Abonnements=Preis halbjähr. für Hiesige 22 Ghr 6 4x., für Auswärtige 25 portofrei. Wochenblatt Soteriggengr e jedoch haben die Abonnenten ihre Anzeigen frei. der Kreise Cvesfeld und Ahaus. Né 5. Coesfeld den 29. Januar. 1848. Unterhaltendes. Der Operateur. (Schluß.) Sir John Elwes war der Sohn eines reichen Londoner Brauers, Namens Meggot. Dieser hatte sich in ein junges Mädchen von gemeiner Herkunft verliebt, und gegen den Willen seiner Familie mit ihr verheirathet. Mistreß Peggy war aus der größten Dürftigkeit auf einmal zu großem Vermögen gelangt, denn Meggot war einer der reichsten Bürger der City. Anstatt sich aber die so lange entbehrten Freuden und Genüsse zu verschaffen, überließ sie sich einem beispiellosen Geiz. Meggot bemühete sich vergebens, diese unedle Neigung zu bekämpfen. Sie verminderte die Zahl der Dienstboten in dem ausgedehnten Hauswesen ihres Mannes, und jene, welche sie durchaus behalten mußte, erhielten einen sehr geringen Lohn und magere Kost. Auch der Herrentisch war so schlecht bestellt, daß Meggot nie einen Freund einzuladen wagte. Er kämpfte nachdrücklich gegen die schmähliche Knauserei, aber vergebens, nichts war im Stande, diese schmutzige Leidenschaft zu bewältigen. Die Geburt eines Sohnes war weit entfernt in den Ideen der Mistreß Meggot eine Veränderung zu bewirken. Die reiche Bürgersfrau ging in der gemeinsten Kleidung aus, kaufte verdorbene Eßwaaren um einen Spottpreis ein, und zog den Ihrigen dadurch nicht selten bedenkliche Unpäßlichkeiten zu. Meggot erhielt einst bei einem Besuche seiner großen Brauereien eine bedeutende Brandwunde am Beine. Er befahl sogleich zu einem Wundarzte zu senden; Mistreß Peggy aber versicherte, die Wunde sei unbedeutend, und man brauche für ganz unnütze Arzneien keine Ausgaben zu machen Die Klagen, Befehle und Drohungen des Mannes, der an's Lager gefesselt war, blieben fruchtlos. Der Kranke siel in ein heftiges Fieber, und starb nach achttägigen furchtbaren Qualen als ein Opfer des Geizes und der Gefühllosigkeit. Seit jener Zeit kannte die niedrige Leidenschaft der Mistreß Meggot keine Gränzen mehr. Sie ließ ihren Gemahl, den angesehenen reichen Bürger, wie einen Bettler beerdigen, und die Brauknechte mußten zusammenlegen, um ihm einen Grabstein zu setzen, den die Wittwe nicht bezahlen wollte. Sie entließ die ganze Diener= schaft, verkaufte das großartige Etablissement, und bezog mit ihrem Kinde eine elende Dachkammer. Ihre Goldgier artete dort in einen wahren Wahnsinn aus. In Folge der Entbehrungen, welche sie sich auflegte, wurde ihr Gesundheitszustand immer schwankenber, und gleichwohl behauptete sie, man könnie sehr gut leben, ohne zu essen. Diesem diätetischen System unterwarf sie sich und ihren Sohn mit so nachsichts 34 loser Strenge und Beharrlichkeit, daß man sie eines Morgens todt im Bette fand. Ihr Sohn lag erschöpft und entsetzlich abgemagert neben ihr. Das Kind erhielt einen Vormund. Dieser schickte den kleinen John in das Westminster Kollege. An den klassischen Studien schien der zu neuem Leben erwachende Schüler keinen besondern Geschmack zu finden; die gymnastischen Uebungen sagten ihm besser zu, und er wurde nicht nur ein vortrefflicher Reiter, sondern auch ein gewaltiger