12. Jahrgang. Teleph=danscht. 4e HersoricEnger Bad OeP'), Feleph=cnscht.768 6 Diese Zeitung erscheint am Abend jeden Wochentages. Abonnementspreis vierteljährlich pränumerande 1,25 Mark, bei Postbestellung kommt das Bestellgeld hinzu. Donnerstag, 28. August. Preis der Anspaligen Vaitzelle für Stadt und Kreis. Hersorz, 1902 Oeyuhansen und Amt Rehme 10 Pfg., sonst 18 Pfg. 906 Oeynhausen Zent Der König von Italien am deutschen Kaiserhofe. Potsdam, 27. August. Der König von Italien traf im Sonderzuge heute nachmittag 5¼ Uhr hier ein. In seinem Gefolge befanden sich „ gs die Generalleutnants und Generaladjutanten Ponzio Vaglia zelste und Brusati, der Palastpräfekt Graf Gianotti, Contreadmiral =7½ Generaladjutant Cavaliere de Libero, Major und Flügelner adjutant Cavaliere Marciani, Corvettenkapitän und FlügelJe# adjutant Graf Leonardi di Casalino, Major und Flügeladjutant Cavaliere Todini, Zeremonienmeister Herzog von Fragnito, der Leibarzt Cavaliere Dr. Quirico, der Minister des Aus2. u, wärtigen Exzellenz Prinetti, Legationssekretär Graf Ewanuel Prinetti, die Beamten des königlichen Hauses Cavaliere ter Camotto, Commendatore Bosisio, Graf Giannnzzi u. a. Mit m He dem König trafen ein, der hiesige italienische Botschafter Graf t. Lanza und der diesseitige Ehrendienst, nämlich General der sang Infanterie v. Lindequist, Oberst v. Arnoldi vom 145. Regiment, 3th. Oberstleutnant v. Blumenthal von den 13. Husaren(König #] Humbert von Italien) und der Major und Flügeladjutant v. N Chelius, kommandiert zur Botschaft in Rom. Auf dem mit ngeb Laubgewinden, Blumen und mit italienischen und deutschen in, Emblemen reich geschmückten Bahnhof Wildpark hatten sich u. 2c) eingefunden: der Kronprinz, Prinz Eitel Friedrich, Prinz " Joachim und die übrigen in Berlin und Potsdam anwesenden Prinzen des königlichen Hauses, die im Gardekorps dienenden Prinzen aus regierenden deutschen Häusern, der Reichskanzler, “ Graf Waldersee, die Herren der italienischen Botschaft, das Exp. Hauptquartier, die Generale von Potsdam sowie der hier ## weilende Botschafter in Rom Graf Wedel. Kurz vor Einlauf des Zuges war der Kaiser vom Neuen Palais her einandll getroffen, hatte die Prinzen begrüßt und war die Ehrenwache abgeschritten, die eine Kompagnie des Garde=Jägerbataillons mit Fahne und Musik stellte. Am rechten Flügel derselben eklei) standen die direkten Vorgesetzten. Als der Zug einlief, te G' präsentierte die Kompagnie, die Musik spielte die italienische c Hymne. Der Kaiser, der die Uniform des 1. Garde=Regiments “ mit Kette und Stern des Annunziatenordens und dem Bande " d e s M i l i t ä r o r d e n s v o n S a v o y e n t r u g, s c h r i t t d e m K ö n i g, welcher die Uniform der 13. Husaren(König Humbert) und „ das Band des Schwarzen Adlerordens angelegt hatte, entgegen. Die Begrüßung war eine überaus herzliche; die —Monarchen küßten sich wiederholt auf die Wange. Nach 451h Vorstellung der Prinzen und der Gefolge schritten die Monarchen die Ehrenkompagnie ab, die mit dem fridericianischen Griffe nerz vorbeimarschierte. Dann begaben sich die Herrschaften zu Wagen nach dem Neuen Pailais. Im ersten Wagen saßen ab der Kaiser und König Victor Emanuel. In einem späteren erer Wagen folgten der Reichskanzler Graf Bülow und der Minister sei des Auswärtigen Prinetti. Eine Schwadron vom Regiment Garde du Corps eskortierte. Auf dem Chausseeübergang waren italienische Arbeiter, die in Potsdam beschäftigt sind, aufmarschiert und riefen„Eoviva“, als die Herrscher vorüberfuhren. Das sehr zahlreich versammelte Publikum brachte während der ganzen Fahrt immerwährend Hochrufe aus. Auf der Gartenterrasse des Neuen Palais erwies die Leibkompagnie des 1. sah Garde=Regiments z. F. die Honneurs. Hier waren auch die such direkten Vorgesetzten dieser Kompagnie, sowie sämtliche Regimentskommandeure von Poisdam versammelt. An der Thür zum Muschelsaal wurden die Allerhöchsten Herrschaften Co] von den Herren des großen Vortritts empfangen und in den Muschelsaal geleitet, wo der König durch die Kaiserin und die #I in Berlin und Potsdam anwesenden Prinzessinnen des königIh llichen Hauses und aus regierenden deutschen Häusern begrüßt wurde. Im Muschelsaal hatten Aufstellung genommen die 96h Schloßgardekompagnie, die Galawache des Regiments Garde o de Corps mit dem Trompeterkorps und der 2. Zug der S°) Leibgendarmerie.— Das Wetter, welches während des Tages trübe war, hatte sich aufgehellt und war bei der Ankunft des reit Königs sehr schön. tei Nach dem Eintreffen des Königs von Italien im Neuen zu. Palais empfing der Kaiser den Reichskanzler zu längerem Vortrage. Abends 8 Uhr fand beim Kaiserpaar im Neuen Palais Familientafel statt. Der König von Italien führte die Kaiserin zu Tische, der Kaiser die Prinzessin Friedrich Leopold. Bei der Tafel saß der König zwischen dem Kaiser und der Kaiserin, links vom Kaiser die Prinzessin Friedrich Leopold, sund Prinz Albert von Sachsen=Altenburg, rechts von der Kaiserin Prinz Friedrich Leopold und Prinz Albert von Schleswig=Holstein. Gegenüber dem König saß der Kronprinz, rechts von demselben Prinz Eitel Friedrich, Herzog Adolf Friedrich von Mecklenburg, Prinz Albert von Schlesw.#Holftein und Prinz Karl von Hohenzollern, links vom Kronprinzen Prinz Friedrich Heinrich von Preußen, Prinz 00 . 77 49 Chlodwig von Hessen=Philippsthal=Barchfeld und der Erbprinz von Hohenzollern. Für das Gefolge fand Marschalltafel statt. * * Berlin, 27. Aug. Die Ausschmückung der Einzugsstraße, welche morgen vormittag der König von Italien mit dem Kaiser durchfährt, ist nahezu vollendet. Die große Halle des Potsdamer Bahnhofs, wo die Ankunft erfolgt, zeigt prächtigen Festschmuck. Die Wände schmücken mächtige Guirlanden, Banner sowie Fahnentrophäen. Vom Bahnhof bis zum Potsdamer Platz zieht sich ein Wald von Flaggenmasten hin, abgeschlossen von Obelisken, welche Adlec und Blumenkörbe tragen. Die monumentalen Gebäude des Potsdamerplatzes sind bis zum Dach hinauf mit Guirlanden und Fahnen in den deutschen und italienischen Farben bedeckt. Vom Potsdamerplatz geht die Einzugsstraße durch die Bellevuestraße, deren vornehme Häuser durchweg, auch namentlich mit Teppichen, geschmückt sind. Am Rolandbrunnen vorbei, durch die Siegesallee und die Charlottenburger Chaussee geht die Fahrt zum Brandenburger Thor, wo die Begrüßung seitens der städtischen Behörden stattfindet. Die Westfront des Thores ist goldgelb angestrichen. Vor den Säulen stehen Obelisken, die Blumenkörbe tragen. Die Blumenkörbe mit leuchtenden Orangen stehen zwischen vergoldeten Masten, welche die beiden Seiten der Thorgebäude verdecken. Auch auf dem Pariser Platz ragen gewaltige vergoldete Masten, welche sich aus Obelisken herausheben, durch Guirlanden verbunden, empor, einen würdigen Zugang zu der eigentlichen Einzugsstraße, der Straße Unter den Linden, bildend. Weithin schweift das Auge über den vornehmsten Straßenzug Berlins, worin kein Haus ungeschmückt ist, bis zur Universität, dem Opernhaus, dem Zeughaus und dem Schlosse. Auf der Freitreppe des Opernhauses, neben dem Prinzessinnenpalais, im Lustgarten sind Tribünen errichtet. Eine große Menschenmenge durchwogt die Feststraße, der Fremdenzuzug ist bedeutend. Händler mit Fähnchen und Ansichtskarten durchziehen das Publikum. Nachmittags fiel heftiger Regen, worauf bald schönstes Wetter eintrat. Morgen fällt in sämtlichen hiesigen Schulen der Unterricht aus. Eine größere Anzahl italienischer Geheimpolizisten ist kürzlich in Berlin eingetroffen. Die Beamten haben den Auftrag, sich hier und in Potsdam jedes Mal auf den vom König Viktor Emanuel zurückzulegenden Wegen zu verteilen und für die Sicherheit des Königs Sorge zu tragen; sie besitzen Passierkarten, auf Grund deren sie überall die Kette der Schutzmannsposten durchschreiten dürfen. Hand in Hand mit ihnen arbeitet natürlich die Berliner Geheimpolizei. Für diesen Königs=Sicherheitsdienst sind ganz zuverlässige, dienstalte Beamte ausgewählt worden. Der uniformierten Schutzmannschaft ist übrigens anbefohlen worden, nach Möglichkeit dafür Sorge zu tragen, daß der Gast des Kaisers nicht allzu sehr durch Amateurphotographen fixiert wird. Zur Tagesgeschichte. Deutschiand. Beileidstelegramm des Kaisers. Der Bremer Senat erhielt folgendes Telegramm:„Neues Palais. Se. Majestät der Kaiser sind durch die Nachricht von dem Hinscheiden des hochverdienten ehemaligen Bürgermeisters von Bremen, Otto Gildemeister, mit Teilnahme erfüllt und lassen dem Senat zu dem schweren Verluste, welchen die Freie Hansestadt Bremen durch seinen Tod erlitten, Allerhöchst ihr Beileid aussprechen. Auf Allerhöchsten Befehl: v. Lucanus.“ Eine deutsche Nationaloper. Anläßlich der Enthüllung des Rolandbrunnens geht der „Germania" folgende interessante Mitteilung zu. Die vom Kaiser dem italienischen Komponisten Leoncavallo in Auftrag gegebene Oper wird ebenfalls den Namen Roland tragen und wahrscheinlich im Anfang des Jahres 1903 zur ersten Aufführung gelangen. Leoncavallo selbst hat sich über dieses sein im Entstehen begriffenes Werk dem Schriftsteller und Kunstkritiker Luigi Alberto Villanis gegenüber ungefähr folgendermaßen geäußert:„Den Entschluß, mir die Aufführung einer deutschen Nationaloper anzuvertrauen, faßte Kaiser Wilhelm während der Aufführung der Medici im März 1894, und der Intendant Graf Hochberg deutete mir dies an, während er mich nach der Vorstellung in die Hofloge geleitete. Hier bestätigte mir der Kaiser seinen Wunsch persönlich. Den Tag darauf begab sich Graf Hochberg nach Potsdam, um dem Kaiser zwei diesbezügliche Entwürfe vorzulegen, von denen der eine von dem inzwischen verstorbenen königlichen Musikdirektor und Archivar Taubert herrührte. Jedoch schon nach den ersten Worten des Vortrages des Grafen Hochberg unterbrach der Hierzu Unterhaltungsbeilage. Kaiser ihn mit folgenden Worten:„Das Sujet habe ich selbst gefunden,“ sagte er lächelnd und wies auf den bekannten Roman von Willibald Alexis hin. Im Weiteren führte der Maestro aus, daß, um sich mit der ganzen geschichtlichen Epoche bekannt zu machen, in der sich die Handlung des Textbuches abspielt, er sich mit der ganzen darüber vorhandenen Litteratur habe bekannt machen wollen, um ein Werk von thatsächlich historischem Wert zu schaffen. Zur Uebersetzung des Alexischen Romans habe er auein zwei Jahre gebraucht. Leoncavallo schloß mit den Worten:„Im Januar oder Februar 1903 hoffe ich Sr. Majestät meine neue vieraktige Oper vorlegen zu können“. Prinz Eitel Friedrich von Siam dekoriert. Der siamesische Gesandte in Berlin, Visut Kosa, überreichte gestern in feierlicher Audienz im Namen des Königs von Siam dem Prinzen Eitel Friedrich den Maha=ChakokoiOrden(Kronenorden), Vom Katholikentag in Mannheim. Im Verlaufe der G.neralversammlung verlas auch der Präsident ein Telegramm des Kardinal=Staatssekretärs Rampolla, in dem es heißt:„Der heilige Vater habe von der herzlichen Begrüßung vieler Tausender deutscher Katholiken mit Freude und Genugthuung Kenntnis genommen und erteile allen denen, die der Generalversammlung beiwohnen, gern und freudig den apostolischen Segen. Er gebe sich der Hoffnung hin, daß es ihm im nächsten Jahre vergönnt sein werde, eine große Zahl deutscher Katholiken in Rom zu segnen.“ Krüger und seine Leute. Expräsident Krügers Memoiren sind nunmehr im Manuskript vollendet. Krüger hat seine Erinnerungen zweien seiner Vertrauten diktiert. Das Verlagsrecht des interessanten Werkes hat I. F. Lehmanns Verlag in München für alle Länder angekauft. Die Memoiren sollen im November d. I. gleichzeitig in mehreren Sprachen erscheinen. Krüger soll in Loschwitz bei Dresden zwei Villen für den kommenden Sommer haben mieten lassen. Krüger werde von seinem Winteraufenthalt in San Remo Anfang Mai nächsten Jahres direkt in Dresden eintreffen und mit seinem Gefolge in Loschwitz Wohnung nehmen. Aus dem Haag wird gemeldet: Die„Korrespondenz Nederland“ ist ermächtigt zur Verbreitung folgender Erklärung: Die Generale Botha, de Wet und Delarey wünschen festzustellen, daß ihnen in englischen Blättern wi. derholt angeblich von Korrespondenten im Haag, Brüssel und anderswo auf dem Festlande herstammende Berichte aufgefallen sind, die den Zweck haben, das gegenseitige gute Einvernehmen und die Einigkeit zwischen den Generalen und dem Präsidenten Krüger, der Sondergesandtschaft oder Dr. Leyds durch völlig unbegründete Mitteilungen über Meinungsverschiedenheiten, die in ihren verschiedentlichen Konferenz:: Tage gstreten strenz zu stören und als gestört hinzustellen. Die Generale wünschen demgegenüber nachdrücklichst zur allgemeinen Kenntnis zu bringen, daß zwischen ihnen und den genannten Persönlichkeiten vollkommenste Harmonie herrscht und stets geherrscht hat. Jede gegenteilige Behauptung oder Unterstellung ist von Grund aus wahrheitswidrig und hat nur böswillige oder schlecht unterrichtete und leichtgläubige Leute zu Urhebern. Rückkehr kriegsgefangener Buren. Cronje, seine Familie und eine Anzahl gefangener Buren sind jetzt in Simonstown(Kapkolonie) eingetroffen. Die Kriegsschäden in Transvaal. Der ehemalige Staatssekretär von Transvaal Leyds erklärte vor seiner Abreise von Paris nach Amerika, daß die Kriegsschäden in Transvaal sich auf mindestens 500 Millionen Franks beliefen. Die von englischer Seite zum Ersatz der Schäden ausgeworfenen 75 Millionen Franks seien lediglich bestimmt, um zum Wiederaufbau der niedergebrannten Farmen zu dienen. Die von den Engländern den Buren zugefügten Verluste an Vieh und sonstigem Besitz seien in dieser Summe durchaus nicht berücksichtigt. Nach Ansicht der Burenführer müßte der Vertrag von Vereeniging einen Zusatzartikel erhalten, welcher auch diese Schäden berücksichtigte. Volle Wahrheit über das Zustandekommen des Friedensschlusses würde erst ein in mehreren Sprachen erscheinendes Buh von Kestel bringen, welcher bei den Verhandlungen als Schriftführer diente. Das Buch wird demnächst