Arbeiter Sozialdemokratisches Organ für das östliche industrielle Kuhrgebtet. Verbreitungsgeblet: ole Relchstagswahlkreise Dortmund-Körde, Hamm-Soest lowie Krusberg, Cüdinghausen, Münster, Eeclenburg. Publikations-Organ der freien Gewerkschaften. eitung Inserate kosten dle Nebengespaltene Rolonelzelle oder deren Raum 25 Pfeunig, bei dreimaliger Wiedernolung Rabatt. Inserate müssen bis 4 Uhr in der Erpedttion abgegeden seln. Kleine Au 8 zelgen nur dei Vorausbezahlung. Nr. 167. Dortmund, Mittwoch, den 19. Juli 1916. 26. Jahrg. Das Grundübel. Von A. Gerisch. IV. Nach der Niederlage im Kriege 1870/71 und dem Verlust von Elsaß=Lothringen an Deutschland, war die außere Politit der herrschenden Klasse Frankreichs von dem Streben geleitet, zu gegebener Zeit die böse Scharte von Siebzig wieder auszuwetzen. Diese Politik mußte Frankreich mit Notwendigkeit zu einem Bundesgenossen Rußlands machen. Ob es ohne die Annexion von Eljaß=Lothringen nicht zu diesem Bünduis gekommen wäre, das Verhältnis zwischen Frankreic und Deutschland sich wieder freundlicher gestaltet hätte, läßt sich heute natürlich nicht mit Bestimmtheit sagen. Wir müssen mit vollzogenen Tatsachen rechnen. Für die russischen Gewalthaber war das Bündnis mit Frankreich höchst vorteilhaft. Einmal flossen ihnen durch dasselbe die französischen Milliarden zu, und zweitens konnten sie hoffen, bei passender Gelegenheit ein altes und an sich durchaus begreifliches Verlangen zu stillen. Erhofften die leitenden französischen Kreise von dem Bündnis mit Rußland die Wiedergewinnung der beiden verlorenen Provinzen, so rechneten die russischen Machthaber darauf, mit ihm den heiß begehrten Weichselstrom bis zu seiner Mündung in das Meer in ihre Hand zu bekommen. Durch diese leitenden Motive, die dem Bündnis zu Grunde lagen, wurde es zu einer ständig drohenden Kriegsgefahr für Europa. Bei unparteiischer Würdigung aller Umstände muß man zugeben, daß sich Deutschland in der Hauptsache in der Defensive befand, die Bedrohung des Friedens in erster Linie von Frankreich und Rußland ausging. Dazu kam, daß die Lage Deutschlands auch insofern eine recht ungünstige war, als sein östlicher Teil offen für den Einmarsch feindlicher Heere dalag, während Rußland mit Hilfe französischen Geldes sein Festungssystem gegen Deutschland vorzüglich ausgebaut hatte. Ein abschließendes Urteil darüber, wie groß die Schuld der französischen Staatsmänner und Diplomaten an dem Ausbruch des gegenwärtigen Krieges ist, kann heute noch nicht gefällt werden. Aber soviel kann man heute schon mit voller Bestimmtheit sagen, daß die russischen Machthaber nimmermehr mobil gemacht und damit das Verhängnis unaufhaltsam entfesselt hätten, wenn sie nicht der unbedingten Zustimmung der französischen Staatslenker sicher gewesen wären. Ohne den Rückhalt an Frankreich würde sich Rußland vor den letzten entscheidenden Schritten gehütet und den Bemühungen der deutschen Regierung, den Frieden zu erhalten, geneigter gezeigt haben. Das fortgesetzte Hinausschieben der Verhandlungen gegen den Mörder Jauräs läßt sehr darauf schließen, daß die französischen Staatsmänner fürchten, es könnten bei diesem Prozeß Dinge zur Sprache kommen, durch die ihre Mitschuld an dem Kriege vor aller Welt festgestellt wird. Aber auch wenn dieser direkte Beweis zur Zei: nicht geführt werden kann, er ergibt sich indirekt aus dem Sinn und Zweck des Bündnisses mit Rußland ganz von selbst, der mit innerer Notwendigkeit schließlich zu einem Konflikt mit Deutschland führen mußte. Die französischen Sozialisten haben das Bündnis ihres Vaterlandes mit Rußland stets bekämpft, es gelegentlich als eine Schmach für die Republik bezeichnet. Als Sozialisten und Republikaner mußten sie gegen das Zarentum mit seiner Despotie und allen seinen scheußlichen Begleiterscheinungen diese Stellung einnehmen. Hätte es in der Macht der französischen und deutschen Sozialisten gelegen, würde es gewiß nie mehr zu einem Kriege zwischen Frankreich und Deutschland, sondern zu einer dauernden Verständigung zwischen beiden Nationen gekommen sein. Bis kurze Zeit vor dem Kriege haben die französischen Sozialisten, genau wie wir in Deutschland, mit voller Hingabe an der Herbeiführung einer solchen Verständigung gearbeitet. Ganz anders aber gestaltete sich für die französischen Sozialisten die Lage nach Ausbruch des Krieges und der Besetzung Belgiens und Nordfrankreichs durch deutsche Heere. Gewiß, selbst eine völlige Besiegung Frankreichs durch Deutschland würde für das französische Volk auch nicht annähernd die furchtbaren Folgen gezeitigt haben, die das deutsche Volk nach einer Besiegung durch Rußland getroffen hätten. Indes, die Franzosen hielten sich durch das Vordringen der Deutschen für schwer bedroht. und die französischen Sozialisten erachteten es in dieser Situation für ihre Pflicht, nicht nur auf die Seite ihrer Nation, sondern auch noch in aller Form auf die Seite ihrer Bourgeoisregierung zu treten, die doch, wie eben ausgeführt, ihr voll gerüttelt Teil Schuld an dem Ausbruch des Krieges trug. Ueberaus charakteristisch ist es nun, wie der„Vorwärts", unser Zentralorgan, diesen Schritt unserer französischen Parteigenossen rechtfertigte. Als die Nachrichten von dem Eintritt der französischen Sozialisten in das französische Ministerium eingingen, schrieb der„Vorwärts“ in seiner Nummer 234 vom 28. August 1914: „Unsere Genossen haben sich in der Stunde der furchtbaren Gefahr der schweren Verantwortung nicht entzogen. Sie haben sich wohl gesagt, daß die Unabhängigkeit und Unversehrtheit der Nation die erste Bedingung der demokratischen und sozialen Befreiung ist, und der Selbstbehauptung der Nation können sie ihre Kräfte nicht entziehen.“ So sehen nach unserem Zentralorgan die Grundsätze und Richtlinien aus, nach denen Sozialisten zu handeln haben, wenn sie——— Franzosen sind. Die Mehrheit der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands ist nicht entfernt so weit gegangen, wie die französische Sozialdemokratie. Sie hat keine Minister gestellt, sie hat sich nur in der Stunde furchtbarster Gefahr der schweren Verantwortung nicht entzogen; sie war sich auch bewußt, daß die Unabhängigkeit und Unversehrtheit der Nation die erste Bedingung für die Befreiung des Proletariats ist, und sie hat deshalb die Kriegskredite bewilligt. Und wegen dieser Stellungnahme wird die Mehrheit der deutschen sozialdemokratischen Reichstagsfraktion und Partei vom eigenen Zentralorgan seit nahezu zwei Jahren bekämpft und geschmäht! Bestimmend für die Haltung der französischen Sozialisten war noch ein weiterer schwerwiegender Umstand. Nach menschlichem Ermessen mußte bei der ungeheuren Uebermacht, die egen Deutschland aus den Plan trat, dieses trotz der Vorteile, es zunächst errungen hatte, schließlich doch auf die Knie gezwungen werden. Die Vorstellung von der russischen„Dampfwarze", die, allen Widerstand zermalmend, unaufhaltsam, unwiderstehlich von Osten her auf Berlin zurollte, während von Westen ber die französischen und englischen Heere in Deutschland eindrangen, beherrschte bekanntlich die französische und englische öffentliche Meinung vollständig. Ihrem Einflusse konnten sich auch die französischen Sozialisten nicht entziehen, das sanguinische Temperament der Franzosen verleugnete sich auch bei ihnen nicht. Die Wiedergewinnung der beiden verlorenen Provinzen, der Ausstieg Frankreichs zu neuer strahlender Glorie stand unmettelbar bevor. Eine politische Partei, die an dieser nationalen Ruhmestat keinen Anteil hatte, wäre bei dem Naturell der Franzosen für die nächsten Jahrzehnte erledigt, aus dem öffentlichen Leben der französischen Nation ausgeschaltet gewesen. Das erkannten natürlich auch die führenden Köpfe der französischen sozialistischen Partei. Und wir unsererseits müssen gerechterweise zugeben, daß die Motire, aus denen heraus die französischen Sozialisten handelten, für sic in der Tat zwingende waren. Ueber die Gründe, welche die französischen Sozialisten heute für ihr Verhalten zusammenklauben und vortragen, braucht man nicht ernsthaft zu reden. Dieselben Leute, die vor 1914 sehr genau wußten, welche Summe von Unkultur und Kulturschmach im russischen Zarismus verkörpert in, wollen heute der Welt weismachen, daß sie im Bunde mit eben diesem Zarismus die weltgeschichtliche Aufgabe erfüllen müssen, die deutsche Barbarci niederzukämpfen und Europa Frieden und Freiheit zu bringen. Wäre der Vorgang nicht ein großes Trauerspiel, man müßte über diese Leistung unserer französischen Freunde laut auflachen. Um dem Ganzen die Krone aufzuretzen, erklaren die französischen Sozialisten die Deutschen, deren Gründe für die Teilnahme an der Verteidigung ihres Vaterlandes neben denen der französischen Sozialisten jederzeit bestehen werden, für so tief gesunken. daß sie mit ihnen in keine Verhandlungen über den zu erstrebenFried den eden eintreten können. " In Wahrheit beweist auch dieser Vorgang nur, wie sehr die Sozialisten, bei aller Internationalität der Gesinnung, auf Gedeih und Verderb mit ihrer Nation verbunden sind. Das bezeugt auch das Verhalten der belgischen Sozialisten. Hätte die Nation als solche für die Sozialisten keine Bedeutung mehr. dann könnie es bei der schmählichen Wirtschaft, welche die herrschenden Klassen Belgiens geführt haben, den belgischen Sozialisten verteufelt gleichgültig sein, was aus Belgien wird. In Wirklichkeit sehen wir aber, wie unser Freund Vandervelde, als Minister Sr. Majestät des Königs Albert, in einer Weise für die Erhaltung Belgiens agitiert, wie man sie sonst nur bei exaltierten Patrioten zu sehen gewöhnt ist. Kleine spintisierende Gruvven und Sekten mit phantastischrevolutionären Anschauungen und Allüren können sich Leitsätze von Spartacus voer von sonst jemand geben, nach denen die Verpflichtungen gegen die eigene Nation ganz zuletzt kommen, große politische Parteien, die bestimmenden Einfluß auf die Gestaltung der politischen und sozialen Zustände ihres Landes gewinnen wollen, müssen, wenn sie sich nicht selbst brach legen wollen, innerhalb der in den vorstehenden Ausführungen gezogenen Grenzen wohl oder übel zu ihrer Nation stehen. Das ist auf den internationalen sozialistischen Kongressen nicht genügend beachtet worden. Man hat dort zu sehr mit abstrakten Theorien operiert; das wirkliche Leben wird aber durch harte reale Tatsachen be stimmt. —. In einem Schlußartikel will ich gleich im voraus einigen Einwänden begegnen, die ich gegen meine Ausführungen erwarte. Die Kriegsberichte. bie Deutscher Tagesbericht. W'T'B Großes Hauptquartier, 18. Juli.(Amtlich Westlicher Kriegsschauplatz. Auf dem nördlichen Teil der Front wurden an zahlreichen Stellen feindliche Patrouillen vor unseren Hindernissen abgewiesen. Eine unserer Patrouillen nahm im englischen Graben östlich von Vermelles einen Offizier, vier Unteroffiziere und elf Mann gefangen. Zu beiden Seiten der Somme benutzten unsere Gegner den Tag zur Feuervorbereitung. Starke Angriffe, die sich abends und nachts gegen Pozières und die Stellung östlich davon gegen Biaches—Maisonnette—Barleu nd gegen Soyccourt richteten, wurden überall unter großer Einbuße des Feindes zum Scheitern gebracht. Im Maasgebiet zeitweilig lebhaftes Feuer und kleinere Handgranatenkämpfe. Oestlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls von Hindenburg. Die Russen setzten südlich und südwestlich von Riga ihre starken Angriffe fort, die vor unseren Stellungen blutig zusammenbrechen oder da, sie bis in unsere Gräben gelangen, durch Gegenstöße zurückgeworsen werden. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls Prinzen Leopold von Bayern. Keine besonderen Ereignisse. Heeresgruvpe des Generals von Linsingen. Die Lage ist im allgemeinen unverändert. Russische Angriffe sind westlich und südwestlich von Luck glatt abgewiesen. Armee des Generals Grafen von Bothmer. Abgesehen von kleinen Vorfeldkämpfen keine Ereignisse. Balkan=Kriegsschauplatz. Nichts Neues. Oberste Heeresleitung. Russischer Fliegerangriff auf deutsche Seestreitkräfte. WTB Berlin, 18. Juli.