12. Jahrgang. O □ 12. mzeiger für diegg“ 1765 SAde Hafend Eransad OeP“, Telaph Anschl. Teleph. Anschl. Teleph. Anschl. Diese Zeitung erscheint am Abend jeden Wochentages. Abonnementspreis vierteljährlich pränumerande 1.25 Mark, bei Postbestellung kommt das Bestellgeld hinzu. Mittwoch, 23. April. Inserate werden bis Preis der einspaltigen Vei Ocynhausen und Amt — vorm. 11 Uhr erbeten. I08 seile für Stadt und Kreis Herford,I 1902 me 10 Pfg., sonst 15 Pfg. Amtliche 22 Anzeigen für den Kreis erford. köglichst in der Nähe des städtischen Töchterschulgebäudes suchen wir zu sosort bis 1. April 1903 einen geeigneten kaum zur Unterbringung einer Schulklasse von etwa 30 Kindern. Meldungen schleunigst erbeten mit Preisangabe Hersord, den 18. April 1902.[510d Der Magistrat. Quenti. ewandter Schreiber findet auf dem Bauamts=Sekretariat sofort dauernde Beschäftigung. Gehalt monatlich 30 Mark. Herford, den 22. April 1902. Der Stadtbaumeister.[581d 9 Das Scheitern der Friedensverhandlungen. Aus London liegt hierzu folgender Artikel vor: Die offizielle Nachricht, daß die Burenkommandanten zu ihren Kommandos zurückgekehrt sind, um die Friedensvorschläge ihren Leuten vorzulegen, hat in England allgemein eine optimistische Stimmung erregt, von der sich nur die Börse nicht beeinflussen ließ. Soweit man überhaupt über die Vorgänge in Pretoria Bescheid weiß, haben die Engländer ihre Bedingungen den Buren vorgelegt und haben Vorschläge von den Buren entgegengenommen. Das einzige Positive, was bekannt ist, ist, daß die Buren einen Waffenstillstand verlangten, und daß dieser verweigert wurde. Das demokratische England ist ganz damit zufrieden, daß man ihm durchaus nichts mitteilt über die Bedingungen, die zur Unterhandlung standen. Die als arg reaktionär und rückständig verschrieenen Buren können keine Bedingungen annehmen, ohne daß das Volk darüber abgestimmt hat. Das giebt sehr zum Denken Anlaß. In England genießen die Minister zur Zeit, wenn auch das Vertrauen der Majorität, doch keineswegs das allgemeine Vertrauen des Landes. Bei den Buren dagegen genießen die Häupter selsenfestes Vertrauen und wenn die Engländer derartige Bedingungen gestellt hätten, daß sie annehmbar gewesen wären, so wären die Burenführer im Stande gewesen, deren Annahme zu garantieren und sofort einen Waffenstillstand abzuschließen. Daß sie dies nicht gethan haben, ist ein überzeugender Beweis, daß die Bedingungen unannehmbar waren, daß also die Engländer von ihren früheren Forderungen keinen Deut abgelassen haben. In England bat sich die Ueberzeugung verbreitet, daß die Buren unbedingt Frieden haben müßten, die Kommandos würden nur noch vermittels der Peitsche zum Aushalten gezwungen, und England brauche deshalb nur zu verlangen, um Alles zu erhalten. Die Buren dagegen kommen zu einer Unterhandlung und erwarten, daß, wenn sie selbst in manchen Punkten nachgeben, ihr Gegner auch etwas nachlassen würde. Und so hätten sich bei gutem Willen der Beteiligten die Unterhandelnden schließlich einigen können. Anzunehmen, daß die Buren Frieden machen müßten, ist gänzlich verkehrt. Ihre Lage ist nicht verzweifelt, im Gegenteil, sie haben in den letzten Monaten große Erfolge erreicht. Dagegen können die Engländer mit gleichen Ergebnissen nicht prahlen und wenn sie es dennoch thun, so geschieht dies nur, um in England den Eindruck wachzurufen, die 300000 Mann mit ihren Blockhäusern richteten große Dinge aus. Dabei haben es die Engländer, ganz abgesehen von der Besetzung Transvaals und des Oranje=Freistaats, noch nicht soweit gebracht, die Kapkolonie von Buren zu säubern. Und weil man in England dies Alles nicht versteht oder nicht verstehen will, kommen die Leute dort auf allerhand sonderbare Ideen. So hören wir, daß der eigentliche Grund, weshalb die Buren Frieden machen müßten, der sei, daß Präsident Krüger sich geweigert hätte, Geld an die Kommandos zu senden. Das ist natürlich wieder mit der Absicht verbreitet, um dem alten Manne eins auszuwischen. Selbst wenn wir die alberne Lüge, daß Krüger den Staatsschatz besäße, als Wahrheit annehmen würden, so weiß Jeder, der die durchaus demokratische Verfassung Transvaals kennt, genau, daß diese noch immer zu recht besteht und daß Krüger über Bewilligung oder Nichtbewilligung allein gar nicht zu verfügen hat. Aber der Humor bei der Sache ist, daß die Kommandos gar kein Geld gebrauchen, da sie Alles von den Engländern erhalten: Gewehre, Munition, Anzüge und Lebensmittel, sowie Pferde und Maulesel werden ihnen in großen Mengen vom englischen Kriegsministerium besorgt und ohne Bezahlung durch Vermittelung der Tommies an die Buren abgeliefert. Also mit der schönen Idee, daß die Buren Geldmangel litten, ist es nichts. Für die Bereitwilligkeit der Buren, Frieden zu schließen, giebt es nur einen einzigen Grund. Die Buren sind kein kriegerisches Volk, das aus Liebe zum Waffenhandwerk in den Krieg zieht. Sie ziehen es vor, auf ihren Farmen ruhig und unabhängig zu leben. Sie sind nach 2½ Jahren derartig kriegsmüde geworden, daß sie gern die Hand zum Frieden reichen würden, wenn man von ihnen nicht bedingungslose Unterwerfung verlangt. Das, was England ihnen bietet, ist etwas, was sie schließlich immer erhalten können, finanzielle Hilfe, um ihre Farmen wieder zu bebauen u. s. w. Aber ihre Kriegsmüdigkeit geht nicht soweit, daß sie sich aus Liebe zum Frieden mit Schimpf und Schande bedecken würden. Vollkommene Amnestie für alle Buren ohne Unterschied und Widerruf der Verbannungsproklamation