in vier Sprachen und eigenartige Enthüllungen bringen über dasjenige, was sich hinter den Koulissen abspielte. Ermordung der Missionare in China. Es scheint, daß außer der Ermordung der Herren Bruce und Lewis von der„China Inland Mission" in Chenchau in der Provinz Hunan auch das chinesische Postamt dieses Ortes zerstört und der Postmeister mißhandelt wurde. Die Ursache des Ausbruches soll das Herrschen der Cholera in der Provinz sein, indem die Eingeborenen behaupten, daß die Fremden die Brunnen vergiftet hätten. Herforder Kreisnachrichten. (Mitteilungen von allgemeinem Interesse sind uns stets willkommen und werden auf Wunsch honoriert.) Herford, 28. August 1902. * Kronleuchter für die Petri=Kirche. Die drei Kronleuchter für die neue reformierte Kirche, welche in der Werkstatt des Herrn Metzler fertig gestellt werden, gehen ihrer Vollendung entgegen. Sie sind ein schönes Werk der Kunstschlosserarbeit und stellen dem Verfertiger ein glänzendes Zeugnis von seiner Leistungsfähigkeit auf dem Gebiete der Kupferschmiedearbeit aus. Die in Kupfer getriebenen und geschmiedeten Leuchter, welche Professor Schneider in Cassel entworfen hat, sind nach ihrer Vollendung geradezu monumentale Kunstwerke, ausgeführt in reinem gotischen Baustil. Der größte unter ihnen erhält achteckige Form bei einem Durchmesser von 3 Meter. Das Außenband desselben wird von 8 kleinen, äußerst fein ausgearbeiteten achteckigen Fialtürmchen gekrönt und werden unter dasselbe 32 elektrische Glühlampen hängend angeordnet. Die für die Leuchter notwendigen Eisenverbindungen sind in der Schlosserei des Herrn Kaufmann hergestellt. Diese Arbeiten geben zugleich einen neuen schönen Beweis von der Leistungsfähigkeit des hiesigen Kunsthandwerks. ** Von heute an sind Festordnungen zur Einweihung der reformierten Kirche in den Buchhandlungen Menckhoff, Pettkamp und Wolff, sowie bei dem Kirchmeister Falk auf der Stadtkasse für 10 Pfg. zu haben. Sie enthalten alle Gesänge und näheren Anordnungen für die Feier. Es ist daher sehr wünschenswert, daß jeder Teilnehmer im Besitze einer Festordnung ist. ** Zum Besten des Kaiser Friedrich=Denkmals wurden jetzt von Herrn G. A. Schwarz aus Philadelphia 100 Mk. gespendet; auch übernahm es Herr Schwarz, welcher z. Z. bei seinen Angehörigen hier weilt, eine Spenderliste in den deutschen Klubs 2c. in Amerika in Zirkulation zu setzen. Recht lobenswert ist es, daß Herr Schwarz fortgesetzt ein so großes Interesse für seine Vaterstadt bekundet. ! Schlachthofkommission. Die Anlage eines Kühlhauses mit Eisbereitung wurde in der gestrigen Sitzung der Schlachthofkommission grundsätzlich beschlossen und zwar wurde das Schwefligsäuresystem und als Betriebskraft Sauggeneratrogasanlage in Aussicht genommen. Am Bahnhof sind jetzt die Pflasterungsarbeiten für einen Teil der neuen Straße wieder aufgenommen worden. * Sonderzug nach Düsseldorf. Laut Bekanntgabe der Königl. Eisenbahndirektion Hannover unter den heutigen „Amtlichen Anzeigen“ wird am Sonnabend, 30. August, von Berlin ein Sonderzug nach Düsseldorf abgelassen. Der Zug hält auch in Herford und zwar fährt derselbe von hier um 1 Uhr 42 Min. nachmittags ab. Im übrigen verweisen wir auf die diesbezügliche Bekanntgabe der Eisenbahn-Direktion. *— Auf das Konzert des Bielefelder städtischen Orchesters, das für morgen, Freitag abend auf dem Schützenhofe bevorsteht, weisen wir hiermit nochmals empfehlend hin. Wir dürfen wieder einen hohen Kunstgenuß erwarten; hoffentlich ist der Besuch so zahlreich, daß uns auch in Zukunft diese herrlichen Darbietungen erhalten bleiben. = Aehnlich wie in Herford. Der Billigste bei einer Submission. Die„Frankf. Ztg"" berichtete kürzlich folgende Illustration zu diesem Kapitel unter der Spitzmarke„Nicht zahlungsfähig":„Vor dem Eisenbahnverwaltungsgebäude in der Poststraße warteten gestern(d. h. am 12. Juli) stundenlang etwa 120 Arbeiter auf die Auszahlung ihres Lohnes. Ein Berichterstatter meldet darüber folgendes: Die Königl. Eisenbahnverwaltung hatte vor einiger Zeit den Geleise=Umbau Hauptbahnhof auf dem Submissionswege vergeben. Die Arbeiten wurden dem Bauunternehmer Wilhelm Bertram aus Hannover übertragen, der das billigste Angebot machte. Nun bestehen schon seit etlichen Wochen zwischen den Arbeitern und dem Unternehmer Zahlungsdifferenzen. Die Arbeiter haben ihren Lohn nicht vollständig erhalten. Bertram hatte versprochen, am 12. Juli alles zu bezahlen. Statt dessen machten gestern die armen Leute die Wahrnehmung, daß der Unternehmer von hier verschwunden ist. Gegen mittag meldete aus Stettin ein Telegramm, das Geld werde um 4 Uhr nachmittags in Frankfurt sein. Um 7 Uhr abends wurden 1800 Mk. von Stettin telegraphisch angewiesen. Die Arbeiter konnten aber wiederum nur eine Abschlagszahlung erhalten. Zum größten Teil sind es Deutsche, etwa 20 Mann sind Italiener. Zu tumultuarischen Szenen ist es nicht gekommen; die Arbeiter haben sich durchaus ruhig verhalten. Also lautet die Darstellung des Berichterstatters; vielleicht äußert sich die Bahnbehörde selbst zu dem Fall, der nach mancher Richtung lehrreich und nicht ohne Interesse ist.“ Bestellen Sie zur Probe ein Abonnement auf die„Herforder Zeitung für Stadt und pro Monat September. Täglich bieten wir eine Unterhaltungsbeilage und außerdem in den Sonnabendnummern ein hübsch illustriertes Alle Postanstalten, Landbriefträger sowie unsere Agenturen und Boten nehmen Bestellungen entgegen.. Redaktion und Verlag. *¼ Schöffengericht. In der gestrigen Sitzung führte Herr Amtsgerichtsrat Vahle den Vorsitz. Schöffen waren die Herren Professor Dr. Fulda und Kaufmann W. Werner von hier. Als Amtsanwalt fungierten anfänglich Herr PolizeiInspektor Hohmuth, später Herr Bürgermeister Busse. Folgende Sachen kamen zur Verhandlung: Der Bäcker und Kolonialw.= Händler Gust. Str. von hier war beschuldigt, die Schankwirtschaft, ohne im Besitz der polizeilichen Erlaubnis zu sein, betrieben zu haben. Aus der Verhandlung ging hervor, daß von dem Zeugen K. die Anzeige in fahrlässiger Weise gemacht und die Anschuldigung nicht erweislich war. Es erfolgte Freispruch des Angeklagten und Verurteilung des Zeugen K. in die Kosten.— Wegen Bedrohung des Zigarrenarbeiters Götting mit Totschlag und wegen Schießen mit Feuergewehr in der Nähe von Gebäuden war der Zigarrenfabrikant C. H. D. in Oetinghausen angeklagt. Da sich ergab, daß die Bedrohung harmloser Natur war, erfolgte Freispruch; dagegen wurde Angeklagter wegen des Schießens mit 6 Mk. ev. 2 Tagen Haft bestraft.— Maurer Fritz H. hier hatte sich wegen Bedrohung des Arbeiters Hellweg und der Storkmann'schen Eheleute zu verantworten. Da er durch schriftliche Eingabe dem Gericht mitgeteilt hatte, daß er die Strafthat in angetrunkenem Zustande begangen habe, wurde die Sache vertagt.— Bei einer Fuhre des Knechts Friedr. Kr. aus Spradow soll dieser mit seinem Fuhrwerk dem Geleise der Kleinbahn so nahe gekommen sein, daß ein Bahnzug am Weiterfahren verhindert worden sei. Urteil: 20 Mk. ev. 4 Tage Haft.— In der Sache gegen den Schuhmachermeister Aug. Br. hier wegen Nichtabmeldung eines seiner Gesellen erfolgte Freispruch, indem sich ergab, daß der Geselle nur bei ihm gearbeitet hatte.— Durch polizeilichen Strafbefehl wegen unerlaubten Abhaltens einer Tanzbelustigung war der Wirt Friedr. B. hier mit 5 Mk. bestraft. Der von ihm eingelegte Einspruch halte seine Freisprechung zur Folge.— Der hier in Untersuchungshaft befindliche Drechsler Aug. Böttcher aus Hamburg erhielt wegen Täuschung von Behörden und Privatpersonen durch Vorzeigung unrichtiger Quittungskarten und Papiere 3 Tage Haft.— Arbeiter Heinrich B. hier war angeklagt, dem Maurerlehrling E. gehörige Stiefel entwendet zu haben; der Einrede des Angeklagten, er habe, weil die Stiefel auf einer Müllkiste gestanden hätten, geglaubt, dieselben sollten zusammen mit dem Müll fortgeschafft werden, wurde Glauben geschenkt. Es erfolgte Freisprechung.— Gleichfalls freigesprochen wurde die Witwe Anna K. hier, welche durch polizeilichen Strafbefehl mit 19 Mk. Geldstrafe bestraft worden war, weil sie ihre Kinder in vielen Fällen nicht zur Schule geschickt haben sollte. Die Angeklagte konnte nachweisen, daß sie ihre Kinder stets zum Schulbesuch angehalten, dieselben sogar oft selbst hingebracht habe, die Kinder aber immer wieder fortgelaufen waren.— Der Tischler Herm. Bl. war angeklagt, vorsätzlich dem Möbelfabrikanten Detering gehörige Fensterscheiben eingeschlagen zu haben. Urteil: 3 Mk. Geldstrafe ev. 1 Tag Gefängnis.— Wegen ruhestörenden Lärm, vorsätzlicher körperlicher Mißhandlung des Schutzmanns Werpup, sowie wegen Widerstandes gegen die Staatsgewalt hatte sich der Weber Wilh. Fr. von hier zu verantworten. Es erfolgte Vertagung, da noch weitere Zeugenvernehmungen erfolgen sollen. 1 Infolge häuslichen Streites drang vorgestern der Arbeiter D. in die Wohnung seines Hauswirts ein und mißhandelte die allein darin anwesende Ehefrau des Vermieters durch Faustschläge. Der wiederholten Aufforderung der Frau, die Wohnung zu verlassen, gab D. keine Folze. Letzterer wird sich nun wegen Mißhandlung und Hausfriedensbruchs zu verantworten haben. Wegen Trunkenheit und Obdachlosigkeit wurden in vergangener Nacht 4 Personen aufgegriffen und im Polizei Gewahrsam untergebracht. 's Enger, 27. Aug. Stadtverordnetensitzung. Am Sonnabend, nachmittag 5 Uhr findet wiederum eine Sitzung der Stadtverordneten statt. Die Tagesordnung ist wie folgt: Bewilligung der Mehrkosten für Mehrarbeiten an der Bielefelderstraße behufs Bordsteinanlage. 2. Festsetzung der Stadtkassen=Rechnung pro 1901. 3. Verschiedenes. ! Enger, 27. Aua. Kriegerverein. Am nächsten Sonntag feiert der hiesige Kriegerverein seine Sedanfeier und zwar im Vereinslokal bei Herrn Pörtner durch Unterhaltung und Ball. #n Besenkamp, 27. Aug. Diebstahl. In den letzten Nächten ist dem Kolon Sch. hier aus seinem Garten eine größere Quantität Bohnen entwendet. Von dem Diebe fehlt bis jetzt noch jede Spur. #i Belke-Steinbeck, 27. Aug. Besitzwechsel. Die frühere Gastwirt Kenter'sche Besitzung hier ist heute im Wege der Zwangsversteigerung von dem Kolon Julius Lindemann hier zum Preise von 11600 Mk. käuflich erworben worden. *∆ Eilshausen, 27. Aug. Auszeichnung. Herrn Werkmeister Vahle, welcher 30 Jahre bei der Firma Kranefuß u. Mier thätig ist und während dieser Zeit stets großen Pflichteifer gezeigt hat, überreichte jetz: Herr Amtmann von der Schulenburg nach einer herzlichen Ansprache das Allgemeine Ehrenzeichen. a Bischofshagen, 27. Aug. Wechselfälschung. Der Handelsmann Heinrich Gößling hier hatte im Januar einen Wechsel über 500 Mk. gefälscht und in Zahlung gegeben. Schaden ist nicht entstanden, weil der Wechsel gedeckt worden ist. Die Bielefelder Strafkammer erkannte heute gegen Gößling unter Zubilligung mildernder Umstände auf 1 Monat Gefängnis. Provinz und Nachbarstaaten. * Oeynhausen, 27. Aug. Feuer. Gestern nachmittag entstand in den Kellerräumen der Kolonialwarenhandlung H. Gerstmeyer, Portastr. 1 hier, Feuer. Wie nach der Westf. Zig. verlautet, ist durch unvorsichtige Handhabung eines Lichtes ein Spiritusbehältnis explodiert und dadurch das Feuer entstanden. Durch das Eingreifen der Feuerwehr ist ein größerer Schaden verhütet und das Feuer auf die Kellerräume beschränkt worden. * Lengerich, 27. Aug. Von der ProvinzialIrrenanstalt war eine geisteskranke Frau bei einer hiesigen Familie in Pflege gegeben. Die Frau ist nun mit einem einRoman von Dora Duucker. (31. Fortsetzung.)—(Nachdruck verboten.) Sie stieß ihn mit Gewalt von sikh. Ein unbeschreibliches Gefühl von Ekel erfüllte sie.„Niemals— nie— werde ich Dich lieben— hörst Du, nie.— Sprich mir nie wieder davon—“ Er holte tief Athem. Dann sagte er eiskalt:„So wird Dein Vater das Blatt nie zurückerhalten.“— „Ehrloser!“ „Weib!“ „Geh!“K An der Thür wandte er sich noch einmal um und sah sie höhnisch an. „Und wenn Dein Vater daran stirbt?“ Sie antwortete nicht, ja, sie sah sich nicht einmal nach ihm um. Sie war an ihren Toilettentisch getreten und kühlte mit einem feuchten Tuch die brennende Haut. Rudolf stampfte mit dem Fuß auf und murmelte eine Verwünschung zwischen den Zähnen. Dann machte er kurz Kehrt und stieg die Treppe zu den Gesellschaftsräumen hinunter. Eine Viertelstunde später folgte ihm Anna. Niemand hätte ihr anzusehen vermocht, was sie soeben durchgemacht. Keine zuckende Fiber verrieth das empörte Blut. Klar und still waren Blick und Antlitz. Nur ein wenig bleicher noch als gewöhnlich sah sie aus. Die Gesellschaft, die sich in ihrem Hause versammelt hatte, war Anna völlig fremd. Es waren merkwürdige Elemente, die sich da in buntem Durcheinander zusammen gefunden hatten. Jener fragwürdige Bodensatz, den jede Großstadt aufzuweisen hat. Rudolfs junge Frau, welche die Anwesenden heute zum ersten Mal sahen, hatte bei ihrem Eintritt stürmische Bewunderung erregt. Bald aber war man der schweigsamen, ernsten Schönheit überdrüssig geworden, die sich über keinen, noch so gewagten Witz amünren wollte, während alle andern Damen sich vor Lachen schüttelten, welche die zudringlichsten und die chevalereskesten Huldigungen mit dem gleichen abweisenden Blick zurückwies, die scheinbar weder Gefallen an den Kunststücken eines ebemeligen Aavellmeisters noch an den Vorträgen zweier berühmter Bratenbarden fand, ja die— man hatte es deutlich gesehen und heftig gemißbilligt— die entzückende, kleine Chansonettensängerin mit einem Blick entrüsteter Verachtung gestraft, und ihr den Rücken, wahr und wahrhaftig den Rücken, gewendet hatte, nachdem die pikante Kleine eines ihrer bezaubernden, lockeren Lieder zum besten gegeben, welches die ganze übrige Gesellschaft zu fanatischem Jubel hingerissen hatte. Mein Gott, welch' ein Bild von Stein! Welch eine prüde, langweilige Schönheit hatte sich Rudolf da aufgehalst! Wie kam er nur dazu? Er, ein Lebemann und Frauenkenner par excellence? „Vielleicht hat sie Geld?