(Amtlich.] Am 17. Juli griffen drei russische Flugzeuge einen Teil unserer leichten Seestreitträfte am Eingang zum Rigaischen Meerbusen an und warfen ohne Erfolg Bomben ab. Durch unser Abwehrfeuer wurde ein Flugzeug abgeschossen, die beiden anderen verkrieben. * Die Kämpfe im Westen. Von Genf wird der„Vossischen Zeitung“ gedrahtet: Ueber die Kämpfe um das Dorf Ovillers=La Boiselle, dessen endaültigen Besitz sich die Engländer nach zehntägigen Anstrengungen nunmehr zuschreiben, berichtet die heutige Havasnote, daß sich das Ringen um die Stellung während dieser zehn Tage in größter Erbitterung Mann gegen Mann abspielte. Durch das englische Vorrücken vom 14. Juli blieb das Dorf als Vorsprung in der englischen Linie und war so von allen Seiten dem feindlichen Feuer ausgesetzt. Seine Lage war völlig unhaltbar. Trotzdem habe die deutsche Besatzung einen erbitterten Widerstand geleistet. der aufrichtiges bewunderndes Lob der Sieger verdiene, deren Erfolg durch so große überwundene Schwierigkeiten nur in ein um so günstigeres Eicht rücke. Vom französischen Sommeabschnikt sagt der offiziöse Drah:, es seien dor: gegenwärtig Vorbereitungen im Gauge, deren Entwickelung man bald kennen lernen werde. Nach dem„Petit Parisien“ ist Ovillers selbst entgegen den Behauptungen anderer französischer Blätter gar nicht in englischen Händen, sondern lediglich der La Boisselle genannte Teil des Dorfes. Die Zurückeroberung von Biaches und La Maisonnette, die dei französische Bericht als zeitweilig bezeichnete, war für den französischen Fachkritiker eine unaugenehme Ueberraschung. Aber er erklärt die Schlappe nur mit dem starken Nebel. Oberstleutnant Reusset sagt, der Zwischenfall hätte bedenkliche Folgen, wenn er nicht sofort wieder gut acmacht werden könne. Dem„Achtuhrabendblatt“ wird gemeldet:„Rußkoje Slowo“ berichtet aus Paris, daß man dort neuerdings gespannt und besorgt größere Ereignisse vor Verdun erwarte. Das Artilleriejeuer habe an einzelnen Abschnitten wieder sehr stark zugenommen, so daß mit beträchtlichen Infanterievorstößen gerechnet werden müsse. Besonders in der Gegend von Souville ist die Lage kritisch. Wie weiter aus den Berichten hervorgeht, finden zurzeit neue umfangreiche Truppenverschiebungen hinter der französischen Front statt. In den letzten Kämpfen wurden hauptsächlich die jüngeren Jahresklassen stark mitgenommen. Aus Amiens meldet die„Nowoje Wremja“, daß der Kampf an der wichtigen Straße. Bapaume=Albert zu den erbittertsten dieses Krieges gehört. Die englischen Truppen, die sich hier zum Teil ihre ersten Lorbeeren holen wollten, gingen und stürmten vorwärts, stießen aber auf einen Gegner, der besonders hier mit dem größten Aufgebot seiner wohl organisierten Kriegstechnik und verbissenstem Haß kämpft. Allein bei den Kämpfen nördlich der Somme sind mehr als 14000 Engländer(Kolonial= truppen und Engländer) auf dem zerrissenen Boden liegen geblieben. Französisch=belgischer Bericht. IV'T B Paris, 18. Juli. Amtlicher Bericht von gestern nachmittag: Zwischen Oise und Aisne wurde eine starke deutsche Erkundungsabteil##ng in den Zugängen von Moulin=sousTouvent durch Feurr zersprengt. In der Champagne wurde ein deutscher Handstreich auf die Schützengräben des russischen Abschnittes durch Gegenangriff mit Verlusten zurückgeworfen. An der Front von Verdun war die Nacht verhältnismäßig ruhig, ausgenommen an der Höhe 304, wo das Gewehrfeuer lebhaft war. Westlich von Fleury machten französische Truppenteile einige Fortschritte und bemächtigten sich dreier Maschinengewehre. In Lothringen versuchten die Deutschen nach ziemlich ausgedehntem Bombardement zwei Augriffe auf die Stellungen in der Gegend von Han(?) nordwestlich von Nomeny; sie wurden zurückgeschlagen und ließen Gefangene zurück. Auf der übrigen Front hat sich nichts ereignet. W1 B Paris, 18. Juli. Amtlicher Bericht von gestern abend: Die Kampftätigkeit war behindert durch den anhaltenden Regen und den dichten Nebel. Von der englischen Front ist heute nichts wichtiges zu melden. Im Lause eines örtlichen Gefechtes machten wir eine Anzahl neuer Gefangener. Die Gesamtzahl der unverwundeten deutschen. Gefangenen erhöht sich auf 189 Offiziere und 10779 Mann. Die feindlichen Verluste an Artillerie sind noch bedeutender, als unsere ersten Berichte meldeten. Das augenblicklich in unserem Besitz befindliche Material belauft sich auf fünf 8-zöllige und drei 6zöllige Haubitzen, vier 6-zöllige Geschutze, fünf andere großkalibrige Geschütze, 37 Feldgeschütze, 30 Grabenhaubitzen, 66 Maschinengewehre, mebrere tausend Munitionsladungen aller Art. In die Liste nicht einbegriffen ist die große Zahl noch nicht eingebrachter Geschütze, ohne alle die zu zählen, die umer Feuer zerstörte und die der Feind zurückließ. Auf dem rechten Maasuser hielt der Artilleriekampf in der Gegend von Souville an. Die Zahl der von uns im Abschnitt von Fleury seit dem 15. Juli gemachten Gefangenen beträgt ungefähr 200. Auf dem übrigen Teil der Front war der Tag verhältnismäßig ruhig. Sehr schlechtes Wetter. Belgischer Bericht: Der Tag verlief an der belgischen Front ruhig, mit Ausnahme von Zerstörungsfeuer, das unsere Artillerie in den Gegenden von Het Sas und Boesinghe ausführte und an den feindlichen Werken schweren Schaden anrichtete. * Englische Berichte. VI B London, 18. Juli. Amtlicher Bericht vom 17. Juli. Voller Wortlaut des Abendberichtes des Generals Haigh: Von unseren Truppen sind weitere bedeutende Erfolge errungen worden. Nordwestlich von dem Gehölz von Bazentin—le-Petit stürmten wir die zweite Linie der Deutschen und nahmen die Stellungen in einer Ausdehnung von 1500 Yards. Die große zahl der toten Deutschen in diesem Abschnitt beweist die sehr schweren Verluste, die der Feind erlitt, seitdem unser Vormarsch begaun. Oestlich von Longneval erweiterten wir noch die Bresche in der zweiten deutschen Linie durch die Einnahme der stark geschützten Stellung der Waterloo-Ferme. An unserer linten Flanke nahmen wir in Ovillers und La Boiselle, wo seit dem 7. Juli andauernd Nahkämpfe stattfanden, die übrig gebliebenen Bollwerke des Feindes mit zwei Offizieren und 121 Mann der Garde, die die Ueberbleibsel der tapferen Besatzung bildeten. Das ganze Dorf ist jetzt in unseren Händen. W'I'B London, 17. Juli. Heeresbericht. Unaufhörlicher Regen und dichter Nebel hinderten die Gefechtstätigkeit. Es ist nichts Wichtiges von heute zu melden. Infolge örtlicher Gefechte stieg die Zahl der Gefangenen und erreichte bisher die Höhe von 189 Offizieren und 10779 Mann. An Geschützen wurden einschließlich 17 schwerer und 37 Feldgeschütze viele andere, die noch nicht gezählt sind, genommen. Unter den schweren Geschützen befinden sich fünf achtzöllige und drei sechszöllige Haubitzen, vier sechszöllige und fünf andere schwere Geschütze; außerdem wurden noch erbeutet 30 Grabenmörser, 66 Maschinen= gewehre und viel tausend Ladungen Geschützmunition. Viele Geschütze ließ außerdem der Feind zerstört zurück. * Der Wiener Bericht. WV'I B Wien, 18. Juli. Amtlich wird verlautbart: Russischer Kriegsschauplatz. In der Bukowina, im Raume nördlich des Prislop-Sattels, verlief der gestrige Tag ohne nennenswerte Begebenheiten. Bei Zabie und Tatarow drückten die Russen unsere vorgeschobenen Posten zurück. Angriffe auf unsere Sienung scheiterten unter großen feindlichen Verlusten. Auch nördlich von Radzivillow und südwestlich von Luck wurden seindliche Vorstöße abgeschlagen. Italienischer Kriegsschauplatz. Im Ortlergebiet wurde ein feindlicher Angriff auf das Thurwießer Joch abgewiesen. Die Stadt Riva, unsere Front zwischen dem Boxcolapaß und dem Astachtal, sowie einzelne Abichnitte in den Dolomiten stenden unter lebhaftem Artilleriefeuer. An der Kärtner Frou# dauern die Geschützkämpfe im Fella= und Raiblerabschnitt fort. Auch Malborgeth wurde heute nacht von der itglienischen Artillerie beschossen. Im Frattengraben(nordwestlich von Pontebba) war abends starker Gefechtslärm hörbar. Von unserer Seite befanden sich dort keine Truppen im Kampfe. An der Isonzofront entwickelt die seinoliche Axtillerie, namentlich gegen den Görzer Brückenkopf. regere Tätigkeit. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Nichts Neues. * Russische Berichte. VV TB Petersburg, 18. Juli.(Amtlicher Bericht vom 17. nachmittags.] Westfront: In Wolhynien in der Gegend östlich und südöstlich des Fleckens Swiniuchi brachen die tapseren Truppen des Generals Sacharow den Widerstand des Feindes. In einem Gefecht beim Dorse Pustomyty(10 Kilometer südöstlich von Swiniuchil machten wir mehr als tausend deutsche und österreichische Soldaten zu Gesangenen und eroberten 3 leichte und 2 schwere Geschütze, sewie Maschinengewehre, außerdem zahlreiche andere Beute. In diesem Kampfe wurde der tapfere General Wiadimir Dragamirow durch Schrapnellplitter am Bein verwundet. In der Gegend der unteren Liva schritten untere Angriffe erfolgreich fort. Der Feind leisteie hier heftigen Widerstand. In den Kämpfen in dieser Gegend machten unsere Truppen 226 Oltiziere und 5872 Solloten zu Gefangenen und erbeuteten 24 Geschüne, darunter 12 schwere, 14 Maschinengewehre, einige tausend Gewehre und anderes Material. Außerdem machten wir hier noch 51 Offiziere und 2165 Soldaten zu Gefangenen. Die Gesamtsumme der in den Gesechten in Wolhynien am 16. Juli gemachten Gesangenen ist auf ctwa 317 Offizicre und 12637 Soldaten gestiegen; die Beute bat sich auf 30 Geschütze, darunter 17 schwere 7 Ztmtr.=Kaliber, sowie 6- und 9zöllige, eine große Anzahl Maschinengewehre und eine Menge andere Beute erhöht. In der Richtung auf Kirlibaba an der transsylvanischen Grenze besetzten unsere Truppen eine Reihe neuer Höhen. In der Gegend von Riga fanden aus beiden Seiten Gefechte statt, die für uns günstig verliefen. Wir eroberten seindliche Gräben und machten Gesangene. Im Kaukasus ist die Offensive des rechten Flügels der Kaukasusarmee in Entwickelung. Die Kuban-Kosaken, die der Kolonne des General Gornistajus angehören, batten am 16. Juli einen bedeutenden Erfolg. Die Türken verließen in aller Eile Baiburt und setzten den Ort in Brand. W'IB. Petersburg, 18. Juli.(Amtlicher Bericht von gestern abend.) Unser allerhöchster Herr, der Zar, richtete am 16. Juli an den Oberkommandierenden in Tiflis foigendes Telegramm Mit Freude habe ich von den wichtigen Erfolgen gehört, die bei der wiederaufgenommenen Ossensive meine braven kaukasischen Truppen errungen haben. Uebermitteln Sie ihnen den Ausdruck wärmsten Tankes und meines Vertrauens in ihre übergroße Angriffs= und Opferfreudigkeit. Nikolaue. Weutront: Ein Zeppelin überflog Riga und warf auf verschiedene Stadtteile 13 Bomben. In Wolhynien, auf dem linken Ufer der unteren Lipa, drängten unsere Truppen den Feind weiter zurück. Die Gesangenenzahl wächst noch immer. Bukowina: Südöstlich von Kimpolung stießen Abteilungen unserer Kavallerie auf der Chaussee Kirlibaba=Mar= marosziget vor. W'TB. Petersburg, 18. Juli.(Amtlicher Bericht vom 17., avends.] Ergänzung: Ein eingegangener Bericht schildert einen Luftkampf, der für den Mut und die Ruhe unserer Flieger bezeichnend ist. Er spielte sich über den seindlichen Unterkünften westlich von Dünaburg ab. Der freiwillige Flieger Puschkel und der Unterleutnant Kowenko als Beobachter führten einen Aufklärungsflug aus. Ueber dem Bahnhof Abeli wurde unser Flugzeug durch einen seindlichen Folker überraschend von hinten angegriffen. Die ersten Geschosse verwundeten Lowenlo an der Hand, was jedoch den Flieger nicht hinderte, Kehrt zu machen und seinerseits den feindlichen Flieger anzugreisen, den er auch zur Flucht zwang. Die Erkundung wurde darauf fortgesetzt und ihr Zweck erreicht. Ueber der Haltestelle Rakischei 14 Kilometer westlich Abeli) griff der Fotker unser Flugzeug wieder an und beschädigte es durch sein heftiges Feuer mehrmals. Als der Fokker jedoch in das Maschinengewehrseuer unseres Flugzeuges kam, verschwand er schnell, kam aber bald darauf wieder und griff unsere Maschine zum dritten Mal an, und zwar gerade in dem Augenblick, als Kowenko trotz seiner Verwundung ein Loch im Kühler stopfte, um das Ausfließen des Wassers und damit eine vorzeitige Landung zu vervindern. Kowenko erhielt eine zweite Verwundung im Leib durch den Aufschlag eines Explosivgeschosses. Trotz seiner Wunden beendete er seine Arbeit, setzte sich an das Maschinengewehr und eröffnete das Feuer. Darauf mußte der Fokker sehr schnell hinunter gehen. Trotzdem Puschkel durch ernsthafte Beschädigungen an der Maschine allmählich sank, setzte er im Feuer der feindlichen Batterien seinen Flug fort und brachte unter Einsatz seiner ganzen hervorragenden Kühnheit und Geistesgegenwart den Apparat in den Flughafen zurück. Der schwerverwundete Kowenko hatte bereits das Bewußtsein verloren. * Türkischer Bericht. W/1·3 Konstantinopel, 18. Juli. Das Hauptquaxtier leitt mit: Von der Jrakfront und aus Persien liegt keine Nachricht von Bedeutung vor. Im Kankasus ist die Lage am rechten Flügel underändert. Südlich des Tschorok im Abschnitt des Zentrums verloren die Angriffe der Russen, die gewaltige Verlurste infolge unserer kräftigen Gegenstötze erlitten, in den letzten Tagen an Heftigkeit. Am 16. Juli warfen zwei seindliche Flieger ehn Brandbomben in die Umgebung des Hospitals und bei den Sanitätsbaracken von Gallipoli ab, verursachten aber keinen anderen Schaden, als einige zerbrochene Feusterscheiben. Ein feindlicher Flieger, der nachmittags erschien, wurde durch unser Feuer außerhalb der Meerenge vertrieben. An den übrigen Fronten keine Aenderung. * Der Seekrieg. Deutsche U.Booi=Tätigkeit an der englischen Küste. V1 B Berlin, 18. Juli. Amtlich. Am 11. Juli hat eins unserer II-Boote die Eisenwerke von Seaham an der englischen Ostküste beschossen. In der Zeit vom 10. bis 14. Juli sind an der englischen Ostküste durch unsere U-Boote sieben englische Fischdampfer und zwei Fischerfahrzeuge vernichtet worden. (Es ist ja bekannt, daß die gesamten englischen Fahrzeuge militärischen Zwecken dienen; meistens sind sie sogar bewaffnet; diese Schiffe besorgen den Wach- und Meldedienst der englischen Marine. Man weiß also, was von etwaigen Klagen zu halten ist, die Deutschen hätten friedliche Schiffe versenkt.) * Versenkt. W'IB. London, 18. Juli. Lloyds melden aus Malta, daß der britische Dampfer„Virginia“, 4279 Tonnen, von einem Unterseeboot versenkt wurde, 47 Mann der Besatzung sind in Malta angekommen, 6 davon sind verwundet. Sie wurden ins Hospital gebracht. Der erste Offizier wird vermißt.— Aus Lowestoft meldet Lloyds, daß drei Fischerfahrzeuge versenkt und die Besatzungen gerettet wurden. * Drei schwedische Dampfer und ein amerikanischer Schoner von Deutschen aufgebracht. WTB Dragoer, 17. Juli. Die Deutschen haben nachmittags südlich von Dragoer drei schwedische Dampfer mit Papiermasse und einen amerikanischen Viermast=Schoner, vermutlich mit Petroleum, aufgebracht. Die Schiffe werden nach Swinemünde geführt. * Vor der Heimfahrt der„Deutschland“. 7•1 Amsterdam, 18. Juli. Nach einer Meldung der Londoner Dailn Newe“ wurden 4 amerikanische Zerstörer nach dem Virginia=Kap entsandt, wo sie am Eingang der Chesapeake-Bucht kreuzen werden, um zu verhindern, daß eine Verletzung der amerikanischen Hoheitsrechte stattfindet, wenn die„Deutsch= land" wieder in See sticht. * Die„Deutschland“ macht Schule. 