sind Bedingungen, ohne die die Buren unter keinen Umständen auf Frieden eingehen werden; das ist die Ueberzeugung aller wahren Kenner der Burennation. Daß die englische Regierung ihre Bedingungen nicht veröffentlicht hat, ist vollgiltiger Beweis, daß sie keine Milderungen gegen früher zugestanden hat, sondern noch immer auf dem alten Standpunkt steht. Wäre das nicht der Fall, so hätte das Kabinett längst entweder Einzelheiten veröffentlicht oder doch durch Aeußerungen einzelner Minister von ihren Modifikationen verlauten lassen. Dagegen haben die Minister und Personen, die ihnen nahestehen, bisher ständig abgewinkt und versucht, den Optimismus, der in England herrschte, abzudämpfen. Das ist ein Beweis, daß man selbst an den Erfolg nicht glaubte. Zur Tagesgeschichte. Deutschland. Vom Kaiserpaar. Der Kaiser und die Kaiserin besuchten Montag nachmittag die Kaiser Wilhelm=Gedächtniskirche in Berlin, um mehrere für die weitere Innenausschmückung des Gotteshauses bestimmte Gegenstände, darunter ein Bild Kaiser Barbarossas, zu besichtigen. Gestern morgen begab sich der Kaiser nach dem Potsdamer Bahnhof zur Besichtigung eines Hilfszuges bei Eisenbahnunfällen. Später nahm der Monarch im Schlosse die Entwürfe in Augenschein, welche die Bildhauer Prof. Fritz Schaper, Professor Gerhard Jauensch und Wilhelm Haverkamp für Küstrin geschaffen haben. Prof. Schaper hat im Auftrage der Stadt ein Denkmal des Markgrafen Johann von Küstrin auszuführen, der ein jüngerer Bruder des Kurfürsten Joachim II. war. Der Kaiser genehmigte den Entwurf. Auf dem Kasernenhofe des Küstriner Schlosses wird ein Denkmal des jugendlichen Großen Kurfürsten errichtet werden. Diese Aufgabe ist Prof. Jauensch übertragen. Der Kaiser drückte ihm seine lebhafteste Anerkennung für die Skizze aus. Das dritte Werk ist eine Büste des jugendlichen Kronprinzen, späteren Königs Friedrich des Großen. Es soll an dessen unfreiwilligen Aufenthalt in Küstrin und an den schweren Konflikt mit dem überstrengen Vater erinnern. Bildhauer Haverkamp hat den Kronprinzen in den zwanziger Jahren dargestellt und die Aufgabe in Form einer Hermenbüste gelöst. Die Aufstellung der Werke ist für das nächste Frühjahr in Aussicht genommen. Gegen die Welfenum triebe. Die Justizkommission in Braunschweig hat beim Landtage beantragt, die Eingabe der welfischen Partei, nach der in der bisherigen Eingangsformel der Gesetze und Verordnungen der Zusatz eingefügt werde:„Im Namen Sr. königl. Hoheit des Herzogs Ernst August von Cumberland!“ unberücksichtigt zu lassen, da die Regentschaft für den Herzog von Cumberland zwar in dessen Interesse geführt wird, um seinen dauernden Ausschluß vom Throne zu vermeiden, aber nicht in seinem Namen. Die Kommission bemerkt weiter, da der Herzog von Cumberland die Vereinigung des früheren Königreichs Hannover mit Preußen nicht anerkennt, so ist für ihn im Kreise der deutschen Bundesfürsten kein Raum. Die Lage in Belgien. Wie aus Lüttich gemeldet wird, ist gestern vormittag in den industriellen Etablissements und den Kohlengruben die Arbeit fast allgemein wieder aufgenommen. Von 17530 Mann, welche die Arbeit niedergelegt hatten, arbeiten 15 220. In Charleroi nahmen gestern früh mehr als 39000 Grubenarbeiter und andere Arbeiter die Arbeit wieder auf. Zum Befinden der Königin Wilhelmina. Nach einer gestern auf Schloß Loo stattgehabten Konsultation mit Prof. Roosenstein, die ¾ Stunden dauerte, wurde folgendes Bülletin veröffentlicht:„Im Befinden der Königin ist eine leichte Besserung eingetreten, die sich durch Sinken der Morgentemperatur kundgiebt. Das Bewußtsein ist unzetrübt, das Allgemeinbefinden befriedigend. Zur Ermordung des russischen Unterrichtsministers Nach einer neueren Meldung aus Petersburg heißt der Mörder des Ministers, Malyschew, erist Student, 25 Jahre alt, Edelmann aus Kiew. Er ist blond, trägt einen Schnurrbart und hat ein sehr einnehmendes Aeußeres. Während er bei der That drei Schüsse abgegeben hatte, war alles mit dem schwerverwundeten Minister beschäftigt. Malyschew hätte ruhig entfliehen können, blieb jedoch stehen, worauf er verhaftet wurde. Auf die Frage, ob er sich schuldig bekenne, ein Verbrechen begangen zu haben, erwiderte Malyschew:„Jawohl, ich bin schuldig, doch eine Frevelthat habe ich damit nicht begangen.“„Sie haben aber doch einen Menschen erschossen?“ „Nein, nicht ich habe ihn erschossen, sondern seine Cirkuläre haben ihn getötet!“ Herforder Kreis=Nachrichten. Herford, 23. April. Das Frühlingskonzert des Musikvereins, in welchem das neue große Werk„Gustav Adolf“ von Max Bruch zur Aufführung gelangen wird, findet erst am 25. Mai— 8 Tage nach Pfingsten-- statt, worauf wir heute verschiedener anderer Arrangements halber schon hinweisen. ** Auf die heutige Wiederholung der Aufführung des Kriegsschauspiels„Die Heldin von Transvaal“ weisen wir hiermit nochmals hin. □ Der Minden=Ravensbergische Hauptverein hält am nächsten Montag nachmittag in Rorigs Hotel hier wieder eine Sitzung ab. Aus der Tagesordnung erwähnen wir, Beschlußfassung über ein Anschreiben des Herrn Regierungspräsidenten, betreffend eine einheitliche neue Polizeiverordnung sowohl für alte wie für neue Düngerstätten und Verwendung der Staatsmittel zur Hebung der heimischen Pferdezucht. Ein weiterer Punkt der Tagesordnung betrifft die Einrichtung und den Gebrauch solcher Maschinen, welche nicht im Fahre arbeiten. % Personalchronik. Ernannt sind zum Stationsassistent die Stationsdiätare Wilhelm Vollmann in Herford, sowie Friedrich Neumeister und Bruno Köhler in Löhne.