Coesfeld-Ahauler Kreisblatt. Mittwoch den 24. Mai. 1848 Die Abendstunde. enn ihren letzten Strahl die Sonne Im Westen feurig niedersenkt, Die Schöpfung sich zur Ruh' will neigen, Die Heerde ruht, die Vöglein schweigen, Der Landmann heim zur Hütte lenkt; So schweigt des Tages bunt Gewühle, Es schweigt beim Nah'n der stillen Nacht— Der Tag fängt mählig an zu dunkeln, Und tausend, tausend Sternen funkeln, Die stumm bezeugen Gottes Macht. Hier wird die Seele hoch gehoben, Wenn's Aug' zum Sternendome blickt! Hier, von der Gottheit selbst umgeben, Scheint sie in höh'rem Kreis zu schweben, Dem niedern Stoff aus Staub entrückt. O, diese Stunde, die der Tugend, Der Weisheit einen Altar baut, Sie lehrt den Glanz der Welt verachten, Sie lehrt nach dem, was Oben, trachten, Mit stillem Flüstern, leis’ und traut. In dieser hehren Stunde beugen Vor ihm sich tausend Knieen gern; Der trotz'ge Zweifler selbst bekennet Den Gott, von dem er sich getrennet, Und nennt ihn wieder seinen Herrn. Drum diese Stunde sei dir heilig O Jüngling! heilig, Jungfrau, dir! War Gott und Tugend stets mein Streben? Hab ich der Weltlust mich ergeben? So ernste Fragen stellt euch hier. Durchdenkt den Tag, der jungst entschwunden, Und fragt euch selbst, ob keiner Schuld Das Herz euch zeiht, ob's nicht vonnothen, Daß ihr in reuigen Gebeten Kniefällig fleht um Gottes Huld. Dann wird eurr pochend Herz euch sagen, Daß gegen manches Pflichtgebot In Wort und That ihr häufig fehltet, Und daß, so gern ihr's euch verhehltet, Ihr täglich schuldig steht vor Gott. O, stiehlt sich dann ins Aug' die Thräne, So werft euch auf die Kniee hin Vor Ihm; der gern verzeiht dem Sünder, Mit Liebe blickt auf seine Kinder, Sobald sie zeigen Reuesinn. Wie sanft wird euer Schlummer werden, Wenn ihr zuvor, zur Abendsiund', Das Knie und Herz dem Höchsten beuget, Und demuthsvoll vor Ihm euch neiget, Die Schuld bekennt mut Herz und Mund! Auch segensvoll wird diese Stunde In Gluck und Ungluck, Leid und Noth.— Auch dann, wenn keine Sternlein blinken, Wenn aller Muth euch scheint zu sinken, Befehlt getrost euch euerm Gott. Wie werdet ihr dann selig scheiden, Wenn ihr im Tode einst erblaßt, Wenn ihr dies Leben voll Beschwerde, Die lockende und falsche Erde Mit heit'rem Engelblick verlaßt!— — n. Unterhaltendes. Die Erbin von Marseille. (Fortsetzung.) —„Sie thun mir wirklich Unrecht, General. Ich bin von ganzem Herzen ein Freund des Convents, und als solcher darf ich Ansprüche auf ihren Schutz erheben.“ —„Bürger Lafont, ich muß noch immer an Ihrer Aufrichtigkeit zweifeln. Haben Sie eine Frau?“ —„Ja, Herr General.“ —„Und Kinder?“ —„Eine Tochter, Herr Generak. Der Befehlshaber drehte dem zitternden und demüthigen Kaufmann fast den Rücken zu und fuhr mit erneuetem Eifer fort zu schreiben. —„Herr Lafont, man kann Frauen oft in Dingen trauen, bei denen man Zweifel in Männer setzte. Bringen Sie Ihre Frau und Tochter hierher, damit sie für Ihre Treue Bürgschaft leisten.