12. Jahrgang. Teleph. Anschl. „4 88 Teleph. Anschl. 298 Diese Zeitung erscheint am Abend jeden Wochentages. Abonnementspreis vierteljührlich pränumerande 1,25 Maré. bei Postbestellung komns s Bestellgeld hinzu. Sonnabend, 20. Dezember. Inserate werden bis spätestens vorm. 11 Uhr erbeten. Metitzeile f# Preis der einspaltigen Ve Oeynhansen und Amt für Stadt und Kreis kehme210 Pfg., sonst 18 Pfg. 1902 Erstes Blatt. 0 C 5 für den Kreis VA Gersers. die Anlieferung und Aufbringung der Trittstufen von Buchen* holz zu den Stockwerkstreppen im Neubau der höheren Mädchenschule sind zu vergeben. Angebotsformulare sind auf dem Stadtbauamt unentgeltlich zu haben. Oeffentlicher Termin zur Oeffnung der postmäßig verschlossen einzureichenden Offerten findet statt: Montag, den 29. Dezember, 12 Uhr mittags auf dem Amtszimmer des Unterzeichneten. Herford, den 19. Dezember 1902. 474m Der Stadtbaumeister. Dls gefunden wurden 1 Uhr und 1 Schlitten angemeldet. Weitere Auskunft wird auf dem PolizeiBureau(Rathaus II, Zimmer Nr. 1) erteilt. Herford, 17. Dezember 1902. 418m Die Polizei=Verwaltung. Der II. Bürgermeister: Busse. ** S 8 as städtische öffnet: Sonntags Mittwochs Sonnabends Brausebad für Männer und Frauen ist ge200k von 8—9½ Uhr vormittags. 3—9½" nachmittags. 12—9½ ke. Preis per Bad 10 Pfennig mit Handtuch und Seife. Der Magistrat: Busse. Bekanntmachung. In Station 2.4 der Kreisstraße von Enger nach Spenge ind in der Nacht vom 14. auf 10. d. Mts. wiederum zwei Chausseebäume frevelhafter Weite abgebrochen wörden. 10 Mark Belohnung erhält derjenige, welcher den oder die Thäter derart hier zur Anzeige bringt, daß eine gerichtliche Verfolgung aufgenommen werden kann. Herford, den 18. Dezember 1902. Die Kreis=Chausseverwaltung. 457m Die Aktion gegen Venezuelg. Die„Nordd. Allg. Ztg.“ schreibt offiziös: Ein Berliner Blatt brachte eine Depesche aus Newyork, in der es hieß:„Hier herrscht große Aufregung. Die gesamte Presse macht Deutschland für die augenblickliche Lage verantwortlich. Ueberall erscheinen gehässige Artikel mit Angriffen gegen Deutschland, während England gelobt wird. Daß System in dieser Hetze liegt, ist unverkennbar. Alle Blätter behaupten, Deutschland beabsichtige, Kolonien zu erwerben, in Venezuela sowohl wie in Brasilien.“ Aehnlichen Newyorker Telegrammen sind wir auch in englischen Blättern begegnet. Wenn diese Angaben die Stimmung in den Vereinigten Staaten nur annayernd richtig darstellen, müssen wir unser aufrichtiges Bedauern darüber aussprechen, daß sich die amerikanische Presse völlig unbegründeten Verdächtigungen der deutschen Politik in so hohem Maße zugänglich erweist. Die Regierung der Vereinigten Staaten ist seit längerer Zeit genau darüber unterrichtet, daß das Deutsche Reich in Venezuela nichts anderes betreibe, als die Befriedigung berechtigter Forderungen auf Schadenersatz. Die deutsch=englische Kooperation beruht auf der Gleichwertigkeit verletzter Interessen, welche zu einem Einvernehmen zwischen den Regierungen in London und Berlin über die zweckmäßigste Art der Beitreibung der beiderseitigen Reklamationen geführt hat, so daß nur eine willkürliche Beurteilung einen Unterschied in dem Vorgehen beider Mächte zu ersehen vermöchte. Auch der weitere Verlauf der Angelegenheit wird, wie wir glauben, bestätigen, daß die Absichten unserer Regierung keine über den unmittelbaren Zweck hinausgehenden Ansprüche einschließen und von allen Hintergedanken frei waren und sind. Nach einer Meldung aus New=York erklärten die Mächte, daß die Kriegsblockade heute mittag 3 Uhr beginnt. Italien eröffnete Unterhandlungen mit Deutschland und Engkand, um zu erwirken, daß der amerikanische Gesandte Bowen zum Schiedsrichter im Venezuelastreit ernannt werde. Auch Holland beteiligt sich an der Flottendemonstration in Venezuela. Der holländische Kreuzer„Reuter“ ist zum Schutz der holländischen Interessen nach Venezuela beordert. Washington, 19. Dez. Ob die Zustimmung der amerikanischen Regierung zu dem Schiedsgerichtsvorschlage des Präsidenten Castro erlangt wird, wird, wie man glaubt, ganz und gar davon abhängen, ob jede der Garantien genügen wird, die Castro für die treue Erfüllung aller Verpflichtungen, die er übernehmen will, geben kann. Man kann mit ziemlicher Bestimmtheit sagen, daß die Bemühungen, Amerika dazu zu bewegen, als Bürge zu fungieren, keinen Erfolg haben werden; es gewinnt vielmehr die Annahme an Wahrscheinlichkeit, daß eine gemischte Kommission eingesetzt werden wird, die die venezuelischen Zölle entgegenzunehmen har. Ein Teil von diesen soll zur Erhaltung der Verwaltung zurückgelegt und der Rest unter die Mächte verteilt werden. Zur Tagesgeschichte. Deutschland Antwortdepesche des Kaisers. Auf das von dem Breslauer evangelischen Arbeiterverein an den Kaiser gesandte Huldigungstelegramm ist nachstehende Antwort eingegangen:„Der Kaiser und König lassen dem dortigen evangelischen Arbeiterverein für seinen Huldigungsgruß und den Ausdruck der Treue vielmals danken. Auf Allerhöchsten Befehl: gez. v. Lucanus.“ Vom Kronprinz. Wie aus Oels gemeldet wird, nahm der Kronprinz einer leichten Erkältung wegen an der vorgestrigen Jagd nicht teil. In der Kruppaffaire hatte der„Vorwärts“ geschrieben, daß nicht„die Rücksicht auf den Toten, sondern die Rücksicht auf Lebende den Wunsch nach Einstellung des Verfahrens zur absoluten Notwendigkeit machte.“ Dazu bemerkte die„National=Ztg.“:„Wir glauben die Umstände zu kennen, auf welche der„Vorwärts“ hier anspielt; es handelt sich um Familien=Angelegenheiten, welche die Oeffentlichkeit nichts angehen; aber auch diese Rücksicht hätte bei umsichtiger Bebandlung des ganzen Falles von einem Verfahren abhalten müssen, das schließlich der Sozialdemokratie noch zum Vorteil gereicht.“— Hierauf entgegnet nun der„Vorwärts": „Wenn die„National=Zeitung" die Umstände wirklich kennt, so würde sie wissen, daß diese„Familien=Angelegenheiten“ nicht mehr so isoliert sind, daß sie„die Oeffentlichkeit nichts angehen.“ Die Oeffentlichkeit wird vielmehr das stärkste Interesse nehmen müssen." Der Bund der Landwirte und der Zolltarif. Die„Post“ stellt fest, daß mindestens 48 Mitglieder des Bundes der Landwirte für den Zolltarif gestimmt haben. Wer die Namen durchlieft, werde finden, daß außer den leitenden Männern des Bundes der Landwirte, von denen einige der konservativen Fraktion angehören, alle namhaften und angesehenen Vorkämpfer der deutschen Landwirtschaft für die Annahme des Zolltarifs eingetreten sind. Bund der Landwirte. Der nationalliberale Abgeordnete v. Kaufmann=Linden teilt mit, daß die Meldung, er sei aus dem Bunde der Landwirte ausgeschieden, unrichtig sei; er denke nicht daran, aus dem Bunde auszutreten. Schutz des Kleingewerbes. Offiziös wird zur Kenntnis gebracht, daß der neue preußische Etat 100000 Mk. zur Förderung des Kleingewerbes durch pofitive Maßnahmen und 15000 Mk. für Veranstaltung einer Erhebung über den gegenwärtigen Stand der staatlichen Gewerbeförderung enthalten wird. Bessere Beachtung der Baupolizeiordnungen. Der„Reichsanz.