12. Jahrgang 12. Jahrgang en, Motho&cmp Kre, N 83 Teleph. Anschl. Ne 85 Teleph. Anschl. N6 148 Diese Zeitung erscheint am Abend jeden Wochentages. Abonnementspreis vierteljährlich pränumerande 1.25 Mark bei Postbestellung kommt das Bestellgeld hinzu. Freitag, 27. Juni. Inserate werden bis Preis der einspaltigen Vet Oeynhausen und Amt dätestens vorm. 11 Uhr erbeten. 8% tzeile für Stadt und Kreis Herford, 1902 Rehme 10 Pfg., sonst 15 Pfg. Amtliche Anzeigen für den Kreis 1## Hersord. gefunden wurde 1 Bund Schlüssel und 2 Schirme angemeldet. 521f Weitere Auskunft wird auf dem Polizei=Bureau(Rathaus II Zimmer Nr. 1) erteilt Herford, 25. Juni 1902. Die Polizeiverwaltung. Der I. Bürgermeister: Quentin. Bekanntmachung. Am 1. Juli d. J., vormittags 6 Uhr wird das alte Empfangsgebäude des Bahnhofes Herford geschlossen und das neue Empfangs=Gebäude in Betrieb genommen. Herford, 27. Juni 1902. 5191 Königliche Eisenbahn-Betriebsinspektion. Die Krankheit des Königs Eduard. Die Londoner„St. James Gazette" erfährt, das Befinden des Königs habe sich in den letzten zwölf Stunden wesentlich gevessert; er war in der Nacht im Stande, etwas flüssige Nahrung zu behalten und hat mehrere Stunden gut geschlafen, die Entzündung hat nachgelassen und die Wunde beginnt zu heilen; Temperatur und Puls sind normal. Wenn nicht neue ungünstige Symptome eintreten, werde der König am Montag oder Dienstag außer Gefahr erklärt werden können. Das medizinische Fachblatt„Lanzet" sucht alle Gerüchte zu zerstreuen, wonach bei der Krankheit des Königs etwas Schreckliches(Krebs) verheimlicht werde. An mehreren Orten kam es gestern abend infolge des Ausfalls der Krönungsfeier zu Ruhestörungen, so in der Londoner Vorstadt Hampstead und in Dunstable und in Bedfordshire; in diesen Orten wurden an vielen Häusern die Feusterscheiben eingeworfen. London, 26. Juni. Der Krankheitsbericht von 6¼ Uhr abends lautet: „Der König verbrachte den Tag gut. Die Nahrungsaufnahme ist gut, der Schwächezustand läßt nach. Die Temperatur ist jetzt normal.“ ** * Das bekannte Bismarckblatt, die„Hamb. Nachr.“ schreiben: Wir können, ohne uns anzumaßen, als Deuter der unerforschlichen Wege der Vorsehung aufzutreten, es nicht unterlassen, in dieser verhängnisvollen Wendung ein Menetekel zu ervlicken, das nach allem Vorangegangenen in hohem Grade geeignet erscheint, das britische Reich, seinem Herrscher, seine Leiter und sein Volk zu ernstem Nachdenken über alle von ihm begangenen Thaten und Unthaten aufzufordern. Wenn die Engländer in den letzten Wochen auch mit schmetternden Trompetenstößen ihr Selbstlob verkündet haben, wenn sie überhaupt nur zu sehr geneigt sind, sich überall als Werkzeuge der Vorsehung hinzustellen, so giebt es doch einige andere Nationen in der Welt, die sich in ihrem Urteil über den moralischen Wert der britischen Größe und Menschenfreundlichkeit keineswegs beirren lassen und ein scharfes Gedächtnis dafür haben, was innerhalb undaußerhalb Englands in so manchen Weltteilen, auch abgesehen von dem schmählichen Burenkriege, gesündigt worden ist. Wir Bewohner des Festlandes können uns darum nicht zu diplomatischen Komplimenten aufgelegt fühlen, daher auch keineswegs dem Bedauern anschließen, das ohne Frage von den offiziösen Federn mancher Länder, im Gegensatz zur richtigen Volksstimmung wird ausgesprochen werden. Wir erblicken im Gegenteil in der jähen Wendung der Dinge eine nicht unverdiente Dämpfung der unerträglichen Ueberhebung der Söhne Albions, die sich in Masse noch niemals bei anderen, ob unterworfenen oder selbständigen, Völkern beliebt gemacht haben und denen man imt Sinne der ausgleichenden Gerechtigkeit eine mahnende Lektion überall gönnen wird. Zur Tagesgeschichte. Deutschland. Zur Kaiserrede in Aachen. In der„Germania" liest man: Ein lapsus memoriae beim Zitieren der Bibel ist dem Kaiser bei seiner Aachener Rede passiert. Der Kaiser sagte nämlich:„Der große Apostel Paulus hat gesagt:„Es ist in keinem anderen Heil, es ist auch kein anderer Name(unter dem Himmel) den Menschen gegeben, wodurch wir selig werden!"— Diese herrlichen Worte hat aber, wie die Apostelgeschichte 4, 12 berichtet, der Apostelfürst Petrus gesprochen, als er nach der Heilung des Lahmgeborenen vor dem Synedrium sich verantworten sollte.“ Der Kaiser stellte den König von England à la suite der deutschen Marine. Die im Kieler Hafen liegenden Kriegsschiffe feuerten auf Befehl des Kaisers alsbald einen Salut von 21 Schuß. Die Mannschaften gaben drei Hurras ab. Der Kaiser und Graf Häseler. General Graf Häselers Befinden(er stürzte bekanntlich mit dem Pferde und zog sich einen Schenkelbruch zu) ist trotz großer Schmerzen gut. Die Heilung dürfte einige Wochen erfordern. Nach dem Unfall hatte Graf Häseler an den Kaiser telegraphiert:„Bin gestürzt. Bitte Korps zu behalten.“ Der Kaiser antwortete:„Herzlich bedauere. Antrag genehmigt!“ Echt militärische Kürze. Prinz Heinrich von Preußen empfing gestern in London von der amerikanischen Spezialbotschaft Admiral O'Neill, Kapitän Cowles mit Gemahlin und Miß Roosevelt, die Nichte des Präsidenten Roosevelt. Die Deputationen der deutschen Dragoner= und Husarenregimenter, deren Mitglieder Ordensauszeichnungen erhielten, legten gestern Kränze an den Gräbern der Königin Viktoria und des Herzogs von Clarence nieder. Generalfeldmarschall Graf Waldersee kehrt, da die Krönungsfeierlichkeiten in London durch die Erkrankung des Königs aufgeschoben sind, nicht— wie ursprünglich beabsichtigt— am 3. Juli, sondern schon am Freitag, 27. Juni, morgens 4½ Uhr, aus London nach Hannover zurück.— Vom neuen Eisenbahnminister Budde wird der„Frankf. Ztg.“ mitgeteilt: Herr Budde hat bereits am Tage seiner Ernennung einen Beweis von gutem Geschmack und man könnte fast sagen, von Charakter abgelegt, er hat nämlich dem Photographen, der Bilder von ihm besitzt, verboten, sie zu verkaufen. Er will nicht, daß sein Konterfei in der Presse erscheint. Mag's eine begreifliche künstlerische Scheu gegen die oft bedenklichen Schnellprodukte der schwarzen Kunst sein oder mag's mehr sein, eine verständige Abneigung gegen die bis zur Verblödung getriebene Industrie der Fütterung des Publikums mit den Bildern aller öffentlich hervortretenden Persönlichkeiten, vom Raubmörder bis zu gekrönten Häuptern, kurz, Herr Minister Budde will nicht abgebildet sein. Dazu kommt, daß solche Bilder oft gar nicht den betreffenden Persönlichkeiten ähnlich sind; oft begnügen sich die Blätter damit, daß sie nur ein Bild haben, um es dann den Lesern als allerneuestes zu bieten. Je mehr man aber in den Zeitungen solche Bilder sieht, um so mehr muß sich der Leser fragen, welches Bild nun wirklich der betr. Persönlichkeit entspricht. Herforder Kreisnachrichten. 