“ Kaum hatte sich Lafont entfernt, als des Generals angenommene Ruhe in eine Aufregung überging, welche noch größer war als die des armen Kaufmanns. Er stand von seinem Sessel auf, und ging mit eiligen Schritten im Zimmer auf und ab, er war nicht mehr der eiserne Kriegsmann, sondern gab sich ganz seiner inneren Bewegung hin. Erst als sein Adjutant, und mit demselben Herr Lafont, dessen Frau und Tochter eintraten, kehrte bei ihm das Gefühl seiner Stellung zurück. Er bewies dann jene Selbstbeherrschung, welche nur denen eigen zu sein pflegt, die geübt sind in der Kunst ihre Leidenschaften zu bemeistern. Er saß wieder an seinem Pult und schrieb, nur schien er sich noch fester in seinen Pelzrock gehüllt zu haben. —„Bürgergeneral! tapferer Vertheidiger unserer glorreichen Republik,“— sprach Madame Lafont, deren hochtrabendes Wesen sich in den neun Jahren nicht verändert hatte,—„ich komme zu Ihnen, um Ihnen zu versichern, daß mein Gatte ein treuer Anhänger der Republik ist, er hat selbst im Sinne sich um eine Stelle im Nationalconvent zu bemühen.“ —„Das heißt, Madame, wenn wir seine Speicher, Schiffe und Geldsäcke schonen, denn es ist die Frage, ob nicht Alles für die Republik confiscirt werden muß.“ Als diese Worte mit tiefem aber ruhigem Ton der Stimme ausgesprochen wurden, konnte Nichts der Verzweiflung gleichkommen, welche sich in dem Antlitz des Kaufmanns malte, dessen ganze Eristenz wie es schien, von dem Manne, vor welchem er stand, abhing. Die stolze Dame bemerkte ebenfalls, daß ihr hochfahrendes Wesen ihr Nichts helfen werde, und sie bat jetzt in den demüthigsten Ausdrücken um Gnade. Cecile stand mittlerweile hinter der Mutter. Als wir zuletzt von ihr redeten, war sie eine noch unentfaltete Blume, jetzt war sie zum Weibe herangereift, und vereinigte mit der Frische eines fünfzehnjährigen, die höheren Reize eines vier und zwanzig Jahr alten Mädchens. Sie war eine stelze Gestalt, und ein Kaiser hätte sich ihrer als seiner Frau nicht zu schämen gebraucht. —„Das genügt, Madame,“— sagte der General—„und Mademoiselle— ich bitte um Entschuldigung— Sie sind vielleicht verheirathet?“ —„Nein, Herr General, unsere Tochter ist unverehelicht.“ —„Bekräftigt Mademoiselle gleichfalls die republicanischen Gesinnungen Ihres Vaters?“ —„General selbst um das Geld meines Vaters zu retten, will ich keine Unwahrheit sagen. Alles was ich sage, ist, daß wir besser thun, sogleich uns Ihrer Gnade zu empfehlen.“ —„Cecile,“ sagte Madame Lafont, mit leiser Stimme, kaum vermögend ihre Entrüstung zu verbergen—„bist Du nicht gescheidt? willst Du uns gänzlich ruiniren?“ —„Ha, Mademoiselle hat Recht, endlich bin ich hinter die Wahrheit gekommen. Bürger Lafont, Sie sind dennoch ein Royalist. Ihr Besitz muß für die Französische Republik confiscirt werden.“ Der unglückliche Kaufmann und seine Gattin standen erschreckt da, sie waren beide überwältigt von der Größe des Unglücks, welches sie betrofsen hatte, und unwillkürlich fielen sie auf die Kniee, Cecile näherte sich dem Befehlshaber mit zitterndem Schritt. —„General—“ —„Reden Sie, Mademoiselle.“ —„Man sagt, Sie wären gerecht und barmherzig. Meine Eltern sind alt, sie haben in den letzten Jahren viel Mißgeschick erfahren, haben Sie Mitleid mit ihrem grauen Haar, ich flehe Sie an!“ Indem das schöne Mädchen sich so vor dem Krieger der Republik beugte, wagte er nicht, sie anzuschauen, sondern wandte das Haupt ab, und dieselbe Aufregung wie vorhin schien sich seiner zu bemächtigen. (Schluß folgt.) Liebe und Muth eines Kindes. Ein braver Bürger von San=Domingo, der kein anderes Verbrechen begangen hatte, als daß er reich war, wurde aus diesem Grunde auf die Liste der Geächteten gesetzt. Die Rasenden, die sich noch den Namen Patrioten beizulegen frech genug waren, während sie ihre Hände mit dem Blute der besten Bürger befleckten, verklagten ihn als einen Feind des Gemeinwohls, und