— 12. 12. Jahrgang. für die 83 Teleph. Anschl. 9: E eadf 1 abr 96 83 WDerg. Teleph. Anschl. Diese Zeitung erscheint am Abend jeden Wochentages. Abonnementspreis vierteljährlich pränumerande 1,25 Mark. bei Pottbestellung kommt das Bestellgeld hinzu. oo EI. Insereig werden bis spatestent vorm. 11 Uhr erbeten.4 Dienstag, 23. Dezember. Peis der eizspaltigen Vetitzelle für Stedt und Freiz, Herfors, 1902 Oeyphansen und Amt Rehme210 Pfg., sons 15 Pfg. fAr den Kreis 50 Herford. m Mittwoch, den 24. ds. Mis. ist das hiesige Amts# bureau nachmittags geschlossen. 510m Euger, den 22. Dezember 1902. Der Amtmann: Dr. Goecke. Aufgebot. Die Witwe Dr. med. Gustav Münter, Johanne geb. Hölscher, zu Herford hat das Aufgebot der angeblich abhandengekommenen Aktie Nr. 1249 der Herforder Diskontobank über 1200 M. beantragt. 517m Der Inhaber der Aktie wird daher aufgefordert, spätestens in dem auf den 8. Juli 1903, mittags 12 Uhr, vor dem unterzeichneten Gericht, Zimmer 1, anberaumten Aufgebotstermine seine Rechte anzumelden, und die Aktie vorzulegen, widrigenfalls die Krastloserklärung der Aktie erfolgen wird. Herford, den 17. Dezember 1902. Könitgliches Amtsgericht. Flucht der Kronprinzessin von Sachsen, Das„Dresdener Journal“ meldet: Die Kronprinzessin hat in der Nacht vom 11. zum 12. d. M. infolge krankhafter Zustände und seelischer Erregung Salzburg unter Abbruch aller Beziehungen zu den Angehörigen in Dresden plötzlich verlassen und sich ins Ausland begeben. Am Hofe wurden für den Winter alle größeren Festlichkeiten abgesagt, auch der Neujahrsempfang findet nicht statt. (Die Kronprinzessin Louise Antoinette Maria ist eine österreichische Erzherzogin, geboren 1870 am Sedantage. Sie ist eine Tochter zweiter Ehe des früheren Großherzogs von Toskana Ferdinand IV. und seit dem 21. November 1890 mit dem Prinzen Friedrich August vermählt. Der Ehe sind vier Kinder entsprossen, drei Knaben und ein Mädchen.) Dresden, 22. Dez. Die heimliche Abreise der Kronprinzessin Louise am 9. Dezember von hier nach Salzburg und am 12. von da nach Genf ruft allgemeine Aufregung hervor, um so mehr als sie 4 Kinder verließ, Kronprinz Friedrich August erst im November in Salzburg nach der Jagd ein Bein brach und neulich seine erste Ausfahrt machte. Der der Bürgerschaft durch die Absage der Hoffestlichkeiten zugefügte Schaden ist enorm. Die erste Andeutung fand sich am 17. Dezember im amtlichen„Dresdner Journal“, das meldete, die Kronprinzessin sei nach aus Salzburg eingegangenen Nachrichten erkrankt und werde infolge dessen voraussichtlich erst in einiger Zeit nach Dresden zurückkehren. Bis zum 12. d. bewohnte die Kronprinzessin das großherzogliche Palais ihres Vaters in Salzburg. Bei der Abreise dorthin kaufte sie hier unterwegs in einer Konditorei einen Christstollen mit den Worten:„Ich werde ihn meiner Mutter mitbringen!“ Die Kronprinzessin erwartet im Mai ihre Niederkunft. Ein Grund zur Flucht dürfte auch in der Abneigung der lebenslustigen Frau gegen die Sitten und Gebräuche des sächsischen Hofes zu suchen sein. Zweifellos handelt es sich um Familienkonflikte, über welche man vielleicht schon demnächst, näheres hören wird. Das IV. Vierteljahrsheft zur Statistik des Deutschen Reichs, Jahrgang 1902, enthält unter anderem eine Statistik über die Tabakernte und Tabakbesteuerung im deutschen Zollgebiet für das Erntejahr 1901(1. Juli 1901 bis 30. Juni 1902) nebst einigen vergleichenden Zusammenstellungen für die letzten zehn Erntejahre. Im Anschluß daran werden vorläufige Nachweise über den Tabakanbau im Jahre 1902 veröffentlicht. Mit Tabak bebaut wurden im Erntejahr 1901 innerhalb des Zollgebiets 16 963 ha(1900: 14751 ha, 1899: 14 615 ha, 1898: 17652 ha). Die Ernte an trockenen dachreifen Tabakblättern betrug 40013 t(1900: 34790 t, 1899: 30075 t, 1898: 32559 t), so daß auf 1 ha der abgeernteten Fläche durchschnittlich 23,6 dz Tabakblätter, ebensoviel wie im Vorjahre, entfallen und der zehnjährige Durchschnittsertrag von 21,5 dz nicht unerheblich übertroffen wird. Die Preise dagegen, welche von den Pflanzern erzielt wurden, blieben im allgemeinen etwas unter den vorjährigen. Als mittlerer Preis, einschließlich der Steuer für 1 dz wurden durchschnittlich 85,4 Mk. ermittelt(1900: 89,1 Ml., 1899 31,8 M., 1898: 75,3 Ml.). Die Tabakernte des Jahres 1901 ist nach Menge und Beschaffenheit im allgemeinen als gute Mittelernte, in vielen Bezirken als gut und teilweise sogar als sehr gut zu bezeichnen, obwohl sie an Qualität hinter der vorjährigen Ernte etwas zurückstand. Schuld daran soll, namentlich in Süddeutschland, die ungünstige Witterung zur Zeit der Ernte gewesen sein, da der Tabak häufig naß eingebracht werden mußte. Feuchte Nebel und schlechte Behandlung während der Hänge= und Trockenzeit führten dahin, daß der Tabak häufig an Dachbrand und Rippenfäule erkrankte und viel Abfall ergab. Der nicht beschädigte Tabak ist jedoch in der Regel zur Zufriedenheit des Käufers ausgefallen und hat in Bezug auf Leichtigkeit, Geruch, Brennbarkeit und Feinheit des Blattes den vorjährigen Tabak fast erreicht. Die Tabaksteuer hat im Erntejahr 1901 einen Ertrag von 13,1 Millionen Mark, der Eingangszoll vom Tabak 53,9 Millionen Mark ergeben. Nach Abzug der gezahlten Ausfuhrvergütung verblieb eine Netto=Einnahme von 66,6 Millionen Mark, ras ist 1,16 Mark auf den Kopf der Bevölkerung. Der Verbrauch von Rohtabak und Fabrikaten, umgerechnet in fabrikationsreifen Rohtabak, berechnet sich für den Durchschnitt der letzten sechs Jahre auf 1,62 kg auf den Kopf. Die vorläufigen Nachweise über den Tabakanbau im Jahre 1902 zeigen, daß der Flächeninhalt der mit Tabak bepflanzten Grundstücke gegen das Vorjahr um 394 ha zugenommen hat; es wurden 27357 ha mit Tabak bepflanzt. Deutschland Fortführung der Kruppschen Werke. Der Kaiser empfing gestern den Geheimen Kommerzienrat Hartmann und den Finanzrat Hauß aus Essen in Angelegenheit der testamentarischen Bestimmungen Krupps betreffend die Fortführung der Kruppschen Werke. Vom Linienschif„Wittelsbach“. Die gründliche Untersuchung der„Wittelsbach“ im Trockendock zu Kiel stellte nur eine geringe Beschädigung des äußeren Doppelbodens des Kollisionsraumes fest; es handelt sich um unbedeutende Verbeulungen der Außenhaut. Traurige Folgen polnischer Verhetzung. Die Strafkammer in Inowrzlaw verurteilte die polnische Schülerin der zweiten Klasse der Inowrazlawer Töchterschule Kopec zu vierzehn Tagen Gefängnis. Als anläßlich der Anwesenheit des Kaiserpaares in Posen in der Schule Broschen mit Bildnissen des Kaiserpaares verteilt wurden, warf die Kopec ihre Brosche zur Erde, spie darauf und zertrat sie. Die Räumung von Schanghai. Dieser Tage haven zwei Kompagnien deutscher Truppen Schanghai verlassen; eine geht nach Deutschland, die andere nach Kiautschau. Für das Verhältnis Rußlands zu Frankreich ist ein Artikel der„Nowoje Wremja" unter dem Titel„Die Bedeutung der Flotte“ von großem Interesse, den wir hier im Auszuge wiedergeben: „Wozu brauchten wir den Bund mit Frankreich? Wegen der Armee Frankreichs? Wegen der Drohung des Zweifrontenkrieges mit dem hochfahrenden Nachbar?... Einige Aussprüche des verstorbenen Herrschers, die zunächst nur mündlich weitergegeben werden, später aber zu Axiomen der wahrhaft russischen Politik werden dürften, zeigen uns jedoch, daß er den verhängnisvollen Kampf mit dem Nachbar nicht fürchtete. Welchen Feind kann Rußland auf dem festen Lande noch fürchten nachdem es Napoleon gestürzt?! Auf dem Wasser steht es anders. Ein Potentat, der nur ein Heer oder nur eine Flotte hat, besitzt nur einen Arm, über zwei Arme verfügt er aber, wenn ihm eine Armee und eine Flotte zu eigen sind. Alexander III. hat den Bund mit Frankreich geschaffen. Den Landkrieg fürchtete er nicht, suchte also nicht für die Armee einen Verbündeten. Die französische Flotte war die einzige in der Welt, die im Falle eines Krieges mit England sich nicht in ihren Häfen einzuschließen brauchte, sondern, auf ihre ruhmvollen Marinemannschaften gestützt, ins Meer hinaus konnte, um sich mit dem auf allen Ozeanen verstreuten Feinde zu messen, oder ihn sogar anzugreifen. Im Bunde mit der russischen, deren Schöpfung unser großer Herrscher mit solcher Eile betrieb, konnte diese Flotte mit England den Kampf um den Titel der Beherrscherin der Hierzn Beilage. Meere aufnehmen. Deshalb ist uns der Bund mit Frankreich teuer, das ist seine Grundlage... Jede Schwächung der Seemacht Frankreichs ist eine Bresche im russisch=französischen Bunde. Es erweist sich aber, daß diese Schwächung möglich ist; sie hat in diesen Tagen stattgehabt und die Deputirtenkammer hat die Erklärungen ihres Urhebers gutgeheißen. Der Streit mit Venezuela. Aus La Guayra wird gemeldet, die Blockade wird scharf durchgeführt, doch schädigt sie mehr die europäischen als die venezolanischen Interessen. Kürzlich haben mehrere der fremden Konsuln gegen die Blockade protestiert. Aus Caracas wird telegraphiert, die östlichen Häfen werden durch die britischen Kriegsschiffe blockiert. Der britische Kreuzer„Tribune" nahm die Schoner„Mercedes" und „Immatriculata“ als sie den, Hafen von La Guayra verlassen wollten. Die Schiffe gehören einem Franzosen, hatten aber venezolanische Ladung. Die Kapitäne ließen sagen, sie hätten von der Verhängung der Blockade nichts gewußt und machten geltend, daß die Schiffe einem Franzosen gehörten. Der britische Kommandant verweigerte jedoch die Freigabe. Der britische Kreuzer„Indefatigable“ nahm den venezolanischen Schoner„Julia“ mit einer deutschen Ladung für die Firma Blohm. Das Haus Blohm hat Protest eingelegt. Der italienische Kreuzer„Giovanni“ nahm ebenfalls ein venezolanisches Schiff.— Nach einer Depesche des„Newyork=Journal“ aus Caracas soll Castro plötzlich von einer geheimnisvollen Krankheit ergriffen sein. Venczolanisches Boxertum. Wie es heißt, sind Matrosen des englischen Dampfers„Topau“, deren Verhaftung aus Venezuela gemeldet wird, mißhandelt worden. Sie wurden halbnackt durch eine Reihe von Bajonetten getrieben und vom Mob verhöhnt. Die Revolutionäre. General Feucra, Vertreter der Aufständischen in Bludad=Bolivar, erhob seit Aufhebung der von der venezolanischen Regierung ausgeübten Blockade des Orinokos 350 000 Dollar Zollgelder, zahlte von Kaufleuten entliehene 75000 Dollar zurück und gab Auftrag auf eine große Lieferung Waffen und Munition in Eort of Spain. 23. Dezember 1902. Der Kreistag stimmte in seiner gestrigen Sitzung den einzelnen Punkten der Tagesordnung zu; auch mit Verkoppelungsangelegenheiten hatte sich diese Versammlung wieder zu beschäftigen. Es handelte sich bekanntlich um die Zusammenlegung von Grundstücken in Dreyen und Werffen. In der Debatte hierüber wurde u. a. von Herrn Justizrat Brand darauf hingewiesen, daß eine Anzahl kleinerer Besitzer in Dreyen großen Wert auf die in Aussicht genommene Verkoppelung lege, da sich nur auf diese Weise die Schaffung besserer Wege ermöglichen ließe. Mit allen gegen 7 Stimmen wurde dann auch der Antrag auf Zusammenlegung in Dreyen angenommen. Des Weiteren wurde dem diesbezüglichen Antrag für Werffen und zwar gegen 3 Stimmen zugestimmt, nachdem die Debatte ergeben hatte, daß die Mitglieder der Kreisvermittlungskommission geteilter Ansicht insofern gewesen waren, als es sich um die Hineinziehung von Grundstücken aus Hüffen(120 Scheffelsaat) handelte. Die Verkoppelung soll sich auch auf diesen Komplex erstrecken. Aus der Reihe von Wahlen, die alsdann vorgenömmen wurden, ist vor allem erwähnenswert, daß für 1903—1909 die Herren Beigeordneter Budde hier und Kolon Schwidde=Hunnebrock als Mitglieder des Kreisausschusses wiedergewählt wurden. Als Mitglied des Kuratoriums der Kreis=Sparkasse für 1902/08 an Stelle des verstorbenen Herrn Kaufmanns Angenete wählte man Herrn Beigeordneten Budde und an Stelle dessen als stellvertretendes Mitglied Herrn Kaufmann Hermann Menge. Nach Schluß der bis gegen 2½ Uhr währenden Verhandlungen hob der dienstälteste Kreisdeputierte, Herr v. Consbruch, die großen Verdienste hervor, welche der nun leider von uns scheidende Herr Landrat Dr. v. Borries sich um den gesamten Kreis Herford erworben habe; in das auf den Herrn Landrat ausgebrachte Hoch wurde mit großer Begeisterung eingestimmt. Herr v. Borries wies in seinen Dankesworten auch darauf hin, daß es ihm schwer falle, von hier zu scheiden. Einem weiteren, einstimmig gefaßten Beschlusse zufolge wird an den Herrn Minister des Innern das Ersuchen gerichtet werden, die einstweilige Verwaltung des Landratsamtes Herrn Regierungs=Assessor Franz o Borries, z. Z. Hilfsarbeiter im landwirtschaftlichen Ministerium, zu übertragen.