Diese Zeitung erscheint am Abend jeden Wochentages. Abonnementspreis vierteljährlich pränumerande 1.25 Mark. bei Postbestellung kommt das Bestellgeld hinzu. Sonnabend, 24. Mai. Inserate werden bis spätestens vorm. 11 Uhr erbeien. Preis der einspaltigen Vetitzeile für Stadt und Kreis Herford, Oeynhausen und Amt Rehme 10 Pfg., sonst 15 Pfg. Die„Herforder Zeitung für Stadt und Land“ ist für den Kreis Herford das wirksamste Insertionsorgan. 12. Jahrgang. Teleph. Anschl. 4 Kreis N 83 Teleph. Anschl. Erstes Blatt. Amtliche Anzeigen für den Kreis Herford. eute abend von 8 Uhr ab findet eine Spülung des Wasserhauptrohrnetzes statt. 511e Städtisches Gas= und Wasserwerk. ie Geschäftsstelle des Gewerbe=Gerichts befindet sich jetzt im Rathaus II, Münsterkirchplatz Nr. 1. Anträge werden auf der Gerichtsschreiberei— Zimmer Nr. 1, daselbst— entgegengenommen. 363e Herford, den 15. Mai 1902. Das Gewerbe=Gericht. Busse. Jagd Verpachtung. Die städtische Jagd in den Bezirken I, II, III, IV, V soll auf neue 12 jährige Periode meistbietend verpachtet werden. Abschrift der Bedingungen sind gegen Erstattung der Copialien aus unserem Stadtsekretariate erhältlich. Offerten mit Angabe der Jahres=Pacht=Summe(Bezirk II und III bleiben vereinigt) sind verschlossen auf dem Amtszimmer des I. Stadtsekcetärs, Zimmer Nr. 4 des Rathauses I, bis 313e Montag, den 2. Juni, mittags 12 Uhr abzugeben. Herford, den 9. Mai 1902. Der Magistrat: Quentin. Is gefunden wurden 2 Geldstücke größeren Wertes und eine Halskette angemeldet. Weitere Auskunft wird auf dem Polizeibureau(Rathaus II Zimmer Nr. 1) erteilt. Herford, den 20. Mai 1902. Die Polizei=Verwaltung. I. V.: Der 2. Bürgermeister: Busse. 487e ie Gemeinde=Vertretung von Gohfeld hat am 2. Mai d. Is. beschlossen, den Fußweg durch den sogenannten „Rübegarten" am Dorfe Gohfeld, Flur 7 Nr. 351/146, 350/146, 147, 459/148, nach Ausbau der Wasserstraße als nunmehr für den öffentlichen Verkehr überflüssig, eingehen zu lassen und einzuziehen.— Dieses Vorhaben wird gemäß§ 57 des Zuständigkeitsgesetzes von 1. August 1883 mit der Aufforderung bekannt gemacht, Einsprüche innerhalb 4 Wochen zur Vermeidung des Ausschlusses bei der unterzeichneten Wegepolizeibehörde geltend zu machen. Gohfeld, den 20. Mai 1902. Die Wegepolizei=Behörde. Schrakamp, Amtmann. Der alte und neue Knopf. Wie sehr das ständige Verändern der Uniformen des Heeres Gegnerschaft findet, zeigt sich daran, daß selbst ein Blatt wie die Münchener„Allg. Ztg.“, das offiziöse Beziehungen hat, die kürzlich eingeführte Erneuerung der Uniform=Knöpfe in folgendem Artikel beleuchtet: „Seit den Tagen des seligen Lebrecht Knopf gilt beim Militär der Garnisonswachdienst als schwierigster Dienstzweig, als eigene Wissenschaft, wo sich nur besonders begnadete Naturen unter Führung eines Platzmajors zurechtfinden. Diese werden nun allerdings mit Betrübnis vernehmen, daß die kürzlich erschienene neue Garnisonsdienstvorschrift mit verschiebenen aus der Zeit des Zopfes stammenden Bestimmungen aufräumt, weil die Truppenausbildung im Zeichen der zweijährigen Dienstzeit für Dinge keine Muße mehr übrig hat, die in der guten, alten Zeit des militärischen„dolce kar giente“ die wenigen dienstpräsenten Leute vor dem gänzlichen Einschlafen bewahren sollten. Aber leider herrscht dieses lobenswerte Streben nach Vereinfachung nicht auf allen Gebieten, am wenigsten bei der Uniformierung. Sie ist beständigem Wechsel unterworfen und wird in ihren immer wieder neuen Abzeichen und Auszeichnungen von Verordnungsblatt zu Verordnungsblatt komplizierter, unübersichtlicher und teurer. Im Wachdienst ist soeben der„alte Knopf“ zu Grabe getragen worden, an der Uniform aber ist ein„neuer Knopf“ erstanden. Wie der erstere in der bekannten köstlichen Militärsatyre seine Verherrlichung gefunden hat, so ist dem letzteren im Kladderadatsch der Poet erstanden. Namentlich werden die Schneider sich der neuen Auszeichnung von Herzen freuen, denn der wichtigste Unterschied zwischen dem früheren und dem neuen Knopf, die verschiedene Größe, bringt es mit sich, daß der neue kleine Kopf nicht zum alten großen Knopfloch paßt. Sollte der Knopf gar die Errungenschaft der zur Verwertung der ostasiatischen Erfahrungen eingesetzten hohen Kommission sein, dann bleibt sie hoffentlich nicht die einzige.“ Diese Satyre ist scharf, aber treffend. Zur Tagesgeschichte. Deutschland Vom Kaiser. Se. Maj. langte gestern früh 9 Uhr bei Tourneville an und ritt nach dem Exerzierplatz Frescaty, wo er von dem kommandierenden General Grafen Häseler empfangen wurde. Der Monarch ritt die Front des Königs=Infanterie=Regiments Nr. 145 ab, auf dessen rechtem Flügel der Statthalter Fürst zu Hohenlohe=Langenburg Aufstellung genommen hatte. Es folgten ein Vorbeimarsch in Kompagniekolonnen und ein Detailexerzieren der einzelnen Bataillone. Nach der Kritik befahl er ein Gefechtsexerzieren, an dem sich auch andere Truppen beteiligten. Das Gefecht wurde kurz vor 1 Uhr beendet. Auf dem Uebungsfelde waren zwolf englische Offiziere anwesend, die sich zur Zeit zum Studium der Schlachtfelder in Metz aufhalten. Der Kaiser ließ sich die Offiziere vorstellen, unterhielt sich längere Zeit mit ihnen und drückte jedem die Hand. Nach einer weiteren Kritik ließ er das Regiment noch einmal vorbeimarschieren. Mittlerweile hatren sich sämtliche Truppen aus Metz, zu denen noch das hier übende DragonerRegiment Nr. 6 aus Diedenhofen kam, zum Vorbeimarsch aufgestellt. Dieser erfolgte bei der Infanterie in Regimentskolonnen, bei der Fußartillerie und den Pionieren in BataillonsKolonnen, bei der Kavalleric und der Feldartillerie im Trabe in Schwadrons= bezw. Batteriefronten. Der Kaiser, der die Uniform seines Königs=Infanterie=Regiments Nr. 145 trug, führte sein Regiment vorbei, ebenso der Statthalter Fürst zu Hohenlohe=Langenburg das 1. hannoversche Dragoner=Regiment Nr. 9, à la suite dessen der Statthalter steht. Nach dem Vorbeimarsch, der um 2½ Uhr beendet war, setzte sich der Monarch an die Spitze der Fahnenkompagnie seines Regiments und zog in Montigny ein, wo er in der Kaserne des Regiments abstieg und das Frühstück im Offizierkasino einnahm. Prinz Albert von Sachsen=Altenburg ist auf seiner Besitzung Serrahn bei Krakow in Mecklenburg gestorben.— Der Prinz, der 1843 in München geboren ist, war preußischer General der Infanterie, sächsischer General der Kavallerie und russischer General=Major. In erster Ehe war er nur 3 Jahre mit der verwitweten Prinzessin Marie der Niederlande geborenen Prinzessin von Preußen verheiratet, die 1888 starb. Seine ihn überlebende 2. Gattin ist die 1857 geborene Herzogin Helene von Mecklenburg=Schwerin. Die Verwandtschaft mit Mecklenburg veranlaßte ihn, sich auf dem Schloß Serrahn i. M. niederzulassen. Aus erster Ehe hinterläßt er 2 Töchter von 16 und 14 Jahren. Der Schah von Persien wird mit großem Gefolge am 29. d. Mts. gegen 6 Uhr abends auf dem Bahnhofe in Potsdam eintreffen und in der Orangerie Wohnung nehmen. Der Kaiser wird den Gast auf dem Bahnhofe empfangen und nach der Orangerie geleiten. Baron de Schmid, der in Urzel vom Kaiser zur Abendtafel geladen war und zum Rittmeister ernannt wurde, vertritt im Reichstage, dem er seit 1898 angehört, den Wahlkreis Saargemünd. Er hält sich zu keiner bestimmten Fraktion. Er ist jetzt 44 Jahre alt, hat in Paris Mathematik und Naturwissenschaften studiert und in der französischen Kavallerie gedient. Da es ihm im mündlichen Gebrauch der deutschen Sprache noch an Gewandtheit fehlte, so hat ihm der Präsident des Reichstages seinerzeit gestattet, seine Reden abzulesen. Zum Befinden der Königin Wilhelmina. Ein Bulletin von gestern besagt: Der Zustand der Königin Wilhelmina ist andauernd sehr zufriedenstellend. Ihre Majestät nimmt jetzt nicht mehr ausschließlich flüssige, sondern auch feste Nahrung zu sich. Weil man jetzt den Anfang mit der Desinfektion des Krankenzimmers und der angrenzenden Gemächer machte, siedelte die Königin nach dem anderen Flügel des Schlosses über. Die Friedensverhandlungen in Südafrika. Hierzu liegen heute u. a. folgende Meldungen vor: Berlin, 23. Mai. Hier wird an unterrichteten Stellen angenommen, daß der heutige Kabinettsrat in London; der um 5 Uhr nachmittags stattfindet, entscheiden wird, ob die englische Regierung mit den bisherigen Vereinbarungen in Afrika einverstanden sein kann oder nicht, worauf dann ein Waffenstillstand und Ende Mai oder Anfang Juni der Friedensschluß erfolgen dürfte. Jedenfalls kann als feststehend angesehen werden, daß die Krönungsfeier König Eduards unter dem Zeichen des Friedens stehen werde. London, 23. Mai.„Daily Chronicle" erfährt aus guter Quelle, die Besprechungen zwischen den Burenführern, Lord Kitchener und Milner in Pretoria hätten den Erfolg gehabt, daß der Friede thatsächlich gesichert sei und die Feindseligkeiten alsbald eingestellt würden, und zwar sei dieser Erfolg dem Umstande zuzuschreiben, daß die Buren die Bedingungen der Engländer angenommen hätten. Der„St. James Gezetta“ ist eine Mitteilung zugegangen, daß die Depesche Kitcheners, die zur Zusammenberufung des Kabinetts Veranlassung gab, strittiger Natur sei, und daß deshalb eine unmittelbare Entscheidung nicht zu erwarten sei. Herforder Kreisnachrichten. Herford, 24. Mai 1902. zich Zum Musikvereinskonzert. Hierdurch möchten wir unsere Leser noch einmal auf das morgen stattfindende Musikvereinskonzert aufmerksam machen. Das Werk, Bruch's Gustav Adolf, hat in der kurzen Zeit seines Bestehens überall die größten Erfolge erzielt. Bei seiner ersten Aufführung, in Barmen, riß es die Zuhörer zum lautesten Enthusiasmus hin und die Vertreterin der Altpartie mußte auf das Verlangen des Publikums eine Arie 8mal wiederholen! Die Chöre unseres Musikvereins haben mit außergewöhnlichem Eifer geübt, um hier, soweit es in ihren Kräften steht, möglichst Aehnliches zu leisten, die Soli sind Kräften allerersten Ranges übertragen worden, so daß für einen musikalischen Erfolg der Aufführung gethan ist, as gethan werden konnte. Ob der Verein für seine Mühen durch ein volles Haus belohnt werden wird? Bis jetzt ist, wie wir leider hören mußten, der Billetverkauf nicht in dem Maße rege, wie es den diesmal außergewöhnlich hohen nkosten entspricht. Hoffen wir, daß dennoch der Saal am Sonntag sich als zu klein erweisen möge! □□ Westfälischer Kriegerverband. Der diesjährige Abgeordnetentag des Westfälischen Kriegerverbandes findet am 12. Juli auf der Hohensyburg statt. ·9—6 Gauvorturnertag. Wie schon früher erwähnt, findet morgen für den Minden=Ravensberger Gau in Herford ein Gauvorturnertag statt. Auf der Tagesordnung stehen besonders Aufmarsch, Frei= und Pflichtübungen für das Gaufest sowie Kampfrichterwahl. *∆ Im Bahnhofshotel findet morgen ein Frühschoppenkonzert statt. ** Ein Konzert der Düngelschen Kapelle wird für morgen abend in Brinkmanns Restaurant