Erscheint täglia. Sterteljährlicher Abonnements-Preis 2 14 85 3 verbunden dem Annahms: Abim, Geclin, Breslan, Sdermiz ——— & Co.: Frankfart am Main, Berlin. AmsterParis 2r. Juvalidendank: Berlin, Dresden. m Th. Dietrich& Co.: Cassel, Frankfurt a. 27 asenstein ele Anzeiger Insertions=Gebühren die einspaltige Petstzeile oder deren KK 346. Dortmunder Sonntags=Beilage:„Fur Haus und Hof“, Blätter für Land=, Garten= und Hauswirtschaft. Sonntag, den 18. Dezember 1881. #dolf Steiner: C. Marowsky: nahnse: amburg. A. Roles: nden. Carl S. Schlotte: Bremen. W. Thizg:“ i. Aerr Thisson: Barmen. Bernh. Arndt: Berlin. Barck& Co.: Halle a. Saale. D. Freuz: Leo Frank: Köln. Joh. Rootbagr: Hamoura.9 Hagen, R. Wdichelhosen: Iserlohzu. Witten: G 0#. (Erstes Blatt.) 54. Jahrgang. Deutscher Reichstag. * Berlin. 16 Dezember. Am Tische des Bundesrats: v. Kameke, v. Bötticher, Stephan und andere. Das Haus setzt die zweite Beratung des Etats fort, und zwar zunächst derjenigen Kapitel des Etats für die Verwaltung des Reichsheeres, welche der Budgetkommission zur Vorprüfung überwiesen waren. Im Kapitel 9 der Einliegenden, zum Abbruch bestimmten Teil der Palastkaserne daselbst 26.000# vereinnahmt werden sollen. Der Abg. Reichensperger hatte sich gegen den Abbruch des fraglichen Leiles der Palastkaserne erklärt, worauf der Titel der Kommissien zur Prüfung überwiesen wurde. Die Kommission beantragt nunmehr, den Betrag von 26000 A zu streichen. Das Haus beschließt trotz des Widerspruchs des Abg. von Soßler, der auf die Durchführung dieses preußischen Projektes im allgemein künstlerischen Interesse großes Gewicht legte, diesem Antrage gemäß. Bei dem Kapitel 6 der einmaligen Ausgaben ist im Titel 5a zur Errichtung eines Militär=Knabenerziehungs=Instituts mit Unteroffizierschule in Neu=Breisach, einschließlich der Kosten für Terrainerwerb, ein Betrag von 290000 A als erste Rate gesordert. Referent von Maltzahn=Gülz empfiehlt im Namen der Budgetkommission, im Interesse der Sparsamkeit und mit Rück. höhung hätte nach meiner Ueberzeugung den Post: Telegraphensekretären gebührt, war bei deren großen Zahl von 4825 dieser Beamten allerdings eine beträchtliche Sumne ergeben würde. Der Durchschnittsgehalt dieser Beamten ist 2325 4 und 2100 4; die weitaus größte Zahl derselben ist in größeren Städten angestellt, wo das Leben und die Erziehung der Kinder sehr teuer ist. Sie Zolltarifs ihren Ursprung verdanken. So ist vor Kurzem von dem konservirten Fleisch, dem sogenannten gorgeg boek, welches in dünnen Blechbüchsen aus Amerika zu uns koamt, der höhere Zollsatz von 24 stott 12 4 erhobe worden, da das als eine Eisenware von der Zollbehörde betrachtet würde (Heiterkeit links.) Deszleichen wurde in Staniol verpackter Käse unter die Silberwaren gerechnet, Strumpswaren sind oshen besoerie. Aodouvodhen ,2, ut. bbjichzit naehnan von Betwarm vrzglt worden, Aageschaz, selche, graiteieg, getkommission, im Interesse der Sparsamkeit sicht auf die schon vorhandenen und ausreichenden Anstalten in Annaburg und Weilburg, diesen Titel zu streichen. Bundesbevollmächtigter Kriegsminister von Kameke beruft sich wiederholt auf das noch keineswegs gedeckte Manquement an Unteroffizieren, um die Notwendigkeit der geplanten Anstalten zu verteidigen. Die nach denselben Prinzipien ins Leben gerufene Unteroffiziervorschule in Weilburg habe sich in den vier Jahren ihres Bestehens durchaus bewährt, und das von ihr gelieferte Material berechtigte zu den besten Hoffnungen. Bei dem Umstande, daß dem preußischen Militärkontingent noch 3000 Unteroffiziere fehlen, könne auch der Reichstag ssich der Notwendigkeit nicht ver: schließen, thunlichst bald für Ersatz zu sorgen, namentlich da die Bevölkerung des Elsaß vorwiegend dem militärischen Beruf zuneige. Die Bedenken der Kommission gegen das Militär=Knabenerziehungs Institut als ein bedenkliches novumn könne er nicht teilen. Abg. Dr. v. Treitschke: Die Bedenken der Opposition gegen diese Anstalt sind lediglich politische; die Dankbarkeit gegen unsere Armee in dem durch und durch soldatischen Elsaß=Lothringe, der besten Prämie des Deutschtums, muß uns mehr wert sein, als alle Bedenken der Opposion zu: sammengenommen. Wir müssen mit allen Mitteln darauf hinwirken, die Reichslande mit unserem inneren Leben zu verketten, uns fehlt aber wieder jene rückhaltslose Energie des nationalen Stolzes; in Frankreich wärde eine ähnliche Forderung sicher mit allen gegen eine Stimme angenommen werden.(Sehr wahr! rechts.) Wird die Position jetzt abgelehnt, so wird das Ausland glauben, es sei uns mit der Behaltung von Elsaß=Lothringen nicht mehr Ernst, und es wird in der schon jetzt weit verbreiteten Meinung bestärtt werden, daß die zur Macht gelangte Opposition schließlich die deutsche Einheit wieder zerstören werde(Oho! und große Unruhe links.) Das nationale Interesse müsse für die Bewilligung dieser finanziell nicht allzu bedeutenden Forderung bestimmen(Beifall rechts) Abg. Hermes(Parchim) ist nicht in der Lage, beiden großen nationalen Gesichtspunkten des Vorredners in dem zur Debatte stehenden Falle besondere Bed utung beilegen zu önnen Es handle sich im ganzen um 120 Knaben, welche Telegraphenwesen sich entwickelt. Die Paketträger Stadtpost und die Landbriefträger sind mit einer Erhöhung von 10 4 bedacht. Es ist dies der schwache Anfang einer Aufbesserung, aber ein durchaus ungenügender. In einer Zeit, in welcher so viel von der Fürsorge des Staates für die Arnen und Enterbten die Rede ist, sollte man doch damit nfangen, in erster Linie diesen Unterbeamten, von welchen vielt Tausende nur einen Durchschnittsgehalt von 570 haben, wofür sie sich vom Morgen bis Abend quälen müssen, einen einigermaßen desseren Lebenkunterhalt zu ge währen.(Beifall links) u Staatbsekretär Stephan dankt den Vorredner für das Woblwollen, das er für die Postsekretäre an den Tag lege. Der Verwaltung lägen die Verhältnisse derselben aber ebenfalls am Herzen, und wenn mit der allgemeinen Erhöhung der Beamtengehälter im Reich und in Preußen vorgegangen werde, würden die Postsekretär: nicht übergangen werden. Eine größere Durchschnitts Zuwendung an die Land= Brief räger und Stadt=Postboten, als vorgeschlagen, rechtfertige sich nicht mit Rücksicht auf die gegenwärtige Finanzlage; man müsse erwägen, daß es sich um 11 200 Land= Briefträger und 2=.s 3000 Stadt Postboten handelte, so daß chon bei der in Antrag gebrachten Zuwendung eine erhebabg, von Ato /g. Nehop bemerct, daß er die Abscht gehabt habe, gegen die Sonntags=Briefbestellung auf dem Lande zu sprechen. Da aber der Abg. Lingens vorher schon die Frage berührt habe und mit Rücksicht auf die gegenwärtige Lage der Geschäfte verzichte er für jetzt. Darauf wird das Oedinarium genehmigt. Für das Extraordinarium ist Berichterstatter der Abz. Frege. Zur Herstellung eines neuen Dienst=Gebäudes in Erfu r sind in der Vorlage die Gesamt=Baukosten auf 822.000 A veranschlagt; als erste Rate werden 150.000 4 verlangtz, Die umgehen, weshalb man überhaupt einzelne Sätze im Zoll tarif festgesetzt hat Von weit höherer Bedeutung aber sind die wiederholten Reskripte des Handelsminist re an die Handelskammern; erfreulich ist, mit welcher Mannhiftigkeit und Sachlichkeit die grünberger Handelskammer den Angriff des Reichskanzlers als preußischen Handelsminister zurückewiesen hat. Die darauf erfolgte Zurechtweisung der handelskammer zu Danzig bewegt sich in biterungen, welche das Dogm; des Reichskanzlers, daß das Ausland den Getreidezoll bezahle, erhärten sollen. Nach meiner Meinung hat die danziger Handelskammer ganz recht, wenn sie sich zur Rechtfertigung ihres entgegengesetzten Standpunktes auf die Motive der Vorlagen beruft welche die Erhöhung des Mehlzolles vorschlug. höhung wäre überflüssig gewesen, wenn man jenes gouvernementale Dogma auch hier respektirt hätte. Gegen diese neue eigentümliche Theorie lege ich hiermit feierlichst Verwahrung ein Ein ckarakteristischer Zug des neuen Zollist es, daß von 118 verschiedenen zollpflichtigen wärtigen ernannt werden, ist noch unentschieden, die Meldungen darüber von Petersburg wechseln von Tag zu Tage. Was unser Verhältnis zu Italien betrifft, so werden die Aeußerungen des Fürsten Bismarck von denjenigen zu leicht gennommen, welche glauben, sie wären ihm in der Hitze nur entfallen, er hätte nicht gedacht, welche Wirkung seine Worte in Italien hervorbringen würden. Fürst Bismarck pflegt die Wirkung seiner Worte sorgfältig zu erwägen, und wenn er Italien seine Unzufriedenheit merken ließ, so wird er dabei seine Absichten gehabt haben. Es ist Thatsache, daß die italienische Politik schon 1866 unter La Marmora dem Fürsten Bismarck keineswegs vollkommen gefiel. Noch weniger konnte dies 1870 der Fall, sein, wo nur die raschen Siege Italien verhinderien, mit Frankreich gemeinschaftliche Sache zu machen. Und seit 1876, wo fortschrittliche Ministerien am Ruder sind, war in Italien jeue Politik der freien Hand an der Tagesordnung, die weiland dem Königreiche Sardinien den Ruf eintrug, die unzuverlässigste Macht Europas zu sein. Nur die Spannung mit dem Papste und mit Frankreich haben das italienische Königreich in Zeit dahin gebracht, sich näher an Oesterreich und an Deutschland anschließen zu wollen. [Ultramontanes.] Vom Rhein wird der Lib. Korr.“ geschrieben: Bei Gelegentzeit der Diffetikeln im S nze nr 40000, A eingezange sind; is diese renzen, welche sich infolge des geringe Summe die Minge der Belästigungen und„Zoll, Allg. Ztg.“ zwischen.m Reichskanzler und dem Führer in dem Erziehungsinstitut Aufnahme finden sollen; diese geringe Zahl werde weder an der Höhe des Manquements etwas ändern noch könne sie für unsere nationale Politik ins Gewicht fallen. Abg. Dr. Ree spricht sich ebenfalls für die Ablehrung aus, und zwar aus dem Grunde, weil die Unteroffizierschulen nur neue Schranken und neue Entfremdung innerhalb der Bevölkerungsklassen herbeizuführen geeignet seien. Abg. Dr. v Treitschke replizirt, daß eine deutsche Verwaltung in Elsaß=Lothringen alles thun müsse, Deutsche zu Deutschen zu machen; gegen ein solches patriotisches Thun kämen die Scheingründe der Opposition nicht auf Abg. v. Benda verbittet sich im Punkte des Patriotismus jede Belehrung oder Zurechtweisung von irgend einer Seite; die nationalliberale Partei habe gegen das System Bedenken und könne deshalb von ihrem ablehnenden Stand punkt nicht zurücktreten. Abg Graf v. Moltke: Man hört oft sagen, wenn die Elsässer sich erst an Deutschland gewöhnt hätten, dann würden sich die Anteroffiziere von selbst finden. Ja, darauf kommt es eben an, daß sie sich gewöhnen, und da müssen wr uns an die Jugend wenden. Als Kaiser Wilhelm vor einigen Jahren in Elsaß war, da kam die Jugend heran und schwang mit Stolz die Mützen. An die Jugend müssen wir uns wenden! Die Sache hat auch ihre politische Bedeutung, und ich bitte Sie, den Titel anzunehmen.(Beifall rechts) Adg. Büchtemann weist die Jufinuationen des Abg v. Treitschke gegen die Opposition als der Begründung ent behrend zurück. Nach einer kurzen Erwiderung des Abg. Dr. v. Treischke wird die Position gegen die Stimmen der konservativen Parteien gestrichen. Die Petition der Gemeindevertretungen der Vororte Leipzig dahin gehend, zu erwirken, daß die Ortschaften Neudnitz, Lindenau, Volkmarsdorf, Plagwitz, Könneritz, Entritzsch, Nuustadt, Neuschönfeld und Schönefeld bei Leipzig aus der fünften in die deitte Servisklasse versetzt werden, wird dem Reichskanzler zur Erwägung überwiesen. Es folzt der mündliche Bericht derselben Kommission über einige Teile des Etats der Post= und Telegraphenverwaltung, sowie die Reichtdruckerei. Reserenten sind die AbAbg. Bin g en9. Heing die von iha schon mehrsach angeregte Frage der Sonntagsruhe für die Post= und Telegraphenbeamten zur Sprache, und bedauert, daß dem Beschluß des Bundesrats, wonach den Postdirektionen die Freigebung des Sonntages in weiterem Umfange als bisher eingeschärft wird, noch immer nicht in genügendem Maße Kommission hat die Herabsetzun dieser'ffern auf 722.000 bezw. 125 000 A beanttagt. Abg. Büchtemann hält es für angemessen, daß die Verwaltung aufgefordert werde, im nächsten Jahr einen neuen Plan vorzulegen, da das gegenwärtige Projekt a. Mängeln leide. Er beantragt, die Position demnach für dies Jahr abzusetzen. Abg. von Benda widerspricht diesem Antrage. Auch der Bundesrats= Kommissar geh. Rat Sachse hält das Be dürfnis eines Neubaues in Erfurt für ein so dringendes, daß ein Aufschub nicht geraten scheine Die Position wird hierauf ganz gestrichen Zur Herstellung eines neuen Dienstgebäudes in Iserlohn werden die Gesamtbaukosten auf 186 000 u(statt 206 000M f stgesetzt und als erste Rate 90000 4 bewilligt. Behufs Erwerbung von Grundstücken und Herstellung eines neuen Dienstgebäudes in Lübeck wird eine erste Rate von 721000 verlangt. Die Kommission beantragt die Streichung dieser Position. Abg. Görtz tritt lebhaft für die Bewilligung ein, des gleichen der Adg. v. Wedell, der auf die Uebelstände hinweist, welche aus den mangelhaften räumlichen Verhältnissen ür den sich stetig steigernden Verkehr entstehen. Lingens hält die Bedürfnisfrage für nicht hin reichend aufgeklärt, es handle sich doch hier um die Aus führung eines Projekts, das über eine Million kosten solle weshalb wohl Vorsicht am Platze sei. Nachdem der hanseatische Ministerresident Krüger, der Möller und der Staatssekretär Stephan die Bevlackereien wirklich wert? Der Zoll auf Zink und Bleidraht hat im letzten Jahre ganze 6 4, der auf Bürsteubinderwaren 278 4 eingetragen(hört, hört! links); neu ist in der Deduktion des Vorredners nur, daß er auch die Zunahme der Ausfuhr auf Rechnung des Zolltarifs setzt. Verbessert hat sich die Lage durch den Zelltarif nicht. Vor Kurzem der Abg. Windthorst uns aufgefordert, die Aufhebung des Zolltarifs zu beantragen, wenn wir unserer Sache so sicher wären. Wir müssen es uns vorenthalten, wenn wir ale Partei unsere Kraftprobe in dieser Hinsicht machen wollen; vielleicht wird dies geschehen, kurze Zeit nachdem die rechte Seite des Hauses ihre Kraftprobe mit dem Antrag auf Abchaffung der Zivilehe machen wird.(Beifall links, oh! Bundeskommissar Direktor im Reich'schatzamt Burchard beruft sich gegen den Aba. k amberger auf die Ausführungen des„Deutschen Handelsblattes“, welches nach amtlichen Feststellungen die bedeutende Erhöhung des Arbeitslohnes nachweist. Von den Industrien habe sich namentlich die Bierprod ktion bedeutend gehoben, und diese Thatsache sei ein besonders günstiges Merkmal steigeader Prosperität. Der Eisenbahnfrachtverkehr habe sich in hohem Maße erweitert, wie schon der Abg. Leuschner angeführt angeführt habe Im Speziellen seien die Tarifitungen von au erikanischem Fleisch, Käse und Schuhwichse keineswegs nach neuen Grundsätzen, sondern nach sehr alten, längst allgemein gültigen erfolgt. Mit vollem Recht sei das amerikanische Fleisch, wel ches in Blechbüchsen mit besonderer Verzierung(Lachen links) eingehe, mit dem höheren Zollsatze beletzt. Bezüglich des Reskripts an die Handelskammer zu Danzig müsse er zunächst konstatiren, daß die Behauptung, das Ausland trage den Zoll, in dieser Allgemeinheit niemals aufgestellt ist Bloße Finanzzölle würden natürlich nicht vom Auslande des Zentrums zu den partikularistischen Bestrebungen innerhalb der Nation weitere Erörterung finden. Interessant dürfte es zur Beurteilung dieser Frage sein, an ugen eines Blattes zu erinnern, welches gebende ist. Es ist das die in Krefeld erscheinende Niederrheinische Volkszeitung. Dieses Blatt brachte in seiner Nummer vom 7. April 1880 einen Leitartikel, überschrieben:„Das Ende des Kulturkampfes“, welcher einen bekannten katholischen Geistlichen zum Verfasser hat. Darin hieß es wörtlich:„Wir werden den Frieden uns erhalten, so lange bei dem Gegner die Ueberzeugung lebt, es könne ihm bitter aufstoßen, wenn er ihn stört. Der Loyalitätsfrack muß unter allen Umständen zum Trödler wandern. Wir müssen uns klar halten, daß uns nicht Liebe, nicht gleiche Abstammung, nicht gleiche Anschauungen mit dem Staate Preußen bunden haben, sondern daß diese Perbindung ganz einfach von den Diplomaten des wiener Kongresses ausgemacht worden ist..... Wir dürfen es in Berlin nie in Vergessenheit geraten lassen, daß ein anderer wiener Kongreß die Karte von Europa wieder ändern kann, daß da ganz neue Staaten gegründet werden können, und daß es bei diesen Aenderungen sehr darauf ankommen kann, welche Gesinnung die Bevölkerung beseelt.