Boxer, der in manchem nationalen Faustkampfe den Sieg davon trug. Als John endlich des Schulzwanges entledigt war, stürzte er sich mit einer an Wahnsinn gränzenden Gier in den Strudel der Ausschweifungen und Zerstreuungen. Er vergeudete in kurzer Zeit das von seinem Vater hinterlassene Vermögen, und wurde endlich von einer Rotte hartnäckiger Gläubiger verfolgt. In dieser bedrängten Lage erinnerte er sich, daß er zu Stocke, in der Grafschaft Suffolk, einen Obeim habe. Zu diesem begab er sich in ganz gemeiner Kleidung, denn der Oheim, welcher sich durch Wucher bereichert und den Baronstitel erworben hatte, war ein würdiges Seitenstück zu seiner Schwester Peggy, der Mutter Johns. Der junge Verschwender heuchelte eine völlige Uebereinstimmung mit der niedrigen Leidenschaft seines Oheims; er fügte sich durch 5 Jahre in das elende Leden des Klten, und Sir Harrey Elwes gewann seinen Nessen John Meggot dadurch so lieb, daß er ihn unter der Bedingung, Namen und Wappen der Familie Elwes anzunehmen, zum Erden seines ganzen Vermögens einsetzte. Seine Erbschaft betrug mehr als zweimalhunderttausend Dfund Sterling. Sir John kehrte nach London zurück, ohne irgend Jemand von seinem Reichthume ein Wort zu sagen. Um vor ferneren Verfolgungen seiner Gläudiger sicher zu sein, ließ er die in den Händen der letzteren befindlichen Wechsel und Schuldscheine, um einen geringen Theil der Hauptfumme unter der Hand aufkaufen, und so entledigte er sich seiner Schulden, welche sich etwa auf zwanzigtausend Pfund beliefen, durch Entrichtung einer unbedeutenden Summe. Man erwartete nun, er werde sein früheres tolles Leben wieder anfangen; allein er blieb in seinen bettelhaften Kleidern, an welche er sich bei seinem Oheim gewöhnt hatte, und legte sich, ungeachtet seines Reichthums, die größten Entbehrungen auf. Nur von Zeit zu Zeit kehrte er zu seinen früheren Thorheiten zurück. Aber auch diese närrischen Launen dienten ihm als Mittel zur Befriedigung seines Spekulationsgeistes. So hatte er einige Monate hindurch die schönsten Jagdhunde und die famosesten Wettrenner in ganz England. Als er diese Laune hinlänglich befriedigt hatte, verkaufte er die edlen Thiere, mit einem Nutzen von vierhundert Pfund Sterling, an einen reichen Lord. Auf einem Markte von Smithfield verhandelte er in eigener Person die von seinen Landgütern hergetriebenen Ochsen und Schafe und selbst das Federvieh stand unter seiner besonderen Controlle. Wenn er zu Pferde war, und in die Nähe eines Schlagbaumes kam, so nahm er lieber einen Umwea von mehreren englischen Meilen, und er wagte sein Leben auf derk halsbrechendsten Pfaden um einige Pence zu ersparen. Auf diese Weise wurde das Vermögen des Sir John Elwes in kurzer Zeit verdreifacht. Der Ehrgeiz blieb ihm dabei keineswegs fremd; er ließ sich zum Parlaments=Mitgliede für Berkshire wählen. Diese Wahl ging ohne alle Umtriebe von statten, er verdankte sie allein dem Einflusse, den er durch sein ungeheures Vermögen erlangt hatte. Er rühmte sich später oft, daß die Kosten seiner Wahl sich nur auf drei Dence belaufen hätten. Dieser sonderbare Mann war 12 Jahre Mitglied des Unterhauses. Ungeachtet seines beispiellosen Cynismus, stand er unter seinen Kollegen im Rufe der