Zeitung für Stadt und Land. „„ k* Lokales und Provinzielles. Nachdruck unserer Originalberichte ist nur mit deutl. Quellenangabe gestattet. * Herford, 17. Aug. Der sogenannten parteilosen Presse widmet der Reichsbote einige Zeilen, welche die Schädlichkeit einer unparteiischen Haltung darlegen sollen. Blätter der hiesigen Provinz druckten diese Auslassungen— jedenfalls um für sich daraus Kapital zu schlagen— begierig nach. Unter den nachdruckenden Blättern sind nun lustiger Weise auch sog.„halbamtliche Blätter“, die in erster Linie dazu berufen sein sollten, dem zersetzenden Gifte unserer Zeit entgegenzutreten und wacker mitzuarbeiten daran, daß wahres Christentum und wahre Vaterlandsliebe in allen Schichten der Bevölkerung Verbreitung finden. Statt dessen liebäugelt diese Gattung Zeitungen aber mit allen Parteien, gleichgültig welcher Gesinnungsart, wenn sie nur nicht christlich und gar zu preußisch ist! Solche Blätter, die überall im Trüben fischen, sollten sich doch davor hüten, Splitterrichter sein zu wollen! Der sogen. parteilosen Blätter sind hier im Lande nur wenige, meist aber haben sie das Programm für alles einzutreten, was unserer Zeit wirklich noth thut.„Mit Gott, für König und Vaterland“ ohne dabei der Rechte des Bürgers im Besonderen und des ganzen Volkes im Allgemeinen zu vergessen, ist auch ein Programm und zwar kein schlechtes. Zeitungen mit solchem Programm werden auch anders im Volke wurzeln, als sogenannte„Parteiblätter“, die um nirgends anzustoßen, sich erst recht in öder Flachheit bewegen. Gerade bei der wichtigsten Aufgabe der ernsten Presse der Gegenwart, der lokalen Bekämpfung der roten Sozialdemokratie, versagt diese Zeitungsart vollständig, weil sie fürchtet, dadurch einige Schillinge zu verlieren. Daß sie dafür häufig Verherrlichungsartikel auf ihre Parteigötzen bringt, davon hat die Allgemeinheit nichts. Aber diese Presse muß sie bringen, denn darin bestehen meistens ihre ganzen Dienste, welche sie ihrer Partei leistet. * Der Kaufm. Verein hielt gestern eine Vorstandssitzung ab, um über eine Aufforderung der Reichsregierung zu berathen. Der Verein ist nämlich aufgefordert worden, zu einer im Oktober oder November in Berlin stattfindenden Berathung zwei Delegierte zu entsenden und zwar einen Prinzipal und einen Gehülfen aus der Manufakturwaarenbranche. Die Verhandlungen werden die Arbeitsverhältnisse der Angestellten der verschiedenen kaufmännischen Geschäftsarten betreffen und dürften sich über 3 Tage erstrecken. Reisespesen und 12 Mark Tageskosten werden vergütet. An diesen Beratungen werden nur 36 Vereine mit 72 Personen teilnehmen. Es ist daher eine Auszeichnung, daß der hiesige Verein zu demselben geladen ist und darf der Vorstand diese Anerkennung mit Genugthuung registrieren. Ein definitiver Beschluß über die zu entsendenden Persönlichkeiten wird erst morgen gefaßt werden. - Die Turngemeinde beschloß in der gutbesuchten General=Versammlung v. 14. d. Mts., ihr 34. Stiftungsfest am 9. u. Mts. zu feiern. Abweichend von früheren Festen wird das diesjährige nachmittags mit Conzert und Turnen beginnen. Auch sollen mehrere Gruppen Marmorbilder gestellt werden, wie solche noch vom Maskenball in Erinnerung sind und damals begeisterten Beifall fanden. Die Arrangements sind einem aus bewährten Kräften bestehenden Comité in die Hände gelegt. Theater. Wir verfehlen nicht, nochmals darauf hinzuweisen, daß am Sonntag hier ein Gastspiel des Oeynhauser Königl. Kurtheaters stattfindet. Gegeben wird bekanntlich„Charley's Taute". Die Aufführung soll eine sehr gute sein. In Oeynhausen ist das Stück von der Kurtruppe schon sechsmal gegeben worden. * Am Dienstag waren es 30 Jahre hei, der Gasmeister Weskamp hier persönlich das erste Steinkohlengas für die Stadt Herford bereitete. * Distanzfahrt. Heute Vormittag kam durch unsere Stadt Herr Emil Hausadel aus Stettin. Trotzdem dieser Herr das 56. Altersjahr hinter sich hat, legte derselbe in den letzten Wochen die erstaunliche Tour Stettin— Berlin— Dresden—. Nürnberg— Stuttgart— Ulm— Augsburg— München— Innsbruck — Bozen— Trient— Venedig— Mailand— Como — St. Bernhard— Chur— Rorschach— Schaffhausen— Zürich— Luzern— Brüning— Interlaken— Bern auf seinem Dreirade zurück. Jetzt ist Herr Hausadel auf dem Heimwege nach Stettin begriffen, auf dem er eben auch Herford berührte. * Der Gesangverein„Jue##ria“ feiert am 19. d. M. auf der Berglust sein 7. Stiftungsfest durch Instrumental=, Vokalkonzert und Ball. Das Instrumentalkonzert wird ausgeführt von der Düngel'schen Kapelle, das Vokalkonzert durch fremde und hiesige Vereine. Die gediegenen Leistungen sind bekannt genug, um ein volles Haus zu erzielen. * Die in diesem Jahre ausgehobenen Rekruten mögen auf eine Bestimmung aufmerksam gemacht sein, welche für Manchen von besonderer Wichtigkeit sein dürfte. Ein Rekrut, welcher sich in gerichtlicher Untersuchung oder im Anklagezustand befindet, kann nicht eher eingestellt werden, als bis die Strafsache einschließlich der Strafvollstreckung erledigt ist. Rekruten, welche es unterlassen, von einer gegen sie erhobenen Anklage der Militärbehörde Anzeige zu machen, werden behufs Verbüßung ihrer Strafe wieder entlassen, ganz abgesehen davon, wie lange sie schon dienen. Im nächsten Jahre werden sie dann erneut ausgehoben und eingestellt, ohne daß ihnen die vorhergegangene Dienstzeit angerechnet wird. Es liegt somit im Interesse eines jeden Rekruten, gegen welchen eine gerichtliche Untersuchung schwebt, sofort seiner Kontrolstelle davon Anzeige zu erstatten. * Erleichterung für die Behörden. Nachdem durch Ministerialerlaß vom 16. Dezember v. I. bereits den Landräten zur Erleichterung und Beschleunigung des Dienstbetriebes für gewisse Geschäftszweige der Gebrauch eines den Namenszug enthaltenden Stempels an Stelle der handschriftlichen Vollziehung amtlicher Schriftstücke gestattet worden war, haben die Minister des Innern und der Finanzen nunmehr bestimmt, daß in gleicher Weise auch die Ersten Bürgermeister und Bürgermeister bezw. Polizeipräsidenten und Polizeidirektoren in den einen eigenen Kreis bildenden Städten für die in jenem Erlasse angegebenen Geschäftszweige sich eines Namensstempels bedienen dürfen. Es bezieht sich dieses auf die Vollziehung solcher Schriftstücke, welche im laufenden Geschäftsgang periodisch massenhaft angefertigt zu werden pflegen, sowie auf die Korrespondenzen und Benachrichtungen, welche sich an die Ab= und Zugangsfälle knüpfen, auf die Bescheide auf Ermäßigungs= und Erlaßanträge, sowie auf formularmäßige Mitteilungen und Requisitionen an andere gleichgestellte bezw. untergeordnete Behörden und dergleichen, namentlich aber auch in Militärangelegenheiten, wenn es sich um Ueberweisung Militärpflichtiger, Mitteilungen, Anfragen, Beorderungen rc. handelt. * Oeynhausen, 15. Aug. Der von den Stadtverordneten beschlossene Neu= bezw. Anbau der Bürgerschule, zum Zwecke der Unterbringung der höheren Stadtschule, ist seitens königlicher Regierung nicht genehmigt worden. Der vor einiger Zeit aus dem hiesigen Amtsgerichts=Gefängnis entflohene Arbeiter Österhage aus Löhne, welcher nach Holland entkommen war, hat sich jetzt freiwillig wieder gestellt. Die zuletzt ausgegebene amtliche Kurliste verzeichnet bis einschließlich 10. d. Mts. 5509 eingeschriebene Badegäste und 10 467 Fremde; zusammen also 15976 Personen. Bäderzahl 71 776. Bei dem Schützenfest errang die Königswürde Herr Kaufmann Kloth, welcher sich Frau Beckmann zur Königin erwählte. * Minden, 15. August. Im„Amtsblatt“ der hiesigen Kgl. Regierung findet sich eine Bekanntmachung des Herrn Landeshauptmanns von Westfalen betr. die Verteilung der Provinzialabgaben auf die Stadt= und Landkreise der Provinz nach dem Maßstabe der direkten Staatssteuern mit Ausschluß der Gewerbesteuer vom Hausiergewerbe für das Rechnungsjahr 1893/94. Nach der Zusammenstellung betragen die Staatssteuern in 1893/94 u. A. im Kreise Minden 462017,01 M., im Kreise Lübbecke 195940,03 M., im Kreise Herford 413 775,24 M. Der Beitrag zu den gaben beträgt darnach: Kreis Minden 38 650,87 M., Kreis Lübbecke 16391,72 Mark, Kreis Herford 34 615,12 Mark. * Detmold, 16. Aug. Als vor Kurzem die auf der Grotenburg angebrachte Sammelbüchse zum Besten der Schmückung der Kriegergräber um Metz geleert werden sollte, stellte sich heraus, daß dieselbe ihres Inhaltes beraubt war. Wenige Tage vorher soll der in der Büchse enthaltene Geldbetrag noch vorhanden gewesen sein. Bei der vor drei Jahren zuletzt vorgenommenen Oeffnung der Sammelbüchse sollen sich ca. 80 U vorgefunden haben; seit dieser Zeit war dieselbe nicht wieder geleert worden. Die Angelegenheit ist der Staatsanwaltschaft übergeben.