1 U Amsterdam, 18. Juli. Wie der Korrespondent der „Telegraphen-Union“ erfährt, erwägt man in holländischen Schiffahrtskreisen den Bau oder Ankauf von U.Booten nach dem Muster des Tauchbootes„Deutschland“, welches soeben glücklich die Reise nach Amerika bestanden hat. Man erwartet nur noch die Nachricht von der Ankunft der„Biemen“, um dem Plane näber zu treten. Es ist zweifellos, daß auch hierorts bei diesen Erwägungen die Absicht, wenigstens die Briefpost vom englischen Zensor zu befreien, eine große Rolle spielt. * Keine Krupp=Gesellschaft zwecks Untersee=Frachtverkehr in Amerika. WTB Berlin, 16. Juli. Die Meldung der Erchange=Telegrapben=Compagny aus Baltimore, daß die Lase-Torpedo=Geellschaft und der Vertreter von Krupp übereingekommen seien. in Amerika eine Gesellschaft mit 100 Millionen Dollar Kapital zwecks Untersee-Frachtverkehrs zu gründen, ist, wie wir erfahren, völlig aus der Luft gegriffen. * Allerlei vom Auswechselung deutscher und englischer Verwundeter. W7 B Vlissingen, 18. Juli. Anfang August findet eine Auswechselung der deutschen und englischen Verwundeten statt, wahrscheinlich mittelst eines besonders eingerichteten englischen Hospitalschiffes. * Sieg oder Fr de. TU. Amsterdam, 19. Juli. W. us London berichtet wird, ging in den letzten Tagen aus den A ußerungen ernster Politiker und Parlamentarier Englands die Meinung hervor, daß die nächsten zwei Monate den deutschen Widerstand in Belgien brechen müßten, oder Deutschland habe bewiesen, daß es unbezwingbar sei. Die Offensive in Frankreich beruhe zum größten Teil auf Englands Kraft, die aber, wie jeder wisse, nicht unerschöpflich sei und nicht die Opfer von Monaten nachfüllen könne. Reiche diese Kraft nicht aus, die Deutschen auf deutschen Boden zurückzujagen, so müsse das militärische Gleichgewicht festgestellt werden, also mit anderen Worten, daß keine Siege in den zwei Monaten errungen seien. Es werde sich auch feststellen lassen, ob Deutschland wirtschaftlich durchhalte. Jetzt sei der Blockadedruck am stärksten. Seit Kriegsbeginn seien in Deutich land alle Vorräte aufgezehrt. Aber trotz allem Spürsinn der englischen Presse wäre der erste Hungertod in Deutschland noch nicht gemeldet worden. Bringe Deutschland in vier Wochen die Ernte ein, dann sei auch der wirtschaftliche Sieg der Alliierten nicht erreicht. In zwei Monaten müsse man daher ernst und nuchtern fragen können, ob der Krieg beendet werden müsse, da man ihn ja nicht als Wahnsinnstat führe. Kriegsmudigkeit im englischen Volk. 7°1 Kopenbagen, 18. Juli. Ein Reisender, der über Bergen aus England hierher zurückgekehrt ist, schildert die große Veränderung, die das Stadtbild Londons infolge der Kämpfe an der Westfront in letzter Zeit erfahren hat. Tausende von Verwundeten und Truppen bevölkern die Anlagen, Straßen und Plätze. Täglich treffen neue Transporte ein. Ihr Anblick erfüllt die Bevölkerung Londons mit Entsetzen. In Dover und anderen Häsen Südenglands treffen täglich ganze Flottillen mit Verwundeten und zahlreiche Leichen höherer Offiziere ein. Bei ihrer Ausladung spielen sich Szenen ab, die so herzzerreißend sino, daß sie nicht wiedergegeben werden können. Die randungsstellen sind militärisch abgesperrt; nur die nächsten Verwandten erhalten zu den Schiffen Zutritt. In den Kirchen wird die Aufforderung der Geistlichen zum Aushalten und zur größten Starrsamkeit aus allen Gebieten immer eindringlicher, und in zahlreichen öffentlichen Versammlungen richten von der Regierung bestellte Redner immer und immer wieder dieselbe Ermahnung an die Bevölkerung. Zahlreiche Verwundete erklärten, sie wurden nur widerwillig noch einmal an die Front geben. Die Kriegsbegeisterung im Volk besteht nur in den Spalten der Zeitungen; in Wirklichkeit ist das britische Volk aufrichtig lnegsmüde. * Die Lage in Irland immer ernster. W'I B Rotterdam, 18. Juli. Dem„Nieuwen Rotterdam= schen Courant“ zufolge, wird den„Daily News“ von ihrem parlamentarischen Korrespondenten Nicolion gemeldet, die nationalistische Partei Irlands sei über die Mitteilung Asquiths, daß für die Einführung von Homerule noch kein Datum angejetzt sei, empört. Die Lage in Irland werde immer ernster. Die Einberufung einer allirischen Versammlung nach Dublin durch Elemente, die den irischen Führern seindselig gegenüberstehen, beweise, daß jeder Ausschub schädlich sei. Das Kabinett werde Mittwoch über die irische Frage beraten. Den Gerüchten über eine im August zu erwartende Vertagung des Parlaments und die„Hinausschiebung der Erledigung von Homerule bis Lktober sei kein Glauben beizumessen. * Casemente Bierufung abgelehnt. W1B London, 18. Juli.(Meldung des Reuterschen Bureaus.) Casements Berufung gegen das Todesurteil wurde keine Folge gegeben. H'TB London, 18. Juli.(Meldung des Reuterschen Burcaus.) Wie verlautet, beabsichtigt Casement an das Oberhaus als an den höchsten Gerichtshof zu appellieren, vorausgesetzt, daß der Generalanwalt seine Zustimmung dazu erteilt. * Aufhebung der Feiertage in England. W7·B. London. 18. Juli. Die Nationalkonferenz der englischen Gewerkschaften in London hat beschlossen, alle Feiertage bis zum Ende des Krieges aufzuheben. * Die großen Linien der Kriegspolitik Italiens keinem Wechsel unterworfen. W'TB Bern, 1.. Juli.„Sobrero, der römische Mitarbeiter der„Stampa“, führt aus: Ich bin in der Lage, in formalster Weise die Versicherung abzugeben, daß die großen Linien der Kriegspolitik Italiens keinem Wechsel unterworfen sein werden. Italien wird auf die deutsche Herausforderung antworten, so viel aber von dem Willen des Ministeriums Boselli abhängt, werden keine Theatercoups eintreten, die ein Vorspiel zu den großen Ereignissen bilden könnten. Bavione, der römische Korrespondent der„Gazetta del Popolo“, schreibt: Sollte die deutsche Politik gegen uns eine Kriegshandlung auf militärischem Gebiete unternehmen, dann wird Italien ohne Zögern und Gewissensbisse zur Kriegserklärung als Ultima Ratio übergehen können und müssen. Vorher aber wäre eine Kriegserklärung nicht angebracht, auch deshalb, weil damit die Richtungslinien entwertet werden, die seit Jahren mit Nutzen unter beinahe allgemeiner Zustimmung befolgt wurden und die dahin zielen, Deutschland, gegen das wir keine besonderen Rückforderungen territorialer oder politischer Natur geltend zu machen haben, die Initiative für die Neuerungen in den Beziehungen zu Italien zu überlassen. * Bedeutsame Entschließungen Italiens gegen Deutschland bevorstehend? 7°7I Genf. 18. Juli. Wie das„Journal de Geneve“ aus Rom meldet, stehen in den Beziehungen Italiens zu Deutschland bedeutsame Entscheidungen bevor. * Einberufung italienischer Marineleute. III Rom, 18. Juli. Das„Amtsblatt“ veröffentlicht eine Königliche Verordnung, wonach sämtliche Angehörige der Marine, die in den Jahren 1882 bis 1888 geboren sind, einberufen werden. Politische Uebersicht. 19. Juli. Besuch skandinavischer Sozialisten in Deutschland. Eine Anzahl skandinavischer Genossen sind am 16. d. Mts. in Deutschland angekommen, um auf Einladung einiger deutscher Genossen aus Partei= und Gewerkschaftskreisen die Verhältnisse in Deutschland aus eigener Erfahrung kennen zu lernen. An der Reise beteiligen sich die Genossen Reichstagsabgeordneten A. C. Lindblad. Nils Persson, Herald Hallén aus Schweden, Reichstagsabgeordneten Sigwald Olsen, C. F. Madsen, Vorsitzender der dänischen Gewerkschaftszentrale, und J. A. Hansen, Vorsitzender des danischen Maschinenbauerverbandes, aus Dänemark. Der danische Genosse Stauning, der sich ebenfalls an der Reise beteiligen wollte, bat eines schweren Herzleidens wegen davon Abstand nehmen müssen. Ebenso mußte der Genosse Lindquist-Stockbolm wegen Verhandlungen über die Arbeitsverhältnisse an den schwedischen Privateisenbahnen in letzter Stunde absagen. Am Montag haben die Gaste die Anlagen der Berliner Loniumgenossenschaft in Lichtenberg eingehend besichtigt, von denen sie aufs höchste überrascht waren. Des Lobes voll über die schönen und zweckmäßigen Anlagen der Berliner Arbeiterschaft auf genossenschaftlichem Gebiete, begaben sie sich nachber zum Parteivorstand, wo eine zweistündige Aussprache über die weltpolitische Lage stattsand. Am Schlusse erklärte Genosse Sigwald Olsen, ein Veteran der dänischen Partei, daß die dänischen Genossen volles Verstandnis für die schwierige Lage der deutschen Partei haben, und daß sie in ähnlicher Situation auch nicht anders handeln können, als die deutsche Parteimehrheit es gean hat. Dieser Sitzung schloß sich ein Besuch bei der Generalkommission der Gewerkschaften an, wo eine Auesproche über gewisse mit dem Kriege zusammenhangende Fragen stattfand.— Dienstag sind die skandinavischen Genossen Gäste der Stadt Berlin, deren soziale Fürsorge zur Kriegszeit sie aufs höchste interessiert. Die Karlosselversorgung. Genosse R. Schmidt schreibt über die neuen Mußnahmen zur Kartoffelversorgung: Taß die Maßnahmen in der Kartofselversorgung vollständig verschlt waren, ist der Regierung anscheinend nun auch zum Bewußtsein gekommen, denn man unternimmt jetzt den ernsten Versuch, die Wiederholung ähnlicher Vorgänge wie in diesem Jahre zu vermeiden. Hoffentlich bleibt es nicht bei der trostlichen Versicherung, sondern man beweist durch energische Eingriffe zugunsten einer Sicherstellung der Mengen für die menschliche Ernährung, daß man nicht wieder mit leeren Versprechungen kommt. Im vorggen Jahre dieß es auch, die Versorgung werde keine Schwierigkeiten bereiten und bis zum letzten Augenblick, war man gesonnen, dem freien Handel diese Aufgabe zu überlassen, bis sich dann herausstellte, daß wir so nicht auskommen konnten. Die Versorgung kann in diesem Jahre auf besserer und sicherer Grundlage geschehen, weil die Organisation mit dem Beginn der Ernte einsetzt und damit der Bedarf besser zu übersehen ist als im Vorjahre. Die neue Verordnung des Kriegsernährungsamtes legt den Hauptwert ant die Regelung der Versorgung für den menschlichen Bedarf. Dieser Bedarf wird auf 1½ Pfund pro Taa und Kopf der Bevölkerung geschätzt. Bis zum 15. April haben die Städte ihren Bedarf anzumelden und die Reichskartoffelstelle sorgt für die Sicherstellung der Lieserung. Zu dem####ar wird der Bedarf auf die Kommunalverbände im Verhältnis zur Produktion und unter Abzug des eigenen Bedarfs umgelegt. Das Quanum für den Verbrauch soll beschlagnahmt werden und in Verwahrung des Landwirts bleiben, oder auch von den Städteverwaltungen gelagert werden, soweit nicht der Bedarf vom Konsumenten abgehoben wird. Gegen das Vorjahr ist das unzweiselhaft ein Fortschritt und eine Lösung, die sich unteren Vorschlägen stark nähert. Nur kommt es sehr auf die Durchführung der Verordnung an. Fürchtet man wieder den Unwillen der Landwirte zu erregen, und zögert man, zur geeigneten Zeit auch von Zwangsmitteln Gebrauch zu machen, so bleibt die beste Verordnung nur ein unerfülltes Versprechen. Anscheinend hat aber das Kriegsernährungsamt doch Bedenken, noch einmal den Zustand herbeizuführen, der uns in diesem Jahre mit der Kartosselversorgung beschert ist. Die Höchstpreise haben eine Regelung erfahren, die vom Standpunkt der Verbraucher gar nicht befriedigen kann. Gegenwärtig haben wir für den Produzenten einen Höchstpreis für Frühkartoffeln von 10 Mark für den Zentner. Aber dieser Preis war vorgesehen unter der Voraussetzung, daß zu der die ärmere Bevölserung noch alte Kartosseln konsumieren könne. Da unsere Kartofsekbestände ausgebraucht sind, fällt diese Voraussetzung fort. Das Kriegsernährungsamt will nun den Preis für den Konsumenten auf 9 Mark herabsetzen und die Differenz soll aus Staats= und Gemeindemitteln gedeckt werden. Später wird dann die Senkung des Preises für den Landwirt bis auf 4 Mark eintreten, den Preis, den zu Beginn der Ernte die Spätkartoffel bis zum Frühjahr nächsten Jahres beibehalten soll. Das würde einem Kleinhandelspreis von 5.25 bis 5,50 Mark entsprechen. Im vorigen Jahre war der Preis für den Landwirt in den Bezirken abgestuft von 2,75 bis 3.05 Mark, im Frühjahr erfolgte die Heraufsetzung des Preises von 4.50 bis 4.80 Mark mit einer monatlichen Steigerung bis in 6.00 resp. 6.30 Mark. Der Produzentenpreis soll bis zum Frühjahr wieder stabil bleiben, er bedeutet eine ganz unbegründete Erhöhung und läßt sich auch damit nicht verteidigen, daß später eine so hohe Steigerung nicht erfolgen soll, wie sie in diesen Jahre eintrat. Aber wer bürgt uns dafür nach allen bisherigen Erfabrungen? Etwas erträglicher soll den Konsumenten die Sache dadurch gemacht werden, daß für die ärmere Bevölkerung und für die Kriegerfrauen, die Unterstützung erhalten, der Kleinhandelspreis auf 4,90 Mark für die Spätkartoffeln herabgesetzt werden soll, und auch hier die Differenz aus Staats= und Gemeindemitteln gedeckt wird. Systematisch kann uns die Unterstützung der Agrarier aus Staatsmitteln nicht beruhigen, wir werden darüber zu anderen Zeiten noch ein ernstes Wort reden, aber für den Augenblick bleibt eine Erleichterung in der Versorgung der ärmeren Bevölkerung bestehen, auf die man nicht verzichten kann. Den Agrariern sind damit nicht voll ihre Wünsche erfüllt, denn von jener Seite verlangte man für den Landwirt einen Preis von 5 Mark und der deutsche Landwirtschaftsrat erklärte noch vor kurzem, ein Preis von 4 Mark sei ganz ungenügend. Sehr rühmlich ist die Lösung, die das Kriegsernährungsamt getroffen hat, nicht, es hat anscheinend die übermäßigen Forderungen der Agrarier etwas herabgesetzt, aber immer noch die Grenze so gezogen, daß die Herren sehr zufrieden sein können; die Verbraucher können das leider von sich nicht sagen. Der Empfang der Fraktionsführer beim Reichskanzler. 