12. Jahrgang. 12. Jahrgang. eseahet ut Otehgn Nee eeee Teleph Auscht. a.4 Hersord EngerBad OePhy) Telephänschl. Diese Zeitung erscheint am Abend jeden Wochentages. Abonnementspreis vierteljährlich pränumerande 1,25 Mark, bei Postbestellung kommt das Bestellgeld hinzu. Sonnabend, 19. April. Inserate werden bis spätestens vorm. 11 Uhr erbeten. Preis der einspaltigen Vetitzeile für Stadt und Kreis Herford, Oeyuhausen und Amt Rehme 10 Pfg., sonst 15 Pfg. 1902 Anzeigen für den Kreis Herford. Zu der am Montag. 21. d. Mts., nachmittags 4½ Uhr, stattfindenden Beerdigung des verstorbenen Stadtverordneten Herrn Max Schulz werden die Herren Mitglieder des Magistrats und des Stadtverordneten=Kollegs und die Herren städtischen Beamten ergebenst eingeladen und zugleich gebeten, sich an der Bürgerschule II„Unter den Linden", (Rückfront) zu versammeln. 511d Herford, den 19. April 1902. Der I. Bürgermeister: Der Stadtverordneten=Vorsteher: Quentin. Lücken. em Ingenieur Anton Lenze aus Düren interimistische Verwaltung der Stelle unserer Gas= und Wasserwerke übertragen. Herford, den 15. April 1902. Der Magistrat. Quentin. haben wir die des Direktors 5095 leibsleiden und hohem Fieber war die Rede. Jetzt dringt näheres darüber in die Oeffentlichkeit. Wie nämlich aus dem Haag gemeldet wird, ist die Krankheit der Königin Wilhelmina Typhus. Bisher verlief die Krankheit normal. Lage in Belgien. In Brüssel trat gestern der Generalrat der Arbeiterpartei in Anwesenheit aller sozialistischen Abgeordneten zur Beratung zusammen und beschloß einstimmig, den Ausstand unter Anwendung friedlicher Mittel fortzusetzen. Die Kammer nahm gestern die Beratung über die Revision der Verfassung wieder auf. Smeets(Soz.) sagte: Man darf sich keinen Illusionen mehr hingeben. Sie sind bereit, 60000 Mann gegen Ihre Brüder zu hetzen, aber Sie werden nicht Alle töten, und es werden von uns Viele zum weiteren Widerstande übrig bleiben. Da die Regierung nicht gewillt ist, dem Könige anzuraten, seine Pflicht zu thun, werden wir den König beschwören und ihn bitten, einzugreifenEr möge ein Wort sagen, und der Friede wird wieder hergestellt werden. Nach weiteren Ausführungen verschiedener anderer Redner wurde der Antrag auf Revision der Verfassung mit 84 gegen 64 Stimmen abgelehnt. Seitens des Parteivorstandes der deutschen Sozialdemokratie gingen 10 000 Mk. zur Unterstützung der belgischen Sozialisten ein; die Parteigenossen anderer Länder nahmen bisher von einer gleichen Unterstützung Abstand. 2 Jöglichst in der Nähe des städtischen Töchterschulgebäudes suchen wir zu sosort bis 1. April 1903 einen geeigneten Raum zur Unterbringung einer Schulklasse von etwa 30 Kindern. Meldungen schleunigst erbeten mit Preisangabe. Hersord, den 18. April 1902.[510d Der Magistrat. Quentin. Zur Tagesgeschichte. Deutschland. Zum Kaiserbesuch anf dem Schießplatze in eppen. Zu den Schießversuchen wird noch in letzter Stunde Prinz Heinrich als Teilnehmer befohlen. Der Kaiser trifft heute vormittag 9 Uhr von Bremerhaven in Meppen ein und fährt direkt mit der Bahn zum Schießplatz. Dort beginnt sogleich das Schießen unter Leitung des Schießplatzvorstehers Artilleriehauptmann a. D. Bergmann. Es wird aus schweren Schnellfeuerkanonen geschossen. Zur Erkrankung des Kaisers. Vor einigen Tagen wurde mitgeteilt, daß der Kaiser leicht erkrankt sei und infolgedessen am letzten Dienstag ein Diner bei dem österreichisch=ungarischen Botschafter absagen mußte. Wie man jetzt nachträglich erfährt, litt der Kaiser an einer Balggeschwulst am Kinn, die er sich operieren ließ. Die Heilung ist so prompt erfolgt, daß den Kaiser nichts hinderte, sich an der Lustfahrt auf der Nordsee, zu der er vom Norddeutschen Lloyd eingeladen war, zu beteiligen. Prozeß Krosigk. Der von den Verteidigern der Angeklagten im Krosigkprozeß, Hickel und Marten, für gestern geladene Staatsanwalt Krüger=Insterburg erklärt, er habe nie gehört, daß der Oberkriegsgerichtsrat Scheer eine Aeußerung gethan habe, wie sie die Angeklagten in ihrem Ablehnungsantrag der beiden Richter verwertet haben. Er wird vereidigt und entlassen. Der Vorsitzende verliest darauf schriftliche Erklärungen der beiden beanstandeten Richter, worin beide sich für völlig unbefangen erklären. Nach einstündiger Beratung verkündet der Verhandlungsführer, daß der Gerichtshof, zu dem an Stelle der beanstandeten Kriegsgerichtshöfe zwei Ersatzrichter aus Danzig gehören, die Ablehnungsanträge der Angeklagten verwirft. Danach wird in die Verhandlung eingetreten. Beide Angeklagten erklären sich für unsch uldig und sagen auf Ehre und Gewissen, daß sie nicht wüßten, wer der Thäter sei. Nachdem im Laufe des Nachmittags noch eine Ortsbesichtigung stattgefunden halt, wurde die Verhandlung auf heute vormittag vertagt. Königin Wilhelmina. Ueber die Krankheit der jungen Königin der Niederlande wurde bisher tiefes Stillschweigen beobachtet. Nur von UnterZum Burenkrieg. In der gestrigen Sitzung des englischen Unterhauses gab der Erste Lord des Schatzes Balfour folgende Erklärung ab: Milner und Lord Kitchener haben mit den Burendelegierten auf deren Ersuchen zwei Konferenzen gehabt. Lord Kitchener hat aus militärischen Gründen einen Waffenstillstand avgelehnt, jedoch eingewilligt, Gelegenheit zu gewähren, damit Vertreter verschiedener Burenkommandos gewählt werden, um zur Beratung der Lage zusammenzukommen. Die Burenführer haben zu diesem Zwecke Pretoria verlassen. Es wird nicht erwartet, daß die Verbindung mit ihnen in weniger als drei Wochen wieder ausgenommen werden kann. Herforder Kreis=Nachrichten. Herford, 19. April. * Stadtverordneten=Sitzung vom 18. d. Mis. Anwesend sind: 1. Bürgermeister Quentin, Bürgermeister Busse, Kämmerer Falk, Stadtv.=Vorsteher Justizrat Lücken sowie die Stov. Böckelmann, Bach, Kranefuß, Weihe, Detering I, Koch, Müller, Siepe, Ströter, Hildebrandt, Tappe, Raabe, Wolff, Schönfeld, Modersohn, Weinberg, Detring II, Angenete, Bankdirektor Siekmann, Prof. Fellinger, Dir. Burgtorf, Busse und Hülsenbeck. Nach Eröffnung der Sitzung widmete der Vorsitzende dem soeben verschiedenen Stadtverordneten Mar Schulz einen ehrenden Nachruf, in demselben auch auf die Schaffens= und Arbeitskraft des Verstorbenen hinweisend, zu dessen Ehren sich alsdann die Mitglieder des Magistrats wie des Kollegiums von ihren Plätzen erhoben. Gelegentlich des ersten Punktes der Tagesordnung Fortsetzung der zweiten Lesung des Hauptvoranschlags der Kämmereikasse, worüber Stv. Böckelmann referierte, kam zunächst der 1. Bürgermeister Quentin auf die Heizungsanlage in Schule Stiftberg l zurück, die, wie Siv. Schönfeld in der letzten Sitzung vorgebracht habe, nach ihm gewordenen Mitteilungen völlig falsch angelegt sei, infolgedessen eine unnötige Ausgabe von ca. 1500—2000 Mk. entstanden wäre. Der Herr 1. Bürgermeister hat nun die Sachlage geprüft und es hat sich herausgestellt, daß der vorhandene Defekt auf das Grundwasser zurückzuführen ist. Das Stadtbauamt treffe keine Schuld. Diese Beschuldigung habe eine fatale Aehnlichkeit mit manchen der Bürger=Vereinigung. Was nun die Kosten anbelangt, so handele es sich nur um eine Ausgabe von 153 Mk. Der Herr 1. Bürgermeister hebt noch hervo#, bezüglich solcher Beschuldigungen und Uebertreibungen doch vorsichtiger zu sein, da sonst in der Bürgerschaft das Vertrauen zur städtischen Verwaltung erschüttert werden müsse. Stv. Schönfeld bemerkt, daß es Pflicht der Stadtverordneten ist, derartiges in der Versammlung vorzutragen, wenn ihnen solche Mitteilungen werden. Der Vorsitzende meint, daß wohl die Mehrheit erst die Sachlage prüfen würde, ehe sie sich an