Diese Zeitung erscheint am Abend jeden Wochentages. Abonnementspreis vierteljährlich pränumerande 1,25 Mark, bei Postbestellung kommt das Bestellgeld hinzu. Dienstag, 30. September Irserate werden bis spätestens vorm. 11 Uhr erbeten. Preis der einspaltigen Votitzeile für Stadt und Kreis Oeynsausen und Amt eime 10 Pfg., sonst 18 Pfg 1902 12. Jahrgang. 12. Jahrgang. für die s Teleph. Anschl chö 6-4083 Vern.) Teleph. Anschl. Die neuen Kriegsartikel. Wie bereits berichtet, hat der Kaiser neue Kriegsartikel für das Heer eingeführt. Die neuen Artikel lauten in ihren Hauptparagraphen: Eingedenk seines hohen Berufs, Thron und Vaterland zu schützen, muß der Soldat stets eifrig bemüht sein, seine Pflichten zu erfüllen. Der Dienst bei der Fahne ist die Schule für den Krieg; was der Soldat während seiner Dienstzeit gelernt hat, soll er auch im Beurlaubtenstande sich erhalten. Die unverbrüchliche Wahrung der im Fahneneid gelobten Treue ist die erste Pflicht des Soldaten. Nächstdem erfordert der Beruf des Soldaten: Kriegsfertigkeit, Mut bei allen Dienstobliegenheiten, Tapferkeit im Kriege, Gehorsam gegen die Vorgesetzten, ehrenhafte Führung in und außer Dienst, gutes und redliches Verhalten gegen die Kameraden. Jeder rechtschaffene, unverzagte und ehrliebende Soldat darf der Anerkennung und des Wohlwollens seiner Vorgesetzten versichert sein. Dem Soldaten steht nach seinen Fähigkeiten und Kenntnissen der Weg selbst zu den höchsten Stellen im Heere offen. Wer sich durch Tapferkeit und Mut hervorthut oder in langer Diesstzeit gut führt, hat für seine treue Pflichterfüllung die verdiente Belohnung durch ehrenvolle Auszeichnungen zu erwarten. Wer nach längerer vorwurfsfreier Dienstzeit die Beschwerden des Dienstes nicht mehr zu ertragen vermag, wer durch Verwundung vor dem Feinde dienstunfähig wird oder sonst im Dienste zu Schaden kommt, erwirbt den Anspruch auf Pension oder Anstellung im Zivildienste. Freiheitsstrafen von mehr als sechs Wochen werden auf die aktive Dienstzeit nicht angerechnet. Die Feigheit ist für den Soldaten besonders schimpflich und entehrend; niemals darf er sich durch Furcht vor persönlicher Gefahr von der Erfüllung seiner Berufspflichten abwendig machen lassen. Der feige Soldat hat schwere Freiheits= und Ehrenstrafen, im Kriege Zuchthaus oder die Todesstrafe zu erwarten. Der ehrenvolle Beruf des Soldaten darf durch ehrenwidrige Behandlung desselben nicht herabgewürdigt werden. Wer die Untergebenen vorschriftswidrig behandelt, beleidigt oder gar mißhandelt, oder wer seine Dienstgewalt dazu mißbraucht, um auf Kosten seiner Untergebenen sich Vorteile zu verschaffen, wird nachdrücklich bestraft. Glaubt der Soldat, Veranlassung zur Beschwerde zu haben, so ist er.dennoch verbunden, seine Dienstobliegenheiten unweigerlich zu erfüllen, und erst demnächst seine Beschwerde auf dem verordneten Wege anzubringen. Wer eine Beschwerde auf unwahre Behauptungen stützt oder unter Abweichung von dem vorgeschriebenen Dienstwege anbringt, wird mit Freiheitsstrafe belegt. Gemeinsame Beratungen von Soldaten über militärische Angelegenheiten, Einrichtungen oder Befehle ohne dienstliche Genehmigung, sowie das Sammeln von Unterschriften zu einer gemeinsamen Beschwerde sind mit der militärischen Manneszucht nicht vereinbar und werden bestraft. Schwere Strafe trifft denjenigen, der es unternimmt, Mißvergnügen in Beziehung auf den Dienst unter seinen Kameraden zu erregen. Tagesgeschichte. Vom Kaiserpaar. Se. Majestät wird wegen der bisherigen wenig günstigen Jagdresultate seinen Aufenthalt in Rominten verlängern und erst anfangs nächster Woche in Kadinen eintreffen. Von dort reist er nach Marienburg und Danzig. Die Kaiserin hat den Besuch zur Düsseldorfer Ausstellung, der zunächst aufgeschoben war, ganz aufgegeben. Reise des Kaisers nach Italien. Der Kaiser führt im Februar seine Reise nach Italien mit der„Hohenzollerv“ aus. Bevorstehender Empfang der Buren beim Kaiser. Die Meldung aus Haag, der Kaiser werde die Burengenerale empfangen, kann als zutreffend angesehen werden. Die Initiative ist auf holländischer bezw. burischer Seite zu suchen. Der Eupfang wird sich in Form einer Audienz abspielen. Die Burengenerale Dewet, Delarey und Botha werden vermutlich in der zweiten Oktoberwoche nach Berlin kommen. Deutsch=Russisches. Nach dem jetzt amtlich veröffentlichten russischen Text der Ansprache Kaiser Wilhelms an die russische Militärdeputation in Posen lautet diese etwas anders, als nach der von deutscher Seite verbreiteten Version. Wie der„Russlij Invalid“ bemerkt, sprach Kaiser Wilhelm deutsch und sagte etwa Folgendes:„Schon lange wollte ich die Genugthuung haben, Sie bei mir zu sehen, und ich bin sehr froh über die Verwirklichung dieser Absicht. Bei meiner letzten Zusammenkunft mit Ihrem Herrscher in Reval sprach ich Sr. Majestät meine Bitte aus und drang insbesondere auf Ihren Empfang hier in Posen. Beide Reiche sind durch Jahrhunderte der Freundschaft verbunden, und als symbolische Bestätigung dessen, daß wir zwei Glieder einer und derselben Kette bilden, tauschte ich bei der letzten Zusammenkunft die Achselbänder mit dem Kaiser Nikolai und legte sie jetzt zum ersten Mal an. Sie meine Herren, als Militärs, verstehen vollkommen, daß man in einer Grenzfestung nur Freunde aufnehmen darf, von denen man nicht glauben kann, daß ein Zusammenstoß mit ihnen möglich ist. Ich gab deshalb den Befehl zur Auflassung der Befestigungen von Posen in der Annahme, daß sie nicht nötig sein können und daß die feste Freundschaft beider Reiche nie gestört werden kann.“ Aus Frankreich. Der neue französische Kriegsminister sieht einem Kriege Frankreichs mit Deutschland recht zuversichtlich entgegen. Aus Troyes liegt nämlich folgende Meldung vor: Kriegsminister André hielt in Aixenothe bei der Enthüllung des Denkmals zum Andenken an die 1870 Gefallenen eine Rede, in der er den Besiegten von 1870, seine Hochachtung aussprach und versicherte, Frankreich verfüge heute über eine Armee, die, falls Frankreich ihrer eines Tages bedürfte, gewiß ebensoviel Mut zeigen würde, wie ihre Vorgänger und die, da besser ausgebildet, sicherlich den Sieg(?) an ihre Fahnen heften würde. in Bulgarien. Fürst Ferdinand von Bulgarien hatte sich in diesen Tagen nach Varna begeben, um die dort eingetroffenen russischen Gäste für die Schipkafeier und die 25jährigen glorreichen Kriegserinnerungen sowie die Befreiung vom Türkenjoch zu empfangen. Bei der Sonntag früh vollzogenen feierlichen Einweihung der Gedächtniskirche und des Seminars auf dem Schipkapasse brachte Fürst Ferdinand einen Trinkspruch aus, in welchem er daran erinnerte, daß der Schipkapaß der Schauplatz schrecklicher Kriegsszenen war, denen die Sonne des Friedens folgte. Rußland habe die Verewigung der ruhmvollen Thaten in Gestalt einer Kirche gewünscht, die dem Seelenfrieden der gefallenen Helden geweiht sein solle. An die Spitze der Bewegung habe sich der Kaiser von Rußland gestellt, und das ganze russische Volk habe ihm gedankt. Hier sei für die zukünftige Generation ein Dokument der Größe der von Rußland gebrachten Opfer geschaffen, und die Glocken dieser Kirche werden die christliche Liebe und Opferfreudigkeit des Brudervolkes verkünden. Dieser Tag bilde die festliche Vereinigung beider Nationen. Im weiteren Verlauf seiner Ansprache gab der Fürst seiner Freude über die Anwesenheit des Sohnes des russischen Generalissimus Ausdruck, dankte im Namen des bulgarischen Volkes und der Armee und trank auf die Gesundheit des Kaisers Nikolaus und der kaiserlichen Familie. Großfürst Nikolaus Nikolajewitsch antwortete mit einem Toast, in dem er namentlich für die seinem Vater gespendeten Aufmerksamkeiten dankte. Die von Rußland gebrachten Opfer hätten ihre Früchte getragen. Kaiser Nikolaus sei immer Bulgarien, das sich auf selbständiger Basis entwickle, wohlgefinnt. Der Großfürst trank auf die Gesundheit des Fürsten und das Gedeihen des Landes. Herforder Kreisnachrichten. (Mitteilungen von allgemeinem Interesse sind uns stets willkommen und werden auf Wunsch honoriert.) Herford, 30. September 1902. ** Vom Kurfürsten-Denkmal brachte bereits am Tage nach der Enthüllung, wie s. Z. auch von unserem schönen Wittekind=Denkmal die Leipziger„Illustrierte Zeitung", bekanntlich das bedeutendste illustrierte Blatt der Welt, eine hübsche Abbildung nebst Artikel. Hoffentlich ist von unseren Photographen auch dafür Sorge getragen, daß von der Feier selbst in den verschiedensten illustrierten Werken Bilder zur Aufnahme kommen. ¼ Herbst=Missionsfest. Am Mittwoch, 8. Oktober, findet in der Münsterkirche das Herbst-Missionsfest statt. Festprediger sind u. a. die Herren P. Kriele=Barmen und Missionar Culemann aus Sipoholon(Sumatra) Vom Festspiel. Die gestrige WiederholungsAufführung entsprach einem dringenden Bedürfnis; denn dieHierzu Unterhaltungsbeilage. selbe ging bei gut besetztem Hause von statten. Das Auditorium war für die schönen Darbietungen wieder recht dankbar. Verschiedene Gruppenaufnahmen vom Baltzschen Festspiel„Am Webstuhl der Zeit“ sind jetzt von Herrn Martin Herrmann erfolgt. Den Damen und Herren, welche sich so bereitwilligst der großen Mühe, die derartige Aufführungen mit sich bringen, unterzogen haben, ist somit eine hübsche bildliche Erinnerung an das Festspiel geworden. Bemerkt sei noch, daß im Herrmannschen Atelier auch sehr wirksame Aufnahmen von der Enthüllungsfeier des Kurfürsten=Denkmals wie von der Rundfahrt des Kronprinzen hergestellt sind. Spezialitäten=Vorstellungen finden von morgen ab im Theatersaale des Bürgervereins statt; näheres ist aus dem Inseratenteil der vorliegenden Nummer u. Bl. zu ersehen □□ Gerichtsvollzieherstellen. Von morgen ab tritt eine Aenderung in den hiesigen Gerichtsvollzieherstellen ein; statt der bisherigen drei ersten Klassen werden fortan nur zwei erste Klassen und eine zweite Klasse bestehen. Zur Besetzung der letzteren Stelle wird Herr Gerichtsvollzieher Niemeyer von Bünde nach hier versetzt. Daselbst bestand bisher je eine Stelle erster und zweiter Klasse; letztere ist in eine Stelle erster Klasse umgewandelt. Die Verwaltung derselben wurde Herrn Gerichtsvollzieher Wehmeier übertragen. Dieser hat lange Jahre hier auch als Bezirksfeldwebel geweilt und erfreute sich stets einer großen Beliebtheit, so daß man ihn nur ungern von hier scheiden sieht. ** Neue Zeitungsagentur. Vielfachen Wünschen zufolge haben wir Herrn Kolonialwarenhändler Vorndamm an der Enger=Chaussee eine Agentur übertragen. Bestellungen auf die„Herforder Zeitung für Stadt und Land“ werden täglich entgegen genommen. Winterpostbetrieb. Von morgen ab werden die Postschalter morgens erst um 8 Uhr geöffnet. Die Zeitungsund Briefausgabe erfolgt ½ Stunde früher. ½ Storms Kursbuch, das infolge der fortgesetzten Bemühungen der Wolffschen Buchhandlung hiec immer mehr auch den Interessen der hiesigen Gegend Rechnung trägt, ist bereits für den mit morgen in Kraft tretenden Winterfahrplan im Buchhandel erschienen. Bei der Vielseitigkeit und übersichtlichen Einrichtung dieses Kursbuches wird dasselbe stets gern gekauft. . Den für die Uhr bestimmten Fahrplan der Staatsbahn bringen wir in der heutigen Nummer zum Abdruck. Den vollständigen Winterfahrplan der Kleinbahn, der viele Veränderungen aufweist, veröffentlichten wir bereits gestern.