— Versetzt wurden Stationsassistent Gustav Fengler von Herford nach Gütersloh, Stationsverwalter Karl Schreiber von Schötmar nach Herford als Stationsassistent, Stationsassistent Ernst Meyer von Herford nach Hainholz sowie Lademeister Wilhelm Lüdtke von Stadthagen nach Löhne. ** Mondfinsternis. Die Beobachtung der völligen Mondfinsternis wurde gestern abend durch Wolken zunächst verhindert; erst als der Mond höher stieg, wurde die verfinsterte Scheibe sichtbar. Nach ½9 Uhr bemerkte man, daß der Mond an der linken Seite allgemach heller wurde, denn die Totalität der Verfinsterung hatte ihr Ende erreicht. Nach ½10 Uhr verschwand das letzte Fleckchen etwas rechts vom höchsten Punkte der Mondscheibe. * Z u c h t v i e h m a r k t. A u f d e m L ü b b e r b r u c h f i n d e t morgen seitens des Vereins zur Hebung der Schweinezucht in Minden=Ravensberg ein Zuchtviehmarkt statt. Wie wir erfahren, sind von diesem Verein ca. 80 Tiere zur Ausstellung ausgesucht. Eine tätowierte Dame ist von morgen ab wieder in Piepers Restaurant zu sehen. In dem diesbezüglichen heutigen Inserat wird noch weiteres hierüber mitgeteilt. □ Tötet die Wespen! Zur Tötung der Wespen ist jetzt gerade die beste Zeit. Jede in der jetzigen Zeit sich zeigende Wespe ist eine Wespenkönigin, also die überaus fruchtbare Stammmutter zukünftiger Wespenkolonien. Mit jeder Wespe, die jetzt vernichtet wird, tötet man Tausende zu erwartende Nachkommen. Gerade weil die Tiere anscheinend gut überwintert haben, ist jetzt der Vertilgungskampf im Hinblick auf die sonst unvermeidlichen Plagen im Sommer und Herbst dringend anzuraten. Desgleichen sind die vorhandenen Raupennester zu entfernen und die darin vorhandenen Eier zu vernichten. Steckbrieflich verfolgt wird von der Kgl. Staatsanwaltschaft Bielefeld der Hausdiener August Hebrock von hier, an den eine erkannte Gefängnisstrafe vollstreckt werden soll. Hebrock ist 16 Jahre alt, 1,60 m groß, hat hellblonde Haare, spitze Nase, längliches blasses Gesicht und stottert. ik Siele, 22. April. Die KommunalsteuerHebeliste für 1902 liegt vom 24. April bis 7. Mai beim Rendanten Uppenbrock aus. Westerenger, 22. April. Das Radfahrerfest ist vom 8. auf den 15. und 16. Juni verlegt worden. Am Sonntag, den 16. Juni soll auch ein Straßenrennen auf der hiesigen Kommunalchaussee stattfinden; desgleichen wird an diesem Tage eine Korsofahrt Enger-Westerenger erfolgen. Spenge, 22. April. Turnerstiftungsfest. Sein diesjähriges Stiftungsfest, bestehend in Konzert, Schau turnen und Ball feiert der hiesige Turnverein am Sonntag, den 4. Mai, im Kaisersaale des Herrn Heitmann. Abends wird ein Brillantfeuerwerk abgebrannt werden. #m Kirchlengern, 22. April. Wegen Uebertretung des Fischereigesetzes vor Gericht. Am 18. Februar d. I. waren vom Schöffengericht zu Bünde 47 Personen von Kirchlengern und Umgebung wegen Uebertretung des Fischereigesetzes vom 8. August 1887 mit je 1 Mk. bzw. 1 Tag Haft bestraft worden. Sie hatten im November v. J. unterhalb der Elsemühle hier nach laichenden Lachsen gefischt, was verboten ist. Es kann jedoch eine Ausnahme gemacht werden, wenn es sich um Gewinnung von Laich für die Fischbrutanstalten handelt. Der Fischbrutanstalt in Bünde, welche sich mit den Pächtern der Fischerei in der Else in Verbindung gesetzt hatte, war nun diese Erlaubnis svon dem Oberpräsidenten erteilt worden. Diese Leute haben nach Herzenslust gefischt, es sollen etwa 4 Ctr. Lachs gefangen, aber nur 10000 Bruteier der Anstalt abgeliefert worden sein. Da die Angeklagten durch die bedingte Erlaubnis in einen Irrtum versetzt worden sein mögen, so wurde heute von der Strafkammer in Bielefeld das erste Urteil aufgehoben und sämtliche Angeklagten freigesprochen. Provinz und Nachbarstaaten. * S a l z u f l e n, 2 2. A p r i l. B e s i t z w e c h s e l. D a s Haus des Bäckermeisters Karl Siewecke am Marktplatze ging für den Preis von 35000 Mk. in den Besitz des Konditors Wortmann, Bielefeld, über. Das Haus des Landwirts Stuckmann, Biemsen, ging für 9500 Mk. in den Besitz des Bäckermeisters Capelle, Detmold, über. * Uchte, 22. April. Zum vierten Male. In diesen Tagen schloß ein hiesiger Schneidermeister zum vierten Male einen Ehebund. Seiner jugendlichen Mutter wird damit das seltene Glück zu Teil, zugleich Mutter und Großmutter zu werden und ihre Mutter hat das Vergnügen, nicht allein Schwieger=, sondern auch gleich Groß- und Urgroßmutter geworden zu sein. Da so etwas nicht alltäglich ist, verdient es wohl der Erwähnung. * Hannover, 22. April. Wie Rosenberg in den Feldzug gegen Frankreich zog. Im Kreise der Mars la Tour=Kämpfer vom Verein ehemaliger KönigsUlanen erzählte bei einer Mars la Tour=Feier Major a. D. Graf v. Ocynhausen=Dötzingen eine Anekdote, die so recht zeigt, von welch großer Willenskraft Rosenberg beseelt war. Rittmeister v. Rosenberg litt beim Ausbruche des Feldzuges an einer sehr schmerzhaften Karbunkel im Rücken.“ Um die Uniform überhaupt anlegen zu können, mußte ihm Graf Oeynhausen, der Premierleutnant bei der Schwadron Rosenbergs war, über die Geschwulst eine umgekehrte Untertasse decken. Dann wurde vorsichtig die Ulanka überzogen und hierauf Schärpe und Kartousche über die Tasse geschnallt. * D o r t m u n d, 2 2. A p r i l. G l ü c k l i c h e G e w i n n e r. Ein Gewinn von 200 000 Mk. fiel bei der jetzt stattfindenden Ziehung der preußischen Klassenlotterie auf das Los Nr. 200 552. Vier Personen aus Dortmund und nächster Umgebung, welche gerade nicht in günstigen Verhältnissen leben und je ein Viertellos spielen, teilten sich in den hohen Gewinn. 