das Kollegium wendet, um es somit an die große Glocke zu bringen. Stv. Detring II frägt an, wie weit es mit der Kanalanlage an der Lockhauser Straße sei. Der 1. Bürgermeister erwidert, daß der Antrag dazu der Baukommission unterbreitet werden soll, sobald die große Anleihe beschlossen ist. Stv. Wolff bringt das Blendungsgebot der Schaufenster an Sonntag=Nachmittagen zur Sprache und ersucht um Aufhebung des Gebots. Stv. Kranefuß weist darauf hin, daß das Blenden auch nachmittags in den Städten geschehen müsse, wo der Gottesdienst bis 3½ Uhr stattfindet. Die Handelskammer in Bielefeld sei bei dem Oberpräsidenten um Aufhebung des Gebots bereits vorstellig geworden. Die hiesige Polizeiverwaltung treffe an der Sache keine Schuld. Bürgermeister Busse hebt hervor, daß der Herr Landrat am 1. Juli 1901 eine Verfügung erlassen hat, wonach auf die Bestimmungen des Oberpräsidenten erneut hingewiesen ist. Die Polizeiverwaltung mußte demnach der Anweisung der vorgesetzten Dienstbehörde nachkommen. Stv. Schönfeld glaubt, daß es besser gewesen wäre, wenn der Landcat seitens der Polizeiverwaltung auf die vielfachen Schäden verwiesen worden sei, welche durch diese Bestimmung weiteren Kreisen entstehen. Die Kosten für die Einziehung der Marktstandsgelder(1070 Dik.) findet Stv. Schönfeld zu hoch. Auf Antrag des Stv. Hülsenbeck wird der Magistrat ersucht, für die Erhebung dieser Gelder einen anderen Modus zu finden. Der 1. Bürgermeister kommt alsdann auf weitere Angriffe des Eingesandts der Bürgervereinigung gegen städtische Beamte betreffs deren Nebenverdienste zurück. Bei zwei Beamten(Stadt= und Polizeisekretär) sei dies nur der Fall, aber dies geschähe mit Genehmigung des Magistrats. Stv. Ströter bemerkt, daß er demnächst dem Kollegium weiteres Material unterbreiten will. Der 1. Bürgermeiner meint, er würde sich freuen, wenn auch in dieser Angelegenheit völlig Klarheit geschaffen werde. Stv. Schönfeld wendet sich nochmals gegen die Einrichtung der Kriminalpolizei und ersucht um deren Aufhebung. Bürgermeister Busse weist darauf hin, daß er sich zur Prüfung dieser Einrichtung für Herford eine gewisse Frist gestellt habe; diese sei jedoch noch nicht verstrichen. Stv. Wolff wünscht für Gymnasium und Realschule einen gedruckten Voranschlag, um eine bessere Uebersicht zu haben. Stv. Böckelmann macht darauf aufmerksam, daß ein solcher nur alle drei Jahre aufgestellt werde und dann öffentlich ausliege. Sto. Schönfeld ist für die Wolff'sche Anregung. Der dahingehende Antrag wurde abgelehnt. Stv. Schönfeld beantragt, daß für gute Theatervorstellungen eine städtische Subvention (freies Gas) gewährt werde; in Detmold gehe man in dieser Beziehung wesentlich weiter, indem dort auch eine größere Summe städtischerseits bewilligt werde. Den unteren Volksschichten gesunde Theaterkost zu bieten, hält der 1. Bürgermeister für wünschenswert; aber wenn seitens der Stadt ein derartiger Zuschuß gewährt werde, müsse die Stadt auch betreffs der Auswahl der Stücke mitsprechen. Stv. Schönfeld bemerkt, daß er nicht geglaubt hätte, daß der Magistrat eine Zensur hätte üben wollen; da dies aber geschehe, ziehe er seinen Antrag zurück. Des Weiteren beantragt Stv. Schönfeld, daß die Bürger, welche nicht wahlberechtigt sind(unter 660 Mk. Einkommen haben) steuerfrei sind bzw. nur 100% Steuern zahlen sollen. Der Antrag wurde abgelehnt. Stv. Tappe tritt für Aufhebung der Hundesteuer in den Feldmarken ein, weil daselbst die Hunde als Wächter dienen müßten. Stv. Schönfeld spricht sich in gleichem Sinne aus. Bürgermeister Busse hebt hervor, daß das betreffende Ortsstatut zu Recht besteht, weshalb eine Ermäßigung der Hundesteuer nicht statthaft sei. Stv. Hildebrandt weist darauf hin, daß die Feldmärker die Hunde halten müssen, weil die Bewohner jener Bezirke sonst ohne Bewachung seien. Stv. Tappe empfiehlt, den Magistrat zu ersuchen, daß die Hunde, welche zur Bewachung nötig sind, unbesteuert bleiben sollen. Der 1. Bürgermeister erläutert, daß es schwer ist, zu beweisen, ob die Hunde zur Bewachung nötig sind. Stv. Tappe ist der Ansicht, daß in den Bezirken der Feldmarken, wo Nachtwächter nicht hinkommen, die Hunde steuerfrei sein müßten. Der Vorsitzen de empfiehlt, den Antrag bei einer geeigneten Gelegenheit zu wiederholen. Damit ist diese Hundefrage vorerst abgethan. Nachdem der Etat in 2. Lesung beendet worden war, kündigte Stv. Ströter an, demnächst einen Antrag zu stellen behufs Abtrennung des Straßensegens vom Fuhrpark. Zum 2. Punkt der Tagesordnung Antrag des Magistrats betr. Vergebung der Turbinenanlage giebt Stv. Angenete das Referat. Derselbe teilt auch mit, daß die Firma Meyer u. Schwabedissen keine neue Offerte abgegeben hat, weil diese Firma der Ansicht ist, daß sie bereits früher vom Magistrat mit der Lieferung der Turbinen beauftragt sei. Meyer u. Schwabedissen schlagen vor, die Angelegenheit einem Schiedsrichter zu unterbreiten, um einem Prozeß vorzubengen. Der Magistrat witl sich hierauf nicht einlassen. Referent empfiehlt den Antrag Hierzu zweites Blatt, Beilage sowie Illustriertes Sonntagsblatt. des Magistrats und der verstärkten Kommission, die erneute Offerte der Braunschweiger Firma zu berücksichtigen. Die Stvv. Ströter und Koch, welche der betr. Kommission mit angehören, hatten sich der Abstimmung enthalten. Stv. Ströter bedauert es, daß solche Zustände geschaffen sind und kann es nicht empfehlen, der Braunschweiger Firma den Auftrag zu erteilen. Der 1. Bürgermeister empfiehlt, die Oeffentlichkeit auszuschließen, da vertrauliches von ihm mitzuteilen sei. Stv. Schönfeld wendet sich dagegen, daß die Oeffentlichkeit ausgeschlossen werde. Der 1. Bürgermeister meint, er wünsche den Ausschluß der Oeffentlichkeit nur, um vertrauliche Mitteilungen zu machen, die im Interesse der Stadt liegen. Des Weiteren begründet Redner den Standpunkt des Magistrats, darauf hinweisend, daß in der letzten Sitzung zur Vermeidung eines Konflikts zwischen dem Stadtverordnetenkollegium und dem Magistrat ein Kompromiß geschlossen sei. Nur auf dieser Grundlage war zu arbeiten. Die neue Offerteneinziehung solltegeschehen, um alsdann das billigste Angebot zu berücksichtigen. Von der Braunschweiger Firma traf eine neue Offerte ein, von der hiesigen aber nicht, und zwar mit der bereits erwähnten Motivierung. Eine Auftragserteilung hat nach Ansicht des Herrn 1. Bürgermeisters nicht vorgelegen; er(Redner) habe nicht geglaubt, daß sein Schriftstück so aufgefaßt werden könne, wie dies seitens der Firma Meyer u. Schwabedissen geschehen sei. Im übrigen hat der Herr 1. Bürgermeister mit Herrn Schwabedissen nach dieser Richtung rechtzeitig Rücksprache genommen; das Schreiben an die Firma Meyer u. Schwabedissen hätte, wenn es rechtskräftig sein sellte, noch von einem Magistratsmitglied unterschrieben sein müssen. Dazu komme, daß der Magistrat seine Offerte zurückgezogen habe. Redner steht auf dem Standpunkt, daß die Stadt Meyer u. Schwabedissen für die gehabten vielen Arbeiten eine angemessene Entschädigung gewähren müsse, doch müßte diese die Stadt festsetzen. Stv. Koch meint, daß er früher geglaubt habe, daß es sich um eine Auftragserteilung handele; da aber dem Schreiben des Herrn 1. Bürgermeisters die Worte zugefügt waren„zur Kenntnis“ gegeben", was jedoch in dem Schreiben der genannten Firma nicht vermerkt sei, stehe er jetzt auf einem anderen Standpunkte; eine Entschädigung zu gewähren, sei gedoch zu empfehlen. Stv. Schönfeld findet, daß aus dem Schreiben an die hiesige Firma eine Auftragserteilung zu ersehen ist; unter den Mitgliedern des Magistrats scheine man aber mehr dafür zu