Coesfeld-Ahauler Lireisblatt. Ne 31. Mittwoch den 16. August. 1848. Deutschland über Alles. WDeil dir o Vaterland! O deutsches Vaterland, Heil, Segen dir! Hoch von der Alpen Rand Bis fern zum Meeresstrand Sind deutsch wir und verwandt, Sind Brüder wir. Trennung ist Hochverrath, Einigung edle That. Brüder schlagt ein! Nicht blinde Glaubenswuth, Nicht Stammesübermuth, Raub' uns das edle Gut, Ein Volk zu sein! Fluch der Zerrissenheit! Wir wollen Einigkeit, Gleichheit und Recht. Vivat Germania! Felsenfest steh' nun da! Treu bleibt dir fern und nah Tuiskons Geschlecht! Trennt nicht mit Frevelhand Länger, was Gott verband, O Fürsten ihr! Was eine Sprache sericht, Fürsten, das trennet nicht! Fürsten, das trennet nicht! Ein Volk sind wir! Heil dir o Vaterland! O theures Vaterland, Heil, Segen dir! Schlinget mit Bruderhand Ums deutsche Vaterland Ein schwan=roth= goldnes Band Brüder sind wir! Unterhaltendes. verrätherische Handschuh. (Fortsetzung.) Amalie hatte sich auf das Sopha geworfen und das Gesicht in ihre Hände verborgen. Thränen überströmten ihr hochroth gewordenes Gesicht. Dann rang sie wieder die Hände, richtete den Blick zum Himmel und weinte von neuem. In diesem Zustande traf sie Henriette und wollte ihr Beistand leisten; aber sie gebot ihr, sich zu entfernen. Das Kammermädchen theilte den Kummer ihrer Gebieterin, dessen Ursache sie wohl aus den letzten Worten des vernommenen lebhaften Gesprächs errathen konnte. Sie ging hinaus und dachte nicht daran, daß die Fensterladen des im Erdgeschoß liegenden Zimmers das nach der Straße hinaus lag, noch nicht geschlossen waren. Auch Amalie hatte in der lebhaften Unterhaltung mit Fritz, die bis zum Zwielicht gewährt hatte. nicht daran gedacht. Jetzt zündete sie sich selbst Licht an und setzte sich, den Kopf auf die Hand gestützt, vor den Tisch auf einen Sessel, mit dem Rücken dem Fenster zugewendet. Der erste Schmerz in ihr war vorüber, sie hörte auf zu weinen und sing an, über den Auftritt, den sie so eben erlebt hatte, nachzudenken. In wenigen Augenblicken hatte sich ihre Leidenschaft wieder gelegt und der ruhigen Ueberlegung Raum gegeben, und bald war sie mit sich einig, daß sie zu hart gegen Fritz gewesen, und durch eine Art von Eigensinn ihn gereizt habe. Sie erkannte sich für schuldiger, als ihren Geliebten, und sing eben an, ihren Fehler durch einige Zeilen an ihn wieder gut zu machen. Da geschah plötzlich ein 122 Schuß vor ihrem Fenster, und Amalie stürzte zu Boden. Unterdessen eilte Fritz wie ein Wahnsinni= ger auf den Gassen vorwärts. In der Näbe des Lehmann'schen Hauses war er zwei Soldaten, mit vollständigem Gepäck auf dem Rücken, begegnet, denen er eben so, wie dem Manne unmittelbar vor der Hausthür, nicht auswich, so daß diese, die dicht neben einander gingen, ihm Platz machen mußten, und verwundert ihm lange nachblickten. Mehrere Straßen hatte er bereits in seiner Bewußtlosigkeit durchlaufen, als er gewahrte, wie hinter ihm ein großer Auflauf von Menschen entstand, und aus Mehrerer Munde die Worte vernahm:„Wer hätte das gedachr:— Der Bräutigam die Braut:— Sie schwimmt in ihrem Biute.— Soldan blieb stehen. Die Stimmen näherten sich ihm und fesselten endlich seine ganze Aufmerksamkeit. Da hörte er weiter von mehreren Seiten her sagen:„Sie sollen einen Wortwechsel kurz zuvor mit einander gehabt haben, das hat den Brausekopf so erhitzt, daß er sie erschossen har.