(L. L. Z.) * Heepen, 16. Aug. Nachdem es schon am Montag auf dem Gute Milse gebrannt hatte, entstand am Dienstag dort abermals Feuer. Man vermutet Brandstiftung. * Brackwede, 14. Aug.„Daß Du die Nase ins Gesicht behälst; oder die„Genossen" unter sich.“ Unter dieser Spitzmarke wird der„N. W. V.=Ztg.“ von hier folgendes geschrieben: Sitzen da am vergangenen Sonntag drei„Genossen“ in einer hiesigen Wirtschaft. Zwei derselben waren von hier und der dritte war ein Fremder, welcher in Berlin hinter die Koulissen der sozialdemokratischen Führer geschaut und wahrgenommen haben will, daß dieselben Verführer u. dergl. seien. Da die„Genossen“ in der Verteidigung ihrer gegenteiligen Meinung über die sozialdemokratischen Führer„schlagend“ zu werden drohten, so nahm ihnen der klügere Wirt die dazu verwendbaren Mittel und spendierte sie an die Luft. Auf dem freien Platze vor dem Hause und in der Gosse wurde der Kampf um die„Ehrenhaftigkeit oder das Gegenteil“ der Berliner Führer mit handgreiflichen Beweisen fortgesetzt. Dabei drangen die„Genossen" von hier tapfer, wie sie nun einmal sind, in doppelter Stärke auf den Fremden ein, und bald war er unterlegen. Der aber wehrt sich seiner Haut so gut oder so schlecht er kann und beißt seinem ihm erreichbaren Gegner die —— Nase ab! Wenn die„Genossen" derartige Beweisführungen beibehalten, dann wird im Zukunftsstaat mancher mit abgebissener Nase umherlaufen müssen. * Hamm, 16. Aug. Am 26. d. Mts. findet hier ein antisemitischer Parteitag statt, wo die Vereinigung der Reformpartei mit den Deutschsocialen vor sich gehen soll. Die dann verschmolzene Partei soll den Titel„Deutschsociale Reformpartei“ erhalten. * Dortmund, 10. Aug. Wegen Majestätsbeleidigung verurteilte die Dortmunder Strafkammer einen Bergmann zu zwei Monaten Gefängnis, weil er in einer Gastwirtschaft zwei Oeldruckbilder, den Kaiser und die Kaiserin darstellend, mit seinem Stocke zerschlagen hatte. Die Dortmunder Polizei hat in Voraussicht kommender Streiks eine eigentümliche Maßregel getroffen. Sie hat die Zechen im Stadtkreise aufgefordert, ihr je zwanzig Mann zu nennen, die bereit seien, bei einem etwa ausbrechenden Streik das Zecheneigentum zu beschützen. Die Leute sollen bei einem etwaigen Streik Beämtenqualifikation erhalten und vereidigt werden. Drei Afrikaner, zwei schwarze und ein gelber, haben auf dem Eisenwerke„Union“ Arbeit als Zuschläger aufgenommen. * Ibbenbüren, 16. Aug. Herr Bergwerksdirektor Salomon hat der Versammlung der Vertrauensmänner die Mitteilung gemacht, daß die ständigen Mitglieder der Knappschaft weiter beschäftigt werden sollen; in welcher Weise, ist noch nicht bekannt. Da indessen nur die Hälfte derselben vollständige Beschäftigung finden kann, soll die Hälfte der Leute abwechselnd wöchentlich drei Tage zur Arbeit gehen. Hierdurch ist wenigstens der größten Not vorgebeugt. Rundschau. Der Kaiser hat am Mittwoch früh 8 Uhr begleitet von der„Prinzeß Wilhelm“ unter dem Geschützdonner der benachbarten Forts von Gravesend auf der„Hohenzollern“ die Rückreise nach Kiel angetreten, wo die Ankunft am Freitag Morgen erwartet wurde. Von dort wird der Monarch mittelst Sonderzuges mittags 12 Uhr 10 Min. abreisen und abends 7 Uhr auf der Wildparkstation eintreffen. Wie die„World“ mitteilt, hat die Königin Viktoria ihrem Enkelsohne, dem Kaiser Wilhelm, bedingungsweise versprochen, im nächsten Frühjahr, wahrscheinlich in der zweiten Woche des Mai, den preußischen Hof,zu besuchen. Es sei der Herzenswunsch des Kaisers, seine bejahrte Großmutter in Potsdam begrüßen zu können, und habe er sich verpflichtet, daß keinerlei Hoffeierlichkeit oder dergleichen ohne die vorherige Billigung der Königin stattfinden soll. Der Besuch solle einen privaten Charatter tragen. Die Kaiserin ist mit ihren Kindern am Donnerstag mit Sonderzug von Wilhelmshöhe abgereist und nachm. 5 Uhr in Station Wildpark bei Potsdam eingetroffen. Der Kaiser hat der altkatholischen Gemeinde in Krefeld ein Gnadengeschenk von 15000 Mark als Beihilfe zum Kirchenbau bewilligt. Eine außerordentliche Tagung der General= synode soll nach der„Kreuzztg.“ zur Beratung des Agendenentwurfs am 27. Oktober stattfinden. Eine Gedenkfeier für die in der Schlacht von Gravelotte Gefallenen wurde am Mittwoch Nachmitag ir der Schlucht bei Gravelotte unter der Teilnahme einer tausendköpfigen Menge abgehalten. Eine allgemeine Schmückung der Gräber war der Feier vorausgegangen. In Berlin wurden etwa 40 Anarchisten, darunter auch eine Frau, verhaftet. Auf dem Polizeipräsidium wurden dieselben photographiert und anthropometrisch gemessen. Fünf Anarchisten wurden wieder entlassen. Ueber einen Konflikt zwischen Polizei und Gendarmerie wird dem„B. T.“ aus Erfurt berichtet: „Als dieser Tage dort bei einem Brande sowohl der Polizeiinspektor Metzler wie der Gendarm Nieter auf der Brandstätte erschienen, forderte Ersterer den Letzteren auf, sich bei ihm zu melden. Der Gendarm lehnte dies ab, worauf ihm der Polizeiinspektor befahl, „abzutreten". Der Gendarm ging nun zurück, blieb aber in einiger Entfernung wieder stehen. Darauf ging der Polizeiinspektor abermals auf den Gendarm zu und befahl ihm, sich zu entfernen. Der Gendarm meldete den Vorfall sofort im Landratsamte, und die Sache ist bereits bei der 4. Gendarmeriebrigade in Magdeburg anhängig gemacht.“ In den Kreisen des preußischen Handelsministeriums scheint man aus Anlaß des chinesisch=japanischen Krieges Befürchtungen hinsichtlich der Versorgung des deutschen Rohseidenmarktes im Allgemeinen und der Produktions= und Absa=Bedingungen der einheimischen Seiden=Industrie im Besonderen zu hegen. In einem Anschreiben an die an der Seiden=Industrie interessirten Handelskammern weist der Minister darauf hin, daß nach Aeußerungen italienischer Fachblätter eine Steigerung der Rohseidenpreise in der nächsten Folge für wahrscheinlich gehalten wird. Der Minister fordert die Handelskammern auf, sich über die Frage gutachtlich zu außern. Ueber die Lage der Unterbeamten auf dem Postamte zu Schönebeck a. d. Elbe bringt das Stökker'sche„Volk“ einen sehr scharfen Artikel. Namentlich wird die lange Dienstzeit auf dem dortigen Nebenamte am Bahnhofe mit Recht streng verurteilt. Das Blatt bringt eine genaue Uebersicht der Dienstzeit, welche sich darnach auf 15 Stunden täglich erstreckt. Zudem sind die Mittagspausen so knapp, daß es den Beamten oft unmöglich ist, die Mahlzeiten ganz einzunehmen, da etwaige Verspätungen vom Vorsteher— einem Major a. D.— nicht geduldet werden. Dabei ist die Bezahlung eine sehr geringe und beträgt bei den Hülfs. boten z. B. 2 Mk. 20 täglich. Auch über die lange Dienstzeit der Oberbeamten wird geklagt. Dieselben haben mitunter 18 Stunden Dienst in einer Tour, wogegen die Unterbeamten mitunter bis zu 25 Stunden mit Unterbrechung einer Mittagspause von ca. 35 Min. im Dienst sein müssen. Beschweren kann sich namentlich von den Hilfsboten niemand, da sonst sofort mit Entlassung geantwortet würde. Solche Zustände sind freilich ein Hohn auf alle Sozialpolitik des Staates. Der Mörder des Präsidenten Carnot, Caserio, wurde Donnerstag früh 4 Uhr 55 Min. in Lyon hingerichtet. Ein Zwischenfall ist nicht vorgekommen.— Der Gefängnisdirektor weckte früh um 4½ Uhr Caserio und sagte ihm:„Mut, die Stunde ist gekommen.