angekündigt. * M i t m i l i t ä r i s c h e n O r d r e s w e r d e n j e t z t v e r h ä l t n i s mäßig viele Reservisten und Landwehrleute„beglückt"; wie es heißt, soll anfangs Juli d. J. in der Senne ein besonderes Reserve= und Landwehr=Regiment gebildet werden. Steuerfreiheit bei militärischen Uebungen. Aus Anlaß der nunmehr wieder beginnenden militärischen Uebungen seien die Landwehrleute und Reservisten daran erinnert, daß sie für die Monate, in denen sie zur Uebung bei der Truppe eingezogen sind, keine Steuern zu zahlen haben, Wenn auch nur ein einziger Uebungstag auf den Monat entfällt, so ist doch der ganze Monat steuerfrei: Da ohne besonderen Antrag eine Steuerbefreiung nicht erfolgt, so müssen die betr. Steuerpflichtigen eine Meldung unter Vorlegung oder Einsendung des Militärpasses bei der Gemeindebehörde ihres Wohnortes anbringen. — Betreffs der Haftpflicht der Hotelbesitzer veröffentlicht die Frft. Ztg. nachstehende Gerichtsentscheidung: Ein Fremder beauftragte bei seiner Abreise das Personal des Hotels, in dem er gewohnt hatte, mit der Beförderung seiner zwei Koffer und seiner Reisetasche, in der sich Gegenstände im Wert von 4000 Mt. befanden. Bei Aufgabe der Koffer wurde die Reisetasche gestohlen und nun machte der Fremde den Hotelbesitzer haftbar. Anfangs schien dieser geneigt— er ist gegen Diebstahl versichert— den Schaden zu ersetzen, schließlich wollte er aber nur 1000 Mk. zahlen und darauf Hierzu zweites Blatt sowie Illustriertes Sonntagsblatt. kam es zur Klage. Die Civilkammer des Landgerichts stellte sich in der Schlußverhandlung auf Seite des Fremden und verurteilte den Hotelier zur Zahlung der eingeklagten Schadenersatzsumme von 4000 Mk. : Gefangenen-Entweichung. Am 10. d. Mts. fanden 2 Schüler in der Nähe eines Ausflugsortes bei Hagen i. W. mehrere Kleidungsstücke, von denen ein Hemd mit„Gefängnis H.“ gezeichnet war. Diese Kleidungsstücke gehörten einem Gefangenen der hiesigen Gefangenenanstalt, der einer Filiale überwiesen worden war. Von dort ist der Grfangene entwichen und hat wegen des besseren Fortkommens seine Gefangenenkleider abgelegt. . Ein nichtsnutziger Streich wurde in einer der letzten Nächte dem Wirt M. in der Steinstraße hier gespielt, indem demselben 8 Weinstockreben, die er an sein Haus gepflanzt hatte, 2 m über der Erde abgeschnitten wurden. Der Geschädigte setzt auf die Ergreifung der Thäter 20 Mk. Belohnung aus. In den Markthallen stellten sich heute die Preise der Produkte wie folgt: Rindfleisch 60—65 Pfg., Schweinefleisch 70—80 Pfg., Hammelfleisch 60—65 Pfg., Nierenfett 40—50 Pfg., Butter Pfd. Mk. 1,15, Eier 2 Pfd. 95 Pfg., Rotkohl Kopf 10—30 Pfg., Wirsing 30—35 Pfg., Weißkohl 30—35 Pfg., Rosenkohl Pfd. 35 Pfg., Wurzeln Pfd. 8 Pfg., Steckrüben St. 5 Pfg., Porree Bd. 5 Pfg., Zwiebeln 2 Pfd. 25 Pfg., Kohlrabi Bund 10 Pfg., Blumenkohl 50—55 Pfg., Schnittsalat Portion 10 Pfg., Kopfsalat Kopf 10 Pfg., Spargel Pfd. Mk. 1.—, Radteschen Bund 10 Pfg., Streifrüben 4 Bund 10 Pfg., Gurken Stück 40 Pfg. *∆ Falkendiek, 24. Mai. Stiftungsfest. Morgen, Sonntag, veranstaltet der Rauchklub„Gemütlichkeit" bei Herrn Gastwirt Stille hier sein diesjähriges Stiftungsfest. Dasselbe dürfte sich wieder eines regen Besuchs zu erfreuen haben. 's Enger, 23. Mai. Stadtverordneten=Sitzung. um Freitag, den 30. Mai ds. Is., nachmittags 5 Uhr findet wiederum eine Sitzung der Stadtverordneten statt. Die Tagesordnung ist wie folgt: 1. Anstellung einer 7. Lehrkraft an der Schule in Enger; 2. Einrichtung eines Haushaltungsunterrichts für die älteren Mädchen der hiesigen Volksschule; 3. Vergebung der Blitzableiteranlagen; 4. Beschlußfassung über Einrichtung einer Sparkasse; 5. Anderweite Regelung der Reinigung der Schulaborte und 6. Verschiedenes. Enger, 23.Mai. Verschiedenes. Seit anfangs d. I. wurden polizeiliche Baugenehmigungen im Amte Enger erteilt zu 25 Neubauten sowie 28 An= und Um= bezw. Veränderungsbauten. Die Baulust ist somit im hiesigen Amte andauernd eine sehr große.— In vergangener Nacht verübte ein hiefiger Bewohner, H., durch Skandalieren und Schimpfen in der Nähe seiner Wohnung ruhestörenden Lärm; schließlich schlug er noch Fensterscheiben im Hause des Neubauers Nolte entzwei. H. wurde durch den hinzugerufenen Gendarmen Behrendt im Polizeigewahrsam untergebracht, um weiteren Exgehen vorzubengen. * Wallenbrück, 23. Mai. Der Verein für innere Mission hier feiect am Sonntag sein Jahresfest. Vormittags wird laut N. W. V.=Z. Herr Pastor WöhrmannBorgholzhausen und nachmittags Herr Pastor Möller=Gütersloh predigen. * Bünde, 23. Mai. Wurstdiebstahl. In vergangener Nacht wurde laut Ztg. dem Bierverleger Niederbäumer am Brunnen für etwa 100 Mk. Wurst gestohlen. Die heute morgen vor dem Hause liegenden leeren Bierflaschen lassen darauf schließen, daß sich der Dieb nach seiner Arbeit mit dem im Hause vorgefundenen Biere gestärkt hat. Aus Provinz und Nachbarstaaten. * Mindon. 23. Mai. Verschiedenes. Heute vormittag beim Ueberbringen von Brückenmaterial vom linken nach dem rechten Weserufer auf einer mit einem Ankertau verankerten Fähre riß das Tau. Die Fähre trieb infolgedessen stromabwärts und wurde hierbei eine Zeitlang an einem im Wasser stehenden Pfahljoch aufgehalten. Dabei schöpfte der eine Kahn Wasser. Der Pionier Zygalski, welcher schwimmen konnte, sprang darauf, wohl in der Absicht, sich der vermeintlichen Gefahr zu entziehen, mit mehreren anderen Pionieren aus dem Kahn ins Wasser und schwamm dem Lande zu. Hierbei muß Zygalski entweder im Wasser von einem Krampf befallen sein, der ihn am Weiterschwimmen verhindert hat, oder von einem Strudel auf den Grund gezogen und ertrunken sein. Alle übrigen Leute wurden von einem in der Nähe befindlichen Ponion und durch die Kameraden geborgen. Die Fähre trieb dann mit den auf ihr befindlichen Leuten weiter ab bis an die Zivil=Schwimmanstalt unterhalb der Weserbrücke, auf welcher es laut Kr. den Leuten gelang, zu landen.— In der letzten Versammlung des Vereins für Gartenbau und Blumenzucht hielt Herr Obftbautechniker Kohrßen aus Herford einen sehr sachkundigen, interessanten Vortrag über die Obstschädlinge und deren Bekämpfung. * Bückeburg, 23. Mai. Verhaftet ist dieser Tage in Osnabrück der wegen Unterschlagung amtlich anvertrauter Gelder von hier steckbrieflich verfolgte und seit dem 4. April flüchtige frühere Magistratssekretär Wagener. * Burgfelden, 23. Mai. Durch allzu reichlichen Genuß von Sauerampfer haben sich zwei Kinder vergiftet. Am Abend stellte sich bei beiden heftiges Erbrechen ein. Der am nächsten Morgen herbeigerufene Arzt konnt keine Hoffnung mehr geben. Das eine Kind, ein 13jährige Knabe, starb am Tage darauf; am Morgen des nächsten Tage folgte ihm sein Schwesterchen, 11 Jahre alt, nach. K a####rney, 23. Mai. Ein seltenes Na . rei prachte hier eine Glucke zu Tage, indem sie en Hühnchen ausbrütete, das vier Beine hat. Hühnchen un Mutter Glucke sind wohl und munter. * Münster, 23. Mai. Der neue Entwurf fü das Ehrengrab des Freiherrn Klemens vor Ketteler. Der Kaiser hat den neuen Entwurf des Bild hauers Hermann Hidding für das Ehrengrab des Gesandten Freiherrn Klemens v. Ketteler endgiltig genehmigt. Der von Kaiser bestimmte Platz liegt im hiesigen Königl. Schloßgarten an einer vorspringenden Ecke auf einer Art Halbinsel, um geben vom Wasser des Schloßgrabens; die Front des Denkmals wird sich stimmungsvoll dem Friedhofe zuwenden, auf dem Freiherr v. Ketteler seine Ruhestätte in heimischer Erde gefunden hat. In dem jetzt zur Ausführung bestimmten Entwurfe hat Hidding das sanft ansteigende Plateau des Königl. Schloßgartens zu einer imposanten architektonischen Anlage ausgestaltet. In der Mitte führt, von Rasen eingefaßt, eine 7 Meter breite, 22stufige Freitreppe in zwei Absätzen hinauf zum Plateau. Das eigentliche Denkmal ist auf der Höhe des alten Festungswalles architektonisch eingebaut und wird von einer 17 Meter breiten Terrassenanlage umschlossen. Halbrunde Stufen führen zu einer weiteren Freitreppe, auf der sich dann das stattliche Monument erhebt. Es hat die äußere Form eines Obelisken, der im neuen Entwurf schlanker geworden ist. Am Fuße ist der Eingang zu einem alten germanischen Hünengrabe in rohen Blöcken der Architektur vorgelagert. Darüber zeigt sich das Profil=Relief des Freiherrn v. Ketteler in Gesandten=Uniform mit Zweimaster; unter dem Bilde ruht die mit dem Eichenkranz geschmückte Reichsfahne. Links ist mit besonderer Genehmigung des Monarchen das bekannte Bild des Kaisers„Völker Europas, wahret eure heiligsten Güter“ in Reliefform übertragen. Auf dem Obelisken erhebt sich die kraftvolle Gestalt des heiligen Michael in monumentaler, ruhiger Haltung, der die aufsteigenden Flügel eine stimmungsvolle Silhouette geben. * Iserlohn, 23. Mai. Fabrikbrand. In vergangener Nacht brannte die Nadelfabrik von Friedrich Hanebeck, ein ziemlich großes Etablissement, bis auf die Umfassungsmauern vollständig aus. * Köln, 23. Mai. Ueber das Befinden des Erzbischofs Simar lautet die ärztliche Auskunft, daß es heute nicht so gut sei wie gestern. Die Krisis steige. * Hamburg, 23. Mai. Die Maibüsche hatten dieses Jahr so winzige Blättchen, daß verschiedene Händler sich nach einem Ersatzmittel umsahen. So wurden z. B. Vogelbeerbüsche nach der St dt geschafft, auch einige Wagen mit Tannenbäumen langten an. An einem hatte der offenbar witzig veranlagte Händler ein Plakat angebracht mit dem Verse:„O Tannenbaum, o Tannenbaum, wie grün sind deine Blätter, du grünst nicht nur zur Winterszeit, nein, auch um Pfingsten, wenn es schneit.“ Der Witzbold fand guten Absatz. werden Monats=Abonnements auf die„Herforder Zeitung für Stadt und Land“ von allen Briefträgern, den Kaiserlichen Postanstalten unseren Boten sowie in unseren Agenturen entgegengenommen. Die Katastrophe der Kleinen Antillen. Ueber einen neuen vulkanischen Ausbruch am Dienstag liegen aus Fort de France folgende Nachrichten vor:„Gegen 5½ Uhr morgens entstieg dem Krater eine dichte Rauchsäule, aus der unaufhörlich Blitze hervorschossen. Sie bewegte sich mit reißender Geschwindigkeit in der Richtung auf Fort de France. Die von der aufgehenden Sonne durchalühten Ränder der Wolke versetzten die Bevölkrung in den Glauben, daß eine Feuersäule sich der Stadt nähere. Es entstand eine furchtbare Panik. Tausende stürzten, nur notdürftig bekleidet, auf die Straßen und suchten sich nach allen Richtungen hin zu flüchten. Ihre Aufregung war um so schwerer, als beim Herannahen der Wolke ein Stein= und Aschenregen auf Fort de France niederprasselte, der eine Stunde währte und von dumpfen Donnerschlägen begleitet war. Die Steine waren viel größer, als diejenigen, die am 7. auf die Stadt niedergegangen waren. Viele Bewohner flüchteten sich auf die in der Rhede vor Anker liegenden Schiffe. Bei dem allgemeinen Drängen in die Boote kenterten mehrere, doch konnten alle Personen gerettet werden. Der Kommandant des„Suchet" telegraphierte am Abend dem Kolonialminister nach Paris: „Heute mergen heftiger Ausbruch, Steinregen, entsetzliche Panik. Habe mit Gouverneur Küste bis zur Grande Ause besucht. Hatte keine Opfer. Keine großen Beschädigungen. Zahlreiche Einwohner verlassen Insel, obgleich Fort de France nicht bedroht ist.