9. Jahrgang. Teleph.-Anschluss No. 83. 228. Biose Leitung erscheint am Abend jedes Mochentages. Adonnementspreis vierteljährlich pränumorande 1 Mark, vom Briesträger ins Haus gebracht Mark 1,25. Ridaktion u. Expedition: Brüderstraße 21(am Gehrenberg). Donnerstag, 28. September. Inserate werden bis spätestens vorm. 10 Uhr erltten. Kreis der einspaltigen Petitzeile für Stadt und Krei. Perford, 1000 Oeynhausen und Amt Rehme 10 Pfg., sonst 15 Pfg.1899. Redaktion u. Expedition: Brüderstraße 21(am Gehrenberg). ## Mit Spannung der Zeitungsleser der weiteren Entwicklung d.„Dinge in den nächsten Monaten entgegen. ti# Kanalfrage in Preußen hat die weittragendste polichl2e- Dedeutung gewonnen; die Folgen der letzten Besind noch nicht übersehbar,„Sobald der Reichstag eder zusammentritt, setzen die Kämpfe über die Umsturzdra# se mit erneuter Heftigkeit wieder ein. Im Ausland 9.) Krieg in Südafrika zwischen England und den Otenstaaten, in Frankreich zittert die Erregung nach Son dem„Dreyfusprozeß. Die Republik ringt mit der weitzate s#c: Mit Spannung sieht man allenthalben der eiteren Entwickelung der Dinge entgegen. Es ist daher für Jeden eine unabweisbare „ILtwendigkeit, ein Blatt zu halten, das ihn schnell zuverlässig über die Tages=Ereignisse im In- und Auslande unterrichtet. #### Unser Blatt hat es sich zur Pflicht gestellt, diese Aufgabe in bester Weise zu lösen. Wer also fortgesetzt bestens unterrichtet sein will, der abonniere unsere „Verforder Zeitung für Stadt und Land“. welche bei dem billigen Quartalspreis von nur1 M. (ausschließl. Bestellgeld) den Aufgaben eines Tageblattes vollauf gerecht wird. Man abonniert bei allen Postanstalten, den BrieftAgern, unsern Agenten und unsern Zeitungsboten, jedoch no.D dies seitens der Herren Postabonmenten, falls nicht geschehen, nunmehr umgehend bewirkt werden . Neu hinzut retende Abonnenten erhalten * Zeitung auf Wunsch bis zum Quartalswechstel P2 8668. * Die Amerikaner auf den Philippinen. :. Den Amerikanern geht es auf den Philippinen L9nlich wie dem Wolfe in der Fabel, als er zu gierig Ven Knochen verschlang. Durch ihren leichten Sieg über die Spanier übermütig geworden, vergaßen die Amerikaner die Gesetze der politischen Mäßigung. Sie etzten sich nicht nur über die Gelöbnisse hinweg, die den Freiheits=Kämpfern auf Cuba von ihnen gemacht Feren, sondern sie trachteten auch noch dem Besitz der Philippinen, denen sie einst Freiheit und Selbstständigteit verheißen hatten. Hier aber kam die Vergeltung; um bei dem Bilde der Fabel zu bleiben, der Knochen dlieb ihnen im Halse stecken. 5. Ja, die große, unbezwingliche Natlon jenseits des Sceans ist trotz monatelanger Anstrengung nicht im Lande, die unter der Führung Aguinaldos um ihre Freiheit und Selbständigkeit kämpfenden Tagalen niederLwerfen. Dieselben halb zivilisierten Scharen, die durch Jahrhunderte unter das spanische Joch gebeugt waren und nur selten einmal einen schnell verlöschenden AufCands=Versuch unternahmen, sind jetzt auf dem besten den Besiegern der Spanier den Lorbeer aus der Pand zu nehmen. Denn immer sicherer bricht, trotz aller salschen Sieges=Meldungen, die Wahrheit hervor, daß sich auf dem Kriegsschauplatze der Philippinen für die Truppen Mac Kinleys eine Katastrophe vorbereitet. eute befinden sich die Amerikaner in derselben Lage, de, sich, in den letzten Tagen ihrer Herrschaft Berte....“.: Sie sind fast ausschließlich auf den ####er Stadt Manila beschränkt, während die aufstandischen Tagalen Herren des Landes sind. Amerikanische Generale selbst, die aus den Philippinen kämpften, haben erklärt, daß zur vollständigen Unterwerfung der Inseln mindestens 100000 Mann rischer Truppen nötig seien. Aus dem Papter sind ###se Verstärkungen leichter beschafft als in Wirklichteit, noch dazu, daß es sich nicht bloß um 100.000 Mann“ schlechtweg handelt, sondern um ebensoviele Tlegsbrauchbare Soldaten mit den dazu gehörigen Atizieren, Unteroffizieren, ferner den Spezialtruppen 2c. Amerika ein solches organisiertes militärisches Oips binnen kurzer Zeit beschaffen will, ist der schwiegZits Tell der Frage. Ein bunt zusammengewürseltes Miliz=Heer, von ebensolchen Offizieren besehligt, dürfte ehr Schaden als Nutzen stiften, einmal weil es risches Material zur Füllung der Spitäler und Kirchliefert, und dann, weil der Rest nur zu leicht dereilben Demoralisation verfallen würde, die schon jetzt Zustand der amerikanischen Streitkräfte in und um Mantla kennzeichnet. Unter solchen Umständen wäre es für die AmeIktaner vielleicht das richtigste, die Worte Dr. Schurmanns zu beherzigen, des Führers der von Mac Kinley) nach Manila entsandten Studien=Kommission. Dr. Schurmann, der wiederholt mit Aguinaldo verhandelt hat, legt dar, daß es kein anderes Mittel gebe, die Philippinen zu regieren, als eine möglichst weitgehende Selbstverwaltung der Eingeborenen, besonders in der Verwaltung der innern Angelegenhelten, der Justiz u. s. w. In demselben Sinne hat sich neuerdings auch Admiral Dewey, der Zerstörer der spanischen Flotte bei Cavite, ausgesprochen, der die Philippiner genau und intim kennt.„Die Philippiner— so sagt er— sind fähig, sich selbst zu regieren, sie haben alle Eigenschaften dazu; es ist eine Frage der Zeit, aber der einzige Weg, den Aufstand zu beenden, und dem Archipel Wohlergehen zu sichern, ist das Zugeständnis der Selbstverwaltung(self-governement) an alle Bewohner. Das würde die Lösung vieler Fragen bringen und alle Welt befriedigen, besonders die Philippiner, welche sich derselben würdig halten und thatsächlich ihrer auch würdig sind.“ Bei der hartnäckigen Verbissenheit der Iwperialisten, in deren Fahrwasser Mie Kinly treibt, um seine Wiederwahl zum Präsidenten zu bewirken, ist freilich die Hoffnung gering, daß diese Mahnung Gehör finden werde Deutsches Reich. Kaiser ist am Dienstag Nachmittag 3 Uhr auf der„Hohenzollern“ in Neufahrwasser eingetroffen, er besichtigte den Panzerkreuzer Kaiser und fuhr hierauf in den Hafen ein. Abends fand Tasel an Bord der Hohenzollernestatt, zu der einige Offiziere der Marine und der Garnison geladen waren. Der Kaiser verblieb während der Nacht an Bord der Hohenzollern und begab sich früh in Begleitung der Admiräle Köster, Tirpitz, v. Senden=Bibran auf der Pinasse wieder nach der Rhede, um an Bord des Kreuzers Kaiser Besichtigungen abzuhalten. Sodann verabschiedete sich der Kaiser von der Besatzung der Hohenzollern und begab sich zum Frühstück in das Kasino des 1. LeibhusarenRegiments. Um 12¾ Uhr reiste der Kaiser nach Dirschau weiter, wo er mit der Kaiserin, die gestern früh von der Wildparkstation aus ihre Reise angetreten hatte, zusammentraf, um 1½ Uhr erfolgte die gemeinsame Weiterreise nach Rominten. Gestern früh ist in Berlin der Oberküchenmeister und Kammerherr des Königs Gerhard Graf Dönhoff. Mojor o. D., im 67. Lebensjahre nach schwerem Leiden gestorben. Nach der„D. Tagesztg.