27. Juni 1902. * Zum Besuch des Kronprinzen. Gestern nach Schluß der Stadtverordnetensitzung hielt der Magistrat in Gegenwart des Stadtverordnetenausschusses und des Stadtverordneten=Vorstandes eine Sitzung ab, um noch bezüglich der Enthüllung des Großen Kurfürstendenkmals zu beraten. Für die gesamten Festkosten, einschließlich der Einrichtung des Festplatzes, soll die Bewilligung eines Kredits von 6000 Mk. bei der Stadtverordnetea=Versammlung beantragt werden. Des Weiteren will man das Ersuchen an die Schützengesellschaft richten, für den vom Kronprinzen einzunehmenden Ehrentrunt der Stadt'den Pokal zur Verfügung zu stellen, welcher der Schützengesellschaft vom Kronprinz Friedrich Wilhelm von Preußen im Jahre 1832 verehrt wurde. Das s. Z. vom Kronprinzen eingetroffene Schreiben lautet wie folgt: Auf die Anzeige des Bürgermeister Rose vom 17. Juli überschicke Ich der Schützengilde in Herford beikommenden Pokal als Zeichen Meines Wohlwollens und bestimme zugleich, daß dem Bürgermeister Rose die erworbene Denkmünze verbleibe. Sanssouci, den 23. August 1832. gez. Friedrich Wilhelm. Der Pokal führt die Inschrift: Friedrich Wilhelm Kronprinz von Preußen Der Schützengilde zu Herford. In der Festschrift zur 60jährigen Jubelfeier des Herforder Schützenfestes am 24. und 25. Juli 1892 wird auch berichtet, daß der Kronprinz Friedrich Wilhelm als König aus Hierzu eine Beilage. diesem Pokal gelegentlich eines Besuchs in Herford getrunken hat. Diese Festschrift bringt auch folgendes Festlied: Der Königspokal. Festlied, gesungen im Bürgerverein bei der Feier des Geburtstags Sr. Majestät unsers vielgeliebten Königs, Friedrich Wilhelm IV., am 15. Oktober 1841, während der von Ihm der Bürgerschaft geschenkte Pokal, aus welchem Er einst bei Seiner Durchreise durch unsere Stadt getrunken hatte, auf Sein Wohl von den versammelten Bürgern geleert wurde. Mel.: Helft, Leutchen, mir vom Wagen doch rc. Kommt, wack're Bürger, kommt und schaut Den köstlichen Pokal; Ein jedes Herz begrüßt ihn laut Mit hohem Freudenschall; Der Kronprinz hat ihn einst gesandt, Drum trinket froh daraus; Er bleibt der Liebe schönes Pfand, Er Selber trank daraus! Denn einst zog auch in uns're Stadt Der Kronprinz freundlich ein, Wo ihm daraus gemundet hat Der Wein vom deutschen Rhein. Der Kronprinz, Er ist König jetzt, Drum trinkt ihn jubelnd aus; O wie es unser Herz ergötzt: Der König trank daraus! Und Preußens Ehrentag ist heut, Drum köstlicher Pokal, Der uns den goldnen Rheinwein beut, Geh rund im weiten Saal. Wie sehnend lechzt nach ihm der Mund, Wie gern trinkt er ihn aus; Denn jauchzend schallt's von Herzensgrund: Der König trank dar aus! Und ein Gebet im Preußenland Steigt heute himmelwärts: „Den König segne Gottes Hand!“ Sein Thron bleibt unser Herz. Nun, Brüder, füllet den Pokal, Trinkt für Sein Wohl ihn aus, Und singt, daß weit es wiederhall': Der König trank daraus! ** Zur Enthüllungsfeier des Denkmals für den Großen Kurfürsten wird jedenfalls auch eine Ehrenkompagnie und außerdem eine Abteilung Kavallerie als Eskorte für den Kronprinzen nach hier abkommandiert werden. * Stadtverordneten=Sitzung vom 26. d. Mts. Anwesend sind: 1. Bürgermeister Quentin, die Ratsherren Dr. Lange und Herm. Müller, Stadtv.=Vorsteher Justizrat Lücken, sowie die Staltvv. Böckelmann, Knigge, Kranefuß, Weihe, Detering I., Koch, Lakemeier, Siepe, Ströter, Hildebrand, Tappe, Raabe, Wolff, Schönfeld, Modersohn, Detring II., Menckhoff, Bankdirektor Siekmann, Prof. Fellinger, Dir. Burgtorf und Busse. Vor Eintritt in die Tagesordnung beklagt sich Stv. Koch über das zu schnelle Fahren von Automobilen auf der Bielefelderstraße. Der 1. Bürgermeister teilt mit, daß polizeilicherseits Herr Dürkopp in Bielefeld bereits eine Strafe von 30 Mk. erhalten habe; aber auch weiterhin soll diesem zu schnellen Fahren Einhalt gethan werden. Unter den Mitteilungen bringt der Vorsitzende auch zur Kenntnis des Kollegs, daß Herr Krietemeyer definitiv als Beamter angestellt ist; hierzu bedürfe es aber auch der Genehmigung der Stadtv.=Versammlung. Der 1. Bürgermeister bemerkt, daß Herrn Kr. auf Grund seiner Thätigkeit die Befugnis als Beamter zugesprochen werden mußte; sonst werde stets das Kolleg gehört werden. Stv. Ströter weist darauf hin, daß Herr Kr. früher stelbständig die Kasse geführt habe; Kr. verdiene es, als Beamter angestellt zu werden. Der Vorsitzende bemerkt, daß er dies Herrn Kr. auch gönne; nur der Sache wegen sei er auf den Fall eingegangen. Stv. Schönfeld wünscht, daß in den heißen Monaten die Sitzungen ausfallen. Vom Magistrat ist der Bescheid eingegangen, daß in diesem Jahre unmöglich längere Zeit Ferien stattfinden könnten, weil besonders auch die Vorlagen für das am 1. Oktober er. in Betrieb zu nehmende städtische Elektrizitätswerk die Versammlung noch in mehreren Sitzungen beschäftigen müsse. Stv. Schönfeld weist auf Berlin hin, wo auch Ferien für die Stadtverordneten festgesetzt sind. Es sei notwendig, daß die Mitglieder des Kollegs möglichst allen Sitzungen beiwohnen, aber andererseits müsse ihnen auch eine Zeit zur Ausspannung werden; er ist schließlich mit 4 Wochen Ferien zufrieden. Stv. Wolff meint, wenn er auch nicht zu denen gehöre, welche längere Zeit zur Erholung verreisen könnten, so seier doch für die Festsetzung der Ferien. Schließlich wurde es angenommen, den Magistrat zu ersuchen, als Ferienzeit 4 Wochen anzusetzen. Der Vorsitzende beklagt sich auch in dieser Sitzung darüber, daß verschiedene Mitglieder unentschuldigt fehlen, darunter solche, bei denen dies schon länger geschähe. Der 2. Punkt der Tagesordnung betraf den Antrag des Magistrats betr. Festsetzung des Fluchtlinienplaus für die Verbindungsstraße zwischen Eimter= und MindenerStraße. Der Referent, Stv. Kranefuß, empfiehlt die Ablehnung dieses Antrags und tritt für die Linksschwenkung der sogen. Queststraße durch den Reischauerschen Kamp nach der Eimterstraße zu ein. Stv. Deterina I ist gleicher Ansicht; Herr Reischauer wolle Terrain abtreten, was zu beachten sei. Stv. Detring II ist dafür, daß in jener Gegend das ganze Terrain aufgeschlossen wird. Der 1. Bürgermeister hebt hervor, daß mit der Magistratsvorlage den städtischen Interessen am meisten gedient sei. Die Stvv. Ströter und Schönfeld sprechen ebenfalls für die Vorlage des Magistrats. Stv. Böckelmann hält die Straßenanlage bei Quest nicht für notwendig, was jedoch bezüglich des Verbindungsweges oben nach der Schule hin der Fall sei. Stv. Wolff ist für die Magistratsvorlage. Wenn auch Herr Reischauer eine neue Straße anlegen wolle, so sei dies im Interesse des zu erhaltenden Bauterrains, wodurch fortgesetzt billige Bauplätze geschaffen würden, ganz erfreulich; allerdings müßte auch die Stadt den oberen Verbindungsweg nach der Schule anlegen. Stv. Menckhoff wünscht, daß der Magistrat ersucht werde, für das ganze Dreieck bis nach den Ziegeleien hin Fluchtlinien festsetzen zu lassen. Die Magistratsvorlage wurde alsdann angenommen, desgleichen der Antrag des Stv. Detrina II. an den Magistrat das Ersuchen zu richten, für das ganze Terrain einen Fluchtlinienplan auszuarbeiten. Stv. Ströter referiert nun über den Antrag des Magistrats betr. Uebernahme der Löhr= und Brutlachstraße und der Straße Unter den Linden von der Clarenstraße bis zur Mönchstraße in städtische Reinigung. Der Referent teilt auch mit, daß von Bewohnern der Löhrstraße