„ nn Hollinde, 29. Sept. Hofprediger Stöcker. Es war ein schöner Festtag für unseren Ort, der verflossene Sonntag. Auf dem Hofe des Herrn Kolon Böckmann sprach zu einer zahlreich versammelten Gemeinde der Herr Hofprediger a. D. D. Stöcker. Schon am Sonnabend hatten Mitgieder des Posaunen= und Jungfrauenvereins es sich angelegen sein lassen, dem Hofe durch Anbringung von frischem Grün und Blumen ein festliches Gewand zu verleihen Ein schöner Ehrenbogen mit dem„Herzlich Willkommen" zierte den Eingang des Festplatzes. Durch gutes Wetter wurde die Feier begünstigt. Dieselbe gestaltete sich dann auch in durchaus schöner Weise. Von Nah und Fern war man herbeigeeilt, um ihn, den alten Bekannten und Freund der Minden=Ravensberger einmal wieder zu hören. Herr Pastor Gottschalk eröffnete die Feier. Verschiedene Lieder wurden von dem Gesang= und Posaunenverein vorzetragen. Dann bestieg zur großen Freude aller Herr Hofprediger Stöcker die Kanzel; aufmerksam hörte alles dem gewandten Redner zu, der im Wesentlichen über sein Werk, die Berliner Stadtmission sprach. Jedem Anwesenden ist es gewiß klar geworden, ein wie schwieriges und doch wieder durchaus dankbares Werk es ist, sich so herzlich der völlig Verlassenen anzunehmen. Das Schlußgebet sprach dann Herr Pastor Gottschalk. Die Vereine wurden dann wieder bei Herrn Böckmann bewirtet; ihm gebührt gewiß Dank für seine schöne Gastfreiheit, aber noch größerer Dank dem Herrn Hosprediger D. Stöcker, der uns den segensreichen Nachmittag bescherte. Enger, 29. Sept. Westfälische LehrerWitwen= und Waisenfasse. Die Generalversammlung war von etwa 35 Mitgliedern aus ganz Minden=Ravensberg besucht. Das Bild, welches der Vorsitzende der Kasse, Herr Rektor Kuhlo=Bielefeld, entwirft, ist ein recht günstiges. Infolge der Umgestaltung der Statuten entspricht die Kasse rechnerischen Grundsätzen und Anforderungen, so daß nun namentlich jüngeren Lehrern der Eintritt nur empfohlen werden kann. Ueber 50 neue Mitglieder traten in dem letzten Halbjahre bei. 's Enger, 29. Sept. Sparkasse. Die Eröffnung der Sparkasse soll am 1. April u. I. erfolgen. er Dreyen, 29. Sept. Weiter Flug. Der s. Z. zugeflogene Papagei ist von dem Eigentümer abgeholt. Der Papagei hatte einen weiten Flug und zwar von der Anstalt Bethel bei Bielefeld nach hier gemacht. 's Belke=Steinbeck, 29. Sept. Unfall. Die Heuerlinge H. und A. hierselbst waren damit beschäftigt, aus der Dreschmaschine Korn zu entfernen, wobei dieselben eine Verletzung der linken Hand erlitten. &m Eilshausen(Brandhorst), 30. Sept. Bubenstreich. Sonnabend nacht sind in der Gärtnerei von Schachtsiek 6 junge Obstbäumchen durch frevelhafte Personen abgeschnitten worden. Den Thätern ist man auf der Spur. * Bustedt, 29. Sept. Schwer verletzt. Ein betrübender Unglücksfall ereignete sich hier heute nachmittag. Das 6jährige Mädchen des Zigarrenarbeiters Nehl hatte sich nach Kinderart hinten an den Holz'schen Bierwagen gehangen. Plötzlich ging ein Hinterrad vom Wagen, bei dem Kippen des Wagens kam das Mädchen ebenfalls zum Fallen, wobei dem armen Kinde von der Wagenachse das ganze Bein aufgerissen wurde. Das bedauernswerte Geschöpf wurde von Dr. Brackmann in Behandlung genommen. * Blotho, 29. Sept. Entgleisung. Sonnabend abend 8¼ Uhr entgleiste durch falsche Weichenstellung die Maschine eines Güterzuges und überfuhr hierauf noch den daselbst befindlichen Prellbock. Glücklicherweise kam das Zugpersonal mit dem bloßen Schreck davon. Der Materialschaden ist nicht unbedeutend. Kleider=Stoff=Mode=Bericht der Firma Breidenbach& Co., Herford, Alter Markt 12. Bei dem Herannahen der Herbst= und Winter=Saison tritt auch an jede Dame die Bekleidungsfrage heran. Was ist für diese Saison modern, oder was bringt die Mode, wird sich jedermann fragen und geben wir gerne zur Orientierung einen kleinen Ueberblick der heutigen StoffMode.— Unser Hauptaugenmerk haben wir der vorherrschenden Uni=Mode entsprechend auf gute solide, moderne Uni= und sogenannte Halbseidenstoffe gerichtet.— Speziell für den Winter sind Cheviots, Zibelines, Hopsacks, satinierte CöperSatin=Tuche sehr stark in Aufnahme gekommen.— Die aus der letzten Winter=Saison bekannten grobfädigen Cheviots sind heute nicht mehr modern. Alles, was die Fabrikation gebracht hat, zeigt einen ausgesprochenen feinbindigen Cöper mit glanzreicher Ausrüstung.— In Cheviots sind hauptsächlich Cöper=Cheviots sehr beliebt und beherrschen in Kammgarn, Uni=Satins das Feld gänzlich und man bezeichnet nicht mit Unrecht Satin als den bedeutendsten Artikel der Saison.— Am meisten begehrt sind in Satin, schöne, geschmackvolle, glänzend appretierte, dabei jedoch weich und geschmeidig ausfallende Qualitäten in mittleren Preislagen. In höheren Preisen besitzen Angora=Stoffe gute Aussicht, sehr gern gekauft zu werden. Sehr bevorzugt in der Mode sind in allerletzter Zeit schwarz=weiße Sachen in kleinen unbestimmten Dessins, mit einfarbiger, weißer oder farbiger Noppé, blaugrüne Genres, Melange und graumelierte in den neuesten Panama und Hopsacks=Geweben. In Paris geht man bereits mit Vorliebe zum vollständigen Wollkleid über, dagegen hält man in Deutschland nach wie vor an der Blouse kest und wird sich diese, wie mit Recht anzunehmen, nicht mehr verdräiicen lassen. Blousen kommen in erster Linie Blousen=Rayé=Genr's mit ehiné=Effekten in Betracht. Ferner finden wieder Ccrreaux grops Aufnahme. Wir erlauben uns bei dieser Gelegenheit auf unsere geradezu überraschend große Auswahl in diesen modernen Stoffen aufmerksam zu machen; unsere bewährtesten Qualitäten sind wassertropfecht und schlitzen nicht in den Nähten, da wir an unserem Prinzip festhalten„nur solide Qualitäten zu billigen Preisen zu verkaufen und nicht minderwertige Waren zu führen, die nur den Anschein der Billigkeit erwecken.“ Unsere Abteilung Damen=Konfektion ist mit sämtlichen Neuheiren ausgestattet, ebenso finden Sie in Herren= und Knaben=Garderobe eine entzückende Auswahl. beiden Spezial=Kataloge für Damen= und HerrenoinnIon gelangen nächste Woche zur Ausgabe. Roman von Dora Duncker. (53. Fortsetzung.)=(Nachdruck verboten.) In dem Zimmer, in dem das verlassene Weib zurückgeblieben, rührte sich nichts. So still war's, als sei mit dem Davoneilenden alles Leben entflohen. Jetzt plötzlich ein wilder Schrei— matt— ohnmächtig — heiser. Das stille Weib fuhr zusammen. Es kam wieder Leben über sie. Sie stürzte zur Thür— um Gott— die Mutter — was war geschehen? Die Räthin wankte, von Max gestützt, herein. In der Thür wehrte sie ihn ab.„Laß, laß— Du bist zu grausam— ich werde sie selber fragen.“ Max' Gesicht war finster— um die Augen lagen tiefe Schatten— der junge, frische Mensch sah um Jahre gealtert aus. Er legte die Hand fest auf den Arm der Räthin. „Nein, ich werde sprechen, Mutter— ich werde sie fragen — ich als Mann.—“ „Schone sie!“ jammerte die Alte. Max fuhr auf.„Nein, lich kann sie nicht schonen— ich will sie nicht schonen. Uns muß sie Rede stehen. Uns darf sie die Antwort nicht weigern, die sie dem Freunde hartnäckig versagte. Die Ehre beider Familien— die Ehre, Mutter— Evas und mein Lebensglück stehen auf dem Spiel.—“ „Ja, ja, er hat Recht. Sprich Anna— sprich— sage uns—“ Mit gefalteten, gegen die Brust aufgehobenen Händen stand Anna da. Langsam neigte sie das Haupt. „Auch Du? Auch Ihr? Auch Iyr glaubt, daß ich—! Also das war noch übrig, das Fürchterlichste. Die eigene Yautter! Nichts soll mir erspart bleiben, nichts!“ Und dann plötzlich mit heftiger, empörter Gebärde:„Ja, seid Ihr denn alle von Sinnen, oder bin ich's selbst?“ Max trat auf sie zu. Hart packte er sie bei der Hand. „Kceine Komödie— keine Ausflüchte— keine Scenen— Schwester— die Wahrheit wollen wir! Wir bitten nicht mehr, wir fordern.“ und Nachbarstaaten. * Oeynhausen, 29. Sept. Imkerversammlung. Gelegentlich der gestrigen Herbstversammlung des MindenRavensberger Imkerverbandes hielt Herr Lehrer ErgenzingerHerford einen sehr interessanten Vortrag über„Krankheiten der Bienen; Entstehung, Verhütung und Heilung.“ Der Vortragende sprach 1. über Faulbrut, 2. Ruhr, 3. Maikrankheit. Redner äußerte sich über das Wesen und Krankheitserscheinungen der Faulbrut, als der gefährlichsten Bienenkrankheit. Ein sicherwirkendes Mittel dagegen ist bis jetzt noch nicht bekannt. Die Ruhr tritt hauptsächlich im Nachwinter auf. Mittel dagegen: Einwintern mit Zucker und die Völker warm halten. Die Maikrankheit ist am wenigsten gefährlich. Gewöhnlich wird sie mit mildgesalzenem Zuckerwasser erfolgreich behandelt. * Salzuflen, 29. Sept. Kurdirektor. Unser bisheriger Badekommissar, Herr Rittmeister v. Hahn, ist von dem Grafregenten zum Fürstlichen Kurdirektor ernannt worden. * Detmold, 29. Sept. 300jährige Jubiläumsfeier des Gymnasiums Leopoldium. Im Hermannssaale des lippischen Hofes versammelten sich gestern abend die Lehrer des hiesigen Gymnasiums und wohl 250 alte Schüler der Anstalt aus allen Jahrgängen, die sich nach und nach an verschiedenen Tischen zusammenfanden. Inzwischen fand der Zapfenstreich statt, er wurde geschlagen durch das Gymnasial=Tambourkorps, dem die Schüler der beiden oberen Klassen mit Fackeln folgten. Die Residenz prangt heute im festlichen Schmuck. Das Rathaus sowie das Gymnasium sind an der Vorderfront auf das schönste mit Fahnentuch in den lippischen und deutschen Farben ausgestattet. * Elberfeld, 29. Sept. Ein schweres Straßenbahnunglück hat sich gestern nachmittag gegen 5 Uhr auf der Strecke Neviges=Elberfeld der Bergischen Kleinbahnen ereignet. Vier Personen wurden schwer verletzt, einer davon, ein junger Bankbeamter, namens Ewald Gronemeyer so schwer, daß die Aerzte ihn aufgegeben haben; 8 bis 10 Personen erlitten leichtere Verletzungen. Das Unglück ist entstanden durch einen Zusammenstoß zweier elektrischer Motorwagen. Ein von Neviges kommender Motorwagen geriet unterhalb der Grenze des Nevigeser und Elberfelder Gebiets ins Rutschen, offenbar weil die Handbremsen sowohl als auch die vorhandene elektrische Bremse versagten und stieß mit einem in einer Weiche in der Nähe des„Briller Schlosses" stehenden Motorwagen zusammen. Der Führer desselben erkannte die ihm drohende Gefahr, er schaltete den Strom aus, zog alle Bremsen an und rettete im letzten Augenblick durch einen Sprung von seinem Wagen sein Leben. Der Wagenführer und auch der Schaffner des ins Rutschen gekommenen Wagens gaben sich mit vereinten Kräften durch Anziehen der Bremsen alle Mühe, den Durchgänger zum Stillstand zu bringen, kurz vor dem Zusammenstoße verließen sie ihren Stand und flüchteten in den Wagen. Mit furchtbarem, weithin hörbarem Krachen stießen die beiden Wagen zusammen. Die beiden Vorderperrons waren vollständig zertrümmert, der angefahrene Wagen war trotz der festgestellten Bremsen etwa 30 m weit zurückgeflogen. Schwerverletzt sind außer Gronemeyer, der ebgesprungen war und sich einen schweren Schädelbruch zugezogen hat, ein gewisser Egmann aus Neviges(schwere Kopfverletzung), Albert Kaufmann=Velbert(schwere Kopfverletzung und Schlüsselbeinbruch) und Lachmann=Neviges(Beinbruch und Kopfverletzung). 