12. —ealonzeiger für dieg 8gugen Mohock Kreis 6. 12. Jahrgang. # N6 295 Diese Zeitung erscheint um Abend jeden Wochentages. Abonnementspreis vierteljährlich pränumerande 1.25 Mark. bei Postbestellung kommt das Bestellgeld hinzu Mittwoch, 17. Dezember. Insernte werden bis spätestens vorm. 11 Uhr erbeten. Preis der einspaltigen Betitzeile für Stadt und Kreis Herford, Ocynhansen und Amt Resme 10 Pfg., sons 19 Bfg 1902 Zur Einstellung des Krupp=Prozesses erhält der„Vorwärts“ folgende Zuschrift: Berlin, 15. Dezember 1902. In Nr. 268 des„Vorwärts“ vom 15. November 1902 ist ein Artikel„Krupp auf Capri“ erschienen, der Verdächtigungen des Wirklichen Geheimen Rats Friedrich Alfred Krupp enthält. Herr Krupp hat sofort telegraphisch und am nächsten Tage schriftlich mit Beziehung auf diesen Artikel bei der Staatsanwaltschaft des hiesigen Landgerichts I Strafantrag wegen Beleidigung gestellt. Grund dessen ist durch Beschluß des Königlichen Amtsgerichts I vom 17. November 1902 die Beschlagnahme der Nr. 268 des„Vorwärts“ angeordnet und ausgeführt worden. Am 22. November 1902 ist Herr Krupp verstorben. Hierdurch ist dem Angegriffenen die Möglichkeit genommen, durch sein eidliches Zeugnis die gegen ihn erobenen Verdächtigungen zu widerlegen. Seinen festen Willen, die Haltlosigkeit der ihm gemachten Vorwürfe vor Gericht nachzuweisen, hat er wiederholt, auch durch Stellung des Strafantrages, bekundet. Von dieser Erwägung geleitet, hat die Witwe des Verstorbenen, Frau Krupp, erklärt, daß sie, durchdrungen von der Gewißheit der Schuldlosigkeit ihres Gatten, Wert darauf lege, daß der Streit um den Verstorbenen in der Oeffentlichkeit möglichst zur Ruhe komme. Es sei ihr deshalb an der gerichtlichen Bestrafung der Urheber und Verbreiter der Gerüchte nichts mehr gelegen. Bei dieser Sachlage erachte ich eine weitere Strafverfolgung nicht mehr als im öffentlichen Interesse liegend und werde ich deshalb dem gestellten Strafantrage keine weitere Folge geben. Wegen Aushebung der Beschlagnahme der DruckSchrift ist das Erforderliche veranlaßt. Dr. Isenbiel, Oberstaatsanwalt. : I m A n s c h l u ß a n d i e E i n s t e l l u n g d e s V e r f a h r e n s g e g e n den„Vorwärts" teilt das Direktorium der Firma Friedr. Kruvy den Werkangehörigen durch Anschlag folgendes mit: Bei der Fortsetzung des Verfahrens würde sich nach dem einstimmigen Urteil Rechtskundiger ein langwieriger und erbitterter Kampf vor den Gerichten entsponnen haben, wobei die von Parteileidenschaft und Haß erfüllten Gegner alles aufgeboten hätten, das Andenken des Verstorbenen weiter zu verunglimpfen. Nach Lage der Gesetzgebung war es nicht möglich, zu verhindern, daß das Verfahren, durch fortgesetzte Beweisanträge in die Länge gezogen, über den eigentlichen Gegenstand hinaus ausgedehnt und in sensationeller Weise ausgebeutet worden wäre. Es kommt hinzu, daß mit dem Tode Krupps die Prozeßlage wesentlich ungünstiger geworden ist. Das Wort und das eidliche Zeugnis des Verstorbenen können nicht mehr in die Wagschale geworfen werden, um wahrheitswidrige Behauptungen zu widerlegen. Das Gesetz, das dem Beleidigten bei Lebzeiten das Recht der Rebenklage oder Privatklage giebt, läßt diese Klage beim Tode erlöschen und versagt sie den Hinterbliebenen, die damit jede Möglichkeit der Beteiligung am Verfahren verlieren. Das In nken Verstorbenen steht für Frau Krupp, deren Gefühl sich gegen die Fortsetzung des langwierigen und gehässigen Kampfes über den Tod hinaus sträubt, und für uns alle so hoch und rein da, daß es keiner gerichtlichen Ehrenerklarung bedarf. Die erhebenden Kundgebungen für die Ehre des Verstorbenen und nicht zum mindesten die einmütigen Erklärungen seiner Beamten und Arbeiter und derjenigen, die ihm sonst in seinem Leben und Wirken nahe standen, haben Frau Krupp bewiesen, daß bei allen, auf deren Urteil sie Wert legt, die Verdächtigungen wirkungslos waren und das Vertrauen und die Achtung, die der Verstorbene besaß, unerschüttert geblieben sind. Frau Krupp hat unter diesen Umständen der königlichen Staatsanwaltschaft mitgeteilt, daß sie den Wunsch auf Fortsetzung des Verfahrens nicht aussprechen wolle und die Entscheidung der Staatsanwaltschaft anheimgebe. Die Konservativen und der Bund der Landwirte. Nach der„Kons. Korr.“ hat die konservative Reichstagsfraktion am Montag folgende Resolution beschlossen: „Die konservative Fraktion des Reichstags ist der Ueberzeugung, daß in der Trennung ihrer Mitglieder bei der Abstimmung über den Antrag von Kardorff keine grundsätzliche Meinungsverschiedenheit in der Stellung der Fraktion zu den Forderungen ihres Programms hinsichtlich des Schutzes der Landwirtschaft zu finden ist. Sie bedauert und mißbilligt die in Nr. 585 der„Deutschen Tageszeitung" veröffentlichte Erklärung des engeren Vorstandes des Bundes der Landwirte, wodurch scharf Stellung genommen wird gegen diejenigen konservativen Abgeordneten, welche für den Antrag von Kardorff(Zolltarif) gestimmt haben, und worin diesen sogar der Vorwurf gemacht wird, daß sie gegen ihre lange Zeit hindurch bethätigte wirtschaftliche Ueberzeugung gestimmt hätten.“ Die„Kons. Korresp.“ fügt dann ihrerseits hinzu: „Die konservative Fraktion ist bei ihrer Stellungnahme von der vollauf begründeten Anschauung ausgegangen, daß die weitesten Kreise des Bundes der Landwirte keinesfalls der Meinung sind, die der engere Vorstand in seiner Erklärung vertreten hat. Es wird vielmehr von der Fraktion als sicher erachtet, daß die Mitglieder des Bundes der Landwirte in ihrer überwiegenden Mehrheit die durch die nun verabschiedete Zolltarifreform gebotenen Vorteile zu würdigen wissen und daß sie ein Scheitern derselben für verhängnisvoll erachtet haben würden. In dem Sinne dieser Erkenntnis wird die konservative Partei bemüht sein, unter der landwirtschaftlichen Bevölkerung weiterhin aufklärend zu wirken.“ Der Streit mit Venezuela. Brüssel, 16. Dez. Ein venezuelischer Staatsmann, der unter Crespos Präsidentschaft eine Rolle spielte, seit dem Emporkommen von Castro jedoch hierher übersiedelte, schildert diesen als einen rohen und unwissenden Menschen, der kaum seinen Namen schreiben könne. Während seiner dreijährigen Herrschaft habe Castro ein Privatvermögen von 12 Millionen Franken angesammelt, das er wohlweislich in einer Newyorker Bank hinterlegte. Er sei ein gefährlicher Mensch, der vor nichts zurückscheue. London, 16. Dez. Eine hiesige Handelsfirma, die in beständigen geschäftlichen Beziehungen mit Venezuela steht, empfing eine Chiffredepesche aus Caracas, der zufolge die Stellung Castros täglich schwieriger werde; eine neue Revolution scheine bevorzustehen; Matos verweigere die Kooperation mit Castro gegen die Verbündeten. Alle Läden sind geschlossen, die Geschäfte ruhen gänzlich. Oberhaus. Lansdowne erklärt auf eine Anfrage, England und Deutschland hätten vereinbart, daß sie im Falle eines Versagens der bisherigen Zwangsmaßnahmen zu einer gemeinsamen Blockade der venezolanischen Häfen schreiten würden. Lansdowne bemerkt weiter, daß nicht beabsichtigt sei, eine britische Streitmacht zu landen und noch weniger venezolanisches Gebiet zu besetzen. Chinesische Rachegedanken. In der„North China Daily News“, die in Shanghai erscheinen, heißt es:„Die Kaiserin=Witwe vergißt niemals. Dessen rühmt sie sich immer. Sie ist immer noch erfüllt von dem einen Gedanken, sich an den Barbaren des Westens zu rächen. Daher hören wir aus zuverlässiger Quelle, daß sie unter der Hand die Mandschus ausheben läßt und bereits 30000 Mann, die mit großem Eifer gedrillt werden und die modernsten Waffen besitzen, in Regimenter und Halbregimenter einteilen ließ. Sie soll dabei versuchen, den Fremden jeden Einblick in diese Maßnahmen zu entziehen.“ Herforder Kreisnachrichten. Herford, 17. Dezember 1902. * Kreistag. Am nächsten Montag, vormittags 11 Uhr, findet im Kreishause hier eine Sitzung des Kreistags statt. Die Tagesordnung ist wie folgt: 1. Abnahme der Rechnungen. a. der Kreis=Kommunalkasse für 1901, b. der Chaussee=Unterhaltungskasse für 1901, c. der Kreis=Sparkasse für 1901, d. des Friedrich=WilhelmsHospitals für 1901.. 2. Einführung des V. Nachtrags zum Normal=Besoldungs=Etat vom 4. Mai 1892 für die Landwirtschafts= und Realschule hierselbst. 3. Veräußerung von Chausseeflächen. 4. Veräußerung von Restgrundstücken der Eiseabahn BündeSulingen. 5. Umgemeindung von Grundstücken zwischen Herford und Herringhausen. 6. Zusammenlegung in Dreyen. 7. Desgl. in Werffen. 8. Wahl: a. der Schiedsmänner zur Festsetzung der Entschädigungen bei Viehseuchen für 1903, b. der Kommission zur Nachprüfung der Rechnungen der Kreis=Kommunal= und Chaussee=Unterhaltungskasse für 1902, c. der Vertrauensmänner des Ausschusses zur Wahl der Schöffen und Geschworenen, d. von 2 Mitgliedern des Kreisausschusses für 1903—1909, e. der Sachverständigen für die AnerbenKommission für 1/10. 1902/08, k. der Sachverständigen zur Abschätzung von Flurschäden bei Truppenübungen für 1903/09, g. eines Sachverständigen zur Abschätzung der Bellage. im Mobilmachungsfalle auszuhebenden Personen=Selbstfahrer für 1/4. 1902/05, h. eines Mitoliedes des Kuratoriums der Kreis=Sparkasse für 1902/08 an Stelle des verstorbenen Kaufmanns Angenete hier. *∆ Mit der Verkoppelung beschäftigte sich gestern abend wieder einmal eine öffentliche gut besuchte Versammlung, die von der Bürgervereinigung einberufen worden war. In ausführlicher Weise verbreitete sich zunächst Herr Engelbert Schönfeld über diese Frage. Seine Stellungnahme hierzu ist bekannt; sie war erst kürzlich wieder von ihm in einem in der Zeitung veröffentlichten Artikel eingehend erörtert worden. Redner hält es für notwendig, daß Magistrat und höhere Behörden ersucht werden, die Verkoppelung aufzunehmen. Alsdann verbreitete sich Redner über den in der gestrigen Nummer der Zeitung zum Abdruck gekommenen Artikel des Herrn Bernhard Stranghöner. Da sich letzterer als ein Gegner der Verkoppelung bekenne, so hätte er auch nicht die Stimmen, welche auf ihn bei der Stadtverordnetenwahl von Verkoppelungsfreunden gefallen seien, annehinen sollen. Was nun der Artikel selbst anbelange, so enthalte derselbe viele Unrichtigkeiten. Von einer Begehrlichkeit der Stadt könne in dieser Frage doch keine Rede sein; wir wollen mit den Bewohnern der Feldmarken für das Wohl der Stadt eintreten. Dann sollen durch die Verkoppelung auch dem Arbeiterstand billige Bauplätze geschaffen werden; wäre Herr Stranghöner thatsächlich für die Interessen der Arbeiter, so müßte auch er für die Verkoppelung eintreten. Nach weiteren persönlichen Bemerkungen gegen den Verfasser qu. Artikels spricht Herr Schönfeld betreffs der„Bahn nach dem Monde“ seine Verwunderung darüber aus, daß Herr Stranghöner einen so hohen Flug nehmen wolle; da könne er(Redner) ihm allerdings nicht folgen. Der Vorsitzende, Herr Architekt König, bemerkt alsdann, daß der Sekretär der Spezialkommission, Herr Ridderhoff, dem Ersuchen der Bürgervereinigung freundlichst nachgekommen sei, hier auch einmal über die Verkoppelung zu sprechen. Herr Ridderhoff hebt zunächst hervo., daß er als Privatmann sprechen wolle. Vieles, was er habe sagen wollen, sei aber bereits von Herrn Schönfeld so klarer Weise vorgetragen worden. Redner hält die Verkoppelung für die wichtigste Frage der Stadt, da sie die Grundlage