänzenden Spiegel des Sees hinaus, der von einem Kranz leichtfarbiger Felder und verstreuter, wirkungsvoll in die Landschaft eingezeichneter Waldstrecken eingefaßt war. Die Luft war so klar, daß man deutlich die ersten Häusergruppen der Stadt Plön erkennen konnte, die, unter saftigem Baumgrün halb versteckt, aus der Ferne herüber grüßten. „Es ist kaum zu begreisen,“ sagte Martin Bogen, daß das schöne Holstein noch so wenig nach seinem wahren Werte geschätzt wird. Für das Gros der Ausflügler und der Erholung suchenden Sommerfrischler ist es noch immer ein unbekonntes Lan#### samtkosten sind auf 600000 Mk. veranschlagt, von denen aber erst etwa 270000 Mk. durch Sammlungen gesichert sind; 50000 Mk. sollen jetzt auf Antrag des Komitees aus Provinzialmitteln bewilligt werden. Im Verfolg der bevorstehenden allgemeinen erheblichen Erhöhung der Gehälter der staatlichen Beamten wird eine Nachprüfung der Gehälter der Provinzialbeamten nicht zu umgehen sein. Sie soll in diesem Sommer vorgenommen und dem nächsten Provinziallandtage eine entsprechende Vorlage gemacht werden. Das Ergebnis derselben läßt sich ur Zeit noch nicht übersehen. Der von den Ueberschüssen verbleibende Restbetrag von 150 514,85 Mark soll zur Erhöhung der Beamtengehälter, die mit Rückwirkung vom 1. April gezahlt werden sollen, verfügbar gestellt werden. Durch Provinzialsteuern sind für 1909 4 489 700 Mark aufzubringen. Das für die Verteilung der Provinzialsteuern für 1909 maßgebende Steuersoll nach dem Stande vom 1. Januar 1909 ist auf rund 38 160000 Mk. gegen 34900000 Mk. im Vorjahre gestiegen. Dahingegen muß für das nächste Jahr anscheinend mit einem bedeutenden Rückgang des Steuersolles gerechnet werden. Der Provinzialausschuß hält es deshalb für geboten, die im vorigen Jahre gevildeten Ausgleichsfonds und Bausammelsonds, denen damals erstmalig 300000 Mk. zugeführt wurden, diesmal mit 400000 Mk. auszustatten. Es ist dies möglich, ohne daß der vorjährige Prozentsatz der Provinzialsteuern— 13,2 Prozeni— erhöht zu werden braucht. Aus dem Mehr können dann noch wie im Vorjahre die haushaltsplanmäßigen Mittel zur Förderung des Kreis=, Gemeinde= und GenossenschaftsWegebaues um 120000 Mk. verstärkt und 27000 Mk. zur teilweisen Deckung der Kosten für Entwässerungs=, Meliorations= und Aufforstungsarbeiten auf dem neu erworbenen Grundbesitz der Provinz in Ottenstein=Ammeloe verwendet werden. Nuc. Graf und Dollarerhin. Ein neuer Beitrag zu einem alten Kapitel! Bald wird die Liste der amerikanischen Millionärstöchter, die sich einen Platz im„Gotha“ sicherten, um eine Nummer vermehrt werden. Denn in Newyork spricht man, wie Berichte von dort versichern, augenblicklich von nichts anderem als von der Verlobung einer der hübschesten und reichsten Erbinnen mit einem österreichischen Aristokraten. Die Dame, um die es sich handelt, ist Miß Nora Iselin. Sie trägt einen Namen, der sozusagen an sich einen Kreditbrief, einen Scheck bedeutet, denn ihr Vater, Charles Oliver Iselin, der übrigens als Yachtman auch in Sporkkreisen bekannt ist, gehört zu den mächtigsten Magnaten der Börse in Wall Street. Und gesellschaftlich zählt die Familie Iselin, die deutschen Ursprungs ist, zu den allerersten der„obersten Vierhundert“, die ihrerseits wieder als die Crème de la Erème der„oberen Zehntausend“ gelten. Der Bräutigam von Miß Iselin ist der 30jährige Graf Ferdinand Collorcdo=Mannsfeld. Die Familie Colloredo=Mannsfeld, deren Haupt den Fürstentitel trägt, ist nicht italienischer Herkunft, wie man glauben sollte, sondern stammt aus Schwaben, wo sie einstmals„Waldsee“ hieß.