1 Versäume niemand, sein Post=Abonnement auf die „Herforder Zeitung für Stadt und Land“ sofort zu erneuern, damit keine Unterbrechung in der Zustellung unseres Blattes eintritt. Redaktiöti und Verlag. Emile Zola F. Paris, 29. September. Emile Zola wurde heute vormittag in seiner Wohnung tot aufgefunden; er ist infolge eines Unglücksfalles erstickt. Seine Frau ist schwer erklank.. Ueber die näheren Umstände des Todes Zolas schwebt tiefes Dunkel, so daß man an einen Unglücksfall denken kann. während anderseits der Gedanke an Selbstmord nicht ganz abzuweisen ist. Zola und seine Frau brachten drei Monate auf dem Lande zu und waren jetzt in ihr Haus in der Rue de Bruxelles zurückgekehrt. Die Wohnung war während ihrer mehrmonatigen Abwesenheit ausgekühlt, zumal in der letzten Zeit, weshalb Zola anordnete, das Schlafzimmer zu heizen, in dem sich ein großer Prachtkamin befindet. Der Diener suchte den Befehl auszuführen; aber es gelang ihm nicht, das Heizmaterial in Brand zu setzen. Der Kamin schien nicht genug Zug zu haben. Zur gewohnten Stunde setzten sich Zola und seine Frau zu Tische und aßen mit Appetit; die Dienstboten aßen dieselben Speisen. Gegen 10 Uhr begaben sich Zola und seine Frau zur Ruhe. In der Nacht wurde durchaus nichts Bemerkenswertes wahrgenommen. Heute vormittag 9½ Uhr klopften die Arbeiter, die im Schlafzimmer Reparaturen vornehmen sollten, sowie der sie begleitende Diener des Hauses, ohne Antwort zu erhalten, an die Thür des Zimmers. Als sie die Thür schließlich erbrachen, drang ihnen ein scharfer athembenehmender Kohlendunst entgegen. Sie fanden Zola mit dem Kopfe und den Schultern auf dem Bettteppich liegend, während sich die Füße auf dem Bettrande befanden; vermutlich hat er versucht, aufzustehen, um das Fenster zu öffnen. Frau Zola lag anscheinend leblos im Bette. Dr. Lenormand, Dr. Main und zwei weitere Aerzte, die sofort herbeigerufen wurden, stellten schleunigst Wiederbelebungsversuche an, die nur bei Frau Zola Erfolg hatten. Alsbald erschien ein Polizeikommissar, der Spuren von Ausleerungen, die er auf dem Teppich und im Bette fand, zum Zwecke der Untersuchung mit sich nahm. Der Kommissar bezeichnet es als unverständlich, wie eine Erstickung infolge Ausströmung von Kohlengas bei einem Kamin mit ununterbrochenem Luftzuge habe vorkommen können. Zudem bemerkte er, daß zwei auf dem Boden des Zimmers ruhende kleine Hunde keinerlei Schaden genommen zu haben schienen. Der Polizeikommissar benachrichtigte sofort den Untersuchungsrichter, der zwei Sachverständige mit der Untersuchung beauftragte. Gegen mittag kam Frau Zola zu sich. Sie ist noch nicht vernehmungsfähig. Ihre Verwandten und einige vertraute Freunde Zolas erhielten alsbald Nachricht. Paris, 29. Sept. Die Untersuchung ergab, daß das Ausströmen von Kohlengas aus dem mangelhaft verschlossenen Ofen den Tod Zolas verursachte. Gestern abend war Zola, der die litterarische Gesellschaft bei sich eingeladen hatte, in bester Laune. Die Zeitungen widmen ihm Nachrufe je nach ihrem Standpunkt, erkennen aber übereinstimmend an, daß mit ihm einer der größten Schriftsteller Frankreichs dahingeschieden sei. Oberpräsident v. Goßler kämpft einen schweren Todeskampf. Aus Danzig, 29. Sept., wird gemeldet: Seit gestern nachmittag ist der Oberpräsident ohne Besinnung, nur hin und wieder zeigt ein leises Röcheln, daß das Leben noch nicht ganz aus dem Körper entschwunden ist. Begnadigt. Der Leutnant Thieme, welcher im Januar d. J. in Jena den Studenten Held im Pistolenduell erschoßund zu 2½ Jahren Festung verurteilt wurde, ist jetzt begnadigt worden. Entmündigung eines Prinzen. Der am 6. Februar 1880 zu Berlin geborene Prinz Stanislaus Radziwill, jetzt in Mankiewicze(Rußland) wohnhaft, ist durch Beschluß ## Amtsgerichts I Berlin wegen Verschwendung entmündigt worden. Die schießtüchtigste Kompagnie im deutschen Heer ist nunmehr amtlich festgestellt worden. Es ist dies die 5. Kompagnie des in Altona stehenden Infanterie=Regiments Graf Sie antwortete nicht. Berächtlich wandte sie ihm den Rücken. Da erhob sich die Räthin. Eine liebevolle Milde, wie man sie selten in ihrem Antlitz sah, war über ihre Züge gebreitet. „Quäle sie nicht, Max,“ sagte sie und nahm Anna bei der Hand. In ehrfürchtiger Haltung, mit einem weihevollen Ausdruck, als ob sie sich zu einer heiligen Handlung rüste, führte sie die Tochter vor des Vaters Bild. Anna zuckte zusammen, wie von einem unerwarteten Schlage getroffen. „Vier, meine Tochter— vor diesem Bilde gieb der Wahrheit die Ehre. Hier unter den Augen Deines herrlichen Vaters, bei seinem reinen, unbefleckten Andenken beschwöre ich Dich—“ „Bei seinem reinen, unbefleckten Andenken—“ Anna wiederholte die Worte mechanisch wie eine eingelernte Lektion, dann stockte sie— riß ihre Hand jäh aus der der Mutter und brach in ein gellendes, grauenerregendes Gelächter aus. Die Räthin und Max wichen unwillkürlich vor ihr zurück. „Sie ist wahnsinnig!— O mein Kind— mein Kind!“ schrie die Alte auf. Max aber trat zu ihr zurück, ihr dicht unter die Augen. „Anna, was bedeutet das, sprich!“ „Was es bedeutet? Ja, ich will sprechen, endlich sprechen, ich trage es nicht länger, viel ward mir auferlegt, hört denn—“ Ihr Blick fiel auf die Mutter, die vollständig zerbrochen, alt und leichenhaft anzuschauen, in das Sopha zurückgesunken war. Des Vaters Sterbestunde stieg vor Anna auf, die qualvolle Angst, in der er um ihr Versprechen gerungen— die eigenen Worte, mit denen sie ihm Ruhe gebracht.— Der Mutter Wimmern unterbrach ihre Gedanken„Was werd' ich hören— o mein Gott, gieb mir Kraft— wärst Du bei mir, mein Karl.“ Anna streckte beschwichtigend die Hände gegen sie aus. Max drang auf's Neue auf sie an. Sie schüttelte ihn ab. Heftig— ungestüm. „Fragt mich nicht mehr! Haltet ein! Meine Kraft ist gebrochen! O ich möchte meinen Verstand abschwören, nur um Rühe zu haben. Stumpssinnig zu allem ja sagen— ja— ja— ja!“ Sie sank in einen Stuhl und bedeckte das Gesicht mit den Händen. Die Räthin begann sich langsam wieder zu fassen.„Es ist genug, Max— sieh sie an.“ „Ja, Mutter, ich sehe sie an— und ich sehe, daß sie schuldig ist. Sie wußte um die verruchten Pläne der Hetzer und Aufwiegler— ja mehr als das— sie hat ihre Hand dabei gehabt. Furchtbar— furchtbar.— Wir alle sind vernichtet.— Die Untersuchung wird beginnen— alle Fäden werden hier zusammenlaufen— ich als Beamter habe vielleicht sogar die Pflicht selbst—“ „Um Gottes Willen, mein Sohn!“ „Nein— das kann das Gesetz nicht verlangen— wir werden schweigen, Du und ich— und auch Hellweg— wir ihre Nächsten— aber sie muß fort— fort so schnell wie möglich, noch in dieser Stunde.“ Max trat zu der Schwester.„Hast Du gehört, was ich gesagt habe, Anna? Du mußt fort— schnell— ich werde das Nothwendige für Deine Flucht vorbereiten— gleich mußt Du fortj— Komm zu Dir!“ Anna ließ die Hände langsam vom Gesicht sinken. Mit einem abwesenden Blick sah sie den Bruder an.„a, es gat— gleich— gleich.“ „Das Beste ist, Du fährst zum Onkel nach Dirschau— die Grenze ist nah, er wird Dir hinüber helfen. Druven in Rußland wirst Du wohl wissen, an wen Du Dich## wenden hast— da sind ja genug Deinesgleichen— Da 1610 Ihr ja zu Hause— Genossen— Brüder und Schhcftern, ha, ha! — Und das ein Glied unserer Famili######— kleide Dich um— suche nur das Nothwendigste zusammen— rasch Er war schon vorauf m vw Sexzrsgzier geris. Nam erhob de sich langsem und schmierfsilig, a#. bnr Zast er Schachge die Mäche. eta Pchuster!“ (Fortsetzung folgt.) Bose(1. thür.) Nr. 31, die in diesem Jahre(zum fünften Male hintereinander) die Kaiser=Schießauszeichnung errungen Das Drama in der Andréeschen Familie. Wie bereits mitgeteilt, wurde Frau Mathilde Andrée, die Ge Direktors Andrée zu Gothenburg in Schweden und Schwägerin des vielgenannten Nordpolfahrers Ingenieur Andrée, vor längerer Zeit der Brandstiftung verdächtig verhaftet und war später des Verbrechens auch geständig. Allgemein nahm man geistige Defikte der Thäterin als Ursache an. In den inzwischen vorgenommenen zahlreichen Verhören hat nun die Frau auch zahlreiche Diebstähle aus früheren Zeiten zugegeben. Als Motiv giebt Frau Andrée einen unbezwinglichen Drang zu Diebstählen an, obwohl die Objekte einen nenne Zwerten Wert repräsentieren. Auch oft früher versucht gewesen, habe "" Last bisher niedergekämpft. Die ärztliche Beobachtung der Frau hat ergeben, daß sie zur Zeit abnormal genannt werden müsse; ob sie zur Zeit der That guck unmmnn 1. Okt.: Bei lebhaften südöstlichen Winden WitterungsfortCourse der Berliner Börse. Mitgetelll von der Westf.-Lippischen Vereinsbank, Akt.-Ges. Herford, 29. September 1902. 3% Preuss Consola 92, a v„ 101,80 3% Deutsche Reichsanleihe 92.10 „ 101,80 3% Westt. Prov.-Anl. 89.50 3½%„„ 99.90 „„ 104,50 4% Bielef. Stadtanleibe 104,— 4% Hamb. HypothekenPfandbriefe 1910 102.75 4% Rhein. Westf. Bodenkred.-Pfandbriefe 1905 100,70 4% Meining. Hypoth.Pfandbriefe 1906 102.50 Deutsche Bank-Akt. 208.50 Diso. Commandit-Akt. 18825 A. Schaaffhausen'scher N. 115,80 Gelsenkirchener BergwAktien 17040 Hibernia Bergw.-Aktin 171.90 Harpener dto. 166.— Harb.-Wien. Gummidkt. 320,50 Phönix Bergw.-Aktie 125.— Bankdiscont 3% Tendens: matt. Eisenbahnfahrplar (in die Uhr zu legen) giltig vom 1. Okto Rc 3.49, 6.18, 6.54“, 7.46 9.46 5.01nachts. Abs Detmold: 6.07,8.26, 11.4, 4.58, 6.26 nachm. Abfahrt v. Detmold 5.15, 8.52, 10.30 12.01, 2.55, 5.33 8.—, 11.46 * Schnell Unterhaltungs-B Herforder Zeitung für Stadt und Land Generalanzeiger für den Kreis Herford. Verantwortl. Redakteur: Paul Sattler. Herford, 30. September 1904.] Druck u. Verlag: Christian Quentin. Sin steinern Herz. Roman von F. Klink=Lütetsburg. (4. Fortsetzung.) „Freda athmete erleichtert auf, als Haus und Garten von ihr verlassen waren. In der Hand eine kleine Ledertasche, verfolgte sie rüstigen Schrittes ihren Weg, ohne rechts noch links zu sehen. Weder die reizenden Villen mit ihren luftigen, von üppigen, im Morgenwinde wehenden Schlinggewächsen überwucherten Veranden, die prächtigen Gartenanlagen, noch die in zarten bläulichen Duft gehüllten Inseln Stockholms, die, von der sonnenbeglänzten Fluth umspült, einen zauberischen Anblick gewährten, wurden von ihr auch nur eines Blickes gewürdigt. Bald hatte sie den niedrigen Strand am westlichen Ende des Thiergartens erreicht. Hier war sie auf einige Minuten zum Warten verurtheilt, da eine der kleinen Dampfschaluppen, die den Verkehr mit den zahlreichen Inseln und Ufern vermitteln, soeben nach Strömparterre abgefahren war. Doch schon schoß ein anderes Schifflein blitzschnell durch die schimmernde Fluth daher. In wenigen Minuten war es gelandet, und die Passagiere, die es mit sich geführt, begannen das kleine Fahrzeug zu verlassen. Trotz der frühen Stunde brachte es schon eine beträchtliche Anzahl von Gästen herüber und, da dieselben nur einzeln das Schiff verlassen konnten, so nahm dessen Entleeren einige Zeit in Anspruch. Einer der ersten, welcher das Ufer betrat, war Doktor Christianson. Er hatte schon aus einiger Entfernung Freda erkannt, auch die Reisetasche gesehen, welche sie in der Hand trug. Sie wollte verreisen. Wohin? Die Frage erfüllte ihn mit Unruhe. Er fühlte ein gewisses Unbehagen. Sollten die häuslichen Verhältnisse sie forttreiben? Eins war ihm sofort klar: Er mußte mit ihr nach Stockholm zurückkehren. Eine bestimmte Absicht hatte ihn zu dieser Stunde nach dem Thiergarten geführt. Er wollte unter allen Umständen der quälenden Unruhe der letzten Tage ein Ende machen und eine Verständigung mit Freda herbeiführen. Sie zürnte ihm und nicht ohne Grund. Sie liebte aber die Schwester, um so eher würde sie ihm deshalb verzeihen, das lediglich seiner großen Antheilnahme an dem Wohl und Wehe eines Menschenkindes entsprungen war, das ihrem Herzen besonders nahe stand. Auch Freda hatte ihn in einiger Entfernung unter den Passagieren erkannt. Seine große, stattliche Gestalt ragte über die andern am Bugspriet stehenden Herren hinweg. Wie ein jäher Schreck fuhr es ihr durch die Glieder, als sie seiner ansichtig geworden. Es war ihr nicht angenehm, ihm zu begegnen. Der Gdanke aber, daß sich kaum Zeit finden würde, ein Wort mit ihm zu wechseln, beruhigte sie schnell. Da stand er dennoch vor ihr, und sie konnte. nicht, wie sie gewollt, mit flüchtigem Gruß an ihm vorüberschreiten. Er vertrat ihr gleichsam den Weg. „„Sie wollen verreisen, Fräulein Halgren, und das ist mir zugleich ein Zeichen, daß meine Anwesenheit in Ihrem Hause heute nicht besonders nothwendig sein wird. Ich darf wohl annehmen, daß meine kleine Patientin sich (Nachdruck verboten.) verhältnißmäßig wohl befindet? Sie werden mir daher gestatten, Sie zu begleiten.