“ Für ein klerikal= konservatives Bündnis sind selche Aeußerungen nicht vertrauenerweck.nd. Stoße Finanzzoue wulben nututtun nle eom——.. Berlin, 15. Dez.[Die Erkrankung des Fürsten bezahlt; Artikel aver, welche das Ausland notwindig erp.#.##marck, welche denselben verhinderte, heute der In tiren müsse, werde es vielfach nur dann loswerden, wean es zexpellation v. Hertling beizuwohnen, und deren Auf.— Marrahnss au.: nnaber, zur Folge hatte, war schon seit daß dieselbe keine leichte und wenn auch durchaus nicht gefährliche ist, wurde erst heute übereinstimmend von verEingangszoll mit bezahle. In der vom Vorredner er: Luh auf Sonnabend zur Folge hatte, nten Vorlage sei di: Frage, wer den Zoll trage, nit einigen Tagen bekannt. Daß dieselbe keine leichte und n Vorlage sei di: Frage, wer den Hon tratt.; einigen Tagen bekannt. Daß dieselbe keine le Abg. Möl willigung befürwortet, wurde die Position genehmigt Damit ist die Beratung des Post= und Telegraphenetats beendet. Der nun folgende Etat der Reichsdruckerei veranlaßt keine Debatte. Es folgt die Beratung der Zölle und Verbrauchssteuern. Referent der Budgetkommission ist der Abz. v. Wedell=Malchow. Adg. Leusohner=Eisleben hebt hervor, daß der scheinbare Rückgang in den Zolleinnahmen nicht seine Ursache in dem System der neuen Wirtschaftspolitik habe; die heftigsten Gegner derselben, nämlich die Mehrzahl der Handelskammern, seien von jeher der Hort des Freihandelssystems gewesen. Auch verträten diese Kammern weder die Industrie noch die Landwirtschaft, sondern einseitig vor allem den Handel. Die Urteile der Handelskammern seien um so weniger maßgebend, wenn man die geringe Teilnahme an den Wahlen zu diesen Korporationen in Betracht ziehe. Was wäre geworden, wenn der Zolltarif von 1879 nicht angenommen wäre? Der Pauperismus hatte noch größere Dimensionen angenommen.(Widerspruch links.) Die Einnahme der Eisenbahnen, sowie der Export an Roheisen und Eisenwaaren habe gegen 1879 einen bedeutenden Aufschwung erfahren; ebenso die Leder=, Textil= und Thonwaaren=Industrie, was Redner mit detaillirten Ziffern nach zuweisen sucht. Im vorigen Jahre sollte der Getreidezoll die Not der Arbeiter in Königsberg verschuldet haben, heute höre man nichts mehr davon; nicht der Zoll, sondern die Mißernte in Rußland war die Ursache der Notlage in Königsberg. Gegen 1879 sei der Monatsverdienst eines Arbeiters von 51 auf 65 gesiegen. Auf der Dortmunder Union sei der durchschnittliche Jahresverdienst des Personals von 802 im Jahre 1878—79 auf 884 4 in 2881 gestiegen. Das Fleisch sei billiger, die Kartoffeln nicht teurer geworden; auf den Preis des Brotes habe der Getreidezoll keinen Einoruck geübt, auch die übrigen Konsum= und Gebrauchsartikel, wie zum Beispiel Petroleum, hätten von 1877 bis jetzt einen Preisrückgang erfahren. Auch die Einfuhrverhältnisse legten vollgültiges Zeugnis für die gute Wrkung der neuen Wirtschaftspolitik ab. Vor allem habe das bekannte Agitationsmittel von der Verteuerung des Brotes durch die Gewalt der Thatsachen mehr und mehr seine Bedeutung eingebüßt, wie Redner aus der Oekonomte der mansfelder Gewerkschaft nachweist. Als Direktor derselben habe er das größte Interesse daran, daß dr Roggen, welcher den Arbeitern aus dem Magazin der Gewerkschaft geliefert werde, m. billig set. Der Peeis des Roggens vor und nach dem Zollel beschwert sich darüber, daß dem Verleger tarif habe die giößten Schwankungen durchgemacht, während eines technischen Anzeigeblattes in Essen der Postbedit ent: die Differenz im Brotpreise pro den wähnten keinem behaupte.—— sprochen. Sollte Herr Bamberger endlich wirklich glauben daß ein Zoll nur dann berechtigt sei, wenn er viel einbringt?(Beifall rechts.) Staatssekretür von Bötticher: Durch Zufall habe ich zur Zeit, als der Bericht der grünberger Handelskammer einlief, den Handelsminister zeitweilig vertreten, und war aufs höchste erstaunt, in demselben Widersprüche mit den mitgeteilten Zahlen, eine äußerst absprechende Kritik der neuen Zollpolitik, zu finden. Deshalb ist das Reskript er gangen. Unsere Handelskammern sind Organe der Sta tsregierung, sie arbeiten nicht pro nihilo, sie sind zu objektiven Berichten verpflichtet. Was nützt uns ihre Schönfärberei oder Schwarzmalerei?(Zustimmung rechts, Lärm links.) Arf diese Gesichtspunkte sind die Handelskammern schiedenen, dem Fürsten nahestehenden Seiten her kannt. Der Kanzler leidet wieder an einer Venenentzündung, so daß ihm das Gehen unmöglich sein soll. Es ist infolge dessen auch ganz unbestimmt, ob der körperliche Zustand des Fürsten am Sonnabend schon sein Erscheinen im Parlament und seine Beteiligung an den Geschäften desselben gestatten wird. [Levetzow.] Da die Reichstagssitzung heute statt von Herrn v. Levetzow vielmehr von Herrn v. Franckenstein eröffnet ward und der erstgenannte Herr gar nicht im Hause anwesend war, so erhielt das Gerücht, Herr Levetzow beabsichtige von der Leitung der Geschäfte aufmerksam gemacht worden.(Beifall rechts.) zurückzutreten, auss neue Nahrung. Vielfach wurde Lal ul Rub und Bler. beikroagen erhoben sei, welcher bereits der Wahlprüfungskommission vorliege. Anderseits wurde bestritten, daß der Rücktritt des Präsidenten, wenn er erfolge, mit der Gefährdung seiner Wahl zusammenhänge. Endlich hörte man auch wieder versichern, daß an all den Gerüchten gar nichts sei, daß die Wiederwahl des gesamten Präsidiums durch Akklamation erfolgen, oder, falls von irgend welcher Seite auf der Linken Widerspruch erhoben würde, mit mindestens derselben Mehrheit wie vor vier Wochen vor zogen sei und fragt, od alle nichtpolitischen Blätter von der Postüberweisung ausgeschlossen seien Diese Frage wird von dem Direktor im Reichspostamt Dr. Fischer verneint. Die Gatziehung des Postdebits werde wohl erfolgt sein, weil die betreff nde Zeitung gratis Staatssekretär Stephan bestätigt dies und hebt hervor, daß die Normirung der Pestprovision nur nach dem Abonnementsbetrage erfolgen könne. Im übrigen verweise er den Beschwerdeführer auf den Instanzenweg. Abg. Sonnemann: Mit Befriedigung habe ich aus dem Etat wahrgenommen, daß wenigstens einzelne, wenn auch mäßige Gehaltserhöhnagen vorgenommen sind. Unter „er a..euWiondauloge von 200 4 für einen halben Pfennig belaufe. Aehnliche statistische Berech nuggen bätten in Hamm, Bayreuttz und in der oaierischen Pfalz dassellbe Resultat ergeben. Wie könne man trotz dieser Erfohrungen unausgesetzt den Kornzoll zum Hebel der Azi tation gegen das neue Wirtschaftesystem machen! Die Landwirtschaft sei für den Kornzoll dankbar, da der größte Teil unseres deutschen Ackerbedens nur mittelmäßige Erträge liefere. Billiges Brot werde man nicht durch den Freihandel erreichen, dem arbeitslosen Arbeiter sei auch das billigste Brot zu teuer. Dem Reichskanzler gebühre das Verdienst, die erste Axt an die Wurzel des verhängnisvollen Manchestertums gelegt zu haben!(Bedhaftes Bravo rechts.) Abg. Dr. Bamberger will dem Vorredner nicht folgen, sondern lieber eine Reihe von Beschwerden zur Sprache berger so geringfügig behandelte Zoll auf Zink= und Blei draht wirke gerade dann am wohlthätigsten, wenn er gar nichts mehr einbringe, denn er sei ein Schutzzoll pur eang Wo bleibe da die zollpolitische Logik des Herrn Bam berger?(Heiterkeit.) Hiernach wird die weitere Beratung vertagt. Der Reichskanzler drückt durch besonderes Anschreiben den Wunsch aus, daß die Kommission für den Bau eines Reichstagsgebäudes in den ersten Tagen des nächsten Monats zu: sammentrete. Der Präsident schlägt vor, die Wahl der sieben Reichstagsmitglieder zu dieser Kommission am ende des morgenden Plenums vorzunehmen.— Die Intespellation von Hertling wird morgen nicht zur Beratung gelangen. Nächste Sitzung Sonnabend 12 Uhr. Tagesordnung: Wahl des Präsidiums und Fortsetzung der Etatsberatung. (Schluß: 5 Uhr 30 Mid. Berlin, 14. Dezbr.[Zur Lage.] Die Herren v. Franckenstein und v. Schorlemer=Alst sind ersichtlich bemüht, wieder gut zu machen, was die welfische Exzellenz gefehlt haben mag, und auch die Konservativen sind nicht minder eifrig, alle Steine des Anstoßes aus dem Wege zu räumen und eine aus beiden Parteien zusammengesetzte Regierungsmehrheit zustande zubringen, welcher die Herren v. Kleist=Retzow und Reichensperger die Fahne des Kreuzes vorantragen würden. Weniger das Kreuz des Glaubens als der religiösen Unduldsamkeit. Vorderhand herrscht unter den Parteien des Reichstages indessen noch eine große Ungewißheit und Verworrenheit, weil niemand im stande ist zu sagen, bei welchem seiner rasch welchselnden Pläne der Reichskanzler schließlich stehen bleiben wird. Was die auswärtige Potitik betrifft, so stimmen alle darin überein, daß der Friede vorderhand gesichert sei. Der Kaiser von Rußland hat beim St. Georgenfest dem deutschen Kaiser ein in den herzuchsten Ausdrücken abgefaßtes Telegramm übersandt und an dem guten persönlichen Einvernehmen beider Herrscher ist nicht zu zweifeln. Indessen können wir uns einer entente cordiale mit Rußland nicht rühmen, schon aus dem Grunde, weil die russische Regierung kein festes Programm hat, Lenselden befindet sich die Funktionszulage von 200 4 für sondern lieber eine Reige von Geschweiven zur Eptacht 546 Vorsteher vor Postkotein zweiter Klass; dieselbe Er, bringen, weilche einer höchst merkoärdigen, Auslegung des sondern unsicher bin und her zu schwanken scheint. hat.“ Diesen Brief Selbst die Hauptfrage, wird Graf Ignatiew gehen außerordentlich übel oder bleiben, oder wohl gar zum Minister des Aus„Temps“,„welche sich gehen würde, und daß Herr v. Levetzow, wie die beiden Vizepräsidenten, diese Wiederwahl annehmen würden. Wir möchten uns dieser letzteren Annahme anschließen, möchten aber bestreiten, daß an all den in den letzten acht Tagen verbreiteten und hier mehrfach erwähnten Gerüchten, betreffend die Wiederwahl des Herrn v. Levetzow, gar nichts gewesen sei. Das parlamentarische Mahl, welches der Präsident gestern gegeben hat, war entweder ein Abschiedsmahl oder eine Art Inauguration der neuen Präsidentschaftsperiode dieses Herrn, wenn auch die Toaste auf demselben keinen bestimmten Aufschluß über eine von beiden Eventualitäten gegeben haben. [St. Ballier.] An den französischen Botschafter St. Vallier hatte der Herausgeber der„Deutschen Revue“ ein Schreiben gerichtet, in welchem er sein Bedauern über den Rücktritt und den Abschluß der Mission desselben in Berlin aussprach. Graf St. Ballier hat diese Aufmerksamkeit mit einem vom 5. d. M. datitten Briefe beant vortet, worin derselbe die Hoffnung ausdrückt, daß ihn vielleicht die Umstände eines Tages erlauben würden, nach Berlin zurückzukehren. Der Brief schließt mit den Worten:„Die Mission, die ich hier seit vier Jahren erfüllt habe, war die Fortsetzung derjenigen, mit welcher mich der berühmte Tyiers 1871 betraute, und mein lebhaftester Wunsch besteht darin, mich in der Zukunft aufs neue dem Werke eines guten Einvernehmens und der Annäherung zwischen Frankreich und Deutschland widmen zu können, das steis den Gegenstand meiner Bestrebungen gebildet Diesen Brief nehmen einzelne französische Blätter Die Sympathien“, schreibt de Deutsch lan Graf St. Ballier in #, daß man in über seine Haltung erstaunt ist; wenn man kört, wird man sagen, daß es nur von ihm ab. hänge, die Stürme zwischen den beiden Ländern zu entfesseln und zu beruhigen.“„Temps“ sowohl wie „XIX. Siécle“ meinen, wenn nichts anderes, so würde jener Brief sicher verhindern, daß des Graf je wieder Ar WARAAA SAA wegen Errichtung eines neuen Gebäudes für das Kunstmuseum in Braunschweig, angekündigt als Botschafter nach Berlin zurückkehre. [Appellation gegen Strafkammer=Urteile.] Von berliner Rechtsanwälten wird eine Petition dem Reichstage unterbreitet werden, um die Appellation gegen Urteile der Strafkammern wieder einzuführen. Diese der böchsten Beachtung werte Petition enthält folgende Motivirung:„Das Abschneiden eines jeden Rechtsmittels gegen das erste Urteil unter Ausschluß neuer Thatsachen und neuer Beweise lastet auf dem deutschen Volke wie eine wahre Kalamität. Ist es doch eine völlige Inkonsequenz, daß der Angeklagte in den geringfügigsten Sachen von vielleicht 5 2 Geldstrafe drei Instanzen hat, während die schwersten Verbrechen, denen langjährige Zuchthausstrafen, Verlust der Freiheit und Ehre folgen, in der ersten und einzigen Verhandlung entschieden werden sollen. Wie oft haben wir in der Praxis erfahren, daß unschuldige Angeklagte in der ersten Verhandlung verurteilt sind, ohne darüber klar zu werden, aus welchem Gesichtspunkte die Richter ihre Schuld festgestellt haben. Erst das Urteil mit seinen Gründen bringt dem Angeklagten Klarheit. Nun erst wissen sie, warum sie verurteilt worden, jetzt erst erfahren sie, daß es ihnen ein leichtes gewesen wäre, diese Gründe thatsächlich zu widerlegen, aber zu spät kommt diese Einsicht, weil jede neue Verhandlung ausgeschlossen ist.“— Ferner geht die Petition noch dahin, ein Gesetz zu schaffen, daß Anträge auf Wiederaufnahme eines geschlossenen Verfahrens, sowie die Verhandlung selbst vor ein anderes Richterkollegium gebracht werden sollen, als vor dasjenige, vor welchem die Sache zuerst geschwebt. [Das bairische Ministerium.] Wie der„Augsburger Abend=Ztg.“ berichtet wird, hat Fürst Bismarck dem würtembergischen Minister v. Mittnacht gegenüber den Wunsch geäußert, daß die bairischen Minister aus. harren möchten. Berlin, 16. Dez.[Tagesbericht.] Der„Reichsanzeiger publizirt heute eine Bekanntmachung des Finanz= ministers Bitter über den Zollanschluß der Unterelbe, welcher ein Regulativ, betreffend die zollamtliche Behandlung der Waren=Ein=, Aus= und Durchfuhr auf dem zum deutschen Zollgebiet gehörigen Teil der Unterelbe, beigefügt ist. Die wichtigste Bestimmung desselben lautet: Schiffe, welche über die Zollgrenze bei Cuxhaven aus der See eingehen und auf der Unterelbe direkt nach Hamburg=Altona oder Harburg bestimmt sind, so wie diejenigen Schiffe, welche von einem dieser Hafenorte direkt über die Zollgrenze bei Cuxhaven in See gehen, sind, sofern sie einen Lootsen an Bord haben, beim Transit durch den zum Zollgebiet gehörigen Teil der Unterelbe von jeder zollamtlichen Anmeldung und Abfertigung befreit, wern sie beim Betreten des Zollgebiets und demnächst unausgesetzt während der Fahrt durch dasselbe nachstehende Zeichen führen: a) am Tage, das heißt von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang, am hinteren Maste— und zwar in der Regel an der Gaffel— oder auf dem Flaggenstock am Heck eine Flagge, diagonal in eine schwarze und eine weiße Hälfte so daß die schwarze Hälfte unten und am Stock sich befindet, und d) bei Nacht zwei Laternen, und zwar die obere mit weißem, die untere mit grünem Lichte an der Stelle, wo am Tage die zu a) erwähnte Zollflagge gezeigt wird. Kleinere Schiffe können die Laternen auch zwischen dem binteren Mast und Want führen.— Die erste Strafkammer des Landgerichts verurteilte den früheren Redakteur der„Ostendzeitung", Hemmel, und den Buchdruckereibesitzer Ruppel wegen Beleidigung des Magistrats, der Stadtverordneten und des Stadtsyndikus Eberty, anläßlich der bekannten Dollfusschen Zementaffaire, und zwar: ersteren zu 200, letzteren zu 400 g Geldstrafe, event. entsprechendem Gefängnis.— Der Abg. Windthorst hat soeben, unterstützt von den Mitgliedern des Zentrums, den Polen und Elsässern, folgenden Antrag eingebracht:„Der Reichstag wolle beschließen, dem nachstehenden Gesetzentwurfe die verfassungsmäßige Zustimmung zu erteilen: gierung der tiefsten Teilnahme für die von dem Ring theater Brande in Wien Betroffenen Ausdruck. ). Dezember, [Wahl.] Bei den Kaminer wurden in Karlsruhe, 16 gestrigen Ersatzwahlen zur zweiten Bruchsal der Demokrat Dimer, in Konstanz der Klerikale Edelmann gewählt. Damit haben die vereinigte Opposition und die Regierungspartei eine nahezu gleiche Stimmgahl. Ausland. * Wien, 15. Dez.[Das Herrenhaus] beriet heute den vom Abgeordnetenhause angenommenen Gesetzentwurf betreffend die Abänderung des Volksschulgesetzes in bezug auf die Erleichterung der Schulpflicht. Der Antrag der Majorität der Herrenhauskommission befürwortet, den in dieser Angelegenheit gefaßten Beschluß des Herrenhauses aufrechtzuerhalten, die Minorität beantragt, dem Beschlusse des Abgeordnetenhauses beizutreten. Nach längerer Debatte wurde der Majoritätsantrag mit 72 gegen 62 Stimmen angenommen. * Wien, 15. Dez.