12. Jahrgang. 12. Jahrgang Teleph. Anschl,Perford EngerBad en, Vlotho&ck Kreis •. Teleph. Anschl. N 114 Diese Zeitung erscheim am Abend jeden Wochentages. Abonnementspreis vierteljährlich pränumerande 1.25 Mark bei Postbestellung kommt das Bestellgeld hinzu. Sonnabend, 17. Mai. Inserate werden bis spätestens vorm. 11 Uhr erbeten. Preis der einspaltigen Vetitzeile für Stadt und Kreis Herford, Oeynhausen und Amt Rehme 10 Pfg., sonst 15 Pfg. 1902 Amtliche## Anzeigen für den Kreis Herford. Zollfreie Niederlage. Nachdem die Provinzial=Steuer=Direktion Münster die Einrichtung einer zollfreien Niederlage hierselbst und zwar in dem dreistöckigen Haupt=Fabrik=Gebäude der olim Schönfeld'schen Spinnerei in Aussicht gestellt hat, ersuchen wir alle Firmen der Stadt, welche ihr Interesse an dieser Einrichtung mit Uebernahme einer Lager=Gebühr(je nach beanspruchtem Raum) auf längere Jahre darthun wollen, baldigst mit uns in Verbindung zu treten. Herford, den 15. Mai 1902. 427e Der Magistrat: Quentin. Verpachtung. Die städtische Jagd in den Bezirken I, II, III, IV, V soll auf neue 12 jährige Periode meistbietend verpachtet werden. Abschrift der Bedingungen sind gegen Erstattung der Copialien aus unserem Stadtsekretariate erhältlich. Offerten mit Angabe der Jahres=Pacht=Summe(Bezirk II und III bleiben verrinigt) sind verschlossen auf dem Amtszimmer des I. Stadtsekretärs, Zimmer Nr. 4 des Rathauses I, bis 313e Montag, den 2. Juni, mittags 12 Uhr abzugeben. Herford, den 9. Mai 1902. Der Magistrat: Quentit. eitens des Vorstandes der Landes=Versicherungs=Anstalt Westfalen wird eine Revision der Quittungskarten im igen Stadtbezirke durch einen Kontroll=Beamten vorgenommen werden. Es wird dies mit der Aufforderung zur allgemeinen Kenntnis gebracht, die Quittungskaiten auf der Arbeitsstätte bereit zu halten. Zugleich wird darauf hingewiesen, daß die Arbeitgeber verpflichtet sind, dem Revisionsbeamten über die Zahl der von ihnen beschäftigten Personen, über die Dauer der Beschäftigung und über die Höhe des Verdienstes auf Verlangen Auskunft zu erteilen und demselben diejenigen Geschäftsbücher pp. aus welchen jene Thatsachen hervorgehen, zur Einsicht während der Betriebszeit an Ort und Stelle vorzulegen. Ebenso sind die Versicherten zur Erteilung von Auskunft über Art und Dauer ihrer Beschäftigung verpflichtet. Die Arbeitgeber, wie die Versicherten können zur Erfüllung der ihnen obliegenden Verpflichtungen von der unterzeichneten Verwaltungsbehörde durch Geldstrafen bis zum Betrage von 150 Mk. angehalten werden. Herford, den 9. Mai 1902. Die Polizei=Verwaltung. Der I. Bürgermeister. Quentin.[310e Handels=Register des Königlichen Amtsgerichts zu Herford. Bei der unter Nr. 247 des Handelsregisters, Abt. A eingetragenen Firma„Franz Müller Riesen=Bazar“ in Herford ist am 14. Mai 1902 als Inhaber dieser Firma eingetragen: Wwe. Kaufmann Franz Müller, Juliaue Lucie geb. Müller zu Herford. 434e Pfingsten. Laßt läuten die Glocken Fern und nah, Sie sollen frohlocken: Der Lenz ist da! Was diese Dichterworte aussprechen, das ist auch ein gut Stück der Pfingstfreude, und hat seine christliche Berechtigung von dem Standpunkt des anbetenden Glaubens an die Herrlichkeit des Schöpfers, der in dieser Pfingstenzeit die Gestalt der Erde erneuert. Aber das Hauptstück unsres heiligen Festes ist das noch nicht. Die eigentliche Pfingstgabe ist das Gottesfeuer des heiligen Geistes, der einst wie geistliches Frühlingswehen über der Jünger Herz kam, und dessen heiligende, erneuernde, läuternde Macht uns not thut für unser Volksleben und für unser persönliches Leben. Mancherlei Geister treiben ihr Wesen: gottloser Weltgeist und aufklärerischer Zeitgeist, stolzer Menschengeist und vielgerühmter deutscher Volksgeist— aber sie sind alle mehr oder weniger feindselig gegenüber dem Gottesgeist demütigen Gottvertrauens und wahrhafter Nächstenliebe. Und so wenig zu verkennen ist, daß man einerseits darüber sich klar zu werden beginnt: es kann ohne Gott und Religion nicht lange meor so weiter gehen, während andererseits ein Sehnen und Ringen der Volksseele nach Klärung, Versöhnung, Heilung der Verhältnisse immer stärker oben und unten sich geltend macht, so gewiß ist die Thatsache, daß nicht menschliche Begeisterung oder Veranstaltung den religiössittlichen Umschwung herbeizuführen imstande sein wird, sondern nur ein Pfingsten, dadurch Gott unser Volk mit neuem Glaubens= und Gebetsgeist erfüllt. Es kann sein, daß erst schwere Heimsuchungen dazu nötig sind, um dies geschehen zu lassen, aber es ist besser, durch das Läuterungsfeuer göttlicher Gerichte hindurch zu gehen, als dem Vernichtungsfeuer göttlichen Gerichts anheim zu fallen. Was die kommenden Tage bringen werden, weiß Gott allein. Aber eins ist allen Christen gewiß, daß der heilige Geist sein Gnadenwerk weiter treiben wird durch treuer Zungen Mund, oo sie nun Glauben finden oder nicht. Und wer aus eigener Erfahrung weiß, daß es nicht eigenes Verdienst, sondern Gottes Macht war, die das neue Leben in seiner Brust wachrief, der kann auch von der Hoffnung nicht lassen, daß noch einmal ein Pfingsten in unserem deutschen Vaterlande werde und der heilige Geist die Geister aus dem Abgrunde siegreich verscheucht. Zur Tagesgeschichte. Deutschland Geschenk des Kaisers an die Union. Der Kaiser richtete an den Präsidenten Roosevelt folgendes Telegramm: Wiesbaden, 14. Mai 1902. An den Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika, Washington. Ich stehe noch unter dem tiefen Eindruck, welchen der glänzende und herzliche Empfang meines Brudes, des Prinzen Heinrich, durch die Bürger der Vereinigten Staaten von Amerika auf mich gemacht hat. In den Reden, mit denen er begrüßt wurde, ward wiederholt der Thatsache Erwähnung gethan, daß mein Ahnherr, Friedrich der Große, gegenüber der jungen amerikanischen Republik zur Zeit ihrer Entstehung immer eine freundliche Haltung bewahrt habe, daß er dadurch den Grundstein der freundlichen Beziehungen legte, welche stets zwischen unseren beiden Ländern bestanden haben. Dem mir von dem großen Könige gegebenen Beispiel will ich folgen. Ich möchte die Erinnerung an den Besuch des Prinzen Heinrich wachhalten durch eine Gabe an das amerikanische Volk, die ich Sie bitte, in meinem Namen annehmen zu wollen. Ich beabsichtige, den Vereinigten Staaten eine Bronzestatue Friedrichs des Großen zum Geschenk zu machen, die in Washington auf einem Platze zu errichten wäre, den Sie freundlich auswählen wollen. Möge diese Gabe angesehen werden als ein dauerndes Zeichen der inneren Beziehungen, die zwischen unseren beiden großen Nationen mit Erfolg gepflegt und entwickelt sind. Wilhelm I. R. Präsident Roosevelt beantwortete das Telegramm des Kaisers mit folgendem Telegramme in deutscher Sprache: Washington, den 15. Mai. Kaiser Wilhelm, Wiesbaden. Ich bin tief empfänglich für Ihr großartiges und freundliches Anerbieten. Ich danke Ihnen herzlich dafür im Namen der Vereinigten Staaten und werde es sogleich dem Kongresse vorlegen. Gewiß wird es unserem Volke das größte Vergnügen bereiten, aus Ihren Händen eine Statue des berühmten Herrschers und Soldaten, eines der größten Männer aller Zeiten, Friedrichs des Großen, zu erhalten, und eine besondere Angemessenheit liegt darin, daß seine Statue hier in der Stadt Washington, der Hauptstadt der Republik, auf deren Geburt er mit solch freundlichem Interesse schaute, errichtet werden soll. Für diesen neuen Beweis Ihrer freundlichen Gesinnung für unser Land danke ich Ihnen ir dessen Namen. Die Gabe wird hier sicherlich angesehen werden als ein erneutes Zeichen der Freundschaft zwischen den beiden Nationen. Wir hoffen und glauben fest, daß diese Freundschaft in den kommenden Jahren noch stärker und fester werden wird. Es ist ein Zeichen für die Wohlfahrt des ganzen Menschengeschlechts, daß am Anfang dieses Jahrhunderts das amerikanische und das deutsche Volk in einem Sinne und herzlicher Freundschaft zusammenarbeiten. Theodore Roosevelt. Es mag vielleicht im ersten Augenblick etwas auffällig erscheinen, daß der Kaiser in der Hauptstadt der Vereinigten Staaten das Bildnis eines Herrschers aus dem Hause Hohenzollern errichten will, aber Friedrich der Große wird in Washington nicht stehen als preußischer König, sondern als Freund der jungen amerikanischen Republik. Man weiß, wie aufmerksam Friedrich der Große den Verlauf des Unabhängigkeitskrieges verfolgte und mit welcher Freude er jeden neuen Hierzu zweites Blatt sowie Illustriertes Sonntagsblatt. Sieg über die britische Macht, mit der er so üble Erfahrungen gemacht hatte, begrüßte. Wenn die Statue dieses großen freisinnigen Fürsten in Washington aufgestellt wird, so wird dies ein dauerndes Zeichen der deutsch-amerikanischen Freundschaft sein. Wenn Menschen schweigen, werden Steine predigen. Im Park des Kapitols ragt das von H. Greenough ausgeführte sitzende Kolossalmonument des ersten Präsidenten Washington. Das Denkmal des Großen Friedrich wird dort dem nachdenklichen Betrachter eindrucksvoll sagen, daß Nationen, die in der bittersten Gefahr treu zu einander gestanden haben, auch auf die Dauer Seite an Seite stehen sollen. Die Friedensthat unseres Kaisers dünkt uns wie ein harmonischer weittönender Glockenklang, der dem nahen Pfingstfeste seine volle Weihe giebt. Krönungsfeier in Spanien. Das Geschenk des deutschen Kaisers für den König Alfons von Spanien, das heute anläßlich der Eidesleistung überreicht werden wird, besteht, wie wir mitteilen können, aus einem