** 1 Teleph. Anscht. Teleph. Anschl. Diese Zeitung erscheint um Abend jeden Wochentages. Abonnerentspreis vierteljährlich pränumsrande 1,25 Mar bei Postbestellung kommt das Bestellgeld hinzn ∆ Donnerstag, 10. April. Inserate werden bis spätestens vorm. 11 Uhr erbeten. Preis der einspaltigen Vetitzeile für Stadt und Kreis Herford, Oeynhausen und Amt Rehme 10 Pfg., sonst 15 Pfg. 1902 Amtliche Anzeigen für den Kreis Hersord. enie technische Revision der Maße und Gewichte wird durch # den Aichmeister Krömker hier vorgenommen: 1. In der Stadt Vlotho in der Zeit vom 28. bis 30 April. 2. In den Landgemeinden des Amtes Vlotho in der Zeit vom 1. bis 3. Mai. 3. In der Stadt Bünde in der Zeit vom 25. bis 28. Juni. 4. In den Landgemeinden des Amtes Bünde in der Zeit vom 1. bis 4. Juli. 5. In den Gemeinden des Amtes Rödinghausen in der Zeit vom 15. bis 17. Juli. 6. In der Stadt Herford mit Feldmarken in der Zeit vom 9. bis 23. September dieses Jahres. Indem ich die Gewerbetreibenden der betreffenden Bezirke hierauf aufmerksam mache, fordere ich sie auf, ihre Maße und Gewichte, soweit deren fortdauernde Richtigkeit zweifelhaft erscheint, vor der Revision zur aichamtlichen Prüfung zu bringen. Werden ungestempelte, unvorschriftsmäßige oder solche Maße und Gewichte bei der Revision vorgefunden, an deren Richtigkeit Zweifel entstehen, erfolgt ohne Wetteres Beschlagnahme und Bestrafung der betreffenden Gewerbetreibenden. 239d Herford, den 5. April 1902. Der Landrat: v. Borries. Die Kastanienbäume im oberen Teil der neuen BahnhofsStraße vom Jacobi'schen Hause ab sollen meistbietend verkauft werden. Oertlicher Termin hierzu ist auf Freitag, den 18. April d. J., nachmittags 3 Uhr anberaumt, zu welchem Kaufliebhaber eingeladen werden. Bedingungen sind auf dem Rathause I, Zimmer Nr. 5 einzusehen. Herford, 4. April 1902. 2380 Der Magistrat: Quentin. Dem Polizeiwachtmeister Vogel haben wir den Titel „Polizeikommissar" verliehen. 2879 Herford, den 4. April 1902. Der Magistrat: Quentin. Konkursverfahren. Das Konkursverfahren über das Vermögen der Witwe des Müllers Eggersmann, Johanne geb. Brinkmann gent. Niebuhr zu Hiddenhausen Nr. 22 wird nach erfolgter Abhaltung des Schlußtermins hierdurch aufgehoben. 240 Herford, den 5. April 1902. Königliches Amtsgericht. Die Einnahmen der Staatseisenbahnen sind gegen den Etatsansatz um rund 80 Millionen Mark, gegen die Einnahmen des Jahres 1900 um rund 35 Mill. Mk. zurückgeblieben. Ebenso weist der Eisenbahnüberschuß gegen den Etatsansatz einen Rückgang von rund 58 Mill. Mk., gegenüber dem Vorjahr von 43 Mill. Mk. auf.— Ein derartiger Rückgang in den Einnahmen der preußischen Staatseisenbahnen ist bisher nicht zu verzeichnen gewesen. Gelegentlich der gestrigen Sitzung des Abgeordnetenhauses, in welcher die Beratung des Eisenbahnetats anstand, kam der Eisenbahnminister auch auf diese Angelegenheit zu sprechen. Minister v. Thielen wies nümlich darauf hin, daß der Sonnenschein, der im Jahre 1900 noch über der Industrie lag, trübem Wetter gewichen sei, was sich auch bei dem jetzigen Etatsabschluß geltend mache. Man müsse mit einer Mindereinnahme von 3 Prozent gegen das Vorjahr rechnen, d. h. mit einem Minus von 35 Millionen. Gegen wirtschaftliche Niedergänge sei man machtlos, sie zeigen eben, daß man nicht absolut sicher auf die schönen Einnahmen der Staatseisenbahnen vertrauen dürfe. Die Ermäßigungen für die Militärurlauber, die Einführung der 45=tägigen Rückfahrkarten hätten zunächst Einnahmeausfälle zur Folge gehabt, die sich aber am ehesten ausgleichen dürften. Schlimmer seien die Ausfälle aus dem Güterverkehr, die sich auf rund 60 Millionen bis Ende März stellen dürften. Trotzdem wolle die Eisenbahnverwaltung alle Baukredite möglichst ausnützen, um dem Wirtschaftsleben neuen Antrieb zu geven. Zur Verfügung stände rund eine halbe Milliarde Mark. Es werde sofort mit den Bauausführungen begonnen werden, um die Schärfe der Krisis zu mildern. Hoffentlich komme man über dieselbe bald hinweg; im Ganzen sei das preußische Eisenbahnwesen so stark gefügt, daß es Zeiten der Depression überwinden könne.(Beifall.) Die Unfälle seien leider noch immer zahlreich, aber dochsim Rückgange begriffen, zumal wenn man die Vermehrung der Züge berücksichtige. Ohne übermäßige Belastung des Personals sei es gelungen, das Signalwesen erheblich zu verbessern. Das Außenpersonal sei vermehrt worden. Der Minister dankte schließlich dem Finanzminister für sein Entgegenkommen für Zwecke der Eisenbahnverwaltung. Abg. Camp(freik.) warnte vor Herabsetzung der Personentarife und sprach sich auch gegen die 45tägigen Rückfahrkarten aus, die zu großen Defrauden Anlaß geben. Redner wünschte Herabsetzung einiger Gütertarife im Interesse der Landwirtschaft, z. B. für das Thomasmehl. Minister v. Thielen erklärte, daß an eine weitere Tarifherabsetzung nicht zu denken sei. Abg. Dr. Wiemer(frs. Vp.) wünschte weitere Fortführung der Reformen der Personentarife und die Einführung von Rückfahrkarten für die vierte Klasse. Die Einführung der 45tägigen Rückfahrkarten sei eine große Erleichterung für den Personenverkehr. Leider sei der Verkehr nach dem Harz dadurch geschädigt worden. Er bedauerte, daß der jetzige Finanzminister die Bahn seines Vorgängers in der Fiskalität beschreite. Abg. Frhr. v. Erffa (kons.) hatte gegen die 45tägigen Rückfahrkarten nichts einzuwenden, falls sie zu keinen Neueinrichtungen führen. Die Frachttarife müßten recht vorsichtig behandelt werden. Vielleicht sei der Höhepunkt der wirtschaftlichen Krisis schon überwunden. Im Uebrigen hätten seine Freunde volles Vertrauen zur Eisenbahnverwaltung und zum Gesamtministerium. Hierauf wurde die Weiterberatung auf heute vertagt. Zur Tagesgeschichte. Deutschland. Der Kaiser und Cecil Rhodes. Der von dem Vertreter des Londoner„Daily Telegraph“ in die Welt gesetzte, in die deutsche Presse übernommene Bericht über die Begegnung weiland von Cecil Rhodes mit dem Kaiser verdient, so schreibt man der„Dtsch. Tazig“ von geschätzter Seite, wesentlich niedriger gehängt zu werden. Der Berliner Vertreter des„Daily Telegraph“ ist Herr John Bashford, der seiner Zeit in einen unliebsamen Konflikt mit unserer Telegraphenbehörde verwickelt war, und für den es naturgemäß nahe lag, bei der englischen Beleuchtung möglichst alles Licht auf Cecil Rhodes fallen zu lassen. Wir dagegen vermögen aus seinem Berichte nur herauszulesen, daß unser Kaiser dem Cecil Rhodes bei der damaligen Begegnung sehr imponiert hal, und daß Rhodes dem Kaiser das Geständnis gemacht hat, daß sein Jameson=Ritt ein Fehler war. Bashford läßt zwischen den Zeilen durchblicken, daß die Annäherung eine sehr freundschaftliche wurde, und daß mittels eines Händedruckes auch das Zugeständnis erfolgt sei, daß das kaiserliche Telegramm damals an Krüger ebenfalls ein Fehler gewesen sei. Dieser Darstellung des englischen Journalisten sollte man in Deutschland, so meinen wir, keinerlei Glauben schenken. Noch unglaubwürdiger ist es aber, daß der Kaiser in Bewunderung über die Größe von Cecil Rhodes ihm gesagt haben soll:„Warum habe ich nicht solche Minister wie Sie!