— Mich hat er fast über den Haufen gerannt, so schnell eilte er durch die Gaue.— Mich auch!— Wenn ich ihn nur erwischen könnte; der Mörder dürfte seiner verdienten Strafe nicht entgehen.“ Fritz wußte nicht, was er von diesen Reden denken sollte. Das Gespräch der Leute schien sich wirklich auf ihn zu beziehen, ohne daß er wußte, wie er es auf sich deuten sollte. Jedenfalls aber hielt er es für gut, der aufgeregten Volkswuth sich eiligst zu entziehen. Er eilte also wieder fort. Aber das war nicht so leicht. Kaum hatte er einige Schritte vorwärts gethan, als einer der Manner, von denen jenes Gespräch geführt worden war, ihm nacheilte und ihn mit dem Ausrufe am Arme packte:„Das ist der saubere Vogel!“ Soldau riß sich los und verdoppelte seine Schritte. Das reizte die Menge nur noch mehr; man eilte ihm nach und rief ununterbrochen:„Haltet auf, haltet den Mörder auf.“ Natürlich zog dieses Geschrei immer mehr Menschen herbei, und fast schien es unmöglich, daß Soldan entkommen könnte. Dennoch gelang es ihm, in eine Seitengasse zu flüchten, in demselben Augenblicke, wo ein Polizeibeamter der aufgeregten Menge entgegentrat, und sich nach der Ursache des Auflaufs erkundigte. Während demselben Aufschluß darüber gegeben wurde, benutzte Soldau den Augenblick und gelangte glücklich an das Haus seiner Mutter, das nicht weit mehr davon entfernt lag. Wie überraschend und erschütternd seine Ankunft in demselben war, wie man augenblicklich, ohne die Ursache seiner Flucht zu erfahren, ihn in Louisen's Zimmer verborgen hatte, wissen wir bereits. Im dunklen Zimmer der Schwester sich selbst überlassen, dachte er jetzt über seine Lage nach. Die Begebenheiten der letzten Stunde erschienen ihm wie ein Traum. Bald bereute er sein Verhalten gegen Amalie, und machte sich die bittersten Vorwürfe darüber, bald suchte er sein Benehmen wieder zu rechtfertigen mit der Art und Weise, wie ihm die, an welcher sein ganzes Herz mit wärmster Liebe hing, begegnet war. Dann verachtete er sich selbst um seiner Feigheit willen, mit der er die Flucht ergriffen hatte, ohne sich einen Grund dafür angeben zu können. Er rief sich das Gespräch seiner Verfolger in's Gedächtniß, und verwirrte dadurch seine Gedanken nur noch mehr. Endlich warf er sich auf das Sopha, und schien vor Erschöpfung einzuschlummern. Während dieser Zeit hatte Bremer die beiden Frauen verlassen, um sich nach der Ursache des Volksauflaufs zu erkundigen, der, wie ihm ahnte, mit der Flucht seines künftigen Schwagers in Verbindung zu stehen schien. Er versprach, so schnell, als nur möglich, wieder zurückzukehren. Er erfuhr bald, was geschehen war, und so sehr es ihn auch Anfangs erschütterte und beunruhigte, so faßte er sich doch bald wieder, und suchte durch vorsichtige Mittheilung des umlaufenden Gerüchts, wovon er jedoch Soldan völlig freisprach, bei seiner Rückkehr die beiden Frauen zu beruhigen, was ihm jedoch nur halb gelang. Die Amtsräthin, die 123 ihre Thränen nicht zu stillen vermechte, wurde ernstlich krank, wollte jedoch durchaus ihren Sohn sehen und sprechen. Bremer verhinderte das aber, und vermochte die Mutter seiner Louise endlich, daß sie sich in's Bett bringen ließ. Während man den Arzt rief, blieb Louise bei ihrer Mutter und gab ihrem Bräutigam auf Verlangen den Schlüssel zu ihrem Zimmer. (Fortsetzung folgt.) Ueber die