(Wir teilten bereits mit, daß als für die vakante Landratsstelle auch ein Verwandter des setigen Hern Landats in Frage koume. Wie wir noch waren die Großpäter der beiden Herren Brüder. Nachbarstadt Minden gebärtig; sein Bruder autiert daselbst seh Die, Srhebung einer Satze von 5 Mk. wurde gestern vom Kreistag im Prinzip beschlossen. Durch diese Maßnahme hofft man ohne Erhöhung der Kreissteuer auszukommen. Die städtischen Vertreter stimmten gegen die Hundesteuer, da sie darin eine Doppelbesteuerung erblicken und die betreffende städtische Steuer daher fallen gelassen werden müsse. Der Weihnachtsmarkt wird durch das erneute Eintreten trockener Witterung sehr begünstigt. Gegen mittag herrschte bereits ein sehr reger Verkehr auf dem Markt; auch in den Geschäften zeigte sich große Kauflust. Die Weihnachtsferien der Volksschulen, die heute ihren Anfang nehmen, währen bis Freitag, den 2. Januar. Diese Schulen beginnen somit am 3. u. Mts. wieder den Unterricht. T Der Familienabend des ev. Jünglings= und Männervereins war nur mäßig besucht, was bei der Nähe des Weihnachtsfestes zu erklären, aber wegen der Gediegenheit des Gebotenen zu bedauern ist. Die mit Hülfe einiger auswärtiger Freunde und des Neustädter Kirchenchors zu Gehör gebrachten Lieder und Musikstücke fanden ungeteilten Beifall. Besonders fesselnd war das Melodrama„Das Glöcklein von Innisfär" oder„Ein Weihnachtsabend in Schottland“. Die eigenartige Romantik dieses mit großem Verständnis vorgetragenen Deklamations=Stückes, durch Gesang= und MusikEinlagen in wirkungsvollster Weise gehoben, machte einen gewaltigen Eindruck auf alle Zuhörer, die dadurch in die rechte Weihnachtsstimmung versetzt wurden. *∆ Schöffengericht. Gestern fand unter dem Vordes Herrn Amtsgerichtsrats Vahle eine außerordentliche Schöffensitzung statt. Schöffen waren die Herren Steuersckretär Hartmann und Bankier Ganz von hier. Herr Polizei-Inspektor Hohmuth vertrat die Amtsanwaltschaft. Folgende Strafsachen lamen zur Verhandlung: Der Ziegelmeister Jacob B., früher hier, jetzt in Oelde wohnhaft, hatte sich von den Arbeitern der M.=schen Ziegelei, bei der er als Meister fungierte, verschiedene Beträge als Kaution für pünktlichen Dienstantritt 2c. geben lassen und sollte dieses Geld nicht wieder zurückgezahlt haben. Es wurde festgestellt, daß in einem Falle Zurückzahlung erfolgt war. Wegen eines anderen Falles wurde B. zu einer Geldstrafe von 20 Mk. event. 4 Tagen Gefängnis verurteilt. Wegen zwei Fällen erfolgte Freisprechung.— Der Schlosser Wilhelm P., zur Zeit hier in Haft, war angeklagt, am 3. ds. Mts. hier gebettelt, sowie den Flurschutzmann V. hier mißhandelt und beleidigt zu haben. P. wurde wegen der letzteren beiden Strafthaten mit 1 Monat Gefängnis und wegen Bettelns mit 3 Wochen Haft, von denen 14 Tage durch die Untersuchungshaft als verbüßt erachtet wurden, verurteilt. Ferner wurde derselbe der Landespolizeibehörde überwiesen. Der Arbeiter Adolf N. von Herford, z. Z. hier in Haft, der 33mal vorbestraft war, erhielt wegen Bettelns 3 Wochen Haft, wovon 12 Tage als verbüßt erachtet wurden.— Der Fortbildungsschüler Adolf E. von hier hatte ein polizeiliches Strafmandat von 15 Mk. erhalten, weil er durch sein schlechtes Betragen den Fortbildungsschulunterricht gestört hatte. Auf den hiergegen eingelegten Einspruch wurde die Strafe auf 5 Mark ermäßigt.— Der Fabrikant Franz Dr. hier hatte seinen Hund nicht genügend beaussichtigt, so daß derselbe einen Radfahrer belästigt hatte. D. war deshalb in eine Polizeistrafe von 3 Mark genommen. Der hiergegen eingelegte Einspruch hatte Freisprechung zur Folge.— Der Bäcker und Gastwirt E. von Hiddenhausen hatte seine Kühe unberechtigt auf der Weide des Rendanten K. das. weiden lassen und war deshalb durch Strafmandat mit 5Mk. bestraft. Seinen hiergegen eingelegten Einspruch zog er im Termine zurück.— Der Zuckerarbeiter Christian W., Bäckergeselle Karl Sch, sowie der Ziegelarbeiter Heinrich Sp., sämtlich von hier, halten in der Nacht zum 20. November den Musiker Adolf T. hier, als er ruhig seines Weges nach Hause ging, ohne Grund überfallen, ihn geschlagen und den Geigenkasten, die Geige und ein Waldhorn arg beschädigt. Schl. hatte außerdem mit einem Bierglase nach T. geworfen. Die Verletzungen waren derart gewesen, daß T. mehrere Tage arbeitsunfähig war. W. wurde freigesprochen. Sch. erhielt wegen qualifizierter Körperverletzung und Sachbeschädigung 2 Monate und 1 Tag Gefängnis sowie wegen Werfens mit einem Bierglase 3 Tage Haft. Der Angeklagte Sp. wurde wegen qualifizierter, Körpexverletzung und Sachbeschädigung zu einer Gesängnisstrafe von 3 Monaten und 3 Wochen verurteilt. — Der Wirt Wilhelm B. hier hatte ein Strafmandat von 10 Mk. erhalten, weil er am 6. Juli in seinem Saale eine öffentliche Tanzlustbarkeit ohne polizeil. Genehmigung veranstaltet haben sollte. Auf den hiergegen eingelegten Einspruch wurde B. freigesprochen, da festgestellt wurde, daß das Tanzen gegen seinen Willen geschehen war.— Der Maurer Wilhelm R. und der Kohlenhändler Franz K. beide aus Enger hatten einen Strafbefehl von je 48 Mk. erhalten, weil sie ohne den erforderlichen Gewerbeschein mit Kohlen außerhalb des Gemeindebezirks ihres Wohnorts gehandelt hatten. Hiergegen hatten sie Einspruch erhoben. Das Verfahren gegen K. wurde für unzulässig erklärt, weil er wegen derselben Strafthat schon bestraft war. Der Angeklagte R. nahm seinen Einspruch zurück.— Der Webereitechniker Hermann R. von hier war angeklagt, in der Weberei von M. hier eine Arbeiterin unter 14 Jahren länger als 6 Stunden beschäftigt zu haben. Es wurde auf eine Geldstrafe von 3 Mk. erkannt. Ein Kampf spielte sich gestern abend in der Petersilienstraße ab. Daselbst wurde der Arbeiter Sch., der sich in das Haus des Nachbars L. begeben hatte, nach längerem Streite durch Schläge auf den Kopf und Rücken erheblich verletzt, so daß ärztliche Hülfe in Anspruch genommen werden mußte. L. will in seinem Hausrechte gehandelt und erst dann Gewalt angewandt haben, als Sch. trotz mehrfacher Aufforderung das Haus des L. nicht verlassen wollte. In dem Streite wurde auch die Hausthür nebst Oberlicht zertrümmert. 1 Verletzt am Kopfe wurde gestern abend der Arbeiter Z. durch einen Wurf mit einem Knüttel, welcher beim Pasfieren der Wehmühlenstraße aus freiem Felde nach ihm geschleudert worden war. . Zu dem Ueberfall am Gänsemarkt bringen wir noch in Erfahrung, daß der Ueberfallene in der Notwehr mit einem größeren Hausschlüssel um sich geschlagen hat und den Thäter ebenfalls verletzt haben muß. Vielleicht dient dieser Umstand mit zur Ermittelung des Thäters. ! Der heutige Viehmarkt war nicht so reich beschickt wie sonst, wahrscheinlich weil in Bielefeld zugleich Viehmarkt war. Gute tragende Kühe kosteten 270—370 Mk., tragende Rinder 200—250 Mk., Wurstrinder und Bullen 100 Pid. Schlachtgewicht 50—55 Mk.; fette Ware war nicht am Platze. In Pferden war der Handel sehr flau. Tragende Schweine kosteten 90—130 Mk., Güstesäue 80—120 Mk., Stangen 30—40 Mk., 6—8 Wochen=Ferkel 8—10 Mk. Die Preise stellten sich wie gelegentlich des letzten Marktes.— Aufgetrieben waren 94 Pferde, 132 Kühe, 729 Fickel und 382 Schweine. An Standgeld wurden 168,35 Mk. vereinnahmt. * V l o t h o, 2 1. D e z. B i s m a r c k t u r m. A u f u n s e r e m historischen Amthausberge, der alten Burg Blotho, wurde gestern nachmittag von der Denkmalskommission der Grundstein zum Bismarckturm gelegt. An den Fürsten Herbert Bismarck in Friedrichsruh ward folgendes Telegramm abgesandt:„Von der Grundsteinlegung eines Bismarckturmes auf dem Vlothoer Amthausberge senden treue Verehrer Ihres großen Vaters Euer Durchlaucht deutschen Gruß und Handschlag.“— Das in fast dreifacher Lebensgröße von dem Bildhauer Arnold Künne in Berlin für den Bitmarckturm angefertigte Broncerelief(Brustbild mit Kürassierhelm) ist vor einigen Tagen hier eingetroffen. Provinz und Nachbarstaaten. * Köln, 22. Dez. Hochwasser. Seit Sonnabend vormittag ist der Rhein von 2.98 auf 4.31 m gestiegen. Hamburg, 22. Dez. Schiffsunfall. Der Dampfer„Deutschland“ von der Hamburg=Amerika=Linie hat gestern morgen in der Nähe der Scilly=Inseln einen Schaden an der Maschine erlitten. Wie die Gesellschaft mitteilt, handelt es sich lediglich um einen Bruch des Niederdruck=Kurbellager=Bolzens der Steuerbordmaschine Das Schiff hat gestern nachmittag die Reise von Plymouth über Cherbourg nach Hamburg fortgesetzt und heute früh 6½ Uhr bereits Dover passiert. Morgen früh ist es auf der Elbe fällig. Lübeck, 22. Dez. Frau Major Helene v. Gréville wird wegen bedeutender Schwindeleien steckbrieflich verfolgt. Die Schlaffeuche. London, 22. Dezember. Ostafrika ist von jener geheimnisvollen Krankheit bedroht, die man mit dem Namen„Schlafseuche" bezeichnet. In Uganda hat sie bereits furchtbare Verheerungen unter der Eingeborenenbevölkerung angerichtet. Dr. G. C. Low, der mit den Aerzten Dr. Castellani und Dr. Christy von der englischen Regierung nach Uganda gesandt worden war, um die Symptome und Wirkungen der Krankheit zu studieren, ist soeben hierher zurückgekehrt. Der von ihm und seinen beiden Kollegen erstattete Bericht enthält in der That sehr viel Wissenswertes und leider auch sehr viel Beunruhigendes über die Seuche und über ihre stetig fortschreitende schreckliche Verbreitung. Die Krankheit wütet nunmehr seit mehr als vier Jahren in Uganda, und Dr. Low ist der Ansicht, daß während dieser Zeit mindestens 70 000 Eingeborene, der größte Teil derselben, im Laufe der letzten zwei Jahre ihr erlegen sind. Auf welche Weise die Seuche nach Uganda eingeschleppt wurde, ist bisher noch nicht ermittelt worden; wahr cheinlich geschah dies durch einen Neger aus Portugiefisch=Westafrika, wo die Schlafseuche zuerst auftrat und viele Leute zur Flucht veranlaßte. In Uganda sind augenblicklich gegen 15000 Schwarze von der Krankheit befallen, die fast ausnahmslos einen tödlichen Verlauf nimmt. Der Charakter der Krankheit hat außerdem in dem neuen Gebiete an Heftigkeit und Bösartigkeit zugenommen. Die Eingeborenen sind schreckerfüllt und ziehen— in dem Bestreben, dem eisernen Griff der Seuche zu entgehen— plan= und ziellos im Lande umher, wobei weite Strecken außer Kultur kommen und die Krankheit in immer neue Gebiete getragen wird. Die ersten Anzeichen der Schlafsucht äußern sich in gewissen Störungen der geistigen Thätigkeit, die jedoch so geringfügiger Natur sind, daß sie in den meisten Fällen weit eher von den nächsten Verwandten als von den europäischen Aerzten bemerkt werden können. Dabei macht die Seuche in Alter und Geschlecht keinen Unterschied, denn Erwachsene beider Geschlechter werden ebenso leicht von ihr befallen wie Kinder. Der Patient wird zunächst apathisch und arbeitsunlustig— d. h. in krankhaftem Maße, ganz abgesehen von der gewöhnlichen Abneigung des Schwarzen gegen jede Thäsigkeit— er liegt träge umher, verliert den Appetit, wird schmer wortkarger und schließlich nahezu blöde. Lippen und Ztzggnlider schwellen an, es stellt sich ein heftiges Zittern der Glieder und der Zunge ein, bis der Kranke schließlich in einen starrkrampfähnlichen Zustand verfällt, der regelmäßig mit dem Tode endigt. " Die Kommission zur Untersuchung der Seuche begab sich ## Entaove, Sitz der Regierung von Uganda, am Viktoriasee und brachte dort 5 Monate mit einem gründlichen Studium zu. Ein besonderes Hospital wurde von der ReSadler, der Kommissar sowie der Oas Hgipi. hatt, Vssat keisteten jede erdenkliche Beihilfe. Das Hospital hatte Platz für 16 Patienten, und Dr. Low und seine Kollegen versuchten alle erdenklichen Mittel, leider jedoch ohne ein Erfolg versprechendes Heilverfahren zu entdecken. Der einzige Erfolg, den ihre aufopfernde Thätigkeit erzielte, war, daß in manchen Fällen das Leben der Patienten um einige Wochen verlängert wurde. Dr. Castellani, der bakteriologische Experimente vornahm, verweilt noch in Entabbe, um weitere Untersuchungen anzustellen. Dr. Low bezeichnet die Schlafseuche als eine ansteckende Nervenkrankheit, die von einer Entzündung der Gehirnhaut und des Gehirns ausgeht. Die für diese Krankheit üblich Rehanslungsmethade erwies sich aber der Schlasseuche gegen von Weihnachtsrarpfen ist in diesem Jahre in Berlin ganz bedeutend und beträgt bis jetzt bereits gegen 15000 Zentner. Ein deutscher Bucherfolg.„Der Trompeter von Säkkingen" von Josef Viktor Scheffel ist soeben in 260. Auflage erschienen. Karl Emil Franzos hat kurze Zeit nach dem Tode des Dichters bereits folgende litterargeschichtlich interessanten Angaben statistischer Art, auf Grund von direkten Erhebungen bei Scheffels Verleger, zusammengestellt.„Von seinen Hauptwerken hat bis zu seinem Tode der„Ekkhard“ in etwa 90(heute 191. Auflage), das„Gaudeamus“ in etwa 50, der„Trompeter" von Säkkingen" in etwa 140 Auflagen Verbreitung gefunden. Nach einer Schätzung, für welche verläßliche Daten vorlagen, gab das zusammen 400000 Exemplare. Nicht berücksichtigt sind hierbei die in Amerika, Holland und Rußland hergestellten Nachdrucke, welche auch vielfach nach Deutschland und Oesterreich eingeschmuggelt wurden.