“ „Keine Spur— ihr Vater soll ein gänzlich verarmter oder gar total verschuldeter, höherer Beamter sein.“ „Daher auch die Airs, die sie sich giebt.“ Bah, man hatte es ja am Ende nicht nöthig, sich um sie zu kümmern. Waren ja doch genug andere amüsante Weiblein zur Stelle, die nicht jedes Wort und jeden Blick auf die Goldwaage legten. Da sich schließlich auch gegen die Verpflegung nichts sagen ließ— das Buffet war großartig und die Weine excellent— konnte man die prüde Schöne schon mit in den Kauf nehmen. Au fond— sie störte ja das Vergnügen nicht gerade— glücklicherweise auch das des Allerweltkerls, ihres Mannes, nicht, an dessen Seite man sie den ganzen Abend über noch kein einziges Mal bemerkt hatte. Erst nach dem luxuriösen Souper, nachdem der Sekt schon mehr als reichlich geflossen war, hatte die Gesellschaft Gelegenheit, das Ehepaar zum ersten Male beieinander zu sehen. Es schien, wenigstens von Seiten Rudolfs, ein erregtes Gespräch geführt zu werden. Wahrscheinlich hatte die Frau irgend eine Dummheit gemacht. Sein erhitztes Gesicht hatte einen finstern, beinahe drohenden Ausdruck angenommen. Die Frau dagegen war sehr bleich und von gefaßter Entschlossenheit. Sie schien jedenfalls weder Furcht noch Gewissensbisse zu empfinden. Die ganze Unterredung hatte nicht länger als fünf Minuten gedauert. Dann hörte einer der in der Nähe stehenden Lauscher die blasse Frau sagen:„Ich fahre sofort. Man würde nicht nach mir schicken, wenn nicht Gefahr im Verzuge wäre. Entlaß Deine Gäste und folge mir mit dem Bewußten.“ Dann hatte es geklungen, als ob Rudolf der jungen Frau ein Wort der Verwünschung nachgerufen hätte, aber das konnte ein Irrthum gewesen sein, denn in demselben Augenblick hatten die beiden Bratenbarden ein zweistimmiges Couplet begonnen, das man zur Zeit in jedem Tingeltangel hörte. Anna hatte sich nicht Zeit gelassen, sich umzukleiden. Nur einen dunklen Mantel hatte sie sich von der bestürzten Marie umwerfen lassen, hatte einen leichten Schleier über das Haar geschlungen und war eilenden Fußes die Treppe hinuntergestiegen. Marie war ihr bis auf die Straße gefolgt. „Soll ich nicht lieber mitfahren, gnädige Frau? Wenn der Herr Rath so schwer krank sind, könnte ich doch vielleicht von Nutzen sein— und so allein wollen gnädige Frau den weiten, dunklen Weg bis hinaus machen?“ Anna war schon in eine der Droschken gestiegen, die in langen Reihen vor dem erleuchteten Hause Posto gefaßt hatten. „Nein, nein, Marie— lassen Sie— es ist besser so. Aber wenn Sie mir gefällig sein wollen, gehen Sie sofort zum Herrn hinauf und sagen Sie ihm, daß ich ihn bestimmt erwarte und er möge das Besprochene um keinen Preis vergessen! Vergessen Sie das Letzte nicht.“ Das Pferd hatte schon angezogen. Das Rollen der Räder verschlang die Antwort des guten Mädchens. Anna lehnte sich erschöpft zurück. Sie war auf das Schlimmste vorbereitet. Sie war fest überzeugt, daß ihre Mutter sie nicht hätte von der Gesellschaft abrufen lassen, wenn es mit dem Vater nicht zum Salimmsten stände. Kein Zweifel, daß nur Rudolfs ehrlose Handlungsweise, die quälende Angst nach dem immer wieder verweigerten Zeugniß seiner Schuld, den alten, schon zuvor gebrochenen Mann an die Schwelle des Grabes gebracht hatten. Anna legte das Haupt in die Hände und stöhnte laut. Die Droschke hielt. Sie war am Ziel. Anna zog leise die Klingel an der Thür der elterlichen Minna öffnete. Ihr Gencgt war von Thranen ganz verquollen. Gott sei Dank, daß Sie da sind Fräulein Anna— lährigen Kinde der Pfleger plötzlich verschwunden und alle Lkachforschungen nach ihr und dem Kinde blieben bish e(Kr. Gardelegen,, 27. Aug. Schwerer Einbruchsdiebstahl. In der hiesigen Molkerei ist in *er Nacht ein Einbruch verübt worden, bei dem der Kimlich zehn Zentner schwere Geldschrank aus dem Bureau gestohlen wurde. Wie sich herausgestellt hat, haben Die Einbrecher die Schmiede des Schmiedemeisters Schulz erLrochen und sich dort mit Handwerkszeug, wie Meißel und Hammer, ausgestattet. Sodann haben sie sich einen Handwagen zu verschaffen gewußt, auf dem sie ihren Raub zu anshartieren heabsichtiaten. Im Bureau der Malkerei selbst Diesen Augenblick will Wagner abgepaßt haben, um sich durch die offen gebliebene Thür heimlich in die Villa zu schleichen. Auf dem Flur stand ein Schrank und darin lagen zwei Uhren, die dem verstorbenen Justizrat Ißuier gehört hatten, welche er sich aneignete. In diesem Augenbück, so erzählte Wagner, sei die alte Frau, veranlaßt durch das Geräusch, das er gemacht, aus dem Garten ins Haus zurückgekehrt, habe, als sie den Eindringling bemerkte, die Hände erhoben und laut um Hilfe gerufen. Wagner, der lediglich einen Diebstahl beabsichtigt haben will, ist durch das Geschrei in Aufregung und Wut geraten und will nun Frau Ißmer mit der geballten Faust niedergeschlagen haben. Daß er ein Instrument zu der That gebraucht habe, bestreitet der Verbrecher. Er will Unterhaltungs-B zur Herforder Zeitung für Stadt und Land. Generalanzeiger für den Kreis Herford. Verantwortl. Redakteur: Paul Sattler. Herford, 28. August 1902. Druck u. Verlag: Christian Quentin. Der Erbe von Esmond-Hall. Kriminal=Roman von Ernst Riemann. Fortsetzung. 8. Kapitel. Nachdem die Arbeiter ihre Aufgabe vollendet, entfernten sie sich in Begleitung des Polizisten wieder leise aus dem Zimmer, aber Doktor Ruland folgte ihnen nicht. Er war ein Freund der Familie, aber wäre er dies auch nicht gewesen, so hätte er an dem Ausdruck in des Farmers Zügen gesehen, daß seine Anwesenheit hier nothwendig sei. „Das ist eine traurige Geschichte, alter Freund,“ sagte er sanft, seine Hand auf des alten Mannes Schulter legend. „Der einzige Trost ist, daß der arme Junge nichts zu leiden hatte, der Tod trat augenblicklich ein. Es war ein grausamer Schlag!“ Der Farmer richtete seine trüben Augen auf das gütige, theilnehmende Gesicht des Arztes. „Ein grausamer Schlag!“ wiederholte er schwach;„ja, aber ich habe einen noch grausameren zu ertheilen! Ich muß zu meinem Kinde gehen, und ihm das Herz durchbohren!“ Doktor Ruland war überrascht.„Fräulein Meta! Sie weiß es noch nicht? Armes Kind, es muß ihr vorsichtig beigebracht werden,“ fügte er bei.„Aber nicht durch Sie, Herr Redburn, Sie sind nicht stark genug.“ „Durch mich, ihren Vater, der sie liebt,“ stammelte der arme Mann.„Wer könnte es so vorsichtig thun? Und sie muß es jetzt erfahren, jeden Augenblick könnte sie herunter kommen— der Schreck— würde— sie— tödten.“ „Bleiben Sie hier, alter Freund,“ bat der Doktor ernsthaft, aber seine Hand von sich abschüttelnd, machte Metas Vater einige Schritte nach der Thür zu. Er glaubte, seine Tochter werde am besten ertragen, von ihm selbst die grausame Nachricht zu hören, und so stählte er sich zu seiner schrecklichen Aufgabe mit dem Heroismus eines Märtyrers, der seinen letzten Gang antritt. Von Renate und dem Doktor gefolgt, wankte er aus dem Zimmer, während Esther noch einen Augenblick zurückblieb, um die Blenden herabzulassen und dann die Thür sorgfältig abzuschließen. Durch die Halle, bis an den Fuß der Treppe schleppte sich der alte Mann, dann aber überwältigte ihn seine Schwäche. Der Doktor fing den Wankenden auf und geleitete ihn bis zu einer, in der Nähe befindlichen, eichenen Bank; ihm selbst wurden die Augen feucht, als er den Schmerz des Vaters in dessen verzweifelten Blicken las. Mit einem plötzlichen Impuls sank Renate an seiner Seite auf die Knie und erfaßte seine schlaffe Hand. „Laß mich gehen, lieber Onkel,“ bat sie zitternd;„ich will es Meta sagen. Ich werde sehr zart und sanft mit ihr sein, wir lieben einander ja so innig. Laß mich gehen, erspare Dir diesen furchtbaren Gang.“ Eine kurze Pause trat ein, während welcher der alte Mann nach Worten suchte, dann sprach er sehr schwach: „Du wirst sehr liebevoll mit ihr sein, ich weiß es, mein Kind, ich habe es in dieser letzten, bittern Stunde erfahren. So gehe denn zu ihr, sage ihr, daß sie um meinetwillen stark sein muß, da ich es nicht sein kann! (Nachdruck verboten.) Und wenn sie in Ohnmacht fällt, laß sie von Deinen Armen umschlungen, an Deinem treuen Herzen wieder zum Bewußtsein erwachen— wie ich es that, Renate.“ So ergreifend diese Worte an sich schon waren, so wurden sie es noch doppelt durch den Ton, in welchem sie gesprochen wurden. Als der alte Mann geendet, legte er einen Moment wie segnend seine beiden zitternden Hände auf Renates gebeugtes Haupt. Dann erhob sich das junge Mädchen leise, drückte einen Kuß auf des Onkels Stirn und wandte sich stumm der Treppe zu. Esther folgte ihr und entfernte hastig die befleckte Schürze, welche Renate in ihrer Bestürzung abzulegen vergessen hatte. „Fräulein Meta würde erschrecken,“ murmelte die Alte und Renate nickte, vor dem blutbefleckten Kleidungsstück zurückschaudernd. Glücklicherweise hatte das kräftige Leinen ihr Kleid so gut geschützt, daß dessen zartes Weiß nur wenig Schaden gelitten. Als Renate die oberste Treppenstufe erreichte, blickte sie noch einmal in die Halle hinunter. Sie sah, daß ihres Onkels Augen ihr mit einem Ausdruck seltner Lebhaftigkeit folgten, sie erglänzten plötzlich ganz hell in seinemaschfarbenen Antlitz; der Doktor hielt sein Handgelenk zwischen den Fingern und schaute mit ernster, bedenklicher Miene auf ihn herab; Esther rollte die Schürze zusammen und benetzte sie mit ihren Thränen. Als das junge Mädchen außer Sicht kam, schlossen sich ihres Onkels Augen, sein Kopf fiel schwer zurück, er war ohnmächtig geworden. „Das ist gut,“ murmelte der Doktor, ihn auf die Bank umlegend;„es wird ihn vielleicht vor einem Schlagfluß bewahren.“ Inzwischen ging Renate mit heftig pochendem Herzen den Korridor entlang an Metas Zimmer und klopfte ohne Zögern leise an die Thür. Keine Antwort erfolgte, und sie wiederholte ihr Klopfen, aber mit dem gleichen Resultat. Nun drückte sie auf die Klinke, diese gab nach, die Thür war nicht verschlossen. Leise trat sie ein; nichts regte sich im Zimmer, und befremdet über Metas langen Schlaf an einem solchen Morgen, wandte sie sich nach dem Bett, mit Staunen sehend, daß dieses leer war. Sie trat näher heran und bemerkte, daß die hübsch gestickte Decke glatt gestrichen lag: auch die feinen Leinentücher waren unberührt. Sollte Meta so frühzeitig aufgestanden sein und ihr Zimmer vor dem Verlassen in Ordnung gebracht haben? Aber dann hätte Renate sie doch sehen müssen, dachte diese, und von einer unbestimmten Angst ergriffen, wandte sie sich um und blickte forschend im Zimmer umher. Es befand sich in leichter Unordnung, gerade, als ob Jemand sich hastig angekleidet und unmittelbar nach vollendeter Toilette entfernt habe. Das blaue Battistkleid, das Meta am vergangenen Tage getragen, lag auf dem Rohrsessel; ein Gürtel mit silbernen Schnallen war zu Boden gefallen, daneben auf der japanischen Decke lag ein Taschentuch. Renate lief an den Kleiderschrank und öffnete ihn mit zitternder Hand. Das weiße Brautkleid war zur Stelle, „Na ja, bei den Schulden, die er gehabt hat, ist das begreiflich!“ Der spekulative Bettler. A.:„Sag amal, Spezi, wie fangst Du's nur eigentlich an, daß D’immer was kriagst?“ — B.:„I paß auf, wo der Geldbrieftraga'nein ganga is — nacha giebts scho' was!“ Standesamtsnachrichten für den Kreis Herford. Amt Enger. Nachrichten vom 7. bis 26. August 1902. Geburten. Ein Sohn: dem Tischler Friedrich Wilhelm Hermann Vogelsang=Dreyen Nr. 63, Handarbeiter Johann neirerenger bei Nr. 1, Zigarrenarbeiter Kaspar Kr. 74, Buchbinder Johann Heinrich aße Nr. 206, Zigarrenarbeiter August Bielefelderstraße Nr. 199, Zigarrendertubbesing=Westerenger bei Nr. 33, Zilhelm Gustav Düsdieker=Herring= ensortierer Wilhelm Heinrich BenteKr. 167, Tischler Hermann Heinrich iße bei Nr. 217. Zigarrenarbeiter „Enger, Burgstraße Nr. 247, HandBerg=Belke=Steinbeck bei Nr. 10, Laschitza=Enger, Bielefelderstraße rischler Friedrich Wilhelm Hermann , H a n d e l s m a n n F r i e d r i c h W i l h e l m ufen bei Nr. 95, Schäfer Friedrich hen Nr. 61, Zigarrenarbeiter Kaspar i Nr. 5. r Caspar Hermann Heinrich Altebei Nr. 15 mit Zigarrenarbeiterin kathilde Müller=Enger, Bielefelder Zig.=Arb. Friedrich Wilhelm Franz 3 mit Zigarrenarbeiterin Anna Marie ck Nr. 39, Bäcker Carl Friedrich Radewigerstraße Nr. 28 mit der elmine Vormbrok=Iselhorst Nr. 110, dermann=Cöln, Jahnstraße Nr. 19 dine Wilhelmine Böttcher Bremen, enarbeiter Hermann Heinrich Kleire62 mit Zigarrenarbeiterin Anna sterenger Nr. 37, Schneider August inghaufen Nr. 84 mit CigarrenMarie Meier=Herringhausen Nr. 66; „Dreyen Nr. 13 mit der gewerbinn=Ahle Nr. 19, Kolon Johann dreyen Nr. 8 mit Dienstmagd Alig=Dreyen bei Nr. 24. ust Florenz Willmann=Herringhausen Narie Olga Holzgräfe=Besenkamp bei hanne Auguste Aßbrok=Enger, OpferI., Witwe Anna Marie Ilsabein nkamp bei Nr. 6, 59 I. Witwe rlich=Enger, Leinenbrink Nr. 9. 88 ete Ilsabein Wefelmeyer geb. Winkel71 I., Handarbeiter Caspar Wilisen Nr. 19. 82 J., Hermann Heinrich 5. 1 J. alt. de richt vom 28. August. des Vortages: 19,1°. der Nacht: 9,90 11,90 „ 17,60 vorm.: 755,6 mm. shöhe: 0.6 mm. W. Himmel: Heiter. n Ihr vorm en er Wetter. südwestlichen Winden bewölkt, usammenkunft. s Rom wird hierher berichtet, daß Gegenbesuches in Rom bei seiner mit dem Kaiser Franz Josef zuFür die Auffindung der fehlenden Primus"=Katastrophe Verunglückten ng ausgesetzt. rer Verdacht. Der Makler Schröder steht im urch gefälschte Wechsel im Betrage st zu haben. Er wurde verhaftet. e eines Anarchisten. nläßlich der Durchreise des Königs dau ein italienischer Anarchist verder zu der Eltern Schlafzimmer fuhrre. Das suwerr Leidenkleid rauschte hinter ihr her. ### Eine grünverhangene Lampe erhellte das Zimmer nur G.Nürftig. Die Mutter kniete weinend am Bett des Vaters. stand an dem altmodischen, runden Mahagonitisch und nichte in einem Wasserglase einen Trank zurecht. stöhnend kam ihr Name von des Sterbenden Lippen. wird gleich hier sein, mein Karl.“ „Da ist sie schon!