“ scheint nunmehr festzustehen, daß an Stelle des verstorbenen Grafen v. Les Graf Anton von Spee Präsident des rheinischen Bauernvereins werden wird. Der„Reichsanzeiger“ veröffentlicht das Gesetz betr. Dienststellung des Kreisarztes und die Bildung von Gesundheitskommissionen vom 16. September 1899. Das Ergebnis der Reichstags stichwahl in Pirna(8, sächsischer Wahlkreis) stellt sich wie solgt: 13097 Stimmen für Lotze(Reformp.) und 12 547 St. für Fußdorf(Sozialdemokrat). Auf Helgoland wird vom nächsten Jahre ab hinsichtlich der Eheschließungen das selbe Recht gelten wie auf dem deutschen Festlande. Das Gesetz über die Beurkundung des Personenstandes und die Eheschließungen vom 6. Februar 1875 tritt gleichzeitig mit dem Bürgerlichen Gesetzbuch auf der Insel Helgoland in Kraft. Der Kaiser ließ der 45. Versammlung deutscher Philologen und Schulmänner in Bremen auf deren Begrüßungstelegramm folgende Drahtantwort zugehen: „Der Kaiser und König lassen für den freundlichen Gruß der 45. Versammlung deutscher Philologen und Schulmänner danken. Auf Allerhöchst. Befehl. Lucanus.“ Der 20. deutsche Protestantentaa wurde gestern in Hamburg bei zahlreicher Veteiligung aus allen Teilen Deutschlands eröffnet. Den Vorsitz führte Dr. phil. Hugo Krueß. Die Versammlung ehrte das Andenken ihres gestern in Eisenach verstorbenen Ehrenpräsidenten Kamwergerichtsrat Schröder durch Erh ben von den Sitzen. In Verbindung mit dem ersten allgemeinen deutschen Archivartag; wozu zahlreiche Teilnehmer aus Deutschland und Oesterreich= Ungarn eingetroffen sind, wurde vorgestern in Straßburgudie Generalversammlung des Gesamt“ vereinsuuder deutschen Geschichts und Altertumsvereineeröffnet. Die Versammlung wurde vom Ministerrat Hamm Namens der Landesregierung, vom Bürgermeister Back im Namen der Stadt und vom Rektor Magnificus Ziegler Namens der Universität begrüßt. Der Weltkongreß der Impfgegner, der am vergangenen Sonntag in Berlin eröffnet wurde, ist bereits wieder geschlossen worden. Es waren aus allen Teilen Deutschlands und aus dem Auslande im ganzen 241 Delegierté erschienen, darunter 38 Aerzte. (Wir werden morgen noch auf die Verhandlungen zurückkommen. D. R.) Aus Anlaß der Erörterungen zwischen der „Post“ und dem„Vorwärts“ hat Präsident v. Zedlitz laut Erklärung in der„Post“ seine Mitarbeiterschaft an letzterer niedergelegt. Aus Tsintau(Kiautschau) ist die Nachricht eingetroffen, daß der evangelische Missionar D. theol. Ernst Faber am 26. September dort gestorben ist. Seit 1865 in China thätig, seit 1885 im Dienste des Allgemeinen evangelisch=protestantischen Missionsvereins war D. Faber: einer der gründlichsten Kenner der chinesischen Speache und des chinesischen Wesens. In ihm verliert die gize evangelische Mission einen ihrer hervorragendsten und verdientesten Vertreter. Zur Transvaalfrage berichtet der Berliner Berichterstatter der„Désats“ seinem Blatte, es sei möglich, daß ein Zusammengehen Deutschlands, Rußlands und Frankreichs gegen England in der Transvaalangelegenheit zu Stande komme, trotz des Artikels in der„National=Zte. Aus Pretoria wird gemeldet, daß die Antwort Transvaals gestern in geheimer Sitzung dem Raad vorgelegt werden sollte. Angenommen wird, daß sie unnachgiebig ausfallen wird. Daß die letzte britische Note nur eine Spiegelsechterei war, wird jetzt dadurch bewiesen, daß die für die Lösung der Transvaalkrisis vom Kabinet in Aussicht genommenen Mittel bereits skizziert sind. England will nämlich die Tribunale Transvaals unter englischen Einfluß bringen.— Die englischen Offiziere, welche sich augenblicklich in Süditalien aushalten, um daselbst 20000 Maultiere für Südostaftika anzukaufen, erhielten den telegraphischen Besehl, dieselben ansangs nächsten Monats dorthin abzusenden.— Portugal beabsichtigt, falls der Konflikt Englands mit Transvaal es erfordert, eine Brigade von 3500 Mann nach der Delagoabat zu entsenden. Der Kreuzer„Adamastor" erhielt Befehl sich bereit zu halten.— Im Uebrigen erklärt man den Krieg als unvermeidlich. Italien." Der König wird das Parlament am 15. November mit einer politisch hoch bedeutsamen Thronrede eröffnen.— Die von Italien gewünschte Rückberufung des französischen Militärattachés in Rom soll in nächster Zeit erfolgen. Desgleichen soll auch Panizzardr's Posten in Paiis neu besetzt werden. Frankreich: Im Komplotprozeß werden die Angeklagten in vier Gruppen geteilt: I. Die Gruppe der Patrioten, II. der Royalisten, III. der Antisemiten und IV. die Gruppen der flüchtigen, resp. noch nicht verhafteten Angeklagten. Die Anwälte der ersten Gruppe erhielten heute Nachmittag die Einsicht in das Aktenmaterial. Das Verhör des ersten Angeklagten Déroulede beginnt am nächsten Sonnabend.— Trarieux, Picquart, Pressensé und Forzinetti begeben sich nach Carpentras zur endgiltigen Vereinbarung des Feldzuges zur Rehabilitierung von Deyfus. Es steht nunmehr fest, daß Dreyfus den Winter im Palaste des Fürsten von Monako verbringt. England. Zum Diebstahl militärischer Geheimpapiere in Portsmouth wird entgegen anderen Meldungen behauptet, daß die verschwundenen Hefte, in denen die Schlüssel für die Flaggensignale der englischen Marine enthalten sind, von großer Wichtigkeit seien. Diese Signale werden nur alle neun Jahre neu festgelegt, die letzte Festsetzung habe erst vor einigen Monaten stattgefunden Der Wert dieser gestohlenen Hefte ist daraus zu ersehen, daß seit der Katastrophe auf der„„Victoria“ angeordnet worden ist, daß die eisernen Schränke, in denen sich diese Hefte auf den Kriegsschiffen befinden, durchlöchert sein müssen, damit sie sich im Fall einer Katastrophe mit Wasser füllen und dadurch die Hefte vernichtet werden. 3. 5.„ 2.„ C.„ 6.„ Westfalen und Nachbarprovinzen. Herford, 28. September. * Das Ehepaar Dietrich Wehmeyer, Stiftberg, beging gestern das Fest der silbernen Hochzeit, aus welchem Anlaß ihm der Gesangverein„Teutonia", dem Herr W. als Mitglied angehört, ein Ständchen brachte. Auch wir gratulieren und wünschen dem Silber=Paare, daß es ihm vergönnt sei, in gleicher Rüstigkeit in gleicher Zeitspanne auch die goldene Hoozeit feiern zu können. ** Erstes deutsches Hoftheater=Ensemble. Der Besuch zu dem angekündigten Gastspiele der Meininger Hofschauspieler verspricht ein äußerst reger zu werden und wollen wir nicht versäumen, unsern geschätzten Leserkreis hinzuweisen, sich rechtzeitig der guten Plätze zu sichern. Wie wir schon erwähnt, findet nur ein zweimaliges Gastspiel statt, da die geschätzten Gäste bereits anderweitig verpflichtet sind und eine Wiederholung des Gastspieles nicht zu ermöglichen ist. * Bekanntlich findet morgen unser Michaelismarkt statt; hoffentlich ist er, vom Wetter begünstigt, damit die Verkäufer sich in ihren Hoffnungen nicht getäuscht sehen. . Wegen Bettelns und Landstreichens wurde heute Morgen eine Frau und Kind, welche zu einer nach hier gekommenen Zigeunerbande gehörten, verhaftet und dem Kgl. Amtsgerichte hiers. zugeführt. ** Bäckerinnung. Bei der gestrigen bei dem Wirt Aecker stattgefundenen außerordentlichen Innungsversammlung, wurde eine Neuwahl des Vorstandes vorgenommen und dabei folgende Herren gewählt: 1. Als Obermeister Meister Richter, Schriftführer„ Strunr, Kassierer„ Wöhrmann, stellv. Obermstr.„ Joly, „Schriftführ.