strengsten Gewissenhaftigkeit und Unpartheilichkeit. In vielen streitigen Fällen wurde Sir John Elwes als Schiedsrichter aufgestellt. Dies war der Patient, für den der Doktor Abernethy die berühmoesten Aerzte Londons zusammenzuberufen versprochen hatte. Sir John Elwes war der Erste, der sich in der Wohnung Abernethy's einfand. „Sein Sie willkommen,“ sagte der Doktor, ihm entgegen gehend:„meine Kollegen sind nicht sehr pünktlich, und ich will diese Frist benutzen, um einige Maßregeln mit Ihnen zu treffen. Sie müssen die bevorstehende Berathung mit anbören; Sie müssen alles deutlich und vollständig hören, damit Sie die Meinung meiner Kollegen über Ihren Zustand kennen lernen. Gehen Sie also in dieses Kabinet, welches nur durch eine dünne Bretterwand von meinem Zimmer getrennt ist. Dort können Sie alles auf's genaueste hören. Nach beendeter Sitzung werden Sie mir Ihren Entschluß mittheilen.“ Sir John begab sich in das Kabinet, und die Aerzte kamen nach einander an. Als sie alle versammelt waren, begann Abernetby: „Meine werthen Kollegen, ich habe Sie um eine Zusammentretung ersucht, obne Ihnen die Gründe anzugeben, welche mich bewogen, Ihre Güte in Anspruch zu nehmen. Es handelt sich um Sir John Elwes.“ Dieser Name wurde mit einem Gemurmel der Ueberraschung und des Mißfallens aufgenommen. „Ich weiß es wohl,“ fuhr der Doktor Abernethy fort:„Sir John hat sich schweres Unrecht gegen Sie vorzuwerfen; aber er hat mich beauftragt, dasselbe wieder gut zu machen Ich habe Jedem von Ihnen in seinem Namen fünfundzwanzig Guineen einzuhändigen.“ Bei diesen Worten übergab der Doktor jedem seiner Kollegen eine Banknote von diesem Betrage. lassen Sie uns über diesen Patienten in Berathung treten. Was halten Sie von der Krankheit, mein verehrter Doktor Blick?“ „Elwes,“ erwiederte der alte, grundgelehrte Arzt, hat eine Blutgeschwulst auf dem Auge. Trotz meiner langjährigen Erfahrung würde ich doch nicht wagen, ihn zu operiren, denn der Kranke würde mir vielleicht unter den Händen sterben.“ „Und wenn die Operation nicht vorgenommen wird?“ „So muß der Patient in kurzer Zeit unterliegen, denn das Schlagen der kranken Arterie hat den Augenbraunbogen schon bedeutend beschädigt.“ „Welcher Meinung sind Sie; mein würdiger Freund Hunter.“ „Ich theile die Ansicht unsers verehrten Kollegen Blick.“ „Diese Ansicht ist auch die meinige,“ fügte der berühmte Anatom Marsball hinzu. „Ich habe in meiner ersten Consultation bereits ein ähnliches Gutachten abgegeben,“ sagte der Doktor Pott.“ „Sie fürchten also, daß der Patient „Eine Operation nicht wird aushalten können. Ein Arzt, der dieselbe unternimmt, würde seinen Ruf leichtsinnig auf's Spiel setzen. Selbst wenn die Operation gelänge, würde man doch nicht umhin können, ein solches Unternehmen für unbesonnen zu halten.“ „Aber der Kranke kann ohne Operation nicht lange mehr leben?“ fuhr Abernethy fort. „Vielleicht morgen, vielleicht heute noch kann er aufbören zu leben.“ „Hier sind fünfzig Pfund Sterling für jeden von Ihnen, meine werthen Kollegen. Sir John will diese zweite Berathung noch glänzender honoriren, als die erste. Adieu.