prachtvollen Degen. Dieser, in einer Solinger Waffenfabrik angefertigt, ist ein Prunkstück der Waffenschmiedekunst. Die Klinge ist eine echte Damaszener; sie ist reich verziert und trägt eine dem Geschenkanlasse entsprechende Widmung. Prinz Albrecht von Preußen, der bekanntlich Deutschland und den deutschen Kaiser bei der Eidesleistung Alfons XIII. vertritt, wird den Degen überreichen. Don Carlos, der spanische Thronprätendent, ist von der französischen Regierung ebenso entschieden wie höflich aufgefordert worden, seinen Wohnsitz von der spanisch=französischen Grenze in das Innere Frankreichs zu verlegen, falls es ihm genehm sein sollte, noch länger auf französischem Boden zu verweilen, Die französische Regierung hat mit dieser Anweisung augenscheinlich einem Ersuchen Spaniens entsprochen, da die Regierung von der Nähe des Prätendenten unliebsame Zwischenfälle bei der Thronbesteigung des jungen Königs Alfons XIII. befürchtet. Don Carlos ließ, wie schon gemeldet, bekannt machen, er beabsichtige das Fest der Thronbesteigung durch Alfons XIII. in keiner Weise zu stören; später werde er jedoch im geeigneten Augenblick die karlistische Fahne wieder entfalten. Zum Befinden der Königin Wilhelmina. Die Königin der Niederlande übersiedelt, wie man aus Het Loo meldet, heute nach anderen Gemächern im Schloß, derweilen das Krankenzimmer desinfiziert wird. Die Monarchin zeigt größeren Appetit, aber die Nahrungsaufnahme untersteht noch immer genauer Kontrolle des Arztes, um einem abermaligen Auftreten des Fiebers vorzubeugen. Nach Desinfektion des Krankenzimmers wird auch die Tafel, die in der gesetzlich vorgeschriebenen Weise das Vorhandensein einer ansteckenden Krankheit im Hause anzeigte, von der Portiersloge des Schlosses entfernt. Südafrika und Martinique. Die fürchterliche Katastrophe auf Martinique, die zu den entsetzlichsten Ereignissen der Weltgeschichte gehört, hat die Gemüter auf der ganzen Erde aufs tiefste erregt und das Mitleid mit Recht in weitestem Maße wachgerufen. Freilich, den unglücklichen Bewohnern der untergegangenen Stadt St. Pierre, die von brennenden Trümmern erschlagen, von giftigen Gasen erstickt oder unter dem Feuerregen begraben wurden, kann nicht mehr geholfen werden. Es galt, die Not der Ueberlebenden auf der Insel und den benachbarten Unglücksstädten zu lindern. Wenn sich nun jetzt das Rote Kreuz auch an die Deutschen zur Hilfeleistung wendet, so könnte man dem uneingeschränkt zustimmen, wenn der Deutsche nicht die viel größere, viel schlimmere Not seiner Stammesgenossen in Südafrira vor Augen sähe. Was ist denn die Summe von kaum 1½ Millionen Mark, die innerhalb dreier Jahre in Deutschland für die Not der Buren gesammelt ist, gegenüber den 2 Millionen Mark, die die Ver. Staaten in drei Tagen bereit hatten, weil es sich um ein Unglück handelt, das auch Amerikanern widerfahren ist? Der Not unsrer Stammesbrüder in Südafrika, deren Interessen unsere Interessen sind, hat das deutsche Volk zuerst abzuhelfen. Wenn irgendwo das Wort des Kaisers gilt von dem Blut, das dicker ist als Wasser, so trifft es hier zu. Wenn wir uns für die Neger, Mulatten und Weißen Martiniques erregen, uns aber nicht rühren lassen von dem Jammer der Verwundeten, dem Hunger, Frost und Elend der Frauen und Kinder unserer Brüder in Südafrika, so verdienen wir den oft erhobenen Vorwurf, daß wir uns in die Angelegenheiten aller Welt mischen, statt unsere nächsten vaterländischen Pflichten zu erfüllen. Wir glauben, daß es den Fravzosen gar nicht einfallen würde, in ähnlichem Falle für die Deutschen eine große Hilfsaktion einzuleiten. Dasselbe Rote Kreuz, das jetzt eine Hilfsaktion für die Westindier einleitet, hat sich der Not der Niederdeutschen Südafrikas gegenüber kalt und herzlos bewiesen. Der entsetzliche Aerztemangel, dem hunderte der Kämpfer für die niederdeutsche Sache in Südafrika zum Opfer gefallen sind, kommt wesentlich guf. Rechnung des Roten Krenzes, das sich nach der Einnahme Prätorias so willig von der Robertsschen Mär betreffs der„Beendigung des Krieges“ bethören ließ und künftig das Elend seiner Stammesgenossen in Südafrika sich selbst überließ. Die Wahlrechtsreform in Schweden. Wie aus Stockholm gemeldet wird, beendete gestern die erste Kammer die Beratung der Wahlrechtsvorlage und nahm mit 83 gegen 59 Stimmen den vom Bischof Billing eingebrachten Antrag an, durch den die Regierung ersucht wird, bis zum Jahre 1904 dem Reichstage eine neue Vorlage auf folgender Grundlage zu unterbreiten: Allgemeines Stimmrecht, Proportienalwahlen, Wahlberechtigung nach Vollendung des 25. Lebensjahres und Gleichstellung von Stadt und Land. Die Zahl der Ausständigen übersteigt bereits 100 000. Herforder Kreisnachrichten. Herford, 17. Mai 1902. * Pfingsten hält seinen Einzug, und dankbaren Herzens heißen wir es willkommen. Mit jungem Grün an Baum und Strauch, mit Blütenschnee und Blumenduft und mit jubelnden Akkorden der gefiederten Sängerschaar begrüßt die Natur ihr höchstes Fest, mit Glockenklang und Orgelton, mit feierlichen Gesängen und erhebender Predigt feiert die Kirche in andachtvollen Stunden die Ausgießung des heiligen Geistes und zugleich ihr Geburtsfest und mit Maiengrün vor den Thüren und in den Stuben wird Pfingsten von Alt und * zend preist unser Mund des ewigen Schöpfers Ehre, wenn wir nach all den Regentagen der letzten Zeit hoffentlich bei schönem Wetter zu Pfingsten hinauseilen können in die herrlich geschmückte Gottesnatur, die ein neuer Odem durchströmt, alles neu belebend und unsere Herzen mit neuem Mute und neuer chaffenskraft erfüllend. Und in der Freude, die da draußen uns einströmt, müssen wir dann auch jener ersten Pfingstfier gedenken, an welcher der hl. Geist ausgegossen ward über Christi Jünger, die dadurch befähigt wurden, das Wort ihres Herrn und Meisters aller Welt zu künden und die ewig leuchtenden Lehren des Christentums in alle Lande hinauszutragen, und uns durch jene hehre Begeisterung und wunderbaren Großthaten anspornen lassen, gleichfalls und jederzeit für alles Wahre, Gute und Edle einzutreten, damit der Geist der Pfingsten endlich den Sieg davontrage über die Geister des Hasses und der Zwietracht, der Lüge und Verleumdung. Solcherart wird das schöne Pfingstfest sich für uns Alle zu einer erhebenden Doppelfeier, zu einem fröhlichen und gnadenbringenden gestalten, und in diesem Sinne wünschen wir all unsern Lesern recht gesegnete Feiertage! *∆ Die Ausgabe des Pfingstweines erfolgt nun wieder am hentigen Tage; schon seit 10 Uhr vormittags wurde dieser Wein der Brüderweinstiftung ausgegeben und zwar auch diesmal wieder von der Weinfirma Wilhelm Münter u. Sohn hier. Im ganzen werden ca. 600 Liter Wein zur Ausgabe kommen. Vielleicht findet sich mit der Zeit noch ein Wohlthäter, so daß die Ausgabe nicht mehr alle zwei Jahre wie bisher, sondern alljährlich erfolgen kann. Jeder kann bekanntlich die Mitgliedschaft für diese Stiftung erwerben, wenn einmal für ihn oder von ihm fünf Mark auf dem Rathause eingezahlt sind. Jeder Vater sollte seine Kinder, jeder Pate den Täufling einkaufen. *¼ Blau=Krenz=Fest. Wie wir bereits mitteilten, findet am 2. Pfingsttag, nachmittags 3½ Uhr, im Walde bei der Heilstätte„Elim“ ein Blau=Kreuz Fest statt. Bei ungünstiger Witterung wird das Fest im Hause des Herrn Hofbesitzers Fr. Meyer zur Heide, welcher nahe bei der genannten Heilstätte wohnt, gefeiert werden. Jedermann ist zu dem Feste herzlich eingeladen. Die Blau=Kreuz=Arbeit ist als ein Werk der Inneren Mission eine Angelegenheit der ganzen Gemeinde. Der Herforder Blau=Kreuz=Verein ist ein Glied des deutschen Bundes evangelisch=kirchlicher Blau=Kreuz=Vereine, dessen Vorsitzender Herr Superintendent Klar in Belgard in Pommern ist. Der genannte Bund besitzt in einer Reihe von Provinzen Verbände und einzelne Vereine des Blauen Kreuzes. Angegliedert sind demselben auch die Trinkerheilanstalten in Sagorsch in Westpreußen, Mara in Schlesien, das Trinkerrettungshaus in Belgard, Isenwald in Hannover,„Salem“ bei Rickling in Holstein,„Elim“ bei Herford und Lintorf im Rheinland. werden Monats=Abonnements auf die„Herforder Zeitung für Stadt und Land“ von allen Briefträgern, den Kaiserlichen Postanstalten unseren Boten sowie in unseren Agenturen entgegengenommen. Polizeiuniform. Durch Allerhöchste Ordre vom 24. v. Mts. ist genehmigt worden, daß die Helme der Polizeibeamten mit Hinterschiene versehen werden. Die Erfahrung hat nämlich gelehrt, daß der Helm ohne Hinterschiene beim Tragen des Gleichgewichts entbehrend bei schnelleren Bewegungen leicht vom Kopfe fällt, andererseits die Schiene aber auch dem betreffenden Beamten immerhin einen gewissen Schutz bei thätlichen Angriffen gewährt. Am Staatsbahnhof ist gestern mit der Perronbedachung begonnen worden. Wie wir vernehmen, werden sämtliche Geleise, auch das neue(4.) Geleis für die Bahn nach Bünde, überdacht werden; im ganzen kommt voraussichtlich eine Länge von ca. 200 m in Betracht. Die Arbeiten werden auch am Stationsgebäude fleißig gefördert; z. Zeit ist man dort u. a. mit dem Einsetzen der Fenster beschäftigt. So wird jedenfalls der 1. Juli als Termin für die Inbetriebnahme des Gebäudes innegehalten werden können. Die Setzung der Bordsteine an der Mindenerstraße, womit sich vor einiger Zeit ein Eingesandt in unserer Zeitung beschästigte, wurde gestern in einem örtlichen Termine besichtigt; an demselben nahmen Vertreter der Provinz und der Herr Stadtbaumeister teil. Wie wir in Erfahrung bringen, hat sich die Provinz einverstanden