„ Wehmeyer, „ Kassierer„ Sprick. * Eine Zigeunerbande suchte sich in früher Morgenstunde hierselbst auf dem Pagenmarkte häuslich niederzulassen. Von dort verwiesen, versuchten sie dasselbe Manöver beim Wirt Winkelmann. Auch hier wurden sie alsbald aufgestört und per Schub von der Polizei über die Grenze gebracht. * Wie wir erfahren, hat Herr H. Stranghöner von Herrn Meyer den bekannten, den Verkehr zwischen Bergerthor und Bahnhof vermittelnden Linienwagen, den sogenannten„Pingelwagen“ nebst Betrieb für 6000 M. käuflich ab 1. Okt. übernommen. * Eine Kontrole sämtlicher Militärinvaliden und Unterstützungsempfänger beabsichtigt die Militärbehörde durchzuführen. Zu diesem Zwecke sollen die von der Militärbehörde geführten Personalakten fortan bei demjenigen Bezirkskommando lagern, in dessen behörde über den Wohnort der Invaliden usw. laufend unterrichtet ist. Die Ortsbehörden sind demzufolge ersucht worden, die in Betracht kommenden Personen darauf hinzuweisen, daß im Falle eines Verzuges in einen anderen Landwehrbezirk es in deren eigenem Interesse liege, hiervon das Bezirkskommando bezw. Meldeamt des bisherigen oder des neuen Wohnsitzes in Kenntnis zu setzen. * Steuer=Veranlagung Es sei auch an d'eser Stelle darauf hingewiesen, daß leut behördlicher Aufforderung seitens derjenigen Personen unserer Stadt, welcke eine Steuer=Erklärung gemäß§§ 24 25 d. Eink.=St.=Ges. v. 24 Juni 91 nicht abzugeben haben, bis zum 20 Oktober der Nachweis derjenicen Beträge an Schuldenzinen, Renten, Lasten, Kesserbeiträge rc. die bei der Veranlagung Berücsichtiauna bez. Abzug finden soller, aus dem Steuer=Bureau Freiheitstraße 5 I(Zimmer 7) zu führen ist.— Wöge also Jeder, der solche Abzüge berücksichtigt zu haben wünscht, in obiger Frist rechtzeitig deren Nechweis bewirken und so einer event. unrichtigen Veranlagung selbst vorbeugen. * Ueber die Höhe der Alters= und Invaliditätsrenten in Westfalen im Jahre 1898 wird gemeldet: Auf Anweisung der Versicherungsanstalt wurden von den Postanstalten 1 032 143,82 Mk. Alters= und 1 394948,29 Mk. Invalidenrenten, zusammen mithin 2427092,11 Mk. Renten gezahlt. Von je 100 Mk. Rentenzahlungen entfielen hiernach 43 Mk. auf Altersund 57 Mk. auf Invalidenrenten. Von den Altersrentenzahlungen wurden 383378,07 Mk. vom Reiche und 648765,75 Mk. von der Versicherungsbank erstattet, sodaß der Anteil des Reichs 59 pCt. des Anteils der Versicherungsanstalt betrug. Von den Invalidenrentenzahlungen aber erstatteten das Reich 546 342,36 Mk und die Versicherungsanstalt 848605,93 Mk., sodaß sich der Anteil des Reichs auf 64 pCt. des Anteils der Versicherungsanstalt belief. Alles in allem genommen geben diese Ziffern einen interessanten Nachweis dafür, mit welch enormen Beträgen auf diesem Gebiete innerhalb unserer Provinz gewirtschaftet wird. heutigen Wochenmarktherrschte reges Lebe: sowohl Käufer als Verkäufer wiren zahlx 10 0":-Sizühlt wurde: für Blumenkohl 35—40 H, Kohl 8—10 H. Wirsing 15 J. Butter das Pd. en 1.20, Eier à Pfd. 70„ Wurzeln à Bund 10 c, Kartoff ln a Ctr. M. 200—3.00, Aepfel &a Ctr. c# 400—5.00, Birnen à Ctr. I 8.00—1000. Rüben à Bund 8 c. Steckrüben Stück 5 Zwetschen a Psd. 5 J Hühner a St. c#t 1 35—1.50, Hähnchen à St. 75—90 H. Enten junge Mk. 2.00, Kohlrabi 4 St. 10 H. Selerie 5 St. 10 c, Zwiebeln a Psd. 10 H. Rorkol St. 10—15 J, Rindfleisch 60—65 H. Schweinefleisch 65—70 J, Hammelfleisch 60—65 Nierensett 30—50% ** In der elften Sitzung der XXII. Westfälischen Provinzial=Synode, an der Herr Konsistorialpräsident Stockmann und Herr Konsistorialassessor Starte teilnahmen, verlas der Präses zunächst die Einladung zum bevorstehenden 12. evang. Schulkongreß. Sodann berichtete Herr Landgerichtspräsident Ahlemann aus Kommission I über den Antrag Münster: größere Gemeinden zu teilen, ohne den gemeinsamen Besitzstand aufzuheben. Die Kommission hat einstimmig die Bedürfnisfrage der Teiluug der größeren Gemeinden bejaht. Die Frage, ob eine Aenderung der Gesetzgebung dadurch vermieden werden könne, daß ein bez. Gemeindestatut eingeführt werde, ist von der Kommission verneint worden. Ebenso ist es für nicht empfehlenswert zu halten, durch Zusätze zu den betreffenden Bestimmungen die gesetzliche Möglichkeit der Trennung herbeizuführen. Kommission hat den durch den Superintendenten Hermann aus Barmen vorgelegten und vertretenen Gesetzentwurf der Rheinischen Provinzialsynode betreffend die Bildung von Parochial=Verbänden, behufs Erleichterung der Teilung größerer Gemeinden geprüft und unter geringen Abweichungen diesen Entwurf der Provinzialsynode empfohlen. Herr Generalsuperintendent D. Nebe steht persönlich dem Zweck des Gesetzentwurfes durchaus sympathisch gegenüber, möchte aber dem Gesetz nicht nur den Zweck geben, bestehende kleine Gemeinden zu einer Gesamtgemeinde zu vereinigen. Herr Superintendent Hermann glaubt, daß die vom Genralsuperintendenten D. Nebe ausgesprochene Aenderung zur Erreichung des doppelten Zwecks die Sache wesentlich erschweren würde, zumal in Rheinland und Westfalen die Notwendigkeit der Teilung größerer Gemeinden im Vordergrund des Interesses stehe. Herr Gerichtsdirektor Ahlemann glaubt, daß es nicht die Aufgabe der Kommission gewesen sei, ein Gesetz für die ganze Monarchie vorzubereiten, sondern nur für Rheinland und Westfalen. Der Herr Konsistorialpräsident weist auf die Wichtigkeit der Möglichkeit hin, zumal wenn arme und reiche Kirchengemeinden dicht bei einander liegen. Ebenso tritt Herr Major Strosser, Herr Superintendent Schlett und Herr Superintendent Bramesfeld für die Gedanken des Generalsuperintendenten ein. Herr Erbmarschall v. d. Recke will beide Materien getrennt wissen. Herr Gymnasialdirektor Göbel will die Eigenart der einzelnen Gemeinden gewahrt wissen und wünscht diese Eigenart nicht aus lediglich materiellen Gründen zu beeinträchtigen. Herr Superintendent König glaubt, daß auf beiden Linien derselbe Zweck erstrebt werde, nämlich lebensfähige Gemeinden zu erhalten; er glaubt, daß der einfachste Weg der sei, den vorgeschlagenen Gesetzentwurf anzunehmen und zugleich das Gesetz für die östlichen Provinzen, wenn es sich als nötig herausstellt, für Rheinland und Westfalen einzuführen: Herr Generalsuperintendent wünscht das treue Zusammmenhalten der beiden anzunehmen und gleich die rheinische Synode freundnachbarlich zu bitten, die von der westfälische Synode vorgeschlagenen Abänderungen auch ihrerseits zu genehmigen. Der Vorschlag des Herrn Superintendenten König, das Gesetz für die Berliner Gemeinden auch für Rheiuland und Westfalen einzuführen, wird vom Herrn Superintendenten Bramesfeld bekämpft, da sich die Tragweite dieses Vorschlages nicht übersehen lasse. Die Kommission I beantragt 1) den von der rheinischen Provinzialsynode vorgeschlagenen Entwurf anzunehmen. 2) die rheinische Provinzialsynode zu bitten, den von der westfälischen Provinzialsynode vorgeschlagenen Abänderungen ihrerseits ihre Zustimmung zu geben. 