“ Eine kurz darauf abgesandte Depesche des stellvertretenden Gouverneurs Lhuerre meldet, daß die Ruinen von Saint Pierre infolge des neuen Ausbruches zusammengestürzt sind. Das Dorf Carbet wurde von einem Strome heißglühenden Schlammes überschwemmt. Zahlreiche Schlammgüsse folgen einander fast ununterbrochen in der Gegend von Saint Pierre bis Le Préchau. Die Felder sind von der Grande Rizière bis zum Marigot völlig vernichtet, dagegen von Le Lorrain bis Le Marin unversehrt geblieben. Die Bewohner des Mont Rouge sind infolge eines Regens von Schlamm und mit Schwefel versetzten Stoffen sämtlich nach Fort de France gebracht worden, ebenso die von Le Carbet und die in diesem Orte einquartierten Truppen, die keine Verluste erlitten haben. Mit verschiedenen Dampfern sind gegen 1000 Personen nach Guadeloupe und Sainte Lucie abgefahren. Ungefähr 3000 Personen haben na in die im äußersten Süden der Insel gelegenen Ortschaften geflüchtet. Die Nacht zum Mittwoch scheint ruhig verlaufen zu sein. Die Bewohner sind aber sämtlich durch die fortwährenden Aufregungen aufs äußerste erschöpft und gänzlich entmutigt. Alle haben nur einen Gedanken: die Insel möglichst schnell zu verlassen. Gestern vormittag fand in der Kirche Notredame in Paris der Trauergottesdienst für die Opfer der Katastrophe in St. Pierre statt. Die mit Schwarz ausgeschlagene Kirche war von Andächtigen dicht gefüllt. Die Gemahlin Loubets, die Minister wit ihren Gattinnen, die diplomatischen Korps, die Spitzen der Behörden und zahlreiche Mitglieder des Senats und der Kammer waren zugegen. Des Weiteren liegt u. a. folgende Nachricht aus Fort de France, 23. Mai, vor: Ein neuer Krater, welcher sich oberhalb von Ajoupa Bouillon in der Nähe des Mont Pelée gebildet hat, verursacht lebhafte Beunruhigung. Das Wasser im Bache Capote ist plötzlich heiß geworden. Die Kreuzer„Tage" und„Dassas“ sind heute vor Fort de France eingetroffen. Vermischtes. Die Puppen des Präsidenten. Anläßlich der Reise Loubets an den russischen Hof wird eine hübsche Geschichte von Nikolaus II. und seiner kleinen Tochter Olga erzählt, als Felix Faure der Großfürstin prächtige Puppen aus Paris mitbrachte. Die kleine Großfürstin war sprachlos vor Verwunderung, denn sie hatte so schöne Puppen noch niemals gesehen, dann nahm sie die größte Puppe, legte sie ihrem Vater in die Arme und sagte:„Das ist Deine, Väterchen, und Du mußt sie Prinzessin L. nennen.“ Darauf errötete Nikolaus und lachte etwas peinlich berührt, denn Prinzessin L. war eine der hübschesten Hofdamen der Kaiserin. Diesmal hat Präsident Loubet wieder Puppen mitgenommen, aber es wird nicht berichtet, daß sie so sehr wie die seines Vorgängers bewundert worden sind. Es sind sechs historische alte Puppen, ein Geschenk der Marquise von Chambreuil, die sie jetzt von ihrer Großmutter geerbt hat. Mit diesen Puppen hat Ludwig XIV. gespielt, und auch Ludwig XIII. liebte sie schwärmerisch bis zu seinem 16. Jahre. Sie sitzen in einer prächtigen Kutsche, aus der sie herausgenommen und in ihre Gemächer gebracht werden können. Der Salon ist ganz nach der Mode jener Zeit eingerichtet. Dann folgt das Zimmer mit einem schön geschnitzten Eichenpaneel und einem so kunstvoll gearbeiteten und entworfenen Buffet, daß es für ein Eßzimmer in Versailles als Vorbild gedient hat. Weiter gehört dazu ein vollständiges Kinderzimmer mit einer silbernen Wiege, an der eine Amme steht, die als Bretonin jener Zeit gekleidet ist. An ihrem Gürtel hängt eine goldene Chatelaine mit Schlüsseln, Scheere, Klammern, Korkzieher u. s. w. Das Baby in der Wiege ist aber ein kleines Ungeheuer und Loubet wollte es durch ein anderes ersetzen. Dies aber ließen seine historisch gebildeten Freunde nicht zu. Zum Eisenbahnunglück bei Zschortan. Der Witwe des bei diesem Bahnunglück verunglückten Reichstagsabgeordneten Friedel sollen von der preußischen Eisenbahnverwaltung 300000 Mk. Entschädigung angeboten worden sein. Mitglieder der internationalen aeronantischen Kommission wohnten gestern nachmittag in Berlin dem Aufstieg des Ballons„Habicht" bei, worin sich der österreichische Oberleutnant von Corvin und der italienische Kapitän Moris befanden. Der Ballon nahm die Richtung südwärts in die Elbegegend. Gattenmord. Der Arbeiter Krause in Schöna bei Eilenburg hat nachts seine Ehefrau im Bett erdrosselt. Er wurde verhaftet. Strenge Kälte in Nord=Spanien ist von neuem eingetreten. Es schneit an vielen Stellen, und der Frost hat die ganze Obst= und Weinernte zerstört. In der Nähe der Stadt Ferrol in Galizien(Spanien) wurde ein Mann von hungrigen Wölfen angefallen und zerrissen. (Fortsetzung im zweiten Blatt.) Eingesandt. (Ohne Verantwortlichkeit der Redaktion.) Die Vermietung der Sitzplätze in der Petri=Kirche. Kürzlich wurde in dieser Zeitung gemeldet, daß in der Neustädter Kirche betreffs der vermieteten Sitzplätze eine Aenderung getroffen sei, falls diese Plätze nach der Lithurgie noch nicht besetzt sind, und zwar stehen alsdann auch diese Sitzplätze jedermann zur Verfügung. Es hat dieser Beschluß viele Kirchenbesucher höchst sympatisch berührt; denn es macht einen eigenartigen Eindruck, wenn auch in diesen Fragen immer nur das Geld dominierend sein soll. In unseren alten Kirchen läßt sich ja nun so ein Gebrauch nicht völlig beseitigen; aber anders verhält es sich, wenn wic in der Lage sind, neue Gotteshäuser erbauen zu können. Und solch ein schöner Moment ist jetzt gekommen. Bald soll ja die neue Petrikirche eingeweiht werden. Ueber 600 Plätze soll sie enthalten. Zu bedauern ist es nun, daß die besten Plätze nur denen zugänglich sein sollen, welche den Mietszins erbringen können. Jedes Mitglied der Petrigemeinde dürfte wohl ganz gern eher etwas mehr zu den Kirchensteuern beitragen, als daß auf solch„bevorzugte Weise“ ein Teil der Unkosten aufzubringen ist. Zu wünschen wäre es, daß der entsprechende Beschluß wieder aufgehoben wird. Den Wünschen vieler Gemeindeglieder würde dadurch nur Rechnung getragen werden. Mehrere Kirchenbesucher. Gestorben: Schuhmachermeister Heinrich Westheide, 70 Jahre, und Minna Buddeberg, geb. Wach, 68 Jahre, in Bielefeld. Lehrer a. D. Eduard Schmidt, 68 Jahre, in Oeynhausen. Handel und Verkehr. Berlin, 21. Mai. Heu und Stroh. Richtstroh 6,82—7,65 Mk., Heu 7,20—8,70 Mt. Course der Berliner Börse. Mitgeteilt von der Westf.-Lippischen Vereinsbank, Akt.-Ges. Herford, 23. Ma. 1902. 3% Preuss Consola 91,75 3½%„„ 101,70 3% Deutsche Reichsanleibe 91,90 3½%„„ 101,90 3% Westf. Prov.-Anl. 89.25 3½%„„ 100,10 4%„„ 104.25 4% Bielef. Stadtanleihe 103,70 4% Hamb. HypothekenPfandbriefe 1900 100,10 4% Rhein. Westf. Bodenkred.-Pfandbriefe 1905 100,75 4% Meining. Hypoth.Pfandbriefe 1900 100,20 Deutsche Bank-Akt. 207,75 Disc. Commandit-Akt. 184.50 A. Schaaffhausen'scher Bv. 119,30 Gelsenkirchener Bergw.Aktien 168.25 Hibernia Bergw.-Aktien 165,80 Harpener dto. 173,60 Harb.-Wien, Gummi-Akt, 339.— Phönix Bergw.-Aktien 126.— Bankdiscont 3% Tendenz: ziemlich fest. Voraussichtliches Wetter. 25. Mai. Bei schwachen südwestlichen Winden vorherrschend bewölktes Wetter; geringe Niederschläge wahrscheinlich. - Fahrrad-Werke Brandenburg u. d. H. Die Fabrik wurde im Jahre 1871 von den jetzigen Inhabern Idolf, 3ermann und Carl Reichstein begründet. Die stetig wachsende Nachfrage nach Brennabor-Rädern bedingt eine fortgesetzte Vergrösserung der Werke. Dieselben beschäftigen heute 2500„rbeiter, sowie 750„rbeitsmaschinen, die wiederum durch 4 Dampfmaschinen von 850 Pferdestärken und 22 Slektromotoren in Betrieb gesetzt werden. Die Fabrik ist im Stande, täglich 200 Stück Fahrräder herzustellen, was 50 Jausend Maschinen pro Jahr ausmacht. Der Verkauf in den letzten Geschäftsjahren betrug gegen 40 Jausend Fahrräder. O Zur gefälligen Beachtung! (eter Fachmam wrd de Reberzengng gemimen, das die BremaberFabratWerke durch Schaffung der besten Modelle an der Spitze der Fabrrad-Industrie marschiren; auch wird jeder Kenner bei genauem Studium des„Brennabor“-Rades die vielgerühmten Vorzüge desselben bestätigt finden. Zahllose Sportsleute, darunter die hervorragendsten Rennfahrer, wie Arend, Köcher, Fischer, Dickentmann, Peter, Ryser, IIlündner, Krause u. A., haben durch eigene Benutzung den hohen Werth des„Brennabor“=Rades erprobt; jeder der Genannten rühmt die Festigkeit und den überaus leichten Lauf desselben, das selbst bei den hartesten Kämpfen seinen Fahrer nicht im Stich gelassen und zu zahlreichen Siegen geführt hat. Ausser für Sport und Wanderfahren fertigen die Brennabor-Fabrrad-Werke Fahrräder für Zwecke der verschiedensten Berufs- und Geschäftsarten. Die dem preussischen Iinisterium des Innern unterstellten Schutzmannschaften und Landgensdarmerien des ganzen preussischen Staates werden mit„Brennabor“Rädern ausgerüstet. Die Firma Gebr. Reichstein ist ferner Lieferantin der holländischen Postanstalten, der Berliner Feuerwehr, sowie vieler anderer Communal-, Militär- und Staatsbehörden. Die Inhaber der Brennabor-Fahrrad=Werke leisten für jedes von ihnen gelieferte „Brennabor“-Rad volle Bürgschaft unter ausdrücklicher Bestätigung eines Garantiescheines, der einem jeden Rade beigegeben wird. Beschreibung der Kugellager des„Brennabor“-Rades unter Kugellaufringe. Die Erfindung bezweckt, die heute den Kugellagern noch anhaftenden Mängel zu beseitigen, indem durch Einfügung von Laufringen das gegenseitige Reiben und Schleifen der Kugeln verhindert wird. Die Verwendung von Laufringen in einer auf Kugeln laufenden Maschine hat durch sorgfältige Prüfungen den Beweis erbracht, dass die Reibung in solchen Kugellagern auf ein Minimum beschränkt ist und dass daher ein Lager mit Laufringen das leichtestlaufende von allen bisjetzt bekannten Kugellagern darstellt. Die Einrichtung der Vertheilung der Kugeln in den Laufringen ist aus nebenstehender Zeichnung ersichtlich. Der Ring, welcher sich gleichzeitig mit den Kugeln dreht, ist aus Stahlblech gepresst und so konstruirt, dass die Kugeln die ihnen angewiesenen Plätze nicht verlassen können, trotzdem aber in ihrer freien Bewegung in keiner Weise gehindert werden. Naben. Das Lagersystem, welches bei allen„Brennabor“-Rädern zur Anwendung kommt, hat den Vorzug, dass es sich durch mehrjährige Versuche auf Strasse und Rennbahn bestens bewährt hat. Die Lagerschalen sind nicht wie diejenigen anderer Systeme mit der offenen Seite nach aussen gekehrt, sodass sie Staub und Nässe leicht aufnehmen können, sondern sie sind nach innen gerichtet und schliessen somit das Lagergehäuse ab, weshalb bei den„Brennabor“- Kugellagern Unreinigkeiten nicht in die Lager eindringen können. Um diesen Zweck nun vollständig zu erreichen, ist noch eine Filzdichtung vorgesehen. Der Dichtungsring ist in einer im Boden der Schale eingedrehten Rille gelagert und umschliesst die Achse fast luftdicht, ohne Reibung zu verursachen. Durch diese Lagerkonstruktion ist zugleich ein Hohlraum geschäffen, der als Reservoir dient und bis zur Achse mit Oel gefüllt werden kann. Die Kugeln laufen daher fortwährend in einem Oelbade und es genügt, im Laufe eines Jahres 1—2 Mai frisches Oel nachzufüllen. Die Lagerschalen, Konusse und Stahlkugeln sind von solcher Härte, dass selbst bei den unzähligen Umdrehungen des Rades ein Einlaufen der Theile nicht möglich ist. Durch peinlichste Sorgfalt in Ausführung der Arbeit, durch mathematische Genauigkeit jeder dieser Bestandtheile besonderer Beleuchtung ihrer Neuerungen und Vorzüge. haben die Fabrikanten des„Brennabor“-Rades erreicht, dass jeder Theil zu dem andern genau passt und sich demnach jederzeit leicht auswechseln lässt. Diese vorzüglichen„Brennabor“-Naben sind in ihrer hohen Vollendung eigene Erfindung der Brennabor-Fahrrad-Werke. Tretkurbellager. Das Tretkurbellager der„Brennabor“Räder gestattet zum Unterschiede von den bisher gebräuchlichen Systemen bei gleicher Achsenlänge eine 20mmbreitere Kugellaufbasis. Manhat gefunden, dass eine breitere Laufbahn im Tretkurbellager besser dem seitlichen Druck widersteht, der durch das fortgesetzte abwechselnde Treten auf das Lager ausgeübt wird.