„Colloredo“ nannte sie sich erst später nach Erbauung eines Schlosses in den österreichischen Küstenlanden, und„Colloredo= Mannsfeld“, wurde sie 1789 durch Heirat mit der Erbtochter des letzten Fürsten von Mannsfeld. Der fürstliche Zweig rechnet zum sogenannten hohen deutschen Adel. Trotz dieser stolzen Vergangenheit seines Hauses holte der Graf sich, wie es heißt, bei Mr. C. O. Iselin zunächst einen Korb. Mr. C. O. Iselin wollte keinen Nichtamerikaner zum Schwiegersohne. Jetzt aber ist sein Widerstand besiegt, und bald werden Miß Nora Iselin und Graf Ferdinand Colloredo=Manusfeld Hochzeit halten. Westfälisch=Rheinisches. Hagen, den 1. al. uc. Was der Landmann vom Mai sag.. Mai regen auf die Saaten, dann regnet es Dukaten. Bienenschwärme im Mai bringen uns viel Heu. Kühle und Abendtau im Mai bringen Wein und vieles Heu.— Nasse Pfingsten, fette Weihnachten. Der Mai ist selten so gut, er setzt dem Zaunspfahl noch auf einen Hut.— Pankraz und Servaz, die stehlen wie der Spatz.— Pankraz und Urbani: ohne Regen, versprechen reichen Segen.— Vor Nachtfrost bist Du sicher nicht, bis daß herein Servatius bricht. Nachdem der Urban pflegt zu sein, so glaubt man, daß gerät der Wein.— Regen Mai, gibt fürs ganze Jahr Brot und Heu.— Auf nassen Mai kommt trockner Juni herbei.— Maientau macht grüne Au; Maienfröste, unnütze Gäste. Georgus und Mark's bringen oftmals was kro 5, Philipp und Jakobi sind dann noch zwei Grovi; Pankraz, Mamerz, Servazi, das sind erst drei Lun pazi, oft Urban gar ist streng fürwahr, auch Verund Paul sind manchmal faul.— Mailäserjahr, fruchtbares Jahr.— Wenn die Wachteln slei##ig schlagen, läuten sie von Regentagen.— Gibt's der Eichenblüte viel, füllt sich auch des Kornes Stiel. Viel Gewitter im Mai, schreit der Bauer juchhei. Weht im Mai der Wind aus Süden, ist Regen uns sehr bald beschieden. * Hamm, 30. Avril.[Ein stiller Teil haber stellte sich bei einem Bürger in der Norde: vorstadt ein. Von einem im Keller aufbewahrten Kasten Bier hatte man reichlich die Hälfte genommen, die Flaschen ausgetrunken und hübsch der Reihe nac) wieder aufgestellt.— Der Eigentümer soll von diesem „Zechkumpane“ recht wenig erbaut gewesen sein. * Recklinghausen, 30. April.[Bluttat.] Menrere Bergleute waren wegen eines geringtücigen Umstandes in Streit geraten. Einer, der Beraman Fischer, stieß im Verlaufe desselben seinem Widersacher, dem Bergmann Daniels, das Messer tief die Brust. Der Gestochene brach sofort blutüh strömt zusammen und liegt auf den Tod darnieder. Es besteht keine Hoffnung, ihn am Leben zu erhalten. Sämtliche Beteiligten, sechs an der Zahl, wurden verhaftet. * Paderborn, 30. April.[Schwere Unglück: fälle.] In einer Maschinenfabrik geriet ein er: seit drei Wochen dortselbst in der Lehre sich befindender Lehrling mit dem rechten Arm in eine der Maschinen, wobei ihm die Hand abgetrennt wur Dem armen Jungen wurde der Unterarm bere### amputiert.— Das zweite Unglück ereignete sich. der Widukindstraße. Als der Fuhrunternehmer u. seinen Wagen auf den Hof fahren wollte, stellte sich sein 4jähriges Söhnchen in die Speichen des Reseund wurde zu Boden geworfen. Das schwere R. ging dem Jungen über die Brust. Bewußtlos wur'e er vom Vater in die Wohnung getragen. Aerztlic,: Hilfe war sofort zur Stelle. * Albachten, 30. April.[Eine wildgewordene Kuhl machte hier die Gegend zwischen Al achten, Roxel und Bösenfell unsicher. Nach längerer Jagd wurde das Tier durch mehrere Schüsse niede:gestreckt. * Obligs, 30. Avril.[Teuer bezahlter Freundschaftsdienst.] Ein Elektromonteur aus Mülheim a. Rh. frug hier einen jungen Ma: der Stellung suchen wollte, wo sich das Elektrizitätwerk befinde. Der junge Mann erbot sich sofort, den Elektromonteur zu begleiten. Als der Mülheimer wieder aus dem Werk kam, sah er, wie der Freml: mit seinem Rad davonfuhr. Der Gauner winkte iom ein kräftiges„Adien!