3) die rheinische Provinzialsynode zu bitten, von den Anregungen der westfälischen Synode Kenntnis zu nehmen, welche darauf hinzielen, durch Gesetzvorlage die Bildung von Parochialverbänden nicht nur zum Zwecke der Teiluug größerer Gemeinden, sondern auch zum Zwecke der Zusammenfassung mehrerer Einzelgemeinden unter Wahrung der einheitlichen Vermögensverwaltung zu ermöglichen und solche Borlagen für die nächste Provinzialsynode vorzubereiten. Sämtliche 3 Anträge werden von der Provinzialsynode angenommen, wonach Herr Superintendent Hermann für das Entgegenkommen dankt.— Herr Superintendent Niederstein referiert sodann aus Kommission l über das Pfarrbesoldungsgesetz und beantragt unter Anerkennung der unleugbaren Segnungen des Gesetzes: Provinzialsynade wolle beim Minister um erhebliche Erhöhung des staatlichen Zuschusses im Interesse der Gemeinden einkommen, welcher Antrags einstimmig angenommen wird.— Der Konsistorial=Assessor Starke nimmt zu dem gefaßten Beschlusse das Wort, um die Art der Durchführung des Gesetzes seitens des Konsistoriums gegen die im Referat vorgetragenen Ausstellungen zu verteidigen und sodann um festzustellen, daß die der Provinz zur Verfügung gestellten Summen genügen um die Mehrausgaben zu decken.— Herr Superintendent Niederstein verteidigt die Auffassung der Kommission und weist nach, daß Verheißung und Erfüllung sich bei diesem Gesetze nicht decken. Dem schließt sich Herr Rektor Hark an. Herr Konsistorial-Präsident Stockmann glaubt daß die Erwartungen, die man in weiten Kreisen auf das Gesetz gestellt hat in den Verheißungen der Staatsregierung nicht Grund gehabt hätten— Nach lebhafter Geschäftsordnungsdebatte wird Schluß beantragt und angenommen, worauf die Sitzung geschlossen wird. Enger, 27. Sept. Zur Entlastung der hiesig n beioen Geistlichen wird in nächster Zeit noch ein Kindidat als Hülfsgeistlicher angestellt. Die Kirchengemeinde hat zur Zeit über 9000 Seelen. ! Enger, 27. Sept. An dem zu Ehren des scheidenden Herrn Amtmanns Bader im Hotel„Westsälischer Hof“ stattfindenden Festessen werden sich etwa 80 Personen aus Stadt und Land beteiligen; außerdem haben der Herr Landrat und die Herren Amtmänner des Kreises sor scheinen zugesagt. Der Kriegerverein wrr, Herrn Amtmann Bader als seinem Fr## mitaliebe am Sonnabend einen Fack“ zhr bringen. Die Vereinsmitglieder baben abends 8 im Vereinslokale anzutreten..6400 r Ennigloh b. Bünde, 27. Sept. Bei einem abend in der neunten Stunde auf dem Boden des Werkmeister W. Lohmann hierselbst gehörigen Hause gebrochenem Brande wurden die daselbst aufbewah Erntevorräte vernichtet. Dank dem energischen## greifen der hies. freiw. Feuerwehr blieb ferneres Um, vermieden. * Bünde, 27. Sept. Die Eröffnung" feier der Strecke Bünde—Rabden findet, schon gemeldet, am Sonnabend, den 30. d. M., s# Von Seiten des Kreises Lübbecke ist aus dies“: Anlaß eine größere Festlichkeit geplant. Nachmittot 2½ Uhr findet im Wellmann'schen Saalé Lübbecke ein Festessen statt, wozu Einladungen die Mitglieder der Eisenbahn=Bauabteilungen, Spitzen der Behörden, an den Oberpräsidenten und Eisenbahnminister ergangen sind. Die Teilnehmer bo Bünde und Rahden werden in Extrazüc, abgeholt werden. Abfahrt von Bünde 11,15 vormittags, Ankunft in Rahden 1 Uhr. In Rahd“, findet offizieller Frühschoppen statt. Abfahrt Rahden 1,30 Uhr, Ankunft in Lübbecke 2 Uhr — Rücksahrt nach Bünde 5.40 Uhr und 8,25 Uh' abends, nach Rahden 7.30 Uhr abends. g Hiddenhausen, 28. Sept. Nächsten Montoh den 2. Oktober, beginnt hier der erste Kursus der war dernden Haushaltungsschule des Kreises Herford. Selb verständlich herrscht für diese segensreiche Einrichtunt großes Interesse. Es hat sich auch darum eine völlih hinreiche Anzahl konfirmierter Mädchen zur Teilnahr, an dem Kursus gemeldet.— Da die Haushaltungsschul von großem Segen für eine Gemeinde nach manche Seiten hin ist, so sollten doch allerorts die Eltern gers# auf den Verdienst ihrer Töchter für die kurze Zeit ver' zichten; was die Mädchen darin lernen hat Wert fül ihr ganzes Leben, ja über ihre Lebenszeit hinaus. ** Vlotho, 27. Sept. Die Unterhandlungen seiten? der Kleinbahngesellschaft bezw. des Direktors derselbes mit dem Beauftragten der hiesigen St. Stephangemeinde über die Abtretung von kirchlichen Grundstücken hat 3“ keinem Ergebnis geführt, da der Direktor sich geweiger hat, den geforderten Preis von 7 Mk. für den Quadrat' meter Gartengrundstück so ohne Weiteres zu bewilligenEs ist nun, wie verlautet, vorgeschlagen worden, eine Sachverständigen= Kommission zur Abschätzung der betr. Grundstücke zu ernennen.— Zur Kleinbahnlinie Vlotho“ Lemgo=Detmold erfährt man hinsichtlich der Strecke buß veren Ausbau wegen der vorhandenen Terrainschwierigkeiten mit nicht unerheblichen Kosten verknüpft sei. Salzuflen, 27. Sept. Der an unserec Realschule thätige Herr Lehrer Pöhlert hat kürzlich in Münster die Rektorprüfung bestanden.— Kommenden Sonntas wird Herr Seminarmusiklehrer Th. Vehmeier im Vereis mit Herrn Trautermann in unserer Kirche ein geistliches Konzert veranstalten. n Bielefeld, 27. Sept. Dem am 1. Oktober ce in den Ruhestand tretenden Kceitboten Heinr. Spiekerkötter ist das Allgemeine Ehrenzeichen in Gold verliehen worden; Herr Spiekerkötter ist 48 Jihre ununterbrochen im königl. D'east gewisen, davon 36 Jahre als Kreisbote beim hiesigen Landratsamt. e Bocholt, 27. Sept. Hier starb gestern ein 19jähriges junges Mädchen infolge von Blutvergiftung. Es hatte sich vor einigen Tagen eine kleine Winde auf der Wange zugezogen, die trotz sordsamster ärztlicher Hülfe den Tod des jungen Mädchens herbeiführte. g. Bochum, 27. Sept. Mit einem Stammkapital von 700000 Mk. hat sich hier eine„Terraingesellschaft mit beschränkter Hastpflicht" gebildet, die auf einem großen Baugeund am Stadtpark eine Anzahl Villen und herrschaftliche Häuser errichten will. i Eickel bei Bochum, 27. Sept. Ein verwegener Diebst ihl ist auf Zeche„Königsgrube“ ausgeführt word n. Während der Mittagspause wurde von irgend einem mit den Verhältnissen vertrauten Spitzbuben das Lohnbureau mittels Nachschlüssels geöffnet und ein zur Auslöhnung bereit liegender Geldbetrag von 20 000 M. gestohlen. Von dem frechen Diebe hat man bis jitzt noch keine Spur. a Essen, 27. Sept. Wegen einer Duellaffäre hatten sich heute der Apotheker Franz Zumloh aus Katernberg und der praktische Arzt Dr. med. Schulte aus Huttrop vor der Straskammer zu verantworten. Zumloh war beschuldigt, am 13 Juli den Apotheker Rudolf Hennig aus Stoppenberg zum Zweikampf auf Pistolen gefordert, und Schulte, diese Forderung überbracht zu haben. Hennig hatte indes die Forderung abgelehnt. Das Gericht verurteilte Zumloh zu einer Woche und Dr. Schulte zu drei Tagen Festungshalt. X Kempen, 27. Sept. Der wegen Mordes s. Z. zum Tode verurteilte, dann aber zu lebenlängl. Zuchthausstrafe begnadigte Arbeiter Engels von hier, der in Werdener Zuchthause interniert ist, ist jitzt— 10 Jahre noch der That, wahnsinnig geworden und mußle einer Irrenanstalt überwiesen werden. Er leidet an Verfolgungswahn; hier hat also sichtbarlich schon auf Erden ein höherer Richter gestraft. " e Grefrath, 27. Sept. Zu einem heftigen Kampfe zwischen Wilderern und Jägern kam es bit Hinsbeck, schließlich wurden die Wilddiebe überwältigt. Ein###: erhielt 7 Schüsse und liegt hoffnungslos im tenhause. bei# Barmen, 27. Sept. Insolge der Ruhrkrankauf P#d heute auf Antrag des Kreisphysikus und eigt..Duung des Landrats und des OberbürgerSiz3's Dr. Lentze in elf Volksschulen im nördlichen eingas auf die Dauer von 14 Tagen der Unterricht deraz.