1°U Berlin, 18. Juli. Von unterrichteter Seite wird dem „Berliner Tageblatt" bestätigt, daß in der Besprechung zwischen dem Reichskanzler und den Führern der Reichstagsfraktionen keine bestimmten politischen oder militärischen Fragen im Vordergrund standen. Der Reichskanzler gab eine Uebersicht über die Gesamtlage und berührte die verschiedensten Dinge, ungefähr, wie es in einer Reichstagsrede geschieht. Die Fraktionsführer äußerten gleichfalls ihre Ansichten. Es handelte sich aber nicht darum, in irgend einer Frage die Zustimmung der Parlamentarier zu einer neuen Lösung oder zu besonderen Entschlüssen zu gewinnen oder irgend welche Lösungen oder Entschlüsse vorzubereiten. 8000 Mark Geldstrafe. Frau Anna Winsch, Inhaberin der Firma Hofschlächtermeister Biesold, Berlin, Wilhelmstraße, wurde am Dienstag von der 160. Abteilung des Schöffengerichts Berlin=Mitte wegen Höchstpreisüberschreitung und unbefugten Zurückhaltens von Fleisch in großen Mengen zu 8000 Mark Geldstrafe eventl. für je 10 Mk. ein Tag Gefängnis verurteilt. Oesterreich=Ungarn. Neue Partei in Ungarn. WTB Budapest, 18. Juli. Die aus der Unabhängigkeitspartei ausgetretenen 25 Abgeordneten beschlossen die Bildung einer neuen Partei, welche den alten Namen: Unabhängigkeitsund 48er Partei beibehält. Zum Präsidenten der neuen Partei wurde Graf Michael Karolyi gewählt. Spanien. Beilegung des Ausstandes in Spanien. WTB Bern, 18. Juli.„Petit Parisien“ meldet aus Madrid: Der Ministerpräsident Graf Romanones hat nach Besprechung mit verschiedenen sozialistischen Republikanern sowie Vertretern des allgemeinen Arbeiterbundes den Zeitungen mitteilen lassen, die Ausständigen hätten grundsätzlich die Bildung eines schiedsrichterlichen Ausschusses angenommen. Neueste Nachrichten. Brand in einem Neuyorker Arsenal. TU Haag, 18. Juli.„Central News“ melden aus Neuyork, daß ein geheimnisvoller Brand in einem der großen Arsenale ausbrach, wobei 400000 kleine Granaten zerstört wurden, die zur Abfahrt nach der mexikanischen Grenze bereit standen. Dadurch, daß man das Arsenal unter Wasser setzen konnte, wurde die Explosion von 100000 schweren Granaten verhindert. Der angerichtete Schaden ist bedeutend. Nachrichten des Kriegswirtschaftsamtes der Stadt Vortmund. 1. a) Die Warenkarte Nr. 14(gekreuzt und ungekreuzt) der Bezirke 3, 6, 9, 12, 15, 18, 21, 24, 27, 30, 33, 36 berechtigt nur heute zum Bezuge von 2 Pfund Kartoffeln. b) Die Warenkarte Nr. 15(gekreuzt und ungekreuzt) aller Bezirke berechtigt von heute bis einschl.Donnerstag, den 20. Juli ds. J. zum Bezuge von ½ Pfund Brot. II. 9) Die Warenkarte Nr. 47 berechtigt bis einschließlich Dienstag den 25. Juli zum Bezuge von 125 Gramm Fleisch mit Knochen oder 100 Gramm Fleisch ohne Knochen, frische Mettwurst, geräucherte Mettwurst, sofern sie nicht als trockene Dauerware in Frage kommt, Fleischwurst, Leber= und Blutwurst 1. Sorte, oder 187 ½ Gramm Eisbein, Haxe, Freibarkfleisch. . Warenkarte Nr. 48 berechtigt genau wie die Warenkarte Nr. 47. Die Warenkarte Nr. 49 berechtigt für dieselbe Zeit zum Bezuge von 150 Gramm Räucherwaren von Fleisch, Dauerwurst, Fleisch= und Wurstkonserven, magerer Speck— geräuchert— oder von 250 Gramm Blut= und Leberwurst 2. Sorte. III. Die Fleis- und Fleischwaren=, sowie Zuckerkarten sind in den Bezirksausgabestellen nach dem bereits veröffentlichten Plane abzuholen. Auch muß die Anmeldung zur Kundenliste bei den Metzgern erfolgen. IV. Cinige Geschäfte haben auf Seite 3 und 4 des Lebensmittel=Ausweises beim Verkauf von Lebensmitteln Eintragungen vorgenommen. Dies ist nur beim Verkauf von Seife zulassig. Sonst sind die Seiten nur für amtliche Eintragungen bestimmt. Aus dem Wahlkreis Dortmund-Hörde. Dortmund. 19. Juli. Beerensammeln. * Die eßbaren, wildwachsenden Beeren aller Art scheinen in diesem Jahre besonders gut zu gedeihen und versprechen eine reiche Ernte. Um nun diese in der jetzigen Kriegszeit doppelt willkommene Zugabe an Nahrungs- und Genußmitteln wirtschaftlich gut auszunutzen, ist es erforderlich, diese Früchte binlänglich ausreifen zu lassen, und sie nicht,— wie jetzt beim Einsammeln der Wald-(Heidol)-Beere vielfach zu beobachten ist— schon im halbreisen Zustande avzupflücken. Die unreifen Beeren haben noch nicht den nötigen Zuckergehalt und leiden auch nicht das Aufbewahren durch Einkochen, Auspressen oder Trocknen, zumal auch eine nachträgliche Zugabe von Zucker bei der herrschenden Zuckerknappheit nicht möglich ist. Auch ist dringend erforderlich, daß das Sammeln der Beeren mit möglichster Schonung der Sträucher selbst vorgenommen wird. Wenn, wie es namentlich beim Einsammeln der Heidel- und Preißelbeere geschieht, Blätter und Zweige mit abgerissen werden— insbesondere durch Abkämmen, oder wenn ganze Büschel abgebrochen werden, dann leidet darunter die jetzige und künftige Ernte. * Berteilung von Speck an Inheber von gekrenzten Warenkarten. Die städtische Nachrichtenstelle schreibt:„Bekanntlich ist vor einigen Wochen auf Anregung des Herrn Oberpräsidenten unter tatkräftiger Mitwirkung der weltlichen und geistlichen Behörden in vielen ländlichen Kreisen der Provinz Westfalen eine Sammlung von Fleischwaren veranstaltet worden, deren Ergebnis den minderbemittelten Bevölkerungskreisen der Industriestädte zu gute kommen soll. Dem Magistrat der Stadt Tortmund sind durch die Vermittlung der Herren Landräte der Kreise Warburg, Wiedenbrück und Büren die in diesen Kreisen gesammelten. Mengen Speck und sonstiger Fleischwaren zur Verfügung gestellt worden. Dank der Gebefreiheit der Bewohner dieser Kreise ist es möglich, von Donnerstag dieser Woche ab an die minderbemittelten Familien unserer Stadt eine Sonderzuteilung von Speck zu bewirken. Wie der Magistrat im heutigen Anzeigenteil bekannt macht, wird der Speck an die Inhaber von Berechtigungskarten gegen Hergabe der gekreuzten Warenscheine Nr. 50 verabfolgt, und zwar entfallen auf jeden dieser Scheine 50 Gramm. Die Ausgabe erfolgt in den Metzgergeschäften, in denen früher die städtischen Fettwaren gegen Bezugsscheine zur Ausgabe gelangten. Durch einen namhaften Zuschuß der Stadt ist es möglich gemacht, den Speck für den Preis von 2,30 Mk. für das Pfund, also 23 Pfennig für je 50 Gramm, zu beziehen. In dieser Zeit der Fettnot wird es unsere Bevölkerung sicher dankbar empfinden, daß eine solche Zuwendung durch die hülfsbereite Gesinnung der ländlichen Bevölkerung ermöglicht worden ist. Es braucht wohl nicht besonders hervorgehoben zu werden, daß es sich bei diesem Speck um hervorragend schöne Hausmacherware handelt. Für diejenigen Hausfrauen, denen die starke Räucherung, wie sie in Westfalen geübt t wird, nicht bekannt ist und beim Genuß weniger usagt, wird bemerkt, daß die Rauchschicht unmittelbar vor der Verwendung des Specks durch Abwaschen mit lauwarmem Wasser, gegebenenfalls unter Zuhülfenahme einer Bürste leicht entfernt werden kann.“ * Wegen Störung des Gesängnis=Gottesdienstes hatte sich der Kaufmann Franz Menke, dem viele und große Schwindeleien zur Last gelegt werden und der sich seit geraumer Zeit in Untersuchungshaft befindet, vor Gericht zu verantworten. Er hatte sich, entgegen der Gefängnis=Ordnung, während der Verlesung des Evangeliums nicht vom Platze erhoben und als er vom Geistlichen dazu aufgefordert wurde, diesem entgegnet: „Das ist immer so gewesen. Ihr Amtsvorgänger hat das geduldet und in den andern Gefängnissen, z. B. in Moabit, bleiben die Gefangenen während des Gottesdienstes sitzen.“ Kaplan Plettenberg verbat sich eine Widerrede während des Gottesdienstes und ersuchte, wenn jemand etwas zu sagen habe, dann solle das nach dem Gottesdienste in bescheidener Weise geschehen. Kaum hatte Kaplan Plettenberg die Predigt begonnen, als Menke einen Gefängnisaufseher heranwinkte und sich demonVerhalten des Anchen Störung eines abstritt und in der festrigen Verhandlung behauptete, er habe sich für berechtigt gesalten, den Geistlichen zu belehren, nicht er, sondern der Geistliche habe die Andacht durch sein Auftreten gestört. Schon früher beschäftigte sich das Gericht mit der Sache. Da Zweifel an dem gesunden Geisteszustand des Angeklagten entstanden sind, ist er auf seinen geistigen Zustand von Sanitätsrat Dr. Muermann=Aplerbeck untersucht worden. Dessen Gutachten ging dahin, daß Menke ein Mensch ist, der krankhaft veranlagt sei und auf der Grenze zwischen gesundem und krankhaftem Denkvermögen stehe. Sein Handeln in dem Betsaale sei auch von diesem Gesichtspunkte aus zu beurteilen, an eine vorsätzliche Störung des Gottesdienstes werde Menke nicht gedacht haben: er habe sich als der Verteidiger des Rechts aufspielen und sich seiner Mitgefangenen annehmen wollen. Im vorliegenden Falle könne angenommen werden, daß die Handlungsweise des Angeklagten nahe an den§ 51(Ausschluß der freien Willensbestimmung) heranreiche. Das Gericht kam auf Grund des Gutachtens des Sachverständigen zu einer Freisprechung. Eine zweite Sache gegen Menke. in welcher es sich um Beleidigung des Landgerichtsrats Dr. Wirth und eines Gefängnisbeamten handelte, wurde vertagt, da der Angeklagte erklärte, er sei geistig nicht so frisch, daß er der weiteren Verhandlung noch folgen könne. Lünen. Wie aus dem heutigen Inseratenteil zu ersehen ist, hat die Stadt mit der Mästung von Schweinen auf dem städtischen Schlachthofe in eigener Regie und in größerem Umfange begonnen. Sämtliche Küchen= und Gartenabfälle sollen von der Bürgerschaft zu diesem Zwecke abgegeben werden. Die Abfälle werden jede Woche zweimal abgeholt. Da die Mästung im Interesse der gesamten Bevölkerung liegt, so ersuchen wir, die Abfälle, soweit sie nicht selbst verwendet werden können, aufzubewahren bezw. dem städtischen Schlachthof zuzustellen. Schwerte. Am Sonntag nachmittag wurde im Lokale Köster eine öffentliche Versammlung abgehalten, in der Redakteur enßler=Dortmund über„Die Ernährung während des Krieges“ redete. Neben den allgemeinen Fragen wurden auch die örtlichen Verhältnisse erörtert und, wo angebracht, scharf krittsiert. In Bezug auf die Verteilung der Lebensmittel liegt hier noch Manches im Argen. Amtliche Verkaufsstellen bestehen nicht. Alle der Gemeinde gelieferten Waren werden durch die privaten Geschäfte abgesetzt, ohne daß aber die nötige Kontrolle besteht, um eine Sonderbevorzugung guter Freunde und Kunden auszuschließen. Wohl wird bekannt gegeben, von der und der Ware darf nur so und so viel an die einzelne Familie abgegeben werden. Die Gewähr, daß dem auch entsprochen wird, besteht aber nicht. Es ist vielmehr mit Sicherheit anzunehmen, daß nicht selten Uebertretungen vorkommen. Bekommt der Eine mehr, so ist die Folge, daß der Andere garnichts bekommt. Eine Zuteilung nach Familien, ohne deren Kopfzahl zu berücksichtigen, kann als gerechte Verteilung auch nicht angesehen werden. Die großen Familien sind dabei jedesmal die Benachteiligten. Welche Mißstände in der Verteilung hier bestehen, davon aibt Beweis der vorwöchige Margarineverkauf. üher wurde Butter und Margarine zusammen zugeteilt. Mit Recht wurde verlangt, daß eine gesonderte Zuteilung vorgenommen werde. In der vorigen Woche wurde nun auch die Butter gesondert zugeteilt, bei der Margarine aber die Zuteilung ganz unterlassen. Die Geschäfte verfuhren ganz willkürlich, ein Geschäft gab pro Kopf 25 Gramm, ein anderes 50 Gramm, wieder ein anderes 150 Gramm an jede Familie. Wer nicht zu den ersten Käufern gehörte, konnte aber rechnen, gar nichts mitzubekommen. Es kam deshalb auch wieder zu Drängereien und Ansammlungen vor den Geschäften; bei einem Geschäft wurde die Schaufensterscheibe eingedrückt. Würde man bei der Margarine die Zuteilung nicht unterlassen haben, wäre jeder Familie das ihr zustehende Quantum gesichert gewesen, wurden sich solche unliebsame Vorfälle kaum ereignet haben. (Wie wir erfahren, steht eine durchgreifende Besserung bevoc durch Einführung der Kundenliste.) Die Fleischversorgung war bisher auch völlig ungeregelt. Es hieß früh aufstehen, wenn man Aussicht haben wollte, etwas zu erhalten. Die Metzger sannen schließlich selbst auf Abhilfe und beschlossen die Einführung einer Kundenliste. Wer nun aber glaubt, daß somit eine gleiche Behandlung der Käufer, eine gerechte Verteilung der Vorräte erreicht sei, ist im Irrtum. Von einem Metzger, der Stadtverordneter ist und auch in der Lebensmittelkommission sitzt, wurde z. B. berichtet, daß er seine Kunden in zwei Klassen einteilt und an die erste Klasse größere Mengen abgab, wie an die zweite Klasse.(Hierzu wird uns von anderer. informierter Seite mitgeteilt, von einer ungleichen Behandlung könne in diesem Falle keine Rede sein. Bei Abgabe der Menge habe sich der betr. Metzger nur nach der Kopfzahl der einzelnen Familien gerichtet. Dagegen ist nichts einzuwenden; im Gegenteil. Die Einführung der Kundenlisten durch die Metzger wird zweisellos eine Besserung gegenüber dem früheren Zustand herbeiführen. Zu fordern ist aber dennoch, um jegliche Unregelmäßigkeit in der Verteilung möglichst auszuschließen, daß von Kommunalwegen die Kundenliste eingeführt wird und auch, solange die Reichsfleischkarte nicht besteht, von der Kommunalbehörde festgestellt wird, wieviel auf den Kani der Bevölkerung entfällt. Bei dieser Gesegenheit sei gerne zugegeben— was auch in der Versammlung von einem Schwerter Redner betont wurde—, daß sich die Verwaltung Mühe gab, um genugend Lebensmittel heranzuschaffen.) Im Ganzen genommen bestehen in Bezug auf die Verteilung der Lebensmittel noch Mißstände, die längst beseitigt sein müßten bezw. gar nicht hätten entstehen, dürfen. Wenn auch die besseren Bürgerfrauen dieselben Schwierigkeiten bei der Lebensmittelbeschaffung zu überwinden hätten, dann wäre es jedenfalls anders. Aber diese haben es nicht notwendig, Stunden lang vor den Läden zu stehen, ihnen werden die Waren zurückgelegt oder gar ins Haus gebracht. Die Hauptschuld scheint bei der Lebensmittelkommission zu liegen. In ihr beri schen die Geschäftsleute. Die Arbeiterschaft ist in ihr gar nicht vertreten. Anderswo hat man Wert darauf gelegt, mit den Vertretern der Arbeiterschaft, der minderbemittelten Volksschichten, zusammenzuarbeiten. In Schwerte hat man aber nicht umgelernt. Da ging man genau so wie früher über diese Schichten hinweg. Und dann wundert man sich, daß das Vertrauen fehlt. Wo soll denn das Vertrauen herkommen? Was hier bisher geschah und geleistet wurde, gibt der Arbeiter schaft keine Veranlassung, vertrauensselig gegen Verwaltung und die bürgerlichen Kommissionen zu sein. Einem ersprießlichen Arbeiten der Lebensmittelkommission wäre en nur förderlich, wenn in ihr auch Vertreter der Arbeiterschaft wären, die organisatorische Erfahrungen besitzen und auch wissen, in welcher Lage sich die minderbemittelten Schichten befinden. Die Lebensmittelkommission soll als Vertretung der Gesamtbevölkerung für das allgemeine Wohl arbeiten.