“ Anngmar am Bett neben der Mutter niedergesunken und ##tl., dir aepeig auf des Vaters schlaff herabhängende Rechte bedrückt. Ein Ausdruck der Befriedigung glitt über sein verherrtes Gesicht. Er machte eine schwache Bewegung mit der band gegen die Mutter und Grete Alle— fort— Anna bleiben,“ stammelte er. " Die Räthin erhob sich seufzend und verließ mit Grete das Ammer Fortsetzung folgt. des auffallend ausgefuhrte Platat: Lady Raglan in ihrer vollständigen Krönungstoilette, mit der Adelskrone auf dem Haupt, mit ihren Orden und Auszeichnungen, mit allen ihren Diamanten zu sehen von 5 bis 7 Uhr in Beckenham. Der Eintrittspreis beträgt drei Pence: um weitere drei Pence kann man am Thee teilnehmen. Das Erträgnis ist dem Hospital in Beckenham gewidmet. Lustiges Allerlei. Unter Freundinnen. Ella:„Ich versichere Dir, Emma, mein Mann wäre heute nicht mehr unter den Lebenden, wenn ich ihn nicht erhört hätte!"— Emma: Burenführer. Trotz der gegenteiligen Versicherung der Burenführer gilt als sicher, daß sie die Reise nach Europa nicht ausschließlich antraten, um Gelder für die verarmten Burenfamilien zu sammeln, sondern um ernstlich in London über die autonome Stellung der früheren Burenstaaten zu verhandeln. Reitz betreibt persönlich und im Gegensatze zur Anschauung der übrigen Burenführer eine Massenauswanderung der Buren nach Madagaskar. Verantwortlicher Redakteur: Paul Sattler für den Inseratenteil verantwortlich: Georg Bese, Druck und Verlag: Coristian Quentin, sämtlich in Herford. (Redaktion und Expedition: Brüderstraße 21, am Gehrenberg.) *• a n Zur Ermordung der Missionare in China. Es scheint, daß außer der Ermordung der Herren Bruce und Lewis von der„China Inland Mission" in Chenchau in der Provinz Hunan auch das chinesische Postamt dieses Ortes zerstört und der Postmeister mißhandelt wurde. Die Ursache des Ausbruches soll das Herrschen der Cholera in der Provinz sein, indem die Eingeborenen behaupten, daß die Fremden die Brunnen vergiftet hätten. Herforder Kreisnachrichten. (Mitteilungen von allgemeinem Interesse sind uns stets willkommen und werden auf Wunsch honoriert.) Herford," Kronleuchter für die Petr Kronleuchter für die neue reformierte Ki Werkstatt des Herrn Metzler fertig gestellt Vollendung entgegen. Sie sind ein schön schlosserarbeit und stellen dem Verfertiger nis von seiner Leistungsfähigkeit auf dem schmiedearbeit aus. Die in Kupfer getrie deten Leuchter, welche Professor Schneide hat, sind nach ihrer Vollendung geradezu werke, ausgeführt in reinem gotischen unter ihnen erhält achteckige Form bei eir 3 Meter. Das Außenband desselben u äußerst fein ausgearbeiteten achteckigen und werden unter dasselbe 32 elektrische angeordnet. Die für die Leuchter notw dungen sind in der Schlosserei des Herrn Diese Arbeiten geben zugleich einen ne von der Leistungsfähigkeit des hiesigen K ** Von heute an sind Festor weihung der reformierten K handlungen Menckhoff, Pettkamp und A Kirchmeister Falk auf der Stadtkasse für Sie enthalten alle Gesänge und näheren Feier. Es ist daher sehr wünschenswert, im Besitze einer Festordnung ist. ** Zum Besten des Kaiser Fri Bertram aus Hannover übertragen, der das billigste Angebot machte. Nun bestehen schon seit etlichen Wochen zwischen den Arbeitern und dem Unternehmer Zahlungsdifferenzen. Die Arbeiter haben ihren Lohn nicht vollständig erhalten. Bertram hatte versprochen, am 12. Juli alles zu bezahlen. Statt dessen machten gestern die armen Leute die Wahrnehmung, daß der Unternehmer von hier verschwunden ist. Gegen mittag meldete aus Stettin ein Telegramm, das Geld werde um 4 Uhr nachmittags in Frankfurt sein. Um 7 Uhr abends wurden 1800 Mk. von Stettin telegraphisch angewiesen. Die Arbeiter konnten aber wiederum nur eine Abschlagszahlung erhalten. Zum größten Teil sind es Deutsche, etwa 20 Mann sind Italiener. Zu tumultuarischen Szenen ist es nicht gekommen: unrichtiger Quittungskarten und Papiere 3 Tage Haft.— beiter Heinrich B. hier war angeklagt, dem Maurerlehrling E. gehörige Stiefel entwendet zu haben; der Einrede des Angeklagten, er habe, weil die Stiefel auf einer Müllkiste gestanden hätten, geglaubt, dieselben sollten zusammen mit dem Müll fortgeschafft werden, wurde Glauben geschenkt. Es erfolgte Freisprechung.— Gleichfalls freigesprochen wurde die Witwe Anna K. hier, welche durch polizeilichen Strafbefehl mit 19 Mk. Geldstrafe bestraft worden war, weil sie ihre Kinder in vielen Fällen nicht zur Schule geschickt haben sollte. Die Angeklagte konnte nachweisen, daß sie ihre Kinder stets zum Schulbesuch angehalten, dieselben sogar oft selbst hingebracht habe, die Kinder aber immer wieder fortgelaufen waren.— Der Tischler Herm. a wurden jetzt von Herrn G. A. Schwarz Mk. gespendet; auch übernahm es Herr S bei seinen Angehörigen hier weilt, eine deutschen Klubs 2c. in Amerika in Zirkula lobenswert ist es, daß Herr Schwarz fort Interesse für seine Vaterstadt bekundet. ! Schlachthofkommission. Die hauses mit Eisbereitung wurde in der Schlachthofkommission grundsätzlich beschlo das Schwefligsäuresystem und als Betrieb gasanlage in Aussicht genommen. Am Bahnhof sind jetzt die für einen Teil der neuen Straße wiedera ** Sonderzug nach Düsseldorf der Königl. Eisenbahndirektion Hannover „Amtlichen Anzeigen“ wird am Sonnabe Berlin ein Sonderzug nach Düsseldorf a hält auch in Herford und zwar fährt 1 Uhr 42 Min. nachmittags ab. Im ü auf die diesbezügliche Bekanntgabe der E — Auf das Konzert des Biel Orchesters, das für morgen, Freitag aber hofe bevorsteht, weisen wir hiermit noch Wir dürfen wieder einen hohen Kunstgeni lich ist der Besuch so zahlreich, daß uns herrlichen Darbietungen erhalten bleiben. = Aehnlich wie in Herford. bei einer Submission. Die„Fr kürzlich folgende Illustration zu diesem Spitzmarke„Nicht zahlungsfähig":„Vor waltungsgebäude in der Poststraße wartet 12. Juli) stundenlang etwa 120 Arbeiter ihres Lohnes. Ein Berichterstatter melde Die Königl. Eisenbahnverwaltung hatte Geleise=Umbau Hauptbahnhof auf dem geben. Die Arbeiten wurden dem Bau Sumpfland Roman von Dora Dun (31. Fortsetzung.)"— Sie stieß ihn mit Gewalt von sich. Gefühl von Ekel erfüllte sie.„Niemals Dich lieben— hörst Du, nie.— Sprich mit Er holte tief Athem. Dann sagtee Dein Vater das Blatt nie zurückerhalten. „Ehrloser!“ „Weib!“ „Geh!“ An der Thür wandte er sich noch sie höhnisch an. „Und wenn Dein Vater daran stirbt Sie antwortete nicht, ja, sie sah sich: um. Sie war an ihren Toilettentisch mit einem feuchten Tuch die brennende H mit dem Fuß auf und murmelte eine Vi den Zähnen. Dann machte er kurz Kehrt zu den Gesellschaftsräumen hinunter. Eine Viertelstunde später folgte ihm 2 ihr anzusehen vermocht, was sie soeben zuckende Fiber verrieth das empörte Blut. waren Blick und Antlitz. Nur ein wenig gewöhnlich sah sie aus. Die Gesellschaft, die sich in ihrem Hause versammelt hatte, war Anna völlig fremd. Es waren merkwürdige Elemente, die sich da in buntem Durcheinander zusammen gefunden hatten. Jener fragwürdige Bodensatz, den jede Großstadt aufzuweisen hat. Rudolfs junge Frau, welche die Anwesenden heute zum ersten Mal sahen, hatte bei ihrem Eintritt stürmische Bewunderung erregt. Bald aber war man der schweigsamen, ernsten Schönheit überdrüssig geworden, die sich über keinen, noch so gewagten Witz amünren wollte, während alle andern Damen sich vor Lachen schütlelten, welche die zudringlichsten und die chevalereskesten Huldigungen mit dem gleichen abweisenden Blick zurückwies, die scheinbar weder Gefallen an den Kunststücken eines ebemeligen Navellmeisters noch an den Vorträgen zweier aber ein dunkelblaues Kostüm, Metas Reisekleid, fehlte, und eine entsetzliche Angst schnürte ihr die Brust zusammen. In der nächsten Minute jedoch machte sie sich ärgerliche Vorwürfe darüber, und fing an, planlos im Zimmer umher zu gehen. Die Bilder hingen, wie gewöhnlich, an den Wänden; ihres Onkels ernstes und doch gutes Gesicht, Georgs schöne, sonnige Augen schauten auf sie herab; die Bücher waren an ihrem Platz, die alterthümlichen Porzellanfiguren standen wie immer auf dem breiten Kaminsims. Renate näherte sich dem Toilettentisch; die Kämme und Bürsten waren durcheinander geworfen, einige verwelkte Blumen lagen auf der gestickten Decke, aber etwas fehlte an seinem gewohnten Platz: ein kleines Porträt von Metas Vater, das stets neben dem Spiegel gestanden. Was sollte dies bedeuten? fragte sich Renate, deren Bestürzung mit jeder Minute größer wurde. Sie verließ das Zimmer und suchte in den andern Räumen nach ihrer Kousine, aber alle waren keer, nirgends war eine Spur von ihr zu entdecken. Zu Tode geängstigt schlich Renate die Hintertreppe hinunter, lief um das Haus herum und verschaffte sich durch das niedrige, offen stehende Fenster Zutritt in das Besuchszimmer, wo sie am vorhergehenden Tag die Geschenke so zierlich aufgebaut hatte. Es war möglich, redete sie sich ein, daß Meta gestern Abend hierher gegangen war, um ihre Schätze noch einmal zu betrachten; vielleicht war sie vor Uebermüdung und Aufregung ohnmächtig geworden und die ganze Nacht ohne Hilfe hier liegen geblieben. Aber nein, das große, geräumige Zimmer war leer, auf den Tischen blitzte und blinkte das Silber und Krystall, als ob es der Bewunderung von Metas Hochzeitsgästen warte. Des jungen Mädchens bemächtigte sich fast ein Gefühl schmerzlicher Enttäuschung, als sie ihre Kousine nicht bewußtlos auf dem Boden liegend fand, und sie stand eine Minute wie betäubt. Dann verließ sie das Zimmer, wie sie es betreten, und suchte die Küche auf, wo zwei verstört aussehende Dienstmädchen ihre ängstlichen Fragen nach Meta mit der Versicherung beantworteten, ihre junge Herrin sei an diesem Morgen noch nicht heruntergekommen. Sie sei auch nicht in ihrem Zimmer, sagte Renate mit weißen Lippen; sie habe überall nach ihr gesucht, und fange an zu fürchten, daß etwas Schreckliches passirt sei. Die Mädchen blickten sie theilnehmend an. „Könnte Fräulein Meta auch ermordet worden sein?“ flüsterte eine der andern zu, während Renate bleich und bestürzt da stand und sich fragte, was nun zu thun sei. Doch bald raffte sie sich wieder auf und erkundigte sich, wie ihr Onkel sich befinde. Sie hörte, daß er von seiner Ohnmacht sich erholt habe, aber seiner großen Schwäche wegen noch nicht die Halle hätte verlassen können, wo der Doktor noch fortwährend an seiner Seite weile. Kaum wissend, was sie that, schritt Renate wieder langsam die Hintertreppe hinauf und suchte nochmals Metas leeres Zimmer auf. Ein entsetzlicher Verdacht zwang sich ihr auf, und obgleich sie denselben leidenschaftlich zurückwies, wurde er stärker mit jeder Minute. War Meta geflohen? hatte sie ihren Vater verlassen am Vorabend ihres Hochzeitstages— mit einem Liebhaber? Sie preßte ihre Hände gegen die klopfenden Schläfen und versuchte, sich an die Ereignisse des gestrigen Tages zu erinnern: Metas ungewöhnliche Aufregung am Nachmittag, ihre Betrübniß bei der Aussicht auf ihr neues Leben, ihre Thränen, ihre Krampfanfälle. Hatten alle diese Dinge eine Bedeurung, die sie ihnen nicht beigelegt? Hatte Meta sie Alle so grausam getäuscht? O nein, nein, nein! es war unmöglich. Und doch—— Noch einmal blickte sie sich im Zimmer um. Der große Reisekoffer stand verschlossen an der Wand, aber Metas zierliche Reifetasche, ein Geschenk ihres Vaters, war verschwunden, und diese Thatsache schien dem erregten jungen Mädchen entscheidend. Neben dem Toilettentisch sank sie auf ihre Knie und betete inbrünstig um Hilfe in dieser Stunde der Noth. Als sie sich erhob, fiel ihr Blick auf ein zusammengefaltetes Papier mit ihrem Namen, das auf dem Tische lag. Sie griff eifrig danach, öffnete es und las in Metas Handschrift folgende, durch Thränen halb verwischte Worte: „Ich konnte es nicht zu Ende führen: Ich liebe Georg nicht, sondern einen Andern. Ich kämpfte furchtbar, aber schließlich verließ mich meine Kraft. Sei gut gegen den Vater, Renate, und suche mir seine Verzeihung zu erlangen, wenn Du kannst. Sage ihm, daß ich ihn nie inniger liebte, als jetzt, wo ich ihm das Herz breche, und sollten wir einander nie wiedersehen, so denke manchmal freundlich an mich zurück! Lebe wohl!“ Als das Papier Renates zitternden Fingern entfiel, drang ein Laut an ihr Ohr, der ihr einen leisen Schrei entlockte. Vom Kirchthurm erklangen die Glocken in fröhlichem Geläute, um die Gäste zur Trauung zu rufen, die niemals stattfinden sollte! In der Verwirrung hatte Niemand auf der Farm daran gedacht, die grausige Nachricht in das zur Feier geschmückte Gotteshaus gelangen zu lassen. Jeder Glockenton schien Renate ins Herz zu treffen, während sie ganz erstarrt auf Metas Zeilen niederblickte. Wie konnte sie es ihrem Onkel sagen? Wie konnte sie es ihm beibringen, daß die Tochter, die er so zärtlich liebte, ihren Verlobten verrathen und am Vorabend ihres Hochzeitstages aus dem Hause geslohen sei?——— (Fortsetzung folgt.) Ihr Junge. Novellette von A Neuschütz. (Nachdruck verboten.) In dem altmodischen Lehnstuhl hinter dem großen Kachelofen saß es, das gute, alte Mütterchen mit dem runzeligen Gesicht und dem treuherzigen Blick; die mächtige Wollhaube auf dem weißen Kopf, die große Hornbrille auf der Nasenspitze. Auf ihrem Schooße lag, aufgeschlagen, die große, uralte Bibel, und zum unzähligsten Male buchstabirte sie den in dem heiligen Buche sorgfältig aufbewahrten Brief ihres Adolphle, ihres Einzigen, und wie Verklärung ging es dabei über ihr Gesicht. „.... Muatterle,“schrieb der Adolph, und heller Jubel klang aus den Zeilen,„i bin g'avanciert... a Großa bi i g'worda moi Muatterle, a Großa... und d'Soldata messe jetzscht Herr Corporal z'me sage'. Des hättscht' wohl nimma denkt, sell aus dema Adolphle mal so ebbes werde könnt', gelt Muatterle?— I hab's au net denkt.— Und auf Dein Namenstag komme i dahoim z'mei Muatterle un bring' em ebbes mit. Wirscht Di froie so ebbes Liabs und Scheens, was D'r scho lang g’wünscht hoscht. Bloib nor hübsch g'sund un munter, dees ma so a recht's vergnüegt's Fäscht foire könne....