#;, da einzelne Schüler dieser Schulen bezw. Angehörige an der Ruhr erkrankt sind. ### Barmen, 27. Sept. Heute morgen wurde mit var, Dau des Fundaments für das zu errichtende Biseadenkmal begonnen. an. Elberfeld, 27. Sept. Vor der hiesigen Straf5### wurde heute wegen des am 13. Dezbr. v. I ## Sohwinkel vorgekommenen Eisenbahn=Unsalles verzu, e#t. Es hatte sich damals ern Teil eines Güter„'s aus Deutzerfeld gelöst und war dem von Elberg#### mmenden Frankfurter Schnellzug in die Flanke 1 Pker. Dadurch waren die Notleine des Schnellund mehrere Güterwagen stark beschädigt worden, scha2[chenleben waren nicht zu beklagen. Der Materialonm betrug 10= bis 12000 Mark. Diesen Unfall Ja#“ der Bremser des Schlußwagens des Güterzuges . Yann Metz und der Lokomotivführer des Schnell68 Heizer 1. Kl., Holznagel, verschuldet haben. ###eter dadurch, daß er sich von seinem Sitz entfernt h.“ und im Augenblick der Gefahr nicht zur Stelle g. der Führer des Schnellzuges dadurch, daß er das #####hrtssignal des Bahnhofs Vohwinkel nicht bedon habe. Der Führer der Lokomotive wurde heute ### der hiesigen Strafkammer freigesprochen, der Bremser 9 zu einem Monat Gesängnis verurteilt. # k Elberfeld, 27. Sept. Beim Dekorieren in „Schausenstern eines hiesigen großen Warenhauses, 1 dem auch 2 Gehülfen eines Elektrotechnikers mit #### Legung elektrischer Leiungen beschäftigt warer, #a#z“ sich überspringende Funken der zur Deko,„%n verwendeten Masse mit und im nächsten Augen“ standen die beiden Schaufenster in hellen Flammer. „.urch das sofortige Eingreifen des Personals wurde „weiteres Umsichgreisen des Feuers verhindert, doch der Schaden ziemlich bedeutend. b Kreseld, 27. Sept. Der erste Haup gewinn „. Straßburger Sängerhaus=Lotterie in Höhe von 900 M. ist nach hier gefallen. Die glücklichen GeLinner sind die Wirtsfrau Keßler und deren Dienstbädchen Maria Linzenbach aus Duisburg=Hochfeld. m. Köln, 27. Sept. Heute mittag stürzte ein keubau in der Wolfstraß=, vier Stock hoch und bereits Mitig zn befindlich, ein, als die Arbeiter, mit dem Inn 3essen fertig, die Arbeit des Verputzens des sich.. 4es wieder begannen. Ein Arbeiter konnte beschäftig; die anderen, welche im dritten Stockwerk waren, stürzten mit dem Bauwerk in die E Vom ganzen Bau steht nur ein Teil von 2 Umfassungsmauern; der innere Bau ist in sich zusammengestürzt. Die Blätter geben die Zahl der noch unter den Trümmern Besindlichen auf 8—10 an. 100 Feuerwehrleute und andere Personen wurden zu Rettungsarbeiten herangezogen und sind bei elektrischem Licht und Fackelbeleuchtung thätig. Die Angehörigen der Verunglückten umstehen jammernd die Unglücksstätte. vom Tage. Zur Verhaftung der früheren Leiter der „National=Hypotheken= Kreditgesellschaft“ in Stettin wird berichtet: Durch leichtsinniges Kreditgeben kam die auf Gegenseitigkeit gegründete Pfandbriefgesellschaft s. Z. derart in ihren Verhältnissen zurück, daß selbst die volle Bezahlung der Zinsen der ausstehenden Pfandbriefe nicht mehr erfolgen konnte. Die vormaligen Leiter wurden aus ihren Aemtern entfernt und durch neue Direktoren ersetzt, unter deren Leitung die Gesellschaft sich jetzt aufgeholfen hat. Gegen die alte Verwaltung stelten sich so erhebliche belastende Thatsachen heraus, daß schon vor längerer Zeit zur Verhaftung des ersten Direktors Thym geschritten wurde. Weitere Erhebungen ergaben auch gegen die übrigen beiden Mitglieder der Verwaltung so schwere Belastungen, daß die Staatsanwaltschaft jetzt ihre Festnahme verfügte. Die Verhaftung des Direktors Uhsadel und des Grafen Arnim ist wegen Fluchtverdachts erfolgt, doch scheint ihre Haftentlassung gegen hohe Kaution nicht ausgeschlossen. Graf Arnim ist ein Sohn des verstorbenen früheren Botschafters Harry v. Arnim. Eine Falschmünzerwerkstätte, in der alsche Markstücke angesertigt wurden, ist in Jetznitz aufgehoben worden. Plötzlich irrsinnig geworden ist in Prag der Balletmeister Otto Thieme aus Dresden, der daselbst für das Prager deutsche Theater ein Ballet einstudirte. Im Achensee aufgefunden wurden die Leichen des Agenten Ecasmus Grimm und der Louise Vogel aus Höchst bei Frankfurt a. M. An gelbem Fieber kamen am Dienstag in Key=West 46 neue Erkcankungen vor. Die Zahl der E krankungen im Mssissippi=Cy ist nicht bekannt. Der Bergsturz am Sasso Rosso bei Airolo ist noch immer nicht ganz zur Ruhe gekommen. Wiederholt haben kleinere Nachstürze die Bewohner des Dorfes in Angst versetzt. Vom Montag wird gemeldet, daß ein gewisser E. Dotta, der sich zu weit in das Absturzgebiet gewagt hatte, von einem herabrollenden Stein erschlagen worden sei. Unterze angen mit 7 Mann Besatzung ist bei Vorberg das Papenburger Schiff„Gerhard". Begnadigt und entlassen wurden gestern in Paris der aus dem Pinamaprozeß bekannte Arton. Gescheitert ist an der amerikanischen Küste bei Morand der deutsche Dampfer„Adaila". Infolge eines Scherzes wird der 9jährige Knabe Schröder in Potsdam sein Augenlicht verlieren. Derselbe ärgerte den Gärtner Bunk mehrfach dadurch, daß er in dessen Fenster hineinsah, so daß dieser scherzweise dem Knaben mit Erschießen drohte. Gestern legte Bunk mit einem Teschin, von dem er glaubte, es sei nicht geladen, auf den Knaben an und drückte los. Der Knabe wurde jedoch von einer Ladung in den Kopf getroffen, sodaß er wohl das Augenlicht gänzlich verlieren wird. Letzte Nachrichten. Rominten, 28. Sept. Der Kaiser und die Kaiserin sind gestern Abend 9 Uhr hier eingetroffen. Von Trakehnen aus fuhren die Majestäten in einem Viererzuge mit Spitzenreitern durch den Rominter Forst. Zahlreiche Ehrenpfor en waren errichtet. Alle Dör'er hatten illuminiert. Die Bevölkerung der ganzen Umgegend wur herbeigeströmt. Montevideo. 28. Sept. Der Finanzminister und der Minister der öffentlichen Arbeiten demissionierten. Der Rücktritt ist auf Schwierigkeiten, die in der Frage des Rektorats der Universität entstanden sind, zu suchen. Berlin, 28. Sept. Hier versuchte der 15jährige Laufbursche Franz Wagner in der Louisenstraße seine Großmutter zu ermorden. Der Mörder ist noch nicht ergriffen.— Nach dem„Berl. Lok.=Anz.“ ist der Buchhalter Spielvogel, der einer hiesigen Ledergroßfirma 12000 Mk. defraudierte, in Brüssel verhaftet. Ein großer Teil des Geldes wurde bei ihm noch vorgefunden.— Der„Lok.=Anz.