42 250 Mk. wird jeder der„Glücklichen" nach Abzug der üblichen Prozente ausbezahlt erhalten. * Neuß, 22. April. Ein Anschlag auf einen Eisenbahnzug wurde hier versucht, indem die Schrauben von einer Schiene gelöst wurden. Der Defekt wurde sofort entdeckt. Der Thäter entkam unter Zurücklassung des Handwerkszeuges, das der Staatsanwaltschaft überliefert wurde. Der neue Krosigk-Prozeß. Nachdem in der gestrigen Verhandlung eine Anzahl Dragoner vernommen worden war, erfolgte die Vernehmung des Dienstmädchens Anna Sternberg, während deren Aussage der soeben vernommene Zeuge, Schmiedegeselle Skopek, welcher das Mädchen kennt, den Saal verlassen mußte. Das Mädchen sagt wie folgt aus: Als ich den Skopek längere Zeit nach dem Morde wiedersah, fragte ich ihn, warum er so bleich sei, er sagte, er wäre 14 Tage eingesperrt gewesen, aber er wisse gar nicht, er habe nichts gehört und nichts gesehen. Sie haben ihm gesagt, er solle vorsichtig sein, denn er müsse seine Aussage beschwören. Er lachte und sagte, er würde sich einen ansaufen. Dann sagte er, und wenn es den Kopf kostet, früher oder später muß man doch einmal sterben.— Vertreter der Anklage Oberkriegsgerichtsrat Meyer: War er da schon aus der Haft entlassen?— Zeugin: Ja.— Oberkriegsgerichtsrat Scheer: Wann war denn das?— Zeugin: einem Sonntag.— O.=K.=R. Scheer: War Skopek vielleicht betrunken?— Zeugin: Nein.— Die Zeugin Schattauer hat von der Anna Sternberg dieselbe Sache gehört. Dann wird Skopek wieder hereingerufen und die Zeuginnen werden ihm gegenübergestellt. Er bestreitet, diese Worte gebraucht zu haben.— O.=K.=R. Scheer zur Zeugin Sternberg: Ist auch alles Wahrheit?— Zeugin: Ja, ich kann alles beschwören.— Zeuge Skopek: Ich kann mich nicht entsinnen.— Zeugin Sternberg: Na, Sie müssen sich besinnen, ich muß mich auch besinnen. Haben Sie nicht auch gesagt: Mittwech ist Termin, uns ist schon gesagt worden, wer falsch schwört, wird mindestens 8—10 Jahre eingesperrt. Ich werde mir Kourage ansaufen.— Zeuge Skopek: Ich erinnere mich nicht.— Zeugin: Letzten Sonnabend sagten Sie erst zu einer Frau: Ich werde den Herren schon etwas erzählen. Ich habe jetzt mein Geschäft, wie soll ich noch wissen, was vor Jahren passiert ist.— Auf Befragen giebt Zeuge Skopek zu, daß er viel vergessen habe.— O.=K.=R. Scheer: Weshalb haben Sie das gesagt. Sie wußten doch, wie Ihre Aussagen schon früher beanstandet worden find, und nun reden Sie wieder so. Was bezweckten Sie damit?— Zeuge Skopek: Ich weiß es nicht, wenn Zeugin es beschwört, daß ich etwas gesagt habe, so ist es ja möglich, ich weiß mich nicht mehr zu erinnern.— O.=K.=R. Scheer: Skopek, erzählen Sie solche Märchen oft?— Zeuge Skopek: Ja.— O.=K.=R. Scheer: Weshalb haben Sie nun solche Erzählungen gemacht? — Zeuge Skopek: Das weiß ich nicht.— Zeuge Barbiergehilfe Petri: Bei der vorigen Verhandlung war Skopek in der Infanteriekaserne einquartiert. Beim Rasieren fragte ich ihn, ob er etwas wisse, und er antwortete, ich habe mich hineingeredet und muß sehen, wie ich wieder herauskomme. Ich weiß gar nichts. Darauf tritt eine Mittagspause bis 4 Uhr ein; während dieser Pause ist den Eltern von Martens eine Unterredung mit ihrem Sohne gestattet worden. Nach Wiederaufnahme der Verhandlung am Nachmittag wird Frau Sablowski als Zeugin vernommen. Sie giebt an, einige Tage vor der Ermordung des Rittmeisters v. Krosigk sei abends gegen 8½ Uhr ein junger Mann in steifer Dragonermütze und Mantel in ihre Stube getreten und habe sie ersucht, den Mantel einige Augenblicke ablegen zu dürfen; sie habe dies nach anfänglichem Zögern gestattet. Der Mann legte ab, und sie sah, daß er sich einen schwarzen Hut aufsetzte und Zivilkleidung trug. Nach etwa einer halben Stunde kam der Mann, der saubere Wäsche trug und einen hübschen Schnurrbart hatte, zurück. Auf ihre Frage, was die Sache für ein Bewandtnis habe, sagte er unter großer Erregung, er habe etwas vor und habe schlimme Augen. Sie bedeutete ihm, daß bei ihm von schlimmen Augen nichts zu bemerken sei. Der Mann habe ein Paar Handschuhe bei ihr liegen lassen, die sie aufbewahrt habe; er sei nicht wiedergekommen. Als Marten zum Tode verurtellt worden war, sei ihr dieser Vorgang wieder eingefallen, dem sie anfangs keine Bedeutung beigelegt habe. Die Zeugin bemerkt auf Befragen, daß der Mann weder mit Marten noch mit Hickel identisch sei, er sei viel größer gewesen. Fräulein Sablowski bestätigt die Aussagen ihrer Mutter. Alsdann wurde eine Anzahl ehemaliger und jetziger Dragoner über den Vorgang am 21. Januar 1901 in der Reitbahn und im Krümperstall vernommen Ein Zeuge bekundet, der Rittmeister habe Zivilpersonen, die am Schwadronsfest am 18. Januar teilgenommen haben, hinausweisen lassen. Danach wird ein Brief der Polizeidirektion Schöneberg bei Berlin verlesen, worin mitgeteilt wird, dem Schutzmann Sieloff sei von dem Hausdiener Max Hintz, wohnhaft Berlin, Mittelstraße 16/17, mitgeteilt, er sei in Gumbinnen Fleischerlehrling gewesen; am 21. Januar 1901 sei er in der Tilsiterstraße in einem Schankrunnen. Ein Roman aus dem Hochspessart von F. Eduard Pflüger. (7. Fortsetzung.)