sich 14 für und 6 gegen diese Reinigung ausgesprochen haben, desgleichen von Anliegern der Brutlachstraße 6 dafür und 5 dagegen. Eine Anfrage des Referenten, ob die betr. Leute gezwungen werden können, ebenfalls seitens der Stadt die Reinigung vornehmen zu lassen, beantwortet der 1. Bürgermeister im bejahenden Sinne, weil der Weg, wie er hier beschritten werde, gesetzlich sei. Stv. Ströter stellt die Einbringung eines Antrags betreffs Trennung des Fuhrparks vom Bauamt in Aussicht. Nach Ablehnung eines von Stv. Schönfeld gestellten Vertagungsantrags, da noch nicht völlig geklärt sei, wie viele m hier in Frage kämen, wurde der Magistratsvorlage zugestimmt. Ueber die Bildung eines neuen Schulbezirks(Feldmark IV) gab Stv. Detring II das Referat. Derselbe teilt mit, daß die Schule Feldmark I jetzt 519 Schüler zählt; angestellt sind 7 Lehrer. Die Kinder sind in 10 Klassen verteilt, aber nur 6 Klassenräume stehen zur Verfügung. Referent ist für die Annahme des Magistratsantrags. Das neue Gebäude soll schon am 1. April u. Is. in Benutzung genommen werden; an Einführung des auch von den Feldmärkern immer mehr begehrten Ganztagsunterrichts sei jetzt an dieser Schule gar nicht zu denken. Die unteren Klassen hätten wegen Ueberfüllung getrennt werden müssen. Der 1. Bürgermeister weist noch darauf hin, daß es nicht ratsam ist, die Parallelklassen weiter zu führen; auch liege es im Interesse der Bewohner jener Gegend, daß die Kinder nähere Wege zur Schule erhalten; später wird auch im östlichen Teile der Altstädter Feldmark eine neue Schule errichtet werden müssen. Stv. Wolff tritt für die Vorlage ein, wundert sich aber, daß hier mit 45 Schülern Parallelklassen geschaffen werden, während die Bürgerschule in den einzelnen Klassen von 80 und 82 Schülern besucht werde; es empfehle sich, daß auch hier Wandel geschaffen werde, wofür er wiederholt eingetreten sei. Stv. Menckhoff befürchtet, daß den Kindern mit der Neueinrichtung der Schule nicht gedient sei, da das System erst nach Jahren komplett sein würde; besser wäre es, bei der jetzigen Schule ein Filialschulsystem zu schaffen, um die Klassen aufzunehmen, welche überfüllt sind. Der 1. Bürgermeister bemerkt, daß die Schule Feldmark I von 90 bis 92 Schülern pro Klasse besucht werde, während in der Bürgerschule auf jede Klasse etwa 70 bis 72 Kinder Behs Eilsiuhft nach den anderen Schulen Kinder abgeführt würden. Der Vorschlag Menckhoffs sei nicht acceptabel, da darnach auch ein neues Schulgebäude errichtet werden müsse. Stv. Schönfeld ersucht um Mitteilung der Denkschrift, welche Hauptlehrer Wittenberg dem Magistrat in dieser Angelegenheit unterbreitet hat. Des Weiteren ist Redner dafür, sich erst an Ort und Stelle über die Sachlage zu informieren; in der Nähe des jetzigen Schulgebäudes befinde sich städtisches Terrain, das evtl. Verwendung finden könne, wenn sich die Angelegenheit im Sinne Menckhoffs erledigen lasse. Stv. Detring II weist darauf hin, daß die betr. Denkschrift im ersten Teile den Standpunkt des Magistrats bzw. der Schuldeputation vertritt, während sie sich Schulgebäudes hält Referent für zu luxuriös; hätte er s. Z. gewußt, daß der Neubau in dieser Weise ausgeführt werden sollte, so hätte er sich dagegen erklärt. Stv. Schönfeld befürchtet, daß der Fuhrpark seine Arbeiten für die Hansabrücke viel zu hoch gewertet hat; es müßte über die Verwendung der Summe noch Aufklärung gegeben werden. Redner kritisiert auch noch die Lage des neuen Schulgebäudes, wodurch der Stadt tausende von Mark erwachsen. Stv. Böckelmann bemerkt, daß es sich heute nur um den Anleiheplan handele; mit der Sache selbst werden wir uns noch später zu beschäftigen haben. Der 1. Bürgermeister spricht sich in gleicher Weise aus, noch erwähnend, daß die Genehmigung zur Anleihe endlich nachgesucht werden müsse. Die Kritik könne später, wenn die Rechnungslegung vorliegt, noch nach allen Richtungen hin geübt werden. Mit dem Unternehmer steht die Stadt in einem schiedsrichterlichen Verfahren; aber auch hier wird die Entscheidung erst nach Monaten fallen. Den Anträgen des Magistrats wurde zugestimmt. Stv. Kranefuß ist alsdann Referent über den Antrag betreffs Bewilligung eines Kredits bis zu 1200 Mk. aus dem Kanaltitel der neuen Anleihe für die Thätigkeit des Baurats Heckhoff in der Kanalvroiektierung. Es handelt sich vor allem um die Entwässerung der Gegend am Renn= und Bergerthor sowie der Comthurstraße. Das Objekt wird auf ca. 70 000 Mk. geschätzt. Referent ist für die Annahme des Antrags. Stv. Schönfeld hält die ganze Anlage nicht für nötig; wenn dieselbe der Regierungspräsident aber doch für notwendig halten sollte, so müßte demselben klar gemacht werden, daß die Verhältnisse hier keine derartige Entwäfferung bedingen. Der 1. Bürgermeister schildert, wie der Magistrat alles beim Regierungspräsidenten versucht habe, um die Anlage nicht ausführen zu lassen; aber dies alles sei ohne Erfolg geblieben. Der Herr Regierungspräsident habe dem Magistrat drei Beamten für diese Kanalprojektierung vorgeschlagen. Die Wahl sei aus Herrn Heckhoff aus Kassel gefallen, da derselbe früher lange Zeit in Herford geweilt habe, was für die Sache selbst von großem Wert sei. Stv. Wolff glaubt, daß der große Kanal nach dem Kreuzkolk nicht notwendig sei. Die Abwässer der Comthucstraße hätten längst durch Anlage eines größeren Kanals in der Hämelingerstraße abgeführt werden können, jetzt um so mehr, weil wir an jener Stelle das doppelte Wasserquantum haben. Die Vorlage fand alsdann die Majorität der Versammlung. Der nächste Punkt der Tagesordnung betraf den Antrag des Magistrats betreffs Erhöhung des Schulgeldes am Gymnasium auf 130 Mk. Stv. Böckelmann referierte hierzu. Wegen Erhöhung der Lehrergehälter an den höheren Lehranstalten durch Herabsetzung der Dienstjahre von 24 auf 21 Jahre sol überall an den Gymnasien das Schulgeld um 10 Mk. erhöht werden. Referent bedauert dies; da der Stadt aber schließlich nichts anderes übrig bleiben wird in gleicher Weise zu beschließen, müßte die Erhöhung der betr. Gehälter und des Schulgelds vom 1. April n. I. ab auch hier erfolgen. Das hiesige Gymnasium wird, wie Referent noch erwähnte, von 276 Schülern, darunter 255 zahlenden besucht. Der 1. Bürgermeister bedauert es auch, daß der Zugeng zu den höheren Schulen staatlicherseits immer mehr erschwert werde. An der Realschule wird das Schulgeld ebenfalls erhöht werden müssen. Sto. Schönfeld findet es besonders hart, daß von der Schulgelderhöhung auch die Realschule betroffen wird. Stv. Wolff regt an, daß die Städtetage einmal gegen derartige Erhöhungen Front machen. Das Schulgeld werde immer höher und die Klassen der höheren Schulen dagegen immer leerer. Stv. Koch bringt in Vorschlag, den Staat zur Uebernahme der Mehrkosten zu ersuchen. Stv. Prof. Fellinger bemerkt, daß man dies auch in Lehrerkreisen am liebsten sehen würde. Was nun die angeregten Erhöhungen betreffe, so seien dieselben u. a. auch in Minden und Bielefeld schon beschlossen. Redner meint noch; daß die Klassen am Gymnasium fast überfüllt