“ meldet aus Hamburg: Das Gnadengesuch des wegen Hausfriedensbruchs, begangen in der Sterbenacht Bismarcks, zu 6 Monaten Gefängnis verurteilten Photographen Wilke ist abgewiesen worden. Paris, 28. Sept. Nach Meldungen aus Caracas wurde dort der Versuch gemacht, das Ministerium des Auswärtigen mittelst Bomben in die Luft zu sprengen. Bloemsontatn, 28. Sept. Der Raad des Orangefreistaates beschloß die Regierung zu beauftragen alle Mittel zu Anwendung zu bringen, um ohne Verletzung der Ehre und Unabhängigkeit des Ocanjefreistaates Transvaal Frieden zu sichern. Ferner wünscht der Raad der Anschauung Ausdruck zu verleihen, daß der Krie; ein Verbrechen sein würd:. Möge kommen was da wolle, der Fie staat werde die Verpflichtungen getreulich erfüller, wlche ihn aus dei zwiscen beiden Ländern bestehenden Bündny: Transvual gegenüber erwachsen. Briefkasten. Nach Enger, III Klasse einfach nach Leipzig für alle Züge(also Schnellzüge eingeschlossen) M. 17.—, für Personenzüge M. 14.50. ersteres ist natüclich vorzuziehen. Bekanntmachung. Berücksichtigung bei der werd, teuer=Veranlagung für 1900 Person, diejenigen steuerpflichtigen gem.!““, welche eine Steuererklärung steuer§§ 24 und 25 des Einkommennicht Gesetzes vom 24. Juni 1891 ges: Abzugeben haben, hiermit aufert, Abzüge an Schuldenzinsen, verungs=Pem Annie Welr „#na der letzten Quittungen der zum 20. Oktober während auf„ormittags= Dienststunden Freig###em Steuer=Bureau im Hause Lachzutzgraße 51(Zimmer Nr. 7) Ver4weisen und so zu ihrer richtigen Tagung beizurragen. Seisott, den 23. Sept. 1899. Der Magistrat. Terjung. Nähe Herford's in guter zu verkaufen oder zu verKolonig bisher ein gutgehendes ausgaren= Geschäft- betrieben zum m.Vurselbe auch sehr geeignet Nähers a einer Bäckerei. Ernst Rugkunst erteilt Firma Budde in Herford. schiner „Laden dieser wei kleinere Läden, in Wenbängend, mit Wohnung, Leeig dem Geschäft(Colonialwaren) dermie: in bester Lage sofort zu leten. Zu erfahren Gehrenberg 25. der Saden und Wohnung oder####kt oder später im Ganzen Einzeln zu vermieten. Ludwig Weddigen, Alter Markt. zu vermieten. Wilh. Mönkemann Die von Herrn W. Steuer sei Jahren innegehabte ist per 1. April 1900 anderweitig zu vermieten. Opitz, Lübberstraße. 3 anständige junge Männer oder Mädchen erhalten Kost und Logis. Zu erfragen in der Expedition unter Nr. 1465. Kost und Logis für 2 junge Leute. Klarenstraße Nr. 21 Tüchtige, solide Cigarrenmacher für dauernde Beschäftigung bei guten Löhnen gesucht. Heinr. Pahmeyer, Krell=Mennighüffen. Kochmaschinen### sowie sämtliche Haus- u. 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Auszug aus der Steuerrolle, beglaubigte Abschrift des Grundbuchblatts, etwaige Abschätzungen und andere die Grundstücke betreffende Nachweisungen, sowie besondere Kaufbedingungen können in der Gerichtsschreiberei 3 eingesehen werden. Alle Realberechtigten werden aufgefordert, die nicht von selbst auf den Ersteher übergehenden Ansprüche, deren Vorhandensein oder Betrag aus dem Grundbuche zur Zeit der Eintragung des Versteigerun gsvermerks nicht hervorging, insbesondere derartige Forderungen von Kapital, Zinsen, wiederkehrenden Hebungen oder Kosten, spätestens im Versteigerungstermin vor der Aufforderung zur Abgabe von Geboten anzumelden und, falls der betreibende Gläubiger widerspricht, dem Gerichte glaubhaft zu machen, widrigenfalls dieselben bei Feststellung des geringsten Gebots nicht berücksichtigt werden und bei Verteilung des Kaufgeldes gegen die berücksichtigten Ansprüche im Range zurücktreten. Diejenigen, welche das Eigentum der Grundstücke beanspruchen, werden aufgefordert, vor Schluß des Versteigerungstermins die Einstellung des Verfahrens herbeizuführen, widrigenfalls nach erfolgtem Zuschlag das Kaufgeld in Bezug auf den Anspruch an die Stelle des Grundstücks tritt. Das Urteil über die Erteilung des Zuschlags wird am 21. November 1899 vormittags 10 Uhr an Gerichtsstelle verkündet werden. Herford, den 26 Seotember 1899. Königliches Amtsgericht. * * Berliner-Kaufhaus Hermann Heimann Gehrenberg 17. Herren=Shlipse, täglich Eingang von Neuheiten: Schleifen St. 18, 20, 30, 40, 50, 60. 75, 90. 5, Regattes 50, 75, 90.100 Glacke=Handschuhe vorzüglich sitzend, Paar 1.75, 2. 12,50 Mk. 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Wer liebend sich ans Nächste hält Und will nur das gewinnen, Umsaßt darin die ganze Welt Und Gott ist mitten drinnen. Vivian's Schicksal. Roman von J. von Boettcher. (35. Fortsetzung.)—(Nachdr. verb.) Es war spät am Nachmittag, Mrs. Ostrander lag aus dem Sopha im Wohnzimmer und fühlte sich den Umständen gemäß ganz behaglich, als ihr eine Karte übergeben wurde, mit dem Bemerken, daß der Herr um Erlaubnis bitte, ihr auswarten zu dürsen; sie wußte sogleich, wer es war, und bat den Diener, den Herrn hereinzuführen. Vivian war im Nebenzimmer mit Auspacken der Koffer beschäftigt, als Mrs. Ostkander ihr zurief, hereinzukommen. „Aubrey,“ sagte sie,„mein neuer Bekannter ist um sich nach meinem Befinden zu erkundigen, ich habe ihn bitten lassen, herauf zu kommen. Ich denke, Sie werden mir darin beistimmen, daß er ein sehr chöner Mann ist. Hier ist seine Karte.“ Sie reichte Vivian die kleine viereckige Karte und Oieselbe ansehend, las Vivian den darauf gedruckten Namen. Einen Moment stand sie wie versteinert da, bleich und regungslos, wie ein Marmorbild, dann machte sie einen Schritt nach vorwärts, als wolle sie das Zimmer verlassen, aber es war zu spät, denn in demselben Augenblick flog die Thür auf, um einen Herrn einzulassen. Vivsan's Auge fiel auf sein Gesicht, dann sank sie lautlos ohnmächtig zu Boden. Der Herr, welcher auf der Schwelle stand, war Frank Trafford. Höfliche Worte der Entschuldigurg und des Bedauerns hatten auf Frank Trafford's Lippen geschwebt, als der Diener die Thür aufriß, um ihn bei Mrs. Ostrander einzulassen. Aber die Worte erstarben und jede Erinnerung an Mrs. Ostrander war entflohen, als eine Augen auf die anmutige, schwarzgekleidete Frauenbestalt fielen, die vor ihm stand, als er in das Zimmer krat. Einen Augenblick glaubte er einen Geist zu sehen. Wenn es nicht Vivian in Fleisch und Blut war,— und sie konnte es nicht sein, denn, hatte er nicht die schwarze Erde auf ihren Sarg fallen sehen?— dann sicherlich war es ihr Geist. Die großen, dunklen, vor Entsetzen weit geöffneten Augen, welche den seinigen begegnet, ließen in der gespannten Anstrengung ihres Blickes nach, die schwarzgekleidete Gestalt wankte und fiel langgestreckt zu Boden. Ehe Mrs. Ostrander, welche in schweigendem, starrem Staunen der seltsamen Szene beiwohnte, sich vom Sopha erheben konnte, hatte Frank die bewußtlose Gestalt in seine Arme genommen und auf das niedrige Ruhebett gelegt, welches in einer Ecke des Zimmers stand. Als er sie aushob und in das marmorbleiche Gesicht sah, das an seiner Brust ruhte, mit den dunklen, langen Augenwimpern, welche die farblosen Wangen beschatteten, und den festgeschlossenen Lippen, wußte er, daß es kein Geist, sondern Vivian, zwar bewußtlos und regungslos wie eine Tote, aber dennoch lebend, war. Dasselbe Gefühl, welches Kenneth ergriffen, als er sie wiedersah, empfand auch jetzt Frank. Er konnte es nicht begreifen, sein Kopf schwindelte, eine Anwandlung von Ohnmacht befiel ihn, aber die Wahrheit dämmerte in ihm auf, daß ein Irrtum begangen, daß die Frau, welche man statt seiner Gattin begraben, deren gräßlich entstellte Leiche jedes Erkennen unmöglich gemacht, nicht Vivian gewesen war. Aber es war so schwer zu begreifen, er konnte es nicht fassen, und doch— da lag sie ja vor ihm. Er glaubte wahnsinnig zu werden. Er blickte rat= und hüflos, fast wild auf Mrs. Ostrander, als diese sich über Vivian beugte, ihren Kopf mit Eiswasser benetzte, ihre Lippen anfeuchtete, ihr Kühlung zufächelte und Alles that, was in ihren Kräften stand, um sie wieder zum Bewußtsein zurückzurufen. „Wer ist sie?