Herforder Generalanzeiger für den Kreis Herford. Die„Hersorder Zettung für Stadt und Land“ erscheint Rentag, Rittwoch und Freitag Abend. Abonnementsvreis vierteljährlich 75 Pj. pränumerando, vom Briefträger ins Haus gebracht 1 Mark. Montag, 10. September. Inserate werden dis vormittags 10 Uhr erbeten, und #obet die 1 spaltige Petitzeile oder deren Raum 10 Redaktion und Expedition: Gehrenberg 320(Eingang an der Brüderstraße). 1894 * Eine Ansprache des Kaisers. Se. Maj. der Kaiser hat in Königsberg am Donnerstag bei Gelegenheit eines Festmahles folgende großes Aufsehen machende Rede gehalten: „Ich begrüße Sie, Meine Herren, in diesem altehrwürdigen Schlosse als Vertreter dieser Mir so teueren Provinz und heiße Sie von Herzen willkommen; der Empfang in der alten Krönungsstadt Königsberg, den ihre Bevölkerung Uns bereitet hat, ist Ihrer Majestät und Mir zu Herzen gegangen, und danken Wir Ihnen aufs Innigste dafür. Es sind nunmehr vier Jahre verflossen, seitdem Ich mit Ihnen bei dem Mir von der Provinz gebotenen Mahle vereint war. Ich betonte damals, daß die Provinz Ostpreußen als eine hauptsächlich Landwirtschaft treibende vor allen Dingen einen leistungsfähigen Bauernstand erhalten und behalten müsse, und daß sie als solche die Säule und Stütze Meiner Monarchie sei. Es wird daher Mein stetes Bestreben sein, für das Wohl und die wirtschaftliche Hebung Ostpreußens angelegentlich zu sorgen. In den vier verflossenen Jahren haben schwere Sorgen den Landwirt bedrückt, und es will Mir scheinen, als ob unter diesem Einfluß Zweifel aufgestiegen seien an Meinen Versprechungen, ob sie auch wohl gehalten werden könnten. Ja, Ich habe sogar tief bekümmerten Herzens bemerken müssen, daß aus den Mir nahestehenden Kreisen des Adels Meine besten Absichten mißverstanden, zumteil bekämpft worden sind, ja, sogar das Wort Opposition hat man Mich vernehmen lassen. Meine Herren! eine Opposition preuß. Adeliger gegen ihren König ist ein Unding, sie hat nur dann eine Berechtigung, wenn sie ihren König an ihrer Spitze weiß, das lehrt schon die Geschichte Unseres Hauses. Wie oft haben meine Vorfahren Irregeleiteten eines einzelnen Standes zum Wohle des Ganzen gegenübertreten müssen! Der Nachfolger dessen, der aus eigenem Recht souveräner Herzog in Preußen wurde, wird dieselben Bahnen wandeln, wie sein großer Ahne; und wie einst der erste König „ex me mea nata corona“(aus mir heraus ist meine Krone geboren) sagte und sein großer Sohn seine Autorität als einen rocher de bronce stabilierte,(als einen Bronzefelsen aufrichtete) so vertrete auch Ich gleich Meinem Kaiserlichen Großvater das Königtum aus Gottes Gnaden. Meine Herren! was Sie bedrückt, das empfinde auch Ich, denn Ich bin der größte Grundbesitzer in unserem Staate und Ich weiß sehr wohl, daß wir durch schwere Zeiten gehen. Täglich ist Mein Sinnen darauf gerichtet, Ihnen zu helfen, aber Sie müssen Mich dabei unterstützen, nicht durch Lärm, nicht durch Mittel der von Ihnen mit Recht so oft bekämpften gewerbsmäßigen Oppositionsparteien, nein in vertrauensvoller Aussprache zu Ihrem Souverän. Meine Thür ist allezeit einem jeden meiner Unterthanen offen und willig leihe Ich ihm Gehör. Da sei fortan Ihr Weg und als ausgelöscht betrachte Ich Alles, was geschah! Um Mich aber zu vergewissern, ob wirklich Ich Meinen Versprechungen nachgekommen sei und die Fürsorge, die Ich der Provinz einst versprach, in der Weise ausgeführt worden ist, wie Ich es wünschte, habe Ich zusammenstellen lassen, was für die Provinz unter Meiner Regierung bisher geschehen. Es sind seit der Zeit, als Ich zu Ihnen sprach, für Eisenbahnen, zum Erlaß von Darlehen an Deich= und Meliorationsverbände, für Weichselregulierung und Seekanal für Ostpreußen 85000000 Mark und für Westpreußen 24¼ Millionen Mark aus allgemeinen Staatsmitteln aufgewendet worden, zusammen 110 Millionen. Mein Wort habe Ich gehalten. Aber noch mehr. Ich werde fortfahren, in stetem Bemühen für dieses Land zu sorgen, und der nächstjährige Etat wird bereits neue Beweise Meiner landesväterlichen Fürsorge bringen. Meine Herren! Sehen wir doch den Druck, der auf uns lastet, und die Zeiten, durch die wir schreiten müssen, von dem christlichen Standpunkt an, in dem wir erzogen und aufgewachsen sind, als eine uns von Gott auferlegte Prüfung! Halten wir still, ertragen wir sie in christlicher Duldung, in fester Entschlossenheit und in der Hoffnung auf bessere Zeiten, nach unserem alten Grundsatze:„Noblesse oblige“(Adel verpflichtet.) Eine erhebende Feier hat sich gestern vor unseren Augen abgespielt; vor uns steht die Statue Kaisers Wilhelm I., das Reichsschwert erhoben in der Rechten, das Symbol von Recht und Ordnung. Es mahnt uns alle an andere Pflichten, an den ernsten Kampf wider die Bestrebungen, welche sich gegen die Grundlage unseres staatlichen und gesellschaftlichen Lebens richten. Nun, meine Herren, an Sie ergeht jetzt Mein Ruf:„Auf zum Kampfe für Religion, für Sitte und Ordnung, gegen die Parteien des Umsturzes. Wie der Ephen sich um den knorrigen Eichstamm legt, ihn schmückt mit seinem Laub und ihn schützt, wenn Stürme seine Krone durchbrausen, so schließt sich der preußische Adel um Mein Haus. Möge er und mit ihm der gesamte Adel deutscher Nation ein leuchtendes Vorbild für die noch zögernden Teile des Volkes werden: Wohlan denn, lassen Sie uns zusammen in diesen Kampf hineingehen! Vorwärts mit Gott, und ehrlos, wer seinen König im Stiche läßt! In der Hoffnung, daß Ostpreußen als erste Provinz in der Linie dieses Gefechtes gehen wird, erhebe Ich Mein Glas und trinke es auf das Gedeihen Ostpreußens und seiner Bewohner. Die Provinz lebe hoch, hoch, hoch!“ Lokales und Provinzielles. Nachbruck unserer Originalberichte ist nur mit deutl. Quellenangabe gestattet. * Herford, 10. Sept. Unsere Turngemeinde feierte gestern ihr 34. Stiftungsfest und sie darf mit dem Verlauf desselben recht zufrieden sein. Zwar wäre es schön gewesen, wenn das Wetter günstiger war und man den 1. Teil hätte in den so hübschen neuen Gartenanlagen des Bürgervereins feiern können,— aber darauf mußte nun eben verzichtet werden.— Nach dem alten bewährten Gcundsatz„Erst das Geschäft, dann das Vergnügen:“ waren zu Beginn des Festes die turnerischen Uebungen, bestehend in Freiübungen, Riegenturnen, Kürturnen am Reck und Barren und endlich Turnspiele gelegt. Sämtliche Proouktionen wurden äußerst exakt, ja mit Eleganz ausgeführt und man sah, daß die Mitglieder der Turngemeinde recht fleißig und ausdauernd geübt haben, denn einpanken an einigen Abenden lassen sich solche Leistungen nicht. Das zahlreiche Publikum prämiierte die einzelnen Vorführungen mit entsprechendem Beifall und Herr Weingarten brachte am Schluß der Uebungen den Turnern ein„Gut Heil", welches von den Zuschauern kräftig unterstützt wurde. Eine angenehme Abwechselung während des Turnens boten die von der Düngel'schen Kapelle vorgetragenen Konzertstücke.