seien. Daß die materiellen Verhältnisse der Eltern der Schüler besser gewordenseien, gehe am besten daraus hervor, daß die Unterstützungsbibliothek jetzt nicht mehr so viel benutzt werde, als in früherer Zeit. Im Sinne des Referenten wurde beschlossen, die Erhöhung der Gehälter wie des Schulgeldes vom 1. April n. I ab eintreten zu lassen. Ueber den Antrag des Stadtverordneten Schönfeld und Genossen betr. schulen werde ghen. Pun auus daues der übrigen Volts. Fluchlinienplan zwischen der neuen Bahnhof#petz, werde aber die Bürgerschule immer mehr entlastet, weil straße und der Schillerstraße bevichtete Stv. Schönfeld. Der Antrag bezweckt die Schaffung eines besseren Zustandes des Bahnhofsvorplatzes und zwav durch Anlage einer —"„„„* Straße von der Diskontobank nach dem Wartesaal 1. und 2. Klasse des neuen Stationsgebäudes zu. Um Fluchtlinien zu ziehen, seien unlängst 25000 Mk. bewilligt worden; man solle hier sofort den Anfang machen, da die Sache sehr eile. Der 1. Bürgermeister teilt mit, daß schon im April magistratsseitig die Fluchtlinie für eine neue auf den Bahnhofsvorplatz zu führende Straße beschlossen sei. Die Sache sei aber noch nicht so eilig. Die Offenlegung müsse man allerdings den Interessenten überlassen; für diese die Kastanien " S#### sich f aus dem Feuer zu holen, habe die Stadt keine Veranlassung. in iss kamst ein a si#prrntee bes jetzigen Schulsystems erklärt; Stv. Schönfeld wundert sich, daß man hier eine Ausnahme es sei somit ein Widerspruch vorhanden. Referent verliest nun die Denkschrift und ist des Weiteren für Schaffung kleinerer Schulsysteme, weil diese auch wesentlich billiger seien; gegen eine Vertagung der Vorlage bis zur nächsten Sitzung habe er nichts einzuwenden. Stv. Menckhoff tritt wiederholt gegen die Bildung eines neuen Schulbezirks ein. Stv. Schönfeld kann nicht finden, daß die Denkschrift Wittenbergs sich widerspricht; dieselbe schildere vielmehr, daß zwei Fälle möglich seien. Der Antrag Schönfelds(Begehung des Terrains) wurde abgelehnt, die Magistratsvorlage dagegen angenommen. Der Vorsitzende referiert alsdann über die Anträge des Magistrats betreffs Bewilligung eines Kredits von 210000 Mk. aus den Mitteln der neuen Anleihe zum Bau der Unterführung in der Sophienstraße, der Hansabrücke und zu den Ausbauten der hiermit in Verbindung stehenden Wegeanlagen sowie Erhöbung des burch Beschluß vom 26. September v. J. zum Bau des Schulgebäudes für Den Bau bewilligten Kredits zum die städtische höhere Mädchenschule. Mit Rücksicht auf diese Tagung fand diesmal die Stadt: verm sitzung an einem Donnerstag statt. in Pepers Mühle. Der Einsender in di ttwochs=Rummer hält in dieser Sache seine Behauptungen aufrecht und schreibt weiter: Wie übertrieben die Befürchtungen und Beschwerden gegen die städtischen Bauten in Pepers Mühle gewesen sind, möchte schon daraus hervorgehen, daß weder die Gerichts- noch die Verwaltungs=Behörden sich auf Anträge, welche auf eine Inhibierung dieser Bauten gerichtet waren, eingelassen haben.— Die Stadt wird von selbst allen berechtigten Beschwerden abhelfen. □□ Trottoir=Unterhaltung. Gestern ist in Bezirks. Ausschuß Minden ein für die öffentlich=rechtlichen Verhältnisse in unserer Stadt wichtiges Erkenntnis gesprochen In der Verwaltungsstreitsache Gastwirt F. gegen die Polizei=Verwaltung Herford ist anerkannt, daß die Polizei=Verordnung vom 26. November 1878, betr. die Trottoir-Unterhaltung durch die Anwohner, nach wie vor zu Recht bestehe und ferner, daß die Anwohner Unterbrechungen des Trottoirs durch Ueberfahrten nur mit Genehmigung der Polizeibehörde und nur nach deren genauer Anweisung herstellen dürfen. Neues Empfangsgebände. Wie die Königl. Eisenbahn=Betriebsinspektion bekannt giebt, wird das neue Empfangsgebäude am 1. Juli in Benutzung genommen, während das alte Gebäude außer Benutzung kommt, um bald abgebrochen zu werden. ** Die Werre durchfließt seit heute nacht endlich auch wieder den Flußarm durch die Stadt. t Einödshofer=Konzert. Ein hoher Kunstgenuß ward gestern abend den Besuchern des Schützenberges zu teil. Aber wie immer bei derartigen Veranstaltungen, so war auch gestern der Besuch des Einödshofer=Konzertes ein verhältnismäßig schwacher. Richt nur, daß unsere heimische Kapelle nicht in gebührender Weise unterstützt wird, nein, auch die von auswärts gebotenen Kunstgenüsse werden nicht hinreichend beachtet. Mag es nun daran liegen, daß hier zu viel des Guten geboten wird, immerhin hätte das gestrige Konzert einen weit besseren Besuch verdient. Was die aus 40 Künstlern bestehende Kapelle versprochen hat, das hat sie gehalten, denn die Leistungen konnten als vorzügliche bezeichnet werden. Das hübsch zusanmengestellte Programm fand ungeteilten Beifall und setzte sich zum größten Teil aus flotten Walzern und leicht verständlicher Musik zusammen. Die von dem Dirigenten selbst komponierten Musiksätze wurden mit größtem Beifall aufgenommen. ** Die Witterungsaussichten für den Monat Juli sind dem hundertjährigen Kalender nach folgende: Am 2. rauh und trübe, am 3: regnerisch, vom 4.—8. schön und sehr heiß, 10. nachts Unwetter, 11. heftiger Regen, vom 12. bis 28. starke Hitze, während der letzten Tage große Niederschläge. Rudolph Falb prophezeit für den Juli zahlreiche Niederschläge bei niedriger, erst gegen Ende des Monats wieder steigender Temperatur. Den 5. bezeichnet Falb als einen kritischen Termin 1. Ordnung, den 20. als einen solchen 3. Ordnung. * Spenge. 26. Juni. Kröegerfest. Am Sonntag, den 6. Juli, feiert der hiesige Krieger= und KampfgenossenVerein in zwei geräumigen Zelten in den Gartenanlagen des Gastwirts Herrn H. Wefing zu Lenzinghausen sein diesjähriges Stiftungsfest. Von 3 Uhr nachmittags ab Empfang und Begrüßung der fremden Vereine, 3½ Uhr Antreten im Vereinslokal(Gasthof Trampe, Spenge), sodann Niederlegung einer Kranzspende am Kriegerdenkmal, 4 Uhr Abmarsch zum Festplatz, Durchmarsch durch den Ort Spenge und in der Nähe des Festplatzes Parademarsch, 5½ Uhr Festrede, im Anschluß daran Konzert, 7 Uhr Eröffnung des Balles durch die Polonaise. Die Musik wird von der 55er Kapelle aus Detuold ausgeführt. * Vlotho, 26. Juni. Unfall. Einen doppelten Armbruch erlitt gestern der Kommis Ernst Wehmeyer, der im Geschäfte des Kaufmanns Thoß hier beim Kaffeerösten in das Getriebe des Motors gerte. Westfalen und Nachbarstaaten. * Eidinghausen, 25. Juni. Zärtliche Gattin Mit blutendem Gesicht lief gestern der Rentner M. von hier umher. Seine Ehefrau, welche früher bei ihm als Haushälterin diente und die er erst im vorigen Herbst als Siebzigjähriger heimführte, hatte ihm bei Gelegenheit eines ehelichen Zwistes zwei tiefe Kopfwunden beigebracht. „.