er wurde mit einer Menge anderer Unglücklichen zum Tode verdammt. Zum Glücke war der edle Kolonist Vater, Vater einer kleinen Tochter voll Muth, Zärtlichkeit und Kraft. Als man ihn aus dem Schooße seiner Familie herausriß, da begleitete ihn sein Kind mit dem heldenmüthigen Entschlusse, das Schicksal seines Vaters, sei es auch noch so furchtbar, zu theilen. Schon waren dem Verurtheilten, den man unter die ersten hinzurichtenden Schlachtopfer gestellt hatte, die Augen verbunden, und die Hände zusammengeschnürt, schon richteten die Mordgehülfen ihre Waffen auf den Unglücklichen, der, aller Hoffnung beraubt, sich zum Tode gefaßt gemacht hatte. Siehe— da hatte die weise und gütige Vorsehung für ihn eine liebenswürdige Retterhand ausersehen. In dem Augenblicke, als das Zeichen zur Abfeurung des Geschützes gegeben wurde, sprang ein kleines Mädchen hervor mit dem Geschrei:„Mein Vater! ach, mein Vater!“— Umsonst suchte man sie der Todesgefahr zu entreissen, umsonst versucht man Drohungen; nichts vermag sie aufzuhalten, nichts sie zu schrecken. Sie springt ihrem Vater entgegen, umschlingt seinen Körper, drückt ihn fest an sich mit ihren kleinen Armen, und erwartet so den Augenblick, wo sie sterben wird mit dem Urheber ihres Lebens.„O, meine Tochter, theures Kind, einzige süße Hoffnung deiner jammernden Mutter, die bald Wittwe sein wird“— ruft ihr der Vater zitternd und unter Thränen zu,—„fliehe, ich beschwöre dich, ich befehle es dir!"—„T mein Vater“— erwiderte sie,— laß mich, wir sterben zusammen!“— Wie stark ist doch die Gewalt der Tugend selbst über die sonst gefühllosesten Gemüther. Dieses unerwartete Ereigniß entwaffnete den Befchlshaber bei der Mordscene. Vermuthlich war er selbst Vater!— Die Stimme der Bewunderung, der Aufruf zum Mitleid ertönt plötzlich im Innern seines Herzens. Unter einem scheinbaren Vorwande entzieht er den Unglücklichen der Todesstrafe und befiehlt, ihn in Gesellschaft seines Kindes nach dem Gefängniße zurückzuführen. Ein Augenblick Aufschub ist bisweilen sehr kostbar. Bald gewann die Sache ein anderes Anschen. Der gute Vater wurde frei gelassen, und von diesem glücklichen Tage an ergriff er jede Gelegenheit, mit der zärtlichsten Rührung die heroische That seiner kleinen, erst zehnjährigen Tochter zu erzählen.— Zu dem Herzog Ferdinand von Braunschweig kam im siebenjährigen Kriege ein Alchymist und bot ihm an, Eisen in Gold zu verwandeln.„Nichts um Alles in der Welt,“ entgegnete der Herzog:„Eisen brauche ich, um gegen die Franzosen zu fechten, und mit Gold versieht mich England. Können Sie aber Mäuse und Ratten in Kälber und Ochsen verwandeln, so sind Sie mein Mann, denn jene fressen mir meine Magazine weg, und diese habe ich nicht immer im Ueberfluß.“ Auf einem Balle trug ein Herr einem Kellner auf, seiner Frau ein Glas Limenade zu bringen. Dieser hatte die ihm bezeichnete Dame nicht genau angesehen, und brachte die Limonade der Nachbarin. Als der Chemann dies sah, ging er auf seine Frau zu, und suchte ihr durch Husten dies Mißverständniß bemerklich zu machen. Diese fragte ihn, warum er denn huste? worauf er ihr ärgerlich erwiderte:„Die Limonade ist in die unrechte Kehle gekommen.