— Der Beginn des Festballes erfolgte etwas später, als im Programm vorgesehen und wird wohl entsprechend länger getanzt worden sein. Für den Ball waren diesmal besonders schöne Abwechselungen vorgesehen, indem während der Pausen die so beliebten „Marmorgruppen“ gestellt wurden. Diese für Turner wie geschaffenen Produktionen sind interessant und belehrend zugleich und sollten immer mehr erweitert Die Schwabenmühle. Eine Volksgeschichte aus Schwaben von August Butscher. (8. Fortsetzung.)=(Nachdr. verb.) Der Tanz begann wieder, und wieder zog Xaver mit der Müller=Marie dahin. Six hatte sich mit einer anderen Tänzerin auch aufgestellt und sagte auf einmal laut, als gäbe er ein Signal:„Muß denn der fremdländische Hungerleider uns immer den Platz wegnehmen, haben wir denn alle Schneid verloren?“ Damit tanzte er wild auf das Paar zu, und sie stießen so hart zusammen, daß beide Paare wankten. Wieherndes Gelächter begleitete dieses Manöver, und die tanzenden Burschen umdrängten noch die kleine Gruppe. Die Musik brach jäh ab, denn es war gar nichts Neues, daß so etwas vorkam, und die Musikanten reckten neugierig die Hälse. „Was soll das? Platz da!“ sagte zornig der Eingeengte, indeß der Frieder auf ein Bierfaß stieg und aus der Ferne erklärte, daß Ruhe des Bürgers erste Pflicht sei. Mariens Gesicht hatte tötliche Blässe überzogen, während sich der Müller in der Nähe des Frieders die fleischigen Hände rieb. Der Kraxenmann erkannte augenblicklich den Ernst der Lage. Er drängte seine Tänzerin mit einem Drucke zurück, richtete seine kräftige Gestalt mit einem einzigen Rucke in die Höhe und maß die Burschen, von denen die Mädchen schweigend sich entfernten, mit kühnem Blicke. *„Angepackt, Kameraden!“ schrie Six, und wie eine Mauer schoben sie sich gegen Xaver und drängten ihn gegen die Wand. Aber wie Hammerschläge fuhren seine Fäuste nieder, und von hinten drängte der Mehlhans, sein Beistand, pustend wie eine Lokomotive herein. Die beiden Männer hätten wahrlich Allen die Waage gehalten, aber auf einmal schrie Xaver auf:„Ich bin gestochen!“ Er preßte die Hand auf die rechte Seite, sein Gesicht ward leichenblaß, seine Augen schlossen sich, und wie ein Messer knickte er an der Wand nieder.„Das hat der elende Six gethan“, brüllte der Mehlhans und schmetterte diesen mit einem so furchtbaren Streich nieder, daß er lautlos zusammensank. Alle stoben wie Spreu auseinander, und in dem trüben, staubvollen Raume beugte sich nur ein totenbleiches Mädchen auf Xaver nieder, aus dessen Seite ein Blutstrom quoll. „Einen Wagen, den Arzt!“ keuchte sie nur noch— und der neue Müllerknappe stürmte davon. IV. Altes und Neues. Das war eine traurige Ernte in der Schwabenmühle und auch im Erlenhofe. Es schien lange Zeit, als ob der Sensenmann dort Ernte halten wollte, mit seiner gewohnten, kalten Grausamkeit. Aber es wendete sich doch zum Besseren mit den kommenden Wochen, die so viele Lasten auf so manches Herz gehäuft hatten. Im Festsaale waren am blutihen Abend des Fahnenfestes, wie wir wissen, nur die beiden Opfer zurückgeblieben, und als sanfter Engel die Müller=Marie, die„der Liebe Verknotigung" durch Betrübnis und Pein in jenen bitteren Stunden mit grausamer Folge an sich erfuhr. Der schlagfertige Mehlhans war rasch seiner Pflicht nachgekommen. Er ermahnte den Wirt, indem er eine seiner beiden Fäuste ballte, rasch ein Fuhrwerk bereit zu halten und schickte den Fahnenfrieder, der sich nach verzogenem Gewitter wieder mutig in den Vordergrund der Dinge gestellt hatte, ins nächste Städtchen, um den Arzt zu holen. Da das Universalgenie auch als Schnelläufer sich hervorthat, war in kurzer Zeit der Gerufene da und legte den ersten Verband an. Der Erlenhofer Six lag noch immer da wie ein Scheit Holz, und die beiden Rivalen wurden bewußtlos aufgeladen. „Und wohin?“ fragte der Rosselenker.„Zu uns in die Herrgottsmühle!“ sagte mit ungeduldiger Stimme die Müllerstochter, die den schweren Körper des Gestochenen aufrecht erhielt.— Dem Mehlhans, der nebenher trottete, war es nicht sonderlich wohl bei der Sache. Schon unterwegs schlug Xaver die Augen auf, aber er erwachte noch nicht zum vollen Bewußtsein, sondern drückte nur schwach die Hand seiner Geliebten, die er vielleicht nicht einmal erkannte, und schloß die Augen wieder. Der Mond schien hell auf die bleichen Gesichter der beiden, und es war ein fremder, seltsamer Anblick. Der junge Erlenhofer lehnte wie ein Steinbild in einer Ecke der Kutsche, und nur zuweilen verriet ein rasches Aufatmen, daß sein Leben nicht erloschen sei. Die kurze Strecke nach der Mühle war bald zurückgelegt und die Kutsche bog in den Hof ein. Der Müller war, als er das Ergebnis der mitverschuldeten Szene gesehen, so rasch es seine schlotternden Beine zugelassen, heimgeeilt, sogar die Tochter im Stiche lassend, und stand jetzt schlotternd trotz der lauen Sommernacht an dem Fenster der Unterstube; eben hatte er einem Knechte aufgegeben, er solle die Marie aufsuchen. Das Gesinde stand sämtlich im Hofe und der Bildermann oben an seinem Fenster; auch er merkte wohl, daß etwas Besonderes vorgegangen war. Als die Kutsche hereinfuhr und der Müller den Sachverhalt genau erkannte, rief er der Tochter shalb zornig, halb ängstlich zu:„Was soll das heißen? Was soll ich mit den Streithähnen in der Herrgottsmühle machen?" Aber mit festen Augen sah ihn Marie kan und sagte dann kurz:„Das hab' ich so angeordnet, und so gehört es sich, und wenn Ihr noch einen Funken von Gewissen habt, so laßt Ihr mich ruhig gewähren.“ Der Arzt, ein alter, ernster Herr, nickte ruhig dazu, und die Knechte trugen Xaver, 5den sie liebgewonnen hatten, hinauf in die Oberstube. Der Müller war mit fast brechenden Knieen nachgefolgt und rief, bevor er noch über die Schwelle trat, wie voreinst Pilatus:„Ich bin unschuldig an diesem Blute, Ihr könnt mir's glauben!“ Mit weit geöffneten Augen sah der Alte, der Bildermann, seinen einzigen Sohn starr und entstellt heimkehren, in die Kammer, die nicht einmal seine Heimat war. Seine welken Lippen bebten, und endlich sagte er, indem er des Verwundeten herabhängende Hand ergriff:„So haben sie meinen Xaver zugerichtet, die Mörder. Ich hab's gleich geahnt, daß an diesem Hause das Unglück klebt und das Verbrechen. Und der Totenkauz hat auch gerufen den ganzen Abend lang!