barmherzigen Schwestern. Wenn in den Tagen des Unglaubens und der Finsterniß Boten des Lichts und Helden des Glaubens aufstehen, die gleich Sternen der Nacht durch das trübe Gewölke glänzen, und von göttlichem Lichte erleuchtet, von heiliger Liebe entflammt, den erlöschenden Funken des Glaubens wieder zu hellen Flammen anfachen,— wenn Gott in den Zeiten allgemeiner Erkaltung, der Selbstsucht und Lieblosigkeit, fromme Seelen erweckt, die in heldenmüthiger Selbstaufopferung durch Liebe und Erbarmung getrieben, ihr Leben dem Dienste der leidenden Menschheit weihen, — menn bei allgemeinen Bedrängnissen, wo der Todesengel verheerend durch alle Länder schreitet, überall Gräuel der Verwüstung aufpflanzt— wenn va Gottgeweihte Jungfrauen wie himmlische Lichtgestalten auf den Gefilden des Jammers und des Todes erscheinen, überall Rettung, Hülfe, Trost und Segen verbreitend, und wenn wir so durch die ganze Geschichte der christlichen Jahrhunderte hindurch neben der Finsterniß immer neues Licht, neben der Verwesung immer neues Leben aufblühen sehen: so erfahren wir hierin, daß der Herr seine Kirche nicht verläßt, und bei uns bleibt bis aus Ende der Tage; so sehen wir darin die himmlische, sich immer verjüngende Kraft und Herrlichkeit der Kirche Christi, dieser irdischen Herberge der göttlichen Barmherzigkeit.— auch wir leben in einer solchen wunderbaren Zeit! Wir sahen mächtige Throne wanken, stürzen, die Kirche Christi verfolgt, mit Schmach und Hohn bedeckt, den Unglauben wie einen vielgestalten Cerberus aus den Abgründen des Hades sein Haupt erheben; wir sahen Verfassungen ohne Halt, Gesetze ohne Kraft und Ansehen zusammen brechen; Die Völker in Aufruhr und Empörung gegen sich selbst, die Sitten in einer arenzenlosen Entartung, und die Folge von all diesem:— Verwirrung, Armuth, Elend, Rathlosigkeit im öffentlichen wie im Privat=Leben. Aber neben diesen bedroblichen Vorzeichen einer nahen Auflösung gewahren wir mit freudigem Erstaunen, wie aus dem Schooße immer neue Lebenskeime und Blüthen hervorsprossen, die uns über die bejammernswerthen Erscheinungen der Gegenwart trösten. Woher denn aber die sich immer wiederholende Erscheinung, daß Verwesung und Leben immer so nahe bei einander wohnen?— Alles Leben ist nur Theilnahme am göttlichen Leben; was sich von diesem trennt, fällt der Verwesung anheim. Daher die Erscheinungen aller Zeiten, daß alle menschliche Einrichtungen, Verfassungen Gesetze und Anstalten, wenn sie sich lossagen von Gott, von Christus und seiner heiligen Kirche ohne Leben und Kraft, ohne Segen und Gedeihen sind, daß Alles, aus dem das christliche Lebenselement gewichen ist, den Tod in sich trägt und den Fluch: daß hingegen Segen und Heil und Gedeihen in allen zeitlichen wie in ewigen Dingen nur erhalten wird im treuen, freudigen Festhalten an Gott und seiner d. Kirche. — zms m eden der Triumph der Religion, daß sie, sowie sie bei ihrem Eintritt in die Welt das Angesicht der Erde erneuert hat, so der ewige, unversiegbare Quell aller Segnungen bleibt für und für. Sie umfaßt den ganzen Menschen und durchdringt Alles mit höherer Weihe und Lebenskraft. Wo ist irgend eine segensvolle und heilbringende Anstalt, die nicht aus dem Schooße der Kirche hervorgegangen, nicht erst durch die Religion geheiligt wäre? Sie ist es denn auch, die jene frommen Vereine und Schwesterschaften ins Leben gerufen, deren