— Die Kurbel am Kettenrade ist zu einer über das Lagergehäuse greifenden, glockenförmig vertieften Scheibe ausgebildet, an der das aus Stahl geschmiedete Kettenrad leicht abnehmbar befestigt ist. Da sich durch diese Anordnung der Kugellauf in der Zuglinie der Kette befindet, so kann der Kettenzug keinen einseitigen Druck auf das Lager ausüben. Brennabor-Freilauf. Die Erfindung hat den Zweck, das Radfahren zu erleichtern, indem bei Benutzung des Freilaufrades auf abfallenden Strassen oder bei günstiger Windrichtung nicht getreten werden braucht; die Füsse können auf den Pedalen ruhen, während die Maschine ungehemmt weiter läuft. Auch auf guten, ebenen Wegen kann der Radfahrer abwechselnd treten und ruhen, ohne anzuhalten, wodurch zugleich dem Radfahren durch Abwechselung der Bewegungen eine neue Annehmlichkeit und ein erhöhter Reiz verliehen wird. Ein Rad mit einfachem Freilauf lässt sich nicht wie ein gewöhnliches Fahrrad durch Gegentreten in seinem Lauf hemmen, weshalb an„Brennabor“-Rädern mit Freilauf bestgeeignete, besonders sicher wirkende Bremsen angebracht werden. Freilaufnabe mit automatischer Bremse. Nebenstehende Abbildung zeigt die Hinterradnabe eines„Brennabor“ mit Freilauf, bei welchem die BremsVorrichtung in der Nabe selbst liegt. Durch einfaches Gegentreten kann der Freilauf ausgeschaltet und die Maschine sicher in ihrem Lauf gehemmt werden. Auszug aus dem Haupt-Katalog. Prennabor-Damenrad No. 17·0 Brennabor-Leuxus-Damenrad Nc. 18 c Ausfunrans, Uebersetzung 68 Zoll, ovale Stahlkurbeln, BrennaborGlockenlager, leicht auswechselbare Kettenräder, Tiegelgussstahlspeichen, schwarz emaillirte einfache Stahlfelgen, Brennabor-Kugellager D. R.-G.-M.. 5/8“ Rollenkette, kräftige Handbremse, Lenkstange No. 2, netzartig geflochtener Kleiderschutz, Kettenschutz aus Celliiloid, Rahmentasche mit vollständigem Werkzeug. Drennabor-Hferrenrad No. 1 C, Ausführung: Uebersetzung 68 Zoll, ovale Stahilkurbeln. BrennaborDoppelglockenlager, leicht auswechselbare Kettenrader, Doppel-Dickendspeichen, schwarz emaillirte Doppelhohlstahltelgen, Brennabor-Kugellager D. R.-G.-M., ff. ⅝“ Rollenkette, vernickelter Sattel, neueste Innenbremse, konische Lenkstange No. 2. seine Netzverschnürung als Kleiderschutz, Celluloid-Kettenschutz D. R.-G.-M., Rahmentasche mit vollständigem Werkzeug. Brennavor-Strassenrenner No. 10s C Ausführung: Uebersetzung 72—80 Zoll, ovale Stahlkurbeln, BrennaborGlockenlager, leicht auswechselbare Kettenräder, Tiegelgussstahlspeichen, einfache schwarz emaillirte Stahlfelgen, Brennabor-Kugellager D. R.-G.-M., vernickelter Hammocksattel. ⅜/8“ Rollenkette, kräftige Handbremse, Lenkstange No. 1 oder 2, Rahmentasche mit vollständigem WVerkzeug. Ausführung; Uebersetzung 76—84 Zoll, ovale Stahlkurbein, Brennabor- Doppelglockenlager, leicht auswechselbare Kettenrader, Doppel-Dickendspeichen, schwarz emaillirte Doppelhohlstahlleigen, Brennabor-Kugellager D. R.-G.-M., ff.“ Rollenkette, vernickelter Halbrernsattel, neueste Innenbremse, konische Lenkstange No. 4a. Rahmentasche mit vollständigem Werkzeug. Brennabor-Bahnrenner No. 32 Brennabor-Leuxus-Rennrad No. 14 Jebersetzung 76—84 Zoll. ovale Stahlkurbeln mit Konus-Befestigung. Brennabor-Doppelglockenlager, Kettenräder, Doppel-Dickendspeichen, halbvernickelte gen, Brennabor-Kugellager D. R.-G.-n. feinster vernickelter Halbrennsattel, konische damascirte Lenkstange No. 4, fl. 7/8“ Rollenkette, neueste Innenbremse, Rahmentasche mit vollständigem Werkzeug. Die nahtlosen Scheiden der Vorder- und Hinterradgabeln sind e geformt. Ausführung Uebersetzung nach Wunsch, gehärtete ovale Stahlkurbeln mit Konus-Befestigung, Brennabor-Doppelglockenlager, hte Kettenräder, Doppel-Dickendspeichen, patentirte Boston-Holzfelgen mit Schlauchreifen, Brennabor-Kugellager D. R.-G.-M., leichte Brennabor-Zackenpedale mit Fusshalter, leichter vernickelter Rennsattel. ff. 1“ Blockkette, tief gebogene Lenkstange No. 5, Rahmentasche mit vollständigem Werkzeug. Rahmen und Gabel für Rennzwecke extra gebaut. Ausführ Ausführliche Kataloge mit Abbildungen und Preisen sämmtlicher Modelle sind bei umstehend genanntem Vertreter erhältlich. 1 Meteorologische Station Herford. Witterungsbericht vom 24. Mai. Höchste Temperatur des Vortages: 16,4°. Niedr. Temperatur in der Nacht: 8,80. Temperatur um 7 Uhr vorm.: 9,20. 11„„ 10.40 Luftdruck um 7 Uhr vorm.: 762,6 mm. Tägliche Niederschlagshöhe: 4,0 mm. Wind: Schwacher SW. Wetter: Trübe und regnerisch. Telegramme und Telephonische Meldungen. Zum Burenkrieg London, 24. Mai. Präsident Krüger hatte, wie aus recht depeschiert wird, gestern abend eine Unterredung mit eyds. In Brüsseler Burenkreisen herrscht die Ansicht saß, wenn es zum Frieden komme, England in wichtigen ten, wie in der Amnestiefrage und bezüglich der Festsetzung etpunktes für den Eintritt einer Repräsentativ=Regierung zende Konzessionen und zwar auf Veranlassung Kitcheners würde. Die Stimmung russischer Volkskreise. #etersburg, 24. Mai. Der vorgestrige Tag endete mit Mißton für die große französische Freundschaft. Nachc französische Matrosen gründlich in den Gärten der rants betrunken hatten, zogen sie in später Abendstunde underten schreienden und lärmenden Russen begleitet die Straßen. Bis nach 12 Uhr wogte eine große henmenge auf dem fast völlig dunklen Newsky=Prospect sollte die Dekorationen zerstören. Ein Haufe sammelte or dem Rathause zu einer Demonstration. Unter die ufe:„Es lebe Frankreich!“ mischten sich drohende Rufe Polizei und Regierung. Als die Gendarmen aufritten den Newsky=Prospekt mit Gewalt säuberten, wurde gegen hr morgens die Ordnung wieder hergestellt. Gestern bette man beim Volk eine recht erbitterte Stimmung. Neben hrufen auf den Präsidenten bei dessen Fahrt durch die dt hörte man auch Hohngelächter. K MVRRNOLM-SEIE O P VIMTRAHOEIN CENEN unübertreffen zur Daut- u. Ockönkeitspflege. Erls beste Kinderseife ärztlich empfohlen. Geberall, auch in den Gpotheken erhältlich. 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Die Vorteile, die wir unserer verehrten Kundschaft durch die enorm billigen Preise bieten, sind überraschend. Die einzelnen Seidenpartien sind in unserer ersten Etage auf extra Tischen ausgelegt, und ist die Besichtigung derselben, jedermann Kaufzwang# gestattet. Breidenbach& Cie. Herford, Alter Markt 12 Statt besonderer Anzeige. Heute Abend 9 Uhr entschlief sanft nach langjährigem, mit grösster Geduld ertragenem schwerem Leiden meine liebe Frau, unsere gute Mutter und Grossmutter 520e Frau Minna Buddeberg geb. Wach im fast völlendeten 68. Lebensjahre. Bielefeld und Herford, 22. Mai 1902. Ernst Buddeberg sen., Paul Weihe und Frau geb. Buddeberg, Friedrich Sievers und Frau geb. Buddeberg. el Für jeden Hausnal-, für jede Küche! - WIIP7O sollte in keiner Küche VVETLO fhlen, denn sie ist das beste und billigste Mittel, schwachen Suppen, Saucen, Gemüsen etc. augenblicklich überraschenden Wohlgeschmack zugeben. Wenige Tropfen— beim Anrichten zugefügt— genügen. Stets zu haben bei Rudolf Müller., Schlachthofstr. 5276 Statt jeder besonderen Anzeige. Die Verlobung unserer Tochter Emilie mit Herrn Willy Schröder beehren sich ergebenst anzuzeigen. 534e Adelt Seher und Frau Minna, geb. Richter. Herford, im Mai 1902. Emilie Seher Willy Schröder Verlobte. Herford Neviges b. Elberfeld. Bahnhorshotel. merzun: Sonntag, den 25. Mai 1902: mummm Frühkonzert im Saal oder Garten, von 11½ Uhr ab. Entree frei. Bier zu gewöhnlichen Preisen. 517e Menu zu 1 Mk. Krebs-Suppe, Hummer=Majonaise, Spargel mit kalter Beilage, Schmorbraten mit Kompott und Salat, Citronen und Crème. Rastauration Brinkmann. Sonntag, den 25. Mai, abends 8½ Uhr: KONZERT, —.— Entree 30 Pfennig.—.— 532e Bei günstiger Witterung findet das Konzert im Garten statt. litzableiter.: Blitzableiteranlagen# ∆ grütt mit den nenesten Anperaten* biliget & C. A. Lauz, Gehrenberg 2f.## Auf dem Lübberbruch. Sonntag, den 25. Mai: 5164 Grosse Karussellbelustigung. Krieger=Verein Sundern seiert am 1. Juni sein diesjähr. Vereins=Fest. Z4 zahlreichen Besuch ladet freundlich ein 514e Der Krieaer=Verein Sundern. Gothaer Levensversicherungsbank. Versicherungsbestand Anno März 1902: 811 500.000 Mark. Bankfonds 267½ Millionen Mark. Dividende im Jahre 1902: 30—135% der Jahres=Normalprämie— je nach dem Alter der Versicherung. Vertreter in Herford: 3095 C. Ergenzinger, Diebrockerstraße 513. Wer Stelle sucht verlange die Allg. Bakanzen=Liste, Mannheim S 2 Wo gehen wir morgen hin zum Kriegerfest da ist was los! Turnerbund Herford. Am Sonnabend: Versammlung Der Wichtigkeit wegen, bitten wir alle Mitglieder pünktlich zu erscheinen. 507e Der Vorstand. Sonnabend Abend 6 Uhr pünktlich: Generalprobe zum Gustav Adolf als Eintrittspreis an der Kasse 50 Pfennig. Tertbücher 30 Pfennig. 492e Sonntag. 