“ Die Aerzte entfernten sich, und Abernethy ging zur Sir John Elwes. Er fand ihn in einem Zustande der Niedergeschlagenheit, den der geneigte Leser leicht erklärlich finden wird. „Ich zahle Ihnen die geforderten fünfzig Pfund Sterling für jeden Besuch,“ sagte der geängstigte Patient mit einem tiefen Seufzer. 36 „Das genügt mir nicht mehr;“ erwiederte Abernethy boshaft lächelnd. Sir John stieß einen noch kläglichern Seufzer aus. „Ich will Ihnen Alles erstatten, was Sie in meinem Namen an die übrigen Aerzte gezahlt haben, obwohl dies ohne meine Zustimmung geschehen ist.“ Abernethy blickte den alten Filz scharf an. „Sie glauben also,“ sagte er,„daß ich für einige hundert Guineen, gegen den Rath meiner berühmtesten Kollegen meinen Ruf und meine Stellung als Operateur auf's Spiel setzen werde.“ „Was verlangen Sie denn von mir?“ fragte Sir John auffahrend. „Das Honorar, welches ein so kühnes Wagstück, wie ich unternehmen will, verdient.“ „Und wie hoch wird sich dieses Honorar belaufen?“ fragte Sir John, der vor Erwartung und Schrecken einer Ohnmacht nahe war. „Selbst das Gelingen dieses Wagstücks,“ fuhr der Doktor fort, würde mich kaum rechtfertigen. Das Vertrauen, welches man in meine Klugheit und Umsicht setzt, wird erschüttert werden. Man wird mich als einen Marktschreier bezeichnen, der mit der Kunst seinen Scherz treibt, wie ein leichtsinniger Spieler auf Würfel und Karten eine große Summe setzt.“ „Reden Sie, ich beschwöre Sie!“ „Ich verlange sechs tausend Pfund für die Operation.“ Sir John wendete sich ab, und bedeckte das Gesicht mit beiden Händen. „Nehmen Sie sich in Acht,“ sagte Abernethy kalt:„eine solche Aufregung kann die verderblichsten Folgen für Sie haben; die Pulsader, deren Blutumlauf durch die Geschwulst gehemmt ist, könnte leicht springen, wenn Sie sich nicht mäßigen.“ „Nie werde ich eine solche Summe zahlen!“ rief der Geizhals. „Ich verlange achttausend Pfund,“ erwiederte der Operateur. „Sie machen von meiner Lage einen schändlichen Mißbrauch.“ „Ich verlunge zehntausend Pfund.“ Sir John sann einige Augenblicke nach. „Wohlan!“ sagte Sir John endlich:„ich nehme Ihre Bedingungen an. Mein Landgut in Devonshire ist sechstausend Pfund werth; ich gebe es Ihnen.“ „Die übrigen viertausend Pfund werden Sie in Banknoten hinzufügen.“ „O nein, nicht mehr als sechstausend! bringen Sie mich nicht um, machen Sie nicht, daß ich mein Leben verwünschen muß.“ „Ich verlange elftausend Pfund,“ erwiderte der unerbittliche Arzt. Sir John winkte ihm Stillschweigen zu, und gab ihm durch Zeichen zu verstehen, daß er in diese übertriebene Forderung willigte. Sie geben mir also Ihr Ehrenwort als Gentleman, daß Sie mir elftausend Pfund Sterling bezahlen werden, wenn ich Sie glücklich operirt haben werde?“ „Ich werde ein Document aufsetzen kassen,“ sagte Sir John, welcher eine neue Steigerung der Forderung fürchtete.“ „Ihr Wort ist mir genug, Sir John. Ich weiß, daß Ihre Zuverlässigkeit sogar noch großer ist, als Ihre Goldgier. Gehen Sie jetzt nach Hause, in einer Stunde komme ich nach, um die Operation vorzunehmen. Bis dahin“. fügte er mit dem Ausdruck wahrer Frömmigkeit hinzu,„wollen wir den Beistand des Himmels anrufen, damit das schwere Werk gelinge.