—(Nachdr. verboten.) Die Antwork lautete: Der Herr Graf wäre der Herrschaft zu jeder Stunde angenehm, aber um der Hitze willen werde er gebeten, um fünf Uhr zu kommen und sich einzurichten, daß er gleich zum Abendbrot bleiben könne. Das war eine sehr herzliche Antwort und ein Beweis, daß die Wildensteiner ihm ganz besonders zugethan waren und die kühle Förmlichkeit, die sonst den Verkehr einzuleiten pflegt, ganz außer Acht lassen wollten. Roger selbst fühlte eine gewisse Unrast in seinem Blut, überall war es ihm zu warm und überall hielt er nur eine ganz kurze Zeit aus. Er lief in der Burg treppauf treppab, besichtigte dies und besichtigte das. Er schle derte durch den blütenduftenden Berggarten, betrachtete die Kirshräume und die Pflaumenbäume, dann stieg er hinunter nach der Straße und schaute das Thal entlang hinüber nach den Waldgipfeln, die zur Herrschaft Wildenstein gehörten. Der alte Mechenhart beobachtete seinen Herrn mit besorgten Blicken und wußte nicht recht, was er aus dessen Unruhe machen sollte. „Es ist wirkich ein bischen langmeilig hier“, sagte Roger als ihm Mechenhart das Mittagbrot aufgetragen hatte.„Setze dich zu mir Alter und laß uns plandern.“ „Aber gnädiger Her, es schickt sich doch nicht, daß der Diener mit dem Herrn zu Tisch sitzt.“ vas ewige es schickr sich nicht. Du bist auch nicht mein Diener, du bist alles, du bist mein Oberförster, mein Hofmarschall, mein Flügeladjudant, was du willft. Du sollst dich auch nicht als Diener fühlen und zu diesem Zweck wollen wir noch einen jungen Burschen und vielleicht eine ältere Frau in das Haus nehmen.“ „Das ist aber wirklich nicht nötig, gnädiger Herr Sind sie denn mit mir unzufrieden?" Närzischer Kanz; wie kannst du so was denken. Aber jetzt, wo die Handwerker hier herumwirtschaften, häst du jeden Augenblick Hilfe zur Hand, sind sie erst draußen, wird das anders werden. Wenn wir uns vom Herrn Baron zu Tisch einladen lassen müssen wir uns auch revanchieren nicht wahr, und ich fürchte, baß dann deine Kochkunst nicht mehr ausreichen wird. Also sieh dich einmal um, ob du nicht die passenden Leute findest. Ich dächte das sollte nicht schwer sein.“ „Aber auch nicht so leicht, wie sich das der gnädige Herr vorstellen, denn seitdem die Fabrik in Schippach gegründet ist, läuft alles dahin. Dienstleute sind schwer zu haben. Aber ich werde schon sehen, ich weiß ja, was der Herr Graf sucht und ich hoffe, es wird sich beschaffen lassen.“ Es tat eine Pause ein, die Roger mit Kirschenessen ausfüllte dann hub er wieder an: „Wenn man nur wüßte, was man anfangen sollte. Ich bin jetzt bald einen Monat hier, ich fühle schon, daß die alte Kraft zusückkehrt. Was soll man thun? Mit dem Jagen ist es nichts in der Hitze, zum Reiten fehlt das Pferd.“ „Vielleicht versucht der Herr Graf es mit dem Fischfang. Unser Kindsbach hat herrliche Forellen und die ForellenFischerei ist ein königliches Vergnügen. Ich gehe gleich, um das Gerät in Ordnung zu bringen, dann werde ich Ihnen zeigen, wie man es macht, gnädiger Herr. Gerade jetzt, wo die Sonne so prall auf dem Thale liegt und so etwas Gewitterneigung in der Luft schwebt, ist gut fischen.“ Der alte Mechenhart erhob sich und ging, während der Graf sich in die Bibliothek begab, wo er sich in den mächtigen alten Lehnstuhl setzte, um zu lesen. Aber es gelang ihm nicht recht, sich in das Buch zu vertiefen, sei es, daß die Lektüre nicht besonders anregend war, sei es, daß der schwüle Juninachmittag einen lähmenden Druck auf ihn ausübte, kurz er schlief sehr bald ein und das Buch entglitt seiner Hand. So fand ihn der alte Mechenhart, als er die Bibliothek betrat, um seinen Herrn zum Fischen abzuholen. Leise schob er ihm einen Polsterschemel unter die Füße und ein weiches Kissen unter den Kopf, schloß die Fenster, damit von draußen kein störender Laut von den arbeitenden Handwerkern hereindrang und setzte sich selbst in eine Ecke, um sein Nickerchen zu machen, aber auch um gleich zur Hand zu sein, falls der gnädige Herr erwachen sollte.“ Aber der gnädige Herr schien einen sehr gesunden Schlaf zu haben, denn er erwachte absolut nicht und da er gut dreiviertel Stunden bis zum Wildenstein brauchte und doch auch nicht im Hauskostüm Besuch machen konnte, so sab lokal gewesen, da sei gegen 5 Uhr nachmittags ein Mann mit einem Offiziersmantel ins Lokal getreten und habe ein Packet zur Aufbewahrung abgegeben. Nach einiger Zeit sei der Mann sehr erregt zurückgekommen und habe das Packet wieder abgeholt. Er(Hintz) habe dies nicht früher gemeldet, da er seiner Mutter, welche für die Unteroffiziere der vierten Schwadron wasche, kein Aergernis bereiten wollte, er sei aber bereit, seine Aussage zu beschwören. Die Verteidiger beantragen die Ladung des Hintz. Der Gerichtshof beschloß, über die Richtigkeit der Aussagen Hintz' Nachforschungen anzustellen. Um 6½ Uhr abends wurde die Verhandlung abgebrochen und auf heute vormittag 9 Uhr vertagt. Vermischtes. Des Kaisers scharfer Blick und gutes Gedächtnis, die es ihm ermöglichen, Personen, mit denen er einmal in Berührung gekommen, sofort wiederzuerkennen, sind schon oft gerühmt worden. Einen neuen Beweis veröffentlicht jetzt ein norwegisches Blatt. Auf einer seiner Nordlandfahrten hatte der Kaiser zu Drontheim im Hause des Konsuls Jensen geweilt. Kürzlich besuchte Frau Jenssen Berlin und ging Unter den Linden spazieren, als der Kaiser vorbeifuhr. Er erkannte sie sofort und ließ ihr später durch General v. Scholl Grüße und Blumen überbringen und sich nach ihrem Befinden erkundigen. Wie ein„wirklicher Mann“ sein muß.