für deren Wohl bilde. Zu bedauern sei es, daß von den Gegnern der Verkoppelung der Kampf zu wenig anständig geführt werde; dazu komme, daß dieselben über den Wert der Verkoppelung gar nicht unterrichtet seien. Er richtet des Weiteren das Ersuchen an die Betreffenden, einmal in der Spezialkommission vorzusprechen, damit sie unter Zugrundelegung des Kartenmaterials über diese hochwichtige Frage orientiert würden. Mit dem Wunsche, daß der Magistrat der Verkoppelung jetzt nicht mehr so kühl wie früher gegenüberstehen möge, schloß Redner seine mit Beifall aufgenommenen Ausführungen. Herr Heidland, Neustädter=Feldmark, der die Debatte eröffnete, spricht sich für die Verkoppelung aus; nur müsse die Stadt größere Opfer bringen. Herr Stranghöner, der sich diesmal kurz fassen wolle, da er schon genug in der Sitzung habe hören müssen, ist dafür, daß die Verkoppelung auf den städtischen Etat genommen werde. Der Vorsitzende legt alsdann Pläne vor, die sich auf die Zustände von Wiedenbrück vor und nach der Verkoppelung beziehen. Herr Ströter weist darauf hin, daß durch Offenlegung von Straßen den Anwohnern weit größere Opfer erwachsen, als wie sie die Verkoppelung mit sich bringen würde; so habe er für seinen Teil für die Auflegung der verlängerten Hermannstraße 600 Mk. zahlen müssen. Herr Raabe hält auch die Verkoppelung für sehr vorteilhaft; frober, als er darüber noch nicht genau informiert gewesen sei, wäre er ein Gegner dieser Bewegung gewesen, weil er geglaubt habe, daß die Kosten zu hohe sein würden. Herr Sewing ist der Ansicht, daß den Bewohnern durch die Verkoppelung große wirtschaftliche Vorteile geschaffen werden. So wurde fortgesetzt von Freunden und Gegnern die Sache besprochen, bis schließlich der Antrag des Herrn Engelbert Schönfeld, den Magistrat und andere Behörden zur Vornahme der Verkoppelung zu ersuchen, angenommen wurde. Herr Ridderhoff hatte vorher u. a noch darauf hingewiesen, daß in Rheda=Wiedenbrück infolge der Verkoppelung die Sekundärbahn ca. 60 Meter von der Chaussee abgelegt worden sei. Ueber den weiteren Punkt der Tagesordnung: Brandreden gegen die Bürgervereinigung, gav Herr Architekt König das Referat. Derselbe brachte einen längeren, vom Vorstande ausgearbeiteten Artikel zur Verlesung; in diesem wird das Vorgehen des Herrn Ratsherrn Brand gegen die Bürgervereinigung vor der letzten Stadtverordnetenwahl scharf kritisiert.(Der Artikel wird morgen zur Veröffentlichung kommen. Aum. der Redaktion.) Die Herren Steinmann und Raabe kommen auf den Verlauf der beiden vor der Wahl abgehaltenen Versammlungen zu sprechen und halten es nicht für richtig, daß seitens eines in der geschilderten Weise in die WahlRagstratsmütgtruig, werde Her Wolf erimert daran, daß Herr Deppermann nie Mitglied der Bürgervereinigung gewesen sei;: es Könne daher auch nicht die Rede davon sei, daß D. aus dieser Vereinigung ausgestoßen worden wäre. Herr Schönfeld bemerkt, daß hier jeder zu Wort kommen konne. Da dies auch Herr Ratsherr Brand wisse, so hätte derselbe ja einmaleiner Sitzung der Bürgervereinigung beiwohnen können. Herr Prokurist Reinhardt referiert nun über den Punkt der TagesOronung bes Protest gegen die Stadtveror dnetenwahl der 2. Abteilung. Wie Referent ausführt, solle Protest gegen die Wahl des Herrn Vorsteher Detring eingelegt werden, da dieser eine feststehende Gemeindeeinnahme beziehe und als Organ des Magistrats dessen Befehle ausführen müsse. Ein Stadtverordneter habe den Magistrat zu kontrollieren; mit den gesetzlichen Bestimmungen liege es somit nicht in Einklang, wenn ein Vorsteher auch Mitglied des Stadtverordnetenkollegiums ist. Würde der Protest anerkannt, dann würde Herr König als Stadtverordneter in Frage kommen, da derselbe gleich Herrn Detring die meisten Stimmen in der Majorität erhalten habe. Herr Schönfeld erklärt sich bereit, den Protest in der Stadtverordneten=Versammlung zu begründen. Herr Ströter befürchtet durch diese Protesteinlegung Nachteile für die Bürgervereinigung, weil man dann deren Mitglieder leicht als Krakeeler hinstellen könne. Der„Giftbaum“ sei durch die aufreizenden Reden vor den Wahlen so gut„gedüngt“ worden, daß es bedauerlich sei, wenn man jetzt etwa durch den Protest zu einem andern Urteil über diese Vereinigung kommen werde. Herr Schönfeld bemerkt dem gegenüber, daß wir doch nur mit dem Protest das Rechte wollen; sind wir im Unrecht, so fügen wir uns gern. Herr Wolff ist auch der Ansicht, daß die Sachlage einmal genau geprüft werden müsse. Früher sei es vorgekommen, daß von den Vorstehern scharf in die Wahlbewegung eingegriffen worden sei. Da könne nun doch einmal untersucht werden, ob die Vorsteher auch berechtigt sind, Stadtverordnete zu sein. Herr Sewing spricht ebenfalls für die Einlegung des Protestes. Herr Reinhardt glaubt, daß bei einer evtl. Neuwahl die Chancen für Herrn König um so größer seien, als Herr Vorsteher Detring in der letzten Stadtverordnetensitzung für die Grundsteuer nach dem gemeinen Wert so energisch eingetreten sei. Nachdem alsdann beschlossen worden war, den Protest zu erheben, ward um 11¾ Uhr die Sitzung geschlossen. * Ein schweres Brandunglück schien gestern abend den Gehrenberg bedrohen zu wollen. Gegen 6¾ Uhr war auf dem Boden des Hermann Herzfeldschen Warenhauses Feuer ausgebrochen, das der herrschende starke Wind so entfachte, daß bald der ganze Dachstuhl in Flammen stand. Bald war auch die Feuerwehr zur Stelle; aber bei der Art dieses Feuers, das durch allerlei auf dem Boden lagernde Stoffe und Sachen, wie Bettfedern und dergl. sehr geschürt wurde, schien es zunächst, als ob alles Thätigsein der Feuerwehr erfolglos bleiben müßte. Dazu kam, daß der Wind die Flammen immer mehr entfachte und daß durch die umherfliegenden Funken die Häuser der Nachbarschaft gefährdet wurden; auch war ein Hydrant eingefroren. Ein Glück war es, daß die gegen abend eingetretene regnerische Witterung anhielt. In der 10. Stunde war endlich die Gefahr beseitigt und alle Bewohner der angrenzenden Häuser atmeten erleichtert auf. Am vorderen Teile des Herzfeldschen Hauses hatte das Feuer noch einen Teil des zweiten Stockes ergriffen; das Hintergebäude ist dagegen fast völlig ausgebrannt. Die ganze Nacht hindurch und auch heute vormittag noch hielt eine Abteilung der Feuerwehr Wache; wiederholt mußte dieselbe eingreifen, da die noch immer glimmenden Balken von neuem einen größeren Ausbruch des Feuers befarchten ließen. Wie wir noch erfahren, ist das Mobiliar bei Herrn Agent Jonas Meyer versichert; das Gebäude ist bei der Westfälischen Provinzial Feuersozietät in Deckung gegeben.— Unsere Feuerwehr hatte bei diesem Brandunglück einen schweren Stand; aber mit Ausdauer wurden bei umsichtiger Leitung all die vielfachen Hindernisse überwunden und so konnte schließlich auch dieser große Brand bekämpft werden. Bei demselben hat sich so recht einmal der Wert einer gut geleiteten Feuerwehr gezeigt; möchten daher immer weitere Kreise in die Reihen der braven Feuerwehrleute eintreten, die für die Interessen ihrer Mitbürger so unentwegt einzutreten wissen. * Die Brandstätte am Gehrenberg wurde fortgesetzt im Laufe des Vormittags von vielen in Augenschein genommen. en Familienabend. Der hiesige Ev. Jänglings= und Männerverein beabsichtigt am nächsten Sonntag wieder einen Familienabend zu veranstalten. Derselbe wird in seinen gut gewählten musikalischen und deklamatorischen Darbietungen vorwiegend weihnachtlichen Charakter tragen. Besonders ansprechen dürfte ein größeres Molodrama„Das Glöcklein von Junisfär“ oder„Ein Weihnachtsabend in Schottland“, welches an anderen Orten mit vielem Beifall ausgenommen wurde. * Im Naturheilverein findet heute, Mittwoch abend 8¼ Uhr, ein Vortrag des auch hier bereits bestens bekannten Herrn W. Siegert aus Bremen statt. Ueber das Vortragsthema brachte schon der Inseratenteil näheres. d Zwangsinnung. Im evangelischen Vereinshause wurde am Montag eine Vorbesprechung zwecks Gründung einer Zwangsinnung für das Schneidergewerbe im Kreise Herford abgehalten. Es wurde ein provisorischer Vorstand gewählt. Die Bearbeitung der Statuten wurde alsdann einer besonderen Kommission übertragen. Zur Einführung in die Verhandlungen hatte Herr Zuschneidelehrer Schwarz aus Frankfurt a. M. einen interessanten Vortrag gehalten. In der gestrigen Generalversammlung der Ortskrankenkasse für die auf den Zuckerwaren= und Chokoladenfabriken beschäftigten Personen wurde als Vorsitzender Herr Julius Nolting und als Schriftführer Herr Gustav Dürkopp gewählt und die Herren Heinrich Griese und August Schröder von den Arbeitnehmern wieder gewählt. Als Kassenrevisoren wurden die bisherigen Herren beibebalten. Für das kommende Jahr wurden als Kassenärzte die Herren Dr. Pape, Dr. Troschke, Dr. Hentschel und Dr. Kopp gewählt. Der Antrag auf Bewilligung der Krankengelder für Sonn= und Festtage wurde einstimmig angenommen. Die Versammlung war gut besucht. s Westerenger, 16. Dez. Familienabend. Am zweiten Weihnachtstage veranstaltet der Gesangverein„Germania“ beim Gastwirt Ostheider hier einen Familienabend. und Nachbarstaaten. ** Oeynhausen, 16. Dez. Konkursverfahren. Ueber das Vermögen des Kaufmanns Otto Prickel hier ist das Konkursverfahren eröffnet worden. * Harburg, 16. Dez. Ein wohlüberlegter Schwindel ist dieser Tage mit einem Sparkassenbuch der Sparkasse in Hittfeld ausgeführt worden. Am 4. November erschien im Kassenlokale eine unbekannte, gut gekleidete Dame, um auf ein neues Buch, das auf den Namen„Emma Wülfken=Wilhelmsburg" lautete, 10 Mk. zu belegen. Das Sparkassenbuch wurde vorschriftsmäßig ausgefertigt und die Einlage in Zahlen„10 Mk.“ und in Worten„Zehn Mark“ eingetragen und mit dem erforderlichen Stempel versehen. Die Besitzerin des Buches hat dann die Zahl 10 in 1200 umgeändert, ferner die Worte„Zehn Mark“ mit zwei neuen Wechselstempelmarken à 1,50 Mk. beklebt und durch die Marken„Zwölfhundert=Mark“ geschrieben. Als es ihr bei verschiedenen Frauen Harburgs nicht gelang, gegen Verpfändung dieses gefälschten Buches ein Darlehen von 300 Mk. zu erlangen, wandte sie sich nach Elmshorn und erreichte dort ihren Zweck, indem sie der Frau eines Schiffsarbeiters vorschwindelte, ihr Mann sei geneigt, gegen eine gute Entschädigung ein Darlehen von 300 Mk. zu gewähren, weil sie, die Besitzerin des Buches, in Wilhelmsburg einen sehr preiswerten Bauplatz kaufen könne. Die Frau schenkte diesen Angaben Glauben und händigte der Betrügerin ihren ganzen Barbestand von 260 Mk. ein, um dafür das gefälschte Buch im Werte von nur 10 Mk. in Pfand zu nehmen. Vermischtes. Die letzte Reichstagssitzung hat an die Diener und Beamten des Reichstages die größten Anforderungen gestellt, sie mußten während der ganzen Dauer der fast 19stündigen Sitzung Dienst thun, außerdem hatten sie vor= und nachher noch zu arbeiten, so daß sie ungefähr 22 Stunden Dienst hatten. Dasselbe trifft für die Beamten des Reichstagspostamtes zu, das die ganze Nacht hindurch geöffnet war und einen angestrengten Dienst hatte, namentlich wurden am Abend des Sonnabend viele Rohrpostkarten aufgegeben, die nach Hause gerichtet waren und die Meldung enthielten:„Komme heute Nacht nicht nach Hause, wir„tagen" durch bis zum Morgen". Zur Verstärkung waren Diener des Abgeordnetenhauses beordert worden. Am Sonntag früh wurde der Befehl ausgegeben, allen Dienern für den Sonntag freizugeben, da die Anstrengungen sonst zu groß seien. Im Nebel festgekommen. Nach einer Meldung des deutschen Konsuls in Korsör ist das Linienschiff„Wittelsbach“, welches sich auf der Fahrt durch den Großen Belt nach Kiel befand, nördlich von Korsör bei Halskov in dickem Nebel festgekommen. Der große Kreuzer„Prinz Heinrich“ ist bereits von Kiel aus in See gegangen, um das Linienschiff bei den Versuchen, wieder flott zu werden, zu unterstützen. Wie oberschlesische Blätter melden, hat sich der Redakteur Hoffmann, dessen in Beuthen erfolgte Fesselung kürzlich im Reichstag besprochen wurde, der Strafvollstreckung durch die Flucht ins Ausland entzogen. Die Staatsanwaltschaft hat hinter Hoffmann einen Haftbefehl erlassen. Wahnsinnsanfall. Der junge Kunstmaler Dorsch in Dresden ist einem plötzlichen Wahnsinnsanfalle seiner eigenen Schwester zum Opfer gefallen. Dorsch, dem die Schwester die Wirtschaft führte, hatte an einem Abend voriger Woche mehrere befreundete Familien zu Besuch und geleitete diese dann auf die Straße. Unterdessen vergiftete Frl. Dorsch ihrem Bruder und sich selber das Bier. Die Schwester, die schon vordem einmal wegen Irrsinns einige Zeit lang in einer Anstalt untergebracht war, ist bereits gestorben und am Sonnabend auch schon begraben worden. Der unglückliche Bruder ringt noch unter qualvollem Leiden mit dem Tode, nach Ansicht der Aerzte voraussichtlich leider vergeblich, da die Gifte schon den ganzen Verdauungskanal zerstört haben. Dorsch war einer der begabtesten jüngeren Dresdener Künstler. Course der Berliner Börse. Mitgetellt von der Westf.