* Minden, 26. Juni. Zur 61. Jahresversammlung des Westfälischen Provinzialvereins der Gustav Adolf=Stiftung. An den Kaiser wurde folgendes Huldigungstelegramm abgesandt: Ew. Majestät bringt die in Minden zusammengetretene Versammlung des Westfälischen Hauptvereins der Gustav=Adolf=Stiftung ehrfurchtsvolle Huldigung dar; sie stellt sich mit Ew. Majestät unter das Kreuz und gelobt, der Aachener Weisung entsprechend, durch treue Pflege der Schwachen und Zern#euten dem Vaterlande religiöse Kraft und fittliche Grundlage zu erhalten. Nebe. * Paderborn, 26. Juni. Zum Altenbekener Bahnunglück. Der wegen des Altenbekener Eisenbahnunglücks zu 6 Wochen Gefängnis verurteilte Zugführer Peters hatte gegen das Urteil Revision eingelegt. Diese kam heute vor dem Reichsgericht zur Verhandlung, wurde aber verworfen. * Düsseldorf, 26. Juni. Zu der Verlegung des Düsseldorfer Husaren=Regiments nach Krefeld wird offiziös geschrieben: Während das in Düsseldorf stehende Utanenregiment unmittelbaren Anschluß an den Exerzierplatz hat und in zweckmäßigen Kasernements untergebracht ist, liegen die Husaren in alten, den Bedürfnissen keineswegs entsprechenden Räumlichkeiten in der Stadt, ferner nicht nur vom Exerzierplatz, sondern auch von allen anderen Reitbahnen und sind daher vom militärischen Gesichtspunkt so ungünstig wie möglich untergebracht. Rücksichten solcher Art lassen die Verlegung des Regiments an einen anderen geeigneteren Ort * i B e i s s- I I I. E I h n a i A- 8 machen will. Wenn dem Manne ein Denkmal gesetzt werden soll, der schon vor Jahrhunderten einen weiten Blick für die Verkehrsinteressen hatte, so müßte die Stadt durch die Anlage einer derartigen Straße, welche mit Recht Große Kurfürstenstraße genannt werden könnte, gleichen Interessen dienen. Sto. Wolff ist der Meinung, daß auch hierbei der Stadt keine Kosten erwüchsen, weil diese doch von den Anliegern wieder aufzubringen seien. Der 1. Bürgermeister antwortete, daß die Bedingung daran geknüpft werden müsse, die Auflassung des Straßenterrains gegen Hergabe des Grund und Bodens vorzunehmen. Ein Antrag des Sto. Schönfeld, den Magistrat: zu ersuchen, die Fluchtlinien im Sinne des betr. Antrags fest=egung ves vreumenig un eineer uneeren geeineertrrn. zulegen, wurde abgelehnt. Gegen 6¾ Uhr wurde die Sitzung nicht bloß notwendig, sondern dringlich erscheinen, und es bac Nu. S2il. K.EHEHAGEE R-TD„„„ HE EH vertagt, weil noch eine Sitzung in der KurfürstendenkmalsAngelegenheit stattfinden sollte. + Seitens des Magistrats nehmen 1. Bürgermeister Quentin und Beigeordneter Budde, seitens des Stadtverordnetenkollegiums nehmen die Herren Bach, Dir. Burgtorf und E. Schönfeld an den heute und morgen in Münster des neuen stattfindenden Verhandlungen zum westsälischen Städtetagesteil. Stahff Rolwenpig,„ sollt bereits früher als neuer Garnisonort für das Regiment die Stadt Krefeld in Erwägung gezogen worden sein Vermischtes. Aus Eisersucht. Gestern vormittag schoß der Schlächter Fritz Schipper aus Eifersucht mittelst Revolvers auf seine Brautz die Kellnerin Euma Kienast, in deren Wohnung in der Posenerstraße in Berlin. Er verletzte seine Braut am Kopfe und Arm und erschoß sich dann selbst. Zum Untergang des Torpedoboots„S 42“. Nach verschiedenen Verhören wurde gestern der Kapitän des englischen Kohlendampfers„Firsby“ in Cuxhaven verhaftet. Durch Taucher wurden die Leichen des Obermaschinistenmaats, des Maschinistenmaats und des Heizers im Wrack aufgefunden. Zur Pulverexplosion in Madrid. Bei der Explosion im Militärlager von Carabanchel sollen 17 Menschen verletzt und ins Krankenhaus gebracht worden sein. Die Verletzten sind Soldaten bis auf einen Feldarbeiter, der in einer Entfernung von 400 m verwundet wurde. Nach den letzten Meldungen wurde die Katastrophe durch explodierende Granaten verursacht. Der König hat sich an die Stelle begeben, wo die Explosion erfolgt ist. Wetter. 28. Juni. Bei geringer Wärmezunahme Witterungsfortdauer. Telegrammr und Telephonische Meldungen. Zur Erkrankung des Königs Eduard. Berlin, 27. Juni. Wie gerüchtweise verlautet, soll Kaiser Wilhelm den Wunsch ausgedrückt haben, nach London zu kommen, um seinen Onkel zu sehen. Man habe ihn jedoch gebeten, vorläufig davon abzusehen. London, 27. Juni. Der dem Absceß entnommene Eiter wiegt 1½ Pfund. London, 26. Juni, nachts. Der König verbrachte den ganzen Tag recht gut, bei aufrechterhaltenem Kräftezustand kehrt das Verlangen nach Nahrung, die sorgsam verabreicht wird, wieder. In der Wunde macht sich neuerdings etwas Schmerz bemerkbar. Hebr. Dbrst Washk-Bafrast ist das preiswerteste und beste Waschwittel der Welt. In besseren Kolonialwaren=Geschäften erhältlich. 508f Verantwortlicher Redakteur: Paul Sattler, für den Inseratenteil verantwortlich: Georg Bese, Druck und Verlag: Christian Quentin, sämtlich in Herford. (Redaktion und Expedition: Brüderstraße 21, am Gehrenberg.) Mein diesjähriger InventurSommerwarenAusverlauf beginnt morgen Sonnabend, 28. Juni. Die Preise sind für sämtliche Artikel so bedeutend herabgesetzt, daß gleich günstige Gelegenheit zum Einkauf nicht wieder geboten wird. 468 Warenhaus Hermann Herzfeld, Herford "— Gehrenberg 15. 15. Wohnungen er eine Wohnung zu vermieten hat ooer mieten will, inseriere dies in der sehr beachteten Herforder Zeitung für Stadt u. Land.) 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Juni 1902 Milch= und Mastvien wie fette Schweine, Kühe 2c. können Sie sich züchten, wenn Sie von Zett zu Zeit einige Eßlöffel von Laarmanu's Mastin dem Futter beimischen. Mastin ist mit der goldenen Medaille ausgezeichnet und das billigste Viehnährmittel. In Packeten à 50 Pfa. in fast sämtlichen Kolonialwarengeschästen vorrätig. 7 Packete Mk. 325. Nur echt von der Firma 364 Gustav Laarmann, Herford. Abt Viehnährmittel Altkatholische Gemeinde. Sonntag, den 29. d. Mts. morgens 8½ Uhr: Gottesdienst in der reformierten Kirche. 520f 50 bis 100 St. alte Eisenbuhnschwellen sofort zu kaufen gesucht. Off. unt. 513 an d. Exp (Oer heutigen Gesamtauflage liegt ein Prospekt der Firma Gebr. Kaufmann, Bielefeld, bei. 499t Obst= und Gartenbau=Verein für Herford und Umgegend. Versammlung am Sonnabend, 28. Juni, abends 8½ Uhr in evangelischen Vereinshause. Tages=Ordnung: 1. Eingänge. 2. Ausstellung. 3. Obstverkaufsstelle. 4. Insektengürtel. 5. Verschiedenes. 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Auf Grund der Dolizei=Verwaltung vom 11. März 1850, sowie des Gesetzes vom 26. April 1872, betreffend die Erhebung von Marktstandsgeld bezw. des à 48 der Städteordnung für die Drovinz Westfalen vom 19. März 1856 und des§ 4 des Kommunal=Abgaben=Gesetzes vom 4. Juli 1893 wird unter Zustimmung der Stadtverordnetenversammlung nachstehende Ordnung über die Erhebung von Standgeldern auf den Wochen=, Jahr= und Diehmärkten, sowie für die Benutzung öffentlicher Straßen und Plätze an sonstigen Cagen in der Stadt Herford erlassen. A. Wochenmarkte. § 1. An Marktstandgeld werden für jeden Markttag erhoben: in der 1. Für eine Verkaufsstelle, bestehend im Freien: Markthalle: in einer Bude oder einem Markttische für den angefangenen(m 2. Von einer Stange mit Waren, zu ¼ m breit gerechnet, für das laufende Meter 3. Don einem Wagen 4. Don einem kleineren durch Esel oder Hund gezogenen Wagen 5. Don einem Handwagen oder Schiebkarren 6. Von einem großen Korbe, Kasten, Rübel von ¾ □m 7. Don einem kleinen Korbe, Kasten, Rübel oder Sack 8. Für das in den Marktställen untergebrachte Zugvieh pro Stück S 2. Für einen den Marktbesuchern auf die Dauer eines Jahres in der Markthalle überlassenen festen Stand sind an Standgeldern zu zahlen für den angefangenen[m vierteljährlich 5 Mark. Für einen den Marktbesuchern auf die Dauer eines Diertel= oder Halbjahres in der Markthalle überlassenen festen Stand ist zu dem vorstehend festgesetzten Betrage des Standgeldes ein Zuschlag von 20 Proz. zu zahlen. B. Jahrmärkte. § 3 An den Jahrmärkten und dem Disionsfeste werden von den Marktbesuchern folgende Standgelder für jeden Markt= resp. Festtag erhoben: 1. Von Karoussells, Schaukeln, Hippodroms, Zirkussen, Menagerien, Wirtschafts= und Canzzelten für den angefangenen(m 15 Ofg. 2. Von Spielbuden, allen sonstigen Schaubuden, Cischen und für sonstige Benutzung der Marktplätze für den angefangenen □m 10 pfg. C. Viehmärkte. 