“ Freda war nicht im Stande, irgend eine Entgegnung zu machen. Die Kehle war ihr wie zugeschnürt. Als er mit seiner angenehm klingenden Stimme freundliche Worte zu ihr gesprochen, war es ihr gewesen, als hätten sie eine: wohlthuende Wirkung auf sie ausgeübt. Diese Wahrnehmung empörte sie gegen sich selbst. Sie richtete sich unwillkürlich höher auf. Zeit, ihm ihren Mißmuth zu zeigen, blieb ihr indessen keine. Die Dampfschaluppe hatte sich jetzt rasch geleert. Wenige Minuten später hatte Freda gefolgt von Doktor Christianson, das Verdeck betreten, und sie konnte ihm nicht verwehren, daß er an ihrer Seite Platz nahm, so sehnlichst sie auch einer Unterhaltung mit ihm auszuweichen wünschte. Außer Doktor Christianson und Freda befanden sich nur zwei Passagiere an Bord, Herren, die erst im letzten Augenblick, als der Führer des Schiffes bereits die Landungsbrücke einzuziehen im Begriffe gestanden, herbeigekommen waren. Freda hatte sie nicht eines Blickes gewürdigt. Ein um so lebhafteres Interesse schienen sie bei Doktor Christianson hervorzurufen. Er warf einen eigenthümlichen Blick auf Freda. Sie aber saß in sich selbst versunken und schaute ziellos auf die mit zahlreichen Schiffen und Schiffchen belebte Wasserfläche hinaus, sich auf den Augenblick vorbereitend, in welchem Erich das Schweigen brechen würde, um ihm mit Ruhe begegnen zu können. Doktor Christianson aber schien nicht an eine Unterhaltung zu denken. Unverwandt waren seine Blicke auf den jüngeren Herrn gerichtet, dessen Aeußeres auch gewiß die Aufmerksamkeit eines jeden anderen Passagiers erregt haben würde. Er war eine bemerkenswerthe männliche Erscheinung, über Mittelgröße und mit einem hübschen, regelmäßigen Gesicht, dem ein kecker, aufwärtsstehender Schnurrbart besonders gut stand. Auch seine Kleidung war eine gewählte. Unter dem leicht um die Schultern geworfenen braunen Mantel wurde ein schwarzer Gesellschaftsanzug und reich gestickte Wäsche sichtbar. Doktor Christianson bemerkte sogar die mit einer weißen Seidenschnur umrandete Weste. Wie hatte dieser Dandy nur jemals ein Interesse für die ernste Freda Halgren gewinnen können? Ehe er noch Zeit gefunden, sich diese Frage noch eingehend zu beantworten, erhoben sich die Herren von ihrem Sitz. Gleichzeitig trat der die Fahrmarken verkaufende Knabe an Freda heran: „Bitte um das Fahrgeld, Fräulein!“ Die Angeredete fuhr erschrocken auf. Hastig griff sie in die Tasche, als Doktor Christianson sagte:„Sie gestatten, Fräulein Halgren?“ Freda aber hatte bereits ihre Börse gezogen, um dem Knaben das Fahrgeld einzuhändigen. Er sollte nichts sie thun. Die Angst, daß er ihr zuvorkomme möchte, ließ ihre Hände zittern, und als sie die Macte in Empfang und 83 Anschl. ens vorm. 11 Uhr erbeten für Stadt und Prei.“ ne 10 Pfg., sonst 18 1902 es Oberpräsidenten von Westpreußen. ülle des entschlafenen Oberpräsidenten v. zig im großen Saale des Oberpräsidialm Eichensarg mit silbernen Griffen und keinsatz aufgebahrt; die Beerdigung ist 1g 2 Uhr angesetzt. Im Oberpräsidium eiten Beileidstelegramme ein. Sämtliche eiche Privatgebäude haben Halbmast geman in den Schaufenstern Trauerdekouflorten und bekränzten Bilde des Vert und Reichsfinanzreform. im nächstjährigen Reichshaushaltsvoraner Notiz der Münchener„Allg. Ztg.“ in f 150 Millionen geschätzt werden. Wie inspirierte sächsische Korrespondenz erit einem Defizit von 180 Millionen zu lussichten gegenwärtig sind, muß sich st machen, daß es annähernd 15 Millionen äge mehr an das Reich abzuführen haben rweisungen empfängt. Bei der mißlichen Finanzen erregt diese Aussicht in Sachsen Vom Reichstag. n Sitzung der Zolltarifkommission teilte hraf Ballestrem mit, die erste Sitzung des n 14. Oktober stattfinden mit der Tagesm Besitz in polnische Hände. in Deutscher sein Gut in polnische Hände ttergut Proszyn bei Woycin im Kreise Morgen groß, hat der Deutsche Schmoll irma Drweski& Langner in Posen zum für den Morgen verkauft. Der Fall ist als es sich um Grund und Boden hanhtum erst dem Polentum hatte abringen hörte früher, bevor es in deutsche Hände je des polnischen Generals Miroslawski. tigt, dem„Wielkopolanin" zufolge, das ind die einzelnen Parzellen ausschließlich gsttegeologtsche Witterungsbericht vom 30. September Höcke Temperatur des Vortages: 13,4°. Nie. Temperatur in der Nacht: 2,60. Teperatur um 7 Uhr vorm.: 3,20. „„ 1 1„„ 1 2, 3 0 Lufruck um 7 Uhr vorm.: 754,8 mm. Täcche Niederschlagshöhe:— mm Wir: Lebhafter SO. Himmel: Heiter. 4 alen gewährt, vischen Botha ser interessiert schen StandAufklärungen Alegraph“ en, sie würden semonstrationen eute Operiekt werben.“ Aver es ram anders. Wie und wo, das ist bekannt genug. Auch wer Mackenzies bona fides— wenigstens anfänglich— zuzugestehen geneigt ist, muß zwei Thatsachen anerkennen, die selbst Mackenzies Dialekti bei seinem späteren Rechtfertigungsversuch nicht aus der Welt schaffen konnte: erstens, daß er selbst durch das zuversichtliche Versprechen baldigster Heilung ohne Operation diese letztere verhindert hat, und zweitens, daß durch den ganzen späteren Verlauf der Krankheit Gerhardts Frühdiagnose nur bestätigt und damit seine Vorschläge als die allein sachgemäßen und allein die Rettung ermöglichenden gerechtfertigt sind. Rein objektiv ist damit entschieden, auf welcher Seite Irrium und Verfehlung gelegen haben.“ Beilage und Unterhaltungsbeilage. Aus China. ung des Sühnedenkmals für den eresandten in Peking Frhrn. Clemens von ich Aufstellung großer Steine begonnen er Kreisnachrichten. einem Interesse sind uns stets willkommen und en auf Wunsch honoriert.) Herforo, 1. Oktober 1902. er des Posaunenchors beim Besuch ern Wilh. Schachtsiek, ging gestern folHerrn Landrats zu: hoheit der Kronprinz haben Sein besonan den Leistungen des Posaunenchors usgesprochen und mich beauftragt, dies lben zu bringen. dies den Mitgliedern des Posaunenchors v. Borries. bericht meldeten wir bereits, daß Se. ch durch die Vorträge der Posaunenwar; bei der Abfahrt des Kronprinzen Bahnhofsmauer in einer langen Reihe und zwar geschah dies, damit jeder der r verschiedene Hymnen vortrugen, den Kronprinzen, der ihnen abermals freundlichst zuwinkte, nochmals sehen konnte. Vertreten waren folgende VereineHerford, Laar, Elverdissen, Schweicheln, Enger, Hiddenhausen. Löhne, Mennighüffen, Exter, Gobfeld und Bethel und zwar in einer Gesamtzahl von etwa 210 Bläsern. ** Anerkennungsschreiben seitens des Magistrats erhielten heute Herr Zuschneider Heinrich Kuhlmann, seit ca. 40 Jahren bei der Firma Gebrüder Dresing in Stellung und Herr Zigarrensortierer Aug. Lohmeyer, der bei der Firma Kranefuß u. Mier seit 25 Jahren beschästigt ist. = Den Fahrplan, soweit er für die hiesige Gegend von Interesse ist, bringen wir heute in der Beilage zum Abdruck; demnächst folgt noch die umfangreichere Zusammenstellung als Taschenfahrplan. er Dreyen, 29. Sept. Weiter Flug. Der s. Z. zugeflogene Papagei ist von dem Eigentümer abgeholt. Der Papagei hatte einen weiten Flug und zwar von der Anstalt Bethel bei Bielefeld nach hier gemacht. 's Belke=Steinbeck, 29. Sept. Unfall. Die Heuerlinge H. und A. hierselbst waren damit beschäftigt, aus der Dreschmaschine Korn zu entfernen, wobei dieselben eine Verletzung der linken Hand erlitten. 6 Eilshausen(Brandhorst), 30. Sept. Bubenstreich. Sonnabend nacht sind in der Gärtnerei von Schachtsiek 6 junge Obstbäumchen durch frevelhafte Personen abgeschnitten worden. Den Thätern ist man auf der Spur. Sept. Schwer verletzt. Ein betrübender Unglücksfall ereignete sich hier heute nachmittag. Das 6jährige Mädchen des Zigarrenarbeiters Nehl hatte sich ach Kindera. zinten an den Holz'schen Bierwagen gehangen. Plötzlich ging ein Hinterrad vom Wagen, bei dem Kippen des Wagens kam das Mädchen ebenfalls zum Fallen, wobei dem armen Kinde von der Wagenachse das ganze Bein aufgerissen wurde. Das bedauernswerte Geschörk— mann in Behandlung genommen. Vlotho, 29. Sept. Entg abend 8¼ Uhr entgleiste durch fa Maschine eines Güterzuges und über daselbst befindlichen Prellbock. Glückl personal mit dem bloßen Schreck davo ist nicht unbedeutend. F. Gn A CHI Provinz und Nachbarstaaten. * Oeynhausen, 29. Sept. Imkerversammlung. Gelegentlich der gestrigen Herbstversammlung des MindenRavensberger Imkerverbandes hielt Herr Lehrer ErgenzingerHerford einen sehr interessanten Vortrag über„Krankheiten der Bienen; Entstehung, Verhütung und Heilung.“ Der Vortragende sprach 1. über Faulbrut, 2. Ruhr, 3. Maikrankheit. Redner äußerte sich über das Wesen und Krankheitserscheinungen der Faulbrut, als der gefährlichsten Bienenkrankheit. Ein sicherwirkendes Mittel dagegen ist bis jetzt noch nicht bekannt. Die Ruhr tritt hauptsächlich im Nachwinter auf. Mittel dagegen: Einwintern mit Zucker und die Völker warm halten. Die Maikrankheit ist am wenigsten gefährlich. Gewöhnlich wird sie mit mildgesalzenem Zuckerwasser erfolgreich behandelt. * Salzuflen, 29. Sept. Kurdirektor. Unser bisheriger Badekommissar, Herr Rittmeister v. Hahn, ist von dem Grafregenten zum Fürstlichen Kurdirektor ernannt worden. * Wetmalb 20 SSeht 2U0zährea: Juhil Emile Zola F. 29. September. Emile Zola wurde heute vormittag in seiner Wohnung tot aufgefunden; er ist infolge eines Unglücksfalles erstickt. Seine Frau ist schwer erklank.. Ueber die näheren Umstände des Todes Zolas schwebt tiefes Dunkel, so daß man an einen Unglücksfall denken kann während anderseits der Gedanke an Selbstmord nicht ganz abzuweisen ist. Zola und seine Frau brachten drei Monate auf dem Lande zu und waren jetzt in ihr Haus in der Rue de Bruxelles zurückgekehrt. Die Wohnung war während ihrer mehrmonatigen Abwesenheit ausgekühlt, zumal in der letzten Zeit, weshalb Zola anordnete, das Schlafzimmer zu heizen, in dem sich ein großer Prachtkamin befindet. Der Diener suchte den Befehl auszuführen; aber es gelang ihm nicht, das Heizmaterial in Brand zu setzen. Der Kamin schien nicht genug Zug zu haben. Zur gewohnten Stunde setzten sich Zola und seine Frau zu Tische und aßen mit Avvetit: =Mod der Firma Breidenbach& Co., H Bei dem Herannahen der Herb tritt auch an jede Dame die Bekleidu# Was ist für diese Saison moder Mode, wird sich jedermann fragen un Orientierung einen kleinen Ueberbli Mode.— Unser Hauptaugenmerk haben: Uni=Mode entsprechend auf gute si sogenannte Halbseidenstoffe gerichtet. Winter sind Cheviots, Zibelines, HoSatin=Tuche sehr stark in Aufnahme der letzten Winter=Saison bekannten sind heute nicht mehr modern. Alles, gebracht hat, zeigt einen ausgesproche mit glanzreicher Ausrüstung.