-Lipplschen Vereinsbank, Akt.-Ges. Herford, 16. Dezember 1902. K1.30 87% 3½% 9 Preuss Consolf 101.50 3% Deutsche Reichsanleihe 91.40 3½%„„ 102,10 3% Westf. Prov.-Anl. 89.80 3½%„„ 100,10 n 12„ 4% Bielef, Stadtanleihe 104,— 4% Hamb. HypothekenPfandbriefe 1910 102.75 4% Rhein. Westf. Bodenkred.-Pfandbriefe 1905 100.75 4% Meiniog. Hypoth.Pfandbriefe 1906. 102.— Deutsche Bank-Akt. 210,75 Disc. Commandit-Akt. 189.25 A. Schaaffhausen'scher Bv. 114,50 Gelsenkirchener Bergw.Aktien 175.25 Hibernia Bergw.-Aktien 175,90 Harpener dto. 167,40 Harb.-Wien, Gummi-Akt. 825.50 Phönix Bergw.-Aktien 116.25 Benkdiscont 4% Tendens: fest Meteorologische Station Herford. Witterungsbericht vom 17. Dezember. Höchste Temperatur des Vortages: 4,0“. Niedr. Temperatur in der Nacht: 3,50. Temperatur um 2 Uhr vorm.: 8,6°. 11„„: 10,0% Luftdruck um 7 Uhr vorm.: 749,2 mm Tägliche Niederschlagshöhe: 2.4 mm Wind: Stürmischer SW. Wetter: Trübe und regnerisch. Sin Ritter der Arbeit. Original=Roman aus der Gegenwart von M. v. Buch. S. Jortsetzung.) Als der Kommerzienrat den Gang durch die Sale beendet hatte, schloß er ein Comptoir auf, zu dem er nur allein den Schlüssel besaß. Obgleich der kleine Raum dicht hinter dem Maschinensaale lag, so war nichts oder doch nur wenig von dem Getöse nebenan zu vernehmen, da Wände und Türen mit Polstern versehen waren. So wie man hier eintrat, war man wie mit einem Zauberschlage dem Fabriklärm entzogen. „Was wünschen Sie, Seifert?“ fragte der Kommerzienrat. Er hatte sich nicht gesetzt, und auch Seifert nen Stuhl angeboten, offenbar wollte er die Unterhaltung so bald als möglich beenden. Seifert räusperte sich. „Ich erhielt heute morgen einen Brief von Ihnen, Herr Kommerzienrat. Und da ich die Gründe nicht verstehe, die bei der Abfassung des Schreibens maßgebend gewesen sind, so bitte ich, mir diese zu erklären.“ Feldmann nickte:„Wenn Sie wünschen, gewiß.“ Erschöpft zog er sich einen Stuhl heran und bat nun auch den jungen Mann, Platz zu nehmen. „Die Gründe, die für mich maßgebend gewesen sind, und mit denen ich eigentlich Ihren Wünschen entgegenzukommen gedachte, sind in wenigen Worten erklärt,“ sagte er und fuhr sich mit der Hand über die leicht gerötete Stirn.„Ich meinte, ich— ich—“ Er setzte noch ein paar Mal zum Sprechen an, aber er bewegte nur die Lippen, ohne ein Wort zu bilden. Plötzlich sank der Oberkörper vornüber, ein Röcheln entrang sich der mühsam arbeitenden Brust. Leberecht sprang auf. „Herr Kommerzienrat, sind Sie unwohl?“ rief er. „Kann ich Ihnen in irgend einer Weise behilflich sein?“ „Wasser!“ stöhnte dieser,„Wasser!“ Als Leberecht mit einem Glase Wasser zurückkehrte, war bei dem alten Herrn der Schwindelanfall vorübergegangen. Feldmann netzte die Lippen, und Leberecht, der das Glas hielt, fand, daß sein Chef entsetzlich alt und elend aussah. Nach wenigen Minuten hatte der Kommerzienrat die Schwäche überwunden, er sprach ein paar entschuldigende Worte und kam dann auf Seiferts Anliegen zurück. Die Unterredung war kurz; sofort darauf verließ der junge Mann das Comptoir, und begab sich nach Hause.— Der Rendant war ausgegangen, hatte einen Aus flug in die Umgegend unternommen und ließ durch die Wirtin bestellen, daß er erst gegen Abend zurückkehrer werde. Leberecht war es lieb, so war er allein, konnt seine Gedanken sammeln und in Ruhe seine Entscheidung treffen. Am Abend, nachdem die Fabrik ihre Tore geschlosser hatte, stellte sich Kerner ein. Seifert hörte, wie er au dem Vorflur mit der Wirtin sich in etwas gewagter Scherzen erging. Dann trat er ins Zimmer, eine Mode blume, wie immer, im Knopfloch. „Nun, Seifert—“ (Nachdruck verboten.) „Nun, Kerner—“ „Wieder im Bau! Ich dachte es mir. Warum habe: ich Sie heute mittag nicht mehr zu sehen bekommen?" fragte Kerner vorwurfsvoll. „Sehr einfach, weil ich fortging,“ entgegnete Seifert, den das lächelnde Gesicht des Besuchers nicht eben an genehm berührte. „Und was ist aus Ihrer Geschichte geworden? Das wenigstens hätten Sie mir doch mitteilen können!“ Seifert erhob sich und ging im Zimmer auf und ab. Sein Gesicht war blaß, und um die Augen zirkelten sich dunkle Schatten. „Ich habe die Kündigung des Kommerzienrats ange nommen,“ sagte er.„Es ist besser, wir scheiden jetzt als später. Bis Mitte des nächsten Jahres hätte ich in der Stellung bleiben müssen, und dies hätte immerhin seine Schwierigkeiten gehabt, da Esser schon vorher auf meine Dienste reflektiert. Ich habe mit dem Kommerzienrat eine längere Aussprache gehabt, und— und—“ Er suchte nach Worten.„Da sind wir also zu diesem Ent schluß gekommen,“ fügte er hinzu.„In den Papieren wird er übrigens bemerken, daß die Entlassung auf mei nen Wunsch geschieht.“ „Auf Ihren Wunsch— sieh— sieh, das wird er also doch tun! Und die unglückliche Zeitungsgeschichte? Hat er davon gesprochen?“ „Ja, und sie hat den Stein ins Rollen gebracht!“ meinte Seifert.„In der Beziehung hatten Sie ganz recht, obgleich ich Ihnen nicht glauben wollte. Sagen Sie, trauten Sie mir eigentlich zu, die Notiz inspiriert zu haben?“ Kerner zuckte die Achseln. „Aber ich bitte Sie, lassen Sie sich über die Angelegenheit keine grauen Haare wachsen. Ist sie nicht glücklich genug abgelaufen? Warum sorgen Sie sich? Bei Feldmann konnte Ihres Bleibens nicht mehr lange sein. Sie haben also erreicht, was Sie wollten: einen ehrenvollen Abschied.“ „Einen ehrenvollen?“ fragte Leberecht zweifelnd.— „Sehen Sie, da bin ich meiner Sache doch nicht ganz sicher. Also, Kerner, Sie glaubten wirklich, ich habe die Zeitungsnotiz veranlaßt?“ setzte er nach einer kleinen Pause hinzu. „Ganz unmöglich erschien es mir wenigstens nicht.“ meinte Kerner.„Warum wollten Sie auch nicht zu Essers Fahnen übergehen, da er Ihnen eine glänzendere Stellung bietet, als der Kommerzienrat? Jeder ist######## der Nächste!" ceder in sich selbst Pnander. Der Ausspruch war ihm zwar auch geläufig, dennoch war er heute nicht damit einverstanden. Und als ihm Kerner freundschaftlich vorschlug, ihn in den„fidelen Kellerwurm“ zu begleiten, hatte er darauf eine so unhöflich kurze Erwiderung, daß der Gast fühlte, es sei das beste sich zu empfehlen. Er ging und niemand nötigte ihn zum Bleiben. Brockmanns Berggarten empfiehlt seine täglich gut geheizten Lokalitäten, jeden Mittwoch ist der grosse Saal geheizt. Um geneigten Zuspruch bittet F. Brockmann Gothaer Lebensversicherungsbank. Versicherungsbestand am 1. Juni 1902: 815½ Millionen Bankfonds am 1. Juni 1902: 271 Millionen Mark. Dividende im Jahre 1902: 30—135% der Jahres=Normalprämie— je nach Art und Alter der Versicherung. Vertreter in Herford: 296e C. Ergenzinger, Salzuflerstraße 17. sind noch billig abzugeben[356m August Möller, Rennthor. nur Neuheiten, billigst bei 343m Heinrich Rolting. XNIEIRZL und Kistenteile jeder Art für Bahn, Oost und Possberg& Schumacher. Fernsprecher Nr. 110. Kohlen, Koks, Brikets, Kalk, Cement, Platten, Chamottesteine, Rohrgewebe und alle sonstigen Baumaterialien. Comptoir: Engerstraße 415. 289 Täger: Engerstraße 415 u. Diebrockerstraße 4. 8 521e Centralheizung, Trocken- und Lüftungs-Anlagen,— Fabrikheizungen— ohne Ausnutzung des Abdampfes. Wasch- u. Bade-Anstalten. Reparaturen 0 5 2 s • E 9 9 E * 0 0 E 9 6 95 55 2 2 2 * 2 " 0 65 — 5 8 Ku 25 0— 6 A 8 8 9 5 E 2 5 0 9 E Wieviel Thränen hat schon manche junge Hausfrau vergossen, der es nicht gelingen wollte, die Anforderungen, die das Wirtschaftsgeld an ihre Kasse stellte, mit dem Betrage, welchen sie von ihrem Manne für die Befriedigung der täglichen Bedürfnisse erhielt, in Einklang zu bringen. Eine recht wirtschaftliche und sparsame Hausfrau möchte wohl eine jede sein, aber das Geheimnis Die täglichen Ausgaben genau zu berechnen und richtig einzuteilen, diese für alle Hausfrauen so wichtige Kunst wurde ihr nicht vor der Verheiratung gelehrt!— Was nützt das teure Rochbuch im Drachtbande und Goldschnitt! Die darin geschilderten gebratenen Fasanen, Trüffeln und Austern sind nur für die Cafeln der Reichen! Ihr fehlt ein handbuch, eine Stütze, die ihr genau, auf den Groschen ausgerechnet, sagt, bei dem Betrage, der dir für deine Rüche zur Verfügung steht, darfst du nur dieses oder jenes Gericht auf den Cisch bringen, wenn du auskommen willst. Eine solche treue, wohlerfahrene Stütze ist das nützliche Buch: Anlagen erfolgen prompt und billig. e: enanschläge werden bereitwilligst angefertigt. I. rfolgt Besuch durch Spezial=Ingenieur.— ter& Drewes“ 9.— Vielefeld, Friedrichstr. 25. licher Redakteur: Paul itenteil verantwortlich: Georg Bese, Verlag: Christian Quentin, sämtlich in Herford. pedition: Brüderstraße 21, am Gehreuberg. Wirtschaftsgeld K 0 von Frau Marthä Schneeweiß. Dieses Buch enthält die genaue Einteilung des Wirtschaftsgeldes und zwar in Band I für ein monatliches Wirtschaftsgeld von 60 1lk., 80 Mk. und 100 Mk.— In Band II sind die tabellarischen Uebersichten über ein monatliches Wirtschaftsgeld von 120 Mk., 150 Mk. und 200 Mk. gegeben. Jeder Band enthält zu den angegebenen Speisen 2c. eine große Anzahl erprobter Recepte über die in den Aufstellungen angeführten Suppen, Gemüse, Fleisch= und Fischspeisen, Kompots 2c. Außerdem noch andere nützliche Hinweise in großer Zahl; auch eine Anzahl Tabellen, in denen die junge Hausfrau ihre wöchentlichen Ausgaben genau buchen kann. Achtes Kapitel Kerner ging die Treppe hinunter und blieb dann an einer Haltestelle der Straßenbahn stehen. Er wolte aus den Wagen warten, der ihn in die Nahe des„fidelen nellerwurms“ führen sollte; noch während er wartete, fiel ihm etwas ein, was seinen Gedanken eine andere wichtung gab. Er zog einen Brief aus seiner Tasche, entfaltete und überlas ihn, flüchtig, wie es schien, nur auf einer Stelle weilten seine Augen ein wenig länger. Liebkosend strich er über die Spitzen seines weichen, glanzenden Schnurrbartes, und ein leichter Schatten zeigte sich in den hübschen, etwas weichlichen Zügen. „Also heute,“ murmelte er,„fast hätte ich es vergessen.