erklärt, die Bordsteine, deren Setzung nach dem zwischen Stadt und Provinz abgeschlossenen Vertrage ordnungsmäßig und richtig geschehen war, auf ihre Kosten um 70 cm nach rechts zurückzusetzen. Von zuständiger Seite werden wir noch darauf aufmerksam gemacht, daß die Abstellung jenes Uebelstandes schon vor der Veröffentlichung des betr. Eingesandts angebahnt worden war. □ Bezüglich der Konzerte, die an den Pfingstfeiertagen hier und in der Umgegend stattfinden, verweisen wir auf die diesbezüglichen Inserate in der vorliegeden Nummer u. Bl. Bemerkt sei noch, daß bei schönem Wetter am 2. Feiertag auf dem Schützenhofe ein Morgenkonzert der Düngelschen Kapelle abgehalten wird. *∆ Zur Bewältigung des Pfingstverkehrs werden auch heuer wieder zahlreiche Sonder= und Vorzüge abgelassen. Die Bekanntmachung darüber ist auf den Stationen ausgehängt. Den Reisenden wird empfohlen, möglichst die Vorzüge zu benutzen, da sie sicherer, wie die Hauptzüge, die Anschlüsse an den Zwischenstationen erreichen. Infolge des starken Verkehrs trafen schon gestern die Züge mit erheblicher Verspätung ein. *9—0 Zur Pfingstturnfahrt der Turngemeinde. Die Teilnehmer an dieser Turnfahrt werden laut Inserat ersucht, heute abend 9 Uhr sich zu einer kurzen Besprechung in Biermanns Lokal zu versammeln. ** Pfingstbäume wurden heute an verschiedenen Stellen der Stadt zum Kauf angeboten. #a In den Markthallen stellten sich heute die Preise der Produkte wie folgt: Rindfleisch 60—65 Pfg., Schweinefleisch 70—80 Pfg., Hammelfleisch 60—65 Pfg., Nierenfett 40—50 Pfg., Butter Pfd. Mk. 1,15, Eier 2 Pfd. 9) Pfg Rotkohl Kovf 10—30 Pfg., Wirsing 30—35 Pfg., Wißkohl 30—35 Pfg., Rosenkohl Pfd. 35 Pfg., Wurzeln Pfd. 8 Pfg., Schwarzwurzeln Pfd. 30 Pfg., Steckrüben St. 5 Pfg., Porree Bd. 5 Pfg., Zwiebeln 2 Pfd. 25 Pfg., Kohlrabi Bud 10 Pfg., Blumenkohl 50—55 Pfg., Schnittsalat Portion 11 Pfg., Kopfsalat Kopf 10 Pfg., Spargel Psd. Mk. 1.—, Radeschen Bund 10 Pfg., Streifrüben 4 Bund 10 Pfg., Gurken Stück 40 Pfg. *! Eickum 16. Mai. Kriegerverein. Auf Wefings Hofe veranstaltet der hiesige Kriegerverein am 25. d. Mis. sein diesjähriges Vereinsfest; gleichzeitig werden de von Sr. Maj. dem Kaiser verliehenen Fahnenbänder überreiht. =i Enger, 16. Mai. Die Impftermine sud für dieses Jahr wie folgt angesetzt: Stadt Enger am 22 Mai, nachm. 4 Uhr; Gemeinde Dreyen am 23. Mai, nachm. 4 Uhr; Siele am 23. Mai, nachm. 5 Uhr; Besenkamp am 24. Mai, nachm. 4 Uhr; Belke=Steinbeck am 24. Mai, nachm. 5 Uhr; Herringhausen am 26. Mai, nachm. 4 Uhr; Olding= hausen am 27. Mai, nachm. 4 Uhr; Pödinghausen om 27. Mai, nachm. 5 Uhr; Westerenger I am 28. Mai, nachm. 4 Uhr; Westerenger II am 28. Mai, nachm. 5 Uhr. Als Impflokale sind die betreffenden Schulen bestimmt. Die Revisionen(Nachschau) finden allenthalben 8 Tage später im selben Lokale und zur selben Stunde statt. Provinz und Nachbarstaaten. * Salzuflen, 16. Mai. Wasserleitung. In ihrer letzten Sitzung bewilligten unsere Stadtverordneten für den Bau einer Wasserleitung die Summe von 200000 Mk. n Oeynhausen, 16. Mai. Schöffengericht. In der letzten Sitzung kamen noch folgende Strafsachen zur Verhandlung: Der Kaufmann Ernst R. von hier ist angeklagt, einen Bau ausgeführt zu haben, ohne hierzu die polizeiliche Genehmigung einzuholen. Da in dieser Sache mehrere Strafverfügungen ergangen sind, wurde die Verhandlung vertagt, um die Fälle später gemeinsam abzuurteilen.— Dem Kutscher Johann E. von hier wird zur Last gelegt, am 26. Januar den Schlosser Wilh. Patzer vorsätzlich körperlich mißhandelt zu haben. Die Sache wurde zwecks weiterer Zeugenladung vertagt.— In der Strafsache gegen Schw. trat Vertagung ein, da der Angeklagte z. Z. in Herford in Haft sitzt und nicht zur bestimmten Zeit vorgeführt werden konnte.— Der Händler Heinrich Kr. zu Mellbergen ist angeklagt, im Juni v. J. den selbständigen Betrieb einer Schenkwirtschaft ausgeübt zu haben, ohne im Besitz der hierzu nötigen Konzession zu sein. Das Urteil lautete auf 20 Mk. bzw. 2 Tage Haft. — Der Arbeiter Otto W. sowie dessen Ehefrau Anna W. zu Mellbergen sollen am 29. Oktober den Sattler Heinrich Himstedt daselbst körperlich mißhandelt haben. Zwecks Ladung weiterer Zeugen wurde die Sache vertagt. □ Detmold, 16. Mai. Zur Gasexplosion im Hotel Kaiserhof. Wie schon gemeldet, ereignete sich dieses entsetzliche Unglück in der Küche des Hotels. Damit die Speisen, bevor sie aufgetragen werden, warm bleiben, befindet sich in der Hotelküche auch ein Wärmeofen und dicht daneben der Gaskocher; beide Gashähne sind neben einander. Herr Meyenberg wollte nun heute morgen gegen 6½ Uhr Eier auf dem Gasherd kochen. Ohne, daß er es wußte, war der Gashahn des Wärmeofens offen geblieben; das Gas, welches sich in demselben angesammelt hatte, entzündete sich plötzlich. Die Thüre wurde mit solcher Gewalt heraus= und Herrn Meyenberg an den Kopf geschlagen, daß das Gehirn blosgelegt wurde; auch der Küchenschrank nebst Geschirr war völlig zertrümmert. Der Verunglückte lag inmitten dieser Trümmerstätte; schon nach einer halben Stunde verstarb er. * H a n n o v e r, 1 6. M a i. E i n e r K ü n s t l e r i n d i e Pferde vor dem Wagen ausspannen, dürfte nicht oft vorkommen, passierte aber am Dienstag abend der jungen talentvollen Schauspielerin Fräulein Else Kugler vom Stadttheater in Bremen. Die Künstlerin, welche als Gast im hiesigen Königlichen Theater auftrat, hatte die jugendlichen Gemüter der Primaner infolge ihrer Darstellung der„Franziska“ in„Minna von Barnhelm“ derart entzückt, daß die Enthusiasmierten der Künstlerin die Pferde vor dem Wagen aus„Nun ist mir nichts mehr zu schwer. Nachdem ich meinen Lexej habe hergeben müssen, kann ich auch den kleinen Hatto vermissen, nur müssen sie mir ein paar. Tage Zeit lassen, dann will ich ihn gern von mir lassen.“ „Sie haben nur zu befehlen, gnädige Frau, wann sie die Trennung wünschen, aber sie sehen ein; der Wunsch des Verewigten...“ „Der Wunsch des Verewigten ist auch mein Wunsch, ich muß eine Buße auf mich nehmen und diese Buße soll die Trennung von meinem einzigen Kinde fein. Sie wissen ja garnicht, Graf, was ich gesündigt habe an der Seele seines Vaters, ach ich bin ja so schlecht gewesen....... Sie begrub ihr Gesicht in den Händen und schluchzte laut auf. „Beruhigen sie sich, gnädige Frau, klagen sie sich nicht an, wir sind alle nicht besser und sie haben schon gesühnt. Um ihrer großen Liebe willen wird ihnen verziehen. Wer weiß, vielleicht brauchen sie sich garnicht zu trennen von dem Kinde.“ Sie schüttelte müde den Kopf:„Trennen muß ich mich doch von ihm. Wenn Sie die Briefe gelesen hätten, die der unbeugsame alte Herr geschrieben, so wüßten Sie, daß von dort nie Verzeihung kommt. Aber es ist auch gut so. Was hätte der kleine Hatto hier als Sohn einer Frau, die ihrem Gatten als Aushängeschild. für eine Spielhölle diente? Ausgestoßen und verworfen wäre er wie seine Mutter und sein Stiefvater.. Nein, nein, Graft, was geschehen muß, muß geschehen, und Sie werden mir recht geben, wenn Sie das Kind sehen, dieses sonnige sorgenfreie Kind, diesen echten Hobbach. Lassen Sie mich wenigstens das eine gut machen und den Enkel zurückgeben, da ich doch den Sohn für mich genommen habe. Er soll in den Spessart, soll aufwachsen in der Tradition seiner Vorfahren und sich nicht deklassieren wie sein Vater.“ Eine eigentümliche Bewunderung ergriff Roger vor der Selbstlosigkeit und der Opferwilligkeit der unglücklichen Frau. Sie hatte eingesehen, daß sie gesündigt und war nun bereit, alles zu thun, um diese Sünde zu büßen. Kommen Sie, Graf, ich will Sie zu dem Kind fehren.“ Sie schritt voran durch eine Flucht Zimmer bis in ein thines Stübchen, das der junge Herr bewohnte. An der Wand hing ein grotes Kinderbildnis und Roger blickte verwundert in diese Künigenbrunnen. Ein Roman aus dem Hochspessart von F. Eduard Pflüger (27. Fortsetzung.)—(Nachdr. verboten.) (Fortsetzung aus dem zweiten Blatt.) Als der Donner furchtbar niederkrachte, begann der Kranke zu zittern, seine Augen wurden starr, eine bleichblaue Farbe legte sich um den Mund, die Lippen flüsterten, dann. öffnete er den Mund, sog röchelnd die kühle Luft des Schlafzimmers ein, daun schüttelte ihn heftig ein Krampf, die Unterlippe fiel herab, die Augen wurden noch starrer und dann: wurde er ganz still. Tanja fuhr auf und schrie vor Entsetzen:„Der Arzt,, der Arzt!“ Roger aber ließ die Hand seines Jugendfreundes fahren, schloß ihm zart die Augenlider und sagte dann ruhig:„Fassen sie sich, gnädige Frau, hier kann kein Arzt mehr helfen.“ „Tot, tot!“ kam es jetzt leise und zitternd von den Lippen. des unglücklichen Weibes und ehe Roger hinzuspringen konnte, brach sie zusammen und fiel schwer aufschlagend ohnmächtig auf den Fußboden des Zimmers. Der Wettenburger drückte auf die Klingel und alsbald erschien der Diener und Roger flüsterte ihm leise zu: „Soeben ist Ihr Herr gestorben, gehen Sie und rusen Sie mir die Kammerfrau der Gnädigen.