“ veröffentlicht folgenden, vom 10. d. Mis. datierten Erlaß des Arbeitsministers Budde an die Regierungspräsidenten: „In der Nacht vom 2. zum 3. d. Mts. ist in Bochum in einem Hause, in dessen Erdgeschoß und Kellerräumen eine Konditorei betrieben wurde, ein Brand entstanden, bei welchem das Treppenhaus in wenigen Minuten zerstört wurde, und bei dem infolgedessen von den in den oberen Geschossen wohnenden Personen 9 den Tod fanden, während 4 schwer verletzt wurden. Dieser Unglücksfall giebt mir Veranlassung, auf die genaue Beachtung der im Interesse der Feuersicherheit getroffenen Bestimmungen der Baupolizeiordnungen, insbesondere derjenigen über die Anlegung der Treppen hinzuHierzn 2. und 3. Blatt und Illustriertes Sonntagsblatt. weisen. Dem häufig sich zeigenden Bestreben von Eigentümern und Unternehmern, diese Vorschriften aus finanziellen Gründen bei der Ausführung von Neu= und Umbauten außer acht zu lassen, muß von Seiten der Ortspolizeibehörden und der Dispensbehörden scharf entgegengetreten werden, was nach den bisher hier gemachten Erfahrungen nicht immer in hinreichendem Maße geschehen ist. Ich ersuche, gefölligst auf die bezeichneten Behörden in diesem Sinne einzuwirken.“ Amnestie für die russischen Studenten. Wie der Petersburger„Regierungsbote" bekannt giebt, hat Kaiser Nikolaus an seinem Namenstage folgendes Telegramm an den Minister des Innern gesandt:„Lassen Sie die wegen der Unruhen verbannten Studenten aus Sibirien zurückkehren. Obgleich sie einstweilen in den Städten, wo Hochschulen sind, nicht wohnen sollen, ist doch dafür zu sorgen, daß die zurückgekehrten jungen Leute der Fürsorge ihrer Familien anvertraut werden, da eine solche Umgebung sie an Ordnung gewöhnen wird. Durch einen am Schluß des Telegramms angeführten kaiserlichen Erlaß wird 58 Studenten die Rückkehr gestattet, während 62 bereits durch Erlaß vom 26. September diese Gnade zu teil geworden ist. Herforder Kreisnachrichten. Hersord, 20. Dezember 1902. .* Der Bezirks=Ausschuß Minden hat nunmehr die Veräußerung der Wassergerechtsame der Stadt(Entfernung des früher F. L. Schönfeldschen Stauwehrs) an die Firma Bexten Nachf. gegen einmalige Entschädigung von 20000 Mk. genehmigt. *A An den höheren Schulen haben heute hier die Weihnachtsferien begonnen. Der Unterricht wird am 6. Januar wieder seinen Anfang nehmen. * Der Familienabend des evang. Jünglings= und Männervereins, der für morgen im evang. Vereinshause bevorsteht, nimmt um 7½ Uhr seinen Anfang. Wir weisen hiermit nochmals empfehlend auf diesen Abend hin. Weihnachtsfestspiel. Wie des Näheren aus dem heutigen Inseratenteil u. Bl. zu ersehen ist, bereitet der Klub „Freundschaft“ für den 1. Weihnachtsfeiertag die Aufführung des Festspiels„Christi Geburt“ vor. Diese Veranstaltung dürfte jedenfalls viele Besucher versammeln. Jubiläum. Herrn Heinrich Wörmann, Radewiger Feldmark 493, welcher seit 25 Jahren in der Zigarrenfabrik von Kranefuß u. Mier hier als Lagerarbeiter thätig ist, wurde heute vom Magistrat ein Anerkennungsdiplom übermittelt. Diese Auszeichnung konnte im Laufe der Jahre bereits 20 von 32 Arbeitern, welche die genannte Firma hierselbst beschäftigt, zuteil werden. # Postalisches. Morgen, Sonntag, werden die Postschalter für den Packet=Annahme- und Ausgabedienst sowie für den Verkauf von Formularen zu Packetadressen wie an den Werktagen offen gehalten werden. Nur während des Hauptgottesdienstes am Vormittage bleiben die Schalter geschlossen. ¼. Packete wurden dieser Tage wiederholt vor dem Postgebäude von Karren entwendet. Bei Aufgabe mehrerer Packete lasse man daher die Karren nicht ohne Aufsicht. . Wäschediebstahl. Gestohlen wurden einem Bewohner der Altstädter Feldmark Wäschegegenstände und Kleidungsstücke, die über Nacht im Freien hängen geblieben waren. Das gestohlene Gut hatte einen Wert von 35 Mk. In den Markthallen stellten sich heute die Preise der Produkte wie folgt: Rindfleisch 60—65 Pfg., Schweinefleisch 70—80 Pfg., Hammelfleisch 60—65 Pfg., Nierenfett 40—50 Pfg., Butter Pfd. 1,00—1,15 Mk., Eier Pfd. 70 Pfg., Wurzeln Bd. 10 Pfg., Porree Bd. 10 Pfg., Blumenkohl Pfg., Rotkohl Kopf 10 bis 20 Pfg., Zwiebel Pfd. Weißerüben Bund 10 Pfg., Wirsing Kopf 10 bis Hühner Stück 1,00 bis 1,25 Mk., Endivien Kopf Braunkohl 3 Stück 5 Pfg., Rettig Bund 10 Pfg. Westerenger, 19. Dez. Verschiedenes. Die Cigarrenarbeiter A. Ebmeyer und A. Niehaus sowie Werkführer P. Furkeldey hier kauften von Kolon Aug. Göhner Nr. 9 je 1 Morgen Land als Bauplatz; der Preis pro Morgen stellt sich auf 1800 Mk. Der Neubauer H. Friedrichs, Dreyen erwarb einen dem Neubauer H. Riermann Nr. 55 gehörigen Bauplatz; Preis pro Morgen 2250 Mk. Ferner kauften der Bäcker Potthoff=Enger und der Cigarrenarbeiter Heinrich Tubbesing je 1 Bauplatz von ca. 10 ar. Für das nächste Jahr sind bis jetzt 6 Neubauten angemeldet. — Am 2. Weihnachtstage wird der Gesangverein„Germania“ einen Familienabend beim Gastwirt Herm. Ostheider, Bahnhof veranstalten. Die Feier beginnt nachmittags 5 Uhr. Der 40—45 10 Pfg., 20 Pfg., 10 Pfg., -T Besuch ist auch Nichtmitgliedern gestattet; der Eintrittspreis d tir 8160 Aus Provinz und Nachbarstaaten. * Oeynhausen, 19. Dez. Unfall. Beim Schlachten eines Schweines glitt der Sohn des Schlachtermeisters Theuner aus, kam zu Fall und brach ein Bein. Der Verletzte wurde in das Kreiskrankenhaus Herford überführt. * Haunover, 19. Dez. Eine Engelmacherin hat die Polizei entlarvt und verhaftet. Die des Mordes in zahlreichen Fällen Beschuldigte ist die Ehefrau des Kupferschmieds Götze, die zuletzt in Hameln war und dort auch verhaftet ist. Sie hat in den verschiedensten Orten der Provinz gewohnt, am meisten in Hannover. Ihre Erwerbsquelle bestand darin, Kinder diskreter Geburt gegen einmalige Abfindung an Kindesstatt, d. b. dauernd, in Pflege zu nehmen. Wenn Geld und Kind erst in ihrem Besitz war, dann hat sie, um den den Kindern nahestehenden Personen aus dem Gesichtskreis zu kommen, alsbald ihren Wohnsitz verändert. In dem neuen Wohnort kränkelte das übernommene Kind sodann vom ersten Tage an, und die Engelmacherin verstand es, nach außen hin den Anschein zu erwecken, als sei das Kind von einer unheilbaren Krankheit befallen. In Wirklichkeit soll sie in teuflischer Weise das zum Tode führende Siechtum bei zahlreichen Kindern herbeigeführt haben. Sie hat die Kinder langsam verhungern lassen. Die der Unholdin in Pflege gegebenen Kinder sind, wie festgestellt ist, in keinem Falle älter als zwei Monate geworden. Diese immer wiederkehrende gleichmäßige Erscheinung hat schließlich auch zu der Vermutung geführt, daß es sich bei der Götze um eine Engelmacherin handelt, wie sie schlimmer seit Jahren nicht entdeckt ist. Die Zahl der ums Leben gebrachten Kinder steht noch nicht fest, vorläufig kommen drei Kinder in Frage. Da die G. aber seit Jahren ein unstetes Leben führt, nimmt man an, daß die Zahl ihrer Opfer bedeutend größer ist. Die Ermittelungen bei den Standesämtern ihres jeweiligen Aufenthaltsortes wird ergeben, ob diese Annahme richtig ist. Die Götze wird sich vor dem hiesigen Schwurgericht wegen Mordes zu verantworten haben. * Eschwege, 19. Dez. Eisverstopfung. In der Nähe von Frieda entstanden heute vormittag schwere Eisstopfungen, welche weithin Ueberschwemmung hervorriefen. Auf telegraphischen Hilferuf des hiesigen Landratsamts ist ein Kommando des Pionierbataillons Nr. 11 aus Hann.