“ Caserio setzte sich auf das Bett, er wurde leichenblaß und konvulsivisches Zittern ergriff ihn, das ihn nicht mehr verließ. Caserio kleidete sich hierauf langsam an; eine Erfrischung, die ihm angeboten wurde, wies er zurück, ebenso die Tröstungen des Priesters, dem er erklärte, daß er ihm nichts zu sagen hätte. Dagegen bat er den Priester, seiner Mutter einen Brief, den er an sie geschrieben hätte, zukommen zu lassen. Als während der Toilette der Gefängnisdirektor ihm von seiner Mutter sprach, traten Caserio die Thränen in die Augen. Er unterdrückte dieselben jedoch sofort und nahm seine gleichgültige Miene wieder an, blieb aber immer erschrecklich bleich. Von diesem Augenblick an sprach er nicht mehr. Im Wagen schlugen ihm die Zähne zusammen und die Knie schlotterten. Als er ausstieg, fiel sein Blick auf das Fallbeil und das Publikum. Sein Blick war verstört und der Mund krampfhaft verzogen. Als das Beil gefallen war, ertönten Bravorufe in der Menge. In dem Augenblick, als der Leichenwagen mit der Leiche abfuhr, wiederholte ein Sträfling im Gefängnis Saint Paul den Ruf: „Es lebe die Anarchie,“ den er in der Nacht schon einmal ausgestoßen hatte; eine Untersuchung ist deswegen eingeleitet worden. Der. Hinrichtung wohnte eine zahlreiche Menschenmenge bei, die aber von Polizisten und Soldaten, welche alle auf den Hinrichtungsplatz mündenden Straßen besetzt hatte, entfernt gehalten wurde. Ein ungarisch=serbischer Grenzzwischenfall wird aus Orsowa gemeldet. Am Montag schoß bei Orsowa die serbische Grenzwache auf zwei Ungarn, welche sich in einem Kahn nach dem serbischen Ufer begeben wollten. Der eine Ungar wurde getötet. Vom Kriegsschauplatz in Ostasien wird dem Londoner„Daily Chronicle“ aus Yokohama gemeldet, daß am Sonnabend auf der Höhe von Wei=hai=wei ein ernstes Treffen zwischen der japanischen Flotte und dem chinesischen Nordgeschwader stattgefunden habe. Sieben chinesische Schiffe sollen in den Grund gebohrt worden sein. Die Nachricht ist anderwärts nicht bestätigt. Die japanischen Streitkräfte in Korea beziffern sich auf insgesamt 26000 Mann. Die 6000 Mann, welche Japan zuerst nach Korea entsendete, sind der 5. Division in Hiroshima entnommen worden. Der Oberkommandant ist der General Oshima Yoshimasa. Von diesen Truppen hatten 1600 Mann Söul, 2000 Chemulpo, 1200 Fursan und der Rest Gensan besetzt. Seither hat Japan neuerdings 20000 Mann, und zwar 12 000 in Fusan und 8000 in Yünsan in Korea gelandet. Da der Gesamt=Friedensstand der aus einer Garde=Division und sechs Linien=Divisionen bestehenden japanischen Heeresmacht 74000 Mann beträgt, so wurde bereits mehr als ein Drittel derselben nach Korea transportirt. In China ist der Fremdenhaß anläßlich der Erfolge Japans im Wachsen begriffen und macht sich in allerhand Erzessen Luft. In Shuklung hat der Pöbel die katholische und presbyterianische Kirche in Brand gesteckt und die Andächtigen mißhandelt. In Canton wurde eine amerikanische Missionarin von Chinesen durchgeprügelt. Sie hatte auf ihren Versammlungen gegen den chinesischen Götzendienst geeifert. Erst bombardierte man sie mit Steinen und darauf vergriff man sich an ihr persönlich. Der Kapitän eines im Hafen befindlichen britischen Kanonenbootes Barton, brachte sie bewußtlos auf sein Schiff. Vermischtes. Berlin, 16. Aug. Laut telegraphischer Meldung an das Oberkommando der Marine ist S. M. Kanonenboot„Wolff“, Kommandant Korvettenkapitän Kretschmann, am 15. August von Chefoo nach Tientsin in See gegangen. Frankfurt a. M., 16. Aug. Wie die„Frankf. Zeitung“ meldet, stieß gestern Abend 9½ Uhr ein von Limburg kommender Personenzug zwischen Eppstein und Lorsbach mit einer Rangiermaschine zusammen. Acht Personen wurden verletzt; das Befinden derselben ist verhältnismäßig befriedigend. Der Matecialschaden ist bedeutend. Köln, 26. Aug. Der vor wenigen Tagen in das Augustahospital eingelieferte Schiffer ist an asiatischer Cholera gestorben. Königsbera, 16. Aug. Heute Nachmittag fand in Berscherecks Feuerwerkslaboratorium eine Explosion statt, wodurch die Frau Berscherecks und zwei Kinder desselben getötet wurden. Berschereck selbst ist lebensgefährlich, sechs andere Personen sind mehr oder minder erheblich verletzt. 16. Aug. Die bulgarischen Emigranten schlagen einen neuen Versöhnungsmodus vor. Nach demselben soll Fürst Ferdinand zu Gunsten seines Sohnes Boris abdanken. Mit dieser Lösung würde, sa heißt es in dem Vorschlag, Rußland einverstanden sein und Boris als Fürsten anerkennen. Fiume, 16. Aug. Der Brand in den Magazinen dauert noch immer fort. Die Löschmannschaften sind trotz häufiger Ablösungen völlig erschöpft. Venedig, 16. Aug. Die„Gazetta di Venezia“ meldet, daß die italienischen Zolleinnahmen im Juli 1894 gegeu das Vorjahr um 3100000 Lire abgenommen haben. Da sich dieser Besorgnis erregende Ausfall nicht genügend erklären läßt, so unterliegt es keinem Zweifel, das in großem Maßstabe eine betrügerische geheime Einfuhr stattfindet. Im Königlichen Marstalle langte vor wenigen Tagen ein norwegischer Wagen an, wie er von der dortigen Gebirgsbevölkerung benutzt wird. Er hat dem Kaiser auf seiner letzten Nordlandsreise bei den Ausflügen ins Gebirge Dienste geleistet. Das zweirädrige Skjut zeichnet sich besonders durch die eigentümliche Gestalt des Sitzes aus. Dieser, in der Verlängerung der Gabeldeichsel verstellbar angebracht, hat die Form etwa eines in der Mitte durchgeschnittenen kleinen Bootes. Der Sitz ist überaus niedrig und die Beine des Fahrenden liegen nahezu wagerecht ausgestreckt. Die beiden Räder des Gefährts sind hoch und ziemlich schmalspurig. Am rechten Hinterrad kann eine Stange aufgesteckt werden, an welches der auf einem kleinen Rücksitz sitzende Bursche farbige Bälle zum Zeichen des Ausweichens für entgegenkommende Gefährte aufziehen kann. Diese meist federlosen Wagen sollen übrigens auf holperigen Wegen— und die sind in Norwegen nicht gerade selten— die reinsten Marterkasten sein. Der Schnellzug, der um 9 Uhr 45 Minuten Vormittags von Köln nach Mainz fährt, war am Dienstag von Mißgeschick begleitet. In Brohl mußte wegen eines Schadens an der Maschine gehalten werden; beim Wiederanziehen zerriß der Zug in zwei Teile. In Koblenz=Moselbahnhof zerriß der Zug ein zweites Mal und in Bingerbrück mußten zwei schadhafte Wagen ausgesetzt werden. Der Zug erhielt dadurch eine solche Verspätung, daß er als Sonderzug nach Aschaffenburg gefahren werden mußte, da der Wiener Zug in Mainz rechtzeitig abgelassen war. Die amerikanische Millionärin Miß Helene Carol aus Boston, die sich gegenwärtig zum Besuche der Festspiele in Bayreuth aufhält und dort wie eine Sehenswürdigkeit ersten Ranges angestaunt wird, kommt, wie der„Hann. Cour.“ ankündigt, in den nächsten Tagen nach Berlin. Miß Carol, die neunzehn Jahre zählt, ist die Tochter des kalifornischen Eisenbahnkönigs Mr. Carol, der, wie das genannte Blatt schreibt, mehr Millionen Dollars besitzen soll, als der Frankfurter Rothschild Millionen Mark. Sie hat sich auf ihrer Reise nach Bayreuth von einigen Freundinnen begleiten lassen, die einem amerikanischen Millionärinnenpensionat angehörten, in dem sie selbst ihre Erziehung genossen hat. Bei einer Zahnoperation hat sich in Hildesheim am Freitag nachmittag ein bedauerlicher Unglücksfall ereignet, über den der„Magd. Ztg.