3 4. Das Standgeld für den Diehmarktverkehr beträgt: 1. Für zum Verkauf ausgestellte Pferde, Ochsen, Rühe, Rinder, Esel, für jedes Stück 20 Ofg. 2. Für desgleichen Schweine für jedes Stück 15 Ofg. 3. Für desgleichen Kälber, Schafe, Ziegen, für jedes Stück 10 Ofg. 4. Für desgleichen Fickel, Gänse u. s. w. für jedes Stück 5 Ofg. 5. Für Benutzung des Marktplatzes zur Aufstellung von Buden usw. kommen die in à 3 festgesetzten Sätze zur Erhebung. D. An sonstigen Tagen. § 5. Werden öffentliche Straßen und Olätze zur Aufstellung von Buden u. s. w. oder zu einer sonstigen Benutzung hergegeben, so sind dafür die entsprechenden, in à 3 festgesetzten Standgeldsätze für jeden Cag der Beuutzung zu entrichten. E. Ermäßigungen. 6. Für Cöpfer=, grobe Holz-, Korbmacher, und ähnliche Waren, welche, auf dem Boden liegend, bei geringem Werte einen großen Raum einnehmen, wird nur die Hälfte der in dieser Ordnung bestimmten Standgeldsätze erhoben. § 7. Der Magistrat kann bei längerer als 5tägiger Benutzung eines Olatzes das Standgeld für die folgende Zeit bis zu 50 Oroz. ermäßigen; ebenso kann er wegen besonderer Umstände(andauerndes Regenwetter, schlechte Geschäfte) aus Billigkeitsgründen bei den Carifsätzen der 33 3 und 5 eine Ermäßigung bis zu 50 Proz. eintreten lassen. F. Allgemeine Bestimmungen. § 8. Ueberragt die Ware die Unterlagen, auf denen sie sich befinden, so wird das Standgeld nach dem Umfange des ersteren bemessen. Als Flächenraum, von welchem das Standgeld zu erheben ist, wird der zum Feilbieten der Waren benutzte, sowie der als Stand des Verkäufers notwendige Raum angesehen. § 9. Das Standgeld auf den Wochen= und Diehmärkten wird von Erhebern gegen Aushändigung eines nur für den einen Cag gültigen Marktscheines erhoben. Für die festen Stände(§ 2) und in allen übrigen Fällen ist das Standgeld an die Rämmereikasse dahier oder an den von ihr bestimmten Erheber vor der Markt= resp Betriebseröffnung zu entrichten 10. Diese Ordnung tritt mit dem Cage der Veröffentlichung in Kraft, von welchem Zeitpunkte ab alsdann die gemäß der Marktordnung vom IX. Januar 1881 zu erhevenden Standgelder und der Carif vom 26. März 188; aufgehoben werden. 453f Herford, den 30. Dezember 1901. Der Magistrat. Quentin. Busse. Reischauer. Dr. Lange. Brand. Herm. Müller. Herford, den 20. Juni 1902. zu antichen Kenntnis gebracht, Der Magistrat: Quentin. Frau Anna Siekmann Stiftung. Frauen und junge Mädchen, welche, durch industrielle Arbeit erschöpft, durch mehrwöchentlichen Aufenthalt am Stadtholze sich bei guter Verpflegung und Bewegung in freier Lust erholen und zu neuer Arbeit stärken wollen, können von uns in den Monaten Juli, August und September ganze oder teilweise Freistellen haben. Volle Verköstigung erfolgt im Waldfrieden; für Wohnung ist in einem benachbarten Hause sorgt. Vorlegung eines ärztlichen Zeugnises erwünscht. ingungen auf Zimmer 3 Rathaus 1 zu erfragen. Der Vorstano 3426 Quentin, Siekmann, Menckhoff, Müller. tretenden Abonnenten wird bis Ende Hinzu= d. Mis. unsere Zeitung gratis zu. gestellt. Redaktion und Verlag. Düsseldorfer (Von unserem Spezial-Berichterstatter.) V.(Nachdruck verboten.) Mächtig, wie Krupp die große Triumphstraße der rheinisch=westfälischen Großindustrie hier eröffnet, bilden die Gutehoffnungshütte mit der Deutzer Gasmotorenfabrik und die Bauten des Bergbaulichen Vereins deren wunderbares Finale: Eisen und Kohle ist der Beginn und das Ende, mit einem Wort, das Zeichen, unter dem diese prächtige Ausstellungs=Allee steht. Von der Maschinenhalle her ziehen über die beiden Gebäude mächtige Rauchwolken, die uns vorkommen, als rührten sie von einem Opferfeuer her; in den Hallen aber spielen wieder Maschinengiganten, jene Sklaven, die sich der moderne Mensch zu Füßen gezwungen, die Hauptrolle, und mächtiger noch wie in allen anderen Palästen tritt uns hier die rohe Gewalt entgegen, die uns niederdrückt und uns fühlen läßt, wie klein wir sind, aber uns auch andererseits erhebt und das Herz mit freudigem Stolz erfüllt, wenn wir bedenken, daß es der Geist des Menschen ist, der diese Urgewalt der Elemente gebändigt in eine Form gesteckt, die deren Kräfte, die weit über das ihm Mögliche hinausgehen, seinen Zwecken dienstbar macht. Der Bergbau und auch die Gutehoffrungshütte blicken auf ein graues, ehrwürdiges Alter herab und besonders der erste ist volkstümlich mit seinen alten Sitten, der Kleidertracht der Bergleute mit seinem, mir fast trautig klingenden „Glück auf". Das Werk ist eines der angesehendsten, ältesten die wir haben; der heutige Betrieb desselben ist in mehrere Abteilungen gegliedert. Im ganzen werden an die 14000 Personen beschäftigt, die Betriebskraft beläuft sich auf ca. 46000 PS. Der Bau der Hütte hier in Düsseldorf ist ein Juwel unter den Hallen und macht in seiner gefälligen, zierlichen Eisenkonstruktion mit zwei schlanken Türmen einen ungemein freundlichen Eindruck. Das Ganze ist eine lange Werkstatthalle, die in der Mitte durch ein mächtiges Querschiff geteilt wird, welches vorn das Hauptthor aufnimmt und hinten in einer großen Fensterbildung endet, auf welcher allegorisch die Herstellung von Eisen und Stahl im Bilde gezeigt wird. Dieses ganze Querschiff wird von einer für Schacht Sterkrade der Gesellschaft bestimmten Fördermaschine eingenommen, die bei einer mittleren 12 m sekundlicher Geschwindigkeit aus einer Tiefe von über 700 m 4200 kg Nutzlast zu fördern vermag. An ihr hängen die Augen fast aller Besucher am meisten und zwar ist es nicht nur die Größe, die man hier anstaunt, sondern die überaus ruhige Art der Arbeit, die vollkommen ohne jedes Geräusch ist und auch nicht die Spur von Dampf sehen läßt. An sonstigen großen Stücken ist eine Riedler= expreßpumpe mit Förderleistung von 2½ cbm per Minute vorhanden, die durch einen Drehstrommotor von 450 PS getrieben wird. Die ganze Mitte der linken Seitenhalle nimmt eine kolossale Hochofenbläsemaschine ein, die mit einem 1000 PS Hochofengasmotor gekuppelt ist. Die Hallen, welche die Kollektivausstellung des Bergbaulichen Vereins enthalten, bilden einen ganzen Komplex und das die Mitte derselben einnehmende enorm hohe Fördergerüst, möchte ich als