sein, der Braunschweiger Firma den Auftrag zu erteilen. Im übrigen plaidiert Redner für Aufstellung von nur einer Turbine und bemerkt noch, daß die Firma Meyer u. Schwabedissen wohl zur Abgabe einer Offerte geneigt gewesen wäre, wenn man die Höhe der Entschädigung festgelegt hätte. Der Vorsitzen de glaubt, daß die Rechtsauffassung der Firma Meyer u. Schwabedissen sehr anfechtbar ist; allerdings sei die Sache sehr verfahren. Stv. Bankdirektor Siekmann ist die ganze Sache noch nicht geklärt, infolgedessen er sich der Stimme enthalten will, weil er nicht weiß, welche Tragweite ein evtl. Prozeß nehmen kann. Referent Angenete verliest alsdann zwei Schriftstücke von Anliegern der oberhalb und unterhalb der Peperschen Mühle befindlichen Besitzungen; darin wird gegen die Höherstauung sowie gegen eine etwaige Ableitung des Wassers Protest erhoben. Der 1. Bürgermeister bemerkt, daß an die Anlage eines zweiten Kanals auf Jahre hinaus noch nicht zu denken sei; die Beunruhigung der Anlieger sei daher unnötig. Stv. Bankdirektor Siekmann macht darauf aufmerksam, daß der Magistrat bei etwaiger Entziehung des Wassers bezw. Ausbaggerung des Flußbettes auf Schwierigkeiten stoßen würde. Stv. Schönfeld beantragt, der Firma Meyer u. Schwabedissen den Auftrag zu erteilen; gleichzeitig ist er für namentliche Abstimmung. Stv. Busse ist dagegen. Stv. Dir. Burgtorf bemerkt, daß durch Aufhebung der Hände auch die Oeffentlichkeit gewahrt bleibe. Der Antrag Schönfeld ist gefallen, der Antrag des Magistrats auf Lieferung der Turbinen seitens der Braunschweiger Firma angenommen und zwar mit 12 gegen 11 Stimmen. Betreffs des Antrags des Magistrats auf Einrichtung weiterer Markthallen und Einstellung von 6000 Mk. in die städtische Anleihe zu Marktzwecken hatte Stv. Schönfeld das Referat; die in Anschlag gebrachte Summe hält er für viel zu hoch. Referent beantragt daher nur 3500 Mk. zu bewilligen. Bürgermeister Busse tritt für Bewilligung der gesamten Summe ein, um u. a. auch den Platz vor der Bürgermeisterei II in ordnungsmäßigen Zustand bringen zu können, desgleichen auch die übrigen Terrains, welche zu Markizwecken mit verwendet werden sollen. Stv. Ströter glaubt, daß durch Beschüttung mit Kohlenasche nicht eine Anlage für die Dauer geschaffen könne. Stv. Modersohn beantragt, daß der Vorplatz zur Bürgermeisterei chaussiert wird. Stv. Hülsenbeck führt aus, daß die Vermutung bestehe, daß der Vorplatz gepflastert sei; zur Prüfung der Sachlage empfiehlt er um Zurückverweisung der Vorlage an den Magistrat, wofür auch Stv. Ströter eintritt. Siv. Detring II empfiehlt, den Vorplatz mit Kies zu bedecken. Stv. Schönfeld hält es für nötig, daß das Gefälle nach dem Garten zu gelegt wird, um somit den Vorplatz trocken zu erhalten. Es wird die Einrichtung weiterer Markthallen beschlossen, bezüglich der Einrichtung der verschiedenen Plätze wird jedoch die Vorlage an den Magistrat zurückverwiesen. Die übrigen Punkte der Tagesordnung wurden vertagt.— Schluß der Sitzung kurz nach 7 Uhr. Die Anlage eines neuen Banquets ist projektiert oberhalb der Böschungs=Mauer der Kleinbahn zwischen Lübber= und Bergerthor; dasselbe würde also zwischen dem Chaussee=Körper der Vlothoerstr. und dem oberen Böschungsrande liegen und eine direkte Fortsetzung des vor den Häusern Kopka=Sievers=Wefing liegenden Trottoirs direkt zum Lübberthor bezw. der Haltestelle der Kleinbahn bilden. Würde dann auch bei der hoffentlich bald in Aussicht genommenen Neuregulierung des Pagen=Marktes ein Trottoir entlang der Gärten angelegt, dann würde eine sehr angenehme neue RundPromenade vom Lübberthor bis Bergerthor(Schützenstr.) entstehen, die— besonders auf dem ersten Teil bei dem Blick auf die unten im Thale fließende Werre mit der Waldwand an der anderen Seite— auch landschaftlich sehr schön sich ausnehmen würde. Aber auch Interessen des öffentlichen Verkehrs machen es sehr erwünscht, daß bei der Enge und Steilheit der Blothoerstr. auf dieser Strecke dem Fußgänger jederzeit eine Möglichkeit gegeben wird, zur Seite zu treten und auf einem Banquet Schutz zu suchen. Magistrat und städt. Bau=Kommission haben sich einstimmig entschlossen, für diese Anlage bei den Stadtverordneten eine Bewilligung von Mk. 900 zu beantragen. Wir würden in der Ausführung derselben einen wesentlichen Fortschritt begrüßen. Oberhalb dieser Stelle auf dem breiten Trottoir vor den Häusern Kopka=Sievers=Wefing wird jetzt eine zweite Reihe Bäume angepflanzt und sind hierzu diejenigen Kugel=Akazien verwandt, welche bisher vor der alten Post oben am Bahnhof standen. Reformierte Gemeinde. Man schreibt uns: Gestern verschied der langjährige Kirchmeister und Presbyter, Herr Max Schulz. Die Gemeinde wird es verstehen, daß unter diesen Umständen der für morgen festgesetzte Gemeindeabend verschoben wird. ** Im Silberkranze. Wie wir erfahren, begehen morgen die Eheleute Heinrich Rabeneck und Frau geb. Kuhlmann das Fest der silbernen Hochzeit. Dem Ehepaar unseren herzlichsten Glückwunsch. werden in einem Familienblatt, wie dies die„Herforder Zeitung Stadt und Land“ ist, besonders beachtet und so empfiehlt es sich, auch die Geburts=, Verlobungs=, Vermählungs= und Todes=Anzeigen der im ganzen Kreise Herford sehr beachteten„Herforder Zeitung für Stadt und Land" zu überweisen. ½ Zur Aufführung des Kriegsschauspiels„Die Heldin von Trausvaal“. Auf diese morgen abend im großen Theatersaale des Bürgervereins vom katholischen Männerverein stattfindende Vorstellung weisen wir hiermit nochmals empfehlend hin; näheres ist noch aus dem betreffenden Inserat im zweiten Blatt der vorliegenden Nummer u. Bl. zu ersehen. Im Friedensthal findet morgen nachmittag Konzert statt; siehe Inserat. Die erneute Verhandlung in der Privatklagesache Menckhoff=Schönfeld vor der Strafkammer II in Bielefeld ist für den 13. Mai angesetzt. □ Mit dem besten Preis(500 Mk.) bedacht wurde von der evangelischen Gemeinde in Godesberg die vom Charlottenburger Hochschüler Herrn Martin Stüssel von hier eingereichte Konkurrenzarbeit(Entwurf zum Gemeindehaus.) Im ganzen waren 68 Entwürfe eingegangen. ** Anläßlich der Krönung des Königs von England hat der Postkartenverlag E. Wrench=London eine Serie Krönungspostkarten herausgegeben, welche an die Interessenten am Tage der Krönung direkt von London aus postfrei versandt werden. Die Serie besteht aus 6 in ca. 14 Farben künstlerisch ausgeführten Karten, für Sammler von hohem historischen Wert. Bestellungen nimmt die Buchhandlung von Adolf Pottkamp hier entgegen, dessen Schaufenster auch ein Muster dieser Karten zeigt. * Eine etwas harte Schlafstelle hatte sich gestern abend ein hier durchreisender Schlossergeselle ausgesucht, indem er sich an der Neustädter Kirche zum Schlafen hingelegt hatte. Ein Polizeibeamter wies dem Durchreisenden im Asyl für Obdachlose einen besseren Schlafraum an. . Eingebrochen wurde in verflossener Nacht in dem Geschästshause des Kaufmanns Dreseler an der Bielefelder Straße. Ebenso wie vorgestern beim Einbruchsversuch in der Schlachthofstraße, so haben die Diebe auch hier die Schaufensterscheiben eingedrückt. Aus dem Laden wurden Gegenstände im Gesamtwerte von 30 Mk. gestohlen. Auch bei dem Geschäfte der Ww. Hülsegge wurde ein Einbruch versucht. Hier haben die Diebe nur die Scheibe eingedrückt. Gestohlen wurde jedoch nichts. * Herringhausen, 17. April. Unfall. Der Heuerling Hermann Haubrok hier kam beim Aufladen von Stroh zu Sturz. H. brach sich hierbei den rechten Arm; nachträglich trat Blutvergiftung hinzu. • Herringhausen, 18. April. Körperverletzung. Der Hütejunge Fritz Schneider, bisher beim Kolon Kaßing hier im Dienst, warf ohne jede Veranlassung mit einer Mistgabel nach den Kindern Kaßings und traf den etwa 8 Jahre alten Sohn Wilhelm in den linken Fuß und zwar derart, daß die Spitzen der Mistgabel den Fuß ganz durchstach. es Enger, 17. Avril. Stadtverordnetensitzung. Am nächsten Dienstag findet wiederum eine Sitzung der Stadtvertretung statt. Die Tagesordnung ist wie folgt: 1. Mitteilung des Beschlusses des Kreisausschusses bezügl. Umgemeindung von Grundstücken in Enger und BelkeSteinbeck, 2. Baugesuch Woermann und 3. Verschiedenes. Enger, 18, April. Kleinkinderschule,— Diebstahl. Mit dem Bau dieser Schule soll in nächster Zeit begonnen werden. Das Haus kommt auf die frühere Pauk'sche Besitzung an der Niedermühlenstraße zu liegen.