“ Dann, den Müller mit den grauen Augen förmlich spießend, stieß er den Bibelspruch hervor:„Wittwen und Fremdlinge morden sie, und die Waisen töten sie und sprechen in ihrem Herzen: Nichts siehet der Herr, noch merket es der Gott Jakobs!“ Dem Müller war, als ob auch ihn ein Stich getroffen, und der Fahnenfrieder führte ihn hinunter in seine Kammer, in der er seit dem Tode seiner Frau allein schlief; aber diese Nacht suchte der Schlaf seine Augen nicht. Mit dem „Fortschicken“ der beiden Gefährlichen, wie es Six geraten, war es also nichts, das sagte er sich, selbstsüchtig wie er war, und wollte froh sein, wenn man nicht bald eine Leiche aus seinem Hause trug. Und doch— wäre es am Ende nicht besser so? Die Toten stören die Pläne der Lebenden nicht mehr. Aber war dann nicht Six ein Mörder, und er der Mitschuldige? Und der alte Unglücksrabe? Warum erzitterte er denn immer vor# diesem gebrechlichen alten Männlein? Seine Gedanken waren wirr, und er wünschte sich heute, erkläge kalt und starr in der Erde. Der Arzt war gekommen und mit ihm der Mehlhans der etwas niedergeschlagen faussah, denn der Doktor hatte ihm auf dem Wege auseinandergesetzt, daß es doch über den Spaß gehe, einen Menschen wie einen Ochsen niederzuschlagen. Der junge Erlenhofer thatte eine lebensgefährliche Gehirnerschütterung erlitten, und man mußte in Geduld warten, bis er wieder zum Bewußtsein gelangte. Den Kraxenmann fand der Arzt etwas besser und er sagte beim Abschiede zu Marie, deren Augen in fieberischem Durst die Worte von seinen Lippen tranken:„Es scheint kein edles Organ verletzt zu sein. Schwere Wundfieber werden allerdings eintreten, aber hoffen wir das Beste.“ Damit schiedser. Die Müller=Marie murmelte inbrünstige Gebete, der Mehlhans Zornesworte und der Bildermann Sprüche vor sich hin, während der Fahnenfrieder Verse zu einer„Mordthat“ schmiedete, die er auf einem anderen Fahnenfeste zur Drehorgel vorzutragen gedachte. So schlichen die Tage fort und die Wochen, ausgefüllt von Fürchten und Hoffen, Hassen und Lieben. Die Ernte war gekommen und der Erlenhofer Six band schon wieder Garben, nur war ihm noch ein wenig dumm im Kopfe, was ihm Jedermann glaubte. Der Frieder war abgereist, aber die Fremdländer, die sonst immer ohne Heimat gewesen, waren noch immer Insassen der Herrgottsmühle, als wären sie eingebürgert. Der äußerliche Grund war die langsam fortschreitende Genesung des Kranken. Tief im Innern freilich segnete der Kraxenmann seine vernarbende Wunde, die Marie beständig in seine Nähe bannte. Der Alte saß mit stillem Behagen jetzt auf das Reifen des Herzensbunde werden, denn es sind recht eigentlich turnerische Festspiele. Diese Aufführungen und die sonstigen Vortäge fanden denn auch die smal bei den zahlreich anwesenden Ballbesuchern den größten Beifall und trugen nicht wenig dazu bei, daß man sich köstlich amüsierte und gar nicht bemerkte, wie spät oder früh es schon geworden war. * Das Missionsfest auf Stiftberg war diesmal auf einen Sonntag gelegt und man hat damit einen guten Griff gethan, der in anderen Gemeinden Nachahmung finden sollte; es giebt doch viele Leute, die ein warmes Herz für die Missionssache haben, die aber in der Woche die Zeit nicht erübrigen können, an einem solchen Feste teilzunehmen.— Die Stiftberger Kirche, die bei den Missionsfesten in der Woche nur mäßig voll war, war gestern beide Male überfüllt und es dürfte Mancher darunter gewesen sein, der durch dies schöne Fest für die Missionssache gewonnen worden ist. Freilich hatte man auch etwas gethan, um einen festlichen Eindruck zu erzielen: die Kirche war sinnig geschmückt, über dem Altar war ein großes Blumenkreuz angebracht und von den Wänden leuchteten umkränzte Missionssprüche. Dazu kam, daß der noch junge, aber gutgeschulte Posaunenchor abwechselnd mit der Orgel die Gesänge begleitete und der Jünglingsund Jungfrauenverein dazwischen seine vierstimmigen Lieder ertönen ließ,— alles Momente, die festtäglich stimmen, und die Sache der Heidenmission ist es wohl wert, daß sie nicht alltäglich behandelt wird. In dieser Beziehung möchten wir gerade eine Stelle aus der geistvollen Predigt des Kreisschulinspektors Culemann erwähnen. Er wies gerade darauf hin, welche Gnade Gott den Menschen erzeigt, daß sie sein Reich ausbreiten dürfen; seiner Allmacht wäre es ein Geringes, die Welt mit der Heilsbotschaft zu erfüllen, aber er würdigt die sündigen Menschen, seine Zeugen zu sein bis an die Enden der Erde. Dieser Gnadenbeweis sollte dankbar anerkannt werden und die Leute müßten sich eigentlich dazu drängen, an dem Missionswerk teilnehmen zu dürfen.— Auch sonst enthielt diese Predigt Gedanken, die sie im vollen Sinne des Wortes zu einer wirklichen Festpredigt machten; wir können sie leider hier nicht weiter ausführen, die Hörer könnten aber reichen Segen davon haben. Auch die Predigt d. Hrn. P.Wulff am Vormittag und der Bericht des Hrn. Missionars Stursberg über die Arbeit unter den Dajakken haben sicherlich dazu beigetragen, alte Missionsfreunde zu stärken und neue zu erwecken, so daß das schöne Fest hoffentlich nicht ohne Segen bleiben wird. — Kollekte ist eingegangen 585 Mark, darunter eine Gabe von 150 Mark. * Der amerikanische Cirkus auf dem Lübber Bruche hat trotz des Regenwetters ein recht gutes Geschäft gemacht, denn beide Vorstellungen waren mit Ausnahme der Dreimarkplätze voll besetzt, und das will bei dem riesigen Amphitheater etwas sagen. Die in den Annoncen angekündigten„herrlichen und an Pracht unerreichbaren Wagen, reichgeschirrten Pferde rc. rc.“ müssen wohl nicht mit nach Herford gekommen sein, denn bei den anwesenden war davon nichts zu sehen. Auch die vorgeführten Produktionen blieben hinter den Erwartungen zurück, denn sie boten nur wenig Neues und selbst die stark herangezogenen Clowns wiederholten schon oft Gesehenes. Eigentlich interessant waren nur die Wettrennen und Wettfahrten. Inbezug auf Pferdedressur wurde herzlich wenig geboten, dafür waren allerhand Spezialitäten=Künstler zu sehen.