“ Bereits kurz nach dem Tode des Dichters fiel auf je 100 Deutsche im Durchschnitt berechnet je ein Band Scheffel. Wie Franzos hervorhebt, ist für einen deutschen Roman ein Absatz von 5000 Exemplaren bereits ein sensationeller Erfolg. Der „Trompeter“ ist nach Schillers Gedichten und Goethes„Faust“ das meistgekaufte deutsche Buch. Das Epos ist am 1. Mai 1853 auf Capri entstanden, ist also bald reif für ein Halbjahrhundert=Jubiläum. Des Dichters Aufenthalt auf dem berühmten Eiland ist an mancher Stelle des Werkes launig berührt— aber die Farbe des Ganzen wird doch durch die Herrlichkeit der Heimat bestimmt, die der Dichter, in der Ferne weilend, lebendig vor sich sah. Der philosophische Kater Hiddigeigei ist, was seine Herkunft anlangt, bereits Gegenstand gelehrter Untersuchung geworden; auch der verzauberte Kater in Heines„Atta Troll“ wurde unter seinen Ahnen genannt. Daß der„Atta Troll“, das Versmaß und sonst noch einzelnes im„Trompeter" beeinflußt hat, wird von Auerbach berichtet, der in einem Briefe vom 16. Juni 1870 schreibt:„Scheffel erzählt mir, wie er, als er den„Trompeter" schrieb, unter dem Eindruck von„Atta Troll" stand. Sicher ist, daß, als Scheffel Sekretär am Hofgericht in Bruchsal war, dort Hofgerichtsrat Preuschen, sein Vorgesetzter, einen Kater hatte, dem er den Namen Hiddigeigei gegeben hatte. Als der„Trompeter von Säklingen" erschien, schickte Scheffel ein Exemplar nach Bruchsal mit folgender Widmung:„Herrn Gerichtsrat Preuschen, Herrn und Meister des wahren, geschichtlichen „Hiddigeigei“. Zum Raubmord in Berlin. Die Verhaftung des Mörders der Frau Budwig, Kellner Leszeynski, wurde durch einen russischen Handelsmann veranlaßt, der Leszcynski in Kalisch erkannt hatte. Seit Donnerstag befand dieser sich bereits in Kalisch. Einige Gold= und Wertsachen wurden bei dem Verhafteten, in den Stiefeln verborgen, vorgefunden. Depotverwalter Reßler verhaftet. Der aus Berlin flüchtige Depotverwalter der Darmstädter Bank Maximilian Neßler ist gestern in einem Hotel in Brunnen(Kanton Schwyz) durch die Schweizer Staatsanwaltschaft verhaftet worden. Er ist geständig. Eine Zigennerschlacht hat am Sonntag im Dorfe Rägelin(Brandenburg) stattgefunden, an der sich ungefähr 50—60 mit Messern, Dolchen, Revolvern und anderen Gebrauchsgegenständen eines Zigeunerhaushalts bewaffnete Personen beteiligten. Die Angelegenheit ist bereits der Sicherheitsbehörde übergeben. Zur Verhaftung der Familie Humbert. Der französische Botschafter in Madrid erklärte dem Berichterstatter eines Pariser nationalistischen Blattes, man werde in dem Fall Humbert nicht die politischen Skandale finden, die man suche. Es sei unmöglich, daß einzelne Gerichtspersonen bloßgestellt werden Frau Humbert erklärte einem Berichterstatter, der sie im Gefängnis besuchte: Viele Leute haben eine schlaflose Nacht verbracht, als sie von unserer Verhaftung erfuhren. Auf die Frage, ob sie irgend jemand besonders anklage, antwortete sie: „Ich werde es im gegebenen Augenblick thun, und das wird meine Verteidigung und meine Rache sein. Diejenigen, die uns entehrt haben, werden ihre Niedertracht teuer büßen müssen.“ Die Person, die dem Botschafter den Aufenthalt der Humbeits mitgeteilt hat, erhielt bereits die versprochene Belohnung.— Die Mitglieder der Familie Humbert hatten sich während ihres Aufenthaltes in Madrid falsche Namen beigelegt. Frédérie Humbert gab sich als Gatte seiner Tochter aus. Die Angaben eines Postboten, welchem ein Polizist die Photographie der Familie gezeigt hatte, gab der Polizeibehörde die Gewißheit, daß die Betreffenden die Familie Humbert sei.— In Paris kursiert das Gerücht, die Familie Humbert sei von neuem entwichen. Die Pariser Präfektur hat indes bisher keine dahingehende Nachricht erhalten. Marconi telegraphierte aus Glaubay in NeuSchottland nach Rom, daß ihm die Herstellung einer drahtlosen telegraphischen Verbindung über den Atlautischen Ozean zwischen Cap Breton und Cornwall vollkommen geglückt sei. Die ersten Depeschen sind an den König von Italien und den König von England abgegangen, darunter ein Telegramm des Generalgouverneurs von Kanada an den König von England. Ein amüsantes Abenteuer hat ein Herr kürzlich erlebt, der mit einem dressierten Hunde nach der Reichshauptstadt reiste und unterwegs in Kassel einigen Aufenthalt hatte, den er zu einem Spaziergang in die Stadt benutzte. Seine Erlebnisse mit seinem Hund„Lehmann" im Bahnhofsrestaurant schilderte der Reisende folgendermaßen: Da ich mir dachte, es würde meinem Lehmann nichts schaden, wenn er während dieses Aufenthaltes aus seinem Kasten befreit würde, um sich die Laternenpfähle in Kassel anzusehen, so ließ ich diesem Gedanken die That folgen. Wir gehen also zum Schlächter und ich kaufe für meinen Begleiter für zehn Pfennige Wurst, welche ich ihm auf der Straße portionenweise verabreichte. Nach beendeter Mahlzeit gehen wir wieder gemütlich zum Bahnhof, wo ich für mich eine Tasse Kiffee bestelle. Kaum steht der Mokka vor mir, da öffnet sich die Thür und mit gestrenger Amtsmiene tritt ein Schutzmann ein. Ich ahne e. durch wird der Mann des Gesetzes in seinem Vorhaben noch bestärkt, tritt auf mich zu und fragt in ziemlich barschem Tone:„Wem gehört der Hund?" Ich antworte:„Dem Mimiker Merkel.“„Wer ist das?“ Ich stehe auf, mache eine Verbeugung und antworte:„Meine Wenigkeit.“ Während dieses Gespräches hatte sich um uns ein Kreis Neugieriger gebildet, welcher jedenfalls in mir, trotzdem ich ja eigentlich nicht so aussehe, einen durchgebrannten Bankdirektor vermutete.„Also Sie behaupten,“ fuhr der 20. Dez. Heu und Stroh. Richtstroh 4,00—4,82 Mk., Heu 5.00—7,30 Mk. Course der Berliner BorttAltgetellt von der Westf.-Lippischen Vereinsbank, Akt.-Ges. Hertard, 22. Dezember 1902. Preuss Consol 91.50 „„ 102,10 3% Deutsche Beichsanleihe 91.50 3½%„„ 102,10 3% Westf. Prov.-Anl. 89.90 3 ½/% n Deu Pfandbriefe 1906 100,20 Deutsche Bank-Akt. 211,— Disc. Commandit-Akt. 189,10 A. Schaaffhausen'scher Bv. 114,75 Gelsenkircbener Berew Blumen-Ausstellung Alter Markt 2 Alter Markt 2 Hermann Beckert. Empfehle für den Weihnachtstisch hübsche passende Geschenke von frischen und künstlichen Blumen, Vasenzweige, Blumenkörbchen, Füllhörner, blühende u. Blattpflanzen, große Auswahl in frischen und künstlichen Palmen, Zimmerdekoration u. s. w. 464m zu sehr billigen Preisen. nachtsgeschenken Geschäft bestens empfohlen und bitte Namentlich führe ich eine e uth. und reform.), Jugendschriften, stskarten= und Poesie=Albums, Tagen, Portemonnates, Zigarren=Etuis, und Rahmen, Elfenbein=Figuren, = und Märchenbüchern, Spielen 2c. d in den verschiedensten Preislagen 420m Herrmann, üderstraße 34. pfehle ich meine Buchbinderei büchern, Zeitschriften 2c., sowie zum Bildern. Kröpfrahmen sind in namLage.. D. O. Nr. 12. 1902. 44 Amtlicher Anzeiger der Königlichen Ansiedelungskommission für die Provinzen Westpreußen und Posen. Monatliche Beilage zur Deutschen Dorr=Zeitung.(Herausgeber: Heinrich Sohnrer=Berlin.) Anfragen Ansiedelungslustiger über die Ansiedelungsbedingungen, Lage, Preis und Bodenbeschaffenheit der einzelnen Güter, Reiseweg und sonstiges sind zu richten an die „Königliche Ansiedelungskommission zu Posen, die darauf nähere Auskunft erteilt. Kommission. Die Pacht ist festgestellt auf die Rente vom Landwert zuzüglich 2 bis höchstens 3 pot. vom Gebäudewert. Pächter erhalten 1 Freijahr, Im Pachtvertrage werden zugleich die Bedingungen festgesetzt, unter denen Pächter nach Ablauf der Pachtzeit oder auch vorher die Stelle zu Eigentum erwerben kann. Die Pachtstellen sind in erster Linie für Ansiedelungs= lustige mit na hgewiesener landwirtschaftlicher keit und mit kleinem Vermögen, das zum Erwerb einer Stelle zu Eigentum nicht ausreiht, bestimmt. Näheres enthält die kleine Shrift„Bauernland“ von Heinrich Sohnrey, die das Ansiedelungswesen zutreffend schildert und gegen Einsendung von 10 Pfg. in Briefmarken von dem Ausschuß für Wohlfahrtspflege auf dem Lande, Berlin W., Köthenerstr. 23, zu beziehen ist. Alle sonstigen Anfragen sind zu richten an die Königl. Ansiedelungskommission in Posen(Mühlenstr. 12a). Amtlicher Teil. A. Die Erleichterungen für den Eigentumserwerb, die dem Käufer einer Ansiedlerstelle von der Königlichen Ansiedelungskommission gewährt werden, sind folgenden 1. Der Grund und Boden braucht nicht mit Kapital bezahlt werden, sondern wird gegen eine jährliche Rente von höchstens 3 pCt. der siskalischen Selbstkosten zu Eigentum überlassen. 2. Zum Aufbau der Gebäude und zur Beschaffung des Inventars soll der Erwerber das festgesetzte Vermögen selbst besitzen, doch können ihm unter Unständen dazu zinsfreie und erst nach einigen Jahren zu tilgende Darlehen(sogenannte Ergänzungsdarlehen) bis zum Höchstbetrage von ¾ des nachgewiesenen eigenen Vermögens zu einem niedrigen Zinsfuß gewährt werden. In Ausnahmefällen können Darlehne sogar über den Betrag des nachgewiesenen eigenen Vermögens hinaus gegeben werden. 3. Vor der Rentenzahlung werden 1 bis 3 Freijahre gewährt. 4. Der zuziehende Ansiedler wird mit seinem Umzugsgute von der nächsten Bahnstation unentgeltlich mit Gutsgespann abgeholt und in vorhandenen Gutsgebäuden vorläufig untergebracht. 5. Beim Aufbau und bei der ersten Bestellung hilft die fiskalische Gutsverwaltung ihm, soweit nötig, durch unentgeltliche Gespannleistungen; Baumaterialien, namentlich Ziegelund Feldsteine, werden zu billigem Selbstkostenpreite überlassen. Wer nicht selbst aufbauen will, kann auch fertige Gehöfte gegen Zahlung der Selbstkosten übernehmen. 6. Der Ansiedler, der im ersten Jahre wegen des Gehöftbaues noch nicht selbst ernten kann, erhält bis zur ersten Ernte— abgesehen vom Saatgut—. Mund= und Wirtschaftsvorrat für sich, seine Familie und sein Vieh nach den dafür erlassenen näheren Bestimmungen unentgeltlich. Bei Uebeienahme der stehenden Ernte gelten die bezügl. Vereinbarungen. 7. Anschaffung von Obstbäumen für die neuen Stellen erfolgt durch die Ansiedelungskommission unter Uebernahme von ¾ der Kosten. 8. Zur Erleichterung der öffentlichen Lasten werden den neuen Ansiedlergemeinden unentgeltlich Grundstücke überwiesen, deren Wert bis zu 5 Prozent der aufgeteilten Gutsfläche beträgt. Soweit die Ansiedelungskommission die Erbauung neuer Kirchen und Schulen aus Anlaß der Besiedelung für erforderlich erachtet, werden die erstmaligen Baulosten vom Staate getragen. B. Für den Pächter einer Anfiedlerstelle. Der Aufbau des Pachtgehöfts erfolgt entweder durch den Pächter auf Kosten des Fiskus, oder durch die AnssedelungsNeue Auslegung. Das im Kreise Znin, Reg.=Bez. Bromberg gelegene Gut Birkenfeld ist 950 Hektar= 3800 Morgen groß und wird zur Besiedelung in 50 Stellen vou verschiedener Größe ausgelegt. Birkenfelde steht in hoher Kultur. Der Acker, guter Mittelboden, ist von großer Gleichmäßigkeit und besteht aus mil dem, humosen, teilweise aus sandigem Lehmboden, der als leicht zu bearbeitender Rüben= und Gerstenboden, zu m teil als Weizenboden anzusprechen ist. Ein Teil der Feldmark ist drainiert. Wiesen sind nicht sehr zahlreich vorhanden, doch ist der Boden durch weg rotkleefähig. Birkenfelde ist mit der 10 Kilometer entfernten Kreisstadt Znin durch Pflasterstraße und Chaussee, und durch die Rübenbahn Zuin—Eckartsfelde verbunden, Znin hat lebhaften Marktverkehr, Zuckerfabrik, Genossenschaftsmolkerei. In der Umgebung von Birkenfelde liegen die in der Besiedelung begriffenen Güter Dziewierzewo und Jablowko, die Ansiedelungsgemeinde Kornthal und das alte deutsche Dorf Eichenhain. Ziegelsteine sind aus der siskalischen Ziegelei, Bauholz zum Teil aus dem Gutswalde zu mäßigen Preisen erhältlich. Birkenfelde gehört zur Kirchengemeinde Znin; eine Schule wird neu errichtet. Das Gut ist zu 3 Prozent Rente vom Landwert ansgelegt. Die später zu bildende Ansiedlergemeinde erhält ländereien. Dotations= randt ltegt kr. 12 501m Tannenbaumschmuck, nur Neuheiten, billigst bei 343m Heinrich Rolting. Redakteur: Paul Sattler, verantwortlich: Georg Bese, g: Christian Quentin, ch in Herford. n: Brüderstraße 21, am Gehreuberg. Witterungsbericht vom 23. Dezember. Höchste Temperatur des Vortages: 2,70. Niedr. Temperatur in der Nacht:—3.7“. Temperatur um 7 Uhr vorm.:—3,0“. „„11„„—2,30 Luftdruck um 7 Uhr vorm.: 769,8 mm. Tägliche Niederschlagshöhe.— m## Wind: Schwacher SO. Wetter: Nebelig. Wetter. 