“ Dann hob er die Ohnmächtige auf den Divan und schob a eiches Kissen unter den Kopf. Indem kam mit Zeichen tiefster Bestürzung die Kammerfrau. Roger überließ die Ohnmagnge ihrer Pfege und zog sich in den anstoßenden Salon ## ö f f n e t e d i e F e n s t e r u n d l i e ß d i e f e u c h t k ü h l e N a c h t luft herein. Dann sah er auf die Uhr, es war halbvier und schon begann zwischen den fliegenden Wolkenfetzen am Himmel das erste Morgengrau hindurch zu leuchten. Die Wut des Gewitters war gebrochen und ein erfrischender wolkenbruchartiger Regen stürzte hernieder. Vereinzelte Droschken eilten unten über die Dorotheenstraße und das dumpfe Rollen der ersten Züge klang von der Stadtbahn herüber. Roger setzte in einen Sessel und kaonnte es nicht verbindern daß die anstrengende Reife und die Aufregung der letzten Stunden seine Widerstandskraft überwanden. Die Augen fielen ihm zu und er schlief ein. XVI. Der nächste Tag war ein Tag des Jammers. Tanja war aus ihrer Ohnmacht erwacht, sie saß jetzt tiefschwarz gekleidet und fast so bleich wie ihr stiller Gatte am Fußende des Totenbettes und konnte in ihrem wilden Schmerz kein Wort sprechen. Roger versuchte vergeblich sie aus ihrer Umgebung loszulösen, es gelang ihm weder mit Worten noch mit Gründen. Sie wollte den Anblick des geliebten Verstorbenen noch so lange als möglich genießen. War einer solchen aufopfernden Treue gegenüber nicht jede Schuld als gesühnt zu betrachten? fragte sich Roger mehr als einmal. Hatte nicht hier eine furchtbare Leidenschaft den Sieg über den Verstand davongetragen? Unwillkürlich faßte Roger eine stille Sympathie für die unglückliche Frau, und wenn er die Absicht gehabt hatte, sich möglichst schnell zurückzuziehen und nur den letzten Willen des Verstorbenen zu. erfüllen, so fühlte er doch jetzt, daß er der hilflosen unglücklichen Frau so lange als möglich an der Seite bleiben mußte. Bei der tropischen Hitze, die dranßen herrschte, bestimmte der Arzt, daß das Begräbnis nicht zu lange hinaus geschoben werden dürfe, und schon am andern Tage brachte man die sterblichen Reste des unglücklichen Holtenau hinaus nach Reinickendorf nach dem stillen Friedhof, wo schon einen Tag später der Tote der Erde übergeben werden sollte. Jetzt endlich faßte sich die unglückliche Gattin einigermaßen. Sie holte seine Sachen zusammen und legte sie vor sich hin, küßte jedes Wappen mit der neunzackigen Krone eingraviert Von dem letzten Auftrage des Verstorbenen sprach Roger zunächst nicht. Er wollte Tanja nicht noch den zweiten Schmerz anthun und ihr auch das Kind rauben, wie das Schicksal ihr den Gatten geraubt hatte. Aber nachdem er sie tags darauf vom Friedhof nach Haute gebracht hatte, begann Tania sellst davon zu reden wannten und nun den Wagen unter lautem Beifall der Menge kach Hause zogen. * Elberfeld, 16. Mai. In dem ErbschaftsProzeß der katholischen Pfarrgemeinde zum heiligen Antonius U Barmen gegen die Rentnerin Fräulein Margaretha Orth wurde gestern wieder eine Entscheidung gefällt. Die 2. Civilkammer des hiesigen Landgerichts verhandelte am 1. Mai über einen dringlichen Antrag des Notars Altenberg als Vollstrecker des Testaments des verstorbenen Rentners Wilhelm Orth, dahingehend, einen Verwahrer auch für die dem Fräulein Margaretha Orth durch Urteil derselben Kammer rechtskräftig zugesprochene Hälste des von ihrem verstorbenen Bruder hinterlassenen Vermögens zu bestellen, Fräulein Orth bis zur rechtskräftigen Entscheidung des über die Gültigkeit des Testanents noch am Oberlandesgericht in Köln schwebenden Rechtsstreites die Einziehung von Mieten, Renten 2c. zu untersagen und ihren Schuldnern aufzugeben, nichts mehr an sie, sondern an den zu bestellenden Verwahrer zu zahlen. Dieser Antrag wurde in der Sitzung der Kammer vom 1. Mai durch Justizrat Kranz eingehend begründet, von dem Vertreter Frl. Margaretha Orths, Rechtsanwalt Dr. Güldner=Barmen, aber aufs nachdrücklichste bekämpft, weil diese Anträge nur darauf hinausgingen, das Urteil des Landgerichts, wonach Fräulein Margaretha Orth die Hälfte des hinterlassenen Vermögens zusteht, illusorisch zu machen. Die Entscheidung des Gerichts wurde gestern vormittag nach 11 Uhr verkündet; sie ging dahin, daß Notar Altenberg mit seinen Anträgen kostenfällig hponeher ke. Vermischtes. Nach der letzten Dienstaltersliste ist der Kaiser Chef von 20 Regimentern. Die Enthüllung des Denkmals der Kaiserin Friedrich zu Homburg ist für den 5. August in Aussicht genommen. Die von Professor Uphues in doppelter Lebensgröße modellierte Büste wird jetzt in Laaser Marmor hergestellt. Das Haupt der Kaiserin schmückt ein Diadem; ihre livke Hand hält eine Rose. Auf den Stufen des schlanken Granitpostamentes liegt eine von Rosen und Passionsblumen durchflochtene Palme, die in Bronze gegossen ist. Zum Wolkenbruch in Berlin. Die Berliner Stadtverordneten stellten dem Magistrat 60000 Mk. zur Verfügung zu Beihilfen für die Notleidenden infolge des Wolkenbruchs in Berlin am 14. April. Hochzeitszug überfahren. Vorgestern nacht wurde, wie aus Speyer gemeldet wird, ein Wagen eines aus LachenSpeyersdorf kommenden Hochzeitszuges von dem aus Germersheim eintreffenden Eisenbahnzuge überf ven 4 Personen waren sofort tot, die fünfte starb in einigen Stunden. Durch den elektrischen Strom getötet. Bei der Vornahme von Telephonarbeiten in Meißen ist ein Arbeiter der kaiserlichen Telegraphenverwaltung aus erheblicher Höhe herabgestürzt und bald darauf seinen schweren Verletzungen erlegen. Er wollte gerade von der großen mechanischen Leiter der Feuerwehr herabsteigen und hatte deshalb den Sicherheitsgurt gelöst. Der Unglücksfall ist darauf zurückzuführen, daß der Telephondraht, den der Arbeiter zu befestigen hatte, mit der Stromleitung der Straßenbahn in Berührung gekommen war. Der dadurch verursachte elektrische Schlag hatte den jähen Absturz herbeigeführt. Selbstmord eines Hoteliers. Der langjährige Besitzer des Hotel„Centrale“ in Danzig, Rohde, hat sich infolge verschiedener geschäftlicher Unfälle vergiftet. In der Humbertschen Schwindelaffaire ist der Pariser Polizei mitgeleilt worden, daß Frau Humbert einen weiteren großen Schwindel dadurch verübte, daß sie reiche Familien aufsuchte, deren Söhne sich dem Militärdienst entzogen hatten. Unter Berufung auf ihren Schwiegervater, den Justizminister Humbert, sagte sie den Familien die Straflosigkeit der betreffenden Söhne zu und erbeutete auf diese Weise große Summen. stolzen Augen, die ihn aus dem Rahmen herab anschauten und die ihn so lebhaft an die verlorene Geliebte erinnerten. Es war eine Kopie des Bildes von Hannes Jakob, das er schor auf dem Wildenstein gesehen hatte. Darnnter hingen Photographien aus allen Lebensjahren, die er auch zum großen Teil aus dem Wildensteiner Album kannte. Hier war also der Kultus von Tanjas längst verstorbenem ersten Gatten aufrecht erhalten. Nun klingelte die Gräfin und alsbald erschien die französische Kinderfrau, die sich, nachdem sie den Befehl erhalten hatte, Hatto zu bringen mit tiefer Verbeugung zurückzog. Roger mußte sich sagen, daß wenn Alexander Holtenau auch das Leben eines Falschspielers geführt hatte, er doch jedenfalls in seinem Hause einen hocharistokratischen Zuschnitt aufrecht erhalten hatte. Aber da brachte die Kammerfrau ja das Kind. ein echter Hobbach und seinem Vater verblüffend ähnlich. Wäre nicht die Mode vor dreißig Jahren anders gewesen, so hätte das an der Wand hängende Bildnis, das Bildnis Hatto's sein können. Auf einen Wink der Gräfin zog sich die Kammerfrau zurück und nun waren die drei allein. „Das ist Onkel Wettenburg, mein lieber Hatto, gieb ihm die Hand.“ „Guten Tag, Onkel Wettenburg, Papa hat mir gesagt, daß Du mich zum lieben Großpapa und zur lieben Tante bringen willst.“ „ea mein Sohn, das will ich. Willst Du denn auch mit mir gehen?“ „Der Knabe warf einen zweifelnden Blick nach seiner Mutter und sagte dann:„Wenn es die liebe Mama erlaubt. so möchte ich schon“ Tanja brach in Thränen aus und zog den Knaben leidenschaftlich an die Brust:„Ja, mein Kind, Deine Mama erlaubt es.“ „Und Du kommst auch später zum Großpapa.“ „Wenn Gott will, mein Kind, ja.“ Es war Roger entsetzlich diese beiden Menschen, die doch effenbar so innig aneinander hingen, trennenzu müssen, aber hier gab es nichts, der Wunsch des sterbenden Holtenau war Befehl und er durfte hier keine weiche Regung aufkommen lassen, sondern streng und strikt seine Mission erfüllen. Und er that mit einer geheimen Hoffnung im Herzen, daß dies Kind dielleicht wieder die Verbindung zwischen ikm und Ihrina knünfen würde. (Fortsetzung folgt.) In einer Knabenklasse wird das deutsche Heerwesen vom Lehrer besprochen und dann mit den Schülern durchgenommen.— Lehrer:„Sobald also Krieg erklärt ist, wird mobil gemacht. Wer macht denn nun mobil?“ — 1. Schüler:„Der Hauptmann.“— Lehrer:„Nein höher!“ 2. Schüler:„Der General.“— Lehrer:„Noch höher!"— 3. Schüler:„Der Kaiser.“— Lehrer:„Gut. Und da nun der Kaiser allein das Recht hat, zu jeder Zeit das Heer mobil zu machen, ist ihm eine große Befugnis übertragen. Wie nennt man ihn deshalb?"— 4. Schüler:„Den stets mobilen Kaiser.“ (Fortsetzung im zweiten Blatt.) Standesamtsnachrichten für den Kreis Herford. Amt Herford. Nachrichten vom 3.—16. Mai 1902. Geburten: Ein Sohn: dem Neubauer Karl EickhoffSchwarzenmoor, Heuerling Aug. Steinkamp=Bermbeck, Schmiedemeister Diedrich Dröge=Schwarzenmoor. Eine Tochter: Kolon Wilh. Buchholz=Falkendiek, Schmied Gottlieb Heidsiek=Falkendiek, Kolon Gustav Upmeier=Eickum. Eheschleßungen: Fabrikarb. August VogelsangEickum mit Dienstmagd Johanne Echterdiek=Werl, Zig.=Arb. Heinrich Krömker=Kirchlengern mit Wilhelmine Mester=Bermbeck, Kolon Gustav Kleineberg=Diebrock mit Näherin Anna MeyerStedefreund, Bergmann Wilhelm Oberschachtsiek-Styrum mit Louise Bäumer=Diebrock, Tischler Wilh. Valldorf=Schweicheln mit Näherin Johanne Gößling=Herford, Neust. Feldm., Arb. Kaspar Wächter=Schweicheln mit Zig.