“ zu. Trotzdem der Bestohlene sofort der Polizei Anzeige von dem frechen Diebstahl machte, entkam der Dieb. * Köln, 30. April.[Die Mordtat der 1 genner.] Der Mörder Paul Mettbach, der den Vorarbeiter Stubig erstochen hat, wurde durc Schutzleute an die Leiche seines Opfers geführt. D „Aber gerade das ist ja das allerschönste an unserem Besitztum,“ widersprach Eva,„daß seine Umgebung nicht an jedem schönen Sommertag von Scharen lärmender und singender Menschen überschwemmt wird. Wenn es uns in dieser Hinsicht so erginge wie unseren Freunden bei Blankenese, würde es mir sicherlich hier nicht halb so gut gefallen.“ „Ci sieh doch den kleinen Eigennutz!“ lächelte der alte Herr.„So ganz unrecht hast du ja freilich nicht, mein Kind! Aber man darf nicht immer nur an sich selbst und an das eigene Behagen denken. Und die Bewohner der umliegenden Ortschaften würden aus einer Hebung des Fremdenverkehrs sicherlich sehr bedeutende Vorteile ziehen, die den meisten von ihnen herzlich zu gönnen wären.— Ich habe schon hin und her überlegt, wie man ihnen da vielleicht ein wenig zu Hilfe kommen könnte.“ „So sehnst du dich schon wieder nach neuer Arbeit, Papa?“ fragte Sophie.„Fängst du so bald an, dein Kontor zu vermissen?“ „Nein— das nicht.— Zu einer vollständigen Untätigkeit aber möchte ich mich freilich nicht gern verurteilt sehen. Dazu fühle ich mich denn doch noch nicht alt und hinfällig genug.— Nun, auch dazu wird sich schon Rat finden. Es hat noch jeder, der ernstlich danach suchte, Gelegenheit zu einer nutzbringenden Beschäftigung gefunden.“ „Wenn nur Bruder Martin recht oft aus Hamburg herüber käme!“ sagte Eva.„Es wird gewiß die angenehmste Zerstreuung für dich sein, mit ihm über das Geschäft plandern zu können.“ „Nun, an den Sonntagen wenigstens wird er uns doch wohl regelmäßig besuchen.— Die paar Stunden Bahnfahrt bedeuten ja keine große Unbequemlichkeit.— Für den kommenden hat er sich bereits bei mir angemeldet. Und er hat mich auch darauf vorbereitet, daß er einen Besuch mitbringen werde.“ Eva war sogleich voll lebhafter Neugier, zu erfahren, wer dieser Beinm sein könnte. Sophie aber schien merkwürdig####egen und blickte hartnäckig vor sich nieder, währe Martin Vonen sich das Vergnügen machte, sein jüngstes Töchterchen hin und er raten zu lassen. Als er auf alle die Namen, die sie nannte, immer nur ein verneinendes Kopfschütteln hatte, wurde sie zuletzt ein wenig ungeduldig und rief: „Dann is co am Ende gar der steise, langweilige perr Petersen!— Aber den könnte er wahrbaftig lieber in Hamburg lassen, wo er viel besser hinbaßt # hier in unsere fröhliche, lachende Natur.“ „Ei— ei— du urteilst ja sehr wenig wohlwollend über Herrn William Petersen.— Bist du dem Freunde deines Bruders so wenig gewogen?“ „Nein— ich mag ihn nicht leiden,“ erklärte sie aufrichtig, und ihre Worte hatten diesmal einen ganz anderen Klang, als vorhin, da sie etwas Ach liches auch von dem Dr. Rasmussen aus Ankenhof gesagt hatte.„Wenn er die gleichgültigsten Ding: spricht, ist es doch immer, als ob er jedes Wort vor her eine Viertelstunde lang überlegt hätte. Jeglaube, etwas recht Herzliches und Warmes brächte er überhaupt nicht über die Lippen.“ „Nun, Kind, ich meine, was du da an ihm aus zusetzen hast, wäre das Schlimmste noch nicht, w. sich einem jungen Manne nachsagen ließe. Auf solche Art bliebe er ja wenigstens davor bewahrt, jemals etwas Törichtes oder Uebereiltes zu sagen.