— Freilich darf man sich über diese minimalen Leistungen nicht wundern, denn ein Cirkus, der solche Parforcetouren macht, hat natürlich keine Zeit zur Ausbildung, und wo die nicht täglich verfolgt wird, kann man unmöglich auf der Höhe der Zeit stehen. * Die Silberne Medaille erhielt auf der jetzigen großen Ausstellung für Nahrungsmittel, Volksernährung rc. zu Dresden die Kornbrennerei von Osthoff, hier und zwar für ausgestellten„Stolz des Hauses“, Steinhäger und Korn. Für diese Fabrikate ist dies die höchste Auszeichnung, welche erworben werden konnte und ist die Prämiirung daher ein schöner Erfolg der genannten Firma. Auch ein unumstößlicher Beweis im Hochsommer des Jahres und der Liebe. Er schien irgend einen tiefen Plan zu spinnen, zuweilen ging er auch mit seinem Kästchen zur nächsten Stadt, und der Müller brachte in Erfahrung, daß er dort mit seinem Sohne Georg verkehre, der in eine Mühle als einfacher Müllerknappe eingetreten. Das Gebahren des wunderlichen Alten machte ihm viel zu schaffen; es war ihm immer so schwül zu Mute, als drohe ihm irgend ein jäher Wetterstreich. Der Tochter wagte er nicht nahe zu treten, denn ihre ernsten, tiefen Augen machten ihn feig. Zudem konnte er immer noch nicht glauben, daß Kaver seinen Verstand so gänzlich verloren, daß er wirklich sein Schwieg ersohn werden wolle. Der Erlenhofer Six hatte seine Neigung zu der Umworbensten der ganzen Gemeinde nicht aufgegeben. Aber so dumm es ihm auch noch im Kopfe war, war er doch klug genug, sich hinter den Müller zu stecken, denn vor den tiefen, so verächtlich blickenden Augen Mariens fürchtete er sich ebenso sehr, als vor den muskulösen Armen des Kraxenmannes, von dem er sicher annahm, daß er den Stich, denn er übrigens nicht eingestand, einmal mit Zinsen heimgeben werde. Der Müller mit seinem unreinen Gewissen tröstete ihn, hatte aber doch seine Bedenken.„Aus dem Mädel wird kein Mensch klug,“ sagte er.„Wir müssen erst einmal abwarten, wie es bei der Strafkammer Dir und dem Mehlhans geht.“ „Aber—“, wandte Six zähneknirschend ein,„wenn Ihr so wankelmütig seid, so gebt Ihr dem hergelaufenen Kranitzer am Ende doch den Segen und die Herrgottsmühle dazu!“ „Potztausend!“ brauste der Müller auf.„Gott soll mich strafen, wenn das so leicht geschieht!“— Dieser frevle, wenn auch eingeschränkte Schwur= und Zornausbruch war köstlicher Thau auf die etwas welk gewordenen Hoffnungen des Einödbauern.[Fortsetzung folgt]. für die Reinheit und den Wohlgeschmack ihrer Destillate. Hier in Herford ist der unter dem Namen„der Stolz des Hauses“ eingeführte reine Korn ja freilich wohlbekannt und überall beliebt. Nach dieser besonderen Auszeichnung darf man aber auch erwarten, daß dieses heimische Produkt, das auch vielfach, freilich vergeblich, nachgeahmt worden ist, sich auch auswärts zahlreiche neue Gönner erwerben wird. * Strafkammer. Der Tischler Johann Niehus aus Eidinghausen hatte am 19. Mai d. J. zu Eidinghausen in einer Wirtschaft zwei Personen mit seinem Messer verletzt. N. erhielt 4 Monate Gefängnis.— Der Maurer Wilhelm Schröder aus Herford war am 27. Juni d. Is. vom Schöffengericht wegen qualifizierter Körperverletzung mit 6 Monaten Gefängnis bestraft worden. Seine Berufung ist verworfen.— Das Schöffengericht zu Oeynhausen hatte in der Sitzung vom 4. Juli d. Is. gegen die Ehefrau des Kolons Sonntag zu Bischofshagen wegen vorsätzlicher Körperverletzung auf 25 Mark Geldstrafe bezw. 5 Tage Haft und auf 50 Mk. Buße erkannt. Die Berufung der Verurteilten wurde verworfen.— Aus der Untersuchungshaft wurde vorgeführt der 56 Jahre alte Zimmermann Wilhelm Hölkemeyer aus Hausberge. Derselbe hatte sich zu Hausberge einer Majestätsbeleidigung schuldig gemacht und wurde zu 4 Monaten Gefängnis verurteilt. * Die Schnapsbrüder an der Neustädter Kirche sollten am Sonnabend Abend endlich einmal von der Polizei vertrieben werden. Das war aber nicht so leicht, denn dieselben behaupteten sogar, dort ihr gutes Recht zum Aufenthalt zu haben; trieben sie die Polizeibeamten von einer Stelle weg, so gingen sie einige Schritte und etablierten dann ein neues „Elysium", weshalb ein ziemlicher Auflauf entstand. Nur fortgesetzte Kontrolle kann diesem Skandal ein Ende machen. * Exter, 8. Sept. Für den Posten eines Gemeinderendanten wurde gestern von der Gemeindevertretung einstimmig Herr Postagent Pottharst hier gewählt. xy Gohfeld, 9. Sept. Der Zimmermeister H. Rasche Nr. 66 hierselbst feierte am Sonnabend mit seinen Leuten Hausrichtung. Gegen Ende der Festlichkeit befahl er seinem Gesellen G. sich zu entfernen. Der Geselle, der erst vor wenigen Tagen seine Lehrzeit beendete, tritt seinem Meister keck entgegen mit der Aussage: „Du hast mir jetzt nichts mehr zu sagen.“ Als aber der Meister dringender mahnt, wird der Bursche, der wohl etwas über den Durst getrunken haben mochte, wütend. Ehe sich der Meister versieht, hat er von seinem eigenen Gesellen einen tiefen Messerstich gerade unterm Auge erhalten. Nach Aussage des behandelnden Arztes hätte der Schnitt keinen halben Zentimeter höher sein dürfen, dann wäre das Auge, vielleicht auch Leben gefährdet gewesen. Jedenfalls wird den rohen Burschen die angemessene Strafe treffen. a- Kirchlenaern, 10. Sept.„Heute rot und morgen tot," dieses Wort hat hier wieder einmal seine traurige Bestätigung gefunden. Am Sonnabend legte sich der Kolon Peitzmeier hierselbst gesund zu Bette. Am andern Morgen, als seine Frau erwachte, lag ihr Mann neben ihr und war kalt. Ein Herzschlag hatte dem Leben des rüstigen Mannes ein Ende gemacht. Die schwer getroffene Familie wird allgemein bedauert. * Minden, 7. Sept. Zum 1. August d. I. wurden u. A. folgende Herren Lehrer an evangelischen Volksschulen definitiv angestellt: E. Krüger zu Neesen, W. Weithöner zu Volmerdingsen, E. Rohe zu Börninghausen und Fr. Helling zu Kirchlengern. * Bückeburg, 8. Sept. Prinzessin Luise, die älteste Tochter des Kronprinzen von Dänemark, hat sich mit dem Prinzen Friedrich zu Schaumburg=Lippe verlobt. Der Bräntigam ist der älteste Sohn des Prinzen Wilhelm, des Oheims des regierenden Fürsten zu Schaumburg=Lippe. Die fürstliche Familie ist vorgestern von Hagenburg hierher zurückgekehrt. Die Fürstin sieht in nächster Zeit einem freudigen Ereignis entgegen. In das Kirchengebet in den Kirchen des Fürstentums ist seit vorigem Sonntag die Fürbitte für glückliche Entbindung der Fürstin eingelegt. * Stadthagen, 8. Sept. In dem in der Nähe Stadthagens gelegenen Kohlenschacht F. O. entstand vorgestern Abend eine Explosion, durch die sieben Bergleute verletzt wurden. Die Verletzungen betrafen meistens nur Verbrennen des Gesichts, und sind fast alle leicht, keine ist lebensgefährlich. Heute Morgen wurde in demselben Schachte der Bergmann Fasing durch herabfallendes Gestein verschüttet und nach dreistündiger Aufräumungsarbeit todt unter dem Gestein