— In lich Cöper=Cheviots sehr beliebt und be Uni=Satins das Feld gänzlich und m Unrecht Satin als den bedeutendsten Am meisten begehrt sind in Satin, glänzend appretierte, dabei jedoch weig fallende Qualitäten in mittleren Preisen besitzen Angora=Stoffe gute Au zu werden. Sehr bevorzugt in der## Zeit schwarz=weiße Sachen in kleinen mit einfarbiger, weißer oder farbiger N Melange und graumelierte in den neu sacks=Geweben. In Paris geht man b vollständigen Wollkleid über, dagegen land nach wie vor an der Blouse e#t mit Recht anzunehmen, nicht mehr be Blousen kommen in erster Linie Bl ehiné=Effekten in Betracht. Ferner Cgrreaux großs Aufnahme. Wir erlauben uns bei dieser Gele radezu überraschend große Auswahl in aufmerksam zu machen; unsere bewäh wassertropfecht und schlitzen nicht in de unserem Prinzip festhalten„nur solide Preisen zu verkaufen und nicht minderwe die nur den Anschein der Billigkeite teilung Damen=Konfektion ist mit säm gestattet, ebenso finden Sie in Herreneine entzückende Auswahl. „Unsere beiden Spezigl=Kataloge fü non gelangen nächste Woche zur nehmen wollte, rollte diese das Verdeck dahin, bis zu Roman von Dora Dr (53. Fortsetzung.)— In dem Zimmer, in dem das verlasse rührte sich nichts. So still war's, als sei alles Leben entflohen. Jetzt plötzlich ein wilder Schrei— — heiser. Das stille Weib fuhr zusammen. über sie. Sie stürzte zur Thür— um — was war geschehen? Die Räthin wankte, von Max gestü Thür wehrte sie ihn ab.„Laß, laß— Di ich werde sie selber fragen.“ Max' Gesicht war finster— um die Schatten— der junge, frische Mensch sah! aus. Er legte die Hand fest auf den Arm! „Nein, ich werde sprechen, Mutter— — ich als Mann.—“ „Schone sie!“ jammerte die Alte. Max fuhr auf.„Nein, lich kann sie will sie nicht schonen. Uns muß sie Red sie die Antwort nicht weigern, die sie de versagte. Die Ehre beider Familien— Evas und mein Lebensglück stehen auf „Ja, ja, er hat Recht. Sprich A uns—“ Mit gefalteten, gegen die Brust aufgehobenen Händen stand Anna da. Langsam neigte sie das Haupt. „Auch Du? Auch Ihr? Auch Iyr glaubt, daß ich—! Also das war noch übrig, das Fürchterlichste. Die eigene Bguter! Nichts soll mir erspart bleiben, nichts!“ Und dann plötzlich mit heftiger, empörter Gebärde:„Ja, seid Ihr denn alle Sinnen, oder bin ich's selbst?“ Max trat auf sie zu. Hart packte er sie bei der Hand. Se##ne Komödie— keine Ausflüichte— keine Stenen— Schwester die Wahrheit wollen wir! Wir bitten nicht mehr, zu Boden und ein Stück über den Füßen des Herrn, der Gegenstand einer so aufmerksamen Beobachtung von seiten des jungen Arztes geworden war. Jener nahm sofort die Marke auf. Obgleich Erich nicht die Bemerkung gemacht hatte, daß er nur mit einem Blick von seinen Mitreisenden Notiz genommen, so mußte er doch sehr wohl gesehen haben, daß die Marke Fredas Hand entfallen war. Er näherte sich ihr sogleich, um sie ihr mit einer Verbeugung zu überreichen. Indem sie ihm danken wollte, erhob sie den Blick und Erich konnte erkennen, wie sie sich verfärbte. Trotzdem sagte sie mit vollkommen ruhiger Stimme:„Ich danke Ihnen, Herr Marholm.“ Indem sie sprach, hatte sie unmerklich den Kopf geneigt. Dann saß sie wieder wie vorhin, scheinbar im Anschauen des bewegten Bildes versunken, das vor ihren Augen sich ausbreitete. Gustav Marholm war inzwischen an seinen Platz zurückgekehrt. Erich bemerkte deutlich, daß der kleine Vorgang ihn tiefer berührt hatte als Freda. Er spielte nervös mit seiner schwer goldenen Uhrkette, an welcher sich eine ganze Anzahl blinkender Kleinigkeiten befanden, und es war Erich, als ob Gustav Marholms Augen den seinen mit einem beinahe feindseligen Ausdruck begegneten. Unmittelbar darauf zog jener seine Uhr hervor. „Mich dünkt, die Abfahrt habe eine Verspätung erfahren,“ wandte er sich mit allerdings leiser, aber doch vernehmlicher Stimme an seinen Begleiter.„Es wäre mir außerordentlich unlieb, nicht rechtzeitig im Atelier einzutreffen. Seine Majestät haben ausdrücklich die elfte Stunde für sein Eintreffen bestimmt.“ Der ältere Herr machte eine beruhigende Entgegnung, die aber nicht verstanden werden konnte. Darauf wieder Marholm:„Es wäre mir doch peinlich— wirklich peinlich. Sie werden zugeben müssen, daß ein königlicher Besuch im Atelier immerhin eine Auszeichnung für einen jungen Künstler ist, die er nicht durch eine Achtlosigkeit allerhöchsten Wünschen gegenüber lohnen darf. Ich wollte wirklich, wir hätten uns eine andere Zeit für einen Besuch von Fiskartorpet gewählt.“ Erich Christianson konnte sich eines spöttischen Lächelns bei diesen Worten, die offenbar für Freda bestimmt waren und ihm einen prahlerischen Eindruck machten, nicht erwehren. Was seine Begleiterin anbelangte, so schien sie dieselben nicht einmal gehört zu haben. Inzwischen hatte die Schaluppe sich Strömparterre genähert, und erinnerte ihn, daß kostbare Minuten vergangen waren, die er besser im eigenen Interesse hätte verwenden können, anstatt dieses einem Menschen zuzuwenden, den er aus Herzensgrund verachtete. Nachdem das Schiff gelandet war und er es mit Freda verlassen hatte, bot er ihr seinen Arm, sie durch das Gedränge auf der Skeppsbro zu führen. Sie legte den ihren hinein, obgleich sie, einer plötzlichen Eingebung folgend, sich von ihm hatte abwenden wollen. Es war gewiß besser, sie verrieth ihm nicht ihre Gefühle, sondern beobachtete Gleichgiltigkeit. Er sollte gewiß nicht das leiseste Zeichen, daß er ihr mehr sei oder gewesen, an ihr wahrnehmen. „Wohin darf ich Sie führen, Fräulein Halgren?“ Sie bemerkte nicht, daß er sie heut nicht mit ihrem Vornamen anredete, wie er in der Zeit, wo er sie täglich am Bette der kranken Schwester gefunden, gethan. „Ich möchte die westliche Stammbahn nach Jönköping benutzen, Herr Christianson.“ Schweigend schritt das Paar weiter. In ihrer ganzen Art war etwas, das ihn hinderte, seine Gedanken, die ihn so lebhaft bewegten, in Worte zu kleiden. Dazu war die Begegnung mit Gustav Marholm gekommen. Nach einer Seite hin hätte sie in hohem Grade befriedigend auf ihn wirken können. Fredas ganzes Verhalten diesem eitlen Gecken gegenüber hatte ihm genügend bewiesen, daß in ihrem Herzen auch nicht eine Spur ehemaliger Zuneigung, ssie eine solche wirklich gehegt, mehr vorhanden sei. Nach auzer Seite hin befremdete ihn ihr Verhalten. Der unerwartete Anbaick dieses Mannes hätte eine Saite ihres Herzens erklingen lassen müssen, gleichviel, ob in Zorn und Verachtung oder in Schmerz. „Sie wollen zu Herrn Lars Halgren?“ nahm er die Unterhaltung wieder auf. „Ja, ich habe eine geschäftliche Angelegenheit mit ihm zu besprechen,“ entgegnete sie, froh, das Gespräch nicht auf ein von ihr gefürchtetes Gebiet hinübergelenkt zu sehen. „Ich bin zu Hause nicht nothwendig“— hier machte sich ein entschieden bitterer Ton in ihrer Stimm bemerkbar —„und mündlich läßt manches sich besser ordnen.“ „Synnöve ist auch heute besser— nicht wahr?“ „Ich glaube,“ entgegnete sie nur. Nach einigem Besinnen fügte sie noch hinzu:„Besser wäre es allerdings Sie sähen einmal nach. Ich habe früh das Haus verlassen und nicht gefragt. Sie fühlte sich nur in den letzten Tagen andauernd wohler.“ Beide hatten den Gustav Adolfsplatz erreicht. Vor dem Hotel Rydberg hielt ein Omnibus. Als Freda ihn bemerkte, fügte sie plötzlich sehr lebhaft hinzu: „Bitte, bemühen Sie sich nicht mehr, Herr Doktor. Ich will den Omnibus benutzen. Er fährt nach dem Bahnhofe. Ich danke Ihnen für Ihre Begleitung.“ Doktor Christianson unterdrückte gewaltsam eine ärgerliche Bewegung, weil sie ihm durch ihre eigenthümliche Art eine Aussprache so sehr erschwerte. Der Kutscher schickte sich bereits zur Abfahrt an, als das Paar sich näherte. Ein Kellner nahm Fredas Handtasche in Empfang, und sie bestieg den Wagen, ohne Erich noch ein freundliches Wort gesagt oder ihm auch nur gedankt zu haben. Mißmuthig trat er seinen Weg nach dem Hospital an. Gustav Marholm hatte inzwischen seine Wohnung erreicht, früh genug, um noch einmal in dem prachtvoll eingerichteten Atelier Umschau zu halten, ob nicht hier und da noch eine Veränderung nothwendig sei, den wohlberechneten Effekt des Ganzen zu erhöhen. Mit einem siegesgewissen Lächeln übersah er die dekorative Anordnung, die nirgends einen Schein von Absichtlichkeit hervortreten ließ und doch ihrem Schöpfer mehr als eine schlaflose Nacht gekostet hatte. Einige Büsten machten den Eindruck, als ob der Künstler gerade von ihnen zurückgetreten sei, um im nächsten Augenblick seine Arbeit wieder aufzunehmen. Die Werkzeuge lagen auf den Postamenten und der feine Staub auf Decken, die noch kein menschlicher Fuß betreten. Um diese Büste gruppirt sah man vorzügliche Kopien von Sergels„Amor" und„Psyche“, Molins „Bogenspanner“ sowie zwei Köpfe von Quarnström und Fogelberg, als forderten sie zu einem Vergleich mit den Schöpfungen Marholms auf. Zwei Bildwerke aber im Hintergrund des geräumigen Ateliers lenkten sofort beim Betreten des Saales die Aufmerksamkeit auf sich. In den späten Morgenstunden machte es sogar den Eindruck, als ob die durch eine Oeffnung in den Vorhängen auf sie eindringenden Sonnenstrahlen direkt auf sie hinzeigten. Zunächst war es eine Nachbildung des„Endymion“ aus der Villa Hadrian. Alle Vorzüge welche man dem Original nachrühmt, fanden bei ihr eine Wiederholung. Wie hingegossen lag die Gestalt des schönen Schläfers, den linken Arm mit völlig erschlaffter Muskulatur ausgestreckt, während der rechte, auf einem höheren Theile des Gesteins ruhende eine schwache Anstrengung verrieth. Und auf die den gesunden, traumlosen Schlaf der Jugend verkörpernde Jünglingsgestalt blickte ein jugendlicher Frauenkopf herab. Das rosige Licht, welches seidene Vorhänge bewirkten, schien dem Marmor, aus welchem die Büste gebildet war, Leben einzuhauchen. Den fein geformten, aber fest geschlossenen Mund umspielte es wie ein traumverlorenes süßes Lächeln; auf der gewölbten Stirn, die zum Theil von leicht gewelltem Haar bedeckt war, thronte Sonnenschein des Glücks. Vor diesem Kopf stand jetzt sein Schöpfer, um sich an der streng charakteristisch aufgefaßten Individualität der feinen Gesichtszüge zu erfreuen. Gustav Marholm war sehr geneigt, seine Begegnung mit dem Original nicht einem bloßen Zufall zuzuschreiben. Er sollte scheinbar an diesem Tage einen vollen Triumph genießen. Ja, Freda Halgren war gealtert, aber noch ähnelte sie dem Bilde, das er von ihr entworfen. Von ihrer Schönheit hatte sie nichts eingebüßt, der Ernst kleidete sie gut, und der Ausdruck in ihren Augen— Er war ihm fremd gewesen, aber wohl aus diesem Grunde beschäftigte er ihn lebhaft. Ihre Geradheit hatte war. Des Vaters Sterbestunde stieg dor Aund uuf, die qualvolle Angst, in der er um ihr Versprechen gerungen— die eigenen Worte, mit denen sie ihm Ruhe gebracht.— Der Mutter Wimmern unterbrach ihre Gedanken„Was werd' ich hören— o mein Gott, gieb mir Kraft— wärst Du bei mir, mein Karl.“ Anna streckte beschwichtigend die Hände gegen sie aus. Max drang auf's Neue auf sie an. Sie schüttelte ihn ab. Heftig— ungestüm. „Fragt mich nicht mehr! Haltet ein! Meine Kraft ist gebrochen! O ich möchte meinen Verstand abschwören, nur um gere. sinls ju Fenug Bemesgleichen— da seid Zur. fu zu Hause— Genossen— Brüder und Schwestern, ha, ha! — Und das ein Glied unserer Familie! Steh auf— Dich um— suche nur das Rothwendigste zusammen— rast — ich helfe Dir.“ Er war schon vorauf in das Schlafzimmer##ie Glieder Nun erhob sie sich langsam und schwerfälliswaren ihr schwer wie Blei. Miattarf Sluchzste der Bronz.