=Arb. August PörtnerSundern, Professor Dr. jur. Walter Schücking=Breslau mit Adelheid v. Laer=Oberbehme, Maurer Heinrich Hokamp=Diebrock mit Näherin Johanne Störmer=Eickum, Weber August Wehmeyer=Schweicheln mit Näherin Johanne BredenkötterSüdlengern. Sterbefälle: Schneider August Heuermann=Diebrock, 30 J. 3 M. 19 Tage; Heinrich Ortgiese=Elverdissen, 1 M. 1 Tag; Rottenarbeiter August Raukohl=Schweicheln, 66 J. 8 M. 23 T.; Schneider Gottlieb Landwehr=Elverdissen, 21 J. 9 Mon. 9 Tage al. Familien-Nachrichten. Gestorben: Johanne Kespohl, geb. Kröger, in Depenbrock. Apotheker Gustav Ramberg, 59 Jahre, in Detmold. Briefkasten der Redaktion. Den Vortrag über die Polenfrage bringen wir in der nächsten Nummer vollständig, da dies besser ist, als wenn der Artikel durch zwei Nummern laufen würde. N. 16. Sie können unter diesen Umständen wohl einen Abzug am Betrage des vereinbarten Mietzinses machen. Nach Hiddeuhausen. Wir mußten den freundlichst gesandten Artikel nochmals zurückstellen. Handel und Verkehr. Berlin, 14. Mai. Heu und Stroh. Richtstroh 6,00—7,16 Mk., Heu 7,00—8,90 Mk. Course der Berliner Börse. Mitgetellt von der Westf.-Lippischen Vereinsbank, Akt.-Ges. Herford, 16. Ma. 1902. 3% Preuss Consols 91,75 3½%„„ 101,80 3% Deutsche Reichsanleihe 92.— 3½%„„ 101,80 3% Westf. Prov.-Anl. 89.25 3½%„„ 9975 4%„„ 104.25 4% Bielef. Stadtanleibe 103,70 4% Hamb. HypothekenPfandbriefe 1900 100.25 4% Rhein. Westf. Bodenkred.-Pfandbriefe 1905 100,75 4% Meining. Hypoth.Pfandbriefe 1900 100,25 Deutsche Bank-Akt. 206,50 Disc. Commandit-Akt. 183.30 A. Schaaffhausen'scher Bv. 119,80 Gelsenkirchener Bergw.Aktien 167.— Hibernia Bergw.-Aktien 165,80 Harpener dto. 172,40 Harb.-Wien. Gummi-Akt. 334,— Phönix Bergw.-Aktien 137,50 Bankdiscont 3% Tendenz: schwach, Meteorologische Station Herford. Witterungsbericht vom 17. Mai. Höchste Temperatur des Vortages: 12,4“. Niedr. Temperatur in der Nacht: 5,70. Temperatur um 7 Uhr vorm.: 10,8°. 11„„ 9.70 Luftdruck um 7 Uhr vorm.: 739,7 mm. Tägliche Niederschlagshöhe: 8,1 mm. Wind: Lebhafter SW. Wetter: Regnerisch. 18. Mai. Vorwiegend regnerisches Wetter mit lebhaften südwestlichen Winden. Telegramme und Telephonische Meldungen. Zur Throubesteigung König Alfons. Madrid, 17. Mai. Ueber hunderttausend Fremde sind bereits eingetroffen. König Alfons, der gestern durch die Straßen fuhr, ward lebhaft begrüßt. Der junge König trifft eine sehr verworrene politische Lage an; wahrscheinlich wird der Ministerpräsident am 25. Mai sein Entlassungsgesuch einreichen. Man weiß noch nicht, welchen Entschluß der König in Bezug hierauf fassen wird. Die Friedensaussichten im Burenkriege. London, 17. Mai. Den ganzen Tag hindurch wechselten gestern in rascher Reihenfolge hoffnungsvolle mit pessimistischen Gerüchten über den Verlauf der Konferenz in Vereeniging. Aus dem Buren=Hauptquartier in Amsterdam meldet Laffans Bureau, daß die Friedensunterhandlungen als ganzlich gescheitert betrachtet werden könnten. Die Burenführer verlangten eine Waffenruhe, um Krüger zu befragen, die britische Regierung habe diese aber verweigert. Die endgiltige Entscheidung der Buren wird vor nächsten Dienstag oder Mittwoch nicht erwartet. Gegen Schnupfen Forman=Aether=Watte:(Dose 30 J), Eine Aspännige Equipage für 1 Mk kann jeder gewinnen, der ein Los zu der bereits am 28. Mai cr. unwiderrufl. stattfindenden Ziehung der Königsberge Pferdelotterie kauft. Es kommen 9 compl. bespannte Equipagen, 44 ostpr. Luxus- und Gebrauchspferd und 2447 massive(Silbergewinne zur Verlosung. Lose a 1 Mk, 11 Lose 10 Mk., Losporto u. Gewinnliste 30 Pf ext empf. die Generalagentur Leo Wolff, Königsberg i. Pr., Kantstr. 2, sowie in Löhne: Heinrich Fehring. 41 St. 25 P. Reinste, mildeste sparsamste Kinderseite Se i e UE Karl Meves. Karl Meves' VeilchenEmollin-Seife zum Ce Einlegen kaufen Sie billigst bei Karl Beste 9##.# Toilette-Seife 3 81. 65 P. Meee Seillteletel EEIE NEEEE C TEE Karl Meves. Statt besonderer Anzeige. Todes-Anzeige. Hofprediger a. D. D. Stöcker wird am 2. Pfingsttage nicht, wie geplant war, in Stedefreund predigen; er wird überhaupt nicht kommen. 394e Heute Morgen 7½ Uhr entschlief infolge eines Unglücksfalles(Gasexplosion) mein lieber Mann, unser treusorgender Vater, Schwiegersohn und Schwager, der Hotelier Ernst Meyenberg Stedefreund! Große Evangelisations=Versammlung bei Kolon Gottlieb Böckmann am 2. Pfingsttage, nachmittags 3½ Uhr. im 33. Lebensjahre. Detmold, Hotel Kaiserhof, 16. Mai 1902. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Amalie Meyenberg geb. Die Beerdigung findet statt am Dienstag Nachmittag 4 Uhr von der Kapelle des Herforder Friedhofs aus.[429e Drüsengeschwüre. Mein Sohn hatte vor 10 Jahren am Halse eine große Drüsen=Geschwulst, welche ganz dick geworden war und dem Kinde große Schmerzen verursachte. Herr C. Schöning, Schwanenwall 46, hat das[Kind damals in kurzer Zeit von diesem Leiden befreit und tst unser Kind auch bis heute gunz gesund gesund geblieben, sweshalb ich Herrn Schöning hierdurch meinen Dank sage. 4860 Conrad Oeste. Fürstliche Saline Salzutlen empfiehlt 1. Düngesalz mit ca. 66% Kochsalz(Chlornatium und 35% Ofannenstein schwefels. Natron u. Kalk) durch Verwendung von Düngesalz (namentlich bei Hafer, Klee, Runkelrüben, Steckrüben, Wurmoder Schneckenfraß kann der Ertrag manchen Grundstücks erheblich vermehrt werden. 340 2. Viehsalz. Zur Beförderung einer besseren Verdauung des Futters. KIn TI u. Puddingpulver. Heimrich Nolting. Salz= u. Essiggurken empfiehlt 376e Heinrich Nolting. * * An beiden Pfingstfeiertagen ist 8 8 * * 419e mein Geschäft geschlossen. Bank=Verein zu Herford, e. G. m. u. H. Geschäftslokal: Löhrstraße Nr. 8. Wir nehmen Spareinlagen in jeder Höhe an und verzinsen dieselben mit 3, 3½ und 4%. Auf Check=Conto vergüten wir 3%. Der An= und Verkauf von Wertpapieren wird durch uns billigst besorgt. Gute Geschäftswechsel diskontieren wir zu koulantesten Bedingungen. 353e : Louis Ranzow. —— Statt besonderer Anzeige. Die Verlobung ihrer Tochter Lina mit Herrn Willy Westerhaus auf Herford beehren sich anzuzeigen 430e Tiefenbach, Pfingsten 1902. Kreis Siegen Rud. Moll u. Frau Bertha geb Bez. Lina Moll Willy Westerhaus Verlobte. Tiefenbach Herford Kreis Siegen Pfingsten 1902. 1 i 31 a d * tr Bahnhofs-Hotel. Telephon 167. Telephon 16 am 1. und 2. Pfingsttage von 11½ Uhr a im neu renovierten Garten oder Saal, ausgeführt vo der ganzen Düngelschen Kapelle Entree frei! ff. Dortmunder Biere zu gewöhnlichen Preise#### ¼ Liter 10 Pfg. # Menu: s 1. Feiertag: 1,25 Mk. sch Pastete Windsor=Suppe Zungenragout Spargeln mit kalter Beilage Gänsebraten m. Kompot u. Salat Schaum=Pudding 2. Feiertag 1.25 Mk. Geflügel=Suppe Schinken in Madeira Filet=Soutee Junge Hähnchen mit Kompot und Salat Chokoladen=Pudding 1 Mk Windsor=Suppe Zungenragont Spargel mit kalter Beilage Gänsebraten m. Kompot u. SalSüßspeise K A vi in m 1 Mk. Geflügel=Suppe Schinken in Madaira Junge Hähnchen mit Kompe und Salat Süß=Speise 392e re m ei 0 0 TurnGemeinde Herford. Damen= und Diejenigen Mitglieder, welche sich an der Pfingstturnfahrt beteiligen wollen, werden ersucht, sich heute Abend 9 Uhr zu einer wichtigen kursen 433e Besprechung im Vereinslokal(Fritz Biermann) einzufinden. 433e Der Tuenwart. garniert und ungarniert, sowie sämtliche Zuthaten. Sängerwarte. Am 1. Pfingstfeiertag, abends 8 Uhr: Familienabend im Vereinslokale. 368e Spißenhüte, Spißenmützen und Trauerhüte in groher 9880 11. Auswahl empfiehlt zu billigsten Preisen. Am 2. Pfingstfeiertage Tanzuergnügen Am 2. Pfingstfeiertag: Tanzvergnügen. Neue Welt. Am 2. Pfingstfeiertage: Großes Tanzkränzchen. Abends 10 Uhr: Große Bohnen=Polonaise. Es ladet ergebenst ein 378e A. Liedtke. Schweicheln An den Pfingst=Feiertagen halte meine 389e Garten-Wirtschaft bestens empfohlen. Krömker. bei 428e W. Spilker, Bielefelderstr. Am 2. Pfingstfeiertage: Tanzvergnügen, wozu freundlichst einladet W. Bitscher, Lindenhof, früher Richter. der Reise zurück. Dr. med. Paul Brücher. prakt. Arzt, Wundarzt u. Geurtshelfer. Gehrenberg 11 I. Ia. großstückige kalifornische Birnen empfiehlt billigst 274e Heinrich Nolting. Turnerbund Feier des 407 25. Stiftungsfestes am 1. Juni in den Anlagen des Bahnhofs Hotels Etablissement„Jägerhof“. Am 1. und 2. Pfingstfeiertage um 11½ Uhr Frühschoppen-Konzert. Am ersten Feiertage, abends 8 Uhr: di sc 9 a. le 11 ei d fe se Es ladet freundlichst ein 405e Hermann Oberschelp Zur Erholung. — Am zweiten Pfingstfeiertage:— Tanzvergnügen bei Aug. Tiemeyer. D 1 Hotel Kaiserhof, Externsteine * 4 An beiden Pfingsttagen: Table d’hôte von 1 Uhr an Vorherige Bestellung erwünscht. Diners zu jeder Tageszeit.— Weine erster Häuser Würzburger Hofbräu und hiesige Biere. 414° Am 2. Pfingsttage: Tanzkränzehen von 5 Uhr an. R. Briest. h C G d 1 e C erford für die ebu aairis Gebb Telephanget techerfordEngerBaou.9 Teleph.Adnschl. „„ Diese Zeitung erscheint am Abend jeden Wochentages. M# 11A1 Abonnementspreis vierteljährlich pränumerande 1,25 Merk, ** 112 I bei Postbestellung kommt das Bestellgeld hinzu. Sonnabend, 17. Mai. Inserats werden bis spätestens vorm. 11 Uhr erbeten.I992 Preis der einspaltigen Vetttzette für Stadt und Kreis Herford,I 1902 Oeynhausen und Amt Rehme 10 Pfg., sonst 13 Pfg. 6 73 10 Der Pfingstausflug. Von Paul Ehrmann. Nachdruck verboten. Pfingstsonnabend! Schräg fielen die glitzernden Sonnenstrahlen über die mit grünem Tuch überzogenen Pulte, durchzogen mit Goldfäden den Staub, den die hastenden Schritte der Lehrkinge aufwirbelten, um schließlich auf dem dicken Hauptbuch haften zu bleiben. Der Prokurist Emmerich Haselkamp schob seine Brille auf die Stirn und blickte neugierig auf die hellen Lichter, welche die langen Zahlreihen auf und ab zu klettern schienen. Erst wollte er die Gardine zuziehen und so den Sonnenstrahlen den Eintritt in sein Allerheiligstes verwehren. Dann aber besann er sich eines anderen und klappte mit hörbarem Ruck sein Buch zu. „So, Feierabend“, meinte er,„'s ist ja Festsonnabend heut, da hören sogar die Fassadeputzer eine Stunde zeitiger auf.