[Die rumänische Frage.] Das„Fremdenblatt" schreibt in seinem Leitartikel: Wenn die rumänische und die rumänenfreundliche Presse meint, Oesterreich werde jetzt mit Reklamationen event. mit Repressalien kommen, dürfte dieselbe freilich ruhig und lange warten. Nicht unsere Regierung, sondern die bukarester Regierung hat jetzt zu handeln. Oesterreich= Ungarn hat eine beleidigende Taktlosigkeit mit einem seiner Großmachtstellung entsprechenden Schritte beantwortet und es ist die Sache Rumäniens, als des Beleidigers, sich zu entscheiden, ob es die mit Recht verlangte Genugthuung geben will. Weigert man sich, so wird die österreichische Regierung wissen, was sie zu thun hat, die Richtung ihres Handels ist ihr durch die an den Gesandten Graf Hoyos ergangene Weisung klar vorgezeichnet, aus welcher sie einfach die weiteren Kon sequenzen zu ziehen hat. Wir dürfen annehmen, Papiers, der Maschine und anderer Untenstlien. Bureau des Journals sollte daß die leitenden rumänischen Kreise noch rechtzeitig ein, orrunzng,„ auer Gen 9.tlun sehen werden, was es für Rumänien bedeuten würde, Nach seiner Ansicht sei die Donaufrage eine sekundäre aller freundschaftlichen Beziehungen zu einem Staate#rage, da sie noch keine definitive Lösung erhalten Das uie gerade von Dublin nach England verlegt werden. * R o m, 1 5. D e z e m b e r. s d e L a u n a y.— U r t e i l Gesetz.] Der Graf de Launah, Botschafter in Berlin, ist abgereist, um auf seinen Posten zurückzukehren — Der Appelhof in Ankona hat dem Urteile des hiesigen Appelhofes entsprechend entschieden, daß die unbeweglichen Güter der Propaganda dem Gesetze vom 19. Jumi 1873 gemäß der Konventirung in Rente unter. liegen.— Der Minister des Aeußern Mancini legte der Kammer der Deputirten einen Gesetzentwurf betreffend die Verlängerung der Frist für die Justitzreform in Egypten vor. Die Kammer votirte die Dr.nglichkeit der Vorlage. * R o m, 1 6. D e z.[ I m S e n a t e w u r d e d i e B e ratung des Gesetzentwurfs über die Wahlreform fortgesetzt. Im Laufe der Debatte erkärte der Ministerpräsident Depretis, man habe gefragt, ob die Minister nach Wien gegangen seien oder ob sie dahin geführt worden seien; darauf müsse er erwidern, daß die Minister nach Wien gegangen seien im Interesse des europäischen Friedens und eines sicheren und würdigen Friedens für Italien; sie seien dorthin gegangen mit dem Bewußtsein der Pflicht und Liebe für das Vaterland.(Zustimmung.) Depretis sprach schließlich sein Bedauern aus über diejenigen, welche gegen die Regierung eifern und Nachteile aussprächen, welche sodann im Auslande ein Echo fänden.(Beifall.) * Petersburg, 15. Dezember.[Attentat.] Da sich herausgestellt hat, daß das Attentat auf den General Tscherewin aus politischen Gründen erfolgte, so ist die Untersuchung in dieser Angelegenheit beschleunigt und der Verbrecher Nikolai Martinow wie der„Regierungsbote meldet, nach beendeter Untersuchung dem Kriegsgericht übergeben worden, * B u k a r e s t, 1 5. D e z e m b e r.[ D i e D e p u t i r t e n kammer] begann heute die Beratung des Adreßentwurfs. Der oppositionelle Deputirte Carp verlas einen Gegenadreßentwurf, welcher zwar das ganze Programm umfaßt, aber nur die inneren Fragen bespricht. Im Anschluß hieran erklärte Carp, die Donaufrage sei unglücklicherweise von anfang an schlecht verstanden worden. Diese Frage habe eine Erregung des Volkes veranlaßt, welche sich aller Gemüter bemächtigt habe ist.— Am nächsten Donnerstag will, wie wir hören. Herr Direktor Pollack die erste Aufführung des berühmten Sardonschen Bustspieles„Cyprienne“ oder„Divergons“ zu — zu verlustig zu gehen, auf dessen Unterstützung es beim Auftauchen europäischer Fragen in erster Linie angewiesen ist. Der Wahn, Rumänien könne aus dieser Sackgasse leicht durch die Vermittelung einer anderen Macht herausgelangen, scheint uns auf einem großen Irrtum zu beruhen. Oesterreich=Ungarn hat in dieser Ehrensache allein mit Rumänien zu thun und kann keinerlei Mediation eines Dritten annehmen. Die Provokation, von Rumänien ausgegangen, kann nur direkt und allein von Rumänien gutgemacht werden. Je schneller man dies in Bukarest erkennt und entsprechend handelt, desto besser für Rumänien. * Paris, 15. Dezbr.(Kleine Mitteilungen.] Der Senat genehmigte heute die für die Errichtung von zwei neuen Ministerien geforderten Kredite. Im Verlauf der Sitzung erklärte der Minister Rouvier auf eine von Lareinty wegen der jüngsten Unruhen in Martinique an ihn gerichtete Anfrage, der Vorgang sei ohne jede größere Bedeutung, die Schuldigen seien verhaftet, die Ruhe sei vollständig wiederhergestellt.— In der deutschen Botschaft fand heute abend zu Ehren Gambettas ein großes Diner statt, an welches sich eine Soiree anschließen wird.— Der Polizeipräfekt hat an die hiesigen Theater=Direktoren Instruktionen erlassen, worin Maßregeln angeordnet werden, die geeignet sind, ähnlichen Unglücksfällen wie in Wien vorzubeugen.— In dem Prozesse Roustan=Rochefort wurden heute die Plaidoyers fortgesetzt. Der General=Prokurator beantragte die Verurteilung Rocheforts, damit die Ehre der Beamten und die Ehre des Landes geschützt werde.— In Grandcombe(Departement Gard) ist es anläßlich eines Strikes der Kohlengruben= Arbeiter zu Ruhestörungen gekommen; die Truppen sind konsignirt worden. * Paris, 16. Dez.[Kleine Mitteilungen.] Die Session des Senats und der Deputirtenkammer ist heute ohne bemerkenswerten Zwischenfall geschlossen „Gesetz betreffend die Aufhebung des Gesetzes über die worden.— Der Polizeipräsekt hat bis zur Ausführung direkt in das Freie führen, angebracht werden mußten. Di Verhinderung der unbefugten Ausübung von Kirchen= der im Interesse der öffentlichen Sicherheit für not Notausgänge sind mir großer und deu licher Schrift, am: von Mir Wilbeln= von Gottes wendig erachteten Aenderungen dem Publikum den Ein= Luschauerraume öberall in soban ic=“au—e tritt in das Theater Dejazet untersagt; wie verlautet, ei stehen die nämlichen Maßregeln inbezug auf die Theater, ämtern vom 4. Mai 1874. Wir Wilheln= von Gottes Gnaden Deutscher Kaiser, Könia von Preußen 2c. ver ordnen im Namen des Reiches nach erfolgter Zustim= stehen die nämlichen Maßri mung des Bundesräts und Reichstags wie folgt:§ 1. Palais=Royal, Gymnase, Athenee und Folies drama Das Gesetz betreffend die Verhinderung der unbefugten tiques bevor. Für die beim Theaterbrand in Wien Ausübung von Kirchenämtern vom 4. Mai 1874 wird Verunglückten und deren Hinterbliebenen hat der Muaufgehoben. S 2. Die auf grund dieses Gesetzes er= nizipalrat 5000 Frks. votirt.— Es bestätigt sich, daß gangenen Verfügungen von Landespolizeibehörden ver= der neue Kriegsminister Campenon die Militärdienstzeit lieren ihre Gültigkeit.§ 3. Das gegenwärtige Gesetz von 40 Monaten, welche der Kriegsminister Farre an tritt mit dem Tage seiner Verkündigung in Kraft.“— Stelle des 5jährigen Militärdienstes eingeführt hatte, Die„Post“ bespricht in ihrem Leitartikel die Vorgänge wieder beseitigt.— Wie die hiesigen Journale wissen der gestrigen Abendsitzung und schreibt zum Schluß: wollen, würde der Ministerresident Roustan nicht nach Wir wünschen, daß jede amtliche Beeinflussung, jedes Tunis zurückkehren, sondern für einen anderen wichEinsetzen der amtlichen Autorität bei Wahlen streng tigen Posten ernannt werden; es sind demselben zahlvermieden wird. Das schädigt das Ansehen des Beamten reiche Telegcamme und Zuschriften zugegangen, in denen und daher mittelbar der Regierung, und nützt für die ihm die Sympathie der Absender ausgedrückt wird. Wahlen nicht nur nichts, sondern schadet geradezu. Jene Der„Temps“ sagt, die öffentliche Meinung werde das zahlreichen Männer, deren Unabhängigkeitsgefühl rege, Verdikt der Freisprechung Rocheforts nicht ratifiziren aber nicht mit völliger Klarheit des Denkens gepaart und weist im übrigen auf die eigenen Erklärungen von ist, werden durch Versuche amtlicher Einwirkung ent= Rocheforts Anwalt darauf hin, daß das Verdikt nicht weder von der Teilnahme an der Wahl zurückgehalten eine Verurteilung der Expedition nach Tunis oder einen oder direkt in das gegnerische Lager getrieben. In Tadel der Regierung bedeute, sondern einfach ausspreche, Summa sind wir der Meinung, je höher die Regierung daß Rochefort bei seinen Angriffen gegen Roustan im in ihren amtlichen und halbamtlichen Aeußerungen und guten Glauben gehandelt habe.— Nach einer dem in bezug auf die amtliche Einwirkung ihrer Organe hiesigen peru#nischen Gesandten Rosao, aus Lima ihre Stellung über den Parteien im Wahlkampfe nimmt, gegangenen Depesche desto besser dient sie nicht nur den dauernden Interessen geschifft.— Aus Tunis wird von einem heftigen Sturme des Staates, sondern auch den augenblicklichen Wahl= gemeldet, der die Telegraphen zerstörte und die Zelte Wir haben daher Gelegenheit genommen, uns von den Lösch einrichtungen, wie sie bei uns bestehen, eingehend zu unterrichten, um allzu großer Beunruhigung entgegentreten zu können. Vor Beginn der Saison hat bekanntlich eine Kommission, zu welcher u. a. der Herr Oberbürgermeister gehörte, den Zirkus genau untersucht und verschiedene, zum Stutze des Publikums nötige Anordnungen getroffen, von denen die wichtigsten wohl die waren, daß der Hauptausgang verbreitert und an jeder Seite zwei breite Ausgänge, welche ßten. Diese und deu licher Schrift, vom Zuschauerraume überall zu sehen ist, gekennzeichner. Bei ihnen brennen Petroleum=Lampen, so daß sie also auch bei einem Erlöschen des Gases zu finden sind. Die vorn im Theater Sitzenden können eicht durch die Thür der Proszeniumsloge oder durch Ueberspringen der Logenbrüstungen diese Seitenthüren erreichen. Das Gas aber, welches außerhalb des eigentlichen Theaterraumes brennt, steht nicht mit der Bühne in Verbindung, sondern wird von der Restauration aus regulirt. Hinter der Bühne befindet sich zunächst ein, wie es scheint zweizölliger, Hydrant mit den nötigen Schläuchen und dem Flankir=Rohr, daneben steht ein mächtiges Faß voll Wasser und mit nassen Lappen, um etwa feuerfangende Gegenstände sogleich überdecken zu können. In der Hinterwand des Theaters ist ein großes Fenster, zu welchem von beiden Seiten Treppen führen, damit sich her etwa in Not geratende Bühnen Mitglieder retten können. Hinter dem Theater befindet sich ebenfalls ein großer Hydrant und ein dritter unter der Bühne, wo auch das Balkenwerk, welches die Bühne trägt, und zwischen dem die Versenkungsmaschinerien sich befinden, am Fuße von Grundwasser umgeben ist, was zwar für die möglichst lange Erhaltung des Holzes nicht gut sein mag, jedenfalls es aber auch nur schwerer Feuer fangen läßt. Bedenkt man nun ferner, daß auf der Bühne während der Vorstellungen stets mehrere geübte und erfahrene Feuerwehrlente sind, sowie daß diejeni sen, die durch einen eventuellen Brand den größten Schaden erleiden würden, der Direktion nämlich und die Gesanoren Frojao, aus Vima zu= Ig#u# ugn#ußig du meiste Interesse zur Vorsicht haben, so hat sich Pierolg nach Euraus— kann man ruhig sagen, daß nach menschlichem Ermessen der vorgebeugt ist, als das überhaupt möglich „—„„„„ zum Besten der durch den wiener Brand Geschädigten geben. §[Verein„Brieftaube.“] Die außerordentliche General=Versammlung des Vereins„Brieftaube“ am Freitag wer trotz der Wichtigkeit der Tagesordnung nur leidlich besucht. Der erste Punkt der Tagesordnung wurde durch die Aufnahme neuer Mitglieder erledigt. Der 2. Punkt: Rechnungsablage und Wahl der Rechnungsrevisoren konnte wegen Krankheit des Herrn Kassirers nur teilweise zur Erledigung gelangen, indem die Herren General=Agent Siebert und Möbelfabrikant Philipp zu Rechnungsrevisoren ernannt wurden. Vorläufig konnte ein Kassenbestand von 80 konstatirt werden. Zu dem 3. Punkte: Abänderung der Statuten wurde der Beschluß einer früheren General=Versammlung, nach welchem der Vorstand aus 7 Mitgliedern bestehen soll, dahin präzifirt, daß der Vorstand aus den beiden Präsidenten, den beiden Schriftführern, zwei Kassirern und einem Inventarien=Verwalter gebildet wird. Hierauf wurde zur Wahl des Vorstandes geschritten. Der bisherige Vorstand erklärt, eine ev. Wiederwahl nicht annehmen zu können. Zum 1. Präsidenten wurde Herr Kaufmann Fr. W. Vertrams, zu weiteren Vorstandsmitgliedern die Herren General=Agent Siebert, Möbelfabrikant Philipp, Bäckermeister Schlüter, Brauereibesitzer F. Wencker, Polizeisekretär Junkermann und Kaufmann Hunger gewählt. Von der Feier eines Vereinsfestes wurde für dieses Jahr Abstand genommen, dem Vorstande jedoch aufgegeben, in einer der nächsten General=Versammlungen Vorschläge über die Art und Weise der Feier zu machen. Nachdem die Auszahlung der Preisgelder stattgefunden hatte, wurde zum letzten Punkte der Tagesordnung: Vereinsangelegenheiten geschritten. Herr Philipp übergab dem Vorstande ein Sparkassenbuch über 100 M 50 4, welche au; Anregung durch Herrn Philipp zur Bildung eines Reserve-Fonds unter Mitgli=dern gesammelt waren. Herrn Philipp wurde für sein Verdienst um den Verein der Dank der Bersammlung durch Erheben von den Sitzen ausgedrückt. Dieselbe Ehre wurde dem bis herigen 1. Schriftführer, Herrn Malz, für seine Bestrebungen für die Hebung und Förderung des Vereins zu teil. n[Verein„Kauaria“.] Dieser Tage hielt der Verein „Kanaria“ eine sehr zahlreich besuchte General=Versamm: lung ab. Nachdem der erste Gegenstand der Tagesordnung durch Aufnahme mehrerer neuer Mitglieder erlediet, wurde über die bevorstehende Ausstellung verhandelt. Die interessanten Debatten sowohl als auch die einmütig gefaßten Beschlüsse zeugten von dem Bestreben, durch die Ausstellung dem Publikum die vorzüglichen Leistungen auf dem Gebiete der Kanarienvögel=Zucht zu veranschaulichen. [Fräulein Natalie Köhler] hatte am FreitagAbend im Saale des„Kölnischen Hofes“ eine Vorlesung veranstaltet, zu welcher sie die Sophokleische Tragödie: „Oedipus auf Kolonos" gewählt. Es hatten sich zahlreich Zuhörer, worun'er auch viele Schüler der höheren bis zu den Donaumun Lehranstalten, eingefunden. Fräulein Köhler besitzt eine angenehme, modulationsfähige Stimme, deren Wirkung leider ein wenig durch zu starkes Aussprechen der„Zischlaute" beeinträchtigt wird. Mit großer Virtuosität führte Frl. Kohler die Perjonen der großen Traabdie vor und zwar eine jede in einer besonderen Tonlage. Wer die Vorlesung hörte, ohne nach der Bühne zu sehen, konnte leicht in den Glauben versetzt werden, es seien mehrere Personen, die da sprächen.— Dem Vernehmen nach beabsichtigt Frl. Köhler in der Gewerbeschule den„Fechter von Ravenna" zu lesen; wir sind überzeugt, daß die Aula genannter Schule an Vortrags=Abende sich bis zum letzten Platze füllen wird. § IVerjährung.] Bekanntlich wird die Verjährung nach dem jetzigen Gerichtsverfahren nicht durch Einreichung der Klage unterbrochen, sondern erst durch Zustellung derselben oder eines Zahlungsbefehls an den Schuldner. Wer daher noch am 31. Dezember d. J. verjährende Forderungen retten will, der möge sich beeilen Klage einzureichen. verjähren aber bis dahin folgende Forderungen aus dem ####:„I. der Fabrikunternehmer, Kaufleute, Krämer, Künstler und Handwerker für Waren und Arbeiten, sowie der Apotheker für Arzneimittel, mit Ausnahme solcher Forderungen, welche in bezug auf den Gewerbebetrieb des Empfängers der Ware oder Arbeit entstanden sind; 2. der Fabrikunternehmer, Kaufleute, Krämer, Künstler und Handwerker wegen der an ihre Arbeiter gegebenen Vorschüsse; 3. der Schul= und Erziehungskosten aller Art für Unter4. der Lehrer für Honorare welche bei den öffentlichen Anstalten 5. der Fabrikarbeiter, da sie noch keine##.—. könne, weil die Vollmachten der Donaukommission erst im Jahre 1883 erlöschen und sodann Europa berufen sei, die Schiffahrt von Galatz dungen zu regeln. Dir Fortsetzung der Debatte wurde auf morgen vertagt. * Washington, 15. Dez.[Bancroft=Davis] ist zum Unterstaatssekretär ernannt worden. Die FinanzKommission des Senats hat sich für den von dem früheren Schatzsekretär Sherman vorgelegten GesetzEntwurf, betreffend die Emission von 3prozentigen Obligationen bis zum Betrage von 300 Mill. Dollars zur Amortisirung der 3½ prozent. Obligationen ausgesprochen, doch empfiehlt die Kommission den Betrag der zu emittirenden Obligationen auf 200 Mill. Dollars zu beschränken. Schatzsekretär Folger hatte gegen den Gesetz=Entwurf gesprochen. * Dortmund, 17. Dez.