hervorgezogen. * Dortmund, 8. Sept. Die Gartenbauausstellung für Westfalen und Lippe hat eine ungemein rege Teilnahme gefunden. Da viele der Aussteller, deren Zahl sich übrigens auf über 200 beläuft, 40, 50 Quadratmeter beanspruchten, so ist in letzter Stunde noch der große Saal des„Fredensbaums“, bekanntlich der größte in Westdeutschland, zu Ausstellungszwecken hergegeben und über Nacht in einen herrlichen Blumenpark umgewandelt worden. Die Festwiese prangt ebenfalls im Schmuck unserer schönsten in= und ausländischen Gewächse, und das Ganze macht einen imposanten Eindruck. An Gewächshäusern aus Stein und Eisen mit vollständiger Einrichtung, hübschen Gartenhäuschen, Lauben usw. tommt man nach dem großen Zelte und ist hier überrascht von der reichhaltigen Collection Gemüse, während in dem„alten Saal“ Obst= und Bienenprodukte dem Auge des Interessenten die Hülle und Fülle bieten. * Dortmund, 6. Sept. Im hiesigen Schlachthause wurde vorgestern eine vollkommen normal aussehende Kuh geschlachtet, bei deren Oeffnung sich herausstellte, daß deren Leber ein Gewicht von nicht weniger als 156 Pfund hatte. Die Leber war vollständig deformirt und zeigte Blasenwürmer, weshalb sie sofort vernichtet wurde. Die Kuh hatte nur ein Gewicht von etwa 500 Pfund. * Eupen, 6. Sept. Heute früh sank hier das Thermometer auf Null. In der Eifel hat es während der vergangenen Nacht gefroren. Das Kaiserpaar empfing Donnerstag Nachmittag in Königsberg nach Rückkehr vom Manöver den Besuch des Königs von Württemberg und des Herzogs Albrecht von Württemberg. Am Abend fand im Schloß großes Galadiner statt. Freitag früh reiste der Kaiser und die Kaiserin, sowie König Wilhelm von Württemberg mit den anderen fürstlichen Gästen mittels Sonderzuges nach Elbing, von wo sie sich nach Eichwalde begaben und die Parade des XVII. Armeekorps abnahmen. Nach der sehr glänzend verlaufenen Parade nahm der Kaiser in Elbing nach Begrüßung durch die städtischen Behörden auf dem Friedrich=Wilhelms=Platze einen von der Stadt dargebotenen Ehrentrunk entgegen. In der Ansprache gedachte Oberbürgermeister Elditt des früheren Besuches des Kaisers in Elbing, dankte für die Bemühungen desselben um die Wohlfahrt des Landes und die Erhaltung des Friedens und erneuerte das Gelöbnis unwandelbarer Treue und unbegrenzter Liebe. Nachdem der Kaiser von einer der Ehrenjungfrauen ein mit einer Ansprache in Versen überreichtes Bouquet entgegengenommen hatte, dankte derselbe in anerkennenden Worten für den Empfang. Um 1¾ Uhr begab sich das Kaiserpaar nach Marienburg. In Marienburg hielt der Bürgermeister Sandsuchs eine Ansprache, und der Kaiserin wurde von einer der Ehrenjungfrauen ein Blumenstrauß überreicht. Das Kaiserpaar nahm in der Marienburg Absteigequartier, wo Freitag Nachmittag Paradetafel stattfand. Am Abend reiste das Kaiserpaar mittelst Sonderzuges ab. Der Kaiser übernachtete in Schlobitten, die Kaiserin in Königsberg. Sonnabend früh begab sich der Kaiser von Schlobitten nach Elbing und wohnte dem Manöver des 17. Armeekorps bei. Die Kaiserin traf Sonnabend Nachmittag wieder in Marienburg ein. Der König von Sachsen ist Donnerstag Abend aus Königsberg abgereist. Nach der Rückkehr vom Manöver hatte er eine Deputation empfangen, welche die Grüße der in Königsberg wohnenden Sachsen darbrachte und ein Bild überreichte, welches das aus 1000 Briefmarken hergestellte deutsche Wappen darstellt. Der König äußerte seine Freude, die Herren begrüßen zu können und sprach seinen Dank für das Geschenk aus. Später nahm der König noch an einem von dem Offizierkorps des 10. Dragoner=Regiments ihm zu Ehren veranstalteten Diner teil. Bei diesem brachte das Offizierkorps dem König ein Bild dar, welches das Regiment in Paradeaufstellung darstellt. Prinz Georg von Sachsen folgte Donnerstag Nachmittag in Posen einer Einladung des Erzbischofs zum Diner, an welchem der kommandirende General von Seeckt, der Oberpräsident Freiherr von Wilamowitz= Möllendorff und die Spitzen der Behörden teilnahmen. Um 7 Uhr fuhr Prinz Georg nach Dresden zurück. Wie die„Ostpreußische Zeitung" erfährt, hat der Kaiser den Familien Auerswald, Dönhoff, Dohna, Eulenburg, Lehndorff mittelst Ordres mitgeteilt, daß er je ein Fort der Festung Königsberg nach ihnen benannt habe. Freitag Morgen fuhren der Oberhofmarschall Graf zu Eulenburg= Prassen mit dem Ministerpräsidenten Grafen zu Eulenburg, dem Obersten Grafen zu Eulenburg und dem Grafen zu EulenburgGallingen, vom Commandanten Generalmajor Keyler geführt, nach Fort 12 oder Fort Eulenburg hinaus. Die Vertreter der Familie Eulenburg wurden dort von dem Commandanten und den Offizieren empfangen und in den Räumen des Forts herumgeführt. Die Grafen Eulenburg richteten von dort aus, da das Fort mit der Commandantur telephonisch angeschlossen ist, einen erneuten telegraphischen Dank an den Kaiser nach Elbing. Kaiserin Friedrich und der Prinz von Wales sind am Donnerstag in Darmstadt eingetroffen, um das Mausoleum zu besuchen, und reisen nachmittags weiter nach Heiligenberg zum Besuch des Großherzogs von Hessen. Die Fürstin Bismarck wurde am Donnerstag von einem plötzlichen Unwohlsein befallen. Sie mußte zu Bett gebracht werden; auch während der Nacht trat keine Besserung ein. Für die Begnadigung der beiden französischen Spione durch den Kaiser hat sich jetzt der Präsident Perier revanchiert, indem er einen Berliner begnadigte. Zwei Söhne des auf dem Berliner Central= viehhofe angestellten Viehtreibers, Namens Fahr, dienen seit Jahren in der französischen Fremdenlegion. Der eine war wegen schwerer Insubordination vom Kriegsgericht zum Tode verurteilt worden, welche Strafe in langjährige Festungshaft umgewandelt worden war. Vor einigen Wochen hat der Präsident Lasimir=Perier den Deutschen völlig begnadigt. Jetzt Efindet sich der junge Mann wieder bei seinem ReIiment in Algier, um seine Dienstzeit zu beenden. Major v. Wißmann hat einem Berichterstatter Jüglich der Frage, ob es an der Zeit sei, von seiten Regierung aus den Strom der Auswanderer nach Hltafrika zu lenken, erwidert:„Ums Himmels willen : O s l u r r i t a h a t n u r W e r t f ü r P l a n t a g e n b a u. D i e Plantagen müssen durch Schwarze bebaut werden, nur hat unsere Kolonie dort eine Zukunft. Man soll in der Presse alles thun, und ich bitte sehr datun, um kleine Leute, die dorthin auswandern wollen, von diesem Vorhaben abzuhalten. Gehen diese dorthin, [9 werden sie sich in ihren Hoffnungen getäuscht sehen, S, entsteht Unzufriedenheit, und die Kolonien würden Ladurch nur in schlechten Ruf geraten. Alles was davon gefabelt wird, Ansiedelung von Auswanderer: m Kilimandscharo usw. usw. sind Phantastereien. Wer es unternehmen wolle, das zu thun, würde dasselbe klägliche Fiasko erleiden, wie die sog. Freilandsexpedition.