“ Sie legte den Brief zusammen und faltete, von Rührung übermannt, andächtig die Hände, wobei ihr die hellen Thränen über das Gesicht liefen.„Du Herrgottle da drobe, i dank D'r au vialmals, des D'mi die Herzensfroid erläba läscht, a moi Jungle, a moi liaba Büeble.“ Ja, sie hatte immer Freude an ihm gehabt, er war ein aufgeweckter Bursche gewesen von frühester Kindheit an. Damals, als das Unglück über sie hereinbrach, als man ihren Mann todt hereinbrachte... Er war Herrschaftskutscher gewesen droben auf dem Schlosse,— und die Pferde waren durchgegangen,— und er hatte dabei, vom Bock geschleudert, frühzeitig einen jähen Tod gefunden; sie wollte schier verzweifeln, und glaubte, es nimmer tragen zu können.—— da legte sich eine kleine Hand auf ihren Arm, und die blauen Augen ihres Kindes blickten bittend zu ihr auf. „Muatterle,“ hatte der Kleine— er war damals sechs Jahre alt— tröstend und zuversichtlich gesagt,„mueßt net so greina, schau, i bi jo no da, und wenn i groß g'worda bi, da will i scho für Di arboite, dees D' nimma selba z'schaffa brauchscht“ Wie reich und glücklich war sie doch trotz aller Armuth, ein solches Kind zu besitzen! Sie fand nach dem Unglücksfalle Arbeit und Verdienst auf dem Schlosse, woselbst sie vor ihrer Verheirathung mit ihrem Seligen viele Jahre zusammen gedient. Die kleine Baronesse spielte und verkehrte mit ihrem Knaben wie mit ihresgleichen; sie wuchsen fast zusammen auf. Als der Adolph konfirmirt war, nahm ihn der gnädige Herr als Diener zu sich; späterhin wurde er, wie sein Vater, Kutscher. Dann kam die Soldatenzeit. Zwei Mal war er zurückgestellt, das dritte Mal nahmen sie ihn. Die Mutter war außer sich, sie glaubte, es müsse ihrem Adolphle ein Leid geschehen, wenn sie nicht immer bei ihm sein konnte; sie würden Beide vergehen vor Sehnsucht, denn sie trennten sich ja zum ersten Male im Leben. Allein es half nichts, sie mußten sich Beide ins Unvermeidliche fügen. Dann wurde sie krank und arbeitsunfähig und konnte ihr kleines, Klar und bleicher noch still als gerabe— grüctticherweise ulch das des Allerweitterts, ihres Mannes, nicht, an dessen Seite man sie den ganzen Abend über noch kein einziges Mal bemerkt hatte. Erst nach dem luxuriösen Souper, nachdem der Sekt schon mehr als reichlich geflossen war, hatte die Gesellschaft Gelegenheit, das Ehepaar zum ersten Male beieinander zu sehen. Es schien, wenigstens von Seiten Rudolfs, ein erregtes Gespräch geführt zu werden. Wahrscheinlich hatte die Frau irgend eine Dummheit gemacht. Sein erhitztes Gesicht hatte einen finstern, beinahe drohenden Ausdruck angenommen. Die Frau dagegen war sehr bleich und von gefaßter Entschlossenheit. Sie schien jedenfalls weder Furcht noch Gewissensbisse zu empfinden. Die ganze Unterredung hatte nicht länger als fünf Minuten gedauert. Dann hörte einer der in der Nähe stehenden Lauscher die blasse Frau sagen:„Ich fahre sofort. Man würde nicht nach mir schicken, wenn nicht Gefahr im Verzuge wäre. Entlaß Deine Gäste und folge mir mit dem Bewußten.“ Räder verschlang die Antwort des guten Mäochens. Anna lehnte sich erschöpft zurück. Sie war auf das Schlimmste vorbereitet. Sie war fest überzeugt, daß ihre Mutter sie nicht hätte von der Gesellschaft abrufen lassen, wenn es mit dem Vater nicht zum Salimmsten stände. Kein Zweifel, daß nur Rudolfs ehrlose Handlungsweise, die quälende Angst nach dem immer wieder verweigerten Zeugniß seiner Schuld, den alten, schon zuvor gebrochenen Mann an die Schwelle des Grabes gebracht hatten. Anna legte das Haupt in die Hän. und stöhnte laut. Die Droschke hielt. Sie war am Zier., Anna zog leise die Klingel an der Thür der elterlichen Minna öfnete. Ihr Gescht war von Thränen ganz verGott sei Dank, daß Sie da sind„Fräulein Anna— igen Kinde der Pfleger plötzlich verschwunden und alle hforschungen nach ihr und dem Kinde blieben bisher erolos. ..* Wiepke(Kr. Gardelegen), 27. Aug. Schwerer . Fruchsorebstahl. In der hiesigen Molkerei ist in ** Nacht ein Einbruch verübt worden, bei dem der eiserne, emlich zehn Zentner schwere Geldschrank aus dem Preau gestohlen wurde. Wie sich herausgestellt hat, haben Einbrecher die Schmiede des Schmiedemeisters Schulz erLochen und sich dort mit Handwerkszeug, wie Meißel und gimmer, ausgestattet. Sodann haben sie sich einen Handgen zu verschaffen gewußt, auf dem sie ihren Raub zu Ansvortieren beabsichtigten. Im Bureau der Malkerei selbst Diesen Augenblick will Wagner abgepaßt haben, um sich durch die offen gebliebene Thür heimlich in die Villa zu schleichen. Auf dem Flur stand ein Schrank und darin lagen zwei Uhren, die dem verstorbenen Justizrat Ißuier gehört hatten, welche er sich aneignete. In diesem Augenbück, so erzählte Wagner, sei die alte Frau, veranlaßt durch das Geräusch, das er gemacht, aus dem Garten ins Haus zurückgekehrt, habe, als sie den Eindringling bemerkte, die Hände erhoben und laut um Hilfe gerufen. Wagner, der lediglich einen Diebstahl beabsichtigt haben will, ist durch das Geschrei in Aufregung und Wut geraten und will nun Frau Ißmer mit der geballten Faust niedergeschlagen haben. Daß er ein Instrument zu der That gebraucht habe, bestreitet der Verbrecher. Er will uraltes Häuschen, das, laubumsponnen, abseits vom Wege stand, nicht mehr verlassen. Da kam denn das liebe, gnädige Fräulein alltäglich vom Schlosse, brachte Erfrischungen und Unterstützungen mit und plauderte mit ihr von dem fernen Sohne, weil sie wußte, daß dies der alten Frau Freude und Erleichterung gewährte, und tröstete sie, daß die Zeit vergehen und der Adolph bald wieder bei seinem Muatterle sein werde. Und eine mitleidige Nachbarin besorgte ihre kleine Häuslichkeit. So vergingen Tage, Wochen, Monate. Dann die Freude, die grenzenlose Freude, als der Adolph zum ersten Male in schmucker Uniform auf Urlaub kam, ganz unerwartet; er wollte das Muatterle überraschen, und es war ihm voll und ganz gelungen. Sie schlug die Hände zusammen und weinte vor Freude und schüttelte in einemfort den Kopf, seinen dunklen Krauskopf immer wieder zwischen beide Hände nehmend; sie konnte sich gar nicht satt sehen. „Bischt a foina Bursch g'worda, o du moi Herrgottle, wenn des der Sel'ge d'erlebt hätte!“ Auch auf dem Schlosse hatte sich Adolph als schneidiger Vaterlandsvertheidiger präsentirt.„Dia gnä' Herrschaft kennet es sonscht übel nemma,“ meinte die Mutter. Hand in Hand waren sie durch das Dorf gepilgert; stolz und glücklich hatte es sie gemacht, als sie bemerkte, daß die Leute die Hälse reckten oder die Köpfe zusammensteckten und ihnen nachschauten. „Gelt Muatterle,“ hatte Adolph lachend gesagt,„grad' als wia zwoi Liabesleut' ganga mer daher?“ Und sie hatten sich angeschaut, gerade wie zwei solche. Auf dem Schlosse waren sie von der Herrschaft freundlich empfangen worden, und der Herr Baron hatte dem Adolph Cigarren geschankt und Geld. Und das gnädige Fräulein hatte in freudigem Staunen die Hände zusammengeschlagen und ausgerufen:„Aber, Adolph—— wie schneidig Du aussiehst!“ Sie, die Mutter, war vor Freude und Entzücken roth geworden und der Adolph dazu; dann hatten sie Alle herzlich gelacht. Am anderen Nachmittag war die junge Baronesse in das grünumsponnene Häuschen der Mutter Häberle gekommen— auf ein Plauderstündchen, wie sie sagte.„Muatterle,“ flüsterte Adolph der Mutter ins Ohr,„gang, mach halt ema Thee.“ Verdützt hatte sie ihn angesehen. Närretes Büeble—— ema Thee —— wo soll sie den gleich hernehmen? Doch lieber Kaffee!——Sie war doch keine Herrschaft, wie die droben. Da war ihr noch eingefallen, daß sie noch von dem Brustthee da habe, den sie manchmal für den Husten gebrauchte, und sie hatte schnell einen großen Topf solchen gebraut. „Mueßt an Löffle derzu gäbe,“ hatte der Adolph wieder bei Seite bemerkt. Sie sah staunend zu ihm auf. War der Jungle aba e gebildt's Loit g’worda boi de Soldata—— mit Löffle aß ma da em Thee, wia a Suppa. Verstohlen den Kopf schüttelnd, zog sie die Schublade auf. Da lagen, noch fein säuberlich eingewickelt, die schönen großen Blechlöffel, die sie einmal drinnen in der Stadt auf'm Jahrmarkt erstanden. Sie konnte sich noch heute gar nicht genug verwundern, daß es ihr geglückt war, damals einen solchen Handel zu machen. „Kaufen Se, oder laufen Se, Madamicken,“ hatte ihr der Händler ermunternd zugerufen— und sie hatte gekauft. Drei Stück zehn Pfennige. Solche schöne große Eßlöffel, so stark; die langen breiten Stiele und vorn die großen Schippen dran— für so wenig Geld. Sie legte je einen auf die alterthümlichen, buntbemalten Tassen. „Muatterle, soi et bees,“ hatte der Adolph wieder leise gesagt,„aba a Fläschle Rum g'heeret au' zu.“ Sie hätte sich vor Schreck und Erstaunen bald hingesetzt.— Rum! —— Wo sollte sie den hernehmen?— Rum— närrisches Zeug! Sie lief in ihrer Verlegenheit zum Nachbar,— der trank gern einen—, klagte ihm ihr Leid und bat sich für eine Stunde seine Schnapsflasche aus. „I will ema halt ebbes puschte!“ schrie der Mann, anfangs erbost über die ungeheuerliche Zumuthung, ließ sich dann aber zureden.„Woibse brauche koi Rum z'saufe,“ knurrte er nach einer Weile bedeutend besänftigter und höflicher, that geschwind noch einen kräftigen Zug und reichte ihr dann widerwillig die Flasche mit einem Reste vom Inhalt hin. Endlich hatte sie alle Ingredienzen zusammengebracht; ein wenig lange hatte es zwar gedauert, und beinahe athemlos hatte sie sich gelaufen— nun repräsentirte sie ihre Raritäten. Das gnädige Fräulein, welches schon im Stillen den eifrigen Vorbereitungen belustigt zugeschaut, sah nun vergnügt den ungeheuren Theetopf, den riesigen Blechlöffel, die Schnapsflasche und endlich den Adolph an; dann lachten Beide plötzlich laut und lustig auf, und sie, Mutter Häberle, stimmte mit ein; warum, wußte sie eigentlich nicht, allein die jungen Leute lachten so herzlich, daß sie mit angesteckt wurde. Der Thee blieb unberührt, das gnädige Fräulein bedauerte unendlich, gerade keinen Appetit danach zu haben, und der grimmige Nachbar erhielt zu seiner Genugthuung das„Fläschle“ mit unverkürztem Inhalt zurück. Ein Freudenschimmer ging über das liebe, freundliche Gesicht der alten Frau, als sie diese Scene an ihrem geistigen Auge vorüberziehen ließ. Mit andächtig gefalteten Händen saß sie da und blickte sinnend vor sich hin. Corporal!— Sie wiederholte es immer wieder, um es fest im Gedächtniß zu behalten, und nahm in ihrer Freude den Kopf des schwarzen Katers zwischen beide Hände:„Peterle, heerscht, Corporal isch er g'worda, unsa Goldbüeble," und Peterle, der auf der Lehne des Stuhles thronte, schien zum Zeichen des Einverständnisses noch wonniger zu schnurren. Corporal!— Droben auf dem Schlosse war'mal Einer gewesen— Corporal hatte man ihn nicht genannt, aber so ähnlich klang es auch, denn das wußte sie noch ganz genau— ein„'ral“ war daran gewesen. Dieser stattliche Herr hatte die ganze Brust mit blitzigem Zeug behängt gehabt— und jetzt— sie schüttelte in seliger Verwunderung den Kopf— jetzt war der Adolphle„au so oina.“ Ein Gedanke schien mit einem Male in ihr aufzutauchen, der ihr Gesicht förmlich verklärte. Sie erhob sich mühsam, legte die Bibel auf den Tisch und die Brille darauf, humpelte nach der alten, riesigen, bunt gemalten Truhe, die die halbe Wand der Stube einnahm, und holte ihren Sonntagsstaat hervor. Von stiller Wehmuth erfüllt, legte sie das faltenreiche, schwarzwollene Staatskleid an, ihr Brautkleid, ein Geschenk ihres Seligen, sie hielt es hoch in Ehren all' die Jahre daher und trug es, unbekümmert um die Mode, nur Sonntags zum Kirchgang auf. Mit zitternden Händen hing sie das große schwarze Umschlagtuch um— sie hatte es sich zur Trauer um ihren Mann geschafft, setzte die riesige Haube auf, die auch aus jener Zeit stammte, und begab sich, in der einen Hand ein buntes, baumwollenes Taschentuch, in der anderen einen vorsintfluthlichen Regenschirm, frohen Muthes auf die Wanderung. Ihr Weg führte sie nach dem Schlosse, mühsam bergan. Sie mußte von Zeit zu Zeit stehen bleiben und verschnaufen, denn es wehte ein scharfer, kalter Wind, der ihr das Gehen, das ihr ohnehin beschwerlich fiel, noch mehr erschwerte. Endlich hatte sie ihr Ziel erreicht. „Je, Mutter Häberle, was führt Euch denn hierher?“ fragte ein Diener verwundert, als sie in den Flur trat. „I hab' halt e Wörtle mit'm gnä Froile z'rede,“ entgegnete sie schmunzelnd und gewichtig. „So? Nun dann kommt nur mit,“ sagte der Diener lächelnd, und geleitete sie die Treppe hinauf; bei Mutter Häberle bedurfte es keiner besonderen Meldung, die war jederzeit willkommen. Die junge Baronesse lag im Schaukelstuhl in ihrem reizenden rosigen Boudoir, das, mit allerlei zierlichen Kostbarkeiten angefüllt, so recht zum Aufenthalt des jungen, schönen und verwöhnten Menschenkindes geschaffen schien. „Sieh' da, Mutter Häberle,“ sagte sie überrascht und erhob sich ein wenig aus ihrer liegenden Stellung, der alten Frau freundlich die Hand entgegenreichend,„das ist ja schön von Euch, daß Ihr mich auch einmal besucht. Bei diesem unfreundlichen Wetter hättet Ihr Euch freilich nicht herauswagen sollen...“ Sie zog einen Sesfel heran,„kommt, setzt Euch und erzählt, was Euch zu mir führt.“ Die Matrone wußte offenbar nicht, wie sie am besten beginnen sollte; sie setzte sich behutsam und umständlich auf das rothe Seidenpolster. „Nun....“ ermunterte die junge Dame, während sie klingelte und Kaffee und Backwerk bringen ließ,„nur frisch losgelegt, Mutter Häberle.“ Erst ihr Labsal, der braune Trank, schien der Alten die Zunge zu lösen und sie die rechten Worte finden zu lassen, nachdem sie bisher die theilnehmenden Fragen nach ihrem Ergehen, ihrem Gärtchen, der Ziege und dem Peterle sichtlich zerstreut beantwortete.„I bi halt vo wege moi Adolphle komme, gnä' Froile,“ sagte sie, wobei ein Freudenschein über ihre Züge ging. „So? Was ist's mit ihm— hoffentlich geht es ihm gut?“ Die alte Frau nickte eifrig.