=Münden mit Sonderzug nach hier beordert, um das Eis zu sprengen. * Kassel, 19. Dez. Durch Eisgang und Hochwaiser ist die Brücke über die Fulda zwischen Breitenbach und Bebra weggerissen. 15. Dez. Auf der rheinischen Eisenvahnstrecke zwischen Langendreer und Bochum sind in der vergangenen Nacht infolge des heftigen Sturmes etwa dreißig Telegraphenstangen umgestürzt und eine große Anzahl Drähte zerrissen. * Köln, 19. Dez. Gewitter. In früher Morgenstunde wurden hier starke Gewittererscheinungen beobachtet. Der Süd= bis Südwestwind, welcher den gestrigen Tag über geherrscht hatte, steigerte sich in der vergangenen Nacht zum Sturme, der von starken Regengüssen unter Blitz und Donner begleitet war. Vermischtes. Brandtschen„Millionenerhschafts=Prozeß wurde gestern das Urteil gesprochen. Es lautet: Gegen Brandt 2 Jahre Gefängnis, gegen Bethke 1½ Jahre Gefängnis und 3 Jahre Ehrverlust.— Es handelt sich in dem schon früher erwähnten Prozeß um die Hinterlassenschaft eines 1791 zu Amsterdam verstorbenen Großkaufmannes Johann Konrad Brandt. Vor kurzem haben der Buchhalter Wilhelm Bethke aus Neu=Rahnsdorf und der Maurermeister Friedrich Brandt aus Berlin in einer Flugschrift behauptet, der aus der Mäßigkeitsbewegung bekannte Graf Douglas habe aus der Erbschaft einmal 25.000 und ein zweites Mal 5 Millionen holländischer Gulden erhalten; der Beweis dafür sei in den Akten der Abteilung 3 des Auswärtigen Amtes zu finden. Die gegen Bethke und Brandt erhobene Anklage hatte u. a. folgendes ergeben: Der als Zeuge vernommene frühere Chef dieser Abteilung, Wirklicher Geheimer Rat Hellwig, bekundete, Graf Douglas habe durch Vermittlung des Auswärtigen Amts aus der Nachlaßmasse auch nicht einen Pfennig erhalten; ebensowenig sei ihm bekannt, daß eine solche Zahlung an den Grafen Douglas von irgend einer anderen Seite erfolgt ist. Die gerichtsärztliche Sektion der Leiche der ermordeten Frau Budwig in Berlin ergab die Zertrümmerung des Nasenbeines und eine Verletzung des Gehirn, verursacht durch wiederholte Schläge auf dem Kopf. Ein in Berlin angekommener Restaurateur aus London gab an, Leszynski dort kennen gelernt zu haben. Dieser habe vor drei Wochen einen Mordversuch auf seinen Gastwirt unternommen und demselben 80 Pf. St. geraubt. Die Berliner Kriminalpolizei hat sich in dieser Angelegenheit sofort mit der Londoner in Verbindung gesetzt. Aus Ostrowo ging ihr heute die Mitteilung zu, daß der Kellner Adolf Lescynski dor vorgestern unter seinem richtigen Namen bei einem Pfandleiher auf eine Invalidenversicherungskarte eine goldene Uhr mit goldener Kette versetzt hat. Man ist also dem Mörder auf der Spar. Einen Mordversuch auf offener Straße verübte gestern morgen in Moabit eine 24jährige Oesterreicherin namens Emmy Wienersch, indem sie auf den Zivilingenieur Ernst Baer sechs Revolrerschüsse abgab und demselben schwere Verletzungen beibrachte. Baer hatte dieselbe s. Z. in Dresden kennen gelernt, wo sie an einem Büffet angestellt war, und ihr die Ehe versprochen. Später kam er von dem Gedanken ab. Die Verlassene reiste ihm nach und, da er sich weigerte, sein Versprechen einzulösen, verübte sie die That. Der wegen Mordes und Beraubung der Althändlerin Lory in Leipzig zum Tode verniteilte Behnert versuchte aus dem Landgerichtsgesängnis in Weimar zu entspringen. Er klingelte nach dem Wärter und versetzte, als dieser sich über eine Waschschüssel beugte, ihm mit einem Stück Eisen einen wuchtigen Hieb auf den Kopf. Behnert wurde jedoch an einem Entweichen verhindert und in Ketten gelegt. Im Kampfe mit Einbrechern wurde nachts eine Frau in Pankow bei Berlin erheblich verwundet. Als die Rentnerin Witwe Schulz aus der Kavalierstraße Nr. 20 mit ihrer verheirateten Tochter gegen 12 Uhr nach Hause kam, überraschte sie in dem ihr gehörigen Hause Diebe bei der Arbeit. Die Einbrecher ergriffen die Flucht. Als die Tochter einen von ihnen packte, um ihn festzuhalten, zog der Kerl sein Messer, stieß es ihr einmal in die Brust und zweimal in den Arm, so daß sie kampfunfähig wurde, und entfloh dann ebenfalls. Die Staatsanwaltschaft in Rom erhob gegen den verantwortlichen Redakteur der sozialistischen„Propaganda", welche den bekannten Artikel über Krupp veröffentlichte, Anklage wegen Verletzung des öffentlichen Schamgefühls. Rigo läßt sich von seiner Prinzessin scheiden. Der vielberüchtigte Zigeuner Rigo, welcher seinerzeit sich mit der Prinzessin Chimay nach vielerlei Abenteuern vermählte, will jetzt laut Meldung aus Paris die Ehescheidung gegen seine Frau einleiten. Während seiner letzten Abwesenheit empfing sie einen jungen spanischen Edelmann regelmäßig hinter dem Rücken ihres eifersüchtigen Gatten, der jetzt den Othello spielt. Standesamtsnachrichten für den Kreis Herford. Amt Herford. Nachrichten vom 13. bis 19. Dezember 1902. Geburten: Ein Sohn: dem Schneiderm. Hermann Niemeier=Elverdissen, Bierfahrer Heinr. Bünermann=Sundern, Schneider Joseph Meyer=Sundern, Kolon Heinrich ReinkeSchwarzenmoor. Aufgeboten: Ziegeleiarbeiter Gustav Reibchen=Ober= wüsten mit Auguste Thies=Falkendiek. Eheschließungen: Tischler August Böhmer=Elverdissen mit Näherin Wilhelmine König=Elverdissen. Sterbefälle: Johanne Friederike=Schröder zu Elverdissen 6 J. 6 M. 28 T. alt. Briefkasten der Revaktion. Mehrere Abonnenten. Die betreffende Besitzung grenzt daran. Meteorologische Station Herford. Witterungsbericht vom 20. Dezember. Höchste Temperatur des Vortages: 6,20. Niedr. Temperatur in der Nacht: 1,00. Temperatur um 2 Uhr vorm.: 1,4°. „„11„„ 3,0% Luftdruck um 7 Uhr vorm.: 755,2 mm. Tägliche Niederschlagshöhe: 1,3 mm. Wind: Schwacher SW. Wetter: Trübe und regnerisch. 