[Stadttheater.] FreitagAbend hörten wir im Theater Flottwells melodienreiche Oper „Martha“, die ihren Reiz trotz der häufigen Aufführungen nicht verliert, sondern ihn immer und immer wieder geltend macht. Die Lady sang Fräulein Mehlig in sehr braver Weise, während Fräulein Iwanowna die neckische Nancy mit vieler Drölerie gab. Ebenso brav waren Lyonel und Plumkeit(Herr Lange und Gillmeister) und Mickleford(Herr 5.— Ernst). Die Aufführung war im allgemeinen sehr gut und richt, Erziebung und Unterhalt fand auch den verdienten Beifall, doch scheint der Besuch mit Ausnahme derer, welche bei u noch unter dem Eindrucke des Ringtheater=Brandes zu leiden. reglementsmäßig gestundet werden: Wir haben daher Gelegenheit genommen, uns von den Läsch=#nmm, bes vestünee Gesellen und gemeinen Handarbeiter wegen rückständigen Lohnes; 6. der Fuhrleute und Schiffer wegen Auslagen; 7. der Gastwirte und Speisewirte für Wohnung und Beköstigung, und endlich 8. alle Ansprüche auf Schadenersatz, insbesondere auch die Ansprüche, welche ein in seinem rufe verunglückter Arbeiter gegen den Arbeitsgeber zu erheben hat. Die frühere Klage=Anmeldung beim Gericht genügt nicht mehr“. t[Maikäfer.] Zu was für Extravaganzen ein naseweises Maikäserweibchen fähig ist, das zeigt sich daraus, daß jetzt ein solches trotz des kalten Wetters auf einer Hecke gefangen ist. Der Käfer ist übrigens bedeutend kleiner, als die normalen, die zur rechten Zeit erscheinen,„wenns Mailüfterl weht“. Standesamt Aumeldungen vom 16. Dezember 1881. Ebeschließungen. Steiger Wilhelm Lange, Altendorf, mit Emma Stoltefuß, Josefsstraße 5. Geburten. 1 Sohn: Kaufmann Max Maisel, Schwanenwall 51. Weichensteller August Walpurgis, Oestermärschstraße 6.— 1 Tochter: Schlosser Otto Steffen, Brüsselerstr. 9. Bäcker Friedrich Glauner, Papengarten 26. Fabrikarbeiter Johann Unger, Langestraße 5. EisenbahnBetriebs=Sekretär Anton Balke, Vaerstgasse 3. Kaufmann Karl Jäger, Königshof 33. Todesfälle. Maria, T. des Fabrikarbeiters Franz Pferdekemper gen. Pagenkemper, Adl.rstr. 40, 3 M. Landgerichts=Sekretär Wilhelm Poth, Kaiserstraße 19, 35 J. 9 M. 22 T. Karl, S des Schreiners Karl Klinker, Krautstraße 11, 3 J. 2 M. 15 T. Maschinenpuger Franz Friedrici, Augustastraße 10, 47 J. 5 M. 7 T. Witwe des Bergarbeiters Hermann Wind, Maria geb. Lauf, Grünestraße 18, 69 J. 8 M. 26 T. Wilhelm, S. des Kauf manns Wilhelm Sutor, Weiherstraße 30, 4 M. 6 T. Sofie, T. des Fabrikarbeiters Karl Middel, Westwall 3, 2 J. 6 M. 25 T. Verantwortlicher Redakteur: Rudolf Versen in Dortmund 1 zwecken. Auch nach der letzteren Richtung sprechen die Erfahrungen der letzten Wahl mit nicht verkennbarer Deutlichkeit. Gerade den Parteien, welche die Ziele des leitenden Staatsmannes teilen und zu fördern bereit sind, muß daran liegen, daß ihre Lehren nicht unbeachtet bleiben.— Die„Kreuzzeitung" schreibt: All die Tagesneuigkeiten über die Stellung der Regierung oder des Fürsten Bismarck zu den Parteien, wie sie in schnell selnder Gestalt auftauchen und wieder vergehen, en wir lediglich für ein Vorspiel der eigentlichen scheidungen, welche erst im Laufe der Zeit reif werden. Wir legen besonders offiziösen oder für offiziös ansgegebenen Stimmen in der hiesigen und auswärtigen Presse in dieser Beziehung nur wenig Bedeutung bei, nd halten es für allein wichtig, daß die Regierung an wirklich autoritativer Stelle zumal auch im Reichstage, vorläufig von nichts anderem gesprochen hat, als von der Möglichkeit einer konservativ=katholischen Majorität. * Großalmerode, 15. Dez.[Wahl.] Bei der nderweiten Wahl eines Landtags=Abgeordneten für den vierten kasseler Wahlkreis erhielt von 215 abgegebenen Stimmen der Konsistorial=Präsident Weyrauch zu Kassel(kons.) 142, Staatsanwalt Viktor Baumgard zu Cleve(natlib.) 73 Stimmen. Ersterer ist sonach viedergewählt. * B r a u n s c h w e i g, 1 6. D e z b r.[ D e r L a n d t a g kerte vom Staatsminister Schulz im Namen des is mu einer Rete eröffnet worden, welche die orzloge dis Londes als befriedigend bezeichnet und chte### Vrl#3 datunter emn wegen des Niue Telegraphen zer umwarf. In Medjez el Bab wurden durch den Umsturz einer Mauer 5 Soldaten getötet und 7 verwundet. — Von spanischen Journalen wird behauptet, daß 45 000 arabische Familien aus Algier nach Marokko ausgewandert seien. * Paris, 15. Dezember.[In dem Prozesse Roustan=Rochefort] hat die Jury über die Schuld Rocheforts und Delpierres, des Gerant des„Intransigeant“ betreffs der von denselben gegen Roustan gerichteten Angriffe ein verneinendes Verdikt abgegeben, infolge dessen sind Rochefort und Delpierre freige.=#. 14 sprochen und Roustan ist als Zivilpartei in die Kosten Heinrichsschen verurteilt worden. Das Verdikt der Jury erregt gebören.. großes Aufsehen und wird sehr lebhaft kommentirt. * M a d r i d, 1 5. D e z b r.[ K u l t u s b u d g e t.] B e i der Beratung des Kultusbudgets durch den Senat beantragte ein Senats=Mitglied die Herabsetzung des Gehalts der Bischöfe; der Minister erklärte jedoch, daß er ohne eine Konvention mit dem Vatikan keinerlei Abstriche beim Budget vornehmen werde, das Budget wurde hierauf genehmigt. * L o n d o n, 1 4. D e z.[ H e l g o l a n d.] D i e G e rüchte von Unterhandlungen über die Abtretung Helgolands werden von den hiesigen Journalen als unbegründet bezeichnet. * Dublin, 15. Dezember.[Die Landliga.] Das Bureau des Journols„United Ireland“, des Organes der Landliga, ist heute polizeilich geschlossen worden. Der Redakteur und ein Kommis wurden verhaftet. Außerdem bem'chegte sich di Polizei des vorhandenen Josephine Berger, Theodor Schumann, VERLOBTE. Dortmund, den 15. Dez. 1881. Bekanntmachung Am 19. Dezember kurr., morgens 11 Uhr, sollen im hiefigen Amtsgerichtsgebäude, die zur SchulteKonkurs= Masse gehörenden, ausstehenden Fordernngen zum Gesamtbetrage von 3300 M öffentlich meistbietend verkauft werden. Dortmund, 17. Dezember 1881. Lennings, 12 266i Gerichts=Vollzieher. A 4 utur für imburg. Ein thätiger Agent wünscht leistungsfa“ o Häuser der Export=Brauche zu ver eten. Prima Referenzen. Gefl. Offert. u. 1. 6. d. 5750 an Haasenstein 8; V. gler in Hamburg erbeten. 312 171 Restaurations sofort.( K5 sin gesucht auf erberstraße 25. Ein Fes ord. Mädchen I gesutt.) f. Iausarb., zum Seiherstraße 26 Militär=Ersanz= Aushebung pro 1882. Mit Bezugnahme auf die Bestimmungen des§ 23 des ersten Teils des deutschen Wehr=Ordnung vom 28. September 1875 werden alle im Stadtkreife Dortmund sich aufhaltenden Militärpflichtigen des den schen Reicheswelche im Jahre 1862 und früher, namentlich in den Jahren 1861, 1860. 1359 und 1853 2c. geboren sind und ihrer Militärpflicht noch nicht genügt haben, davon auch noch nicht gänzlich befreit worden sind, hierdurch aufgesordert, sich in der Zeit vom 15. Jan. bis 1. Februar 1882 an den Wochentagen während der Stunden von 8 bis 12 Uhr vorund 3 bis 5 Uhr nachmittags im hiefigen Stadthause— Zimmer Nr. 10— behufs Aufnahme in di. Rekrutirungs=Stammrolle persönlich oder bei attestirter Krankheit 2c. durch ihre Eltern Vormünder. Verwandten, Dienstherrschaften# unter Vorlegung ihres Geburtsscheins, beziehungsweise des früher erhaltenenen Loosungsund Bestellunge=Scheins anzumelden. Bei den in Dortmund geborenen ärpflichtigen ist die Vorlage eines Geburts=Scheins nicht erforderlich. Gleichzeitig machen wir darauf aufmerksam, daß auch die im Besitz des Berechtigungs=Scheins für den einjährigfreiwilligen Dienst befindlichen Militärpflichtigen des Geburtsjahres 1862 sich unter Vorzeigung des Berechtigungsscheines in der oben erwähnten Zeit bei uns anzumelden und event. um Ausstand zum Dienstantritt nachzusuchen haben. —. Etwaige Reklamationen um Zurückstellung oder gänzliche Befreiung vom Militärdienst sind edenfalls an obiger Dienststelle anzubringen. en, welche die rechtzeitige Meldung unterlassen, „ vi zu 30 4 oder Haft bis zu 3 Tagen bestraft, verlieren außerdem die Vorteile der Losung, sowie die aus etwaigen Reklamationsgründen erwachsenden Vergünstigungen und können vorzugsweise zum Militärdienst herangezogen werden. Dortmund, den 13. Dezember 1881. Königliches Landrats=Amt des Stadtkreises: Lindemann. 4—. In der W. 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Die Nähmaschinen wurden in Amerilg ersunden; sie kamen vor zieke 40 Jahren nach den. nachdem man ern den außerordentlichen Nutzen dieses trefflichen Hülfswerkzeugs erkannt hatte, bald da Slälsen We en=heuschn Feretonte Gr. 4 äige Bacd Reche e thaten die deutschen Fabrikanten? Sie bezeichneten ihre nachgemachten Maschinen ebensalls mit amerikanischen Ranen und einzlus gugenie, wet, 1dr: Leemgtgen gar mit nachgemachter amerikanischen Haubelsmarken Iu dr aeaiden Sppiehzlangen vor Rehraltztüagz er: eir un dal Poslichn-4 ucht ve, Sawinen,„Peusch. Original=Singer" und„Original Stehl Singer Maschnen“ 2c. genann, der Name des wirklichen Fabrikanten aber nur selten dabei gesetzt, und weiß also gar nicht, welches Fabrikat es für sein Gld erhält Ferner grschetiat Leine Annoue, Lein P ospik uns teinDrucksache von den Mitgliedern der„Konkordia“, in wel den nicht die ammikagischen Maschinen in der geparhohe; Weise angegriffen werden. Int das Kommen wir un zu dem„oder—!“ in der Titelfrade, das in der Konlordia Annonce durch das Wort umena Da fast Mmtliche deutschen Näbmasctinean mit den Namen awerikanisdher Fabrikanten bezeichnet werden, in gewitz nichts gerechtfertigter, als daß nisse echt oder original nennen, da das Publikum sie ja sonst nicht von den anderen unt erscheiven kann. Ist Frnez ist wesl jeder Kaufnautg odr Fobrikaut ber rechtigt, seine Ware zu empfehlen und hierzu wahrheitsgetrem Verkaufeziffern zu benutzen, dee schrießlich am besten für die Süte und Beli.dtheit eines Fabrikats sprechen Dies mag besor ders bei der Singer Co, die allein in einem Jahre über eine halbe Million Verkäufe aufzu weisen dat, der„Konkordia“ unangehm sein, aber ist das Dumbug? And wie würden denn die von der Konkordia“ augeführten Beskaufszistern zu bezeichnen sein, oder sollten diese mehr Vertrauend ver dienen, Eis die Nur do vorzägliche Vekeiete and Arbeit haben die Amerikaner sich ihr Renomee verschafft sowie durch ihre hervorragenden Bestredungen auf dem =diete der Nähmaschinen Industrie, wovon die neue Ringschiffchen=Maschine der Singer Co. wiederum einen Geweis gedt. Dabei hat es nichts überraschendes, daß auch diese Muschine weder von der„Konkordia verunglimest wird— sie wird dadurch nicht im min desten in ihrer Güte beeinträchtigt— aber verwahren muß ich mich gegen die mir gleichzeitig instnuirte Grhauptung, die Deutschen hätten ule ein eigenes Rühmaschinensystem ersunden. Diese Behauptung galt nur den Mitgliedern der„Konkordia“ und ist von ihnen za auch schweigend anerkannt, dagegen berubt ihre Angabe, die Rugschifschen Nähmischine sei die E findung einer deutschen Firme, einfach auf Anwahrheit, denn die Herren Miller und Diehl, denen diese Maschine patentirt wurde, und von welchen leterer ein Deutscher ist, sind kangjährige Mitardeiter der Stuger Co., Newyork. Auf den weiteren Inhalt der Konkordia= Annonce, peziell auf das darin erwähnte Urt“, daß irgend einer überspanntee Phantwie entsprungen zu sein scheint, einzugehen, halte ich für überflüssig, da 3 ju weltbekonnt ist und durch die Benudung der Kamen„Singer“,„Howe 2c. von den Mitgliedeen der„Konkordia“ selds bestätigt wird, daß sie nach amerikauischen Modelben arbeiten.„ P L* Es ist wahrscheinlich, deß noch fernere Annoncen ähnlichen Inhalts von der„Konkordia“ erlassen werden; ach vorstehendem überlaffe ich es getroßt dem Publikum, den Invalt derselben zu beurteilen und zu entscheiden, auf welcher Seite die ehrliche Arbeit: und wo der Humbug zu suchen ist 12 240 muß ich mich gegen oir mit bersang ven snantuer—..„„„„ General-Acent der Hinger Manusakturing Wenkers Konzert=Saal 16. Münsterstraße 16. Haupteingang Steinsplatz. Sonntag, den 13. Dez. rr., Zwei große Fala-Forstellungen Auftreten der neu engagirten Konzert=Sängerin Fl. Klars Verina. 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Dez.[Die Freisprechung Rocheforts] und die Verurteilung Roustans zu den Kosten erregt ungeheures Aufsehen. Roustans Freunde sind geradezu erstarrt und erklären, den Spruch der Geschworenen nicht fassen zu können. Man hatte ziemlich allgemein an die Verurteilung Rocheforts geglaubt und der Staatsanwalt beging die Unklugheit, seine Rede mit den Worten zu schließen:„Wenn Sie Rochefort freisprechen, werde ich meine Pflicht tyun und Roustan wird morgen auf der Bank der Angeklagten sitzen.“ Roustans Verteidiger hatte gesagt, daß, wenn die Geschworenen Rochefort freisprächen, Roustan an die Wand gestellt und wie ein Bandit oder ein Hund erschossen werden müsse. Nächst der vorzüglichen Verteidigung Gatineaus verdankt Rochefort seine Freisprechung dem Ekel, welchen Roustans intime Beziehungen zu der Familie Elias hervorriefen. Noch im letzten Augenblick verlas Rochefort einen Brief des tunesischen Advokaten Pelletier, worin angegeben war, für welche Summen durch Frau Elias, Roustans Freundin, Aemter verkauft worden sind. Dieser Brief hatte großen Einfluß. Allgemein wird zugegeben, daß Roustan, auch wenn er nicht Geld empfangen, sich doch durch seine Freundschaften in eine Lage versetzt hat, welche jenes nicht unmöglich erscheinen ließ und welche der Stellung eines französischen Residenten nicht würdig war. Triumphirend Sinzi#s mi#.##n schreibt Rochefort:„Die Geschworenen haben die MänReichspartei absieht, sich in eindringlicher, Neo; Arer ner, welche Franzosenblut für Geld fließen machten und das ganze von der gegenwärtigen„Ereichfreziegung auf Leichen Millionen stahlen, gebrandmarkt wie sie gedurchgeführte System d aupern, ex seidenschafta, brandmarkt werden mußten. Ihr Spruch sagt, daß die der ihm eigenen knappen, mustergültigen, leidenschafts= Regierung ihre Schuldigkeit nicht gethan, daß ich sie losen, aber nicht des Temperamentes entbehrenden Weise, aber gethan. Ich werde darin fortfahren.“ Eine schärfere Verurteilung der von der Reichsregierung Petergburg, 12. Dez.[Russische Zustände. ralen Paxteien ist im Reichstage noc niemals von einen, gekommene Brochüre erregt hier großes Aufsehen. Der so maßvollen, Rtedner, gehört worden.„Hher z, Tetegalen Verfasser ist ein baltischer Baron Namens Nolde, dem erörterte in dem einen Teis, seiner Rede die Stellung, a nur mit großer Mühe gelang, die Veröffentlichung welche die der Regierung nahestehende Presse den Libe= seiner Brochüre bei der Zensur durchzusetzen. Dieselbe ralen gegenüber eingenommen, die sich nicht gescheut znthält eine Kritik der Branntweinsteuer und weist einer—.„„—„„ Berlin, 16. Dez.[Bennigsen. war in der gestrigen Abendsitzung des Reichstages die Schärfe, mit welcher Herr v. Bennigsen sich über das System der Regierung äußerte. Wir zitiren hier zwei fortschrittliche Blätter, um den Eindruck zu kennzeichnen, den die Worte machten. Die„Voss. Ztg.“ schreibt: Unter lautem Beifall der linken Seite des Hauses erklärte der nationalliberale Führer, daß gerade die Haltung der gouvernementalen Presse den Gegensatz der Liberalen gegen die Regierung zu einer solchen Schärfe zugespitzt habe. Als den eigentlichen Beweggrund zum Sprechen bezeichnete Redner die letzten Sätze in der Rede des Ministers v. Puttkamer. Er knüpfte an die Bemerkung des Ministers an, daß sich die Beamten durch ihre Wahlbeeinflussungen den Dank der Regierung verdienen und wies dieses Verfahren als französisches System, das dem deutschen Volke fremd sei, zurück. Mit befonderer Entschiedenheit aber rügte es Herr v. Bennigsen, daß es der Minister gewagt habe, die geheiligte Person des Monarchen in den Parteikampf herabzuziehen. Jeder Satz des Redners war von lautem Beifall begleitet; am Schlusse der Ausführungen war sogar Händeklatschen hörbar. Sichtlich überrascht von Bennigsens Vorwürfen ergriff der Minister v. Puttkamer das Wort und führte aus, er könne von seinen Ausführungen kein Jota zurücknehmen.