25. Mai er., nachmittags 4¾ Uhr pünktlich, im neuen grossen Schützensaale. KONZERT. se GustavAdolf Dichtung von Pastor Hackenberg, für Söli, Chor, Orchester und Orgel von Max Bruch. Falkendiek. Der Rauchklub„Gemütlichkeit" feiert am Sountag. den 25. Mai bei Gastwirt Stille sein diesjähriges Stiftungsfest, wozu freundlichst einladet 474e— Der Vorstand. DDer heutigen Gesamt=Auflage liegt ein Prospekt der Firma „Brennabor"= Fahrrad= Werke“ Brandenburg a. d. H., Verrreter: W. Quante. Herford bei. 515: Solisten: Frau Jduna Walter-Choinanus IIerr Heinr. Bruns, Herr Arthur van Eweyk. Chor: Der Musikverein und der Lehrergesangverein. Grosses Orchester aus Herford, Bielefeld und Minden. Eintrittspreise im Vorverkauf in der Buchhandlung von W. Menckhoff: Nummerierter Sitzplatz Nr. 1—400 Mk. 3,00, Nr. e) 401—800 Mk. 2.00, unnummerierter Sitzplatz El Mk. 1.00. An der Kasse 50 Pfg. Erhöhung. ul Textbücher 30 Pfg. 349e al Kassenöffnung 3½ Uhr, Anfang 4¾ Uhr, a0) Ende 7½ Uhr. Krieger-Verein Eickum. Am 25. d. Mts. sollen die von Sr. Maz. verliehenen Fahnenbänder überreicht und gleichzeitig das diesjährige Vereinsfest gefeiert werden. Die Feier findet auf Wesings Hofe statt und beginnt mit dem Empfang auswärtiger Vereine um 2½ Uhr nachmittags. 3½ Uhr: Konzert, dann Ball in den geräumigen Zelten. Der Festplatz bietet vielen Gästen angenehmen Aufenthalt, selbst bei nicht guten Wetter. Die Musik wird von der Düngelschen Kapelle ausgeführt. Gute Speisen und Getränke. Aufmerksame Bedienung. 367e Eintrittspreis: zum Festplatz und Konzert 30 zu allen Festräumen und Ball 1 Mr. für Männer, 80 Pfgfür Frauen, Kameraden frei. Zu zahlreichem Besuch ladet freundlichst ein. Der Krieger=Verein Eickum. 4 Kre. N 83 Teleph. Anschl. Ne 83 Teleph. Anschl Diese Zeitung erscheint am Abend jeden Wochentages. Abonnementspreis vierteljährlich pränumerande 1,25 Warl bei Postbestellung kommt das Bestellgeld hinzu Sonnabend, 24. Mai. Inserate werden bis spätestens vorm. 11 Uhr erbeten. Preis der einspaltigen Vetitzeile für Stadt und Kreis Herford, Oeynhausen und Amt Rehme 10 Pfg., sonst 15 Pfg. 1902 Zweites Düsseldorfer Ausstellung. (Bon unserem Spezial-Berichterstatter.) II.(Nachdruck verboten.) Bei Fortsetzung unserer Wanderung erblicken wir zunächst neben Krupps gewaltigen Erzeugnissen ein kleines mit modernem Schmuck versehenes Tempelchen, das uns wie ein reizvolles Gartenhäuschen ansieht, bis wir oben lesen: KölnRottweiler Pulverfabriken. Aha, daher die dicke Freundschaft mit dem Großen daneben! Den Phantasiebegabten faßt „nächtliches Grauen“ und er wägt, soll ich, oder soll ich nicht hinein und wenn er doch schließlich eintretend, all' die eleganten Verpackungen sieht, dann dämmert ihm die Gewißheit auf, daß vor ihm nichts„originaliter“ liegt. Er erkennt wieder einmal, daß die Dinge in der Nähe halb so gefährlich sind, als sie sich aus der Ferne ansehen und wird sicherlich alles mit Interesse in Augenschein nehmen, nicht weniger wie die Krieger, Nimrods oder Berg=Techniker. Das Arrangement bringt die ganze Entwickelung des Pulvers von dem Mönche an, der es erfand, bis zu der großen Errungenschaft unserer Zeit, dem rauchlosen Pulver. Hinaustretend frage ich mich unwillkürlich, was wäre der Große da, ohne diesen Kleinen? Der Fisch muß sein Wasser, der Vogel die freie Gottesluft und die Kriegs=Ungetüme da drinnen in Krupps Bau was wären sie ohne das, was in dem kleinen Häuschen hier vorgeführt wird?——— Einen Schritt die Hauptallee entlang weiter, stehen wir schon vor dem in moderner Architektur gehaltenen Kuppelbau des„Hörder Vereins,"“ der von vier Kuppeltürmen flankiert wird und der den massigen Eindruck des Krupp Hauses wohlthuend mildert. Wir sind erstaunt jetzt noch, wo Mitte Mai schon vorüber, ein mysteriöses Schildchen„Geschlossen“ an allen Thüren zu finden. Sollte es etwa auch bei der Groß-Industrie einmal mit der Mobilmachung gehapert haben? Na, dann also weiter. Was der dickbauchige„amtliche“ Katalog über den Inhalt der„Hörder Ausstellung" sagt, soll uns vielleicht später noch einmal Veranlassung geben, auf dieselbe zurückzukommen. Weitergehend sehen wir vor uns, dem Rheine zu, eine Reihe von Gerüstbauten und emsig schaffender Arbeiter. Die Anlage des deutschen Betonvereins! Aber sind die auch nicht fertig? wird man fragen, und„nein“ muß ich antworten. Aber diese beiden Aussteller sindauch die einzigen, von denen gesagt werden muß, daß sie an pünktlicher Fertigstellung vieles zu wünschen übrig lassen. Wir betrachten uns deshalb heute das nächstgelegene Haus des„Bochumer Vereins“, das eine Fläche von 2500 gm bedeckt und für dessen äußere Gestaltung ein 62½ m hoher, grün schillernder Turm, ein wichtiges Motiv bildet. Die Halle ist bestimmt nach der Ausstellung als Werkstätte zu dienen. Daß wir es mit einem erstklassigen Werk zu thnn haben, wird auch dem Laien klar, wenn er die vorgeführten Erzeugnisse des Vereins in Augenschein nimmt. Das Arrangement darf mustergültig genannt werden. Im Hintergrunde hängen drei kolossale Glocken, die dann und wann mit ihrem Schlage die Halle erdröhnen machen, und über diesen ist ein Spiel von unzähligen Glocken angebracht; die ganze Mitte füllt eine Unzahl von Stahl=Produkten für Eisenbahn= und Kriegs=Bedarf, Schiff= und Maschinenbau. Der Eindruck des Ganzen ist mehr wie„erfreulich"; es ist kein auffallendes Stück vorhanden, aber wan fühlt, daß alles von einer Qualität ist, die eine Konkurrenz im In= und Auslande nicht zu fürchten braucht. An der offiziellen Ausstellungshalle III vorbei, die die Gruppen: Papierindustrie, Polygraphisches Gewerbe, sowie Schul= und Unterrichtswesen enthält, gelangen wir zu dem prachtvollen Gebäude der Rheinischen Metallwaren= und Maschinenfabrik(Ehrhardt) in Düsseldorf, der in letzter Zeit vielgenannten Konkurrentin Krupps. Der von zwei runden Ecktürmen flankierte Bau ist einer der geschmackvollsten der ganzen Ausstellung. In die Halle eingetreten, hat man sofort die Gewißheit, daß das, was Krupp bot, hier nicht wiederholt wird, aber etwas ist vorhanden, was diesen übertrifft, nämlich die Anordnung des Ganzen, die nicht tote, abstrakte Gegenstände hinstellt, wo der Platz gerade passend erscheint, sondern mit wahrhaft künstlerischem Feingefühl ein jedes Ding an seinen richtigen Ort setzt. Hier finden wir die Küstengeschütze in Panzertürme nicht mitten im Raum, sondern mit einer Umgebung, die uns im Bilde das Meer und in der Nähe und Ferne die Befestigungen der Küste mit weiteren Geschützen zeigt. Der Eindruck ist ein lebendiger und der Uebergang von der Wirklichkeit in den Geschützen da vor uns bis zum Bilde ist kaum merklich. Ganze Gespanne mit Feldgeschützen sehen wir weiterhin, dann gefährliche Bergpfade, auf denen Maultiere die Last der Geschütze dahinschleppen. Man kann das Arrangement wirklich nicht genug bewundern. Außer Kriegsmaterial, das uns in Geschützen verschiedensten Kalibers, (Schnellfeuersystem Ehrhardt), Handfeuerwaffen rc. gezeigt wird, bemerkt man Automobile, nahtlose Stahlbehälter für hohe Gase, nahtlose Rohre in enormen Dimensionen, PreßBandagen und Röhrenwalzwerksprodukte, sowie verschiedene Pulversorten, die ein Beweis von der vielseitigen Produktion der weltbekannten Firma sind. Wieder hinaustretend liegt jetzt gerade uns gegenüber die Riesenhalle für die Maschinenindustrie. Durch die offenen sieht das Auge kaum ein Ende; ein wirres Getöse von jagenden Rädern tönt aus der Halle heraus und der Anblick des Innern macht das Herz höher schlagen. Der nächste Brief sei dieser Maschinenausstellung gewidmet, die den Vergleich mit Paris in keiner Hinsicht zu scheuen braucht. Vermischtes. Die obdachlose Millionärstochter. In Paris wurde kürzlich eine planlos in den Straßen umherirrende junge Frauensperson festgenommen, die sich vor dem Polizeirichter als Tochter einer sehr reichen Familie von altem französischen Adel zu legitimieren vermochte. Sie legte außerdem einen Trauschein vor, demzufolge sie vor fünf Jahren die Gattin eines Bankbuchhalters namens Douglas Willard geworden war. Frau Laura Willard, geborene de Verneuil, hatte eine traurige Geschichte zu erzählen, die der Romantik nicht entbehrt. Als schönes, vielumworbenes Mädchen machte sie bei einem Besuche in der Seinestadt— ihre Eltern lebten in der Provinz— die Bekanntschaft eines jungen Bostoners, der in einer der großen amerikanischen Banken in Paris mit einem bescheidenen Gehalt angestellt war. Da Laura wußte, daß ihr geld- und sadelsstolzer Vater nie seine Einwilligung zu einer Heirat mit Douglas geben würde, ließ sie sich heimlich mit diesem trauen. Die Voraussetzung der jungen Leute, nachträglich den Segen und die Mitgift von den Eltern zu erhalten, erwies sich als irrig. Man verzieh der undankbaren Tochter nicht, obwohl sie das einzige Kind war, und nach Verlauf von drei Jahren empfing die junge Frau ein Dokument, aus welchem sie ersah, daß man sie endgültig enterbt hatte. Bald darauf verließ Willard sein Weib und kehrte nach Amerika zurück. In einem zurückgelassenen Schreiben gab er der ohne jegliche Subsistenzmittel dastehenden Frau die Versicherung, daß er an ihrer Person nichts auszusetzen habe, daß aber sein Salair zu gering sei, um ihr und sich das Leben angenehm zu machen. Er gab ihr den Rat, allein zu ihren Eltern heimzukehren. Dies that die Verlassene jedoch nicht, sondern suchte durch Nähereien für Geschäfte soviel zu verdienen, wie sie zum Existieren brauchte. Großen Entbehrungen preisgegeben, wurde die Unglückliche schließlich krank, und da sie keine Miete zahlen konnte, trieb man sie aus ihrem armseligen Logis hinaus. Auch jetzt noch zu stolz, ihre Angehörigen um Hilfe zu bitten, irrte sie Tag und Nacht durch die Straßen. Als man sie wegen Vagabundierens verhaftete, hatte die Aermste seit 48 Stunden nichts mehr genossen. Sie brach gleich nach dem Verhör zusammen und mußte in die Krankenabteilung des Asyls für Obdachlose überführt werden. Die polizeilich benachrichtigten Eltern eilten zwar sofort herbei, doch fanden sie ihre Tochter so schwer erkrankt, daß sie die Wiedergefundene vorläufig noch nicht mit nach Gause nehmen dürfen. Postdefrandanten. Auf dem Postamte Turoscheln bei Königsberg i. Pr. ist man dieser Tage Unterschlagungen auf die Spur gekommen, was die Verhaftung der beiden Postverwalterinnen, Geschwister Ulrich, zur Folge hatte. Die Defraudationen sollen nicht unbeträchtliche sein; der Fehlbetrag wird nach den bisherigen Ermittelungen auf mehr als 5000 Mark beziffert. Zoologisches. Der kleine Karl: Papa, was ist denn für ein Unterschied zwischen einem Stier und und einem Ochsen? — Papa: Der Stier ist der Vater des Kalbes und der Ochse ist sein Onkel. Standesamtsnachrichten für den Kreis Herford. Amt Herford. Nachrichten vom 17.—23. Mai 1902. Geburten: Ein Sohn dem Rendant Heinrich Kampmann=Diebrock, Handarbeiter Wilhelm Münstermann=Schweicheln, Ackersmann Wilhelm Wortmann=Elverdissen, Zwillinge. Aufgeboten: Weber Wilhelm Tacke=Schweicheln und Näherin Louise Strenger=Diebrock. Eheschließungen: Handarbeiter Konrad WeßelHeepen mit Näherin Auguste Kiel=Elverdissen. Ein Roman aus dem Hochspessart von F. Eduard Pflüger. (32. Fortsetzung.)