„Svenska Dagblädet" veröffentlicht eine Reihe von Aussprüchen berühmter schwedischer Frauen über die Eigenschaften, die die guten Männer haben müssen, um dem schönen Geschlecht zu gefallen. Wir bringen hier ein paar Beispiele: Die Schriftstellerin Ellen Key schreibt:„Des Weibes Vorstellung von einem wirklichen Mann ist von allen Vorstellungen die schwankendste: sie wechselt erstens nach der Individualität des jeweiligen Weibes, zweitens nach ihrem Alter, Vaterland und ihren Lebensverhältnissen. So ist zum Beispiel der wirkliche Mann in den Augen einer englischen Großkaufmannstochter ein Mittelding zwischen Chamberlain und Alfred Tennyson; in den Augen eines deutschen Mädchens aus der Provinz eine Vereinigung von Schiller und einem Kürassierleutnant und nach den Vorstellungen einer Pariser Weltdame ein Gemisch von Napoleon I. und Maupassant. Eine Stockholmerin, wenn sie z. B. gerade eine Köchin ist, wird ihn sich eher als Feuerwehrhauptmann denken, der„der Löwe des Tages“ ist. Mit einem Wort, man findet in der Vorstellung des Weibes von einem wirklichen Manne nur immer eine hervortretende Uebereinstimmung: daß sie sich ihn als eine Vereinigung von Gegensätzen denkt, wie die Natur sie niemals hervorbringt. Bedauernswerte Männer— und arme Frauen!“ Die Schriftstellerin Helene Nyholm schreibt:„Für mich ist derjenige ein wirklicher Mann, der sich Zeit läßt, sich über die wichtigsten Fragen des Lebens seine eigene Meinung zu bilden und nachher moralischen Mut genug besitzt, um in allen verschiedenen Verhältnissen und Lebenslagen danach zu handeln. Ein wirklicher Mann muß außerdem so viel Demut besitzen, daß er einen Irrium eingestehen und dadurch eine Entwickelung möglich machen kann. Und schließlich schadet es auch nicht, wenn ein wirklicher Mann ein paar sogenannte „weibliche Eigenschaften" besitzt. Feines Empfinden und Liebenswürdigkeit im täglichen Umgang sind die Sonnenstrahlen, die im wesentlichen dazu beitragen, das Leben glück. lich zu machen, und ein wirklicher Mann wird dadurch keineswegs unmännlich, daß er rücksichtsvoll und zart ist.“ Die Schauspielerin Julia Hackonsson schreibt:„Ich glaube fast, daß die Frauen stets„wirkliche Männer“ in dem männlichen Individuum sehen, das sie gerade lieben. Auf diese Weise traben alle Herren während des größten Teils ihres Lebens als„wirkliche Männer" umher und das ist ein herrlicher Anblick und ein schöner Gedanke. Was mich anbetrifft, so erteile ich dem Manne den Preis, der an Adams Stelle niemals von Evas Apfel gebissen hätte.“ Endlich schreibt die Operettensängerin Emma Meißner: „Einen solchen Mann habe ich mir folgendermaßen gedacht: sich der alte Mechenhart gezwungen, feinen Herrn nach drei Uhr zu wecken. Roger fuhr auf, rieb sich die Augen und blickte den Alten verwundert an. „Ach das war schön, Mechenhart, daß Du mich so lange schlafen ließest, Das werde ich mir merken, so ein Mittagsschlaf hat eine seltsam kräftigende Wirkung, ich werde öfter schlafen.“ „Thun Sie das, gnädiger Herr. Der Schlaf ist immer ein Zeichen der wiederkehrenden Gesundheit und wir wollen Sie doch recht bald wieder in der alten Kraft sehen.“ „Ja ja, da hast Du recht. Das will ich selbst, aber nun komm und hilf mir, denn ich glaube es ist hohe Zeit, sich auf den Weg zu machen.“ Ein Stündchen später sah man den Grafen im tadellosem Gesellschaftsauzug den sauber gebürsteten Cylinder auf dem Kopf von Mechenhart begleitet das stille Eschau durchschreiten, wo er eine auffallende Bewegung unter den Bürgern verursachte. Zwar waren alle, die arbeiten konnten, auf den Wiesen draußen, um die warmen Tage zur Einbringung des Haus zu ben utzen. Aber die Mütter und Großmütter hüteten die Häuser und da sie nichts anderes zu thun hatten als neu gierig zu sein, eilten sie an die Fenster und betrachteten verwundert den Grafen, den sie alle schon kannten und dessen Gesellschaftsanzug ihnen ganz andere Bewunderung abnötigte. Jetzt hatte man die letzten Häuser des Städtchens passiert und bog in ein länger und länger werdendes Querthal ein, durch das die Straße am Abhang des einen Höhenzuges langsam und fast unmerklich bergan lenkte. Das Bächlein unten im Thal plätscherte trotz Sonnenglut lustig durch die Wiesen, in denen der rote Sauerampfer das Grün wie mit Blut durchsetzte. Hier war noch nicht geschnitten und ein eigentümliches Summen und Sausen von Honig suchenden Insekten schwirrte über dem Thal. Süßer schwerer Duft von blühendem Ginster und Quendel erfüllte die Luft und die ausgedörrten Blätter des vorigen Jahres hauchten den eigenartigen Waldodem aus. Kein Lüftchen regte sich, kein Vogel sang, nur die unermüdliche Lerche stieg mir fröhlichem Trillern hoch auf in die sonnenflammende blaue Luft und Scharen von buntfarbigen Schmetterlingen flatterten Kunter wie Fairfax, freimütig wie der Bettelstudent, schön die Paris, treu wie Pippo, edel wie Henri de Corneville, nutig wie Moniedafido, feurig wie der Zigeunerbaron, elegant die Eisenstein und fesch wie Boccaccio. Ein Vater von 37 Kindern. Aus Bärringen bei karlsbad wird gemeldet: Der hiesige Inwohner Joseph Stroer zat in diesen Tagen sein 37. Kind taufen lassen. Er ist zum Eitten Male verheiratet und steht im 69. Lebensjahre. Von einen Kindern sind zehn am Leben. Großfeuer in London. Ein heftiges Feuer brach sachts in dem Stadtteile Barbican der City aus. Verschiedene große Warenhäuser, die sehr leicht entzündliche Waren Ithielten, sind niedergebrannt. Das Feuer entstand gegendem Manchester=Hotel, dessen Bewohner dadurch geweckt Lurden, daß große Stücke brennenden Materials gegen die genster schlugen. Die Hotelgäste verließen das Hotel. Das veuer qualmt noch; der Schaden beträgt etwa 2 Millionen Moderner Titel.