24. Dez. Witterungsfortdauer. dienen dem Angler lebende Würmer, Insekten, kleinere Fische usw., die lebendig an die mit Widerhaken versehene Angel befestigt werden. Daß bei solch unbarmherzigem Treiben unendliche Schmerzen sowohl dem als Lockspeise dienenden Tierchen als dem darauf anbeißenden Fische verursacht werden, kommt den gedankenlosen Menschen — wir wollen dies zu ihrer Entschuldigung annehmen — wohl gar nicht in den Sinn; sie hören ja weder den armen Wurm noch den Fisch je einen Schmerzenslaut von sich geben. Noch schlimmer und verabscheuungswerten sind die sogenannten Legangeln, an denen die gefangenen Fische stunden= und tagelang in fürchterlichen Schmerzen zappeln müssen, bis es dem Veranstalter endlich einmal ällt, den Apparat nachzusehen und die gefangenen Tiere Lage zu befreien. Auch beim Töten hsten Rohheiten an der Tagesorddie Fische nur halb betäubt und geschuppt und ausgenommen, weil ien zu bequem und zu gedankenlos ren des vorhergehenden Betäubens nd gründlich vorzunehmen. Man Ehe man den Fisch abschuppt und urch einen oder mehrere kräftige kopf mittels einer Holzkeule, eines impfen Teils eines Beiles wirklich en Stich oder Schnitt in das Hinteren Messer abgestochen werden. Erst ippen und auszunehmen. Alle, die on Fischen zu tun haben, und nauen, sind dringend gebeten, dies energisch darauf zu bestehen, daß al, den Fischlieferanten usw. bet sich dabei überdies nicht nur um und der Religion, sondern auch um Interesse des Menschen selbst. Die wissenschaftlichen Anschauungen lehn nicht rasch getöteten, sondern lansen gewesenen Tieren nicht gendern schädlich ist. Daß ein solBeginnen einen seelenverderblichen liegt auf der Hand. Wer solchem oder ihm nur gleichgiltig und mitn, dessen Herz wird nach und nach findlich auch für die Leiden seiner Ver aber an der Heranbildung unrbeiten will, wer da wünscht, daß nd gefühlvoller werden, der warne #nentlich aber die Jugend, vor jeder somit auch vor dem gedankenlosen und verderblichen Angeln und den oben geschilderten, weitverbreiteten Rohheiten und Grausamkeiten. ** Draktische Ginke. Silber zu putzen. Man macht eine Lösung von einem Teile unterschwefligsaurem Natron in drei Teilen Wasser, reibt damit das oxydierte Silber ein, nachdem man es durch eine heiße Seifenlösung gereinigt hatte, und poliert schließlich mit geschlemmter Kreide. oven waren Zie Großocter der beiden Herren Bruver. vernehmen, waren.. Je aul. 36 Jahre alt und aus der Kachharsaodt Miaden, g5groiz in Beuder annen dasethst se1 Die Erhebung einer Kreishundestener zum Satze von 5 Mit. wurde gestern vom Kreistag im Prinztp beschlosen. Durch diese Maßnahme hoft man ohne Exhöhung der Kreissteuer auszukommen. Die städtischen Vertreter stimmten gegen die Hundesteuer, da sie darin eine Doppelbesteuerung erblicken und die betreffende städtische Steuer daher fallen gelassen werden müsse. # Der Weihnachtsmarkt Eintreten trockener Witterung sehr be herrschte bereits ein sehr reger Verkeh in den Geschäften zeigte sich große K. *e Die Weihnachtsferien d heute ihren Anfang nehmen, währen nuar. Diese Schulen beginnen somit den Unterricht. T Der Familienabend de Männervereins war nur mäßig besu des Weihnachtsfestes zu erklären, aber des Gebotenen zu bedauern ist. Die wärtiger Freunde und des Neustädter gebrachten Lieder und Musikstücke fo Besonders fesselnd war das Melodran Innisfär“ oder„Ein Weihnachtsaben eigenartige Romantik dieses mit gro tragenen Deklamations=Stückes, durch Einlagen in wirkungsvollster Weise gewaltigen Eindruck auf alle Zuhör rechte Weihnachtsstimmung versetzt wu ∆ Schöffengericht. Gestern sitze des Herrn Amtsgerichtsrats Vah Schöffensitzung statt. Schöffen waren Hartmann und Bankier Ganz von hier Hohmuth vertrat die Amtsanwaltschaft lamen zur Verhandlung: Der Ziegeln hier, jetzt in Oelde wohnhaft, hatte## M.=schen Ziegelei, bei der er als Meis Beträge als Kaution für pünktlichen lassen und sollte dieses Geld nicht wie Es wurde festgestellt, daß in einem folgt war. Wegen eines anderen Fal Geldstrafe von 20 Mk. event. 4 Tag Wegen zwei Fällen erfolgte Freisprech Wilhelm P., zur Zeit hier in Haft, w Mts. hier gebettelt, sowie den Flursch handelt und beleidigt zu haben. P. beiden Strafthaten mit 1 Monat Gefär mit 3 Wochen Haft, von denen 14! suchungshaft als verbüßt erachtet wur wurde derselbe der Landespolizeibehör beiter Adolf N. von Herford, z. Z. vorbestraft war, erhielt wegen Betteln von 12 Tage als verbüßt erachtet ur bildungsschüler Adolf E. von hier hat mandat von 15 Mk. erhalten, weil Betragen den Fortbildungsschulunterri hiergegen eingelegten Einspruch wurde ermäßigt.— Der Fabrikant Franz D nicht genügend beaussichtigt, so daß belästigt hatte. D. war deshalb ine Mark genommen. Der hiergegen ein Freisprechung zur Folge.— Der Bäc Hiddenhausen hatte seine Kühe unber Rendanten K. das. weiden lassen und mandat mit 5Mk. bestraft. Seinen hierg: zog er im Termine zurück.— Der Zu Bäckergeselle Karl Sch, sowie der Zisämtlich von hier, hatten in der Nacht Musiker Adolf T. hier, als er ruhig ging, ohne Grund überfallen, ihn gese kasten, die Geige und ein Waldhort hatte außerdem mit einem Bierglase Verletzungen waren derart gewesen, d beitsunfähig war. W. wurde freig wegen qualifizierter Körperverletzung 2 Monate und 1 Tag Gefängnis sot einem Bierglase 3 Tage Haft. Der wegen qualifizierter Körpexverletzung einer Gefängnisstrafe von 3 Monaten — Der Wirt Wilhelm B. hier, hatt10 Mk. erhalten, weil er am 6. Jul öffentliche Tanzlustbarkeit ohne polizeil. haben sollte. Auf den hiergegen eingel freigesprochen, da festgestellt wurde, d seinen Willen geschehen war.— T und der Kohlenhändler Franz K. bei einen Strafbefehl von je 48 Mk. erhe erforderlichen Gewerbeschein mit Koh meindebezirks ihres Wohnorts gehat hatten sie Einspruch erhoben. Da wurde für unzulässig erklärt, weil er schon bestraft war. Der Angeklagte R# zurück.— Der Webereitechniker Herma angeklagt, in der Weberei von M. hier eine Arbeiterin unter 14 Jahren länger als 6 Stunden beschäftigt zu haben. Es wurde auf eine Geldstrafe von 3 Mk. erkannt. Ein Kampf spielte sich gestern abend in der Petersilienstraße ab. Daselbst wurde der Arbeiter Sch., der sich in das Haus des Nachbars L. begeben hatte, nach längerem Streite durch Schläge auf den Kopf und Rücken erheblich verletzt, so daß ärztliche Hülfe in Anspruch genommen werden mußte. L. will in seinem Hausrechte gehandelt und erst dann Gewalt angewandt haben, als Sch. trotz mehrfacher Aufforderung das Haus des L. nicht verlassen wollte. In dem Streite wurde auch die Hausthür nebst Oberlicht zertrümmert. 1 Verletzt am Kopfe wurde gestern abend der Arbeiter Z. durch einen Wurf mit einem Knüttel, welcher beim Passieren der Wehmühlenstraße aus freiem Felde nach iym geschleudert worden war. Zu dem Ueberfall am Gänsemarkt bringen wir noch in Erfahrung, daß der Ueberfallene in der Notwehr mit einem größeren Hausschlüssel um sich geschlagen hat und den Thäter ebenfalls verletzt haben muß. Vielleicht dient dieser Umstand mit zur Ermittelung des Thäters. • Der heutige Viehmarkt war nicht so reich beschickt wie sonst, wahrscheinlich weil in Bielefeld zugleich Viehmarkt war. Gute tragende Kühe kosteten 270—370 Mk., tragende Rinder 200—250 Mk., Wurstrinder und Bullen 100 Pid. Schlachtgewicht 50—55 Mk.; fette Ware war nicht und des Gehirns ausgeht. Die für diese Krankheit üblich Behandlungsmethode erwies sich aber der Schlafseuche gegen über als wirkungslos. 96 ME Vermischtes. Die Zufuhr von Weihnachtsrarpfen ist in diesem Jahre in Berlin ganz bedeutend und beträgt bis jetzt bereits Eu de ischer Buchersolg.„Der Tronpeter von Säkkingen" von Josef Viktor Scheffel ist soeben in 260. Auflage erschienen. Karl Emil Franzos hat kurze Zeit nach Reisekosten=Uebersicht. kostet ungefähr die Eisenbahnfahrt nach der Station Zuin von Stettin " Frankfurt a. O. zerlin über Kreuz nach Zuin Posen annover-Bertin " Halle a. S. " Minden " Glogan=Lissa „ Breslau Anmerkung: Die Erwerber Posen„„ *" von Ansiedlerstekken ohne 3. Kl. 10,70 Mk. 11.20„ 13.80„ 19,00„ 23,90„ 19.80„ 26.50„ 8.80" 10,80„ bäude 4. Kl. 5,40 Mk. 5.80„ 70 9.60" 12.00„ 9.20„ 13.30„ 4.40" 5.40" erhalten drei, dieAnstodlersteiten ohne Gebjenigen, welche Siellen mit Gevänden erworden haben, ein bis zwei Freijahre. Anfragen sind an die siskalische Gutsverwaltung Birkenfelde, Kreis Znin, oder an die Königliche Ansiedelungs=Kommisnon zu richten. Besichtigung des Gutes kann jederzeit erfolgen. Vorderige Mitteilung beim Gutsverwalter wegen der Abholung mit Gutsgespann vom Bahnhof erwünscht. Vom Westen über 300 km anziehende Ansiedler, erhalten zur Deckung der Umzugskosten Beihulfen, die sich nach der über 300 km zurückgelegten Strecke, und nach der Große der anziehenden Familie richtet. Zur Besiedelung 26. 27. llegen zur Zeit im ganzen ca. 1000 Stellen aus, die größtenteils sofort, zum Teil erst dann abgebbar sind, die Gebäude für den Betrieb der Gutswirtschaft entbehrlich werden. Eine größere Anzahl von Stellen ist noch verkauflich auf folgenden Gütern(die eingeklammerten Worte hinter den Gutsnamen bedeuten den Kreis, in dem das Gut liegt die folgende Zahl die Gesamtgröße des Gutes in ha= 4 Morgen): (Fortsetzung.) Sosnica(Krotoschin), 840 ha— 40 Stellen, davon vergeben 31 Stellen,— 5 km von der nächsten Eisenbahnstation und Kreisstadt Pleschen entfernt. Schule am Ort, Kirche in dem 4 km entfernt liegenden Marktflecken Dobrzyca, der regen Marktverkehr hat. Gosciejewo(Obornik) 699 ha in 39 Stellen kürzlich ausEeicgt, 25 Stellen bereits verkauft. Bodenverhältnisse auch Verkehrslage günstig, da nur 2 km von der nächsten EisenLahnstation Rogasen, sowie von der gleichnamigen Stadt mit Smisgericht 2c., 4 km entfernt. Acker, soweit nötig, drainiert. 2Peier genügend vorhanden. Schule wird erbaut; Kirche be#rer wy mn dem angrenzenden Dorf Gosciejewo. Viktoriasee und brachte dort 5 Monate mit einem gründlichen Studium zu. Ein besonderes Hospital wurde von der Regierung errichtet und Oberst Sadler, der Kommissar sowie der Regierungsrat Dr. Moffat leisteten jede erdenkliche Beihilfe. Das Hospital hatte Platz für 16 Patienten, und Dr. Low und seine Kollegen versuchten alle erdenklichen Mittel, leider jedoch ohne ein Erfolg versprechendes Heilverfahren zu entdecken. Der einzige Erfolg, den ihre ausopfernde Thätigkeit erzielte, war, daß in manchen Fällen das Leben der Patienten um einige Wochen verlängert wurde. Dr. Castellani, der bakteriologische Experimente vornahm, verweilt noch in Entabbe, um weitere Untersuchungen anzustellen. Dr. Low bezeichnet die Schlafseuche als eine ansteckende Nervenkrankheit, die von einer Entzündung der Gehirnhaut Ein amüsantes Abenteuer hat ein Herr kürzlich erlebt, der mit einem dressierten Hunde nach der Reichshauptstadt reiste und unterwegs in Kassel einigen Aufenthalt hatte, den er zu einem Spaziergang in die Stadt benutzte. Seine Erlebnisse mit seinem Hund„Lehmann" im Bahnhofsrestaurant schilderte der Reisende folgendermaßen: Da ich mir dachte, es würde meinem Lehmann nichts schaden, wenn er während dieses Aufenthaltes aus seinem Kasten befreit würde, um sich die Laternenpfähle in Kassel anzusehen, so ließ ich diesem Gedanken die That folgen. Wir gehen also zum Schlächter und ich kaufe für meinen Begleiter für zehn Pfennige Wurst, welche ich ihm auf der Straße portionenweise verabreichte. Nach beendeter Mahlzeit gehen wir wieder gemütlich zum Bahnhof, wo ich für mich eine Tasse Kuffee bestelle. Kaum steht der Mokka vor mir, da öffnet sich die Thür und mit gestrenger Amtsmiene tritt ein Schutzmann ein. Ich ahne nichts Böses und gebe noch Lehmann ein Stück Zucker. Hierdurch wird der Mann des Gesetzes in seinem Vorhaben noch bestärkt, tritt auf mich zu und fragt in ziemlich barschem Tone:„Wem gehört der Hund?" Ich antworte:„Dem Mimiker Merkel.“„Wer ist das?“ Ich stehe auf, mache eine Verbeugung und antworte:„Meine Wenigkeit.“ Während dieses Gespräches hatte sich um uns ein Kreis Neugieriger gebildet, welcher jedenfalls in mir, trotzdem ich ja eigentlich nicht so aussehe, einen durchgebrannten Bankdirektor vermutete.„Also Sie behaupten,“ fuhr der fort daß der Hund Ihnen gehärt Leider Heudel und Verkehr. Berlin, 20. Dez. Heu und Stroh. Richtstroh 4,00—4,82 Mk., Heu 5,09—7,30 Mk. Course der Berliner Börse. Aligstellt von der Westf.-Lipvischen Vereinsbank, Akt.-Ges. Herfard, 22. Dezember 1902. 3% Preuss Consol. 91.50 3½% n„„ 102,10 3% Deutsche Reichsanleihe 91.50 3½%„„ 102,10 3% Westf. Prov.-Anl. 89.90 100.10 Pfandbriefe 1906 Deutsche Bank-Akt. Disc. Commandit-Akt. A. Schaaffhausen'scher Bv. Gelsenkirchener Bergw.Aktien 100,20 211.— 189.10 114,75 173.— Blumen-Ausstellung Alter Markt 2 Alter Markt 2 Hermann Beckert. Empfehle für den Weihnachtstisch hübsche passende Geschenke von frischen und künstlichen Blumen, Vasenzweige, Blumenkörbchen, Füllhörner, blühende u. Blattpflanzen, große Auswahl in frischen und künstlichen Palmen, Zimmerdekoration u. s. w. 464m zu sehr billigen Preisen. 00 Mer L □ □# G8 5 — ———. " 60 :15000 L ein Geschäft bestens empfohlen und bitte h. Namentlich führe ich eine iße n(luth. und reform.), Jugendschriften, lnsichtskarten= und Poesie=Albums, Tagesetten, Portemonnaies, Zigarren=Etuis, dern und Rahmen, Elfenbein=Figuren, ilder= und Märchenbüchern, Spielen 2c. sind in den verschiedensten Preislagen 420m tin Herrmann, Brüderstraße 34. empfehle ich meine Buchbinderei on Büchern, Zeitschriften 2c., sowie zum on Bildern. Kröpfrahmen sind in hrößen am Lager.. D. O. en- und Mittwoch Uhr an. inkheiten. F. 5431 heilkunde. mnleiden weise.) ner, ire-Brandt umer liegt d“ Nr. 12 501m ESESTITGE Stesssenelel Kall Meves, Adler-Drogerie Tannenbaumschmuck, nur Neuheiten, billigst bei 343m Heinrich Rolting. Meteorologische Station Herford. Witterungsbericht vom 23. Dezember. Höchste Temperatur des Vortages: 2,7“. Niedr. Temperatur in der Nacht:—3.7“. Temperatur um 7 Uhr vorm.:—3,0“. 