— Der Kleidermacherin St. wurde ein helles Umstecktuch aus dem Wonnzimmer gestohlen. In Verdacht hat man eine Händlersfrau. in Westerenger, 18. April. Diebstahl. Dem Aickersmkann August Kr. hier wurde ein Sack Mehl gestohlen. . Löhne, 19. April. Pferd gestohlen. Dem Bäcker Grabenhorst hier wurde heute nacht ein brauner PonnyWallach mit weißer Brust aus dem Stalle gestohlen. Am Halse des Pferdes befindet sich ein Brennstempel A. L. Provinz und Nachbarstaaten. * Oberhausen, 18. April. Frau Terlinden ver, haftet. Gestern wurde unter dem Verdachte der Mitwisserschaft an den Betrügereien ihres Mannes die Ehefrau Terlindens verhaftet. Vorgestern hat eine Leibesvisitation der Frau stattgefunden, bei der eine größere Summe Geldes gefunden wurde. * Barmen, 18. Avril. Selbstmord. Gestern abend gegen 8 Uhr tötete sich in seiner Wohnung Zimmerstraße der Architekt August Möller durch einen Schuß in den Mund. Das Motiv der That ist nicht bekannt. * Düren, 18. April. Bergiftung durch Kalisalz. Ein an einer Halskrankheit leidender junger Mann nahm zum Gurgeln eine zu große Dosis Kalisalz und vergiftete sich dadurch. * Hamburg, 18. April. Ein Großfeuer äscherte im benachbarten Lauenbruch 5 Wohnhäuser, darunter eine Schule ein. Vermischtes Festnahme eines Rihilisten. Auf dem Bahnhofe Wirballen wurde in dem von Berlin eingetroffenen Kourierzuge ein Nihilist verhaftet, der zwei Koffer mit Doppelböden mit sich führte, in denen sich verbotene Schriften befanden. Innerhalb vierzehn Tagen ist dies die dritte Nihilistenverhaftung an der Grenze. Einsturz einer Eisenbahnbrücke. Nachts stürzte, angeblich infolge des Regenwetters, eine Eisenbahnbrücke in der Nähe von Brüssel kurz nach dem Durchgang des OstendeWiener Blitzzuges ein. (Fortsetzung im 2. Blatt.) Course der Berliner Börse. Mitgeteilt von der Westf.-Lippischen Vereinsbank, Akt.-Ges. Herford, 18. April 1902. 3% Preuss Consol. 92.— 3½% n„ 101,80 3% Deutsche Reichsanleihe 92,10 3½%„„ 1., 101,75 3% Westf. Prov.-Anl.— 3½%„„„. 99.90 4%„„* 104,20 4% Bielef. Stadtanleihe 103,50 4% Hamb. HypothekenPfandbriefe 1900 100,75 4% Rhein. Westf. Bodenkred.-Pfandbriefe 1905 100.75 4% Meining. Hypoth.Pfandbriefe 1900 100,20 Deutsche Bank-Akt. 207,80 Disc. Commandit-Akt. 189,60 A. Schaaff hausen'scher Bv. 121.— Gelsenkirchener Bergw.Aktien 165,60 Hibernia Bergw.-Aktien 169,50 Harpener dto. 169,50 Harb.-Wien. Gummi-Akt. 321,10 Phönix Bergw.-Aktien 139,50 Bankdiscont 3% Tendenz: fest. Telegrammur und Telephonische Meldungen. Zur Erkrankung der Königin Wilhelmina. Haag, 19. April. Anläßlich der Erkrankung der Königin sind von allen Höfen teilnehmende Depeschen und Anfragen eingelaufen. Englische Millionen=Anleihe. London, 19. April. Die 32 Millionen Pfund=Anleihe ist bereits 30—40fach gezeichnet und wird jetzt mit 1 Proz. Prämie gezeichnet. Zur Lage in Belgien. Brüssel, 19. April. In unterrichteten Kreisen verlautet, der König werde nach der erfolgten Verwerfung des allgemeinen Stimmrechts durch die Kammer aus eigener Initiative das Parlament auflösen und damit die Krisis vorläufig beseitigen. Zum Burenkrieg. London, 19. April. Allgemein wird geglaubt, daß der Friede nunmehr thatsächlich gesichert ist. Selbst in weniger optimistisch gesinnten Kreisen wird eingeräumt, daß die Friedensaussichten niemals günstiger gewesen sind als heute. Gegen Schnupfen Forman=Aether=Watte:(Dose 30) Z Nicht durch den Gebrauch von sogenannten Schönheitsmitteln, welche bäufig ätzende für die Haut schädliche Stoffe enthalten, sondern durch vernünftige, gesundheitsgemäße Hautpflege und den täglichen Gebrauch der„Patent=Myrrholin= Seife" erzielt man einen schönen Teint. Dies ist das Geheimnis der Schönheit, Die„Patent=Myrrholin=Seife“ ist als unüber troffene hygienische Toiletteseife tausendfach erprobt und ärztlich empfohlen. Wegen ihrer Milde und Reizlosigkeit für die zarteste Haut der Frauen und Kinder unentbehrlich. Ueberall, auch in den Apotheken erhältlich und bestehe man darauf, nur diese Seife zu erhalten. Silb. Mede#st# Weltausst. Paris von 75 Pig. an. 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Ritter des roten Adlerordens 4. Klasse im Alter von 57 Jahren. Herford, den 17. April 1902. Gustav Schulz. Referendar. Meta Schulz. Dina Schulz. Die Trauerfeier findet Montag, den 21., um 4½ Uhr statt. 4660 Gestern Abend verschiedjunser EhrenVorsitzender, Herr Max Schulz, Oberleutnant d. L. a. D., Ritter des Roten Adlerordens IV. Kl., nach kurzer Krankheit. Als Mitkämpfer in dem Kriege 1870/71 brachte er begeisterte Liebe dem deutschen Heere entgegen und suchte zunächst hier, in seiner Vaterstadt, verständnisvolle Teilnahme für das Kriegervereinswesen zu wecken und zu fördern. Im Jahre 1890 gelang es seinem umsichtigen und rastlosen Eifer, die Vereine des Kreises zu einem Verbande zusammenzuschliessen; seiner treuen Arbeit als Vorsitzenden ist es zu danken, dass derselbe sich zu schöner Blüte hat entfalten können. So verliert der unterzeichnete Verband in dem Dahingeschiedenen seinen Begründer und lang. jährigen verdienstvollen Leiter, der auch noch als Ehrenvorsitzender sein warmes Interesse für die Kriegervereinssache und jeden einzelnen Vertreter derselben bis in die letzten Tage seines Lebens bekundete. Ihm ist ein ehrendes Andenken und kameradschaftliche Dankbarkeit in unserm Verbande gesichert. Der Vorstand des Kreis-Kriegerverbandes Herford. Fellinger. Herford, den 18. April 1902. Zu sprechen in den Hontag und Donnerstag Vertreter für Naturheilkunde und Homöopathie in Hausberge bei Porta, Westf Herford:: nachmittags von 6 Uhr im Restaurant„Zur Post“, Hämelingerstr Krieger-Verein. Gestern Abend ½11 Uhr entschlief der Ehrenvorsitzende des Kreiskriegerverbandes und 1. Vorsitzende des Kriegervereins, der Kaufmann Max Schulz Ritter des roten Adlerordens 4. Klasse. Seine besonderen Verdienste um das Kriegervereinswesen im Kreise und Stadt Herford werden unvergessen bleiben. Die Beerdigung findet am Montag, den 21. April, nachmittags 4½ Uhr statt, und ersuchen wir die Kameraden um 4¼ Uhr an der Wohnung des Verstorbenen Unter den Linden vollzählig anzutreten. Herford, den 18. April 1902. 4730 Der Vorstand. (X0 — KX Aeußerst tüchtiges p. 1. Mai oder später gesucht. Lohn: 200 Mk Gustav Edelstein Nachf. Freiw. Feuerwehr. — 4765 Montag, 21 d. M., abends 7½ Uhr: Uebung. Der Hauptmann. Stangensparge! 2 Pfd=Dose 1,50 Mk. Butterbrechbohnen 2 Pfd.=Dose 38 Pfg Junge Schnittbohnen 2 Pfd.=Dose 38 Pfg. 5195 Heinrich Nolting. Achtung! 5153 Sonntag, den 20. d. M.: Freikonzert, wozu jeder— auch mit Familie— herzlichst willkommen ist. Es ladet ergebenst ein W Büscher, Lindenhof. Von meiner vor dem Rennthore(Elverdisserstraße) gelegenen Flöp=Wiese sind noch einige Parzellen zu verpachten. 