—(Nachdr. verboten.) Er verneigte sich uno wollte sich zurückziehen. Da aber brach das seit Wochen zurückgehaltene Gefühl in Ihring durch und in den. Ruf„Roger“ lag alles was sie sagen wollte, das Eingeständnis ihres ganzen Unrechts und die Leidenschaft einer unwandelbaren unbesiegbaren Liebe. Wettenburg wandte sich um und blieb einen Augenblick stehen. Frau von Enter faßte den kleinen Hatto schnell an der Hand und verschwand mit ihm aus dem Gartenwinkel. Die beiden getrennten Liebenden hörten noch das eigentümliche Knirschen der rostigen Angeln der alten Pforte, dann war es ganz still. Einen Augenblick standen sie einander gegenüber und keiner von ihnen konnte ein Wort sprechen. Endlich faßte sich Roger: „Du wolltest mir etwas sagen, Ihring. Nicht wahr, eine Frau Maria Medardi hat Dir Nachteiliges über mich gesagt und Du hast......“ „Gesagt, sie hat mir einen Brief von Dir gezeigt, in dem Du ihr die Ehe versprochen hast und darauf einen Trauschein vorgewiesen, auf Gruud dessen Graf Roger Wettenburg mit Maria Medardi in Milwaukee eine rechtmäßige Ehe geschlossen hat.“ Roger war starr, er konnte kein Wort erwiedern und er wollte auch nicht sprechen. Als er aber die Angen Ihrings mit Thränen gefüllt angstvoll an seinem Munde hängen sah, ergriff ihn ein namenloses Mitleid und er fragte in ganz ruhigem Ton: n mir Ihring, weißt Du, an welchem Tage diese Ehe geschlossen wurde?“ „Ja ich weiß es, am 26. April 1899.“ „Das ist also vor etwa anderthalb Jahren....... Aber wie ist mir denn, am 26. April 1899, Ihring, an jenem Tage erhielt ich den Stich eines bosnischen Bojonettes in den linken Oberschenkel, als ich das Städtchen Komar von Aufrührern und Feinden unseres Glaubens befreite.“ „Dann ist der Trauschein also gefälscht?“ „Gefälscht.“ „Und der Brief?“ „Der Brief ist echt. Es gab eine Zeit, Ihring, da glaubte ich diese Medardi zu lieben, aber es war nicht der Fall, in wenigen Wochen hatte ich meinen Irrtum eingesehen. Aus jener Zeit des Irrtums stammt der Brief, der Dich überzeugt hat.“ „Roger kannst Du mir verzeihen?“ „Alles, mein teures Mädchen, alles. Nur Deine Liebe hat Dich in diesen Irrtum hineingetrieben. Ich sollte Dir böse sein, weil Du mir so wenig vertraut hast, aber ich weiß, daß eine so reine große Liebe, wie Deine nicht denkt, nicht urteilt, sondern nur fühlt und das Gefühl ist oft unser Feind. Danken wir Gott, daß uns durch den kleinen Knaben Hatto die Möglichkeit zu einer Aussprache gegeben wurde.“ „Mein Roger, mein Alles.“ „Meine heißgeliebte Ihring.“ In leidenschaftlicher Zärtlichkeit sanken sie einander in die Arme und die furchtbaren Wochen des Unglücks, die sie durchgemacht hatten, lösten sich in tausend Innigkeiten und Zärtlichkeiten auf. In der Laube, wo Roger unglücklich mit klopfendem Herzen dem Augenblick entgegengeharrt hatte, bis Ihring eintreten werde, saßen sie in süßem Geplauder und lustigem Lachen. Ja das ist die Liebe„Himmelhoch jauchzend zu Tode betrübt“. Jäh und schroff ist der Wechsel von Glück und Leid. Als Frau von Echter eine halbe Stunde lang sich mit Hatto beschäftigt hatte, sagte sie sich, daß die beiden nicht einander böse wären, wenn sie solange allein ausgehalten hatten. Sie mußten wohl Frieden geschlossen haben und ihre Eva natur ließ es nicht zu, sie noch länger allein zu lassen. Vorsichtig schlich sie sich an den verschwiegenen Gartenwinkel und war am Eingang der Laube gerade Zeugin des entschiedeissten Beweises einer vollkommenen Versöhnung und sie schreckte die beiden Liebenden durch den derben Zuruf auf: „Kinder knutscht doch nicht so fürchterlich!“ Roger und Ihring lachten ihr lustig entgegen, dann aber reichten sie ihr die Hand und dankten ihr mit überströmenden Worten für ihre Klugheit, mit der sie die Schwierigkeiten überwunden hatte. Arm in Arm kehrten Roger und Ihring zur Gesellschaft zurück und nun galt es den alten Wildensteiner von dem Wechsel der Dinge in Kenntnis zu setzen. Auch hier mußte der kleine Hatto den Vermittler spielen und er that es mit einem so großen Erfolg, daß der alte Baron vielleicht zum ersten Male seitdem er die Kinderschuhe ausgetreten hatte, in Thränen ausbrach. Er faßte den Kleinen unter die Arme, S# in die Hone und drückte ihn mächtig an seine breite „Das Glück, das Glück“, rief er ein über das andere mal„ein Erbe meines Namens, ein Enkel!“ Dann setzte er ihn auf den Boden, umarmte Roger, umarmte seine Tochter, umarmte Echter und schließlich auch noch seine junge Gattin, die er für ihre Bemühungen mit einem derben Kuß belohnte. „Wenn Du eifersüchtig wirst, Echter, kannst Du mich fordern.“ Der Echter nickte aber bloß und drehte mit feinem Lächeln seinen langen Schnurrbart. Plötzlich drehte sich der Wildensteiner und suchte etwas mit den Augen, dann fragte er wieder in seineralten Weise: Wo ist der Fink, der Aschaffenburger Krämer, der Geldprotz, ich muß ihn auch umarmen.“ „Schade“, sagte Frau von Echter,„Herr Kommerzienrat Fink ist soeben abgefahren.“ „Nun dann soll ihn der Teufel holen, wenn er nicht einmal bei einer solchen Gelegenheit dabei sein kann.“ XX Der auf das Erntefest folgende Tag war auch ein großer Festtag für den Wildenstein. Der Alte war wie verjüngt. Er lief durch das ganze Schloß mit dem siebenjährigen Knaben an der Hand und zeigte ihm alle Winkel und alle Stübchen. Ueberall hielt er sich auf und sobald der Junge über irgend etwas, das er gesehen, in Bewunderung ausbrach, streichelte er ihm zärtlich die Locken und sagte:„Das wird alles einmal Dir gehören, mein Junge“, und der kleine Hatto sah zu dem kräftigen weißbärtigen Greis auf mit den echten Hobbacher Augen, daß es dem Alten seltsam warm ums Herz wurde. Ihring, die auch ihren Teil Liebe von dem Kinde haben wollte, wurde ganz in den Hintergrund gedrängt. Der glückliche Großvater ließ wenigstens in diesen ersten Tagen den Knaben nicht von sich. Glücklicherweise wurde Ihring durch die häufigen Besuche ihres Verlobten entschädigt und nun hatte sie freilich nicht mehr viel Augen für den Sohn ihres verstorbenen Bruders. Sie konnte sich nicht helfen, es war einmal Thatsache, Roger füllte ihre ganze Seele aus, er war der Inbegriff ihres ganzen Glückes und all ihre Gedanken verbanden sich mit ihm. Aber dennoch sollten diese glücklichen Tage für die Wildensteiner nicht so enden, wie sie begonnen hatten und das Sprichwort, daß man den Tag nicht vor dem Abend loben soll, bewahrheitete sich hier in seiner vollen Kraft. Denn eines schönen Abends brachte der Landbriefträger einen Brief des Kommerzienrat Fink aus Aschaffenburg, worin dieser dem Wildensteiner anzeigte, daß die Zwangsversteigerung am übernächsten Tag schonungslos ihren Gang gehen würde, falls der Freiherr sich nicht bis spätestens morgen entschieden habe, ob er das zum Bahnprojekt nötige Land hergeben und die anderen Vertreter der Ritterschaft zu derselben Konzession veranlassen wolle. Der Kommerzienrat machte die lockendsten Anträge, ließ auch die Bemerkung einfließen, daß er doch jetzt, wo sich ein männlicher Erbe seines Namens gefunden habe, um so mehr die Verpflichtung anerkennen müsse, diesen Namen auch im Besitz des Wildenstein zu erhalten. Man sprach lange hin und her und Roger riet in Anbetracht der unglücklichen Lage und der Schnelligkeit, mit der das Schicksal vorwärts schreite, den Antrag des Aschaffenburger Binkiers anzunehmen. Aber da kam er bei dem Wildensteiner schlecht an. „Sie sollen nicht sagen können, sie haben mich gezwungen. Ich lasse mich nicht zwingen. Es wird ja doch nicht mehr lange dauern, vom Wildenstein herunter gehe ich nicht, ich lade mir meine sämtlichen Gewehre, stelle mich ans Thor und knalle die Hunde nieder, dann sprenge ich mich mit meinem Schloß in die Luft. Dann haben sie wenigstens ihre Katastrophe, dann sollen sie machen, was sie wollen, meine Nachkommen können dann thun und lassen, was ihnen beliebt.“ „Aber Vater, wie kannst Du nur daran denken, den Namen Hobbach durch eine solche That beflecken zu wollen.“ „Beflecken nennst Du das, wenn ein Ritter seine Bura verteidigt gegen den Feind. Ich kündige dem Kapital Fehde an, dem Kapital und der gesamten Industrie. Was hat sich geändert zwischen mir und diesem da?“ Er wies auf das Bild eines alten Wildensteiners, der schwer in Erz gerüstet auf sein mächtiges Schwert gelehnt auf die Gruppe der Redenden nieder sah. „Ihm hätten sie einmal erzahlen sollen, daß sie ihm die Burg versteigern wollen. Er hätte seine Knechte gewappnet und ein paar Aschaffenburger Kaufleute abgefangen und das Mainufer so lange besetzt gehalten und die Kähne der Krämer in den Grund gebohrt, bis sie nachgegeben.“ „Aber Vater, das ist doch heute nicht mehr möglich, wir leben doch in einem Rechtsstaat.“ „Rechtsstaat hin, Rechtsstaat her, wer nach mir schlägt, den schlage ich wieder und ich will einmal sehen was sie thun wollen, wenn ich das Greifenthor verschließe und mich dahinter aufpflanze und ihnen ein paar Kugeln zuschicke durch die Schießscharten.“ Dann halten sie eben die Versteigerung anderswo ab und schließlich kommt die Behörde und erklärt Dir, daß Du das Schloß verlassen mußt. Sie erklärt Dir das im Namen des Königs und dagegen wirst Du Dich doch nicht auflehnen wollen.“ „Mein König wird so etwas nicht thun.“ Roger hatte in Gedanken der anfgeregten Unterhaltung zugehört, ohne daß er ein Wort in die Diskussion geworfen hätte. Er sah ein, das alles, was er jetzt noch sagen konnte, den Wildensteiner nur noch mehr in Aufregung versetzen würde, ohne daß ein wirklicher Erfolg hätte erzielt werden können. Und das Gefühl der Ohnmacht, der absoluten Hilflosigkeit erfaßte ihn so sehr, daß er aufstand und erklärte nach Hause reiten zu wollen. Ihring begleitete ihn, bis er am Greifenthor zu Pferd stieg; und indem er ihr die Hand reichte, flüsterte er ihr vom Sattel herunter noch zu, so leise, daß der zur Seite stehende Reitknecht nichts hören konnte: „Ich will heute Nacht noch einmal versuchen des Hatto Geheimschrift zu entziffern, vielleicht, daß uns Erfolg beschieden ist, vielleicht, daß wir den Schatz heben und dann alle Not auf einmal beendigen.“ „Vielleicht! Versuche es noch einmal, Geliebter, vielleicht ist Dir das Glück jetzt günstig. Ich kann mir nicht denken, daß Gott meinem Vater ein so großes Glück beschieden hat und daß er ihm doch dabei so unendlich weh thun würde. Denn was ist es für ein Glück, jetzt den Erben zu besitzen, ohne ihm die Mittel hinterlassen zu können, seinen Namen geeignet in der Welt zu vertreten.“ ist alles in der Welt so gesetzmäßig und so gut eingerichtet, alles weist auf einen gütigen Gott hin und nicht aus einen Zürnenden, Vernichtenden. Ich hoffe immer noch auf glücklichen Erfolg.“ #„Möge Deme Hoffnung nicht zu Schanden werden, Glück „Glück auf, meine teure angebetete Ihring.