11„„—2,30 Luftdruck um 7 Uhr vorm.: 769,8 mm. Tägliche Niederschlagshöbe:— win Wind: Schwacher SO. Wetter: Nebelig. Wetter. Dez. Witterungsfortdauer. Drchterhuaterei derbunden Hea dienen dem Angler lebende Würmer, Insekten, kleinere Fische usw., die lebendig an die mit Widerhaken versehene Angel befestigt werden. Daß bei solch unbarmherzigem Treiben unendliche Schmerzen sowohl dem als Lockspeise dienenden Tierchen als dem darauf anbeißenden Fische verursacht werden, kommt den gedankenlosen Menschen — wir wollen dies zu ihrer Entschuldigung annehmen — wohl gar nicht in den Sinn; sie hören ja weder den armen Wurm noch den Fisch je einen Schmerzenslaut von sich geben. Noch schlimmer und verabscheuungswerter sind die sogenannten Legangeln, an denen die gefangenen Fische stunden= und tagelang in fürchterlichen Schmerzen zappeln müssen, bis es dem Veranstalter endlich einmal gefällt, den Apparat nachzusehen und die gefangenen Tiere icher Redakteur: Paul Sattler, tenteil verantwortlich: Georg Bese, Verlag: Christian Quentin, sämtlich in Herford. bedition: Brüderstraße 21, am Gehreuberg. chen Lage zu befreien. Auch beim Töten räßlichsten Rohheiten an der Tagesorderden die Fische nur halb betäubt und abgeschuppt und ausgenommen,weil zersonen zu bequem und zu gedankenlos zeduren des vorhergehenden Betäubens rig und gründlich vorzunehmen. Man des. Ehe man den Fisch abschuppt und er durch einen oder mehrere kräftige Oberkopf mittels einer Holzkeule, eines es stumpfen Teils eines Beiles wirklich h einen Stich oder Schnitt in das Hinterscharfen Messer abgestochen werden. Erst ntschuppen und auszunehmen. Alle, die ing von Fischen zu tun haben, und nausfrauen, sind dringend gebeten, dies oder energisch darauf zu bestehen, daß sersonal, oden Fischlieferanten usw. besandelt sich dabei überdies nicht nur um oral und der Religion, sondern auch um itäres Interesse des Menschen selbst. Die die wissenschaftlichen Anschauungen lehisch von nicht rasch getöteten, sondern lanerworfen gewesenen Tieren nicht gech, sondern schädlich ist. Daß ein solloses Beginnen einen seelenverderblichen ruß, liegt auf der Hand. Wer solchem jeben oder ihm nur gleichgiltig und mitn kann, dessen Herz wird nach und nach nempfindlich auch für die Leiden seiner den. Wer aber an der Heranbildung unmitarbeiten will, wer da wünscht, daß ser und gefühlvoller werden, der warne namentlich aber die Jugend, vor jeder B somit auch vor dem gedankenlosen und verderblichen Angeln und den oben geschilderten, weitverbreiteten Rohheiten und Grausamkeiten. ** Draktische Ginke. Silber zu putzen. Man macht eine Lösung von einem Teile unterschwefligsaurem Natron in drei Teilen Wasser, reibt damit das orydierte Silber ein, nachdem man es durch eine heiße Seifenlösung gereinigt hatte, und poliert schließlich mit geschlemmter Kreide. Kandidat für die vakante Landratsstelle auch ein Verwandter des jetzigen Herrn Landrats in Frage komme. Wie wir noch vernehmen, waren die Großpäter der beiden Herren Brüder. Herr Assesser v. Borries ist ca. 36 Jahre alt und aus der Nachbarstadt Minden gebürtig; sein Bruder amtiert daselbst als Rechtsanwalt. Aum. der Red.) 1 Die Erhebung einer Kreishundestener zum Satze von 5 Mk. wurde gestern vom Kreistag im Prinzip beschlossen. Durch diese Maßnahme hofft man ohne Erhöhung der Kreissteuer auszukommen. Die städtischen Vertreter stimmten gegen die Hundesteuer, da sie darin eine Doppelbesteuerung erblicken und die betreffende städtische Steuer daher fallen gelassen werden müsse. # Der Weihnachtsmarkt Eintreten trockener Witterung sehr be herrschte bereits ein sehr reger Verkeh in den Geschäften zeigte sich große K. ** Die Weihnachtsserien d heute ihren Anfang nehmen, währen nuar. Diese Schulen beginnen somit den Unterricht. T Der Familienabend de Männervereins war nur mäßig besu des Weihnachtsfestes zu erklären, aber des Gebotenen zu bedauern ist. Die wärtiger Freunde und des Neustädter gebrachten Lieder und Musikstücke fo Besonders fesselnd war das Melodrat Innisfär“ oder„Ein Weihnachtsaben eigenartige Romantik dieses mit gro tragenen Deklamations=Stückes, durch Einlagen in wirkungsvollster Weise gewaltigen Eindruck auf alle Zuhör rechte Weihnachtsstimmung versetzt wu versetzt ∆ Schöffengericht. Gesterr sitze des Herrn Amtsgerichtsrats Vah Schöffensitzung statt. Schöffen waren Hartmann und Bankier Ganz von hier Hohmuth vertrat die Amtsanwaltschaft lamen zur Verhandlung: Der Ziegels hier, jetzt in Oelde wohnhaft, hatte M.=schen Ziegelei, bei der er als Meis Beträge als Kaution für pünktlicher lassen und sollte dieses Geld nicht wiEs wurde festgestellt, daß in einem folgt war. Wegen eines anderen Fal Geldstrafe von 20 Mk. event. 4 Tag Wegen zwei Fällen erfolgte Freisprech Wilhelm P., zur Zeit hier in Haft, u OMIN F* e zur Heit hier in Haft, u Mts. hier gebettelt, sowie den Flursa handelt und beleidigt zu haben. P. *— 9205 mil 1Mollar Gefar mit 3 Wochen Haft, von denen 14! suchungshaft als verbüßt erachtet wur wurde derselbe der Landespolizeibehör beiter Adolf N. von Herford, z. B. vorbestraft war, erhielt wegen Betteln von 12 Tage als verbüßt erachtet u bildungsschüler Adolf E. von hier hat mandat von 15 Mk. erhalten, weil Betragen den Fortbildungsschulunterri hiergegen eingelegten Einspruch wurde ermäßigt.— Der Fabrikant Franz D nicht genügend beaussichtigt, so daß belästigt hatte. D. war deshalb ine Mark genommen. Der hiergegen ei Freisprechung zur Folge.— Der Bäc Hiddenhausen hatte seine Kühe unbei Rendanten K. das. weiden lassen und mandat mit 5Mk. bestraft. Seinen hierg zog er im Termine zurück.— Der Zu Bäckergeselle Karl Sch, sowie der Zisämtlich von hier, hatten in der Nacht Musiker Adolf T. hier, als er ruhig ging, ohne Grund überfallen, ihn gese kasten, die Geige und ein Waldhort hatte außerdem mit einem Bierglase Verletzungen waren derart gewesen, di beitsunfähig war. W. wurde freig wegen qualifizierter Körperverletzung 2 Monate und 1 Tag Gefängnis sot einem Bierglase 3 Tage Haft. Der wegen qualifizierter Körperverletzung einer Gesängnisstrafe von 3 Monaten — Der Wirt Wilhelm B. hier, hatt 10 Mk. erhalten, weil er am 6. Ju öffentliche Tanzlustbarkeit ohne polizeil. haben sollte. Auf den hiergegen eingel freigesprochen, da festgestellt wurde,d seinen Willen geschehen war.—T und der Kohlenhändler Franz K. be einen Strafbefehl von je 48 Mk. erh erforderlichen Gewerbeschein mit Koh meindebezirks ihres Wohnorts gehat hatten sie Einspruch erhoben. Da wurde für unzulässig erklärt, weil er schon bestraft war. Der Angeklagte 9. zurück.— Der Webereitechniker Hermal#— angeklagt, in der Weberei von M. hier eine Arbeitert 14 Jahren länger als 6 Stunden beschäftigt zu haben. Es wurde auf eine Geldstrafe von 3 Mk. erkannt. ! Ein Kampf spielte sich gestern abend in der Petersilienstraße ab. Daselbst wurde der Arbeiter Sch., der sich in das Haus des Nachbars L. begeben hatte, nach längerem Streite durch Schläge auf den Kopf und Rücken erheblich verletzt, so daß ärztliche Hülfe in Anspruch genommen werden mußte. L milt:. r.: fieren der Wehmühlenstraße aus freiem Felde nach ihm geschleudert worden war. . Zu dem Ueberfall am Gänsemarkt bringen wir noch in Erfahrung, daß der Ueberfallene in der Notwehr mit einem größeren Hausschlüssel um sich geschlagen hat und den Thäter ebenfalls verletzt haben muß. Vielleicht dient dieser Umstand mit zur Ermittelung des Thäters. ! Der heutige Viehmarkt war nicht so reich beschickt wie sonst, wahrscheinlich weil in Bielefeld zugleich Viehmarkt war. Gute tragende Kühe kosteten 270—370 Mk., tragende Rinder 200—250 Mk., Wurstrinder und Bullen 100 Pid. Schlachtgewicht 50—55 Mk.; fette Ware war nicht und des Gehirns ausgeht. Die für diese Krankheit üblich Behandlungsmethode erwies sich aber der Schlafseuche gegen über als wirkungslos. Vermis Die Zufuhr von Weihnachtskarpfen ist in diesem Jahre in Berlin ganz bedeutend und beträgt bis jetzt bereits gegen 15000 Zentner. Ein deutscher Bucherfolg.„Der Trompeter von Säkkingen" von Josef Viktor Scheffel ist soeben in 260. Auflage erschienen. Karl Emil Franzos hat kurze Zeit nach 28. sind un29. 30. Wolitz(Schubin) 795 ha, von 28 ausgelegten Stellen 17 verkauft. Guter Mittelboden mit reichlichen Wiesen, mittelbar an der schiffbaren Netze gelegen, mit eigener Verladestelle. Kirche in dem 1 km entfernten Marktstädtchen Bartschin, 2 Meilen von der Zuckerfabrik Zuin gelegen, die mit Bartschin durch Eisenbahn verbunden ist. Tuchorze mit Recklin— Bomst— 1815 ha, davon zur Besiedelung 900 ha in 47 Stellen kürzlich ausgelegt, wovon 35 Stellen verkauft sind. Boden in guter Kultux, auch zum Anbau von Hopfen geeignet, wo nötig, drainiert. Wiesen reichlich vorhanden. Tuchorze selbst ist Eisenbahnstation. Nächster Marktort Kreisstadt Wollstein, 8 km Cisenbahn oder 10 km Landweg. Kirche und Schule werden am Ort erbaut. Spiritusbrennerei auf dem Gute, soll später einer von den Ansiedlern zu bildenden Gesellfchaft übereignet werden. Im Anschluß an die Brennerei ist die Errichtung einer Dampfmolkerei geplant. Die nächste Ansiedlergemeinde Dt. Zodien liegt 7 km entfernt. Kobylnik(Posen West) 357 ha, zur Besiedelung in 25 Stellen ausgelegt, wovon 18 verkauft sind. Verkehrslage günstig 5.5 km von der Bahnstation Rokietnice entfernt, 18 km von Posen. Schule am Orte. Kirche in Rokietnice. Boden guter Mittelboden, zum Anbau sämtlicher Feldfrüchte geeignet. 31. Jeseritz(Kreis Berent), kürzlich ausgelegt, 515 ha 34 Stellen. Gute Verkehrslage, 5 km von Station Pischnitz der Bahn Berlin=Dirschau. Guter Mittelboden für alle Feldfrüchte. Nur wenige Stellen sind noch abzugeben auf folgenden fast fertig besiedelten Gütern: Wilcza(Jarotschin) 1 Stelle, Ziemnitz(Kosten) 1 Stelle, Oschnau(Znin) 2 Stellen, LaskirchGontsch=Hohenau(Znin) 1 Stelle, Rynsk(Briesen) 3 Stellen. Olexin (Gnesen) 4 Stellen.(Forts. folgt). Ferner sind noch auf den im Kreise Schroda, Regierungsbezirk Posen gelegenen beiden Ansiedelungsgütern Dominowo und Orzeszkowo die nachstehend aufgeführten Stellen im zeitigen Frühjahr 1903 abzugeben. Boden ist in guter Kultur, kleefähig und soweit nötig drainiert. Nächste Eisenbahnstation ist Nekla, 6 km; Postagentur am Orte, desgleichen eine Dampfmolkerei. Schule am Ort neu errichtet. Auf dem Ansiedelungsgute Janowitz, das unmittelbar an der Stadt und dem Bahnhof Janowitz liegt, sind noch einige mit Gebäuden besetzte Stellen mit etwas Land an deutsche Handwerker zu verpachten. Zur Pachtung einer Stelle ist nur ein kleines Vermögen erforderlich. Da Janowitz der Mittelpunkt eines etwa 80000 Morgen großen Ansiedelungsgebietes ist, auch der Marktverkehr in Janowitz ein äußerst reger ist, so kann die Lage der zu verpachtenden Stellen als besonders günstig bezeichnet werden. Jede etwa gewünschte nähere Auskunft erteilt die fiskalische Gutsverwaltung in Janowitz, Bezirk Bromberg, kostenfrei. Bekanntmachung. In Jankowo, 7Kilometer von Gnesen, Chaussee, ist größere Gastwirtschaft auf 6 Jahre sofort zu verpachten. Ausflugsort für Gnesen und Umgebung, großer See, schöne Anlagen. Nähere Bedingungen bei der fiskalischen Gutsverwaltung Jankowo bei Gnesen, oder im Geschäftszimmer der Königlichen Ansiedelungskommission zu Posen, Untere Mühlenstraße No. 12 zu erfahren. Nichtamtlicher Teil. dieses Jahres ist am 27. November dem Landwirt Krauß aus Unastein(Pfalz), der eine Ansieolerstelle in Tuchorze gekauft hat, erteilt worden. Im Jahre 1902 hat die Ansiedelungs=Kommission also schon rund 3 Quadratmeilen Stellentand vergeben, ein erfreuliches Resultat, das in früheren Jahren nicht erreicht worden ist. Fur Kauflustige, die sofort eine Gastwirtschaft im Privatwege käuflich erwerben wollen. In der aus 49 Wirten bestehenden im Kreise Kosten belegenen Gemeinde Donatowo ist eine Gastwirtschaft sofort verkäuflich. „.. An Gebäuden sind vorhanden Wohnhaus, Stall und Scheune; ferner gehören dazu und 0,25 Hektar Wiese. Der Kaufpreis berrägt 18000 Mark ohne und 19000 Mark mit Inventar. wollen sich an Herrn Kgl. Landrat in Kosten oder den Gastwirt Herrn Schmidt in Donatowo wenden. An die Landwirte.(Schluß.) 5. Lebensversicherung. Ein in neuerer Zeit in Aufnahme gekommenes sehr empfehlenswertes Mittel zum Sparen gewährt die Lebensversicherung. Sie ist etwas teurer wie die beiden bisher behandelten Arten, bietet aber den großen Vorteil, daß das Kapital im Todesfalle den Erben voll ausgezahlt wird, auch wenn erst eine bezw. wenige Prämien gezahlt worden sind: Zu beachten ist auch der Umstand, daß das Einkommensteuergesetz den Steuerpflichtigen gestattet, die Lebensversicherungsprümien bis zur Höhe von 600 Mark jährlich vom Einkommen abzuziehen. Für den Landwirt eignen sich besonders zwei Arten der Lebensversicherung, die abgekürzte Lebensversicherung und die Lebensversicherung mit abgekürzter Prämienzahlung. a. Bei der abgekürzten Lebensversicherung wird die Versicherungssumme fällig, wenn der Versicherte ein bestimmtes Lebensjahr (das 55., 60., 65. 2c.) erreicht oder wenn er vorher stirbt. Versichert sich Jemand beispielsweise im Alter von 30 Jahren mit einem Kapital von 10000 Mk., welches zu zahlen ist, wenn er 60 Jahre alt wird oder wenn er vorher stirbt, so sind nach einem vorliegenden Prämientarif einer Lebensversicherungs= und Ersparnisbank an Prämien zu zahlen: In den ersten 5 Jahren je 332 Mk., in den weiteren 25 Jahren je 222,20 Mk. Da der Versicherte in der Regel am Gewinn der Versicherungsgesellschaft beteiligt wird, so können die wirklich zu zahlenden Prämien in günstigen Jahren erheblich niedriger werden. b. Bei der Lebensversicherung mit abgekürzter Prämienzahlung wird die Versicherungssumme beim Tode des Versicherten fällig; die Prämienzahlung hört jedoch nach einer bestimmten Zahl von Jahren(nach 25, 30, 35 Jahren rc.) auf. Versichert sich Jemand im Alter von 30 Jahren mit einem Kapital von 10000 Mk., welches bei seinem Tode(spätestens jedoch bei Vollendung des 85. Lebensjahres zu zahlen ist, so hat er, wenn Bar Sch kan sche den und Ta pros ind daß das den c um g67 wie mei Gbe ver 987 30jährige Prämienzahlung vereinbart wird, nach dem Prämientarif einer deutschen Lebensversicherungs=Gesellschaft bis um 60. Lebensjahre eine jährliche Prämie von 278 Mk. zu zahlen. Die Prämie kann sich bei Gewinnbetheiligung erdaf Te dro * M bet Th die vei mo so bei Ei au de ler sch zu de da 90 K 1 heblich ermäßigen. c. Schließlich läßt sich die Lebensversicherung direkt zur Schuldentilgung anwenden, indem der Besitzer eine seinen Hypothekenschulden entsprechende Versicherung abschließt und bestimmt, daß die Versicherungssumme dereinst zur Löschung der Hypotheken verwendet werden soll. Die jährlich zu zahlende Versicherungsprämie ist in diesem Falle einer Amortisationsquote gleich zu achten, hat aber vor der reinen Amortisation den Vorzug, daß sie nicht steuerpflichtig ist und daß die Schuld beim Tode des Besitzers in jedem Falle getilgt wird. Der Grundsatz, daß jede Generation die Schulden tilgen soll, die sie gemacht hat, würde hierdurch am besten verwirklicht Perven. 