“ Wir wollen gern zugestehen und wissen es, daß damals so eine Art Rhodesfieber herrschte, und daß der Kaiser die gewiß auch zutreffende Auffassung hatte, mit Kräften wie Richthofen und Buchka das deutsche Volk nicht über die Weltmeere führen zu können, aber es ist doch Thaisache, daß Rhodes seine Pläne in Berlin nicht durchsetzte, und daß dank der Opposition der Kolonialpartei damals die englische Eisenbahn durch Deutsch=Ostafrika abgelehnt wurde. Ryodes' Werk in Afrika ist zerfallen, niemand kann seine Pläne, deren Gefahr freilich damals das amtliche Deutschland noch nicht begriff, von neuem wieder aufnehmen; in seinen Sturz ist Englands südafrikanische Stellung mit verwickelt. Deutschland wird aber, darüber kann sich Herr Bashford beruhigen, die Männer finden, die der deutschen Aufgabe in Südafrika gerecht zu werden verstehen. Zum Ableben Dr. Lieber's. Der verstorbene Zentrumsführer Dr. Lieber hat, wie jetzt bestätigt wird, eine Reihe von Tagebüchern hinterlassen, die wertvolle Beiträge zur deutschen inneren Politik und der deutschen Parlamentsgeschichte des letzten Vieteljahrhunderts und besonders des letzten Jahrzehnts enthalten. In den Tagebüchern ist auch die Thatsache verzeichnet, daß dem Dr. Lieber nach Durchbringung des ersten grundlegenden Flottengesetzes die Wahl zwischen mehreren höheren Staatsämtern gestellt wurde. Das Anerbieten ist übrigens von dem damaligen Reichskanzler Fürsten Hohenlohe nicht ausgegangen. Neue Skandalszeuen im österreichischen Abgeordnetenhause. Aus Wien, 9. April, wird gemeldet: Als der Präsident zur Abstimmung über einen Antrag über Gewerbeschulen schreitet, beginnen die Alldeutschen einen ohrenbetäubenden anhaltenden Lärm, sie schlagen mit Eisenstäben und Büchern 2c. auf die Pultdeckel und pfeifen und lärmen ununterbrochen. Sobald der Präsident die Glocke schwingt, um sich Gehör zu verschaffen, beginnt der Lärm aufs neue, die anderen Parteien verhalten sich ruhig. Die Szene dauerte etwa 15 Minuten. Da hierauf der Präsident unter anhaltendem, ohrenbetäubendem Lärm über die nicht strittigen Resolutionen abstimmen läßt, protestieren nicht nur die Alldeutschen, sondern auch die DeutschFortschrittler und die deutsche Volkspartei gegen dieses Vorgehen. Einige Alldeutsche springen auf die Präsidententribüne. Der Abg. Iro ergreift die Präsidentenglecke und schlägt damit ununterbrochen auf den Tisch. Plötzlich entgleitet ihm die Glocke und fällt, dicht am Kopfe des Präsidenten vorbeifliegend, zu Boden. Der Lärm dauert fort. Einzelne Parteiführer begeben sich zum Präsidenten und besprechen sich mit ihm. Auch innerhalb der einzelnen Gruppen wird die Lage lebhaft besprochen. Da der Lärm fortdauert, verläßt der Präsident den Saal, nachdem er erklärt hat, daß die Sitzung auf eine halbe Stunde unterbrochen sei. Die englischen Verluste im Burenkrieg. Die amtliche Angabe über die Verluste der Engländer in den Gefechten mit Delarey in der letzten Woche beträgt: Offiziere Soldaten Tot 3" 20 Verwundet 24 127 Zusammen 27 147 Danach wird es also nicht lange dauern, bis die nach der letzten Angabe mit 29 536 Mann angegebenen Gesamtverlusten an Toten das dritte Zehntausend erreicht haben. Deutschland hatte(im gestrigen Blatt war durch einen Druckfehler diese Vergleichszahl entstellt. Red.) 1870/71 an Toten 45000 Mann zu beklagen. Zum Burenkrieg. Ueber die Audienz, die Vertreter der evangelischen Arbeitervereine aus Rheinland=Westfalen bei dem Präsidenten Krüger hatten, wird noch bekannt: Krügers Umgebung erklärte, dieser stehe in ununterbrochener Beziehung mit Transvaal. Heute sei Krüger mehr denn je von dem endlichen Erfolg der Buren überzeugt. Die Erhaltung der Selbstständigkeit sei fortgesetzt die erste Bedingung der Buren, dagegen sei die Burenregierung bereit, Witwatersrand abzutreten. Gegenwärtig kämpfen mehr Buren als zu Anfang des Krieges. Gerüchte aller Art über Friedensverhandlungen waren gestern an der Börse in London verbreitet; es ist jedoch nicht möglich, dieselben auf ihre Richtigkeit zu prüfen, da die Regierung jede Auskunft verweigert. Wie es heißt, widersetzen sich die Oranjeburen den versöhnlichen Vorschlägen der Vertreter von Transvaal. Bezüglich der von englischen Blättern gebrachten Meldung, ein Sohn des Präsidenten Krüger habe England den Treueid geleistet, liegt, wie aus Utrecht aus bester Quelle verlautet, eine Verwechslung mit einem gewissen Krüger aus Rothenburg vor. Der Sohn des Präsidenten Krüger befindet sich beim Kommando. Die Unruhen in Moskau. Aus Petersburg ist über London folgende telegraphische Meldung eingetroffen: Das Moskauer Gefängnis, in welchem in letzter Zeit eine große Anzahl Studenten interniert war, is von den Insassen in Brand gesteckt worden. Die Studenten hinderten die Feuerwehr an den Löschungsarbeiten, sie wurden dafür zu körperlichen Strafen verurteilt. Die Bevölkerung ist über diese Vorgänge sehr erregt. Herforder Kreis=Nachrichten. Herford, 10. April. * Der Kultusminister hat unter dem 26. März an die Provinzial=Schulkollegien eine Verfügung über die Pflege einer guten und leserlichen Handschrift bei den Schülern erlassen. In der Verfügung wird darauf hingewiesen, Hierzu eine Beilage. daß die Einwirkung der Leiter und Lehrer der höheren Schulen in beregter Beziehung noch vielfach des nötigen Nachdrucks und der ausdauernden Gleichmäßigkeit entbehrt und daß dieser Mangel namentlich bei den Prüfungsarbeiten in den höheren Lehrklassen hervortrete:„Die bedauerliche Thatsache ist nicht in Abrede zu stellen, daß zahlreiche Schüler in den höheren Lehranstalten mit einer Handschrift abgehen, die— offenbar infolge von Vernachlässigung während der auf den oberen Klassen zugebrachten Schulzeit— auch bei billigen Anforderungen viel zu wünschen übrig läßt.“ Um Aohilfe zu schaffen und um den Bemühungen der Aussichtsbehörden um die Pflege einer guten Handschrift einen wirksameren Erfolg als bisher zu sichern, hat der Minister verfügt: Fortan ist allgemein sowohl in die gewöhnlichen im Laufe des Schuljahres auszustellenden Zeugnisse bis in die Oberprima hin, als auch in Reife=Zeugnisse und in die Zeugnisse über die bestandene Schlußprüfung ein Urteil über die Handschrift des Schülers aufzunehmen, dabei aber ausdrücklich zu rügen, falls er etwa die Neigung zeigt, seinen Namen undeutlich zu schreiben. Wo die Vordrucke der Zeugnisse für dieses Urteil keine besondere Stelle bietet, ist es unter„Fleiß“ einzutragen. # Das gestrige Konzert der Bielefelder * Kapelle nannte sich ein außerordentliches philharmonisches, und in der That traf dieser Ausdruck auch nach jeder Seite das Rechte; waren doch die gewählten Stücke in ihrer Durchführung in jeder Weise hervorragend, mustergiltig. Die große symphonische Dichtung Prometheus von Liszt, hier wohl zum ersten Mal gehört, schilderte in feinster Farbenharmonie das Seelenleiden des ans Irdische gefesselten Menschen. Moritz Moszkowskis„Aus allen Ländern" war eine treue Zeichnung verschiedener Volkscharaktere, wobei ganz besonders die Innerlichkeit und Gemütstiefe des deutschen Volkes im Liede ihre treueste Wiedergabe sand. Goldmarks Frühlingslied enthält allen Zauber, aber auch alle neckischen und oft recht rauhen Anwandlungen des erwachenden Lenzes. Jedenfalls ist die Naturalistik in dieser Tonschöpfung den Schönheitssinn befriedigend, während in Tschaikowskys Ouverture Solennelle gar zu krasse und schreiende Farben aufgesetzt sind. Es ist ein Haschen nach Effekten, wenn Kanonendonner, Glockenläuten, Fanfarenjauchzen und wilder Kampfschrei sterbender Menschen durcheinanderschwirren bis zum ohrenbetäubenden Specktakel. Das ist Lärm, aber nicht Musik!— Wie anders dein Lied, du gottbegnadeter Sänger, der du uns gestern zum ersten, hoffentlich aber nicht zum letzten Male erfreutest. Es war eine Wonne, dich zu hören, dein volles, schönes Organ von bedeutender italienischer Schulung, der Dramatisierung und Durchgeistigung deiner Kunstgaben zu lauschen. Dein Liebeslied aus der Walküre, deine Erzählung über Lohengrins Herkunft muß man gehört haben, um deine fesselnde Gewalt zu verstehen, und die herrlichen Lieder von Wagner:„Schmerz und Traum“ konnten in ihrer Machtfülle keinen besseren Interpreten finden als dich. Wer gestern den Kgl. Hofopernsänger Bruns gehört hat, trug gewiß einen hohen Genuß davon in seiner Seele nach Haus und den heißesten Wunsch: Auf Wiedersehn. *¼ Christlich=vaterländischer Männerverein. Gestern fand für die Mitglieder ein gemütlicher Abend im Vereinshause statt. Dabei wurde in besonderer Weise denjenigen der Dank des Vereins, welche an den Festspielen mitgewirkt haben. Während der anregend verlaufenen Veranstaltung, an der ca. 60 Personen teilnahmen, wurden auch wieder vom Posaunenchor wie vom gemischten Chor hübsche Vorträge geboten. * Schöffengericht. In der gestrigen Sitzung fungierten unter dem Vorsitze des Herrn Gerichtsassessors Dr. Hüttenhein die Herren Agent Wilhelm Werner von hier und Werkführer Andreas Budde von Eilshausen als Schöffen. Folgende Sachen kamen zur Verhandlung: Der Kaufmann Gustav L. von hier klagte gegen den Fabrikanten Ferd. K. von hier wegen Beleidigung. Die Verhandlung fand unter Ausschluß der Oeffentlichkeit statt und endete mit der Freisprechung des Angeklagten K. Dem Privatkläger L. wurden die Kosten auferlegt.