“ Und das„Berliner Tageblatt" bemerkt: Die Abendsitzung, in welcher die abgebrochene Beratung über den Antrag Hänel und Genossen fortgesetzt wurde, gab zunächst Herrn von Bennigsen Veranlassung, wenn man von einem schüchternen Versuche seitens der deutschen absieht, sich in eindringlicher Rede über es seinem Schicksale, Wenn es sich über unsere entschiedene zieht, wie viel die gefangenen und getbteten Mäusen täglich Sprachweise wundert, so mag es sich erinnern, daß aus zur Nahruag benötigt haben würden. einen groben Klotz ein grober Keil gehört, und gewiß sein, d Soeft, 14. Dezbr[Braud.] Trotz aller Branddaß man uns zur Abwehr derartiger pöbelhafter Gemeinhei= schäden scheinen die Bürger unserer Stadt noch immer nicht ten stets in schärfster Weise auf dem Plane finden wird. vorsichtig werden zu wollen. Go entstand heute in der 8[Kirchliche Notizen.] Der atronatischen Beru= Mittagsstunde in der Scheune des Herrn von Köppen fung des bisherigen Hülfspredigers Dr. Karl Friedr. Wilh. Feuer, daß trotz aller Löschversuche nicht zu dämpfen war Lemme in Soest zum Pfarrer an die evangelische Gemeind zu Berchum in der Didzese Iserlohn ist die landesherrliche Zusimmung erteilt worden.— Der Kandidat R. Niemeier aus Eichlinghofen ist definitiv zum Pfarrverweser der evangelischen Gemeinde Fürstenberg Westheim ernannt.— In der Diözese Hattingen ist die Wahl des Pfarrers Fernicke in Hattingen zum Superintendenten und des Pfarrers Nonne daselbst zum Kreis=Synodal Assessor vom königlichen Konfistorium in unerträglich Münster bestätigt worden.— Ferner macht dieselbe kirchliche Feuerwehr Behörde bekannt, daß die Pfarrstelle der deutschen evange Nähe befin und trot aller Bemühungen der Feuerwehr noch mehrere Nebengebäude ergriff. Das Feuer griff mit einer solch rapiden Schnelligkeit um sich, daß nur mit großer Mühe das Vieh noch gerettet werden konnte, und es fand in den großen Mengen von Heu und Stroh, sowie in Vortäten ir die Krautfabrik des Herrn von Köppen so reiche Nahrung, daß die Flamme haushoch emporschlug und die Hitze stere wurde. Die braven Mannschaften unserer vermochten nur mit Lebensgefahr die in der E E###ngee zahe befindlichen Gebäude zu retten. Wie man vernimmt, lischen, der preußischen Landeskirche angeschlossenen Gemeinde, soll das Feuer durch Unvorsichtigkeit entstanden sein; doch nos-Aires(Brasilien) durch Amtsniederlegung ihres läßt sich bis jetzt noch nichts bestimmtes sagen. Uebri zu Buenos=Aires(Bra.# durch Amtoum bisherigen Inhabers erledigt und sofort wieder zu besetzen sei. Die Seelenzahl dieser Gemeinde beträgt 4000; das Pfarreinkommen 7800—8000 A, außer freie: Amtswohnung, wozu noch eine Remuneration von 2000. für den Reliist der.haden für Herrn v. K. nicht so groß, bäude versichert waren. Münster, 13. Dezbr. Heute wurde der 25 westfälist gen? da die GeProvinzial=Landtag.) e Provinziar=Landtag durch gionsunterricht in der Schule trit. Vertrautheit mit der den Landtags=Kommissarius, Oberpräsidenten und wirklichen französischen und englischen Sprache erwünscht. Frankirte geheimen Rat Dr. von Kühlwetter feierlichst geschlossen, Zeugnisse beizufügen Konfistorialrat Nosl, Meldungen, welchen die betreffenden sind, nimmt in höherem Auftrage der Berlin S, entgegen [Bergbaugesellschaft Borussia.] Die Bergbaugesellschaft Borussia beruft zum 5. Januar nach Dertmund eine außerordentliche Generalversammlung mit nachstehender nachdem der Landtag s mtliche Vorlagn erledigt hatte. Münster, 15. Dezember.[Militärisches.] Der „Ess. Zei..“ schreibt man: Die Nachricht des„Westf. Merk.“, wonach angeblich die kleineren Garnisonen in der Provinz ganz aufgehoben, dagegen diejenigen von Minden und Mü ster verstärkt werden sollten, ist in dieser Form total Tagesordnung: Beschlußfassung über Aufaahme einer 5pro= unrichtig. Allerdings ist im allgemeinen das Bestreben vorzentigen Anleihe von 600000 4. unter Gewährung einer handen, die Garnisonen derart zusammenzulegen, daß an onshypothek von 650000 A, behufs Abstoßung der den beir. Orten wenigstens je ein Regiment einer Wasse jetzigen 6prozentigen Anleihe und Ausführung von neuen vereinigt ist, allein bis zur Durchführung dieses Planes „„ wird noch lange Zeit vergehen. An eine Aufhebung der htbare Gruppen und Parteien in Weise anzugreifen, die lieber„verschmäht" werden sollte. habe, ganze ad Anlagen. [Neuer Schwindel.] Augenblicklich blüht in London eine Schwindelei, die möglicherweise auch Deutschland heimsuchen könnte, vor welcher daher bei Zeiten gewarnt sei. Respektable Privatleute erhalten, wie die„Dorf=Zeitung" berichtet, von einer londoner Firma je ein Originallos ohne jede Bemerkung. Nach zirka drei Wochen geht jedem der Auserwählten eine gedruckte Verlosungsliste zu, die ihm anzeigt, daß seine Nummer ein schönes, nach neuestem Geschmack eingerahmtes Oelgemälde(welches einen Wert von 160 bis 200# habe) gewennen habe. Das betreffende Bild steht gegen Bezahlung des Loses mit 20 4 zur Verfügung. So plump diese Falle ist, so fallen doch viele Unerfahrene, die für wenig Geld möglichst viel haben wollen, hinein. Der sämtlichen kleineren Garnisonen, deren einige(wie Lipp Höxter und Soest) erst vor kurzem wieder ins Leben treten sind, ist gar nicht zu denken. Die entstellte Nach des Merkur beruht, wie es scheint, auf der Thatsa die Zusammenlegung der Schwadronen des 4. we iche, daß stfälischen Kürassier=Regiments beschlossen ist und dernnach die bisher in Hamm stationirte Eskadron dieses Regiments demnächst nach Münster verlegt werden wird. Herford, 14. Dez.[Kindersegen.] Dem Neubauer Westerhold, in unserer Feldmark wohnend, wurdn von seiner Ehefrau am 28. Jan. d. J. Zwillinge geboren und am 9. d. M. meldete er am Standesamte wiederum Zwillinge an, also vier Kinder in einem Jahre. Außerdem ist der Wert der Bilder übersteigt nicht 50 c bis 1 M und rech tet W. noch Vater von zehn in derselben Ehe geborenen Kinman für den Rahmen noch zirka 2 A hinzu, so fieht man, dern, wovon indes einige verstorben sind. nach, daß dem Staate jährlich 150 Millionen von den daß das Geschäft ein lohnendes ist..... Aus dem Lippischen, 14. Dezember.[UnmäßigGerade an der Regierungspresse wäre es gewesen, den Wahlkampf nicht so sehr zu schüren, daß eine Steigerung nur noch etwa in jenen Zeiten gefunden werden könnte, in welchen man Religionskämpfe auszufechten hatte. Es sei zu bedauern, daß die Regierungspolitik der letzten Jahre in einer Weise von der halbamtlichen Presse unterstützt wurde, wie solche lieber unterblieben wäre. Im deutschen Volke wirkten derartige Stimmungen stärker nach, als bei anderen Völkern, und es sei darum doppelt gefährlich, mit diesem Volksgemüte zu spielen. Ungleich schlimmer sei aber die Auffassung des Ministers von der Stellung der Beamten zu den Ministern. Diese habe eine bedenkliche Aehnlichkeit mit der in Frankreich üblichen. Dort spiele der Minister, sobald die Wahlen bevorstehen, an dem Knopfe und sofort bewege sich der ganze Apparat glatt durch das ganze Land hindurch. Allein der Redner hat zu der Tradition des deutschen Beamtentums ein besseres Vertrauen. Der deutsche Beamte habe von seiner ihm unterstellten Aufgabe eine andere Auffassung und es werde dem Minister kaum gelingen, diesen Beamtencharakter umzustimmen. Am allerschlimmsten sei jedoch die letzte ministerielle Aeußerung, welche direkt die erhabene Person des Kaisers in den Dienst einer angegriffenen Regierungspolitik stelle. Der Herr Redner sprach unter dem steigenden Interesse und der zunehmenden Spannung aller Mitglieder des Reichstages und der zahlreichen Zuhörerschaft auf den Tribünen. Herr v. Bennigsen hat eine lobenswerte, echt patriotische That vollbracht. Hatte Herr v. Puttkamer schon dem Abgeordneten Rickert gegenüber einen schweren Stand, so gestaltete sich die Sache für den Herrn Minister nach den wirklich vernichtenden Keulenschlägen v. Bennigsens noch viel mißlicher.“ Ausland. Paris, 14. Dez.[Der Prozeß Roustan contra Rochefort hat bis jetzt keine vollgültigen Beweise für die gegen den ersteren gerichteten Anschuldigungen des„Intransigeant“ geliefert und mehrere der vom Verklagten zitirten Belastungszeugen sprachen sich sogar in rühmender Weise über den Charakter und die Vergangenheit Roustans aus. Andere Depositionen haben freilich minder günstige Streiflichter auf den rührigen und unternehmenden Diplomaten fallen lassen. So z. B. erscheint sein Verhältnis zu dem„Zivilgeneral“ Elias Mussasi und seiner trinkgelderlustigen Ehehälfte nicht ganz„reinlich und zweifelsohne", ebensowenig zu dem aus der Pariser Advokatenliste gestrichenen Herrn Defosse, welcher uns als Redakteur der„Republ. francaise“ vorgeführt wird und in tunesischen Finanzaffairen stark verwickelt ist, am wenigsten aber zu dem früheren Falschmünzer Volterra. Seitdem Roustan letzteren dem Bey als Direktor der tunesischen Münze aufoktroyirt hat, werden die Goldstücke der Regentschaft, wie dies Schiller für die Stimmen fordert, nicht mehr gezählt, sondern gewogen. Von ausschlaggebender Bedeutung in dem Prozeß in das mysteriöse„Dossier Bokkhos“, welches zwei von Kläger und Verklagten gewählten Vertrauensmännern, nämlich den Abgeordneten Clemenceau und Delaforge übergeben worden ist, damit dieselben sich vor dem Gerichte darüber aussprechen, ob etwas Ehrenrühriges darin enthalten sei, nachdem der Bankier Weil=Picard aus Besangon, der das Dossier bekanntlich für 80000 Frk. erworden hat, gegen die Veröffentlichung besselben patriotische Bedenken erhebt Man behauptet, hiuter Weil=Picard stehe das Ministerium des Auswärtigen. Im besten Falle dürfte Herr Roustan aus diesem Prozeß ähnlich hervorgehen, wie s. Z. Herr v. Eissev aus dem gleichfalls gegen Rochefort angestrengten: fiegreich, insofern das Gericht anerkennt, daß er die„dernière limite de la legalité“ nicht überschritten habe— aber nichtsdestoweniger persönlich kompromittirt.„Paris“ kündigt an, Einnahmen— um das Ding beim richtigen Namen zu nennen— gestohlen werden. Dies Defizit zeigt sich bei der günstigen Voraussetzung, daß die Trunksucht seit 20 Jahren nicht zugenommen hat. Gibt man, wie das nirgends in Abrede gestellt wird, indessen zu, daß die Trunksucht seither eine Steigerung erfahren hat, so übersteigt auch die Summe, um welche der Staat zu kurz kommt, genannten 150 Millionen bei weitem. Schuld an dieser Mißwirtschaft ist die ganze Art der Akziseverwaltung, die es den Beamten, besonders aber den Brennereibesitzern ermöglicht, mit Gemütlichkeit nachher ganz unkontrollirbare Unterschleife zu machen und die dabei ein ganzes Heer vielgeschäftiger und doch nichtsthuender Beamten auf Kosten des Staates auf den Beinen erhält. Das prinzipiell wichtigste Kapitel in der Brochüre ist das erste. Man muß wahrlich erstaunt sein, daß die Zensur das hierin gesagte nicht beanstandet hat. Der Inhalt richtet sich in scharfer Kritik gegen die jetzt tagende sogenannte Trunksuchtskommission und beweist in rücksichtsloser Deutlichkeit die Untauglichkeit, ja Gefährlichkeit der Vorschläge derselben, die nicht geeignet seien, das Laster zu vermindern, sondern zu vergrößern. Die Durchführung dieser Vorschläge würde der Akzisverwaltung höhstens Gelegenheit geben, falls eine Verminderung der Einnahmen, wie das zu erwarten sei, eintreten werde, diese auf Handelsbeschränkungen zu schieben. Das zweite Kapitel spricht über die Unzulänglichkeit der herrschen Akzisekontrolle, das dritte über die Schwierigkeiten, die bei dem jetzigen System für die Akzisebeamten erwachsen, das vierte über Unterschleife und Akzisedefizit und das Schlußkapitel endlich bringt positive Propositionen, die in dem Satz gipfeln, man müsse Zeir und Kraft der Brennereien besteuern. Die Brochüre ist außerordentlich klar geschrieben; die Berechnungen machen den Eindruck der Glaubwürdigkeit und die herangezogenen Beispiele illustriren die Akzisemißwirtschaft in einer solchen Weise, daß man sie für erfunden halten würde, dokumentirte nicht die Angabe von Ort, Zeit und handelnden Personen die Wahrheit derselben ganz unbedingt. Man erwartet, daß die Brochüre auf den Gang der Verhandlungen über die Trunksuchtsfrage nicht ohne Einfluß bleiben wird. * Dortmund, 17. zezemder.[Zur Abwebr.] Die hiesige„Dort under Volks= Zeitung" setzt ihre unquali fizirbaren Angriffe in der Marreschen Angelegenheit fort, indem sie uns gegenüber erklärt:„Wir haben uns in Beziehung der Glaubwürdigkeit für Herrn Marre entzieden und nicht für dieses Blatt.“ Wir haben bereits erklärt, daß uns der Glaube der„Dortmunder Volks=Zeitung" völlig gleichgültig ist, wenn wir noch einmal auf die Sache zurückkommen, so geschiett das nur, um die Gemeinheit, eine einfache, ehrliche Behauptung frischweg für uewahr zu erklären, ohne daß man einen Beweis dafür het, sondern nur weil es einem gerade in den Kram poßt, einem Konkurrenzblatte, wenn auch ungerecht, eins auszuwischen, gebührend zu kennzeichnen. Wir fordern Herrn Marce hierdurch entschieden auf, unumwunden Efeatlich zu erklären, od er uns mehr oder anders gesagt hat, als was wir in dem ersten Artikel„Zurückweisung" behauptet, denn wir halten Herrn Marre füt einen ehrlichen Mann und sind überzeugt, daß er unsere Behauptungen doll bestätigen wird Wir haben neulich gegenüber der Leichtfertigkeit, mit welcher das gekennzeichnete Blatt uns Wortbruch und Handeln wider Recht und Gerechtigkeit vorwarf, Beweie oder Widereuf verlangt, das Blatt hat keines von beiden gebracht, es benutzte nur die bequeme Ausrede, sich dinter einem„Glauben" zu verschanzen, oone zu bedenken, daß der, welcher in unbewiesenen Fällen das Schlimmste für wahr hält, sich selbst ein gar böses Zeuanis ausstellt, denn man sucht, nach einem alten richtigen Sprichwort, niemanden hinter einer Hecke, hinter der man niet selber oft gelegen. Da wir also von dem Blatte keine ehrliche Genugtduung zu erhalt n in der Lage find, so kennzeichnen wir hiermit seine Handlungsweise als eine plumpe, verächtliche Verläumdung und überlassen e[Sachbeschädigung.— Diebstabl.] Vorgestern abend wurde von einem Arbeiter an der Rheinischenraße in einem daselbst belegenen Re aurationslokale eine Spiegelscheibe zum Werte von 120. eingeschlagen. Der Thäter wurde gleich.rauf gefaßt und der Polizeibehörde übergeben. Am morgen desselben Taaes wurde aus einer Wohnung an der Kampstraße einem Arbeiter eine Zylinderuhr, die an der Wand gehängt, gestohlen. Da nun ein Kolporteur zum Zwecke des Bücherverkaufs, die Stube betreten hatte, so wurde eifrig auf denselben gefahndet und er auch ermittelt. Die Uhr fand sich in seinem Besitz vor. Auch dieser Büchervertreiber wurde der Behörde überliesert. B Aus Westfalen, 16. Dez.[Zeche„Westfalia“.)] Der von hoch und niedrig geachtete, langjährige, sehr tüchtige Betriebsführer der Zeche„Vereinigte Westfalia“, Herr Wilhelm Gehres, hat sich seiner angegriffenen Gesundheit wegen leider genötigt gesehen, seine jetzige Stellung zum 1. Juni nächsten Jahres zu kündigen. An seiner Stelle übernimmt Herr Brüchner von der Zeche Unser Fritz" die Betriebsführerstelle auf der alten Anlage der Zeche„Vereinigte Westfalia“ □ Hörde, 16. Dez.[Unierbringung verwahrloster Kinder] Wie man uns mitteilt, wurde in der letzten Sitzung des kath. Schulvorstandes lebhaft die Frage besprochen, wie dem überhandnehmenden Unwesen des Eisenstehlens durch Kinder und den damit verknüpften, so häufig wiederkehrenden Schulversäumnissen wirksam entgegenzutreten sei. Man war der Ansicht, daß nur eine unnachsichtliche Oestrafung der Hehler sowohl als der Kinder und die Ueberweisung der letzteren in Besserungsanstalten helfen könne. Bezüglich eines total verkommenen, wiederholt bestraften Burschen von zirka 12 Jahren wurde denn auch die sofortige Ueberweisung zur Zwangserziehung für geboten erachtet.— Ein an erer verwahrloster Knabe aus der Kommunal Volksschule wird morgen polizeilich in eine Anstalt nach Duisburg gebracht Wahlkreis Iserlohn=Altena, 13. Dezember.[Zur Wahl.] Das Wahlresultat in unserem Bezirk hat hier allgemein überrascht. Daß der sonst so gemäßigte Bezirk in diesem Jahre zum zweiten male einen hier nicht einmal bekannten Fortschrittsmann aus Berlin, dessen Reden hier im allgemeinen nicht befriedigt haben, ist gewiß sehr auffallend. Es sind zwar von der Fortschrittspartei die größten Austrengungen gemacht, fast jeden Tag traten Redner derselben in den Versammlungen auf, Lenzmann, Neßler, Hamspohn, ja Richter selbst waren in dem Bezirke erschienen, und daß bei dem allgemeinen Wahlrecht eine rege Agitation nötig ist, das hat sich wiederum gezeigt. Die Städte haben meist fortschrittlich gewählt; es erhielt Langerhans in Altena 772, in Lüdenscheid 121., in Plettenberg 243, in Iserlohn 1359, in Hohenlimburg 775 Stimmen. Dagegen bekam Bueck in Altena 508, in Lüdenscheio 399. in Plettenberg 220, in Iserlohn 711 und in Hohenlimburg 305 Stimmen. den ländlichen Gemeinden am Edbegebirge Meinerzhagen, Valbert), in Werdohl und Mendenfiegte Bueck, in Kierspe und Halver dagegen Lan Für die ultramontane Partei war die Losung„Wahlenthaltung“ ausgegeben. Jedoch ist dieselbe nur teilweise befolgt. In Iserlohn, Hemee und Letmathe scheinen sich die Ultramontanen zahlreich an der Wahl beteiligt zu haben, jedoch sind ihre Stimmen beiden Kandidaten in gleichem Maße zugefallen. Der sozialistische Kandidat Oppenheimer hat nur 430 Stimmen erhalten, davon 341 in Iserlohn selbst, dem früheren Wohnsitze von Tölke.