“ leichter Schenkeldruck und das Pferd flog in kurzem Trab die lange Allee hinunter. An der Wegbiegung blickte Roger noch einmal zurück und er sah Ihring noch stehen und mit dem Taschentuch winken, ein echtes Bild der Hoffnung. Die Nacht zog über die Wettenburg hin, im Wald schwiegen die Stimmen der Tierwelt. In den Häusern von Eschau und in deu Hütten von Unteraulenbach schliefen die Menschen aber in dem hohen Bibliotheksaal hrannte die Beschwerden über unregelmäßige Zustellung der„Herforder Zeitung für Stadt und Land“ bitten wir direkt unserer Geschäftsstelle, Brüderstraße, mitzuteilen, damit sofort Abhilfe geschaffen werden kann. Verlag und Redaktion. und Roger saß umgeven von einem Berg Bücher, in denen man hauptsächlich die heilige Schrift in allen möglichen Ausgaben erkannte und grübelte und grübelte über der Handschrift. Es war eine seltsame Zusammenstellung von Bibelsprüchen. Noch einmal rekapitulierte er, noch einmal durchforschte er alles, was er schon vorher gefunden hatte und hatte nun seine letzte Zuflucht genommen zu Reuchlin's kabbalistischen Schriften. Roger war nie ein guter Lateiner gewesen, aber die Not lieh seinen Gedanken jetzt doppelte Kräfte und er durchdrang mit riesenhafter Energie die Gedanken des Humanisten über die geheimnisvolle Kabbala, jenes Buch, das die Rätsel der Zahlen lösen will, das in der Zahl den Ausdruck der ganzen Wesenheit erblickt und das die seltsamsten Geheimnisse durch Zahlen verschleiert. Da haftete plötzlich sein Blick auf dem seltsamen Satz: Quaecunque inest in mundo arcani, velatur numero. Primo igitur numerorum series conferenda cum serie litterarum. Etenim haec est prima occultandi seuvelandi ratis, qua utuntur cabbalisti. Er verstand ihn sofort und übersetzte ihn auch glatt herunter. Er hieß auf deutsch: Was es in der Welt. Geheimnisvolles giebt, wird verschleiert durch die Zahl. Man muß daher zuerst die Zahlenreihe mit der Buchstabenreihe vergleichen. Denn dies ist die vornehmste Art des Verbergens und Verschleierns, deren sich die Kabbalisten bedienen. Ob dieser Reuchlin'sche Satz auf seine Geheimschrift Bezug hatte, ob der alte Hatto von Hobbach Reuchlin gekannt? Die Wissenschaft war in den Zeiten des dreißigjährigen Krieges sehr niedergegangen in Deutschland, man durfte also kaum annehmen, daß Hatto von Hobbachsich irgendwie mit wissenschaftlichen Dingen beschäftigt hatte. Er kannte die heilige Schrift und konnte leidlich schreiben. Dabei aber war sehr zu bedenken, daß er, der Zeitgenosse des Julius Echter, Fürstbischofs von Würzburg, gewesen war und Julius Echter war am 13. September 1617 gestorben. Die Tradition der Spessartedelleute ging dahin, die Junkherren in Würzburg studieren zu lassen. Ihring hatte ihm früher erzählt, und das war sicher, daß dieser Hatto von Hobbach, wie der junge Echter, in Würzburg studiert hatte. Vielleicht in Verfolg einer Tradition, die durch die Humanisten nach Deutschland gekommen war. Ullrich von Hutten war ja auch ein fränkischer Ritter, wie die Hobbach und Echter auch zum fränkischen Ritterbund gehörten. Warum also nicht, warum sollte Hatto nicht lateinisch verstanden und nicht Reuchlin gelesen haben? Man muß also, empfahl Reuchlin, die Zahlenreihe mit der Buchstabenreihe vergleichen. Das ist ja nicht so schwer, sagte sich Roger, nahm ein Blatt Papier und schrieb sich die Zahlen und Buchstaben untereinander in folgender Weise auf: 1. 2 3 4 5 6 7 8 9 10 abe d f g h 1 k 11 12 13 14 15 16 17 18 mo p 4 F 8 19 20 21 22 23 24 25 T W XY 2 Und nun begann er zu vergleichen, indem er die ganze Geheimschrift durchforschte: „Selig sind, die umb Gerechtigkeyt willen verfolgt werden, denn das Himmelreych ist ihr. Denn ich sage euch, es sei denn ewere Gerechtigkeyt besser, denn die der Schrifftgelehrten und Pharisäer, so werdet ihr nicht in das Himmelreych kommen. Ihr seyd das Saltz der Erde, wo nun das Saltz tumb wird, womit soll man saltzen? Es ist zu nichts hinfort nutze, denn das man es hinaus schitte und lasse es die Leute zertretten. Selig sind die Friedfertigen, denn sie werden Gottes Kinder heyßen. Selig sind die Barmherzigen, denn sie werden Barmherziakent erlangen. (Forts. folgt.) von 75 Pfg. per Meter Leibniz Kindermehl Wilhelm Epseloh, Markt=Drogerie, Gehrenberg 2. Verantwortlicher Redutteur: Paul Sattler, für den Inseratenteil verantwortlich: Georg Bese, Druck und Verlag: Christian Quentin, sämtlich in Herford (Redaktion und Expedition: Brüderstraße 21, am Gehrenberg.) Zur Lieferung von Eisenguss, roh und fertig bearbeilet, zu Bauzwecken, für Ziegeleien, ferner Maschinenteile aller Art nach vorhandenen und eingesandten Modellen oder Zeichnungen, Teile zu landwirtschaftlichen Maschinen, sowie auch komplette Maschinen[Göpel, Häckselmaschinen 2:.] Spezialität: Formmaschinenguss für Massenartikel, LohnSchleiferei und Vernickelungs-Anstalt empfiehlt sich 227c Friedrich Seelhorst, Bünder Eisenwerk, Bünde i. Westfalen. Hachener Badeöfen 2“ D.K. Fa 1n Gebrauch 0 über HOURENS Casheizöfen Vertrefer an fast allen Plätzen. frischen Spargel Psund 50 Pfg., „ dick. 75„ „ extra dick 90„ bei 498e Ulrich Naumann, Böckerstr Kapitalien 5480 in verschiedener Höhe gegen wirklich gute Hypotheken durch mich zu verleihen. 548a Eduard Meyer, Agentur= u. Kommissions=Geschäft Herford. Hiesiger 506e Spargel täglich frisch zu haben Rennstraße Nr. 32 und Ahmserstraße bei Carl Schiermeyer. Gärtner. Viel Geld verdienen Hausierex 2c. durch J. Zeutel, Straßburg i Els. Fahnen. Reinecke, Hannover. Amtliche 22 Anzeigen für den Kreis Herford. Leitens des Vorstandes der Landes=Versicherungs=Anstalt Westsalen wird eine Revision der Quittungskarten im hiesigen Stadtbezirke durch einen Kontroll=Beamten vorgenommen werden. Es wird dies mit der Aufforderung zur allgemeinen Kenntnis gebracht, die Quittungskarten auf der Arbeitsstätte bereit zu halten. Zugleich wird darauf hingewiesen, daß die Arbeitgeber verpflichtet sind, dem Revisionsbeamten über die Zahl der von ihnen beschäftigten Personen, über die Dauer der Beschäftigung und über die Höhe des Verdienstes auf Verlangen Auskunft zu erteilen und demselben diejenigen Geschäftsbücher pp. aus welchen jene Thatsachen hervorgehen, zur Einsicht während der Betriebszeit an Ort und Stelle vorzulegen. Ebenso sind die Versicherten zur Erteilung von Auskunft über Art und Dauer ihrer Beschäftigung verpflichtet. Die Arbeitgeber, wie die Versicherten können zur Erfüllung der ihnen ovliegenden Verpflichtungen von der unterzeichneten Verwaltungsbehörde durch Geldstrafen bis zum Betrage von 150 Mk. angehalten werden. Herford, den 9. Mai 1902. 310e Die Polizeiverwaltung. Der I. Bürgermeister. Quentin. On letzter Zeit ist vielfach Klage darüber erhoben worden, a daß das Wildern frei umherloufender Hunde in den Feldmarken immer mehr zugenommen hat. Wir werden daher mit aller Strenge für die Durchführung der Polizeiverordnungen vom 8. Oktober 1895 und vom 25. Juli 1893, welche das aufsichtslose Umherlaufenlassen der Hunde mit Strafe bedrohen, Sorge tragen. 448e Gleichzeitig machen wir darauf aufmerksam, daß Niemand nach der Vorschrift des§ 64, Teil II, Titel 16 des Allgemeinen Landrechts, auf fremden Jagdrevieren Hunde laufen lassen darf, welche nicht mit einem Knüppel versehen sind, der sie an der Aufsuchung und Verfolgung des Wildes hindert. Dieser Knüppel muß 2½ Fuß lang und 4 Zoll dick sein. Die genaue Beachtung dieser Bestimmungen machen wir hiermit allen Eigentümern von Hunden zur strengen Pflicht. Herford, den 13. Mai 1902. Die Polizeiverwaltung. I. B.: Busse. Zollfreie Niederlage. Nachdem die Provinzial=Steuer=Direktion Münster die Einrichtung einer zollfreien Niederlage hierselbst und zwar in dem dreistöckigen Haupt=Fabrik=Gebäude der olim Schönfeld'schen Spinnerei in Aussicht gestellt hat, ersuchen wir alle Firmen der Stadt, welche ihr Interesse an dieser Einrichtung mit Uebernahme einer Lager=Gebühr(je nach beanspruchtem Raum) auf längere Jahre darthun wollen, baldigst mit uns in Verbindung zu treten. Herford, den 15. Mai 1902. 427e Der Magistrat: Quentin. Das städtische Brausebad ist geöffnet: Mittwochs von 3—9½ Uhr nachmittags Donnerstags„ 5—9„„ Freitags„ 5—9 Sonnabends„ 12—9½„„ 6½—9½„ vormittags. Sonntags„ 6½ 91/37 Der Magistrat Busse. [329e ie Schützenstraße ist wegen Kanaldauten bis auf Weiteres für Fuhrwerk gesperrt. Herford, den 21. Mai 1902. Die Polizei=Verwaltung. Quentin Auf Grund der§§ 5 und 6 des Gesetzes über die Poklizeiverwaltung vom 11. März 1850, der§§ 143 und 144 des Gesetzes über die allgemeine Landesverwaltung vom 30. Juli 1883 und Titel IV, sowie§ 149 Nr. 6 der Reichsgewerbeordnung wird im Einverständniß mit dem hiesigen Magistrat folgende Polizeiverordnung erlassen. I. Bochenmärkte. § 1. Es finden in der Stadt Herford drei Wochenmärkte statt und zwar Montags, Donnerstags und Sonnabends. Fällt einer dieser Tage auf einen Festtag, so findet der Wochenmarkt am nächstfolgenden Tage statt. Sämmtliche Wochenmärkte werden in den Markthallen und, soweit der in den Hallen vorhandene Platz nicht ausreicht, auf dem Hofraum der ehemals F. L. Schönfeld'schen Spinnerei abgehalten. Für die Markthallen gelten die besonderen Bestimmungen dieser Verordnung. § 3. Die Wochenmärkte beginnen in der Zeit vom 1. April bis 30. September um 7 Uhr morgens, und in der Zeit vom 1. Oktober bis 31. März um 8 Uhr morgens und enden um 1 Uhr mittags. Das Feilbieten vor oder nach diesen Stunden rist verboten. § 4. Gegenstände des Marktverkehrs sind: 1) rohe Naturerzeugnisse mit Ausschluß des größeren Viehes, 2) Fabrikate, deren Erzeugung mit der Land= und Forstwirthschaft, dem Garten= und Obstbau oder der Fischerei in unmittelbarer Verbindung steht oder zu den Nebenbeschäftigungen der Landleute der Gegend gehört oder durch Tagelöhnerarbeit bewirkt wird, mit Ausschluß der geistigen Getränke, 3) Frische Lebensmittel aller Art. Andere Waaren dürfen nur feilgeboten werden von Personen, welche entweder ein Hausiergewerbe betreiben oder in hiesiger Stadt ein stehendes Gewerbe angemeldet haben. Bei ersteren beschränkt sich die Handelsfreiheit auf die im Gewerbeschein bezeichneten Waaren. § 5. Eine Stunde nach Marktschluß, also um 2 Uhr nachmittags, müssen die Hallen und Hofräume vollständig geräumt sein. § 6. Die Verkaufsstellen werden den Verkäufern von den aufsichtsführenden Polizeibeamten angewiesen. Die Verkäufer haben sich beim Aufstellen der Waaren und der dazu gehörigen Körbe und dergl., sowie beim Feilbieten und Verkauf streng auf den ihnen angewiesenen Platz zu beschränken, so daß der Verkehr in keiner Weise gehemmt wird, § 7. Die Butter darf nur gewogen und in sauberen Gefäßen, ohne Einwickelung, zum Markt gebracht werden, und zwar in Stücken von ¼, ½ und 1 Kilogramm. Folgende Gegenstände dürfen nur nach Gewicht verkauft werden: Eier, Getreide, Hülsenfrüchte(trockene und frische), Kartoffeln, Wurzeln, Rüben, Spargel, Mehl, Fleisch und Fleischwaren aller Art, Fische, Heu und Stroh und Obst jeder Art. § 8. In der Zeit des Wochenmarktes ist das Feilbieten von Wochenmarkts=Artikeln mit den Wirkungen des Marktverkehrs nur auf dem Standort des Wochenmarktes zulässig. Das Feilbieten auf dem Wochenmarkt ist nicht im Umherziehen gestattet, vielmehr muß jeder von seinem Standpunkte