— Der Friseur Max D. von Hiddenhausen hatte gegen die Eheleute Sattler R. H. daselbst Klage erhoben, weil diese jenen des Diebstahls bezichtigt hatten. Letztere hatten gegen D. ebenfalls wegen Beleidigung Widerklage erhoben. Das Urteil lautete gegen die Angeklagten auf je 6 Mk. Geldstrafe evtl. je 1 Tag Gefängnis; bezüglich der Widerklage trat Freispruch ein.— Der Heuerling Heinr. D. von Siele b. Enger beschuldigte den Heuerling August R. von Besenkamp, ihn vorsätzlich körperlich mißhandelt und auch beleidigt zu haben. Die Parteien verglichen sich Der Angeklagte verpflichtete sich, sämtliche Kosten zu tragen und an den Privatkläger als Entschädigung für verschiedene Gänge 2c. 9 Mk. zu zahlen, wogegen Kläger die Klage zurücknahm. — Der Reisende A. W. hier hatte gegen den Bierverleger Georg R. wegen Beleidigung Klage erhoben. Angeklagter R. wurde zu einer Geldstrafe von 3 Mk. eotl. 1 Tag Gefängnis verurteilt.— Der Kaufmann Georg v. W. zu Enger klagte gegen die Ehefrau Maurer Gottlieb H. und gegen die Ehefrau Schuhmachermeister W. daselbst wegen verschiedener Beleidigungen. Die Sachen wurden zwecks weiterer Zeugenladung vertagt.— Die Eheleute Bäcker St. hier, Bünderstraße, hatten die 9. bzw. 10jährigen Kinder des Zugführers Fr. S. des Diebstahls bezichtigt, weshalb der Vater der Kinder gegen die Eheleute St. geklagt hatlt. Das Urteil lautete auf je 10 Mk. Geldstrafe evtl. je 1 Tag Gefängnis.— Der Arbeiter August E. hier, welcher z. Zt. im Kgl. Gefängnis hier eine Freiheitstrafe von 3 Monaten verbüßt, und der Arbeiter Sigismund Z. von hier waren angeklagt, am 19. Januar den Fabrikarbeiter Stefan W. hier gemeinschaftlich mißhandelt zu haben. Beide Angeklagten wurden mit je einer Woche Gefängnis bestraft. Ein reiches Obstjahr ist nach dem Knospenansatz, wie er jetzt schon an den verschiedenen Obstaiten wahrzunehmen ist, für dieses Jahr zu erwarten. Hoffentlich werden die Hoffnungen hierauf nicht noch durch später eintretenden Frost getrübt. ** Einen Milliarden-Minuten=Gruß zu senden, bietet sich jetzt per Postkarte Gelegenheit. Wie schon gemeldet, ist ja am 29. d. Mts., vormittags 10 Uhr 40 Min. eine derartige Minutenzahl seit Christi Geburt verflossen. Die Industrie für illustrierte Postkarten hat sich nun auch diese Berechnung zu Nutze gemacht und entsprechende Kartengrüße auf den Markt gebracht. In Herford sind diese, recht originell ausgeführten Kart n, wie man uns mitteilt, in der Buchhandlung des Herrn Wolff zu haben. a In den Markthallen stellten sich heute die Preise der Produkte wie folgt: Rindfleisch 60—65 Pfg., Schweinefleisch 70—80 Pfg., Hammelfleisch 60—65 Pfg., Nierenfett 40—50 Pfg., Butter Pfd. Mk. 1,20, Eier 2 Pfd. 95 Pfg., Rotkohl Kopf 10—30 Pfg., Wirsing 30—35 Pfg., Weißkohl 30—35 Pfg., Rosenkohl Pfd. 35 Pfg., Wurzeln Pfd. 8 Pfg., Schwarzwurzeln Pfd. 30 Pfg., Steckrüben St. 5 Pfg., Porree Bd. 5 Pfg., Zwiebeln 2 Pfd. 15 Pfg., Kohlrabi Bund 10 Pfg., Endivien Kopf 15—20 Pfg., Blumenkohl 50—70 Pfg. ** Enger, 9. April. Vortrag.— Landwehr= und Reserveverein. Auf Anregung hiesiger Handwerksmeister hielt der Sekretär der Handwerkskammer für den Regierungsbezirk Minden, Stadtsekretär Sackmann in Bielefeld, am Sonntag in Pörtners Saal hier einen Vortrag über das Innungs- und Lehrlingswesen. Die lehrreichen Ausführungen fanden reges Interesse und vielen Beifall.— Für den 27. d. Mts. wird der hiesige Landwehr= und Reserveverein eine außerordentliche Generalversammlung einberufen. In der letzten Sitzung erfolgte auch die Aufnahme neun neuer Mitglieder. ###u#t Westerenger, 9. April. Postagentur. In unserem, bisher zum Landbestellbezirke von Enger gehörigen Orte tritt am 15. d. Mts. eine Postagentur in Wirksamkeit. Die Verwaltung ist Herrn Lehrer Wilhelm Krullmann übertragen worden. Der Landbestellbezirk der neuen Postanstalt umfaßt die Orte Päschenheide, Auf dem Kamp, Westerenger Land, Glösinghausen, Abkerholz, Ringsthoff und Ringsthorst, Baringerholt und Barinzhof, Westerenger=Bruch, Börren und Masch. s Spenge, 9. Avril. Vom Burenvortrag. Bereits im vorigen Sommer war uns hier ein Burenvortrag in Aussicht gestellt. Gestern hatten wir endlich das Vergnügen, einen Buren zu hören, der tapfer mitgefochten für Freiheit und Vaterland. Im großen Heitmannschen Kaisersaale waren gegen ½9 Uhr annähernd 400 Personen, Männer und Frauen, versammelt. Herr Brennemann, Vorsitzender des Spenger Kriegervereins, eröffnete als Leiter die Versammlung mit einem dreifachen Hoch auf Se. Majestät den Kaiser und erteilte Herrn Goudsteen aus Nylstrom(Transvaal) das Wort. Mit dem altniederländischen Dankgebet„Wir treten mit Beten vor Gott den Gerechten" leitete Herr G. seinen Vortrag ein. Referent erzählte dann, was er während des unglücklichen Krieges als Stationsvorsteher, Tugela=Kämpfer, Spion, Kriegsgefangener und bereits zum Tode Verurteilter erlebt hatte. Die ernste Darstellung schrecklicher Thatsachen wechselte ab mit humorvollen Stückchen, in welchen Herr G. die„großen Enten“ der Engländer geißelte. Ergreifend war die Schilderung von dem Leben und Sterben in den Konzentrationslagern. Gegen 11½ Uhr war der äußerst interessante Vortrag beendigt. Jeder Zuhörer hatte über Kriegsgebräuche beider Vö ker, über geographische und klimatische Verhältnisse auf Transvaals Fluren, über Eigenschaften und Behandlung der Basutos u. a. m. Klarheit bekommen und ging befriedigt nach Hause. Eine Sammlung ergab zu Gunsten der armen Buren einen Betrag von etwa 150 Mk. m Spenge, 9. April. Erfolgreiche Berufung. Der Handelsmann Hermann Fabricius von hier, welcher am 22. Februar d. J. vom Schöffengericht zu Bielefeld wegen Betrugs zu 3 Wochen Gefängnis verurteilt worden war, wurde heute von der Strafkammer freigesprochen. a Löhne, 9. April. Zum letzten Brandunglück. Man schreibt uns hierzu des Weiteren: Die Notiz über den Brand bei Wirt Schuster bedarf noch einer Berichtigung: Nicht die freiw. Feuerwehr von Bahnhof Löhne hat den Brand allein gelöscht, sondern die Hauptarbeit ist von der Löhner Bürgerwehr geleistet worden. Als nämlich die freiw. Feuerwehr Löhne Bahnhof etwa 1½ Stunden nach Ausbruch des Feuers auf der Brandstätte erschien, war das Feuer schon Dank dem kräftigen Einschreiten der Löhner Bürgerwehr auf seinen Herd beschränkt und die größte Gefahr beseitigt. a Kirchlengern, 9. April. Wegen Betrugs und Vergehens gegen die Konkursordnung hatte sich gestern vor der Bielefelder Strafkammer auch der Zigarrenfabrikant Heinrich Lindemeyer von hier zu verantworten. Derselbe hatte seinen Teilhaber beim Eintritt in das Geschäft seine Schulden verschwiegen und durch eine unrichtige Bilanz getäuscht, wodurch derselbe zu Schaden gekommen ist. Dazu wurde Lindemeyer überführt, seine Bücher nicht übersichtlich geführt und die erforderlichen Bilanzen nicht gezogen zu haben. A. erhielt wegen Betrugs und einfachen Bankerotts 3 Monate und 3 Tage Gefängnis. n. Exter, 9. April. Schulnachricht. Die durch den Tod des Herrn Lehrers Humke erledigte hiesige 3. Lehrerstelle ist, wie schon kurz erwähnt, der Schulamtsbewerberin Frl. Luise Vollmer, gebürtig aus Minden, vom 15. d. Mts. an, von Königl. Regierung verliehen worden. Westfalen und Nachbarstaaten. * Salzuflen, 9. April. Kirchliches. Hilfsprediger Lahde hier wurde zum Pastor in Almena gewählt. * Werste, 9. Avril. Allerlei Unfug wurde hier in der vorletzten Nacht verübt; mehrere junge Burschen demolierten Thüren und Pforten und brachten auch mehrere Fuder Backsteine von einem Neubau auf die Straße. * Bielefeld, 9. April. Auszeichnung. Dem Direktor der Ravensberger Spinnerei Franz Sartorius ist der Charakter als Kommerzienrat verliehen worden. Die„Herforder Zeitung für Stadt und Land“ ist für den Kreis Herford das wirksamste Insertionsorgan. Sonneck Roman von Rudolf Elcho. (57. Fortsetzung.)