(Das definitive Wahlresultat wird uns wie folgt gemeldet: Abgegeben 17 390 Stimmen, davon für Langerhaus 9197, für Bueck 7711 Stimmen.) Aus dem Kreise Soest, 13. Dez.[Die Feldmaure— schreibt man dem„Westf. Vol.“— richten in din Fluren gro en Schaden an der junge Klee vollständig vernichtet von diesen gefräßigen Nagetieren. Durch Legen von Gift und Fallinstellen sucht man der Plage Herr zu werden. Ersteres ist nicht anzuraten, denn abgesehen davon, daß Gift oft wirkungslos ist, werben durch diese Verfolgungsmethode auch viele nutzliche Tiere, die sich von Mäusen ernähren und erfolgreich denselben nachstellen, ebenfalls vernichtet. Besser ist das Aufstellen .n Fallen und zwar der sogen, hohenheimer Fallen. Mit denselden hat man hier einen ausgezeichneten Erfolg erzielt. Das Aufstellen derselben nimmt bei einiger Uebung wenig Zeit in Anspruch, und selbst Kinder können dies Geschäft besorgen. Die einwaligen Ausgaben für den Bezug der Fallen machen sich schnell bezahlt, wenn man in rechnung keit! Der Brannk wein hat in Salzuflen vor einigen Tagen ein Opfer gefordert. Nach der„M..“ kaufte ein dem Trunke ergebener Arbeiter ein Viertel Liter Branntwein und stibitzte zugleich eine Flasche, welche 3 Liter Wachholder enthielt Trotz allen Suchens wurde der Mann nicht aufgefunden, bis in Jäger seine Leiche hinter einer Hecke entdeckte. Neben ihm lag die Flasche, welche bis auf einen kleinen Rest gänzlich geleert war. Wesel, 14. Dez.[Zum wiener Theaterbrand.] Die„### u. Ruhr=Ztg." berichtet: Eine Dame von hier, welche zum Besuche ihres Sohnes in Wien weilt und auch an dem verhängnisvollen Abend das Ring=Theater besuchte, ist der großen Lebensgefahr glücklich entgangen. Wie die Dame in einem Briefe an ihre hiefigen Verwandten meldet, war sie eben ins Theater eingetreten, als der furchtbare Feuerlärm entstand. Es gelang ihr, schnell den Ausgang zu erreichen. Wesel, 16. Dez.[Die kölner Bauhütten.] Nach der„Rcref. Ztg.“ ist angeordnet werden, daß die nach Vollendung des tölner Dombaues in Köln überflussig gewordenen Bauhütten, um deren Erhaltung zu ermögltchen, zur Verwendung beim Ausbau der„Willibrodikirche" nach Wesel verlegt werden. Bleibt die Witterung so günstig wie bisher, so dürften die Vorarbeiten zum hiesigen Kirchen=Ausbau in allernächster Zeit ihren Anfang nehmen. Düsseldorf, 16. Dez.[„Irren ist menschlich“,] zuweilen jedoch sehr unangenehm für den Irrenden sowohl als andere Leute. Ein Schuhmacher wurde aus Irrtum 5 Tage eingesteckt, zur Verbüßung einer Haftstrafe, wozu er gar nicht verurteilt war. Nachdem er die Strafe verbüßt hatte, stellte sich heraus, daß man den unrechten Schuhmacher eingesperrt hatte und holte dann den richtigen, der ebenfalls 5 Tage absaß. Die Aehnlichkeit der Namen hatte die Verwechslung veranlaßt. Der erstere vat sich über das ihm widerfahrene Unrecht beschwert, wird aber wohl wenig damit bezwecken. Krefeld, 14. Dez.[Schließung des Theaters.] Wie die„Niederr,. Volksztg.“ vernimmt, wird das hiesige Theater aus Anlaß der schrecklichen Vorgänge in Wien polizeilich geschlossen werden. Dieser behördliche Entscheid soll dem Theater=Direktor und dem Eigentümer des Gebäudes bereits notifizirt worden sein. Die hiefige Behörde soll bei der Beschaffenheit des hiefigen Theaterbaues die Verantwortung für weitere Benutzung nicht übernehmen wollen. Köln, 15. Dez.[Das Wilhelm=Theater] ist wegen nötig befundenen Umbaues polizeilich geschlossen worden. Grevenbroich, 14. Dez.[Rache von Wilddieben.] In Bedburdyk wurde ein Förster des Fürsten Salm=Dyk in der Nähe des Schlosses, wie es heißt, von Wilddieben überfallen und jämmerlich zugerichtet. Es scheint ein Racheakt vorzuliegen, da der betr. Förster früher im Kampfe mit Wilddieden einen derselben erschossen hatte. Koblenz, 19. Dez.[Goeben= Denkmal.] Der mer Ausschuß zur Errichtung eines Denkmals für den verstorbenen General v. Goeben trat gestern, wie die„Kobl. Ztg.“ berichtet, unter Vorsitz des Oberpräsidenten v. Bardeleben zu einer Sitzung zusammen. Auf der Tagesordnung stand der Bericht über die eingegangenen Gelder und die Beratung über die Ausführung des Denkmals. Anwesend waren u. a. die Herren Generallieutenant v. Thile, Regierungspräsident rrepsch, Oberoürgermeister Hache von Essen und drei Vertreter des Kunstvereins für Rheinland und Westfalen, darunter Prof. Hünten aus Düsseldorf. Oberbürgermeister Lottner als Vorsitzender des geschäftsführenden Ausschusses erstattete den Bericht über die eingegangenen Gelder, die zusammen 65 000 M ausmachen. Zur Gewinnung von Plänen für das Denkmal wurde das Ausschreiben einer Konkurrenz vorgeschlagen. Die Mehrheit des Ausschusses In manchen Gemarken ist glaubte jedoch mit Rücksicht auf die Erfahrungen, welche : nan nimm veräßigen wiederholt bei derartigen Konkurrenzen gemacht worden sind, hiervon Abstand nehmen zu sollen, und man einigte sich dahin, den Pros. Schaper in Berlin, aus dessen Atetter die ausgezeichneten in Köln errichteten Statuen Bismarcks und Moltkes hervorgegangen sind, zur Anfertigung zweier Pläne mit Kostenanschlag aufzufordern, und zwar soll für den einen Plan die Aufstellung des Denkmals auf den Paradeplatze, für den anderen die Aufstellung auf dem LöhrKondel zugrunde gelegt werden. Als Material für das Denkmal wurde Bronzeguß in Aussicht genommen. Von den Regierungsbezirken der Rheinprovinz hat Düfseldorf die weitaus höchste Beisteuer mit reichlich 10 000 4 gegeben; in der Stadt Koblenz wurden außer der Beistenen In scheid, 4 4 G lachen, 12. schreibt man der oberhab Eilendorf Blerder wurde rasten— Strolche den sich Wehrenden zur Erde geworsen hatten, entritz einer ihm den Revolver und schoß ihn in die rechte Seite, sodaß er in das Hospital gebracht werden mußte, wo er an den Folgen der Mißhandlung verstarb. Die Thäter, welche sich in ihre Wohnung begeben und den Revolver mitgenommen hatten, wurden verhaftet und in das GefanWbülber gitel 8623, Bebel 8434 Stimmen: Philipps ist also gewählt. Kassel, 16. Dezhr.[Trichinosis! e- an. kl.-2 hausen lonen an— indes in der Besserung begriffen.— einige Fälle dieser Krankheit vorgekommen * Wilde Knespen. Für Gedichte ist unsere materielle Zei Boden, wir hoffen aber, daß das han gestattete Bändchen, welches unser Kollege, d teur des„Wittener Anzeigers“, Herr Wilhelm städter, unter obigem Titel(Verlag von C. L.— in Witten, Preis 3 26), noch kurz vor Chores Schl. erscheinen läßt, seinen Platz auf manchem Weihnachtsbe finden wird, was es um so eher verdient, als die Bedichte einen gesunden Sinn, warmes Empfinden und tüchtige Formgewandtheit zeigen. Zum Belege dafür wollen wir hier eins derselben abdrucken, welches auf unsere Stadt bezug hal. Rötger von Giesenberg, der tapfere Junggeselle. Der edle Hinz von Hardenberg, zum Hardenstein geheißen, Der wollte einst in seinem Zorn die ganze Welt zerschmeißen; Ein Jude in Tremonia, der Hinzen Geld geliehen, Hat, weil der Edle nicht bezahlt, des Wortbruchs ihn geziehen. Drum mußt zu Dortmunds Magistrat ein flinker Knappe reiten, Der sprach:„Es wünscht mein edler Herr, den Juden Aaron Veiten, Und gebt ihr nicht den Sünder her, damit wir ihn verbrennen, Dann werden wir mit tausend Mann Tremonia berennen". Da sprach der hohe Magistrat: die Mauern sind wohl fester Drum hört, was man erwogen hat voll Weisheit und aufs beste: Wünscht euer Herr den Aaron Veit verbrannt zu Staub und Kohlen, Dann mag sich der gestrenge Herr den Juden selber holen. Da warf der Knappe sich herum und ritt zum Hardenberger, Und gab ihm Dortmunds Antwort kund zu Hintzens großen Aerger Der Ritter sandte Boten aus nach Neviges und Witten Und ließ— es gilt Tremonia!— um Heeresfolge bitten Es reiten wohl achthundert Mann zum Kampf gen Dortmunds Mauern; Dort sammeln sich voll Kampfeslust die Bürger und die Bauern. Doch ob man sich des Stürmens auch mit Tapferkeit beflissen; Es hat mauch Hardenberger Knecht umsonst ins Gras gebissen. Doch vollt Ihr nicht, wie wir begehrt, um diese Dann müßt Ihr, eh' der Abend kommt, durch Heukershände — Da schaut mit zärtlich holdem Blick Frau Agnes zu dem Ritter, Der aber breht sich schaudernd um und ruft wie Ungewitter: „Daß Such der Blitz die Zunge lähmt, Ihr schubden Pfeffersäcke! soll geduld'ger Gärtner sein von dieser Dornenhecke? u, Edle Herren vom Magistrat, da seid Ihr schlecht beraten Viel eher mögt Ihr meinen Leib auf offenem Markte braten!“ Und Dortmunds Magistrat hielt Wort.— Es starb der Giesenberger, Und schien das Sterben bitter auch, zu leben schien ihm ärger. Und weil ihn selbst der harte Tot zur Ehe nicht gezwungen, So sei von jedem Junggesell ein Loblied ihm gesungen. Gerichtliche Entscheidungen. — Aus Chemnitz, 12. Dez. Am Donnerstag wurde bei dem hier versammelten Schwurgerichte unter des Privatdiskonts bis 4% Proz. seinen Ausdruck kann nich der Ausschlag gedende Moment gewesen da erste Firmen als Abgeber genannt wurden. Bielleicht ist man in diesen Kreisen zu der Ueberzeugung gekommen, daß es auf die Dauer unmöglich ist, vom jetzigen Kursniveau aus etwas zu erreichen und daß man nun bemüht ist, niedrige Kurso selbst zu schaffen; in Wien war man angeblich wegen des Scheiterns des türkischen Tabaksmonopols geschäftsverstimmt. Auf dem Lokalmarkt wurde die Spekulation nicht wenig durch eine Mitteilung im „Staatsanzeiger“ überrascht, wonach die Regierung der Berlin=Anhalter Bahn eine Offerte auf der Basis von 6 1/3% Rente gemacht habe; nicht nur, daß Berlin=Anhalter infolge dieses unerwartet liberalen Gebotes mehrere Prozeute gewannen, es verbreitete sich sofort das Gerücht, des ich Euch raten, Man kommt nicht immer zu dem Ziel durch kühne Waffenthaten. Ein wenig List ist wohl erlaubt, denn List— ein guter Degen, Wenn diese zwei beisammen find, dann geht es all erwegen. Aus Dortmund hab ich mir ein Weib zur Hülfe ausersehn, Dem kann ich, weil es Witwe ist, gar leicht den Kopf verdrehen. Frau Agnes brachte ihren Mann durch Keifen zwar zum Sterben, Allein was thuts, ich will zum Schein um ihre Liebe werben Und bringt sie in die Stadt hinein, ein Dutzend unserer Knechte: Dann wag Frau Agnes Witwe sein und— bleiben, wir ich dächte. Ein Brief von duftigem Papier gelangt zu Agnes Händen; Die steut sich ohne Maßen schier, ihr Wittum zu beenden, Und lößt durch einen Pagen sein dem Giesenberger melden: Vor Tortmunds Thoren draußen steht ein mächtig großer Wagen; In diesem Wagen kann der Herr sich selber leicht verstecken Und außerdem gemächlich noch ein Dutzend seiner Recken. Und oben wirft man Heu darauf, dann will ich offenbaren, Man werde diese Ladung mir durch Dortmunds Thore fahren. Und ist der Wogen in der Stadt, will ich ein Zeichen gebenDann soll man schnell der Decke Last von Each herunterheben; Dann stüme draußen auf das Thor des Hardenbergers Feuer, Ihr aber brecht von innen Bohn— und Dortmund dann ist Cuer!“ Das schien dem Ritter klüger wohl als vor den Wällen fechten; Man birgt ihn unter Heu und Streh mit zwölf bewehrten Kneeten, Und fährt zu Toitmunds Thoren sie, geschützt von solcher Dickr. Und sogt, die Ladung sei bestimmt für Agnes von der Recke. Die Kitte knarrt, der Riegel klirrt und Dortmunds Thor ist offen. Ta lauscht der Pförtner plötzlich auf, erschrocken und betroffen, Dann aus des Wagens tiefem Grund hört er ein Rasseln dringen, Wie Klappern einer Eisenwehr, wie Schild= und Schweiter klingen. Und dröhnend ruft des Pförtners Horn die Wächter von den Wällen, Die wohlbewehrt mit Spieß und Schwert din Wagen dicht um stellen. Man schließt das Thor in Eile zu, und mancher hörts mit Bangen: „Wiultommen in Trimonia! Steigt ab, Ihr seid gefangen!“ Und knirschend kört es Giesenberg; ihm brohtens Schmach und Netten. Und draußen simmen gegens Thor,## können sie nicht rett= u. Zum Rathaus geht es im Triumph, vo Agnes seufzend weilet, Weil sie der Bürger grimmer Zorn dei dim Verrat ereilet Versammelt ist der Magistrat und soll das Urteil fällen, Der Ritter meint, man werde gleich des Heukers Dienst bestellen, Doch Dortmunds Bürgermeister meint, solch schnöde That zu rächen, Da müsse man mit Fug und Recht ein ander Urteil sprechen. Dann ruft er:„Ritter Giesenberg! Frau Agnes von der Recke! Ihr beiden spieltet beim Verrat wohl unter einer Decke, Dann soll Such auch, wie's billig ist, ein Ritterspruch ereilen. Der Such mit gleicher Elle mißt: Ihr sollt die Strafe teilen! Herr Ritter, Ihr seid Junggesell, doch soll Such das nicht grauen, Ihr sollt noch heut Frau[Agnes hier zu Eurer Gattin nehmen, wer ein solches Weib erhält, ist hart gestraft hinnieden, I.ur— gun 1161 his Der hat den schlimmsten Krieg im Haus— und läßt die Welt in Frieden. ahna) Limbach eröffnet. Bier der schwersten Verbrechen sind es, welche dem Angeklagten zur Last gelegt werden. Am Sonnabend wurde die Verhandlung zu ende geführt. Das Urteil lautete wegen Mordes auf Todesstrafe und wegen Raubes auf öffentlichem Wege, wegen vollendeter Notzucht und wegen versuchter Notzucht in zwei Fällen überdies auf eine 15jährige Zuchthausstrafe, sowie auf zehnjährigen Ehrenrechtsverlust. Als der Wahrspruch der Geschworenen eröffnet wurde und ebenso bei Verkündigung des Urteils war der Angeklagte ruhig, gefaßt und gleichgiltig wie während der ganzen Verhandlung. [Prozeß Guiteau.] In der Verhandlung am Montag wurde Tr. Spitzka aus Newyork, eine Autorität über Geisteskrankheiten, als Zeuge vernommen. Er erklärte, daß seinem Ermessen nach der Angeklagte irrsinnig sei, da er eine Neigung zu täuschenden Ideen und krankhaften Plänen habe, gepaart mit meiner merkwürdigen Schwäche der Beurteilungskraft. Er glaube, Guiteau sei von dem Wahne ergriffen, daß er sich für das Gemeinwohl opferte, als er auf Präsident Garfield schoß, und daß seine Handlung nicht das Ergebnis von sittlicher Verkommenheit sei. Guiteau bekräftigte dies mit den Worten, daß er nicht sittlich verkommen sei. Diese Beschuldigung meinte er, sei wider ihn nur zu dem Behufe erhoben worden, um ihn zu verderben. Er fürchte sich nicht, das Schaffot zu betreten, wenn es der Wille des Allmächtigen sei. Als Guiteau im weiteren Verlaufe seiner Bemerkungen sich mißbilligend über die Presse äußerte, erscholl aus dem Zuhörerraum der Ruf:„Erschießt ihn!“ Es folgte eine Szene großer Aufregung und es dauerte lange, ehe die Ordnung wiederhergestellt war. Guiteaus Gebahren in heutiger Verhandlung war durchweg ein schändliches.— Der Gefängnisdirektor hat ein anonymes Schreiben erhalten, worin an ihn die etwas sonderbare Zumutung gestellt wird, aus dem Flügel, in welchem sich die Zelle Guiteaus befindet, alle übrigen Gefangenen zu beseitigen, da beabsichtigt werde, das Gefänignis mit Dynamit in die Luft zu sprengen, aber kein anderes Leben als das Guiteaus zu gefährden. Daß Guiteaus Leben verloren ist, selbst wenn er als irrsinnig freigesprochen werden sollte, unterliegt keinem Zweifel. Gewerbe, Handel und Verkehr. k Dortmund, 13. Dezember.[Schlachtviehmarkt. Der Auftrieb bestand aus 327 Stück Rindvieh, 304 Schweinen, 132 Kälbern Das Geschäft in Rindvieh war flott, so daß der ganze Auftrieb verkauft wurde. Nur geringere Qualitäten mußten sich eine Preiseermäßigung gefallen lassen, während beste Ware zu guten Preisen gesucht blied. Bezahlt wurden für 1. Qual. K 59—62, für 2. Qual. K 54 bis 58. für 3. Qual.# 45—53 per 50 Kilo Schlachtgewicht. Schweine erfuhren in allen Qualitäten einen bebeutenden Preisrückgang; trotztem verblieb ein nicht geringer Ueberstand, der auch ür den nächsten Markt ein flaues Geschäft erwarten läßt. Bezahlt wurden für beste Hamburger 53—57, für hiesige Landschweine A 50—56 pr. 50 Kilo Lebendgewicht mit 20 Proz. Tara. Kälber in guten Qualitäten wurden mit 50—55 4 pr. 1 Pid. Schlachtgewicht bezahlt. Nächster Schlachtviehmarkt Dienstag, den 20. Dezember d. J Dortmund, 15. Dez.[Preis=Erhöhung.] Seit gestern haben die durch Konvention verbundenen Blechwalzwerke die Preise, laut der„Efs Ztg.