“ fragte er mit leiser, gepreßter Stimme, und sein Gesicht war bleicher, wie es je gewesen, und er bebte an allen Gliedern. Einen Augenblick zögerte sie. Sie war selbst so verwirrt, daß sie kaum wußte, was sie ihm anworten sollte. Aber dieser Augenblick war für ihn eine Ewigkeit. „Um Goltes willen, sagen Sie mir, wer sie ist?“ wieberholte er.„Sagen Sie mir ihren Namen.“ Ein schneller Blick auf ihn genügte, um ihr zu sagen, daß nicht eitle Neugier ihn zu dieser Frage trieb. „Ihr Name ist Aubrey Verrall“, antwortete Mrs. Ostrander,„und sie ist meine liebe Freundin. Aber warum fragen Sie danach?“ Ec schien ihre Frage nicht gehört zu haben. „Aubrey Verrall,“ murmelte er sinnend.„Seit wie lange kennen Sie sie?" fragte er dann plötzlich. „Unter welchen Umständen machten Sie ihre Bekanntschaft? Verschweigen Sie mir nichts, Sie wissen nicht, wie viel für mich davon abhängt.“ Daß ihm die Sache nicht gleichgiltig war, sah sie deutlich. Große Schweißtropsen standen auf seiner Stirn, seine Lippen zuckten konvulsivisch und seine Stimme klang scharf und unnatürlich „Ich lernte sie vor einem Jahre im Mai kennen", sagte sie rasch und sehr leise, fürchtend, Vivian könne erwachen und es hören.„Sie war eine der bei dem Eisenbahnunfalle Verunglückten, der in der Nähe meines Wohnsitzes stattgesunden, Mr. Teafford“, sagte sie, sich kurz zu ihm umwendend,„ich habe Ihnen Ihre Frage beantwortet, jetzt beantwocten Sie oie meine.. In welcher Beziehung steht diese Frau zu Ihnen?“ Als weigerten seine Füße sich, ihn länger zu tragen, war er auf einen Stuhl gesunken. Sein Gesicht war aschfahl, er begann langsam zu verstehen. Ueber Vivian's halbgeöffnete Lippen stahl sich der lange, bebende Hauch des wiederkehrenden Bewußtseins. Langsam hoben sich ihre Lider und ihr matter, einen Moment ziellos umherirrender Blick fiel plötzlich auf Frank, der am Fuße des Ruhebettes saß. Hastig richtete sie sich auf und wieder nahmen ihre Züge jenen Ausdruck der Ueberraschung und des Entsetzens an. „Frank!“ sagte sie mit leiser, furchtsamer Stimme. „Es ist Frank! Vater im Himmel! es ist mein Gatte“, und mit einem schaudernden Klageton sank sie auf's Neue in Ohnmacht. Einen Augenblick herrschte Totenstille. „Sie fragten mich, in welcher Beziehung ich zu ihr stehe?“ unterbrach Frank das Schweigen.„Sie hat für mich geantwortet. Sie ist mein Weib.“ „„„„ RP Oiverrihnnden=Geußtseins erwachte auch in Vivian die Erinnerung an okank. Suchend überflogen ihre Augen das Zimmer dann blickte sie flehend zu Mrs. Ostrander auf. „Wo ist er?“ fragte sie. Grüns hatte sie getäuscht, gleichviel aus welchen leate gn.#### hatte sie getäuscht, aber demungeachtet erwirerte strander sanft ihren Arm um sie, als sie ##. it gegangen, Aubrey. Aber jetzt müssen Sie sich ruhig verhalten.“ „Aubrey," wiederholte Vivian bitter.„Das ist nicht mein Name. Ich habe kein Recht, denselben zu kragen. Ach, Sie wissen nicht, wie ich Sie getäuscht 9abe,“ seufzte sie.„Von dem Augenblicke an, wo ich * Ihr Haus kam, bin ich nur eine lebendige Lüge bewesen. Aber es war furchtbar für mich, Sie wissen scht, wie furchtbar. Sie wunderten sich darüber, daß 2 bleich und mager und jeden Tag hinsälliger wurde. #2•5 es kam daher, weil die Last mich erdrückte und ungsam mein Leben zermalmte.“ 9., Glühend ging die Sonne unter, in flammendem a erglänzte der Himmel und erblaßte wieder vor den die teigenden Schatten der Dämmerung, die sich über a. Erde verbreitete und in das Zimmer drang, wo ge##en, den müden Kovi an Mrs. Ostrander's Brust esichnt und von ihren Armen sanft umschlungen lag. urtei-hnthia Ostrander wußte jetzt Alles und hatte gefällt. den wieder ausgenommen. Frank Trafford als Witwer war nur wenig verschieden von Frank Trafford als Junggeselle. Natürlich kamen Momente, wo Erinnerungen an sein kurzes eheliches Leben in ihm aufstiegen, aber sie brachten ihm keinen lebhaften Schmerz oder tiefen Kummer, kein Gefühl des Verlassenseins. Wäre Vivian eines natürlichen, leichten Todes gestorben, hätte er sie bleich und durch die erhabene Ruhe des Todes noch verschönt in ihrem Sarge liegen sehen, so würde er sie tief betrauert haben, als ein Wesen, zu schön und lieblich, um der Dunkelheit des Grabes überantwortet zu werden, und er hätte ihr ein liebevolles Andenken bewahrt. Aber der Anblick der geschwärzten, bis zur Unkenntlichkeit verstümmelten Leiche, welche man ihm als die sterblichen Ueberreste seiner Frau gezeigt, schien mit einem Schlage alle zärtlicheren Gefühle in ihm ertötet zu haben, die er noch für sie gehegt. Er schauderte, als er auf die formlose Masse herabsah, und wendete sich ab. Er hatte sie feierlich begraben lassen, hatte selbst den kostbaren Grabstein für sie ausgewählt, aber er konnte nur mit Entsetzen und Grauen an das denken, was derselbe berg. Er hatte sich niemals mehr Vivian vorstellen können, wie er sie zuerst, mit allen Reizen der Jugend und Schönheit geschmückt, in Mrs. Belden's Ballsaale gesehen, oder wie sie an seiner Tafel mit liebenswürdiger Anmut die Pflichten der Hausfrau erauteb, Noth ein trauriges gewesen und daß er oft zu sich selbst gesagt: „Bei alledem ist es am besten, daß sie gestorben, denn glücklich wären wir nie miteinander geworden, das war unmöglich. Sie war zu gut für mich. Es war ein großer Mißgriff von mir, sie zu heiraten. Denn zwei so verschiedene Naturen wie die unseren, konnten nie zusammen stimmen, und wo keine Harmonie, da ist auch kein Glück.“ Als er sie in Mrs. Ostrander's Zimmer erblickte, als sie ohnmächtig zu seinen Füßen niedergefallen, und als er ihr in das Gesicht gesehen und die Wahrheit in ihm aufstieg, daß ein Irrtum begangen, daß jene Frau, die unter der Marmorsäule ruhte, nicht sein Weib, sondern daß diese lebendige Frau, welche bei seinem Anblick bewußtlos zusammenbrach, Vivian sei, war seine erste Empfindung ein G fühl unendlicher Erleichterung, zu wissen, daß es ihr Gesicht nicht gewesen, welches der Tod so grauenhaft entstellt, nicht hr Körper, der so entsetzlich zermalmt und verstümmelt worden. Dann hatten unbestimmte Hoffnung, gemischt mit Besürchtungen, unbestimmtes Bedauern und Reue sich in seinem Janern gejagt, bis sein Gehirn sich in einem Kaäuel von verwirtten Gedanken verwickelte und er sich über seine eigenen Gefühle nicht mehr klar werden konnte. (Fortsetzung folgt.) Gustav Edelstein Nachf. sdloeR uich tol ubird Wally-Holländer. # Mei- Lager Iot iunit dor-Saison ausgestattet. Damen- und Mädchen-Konfektion. Dieser Abteilung widme besondere Sorgfalt und Aufmerksamkeit, Ich biete eine enorme Auswahl vom billigsten bis zum elegantesten(anre „Ihre Gattin!