ein weithin sichtbares Wahrzeichen der Düsseldorfer Ausstellung bezeichnen. Der Verein wird von den Gruben des Oberbergamtsbezirks Dortmund gebildet und gehören ihm heute 106 Bergwerksunternehmungen mit über 60 Millionen Tonnen Förderung und ca. 240000 Mann Belegschaft an; zur Zeit der Gründung im Jahre 1858 betrug die Förderung rund 400000 Tonnen bei 33000 Mann Belegschaft. Vor dem Hauptportal des Ausstellungsgebäudes stehen die Gipsfiguren zweier Bergleute; originell und für den Inhalt der Gebäulichkeiten charakteristisch sind die in Briketts und mächtigen Kohlenquadern ausgeführten Wandgliederungen und Thorbögen, die uns glauben machen, wir befänden uns im Tunnel eines großen Steinkohlen=Bergwerks. Geradeaus gelangen wir von diesem Vorhof in den Raum der gewaltigen Kuppel, die die ganzen Bauten krönt, und deren schlichte Architektur mächtig wirkt. Die tragenden acht Säulen umschließen unten vier Gemälde, welche Szenen aus dem Grubenleben darstellen. Kommen wir zu den Ausstellungs=Objekten, so erwähne ich zunächst die vom Vorhof links und rechts gelegenen Räume, zu deren einem man durch vollständig angelegte Schachtzimmerungen gelangt und die für den Fachmann wohl das Interessanteste der ganzen Kollektiv=Ausstellung enthalten. Es sind eine Anzahl graphischer und statistischer Darstellungen den Bergbau betreffend, wie die Gesamtproduktion der Erde an Kohlen im Jahre 1900, der Ein= und Ausfuhr von Kohlen des deutschen Zollgebietes usw. Die eigentliche Ausstellung zerfällt in 8 Gruppen; 1. Tiefbau, 2. Schachtabteufen und Ausbau, 3. Gezähe, Bohrmaschinen, Sprengstoffe, 4. Abbau=Verfahren, 5. Förderung, 6. Wasserhaltung, 7. Beleuchtung, 8. Behandlung der geförderten Kohle. Zum Schlusse kommen wir zur Maschinenhalle, die wahrhaft Giganten enthält und ein Glanzpunkt des ganzen hiesigen Unternehmens bildet. Da ist zunächst schon die in einem früheren Briefe erwähnte Wasserhaltungsmaschine der Firma Haniel und Lueg, bei deren Leistung von 25 chm pro Minute bei einer Förderhöhe von 500 Metern, es einem schwindlich werden kann. Noch mehrere Pumpwerke mit großen Leistungen frappieren. Den Schluß bildet die von der Eisenhütte„Prinz Rudolf“ erbaute stehende Verbund=Fördermaschine mit 800 PS für eine Förderung von 1200 Metern Teufe. Den Dimensionen nach ist die Maschine die größte der hiesigen Ausstellung; sie ist direkt mit dem Fördergerüst der Anstalt„Humbold“=Köln verbunden, welches ebenso wie die Wasserhaltungsmaschine für die Harpener Bergwerks=Aktien=Gesellschaft bestimmt ist. Ich kann, zum Ende kommend ohne Pose sagen, daß urgewaltig wie der Bergbau selbst, so auch die ihn in erster Linie hier vertretende Ausstellung des Bergbaulichen Vereins ist, der einen der ersten und größten Kohlenbezirke des ganzen Erdballes umfaßt. Wegen einer Beleidigung im Beichtstuhl hatte sich der Pfarrer aus Fröningen in Elsaß vor dem Schöffengericht in Altkirch zu verantworten. Er wurde beschuldigt, einer beichtenden Dame gegenüber im Beichtstuhl mit lauter Stimme mehrere heftige Ausdrücke gebraucht zu haben. Der Vorsitzende des Schöffengerichts versuchte vor Eintritt in die Verhandlung den Pfarrer zu bewegen, die beleidigenden Worte zurückzunehmen und eine entsprechende Geldbuße nebst den Kosten zu zahlen; der Beklagte ging jedoch hierauf nicht ein. Nach Vernehmung einiger Zeugen kam das Gericht zu einem Schuldigspruch. Das Urteil lautete nach dem„B. T.“ auf 80 Mk. Geldstrafe unter Tragung der Kosten. Außerdem wurde die Veröffentlichung des Urteils durch einen achttägigen Anschlag am Gemeindehaus in Fröningen verfügt. Pulverexplosion. Im Militärlager von Carabonchal bei Madrid fand gestern eine Pulverexplosion statt. Zahlreiche Menschen liegen unter den Trümmern. Dichter Rauch bedeckte das Lager während einiger Zeit. Die Detonation wurde in ganz Madrid sowie in den umliegenden Ortschaften vernommen. Zahllose Fensterscheiben sind zertrümmert. Die Festnahme eines falschen Leibhusaren=Offiziers erregt in Danzig großes Aufsehen. Dort wurde die Verhaftung eines jungen Mannes veranlaßt, der in der vollständigen Uniform eines Offiziers des 2. Leibhusarenregiments einherschritt und die Honneurs der vorübergehenden Soldaten und der Hauptwache als selbstverständlich entgegennahm. Auf dem Altstädter Graben ereilte ihn das Verhängnis. Von einigen vorübergehenden Personen wurde der„Offizier" als der 17=jährige Friseurgehilse Otto Klein erkannt und der Polizei übergeben. Auf dem Sterbebette getraut. Man berichtet aus Laibach: Am 22. Juni abends wurde Ingenieur Heinz auf der Unterkrainerstraße von einem elektrischen Wagen, vor welchem er mit dem Rade fuhr, erfaßt und tötlich verletzt. Auf dem Sterbebette ließ er sich mit seiner Braut trauen. Das graue Haus. Roman von B. Corony. 22. Fortsetzung. [Nachdruck verboten Atemraubend pochte Ediths Herz; verzehrende Angst trieb ihr das Blut in die Schläfen, daß die Adern zu zerbersten drohten, die Luft verdichtete sich vor ihren Augen, daß sie nichts mehr sah, als gleichsam aus Nebelschleiern hervortretend die büstere Gestalt eines Mannes, dessen hagere Hand eine purpurschimmernde Phiole hielt. In ihrer furchtbaren Aufregung erblickte Sie nicht den Retter in ihm, sondern ein dämonisches Wesen, welches ihrem Liebling Verderben drohte. Sie taumelte empor, drängte ihn zurück und rief röchelnd, als läge eine würgende Faust an ihrer Kehle:„Fort!— Fort!— Du sollst mein Kind nicht berühren!— Keinen Tropfen gestatte ich Dir, ihm einzuflößen!“ „Was sicht[Dich an? Was für wahnwitzige Gedanken schießen Dir durch den Kopf?“ Sie warf sich ihm entgegen und versuchte ihn mit Aufbietung aller ihrer sinkenden Kräfte zurück zu stoßen. Ein halberstickter Hilferuf entrang sich ihren Lippen.„Geh! Du willst an meinem Kinde experimentieren, wie Du es an dem armen Hunde gethan hast! Keinen Schritt näher! Ich fürchte mich vor Dir. Komme meinem Kinde nicht nahe!“ „Mißtraust Du mir?“ Ein hohnvolles Lächeln, ein flammender Blick begleitete diese Frage. Edith war neben dem Bettchen des Kindes niedergesunken und drückte den Kopf in die Kissen, als wolle sie sich blind und taub gegen etwas Entsetzliches, Grauenhaftes, Unvermeidliches machen. Zwischen dem Arzt und ihrem Kinde liegend, fühlte sie sich plötzlich gewaltsam zurückgerissen. Mit wutentstelltem Antlitz richtete José die Schwester auf.„Du armselige Närrin!“ stieß er hervor;„was hat man Dir vorgelogen und vorgeschwatzt? Du blicktest einst mit Bewunderung zu mir auf; was ich that und sagte, schien Dir so glaubwürdig wie die heilige Schrift. Noch nicht ein und ein halbes Jahr sind seitdem verstrichen, und schon hast Du Deinen Glauben an mich begraben; Du hast meine ärztliche Hilfe zurück gewiesen; suche Beistand, wo es Dir beliebt. Der Zustand Deines Kindes ist durchaus nicht bedenklich; es wird Dir auch durch Brenkendorf erhalten bleiben. Adieu!" Die Thür fiel hinter dem Doktor zu. Nun war der Bann wahnwitziger Angst von Edith genommen, und die ganze schwärmerische, fanatische Zärtlichkeit der Schwester erwachte von Neuem; sie flog dem Erzürnten nach und faßte seinen Arm.