“ Er nahm Hut und Stock und trat auf die Straße. Herrliches warmes Wetter! Langsam schlenderte er weiter. Hm, was sollte man nun die Feiertage über anfangen? Ein Kreuz ist es, ein wirkliches Kreuz, wenn man mit seinen vierzig Jahren so allein in der Welt steht. Die ganze übrige Menschheit war lustig und vergnügt und nur er war verurteilt, die Festtage über in seiner Stammkneipe oder in seiner Wohnung zu hocken. Das Ausgehen machte ihm wirklich kein Vergnügen mehr..., dieser Kindertrubel, das Gedränge in den Gärten, das wässerige Bier,— das alles vermochte er nicht über seine Nerven zu bringen. Aergerlich stieg er die Treppen zu seiner Wohnung empor. Er war eben im Begriff die Stiefel auszuziehen, als auch schon recht herzhaft an die Thür geklopft wurde. „Herein!“ rief er ärgerlich. „Ach, entschuldigen Sie, Herr Emmerich", erklang eine frische Mädchenstimme,„ich muß Ihnen heut das Abendbrot selbst besorgen, Mama packt unsere Reisetaschen.“ „Reisetaschen?" staunte der Buchhalter und hielt mit der schwierigen Arbeit des Stiefelausschälens plötzlich inne. „Ja gewiß", bestätigte das junge Mädchen,„wir müssen uns doch Proviant und so weiter mitnehmen. Bei so einem Pfingstausfluge muß man sich auf alles einrichten. Und diesmal geht's weit,— denken Sie, Herr Emmerich, bis an die Ostsee!:. In meinem Leben habe ich das Meer, das große, weite, blaue Meer, nie gesehen...“ „An die Ostsee?" fragte er ungläubig.„Das ist doch kein Katzensprung, den man über Nacht unternehmen könnte.“ „Doch ist's einer“, beharrte das Mädchen.„Passen Sie auf: Abfahrt 11 Uhr Nachts Stettiner Bahnhof. Ankunft Stettin um vier in der Frühe. Abfahrt des Dampfers. Zum Frühstück in Swinemünde, Mittags in Heringsdorf,— ja, wir leben nun mal im Zeichen des Verkehrs! Einen Tag Seeluft schnappen,— ach, muß das ein Genuß sein!" Herrn Emmerich überkam ein unbehagliches Gefühl: nun reisten seine Wirtsleute auch weg und er war die Feiertage mutterhundseelen=allein! Was sollte er da nur anfangen? Den einsamen Spaziergänger abgeben? In der Kneipe sitzen? Ihn schauderte, trotz der Wärme überlief ihn eiskalt eine Gänsehaut. Er griff nach der Zeitung. Sein erster Blick fiel auf eine Anzeige: Pfingst=Sonder=Fahrt nach Stettin mit Dampferanschluß Swinemünde=Heringsdorf! Also hatte Fräulein Rosa doch Recht gehabt. Fräulein Rosa,— ach, ein wirklich schmuckes Mädchen! Brav und fleißig, wirtschaftlich und von heiterem Gemüt. Hätte er die vor zehn Jahren kennen gelernt...., wer weiß.—— Er stellte sich vor den Spiegel. Na,— so sehr alt sah er eigentlich noch gar nicht aus, ein paar Falten um die Augen, hier und da ein vorwitziges weißes Haar im Bart, aber im großen ganzen: eine ziemlich stattliche Erscheinung! Und er sollte das Pfingstfest vertrauern wie ein Einsiedler? fiel ihm schon lange nicht ein. Er sah nach der Uhr: ½10! „Da wird's Zeit“, brummte er,„wenn ich den Zug noch erwischen will. Eine Pfingstfahrt nach Heringsdorf werde ich mir auch leisten. Vielleicht finde ich unterwegs angenehme Pfingstgesellschaft.“ Er packte schnell einige Toilette=Gegenstände zusammen, winkte einer Droschke und fuhr nach dem Stettiner Bahnhof. Du lieber Himmel, welch' ein Andrang! Mit Mühe arbeitete er sich zum FahrkartenSchalter durch, mit Mühe erkämpfte er sich eine Karte, mit Mühe konnte er die Bahnsteigkontrolle passieren. Noch fünf Minuten bis zum Abgang! Der Zug war vollgestopft. Die ersten Wagen hatten die Mitglieder des Turnvereins„Frisch=fromm“ okkupiert, dann kam der Gesangverein„Gut Heul“, der Tambour=Verein„Bum=Bum", der Arbeiter=Verein„Blaues Kreuz".— der Buchhalter eilte wie ein gehetztes Hochwild den Zug entlang.„Na nu man rin", mahnte der Schaffner.„Verschaffen Sie mir erst'nen Platz“, schrie ihn der Buchhalter an. „Herr Emmerich, nein aber, Herr Emmerich“, ertönte ein Ruf aus dem nächsten Wagenabteil. Die Pfeife des Zugführers schrillte, der Schaffner riß die Thür auf, stopfte den Passagier etwas unsanft in das Kupee, die Lokomotive zog plötzlich mitt kräftigem Ruck an, Herr Emmerich taumelte hilflos einige Augenblicke in dem engen Gange hin und her, verlor bei dem zweiten Ruck die Balance und— setzte sich nolens volens auf den Schooß einer jungen Dame. „Wenn doch solche alten Herren zu Pfingsten lieber zu Haus bleiben wollten“, bemerkte ein Jüngling halblaut, der eben erst aus einer Klasse der Fortbildungsschule entsprungen zu sein schien. „'ne Unverfrorenheit erster Güte“, krähte eine angejahrte Dame,„das sieht doch ein Pferd, daß das Kupee schon überfüllt ist.“ „Flegel“, knurrte endlich aus der entgegengesetzten Ecke ein dicker Herr und eingemeindete sich einen kräftigen Schluck aus einer Rothspohnpulle. Herrn Emmerich war grün und gelb vor den Augen geworden. „Entschuldigen Sie, meine Dame, mein Fräulein, gnädige Frau“, stammelte er endlich,„Aver force majeur,— wirklich, ich konnte nichts dafür,.. die heillose Lokomotive...“ „Ach, thut nichts, Herr Emmerich“, lachte die Dame,„daß Sie es nicht bös gemeint haben, weiß ich ja, dafür kenne ich Sie schon zu lange— Der Buchhalter rappelte sich empor und schaute die Dame verdutzt an. Er kriegte einen ganz roten Kopf, seine Schnurrbartspitzen schienen sich zu sträuben. „Fräulein Rosa“, stammelte er,„nein, diese Freude, das hätte ich doch nicht geahnt, nun, dann nehmen Sie mir's nur nicht übel...“ „Aber ich bitte Sie, Herr Emmerich“, meinte Rosa,„so was kann dem besten Menschen passieren. Wir haben auch schon Pech gehabt. Papa sitzt ganz vorn, Mama in der Mitte und ich wurde hier eingeladen,... und", flüsterte sie verschämt,„Mama hat den Eßkober—. Herr Emmerich kaufte in Eberswalde Spritzkuchen, in Angermünde warme Würste,— er kaufte sie nicht, nein, er erkämpfte die Essalien, denn der Andrang spottete jeder Beschreibung. In Stettin gab es großes Wiedersehen mit Mama und Papa, noch größeres Kaffeetrinken und dann wurde die„Swinemünde" erklettert. Die Berliner Ankömmlinge fanden den Dampfer schon dicht gefüllt, aber da die Pfingststimmung über der fröhlichen Menge lag, wurde noch Platz gemacht nach dem Grundsatz: Geduldige Menschen gehen viele auf ein Schiff. Unter den Klängen einer Musikkapelle, deren Mitglieder es nicht darauf ankam, wenn'mal ein Ton daneben ging, rauschte der Dampfer die Oder hinauf und bog endlich in das Haff ein. Fräulein Rosa saß auf Deck und bewunderte all die abwechslungsreichen Landschaftsbilder, welche sich ihr darboten. Herr Emmerich, dem seine Ortskenntnisse zu Statten kamen, spielte den Mentor mit einer Beredsamkeit, über die er sich selbst wunderte. Die warme Pfingstluft schien bedeutenden Einfluß zu haben,— oder sollte vielleicht die Nähe des lieblichen Fräulein Rosa...? Papa kaute mit etwas mürrischem Gesicht an seiner Cigarre. Er war schon einige Male in der Kajüte verschwunden und hatte sich mit dem Buffetier eifrig unterhalten. Der hatte ihm Cognac angeraten.„Jede halbe Stunde einen“, hatte ihn dieser ermahnt, dann können Sie'ne Reise um die Welt machen, ohne daß Sie die Seekrankheit auch nur antippt.“ Und mit peinlicher Gewissenhaftigkeit war Papa diesem Rate nachgekommen. Allerdings. — gegen die Seekrankheit schien der Cognac immun zu machen, aber— „Papa“, wandte sich Rosa zu ihm,„Du siehst so rot aus, hast Du Kopfschmerzen?“ „Ko. Ko Kopfschmerzen?" stotterte der etwas langsam, „nnein, nnoch nicht. Aber ich werde welche kriegen, wenn das Gestampfe der Maschinen so fortgeht. Ich will froh sein, wenn ich erst wieder festen Boden unter den Füßen habe. Ueber Swinemünde bringt mich kein Mensch hinaus.“ „Und Du Mama“, meinte Rosa,„Du siehst ja ganz bleich aus. Papa puterrot und Du so leichenblaß. Was fehlt Euch denn?" „Ich wußte im voraus, daß ich dieses Geschaukel nicht würde vertragen können“, stöhnte die Mama,„mir ist gar jammervoll zu Mute. Wenn wir nur erst in Swinemünde wären. Ich bleibe mit Papa dort, nicht wahr, Alterchen?“ Der nickte und warf einen Blick auf die Uhr.„In drei Minuten halb", konstatierte er, steuerte breitbeinig über das Verdeck und verschwand in der Kajüte, aus welcher er kurz darauf mit noch geröteterem Gesicht zurückkehrte. „Das ist aber schade“, bedauerte Rosa,„und ich hatte mich doch so sehr auf Heringsdorf gefreut.“ „Wenn Papa und Mama erlauben und Sie mein Fräulein gestatten“, mischte sich Emmerich voll Eifer in das Gespräch, begleite ich Sie nach Heringsdorf. Ich liefere Sie nachmittags in Swinemünde wohlbehalten bei Ihren Eltern wieder ab.“ „Ooo, bitte, bitte“, stammelte der Papa. „Aber Herr Emmerich, Sie machen sich zu große Mühe“, meinte Mama. Rosa sagte gar nichts, aber daß sie von dem Angebot mit Die„Herforder Zeitung für Stadt und Land“ ist für den Kreis Herford das wirksamste Insertionsorgan. Der Künigenbrunnen. Ein Roman aus dem Hochspessart von F. Eduard Pflüger. (27. Fortsetzung.)—(Nachdr. verboten.) Eine Nachtlampe beleuchtete nur mäßig das Zimmer, aber die Gräfin schaltete jetzt das elektrische Licht ein und eine schneidende Helle ergoß sich über den Raum und gestattete Roger den Anblick seines Jugendfreundes. Ein kaltes Entsetzen ergriff ihn. Er hatte Holtenau noch als schneidigen jungen Dragoneroffizier im Sinn, vor ihm lag ein Mann mit großer Glatze, langem dünnen graumelierten Vollbart, eingefallenen Schläfen und Augen und einem gelben pergamentartigen Teint. Der Kranke richtete die erloschenen Augen auf seinen Gast und reichte ihm die feuchtkühle Hand:„Grüß Dich Gott, Roger.