“ von zuständiger Seite folgende Darstellung gegeben wird: Die Gattin des Kantors Schramm aus Gronau kam am Freitag in Begleitung ihres Mannes zu einem vielbeschäftigten Zahntechniker, um sich einen Zahn entfernen zu laffen, verlangte aber narkotisiert zu werden. Der Zahnarzt machte die Frau darauf aufmerksam, daß jede Narkose für Leben und Gesundheit eine Gefahr habe und ersuchte, davon Abstand zu nehmen. Die Frau bestand aber mit aller Bestimmtheit auf der Anwendung eines Betäubungsmittels. In Folge dessen wurde ein praktischer Arzt zugezogen, der die Frau zunächst gründlich untersuchte, hierbei zwar eine erhebliche Aufregung konstatierte, aber nicht die geringste Spur eines Herzleidens vorfand. In Folge dessen nahm der Arzt die Narkofe vor, und wandte dabei das in letzter Zeit vielfach genannte Betäubungsmittel Pental an, das auch sofort wirkte. Der Zahnarzt schritt nun zur Entfernung von drei kranken Zähnen, die auch schnell und gut gelang. Die Frau war bei der Operation aus der Betäubung erwacht und hatte dem Zahnarzt den Arm festzuhalten versucht; sie wurde gleich darauf leichenblaß und sank zurück. Eine Herzlähmung hatte ihrem Leben ein schnelles Ende bereitet. Alle sofort angewandten Wiederbelebungsversuche waren erfolglos. Auf Veranlassung der Staatsanwaltschaft ist bereits eine Untersuchung eingeleitet. Uhren, die an Stelle des Schlagwerkes einen kleinen Phonographen enthalten und durch dessen Auslösung die Stunde ausrufen, sind das Neueste, was ein Genfer Uhrmacher erfunden hat. Der Erfinder hat sowohl Taschen= wie Wanduhren in dieser Weise ausgeführt; erstere enthalten den kleinen Phonographen in der Anordnung eines Repetierwerkes, welches durch Drücken auf einen Knopf die Zeit anzeigt; Weckuhren, welche zur bestimmten Zeit einen launigen Vers ansagen, Wanduhren, die Nachts an Stelle des Nachtwächters bei jeder Stunde ein Lied absingen, sind andere eigenartige Erzeugnisse des Schweizer Meisters. Eine eigenthümliche Sammlung hat der bekannte Millionär Coates in Boston. Der 83 Jahre alte Herr hat in seinem Leben keine Medicin genommen und ist demzufolge trotz seines hohen Alters munter und wohlauf. Dagegen hat er alle Medicinen, die ihm verschrieben wurden und die er hat machen lassen, ohne sie zu nehmen, gesammelt und hat er nun 1370 Pulver und Pillenschachteln und etwas— über 2000 Medicinfläschchen aufgestapelt. lebenslänglicher Zuchthausstrafe ist kürzlich in Ohio ein Mann verurteilt worden, weil er „drei Hühner gestohlen hatte.“ Die Bürger haben sich in dem Staate gegen die üppig emporwuchernde Verbrecherwelt nicht anders helfen können, als indem sie ein Gesetz erließen, daß ein gewerbsmäßiger Verbrecher, wenn er zum dritten Male ins Zuchthaus komme, auf Lebenszeit eingesperrt werden sollte. Der Betreffende erhielt seine erste Strafe wegen Angriffs auf die Person, mit Absicht zu rauben, seine zweite wegen Hehlerei, die dritte ist der besagte Hühnerdiebstahl. Was man in Amerika alles thut. um dem Nachbarn die Kunden abspenstig zu machen, davon giebt das hochentwickelte sogenannte„Bonus"=System den schönsten Aufschluß. In Schuhgeschäften ist man z. B. auf die glänzende Idee verfallen, jedem Käufer von einem Paar Schuhen zugleich eine Kaufbestätigung einzuhändigen, welche ihn dazu berechtigt, sich im Hause, wo er die Schuhe gekauft hat, diese zehn= bis fünfzehn Mal gratis wichsen zu lassen. Hutgeschäfte geben ihren Käufern ähnliche Karten, die sie dazu berechtigen, ihren Hut mehrmals umsonst auffrischen zu lassen; ähnlich verfahren auch viele Herrenschneider. Verschiedene große Weißwarengeschäfte geben gar Eintrittskarten zu Vorstellungen in irgend einem Varietätentheater her, wenn man Einkäufe von Waren im Werte von über einem halben Dollar bei ihnen macht. Dieses„Bonus"=System begann sich schon vor mehreren Jahren einzubürgern, nachdem eine Theefirma mit dem Verschenken von Chromos für den Kauf von je einem Pfund Thee begonnen hatte. Heute hat es sich beinahe auf jeden Geschäftszweig ausgedehnt. Die egyptischen Frauen baden sich, um einen gewissen Grad von Wohlbeleibtheit zu erlangen, auf welche im Lande der Pharaonen viel gegeben wird, täglich mehrere Male in lauwarmem Wasser. In diesem Bade bleiben sie so lange, daß sie darin essen und trinken. Während dieser Zeit genießen sie alle Stunde die Brühe von einem Hahn, der mit süßen Mandeln, Haselnüssen, Datteln und ähnlichen Früchten gefüllt ist. Nachdem die Frauen diese Brühe etwa vier mal ge 1 1 nossen haben, verzehren sie noch ein ganzes Huhn, worauf sie das Bad verlassen und nun mit wohlriechendem Oel eingerieben werden. Vor dem Zubettgehen genießt die holde Weiblichkeit noch einige Myrobolanen, eine pflaumenähnliche getrocknete Frucht, andere Frauen nehmen auch wohl einen aus Gummitragant und Zuckerkand bereiteten Trank zu sich. Ob es nun das Bad ist, welches die egyptischen Frauen fett macht oder die Hühnerbrühe oder der Zuckerkand, mag dahingestellt bleiben, Thatsache ist es aber, daß sie durch diese ganze Methode die gewünschte Rundlichkeit erlangen Japanische Sitten. Wenn ein japanisches Mäd chen heiraten soll, so werden ihre Zähne mit einer ätzenden Substanz zuvor schwarz gejärbt. Die dunkle Farbe bleibt während der ganzen Lebenszeit an den Zähnen, so daß, wenn die Frau lächelt, ein Jeder weiß, daß sie verheiratet oder zum Mindesten Witwe ist. Bei der Geburt eines jeden Kindes wird ein Baum eingepflanzt, der in der Erde verbleibt, bis das Kind heiratsfähig ist. Steht die erwachsene Person nnn vor dem Heiraten, so wird der Baum abgesägt MOS ere * 5 5 5 85 5 5 90 * und das Holz zu Möbelstücken verwandt, die das junge Paar mit in sein neues Heim nimmt. Telegramme. Berlin, 17. Aug. Wie der„Lokal=Anz.“ mitkeilt, nimmt die Untersuchung gegen die verhafteten 15 Anarchisten immer größere Dimensionen an. Die politische Polizei glaubt bestimmt, in einem Teil der Verhafteten Propagandisten der That entdeckt zu haben. wurden bei ihnen Werkzeuge gefunden, welche Larauf schließen lassen, daß für die nächste Zukunft ine öffentliche Demonstration geplant ist. Wien, 17. Aug. Die Korrespondenz des Hirsch's Telegr.=Bureau erfährt aus bester Quelle, daß in diesem Jahre ebenfalls, hauptsächlich mit Rücksicht auf Die bulgarische Frage eine Zusammenkunft des Grafen Kalnoky mit dem Reichskanzler v. Caprivi stattfinden wird. Details über diese Zusammenkunft sind noch nicht bestimmt. Toronto, 17. Aug. Aus Toronto kommt die Meldung, daß ein Vergnügungsboot von einem heftigen Sturme umgeworfen wurde, wobei 32 Personen ertranken. Die Uebrigen retteten sich durch Schimmen. Catania, 17. Aug. Seit mehreren Tagen werden am Aetna bedenkliche Bewegungen beobachtet, welche deutliche Anzeichen für einen bevorstehenden heftigen Ausbruch geben. Nunmehr ist am Ostabhang desselben eine große feuerspeiende Oeffnung entstanden. London, 17. Aug. Gestern entlud sich ein schreckliches Ungewitter in der Umgegend von Warminster. Sechs Arbeiter, welche im Heu arbeiteten und kein Obdach vor dem Gewitter gesucht hatten, wurden vom Blitze erschlagen. In Süd=Foreland wurde ein Leuchtthurm vom Blitze teilweise zerstört. London, 17. Aug. Einer Meldung aus Yokohama zufolge haben acht japanische Kriegsschiffe sich nach einem westlich von Kefu gelegenen chinesischen Hafen begeben, um denselben zu bombardieren. Der chinesische Kaiser beabsichtigt eine Anzahl höherer Offiziere, wegen Mangels an Energie im letzten Seegefecht gegen die Japaner, zu degradieren. Eine weitere Meldung aus Yokohama sagt, die japanische Regierung beabsichtige, demnächst ihre Verträge mit den europäischen Mächten zu revidieren. Belgrad, 17. Aug. Das gesammte Ministerium Nikolajewitsch hat demissionirt. Der König wird demnächst in Belgrad eintreffen und die Entsche idung geben 18. August: Ziemlich heiter, trocken, kühle Nacht, Tag angenehm. 19. August: Wenig Aenderung. Ca. 6000 Stück Seidenstoffe ab eigener Fabrik— schwarze, weiße und farbige— von 75 Pf. bis Mk. 18.65 p. Met.— glatt, gestreift, karriert, gemustert, Damaste 2c.(ca. 240 versch. Qual. und 2000 versch. Farben, Dessins 2c.) Porto= und steuerfrei ins Haus!! Katalog und Muster umgehend. G. Henneberg’s Seidenfabrik k. u. k. Holl.) Zürich. Heute früh 4 Uhr entschlief nach kurzem schwerem Leiden Herr Landmesser Johannes Niessen im Alter von 39 Jahren. Wir betrauern in dem Entschlafenen einen edlen Menschen, treuen Mitarbeiter und Kollegen. Sein Andenken wird uns unvergessen bleiben. Herford, den 15. August 1894. Die Beamten der Königl. Spezialkommission Herford. Heute Morgen 6½ Uhr verschied nach langem, schwerem Leiden im zarten Alter von 4 Jahren 2 Monaten unser geliebtes Töchterchen Auguste. Um stille Teilnahme bitten Maurer Aug. Danielmeyer und Frau auch namens der hinterbliebenen Geschwister. Die Beerdigung findet Montag Nachmitt. 