„Hol's—“ er stieß eine kräftige Verwünschung aus,„die Szenen nehmen kein Ende. Wo will sie mich treffen? Im Tiergarten? Weiß der Himmel, sie hätte es auch bequemer einrichten können. Bis ich von dort wieder in die Kneipe komme, vergeht eine halbe Ewigkeit.“ Er steckte das Papier ein und stieg in einen Wagen, der soeben hielt. Etwas ungeduldig sah er nach der Uhr. „Ich werde zur rechten Zeit dort sein,“ murmelte er,„und dann?“ Er pfiff durch die Zähne.„Nur kurz, kurz. Was wir zu sagen haben, ist bald gesagt. Gott Lob, es geht ja alles vorüber.“ Mit dieser tröstlichen Versicherung, die er sich selber gab, schien seine Verstimmung etwas zu weichen. Er stand draußen auf der Plattform des Wagens und blickte gleichgutig auf die Straße. Ihm bot sich das alte Bild, das er zur Genüge kannte. Zu Fuß und zu Wagen die hastende, unruhige, dem Ziele entgegenstrebende Menschheit. In dem bewegt flutenden Strome keine Ruhe, kein Halt. Plötzlich wurden seine Blicke von einer Equipage gesesselt, die ihm bekannt vorkam; in dem Gewühl eines Straßenkreuzungspunktes konnte sie sich nur langsam vorwarts bewegen, und nun faßte er sie schärfer ins Auge. In den seidenen Polstern sah er zwei Damen, eine ältere Sind sie es? dachte er. Richtig, sie waEdith Esser und ihre Gesellschafterin. ste sie genau. Die Gesellschafterin, ein theit, niemals hervortretend, sich immer frer bescheidenen Stellung haltend, und ik der Verantwortung, die auf ihr als ner viel umschwärmten jungen Erbin so blaß und gelangweilt aus wie ime immer ihre Lippen zu dem stereotypen, gezwungen. r Seite, in einem Kleide aus Tüll und lz komponiert, das bei jeder Bewegung in schoß, das Gesicht von der Seeluft uf den zarten Wangen einen rosigen tein frisch aus, ja Kerner glaubte, sie nd aussehend gefunden zu haben. Und Seifert. Der Verbindung des genialen m Direktor Esser stand nichts im Wege. estimmt, das Band zwischen den beiden ipfen? s eine Zeitlang gemutmaßt, jetzt glaubte c, ja seit dem Esserschen Sommerfest davon überzeugt, daß der Direktor eining überhaupt nicht wünsche. Esser hatte merkungen gemacht, die ihm zu denken die Hand der reichen Erbin nicht für owar— so folgerteer wenigstens— kein warum er— Kerner— sich nicht darum sser hatte sich ihm gegenüber so außervürdig und zuvorkommend gezeigt, daß durfte, sich gewissermaßen für seinen 2n. fühler, den er zu fürchten hätte, gab war viel. Wenn er nun seine äußere seine persönliche Liebenswürdigkeit bei Treffen führte, sollte es ihm da, urch ktor ihm wohlwollte, nicht gelingen, den oinnen? Wer wagt, der gewinnt. Wagen vinn mußte er freilich seinem günztigen llen. ten ehrgeizigen Zukunftsplänen beschaltdem die Equipage seinen Augen entschwunden war, gar nicht auf seine Umgebung geachtet; von ungefähr blickte er jetzt in das Innere des Wagens. Du lieber Himmel, da saß Dora auf der Bank, und er hatte sie nicht einmal bemerkt! Sie hatte die Hände in den Schoß gelegt, den Kopf ein wenig zur Seite geneigt, so daß sie ihm gerade das liebliche Profil zuwandte, und blickte gedankenverloren vor sich hin. Das war ihre Lieblingshaltung, die er so gut kannte. Früher hatte er die Schmiegsamkeit der jungen Gestalt, die in dieser Stellung etwas Rührendes hatte, bewun dert, heute ärgerte ihn der verloren in die Ferne gerichtete, stiere Blick. Und doch, wie blaß und elend sie aussah! Ob er sie anrief? Im nächsten Augenblick verwarf er jedoch den Gedanken als töricht, Dora wäre im stande gewesen, ihm vor den Augen aller Leute eine Szene zu machen. Nein, es, war schon besser, er zeigte sich nicht, sondern verließ stillschweigend den Wagen, damit sie sich erst an dem Platz, den sie bezeichnet hatte, trafen. Er glitt vom Trittbrett herab und bog in eine der Tiergartenalleen ein. Es war einsam und still hier. Größe Schatten lagerten auf den weiten Rasenflächen, deren sanftes Grün in herrlichster Frische schimmerte, während hin und wieder wie bunte Edelsteine der Herbst seine bunten Blätter darüber gestreut hatte. Die Bäume trugen ein leuchtendes Kleid, das sich vom hellsten Gelb bis zum dunkelsten Rot tönte. Die Rasenfläche wurde durch einen kleinen See unterbrochen; Erlen und Weiden umschatteten ihn liebevoll und tauchten ihre Zweige tief hinein in das Wasser, das goldig unter den Strahlen der untergehenden Sonne schimmerte. In der Ferne aber schwebte ein sanfter, blauer Dunst,— der blaue, goldflimmernde Herbsthauch... Es war, als ob die sterbende Natur sich über ihr Schicksal durch ein wehmütiges Lächeln zu trösten versuchte. (Fortsetzung folgt.) Nachruf. Unser langjähriges Mitglied, Herr Wilhelm Beiner, ist durch den Tod aus unserer Mitte geschieden. Wir verlieren in demselben einen treuen und thätigen Sportsgenossen, der jederzeit ein reges Interesse für unseren Verein bekundete. Wir werden ihm ein treues Andenken auch über das Grab hinaus bewahren. 375m Radfahrerverein„Stahlrad.“ Danksagung. 383m Für die anlässlich der Beisetzung meines lieben Mannes, unseres guten Vaters, Sohnes, Bruders, Schwiegersohnes, Schwagers und Onkels Wilhelm Beiner uns erwiesene Anteilnahme und für die zahlreichen Kranzspenden sagen wir Allen herzlichen Dank. Die trauernden Hinterbliebenen. Duch in diesem Jahre bittet der unterzeichnete Vorstand herzA lich um Gaven für unsere Waisenkinder, für die Männer und Frauen in unsern Pflegehäusern, sowie für die Wanderer, welche in großer Zahl siah am heiligen Abend einzufinden pflegen. Wir sind dankbar für alle Geldspenden, nehmen aber auch gern Kleidungsstücke und Wäsche an. Auch was sonst die Liebe zu geben bereit ist, wird gute Verwendung finden. Im Anfang des kommenden Jahres denken wir das neue Waisenhaus in der Altst. Feldmark zu beziehen. Die erste Einrichtung stellt große Forderungen an uns. Wir bitten auch diesem besonderen Umstande beim Geben Rechnung tragen zu wollen. Gott vergelte allen Freunden reichlich was sie an uns gethan haben und noch thun. 327m Der Vorstand des evangelischen Waisenhauses. Unsere diesjährige Weihnachts-Feier findet am 2. Weihnachtstage in dem großen alten Saale des Schützenhofes statt. Beginn der Feier punkt 8 Uhr abends und laden wir unsere Mitglieder mit ihren Angehörigen zu zahlreichem Besuche ein. 365m Der Turnrat. Fröbelscher Kindergarten. Weihnachtsfeier Sonnabend, den 20. Dezember, nachmittags 4 Ahr im Bürgerverein. Gäste willkommen 378m Halbrunden dreikantige Latten zu Einfriedigungen etc. in sehr schöner Ware vorrätig. Billige Preise. Hermann Wittland u. Sohn, 373m Holzhandlung. Simsus Brot Simonsbrot 65 □ aus angemälztem deutschen Korn, ist das beste Brot für Gesunde und Kranke, stets frisch zu haben a 50 Pf. bei: H. Menzel. Gänsemarkt Nr. 7. Die neu renovierte 1. Etage Atter Markt 6, ist auf sofort od I. 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Das von Herrn Dr. Rüttermann bewohnte (Rennstraße 14) ist per sofort oder päter zu vermieten. 466m J. Schmalhorst, Malermeister. Eine guterhaltene billig abzugeben. Nachzufragen in der Exped d. Ztg. unter 363m. 2000 Stück schöne Magistratsmitgliedes in der geschilderten Weise in die Wahl bewegung eingegriffen werde. Herr Wolff erinnert daran, daß Herr Deppermann nie Mitglied der Bürgervereinigung gewesen sei; es könne daher auch nicht die Rede davon sei, daß D. aus dieser Vereinigung ausgestoßen worden wäre. Herr Schönfeld bemerkt, daß hier jeder zu Wort kommen könne. Da dies auch Herr Ratsherr Brand wisse, so hätte derselbe ja einmaleiner Sitzung der Bürgervereinigung beiwohnen können. Herr Prokurist Reinhardt referiert nun über den Punkt der TagesOrdnung beir Protest gegen die Stadtverordnetenwahl der 2. Abteilung. Wie Referent ausführt, solle Protest gegen die Wahl des Herrn Vorsteher Detring eingelegt werden, da dieser eine feststehende Gemeindeeinnahme beziehe und als Organ des Magistrats dessen Befehle ausführen müsse. Ein Stadtverordneter habe den Magistrat zu kontrollieren; mit den gesetzlichen Bestimmungen liege es somit nicht in Einklang, wenn ein Vorsteher auch Mitglied des Stadtverordnetenkollegiums ist. Würde der Protest anerkannt, dann würde Herr König als Stadtverordneter in Frage kommen, da derselbe gleich Herrn Detring die meisten Stimmen in der Majorität erhalten habe. Herr Schönfeld erklärt sich bereit, den Protest in der Stadtverordneten=Versammlung zu begründen. Herr Ströter befürchtet durch diese Protesteinlegung Nachteile für die Bürgervereinigung, weil man dann deren Mitglieder leicht als Krakeeler hinstellen könne. Der„Giftbaum“ sei durch die aufreizenden Reden vor den Wahlen so gut„gedüngt“ worden, daß es bedauerlich sei, wenn man jetzt etwa durch den Protest zu einem andern Urteil über diese Vereinigung kommen werde. Herr Schönfeld bemerkt dem gegenüber, daß wir doch nur mit dem Protest das Rechte wollen; sind wir im Unrecht, so fügen wir uns gern. Herr Wolff ist auch der Ansicht, daß die Sachlage einwal genau geprüft werden müsse. Früher sei es vorgekommen, daß von den Vorstehern scharf in die Wahlbewegung eingegriffen worden sei. Da könne nun doch einmal untersucht werden, ob die Vorsteher auch berechtigt sind, Stadtverordnete zu sein. Herr Sewing spricht ebenfalls für die Einlegung des Protestes. Herr Reinhardt glaubt, daß bei einer evtl. Neuwahl die Chancen für Herrn König um so größer seien, als Herr Vorsteher Detring in der letzten Stadtverordnetensitzung für die Grundsteuer nach dem gemeinen Wert so energisch eingetreten sei. Nachdem alsdann beschlossen worden war, den Protest zu erheben, ward um 11¾ Uhr die Sitzung geschlossen. „'' Ein schweres Brandunglück schien gestern avend den Gehrenberg bedrohen zu wollen. Gegen 6¾ Uhr wählt. Der Antrag auf Bewilligung der Krankengelder für Sonn= und Festtage wurde einstimmig angenommen. Die Versammlung war gut besucht. 's Westerenger, 16. Dez. Familienabend. Am zweiten Weihnachtstage veranstaltet der Gesangverein„Germania" beim Gastwirt Ostheider hier einen Familienabend. und Nachbarstaaten. ** Oeynhausen, 16. Dez. Konkursverfahren. Ueber das Vermögen des Kaufmanns Otto Prickel hier ist das Konkursverfahren eröffnet worden. * Harburg, 16. Dez. Ein wohlüberlegter Schwindel ist dieser Tage mit einem Sparkassenbuch der Sparkasse in Hittfeld ausgeführt worden. Am 4. November erschien im Kassenlokale eine unbekannte, gut gekleidete Dame, um auf ein neues Buch, das auf den Namen„Emma Wülfken=Wilhelmsburg" lautete, 10 Mk. zu belegen. Das Sparkassenbuch wurde vorschriftsmäßig ausgefertigt und die Einlage in Zahlen„10 Mk.“ und in Worten„Zehn Mark“ eingetragen und mit dem erforderlichen Stempel versehen. Die Besitzerin des Buches hat dann die Zahl 10 umgeändert, ferner die Worte„Zehn Mark" mit Wechselstempelmarken a 1,50 Mk. beklebt und Marken„Zwölfhundert=Mark“ geschrieben. Als e verschiedenen Frauen Harburgs nicht gelang, g# pfändung dieses gefälschten Buches ein Darlehen Mk. zu erlangen, wandte sie sich nach Elmshorn ur dort ihren Zweck, indem sie der Frau eines Schis.