(Fortsetzung folgt.) beris gu.segerz, u. de, Fonn. Tathzide Andret, die Gr. mi hlin des Direktors Andrée zu Gothenburg in Schweden und Schwägerin des vielgenannten Nordpolfahrers Ingenieur Andrée, vor längerer Zeit der Brandstiftung verdächtig verhaftet und war später des Verbrechens auch geständig. Allgemein nahm man geistige Defikte der Thäterin als Ursache an. In den inzwischen vorgenommenen zahlreichen Verhören hat nun die Frau auch zahlreiche Diebstähle aus früheren Zeiten zugegeben. Als Motiv giebt Frau Andrée einen unbezwinglichen Drang zu Diebstählen an, obwohl die Objekte einen nennenswerten Wert repräsentieren. Auch Sher, die Sreit pishese eish,s früher versucht gewesen, habe bisher niedergekämpft. Die ärztliche Beobachtung ver Sen me se. 2is er, bech, ie zur deit chmormat geraun werden müsse; ob sie zur Zeit der That auch unzurechnungs. sichtliches Wetter. 1. Okt.: Bei lebhaften südöstlichen Winden WitterungsfortCourse der Berliner Börse von der West,Lippischen Vereinsbank, Akt.-Ges. Herford, 29. September 1902. 3% Preuss Consola 92.— 3„ 101,/80 3% Deutsche Reichsanleihe 92,10 3½%„„ 101,80 Pros.-Am. 89.50 3½%„„ 99.90 4%„„ 104.50 4% Bielef, Stadtanleihe 104.— 4% Hamb. HypothekenPfandbriefe 1910 102.75 4% Rhein. Westf. Bodenkred.-Pfandbriefe 1905 100,70 4% Meiniag. Hypoth.Pfandbriefe 1906 102.50 Deutsche Bank-Akt. 208.50 „. Commandit-Ak. 186.25 A. Schaaffhausen'scher N. 115,80 Gelsenkirchener BergwAktien 170.40 Hibernia Bergw.-Aktio 171.90 dto. 166,— Harb.-Wien. Gummidkt. 320.50 Phönix Bergw.-Aktie 125,— Benkdiscont 3% Tendens: matt. Eisenbahnfahrplar (in die Uhr zu legen) giltig vom 1. Okto Abfahrt v. Herford n. Löhne 21 1.39“. 2.40 nachts, 6.08, 9.39, 11.19“11.8 34, 20srad nach 8 Gerngal; Soh ä scb l 4.58, 6.26 nachm. v. Detmold 5.15, 8.52, 10.30 12.01, 2.55, 5.33 8.42, 11.46 * Schnell12. Jahrgang. er ehemals verurtheilt, weil er in ihr ein Zeichen mangelhafter Erziehung und Bildung gesehen. Unzweifelhaft übter Zeit und Erfahrung einen heilsamen Einfluß auf sie aus, denn nur eine welterfahrene Dame würde sich gleich taktvoll in einem für Freda gewiß peinlichen Augenblick benommen haben. Gustav Marholm war viel zu eitel, um die Möglichkeit zu erwägen, daß jedes Gefühl für ihn im Herzen der ehemaligen Braut erstorben sei. Er suchte sich gern vorzureden, daß er sie wirklich geliebt und nur eine zwingende Macht ihn veranlaßt habe, sie aufzugeben, weil es seiner groß angelegten Natur widerstrebt, seine Frau zu einer von Sorgen und Entbehrungen bedrückten Existenz zu verurtheilen, und eine solche ihn zu einem Lohnarbeiter hätte herabsinken lassen müssen. Er gehörte glücklicherweise nicht zu den Menschen, die einem flüchtigen Sinnenrausch ihr Lebensglück opfern, sondern hatte allezeit seinen Verstand zu Rathe gezogen, wenn es sich um einen entscheidenden Augenblick in seinem Leben gehandelt. Dieser Weisheit verdankte er seine Erfolge, sie hatte ihn einem frühen Ziele zugeführt, das er bei mangelnder Beschränkung verschiedener Leidenschaften nicht erreicht haben würde. Freda konnte es ihm nur Dank wissen, daß er eines Tages den Muth gehabt, die jugendliche Verirrung rechtzeitig auszugleichen. Es war merkwürdig, daß die Erinnerung an eine Vergangenheit, die er längst abgethan geglaubt, in dieser Stunde Gewalt über ihn gewann, wo sein Ehrgeiz, dem er einst ohne Bedenken das Glück derjenigen geopfert, mit welcher sich seine Phantasie jetzt so lebhaft beschäftigte, einen glänzenden Lohn empfangen sollte. Schon rollten die Hofequipagen heran, die den König mit einem großen Theil seines Gefolges dem Atelier Gustav Marholms zuführten. Neuer Ruhm und neuer Reichthum konnten ihm nicht fehlen, und die Zeitungen würden morgen spaltenlange Berichte über die Huld und Gnade des Königs bringen, mit welchen derselbe den schnell berühmt gewordenen Künstler überhäuft. Gustav Marholms kühnste Hoffnungen blieben noch hinter der Wirklichkeit zurück. Der König sprach sich in hohem Grade anerkennend über die talentvollen Schöpfungen des Bildhauers aus, von dem noch vor wenigen Monaten Niemand etwas gewußt. Die Worte des Monarchen ließen keinen Zweifel darüber aufkommen, daß man in kurzer Zeit Gustav Marholm als Professor an der Akademie würde begrüßen können.(Fortsetzung folgt.) Doesie-Album. Ursprung der Liebe, Und fragst Du mich, wie Liebe wird geboren? Dein Haar ist dunkel, klar ist Dein Gesicht, Das Feuer Deines schönen Auges bricht Durch seid'ne Wimpern— selig, traumverloren. Doch so gewannst Du meine Liebe nicht! Da ich zu meiner Herrin Dich erkoren, Nicht Deinen Reizen habe ich geschworen.— Enträthsle mir, was oft zum Herzen spricht! Ein Schatten war's vielleicht auf Deiner Stirne, In Deiner Stimm' ein lebensmüder Klang, Der in das Inn're mir bezaubernd drang. O Herrin, ob Dich auch mein Wort erzürne: Vielleicht das Farbenspiel vom blauen Band, Das sinnend Du gehalten in der Hand. Leo Ebermann. Orientalische Höflichkeit. Kulturskizze von E. Hollmann. (Nachdruck verboten.) Nirgendwo ist das Begrüßen ein so gewissenhaft beobachtetes Ceremoniell wie im Orient, der Heimath der äußersten Höflichkeitsformen; nirgendwo aber hat sich die gegenseitige Höflichkeit in so liebenswürdige Formen gekleidet, wie gerade dort. Jedes Ceremoniell wird bei den türkischen, den arabischen und maurischen Stämmen mit der äußersten Peinlichkeit besolgt; vom Sultan bis hinab zum letzten Beamten gliedert sich dieses Ceremoniell in bestimmten Stufen, in abgemessenen Formen und Grenzen. Kein Unterbeamter wagt es, seinen Vorgesetzten zuerst zu grüßen, weil er erst abwarten muß, ob jener gegrüßt sein, d. h. vor ihm Notiz nehmen will. Der Rang ist eine heilige Form, welche Niemand verletzt; ebenso achtet aber auch der Orientale darauf, den Fremden nach der diesem gebührenden Auszeichnung zu behandeln. In der Gesellschaft, im Kaffeehause, überall setzen sich die Gäste nach ihrer Rangstufe. Kommt ein Beamter zum andern, so mißt er bei der Begrüßung ganz genau ab, wie viel er ihm in der Form an Höflichkeit schuldig ist; selbst wenn sie befreundet sind, ist die Freundschaft kein Grund, das Ceremoniell zu ändern. Selbst wenn sich zwei Beys (Oberstenrang) begrüßen, so unterscheiden sie ganz genau die Klasse des Bey=Ranges, d. h. ob der Eine Excellenz sei oder nicht, und danach behandelten sie sich gegenseitig. Kommt ein Fremder zu einem Pascha, zu einem Bey, und ist er dessen Gast, so ist es heilige Pflicht, dem Gaste zuerst seine Aufwartung zu machen, und der Usus will, daß dieser Besuch mindestens eine Stunde dauere. Kommt ein Fremder vor das Zelt eines NomadenScheikhs, so muß er erst erwarten, daß dieser ihm Salz und Brot servire, erst dann ist er als Gast acceptirt und als solcher ist sein Leben heilig. Kommt ein Fremder in ein Kaffeehaus, so erhebt sich die Gesellschaft, wenn sie weiß, daß er ein Mann von hohem Range; ist er irgend ein Fremder und gern aufgenommen, so schallt ihm von allen Seiten ein„Merraba“ entgegen, man wirft ihm wohl die Tabaksbeutel in den Schooß, wirft ihm eine Rose als Selam zu. Das Begrüßen bei den Türken besteht je nach dem Rang in Folgendem: man macht, will man unterthänig grüßen, mit der Hand eine Wellenbewegung nach unten; das soll heißen: ich küsse den Staub zu Deinen Füßen! Dann legt man die Hand aufs Herz, führt sie dann an den Mund, und legt sie endlich an die Stirn. Das soll heißen: was das Herz denkt, spricht der Mund, und dieser grüßt Dich!— Es giebt wohl kaum eine mehr poetische Begrüßungsformel. Das Selam aleikum und Aleikum selam ist eben der gewöhnliche Gruß. Viel Luxus wird mit den Blumen in der Auswechselung von Höflichkeit getrieben. Die Blume hat ihre schöne Bedeutung bei den Orientalen, denen wir ja auch die Blumensprache verdanken. Namentlich spielt auch der Lavendelstrauß seine Rolle, der Fremden gar oftmals als Selam von Beys und andern hohen Beamten überreicht wurde. Die Rose ist immer die Königin im Dolmetschen der Freundschaftsgefühle. Am meisten ausgeprägt ist die Begrüßungsform bei den Arabern, auch viel lebhafter und liebenswürdiger als bei dem phlegmatischen Türken. Der Araber grüßt in seiner Ergebenheit wie alle Orientalen; im freundschaftlichen Verkehr unter Leuten gleichen Ranges legt Einer flüchtig und graziös seine Hand auf die des Andern, und küßt dann seine Fingerspitzen. Die Hand ist immer bereit, die Gefühle der Freude, der Artigkeit auszudrücken, denn fortwährend fährt sie an die Lippen, um anzudeuten, wie schwach die Zunge sei, um all das Schöne zu sagen, was man sagen möchte. Trotzdem überströmt der Mund von reichen, überschwenglichen Phrasen der Artigkeit, der Freundschaft, der Huldigung und so weiter, und fortwährend ist die Hand auf dem Wege vom Herzen zu den Lippen. Das Halten der Steigbügel ist eine Sklavenpflicht, ebenso die Gewohnheit neben dem Pferde herzugehen und den Arm hinter dem Sattel über den Rücken des Pferdes zu legen, um den Reiter vor Unfall zu schützen. Dem Padischah, den Ministern und den höchsten Paschas gegenüber ist natürlich Alles Sklave. Ebenso ist das Küssen des Saumes eine Demuthspflicht, die von den untersten dienenden Klassen geübt wird, wie das auch im südlichen Italien und Spanien gebräuchlich, und entdeckt der niedere Orientale an einem Höhergestellten irgend eine hervorragende Eigenschaft, da spricht er von ihm in tiefster Verehrung nur als von dem Vater der Wohlthätigkeit, der Güte, der Barmherzigkeit, des Geldes oder was sonst an ihm Bemerkenswerthes ist Der Orient ist die Heimath der Willkür, der Tyrannei, der Knechtschaft, aber auch die der Liebenswürdigkeit, der Gastfreundschaft, der Ehrlichkeit, der Höflichkeit— und in letzter Beziehung könnten wir mit unserm steifen, hölzernen Höflichkeitswesen sehr viel von ihm lernen. hod Kreis 6 .6. AnschL. ens vorm für Ne 10 orm. 11 Uhr erbeten. Stadt und Kreis Herford 1902 sonst 18 Pfg es Oberpräsidenten von Westpreußen. ülle des entschlafenen Oberpräsidenten v. zig im großen Saale des Oberpräsidialm Eichensarg mit silbernen Griffen und keinsatz aufgebahrt; die Beerdigung ist ag 2 Uhr angesetzt. Im Oberpräsidium seiten Beileidstelegramme ein. Sämtliche eiche Privatgebäude haben Halbmast geman in den Schaufenstern Trauerdekouflorten und bekränzten Bilde des Vert und Reichsfinanzreform. im nächstjährigen Reichshaushaltsvoranter Notiz der Münchener„Allg. Ztg.“ in f 150 Millionen geschätzt werden. Wie inspirierte sächsische Korrespondenz erzit einem Defizit von 180 Millionen zu lussichten gegenwärtig sind, muß sich st machen, daß es annähernd 15 Millionen äge mehr an das Reich abzuführen haben rweisungen empfängt. Bei der mißlichen Finanzen erregt diese Aussicht in Sachsen Vom Reichstag. n Sitzung der Zolltaxifkommission teilte hraf Ballestrem mit, die erste Sitzung des n 14. Oktober stattfinden mit der Tagesm Besitz in polnische Hände. in Deutscher sein Gut in polnische Hände ttergut Proszyn bei Woycin im Kreise Morgen groß, hat der Deutsche Schmoll irma Drweski& Langner in Posen zum für den Morgen verkauft. Der Fall ist als es sich um Grund und Boden hanhtum erst dem Polentum hatte abringen hörte früher, bevor es in deutsche Hände je des polnischen Generals Miroslawski. tigt, dem„Wielkopolanin" zufolge, das und die einzelnen Parzellen ausschließlich Aus China. ung des Sühnedenkmals für den eresandten in Peking Frhrn. Clemens von ich Aufstellung großer Steine begonnen Peteorologische Witterungsbericht vom 30. September Höcke Temperatur des Vortages: 13,4°. Nies. Temperatur in der Nacht: 2,60. Teweratur um 7 Uhr vorm.: 3.20. „„ 1 1„„ 1 2, 3 0 Lufruck um 7 Uhr vorm.: 754,8 mm. Tägche Niederschlagshöhe:— mm. Win: Lebhafter SO. Himmel: Heiter. 