— In Bezug auf die Massenspeisung ist Schwerte völlig bintenan. Von einem Frauenverband ist ein Kinderhort geschaffen, in dem ungefähr 70 Kinder gespeist werden. Die Stadtverwaltung unterstützt diese Einrichtung, durch die aber längst nicht dem notwendigsten Bedürfnis Genüge getan wird. Wie wir erfuhren, besteht der Plan, die Massenspeisung in größerem Umfange durchzuführen. Das Kinderhort soll zu einer Volksküche ausgebaut werden; auch einige Werke sollen in dieser Hinsicht etwas unternehmen wollen. Unsere Ansicht ist. daß nicht privaten Unternehmungen oder Wobltätigkeitsvereinen die Einführung der Massenspeisung überlassen bleiben soll, sondern daß die Gemeinde selbst Hand ans Werk legen muß. Jedenfalls ist die jetzige Einrichtung im Kinderhort ganz unzulänglich. Uebrigens wäre es interessant zu erfahren, nach welchen„Regeln die Aussuche der Kinder für die jetzige Speisung erfolgt. Eine Frau hatte z. B. ihr siebenjähriges Kind angemeldet. Einige Zeit später bekam sie vom Bürgermeister die Mitteilung, das Kind sei noch so gut er nährt, daß es dieser Massenspeisung nicht bedürfe. Und worauf fußte dieses Urteil?„Auf dem Gutachten eines— Schutzmanns, der beauftragt wurde, das Kind sich mal anzusehen. Daß der Schutzmann ein Stück„Mädchen für alles“ ist, das wußten wir, daß er aber gar den Arzt ersetzen muß, durch bloße Betrachtung feststellen soll, was jener nur nach gewissenhafter Prüfung kann, das ist uns doch noch neu. Aus dem Wahlkreis Hamm-Boest. 19. Juli. Unna. Am Samstag sand in den hiesigen Fleischerläden das erstemal ein Fleischverkauf auf Grund des Systems der Kundenlisten statt. Alle Beteiligten, ob Käufer oder Verkäufer, sind einig in dem Urteil, daß sich diese Art des Verkaufes aufs Beste bewährt hat. Das sonst üblich: Warten der Käufer, wenn es einmal Fleisch gab, siel ganz weg. nicht minder das Drängen im Laden. Auch die Abfertigung der Kunden konnte seitens der Verkäufer ohne jede Ueberstürzung vor sich gehen. Wenn auch die Instandhaltung der Kundenlisten und ihre vorschriftsmäßige Führung dem Verkäufer allerhand Arbeit verursacht, so dürfte ihre Einführung auch für andere Lebensmittel doch sehr zu empfehlen sein. Unna. Trotz schärferer Ueberwachung der Feldfluren nehmen die Feld= und Gartendiebstähle wieder überhand. So wurden von den am neuen Friedhof gelegenen und in kleineren Parzellen verpachteten städtischen Ländereien an fünf Stellen Kartoffeln gestohlen. Bergkamen. Am Sonnabend. nachmittags 4 Uhr, wurde der Hauer Franz Ostrowski durch plötzlich hereinbrechende Gesteinsmassen verschüttet. Es gelang den Kameraden des Verschütteten, ihn nach 10 Uhr abends aus seiner schweren Lage noch lebend zu befreien. Er verstarb jedoch ans dem Transport nach dem Krankenhaus. Fröndenberg. Die früher hier stattgefundenen Wochenmärkte sollen wieder eingeführt werden. Der erste Wochenmarkt wird am Donnerstag den 20. Juli stattfinden. Salem Aleikum Zigaretten. Preis NI 34 4 S O 810 4 SO S1OL Pd Stick einschließlich Kriegsaufschlag. Inmstfrei! Wiedersehen war seine und unsere Hoffnung. Fern von der Heimat und seinen Lieben starb am 5. Juli in einem Gefecht nach 23monatlichem. Ausharren mein innigstgcliebter, herzensguter Mann, der treusorgende, liebevolle Vater meiner beiden Kinder. anser guter Sohn, Schwiegersohn, Bruder, Schwager und Onkel, der Gefreite Wilhelm Becker lnft.-Regmt. Nr. 21, 12. Komp. im Alter von fast 31 Jahren. 102 In tiefer Trauer: Fraa Wilhelm Becker geb. Dehne nebst Kinder. Familie Konrad Becker. Wwe. Dehne nebst Anverwandte. Eichlinshofen, Oespel, Barer Russland und Graudenz, den 18. Juli 1916. Sozialdem. Verein für den Wahlkr. Dortmund-Hörde. Von unseren Mitgliedern sind im Kriege getallen: Am 10. Mai Ignatz Cichy aus Marten im Alter von 26 Jahren. Am 30. Juni Hermann Pohl aus Marten im Alter von 34 Jahren. Am 5. Juli Wilh. Becker aus Eichlingbofen im Alter von 31 Jahren. Ende Juli Max Bretag aus Dortmund(23. Bezirk) im Alter von 39 Jahren Ferner Bernh. Regosz und Karl Romey aus Lütgendortmand. Ehre ihrem Andenken! 1993 Der Vorstand. Sozialdem. Verein Hamm-Soest. Filiale In der Sonnabend-Nacht verstarb infolge Verschüttung durch Gestein unser langjähriger Genosse und Kamerad Franz Ostrowski r Alter von 48 Jahren. Wir werden dem Verstorbenen ein ehrenvolles Andenken bewahren! 1934 Die Fillalleitung. Arbeiter-Turnverein„Freihelt“ Todes-Anzeige. Auf dem Felde der Ehre ftel unser werter Turngenosse, der Wehrmann Hermann Pohl Garde-Inft.-Regt. Nr. 7, 1. Komp., im Alter von 34 Jahren. Ehre seinem Andenken! 1994 Der Vorstand. Danksagungen Trauerbriefe Okta%(oder Karten) 12 Stück.— Mk „„ 4.— Mk. Quart....... 12„ 4— Mk. „ 25„ 5.— Mk mit Umschlägen) empfichlt schnell und in feinster Ausfuhrung Gerisch& Co., C. m. b. H., Buchdruckerei Dortmand, Klelstr. 5. Die Bachhandlung d. Arbeiter-Zeitung empfiehlt ihr reichhaltiges Layer in Schreibwaren u. Bareaustenelllen. Zur Beerdigung d. verstorbenen Ariegers Hans Kleitmann lreten die Kriegervereine Donserstag. d. 20. Juli 1916, vormittags 10 Uhr. auf dem Südwall am „Grafenhof“ an. 109; Kreiskriegerverhand Dertmund Stadt v. Lard. EisenBettstellen Holzbettstellen Kinderbettstellen Matratzen Betten Steppdecken Bettdecken ete. zu billigen Preisen. Dortmund, Balkenstr. 38 und 38 beim Bezirks-Kommande. Damenstiefel 8.50 Kuhstr. 32. Aufpolstern von Matratzen und Sofas prompt u. billig, sowie Gardinen waschen, waunen und aufhaugen bei 103 Fritz Kraft Bornstr. 85. Telef. 5199 Regulateure Uhrketten:: :: Trauringe Goldwaren:: und Brillen kaufen Sie gut und billig beim Fachmann Killer Hörde in Biekefeldstr. 13 am Hättenter, Kasfhaus und Pfandleih-Anstalt. Zagaben: Rabattscheine. Altes Gold, Silber, Uhren, Nähmaschinen, echte Gebisse(Zähnel nehme in Zahlung. Bei Bedarf emptehle Leib- u. Da menbinden Bruchbänder, Geradehalter, Betteinlagen, Luttkissen, Verteilung von Svca an von gekreuzten Warenkarten. Bon Donnerstag, den 20. bis Camstaa, den 29. ds. Mis. gelangt der dem Magistrat aus ländlichen Kreisen der Provinz Westialen überwiesene Sveck zur Verteilung. Der Speck wird an die Inbaher von rechtigungskarten gegen Abgabe der gekreuzten Warenkarte r. 50 in den Metzgergeschäften verabfolgt, in denen früher städtische Fettwaren auf Bezugsscheine zur Ausgabe gelangten. Verzeichnisse der in Frage kommenden Geschäfte hängen in allen städtischen Speiseanstalten aus. Jede gekreuzte Warenkarte Nr. 50 berechtigt zur Empfangnahme von 30 Gramm Speck zum Preise von 2.30 mt. das Pfund, also 0.23 Ml. für je 30 Gramm. Um Andrang zu vermeiden, wird die Ausgabe nach den Anfangsbuchstaben des Hausnamens auf folgende Tage verteilt: Donnerstag, 20. Juli A. C. D. E. X. V. 2 Freitag, 21. Juli 8 Samstag, 22. Juli F. G Montaa, 24. Juli H. J Dienstag, 25. Juli K Mittwoch, 26. Juli I., M Donnerstag, 27. Juli N. O. P. O. R Freitag, 28. Juli S Samstag, 29. Juli T. U, V, W. Die Abgabe des Speckes an den beiden Freitagen und am Dienstag ist seitens des perrn Regierungspräsidenten genehmigt worden. 11935 Dortmund, den 18. Juli 1916. Der Maaistrat. Bekanntmachung. Die Stadtgemeinde hat im slädtischen Schlachthof die Mast von Schweinen in größerem Umfange aufgenommen. Ein wirklicher Erfolg dieser gemeinnützigen Einrichtung ist nur dann zu erwarten, wenn sie von der Bürgerschaft nach Kräften unterstützt wird. Diese wird deshalb gebeten, alle Haus= und Küchen=Abfälle, die zur Schweinemast verwendbar sind, in besonderen Gefäßen zugleich mit den Mulleimern auf die Straße zu setzen, damit dieselben dort abgeholt werden können. Auch auf dem städt. Schlachthof werden geeignete Abfälle jederzeit dankend entgegengenommen. Lünen, den 14. Juli 1916. Der Bürgermeister: Becker. Die auf den Am 18. Juli 1916 Nr. 1e K. Nr. 24000 cw. i. 1640 K. 16 K. R. A.) in eine Bekanntmachung erschienen betreifend „Beschlagnahme und Bestandserbebung der deutschen Schafschur und des Wollgefälles bei den deutschen Gerbereien". Die Betanntmachung ist durch Anschlag veröffentlicht und kann auch bei den Polizeiverwaltungen eingesehen werden.(1985 Münster, den 18. Juli 1916. Stellvertretendes Generalkommando VII. Armeckorps. stellung von und kunstgenerblichen Nachen zugunsten der deutschen Kriegs- und Zivilgefangenen in der Zeit von Samslag, den 15. bis Sonntag, den 23. Juli, im Gartenaaal des„Kölnischen Hofes“. Täglich geöffnet von 10 Uhr bis 1 Uhr mittags und von 3 Uhr nachmittags bis 8 Uhr abends. Eröffnung: Samstag, d. 15. Juli 1916, nachmitt. 4½ Uhr. Am 15., 16., 22. und 23. Juli findet nachmittagund abends im Garten des„Kölnischen Holer“ Militär-Konzert, ausgeführt von den Kapellen des I. Ers.-Batl., Inf.-Regt. 67, und des Dülmener Landsturm-Bataillons statt. An den übrigen Tagen konzertiert daselbst die Hauskapelle des„Kölnischen Hofes“. Eintrittsgeld: Am Eröffnungstage(15. Juli) einschl. Konzert. 2.— Mk. Am 16. u. 22. Jali nachm. einschl. Konzert„ 1.—„ An den Vormittagen u. übrigen Nachmittagen" 0.50„ Eintrittsgeld nur zu den Militär-Konzerten" 0.30„ Die Ausschmäckung des Ausstellungslokals ist in liebenswürdiger Weise von den Firmen Rose& Co. und Laderig Clemens übernommen worden. 1946 Betten Verbandswatte, Irrigatoren, Ohrea-, Nasen- u. Kystierspritz., sowie alle anderen sankaren Artkei billigst. 1979 = Hörde Rathausstrasse 8. nicht verkauften Sachen, wie Männer-Kleidung uns kras ses: Frauen-Kleider Ober- u. Unterbetten Pfühle, Kissen Ihren Taschenuhren, RequlateurOllreir uhren, Freischwinger Fahrräder, Nähmaschinen Musikinstrumente, phetogr. Apparate Konversations-bezikons u. sonstige Bücher etc. etc. können täglich in unseren Geschäftsräumen zu sehr billigen Preisen gekauft werden. Die Sachen sind teils gebraucht, teils neu. Pfandleih-Anstalt A. Eick& Comp. Balkenstr. 38 Dortmund Nikolaistr. 5 beim Bezirks-Kommando. Heute Hainkonzert Kenzerthaus Steimann Anfang DUbr. Eistritt iOFf. Täglich von 5 Uhr ab Hn- und Verkaul Doxpelkonzert von gebrauchten und neuen Möbels aller Art, sowie Oeten, Herde, ganze Haushaltungen, kaufe zu höchsten Preisen. J. Schreiner. Marohn Nacht. Rheinischostr. 51½. Nähmaschinen empfiehlt billigst F. Meise Hansastraße Lütgebrückstraße Unterricht. 1 Kaufmänn. Ausbildung! Damen und Herren jed. Standes erhalten durch den Unterzeichneten in Tages- und Abendkursen eine erfolgreiche und praktische Ausbüldung für den Bärodienst. Prima Referenzen. Anmeldungen können täglich in meinem Büro, Wisstrasse 38, erfolgen. 1993 Gerhard Sändker. Bücherrevisor. erstkl. Damen-Kapellen bei freiem Entree. Elektrische Pianos, = Orchestrions= billig, unter günstig. Bedingungen. Jos. Hubert Mallinckrodtstr. 210. J1l, Einmachen der Prüchte sowie Bereitung der Fruchtsäfte, Gelees und Marmeladen. Preis 1.00 Mk. Durch alle Boten der„Arb.Zeitung“ erhältlich. ecoe Verlobungsringe in mehreren Qualitäten und Formen. Verkauf nach Gewicht zu sehr billigen Preisen! Gravierung der Namen sofort und gratis! A. Eick& Comp. Nicolaistr. 5 DORTMUND Balkenstr. 36-38 1317 beim Bezirks-Kommando. Für Belgien! Tächtige, militärfreie 1099 Emmerpolere, Eimmeriente, Flechter Legen guten Lohn bei freier Verpflegung und Unterkunft sofort gesucht.— Personalausweis mit beglaubigter Photographie, sowie Führungszeugnis, der Spionage unverdächtig, sind bei der Meldung vorzu###en.— Der Transport geht Ende dieser Woche ab. Betonbangeschäft Franz Schlüter Dertmund, Feldstrasse 107. Wir suchen sofort gegen guten Lohn mehrere tächtige, gelernte im Preise von 20 Mk. an. Ferner 5 Michziegen und 1 Lann billig zu verkaufen. 1991 Otto Nieweg Dortmund Fernr. 928. Ostenhellweg 50. für Stahl- und Walzwerkbetrieb. Persönliche Meldungen beim Torwart 1 am Haupteingang an der Unionstrasse. 1939 Dortmunder Union, Dortmund, Maschinen-Abteilung Stahlwerk. Gummierte Hufklebe- Adressen für Feldpost-Sendungen jeder Art nach folgendem Muster auf gummiertem Papier. Feldpost. An den Landwehrmann Wilhelm Beierling 18. Armeekorpa, 21. Division Fußartillerie-Regt. Nr. 3 1. Bat., Munitionskol. Nr. 3. Original-Grösse. 50 Stck. kosten 50 Pf., 100 Stck. 90 Pf. Weniger als 50 Stück werden nicht angefertigt. Bestellungen von answärts bitten wir den Betrag ertl. in Briefm.) beizufügen. Bei Einsendung durch Postanweisung kann die zu druckende Adresse auf den Abschnitt geschrieben werden. Zu beachten ist die genaue Angabe der Adresse. Diese praktische Aufklebe-Adresse mit Angabe des Absender: erleichtert durch ihre Deutlichkeit die Arbeit der Feldpost ungemeih und ist sowohl für Briefe, Drucksachen, Postkarten als Pakete gleich zu verwenden. Der Absender hat ferner die Adresse steis leicht zur Hand und kann diese auch Freunden und Bekannten des im Felde Stehenden zur Benützung weiter geben. Gerisch& Co. Buchdruckerei und Zeitungs-Verlag Dortmund, Kleistr. 5. Beilage der Arbeiter-Zeitung Nr. 167. 2. Blatt. Dortnund, Mittwoch, den 19. Juli 1916. 