— vorschwindelte, ihr Mann sei geneigt, gegen eine schädigung ein Darlehen von 300 Mk. zu gewährer... die Besitzerin des Buches, in Wilhelmsburg einen werten Bauplatz kaufen könne. Die Frau schenkte gaben Glauben und händigte der Betrügerin ihre Barbestand von 260 Mk. ein, um dafür das gefäl im Werte von nur 10 Mk. in Pfand zu nehmen. Im Nebel festgekommen. Nach einer Meldung des deutschen Konsuls in Korsör ist das Linienschiff„Wittelsbach", welches sich auf der Fahrt durch den Großen Belt nach Kiel befand, nördlich von Korsör bei Halskov in dickem Nebel festgekommen. Der große Kreuzer„Prinz Heinrich“ ist bereits von Kiel aus in See gegangen, um das Linienschiff bei den Versuchen, wieder flott zu werden, zu unterstützen. Wie oberschlesische Blätter melden, hat sich der Redakteur Hoffmann, dessen in Beuthen erfolgte Fesselung kürzlich im Reichstag besprochen wurde, der Strafvollstreckung durch die Flucht ins Ausland entzogen. Die Staatsanwaltschaft hat hinter Hoffmann einen Haftbefehl erlassen. Wahnsinnsanfall. Der junge Kunstmaler Dorsch in Dresden ist einem plötzlichen Wahnsinnsanfalle seiner eigenen Schwester zum Opfer gefallen. Dorsch, dem die Schwester die Wirtschaft führte, hatte an einem Abend voriger Woche mehrere befreundete Familien zu Besuch und geleitete diese dann auf die Straße. Unterdessen vergiftete Frl. Dorsch ihrem Bruder und sich selber das Bier. Die Schwester, die schon vordem einmal wegen Irrsinns einige Zeit lang in einer Anstalt untergebracht war, ist bereits gestorben und am —— en je B Di n Sehrenberg bebrohen zu wollen. Gegen 6¾ Uhr war auf dem Boden des Hermann Herzfeldschen Warenhauses Fever ausgebrochen, das der herrschende starke Wind so entfachte, daß bald der ganze Dachstuhl in Flammen stand. Bald war auch die Feuerwehr zur Stelle; aber bei der Art dieses Feuers, das durch allerlei auf dem Boden lagernde Stoffe und Sachen, wie Bettfedern und dergl. sehr geschürt wurde, schien es zunächst, als ob alles Thätigsein der Feuerwehr erfolglos bleiben müßte. Dazu kam, daß der Wind die Flammen immer mehr entfachte und daß durch die umherfliegenden Funken die Häuser der Nachbarschaft gefährdet wurden; auch war ein Hydrant eingefroren. Ein Glück war es, daß die gegen abend eingetretene regnerische Witterung anhielt. In der 10. Stunde war endlich die Gefahr beseitigt und alle Bewohner der angrenzenden Häuser atmeten erleichtert auf. Am vorderen Teile des Herzfeldschen Hauses hatte das Feuer noch einen Teil des zweiten Stockes ergriffen; das Hintergebäude ist dagegen fast völlig ansgebrannt. Die ganze Nacht hindurch und auch heute vormittag noch hielt eine Abteilung der Feuerwehr Wache; wiederholt mußte dieselbe eingreifen, da die noch immer glimmenden Balken von neuem einen größeren Ausbruch des Feuers beftrchten ließen. Wie wir noch erfahren, ist das Mobiliar bei Herrn Agent Jonas Meyer versichert; das Gebäude ist bei der Westfälischen Provinzial Feuersozietät in Deckung gegeben.— Unsere Feuerwehr hatte bei diesem Brandunglück einen schweren Stand; aber mit Ausdauer wurden bei umsichtiger Leitung all die vielfachen Hindernisse überwunden und so konnte schließlich auch dieser große Brand bekämpft werden. Bei demselben hat sich so recht einmal der Wert einer gut geleiteten Feuerwehr gezeigt; möchten daher immer weitere Kreise in die Reihen der braven Feuerwehrleute eintreten, die für die Interessen ihrer Mitbürger so unentwegt einzutreten wissen. *. Die Brandstätte am Gehrenberg wurde fortgesetzt im Laufe des Vormittags von vielen in Augenschein genommen. en Familienabend. Der hiesige Ev. Jünglings= und Männerverein beabsichtigt am nächsten Sonntag wieder einen Familienabend zu veranstalten. Derselbe wird in seinen gut gewählten musikalischen und deklamatorischen Darbietungen vorwiegend weihnachtlichen Charakter tragen. Besonders ansprechen dürfte ein größeres Molodrama„Das Glöcklein von Junisfär“ oder„Ein Weihnachtsabend in Schottland“, welches an anderen Orten mit vielem Beifall ausgenommen wurde. *“ Im Naturheilverein findet heute, Mittwoch bekannten Herrn W. Siegert aus Bremen statt. Ueber das Vortragsthema brachte schon der Inseratenteil näheres. d Zwangsinnung. In evangelischen Vereinshause wurde am Montag eine Vorbesprechung zwecks Gründung einer Zwangsinnung für das Schneidergewerbe im Kreise Herford abgehalten. Es wurde ein provisorischer Vorstand gewählt. Die Rearheitung der Statuten wurde alsdann Vermischtes. Die letzte Reichstagssitzung hat an die 2 Beamten des Reichstages die größten Anforderung sie mußten während der ganzen Dauer der fast 1 9— Sitzung Dienst thun, außerdem hatten sie vor- um 9 22 noch zu arbeiten, so daß sie ungefähr 22 Stun hatten. Dasselbe trifft für die Beamten des Reich amtes zu, das die ganze Nacht hindurch geöffnet einen angestrengten Dienst hatte, namentlich wurden...# des Sonnabend viele Rohrpostkarten aufgegeben,5 Hause gerichtet waren und die Meldung enthielten heute Nacht nicht nach Hause, wir„tagen" durch Morgen.“ Zur Verstärkung waren Diener des Abe hauses beordert worden. Am Sonntag früh wurd 2 fehl ausgegeben, allen Dienern für den Sonntag f da die Anstrengungen sonst zu groß seien. Ein Wirtschafts- u. Kochbuch in einem Bande Band I von„Mein Wirtschaftsgeld kostet eleg. gebunden nur 1.50 Mh II in elegantem, hellen Ein — vartsze-) band kostet nur 2.— 2Kch. In keinem Haushalte sollte diese nützliche Buch fehlen! Glück und Zu friedenheit werden dort einkehren wo bisher kleinliche Sorge, Rumme und Aerger ein gemütvou.s Ehelebei zu zerstören drohten! Jede Hausfrau die sich von dem Werte des nützlichen Buches„Mein Wirtschaftsgeld überzeugt hat, wird sich großenne, Dank erwerben, wenn sie dieses Buch allen ihren Freundinnen zu An schaffung empfiehlt.— Möge sich jede Hauskrau denjeniger Band anschaffen, der für ihre Verhältnilt paht. Die kleine Ausgabe wird hundertfachen Nutzen bringen! Bestellung bediene man sich des angefügten Bestellzettels.= Original=Roman * S 0 — EN 0 E * 8 0 E 5 3 2 8 5 9 5 0 gewählt. Die Bearbeitung der Statuten wurde alsdann einer besonderen Kommission übertragen. Zur Einführung in die Verhandlungen hatte Herr Zuschneidelehrer Schwarz aus Frankfurt a. M. einen interessanten Vortrag gehalten. * In der gestrigen Generalversammlung der Ortskrankenkasse für die auf den Zuckerwaren= und hei.IMA h.av.f. traffe für die auf den Zuckerwaren= und Chokoladenfabriken beschäftigten Personen wurde als Vor sitzender Herr Julius Nolting und als Schriftführer Herr Gustav Dürkopp gewählt und die Herren Heinrich Griese und August Schröder von den Arbeitnehmern wieder gewählt. Als Kassenrevisoren wurden die bisherigen Herren beibebalten. Für das kommende Jahr wurden als Kassenärzte die Herren Dr. Pape, Dr. Troschke, Dr. Hentschel und Dr. Kopp geS. Jortsetzung.) Als der Kommerzienrat den Gang durch beendet hatte, schloß er ein Comptoir auf, z nur allein den Schlüssel besaß. Obgleich der kli dicht hinter dem Maschinensaale lag, so war n doch nur wenig von dem Getöse nebenan zu v da Wände und Türen mit Polstern versehen: wie man hier eintrat, war man wie mit einer schlage dem Fabriklärm entzogen. „Was wünschen Sie, Seifert?“ fragte der zienrat. Er hatte sich nicht gesetzt, und auch S nen Stuhl angeboten, offenbar wollte er die tung so bald als möglich beenden. Seifert räusperte sich. „Ich erhielt heute morgen einen Brief vi Herr Kommerzienrat. Und da ich die Gründe stehe, die bei der Abfassung des Schreibens r gewesen sind, so bitte ich, mir diese zu erklären.“ Feldmann nickte:„Wenn Sie wünschen, gewiß.“ schöpft zog er sich einen Stuhl heran und bat nun auch den jungen Mann, Platz zu nehmen. „Die Gründe, die für mich maßgebend gewesen sind, und mit denen ich eigentlich Ihren Wünschen entgegenzukommen gedachte, sind in wenigen Worten erklärt,“ sagte er und fuhr sich mit der Hand über die leicht gerötete Stirn.„Ich meinte, ich— ich—“ Er setzte noch ein paar Mal zum Sprechen an, aber er bewegte nur die Lippen, ohne ein Wort zu bilden. Plötzlich sank der Oberkörper vornüber, ein Röcheln entrang sich der mühsam arbeitenden Brust. Leberecht sprang auf. „Herr Kommerzienrat, sind Sie unwohl?“ rief er. „Kann ich Ihnen in irgend einer Weise behilflich sein?“ „Wasser!“ stöhnte dieser,„Wasser!“ Als Leberecht mit einem Glase Wasser zurückkehrte, war bei dem alten Herrn der Schwindelanfall vorübergegangen. Feldmann netzte die Lippen, und Leberecht, der das Glas hielt, fand, daß sein Chef entsetzlich alt und elend aussah. Nach wenigen Minuten hatte der Kommerzienrat die Schwäche überwunden, er sprach ein paar entschuldigende Worte und kam dann auf Seiferts Anliegen zurück. Die Unterredung war kurz; sofort darauf verließ der junge Mann das Comptoir, und begab sich nach Hause.— Der Rendant war ausgegangen, hatte einen Ausflug in die Umgegend unternommen und ließ durch die Wirtin bestellen, daß er erst gegen Abend zurückkehren werde. Leberecht war es lieb, so war er allein, konnte seine. Gedanken sammeln und in Ruhe seine Entscheidung treffen. Am Abend, nachdem die Fabrik ihre Tore geschlossen hatte, stellte sich Kerner ein. Seifert hörte, wie er auf dem Vorflur mit der Wirtin sich in etwas gewagten Scherzen erging. Dann trat er ins Zimmer, eine Mode blume, wie immer, im Knopfloch. „Nun, Seifert—“ Bei der Buchhandlung von Martin Herrmann, Herford i. W., Brüderstr. 34 bestelle ich hiermit Exemplar Band I Alein Wirtschaftsgeld v. Frau Martha Schneeweis Preis 1 Mark 50 Pfg. Exemplar Band II Alein Wirtschaftsgeld v. Frau Martha Schneeweiß Preis 2 Mark. und ersuche um baldige Zusendung. Der Betrag incl. Dorto ist durch Nachnahme zu erheben. Ort, Straße und Hausnummer 122 mnan Name Den Namen, sowie Straße und Hausnummer bitte recht deutlich auszufüllen Schwierigteiten gehabt, ba Esser schon dorher auf meine Dienste reflektiert. Ich habe mit dem Kommerzienrat eine längere Aussprache gehabt, und— und—“ Er suchte nach Worten.„Da sind wir also zu diesem Ent schluß gekommen,“ fügte er hinzu.„In den Papieren wird er übrigens bemerken, daß die Entlassung auf mei nen Wunsch geschieht.“ „Auf Ihren Wunsch— sieh— sieh, das wird er also doch tun! Und die unglückliche Zeitungsgeschichte? Hat er davon gesprochen?“ „Ja, und sie hat den Stein ins Rollen gebracht!“ meinte Seifert.„In der Beziehung hatten Sie ganz recht, obgleich ich Ihnen nicht glauben wollte. Sagen Sie, trauten Sie mir eigentlich zu, die Notiz inspiriert zu haben?“ Kerner zuckte die Achseln. „Aber ich bitte Sie, lassen Sie sich über die Angelegenheit keine grauen Haare wachsen. Ist sie nicht glück lich genug abgelaufen? Warum sorgen Sie sich? Bei Feldmann konnte Ihres Bleibens nicht mehr lange sein. Sie haben also erreicht, was Sie wollten: einen ehren vollen Abschied.“ „Einen ehrenvollen?“ fragte Leberecht zweifelnd.— „Sehen Sie, da bin ich meiner Sache doch nicht ganz sicher. Also, Kerner, Sie glaubten wirklich, ich habe die Zeitungsnotiz veranlaßt?“ setzte er nach einer kleinen Pause hinzu. „Ganz unmöglich erschien es mir wenigstens nicht“ meinte Kerner.