4. Altersversicherung. Eine anscheinend noch wenig bekannte, aber sehr wichtige und segensreiche Erleichterung der Altersversorgung bietet mittleren und kleineren Besitzern das Invalidenversicherungsgesetz vom 13. Juni 1899. Nach§ 14 des Gesetzes sind selbstständige Landwirte(Besitzer oder Pächter), welche nicht regelmäßig mehr als zwei versicherungspflichtige Lohnarbeiter beschäftigen, befugt, freiwillig in die Versicherung einzutreten, solange sie das 40: Lebensjahr nicht vollendet haben. Dabei steht ihnen die Wahl der Lohnklasse frei. In der Praxis stellt sich das etwa folgendermaßen: Ein Besitzer von etwa 40—100 Morgen Land(ein solcher hält in der Regel nicht mehr als zwei Lohnarbeiter, d. h. Knechte, Mägde 2c.) läßt sich etwa im 30. Jahre vom Amtsvorsteher eine graue Quittungskarte zur Selbstversicherung ausstellen. Er wählt zweckmäßigerweise die höchste Beitragsklasse und klebt jährlich 52 bei der nächsten Postanstalt zu kaufende Marken der 5. Lohnklasse à 36 Pfennig ein(jährlich 18,72 M.). Wenn auf diese Weise für 500 Beitragswochen(ca. 9 Jahre und 8 Monate) Marken geklebt sind, so hat der Besitzer das Recht auf Invalidenversicherung und nachdem für 1200 Beitragswochen(ca. 29¾ Jahr) Marken geklebt sind, hat er das Recht auf Altersversicherung erworben. Hat der Besitzer beispielsweise vom 30. bis zu seinem 60. Lebensjahre Marken geklebt und wird nun erwerbsunfähig im Sinne des Gesetzes, das heißt, besitzt nicht mehr ½ der normalen Arbeitsfähigkeit, so er hält er eine Invalidenrente von jährlich 337.20 Mk. Wird er a im 65. Lebensjahre invalide, so erhält er eine Invalidenrente# von jährlich 368,40 Mk. Falls er das 70. Lebensjahr erreicht,# ohne vorher mehr als%3 der normalen Arbeitskraft eingebüßt zu6 haben, so erhält er ohne weitere Untersuchung eine Altersrente von jährlich 230.40 Mk. Die Vorteile dieser Versicherung sind so augenscheinlich, daß kein zur Selbstversicherung, berechtigter Besitzer, Eigentümer. u Rentengutsbesitzer u. s. w., so lange er noch nicht 40 Jahre alt#u ist, versäumen sollte, für den geringen jährlichen Beitrag von 18,72 Mk., der übrigens vom steuerpflichtigen Einkommen in Abzug gebracht wird, die Anwartschaft auf die verhältnismäßig so beträchtliche Rente zu erwerben. 6 Für die Redaktion veranzwortlich Otto Noack in Posen.— Druck: Spezialdruckerei für Massenauflagen Adolf Allmers, Varel in Oldenburg. eeen erheblich .„„- urzuiche Hulfe in Anspruch genommen werden mußte. L. will in seinem Hausrechte gehandelt und erst gewandt haben als 8dann Anid erft bann Gewalt angewandt haben, als Sch. trotz mehrfacher Aufforderung das Haus des L. nicht verlassen wollte. In dem Streite wurde auch die Hausthür nebst Oberlicht zertrümmert. . Verletzt am Kopfe wurde gestern abend der Arbeiter Z. durch einen Wurf mit einem Knüttel, welcher beim Pas——.— Studium zu. Ein besonderes Hospital wurde von der Regierung errichtet und Oberst Sadler, der Kommissar sowie der Regierungsrat Dr. Moffat leisteten jede erdenkliche Beihilfe. in Das Hospital hatte Platz für 16 Patienten, und Dr. Low und seine Kollegen versuchten alle erdenklichen Mittel, leider jedoch ohne ein Erfolg versprechendes Heilverfahren zu entdecken. Der einzige Erfolg, den ihre aufopfernde Thätigkeit erzielte, war, daß in manchen Fällen das Leben der Patienten um einige Wochen verlängert wurde. Dr. Castellani, der bakteriologische Experimente vornahm, verweilt noch in Entabbe, um weitere Untersuchungen anzustellen. Dr Ca Rerpenfr eicht die Schlafseuche als eine ansteckende krankheit, die von einer Entzündung der Gehirnhaut 2. den amufantes Abenteller hat ein Herr karzuch erlebt, der mit einem dressierten Hunde nach der Reichshauptstadt reiste und unterwegs in Kassel einigen Aufenthalt hatte, den er zu einem Spaziergang in die Stadt benutzte. Seine Erlebnisse mit seinem Hund„Lehmann" im Bahnhofsrestaurant schilderte der Reisende folgendermaßen: Da ich mir dachte, es würde meinem Lehmann nichts schaden, wenn er während dieses Aufenthaltes aus seinem Kasten befreit würde, um die Laternenpfähle in Kassel anzusehen, so ließ ich diesem Gedanken die That folgen. Wir gehen also zum Schlächter und ich kaufe für meinen Begleiter für zehn Pfennige Wurst, welche ich ihm auf der Straße portionenweise verabreichte. Nach beendeter Mahlzeit gehen wir wieder gemütlich zum Bahnhof, wo ich für mich eine Tasse Kuffee bestelle. Kaum lensSie bietet den enige tand, , die irlich ders rung ungssjahr stirbt. ihren ist, t, so svern den en je i der ich zu irden. lung illig; Zahl t sich von Vollwenn mienbis zu erildennentungs. soll. iesem r der t und jetilgt tilgen rklicht e und n und Juni sesitzer ungsVerllendet n Bein der de 2c.) graue wählt ihrlich Lohn= Jahre r das tragsRecht spielsn ge3, das so er sird er nrente reicht, üßt zu srente h. daß tümer. dre alt ig von nen in mäßig steht der Mokka vor mir, da öffnet sich die Thür und mit gestrenger Amtsmiene tritt ein Schutzmann ein. Ich ahne nichts Böses und gebe noch Lehmann ein Stück Zucker. Hierdurch wird der Mann des Gesetzes in seinem Vorhaben noch bestärkt, tritt auf mich zu und fragt in ziemlich barschem Tone:„Wem gehört der Hund?" Ich antworte:„Dem Mimiker Merkel.“„Wer ist das?“ Ich stehe auf, mache eine Verbeugung und antworte:„Meine Wenigkeit.“ Während dieses Gespräches hatte sich um uns ein Kreis Neugieriger gebildet, welcher jedenfalls in mir, trotzdem ich ja eigentlich nicht so aussehe, einen durchgebrannten Bankdirektor vermutete.„Also Sie behaupten,“ fuhr der Schutzmann fort,„daß der Hund Ihnen gehört. Leider kann ich aber so ohne weiteres Ihren Worten keinen Glauben schenken, da Sie von einem Herrn verdächtigt worden sind, den Hund auf der Straße mit Wurst an sich gelockt zu haben, und fordere Sie darum auf mit mir zur Wache zu kommen!“ Da mein Zug nun in wenigen Minuten abfahren sollte, protestierte ich natürlich gegen des Schutzmanns Aufforderung indem ich ihm erklärte, ihm sofort den Beweis zu bringen, daß der Hund wirklich mein Eigentum sei.„Wie wollen Sie das machen?“ war die Antwort. Ich wandte mich nun zu dem Hund und sagte:„Lehmann, niese mal!“ Und a tempo, sch hatte es kaum ausgesprochen, sing Lehmann, als ahnte er, um was es sich handle, so kräftig an zu niesen, daß sein ganzer Körper zitterte. Nochmals und nochmals und immer wieder, unter schallendem Gelächter der Umstehenden, folgte er meinem Befehle. Der Schutzmann machte nun ein komisches Gesicht, reichte mir die Hand, fagte:„Glückliche Reise!“ und verließ unter allgemeiner Heiterkeit den Wartesaal. Wir waren gerettet. Eingesandt. (Ohne Verantwortlichkeit der Redaktion.) Dem Herrn Einsender des Sprechsaal=Artikels in Nummer 299 d. Bl. zur Erwiderung: Es scheint dem Herrn Einsender nicht bekannt zu sein, daß ein großer Teil Herforder Bürger ihren Broterwerb auf Messen und Märkten ausüben. Diese verlassen zum großen Teil bereits Anfang des Monats März jeden Jahres, andere erst nachdem sie den Mitfastenmarkt gehalten, Herford, um draußen in der Fremde ihrem, durch allerlei Bedrückungen rschwerten Broterwerb nachzugehen, und kehren alle erst im Monat Dezember, oftmals durch geschäftliche Mißerfolge sehr bedrückt nach Herford retour, um schließlich hier bei Anlaß des Thomasmarktes sich noch einige Weihnachtsgroschen zu verdienen. Wenn nun bei unsern leider sehr beschränkten Marktverhältnissen, vielleicht einer oder der andere unserer Mitbürger mal durch Vorsetzen einer Bude 2c. meint, geschädigt zu sein, so ist dies vielleicht doch nur eine irrige Meinung, denn jeder Geschäftsmann, der seine feste Kundschaft hat, weiß, daß diese ihn doch trotz des gemeintenVerstecktseins aufsucht. Sollte der betr. Budeninhaber aber von auswärts sein, so möge der Herr Einsender bedenken, daß auch wir Bürger der Stadt Herford außerhalb reisen, getreu unserm Wahlspruch„Die ganze Welt ist unser Feld.“ Hoffentlich kommt unser Antrag, den wir demnächst dem Magistrat und Stadtverordnetenkollegium vorlegen, in welchem wir bitten werden, den Lübberbruch einzuschütten und zu festigen, und dann den Marktverkehr nach dort z legen, zur Annahme. Vielleicht erleben wir es dann, daß der Herr Einsender, wenn er wirklich Geschäftsmann ist, gerne dafür streben würde, den Markt wieder innerhalb der Stadt abzuhalten. Im übrigen wünsche dem Herrn Einsender vergnügtes Karussellfahren. Paul Steiger 1. Vorsitzender des Mitteldeutschen Vereins reisender Schausteller, Herford. Standesamt Rehme zu Oeynhausen Nachrichten für die Zeit vom 8. bis 13. Dezember 1902. Geburten: 1 Sohn: dem Cigarrenarbeiter Karl Krüger=Volmerdingsen 116, Ziegelarbeiter Heinrich FaßeVolmerdingsen 229, Cigarrenarbeiter Wilhelm Uhmeyer=Rehme 351, Maurer Heinrich Schunte=Volmerdingsen 12, Tischler Wilhelm Obermeyer=Eidinghausen 265. Eine Tochter: dem Fabrikarbeiter Friedrich Tolle=Rehme 58, Tischler Johann Niehus=Rehme 380, Cigarrenarbeiter zilhelm Kleemeyer=Rehme 21, Maurer Ferdinand Gerdseyer=Eidinghausen 293, Cigarrenmacher Heinrich Steinmannsolmerdingsen 60, Cigarrenmacher E. Dahnke=Rehme 289, Maurer Karl Sülloald=Niederbecksen 251, Schlosser August Schilling=Eidinghausen 183. Eheschließungen: Knecht Friedrich GrotjohannEidinghausen 32 und Dienstmagd Wilhelmine Busch=Bentrup in Lippe, Maurer August Huß=Eidinghausen 266 und Dienstmagd Karoline Berg=Volmerdingsen 36. Sterbefälle: Sohn des Cigarrenmachers Karl Krüger=Volmerdingsen 116 1 Tag alt; Tochter des Fabrikarbeiters Friedrich Tölle=Rehme 158 3 Tage; Ehefrau helmine Brockmeier Werste 242 64 Jahre; Sohn des Friedrich Krieger=Volmerdingsen L27 3 Monate: Tochter des Neubauers Friedrich Winkelmann=Eidinghausen 257 7 Monate; Handarbeiter Friedrich Stahlmann=Niederbecksen 77 Jahre alt; Sohn des Maurers Wilhelm Hanke=Eidingshausen 52. Witterungsbericht vom 23. Dezember. Höchste Temperatur des Vortages: 2,70. Niedr. Temperatur in der Nacht:—3,70, Temperatur um? Uhr vorm.:—3,0°. „„ 11„„—2,30 Luftdruck um 7 Uhr vorm.: 769,8 mm. Tägliche Niederschlagshöhe.— wm. Wind: Schwacher SO. Wetter: Nebelig. Wetter. Dez. Witterungsfortdauer. Heudel und Verkehr. Berlin, 20. Dez. Heu und Stroh. Richtstroh 4,00—4,82 Mk., Heu 5,00—7,30 Mk. Course der Berliner Börse. Mltgetellt von der Westf.-Lippischen Vereinsbank, Akt.-Get. Hertard, 22. Dezember 1902. Pfandbriefe 1906 100,20 Deutsche Bank-Akt. 211,— Disc. Commandit-Akt. 189,10 A. Schaaffhausen'scher Bv. 114,75 Gelsenkirchener Bergw.Aktien 173.— Hibernia Bergw.-Aktien 174,— Harpener dto. 165,50 Harb.-Wien, Gummi-Akt. 320.— Phönix Bergw.-Aktien 116.— Benkdiscont 4% Tendens: fest 3% Preuss Consols 91.50 3½%„„ 102,10 3% Deutsche Beichsanleihs 91.50 Prov.-Anl. 3½9 8% 1e 4% Bielef. Stadtanleihe 4% Hamb. HypothekenPfandbriefe 1910 4% Rhein. Westf. Bodenkred.-Pfandbriefe 1905 100.75 4% Meiniag. Hypoth.102,10 89.90 100.10 104 50 103,60 100,10 Telegramur uud Telephonische Melbungen Zur Flucht der Krouprinzessin von Berlin, 23. Dez. Die Flucht der sächsischen Kcouprinzessin, die sich nach Genf begeben hat, erregt überall ungeheures Aufsehen. Eine Dresdener Meldung will wissen, daß die Kronprinzessin einer Neigung gefolgt sei, die sie zu einem jungen Ffranzösischen Sprachlehrer grer Kinder gefaßt hatte. Dieser war am 2. Dezember plötzlich entlassen worden, und soll die Kronprinzessin mit ihm in Genf zusammengetroffen sein. Nach einer anderen Meldung hatte sie ihre Neigung einem amerikanischen Zahnarzt geschenkt. In Dresdener Hofkreisen war es längst bekannt, daß die junge temperamentvolle Fürstin sich nur schwer in die Etiquette des religiösen Dresdener Hofes fand, und daß dieser Umstand in dem Verhältnis zu ihrem Gatten einen Einfluß ausübte. München, 23. Dezember. Hier liegen Nachrichten aus Salzburg vor, welche bestättgen, daß die Kronprinzessin von Sachsen nach einem lebhaften Zerwürfnis mit ihrem Vater, dem Großherzog von Toskang das Elternhaus verlassen und nicht mehr dahin zurückkehren wird. Die Kronprinzessin traf vor 8 Tagen auf der Durchreise hier ein und es fiel auf, daß sie jeglichen Verkehr mit dem hiesigen Hofe mied. Salzburg, 23. Dez. Die Abreise der Kronprinzessin erfolgte um 3 Uhr früh mit ihrem ältesten Bruder, dem Erzherzog Leopold Ferdinand ohne Vorwissen ihrer Eltern. Un 8 Uhr früh wurde ihr Bett leer gesunden. Ein offenbar fingiertes Telegramm aus Brüssel traf ein, worauf der Oberhofmarschall Baron von Tümpling und der Oberhofmeister nach Brüssel abreisten. Man vermutet die Flüchtige in der Schweiz, da aus Genf 2 Telegramme einliefen. Zur Enge in Venezuela. London, 23. Dez. Die Erkrankung des Präsidenten Castro soll in einer Vergistung bestehen. Der deutsche Kreuzer„Halke" war gezwungen, die gekaperten venezolanischen Schiffe zum Sinken zu bringen, um auf event. Notsignale schnellstens zu Hülfe kommen zu können. Blumen-Ausstellung Alter Markt 2 Alter Markt 2 Hermann Beckert. Empfehle für den Weihnachtstisch hübsche passende Geschenke von frischen und künstlichen Blumen, Vasenzweige, Blumenkörbchen, Füllhörner, blühende u. Blattpflanzen, große Auswahl in frischen und künstlichen Palmen, Zimmerdekoration u. s. w. 464m zu sehr billigen Preisen. Weihnachtsgeschenken halte auch ich mein Geschäft bestens empfohlen und bitte um gefl. Zuspruch. Namentlich führe ich eine in Gesangbüchern(luth. und reform.), Jugendschriften, Photographie=, Ansichtskarten= und Poesie=Albums, Tagebüchern, Briefkassetten, Portemonnaies, Zigarren=Etuis, Photographieständern und Rahmen, Elfenbein=Figuren, Schulartikeln, Bilder= und Märchenbüchern, Spielen 2c. Sämtliche Artikel sind in den verschiedensten Preislagen vorrätig. 