1 26. Jahrg. En ist Raum für alle! Lloyd=George ist ein gewandter Auspeitscher der Leidenschaften, seine jüngsten Reden predigen Krieg bis ans Ende. Die Ententepolitiker, die sch zur Pariser Konscrenz zusammen gefunden haben, sinnen auf Maßregeln, wie nach dem Krieac das Wirtschaftsleben der Mittelmächte verkümmert werden könnte. Wieder vernehmen wir von einer Seite die furchtbare Lehre, die zu anderen Zeiten von Heißfpornen der anderen Seite verkundet worden ist, die herz- und trostlose Lehre, die der geistigen Verirrung des Nationalismus enpprungen ist: Es ist auf Erden nicht Raum genug für alle! Richt für alle Menschen, noch für alle Völker! Besessen scheint die Welt von der Wahnvorstellung: Es kann kein Volk aufsteigen, ohne andere Völker zum Schemel seiner Füße zu machen. Es kann keine Nation reich und mächtig werden und die Gipfel der Kultur erreichen, ohne die Nationen um sich zur Verarmung, zur Ohnmacht, zur Kulturlosigkeit zu zwingen. „ Der verhängnisvolle Irrtum ist alt. Es hat eine Zeit gegeben, in der er das Kleid einer wissenschaftlichen Theorie annahm. Sie tragt den Namen von Malthus und sucht zu beweisen, daß auf Erden nicht Brot genug wachse für alle Menschenkinder, daß sich ihre Geschlechter rascher vermehren als die Feldfrüchte und Haustiere, von denen sie sich nähren, daß also Krieg, Krankheit und Hungersnot von Zeit zu Zeit nottut, um das Gleichgewicht zwischen Mensch und Natur herzustellen! Als ob der Mensch, das Kind der Natur, nicht von Anbeginn demselben Gesetz unterstellt gewesen wärc wie Gras und Rind und diese ursprüngliche Gleichheit überholt hätte durch die Gabe der Naturbeherrschung! Der Gedanke war eine Erniedrigung der Menschennatur, die zum hilflosen Sklaven des Naturgesetzes gemacht und tiefer gestellt wurde als Pflanze und Tier! Wir wissen heute, daß jene Lehre nicht die Entschleierung eines geheimnisvollen Weltwaltens war, sondern umgekehrt die zeitweilige Verfassung der Gesellschaft mit allen ihren Uebeln zu rechtfertigen versuchte durch die vorgeschützte Sanktion der Natur und der Gottheit. Es war die Theoric von der alleinselig machenden Konkurrenz, jene blutleere, gedankendürre Theorie, daß jeder einzelne des anderen notwendiger Feind sei, da jeder jedem den Platz in der Welt verenge und das täglich: Brot verkürze! Welch ein Aberwitz, den Kampf aller gegen alle, die Anarchic, zum Lebensgebot und unausweichlichen Daseins gesetz jenes Menschengeschlechts zu stempeln, das die großten leiner geschichtlichen Taten durch Vereinigung vollbracht hat und täglich vor aller Augen vollbringt. Und noch einmal kam dieser Lehre scheinbare Hilfe, als Charles Darwin 1859 seine„Entstehung der Arten“ veröffentlichte und den Kampf ums Dasein als eines der Entwicklungsarsetze der Arten nachwies. Flugs war das politische und soziale Interesse einzelner Gesellschaftsschichten zur Hand, dieses eine der Gesetze der Natur vorbehaltlos als das beherrschende Gesetz auch der menschlichen Gesellschaft auszurufen und den Bürger des neunzehnten Jahrhunderts unter die moralische Verfassung der reißenden Tiere, unter Raubtierpsychologie zu stellen. Eine Teilwahrheit, die zur alleinigen Quelle der Erkenntnis erhoben wird, ist schlimmer als Nichtwissen und Irrtum, denn ne ist vorsätzliches Nichtwissen und methodischer Irrtum; diese Teilwahrheit aber war selbst nur wahr, soweit der Mensch noch ungesellig gesaßzt, noch unsozial betrachtet ward, und konnte für den Menschen gelten, soweit er eben Naturwesen und noch nicht Mensch war, also bloß für das unsoziale Individuum! Was aber zeichnet unsere Rasse aus, was erhebt sie über die Tierheit? Gener an Stelle des Widerstreits der Individuen ihre Gemeinschaft, statt des Kampfes Arbeit und ihr habt zum Naturgeietz das höhere soziale Gesetz gefügt, Malthus besiegt und Darwin berichtigt. Der Rassentheorie war es vorbehalten, die Lehre von der Ungeselligkeit des Menschen von den Individuen auf Staaten und Völker übertragen zu haben. Nach ihr lebte Volk neben Volk wie Raubtier neben Raubtier und des Volkes höchste Weisheit wäre, die Klauen und Zähne des Luchses, das Stachelkleid des und das Panzerhemd der Echsen nachzuahmen. Die Weltgeschichte erschöpfte sich danach in dem Kampfe um die Futterdlätze, möge nun Ackerland oder Industrie oder Handel als Futterplatz gelten. Alles wäre dieser Kampf und nichts wäre die Schöpfertat des Sophokles oder Michelangelo, bloße Verirrung wären die großen Liebeswerke und die pure Nebensächlichkeit die wertschaffende Arbeit! Aus solchen geistigen Wurzeln in das Unheil erwachsen, das Europa heimsucht. Ist es denn wahr, daß Völker an Schätzen und an Kultur reicher werden durch die Vernichtung ihrer Nachbarn, daß jeder nur das gewinnen kann, was der andere verliert, daß die äußeren und inneren Güter ihr festes Maß haben in das sich nur Wettbewerber teilen, daß aber niemals mireinander Strebende zum gemeinsamen Gewinn aller vermehren können? Der Techniker weiß die alte Erfahrung zu schätzen, daß drei Männer, die vernunftig zusammenerbeiten, eine zehn- und hundertmal schwerere Last heben können, als der einzelne. Zusammenarbeit ist das Kulturgeheimnis, ist das Werdegesetz der Gesellschaft. Es ist die genaue Umkehrung des Malthusschen Satzes: Mit der Meyrung und Verringerung menschlicher Zusammenarbeit wächst der Nahrungsspielraum im quadratischen und kubischen Verhältnis! Das aber, was für einzelne gilt, trifft auf Völker in gleichem Maße zu! Deutschland und England sind in den letzten fünfzig Jahren vorzüglich an und durch einander reich geworden. Sie haben im Frieden gegenseitig ihre Volkswirtschaft erweitert und gesteigert, wie sie sie jetzt im Kriege einschnüren und verkümmern. Ihre Industrien haben allmählich gelernt, sich zu ergänzen, ihr Handel hat sich verschnürt und der rege pulsierende Verkehr war wie ein Strom frischen, starken Blutes, der beide Wirtschaften kräftigte. O diese Nordsee! Dieses Wogenbecken zwischen den höchsten Kulturstätten der Welt, in dem der Reichtum bin und wider flutete, die Schätze aller Erdteile zusammen= und durcheinanderströmten, Massen arbeitsfreudiger Menschen herüber= und hinüberzogen und alles, was Micht und Reichtum besatz, von Strand zu Strande eilte! Die änder= und völkerverbindende See! Nun nt sie ungastlich und arm geworden, das friedliche Handelsschiff ist von ihrer Oberfläche verschwunden, unwirtlich drauen die Wogen, Tod und Verderben thront über ihnen und lauert unter ihnen und alle, alle ihre Anrainer sind arm geworden. Ein Verhängnis hat sie gezwungen, nicht mehr zusammenzuarbeiten, sie sind ungesellig, unsozial geworden, sie haben das auszeichnend Menschliche abiun müssen und alo stehen sie unter dem Gesetz, dem Darwin den Namen gegeben het! Und wie ist nicht unsere Seele reich geworden durch geistige Zusammenarbeit! Lessing hat uns Shakespeare gebracht und Carlyle ihnen Goethe, beide aber wurden reicher! Alademien und Hochschulen haben sich im fördernden Wetteiser emporgearbeitet zu unvergleichlicher Höhe. Wir haben ihre Selbstverwaltung, sie unsere Volksschulen, wir ihre konstitutionellen Einrichtungen, sie uniere Arbeiterversicherung ausgenommen und beide Völker waren vollkommener. Wo ist der Punkt, an dem der Wagenbalken hebelt, so daß der eine fallen müßte, damit der andere steige! Wir finden ihn nicht! Doch! Jener Teil der Völker, dem des Reichtums und der Kultur vorwaltende Nutznießung zusteht, strebt seit jeher nach Ausschließlichkeit und ihm lohnt sie sich am Ende auch. Er war es ja wohl, der seit jeher das Wort Malthus wie ein Evangelium ansah— nun ist er selbst in das Fatum verstrickt und nirgends, nirgends noch zeigt sich ein Ausweg! Die Worte aber, die über den Kanal hinübertönen, sind voll Unmenschlichkeit! Unsozialität ist ihr Inhalt. Diese Verirrung verblendet die Geister und verhärtet die Herzen. Eurova redet im Fieber. Jedes tausend Joch Ackerboden, das eingestampft, das mit zehntausend Leichen besät ist und am Ende von einigen hundert Ueberlebenden behauptet wird, wird jetzt von den Westmächten als Gewinn gebucht, und dabei verkünder man, so wolle man ganz Belgien befreien, von dem Deutschlands Kanzler versichert, es sei ein Pfand, das zum Auslösen bestimmt ist. Dieser eine Fall ist ein Muster für bundert Fälle. Phantom ist jede Erwartung von Gewinn durch den Verlust des anderen: Wir verlieren alle. Es wäre endlich V#i, daß Besinnung einkehre. Die jüngsten Veranstaltungen zur Ansage ewegen Handelskrieges, die jüngsten Reden vom Wliege bis ans Ende sind kanm mehr zu überbieten— mit ihnen, so meinen wir gleichfalls, ist eine Wasserscheide überschritten, jenseits der die absolute Ungeselligkeit umschlagen muß in die Stue königliche Schauspielerin. Roman von Ludwig Bendler. Nachdruck verboten. 6 (Fortsetzung.) IV. Drei Tage waren vergangen, das Hofkonzert in vollem Glanze glücklich vorüber, oone daß selbst die Christofanische Muse imstande gewesen wäre, ihm irgendwie Abbruch zu tun. Daniela, etwas mitgenommen von dem Trubel beschäftigungsreicher Tage, ruhte auf ihrer Ottomane, als Rosa mit einem Bescheid zu ihr ins Zimmer trat.„„ ist dieselbe Frau, die bereits zweimal hier war, FrauDaniela, und die ich wegen ihres artigen Wesens nicht ein für allemal abweisen mochte. „Ein Bittgesuch?“ „Ganz sicher; aber wohl nicht in bezug auf Geld.“ „Sondern? Wie heißt die Frau?“ „hrau Nieritz nennt sie sich und sagt, sie käme wegen ihrer kleinen Tochter, die beim Ballett ist.“ „Hm, sagtest du ihr nicht, daß ich— daß ich— Aber laß die Frau, wenn du ihr einmal Aussicht machtest, nur herein. Ich werde ja bald hören—“ Daniela legte die neu zu lernende Rolle der Lady Macbeth, in der sie gelesen hatte, aus der Hand, Rosa beeilte sich, ihrer Weisung zu folgen. Die angemeldete Frau Nieritz stand nach wenig Augenblicken im Arbeitszimmer Danielas ihr gegenüber. Sie war eine von Haus aus gewiß sehr hübsche, einfach, aber sauber gekleidete Frau von zirka dreißig Jahren, dieselbe, die vor einigen Tagen im Theaterbureau so energisch abgewiesen worden war. Man konnte unschwer erkennen, mit welcher tiefen Erjegung die Frau kämpfte, da sie zunächst ihren Wunsch erfüllt sah, sich einer Künstlerin vom Range des Fräulein Herzog gegenüber aussprechen zu dürfen. Welchen Erfolg würden ihre Worte zeitigen——? Aber das kam später— erst einmal der Versuch. Nach den Erfahrungen der Frau Nieritz hatten Bittgesuche unter allen Umständen wenig Aussicht, Entgegenkommen zu finden. „Guten Tag, Frau,“ erwiderte Daniela den kaum vernehmbar ausgesprochenen Gruß der Eingetretenen.„Sie haben ein Töchterchen bei unserem Ballett, von der Sie mir erzählen wollen, nicht?“ „Die Berta, jawohl, gnädiges. Fräulein. Ach, es geht ihr schlecht, dem armen Dinge, und—“ „Inwiefern?“ unterbrach hier gleich Daniela. „Sie ist beim— beim Herrn Czadek, ihrem 2 gut angeschrieben—“ Meister, nicht „Weshalb nicht— nach Ihrer Ansicht? Ist das Kind faul, ungeschickt, widerwillig oder—?“ „Keins von alledem, gnädiges Fräulein. Nur— der Mann kann es ehen mal nicht leiden und er— er malträtiert es, wie und wo er kann.“ „Die Anklage, die in der Behauptung liegt, ist schwer, Frau Nieritz. Können Sie sie auch vertreten?“ „Ganz gewiß. Ich habe auch Beweise.“ „Welcher Art?“ „In den Merkmalen der Püffe, Schläge, Kniffe, die Berta fast täglich mit nach Hause bringt.“ „Nicht möglich. Ja, aber warum in aller Welt nehmen Sie denn das Kind nicht fort?“ „Weil— weil wir dachten und noch hoffen, es werde sein Brot beim Theater finden.“ „Als Tänzerin?“ „Allerdings. Berta besitzt Grazie in ihren Bewegungen. Alle, die sie rennen, rieten dazu. Ihr Onkel, meines Mannes Bruder, meinte sogar, man würde sie vielleicht für Kinderrollen anstellen, und dann sei ihr Glück gemacht.“ „So, und dieser Bruder Ihres Mannes— wußte der was vom Theater?“ „Gewiß, er war lange, fast dreißig Jahre dabei.“ „Als?“ „Als Hilfsfriseur.“ „Als„Friseur? Hmhm.“ Daniela lächelte.„Und— tüchtig in seinem Fach?“ „Außerordentlich.“ „Sehen Sie— hat es aber doch nicht weiter, als bis zum Hilfsfriseur trotz seiner dreißig Jahre im Dienst gebracht. Daraus konnten Sie schon sehen, wie schwer es mit dem Weiterkommen bei uns ist. Ihnen fehlte der Richtige, um Ihnen zu sagen, wie es bei der Bühne zugeht, was ein jedes Theater, ob groß oder klein, im Grunde eigentlich ist.“ Frau Nieritz sah auf die Sprecherin, gespannt, wie fragend. „Soll ich es Ihnen sagen? Nichts als ein Narrenhaus, Frau Nieritz. Und alle, die sich drin bewegen, sind Narren, mehr oder weniger— zuweilen hochbegabte, auch gutherzige, liebe Narren, die meisten aber das strikte Gegenteil— eine Horde von aufgeblasenen, ungezügelten, sich nur in der Pose wohlfühlenden Halbkulturmenschen. Unsichere Kantonisten, wohin Sie schauen. In solche Gesellschaft aber sein Kind zu bringen, Frau Nieritz, ist ein Wagnis von unabsehbarer Tragweite, das sich häufig schwer bestraft.“ Frau Nieritz blickte verwundert und zweifelnd zu der Sprecherin auf. Ob dieser wohl alles rechter Ernst war, was sie, die auerkannte Künstlerin, in schroffer Aburteilung ihres eige nen Berufs da sagte? Die einfache Frau wußte es sich nicht recht zu deuten. s geschah aber doch einmal. engdiges Fräulein,“ entgegnete sie schüchtern, und mählich und immer rascher reisende Erkenntnis, daß die zusammenarbeitende Gemeinschaft der Völker ihr bester Teil ist und bleiben wird! Aus dem Wahlkreis Dortmund-Körde. Dortmund. 15. Juli. Verkehrs-Wünsche. * Der Ausschuß zur Erhebung eines Bahnbaues Lünen— Brambauer—Mengede in lt.„Rh.=Westf. Ztg.