„Warum wollten Sie auch nicht zu Essers Fahnen übergehen, da er Ihnen eine glänzendere Ste den Ka##e; als der Kommerzienrat? Jeder ist sich selbst Seifert biß die Zähne fest aufeinander Der Aus spruch war ihm zwar auch geläufig, dennoch war er heute nicht damit einverstanden. Und als ihm rs schaftlich vorschlug, ihn in den„fidelen Kellermmm gleiten, hatte er darauf eine so rung, daß der Gast fühlte, es sei das rerurge Erwide Brockmanns Berggarten empfiehlt seine täglich gut geheizten Lokalitäten, jeden Mittwoch ist der grosse Saal geheizt. Um geneigten Zuspruch bittet F. Brockmann. Gothaer Lebensversicherungsbank. Versicherungsbestand am 1. Juni 1902: 815½ Millionen Bankfonds am 1. Juni 1902: 271 Millionen Mark. Dividende im Jahre 1902: 30—135% der Jahres=Normalprämie— je nach Art und Alter der Versicherung. Vertreter in Herford: 296e C. Ergenzinger, Salzuflerstraße 17. Christbäume sind noch billig abzugeben[356m August Möller, Rennthor. und Kistenteile jeder Art für Bahn, Post und Export. Kleine Kisten für Seifen, Zucker ete Holzwolle, Crockenrahmen, Flaschentransportkasten etc. empfiehlt billigst 722a) C. J. Becker, Dampfsäge- u. Kistenfabrik, Köln-Nippes. nur Neuheiten, billign ber 343m Heinrich Nolting. ande aftsgeld 50 2 len Ein Ute diese und Zu inkehren Kumme Eheleber ausfrau tützlichen aftsgeld großens ses Buck zu An senjeniget erhältnill ze wird zen! Als. 44 chneeweist hneeweiß ist durch szufüllen Junlicht beim Waschen mit bestem * Erfolg anzuwenden in kaltem Wasser in warmem Wasser mit Kochen oder ohne Kochen überhaupt nach jeder Waschmethode auch zum Bade von Jung und Alt. Ein Stündchen später, es dämmerte bereits, kehrte der Rendant von seinem Ausfluge zurück. Er war in Waldau gewesen, hatte sich den Platz angesehen, auf dem die Essersche Fabrik errichtet wurde, und staunte über die Großartigkeit der Anlagen. „Haben sie dir gefallen?“ fragte Leberecht. „Sehr gut, soweit ich sie eben beurteilen konnte, entgegnete der Rendant.„Ein Heer von Arbeitern hantierte auf dem Platze, wie in einem Ameisenhaufen kribbelte und wribbelte es durcheinander. Es war wirklich amüsant. Gegen Mittag erschien eine kleine Gesellschaft, aus zwei Herren und zwei Damen bestehend, und der Leiter dieser wimmelnden Menschheit ließ es sich nicht nehmen, die Herrschaften umher zu führen und, wie es schien, die nötigen Erklärungen zu geben.“ Seifert horchte auf.„Wahrscheinlich war es die Familie des Barons Rottenbeck,“ sagte er.„Hast du dich nicht nach den Namen der Herrschaften erkundigt?“ Der Alte nickte.„Ja, ich fragte; der ältere Herr, wurde ich belehrt, sei der Besitzer von Waldau.“ „Hast du auch die Damen gesehen?“ wollte Leberecht wissen. Der Rendant, der sich auf's Sofa gesetzt und es sich bequem gemacht hatte, lächelte behaglich. „Jawohl mein Junge, und es zugleich bedauert, daß ich kein Jüngling mehr bin. Ein schönes blondes Mädchen ist mir besonders aufgefallen. War sie die junge Dame, mit der du die Begegnung im Park hattest?“ Der Sohn nickte:„Wenn du Fräulein von Rottenbeck meinst, ja, so war sie es.“ „Ich dachte es mir. Schade, Leberecht.“ „Wieso schade, Vater?“ „Ich bedauere, daß sie nicht aus bürgerlichen, will sagen, aus Kreisen stammt, die uns näher stehen,“ meinte der Rendant.„Sie hat ein so sympathisches Gesicht, ich würde ihr gern näher treten. Hast du nicht die Anziehungskraft dieses seltenen Mädchens empfunden, mein Sohn?“ Leberecht lachte kurz auf.„Auch ich habe dir eine Mitteilung zu machen,“ sagte er,„aber sie ist anderer Art, als dein heutiges Erlebnis. Kommerzienrat Feldmann hat mich aus dem Verband seiner Beamten entlassen.“ Achtes Kapitel Kerner ging die Treppe hinunter und blieb dann an einer Haltestelle der Straßenbahn stehen. Er wolte aus den Wagen warten, der ihn in die Nähe des„fidelen Kellerwurms“ führen sollte; noch wahrend er wartete, fiel ihm etwas ein, was seinen Gedanken eine andere Richtung gab. Er zog einen Brief aus seiner Tasche, entfaltete und überlas ihn, flüchtig, wie es schien, nur auf einer Stelle weilten seine Augen ein wenig länger. Liebkosend strich er über die Spitzen seines weichen, glänzenden Schnurrbartes, und ein leichter Schatten zeigte sich in den hübschen, etwas weichlichen Zugen. „Also heute,“ murmelte er,„fast hatte ich es vergessen.„Hol's—“ er stieß eine kräftige Verwünschung aus,„die Szenen nehmen kein Ende. Wo will sie mich treffen? Im Tiergarten? Weiß der Himmel, sie hätte es auch bequemer einrichten können. Bis ich von dort wieder in die Kneipe komme, vergeht eine halbe Ewigkeit.“ Er steckte das Papier ein und stieg in einen Wagen, der soeben hielt. Etwas ungeduldig sah er nach der Uhr. „Ich werde zur rechten Zeit dort sein,“ murmelte er,„und dann?“ Er pfiff durch die Zähne.„Nur kurz, kurz. Was wir zu sagen haben, ist bald gesagt. Gott Lob, es geht ja alles vorüber.“ Mit dieser tröstlichen Versicherung, die er sich selber gab, schien seine Verstimmung etwas zu weichen. Er stand draußen auf der Plattform des Wagens und blickte gleichgiltig auf die Straße. Ihm bot sich das alte Bild, das er zur Genüge kannte. Zu Fuß und zu Wagen die hastende, unruhige, dem Ziele entgegenstrebende Menschheit. In dem bewegt flutenden Strome keine Ruhe, kein Halt. Plötzlich wurden seine Blicke von einer Equipage gesesselt, die ihm bekannt vorkam; in dem Gewühl eines Straßenkreuzungspunktes konnte sie sich nur langsam vorwärts bewegen, und nun faßte er sie schärfer ins Auge. In den seidenen Polstern sah er zwei Damen, eine ältere Possberg& Schumacher. Fernsprecher Nr. 110. Koks, Brikets, Kalk, Cement, Gyps, Thonrohre, Platten, Chamottesteine, Rohrgewebe und alle sonstigen Baumaterialien. Comptoir: Engerstraße 419. 280 Täger: Engerstraße 415 u. Diebrockerstraße 4. 8 8 — 2 1 B Centralheizung, — Trocken- und Lüftungs-Anlagen, 521e— Fabrikheizungen mit und ohne Ausnutzung des Abdampfes. Komplette Wasch- u. Bade-Anstalten. = Reparaturen— an älteren Anlagen erfolgen prompt und billig. Projekte und Kostenanschläge werden bereitwilligst angefertigt. Auf Wunsch erfolgt Besuch durch Spezial=Ingenieur. Kramer& Dreweg Telephon 205.— Bielefeld, Friedrichstr. 23. 6 Verantwortlicher Redakteur: Paul Sattler, für den Inseratenteil verantwortlich: Georg Bese, Druck und Verlag: Christian Quentin, sämtlich in Herford. (Redaktion und Expedition: Brüderstraße 21, am Gehreuberg. und eine jüngere. Sind sie es? dachte er. Richtig, sie waren es, nämlich Edith Esser und ihre Gesellschafterin. Kerner musterte sie genau. Die Gesellschafterin, ein Muster von Korrektheit, niemals hervortretend, sich immer in den Grenzen ihrer bescheidenen Stellung haltend, und doch stets eingedenk der Verantwortung, die auf ihr als Gesellschafterin einer viel umschwärmten jungen Erbin lastete, sah genau so blaß und gelangweilt aus wie immer, und hatte wie immer ihre Lippen zu dem stereotypen, seelenlosen Lächeln gezwungen. Edith an ihrer Seite, in einem Kleide aus Tüll und glitzerndem Schmelz komponiert, das bei jeder Bewegung leuchtende Strahlen schoß, das Gesicht von der Seeluft gebräunt, und auf den zarten Wangen einen rosigen Hauch, sah ungemein frisch aus, ja Kerner glaubte sie noch nie so blühend aussehend gefunden zu haben. Und nun dachte er an Seifert. Der Verbindung des genialen Technikers mit dem Direktor Esser stand nichts im Wege. War Edith etwa bestimmt, das Band zwischen den beiden noch fester zu knüpfen? Kerner hatte es eine Zeitlang gemutmaßt, jetzt glaubte er es nicht mehr, ja seit dem Esserschen Sommerfest war er eigentlich davon überzeugt, daß der Direktor eine derartige Verbindung überhaupt nicht wünsche. Esser hatte damals einige Bemerkungen gemacht, die ihm zu denken gaben. Wenn nun die Hand der reichen Erbin nicht für Seifert bestimmt, sowar— so folgerte er wenigstens— lein Grund vorhanden, warum er— Kerner— sich nicht darum bemühen sollte. Esser hatte sich ihm gegenüber so außerordentlich liebenswürdig und zuvorkommend gezeigt, daß er es schon wagen durfte, sich gewissermaßen für seinen Schützling zu halten. Einen Nebenbuhler, den er zu fürchten hätte, gab es also nicht; das war viel. Wenn er nun seine äußere gute Erscheinung, seine persönliche Liebenswürdigkeit bei Edith Esser ins Treffen führte, sollte es ihm da, noch dazu, da der Direktor ihm wohlwollte, nicht gelingen, den Siegespreis zu gewinnen? Wer wagt, der gewinnt. Wagen wollte er, den Gewinn mußte er freilich seinem günstigen Sterne anheimstellen. Ganz mit seinen ehrgeizigen Zukunftsplänen beschästigt, hatte er, seitdem die Equipage seinen Augen entschwunden war, gar nicht auf seine Umgebung geachtet; von ungefähr blickte er jetzt in das Innere des Wagens. Du lieber Himmel, da saß Dora auf der Bank, und er hatte sie nicht einmal bemerkt! Sie hatte die Hände in den Schoß gelegt, den Kopf ein wenig zur Seite geneigt, so daß sie ihm gerade das liebliche Profil zuwandte, und blickte gedankenverloren vor sich hin. Das war ihre Lieblingshaltung, die er so gut kannte. Früher hatte er die Schmiegsamkeit der jungen Gestalt, die in dieser Stellung etwas Rührendes hatte, bewun dert, heute ärgerte ihn der verloren in die Ferne gerichtete, stiere Blick. Und doch, wie blaß und elend sie aussah! Ob er sie anrief? Im nächsten Augenblick verwarf er jedoch den Gedanken als töricht, Dora wäre im stande gewesen, ihm vor den Augen aller Leute eine Szene zu machen. Nein, es war schon besser, er zeigte sich nicht, sondern verließ stillschweigend den Wagen, damit sie sich erst an dem Platz, den sie bezeichnet hatte, trafen. Er glitt vom Trittbrett herab und bog in eine der Tiergartenalleen ein. Es war einsam und still hier. Große Schatten lagerten auf den weiten Rasenflächen, deren sanftes Grün in herrlichster Frische schimmerte, während hin und wieder wie bunte Edelsteine der Herbst seine bunten Blätter darüber gestreut hatte. Die Bäume trugen ein leuchtendes Kleid, das sich vom hellsten Gelb bis zum dunkelsten Rot tönte. Die Rasenfläche wurde durch einen kleinen See unterbrochen; Erlen und Weiden umschatteten ihn liebevoll und tauchten ihre Zweige tief hinein in das Wasser, das goldig unter den Strahlen der untergehenden Sonne schimmerte. In der Ferne aber schwebte ein sanfter, blauer Dunst,— der blaue, goldflimmernde Herbsthauch... Es war, als ob die ster bende Natur sich über ihr Schicksal durch ein wehmütiges Lächeln zu trösten versuchte. (Fortsetzung folgt.) Nachruf. Unser langjähriges Mitglied, Herr Wilhelm Beiner, ist durch den Tod aus unserer Mitte geschieden. Wir verlieren in demselben einen treuen und thätigen Sportsgenossen, der jederzeit ein reges Interesse für unseren Verein bekundete. Wir werden ihm ein treues Andenken auch über das Grab hinaus bewahren. 375m Radfahrerverein„Stahlrad.“ Danksagung. 383m Für die anlässlich der Beisetzung meines lieben Mannes, unseres guten Vaters, Sohnes, Bruders, Schwiegersohnes, Schwagers und Onkels Wilhelm Beiner uns erwiesene Anteilnahme und für die zahlreichen Kranzspenden sagen wir Allen herzlichen Dank. Die trauernden Hinterbliebenen. Duch in diesem Jahre bittet der unterzeichnete Vorstand I lich um Gaben für unsere Waisenkinder, für die Männer und Frauen in unsern Pflegehäusern, sowie für die Wanderer, welche in großer Zahl sich am heiligen Abend einzufinden pflegen. Wir sind dankbar für alle Geldspenden, nehmen aber auch gern Kleidungsstücke und Wäsche an. Auch was sonst die Liebe zu geben bereit ist, wird gute Verwendung finden. Im Anfang des kommenden Jahres denken wir das neue Waisenhaus in der Altst. Feldmark zu beziehen. Die erste Einrichtung stellt große Forderungen an uns. Wir bitten auch diesem besonderen Umstande beim Geben Rechnung tragen zu wollen. Gott vergelte allen Freunden reichlich was sie an uns gethan haben und noch thun. 327m Der Vorstand des evangelischen Waisenhauses. Unsere diesjährige Weihnachts-Feier findet am 2. Weihnachtstage in dem großen alten Saale des Schützenhofes statt. Beginn der Feier punkt 8 Uhr abends und laden wir unsere Mitglieder mit ihren Angehörigen zu zahlreichem Besuche ein. 365m Der Turnrat. Fröbelscher Kindergarten. Weihnachtsfeier Sonnabend, den 20. Dezember, nachmittags 4 Ahr im Bürgerverein. Gäste willkommen 378m Halbrunden dreikantige Latten zu Einfriedigungen etc. in sehr schöner Ware vorrätig. Billige Preise. Hermann Wittland u. Sohn, 373m Holzhandlung. Simons Bret Simonsbrot #8 G □ aus angemälztem deutschen Korn, ist das beste Brot für Gesunde und Kranke, stets frisch zu haben a 50 Pf. bei: A. Menzel. Gänsemarkt Nr. 7. Die neu renovierte 1. Etage Alter Markt 6, ist auf sofort od I. 