“ Im Berliner Bierkrieg sind jetzt, allerdings noch unoffiziell, endlich die ersten FriedensverhandEingen angebahnt, die vielleicht Frieden herbeiführen werden. Namens der sog. Saalkommission hat sich der Vorsitzende derselben, Jakobi, wie er in der Sitzung des Vereins Berliner Gastwirte bekannt gab, durch eine Mittelsperson mit Vertretern der Gegenpartei in VerIndung gesetzt und bei diesen auch die Neigung zur Zeilegung des Zwistes unter den aufgestellten BeAngungen konstatiren können. Danach würden die Saalinhaber den Sozialdemokraten wieder ihre Säle in Versammlungen usw. freigeben, auch das von ihnen gewünschte(ringfreie) Bier dazu beschaffen, während die Sozialdemokraten resp. die Boykottkommission sich lünftig jeder Einmischung oder Kontrolle über das lnstige Geschäftsgebahren der Wirte enthalten soll. Die Verhandlungen sind jedoch vorläufig über unverbindliche Versprechungen nicht hinausgekommen. Der Graf von Paris, der Enkel des Königs Louis Philipp, ist am Sonnabend morgen im 57. Lebensjahre in Buckingham gestorben. Schon seit mehkeren Tagen galt der Zustand des Grafen von Paris als hoffnungslos, so daß man stündlich sein Ableben erwartete. Der Graf von Paris galt seit dem Tode des Grafen Chambord, des Enkels Karl X., fast allgemein unbestrittener Kronprädent für die Krone Frankkeichs. Seit dem Sturz des französischen Königshauses bis zur Absetzung des Kaisers Napoleon teote er als Verbannter in England, das er nur einmal auf kurze Zeit verließ, um an dem Fa3rsions= Kriege in Nord=Amerika gegen die Südsclaten auf Seiten der Nordstaaten teilzunehmen. #t hat sich dann in England mit sozialpolitischen Studien beschäftigt und hierüber auch ein Werk herausgegeben, das jedoch keinen sonderlichen Eindruck gemacht hat. Nach dem Sturz des Kaiserreichs ließ er sich die Stammgüter der Orleans wieder ausliefern und kehrte auch nach Frankreich zurück, um angeblich als einfacher Bürger dort zu leben. Es sind dann von den Orleanisten verschiedene Zettelungen veranstaltet worden, die schließlich zur abermaligen Ausweisung des Grafen von Paris geführt haben. Eine ernstliche Gefahr für die Republik ist er aber wohl kaum jemals gewesen. An seine Stelle tritt Prinz Philipp von Orleans, ein Jüngling von 25 Jahren, der sich vorübergehend einmal dadurch bekannt Lemacht hat, daß er trotz des Verbannungsdekrets sich in Paris in einer Kaserne als Rekrut meldete. Die Regierung hat sich aber damals seiner kurzer Hand entledigt. Ob der junge Prinz der Republik gefährlicher sein wird als sein Vater, steht dahin. Er kommt zwar in den Besitz eines ungeheuren Vermögens, aber die Bevölkerung Frankreichs ist in ihrer Mehrheit so sehr republikanisch, daß die Wiederherstellung der Monarchie wohl kaum ernstlich in Frage kommen dürfte Ein neuer französischer Thronprätendent ist inder Person von Franz Marie von Bourbon, Sohn des im Jahre 1870 vom Herzog von Montpensir im Zweikampf getöteten Schwagers der Königin Isabella von Spanien, aufgetreten. Derselbe hat eine Art von Proklamation erlassen, die aber nur den Eindruck der Lächerlichkeit macht. Gegen Stambulow ist nach seiner letzten gerichtlichen Vernehmung ein Attentat verübt worden. Als Stambulow vom Gerichtsgebäude heimfuhr, sprang, so berichtet das„B. T.“, ein Individuum, das Stambulow flüchtig bekannt war, auf den Wagenschlag und führte mit einem Stocke mehrere Hiebe nach dem Exminister, deren einer den rechten Arm Stambulows unterhalb des Ellbogens traf. Hierbei zerbrach der Stock. Die Verletzung des Armes besteht in einer erheblichen Anschwellung, die den Gebrauch des Armes für einige Tage erschwert. Stambulow äußerte sich sehr bitter über den Vorfall und richtete eine Depesche an den Fürsten Ferdinand in schroffen und heftigen Ausdrücken. Die Lage in Lombok scheint sich für die Holländer nunmehr sehr günstig zu gestalten. Am Donnerstag ist Hauptmann Lindgreen, der Sanitätsoffizier Ujlahi(?), ein Leutnant und 60 Soldaten unter einer von dem Radjah gestellten Bedeckung nach Ampenau zurückgekehrt. Der Feind wurde durch Artillerie von Aroen vertrieben. Der Sohn des Radlah ist verwundet worden. Lindgreen hatte, durch Wunden und Entbehrungen gezwungen, kapitulirt unter der Bedingung freien Rückzugs und der Rückgabe der Waffen in Aroeng. Er wurde danach gefangen genommen, nunmehr aber wieder freigelassen und nach Kale geführt, wo er einen Sergeanten und 15 Mann, alle verwundet, zurückgelassen hatte. Lindgreen brachte einen Brief des Radjah mit, in welchem seine Freilassung als Freundschaftsbeweis dargestellt wird. Auf diesen Brief ist eine Antwort nicht erfolgt. Jedenfalls beweist dieser Vorgang, daß der Radjah selbst an einen erfolgreichen Widerstand nicht glaubt, und wahrscheinlich die Hand zum Frieden bieten wird. Am Donnerstag wurde nach der Beschießung durch schwere Artillerie Aroeng mit seinen Befestigungen ohne Wioerstand genommen. Viele Gewehre und andere Sachen fielen in die Hände der Sieger. Oberst Swart besetzte den Hindutempel in Aroeng. Vom ostasiatischen Kriegs=Schauplatz bringt der in San Franzisko aus Yokohama angekommene Dampfer„La Belgique" nachträglich noch einige nähere Nachrichten, die bis zum 18. August reichen. Darnach trug der chinesische General Tsche die Schuld an der Niederlage bei Seikuan; er warf beim Herannahen der Japaner seine Uniform ab und floh mit Hinterlassung wichtiger Schriftstücke, die ein General niemals in den Händen der Feinde lassen sollte. Nach einer Meldung des„Reuter'schen Bureaus" aus Shanghai vom Freitag hätte eine bedeutende japanische Streitmacht eine Insel in der Society=Bucht, 40 Meilen nordwestlich von Porth Arthur besetzt, um hier eine Operationsbasis zu gewinnen. Die Landung wäre ungehindert von statten gegangen. Die Japaner sollen Vorbereitungen treffen, um einer längeren Belagerung zu widerstehen. Ein Teil der japanischen Flotte kehrt, wie es heißt, nach Japan zurück, um neue Truppen heranzuschaffen. China soll unausgesetzt große Truppenmassen durch die Manschurei nach Korea schaffen. Nach einer Meldung des„Reuterschen Bureaus" aus Yokohama vom 6. ds. Mts. ist der Marschall Yamagata nach Korea abgereist, wo er den Oberbefehl über die japanische Armee übernehmen wird. Letztere dürfte demnächst 100000 Mann stark sein. Man