21. Dez. Witterungsfortdauer mit stürmischen südwestlichen Winden. Telegramar und Telephonische Meidungen. Linienschiff„Wittelsbach“. Korsör, 20. Dez. Gestern sind aus dem Linienschiff „Wittelsbach“ etwa 800 Tonnen Kohlen und Munition gelöscht worden. Es gelang bisher noch nicht, das Schiff abzuschleppen. Reichstagsstichwahl. Berlin, 20. Dez. Bei der Stichwahl im Reichstagswahlkreise Liegnitz=Goldberg=Haynau siegte der freisinnige Kandidat Pohl über den Sozialdemokraten Bruhns. Gewitter. Karlsruhe, 20. Dez. Gestern vormittag gegen 9 Uhr entlud sich über der Stadt ein mit Hagel verbundenes Gewitter, dem starker Schneefall folgte. Verantwortlicher Redakteur: Paul Sattler, für den Inseratenteil verantwortlich: Georg Bese, Druck und Verlag: Christian Quentin sämtlich in Herford. (Redaktion und Expedition: Brüderstraße 21, am Gehreuberg. EINST • UND: JETZT Srinnerungen an Kaiser 7Dax von(Dexiko. Der Herausgeber der in San Antonio erscheinenden „Freien Presse für Texas“ schreibt über einen Besuch bei dem in Mexiko lebenden Dr. Kaska, respektive Freiherrn v. Kaska, wie er sich neuerdings zu nennen berechtigt ist, seitdem ihn Kaiser Franz Joseph in Anerkennung seiner Verdienste um die Wiederaufnahme der seit nahezu vierzig Jahren unterbrochen gewesenen diplomatischen Beziehungen zwischen Oesterreich=Ungarn und Mexiko geadelt hat: Von Baron Dr. Kaska in sein Privatmuseum von Reminiscenzen aus der kurzen Glanzperivde des Kaiserreichs eingeführt zu werden, gilt als eine besondere Ehre, die ich umso mehr zu schätzen weiß, als der liebenswürdige Herr mir bei dieser Gelegenheit auch einen Einblick in seine Privatkorrespondenzen in Bezug auf die Schlußkatastrophe der Maximilianstragödie gewährte. Von besonderem Interesse waren dabei Briefe des„Cura“ Fischer, des Beichtvaters Maximilians. Es handelte sich dabei um die oft aufgeworfene Frage, warum Kaiser Max nicht die ihm nachweislich wiederholt gebotene Gelegenheit zur Flucht die Franzosen hielten zu diesem Zwecke wochenlang vor Vera Cruz ein Kanonenboot fahrbereit— ergriffen habe. In den Briefen des Cura Fischer verteidigt sich dieser gegen den Vorwurf, daß er zu den Ratgebern gehört habe, die den Kaiser von der Flucht abhielten, und er läßt dabei burchblicken, daß derselbe fest von seiner Mission und von seinem Gottesgnadentum überzeugt gewesen sei und felsenest an den schließlichen Sieg seiner Sache geglaubt habe. Aber trotz Fischers Brief sind die Akten über diese Frage wohl schwerlich schon geschlossen... Rührende Pietät ist der Grundzug, der das ganze Privatmuseum des Dr. Kaska burchweht. Viele der„verlorengegangenen“ und„verschwundenen“— auf gut Deutsch: gestohlenen und verschleuderten Kunst= und Wertgegenstände hat Dr. Kasta aus zweiter und dritter Hand angekauft, darunter auch einen großen Teil des kaiserlichen Silberschatzes und des orzellantafelgeschirres. Zahlreich sind die Bilder des kaiserlichen Paares, in Oel oder Pastell, wie auch die Bilder von Miramar; hochinteressant und von großer historischer Wichtigkeit— weil in ihrer Vollständigkeit Hositiv die einzige ihrer Art, ist Dr. Kaskas Sammlung der mexikanischen Orden und Ehrenzeichen. Da finden wir die schon unter dem Kaiser Iturbide gestifteten Orden owie die von Kaiser Max gestifteten, wie den Guadaloupeorden, den Kronen=Orden und den Damen=Orden, und war in allen verschiedenen Klassen und Abstufungen. aran schließen sich die Abzeichen für die Kammerherren sind Höfdamen sowie prachtvolle Ehrengeschenke des Kaian seine Getreuen, ferner Huldigungsgeschenke kaiserlich Gesinnter an das Kaiserpaar, darunter eine Broche, welche die Damen von Vera Cruz der Kaiserin Charlotte noch kurz vor dem Sturze des Kaisertums überreichren— ein wahres Prachtstück national=merikanischer GoldKurional=iererenescher schmiedekunst! Außerdem finden wir dort die Ringe des Kaisers und der Kaiserin sowie die Petschafte, mit welchen der Kaiser sein Siegel unter die amtlichen Dokumente prachtvolles, aus Elfenbein und Gold bestehendes, reich mit Brillanten besetztes, welches der Kaiserin gehörte. Wie oft mag die unglückliche Frau, als sie sich noch auf dem Gipfel der Macht befand, durch dies Glas von der Terrasse von Chapultepek aus träumerisch die bizarren Konturen der fernen Schneeberge verfolgt haben, sich doch im Herzen zurücksehnend nach dem stillen Frieden von Miramar? Lose Blätter. Eine merkwürdige Uhr. Eine Uhr, die der Urgroßvater des jetzigen Herzogs von Aumale einst für den Prinzen von Wales, den spateren König Georg IV. von England hatte aufertigen lassen, kam in Paris kürzlich zum Verkauf. Sie zeigt in feinster Ausführung die Form des Kopfes einer Negerin. Rings um den Hals sind in die Bronze ein Geschmeide bildende Juwelen eingesetzt, ebenso in das wollige Haar, und vorn, dicht unter dem Halse, als Haken für den Uhrschlüssel. Ein Paar trefflich gravierte lange Goldringe in durchbrochener Arbeit schmücken die Ohren. Zieht man an einem davon, so erscheint im rechten Auge die Zahl der Stunden, im linken die der Minuten. Ein Zug am anderen Ohre löst ein kleines, im Schädel angebrachtes Glockenspiel aus, das die Tagesstunden angibt. * Eine afrikanische Delikatesse. Die größte Delikatesse in Zentralafrika ist das gewöhnliche Kochsalz. Der von Alters her gewohnte Genuß reiner Pflanzennahrung in diesen Gebieten erzeugt ein so schmerz liches Verlangen nach Salz, daß Eingeborene, die dasselbe haben lange Zeit entbehren müssen, häufig Symptome von Geistesstörung zeigen. Der großte Birnbaum. Ein berühmter Birnbaum, der nahezu 600 Jahre überdauert hat und bei Toulon stand, ist unlängst durch einen heftigen Sturm zerstört worden. Sein Stamm hatte einen Umfang von fast 4 Meter. Chebaud, der Besitzer des Grundstückes, worauf der Baum stand, hat nach einer Umfrage bei allen botanischen Gesellschaften Europas nicht erfahren, daß sich irgendwo ein Birnbaum von gleicher Größe und gleichem Alter befände. # Ein gutes Geschäft. König Viktor Emanuel war ein großer Sportsman und ein vortrefflicher Schütze. Eines Tages entfernte er sich von der Hofgesellschaft und schoß mehrere Rebhühner, ohne auch nur einmal zu fehlen. Ein Bauer, der ihm zugesehen, trat auf ihn zu und sagte:„Ihr versteht das Schießen aber aus dem Grunde, das muß ich sagen. Ich wünschte nur, Ihr erleget mir einen Fuchs, der mir alle meine Hühner aus dem Stalle holt.“—„Nun, vielleicht kann ich's!“ versetzte der König lachend.—„Wenn Ihr den Fuchs erlegt,“ fuhr der Bauer fort,„gebe ich euch zwei Lire.“—„Gut! ich werde morgen meine Hunde mitbringen!“—„Gebt Ihr mir die Hand darauf?“ fragte der Bauer. Der König gab ihm seine Hand und erschien pünktlich zur festgesetzten Stunde. Der Fuchs wurde erlegt und Viktor Emanuel sagte scherzend zu dem Bauer:„So, jetzt seid Ihr mir zwei Lire schuldig!“—„Die sollt Ihr haben!