“ in seiner letzten Versammlung der Anregung des Bürgermeisters Becker=Lünen gefolgt und hat beschlossen, für die Fortführung der geplanten inie nach Bochum einzutreten. Es ist beabsichtigt, eine Linienführung von Mengede über Kastrop—Gertbe—Block Prinz von Preußen—Bochum-Süd vorzuschlagen. Die Vertreter der in Frage kommenden Gemeinden wurden in den Ausschuß gewähl!. Durch eine Verbindungsbahn Lünen— Bochum würden die Bergisch-Märkische Strecke, die Köln Mindener Eisenbahn und Hamm—Osterfeld miteinander verbunden und durch eine Einführung iu die im Bau befindliche Linie Dortmund—Munner im Bahnhof Lunen=Ost eine Verbindung mit den Nor####eehäsen hergestellt. * Von der Fahrt ins Feindesland senden allen Freunden und Bekannten herzliche Grüße die Lanosturmleute Otto Freitag, Fritz Willmann. St. Poznanski, Ang. Sellmann, Fritz Flber, Gust. Krumme, Karl Seuthe, Ad. Kautut. Georg Menze. Steinadler. Vollmari. Adoif Liczio, Scherstuhl, G. Kemper, Büddeker, Cernicki, Fr. Lohoft, K. Supli. * Feldpostgruß. Viele Grüße allen Dortmunder Freunden und Bekannten senden die Bewohner der„Villa Trude": Vionier Karl Mahlberg, Pionier Wilhelm Richert, Pionier Karl Bollenberg. Pionier Heinrich Wattenberg, Pionier Theodor Brinkbäumer. Altenderne=Oberbecker. Für die Kolonie Altenderne-Ober= becker ist als Kartoffel=Verkaufsstelle außer dem Geschäft Grünewald auch das Gemüsegeschäft von Milzareck„im Hause Zipp“ zugelassen. Anmeldungen zur Eintragung in die Kundenliste sind daher auch dort angebracht. Wer noch nicht im Besitze eine Kartoffelkarte ist, wolle dieses bald auf Zimmer 4 des Amtes Derne während der Dienststunden beautragen. Amt Wellinghofen. Der Amtmann gibt bekannt: Am 20. d. Mts. können Kartoffeln verteilt werden. Die Ausgabe ersolgt an der Schule Holtbrügge und in Brücherhof bei Kötter. Es können nur solche Familien berücksichtigt werden, die keine Kartoffeln haben. Es muß erwartet werden, daß niemand zu Unrecht Kartoffeln anfordert; Zuwiderhandelnde werden von den nächsten Verteilungen unnachsichtlich ausgeschlossen. Die Verteilung geschieht wie folgt: Holtbrügge: Vormittags 7 bie 8½ Uhr für Wellinghofen H.=Nr. 1 bis 45 und Hartweg: 8½ 10 Uhr für Wellinghosen H.-Nr. 46 bis 115; 10 bis 11¼ Uhr für Renninghausen und Brünninghausen H.-Nr. 1 bis 17; 11 bis 12½ Uhr für Brünninghausen Rest. Nachmittags 2 bis 3 Uhr fur Hacheney-Dorf, Bahnhof und Wichlinghofen H.-Nr 20 bis 34; 3 bis 4 Uhr für Lücklemberg H.=Nr. 1 bis 50; 4 bis 6 Uhr für Lücklemberg=Rest und Bittermark.— Brücher= hof: Vormittags 7 bis 9 Uhr für Niederhosen und Wichlinghofen H.Nr. 1 bis 19; 9 bis 11 Uhr für Brücherhof und Admiral: 11 bis 12 Uhr für Benninghosen=Kampweg und H.-Nr. 45 bis 65. Nachmittags von 12 bis 4 Uhr für Benninghofen H.=Nr. 66 bis 100; von 4 bis 6 Uhr für Lob und Höchsten. Die Käufer müssen, wenn die Abfertigung glatt abgehen soll, genau zur festgesetzten Zeit erscheinen. Wer Störungen verursacht, wird vom Verkaufe ausgeschlossen. Abgegeben werden 3 Pfund für den Kopf, soweit der Vorrat reicht. Verkürzung der Menge bleibt vorbehalten. Der Preis ist auf 13 Pfg. für das Pfund festgesetzt. Amt Wellinghosen. Die Anträge auf Erlaubnis der nutzung der Fahrräder sind baldigst im Amtshause, Zimmer 5, unter Vorlage der Radfahrkarte zu stellen. Auf die diesbezugliche Bekanntmachung des stellvertretenden Generalkommandos weisen wir besonders hin. Für die Redaktion verantwortlich: Fritz Heußler; für den Inseratenteil: R. Umbreit: Druck und Versag: Gerisch& Co., G. m. b. H., sämtlich in Dortmund. daran ist nichts zu andern. Sie haben recht. Ich wollte auch nur drau erinnern, daß auch Sie einen Fehler machten, als Sie ein vielleicht noch obendrein zartbesaitetes Kind in die Höhle der krafsesten Rücksichtslosigkeit leiteten. Für mimosenhafte Geschöpse ist der Schauplatz, den Sie der Kleinen wählten, schon gar nichts. Aber zur Sache selbst! Was glauden Sie durch Ihren Appell an mich in Bertas Sache zu gewimen?.“ „Einen Rat, gnädiges Fränlein. Ich börte### veei von Ihrer Güte, von Ihrem Einfluß aber auch—“ „Den besitze ich gar nicht, beste Frau," verwahrte sich Daniela gleich.„Man dichtet ihn mir sälschlich an, weil na erne Stellung hier bekleide, die ich aber schädigen würde, wenn ich mich in Sachen mischte, die mich gar nichts angehen. Sind Sie selbst denn schon beim Herrn Ballettmeister gewesen, ihm Vorstellungen zu machen?" Frau Nieritz ging es wie eine Blutwelle über das Gesicht. „Zweimal,“ sagte sie,„aber— zum dritten Male geh' ich nicht.“ „Warum nicht?“ „Weil— weil— Herr Czadek wurde frech zu mer. scheint ein zunischer Mensch. Genützt aber hat mein Weg rein gar nichts, im Gegenteil—“ „Das läßt sich denken— wenn Sie nicht freundlich zum Herrn Czadek waren—“ „Gnädiges Fräulein—!“ Etwas wie aufwallende Heftigkeit durchzitterte diese Anrede der Frau Nieritz, gleich aber bemeisterte sie sich auch wieder und fuhr erzwungen ruhig jori: „Auch wir Kleinen haben unsere Ehre.“ „Die schätze ich sehr hoch, Frau Nieritz." Daniela reichte ihr freundlich die Hand.„Noch eine Frage, ebe ich zu meiner Antwort komme—: wie stellt sich denn Ihr Mann den ernsten Dingen, die sein Kind betreffen, gegenüber?" Frau Nieritz entgegnete zögernd: „uch, gnädiges Fräulein, die— die Berta ist ja nicht sein Kind.“ „So waren Sie schon mal verheiratet?“ „Nein.“ „Nein?" Etwas befremdet blickte hier Daniela, aber: „Reden Sie nur unbekümmert weiter,“ sagte sie und Frau Nieriß tat es. „Ich hatte die Berta schon vier Jahre vor meiner jetzt zwei Jahre bestehenden Ehe. Aber mein Mann verzieh mir damals und nahm, gutmütig wie er ist, das Kind mit auf. Geliedt hat er es freilich nie und kümmert sich, auch wenig drum. So muß ich, was die Berta anbetrifft, mit mir allein fertig werden, und deshalb mein Bemüh'n, sie beizeiten in ein Brot zu bringen. Nun aber all die Schwierigkeiten!! Oft möchte man— oh, es ist zu schrecklich!“ (Fortsetzung folgt.) Unterhaltungsblatt der„Arbeiter-Zeitung“. Nr. 56. Dortmund, Mittwoch, den 19. Juli 1916. 26. Jahrg. Handel und Wandel. Roman von F. W. Hackländer. (Fortsetzung.) Bei all diesem Sehen und Nachdenken waren wir recht fleißig und räumten das Magazin mit der größten Geschwindigleit auf. Der Prinzipal rauchte, erzählte und brachte jetzt eine große Schachtel herbei, von welcher er den Deckel abhob, um mir eine Menge bunter Blumen zu zeigen, die aus farbiger Leinwand, Federn und Klappergold gemacht waren und freundlich und gehermnisvoll rauschten, wenn man sie in die Hand nahm, gleich wie die Zweige des Tannenbaumes mit seinen goldenen Fahnen zur Zeit des Weihnachtsfestes.„Diese Blumen,“ sagie der Prinzipal,„werden von den Bauern gekauft und gebraucht bei Bittgängen und Prozessionen— weiß Er, was Bittgänge und Prozessionen sind?“ Da ich aus einer latholischen Stadt kam, obgleich ich ebenso wie das Stieglitzsche Haus, evangelischer Religion war, entgegnete ich ihm, daß ich beides ganz genau kenne und mich namentNeugierde zu bezähmen bis zu dem Tage, dem ich sehnsüchtig entgegensah, an welchem es mir vergönnt sein sollte, das freundliche Haus meines Vetters besuchen zu dürfen. Bald war ich denn über vier Wochen im Geschäft, und kann, ohne ruhmredig zu sein, von mir selbst sagen, daß ich mir in den Elementen des Modewarengeschäfts schon einige Kenntnisse erworben, überhaupt recht fleißig gewesen war, um etwas zu erlernen. Dieses Bestreben verdankte ich neben meinem festen Vorsatz, mich zu einem tüchtigen Kaufmann heranzubilden, der Furcht vor dem strengen Gesicht der Madame Stieglitz, das sie augenblicklich anzunehmen pflegte, sowie sie irgendwo die geringste Unordnung sah. Und ihrem scharfen Auge blieb nichts verborgen: war ein Brief nicht gesiegelt, stand die Aufschrift etwas schief oder hatte sich gar ein Schreibfehler eingeschlichen, so war man sicher, ein ernstes Gesicht zu sehen, das sie mit einem einsachen„Ei, ei!" begleitete. Im Laden selbst, wo ich jetzt auch zum Aufräumen zugelassen wurde, entging ihrem Blick ein schiefliegendes Stück Zeug ebensowenig wie eine falsch umgelegte Schnur; die Farben der einzelnen Stücke mußten dem Auge wohltuend geordnet sein und sämtliche Etiketten regelmäßig in dem TÖIRTHT GITTLE G C A lich der schönen Prozessionen, die ich in meiner Jugend gesehen, Glaskasten in einer Linie hängen. Der Lampen, die von de mit großem Vergnügen erinnere. Eifrig erzählte ich von dem Ladenjungfer etwas vernachlässigt waren, hatte ich mich eifrig Läuten der Glocken, von den Tausenden geputzter Menschen, welche die Straße füllten, und von diesen Straßen selbst, wie sie so reich geschmückt waren mit schönen Girlanden von Tannenreisern, die quer über die Gasse von einem Hause zum andern hingen, wobei namentlich die schönen Kronen, die an diesen Gir landen frei in der Luft schwebten vor meine Augen traten. Diese## und weißen Eiern gemacht, waren bunten Bändern, und wenn ein leiser Wind ging, so rauichten die Zweige und klingelten die Glasstucke aneinander, io hell und an mutig, und dazwischen hörte man die ernsten und feierlichen Töne der Musik, mit der die Prozession durch die mit Tausenden von Zuschauern angefüllten Straßen nahte. Zuerst kam die niedere Geistlichkeit in weißen und violetten Gewändern, dann erschienen diese Kleider immer reicher, bald mit Gold- und Siiberstickerei bedeckt, und hinter weißgekleideten Mädchen, die Blumen streuten, wurde der rotsamtene Baldachin getragen; auf seinem Dache prangte das silberne Lamm mit der weißen Fahne, und unter derselben wankte der alte Bischof einher, auf dem schnecweißen Haare die schwere Mütze, und vor ihm wurde da Allerheil„ste in einer goldenen Monstranz getragen, Eifrig erzählten wir uns diese Geschichten, der Prinzipal angenommen, Gläser und Glocken waren spiegelblank geputzt, und die helle, glänzende Beleuchtung, die dadurch entstand, trug mir hier und da einen freundlichen Blick der Prinzipalin ein. Das Geschäft selbst war eines der besten in der ganzen ee eereeeg#e###n ensen Gir=] Stadt; das Haus Stieglitz u. Comp. verkaufte teurer als alle , i n d e r E r i n n e r u n g l e b h a f t a n d e r n, s e t z t e a b e r s e i n e n S t o l z d a r e i n, d a f ü r a u c h d i e b e s t e, Kronen, von großen Blumen solideste Ware zu liefern. Auch hatte Madame Stieglitz einen behängt mit Glasstücken und seinen Geschmack, und die Damen gaben beim Aussuchen der - s e i n a a n a i n r a n i c h t e n d i e M o d e a r t i k e l v i e l a u f i h r e n R a t, o b g l e i c h d i e s e r i m m e r m i t kurzen Worten, ja etwas barsch gegeben wurde, wobei sie das Aeußere ihrer Kunden nicht zu schonen pflegte.„Verzeihen Sie, Madame X.,“ konnte sie zu einer schon älteren Frau sagen,„in unseren Jahren trägt man so helle Farben nicht,“ oder zu einer andern, die außerordentlich häßlich war:„Mein liebes Fräulein, wenn man so blendende Garderobe aussucht, so muß man sich auch des Rechts bewußt sein, die Augen der ganzen Welt auf sich zu ziehen.“ Doch gab sie ihre Meinungen nur dann, wenn man sie verlangte, betrat überhaupt nur den Laden in solchen Fällen, wo sie von den Kunden gerusen wurde. Sie hatte sich bei der ganzen Damenwelt hierdurch ein gutes Renommee erworben, und wer von der Madame Stieglitz ausstaffiert war, enugten Wir und Elese Wtichicften,er#####uts konnte gewiß sein, geschmackvoll in der Welt zu erscheinen. Aus und der Lehrling, und hatten uns dabei auf den Warenballen diesem Grunde hatte sie auch viele auswärtige Kunden, teils in niedergelassen, und die Blumen, die wir in der Hand hielten, den kleinen Städten, teils auf den umliegenden Landgütern, die mit ihrem eigentümlichen Geruch, versetzten mich wie durch Zauber in jene Zeit zurück. Auch der Prinzipal schien in der Erinnerung an vergangene Tage zu schwelgen, sab aber dabei finster vor sich nieder.„Und die schönen katholischen Kirchen,“ fragte er mich,„wie sind sie so herrlich und anmutig! Die tiese Dämmerung in denselben, das zauberische Licht, welches durch die gemalten Scheiben hereindringt, haben Sie das schon alles gesehen und bemerkt?" „Ja,“ entgegnete ich eifrig, und mir fielen die Stunden ein, die ich spielend und kindlich betend in jenen schönen, großen Hallen verbracht; ach, ich erinnerte mich noch des Tages, wo ich aus dem Reißmehlschen Hause entlausen war, wo mich vor dem Muttergottesbild das Fieber erfaßt und darniedergeworsen hatte, und wo ich meine Nichte Emma, die ich damals noch nicht gekannt, zum erstenmal sah!„Mir gefallen unsere Kirchen eigentlich gär wenig,“ sagte ich nach einer Pause vorwitzig und altklug,„man sieht nichts in denselben als weiße Wände, braune!„Madame N., Gemahlin des Gutsbesitzers Herrn N. Stühle und den Pfarrer in seinem schwarzen Kleide.“—„Ei, Größe: 4° 4". Gesicht: oval. Haare: blond. Augen: blau.“ sie nach bestem Ermessen mu Toilettegegenständen versah. sie die Damen persönlich kennen, weshalb dieNatürlich mußte selben genötigt waren, bei Anfang des Geschäftsverkehrs uniere Prinzipalin zu besuchen. Ein solcher Besuch war äußerst merkwürdig, denn von einem neuen Kunden wurde ein solch genaues Signalement aufgenommen, daß sich keine Polizeibehörde daran zu schämen gehabt hätte. Das Buch, worin die Signalements verzeichnet wurden, war das einzige, welches der Prinzipal zu führen hatte. Wenn niemand als ich zugegen war, nannte er es seinen Harem und trug allezeit die Notizen mit großer Wichtigkeit ein; alsdann legte er seinen Schlafrock an, zog statt der gewöhnlichen ausgetretenen Pantoffeln ein Paar hübsche von grünem Safian an und war in solchen Fällen recht aufgeräumt und galant. Madame Stieglitz brachte in seingeschliffenem Glase einen guten Wein und Backwerk, und der Prinzipal schrieb in sein Buch: ei.“ entgegnete der Prinzipal, sonderbar lachend,„das sind ja sektsame Ansichten, nehmen Sie sich in acht, daß dergleichen hier im Hause außer mir niemand hört, namentlich würde Herr Specht in Krämpfe verfallen, wenn er Sie mit solcher Begeisterung von den Baalspfassen sprechen hörte. Sagen Sie nie, daß Ihnen eine Prozession gefalle, niemandem als mir! Was mich nämlich anbelangt,“ setzte er seufzend hinzu,„der so lange in dem schönen Italien war, mir ist es am Ende gleichgültig, ob man betet:„Vater unser“ oder„Ave Maria“.