1½ Uhr vom Trauerhause Bünderstr. 301 aus statt. Kirchl. Anzeiger für Herford. 13. Sonntag nach Trinitatis. Münsterkirche. Vorm. 8 Uhr: Gottesdienst. Vorm. 9½ Uhr: Beichte. Vorm. 10 Uhr: Gottesdienst und Feier des heil. Abendmahls. Nachm. 2 Uhr: Gottesdienst. Der Kindergottesdienst im ev. Vereinshause fällt aus. Neustädter Kirche. Vorm. 10 Uhr: Gottesdienst. Nachm. 2 Uhr: Gottesdienst. Radewiger Kirche. Vorm. 7 Uhr: Gottesdienst. Vorm. 10 Uhr: Gottesdienst. Stiftberger Kirche. Vorm. 9½ Uhr: Gottesdienst Nachm. 2 Uhr: Kindergottesdienst. Reformierte Kirche. Vorm. 10 Uhr: Gottesdienst. Wochen=Gottesdienste. Dienstag, den 21. August, abends 8¼ Uhr: Bibelstunde im Vereinshause. Freitag Vorm. 10 Uhr: Gottesdienst und Feier des heil. Abendmahls in der Münsterkirche. □ Bekanntmachung. Es wird hierdurch zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß der Bezirkszu Minden den diesjährigen Schluß der Schonzeit des Wildes für den Umfang des Regierungsbezirks Minden wie folgt festgesetzt hat: 1. für Rehhühner u. Wachteln auf den Ablauf des 15. August d. J., 2. für Hasen, Auer=, Birk= und Fasanenhennen sowie für Haselwild auf den Ablauf des 14 September d. I. Herford, den 13. August 1894. Der Landrat. v. Borries. Bekanntmachung. 30 Mark Belohnung. In der Nacht vom 12./13. d. M. sind auf dem Lübber= und Rennthorwalle 6 Gaslaternen frevelhafterweise beschädigt worden. Obige Belohnung wird demjenigen zugesichert, welcher den oder die Thäter so namhaft macht, daß gerichtliche Bestrafung erfolgen kann. Herford, den 13. August 1894. Die Polizei=Verwaltung. I. V.: Der 2. Beigeordnete. C. Reischauer. und Leute, die sich für eine Schuhhandlung interessieren. 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Beilage zu Nr. 99 der Herforder Zeitung für Stadt und Land. Herford, 17. August 1894. Die Tochter Bana Saids. Roman aus den deutschen Kolonien Ostafrika's von O. Elster. (26. Fortsetzung.)—(Nachdr. verb.) XV. Sechs Monate sind seit diesen Ereignissen verflossen. Auf der Veranda des französischen Hotels am Strande des Hafens von Sansibar sitzen zwei Herren in leichten, hellen Anzügen, schlürfen den erfrischenden kühlen Trank, den ihnen der schwarze Kellner servirt hat und lassen das Auge hinwegschweifen über den mit Schiffen aller Art und aller Nationen angefüllten Hafen. Der Weg am Quai entlang ist leer, nur einige Matrosen schlendern vorüber und mehrere Eingeborene eilen an den stattlichen von Europäern bewohnten Häusern dem nahen Negerviertel zu. Dort jener große viereckige, festungsartige Bau mit dem bastionsartigen Dache und den vergitterten Fenstern ist das Haremsgebäude des Sultans von Sansibar. Nicht weit von ihm ragt der Leuchtturm empor, der in der Nacht die Strahlen seines elektrischen Lichtes über den Hafen ergießt. An ihn an schließen sich die großen Schmiedewerkstätten des Sultans, deren Abfälle, zerborstene Dampfkessel und Schutthaufen weithin den Boden bedecken. Hier befindet sich die Eisfabrik des Sultans, welche ganz Sansibar mit ihrem gesuchten Artikel versorgt, und jene langen, schwarzen Dächer sind die Schuppen, die die Artikel des Herrschers von Sansibar beherbergen. Von der großen Schiffskanone bis zu dem kleinen Feldgeschütz, in allen Größen und aus den verschiedensten Zeiten findet man die Kanonen hier aufgespeichert, die verrosten und verderben, wie so viele kostbare Maschinen, welche der Sultan in seinen Arsenalen unbenutzt stehen hat. An die öffentlichen Gebäude schließt sich das Straßengewirr des Negerviertels an, das man durchschreiten muß, um zu dem von den reicheren Arabern und Indiern bewohnten Stadtteil zu gelangen. Die Augen des einen der Herren weilen mit trübem Ausdruck auf jenem schwärzlichen Häusergewirr. Der andere Herr zündet sich eine frische Zigarette an und sagt mit leichtem Lächeln:„Also, mein lieber Bernhard, es ist Dir nicht gelungen, Bana Saids Herz zu erweichen?“ Seufzend wendet Bernhard Breitenbach sein Auge dem Hafen wieder zu. „Nicht einmal gesehen habe ich Bana Said“, entgegnete er seinem Freunde, dem inzwischen zum Hauptmann beförderten Erich von Wasmuth.„Ein mir fremder Diener sagte mir, daß Bana Said gar nicht in Sansibar weilte.“ „Das ist eine Unwahrheit, Freund. Denn noch vor einigen Tagen habe ich Bana Said am Hafen gesehen. Er hat sich also verleugnen lassen. Was willst Du nun beginnen?“ „Das ist schwer zu sagen. Du weißt, daß ich, vor einer Woche etwa von meiner Expedition zurückgekehrt, einen Befehl des Komitees, welches mich ausgesandt hat, vorfand, sofort nach der Beendigung meiner Expedition zur Berichterstattung nach Deutschland zurückzukehren.“ „Ich weiß. Und da traf es sich günstig, daß ich gerade einen dreimonatlichen Urlaub antrete und daß wir gemeinsam die Heimfahrt machen können. Ich freue mich sehr, daß sich Alles das so glücklich gestaltet hat.“ „Auch mir ist es sehr angenehm, daß ich in Deiner Gesellschaft reisen kann. Dort drüben im Hafen liegt der deutsche Postdampfer! In acht Tagen dampft er heimwärts und führt mich fort von Sansibar— vielleicht auf Nimmerwiedersehen. In der kurzen Zeit aber, die mir bis zur Abreise noch bleibt, wird es mir kaum möglich sein, den harten Sinn Bana Saids zu erweichen.“ „Hm, freilich, das erscheint ausgeschlossen. Wenn man nur wüßte, wie Aruscha gesinnt ist. Wäre es nicht möglich, mit ihr in Verbindung zu treten? Die Weiber übertreffen uns an Klugheit, wenn es eine Liebesgeschichte gilt. Und ich, wette, wenn Aruscha Dich wirklich liebt, wird sie auch Mittel und Wege finden, ihren Vater umzustimmen. Im schlimmsten Falle enführen wir sie!“ „Aruscha wird sich nie zu einem solchen Schritt entschließen!“ „Wer weiß? Es wäre das erste Mal nicht, daß ein Mädchen mit dem Geliebten entflieht", lachte der Offizier. „Aber sieh doch jenes zierliche schwarze Fräulein, welches sich dort an den Häusern entlang schleicht! Wie die kleine Hexe die schwarzen Augen umherschweifen läßt! Sie scheint ihren Schatz zu suchen.“ Bernhard wandte seinen Blick nach der Richtung, welche Hauptmann von Wasmuth bezeichnete, und erblickte die zierliche, in ein langes, hemdartiges Gewand gekleidete Gestalt einer jungen Negerin, welche ihm verstohlen zublinzelte, als ihre Augen seinen Blicken begegneten. Hei Gott“, rief er überrascht aus,„das ist Ugalla!“ „Du kennst die kleine schwarze Hexe?“ Es ist die Dienerin Aruschas's!“ ei Sollte Bana Saids Tochter erfahren haben, daß Du wieder in Sansibar bist?— Die kleine Hexe winkt Mensch, sei doch nicht so ungalant! Geh und hör, was Dir Aruschas Dienerin zu sagen hat.“ Bernhard erhob sich und trat auf Ugalla zu, die sich vorsichtig in die Nische eines Hauses drückte. „Bist Du's wirklich, Ugalla?“ fragte er. „Ich bin's, Bana“, entgegnete das Negermädchen, freundlich lachend, daß man die ganze Reihe ihrer schneeweißen Zähne sah. „Was macht Deine Herrin? Ist sie in Sansibar?“ „Meine Herrin ist hier und weiß, daß Du auch hier bist. Abdullah hat Dich gesehen und hat es uns erzählt. Aruscha schickt Dir diese Botschaft.“ Mit diesen Worten ließ sie ein Briefchen in die Hand des freudig Ueberraschten gleiten, lächelte ihn nochmals freundlich an und huschte davon, nach kurzer Zeit in einer Seitengasse verschwindend. Bernhard kehrte auf die Veranda zurück. „Nun?“ fragte der Hauptmann lächelnd.„Gute Botschaft?“ „Ein Brief von ihr!" „Ei der Tausend! Und was enthält er?“ „Da— lies selbst!“ In zierlicher Schrift stand auf dem Blatt in englischer Sprache:„Ich weiß, daß Sie vergeblich versucht haben, meinen Vater zu sprechen. Ich muß Sie aber noch einmal sehen, ehe Sie abreisen. Ich erwarte Sie heute Abend in den Ruinen des indischen Friedhofes, wenn die Sonne untergegangen ist. Aruscha.“ „Das nenne ich ein tapferes Mädchen!“ rief der Hauptmann.