4 alen gewährt, vischen Botha ser interessiert schen StandAufklärungen Alegraph“ eren, sie würden semonstrationen anders. tug sonle Operiert werben. Ader es ram Wie und wo, „ das ist bekannt genug. Auch wer Mackenzies bona fides— wenigstens anfänglich— zuzugestehen geneigt ist, muß zwei Thatsachen anerkennen, die selbst Mackenzies Dialekti bei seinem späteren Rechtfertigungsversuch nicht aus der Welt schaffen konnte: erstens, daß er selbst durch das zuversichtliche Versprechen baldigster Heilung ohne Operation diese letztere verhindert hat, und zweitens, daß durch den ganzen späteren Verlauf der Krankheit Gerhardts Frühdiagnose nur bestätigt und damit seine Vorschläge als die allein sachgemäßen und allein die Rettung ermöglichenden gerechtfertigt sind. Rein objektiv ist damit entschieden, Jauf welcher Seite Irrium und Verfehlung gelegen haben.“ Beilage und Unterhaltungsbeilage. er Kreisnachrichten. einem Interesse sind uns stets willkommen und en auf Wunsch honoriert.) Herford, 1. Oktober 1902. er des Posannenchors beim Besuch ern Wilh. Schachtsiek, ging gestern folHerrn Landrats zu: Hoheit der Kronprinz haben Sein besonan den Leistungen des Posaunenchors usgesprochen und mich beauftragt, dies lben zu bringen. dies den Mitgliedern des Posaunenchors * v. Borries. bericht meldeten wir bereits, daß Se. ch durch die Vorträge der Posaunenwar; bei der Abfahrt des Kronprinzen Bahnhofsmauer in einer langen Reihe und zwar geschah dies, damit jeder der r verschiedene Hymnen vortrugen, den Kronprinzen, der ihnen abermals freundlichst zuwinkte, nochmals sehen konnte. Vertreten waren folgende Vereine: Herford, Laar, Elverdissen, Schweicheln, Enger, Hiddenhausen, Löhne, Mennighüffen, Exter, Gobfeld und Bethel und zwar in einer Gesamtzahl von etwa 210 Bläsern. ** Anerkennungsschreiben seitens des Magistrats erhielten heute Herr Zuschneider Heinrich Kuhlmann, seit ca. 40 Jahren bei der Firma Gebrüder Dresing in Stellung und Herr Zigarrensortierer Aug. Lohmeyer, der bei der Firma Kranefuß u. Mier seit 25 Jahren beschäftigt ist. — Den Fahrplan, soweit er für die hiesige Gegend von Interesse ist, bringen wir heute in der Beilage zum Abdruck; demnächst folgt noch die umfangreichere Zusammenstellung als Taschenfahrplan. er Dreyen, 29. Sept. Weiter Flug. Der s. Z. zugeflogene Papagei ist von dem Eigentümer abgeholt. Der Papagei hatte einen weiten Flug und zwar von der Anstalt Bethel bei Bielefeld nach hier gemacht. 's Belke=Steinbeck. 29. Sept. Unfall. Die Heuerlinge H. und A. hierselbst waren damit beschäftigt, aus der Dreschmaschine Korn zu entfernen, wobei dieselben eine Verletzung der linken Hand erlitten. a Eilshausen(Brandhorst), 30. Sept. Bubenstreich. Sonnabend nacht sind in der Gärtnerei von Schachtsiek 6 junge Obstbäumchen durch frevelhafte Personen abgeschnitten worden. Den Thätern ist man auf der Spur. * Bustedt, 29. Sept. Schwer verletzt. Ein betrübender Unglücksfall ereignete sich hier heute nachmittag. Das 6jährige Mädchen des Zigarrenarbeiters Nehl hatte sich nach Kinderart hinten an den Holz'schen Bierwagen gehangen. Plötzlich ging ein Hinterrad vom Wagen, bei dem Kippen des Wagens kam das Mädchen ebenfalls zum Fallen, wobei dem irmen Kinde von der Wagenachse das ganze Bein vurde. Das bedauernswerte Geschönt murge von nann in Behandlung genommen. Vlotho, 29. Sept. Ente bend 8¼ Uhr entgleiste durch fo Raschine eines Güterzuges und übe aselbst befindlichen Prellbock. Glück ersonal mit dem bloßen Schreck davi t nicht unbedeutend. Kleider=Stoff=Mol Firma Breidenbach& Co., H Bei dem Herannahen der Her itt auch an jede Dame die Bekleidu Was ist für diese Saison moder kode, wird sich jedermann fragen ur rientierung einen kleinen Ueberbl kode.— Unser Hauptaugenmerk haben ni=Mode entsprechend auf gute genannte Halbseidenstoffe gerichtet. inter sind Cheviots, Zibelines, Ho atin=Tuche sehr stark in Aufnahme letzten Winter=Saison bekannten d heute nicht mehr modern. Alles bracht hat, zeigt einen ausgesproch t glanzreicher Ausrüstung.— In Cöper=Cheviots sehr beliebt und be i=Satins das Feld gänzlich und m recht Satin als den bedeutendster i meisten begehrt sind in Satin, nzend appretierte, dabei jedoch weic ende Qualitäten in kmittleren P eisen besitzen Angora-Stoffe gute Ar werden. Sehr bevorzugt in der## t schwarz=weiße Sachen in kleinen einfarbiger, weißer oder farbiger N lange und graumelierte in den neu s=Geweben. In Paris geht man b ständigen Wollkleid über, dagegen ) nach wie vor an der Blouse Recht anzunehmen, nicht mehr v usen kommen in erster Linie Bl ié=Effekten in Betracht. Ferner reaux großs Aufnahme. Wir erlauben uns bei dieser Gele zu überraschend große Auswahl in ierksam zu machen; unsere bewäh ertropfecht und schlitzen nicht in de rem Prinzip festhalten„nur solide sen zu verkaufen und nicht minderwe nur den Anschein der Billigkeit ng Damen=Konfektion ist mit sän ttet, ebenso finden Sie in Herrenentzückende Auswahl. Unsere beiden Sy- al=Kataloge fü nion gelangen nächste Woche zur Sumpflan Roman von Dora Dr Fortsetzung.)— Iin dem Zimmer, in dem das verlasse te sich nichts. So still war's, als sei Leben entflohen. Jetzt plötzlich ein wilder Schrei— eiser. Das stille Weib fuhr zusammen. sie. Sie stürzte zur Thür— um das war geschehen? Die Räthin wankte, von Max gesti r wehrte sie ihn ab.„Laß, laß— verde sie selber fragen.“ Max' Gesicht war finster— um bie tten— der junge, frische Mensch sah! Er legte die Hand fest auf den Arm „Nein, ich werde sprechen, Mutter—1 h als Mann.—“ „Schone sie!“ jammerte die Alte. Max fuhr auf.„Nein, lich kann sie sie nicht schonen. Uns muß sie Rede ie Antwort nicht weigern, die sie degte. Die Ehre beider Familien— und mein Lebensglück stehen auf „Ja, ja, er hat Recht. Sprich A — Mit gefalteten, gegen die Brust aufgehobenen Handen Anna da. Langsam neigte sie das Haupt. „Auch Du? Auch Ihr? Auch Iyr glaubt, daß ich—! das war noch übrig, das Fürchterlichste. Die eigene er! Nichts soll mir erspart bleiben, nichts!“ Und dann ich mit heftiger, empörter Gebärde:„Ja, seid Ihr denn von Sinnen, oder bin ich's selbst?“ Max trat auf sie zu. Hart packte er sie bei der Hand. „Keine Komödie— keine Ausflüchte— keine Scenen— #ester— die Wahrheit wollen wir! Wir bitten nicht mehr, fordern.“ Provinz und Nachbarstaaten. * Oeynhausen, 29. Sept. Imkerversammlung. Gelegentlich der gestrigen Herbstversammlung des MindenRavensberger Imkerverbandes hielt Herr Lehrer ErgenzingerHerford einen sehr interessanten Vortrag über„Krankheiten der Bienen; Entstehung, Verhütung und Heilung.“ Der Vortragende sprach 1. über Faulbrut, 2. Ruhr, 3. Maikrankheit. Redner äußerte sich über das Wesen und Krankheitserscheinungen der Faulbrut, als der gefährlichsten Bienenkrankheit. Ein sicherwirkendes Mittel dagegen ist bis jetzt noch nicht bekannt. Die Ruhr tritt hauptsächlich im Nachwinter auf. Mittel dagegen: Einwintern mit Zucker und die Völker warm halten. Die Maikrankheit ist am wenigsten gefährlich. Gewöhnlich wird sie mit mildgesalzenem Zuckerwasser erfolgreich behandelt. * Salzuflen, 29. Sept. Kurdirektor. Unser bisheriger Badekommissar, Herr Rittmeister v. Hahn, ist von Erafregenten zum Fürstlichen Kurdirektor ernannt worden. Emile Zola F. Paris, 29. September. Emile Zola wurde heute vormittag in seiner Wohnung tot aufgesunden; er ist infolge eines Unglücksfalles erstickt. Seine Frau ist schwer erklank. Ueber die näheren Umstände des Todes Zolas schwebt tiefes Dunkel, so daß man an einen Unglücksfall denken kann. während anderseits der Gedanke an Selbstmord nicht ganz abzuweisen ist. Zola und seine Frau brachten drei Monate auf dem Lande zu und waren jetzt in ihr Haus in der Rue de Bruxelles zurückgekehrt. Die Wohnung war während ihrer mehrmonatigen Abwesenheit ausgekühlt, zumal in der letzten Zeit, weshalb Zola anordnete, das Schlafzimmer zu heizen, in dem sich ein großer Prachtkamin befindet. Der Diener suchte den Befehl auszuführen; aber es gelang ihm nicht, das Heizmaterial in Brand zu setzen. Der Kamin schien nicht genug Zug zu haben. Zur gewohnten Stunde setzten ##. Dal. und seine Aran zu Tische und aßen mit Annetit= Werksprüche. Viel besser ist es, früh aufsteh'n, Als Abends spät zu Bette geh'n. * Laß auch keinen Tag vergeh'n, Ohne daß was Gut's gescheh'n! Allzeit fröhlich ist gefährlich; Allzeit traurig ist beschwerlich; Allzeit glücklich ist betrüglich; Eins ums and're ist vergnüglich. Hunger ist der beste Koch. Der Schusterwastel von Lenzingen, auch einer von denen, die alles lieber thun, wie arbeiten, ging an einem Sonntagmörgen hinüber nach Spielberg, allwo Kirchweih gefeiert wurde. Und ob ihn gleich Niemand eingeladen hatte, gedachte er doch, sein redlich Theil Speise und Trank davon zu bringen, und der Mund wässerte ihm schon, wenn er an den Braten, den Wein und die schmalzigen Küchlein dachte, die man in Spielberg extra zu braten wußte. Wie er so weiterwandelte, kam er an einem Birnbaum vorbei; unter dem lagen etliche herabgefallene Birnen. Ein Anderer hätte sich gebückt und wenigstens versuchshalber eine gegessen. Der Wastel aber, obgleich er seit gestern Mittag nichts mehr in den Leib bekommen, sprach: „Soll ich mir mit den sauren Birnen die Zähne verderben? Ich weiß etwas Besseres!“ und stieß sie mit dem Fuße indeine Pfütze. Indem er weiterging, kam er an einen Bach, den hatte ein Gewitterregen derart angeschwellt, daß er den Steg mit sich fortgerissen, und der Wastel nun dastand wie die Butter in der Sonne. Er lief eine Strecke flußaufwärts, ob er nicht dort über das Wasser kommen möchte; er lief flußabwärts und fand auch da keinen Steg. Es wurde Mittag, und der Magen knurrte ihm über die Maßen. Weit und breit kein Dorf, und der Weg nach Lenzingen heimwärts ein paar Meilen lang! Da war er denn der Birnen froh, die er vorhin in den Schmutz gestoßen hatte. Um nicht vollends zu verschmachten, grub er sie mit den Fingern wieder heraus, wischte sie am Rockärmel fein säuberlich ab und ließ sie sich schmecken. Soll sich auch die Zähne damit nicht verdorben haben. Spiele im Freien. Hirt und Herde Wenn die Kinder auf einem freien Platze versammelt sind, wird eines von ihnen durch Auszählen zum Hirten ernannt, während die andern die Herde bilden. Dem Hirten werden nun die Augen verbunden, dann wird er an einen Platz geführt, der den Namen„Stall“ erhält. Hierauf klopft ihm einer der Spieler auf die Schulter und sagt:„Hirt! Hirt! Hirt! Wieviel Schritte erlaubst Du mir?“— worauf ihm dieser eine Anzahl Schritte zu machen gestattet. Der betreffende Spieler macht die ihm erlaubten Schritte, ohne dabei an eine bestimmte Richtung gebunden zu sein, und bleibt dann stehen. Wie es dieses erste Kind gemacht hat, so machen es dann alle übrigen, natürlich eines nach dem andern, bis der„Stall“ ganz leer ist, worauf dann der Hirt ruft:„Wo ist meine Herde?“— Auf diese Frage ahmen alle Kinder die Stimme der Schafe nach. Hierauf sucht der Hirte mit verbundenen Augen so lange herum, bis er einen Spieler findet, zu dem er sagt:„Wer bist Du?