5130 Erwin Koch. Lungenleiden. Ich war vor 3 Jahren längere Zeit lungenleidend, hatte vielen Auswurf und starken Blutverlust. Schon vieles hatte ich gegen dieses Leiden erfolglos gebraucht. Schließlich wandte ich mich an Herrn C. Schöning in Dortmund, Schwanen=Wall 46, welcher mich durch seine Behandlung von meinem schweren Leiden befreite, welches ich heute nach 3 Jahren, wo ich mich recht gesund fühle, mit großem Danke und zum Wohle ähnlich Leidender gerne öffentlich bekannt gebe. 4865 J. Fälker Ouiotval Tannentruger Runkelsamen (Form der E endorfer) liefert die größten Erträge. Empfehle in versiegelten Düten. 520d Wilhelm Biermann. Ich suche Jemanden zur Bedienung meiner Bierhalle auf sosort. 5180 Aug. Dierker, Bürgerverein. Eilshausen. Den geehrten Einwohnern von Eilshausen und Umgegend zur gefl. Nachricht, daß ich mich hierselbst im Hause Nr. 153 als niedergelassen habe. 507d Frau I. Bilder, Wandsprüche, Haussegen. Adolf Pottkamp, Lübberstr. 20. Fernruf 4g. 5080 Damen=Trauring gefunden, gegen Erstattung der Unkosten abzuholen bei—d Max Horn, Brüderstr. 40. 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Sonntag, den 20. April, nachm 4 Uhr: Konzert. Entree 20 Pfg. Nach dem Konzert 5170 Tanzkränzchen. Hierzu ladet ergebenst ein Erdbrügger Restituionfluid beste Einreibung gegen Erkältung Rheumatismus für Pferde. F. Rottmann, Sattler, Wer Stelle sucht versange Alt. Bakanzen=Liste, Mannd# KO für die e reie 866 g6. te###0 Sd N5 Perga. Teleph.Anschl,*Perford, EngerBad 0*“ Teleph.Anschl.% Diese Zeitung erscheint am Abend jeden Wochentages. Nla ½1 I Abonnementspreis vierteljährlich pränumerande 1,25 Mark. UII bei Postbestellung kommt das Bestellgeld hinzu. Sonnabend, 19. April. Inserats werden bis spätestens vorm. 11 Uhr erbeten.% Preis der einspaltigen Vetitzeile für Stadt und Kreis Herforo, 1902 Oeynhausen und Amt Rehme 10 Pfg., sonst 15 Pfg. Zweites Blatt. Amtliche Anzeigen für den Kreis Herford. Die Besitzer von Erbbegräbnisstellen auf dem städtischen Friedhofe, welche trotz unserer Bekanntmachung vom 25. Februar 1902 ihre Stellen noch nicht in Stand gesetzt haben, werden unter Hinweis auf die für den Fall der Vernachlässigung in den Erbbegräbnisverträgen angedrohten Maßregeln wiederholt aufgefordert, das Versäumte unverzüglich nachzuholen, da in Bälde revidiert werden wird. Herford, den 16. April 1902. 442. Der Magistrat: Quentin. Die Lockhauserstraße in der Altstädter Feldmark ist in den Stationen 5, 6, 7 von Freitag, den 18. April ab für Fuhrwerk bis auf Weiteres gesperrt. Herford, den 14. April 1902. Die Polizei=Verwaltung. J. V.: Busse. (Die Maurer- und Putzarbeiten zum Neubau der höheren Mädchen=Schule werden hiermit zur öffentlichen Submission ausgeschrieben. Die Zeichnungen sind auf dem Stadtbauamt einzusehen, Angebotsformulare daselbst gegen 1,00 Mark Gebühren käuflich Termin zur Fröffnung der postmäßig verschlossenen Angebote: Montag, 28. April, mittags 12 Uhr, auf dem Amtszimmer des Unterzeichneten in Gegenwart der erschienenen Submittenten. 4310 Herford, 16. April 1902. Der Stadtbaumeister. K Getreidezölle in England. Das Wiederaufleben der Kornzölle, mit denen der britische Schatzsekretär Hicks Beach neben der Erhöhung von Einkommensteuer und Stempelabgaben die durch den südafrikanischen Krieg verursachte große Leere im englischen Staatssäckel ausfüllen möchte, wird von der Londoner Presse scharf kritisiert. „Daily Graphic“ schreibt: Gewiß, der Zoll ist niedrig, aber in der Erinnerung der arbeitenden Klassen steht er in engem Zusammenhang mit jenen Zeiten, wo das Brot teurer war, weil man es besteuerte, und diese noch lebende Erinnerung wird genügen, eine Aufregung gegen die neue Steuer ins Leben zu rufen, die in gar keinem Verhältnis zu ihrer Höhe steht. Es ist auch nicht richtig, wie der Schatzkanzler es thut, zu behaupten, daß der Konsument die Zölle nicht zahlt. Eine Summe von 2·650000 Lstrl. fällt nicht vom Himmel. Irgend jemand muß sie zahlen, und es ist kaum anzunehmen, daß die Bäcker freiwillig dem Staatsschatz diese Summe aus ihrem Geschäftsprofit zukommen lassen werden. Soweit sich voraussehen läßt, wird das Volk, welches diesen Zoll am meisten fühlt, zu der ärmsten Klasse der Bevölkerung zählen. Natürlich wird man auf allen politischen Rednertribünen des Landes ihre Sache ausschlachten. Es ist nicht leicht, einzusehen, weshalb die Regierung sich der Möglichkeit einer solchen Agitation aussetzte.—„Daily Expreß“ nennt die Zölle auf Korn und Mehl einen taktischen Fehler. Recht scharf geht„Daily News“ mit Hicks Beach ins Zeug. Wir lesen dort:„Alles andere in der Rede des Schatzkanzlers wird durch eine Ankündigung in Schatten gestellt. Das Nahrungsmittel des Volkes soll besteuert werden. Die große Politik der Steuerfreiheit der Lebensmittel, die mit dem Widerruf der Korngesetze begann, und die ihren Abschluß im Jahre 1869 fand, soll umgestoßen werden. Es ist nutzlos, daß Sir Michael Hicks=Beach darauf aufmerksam macht, daß die Steuer nur eine geringe sei, und daß man den Erfolg an den Preisen kaum bemerken werde. Es kommt gar nicht darauf an, wie hoch diese Steuer den Preis des Brotes heute gestaltet. Die gewaltige Bedeutung liegt in der Thatsache, daß wir in ihr den Umsturz des fundamentalen Prinzips englischer Finanzwirtschaft zu erkennen haben. Die elementare Nahrung des Volkes ist hierdurch wieder jedem Finanzminister ausgeliefert, der nach einem Ueberschuß, jedem Kriegsminister, der nach Ruhm trachtet. Der Schatzkanzler ist stolz darauf, eine gute Einnahmequelle gefunden zu haben. Von der olympischen Höhe eines viele Aecker besitzenden Grundbesitzers herab klagt er darüber, daß das Brot so billig sei, daß er befürchte, es werde selbst in verhältnismäßig armen Haushaltungen etwas davon verschwendet. Wir sind der Ansicht, daß dieser Großgrundbesitzer, wenn er heute morgen einmal in die Hütten Unserer Großstädte gehen wollte, die Entdeckung machen könnte, daß Kinder in der Schule erzählen würden, daß zu Hause wenig Brot zum Verschwenden da ist. Wird diese neue Steuer die Brotkruste versüßen, an der diese Kinder auf dem Weg zur Schule kauen? Es ist sehr gefährlich, mit der Speise der Armen zu spielen! Foulon fragte bei einer berühmten Gelegenheit, warum die Armen nicht Gras äßen? Er hat die Worte später bereut. Marie Antoinette soll, vielleicht ist dies nicht wahr, vorgeschlagen haben, daß die Armen Kuchen essen sollten, wenn sie kein Brot hätten. Auch ihr ging es schlecht.“ Selbst die Schutzzöllner sind mit Hicks Beach nicht zufrieden. Sie finden den Zoll zu niedrig, um in ihnen einen ernsthaften Schritt zum Schutzzollsystem zu erkennen. Zu beschwichtigen sucht„Morning Post“, die auf die Niedrigkeit der Zölle hinweist, die von den Konsumenten gar nicht würde gespürt werden. ** * Die Einführung von Kornzöllen seitens Englands begrüßt die„Deutsche Tagesztg.“ in einem Artikel, an dessen Schluß es folgendermaßen heißt: So wird die letzte feste Burg des Freihandels niedergebrochen. Wir haben das kommen sehen als einen Sieg der wirtschaftlichen Notwendigkeit über eine veraltete Theorie. Wir wünschen nur, daß man bei uns daraus die richtigen Konsequenzen zöge. Alle Welt ringsum schließt sich allmählich wirtschaftlich gegen uns ab, alle Länder und Völker suchen sich auf eigene Füße zu stellen und sich vom Auslande unabhängig zu machen. Bei uns aber findet man noch immer nicht die nötige Energie dazu. Zeitgemäße Betrachtungen. —(Nachdruck verboten.) *„ S p i e l m a n n s l i e d!“ F r ö h l i c h i n d i e W e l t h i n a u s — soll mein Lied erklingen,— doch des Frühlings Sturmgebraus— will ich nicht besingen.— Lieber ohne Sturmgebraus— stürm ich in die Weite.— suche mir vom Dasein aus— nur die Sonnenseite!