„Na und wia gnä' Fräule.“ „Das freut mich.“ „Und g'avanciart isch er, a Großa isch er g’worda, hat er g'schriebe.“ „Ah——— da gratulire ich.“ Die Baronesse schüttelte ihrem Gaste in aufrichtiger Freude die Hand,„das freut mich für Euch, Mutter Häberle. Wie weit hat er's denn nun schon gebracht, der Adolph?“ Mutter Häberle zögerte absichtlich mit der Antwort, der Ausdruck von Spannung in dem jungen, reizenden Gesicht schien sie noch nicht zu befriedigen. „Nun— Ihr macht mich neugierig— am Ende gar schon General?“ scherzte Baronesse Lotti. „Errathe— gnä Froile— errathe! Boi Dene, wo d'r Adolphle isch, hoischt es aba Corporal!" Dieses letzte Wort wurde langsam mit Nachdruck und in unendlichem Stolz gesprochen. Die junge Dame schlug die Hände in scheinbarem Erstaunen zusammen, während es um ihren Mund verrätherisch zuckte. „Na ja, bei den Schulden, die er gehabt hat, ist das begreiflich!“ Der spekulative Bettler. A.:„Sag amal, wie fangst Du's nur eigentlich an, daß D’immer was kriagst?“ :„ I p a ß a u f, w o d e r G e l d b r i e f t r a g a' n e i n g a n g a i s — nacha giebts scho' was!“ Standesamtsnachrichten für den Kreis Herford. lenger. Nachrichten vom 7. bis 26. August 1902. Geburten. Ein Sohn: dem Tischler Friedrich Wilhelm Hermann Vogelsang=Dreyen Nr. 63, Handarbeiter Johann bei Nr. 1, Zigarrenarbeiter Kaspar Nr. 74, Buchbinder Johann Heinrich aße Nr. 206, Zigarrenarbeiter August Bielefelderstraße Nr. 199, Zigarrendertubbesing=Westerenger bei Nr. 33, Zilhelm Gustav Düsdieker=Herring= ensortierer Wilhelm Heinrich BenteKr. 167, Tischler Hermann Heinrich iße bei Nr. 217, Zigarrenarbeiter „Enger, Burgstraße Nr. 247, HandBerg=Belke=Steinbeck bei Nr. 10, Laschitza=Enger, Bielefelderstraße kischler Friedrich Wilhelm Hermann , H a n d e l s m a n n F r i e d r i c h W i l h e l m mufen bei Nr. 95, Schäfer Friedrich hen Nr. 61, Zigarrenarbeiter Kaspar i Nr. 5. r Caspar Hermann Heinrich Altebei Nr. 15 mit Zigarrenarbeiterin kathilde Müller=Enger, Bielefelder Zig.=urd. Friedrich Wilhelm Franz 3 mit Zigarrenarbeiterin Anna Marie in Nr. 39, Bäcker Carl Friedrich Radewigerstraße Nr. 28 mit der elmine Vormbrok=Iselhorst Nr. 110, dermann=Cöln, Jahnstraße Nr. 19 dine Wilhelmine Böttcher Bremen, enarbeiter Hermann Heinrich Kleire62 mit Zigarrenarbeiterin Anna sterenger Nr. 37, Schneider August inghaufen Nr. 84 mit EigarrenMarie Meier=Herringhausen Nr. 66; Dreyen Nr. 13 mit der gewerbinn=Ahle Nr. 19, Kolon Johann dreyen Nr. 8 mit Dienstmagd Alig=Dreyen bei Nr. 24. ust Florenz Willmann=Herringhausen Narie Olga Holzgräfe=Besenkamp bei hanne Auguste Aßbrok=Enger, OpferI., Witwe Anna Marie Ilsabein inkamp bei Nr. 6, 59 I. Witwe rlich=Enger, Leinenbrink Nr. 9, 88 ete Ilsabein Wefelmeyer geb. Winkel71 J., Handarbeiter Caspar Wilnen Dr. 19, 82 J., Hermann Heinrich 5, 1 J. glt. be Station Herford. richt vom 28. August. des Vortages: 19,1°. n der Nacht: 9,90 Ihr vorm.: 11.90. „: 17,60 vorm.: 755.6 mm. shöhe: 0,6 mm. W. Himmel: Heiter. Wetter. en südwestlichen Winden bewölkt, Keilt, der zu der Eltern Schlafzimmer führte. Das schwere Leidenkleid rauschte hinter ihr her. Eine grünverhangene Lampe erhellte das Zimmer nur #thdürftig. Die Mutter kniete weineno am Bett des Vaters. #ete stand an dem altmodischen, runden Mahagonitisch und in einem Wasserglase einen Trank zurecht. Dumpf stöhnend kam ihr Name von des Sterbenden Lippen. „Sie wird gleich hier sein, mein Karl.“ „Da ist sie schon!“ " Anna war am Bett neben der Mutter niedergesunken und Ltte die Lippen auf des Vaters schlaff herabhängende Rechte erast. Ein Ausdruc der Vefzeodigung Ait über sein ver8 Gesicht. Er machte eine schwache Bewegung mit der gegen die Mutter und Grete. Ille— fort— Anna bleiben,“ stammelte er. " Die Räthin erhob sich seufzend und verließ mit Grete das Immer Fortsetzung folgt. des auffallend ausgeführte Plakat: Lady Raglan in ihrer vollständigen Krönungstoilette, mit der Adelskrone auf dem Haupt, mit ihren Orden und Auszeichnungen, mit allen ihren Diamanten zu sehen von 5 bis 7 Uhr in Beckenham. Der Eintrittspreis beträgt drei Pence; um weitere drei Pence kann man am Thee teilnehmen. Das Erträgnis ist dem Hospital in Beckenham gewidmet. Lustiges Allerlei. Unter Freundinnen. Ella:„Ich versichere Dir, Emma, mein Mann wäre heute nicht mehr unter den Lebenden, wenn ich ihn nicht erhört hätte!"— Emma: usammenkunft. s Rom wird hierher berichtet, daß Gegenbesuches in Rom bei seiner mit dem Kaiser Franz Josef zuFür die Auffindung der fehlenden Primus"=Katastrophe Verunglückten ng ausgesetzt. rer Verdacht. Der Makler Schröder steht im surch gefälschte Wechsel im Betrage zt zu haben. Er wurde verhaftet. e eines Anarchisten. nläßlich der Durchreise des Königs dau ein italienischer Anarchist verBurenführer. Haag, 28. Aug. Trotz der gegenteiligen Versicherung der Burenführer gilt als sicher, daß sie die Reise nach Europa nicht ausschließlich antraten, um Gelder für die verarmten Burenfamilien zu sammeln, sondern um ernstlich in London über die autonome Stellung der früheren Burenstaaten zu verhandeln. Reitz betreibt persönlich und im Gegensatze zur Anschauung der übrigen Burenführer eine Massenauswanderung der Buren nach Madagaskar. Berantwortlicher Redakteur: Paul Sattler für den Inseratenteil verantwortlich: Georg Bese, Druck und Verlag: Christian Quentin, sämtlich in Herford. (Redaktion und Expedition: Brüderstraße 21, am Gehrenberg.) Zur Ermordung der Missionare in China. Es scheint, daß außer der Ermordung der Herren Bruce und Lewis von der„China Inland Mission" in Chenchau in der Provinz Hunan auch das chinesische Postamt dieses Ortes zerstört und der Postmeister mißhandelt wurde. Die Ursache des Ausbruches soll das Herrschen der Cholera in der Provinz sein, indem die Eingeborenen behaupten, daß die Fremden die Brunnen vergiftet hätten. Herforder Kreisnachrichten. (Mitteilungen von allgemeinem Interesse sind uns stets willkommen und werden auf Wunsch honoriert.) Herford # Kronleuchter für die Pett Kronleuchter für die neue reformierte K Werkstatt des Herrn Metzler fertig gestellt Vollendung entgegen. Sie sind ein schör schlosserarbeit und stellen dem Verfertiger nis von seiner Leistungsfähigkeit auf den schmiedearbeit aus. Die in Kupfer getrie deten Leuchter, welche Professor Schneide hat, sind nach ihrer Vollendung geradezu werke, ausgeführt in reinem gotischen unter ihnen erhält achteckige Form bei ein 3 Meter. Das Außenband desselben u äußerst fein ausgearbeiteten achteckigen und werden unter dasselbe 32 elektrische angeordnet. Die für die Leuchter notw dungen sind in der Schlosserei des Herrn Diese Arbeiten geben zugleich einen ne von der Leistungsfähigkeit des hiesigen K ** Von heute an sind Festor weihung der reformierten K handlungen Menckhoff, Pettkamp und A Kirchmeister Falk auf der Stadtkasse für Sie enthalten alle Gesänge und näheren Feier. Es ist daher sehr wünschenswert, im Besitze einer Festordnung ist. ** Zum Besten des Kaiser Fr wurden jetzt von Herrn G. A. Schwarz a Mk. gespendet; auch übernahm es Herr S bei seinen Angehörigen hier weilt, eine deutschen Klubs 2c. in Amerika in Zirkula lobenswert ist es, daß Herr Schwarz fort Interesse für seine Vaterstadt bekundet. Schlachthofkommission. Die hauses mit Eisbereitung wurde in der Schlachthofkommission grundsätzlich beschlo das Schwefligsäuresystem und als Betrieb gasanlage in Aussicht genommen. *4 Am Bahnhof sind jetzt die für einen Teil der neuen Straße wieder ** Sonderzug nach Düsseldorf der Königl. Eisenbahndirektion Hannover „Amtlichen Anzeigen“ wird am Sonnabe Berlin ein Sonderzug nach Düsseldorfa hält auch in Herford und zwar fährt 1 Uhr 42 Min. nachmittags ab. Im ü auf die diesbezügliche Bekanntgabe der E *— Auf das Konzert des Biel Orchesters, das für morgen, Freitag aber hofe bevorsteht, weisen wir hiermit noch Wir dürfen wieder einen hohen Kunstgen lich ist der Besuch so zahlreich, daß uns herrlichen Darbietungen erhalten bleiben. = Aehnlich wie in Herford. bei einer Submission. Die„Fr kürzlich folgende Illustration zu diesem Spitzmarke„Nicht zahlungsfähig":„Vor waltungsgebäude in der Poststraße warte 12. Juli) stundenlang etwa 120 Arbeiter ihres Lohnes. Ein Berichterstatter melde Die Königl. Eisenbahnverwaltung hatte Geleise=Umbau Hauptbahnhof auf dem geben. Die Arbeiten wurden dem Bau Sumpflan Roman von Dora Dun (31. Fortsetzung.)"— Sie stieß ihn mit Gewalt von sich. Gefühl von Ekel erfüllte sie.„Niemals Dich lieben— hörst Du, nie.— Sprich mis Er holte tief Athem. Dann sagtee Dein Vater das Blatt nie zurückerhalten. „Ehrloser!“ „Weib!“ „Geh!“ An der Thür wandte er sich noch sie höhnisch an. „Und wenn Dein Vater daran stirbt Sie antwortete nicht, ja, sie sah sich: um. Sie war an ihren Toilettentisch mit einem feuchten Tuch die brennende H mit dem Fuß auf und murmelte eine V den Zähnen. Dann machte er kurz Kehrt zu den Gesellschaftsräumen hinunter. Eine Viertelstunde später folgte ihm 2 ihr anzusehen vermocht, was sie soeben zuckende Fiber verrieth das empörte Blut. Klar und still waren Blick und Antlitz. Nur ein wenig bleicher noch als gewöhnlich sah sie aus. Die Gesellschaft, die sich in ihrem Hause versammelt war Anna völlig fremd. Es waren merkwürdige Elemente, die sich da in buntem Durcheinander zusammen gefunden hatten. Jener fragwürdige Bodensatz, den jede Großstadt aufzuweisen hat. Rudolfs junge Frau, welche die Anwesenden heute zum ersten Mal sahen, hatte bei ihrem Eintritt stürmische Bewunderung erregt. Bald aber war man der schweigsamen, ernsten Schönheit überdrüssig geworden, die sich über keinen, noch so gewagten Witz amünren wollte, während alle andern Damen sich vor Lachen schüttelten, welche die zudringlichsten und die chevalereskesten Huldigungen mit dem gleichen abweisenden Blick zurückwies, die scheinbar weder Gefallen an den Kunststücken eines ebemeligen Kavellmeisters noch an den Vorträgen zweier Bertram aus Hannover übertragen, der das billigste Angebot machte. Nun bestehen schon seit etlichen Wochen zwischen den Arbeitern und dem Unternehmer Zahlungsdifferenzen. Die Arbeiter haben ihren Lohn nicht vollständig erhalten. Bertram hatte versprochen, am 12. Juli alles zu bezahlen. Statt dessen machten gestern die armen Leute die Wahrnehmung, daß der Unternehmer von hier verschwunden ist. Gegen mittag meldete aus Stettin ein Telegramm, das Geld werde um 4 Uhr nachmittags in Frankfurt sein. Um 7 Uhr abends wurden 1800 Mk. von Stettin telegraphisch angewiesen. Die Arbeiter konnten aber wiederum nur eine Abschlagszahlung erhalten. Zum größten Teil sind es Deutsche, etwa 20 Mann sind Italiener. Zu tumultuarischen Szenen ist es nicht gekommen: unrichtiger Quittungskarten und Papiere 3 Tage Haft.— Arbeiter Heinrich B. hier war angeklagt, dem Maurerlehrling E. gehörige Stiefel entwendet zu haben; der Einrede des Angeklagten, er habe, weil die Stiefel auf einer Müllkiste gestanden hätten, geglaubt, dieselben sollten zusammen mit dem Müll fortgeschafft werden, wurde Glauben geschenkt. Es erfolgte Freisprechung.— Gleichfalls freigesprochen wurde die Witwe Anna K. hier, welche durch polizeilichen Strafbefehl mit 19 Mk. Geldstrafe bestraft worden war, weil sie ihre Kinder in vielen Fällen nicht zur Schule geschickt haben sollte. Die Angeklagte konnte nachweisen, daß sie ihre Kinder stets zum Schulbesuch angehalten, dieselben sogar oft selbst hingebracht habe, die Kinder aber immer wieder fortgelaufen waren.— Der Tischler Herm. „Was der Tausend!— Ist es möglich?— Was Ihr nicht sagt — Corporal! Das ist allerdings etwas sehr Großes.“ Die Kaffeekanne war bald leer. Mutter Häberle schwamm in Entzücken; sie rückte vertraulich näher. „Nu ka er Ihne hoirathe, gnä' Froila— ma wolle des imma fäschtmache, und im November kommt er und bringet ebbes Scheen's mit, des mi reacht froie soll, hat er g'moint; nacha kennet's gloi mit oinanda zum Herrn Pfarra gehe zum Verschpräche— dees hab' i mi so dänkt—“ Die Baronesse biß sich krampfhaft auf die Lippen.„Ja, wird mich denn der Adolph auch haben wollen?“ entgegnete sie nach einer Weile.„Werde ich ihm denn auch gut genug sein, da er nun so hoch gestiegen ist?“ Die Alte nickt zuversichtlich.„Habe wird er Ihne scho wolle, gnä' Froile— gerne hot er Ihne ja imma g'mocht, vo kloi a.“ Die junge Dame zog das rothe Seidenband an ihrem grauen Kleide durch die Finger.„Hm— aber meine Eltern— was würden diese sagen— sie müßten doch auch gefragt werden, nicht wahr?“ „O— die werd' sich äbe so froie wie Sie, gnä' Froile, wenn's e so e guete Partie mache könne.“ „Nun— ich denke, wir überlassen die Entscheidung zunächst einmal dem Adolph selbst. Es hat ja noch ein Weilchen Zeit bis November. Schließlich denkt er auch noch gar nicht ans Heirathen, und ich fürchte nur, an mich dabei zu allerletzt. Wer weiß, wie stolz ihn die neue Charge nun gemacht hat.“ „Aba, gnä' Froile,“ erwiderte die Alte beinahe gekränkt,„da müesset Se do moi Büeble känne... da brauche Se drumm net z'greina; wenn i sage, er soll Ihne nemma, nacha werd'r Ihne au nemma, und i hent imma scho gerna g’wollt, dees er sich mag a Fraule nemma, dees er wen hat, nacha wenn i todt bi, und er nimma so na mer z'greina brauchet... dees woiß der Adolphle au scho.“ „Vielleicht hat er sich schon Eine in seiner Garnison ausgesucht und überrascht Euch damit zum Namenstag als Festgabe.“ Mutter Häberle schüttelte entschieden den Kopf.„Dees thuet moi Adolphle nimma... ä Schätzle mueß em Büeble soi Muatterle aussuche.“ * Die junge Dame erhob sich.„Wißt Ihr was, Mutter Häberle,“ versetzte sie freundlich in bestimmtem Tone,„lassen wir diese Angelegenheit einstweilen auf sich beruhen...“, sie goß den Rest des Kaffees in die Tasse und legte Gebäck darauf.„So... trinkt aber erst einmal aus. Seht, man kann sich doch da nicht so schnell entschließen... gewissermaßen mit gleichen Beinen hineinspringen..“ Sie lächelte.