—“ Eine Stunde später begab er sich zu Sir John Elwes. Zwei seiner geschicktesten Gehülfen begleiteten ihn. Vor allem traf er in der elenden Wohnung des Geizhalses zur Einrichtung eines passenden Krankenzimmers die nöthigen Vorkehrungen. Er ließ ein weiches, bequemes Bett kommen, und das harte, zerlumpte Ruhebett des alten Mannes fortschaffen: die zerbrochenen, mit Papier verklebten Fensterscheiben wurden durch neue ersetzt, und ein dicker warmer Teppich auf den halbvermoderten Fußboden gebreitet. Als diese Vorkehrungen beendet waren, hielt er, seiner Gewohnheit gemäß, ein kurzes Gebet, und ging dann muthig an's Werk. Durch zwanzig Minuten ertrug Sir John die heftigsten Schmerzen, ohne eine Klage laut werden zu lassen. Als die Operation vollendet war, sagte Abernethy zu ihm: „Sie sind gerettet, wenn kein unvorhergesehener Unfall sich ereignet. Der Allmächtige nehme Sie in seinen Schutz.“ Die Heilung ging ohne Hinderniß von statten; zwei Monate später saß John Elwes wieder im Unterhause, und ließ seine Stentorstimme ertönen. Nach einiger Zeit trat ein ärmlich gekleideter Mann, eine große Briestasche unter dem Arm tragend, in das Studirzimmer des Doktors Abernethy. Dieser erkannte Sir John Elwes. „Ich komme, um Ihnen die elftausend Pfund zu zahlen,“ sagte er ruhig.„Hier ist ein in gesetzlicher Form aufgesetzter Vertrag, der Ihnen den Besitz meines Landgutes in Devonshire sichert; das Uebrige ist, wie sie es verlangen, in Banknoten.“ „Ich will Ihnen einen Empfangschein ausstellen.. „Pfui! unter Leuten wie wir sind, bedarf's solcher Vorsichtsmaßregeln nicht, unterbrach ihn der Alte mit einem Adel des Ausdrucks, der den Arzt in Erstaunen setzte.„Adieu, Doktor, ich dauke Ihnen. Lassen Sie uns Frennde bleiben.“ Einen Augenblick,“ erwiderte Abernethy,„einen Augenblick noch.— Wie viel erhält Ihr Sohn Georg als Mitgift?“ „Nichts, gar nichts,“ sagte Sir John.“ „Als Sohn eines Vaters, der zwei Millionen Pfund Sterling besitzt, kann er leicht eine Frau dekommen.“ „Würde Ihnen eine Schwiegertochter mit eben so viel Mitgift, als Sie mir so eben gezahlt haben, genehm sein?" „O ja, wenn sie sanft und wohlerzogen ist, und ihren Schwiegervater nicht verachtet.“ „So kommen Sie mit mir in meinen Wagen; ich habe eine solche Schwiegertochter für Sie gefunden, und ich will sie Ihnen vorstellen“ Beide setzten sich in den Wagen des Doktors und hielten vor einem Hause von armseligem Aussehen. Abernetby stieg aus, und führte seinen Begleiter eine schmale, steile Treppe hinan. Die beiden alten Männer waren fast athemlos, als sie den fünften Stock erreichten. Der Doktor öffnete ein kleines Zimmer, in welchem zwei junge Mädchen nebst ihrer Mutter an einem mit Putzwaaren bedeckten Tische arbeiteten. „Mistreß Grifsith,“ sagte Abernethy, ehrerbietig grüßend: ich habe die Ehre, Ihnen Sir John Etwes, Mitglied des Parlaments, vorzustellen. Sir John hat mich beauftragt, in seinem Namen für seinen Sohn Georg um die Hand Ihrer ältesten Tochter Lucy zu werben.“ Sir John sah den Doktor zornig an. „Aber die Mitgist!“, rief er; die Mitgift!“ „Die Mitgift, antwortete Abernethy,„ist nur eine unwesentliche Nebensache, wenn der Bräutigam so reich, und die Braut so hübsch ist. Ueberdies nehme ich die Sache auf mich. Miß Lucy ist zu sehr meine Freundin, als daß sie diese Kleinigkeit„von mir nicht annehmen sollte. Finden Sie, Sir John, daß das Henorar, welches Sie mir so eben überdracht, als Aussteuer für Miß Lucy hinreichend sei?