aus feilbieten. § 9. Zugvieh darf nicht auf dem Wochenmarkte stehen bleiben. Durch die Polizeibehörde kann, wenn der Platz überfüllt ist, auch die Entfernung der zur Herbeischaffung der Waaren benutzten Wagen angeordnet werden, beim Belassen derselben auf dem Markte muß die Deichsel entfernt oder hochgeschlagen und befestigt werden. II. Besondere Bestimmungen für die Markthallen. § 10. Die Markthallen sind an den Tagen der regelmäßigen Wochenmärkte, also an jedem Montag, Donnerstag und Sonnabend geöffnet und zwar: a) für das Einbringen von Marktgut im Sommer d. h. vom 1. April bis 30. September, von 6 Uhr morgens, und für den Winter, d. h. vom 1. Oktober bis 31. März, von 7 Uhr morgens an. b) für das Publikum von 7 Uhr morgens im Sommer und von 8 Uhr morgens im Winter. Nach Schluß der Marktstunden, um 1 Uhr mittags, hat das Publikum fofort die Hallen zu verlassen. Nachmittags 2 Uhr müssen die Markthallen auch von den Händlern und Verkäufern geräumt sein. § 11. Die Regelung des gesammten Verkehrs in den Markthallen erfolgt durch Beamte der Polizeiverwaltung, deren Anordnungen unbedingt Folge zu leisten ist. § 12. Die Verkaufsstände werden von dem Magistrat zu den von ihm festzusetzenden Preisen und den durch diese Ordnung geregelten Bedingungen vergeben. Bis auf Weiteres sind die in der angeschlossenen Ordnung über die Erhebung von Standgeldern u. s. w. ersichtlichen Preise festgesetzt. § 13. Die Verkaufsstände werden in der Regel auf ein Kalenderjahr, auf ein halbes Jahr oder auf einen Zeitraum von drei Monaten vergeben. nung für die Stadt Außerdem werden auch für einzelne Tage Verkaufsstände, sogenannte Tagesstände, vergeben. § 14. Die Anmeldung zur Vergebung der Verkaufsstände ist bei einem der aufsichtsführenden Polizeibeamten zu bewirken, bei denen auch die Meldungen für Tagesstände zu erfolgen haben. Diese werden erst an dem Tage angenommen, an welchem die Benutzung erfolgen soll. Die Stände werden von den beauftragten Beamten angewiesen, deren Anordnungen unbedingt Folge zu leisten ist. Der Inhaber eines Tagesstandes hat keinen Anspruch darauf, daß ihm derselbe vorbehalten und auch am folgenden Tage zugewiesen werde. § 15. Die Gebühr muß in allen Fällen für die ganze Zeit, für welche vergeben wird, im Voraus bezahlt werden. § 16. Die Stände werden auf den Namen des Inhabers oder der gemeinschaftlichen Inhaber vergeben. Die Weitervergebung des angewiesenen Raumes an eine andere Person, oder die Mitaufnahme einer solchen in den Raum, sowie endlich die Besetzung eines leerstehenden Raumes mit Gegenständen irgend welcher Art ist nicht gestattet. S 17. Die Inhaber übernehmen durch die Zuertheilung der Stände zugleich die Verpflichtung, dieselben für die Vergebungszeit mit der betreffenden Marktwaare gehörig zu belegen; sind die Stände zwei Stunden nach Eröffnung des Marktes noch nicht zum Verkaufe benutzt, so ist der aufsichtsführende Polizeibeamte, falls ein Bedürfniß vorliegen sollte, berechtigt, die Stände für den betreffenden Tag anderweitig zu vergeben und das Standgeld dafür zu erheben, ohne daß dem ersten Miether ein Anspruch auf Nachlaß zusteht. § 18. Die Inhaber sind verpflichtet, die angewiesenen Stände bei Ablauf der Vergebung vor Verlassen derselben von allen Waaren, Gefäßen, Kisten u. s. w. zu räumen und zu reinigen. Insonderheit haben dies auch die Inhaber von Tagesständen beim Verlassen des Standes zu beachten. Die Inhaber fester Stände dürfen zwar ihre Marktwaaren ordnungsmäßig zusammengesetzt in ihren Ständen stehen lassen, der Magistrat übernimmt jedoch keine Verantwortlichkeit bezüglich derselben. Sind die Waaren in Körben, Kisten, Säcken u. s. w. verpackt, so müssen sie durch saubere Decken gegen Staub geschützt werden. Wenn ein Inhaber seinen Verpflichtungen nicht gehörig genügt, so kann ihm die Wiedervergebung von Räumen von der Betriebsleitung versagt werden. § 19. Die Verkäufer haben sich bei dem Aufstellen der Waare, sowie bei dem Verkauf auf den ihnen angewiesenen Platz zu beschränken, sie wie ihr Personal dürfen also nicht in den Gängen stehen. Die Gänge sind stets für das Publikum frei zu halten. Es ist untersagt, Marktwaaren oder Verpackungsmittel über den Stand hinaus oder in den Nebenstand zu setzen, oder Stühle und sonstige Gegenstände in die Gänge zu stellen. § 20. Die Inhaber sind für die Reinhaltung der Verkaufsstände verantwortlich. Abfälle dürfen nicht auf den Verkaufsständen liegen oder in die Gänge geworfen werden, sind vielmehr in Körben oder Gefäßen zu sammeln und auf den bei Marktschluß hierfür angewiesenen Platz zu entleeren. S 21. Das Mitbringen von rohen Tierfellen in die Markthalle, sowie das Lagern derselben und der Handel mit denselben in der Markthalle ist verboten. Diejenigen, der Milchbutter ähnlichen Zubereitungen, deren Fettgehalt nicht ausschließlich der Milch entstammt, sind von Naturbutter gesondert zu halten, und als solche durch Aufstellung einer Tafel mit der deutlichen nicht verwischbaren Inschrift:„Verkauf von Margarine“ kenntlich zu machen. § 22. Die aussichtsführenden Polizeibeamten sind befugt, Gegenstäude, welche den bestehenden Vorschriften zuwider in der Halle stehen gelassen werden, auf Kosten des Eigenthümers an einem geeignet erscheinenden Platze zu lagern. Ebenso sind sie berechtigt, dem Verderben ausgesetzte Waaren, deren Eigenthümer nicht zu ermitteln sind, zu verkaufen, das Verkaufen kann freihändig und zu den angemessen erscheinenden Preisen geschehen. Der Erlös verfällt der Stadtgemeinde, wenn der Eigenthümer nicht binnen 4 Wochen nach erfolgtem Verkaufe sein Recht geltend macht und nachweist. § 23. Eigene Firmenschilder, Plakate mit oder ohne Peisangabe dürfen nur mit Genehmigung des Magistrats angebracht werden, das Erforderniß der Genehmigung erstreckt sich auf die Form, Stelle und Art der Anbringung. Das Ausrufen der Waaren ist untersagt. § 24. Die Buden und Markttische müsseu überall die gleiche Höhe und Tiefe haben und dürfen unter keinen Umständen verkehrshindernd in die Gänge hineinragen. § 25. Personen, welche die Ruhe und Ordnung durch Lärmen oder in sonstiger Weise stören, oder welche Andere in der Benutzung der Halle behindern, oder solche durch Worte oder thätlich belästigen, oder sich zwecklos in der Halle umhertreiben, namentlich Kinder ohne Aussicht Erwachsener, Betrunkene, sowie diejenigen, welche sich den Anordnungen der Polizeibeamten nicht fügen, können, abgesehen von etwaiger Bestrafung, aus der Halle fortgewiesen oder entfernt werden. Das Singen, Pfeifen und Rauchen in den Hallen ist untersagt. Das Mitbringen von Hunden und Kinderwagen in die Halle ist untersagt. § 26. Der Verkauf von geistigen Getränken in der Halle zum Genuß auf der Stelle ist nicht gestattet. § 27. In den Gängen ist der Verkehr möglichst frei zu lassen und müßiges Stehenbleiben zu vermeiden. Jede Verunreinigung oder Beschädigung der Halle und ihrer Zubehörungen, sowie der Geräte ist strengstens verboten. § 28. Alle Diejenigen, welche in der Markthalle verkehren, haben den die Ordnung in der Halle betreffenden Weisungen der Polizeibeamten, vorbehaltlich etwaiger Beschwerde, unbedingt Folge zu leisten. Beschwerden aller Art sind bei dem Magistrat anzubringen. Für das ordnungsmäßige Verhalten des verwendeten Personals, namentlich auch für den Ersatz aller durch dasselbe der Halle und deren Zubehörungen, Einrichtungen und Gerätschaften zugefügten Schäden ist der betreffende Arbeitgeber mit haftbar und verantwortlich. § 29. Die Nichtbefolgung dieser Vorschriften dieser Ordnung giebt, abgesehen von etwaiger Bestrafung, dem Magistrat das Recht, den Stand oder sonstigen Raum nach seinem Ermessen sofort zu entziehen. Die einmal bezahlten Stand= oder sonstigen Gebühren können in diesem Falle früherer Entziehung des Raumes nicht zurückgefordert werden. III. Jahrmärkte. § 30. Jahrmärkte finden an folgenden Tagen statt: 1) Donnerstag nach Mittfasten(Mittfastenmarkt). 2) Dienstag in der ersten vollen Woche nach Ostern(Östermarkt), 3) am 18. Juni(Vision), 4) Dienstag in der dritten vollen Woche des Monats September(Herbstmarkt), 5) Thomasmarkt(Thomas= oder Weihnachtsmarkt), § 31. Dieselben finden, bis auf Vision, welche auf Stiftberg an einem mit dem Magistrat zu vereinbartudem Platze abgehalten wird, auf dem alten und dem neuen Markte der Stadt statt. Auf den Jahrmärkten dürfen außer den Artikeln des Wochenmarktes Verzehrungsgegenstände und Fabrikate aller Art angeboten werden, jedoch ist die Erlaubnis der Polizeibehörde erforderlich: 1) zur Abhaltung von Glücksspielen und zu den im§ 55 Nr. 4 der Reichsgewerbeordnung erwähnten Schaustellungen, 2. zum Ausschank von geistigen Getränken. Im Fall der Ziffer 1 bedürfen Personen, die nicht in Herford wohnen bezw. dort keine gewerbliche Niederlassung haben, eines Wandergewerbescheines. IV. Viehmärkte. § 32. Mit den Jahrmärkten ist regelmäßig ein Viehmarkt verbunden. Außerdem finden in allen Monaten, in welchen Jahrmärkte nicht stattfinden, regelmäßig am letzten Freitag des Monats Viehmärkte statt. Der Viehmarkt im April und Juli ist insbesondere für den Auftrieb von Schafen und Hammeln bestimmt. Sämmtliche Viehmärkte werden auf dem Lübberbruche abgehalten. V. Allgemeines. § 33. Abgesehen von den in dieser Verordnung vorgesehenen Fällen hat weder auf Jahr=, Vieh=, Wochenmärkten noch in den Markthallen irgend jemand ein Anrecht auf eine bestimmte Verkaufsstelle. Die Feilbieter werden lediglich nach der ihres Erscheinens aufgestellt. § 34. Betreffs des Milchhandels wird auf die Polizeiverordnung vom 16. Juli 1901 und betreffs des Handels mit frischem Fleisch auf den Gemeindebeschluß vom 12. Dezember 1889§ lb verwiesen. Die Polizeiverordnung, betreffend das Marktwesen in der Stadt Herford vom 7. August 1894, wird aufgehoben. VI. Strafbestimmungen. § 35. Zuwiderhandlungen gegen diese Bestimmungen dieser Marktordnung werden nach§ 149 Nr. 6 der Reichsgewerbeordnung bestraft. Herford. den 30. September 1901. Die Polizeiverwaltung. I. V.: gez. Busse. Herford, den 30. Dezember 1901. Beschluß! Einverstanden. Der Magistrat. gez. Quentin, Busse, Reischauer, Brand, Herm. Müller, Dr. Lange. Vorstehende Marktordnung wird hiermit zur öffentlichen Kenntnis gebracht. Herford, den 22. April 1902. Die Polizeiverwaltung. I. V.: Busse. Eine Aspännige Equipage für 1 Mk. kann jeder gewinnen, der ein Les zu der bereits am 28. Mai er. unwiderrufl. stattfindenden Ziehung der Königsberge Pferdelotterie kauft. Es kommen 9 compl. bespannte Equipagen, 44 ostpr. Luxus- und Gebrauchspferdt und 2447 massive Silbergewinne zur Verlosung. Lose a 1 Mk, 11 Lose 10 Mk., Losporto u. Gewinnliste 30 Pf. ext empf. die Generalagentur Leo Welff, Königsberg i. Pr., Kantstr. 2, sowie in Löhne: Heinrich Fehring. 412 Die beste und solideste Gaskochplatte ist Askania Wager- u. 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