“ versetzte der Bauer;„Ihr habt sie redlich verdient!" Der König betrachtete das Geld nachdenklich, steckte es ein und murmelte:„Das ist das erste Geld, das ich in meinem ganzen Leben verdient habe!“ Am nächsten Tage erhielt die Frau des Bauern ein Kleid, ein Armband und ein Paar Ohrringe, und jetzt erfuhr auch der Bauer, wer ihm seinen Fuchs erlegt hatte. Liliput=Civillisten. Der„Präsident von Andorra“ bezieht für seine Mühen waltung monatlich ganze... 5 Mark, also 60 Mark jährlich. Dieser kleine Staat(in den Pyrenäen) ist die älteste Republik der Welt— soweit die jetzt bestehenden in Betracht kommen— denn ihr Freibrief von Karl dem Großen ist bereits über 1000 Jahre alt. Die Republik entbehrt buchstäblich jeder eigentlichen Landstraße und hat auch kein schiffbares Wasser. Sie wird von einem„Rat der Vierundzwanzig“ verwaltet, dem noch 2 Richter, 2 Staatsräte und der Präsident übergeordnet sind, die alle, außer dem letzteren, ohne jeden Gehalt tätig sind. Der„General= rat“ hält seine Sitzungen in einem Holzgebäude ab, dessen Untergeschoß als... Stallung benutzt wird.— In den zwei Seelen zuge rzahl 61; sie hatte binnen 30 Jahren um zenommen. Die Regierung dieses Mi m Konzbbags lägerhof Renns 22 —.„ asse 25 im elektrisch erlennteten Saale Täglich Vorshllung des Verietee- u. PossenEnsembles —## Programm: Fräulein Lina Jäneke Liederz. Walzersängerin Herr Charly Witting Charaber-Komiker. Fräulein Helene Seifert Chansostte. Herr Paul Preil Orignal-umorist mit selbstVasstem Repertir. Geschw. Rosetti Gesang-u. nzduettisen. Fräulein Emmy Schwarzenberg Soubrette. Fräulein Bertha Groll Chansonett Jeden Abend abwechselndes Proramm 444m und neue Komödien. H. Obschelp. 473 m Weihnachtsmarkt: Großes Tanzvergnüen verstärktes Orchester. Restaurant zum H. Heinig, vorm. Pieper, Rauthor. i0 Am 23. ds. Monats, zum Weihnachtsmrkt, findet wie früher ein Lanzkränzchen bei mir statt, wozu ich freundl. einlade. 4m E. Winkelmann, Lübbehor. Die Musik wird von der Inf.=Kapelle Nr. 55 aus Bielefeld ausführt. AlsAufschnitt empfehle: fl. westf. Schinken Cervelatwurst Plockwurst Rotwurst Leberwurst Sülze ferner: Schweizerkäse Tilsiter Käse holl. Rahmkäse nur vollfette Ware Schlosskäse Kräuterkäse Nieh. Hopfenkäse Bierkäse Limb. Käse Harzerkäse 465m Wilhelm Biermann. Kronen=Hummer Zungen Sardinen in Oel Lachs in Scheiben Appetit=Sild Granat in Dosen Frische Sprotten Aal Bucklinge 428m empfiehlt: Berm. Ebmeger Radewig 31. Fernspr. 153. Restaurant Brinkmann. Weihnachtsmarkt(23. Dezember): Oekonomen=Ball. Anfang 4 Uhr nachmittags. Hierzu ladet ergebenst ein 475 Heinrich Brinkmann Ww. Blumen-Ausstellung Alter Markt 2 Alter Markt Hermann Beckert. 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Original=Roman aus der Gegenwart von M. v. * „Widersprich nicht, Rudolf, du sollst nicht lügen, sollst mir nicht in der letzten Stunde unseres Beisammenseins eine Unwahrheit sagen.“ Sie hob das geneigte Haupt und sah ihm fest in die Augen.„Freigeben kann ich dich nicht, du hast dich in keiner Weise gebunden Aber ich werde auch keinen Anspruch an deine Zeit machen, davon sei überzeugt.“ Am Ende der Allee befand sich eine Bank; ermattet ließ sie sich darauf nieder, während er vor ihr stehen blieb. Mit einem sonderbaren Gefühl, das halb dem Mitleid mit ihr, halb der Erleichterung entsprang, daß die Unterredung beendet war, blickte er auf das junge Nädchen. Er ergriff ihre Hand und streichelte sie. „Vergiß nicht, Dora, um was ich dich gebeten habe,“ sagte er dann.„Ich werde wirklich erst Ruhe finden, wenn ich weiß, daß du in das Haus deiner Tante zurückgekehrt bist. Schreibe mir, sobald dies geschieht.“ Sie nickte stumm. „Ich werde dich nach Hause bringen,“ schlug Rudolf nach einer etwas verlegenen Pause vor. „Ich danke, Rudolf, bemühe dich nicht. Ich finde meinen Weg selbst, zuvor möchte ich mich jedoch ein wenig ausruhen.“ Er zögerte ein wenig. ##„Hier kann ich dich nicht allein lassen, es geht nicht.“ ;„Und warum nicht?“ „Die Gegend ist abgelegen, unsicher. Dem, der jetzt noch vorüberkommt, ist nicht zu trauen, denn du darfst nicht vergessen, daß es bereits spät ist. Wer weiß, wofür man dich hält.“ „Du hast recht, Rudolf, wie immer, doch siehst du, mir ist's gleich, wofür man mich hält. Vorwürfe mache ich dir nicht. Aber ich bitte dich, laß mich allein— ich möchte jetzt allein sein.“ Einige Minuten stand er unentschlossen vor ihr, endlich sagte er: „Lebewohl, Dora! Nimm den Abschied nicht zu schwer, und werde noch einmal recht, recht glücklich. Das wünsche ich dir von ganzem Herzen.“ „Lebewohl, Rudolf! Ich wunsche dir auch alles Gute.“ Ein kurzer Händedruck— dann hörte sie die in der Ferne verhallenden Schritte, und der Nebel hatte die schlanke Gestalt des Mannes verschlungen.— Neuntes Kapitel. Noch lange saß Dora traumversunken auf der Bank und blickte starr vor sich hin.„ Da fuhr ein Windstoß durch das nahe Gebüsch und schreckte sie aus ihrem dumpfen Hinbrüten auf. Sie chauerte leicht zusammen, und hüllte sich in das Tuch, das sie zum Schutz gegen die Abendkühle mitgenommen satte. Aber sie fröstelte trotzdem. Endlich erhob sie sich, um den Rückweg anzutreten, z ihre Bewegungen waren matt und schlaff. Von einem Kirchturm gab die Uhr die zehnte Stunde an; Dora zählt, die Schläge. So spät schon? Es war die höchste Zei., mach Hause zu gehen.— F. als sie jedoch einige Schritte getan hatte, machte ie Halt. Warum ging sie heim? Was war ihr hause? Ein Kämmerchen, vier Treppen hoch in einen Hofgebäude, wohin sich die Sonne nie verirrte, und in s dem das Recht zu wohnen sie sich mit ein paar Mark, = und doch teuer genug erkauft hatte. Und in wenigen * Tagen, wenn dies Recht verwirkt war, und sie die Wohnun, weil sie die Miete nicht mehr erschwingen konnte, räumen mußte, was dann? Die Wirtin hatte sie schon heute, weil sie den ganzen Tag zu. Hause gesessen, so eigen###tümlich angesehen und sie gefragt, warum sie nicht arheite?— * Unwillkürlich faßte das junge Mädchen in die Tasiche * Sie fühlte darin die Zeitung für Stellensuchende, die 1 sie sich vor wenigen Stunden gekauft hatte. Sie hatte auch Anzeigen gefunden, in denen Verkäuferinnen ihrer * Art gesucht wurden, und morgen wollte sie sich in verTschiedenen Geschäften vorstellen— morgen.—— Als sie die Zeitung gekauft, da hatte sie noch Mut und Hoffnung gekannt und Freude am Leben gefühlt. Jetzt?— Sie seufzte schwer. Ihr war so weh, so sterbensweh zu Nute. „Rudolf, ach Rudolf!