“ „Wohlan!“, sagte Sir John:„ich willige ein. Mein Sohn möge ihr den Verlobungsring an den Finger stecken.— Wo soll die Hochzeit gefeiert werden?“ fügte er mit einem Seitenblick auf das ärmliche Zimmer hinzu; denn weder Schwiegervater noch Schwiegermutter schei 38 nen eine geeignete Wohnung zu dieser Feier zu haben.“ „Auf dem Landgute in Devonsheire, welches däs junge Paar nebst der Mistreß Griffith und der Schwester der Braut bewohnen wird. Für Miß Therese werden wir ohne Zweifel auch bald einen Mann finden.“ „Und Miß Therese wollen Sie auch ausstatten?“ „Vielleicht, Sir John, wenn Sie noch einmal operirt werden müssen.“ Der„Stuttgarter Beobachter“ theilt folgende Geschichte mit, welche zum Belege dienen dürfte wie sehr unleserliches Schreiben in amtlichen Ausfertigungen hier und da sogar sehr nachtheilige Mißverständnisse zur Folge haben kann. Vor nicht gar langer Zeit machte ein Schultheiß dem Gerichte seines Bezirks Anzeige von einem Diebstahl mit dem Bemerken, daß ein gewisser N. N. dieses Diebstahls verdächtig erscheine, und aus welchen Gründen, und daß der Verdächtige vorläufig und auf weitere Weisung von Seiten des Gerichts im Ortsgefängnisse verwahrt werde. Der Oberamtsrichter überzeugte sich aber sogleich, daß die von dem Schultheißen bezeichneten Verdachtsgründe zu enfernt seien, als daß dieselben ein Einschreiten gegen den N. N. oder gar dessen Verhaftung hätten rechtfertigen können. Er ertheilte daher umgehend dem Schultheißen die Weisung, den Verhafteten ungesäumt auf freien Fuß zu setzen. Der Erlaß an den Schultheißen war jedoch nicht deutlich geschrieben, und so kam es, daß der Schultheiß statt:„auf freien Fuß zu setzen“ las:„auf einen Fuß zu setzen“. Pflichtgetreu begab sich derselbe sogleich mit dem Büttel in's Gefängniß und ließ durch den Letzteren dem Verhafteten den Fuß so zurückschnallen, daß Waden und Schenkel sich berührten, und der Unglückliche bloß auf einem Fuße stehen und höchst unbequem sitzen konnte. Am andern Tage wurde ohne Erlaubniß des Gerichts, aus Mitleid mit dem Gefangenen, der eine Fuß wieder losgebunden und mit dem andern dann dasselbe Verfahren vorgenommen. Dieses abwechselnde Heraufbinden des einen und des andern Fußes dauerte 8 Tage lang fort, nach deren Verfluß der Schultheiß das Oberamtsgericht um weitere Auskunft, was mit dem Verhafteten, der diese Behandlungsweise denn doch nächstens nicht mehr ertragen könne, anzufangen sei. Der Oberamtsrichter verstand natürlich diese Anfrage gar nicht, reis'te übrigens doch, nichts Gutes ahnend, nach dem fraglichen Orte, und überzeugte sich denn von dem Unheil, das seine unleserliche Handschrift angestiftet hatte. Es versteht sich, daß der Unglückliche hierauf alsbald frei gelassen wurde!! Der verstorbene Professor Marcus Herz in Berlin batte einst einem hypochondrischen Plagegeist zur leichten Förderung des Stuhlgangs statt des Kaffee's Chokolade empfohlen, wobei jener, nach seiner Gewohnheit ein Glas kalten Wassers vor und nachtrinkend, sich recht leidlich befand. Eines Morgens wird H. schnell gerufen, und findet den Kranken außer sich, weil— er den Frühtrunk des kalten Wassers vergessen habe. „Lassen Sie sich,“ rief Herz mit gezwungenem Ernst,„ein Klystier von kaltem Wasser setzen, dann kommt die Chokolade doch in die Mitte.