„Ohne überhaupt die Meinung der Hauptperson, des Herrn Corporals, gehört zu haben. Warten wir erst einmal ab, was die Zeit noch bringt..... wer weiß, wie das Alles noch werden wird... und bis dahin Gott befohlen.“ Der alten Frau herzlich die Hand schüttelnd, geleitete sie sie hinaus.„Haltet Euch nur tapfer, Mutter Häberle, trinkt fleißig Thee für Euren bösen Husten, damit Ihr mit Eurem braven Adolph ein recht vergnügtes Fest feiern könnt; er freut sich gewiß ebenso darauf, wie Ihr.— Auf Wiedersehen also bis dahin!“ Mutter Häberle war mit dem Resultat ihrer Mission durchaus nicht zufrieden; sie hatte gedacht, die Sache gleich auf der Stelle „fäschtmache" zu können, damit der Adolph das Nest gebaut fand, wenn er auf Urlaub kam. Es war ja schon längst ihr Lieblingswunsch im Stillen gewesen, die Beiden möchten ein Paar werden, und ihrer Ansicht nach war es ein großes Glück für die Baronesse, wenn sie so einen„Großen“, wie den Adolph bekam. Mißvergnügt trat sie den Heimweg an, kehrte aber erst noch einmal um.„Gnä' Froile,“ rief sie unten an der Treppe zum Gehör der Dienerschaft nach oben,„saget's aber imma dene gnä' Herrn Vata, dees sell imma es Hoirathschgut z'samme mache, dees nacha koi Aufenthalt isch.“ „Schön, Mutter Häberle... schön.... ich werde es besorgen,“ versicherte das gnädige Fräulein lachend. (Schluß folgt.) Das Glück lehrt uns träumen— das Unglück wachen. Enttäuschung ist die Leiter, auf der wir zur Lebenskenntniß emporsteigen. So Mancher kann einem Wurm nicht wehe thun, seinen Nebenmenschen aber tritt er in den Staub. Aus Vergangenheit& C aE&ap&a und Gegenwart. Ein verhängnißvoller King. Am Halse eines Standbildes der Schutzpatronin von Madrid, in einer der schönen landschaftlichen Anlagen dieser Stadt, hängt an einer Seidenschnur ein kostbarer, mit Diamanten und Perlen besetzter Ring, der ohne jede polizeiliche Bewachung nie in die Gefahr kommt, gestohlen zu werden. Der berüchtigtste Dieb oder Einbrecher würde eher den Sarg seiner Mutter berauben, als diesen Ring anrühren. Derselbe hat eine stark an die Legenden des Mittelalters erinnernde Geschichte; er wurde für König Alfons den Zwölften gemacht, der bekanntlich schwindsüchtig war. Der König schenkte ihn seiner schönen Cousine Mercedes als Verlobungsring. Sie trug ihn während ihrer kurzen Ehe. Nach ihrem Ableben gab Alfons den Ring seiner Großmutter, der Königin Christine; diese starb bald darauf, und der Ring kam an des Königs Schwester, die Infantin del Pilar, welche binnen einem Monat starb. Wieder machte der Ring seine tödtliche Wanderung, diesmal war es die jüngste Tochter des Herzogs von Montpensier, Christine, die ihn trug, aber nach weniger als drei Monaten das Zeitliche segnete. König Alfons behielt nun den Ring selbst, lebte aber danach kein Jahr meyr. Jeder Mensch in Spanien glaubt fest, daß, wer den Ring an sich nimmt, damit das Verhängniß baldigen Todes sich zuzieht. Lose Blätter. Bei den schlechten Zeiten! Die jährlichen Ausgaben des Sultans werden auf nicht weniger als etwa 120 Millionen Mark geschätzt. Hiervon entfallen dreißig Millionen allein auf die Kleidung der Frauen, und 1 160000 Mark auf die eigene Garderobe des Großherrn. Weitere dreißig Millionen werden durch Geschenke verschlungen; zwanzig Millionen bilden ein kleines Taschengeld und weitere zwanzig Millionen kostet die Tafel des Palastes. Dabei ist allerdings zu bedenken, daß innerhalb der Mauern des Palastes gegen 1500 Personen luxuriös leben. Goethe und die Studenten. Als auf dem Hoftheater zu Weimar Goethes„Natürliche Tochter“ zum ersten Male gegeben wurde, traf es sich zufällig, daß zwei Jenenser Studenten neben die Loge des gleichfalls anwesenden Dichters zu sitzen kamen. Nachdem ein paar Scenen ohne jeden Erfolg gespielt worden waren, fragte einer der Studenten den andern:„Du, von wem ist denn das Stück?“—„Ei, von Vulpius!“ lautete die Antwort. Goethe, der das hörte, ärgerte sich und sagte: „Sie irren sich, meine Herren, es ist von Goethe.“— „Pah!“ nahm wieder einer der Studenten das Wort,„das glaube ich nicht.“—„Mein Herr,“ fuhr Goethe entrüstet auf,„ich muß das besser wissen, denn ich selbst bin Goethe!“ — Auf diese Erklärung folgte ein andauerndes Stillschweigen und das Spiel nahm seinen Fortgang, doch wurde das Stück sehr flau aufgenommen. Als der Vorhang fiel, trat einer der Studenten nahe zu Goethe, klopfte ihm vertraulich auf die Schulter und sagte:„Sie, das Stück ist doch von Vulpius!“ gerabe— ginitlächerweise alch das des Allerweitkerts, Mannes, nicht, an dessen Seite man sie den ganzen Abend über noch kein einziges Mal bemerkt hatte. Erst nach dem luxuriösen Souper, nachdem der Sekt schon mehr als reichlich geflossen war, hatte die Gesellschaft Gelegenheit, das Ehepaar zum ersten Male beieinander zu sehen. Es schien, wenigstens von Seiten Rudolfs, ein erregtes Gespräch geführt zu werden. Wahrscheinlich hatte die Frau irgend eine Dummheit gemacht. Sein erhitztes Gesicht hatte einen finstern, beinahe drohenden Ausdruck angenommen. Die Frau dagegen war sehr bleich und von gefaßter Entschlossenheit. Sie schien jedenfalls weder Furcht noch Gewissensbisse zu empfinden. Die ganze Unterredung hatte nicht länger als fünf Minuten gedauert. Dann hörte einer der in der Nähe stehenden Lauscher die blasse Frau sagen:„Ich fahre sofort. Man würde nicht nach mir schicken, wenn nicht Gefahr im Verzuge wäre. Entlaß Deine Gäste und folge mir mit dem Bewußten.“ erschlang die Antwort des guten Madchens. Anna lehnte ch erschöpft zurück. Sie war auf das Schlimmste vorbereitet. Sie war fest überzeugt, daß ihre Mutter sie nicht hätte on der Gesellschaft abrufen lassen, wenn es mit dem Vater icht zum Salimmsten stände. Kein Zweifel, daß nur Rudolfs ehrlose Handlungsweise, e quälende Angst nach dem immer wieder verweigerten eugniß seiner Schuld, den alten, schon zuvor gebrochenen kann an die Schwelle des Grabes gebracht hatten. Anna legte das Haupt in die Hände und stöhnte laut. Die Droschke hielt. Sie war am Iel. Anna zog leise die Klingel an der Thür der elterlichen Miuna öffnete. Ihr Gesicht war von Thränen ganz ver* Gott sei Dank, daß Sie da sind Fräulein Anna— ##igen Kinde der Pfleger plötzlich verschwunden und alle Jorschungen nach ihr und dem Kinde blieben bisher erGlos. * W i e p k e( K r. G a r d e l e g e n), 2 7. A u g. S c h w e r e r nhruchsdiebstahl. In der hiesigen Molkerei ist in Faht ein Eiabruch veribt worden, bei den der eserne, zehn Zentner schwere Geldschrank aus dem gestohlen wurde. Wie sich herausgestellt hal, haben Einbrecher die Schmiede des Schmiedemeisters Schulz erchen und sich dort mit Handwerkszeug, wie Meißel und amer, ausgestattet. Sodann haben sie sich einen Handen zu verschaffen, gewußt, auf dem sie ihren Raub zu Esportieren beabsichtigten. Im Bureau der Molkerei selbst das Fensterkreuz herausgeschnitten und durch die Oeffnung Schrank hinausbefördert worden. Der Handwagen hat bei nicht Stand gehalten und ist zufammengebrochen, auf die Diebe sich einen zueiten Handwagen geholt und eisernen Koloß weggeschafft haben. Auf eiver Haferstoppel eits von Rotekrug haben die sauberen Gesellen den Schrank hlagen. Mittels des gestohlenen Handwerkszeuges haben die Seitenfüllungen herausgemeißelt, die inwendige dicke zerplatte zertrümmert und dann den Inhalt des Schrankes ubt. Es sollen ca. 4000 Mk. bar und 1600 Mk. in atspapieren gewesen sein. Nach einer weiteren Meldung den die Wertpapiere wieder gefunden; sie waren von den ben fortgeworfen worden. * Münster, 27. Aug. Zur Feier der Eröffna der Universität ist eine größere Festlichkeit geht, an welcher u. a. auch Kultusminister Studt teilnehmen d. Die Feier wird am 26. Oktober abends mit großem pfang im königl. Schlosse, woselbst der Minister Wohnung men wird, beginnen. Am folgenden Tage findet ein von Stadt gegebenes Festessen im Rathaussaale statt, abends großer Fackelzug der Studenten. * E l b e r f e l d, 2 7. A u g. I n e i n e m A n f a l l e g e i zer Umnachtung schoß der schon betagte Rentner hweinsmann sen. diese Nacht auf seine ahnungslos im ste liegende Frau. Diese wurde von mehreren Kugeln geffen und tötlich verletzt ins Krankenhaus geschafft. Man ft kaum, die Verletzte am Leben zu erhalten. * Düsseldorf, 27. Aug. Der Kaiser kaufte auf Ausstellung ein Gemälde von dem Professor Brütt an, ches die Aufbahrung der Kaiserin Friedrich in der Stadthe zu Cronberg darstellt. Köln, 27. Aua. Manöver=Unglück. Als eine terie des 43. Feldartillerieregiments auf dem Truppenngsplatz Wesel mit Manöverkartuschen Schießübungen vorm, schlug ein Geschoß in eine Kompagnie des 16. Insterieregiments, welche 300—400 m entfernt davon exertte. Zwei Mann wurden verletzt. * Kiel, 27. Aug. In einem Anfall von Wahnhin warf sich ein 20jähriges Mädchen vor die Maschine es Schnellzuges. Sie wurde schrecklich verstümmelt. Vermisch Als Geschenk für den Kaiser bestimmt ist eine reue Nachbildung des kürzlich in Gegenwart des Kaisertres und des Kronprinzen in Cronberg feierlich enthüllten iser Friedrich=Denkm= Die Nachbildung, massivem Silber hergestellt, ist ein Meisterstück der deuten Silberschmiedekunst und von einem Herrn in Auftrag eben worden, der sich um die Schaffung des Denkmals ondere Verdienste erworben hat. Wie der Kaiser Auszeichnungen verleiht, das zt die Uebermittlung der Verleihung des Oberbürgermeisterlls an verschiedene Bürgermeister der Provinz Brandenburg. r Umschlag des die Verleihung enthaltenden Schreibens des erpräsidenten enthielt nämlich, wie der„Konfektionär“ errt, den Vermerk:„Laut allerhöchsten Befehls erst am 25. Mts. zu öffnen". An diesem Tage zeichnete der Kaiser rch ein Festmahl im Neuen Palais die Mark Brandenburg s und wollte die in ihren Bürgermeistern geehrten Städte kan erinnern, daß er auch ihrer dabei gedacht habe. Zu dem Geständnis des Mörders der Justizstin Itzmer in Potsdam wird noch gemeldet: Wagner lag, sil er sich wiederholt ungeberdig zeigte, in einem kleinen ankenzimmer des Oberlin=Krankenhauses zu Novawes auf inem Bette so festgeschnallt, daß er sich nicht wegen konnte. Als Kommissar Steinhauer bei ihm erschien d ihm ins Gewissen redete, er möge doch ein offenes Gendnis ablegen, machte hierauf Wagner zögernd die Anben, daß er allein ohne Komplizen in der Nacht zum Donnersg voriger Woche Frau Ißmer niedergeschlagen hat. Schon er will Wagner den Versuch gemacht haben, die alte Frau, ren Lebensgewohnheiten er durch seine Tochter kannte, mitIs Einbruchs bestehlen, was ihm bisher nicht glückte. In der streffenden Nacht will Wagner gegen 3 Uhr über das Gitter s Vorgartens gestiegen sein, um sich dann im Gebüsch des stteren Gartens zu verbergen und so lange zu lauern, bis kau Ißmer die Thür öffnete. Um 4 Uhr morgens soll nun sötzlich die alte Frau aus der Hinterthür herausgekommen sein, n sich in den Garten zu begeben und dort Falläpfel zu suchen. städige Frau— mieß sie unter Schlüchzen hervor—„der perr verlangen so jämmerlich nach Ihnen. Wollen Sie nicht in Mantel abnehmen, gnädige Frau?“ Anna war schon durch das Eßzimmer aufden langen Gang Leilt, der zu der Eltern Schlafzimmer führte. Das schwere Seidenkleid rauschte hinter ihr her. Eine grünverhangene Lampe erhellte das Zimmer nur Othdürftig. Die Mutter kniete weinend am Bett des Vaters. brete stand an dem altmodischen, runden Mahagonitisch und Nachte in einem Wasserglase einen Trank zurecht. Dumpf stöhnend kam zor Name von des Sterbenden Lippen. Sie wird gleich hier sein, mein Karl.“ Da ist sie schon!“ Inna war am Bett neben der Mutter niedergesunken und ### Lippen auf des Vaters schlaff herabhängende Rechte Ein Ausdruck der Befriedigung glitt über sein verertes Gesicht. Er machte eme schwache Bewegung mit der tori— Guna Rieben: Pete ut atashe den erndhe Näch eiheb ie abend ud ber Geigheoer ehe Diesen Augenblick will Wagner abgepaßt haben, um sich durch die offen gebliebene Thür heimlich in die Villa zu schleichen. Auf dem Flur stand ein Schrank und darin lagen zwei Uhren, die dem verstorbenen Justizrat Ißuier gehört hatten, welche er sich aneignete. In diesem Augenbisck, so erzählte Wagner, sei die alte Frau, veranlaßt durch das Geräusch, das er gemacht, aus dem Garten ins Haus zurückgekehrt, habe, als sie den Eindringling bemerkte, die Hände erhoben und laut um Hilfe gerufen. Wagner, der lediglich einen Diebstahl beabsichtigt haben will, ist durch das Geschrei in Aufregung und Wut geraten und will nun Frau Ißmer mit der geballten Faust niedergeschlagen haben. Daß er ein Instrument zu der That gebraucht habe, bestreitet der Verbrecher. Er will nur einmal zugeschlagen haben, worauf die alte Frau zusammenbrach. Er habe dann, ohne sich weiter um sein Opfer zu bekümmern, die Flucht ergriffen. Der ärztliche Befund der Wunde am Hinterkopf der alten Frau Ißmer hat aber ergeben, daß bei der That ein stumpfes Instrument angewendet wurde, auch spricht gegen die Angaben Wagners der Umstand, daß die Leiche mit Läufern zugedeckt und die Thür der Villa, hinter der die Leiche lag, verschlossen war Trotz mehrfacher Hinweise auf diese Widersprüche blieb Wagner bei seinen Angaben und bestritt, daß er Komplizen gehabt. Wagner soll im Jahre 1896 längere Zeit als geisteskrank in Dalldorf behandelt worden sein. Der große Krawall in Schwientochlowitz am 28. April, bei dem der Gendarm Skollik den Grubenarbeiter Paul Urgatz erschoß und dessen Bruder Robert durch einen Schuß schwer verletzte, beschäftigte die Beuthener Strafkammer. Angeklagt waren sieben Bergarbeiter und 4 Frauen. Robert Urgatz erhielt acht, die Bergarbeiter Schoppa und Rubin je sechs, Bergarbeiter Greger fünf Jahre Gefängnis, die übrigen niedrigere Strafen. Die Verhandlung ergab, daß der Gendarm in Notwehr gehandelt hatte, als er die Schüsse abgab. Ein eigenartiger Diebsversteck. Eine merkwürdige Geschichte von dem Diebstahl eines Diamanten im Werte von 20000 Mark hatte nach englischen Berichten in Bombay eine unerwartete Fortsetzung. Vor länger als zwei Jahren betrat ein Goanese namens