“ Charade. So lange von Liebchen das Ersie ich bin, So fliehen die Tage mir freudlos dahin. Das Zweite, das lieb' ich von Rebensaft voll Gern leer' ich's auf Liebchens beständiges Wohl. Und wenn mich das Erste doch drücket zu sehr, Und wenn auch das Zweite mir hilfet nicht mehr, 28 So richt' ich das Ganze nach Liebchens Haus; Vielleicht, daß sie schauet zum Fenster heraus. Ich seh' ihr in's Antlitz, und weide mich dran; Das hat mir oft mehr als Arzneien gethan. Bunte Gedanken. (Fortsetzung.) Vom Wahrsagen läßt sich wohl leben in der Welt aber nicht von Wahrheitsagen. Das alte Weib könnte eine vortreffliche politische Monatschrift werden. Ein Wink für die Utilisten: Die menschliche Haut ist ein Boden, worauf Haare wachsen; mich wundert's daß man noch kein Mittel ausfindig gemacht hat, ihn mit Wolle zu besaen, um die Leute zu scheeren. Eine Gleichheit und Freiheit festsetzen, so wie sie sich jetzt viele Menschen gedenken, hieße ein eilftes Gebot geben, wodurch die übrigen zehn aufgehoben würden. (Wird fortgesetzt.) Coesfeld den 23. Mai 1848. Heute sind 6 der Stadtlohner Tumuliuanten mit Militair= und Gensdarmerie=Eskorte hierdurch und weiter nach Munster transportirt. Mehrere derselben sollen vor der Arrestation entwichen sein. Oeffentliche Anzeigen. Mühlensteine besier blauer Oberrheinländischer Sorte, von ausgezeichnet guter Qualität und von jeder beliebigen Größe, so wie auch Windmühlen= Achsensteine, Traß. Tannenbord, Schiefer, rothe Flursteine und feuerfeste Backofen=Flursteine sind so eben wieder angekommen. Haillern den 5. Mai 1848. A. Kolck Wiwe. Solide, sichere und anempfehlungswerthe Capitalanlage. Das große Badische Staatsanlehen von 14 Millionen Gulden, von den Landesständen errichtei und garantirt, bietet Gewinne von 14mal 50,000, 54mal 40,000, 12mal 35,000, 23mal 15,000, 2mal 12,000, 55mal 10,000. bis abwärts fl. 42. Die nächste Vetloosung findet am 31. Mai 1848 statt und sind hierzu bei unterzeichnetem Handlungshaus Originalloose a 17 Htt zu beziehen. Plane und jede Auskunft gratis. Julius Stiebel junior, Banquier Bureau, Wollgraben in Frankfurt am Main. Co. A6 S. — 0• Geo Den Geduld! Verlo Geduld, Der§ Und wer Sieh'! Es steht Den C Drum so Der C Die halt Wenn Nur fest Die E Da bei Vielen die Vermuthung entstanden ist, daß ich den mit einem X bezeichneten Artikel der letzten Nummer des Coesfeld=Ahauser Kreisblattes, mit den Worten anfangend: „Die Wahlbewegung ist glücklich vorüber u. s. w.“ habe inseriren lassen, so bitte ich die löbliche Redaktion dieses Blattes öffentlich bescheinigen zu wollen, daß jene Vermuthung eine unbegründete ist. Coesfeld den 22. Mai 1848. von der Nahmer. Wird hiemit bescheinigt. Die Redaktion. Geld-Courle. Düsseldorff, den 17. Mai. Redaktion, Druck und Verlag von Alle von mir bezogenen Loose nehme bis zum 30. Juni l. J. im Falle solche in dieser Ziehung nicht herauskommen sollten jederzeit à 16 Rti zurück, daher die Einrichtung getrossen ist, daß zur Postersparung nur der Coursverlust von 1 ti einzusenden ist. Solide Männer, die sich mit dem Debit befassen wollen, erhalten einen schönen Rabatt. Als Verlobte empfehlen sich: Entbindungs=Anzeige. Allen Freunden und Bekannten beehre ich mich hiermit ergebenst anzuzeigen: daß meine Frau, geborne F. Schmitz, heute Nacht von einem gesunden kräftigen Knaben glücklich entbunden worden ist. Frankfurt a/M. den 19. Mai 1848. Wedewer, Schul=Inspector. B. Wittneven(Vater) in Coesfeld. 1 Die 7 —„Made vor ich Ihre: erlauben Sie: auch in diesem Offizier, welch dieser Stadt g er Sie vor Ja bedeutenden Vei ich nehme an ist Kapitän Di Cecile's A nächsten Mome in Ohnmacht g —„Ha, Lafont aus— gut, er war ei