glaubt, es seien Vorbereitungen zum Angriff auf Peking getroffen. Eine Shanghaier Drahtmeldung der„Zentral News“ besagt, daß die Truppenbewegung auf Korea durch anhaltende Regengüsse sehr erschwert werde. Die erwartete Schlacht werde deshalb wahrscheinlich verschoben werden. Die chinesische Flotte unter Admiral Ting langte am Dienstag in Wei=Hai=Wei an. Der ehemalige preußische Hauptmann Hannecken wurde zum Inspektor der chinesischen Küstenbefestigungen ernannt. Die japanische Flotte kreuze auf der Höhe der Südküste Koreas. Es ist ungemein schwierig, sich ein richtiges Bild vom Stande des Krieges zu machen, da die meisten Nachrichten systematisch unterdrückt werden und meist nur tendenziöse Berichte vorliegen. Um so wertvoller sind die allmählich zahlreicher eintreffenden brieflichen Nachrichten über die ersten Episoden des Krieges. Völlig aufgeklärt ist jetzt die Kowshing=Affaire, die Vernichtung des chinesischen Kriegsschiffs„Kowshing", da festgestellt ist, daß die Chinesen sich hier mißbräuchlich der weißen Flagge bedient hatten. Wie aus Shanghai gemeldet wird, herrscht unter den dortigen Europäern die größte Befürchtung wegen des immer stärker auftretenden Gerüchts von einer demnächstigen Beschießung Shanghais durch die Japaner, wodurch der ganze Handel unterbrochen werden würde. Professor Dr. v. Helmholtz, einer der größten Physiologen und Physiker unserer Zeit, ist Sonnabend mittag in Charlottenburg gestorben. Hermann Ludwig Ferdinand von Helmholtz wurde am 31. August 11821 zu Potsdam geboren. Er studierte zu Berlin Medizin, wurde 1842 Assistenzarzt an der Charitee daselbst, ein Jahr später Militärarzt zu Potsdam. Im Herbst 1848 kehrte er als Lehrer der Anatomie an der Kunstakademie und Assistent am Anatomischen Museum nach Berlin zurück, wurde aber bereits im Juli 1849 als Professor der Physiologie an die Universität Königsberg berufen. Im Herbst 1855 erhielt er die Professur der Anatomie und Physiologie in Bonn, die er jedoch 1858 mit der der Physiologie zu Heidelberg vertauschte; Ostern 1871 übernahm er die Professur der Physik an der Universität Berlin und 1888 auch die Leitung der physikalisch= technischen] Reichsanstalt in Charlottenburg als deren Präsident. Seinen wissenschaftlichen Ruf begründete Helmholtz mit der Schrift„Ueber die Erhaltung der Kraft", der später in leichtfaßlicher Darstellung„Ueber die Wechselwirkungen der Naturkräfte" folgte. Den von ihm erfundenen Augenspiegel zur Untersuchung der Netzhaut im lebenden Auge beschrieb er in einer besonderen Schrift. Außerdem schrieb Helmholtz noch viele andere fachwissenschaftlich sehr wertvolle Werke. Ein Fall asiatischer Cholera ist am Donnerstag in Charlottenburg festgestellt worden. Die hierauf bezügliche amtliche Bekanntmachung lautet: „Bei dem am 4. d. Mts. auf dem Kahne an der Marchbrücke verstorbenen Bootsmann Karl Grothe ist asiatische Cholera festgestellt.“ Grothe holte sich Liter Birnen, die er auf einmal verspeiste. Dazu trank er mehrere Gläser Weißbier. In der nächsten Nacht erkrankte er sehr bedenklich und starb am 4. d. Mts. morgens. Eine furchtbare Familienkatastrophe wird der„Post“ aus Dresden gemeldet: Sonnabend Vormittag stürzte ein Schneider Roth aus seiner in der 4. Etage liegenden Wohnung drei seiner Kinder herab und folgte nach. Alle vier Personen blieben tot. In die Erde versunken ist am Mittwoch das aus 20 Häusern bestehende Bergwerksdorf Scotch Valley in der Grafschaft Lackawanna in Pennsylvanien. Es stand über der Mount Lockout=Zeche. Das Holz der Schächte gab nach und die Häuser stürzten in die Tiefe. Die Bewohner wurden zum Glück noch rechtzeitig vor der drohenden Katastrophe gewart. 50 im Bergwerke arbeitende Arbeiter aber entgingen nur mit knapper Not dem Tode. Von einem Orkan wurden nach telegraphischer Nachricht aus Helsingfors 30 Fischer von der Inselgruppe Noerpes beim Fischfang auf dem Finischen Meerbusen überrascht. Acht Boote wurden umgeworfen, 15 Insassen ertranken. Die anderen Fischer vermochten sich auf ein Felseneiland zu retten, dochzwurden hier die Fahrzeuge zerschlagen. Erst nach drei Tagen kam Hilfe, als schon zwei Fischer gestorben, fünf am Typhus erkrankt und die anderen vor Hunger, Kälte und Nässe bewußtlos waren. Erstaunliche Enthüllungen über einen großartigen Trinkgelderunfug beschäftigen ganz Brüssel. Das Brüsseler Rathaus ist in den letzten Jahren unter Aufwendung von Millionen restaurirt worden und bildete ein wahres sehenswertes Museum, dessen Besichtigung kein Besucher Brüssels unterläßt. Jeder Besucher muß aber nach stadträtlicher Bestimmung 1 Fr. Gebühr entrichten, und diese Gebühr fließt in die Taschen des Pförtners, welcher, wie jetzt im Stadtausschusse festgestellt worden ist, dadurch eine Jahreseinnahme von 50000 Fr. für sich erzielt. Das auf Kosten der Steuerzahler mit Pracht umgestaltete Bauwerk wird somit von dem Pförtner ausgebeutet. Der biedere Mann, welcher daneben sein Gehalt, freie Wohnung, Heizung und Beleuchtung hat, ist schnell ein reicher Mann geworden, heute Besitzer vieler Grundstücke. Mehrere Gemeinderäte haben bereits für die nächste öffentliche Sitzung des Gemeinderats Interpellationen hierüber angemeldet, und es ist sicher, daß ein Wandel darin eintreten wird. Folgenden„Liebesbrief", der der„B. Pr.“ im Original vorliegt, hat ein beim 42. Inf.=Regt.“ in Greifswald stehender„schreibkundiger“ Pole an seine auf dem Lande wohnende Geliebte gerichtet: libes Mari das budr(Butter. D. R.) was du Mig Schik libes Mari is sig serre schön Smek libes Mari libes Mari tu mig nog einz Schik fun das budr libes Mari dein sig dreu Seindes Kuß. Kosinski Voraussichtliches Wetter. 