“ In diesem Augenblick räusperte und hustete es neben uns sehr bemerklich, und als ich aufschaute, stand der Herr Specht vor uns mit gefalteten Händen, er hatte die Augen erhoben und lispelte:„Gehe nicht ins Gericht," den Nachsatz:„mit den Gort Prinzipal. Dieser saß aber da in zorniger Verlegenheit, eine der Heiligenblumen in der Hand, die Zigarre im Munde. „Es riecht hier sehr nach Tabak,“ sagte der erste Buchhalter,„die Frau Prinzipalin haben diesen für sie sehr unangenehmen Geruch auch schon im Kontor bemerkt und mich ersucht, nachzusehen.“ Der Prinzipal, dem erst jetzt der ungeheure Frevel. den er begangen, klar und deutlich wurde, warf die Zigarre auf den Boden und trat sie mit dem Fuße aus.„Um Gottes willen!" fuhr der Buchhalter fort und hob sie wieder auf,„man könnte auf Und so sort bis zu den besonderen Kennzeichen, wo es alsdann etwa hieß:„liebt Seide oder wollene Stoffe und Hellblau oder Rosa.“ Jetzt war für die Kundin in alle Ewigkeit gesorgt, das Alter wurde natürlich auch, aber in den meisten Fällen nur annähernd. angegeben, und sodann bei allen Bestellungen nur die bezeichnete Pagina aufgeschlagen, worauf Madame Stieglitz dasjenige aussuchte, was sie für Sommer= und Wintertoilette passend erachtete. Der Prinzipal hatte sein Buch in der Schublade des Tisches eingeschlossen und wachte mit der größten Eifersucht darüber, daß sich niemand außer ihm— lag es einmal zufällig auf dem Tische— unterstand, auch nur den Deckel zu öffnen. Selbst der Herr Specht, der sich im Hause viel herauslosen" verschwieg er, wahrscheinlich aus Ehrfurcht gegen den nehmen konnte, hatte es nur ein einziges Mal gewagt, eine Pagina desselben aufzuschlagen, denn der Prinzipal fiel iba wie ein gereizter Löwe an, und Specht, der auf das sanfteste opponieren wollte, konnte nur durch die Dazwischenkunft der Prinzipalin vor einer mächtigen Ohrseige gerettet werden. Ueberhaupt hatte der Herr Prinzipal hier und da dergleichen Ausbrüche wegen meistens unbedeutender Kleinigkeiten; alsdann entfernte Madame Stieglitz die Leute aus dem Kontor, ließ ihn austoben und brachte ihn darauf in seine Zimmer, die zu ebener Erde in den Hof gingen: sie aber bewohnte im ersten Stock ein einziges, sehr geräumiges Gemach. habe ich ihn damals freudig ziehen lassen? Darüber komme ich nie mehr hinweg...“ ** Am Gana beim Fenster standen zwei Herren und rauchten Zigaretten. Als ich vorbeigehen wollte, sagte gerade der eine „Ja, wissen Sie, in allem ist System. Dem Verbrauch an Ministern im Frieden entspricht der Verbrauch an Generalen im Kriege.“ Ich blieb stehen, indem ich den Sprecher prüsend betrachtete. Der mochte mich wohl für einen Spitzel halten, denn er schwieg ziemlich betreten und wurde immer verlegener. Plötzlich packie er seine Reisemütze, schwenkte sie krampfhaft und rief: „Hoch das Vaterland! ** In Sigmundsherberg rollte ein Zug mit Flüchtlingen vorbei.„Es ist zum Erbarmen,“ sagte ein Herr, der eben eingestiegen war,„das sind Flüchtlinge aus Brody, Vieh und Menschen, abgemagert bis auf die Knochen, und draußen vor der Station stehen noch vierzig Waggons.“ Es entstand eine bedrückende Pause von Mitgefühl. eine Stille, in der die Stimmen aus dem Nebenabteil vernehmlicher wurden. „Haben Sie eine Ahnung?“ klang es herüber.„Achtzehn Waggons Seife, wissen Sie, was das bedeutet: achtzehn Waggons prima holländische Seife... und so hereinzufallen!“ „Hat man sie Ihnen denn beschlagnahmt?“ „Was heißt beschlagnahmt? Geliefert hat er sie Schuft!“ nicht, der Ein Lazarettzug wurde sichtbar.„Schau, Mutter, der schöne Zug", rief ein fünsjähriger Blondkopf und klatschte vor Vergnügen in die Hände. „Du darfst dich nicht darüber freuen, Kind. Weißt du. das ist auch ein Teil vom Kriege, und ich sogte dir ja, daß der Krieg häßlich ist und garstig.“ „Ja aber, Mutter, warum gibt's denn da einen Krieg, wenn er so häßlich und garstig ist?“ „Das wirst du erst verstehen, Kind, bis du einmal groß und erwachsen bist“, sogte die Mutter. „Bis ich groß bin...?“ Und sag', Mutter, die, welche jetzt groß und exwachsen sind, die verstehen es, warum es einen Krieg gibi?“(„Wiener Arb.=Ztg“.) Bunte Zeitung. Pserderassen und Pferdezucht in der Türkei. Am Anfang des 19. Jahrhunderts war der Pferdebestand in der Türkei infolge der langen Kriege gegen die Russen star! zusammengeschmolzen, und es wurden deshalb seitens der Regierung Gestüte gugelegt. Nach Mitteilungen von Ihssan Abbidin in der„Berliner Tierärztlichen Wochenschrift“ wurden 1829 die ersten Hauptgestüte gegründet. Während des ganzen 3 raums von 1829 bis 1908 war die Verwaltung der Hauptgest jedoch nicht in der Lage, die Pferderassen erheblich zu verbefs Das Jahr 1908 brachte die Revolution und im Zusammenh damit die Verweigerung der Mittel für die Hauptgestüte, die 1909 aufgehoben wurden. Der Kriegsminister Mahmud Schefne: Pascha führte dann das Remontenwesen ein. Die Pferde der Anatolischen Rasse sind äußerst widerstandsfähig und können zu den verschiedensten Zwecken gebraucht werden. Die TschonkourLva=Rasse, gleichfalls ein Anatolier, lieferte bisher das beste Material für die ottomanische Kavallerie. Arabien ist mit der Pferderasse bevölkert, der das Land seinen Namen gegeben. Es werden hier die syrische, die Hedjas, die Nedjad, die Jrak-Arabia, die kurdische und die Kidisch-Rasse unterschieden. Ihssan Abbidin macht auch Vorschläge zur Verbesserung der arabischen Pferderasse, so sordert er die Gründung staatlicher Landesgestüte und staatliche Kontrolle des Pferdemarktes. Alljährlich soll eine Tierschau mit Wettbewerb stattfinden, auch sollten Züchtervereine gegründet werden. Neben den Pferden givi es im osmanischen Reich noch 1½ Millionen Esel und 1 Milli killion Maultiere. diese Art das Haus anzünden.“ Es war aber, wie ich glaube,. In die Zimmer des Herrn Stieglitz kam niemand von den weniger diese Besorgnis, die ihn veranlaßte, die erloschene Zi- Hausbewohnern, auch waren die Fenster nach dem Hof zu be grünen Vorhängen dicht behängt. An solchen Tagen des Sturmes kam er nicht mehr zum Vorschein, und einmal, als ich nach einem ähnlichen Auftritte zufällig über den Hof ging, „„„„ Verunlaßte, die erloschen garre mitzunehmen, als um drunten das corpus delicti vor zeigen zu können. Er ging nicht, ohne mir einen mißbilligenden Blick zugeworsen zu haben, und wir blieben allein. Der Prinzival kratzte sich verdrießlich am Kopfe, und wir beendeten die Aufräumung des Magazins, ohne weiter ein Wort zu sprechen. Während des Mittagessens unterstand sich der Prinzipal Gesicht mir einenn. nicht, wic er sonst wohl zu tun pflegte, einen kleinen Spaß an-tragen pflegen. Auf den Knien lag ein großes, beschriebenes zugeben. Madame Stieglitz sah sehr ernst aus, Herr Specht hob Buch, in welchem er eifrig las. Er bemerkte mich wohl und zuweilen die Augen gegen den Himmel, hatte heute auch ein viel längeres Tischgebet als gewöhnlich vorgenommen und dieses äußerst anzüglich und eindringlich mit sehr bewegter Stimme gesprochen. Ich verwandte kein Auge von meinem Teller und hatte, namentlich nach Tisch, als mich die Prinzipalin in das Kontor zitierte, ganz das Ansehen eines armen Sünders.„Hör' Er,“ sagte Madame Stieglitz zu mir,„ich habe Ihm neulich gesagt, daß ich meinen Leuten nur drei Strafpredigten zu halten pflege, die erste hat Er zu Anfang genossen und an der zweiten streift Er heute hart vorbei, da ich im ganzen mit Ihm nicht unzufrieden bin: aber merk' Er sich meine Worte und halte Er sich im Hause außer mir nur an den Herrn Specht, an niemand sonsten: hat Er mich verstanden?" Leider hatte ich ihre Rede sehr wohl begriffen, und es tat mir sehr leio, die Gesellschaft und Unterhaltung des Prinzipals, der mir ein sehr vernunftiger und lustiger Mann zu sein schien, als eine verbotene Frucht ansehen zu müssen. hatte er eines seiner Fenster halb geöffnet und saß an demselben in einem großen Lehnstuhle, das bleiche, ganz zusammengefallene Gesicht mit einer roten Mütze bedeckt, wie sie die Türken zu tragen nilenen Auf den Onien las ein araues haietsesna.e nickte mir zu, ohne ein Wort zu sprechen. Der Sonntag war für uns alle ein höchst angenehmer und ruhiger Tag; an demselben wurde der Laden nicht geöffnet, denn der Tag des Herrn, wie die Prinzipalin zu sagen pflegte, müsse würdig und ohne das Geräusch der Woche gefeiert werden. Morgens ging ich in Begleitung des Herrn Specht in die Kirche, Prinzipal und Prinzipalin ebenso, und hier galt es, aufmerksam zu sein. Während des Gottesdienstes überwachte der Buchhalter meine Andacht und sagte mir mit seiner sanften Stimme, das Herumschauen in der Kirche während der Predigt sei sehr mißfällig und gebe der Gemeinde ein Aergernis. Zu Hause aber examinierte Madame Stieglitz über den Text der Predigt und über die Lieder, welche die Gemeinde gesungen hatte. Was das erstere anbetraf, so konnte ich ihr den Inhalt des Vortrages immer genau und zu ihrer Zufriedenheit erzählen, mit den Liedern nahm ich es nicht so genau, was ihr auch nicht von großer Wichtigkeit erschien.—— (Fortsetzung folgt.) Achtundzwanzigstes Kapitel. Prinzipalin und Prinzipal. Trotzdem, was neulich im Warenlager vorgefallen war und nir einen ernstlichen Verweis eingetragen hatte, konnte ich doch nicht umhin, dem Leben und Treiben des Herrn Stieglitz, soviel es mir vergönnt war, die größte Aufmerksamkeit zu schenken. Da ich nicht hoffen durste, von Herrn Specht etwas Näheres zu erfahren, so wandte ich mich an die häßliche Ladenjungfer, die aber ebensowenig geneigt schien, mich über die Familienverhältnihse des Hauses auszuklären. Was sie mir sagte, waren allgememne Redensarten oder Sachen, die ich schon längst wußte, so, i der Prinzipal um die Geschäfte des Hauses sich nicht viel mere, daß er das Regiment gänzlich an seine Freu abgehabe, daß er früher grope Reisen gemacht und ein ent dier seiner Frau schloß daher, meine Eisenbahnfahrt. „Er war jung und schön und so brav“, sagte der traurige alte Herr, der mir gegenüber saß. „Ader doch nicht Ihr einziger Sohn?“ „Mein einziger", seufzte er auf und starrte dann regungslos vor sich hin. „Ins Unabänderliche muß man sich fügen“, sagte ich leise. „Ich hätte mich gefügt... Gott hat ihn gegeven, Gott hat ihn genommen, es war zwar mein einziges Kind. und doch... aber das eine bringe ich nicht aus meinen Gedanken... daß ich ihn damals freudig ziehen ließ, daß ich ihn, als er jung und blühend Abschied nahm, mit stolzem Herzen segnete und ion in seiner Begeisterung noch anfeuerte, ich ein reifer, abgeklärter Mann... Immer kehren sie wieder die Gedanken... Warum Ewiger Getreidebau. Unter gewöhnlichen Verhältnissen sind die Vorteile des Fruchtwechsels offensichtlich, doch kann es unter außergewöhnlichen Bedingungen wünschenswert erscheinen, den gewöhnlichen Fruchtwechsel zu verändern und zwei Jahre hintereinander die gleiche Pflanze auf demselben Boden anzubauen. In Rothamsted in England wurden durch 72 Jahre Parzellen ununterbrochen mit Weizen angebaut, wobei sich nach Untersuchungen von Russell recht interessante Tatsachen ergaben. Auf den ungedüngten Parzellen hat der Ertrag der letzten 40 Jahre ständig einen um ½ geringeren Durchschnitt aufgewiesen, als der der 5 ersten Jahre. Auf den Parzellen, die Stalldünger erhalten hatten, nahm der Ertrag um ungefähr 25 v. H. zu. Auf den im Früh jahr mit künstlichen Düngemittel gedüngten Parzellen nahm der Ertrag während der ersten 30 Jahre zu, verringerie sich aber dann wieder. * Der höchste Staudamm der Welt, der Arrowrock=Staudamm in Idaho, ist kurzlich nach den Mitteilungen der k. k. Geogrophischen Gesellschaft fertiggestellt worden. Er erforderte eine bloß vierjährige Bauzeit, während 6 Jahre kontraktlich vereinbart waren. In einer Betonanlaze von 530000 Kubikmeter, welche über dem Boise Canon errichtet wurde, können 3½ Milliarden Raummeter Wasser für Bewässerungszwecke gesammelt und so den trockenen Gebieten des mittleren amerikanischen Westens, die zum Teil erst der Besiedelung und Bebauung gewonnen werden müssen, zugeführt werden. Durch die vorzeitige Vollendung und die Möglichkeit der Wasserabgabe wurde die Ernte von etwa 40000 Hektar Ackerland gerettet. Eingehende Untersuchungen des Quell- und Flußgebietes des Boise Canon durch die amerikanische Regierung ergaben, daß dieses Gebiet im Frühling und Winter genügend Wasser gebe, um während der Trockenzeit 96000 Hektar hinreichend zu bewässern. Die Kosten für diesen ungeheuren Staudamm werden schon in 18 Jahren durch die Einnahmen für die Wasserabgabe getilgt sein. Durch eine neuartige Hebemaschine wird Holz, das bis zum Staudamm geschwemmt wurde, zu Sägemühlen, die sich unterhalb des Staubeckens befinden, geschafft. So können jährlich 22 Millionen Raummeter Holz abgeschwemmt werden, war bisher infolge Mangels einer billigen Beförderungsmöglichken trotz des Holzreichtums nicht möglich war. So erschließt der Arrowrock=Staudamm nicht nur weite Flächen Ackerlond, sondern auch ausgedehnte Waidungen. Humor und Satire. Beim Massieren. Im Feldlazarett Z befinden sich; ziemlich gleichartig am Unterschenkel verwundete Offiziere, der Oberarzt tägliches Massieren verordnet hat. Währe zwei so denen Oberarzt tägliches Massieren verordnet hat. Während der eine bei dieser Prozedur ganz ruhig die Zeitung liest und eine Zigaxette raucht, verzieht der andere vor Schmerz sein Angesicht öfters ganz jämmerlich. Einige Tage hat der Arme schweigend ausgehalten; da es nun einmal doch zu arg wurde, frug er seinen Leidensgenossen:„Nun, Kamerad, spüren Sie denn gar keine Schmerzen?" Lächelnd sagte der Offizier:„Glauben Sie denn, ich lasse mir mein krankes Bein bearbeiten?“ Münchener„Jugend“.) Die neue Tabaksteuer.„Den Besuv könnte ich beneiden!" „Warum?“„Weil er das ganze Jahr raucht, ohne für besteuert werden kann!“ bene daß er da