“ rang es sich von ihren Lippen. Sie hätte sich sagen sollen, daß er, dem zu Liebe sich in Widerspruch mit ihrem ganzen bisherigen n zeven gesetzt, nur ein leichtsinniges Spiel mit ihr getrieben, nur für ein paar Sommermonate Unterhaltung gesucht, und daß er ihrer innigen tiefen Neigung nicht wert gewesen sei. Was, wert? Ein Schuft war er, daß er sie jetzt, da sie durch seine Mitschuld in Not geraten war, frei gab und sich jeder Sorge für sie entschlug. Aber das bedachte das Mädchen nicht. Im Gegenteil, ihr liebendes Herz suchte und fand tausend Entschuldigungen für den Ungetreuen. Der Trennungsschmerz überkam sie und mit ihm die Liebe zu dem, der das Ideal ihrer Jugend gewesen war. Und nun? Was sollte nun kommen? Sie konnte ihr Leid nicht weiter tragen, wieder setzte sie sich auf eine Bank und starrte vor sich hin. (Fortsetzung folgt.) (Dütterchen schickt mich... Skizze von Anna Julia Wolff. (Nachdruck verboten.) Die alte Friederike hatte die Lampe ausgelöscht, noch einen langen zärtlichen Kuß auf die Lippen ihrer kleinen Pflegebefohlenen gedrückt, dann hatte sie das Zimmer verlassen und die Tür hinter sich zugemacht. Klein=Elschen war allein. Mit großen, von Tränen verdunkelten Augen blickte sie zur Decke empor, ach, ihr war so weh, so weh! Zum erstenmale seit dem Tage, wo man ihr gutes Mütterchen ins Grab gelegt hatte, passierte es ihr heute, daß ihr armes Herz keine Ruhe finden konnte, und kein wohltätiger Schlaf sich auf ihre Augenlider senken wollte. Es war ja auch zu furchtbar, was ihr bevorstand. Sie sollte eine Stiefmutter bekommen, eine böse, abscheuliche Stiefmutter, die sie quälen und schlagen würde, wie die böse Stiefmutter im Märchen, o, es war ja zu schrecklich, es war ja gar nicht zu ertragen! Ein heftiges, langanhaltendes Schluchzen erschütterte den zarten Körper des Kindes. „Armes Würmchen, nun werden die guten Tage bei dir ein Ende haben, morgen kommt der Vater von der Reise zurück und bringt eine Stiefmutter ins Haus, ach, mein Gott, da wird ja nun freilich alles anders werden,“ so hatte die alte Friederike heute nachmittag zu ihr gesagt. Klein=Elschen hatte ungläubig zugehört. Es war ja nicht wahr, es konnte ja nicht wahr sein, was die alte Friederike da sagte, eine Stiefmutter für sie, die ja doch nie im Leben etwas Böses getan hatte, und stets ein gutes, folgsames Kind gewesen war, nein, das konnte der liebe Gott nicht zugeben. Und als man sie dann doch überzeugt hatte, daß es Wahrheit war, da hatte ein lähmendes Entsetzen das Herz des armen Kindes ergriffen. Eine Stiefmutter!— Sie konnte sich über diesen Begriff selbst nicht klar werden, sie hatte nur das Gefühl, daß es etwas Schreckliches, Grauenhaftes sein mußte, ihre junge Phantasie war erfüllt von all den Geschichten, die ihr die alte Friederike des Abends vorzulesen pflegte, und in denen böse Stiefmütter stets eine so unheilvolle Rolle gespielt hatten. Ein grenzenloser Schmerz hatte von ihr Besitz ergriffen. Und schon morgen sollte die Abscheuliche eintreffen, o, wie sie haßte, wie sie haßte! In wilder Verzweiflung bohrten sich die kleinen Fäuste in das Federkissen ein. Aber sie würde nicht zu ihr gehen, nein, nein, sie geht nicht zu ihr, die kleine Else, o, sie wird zeigen, daß sie sich auch wehren kann, wenn man sie mißhandeln will, sie geht nicht hin zu der abscheulichen Frau, und wenn der Vater auch noch so böse wird, das Beste ist, sie läuft davon, immer weiter, immer weiter, bis hin zu ihrem toten Mütterchen, das wird sie in ihre schützenden Arme nehmen, und dann— hier hörte der Gedankengang des Kindes auf, ein wohltätiger Schlummer ließ sie wenigstens auf Stunden den qualvollen Schmerz ihres jungen Lebens vergessen.— ** * „So, mein Elschen, hier bringe ich dir deine neue Mama, sie will dich sehr lieb haben, nun sei auch du ein gutes, braves Kind, geh hin und gib der neuen Mama einen recht herzlichen Kuß.“ Klein=Elschen rührte sich nicht. Nur einen kurzen, scheuen Blick warf sie auf das jünge Weib da, an der Seite ihres Vaters, dann senkte sie wieder trotzig die Lider, und kein Laut kam über ihre Lippen Die junge nammen Wie unmillfüslarabt Zorn. „Was bedeutet das, Elsbeth, augenblicklich gehst du zu der Mama und gibst ihr die Hand!“ Das Kind ruhrte sich nicht. Da ertönte eine unendlich sanfte, melodische Stimme an ihr Ohr: „Was hast du gegen mich, mein Elschen, willst du denn nicht versuchen, mich ein klein wenig lieb zu haben, sieh, ich meine es ja so gut mit dir,“ und zärtlich ergriff die junge Mutter die Hand des trotzigen Mädchens. Aber da regte sich wieder aller Zorn, aller Haß in dem Herzen des unbändigen Kindes. Heftig schleuderte sie die ihr so liebreich gebotene Hand zurück, und mit vör Aufregung kaum verständlicher Stimme schrie sie dem jungen Weibe entgegen: „Geh fort von mir, ich will dich nicht, ich hasse dich, ich schlage und beiße dich, wenn du mir naht kommst!“ Vor Wut halb rasend, stürzte sich der Vater auf das unselige Kind. Aber da fühlte er sich von einer weichen Frauenhand am Arm ergriffen und energisch zurückgehal ten, und mit von Tränen entstellter Stimme wandte sich die junge Frau zu ihrem Gatten: „Alfred, ich flehe dich an, tue ihr nichts, mit Strenge ist hier gar nichts zu tun, laß sie heute ruhig ihrer Wege gehen, vielleicht gibt mir Gott die Kraft, mir das Herz deines armen Kindes zu gewinnen.“ „So gehe, Elsbeth,“ kalt und herrisch klangen die Worte. Stumm, trotzig verließ das leidenschaftliche Kind das Zimmer.— Als der Gatte nach einer Weile auf kurze Zeit das Haus verlassen hatte, blieb das junge Weib allein zurück. O, wie schwer war ihr das Herz, wie todestraurig war ihr zu Mute! Mit welch froher Erwartung war sie in diese Ehe gegangen, wie hatte sie den Mann geliebt, der sie mit seiner Hand beglücken wollte! Sie war ein armes, nicht mehr ganz junges Mädchen in abhängiger Stellung ge wesen, als sie zum erstenmale mit Alfred von Herwald zusammentraf; seine edle Erscheinung, sein vornehmes Wesen, vor allem aber seine herzgewinnende Liebens würdigkeit hatten sofort einen unauslöschbaren Eindruck auf das vereinsamte Mädchen hervorgerufen. Freilich wäre ihr wohl nie der Gedanke gekommen, daß der ge sellschaftlich so hoch über ihr stehende Mann je die Hand nach der armen Gouvernante ausstrecken würde, und als es nun eines Tages doch geschah, als Alfred von Herwald sie bat, ihm ein treues Weib, seinem Kinde eine liebende Mutter zu werden, da war ihre Seele von so überschwenglichem Dank zu dem edlen Manne erfüllt, der ihr sein Herz und seinen Namen geben wollte, daß sie in immerwährender Sorge war, ob es ihr auch gelingen würde, ihm wenigstens einen Teil seiner Güte zu ver gelten. Die edelsten Vorsätze stiegen in ihrem Innern auf. O, wie wollte sie sein mutterloses Kind ans Herz nehmen, wie sollte ihr ganzes Leben nur darauf gerichtet sein, dem teuren Geschöpf die Mutter zu ersetzen! Ja, sie liebte das Kind schon von dem ersten Moment, als er der armen Gouvernante davon erzählte, es war ja auch so natürlich, war es ja doch sein Kind, sein Fleisch und Blut, das ihr anvertraut werden sollte. Mit Ungeduld hatte sie auf der Hochzeitsreise die Tage gezählt, bis es ihr vergönnt sein sollte, sein Kind zu umarmen und ihren heiligen Mutterpflichten genügen zu können. Und nun war der Tag gekommen, aber wie furchtbar anders hatte sich alles gestaltet, als sie es sich ausgemalt hatte, sie war mit ihrem übervollen Herzen von Liebe und Zärtlichkeit jäh zurückgestoßen worden, sie war beleidigt in dem Heiligsten, was sie besaß, in der Liebe zu dem Kinde des angebeteten Mannes. Und heiße, bittere Tränen entrannen den Augen des trostloser jüngen Weibes. (Schluß so#k. TA Tüocher u. Hashens billigst: 175m A. Middelmann. Meine neueingerichteten s Häusherazlagen halte den Bewohnern von Enger und Umgegend zum räuchern von Fleischwaren bestens empfohlen. Aug. Kronsbein, Schlachter in Enger. Massage und Heil-Gymnastik H. Dannbauer 581k Steinthorstr 1. 