420m Herrmann, Brüderstraße 34. Gleichzeitig empfehle ich meine Buchbinderei zum Elnbinden von Büchern, Zeitschriften 2c., sowie zum Einrahmen von Bildern. Kröpfrahmen sind in allen gängigen Größen am Lager. D. O. Limmers Kur-Badeanstalt 4 Enger.# Abgabe von Wannen- und Dampfbäder jeden Mittwoch und Sonnabend v. 1 Uhr an. Behandlg. sämtl. Krankheiten. W. Zimmer. 5431 Vertreter der Naturheilkunde. Behandig. v. Frauenleiden (operationslose Heilweise.) Frau Zimmer, Schülerin Dr. med Thure-Brandt UTnserer heutige. Nummer liegt „Neues Bauernland“ Nr. 12 bei. 501m nur Neuheiten, billigst bei 343m Heinrich Rolting. Kenner rauchen 119 66 6 St. 40 Pfs. bei Ign. Pelster, Gehrenberg 25 u. Alter Markt 4 von Pelster Verantwortlicher Redakteur: Paul Sattler, für den Inseratenteil verantwortlich: Georg Bese, Druck und Verlag: Christian Quentiu, sämtlich in Herford. (Redaktion und Expedition: Brüderstraße 21, am Gehreuberg. Stumme Qualen. Tierschutzverein für den Kreis Schwaben und Neuburg versendete kürzlich folgende beherzigenswerten Mitteilungen. Wie die tägliche Beobachtung zeigt, werden an den Fischen die schlimmsten Quälereien verübt. ist um so verabscheuungswürdiger und sündhafter, als dieselben nicht imstande sind, den ihnen zugefügten Schmerz durch Töne der Klage kundzugeben, sondern denselben„stumm wie ein Fisch“ ertragen müssen. Statt die gefangenen Tiere sofort zu töten, oder, falls sie dem Käufer lebendig abgeliefert werden sollen, in genügend mit frischem Wasser gefüllten Gefäßen zu transportieren, schleppt man sie mancherorts trocken, in Körben und dergleichen, stundenlang herum und setzt sie einem qualqualvollen Verschmachtungstode aus. Nach dieser Richtung hin wären entsprechende polizeiliche Verordnungen sehr angezeigt. Doch grausamer noch und größer sind die Qualen, welche die armen, wehrlosen Fische beim Fangen erdulden müssen. Werden sie in Netzen gefangen und dann regelrecht behandelt, so wird niemand etwas dagegen einwenden. Wenn man aber sieht, wie von Alt und Jung, Gebildet und Ungebildet, dieses Geschäft zu einem Vergnügen gemacht wird, dem man sich stunden, sa tagelang hingibt, so erinnert man sich des Sprichwortes: „ Fischen, Jagen, Vogelstellen, Verdirbt manchen Junggesellen. Ganz besonders sollte man Knaben und jungen Leuten wehren, sich dieser Leidenschaft, bei der viel Zeit unnütz vergeudet wird, hinzugeben, um so mehr, als mit diesem grausamen Spiel meistens noch eine andere, das Herz verrohende Tierquälerei verbunden ist. Als Köder dienen dem Angler lebende Würmer, Insekten, kleinere Fische usw., die lebendig an die mit Widerhaken versehene Angel befestigt werden. Daß bei solch unbarmherzigem Treiben unendliche Schmerzen sowohl dem als Lockspeise dienenden Tierchen als dem darauf anbeißenden Fische verursacht werden, kommt den gedankenlosen Menschen — wir wollen dies zu ihrer Entschuldigung annehmen — wohl gar nicht in den Sinn; sie hören ja weder den armen Wurm noch den Fisch je einen Schmerzenslaut von sich geben. Noch schlimmer und verabscheuungswerter sink die sogenannten Legangeln, an denen die gefangenen Fische stunden= und tagelang in fürchterlichen Schmerzen zappeln müssen, bis es dem Veranstalter endlich einmal gefällt, den Apparat nachzusehen und die gefangenen Tiere aus ihrer entsetzlichen Lage zu befreien. Auch beim Töten selbst sind die gräßlichsten Rohheiten an der Tagesordnung.“ Vielfach werden die Fische nur halb betäubt und noch halb lebend abgeschuppt und ausgenommen, weil die betreffenden Personen zu bequem und zu gedankenlos sind, um die Prozeduren des vorhergehenden Betäubens und Tötens richtig und gründlich vorzunehmen. Man merke sich folgendes. Ehe man den Fisch abschuppt und ausweidet, muß er durch einen oder mehrere kräftige Schläge auf den Oberkopf mittels einer Holzkeule, eines Hammers oder des stumpfen Teils eines Beiles wirklich betäubt und durch einen Stich oder Schnitt in das Hinterhaupt mit einem scharfen Messer abgestochen werden. Erst dann ist er zu entschuppen und auszunehmen. Alle, die mit der Zurichtung von Fischen zu tun haben, und namentlich die Hausfrauen, sind dringend gebeten, dies selbst zu beachten oder energisch darauf zu bestehen, daß es von ihrem Personal,den Fischlieferanten usw. beachtet wird. Es handelt sich dabei überdies nicht nur um ein Gebot der Moral und der Religion, sondern auch um ein wichtiges, fanitäres Interesse des Menschen selbst. Die Erfahrungen und die wissenschaftlichen Anschauungen lehren, daß das Fleisch von nicht rasch getöteten, sondern langen Qualen unterworfen gewesenen Tieren nicht gesundheitszuträglich, sondern schädlich ist. Daß ein solches erbarmungsloses Beginnen einen seelenverderblichen Einfluß haben muß, liegt auf der Hand. Wer solchem Treiben sich hingeben oder ihm nur gleichgiltig und mitleidslos zuschauen kann, dessen Herz wird nach und nach verhärtet und unempfindlich auch für die Leiden seiner Mitmenschen werden. Wer aber an der Heranbildung unseres Geschlechtes mitarbeiten will, wer da wünscht, daß die Menschen besser und gefühlvoller werden, der warne und behüte sie, namentlich aber die Jugend, vor jeder Tierquälerei und somit auch vor dem gedankenlosen und verderblichen Angeln und den oben geschilderten, weitverbreiteten Rohheiten und Grausamkeiten. ** Draktische Ginke. Silber zu putzen. Man macht eine Lösung von einem Teile unterschwefligsaurem Natron in drei Teilen Wasser, reibt damft das orydierte Silber ein, nachdem man es durch eine heiße Seifenlösung gereinigt###tte. und poliert schließlich mit geschlemmter Kreide. Altkatholische Gemeinde. Am 2. Weihnachtstage, vormittags ½12 Uhr: Hottesdienst in der alten reformierten Kirche S b d st b 441m E h Knanas Erdbeeren Reineclanden Birnen 1543 Pflaumen### Kirschen in 2=Psd.= und 1=Pfd.=Dosen. Heinrich Nolting. H. 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Zuweilen sah man ihn auch selbst über den Platz wandeln und persönlich durch die Aufseher nähere Erkundigungen einziehen. Bei diesen Besuchen begleitete ihn meistens seine Tochter Regina, und da auch Direktor Esser und Ingenieur Seifert viel in Waldau zu tun hatten, war es natürlich, daß man sich zuweilen begegnete... Leberecht hatte den Austritt aus der Feldmannschen Fabrik überwunden und widmete sich dafür mit Feuereifer den Privatstudien. Allein es gab doch auch Tage, an denen er den Mangel einer angespannten Tätigkeit sehr schmerzlich empfand. Als er eines Tages eine Bemerkung darüber Regina machte, blickte sie ihn von der Seite an. ##s ist schade, daß man solche Urteile so selten hört,“ sagte sie. „Selten? Das glaube ich nicht,“ entgegnete er.„Arbeiten müssen wir alle.“ ##n Aber mit Unterschied,“ meinte sie.„So vielen ist Arbeit nur Mittel zum Zweck, und der Zweck heißt Genuß, Viele wissen überhaupt nicht mehr, was ehrliche, redliche Arbeit ist, da sie durch die Spekulation verdrängt worden!“ Vielleicht fühlte Regina, daß ein Vergleich nahe lag, sie brach das Thema ab, und gab ihrer Verwunderung Ausdruck, daß ihm und verhältnismäßig in so jungen Jah ren die selbständige Leitung der im Entstehen begriffenen, großartigen Maschinenwerke zugedacht war. Dann fragte sie nach seiner bisherigen Tätigkeit. „Kommerzienrat Feldmann dürfte Ihnenbekannt sein, wenigstens dem Namen nach, gnädiges Fräulein,“ sagte Leberecht und erzählte von seiner Stellung. Kommerzienrat Feldmann— ja— sie hatte den Namen bereits mehrfach gehört. Ob ihn in der Fabrik beim Direktor Esser eine ähnliche Tätigkeit erwarte, wie beim Herrn Feldmann? „Gewiß, die gleiche— da die Essersche Fabrik ein Konkurrenzunternehmen ist.“ Sie blickte erstaunt zu ihm auf. „Sehen Sie, das hörte ich, ein Konkurrenzunternehmen,“ sagte sie.„Also es ist wahr, was man mir sagte, und Sie sind Ihrem alten Chef untreu geworden?“ Leberecht fühlte sich durch die Worte unangenehm berührt. (Nachdruck verboten.) „Wie meinen Sie, gnädiges Fräulein?“ fragte er steif. „Kommerzienrat Feldmann und ich sind übereingekommen, uns zu trennen, das ist das Ganze.“ „Wissen Sie, daß der Kommerzienrat sehr leidend ist?“ fragte sie, zu ihm aufblickend. Nein, davon hatte er noch nichts gewußt. „Direktor Esser erzählte es vor einigen Tagen, als er bei uns war.“ Sie waren stehen geblieben und ihre Augen folgten der Gestalt des Barons, der von einem der Bauaufseher geführt wurde. „Sind Sie schon im Kesselhaus gewesen?“ fragte Leberecht.„Da Ihr Herr Vater hineingeht, schlage ich vor, ihm zu folgen. Ich bin heute nur herausgekommen, um es zu besichtigen.“ Beide traten in das Haus und Seifert erkannte auf den ersten Blick, daß der Plan strikt nach der ersten Zeichnung ausgeführt worden war. Er sah, daß Esser die Veränderungen, die er— Leberecht— dringend anempfohlen, unberücksichtigt gelassen hatte; all seine Vorschläge waren unbeachtet geblieben. Seifert war einigermaßen erstaunt darüber und nahm sich vor, in Berlin sofort zu Esser zu gehen und mit ihm die Angelegenheit nochmals zu erörtern. Schließlich wandte er sich mit einigen diesbezüglichen Fragen an einen der jungen Aufseher, allein dieser war in derlei Sachen nicht bewandert, tat mechanisch seine Pflicht und hatte sich um den Plan selbst herzlich wenig gekümmert. „Und wie steht es mit den Arbeitern?“ fragte Leberecht im Laufe des Gespräches. Der junge Mann zuckte die Achseln. „Gott weiß, von welchen Agenten der Direktor die Leute bezogen hat,“ sagte er.„Sie gefallen mir alle nicht, sind unzufrieden und bei jedem kleinsten Anlaß erregt.“ Seifert schüttelte den Kopf. „Sie haben ganz recht,“ sagte er,„und vor einigen Tagen wohnte ich einem Auftritt bei, der mich schwer verdrossen hat. Warum in aller Welt hat sich Herr Esser diese Leute verschreiben lassen?“ „Sie sind billiger als andere,“ sagte der Aufseher mit Betonung,„und Sie wissen ja, was billig ist, wird genommen. In der Beziehung,“ er zuckte vielsagend die Achseln—„ist der Herr blind.“ Leberecht schwieg. Essers Sparsamkeit in solchen Sachen war ihm mehr denn einmal unangenehm aufgefallen. Baron Rottenbeck war zu seiner Tochter getreten und flüsterte ihr einige Worte zu. Dann wandte er sich an den Ingenieur. „Wir fahren jetzt nach Hause, Herr Seifert. Vielleicht haben Sie ein Stündchen Zeit übrig. Wenn Sie uns begleiten können, würden wir uns freuen. Nicht wahr, Regina? Es ist jetzt sehr einsam bei uns.“ en an. Sie hatte schon in der Tür gestanden, bei den Worten ihres Vaters wandte sie sich, und ihre Blicke wurzelten für die Dauer einer Sekunde in denen des jungen Mannes. „Wenn Sie nichts Besseres vorhaben, Herr Ingenieur, werden Sie uns als Gast sehr angenehm sein,“ sagte sie, und er verbeugte sich zustimmend. „Wie schön sie ist, wenn sie lächelt!“ dachte Seifert bewundernd. Er saß auf dem Rücksitz des offenen Wagens und betrachtete angelegentlich das ausdrucksfähige Gesicht. Der Wind hatte ihre Wangen rot geküßt, zauste an den blonden Haaren, die der kleine Filzhut nicht ganz bedeckte, und spielte mit den Enden ihres hochgeschlagenen Schleiers, die auch zu Zeiten sein Gesicht streiften. Alles, was sie sagte, ihre sicheren Urteile über Welt und Menschen waren ihm wie aus der Seele gesprochen. Angelegentlich unterhielt er sich mit ihr. Da erinnerte er sich mit einemmale der Worte seines Vaters, der, als er vor langen Wochen Regina zufällig auf dem Bauplatz getroffen, von ihrer äußeren Erscheinung bezaubert worden war und ihn gefragt hatte: „Fühlst du nicht auch die Anziehungskraft dieses seltenen Mädchens?“ Leberecht war es, als ob er diese Anziehungskraft spüre, zugleich jedoch mit dem vollen Bewußtsein, sie dürfe nicht Macht über ihn gewinnen. Regina von Rottenbeck und er? Die Verhältnisse paßten wieder nicht. Er wurde einsilbig und gab zerstreute Antworten, mit Gewalt nahm er seine Gedanken zusammen und erkundigte sich nach Hennig. „Erist in Egypten. Um sein Buch zu vollenden, muß er seine Studien in dem alten Kulturlande der Pharaonen vervollständigen,“ erklärte Regine.„Ein eigenes Land dieses Egypten! Mein Bruder schreibt begeisterte Berichte von dort, und seine Schilderungen interessieren mich sehr.“ „Mich nicht,“ warf der Baron brüsk ein, der sich an der Unterhaltung nur wenig beteiligt hatte.„Was habe ich davon, wenn ich erfahre, daß Napoleon die Schlünde seiner Kanonen gerade auf die Sphinx an den Königsgräbern gerichtet und ihr dabei die Nase zertrümmert hat? Und wenn Hennig's Name in irgend einem gelehrten Blatte steht— pay— die Rangliste wäre mir lieber.