(Nachdr. verb.) (Fortsetzung aus der Beilage.) Eva öffnete langsam die schwer gewordenen Augenlider, blickte minutenlang auf den sanft durchleuchteten grünen Schirm der Nachtlampe, und als Maria sie anredete, richtete sie den Blick auf diese.„Noch immer da?“ sagte sie im Tone leiser Verwunderung. „Mir träumte... ich sei weit— weit fort...“ Die Gräfin streichelte sanft ihre Stirn und sagte: „Fühlen Sie sich wohler?“ Statt zu antworten, nahm ihr todtblasses Gesicht einen nachdenklichen Ausdruck an, und sie fuhr mit seltsam weicher Stimme wie im Selbstgespräch fort:„Vielleicht hat der liebe Gott mich noch einmal hierher zurückgesandt— um Euch, die Ihr mir das Sterben so leicht gemacht— zu danken.“ Mit einer matten Bewegung suchte sie die Hand der Gräfin zu fassen und sagte:„Sie waren so gut zu mir — unaussprechlich gut— Sie und Othmar.“ ###tafin Maria drückte sanft ihre welke Hand. sollen nicht mehr sprechen, sondern wieder zu schlafen versuchen, damit wir Sie am Morgen hinuntertragen können. Kn 4um###r##99 lange auf ihre Pflegerin und fuhr dann fort:„Wie schön Sie sind! Kann mir denken — wie Ott leidet.— Der arme Junge!— Es giebt aber nur ein Mittel, ihn zu retten— Sie müssen— ihn fortschicken— weit fort—.—“. Die verlöschenden Augen sahen nicht mehr, wie das Gesicht der Gräfin noch bleicher wurde. Ihre schwache Stimme sank zu einem Flüstern herab.„Ja, ja, das ist nicht leicht— O. ich weiß das.— Aber wer so liebt— wie Sie, der kann Alles opfern— selbst sein Herz.“ Jetzt rollten zwei Thranen üver Marias Wangen. Sie war unfähig, ein Wort zu erwiedern, aber sie küßte Evas weiße Stirn. Die öffnete noch einmal die einst so strahlenden Augen, tastete nach der Gräfin Hand, als wolle sie sich daran festklammern, und stammelte mit schwerer Zunge:„Dem guten— Linz——“ Nun verstummte ihr Mund, und sie versank in jenen Schlaf, dem kein Erwachen folgt. Achtzehntes Kapitel. Gräfin Maria hatte sich außer Stande gefühlt, mit Othmar am Lager der Todten zusammenzutreffen, sobald daher des Pastors Magd sichtbar geworden, war sie total erschöpft und todestraurig ins Schloß zurückgekehrt. Hier hatte der langersehnte Schlaf sich endlich auf ihr fieberndes Hirn gesenkt und all' die nagenden Gedanken verscheucht. Während Maria noch schlief, kehrte der Graf mit Torsten von der Hasenjagd zurück. Er befand sich in übelster Laune, denn ein Bauer hatte ihm mit seinen zwei Söhnen den Zugang zu seinem Kohlacker verwehrt und ihn mit dem Knüttel bedroht. Er machte sich jetzt vor Torsten Selbstvorwürfe, daß er die Kerle nicht niedergeschossen habe.„Früher hat die Bande vor mir gezittert“, rief er wüthend und warf seinem Kammerdiener die leere Jagdtasche zu,„jetzt aber begegne ich der unverschämtesten Frechheit und Unbotmäßigkeit auf Schritt und Tritt. Es ist, als ob ein Teufel in sie hineingefahren wäre, Sie sehen selbst, Torsten, daß mir der Kampf mit dieser rebellischen Horde aufgezwungen wird.“ Der Waidgenosse ließ sich im Jagdzimmer seines Gönners in einem Sessel nieder und erwiderte lächelnd; „Es gehört wenig Scharfsinn dazu, um herauszufinden, welcher Teufel hinter diesen Dummköpfen steckt: sie sind alle von Ihrem Stiefsohn aufgehetzt.“ „Das weiß ich längst!“ schrie der Graf in hellem Zorn,„aber ich suche vergeblich nach Mitteln, um den Quertreibereien und Intriguen dieses Desperados ein Ziel zu setzen.“ „Nun, wir können die Angelegenheit beim Frückstück besprechen. Vielleicht bringt uns der Wein die nöthige Erleuchtung.“ Als die beiden Herren dann eine Viertelstunde später vor der gutbesetzten Frühstückstafel Platz nahmen, war des Grafen Zorn verraucht, aber sein Haß gegen Othmar erhielt neue Nahrung durch Torstens Einflüsterungen. Dieser suchte ihm klar zu machen, daß er sich einer Meuterei gegenüber befände, deren Anstifter Othmar und Linz seien. Diese Rädelsführer hätten auch Gräfin Maria in ihre Netze gezogen und nicht eher würde es dem Grafen gelingen, den Widerstand seiner Gattin zu brechen, als bis Othmar aus dem Wege geräumt sei. Der Graf war nur zu geneigt, Torstens Ausführungen zuzustimmen, denn diese bestärkten seinen eigenen Verdacht. Er glaubte es nicht, daß Maria sich nur der Rechtsverletzung willen ihm entfremdet habe, sondern nahm jetzt an, daß sie Othmar liebe. Hierin bestärkte ihn Torsten mit großer Beredsamkeit. Der Graf gerieth wieder in Erregung, denn er mußte sich eingestehen, daß seine Lage gegenwärtig eine ganz verzweifelte sei. In München konnte die Baubank nicht mehr gerettet werden, denn das Defizit überstieg die Kapitalkraft der Aktionäre, der Krach aber hatte des Grafen persönliches Vermögen ganz verschlungen, und seine Besitzung im Lechfeld war mit Hypotheken stark belastet; Marias Heirathsgut hielt der Kommerzienrath Monticelli mit Zähigkeit fest. So ließ sich mit ziemlicher Bestimmtheit vorausfehen, daß er Sonneck bettelarm verlassen müsse, sobald Othmar großjährig würde. „Dieser Stiefsohn wird dereinst Ihren völligen Ruin herbeiführen mein lieber Herr Graf, denn das Herz ∆ Lübbecke, 9. April. Verkauf des Gutes RenkLausen. Wie uns von zuverlässiger Seite mitgeteilt wird, Herr Oppenheimer in Hannover durch Auflassung Besitzer des Hauptgutes zu 650000 Mk. geworden. Dem Konsortium I Herford, welchem sich Herr Kaufmann Uflerbäumer angeschlossen hatte, war das Gut s. Zt. für 540000 Mk. verkauft. Zur Zeit der Auflassung des Gutes an obiges Konsorkum war der frühere Besitzer, Herr Stille, mit seinen Leistungen im Verzuge und soll derselbe daher jetzt auf Schadenersatz verklagt worden sein. Vermischtes. Eine Enttänschung erleben die Gläubiger des früheren Rathaus=Inspektors Rich. Blum in Leipzig, da den 170 222,76 Mk. betragenden Passiven nur 7856 Mk. Aktiven gegenüberstehen. Die Liste der Gläubiger ergiebt zur Evidenz, daß Blum seine amtliche Stellung ausnutzte, um von denen, welche sich um Ratsarbeiten seines Ressorts bemühten, Geld zu erlangen. Einer dieser Handwerker ist mit 22000 Mk. Gefälligkeitsaccepten am Konkurs beteiligt. Vierlinge. In Schloßig bei Schmölln gab die Frau eines Häuslers Vierlingen das Leben. Die Kinder befinden sich gesund und munter. Von einem Stier in die Luft geschleudert wurde auf dem Berliner Zentralviehmarkt der Obertreiber Theodor Knopf. Der Treiber wurde plötzlich von dem Bullen angegriffen, auf die Hörner genommen und in die Luft geschleudert. Knopf wurde schwer verletzt in das Hedwigskrankenhaus gebracht. Course der Berliner Börse. Mitgeteilt von der Westf.-Lippischen Vereinsbank, Akt.-Gee. Herford, 9 April 1902 3% Preuss Consols 92.— 3½% n„ 101,80 3% Deutsche Reichsanleihe 92,20 3½%„„ 101,90 3% Westf. Prov.-Anl.—.— 3½%„„ 99.80 4%„„ 103,90 4% Bielef. Stadtanleibe 103,50 4% Hamb. HypothekenPfandbriefe 1900 100,10 4% Rhein. Westf. Bodenkred.-Pfandbriefe 1905 100.75 4% Meining. Hypoth.100,20 206,10 189,10 Pfandbriefe 1900 Deutsche Bank-Akt. Disc. Commandit-Akt. A. Schaaff hausen'scher Bv. 121,80 Gelsenkirchener Bergw.Aktien 162,70 Hibernia Bergw.-Aktien 161,50 Harpener dto. 164,25 Harb.-Wien. Gummi-Akt. 316,70 Phönix Bergw.-Aktien 137,75 Bankdiscont 3% Tendens: matt. Meteorologische Station Herford. Witterungsbericht vom 10. April Höchste Temperatur des Vortages: 9,1°. Niedr. Temperatur in der Nacht: 0,00. Temperatur um 7 Uhr vorm.: 2,90. „„„: 9,6% Luftdruck um 7 Uhr vorm.: 756,9 mm. Tägliche Niederschlagshöhe:— mm Wind: Schwacher N0. Wetter: Heiter. 11. April. Bei schwachen östlichen Winden Witterungs fortdauer. Zum Burenkrieg. Die Friedensverhandlungen. Amsterdam, 10. April. Hier eingelaufenen Börsennachrichten zufolge sind die Friedensverhandlungen in Transvaal ihrem Abschluß nahe und lassen auf den Abschluß des Friedens innerhalb weniger Tage mit Sicherheit schließen. Steifn mit Erblindung bedroht. Pretoria, 10. April.