Mitglieder sich ausschließlich den Werken der christlichen Barmherzigkeit weihen, die, während sie scheinbar nur ein irdisches Tagewerk verrichten, die Behausung des Elends und Jammers mit 124 himmlischen Segnungen erfüllen. Diesen erhabenen, diesen schönen Beruf sehen wir von den barmberzigen Schwestern erfüllen, von Jungfrauen, die, mit dem Geiste der wahren Liebe erfüllt, in der Blüthe und Kraft ihrer Jugend, die Welt mir all ihren Lüsten und Freuden verlassen, um— ja um den Herrn zu dienen in seinen kranken, elenden Brüdern. Wahrhaftig! ein ehrwürdiger, echt christlicher Beruf, dem vorzugsweise die Verheissung Christi gilt: „Selig find die Barmherzigen, denn sie werden Barmherzigkeit erlangen,“ ein wahrer Schwestern=Verein, der durch sein Leben und Wirken die Bewunderung und Rührung der ganzen christlichen Welt sich erworben, jenen aber unbegreiflich bleiben muß, die keine Ahnung haben von der Macht des innern Lebens und den Kräften der ewigen Welt. (Fortsetzung folgt.) Handels- Nachrichten. Neuß, den 11. August. Weizen 2 Thlr. 4 Sgr.— Pf. Roggen 1 Thlr. 8 Sar— Pf. Wintergerste 1 Thlr. 2 Sgr.— Pf. Sommergerste 1 Thir 2 Sgr.— Pf. Hafer— Thlr. 24 Sgr. Pf. Buchweizen 1 Thir, 8 Sgr.— Pf. sen 2 Thir. 5 da— Pf. Oeffentliche Anzeigen. Der Neubau einer massiven Karlanei=Wohnung zu Lette soll am Samstag den 19. August c. Vormittags 9 Uhr bei dem Vorsteher Wesseling daselbst den Meistdielenden verdungen werden; Unternehmungslustige können Riß und Kosten=Anschlag bei mir einsehen. Haus Schwickering, den 13. Aug. 1848. Amtmann v. Wydenbrück. Bei F. Schöningh in Paderborn erscheint und ist durch B. Wittneven Sohn zu beziehen: Kirchenblatt für Katholiken. Wöchentlich erscheint hiervon 1 Bogen und ist der Preis jährlich 2 92t:, halbjahrlich 1 Brt: SRR S Todes=Anzeige. Am 12. d. Mts., Nachmittags halb 3 Uhr Centschlief zu einem besseren Leben unser lieber Sohnund Bruder S Friedrich Carl Leopold Wittneven;? durch die Heilsmittel unserer h. Religion gestärkt,# E im kaum vollendeten A0ten Jahr= seines Alteré## Fer wurde am 8. Mai v. J. vom Blutspeien be. s fallen, als er eben sein Berufsstudium gie ans wissenschaft, begonnen, und ging dieses Uebel. 2 ohne daß er es ahnte: in Schwindsucht über, an deren Folgen er sanft verschied, geliebt von seinen? ap Eltern, Geschwistern und Allen, die ihn kannten. Indem wir diesen Trauerfall Verwandten und * Freunden anzeigen und um ihr christliches AndenG ken an den Verstorbenen bitten, danken wir zuX gleich Allen, welche durch Wort und That ihre 8 Theilnahme während der langen Krankheit unseres &a Sohnes und Bruders an den Tag gelegt haben. Ebeoselo den 13. August 1848. 8 Die trauernden Eltern und Geschwister. Schützenfest in Coesfeld. Die geehrten Mitglieder der Schützen=G sellschaft werden hierdurch benachrichtiget, daß das diesjährige Schützenfest am 28. und 20. d. Mts. stattfinden wird; zugleich ersuchen wir, die gewöhnlichen Beiträge vor den 24. d. an unsern Rendanten, Herrn Heinrich Thier, einzuzahlen. Auswärtige Fremde werden hierzu ergebenst eingeladen, mit der Versicherung, daß wir uns bestreben werden, ihnen diejenigen Vergnügungen zu gewähren, welche ein derartiges Fest darbieten. Coesfeld den 14. August 1848. 925 Das Comité. 940 Eingeweichten Stockfisch und schöne Lichter bei Schütte. Redaktion, Druck und Verlag von B. Wittneven(Vater) in Coesfeld.