“ Der Wagen hatte inzwischen auf der Rampe gehalten, man war ausgestiegen und nahm im Gartensaal Platz. Der Kaffeetisch stand bereit, und Regina waltete ihrer Hausfrauenpflichten. Sie trug ein einfaches, blaues Kleid, das ihr in Schnitt und Farbe vorzüglich stand und die Formen der schön gewachsenen Gestalt voll zur Geltung brachte. Sie schenkte den Kaffee ein und bot den Herren die Tassen. „Wie lange weilt wohl die Nichte des Herrn Esser im Hause ihres Onkels?“ fragte sie Leberecht. „Das weiß ich nicht, gnädiges Fräulein,“ antwortete der junge Mann,„ich selbst kenne Herrn Esser nicht länger denn ein Jahr. Aber ich glaube, das Fräulein befindet sich bereits längere Zeit dort.“ „Welch eigentümliches Mädchen,“ sagte Regina. „Eigentümlich— wieso?“ „Ihre Augen haben so etwas Facinierendes und dann ihre Bewegungen. Sie erinnert mich an jemand, wenn ich nur wüßte, an wen? Ich glaube, ich habe die Dame auf der Bühne gesehen.“ „Wie viel Patente haben Sie eigentlich schon angemeldet?“ fragte der Baron unvermittelt.„Sie sollen Ihnen viel Geld eingebracht haben.“ Leberecht schüttelte abwehrend den Kopf. „Aber ich bitte Sie, Herr Baron. Wer hat Ihnen denn davon erzählt?“ „Wer anders denn Direktor Esser,“ meinte der Gutsherr.„Ich entsinne mich, daß er über Ihre letzte findung berichtete, eigentlich wohl aus der Schule plauderte, da die Sache noch nicht zur Anwendung gelangt ist, und dabei des Lobes voll über sie war.“ „Wird„sie“ hier groß oder klein geschrieben,“ warf Regina lächelnd dazwischen. „Natürlich klein, mein gnädiges Fräulein, lediglich die Erfindung kommt in Betracht.“ „Und worauf bezieht sie sich? Ich hoffe nämlich, daß wenn Sie sich die Mühe geben, sie mir zu erklären, ich sie auch verstehen werde.“ „Sollten Sie in der Tat dafür Interesse haben?" fragte Leberecht überrascht. „Selbstverständlich, bitte, erklären Sie.“ Leberecht erklärte und wunderte sich, daß er sich einer Dame gegenüber in die Konstruktion eines Dampfkessels derartig vertiefen konnte. Sie tat aber auch ganz erstaunliche Fragen! Selbstverständlich hatte sie von der Technik und allen technischen Sachen, welche Gebiete er oberflächlich streifte, keine Ahnung, allein mit den neuesten Forschungen der Naturwissenschaft, die mit seiner Erfindung in Zusammenhang standen, schien sie so vertraut, daß es ihn seltsam berührte. Sie sah ihn mit großen verständigen Augen beinahe-überlegen an. „Sie wundern sich über mich?“ „Ihre Kenntnisse sind für eine Dame überraschend," gestand der junge Ingenieur. Sie lächelte. „Sie meinen, unsereiner hat das Privilegium alles nur halb zu wissen und nichts gründlich zu verstehen?“ Er widersprach eifrig. „Malen Sie mich nicht zu schwarz. Ich gebe nur meiner Verwunderung Ausdruck über Ihre naturwissenschaftlichen Kenntnisse, die entschieden ungewöhnlich sind. Sie müssen sich viel mit dergleichen beschäftigt haben.“ „Ich habe mich von jeher dafür interessiert, und seit einer Reihe von Jahren viel darüber gelesen. Allerdings — ich will offen sein, habe ich nicht alles verstanden, aber doch genug, um meinen Anschauungskreis zu erweitern.“ Der Baron gähnte. „Bist du nun fertig, Regina?“ fragte er.„Herr Seifert, lassen Sie mich bitte noch einmal das interessante Verfahren bei der Herstellung von Bahnschienen erfahren. Ihre Erklärung hat mich wirklich gefesselt.“ Seifert mußte sich wieder an Herrn von Rottenbeck wenden, und nun trat die Fabrik in den Vordergrund, die jedes Privatgespräch ausschloß. Die junge Dame erhob sich und ging in das Nebenzimmer, die Herren blieben bei ihren Zigarren allein. Regina hatte sich ans Fenster gesetzt, nach einem Buch gegriffen und sich in dessen Inhalt vertieft. Sie fühlte, ohne daß sie aufblickte, daß sie beobachtet wurde. Als sie die Augen hob, sah sie Seifert in der Türöffnung stehen, er hatte die Portiere zurückgeschlagen und zögerte nun unschlüssig, ob er sie stören oder sich unbemerkt entfernen sollte. „Verzeihung, gnädiges Fräulein,“ sagte er, ihrem erstaunten Blick begegnend,„ich wollte mich von Ihnen verabschieden, allein Sie waren dermaßen mit sich selbst beschäftigt, daß ich eben im Begriff war, mich zurückzuziehen.“ „Sie wollen nach Hause fahren?“ fragte Regina, ihr Buch auf den Tisch legend.„Aber warum schon jetzt?“ „Ich muß, die Pflicht ruft.“ Sie erhob sich und trat zu ihm. „Ich denke, Sie sind augenblicklich ohne Tätigkeit?“ fragte sie. „Ich bin nicht in Stellung, wohl wahr, aber ich will heute noch beim Direktor Esser vorsprechen und ihn auf einen Fehler aufmerksam machen, den ich vorher auf dem Bauplatz entdeckt habe. Je eher er beseitigt wird, je besser ist es, darum will ich nicht mit der Berichterstattung zögern.“ Er blickte auf das Buch, in dem sie vorher gelesen hatte. „Belletristische Lektüre?“ fragte er. Sie lächelte. „Sie meinen Romane, Novellen? Nein, dergleichen Sachen interessieren mich zu wenig. Die sogenannte neue Richtung tischt mir zu viel Trübes auf, andere Autoren malen mit zu viel hellen Farben. Die exakten Wissenschaften schließen beides aus. Hier finde ich, was ich dort vergeblich suchte: Wahrheit—“ „Und Wahrheit müssen Sie aus Büchern suchen?“ fragte er. „Nein, aber sie lehren mich, sie da zu suchen, wo sie ist— in der Natur.“ Noch eine tiefe Verneigung, dann ging er. Welch eine eigentümliche Familie, die Rottenbecks, dachte er, als er in der Eisenbahn saß. Da ist der alte Baron, der sich auf seine feudalen Anschauungen so viel zu gut tut und trotz alledem spekulierk. Der junge Herr, der sich nur in Stein= und Trümmerhaufen wohl fühlt, der Vergangenheit nachspürt und dabei das wirkliche Leben vergißt, und als dritte Regina, mit ihrer Vorliebe für Naturwissenschaften. Ich würde gern etwas näheres über ihren ehemaligen Verlobten erfahren. Ob sie wohl noch an ihn denkt und ihn betrauert? Freilich, sie gehört nicht zu denen, die viel über ihre Gefühle sprechen und schnell bereit sind, dritte an ihrem Seelenleben teilnehmen zu lassen. (Fortsetzung folgt.) Ein Stückchen Dappe. — Kriminal=Novelle von Harry alden.— (Nachdruck verboten.) Aus Kleinigkeiten entstehen große Dinge, sagt man, und gerade in unserem Berufe bildet oft die geringste Kleinigkeit, die nur das scharfe Auge des Detektives entdecken kann, den Schlüssel zu den seltsamsten Geheimnissen. Kleinigkeiten geben den Triumph ab in dem großen Versteckspiel, das Tag für Tag in jeder Weltstadt zwischen den Verbrechern und ihren Verfolgern aufgeführt wird. So war dies auch bei der Entdeckung des Mordes des alten Herrn von Arnheim, eines deutschen Bankiers, der in einem Abteil der Londoner Untergrundbahn aufgefunden wurde. Hier war es ein kleines Stückchen blauen Kartons, kaum so groß wie der Daumen des Mörders, das auf dessen Spur führte und das die menschliche Gesellschaft von einem Scheusal befreite, wie es, Gott sei Dank, nur wenige gibt. In folgendem will ich versuchen, die näheren Umstände dieses Falles zu schildern: Als am Abend des 1. Juni 189. der 10.20 Zug die Station Westminster Bridge (in London) in westlicher Richtung passierte, sah der Schaffner des Zuges zwei Herren in ein Coupé zweiter Klasse, nahe der Lokomotive, einsteigen. Der eine von ihnen war ein älterer Herr, der einen Ueberzieher trug, während der andere noch im jugendlichen Alter stand. Er fiel dem Schaffner durch seine gebräunte Hautfarbe und fremdländisches Aussehen auf, und hatte außerdem noch ein anderes charakteristisches Merkmal: er hinkte ein wenig. Der Schaffner konnte darauf schwören, daß außer diesen beiden Herren niemand im Wagen war, als der Zug Westminster verließ. Zwei Stationen hinter Westminster, in Victoria, öff nete der Schaffner das Abteil und fand zu seinem größten Entsetzen den alten Herrn ermordet auf dem Boden liegen. Er war erstochen worden. In der Wunde steckte noch der Dolch. An demselben war ein Streifen Pavier befestigt, auf dem in Schreibmaschinenschrift in deutscher Sprache das Wort„Rache" zu lesen war. Der entseelte Körper wurde sofort nach dem Stationsbureau geschafft und die Polizei benachrichtigt. Auch ein Arzt wurde schleunigst herbeigerufen, doch konnte dieser nichts mehr tun, da das Leben bereits erloschen war. Das Messer war ziemlich tief in das Herz eingedrungen, und der Tod mußte augenblicklich erfolgt sein.— Mit Hilfe der Personalbeschreibung, die durch Extrablätter und Plakate an den Anschlagssäulen überall hin rasch verbreitet wurde, gelang es noch in derselben Nacht, den Mann ausfindig zu machen, der gleichzeitig mit dem Ermordeten in Westminster den Zug bestiegen hatte. Man fand ihn in einer Herberge im Osten Londons. Verhaftet und auf dem Polizeibureau einem sofortigen Verhör unterworfen, beteuerte er seine Unschuld und gab eine Darstellung seiner Fahrt mit dem alten Herrn, die, wie man zugeben muß, recht glaublich klang. Ohne weiteres räumte er ein, daß er in Westminster gleichzeitig mit dem Ermordeten den Wagen betreten habe. Nachdem der Zug sich in Bewegung gesetzt, hätte er mit dem alten Herrn ein paar Worte über gleichgiltige Dinge gewechselt. Kurz vor St. James Park, der nächsten Station, hätte er sich eine Zigarre anstecken wollen; der alte Herr habe ihn jedoch darauf aufmerksam gemacht, daß dies kein Rauchcoupé sei, und wenn er(der alte Herr) auch sonst nichts gegen das Rat einzuwenden habe, so zwinge ihn doch jetzt ein Husten, Tabaksdunst zu vermeiden. Ob er daher lieber in ein anderes Abteil gehen wolle? Infolgede, sei er in St. James Park ausgestiegen und habe sich ein nur wenige Türen entferntes Rauchcoupé begeben. Der Schaffner, der über diese Aussage vernommen wurde, konnte dieselbe nicht bestätigen, aber auch nicht widerlegen. In St. James Park habe er, so erklärte der Schaffner, während der Zug hielt, auf dem Perron ein paar Worte mit einem Kollegen gewechselt, und er könne daher nicht wissen, ob dort jemand ein= oder ausgestiegen sei. Es lag daher immerhin im Bereiche der Möglichkeit, ja, es war sogar wahrscheinlich, daß jemand in St. James in das verhängnisvolle Coupé gestiegen, den alten Herrn ermordet habe und es ihm dann geglückt sei, das Trittbrett des fast ganz leeren Zuges entlang zu klettern, von da in einen anderen, unbesetzten Wagen zu kommen, und aus diesem sich auf einer Haltestelle unbemerkt zu entfernen. Das war immerhin möglich. Der Mann, der verhaftet worden war, Harrmann hieß er, wurde gefragt, ob er vielleicht seine Aussage durch Personen, die in dem Rauchcoupé, in das er eingestiegen sein wollte, anwesend waren, erhärten könne. Dies war ihm jedoch nicht möglich, denn auch dieses Abteil war, wie er sagte, unbesetzt. Man kam daher zu folgender Ueberzeugung. Gegen Hartmann lag absolut nichts vor, das ihn zu dem Morde in dem 10.20 Zuge in irgend welche Beziehung hätte bringen können, außer, daß er mit dem Ermordeten in demselben Wagen gefahren war. Auf einen solch schwachen Verdacht hin würde keine Jury der Welt einen Menschen verurteilt haben. So lagen die Sachen, als ich die Bearbeitung des Falles übernahm. Zunächst begab ich mich in den Raum, in dem die Leiche des alten Herrn lag, um dort eine recht ein gehende und genaue Prüfung seiner Kleidung und des Inhalts seiner Taschen vorzunehmen. In denselben befanden sich: eine Geldbörse, in der Gold=, Silber= und auch Papiergeld enthalten war, eine Zigarrentasche, ein Bund Schlüssel, eine Uhr, ein Taschentuch, ein Haus schlüssel und verschiedene Briefe und beschriebene Notiz blätter. Außerdem noch ein Billet zweiter Klasse von Westminster nach South Kensington. * Sodann sah ich mir die Gegenstände an, die der Ermordete bei sich geführt hatte. Es waren dies: ein Spazierstock mit goldenem Knopf, ein paar Handschuhe, eine Abendzeitung, und, seltsam genug, noch ein zweites Eisen bahnbillet. „Das ist doch recht sonderbar,“ sagte ich zu meinem Kollegen.„Wozu in aller Welt mag er denn zwei Billets nach derselben Richtung gebraucht haben?“ „Das mag ein anderer wissen," antwortete dieser, „ich kann es nicht ausfindig machen.“ Ich ließ den Beamten rufen, der die erste Untersuchung der Leiche vorgenommen hatte. „Sagen Sie mir, bitte, Herr Kommissar,“ redete ich ihn an,„wo fand man bei dem Ermordeten dieses Billet? Lag es neben ihm auf dem Sitz oder sonst wo?“ Der Kommissar dachte einen Augenblick nach und antwortete dann langsam sprechend:„Er hielt es krampfhaft in seiner rechten Hand.“ Bei diesen Worten des Kommissars schoß mir plötzlich ein Gedanke durch den Kopf. Das Billet, das der alte Herr in der Hand hielt, hatte nicht ihm gehört, sondern seinem Mörder. Ich folgerte so: Im Kampfe mit seinem Angreifer hatte der alte Herr in seiner Todesangst nach dem ersten besten Teil des Anzuges des Räubers, den er gerade erwischen konnte, gegriffen. War diese meine Theorie richtig, so mußte dies die Billettasche des Ueberziehers gewesen sein. Die Finger des Ermordeten hatten ganz automatisch das Billet in dieser Tasche erfaßt, es herausgezogen, und der Mörder, der, als der Zug weiter fuhr, sich schleunigst zu entfernen suchte, hatte das Stückchen Karton in der Hand seines Opfers nicht bemerkt. Gewiß, diese Theorie erklärte es ganz deutlich, weswegen man bei dem Ermordeten zwei Billets fand. (Schluß folgt.)