„Reut. Bur.“ meldet, daß Präsident Steijn an einer Augenkrankheit leidet, durch welche er mit Erblindung bedroht ist. Schweres Brandunglück in Schweden. Stockholm, 10. April. Abends brach ein heftiges Feuer in der Hefenfabrik der Stockholmer Bäckermeister aus. Als eine Mauer der Fabrik niederstürzte, wurden mehrere Personen verschüttet; 6 derselben wurden getötet und 8 verletzt. eidenstoffe #b. Wederrile Weltwusst. Pari: von 75 Pfg. per Meter an. Muster portofrei. 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Die Vorstands= sowie die gewählten Komiteemitglieder haben eine Beratung am Freitag den 25 April, abends 8 Uhr im Vereinshause; eine besondere Einladung hierzu wird nicht erlassen. 270d Der Vorsitzende: H. Wendt. Morgen erhalte: la. Nordsee und la. junge 271d 9 C. Maßmann. Maierbsen, Rittererbsen, Schnabelerbsen, Buchsbaumerbsen, Bohnen, große Hangschoten. Sämtl. Garten=, Gemüseu. Feldsämereien empfiehlt 3539 Frau W. Scharff. a. Glaubersalz empfiehlt billigst 2485 Heinrich Nolting. Speisezwiebel a Pfd. 8 Pfg. 10 Psd. 70 Pfa., 25 Pfd. 150 Pfa. 2475 Heinrich Nolting. IHIAYKKLII Bei etwaigem Aufenthalt in Hannover empfehlen sich als Fremdenführer (auch Logis ist billig zu haben) G. Käsemann u. Frau, Hannover, Kle ststr. 10a. T TI Eine erste Berliner Hypothekenbank gewährt Darlehen auf städtische und ländliche Grund stücke zu günstigen Bedingungen. Gefl. Anfragen an A. Boß bei Marcus D. Ganz. 2443 nach auswärts zu arbeiten gewünscht. Offerten mit Preisangabe unt. 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Solche öffentlichen Besprechungen wichtiger Tagesfragen bilden den Zweck der Bürgervereinigung, und so ist es ersichtlich, wie wichtig das Bestreben der Bürgervereinigung für das Wohl der Stadt ist, weil eine allgemeine Teilnahme der Bürgerschaft an öffentlichen Angelegenheiten nur so erreicht werden kann. Der Magistrat hat einige Stellen aus unserem offenen Briefe ausgezogen und einer Berichtigung unterzogen. Wir dürfen wohl daraus schließen, daß im Uebrigen zwischen demselben und uns völlige Uebereinstimmung wegen des sonstigen Inhaltes unseres Briefes herrscht. Auf die Bemerkungen des Magistrats haben wir das Folgende zu erwidern: Ankauf der alten Landwirtschaftsschule. Es steht uns kein amtliches Material zur Verfügung und das Referat des Kreisblattes von der in Betracht kommenden Stadtverordnetensitzung enthält die Angabe über die Höhe der veranschlagten Umbaukosten nicht. Bei uns war die Meinung verbreitet, welcher wir Ausdruck gegeben haben. Diese war, wie aus der Mitteilung des Magistrats ersichtlich ist, unrichtig. Indessen die Angaben des Magistrats geben uns dennoch den Beweis für die Richtigkeit unserer Behauptung über die Unzuverlässigkeit der Angaben des Stadtbauamtes in dieser Angelegenheit an die Hand. Eintausend Mark sollten danach die Umbaukosten der alten Landwirtschaftsschule und die ordnungsmäßige Instandsetzung zu den Zwecken des Rathausbetriebes nur betragen? Hat der Magistrat dieser Angabe Glauben geschenkt? Weiß nicht jeder Laie, daß sich schon der notwendigste Anstrich und die dürftigste Tapezierung eines so großen Gebäudes, wie die alte Landwirschaftsschule ist, einen größeren Aufwand als tausend Mark beansprucht? Nun gar eines Gebäudes, welches völlig verwohnt, oder richtig gesagt, verwüstet war! Zwölftausend Mark hat dagegen die Instandsetzung nach den Angaben des Magistrats gekostet. Das ist doch ein erheblicher Kostenunterschied! Das alte Landratsamt ist dann gekauft und sollte sich nach der derzeitigen Motivierung in so gutem Zustande befinden, daß die Reparatur nur fünfhundert Mark erfordern würde. Wie unendlich viel besser war der Zustand dieses Hauses gegenüber dem alten Schulhause und doch haben die Instandsetzungskosten die artige Summe von fünftausend Mark weit überschritten. Kann man solchen Ziffern gegenüber die Zuverlässigkeit des Stadtbauamtes nicht mit Recht in Frage stellen? Unterführung. Die Darstellung des Magistrats aus den Akten, die uns nicht zur Verfügung stehen, deckt sich nicht ganz mit dem Referate über die beratende Stadtverordnetenversammlung im Kreisblatt. Der Stadtverordnetenversammlung war eine Vorlage zugegangen, 114000 Mk. zu bewilligeg,„sofern die Mittel der Stadt eine Beteiligung überhaupt gestatten". Der Referent stellte aber den Antrag, sich nur mit Zahlung der halben Kosten einverstanden zu erklären. Veranschlagt waren die Kosten auf 160000 Mk., von denen die Hälfte betrug 80000 Mark. Man rechnete ferner auf einen Zuschuß der Kleinbahn von 10000 Mk.(oder auf anderer Seite gar von 20000 Mk. Jetzt werden nach Angaben des Magistrats 68000 Mk. geleistet.) So ergab sich ein Aufwand von 60 bis 70000 Mt. für die Stadt, ungerechnet die Anliegerbeiträge, auf welche man ebenfalls nicht glaubte verzichten zu können. Die Kosten für die Stadt betrugen demnach nicht 114000 Mk. sondern nur höchstens 70000 Mk., jedoch für den Tunnel allein. Interessant ist dabei, daß man an eine Unterführung 200 Meter weiter nördlich dachte. Im Beschlusse des Magistrats vom 12. August 1898, welcher Ausführung von Tunnel und Brücke gleichzeitig ins Auge faßt, sind ebenfalls die Kosten der Unterführung nur auf 70000 Mk. angegeben, ein Beweis, daß der Magistrat nur 70000 Mk. für den Tunnel für nötig erachtete. Dazu kommen die Kosten der Schlachthoftrücke mit 60000 Mk. und die Kosten der Wegeanlagen, nach Schätzung des Baumeisters Lichte 20000 Mk., zusammen 150000 Mk., wovon Zuschüsse in Höhe von 44 000 Mk. abgingen, sodaß 106000 Mk. für die Stadt als Kosten für die Unterführung und Schlachthofbrücke verblieben. Ausgefallen ist der Beitrag der Interessenten, welcher auf 12000 Mk.— nicht auf 27000 Mk., wie jetzt der Magistrat angiebt— angesetzt war, sodaß sich die Gesamtkosten für die Stadt nach Voranschlag des Magistrats auf 118.000 Mk. gestellt haben würden. Demgegenüber stehen heute bereits 202 000 Mark, aber das reicht bei weitem nicht aus. Der Magistrat macht nun geltend, die Vermehrung der Kosten sei durch die Ver, längerung des Tunnels entstanden, welcher jetzt in Folge dessen 207 000 Mk. statt der berechneten 160000 Mk. koste. Der Tunnel soll 13 Meter länger geworden sein, als wie er projektiert war und 30 Ctm. höher. Beides trifft nicht zu. Nach dem Entwurfe des Herrn Reg.=Baumeisters Taaks betrug die Länge der Unterführung zwischen den Stirnen 93 Meter und nach diesem Projekte hat die Voranschlagung auf 160000 Mk. stattgefunden. Nach dem Entwurfe des Herrn Stadtbaumeisters Lichte soll der Tunnel rund 90 Meter lang werden, und die Ausführung beträgt 98,71 Meter. Alles von Stirn zu Stirn ohne die Flügel gemessen, deren Länge in allen Fällen gleich bleibt. In jedem Falle betrug der Unterschied nicht 13 Meter. Abgesehen davon, daß von dem nun entstandenen Mehrbetrage für den Tunnel ein Teil auf die Staatsbahn entfällt und die Ausführung unter Kostenanschlag erfolgt, so beträgt das Mehr doch nur 42000 Mk., wodurch sich, hinzugerechnet zu den obigen 118000 M, die erhöhten Kosten auf 150000 Mk. stellen. Das macht gegen 202000 Mk. noch eine Differenz von 52000 Mk. Auch hierfür ist indessen die Erklärung zu geben: Der Stadtbaumeister Lichte hat die Kosten der Wegeanlagen auf 20 000 Mk. bewertet, jetzt giebt der#agistrat dieselben auf 72000 Mk. an. Das macht einen Unterschied von 52000 Mk. Ist solchen Thatsachen gegenüber unsere Mahnung nicht angebracht, die Kostenanschläge des Stadtbaumeisters einer sorgfältigen Prüfung zu unterziehen? Dem Magistrat sind diese Zahlen bekannt, hat er daraus die nötigen Folgerungen gezogen? Wir glauben„Nein!“ Lassen solche Thatsachen auf große Tüchtigkeit des Stadtbaumeisters schließen? Wir glauben abermals„Nein!