“ Der Hypochondrist that dieß, war berubigt und konnte den Scharssinn seines Arztes nicht genng loben! Unter Friedrich dem Großen hatte der Oberbaurath N. bei Erbauung des Invaliden= hauses viele Tausend Thaler weniger verbraucht als veranschlagt waren. Diese erstattete der Baumeister dem großen Könige zurück. Statt sich hierdurch, wie er meinte, zu empfehlen, sogte der König zu ihm:„Er ist ein dummer Teufel, der seine Sache nicht versteht. Ein guter, richtiger Anschlag muß mit der berechneten Angabe genau stimmen. Er hat sich um viele Tausend Thaler verrechnet. Gehe Er hin und studire 39 Er besser! Um Ihm erforderliche Zeit und Muße zu geben, finde er sie zwei Jahre auf der Festung Spandau.“ Als diese Anekdote am Königlichen Tische erzählt wurde, sagte Friedrich Wilhelm III.:„Passirt jetzt nicht mehr! Die Herren rechnen gewöhnlich zu wenig; kommen nicht aus und es muß dann nachgezahlt werden““. In 3. war die Garnison zur Revue ausgerückt und deßhalb ward die Wache von der Bürgergarde versehen. Zufällig reitet der Comman= dank vorbei, der Posten präsentirt, ruft aber nicht:„Heraus!“— Aergerlich fragt der Commandant, warum der Herausruf unterbliebe, allein der Posten antwortet gutmüthig:„Heeren Se, Excellenz, das nützt Sie gar nischt; denn es is keener nich drinne!“ Nach dem letzten statistischen Berichte der General=Registratur von England, der in diesem Jahre in London erschienen ist, ist England eines der gesündesten Länder der Erde. Den dort gegebenen Ausweisen zusolge stirdt dort im jährlichen Durchschnitte einer von 45 Menschen, während in Frankreich immer einer von 42, in Preußen von 38, in Oesterreich vor 33, in Rußland, das doch auf der andern Seite die ältesten Leute hat, sogar einer von 28 Menschen. „Die neue Glocke auf unserm Thurme gefällt mir gar nichtt,“ sagte eine ältliche adelige Dame,„ihr Ton ist zu hell, er brummt nicht genug. Was meinst Du, Johann?“„Lassen's halt gut sein, gnädige Frau, die Glocke ist jetzt noch jung, wenn sie so alt sein wird, wie die srädige Frau, wird sie schon brummen.“ Ein Bedinter hatte beim Serviren das Unglück, einen Galanthomme zu stoßen.—„Ochse!“ fuhr der aufgebrachte Galanthomme ihn an.— „Entschuldigen Sie,“ sagte der gelassene Bediente, „das Einer den Andern stößt, das kann ja wohl ein Mal passiren.“ Ein Kassen=Rendant, der für sein Bureau einen Hülfsschreiber suchte, erließ in öffentlichen Blättern folgende Aufforderung: Ein junger Mann, der eine geschickte Hand hat, findet bei mir jeden Augenblick Beschäftigung.“— Bald nachher fand sich bei der Kassenrevision an Stelle eines 500 Thalerscheins ein Papier mit der zierlichen Inschrift:„Ein junger Mann, der eine geschickte Hand hat, fand hier einen Augenblick Beschäftigung.“ Charade. Die erste ist ein trüg'risch Ding. Mußt's, wenn es bös’ ist, meiden: Die Letzten schätzten stets gering Die Welt mit ihren Freuden; Man pfleget sie mit rothen Zeichen Auch im Kalender anzustreichen. Das Ganze sind die Pharisäer Auch noch in unsern Tagen: Sie sind das nun und nimmermehr, Was sie zu scheinen wagen. Ihr Heuchler werst die Maske ab! Ihr gleicht dem übertunchten Grab. Handels=Nachrichten. Neuß, den 25. Januar. Weizen 2 Thir. 20 Sgr.