“ „Ich aber finde es gräßlich, gerade weil er noch ein junger Mann ist. Martin redet doch gewiß auch nicht in den Tag hinein. Aber es friert einen darum doch nicht in seiner Gesellschaft, wie in der dieses vornehmen Senatorssohnes, der sich gewiß wer weiß was auf seine vornehme Familie einbildet.“ Sophie hatte sich plötzlich erhoben. „Ich möchte doch noch ein bißchen malen, Papa!“ sagte sie, und es zitterte wie eine leise Erregung in ihrer Stimme.„Die Beleuchtung ändert sich ja m.: jeder Viertelstunde.“ „Ganz wie du willst,“ stimmte ihr der Vater freundlich zu.„Wir begleiten dich bis in dein Plein air=Atelier zurück. Du aber, meine liebe Eva, sollst doch nicht gar so schnell fertig sein in der Verurte# lung der Menschen, die deinem Ideal nicht so gani entsprechen. William Petersen hält sich auf seine Familie gewiß nicht mehr zugute, als es durch die Verhältnisse gerechtfertigt ist. Und die tüchtigsten Menschen sind es gewiß nicht, die ihr Herz imme: auf der Zunge tragen.“ Er reichte Sophie den Arm. und Eva, die sich durch die Zurechtweisung ein bißchen beschämt fühler mochte, ging schweigsam an seiner anderen Seite Mit zärtlicher Freundlichkeit, als wolle er sie damit für einen ihr zugefügten Schmerz entschädigen, hatte Martin Boyen seine ältere Tochter gefragt, ob we nigstens ihr der für den Sonntag in Aussicht gestellte Besuch willkommen sein würde, und sie hatte leise erwidert, daß ihr jeder Besucher lieb sei, den der Vater gern sähe, aber es war dabei doch ein rascher dankbarer Blick zu dem Gesicht des alten Herrn em vorgeflogen, und Martin Bonen schien um dieses Blickes willen mit der erhaltenen Antwort wohl zu. frieden.(Forts. folgt.) Mörder zeigte keine Spur von Reue und erkannte das am Tatort gefundene blutige Dolchmesser als sein Eigentum an. Die Kumpane des Mörders werden ebenfalls in sicherem Gewahrsam gehalten. * Bonn, 30. April.[Treueeines Hundes.] Ein rührendes Beispiel von der Treue eines Hundes wird aus dem auf der anderen Seite des Rheines liegenden Beuel erzählt. Ein dortiger Einwohner hatte zwei deutsche Schäferhunde, die er am Tage in einem Zwinger eingesperrt hielt und nachts frei in seinem abgezäunten Hofe herumlaufen ließ. Der üngere Hund entfernte sich kürzlich nachts, und alles Suchen nach ihm war vergebens. Da sandte der Eigentümer den älteren gut abgerichteten Hund aus, um den jüngeren aufzusuchen. Auch dieser kam nicht mehr zurück. Nach einigen Tagen fand man den jüngeren Hund in einer von Wilderern gestellten Schlinge hängend vor, während neben ihm der ältere Hund lag und treu während dieser Zeit Wache gehalten hatte. Aus anderen Provinzen und Ländern. * Kassel, 30. April.[Eine kaum glaubliche Geschichte] wird der Zeitschrift„Körperkultur“ aus Hessen berichtet. Dort richtete in einem kleineren Orte der Turnverein ein Gesuch an die Gemeindeverwaltung, daß ihm ein Platz überlassen werden möge. Er erhielt jedoch einen abschlägigen Bescheid: der Kirchenvorstand habe sich dagegen ausgesprochen,„da das sittliche Empfinden der vorübergehenden weiblichen Jugend bei Anblick der leicht bekleideten Turner leiden könne.“ * Bamberg, 30. April.[Ein tragikomisches Storchenabenteuer] wird aus Hallstadt erzählt. Auf dem Gasthause zum weißen Lamm daselbst brütet zurzeit die Frau Störchin, die seit Jahren dort ihr Haus gebaut, bezw. das väterliche Storchnest übernommen hat. Gestern, als Frau Storch recht eifrig im Brutgeschäft war, kommt ein fremder Storch dahergeflogen, ob Junggeselle oder Witwer bleibt Geheimnis, sieht die Frau allein und flugs hockt er sich mit Liebkosungen neben sie. Frau Storch verstand sich aber schlecht auf dieses Minnen und schlug dem Frechdachs in das Gesicht. Jetzt kommt auch der Herr Storch dazu. Er sieht was vorgeht und haut nun mörderisch auf den Störer seines häuslichen Glückes ein, so daß der Ankömmling mit zersetztem Kopfe bewußtlos vom Dache in den Hof fiel.