20% Cravaco Zahnwatte entbaltend und jeden Zahnschmerz sofort stillend, empfiehlt 911 W. Epseloh, Marktdrogerie jeder Art, billigst: A. 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Sep. in die Wohnung der Eheleute Wucherpfennig eingedrungen zu sein und auf die Aufforderung des Berechtigten dieselbe nicht verlassen zu haben. Frau Schmidt wurde zu 20 Mk. Geldstrafe bzw. 2 Tagen Gefängnis verurteilt; die übrigen Beklagten erzielten ein freisprechendes Arteil.— Cigarrenarbeiter Aug. Hentze, Schlosser Hermann Vokuhl und Schlosser Querfurt sind beschuldigt, in Depenbrock und Mennighüffen gebettelt zu haben. Hentze und Vokuhl erhielten je eine Woche, Querfurt 3 Tage Haft.— Der Tischlergeselle C. Spilker zu Niederbecksen, welcher einen dem Handelsmann Richard gehörigen Hahn getötet haben sollte, wurde freigesprochen.— Der Restaurateur H. Stickdorn hier war wegen wiederholter Uebertretung der Polizeistunde und weil er geduldet hatte, daß in seinem Lokal Lärm verursacht war, der die Nachbarn in ihrer Nachtruhe störte, in eine Polizeistrafe von 6 Mk. genommen. St. erhob Einspruch. Das Gericht verurteilte ihn wegen Uebertretung der PolizeiKunde in einem Falle mit 4 Mk. und wegen Duldung zuheftörenden Lärms in seinem Lokale in 2 Fällen, mit je 4 Mk.— Der Kaufmann Alb. Oswald hier erhielt wegen Richtanmeldung seines Arbeiters zur Krankenkasse 3 Mk. Geldstrafe.— Der Arbeiter Fr. Kracht zu Eidinghausen, wegen Hausfriedensbruch und Sachbeschädigung angeklagt, wurde freigesprochen.— Gegen den Handelsmann E. Büter wurde wegen Bettelns auf 1 Woche Haft erkannt.— Wegen unberechtigter Ausübung der Gast= und Schenkwirtschaft erhielt der Bäcker und Kleinhändler Karl Finke zu Mennighüffen 20 Mark Geldstrafe.— er Gastwirt Heiur. Rösche zu Ellerbusch hatte 2 Strafmandate über je 3 Mk. erhalten, weil er in 2 Fällen die Polizeistunde übertreten haben sollte. Bei der gerichtlichen Verhandlung stellte sich heraus, daß der Zeuge Karl Bringewatt die Anzeigen erstattet hatte, und diesem durch den Zeugen Heinr. Gottschalk in ganz leichtfertiger Weise die Unterlagen dazu geliefert waren. Rösche wurde freigesprochen, die Kosten des Verfahrens dem Zeugen Gottschalk auferlegt.— Die aus der Haft vorgeführte Ehefrau Auguste Zeller=Hannover, 61 wal vorbestraft, steht unter der Anklage, den Gendarmen W. Bredemeyer öffentlich beleidigt, demselben Widerstand geleistet und ferner sich der Rebertretung des§ 361 Abs. 6 des Strafgeserzbuches schuldig gemacht zu haben. Die Beklagte wurde in dem ersteren Falle überführt und zu 7 Wochen Haft verurteilt, wovon 5 Wochen durch die Untersuchungshaft als verbüßt erachtet wurden. Dem Beleidigten wurde Publilationsbefugnis zugesprochen. In der 2. Sache trat Freispruch ein.— Der Kleinhändler Heinr. Richter zu Löhne erhielt wegen unbefugter Ausübung der Schenkwirtschaft 20 Mk. Geldstrafe.— Die Arbeiter Böhm und Horz haben sich wegen Bettelns zu verantworten. Urteil: Böhm 1 Woche Hast, Horz 14 Tage Haft und Ueberweisung an die Landespolizeibehörde.— Die Privatklage Seusmeyer gegen Meyer und Meyer gegen Sensmeyer wurde von den Parteien auf ihre Kosten zurückgezogen.— In der Klagesache der Dienstmagd Behrmann hier gegen die Ehefrau Fritsche wegen thätlicher Beleidigung trat Freispruch ein.— Privatklage Maurer Friedr. Sieker zu Depenbrock gegen die Ehefrau Wilhelmine Wegener wegen thätlicher Beleidigung der Tochter des Klägers endete mit Verurteilung der Beklagten zu 5 Mk. Geldstrafe bzw. 1 * Hannover, 19. Dez. Die Jubelsau. In Stöcken hat ein Bauer eine Sau gehabt, die das stattliche Alter von 25 Jahren erreicht hal. Er suchte etwas darin, das Tier so lange zu behalten; es war im gleichen Alter mit seinem erstgeborenen Sohne und sollte nun auch so lange leben, bis die Jahre voll waren und der Sohn die Wirtschaft übernahm. Auf Nachfrage bei der tierärztlichen Hochschule wurde ihm nicht allein die Möglichkeit des oben erwähnten Falles bestätigt, sondern es wurde ihm ein anderes Beispiel vor einem Schwein mitgeteilt, das mit Trichinen gefüttert und ebenfalls über 20 Jahre alt wurde, als es auf der hiesigen Anstalt krepierte. Es hat sich herausgestellt, daß die Trichinen bis in dies hohe Alter hinein lebensfähig sich erhalten hatten. * K a r l s r u h e, 1 9. D e z. A n k a u f d e r S t r a ß e n bahn. Der Bürgerausschuß genehmigte mit 81 gegen 20 Simmen den Antrag des Stadtrats, wonach die Karlsruher Straßenbahn für 2681 250 Mk. unter Uebernahme der Kapitalschuld des Unternehmens im Betrage von 3 360000 Mk. von der Stadtgemeinde käuflich erworben Zeitgemäße Betrachtungen. —(Nachdruck verboten.) „Weihnachtsstimmung!“ Es geht zum Fest,— schon rüstet schnell— Knecht Ruprecht sich zum frohen Bringen, — aus Kinderaugen strahlt es hell— und frohe Weihnachtslieder klingen— in fieberhafter Thätigkeit— schafft Alt wie Jung und Mann wie Maid,— es regen sich viel fleiß'ge Hände— zum Fest der Wintersonnenwende!—— Das Fest, das schon in alter Zeit— des Herzens frohe Hoffnung währte— es ward zum Fest der Christenzeit— seit frommer Glaube es verklärte— und wenn des Winters Nacht und Not— die Freude zu erdrücken droht— dann strahlt durch trüber Zeiten dunkel— der Weihnachtskerzen hell Gefunkel! —— Es strahlt der Liebe holder Stern— mildthätig auf das Weltgetriebe— die Menschen aber üben gern— das schöne Werk der Nächstenliebe— in all der Liebesthätigkeit — versinkt der alte Haß und Streit— nach stürm'schen Tagen soll uns werden— die Botschaft: Friede sei auf Erden!—— Ja Friede sei die Signatur,— nur seine Weisen sollen schallen;— hat er doch endlich seine Spur— auch aufgedrückt des Reichstagshallen— der Volksvertreter ging nach Haus,— er seufzt beglückt: der Kampf ist aus,— der durch die Zolltarif=Debatte— so heftig sich entwickelt hatte!