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Jeden Abend Austreten der Volkssänger-Gesellschaft 3 Damen!„Humor."3 Herren! Anfang 8 Uhr abends 341m Sonntags 4 Uhr nachmittags. Restaurant zum Bürgerbrän 6 Alter Markt 6. Varietee. Täglich große Vorstellung im feenhaft elektrisch beleuchteten Saale, sowie Auftreten von nur Ia. Kräften. 59m Frl. Elly Blum, Soubrette. Herr Harry Stein, Kölner Humorist. Frl. Elly Monty Soubrette, Herr Leo Gintés, Salon=Humorist. Geschw. Stein, Gesangs=Duettisten. Kapellmeister Herr Hackmann. Anfang Wochentags 8½ Uhr, Sonntags 4 Uhr. Sonntags morgens von 11½ bis 1 Uhr Matinee. Entree frei. Entree frei. Ab Sonntag, 14. d. Mts. täglich: Neu! Neu! Im Auskunftsbürean! Posse mit Gesang in 1. Akt. Kolossaler Lacherfolg. Strumpf: Herr Harry Stein. Frl. Frisch: Frl. Monty. Eine Witwe: Frl. Blum. Ein Stutzer: Herr Gintés. Zeit: Die Gegenwart. Naturheilverein Herford. Mittwoch, 17. Dezember, abends 8¼ Uhr, im oberen Saale des Bürgervereins: Vortrag des Herrn W. Siegert aus Bremen über:„Wen sollst Du heiraten? Mit Berücksichtigung der Vererbungsfrage“, wozu wir die Mitglieder mit ihren Damen freundlichst einladen. 326m Nichtmitglieder zahlen 30 Pfg. Eintrittsgeld. Der Vorstand. Zur Weihnachtsbaumes finden Sie Lichte, Lichthalter etc. in großer Auswahl in der Markt-Drogerie Wilh. Epseloh, Gehrenberg 2. Christbaumlichte in sehr großer Auswahl. 370m Heinrich Nolting Feinstes Mischobst 365. Heinrich Nolting. Zu Weihnachten junge fette Gäuse per Pfd. 70 Pfg. franko Haus liefert Heinr. Brackmann, 376m Bermbeck, Poststation Herford. Meine diesjährigen Weihnachtsbäume stehen Markthalle von morgens 8 bis abends 6 Uhr zur Ansicht. 374m E. Kausch. Empfehle zum Weihnachtsfeste mein großes, reichhaltiges Lager in Handarbeiten. Größte Auswahl in Wollsachen, wie Hauben, Shawls, Tücher, Unterzeuge, Strümpfe, Strickgarne, Handschuhe 2c. Schürzen, Wäsche u. Kravatten. Brautkränze und Schleier, Spitzenhauben und Trauerhüte stets vorrätig. 246 Höckerstraße 11. Stangenspargel 2 Pfds.=Dose 1,25, 1,50 Mk. Spargelköpfe 2 Psds.=Dose 1.20 Mk. Brechspargel 2 Pfds.=Dose 95 Pfg., 1,15 M. Junge Erbsen 2 Pfds=Dose 65 Pfg. Gemüse=Erbsen 2 Pfds.=Dose 60 Pfg. Junge große Bohnen 2 Pfds.=Dose 80 Pig. Verlbohnen 2 Psds.=Dose 55 Psg. 371m Heinrich Rolting Urtiein Brennesselkopfwaschwaßer bestes und bewährtestes Mittel zur Kräftigung der Haarwurzeln, Reinigung d. Kopfhaut und Förderung des Haarwuchses. 233m Hauptdepot: Karl Meves, Adlerdrogerie, Herford, i. W. Beilage zu Nr. 295 der Herforder Zeitung für Stadt u. Land. Amtliche Anzeigen für den Kreis Herford. Hausverkäufe. Die Hausbesitzungen: 1) des Armen=Hospitals, Elisabethstraße groß 1,67 ar, 2) der Klingenberg'schen Stiftung, Freiheitstraße, groß 4.28 ar beabsichtigen wir bei gutem Angebot zu veräußern. Gleichzeitig suchen wir einen Bauplatz für beide Stiftungen, entweder an ruhiger Nebenstraße oder auch an einer stillen Straße nahe vor der Stadt zur Größe von etwa 15 bis 20 ar. und Verkaufs versiegelt bis spätestens Mittwoch, den 14. Januar 1903, mittags 12 Uhr, bei uns abgeben.— Näheres ist auf Anfrage bei uns zu erfahren. Herford, den 10. Dezember 1902. Der Magistrat. Quentin.[338m Vermischtes. Kälte im russischen Feldzuge von 1812. Die ungewöhnlich frühe und heftige Kälte, die dieser Winter mit sich gebracht hat, erweckt lebhaft die Erinnerung an jenen Winter von 1812, der einen bis dahin unbesiegten Kaiser mit seiner ganzen Armee zum Rückzuge nötigte. Damals begann der Schnee am 5. November zu fallen, zunächst langsam, dann immer dichter, die Kälte stieg am 9. auf 12, am 12. auf 17 Grad Reaumur. Dieser Kältegrad genügte, um völlige Auflösung in das französische Heer zu bringen, es trat Verwirrung und Mutlosigkeit ein, nicht mehr geordnete Truppen, sondern durcheinander geworfene hungernde und zerlumpte Masse erreichten am 7., 8. und 9. November Smolensk. Am 19. November trat Thauwetter ein, das einige Erleichterung brachte, andererseits aber Krankheiten erzeugte. Die eigentliche grimmige Kälte nahm erst am 3. Dezember, dem Tage des Erlasses des 29. Bulletins, ihren Anfang. Ein Augenzeuge, René Bourgeois, schreibt darüber:„Als wir in Smorgoni ankamen, trat eine unerhörte, nie gekannte Kälte ein. In den Tagen vom 6.— 8. Dezember sank das Thermometer bis 26 und 27 Grad unter den Gefrierpunkt. Diese übermäßige Kälte, der es unmöglich war, zu widerstehen, vernichtete uns vollends. Nur Wenige entkamen ihrer Wirkung, und jeder Tag raffte viele Opfer dahin. Die Nächte waren vorzüglich mörderisch. Die Straßen und die Bivouaks, die wir verließen, waren mit Leichen bedeckt. Um nicht zu unterliegen, war durchaus eine beständige Bewegung nötig, die den Körper stets in einem erregten Zustande erhielt, und die natürliche Wärme nach allen Teilen hintrieb. Wenn man, von Müdigkeit erschöpft, sich unglücklicher Weise dem Schlafe überließ, so boten die Lebenskräfte nur eine geringe Gegenwirkung, es stellte sich bald ein Gleichgewicht zwischen dem Körper und den umgebenden Gegenständen her, und in kurzer Zeit erstarrte, im buchstäblichsten Sinne der Sprache der Phystk, das Blut in den Adern zu Eis. Wenn man, den vorangegangenen Entbehrungen erliegend, es nicht vermochte, dem Schlaf zu wehren, dann machte dieses Erfrieren schnelle Fortschritte, es dehnte sich auf alles Flüssige aus und man ging, ohne es zu bemerken, von der Erstarrung zum Tode über. Glücklich, wer schnell genug erwacht war, um diesem völligen Auslöschen des Körpers zuvorzukommen.— Die jungen Soldaten der Division Loisin tötete allein die Kälte und zwar plötzlich. Erst sah man sie einige Augenblicke schwanken und unsicheren Schrittes einhergehen, wie betrunken. All ihr Blut schien nach dem Kopfe getrieben, so rot und geschwollen war ihr Gesicht. Bald schwanden ihre Kräfte, ihre Glieder schienen wie gelähmt. Sie überließen sich ihrem eigenen Gewichte, die Füße gaben unter ihnen.2h, und sie sturzten hin, erhoben sich noch mehrere Mal, um verwundert und stier um sich zu gaffen, dann war es aus mit ihnen: Linkes und rechtes Bein,„Igeiner englischen Statistik wird nachgewiesen, daß unter 100 Personen nur 10 beide Beine von der gleichen Länge besitzen. Bei mehr als 50 Prozent ist das linke Bein ein klein wenig länger als das rechte. Leibniz Haffeln. Wilhelm Epseloh, Marit-Drogerte, Gehrenberg 2. Wohl nichts spiegelt die Entwicklung, welche die ZeitungsAnnonce genommen, besser und anschäulicher wieder, als die alljährlich um die Jahreswende zur Ausgabe gelangenden Zeitungs=Kataloge der großen Annoncen=Bureaux, die dem modernen Inserenten ein unentbehrlicheg, Führer und ein notwendiges Hilfsmittel geworden sind. Wie bescheiden waren doch die Anfänge dieser heute so vorzuglich ausgebauten Werke! Nach den jetzigen Bedürfnissen und Ansprüchen gemessen dürftig in ihrem Inhalt, klein im Format und unansehnlich in ihrem Aeußeren, bildeten sie einen krassen Gegerzjaß zu der neuen Ausgabe pro 1903 des Zeitungs=Katalogs der ZentralAnnoncen-Expedition G. L. Daube& Co. Ir, Hannover, Luisenstraße 2, welcher uns eben mit gewohnter Pünktlichkeit zugeht. Der neue Daube'sche Katalog bringt auf insgesamt 240 Foliospalten ein Verzeichnis der Planeten erscheinenden Tageszeitungen, Fachblätter, Kursbücher und Kalender, von welchen mit besonderer Ausführlichkeit naturgemäß die in Deutschlanh und den europäischen Nachbarstaaten erscheinenden Erzeugnisse der gschwarzen Kunst" behandelt wurden, über welche eine erschöpfende und zuverlässige Auskunft geboten wird. Die gesamten Angaben über Tendenz, Erscheinungsweise, Auflage, Zeilenpreise, Spaltenzahl und Spaltenbreite für Annoncen und Reklamen wurden durch direkte Anfragen bei den einzelnen Zeitungen durch Versendung von mehr als 20000 Fragebogen gewonnen und sind mithin authentisch. Ein ganzz besonderer Vorzug des Daube'schen Kataloges ist die Uebersichtlichkeit, welche durch die Einteilung der Provinzen nach Regierungsbezirken, bezw. Kreishauptmannschaften, sowie durch ein alphabetisches Ortsregister gewährt wird. Die bewährte Form als Schreibmappe ist beibehalten worden und da auch das äußere Gewand einen gediegenen und vornehmen Eindruck macht, so wird die Neu=Ausgabe gewiß überall willkommen geheißen werden. Jenen Inserenten,z welche gewöhnt sind, über ihre Inserate im Dezember=Monat zu verfügen, wird der Daube'sche Katalog, der als erster über die im laufenden Jahre eingetretenen vielfachen Aenderungen in den Insertionsbedingungen Aufschluß giebt, erst recht gelegen kommen. Nicht unerwähnt bleibe auch eine lesenswerte Studie, betitelt„Der Siegeslauf der Industrie und die Publizität“, welcher wir im üblichen Vorwort begegnen und die einen interessanten Vergleich zwischen der Entwicklung der Industrie und der Entwicklung ihrer besten und erfolgreichsten Mitarbeiterin, der Reklame, zieht. Als Weihnachtsgeschenke empfehle meine Kleider-, Kopfbürsten, Roßhaarbesen, Kinderbesen, Teppichkehrmaschinen, Bohner, Fußbürsten. .H. Halle,„Bürstenmacher, NB. Auf alle Sachen leiste ich entsprechende, Garantie, und sind etwaige Reparaturenzgratis.: 265m Der Herr Ooktor. Militärhumoreske von H. von Dippel. u. Goldwaren, Regulateure v 9 M. an, Wecker v. 1,50—12 M., Taschenuhren in Nickel v 3—20 M., Silber v. 9—50 M Goldene DamenRemontoir-Uhren v. 18 M. an, Rathenover Brillen in Stahl v. 1 M an, Nickel v.1,50 M. an, empfiehlt G. Fröhlich, Uhrmacher, Herford, Gehrenberg. Reparaturen gewissenhaft, prompt und billig of en U J. Blickle, Herford, Bäckerstr. Zu Weihnachtsgeschenken empfehle eine große Auswahl feinster Spazierstöcke in Elfenbein, Nilpferd Horn, Hirschhorn und Naturstöcke aller Art. Cigarrenspitzen in echt Meerschaum, Bernstein und Weichsel unter Garantie. Kurze und lange Pfeifen in allen Mustern, und mache besonders auf keine große Auswahl selbstgefertigter Pheisen aufmerksam, bei denen allein ein gesundes Rauchen möglich ist. Hochteine Cigarren-Etuis. Portemonnates Gund sämtliche Rauchutensillen zu den billigsten eisen. 50m derselben noch die Füße der Mannschaften einer genauen Revision zu unterziehen, denn von einer peinlichen Fußeiner gut passenden Fußbekleidung hängt ja einer Truppe ab (Nachdruck verboten.) „Wer, will sich zur Ausbildung als Sanitäts=Soldat melden?“ fragte eines Tages bei der Befehlsausgabe der Feldwebel Helm von der 3. Kompagnie des a. Bayrischen Infanterie=Regiments. Nach kurzem Zögern trat der„Gemeine“ Graf, welcher als guter, musterhafter Soldat bei seinen Vorgesetzten und Kameraden bekannt war, vor die Front und rief:„Ich, Herr Feldwebel!