“, um weitere 10 M erhöht, und steht für andere Walzwerk Fabrikate ebenfalls ein Preisaufschlag bevor. [Dortmunder Bank=Verein.] Ueber die vom „Dortmunder Bank Verein“, im laufenden Jahre bisher erzielten Resultate ehen uns folgende Mitteilungen zu, welche in den interessirten Kreisen jedenfalls mit Befriedigung aufgenommen werden dürften. Der November=Umsatz beträgt rund 3 626 000 M. in 1880 nur 2 630 000 M. 1881 mithin mehr 996000 M. Gesamt=Umsatz bie ult. November 1881 39 220 000 M. im gleichen Zeitraum 1880 21 496 000 M. 1881 mithin mehr 17 724 000#l. so daß sich, wenn man den Dezember=Mehrumsatz mit 2000000 M annimmt, der jährliche Mehrumsotz sich auf:97240004 belausen wird, wobei noch ins Gewicht fällt, daß das Institut erst von anfang März ao über ein höheres Be triebskapital verfügt hat. Von den einzelnen Konten zeichnet sich namentlich das Konto=Korrent=Konto, in zweiter Linie auch das Effekten=Konto durch ansehnliche Mehrumsätze aus. Gleichbefriedigend sind auch die erzielten Gewinne und wenn sich hierüber zuverlässige Ziffern auch noch nicht anführen lassen, so ist doch bereits zu übersehen, daß sie die Verteilung einer angemessenen Dividende gestatten werden. Neuß, 16 Dezbr.[Getreidemarkt.] Am heutigen Getreidemarkte blieben Preise sämtlicher Fruchtgattungen unverändert. Rüböl und Kuchen unv rändert. Weizen, neuer, 22,40—24,40#. Bandroggen, neuer 20,40—21,40+ dafer, alter, 17,20 A. Haser, neuer, 14,00— 15,50 4, Gerke Winter=)—#. Rüdsen 26,50„4. Raps 28,00 d. Kartosseln ##. Weizen=Vorschuß—.# por 100 kx. Kleien.00, Heu 6,00#. per 50 kg., Roggenstroh per 600 kg 50,00 4. Rüböl per 100 Kilo in Partien von 100 Zentnern 61 dito faßweise 63 K. Gereinigtes Oel per 100 kg 3 2 höher als Rrbö! Preßkuchen per 1000 Kilo 150 4 Köln, 16. Dezbr.[Getreidemarkt.] Weizen die #iger loko 24,00, stemder loko 23.50, per März 22.95, per ai 22,90. Roggen loko 21,50, per März 17.25, per Mai 16,95. Hafe loko 17,00. Rübor loko 31 50, vei Mai 80,20, per Oktober 29.60.# Berlin, 15. Dezdr.[Marktbericht.] Weigen, genSorte 23.80—24.00#. Mittelforte 22,00—22,30 4 gering Sorte 20,20—20,50. Roggen, gute Sorte 18.40—18 50 Mittelsorte 18,10—18,30 4. geringe Sorte 17.80—18.00„ Serste, gute Sorte 19,10—19 80, 4. Mittelsorte 16 60 bi: 17,00 4, geringe Sorte 14.00—14,50#, Hafer, gute Gort 16,80—17,10#, Mittelsorte 15.40— 15.80 M. geringe Sort 14,00—14.50#. Richt=Stroh— Jf. Heu#. Erdien 22,00 bis 32,00. Speisedohnen, weiße, 24 00—40,00. Binsen 30.—50.00 M. Kartoffeln 3,75—5,30# por 100 Kil88 Berlin, 15. Dezbr.[Börsen=Wochenbericht von Theodor Rosenstock, Straße 40/41. Die voriger Woche berichten gehalten. In den letzten acht Tagen vollzog sich eine eigentümliche Scheidung des lokalen Marktes von dem internationalen. Während die Spielpapiere in ausgesprochener Weise matt lagen und Kurseinbußen erlitten, entwickelte sich für deutsche Eisenbahnaktien größere Kauflust zu teilweise namhaft höderen Kursen. Die Selbständigkeit, welche die hiesige Spekulation hiirmit bewiesen hat, verdient meiist ein Prachtbau von seltener Schönheit, und dies Moment sichert seinen unveränderten Fortbestand; es wird für spätere Generationen eins der historisch denkwürdigsten Gebäude bleiben und je länger je mehr die Weihe der Unantastbarkeit erhalten. —[Die angenagelte Eule.] Während einer der jüngsten Reichstagssitzungen wanderte eine Photographie in Groß=Quart von einem Abgeordneten zum anderen. Sie nahm ihren Ausgang auf der linken Seite des Hauses und verblieb schließlich auf dem Pulte des Herrn von Kleist=Retzow. Wo sie erschien, erregte sie Heiterkeit. Sie stellte eine an ein Scheunennagelte Enle vor, und war von den Abgeordneten Hänel, Virchow und Richter dem streitbaren Kämpen thor genagelte l, Virchow und Richter dem streitb der Rechten gewidmet, der in der Sitzung vom 2. Dez. aktien schließen nach vielfachen Schwankungen etwa 4# niedriger. Besser behaupteten sich Diskonto=Kommandit. Einiges Interesse zeigte sich für die Aktien der verschiedenen Maklerbanken, welche wegen des am 1. Januar zur Detachirung gelangenden Dividendenscheines zu höheren Kursen aus dem Markt genommen wurden. Im Großen und Ganzen waren aber die Umsätze sehr beschränkte. Höhere Kurse vermochten auch die meisten der österreichischen Eisenbahnaktien zu erzielen. Die Staatsbahn hat nach langer Zeit wieder einmal eine Mehreinnahme erzielt. Auch bei der galizischen Karl=Ludwigsbahn dürften die Einnahmen nun besser werden; nach Genehmigung der Verstaatlichung der Elisabeth=Westbahn sieht man auch einen Ankauf der Kronprinz=Rudolf= und Franz=Josef=Bahn entgegen. Nordwest und Elbethal von Wien aus getrieben. Recht unerquicklich lag das Geschäft auf dem Rentenmarkt; bei geringfügigen Umsätzen stellten sich die Kurse meist um Bruchteile niedriger. Man erbrtert neuerdings wieder die Zuläsnigkei; der Kündigung der 6prozent. Goldreute. Gerüchtweise wollte man on einer neuen rusfischen Goldanleihe wissen. Die Kurse haben indes keine Veränderung erfahren. Auf dem Bergwerksaktienmarkt ist die Haltung eine schwächere geworden; so sehr die im Geschäftsberichte der Dorimunder Union eröffneten Aussichten befriedigten, so wenig war man von den veröffentlichten Bilanzziffern erbaut. Die Kurse stellten sich um etwa 3 Prozent niedriger. Von deutschen Eisenbahnaktien stellten sich aus den schon obenerwähnten Motiven Berlin=Anhalter za. 5 Proz., Rechte Oderufer und Oberschlefische za. 1 Proz. höher. Auch Mainzer und Mecklenburger besserten sich um einige Prozent. Die Dividende von Marienburg=Mlawka wird neuerdings auf nur 2 Proz. geschätzt. Ich glaube, daß deutsche Eisenbahnakten auch weiterhin tonangebend bleiben werden. In Industrie= papieren sehr wenig Geschäft. Große Frage zeigte sich für Körbesdorfer Zuckerfabrik, von denen verlautete, daß sie 13 bis 14 Proz. Dividende geben werden. Deutsche Fonds unverändert. Standesamt Lünen. (Amt Lünen.) Anmeldungen vom 16. Novbr. bis 15. Dezember. Aufgebote. Kunstgärtner Ludwig Heinrich König, Eving, mit Emilie Kreicke, Horstmar. Ebeschließungen. Beramann Heinrich Wilhelm Gehner, Eving, mit Karoline Meierling. Hostedde. Bergmann Wilhelm Schulte=Derne. Hostedde, mit Alwine Wit:eld, Altenderne=Oberbecker. Bergmann Dietrich Möller, Brechten mit Henriette Hangebrauck, Altenderne=Niederbecker. Kunstgärtner Ludwig Heinrich König, Eving, mit Emilie Kreicke, Horstmar. Beegmann Eduard Dahlhaus mit Henriette Charlotte Wilhelmine Drees, Brechten. Schuhmacher Karl Möllmann, Deusen, mit Friederike Kritzler, AltenderneNiederbecker. Geburten. Bergmann Friedrich König, Holthousen, 1 S. Landwirt Heinrich Wilhelm Schulte=Derne, Altenderne=Oberbecker,: T. Tagelöhner Fritz Buckheiwer, Horstmar, 1 S. Wiegemeister Josef Arens, Lindenhorst 1 T. Bergmanr Heivrich Roth, Brechten, 1 T. Bergmann Gustav Walther, Lindenhorst, 1 T. Tagelöhner Friedrich Eul, Gahmen, 1 S. Maurer Heinrich Grundmann, Brechten 1 S Schuhmacher Johann Friedrich Brand, Lindenhorst, 1 T. Schichtmeister Karl Gustav Emanuel Heyn, Lindenhorst 1 T. Bergmann Friedrich Pröbe, Eving, 1 S. Knecht Dietrich Wilhelm Budde, Horstmar, 1 T. Maurer Heinrich Dörlemann, Brambauer, 1 S. Tagelöhner Gottlieb Haumann, Altenderne=Oberbecker, 1 T. Bergmann Karl Heuter, Kirchderne, 1 S. Bergmann Heinrich Neuhäuser, Brambauer, 1 S. Schneidermeister Heinrich Siegeroth, Kirchderne 1 T Landwirt Wilhelm Keine, Hostedde, 1 S. Bergarbeiter Johann Hermann Heinrich Kassing, Brechten, 1 T. Eine unebeliche Gevurt. Todesfälle. Martha Areis, Lindenhorst, 5 J Landwirt Eberhard Wilhelm Lüecke, Brechten, 85 J Ehefrau Wilhelm Haarbrink. Anna geb. Dingebauer. AltenderneOberbecker, 24 J. Landwirt Giesbert Johann Eberhard Loh, Brechten, 73 J. Alma Schleef. Lindenhorst, 5 J. Elfriede Schulte=Göcking, Eving, 6 J. Gastwirt Johann Wilhelm Dreyer, Brechten, 53 J. Leibzüchter Eberhard Heinrich Brinkmann, Brambauer 89 J. Ferdinand Blumberg, Lindenhorst, 4 J. Lina Eljriede Steinhoff gen. Klüting, Kemminabausen, 9 M.— 3 Totgeburten. Vermischtes. — Berlin, 15. Dezember.[Die Erwerbung des Niederländischen Palais] durch Se. Majestät den Kaiser hat, wie man hört, nicht den Zweck, das kaiserliche Palais zu erweitern, sondern der Kaiser hat den Kauf befohlen, um für hohe Gäste ein fürstliches Unterkommen in seiner unmittelbaren Nähe zu haben. In so fern lag für die Erwerbung des Grundstücks ein Zwang vor, als verhindert werden sollte, daß sich direkt neben dem kaiserlichen Palais etwa ein Geschäftshaus etablirte, wodurch die Ruhe gestört werden könnte. Das Niederländische Palais ist nach der Vehrenstraße hin einer erheblichen Erweiterung fähig, indes steht eine solche für jetzt nicht in Rede, noch weniger aber wird daran gedacht, an dem kaiserlichen Palais selbst durch An= oder Umbauten irgend eine Beränderung vorzunehmen. Das von Langerhaus erbaute kaiserliche Palais das geflügelte Gleichnis angewendet hatte. — Berlin, 15. Dez.[Rauchtheater.] Besitzern hiesiger Rauchtheater und Baudevilles soll gestern abend die polizeiliche Mitteilung zugegangen sein, daß fernerhin in den Theatern, resp. Vergnügungslokalen nicht mehr geraucht werden Auf die zugehörigen Restaurants erstreckt sich diese Verfügung nicht. — Magdeburg, 16. Dez.[Theater geschlossen.] Heute vormittag fand durch die Herren Regierungspräsidenten von Wedell, Oberregierungsrat Graf Baudissin, Regierungs= und Baurat Dölz, Polizeipräsidenten Dr. v. Arnim und dem Baurat Fritze eine Revision der hiesigen Theater in bezug auf deren Sicherheit bei entstehender Feuersgefahr statt. Infolge dessen sind im Stadttheater in allen Gängen und Rängen neben der Gasbeleuchtung noch 42 Rüböllaternen angebracht worden. Das Wilhelmtheater bleibt so lange geschlossen, bis einige angeordnete bauliche Abänderungen ausgeführt sind. —[Im Kupee.].: Sagen Sie mir doch, welches ist denn eigentlich die technische Bezeichnung für die Breite der Sekundärbahnen..: Ganz einfach: spurschmalig, nicht doch, schmurspalig, nein, nein! schmarspulig, herrjeses! sparschmulig, schmulsparig, spulschmarig— ach Gott, entschuldigen Se, vielleicht finden's nun selber. Witterungsbericht von 6 Uhr morgens des 16. bis dahin des 17. Dezember. Von Herrn Chemiker Dr. Kaysser. OS, Oma-EAm BEF% K AFE--SA Te4P 2 Temperatur #oa, Bankgeschäft,., Französischegrößere Lebhaftigkeit, von der ich in i konnte, hat leider nicht lange stand Berantwortlicher Redakteur: Rudolf Versen in Dortmund Offener Sprechsual. (Für Artikel unter dieser Rubrik ist oie Redaktion dem Publikum gegenüber nicht verantwortlich.) Sie thun so viel für das Gemeindewohl, daß ich Sie bitte, diese Zeilen in ihre geschätzte Zeitung aufzunehmen und dadurch das Publikum darauf aufmeiksum zu machen, daß das Oeffnen der Barrieren gefährlich und strenge verboten ist. Heute, Donnerstag=Morgen, sah ich an dem WestialiaUebergange, wie das Publikum eine Barriere gewaltsam in die Höhe hob und der betreffende Wärter die Leute nicht halten konnte. Die Direkton der Köln=Mindener Bahn thut so viel zur Verschönerung der Uebergänge, daß ich nicht unterlassen kann, sie darauf aufmerksam zu machen, daß wenigstens verschließbare Barrieren angebracht werden. Ein alter Abonnent. — Nur noch einige Tage und aus den Kihlen von Millionen deutschen Kindern wird der liebliche Gesang:„Stille Nacht, heilige Nacht", und:„O du selige, o du fröhliche Weihnachtszeit“, ertduen, nur noch wenige Tage, und Millionen froher Menschen blicken andachtsvoll zu den flammenden Lichtern des Cheistbaumes empor, unter wilchem das„Christkindchen“ seine Schätze ausgebreitet hat. Das Weihnachtsfest ist ja ein Fest des Gebens, jeder sucht seinen Lieben eine Frrude zu bereiten. Wie schon angeführt, sind es nur noch wenige Tage bis zu dem Feste und wer seine Einkäufe noch nicht besorgt hat, der möge sich beeilen, damit er nicht zu spät ko me. Doch das ist wohl nicht zu befürchten, denn dafür, daß jeder etwas passendes findet, haben unsere Kaufleute gesorgt, an Auswahl fehlt es nicht. Besonders das L. Fräukelsche Geschäft auf dem Westenhellwege ist so reich ausgestattet, daß es woh' für jeden etwas bietet. Hinter den beiden großen Läden hat die genannte Firma noch eine große Verkaufshalle errichten lassen, deren Besuch niemand unterlassen sollte. Vor allem fällt in derselben eine reiche Auswahl künstlicher Blumen auf, die sehr täuschend nachgemacht und von den natürlichen sich nicht leicht unterscheiden lassen. Auf keinem Weihnachtstische Wohlhabender sollte eine Kollektion solcher Blumen fehlen. Wer seiner jungen Frau, Braut, Tochter oder sonstigen jungen Dame eine große Freude bereiten will, der sollte nicht verfehlen, unter den vielen hunderten von Vorsteckschleifen, die in allen meglichen Farben und eigendsten Zusammenstellungen vorhanden sind, einige auszusuchen. 12 703 Die Damen finden als Geschenk für Herren schöne Schlipse und Kravatten, Kragen und die feinsten Oberhemden und Wäsche aller Art, die in eigener Werkstatt des Geschäftes gearbeitet wird. Ferner ist ein großer Vorrat von Sofa= und Fußkissen, Tischdecken jeden Genes, Teppichen 2c. vorhanden. Reizend gemusterte Fichus aus spanischer Seide, ganze Berge schönster Konzert= und Theatertucher, warme wollene Kapotten laden zum Kaufen ein. Kurzum jeder, der in das Geschäft eintritt, wird etwas finden, womit er seine Lieben erfreuen kann Lehrer Reich, der sich mit seinen Schülern in so töstender und liebevoller Weise an dem Begräbnis unseres Sohnes und Beuders beteiligt, unsern herzlichsten Dankaus H. Benninghoff, 12 270 Frau und Knder. Frische Träber täglich zu haben auf der e12 269 Ritterbrauerei. Eine schöne, große Alabaster=Garnitur, 3 Stücke, zu verkausen Näh in der Exped. d. Z. 912 273 Durchaus solide Kolporteure, welche den Vertrieb meiner neuen fehr prakischen und allseitig gern gekauften Rotiz=Kalender für alle Stände übernehmen wollen, wollen sich unter Aufgabe von Referenzen sofort melden. Sehr lohnender Verdienst. L. Keseberg, Hefgeismar. 2 Zimmer in der Nähe der Rhein. Eisenbahn an stille Leute auf Fedr. zu verm. Näh. i. d. Exped.# 12271 Preußische Lose! Schon am 15. Januar Gewinnziedung der in der Serie gezogenen preußischen 100 Thaler=Lose. Haupttresser Mk. 180000. So lange der Vorrat reicht, verkaufen wie bei Vorauskürzung des niedrigsten Gewinues: ein Gauzes a Mk. 450; ein Halbes a Mr 280; ein Viertel a Mr. 115; ein Achtel à Mk. 53; ein Sechszeutel à Mk. 29. Wir ersuchen die Bestellungen unter gleichzeitiger Einsendung des Betrages uns edestens zugehen zu lassen, damit wir allen Ordres gerecht werden können. Auch empfehlen wir uus bei Zusicherung streugster Gewissenhaftigkeit und Reellität zur Ausführung von Börsen=Anfträgen dr. Kassa, auf Zeit und für Prämien=Geschäfte. Bei Spekulations=Geschäften, halten wir die Effekten bis zur GewinnRealisirung gegen mäßige Deckung und üblichen Zinssatz im Depöt. Pank- und Grünwald, Salzberger & Comp., 12223 Köln a. Rh., Hochstr. 103. Dortmunder Musik-Verein. Chorprobe mit Orchester am Montag, den 19. Dezember, abends 7½ Uhr. 212 272 Formularbuch für alle gerichtlichen und außergerichtlichen Geschäfte, als: Klagen, Eingaben, Formulare aus dem Wechsel= und Handelsrecht, Verträge, Testamente, Vollmachten c. nebst einer ausführlichen Darstellung des Procetz=Verfahrens nach der neuen Civilproceß=Ordnung für das deutsche Reich, mit einschlägigen Formularen. Preis geheftet 1,50 Mark, eleg. geb. 2,00 Mk. Vorräthig in der C. L. Krüger’schen Buchhandlung 1 en 0 Druck und Verlag von C. 8. Arüae: in Dortmund. Beilage der Für Haus und Hof. Blätter für Land=, Garten= und Hauswirtschaft. Erscheint jeden Sonntag.— Anzeigen werden mit 20 Pf. die Zeile berechnet. MR 51. Sonntag, den 18. Dezember. 