“ Aus den Bemerkungen des Magistrats geht aber nicht hervor, daß auch diese Zahlen viel zu niedrig sind, daß nämlich die Kosten der Straßenanlage vom Bahndamm und die Verbreiterung der Schlachthosstraße bisher nicht gerechnet sind. Die nachstehende Berechnung mag klarstellen, wie sich annähernd die Kosten wahrscheinlich stellen werden: Kosten der Sophienstraßen=Unterführung und Schlachthofbrücke. Der Tunnel 98,71 m lang(Flügel 7,70 m) veranschlagt zu 206 000 Mk. Die Brücke 76000„ Aurampungen, Grunderwerbskosten und sonstige Nebenanlagen der Brücke auf beiden Seiten 6000„ Tieferlegung der Sophienstraße: Erwerbskosten 10 ar 6(00 Mk. 105 m lang. Abtrag in max. 1,7 m, Neupflasterung a qm 7.5 m(6 m breit), Trottoir (2 m br.) beiderseits mit Bordsteinen.. rund 7000„ Entschädigung der Anlagen wegen Erwerbserschwernissen, nur berechnet mit 6000„ 19000„ Straßenanlage v. Tunnel bis zur Bünderstraße (beide Straßen zusammen 280 m lang): Grund=Erwerbskosten 43 ar (Einheitspreis 560—700 Mk. pro arl 30 000 Mt. Pflasterung 8 m breit 60 Mk. pro m, Bürgersteig auf beiden Seiten der Straße 10 Mk. pro m zusammen 19 600„ Erdarbeiten 9 800 chm 6 400„ Futtermauer bei Brand 3000„ zusammen 59.000„ Straßenanlage im Tunnel 10000„ Kanalisation vom Kleinbahnhofe zur Werre (540 m lang) mit allem Zubehör 9000„ Beleuchtung 3000„ Im Ganzen 388000 Mk. Davon gehen ab: Zuschuß des Kreises zur Brücke 20000 Mk. „ der Staatsbahn z. Tunnel 45000„ „ der Kleinbahn zum Tunnel 68 000„ zusammen 133000„ Bleibt für die Stadt Herford 255000 Mk. Werden die Straßen chaussiert statt gepflastert, so verringern sich die Kosten um 12000 Mark. Dazu kommen noch die Kosten für die Herstellung und des Grunderwerbs der Straße am Bahndamm, zwecks Verlegung des Kleinbahnanschlusses an den Staatsbahnhof, die ganz enorm werden, und die Verbreiterung der Schlachthofstraße, so daß sich die thatsächlichen Kosten auf mindestens 300000 Mark stellen werden. Diese kolossale, die Steuerkraft schwer belastende Kostenüberschreitung war aber dem Magistrat vorausgesagt und man hätte erwarten können, daß eine derartige Mitteilung Veranlassung gegeben hätte, die eigenen Aufstellungen noch einmal von anderer sachverständiger Seite einwandsfreier Prüfung unterziehen zu lassen. Wir meinen, daß der Magistrat dazu verpflichtet gewesen wäre, und nicht die Stadt unvorbereitet in solche gewaltige Mehrausgabe zu stürzen. Statt dessen warf ein Mitglied der städtischen Behörde s. Zt. dem Warner die Worte entgegen:„Die Zahlen und Thatsachen sind zum großen Teil so willkürlich gegriffen und entstellt, Bedenken und Befürchtungen so grundlos und in so überaus übertriebener Weise aufgestellt, daß der Eingeweihte zunächst geradezu verblüfft ist, wie man so etwas ruhigen Gewissens zu Papier bringen kann.“ Ja, es ist ein eigen Ding um das Gewissen! Wo ist jetzt das Gewissen des Mitgliedes der städtischen Behörde, nachdem sich herausgestellt hat, daß die„willkürlich gegriffenen und entstellten Zahlen und Thatsachen“ weit, weit überschritten sind? Hat sich das Gewissen schon so weit geregt, daß das Mitglied der städtischen Behörde seinen Fehler bekannt hätte? Wir glauben:„Nein!“ Wir sind der Ueberzeugung, daß den Mitgliedern des Magistrats das jetzige Resultat selbst erschreckend ist und sind auch überzeugt, daß die Mehrheit im guten Glauben gehandelt hat, aber muß man nicht dem technischen Berater des Magistrats den Vorwurf machen, daß er entweder sehr oberflächlich gerechnet hat oder daß seine Kenntnisse zur richtigen Beurteilung der Sachlage nicht ausgereicht haben? Beides ist gleich schlimm für die Steuerzahler und berechtigt zu der Warnung, die Angaben des Stadtbaumeisters jedes Mal einer sorgfältigen Prüfung zu unterziehen. Noch einer Thatsache müssen wir hier Erwähnung thun. Als in der den Bau der Brücke und des Tunnels beschließenden Stadtverordnetenversammlung eine rege Meinung für die Ausführung des Tunnels 200 Meter weiter nördlich, wie er ursprünglich seitens der Eisenbahntechniker vorgeschlagen war, geltend machte, da war es der Herr Stadtbaumeister, welcher, an Hand des Planes und mit dem Zirkel in der Hand, den nichtsachverständigen Stadtverordneten nachwies, daß beide Tunnels fast gleich lang würden. Und doch war diese Behauptung, weiche alle Gegner umstimmte, nicht richtig, denn in Wirklichkeit betrug der Unterschied etwa 30 Meter und da die enormen jetzigen Ecdarbeiten für Zufuhrstraßen in Wegfall kamen, waren die Kosten minimal. Die Verbindung zwischen den beiden Stadtteilen wurde even so gut erreicht, wie durch den jetzigen Tunnel, dessen Fahrstraße genau auf derselben Stelle in die Bünderstraße trifft, wie wenn der Tunnel 200 Meter weiter nördlich verlegt wurde. Auch hier war ein großer Irrtum des Herrn Stadtbaumeisters mitbestimmend für den gefaßten Beschluß. Nun zur Brücke! Die Kosten der Brücke sollen sich höher gestellt haben als der Kostenauschlag, infolge erhöhter Ansprüche der Aussichtsbehörde. Die Brücke ist breiter geworden als veranschlagt, das ist richtig, wie das ja als unumgänglich notwendig vorausgesagt worden war. Aber hätte man nicht durch Wahl einer anderen Konstruktionsweise mit zeringerer Konstruktionshöhe, etwa wie die der Brücke über die Werre bei Schötmar, nicht allein die Ueberhöhung der Brücke, sondern auch die Kosten ermäßigen können? Konnte der nun erforderliche Buckel in der Göbenstraße nicht vermieden weiden? Hat das Stadtbauamt alle für den Fall möglichen Ausführungsweisen sorgfältig erwogen? Wir glauben:„Nein!" Erinnern die Ueberführung der Schlachthofbrücke und der Brücke bei Angenete nicht etwas stark an die mittelalterlichen Brücken Venedigs? Der Fuhrpark hat die Materialien zur Brücke selbst angefahren, sollie darin der Grund für die Kostenüberschreitung zu suchen sein? Stadtbauamt. Es wurden zur Zeit der Abfassung unserer Antwort auf die Anzapiungen des Herrn Ratsherrn Brand im Stadtbauamte beschäftigt: 1. Der Stadtbaumeister Lichte, 2. Der Techniker Vienken, 3. Der Techniker Meyer, 4. Der Techniker Schwarz, 5. Der Techniker Peitz, 6. Der Bureau=Assistent Holtmann mit 2 Gehülfen, denn wenn der eine von diesen vorläufig noch kein Gehalt bekommt, so ist doch das Bedürfnis nach Meinung des Magistrats für eine zweite Schreibkraft damit klargelegt. Entlassen ist unterdessen Peitz, dafür aber Herr Bienken zurückgekehrt. Sonach sind unsere Angaben doch nicht so ganz unrichtig, als magistratsseitig behauptet wird. Wohl aber sind in der Kostenberechnung des Magistrats die Bureaukosten der Bauverwaltung mit 2840 Mark zum Teil und die Kosten für Vermessung mit 1000 Mk. nicht enthalten, so daß das Bauamt nicht 11 350 Mk., sondern 13310 Mk. kostet. Dazu kommen noch die Kosten der Pensionierung der Beamten und alle besonderen Revenuen derselben aus städt. Mitteln. Der Magistrat schreibt, daß das Vertrauen zur Behörde durch die Kritik des Stadtbaumeisters untergraben werde. Wir können diese Ansicht nicht teilen. Nicht dadurch, daß man ein Geschwür mit dem Mantel der Liebe bedeckt, wird es geheilt, sondern durch einen scharfen Schnitt und schmerzhaftes Entsernen der kranken Stelle. Beschwerden über den Stadtbaumeister. Die Zusicherung des Magistrats, daß derselbe angebrachte Beschwerden über die amtliche Thätigkeit des Stadtbaumeistecs gewissenhaft prüfen werde, wird allgemein befriedigt haben. Wir haben bereits einige Fälle klargelegt, in welchen die geringe Zuverlässigkeit der Angaben des Stadtbauamtes nachgewiesen ist. Selbstverständlich sind wir nicht in der Lage, eine Prüfung der gesamten amtlichen Thätigkeit vorzunehmen, weil wir nur das berichten können, was davon in die Oeffentlichkeit dringt. Das aber ist ausreichend, um das Vertrauen auf die Angaben des Stadtbauamtes sehr zu erschüttern. Auch die Anschaffung und Beibehaltung des Fuhrparkes, für dessen Urheber der Stadtbaumeister allgemein gilt, erregt großen Unwillen in der Bürgerschaft. Unbegreiflicher Weise lehnte es der Magistrat ab, eine genaue sorgfältige Prüfung der Ergebnisse des Fuhrparkes durch eine hierzu zu erwählende Kommission vornehmen zu lassen, obgleich nur auf solche Weise Klarheit geschaffen und die Meinung der Bürgerschaft, wenn sie falsch ist, berichtigt werden könnte. Daber wächst die Ueberzeugung, daß der Fuhrpark sehr unvorteilhaft