„Komm' zurück," bat sie;„ich weiß nicht, was mir plötzlich war, die furchtbare Aufregung muß mir alle Sinne verwirrt haben.“ Nicht brutal, aber entschieden befreite José sich und schritt durch den Garten. Auch hier folgte Edith ihm.„José, um aller Heiligen willen, verzeihe mir, Du kannst mich doch nicht in dieser Stimmung verlassen.“ Die Gartenthür wurde aufgestoßen und José ging schweigend weiter. Bald darauf trat Gerhard ein, der die von José verordnete Medizin brachte; er hörte, was vorgefallen war und eilte sofort zu dem Sanitätsrat Brenkendorf, um dessen Hilfe für das kranke Kind und die vor Seelenschmerz halb wahnsinnige Frau in Anspruch zu nehmen. Dann begab er sich nach dem grauen Hause, um José mit Edith auszusöhnen. Katharina lehnte an der Gitterthür und spähte ins Weite, als der Baumeister sich näherte.„Ist José zu Hause?“ fragte er. „Ist er denn nicht bei seiner Schwester?“ entgegnete sie. Er verließ mein Haus vor ungefähr einer halben Stunde,“ sprach Gerhard.„Wo mag er sein? Seltsam! Und warum blicken Sie mit so ängstlichen Mienen in die Ferne?“ „Ich ängstlich?— Daß ich nicht wüßte; soll ich dem Doktor etwas ausrichten? n#: Ich lasse ihn bitten, Ediths augenblickliche Aufregung zu verzeihen; gern würde ich ihn erwarten, mag aber meine Frau nicht länger allein lassen.“ „Gehen Sie nur; ich will dem Herrn Doktor schon alles sagen.“ Hastig, gleichsam froh, einer peinlichen Verpflichtung genügt zu haben, entfernte sich Gerhard Die einsame Frau wich nicht von der Gartenthür. „Wie lange nur der Herr Doktor bleibt,“ sagte Johann, der endlich herbeischlich. „Was kümmert es Sie?“ fuhr die Hellmuth auf;„wäre es vielleicht das erste Mal, wenn er die ganze Nacht auswärts bliebe? Gehen Sie zu Bett, wenn Sie müde sind.“ „D nein, nein; das ist es nicht; aber wenn einer so tobt und wütet, da kann man Angst bekommen. Der Brief mit dem großen Siegel, der heute gebracht wurde, liegt in Fetzen zerrissen da; ich vergesse es nicht, wie der Herr darauf herumtrat, die Hände ballte und Worte ausstieß, die— die——“ „Die Sie vergessen oder wenigstens verschweigen sollen!“ herrschte ihn Katharina an.„Ein Diener muß in vielen Fällen taub und blind sein; er hat die Herrschaft nicht zu belauern und zu beobachten. Der Doktor scheidet ungern aus diesem Hause; wer will es ihm verdenken? Ich nicht.“ „Ich ebenso wenig, aber—“ „Sie haben die Handlungsweise Ihres Herrn nicht zu kritisieren. Was stehen Sie hinter mir? Ich werde Sie rufen, wenn ich Sie brauche.“ Den Kopf schüttelnd ging der Alte seiner Wege. Endlich kam José. „Gott sei Dank, daß sie da sind!“ rief Katharina ihm fast jauchzend entgegen. Er antwortete nicht. „Ior Schwager war da," berichtete die Alte;„er bittet Sie dringend, recht bald zu ihm zu kommen.“ Ich gehe nicht mehr hin,“ lautete die Antwort. Katharina folgte ihm.„Herr Doktor," begann sie,„auf ein Wort! Edith ist trostlos und—“ „Sie soll sich trösten, wie ich mich trösten muß!“ Dröhnend flog die Thur zu. Mit zitternder Hand drückte die Hellmuth auf die Klinke. „Lassen Sie mich ein!— ich habe Ihnen noch viel zu sagen!“ bat sie. Keine Antwort erfolgte. DX Detmolder Lotterie. Ziehung am 2s. und 26. Juli 1902. Es gelangen zur Verlosung: 1 vollständig elegantes Gespann, 25 Pferde und Füllen, 20 Stück Rindvieh u. 1954 andere Gewinne (Fahrräder, Maschinen, Haushaltungsgegenstände 2c.) also zusammen: 2000 Gewinne Schützenhof—Herford. Montag, den 30. Juni, abends 8 Uhr: Einmaliges Konzert des Schwarzen Udel-Quartetts Troubadours. S 4541 Entree 1 Mk. Vorverkauf 75 Pfg. Familienkarten für 3 Personen gültig(nur im Vorverkauf) Rk., Gesangvereine nur im Vorverkauf 50 Pfg. Vorverkauf in der Zigarrenhandlung von August Wessel. Liedertexte zugleich Programme in deutsch und englisch a 20 Pfg. in der Vorverkaufsstelle und an der Kasse zu haben. Im „Oeffnen Sie doch!“ bat die Hellmuth wiederholt mit weinerlicher Stimme. Nichts als das heftige Zuschlagen einer zweiten und dritten Thür wurde vernehmbar. 9. Der Mond trat hinter den dunklen Wäldern hervor, die sich in scharfen Umrissen von dem Firmament abhoben. Aus der Villa Martha tönte Musik, fröhliches Lachen und Gläsergeklirr herüber; durch den mit farbigen Lampen geschmückten Garten huschten hellgekleidete Frauengestalten und tanzende Paare schwebten durch den hellerleuchteten Salon. Das zierliche Gebäude nahm sich wie ein Feenschlößchen aus und bildete einen seltsamen Contrast zu den wie ein von III Gesamtwerte von 22500 Mk. — Lose à 1 Mark, 11 Lose für 10 Mark sind zu beziehen durch die Geschäftsstelle 5599 der„Herforder Zeitung für Stadt und Land.“ Ferner befinden sich Verkaufsstellen der Detmolder Lose in folgenden Agenturen der„Herforder Zeitung für Stadt und Land.“ W. Theiling, Eilshausen, G. Wellhölter, Elverdissen, A. Kreft, Westerenger, Kahleis, Löhne, Ort, Hch. Kuhlmann, Hiddenhausen. Hch. Kuhlmann, Enger, Wwe. Guntelmann, Eickum, Künckemeier, Feldmark, H. Nottelmann, Spenge ein(eelischtosschenKu nen seltsamen Contrast zu dem grauen Hause, das wie ein von Mondenschimmer überfluteter Sarkophag dalag. Nur in dem Laboratorium brannte Licht, aber düster und kaum wahrnehmbar. Der verwilderte Garten sah in der geisterhaft fahlen Beleuchtung magisch schön aus und die abgebrochene Säule des Grabmales funkelte wie Silber. Martha Förster befand sich unter den Damen, die das heutige Sommernachtsfest durch ihre Anwesenheit verherrlichten; sie flog mit dem jungen Kleemann, dem Sohne des Hauses, durch den glänzenden Raum; sie glich einer lustsprühenden Bacchantin mit ihren blonden Locken, in denen frische Rosen glühten, mit dem Lächeln, das um die halbgeöffneten Lippen spielte. Warm und Sternenklar, von berauschenden Düften durchweht, als befände man sich in dem Zauberlande der Tropen, war die Nacht herangezogen. Gleich einem in tausend Farben flimmernden, überreich mit Diamanten geschmückten Zelt wölbte sich der Himmel über Wald und Thal, über die kleine Welt mit ihrem aufgeregten Treiben, ihrer jubelnden Lust und ihrem tiefen, endlosen Leid. Wieder klirrten die Gläser an einander und jugendfrische Stimmen sangen im Chor heitere Lieder. Da ertönte plötzlich ein donnerartiger Kuall. (Forts. folgt.) Wir bitten unsere geschätzten Leser und Freunde unseres Blattes, nachstehenden Bestellschein weiter in ihren Bekanntenkreisen verbreiten zu wollen. r (Genaue Adresse des Bestellers.) „Herforder Zeitung für Stadt u. Land“ nebst„Illustriertem Sonntagsblatt“ als Gratis=Beilage. II. Odge Quittung. Mk. Pfg. sind heute richtig beveblt. 1902. Täglich frisch gestochenen Sparge à Pfund 40 und 28 Pfennig empsiehlt Ulrich Raumann, 3831] Bäckerstr. Autol Stellungen (Stellungs=Gesuche und=Angebote inseriert man mit Erfolg in der Herforder Zeitung für Stadtu. Land.) Tücktiger Rolansler auf sofort gesucht. Möbelfabrik 463f Roeder, Iserlohn. unübertroffenes 94f Oel für Motorwagen H. Möbius& Sohn Haunover— Londou— Basel. Eine wichtige Sache im Haushalt ist die Wahl einer wirklich guten Seife. 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