— Schickt mir launisch der April— einen Regenschauer,— denk ich lustig, halt nur still—'s ist von kurzer Dauer!— Hat er außen mich durchnäßt— thu' ich's selbst von innen:— hält man an dem Ausgleich fest,— kann man uns gewinnen. — Ob ich reich bin oder arm— lustig stürm' ich weiter, — schlägt das Herz nur jung und warm,— bin ich sonnig heiter.— Wenn Frau Sorge mich umschleicht— mit dem grauen Schleier,— greif ich, daß sie jäh entweicht— flugs zu meiner Leyer.—— An der goldnen Frühlingszeit— soll mich nichts beirren.— trotz der Völker Haß und Streit, — trotz der Zeiten Wirren,— und am liebsten bleibe ich— fern vom Marktgetriebe,— schaff mir eine Welt für mich— nur von Lust und Liebe,— lausche auf den süßen Schlag — holder Nachtigallen,— solche Schläge Tag für Tag— läßt man sich gefallen;— mit dev Sängern tauscht ich gleich— das ist selbstverständlich,— denn auf einen grünen Zweig— käm ich dabei endlich!— Amsel, Drossel, Fink und Staar— hör ich mit Vergnügen,— Bruder Fink hat sich sogar— etwas weit verstiegen,— auch speziell dramat'sche Kraft— sei von mir gepriesen,— denn die Leip'zger Finkenschaft— hat sie jetzt bewiesen.— Lustige Studentenfahrt— fördert edle Zieie— Schiller's„####uoer“ eigner Art — stell'n sie dar im Spiele.— Frohe Kunstfahrt hätte sie — bis Paris getrieben,— doch La France wird leider nie— deutsche„Räuber" lieben!— Alte Burschenherrlichkeit — bist noch nicht entschwunden,— schaffst auch noch unsrer Zeit— frohbewegte Stunden!— Wenn der Bursch die Welt durchzieht— wird das Herz ihm weiter— und des alten Spielmann's Lied— grüßt ihn stolz!— Ernst Heiter. Vermischtes. Der„tolle Graf". Dresden und besonders die sächsische Hofgesellschaft ist um ein Original ärmer: am Sonntag starb, einige fünfzig Jahre alt, auf seinem Herrensitz Altfranken unweit Dresden Kammerherr Graf Luckner infolge eines Darmleidens. In weitesten Kreisen wurde sein Name genannt, als er der Prima ballerina der Dresdner Hofoper, Fräulein Zink, die Hand zum Ehebunde reichte. Er war begütert, aber auch sehr wohlthätig und ließ seine Absonderlichkeiten sich viel Geld kosten. Man sah ihn meist im Sechsspänner, und die rotleuchtenden Uniformen seiner Dienerschaft signalisierten schon aus weiter Ferne sein Kommen, das immer einen Zusammenlauf hervorrief. Der„tolle Graf“, wie er allgemein hieß, war auch bei Hofe ein gern gesehener Gast, wo seine harmlosen Tollheiten viel belacht wurden. In den 70er Jahren hatte er ein Pistolenduell mit einem Herrn v. Kotzebue, dem er mit einem wohlgezielten Schuß den Hut durchlöcherte. Er wollte seinen Gegner nicht töten; um so verwegener war dieser Schuß, der einem Tell Ehre gemacht hätte. Nach dem Duell gab der Graf ein opulentes Mahl, bei dem es ungemein lustig zuging. Zum Schluß wurde das Eis in Gestalt eines durchschossenen Hutes serviert. Beim 800jährigen Regierungsjubiläum der Wettiner ritt er im Festzuge als mittelalterlicher Edelmann in einem von Diamanten vollständig besäten Kostüme. Teure Bedienung. Von dem jüngst verstorbenen berühmten Pariser Restaurateur Bignon erzählt man sich folgende amüsante Geschichte: Nach einem Ball in der Oper begaben sich einmal vier junge Leute in Bignon's Restaurant, das damals„à la mode“ war. Kaum hatten sie Platz genommen, als sie auch schon Skandal anfingen; sie waren offenbar nicht mehr ganz nüchtern und wollten sich bei dem Souper, das sie bestellt hatten, nicht von dem Oberkellner bedienen lassen. „Wir wollen von Bignon selbst bedient sein," sagten sie energisch.—„Herr Bignon schläft aber bereits, meine Herren!“—„Schadet nichts, dann soll man ihn wecken!“ —„Aber ich weiß nicht, ob...“—„Bignon oder wir gehen," riefen sie im Chor. Da er nicht die guten Gäste verlieren wollte, weckte der Oberkellner den Restaurateur, der aufstand, sich ankleidete und die vier merkwürdigen Menschen mit seiner gewohnten Liebenswürdigkeit bediente. Auf der Rechnung aber stand dann:„Für Bedienung durch den Chef selbst— 1000 Francs.“ Sie protestierten, aber sie zahlten. Die 1000 Francs spendete Bignon für wohlthätige Zwecke. Der Künigenbrunnen. Ein Roman aus dem Hochspessart (3. Fortsetzung.) von F. Eduard Pflüger. (Nachdr. verboten.) Gleichzeitig aber auch hatte der Wilddieb sich niedergekauert, schob sein Gewehr vor und zielte auf die ungedeckte Brust seiner Gegnerin. Mit einem Satz war Roger zwischen die beiden gesprungen, hatte dem Wilddieb das Gewehr entrissen und er hörte nur noch den Knall eines Schusses und fand sich dann in wildem Ringen mit seinem überlegnen Gegner. „Halten Sie nur einen Moment aus, Graf Wettenburg!“ rief ihm die Jägerin zu„ich komme ihnen zu Hilfe.“ Im Augenblick war die Dame an der Seite der Kämpfenden, hielt dem Wildschützen die Mündung ihrer zierlichen Büchse an die Schläfe und rief:„Laß' los oder ich drücke ab!“ Der Graf fühlte, wie die Arme, die sich um seinen Leib geschlungen hatten, locker wurden, und wie sein Gegner von ihm abließ und jetzt gewann er auch Zeit, einen Blick auf die Dame zu werfen, die ihn mit seinem Namen angeredet hatte und als er ihr sin die Augen sah, vergaß er alles um sich her. Sie waren dunkelblau und von einem Feuer, als ob sie ringsum den Wald entzünden könnten. Blond, fast rot und kaum von dem Fuchsfell abstechend, das die Mütze verbrämte, fiel das Haar in breiten Wellen um die reine, von der Sonne etwas angebräunte Stirn. Ueber einem lieblichen, jetzt vor Aufregung festgeschlossenen Mund wölbte sich in kühnem Schwung eine schmale Nase, deren Flügel bebten, als die Jägerin jetzt die nächsten Worte sprach: „Dein Gewehr läßt Du hier und nun marsch fort. So ein Schuft, in dieser Zeit auf ein Altreh zu schießen.“ Der Wilddieb war in wenigen Sätzen in dem Dickicht verschwunden und nun wandte sich das Mädchen mit einem berückenden Lächeln ihrem Retter zu und reichte ihm die Hand. „Ich danke Ihnen, Graf Wettenburg, das war Hilfe in der Not.“ „Ich habe wohl die Ehre mit der Baronesse Hobbach?“ „Ihring Hobbach“, antwortete sie ruhig. „Aber woher kennen Sie mich denn, gnädigste Baronesse?“ „Das ist doch wohl nicht schwer. Ihr Einzug auf der Wettenburg ist das Ereignis der ganzen Gegend geworden und man kann doch einen Kavalier von einem Bauern unterscheiden. Aber nochmals herzlichen Dank. Ich weiß nicht, wie es mir ergangen wäre, wenn sie nicht dazwischen getreten.“ „Nun, das wollen wir nicht ausmalen. Der Bursche schien ganz entschieden entschlossen zu sein, auf sie zu schießen, während sie noch zögerten. Aber vielleicht gestatten sie, daß ich sie nach Hause bringe?“.. 12: 8— an „Nein, Graf, das gestatte ich nicht, der Weg ist weit und sie sind, wie ich höre, invalide. Ein unangenehmes Gefühl bemächtigte sich Rogers und er hätte um sein Leben gern dem schönen Mädchen gegenüber sein Gebrechen nicht gehabt und so sagte er denn mit einem tiefem Erröten: „Es ist nur eine Kleinigkeit und schon längst wieder besser. Ich kann es nicht zugeben, daß sie den einsamen Weg auch noch zur Nacht ohne Begleitung machen. Darf ich Ihnen vielleicht die Büchse tragen. e## vire sehr, Herr Graf, ich würde mich unglücklich fühlen ohne meine Waffe." „So ein leidenschaftlicher Jäger sind sie?