„Weißt Du, daß ich jetzt an einen günstigen Ausgang Deines Liebeshandels fest glaube? Wenn Aruscha Dich so liebt, daß sie Dir ein Stelldichein giebt, wird sie auch einwilligen, das Haus ihres hartherzigen Vaters zu verlassen, um Deine Gattin zu verden. Mut, mein Junge! Jetzt geht alles gut. Sprich mit Aruscha und wenn Du Hülfe nötig hast, hier meine Hand. Ich kenne die Familie eines deutschen Arztes. Sie wird Aruscha gern aufnehmen, bis Du Dich mit ihrem Vater versöhnt hast und Aruscha Deine Frau werden kann. Dann reisen wir gemeinsam nach Deutschland, Du und ich und Deine junge Frau. Wahrhaftig, ich bin sehr begierig, Deine Aruscha kennen zu lernen!“ Bernhard lächelte. Neue Hoffnung hatte sich in sein Herz geschlichen. Wenn denn einmal Bana Said gütlicher Zurede nicht zuginglich war, nun, dann mochte er der Gewalt der Thatsachen weichen. Sofern Aruscha nur einwilligte, Bernhard zu folgen, hatte er keinen Grund mehr, seinem und seiner Geliebten Glück aus dem Wege zu gehen. Bernhard erhob sich.„Es ist schon spät am Nachmittag,“ sagte er,„und der Weg bis zum indischen Friedhof ist weit.“ „Geh nur, Du Glücklicher," lachte der Hauptmann. „Aber sei vorsichtig und nimm zu größerer Sicherheit einen Revolver mit. Wenn Du von Bana Said nichts zu fürchten hast, so treibt sich doch allerhand Gesindel außerhalb der Mauern der Stadt umher, dem nicht zu trauen ist.“ „Ich werde Deinen Rat befolgen.“ Die Freunde schüttelten sich die Hand und Bernhard trat in das Hotel, um sich zu dem Gang nach dem Friedhof fertig zu machen. Um zu dem indischen Kirchhof zu gelangen, mußte Bernhard fast die ganze Stadt durchqueren. Der Friedhof, umgeben von einer alten Mauer, angefüllt mit verwitternden Grabsteinen und hohen, dunkelen Cypressen und Palmen, liegt auf einer Erhebung, deren Fuß das Meer in eintönigem Rauschen und Brausen bespült. Von dem Eingange des Friedhofes aus genießt man einen weiten Blick auf den unermeßlichen Ocean, der hier nicht, wie an der Hafenseite der Stadt, durch zahlreiche Schiffe belebt wird, sondern in großartiger Einsamkeit seine graublauen Wellen in ununterbrochener Einsamkeit und doch ewigem Wechsel gegen das schroff ansteigende Gestade wälzt. Innerhalb des Friedhofes, gleich neben dem mit maurischen Ornamenten geschmückten Thor, erhebt sich eine halb zerfallene Moschee, durch deren leere Fensterhöhlen der Wind saust und deren Inneres als Leichenhalle zu dienen scheint. Hohe, düstere Bäume, Cypressen, Palmen und Platanen, umschatten die alte Moschee und verleihen diesem Teile des Friedhofes ein eigenes, trübes, melancholisches Gepräge. Lange vor Sonnenuntergang ging Bernhard bereits vor dem Eingang des Friedhofes auf und ab und schaute unruhevoll hinaus auf den unendlichen Ocean, der in seiner Ruhe und Erhabenheit im Gegensatz zu seinem eigenen heftig bewegten Herzen stand. Rasch näherte sich die Sonne dem fernen Horizonte, das Meer und das Gestade der Insel mit leuchtenden, bunten, seltsam tiefen Farben überschüttend. In feuriger Glut flammte der Himmel auf, um nach und nach in liebliches Rosa und dann in ein dunkelglühendes Purpur überzugehen. Wie flüssiges, grünes Gold erglänzte das Meer auf hoher See, während es je näher dem Ufer, desto tiefere Farben annahm und vom hellsten Smaragdgrün bis zum dunkelsten Indigoblau erschimmerte. Goldige Reflexe spielten gleich Irrlichtern zwischen diesen dunkleren Farben, deren Wiederschein Himmel und Erde verklärte. Doch nur kurze Zeit währte das berauschende Spiel der Farben. Rasch tauchte der rotglühende Sonnenball in die schimmernde Flut des Meeres und die herrlichen Farben stumpften sich ab, erloschen nach wenigen Minuten, zitterten in einzelnen Strahlen noch am tiefblauen Himmelsgewölbe nach, flogen gleich dem Aufleuchten eines Blitzes über die dunkler und dunkler werdenden Fluten, bis nach wenigen Minuten der Dämmerung der Schleier der Nacht Meer und Land umhüllten. Ergriffen von dem prächtigen Schauspiel stand Bernhard da und schaute in Sehnsucht versunken den letzten Strahlen des Lichtes nach, die lang und schüchtern gleichsam über den dunklen Himmel huschten. Ein leichtes Geräusch hinter ihm erweckte ihn aus seiner Träumerei. Rasch wandte er sich um und erblickte zwei Frauengestalten, welche aus dem Schatten der Bäume auf den lichteren Platz neben dem Thorweg traten. Trotz der Umhüllung erkannte Bernhard Aruscha und ihre Dienerin Ugalla. Er eilte mit einem Freudenruf auf die Tochter Bana Saids zu, die ihm beide Hände entgegenstreckte. Er ergriff ihre Hände und preßte sie leidenschaftlich an die Lippen. „Aruscha, meine teure, liebe Aruscha!“ flüsterte er. „Mein lieber Freund", entgegnete sie mit bewegter Stimme,„wie freue ich mich, Sie wiederzusehen.“ Sie schlug den Schleier zurück und blickte ihn mit ihren großen, dunklen Augen zärtlich an, in denen die Thränen der Freude des Wiedersehens glänzten. Bernhard hielt sich nicht länger zurück. Mit sanfter Gewalt zog er die Geliebte in die Arme und küßte ihre blühenden, warmen, zuckenden Lippen. Eine Weile ruhte sie hingebend an seinem Herzen. Dann entwand sie sich sanft seinen umschlingenden Armen und senkte beschämt das Haupt, während eine tiefe Gluth ihre Wangen überflammte. „Wie danke ich Dir, daß Du mir Gelegenheit gegeben hast, Dich noch einmal zu sehen", sprach Bernhard mit bebender Stimme, indem er ihre Hände an sein Herz preßte. „Du vermagst nicht zu glauben, Aruscha, welcher Schmerz mein Herz durchwühlte, als ich vergeblich den Versuch machte, Deinen Vater zu sprechen, ihn zu bewegen, Dich als meine Gattin mir anzuvertrauen.“ „Ich weiß es“, entgegnete sie leise,„daß Du um mich gelitten hast. Deshalb bin ich gekommen, um Dich zu trösten und um Dir vor Deiner Abreise Lebewohl zu sagen.“ (Schluß folgt.) Arithmogriph. 1 23456 789 10 11 eine preußische Stadt. 2 6 11 6 4 eine Naturerscheinung. 3 10 3 8 6 2 ein fremder Völkerstamm. 4 6 973911 6 eine Fischgattung. 5 3.2 10 6 ein Raum in einer Brauerei. 6 2 10 6 11 9 411 ein oft gefährlicher Zustand des Menschen. 7 6 34 5 6 10 ein Kirchenlieddichter. 8 2 6 4 7 6 10 ein Berg in Tirol. 9 2 4 6 ein Gefäß. 10 6 4 7 6 4 ein Sport. 11 3 310 5 6 7 ein Ort in Holstein. Die obersten wagrechten und die vorderen senkrechten Ziffern ergeben das gleiche Wort. Auflösungen müssen bis Donnerstag Mittag eingesandt werden. Sollen Kinder Bier und Wein erhalten? In vielen, vielleicht in den meisten Häusern ist es Sitte, den Kindern bei den Mahlzeiten, bei Ausflügen und Festlichkeiten ein Gläschen Bier oder Wein zu geben, und diese Sitte artet oft dahin aus, daß die Kinder mehr als ein Gläschen erhalten, bis sie einen Spitz haben, oder daß sie auch Liköre und Branntwein zu schmecken bekommen. Natürlich meinen es die Eltern gut, sie betrachten diese Getränke auch für Kinder als unschädlich oder geradezu als stärkend, nährend, heilend. Oft genug werden sie ja auch ärztlich verordnet, aber was der Arzt als vorübergehend anzuwendende Medizin in bestimmten Krankheitsfällen vorschrieb, wird leicht mißverständlich als tägliches Getränk beibehalten. In Familien, wo jemand an Kuriersucht leidet, wird etwas Alkoholisches gar leicht Allheilmittel; und wieviel Familien giebt es, in denen nicht die Mutter, Großmutter oder die liebe Tante erst glücklich ist, wenn sie dem Doktor ins Handwerk pfuschen darf? Die Erwachsenen, die diese Getränke lieben und an ihre tausend und eine Tugenden gar gein glauben, sind ohne weiteres davon überzeugt, daß ihre Kinder, um tüchtige Kerle zu werden, frühzeitig das nährende Bier, den edlen Wein oder gar das stärkende Schnäpschen vertragen lernen müssen. Nur schade, daß die hervorragendsten Aerzte, besonders auch die Kinder= und Irrenärzte, die Schulmänner, die Kenner des Alkoholismus und der Trunksuchtsbehandlung ganz anderer Ansicht sind. Sie halten diese allgemeine Sitte für außerordentlich thöricht und gefährlich. Sie haben festgestellt, daß die Kinder schon in der Kindheit schweren Schaden auch von den leichteren Alkoholgetränken haben, daß sie aber unberechenbaren Schaden durch die frühzeitige Gewöhnung an diese Getränke erleiden, aus der gar