arbeitet, denn wenn die Sache wirklich so schön verläuft, als es dargestellt wird, dann kann ja eine sorgfältige Prüfung durch Sachverständige nur von Vorteil sein, weil damit jeder Unwille beseitigt werden würde. Warum überträgt die Stadt die Arbeiten des Fuhrparkes nicht einem Unternehmer, wie es die Staatsbahn bezüglich aller Arbeiten, z. B. das Umladen der Güter usw. allgemein macht, obgleich die Staatsbahn durch sorgfältige Statistik festgestellt hat, daß die Unternehmerarbeit erheblich billiger ist, auch dauernd eine genaue Kontrolle hierüber ausführt. Die Behörden arbeiten er, fahrungsmäßig unwirtschaftlicher, als der Unternehmer. Der Unternehmer Winkelmann erhielt für das Straßenfegen pro am 5 Pfg. Geben wir zu, daß das zu wenig war, für den doppelten Preis machte er es gern. Die Stadt nimmt 20 Pig. pro am, das ist aber eine große Besteuerung für die Anwohner der zu segenden Straßen, dabei wird aber in vielen Bezirken im Winter nur sehr wenig gesegt. Was hätte es dort früher wohl für Polizeistrafen geregnet? Zum Anbau an der Stiftbergerschule hat der Fuhrpark die Fuhren geleistet und nach uns gewordenen Mitteilungen dafür 1 Mk. für jeden Kubikmeter Bruchsteine mehr berechnet, als jeder andere Unternehmer gefordert hätte. Das macht bei diesem kleinen Bau eine Differenz von 117 Mt. aus und im Ganzen hat sich der Fuhrpark 1100 Mk. aus kleinen Nebenleistungen für diesen ganz in Akkord vergebenen Bau herausgerechnet. Ein anderer Fall mag ferner die Unwirtschaftlichkeit des Fuhrparkes beweisen. Der Sand, welcher an der Schlachthofstraße anschwemmt, ist von dort auf Geleisen auf die Schlachthofstraße gefahren, sodann zum städtischen Materiallagerplatz, von wo aus er den Verbrauchs=Stellen zugeführt wird. Es bedarf keines Nachweises, daß der Preis des Sandes durch das wiederholte Auf= und Abladen, Hin= und Herfahren erheblich teurer werden muß, als wenn er zum Verbrauich direkt durch Lieferanten angefahren wird. Wie hat sich die Müllabfuhr bewährt? Mit großen Kosten sind die Abfuhrwagen angeschafft. Der eine davon steht noch unbenutzt im Schuppen und 900 Mk. sind dafür unnütz verausgabt, ihm leistet der zweite Sprengwagen treue Gesellschaft. Der Fuhrpark berechnet der Stadt für die Reinigung der öffentlichen Plätze und Straßenteile 6030 Mk jährlich, ferner für sonstige Arbeiten für städtische Ausführungen 11900„ zusammen rund 18000 Mk. jährlich, Insgesamt kostet der Fuhrpark 26370„ Warum klammert sich der Magistrat an der Beibehaltung eines Institutes, für das sich die Bürgerschaft nicht erwärmen kann, auch wenn es nicht, wie es hier an wenigen Beispielen nachgewiesen ist, so ungünstig arbeitet? Es haben schon kleinere Ursachen genügt, um Aenderungen herbeizuführen. Der Magistrat bewegt sich in seiner Bekanntmachung nicht auf dem Boden d.r Thatsachen, wenn er die frühere Zwitterstellung des in öffentlichen Diensten stehenden Technikers, welcher zu gleicher Zeit Privatbauten entwarf und leitete, einer scharfen Kritik unterwirft und den jetzigen Zustand preist; dadurch wird der Glaube bei Nichteingeweihten herbeigeführt, als ob der jetzige Inhaber der Stellung keine Privatthätigkeit ausübe. Gerade gegen diese hat sich der Unwille der Bürgerschaft besonders geltend gemacht. Wir teilen durchaus die Ansicht des Magistrats, daß die Anstellung eines Stadtbaumeisters unumgänglich notwendig war, und da der Magistrat durch Zitierung des Königschen Briefes den Inhalt desselben zu dem seinigen gemacht hat, so gilt es für uns als ausgemacht, daß der Magistrat nunmehr den noch vorhandenen Resten des früher herrschenden„unsittlichen Zustandes" dadurch ein Ende machen wird, daß er von jetzt ab nicht allein dem Stadtbaumeister, sondern allen städtischen Beamten den Betrieb von Nebenbeschäftigungen ausnahmslos verbieten wird. Wenn wir dieses Ziel erreichen, so sind wir mit unserer bisherigen Thätigkeit zufrieden. Bemerkenswert bleibt, daß der Magistrat jetzt schon vergessen ha., welcher jahrelanger Anstrengungen es bedurft hat, um die heutigen sittlichen Zustönde herbeizuführen. Wie lange hat sich der Magistrat gegen die Anstellung eines Stadtbaumeisters ablehnend verhalten, obgleich, wie er jetzt sagt,„die öffentliche Moral gefährdet werden konnte". Der Magistrat scheint der Ansicht zu sein, daß die ablehnende Haltung der Bürgervereinigung gegen den Stadtbaumeister auf einige Köpfe in derselben zurückzuführen sei. Das beweist nur, wie gering die Fühlung des Magistrates mit der erdrückenden Mehrheit der Bevölkerung ist und wie notwendig die Bildung der Bürgervereinigung war, um als Sprachrohr für die herrschende öffentliche Meinung zu dienen. Der jetzige Inhaber des Stadtbauamtes hat es nicht verstanden, sich die Sympathien der Mehrheit der Bürgerschaft zu erwerben. Uebergroße Gewissenhaftigkeit in der Handhabung seiner Gewalten auf der einen Seite werden nicht aufgewogen durch bedeutende Kenntnisse und Leistungen auf der andern Seite. Er fand ein gemachtes Bett vor, er brauchte nicht erst, was seinen Vorgängern das Leben erschwert hat, eine neue Polizeimaßregel einführen, man hatte sich bereits daran gewöhnt. Die in Beratung befindliche Verschärfung der Polizeiverordnung, mit der man ebenfalls den Stadtbaumeister in Verbindung bringt, ist nicht dazu angethan, ihm größere Sympathieen zu erwerben. Was bisher von ihm geleistet ist, geht über das Mittelmaß nicht weit hinaus. Einige seiner für die Stadt gemachten Ausführungen haben wir bereits beleuchtet. Hierzu verweisen wir mangels einer größeren Zahl von Hochbauten der Stadt auf den Bau des Schützenhossaales, welcher von dem Herrn Stadtbaumeister ausgeführt ist und 12000 Mk. über dem Kostenanschlag gekostet hat. Auch bei der Gymnasialturnhalle sind erhebliche Ueberschreitungen vorgekommen. Für alle diese Sachen hat der Stadtbaumeister, der sich außerdem mit der Abschätzung von Brandschaden, Gutachten, Ausführugg des Brückenbaues über die Werre bei Ahmsen, Umbau der Villa Wünkhaus u. s. w. privatim mit Zustimmung des Magistrats beschäftigte, erhebliches Honorar bezogen, obgleich doch die Gymnasialturnhalle und die Straßenanlage am Kreishaus lediglich als städtische Bauten aufzufassen sind. Wir mißgönnen dem Herrn Stadtbaumeister die Einnahmen durchaus nicht, und möbten darin nicht mißverstanden werden, wünschen im Gegenteil, daß sich seine Nebenarbeiten recht vermehren, aber dann die Einnahmen aus dem Geldbeutel der Steuerzahler von Herford ganz fortfallen. Mit der Eigenschaft eines Beamten verträgt sich die Ausführung von Privatarbeiten nicht, auch nicht mit der Führung von Agenturen und dergl., welche von anderen städtischen Beamten bewirkt wird, kurzum von Thätigkeiten, wodurch den Steuerzahlern, aus deren Mitteln die Beamten bezahlt werden, Konkurrenz gemacht wird. Werden die Beamten mit diesen Nebeneinnahmen in vollem Betrage zur Kommunalsteuer herangezogen? Interessentenbeiträge. Die Darstellung des Magistrats über unsere Thätigkeit in dieser Angelegenheit trifft nicht ganz den Thatbestand, da wir in der Mehrheit der Ansicht waren, daß die nächsten Anlieger, d h. alle diejenigen Grundstücksbesitzer, welche einen direkten Vorteil durch die Anlage der Brücke hatten, auch berechtigter Weise zu den Kosten Beiträge leisten konnten. Der Fehler lag ganz auf Seiten der Verwaltung, welche den Interessentenkreis in ganz außergewöhnlicher Weise ausgedehnt und damit gerechten Unwillen erregt hatte. Im Uebrigen aber quittieren wir dankend über die Anerkennung unseres Erfolges in dieser Angelegenheit. Es giebt keine öffentliche Veranstaltung, welche nicht dem Einen oder Andern stets einen Vorteil vor seinen Mitbürgern bringt und wäre es auch nur die Neupflasterung einer Straße. Sollten hierzu in Zukunft die Anwohner stets herangezogen werden? Das würde nichts als abermals eine Besteuerung bedeuten, denn kurz über lang kommt ein jeder an die Reihe, sofern er zu den ohnedies höher besteuerten Grundbesitzern zählt. Besteuerung. Den Auslassungen des