— Pf. Roggen 1 Thlr. 23 Sgr— Pf. Wintergerste 1 Thir. 19 Sgr.— Pf. Sommergerste, 1 Thlr. 17 Szr.— Pf. Hafer 1 Thir. 4 Sgr.— Pf. Buchweizen 2 Thir, 7 Sgr.— Pf. Erdsen 3 Thir. 15 Sgr.— Pf. Haltern, den 25. Januar. Weizen 2 Thlr. 15 Sgr.— Pf. Roggen 2 Thlr. 18 Sgr.— Pf. Gerste 1 Thlr. 18 Szr.— Pf. Buchweizen 2 Thir.— Sgr.— Pf. Hafer 1 Thlr. 5 Ser. — Pf. Steinkohlen— Sgr. 10 Herdecke, den 17. Januar. Weizen 2 Thlr. 20 Sgr.— Pf. Roggen 1 Thlr. 24 Sgr.— Pf. Gerste 1 Thir, 20 Sgr.— Pf. Hafer— Thlr. 27 Sgr.— Pf. Aachen, den 21. Januar. Weizen 2 Thlr. 29 Sgr. 3 Pf. Roggen 1 Thlr. 28 Sgr. 5 Pf. Gerste 1 Thlr. 23 Sgr.— Pf. Hafer 1 Thlr 7 Sgr.— Pf. Der in„P 3. des Wochenblatts vom „#sän 12. Januar angekündigte Haus= und GrundAüngän Verrauf im Coesfelder=Berge mutz ich Witterungs halber einige Wochen siunden; derselbe wird aber bei etwa günstiger Witterung vor sich gehen, welches durchs Wochenblatt wieder näher bekannt gemacht werden wird. Coesfeld den 27. Januar 1848. J. H. Berendsen. Münster, den 26. Januar. Weizen 2 Thlr. 11 Sgr. 3 Pf. Roggen 1 Thir 18 Sg9 Pf. Gerste 1 Thlr. 18 Sgr. 9 Pf. Buchw. 1 Thlr21 Sgr. 3 Pf. Hafer 1 Thlr. 1 Sgr. 3 Pf. Kartoffeln — Thlr. 25 Sgr.— Pf. Es wird auf einer gelegenen Straße ein Haus oder Unterhaus zu Ostern in Miethe gesucht. Auch wünscht man zum nächsten Fruhjahr einen Garten. Die Expedition gibt Auskunft. Witten, den 20. Januar. Weizen 2 Thlr. 28 Sgr.— Pf. Roggen 1 Thlr. 28 Sgr.— Pf. Gerste 1 Thlr. 20 Sgr.— Pf. Hafer 1 Thlr. 6 Sgr.— Pf. Heute Samstag den 29. d. Monats wird ein vorzüglich fetter, schwerer Ochs ausgehauen # bei dem Metzger C. Rulle in Cocsfeld. Oeffentliche Anzeigen. Todes=Anzeige. Verwandten und Freunden die Anzeige von dem Hinscheiden meiner lieben Frau, geb. nna Cath. Brincks, in eine bessere Welt. Sie starb am 20. d. Mts. Morgens halb 10 Uhr, im 56. Jahre ihres Alters und im 31. Jahre unserer vergnügten Ehe, an der Brustwassersucht. empfehle die Seele der Verstorbenen ihrem Gebete und mich und meine 3 Kinder ihrem fernern freundschaftlichen Andenken. Coesfeld den 28. Januar 1848. B. Ruland. Am Donnerstag den 3. Februar Morgens 11 Uhr soll der vor dem Letterthore am Letterwege gelegene früher vom Drechsler Overmann pachtweise benutzte Garten des Herrn Referendars Bues auf 4 Jahre anderweit verpachtet werden, wozu einladet Wedewer, Emmissionair. Coesfeld den 28. Januar 1848. Am Montag den 7. Februar d. J. werde 1### et ich mein Nebenhaus### 160 a. öffentlich durchs # Meisigebot zum Verkaufe aussetzen. — Kaufliebhaber wollen sich des Vormittags 11 Uhr in meiner Wohnung einfinden. Coesfeld den 26. Januar 1848. Eidecker. Farbenfabrikation. So eben ist bei C. Leuchs und Comp. in Nürnberg erschienen und zu 2 Rtt zu haben die zweite Auflage von Leuchs Bereitung aller Forben, welche alle neuen Erfindungen in diesem Fach enthält. Schmierseifenfabrikation. Rezert, aus 100 K Thran oder Oel 200 K beste grüne Seife(ohne Harzzusatz) zu machen. Preis 29 Rtk: Zu haben bei C. Leuchs u. Comp. in Nürnberg anter Verpflichtung der Geheimhaltung bis 1856. 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