1881 * Zur Anlage einer Zuckerfabrik In der General=Versammlung des landwirtschaftlichen Kreisvereins am 14. d. Mts. trug Herr Ebrenamtmann Deusemann=Dorstfeld folgendes Referat vor: Der Herr Vorsitzende hat im allgemeinen schon die Wichtigkeit der Frage der Einrichtung einer Zuckerfabrik in dem Vereinsbezirk unseres Vereins dargethan und werde ich mir erlauben, etwas näher darauf einzugehen, ob und unter welchen Bedingungen sich der Bau von Zuckerrüben und die Anlage einer Zuckerfabrik empfehlen würde und ob der Die wichtigste Frage ist aber jedenfalls die, ob und in welcher Weise die Zuckerrüben zu einem Preise verwertet werden können, welcher die Kulturkosten deckt und eine entsprechende Rente für die Rübenbauer abwirft. Auch in dieser Beziehung ist schon manches durch die Presse und in den Versammlungen beschrieben und besprochen worden. Es wird der Verkauf resp. die Ausnutzung der Zuckerrübe nur in dreierlei Weise stattfinden können: 1. dadurch, daß die Rübenbauer gleichzeitig auch auf eigene Kosten die Zuckerfabrik bauen und betreiben; 2. daß Geldmänner die nätigen Kapitalien ganz oder teilweise vorKreisverein Veranlassung hat, seinerseits einige Mittel zur Erreichung strecken und außer einem vereinbarten Preis für den Zentner Rüben etwa dieses Zweckes zu verwenden. ois zur Hälfte an der Dividende teil nimmt: Ueber die Anlage einer Zuckerfabrik ist bereits durch die Presse— 3. daß die Zuckerrüben einfach von einer Fabrik für eine vereinnamentlich durch die Beilage der„Dortmunder Zeitung"—„Haus und barte Summe angekauft werden und der Rübenbauer mit dem Betriebe Hof“— und in verschiedenen Versammlungen der landwirtschaftlichen nichts zu thun hat. Vereine vielfach auf Anregung des Herrn Kultur=Technikers Weig ge] Es werden sich zweifellos Geldmänner finden, welche gern bereit schrieben und gesprochen worden, daß ich annehmen kann, daß eine große sind, die Zuckerfabrik zu bauen und zu betreiben, wenn es ihnen gelingt, Mehrzahl der Versammlung mit dieser Frage und den in betracht kom= auf eine Reihe von Jahren kontraktlich die nötigen Rüben sich zu einem menden Verhältnissen nicht ganz unbekannt ist und ich mich deshalb in Preise zu sichern, welche ihnen die Aussicht auf Gewinn gewährt. mancher Beziehung kurz fassen kann. Namentlich wird dieses in der Es fragt sich aber, ob dann die Rübenbauer ihre Rechnung finden Hauptfrage der Fall sein können, ob die Boden=Verhältnisse der hiesigen werden, wenn, wie man sagt, das Fett von der Suppe weggegessen würde. Gegend solche sind, daß anzunehmen, daß die Zuckerrüben hinreichend] Ich habe mich mit meinen Kollegen Schulze=Vellinghausen zu Stockum, zuckerreich und hinreichenden Ertrag gewähren werden. Herrn Weig rc. an Verhandlungen beteiligt, welche den Zweck hatten, Ich könnte aber auch in dieser Hinsicht beim besten Willen keine auf daß die Hälfte des Kapitals von Geldmännern und die andere Hälfte von sichere Zahlen basirende Mitteilungen machen, da mit dem Anbau der den Rübenbauern beschafft werden, und die Dividende geteilt werden sollte. Zuckerrübe und mit der Untersuchung derselben auf den Zuckergehalt im Diese Verhandlungen haben sich wohl hauptsächlich, trotz beiderhiesigen Vereinsbezirke noch so wenige Versuche gemacht worden find, daß seitigem Entgegenkommen daran gescheitet, daß die Geldmänner und die ein sicheres Urteil überhaupt nicht abzugeben ist. * Ich teile aber meinerseits die Ansicht derjenigen, welche die BodenVerhältnisse des überaus größten Teiles des Kreises für den Bau der Zuckerrübe für geeignet halten und gute Erträge zu erwarten sind, wenn eine zweckmäßige Behandlung und Düngung desselben erfolgt. Ich habe bei Gelegenheit der Regulirung der Flurschäden durch die Manöver in diesem und den vorigen Jahren in den verschiedensten Teilen des Kreises Stücke mit Runkelrüben gefunden, wie dieselben schöner nicht gedacht werden können. Wenn aber die Bodenverhältnisse im allgemeinen auf den Bau von Zuckerrüben in Qualität und Quantität gestatten werden, so ist andernfalls als etwas ungünstiges zu bezeichnen, daß die Felder der Grund besitzer sehr im Gemenge liegen und in dieser Beziehung das Reinhalten der Rüben in etwa verteuert würde, weil in demselben Maße Reinigungs=Maschinen nicht benutzt werden können, wie bei größerem und arrondirtem Besitz. Es kann aber dieser Umstand kein so nachteiliger sein, daß deshalb der Zuckerrübenbau nicht eingeführt werden solle, wenn sonst die Verältnisse günstig. Anderenfalls wird auch behauptet, daß die Arbeitslöhne zier höher sein würden, als anderswo. Diese Ansicht halte ich entschieden für nicht richtig. Bekanntlich ist die Bevölkerung in den meisten Zuckerbau=Distrikten eine dünne und werden zum Reinigen der Zuckerrüben fremde Arbeitskräfte, namentlich aus dem Eichsfelde herangezogen, welche im Akkord diese Arbeit besorgen. Zu denselben Lohnsätzen würden diese Arbeiter auch nach hier zu ziehen sein und also Mehrkosten nicht entstehen können, wenn nicht in vielen Gegenden unseres Kreises diese Arbeiten durch Invaliden, Witwen, Frauen und Kinder der Arbeiter billiger dieses besorgen. Es würde sogar im letzteren Falle in volkswirtschaftlicher Hinsicht für unseren Kreis wichtig sein, da den hier wohnenden Personen Gelegenheit zu Nebenverdienste gegeben würde. Die Reinigungs=Arbeiten der Zuckerrüben belaufen sich pro Morgen auf zirka 30 M und würden bei—3000 Morgen deshalb 60—100 000#. Lohn zu zahlen sein. Rübenbauer verschiedene Interessen haben und es so überhaupt schwierig ist, Bedingungen sund Garantien zu vereinbaren, welche den Interessen der Geldmänner, aber auch den Interessen der Rübenbauer sicher und dieselbe für Querilationen sichern, welche bei ähnlichen Verhältnissen so vielfach vorkommen sollen und worüber so vielfach Klage geführt wird. Immerhin ist diese Einrichtung aber eine bessere, als diejenige, wo die Rüben einfach geliefert und die Rübenbauer keinen Vorteil von dem Betriebe der Fabrik haten. Es blieb eigentlich nur noch zur Verwertung der Zuckerrüben die erste Einrichtung übrig, daß die Rübenbauer die Fabrik im Wege der Genossenschaft auch bauten und betrieben. Ich verkenne gewiß nicht die großen Schwierigkeiten, welche gerade hier diese Einrichtung bieten wird, aber nach den gemachten Erfahrungen ist dieses das richtige. Ich erlaube mir dieserhalb eine Mitteilung über die Einrichtung der Zuckerfabriken in Braunschweig zu machen. Auf die braunschweigische Landwirtschaft hat die Einführung der Runkelrüben=Zuckerfabrikation den segensreichsten Einfluß ausgeübt, weil sich dies Gewerbe in seinen Grundbedingungen abweichend von denen in den meisten andern Ländern entwickelt hat. Während vielseitig bei der Einführung des Zuckerrübenbaues und der Rüben=Zuckerfabrikation diese Verirrung einzig und allein von den Großgrundbesitzern ausging und auch heute noch dieselben die einzigen Besitzer der Fabrik sind, wenn nicht überhaupt dieselbe ganz oder zum größten Teile in den Händen von Nicht=Landwirten sich befindet, so ist überall im Herzogtum die Runkelrüben=Zuckerfabrikation eine Produktionsgenossenschaft von größeren und kleineren Landwirten, welche in der Form einer Aktiengesellschaft sowohl das notwendige Kapital, wie das zum einträglichen Betriebe der Fabrik notwendige Quantum von Zuckerrüben unter sich zusammenbringen, in der Weise, daß bei Zeichnung jeder Geldaktie auch zugleich die Verpflichtung, eine angemessene Fläche mit Zuckerrüben für die Fabrik zu bauen, übernommen werden muß. Die etwaigen Nachteile, daß eine solche Fabrikheitung von den Beschlüssen einer vielköpfigen Generalversammlung ab hängig ist, werden reichlich aufgewogen durch das gemeinsame Interesse, welches alle Aktionäre verbindet, und ein den Umständen gemäß günstiger Fabrikationsbetrieb wird durch das Aufhören der Rivalität zwischen Proallen Fabriken zur Zeit das Diffrisionsverfahren eingeführt ist, wodurch die tägliche Leistungsfähigkeit derselben gegenüber dem früheren Preßververfahren sehr vergrößert ist, so werden dieselben jetzt meistens auf eine tägliche Verarbeitung von—5000 Zentner Zuckerrüben angelegt, resp. sind in dieser Weise vergrößert. Das zur Erbauung einer solchen Fabrik notwendige Kapital ist natürlich nicht stets gleich und mag sich auf zirka 600 000 M bis zum doppelten dieser Summe und mehr belaufen. m im Herzogthum Br Fabrikationebetriebes Die Kosten dr„el.oto— liegt, je nach der Lage und Einrichtung dr Fabriken, den Preisen des Roh= und Betriebsmaterials, dem Stande der Arbeitslöhne und der Höhe des zu verzinsenden Anlagekapitals sehr verschieden und werden auch sehr verschieden berechnet. Es beliefen sich im allgemeinen die Kosten in der Kampagne 1878—79 auf den Zentner verarbeiteter Rüben auf.36 bis Fahren wir noch die Rübenerträge auf von Aktionären der fabriken selbstgebauten Aeckern im Herzogtum Braunschweig per Hektar in den Jahren 1871—1879 an, so wurden geerntet: 1871 416.5 Ztr., 1872 568.4 Ztr., 1873 589.4 Ztr., 1874 552.1 Ztr., 1875 715.2 Ztr., 1876 520.1 Ztr., 1877 554 7 Ztr., 1878 604.6 Ztr., 1879 757.9 Ztr.„.--E. 1 Es unterliegt keinem Zweifel, daß die Errichtung von Zuckerfabriken hauptsächlich mit zum Aufblühen der braunschweigischen Landwirtschaft beigetragen hat, und daß durch die innige Verbindung dieser Industrie mit dem Landbaubetrieb der Wohlstand der Landwirte, welche Zuckerrübenbau treiben, sich bedeutend gehoben hat. Aus dieser Mitteilung erhellt, daß in Braunschweig die Zuckerfabriken sich auf die Zahl von 31 vermehrt und daß die Erträge, wenn auch verschieden, sich auf 100 Hektar in den letzten zehn Jahren vermehrt haben. Es ist jedenfalls ein Beweis, daß die Rübenbauer sich bei dieser Einrichtung gut stehen, sonst würden dieselben nicht eine solche bedeutende Anzahl Fabriken auf dem Wege der Genossenschaften gegründet haben. Es ist mir aber auch voriger Woche in Hamm, wo ich der Sitzung des landwirtschaftlichen Provinzial=Vereins beiwohnte, von Aktionären und Vorstandsmitgliedern der Zuckerfabrik in Brackel, den Herren Schonlau und Gunst, bestätigt worden, daß auch nach ihrer Ansicht es durchaus im Interesse der Rübenbauer sei, wenn sie den Bau und Betrieb selbst übernähmen.„— Die Zuckerfabrik in Brackel bei Höxter ist erst vor einigen Monaten in Betrieb gesetzt worden und konnten deshalb genaue Mitteilungen über den Betrieb und ob derselbe rentabel sei, noch nicht gemacht werden. Die Zuckerfabrik in Brackel zahlt für den Zentner Rüben 1.44 bis 1 M 10 s und gibt die Träber zurück. Sie vergütet außerdem die Fracht bis zu 22 M pro Waggon. Herr Schonlau hielt eine Zuckrfabrik schon aus dem Grunde hier ..* für Koylen und Kalk hier geringer sei, und weil von Brackel aus seit einiger Zeit der ch Köln verkauft würde. Der Preis für Zucker sei auch gestiegen. Schonlau teilte mir auch ferner mit, daß er stete mehr Rüben baue. vorigen Jahre habe er zirka 65 Morgen, in diesem##brund im künftigen Jahre würde er zirka 200 Morgen bauen. Meine Herren! Ich verkenne gewiß nicht die Schwierigkeiten, welche der Errichtu: und den Betrieb einer Zuckerfabrik hier entgegenstehen. Ich halte es aber für das Gedeihen der Landwirtschaft für sehr richtig, wenn durch hinreichende Versuche dargethan, daß die hier gezogenen Zuckerrüben den nötigen Zuckergehalt erhalten und entsprechend gedeihen, der Bau einer Zuckerfabrik auf gesunder Grundlage angestref wird, da dann anzunehmen, daß dieselbe hier gedeihen wird, weil hie wie wohl in keiner anderen Gegend, bei den guten Weg= und Bahnv bindungen die Rüben von allen Seiten und sogar aus dem Kreise Bochu und Hamm benutzt werden können.„ Es ist aber kaum zu bezweifeln, daß, wenn sich der Bau der Zuckerrüben als lohnend herausstellen sollte, der Kreis Dortmund Rüben in binreichender Zahl bauen werde, besonders wenn, wie in diesem Jahre der Bau der Kartoffeln sich nicht als sehr lohnend herausstellen sollte Jedenfalls ist diese Angelegenheit aber so wichtig, daß ich die GeneralVersammlung bitten möchte, zu beschließen, daß der Verein diese Angelegenheit in die Hand nehme und die Mittel bewillige, daß guter Zuckerrübensamen beschafft, welcher gratis zur Disposition derjenigen Grundbesitzer gestellt wird, welhe Rüben anbauen wollen. Aber daß ferner auch die erforderlichen Instruktionen für dieselbe beschafft werden und womöglich auch die, eine geeignete Person, welche an Ort und Stelle den Rübenbau leitet. Ferner eine kleine Kommission von 2 Mitgliedern etwa, welche ar Ort und Stelle bei Fabriken Informationen einzögen, in welcher Gese schaftsform eine Zuckerfabrik ins Leben zu rufen und wie hoch die Kostei. der Einrichtung derselben sich belaufen würden und demnächst Bericht Her Landes=Kulturtechniker I Weig sagte dann: Anschließend an das vorzügliche Referat des Vorredners Herrn Ehrenamtmann Deusemann gestatte ich mir hiermit, in kleinen Umrissen einige Gesichtspunkte anzudeuten, welche Sie davon überzeugen mögen, daß die Landwirtschaft in der Umgegend großer industrieller Zentren, früher oder später zu einem vollständigen Systemwechsel gezwungen wird. Mit recht hat man die in der Nähe großer Städte wohnenden Landwirte als diejenigen bezeichn. welche unter ihren Berufsgenossen von der Menschheit am meisten be günstigt worden sind, sie können die annehmlichen Einrichtungen, welche das städtische mit sich bringt, mitgenießen und entbehren die Wohlthaten der freien Natur nicht; der Austausch ihrer Produkte gegen Geld oder Waaren ist bequem und der Absatz gut. Die Hindernisse, Schwierigkeiten und Unkosten, welche Zwischenhandel und weite Transporte naturgemäß mit sich bringen, kennen ste nicht. Viele von Ihnen, Herren, wissen aus eigener Erfahrung, welche Strapazen eine Reise von hier nach Bielefeld vor Einführung der Eisenbahnen mit sich brachte un heutzutage können Sie morgens in Dortmund Kaffee trinken, in Ko#n Mittag speisen und in Paris Abendessen und Nachtruhe genießen. Die Dampfwagen haben die schwerüberwindlichen Hindernisse der lokaken Entfernungen beseitigt. Und wird in dem nachfolgenden Zeitabschnitte eines Menschenalters verhältnismäßig das Gleiche geleistet, wie in dem hinter uns liegenden, so ist der Fluch:„Der Mensch sei nicht wert, daß er auf Gottes Erdboden geht“, gebanni; dann ist es überhaupt nicht mehr geschmackooll, zu gehen, es wird in und außer dem Hause nur gefahren: die Hausfrau kann von ihrer Nähmahschine aus die Kochtöpfe auf dem Herde in der Küche mittelst elektrischer Apparate dirigiren, die Speisen denr Schonlau bewirtschaftet ein Gut von 1700 Morgen. Schonlau hat sich gern bereit erklärt, alle mögliche Auskunft dem Vereine zu erteilen und auch gern gestatten, daß die Anlage und der Betrieb besichtigt würde. Derselbe hat auch ein Statut der Genossenschaft nebst Anweisung für die Rübenbauer auf mein Ersuchen bereitwilligst zur Verfügung gestellt und gestern mir dasselbe übersandt. ii Herr Schonlau hiet es auch für zweckmäßig, daß, falls der Versuch mit dem Anbau von Zuckerrüben in einigermaßen bedeutender Weise ge macht werden solle, daß es sich dann empfehlen würde, daß ein Aufseher aus der Gegend von Magdeburg auf gemeinschaftliche Kosten engagirt würde, welcher den betreffenden Personen die nötige Anweisung an Ort und Stelle erteilen könne. Herr Schonlau teilte mir ferner mit, daß er shon seit längerer Zeit Rüben gebaut und dieselben nach Nordheim verkauft habe. In Nordheim seien im vorigen Jahre 65 Prozent Dividende verteilt ßen 190#377##— worden und seien dort in einigen Jahren durch die Dividende die Kosten für die Verschiffung der Ernte, der ganzen Anlage gedeckt worden. wandeln vermittelst elektrischer Bahnen in das Speisezimmer; auf gepolsterten Stühlen bringt man unliebsame Gäste vor die Thüre, ohne ein unfreundliches Gesicht und eine Handbewegung machen zu müssen; die größten Unannehmlichkeiten werden auf elektrischem Wege beseitigt werden können. Dies nur nebenbei, meine Herren. Wichtig für die vollzogene Entwickelung des Eisenbahnnetzes. Das europäische Eisenbahnnetz umfaßte im Jahre 1845 eine Länge von 9162 Kilometer 1865= 75 515, 1875= 141 948, 1879= 165 185 Kilometer. Deutschlan nimmt hieran mit 33 387 Kilometer teil und ist jetzt der eisenbahnreich Gleichen Scheit mit der Entwickelung der festen Danpfwege hal. die Wasserstraßen. Während man früher der Zeit von drei Jahren v. durfte, um die Erde umsegeln zu können, umkreist man jetzt dieselbe in 80 Tagen. Die Verbesserungen der Eisenbahnen und Wasserstraßen haben deshalb auch einen gewaltigen Aufschwung des Handels und des Verkehrs herbeigeführt, namentlich hat der überseeische Verkehr bedeutende Dimensionen angenommen. Als Beispiel will ich Ihnen nur eins anführen: in Karlifornien besäet der Farmer Slenn, unter in Kurtisdeneen=Vescer dr geente Vrsserg—.— könig“ bekannt, ein Areal von 100 000 Akres, oder nach unseren ßen 150 000 Morgen nur mit Weizen, er hat eigens eine kleine Flotte für die Verschiffung der Ernte, welche den auf dem Felde. Lletch, otiger droschenen Weizen nach Liverpool bringt. Die Bewirtschaftungskosten Di Rübenbauer erzielten dort bis 2 für den Zentner Rüben. reduziren sich wesentlich dadurch, daß kein ständiges Personal gehalten