„Doktor und Apotheker“ griffen ein, der Storch aber mußte seinen Einbruch in das Eheleben mit dem Tode büßen. * Wien, 30. April.[Einnettes Stückchen] hat jüngst die Wiener Zensur wieder einmal aufgeführt. Die Wiener Singakademie wollte eine Aufführung veranstalten, worin der Text der Walpurgisnacht aus dem Faust gesungen werden sollte. Bei Goethe sagen die Druiden bekanntlich:„Diese dummen Pfaffenchristen, laßt sie keck uns überlisten! mit dem Teufel, den sie fabeln, wollen wir sie selbst erschrecken!“ usw. Das schien der Zensur für die Ohren des christlich=frommen Wien nicht geeignet. Sie dichtete daher Goethe folgendermaßen um:„Unfre Feinde, diese Christen, laßt uns keck sie überlisten! Mit dem Teufel, den sie fürchten...“ * Monte Carlo, 30. April.[Die Sprengung der Bank von Monte Carlo] ist einem Engländer gelungen. Der Glückliche, dem das große, selten vollbrachte Werk gelungen ist, heißt Humley Walker. Er hat in zwei Stunden im Roulette die Kleinigkeit von 240000 Mark gewonnen, ein Ausnahmefall, der den Bankhalter zwang, das Spiel für einige Zeit zum Zweck der Neuanfüllung der erschöpften Kasse zu unterbrechen. Schon am Abend vorher hatte der von Glück begünstigte Engländer einen Gewinn von 120000 Mark eingeheimst. Mr. Walker hatte seit fünfzehn Jahren als Stammgast des Spielsaals die Rolle des gerupften Pechvogels gespielt. Die Freude des Engländers, eines reichen Baumwollfabrikanten aus Lancashire, der auch als Teilnehmer an mehreren Automobilrennen in der Sportwelt einen Namen hat, ist darum um so größer. Er hat sich im übrigen klugerweise, kaum, daß er das Geld in der Tasche hatte, beeilt, den Staub Monte Carlos von den Füßen zu schütteln. * London, 30. April.[Eine Hochstaplerin auf Neusceland.] Eine Schwindlerin in Männerkleidung hat, nach einer Meldung des Preßtelegraph, die Stadt Wellington in Neu=Seeland unsicher gemacht. Einer von der Polizei schon lange gesuchten Frauensperson gelang es, in der Maske des Neffen des Erzbischofs von Neuseeland Zutritt zu den feinsten Jamilien des Landes zu erlangen. war namentlich in der Damenwelt äußerst beliebt und verlobte sich vor kurzem mit der Tochter eines angesehenen Bürgers. Wenige Tage darauf traf bei der Polizei eine Anzeige gegen sie ein, auf Grund deren sie verhaftet ,wurde. S „Ich muß unbedingt diesen Socmer etwas gegen meinen Husten tun“ hört man manchen sagen, den der Husten während der rauhen Monate außerordentlich plagt. Von zahlreichen Aerzten wird gegen die Erkran kungen der Atmungsorgane sowie auch gegen Ma gen=, Darm= und Herzleiden und Rheumatismus mit Vorliebe Bad Soden am Taunus empfohlen. An diesem altberühmten idyllischen Taunuskurorte sind auch alle Vorbedingungen und Einrichtun gen vorhanden, die dem erfahrenen Arzte es ermi# lichen, erfolgreich seine Kunst anzuwenden. 25 Mine ralquellen, kohlensaure und Solbäder, Inhalatoriun Zander= und Röntgen=Institut, alle diese Faktoren in geeigneter sachkundiger Weise angewandt, bringen zahlreichen Patienten Linderung und Heilung. 60.8 Prospekte kostenlos durch die Kurdirektion. Der Morgen— des Tages Schöpfer auf sein dauerndes befinden bedachte Kulturmensch wird bemüht sein, am frühen Morgen alles zu meiden, was das Leben des Tages beeinträchtigen könnte. Deshalb ist schon seit fast zwei Jahrzehnten in Millionen von Veröffentlichungen, sowie durch den Rat der Aerzte darauf hingewiesen worden, daß es verkehrt ist, den Tag mit dem Genuß von Kaffee zu beginnen. 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