“ „Grüß Dich Gott, Aler“, antwortete Wettenburg und setzte sich neben dem Bett nieder. „Ich danke Dir, daß Du mir den letzten Wunsch erfüllt hast und gekommen bist. Lange werde ich Dich nicht aufhalten, aber bis zu meinem Tode mußt Du schon bleiben.“ Ein leidenschaftliches Schluchzen der Gräfin folgte den Worten des Kranken. Sie warf sich am Fußende des Bettes nieder und begann unter fortwährendem Schluchzen inbrünstig ** Laß mich mit Roger allein, Liebste“, sagte der Kranke jetzt und gehorsam verließ die eigenartig schöne Frau das Krankenzimmer. „Ich habe Dir nicht viel zu sagen, Roger, ich möchte nur mein Herz erleichtern und eine Bitte an Dich richten.“ „Sprich, deine Bitte ist im Voraus erfüllt.“ „Meine arme Frau, siehst du, die habe ich in mein Unheil hineingezogen. Es bleibt ihr ja von dem unrecht erworbenen Gut genug, daß sie leben kann. Sie ist eine brave treue Seele und nur aus Liebe zu mir ist sie mir auf die Bahn des Lasters gefolgt. Ich habe sie ihrem ersten Gatten gestohlen und ihm eine Kugel in die Brust geschossen, zum Dank, daß er nir freundschaftlich sein Haus öffnete. Er ist tot und begraben, aber er hat einen Sohn hinterlassen, der hier im Hause als mein Sohn lebt und dieses Kind muß in seine Rechte eingesett werden Das bedeutet ewige Trennung von seiner Mütter, denn ihr Schwiegervater wird die Fräu, die seinem Sohne die Ehe gebrochen, die ihn in der Tod getrieben hat, nie sein Haus öffnen, während er sein Enkelkind wahrscheinlich mit Freuden aufnehmen wird. Und die arme Tanja, meine Frau, hat mir versprochen dies Opfer zu bringen und ich bitte dich, der Vollstrecker meines letzten Willens zu sein.“ Der Kranke legte sich zurück in seine Kissen, schloß die Augen und ruhte eine Weile aus. Roger blickte ihn an und es war ihm als ob der Freund schon gestorben wäre, so leichenhaft sah er aus. Aber da schlug er schon wieder die Augen auf und sprach weiter, ganz leise, so daß Wettenburg Mühe hatte, ihn zu verstehen. „Du wunderst dich" begann er,„daß ich gerade nach dir schickte. Es war nicht allein um der Jugendfreundschaft willen, sondern auch weil du... ich las deine Verlobung in der Kreuzzeitung und deine Adresse und den Namen deiner Brant, weil du ja in verwandtschaftliche Beziehungen zu dem Kinde trittst, du bist ja dabei, sein Onkel zu werden.“ Roger sprang auf:„Hannes Jakob von Hobbach hatte einen Sohn und du bist der....“ „Sein Mörder, ja, rege dich nicht auf, wir sind alle leichtsinnig gewesen in der Jugend und ich mehr als die andern. Der junge Hobbach ging auf wie ein Stern, alles rühmte sein Talent und nun heiratete er die schöne Tanja, die ihn inspirierte und seine Kunst zur höchsten Leistung anfeuerte, ich lernte ihn kennen, er zog mich vertrauensvoll in sein Haus. Ich kam täglich, spielte mit dem kleinen Hatto und spielte mit dem Feuer, das in Tanja's Augen glühte. Hobbach war unzufrieden, daß ihn der Vater verstoßen hatte um der Frau willen, die Frau war unzufrieden, daß sie nicht für ebenbürtig geachtet wurde, obwohl sie eine echte und rechte polnische Gräfin war, kurz, es kam Zwietracht in die Ehe und der Verführer hatte nur zu leichtes Spiel. Erspare mir die Einzelheiten, du siehst, ich bin gerichtet und meine arme Tanja muß als lebenslängliche Buße für ihre Sünde die Trennung von ihrem einzigen Kinde auf sich nehmen. Willst du mir versprechen, wenn ich tot bin, den kleinen Hatto seinem Größvater zuzuführen?“ „Ich verspreche es dir.“ „Ich danke dir.“ Der Kranke sank wieder zurück, schloß die Augen und schlief infolge der Anstrengung seiner Beichte ein. Roger blieb still sitzen und dachte darüber nach, wie eigenartig doch das Schicksal spielte. Fast in dem Augenblicke, da die Familie des Wildensteiners sich von ihm losgesagt hatte, wurde ihm eine Mission in die Hand gelegt, die helles jubelndes Glück in das stille Schloß im Hochspessart bringen mußte. Den Erben des Namens sollte er dem alten Mann bringen, nachdem er de Rettung des Besitzes schon gebracht hatte. Er wußte ja nichit wie sehr sich auf dem Wildenstein die Verhältnisse geändert hatten und daß die Ankunft des Erben den Schmerz um den Verlust der alten Herrschaft nur empfindlicher fühlbar machen mußten. Als Roger bemerkte, daß der Kranke fest eingeschlafen war, erhob er sich leise und ging in das anstoßende Zimmer. Wieder war es Leon, der gelbe Schakal, der ihn durch leises Knurren anmeldete. Es wäre diesmal aber nicht nötig gewesen, denn die Gräfin Holtenau lag in der Ecke auf den Knieen vor einem Heilgenbild, an dessen unterem Ende ein kleiner Weihkessel und eine ewige Lampe angebracht waren. Sie hörte auf zu beten und kam Roger entgegen. „Verzeihen sie, gnädige Frau, wenn ich Sie in ihrer Andacht gestört habe.“ „sch kann ja leider nichts anderes thun, als immer für ihn beten, aber ich fürchte, es ist alles nutzlos, sein Tod ist die Strafe für unsere Sünden.“ Und sie schluchzte herzbrechend auf, so daß Roger weich wurdeund ihr freundlich zuredete. „Sie müssen nicht das Schlimmste fürchten, er ist ja sehr schwach und sehr krank, aber vielleicht ist doch noch Retiung möglich. Was sagt denn der Arzt?“ Tanja weinte nur noch stärker, als sie das Urteil des Arztes berichtete: „Der Doktor hält jede Rettung für ausgeschlossen. Er glaubt schon seit Tagen das Ende erwarten zu müssen, aber die Spannung, mit der Lexej Ihrem Kommen entgegen sah, hat ihn noch am Leben erhalten. Jetzt, wo er seine letzten Wünsche erfüllt sieht, wird es zu Ende gehen.“ Der Körper der schönen Frau wurde von einem gewaltsamen Schluchzen geschüttelt so daß sie sich ineinen Sessel Freuden Gebrauch machte, war ihr vom Gesicht abzulesen. So wurden die Eltern in Swinemünde an Land gesetzt, und das war hohe Zeit gewesen, denn beide schwankten gleich zwei hilf. losen Wracks dem nächsten Hotel zu. —.— Eineleichte Brise kräuselte die Wellen, deren mit leichten Schaum gekrönten Köpfe im goldigen Schein der Pfingstsonne ; gleißten und strahlten. Mit leisem Gemurmel brachen sich die Wellen am Strand, bald ein Stück Tang auf dem weichen Sand absetzend, bald dasselbe wieder hinauszerrend in das nasse Element. Aus dem Buchenwald, der sich bis Ahlbeck hinzieht, schritt ein Pärchen zum Strand hinab. Muscheln wurden gesucht, seltsam geformte Steine ausgenommen. Dann ging es die Kaiser WilhelmBrücke entlang. "„Das Meer, das ewige, unendliche Meer", nahm endlich die junge Dame das Gespräch wieder auf,„nie möchte ich wochenoder gar monatelang nur Wasser und Himmel unter mir und über mir haben. Die Unendlichkeit, die Einsamkeit würde mich erdrücken. D Wa dir Einsamkeit", seufzte der Begleiter,„die erdrückt den Menschen. Das habe ich während des letzten Jahrzehntes so recht deutlich gemerkt.“ Und wieder schickte er einen vernehmbaren Seufzer in die Pfingstluft. :„Aber Herr Emmerich“, lachte die Dame,„Sie kriegen ja ordentlich sentimentale Anfälle, und das an dem lieblichen Fest, das wir doch so gemütvoll verleben.“ „Ja, mein liebes Fräulein, Rosa“, philosophierte Emmerich weiter, „gerade im Angesicht der rauschenden See fällt mir's doppelt schwer auf's Herz. Und wenn ich denke, daß ich noch weiter zur Einsamkeit verurteilt sein soll...“ „Ja, wer verurteilt Sie denn dazu?“ fragte Rosa.„Ich doch wahrhaftig nicht!“ Emmerich blickte ihr erstaunt ins Gesicht. Die Blicke trafen sich; der seine neugierig, verlangend, der ihre ermunternd, gewährend.— #....„Du lieber Himmel“, rief der Piccolo im Strandkaffee erschrocken aus,„was stiften denn die beiden da draußen auf der „ Brücke an? Die woll'n sich doch nicht etwa...?“ „Unsinn", beruhigte ihn der in solchen Sachen erfahrene Oberkellner,„die geben sich bloß’nen Kuß. Das kannst Du in der Saison alle Tage erleben.“ * * . P a p a u n d M a m a h a t t e n s i c h i n z w i s c h e n i n S w i n e m ü n d e l e i d * lich wieder erholt. ...„Aber Rosa“, meinte Mama, als das Paar zurückkehrte,„ihr * seid wohl zu sehr gelaufen, Du siehst ja ganz erhitzt aus.“ 1..„„Ja, ja, Herr Emmerich“, bestätigte Papa,„wenn man in die “ r e i f e r e n J a h r e g e k o m m e n i s t, d a n n...“ Rosa drückte ihm sofort die Hand auf den Mund und tuschelte ihm etwas ins Ohr. „Ach so“, machte Papa erstaunt,„ja dann... dann, na ja, dann taugt eben die Einsamkeit nichts mehr.“ Inzwischen hatte Rosa auch Mama allerhand Heimlichkeiten zu erzählen gehabt. Die kam aus dem Staunen zuerst nicht heraus.„Was tausend, nein, wer hätte das geahnt, na, meinen Segen... Werdet glücklich, es ist ein gutes Omen, daß eine Verlobung das Ergebnis war unseres Pfingstausfluges!