Magistrats zu diesem Thema können wir nicht ganz Recht geben. Zunächst ist die Darstellung über die Höhe des Prozentsatzes ergänzungsfähig, da es eines Hinweises darauf bedarf, daß diejenigen Gemeinden, welche einen höheren Prozentsatz haben, erheblich kleiner sind, als Herford, und bekanntlich ist die Steuerlast prozentual in kleineren Gemeinden stets höher, als in größeren mit zahlungskräftigeren Bewohnern. Vergleichen wir dann einmal Herford mit Berlin, Köln, Hannover, die 100 Proz. haben und dennoch ihren Einwohnern große Annehmlichkeiten bereiten. Die Gegenüberstellung Herfords mit kleineren Gemeinden ist daher unzulässig, ebenso die Anstellung eines Durchschnittes. Anderen Gemeinden gegenüber zahlen wir sehr viel. Gütersloh zahlt trotz der Beteiligung an zwei unrentablen Kleinbahnen mit 1 100 000 Mk. nur 60 Proz., Minden 150 Proz., Detmold 100) Proz. Gerade bezüglich der sparsamen Wittschaft gehen die Meinungen sehr auseinander. Wir halten die Ausgaben von annähernd 300000 Mk. für Brücke und Tunnel zum Besten der Kleinbahn nicht für sparsam, glauben aber, daß die Stadt sich niemals in dieses Unglück hineingestürzt hätte, wenn die Grundlagen richtig gewesen wären. Wir halten die Beibehaltung des Stadtparkes nicht für sparsam, die doppelte Ausführung des Kanals und Pflasters in der Bahnhofstraße, die Ausführung werden Monats=Abonnements auf Eh die„Herforder Zeitung für Stadt und Land“ von allen Briefträgern, den Kaiserlichen Postanstalten, unseren Boten sowie in unseren Agenturen entgegengenommen. des Kanals der Bielefelderstraße vom oberen Ende her, anstatt wie es jedermann macht, von unten her, ebenfalls nicht für sparsam. Wir halten den Umbau des Dampfkessels im Schlachthause, der jetzt eine Neubeschaffung nötig macht, nicht für sparsam. Das Zuschütten des Fabrikkanals vor Ausführung der Turbinenanlage, welche große Entschädigungspflicht an die Mühlenbesitzer macht, den Ankauf der Peperschen Mühle, den Verkauf der Wasserkraft an der Mittelstädter Mühle für 20 000 Mk., obgleich sie beim Ankauf der Spinnerei mit 120 000 Mk. bewertet wurde, alles das ebenfalls nicht für sparsam. Peper hat 65000 Mk. von der Stadt bekommen und war gern bereit, für 55000 Mk. zu verkaufen. Man kann in öffentlichen Angelegenheiten doch vielfach, wie sich hieraus ergiebt, anderer Meinung sein, wie der Magistrat. Jedenfalls glauben wir, daß eine sorgfältige Nachprüfung allein im Stande ist, ähnliche Fehler in Zukunft zu vermeiden. Selbst Prüfungen vorzunehmen, hat sich die Bürgervereinigung zur Aufgabe gestellt. „Den schlechten Mann muß man verachten, der nie bedacht, was er vollbringt.“ Unsere Auslassungen sind etwas lang geworden, wir müssen den geduldigen Leser deswegen um Entschuldigung bitten, glaubten aber, der Erklärung des Magistrats entgegentreten zu müssen. Wir knüpfen an diese Auslassung die Hoffnung, daß sie befruchtend wirken und unseren Mitbürgern zum Vorteil wirken wird. Die Bürgervereinigung. Forman— vorzügliches Schnupfenmittel! Ziehung 17. u. 18. April 1902 Königsberger Geld-Lotterie 6241 Geldgewinne Mark 200000 1 dew. 50 000= 50 000n Chic!! st jede Dame mit einem zarten, reinen Gesicht, rosigen, jugendfrischen Aussehen, reiner, sammetweicher Haut und blendend schönem Teint. Alles dies erzeugt: 3170 Rudebenler Lilienmilch-Seife v. Wergmann u. Co. Radebenk Dresden. Schutzmarke: Steckenpferd. a Stück 50 Pfa. bei: Neustädter Apotheke u. W. Epseloh, Friseur H. Schmidt, Bäckerstr. 33 und H. 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Entspricht dieser interessante junge Mann wenigstens Ihren moralischen Forderungen?“ Eine flammende Röthe huschte über Marias Gesicht bei dem ironischen Ton, ihre Augen blitzten und stolz den Kopf erhebend rief sie drohend:„Was soll das heißen?“ „Nun, ich will ohne Rückhalt sprechen", versetzte der Graf.„Nicht um Torstens Vertheidigung zu führen, ließ ich Dich um diese Unterredung bitten, sondern um Dich zu warnen. Die mütterliche Sorgfalt, welche Du diesem Jungen zuwendest, kann leicht mißverstanden werden. To tagte mir— um ein Beispiel anzuführen— die Fürstin Luttgenau gestern mit boshaftem Lächeln:„Ihre libbe, hochvererrte Frau ist noch nicht alt genung, und der Baron von Sonneck nicht merr jung genung, um bei intimem Verkerr kalt zu bleiben, odder der Mißdeutung zu entgehen.“— Da die Fürstin nicht allein steht mit ihrer Ansicht, so ersuche ich Dich in unserm beiderseitigem Interesse, genau auf die Grenzen Deiner mütterlichen Zärtlichkeit zu achten. Da Du bis zur Stunde meinen Namen trägst, so darf ich wohl die moralische Forderung stellen daß dessen reiner Glanz durch keinen Schatten getrübt werde.— Das nur war's, was ich Dir zu sagen hatte.“ Mit einer tiefen Verbeugung und triumphirender Miene verließ Graf Wallis seine vergeblich nach einer passenden Antwort suchende Frau.— Gräfin Maria hatte, bevor ihr Gatte heimkehrte, die Absicht gehabt, Evchen zu besuchen; die große Erregung aber, in welche die Unterredung mit dem Grafen sie versetzt hatte, sowie die Furcht vor einer Begegnung mit Torsten, ließ sie den Gang nach dem Pfarrhaus bis zum Abend verschieben. Bevor sie dies erreichte, kam ihr Linz entgegen und rief ihr schon von Weitem zu:„Gott sei Dank, daß Sie kommen; wir bedürfen Ihres Raths, Ihrer Hilfe, denn der Zustand der Kranken läßt das Schlimmste befürchten. Wir haben einen großen Fehler begangen". „Was ist geschehen?“ „Er war da.“ „Torsten?“ Der Pastor nickte und berichtete dann hastig, Eva wäre am Nachmittag auf ihren Wunsch in den hinter dem Hause befindlichen Gemüsegarten gebracht worden. In der hohen Geisblattlaube hätte sie gesessen, als Torsten sie durch Othmar um eine Unterredung habe bitten lassen. Die Kranke habe diese nur unter der Bedingung gewährt, daß ihr Jugendfreund an ihrer Seite bleibe.— „Und wie benahm sich Torsten?“ „Nur widerwillig fügte er sich der Forderung Evas, in Gegenwart des Zeugen zu sprechen, dann aber trat er der Kranken entgegen wie ein Komödiant, der das Wunder Christi am Sterbelager von des Jairi Töchterlein darstellen will— so erzählte mir Othmar. Er sprach von dem„zermalmenden Druck der Verhältnisse", von seinem tiefen Bedauern und seiner Bereitwilligkeit zur Sühne Sie aber saß regungslos da und sah ihn starr an. Als er zuletzt verwirrt schwieg, antworkete Eva ganz leise und auscheinend ohne jede Erregung:„Meine große Verblendung ist jetzt vorüber, Herr von Torsten, und ich sehe erschreckend klar: Ihre Liebeswerbung war Betrug, die Versicherung Ihrer Reue aber ist Lüge. Ich mag nicht die Hand zu einer Scheinverlobung bieten, die Ihren guten Leumund wieder herstellen soll, aber ich wundere mich über Eines——“„Worüber?“ fragte Torsten, dem Enttäuschung und Zorn das Gesicht dunkelroth gefärbt hatten. Und die Kranke erwiderte: „Daß ich Sie jemals für schön gehalten... Ihr Anblick thut mir weh— gehen Sie!"— Sie schloß ermüdet die Augen. Herr von Torsten aber konnte seinen Groll so wenig bezwingen, daß er ihr zurief:„Wenn Sie die Größe meines Opfers nicht zu begreifen vermögen, dann muß Ihr Verstand mehr zerrüttet sein—“ Weiter kam er nicht, denn Othmar hatte Torstens Arm erfaßt:„Verlassen Sie sofort den Garten!“ rief er ihm zu. Der aber wandte sich mit wuthverzerrtem Gesicht gegen ihn und zischte:„Ah, nun weiß ich, wer das thörichte Ding gegen mich aufgehetzt hat!“ Damit verließ er hastig den Garten. „Und die Kranke?“ „Liegt jetzt in Fieberphantasien. Wir haben die vom Kreisphysikus verordneten Arzneimittel angewandt, allein ich fürchte, die Aermste wird den nächsten Tag nicht mehr sehen.“ Maria erklärte, daß sie die Nachtpflege bei der Kranken übernehmen werde und begab sich sofort zu ihr. Des Pastors Befürchtung traf ein, denn die Fiebergluth verzehrte den letzten Rest von Evas Lebenskraft. Gegen Mitternacht versank sie in eine so tiefe Lethargie, daß die Gräfin schon fürchtete, der Tod sei eingetreten. Gegen vier Uhr Morgens aber flackerte das Lebensflämmchen noch einmal auf. (Fortsetzung im Hauptblatt.)