“ Der Angesprochene ahmt neuerdings die Stimme eines Schafes nach, worauf der Hirt räth, wen er gefunden habe. Gelingt es ihm, sein Schaf an der Stimme zu erkennen, so wird er durch dasselbe von seinem Amte abgelöst. Erräth er aber nicht den Namen seines Schafes, dann wird er von demselben so lange geschlagen, bis er den„Stall“ erreicht hat, worauf dann das Spiel von Neuem beginnt. * Lustige Ecke. Aus der Bibelstunde. Die kleine Rose hat bei ihrer großen Schwester biblische Stunde. Heute liest sie eine Geschichte mit der Ueberschrift: Jesus speiste 5000 Mann. Ganz erschrocken hält sie inne und sagt verwundert:„O Else, könntest Du so viel essen?“ Ein anderes Mal läßt sie den HErrn zu Abraham sagen:„Ich will Dich mehren, wie die Sterne am Himmel und wie den Sand am Ufer des Rheines.“(Rose ist nämlich eine kleine Kölnerin, müßt Ihr wissen.) Wie Potiphar es angefangen hat, Joseph über sein Haus zu setzen, machte ihr viel Kopfzerbrechen, denn sie fragte ganz bedenklich:„Aufs Dach?“ Die Geschichte vom barmherzigen Samariter erzählte sie folgendermaßen:„Es war ein Mann, der ging von Jerusalem hinab nach Jericho und fiel unter die Franzosen“,(was für sie wohl gleichbedeutend mit„unter die Mörder“ war). Aber nicht nur in der Bibelstunde, sondern auch in der Fibelstunde machte sie ihre Bemerkungen, denn als sie eines Tages las:„Ein Adler schoß auf ein Lamm herab“, schien ihr diese Behauptung schier unglaublich, und sie äußerte ihre Zweifel mit den Worten:„Wo hatte er denn die Pistole her?“ Käthsel und Aufgaben. 1. Zahlenräthsel. 4 2 9 2 10 11 eine Blume. 2 10 12 11 4 10 ein männlicher Vorname 1 4 31 ein Getränk. 2 13 2 14 15 11 7 16 ein Säugethier. 7 11 17 18 2 7 ein Fahrzeug. Die Anfangsbuchstaben ergeben eine Naturerscheinung. 2. Logogriph. Die Blumenfee Zeigt Tag für Tag Im Wort mit— e, Was sie vermag. Ist's neu geschmückt Mit buntem Flor, So steht entzückt Der Mensch davor. Im Wort mit— t Sucht Alt wie Jung Bei manchem Weh Erleichterung. Es eilt der Fluß Von ferne her In raschem Schuß Darin zum Meer. 3. Wechselräthsel. 1. Mitr eine saftige, süße Frucht; " Mitge in Insekt, das nach Süßigkeit sucht. 2. In Arabien trifft man mit n als Stadt, Was mit r ein Jeder im Körper hat. 3. Was mit r am Bache sein Blätterdach wiegt, u ein Thier, das die Luft durchfliegt. s kann's nicht gehen, doch hat es ein Bein; Mit h eilt's fußlos zum grünlichen Rhein. Mit r einst als Gott der Germanen verehrt; Mit u ein Fluß, der Deutschland durchquert. Werden die Anfangsbuchstaben der bei der Auflösung gefundenen zehn Wörter richtig geordnet, so ergeben sie zwei fünfstellige Wörter, von denen jedes dieselben Buchstaben enthält. Das erste nennt eine Zeit der Ruhe und Erholung, das zweite ein deutsches Land. 4. 5. (Auflösungen in der nächsten Jugend=Nummer.) Bose Mal hat. berei mahl und Andr haftel geme an. hat Zeite bezwi meiste zur 1 ader der 3 werde 3 5 ah s# in hi sin tfe al 0 enf ten öte. au gen t b eer tun rbin urm S mm rde 9 er d einb n Jol se ei D rand r ge 10 K lich en ei sta der hichte Gre den, Mu inne n ste a. enden den n.“ sche ger z zen de ei bes franz erho aise! en sch * grü die musik das Tron Flas illt w sächli war. Des Valers Sielbestande flieg dor Aund auf, die qualvolle Angst, in der er um ihr Versprechen gerungen— die eigenen Worte, mit denen sie ihm Ruhe gebracht.— Der Mutter Wimmern unterbrach ihre Gedanken„Was werd' ich hören— o mein Gott, gieb mir Kraft— wärst Du bei mir, mein Karl.“ Anna streckte beschwichtigend die Hände gegen sie aus. Max drang auf's Neue auf sie ern. Sie schüttelte ihn ab. Heftig— ungestüm. 8er „Fragt mich nicht mehr! Haltet ein! Meine Kraft ist gebrochen! O ich möchte meinen Verstand abschwören, nur um Frung Wonlergleichen. 10 34. fu zu Hause— Genossen— Brüder und Schwestern, ha, ha! — Und das ein Glied unserer Familie! Steh auf— kleide Dich um— suche nur das Nothwendigste zusammen— rasch — ich helfe Dir.“ Er war schon vorauf in das Schlafzimmer##Die Glied Nun erhob sie sich langsam und schwerfaulig. Die Gueder waren ihr schwer wie Blei. Laut auf schluchzte die Räthin. „Mutter! Mutter!“(Fortsetzung folgt.,) schtigt. 8 55 Nie Ter Luf Täe Wi tung tickt. webt ann, janz nate Rue hrer zten zen ener icht, hien zten tit. 1, so wird iber nicht lange geSpiel von Stunde. ste 5000 rt:„O sie den Sterne Rose ist phar es Kopfdie Ge1:„Es ind fiel „unter in auch eines r diese tit den ng. ie hid Bose(1. thür.) Nr. 31, die in diesem Jahre(zum fünften Male hintereinander) die Kaiser=Schießauszeichnung errungen hat. Drama in der Andréeschen Familie. Wie bereits mitgeteilt, wurde Frau Mathilde Andrée, die Gemahlin des Direktors Andrée zu Gothenburg in Schweden und Schwägerin des vielgenannten Nordpolfahrers Ingenieur Andrée, vor längerer Zeit der Brandstiftung verdächtig verhaftet und war später des Verbrechens auch geständig. Allgemein nahm man geistige Defikte der Thäterin als Ursache an. In den inzwischen vorgenommenen zahlreichen Verhören hat nun die Frau auch zahlreiche Diebstähle aus früheren Zeiten zugegeben. Als Motiv giebt Frau Andrée einen unbezwinglichen Drang zu Diebstählen an, obwohl die Objekte meistens kaum einen nennenswerten Wert repräsentieren. Auch zur Brandstiftung sei sie oft früher versucht gewesen, habe aber die Luft bisher niedergekämpft. Die ärztliche Beobachtung der Frau hat ergeben, daß sie zur Zeit abnormal genannt werden müsse; ob sie zur Zeit der That auch unzurechnungswar, könne nicht behauptet werden. Während ihrer Haft Frau Andrée oft Anfälle von Raserei gezeigt, mehrfach h ihre Wärter angefallen. Sie fürchtet nichts mehr, als abnorm erklärt zu werden, da ein solches Urteil sie lebensg einsperren werde! Im anderen Falle würde sie nur übergehend ihrer Freiheit beraubt sein. Eine Entscheidung Gerichtes steht noch immer aus. Die Angelegenheit veraht dauernd größte Sensation in weitesten Kreisen. Reicher Kindersegen. Ein überraschender Familienoahs wurde in Stuttgart dem Hausdiener Beck bescheert. in Frau schenkte vier kleinen Becklein zugleich das Leben, Mädchen und einem Knaben. Eisenbahnunglück bei Arleux. Die Unterhung hat ergebeu, daß der Weichenwärter nicht auf seinem sin war. Man glaubt, daß eine verbrecherische Hand nach tfrnung des Wärters die Weiche abgestellt hat. Das Peral des Bahnhofs Arleux, das nur aus dem Stationschef sem Weichenwärter besteht, wird für den kolossalen Durchigsverkehr als unzureichend erachtet. kampf mit Obstdieben. In der Gemeinde Karoenfld in Böhmen wurde der Grundbesitzer Frentzel nach ten Kampfe mit Obstdieben durch einen Schuß ins Herz öte. Der Mörder ist entkommen. Frentzel hinterläßt eine au und vier unversorgte Kinder. Lom Unwetter in Süd=Italien. U. a. liegen heute genie Meldungen vor: Neapel, 29. Sept. Seit heute morgen t bi heftigem Sturm ein wolkenbruchartiger Regen. Das eer st sehr bewegt; die Dampfer kommen mit großer Vertunf an. Der Eisenbahnverkehr und die telegraphische rbitdung mit Sizilien sind unterbrochen.— Infolge des urms entgleiste gestern abend zwischen den Stationen Vasto En Salvo ein Güterzug. Sechs Wagen wurden zermmrt, andere beschädigt; ein Beamter des Zugpersonals rde getötet und einer verletzt. Leifun bei Yokohama. Durch einen Teifun, der er dn Distrikt von Odowara in der Nähe von Yokohama einbach, wurden viele Häuser vernichtet; etwa 500 Menin sid ertrunken. Das Schlachtschiff„Schikischima“ geriet Jobsuka auf Grund; es wurden Wiederflottmachungsverse engeleitet. Das Schiff ist nur leicht beschädigt. Cholera in Egypten. Nach Meldungen aus xandien verbreitet die Cholera sich in bedenklichem Maße r gaiz Egypten. Zur Zeit grassiert die Seuche bereits in 10 srtschaften. Die Verbreitung nimmt derart zu, daß lich 500 neue Fälle gemeldet werden. Seit zwei Moen errankten an der Seuche 26000 Personen, über 90 Prostatben. Dabei werden verhältnismäßig viele Europäer der Krankheit betroffen. Mt Musik geschmuggelt. Eine drollige Schmuggelhichte wird aus Arlon berichtet; Ein Blechmusikkorps aus Greßgegend in Luxemburg war vor Kurzem eingeladen den, in einem großen Musikfest in Longwy teilzunehmen. fühlten sich nicht sehr sicher, daß sie einen Preis innenwürden, und es ist auch angenehm zu reisen, ohne n Pfanig auszugeben.„Wer wird die Reise bezehlen?“ ste als der Vorsitzende die in der Generalversammlung anendenMitglieder. Verschiedene Meinungen und Vorschläge den vrgeöracht, bis schließlich der Trommelschläger sagte: h schlge vor, die Reise von M. Rouvier bezahlen zu n.“ Allgemeine Verwunderung. Wie sollte der fransche Znanzminister einwilligen, diese Ausgaben für Luxemger zumachen? Keiner begriff das. Der Spieler der zen Tommel aber gab seine Erläuterungen, und sein Plan de einimmig angenommen. Als der Tag des Wettbebes gommen war, marschierten die Musiker zu Fuß nach franzischen Grenze. Die Zollbeamten näherten sich ihnen. erhobder Dirigent den Taktstock und befahl:„Die Maraise!" Die Musiker setzten die Instrumente an der Mund, en schicklich mißtönende Laute entfuhren. Die Zollbeamten grüsen militärisch, indem sie mehr den guten Willen die Fliche Absicht in Rechnung zogen, als den Mangel musikäschem Können, und das Korps ging weiter. So) d a s z o l l a m t a u ß e r S i c h t w a r, l e e r t e m a n d i e P o s a u n e n Tromel und die anderen Instrumente, die mit Ta Flasen mit Kirsch, Zwetschenbranntwein und Miral illt ween. Rouvier oder vielmehr seine Verwaltung sächlig die Reise zu bezahlen.... Prieskasten der Revaktion. H. Nach Ihren Angaben sind Sie zur Abvermie schtigt. 1. Okt.: Bei lebhaften südöstlichen Winden Witterungsfortdauer. Course der Berliner Börse. Mitgetellt von der Westf.-Lippischen Vereinsbank, Akt.-Ges. Herford, 29. September 1902. 3% Preuss Consola 92,— 3½%„„ 101,80 3% Deutsche Reichsanleihe 92,10 ½%„ 3% Westt. Prov.-Anl. 3½%„„ 4% Bielef. Stadtanleihe 4% Hamb. HypothekenPfandbriefe 1910 4% Rhein. Westf. Bodenkred.-Pfandbriefe 1905 100,70 4% Meiniag. Hypoth.101.80 89.50 99.90 104,50 104.— 102,75 Pfandbriefe 1906 102.50 Deutsche Bank-Akt. 208.50 Disc. Commandit-Akt. 186.25 A. Schaaffhausen'scher B. 115,80 Gelsenkirchener BergwAktien 170.40 Hibernia Bergw.-Aktin 171,90 Harpener dto. 166.— Harb.-Wien. Gummidkt, 320,50 Phönix Bergw.-Aktie 125.— Bankdiscont 3% Tendens: matt. Telegramme und Meldugen. Oberpräsident von Goßler Berlin, 30. Sept. Wie sich der„L.=““ aus Danzig melden lätzt, erwartete man das Ableben des Oberpräsidenten von Goßler, das gestern abend 11 Uhr erfote, bereits gegen mittag. In vorgerückter Abendstunde setz der Puls un das Herz öfter aus. An seinem Lager weien seine Gemah' und die ihn behandelnden Aerzte. Festnahme einer Fälschsbande. Dresden, 30. Sept. Der Buchsickereibef Schulz in Hainichen wurde unter der Verdack Falschmünzerei verhaftet. Die eingelete wirkte weiter die Festnahme einer Fäher' sonen, welche seit Jahren für mebe fikate an Briefmarken hergestellt und Teilen Mitteldeutschlands vertrieben Clichees und Vorräte deutscher und Eisenbahnfahrplar (in die Uhr zu legen) giltig vom 1. Oktob Abfahrt v. Herford n. Löhne zu 1.397, 2.40 nachts, 6.08,9.39, 11.19711. 1.10,2.33, 4.19 4.55*, 6. 9.34, 10.49* abd., nach§ 6.58, 8.03*, 8.26, 10.24 vorm., 3.49, 6.18, 6.54“, 7,46, 9.46 2.08, 3.54*, 5.01nachts. Abs Detmold: 6.07,8.26, 11.4: 2.42, 4.58, 6.26 nachm. Abfahrt v. Detmold 5.15, 8.52, 10.30 12.01, 2.55, 5.33 8.42, 11.46 * Schnell Redatteur für den Inseraten Druck und (Redaktion und Expedition Dr. med: ürosskopff Sanatorium Klush 6— bei Osnabrück. Gosammten Wasserbeilverfahren, Bg E.römisch-irische Bäder, Dlätearen.! (Stellungs=Gesuche und=Ang inseriert man mit Erfolg Herforder Zeitung für Stadtu.s Suche auf sofort mehrere Tischlergesellse 5871 Ein Bäckerge gesucht. H. Vorwerk. 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