—— Bös hat sich in der letzten Zeit— gestaltet der Parteien Fehde— gar schön ist die Beredtsamkeit— doch schrecklich ist die Dauerrede,— solch eine Rede macht zur Not— den Sprecher wie die Hörer tot— indeß, sie soll vergessen werden,— jetzt heißt es: Friede sei auf Erden! —— Es giebt jetzt auf der weiten Welt— nur eine kriegerische Seele— Don Castro ists der große Held— der tapfere Venezuele.— Er ruft: Ich bin der große Mann— der Euch nichts schuldig bleiben kann,— doch kommt Ihr, Gelder einzutreiben,— die werde ich Euch— schuldig bleiben! —— Don Castro macht sich kampfbereit— schon scheint die Sache ernst zu werden,— vielleicht wirds ihm in letzter Zeit — noch leid und— Friede herrscht auf Erden,— doch— abgesehen von diesem Fall,— herrscht Weihnachtsstimmung überall;— es geht zum Fest, die Zeit rückt weiter— bald kommt der Weihnachtsmann! Ernst Heiter. Bestellungen auf die„Herforder Zeitung für Stadt und Land“ pro erstes Vierteljahr 1903 werden schon jetzt bei den Postanstalten sowie bei unseren Agenturen und bei der Expedition angenommen. (Fortsetzung aus dem zweiten Blatt.) Sin Ritter der Arbeit. Original=Roman aus der Gegenwart von M. v. Buch. (10. Fortsetzung.) Wie sollte sich nun das Leben für sie— ohne ihn — gestalten? Von früh bis abends würde sie in dumpfen Geschäftsräumen weilen, und sie verabscheute die stickige Luft und haßte die Stadt. Ohne den fröhlichen Trost des Wiedersehens mit ihm, der der Sonnenschein in dem grauen Einerlei ihrer Tage gewesen war, gab es für sie fortan nur Arbeit, Arbeit und immer wieder Arbeit. Solch Leben sollte sie also führen, und warum sollte sie es führen? fragte sie sich. Armes Kind! Da war niemand, der ihr Trost zusprechen, der ihr Hoffnung und Mut ins Herz gießen konnte. Wenn ihr Vater noch gelebt hätte, dann— ja, dann—. Sie kannte das Lied, mit dem er sich und sie, wenn Kummer und Leid an ihre Tür gepocht, aufgerichtet hatte. Dann war er zu ihr getreten und hatte iyr den schönen Vers des alten deutschen Trost= und Hoffnungsliedes vorgesprochen. Ach, und wie hatte sie sich an den Worten erquickt: Befiehl du deine Wege, Und was dein Herze kränkt, Der allertreusten Pflege Deß, der den Himmel lenkt. Sie fuhr sich mit der Hand über die feuchten Augen. Ja, so hatte er gesprochen, aber sie? Konnte sie noch beten:„Befiehl du deine Wege?“ Sie hatte traurige Erfahrungen gesammelt in der großen Stadt. Auch sie hatte die Lehren der Neuzeit, hatte das neue Gebot vernommen, daß es keinen Gott und kein Jenseits mehr gebe, daß alles Ringen nach Vollendung, alles Streben gut zu bleiben, nicht lohne, da mit dem letzten Augenblick unseres Erdenlebens alles zu Ende ist, denn gleich wie der Körper zu Staub wird, hört auch der Geist auf zu sein. Wenn es nun niemand gibt, dem sie ihr Leid klagen kann, keinen, der, ein sorgender und liebender Vater zugleich, ihren Kummer versteht, und ihr den Schmerz tragen hilft, um dermaleinst alles zum Besten zu wenden— wenn es also keinen gibt, der den Himmel lenkt, warum lebt sie denn? Um zu arbeiten? Für wen? Nur für sich? Ein trostloses Dasein! Oder lebt sie, um zu leiden? Warum leiden? Warum nicht dem ganzen Leben ein Ende machen und Ruhe suchen? Nichts mehr wissen von der Schlechtigkeit der Welt, nicht mehr an vergangene schöne Tage denken, die nie mehr wiederkehren, und nicht mehr das zehrende Weh im Herzen fühlen, den Schmerz verratener Liebe! Wie schön ware das!— Nur Ruhe finden— traumlose Ruhe! Langsam, ohne recht zu wissen warum, ging sie weiter. Plötzlich erkannte sie, daß sie auf einer Brücke stand. Hell schien der Mond in das stille, klare Wasser. Sie leynte sich über die steinerne Brüstung und verfolgte mit den Augen die filberne Bahn, mit der der stille Gefährte der Nacht seinen Weg zeichnete. Um sie herum (Nachdruck verboten. war alles still, nur aus der Ferne drangen verworrene Klänge zu ihr herüber. Noch vibrierten die Pulse der Großstadt, aber die Mitternacht übte doch auch auf sie ihre beschwichtigende Wirkung aus. Dora stand still und schaute selbstvergessen vor sich hin. Sie dachte an ihr bisheriges Leben, und es war ihr, als ob sie das gute Gesicht ihres Vaters in dem Herbstnebel, der sie umgab, erkannte. Aber das Gesicht entschwand, und Rudolfs dunkle Augen leuchteten sie an. „Rudolf, am— Rudolf!“ Sie dachte nicht an die grausam egoistischen Worte, mit denen er ihr mitgeteilt, daß er sich um eine reiche Erbin bemühe, und daß, so harmlos und unschuldig auch ihr Verhältnis gewesen, es doch für ihn angebracht sei, die Bekanntschaft weiter zu führen, da jedenfalls die Ver wandten der jungen Dame Erkundigungen nach seinen Lebensgewohnheiten einziehen würden. Und sollte man ihn häufig an ihrer— Doras— Seite finden, so könnte das ein schlechtes Licht auf ihn werfen, denn die Menschen seien geneigt, das Schlechteste zu denken, und an ein rein freundschaftliches Verhältnis zwischen ihm und ihr, wie es tatsächlich bestanden, würde niemand glauben. Diese Worte hatte das junge Mädchen vergessen. Sie dachte nur an die wenigen, ach so kurzen glücklichen Stur den, die sie in seiner Gesellschaft verlebt, an jene seligen Minuten, in denen er ihr gesagt, daß er sie liebe, in denen er sie geküßt, und wo sie gedacht, daß das Leben nach solchen Augenblicken ihr nichts Schöneres bieten oder bringen könne. Und jede Stunde, da sie mit ihm zusammen war, hatte ihr Glück vertieft, es vergrößert— bis heute. Heute hatte seine Hand es zerschlagen, er hatte ihr Leben des Inhalts beraubt. Warum weiter leben, wenn das Dasein so schwer ist? Was fesselte sie an diese Erde, wenn er ihr nicht mehr gehörte?— Wenn eine andere ihn küßte? Und noch immer stand sie und schaute. Schaute auf das Wasser, in dem die silbernen Strahlen des Mondes sich badeten, und horchte auf die lockenden Stimmen, die in der Tiefe ihrer Seele erwacht waren, und sie fragten: Warum leben, wenn das Dasein keinen Reiz für dich hat? Warum? Und die lockenden Stimmen wur den lauter und vernehmlicher, immer deutlicher hörte sie von ihnen das neue Gebot, und vernahm die Kunde von dem Zauberland für kranke, wunde Seelen: Nir wana. Der Nachtwind rauschte, kräuselte das Wasser in leich ten Wellen auf und ging sacht über die welken Blätter. Plötzlich war es ihr, als ob Schritte hinter ihr erklangen Kam da wirklich jemand? Dora schauerte zusammen und blickte mit verängstig ten Augen in das nächtliche Dunkel. Sah sie recht, sah sie wirklich eine Gestalt in dem weißlichen Nebel auftauchen? Atemlos lauschte sie, von kindischer Furcht gepeinigt. Sie wartete umsonst. Niemand kam. Doch die wirren Gedanken des fieberisch erregten Mädchens hatten Gestalt □ O:: S 8 B 0— Se 0—. * 8 8 *#8 S 9. GS S 9 SE. 0— 5 83 —• 000 5 . 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