„Welches ist Ihr Beruf?"— Untergrundbahnhofrestaurants=Oberkellner!“ Jamilien-Nachrichten. Vermählt: Karl G. Bertelsmann mit Klara Kobusch m Bielefeld. Gestorben: Pauline Elisabeth Fritzsche, 28 Jahre, in Peunhnsten. Briefkasten der Redaktion. Nach Löhne. Die Richtigstellung betreffs des Pferdediebstahls brachten wir bereits in der gestrigen Nummer, da uns eine diesbezügliche Mitteilung direkt geworden war. Course der Berliner Börse. Altgeteilt von der Westf.-Lippischen Vereinsbank, Akt.-Gee. Herford, 22 April 1902 2% Preuss Consols 92.30 WT„ 100.75 3% Deutsche Reichsanleihe 92.60 5¼0„ 101.75 3% Westt. Prov.-Anl.—.— 9 % Bielef. Stadtanleihe 103,40 %% Hamb. Hypotheken„ Pfandbriefe 1900 100,40 4% Rhein. Westf. Bodenkred.-Pfandbriefe 1905 100.75 4% Meining. Hypoth.Meteorologische Station Herford. Witterungsbericht vom 23. April. Höchste Temperatur des Vortages: 19/6“. Niedr. Temperatur in der Nacht: 10,80. Temperatur um 7 Uhr vorm.: 10,80. 11„„: 13,60 Luftdruck um 7 Uhr vorm.: 750,9 mm. Tägliche Niederschlagshöhe: 0,0 mm Wind: Schwacher SO. Himmel: Bedeckt. Pfandbriefe 1900 100,20 Deutsche Bank-Akt. 207,90 Disc. Commandit-Akt. 189.25 A. Schaaffhausen'scher Bv. 121,— Gelsenkirchener Bergw.Aktien 164,75 Hibernia Bergw.-Aktien 163,80 Harpener dto. 167,50 Harb.-Wien, Gummi-Akt. 327.— Phönix Bergw.-Aktien 139,90 Bankdiscont 3% Tendenz: schwach. Wettet. 24. April. Bei mäßigen südlichen Winden kühler; vorherr schend bewölkt und veränderlich; zeitweise geringe Niederschläge wahrscheinlich. und Telephonische Meldungen. Einbruch in eine Postagentur. Langenhagen b. Hannover, 23. April. In der hiesigen Postagentur wurde nachts eingebrochen. Die Diebe erbeuteten 900 Mk. in baar und einen auf 600 Mk. deklarierten Geldbrief, an die Provinzial=Heil= und Pflegeanstalt adressiert. Von dem Diebe fehlt jede Spur, Zur Lage in Belgien. Brüssel, 23. April. In der gestrigen Sitzung des Generalrates der Arbeiter=Partei kam es zu heftigen Auftritten zwischen Abgeordneten und dem Vorstande der ProvinzialArbeiter=Organisution. Es wurde beschlossen, zum 4. Mai einen allgemeinen Kongreß der Sozialisten und ArbeiterParteien zusammenzuberufen, um über die Lage und die zu treffenden Maßregeln Beschluß zu fassen. Entdecktes Komplott. Brüssel, 23. April. Das Untersuchungsgericht von Termonde entdeckte gestern ein Komplott, welches bezweckt, das Fort von Rupelmonte bei Antwerpen in die Luft zu spreugen. Eine dort aufgestapelte Menge Pulver ist verschwunden. Der Zugang zum Fort ist gesperrt. Die Behörden führen die Untersuchung an Ort und Stelle. Aus Bädern und Sommerfrischen. Wir machen noch besonders aufmerksam auf die in heutiger Nummer enthaltene Einladung des Thermalbades Werne. Dasselbe erfreut sich durch seine heilkräftige Soolquelle eines sehr guten Rufes, weshalb wir den Kurgebrauch besonders für rheumatische Leiden, Skrophulose 2c. aufs Beste empfehlen können. 3660 Gegen Schnupfen ist der neue Schnupfenäther„Forman" anzuwenden, der ärztlicherseits mehrfach als „geradezu ideales Schnupfenmittel" bezeichnet wird. Bei leichtem Schnupfen Forman=Watte Dose 30 c beihartnäckigen Fällen Forman=Pastillen zum Inhalieren 50 Pfennig. Wirkung frappant! In allen Apotheken. Man frage den Arzt. 383c Leibniz Cakes Eike-raun Wilhelm Epseloh, Markt=Drogerie, Gehrenberg 2. Verantwortlicher Redakteur: Naul Sattler, für den Inseratenteil verantwortlich: Georg Beste, Druck und Verlaa: Christian Quentin, sämtlich in Herford. (Redaktion und Expedition: Brüderstraße 21, am Gehrenberg.) Wegen Aufgabe unserer Arbeiterkleiderfaorik verkaufen wir die noch vorhandenen Varenbestände weit unter Preis. 574d Es sind noch vorhanden ca. 300 SommerlodenJoppen, Arbeiterhosen, Friseur=, Konditor=, Schlachter-Jacken und =Blousen sowie verschiedene Stoffe im Stück. Endepohl& Krach, Lübberstraße No. 15. dient zur Verbesserung u. Würze von allen Suppen, Saucen, Gemüsen und Fleischweisen. General=Vertreter: 447d W. Denaler jun., Krefeld. 4 Bauplätze an der Mindener Straße gelegen, im Ganzen und auch im Einzelnen zu verkaufen. Näheres bei W. Danielmeyer, 4735 Mindenerstr. 7. Von meiner vor dem Rennthore(Elverdisserstraße) gelegenen Flöß=Wiese sind noch einige Parzellen zu verpachten. 5130 Erwin Koch. Leichte wollene und baumwollene Strümpfe, Socken und Kinderstrümpfe empfiehlt in großer Auswahl sehr billig 550d Anton Schaefers, Gehrennera 11. MAlar Stellung sucht, der verlange die „Deutsche Takanzen-Post“ in Fesingen. 638 von Transvaal im Kriegsschauspiel in 5 Akten mit lebenden Bildern und Prölög von Heinr. Offermann, aufgeführt vom Kath. Männerverein zu großen Theatersaal des Bürgervereius. — Musik von der Düngelschen Kapelle.— II. Aufführung: Mittwoch, 23. cr., ubends 8½ Uhr. Preise der Plätze: 1. Rang 1,50 Mk., Parquettlogen 1 Mk., Parquett 75 Pfg, 2. Rang(Gollerie) 50 Pfg. Der Reinertrag ist zu gleichen Teilen für die Buren, das kath. Krankenhaus und zur Anschaffung einer Vereinsbibliothek bestimmt. Karten im Vorverkauf bei Ign. Pelster, Zigarrengeschäft, Gehrenberg 25. An der Kasse 1 Stunde früher. 