Perkins den Juwelierladen von Messrs. Cook and Kelvey in Kalkutta und wählte einen kostbaren Diamanten. Er trat ans Fenster, unter dem Vorwand, daß er ihn prüfen wollte, verschluckte ihn und that, als ob er auf den Fußboden gefallen wäre. Da das Suchen ergebnislos war, wurde der Juwelier argwöhnisch und ließ den Mann verhaften. Eine Durchstrahlung seines Körpers mit X-Strahlen“ zeigte den Diamanten in einer Höhlung der Kehle, aber die Operation, durch die er allein wieder erlangt werden konnte, wurde nicht erlaubt. Perkins blieb mit seinem Stein zwei Jahre im Gefängnis. Nach seiner Entlassung nannte er sich Harrison und brachte durch ein nur ihm bekanntes Mittel den Diamanten aus seiner Kehle. In Bombay bot er einem Marwarri den Stein für 12000 Mark an; dieser aber hegte Mißtrauen und benachrichtigte die Polizei. Perkins=Harrison wurde in Folge dessen von neuem verhaftet und beichtete die ganze Geschichte. Gleichzeitig erhob er die Frage, ob er noch einmal verurteilt werden könne, da er für den Diebstahl schon bestraft wäre. Der Richter konnte die schwierige Frage nicht so schnell entscheiden und verschob die Urteilsfällung. Gegen den Staub auf den Landstraßen werden jetzt in der Umgebung von Paris Versuche mit einer Theerungsmethode gemacht. Die Straßenoberfläche wird mittelst weicher Besen mit einer Theerschicht gleichmäßig überzogen. Die Straße ist vorher gekehrt und dann der erwärmte Theer aufgetragen worden. Als erste Strecke ist die Landstraße Champigny Joinville getheert worden. Die Unkosten betragen füc den m 8 Centimes. Die Wirkung ist eine vollständige. Es fragt sich nur, wie lange dieselbe vorhält. Die Versuche werden fortgesetzt. Der Wert eines schönen Armes. Wie man in Pariser Blättern liest, hat die sechste Kammer die Gesellschaft der Tramways Nord dazu verurteilt, an Frau Witwe Inault eine Entschädigung von 20 000 Franks zu zahlen, weil einer ihrer Wagen die Kutsche umstieß, in welcher Frau Inault fuhr und dieser hierbei an ihrem linken Arm die Haut zwischen der Hand und dem Ellenbogen aufgerissen wurde. Die Pariser Richter schätzen einen schönen Arm! Allerdings hat die Gesellschaft gegen das Urteil Berufung eingelegt, Frau Inault aber ihrerseits auch die Entschädigungsansprüche noch höher gestellt. Ein historisches Haus auf der Wanderschaft. Ein echt amerikanisches Stückchen berichtet der„Figaro": Der Ahnensitz Washingtons in Banbury, England, in dem er auch vor seiner Abreise zum Unabhängigkeitskriege lebte, wird abgebrochen, aber mit äußerster Sorgfalt. Jeder Stein wird nummeriert, das Ganze in den Schiffsraum eines Dampfers gebracht und im Ausstellungspark in Saint=Louis wiederaufgebaut. Das Schloß Washingtons wird eine große „Attraktion“ sein. Das auf der Eingangsthür zu diesem Hause angebrachte Wappen Washingtons diente übrigens als Vorbild für die amerikanische Flagge. Automobilunglück. Laut Meldung aus New York stürzte der Millionär Matthews aus Jersey City mit seinem Automobil einen Abhang hinunter. Matthews und eine Dame wurden dabei getötet, eine zweite Dame und ein Geistlicher tötlich verletzt. Praktische Wohlthätigkeit einer englischen Dame. In den Straßen Londons erschien vor einigen Tagen folgendes auffallend ausgeführte Plakat: Lady Raglan in ihrer vollständigen Krönungstoilette, mit der Adelskrone auf dem Haupt, mit ihren Orden und Auszeichnungen, mit allen ihren Diamanten zu sehen von 5 bis 7 Uhr in Beckenham. Der Eintrittspreis beträgt drei Pence; um weitere drei Pence kann man am Thee teilnehmen. Das Erträgnis ist dem Hospital in Beckenham gewidmet. Lustiges Allerlei. Unter Freundinnen. Ella:„Ich versichere Dir, Emma, mein Mann wäre heute nicht mehr unter den Lebenden, wenn ich ihn nicht erhört hätte!"— Emma: „Na ja, bei den Schulden, die er gehabt hat, ist das begreiflich!“ Der spekulative Bettler. A.:„Sag amal, Spezi, wie fangst Du's nur eigentlich an, daß D’immer was kriagst?“ B.:„I paß auf, wo der Geldbrieftraga'nein ganga is — nacha giebts scho' was!“ Standesamtsnachrichten für den Kreis Herford. Amt Enger. Nachrichten vom 7. bis 26. August 1902. Geburten. Ein Sohn: dem Tischler Friedrich Wilhelm Hermann Vogelsang=Dreyen Nr. 63, Handarbeiter Johann Heinrich Hippe=Westerenger bei Nr. 1, Zigarrenarbeiter Kaspar Heinrich Vogel=Besenkamp Nr. 74, Buchbinder Johann Heinrich Kuhlmann Enger, Brandstraße Nr. 206, Zigarrenarbeiter August Hermann Wemhöner=Enger, Bielefelderstraße Nr. 199, Zigarrenarbeiter Albert Heinrich Niedertubbesing=Westerenger bei Nr. 33, Handelsmann Friedrich Wilhelm Gustav Düsdieker=Herring= hausen bei Nr. 95, Zigarrensortierer Wilhelm Heinrich BenteEnger, Opferfeldstraße bei Nr. 167, Tischler Hermann Heinrich Radmann=Enger, Renteistraße bei Nr. 217, Zigarrenarbeiter Hermann Heinrich Haubrock=Enger, Burgstraße Nr. 247, Handarbeiter Johann Friedrich Berg=Belke=Steinbeck bei Nr. 10, Bahnarbeiter Franz Josef Laschitza=Enger, Bielefelderstraße bei Nr. 179. Eine Tochter: dem Tischler Friedrich Wilhelm Hermann Vogelsang=Dreiyen Nr. 63, Handelsmann Friedrich Wilhelm Gustav Düsdieker=Herringhaufen bei Nr. 95, Schäfer Friedrich Heinrich Anton Fehring=Dreyen Nr. 61, Zigarrenarbeiter Kaspar Heinrich Schüler=Dreyen bei Nr. 5. Aufgebote. Maler Caspar Hermann Heinrich Altemeier=Bünde, Kirchstraße bei Nr. 15 mit Zigarrenarbeiterin Anna Johanne Luise Mathilde Müller=Enger, Bielefelder Chaussee Nr. 158. Eheschließungen. Zig.=Arb. Friedrich Wilhelm Franz Keilert=Besenkamp bei Nr. 58 mit Zigarrenarbeiterin Anna Marie Luise Gläsker=Belke=Steinbeck Nr. 39, Bäcker Carl Friedrich Wilhelm Altemeier=Herford, Radewigerstraße Nr. 28 mit der gewerblosen Johanne Wilhelmine Vormbrok=Iselhorst Nr. 110, Schneidergeselle Josef Kindermann=Cöln, Jahnstraße Nr. 19 mit Haushälterin Bernhardine Wilhelmine Böttcher Bremen, Hafenstraße 47/49, Zigarrenarbeiter Hermann Heinrich Kleirebrand=Westerenger bei Nr. 62 mit Zigarrenarbeiterin Anna Louise Auguste Alewelt-Westerenger Nr. 37, Schneider August Heinrich Gießelmann=Herringhaufen Nr. 84 mit Cigarrenarbeiterin Auguste Louife Marie Meier=Herringhausen Nr. 66; Kolon Heinrich Grottendiek=Dreyen Nr. 13 mit der gewerblosen Friederike Eggersmann=Ahle Nr. 19, Kolon Johann Heinrich Gottlieb Krudup=Dreyen Nr. 8 mit Dienstmagd Alwine Haselhorst gt. Ewering=Dreyen bei Nr. 24. Sterbefälle. August Florenz Willmann=Herringhausen bei Nr. 24, 1 J., Anna Marie Olga Holzgräfe=Besenkamp bei 25, 1 M., Anna Marie Johanne Auguste Aßbrok=Enger, Opferfeldstraße bei Nr. 155, 3 J., Witwe Anna Marie Ilsabein Beckmann geb. Röhr=Besenkamp bei Nr. 6, 59 I. Witwe Rosette Spanier geb. Ehrlich=Enger, Leinenbrink Nr. 9, 88 I., Ehefrau Anna Margarete Ilsabein Wefelmeher geb. Winkelhage=Oldinghausen Nr. 19, 71 I., Handarbeiter Caspar Wilhelm Bockermann=Oldinghausen Nr. 19, 82 J., Hermann Heinrich Schäffer=Westerenger Nr. 55, 1 J. alt. Meteorologische Station Herford. Witterungsbericht vom 28. August. Höchste Temperatur des Vortages: 19,1“. Niedr. Temperatur in der Nacht: 9,9“ Temperatur um 7 Uhr vorm.: 11,9°. 11„„ 17,60 Luftdruck um 7 Uhr vorm.: 755,6 mm. Tägliche Niederschlagshöhe: 0,6 mm. Wind: Schwacher SW. Himmel: Heite. August. Bei schwachen südwestlichen Winden bewölkt, zeitweise heiter. Telegramar und Telephonische Meldungen. Kaiserzusammenkunft. Wien, 28. Aug. Aus Rom wird hierher berichtet, daß Zar anläßlich seines Gegenbesuches in Rom bei seiner rchreise durch Oesterreich mit dem Kaiser Franz Josef zumentreffen will. Zur„Primus“=Katastrophe Hamburg, 28. Aug. Für die Auffindung der fehlenden Leichen der bei der„Primus“=Katastrophe Verunglückten den 400 Mk. Belohnung ausgesetzt. Schwerer Verdacht. Hamburg, 28. Aug. Der Makler Schröder steht im dacht, die Volksbank durch gefälschte Wechsel im Betrage 11 300 Mk. geschädigt zu haben. Er wurde verhaftet. Inhaftnahme eines Anarchisten. Zürich, 28. Aug. Anläßlich der Durchreise des Königs Italien wurde in Goldau ein italienischer Anarchist veret. Die Burenführer. Haag, 28. Aug. Trotz der gegenteiligen Versicherung Burenführer gilt als sicher, daß sie die Reise nach Europa ausschließlich antraten, um Gelder für die verarmten enfamilien zu sammeln, sondern um ernstlich in London die autonome Stellung der früheren Burenstaaten zu andeln. 0 Reitz betreibt persönlich und im Gegensatze zur Anschauder übrigen Burenführer eine Massenauswanderung der en nach Madagaskar. Berantwortlicher Redakteur: Paul Sattler für den Inseratenteil verantwortlic: Georg Bese, Druck und Verlag: Christian Quentin, sämtlich in Herford. (Redaktion und Expedition: Brüderstraße 21, am Gehrenberg.) Geburt 498h Statt besonderer Anzeige! Durch die glückliche eines kräftigen Knaben wurden erfreut F. Bokelmann und Prau, geb. Niebaum. Stellungen Aungs=Gesuche und=Angebote inseriert man mit Erfolg in der Herforder Zeitung für Stadt u. Land.) Kreisverein„Hansa im Verband Deutscher Handlungsgeh. Generalversammlung Sonnabend, 30. d. Mts., 8½ Uhr abends, im Hotel„Stadt Bremen“ [Görges]. D. V. Verlängert auf weitere 8 Tage. Credenstraße 35, parterre. Madame Bernbard Arithmologie:(260 Gedankenlesen. Deutet jeder Person den Lebens lauf.— Sprechstunden von 9—1 und 4—10 Uhr. Honorar 1 Mf (Wer eine Wohnung zu vermieten hat oder mieten will, inseriere dies in der sehr beachteten Herforder Zeitung für Stadt u. Land. Wohnung zu vermieten in der Nähe des Bahnhofs von 5 geraden Räumen nebst Zubehör per 1. Okt.(4775 Diebrocker=Wesselstr. Nr. 6 Frdl. Wohnung von 4 Räumen nebst Zubehör an ruhige Mieter sofort oder später zu vermieten. Off. unt. S. 300 an die Exp. Zta. erbeten. 2055 Zur Hälfte des Mietpreises Etage mit 6 großen Zimmern, Balkon u. Zubebör im Zentrum der Stadt, umständehalber von jetzt bis Apri abzugeben. Aus. kunft wird erteilt Bügelstr. 3 (morgens 7—12, nachm. 2—7). 470h Eine freundliche Wohnung für 2 bis 3 Personen zum 1. Okt. zu vermieten. Zu erfragen unt 4555 in der Exp. d. Ztg. Wohnung von 5 Räumen mit Zubehör zum 1. Oktober zu vermieten. 4745 Bergerthorstr. 10. Eine Wohnung von 4 Räumen mit Wasserleitung in der Nähe des Bahnhofs, per 1. Oktoler zu vermieten. Nachzufragen unt. 4475 in der Exp. d. Ztg. Freundl. möbl. 502h Wohn- u. Schlafzimmer lstraßenwärts] mit Morgenkaffee per 1. September zu vermieten. Comthurstr. 39, 1 Treppe Die in meinem Hause, Stiftberg, Kesselstraße 19, bewohnte Etage bestehend aus 13 Wohnräumen nebst Laden, Lagerräume und Stallung, sehr geeignet für Schlachterei, ist zum 1. November oder später, wegen anderweitigem Unternehmen, im Ganzen oder geteilt billig zu vermieten. Näheres daselbst zu erfahren. Zwei bis drei elegant möbl. Zimmer mit Morgenkaffee in gutem Hause dauernd zu mieten gesucht. Gefl. Offerten mit Preisangabe sub. 476h an d. Exp. d. Zta Wohnung von 6 Räumen evt. mit großem Lager u. Arbeitsräumen per sofort oder 1. Okt. zu vermieten. 410h Credenstraße 8. Gläser u. 434h zu Einmachezwecken. Frau Ida Werner. M edrere Ladungen prima Düngerkalk hat billig abzugeben. 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Magistrat. Busse 329e U nter dem Schweinebestande des Kolonen Niemeyer Nr. zu Elverdissen ist die Rotlaufseuch: ausgebrochen. Die erforderlichen Sperrmaßregeln sind angeordnet. Herford, 27. August 1902. Der Amtmann: von der Schulenburg. unübertroffenes Oel 94f für Motorwagen, H. Möbius& Sohn Haunover— Londou— Basel. Am 30. August wird ein Ausstellungssonderzug Berlin=Magd bura=Braunschweig=Hannover=Düsseldorf gefahren: Braunschweig ab 1065 vorm., Peine 117, Lehrte 113, Hannov 126, Minden 1%, Herford 143, Bielefeld 2%, Düsseldorf an 5“ nachmittags. 500 Zu dem Sonderzuge werden auf den vorgenannten Statione Rückfahrkarten 2. und 3. Kl. mit 10tägiger Gültigkeit ausgegeben welche zur Rückfahrt mit jedem fahrplanmäßigen Schnell= u. Per sonenzuge berechtigen. Näheres enthalten die auf den Statione vorhandenen Bekanntmachungen. Königliche Eisenbahn=Direktion. eim unterzeichneten Kommando kann noch ein Schu macher als Zweijährig-Freiwillig eingestellt werde Geeignete Bewerber, welche in der Lage sind, selbständig z arbeiten, wollen sich unter Vorlage eines Meldescheines sofor melden. 497 Bezirks=Kommando Mühlheim a. d. Ruhr, Abendkursus für Koch= und Haushatskunde Zweck des Kursus ist die piraktische Erlernung einer ganz beschränkten Anzehl Kochrezepte für die Zubereitung guter, billiger und kräftiger Kost im kleinen Haushait, sowie die Erwerbung der notwendigsten Kenntnisse über den Nährwert, den Einkauf und die Behandlung der marktgängigsten Nahrungsmittel. Die Erlernung geschieht am Herde selbst. Kreis der Besucherinnen. Der Besuch ist allen Mädchen und Frauen gestattet, in erster Linie aber bestimmt für Mädchen, welche die Eingehung der Ehe beabsichtigen, aber infolge ihrer Beschäftigung auf der Fabrik oder in anderer gewerblicher Arbeit in keiner Weise Gelegenheit haben, die für die vernünftige und wirtschaftlie richtige Haushaltsführung unbedingt notwendigen praktischen sowie auch einige theoretischen Kenntnisse zu erwerben. Zeit des Kursus. Aufang am 1. September, Ende am 26. September, 4 Wochen hindurch sollen jede Woche an drei Abenden, am Montag, Mittwoch und Freitag von ½8 bis ½10 Uhr die Kurse abgehalten werden, also wöchentlich 6 Stunden, ir ganzen 24 Stunden erteilt werden. Ort und Leitung. Die mit 6 Herden und allen sonstigen Erfordernisser ausgestattete Kochschule der Bürgerschule im städtischen Gebäude in der Hämelingerstraße wird benutzt. Die Leitung übernimmt die hierfür besonders praktisch vorgebildete, bewährte Lehrerin für Koch= und Haushaltskunde an der städtischen Bürgerschule. Vergütung. Beansprucht wird die Zahlung einer Gebühr von 3 Mk. für de ganzen Kursus. Jedoch wird dieselbe Frauen und Mädchen, welche zur Zahlung nicht glauben imstande zu sein, auch gern erlassen. Meldungen bis 28. August 1902 auf dem Rathause I(Stadtsekretariat Zimmer Nr. 2) in den gewöhnlichen Dienststunden. Hersord den 8. August 1902. 1179h Der I. Bürgermeister. Quentin.