11. Septbr.: Abwechselnd heiter u. wolkig, kühl, ohne wesentliche Niederschläge. Nacht sehr kühl, Gefahr vor Reif. 12. Septbr.: Ziemlich heiter und trocken, Nacht sehr kühl, vielfach Reif, am Tage angenehm. Telegramme. Paris, 10. Sept. Bei einem gestern Nachmittag zwischen Noyon und Chumy stattgefundenen Zusammenstoß einer Rangiermaschine mit dem Paris=Cölner Blitzzuge wurden 9 Personen getötet, zwanzig verletzt, darunter mehrere schwer. Die Reisenden wurden über Soisson nach Brüssel gebracht, wo sie gestern abend 11 Uhr eintrafen. Augenzeugen berichten über die Catastrophe folgendes: Als der Stationschef von Apilly die Gefahr bemerkte, versuchte er den beiden Lokomotivführern Signale zu geben, als er sah, daß diese unbemerkt blieben, warf er sich zwischen Maschine u. Blitzzug, permanent die rote Fahne schwenkend. Derselbe wurde vom Blitzzug erfaßt, zerstückelt und fortgeschleudert. Sodann erfolgte der Zusammenstoß obgleich beide Maschinisten Gegendampf gegeben hatten. Der Maschinist der Rangirmaschine blieb sofort tot, während derjenige des Blitzzuges den Kopf gespalten bekam. Die vorderen Wagen des Blitzzuges türmten sich 30 m hoch, sofort vernahm man allerseits verzweifelte Hilferufe. Zerbrochene Wagenteile und menschliche Glieder lagen umher. Aerzte waren keine zur Stelle. Glücklicherweise konnte ein Reisender telegraphieren. Derselbe depeschierte nach Chandy: Schweres Unglück, Stationschef getötet, sendet Hilfe. Gegen 5 Uhr kam ein Hilfszug mit 4 Aerzten und einer Abteilung Arbeiter. Um 6 Uhr kam ein zweiter Zug mit 3 Aerzten und Ingenieuren. Mehrere Priester reichten die Sterbesakramente und trösteten die Verwundeten. Alle Opfer befanden sich in der für Köln bestimmten Wagenabteilung. Paris, 10. Sept. Dem hier erscheinenden„NewYorker Herald“ zufolge soll der Eiffelturm von den Unternehmern einer Weltausstellung in Baltimore angekauft worden sein. Cannes, 10. Sept. Trotz des anhaltenden Regenwetters greift das Feuer in den Wäldern des Esterelgebirges weiter um sich. Die Bewohner mehrerer Gehöfte haben sich nach Draguignon geflüchtet. Aus Graße sind neue Truppenabteilungen abgegangen. Der materielle Schaden ist bereits sehr bedeutend. Keine Menschenleben sind zu beklagen. Man hofft, daß die Wälle, welche von den Truppen und den Einwohnern von Montoroux aufgeworfen worden sind, das Feuer auf seinen Heerd beschränken werden. Adolf Grieder& Cie. rsrikönien, Zürich Königl. Spanische Hoflieferanten versend. porto u. zollfrei zu wirkl. 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Oktober 1894 bis dahin 1900 öffentlich meistbietend verpachtet werden: Der bisher von dem Oekonom Fröhning Acker„auf dem Klee“ vor dem Lübberthore, 91 Quadratruten groß, gepachtete 1 Morgen verpachtet ge1 Morgen 95 2. das bisher an den Sattler Wehmeyer wesene Grundstück vor dem Rennthor, Quadratruten 50 Quadratfuß groß, 3. der bisher von dem Wirt Ströter gepachtete Garten „In der Twegte“ vor dem Rennthor, 78 Quadratruten 50 Quadratfuß groß, 4. das bisher von dem Metzger Huep gepachtete Grundstück„in der alten Thonkuhle" vor dem Bergerthor, 1 Morgen 2 Quadratruten 40 Quadratfuß groß, 5. der an verschiedene Personen verpachtet gewesene Acker „auf dem Osterfeuer" vor dem Rennthor 2 Morgen 8 Quadratruten groß. Die der Verpachtung zu Grunde liegenden Bedingungen können während der Vormittags=Dienststunden auf unserem Stadtsekretariat eingesehen werden. Herford, den 5. September 1894. Der Magistrat. Quentin. Allgemeine Orts=Krankenkasse für gewerbliche Arbeiter der Stadt Herford. Nachdem der in der GeneralVersanmlung vom 11. Mai cr. beschlossene Nachtrag zu den Statuten, betr. Abänderung des§ 13, unter dem 9. Aug. cr. die Genehmigung des Bezirksausschusses in Minden erhalten hat, tritt derselbe mit dem heutigen Tage in Kraft. Herford, den 5. Sept. 1894. Carl Hentschel, Vorsitzender. Bekanntmachung. Die Lieferung von 17 DoppelWaggon Kohlen(Nuß II) für die städtische Verwaltung einschl. Schulen und Stiftungen für kommenden Winter soll vergeben werden. Die Lieferung hat zu je ½ Ende September. Anfang Dezember cr. und Anfang Februar k. J. zu erfolgen. Angebote, welche die Angabe der betr. Zeche und des Preises loco Bahnhof Herford enthalten müssen, sind bis Donnerstag, 13. Sept. 1894, vormittags 11 Uhr bei uns abzugeben. Herford, den 5. September 1894. Der Magistrat. Quentin. Bekanntmachung. Die Abfuhr von 17 Doppel=Waggon Kohlen vom hiesigen Bahnhof zu den verschiedenen städtischen Gebäuden (weiteste Entfernung Schule Stiftberg II) soll an einen Rollfuhrwerksbesitzer, welcher nicht zugleich Kohlenhändler ist, vergeben werden. Die Abfuhr hat zu je ½ Ende September, Anfang Dezember cr. bezw. Anfang Februar k. J. zu erfolgen. Angebote mit Preisangabe, einschl. Auf= und Abladen, sind bis Donnerstag, 13. Sept. 1894, vormittags 11½ Uhr bei uns abzugeben. Herford, den 5. September 1894. Der Magistrat. Quentin. Bekanntmachung. Diejenigen Personen, welche im hiesigen Stadtbezirk eigene Grundstücke besitzen und die ihnen zustehenden Pachtgelder für 1894 mit 7½ Pfg. pro Morgen beanspruchen, werden hierdurch aufgefordert, ihre Ansprüche bis zum 10. Oktober ds. während der Vormittags=Dienststunden auf unserem Stadtsekretariate geltend zu machen. Die Abholung der Gelder erfolgt in der Zeit vom 15. Oktober bis 15. November ds. Is. auf unserer Kämmereikasse. Die bis zu dem letztgenannten Tage nicht abgehobenen Gelder werden wir tung überweisen und wird von Jedermann, welcher den ihm zustehenden Betrag nicht in Empfang genommen hat, angenommen, daß er mit dieser Verwendungsart einverstanden ist. Herford, 6. September 1894. Der Magistrat. Quentin. Gandersheimer Sanitätskäse. Bekanntmachung. Die in Gemäßheit des EinführungsGesetzes zur Straf=Prozeß=Ordnung vom 1. Februar 1878 aufgestellte Urliste für die Auswahl der Schöffen und Geschworenen des diesseitigen Stadtbezirks liegt nach Vorschrift des § 36 des Gerichtsverfassungs=Gesetzes vom 27. Januar 1877 eine Woche lang und zwar vom 10. bis 17. September d. Is. während der Vormittags=Dienststunden auf unserem Stadtsekretariate(Rathaus=Zimmer Nr. 1) zur Einsicht offen. Einwendungen gegen die Richtigkeit oder Vollständigkeit der Urliste können während der genannten Frist bei uns schriftlich oder zu Protokoll erhoben werden. Herford, 8. September 1894. Der Magistrat. Quentin. Verdingung. Die zum Neubau eines Saales für Herrn Gastwirt W. Feld in Herford erfo serlichen Steinlieferungen und zwar: 100 cbm. gute lagerhafte Bruchsteine, 250 Mille gute Ofenbrandsteine sowie Maurer= und Zimmerarbeiten sollen im Wege des öffentlichen Angebots vergeben werden. Zeichnungen, Anbietungs= und Ausführungsbedingungen liegen im Bureau des Unterzeichneten zur Einsicht aus. Die Angebote sind verschlossen, mit einer den Inhalt bezeichnenden Aufschrift versehen, bis zum Freitag, den 14. September, vormittags 11 Uhr nach dem Bureau des Unterzeichneten einzusenden, zu welcher Zeit die Eröffnung der eingegangenen Angebote in Gegenwart der ewa erschienenen Interessenten erfolgen wird. Herford, den 8. September 1894. Der Architect. W. Köster. Eine 6pferdige 1890 gebaut mit stehendem Kessel und liegender Maschine haben billig abzugeben Kernewelk& Schachtsiek. Neue deutsche Singer-Nähmaschine für Hausgebrauch umständehalb. billig zu verkaufen. E. Hansche, Radewigerstr. 771. 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