“ „Ja, ein Jäger und leidenschaftlich dazu. Giebt es denn etwas Schöneres, als in diesen herrlichen Wäldern das Wild aufspüren und erlegen. Ja, ich bin Jäger aus Passion und wenn ich es auch nicht wäre, hier in diesem Wald würde es jeder geworden sein“ Sie schritt kräftig aus, so daß ihr der Graf kaum folgen konnte, aber er biß die Zähne zusammen um nicht zu zeigen, wie schwer es ihm wurde. Trotzdem er sich so zusammen nahm, konnte er das leichte Hinken nicht verbergen und so war es ihm, als ob er vor Scham in die Erde sinken müßte, als er den bedauernden Blick des schönen Mädchens, das ganz Kraft und Gesundheit war, auf sich ruhen fühlte. Er hing seinen Gedanken nach und sprach wenig, und auch die junge Dame schien nicht aufgelegt zu sein, besonders viel zu sprechen und so kam das schweigende Paar an der Straßenkreuzung an, die über das Dörfchen Aulenbach nach dem Wildenstein hinaufführt. Hier verabschiedete die Baronesse ihren Begleiter, indem sie ihm nochmals für seine Hilfe dankte. Der Ton, in dem dieser Dank ausgesprochen wurde, war merklich kühler als im Anfang. Offenbar hatte sie der schweigsame Begleiter gelangweilt und die Einladung, die sie an ihren Dank knüpfte, klang wie eine ganz gewöhnliche Höflichkeitsphrase, der niemand eine weitere Bedeutung beigelegt hätte. Als Graf Roger langsam nach seiner einsamen Burg hinaufstieg, war er sehr unzufrieden mit sich selbst, aber er wußte gar nicht recht warum und schließlich sagte er sich, daß er sich der jungen Dame gegenüber nicht wie ein Weltmann, sondern wie ein ganz unkultivierter Mensch benommen habe und das quälte ihn, obwohl er eigentlich nicht wußte warum, denn was gingen ihn schließlich die Hobbachs und ihre Meinung an. Er war ja nicht hierhergekommen, um große gesellschaftliche Vergnügungen mitzumachen, sondern um sich in der stillen Waldluft zu erholen und zu kräftigen. Es konnte ihm also ganz gleichgiltig sein, wofür ihn Ihrring Hobbach hielt. Daß es nichts sehr Schmeichelhaftes war, das war ihm klar geworden. Schließlich tröstete er sich damit, das er ja jeden Tag seinen Besuch machen konnte und die schlechte Meinung der jungen Baronesse verbessern, dann aber sagte er sich wozu und redete sich in Gedanken in eine Opposition hinein, so daß er den festen Entschluß faßte, die Wildensteiner überhaupt zu ignorieren. Was hatte er davon, was brauchte ihm an der Meinung dieser etwas sehr männlichen jungen Dame zu liegen. Aber ganz leise meldete sich in seinem Innern ein gewisses Etwas, über das er sich nicht recht klar wurde und eine ganz schwache Stimme sagte ihm, welch' eine eigenartige, bezaubernde Persönlichkeit dieses Mädchen sei und noch als er zu Bett gegangen war und das richt ausgelöscht hatte, war es ihm, als ob um ihn herum eine Flut von Helligkeit gebreitet sei, die, wie es ihm im Halbschlummer vorkam, von zwei dunkelblauen leuchtenden Augen ausging und dann fühlte er wieder in der Hand den eigentümlichen etwas mannlichen Druck und die sonore Stimme Ihrings schlug mit schmeichelndem Wohllaut an sein Ohr. Dann war es ihm wieder, als ob sie ihn riefe und er nicht gehen konnte vor Schmerzen in seinem Bein und eine wilde Scham bemächtigte sich seiner, daß er ein Juvalide, ein halber Mann sei und als er nicht kam auf den Ruf des schönen Mädchens, schwang sie sich auf ein hohes Roß und jagte davon, den Berg hinab in ein sonniges Thal hinein, wo sich ein schlanker jugendlicher Reiter zu ihr gesellte, der sein Pferd dicht an das ihre trieb und ihr vertraulich den Arm um die Schultern legte. Dann schob sich ein weißer wallender Nebel zwischen ihn und die beiden Reiter; es wurde dunkler und dunkter, schon sah er fast nichts mehr von Ihring. Da schoß ein Feuerstreifen aus dem Walde, den die Reiter jetzt passierten, auf Ihring zu und sie sank entseelt vom Pferde. Roger fuhr auf und war hellwach. Er schüttelte den Eindruck des Traumes von sich ab, sprang aus dem Bett, stieß das Fenster auf und ließ die kühlende feuchte Nachtluft herein. Sein Kopf war heiß, und sein Blut kochte. Die Luft that ihm wohl und erst als er sich ganz durchfröstelt hatte, legte er sich nieder ung schlief ruhig ein. IV. Die nächsten Tage hin beschäftigte sich Roger Wettenburg wieder eingehend mit seiner Bibliothek. Jetzt nachdem die Bände wieder einigermaßen in Ordnung gebracht waren, konnte er langsam daran gehen, die einzelnen Abteilungen in sich zu ordnen. Das war natürlich eine Arbeit, die ihn viele, viele Wochen aufhalten konnte, er aber hatte ja nichts zu versäumen und es machte ihm Freude. Das Wetter war klar geworden. Durch die hohen Fenster des Bibliotheksaales flutete der wunderbare Blumenduft des Berggartens und während draußen die Sonne glühende Strahlenpfeile niederschoß, war es innerhalb des gewaltigen Gemäuers, in dem die Wettenburg aufgeführt war, wohlig kühl. Obwohl Roger scheinbar sehr ernst mit der Ordnung der Bibliothek befaßt war, konnte er doch seine Gedanken nicht so wie er es gern gewollt hätte, auf die Arbeit konzentrieren, sondern sie schweiften immer ab und beschäftigten sich mehr als dem jugendlichen Major lieb war, mit der schönen Jägerin, die er im Gebiete des Eichelberges getroffen hatte. Drei Tage waren schon vergangen seit dem Ereignis, anstatt aber, daß die Erinnerung verblaßte, wurde sie immer lebendiger und die Details der Begegnung mehrten sich in den Gedanken Rogers. Er dachte noch nicht daran, daß er sich in das schöne Mädchen könnte verliebt haben, denn unter diesem Gefühl verstand er eiwas ganz anderes, etwas Hohes und unendlich Reines, das beim ersten Anblick sich kaum entwickeln konnte, sondern langsam die Seele beschlich, bis es schließlich ganz von ihr Besitz nahm. Aber er sagte sich doch, daß die Baronesse Ihring ihn viel lebhafter beschäftigte, als es jemals eine andere Frau gethan hatte, und wenn ihre geistigen Qualitäten nur einigermaßen den Vorzügen ihres Körpers entsprachen....“ Er wollte den Gedanken nicht weiter ausführen, sondern vertiefte sich mit aller Anstrengung in eine alte Uebersetzung von Plato's Dialog Phaedon, der über die Unsterblichkeit der Seele handelte. Und je mehr er sich von dem gewaltigen Heldengedicht auf den sterbenden Sokrates ergriffen fühlte, desto mehr lösten sich seine Gedanken von der schönen Ihring los und die Philosophie, die große Trösterin der unruhigen Seele, bewährte auch hier wieder ihre unwiderstebliche Macht(Fortsetzung folgt.) Standesamtsnachrichten für den Kreis Herford. Amt Herford. Nachrichten vom 12. bis 18. April 1904. Geburten: Ein Sohn: dem Bahnwärter Herman Rasche=Stedefreund, Handarbeiter Friedrich Kleineberg Schweicheln. Eine Tochter: dem Arbeiter Heinrich Goesling=Folken diek, Maurer Argust Gieselmann=Diebrock Aufgeboten: Tischler Wilhelm Valldorf=Schweichel und Näherin Johänne Gößling=Herford, N. F. Eheschließungen: Kolon Heinrich Augustin=Falken diek mit Friederike Krüger=Bischofshagen. Sterbefälle: Augüste Hildebrand=Schweicheln, 6 9 4 M. 20 Tg. alt; Ehefrau Ilsabein Greife geb. Obermann Sundern, 82 J. 7 M. 29 Tz. alt; Wilhelm Ortgiese=Elver dissen, 12 Tage alt. Schnupfen ist der neue Schnupfenäther„Formon" anzuwenden, der ärztlicherseits mehrfach als „geradezu ideales Schnupfenmittel" bezeichnet wird. Bei leichtem Schnupfen Formar=Watte Dose 30 4 beihartnäckigen Fällen Forman=Pastillen zum Inhalieren 50 Pfennig. Wirkung frappaut! In allen Apotheken. Man frage den Arzt. 383c Ganhloatens CXC0 Versuchen Sie einmal während 8 Tagen eine Büchse van Houten's Cacao als erstes Frühstück. 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Nr. 40, Gebäudesteuerrolle Nr. 62) zur Zeit der Eintragung des Versteigerungsvermerkes auf den Namen der Witwe Katharine Marie Horstmann geb. Engelmann eingetragenen Grundstücke Flur 7 Nr. 252/65, im Hengstberge, Holz, 24 ar 11 qm groß, Grundsteuerreinertrag 0,76 Thaler, Flur 7 Nr. 253/65, im Hengstberge, Hofraum mit Wohnhaus 56, 7 ar 17 qm groß, Gebäudesteuernutzungs. wert 36 Mark, Flur 7 Nr. 254/65, im Hengstberge, Acker, 67 ar 95 qm, Grundsteuerreinertrag 1,81 Thaler, am 29. April 1902, vormittags 10 Uhr durch das unterzeichnete Gericht— an der Gerichtsstelle— Zimmer Nr. 16— versteigert werden. Der Versteigerungsvermerk ist am 8. Februar in das Grundbuch eingetragen. Herford, den 22. Februar 1902. Königliches Amtsgericht. 