“ langsam kamen die Worte über Mrs. Ostrander's Lippen. Wenn er wahr gesprochen, so hatte die Frau, welche sie so tief und innig liebte, an deren Ehre und Wahrhaftigkeit sie so unbedingt geglaubt, sie ebenso betrogen, wie jene Andern, die sie auch geliebt, sie betrogen hatten; sie war nicht Herbert Verrall's Witwe, sie war nie seine Gattin gewesen. Eine Fiut von Bitterkeit kam über sie— war denn nichts wirklich wahr in dieser Welt— und dann erhob sich die Liebe, welche sie für Vivian hegte, in aller Stärke in ihr und triumphierte. Was es auch sein mochte, es mußte ein großer mildernder Umstand vorhanden sein, und nicht eher, bis sie Alles erfahren, wollte sie den Stab über sie brechen. „Ich verstehe das nicht", sagte sie kalt, fast hochmütig,„ich will abwarten, bis sie im Stande sein wird, mir Alles zu erklären. Und jetzt, Mr. Trafford, muß ich Sie bitten, uns allein zu lassen. Sie sehen selbst, daß Ihr Anblick ihr Anfälle von Ohnmacht zuzieht und sie ist so schwächlich, daß ich für sie fürchte. Sie sagen, daß sie Ihre Gattin sei, wie dem auch sei, sie hat seit einem Jahre unter meiner Sorge und Obhut gestanden. Ich weiß besser, wie angegriffen sie ist und ich glaube ein Recht zu haben, Sie zu bitten, uns vorläufig wenigstens zu verlassen.“ Sie wußte nicht, wie kalt und streng sie gesprochen. Und als sie ihn anblickte, ergriff sie eine unwillkürliche Abneigung gegen ihn. Weshalb mußte er kommen, sie zu enttäuschen? Sie war so glücklich mit der Frau gewesen, die, wie sie sagte, sein Weib war, sie hatte so fest an sie geglaubt— und jetzt— Einen Moment war er versucht zu antworten, daß er nicht gehen wolle. Diejenige, welche dort lag, war seine Frau und er hatte ein Recht zu bleiben. Dann aber, als er in ihr bleiches Gesicht sah, mußte er eingestehen, daß es wahr sei, daß Vivian seinen Anblick nicht ertragen könne und er sah auch, wie mager sie geworden, wie deutlich die blauen Adern an ihren Schläsen durch die zarte Haut schimmerten und wie krankhaft weiß ihre Hände waren. „Sie haben Recht“, sagte er fast demütig,„sie ist nicht stark und der Schreck, den mein Anblick ihr verursacht, war zu viel für sie. Ich werde gehen. Seine Niedergeschlagenheit rührte sie. Sie hatte gesehen, wie er bei ihren Worten den Kopf stolz erhoben und das Blut ihm in die Wangen gestiegen war und hatte auch gesehen, wie schnell er das Haupt wieder gebeugt und die Röte verschwunden. „Ich würde Sie nicht auffordern, zu gehen, wenn ich nicht sähe, wie Ihre Gegenwart sie beängstigt,“ sagte sie entschuldigend. „Ich weiß es,“ erwiderte er.„Morgen wird sie stärker sein, wenn sie Zeit gehabt, sich zu sammeln, wenn sie gefaßter ist, morgen werde ich wiederkommen. Sagen sie ihr, daß ich kommen werde, und sagen Sie ihr auch, daß ich es ihr allein überlasse, über die Zukunft zu entscheiden.“ (Fortsetzung folgt) Vermischtes. 131000 Mark hat an Ueberweisungen der Kaiserin für bestimmte Zwecke der Evangelische kirchliche Hilfsverein im letzten Jahre vermitteln können. Der größte Teil dieser Summe war zur Begründung von Gemeindehäusern bestimmt. 30000 Mk. erhielt der Berliener Lokalverein als Grundstock für den Bau eines eigenen Vereinshauses. Die drei ältesten kaiserlichen Prinzen wohnten jüngst einem Rennen in Elmshorn bei. Sowohl das Trabfahren wie auch die einzelnen Rennen erregten das größte Interesse der Prinzen, die mit ihrem Beifall nicht kargten. Wie's jetzt gemacht wird. Das Berl. Blatt, ein Ableger der Deutschen Tagesztg., versteht sich auf den Abonnentenfang. In einem auffallend kräftigen schwarzen Rahmen lockt es: Um unsern lieben Abonnenten, die sich an der Werbearbeit für das Berliner Blatt beteiligen, eine kleine Entschädigung zu bieten haben wir uns entschlossen, jedem fleißigen Werber eine Prämie und zwar: a) Geldpreise: Es erhält 1. wer uns 100 neue Abonnenten bringt, 75(fünfundsiebzig) Mk. in baar: 2. wer uns 75 neue Abonnenten bringt 50(fünzig) Mk. in baar; 3. wer uns 50 neue Abonnenten bringt, 30 (dreißig) Mk. in baar. b) Ehrengeschenke. 4. wer uns 10 neue Abonnenten verschafft, hat die Wahl zwischen einem schön gebundenen Buch und einer prima Weckuhr mit solidem Werk aus angesehener Fabrik; 5. wer uns 3 neue Abonnenten verschafft, hat die Wahl zwischen einem vernickelten Sparautomaten und einem hübschen Thermometer mit Wetterglas.„Seh'n Sie, das ist ein Grschäft, das bringt noch was ein ein Jeder aber kann das nicht,—(nein, allerdings Jeder kann das nicht! D. R.) Belohnung der Kindesliebe. Die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger hat als einen freulichen Beweis der Anerkennung ihrer Thätigkeit von ihrem Gönner Emilie Robin in Paris namhafte Schenkungen erhalten, unter Anderem ein Kapital in Höbe von 6000 M., dessen Aufkünfte im Betrage von 200 M. jährlich unter seinem Namen als„Belohnung der Kindesliebe“ der Tochter eines der gewesenen Bootsleute verliehen werden soll, die bei der Pflege ihrer durch Krankheit oder Altersschwäche hilfsbedürftig gewordenen Eltern die größte Hingebung und Aufopferung bewiesen hat. Ferner hat Robin ein weiteres Kapital von 30000 M. überwiesen, dessen Aufkünfte im Betrage von 1000 M. dazu dienen sollen, jeder Tochter eines Vormannes einer Bootsstation der Gesellschaft zur Rettung Schiff brüchiger, die einen Seemann heiratet, oder jedem Mädchen, das einen Bootsmann der Gesellschaft heiratet, eine gute Wanduhr und eine große, schön gebundene Hausbibel zu schenken. Seit Begründung der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger im Jahre 1865 sind über 2400 Personen vom Tode des Ertrinkens ge“ rettet worden. Eine untergegangene Stadt soll sich in dem „Der Blumenthal“ genannten Walde des Freiherrn von Eckardtstein in der Nähe von Prötzel bei Strausbers befunden haben. Da die Stelle, an welcher die verschwundene Stadt gestanden hat, nur nach der Ernte zugänglich ist, so beschloß die Pflegschaft des Märkischen Museums, im Spätsommer eine Untersuchung der Gegeno vorzunehmen. Dies ist jetzt geschehen. Geh. Rat Friedel stellte zunächst fest, daß nach glaubwürdiger Ueberlieferung die Mauern der untergegangenen Stadt, deren Name nicht bekannt ist, vor etwa zwanzig Jahren stellenweise noch vorhanden waren. Die Steine sind jetzt beiseite geräumt, doch liegt inmitten der Stätte noch der großt Markstein, einer der größten erratischen Blöcke der Provinz, unversehrt da. Nach den gefundenen Gefäß=Resten zu urteilen, gehörte die verschwundene Stadt dem 13. und 14. Jahrhundert an; die Stelle, wo die Schmiede gestanden, wurde noch aufgefunden, daneben auch eine alte Brunnen=Anlage. In der Nähe liegt noch einer jener alten Opfersteine, ein Granitblock, der noch die eingemeißelten Näpfchen aufweist, wie sie schon in heidnischen Zeiten zum Salben des Opfers üblich waren. Der Stein wird dort im Volksmunde der„Teufelssitz“ genannt. In seiner Nähe steht eine alte, verwitterte Holztafel, auf welcher mitgeteilt ist, daß hier der Bürgermeister von Strausberg im Anfang dieses Jahrhunderts den letzten Wolf erlegt hat. Verantwortlicher Redakteur: Ferd. Krost, Verleger und Drucker: Christian Quentin, beide in Herford. Berliner-Kaufhaus J Hermann Heimann! 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