“ Helm traute seinen Augen nicht, daß gerade Graf auf den Gedanken gekommen sei, sich„vom Dienste zu drücken“, der die Aspiranten=Schule mit sehr gutem Erfolge besucht hatte und deshalb doch bald Gefreiter oder gar Unteroffizier sein würde, dieser Gedanke wollte ihm offenbar nicht in den Kopf. Der im Dienste ergraute Feldwebel sah nämlich in jedem, der sich um ein Kommando bewarb, das ihn vom direkten Frontdienst befreite, einen„Drückeberger“, einen Mann, der zu faul war, das zweite Jahr seiner ohnehin schon kurzen Dienstzeit als„Soldat“ zu dienen. Helm aber übersah in seinem ehrlichen Eifer für den Dienst, daß gerade der Sanitätssoldat beinahe doppelt so viel„Dienst tut“ als jeder seiner aktiven Kameraden; Tag und Nacht muß er stets bereit sein, den aufopferungsvollen und oft auch gefährlichen Obliegenheiten seines Dienstes nachzukommen. Auf die Frage seines Feldwebels, warum er Sanitätssoldat werden wolle, antwortete Graf, daß er sich schon immer für„ärztliche Sachen“ interessiert habe und daß es sein dringender Wunsch wäre,„Lazarettgehilfe“ zu werden. Der junge Aeskulap Graf leistete in der Tat nach seiner Abkommandierung zum Kursus der Sanitäts=Soldaten in diesem vorzügliches; er war bald die Freude und auch das„Paradepferd“ des unterrichtenden Assistenzarztes. Der in ihn gesetzten Hoffnungen würdig, brillierte der neue angehende Sanitätssoldat auch bei der Schlußprüfung vor dem Herrn General=Oberarzt und wurde dann auch, da er kapitulierte, zum Sanitäts=Unteroffizier befördert und gleichzeitig mit der Aufsicht in der chirurgischen Station, oder kurz auch„Station II“ genannt, betraut. Diese schnell Beförderung zeigte unserem Helden, eine wie große Würdigung sein Fleiß und seine Talente auf „ärztlichem Gebiete“, wie er sich gewöhnlich seinen Kameraden gegenüber ausdrückte, erfuhren. Abends, nach getaner Arbeit, wenn im Lazarettgarten der eine oder andere„interessante Fall“ besprochen wurden, führte Graf das große Wort und beurteilte dann„die Geschichte vom Standpunkte des Chirurgen“ aus; überhaupt war es eine ständige Redensart von ihm, mit welcher er seine längeren, medizinischen Abhandlungen einzuleiten pflegte:„Wir Chirurgen betrachten die Sache so“! Daß natürlich der Herr„Vorsteher der Station II“ sich verschiedene Scherzreden, die seine Person und sein Wissen und Erfahrung zum Gegenstande hatten, gefallen lassen mußte, ist seinen durchweg älteren Kameraden, welche alle schon Sergeanten waren, nicht übel zu nehmen. Der Sommer war seinem Ende nahe und die Zeit rückte heran, in welcher das militärische Ausbildungsjahr seinen Abschluß durch die Herbstübungen erhalten sollte. Schon wurden die vorbereitenden Befehle gegeben; auch der für das Sanitätspersonal erschien, demzufolge der Sanitäts=Unteroffizier Graf für die Dauer der Herbstmanöver seiner Stammkompagnie zugeteilt wurde.„Der Leiter der Station II“ mußte sich nun wieder zum „Pflasterkasten“ erniedrigen und hinter der Kompagnie die Maroden und Kranken sammeln, Leute, die er nicht einmal„vom chirurgischen Standpunkt aus“ beurteilen konnte, da der Hitzschlag und die meisten vorkommenden Marschkrankheiten„inoperabel“ sind; das war ein harter Schlag für unseren Aeskulap. Doch der oberste Grundsatz beim Militär ist der Gehorsam ohne Widerrede, und so packte nun auch Graf seine„Siebensachen“ zusammen, meldete sich bei seiner Kompagnie zum Dienste und ging am nächsten Tage mit dieser nach dem Manövergelände ab. Auch hier verstand es der Sanitäts=Unteroffizier, durch seine Tüchtigkeit dase Vertrauen seines Chefs zu erwerben; täglich wurde er zu den Nachmittags=Appellen zugezogen, um am Schlusse lege und einer gur passenven Fuß e Marschleistung einer Truppe ab. ** * Es war Rasttag in einem kleinen Dorfe; soeben hatte der Herr„Doktor“, wie Graf von den Unteroffizieren der Kompagnie genannt wurde, seinen Fußappell beendet und war gerade damit beschäftigt,„sein Besteck“, wie er seine kleine Lazarettgehilfen=Verbandstasche nannte, zu reinigen, als er plötzlich schüchtern an seinem Drillichrock gezogen wurde. Graf hielt in seiner Beschäftigung inne und sah, als er sich umblickte, einen Bauern vor sich stehen, der„den Herrn Doktor“ himmelhoch bat, doch die Güte zu haben, sein krankes Weib zu besuchen und ihr eine Medizin zu verschreiben, da diese„so sehr am Kopf litte". Graf ließ sich nicht lange bitten, sein Gesicht in ernste Doktorfalten gelegt, folgte nun der Heilkünstler seinem Führer. Nach wenigen Minuten war das Ziel der Wan derung erreicht, und nun sah der„Herr Doktor“ eine Situation, die sein innerstes medizinisches Wesen empörte. Die Patientin lag in einer dumpfen Stube bei geschlossenen Fenstern in einem Federbett, in welchem sie förmlich ver schwand, den Kopf noch obendrein mit wollenen Tüchern umwickelt. Die ersten Verordnungen, die nun der Sa nitäts=Unteroffizier gab, waren, daß die Fenster geöffnet, die Tücher vom Kopfe und eine große Zahl Kissen aus dem Bette entfernt werden sollten. Ferner wurde die Patientin von Graf einer Untersuchung unterzogen und schließlich erklärte der„Herr Doktor“, daß die Frau nur an Migräne leide. Die Bauersleute, welche dies Wort zum erstenmal hörten, waren über diese Diagnose äußerst er schrocken, sie glaubten, es sei wieder eine von diesen fremdländischen Krankheiten, wie die„Infaulenza“ es war, und fragten einstimmig, ob die Krankheit auch einen Menschen töten könnte. Dies verneinte jedoch der„Herr Doktor“. Jetzt kam aber unser Doktor doch in Verlegenheit, der Bauer forderte nun energisch eine„Medizin“; da war guter Rat teuer, einesteils merkte Graf ganz genau, daß er sein Ansehen als„Doktor“ bei den Bauersleuten vollkommen herabsetzen würde, wenn er keine Medizin geben könne, andernteils war er aber zu gewissenhaft, etwas ohne ärztliche Anordnung zu verabreichen. Sinnend durchsucht nun Graf seinen„Pflasterkasten“, halt— da kommt ein Gedanke:„Brausepulver“ kann er gegen Kopfschmerz geben, dies Mittel ist unschädlich und hilft sogar unter Umständen. Der Aeskulap läßt sich nun ein Glas Wasser bringen, mischt sein Tränklein und giebt es der Kranken. Diese trinkt mit Andacht und erklärt nach einigen Minuten, das Kopfweh sei weg, und steht auch gleichzeitig vom Bette auf. Ob es die Wirkung des Brausepulvers oder eine suggestive Wirkung war, die Bäuerin war geheilt, geheilt durch ihn, den Herrn Doktor! Wie stand er nun da? Der Bauer und seine Frau waren außer sich vor Freude und wußten garnicht, auf welche Weise sie ihre Dankbarkeit erweisen könnten. Endlich verließ die Bäuerin schlau lächelnd das Zimmer, um bald darauf mit einem großen schweren Packet wiederzukommen, das sie ihrem„Arzte“ mit den Worten einhändigte:„Die Herren haben immer etwas Hunger, da habe ich etwas Schinken und Wurst eingepackt, die sich der Herr Doktor gut schmecken lassen sollen!“ Graf läßt sich nicht nochmals zuzugreifen auffordern, er verabschiedet sich und läßt auch dem Bauern in seinem Edelmut einige Brausepulver mit der Anweisung zurück, daß sie die Bäuerin nur dann nehmen solle, wenn sie wieder Kopfschmerzen habe.——— Das Manöver war längst vorüber, Graf kam aus demselben dick, fett und wohlgenährt zurück(kein Wunder, wenn er allen Schinken und alle Wurst, die seine Praxis ihn einbrachte, allein aufgegessen hat) und hatte schon längst wieder seine Dienste bei der Station 2 des Garnisonlazaretts aufgenommen, als sich eines schönen Tages ein Bäuerlein mit einem großen, geheimnisvollen Packet an der Kasernenwache des X. Infanterie=Regiments mit der Bitte meldete, er wolle den Herrn Doktor sprechen, der seine Frau während des Manövers in Dingsda gesund gemacht habe Bir wissen ia Jofort, wer Hertk unteroffizser der 8oweien ist anders aber ging es dem Unteroffizier der nu nenwache. Er sagte dem Bauern der Reihe nach die Namen aller Aerzte des Regiments vor, um eventuell Hadurch zum Diel zu. Kelanpesägebeg Hfehefezs ue die Stabsarzt Dr. T., der Einsähtigen=Arzse Dr. 9.34 gab unser Bäuerlein immer nur die eine Antwort:„Es war ja nur ein„Herr Doktor“ in Dingsdorf einquartiext.“ Endlich mischte sich der„Aufführgefreite" ins Gespräch, und gab den Rat, doch erst einmal nachzufragen, welches Bataillon oder welche Kompagnie in Dingsda einquartiert gewesen sei, man könnte dann leicht auch den Arzt feststellen. So geschah's, und man brachte in Erfahrung, daß die dritte Kompagnie während des Manövers die Gastfreundschaft Dingsdas in Anspruch genommen hatte. Da nun der Wachhabende wußte, welche spezielle Kompagnie diese Anfrage anging, sandte er das Bäuerlein zum Feldwebel Helm, der ihm die Auskunft gab, daß der Herr Stabsarzt Dr. A. während des ganzen Manövers wie auch der ganze Bataillonsstab der dritten Kompagnie attachiert gewesen sei. Der Feldwebel schrieb noch dem Suchenden zur Vorsicht den Namen des Arztes auf und sandte ihn in das Garnisonlazarett, wo der Herr Stabsarzt, wie er wußte, immer während des ganzen Vormittags zu treffen war. Als nun das Bäuerlein dem Arzte vorgeführt wurde, erklärte es auf das bestimmteste, daß das nicht der„Herr Doktor“ sei, welcher der Bäuerin geholfen habe, und die jetzt wieder von dem alten Leiden geplagt werde, da die Medizin alle geworden sei. Schon wollte der Bauer sich wieder betrübt entfernen, als plötzlich das Rätsel gelöst wurde. Graf trat in das Zimmer seines Chefs, welcher Leiter der chirurgischen Station war, um ihm eine Meldung zu machen. Diesen sehen und auf ihn zustürzen war das Werk eines Augenblicks für den besorgten Ehemann, der schon glaubte, unverrichteter Dinge wieder nach Hause gehen zu müssen. Triumphierend rief er dem erstaunten Stabsarzt zu, das ist der„Herr Doktor“, der meiner Frau geholfen hat, und gleichzeitig sich an Graf wendend, setzte er hinzu:„Ach, lieber Herr Doktor, geben Sie mir doch noch einige von den Pulvern, die meiner Frau so gut tung ich habe Ihnen auch wieder einen schönen Schinken und Wurst mitgebracht!“ Für„Herrn Doktor“ Graf war diese Szene äußerst unangenehm; er wußte nicht, was er beginnen sollte, alles kam zu unerwartet und dazu vor den Augen seines Vorgjesetzten. Doch der Herr Stabsarzt E war ein humaner ind überlegter Herr, er ließ sich durch diesen Vorfall nicht ius der Ruhe bringen, sondern er nahm sich nur vor, den Fall zu untersuchen. Er ließ erst seinen„Kollegen“ berichten und erfuhr nun, daß die ganze Sache äußerst jarmlos war. Er ordnete an, daß das Bäuerlein noch einige Brauseoulver erhielt, und damit war die Sache für ihn abgetan. Anders aber war es für Graf, die Geschichte wurde inter seinen Kameraden bekannt, und obwohl er die Meiiung derselben durch den„Honorarschinken“ erkaufen vollte, nannten sie ihn doch immer und für alle Zeiten „Den Frauendoktor“. Meinen werten Mitbewohnern von Herford und Umgegend bringe ich mein großes Lager der vorzüglichsten Weihnachtsgeschenke für jedes Alter, auch Weihnachtskarten, in empfehlende Erinnerung. Ferner empfehle ich mein großes Neujahrs- u. Ansichtskarten-Lager u. lade zum Besuch gan ergebenst ein. Wiederverkäufer und Vereine, welche Christbaumverlosungen veranstalten erhalten den höchsten Rabatt. Zur evtl. Anschauung und Besprechung stehe ich auch außer en Besuchern zur Verfügung. Hochachtungsvoll 128m Hermann Wolff, Buchhandlung Herford. 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