4875 Zur Verhaftung des sogenannten Erfinders Hermann Ganswindt in Schöneberg ist Folgendes mitzuteilen: Ganswindt, ursprünglich Jurist, später Landwirt, hatte vor ungefähr 12 Jahren angefangen, diverse Versuche anzustellen, um einen lenkbaren Flugapparat, der ohne Ballon funktionieren sollte, zu konstruteren. Dieser Apparat bestand im wesentlichen aus schraubenartigen Flügeln, die infolge ihrer schrägen Lage und durch schnelle Rotation imstande sein sollten, sich den Weg durch die Luft zu bahnen. Die Herstellung eines Motors, der gleichzeitig mit dem Flugapparat in die Höhe steigen sollte, machte Ganswindt große Schwierigkeiten, insbesondere weil die notwendige Schwere der die Rotation erzeugenden Maschinen dem Aufstieg hinderlich war. Diese Schwierigkeiten wollte Ganswindt in letzter Zeit fast völlig überwunden haben. Eine Reihe weiterer Erfindungen, mit denen sich Ganswindt seit Jahren beschäftigte, machten gleichfalls viel von sich reden, ohne irgend welche praktische Bedeutung erreicht zu haben. Er wollte durch Tretmotoren Kräfte vervielfältigen und dadurch bedeutende Ersparnisse an Zeit und Arbeitskraft schaffen. Bekannt sind seine Tretmotorboote und sein Pflug. Alle seine Erfindungen suchte Ganswindt materiell zu verwerten, obgleich er wußte, daß sie noch unfertig waren. Er verkaufte Anteile zunächst für 10 und 20 Der, sogenannte„si here Gewinnaussichten“ und stellte hierbei Reingewinne von mehreren 1000 Mk. in Aussicht. Später bildete er ein Komitee, dessen Mitglieder meist auswärts ansässig waren und verkaufte Zinsbogen mit Zinskoupons als Anteilscheine an dem zu erwartenden Gewinn aus seinen Erfindungen. Er leistete sofortige fünfprozentige Verzugszinsen und versprach außerdem, für je 100 Mk. und je 1000 Mk. die dreifachen Beträge„bei dem zu erwartenden Reingewinn" zurückzuzahlen. Die Zinsbogen zu den Anteilschuldscheinen waren bereits bis zum März 1905 ausgefertigt und der Talon berechtigte zur eventuellen Einlösung eines neuen Zinsbogens vom 1. April 1905 ab. Zahlreiche Leute fanden sich, die ihr Geld hingaben und sich als Aequivalent mit der Gewinnaussicht und den Anteilscheinen zufrieden gaben. Um seine Erfindungen populärer zu machen, begründete Ganswindt ein Etablissement, in dem er seine Apparate vorführte. Dort errichtete er auch Arbeitsstätten; ein See als Badeanstalt und eine Radfahrbahn um diesen herum sollten Ganswindt Nebeneinnahmen schaffen. Die Verhandlungen Ganswindts mit dem Kriegsministerium blieben erfolglos, da dieses sich von der praktischen Verwertbarkeit seines Flugapparats nicht überzeugen konnte. Im Laufe der letzten Jahre wurden viele Denunziationen gegen Ganswindt eingereicht, so daß die Polizei geheime Beobachtungen anstellte. Seit 5 Monaten war ein Kriminalkommissar thätig, um Belastungsmaterial zu sammeln. Die Staatsanwaltschaft beschloß die Einleitung der Voruntersuchung und diese begann mit der vorgestern Abend erfolgten Verhaftung des Ganswindt. Die Behörde ist der Ansicht, daß Ganswindt, obgleich er wußte, daß seine Erfindungen in absehbarer Zeit praktisch nicht verwertbar, somit auch nicht nutzbringend sein würden, sich widerrechtlich zum Nachteile der Anteilscheinnehmer durch Aufnahme von Anleihen bereicherte. Die Geschästsbücher der Firma Ganswindt wurden beschlagnahmt, auf einen Wagen gelegt und der Polizei zugeführt: in der Kasse gefundene 6000 Mk. wurden beschlagnahmt, die Werkstatt und Ausstellungsräume versiegelt, die Arbeiter entlohnt. Die Wohnräume wurden der Frau des Ganswindt mit ihren 7 unerwachsenen Kindern überlassen. Ganswindt ist gestern vormittag dem Untersuchungsrichter vorgeführt worden. Verantwortlicher Redakteur: Paul Sattler, für den Inseratenteil verantwortlich: Georg Besse, Druck und Verlag: Christian sämtlich in Herford. (Redaktion Jund Expedition: Brüderstraße 21, am Gehrenberg.) 6. Ziehung der 4. Klasse 206. Kgl. Preuß. Lotl#rie. (Vom 12. April bis 5. Mai 1902.) Nur die Gewinne über 232 Mk. sind den betreffenden Nummern in Klammern beigefügt.(Ohne Gewähr.) o 18. April 1902, vormittags. 81 158 357 561 83 95 699 968 98 1158 81 219 443 597 638 848 87 909 2341 60 410 590 647 93 706 59 67[1000) 3008 36 104 44 201 444 68 93 618 898 4001 204 12(1000) 95 357 418 730 839 62 917 5026 120 68 274 301 413 75 551 70 80 82 730 34 6148 50 393 651 64 825 97 973 7191 703 65 876 8002 73 122 49 378 900[500] 9069 84 120 373 532 705 810 12[30001 972 10170 74(3000) 248 600 1 4 950 11001 138 95 208 19 321 36 434 67[500) 750 812 12152(3000) 219 358 407 702 58 13342 46 51(500) 68 455 676 718 22 835 78 920 65 110001 14110 234 344 560 617 39 770 15064 158 72 231 96 555 634 43 701 837 43 16066 105 224 65 387 436 541 863 934 1500) 17093 179 220 90 400 502(500) 7 620 80 784(500) 939 80 18130 229 345 77 474 624 59 894 928 65 92. 19041 63 236 347 70 409 62 716 817 20 958 20010 455 609 98 753 96 846 969(3000] 21435 69 74 79 513[500] 23 52 647 748 78 95 830 22068 211 41 395 753 73 852 956 68 23045 56 135(1000) 73 240 314 88 11000) 537 24008 1500) 202 9 307 666 815 25097 186 218 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Ziehung der 4. Klasse 206. Kgl. Preuß. Lotterie. (Vom 12. April bis 5. Mai 1902.) Nur die Gewinne über 232 Mk. sind den betreffenden Nummern in Klammern beigefügt.(Ohne Gewähr.) 18. April 1902, nachmittags. 41 156 291 11000) 397 425 80(500) 572 603 28 61 1093 202 58 69 86 328 405 618 789 821 53 975 2036 82 122 389 526 942 80 3039 125 34 51 238 685[3000] 941 4004 56(3000) 121 259 302 530 626 714 72 911 5045(500] 80 247 347 660 744 918(5000) 82 6013 25 101 208 37 479 673 718 852 7318 53 435 522 31 617 724 849 8071 240 81 94 638 97 717 870 978 9107 234 557 644 861 10025(10001 71 134 236 374 417 667 983 11053 94(1000 96 229 308 38 483 795 921 12022 26 44 166(3000] 486 575 637 [30000 48 65 720 868 918 96 13309 57 463 549 93-820 14019 83 330 65 1500] 640 788 899 15006 15 29[500) 242 335 446 600 1000) 3 796 939 16017 127 46 80 364 420 64 660 74 784 829 43 936(10001 17161 245 68 335 521 79 622 31 64 84 860 918 79 18038 99 226 313 69 750 959 89 19003(500] 120 22 317 443 666 895 990 20129 89 265 491 556 820 96[500) 943 21295 349[3000 542 685 838 84 952 22103 242 96 522(1000) 814 88 924 23180 205 554 901 19 72 90 24249 81 598 646 721 27 33 25018 136 509 73(10001 621[500) 92 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Gegenwärtiger Losbestand des Vereins: 4000 Stück Original Staats=Prämien Anleheus=Lose, die alle successive gezogen werden müssen. 490d Caut§ 7 der Statuten erhalten ausscheidende Mitglieder die geleisteten Beiträge zum Teil = wieder zurückvergüte.— Bitte verlangen Sie Statuten und Losnummern=Verzeichnis gratis und franko zur Einsicht von: „Augusta“ allgemeiner Los- u. Sparverein in Augsburg. g * Markt-Drogerie, Gehrenberg. 1910 92n— 1—=—.——. n gaTaLS U.NE Biscuits NE SDRRTEN PPACKET 50 PF. Fränkel's pat. SpezialEntecton beste Anstrichmasse für Pappdächer Langjährige Haltbarkeit! Ungekocht aufzustreichen! Absolut wasserdicht! Kein Tropfenfall! zu haben bei Hermann Wittland& Sohn Holzhandlung— Herford. Alleinverkauf für Kreis Herford, Vielefeld und Fürstentum Lippe. Vorteilhafter solidester Einkauf von Braut- u. Erstlingsin Wäsche, Betten 4695 und Gardinen in jeder Preislage bei Goschw. Virgien Bäckerstraße 10. ersetzt den viel teuren Fleischextrakt in jeder Hinsicht. 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