leicht die böseste aller Krankheiten, die Trunksucht, erwächst. Der„deutsche Verein gegen den Mißbrauch geistiger Getränke“ hat sich kürzlich an hundert der besten Sachkenner mit der Frage gewandt, was sie von dem Trinken mäßiger Mengen der leichteren Alkoholgetränke halten; gegen 70 Gutachten sind darauf eingelaufen; mit Ausnahme von zwei Gelehrten stimmen alle in der Anschauung überein: Kinder bedürfen dieser Getränke nicht und vertragen sie nicht. Die Gutachten sind unter dem Titel „Zum Schutz unserer Kinder vor Wein, Bier und Branntwein" soeben erschienen und von ihrem Herausgeber, dem Geschäftsführer des genannten Vereins, Dr. W. Bode in Hildesheim, gegen 40 Pfg. zu beziehen. Wir wünschen, daß die Schrift in alle Häuser gelange, wo diese Getränke den Kleinen gegeben werden. Von den Gutachten wollen wir einige unseren Lesern mitteilen. Der Vorsteher des Hilda=Kinderhospitals zu Freiburg i. Br., Prof. Thomas, schreibt: „Ganz unzweifelhaft ist der Alkohol in jeder Gestalt, auch als leichtes Bier oder leichter Wein, ein Gift für das gesunde Kind. Er schädigt es schon deshalb, weil er ihm den Geschmack an der Milch, dem wichtigsten Kindernahrungsmittel, verdirbt und so seine Ernährung herunterbringt. Durch häufigen Genuß geistiger Getränke wird das Kind gewaltsam zum späteren Trinker erzogen und ihm dadurch die Gesundheit früher oder später gestört, das Leben verkürzt. Schon dem Säugling ist das Bier schädlich, welches die Amme genießt; seine Ernährung bessert sich nicht selten erst dann. wenn die Amme dem Biergenuß entsagt. Aeltere Kinder verlieren durch geistige Getränke die geistige Frische neben der körperlichen; sie werden frühreif, lernen ungenügend, werden blutarm. Ihr Charakter wird nicht selten verdorben; früher sanftmütig und lenksam, werden sie durch den Alkohol zornig, aufgeregt, unlenksam. Alkohol=Entziehung bessert sie. Hartnäckige Magen= und Darmkatarrhe, nervöse Störungen leichterer Art bis zu nächtlichen Aufschrecken und Aufschreien, Veitstanz und Epilepsie werden allein oder wesentlich durch Entziehung von Bier und Wein geheilt. Fortgesetzte Alkoholeinfuhr ist eine der schädlichsten Maßnahmen bei einem gesunden Kinde; nur unter ganz besonderen Umständen ist Alkohol ein Heilmittel für das kranke Kind. Ob er nötig sei mag erst der gewissenhafte Arzt nach genauer Prüfung aller Verhältnisse entscheiden. Der bekannte Lehrer Wilh. Siegert in Berlin fügt hinzu:„Eine nahezu 30 jährige Erfahrung als Lehrer hat mir gezeigt, daß Kinder, die alkoholische Getränke genießen, zu den schläfrigsten, untüchtigsten Schülern gehören. Unsere nervösen Schwächlinge, die bei der geringsten körperlichen und geistigen Anstrengung zusammenklappen und deren Eltern am lautesten um Schutz gegen Ueberbürdung rufen, sind fast durchweg Opfer des unglücklichen Wahnes, daß der Alkohol Schwächlinge stärke. Meiner Erfahrung nach entfacht nichts die Sinnlichkeit so sehr, als geistige Getränke. Und wenn schon bei Kindern in beklagenswerther Zahl geschlechtliche Verirrungen vorkommen, so trägt daran ohne Zweifel der Alkohol die Hauptschuld. Leider nur werden wir Lehrer solange wenig erreichen, als die Aerzte Bier und Wein„zur Stärkung" verordnen. Von meinen Schülern bringen mehrere Wein zum 2. Frühstück mit. Ich muß diesen Unfug dulden, weil die Eltern die Notwendigkeit einer derartigen„Stärkung" ärztlich bescheinigen lassen. Während der Cholerazeit im Jahre 1891 genossen einige meiner Schüler Quantitäten Kognakwasser und Rot= oder Portwein, die vollauf genügt hätten, mich betrunken zu machen. Und solch ein Kerlchen, das sich regelmäßig zum 2. Frühstück ein Räuschchen antrinkt, soll geistig frisch und körperlich widerstandsfähig sein! Ein Beweis, wie notwendig es ist, hygienische Kenntnis in der Jugend und im Volke zu verbreiten! Aehnliche Erfahrungen hat Otto v. Leixner gemacht, der als feiner Beobachter des Volkslebens verdienten Ruf besitzt.„Die besten Getränke für Kinder sind Milch und Wasser, wo sie in gutem Zustande zu haben sind. Wer ihnen Bier, Wein oder gar Schnäpse giebt, macht sich eines Verbrechens an Geist und Körper der Jugend schuldig. In manchen Häusern erhalten die Knaben und Mädchen, wenn sie in die Schule gehen, in einem Fläschchen Wein für die Pausen mit. Das sollte unbedingt verboten sein. In anderen Familien wird Rum oder Kognak als Allheilmittel verwendet und bei der kleinsten Magenverstimmung den Kindern verabreicht. So gewöhnt man die Kleinen an Reizmittel, die selbst der Erwachsene nur mit Maß genießen soll, und wundert sich dann, wenn 16—17 jährige Burschen— der Fabriklehrling ebenso wie der Schüler höherer Anstalten— sich gegenseitig im Sausen zu überbieten suchen. Ein Krieg bringt großes Elend, heute aber doch nur für eine große Sache. Der Alkohol jedoch fordert heute unzählige Opfer und die Trunksucht, als altes Volkslaster der Deutschen, untergräbt den Bestand unseres Reiches. Was man bei den Kindern säet, muß bei dem Manne in Halme schießen.“ Nicht nur beim Manne, sondern auch bei der Frau. In einer westfälischen Stadt starb neulich ein schönes zwanzigjähriges Mädchen als Schnapssäuferin, nur weil eine alte Tante, bei der sie erzogen wurde, es für nötig hielt, schon dem Kinde täglich ein Gläschen Kräuterlikör aufzuzwingen. So urteilt auch Dr. Smith, der Leiter der Trinkerheilanstalt Schloß Marbach am Bodensee, wie folgt:„Ueberstehen wirklich die Kleinen die momentanen Gefahren der Alkoholzufuhr: der Keim zur Trunksucht ist allemal damit gepflanzt, und die Gelegenheit, dieselbe zur Entwickelung kommen zu lassen, ergiebt sich dann, sobald das Kind aus dem Elternhause in eine gewisse Selbständigkeit kommt. So ergiebt beispielsweise unsere Statistik bei fast allen mit Trunksucht zur Behandlung kommenden Damen, daß dieselben, als Kinder an irgend einer Krankheit leidend, meist schwere Weine, wie Tokayer rc., verordnet bekamen; was der Arzt verordnet hatte, befolgten die Eltern später,„um dem Kinde wieder Kraft zu geben,“ weiter; das Kind blieb fast immer bleichsüchtig und schwach und mußte immer mehr Wein bekommen, bis im eigenen Haushalte nach der Verheiratung ohne jede Schranke getrunken wurde, und weitgehende organische und psychische Störungen die Anstaltsbehandlung erforderlich machten.“ Diese Proben werden genügen, um den Schluß zu rechtsertigen, daß für die Zukunft unserer Nation außeror dentlich viel gewonnen wäre, wenn es gelänge, die gefährliche Sitte auszurotten. Jeder kann und sollte daran mithelfen.(Ratgeber f. Haus u. Landwirtsch.) Vermischtes. Hunderttausend Kronen. Ein Schriftsteller in Kopenhagen hat soeben oben genannte Summe unter eigentümlichen Umständen geerbt. Er schrieb verschiedene Artikel für ein religiöses Wochenblatt, und diese machten einen so tiefen Eindruck auf eine ältere Dame, daß sie beschloß, dem Verfasser die erwähnte Summe zu testiren. Auf ihrem Todesbette ließ sie ihn rufen, um ihm ihren Beschluß mitzuteilen. Vor einigen Tagen starb sie und der junge Mann ist plötzlich und unerwartet reich geworden. Ein Geizhals und Sonderling, wie es wenige gegeben haben dürfte, ist dieser Tage in dem unterfränkischen Orte Urspringen gestorben. Josef Goldberg hieß der seltsame Kauz, der, obgleich er ein Vermögen von über 50000 Mk. besaß, fast ausschließlich von Brot und Kartoffeln lebte und, wenn er in der Heimat keine Arbeit fand, fechtend die deutschen Lande durchzog. In Mannheim, wo ihn einmal die Polizei wegen Bettelns verhaftete, fand man einen Betrag von 20000 Mk. in Banknoten bei ihm. Als auf telegraphische Anfrage der rechtliche Besitz dieser Summe bei Goldberg durch den Urspringer Bürgermeister bestätigt wurde, bat Goldberg, über Nacht in Haft bleiben zu dürfen, damit er kein Schlafgeld zu zahlen brauche. Jüngst brach er auf dem Heimwege von Würzburg im Walde ermattet und entkräftet zusammen. Er starb am folgenden Morgen, nachdem er der Kosten halber die Herbeiholung eines Arztes abgelehnt hatte. Als dieser kam, konnte er nur feststellen, daß