536d über den Weg und blieben sitzen bis der Fuß des Grafen sie fast berührte. Ein seltsamer wohlthuender Naturfrieden war um ihn gebreitet, während er selbst die Unruhe, die ihn den ganzen Tag verfolgt hatte, nicht bemeistern konnte. Er sollte ja das schöne Mädchen wiedersehen, das in den letzten Tagen seinen Geist so eigentümlich beschäftigt hatte und eine gewisse Bangigkeit bemächtigte sich seiner, wie sie ihn empfangen würde, eine Bangigkeit, deren er nicht Herr werden konnte, obwohl er sich sagte, daß es ihm im Grunde gleichgiltig sei, ob ihn Ihring Hobbach freundlich oder abstoßend aufnehmen würde. Bei einer Wendung des Weges trat jetzt auf einem abgeflachten Hügel, der sich über dem Wiesenthal erhob, das Schloß Wildenstein aus dem grünen Buchenlaub hervor. „Es ist die Rückseite, gnädiger Herr, was Sie sehen. Der Eingang ist jenseits des Berges und dieser Fahrweg führt direkt an das Hauptthor. Sie können jetzt nicht mehr fehl gehen und ich will zurück, damit die Handwerker nicht unnütze Sachen machen, wenn sie ohne Aufsicht sind.“ „Ja, alter Mechenhart, es ist gut, gehe nur hübsch nach Pause, ich werde mich schon zurecht finden.“ Der Graf überschritt jetzt das sonnige Thal und gelangte dann in eine wunderbare Lindenallee, an deren Ende er ein mächtiges Steinthor erblickte. Bewundernd blieb er stehen. gewaltigen Sandsteinsäulen zu beiden Seiten des Eingangs zwei Greifen, die das Wappenschild der Freiherren von Dobbach in den Klauen hielten. Zwvischen den Säulen bewegten sich die schweren schmiedeeisernen Thorflügel, die aber geschlossen daren. Roger legte die Hand auf den Drücker und es Felang ihm nicht ohne Anstrengung die Eisengitter auseinander zu schieben und auf den breiten, schön mit Sand bestreuten Seg, der links und rechts gleichfalls von hohen Linden flankiert Dar, zu gelangen. Als das Thor hinter ihm knirschend ins Schloß fiel sorangen ihm zwei gewaltige Bernhardiner entgegen, die sogleich ihre Lowenstimme erhoben und ihn am Weiterschreiten hinderten. „Hierher Ratz und Matz!“ ertönte eine wohlbekannte Stimme, die den Grafen in eine lebhafte Bewegung versetzte und gleich darauf erschien auch Ihring Hobbach in einem weißen Sommerkleid, unbedeckten Hauptes, rief die Hunde dicht an sich heran und reichte dem Ankömmling kameradschaftlich die Hand. „Grüß Sie Gott, Graf Wettenburg, wie wird sich der Vater freuen.“ Ein eigentümlich wehes Gefübl schnürte Roger die Kehle zusammen und er konnte nicht gleich antworten. Wie wird sich der Vater freuen, hatte sie gesagt. Also ihr war es ziemlich gleichgiltig ob er kam oder nicht. Um des Vaters Willen war sie so herzlich und freundlich. Er antwortete nicht gleich auf den Gruß, sondern machte nur eine tiefe Verbeugung und seine Stimme klang kühl und formell als er antwortete: „Ich wollte nicht verfehlen, gnädigste Baronesse, Ihnen meine nachbarliche Auswartung zu machen, nachdem Ihr Herr Vater mir so freundlich die Erlaubnis dazu erteilt hatte.“ Herr Graf von Wettenburg, einer Erlaubnis hätte es nicht bedurft. Wir haben Sie schon länger erwartet.“ „Das war sehr freundlich von Ihnen, aber man weiß doch nie, ob ein Verkehr erwünscht ist oder nicht.“ „Ein Edelmann, der in unserer Gegend ansässig ist, ist uns immer erwünscht, Herr Gras.... Aber wollen Sie nicht die Güte haben näher zu treten. Papa müssen Sie noch einen Augenblick entschuldigen, es ist gerade ein Herr aus Aschaffenburg bei ihm in Geschäften.“ Die Beiden schritten, von den Hunden gefolgt, langsam durch den herrlichen Park dem Schloß zu, dessen Feuster jetzt hinter einem freien Raum, der über und über mit Blumen bedeckt war in der Nachmittagssonne aufleuchteten. (Fortsetzung folgt.) Alter Markt 9. Alter Markt 9. Konkurs-Ausverkauf! Täglich Verkauf sämtlicher Warenbestände der Könkursmasse Kaufhaus Ludwig Rieger(Inh. Alfred Goslar) weit unter Preis. Verkaufszeit vormittags 8½ bis 1 Uhr und nachmittags von 2 bis 6 Uhr. Sonntags geschlossen. 589d. Der Konkursverwalter, Lümkemann, Rechtsonwalt und Notar. in Stadl, Nickel, Douole und Gold, m. prima Rathenower Krystall= und BerzCO COXOE b sE BB RRSE Se SSBrnöe9 gt bb. scge#85st... n s Pe gre e er SSEN SGGS o 888 80 e s sc e=ege SUICEETS½ NS•E RO Gn S S Su Oeie ig. Gm HG SES 8B Oee #n-Eer 1000“SEMOSG SSS BE SU G 1Oc 0—.—„ SG SSSS S S E nsis N S.Sg# Ggsg BögFE BPSSS BBEESSEES S### # Sg SG, So#e,#&8m S#ccee Gileoo Fellrecf 888 LOsse FSSESKOSTGERS SHSSE## S S urUOCFZaEU SNOCR 910110. OOAUn CORSUGat 0 Goc. FcO ESSSEESGSE86 SaSSSSSSES HE an SS Seise — SS S 12— K c SGL Seest# — 4— FE Se S 8 8168 SLESE S 8+ 10 S 00—1 SSs. ## G 9.—68 S BS 8—8 #c NE S S. Sa SC.—1 Saass S GOCT SOS EE SS OETTAGDS BAAZU GRNNC SaIUROR Saman Orc E□L05SP CUsans Gechno Sgomue bien o# F AS 10 Neu gic 9 u,, eu G. co n 4LO„ OET S SE 00 CpagaggEs Sar Snser S. 00„CASGGG, SÖIKURROH SLSCIALESE SEHOS S. 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Die Beerdigung findet Sonntag Mittag 1½ Uhr vom Trauerhause, Neustädter Feldm. 298, aus statt. 584d Heute. 9¾ Uhr abends, verschied sanft nach kurzem, schwerem Leiden meine liebe, unvergessliche Frau, unsere gute Tochter, Schwester und Schwägerin Alwine Ludwig geb Bartling. 5824 im 25. Lebensjahre. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Wilhelm Ludwig und Tochter, Familie H. Bartling. Düsseldorf. 21. April 1902. Die Beerdigung findet am Freitag, nachmittags 4 Uhr in Herford, vom Elternhause, Bünderstrasse aus statt. II. V.Vertreter für Naturheilkunde Hl. KTUEK, und Homöopathie in Hausberge bei Porta, Westf. Auf Wunsch Besuche nach auswärts. Bestellungen können im Restaurant „Zur Post“ abgegeben werden. Für jedes Auge passend liefere ich Ferner empfehle mein großes Lager in Barometern, Thermometern, Stereoscopen, Opern=, Jagd= und Rersegläsern. 565d Carl Duisdieker, Optisches Spezial=Geschäft, 8 Alter Markt 8. Versteigerung. 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