“ Vermischtes. Ueber das Alter unserer Kirchenglocken. Daß es schon im Altertum kleine Glocken, Klingeln gab, ist eine bekannte Sache, die Frage aber, wann die Glocke in den kirchlichen Gebrauch übergangen und wie sie den Weg dahin gefunden, ist noch heute nicht ausreichend beantwortet. In den Schriften des heiligen Gregor von Tours wird sie als signum ecclesiae bezeichnet, und über ihre Herkunft spricht sich Walafried Strabo im fünften Kapitel seines Buches über die Entstehung und das Wachstum der Kirche dahin aus, daß ihr Gebrauch zuerst in Campanien aufgekommen sei, von wo sie auch ihren Namen Campana bekommen habe. Die Form Campanula für die kleine Glocke führt der gelehrte Schreiber dann auf die engere Heimat der Glocke, die Gegend von Nola, zurück, ganz übersehend, daß das Wort mit der lateinischen Diminutivendung— ulus gebildet ist und mit Nola gar nichts zu thun hat. Nach Neuoropa ist keine von diesen Benennungen des Instruments übergegangen. Bei Keltnen, Romanen und Germanen gilt der vom irischen cloc ausgegangen und mit der irischen Mission auf dem Festlande ausgebreitete Name, den Schrader im Indogermanischen Reallexikon auf die erschlossene keltische Woriform Klukkos, das den Klang der Glocke nachbildet, zurückführt. Man hat nun bislang angenommen, daß die Glocke im kirchlichen Gebrauch nicht vor dem Ende des sechsten Jahrhunderts auftrete, denn die Nachricht, daß der heilige Patricius schon im fünften Jahrhundert dem neugewählten Bischof von Irland eine Kirchenglocke geschenkt habe, ist durchaus unverbürgt. In neuerer Zeit hat dann A Reifferscheid aus einer Handschrist des 11. Jahrhunderts einige Briefe veröffentlicht, unter denen namentlich sinken ließ und vollständig gebrochen; leise Gebete vor sich hinmurmelte. Der Tag war erdrückend schwül gewesen und man hatte nur durch große Kübel Eis die Temperatur im Krankenzimmer einigermaßen herabdrücken können. Jetzt, als sich die Nacht ihrem Ende zuneigte, begann ein furchtbares Gewitter sich über Berlin zu entladen. Als der erste grelle Blitz das Halbdunkel des Salons erleuchtete, schauerte die weinende Frau zusammen und schnellte dann aus ihrem Sitze auf. "*„Wir müssen hinein zu iym, er ängstigt sich so sehr vor dem Gewitter." Und ohne eine Antwort Rogers abzuwarten, glitt geräuschlos voran ins Krankenzimmer. Eben brüllte der Do hoch über den Häusern der Weltstadt, als die beiden in Holte Zimmer traten. Tanja hatte recht gehabt. Mit großen vergeisterten 2# aß der Kranke im schon na an sein echt gehabr. Mir großen vergeistertene ne im Bett auf und hatte seine elfenbeingelbe der ekektrischen Klingel ausgestreckt, um die C ett zu rüfen . des ist ein Gewitter", flüsterte er mit angstvoll verze Hügen. Dieser leise Ausdruck der Furcht entsetzte Roger Das war von dem lebenslustigen mutigen Kame r jeden Musanblir an sich der# Zuge tiefste. Was####en erm! geblieben, der jeden Augenblick bereit war, sich der? wenn er um irgend einer nichtigen ####re verteidigen wolll, was war aus dem sprühe####uugen u,1 mutvollen Holtenau geworden blickte ihn an, trat auf ihn zu und ergriff seine eine während Tanja niedergekniet war und die andere erfaßt Die Anwesenheit der beiden Menschen schien ihn etwas ruhigen. Er legte sich wieder zurück, blickte aber mit offenen Augen nach der Decke. Da fuhr wieder zischen Blitz hernieder und Holtenau jammerte auf:„Die Jal berunter, die Jalousien herunter!“ Gehorsam wie eine E# huschte die weinende Gattin nach den Fenstern und den Befehl des sterbenden Mannes Soaleich war sie wie ihm.(Fortsetzung so die von Fulgentius Ferrandus, der um 533 Diakon von Karthago war, an den Presbyter Eugippos geschrieben von Interesse sind. In diesen Briefen erwähnt der Schreiber eine „wohlklingende Glocke, welche dem Dienste der heiligen Mönche stehen solle, und die er deshalb dem Freunde sende.“ Auf Grund dieses Briefes dürfen wir also das Alter der Kirchenglocke, d. h. der Klosterglocke, welche die Mönche zum Gebet ruft— weshalb Gregor von Tours die Glocke auch signum nennt—, bis in die ersten Jahrzehnte des 6. Jahrhunderts verlegen. Wenn Eugippos damals schon den Freund bittet, die Glocke mit einer Inschrift und seinem Namen zu zieren, so dürfen wir daraus wohl abnehmen, daß die Sitte der Glockeninschriften schon recht alt ist. Von großer Bedeutung ist ferner, daß Ferranous den Gebrauch der Glocke als sanctissima consuctudo monachorum bezeichnet. Man ist wohl nicht zu kühn, wenn man daraus schließt, daß die Glocke in Afrika schon weit älter im kirchlichen Gebrauch war. Sie kann demnach auch nicht aus Kampanien stammen, denn dann hätte sie Eugippos näher haben können. Das hat nun Adolf Jülicher zu der Ansicht geführt, die er im Maihefte der„Monatsschrift für Gottesdienst und kirchliche Kunst" ausspricht, daß die Glocke anfangs in Nordafrika, das ja an Klöstern reich war, dazu gedient habe, die Mönche auf den Feldern herbeizurufen, und daß ihr Name von campi herzuleiten sei. Geschichtlich reicht also unsere Kenntnis von Kirchenglocken jetzt bis in den Anfang des 6. Jahrhunderts. Hocket av, Majestät. Als der Kaiser von Rußland zur Zeit der Befreiungskriege einen Aufenthalt in Schaffhausen machte, gelüstete es ihn, den Rheinfall so recht in der Nähe zu sehen. Er ließ sich deshalb von einem kundigen Fährmann eine kurze Strecke unterhalb des Falles in den Strom hinausfahren. Mit betäubendem Getöse stürzten dort die breiten Wassermassen über die Felsen hinunter. Das Schifflein zitterte und schwankte unter dem furchtbaren Andrang des Wassers, und es brauchte der ganzen geübten Kraft des Schiffers, um es sicher zu lenken. In der Mitte des Stromes, wo der Strudel am reißendsten heranbrauste, stand der Kaiser voll staunender Bewunderung plötzlich von seinem schwankenden Sitz auf: aber ebenso plötzlich packte ihn die Hand des Schiffmanns und drückte ihn mit Gewalt nieder mit dem Ruf:„Hocket ab, Majestät!“ Man könnte vielleicht noch manch einem, der kein Kaiser ist und sich dennoch auf seinem schwankenden Schiffe hoch erheben will, die wohlgemeinte Warnung zurufen:„Hocket ab, Majestät!“ Ein„Fall Humbert“ in Rathenow. Uebrigens hat auch die Havelstadt Rathenow, berühmt durch ihre optischen Industrieanstalten, einen„Fall Humbert". Dort wurde eine Frau Neuhaus verhaftet, die überall angab, eine große Erbschaft gemacht zu haben. Sie verstand es, die Mär so glaubhaft zu erzählen, daß es ihr nicht schwer wurde, daraufhin Geld zu erlangen. Des Meeres Beute. Beiw Suchen eines verloren gegangenen Torpedos machte bei Kiel ein Taucher des Kriegsschiffs„Friedrich Karl“ einen eigenartigen Fund. Er stieß auf ein Fahrzeug, das mit vollen Segeln, mit Steinen beladen, unten auf dem Meeresgrund aufrecht stand. Es war ein Schiff, das an dieser Stelle vor 15 Jahren während eines Sturmes gesunken war. Flüchtig geworden. Der angesehene Fabrikbesitzer Hofmann in Saalfeld ist nach Hinterlassung von mehreren hunderttausend Mark Schulden flüchtig geworden. Von einer Maschine überfahren. Der Stationsvorsteher Engelbrecht in Wildungen wurde beim Ueberschreiten des Geleises von einer Rangiermaschine überfahren und erlitt schwere Verletzungen. Lustiges Allerlei. Offene Stelle. Dringend gesucht wird von siegesgewohntem, aber noch nicht gesiegt habendem, englischem Feldherrn ein Burengeneral, welcher geneigt wäre, sich unter glänzenden Bedingungen schlagen zu lassen. Reicher Gewinnanteil an der Beute, Verleihung des Lordtitels. Strengste Diskretion. Nur ernstgemeinte Anträge beliebe man sobald als möglich zu richten nach London, Staatsregierung.(Münch. Jugd.) In der Berliner Siegesallee. Der alte Maler: Na, was sagen Sie zu die Siegesallee=Denkmäler? Sind doch genial!— Moderner Maler: Janz meine Ansicht, sind scheenejal. Sein(Standpunkt. Frau:„Ich denke mir die Jagd auf Elefanten furchtbar riskant.“— Mann(Sonntagsjäger): „Unsinn! So eine Fläche ist doch gar nicht zu fehlen!“ werden in einem Familienblatt, Auutthtent= wie dies die„Herforder Zeitung für Stadt und Land“ ist, besonders beachtet und so empfiehlt es sich, auch die Geburts=, Verlobungs=, Vermählungs= und Todes=Anzeigen der im ganzen Kreise Herford sehr beachteten„Herforder Zeitung für Stadt und Land" zu überweisen. Verantwortlicher Redakteur: Vaul Sattler, für den Inseratenteil verantwortlich: Georg Bese, Druck und Verlag: Christian Quentin, sämtlich in Herford (Redaktion und Expedition: Brüderstraße 21, am Gehrenberg.) Litterarisches. Musik und bildende Künste. Herausgeber Ferdinand Avenarius, Verlag von Georg D. W. Callwey in München.(Viertel. jährlich 3 Mk., das einzelne Heft 60 Pfg.) Das eben erschienene 2. Maiheft, das auch wieder höchst gediegenen Lesestoff bringt, bietet als Notenbeilage: Haydn, Kanon: Das böse Weib; als Bilderbeilagen: C. G. Ehrlich, Brand in der Albrechtsburg zu Meißen; vier Abbildungen des Münchner Schauspielhauses.(416e * Von„Weltall und Menschheit“ gelangt soeben die 2. Lieferung(Deutsches Verlagshaus Bong& Co., Berlin W. 57, Preis pro Lieferung 60 Pfg.) zur Ausgabe. Sie rchetfertigt die hochgestellten Erwartungen, denen man sich nach den so überaus günstigen Eindrücken des Probeheftes hingeben durfte, in geradezu glänzender Weise. Wie in jenem Hefte das Entstehen eines Gewitters dem Leser und Beschauer geradezu zum Greifen deutlich vor Augen geführt wurde, so machen wir mit Hülfe einer 4teiligen Klappenbeilage mit Erläuterungen der Theorien von Mackenzie, Bunsen und Lang in dem neuen Hefte die Bekantschaft mit einem Geyserausbruch; so wird uns durch eine Transparentdarstellung mit Erklärungstafel das Entstehen der Mondphasen zum vollen und unauslöschlichen Verständnis gebracht. Ein gleiches Lob gebührt den vorzüglich ausgeführten Textillustrationen, kurz alles in allem Hans Kraemers neuestes Werk dürfte sich zu einer monumentalen Erscheinung auf dem modernen, deutschen Büchermarkt auswachsen. empfiehlt sich die Buchdruckerei Chr. Quentin Herford, Brüderstr. 21. Nordseebäder Westerland und Wenningstedt auf Stärkster Wellenschlag der Westküste. Unvergleichtien schöner Strand. Seebac u..„ gagsgren Seange. Sommer- und Rundreisefahrkarten auf allen grosseren Stationen. Illustr. 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