G. thatsächlich Hungers gestorben war. Ein Almosenempfänger starb kürzlich in Altgersdorf. Nach seinem Tode fand man bei ihm u. a. ca. 300 Mk. bares Geld und einen großen Vorrat von Wäsche, darunter 114 Stück Hemden. Drama auf einem Strom. Drei junge Engländer kehrten um Mitternacht von Hannover Park, Pensylvanien, heim, wo ein großes ländliches Picknick stattgefunden hatte. Die drei Jünglinge hatten den großen Fluß Susquehanna auf einem kleinen Kahne durchquert. Als sie ans Ufer kamen, fanden sie sechs betrunkene Polen vor, die am Flußrande auf und ab liefen und irgend eine Fahrgelegenheit nach dem gegenüberliegenden Ufer suchten. Die drei Engländer erklärten sich bereit, die Polen hinüberzubringen, falls sie versprächen, ruhig zu sitzen, was angesichts der Kleinheit des Kahnes dringend notwendig war. Die Polen versprachen natürlich Alles, was man von ihnen wollte, und der Kahn stieß vom Ufer ab, geleitet von den drei Engländern, die des Steuerns und Ruderns wohl kundig waren. Als man ungefähr die Mitte des Flußes erreicht hatte, fiel es einem der Polen plötzlich ein, daß er nicht schwimmen könne, was ihn so tief bewegte, daß er laut zu weinen begann. Die anderen sprachen und tranken ihm Mut zu und sagten vorwurfsvoll, seine Feigheit sei eines Polen nicht würdig. Die Vorwürfe ließen ihn jedoch kalt, und er schwor hoch und heilig, er müsse jetzt sofort aussteigen. Es folgte nun ein Herüber und Hinüber von Schimpfworten, Püffen und polnischen Tanz= und Kriegsliedern, bis der Kahn ins Wanken geriet und umschlug; sämtliche neun Insassen lagen im Wasser, die Engländer, vorzügliche Schwimmer, warfen sofort ihre Beinkleider und Jacken weg und schwammen ans Ufer. Die sechs Polen aber hatten sich fest aneinander geklammert und schrieen aus voller Kehle um Hilfe. Die Engländer empfanden Mitleid mit den armen Teufeln und schwammen zurück, um die Ertrinkenden zu retten. Es folgte ein wilder, erbitterter Kampf zwischen den sechs Polen, die sich gegenseitig zerkratzten und zerschlugen und sich an die Engländer klammerten, welche mit den Fäusten um sich schlagen mußten, nur um freie Bahn zu gewinnen und ihr eigenes gefährdetes Leben in Sicherheit zu bringen. Nach fast übermenschlichen Anstrengungen gelang es den braven Engländern, zwei Polen zu retten, die anderen vier gingen elend zu Grunde. Eine heitere Szene wurde am Meßsonntage in Braunschweig den Besuchern einer Schaubude geboten. Auf dem St. Leonhardsplatze war ein Wachsfigurenkabinett aufgestellt, das am Eingang als„Naturwunder“ eine„Dame ohne Unterleib“ sehen ließ. Ein altes Ehepaar vom Lande, welches sich den Meßtrubel ansah und auch zu diesem Wachsfigurenkabinett gelangte, war im Begriff einzutreten. Da bleibt der Blick der Frau starr auf der„Dame ohne Unterleib“ haften, mit einem Schrei stürzt sie darauf zu und fordert sie auf, sofort mit nach Hause zu gehen. Das Mutterauge hatte die 18 jährige eigene Tochter erkannt, welche vor 2 Jahren mit gesundem Körper das elterliche Haus verlassen und seitdem kein Lebenszeichen von sich gegeben hatte. Als die„Dame ohne Unterleib“ der mütterlichen Aufforderung nicht gleich Folge leistete, wurde ein Polizeibeamter geholt und in dessen Begleitung trat die„Dame ohne Unterleib“ den Gang nach dem Heimatsdorfe an Das schwerste Mitglied des zarten Geschlechts in Südafrika dürfte die Gattin des Herrn Andries Wiese im Viktoriadistrikt sein; dieselbe wiegt nicht weniger als 455 Pfund, sie ist 47 Jahre at und besitzt ein 16 jähriges Töchterlein, welches bereits 175 Pfund wiegt. Münchener Schädel. In einer Wirtschaft im Thal gerieten am 14. d. Mts. einige Tagelöhner in Streit, wobei einer seinem Gegner einen Literkrug mit solcher Gewalt an den Kopf schlug, daß der Krug in Trümmer ging. Der Getroffene war einen Augenblick verblüfft, schüttelte dann den Kopf und sprach gelassen: „Dös mußt zahlen! Jetzt schaust aber, daß Du außi kummst, Lausbub, sakrischer!“ In der That hatte der Mann nur eine starke Beule erlitten. a guat's Vieh! Gast:„Hören Sie mal, Wirtin, das Rindfleisch ist aber ganz miserabel!"— Wirtin:„Ja, sagen's bloß an! Und dös is nu, als es noch lebte, a so a guat's Vieh gewesen!" gedient. Ehemann:„Warum heiraten Sie nicht, Fräulein Müller? Sie müssen sich dranhalten, ein Bissel spätes Mädchen sind Sie ja schon!“ — Fräulein Müller:„Wenn ich so anspruchlos ware, wie Ihre liebe Frau, dann wäre ich längst verheiratet.“ 16. Luxus-PferdemarktLotterie zu Marienburg in Westpreussen. Ziehung am 27. September 1894. 1900 Gewinne= 90000 Mark. Lose à 1 Mark, auf 10 Lose ein Freilos, Porto und Gewinnliste 20 Pfg. empfiehlt und versendet auch gegen Briefmarken Carl Heinrya Berlin W.(Hôtel Royal) Calt Reintze,“ Unter den Linden 3. Hauptgewinne. 1 Landauer" mit 4 Pferden 1 Kutschir-Phaéton mit 4 Pferden 1 Halbwagen mit 2 Pferden 1 Jagdwagen mit 2 Pferden 1 Halbwagen mit 2 Pferden 1 Selbstfahrer" mit 2 Pferden 1 Coupé.. mit 1 Pferde 1 Parkwagen mit 2 Ponies 2 Paar Passpferde 8 gesattelte und gezäumte Reitpferde 75 Reit- oder Wagenpferde in Summa 8 compl. bespannte Equipagen mit 106 Reit- und Wagenpferden. Ausserdem: 5 goldene Kaiser-Friedrich-Medaillen à 100 Mark 50 goldene Drei-Kaiser-Medaillen„ 20„ 1000 silberne Kaiser-Friedrich-Medaillen„, 5„ 752 Luxus- und Gebrauchsgegenstände. Technicum Mittweida. (Sachsen.)— Höhere Fachschule für Maschinen- Ingenieure und Werkmeister. Vorunterricht —1041— Dr. Pollaenders schwedische Abführ= und Blutreinigungs-Pillen sind das angenehmste, magenstärkende blutreinigende Abführmittel, welches existiert. Wegen ihrer großartigen Wirkung werden dieselben bei Magendrücken, Schwindel, Schlaflosigkeit, Sodbrennen, Appetitlosigkeit, unregelmäßigem Stuhlgang, Hämorrhoiden, Geschwüren, Finnen im Gesicht rc. allen ähnlichen Pillen vorgezogen. Preis per Schachtel 1 Mark. in den Apotheken.— Man verlange ausdrücklich Dr. Polländer's Pillen. Haust=Depot: Hausen & Cie. in Trier. Rlc.: Extr. Rhei 3,5 Extr. Tarax 2,0 Extr. Aloé 3,5 Fruct. Anisi, Foenic. Carviana 0,2 Junip. O.4. Meine Gartenwirtschaft bringe hiermit in empfehlende Erinnerung. Milch zu jeder Breder, Elverdisserstr. sind heute in der ganzen Welt als sicher u. unschädlich wirkendes, angenehmes u. billiges Haus= u. Heilmittel bei Störungen in den Unterleibsorganen, trägem Stuhlgang und daraus entstehenden Beschwerden, wie: Leber- und Hämorrhoidalleiden, Kopfschmerzen, Schwindel, Athemnoth, Herzklopfen, Beklemmung, Appetitlosigkeit, Blähungen, Aufstossen, Blutandrang nach Kopf und Brust und als mildes Blutreinigungsmittel 2. allgemein anerkannt. Erprobt und empfohlen von einigen „„ tausend practischen Aerzten und Profess. Inder Mediein werden die Apotheker Richard Brandt'schen Schweizervorgezogen und alle Interessenten sollten sich „ich. Brandt's Nachflgr. in Schaffhausen die Broschüre mit den Gutachten der Professoren, Aerzte, Chemiker 2e. kommen lassen. Man schütze sich beim Ankaufe vor Fälschungen und verlange stets Avotheker Richard Brandt's Schweizerpillen. Zu bekommen in fast allen Apotheken a Schachtel Mk. 1.—, welche ein Etiquette wie nebenstehende Abbildung ein weißes Kreuz in rothem Felde tragen müssen. - Tetunorhelle der ächt en Apotheker Richard Brandt'schen Schweizerpillen sind Extracte von: Silge 1,5 Gr., Moschusgarbe, Aloe, Absynth je 1 Gr., Gentian je 0.5 Gr., dazu Gentian= und Bitterkleepulver in gleichen Theilen u. im Quantum, um daraus 50 Pillen im Gewicht von 0.12 herzustellen. Verlangen Sie nur ZACHERLIN, denn es ist das rapidest und sicherst tötende Mittel zur Ausrottung jeglicher Art von Insekten. Was könnte wohl deutlicher für seine unerreichte Kraft und Güte sprechen, als der Erfolg seiner enormen Verbreitung, derzufolge kein zweites Mittel existiert, dessen Umsatz nicht mindestens Dutzendmale vom„Zacherlin“ übertroffen wird. Verlangen Sie aber jedesmal eine versiegelte Flasche und nur eine solche mit dem Namen„Zacherl“. Alles Andere ist wertlose Nachihmung. 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